Ur. 167. HbonnementS'Bedlngunscn: BBonncmcntä• Preis pränumerando! Lierteljährl. ZPO MI., monatl. 1,10 MI., wöchenllich 23 Psg. frei WS HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. EonniagS- Nummer mit illustrierter Sonntags» Beilage„Die Neue Well" 10 Pfa. Post» Abonnement: 1,10 Marl pro Monat, Eingetragen in die Post-Zeitungs» Preisliste. Unter Kreuzband tür Deutlchland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland L Marl pro Monat. PostabonnemenlS nehmen an: Belgien, Dänemark Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, «umSnien. Schweden und die Schweiz, 29. Jahrg. Die Tnfertlons-Gebüljr vekägt für die sechsgespaltene Koloncl» »eile oder deren Saum 60 Pfg., sür holitische und gewerlschnstliche Vereins» lind Bersammlungs-Anzeigen 30 Psg. „Kleine Hnretgcn", das scltgcdruclie Wort 20 Psg.(zulässig LsettgedruSte Worte), jedes weitere Wort>0 Psg. Stellengesuche und Schlafstellcnan- geigen das erste Wart 10 Pfg., jedes treuere Wort b Psg. Worte über 15 Luch- Itaben zählen skr zwei Worte. 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Grade südlicher Breite und den 70. und 75. westlichen Längengraden. Er wird bewohnt von vier indianischen Stämmen, die noch zu Anfang des Jahrhunderts zwischen 40 und 50 000 Köpfe zählten, heute aber bis auf 10000 Männer, Frauen und Kinder ausgerottet worden sind. Das Gebiet machen sich augenblicklich Kolumbien und Peru streitig. Der Mittelpunkt des Gumiuihandels der Peruvian Amazon Company, die das Gebiet beherrscht, ist I q u i t o s, das weit über 1000 Kilometer von dem Scbauplatz der Greueltaten entfernt ist. Dies ist auch der Sitz der Familie A r a n a, die das Gummiland zuerst„erschloß". Gegen Ende des letzten Jahrhunderts drangen einige Kolumblaner in den Putumayo ein. Sie siedelten sich an und be- zogen von Jquitos die Waren, mit denen sie mit der indianischen Bevölkerung Tauschhandel trieben. Bald erfuhren die Gebrüder A r a n ai n Jquitos von dem Gummireichtum des Landes. Diese schickten sich darauf an, die kolumbianischen Ansiedler auszurotten und sich die indianische Bevölkerung des Gebiets als Sklaven zu unterwerfen. Sic schicken ihre Agenten nach allen Teilen des Putumayo, die überall Stationen errichteten, Zwingburgen, von denen aus die friedliche eingeborene Bc- völkerung gezwungen wurde, regelmäßig und unentgeltlich Gummi herbeizuschaffen. Ungehorsam wurde mit Aus- peitschen. Tötung oder Foltern gesühnt. Uebcr das System, das von den Gebriidern Arana und anderen angewendet wird, berichtet Sir Roger Casement:„Es ist etwas ganz Gewöhnliches, am oberen Amazonenstrom zu hören, wie ein Händler von„meinen Indianern" oder von„meinem Fluß" spricht. Leute fahren einen bisher unbesiedeltcn Fluß hinauf oder hinab, setzen sich an seinen Ufern fest, unter- werfen sich den Stamm oder die Slämnie des Waldes, zwingen sie. zu ihren Bedingungen zu arbeiten, und von der Zeit ab werden Fluß und Indianer das ausschließliche, eifersüchtig bewachte Gehege des ersten Abenteurers. Der Versuch irgend eines anderen, diesen Fluß hinauf zu fahren, witd als„Räuberei" betrachtet, und wenn jemand mit den Indianern freundliche Beziehungen anknüpft, ist das ein Ver- brechen, worauf die Todesstrafe steht; die, die es versuchen, müssen stets gewärtig sein, ihr Leben zu verlieren.„Gummi- räuber" werden ohne Unistände erschossen, und wenn jemand Indianer„stiehlt", so hat das blutige Vergcltungsniaßregeln und private Kriege zur Folge, die an die feudalen Konflikte des früheren Mittelalters erinnern. Wenn ein indianischer Stamm einmal„erobert" ist, wird er daS ausschließliche Eigentum des erfolgreichen Angreifers und dieser ungesetzliche Anspruch wird in einem weit ausgedehnten Gebiete, das nicht allein den Putumayo umfaßt, als ein Recht anerkannt. Es braucht nicht gesagt zu werden, daß weder die Gesetze Perus, noch die irgendeiner der anderen Republiken, die sich in der Oberherrschaft über die entfernten Wälder teilen, dieses Recht anerkennen. Der durch lange Ueberlieserung sanktionierte Brauch und eine üble Sitte, deren Grundsatz ist, „daß der Indianer keine Rechte hat", sind weit stärker als das entfernte Gesetz, das selten zur Anwendung gelangt. Es ist mir mehr alS ein Fall mitgeteilt worden, in dem Magistrate tatkräftig einschritten, um fortgclailfeiic Judiiiller zn sangen oder sie z» zwingen, in die Knechtschaft, der sie cnt- flohen waren, zurückznkchrcn, und zivar in Gebieten, die weit wirksamer verwaltet werden, als der Putu- niayo. Ausforderungen an die eingesetzten Behörden, Fälle dieser Art zu untersuchen und Abhilfe zn schaffen, sind in mehr als einem mir bekannten Fall ohne Erfolg geblieben. Die eingebürgerte Sitte war weit stärker als das Gesetz." Dieses von dem englischen Generalkonsul geschilderte „feudale" Ausbeutungssystem wurde von den Gebriidern Arana im Anfang des Jahrhunderts im Putumayo eingeführt. Tie Greueltaten, die es im Gefolge hatte, wurden bald in den benachbarten Republiken be- k a n n t. Schon vor etwa sieben Jahren erzählte uns ein Bekannter aus der Republik Kolumbien von der unglanb- lich klingenden, barbarischen Behandlung der Eingeborenen im Putumayo. Aber nichts geschah, um dem Treiben der Gebrüder Arana Einhalt zu gebieten. Im Jahre 1907 vermandrlte sich die Firma G-brüder Arana in eine englische Gesellschaft, die ihren Sitz in London nahm und sich unter dem Namen The Peruvian Amazon Company zwei englische Direktoren zulegte. Drei Jahre später erfolgten die erstaunlichen Enthüllungen des ameri- konischen Reisenden Hardenburgcr, die zu der vorliegenden Untersuchung durch einen angesehenen Beamten der englischen Regierung führten. Die Restiltate Sir Roger Casements sind übrigens von einer von der peruanischen Regierung eingesetzten gerichtlichen Untersuchungskom- Mission vollkommen bestätigt worden. Es scheint aber, als ob die peruanische Regierung die Verbrecher entweder nicht 1 zur Rechenschaft ziehen will oder kann. Ihre Bemühungen, j des„Teufels Paradies", wie der Putumayo in Süd- ■ amerika genannt wird, zu reformieren, scheinen keinen � Erfolg gehabt zu haben. Es muß dort augenblicklich schlimmer hergehen denn je zuvor. Wie Sir Edward G r e y in seiner letzten nach Washington geschickten Note be- merkt, betrug die Ausfuhr an Gummi von Jquitos vom 1. Januar bis zum Ende des Monats April dieses Jahres ebensoviel, wie die ganze Ausfuhr des Jahres 1911. In England schickt man sich jetzt an, eine katholische Mission nach dem Putumayo zu schicken; die Peruaner lassen bezeichnenderweise nur katholische Missionäre ins Land. Was die Mission ausrichten soll, ist nicht recht klar. Soll sie die menschlichen Bestien, die die Peruvian Amazon Conipany als ihre Agenten anstellt, bekehren? Oder soll sie etwa die unglücklichen Heiden beten lehren wie die Vorfahren der märkischen Bauern beteten: Vor den Agenten der Peruvian Amazon Company bewahr uns, lieber Herrgott? Ob sich der von dem englischen Generalkonsul gekennzeichnete Bandit Normand viel daraus machen wird, einem Missionar eine Kugel durch den Kopf zu jagen oder ihn zu vierteilen? Das beste wäre ivohl, man schickte eine Schar st reitbarer Missionare, die gute Schützen sind und die noch lebenden Eingeborenen von ihren Peinigern befreien könntenl Und sollte sich denn wirklich nicht eine internationale Intervention zustande bringen lassen, die so rasch und so energisch als möglich die unbeschreiblichen Bestialitäten unterdrückte? Anfragen im englischen Parlament. London, 1ö. Juli.(Unterhaus.) An das Auswärtige Amt wurde heute eine große Anzahl von Anfragen gerichtet, die das lebhafte Jnlercsie an den in den Gununibezirken von Putumayo an den Judiauern begangene Grausamkeiten bekundete.— Parlaments» untersekrctär Aciand erklärte: Einer der Gründe bei der kürzlich erfolgten Herausgabe' eines Blaubuches sei die Absicht gewesen, die öffentliche Meinung der Vereinigten Staaten von Nordamerika zu beeinflussen, die besser Gelegenheit hätten, in dieser Angelegenheit etwas zu unternehmen, als irgend eine andere interessierte Regierung. Der Unionist Sandys stellte erstens die Anfrage, ob der Minister des Aeußern G r e y seine Aufmerksamkeit des Artikels der deutschen Presse gelvidmet habe, die behaupteten. aß britische Untertanen die Grausamkeiten in Putumayo begangen hätte»; zweitens, ob in dem Blanbuch nicht vollständig klar auseinandergesetzt worden sei. daß die britische Regierung jede in ihrer Macht liegende Maßnahme ergriffen habe, um die peruanische Regierung zur Beseitigung der in Putumayo vorhandenen Zustände zu veranlassen; drittens, ob die einzigen in Betracht kommenden britischen Untertanen eine Anzahl von Eingeborenen aus Barbudas seien; und viertens, ob er die Aufmerksamkeit der deutschen Regierung auf diese Angelegenheit lenken wolle, da die falschen D a r st e l l il» g e n der deutschen Presse, wenn ihnen nickt widersprochen wird, geeignet seien, die öffentliche Meinung Deutschlands ungünstig zu beeinflussen. A c l a n d erwiderte: Ich weiß nicht, ob G r e v die in Frage kommenden Artikel gesehen hat. Aber wir haben keine Mitteilung über die Sacke von unserem diplomatischen Vertreter in Berlin er- halten Die tatsächlichen Erklärungen in dem zweiten und dritten Teil der Anfrage Sandys sind vollständig richtig. Es sind von Engländern keine Grausamkeiten irgend welcher Art begangen worden. Was den letzten Teil der Anfrage betrifft, so denke ich, daß die von Sandy auf die Sacke gelenkte Aufmerksamkeit genügen wird, um den irrtümlichen Eindruck, der vielleicht durch unvollständiges Lesen des Blaubucks enlstanden sein mag, richtig zu stellen. Ich habe keinen Grund, zu behaupten, daß mit Abficht falsche Darstellungen gegeben worden sind. eine Wohnungsaufficht für Kerlin. Gegenüber dem Wohnungselend, das an der VolkSgesundheit zehrt, bieten die Abhilfsvorschläge bürgcr- licher Wohnungsreformer tvenig Aussicht auf Erfolg. Eine durchgreifendere Wirkung ist davon zu erwarten, daß einmal Grund und Boden in de» Besitz der Gesamtheit kommen, wie das die Sozialdemokratie fordert. Aber zur Linderung schlimmster Auswüchse des Wohnungseleuds kann doch auch schon unter den bestehenden Verhältnissen manches getan werden, wenn man nur will. Auf diesem Gebiete sich zu betätigen, ist eine lohnende Aufgabe für die Gemeindeverwaltungen. Freilich hat gerade die Wohnunsfrage den meisten Gemeinde- Vertretungen— zur Freude des HausagrariertumS, das in ihnen kommandiert— nur zu lange als ein„Blümlein Rühr' mich nicht an I" gegolten. Selbst die Einrichtung kommunaler Wohnungsämter, die vor allem eine regelmäßige Wohnungs- aussicht zu führen haben, wurde schon als eine beinahe rcvo- lutionäre Tat angesehen. Endlich soll nun auch die Stadt Berlin— nachdem zahlreiche andere Städte, z. B. auch Charlottenburg, voran- gegangen sind— ein Wohnungsamt erhalten, dem die Wohnungsaussicht zu übertragen wäre. Wieder ein- mal hat hier die Sozialdemokratie, die seit einer langen Reihe von Jahren für diese Forderung eintrat, sich als treibende Kraft bewährt. Als im September vorigen Jahres die Berliner Stadtverordneten-Versamnilung über einen Antrag der sozialdemokratischen Fraktion verhandelte, der von der Stadt die Errichtung eines Wohnungsamtes mit Wohnungsaufsicht soivie eines unentgeltlichen Wohnungsnachweises für kleinere Wohnungen forderte, erinnerte unser Redner Genosse Hei- mann an die Wohinliigsnotdebatten der Jahre 1900 und 1901. Er stellte fest, daß damals, zur Zeit der ärgsten Wohnungsnot in Berlin, die Stadtverordnetenversammlung ähnliche Anträge der sozialdemokratischen Fraktion abgelehnt hat. Den Verdacht, daß der Magistrat seitdem in dieser Frage sich untätig verhalten habe, suchte Stadtrat F i s ch b e ck zu entkräften. Im Ton gekränkten Stolzes erklärte er, der Magistrat habe ständig sich weiter informiert, und gerade jetzt sei die Sache nahe der Entscheidung. Man weiß ja, daß bei dem Magistrat unserer Stadt Verlin so viele Dinge, die längst erledigt sein müßten, seit Jahren„in Vorbereitung" sind. Diesmal indes waren die Vorbereitungen wirklich so weit gediehen, daß schon am 6. Oktober 1911, acht Tage nach jener Stadtverordnetcnsitzung, im Magistrat vorerst grundsätzlich die Einführung einer kommunalen Wohnungsaufsicht, aber nicht auch eines Wohnungsnachweises, beschlossen wurde. Jnztvischcn ist nach Verlauf von neun Monaten der Magistrat mit seinen weiteren Vorbereitungen dahin gelangt, daß er am 28. Juni 1912 beschloß, bei der Staatsrcgicrung zunächst die Neber- tragung der Wohnungspolizei auf die Stadtgemeinde zu bcan- tragen, weil das Wohnungsamt nicht ohne Polizeibefug- nisse eine Wohnungsaufsicht erfolgreich ausüben könne. So weit sind wir jetzt glücklich, und man wird nun abzuwarten haben, wann und wie die Sache weitergehen lvird. Einstweilen hat der Magistrat den Stadtverordneten zur Information ein„Gutachten zur Einführung der Wohnungsaufsicht in Berlin" überreicht, das vom Magistratsassessor Dr. Spiegel ausgearbeitet worden ist. Man darf annehmen. daß es im ganzen die Ansichten wiedergibt, die im Magistratskollcgium eine Mehrheit ge- funden haben. Das Gutachten äußert in einem allgemeinen Teil sich zu- nächst über die Ziele und möglichen Erfolge einer Wohnungs- aussicht. An!»ie Spitze stellt es die Erörterung der Frage, ob auch die Nach Iv eisung von Wohnungen damit zu verbinden sei und sich bewähren würde. Nur bei Wohnungs- mangcl werde ein Nachweis kleiner Wohnungen nötig sein und viel benutzt werden, ein Wohnungsmangc'l bestehe aber seit längerer Zeit in Berlin nicht. Auch sei der Wohnungs- markt für Groß-Berlin einheitlich, im großen und ganzen bleibe die Bevölkerungsbewegung nicht an die Grenzen der einzelnen Gemeinden gebunden. Hieran werden die folgenden, ein bißchen sehr ostclbisch klingenden Ausführungen geknüpft: „Wenn auch die Gemeinde die Pflicht hat, für angemessenes Unterkommen ihrer Angehörigen zu sorgen, so ist doch keinerlei Anspruch der Kreise, die weit über das Bedürfnis hinaus und zum Schaden des platten Landes in die Großstadt strömen, anzuerkennen, in der Großstadt oder gerade in der politischen Ge- meindeBorlin untergebracht zu werden. Ist es dor Stadtgcmeinde Berlin infolge der Größe der Bevölkerung und technischer Schwierigkeiten auch nicht möglich, von der Bestimmung des § 4 des Freizügigkeitsgesetzes Gebrauch zu machen und arbcits- unfähige Personen zurückzuweisen, so kann man es anderer- seits auch nicht als ihre Aufgabe betrachten, einen über das Bedürfnis fließenden Zuzug innerhalb ihres Weichbildes unter- zubringen." Trotz Charlottenburg» das zu seinem Wohnungs- amt auch einen eigenen Wohnungnachwcis hat, kommt das Gutachten zu dem keineswegs einwandfreien Schluß, Berlin brauche zunächst keinen Nachweis und ein einheitlicher Nachweis für Groß-Berlin habe vielleicht keinen Zweck. Die Wohnlliigsaufsicht. deren Einführung aller- dings nicht von der Zutat eines Wohnungsnachweises abzu- hängen braucht, wird in dem Gutachten als ein Teil der kommunalen Boden- und Wohnungspolitik betrachtet, aber— mit Recht— nur zu den„k l c i n e n M i t t e l n" gezählt. Als„große Mittel der Wohnungspolitik" werden genannt: „Baupolizciordnung. Fluchtlinicnpläne, Verkchrspolitik(Ver- bindung der Wohngegenden mit den Geschäftsgegenden). Er- stcllung von Kleinwohnungen durch die Gemeinde, Vergebung von Grund und Boden im Erbbaurecht und zu Wicdcrkaufs- recht. Unterstützung gemeinnütziger Bautätigkeit, endlich die Erbauung von Ledigenheimen und dergleichen". Hinterher werden freilich gerade gegen ein paar der größeren dieser Mittel— gegen die Wohnungsproduktion durch die Gemeinde, sowie gegen die Vergebung von Grund und Boden zu Erb- baurecht und Wiederkaufsrecht— allerlei Einwendungen vorgebracht. Es bleibe, lesen wir da,„zu bedenken, ob die vollkommene Errichtung von Wohnhäusern seitens der Gemeinde nicht zu einem etlvas weit- gehenden Munizipalsozialismus führt". Nur als Ausnahmcmaßregel bei größerer Wohnungsnot oder un- gesunder Spekulation möge das seine Berechtigung haben. Die Vergebung von Grund und Boden werde in Berlin daran scheitern, daß es hier an Vodenreserven inner- halb des Weichbildes fehle. Gegen den Vorschlag, z. B. auf Berlins Grundbesitz in Treptow vorbildliche Kleinwohnungen zu schaffen, wird erwidert, es scheine.nur die Aufgabe der Gemeinde, die Wohlfahrtszwecke ihrer eigenen Mitglieder zu fördern und daher nicht an- gängig, einfach für die Angehörigen einer' arideren Gemeinde Ausgaben zu machen." Man sieht, die berlinisch- kommunalfreisinnige Wohnungspolitik will im Bannkreis des Kirchturms bleiben. Und dctß die Stadtgemeinde selber als Bauherr und Hauswirt sich an der Wohnungsproduktion be? teiligen und den Wohnungsniarkt beeinflussen sollte, das ge- hört vollends nicht in das Programm dieser Wohnungs? Politik hinein, die vom„Munizipalsozialismus" abrücken zu sollen glaubt. Vis auf weiteres müssen wir also zufrieden sein, daß wenigstens gegen das kleine Mittel der von einem Wohnungs- amt auszuübenden WohnungSaufsicht nichts„Grundsätzliches" mehr eingewendet>mrd. Unter den Aufgab en des Wohnungs- amtes ist die Beschaffung von statistischem Material, das zur Be- leuchtungderZuständedesWohnungswesens dienen kann, nichtdie wichtigste. Das Gutachten nimmt sogar an, daß für die W o h n u n g s st a t i st i k die Tätigkeit des Amtes nicht allzu hoch veranschlagt werden dürfe. Wichtiger sei die W o h- n u n g s p f l e g e, die Sorge sür die Beseitigung der vorgefundenen Mißstände, die teils auf baulichen Mängeln des Hauses, teils auf„Wohnungs Unsitten" der Mieter beruhen können. Ucber die„Wohnungsunsitten" wird gesagt: „Hinsichtlich der schlechten, ungeeigneten Behandlung der Wohnungen(große Wäsche in der Wohnung, mangelhaftes Lüften u>w dergleichen, Nichtbenutzung einer sogenannten „guten Stube" und Zusammcnpscrchung der Familienglieder in den übrigen Räumen, mangelhafte Geschlechter- trennung usw.) kann viel Erziehungsarbeit am Volke geleistet werden, und hier wird auch die Mitwirkung von Frauen wertvolle Dienste leisten können." Dahinter steht dann der einschränkende Zusatz:„Hier wird man allerdings teilweise die Erfahrung machen, daß die Wohnungsfrage ein Teil der sozialen Frage ist, und daß sie lösen, die soziale Frage über- Haupt lösen heißt." Gemeint ist vermutlich: daß die soziale Frage überhaupt lösen, auch die Wohnungsfrage lösen heißt. Im Kampf gegen die W o h n u n g s ü b e r f ü l l u n g wird in der Tat oaS Wohnungsanit nur zu bald sich an der Grenze seiner Macht sehen, wenn für eine vielköpfige Familie mit geringem Einkommen eine ausreichende große Wohnung beschafft werden soll. Mietszuschüsse von der Armenvcrwaltung zu beanspruchen, werden im allgemeinen von den Wohnungsämtern vermieden, hebt das Gutachten hervor� Das liege auch nicht im Sign der Bevölkerung, die dadurch ihrer politischen Rechte verlustig gehe. Auch werde man„gesunden Familienvätern nicht ohne weiteres wegen Kinderreichtums die Sorgen und Verantwortung für die Familie abnehmen dürfen." Nein, wirklich nicht I Der Besitzlose hat den Nachwuchs des Volkes zu liefern, damit es an Ausbeutungsobjekten und eventuell auch an Kanonenfutter nicht fehlt. Aber die Aufzucht hat er selber zu bezahlen. Zu den besonderen Aufgaben gehört die Beaufsichtigung des Schlaf st ellcnwesens, die in Berlin der kommu- nalen Wohnungsaussicht ein weites Feld der Betätigung bieten wird. Das Gutachten sagt, das Ziel könne nicht sein, die mehr als 100 OOV Schlafleute Berlins möglichst aus den Schlafstellen zu vertreiben. Es werde nicht möglich sein, sie alle in Ledigenheimen unterzubringen. Die Mißstände des Schlafstellenwescns seien notorisch, aber der Anschluß des Schlafgängers an die Familie habe doch auch seine freund- lichen Züge. Auch hier werde die wirtschaftliche Läge die Ziele und den Inhalt der Wohnungsaufsicht begrenzen müssen. In dem Abschnitt über die rechtlichen Grnnd- lagen der Wohnungsaufsicht wird auch die Frage einer Heranziehung der Polizei behandelt. Die Woh- nungsaufsicht sei als kommunale Einrichtung gedacht, bei der das polizeiliche Moment möglichst in den Hintergrund treten solle. Die Bevölkerung solle in den Beamten AeS Wohnungsamtes einen Helfer und Berater, nicht aber einen polizeilichen Kontrolleur erblicken. Nur im äußersten Fall, wenn alle Mittel des Zuspruchs und der Belehrung versagen, dürfe zur zwangsweisen Durchführung die Polizei zu Hilfe gezogen werden. Nach diesen allgemeinen Darlegungen wird die Frage der praktischen Ausgestaltung erörtert. Die Wohnungsaufsicht solle sich nur auf die Kleinwohnungen erstrecken, auf Wohnungen giit höchstens zwei heizbaren Zimmern. Man finde ja die durch eine Wohnungs- aufsicht zu bekänipfenden. Schäden, die baulichen Mängel, die Ueberfüllung usw., fast nur in den kleinsten Wohnungen. Bei der Beaufsichtigung der Kleinwohnungen werde das Schlafstellcnwcsen von vorn- herein Beachtung finden, doch sei eine systematische Beaufsichtigung des gesamten Schlaf st ellen- Wesens zu wünschen. Dagegen sollte man das Wohnungs- amt nicht mit einer besonderen Aufsicht auch über Chambrc- garnistenguarticre belasten. Auch die S ch l a f r ä u m e der Dienstboten seien der Wohnungsaufsicht zu unterstellen, während die Beaufsichtigung der Schlafräume der bei Arbeit- gebern wohnenden Gehilfen. Lehrlinge usw. eine Frage der Gewerbepolitik bleiben müsse. Durch statistische Angaben, die leider erst den Ergebnissen der Volkszählung von 1003 entnommen werden konnten, soll der VUn fang einer Wohnungsaufsicht für Berlin beleuchtet werden. Mehr als drei Viertel aller Berliner Wohnungen(rund 78 Proz., 408 576 von damals überhaupt 324 441 bewohnten