Mr. 168. nbonncments-Bcdingtlngeri; BSonnetnentä- Preis btänumcrartb«! vierteljShrl. 330 MI, uionatl. 1,10 TU, »vöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg, Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Well' 10 Pfg, Post- Kboniiemeul: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Poft-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, sür das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen am Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz, 39. Jahrg. Vlchklit täglich außer Olontagt. Verlinev VolkrsblÄK. Die TnlerttoDS'Gebütr veträgt für die sechsgespallene Koionel- »eile oder deren Raum««fg. sür politische und gewertschaswche BerewS- Und Versamintungs-Anz eigen 80 Psg. „slleine Hn-eigen", das settgedrurlie Wort 20 Psg. tzulässtg 2 fellgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen da« erste Woa 10 Psg., jedes weitere Wort K Psg. Worte über 16 Buch. stoben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der ikchedition abgegeben werden Die Etpedition ist bis 7 Uhr abends geolfnet, Telegramm> Vldressei aStilaldtinokrat BtrPrt Zentralorgan der rozialdernokratifcben parte» Deutfchlanda. Redahtion: SM. 68» Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Morihplatz, Nr. 1S8S. Sonntag, den AI. Juli 191A. 6xpeditiom SM. 68, Lfndenstraesc 6g, Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 198t. ChriMichlo�ialer AahIlcWnSel. Aus Wien wird uns vom 17. d. M. geschrieben: Die Berliner Herren, die jünst in Wien zu Besuch waren und an der Wiener Stadtverwaltung so inniges Gefallen fanden, haben wohl keine Ahnung davon gehabt, wie es im Innern dieser städtischen Autonomie ausschaut und' welche Korruption da nistet. Die„beste Verwaltung in ganz Europa", wie sie sich gerne rühmt, ist nämlich in allem, was nur halbwegs mit der Politik zusammen- hängt, von der schnödesten Parteilichkeit geleitet. jedes Anstands- und Schamgefühls bar, bis ins Mark korrupt. Was nicht christlichsozial geeicht ist, was sich den klerikalen Stadtherrcn nicht mit Haut und Haaren ver- schreibt, bekommt die Mißgunst des Rathauses, das über so viel wirtschaftliche Macht verfügt, empfindlich zu spüren. Eine Probe auf das Exempel konnten auch die Berliner Herren machen: Als sie dessen inne wurden, daß der so segensreich wirkende Volksbildungsverein, auf den jede andere Stadt- Verwaltung stolz wäre, und der anderswo werktätige Unterstützung fände, von den klerikalen Gemeindegewaltigen maßlos angefeindet und so geächtet wird, daß sie alles daransetzten, die in Aussicht genommene Besichtigung durch die Berliner Gäste ja nur zu vereiteln. Warum? Weil der Verein, wie es ja seine soziale Aufgabe sein muß, anti- klerikal ist! Wie danach von der parteiischen, mißgünstigen Gemeinde die kulturellen Bestrebungen etwa der Arbeiter- schaft„gefördert" werden, kann man sich denken. Tatsächlich wird die ganze große Macht der Gemeinde, die wirtschaftliche und die politische, dazu verwendet, klerikale Parteigänger, klerikale Vereine, klerikale Tendenzen zu stützen und zu unterstützen, wogegen selbst die unpolitischen Be- strcbungen der Gegner mit Haß verfolgt und so weit alS möglich geschädigt werden. Daß sich die Berliner Herren von den üppigen Gelagen, die ihnen bereitet wurden, und von den süßlichen Reden, mit denen sie umnebelt wurden, so blenden ließen, daß sie den Grundcharakter dieser ebenso un- zulänglichen wie bösartigen autonomen Verwaltung nicht er- kannten, stellt ihrem Scharfsinn kein gutes Zeugnis aus. DaS Gebiet aber, auf welchem sich die christlichsoziale Skrupellosigkeit ganz austobt und bis zur offenen Betrügerei sich steigert, ist das Wahlverfahren. Dessen Durch- führung obliegt nämlich dem Magistrat(der städtischen Behörde,- die in gewissen Zweigen auch die Funktion der erstinstanzlichen Staatsbehörde versieht), der in Wien voll- ständig im Besitz der Christlichsozialen ist. eine restlos politi- sierte Behörde, deren Amtsführung sich ausschließlich nach den politischen Bedürfnissen der Christlichsozialen vollzieht. Daß sich diese„Bedürfnisse" vor allem bei der Durchführung der Wahlen duräisetzen, versteht sich von selber. Tatsächlich wird das gesamte Wahlverfahren, von der Anlegung der Wähler- listen angefangen, bis zur Abstimmung vor der Wahl- konimission, von der famosen städtischen Behörde nach dem einen einzigen Grundsatz bestimmt: daß die Christlichsozialen in der schamlosesten Weise begünstigt, ihre politischen Gegner in der schäbigsten Weise benachteiligt werden. Was da immerzu an neuen Listen und Kniffen ausgeheckt wird, geht ins Asch- graue: man kann wirklich sagen, daß der Herr Pawelka, der Herr über die Wählerlisten, der die christlichsozialen Siege in den Wählerlisten vorbereitet, aus dem Wahlfälschen eine ganze Wissenschaft gemacht hat. Wir können das den reichsdeutschcn Lesern auch in Zahlen dartun. Die„Arbeiter-Zeitung", die seit 15 Jahren gegen diesen Schwindel den heißesten Kampf führt, hat jüngst eine Enquete über die Wähler- listen in den Städten des deutschen Reiches veranstaltet und durch die dankenswerte Unterstützung der Ge- nassen in diesen Orten das Material von 38 Städten, also von fast sämtlichen größeren und großen Städten des Reiches zusammengetragen. Daraus hat sich ergeben, daß bei den Reichstagswahlen in diesen Städten, die zusammen zwölf Millionen Einwohner und 2,6 Mill. Wähler zählen, insgesamt 23 509 Reklamationen(Einsprüche) erhoben worden sind. Und wieviel sind in Wie n bei den vorjährigen Reichsratswahlen erhoben worden? Nicht weniger als 42 807 Reklamationen sind erhoben, und trotz aller Infamien bei der Entscheidung mußte inehr als 31 000 stattgegeben werden. Während im Deutschen Reiche die Fehlerquelle selten ein halbes, nie mehr als ein Prozent ist. ist sie in Wien z e h n P r 0 z e n t I Und das ist die sozusagen dokumentarisch erwiesene; dgß daneben noch die Wähler nach Zehntausenden fehlen, und falsche Wähler in den Listen nach Zehntausendcn stecken, zeigt sich wieder erst bei der Zustellung der Legittmationen(ohne die in Oesterreich der Wähler zur Stimmenabgabe nicht zu- gelassen wird). Was in Deutschland wohl überall selbst- verständlich ist: daß die damit betraute Behörde korrekte und vollständige Wählerlisten zusammenstellt, das ist m Wien ein unerreichbares Ideal. Die deutschen Genossen können sich auch keinen Begriff von der unsäglichen Muhe machen, die der Partei bei jeder Wahl die Prüfung der ausgelegten Wählerlisten bereitet. Um nur den gräßlichsten Mängeln abzuhelfen, müssen durch vierzehn Tage alle Kräfte angespannt werden, die Kosten gehen ms unermeßliche und »um Schluß ist man erst recht bewogen. Natürlich sind die erbärmlich schlechten Listen, in denen den Sozialdemokraten 80000 Wähler gestohlen werden sollen und in denen Chnstlich- soziale eingetragen sind, wenn sie auch nicht wahlberechtigt sind, kein Zufall, keine Unzulänglichkeit der Verwaltung, sind bewußte, planmäßige Absicht. Die Absicht, den Christlir sozialen sür den Wahltag Vorteile zu sichern, den Gegnern schwere Nachteile zuzufügen. Aber mit dem Äählerlistenschwindel begnügt sich das christlichsoziale beamtete Lumpengesindel nicht: es hat nun auch die Organisation des Wahlbetruges in die Hand ge> nommen. Wir wußten das schon lange, denn bei jeder Wahl stoßen wir auf irgend ein verstecktes Lokal, von wo das Falsch wählen ausgeht, und bei mancher ist es uns schon gelungen, ein solches Diebsnest direkt auszuheben. Nun hat sich aber eins der Werkzeuge des vorjährigen Wahlfälschens selbst ge> meldet und vor Zeugen ein reumütiges Geständnis abgelegt. Darin wird nun eine Schilderung der behördlichen Organisation des christlichsozialen Wahlschwindels gegeben, die man wirklich lesen muß, um zu erfahren, wie es in der autonomen Verwaltung der Reichshaupt st a d t Wien zugeht. Folgendes erzählt und bekräftigt der Mann mit Dokumenten: Anton Prinz, Oberkellner und Ausschußmitglied der Gehilfen krankenkasse der Kaffeesieder in Wien teilt folgende? über den Wahlschwindel der christlichsozialen Partei mit: Er ist als Hilfskraft im Wahlkataster der Gemeindebezirke Brigittenau und Leopoldstadt durch sieben Jahre beschäftigt ge- Wesen und entlassen worden. Anläßlich der ReichsratSwahlen im Jahre 1911 wurde er mittels Schreiben von dem Bezirks« vor st eher Paul Spitaler. mit dem er gut bekannt ist, ein» geladen, agitatorisch bei der Stichwahl für den ReichSratS kandidaten Julius Prochazka mitzuwirken. Diese Einladung enthält die Weisung, daß er sich gegen Borweisung dieses Schreibens bei dem AgitationSleiter Paul Spitaler, Bezirksvorsteher der Landstraße, zu melden habe. Außer diesem Schreiben erhielt er am 14. Juni eine eigew händig geschriebene Korrespondenzkarte von dem beeideten Leiter des Wahlkatasters im 3. Bezirk. Anton Walter, worin er ersucht wird, Walter Dienstag, den 20. Juni, 89 Mann als Agitatorensür dieStichwahl bestimmt beizustellen. Diesem Ersuchen hat er sPrinz) vollauf entsprochen. Die Körte ist vom Leiter des Wahlkatasters, Herrn Anton Walter, selbst unterfertigt und trägt die Absenderadreffe: Amtslokal des III. Bezirks. Mit dieser Karte ist bewiesen, daß die Wahl- agitation und der Wahlschwindel tatsächlich in dem Amtslokal vor» bereitet und von Amtsorganen planmäßig betrieben wurde. Prinz fand sich am 29. Juni 1311 zur bestimmten Stunde ein und es wurde ihm durch den Wahlkatasterbeamten Anton Walter unter einem gesagt, daß. wenn er sich zugunsten des Kandidaten der christlichsozialen Partei Julius Prochazka, besonders anstrenge, sich in diesem Sinne für den Kandidaten Julius Prochazka ein- setzt, er neuerdings eine Stelle im Bureau des Wahlkatasters des III. Bezirkes bekomme. Unter dieser Voraussetzung bat er sich herbeigelassen und sich dieser überaus gefährlichen und sträflichen Arbeit für den Julius Prochazka gewidmet. DaS geschah alle? unter Mitwirken des Katasterleilers Anton Walter, unter Mitwissen des Kandidaten Julius Prochazka und des BezirkSvorstehers Paul Spitaler. Er wurde am Wahltage unter die Leitung des beeideten Wahlkataster» leiters des 3. Bezirkes Herrn Anton Walter gestellt, der ihm persönlich den Austrag erteilte, aus dem Amts» lokal des Wahlkatasters die gemeindeamtliche Diensttasche abzuholen, in welcher sich 384 Stück WahllegitimationennebstebensovielenStimm» zetteln, die auf den Namen des Magistratsrates Herrn Julius Prochazka lauteten, befanden. Herrn Prinz wurde im Hotel„Noter Hahn" auf der Land- straße ein wohl verstecktes Zimmer angewiesen, in welchem er die fraglichen Wahllegitimationen zu„verarbeiten" hatte. Zu diesem BeHufe wurden ihm einige vierzig Agitatoren zur Verfügung gestellt, von denen er sich zehn Per- sonen für seine Zwecke als geeignet aussuchte, welche er als „Wähler" zun, Vertriebe dieser Wahllegiti- mationen benutzte. Bevor er diese zehn Männer zur Aus- Übung des Wahlschwindels aussendete, hat er dieselben genauest über das Verhalten in jedem einzelnem Falle unterrichtet. Vor das Haustor wurden Wachen ge st eilt, um bei einer Ueberrumpelung von feiten der Gegner und der Polizei nach rückwärts jentwischen zu können. Für Legitimationen, welche auf Wähler aus dem Kreise der Intelligenz lauteten, wurden nur Männer verwendet, die nach ihrem Aussehen und nach ihrem Aeußcren als s 0 l ch e a u s diesem Kreise angesehen werden konnten. Für Wahl- legitimationen aus den Arbeiter- und Geschäftskreisen wurden wieder Männer verwendet, die nach ihrem Aussehen als solche aus den genannten Kreisen gelten konnten. Bei jeder Legitimation wurde streng individualisiert. Er teilte diesen zehn Männern mit, daß niemals zwei Männer mit einander gleichzeitig auf der Straße zu gehen, sondern immer nur in gewissen A b st ä n d e n sich zum Wahllokal zu begeben hätten. DaS Gesicht haben die Männer auf den Boden zu heften und gleichgültig dahin zu schlendern, als wenn eS sich um e i n e n S p a z i e r g a n g handelte. Jedes Aus- und Umsehen mutz vermieden werden. Ausfallende Kleidungsstücke,, wie lichte Hüte. lichte Gewänder, müßten abgelegt und durch dunkle ersetzt werden. Auch wurden Kleidungsstücke von diesen Leuten des öfteren untereinander geivechselt. Diesen Männern wurde für je einen Stimmzettel, den sie in die Wahlurne warfen, der Betrag von2 Kronen vom Katasterleiter Anton Walter als Belohnung versprochen. Von den 384 Stück Wahllegitimationen und Stimmzetteln hat er bis zum Schluß der Wahl mit diesen zehn Männern 193 Stück verarbeitet. Ein Mann, und zwar Herr Jakobi, Markör des„Casö de l'Europe" vom Stefansplatz, wurde bei der Ausübung des achtmaligen „Wählens" in der Sektion 11 verhaftet und hierfür vor dem Bezirksgericht Landstraße zu 14 Tagen Arrest verurteilt. Die Ge- richtsakten können requiriert werden. Bon den 19 Männern hat Herr Schäfer insgesamt zehnmal, Herr Nowotny i n S« gesamt fünfzehnmal, Herr Jakobi insgesamt elf- mal, Herr Wolf insgesamt neunmal, Herr Janowitz. insgesamt elsmal, Herr Findler insgesamt zwölf- mal, Herr Reinthaler insgesamt neunmal, Herr Wanderer insgesamt elfmal, Herr Mödnagl insgesamt e l f m a l, Herr Dölcher insgesamt sechsmal, in Summa haben alle zehn Hundertunddreimal für Julius Prochazka gewählt. Die festgesetzte Entschädigung hat der beeidete Leiter des Wahlkatasters des Hl. Bezirkes, Anton Walters, in Gegenwart des Katasterbeamten Flor, in Hellers Gast- hauS, Hl. Ungargasie Nr. 34, persönlich auf Grund der überreichten Konsignation für die Falsch- wählung am Abend ausbezahlt. Ihm(Prinz) wurde für seine große Verantwortlichkeit und Vertrauenswürdigkeit der Betrag von 35 Kronen, zusammen 241 Kronen ausgefolgt. Das ist nicht im dunklen Galizien oder in der Bukowina, daS ist in Wien geschehen l Und natürlich nicht etwa bloß im Wahlbezirke des Herrn Prochazka, der doch einer von den Kleinen ist, sondern selbstverständlich noch leidenschaftlicher für die Parteibonzen, die damals zur Stichwahl gestanden sind, geschieht überall und immer dieser schamlose Betrug, den die Beamten organisieren, ist die ausnahmslose, christlich» soziale Wahlmethode in Wien! Die Herren ans Berlin, die so entzückt waren über die Wiener„Gemütlichkeit", werden ganz ergebenst gefragt, was sie zu dieser„gemütlichen" Verwaltung sagen, wo die Beamten Legitimationen stehlen und sie ausfolgen zum Zwecke und mit dem Auftrage des Wahlbetruges. Wie erfahrene Verbrecher Einbrüche vorbereiten und durchführen, werden in den Kanzleien der Wiener Gemeinde Wahlen vorbereitet! Und noch ein Bild aus dem„gemütlichen' Wien. Diese Enthüllung der„Arbeiter-Zeitung". belegt durch Dokumente und belegt durch das verlegene Schweigen der Gebranntmarkten, wird von der gesamten liberalen Presse, der„Neuen fteien Presse" voran, totgeschwiegen! Das scheint unbegreiflich, weil doch auch diese Presse angeblich den Kampf gegen die christ- lichsoziale Verlotterung führt; aber die saudumme Eitelkeit der Wiener Herausgeberpresse, dieser feigsten und der dümm- sten Spielart der bürgerlichen Presse auf dem ganzen Kontinent, siegt über alle politischen Notwendigkeiten. Die liberalen Blätter können doch von dem, was in der sozial- Liberalen und die Wiener liberalen Zeitungen gefunden zu haben!_ lisch der trellaffung Herdt;. Paris. 17. Juli.