Wohnungen) waren Kleinwohnungen, die höchstens bis zwei heizbare Zimmer hatten. In ihnen hausten ziemlich drei Viertel der gesamten Bevölkerung(rund 73 Proz., 143�457 von damals 2 040 148 Einwohnern Berlins). Die große Mehrheit der Wohnungen wie der Bevölkerung wäre hiernach Gegenstand der Wohnungsaufsicht. Wieviel von den damals 26 434 be- wohnten Grundstücken und ihren Besitzern von der Wohnungs- aufsicht getroffen würden, läßt sich nicht sagen. Es würde aber auch in viele„hochherrschaftliche" Häuser hineingeleuchtet werden, weil ja z. B. die„Porticrwohnungen" meist zu den kleinsten Wohnungen gehören. Ohne Ansehung der Größe wären über 60 000 Wohnungen mit Schlafleuten der Wohnungs- aufsicht unterstellt, von der allerdings die meisten schon des- halb berücksichtigt werden, weil sie Kleinwohnungen sind. Die Fürsorge für die Schlafräume der Schar von Dienst- mädchen und Wirtschafterinnen, von Kutschern und Chauffeuren wird auch in die Wohnungen der Wohlhabenden die Beamten des Wohnungsamtes hineinführen, gewiß zum Verdruß mancher „Gnädigen", die bisher über den Begriff„Gesindegelaß" ihre eigenen Anschauungen hatte. Das Gutachten streift auch den bekannten Streit um die Frage, wieviel Wohnungen w Groß-Perlin überfüllt feien. ES stellt sich— den HauSagrariern wird das eine Genugtuung sein— nicht auf die Seite deS Propagandaausschusses Groß-Berlin. Für Berlin allein werden nur 24 102 Kleinwohnungen.mit 163 470 Bewohnern heraus- gerechnet, weil eine Wohnung mit einem heizbaren Zimmer erst bei mehr als fünf Bewohnern und eine Wohnung mit zwei heizbaren Zimmern erst bei mehr als zehn Bewohnern „überfüllt" sei. Bei solchen Wohnungen werde das Wohnungs- amt besonderen Anlaß zum Einschreiten haben. Bezüglich der für die Wohnungsaufsicht nötigen Be- stimmungen wird die Frage erörtert, ob beim Polizei- Präsidenten eine als Polizeiverordnung zu erlassende „Wohnungsordnung" zu erwirken sei. Sie könne die Arbeit erleichtern, werde aber leicht zur Schematisierung führen. Nötig seien aber mindestens Normativbestimmungen des Wohnungsamts, zu deren Durchführung die Polizei chre etwa erforderliche Hilfe zusagen müsse. Das Charlottenburger Wohnungsamt, dessen Einrichtungen überall zur Verglcichung herangezogen werden, hat eigene Bestimmungen über den baulichen Zustand der WohnuNgen wie über' die'Art ihrer Benutzung. Für das Schlafstellenwesen fordert das Gutachten schärfere Polizeiverordnungen zum Schutze der Schlgsleute und auch des Ouartiersaebers. Für die Besichtigung der Woh- nungen wird nach den guten Erfahrungen, die anderwärts gemacht worden sind, keine Schwierigkeit erwartet. Von minder guten Erfahrungen wird die allerdings interessante Aeußerung eines Charlottenburger Wohnungspflegers an- geführt, die etwaige Neigung zum Widerstand gegen die Wohnungsqufsicht wachse mit der— Bildung her Mieter. Die Organisation des Wohnungsamtes ist so gedacht, daß die Wohnungsaufficht durch Berufs- b e a m t e ausgeübt werden soll, wobei eine ehrenamtliche Mitwirkung des Laienclements nicht ausgeschlossen zu werden braucht. Neben systematischen Besichtigungen der Wohnungen ganzer Stadtteile seien bei Anzeigen außerordentliche Kontrollen porzünehmen. Die systematische Beaufsichtigung werde im Jahre sich auf nur etwa 5 Proz. der Klein- Wohnungen, 20000 von über 400000 Kleinwohnungen erstrecken können.. Erforderlich- seien dazu 8 Wohnungs- inspektoren(Architekten), die jeder pro Jahr 2500 Wohnungen besichtigen sollen, außerdem 12 Wohnungsamtsgehilfen (Techniker), denen besonders die Kontrolle der Schlafstellen Übertragen werden soll. Als Chef sei ein Wohnungsamts- Vorsteher nötig, der Höherex Baubeamter oder Verwaltungs- beamter sein könne. Organe der ehrenamtlichen Mitwirkung sollen die über das ganze Stadtgebiet verteilten Wohnungs- kommissionen sowie eine Vcrwaltungsdeputation sein. Die Hinzuziehung von Frauen sei sür die Kommissionen erwünscht, aber für die Deputation nicht nötig. In der De- putation müsse auch ein Vertreter der Krankenkassen sitzen. Die gesamten Kosten werden auf mindestens 115 000 Marl pro Jahr berechnet. Ohne bedeutende Ausgaben sei in einer Stadt wie Berlin an eine befriedigende Wohnungsaufficht nicht zu denken, schließt das Gutachten. Bis das Wohnungsamt zustande kommt, wird wohl noch viel Wasser die Spree hiyäblaufen. Die Hausbesitzer werden ja sehr erfreut darüber sein, daß die Mieter über „WöhnungSunsitten" belehrt werden sollen, aber ganz und gar nicht darüber, daß man ihnen selber die Vermietung erbärmlicher Lüch er erffchurexen ivill.- Die aller- erbärmlichsten finden sich im ältesten Berlin in ganz kleinen Häusern, die längst abbruchreif sind, aber keinen Käufer locken. Sie legen den Gedanken nahe, daß die Stadt diese Ruinen ankauft und niederreißt. Das Gutachten weist auf diesen Ausweg hin und auf die Möglichkeit, durch öie Ermittelungen des Wohnungsamtes derartige Maß- regeln zur Sanierung ganzer Stadtteile anzubahnen. Es ist gewiß, daß das Wohnungselend eine Bcgleit- erscheinung der bestehenden Wirtschafts- und Gesellschafts- ordnung ist und erst mit dieser ganz verschwinden wird. Aber die schlimmsten Auswüchse aufzudecken und die Notwendigkeit ihrer Beseitigung darzutun, das kann schon eine geregelte Wohnungsaufsicht leisten. Die Grenzen ihrer Erfolge kennen wir, und wir haben sie oben bereits hervorgehoben. Wir über- schätzen den Nutzen einer Wohnungsaufficht nicht, aber wir er- warten von ihr, daß sie manches im Berliner WohnungStvesen bessern wird. See Krieg. Ein neuer italienischer Augriff auf die Dardanellen? Ganz unerwartet trafen im Laufe des Freitags Tele- gramme aus Konstaytinopel ein, die von einem Angriff italienischer Torpedoboote auf die türkischen Forts am Ein gange der Dardanellen berichteten. Die türkische Küstenartillerie habe den italienischen Torpedo- booten aber derart zugesetzt, daß eins, nach. anderer Lesqrt sqgär zwei in Grund gebohrt, die anderen schwerbeschädigt Ivicder davon gedampft seien. Merkivürdigeuveise lagen aber bis Freitagabend 0 Uhr iveder von türkischer noch von italie- nischer Seite genaue Nachrichten über den Angriff vor, ebenso wenig erhielt man Klarheit darüber, ob sich hinter den Torpedobooten ein größeres italienisches Geschwader zum An- griff auf die Forts bereit gehalten habe. Das Ganze scheint demnach auf eine sensationelle Stimmungsmache hinauszulaufen. Begreiflich wäre schon, wenn Italien die augenblickliche Verfahrenheit der wneren türkischen Politik zu einem energischen Vorstoß auf die empfindlichste Stelle der Türkei, eben die Dardanellen, benutzen würde. Aber ein gewaltsames Ein- dringen in die Meerenge wäre nicht nur militärisch ein ge- wagtes Unternehmen, denn die Türken haben die Forts mit moderner Artillerie armiert, sondern es könnte auch politisch gerade das Gegenteil von dem erreicht werden, was man erreichen wollte. Die feindlichen Parteien der Türkei, vor allem das jungtürkischc Komitee, würden sich sofort einigen, wenn sich der Feind Eingang in die Dardanellen erzwingen wollte. Es hat dahu auch mehr den Anschein, als ob die Sensationsmeldungen von türkischer Seite lanziert worden sind, um eine Ablenkung von den inneren Wirren, der Offiziersrevolte usw.. zu erzielen. Natürlich ist ein Angriff auf die Dardanellen auch von großer internationaler Bedeutung, und die Alarmnachrichten haben überall die größte Aufregung hervorgerufen, weil die Forcierung der Däroanellcn das europäische Gleichgewicht ins Wanken bringen würde. Die Beherrschung der Dardanellen ist für den Bestand der europäischen Türkei eine Lebensfrage. Gelingt es einer Flotte, durch die Meerenge hindurch zu kommen und vor Konstantinopel vor Anker zu gehen, so wäre damit die ganze internationale Orientpolitik vor folgenschwer� Konflikte gestellt. Bis jetzt haben die einander widerstrebenden Interessen der Großmächte der Türkei seit mehr als siebenzig Jahren die Sicherheit der Dardanellen garantiert. Der im Jahre 1841 abgeschlossene Dardanellenvertrag bestimmte, saß keine fteniden Kriegsschiffe in die Meerenge einfahren surften, wenn die Pforte nicht ihre Genehmigung dazu gab. Dieser Vertrag ist später mehrmals, zuletzt im Jahre 1878 auf dem Berliner Kongreß bestätigt worden. Am schmerzlichsten !mpfand Rußland diesen Zustand, wurde doch seine Schwarze- Neer-Flotte in diesem Binnengewässer festgelegt und von der Verbindung mit dem Mittelmeer abgeschlossen. Allerdings wurde im Jahre 1891 zwischen Rußland und der Türkei ein Vertrag geschlossen, nach dem die russische Freiwilligenflotte, sofern sie die Handelsflagge führt, durch die Dardanellen hindurchfahren darf. Sind aber Soldaten an Bord der russi- 'chen Schiffe, so muß die Pforte davon benachrichtigt werden. Auf diese unbequemen Bestimmungen sind die Intrigen Ruß- änds zurückzuführen, die bei der ersten Dardanellensperre im April dieses Jahres die internationale L rgc beunruhigten. Ob die Türkei auch jetzt wieder die Dardanellen für den ganzen Schiffsverkehr, also auch für Handelsschiffe, durch See- minen usw. sperren wird, läßt sich aits den vorliegenden Meldungen nicht feststellen. Jedenfalls würde der inter- nationale Handel jetzt nicht so schwer unter einer solchen Maßnahme zu leiden haben wie im Apiil. Die russische Ge- treideernte des Vorjahres ist inzwischen vollständig verfrachtet und befördert worden, und die neue Ernte kann vor Ende August kaum für den Export in Frage kommen. Der ökonomische Schaden einer Dardanellensperre würde also für die nächste Zeit für Länder, die aus russisches Getreide angewiesen sind, nicht allzu groß sein. Oie Dsräsuellen und ihre Befestigungen. Türkische Meldungen über den Angriff auf die Dardanellen. Konftantinopel, 19. Juli. Heute früh IX Uhr haben acht italienische Torpedobote die Dardanellen zwi- schen Soganligere und Baykuschtepe angegrif� f e n. Die Festungswerke erwiderten da« Feuer. Zwei Torpedo» boote sollen gefunlen, sechs beschädigt worden sein. Wie versichert wird, hat der Ministerrat beschlossen, die Dar, danellen vollkommen zu sperren. Konstantinopel, 19. Juli. Die Nachricht von der Schließung ber Dardanellen wird dementiert. Die Pforte hat noch keinen Beschlutz gefaßt. Man erklärt, daß sie sür den Augen- blick auf die Schließung verzichtet.— Hier geht das noch nicht offiziell bestätigte Gerücht, die italienische Flotte habe am Morgen den Angriff auf die Dardanellen wiederaufgenommen. Die italienische Tarstellung. Rom, 19. Juli. Die Agenzia Stefani meldet auS Konstant!- nopel: Depeschen von den Dardanellen meldeten nachts eine Ka- n o n a d e, die bei den Fort« von Kumkaleh stattfinde. Nach«inem Gerücht soll eS sich dabei um eine AufttandSbewegung in der tür- tischen Armee oder Marine gehandelt haben. Einem anderen Ge, rücht zufolge seien fünf italienische Torpedoboote vergangene Nacht 1 Uhr vor Fort Kumkaleh erschienen, und das Fort hätte ein Feuer auf sie eröffnet, das nach einer Stunde eingestellt worden sei. Rom, 19. Juli. Bei der Regierung ist, wie die Agenzia stefani berichtet, nichts über eine Aktion von italieni- schen Torpedobooten vor den Dardanellen be- ! a n n t. Der Kommandant der Flpite war allerdings darüber informiert, daß, wie dies auch ausländische Zeitungen berichteten, mrkische Torpedoboote die Dardanellen verlassen hätten, um ein- zelne italienische Flotteneinheiten anzugreifen. ES ist daher mdk. lich, daß italienische Torpedoboote ihnen entgegengesahren find. Da eS aber unsinnig wäre, anzunehmen, fünf Torpedoboote wollten die Dardanellen forcieren, so ist daS Bombardement von feiten der ,;orts entweder mit der jetzt herrschenden Panik zu erklären oder s wurde mit wohlüberlegter Absicht gehandelt, um einen Vorwand für eine erneute Schließung der Dardanellen zu schassen, wie dies bereits durch die Depesche als Beschluß deS zurücktretenden Ka- binetts gemeldet worden war. Die türkische Ministerkrise. Konstantinopcl, 19. Juli. Infolge des Angriff? der Italiener auf die Dardanellen dauerte der heutige Ministerrat die ganze Nacht an. Nach dem Ministerrat machten die Minister die Mitteilung, daß Tewfik Pascha das Grohwefirat angenommen habe. Konstantinopel, 19. Juli. Die leitenden Kreise der jung- türkischen Partei erklären, entschlossen zu sein, sich mit aller Entschiedenheit einer Auflösung der Kammer zu widersetzen, welche Maßnahme dann nötig werden könnte, wenn daS neu« Kabinett aus Persönlichkeiten gebildet Würde, die qpßerhalh der jungtürkischen Partei stehen. PoUtifcbe debcrlicbt. Berlin, den 19. Juli 1912. Wilhelm IL gegen Bodman. Seitdem der badische Minister von Bodman sich hat verleiten lassen, der Wahrheit die Ehre zu geben und die Sozialdemokratie als eine großartige Bewegung zu de- zeichnen, ist er für die Junker und Klerikalen der schwarze Mann, an dessen Sturz sie unermüdlich arbeiten. Ahm scheinen sie dem Ziele nahe zu sei« und es ist für die deutschen Zustände im allgemeinen und die badischen im besonderen charakteristisch, wie sie zu diesemZielgelangen. Auch in dem angeblich demokratischen Musterländle hat nänilich die Volks» Vertretung keinen Einfluß auf die Besetzung des Ministeriums. Vielmehr ist es auch dort der Monarch, der sich seine Hand- langer nach eigenem Willen aussucht und sie auch einer wider- strebenden Kammer aufnötigt. Denn daß die Kammer es auf einen Verfassungskamps ankommen ließe und ein rein parla- mentarisches Regierungsshstem durchzusetzen trachtete, daran ist ja nicht zu denken! denn dazu fehlt es den badischcn Liberalen an der nötigen Courage. So haben die Junker und Klerikalen ein verhältnismäßig leichtes Spiel. Sie brauchen nur ihre höfischen B e- Ziehungen zu benützen, um ihnen unbequeme Männer zu beseitigen und ihre Kreaturen an deren Stelle zu setzen. In Baden selbst finden sie in diesem Bestreben beim Großherzog Friedrich II. so viel Verständnis, als sie nur immer wünschen können. Denn Friedrich II. ist ein Feind der So- zialdcmokratie, dem die sogenannte Großblocktaktik der badischen Liberalen von jeher verhaßt ist. Den Bestrebungen der badischen Reaktionäre konimen auch mächtige Einflüsse von V e r l i n aus zu Hilfe. Kürzlich hatte das„Berliner Tageblatt" von dem„scharfen Wind von Norden" gesprochen, der Herrn v. Bodman wegwehen werde. Und die„Franks. Zeitung" schreibt: „Mit dem.Wind von Norden" find vermutlich nicht Berliner Einflüsse und Anschauungen im allgemeinen zu verstehen, sondern eine ganz bestimmte, gegen Herrn v. Bodman gerichtete Aeuherung einer ganz bestimmten Stelle. Wir haben damals aus Nücksicht nicht gegenüber Bodman, sondern gegenüber derjenigen Stelle, der man die Worte zuschreibt, gejchwicgen, in der sicheren Annahme, daß diese Acutzerung gerade wegen ihrer jedcS Maß überschreitende» Tonart auf«rustbasle Entschließungen einen Einfluß nicht haben könne. Auffallend ist abcr, daß vorher schon die„Germania", da» Berliner Zentrum»- blast, einen unsere» Erinnern» au» Baden datierten Artikel gebracht hatte, der die üblichen Jeremiaden gegen Bodman an- stimmte und dabei eine Bemerlung einfließen ließ, die etwa lautete, es gebe Stellen, die zwar etuen badischen Minister sticht berufen und nicht absetzen können, im Widerspruch zu deren Anschauungen ein badiicher Minister aus die Dauer jedoch nicht gut im Amte bleiben könne. Die Annahme liegt nahe, daß dem Verfasser dieses Artikel» auch jene von uns angedeutete Aeüßerimg damals schon bekannt war und daß er sich an der aus- schlaggcbenden Stelle de-Z badischcn Hofe» eine Wirkung von ihr versprach. Ncuerding» wird sogar von badischcn gentrumSlreise» ziemlich ungeniert über jene Aeußerurrg mit allen Begleitumständen gesprochen. Sollte Bodman» Nüeklritt zur Talsache werden, so ist es unter solchen Umständen wahrscheinlich schwer zu vermeiden, daß d!?»stagliche Acußeruiig doch noch öffeistflch zur Spracht kommt, sd bedauerlich das auch wieder einmal für da» Ansehen mon- STchrscher Institutionen werden müßte, die ja gerade atis dem monarchischen Lager selbst recht schwere Sröße erlitten haben." Es handelt sich iiatürlich um eine Aeußerung Wilhelms II. mid das Fraulfurter Blair hätte die Pflicht, wenn es die Aeußerung wirklich kennt, sie mitzuteilen und damit der Oeffentlichkcit reinen Wein einzuschenken. Denn ein solches Eingreifen Wilhelms I!. in die innersten Angelegenheiten eines Bundesstaates ist für die Beurteilung deutscher Verfassungs- zustände zu charakteristisch als daß es der Oeffentlichkeit vor» enthalten werden dürfte. Bemerkt ja auch unser Mannheimer Parteiorgan zu diesen Meldungen:„Es handelt sich dabei, wie uns von unterrichteter Seite mitgiteilt wird, um eine Aeußerung Kaiser Wilhelms II., deren Wortlaut— so- fern er uns richtig genieldet wurde— sowohl in st a a t S- rechtlicher Hinsicht wie nach d er persönlichen Seite hin sich so ungeheuerlich anhört, daß das„Ansehen der monarchischen Institutionen" durch sein Bekanntwerden in weiteren Kreisen allerdings wenigstens in Baden— wieder einmal einen„recht schweren Stoß er- leiden" würde."_ Tie ärztlichen Scharfmacher. Zu der in der Nummer tS2 des.Borwärt»" veröffentlichte» .BericUigmig", die NechlSaiiwast T h i er sch« Leipzig al» Beauf- tragier der beiden Vorsitzenden de» sogenannten Leipziger Verbandes tingesondt hat, schreibt uns Genosse K em p ke n«- Köln: Tie Einsendung des Vertreiers der beiden Leipziger Herren stellt einen argen Mißbrrnich des llbclberufenen Paragraphen 11 de» Preßgesetzes dar. Formell ist sie das wunderlichste, ivaS seit lange aus dem Gebiete der.Berichtigungen" geleistet worden ist. NechlS- KNkvalr Dr. Thierkch wiederholt in SO Druckzeilen den wichiigsten Inhalt deS für den Leipziger Verband so blamablen Berichts über de» Ausgang deS GeleidigungSprozesse» Hartmann-Götz gegen Vaum- fieinpsens, um dann in lnapp drei Zeilen keck zu erklären:„Diese Bebaupiungen sind unwghr. Die Angetlagten haben weder ihre Behauptungen nachgeiviesen, noch hat daS Gericht den Nachweis als erbracht angesehen." In Wirklichkeit war in dem Berichte deS.BorwärtL" nichts enthalten, was nicht durch Zeugen- oder durch urkimdlichen Beweis erhärtet worden wäre. Schon in der Verhandlung vor der S. S?rasla»imer des Landgerichts Leipzig erwieS sich die Information deS Herrn Dr. Thiersch als lückenhaft, und so mag ihm auch hier der gute Glaube zugestanden werden. Tatsächlich aber hat da» Gericht mit Ausnahme deS nach den Versicherungen der Privat« beklagten gar nicht gegen die beiden Privatkläger gerichteten PasiriS von den„verschwundenen Hunderttausendeit" den Nach>v ei» der Wahrheit d e S zur Beurteilung stehenden Artikels als erbracht angesehen. Nach der mündlich gegebene» Begründung strht das Urteil aus den Festsiellungen der ersten Instanz, deS Schöffengerichts Leipzig, und in der von diesem gegebenen schriftlichen Urteilsbegründung heißt eö: „Der Kampf ist von beiden Seiten(Krankenkassen und Leipziger Verband. Anm. der Redaktion) mit äußerster Er- bitterung gestihrt worden, wie gerichtsknndig ist; diese Er- bitterung ließ Ausstbreitungen, auch in der Wahl der Kampf- mittel, kaum vermeiden. Doch sind Vorschriften, daß Verträge mit den Kassen nicht ohne gustiinmuna de» Verbandes ein- J gegangen werden dürfen. die Berlestnng zum Bruch olcher ohne Genehmigung geschloffcner Verträge, die Be- einslussung von Ehrengerichten, die Rehabilisterung wortbrüchiger, endlich die Verweigerung ärztlichen Beistandes in Fällen dringender Gefahr, Maß- nahmen bedenklichster Art; sie fordern eine ab- fällige und scharfe Kritik geradezu heraus, auch wenn e» sich hierbei offenbar nur um vereinzelte Erscheinungen handelt." Trotzdem Herr Dr. Thiersch als aufmerksamer Anwalt seiner beiden Mandanten wissen mußte, daß sich der urkundliche Gegen- beweis bei den Akten befand, behauptete er im Termin, die Ver- Weigerung ärztlichen Beistandes sei nur von einzelnen Aerzten ent- gegen dem Willen des Verbandes geschehen. Darauf wurde ihm der in dem offiziellen Organ de» Leipziger Ver- b an des, den„Aerztlichen Mitteiluiigelt". veröffentlichte Beschluß vorgelesen, wonach die Verbandsärzte verpflichtet wurden, nicht nur keine Kasicnmitglieder, sondern„auch keinen von den nicht versicherten Angehörigen(I) der Kasienmitglieder irgend- wie(!) zu behandeln, auch nicht gegen Bezahlung(I) und auch nicht in Notfällen(! l)". In seiner Hilflosigkeit gegenüber dem erdrückenden Material, das die Privatbeklagten gegen den Leipziger Verband und deffen Kampfesweise beigebracht halten, verfiel Nechtsaiiwalt Dr. Thiersch schließlich darauf, den ryten Lappen zu schwenken. Es wurde ihm aber erwidert, daß der ganze Kampf mit Parieipolitil nicht das mindeste zu tun habe und daß gegen die Kampfesweise der Leipziger sich Reichsgericht und Oberlandesgericht, Kom- munal- und Regierungsbehörden, ferner die Staatsminister Beth- mann Hollweg, Dr. Dxlhrück und Graf Posadpwsky ausgesprochen hätten._ Die Einnahme» der Reichspost und der Reichs- eisenbahnen. Im Mai 1012 kamen bei der R e i ch s p o st nur 83,63 Millionen Mark ein, während der monatliche Durchlchnitt des Etatssolls 65,50 Millionen Mark beträgt. Im Mai vorigen Jahres waren 81, 5L Millionen Mark vereinnahmt worden, so daß die Zunahme gegenüber dem Vorjahre 2,v8 Millionen Mark oder 3.3 Proz. be- tragt. In den beiden ersten Moimlen des neuen Etatsjahrcs be- trugen die Einnahnieit 124,34 Millionen Mark, das ist 4.36 Millionen Marl weniger als der eiltsprechende Anteil am Etatsanschlag ausmacht. Die VerkehrSeinnahmen deutscher Eisenbahnen für Juni IS 12 betrugen nach der im ReichSeisenbahnamt aufgestellten Ueberslcht: im Persoileuverkehr 80 231607 M.(gegen das Vorjahr 8 162 113 M. weniger) im Güterverkehr 184 614 433 M.