(Eig. Ber.) Alles in allem hat Hervä nach seiner Freilaffung eine „gute Presse". Ein paar giftige Dummköpfe abgerechnet, denen kein Ersatz für die ohne Gedankenauftvand zu besorgende Hetze gegen den„AntiPatrioten" einfällt und die noch immer die alberne Entstellung von der„Fahne im Düngerhaufen von Wagram"- wiederkäuen, trotzdem heute jedermann weih, daß diese Phrase in Herves Geschichtsbuch gar nicht als Schmähung der Armee gedacht ist und Herve obendrein seinen.AntiPatriotismus" öffentlich revi» diert hat, atmen die halbwegs anständigen Leute aller Parteien ordentlich auf, weil dem Skandal ein Ende gemacht ist, als der sich die Verurteilung eines Journalisten zu sieben Jahren Ge- fängnis aller Welt darstellte. Zwei Jahre der zwecklosen Bar» barei waren mehr als genug— das fühlten auch die ängstlichsten Verteidiger der Staatsordnung. Jedenfalls war der Versuch, mit einem Gnadenakt auf die Stimmung des Proletariats zu wirken, eher noch erfolgversprechend als die weitere Festhaltung deS Pro« pagandisten. Hcrve und die paar mit ihm Begnadigten sind den Fängen deS Klassenstaats sicherlich nicht durch die Macht deS organisierten Proletariats entrissen worden— das beweist die Tatsache, daß die Dutzende verurteilter Gewerkschafter weiter in ihrer harten Haft bleiben müssen—, aber wenn ihre Freilassung keine Not war, so doch eben auch keine sonderliche Tugend. Deshalb wird man. ohne im übrigen den Preis französischen Esprits und Geschmacks für sie zu fordern, sich über die Geste kaum entrüsten können, die der befreite Herve dem Mephistopheles in der Hexenküche nach- gemacht hat. DaS falsche Pathos der Offiziösen, mag sie einiger- maßen entschuldigen. Da wird z. B. der Gnadenalt mit dem groß- artigen Triumph deS Patriotismus bei der Militärrevue am Na. tionalfest in Verbindung gebracht. Die VolkSbegeisterung für die Armee, wird gesagt, habe sich so überwältigend kundgegeben, daß gegen die Bekenner des zu Baden geworfenen AntipatriotiSmuS ohne Gefaahr Großmut geübt werden konnte. Nun, der EnthusiaS. mus über das militärische Schauspiel am 14. Juli hat bei seinen Zuschauern nie etwas zu wünschen übrig gelassen, andererseits hat das Parlament erst vor ein paar Wochen die Einreihung der verurteilten AntiMilitaristen in die afrikanischen Strafbataillone beschließen zu müssen geglaubt. Eher noch mag bei der Begnadi- gung die Einsicht mitgespielt haben, daß die von den Reaktionären aufs neue hitzig angegriffene Republik eines so leidenschaftlichen Demokraten wie Herve nicht leicht entraten kann, in einer Zeit, da die Verräterei der Bourgeoisrepublikaner an den arbeitenden Massen und manche Einflüsse in der syndikalistischen Agitation im Proletariat eine bedenkliche politische Indifferenz und ein heftiges Mißtrauen gegen die parlamentarische Republik geschaffen haben. Vielleicht aber war auch noch die Hoffnung dabei, den Gegensatz zlvische« den Sozialrevolutionärui der Hcttx-jchen NiK» hing und den Syndikalisten durch die ErmogllchuNg der ProMais- distischen Aktion für Hcrvö und durch den Fortfall der Rück- sichten, die die Situation, des Gefangenen der Kritik auferlegte� zu verschärfen. Zweifellos spielt dieser Gegensah ljeute in der französischen Arbeiterbewegung, wenn auch in der Provinz weit weniger als in Paris, eine große Rolle. Immerhin darf man nicht übersehen, daß die auf theoretische Polemiken wenig erpichten Pariser Ar- bcitcr sich»n seine Nuancen durchaus nicht so versenken, wie die in der Diskussion engagierten Literaten und Agitatoren. D,e große Mehrzahl der Leser der„Guerre Sociale", die sich herzhaft freut, wenn Herve auf alle Reaktionäre losschlägt und alle Revo- lutionäre zum gemeinsamen Kämpf für die soziale Republik auf. ruft, wird gelegentlich in einer Gewerkschaftsversammlung dem Syndikalisten applaudieren, wenn er alle Politiker ohne Unterschied für Schwindler erklärt und sie wird, wenn Wahlzeit kommt, für den Kandidaten der geeinigten Sozialisten stimmen. Herve selbst seht auf diesen, trotz der wechselnden Stimmungen im Pariser Proletariat lebendigen Klasseninstinkt seine Hoffnung, die Einheit der revolutionären Aktion durchzusetzen. Bemerkenswert»st, daß er seinen früheren Plan, eine auch die Anarchisten einschließende revolutionäre Partei zu gründen, aufgegeben hat. In einem gestern vom„TempS" veröffentlichten Interview legt er dar, daß er d'e Unfähigkeit der Anarchisten zur Disziplin eingesehen habe. Die Aufgabe, die ihm jetzt am wichtigsten scheine, sei die Herstellung der Vellen Einigkeit innerhalb der sozialistischen Partei. Schon sei ein großer Schritt vorwärts getan worden:.Einige Guesdisten und zwar von den Intelligentesten, die ehedem meine GegNer waren, haben sich uns genähert, z. B. Compire-Morel. Mit ihm und anderen wollen wir arbeiten. Wir werden nicht in den Reformismus verfallen. UebrigenS werden unsere Freunde, die noch außerhalb der Partei standen, in diese eintreten, um unseren linken Flügel zu verstärken." Man muß die besonderen frqn- zösischen Verhältnisse kennen, um sich vor allzu optimistischen 'Schlüssen auS diesen Aeußerungen zu hüten. Die neueintretendcn Freunde Herdts sind kommunistische Anarchisten— siehe die Erklärung dcS Anarchisten S t a ck e k b e r g in der„Guerre Sociale"— und es ist sicher, daß gerade Eompere-Morel und seine Freunde sich der Politik, die alle sich als Revolutionäre bezeichnen- den Leute unter einen Hut bringen will, nicht„genähert" haben. Umgekehrt hat sich Herve zur Idee der Kooperation der Partei und der Gewerkschaften bekehrt, deren Ablehnung er auf dem Parteitag in LiwogeS mit seinen Anhängern entschieden hat. Genau wie damals die gueSdistische Minorität tritt er jetzt für ein Perhältniö-in, daS.wie in Deutschland" die Autonomie der Ge- werkschafter. aufrecht erhält, aber eine Entente für gemeinsame Aktionen und eine ideelle Gemeinschaft ermöglicht. Neulich ha: er auch die Teilnahme der C. C. T. am internationalen Kongreß in Wien gefordert, die indes sowohl durch die Statuten der Ko»- föderation selbst, wie durch den Londoner Beschluß über die not. wendige Anerkennung der politischen Aktion ausgeschlossen ist. Er erkennt jetzt die derzeitige Aussichtslosigkeit dieser Forderung an, die er vor allem wegen der Durchsetzung des Amendements Vaillant-Keiy-Hardie über den Generalstreik im Kriegs. fall gestellt hat. hofft aber für später. n Die Annäherung von Partei und Gewerkschaft ist zweifellos das, was der französischen Arbeiterbewegung am meisten nottut. Nur dürfte die innere Entwickelung der Gewerkschaften dazu mehr beitragen als die temperamentvollste Agitation von außen her. Llber der propagandistischen und organisqjorjschen. Ausgaben, hie in 'diesem Augenblick, angesichts des moralischen Zusammenbruchs dcS Radikalismus und der wachsonden Macht des sozialen Konservatismus der sozialistischen Partei harrsn, sind so, vielx, daß sie die prachtvolle, durch die lange Haft ungebrochene Agitatiovskraft Hervel vollauf beanspruchen können. Der Krieg. Der italienische Angriff auf die Dardanellen. Auch auS den heute vorliegenden Nachrichten' läßt sich noch kein klares Bild über die geheimnisvolle„Schlacht" am Eingänge der Dardanellen, die in der Nacht von Donnerstag zu Freitag stattgefunden haben soll, entwerfen. Eine italie- nische Note gibt heute allerdings zu, daß Torpedoboote in die Bkeerouge Hineingedampft seien, bestritt aber jeden Verlust. Andererseits hat die türkische Regierung eö nicht für geboten «rächtet, die Durchfahrt zu sperren. Türkische Meldungen. Lonstantinopel, 20. Juli. Weitere osfizielle Meldungen über den Angriff aus die Dardanellen liegen bisher nicht vor. Die Konsular- und Privalmeldungen erwähnen nur dtn Beginn der Kanonade nach 1'/, Uhr»achtS. Den Blätiern zufolge wurde das italienische Ge« schwader von dem in der Meerenge kreuzenden türkischen Torpedo- boote.Kutahia" bemerkt, das sich unter den Schutz der Festungen flüchtete. Da die italienischen Torpedoboote die.Kutahia" angriffen, erwiderten dir Festungen das Feuer, an dem sich auch die.Kutahia" beteiligte. Zwei Torpedoboote sanken, zwei anderen wurden die Masten und die Rauchsänge zerstört. Wie die Blätter erfahren. sollen die Dardanellen nicht geschlossen werden, sosem kein neuer Angriff erfolgt. Kaiistautinopel, 20. Juli.(Amtliche Mitteilung.) Einige Stunden nach dem Gefecht in den Dardanellen sind gestern drei italienische Kriegsschiffe bei der kleinen Insel Venetiko. nah« der Südspitze von EHioS, angekommen. jtonslmrtiiwpel, 20. Juli. Laut Beschluß des Ministerrates werden die Dardanellen vorläufig nicht gesperrt. Eö wird aber die Rinne für freie Fahrt um die Hälfte enger ge- macht. Die Schiffahrt durch die Dardanellen war gestern nach amt- licher Feststellung ungestört. Die italienische Darstellung. Rom, 20. Juki. Die.Agenzia Stefani" veröffentlicht folgende amtliche Note: Infolge dringender wiederholter Jnformarionen, die dem Oberkommando der italienischen Seestreitkräfte zugegangen waren und die besagten, daß die türtische Flotte beabsichtige, einen lleberfall auf unsere Schiffe ,m Aegäischen Meere zu versuchen, wurde in den letzten Tagen angeordnet, die Kreuzfahrten unserer TorpedobootSzerslörer öfter und weiter nach Norden hin statisinden zu lassen. Die Torpedobootsflottille fuhr, vielleicht während sie die feindlichen Torpedoboote verfolgte, oder in der Absicht, eine Erkundung vorzunehmen. mit bewunderswerter Kühnheit und in vollkommener Ordnung un- bemerkt in die Dardanellen ein. Die Torpedoboote gelangten bis etwa 20 Kilometer einwärts. Trotzdem sie von zahlreichen Scheinwerfern entdeckt worden waren »und von vielen Forts an beiden Ufern sowie mit Gewehren und Maschinengewehren beschaffen wurden, gingen sie doch weiter vor, bi» sie festgestellt hotten, daß daS feindliche Geschwader sich in einer wirksamen vcrieidigungssteünng befand und durch Sperrkette geschützt war, und entschlossen sich dann erst zurückzugehen, da sie feststellten, daß eS vollständig unmöglich Augitsie auf dt««cTanltrUn feindlichen Schiff« auszuführen. Dieser Rückzug ging in boller Ordnung bor sich. Obschon sich die Fahrt bei dem sehr lebhaften Fpuer aller Forts der Dardanellen und' der Schiffe zu einer Fahrt auf Tod und Leben gestaltete, gewann doch das ganze italienische Geschwader das Aegäische Meer wieder, ohne daß die feindlichen TorpedosivotSzerstörer auch nur gewagt hätten, eS zu verfolgen. Dank der maritimen und militärischen Geschicklichkeit der getroffeneu Maßnahmen und infolge des mangelhaften Zielens der Feinde verließen unsere Torpedoboote vollkommen unbeschädigt und ohne Verluste an Menschenleben die Dardanellen. Auf diese Weise koimw eine sehr kühne Erkundung ausgeführt werden, die der königlichem Marine zur Ehre gereicht und eine Probe darstellt von der be- lvundernSwerte» Fähigkeit rind Kühnheit der Kommandanten sowie von der Disziplin und Kaltblütigkeit der Besatzung. Der albanische Aufftaud. UeSküd, 20. Juli. Nach auS zuberläisigen Onellen kommenden Nachrichten aus Albanien meutern sämtliche Truppen, ihre Offiziere gehen mit den Arnautensührern zusammen. Es herrscht völlige Anarchie. Gestern hat in Ppschtina eine Versammlung staltgesunden. Jedenfalls werden die Aufständischen aus der Auslösung des Parla- mrntS bestehen. Eine Proklamation des Sultans an die««botmäßigen Offiziere. Konstantinopel, Ig. Juli. Die vom Sultan an die Armee gerichtete Proklamation, die heute vor den beim Selamlik pcrsamniclicu Truppen und später in allen Kasernen der Stadt versescn wurde, hat folgenden Wortlaut:.Infolge der Demission des Kabinetts habe ich gemäß der Verfassung nach vor» henger Beratung mit' den Präsidenten des Senats und der Kaminer T e w f i k Pascha aufgefordert. daS Großwesirat zu übernehmen. Ich wünsche und halte es für notwendig, daß das neue Kabinett auS Persönlichkeiten zusammengesetzt ist, die große Erfahrung und eine unabhängige Meinung besitzen und frei von allen Einflüssen sind. Die gestern im Namen einiger Offiziere forniuiierten Forderungen widerstreiten der Velfoffun(LU»d den Hoheiisrcchten deS Sultanats und des Kalifats, Mlche von allen geachtet werden müssen. Ueberzeugt, daß eS in der Armee, deren oberster Chef ich bin, keinen einzigen Soldaten gibt, der Forderungen ausstellen könnte, die gegen die Verfassung verstoßen, aus die er seinen Eid geleistet hat, nehme ich an. daß die Soldaten, die für einen Augenblick ihre Berpflich- tungen vergessen haben, eine verschwindende Minderheit bilden. Pflicht des Soldaten ist es. Disziplin, Ordnung und Snb- ordjnation zu- beobachten, die die Grundlage der Anhänglichkeit an. das Kalifat und den Thron bilden. Die Soldaten muffen sich fern von der Politik hallen, die Befehle ihrer Vorgesetzten wärt- lich ausführen und sich ausschließlich der Verteidigung deS Vaterlandes widmen. Gegen diese Vorschriften handeln, hieße Verrat an der Nation Und am vaterlande üben. Diese ernsten Zwischenfälle sind es, die den Feind ermutigt haben, gestern Nacht bis vor die Tore der Hauptstadt zu kommen. Ich gebe das vorstehende Jrade bekannt, indem ich den Kriegsminister beauftrage, es in allen Kasernen der Hauptstadt verlesen zu lasten und zur Kenntnis aller Truppen zu bringen." Konstaiitiiiopcl, 20. Juli. Der interimistische Leiter deS Kriegs- Ministeriums, der gestern im Dildiz die Proklamation deS Sultans an die Armee Verla», begründete die Prollamation in einer Rede und forderte. diernertchicdrrren.Komitees und Parteien angehörenden Lisfizicre auf. aus dicssn. auszntrclrn. Der Minister fügte hinzu, man Hove c« siir gut befunden, dem Sultan ein Schriftstück zu überreichen, das.von einem geheimen Offiz-ierskomitee gefertigt war und Förderungen enthielt. Der Sultan fei sehr bc- troffen gewesen und habe die Proklamation erlassen. Jeder Offizier müsse eine Erklärung unterschreiben, daß er die ungesetzmäßigen Forderungen nicht überreicht habe. Der Mmisier schloß, er überlasse eS den Offiziere», sich über jene ein Urteil zu bilden, welche diese Eckl�rimg verweigern würden. „Ta nin" verlangt Bestrafung der Offiziere, die dem Sultan die Forderungen unterbreitet haben. Falls sie straflos ausgingen, mtifie befürchtet werden, daß das Janiischarentum, welche» den Verlust der Hälfte dcS Reiches herbeigeführt habe, nun auch die weite Hälfte in Gefahr bringe. Die geheime Militärliga. Konstantinopel, 20. Juli. Seit gestern entwickelt auch die hiesige geheime Militärliga ihre Tätigkeit. Ueber die dem Palais unterbreiteten Forderungen, über welche die Proklamation des Sultans spricht, schien genaue Angaben, doch dürften die Forde- rungen mit den Bedingungen Nozim Pascha» identisch sein, welche gestern durch ein« geheime Proklamation in der Stadt verbreitet wurden und in denen auch die Erhebung einer Anklage gegen das Kabinett Hakki Pascha gefordert wird. DaS jungtürkische Komitee hat an seine Klub» ein Zirkular gerichtet, in dem eS erklärt, daß �es alle Forderungen annehme und sich nur der Berufung Kiamil Paschas, eventuell mit Gewalt,, widersetzen werde. Die Divisionen von Brüste, Jemid und Biledschik sollen.der Geheimen Militärliga Treue geschworen haben. politilcke deberNcbt. Berlin, den 20. Juli 1912. Berfassnngsbruch i« Schwarzburg-Rudolstadt. Nachdem der Negierung ihre Absicht, durch die Landtags- auflösung eine willige Majorität zu erhalten, durchkreuzt worden ist. versucht sie jetzt aus anderem Wege ihre Pläne zu verwirklichen. Es werden, ohne die Einwilligung de« Landtages, einfach Gesetze dekretiert. In der letzten Nmnnier des RegierungSorganS wird ein Gesetz verkündet, das allen Staatsbeamten, den Schullebrern und Geistlichen eine TeuerungS» zutage von acht Prozent ihres JahreSgehaltes ge- währt. Der frühere Landtag hatte sich schon mit dem nämlichen Gesetz zu befassen; unsere Abgeordneten erklärten auch, nicht gegen eine solche Zulage zu sein, behielten sich aber in bezug aus Fest- setzung der Sätze verschiedene Aenderungcn vor. Bezüglich der Zu- lagen der Geistlichen erklärten unsere Genossen beispielsweise, daß bei diese» keine Notlage vorläge und deshalb auch von einer Zulage keine Rede fein könne. Nun hat die Regierung, obwohl sie weiß, daß der neue Landtag nicht damit einverstanden ist, dieses Gesetz dekretiert. Zweifellos bedeutet das eine grobe VerfastungS» Verletzung, denn die Regierung darf ein solche? Gesetz nur erlassen, wenn ein dringende« Bedürfnis vorliegt. Das muß aber im vorliegenden Fall verneint werden, da die Einberufung des Landtages bereits auf den 4. September angeordnet ist. Die Re- gierung hat sich übrigens Mit diesem GesetzeSerloß noch in die Nesteln gesetzt, denn nach der Berfastung sind solche dekretierten Gesetze dem Landtage sofort nach seinem Zusammentritt zur Ge- nehmigung vorzulegen, und uiisere Genossen werden dann sicherlich dasür sorgen, daß dem Selbstherrschertum deS jetzigen Staats« mwtsters, Fretherrn v. d. Recke, ein Dämpfer ausgesetzt wird. Ohne Zweifel bedeutet das vorgehen der Reglerimg eim Provokation unserer Partei._ Vom Aachener Katholikentag. Die alljährlichen Zentrumsdemonstrationen, die.Katholikentage" genannt werden, haben sich mehr und mehr zu bunten Riesenschau- stellungen ausgewachsen, bei denen die Aufzüge, Begrüßungen- DinerS, Soupers, Kommerse usw. usw. die größte Rolle spielen- Diesmal wird voraussichtlich der Festtrubel noch weit größere Dimensionen annehmen als bisher, denn die verschiedenen Aachener Festkomitees überbieten sich in der Erfindung lustiger Karnevalsfteuden und Firlefanzereien. Selbst in bezug auf die Ausstattung der Teilnehmer- und Dinerkarten, deS Führers, der Fe/tzeitung, der ftommen Ansichtspostkarten und anderer heiligen Drucksache» sucht man nicht nur alle ftüheren Zentrumsparaden sonder.