(gegen das Borjahr _ 18 726 146 M. niehr)., Kein Dreibund, sondern ei« Zweibund! Zu unserer gestrigen Notiz.Scherl im Leide" teilt uns der Ver- leger Studolf Moffe mir. daß es unrichtig sei, daß er mU den Firmen August Scherl und Ullstein u. Co. eine dahingehende Abmachung getroffen babe, nach der keine der drei Firmen ohne Zustimmung der anderen beiden Kontrahenten eine neue Zeitung gründen dürfe. Breischen der Firma Rudolf Mosse einerseits und den genannten eiden anderen Firme» bestehe kein derartiger Vertrag. Ein China-Sachverständigcr. Der Brandenburger Professor Dr. Görcke, eifriges Mitglied des Reichsverbandes, ist bei den letzten NeichstagSwahlen unterlegen, obwohl er sich alle Mühe gab, dadurch wieder in den Reichstag zu kommen, daß er sich als Saimnetkandidat für alle bürgerliche» Parteien anpries. Während seiiier ReichstogStätigkeit hat er eine überan» sruchtklare schrisiflellerische Tätigkeit'entfallet. Den Absatz seiner ichöneu Lnsti'-ngey hat e.r wohl, gan� lyeseiustch dem Umstände verdankt, daß Hinte» seinem Namen das„M. d. N." prangte. Professor Görcke veröffentlicht mm m der„Bräinisthweigischen Lande«» zeitung" einen langen Artikel:„Zur Lage in China", und die Redaktion bemerkt in einer Fußnote: „Herr Prof. Dr. Görcke hat im vorigen Jahre af» Mitglied de» Reichstag» und als VertrauenSinann von dessen Budget- lommsssioit China bereist.". Daran ist nun mancherlei unrichtig. Bor allem stimmt«8 nicht. daß Dr. Görcke als Vertrauensmann der B»dgetiomniission des Reichstage» nach China gegangen ist. DaS Reichsmarineamt hatte damals— auf wessen Anregung, weiß man nicht— Herrn Dr. Görcke und einen Zentrumsabgeordneten zu einer Besichtigung von Kiantschou eingeladen. Der gentrumsniann lehnte ab; Herr Dr. Görcke aber ließ verkünden, daß er die Ausreise antreten werde. Tatsächlich ist er auch abgereist, und das ReichSmarineamt gab ihm den Kapitän zur See Brünninghau» als Mentqr mit. Herr Görcke hat damr deS langen und breiten diese Reise beschrieben. Aus der Beschreibung konnte man ersehen, daß er in überaus eiligem Tempo mit der transsibirischen Eisenbahn Rußland und dann einen Teil von China bereist hat. Seit dieser Zeit ist Herr Professor Görcke für liberale Zeitungen der„Sachverständige" für China, Kiautschou und die umliegenden Dörfer geworden._ Ter Polizeikampf in Breslau gegen die in der Arbeiterbewegung tätigen Genossen treibt die absonderlichsten Biüteii. Häufig gemig ist schön eifrigen Polizisten und Polizeikommissaren vom Gericht gesagt worden, daß sie u n> gesetzlich gehandelt haben; aber das ficht die eifrigen Polizeier nicht im geringsten an. Der Kampf gegen die Arbeiterbewegung wird munter fortgesetzt, wenn auch die Polizei eine Niederlage nach der anderen erleidet. Ein echtes Polizefftückchen lieferte die Polizei wieder am 28. April d. I., als ein Genosse Misterek vor der städtischen Fortbildungsschule kleine Handzettel mit den vom Breslauer Jugend- Ausschuß geplanten Veraustaltnngcn vei teilte. Obwohl Genosse Misterek im Besitze eines vom Breslauer Polizei- Präsidenten ausgestellten Erlaubnisscheines war, forderte ihn der Schutzmann auf. mit nach der Wache zu kommen, weil die Zettel nach Meinung deS Ordnungshüters„aufrührerisch" sein sollten. Diesem Befehl zu folgen, weigerte sich Genosse Misterek anfänglich mit gutem Recht, weil er der sehr richtigen Meinung war, daß die Aufforderung deS Schutzmanns, mit nach der Woche zu kommen, Völlig ungesetzlich sei. Die Folge war ein polizeilicher Strofbefehl mit der Begründung, M. habe durch das Verteilen der Zettel groben Unfug verübt, einen Menschen- a n f l a u f verursacht, den Straßenverkehr beeinträchtigt und der Aufforderung de« Schutzmann», mit zur Wache zu kommen. nicht ungesäumt Folge geleistet. Gegen dieses Monstrum von Gtrafbefehl wurde natürlich gerichtlich« Entscheidung beantragt. Vor Gericht bekundete der ol» Zeuge geladene Schutzmann, daß ihm der Leiter der politischen Abteilung beauftragt habe, den vor den Fortbildungsschulen tätigen Zettelvertcilern alle Zettel zu beschlagnahme» und dem Präsidium einzureichen. Selbst da» LreSlauer Gericht konnte sich jedoch mit den polizeilichen Maßnahmen nicht einverstanden erklären und erkannte auf Freisprechung. � Die Kongokontutissto». Au» Bern meldet der offiziöse Draht: Die d eatsch- sra n- zösische Kommission, welche seit Mitte Juni hier tagte, um vi» Ausführung de» deutsch» französischen Kongoabkommen» vom 4. November 1311 in die Wege zuleiten, hat heute ihre Arbeiten beendet. Die Arbeiten haben für beide Teile einen durchaus befriedigenden Verlauf genommen. Ihr nächster Zweck hat darin bestanden, die technische Tätigkeit der an Ort und Slelle zu entsendenden Abgrenzungskommission vorzubereiten, sodann sollte ein« Vereinbarung über die Modalitäten und Daten für die Uebergabe der Gebiete, die abzutreten sind, getroffen werden. Die Kommission hat diese Aufgabe in der Weise getost, daß sie über jede der beiden Fragen den Text für eine Vereinbarung festlegte, die den Regierungen zur Ratifizierung unterbreitet werden sollen. Darüber hinaus ist es der Kommission. gelungen, die im Novemberabkommen in Aussicht genommene spezielle Vereinbarung über KonzessionSgescllschasten durch einen Entwurf vorzubereiten, der in 80 Artikeln diese umfangreiche schwierige Materie zu regeln bestimmt ist._ Oefterrrfd). Militaristische Begeisterung uud ihre Kehrseite. Wie in anderen Militärstaaten sind auch hier die Patrioten daran, eine Luftflotte zusammenzuschnorren. Es besteht dazu ein eigenes Zentralkomitee zur Schaffung einer österreichischen Luflflotte, das mit der Klage darüber arbeitet, daß bei der Bewilligung von Hunderten Millionen doch noch etliche Molochforderungen unbcwilligt geblieben seien. Augenblicklich wird der Ankauf eines Lohner- Daimler-Pfeilfliegers rührig betrieben, mit dem Oberleutnant Blaschko beim Wettfliegen in Wien-Aspern den Höhenrclord aufgestellt hat. E» soll verhindert werden, daß dieses Flugzeug i»S Ausland wandere; am Geburtstag des Kaisers soll eS als ordenbringender Erfolg patriotischer Schporrerei der Heeresverwaltung von der .Zivilbagage" überreicht werden. Dabei erklärte die Armeeleitnng eben erst, daß ihr das bewilligte Budget die Anfertigung von 38 Flugzeugen g e st a t t e l Eine fragwürdige Unterstützung der Schnorraktion ist aber die Veröffentlichung einer S e l b st m o r d st a t t st i k in de» Mitteilungen der i. k. Siatistischen Zentralkommission, aus der hervorgeht, daß die Selbstmorde im Heer 16 mal häufiger sind als iu der Zivtlbevölkernng. Sie haben ihren Höhepunkt im Oktober, November und Januar, also in den Monaten nach dem Einrücken und während der Ablichtung der Rekruten. Unter den Ursachen der Soldatenselbstmorde steht an erster Stelle die Furcht vor Strafe.... Wenn auch die Zahl der Selbstmorde in der Armee zurückgeht, gewiß infolge der wenn auch langsamen Dcmokrati- sieruiig de» öffentlichen Lebens und des Kampfes der Sozialdemo- kratie gegen die kommiZmäßige Soldatenschinderei, so betrug sie im Jahrzehnt 1301 bis 1310, immer noch 2614 und 460 Selbstmordversuche. Was für Jammer steckt in diesen Zahlen l Snglsknck. -Der Flvttevetat. Lsudoa, 18. Jusi. Der Ergänzungsiflotten-Etat ist heute veröffentlicht worden und P>ird am Montag im Unterhaus zur Besprechung gelangen. 93 000 Pfund Sterling sind darin vor» gesehen für eine Vermehrung d«S Mannschaft sibestaude» um 16 00t Mann. In Ergänzung des Flottenetats sind an Mehrausgaben vorgesehen 236 000 Pfund Sterling für SchiMbauten, 815 000 für SHiffSmaschinen, 54 000 für Geschütze, 97 000 für Munition und Torpedos, 20 000 für die Anschaffung von Luftschiffen. Der Rest ist für Löhnung, Proviant usw. bestimmt. Eine Erläuterung ist dem ErgänzungSetat nicht angefügt, auch Angaben üher die Art der Er- gänzungshauten sind nicht darin enthalten, i s"'''.""''""V"" Marohho. Unruhen und kein Ende. Tanger. IS. Kult. Aus Ma zagan wird unter dem 15. Juli gemeldet: Die Stämme in der Gegend von Mazagan, Marrakesch, Asemur und Ummerebia haben sich gegen ihre Kaids erhoben, der Aufruhr gewinnt täglich mehr Ausdehnung. Fez, 13. Juli. Di« aus drei Bataillonen bestehende Ab» teilung Maztllier ist gestern früh aufgebrochen, um die Bit Jussi. Bit Segrufchen und Sidi Raho, die sich fünfzehn Kilo- metcr südwestlich von Sefru wieder vereinigt haben, zu zerstreuen. Der B v g i setzt feine Agitation bei den Stämmen fort. China. Ministerkrise. L»«do», 19. Juli. Nach einer Meldung des Reuterschen Bureaus aus Peking sind die Bestrebungen, das Kabinett zu reorganisieren, auf einem toten Punkt angelangt, da die Nationalversammlung heute alle von Zjuan» s ch i k a i vorgeschlagenen Mtnisterkandidaten abgelehnt hat. Nunmehr hat auch der Premierminister die Absicht ausgesprochen, unverzüglich abzudanken. Die Agentur des äußersten Ostens meldet: Präsident N u a n s ch i k a i hat seine Residenz nach dem Kriegsministe- dum verlegt. Während des Umzuges waren die Straßen, die Juanschikai zu passieren hatte, streng bewacht. Diese Ueber- siedelung wird als Anzeichen betrachtet, daß Juanschikai von jetzt ab eine viel energischere und persönlichere Politik betreiben werde. Präsident Auanschikai gedenkt, die ersten Nationalwahlen in China, soweit es möglich ist, im nächsten November zu veranstalten. DaS National- Parlament wird dann den Präsidenten der Republik definitiv wählen. Japan. Di« Berhandlungen mit Rußland. London, 13. Juli. DaS Reutersche Bureau meldet auS Tokio: Die Petersburger Nachrichten vom demnächst zu er- wartenden Abschluß eines Bündnisses zwischen tli u ß l a n d und Japan sind ungenau. Bon autoritativer Seite wird erklärt, daß keinerlei Verhandlungen nach dieser Richtung stattgefunden haben und nichts derartiges geplant sei. Die Enropareise des Fürsten K a t s u r a stehe mit keinem spezifisch politischen Auftrage tu Verbindung. Es sei jedoch richtig, daß sehr wichtige CommuntquSS zwischen den Regierungen Rußlands und Japans gewechselt worden seien, die die Abmachungen von 1997 und 1919 er» g ä n z e n. Es handle sich dabei um die A b a r e n z u n g der gegenseitigen Interessensphären, und zwar der russischen in der äußeren Mongolei und in der nördlichen Mandschurei uno der j a p a n i s ch e n in der inneren Mongolei und in der südlichen Mandschurei. Unter Innere Mongolei ist derjenige Teil der Mongolei zu verstehen, der früher so bezeichnet wurde. Die CommuniqubS, die durch die Revnlution in China und die späteren Anleihe- Verhandlungen notwendig geworden seien, hätten eine klare Verständigung der beiden Mächte über die chinesische Frage ergeben und eine Entente von größter Wichtigkeit für die Erhaltung deS Frieden«(?) im fernen Osten gezeitigt. Für das englisch-japanische Bündnis sei diese nur tn zweiter Linie von Bedeutung. 6c werk fchaft liebes. Randwerhsmeiftcr für ein Zuchthaudgefetz. Wo der ganze Chor der Scharfmacker nach einem Verbot des Streikpostenstchens schreit, da dürfen die biederen Jnnungs- Meister nicht fehlen. Auf dem soeben beendeten 27. deutschen Schlossertag, der in Bremen tagte, wurde der einstimmige Beschluß gefaßt, an die Reichs- resp. Landesregierung das Er- suchen zu richten, im Interesse des ganzen Gewerbestandes, sowohl der Industrie als auch vor allen Dingen der Arbeiter (lies: Hintze-Brüder) und des Handwerks für em Verbot des Streikpostenstehens einzutreten, sowie einen Schutz der Ar- beiter(!) auf der Arbeitsstätte einzuführen. Nun sage noch einer, daß unsere Zunftmeister nicht für die Interessen der Arbeiter eintreten I Es ist nur schade, daß sie im vorliegenden Falle unter deni Begriff Arbeiter das- selbe verstehen, was wir mit dem Namen Streikbrecher be- zeichnen._ Berlin und dmgccrend. Zum Streik der Arbeiter und Kutscher in den Schwerfuhr- werksbetrieben ist zu berichten, daß im Laufe des Freitags die nachstehend genannten Firmen den Tarif untcrschriftlich aner- kannt haben: Fritz Fligge, Th. Schmiedigen u. A. Tab- bert, Berlin, Wilh. Ruhnau, Charlottenburg. Es haben bisher 86 Firmen mit 1125 Beschäftigten den Tarif anerkannt. Für die Mortelkutscher, welche bei den Firmen W e i d n e r und Gebr. T a b b e r t, Mühlenstrahe und Neukölln, wegen des Forderns von Streikarbeit die Arbeit niedergelegt haben, war bisher ein den hier in Betracht kommenden Verhältnissen entsprechender Tarif nicht vorgelegt worden. Es ist nun inzwischen ein lieber- einkommen mit dem Vorsitzenden des Vereins der Fuhrbetriebs- besitzer in der Mörtelindustrie getroffen worden, nach welchem die im Streik stehenden Kutscher die Arbeit am Sonnabend unter der Bedingung wieder aufnehmen, daß bereits am Montag, den 22. Juli, eine Vorverhandlung zwischen den Vertretern des Ar- beitgeberverbandes in dem Transport-, Handels- und Verkehrs- gewerbe und Vertretern des deutschen Transportarbeitervcrbandcs stanttfindet, in welcher zunächst ein Vertragsentwurf stipuliert werden soll. Es ist dann für Dinstag, den 23. Juli, eine weitere Verhandlung vorgesehen, in der eine paritätische Kommission von Unternehmern und Arbeitern über die Annahme respektive Ab- änderung der gemachten Vorschläge beraten wird. Die hier ge- machten Zugeständnisse in bezug auf etwaige Lohnerhöhungen sollen nach endgültigem Abschluß des Vertrages ab 15. Juli falso rück- wirkend) zur Auszahlung gebracht werden. Zurzeit stehen noch 237 Kutscher und Arbeiter in 28 Betrieben im Streik. Die Tarifbetvegung der Dachdecker. Da ein neuer Tarifabschlutz nicht zustande gekommen ist, so arbeiten die Dachdecker seit dem 1. Juli ohne Tarifvertrag. Ain 36. Juni hatte eine Versammlung die Leitung der Organisation beauftragt, die im Interesse der Tarifbotocgung notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. Am letzten Donnerstag fand wieder eine sehr stark besuchte Versammlung statt. Hier berichtete Görnitz, daß ein sofortiges allgemeines Vorgehen gegen die Unternehmer nicht angebracht erschien. Man habe erst abwarten muffen, welche Haltung die Unternehmer in der tariflosen Zeit einnehmen würden. Es habe sich nun gezeigt, daß die meisten Arbeit- aeber die Bedingungen des abgelaufenen Tarifs auch jetzt noch er- füllen und die alten Lohnsätze weiter zahlen. Nur drei Firmen haben versucht, Verschlechterungen einzuführei«. Diese drei Firmen: Wachholz, Barenthin und V e n tz- Friedenau sind gesperrt, nachdem die Arbeit bei ihnen niedergelegt ist. Man könne also sagen, daß sich die Dachdecker und Verufsgenosscn bereits im Kampfe befinden, wenn auch der Kampf nicht den Umfang angenommen habe, den manche Kollegen erwarteten und wünschten. Da die Unternehmer beschlossen haben, eine Sperre einzelner Firmen mit der allgemeinen Aussperrung zu beantworten, so bleibe augenblicklich nichts weiter übrig, als noch einige Tage abzuwarten, ob die Unternehmer ihren Beschluß ausführen oder nicht. Die Situation habe sich seit dem 36. Juni nicht verschoben,£% sei auch jetzt noch geboten, die weitere Entwickelung der Dinge mit kühler Ueberlegung abzuwarten, jedenfalls vor der am Sonntag statt- findenden regelmäßigen Verbandsversammlung keine weittragenden Beschlüsse zu faffen. Dieser Standpunkt des Referenten rief in der Versammlung die lebhafteste Opposition hervor. Einige Redner verlangten, daß sofort auf der ganzen Linie die Arbeit niedergelegt werde, un-p die Unternehmer zum Abschluß eines neuen Tarifs zu zwingen. Andere Redner traten zwar auch für den sofortigen Streik ein, doch meinten sie, derselbe solle nicht auf der ganzen Linie eröffnet wer- den, aber man müsse den Kampf gegen eine größere Zahl von Firmen unverzüglich aufnehmen. Für den vom Referenten ein- genommenen Standpunkt trat unter anderen auch der Verbands- vorsitzcirde D i e h l-Frankfurt a. M. ein, der deshalb von den Be- fürwortern des Streiks heftig bekämpft wurde. Nach längerer, sehr lebhafter Debatte wurde schließlich folgende Resolution an- genommen: Der Vorstand und die Kommission werden beauftragt, zu den drei bis jetzt gesperrten Firmen unverkürzt bei weiteren Firmen zum Angriff überzugehen, da durch die Maßnahmen der genannten drei Firmen der Angriff seitens der Arbeitgeber er- öffnet ist._, Dcutrche» Reich. Sachscnganiferstreik. Auf dem von der Zuckerfabrik in Genthin gepachteten Gute� des Barons v. P l o t o in Pareh legten sämtliche polnischen und. galizischen Sachsengänger die Arbeit nieder, weil von der Guts-\ Verwaltung die Vereinbarungen über Beköstigung und Arbeitszeit> nicht eingehalten werden. Ein aus den umliegenden Ortschaften> herangezogenes Gendarmcrieaufgebot— ohne dem' geht es schon gar nicht mehr— sollte die aufsässigen Ausländer zur Raison bringen. Diese blieben jedoch standfest und erreichten auch die von ihnen � gewünschten Zusicherungen durch die Gutsverwaltung, worauf sie die Arbeit wieder aufnahmen. Gegenwärtig toben in mehreren Orten Kämpfe. In Bremer- Häven sind es die Scharfmacher des Baugewerbes, die es nun schon zum zweiten Male innerhalb kurzer Zeit zum Kampfe getrieben haben, weil sie den Tischlern hartnäckig die allgemein üblichen Arbeitsbedingungen verweigern. Doch auch ihnen muß noch ein- mal die Ueberzeu�ung aufgedrängt werden, daß sich die Arbeiter auf die Dauer nicht widerspruchlos knechten zu lassen. Solange sie das nicht einsehen wollen, werden sich die Kämpfe wiederholen. Die Tarifbewegung in Rheinland-Westfalen hat auf die Disziplin der Unternehmer ein eigenartiges Licht geworfen, indem die Mitglieder des Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe in L ü d e n s ch c i d, die bei den Verhandlungen in erster Linie das große Wort führten, nachher, als das Verhandlungsergebnis nicht nach ihrem Willen ausgefallen war, sich einfach nicht fügten und die Vereinbarungen ablehnten. Nach mehrwöchigem Kampfe hatten sie neben dem Schaden auch noch den Spott zu tragen, da sie schließ- lich den Vertrag doch anerkennen mußten. Von dem gleichen Geiste wie in Bremerhaben lassen sich die Unternehmer in Schleswig leiten, indem sie auf Veranlassung des Arbeitgeberverbandes für das Baugewerbe die in einer Ver- Handlung gemachten Zugeständnisse wieder zurückzogen und da- durch den Kampf unvermeidlich machten, der nun schon über fünf Wochen tobt.> � Weitere Kämpfe, die für die fernere GestaRung der äußerst miserablen Verhältnisse von größter Bedeutung sind, finden gegen- wärtig noch statt in B r a n d in der erzgebirgischen Holzindustrie. in Dannenberg an der Elbe, in Ragnit in Ostpreußen l Schäl- und Kistcnfabriken), Wesel/Rhein und Sens- bürg. Die Stockarbeiter in Wald führen einen erbitterten Kampf um den Neunstundentag, der von den Unternehmern mit gleicher Entschiedenheit abgelehnt wird. Die Bürstenmacher streiken in Dortmund wegen minimaler Verbesserungen ihrer Löhne und die Pinsel- a r b e i t e r in D i n k e l s b ü hl um die brutale Behandlung und Lohnverschlechterungen abzuwehren. Die Korbmacher in Stettin erzielten einen Vertrags- abschlutz mit dem Provinzialverband der Pommerscben Korbmacher. meister, der eine Arbeitszeitverkürzung von drei Stunden auf 57 Wochenstunden und 8 bis 16 Proz. Lohnerhöhung Vorsicht. Der Arbeitgeber-Schutzverband für das deut- sche Baugewerbe resp. dessen Mitglieder in Burg bei Magdeburg, Gera und Plauen i. V. haben ihre Vertragstreue wieder einmal glänzend bestätigt. In diesen Orten be- stehen Tarifverträge, die zwischen beiden Zentralorganisationen abgeschlossen sind mit der klaren Bestimmung, daß die Verträge für alle Betriebe der Tischlereien usw. gelten sollen. In Burg weigerte sich ein außerhalb des Scbutzverbandes stehender Unternehmer den Vertrag anzuerkennen, und in Gera und Zeitz gesckmh solches sogar von Mitgliedern der Unternehmerorganisation. Da blieb den Arbeitern nichts anderes übrig, als zur Arbcitsein- stcllung in diesen Betrieben zu schreiten, oder dieses doch in Aus- ficht zu nehmen, um den bestehenden Verträgen Geltung zu ver- schaffen. Die Untcrnehmerorganisationen am Orte dagegen, an- statt ihre Verträge mit durchführen zu helfen, erklärten sich mit den vcrtragsfeindlichen Unternehmern solidarisch und sperrten die Arbeiter wegen ihres Vorgehens aus. Auch den Unternehmern in Brieg und Schönlanke, die nach mehrwöchigem Kampfe den zuerst abgelehnten Schiedsspruch nachträglich doch anerkennen mußten, war dieses Resultat nur durch das energische Eintreten des Holzarbeiterverbandes für die ge- fällten Schiedssprüche abzuringen. Der Streik in der Görlitzer Waggonfabrik hält noch immer die Gemüter der Bewohner dieses Städtchens in Aufregung, da die Streikbrecherkolonnen sich alle möglichen Exzesse und Radau- szenen, sogar teilweise unter den Augen der Polizei erlauben dür- feen: es ist aber noch nichts davon bekannt geworden, daß diesem Treiben gegenüber die Polizei oder Staatsanwaltschaft schon ein- mal eingeschritten wäre, während gegen die Streikenden der größte Schneid angewandt wird. In W e i n h e i m ist die 9Vs stündige Arbeitszeit durch den Holzarbciterverl'and durchgeführt worden. Im Geringswalder Stuhlgebiet, zu welchem außerdem noch Waldheim. Leisnig und Hartha gehören, ist nach langwierigen Verhandlungen ein Vertrag abgeschlossen worden, durch welchen die Arbeitszeit sofort auf 56 Stunden und am 1. Oktober 1913 auf 55 Stunden herabgesetzt wird bei einer Lohnerhöhung von sechs Pfemriffen pro Stunde. Doch der Hauptwert dieser bedeutungs- vollen Bewegung liegt darin, daß die außerordentlich verzwickt liegenden Akkordverhältnisse bis ins kleinste geregelt wurden, durch Schaffung von illustrierten Akkord- und Taxationstarifen. Da die Akkordarbeit vorherrschend ist, bedurfte diese in erster Linie einer Regelung, die nunmehr in durchaus glücklichem Sinne erreicht ist. Ter abgeschlossene Vertrag— der erste seiner Art in der deutschen Stuhlindustrie— nebst den Akkordtarifen bildet ein stattliches Werk, das seinen � Schöpfern alle Ehre macht. Lohnkämpfe im Holzgcwcrbe. Ohne in der Oeffentlichkeit viel Lärm zu schlagen, haben die Holzarbeiter auch in diesem Jahre wieder eine beträchtliche An- zahl von Lohnbewegungen geführt, die in ihrer Mehrzahl mit namhaften Verbesserungen der Arbeitsbedingungen für die Be- teiligten endeten. Auf dem kürzlich stattgefundenen Verbandstage des Holzarbeiterverlmndes konnte der Vorstand berichten, daß in diesem Jahre bereits zahlreiche Bewegungen durch Abschluß von Tarifverträgen ihre Erledigung gefunden haben und außerdem eine größere Zahl Bewegungen im Gange sind, resp. die Genehmi- gung des Verbandes gefunden haben. In den letzten Wochen machte eine Notiz die Runde durch die Presse, wonach im Holzgewerbe ein allgemeiner Kampf wegen der Frage der Arbeitszeit bevorstehen soll. Dazu ist zu sagen, daß zwi- scheu den beiden Zentralorganisationen die Vereinbarung ge- troffen ist, im Laufe des Sommers den Versuch zu machen, eine generelle Regelung der Arbeitszeit für das ganze Reich herbeizu- fübren. Inwieweit das gelingt und welche Konsequenzen sich evctueN daraus ergeben, steht vorläufig noch dahin. Der Plan geht von der Absicht aus, bei den zukünftigen Tarifkämpfen die � (teil und für sich! besonders zu behandeln. Gelingt das nicht, dann muß auch diese Frage ebenso wie alle übrigen, bei den Vertragserneuerungen ihre � ittledigung finden. Der Streik auf dem Eisenhüttenwerk in Thale a. H. hat eine weitere Ausdehnung dadurch erfahren, daß am Mittwoch sämt- liche Former und Gießereiarbeiter ebenfalls die Arbeit eingestellt haben. In der Abteilung Gußfabrik sind die Arbeiter ausge- sperrt worden. Die Betriebsleitung verlangt von den Arbeitern die bedingungslose Wiederaufnahme der Arbeit und will erst, wenn der Betrieb wieder voll im Gange ist, die Forderungen und Wünsche der Arbeiter„nach Möglichkeit erfüllen". Die Streikenden verlangen natürlich, daß ihnen vor Wiederaufnahme der Arbeit ausreichende Zugeständnisse gemacht werden. Einer Kommission der Arbeiter, die mit der Betriebsleitung verhandelte, waren nur ganz ungenügende Zugeständnisse gemacht worden. Das Eisen- Hüttenwerk verbreitet durch die bürgerlichen Zeitungen die Nach- richt, daß der Streik beendet sei. Auf diese Schwindeleien fallen hofjentlich aufgeklärte Arbeiter nicht herein; sie würden nur ihren Arbeitsbrüdern in Thale den Kampf erschweren, zumal andere Ar- beitsgelegenheit als auf dem Hüttenwerk in Thale nicht vor- Händen ist. Der Kellnerstreik in Frankfurt a. M. ist durch Abschluß eines Vertrages mit dem Inhaber des Cafe Hauptwache beigelegt. Sämtliche Streikende arbeiten bereits zu den neuen Bedingungen. Arbeitslosigkeit im Hamburger Malergewcrbe. Der Vorstand des Ortsvereins Hamburg sieht sich veranlaßt, die Maler aller Orte vor Zuzug nach Hamburg dringend zu warrnm Tie Erwerbsverhältnisse für Maler sind zurzeit in Ham- bürg die denkbar ungünstigsten. Hunderte von Malern sind seit Wochen erbeitSlos, obwokl die sogenannte Feriensaison bereits begonnen ist. Im paritätischen Arbeitsnachweis sind annähernd 266 Arbeitslose eingetragen, damit ist aber die Zahl der wirklich Arbeitslosen nicht im entferntesten getroffen. Da der Arbeits- Nachweis- nicht obligatorisch für Unternehmer und Arbeiter ist, lassen sich viele Arbeitslose garnicht im Arbeitsnachwe'se eintragen, sonvern versuchen unter der Hand Arbeit zu bekommen. Ins- besondere die unorganisierten Gehilfen bleiben dem Arbeitßnach- weis fern, weil sie nach den Besrmmungen des Arbeitsnachweisregulativs bei der Vermittelung hinter den Organisierten zurück- stehen müssen. Die Zahl der tatsächlich arbeitslosen Maler in Hamburg-Altona ist also sicher um mehrcr Hundert höher als die angegebene Zahl. Wer gegenwärtig oder in nächster Zukunft nach Hamburg zureist, wird sicher damit rechnen müssen, mehrere Wochen arbeitslos zu sein. Hinzu kommt für die Glücklichen, die Arbeit gefunden haben, eine ständige Unsicherheit des Erwerbs. Viel« Unternehmer nutzen natürlich die Situation aus und ver- langen von den Gehilfen eine so hohe Ouantitätsleistung, die mancher Gehilfe beim besten Willen zu lcilten nicht imstande ist. So bilden denn manche Werkstätten, namentlich solche, die Bauten- arbeit verrichten, die reinsten Taubenschläge; unnachsichtig werden die Gehilfen auf die Straße gesetzt, die das verlangte hohe Ouan- tum Arbeit nicht zu leisten vermögen lZuslanck. Die erste Sitzung des nationalen Geueralstreikkomitccs. Brüssel, 18. Juli.(Eig. Ber.) Das vom außerordentlichen Parteitag zum Zweck der Organisierung des Generalstreiks eingesetzte Landeskomiree ist gestern zum erstenmal zusammengetreten. Es nahmen an der Sitzung teil die Mitglieder des Generalrats, die Delegierten der beruflichen Zentralen und Föderationen, der Ge- werkschaftskommission, der Ausschüsse des Genossenschastsverbandes und der Arbeiterversicherung„Prevoyance Sociale". Es wurde die Gründung von vier Kommissionen beschlossen, deren jede sich mit einem speziellen Gebiet der Organisation und Propaganda befassen wird. Die erste Kommission wird die Heraus- gäbe der schriftlichen Propaganda, die Veranstaltung von Meetings, Manifestationen usw. zu regeln haben. In die Kompetenz der zweiten Kommission fällt die finanzielle Mission für die Streikvor- bereitung(Schaffung von Fonds usw.). Die dritte Kommission wird sich mit dem Großeinkauf und der Organisierung der Lebensmittel- Verteilung an die Streikenden, der Suppenausspeisung beschäfligen. Die vierte Kommission endlich, der u. a. die Genossin Tille- m a n S, die erprobte Vertreterin der belgischen Arbeilerinnen- organisation angehört, wird die Unterbringung der Kinder der Streikenden, eventuell auch ins Ausland, zu besorgen haben. Diese Kommissionen entsenden ihre Delegierte» in das Bureau des Nationalkomilees, das dann mit diesen Dele- gierten das eigentliche Exekutivkomitee bildet. Mir der allgemeinen Verwaltung ist das Bureau des Generalrates beauftragt.— Das unter dem Vorsitz des Genossen De Broucköre tagende National« komitee für den Generalstreik nahm auch eine Protestresolution gegen die ungerechtfertigte Inhaftierung der Leitung der Antwerpener Ge- werkschaft der Seeleute(»Zeemansbond") an.— Bemerken wir noch, daß der ersten Kommission die Genossen Vandervelde, Anseele, Deströe, Wauters und De Broucköre an- gehören._ Der Kampf der Seeleute in Antwerpen. Man meldet uns aus Brüssel unterm 18. Juli: Die be- absichligte Interpellation über die Inhaftierung der Leitung des „ZeemanSbond" konnte nicht stattfinden, da die Kammer noch nicht geschäftsordnungsmäßig konstituiert ist. Der Antwerpener Deputierte Genosse Terwagne mußte sich daher auf einen kurzen Protest gegen das Vorgehen des Gerichts beschränken. Dieses Vorgehen zeigt sich in immer schönerem Lichte. So er- fährt die Oeffentlichkeit durch den Anwalt der Verhasteten, daß das Gericht in seinem Eifer Montag das Verhör von 4 Uhr nachmittag bis Mitternacht ausgedehnt hat I Und dies, obwohl einer der Verhafteten, der Sekretär Mahlemnnn, an einem argen Magenübel laboriert. Dem Anwalt wurde erst nach fünfmaliger Jnter- vention erlaubt, mit den Verhafteten zu sprechen I Da soll mau an die Unparteilichkeit der Gerichte glauben, wie das die Klerikalen neulich in der Kammer verlangten. Trotzdem das Syndikat ein formelles Dementi den klerikalen Verleumdungen entgegensetzte und aus öffentlichen Plakaten die niederträchtigen Beschuldigungen zurückwies, erklärt die klerikale Presse weiter, die Kontrolle der Buchhaltung des ZeemanSbond" habe ein Defizit von 1566 Fr. ergeben. Die Bande wird natürlich verklagt. Bei der Untersuchung der sozialistischen Seeleute benimmt sich die Polizei skandalös. Sogar Mißhandlungen sind vor- gekommen. Trotz oder gerade angesichts der Unterdrückung?» und Ein- schüchterungsakte zeigen die Streikenden Festigkeit und bekunden ihr Vertrauen zum„Zeemansbond". Die Streikenden rekrutieren sich von etwa 36 ausschließlich belgischen Schiffen. Die Red Star Line hat die Streikenden ausgesperrt und läßt die Arbeit zum Teil durch deutsche Gelbe besorgen. Diese Gesellschaft hat die Arbeiter erst zum Streik getrieben, um sie nachher auszusperren, um durch ihre Manöver dem Generalausstand in New Jork entgegenzuwirken. letzte ffochnchtcti. Ru zug vor der Oeffentlichkeit? Karlsruhe, 19. Juli. Die amtliche„Karlsruher Zeitung' bezeichnet das aus einem Berliner Blatte in badische Zeitungen übergangene Gerücht von einer MinisterkrisiS«IS jeder tatsächlichen Begründung entbehrend. Die Mitglieder des Staat�ministeriums erfreuten sich ohne Aus- nähme des vollen Vertrauens des Landes- Herrn. Weder jetzt noch zur Zeit des Landtagsschlusses sei das Ausscheiden einzelner Minister zu erwarten. Tie epidemische Luftflottenbettclei. London, 19. Juli.(W. T. B.) Die Luftschifferliga von Großbritannien hat einen nationalen Aufruf zur S a m m- lung von einer Million Schilling erlassen, die dazu beitragen soll, Großbritannien im Flugwesen mit dem Auslande aus gleiche Höhe zu bringen. Rom, 19. Juli.(P. T.) Die in den Zuchthäusern und Gefäng. nissen untergebrachten Sträflinge haben zusammen 15 666 Lire für die italienische Luftflotte aufgebracht. Einige der zu lebensläng. licher Haft verurteilten Personen haben je hundert Lire gespendet. Spitzbübische Eisenbahnbeamte. Magdeburg, 19. Juli.(H. B.) Infolge umfangreicher Eisenbahndiebstähle auf dem Bahnhofe Magdeburg-Buckau wurden 21 Rangierer und 2 Hehler verhaftet. Die Diebstähle sind jahrelang uncntdeckt geblieben. Ein Zigeuncrhcim abgebrannt. Ratzeburg. 19. Juli./z Millionen Dollar aufgewendet. Freilich beträgt die für Juwelen ausgegebene Summe 41 Millionen Dollar und die für Spitze» und andere Toiletieiisachen 44 Millionen Dollar. Aber wenn dle 40 Millionen wirklich für bedeutende Kunstwerke aus- gegeben worden wären, dann müßte Ainerika be»eits ein ivahrcs KunstparadieS sein. DieS ist aber, wie in einem Bericht des „Cicerone" mitgeteilt wird, nicht der Fall. Die eingeführten Kunst- werke sind zum großen Teil Nachahmungen und wertlose Export- war». — DaS Wachstum amerikanischer Großstädte. Die soeben abgeschlossene Bevölkerungsstatistik der Ver« einigten Staaten für das Jahr 1910 weist für Groß-New-Dork eine Einwohnerzahl von 4766 633 Köpfen auf, was ein Wachstum von 88.7 Proz. in dem seit der letzten Zählung vergangenen Jahr- zehnt bedeutet. In den sechs folgenden Großstädten der Union war die Bevölkerungszunahme im Vergleich zu der New Aorks geringer. So hat Chicago für das Jahrzehnt mit 2 446 921 Einwohnern eine Steigerung um 33.1 Proz., Philadelphia mit 1 972 342 Einwohnern 21.6 Proz., Boston mit 1620 470 Einwohnern eine Steigerung von 21,7 Proz., Pittsbourgh mit 1 042 8S6 Einwohnern eine Steigemng von 31,6 Proz. und St. Louis mit 828 733 Einwohnern eine solche vvn 27,6 Proz. «ebimg genommen werden. Es kann nicht im Interesse der Ber- Itncr liegen, so weitgehende Vorrechte zu verlangen, nachdem die Partei, ganz mit Recht, seit langem schon Berlin eine Ausnahme- stellung eingeräumt hat, insofern die Groh-Berliner Partciorgani- sation das Recht hat, zwei Beisitzer vorzuschlagen. Tamit ist die Ausnahmestellung der Berliner Organisation genügend anerkannt. Aus welchen Kreisen sollen aber die 1 bis 9 Beisitzer genommen werden. Tie Partciprcsse hat diese Vorschläge nur mit Ein- schrunkung akzeptiert. Das..Hamburger Echo" will keine Abgeord- ncten als Beisitzer haben, weil diese schon hinreichend im Partei- vorstände vertreten sind; das„Hallcsche Bolksblatt" hält es für be- denklich, dajj Redakteure als Beisitzer fungieren, weil ihnen dadurch die Freiheit der Kritik eingeengt werden könnte. Berliner Partei- und Gewerkschaftsbeamte würden angeblich wieder unter die Gefahr der bureaukratischen Verknöcherung leiden. Arbeiter, die in den Fabriken stehen, können sich nur ganz selten die Woche ein- bis dreimal einen halben Tag freimachen, um an den Sitzungen des Parteivorstandcs teilzunehmen. Das Rekrutierungsgebiet für diese Beisitzer wäre unter Berücksichtigung dieser Wünsche und Verhält- nisse kein allzu großes. Für die Abschaffung der Kontrollkommission, die von einigen Seiten verlangt wurde, war die Kommission nicht. Bei den wachsenden Aufgaben der Partei ist die Existenz einer Kontroll- kommission eine Notwendigkeit. Den Parteiausschuß kann man ebenso wenig mit den Aufgaben der Kontrollkommission betrauen, wie diese � mit den politischen Aufgaben, die der Entwurf dem Parteiausschuß zuweist. Die Kontrollkommission ist nach dem Ent- würfe nicht nur Oberrcchnungskammer, sondern auch Beschwerde- instanz gegen den Parteivorstand(§ 17 und 19 des O.St.). Gegen die Zuweisung der dem Parteiausschuß zugedachten Aufgaben an die Kontrollkommison hat sich in dem zitierten Artikel der„Neuen Zeit" bereits Genosse Kautskv gewandt: „Die Zuweisung der Funktionen eines politischen Partei- ausschusscs an die Kontrollkommission erscheint mir jedoch nicht zweckmäßig. Beide haben ganz verschiedene Aufgaben und sind daher in verschiedener Weise zusammenzusetzen. Die Kontroll- kommission hat den Parteivorstand zu überwachen und die Rechte der Mitglieder ihm gegenüber zu wahren." In der Debatte über die Beschränkung der Rechte der Fraktion, soweit ihre Teilnahme am Parteitage in Frage kommt, wurde u. a. vorgeschlagen, der ganzen Fraktion die Teilnahme zu gestatten, aber ihr das Stimmrecht zu nehmen. Dann sollte aber auch den Mitgliedern des Parteivorstandes und der Kontrollkommission das Stimmrecht genommen werden. Das letztere ist für eine demokratische Partei unannehmbar. Die Partei muß wissen, wie die Genossen, die sie als Parteivorstand und Kontrollkommission an die Spitze der Partei berufen, hat, zu den die Partei bewegenden Streitfragen stehen und deshalb muß sie verlangn, daß die Führer der Partei nicht nur das Recht, sondern die Pflicht haben, auf dem Parteitage zu stimmen. An der Spitze der sozialdemokratischen Partei sollen keine Genossen stehen, von denen man, wie von dem schwedischen Obersten Wrangel in Schillers„Wallenstcin" sagen kann: Sie haben bloß ein Amt und keine Meinung! Hus der Partei. AuL den Orgaiiisatioiic». Eine Versammlung des sozialdemokratischen Vereins in Zeitz beschäftigte sich mit den vorgeschlagene» Aenderungen deS Organi- satioiiSstatiils. Nach längerer Debatte wurden folgende, dein Kreis- tage des Wahlkreises Naumburg-Weißenfels-Zeitz zu unterbreitende Anträge angenommen: Die Festsetzung des Mindestbeitrages von 49 und 20 Pf. ist im Prinzip zu empfehlen. In den Kreisen, die Wochen- beitrüge von 19 Pf. erheben, soll dieser Modus beibehalten werden. In jenen Kreisen, wo ausnahmsweise sehr niedrige Löhne gezahlt werden, soll eine UebergangSzeit zugebilligt werden. Ter Reichstagsfraktion soll das Recht bleiben, auf dem Parteitag stimmberechtigt vertreten zu sein. Der P a r t e i a u S s ch u ß ist in der vorgeschlagenen Form abzulehnen. Dagegen ist der Parteivorstand durch einen un- besoldeten p o l i t i s ch e u B e i r a t zu verstärken, dem sieben Ge- Nossen migehorcn, die auf dem Parteitag zu wählen sind. Die K o n t r o l l k o m m i s s i o n behält ihre politische Funktion. Der sozialdemokratische Verein für Magdeburg veröffentlicht soeben seinen gedruckten Jahresbericht für 1911/12, in dessen Einleitung festgestellt wird, daß der Verein„an Umfang und Festigkeit im Geschäftsjahr wesentlich gewonnen" hat. Die Zahl der Mitglieder betrug am 1. Juli d. I. 7296(1911: 628ö>, darunter 1238 weibliche <1912). Von den Mitgliedern standen nur 831 im Alter unter 2ö Jahren, tvodurch das törichte Gerede der bürgerlichen Gegner Widerlegmig ersährt, daß die Mitglieder der sozialdemokratischen Otgauisatioilen nur uilerfahrene, jugendliche Leute seien. Der Verein hatte eine Eiiiuahnie von 40 545,39 M. und eine Ausgabe von 42,314,18 M. Sei» Kassenbestand betrug am 1. Juli d. I. 29 320,71 M. Erwähnt mag noch werden, daß mit dem 1. Oktober d. I, die von Partei und Gewerkschaften gemeinsam begründete Zentral- bibliothck mit einem Bestände von annähernd 19 999 Bänden er- öffnet wird. kZolireiliebea, Serlcbtlicbes uf», Wegen Bclcidigniig des wcimarischcn StaatsutinisleriiimZ halte sich der Veraniwortliche der„Weimarischen Volks- z e i t n n g", der Genosse F a b e r, bor der Slraskainmer in Weimar zu vcrantlvortcn. Im Dezember v. I. wurde in Bad-Snlza der Kassierer der städtischen Sparkasse in den Geineinderat gelvählt. Der Bezirksausschuß erklärte die Wahl aber für ungültig, da der Gewählte als städtischer Beamter nicht wählbar sei. Auf behördliche Anordnung wurde dailii eine Neuwahl vorgenonimen und ein anderes Geinemde- ratsniitglied gewählt. Auf eine Beschwerde erklärte nun das Staats- Ministerium als oberste Instanz die Wahl die Wahl de? Sparkassen- rendaiiten für rechtsgültig, da dieser lein städtischer Beamter sei. Dadurch wurde die zweite Wahl ungültig, und der Nengewählte mußte das Stadtparlanienl wieder vertassen. Durch eine Kritik dieser Angelegenheit in der„Volkszeitung" fühlte sich das StaatSnümsterium beleidigt und stellte gegen den Verantwortlichen Slrofanwag.� Der Angeklagte lehnte aber vor der Verhandlung nicht nur s ä m t- I i ch e Richter der Strafkammer in Weimar, sondern die deS Groß Herzogtums überhaiipt auS Besorgnis ab. Nach längerem Für und Gegen der Parteien vertagte das Gericht die Verhandlung. Eine besondere Bcslblußkmnmer hat zinmchst über den Ablehnungsantrag des Angellagten zu entscheiden. Hus Industrie und Kandel. Mannesmltnn. Unlöslich sind die ManneSmann mit dem Marokkokonflikt von 1911 vcrlniipft. Ebenio wie die alldeutsche» ManneSmäimer— nur in wirtschastlichcr Hinsicht w'e diese i» polnischer. TaS Mutter- initeriiehniel, der Gebrüder Mamiesmann, die ManneSmann- Nöbren werke, Düsseldorf, treiben seit Jahren eine äußerst scharte AnSdehnungSpoltlik. Die» läßt sich setzt, wo für 15 Millione» Mark neue Aktien dieser Werke zum Börseiihandcl zugelassen werde». wieder recht deutlich erkennen. DaS Ui,teri,«hmen besitzt heute ein Aklieiikapital von 45 Millione» Mark. Hilfele„t»»g n»ai,z>eller Art ge. währenihnt die Deutsche Bank, die Berliner Haitdelsgeielltchaft.d'eBailk- �äi.ser Jakob Stern und vo» der Hehdt u Co. Schon d.ese Name» zeigen, mit ivelcheu Mächten die Oefsenll,chk-,t anch.n der Mannes- mann-Marokkosache zu tun gehabt hat. Die Ma»i>,eZ>m»»Uverke haben ganz besonders im vergangenen Jahre planmäßig auf eine entscheidende Konzentn-rung des Nohre.,. Marktes hingearbeitet. V e r t a u f s g e m e i'' f"iL8",** u g9* wurden mit den Wittcirer Stahlwerken, Balcke, Tellerina u. Eo„ A.-G, in Benrath, Gustav Knittze, Walsergasschweißwerk U,-G. m Worms, Gewerkschaft Grillo. Funke u. Co. in Gelsenkirchen— Schalke u. Siegener Stahlröhrenwerke G. m. b. H. in Weidenau, abgeschlossen. Tie Gewerkschaft G r i l l o,-F n n k e u. Co. wurde völlig erworben. In erster Linie um die Blechbeschaffung für daS Schweißröhrenwerk der Maimesiitanngesellschafr sicher zu stellen. Im übrigen arbeiten die in Verkaufsgemeinschaft lebenden Werke unter einer scharf durchgeführten Arbeitsteilung derart, daß je ein Werk immer nur möglichst dieselben Größen und Qualitäten herstellt. Die Mamiesinaiinunteriiehmeii sind an einer ganzen Anzahl von Syndikaten, Kartellen, Vereiiligungen und Konventionen interessiert. Besonders wichtig ist, daß die ManneSmannwerke, deren offizielle Firmenträger es im Vorjahr verstanden haben, von Deutschland Schutz ihrer deutschen Wirtschaftsinteressen in Marokko zu fordern, selbst durchaus international arbeiten, also ftir sich das Recht i» Anspruch nehmen, in Ländern anderer Nationen auch Prozente holen zu köiiiien. So existiert eine British Mannes», ann Tube Co, >» London, eine Oesterreichische Mannesmannwerke G. m. b. H. in Wien, eine Socista Tubi Mannesman» in Mailand usw. usw. Ueber alle herrscht die Multergesellschaft zu Düsseldorf. Es ist außerordentlich interessant zu beobachten, wie international die Großindustrie von heute und mit ihr ibre wichtigste Helferin und— Herrin, das Finanzkapital ist, trotzdem kommen immer gerade von dieser Seite die größten„patriotischen" Räusche. Es sei nur an den Patriotismus unserer deutschen Schiffahrlsgesellschaften, an die Vaterlandsliebe des Kohlensyndikats, da? Deutschtum der Kali- gcwerkschaftsbesitzer und die preußische Liebe der Agrarier erinnert, die alle nach dem Ausland billiger verkaufen, mit dem Ausland Geschäfte machen, mit„Erbfeinden" gemeinsam die dummen Volks- massei, ausplündern, die„och an wirtschaftlichen Patriotismus und ähnliche» Schwindel glauben._ Ein pfiffiger Plan. Soeben wird der Geschäftsbericht des Kohlenkontors veröffent» licht. DaS Kohlenkontor ist eine Vereimgllng voii Syndikatsgruben. Es dient vorwiegend dem Auslandsabsatz und der Versorgung Süd- deutschland. Gleiche Interessen verbindet eS mit dem Syndikat. Trotzdem wird nun der Anschein einer Unstimmigkeit zu erwecken versucht. Der Bericht betont die Notwendigkeit, entgegen einem Ver- trage mit dem Syndikat, auch Kohle» von Außenseitern vertreiben zu dürfen. Das hört sich an, als gerate man mit solcher Forderung in Gegensatz zu», Syndikat. In Wahrheit dürfte hinter dem ganzen Plane nur die Absicht stehen, den Außenseitern auf diesem Wege einen Strick zu drehen. Dem Syndikat sind die nicht angeschlossenen Gruben natürlich ein Dorn im Fleische. Sie können ihn nicht ent- sernen, so lange die Außenseiter nach jeder Richtung Bewegungs- frelhcit haben. Dazu gehört auch die Unabhängigkeit in bezug auf den Absatz. Damit ist es jedoch vorbei, sobald sie auf den eigene» Verschleiß verzichten, ih» durch das Kohlenkontor besorgen lasten. Beherrscht dieses erst vollständig den Markt, dann sind ihm die Nichlsyndikatszechel, auf Gnade und Ungnade übergeben. Weigert sich dann das Kontor, Kohlen von Außenseitern zu vertreiben, dann sind diese vom Markte abgeschnitten. Sie muffen, wohl oder übel. in die rettenden SyndikatSarme flüchten.