« auch die letzten Weltausstellungen in Pari», Brüstel, Turin zu übc.'trumpfen. Die Aachener Pressekommission veröffemlicht in der Zcntrumspreffe folgende im Jahrmarltsplalatstil gehaltene Ankündigung: Die Teilnehmerkarten für Herren, ebensolche für die Damen und die für Studenten, deren Versand bevorsteht, zeigen da« Bildnis Kaiser Karls, wie es Albrecht Dürer so romantisch großartig geschaffen hat. Der Streit.um des Kaisers Bart" ist von Dürer auf diesem Bilde bekanntlich zugunsten der Aufsastung der alten Epik(das Rolandslied spricht vo» seiner „darbo fleurie") entschieden, und wenn der Bart auch historisch nicht berechligt sein mag—„er steht ihm aber gut". Dürers Phantasie zeigt sich ja auch in der Anbringung der beiden Wappen- schilder, deö deulschen Adlers und der sranzösischen Lilien. Die Susiührung der Karte besorgte die Firma Albert Jacobi u. Co., Aachen. Hermann Krahforst hat auch das Titelblatt des Führers entworfen. Von dem satten Braun des Untergrundes tritt durch den goldenen Rundbogen mit byzantinischer Feier- lichkcit der.Führer" vor uns. ein Engel mit goldenen Fittichen, der das Symbol der Kaiferftodt, die alldeutsche Reichskrone. trägt. Die Schattenriste von Münster und Rathau« umleuchtet das mit dem Braun dcS Blattes prächtig rivalisierende Hell- blau. lEinige Exemplare haben statt dessen Grün. Was ist schöner?) Die Firma La Ruelle sJos- Delerre) hat die schwere Ausgabe, eine Riesenauflage eines solchen Pruitlstückes pünkt- lich fertigzustellen, glänzend gelöst.... Der Titelkops der Festzeitung stammt auch von Hermann Krahforst. Er sucht sich dem Gesamteindruck cinzu- fügen, den nach dem geläuterten Geschmack de« neuzeitlichen Buchdrucks die erste Seite einer Tageszeitung machen soll. So bescheiden er sich aber auch inS Ganze fügt, er wird nicht verfehlen, dem Freunde der angewandten Kunst wobl zu gefallen. Der Künstler bat dem Reichsadler ein Herzsctiitd mit dem Monogramm Christi XP aufgelegt, eine Symbolik, die auch der Hcraldiler gelten losten wird.__ Auf nach Ovamboland k Der Zentrumsabgeordnete Erzberger fühlt da? Bedürfnis, zu allem übrigen auch noch den Zensor und Mahner des katholischen Adels zu spielen. Er fordert in der Zentrumsplesse, anknüpfend an eine lange Liste protestantischer Adliger, die sich in Südwestasrika angesiedelt haben, die Niederlassung des katholischen Adels in den deutschen Kolonien, indem er ausfuhrt: .Für den deutschen Adel gilt auch hier das Wort„Xodlossv obligeu. Gute tüchtige Adlige sollten mehr in unsere Schutzgebiete. Wen» man aber obige Liste durchsieht, dann muß man erstaunt fragen; Wo bleibt der tatboiliche Adel I Unter allen hier auf- gezählte» Name» findet sich kaum ein Karhollk. Gewiß ist " die' Ltste nicht volltornmen: e» finden sich Angehörige der Familien BSrenftein. Mallinckrodt. Praschma in unseren Schutz- gebieten, aber mehr sind nicht bekannt. ES trikr ein»ich,;zu iengneiideS Manko hervor. Namentlich der katholische Hochadel sollte sich mehr für die Kolonialpoliiik interessieren; für seine uachgeborenen Söhne wäre hier ein weites Feld fruchtbarer Täligkeit. Nachdem der Kaiser mit gutem Beispiel vorangegangen ist und in Südwest eine Farm gekauft hat. dürsten unsere Adeligen folgen. In Ostafrika gibt eS noch genügend gute und gewinnbringende Pflänzlingen: Kamerun vollends ist und bleibt iliisere beste Kolonie, die sich immer mehr mit ihren reichen Nattirschätzen erschließt. Als Katholiken wollen wir nirgends im Rückstände fein, auch nicht bei der Erschließung der Schutz- gebiete." Vielleicht hat das Genie von Buttenhausen, als es diese Auf« forderung unterschrieb, an den Grafen v. OpperSdorff gedacht; aber s-bwcrlich wird dieser irgend welche Neigung verspüren, dem Rufe zu folgen und sich in den neuerworbenen Landschasten de» ehemaligen französischen Kongogebietes oder im Ovamboland anzusiedeln. Er wird voraussichtlich Herrn Erzberger antworten:.Bitte, lieber Parteifreund und Bruder in Christo. nach Ihnen!"_ Politisierende Pastoren. Wilhelm II. hat einmal den Ausspruch getan, daß politische Pastoren ein Unsinn seien. Nach ihren agitatorischen Er- fahrungen könnte die Sozialdemokratie auch einmal in ihrem Sinne natürlich— ein Kaiserwort unterschreiben, denn was wir zumeist an politisierenden Pastoren erlebt haben, gab zum mindesten der Ansicht recht, daß Pastorenpolitik Unsinn zu sein pflegt. Aber nicht etwa deshalb, weil sie es von Natur aus zu sein brauchte, sondern weil die Herren Pastoren fast stets das Bedürftiis fühlten, mit ihrer geistlichen Autorität die unhaltbarste und unsinnigste reaktionäre Politik zu decken. Sie retteten dabei nun zwar in der Regel die faule reaktionäre Sache nicht nur nicht, sondern sie büßten obendrein selbst nock das bißchen wirklicher Autorität ein, das sie bei harmlosen Menschen bis dahin besaßen. Im allgemeinen haben denn auch viele Geistliche in der un- dankbaren politischen Scharwerkerei für die Reaktion ein Haar gefunden, so daß sie nunmehr den Dingen auS der Vogelperspektive(oder der Froschperspektive?) zusehen, ohne ihre Person in die Schanze zu schlagen. Daß solch klägliche Passivität auch nicht gerade das Ansehen deS Geistlichen- standcs und der Kirche zu erhöhen vermag, liegt auf der Hand. In Ostpreußen freilich gibt'S noch Postoren vom guten, alten, streitbaren Schlag. Nicht christlich. soziale Pastoren, wie sie Wilhelm II. bei seinem absprechenden Urteil im Auge hatte, sondern geistliche Vorkämpfer vorsintflutlichster junkerlich-reakttonärer Verrottung. Siebenund- zwanzig dieser braven ostprcußischen Seelenhirten taten ihren Spiritus zusammen, nm während des letzten Wahl- kampfcS der Welt ein Licht in Gestalt eines Flugblattes auf- zustecken, aus dem nach der„greif. Ztg." folgende Stellen wiedergegeben seien: .Wer aus Gottes Wort weiß, daß nur Gerechtigkeit ein voll erhöht, die Sünde aber der Leute Verderben ist. der hat in den letzten Jahren und Jahrzehnten nur mit steigender Sorge sehen können, wie di? Sünde in unserem Volke ihr Haupt erhebt, mit einer Frechheit und SiegeSgewißheit, wie sie selbst in der schlimmen Zeit vor dem unglücklichen Kriege von ISOü ihresgleichen nicht hatte. Wir haben eS allenthalben vor Augen... wie der ehrliche Bürger über Frechheit und «nmaßung de» PövelS, des Landstreicher«, BerBrecher» und Dirnentums in einer Weise zu klagen hat, wie sie ehedem unerhört war.... Wir sehen auf allen Gebieten Kräfte an der Arbeit, die christlichen Ordnungen unseres Volkslebens zu untergraben, sehen um einer Hand- Noll Freidenker und Neuerungssüchtiger willen unser ganzes christliches Volk mit Einführung der Leichenverbrennung Bedroht, unsere christlichen F est e mißachtet und gestört. die christliche Heiligkeit des Feiertages aus Gründen des Geld« Beutels nicht durchgeführt, auf Kirchhöfen der Großstädte bereits daS Kreuzeszeichen ausdrücklich verboten... Die Parteien der Linken sind es, deren Presse in den meisten Fällen grundsätzlich jede Autorität untergräbt und jede Auflehnung oder Zügellosigkeit Billigt oder wenig st enS entschuldigt... Die Parteien der Linken sind eS, deren Presse auch für die w i d e r w ä r t i g st e n Ausbrüche ö f f e n t l i ch e r S ch a m I o f i g k e i t und Un- fittlicheit... unser Volk vergiftet und jeden, der diesem Unwesen entgegentritt, mit Hohn und Spott überhäuft... Die Parteien der Linken sind es endlich, die in Synoden und Parla« mcntcn den Schild halten über jeden Jrrlehrer unter den Universitätstheologen, über jeden ungläubigen und die Gemeinde verwirrenden Geistlichen und Lehrer.... Wir wissen, daß es viel falsche Liebe und faulen Frieden gibt, daß Sünde, die sich wider Gott und sein Gebot auflehnt, auf Toleranz keinen Anspruch bat, und daß, wer mit Feinden Gottes sich versöhnen will, sich selbst versündigt. Wir kennen unfern Heiland, der gesprochen hat: Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen bin, Frieden zu senden auf Erden; ich Bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert." Das ist doch einmal eine herzerquickend christ- l i ch e Sprache I Wir verstehen wirklich nicht, wie sich die liberale Presse über dies Flugblatt zu entrüsten vermag I Solche Zeugnisse christlich-kirchlichen Geistes, solche Bekennt- nisse evangelischer Seelenhirten sind doch geradezu un- Bezahlbar I Möchte noch manches Flugblatt dieser„christlich" eifernden Siebenundzwanzig den Wahlkampf würzen! Tas deutsch-französische Abkommen. Die deutsch-französische Kommiision, welche in Bern tagte, um die Ausführung des deutsch-sranzösischen Kongo-AblommenS vom 4. November 1911 in die Wege zu leiten, hat ihre Arbeiten beendet. Sie hat am Freitag das Schlußprotokoll, das den Wortlaut der den beiderseitigen Negierungen zu unterbreitenden Vereinbarungen ent- hält, unterzeichnet. Halbamtlich wird über die Verhandlungen, die am 17. Juni Begannen, und die sechs Wochen dauerten, gemeldet: Die Arbeiten haben für beide Teile einen durchaus Be- fricdigenden Verlaus genommen. Ihr nächster Zweck hat darin bestanden, die technische Tätigkeit der an Ort und Stelle zu ent- sendenden Abgrenzungskommission vorzubereiten. Sodann soll eine Vereinbarung über die Modalitäten und Daten für die llebergabe der Gebiete, die abzutreten sind, getroffen werden. Die Kommission bat diese Aufgabe in der Weise gelöst, daß sie über jede der beiden Fragen den Text für eine Vereinbarung festlegte, die den Regierungen zur Ratifizierung unterbreitet werden soll. Die schwierigste Frage betraf die Konzessionsgesellschafte» in dem an Deutichland abgetretenen Gebiete. Diele Frage er- forderte eine Behandlung in nicht weniger als fünfzig Artikeln. Deutschland hatte Zweifel ausgedrückt, ob die erlertlKr Koir- zessionen legitim seien, weil es sie als einen Widerspruch zu der Handelsfreiheil der Berliner Kongoakie ansieht.— Der Veitrag von Bern, wie er nun zustande gekommen ist. trägt nicht den Charakter einer Schlußaktion. Er ist lediglich ein neues Glied in einer langen Kette. Vom Bayerischen Militarismus. AuS Bayern wird uns geschrieben:' Norddeutsche Blätter, insbesondere Berliner, flochten in ihren Bericht über die KriegsgerichtSvcrhandlung gegen den Hauptmann Wcstermeycr des 8. Bayerischen Jnfanterie-Regiments eine. Bemerkung ein, die mit den Tatsachen nicht übereinstimmt. Der bayerische Offizier wurde bekanntlich unter Ausschluß der Oeffent- lichkeit gerichtet. Darauf bemerkten die norddeutschen Blätter, eL fei das erste Mal, daß in Bayern,„nach preußischem Muster" die Oeffentlichkeit ausgeschlossen wurde. Dies ist ein glatter Unsinn, der ganz ohne Grund zu der Meinung führen könnte, als sei der bayerische Militarismus besser als sein preußischer Bruder. In Wirklichkeit ist eS in Bayern ein alter Usus, ebenso wie in Preußen, falls sich ein Offizier in einer für ihn brenzlichen Sache zu verantworten hat, die Oeffentlich- kcit mit„Rücksicht auf die gefährdete Disziplin" auszuschließen. Es ist das ein Usus, der insbesondere bei Soldatenschrndern— die in Bayern fast noch zahlreicher sind als in Preußen— sehr häufig innegehalten wird. Natürlich wird es auch bei anderen Fällen, wenzn Vorgesetzte in Frage kommen, so gehalten,. So wurde zum Beispiel jüngst in München, als sich der wegen Stellenschacher angeklagte Oberstleutnant Stritzel zu verantworten hatte, vor dem Kriegsgericht ebenfalls unter Anschluß der Oeffentlichkeit ver- handelt. Nur am OberkriegSgcricht verhandelte man öffentlich. ES War dies offenbar ein Erfolg der Kritik. Der bayerische Militarismus und die bayerische Militär. gerichtkbarkeit hat gegenüber dem preußischen Bruder und gegen. über der preußischen Militärgerichtsbarkeit nicht das geringste vor- aus. Höchstens, daß die bayerischen Kriegsgerichts- und Ober- friegsgerichtsräte eine nettere Uniform tragen als die preußischen Kollegen. Tie Leidensgeschichte eines Proletarierkindes wurde in all ihren Einzelheiten vor dem Dresdener Kriegsgericht ausgeiollt, wo sich wogen Fahnenflucdt im Rückfalle und Pieisgabe von Dienstgegennänd-n der Schweizer, jetzige Soldat zweiter Klasse Johannes R e i s h e i s verantworten mußte. Als Sohn cineS armen Proletariers hat der jetzt LOjährige Angeklagte eine durchaus niangclhafte Erziehung genossen und Not und Eiilbebruna frühzeitig kennen gelernt. Noch in seiner Kinderzeit ist ihm die Mutter gestorben und bald danach der Vater verschollen Nachdem das Kind bei Verwandten in Pflege war. kam er schließlich ins Waisenhaus und von dort in die Lehre. In R. steckt nach seiner eigenen Angabe ein unüberwindlicher Wandertrieb. So ist eS zu erklären, daß er es nirgends lange auShielt. Im Sommer v. I. wurde R. zum Militär ausgehoben und bis zum Herbst in die Heimat beurlaubt. Er ging nochmal« aus Wanderichaft, verpaßte die Einstellungszeit, wurde bald danach aufgegrifsen und wegen Fahnenflucht zu 6 Monaten Gefängnis und Versetzung in die 2. Klasie de» Sotdatenstandes verurleilt. Nach der Strafverbüßung kam er zum Ulanen-Regiment Nr. 21, wo ihm die alten Leute" drohten, ihm„die Fresie voll zu hauen". Dazu kam. daß er abermals vom Wandertriebe erfaßt wurde. In dieser Verfassung verließ er am 19. Juni d. I. den Truppenteil; aber schon nach 14 Tagen wurde er wieder festaenominen. Jetzt erhielt R. die ungemein harte Strafe von ein Jahr zwei Monaten Ge- fängnis! Strafverschärfend hat man den Umstand berücksichtigt, daß R. ohne Grund fortgelaufen ist, strafmildernd dagegen die mangelhafte Erziehung. 6chwdz. Die Sußerordentliche Sommersesstoit der Bundesversammlung. Die Bundesversammlung hielt in Bern eine andertihalbwvchige außerordentliche Session ab, die mir der Bevatung der Finanz- r e f o r m dienen sollte und die nun aber infolge de« plötzlichen Hin- scheidens der beiden Bundesräte Deucher und Ruchet auch zu einer Wahlvcrsamwiung wurde. Als ihre Nachfolger wurden natürlich wieder zwei sogenannte„Freisinnige" gewählt, die Herren De- coppet, bisher Präsident der waadtländischen KmittmSregierung in Lausanne, und Schul theß» Direktor den großen elektrotechni- schen Fabrik von Brown Bovert u. Co in Baden bei Zürich Der erstere war bisher Mitglied des Nationalrates, der andere gehörte dem Ständerate an. Der Bundesrat hatte Herrn Schultheß zum Nachfolger des verstorbenen Herrn Deucher in der Leitung des Handels-, Industrie- und Landwirtschaftsdepartements gewählt, also zum Minister für Sozialpolitik, als der er ein würdiges Seiten- stück zu dem Nationalliberalen Möller als verflossenen, preußischen Handelsminister bildet. Der Mann soll in nächster Zeit vov der Bundesversammlung die zeitgemäße und fortschrittliche Revision des FabrikgesetzcS vertreten. Das wird eine heitere Sozialpolitik werden! Bei der Finanzreform wollen wir uns nicht lange aufhalten, denn eS handelte sich dabei vielmehr um eine bürgerlich- kapitalistische Aktion zur Verhinderung einer solchen, die diesen Namen wirklich verdiente. Wollten die bürgerlichen Parteien eine ernste und ehrliche Finanzreform, so hätten sie im letzten März dem bezüglichen Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, der die Einschränkung der Militärausgaben, Herabsetzung der Zölle und Einführung direkter Bundessteuern auf den Besitz forderte, zw- stimmen müssen während sie ihn bekämpften und ablehnten. Nun beantragten die vereinigten Finanzkommissionen der beiden Häuser, der Bundesrat soll die Frage der dauernden Vermehrung der Bundcseinnahmen durch bessere Ausnutzung der bestehenden oder Erschließung neuer Finanzquellen prüfen. Hatten schon in der Märzsession die sozialdemokratischen Redner erklärt, daß sie die Vermehrung der Bundescinnahmen für die Forderung einer weiter- gehenden Sozialpolitik verlangten, wogegen sich die bürgerlichen Redner wandten, so vertraten jetzt unsere Genossen Müller, Pflüger, Sigg, Jäggi und Raine den gleichen Stand- Punkt wieder, ebenso die Forderung der Einführung von direkten Steuern, z. B. einer Grundsteuer. Für die Einführung neuer Staatsmonopole kann nur der Tabak in Betracht kommen und dürften dessen Neinerträgnisse nur für die Schaffung der Alters- und Invalidenversicherung verwendet werden. Zu den neuen Finanzmaßnahmen zählten unsere Parteiredner auch die Aus- beutung der reichen Wasserkräfte der Schweiz, die namentlich für die Elektrifizierung der Staatsbahnen nutzbar gemacht werden sollten. Von Interesse war die Stellungnahme des eidgenössischen F i nanz m i n i st e r S Bundesrat Motta(klerikalst der daS dringnd« Bedürfnis des Bundes nach neuen Einnahmequellen be- stritt, da die Z o l l e i n na h m e n im ersten Halbjahr 2� Mil- lioen Franken(41,54 gegen 38,97 Mill.) mehr betrügen als in der gleichen Zeit des Vorjahres, und die Mehreinnahmen im ganzen Jahre 5— 6 Millionen betragen dürsten, die zur D-eckung der Militärbedürfnisse genügen. Also nur um die Sättigung des gefräßigen Militärmolochs handelt es sich dem Bundesrat! und seinen parlamentarischen Trabanten. Der. KönnniffionsvNtrag wurde schließlich mit 85 gegen 15 Stimmen angenommen, wobei sich die Mehrheit der Sc-zialdemo- traten der Abstimmung enthielte Eine große eisenbahnpolitische Aktion erledigte der Nationalrat noch durch einstimmig« Annahme der Vorlage betreffend den Ankauf des der PariS-Lyon-Mittelmeerbahn gehörigen Bahn- Hofes in Genf und einer kurzen Eisenbahnlinie an der schweizerisch- französischen Grenze, wobei eS sich um die Summe von 45 Millionen Franken handelt. Unser Genosse Seidel forderte die Schaffung besserer Arbeits- und Lohnverhältnisse für die von den Unternehmern wie auch von den Kantonsregierungen ausgebeuteten Militär- schneidern, die sich an diesen Proletariern noch besondere Zwischengewinne aneignen, indem sie nicht so viel' an Löhnen be- zahlen als sie selbst aus der Bundeskasse erhalten. Bundesrat H o f m a n n erklärte � sich grundsätzlich einverstanden mit dem Regiebetrieb der Militärschneiderei. Die nächste Session der Bundesversammlung findet erst wieder im Dezember statt. Lelglen. Keine Kontrolle des Wahlschwindels. Unser Brüsseler Korrespondent schreibt unS: Die Kammer hat sich vorigen Freitag dafür ausgesprochen, daß auf Wunsch der mit der G ü l t t g k e i t s u n t e r- suchung der Mandate Betrauten Konimissionen die Stimmzettel des Betreffenden Wahlkreises der Kammer zur Verfügling gestellt werden. Die Klerikalen machten wohl Miene, sich dieser— zugegeben, für sie peinlichen— Kontrolle zu widersetzen, aber das politische Rechtlichkeitsaefühl eines ihrer eigenen Parteigenossen, des Bisherigen Kammer- Präsidenten Cooreman, hat ihnen einen Bösen Streich gespielt. Cooreman stellte selbst den Antrag, daß der Kommission— es handelte sich im Einzelfall um die Wahlen im Limburg— die Stimmzettel zur Verfüguug gestellt werden. Aus der Rechte« darob arge Verlegenheit, doch wagte sie nicht gegen den angesehenen Cooreman zu stimmen.— Nun hat die Kommission, die sich mit der Gültigkeitserklärung der Mandate des Wahlkreises Tournai beschäftigt, durch den Sozialisten Deströe an die Kammer das Ersuchen gestellt, daß ihr die Stimmzettel dieses Wahlkreises zur Verfügung gestellt werden. Man durfte billig erwarten, daß die Majorität ihre Zustimmung auch in diesem Fall ohne weiteres geben werde, nach- dem sie es auch im anderen Fall getan und die Form des Antrages gleichsam eine Zustimmung zu dem Prinzip war.'Wer das glaubt, kennt aber den Jesuitismus der belgischen Klerikalen recht wenig. Denn wenn ein Antrag schon durchgeht, danw bleibt noch immer zur Rettung die Interpellation, nach der schönen Methode: legt ihr's nicht aus, so legt ihr's unter.... Außerdem erzählte Deströe, daß der Text des Antrages im nachhinein korrigiert worden ist.— Dex Minister Helle- Putte(der seit den letzten Wahlen nur mehr der Caramel- Minister genannt wird, weil er seinen katholischen Wählern einige Tausend dieser süßen Dinger mit entsprechenden Versen spendiert hatte) hat in der Erkenntnis, daß dem Wahl- schwindel der Klerikalen möglichst„der Schleier der Nacht über die Ohren" gezogen werden muß, mit Erfolg dafür Plädiert, daß die Kammer ihre Zustimmung zu dem Begehren der Kommission nicht gibt.(Das Los hat diesmal die Oppo- sitidn Bei der Bildung der Kommissionen Begünstigt.) Um- sonst hat der sozialistische Deputierte Royer der Kammer- Majorität vorgehalten, baß sie daS Odium auf sich ladet, etwas verbergen an müssen, wenn ste sich weigert, die Stimmzettel auszuliefern; umsonst daß Deströe der Majorität vorhielt, daß es h ö ch st v e r d a ch t i g sei. daß die katholischen Deputierten des Wahlkreises Tournai sich so gegen die Auslieferung der Stimmzettel sperren: mit Ausnahme Beernaerts und eines„unabhängigen" Klerikalen, die mit der Linken st i m m t e n. stimmte die Rechte gegen die AuSlteferuniZ. Man wird also nicht erfahren, wie viel Stimmen in Tournai von den Katholiken gestohlen �" Die Kommission, die jetzt die Wahlen deS Wahlkreises Turnhout verifiziert, hat etliche„Irrtümer" beim Durch- sehen der Stimmzettel entdeckt. Was für„Irrtümer' mögen sich da in der schönen Kathedralestadt Tournai und Um- gegend ereignet haben, ivenn die Klerikalen die Stimmzettel absolut nicht einer profanen Kommission hur Verfügung stellen wollen. Die Wahlschwindler finden in der Kammer eine kompakte Majorität von Hehlern und Komplicen. Portugal. Ein neuer Putschversuch? Madrid, 20. Juli. Der Orenser Korrespondent deS „Universo" übermittelt ein aus Venn stammendes Tele- gramm, nach dem in O p o r t o und Lissabon die Re- v o l u t i o n ausgebrochen sein soll. Die offiziellen Kreise sind ohne Nachricht. ßollanck. Neun chinesische Arbeiter erschossen. Haag, 29. Juli. Wie eine amtliche Depesche auS Nieder. ländifch-Jndien von gestern berichtet, sind unter den 399 chinesischen Arbeitern, die für die staatlichen Zinngruben auf der Insel Banka angeworben waren, Unruhen ausgebrochen. Obwohl die Behörden ihr Bestes taten(?), um die Arbeiter zu be- ruhigen, griffen diese doch die Bureaugebäude an, töteten eine Person und ließen sich durchaus nicht durch daS herbeigerufene Militär einschüchtern. Die Truppen gaben schließlich Feuer, erschossen drei Rebellen und verwundeten fünfzehn, von denen noch sechs gestorben sind. Die Ordnung ist nun wiederhergestellt. Die Unruhen waren dadurch entstanden, daß die Arbeiter verlangten, alle in derselben Grube beschäftigt zu werden— ein Wunsch, dem nicht entsprochen werden konnte. Orkel. De Ministerkrise. Konstantinopel, 29. Juli.(W. T. B.) T e f i k P a s cha soll die Bildung deS jdabinettS unter der Bedingung angenommen haben, daß er in der Wahl der Mitglieder freie Hand behalte. Die gestrige Proklamation wird oils Beweis angesehen, daß der Sultan diese Bedingung erfüllt hat. Von zuverlässiger parla- mentarischer Seite wird versichert. Tewfik habe Kiamil und Hussein Hilm» telegraphisch gefragt, ob sie bereit seien, die Ministerien des Aeußern bezw. des Innern zu übernehmen. Beide hätten zustimmend geantwortet.— Die j u n g t ü r k i s ch e P a r t e i ist heute zur Beratung zusammengetreten. In der Partei besteht eine starke Strönmng dafür, jedes Kabinett Tewfik, selbst mit Kiamil und ohne eine» einzigen jungtllrkischen Minister janzu« nehmen, sich jedoch einer Auslosung der Kammer zu Widersetzen. Marokko. Abdul Asis statt Mulay Hafid Sultan? Paris, 29. Juli. Der Berichterstatter deS.Figaro' meldet aus Tanger: Mulay Hafid, der bei seiner Absicht, abzu. danke», und nach Paris zu kommen, hartnäckig verharrt, beschloß. zuerst eine Wallfahrt nach Mekka zu unternehmen. Durch diese Reise würde er als guter Muselmann anerkannt toerden und könnte dann ungehindert Paris besuchen. Der Korrespondent des Blattes tritt dafür ein, daß Frankreich Abdul Ast», den früheren Sultan und Bruder Mulay Hafids, wieder auf den Thron setze. Abdul Asis habe sich durch seine würdige Haltung bei den Marokkanern ein gewisse? Ansehen zurückerobert, und es wäre fiit, Frankreich nur nützlich, wenn eS sich bei Unternehmungen in Marokko mit dem Namen Abdul Asis decken könnte. Ei» Kampf in der Nähe von Fez. Fez, 29. Juli. Die Abteilung Mazillier überrumpelt« gestern bei Nebel die abtrünnigen Stämme, die bis Abb el Uschad vorgerückt waren. Nach einem lebhaften mehrstündigen Gefecht wurde der Feint, der große Verluste erlitt, zurückgeworfen. China. Die Ministerkrise. Peking, 19. Juli. Der Grund dafür, daß die Nailonakver« sammlung Juanschikais Kandidaten für die Minister- Posten abgelehnt hat, liegt in der Abneigung der Partei Tang- schaoyis gegen eine Koalitionsregierung, in der Unzufriedenheit an, derer Parteien mit ihrer angeblich ungenügenden Vertretung im Ministerium und in der persönlichen Abneigung gegen gewisse Kan- didalen Uuanschikais. Halbamtlich wird erklärt, wenn die Par» teien den erneuten Vorstellungen UuanschikaiS nicht nachgäben, werde er die Nationalversammlung auffordern, daS Kabinett zu ernenne»». Bei der Zwiespältigkeit der Parteien in der Versammlung erscheint dieS aber unmöglich, und es ist Aussicht vorhanden, daß sich die Parteien dem Präsidenten fügen werden. ?apai». DaS Bünduis mit Rußland. London, 20. Juli. Die„Times" meldet auS Petersburg vom 19. d. Mts.: Das Abkommen zwischen Rußland und Japan, daS abgeschlossen, aber noch nicht unterzeichnet ist, enthält außer der Abgrenzung der Einflußphäre beider Mächte in der Mandschurei und der Mongolei die Verpflich- tung zur gemeinsamen Verteidigung in jenen Ge- bieten, falls eine der beiden Mächte angegriffen wird. Hmeriba. Die Grelle! von Per». Washington, 20. Juli. Der Agent der amerikanischen Regierung Stuart Füller ist in JquttoS eingetroffen und wird sich dort in das Kautschukgebtet von P u t u- m a y o begeben. Er wird voraussichtlich keine eigene Untersuchung anstellen, da das Staatsdepartement die Tatsachen durch das englische Blaubuch für hinreichend er- wiesen erachtet. Da aber Peru sich bereit erklärt hat. die Schuldigen vor Gericht zu ziehen, so soll der amerikanische Agent darauf achten, daß daS Versprechen erfüllt und den bisherigen Zuständen ein Ende ge- macht wird._ Druckfehler- Berich tigung. In dem gestrigen Artikel»Eine Wohnungsaufsicht für Berlin", der über das Gutachten des Magistratsassessors Siegel Berichtet, muß eS auf Seite 1, Spalte S, Zeile 67 ff heitzen:.. kommt das Gutachten zu dem keinesivcgs einwandfreien Schluß, Berlin brauche zunächst keinen Nachweis, nur ein einheitlicher Nachivet» für Groß-Bcrlln hob« vielleicht eine« Zweck". Gewerbfcbaftlichea. �ur„lästiges" Streikposten steken ist verboten. Juristische Auslegungskunst muß jetzt täglich Gründe für daS Verbot des Streikpostenstehens beibringen. Nicht wenige mit Strafmandaten bedachte Streikposten verlangen auf Grund der Reichsgerichtsentscheidung, die das Streikposten- stehen für zulässig erklärte, die Annullierung der polizeilichen Strafmandate durch Richterspruch. So viel Entscheidungen. soviel widersprechende Begründungen. Doch alle lassen das Reichsgerichtsurtcil außer acht, obwohl die Entscheidungen dieses höchsten Gerichtshofes sonst als Richtschnur für die unter- geordneten Gerichte gelten. Einer allzu eifrigen Polizeibehörde ist durch eine Gerichts- entscheidung ein kleiner Dämpfer aufgesetzt worden. In Lengenfeld i. V. streikten vorigen Monat die Arbeiter einer Baumwollenspinnerei. Der Stadtrat erließ während des Streiks eine öffentliche Bekanntmachung, wonach Streikposten- stehen lvegen Gefährdung der Ordnung und Sicherheit des Verkehrs in zwei Straßen der Stadt verboten sein sollte. Einige Streikende, die trotz des Verbots Streikposten ge- standen hatten, erhielten vom Stadtrat Strafverfügungen, wogegen sie gerichtliche Entscheidung beantragten, die das Schöffengericht in Lengenfeld zu treffen hatte. Alle Zeugen bekundeten,_ daß durch die Streikposten der Verkehr nicht gestört war. Selbst der Vertreter der Staats- anwaltschaft beantragte Freisprechung. Wohl sei der Stadtrat berechtigt, so führte er aus, Anordnungen zu er- lassen, um die Sicherheit des Verkehrs zu schützen; er hatte aber kein Recht, das Streikpostenstehen schlankweg zu der- bieten. Das Verbot des Stadtrats sei demnach ungesetzlich und könne eine Bestrafung des Angeklagten nicht erfolgen. Das Gericht schloß sich dieser Auffassung an und sprach sämtliche Angeklagten kostenlos frei. Rur lästiges Streikpostenstehen könne durch eine Verordnung verboten werden. Der Stadtrat habe aber jedes Streik- postenstehen verboten und dazu hatte er kein Recht— so hieß es in der Urteilsbegründung. Verlin un«l rlmg-egrnck. Der Streik der Fuhrleute. Am Sonnabendmittag versammelten sich die Streikenden im »Englischen Garten", Alexanderstrahe, wo Olto Franke einen Situaiionsbericht erstattete. Alle größeren Betriebe haben mit dem Deutschen Transportarbeiterband Frieden geschlossen und den Tarif- vertrag unterzeichnet. Abseits stehen noch 24 kleinere Firmen, die zusammen rund 200 Arbeiter und Kutscher beschäftigen. Die Streikenden sind guten Mutes und entschlossen auszuharren, bis der Sieg auf der ganzen Linie erkämpft ist. Bei drei Firmen wurde erneut die Arbeit niedergelegt, weil die Ueberstunden nicht bezahlt wurden. Durch das Ein- greifen der Organisation ist aber die Differenz schnell bei- gelegt worden und die Bezahlung der Ueberstunden wurde nicht länger verweigert. Bon der Firnm Degen in Tegel kam die Meldung, daß dort die Arbeitswilligen auf den Höfen einlogiert sind und die Leute in den Ställen schlafen und verpstegt werden. Die Polizei wurde benachrichtigt, schritt aber nicht dagegen ein. Zur Bewunderung der Streikenden