--- Der Absatz des Kohlenkontors stieg in, letzten Jahre von 19'/» auf 11'/« Millionen Tonnen, die Tonnendividende vo» 49 auf 65 Pf. oder inklusive der AufsichtSratstantieme von 4 535 493 M. auf 7 361 277 M. Wie wird man- erst im Golde schwimmen, wenn die erhöhten Kohlenpreise in Anrechnung kommen! Soziales. Beailstanbcte Gehilfenbeisitzetk. Mit einer ungewöhnlichen Beanstandung von Beisitzern trat in der letzten Verhandlung der 1. Kammer des Berliner Kaufmanns- gerichts die„Allgemeine Elektrizitätsgesellschast" auf. ES handelte sich um einen jener zur ständigen Einrichtung gewordenen Massen- Prozesse, in denen die von der Gesellschaft auf Grund des Vertrages verweigerte Gratifikationszahlnng den Klagegrund bildet. Im An- stellungSvertrage ist festgelegt, daß die Gratifikation stets eine „freiwillige Leistung" bleibe, und daß Angestellte, die zur Zeit der Verteilung nicht mehr im Hause tätig sind, überhaupt keinen An- spruch auf die Gratifikation haben. Der Vertreter der Gesellschaft führte nun in der Verhandlung aus, daß entgegen allen anderen Entscheidungen, die die Vertragsfreiheit hochhielten, gerade die 1. Kummer des Berliner Kaufmannsgerichts daS feines Erachtens unbegreifliche Urteil fällte, das trotz des klaren Wortlauts deS Vertrages dem Gehilfen die Gratifikation zusprach. Obgleich ein solches Urteil später von der Berufungskammer aufgehoben war, beharrte erst jüngst wiederum die 1. Kammer auf jhrrm Stand- Punkt. Die Gesellschaft hege nun die Befürchtung, daß der Ver- trag wieder nicht anerkannt wird, wolle aber, da wir in einem Rechtsstaat leben, die Verträge, die in Deutschland geschlossen wer- den, auch gehalten wissen. Die Vermutung läge nahe, daß die Gehilfenbcisitzer in diesen Fällen mit einer vorgefahtei» Meinung zu Gericht sitzen, und die Gesellschaft gebe diesen Richtern anheiin,. ob sie sich nicht selber für befangen erklären möchten. Von den in dieser Weise angegriffenen Beisitzern erwiderte einer, es mache den Eindruck, als sollte von der anderen Seite ein« veeinflussnng ausgeübt werden, während ein Prinzipalsbeisitzer dem Vertreter der Gefellsthast erwiderte, es kämen auch Arbeitgeber in die Lage, solche Verträge als sittenwidrig anzusehen. Nach der Beratung ergab sich dann, daß die Gehilfenbcisitzer sich nicht für befangen hielte». Das Urteil erging im vorliegenden Falle zuaiinsten der Gesellschaft, der Vertrag,- wurde für bindend angesehen so daß eine Verpflichtung zur Zahlung e,ncr Grati- fikation nicht bestehe. Der Vorsitzende Magistratsrat Techow, legte, wie in früheren Fällen auch diesmal dem Vertreter der beklagten Gesellschaft nahe, die Direktion möge doch in ihrem eigenen Jnter- esse ihren Standpunkt revidieren und die Gratifikation ein für alle Male als feste Zahlung anerkennen, wenn sich der Angestellte nichts hat zu Schulden kommen lassen.„Dieser ständige Ansturm auf den Vertrag kann Ihnen auf die Dauer doch auch nicht angenehm sein, und auf die paar Tausend Mark im Jahre wird es einer so großen Gesellschaft wie der Ihrigen Wohl auch nickt ankommen I" Wann wird dem Vertreter der A. E. G. die Einsicht kommen, daß„in einem Rechtsstaat" Verträge nichtig find, die gegen die guten Sitten verstoßen, insbesondere wucherische oder solche Verträge odco Vertragsklauseln, durch die der wirtschaftlich Stärkere die Lage des wirtschaftlich Schwächeren übermäßig ausnutzt? Ein Shylock, der auf Erfüllung des Wörtlauts seines sittenwidrigen Scheins besteht, ist kein Vertreter einer Rechtsordnung, sondern die Karikatur einer solchen._ Schwarze Listen. Die Lokomotivfabrik Arnold Jung in Jungenthal hatte seiner- zeit sieben technische Angestellte sofort entlassen, weil sie, deren Arbeitskraft schon übermäßig in Anspruch genommen war, sich weigerten, unbezahlte Uebcrstundcn zu machen. Diesem unerhörten Vorgehen hat die Firma Jung jetzt die Krone aufgesetzt, indem sie die entlassenew Angestellten) auch noch auf die schwarze Liste ge» setzt hat. E» wäre zu wünschen, daß die von dem TerrorismuS der Firma so schwer Benachteiligten, gegen die Verfemung durch„schwarze' Liste" auf Unterlassung und Schadensersatz klagten. Arbeit als Heilmittel. Der Stukkateur W. erlitt am 24. Februar 1999 dadurch einen schweren Betriebsunfall, daß er mit einer Rüstung zusammenbrach. Kovfverletzung und Gehirnerschütterung wurde als Unfallfolge fest- gestellt. Die Hannoversche Baugewerks-BerufSgenosseiiischast ge- währte die Vollrente. Trotz mehrfacher Heilversahren wurde eine Besserung des schweren Nervenleidens, das sich anschließend an den Unfall entwickelte, nicht erzielt. Vom 7. Dezember 1919 bis Anfang Januar 1911, also während vier Wochen, wurde W. wiederum seitens der Genossenschaft einem Krankenhause, und zwar dem Krankenhause für Unfallverletzte in der Hascnheide, überwiesen. Nach der Entlassung wurde die Vollrente auf 75 Proz. auf Grund ciiies Gutachtens des bekannten NerbenaczteS Dr. Plarzek hernkw gesetzt. Herr Dr. Placzek sagt zur„Begründung" der Herabsetzung der Rente: „Leider hat der Krankenhausaufenthalt voll bestätigt, was ich früher über den Patienten sagte. Es ließ sich nachweisen, ein trotz forcierter Ernährung und Ruhe eintretender Gewichtsverlust, Stö- rung der Gefäßinnervation, leidenden Gesichtsausdruck, nieder- gedrücktes Wesen, endlich eine dauernde, oft extrem gesteigerte Herz» erregbarkeit. Ganz besonders bedauerlich ist es, daß keine BeHand- lungsmethode, welche wir auch immer versuchten, einen Erfolg brachte. Trotz und alledem, gerade weil es nur Nervenstörungen sind, halte ich andauernde Versuche zu leichter Arbeit durchaus für angebracht... Gegen die Herabsetzung der Rente wurde von W. Berufung beim Schiedsgericht für Arbeiterversicherung in Hamburg eingelegt. Tos Schiedsgericht wies die Berufung zurück und erklärte in der Begründung der Entscheidung, daß es nicht darauf ankomme, die Frage zu beantworten, ob in den Verhältnissen, die maßgebend bei der Festsetzung der Vollrente waren, eine Aenderung eingetreten ist, sondern daß es sich vielmehr um die Festsetzung der Rente nach einem erneuten Heilverfahren handelte. Hierbei hat das Schieds- gericht auf Grund des Gutachtens des Dr. Placzc/ die Ueber- zeugung gewonnen, daß eine TSprozentige Rente ausreichend sei. Der von W. gegen diese Entscheidung eingelegte Rekurs beim Reichsversichcrungsamt hatte Erfolg. W. brachte zur Unterstützung feines Rekurses ein Gutachten des Nervenarztes Dr. M. bei, der da erklärte, daß es keinem Zweifel unterliege, daß auch jetzt noch eine sehr schwere funktionelle Nervenschwäche infolge)d«s Unfalls besteht. Dr. M. sagt weiter, daß jeder Beweis dafür,„wie ein Mann mit so schweren objektiven Gleichgewichtsstörungen, allgemeinem Zittern und erheblicher Herabsetzung der notorischen Kraft der oberen Extremitäten jetzt schon gewerblich tätig sein soll, fehlt". Inden Ent- scheidungsgründen des ReichsvcrsicherungSamtes heißt es u. a.: „Im Gegensatz zum Schiedsgericht hat das Reichsversicherungsamt auf Grund des Befundes, den der Nervenarzt Dr. Placzek in seinem für den neuen Rentenfestsiellungsbeschcid de» Beklagten maßgebenden Guiachten niedergelegt hat, nicht die Ueberzeugung gewonnen, daß der Kläger einen, wenn auch nur geringen Teil der Erwerbsfähigkeit wiedererlangt hat, die er infolge des Unfalls vom 24. Februar 1999 eingebüßt hatte. Das Reichsversicherungsamt ist der Ansicht, daß der Kläger eine im wirtschaftlichen Leben verwert- bare Arbeitskraft zurzeit noch nicht befitzt. In dieser Auffassung ist der erkennende Senat durch das Gutachten des Dr. M. noch bestärkt worden." W. erhält nun die Vollrente weiter. Das vom Reichsversicherungsamt für nicht ausschlaggebend er» achtete Gutachten steht nicht vereinzelt da. Solche Gutachten machen es begreiflich, wenn in weiten Kreisen der Versicherten der Glaube verbreitet ist, die von der Genossenschaft gehörten Aerzte seien nur dazu da, unter allen Umständen eine Besserung in dem Zustande eines Verletzten zu konstatieren, denselben möglichst„gesund zu schreiben". Da Wird vom Arzt der Genossenschaft erklärt,„daß keine BeHandlungsweise, welche wir auch anwandten, einen Ersolg brachte, daß trotz forcierter Ernährung und Ruhe ein Gewichts» Verlust eintrat". Und trotzdem der Versuch einer Herabsetzung der Rente, um Arbeit als Heilmittel zu probieren. Ob der Verletzte wirklich Arbeiten verrichten kann, wird außer acht gelassen. Hinzu kommt, daß& einem derart schwer kranken Menschen absolut un» möglich sein dürfte, geeignete Arbeit zu finden. In einer Zeit, wo Hunderte gesunder Personen wochenlang nach Arbeit laufen müssen. der Unternehmer gesund« Arbeiter zur Verfügung hat, Wird ein kranker Mann überhaupt nicht damit rechnen können, in Arbeit genommen zu werden.___ Hus der frauenbeweefunef« Die UnterhaltLsätze für uneheliche Kinder. Gomäß Z 1798 des Bürgerlichen Gesetzbuchs ist dem unehelichen Kinde von seinem Bater der der Lebensstellung der Mutter ent- sprechende Unterhalt zu gewähren. Die überwiegende Mehrzahl der Mütter der unehelichen Kinder gehört dem Dienstboten- oder Arbciierstande an; ihre Lebensstellung entspricht den Lebensver- Hältnissen der unbemittelten Volkskreise. Sie unterscheidet sich im einzelnen gar nicht oder nur uiUvesentlich und gestattet daher die alcichmäßige Festsetzung der Unterhaltsbeträge. Tatsächlich haben sich auch bei den einzelnen Amtsgerichten sogenannte Mindestsätze herausgebildet, Sätze, die ohne den Nachweis besonderer Bedürfiiisse regelmäßig zugebilligt werden, wenn sich die Lebensverhältnisse der Kindsinütter nicht über das Niveau der breiten Schichten des Volkes erheben. In den verschiedenen Gegenden des Reiches und bei den verschiedenen Amtsgerichten schwanken die Mindestsätze aber ganz außerordentlich. Der Rat Dr. Link in Lübeck hat eine Umfrage über die Mindestsätze vorgnontmen und die Antworten von 1779 Amtsgerich- ten in einer im Verlage von Colemann in Lübeck erschienenen Schrift zusammengestellt. Es seien hier einige Stichproben wieder- geben. Für Bcrlin-Mitte betragen die Mindestsätze für 5tinder von 1 bis 6 Jahren 369 M.. von 7 bis 16 Jahren 429 M., für Berlin-Schöneberg 399 M., für Hamburg 399 M., B r e s l a u 216 bis 249 M.. München 249 bis 369 M.. L e i p. zig 269 M., Frankfurt a. M. 399 M. für di« ersten 6 Jahre. 369 M. für die weiteren Jahre. Hannover hat 249 M., Halle a. S. für die Stadt 216 bis 249 M.. für das Land 163 bis 216 M.. Magdeburg(Stadt) für Kinder von 1 blS 6 Jahren 399 M., für solche von 7 bis 16 Jahren 369 M., Königsberg 216 M.. Kiel 249 M., Nürnberg 298 M. ufw. festgesetzt. Im Gegen- sntz zu diesen verhältnismäßig hohen stehen folgende recht med- rigen Sätze: Pölitz i» Pommern 96 M., Rothenburg in Bayern 89 M„ M i t t e n f e l s in Bayern 69 bis 79 M.. Hei- l i g e n b e i l in Ostpreußen 72 M.) Regen in Bayern 48 M. ufw. Ob man wirklich glmibt, daß mit solchen Beträgen ein Mensch, und sei es auch nur ein Kind, ein ganzes Jahr zu e» halten ist? Die Alimenienbeträge können den unehelichen Vätern vom Lohn gepfändet werden. ES darf aber nur soviel gepfändet werden, daß dem Schuldner der„notdürftige Unterhalt" im Sinne§ 850 der Zivilprozeßordnung belassen wird. Auch über dieses unantastbare„Existenzminimum" haben sich bei den ein- zelnen Gerichten einheitliche Sätze herausgebildet. Hier seien folgende Beispiele genannt: Berlin-Mitte 2,59 M. täglich. Kiel 2 M., Wiesbaden 79 M. pro Monat. Stettin 69 M� pro Monat. Regensburg 13 M. pro Woche. Mannheim 70 bis 80 M. pro Monat, Kronach iBayern). 12 M,, Krempe(Schleswig) 15 M.. Langen. selbold(Hessen) 10 M. pro Woche. Landsberg(Schlesien) 80 Pf. pro Tag ustv. Diese Sätze zeigen gleichzeitig, unter welchen elenden Ver- Hältnissen die arbeitende Bevölkerung ibr Leben fristen muß. DaS 20. Jahrhundert soll bekanntlich dem Kinde gehören. Hoffentlich kommt das Jahrhundert auch daz». die Fürsorge für uneheliche Kinder besser zu regeln. Heute find diese Unglücklichen vielfach auf die mangelhafte Armenfürsorge angewiesen. KrUfKafon der Kcdahtion. Die juristische Sprechstunde findet bis auf weitere» von 7 dis 9'/» Uhr abends— Sonnabends von 4l/3~® Lindcustr. 69, IV. Etage(Fahrstuhl) statt. ?>' t- Anmeldung des Gewerbes muh bei der DIreMon sitr die Verwaltung der direkten Steuern. Jüdeitstr, 56,60 ersolgen sirnd bezieht sich Rr alle von Jbnen angegebenen Gegenitande, 2. In den zum dauernden Aufenthalt und regetmühtgen Verkehr von Menschen bestimmten Räumen dürsen nicht mehr als 15 Kilogramm Benzin usw. ausbiwahrt weiden. Die Ausbcwahrung darf nur in gelchlossenen Gesähen ersolgen. Gesähe zur Ausbewahrung gröberer Mengen als 2 Kitograuun müssen auS verzinnten, verzinktem oder verbleiten Blech hergestellt sein. In verkauss- und sonstigen GeschästSräumen dürsen bSchftenS 30 Kilogramm ausbiwahrt werden, wenn diese(Räume iu leiner Veroindung mit Wohnräumen usw. stehen oder von ihnen rauch- und seuersicher abgeschlossen sind, Sie können die iimsangretchen PollzeiverordnlMgen hierüber coent, bei uns einsehen.— - P. K 7«. Der„Vorwärts" war zu der Eiiitvclhung nicht geladc» Der Bericht flammt aber von einem Teilnehmer. «v \1> w w «v w % jgseeee«***«sssssss� +31 v> Unserm Genossen Paul Siewert n-W Braut| die herzlichsten Glückwünsche zur Vermählung. Alle Genossen des 551. Bez. 6. Kreis. Todes-Anzeigen Deutscher Bauarbeiter-Verband. Zweigverein Berlin. Sektion der Pntzer. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied �uxust kippelt Friedenau, am 17. Juli verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Sonntag, den 21. Juli, nach- mittags i'l, Uhr, von der Halle des Gcn�cindesriedhoss in Friedenau, WUHclmstraße, auS statt. 140/20 Die örtliche Verwaltung. Vefba!iiiilerSättleru.Porteieiiiiler Ortsverwaltung Berlin. Den Kollegen hiermit zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Täschner Jahn verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 20. d. Mis., nach- mittags 4';4 Uhr, von der Leichen- balle des Marius< KirchhoieS, Wilhelmsberg, auS statt. 157/16 Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Drtsverwaltung. TodeH-Anaieljte. Am 18. Juli verstarb nach schwerem Leiden unser lieber Sohn, Bruder, Schwager und Onkel, der Schristsehcr .Alftred Schulz im 30. Lebensjahre. DieS zeigt liesbetrübt an Familie Selinke. Die Beerdigung findet am Montag, den 22. Juli, nachm. 4 Uhr, aus dem Oslfriedhosc in AhrenSscldc statt. Absahrt des Zuges vom Schlcsijchcn Bahnbos (Wriezencr Bahnsteig) 3.15 nach- mittags. 25tgb Todes- Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die tramige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater .Jotisim Gungowski am 18. d. M. plötzlich am Schlag- ansall gestorben ist. Frau Gungowslli nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Montag, nachmittags 5 Uhr. von der Leichenhalle des städtischen Friedhojs in FriedrichSscldc aus statt. Am 18. dieses Monats starb plötzlich unser braver Parteigenosse Th. Völker. Derselbe war seit einem Dutzend Jahren als Berichterstatter und Mitarbeiter am„Vorwärts" tätig. Durch seine Gewissenhaftigkeit und stete Pflichttreue erwarb er sich die Zuneigung und das unbedingte Vertrauen aller. Sein Andenken werden in Ehren halten Die Aufsichtsinstanzen des„Vorwärts": Der Parteivorstand. Die Preßkommission. Am 18. Juli verschied nach langem, schwerem Leiden| derBuchdruckereibesitzerundGesohäfteführer der„Tribüne" Friedrich Theodor Stegmann im 72. Lebensjahre. 293/18| Dies zeigt Freunden und Bekannten tiefbetrübt an Frau Witwe Fr. Stermanv. Erfurt, 13. Juli 1912. Die Einäscherung der Leiche erfolgt am Sonntag, 1 den 21. Juli, im Krematorium zu Gotha. Danksagung. ür die zahlreichen Beweise aus- liger Teilnahme bei der Beerdigung unseres lieben Vaters, Schwagers und Sohnes Hscmauii Radicke sagen wir hiermit allen Beteiligten unseren herzlichsten Dank. 72a '~ Fai■■ I. A.: tinilie Fechner. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teil- nähme sowie Kranzspenden bei der Beerdigung meines Sohne» sage aus diesem Wege allen Kollegen der städtischen Zentrale Buch sowie dem Pftegerpersonak der Irrenanstalt Buch herzlichen Dank. 2511b Witwe pauiine Bürger. Danksagung. Für die rege Teilnahme und die herrlichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau JnkoMii« Sprung, unserer beizcnsgnten Mutter, Schmie- ger- und Großmutter, sagen wir allen Bekannten, insbesondere dem Wahlvercin Berlin IV(264. Bezirk), ganz besonders dem Verein der Frauen und Mädchen sür seine große Ehrung, sowie dem Gesangverein der Schuhmacher unseren oerbind- lichsten Donk. 2521b Im Namen der trauernden Hinter- bliebenen: Karl Sprang. Danksagung. Für die rege Teilnahme und die herrlichen Kranzspenden bei der Bc- erdigung meiner lieben Frau, Augufte Springer, unserer herzensguten, un- vergeßlichen Mutter und Schwieger- mutier, sagen wir allen Verwandten und Bekannten, insbesondere dem Radsahrvercin der 5. Abteilung und den Kollegen der elektrischen Zentrale der Auergesellschast unseren Dank. Im Namen der Hwterbliebenen Karl Springer nebst Kindern, At �—* o fA.__ r Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, 10—2. 5—7. 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Kopf 5 pl Rot- oder Weisskohl Kopf 5 pl Mohrrüben............ 4 Bund 10 pl Schoten.................. pfnnd 12 pl Grüne Bohnen........ Pfund 14 pl Kaffee pfu„di.3o, J.4o � Himbeer-od.KirsckaftF.�eSS S Soweit'Vorrat; B Die mit-K- bezeichneten Artikel sind B von der Zusendung ausgeschlossen. Z "Geflügel■ Gänse.................. Pfand 63, 75pl Enten..............»« 2.00, 2.50 8 Junge Hühner......»«<->- 65, 85 p<-| Suppenhühner»1.75, 2.25 a Kutter und Käse S Feine Molkerelhutter 65«§ Schweizer Käse........... et�QQp, n Tilsiter Käse................. Pfand 78pt B Limburger Käse............ Pfand 55pt g Briekäse....................... p-and ZZPL Romatour Käse..............»tack 29 pl Zz Landkäse.................. 2»tack 35 pl■ "Räucherwaren S Aale..... Pfund 1.10 Aale..Bond 40«- Flundern........................»tack 5pl■ Räucherheringe........... 2»tack 15« Matjes-Heringe»tack b,. NeueVollherings 2 stack15pf. Neue saure Gurken»tack Sk Apfelwein 3 Flaschen 95 PL Theater und Vergnügungen Sonnabend. 20. Juli 1S12, Ansang 7'/, Ul>r. Prater. O diese Berliner. Ansang 8 Uhr, Urania. Geschlossen. tköniggrktzer Strafte. Die süns Franlsurter. rsüi' Kurfürftcnopcr. Der Tanzanwalt. Reue». Der liebe Augustin. Berliner. Groge Rosinen. Sch>i»>>. Cbartottenburg. Das Konzert, Thalia. Autoliebchen. Merrunoi, Schwindelmeier u, Co. Apollo. Spezialitäten. Passage. Spezialitäten, Reirtishallen. Dresdener Vikwria- Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. Anfang 8'/« Uhr. Lcssing. Vergniigungsreise. Sirues Tlbaiiipieiiiaus. Sylvester Schäster, 1. Klasse. Lnstiptelhaus, m. b. H, Neues Lperetten. Nr, 10, Fricdr.- Wilh. Schauspielhaus. Die keusche Susanne. Rose. Die Tragödie einer Ehe. Folies Caprice. Parisiana- Ensemble. Ansang 3'/, Uhr, Kleines. Der Unverschämte. Der Arzt seiner Ehre. Der Herr mit der grünen Krawatte, Königstadt-K asino. Spezialitäten. Ansang 10 Ubr, Rdmiralspalast. Eisballett: Avonne, Sternwarte. Jnvalidcnstr. b?— 62. Ein Königreich P-rfettsitz Schiller-rhestet Charlottenburg. Daö Konzert. Lustspiel in 3 Wen von Heim, Bahr, Ansang 8 Uhr. Ende 10-,. Uhr, Morgen und solgende Tage: Konzert. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Grotze Rosinen. IIieaterillllei'iiöliigMörStMe Abends 8 Uhr: Die 5 Frankfurter. OSE=THEATE Graste Franfsurtcr Str. 132. Die Tragötlie einer Ehe. Ansang 8'/. Uhr, Aus der Gartenbühne: Jnhu! Es ist erreich»! Gr. Revue. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Ter liebe Slugustin. Operette von Leo Fall. Metropol- Theater. MMi Phantastisch musikalische Komödie in 3 Akten aus dem Englischen völlig srei bearbeitet von I. Freund. Musik van R. Nelson. U. a. Tänze v. W. Bishop. In Szene gescyt vom Dir. R. Schultz. Ansang 8 Ubr. Rauchen gestattet. Nur noch kurze Zeit! I Hakenbecks Indien — Tempelhofer Feld.— GröOte Sehenswürdigkeit Berlins! Schaustellungen! Vorstellungen! Volksbelustigungen! 5 Kajtelleii! Unbeschrankter zwangloser Anf enthalt! Große Wirtschaftsbetriebe mit Unterhaltungs- Konzert. Macri Soliothi's Ohne Extra-Fntree! Sonntag lll/> Uhr vm.: Große Matinee! Femer Vorstellungen: 3, 5, 7, 8',„ 10 Uhr. Stehplatz 50 Pfennig. Beservierte Plätze: Loge 2.00, I. Tribüne 1.50, II. Tribüne 1.00. Kinder u. Militär die Hälfte. (am Schlesischcn Bahnhos.) Morgen Sonntag von mittags 2 Uhr ab ca.-/, stündlich nach Restaurant „Kz-ffhUnser". Daselbst groftes Gartenkonzert und Ball. Einlache Fahrt wochentags M, Sonntags 30 Ps. Fahrgäste zahlen kein Entree. Deute Sonnalieiul große Dampfer-Proaieoailenlalirt. mÄ. 2 Uhr nach Noltei'zßol'lei' Schleuse. Sück°S0Ps. ist der schönste Ausflugsort? � Immer noch Picheiswerder, °H-"rs.rafte'' beim Alten Freund. Ab 8 Uhr. Sensationeller Lacherfolg! Clown Alf. Daniels mit(einen Zirkusspästen. Ada Pagini Sgl. Kammervirtuosin, und 10 weitere grofte Attraktionen. Gastspiel der berUhmtenDresdeDen Tietoria-Säuger. Ansang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7-/, Uhr. DieUnfallgefahren in derHolzindustrie iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiHiiiiiimimiiimiiiiiiiHiimiiii Wander-Ausstellung des Deutschen Holzarbeiterverbandes vom 23. Juni bis 21. Juli T912 im Berliner Gewerkschaftshaus, Saal III Engelufer 14-15 Geöffnet v.9-T u.4-<>Uhr Sonntags von 9-1 Uhr::: Deutscher Holzarbeiter-Verband 9•IT LOGISCHER GARTEN Großes Militär- Doppel-Konzert. Heute: Große Festbeleuchtong. Eintritt 1 Mark, Kinder unter 10 Jahren die Hallte. *" LI ist UUsUttt/ss L/ L» ißLCUllC*— M— J Verantwortlicher Redakteur; Ulbert Wachs. Berlin. Für den JnjeratenteU oeranlw.: Th. Glocke, Berlin. Track u.