ist die Polizei in Neukölln an der Pumpstation Wildenbruchstrahe vertreten, obgleich dort nur solche Betriebe sich befinden, die den Tarifvertrag anerkannt haben. Die Bewegung wird überall in Ruhe und Ordnung durchgeführt. Die folgenden Firmen haben am Sonnabend den Tarif unter- zeichnet: H. Rudolph. W. Platz. Berlin, K. Dutschow, Pankow, M. Stein, Neukölln. OeuttcKes Reich. Die Klempnermeister der Klempnerinnung in Eberswalde haben mit dem Deutschen Metallarbeiterveröind einen Tarifver- trag abgeschlossen, der bis zum 31. März 1314 gelten soll. Der Bcr- trag sieht vor, daß die Klempnergesellen im ersten Jahr nach be- endeter Lehrzeit einen Lohn von 43 Pf. erhalten sollen. Der Lohn- satz erhöht sich für Gesellen, die sich im zweiten Jahr nach beendeter Lehrzeit befinden, auf 50 Pf. pro Stunde und darf vom dritten Jahr an nicht unter 60 Pf. betragen. Außerdem sieht der Vertrag die L�stundige Arbeitszeit vor mit der Maßgabe, daß Sonnabends eine Stunde und an den Vorabenden von Ostern und Pfingsten zwei Stunden früher Feierabend sein soll. Für Ueberstunden von 7 bis 9 Uhr abends werden, wenn sie in dringenden Fällen nicht zu vermeiden sind, 25 Proz., nach 9 Uhr und für Sonn- und Feier- tagsarbeit 50 Proz. Lohnzuschlag bezahlt. Allerdings� haben die Klempnermeister den Tarif nicht ganz freiwillig abgeschlossen. Verhandlungen, die ihnen von dem Deut- schen Metallarbeiterverband angeboten worden waren, wurden ziemlich brüsk abgelehnt. Erst nachdem die Gesellen des größten Betriebes von Eberswalde in den Ausstand getreten waren, waren auch die Klempnermeister zu einer Einigung bereit. Hierbei ist im Hinblick auf die Salbadereien Wiesenthals über Taktik vielleicht für manchen Gewerkschaftler ganz interessant, daß von zwei Helzungsmonteuren des Betriebes, die im Wiesenthalschen Ver- bändchen organisiert sind, eine Teilnahme an der Ausstands- bewegung abgelehnt wurde, weil sie nach ihren Erklärungen dazu von ihrer Organisation keine Zustimmung und auch keine Unter- stutzung bekommen könnten. So machen sich die Folgen der Ar- beiterzersplitterung, die von Wiescnthal betrieben wird, in einer Weise zum Schaden der Arbeiterschaft geltend, die bei der Taktik dieses„Strategen" leicht recht bedauerliche Folgen haben kann. Erfolgreiche Lohnbewegungen in der Granitindustrie. fapgen. Bemühungen ist es gelungen, in Bischofswerda fSachsen> für die Hilfsarbeiter, Brecher und Steinmetzen einen recht umfangreichen Tarif zum Abschluß zu bringen. Die Unter- nehmer boten alles auf, um die Verhandlungen verschleppen zu Arbeitern riß aber die Geduld und sie reichten die Kündigung ein. Diese Maßnahme verfehlte ihren Zweck nicht, und die Verhandlungen gingen flott vonstatten. Durch den Tarif- abschloß konnten verschiedene hohe Verbesserungen erzielt werden. besonders ist es m Zukunft unmöglich, die Löhne willkürlich zu kurzen.-Lie Agitatoren vom christlichen Steinarbeiterverband verfuchen seit Monaten alles, um in den wendischen Steinbruch- bezirken Erfolge erringen zu können. Ihre Bemühungen sind aber vergebens, denn der Zentralverband deutscher Steinarbeiter(Sitz Leipzig) hat in der Lausitz für 3000 Arbeiter Tarifverträge schaffen können. Die Pflastersteinmacher der Firma Nikolaier in Gorkau (Schlesien) setzten einen erstmaligen Tarifabschluß durch. Die Löhne waren bisher recht unterschiedlich, die Akkordsätze wurden einfach nach Belieben festgesetzt. Dieser Modus war für die Ar- beiter— weil doch die Gesteinslagen sehr verschieden sind— eine besondere Härte. Die Firma Nikolaier unterhält in Schlesien vier große Granitbrüche, nun sind überall die Lohnverhältnisse tariflich fixiert. In Lerbach ist die Lohnbewegung der Pflastersteinmacher sehr günstig beendet worden. Von nun ab werden den Arbeitern für das Stellen des Werkzeugs 3 Proz. vom verdienten Lohne vergütet. Ebenfalls wurden die Preise für einige Steinsorten erhöht. » In der Mechanischen Seilerwarenfabrik Bamberg haben am vergangenen Sonnabend 39 Maschinenhechler die Kündigung ein- gereicht. Da der gegenwärtige Geschäftsgang in der Bindfaden- industrie ein äußerst guter ist, auch schon seit einiger Zeit die Firma täglich zwei Stunden überarbeiten ließ, glaubten die Maschinenhechler sich berechtigt, von der Firma eine Lohnerhöhung > Berantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw� vo« IV Proz. zu fordern. Diese minimale Forderung wurde nicht nur von der Firma abgelehnt, sondern es wurde der Arbeiter- schaft sogar eine LVpozentige Lohnreduktion. in Aussicht gestellt. Daraufhin haben die gesamten Maschinenhechler die Kündigung eingereicht. Sollte der Ausstand perfekt werden, so werden auch die übrigen Abteilungen des Betriebes in Mitleidenschaft gezogen und es dürfte dann in einigen Tagen der gesamte Betrieb stillgelegt sein. Da die Firma dringende Aufträge zu erledigen hat, wird dieselbe versuchen. Arbeitswillige zu erhalten. Wir bitten daher die gesamte arbeiterfreundliche Presse, von der Bewegung Notiz zu nehmen und bor Zuzug von Textilarbeitern aller Art nach Bamberg zu warnen. Eine Scharfmacherkasse gründeten sich die im„Deutschen Buchdruckerverein" organisierten Buchdruckereibesitzer und Zeitungsverleger auf ihrer am 2. und 3. Juni zu Breslau abgehaltenen Hauptversammlung. Dieser Fonds beansprucht für die gesamte organisierte Arbeiterschaft größeres Interesse als es scheint; er bedeutet eine materielle Hilfs- quelle für diejenigen, die durch„besondere Zwecke"(lies Tarif- brüche) einer Unterstützung bedürfen; gleichzeitig soll er einen „engeren Zusammenschluß der deutschen Buchdruckereibesitzer" her- beiführen. Man muh wissen, daß die eben erst abgeschlossenen Tarife für das graphische Gewerbe eine Folge der Machtstellung dieser Organisationen sind und wie eben jedes Gewerbe trotz Tarif- vertrag von unliebsamen Erschütterungen, die. in 90 von 100 Fällen, durch die Unternehmer selbst herausbeschworen sind, leider nicht verschont blieb, so sind auch im Buchdruckgewerbe im Verlauf der letzten Tarifperiode einige Vorkommnisse zu verzeichnen, die dem Vorstand des„Deutschen Buchdruckervereins" hinreichende Veran- lassung waren, der Hauptversammlung folgenden Antrag zu unter- breiten: „Zur nachdrücklichen Vertretung der wirtschaftlichen Jnter- essen der Buchdruckereibesitzer beschließt die Hauptversammlung des Deutschen BuchdruckervereinS die Schaffung eines Fonds für besondere Zwecke. Der Hauptvorstand wird ermächtigt und be- austragt: 1. vom 1. Juli d. I. an Beiträge zu diesem Fonds von allen Mitglieder... auf Grund einer wöchentlichen Abgabe von 10 Pf. für das im Buchdruckereibetrieb beschäftigte technische Personal(Gehilfen, Lehrlinge, männliche und weibliche Hilfs- arbeiter) zu erheben; 2. in Erwägung zu nehmen und bis zum 1. Oktober d. I. zu beschließen, ob ein anderer Beitragsmodus(etwa kombinierte Kopf- und Zhlindersteuer) und welcher zum Zweck einer eventuell geeigneteren Verteilung der Beitragslasten vom 1. Januar 1313 ab zur Erhebung zu kommen hat. Der aufzusammelnde Fonds soll zur„nachdrücklichen" Ver- tretung der Prinzipalsintercssen dienen", kann aber auch für Wohlfahrtsintercssen der Mitglieder des... Vereins Ver- Wendung finden." Dieser Antrag wurde nach kurzer Diskussion einstimmig an- genommen. Damit haben nun endlich auch die großen und kleinen Zeitungskönige ihren Niederknüttelungssonds für eventuelle „Tarifbeunruhigungen". Wer da noch im Zweifel ist, lese die„Be- kanntmachung", die der Hauptvorstand der Unternehmerorgani- sation am 24. Juni erließ und in der gesagt wird: „Es gilt, durch Ansammlung von Geldmitteln die Möglich-- keit zu schaffen, die wirtschaftlichen Interessen der Buchdruckerei- befitzer bei allen sich bietenden Gelegenheiten mit Nachdruck wahr- zunehmen und für die Organisation der Prinzipale eine Deckung und ein Bindemittel zu gegenseitiger Hilfe zu schaffen." Dabei sind die Buchdruckunternehmer schon heute laut Tarif Zeitungskönige ihren Niederknüttelungsfonds für eventuelle für„besondere Zwecke" gemeint sein? Nun, die graphische Ar- beiterschaft steht gerüstet da und wird sich für besondere Zwecke bereit halten. Rusland. Der Streik im Londoner Hafen. London, 18. Juli 1912.(Eig. Ber.) Das gewaltige Ringen zwischen den protzigen Kapitalisten und der hungernden, aber mann- haften Hafcnbevölkerung Londons ist noch nicht zu Ende. Man hatte gehofft, daß die Verhandlungen, die letzten Montag auf De- treiben des Premierministers eingeleitet wurden, zu einem annehm- baren Friedensschluß führen würden. Die Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Der Oberscharfmacher Lord Devonport besteht auf der bedingungslosen Unterwerfung der Arbeiter und die Arbeiter haben diese schändliche Zumutung in einer Massenversammlung verächtlich abgewiesen. Letzten Montag machte Herr Asquith den Vorschlag, die beiden Mitglieder der Streikleitung G o s l i n g und O r b e l l soll- ten in ihrer Eigenschaft als Mitglieder der Londoner Hafen- behörde mit dem Führer der Arbeitgeber, Lord Devonport, dem Vor- sitzenden der Hafenbehörde, der mit der Streikleitung nicht ver- handeln will, in Verhandlungen treten. Der Vorschlag wurde von beiden Parteien angenommen. Das Resultat der dreitägigen Ver- Handlungen ist. daß die Unternehmer sich bereit erklären, unter fol- genden Bedingungen Frieden zu schließen: „Alle Kategorien Arbeiter müssen sich sofort bereit erklären, die Arbeit wieder aufzunehmen, ohne daß sie irgendwelche De- dingungen stellen, aber im Vertrauen auf die von den Arbeit- gebern gegebenen Versicherungen, Hotz sie irgendwelche Beschwer- den, die ihnen von den Arbeitern selbst oder von den Vertretern der besonderen in Betracht kommenden Gewerkschaften vorgelegt werden, untersuchen werden." Die Vertreter der Arbeiter hatten sich drei Tage lang abgemüht. Lord Devonport zu bewegen, den Passus:„ohne daß sie irgend- welche Bedingungen stellen" durch die Worte zu ersetzen:„ohne Abänderung der vor dem Streik bestehenden Verträge". Auch forderten sie eine Zusicherung, daß die Arbeitgeber die Streikenden ohne Maßregelung wieder einstellen sollten. Aber obwohl sie die Regierung auf ihrer Seite hatten, gelang es ihnen nicht, den starren Sinn der Scharfmacher zu brechen. Wiederum ein Schul- beispiel dafür, wie ohnmächtig die Regierungen im modernen Staat gegenüber den vereinigten Kapitalisten sind. Die Streikleitung veröffentlichte gleich nach dem Abbruch der Verhandlungen ein Manifest, in dem sie erklärt, daß die Leiter der Gewerkschaften in den acht Monaten nach dem Streik des Jahres 1911 alles getan hätten, um Arbeitseinstellungen ihrer Mitglieder. die über die offene und allgemeine Mißachtung der Verträge seitens verschiedener Abteilungen der Arbeitgeber aufgebracht waren, zu verhindern. Man habe alles versucht, um durch das Eingreifen der Regierung zu seinem Rechte zu kommen; aber vergebens. Die Vor- schlüge und Urteile der Regierungskommissäre seien von den Arbeit- gebern einfach mißachtet worden. Und nun dieser letzte Vermitte- lungsversuch.„Diese Vorschläge der Unternehmer," so heißt es in dem Manifest,„würden das vollständige Aufgeben der Gewerkschaften und die Rechte der Arbeiter �auf einen ehrenhaften kollektiven Arbeitsvertrag mit sich bringen." Weiter sagt das Manifest der Streikleitung: „Nach dem Friedensschluß und der Wiederaufnahme der Arbeit im letzten Jahre drückten wir vereint den Wunsch aus, alle unsere Verträge einzuhalten und den Arbeiter und den anständi- gen Arbeitgeber zu schützen, indem wir danach strebten, gemein- schaftliche Lohnämter einzuführen. In jedem Falle ist es uns mißlungen. Die Arbeitgeber versichern stets, daß sie nicht imstande sind, sich zu föderieren, um die Verträge mit Arbeitern zu beobachten, schiedsrichterliche Urteile anzuerkennen oder Beschwerden abzustellen. Die Eigentümlichkeit ihrer Stellung- nähme wird durch die Tatsachen gekennzeichnet, daß sie sich ver- einigen, um zu versuchen, die Gewerkschaften zu zerstören, aber vorgeben, keine Arbeitgeberföderation schaffen zu können, um für den Londoner Hafen ein Lohnamt zu schaffen, wie es schon in allen Häfen des Vereinigten Königreichs und in der Bergwerks-, Textil- und Maschinenbauindustrie und anderen großen Jndu- strien besteht. Das Ultimatum der Arbeitgeber häuft auf das Unrecht noch die Beleidigung; es ist eine direkte Herausforderung der Gesamt- Th- Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr-u. Verlagsanstaiz heit der organisierten Arbeiter d«S TranSportgewerbeS und namentlich auch der gewerkschaftlichen Organisationen des ganzen Landes. Wir sind gezwungen, uns um jeden Preis Vorschlägen über die Nichtanerkennung der Gewerkschaften wie auch einem Friedensvorschlag, der keine billigen Vertragsbedingungen ent- hält, die einen ehrenhaften und dauernden Frieden bringen, zu widersetzen. Wir konstatieren weiter, daß wir bereit sind, die sofortige Wiederaufnahme der Arbeit zu den vor dem Streik be- stehenden Bedingungen zu empfehlen." Es ist klar, was die Arbeitgeber wollen. Sie wollen die ge- schlossenen Verträge mißachten und abschaffen, sie wollen den Trans- Portarbeiterverband, den hoffnungsvollsten Versuch, die zersplitter- ten Kräfte der britischen Transportarbeiter zu einem Industrie- verband zu vereinigen, zerschmettern, sie wollen die Arbeiter degra- dieren, sie zwingen, wie die geschlagenen Hunde ins Joch zurück- zukriechen. Sie haben aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Sie kalkulierten, durch den Hunger die Hafenarbeiter Londons zur Ergebung zu zwingen. Sie haben jedoch einen Faktor außer acht gelassen: die Widerstandskraft, Mannhaftigkeit und Selbstachtung, die die moderne Arbeiterorganisation ihren Mitgliedern verleiht. Der Kampf im Londoner Hafen ist zu einer Ehrensache der ge- samten Arbeiterschaft geworden. Bis jetzt ist es den Scharfmachern und der mit ihnen verbündeten Presse gelungen, das Publikum gegen die Hafenarbeiter und ihre Führer aufzuhetzen. Aber das Blatt hat sich gewendet. Selbst in den Reihen des verständigen Bürgertums wächst die Stimme der Empörung über die barbarische Kriegsführung Lord Devonports, der auf den Hunger der Frauen und Kinder der streikenden Arbeiter spekuliert. Die Hafenarbeiter fast aller transatlantischen Linien in New Dark fordern eine Erhöhung ihrer Löhnung auf 35 Cent die Stunde; sie erwarten bis zum 23. Juli eine Antwort auf ihre Forderung. Der größte Teil der im Frachtgeschäft der Küstenlinien tätigen Arbeiter hat den Streik aufgegeben und ist zur Arbeit zurückgekehrt. &ctztc ffochrichtcm Zum deutsch-französischen Abkomme«. Pari?, 20. Juli.(W. T. B.) Nach einer halbamtlichen Mit- teilung hat sich die deuffch-ftanzösische Kongo-Kamerun-Kommission in der Frage der Kongo-Konzessionsgesellschaften über ein provisori- sches Regime geeinigt, wonach bei aller Berücksichttgung der anerkannten Rechte der Konzessionsgesellschaften deren Konzessionen den betreffenden deuffchen Vorschriften angepaßt werden sollen. Insbesondere sei beschlossen worden, daß diejenigen Gesellschaften, welche sich nunmehr über die deuffche und die französische Kolonie erstrecken werden, in jeder dieser Kolonien ihre Steuern entsprechend dem Ausmatze ihrer Ländereien zu zahlen haben werden. Jene Gesellschaften, welche vollständig unter deuffche Herrschast gelangen, werden eine Optionsffist zur Aenderung ihrer Nationalität er- halten, ohne jedoch gezwungen zu sein, auf ihre französisch« Natto- nalität zu verzichten. Preß- oder Knebelgesetz? Petersburg, 20. Juli.(W. T. B.) Der Chef der Oberpreß- Verwaltung hat den Auftrag erhalten, zur Eröffnung der vterten Duma ein neues Preßgesetz auszuarbeiten. Kein neuer Putschversuch in Portugal. Lissabon, 20. Juli.