Äeriags Vorwärts ARU Sonnabend: EÜtetag Feuerwerk (Deichmann& GaUwitz). Sonntag Volkstag. 30 Pf. Kinder frei! Attraktionen zu besonders ermäßigten Preisen. Voigt-Theater. Gesundbrunnen Badstratze SS. Heute sowie täglich: Die Tochter der StZt Gr. rom. Ausstattungsstück m. Tanz und Gesang in 5 Bildern. Neue Bcleuchtungsessekle usw. usw. u. d. graste Spezlalitäten-Programm. Kassenerössnung 2 Uhr. Anf. 4 Uhr. Köuigstadt'Kasino. Ecke Holzmarkt- u. Alexanderstr. ml AuA! B UlaiiiBUBioieni und„Die weiße Dame'' Schwank mit Gesang. Telephon Reederei Kaiml& Hertzer ��-2062. DainpIer-ExtFalahrten ah Waisenbrlieke. A bsahrt 9 und 2 Uhr. Morgen Sonntag nach lirainpenhnrg. Hin und zurück 1 M. Jeden Montag und Donnerstag nach Ereihad Grünau, Krampcnburg u.\ euc Mühle Jeden Dienstag und Freitag nach Äien-Ahibeek und Woitersdorfer 8ehiense Jeden Mittwoch nach Freibad Grünan, Krampcnburg und Zlcgenhals Jeden Mittwoch nach Dcupltz(Dornows Id�II) lübsahrt?'/, Uhr vormittags. Hin und zurück SS Mark. äiufierbcm; Extra- Ferienfahrten: Am Montag Abfahrt 2 Chr. Hin u. zurück SO Pfennig. den 22 und Mittwoch, den 24., Donnerstag, den 25„ den 26. Juli, nach m!er Hesienwintel. Absahrt 10 Uhr vormittag». und zurück 80 Pf., nach Hessenwinkü 50 Ps. Am Mittwoch, d. 24., Donnerstag, d. 23., u. Freitag, d. 26. Juli, . über Neue Mühle mit Rundfahrt bis zum nach �jeriivvorf Ulleis« aus der idyllisch schönen Lanke. Abfahrt 9>/, Uhr vorm. Hin und zurück 80 Ps., Neue Mühle SO Ps. Achtung! Am Sonntag, den 28. Juli, nach Krampcnburg. Absahrt 9 Uhr. Hin und zurück 1 Marl. Am Sonntaa. den 23. Juli, und am 4. August nach —(Tornows Idyll). Absahrt 7»/, Uhr. �CU�liy Hm und zurück 2 Mark. Fahrscheine sind vorher w unserem Kontor zu haben!_ Ab Weidcndammcrbrücke: Am Donnerstag. �HÖDCII, durchs die herrlichen Havelseen. den 23. Juli, nach Abs. 8'/, vorm. Hin u. zurück 1 M. Kr. 167. 29. Jahrgang. 2. fitilnp Ks Jotmürtf Jiftliiitt Sonnabend, 20. Inli 1912. Hus aller Melt. Ter Polizeimord in New Aork. Heber d i e Mordaffäre Rosenthal wird ge- meldet: Die mit der Ermittelung der Mörder Rosenthals betrauten Detektivs entwickeln Tag und Nacht eine fieberhafte Tätigkeit und verfolgen bereits mehrere Spuren.(Hoffentlich mit besserem Erfolg als die Detektivs in Mark Twains Kri- minalgeschichte„Der gestohlene Elefant"! Red.) Der be- rüchtigte Spieler I a ck R o s e, ein Freund des Ermordeten. der in Spielerkreisen unter dem Spitznamen„Billardball" be- kannt ist, hat sich gestern morgen auf die Polizeipräfektur be- geben. Rose, der im Alter von 50 Jahren steht, ist sehr elegant gekleidet und tritt sehr zuversichtlich auf. An beiden Händen trägt er kostbare Brillantringe. Er erklärte dem Polizeikommissar, daß er eine der Personen sei, die sich in dem Mordauto- mobil befunden hatten. Er habe den Wagen aber verlassen, bevor die Mordtat passierte und h a'b e von dieser überhaupt nichts gewußt. Rose wurde gestern dem Staatsanwalt vorgeführt, dem er ebenfalls erklärte, daß er an dem Verbrechen unschuldig sei. Bürgermeister G a y n o r von New Jork hat die Untersuchung persönlich in die Hand genommen. Ein Polizist, der bei der Ausübung des Verbrechens sich in einem gegenüberliegenden Lokal befunden hatte und Zeuge der Bluttat ivar, wurde von seinem Amte suspendiert. Er erklärte, daß er durch die un- geheure Menschenmenge, die sich an dem Tatorte angesammelt hatte, an der Verfolgung verhindert worden sei. Am Donnerstagabend fand unter überaus zahlreicher Beteiligung die Beisetzung des ermordeten Spiel- Höllenbesitzers Rosenthal statt. In dem Trauer- zuge waren alle Verbrecherkategorien New Jorks vertreten, Diebe, Einbrecher Spieler. Bezeichnend ist, daß sich in dem Trauerhause sämtliche Spielhöllenbesitzer New Jorks ein- gefunden hatten, um den Verdacht, daß s i e an der Er- mordung Rosenthals beteiligt seien, zurückzuweisen. Der Staatsanwalt W h i t e m a n ist nach wie vor der festen Ueberzeugung, daß die Anstifter zu dem Mord in den Kreisen höherer Polizeibeamtcu zu suchen sind. Wie es heißt, soll die Verhaftung mehrerer hoher Polizeibeamten dicht bevorstehen. Dieses Gerücht gewinnt immer mehr an Wahrscheinlichkeit, nachdem die Verteidiger des ver- hafteten Chauffeurs vor Gericht die Erklärung abgegeben haben, daß die Polizei die Ermittelung der wirk- lichen Urheber der Mordtat anscheinend nicht wünsche. Dies entnehmen die Verteidiger aus einer Aeußerung der Insassen des Automobils. Diese sollen dem Chauffeur, als er wegen einer kleinen Panne Rast machen wollte, zugerufen haben:„Sehen Sie denn nicht ein, daß die Polizei uns entkommen lassen will?" .Schwerer Marineunfall. Bei Flottenmanövern deutscher Kriegsschiffe wurde ein Tor- pedoboot gerammt, so daß es nicht nur schwere Be- s-Bdigungen erlitt, sondern auch drei Mann der Besatzung dabei getötet wurden. Das.W. T. B." meldet darüber unterm IV. Juli: Das Torpedoboot G 112 kam gestern abend beim Nacht- angriff vor dem Bug S. M. S. Hessen und wurde in der Höhe des hinteren Turmes gerammt. Leider sind bei diesem Unglücksfall drei Mann der Bootsbesatzung ums Leben gekommen. Es sind die? der verheiratete Maschinist Schattschneider, dessen Frau in Rüstringen bei Wilhelmshaven wohnt, der Matrose B o e s ch e n aus LUoberstädt bei Geestemünde und der Heizer Pfeiffer aus Jena. Das Boot wird nach Kiel geschleppt Ein neuer Sittenskandal in Paris. Ein aufsehenerregender Sittenskandal, in den zahlreiche Damen der besten Gesellschaft verwickelt sind, wird aus dem Badeorte Vichy gemeldet. Die dortige Polizei hatte entdeckt, daß in einem Hotel in der Rue Pastcur seit einiger Zeit wüste Orgien gefeiert wurden. Als man der Sache näher auf die Spur ging, stellte es sich heraus, daß eine Reihe von Damen aus den ersten Gesellschaftskreisen in dem betreffenden Hotel eine Reihe von Zimmern gemietet hatten, in denen sie sich den ungeheuerlichsten Exzessen hingaben. Sje hatten es verstanden, junge, nunderjährige Leute an sich zu fesseln, die sie in den gemieteten Räumen zu kaum glaublichen sexuellen Aus- schreitungen verführten. Die Behörden haben eine strenge Unter- suchung eingeleitet. Eine Reihe von Verhaftungen steht bevor. Ein Pfarrhaus-Jdyll. Kaum zu glauben ist, was der„Bayer. Landeszeitung" aus Langendorf bei Hammelburg berichtet wird. Seit einigen Jahren schon ist dem dortigen Pfarrer Hemmerlein aus gewissen Gründen die Ausübung der k i r ch- lichen Funktionen entzogen, und ein auf Staatskosten berufener Pfarrvcrweser besorgt seitdem die kirchlichen Angelegenheiten. Vor Jahresfrist wurde bereits die„Strafversetzung" des Pfarrers nach Wülfershausen verfügt, aber der Pfarrer l e i st e t e dieser Verfügung einfach nicht Folge und blieb wohl- gemut im Pfarrhause. Vor kurzem hieß es, der Parrer werde mit Gewalt aus dem Pfarrhause geschafft werden. Und siehe da, am lv. Juli erschien die Gendarmerie von Hammelburg sowie bestellte Möbelträger in Langendorf. Der Pfarrer hatte aber wohl vorher von dieser Maßregel erfahren und war schleunigst nach Hammelburg zum kgl. Bezirksamt gegangen. Dort wurde ihm nochmals eine kurze Frist zum freiwilligen Auszüge bewilligt, worauf die Gendarmen wieder abzogen. Abends gab es dann im Pfarrhause einen für die Pfarrkinder sehr erbaulichen Auftritt. Der Pfarrverweser hatte nämlich mit der zungenfertigen Pfarrersküchin eine Auseinander- setzung, wobei sie ihm Gesicht und Hände zerkratzte und er ihr eine Ohrfeige versetzte. Spät in der Nacht hörte man dann im Pfarrhause Schüsse falle n. Aus dem nahen Wirts- bouse stürzten, die Gäste eiligst herbei, aber der Pfarrverweser beruhigte sie; es sei„nichts Besonderes" vorgefallen. Anderen Tages begann Pfarrer Hemmerlein freiwillig aus dem Pfarrhause auszuziehen._ Kleine Notizen. Durch die Kohlenstaubexplosion im Maschinenhause der Braun- kohlen grübe Ober-Breuna bei Merseburg wurden, wie bereits gemeldet, gestern vier Arbeiter schwer und mehrere leicht verletzt. Die Schwerverletzten wurden in das Krankenhaus Berg- mannstroft in Halle eingeliefert, wo sie im Laufe der ver- gangenen Nacht gestorben sind. Vom Blitz erschlagen. Bei Mannheim wurde am Donnerstag- nachmittag eine mit Feldarbeit beschäftigte Frau aus dem Vorort Neckarau bei einem niedergehenden heftigen Gewitter vom Blitz- schlage getötet. Die Preise steigen. Ein eigenartiger Fall hat sich in der pommerschen Stadt Wolgast zugetragen. Für die am 7. Juli statt- gefundene Regatta des Rudervereins waren 50 M. als Preis gestiftet. Um nun dieses Geld wieder dem Stadtsäckel zuzuführen, wurde der Preis der Erlaubniszettel zum Einsammeln von Wald- beeren von 76 Pf. auf 2 M. erhöht. Natürlich nicht mit der mit- geteilten Begründung. Waldbeeren sammeln die Aermstcn der Armen, und Mitglieder des Rudervereins sind die Angehörigen der„besseren" Gesellschaft. Wer da hat, dem wird gegeben! Durch den Flugzeugpropcllcr enthauptet. Auf dem Fingfelde von Bouthüon bei St. Etienne i» Frankreich wurde der Techniker R e n a r d, als er einen Motor in Gang brachte, von der Schraube des Flugzeuges erfaßt und enthauptet.— Da schon wiederholt bei dem gefährlichen Anwerfen des Propellers von Flugzeugen schwere Unglücksfälle vorgekommen sind, sollte doch an jedem Flug- zeugmotor eine Vorrichtung angebracht werden, die das Ingangsetzen des Motors vom Führersitz au« ermöglicht. Dreißig Personen durch Hauseinsturz erschlagen. In dem Dorfe Gerga in Daghcstan(Tiflis) sind beim Einsturz eines HauseS etwa dreißig Personen unter den Trümmern begraben worden.'Dreiundzwanzig Leichen, in der Mehrzahl von Frauen, sind geborgen. Marktbericht von Berlin an, 18. Juli ISIS, nach Ermittelung des lönigl. Polizeipräsidiums. M a r t t h a l l e n p r c if e.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen ö4,00— 50,00. Speiscbohnen, weiße, 30,00—60,00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffeln(Kleiiihdl.) 10.00— lK.OO. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchflcisch 1,50— 1,80. Schweinefleisch 1,50—2,00. Kalbfleisch 1,50—2,40. Hammelfleisch 1,70-2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 3,40—5,20. 1 Kilogramm Karps-ii 1,20—2,20. Aale 1,20—3,20. Zander 1,60—8,60. Hechte 1,20—2,80. Barsche 0,80—2,40. Schleie 1,20—3,20. Bleie 0,80-1,60, 60 Stück Krebse 2,00—40,00._____ Witterungsübersicht vom 19. Juli 1912. Swinemde. tamburg erlin Fyanks.a.M. München Wien 754 SO 754.'?! 753lSO 752ND 753W 754lO@D Wetter 3 heiter iiRegcn 3chall> bd. 3!Regcn 2!wolkig 3|hciter »8? fil hS) Stationen Ii C taparanda etersburg Scilly Zlderdcen Paris - ff c S Bf 76132 762!NO 764!NNO 76ZNNW 758iN Wetter 4 wölken! 1 wollenl 3 heiter bedeckt bedeckt s" 8? [Wa 16 17 14 11 14 Wetterprognose für Sonnabend» den 29. Inli 1912. Kühler, veränderlich, vielfach wolkig mit Gewitterregen und ziemlich frischen nordwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Wasferstands-Nachrichte» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wctterburcau. Wasserstand W em et, Tilsit P r e g e I, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krossen Franlsurt Warthe, Schrimm Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Lcitmeritz , Dresden , Bardo , Magdeburg am 18. 7. ein. 86 -45 20 91 68 74. ■32 ■47 —30 65 —185 64 65 feit 17. 7. ein1) —4 +4 —2 —3 — 1 —5 —4 —5 0 —7 -8 — 1 0 S a a H a v S p r Wes Rhe Neck ai ios Waflerstand l e, Grochlitz ei, Spandau st Rathenowst tt, Sprembergst Becskow e r, Münden Minden i n, Maximiliansau Kaub Köln a r, Heilbronn n, Hanau e l, Trier am 18. 7. om 34 26 14 60 77 82 167 478 236 213 37 99 — ö seit 17.7. omst 0 0 0 —4 0 —7 -hg —2 —7 —7 -i-3 —3 — 3 st+ bedeutet Wuchs,— Fall.— st Unterpegel. Erdrückende Beweise gegen unsere Feinde Um unsere Behauptungen, die H. K, G. sei die billigste Bezugsquelle für Herren- und Knaben- Bekleidung und biete dem Publikum bedeutende Ersparnisse, jederzeit beweisen zu können, haben wir bei mehreren Konkurrenten Einkäufe machen lassen und festgestellt, dass diese Artikel bei regulären Verkaufspreisen erheblich, und zwar bis zu 25 0/„ teurer sind wie bei uns. Eine Firma, die bestimmte Artikel zu„enorm billigen" Preisen anbietet, ist trotz der„enorm billigen" Preise mit einem Artikel noch 20% teurer wie wir, Die Beurteilung dieses Tatbestandes, welcher jedes Misstrauen und jeden Zweifel gegen unser Verkaufssystem beseitigt, überlassen wir dem geehrten Publikum! Herren-Kleider-Vertriebs-Ges. Nur: Neue Schönhauser Sirasse 1» m. b. H. Selbstkostenpreis+10% Deutschlands grösstes Special-Geschäft für Herren-, Jünglings-, Knaben-, Sport- und Berufsbekleidung jeder Art mit dem Verkaufs-Sysfem Selbstkostenpreis 4-10 0/o Selbstkostenpreis+10% Dfloien-Stefel schwarz Im. 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Branchen- angelegenheiten. ——— mtglledsbach legitimiert.——— Werte Kollegen! ES wird erwartet, dajj in der Versammlung niemand fehlt, da die Tagesordnung eine wichtige ist. Montag, den ÄÄ. Jnli 1S1Ä, abends 7 Uhr, in Graumanns Jestsälen, Naunynstratze 27: Groke Versammlung aller in der Schraubtnbrauchk beschäftigt. Arbeiter nnd Arbeiterinnen. Tagesordnung: 1. Jahresbericht der Agitationskommission. 2. Diskussian. 3. Neuwahl der Agitationskommission, Wahl des Branchenvertreters. 4. Verbands- angelegenheiten. LV Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Zahlreicher Besuch wird erwartet Montag, den 22. Juli 1111.2, abends 8 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 38/ai): Kranchen- Kersammlung der Werbzeugmachtr sSchnittbauer, Lehrenbaner, Schueldzeng- macher, Einrichter, Scharfschleiser) sowie sämtlicher in den Snchdrnckertimaschitten-Fabriken beschäft. Kollegen. Tagesordnung: 1. Vortrag des Landtagsabaeordneten Genossen II. Ströbcl. 2. Diskussion. 2. Neu- und Ersatzwahlen der Agitationskommission. i. Branchen- und Verbandsangelegenheiten. In Anbetracht der Reichhaltigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Kollegen, zu erscheineil. SW Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt.-tzHEJ 121/6___ Bio Ortsverwaltnng. iiigemeine Kranken- u. Sterbekasse der deutschen Drechsler und deren Berufsgenossen(E. H. 86 Hamburg), Mitglieder-Nersammlimge» finden statt: RAyifL- Ä am Montag, den ÄÄ. Juli, abends 8>/z Uhr, im uezil n. /\ GeiverkschaftShauS, saal 3. d am Montag, den ÄÄ. Juli, abends S1!, Uhr, bei »»" Blilert, Koltbuser Straste 19. Com Montag, de» ÄS. Juli, abends 8-/, Uhr, bei Bartselt, Alte Jakobstr. 18/19. rt am Montag, den SS. Jchi, abends 8'/. Uhr, bei », u llniunicl, Sophienstr. 5. TageS-Ordnung: 1. Geschäftliche?. 2. Vierteljährlicher Kassenbericht vom 2. Quartal 1912. 3. Besprechung über die künftige Gestaitung unserer Krankenkasse. 4. Verschiedenes. 293/17 Die Ortsverwaltungen. vas xrükte �bonnementsdaus feinster HerreN-ModCfl J. 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Fünfter Kreis. U. Abteilung Sonntag, den 21. Juli, Familien- dusflug nach Sadolva-Pferdebucht. Treffpunkt: Alexanderplatz (.Berolina"), morgens 3'/z Uhr. Die Kreisgcneralversammlnng des Sozialdemokratischen Wahlvereins für Nicderbarnim tagt am Sonntag, den 21. Juli, vormittags 10 Uhr, im Cafe Bellevue in Rummelsburg. Hauptstr. 2. Auf der Tagesordnung steht: 1. Tätigkeitsbericht vom 1. Juli 1911 bis 30. Juni 1912. 2. Beratung und Beschlußfassung übpr das neue Kreis- statut. 3. Wahl der Kreisfunktionäre. 4. Stellungnahme zur Vorlage des neuen Verbandsstatuts für Groß-Berlin. 6. Anträge. Zur Teilnahme sind verpflichtet: Die gewählten Dele- gierten, die Bezirksleiter und die Kreisfunktionäre. Die Parteimitglieder, die den Verhandlungen als Gäste beiwohnen wollen, haben als Legitimation ihr' Mitgliedsbuch vorzuzeigen._ Der Kreisvorstand. Kölligs-Wusterhausen. Abfahrt zum Kreisfest nach Restaurant .Müggelschloh" bei Friedrichshagen ab Königs-Wusterhausen 1 Uhr, ab Wildau l,05 Uhr. Falkeuhagen-Seegefeld. Morgen Sonntag, den 21. Juli, nach- mittags 3 Uhr, treffen sich alle Parteigenossen mit Familie im Restaurant Wehner in Waldhain, wo eine wichtige Besprechung statt- findet. Der Vorstand. Staaken. Heute Sonnabend, abends s'/z Uhr, findet in Gnädigs Gasthos Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tages- ordnnng: 1. Kassenbericht. 2. Anträge zur KreiS-Generalversamnilung und Wahl eines Delegierten. 3. Vortrag des Genossen Mühle. _ Der Vorstand. Berliner IMacbricbtem Ein Bad am Müggelstrand. Der Müggelsee ist das größte Wasserbecken, welches die Spree bildet. Seine Länge beträgt über 4>/z, seine Breite über 2'/z Kilometer. Er ist ein Meer in Miniatur. Bei klarem Himmel wimmelt es auf ihm von Ruder-, Segelboten und Dampfern. Wenn aber hoch oben schwarze Wolken dahin- jagen, wenn der Sturm das Wasser peitscht, sieht die Müggel gar grimmig aus. Dann bilden sich Wellen, daß ein größeres Boot sich dahinter verstecken kann, und ängstlich meiden Ruderer und Segler die offene See. Mit dem umgrenzenden Wald und den Müggelbcrgen an der südlichen Seite bietet sich uns ein herrliches Panorama. Der billige Vorortverkehr ermöglicht es Tausenden, dem Großstadttrubel zu entfliehen und hier nicht nur das Auge zu weiden am Anblick der herrlichen Landschaft, sondern auch sich, so wie die Natur ihn geschaffen, von der Sonne bcscheinen und dem klaren '- Wasser umspülen zu lassen. Ein Besuch des Freibades ermöglicht uns, den Müggelsee in seiner ganzen Schönheit zu genießen. Verschiedene Wege führen von Friedrichshagen aus dort- hin. Man kann mit der Straßenbahn fahren bis zu den ' Wasserwerken und hat dann noch einen Weg am See entlang von 30 Minuten. Oder man geht vom Bahnhof nur die Friedrichstraße geradezu bis zum See und fährt per Motor- boot zum Freibad. Von Station Rahnsdorf der Vorortbahn führt der Weg rechts durch den Wald und erreicht man in zehn Minuten das Ziel. Der letzte Weg endlich führt von Bahnhof Friedrichshagen aus auf schattigen Waldwegen nach dem See. Wir folgen links der Schöneicher Chaussee, biegen dann rechts ein und kommen bald, nach Ueberschreitung der Bahn, an die Ufer der Müggel. Bis zum Freibad ist es im ganzen 1 Stunde Wegs. Weiter gehts am Ufer entlang. Mancher wird an die frohen Stunden er- innert, die er in vergangen«« Jahren hier verbrachte. Keine Mcnschenscele sieht man heute hier baden.