(W. T. B.) Die Lage im Lande ist un- verändert. Republikanische Truppen haben in den Provinzen Minho und TrasoSmontes die Verfolgung der Trümmer der royalistischen Banden aufgenommen. Die Nachforschungen, die an verschiedenen Orten nach dem Verbleib der Verschwörer angestellt wurden, sind ohne Erfolg geblieben. Im Lande herrscht Ruhe.(Siehe auch unter Portugal.) � Interview mit dem Kljedive von Aegypten. Genf, 20. Juli. Der aus London kommende, zum Sommer- aufenthalt in Genf eingetroffene Khedive wurde von einem Ver- tteter der„Tribüne de Genäve" interviewt. Der Besuch in London hatte, nach Angabe des Khedive, keinen politischen Charakter. In betreff der jungäghptischen Bewegung interessiert sich die englische Regierung dafür, daß Genf mit dem ständigen Komitee der Jungägypter in Verbindung stände. Das Zentrum der Bewe- grrng gab der Khedive bor, nicht zu kennen, obwohl er bereits an- läßlich des letzten jungtürkischen Kongresses ein Begrüßungs- ielegramm erhielt. Er habe, wie er erklärt, bei der Uebernahnw der Regierung diesen Zustand vorgefunden, den er weder unter- drücken, noch ändern könne. Das Uebel käme nicht von außen und sei weniger den observierenden Engländern zuzuschreiben als den Aegyptern selbst, welche unter sich uneinig seien, lieber die Wirkung des i ta l i e n i s ch- tü r k i s ch e n Kriege« auf Aegypten beffagt, äußerte der Khedive, daß die Lage Aegyptens sehr delikat sei; denn Aegypten sei, obwohl eS Vasallenstaat der Türkei, gezwungen, neutral zu bleiben. Ein energisches Einschreiten der Mächte dürfte nach der Ansicht des Khedive den Frieden, der sehr erwünscht sei, in aller Kürze herbeiführen. Unwetter im Taunns. Homburg vor der Höhe, 20. Juli.(P.°C.) Schwere Unwetter, die enormen Schaden an Getreide und Feldfrüchten angerichtet haben, sind in den letzten Tagen über den Taunus niedergegangen. Der Schaden an der Getreideernte, die zurzeit in vollem Gange sich befindet, ist besonders groß. In verschiedene» Ge- markungen ist die Ernte fast völlig vernichtet. Auch die Obstbäume haben nicht unerheblichen Schaden erlitte«, so daß die Hoffnungen auf eine besonders gute Ernte, die in diesem Jahre zu erwarten war, nunmehr vernichtet sind. Auch in zahlreichen Gärten wurde großer Schaden durch das Unwetter verursacht. Arbeiterrisiko. Apenrade, 20. Juli.(H. B.) Der Eisenbahnschaffner Mong aus Flensburg wurde gestern abend bei Oberjersdal vom Zuge überfahren und ge töte It. Dem Verunglückte» ttmrben beide Beine abgefahren. Biersdorf, 20. Juli.�(93. H.) Auf Grube Futzeberg stürzten zwei im Oberbruch beschäftigte Arbeiter ad. Einer von ihnen war sofort tot, der andere ist schwer verletzt. Die Liebe. Pfaffenwiesbach(Taunus). 20. Juli.(H. B.) Gestern abend erschoß der neunzehnjährige Streckenarbeiter Eckert aus Obereschbach die 21jährige Elise Rodeck und tötete sich dann selbst. Die Rodeck hatte das seit drei Jahren bestehende Ver- hältnis brieflich gelöst. Brand eines deutschen Dampfers. London, 20. Juli. Das Reutersche Bureau meldet aus Kanea: Heute morgen kurz nach 11 Uhr ist auf dem Deck des vor dem Hafen vor Anker liegenden Dampfers„Paros" der Deutschen Levante- linie ein heftiges Feuer ausgebrochen, das durch Explo- sionen von Benzinfässern weiter verstärkt wurde. Der Zustand des Dampfers ist hoffnungslos. Auch Kessel- explosionen werden befürchtet. Menschenleben sind wahrscheinlich nicht zu beklagen. Gegen 3 Uhr nachmittags brannte das Deck des Dampfers noch. Der Kapitän und die Mannschaft kämpfen mit großer Kaltblütigkeit gegen das Feuer und versuchen, es durch Pumpen auf das Hinterschiff zu befchränken. Die in der Sudabai liegenden Stationsschiffe haben ihre Hilfe angeboten, der Kapitän hofft jedoch, das Feuer von den Kesseln fernhalten zu können. Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilage«. Nr. 168. 29. Jahrgang. 1. KilU i>tS„llunuirtö" Kttlim WslilM SM«lq. 21.?«li 19121 Mrtichzftllchei' Aschenbeiicht. Internationales Spiegclglassyudikat. Neben den großen deutschen Monopolverbänden, die die wichtigsten Bausteine unserer modernen Technik, Kohle und Eisen, im„Interesse der Industrie" verteuern, bestehen noch eine Anzahl von Syndikaten und Kartellen, deren„Arbeit" zwar weniger öffentlich bekannt ist, aber darum nicht weniger Interesse verdient Darunter finden sich auch mehrere internationale Verbände, die sich durch eine wohlgefiigte Organisation auszeichnen, Ueber eins von ihnen, die I n t e r- nationale Spiegelglaskonvention, sind in letzter Zeit allerlei Einzelheiten bekannt geworden. Das Syndikat, das im Jahre IllOt gegründet wurde, sucht durch Mstterluugen über die außerordentlich hohen Betriebseinschränkungen der beigetretenen Werke den Anschein zu erwecken, als ob sich die Spiegclglasindustrie in Stagnation und Rückgang befinde. Allein die Tatsachen widersprechen dieser Behauptung durchaus. Unter Spiegelglas versteht man geschliffenes und poliertes Glas, das fast nur durch Guß hergestellt wird. Nur sogenanntes „dreiviertelweißes Spiegelglas" ist geblasenes Glas, das vorzugsweise zu belegten Spiegeln verarbeitet wird, gelegentlich auch bei Luxusbauten als Fensterglas Verwendung findet. Würde Spiegelglas wirklich nur zu Spiegeln Verwendung finden, so er- schienen die Mitteilungen über den Stillstand der Produktion glaub- Haft. Weit wichtiger für den Konsum und die Glasindustrie sind aber die gegossenen Spiegelgläser. Als undurchsichliges Glas werden sie zu Fassadenbekleidungen, Firmenschildern und Grab- platten gebraucht. Das durchsichtige gegossene Spiegelglas findet für die Schaufenster, für EiscnbahnwaggonS, Wagen. Automobile und schließlich auch als Belegglas Verwendung. Bei dem ständig zunehmenden Konsum zu diesen Zwecken ist es natürlich gänzlich ausgeschlossen, daß die Produktion seit 1S04 nicht vermehrt worden sei. Auch die Angaben über äugen- blickliche SZ prozentige Betriebseinschränkungen der Syndikatswerke müssen dementsprechend eingeschätzt werden. Entweder hat die Leistungsfähigkeit der Glaswerke seit 1904 erheblich zugenommen oder die Produktion ist vor einiger Zeit so forciert worden, daß momentan die Nachfrage aus den Vorräten befriedigt werden kann. Die Produktion des gegossenen, geschliffenen und polierten durch- sichtigen Spiegelglases in Deutschland wird der Höhe nach auf etwa eine Million Quadratmeter im Jahre ge- schätzt. Sieben deutsche Fabriken, die sämtlich dem inter« nationalen Syndikat angehören, teilen sich in die Pro- dultion. Die Fabriken sind im„Verein deutscher Spiegelglas- fabriken" verbunden und verkaufen an die aus etwa 20 Großhändlern bestehende„Deutsche SpiegclglaSlagerhalter G. m. b. H." und an private Großhändler. Welche Gewinne beim Verlans von den Fabriken an die Händler gemacht werden, geht daraus hervor, daß die Engrosverkaufspreise in Belgien 4.40 Mark bis 4.80 Mark betragen, während in Deutschland 18 bis 19 Mark pro Quadratmeter Glas gezahlt werden müssen. Der Extragewinn gegenüber Belgien beträgt für die beut- schen Fabriken also allein 14 Mark! Auf die sieben Fabriken zu- sammen entfallen etwa 12 bis 13 Millionen Mark Jahresgeivinn. Das durchsichtige Spiegelglas vertreibt gegenwärtig der Verein deutscher Spiegelglaslagerhalter weiter an die Glasermeister. Der Durchschnittspreis pro Quadratmeter beläuft sich hier auf 26,50 M; er steht also gegen den belgischen Verkaufspreis b e- reits um 20 bis 22 M. Höherl Der Zwischen- verdienst des Vereins wird sich insgesamt auf etwa acht Millionen Mark pro Jahr stellen. Tie Glasermeister wieder verkaufen an die Bauherren zum Durchschnittspreise von 31 M. pro Quadratmeter. Ihr Gewinn, der sich auf etwa 17 000 Glaser- mcister vettetlt, wird sich nach diesen Schätzungen jährlich auf 4,5 Millionen Mark stellen. Die Mindestverkaufs- und Ver- arbcitungsprerse für alle Zwischeninstanzen werden von der Spitze der ganzen Organisation, voni Verein deutscher Spiegelglasfabriken, festgesetzt. Die Gewinne sind dabei so verteilt, daß die unterste Stufe, die Glasermeister, den geringsten Auteil erhält: 4,5 Millionen, die sich auf 17 000 Personen verteilen. Die Zwischenstufe, die Großhändler, erhält 8 Millionen und verteilt sich auf ein paar Dutzend Personen. Die Riesengcwinne von 13 Millionen stecken die wenigen Produzenten ein, hinter denen die Großkapilalisten stehen. Das Kapital befindet sich zu 75 bis 80 Proz. in ausländischen Händen. Auch die Beamtenstellen und zum"stil sogar die Arbeiterposten werden von Ausländern besetzt. (So werden die Verhältnisse von deutschen Jntereffenten ge- schildert; offenbar geht man mit dem Plan um,„deutsches" Kapital für die Glasindustrie zu interessieren. Vielleicht ist die Situation der Spiegelglasindustrie infolge dieser Absicht zu rosig geschildert worden. Aber ein einigermaßen zntreffendes Bild wird immerhin gegeben, wenn man noch berücksichtigt, daß durch die Produktion und den Vertrieb von undurchsichtigem und dreiviertelweißem Spiegelglas weitere Gewinne erzielt werden. Die Einschränknng der Produktion und die Hochschranbung der Preise durch das Syndikat wird auch in diesrm Falle durch hohe Einfuhrzölle gefördert. Der Zoll stellt sich pro Quadratmeter etwa auf 6 Mark, über- steigt also Gestehungskosten und den Verkaufspreis ab Fabrik recht erheblich. Seit Bestand des Syndikats sind daher die Dividenden und Kurse der Aktiengesellschaften bedeutend gestiegen. So erhöhten sich die Dividenden der Deutschen Spiegelglas A.-G. von 1904 von 13 auf 25 Prozent. Die Kurse schnellten von 1903 aus 1904 von 183 bis 242 in die Höhe und stehen heute ans 377, hatten aber zeitweise einen noch höheren Stand. Einen ähnlichen Verlauf der KurS- und Dividendenknrse zeigen alle vor 1904 gegründeten Fabriken. In dieser Woche veröffentlichte das„Berl. Tagebl." die Abschluß- ziffern für 1911 der Spiegelglaswerke Germania A.-G. Das Unternehmen hat seine Fabrikanlagen in Porz-Urbach, seinen Sitz in Saint-Roch-AnvelaiS bei Namur fBelgien). Es wurde 1899 gegründet und sein 3,2 Millionen Mark betragendes Aktienkapital liegt in belgischen und französischen Kapitalistenhänden. Bis 1904 konnte überhaupt keine Dividende gezahlt werden. Dann wurden 5, 15, 20, 13, 20. 24 Prozent ausgeschüttet. Für daS vollendete Geschäftsjahr werden sogar 27 Proz. verteilt. Dabei werden mehr als 50 Proz. des Bruttoertrages zu Abschreibungen, Vergütungen und Rücklagen verwandt. kleines feuitteton. Eine? Proletariers Grablicd. Der Genosse Lorenz Berg, der stcbzigjährtg in Offcnbach in Hessen starb, hatte über die Art seiner Bestattung hiftintnit: Die Le.u.e soll in ein altes Hemd und den dazu bestimmten Arbeitskittel gehüllt und im Krematorium verbrannt werden. Der Sarg von der geringsten Sorte, keine überflüssigen Faxen machen, keine Blumen, keine Kränze, keine Pfaffen. Als Leidtragende höchstens meine nächsten Verivandten, insofern sie wollen und an die ich die dringliche Bitte hierntit ausspreche, nteine Ucberreste nicht in Offen- bach zu begrabet, sondern sie, wenn es ihnen paßt, an einem schönen Sonntag, vielleicht im Monat Mai, nach dem Berge Winterstein bei Fliedberg, meiner Vaterstadt, zu tragen und borten von dem Felsen in die Luft zu streuen. Seinen Grabgesang hatte der Alte sich selber gesungen: Auf des Wintersteins frei felsige Höh' Sollt ihr meine Asche tragen, Auf daß sie daselbst der Wind verweh' In fröhlichem Spielen und Jagen; Und senken Atome sich von meinem Staub Zur Erd' dann hinab, mögen bieten Sie Nahrung des Forstes grünendem Laub Und der Halde Blumen und Blüten. So will ich auf ewig vereinigt sein Mit ihnen, die gaben das Leben, Mit Mutter Natur, mit dem Sonnenschein, Mit des Lenzes Schaffen und Weben, Und die Vöglein sollen ihr Liebeslied Als Willkommensgruß mir bringen, Der Waldbach, der rauschend zu Tale zieht, Soll mir mein Requiem singen. Ein Kind der Arbeit, der Not oft und Pein Und des Mißgeschicks Spielball zu Zeiten, So geh' ich zum ewigen Leben nun ein Und vorbei sind alle Leiden. Zurück nehm' wieder mich die Natur, Die mir das Dasein gegeben, Und der Wind soll verwehen die letzte Spur Von einem vergangenen Leben. Spielbank und Staatsstreich. Es scheint, daß sich im Fürsten- kum Monaco so etwas wie ein kleiner Staatsstreich vorbereitet. Der regierende Fürst Albert hat aus seiner ersten Ehe nur einen Sohn, den Erbprinzen Louis, der sich bisher noch nicht entschlossen hat, in den Stand der Ehe zu treten. Die zweite, 1839 vollzogene und 1902 gerichtlich getrennte Ehe des Fürsten mit der verwitweten Herzogin Alice de Richelieu, geborene Heine, einer Großnichte des Kichters, blieb kinderlos. In diesem Winter wurden nun die Be- Hus der parteL .Die neue reformistische Partei in Italien. Rom, den 18. Juli.(Eig. Ber.) Die in Ncggio gegründete neue reformistische Partei geht jetzt daran, in den verschiedenen Städten eigene Sektionen zu schaffen. In Mailand sind diesen Sektionen 39 Genossen beigetreten, in Rom 102. Bei dem ausge- sprachen regierungsfreundlichen Charakter der neuen Partei ist natürlich der Andrang groß. Aus Besorgnis, von wertlosen Ele- menten überschwemmt zu werden, hat man daher beschlossen, in die neuen Sektionen zunächst nur die einzutragen, die Mitgliedskarten der sozialistischen Partei vorlegen können. Sind dann die Sektionen gebildet, so sollen sie die Aufnahme der neuen Mitglieder einer strengen Kontrolle unterwerfen. Auf diese Art hofft man, sich vor einem Ueberwuchern des Strebertums zu schützen. Bemerkenswert ist, daß bei der Gründung der römischen Sektion der Abgeordnete B i sso la t i erklärt hat, er hätte in der alten Partei gezwungener- weise Akte der Disziplinlosigkeit begehen müssen; in der neuen, wo die reformistische Methode nicht durch vorgefaßte Meinungen ge- hemmt ist, wolle er der disziplintreueste Genosse sein. Diese Er- klärungen zeigen, daß Bissolatis chronische Disziplinlosigkeit, die man seinem Temperament zu gut hielt, in Wirklichkeit bewußt und absichtlich gegen die Partei gerichtet war. Der Abgeordnete legt offenbar Wert darauf, die Ausschlußerklärung von Reggio nach- träglich immer mehr zu rechtfertigen. In Rom sind übrigens auch die Linksrrformisten mit Ausnahme des Abgeordneten C a m p a- n o z z i und des Journalisten M c r l o n i der neuen Partei bei- getreten. Wie es die reformistischen Abgeordneten mit ihren Mandaten halten werden, ist zurzeit noch nicht bekannt. Vor November tritt die Kammer nicht zusammen, sodaß auf alle Fälle die Ersatzwahlen nicht vorher stattfinden können. Bis jetzt hat nur der Abgeordnete B e r t c s i dem Kammerpräsidenten seine Mandatsniederlegung bekannt gegeben. B o n o m i will vor diesem Schritt erst noch seine Wähler befragen. P o d r e c c a hat erklärt, er werde sein Mandat überhaupt nicht niederlegen, da die Wähler seines Wahlkreises seine nationalistischen Ueberzeugungcn gekannt hätten. Von großer Bedeutung für die nächste Zukunft des italienischen Proletariats wird es sein, welche Stellung die 51onföderation der Arbeit zur Parteispaltung einnehmen wird. Die Rechtsreformisten hatten ursprünglich die Hoffnung gehegt, daß die Konföderation sich ihnen anschließen werde. Bor zwei bis drei Jahren wäre das auch wahrscheinlich eingetreten. Inzwischen hat sich aber die Kon- föderation merklich vom Ultrareformismus abgewendet, sodaß von bekannten Gewerkschaftsführern außer C a b r i n i-nur C a l d a wohner des Fürstentums Monaco— es sind ihrer 19 121 an der Zahl— dadurch überrascht, daß im„fürstlichen Hofbcricht" plötzlich eine Enkelin des Fürsten Albert, des