— Bald starrt uns ein Drahtzaun ent- gegen. Allerdings etwas unästhetisch; aber bald werden grüne Ranken den Zaun verhüllen. Eigenartige Bauwerke sind hier erstanden, teils oben im Wald, teils unten am Strande. Das Ganze ist in seiner Schlichtheit ein Meisterwerk. Gleich der Haupteingang ist so einladend, daß er uns förmlich hineinzieht. Einen Obulns müssen wir natürlich springen lassen. Ein richtiger Naturzaun trennt den oberen Teil des Bades vom eigentlichen Strande. Natürliche Treppen führen uns hinab. Wir sind im Familienbad. Auch gibt es ein Männer- und Frauenbad; doch hindert im Wasser kein Drahtzaun die Geschlechter am gemeinsamen Baden. Zelte — es sind deren 6— ermöglichen es insgesamt 1500 Personen, sich zu entkleiden. Daneben gibt es eine Wäscheausgabe und Fahrradstände. Genügend Brunnen sorgen für frisches Trink- Wasser. Samariter sind ständig anwesend, und eine weit hörbare Notglockc ruft schnell Hilfe herbei. Das ganze Bad ist über 000 Meter lang. Leider viel, viel zu klein. Im Volke liebt man derartige Kasernicrung nicht. Man ist ideeller gesonnen und verlangt nach absoluter Freiheit; aber der Fleiß und die Kunst, die hier halfen, ein derartiges Werk zu vl�leuden, versöhnen uns etwas mit der ganzen ört- lichen Begrenzung. Die imposante Wasserfläche, der mit Erlen bestandene Strand, auf erhöhtem Ufer der Kiefermvald, überall in schöner Anordnung die in Holz errichteten und mit Schilf aede-kten Gebäude, daneben richtige Leinenzeltc und endlich enizwiichen eine Masse sonnengebräunter, nackter Gestalten im Saicbe liegend, im Wasser plätschernd— das ist Leben, das ist Natur.' Ein Indianer aus Wildwest würde Aehnlichkeit mit seinem Heimatdorfe finden. So praktisch dies Freibad aber auch eingerichtet sein mag. es hat auch seine Schattenseiten. Und die bestehen in der örtlichen Begrenzung, die wiederum die Polizei ständig auf den Beinen hält. Da das eingezäunte Freibad dem Bcdürf- Nisse in keiner Weise entspricht, nehmen sich Badelustige die Freiheit, außerhalb der vorgeschriebenen Grenzpfähle wie früher zu baden. Das ist jetzt aber verboten. Und sofort erscheint die Polizei, um Jagd auf die Badenden zu machen. Durch diese Tätigkeit wird die Polizei in außerordentlichem Maße in Anspruch genommen, um zu notieren und später Strafmandate folgen zu lassen. Eine recht unangenehme Begleiterscheinung des errichteten Freibades l Theobald Bölcker ch. Die eifrigen VersammlungÄbesucher unter unseren Lesern wer- den ihn kennen, ebenso die Angehörigen der Gewerkschaften. Wenn der stille, bescheidene Mann im schütteren Vollbart seinen Platz in der Versammlung aufsuchte, wußte man: das ist ein Berichterstatter des„Vorwärts". Die wenigsten aber wußten mehr von ihm und die wenigsten kannten seinen Namen. Nun war Theobald V ö l- cker ein fleißiger und gewissenhafter Berichterstatter; aber er war mehr. Der ehemalige Buchbindergesell«, als den wir ihn vor länger als einem Jahrzehnt kennen lernten, hatte sich eine umfassende Kenntnis der nordischen Sprachen und der nordischen Literatur an- geeignet. Er beherrschte das Dänische und Schwedische in voll- endeter Weise und hatte ausreichende Kenntnisse auch im Holländi- schen. Als Uebersetzer aus diesen Sprachen diente er dem„Vor- wärts" gelegentlich zuerst, später dann wurde sein Verhältnis zu unserer Redaktion ein festeres und er griff unter Aufgabe seines Buchbinderberufes zum Broterwerb durch Berichterstattung. Auf zahllosen Kongressen hat dann V ö l ck e r seine Sprachkenntnisse als Uebersetzer betätigt. Auch den schriftlichen Verkehr mit unseren nordischen Genossen vermittelte er. Wer vom hohen Norden nach Deutschland kam, suchte Vö Icker auf, der den Parteifreunden da oben dem Namen nach vielleicht bekannter war, als der großen Masse der deutschen Genossen. Auch auf literarischem Gebiete betätigte Völcker sich. Wie er in den übrigen Teilen'des„Vorwärts" mit- arbeitete, so auch am Feuilleton und in der„Neuen Welt". Den nordischen Dichter Johan Falkberget hat kein anderer ent- deckt und in die deutsche Literatur eingeführt, als unser Theobald Völcker. Er hat die prachtvolle Uebersetzung von„In der äußer- sten Finsternis" besorgt. Mitten in der Uebersetzung eines anderen Werkes von Falkberget ist er gestorben. Auch die nordische Malerei und Skulptur kannte er. Sein Stil war einfach und gerade wie der Mensch. Diese einfache Natur war auch wohl die Ursache, daß er der großen Masse unbekannt blieb. In unserer Zeit ist es leider in der Literatur und in der Journalistik Mode geworden, jede halbwegs gelungene Arbeit nach Art der Legehühner gackernd der Mitwelt als neuestes bewunderungswürdiges Erzeugnis anzumelden. Und alle Angehörigen des literarischen Hühnerhofes gackern anerkennend mit. Zu d e n Nahireri, die der Welt auf diese Weise ihren Wert zu beweisen suchen, gehörte Völcker nicht! Er fand in der Arbeit seine Befriedigung und geizte nicht um den Ruhm. Ohne Pose, wie er lebte, starb er auch. Am Dienstag bat der tot- kranke Mann uns, ein paar Tage„aussetzen" zu dürfen; er fühle sich„nicht wohl". Das Befinden hatte sich bis Freitag nicht gebessert. In einem erneuten Schreiben teilte er daS der Redaktion mit und bemerkte wehmütig, er werde wohl den ihm zustehenden Urlaub im Bett oder gar im Krankenhause zubringen müssem Als dieser Brief bei uns eintraf, ging auch von seinen Angehörigen die Nachricht von seinem Tode ein. Er wähnte, er habe die Feder nur kurze Zeit aus der Hand gelegt; der große Allbezwinger Tod riß sie ihm ganz fort. Mit Theobald V ö l ck er starb ein schlichter, ernster, pflichtgetreuer Mann! An die Arbeiterjugend Grosz-Berlins! Wie in den Vorjahren, so wird sich auch�in diesem Jahre die gesamte proletarische Jugend Groß-Berlins zusammenfinden, um durch Wanderungen in die freie Natur Körper und Geist zu stählen. Am Sonntag, den 21. Juli 1312, findet ein MassenauSflug zum„Alten Freund" auf Pichclswerdcr statt. In Berlin erfolgt von nachstehenden Treffpunkten der Abmarsch früh 7 Uhr: Gesundbrunnen: Vinetaplatz und Humboldthain(Normaluhren)— Badstraße, Ecke Schwedenstraße— Exerzierstraße(Normaluhr). Fahrgeld 20 Pf. Schönhauser Borstadt: Bahnhof Schönhauser Allee. Fahrgeld 40 Pf. Nordost: Arnswalder Platz— Danziger Straße, Ecke Greifslwvlder Straße— Danziger Straße, Ecke Weißenburger Straße. Fahr- geld 20 Pf. Moabit: Slromstraße, Ecke Turmstraße(Denkmal im Kleinen Tiergarten). Fahrgeld 20 Pf. Südost: Görlitzer Bahnhof(Unfallstation)— Lauisitzer Platz(Kirche). Fahrgeld 40 Pf. Süden: Hohcnstaufenplatz(Normaluhr)— Moritzplatz— Lindenstraße(Jcrusalemer Kirche)— Dönhoffplatz(Steindenkmal). Fahrgeld 40 Pf. Osten: Samaritcrstraße, Ecke Frankfurter Allee— Weidenweg, Ecke Zorndorfcr Straße— Comcniuspla— Küstriner Platz— Strausberger Platz. Fahrgeld 40 Pf. Wcdding: Malplaquetstraße, Ecke Nazarethbirchstraße— Nettelbeckplatz(Normaluhr). Rosent Haler Vorstadt: Pappelplatz, Ecke Ackerstraße— Gartcnplatz, Ecke Ackerstraße(Litfaßsäule)— Arkonaplatz, Ecke Fürsten- berger Straße— Teutoburger Platz, Ecke Templiner Straße. Fahrgeld 30 Pf. Westen-Südwesten: Bcllealliancestraße, Ecke Gneisenaustraße— Bülowstraße, Ecke Mansteinstraße. Fahrgeld 30 Pf. Der Abmarsch erfolgt pünktlich 7 Uhr früh. Einmarsch im Lokal von 11— 1 Uhr. Proviant und Liederbücher mitbringen. Die Mitglieder der Jugendsektionen der Gewerkschaften sowie die Turner gehen, falls ihnen näheres seitens ihrer Leiter nicht bekannt wird, zu dem ihrer Wohnung nächstliegenden Treffpunkt. Die Jugendlichen der Vororte treffen sich an ihren be- kannten Treffpunkten, Einmarsch im Lokal wie oben. Den Anordnungen der Ordner ist unbedingt Folge zu leisten. Auf zum MassenauSflug! Eine„NeberwachungSbehörde" für WohlfahrtSeinrichtungen ist von der„Kreuzzeitung" entdeckt worden. In einem Artikel(in Nummer 327 vom Ib. Juli), der uns erst jetzt zu Gesicht kommt, erzählt sie entrüstet:„Schon wiederholt hat die sozial- demokratische Parteilei ung sich Wohlfahrtseinrich- tungen(Asylen, Heilstätten usw.) gegenüber als U e b e r- wachungsbehörde aufgespielt". Um das zu beweisen, will sie„ein paar beachtenswerte Fälle derartiger Anmaßung" vor- tragen. Die Darstellung des ersten Falles wird in dem Blatt folgender- maßen eingeleitet:„So ist vor kurzem in Hohenelse, dem der LandcSversichcrungsanstalt Brandenburg gehörigen Genesung-'� heim, ein Berliner„Obergcnosse" in Begleitung eines„Protö- kollführers" erschienen, um dort die Pfleglinge über Beschwerden zu„vernehmen", die an den„Vorwärts" � und die sozialdemokratische Parteileitung gerichtet worden waren..... Der„Obergenosse" und sein sogenannter Protokollführer aber mußten un- verrichteter Sache abziehen, da die Leitung des Genesungsheimes sich diese Art von Uebcrwachung verbat". Im„Vorwärts"(Rum- mer 137 vom Ib. Juni) wurden nach jenem Besuch die Beschwerden zum Teil wiedergegeben. Mit hoffentlich hinreichend klaren Worten stand da zu lesen:„Eine Beschwerde über Hohen- eise war vor kurzem an die Zentralkommission der Krankenkassen Berlins und der Vororte und in demselben Wortlaut auch an die Redaktion des„Vor- wärts" gelangt"..Hinzugefügt wurde ein den Besuch in Hohen- eise schildernder Bericht, der so begann:„Zur Prüfung all dieser Beschwerden hielt der Vorsitzende der Zentralkommission der Krankenkassen,, Genosse SimanowSki, es für ratsam, in Hohenelse an Ort und Stelle eine Aufklärung des Sachverhaltes zu versuchen". Nebenbei bemerkt: auch in der Anstalt Hohenelse war der den erkrankten Oberinspektor ver- tretende Sekretär Zuckert nicht einen Augenblick darüber im Zweifel gelassen worden, daß es die Zentralkommisston der Kran- kenkassen war, die— vertreten durch ihren Vorsitzenden Sima- nowski— eine-Prüfung der ihr zugegangenen Beschwerden herbei- führen wollte. Wie muß es in dem Hirnkasten so eines„Ltreuz- zeitungs"-Manes aussehen, der es fertig bringt, die sozial- �emokrastische Parteileitung mjst der Zen'-al) k o m m i s s i o n der Krankenkassen zu verwechseln! Drollig ist auch die Idee, den Begleiter Simanowskis als„Proto- lollführer" einzuschätzen. Die„Krcnzzeitung" spricht nachher von ihm als dem„sogenannten Protokollführer", obwohl nur sie selber es ist, die ihn so genannt hat. Die Gewissenhaftigleit, mit der in der„Kreuzzeitung" der Fall dargestellt ist, wird gekennzeichnet durch ihre Angaben über die Beschwerden. Sie weiß nur folgendes zu melden:„Es handelt sich dabei um Klagen über zu dünn ge- strichene und zu schwach belegte Butterbrote, hauptsächlich aber um die ärztliche Anordnung, daß als Heilmittel für die Pfleglinge eine angemessene Beschäftigung ins Auge gefaßt werden solle". Von weiteren Beschwerden steht nichts in dem Junkerblatt, obwohl im„Vorwärts" eine beträchtliche Anzahl sehr beachtenswerter Klagen wiedergegeben worden umr. Der zweite„Fall derartiger Anmaßung" betrifft die der Landcsversicherungsanstalt Berlin gehörende Heilstätte Beelitz. Hier handelt es sich um die Verfügung des Vorstandes der Ver- sicherungsanstalt, daß die Besuche von Angehörigen der Kranken einzuschränken sind. Wie„beweist" die edle„Kreuzzcitung" hier, daß„die sozialdemokratische Parteileitung"„sich als Ueberwachnngsbe Hörde aufgespielt" hat? Sie weiß nur zu melden:„Der„Vorwärts" erhob dagegen schärfsten Wider- spruch und verlangte Aufhebung dieser Bestimmungen". Weiter nichts! Wir fragen noch einmal: Wie muß eS in dem Schädel des Menschen aussehen, der da die„sozialdemokratische Partei- leitung" als„Ucberwachungsbehörde" entlarvt zu haben sich freut! Daß der Vorstand der Versicherungsanstalt„diese Anmaßung zu- rückwies, indem er darauf aufmerksam machte, daß die Heilstätte Beelitz kein Ausflugsort für die Berliner Arbeiterschaft sei", erfüllt die„Kreuzzcitung" mit Genugtuung. Zum Schluß hebt sie hervor, daß der Vorstand der Landesversicherungsanftalt Berlin „als überaus„arbeiterfreundlich" bekannt" sei. Dabei setzt merkwürdigerweise sie selber das Wort„apbcitcrfreundlich" in Gänsefüßchen. Es hieße, dem Gefasel zu viel Ehre antun, wenn man cS ernst behandeln wollte. Auch bei den Patienten, die mit ihren Beschwerden sich an den„Vorwärts" gewandt haben, wird dem Junkerblatt nur ein Heiterkeitserfolg blühen. Möge der Spaß, den sie daran haben, ihnen hinweghelfen über den Verdruß, den die in den Anstalten herrschenden Zustände ihnen bereiten. Im Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen. Wie wenig Wert mitunter spätere Rckognitionew haben, zeigte ein Fall, der gestern die 11. Strafkammer des Landgerichts I be- schäftigte. Angeklagt wegen schweren Diebstahls im strasfchärfendeu Rückfalle war der Arbeiter Johannes Wolff. Der Augeklagte, welcher in seiner Jugend zwei Vorstrafen wegen Diebstahls erlitten hat und sich deHalb im strafschärfenden Rückfall befindet, hatte sich schon einmal am 25. März dc I. wegen Diebstahls im Rückfall zu verantworten gehabt. Er wurde seinerzeit beschuldigt, von einem Neubau in der Großen Frankfurter Str. 123 einen der Firma Janeck u, Vetter gehörigen Sack mit Werkzeugen im Werte von 150 M. gestohlen zu haben. Da er als Zeuge ver» nommene Wächter Schirmer seinerzeit unter seinem Eide erklärte, daß er den Angeklagten mit aller Bestimmtheit als den Täter wiedererkenne, wurde der Angeklagte, trotz seines heftigen Be» strcitens zu der bei schwerem Diebstahl im Rückfalle bei Zubilligung mildernder Umstände niedrigsten gesetzlich zulässigen Strafe vo» einem Jahre Gefängnis verurteilt. Während der Angeklagte diese Strafe in dem Strafgefängnis Plötzensee verbüßt, stellte Rechtsanwalt Dr. Carl Locwenthal als Verteidiger des W. weitere Ermittelungen an. Er stellte fest, daß der Angeklagte an jenem Tage, den 3. August 1911, bei der Firma Held u. Franke auf dem Neubau der„Viktoria" bis nach 8 Uhr abends gearbeitet habe, während nach dem eidlichen Zeugnisse des Wächters Schirmer der Diebstahl schon um YiS Uhr verübt worden war. Der Verteidiger erbat von der Firma Held u. Franke die Lohnlisten und stellte aus diesen fest, daß W. cur jenem Tage tat- sächlich 14 Stunden gearbeitet hatte. Ferner gelang die Feststellung, daß W. an jenem Tage von dem in der Lindcnftraße gelegenen Neubau der„Viktoria" direkt nach einer in der Kaisenn-Augusta» Allee in Charlottcnburg gelegenen Laubenkolonie eines Bekannten gefahren war. Unter Mitteilung dieser festgestellten Tatsachen be- antragte der Verteidiger die Wiederaufnahme des Verfahrens. Diesem Verfahren wurde auch stattgegeben, ebenso wurde die weitere Strafvollstreckung sofort unterbrochen. In der gestrigen Verhandlung ergab es sich, daß der Angeklagte tatsächlich zu Unrecht angeklagt und verurteilt worden war. DaS Gericht erkannte deshalb auf Aufhebung des ersten Urteils upd Freisprechung des Angeklagten. Ein tödlicher Unglücksfall ereignete sich gestern vormittag zwischen 9 und 10 Uhr beim Neubau des Museums, Der Maurer Paul N c tz k e r, Schöneberg, Coburger Straße 16, wohnhaft, stürzte während der Arbeit infolge eines Fehltritts in einen 8 bis 10 Meter tiefen Schacht und wurde in bewußtlosem Zustande nach der Königl. Klinik geschafft. Schon auf dem Wege dahin erlag er seinen schweren Verletzungen. Um ihn trauern Frau und fünf Kinder. Vom Hitzschlage getroffen wurde gestern mittag auf dem Exerzierplatz an der Schönhauser Allee ein unbekannter Mann. Ein Schutzmann sah den Mann anscheinend schlafend daliegen. Er wunderte sich aber, daß dieser zu seinem Schläfchen sich gerade in die brennende Sonne gelegt hatte. Ills er ihn wecken wollte, merkte er, daß er bewußtlos war. Er brachte ihn deshalb nach der Hilfswache in der Gaudystraße, wo der Arzt aber nur noch seinen Tod feststellen konnte. In den Taschen des Toten, dessen Leiche nach dem Schau» hause gebracht wurde, fand man Papiere auf den Namen eines am 6. Februar 1861 zu Caputh gebürtigen Arbeiters Neinhold Scheffler. Eine Wohnung war jedoch nicht angegebene Geschäftscinbrecher statteten in der Nacht zu sieflern vem Weißwaren- und Putzgcschäft von Ida Markus in der Passauer Straße 8/9 einen Besuch ab. Sie verschafften sich gewaltsamen Eintritt in den Laden und hielten unter den Vorräten große Auswahl. Sie stahlen Straußsedern und Pleureusen, Seiden- und Samt- stoffe, Damenmäntel, Skunksboas usw. im Gesamtwerte von unge- fähr 5009 Mark. Von den Tätern fehlt jede Spur. Hilflos aufgefunden wurde gestern morgen gegen 8 Uhr auf dem Königsplatz eine unbekannte, anscheinend geistesschwache Frau von ungefähr 25 Jahren. Die Hilfslose wurde zur Charite gebracht, wo sie nicht imstande war. ihren Namen anzugeben. Die Unbe- konnte trug ein Helles Kleid, einen blauen Mantel, schwarze Halbschuhe und einen weißen Hut. Aus dem Luisenstädtischen Schiffahrtskanal wurde vor dem Hause Engelufer 2a die Leiche eines unbekannten Mannes, an- scheinend ein Schiffer oder Arbeiter, gelandet. Der Tote ist un- gefahr 35 Jahre alt und 1,60 Meter groß, hat blondes Haar, einen rötlichen Schnurrbart und trug ein schwarzes Jackett, eine dunkel- blau und braun gestreifte Weste und Hose und braune Segeltuch. schuhe. Am Mittelfinger der linken Hand hat er eine veraltete Narbe, durch die die Fingerspitze größer als die übrigen ist. Die Leiche wurde nach dem Schauhauje gebracht, AiiS Groß-Bcrlin. Von den stotistischen MonotSberichten„Groß- Berlin" ist soeben Heft 1/2 des 3. JohrgongeS erschiene». Zu den bisher bcrllckstcktiliten Bororten find jetzt die Landgemeinden Groh« Ziethen und Marzahn, sowie die Gutsoczirke Falkenberg und Wühl- Heide hinzugetreten. Materiell ist die Berichteistattung durch PrciS- gusainmenstellnng für Vieh. Fletsch und Fische und einer Reihe sonstiger. LebenSmittel euveitert Ivordeir. Die Aufstellung zeigt eine zunehmende Tendenz bei einer Reihe von Fleischartcn und-Sliicken. welche sich Mich über den BeobachtunaSzeitrbum lJanuar— März 1312) hinaus fortgesetzt und verstärkt hat. So kostete im Monat»durchschnilt im Mai dieses JahrcS Rindfleisch um 4—7 Pf. für das Pfund, Kalbfleisch Um 2—5 Pf.. Hammelfleisch um 4— 0 Pf., Schweinefleisch um 3—4 Pf., Roggen- sowie Weizenbrot um 2 Pf. mehr als im Mai 1311. lieber dte EntWickelung der Be- Dvlkenmg lIrost- Berlins iverden interessante Zahlen mitgeteilt. Vcilm mit den an dte hiesige Statistik angeschlossenen 64 Vororten zählte bei drb letzten Volkszählung 3 711 003 Bewohner. Der Zweckvcrband Ärog. Berlin umfafzte' zu dem gleichem Zeitpunkte <1. Dezember 1910) 3 347 300 Seelen und kommt somit bis zu 33,6 �Proz. in den statistischen MvnatSberichtcn zur zahlenmäßigen Daritellung. Berlin und jene 64 Vororte haben im Jahre 1310 um 126 700, im Jahre 1911 um 119 200 Personen zugenommen. Das ZnnahnrevcrhälwiS war demnach im letzten Jahre um 0,32 Proz. geringer. Die Zunahme Berlins selbst betrug im Jahre 1910 14 310. im folgenden Jahre 12 100, so dah auch hier ein Sinken des Zunahmeverhältniffcs zu verzeichnen ist. 9lcv:t'Bestimmangen»Iber Fahrpreisermäßigungen auf der MsenÄahn für die Ausflüge der Jugendvereine sind am � Kraft getreten. Danach ist bei solchen Ausflügen die Hciiite des Fahrpreises für die dtitte Wagenklasse der PersonenNüge zu zahlen. Bei Schnellzügen wird eine Vergünstigung nicht ge- Mährt. In Betracht kommen solche Vereine, die einer staatlich ge- forderten Organisation für Jugendpflege, vornehmlich dem Bund Jungdeutschland, angehören und deren Mitglieder das 20. LebcnS- ja.hr noch nicht vollendet haben,. Die Leitung des Ausfluges muh eine erwachsene Person übernehmen und sich dem BahnhofSvorstande gegenüber als mit der Leitung betraut ausweisen können. Die Er- maßigung wird jedem Verein bis zu zwölfmal im Jahre gewährt. Die Teilnchmerzahl must mindestens zehn Personen betragen, auf je zehn Mitglieder darf höchstens eine NufsichtSperson entfallen, der die Ermäßigung ebenfalls zusteht. AlS Mindestentfernung für mtie�isahrtrichtung gelten zehn Kilometer, die Höchstenlfernung für c.-Uagige Ausflüge ist au- 75 Kilometer beschränkt. Falls die Ve- Nutzung eines Eil- rh«r Schnellzuges gewünscht wird, ist eine be- sondere Erlaubnis einzuholen, doch muß der tarifmäßige Zuschlag gezahlt werden. Dwse)i,u�nahmesvhrpreise sind natürlich nur ein Glied in der Kette �et modernen, Jugendpflege, wie sie heute„von oben" geübt Mti»«. Ganz offen werden die proletarischen Jugendorganisationen, oie mau sozialdemokratisch bezeichnet, von den Vergünstigungen auS- Ccschlossere. Jungdeutschlands Angehörige haben nur das Privileg Scr ermäßigten Fahrpreise. Die Kinder der Proletarier, die erst dem Staate die Mittel zu seiner Erhaltung liefern, müssen nach wie vor den Vellen Preis zahlen, oder sie müssen Jungoeutschländer werden. Natürlich werden die Proletaricrsöhne und-töchter erst recht eine Jugendpflege mciden> die auf Patriotcnfang zuge- schnitten ist. Eine verkannte Miidchenbilnbletin. Sin peinlicher Vorgang hat sich vorgestern abend auf dem Lehrter Bahnhof abgespielt. Vor der Abfahrt des Hannoverschen Zuge? wanderte eine Dame in Begleitung eines hübschen jungen Mädchens auf dem Bahnsteig auf und ab. Eie hatte ihre Koffer bereits befördern lassen, und wollte soeben den Zug besteigen, als sie etwas unsanft daran gehindert wnrdc. Bahnbenmte und auch andere Fahrgäste hatten allerhand Werdacht geschöpft. Sie hatten vermutet, daß es sich hier um ein« gefährliche Mäbchenhändlerin handelte, die eine» ihrer Opfer ent- führen wollte. Es gesellten sich immer mehr„Gutgläubige" hinzu und bald hotte sich etn förmlicher Menifchenvndrang gebildet. Offen jpjurfee die Dame als Mädchenhändlerln bezeichnet und man vcr- langte ihre Verhaftung. Vergeblich suchte die Bezichtigte sich zu rechtfertigen. Sie mußle zur Wache und es stellte sich nun bald heraus, daß man einen falschen Verdacht ausgesprochen hatte. Die angebliche Mäbchenhändlerin war die Fürstin G. ans Rußland. Sie wohnt gegenwärtig in Paris, hatte sich auf der Durchreife von Ruh- Tond nach Frankrcid 000 Flugblätter verbreitet. Außer den Stadtverordneten« und ReichstagSwahlen waren noch sehr viel andere Arbeite» zn erledige». Auf dem Gebiete der Agitation und Orgaitisalion ist eine äußerst rege Tätigkeit entfaltet worden. Die Agitation zur Verbreitung der Parteipresse zeitigte einen Zuwachs von 1075 neuer VorwärtSabonnenten. Die Stadt- verordnetenwahlen für die dritte Wählerklasse endeten mit«üiem durchschlagenden Erfolg für die Partei. In der zweiten Wähler- klasse hingegen konnte von einem Mandatsgewinn noch nicht berichtet werden; immerhin kam e« in einigen Bezirken zu Stich- wählen, die nur deswegen zugunsten der Bürgerlichen ausfielen, weil die feindlichen Brüder im bürgerlichen Lager geschlossen gegen die Sozialdemokratie standen. Die im Anschluß an diese Wahlen zur Gelvinmmg neuer Parteimitglieder entfaltete Agitation brachte der Organisation einen Zuwachs von 500 neuen Mitgliedern. Ein hocherirenliche« Resultat der ReichstagSwohl ist die Sreigerung der Stimmen in allen Bezirken. Als am Tage der Wahl, wohl zur Feier des Tages, auf dem Polizeipräsidium die rote Flagge wehte. hatte sich die Organisation der besonderen Gunst de« Herrn Polizei« Präsidenten zn erfreueti, denn«S hagelte an diesem Tage eine große Anzahl von Strafmandaten auf dte Parteigenossen hernieder. Ueberhaupr halte sich die Organisation der besonderen Aufmerksam- keit der Polizei zu erfreuen. Sogar ein amtliches Plakat zu den Gewerbegerichiswahlen verfiel der Konfiskation durch die Polizei. Die Jagd nach.Umsturzplakaten" wurde anläßlich der Maifeier mit dem der Polizei bei solchen Anlässen eigenen Eifer betrieben. Um ferneren Strafmandaten zu entgehen, versuchte es die Bezirks« leiiuug nun mit einem Schreiben an das Präsidiurn, worin um Ge- nehmigung zum Aushang von Plakaten zum Sommerfest ersucht wurde. Erteilt wnrde sie nicht. Darauf begaben sich etwa 200 Ge Lerantwortlicher Redatteuri Ulhrrt Wachs, Berlin. nassen persönlich inS Präsidium und nun war das Präsidium in Aufregung, denn auf einen solchen Massenbesuch war man da oben nicht eingerichtet. Der Besuch des SommerfestcS war ein überaus glänzender, da 10 000 Besucher gemustert wurden, wozu die. Polizei behörde durch die fortwährenden Schikanen nicht wenig beigetragen haben mochte. Im Laufe des Berichtsjahres konnte der Bezirk Lichtenberg feine Mitgliederzahl um 1468 auf 4480 Mitglieder idarunter. 755 weibliche) steigern. Gewiß ein' erfreuliches Resultat nachhaltiges und intensiver AgitalionSarbcil der Parleigenosse». Genosse Linke gab dann den Kafsenberi cht. Den Gesamt- einnahmen von 28 489,70 M. stehen Ausgaben von 21824,92 M. gegenüber, so daß ein Bestand von 1664,78 M. vorhanden ist. Elite Diskussion mber den Gescbäsls- und Kassenbericht wurde nicht gewünscht. Dann folgten die Berichte der Kommiisionen, an die sich auch nur eine unwesentliche Aussprache knüpfte. Die in den Abtcilungs- und Viertelsversammlungen gewählten Genossen wurden bcstäligt, die Wahl zur ZeitungSkommission und zum Vergnügungs- komitee indessen bis zur Versammlung im August vertagt. Zu den KreiSvotstandSwahlen wnrde einstimmig beschlossen, folgende Genossen der Kreis-Generalversammlung in Vorschlag zu bringen. Kreis- Vorsitzender: Paul Brühl; zweiter KreiSvorsitzender: Alfred Noll- stadt; KreiSkassicrer: Rudolf Bühler. Lokalkommission: Elias. Genosse Turm wurde als Delegierter zum Parteitag gleichfalls einstimmig vorgeschlagen. Dann erfolgte die Wahl von 31 Dcle- gierten zur Kreitz- und Verbondsgeneralversammlung. Vom Bezirk Lichtenberg liegen Anträge zur KreiS-Gerceral- Versammlung nicht vor. Heber die von anderen Orten eingebrachten Anträge, die vom Genossen Jaffke verlesen wurden, fand eine kurze Diskussion statt, in deren Verlaus zum Ausdruck gebracht wurde, daß insofern eine Aenderung eintreten müsse, als die Frist, bis zu der Anträge eingereicht sein müssen, auf 8 Tage gegen seither drei Wochen herabzusetzen sei. Der vom Genossen Ouester gegen den Genossen Zipter gestellte AuSschlußantrag wurde nach kurzer Debatte auf Vorschlag des Ee- nossen Bühler dem Kreis überwiesen. Adlershof. Ein Jahr der Wahlen bezeichnete der Vorsitzende des Wahl- vereinS Genosse Klodt das abgelaufene Geschäftsjahr in der letzten Generalversammlung. Nicht weniger als siebenmal mutzte die Werbelrommel zur Wahl gerührt werden, denn außer der Reichstags- wähl fanden fünf Geineindcvcrtreter« sowie die Gewerbegerickts- wählen statt. Flugblätter wurden 18 mal in einer Gesamtauflage von 86 000 Exemplaren verbreitet. Ferner fanden 14 öffentliche, vier General-, eine außerordentliche General- und zwei Mitglieder« Versammlungen statt. Der Mitgliederbestand betrug am I.Juli 1911 616 1500 männliche und 116 weibliche), am 80. Junt 1912 715 1560 männliche und 155 werbliche Mitglieder). Die Zahl der„Vor- wärtS'leser ist von 712 auf 827 gestiegen. Dann ging Genosse Klodt noch näher auf die kommenden Arbeiten ein und forderte dir Nichtpreutzen auf, sich in den preußischen StaatSverband ausnehmen zu lassen. Genosse Siieffenhofer hielt in demselben Sinne an die Versammelten eine Ansprache. Der Kassierer Genosse Hitze berichtete über die Kasienverhält- nisse; einer Gesamteinnahme von.726,75 M. stehen an Ausgaben 711,23 M. gegenüber, so daß der Kassenbestand 15.47 M. beträgt! Der Bencht der LandagitalionSkornmission, den der Genosse Siegner gab, zeigte, daß eS'auch auf dem Lande vorwärts geht. Den Bericht vom BildungS« uud JügendauSschUß gab Genosse Nenmann. Cr machte hauptsächlich auf die Jugendbewegung und die jetzt statt- findenden KinderauSflüge aufn-errsam. Die Jugend- und Bildnngs- ausscvußkasse hatte eine Einnahme von 99,75 M. und eine Ausgabe von 79,92 M. zu verzeichnen.- Bei den Rcurvahleri des Gesamt- Vorstandes wurden als Kassierer Genosse Martin, al» Schriftführer Genosse Wolfram uud in die Lolallommission Genosse Nöske neu- gewählt. Ober-Schönelvetde. /i.,.,-. Der Baneinsetzcr Wikhelm Kuost«, der.vergangene Woche auf dem Neubau Luisenstraße IS schwer veruvalückle. ist. Montagabend im Hospital erlegen und wird vöräüSsichtkich Sonntag beerdigt. Nieder-Schönetveide. In der Generalversammlung des Wahlvereins erstattete der Ge- »osse Dehmel den Bericht über das verflossene Geschäftsjahr. In ihm haben vier General-, sechS Mitglieder- und fünf öffentliche Wer- sammlnngen stattgefunden. Die Hanpttätigkeir entsaltete sich bei den Reichstags- und Gcmeindewahlen. Die Sliinmen bei der RcichtagS- Wahl erhöhten sich von 400 auf über 1200. Bei der letzten Ge- meindevertreterwahl hielt der erst« Sozialdemokrat seinen Einzug inS Dorfparlament. Der Kassenbericht, erstattet vom Genossen rassek, wies im letzten Vierteljahr an Einnahme 232,65 M. und an uSgabe 225.04 M. auf.' Im ganzen Jahre stand einer Gesamt- einnähme von 1103,90 M.«ine Ausgabe von 1036,29 M. gegenüber. Der Mitgliederstand erhöhte sich von 168 auf 246. darunter 45 weib- liche. Die Zahl der'„Vor>värts"«Leser stieg von 313 aus 868. Dem Verein.Jugendheim" gehöre« 45 Genossen an. Die VorstaudSwahlen zeitigten folgendes Ergebnis: Fritz Voß, Vorsitzendet; DieSner, stcllv. Votsitzender; Frastek. Kassierer; v. Frank, Schristsührer; Genossin Milenz und du Genossen Gcnsch und Rätel, Beisitzer; Brand, BonakowSki und Gräbnitz, Rebuore»; Hauk, Bibliothekar; Unruh. Spediteur. SpeditionS- und Beschwerde- kommissio»: Karl Voß, Schöbe!, Günther; Jugendausschuß: Dehmel, WUH. Wecke.. �. Zum Schluß wurde noch bekannt gegeben, daß am 24. Jult lin Restaurant„WaldhauS" ein Kinderfest stattfindet. Nieder-Schönhaufen. Die Prüfung lux Wahl deS G«n«ssen Hiege führte zu einer lebhasten Debatte in her letzten Sitzung der Gemeindcvertreter. Der Vorsitzende des nhte« Hauspesitzervereins Lehrer Frantzen hatte gegen die Wcrhl. unsereS Genossen Protest eingelegt. Als Hauptgrund, wurde im Protest angeführt, daß dem Hiege die Eigenschaften als Angesessener fehlten. Frantzen bezweifelte die SquSbeshtzerqualität und beantragte die Stimmen, die auf Hiege e n t sia I l e n s i n d. f ü r ungültig, und Herrn Rühl als gewählt zn erklären. Schöffe Thormann gab darauf einen ausführlichen.Bericht Aiber» die Vernehmung des Genossen Hiege. Da» Kaufgcld von 2000 M. sei schon vor drei Jahren bezahlt worden, der- Anteil sej jehoch erst vor der Wahl nominell einge 'j ragen worden, um keine Schwierigkeiten zu haben bezüglich der Hypotheken.' Ganz energisch verwahre sich Herr Hiege gegen die Ächauptung, daß nur. aus Parteirücksichtcn die Eintragung erfolgt sei.. Alle übrigen Fragen seien zur Zufriedenheit beantwortet worden, die Bestimmungen der Landgemcindeordnung seien erfüllt, und müsse die Wahl für gültig erklärt werden. In der hierauf folgenden Debatte bezeichnete Herr Hermann Kuhlmann die An- gel.egenheU als„Schiebung", und erklärte, gegen die Gültigkeit zu stimmen. Unsre Genossen Breitinann und Hellrich versuchten wiederholt an Hand der Landgemeindcordnung nachzuweisen, daß die Mahl für gültig zu erklären sei, insbesondere wiesen sie darauf hin, daß gerade Herr Frantzen schon allerlei„Schiebungen" ge- macht habe, z. B. die Aufstellung eines Ausländers alS Gemeinde- Vertreter, der damals glücklicherweise nicht gewählt wurde. Da Die Stuckarbeiten für die Aula der höheren Mädchenschule kvurden der Firma Schneider in Friedenau zum Preise von 8700 Mk. über- tragen. Schöffe Thormann machte darauf aufmerksam, daß beim Fällen der Bäume tn der Kaiser-Wilhelm-Straße sämtliche Bäume durch Ausströmen von.Gas aus den dort verlegten Gasröhrcn vergiftet worden find. ES wnrde vorgeschlagen, der Gasanstalt sstrengere Vorschriften für die Verlegung von Gasröhrsn.zu unter- breiten, damit der Baumbestand nicht noch weiter beschädigt'wird. Pankow. Der Gemeiudevertrcterfitzung vom Dienstag lag ein OrtSstatut betreffend die Erteilung der Erlaubnis zum Betriebe einer Gast« Wirtschaft, zur Beschlußfassung vor..* i Die Ursache ist folgende: In Gemeinden über 15 000 Ein« wohnern muß die halbe Konzession, d. h. der Ausschank von Bier und Wein, ohne weiteres gestattet werden. Bei der ganzen Kon« zession, also auch Ausschank von Branntwein, muß die Bedürfnis- frage untersucht werden. Hierüber entscheidet der Kreisäusschuß, natürlich nach Anhören der OrtSbehörde. Da sich angeblich be- sondere Mißstände gezeigt haben, soll nach dem vorliegenden Orts- statut auch für die halbe Konzession die Bedürfnisfrage festgestellt werden. Der solide Gastwirtsstand soll hiervon nicht betroffen,, im Gegenteil vor den unlauteren Elementen geschützt werden. Die Vorlage, die in der Finanzkommiision gegen eine Stimme an« genommen wurde, fand in der Vertretung wenig Gegenliebe. Vor etn paar Jahren lag dieses OrtSstatuf schon einmal zur Beschluß» fasiung vor. Die beteiligten Gastioirte, die gehört werden müssen, erklärten sich zuerst für Annahme dieses Statuts, später aber und zwar auf Veranlassung ihrer Berussorganisation, strikte dagegen. Wenige Tage vorher hatte ja die Generalversammlung der Freien Gast- und Schankwirte in Eöln gegen die Bedürfnisfrage scharf Stellung genommen. So war es also verständlich, wenn in der Ver- sammlung, mit Ausnahme des Bürgermeisters, niemand für die Vorlage eintrat. Unser Redner hatte sich bereirs in der Kommission festgelegt. Wir haben Gewerbefreibcit, daher keine Veralilasmug für ein Gewerbe diese aufzuheben. Diese Auffassung fand in der Ver- sämmlung Zustimmung.- Nach langem Hin und Her wurde die Vor« läge gegen zwei Stimmen abgelehnt, nicht einmal die Mit» glteder der Ftnanzkommisfion stimmten dafür. Eine Reihe anderer Punfte der Tagesordnung fanden schnell Erledigung. Für die große Reinigung der Fenster in den Schulen wurden besondere Mittel bewilligt. Die Kautionen der Grund- besitzer in der Berliner Straße für Benutzung der Uebergänge sollen zurückgezahlt, ebenso in Zukunft keine Gebühren mehr erhoben werden. Bei diesem Punkte gab eine Anfrage, wie es mit der Berliner Straße stände, dem Herrn Bürgermeister Gelegenheit, über den augenblicklichen Stand dieser Frage Ansknuit zu erteilen/ Bei Anlegung des Niveaus deS neuen Straßenbildes sind natürlich große Schwierigkeiten zu überwinden. Das Projekt sieht vor: Je sieben Meter Bürgersteige, je sieben Meter Asphaltstraße, dann eine Mittel« Promenade von zwanzig Meter Breite. Diese soll wieder, zerlegt werden in acht Meter Promenade und je sechs Meter grüne An» lagen, in denen die Gleise der Straßessbahn verlebt werden sollen. Die Straße soll als eine Geschäftsstraße gelten und daher die" Bor- gärten kassiert werden. Augenblicklich ruht die Borlage beim Landrat, nachdem vorher schon verschiedene Instanzen gehört, waren. Später hat sich der Zweckverbandsausschuß ebenfalls damit noch zu beschäftigen. Natürlich wurde die Schnellbahnfrage bei dieser Gelegenheit ebenfalls wieder erörtert. Ob Hoch- ober Untergrundbahn dürste iin Herbst entschieden werden können. Zu stellvertretenden Vorsitzenden des VcrsicherungSainteS Pankow wurden die beiden Juristen Schöffe Stawitz und Assessor Dr.. Müller gewählt. Unter Verschiedenem entwickelte sich eine große Diskussion über die Siemensbahn, die sich jetzt zum größten Teil im Besitz der Stadt Verlin besindet. Mit kemer Gesellschaft ist so schwer zu ver» bandeln, alle Anregungen und Beschwerden sind in den Wind ge- sprochen. Beivegliche Klagen wurden laut über die Gehmidluna Jdcc if vetMÄW fo fonttf».,,,..-.!. iii.j.,,.... Der Ärbeitergesangvcrcm„Frisch»oxan"(Ti. d. D. Ä.-S.-B.) feiert am Somitag, de» 2l. Juli, im Lokal Waldhaus(Jnh. Herrn. Marx), Bärwolfstr. 10/11, sein viertes Stiftungsfest, bestehend in Konzert, Gesang und Tanz. Da der Verein sich allen Ver» anstaltungen der Arbeiterschaft' bereitwilligst zur Versügung stellt, wird besonders auf das Fest hingewiesen. NolvaweZ. Ein eigrnartigcr Unfall ereignete sich Mittwoch, vormittags, am hiesigen Bahnbau. Beim Ueiberschrciten einer Eisenbahnschwelle strauchelte der bei den AsphaltierungSarbciten beschäftigte Arbeiter Schönerstedt auS Potsdam und geriet mit der rechten Hand in ein Gefäß mit kochendem � Tccr. Da man schwere Verletzungen ver» mutete, schaffte man ihn sofort nach dem nahen Kranlenhause, wo ihm ein Verband angelegt wurde. Glücklicherweise waren die Brr- lctzungen nicht so schwer, wie anfänglich befürchtet wurde.> Jttgcn>veia»sti»ltuttgcu tznternlinmt MowaweS. Die Ardellerjugend pniernlmmt am Sonntag, J)tn 21. Juli, eine TageStour nach Picheiswerder. Abmarsch 6 Uhr stich vom Gvlelplatz. Fahrgeld 70 Ps. Die Eltern werden gebeten, ihre Söhne pnd Töchter aus diesen MassenausNug Kroß-Berlliis aufmerksam zu machen Und ihnen Gelegenheit zur Teilnahme zu geben. Slllgemekne Kranken- und Slervekasse der Metallarbeiter zn Hamburg.(E. H. 29.) Filiale Berlin 3. Sonnabend, 20. Jult, abends 8>/, Uhr, bei Katzser, Rrichenbcrger Str. 154: Mitgliederversamm. Inng.—~ W-—■—~. Piotrows Filiale Berlin 9. Sonntag, 21. Juli, vormittags 10 Uhr. bei st Berltchuigenstr. 14: Milgliedc'. Versammlung.— Filiale Berlin 10. Sonnabend, 20. Jult, abends Sss, Uhr, bci'Faber.jStcpyan- itratz e Hl Mitgliederversammlung.— Gummelsburg). Gönnabend. 20. Juli, a.... gliederversanimlung.— Filiale Neukölln: Sonnabend, 20. Jgli, abendS 80, Uhr, bei labbert, Stcinmctzstr. 114: Mitgliedcrvcrsoinmlung.— Filiale Tegel. Sonnabend, 20. Juli, abendS Sss, Uhr, bei KaktiS, Berliner Str. 92: MUgliederverlammlung.. Filiale st! i ch t c n b e r g II isnchcr chcndS 8'/, Uhx. bei Blume: Mit- die bürgerlichen iV.crtreter sich in der Landgcmeindeordnuny nicht zurecht finden konnten, wurde die Angelegenheit gegen die Stimmen Unserer Vertreter bis zur Rückkehr des Bjiraermeisterö vertagt. Die Große Berliner Stvaßenbahn beabsichtigt die Linie 51 und 57 biS. nach Schmargendorf zu führen. Die Vertretung erklärt sich damit einverstanden, jedoch soll der Fahrpreis nicht erhöht werden. Auf Anregung des Genossen Hellrich soll die Direktion der Siemensbahn veranlaßt werden, die ersten Wagen bereits um f46 Uhr morgens vom Bismarckplatz abgehen zu lassen: da sehr viele Arbeiter jetzt gezwungen sind, bis nach Pankow ,»», fahren. In dje Einkommensteuer- VoveinschätzungÄommission wurden unter anderem auch die Genossen Brcitmann und Hellrich gewählt. de» Jnjeratentelt verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Borwärtt €iGZMIMli«W wurde, daß. im s Moiizert-€afe Holaud 181 Uriinncnntr. 181. 8 di- KSondsb�ein- Nacht umibcrtTOffcti'ussb die. größte SchciiSwilrdigkcit Berlins lst. Mitwirkung der beliebten WM- Kapelle William Smith"Mg Die größte Kanone! Anfang pünktlich 9 Uhr abendS.— Eintritt frei! st Fmclatsäfte === billiger!------- Mit feinster Raffinade eingekocht Himbeersaft Job annisbeersaft Erdbeersaft Hirselisaft ÜÄltroncnaaft"/�-Literflasche Mk. 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Auf die Klage des Dr. Seyda gegen die Polizei- Verwaltung zu Kattowitz erklärte der Bezirksaus- schuh die Auflösung für um gerechtfertigt. Das Oberverwaltungsgericht bestätigte dieser Tage das Urteil, weil es fich hier um eine Ver- anstaltung handele, die nicht unter das Vereinsgesetz falle. Das Oberverwaltungsgericht ging von folgenden Erwägungen aus: Das Reichsvereinsgesetz enthalte keine Bestimmung des Be- g r i f f s„Versammlung". Dieser Begriff im Sinne jenes Gesetzes müsse daher aus dem Sprachgebrauch, der früheren Gesetzgebung und aus dem RcichSvereinsgesetz selbst, sowie aus seiner Entstehungsgeschichte bestimmt werden. Hier- nach sei unter einer Versammlung zu verstehen eine geplante(nicht zufällige) Zusammenkunft einer größeren Anzahl von Personen zur Erreichung eines gemeinschaftlichen(nicht bloß gleichen) Zweckes. Ohne entscheidende Bedeutung sei der Ort oder der Raum, wo die Versammlung stattfindet. Von Zusammenkünften anderer Art unterscheide sich die Versammlung durch ihren Zweck. Während durch andere Zusammenkünfte nur persön- liche Interessen jeder einzelnen der zusammengetroffenen Personen befriedigt werden sollen, bezwecke die Versammlung die Verfolgung eines den Zusammentretenden gemein- s a m e n Zweckes, eine Einwirkung auf die Allgemeinheit, und zwar eine Einwirkung auf den Willen der Versammelten, um ihr künftiges Verhalten auf dem, den Gegenstand der Er- örterung bildenden Gebiete zu bestimmen. Daher sind Zu- sammenkünfte zum Zwecke der Unterhaltung, Erheiterung, Belehrung oder des Kunst- g e n u s s e s(Gesellschaftsspiele, Schaustellungen, Vor- stellungen, Aufführungen und sonsttge Lustbarkeiten, gemein- schaftltche Hebungen in Gesang, Turnen u. dergl., Wissenschaft- liche Vorträge, gemeinsame Unterrichtsstunden, Vorlesungen usw.) keine Versammlungen im Sinne des Reichs» Vereins ae setze s. Der bei der Einladung angegebene Zweck sei allerdings nicht unter allen Umständen entscheidend. Es komme vielmehr auf die tatsächliche Gestaltung an. Auch mit Lustbarkeiten usw. könne ein weiterer Zweck verbunden sein, der die Zusammenkunft zu einer Versammlung machen könne. Zusammenkünfte, die nach dem Ausgeführten keine Vev sammlungen seien, fielen auch dann nicht unter das Vereins' gesetz, wenn sie sich nicht auf einen geschlossenen Personenkrcis beschränkten, sondern jedermann zugänglich seien. Die Vor schriften des Vereinsgesetzes fänden auf sie keine Auwcndung. Für die Veranstalter und Teilnehmer dieser Zusammenkünfte beständen also auch nicht die Verpflichtungen, deren Eo füllung Surch das Vereinsgesetz für„Versammlungen" vor geschrieben sei, wie z. B. die Verpflichtung zur Unterlassung des Waffentragens und zum Gebrauche der deutschen Sprache in öffentlichen Versammlungen, zur Einholung einer E nehmigung für öffentliche Versammlungen unter freiem Himmel, zur polizeilichen Anzeige und zur Lewing von öffentlichen politischen Versammlungen. Eine solche Zusammenkunft, die keine„Versammlung" sei und nicht unter das Vereinsgesetz falle, sei die hier in Frage stehende Zusammenknnft, die lediglich dem Anhören eines belehrenden Vortrages über den Zusammenhang zwischen Zahnkrankheiten und Arbeitsfähigkeit dienen sollte. Der Ge- brauch der polnischen Sprache sei deshalb in dieser Zu- sammenkunst, obgleich sie eine öffentliche gewesen sei, zu- lässig gewesen und die Auflösung unberechtigt. Abermals die Lichtenberger Justiz gegen Jugendliche. Am 16. d. M. berichteten wir über die Verurteilung des Leiters einer Versammlung, in der über die Geschichte des LehrlingSwefens vor Jugendlichen gesprochen wurde, zu 60 M. Am Mittwoch standen mehrere Jugendliche unter 18 Jahren wegen Besuchs der Versamm- lung vor demselben Gericht. Der AmtSanwalt beantragte Be- strafung. Das Gericht gelangte zur Freisprechung, weil den Ange- klagten das Bewußtsein gefehlt habe, daß die Versammlung eine politische war. Dies Bewußtsein konnten die Angeklagten auch nicht haben, weil das Thema keineswegs ein politisches war, und weil eS sich auch nach der oben wiedergegebenen Entscheidung des Ober- verwoltungSgerichts um keine Versammlung im Sinne des Ver- einSgesetzeS handelte. Eine neue Eulenburgerei? Am 2. Januar d. I. ist in Frankfurt a. O. ein Familienvater durch den Forstassessor v. Knobloch niedergestreckt worden. In- zwischen ist dieser auf seinen Gesundheitszustand untersucht und für genügend zurechnungsfähig erachtet worden. Es war auch schon einmal eine Verhandlung angesetzt. Sie wurde aber kurz vor dem Termin abgesagt, weil erst noch ein Obergutachten über den Ge» sundheitSzustand des Angeklagten eingeholt werden sollte. Seitdem ist wieder Ruhe über diesen Fall. Fast macht es den Anschein, als wenn wir einer neuen Eulenburgerei entgegengehen. Eigenartig, daß gerade adlige Herren fast dauernd verhandlungsunfähig werden. Versammlungen. Verband der Tapezierer. In der Quartalsversammlung der Filiale Berlin, die am Donnerstagabend bei Mendt in der Beuth» straße stattfand, erstattete Z i tz e w i tz den Geschäftsbericht für k�uken Lie ckie Gelegenheit aus. Sie schaffen sich einen grossen Vorteil, wenn Sie die zum Saisonverkauf gestellten Waren erstehen. — Es handelt sich um einzelne Piecen und Bestände moderner Anzflge, Ulster, Knaben- Anzüge, Leichter Kleidung, Beinkleider etc. die teilweise noch tinter der Haltte des bisherigen Preises abgegeben werden.— s«», Jackett-Anzüge.T'W. 0�50 früher bU 42*00......... jetzt dtm* Coul. 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Neueingestellte Arbeiter dürften nie versäumen, einen Schein vom Arbeitsnachweis vorzu- legen.— Die Mitgliederbewegung zeigte einen Zugana von 228, darunter 22 Zugereiste, und einen Abgang von 288 Mitgliedern, darunter 29 Abgereiste. Am Schluß des ersten Quartals wurden 1989 Mitglieder, darunter 199 Näherinnen, gezählt, um Schlüsse des zweiten Quartals 1929 Mitglieder, darunter 87 Näherinnen. — In der Berichtszeit fanden 4 allgemeine(darunter die Mai- Versammlung), 2 Magazinarbeiter-, 2 Kleberversammlungen, eine Näherinnen- und eine Bezirksversammlung statt, ferner 11 Sitzungen der Ortsverwaltung, 5 Sitzungen der Schlichtungs- kommission und 2 Vertrauensmännerkonferenzen. Der Kassen- bericht, von S c z i l i n s k i vorgelegt, ergibt für die Lokalkaffe im zweiten Quartal eine Einnahme von 6448,36 M., eine Ausgabe von 4298,82 M. und einen Kassenbestand von 33 117,64 M. gegenüber einem Bestand von 39 968,19 M. am Schlüsse des ersten Quartals.— Die Abrechnung der Hauptkasse zeigt eine Bilanz von 12169,75 M. Unter den Ausgaben stehen verzeichnet für Reiseunterstützung an 32 Mitglieder 64 M., Arbeitslosenunter- stützung an 198 Mitglieder 3894,25 M., Krankenuntcrstützung an 31 Mitglieder 547,59 M., Sterbegeld für 9 Mitglieder 259 M., Lohnbewegung 1198,59 M., Gematzregeltenunterstutzung, 1 Mit- alied, 13,39 M., sonstige Unterstützung 29 M. Die Berichte riefen keine Diskussion herbor. Der Bericht über die Tarifftatistik, der noch auf der Tagesordnung stand, wurde wegen des mangel- haften Besuches der Versammlung(der auf die herrschende Hitze zurückgeführt wurde) vertagt.— Einige Anträge der Vertrauens- männer, interne Verbandsaugelegenheiten betreffend, fanden die Zustimmung der Versammelten. Der Ausschluß des Mitgliedes Otto Klein, der Arbeitswilligendienste geleistet hatte, wurde ein- stimmig gutgeheißen. zu. W gibt Lesern dieser Zeitung 5 Pros. In bar I Biete reicbhaltigste Auswahl reeller Schuhwaren festen aber aulfaUend billigen Preisen. Herrenstiefel von 675, Daraenstiefel von 575a£ Großes Lager in Sandalen und Turnsebuhen. IO Mark Monatszablung oder 28.— M. vierteljährlich liesere elegante Herrenaarderobe nach Matz unter Garantie für tadellosen Sitz. Qolclsteil» Seit 1892: Korck> Str. 51. Matzschneiderei- gr.Stofflager. «yaesa| laufen Sie gegen JllOllCl 6ar a-m- billigste» nur bei Kluxe, VllweMMtr.!S. Feine Wurst-«.Fleischware« Spezialität: Landschinken. 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