Souveräns der Monegassen, als„Mademoiselle de Valentinois" austauchte und von ihrem Kommen und Gehen, ihrer täglichen Beschäftigung berichtet wurde, als handle es sich um ein ebenbürtiges Mitglied der Dynastie. „Mademoiselle de Valentinois" ist eine Tochter des Eickprinzen Louis, dessen Verbindung mit ihrer Mutter weder von der Kirche gesegnet noch durch das Standesamt bestätigt wurde, und diefe Mutter ist inzwischen verstorben. Der Fürst von Monaco scheint nun die Absicht zu haben, seine illegitime Enkelin als Thronerbin zu erklären. Der nächste Thronantuärter des Ländchens Monaco wäre von Rechts wegen der Herzog Wilhelm von Urach, württem- bergischer Generalmajor und Kommandeur der 26. Kavallerie- brigade in Ludwigsburg, dessen Mutter, die Prinzessin Florestine von Monaco, eine Vatersschwester des Fürsten Albert war. Der Herzog von Urach hat jedoch keinen Zweifel darüber gelassen, daß seine erste Handlung nach Antritt seiner Regierung die Aufhebung der Spielbank wäre, und das würde nicht gerade den wirtschaftlichen Ruin, des Fürstentums, aber eine empfindliche Verschlechterung der materiellen Lage seiner Bewohner bedeuten, die keine Steuern be- zahlen. Wer das Glück hat, Staatsbürger von Monaco zu sein, wird sogar umsonst begraben. Als Fürst Albert am 8. Januar 1911 eine Verfassung verkündete, nahm er ausdrücklich die Klausel, daß die Thronfolge beim Erlöschen des Mannesstammes seines Hauses auf die weibliche Nachkommenschaft übergehen solle, darin auf, und auch der Fortsetzung seines Hauses aus dem Wege der Adoption wurden damals die Wege geebnet. Man darf sich daher nicht wundern, wenn die Wvlt eines Tages von der Tatsache über- rascht wird, daß„Mademoiselle de Valentinois" zur Thronerbin von Monaco erklärt und der Herzog von Urach um sein Thronrccht gebracht wird. Es wäre allerdings seit dem Mittelalter das erste- mal, meint die„Wiener Arbeiter-Zeitung", daß ein illegitim ge- borenes Menschenkind eine Grone— und sei es auch nur eine sehr kleine und nicht sehr blanke— trüge. Tintenfische und Seeschlangcn. Der aufregende Bericht von dem Kampf eines Tauchers mit einem Tintenfisch hat die Auf- merksamkeit wieder einmal auf die sagenhaften Erzählungen von großen Seeungeheuern gelenkt. Die Naturwissenschaft hat im allgemeinen an solchen Schilderungen recht viel auszusetzen, zu- nächst schon darin, daß eine Tintenschnccke noch immer mit der durchaus falschen Benennung Tintenfisch oder mit der fast noch mehr irreführenden Bezeichnung Polyp belegt wird. Die Tinten- schnecken sind eben weder Fische noch Polypen. Interessanter aber als diese Einzelheiten ist die Frage, ob Geschöpfe dieser Art in folchcr Ricsengröße vorkommen, wie sie in solchen Erzählungen beschrieben werden. Damit taucht denn alsbald auch das uralte Thema von der Seeschlange wieder auf, deren Austreten wahr- scheinlich gleichfalls mit den größeren Tintenschnecken in Beziehung zu bringen ist. Die meisten Leute wissen noch nicht einmal, daß es wirkliche Seeschlangen gibt, und zwar ijt ziemlich großer Zahl und Dell'Aval! e aus der Partei ausgetreten sind,«nd zwar Calda, ohne der neuen Partei beizutreten. Der Ausschuß der Kon- föderation wird demnächst über ihre Stellung bei den bevorstehen- den Parlamentswahlen beschließen, und es scheint, daß die Kon- föderation die Aufstellung eigener Arbeiterkandidaten plant.� Damit würde die Zersplitterung der proletarischen Kräfte ihren Höhepunkt erreichen._ Der Vormarsch des Sozialismus in Südamerika. Wie der Südamerikanische Kurier berichtet, ist in I q u i q u e (Chile), dem Mittelpunkt des Salpeterhandels der Westküste, ein dreimal wöchentlich erscheinendes Blatt:„El Desperater de los Trabajadores"(Der Arbeiterwecker) gegründet worden. In L a Paz, der weiter nördlich gelegenen Hauptstadt von Bolivia sei gar die Gründung eines Tageblattes geplant.— t Ferner wird die Tageszeitung unserer argentinischen Genossen,„Vanguardia" (Vorhut), die vierseitig erscheint, von Ende des Jahres an auf 6 Seiten erweitert werden; ein Zeichen, wie vollständig die Wir- kungen der vor 2 Jahren von der Regierung betriebenen brutalen Verfolgung überwunden ist.— Eine gute Nachricht bringt auch unser Parteiblatt von Havana,„El Socialista". Danach haben die beiden sozialistischen Parteien Eubas, die Radikale Arbeiterpartei und die Kubanifche sozialistische Partei, die bisher schon nicht durch grundsätzliche, sondern nur durch taktische Fragen getrennt waren, ihre Verschmelzung beschlossen. Die Jahresversammlung beS ArbekterverbanbeS Wtl Neu-Seeland. Die in der Hauptstadt Wellington abgehaltene Jahres- Versammlung gab Zeugnis von dem starken Vordringen sozialisti- scher Gedanken in der bis vor kurzem fast ganz im Banne der libe- ralen Arbeiterpartei stehenden australischen Arbeiterschaft. Mit 103 gegen 31 Stimmen von Gewerkvereinlern der alten Schule wurde die Verstaatlichung der Bergwerke gefordert. In eingehend begründeter Resolution wurde die Regierung aufge- fordert, nur gewerkschaftlich organisierte Arbeiter zu beschäftigen. Nach längerer Diskussion wurde mit großer Mehrheit ein Antrag zugunsten selbständiger Klassenpolitik nach dem Muster der englischen Arbeiterpartei angenommen und nur mit 94 gegen 50 Stimmen ein Antrag abgelehnt, daß die Gewerkschaften sich auf wirtschaftliche Aktion beschränken und die sozialistische Partei als ihre politische Vertretung anerkennen sollten. An Ben Tillett wurde eine Solidaritätskundgebung für die streikenden Londoner Dock- arbeiter telegraphiert. Schließlich wurde eine in völlig sozialisti- schem Geiste gehaltene Prinzipienerklärung beschlossen und erklärt. daß keinerlei Gemeinschaft zwischen der Arbeiter- und der Kapita- listenklasse bestehe.— Zum Internationalen Kongreß sprach sich der Kongreß zugunsten des auf Verhinderung der Kriege gerichteten Antrags Vaillant-Keir-Hardie aus. Es wird der erste Kongreß sein, der von sämtlichen Arbeiterorganijation'en Austra- liens und Neuseelands beschickt sein wird, Jugendbewegung. Arbeiler-Jugenb. Aus dem Inhalt der soeben erschienenen Nr, 15 des vierten Jahrgangs heben wir hervor: Preußen im Deutschen Reich.— Die Krisen. Von Gustav Eckstein.— Jugenderinnerungen eines Ar- beiters. Von Albert Rudolph.— Der Zement als Baustoff(mit Abbildungen). Von A. Ellinger.— Die bayerische Fortbildungs- schule und ihre Reform. Von Joh. Hoffmann-Kaiscrslautern.— Wieder ein Jugendausschuß freigesprochen.— Aus der Jugend- bewegung: Die Gegner an der Arbeit usw. Beilage: Der Leuchtturm von Skudesnaes. Erzählung bon Karl Hans Strobl.— Vom Nibelungensagenstrom. Von Otto Koenig.— Ferdinand Cortez in Mexiko(mit Abbildungen). Von A. Conrady.— Der Besuch von Kttnstsammlungen. Von Adolf Bruno.— Volksbelustigungen. Frau Hirschberg. Skizze von Fritz Müller.__ Hiid Industrie und Handel. Die Illusion der Sparkassenguthaben. Die Nutznießer der kapitalistischen Ausbeutung und ihre Sold« schreiber weisen Jahr um Jahr auf die steigenden Summen der Sparkassenguthaben hin. Mit verdächtigem Eifer wird den Ar- beitern vorgerechnet, in welchem Grade ihre auf den Sparkassen und Mannigfaltigkeit, aber freilich nur von geringer Größe. Die Sage von der großen Seeschlange, die davon zu unterscheiden ist, wird immerhin mit solcher Hartnäckigkeit immer aufs neue in die Welt gesetzt werden, daß ihr doch wohl etwas Tatsächliches zugrunde liegen muß. Von dem Leviathan der Bibel, der das größte aller Tiere sein sollte, bis auf die neuesten Berichte, die sich in jedem Jahre zu wiederholen pflegen, läuft eine ununter- brochcne Kette. Manches davon ist ganz sicher aus der Einbil- dungskraft geboren worden, beispielsweise der Riesenwal, den der Reisende Sindbad in Tausend und einer Nacht für eine Insel an- sieht, auf der er landet und ein Feuer anmacht. Die Tatsache, daß man so wenig Bestimmtes über das Vor- komnien übermäßig großer Tintenschnecken weiß, erklärt sich wahr- scheinlich daraus, daß diese selten an die Oberfläche des Meeres kommen und sich so der Entdeckung entziehen. Dennoch liegen zahlreiche Beobachtungen über sehr große Tintenschnecken vor. Der berühmte Richard Owen hat eine Tintenschnecke beschrieben, die an der Küste der Achillinsel im Westen von Irland angeschwemmt wurde und Arme von fast zehn Meter Länge hatte, während ihre Augen einen Durchmesser von fast vierzig Zentimetern besaßen. Ein anderes Gebiet, wo solche Meeresleichen häufiger gestrandet sind, ist die Insel Neufundland. Professor Verrill, der möglichst viel Nachrichten dorther gesammelt hat, berichtet sogar von Tinten- schnecken, deren Arme über 15 Meter lang gewesen sein sollen. Wenn man bedenkt, daß die Arme doch nur einen Teil der gesamten Körverlänge des Tieres in Anspruch nehmen, so lassen diese An- gaben auf ganz ungeheure Bestien schließen. Eine Reihe von Berichten aus neuerer Zeit sprechen dann frei- lich mit mehr Nachdruck von einer ungeheuren Schlange, die ihren Körper in gewaltigen Windungen über das Meer hingleiten läßt. Aber auch in diesen Schilderungen, von denen die des englischen Kriegsschiffe?„Dädalus" aus dem Indischen Ozean aus dem Jahre 1848 und die der englischen Königsjacht„Osborne" bei Sizilien von 1877 die bekanntesten sind, findet sich nichts, was der Deutung auf eine große Tintenschnecke sicher widerspräche. Wahr- scheinlich wird der Schwanzteil für den Kopf der Schlange ge- halten. Kohlensaures Wasser. In heißer Sommerzeit wirkt am er- frischendsten ein kohlensaures Wasser, wie es an vielen Orten aus der Erde sprudelt. Säuerlinge wurden schon in alter Zeit gern getrunken, nicht sowohl ihrer größeren oder geringeren Heilwirkung wegen, als weil sie erfrischend erquickten. So versandte man aucy frühzeitig Wasser mit natürlicher Kohlensäure, aber selbstverständ- lich verteuerte der Transport, besonders bei unentwickelten Ver- kehrsverhältnissen, das Wasser so, daß es ein Luxusgetränk für Reiche blieb. Das führte auf den Gedanken seiner künstlichen Herstellung. Schon Baco v. Verulam sprach aus, daß sie gelingen müsse, und vor ihm soll sogar schon Thurneysser, ein Schüler des Paracelsus, sie versucht haben. Aber die Kenntnisse jener Zeit waren zu dürftig dazu. Erst dem schwedischen Chemiker Bergmann gelang 1762 die Nachbildung einiger Mineralwasser, darunter auch liegenden Kapitalien angewachsen seien und wie ivenig Veran- laffung die Sozialdemokraten hätten, von der Vermögens- oder gar besitzlosen Arbeiterklasse zu reden. Und der einzelne Arme kehrt im Angesicht der imposanten Ziffern seine Taschen um und ist von Staunen überwältigt, daß gerade er keinen Anteil an dem Segen hat. Sie haben gut reden, die kapitalistischen Heuchler? Unsere Statistik hütet sich, über die wirkliche Beteiligung der Arbeiter an diesen Summen zuverlässige Erhebungen anzustellen. Unter diesen Umständen ist es von größtem Interesse, die Ergebnisse einer Kasse �u betrachten, die wegen der Art ihrer Organisation einen Einblick in die Beteiligung der Arbeiter und kleinen Leute an den Spar- kassenguthaben ohne weiteres gestattet. Im Regierungsbezirk Aachen gründete man vor nahezu 80 Jahren einen gemeinnützigen Verein, der den schönen Namen„Verein zur Beförderung der Sparsamkeit" führt. Dieser Verein besteht heute noch. Er verfolgt den Hauptzweck, in den breiten Schichten der Bevölkerung den Spar- sinn zu wecken. Er hat eine eigene Sparkasse gegründet, die vcr- yältnismähig hohe Zinsen zahlt(augenblicklich Proz.). Damit die Kasse ihren Zweck erfülle, sind statutengemäß nur Arbeiter ein- lagcberechtigt. Diese Kasse nennt man die Prämienkasse. Außer- dem hat der Verein noch eine allgemeine Sparkasse. Es ist nun selbstverständlich, daß Arbeiter wegen des höheren Zinsfußes(der „Prämie") ihre Gelder in die Präniienkasse tun. In dem jetzt erschienenen Jahresbericht dieses Vereins ergeben sich interessante Vergleiche zwischen den Ergebnissen der allgemeinen Vereinssparkasse und den der Prämienkasse. Die Zahl der Sparer in der Prämienkasse betrug am Jahresschlüsse 88 306, eine Ziffer, in der sich die Sparmöglichkeit der Arbeiter des Regierungsbezirks Aachen zweifellos erschöpft. Die Zahl der Sparer hatte in diesem Geschäftsjahre um 5866 zugenommen, trotzdem aber hatte der Bestand der Prämienkasse um 400000 M. abgenommen. In dem gleichen Geschäftsjahre jedoch erhöhte die Verein ss parkasse für die besser situierten Sparer ihren Bestand um 3 917 510 M. Hierbei kommt noch in Betracht, daß die Zahl der Sparer in der Vereinssparkasse kleiner ist als in der Prämienkasse. Durchschnittlich sanken in der Prämien- kasse die Einlagen pro Buch von 558 M. im Vorjahre auf 463 M. Der Bestand in der Kasse der proletarischen Sparer nahm also um 400 000 M. ab, während er in der Kasse der bürgerlichen Sparer um etwa da? Zehnfache zunahm. So steht es mit den berühmten staatserhaltendcn Sparguthaben der deutschen Arbeiter! Daß es sich bei der Prämienkasse um eine reine Arbeiter- spar kasse handelt, stellt der Jahresbericht ebenfalls zweifellos fest, indem er eine Aufstellung der Mitglieder nach Berufen gibt. Von den Mitgliedern der Prämienkasse waren: Arbeiter in Tuch- fabrikcn 6941, in Nadclfabrikcn 1147, Maschinen 543, Wagen 133, Messing 103, Papier 1226. Eisen 2200. sonstige 6233, Bergwerk 4313, Eisenbahn 1131, Gerbereien 314, Buchdruckereien 407, Dienst- boten und Knechte 22 606, Näherinnen 5832, Tagelöhner 11405, selbständige Handwerker ohne Gesellen 12 888, sonstige 8518. Sozialea, Pommersche Landarbciterverhältniffe. In der Nummer 20 der unternehmerfreundlichen Zeitschrift „Das Land vom 15. Juli 1912 berichtet ein Dr. Karl Gutmann über die Verhältnisse auf einem Gut im Kreise Grcifswald. Wenn es sich auch nur um ein Gut von mittlerer Größe mit 14 Arbeiter- familien handelt, so scheinen die Verhältnisse doch so typische zu sein, daß es lohnt, darauf etwas näher einzugehen. Vorausdemerkt muß werden, daß das' Verhältnis zwischen Unternehmer und Arbeitern ein offenbar ziemlich gutes ist, weil das Gut sich schon 60 Jahre in Pacht derselben Familie befindet und viele alte Arbeiterfamilien schon viele Jahre dort wohnen. Um so bezeichnender ist cS, daß der Verfasser hervorhebt, das früher Unternehmer und Arbeiter vereinende Erntefest habe sich schon sehr geändert, die Bewirtung der Arbeiter habe aufgehört und das Fest habe an Herzlichkeit verloren, so daß eS wohl nicht mehr allzu lange Bestand haben werde. Auf diesem Gut, das also noch eine Art Mustergut ist, sind die Verhältnisse doch recht, bedenklich. Die regelmässige Arbeitszeit bc- trägt im Sommer fast 12 Stunden, in der Ernte aber erheblich »ehr. im Winter mindestens 8 Stunden. Eine„Taxe für Vergütung etwaiger Ueberftunden" existiert nicht, sie werden also nicht bezahlt. Sonntagsarbeit außer Pflege des Viehs wird„möglichst ver- mieden". Aber„der siebente Tag der Woche wird von den Arbeitern für die Bestellung ihrer eigenen Wirtschaft in hohem Grade be- nutzt", soweit sie nicht von Frauen und Kindern besorgt wird. Man bewirtschaftet also ihnen nicht ihr Land,'wie immer behauptet wird. Frauenarbeit wird zum Melken der Hofkühe, zur großen Wäsche im Gutshausc und während der Ernte und des Dreschens auch für längere Zeit benutzt. „Für die Kinder besteht dieselbe Arbeitsdauer wie für die des an Kohlensäure reichen SelterserS. 1730 erschien schon in ""k,1.791'» Berlin eine„Anweisung, auf wohlfeile Weise künstliche Mineralwasser zu bereiten". Jetzt begannen die Apo- theker, dergleichen Wasser, besonders kohlensaure, zu bereiten; aber der. Konsum war gering. Viel taugten auch die Produkte nicht. und an Geschmack standen sie hinter den natürlichen Mineral- wassern zurück, auch war ihre Haltbarkeit gering. Allmählich, vor allem durch die Forschungen von Berzelius, lernte man die Zu- sammensetzung der natürlichen besser kennen, und eS fehlte nur der Mann, der die Theorie in die Praxis umsetzte. Er fand sich durch einen Unglücksfall. Der Apotheker Dr. A. 5:® t r u v e in Dresden hatte 1808 bei der Darstellung von Blausaure, deren Retorte gesprungen war, schweren Schaden ge- nommen und Ivar an den Beinen gelähmt worden. Andere körper- liche Störungen traten hinzu, und er mutzte Karlsbad und Morien- bad besuchen. Als ihm dies später nicht möglich war, kam er auf den Gedanken, das Wasser ihrer Quellen selbst nachzubilden. Aber leicht war das nicht, und erst nach zehnjährigen mühsamen Versuchen konnte er an die Herstellung im großen gehen. 1817 eröffnete er seine Fabrik und Trinkanstalt in Dresden, 1821 eine in �eipzig, 1823 in Berlin. Bald fand er Konkurrenz, durch die nicht nur der Preis gedrückt, sondern auch die Qualität gebessert wurde, und heute ist die Fabrikation kohlensaurer SBasscr ins Nresengroße gediehen. Ebenso die aller Mineralwasser überhaupt. Allerdings, der alte Streit, ob die künstlichen den natürlichen ganz gleichwertig seien, ist auch aufgelebt, und viele glauben, daß die natürlichen, weil radiumhaltig, besonders wirksam seien. Das Begräbnis des Neufundländers. Ein schöne» Sittenbild ist es, das der„Matin" in einem vom 17. Juli datierten Berichte aus Toulon zeichnet:„Die Bevölkerung von Toulon", liest man da,„wohnte heute einer nicht alltäglichen Trauerfeier bei. Heute früh blieb das große Drogengeschäft von Aubert in der Rue de Canon geschlossen. Auf einem schwarz umränderten Plakat an der Ladentür las man:„Geschlossen wegen des Ablebens unseres ge- liebten PhöbuS, der von einem Schurken getötet wurde." Phöbus war ein prächtiger Neufundländer mit gelblichrotem Haar, das mähnenartig geschnitten war, und federstutzartigem Schwanz: er sah aus wie ein Löwe. Der ganze Stadtteil kannte und liebte ihn, und sein Herr betete ihn an. Heute nachmittag erschien vor dem Drogenladen ein sehr schöner Leichenwagen; in den Wagen schob man einen mit einem weißen Tuche bedeckten Sarg, in welchem der tote PhöbuS ruhte. Acht weiße Blumenkränze und Blumen- sträuße schmückten den Sarg. Herr Aubert, der Herr des ver. sn»rbencn Hundes, nahm neben dem Kutscher auf dem Leichenwagen Platz. Der mit zwei weißen Pferden bespannte Wagen fuhr durch die Hauptstraßen von Toulon, und die feierliche Beisetzung des Hundes fand auf einem vor den Toren der Stadt gelegenen Land» gute des Herrn Aubert statt. Da der tief trauernde Herr Aubert uberzeugt ist, daß das Tier vergiftet wurde, hat er bei der Staats- anwaltschaft Anzeige gegen.Unbekannt" erstattet. Männer; während der Schulzekt arbeiten sie natürlich nur einen halben Tag. Eine allgemein bestimmte Altersgrenze begeht für die Kinderarbeit nicht", sagt der Verfasser. Danach scheint die Aus- beutung der kindlichen Arbeitskraft eine grenzenlose zu sein, und zwar zum Hüten, Rübenverziehen, Kartoffelnsammcln usw.„Na- türlich geschieht dem Schulbesuch durch diese Tätigkeit mancher Ab- bruch", setzt der Verfasser hinzu. Trotzdem scheinen die Bildung.»- Verhältnisse nicht so traurige wie z. B. in Ostpreußen zu sein, denn es soll fast jeder lesen und schreiben können, wenn auch mit ver- schiedener Fertigkeit. Nach dem letzten statistischen Jahrbuch konnten in Pommern im Jahre 1910 von 2000 Heiratenden nur 5V ihren Namen nicht unterschreiben, während eS in Westprrußen noch 37,2 waren. Bedürfnis nach Literatur scheint zu bestehen, nach Büchern und Zeitungen, jedoch politisches Perständnis spricht der Verfasser den Arbeitern ab— was in diesem Fall stimmen mag. Wie in Westpreußen, so sind auch hier die Wohnungsverhältnisse das traurigste Kapitel, wenn auch gegenüber Westpreußen ein ent- schiedener Vorzug besteht. Die Arbeiterhäuser des Gutes sind 60 bis 70 Jahre alt, das jüngste 30 Jahre. Sie wurden schon bei einer vor 20 Jahren erfolgten Erhebung der Oekonomie-Deputation als „der Erneuerung bedürftig" bezeichnet. Daß sie Strohdach haben, ist wohl nichts Außergewöhnliches. Jede Wohnung besteht aus einer Stube von 12 Quadratmeter Bodenfläche und 2)4 Meter Höhe mit Kachelofen(in Westpreutzen ist es roher Ziegelofen), einer Kammer von 6 Quadratmeter Bodenfläche, Küche von 9 Quadratmeter Boden- fläche und Vorratskammer, dazu Schweine- und Geflügelstall. Früher logierten die Schweine im Hause selbst. Gegenüber West- Preußen besteht der Vorzug, daß eS dort keine Küche und keine Vor- ratskammer gibt und der Ofen ein roher Ziegelofen ist. Leider ist die Wohnung nicht näher beschrieben; es wäre interessant gewesen zu erfahren, wie es in Pommern mit dem Fußboden, den Fenstern und Türen, dem Kartoffelk-ller usw. aussieht, ob man in Pommern auch Lehm- und Ziegelfußboden und ein Loch im Fußboden als Kar- tofselkcller hat. Jedenfalls genügt die Beschreibung schon, um zu dem Schluß zu kommen, daß das eigentlich keine menschliche Woh- nung ist. Tie Kammer mit 15 Kubikmeter Luftinhalt wird meist von dem Hofgänger bewohnt, in der Stube von 30 Kubikmeter Inhalt schläft die ganze Familie. Rechnen wir nur 4 Kinder— bei den fruchtbaren Landarbeitern bekanntlich eine Ausnahme—, so kommt auf jeden ein Luftraum von 5 Kubikmetern, während das Mindest- maß für Schlafsäle in Gefängnissen 16 Kubikmeter und bei nicht ganz idealer Lüftung 20 Kubikmeter für eine Person ist. Besteht die Familie, wie es gar keine Seltenheit ist, auS 10 bis 12 Personen und werden sie sogar auf Stube, Kammer und Küche verteilt, so ist der hygienische Zustand ein überaus trauriger. Gar nicht erwähnt der Verfasser die Einkommens- und Lebens- Verhältnisse der Arbeiter. Viel Gutes wird davon wohl nicht zu berichten sein. Er sagt nur, die Lage der Arbeiter scheine derartig zu sein, daß Ersparnisse gemacht werden können, und das, nachdem er soeben berichtet, daß einige Familien stark verschuldet sind. Als Grund dafür muß natürlich die mangelnde Wirtschaftlichkeit der Frau und die Vergnügungssucht des Mannes herhalten, die doch nur die Folgen der traurigen sozialen Lage sind. Gegenüber so häufig auftauchenden entgegengesetzten Berichten soll nur noch angeführt werden, daß die Arbeiter in Krankheitsfällen freie ärztliche Hilfe nur für ihre eigene Person erhalten, daß sie Apothekerkostcn selbst bezahlen müssen, während der Krankheit leine» Geldlohn, sondern nur die Naturalbezüge weiter erhalten. Der Verfasser erwähnt besonders, daß das dem allgemeinen Brauch ent- spreche; es scheint also wie in Westpreußen überall in Pommern so zu sein. So liegen nach der Schilderung eines unternehmerfreundlichen Blatts die Zustände auf einem Gut, das anscheinend als Mustergut hingestellt wird. Wie müssen danach die Zustände auf den meisten anderen Gütern liegen, die nicht unter die Mustergüter gezählt werden können._ Unsummen für Ehrenämter in der Bcrufsgenossenschaft. Unter Bezugnahme auf den unter dieser Ueberschrift von uns am 5. Mai gegebenen Artikel ersucht uns Justizrat Sandberg auS Eberswalde im Auftrage des Stadtrats Büsscher um Aufnahme folgender„Berichtigung": „Gegenüber den Angaben in der 3. Beilage der Nr. 104 des „Vorwärts", die geeignet sind, ihn in der öffentlichen Meinung herabzusetzen, aber nicht den Tatsachen entsprechen, erklärt mein Mandant, daß seine sämtlichen Liquidationen nach Gesetz und Statut aufgestellt und von den zuständigen Stellen nachgeprüft und angewiesen worden sind." Der Einsendung geben wir Raum, wiewohl sie keineswegs dem 8 11 des Preßgesetzes entspricht. Sie ist keine Berichtigung, sondern eine Bestätigung der von uns mitgeteilten Tatsachen. Wir haben nicht behauptet, daß die Liquidationen de» Vorsitzenden der Sektion ll der Nordöstlichen BaugewerkS-Berufsgenossenschaft dem Gesetz oder Statut'entgegen aufgestellt oder abgehoben sind, son- dern haben die nutzlose Ausgabe ungeheurer Summen für Ehren- ämter kritisiert. So schrieben wir:__.. ,, „Wie einige Herren eS verstehen, solche Ehrenamter zu recht einträglichen Posten zu gestalten, dafür dient als Beispiel die Stellung des Herrn BÜSschrr. der Sektionsvorsitzender ,n Eber». Wolde, zugleich zweiter Borsitzender im Hauptvorstand und Bei- sstzer im ReichsversichernngSamt ist. Für die Sitzung>m Reichs. versicherungSamt tthält Herr Büsscher 15 M. TaaeSölaten. An solchen Tagen pflegt er, wenn möglich, nach der Sitzung auch«in- mal im Bureau der Genossenschast vorzusprechen. Dafür hat er den üblichen Satz von 15 M. zu liquidieren. Wird der v,el be- schäftigte Mann noch im Bureau der Sektion der BaugewerkS- berufsgenossenschaft verlangt, so kommen abermals 15 M. in An. satz. Es kommt also, abgesehen von Reisespesen, allein an TageS« diäten in ehrenamtlicher Stellung die nette Summe von 45 M. zusammen. An Reisespesen gewährt die Genossenschaft Eisenbahnbillett 2. Klasse und 8 Pf. Kilometergelder, Zu- und Abgang je 1,50 M." Wenn Herr Büsscher meint, diese Tatsachen setzten ihn in der öffentlichen Meinung herab, so wollen wir�mit ihm darüber nicht streiten. Aber wir sind es doch nicht, die für die Tagesdiäten von 45 M. in der ehrenamtlichen Stellung des Herrn Büsscher schuld sind. Schuld daran ist da» von uns niedriger gehängte zuungunsten insbesondere der kleineren Unternehmer gehandhabtc System der Berufsgenossenschaft.__ § 63 des Handelsgesetzbuchs. Der Bijouteriewarenhändler Vaum hat in seinen AnstellungS- Verträgen, die er mit seinen Verkäuferinnen schließt, die dem Ge- Hilfen im 8 63 des Handelsgesetzbuchs gewährleistete Gehalts- zahlung im Krankheitsfalle für 6 Wochen ausgeschlossen. In einem kürzlich vor der I. Kammer des Berliner KaufmannSgerichtS verhandelten Fall handelte eS sich um ein an Tuberkulose erkranktes junges Mädchen, das einen Monat dem Geschäft fernblieb. Der Beklagte berief sich auf den Vertrag und bestritt, daß die Klägerin den ganzen Monat krank war. Der Kassenarzt bekundete, da? junge Mädchen hatte beginnend« Tuberkulose. Die Patientin war schon vor dem 31. März— dem Tag«, an dem ihr gekündigt wurde— krank, und nur auf ihr eindringliches Bitten, er möge sie doch ge- sund schreiben, damit sie nicht Ihre Stellung verlöre, kam er diesem Wunsche nach. Gegen sein Verbot ist sie dann einen Tag in» Ge. schüft gegangen. Von einer Tätigkeit im Geschäft konnte während der ganzen Zeit keine Rede sein, in den ersten Wochen durfte sie nicht einmal daS Haus verlassen. Trotz dieses Gutachten» weigerte sich der Beklagte. Gehalt für die Zeit bis Ablauf der Kün!»igung zu zahlen, indem er sich auf den Gehaltsausschlußrivers stützt. Das Kaufmaansgrricht verurteilte ihn jedoch antragsgemäß zur Zahkung bon 90 M. Des Beklagten weiterer Antrag, die Summe hinterlegen zu dürfen, wurde abge- lehnt, weil das Urteil nicht der Berufung unterliegt. Gerichts- Zeitung Die Heranziehung des Ehemannes zur Kirchensteuer für die Frau. In der bekannten Streitsache des Rentiers Peuser Wiesbaden, über die wir seinerzeit berichteten, und die viel Aufsehen gemacht hat, liegt jetzt die schriftliche Urteils- ausfertigung des preußischen Oberverwaltungsgerichts vor. Peuser, der aus der Kirche ausgetreten ist, war von der evangelischen Kirchengemeinde zu Wiesbaden für seine Frau, die als zur Kirchengemeinde gehörig angesehen wurde, zur Kirchensteuer herangezogen. Das Oberverwaltungs- gericht als letzte Instanz stellte ihn jedoch von der veranlagten Summe frei.(Urteil vom 14. Mai 1912.) Der Wiedergabe des maßgebenden Teils der Gründe sei folgendes vorausgeschickt. Es gibt im Königreich Preußen nicht bloß ein evangelisches Kirchensteuergesetz. Es sind Kirchensteuergesetze erlassen für die alten Provinzen, für Hannover, für Schleswig-Holstein, sowie für die anderen Landestcile und auch für einzelne Bezirke, so für Frankfurt am Main, für den Bezirk des Konsistoriums zu Wiesbaden usw. Alle diese Kirchen st euergesetze stimmen aber überein in den entscheidenden Bestimmungen. Auch das katholische Kirchen st euergesetz vom 14. Juli 1905 enthält die entsprechenden Be- st i m m u n g e n. Somit gilt die Entscheidung, wenn sie auch nur das evangelische Kirchensteucrgesetz für den Bezirk Wies- baden nennt, allgemein. Das Urteil— Aktenzeichen VIH. A. 61. 11.— führt aus:„Die vom Beschwerdeführer erhobene Klage ist begründet. Nach§ 2 des Kirchengesetzes, betreffend die Er- Hebung von Kirchensteuern in den evangelischen Kirchen- gemeinden im Amtsbezirke des Konsistoriums zu Wiesbaden vom 10. März 1906 sind kirchensteuerpflichtig alle Evange- tischen, welche der Kirchengemeindc durch Wohnsitz angehören. Nach s 5 a. a. O. ist der evangelische Teil einer gemischten Ehe von der Hälfte des der kirchlichen Besteuerung zugrunde liegenden Steuersatzes(§ 9), zu welchem der Ehemann veranlagt ist, oder, soweit die Ehefrau zu den Staatssteuern selbständig veranlagt wird, nach Maß- gäbe seiner Veranlagung zur Kirchensteuer heranzuziehen. Die Heranziehung des nicht evan- gelischen Teiles einer gemischten Ehe zur evangelischen Kirchen st euer ist dem Kirchen- gesetz unbekannt und deshalb unberechtigt. Aus der Bestimmung des Z 5 a. a. O. folgt, wie der Gerichtshof ständig angenommen hat(Urteil vom 30. April 1907, Ent- scheidungen des Oberverwaltungsgerichts Band 50 Seite 197, 203, Urteile vom 29. September 1908, vom 29. Januar 1909, „Deutsche Juristenzcitung" 1909, Seite 326, 646), daß nur der evangelische Teil in die Heberolle aufzunehmen ist. und daß daher auch nur diesem Teil die Mitteilung des Steuer- satzes und die Zahlungsaufforderung zugestellt werden soll. (Vergleiche Crisolli- Schultz. 5tirchenstcuergesetze. Seite 85, Anm. 36).„Ob es richtig ist. daß nach dem Bürger- lichen Gesetzbuche für die Kirchensteuer, zu welcher bei einer gemischten Ehe die Ehefrau heranzuziehen ist, mit Rück- ficht auf die Gestaltung des ehelichen Güterrechts zwischen den beiden Eheleuten der Ehemann der Kirchengemeinde neben der Frau als Gesamtschuldner hastet, läßt der Gerichtshof hier, wie früher, dahingestellt, indem er dies nicht als eine Frage des Steuerrechts, sondern des ehe- lichen Güterrechts ansieht. Jedenfalls bestimmt darüber, wen die Kirchensteuerbehörde zur Kirchensteuer heranziehen darf, nur das Kirchensteuergesetz. Dieses läßt aber die Heran- ziehung eines Nichtevangelischen nicht zu. Der Kläger konnte deshalb nicht herangezogen werden." Ist ein Hund mehr wert als ein Arbeiter? Von der Straftammer in Aachen wurde«rm 19. Juki der Giehereibesitzer Bonderhecken, welcher am 6. Mai einen ans der Straße stehenden Arbeiter erschoß, wegen fahrlässiger Tötung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Die folgende Sache richtete sich gegen einen Arbeiter, der einen Hund angeschossen hatte und dessen Herrn genötigt haben sollte. Ihn verurteilte dieselbe Straf- kammer zu vier Monaten Gefängnis— und sechs Tagen Haft. Ein Schiffszusammcnstoß aus der Spree, welcher das Sinken eines Dampfers zur Folge gehabt hatte, be- schäftigte gestern die 7. Ferienstraskammer de? Landgerichts I. Wegen Vergehens gegen den 8 326 St.G.B.(fahrlässiges Her. beifUhren des Sinken« eines SchiffeS) war der TampffchiffSführer Fritz Mßser aus Plötzensee angeklagt.— Am 16. Dezember d. I. ereignete sich auf der Spree zwischen der Kaiser-Wilhelm-Brücke und der Kurfürstenbrücke ein Zusammenstoß zweier Schleppdampfer, bei welchem der Dampfer„Vorwärts" von dem Dampfer.Alfred" gerammt wurde. Der„Vorwärts" erlitt ein große»«eck in der Breitseite und sank in wenigen Minuten, und zwar kurz nachdem sich die Besatzung in Sicherheit gebracht hatte. Da der gesunkene� Dampfer mitten im Fahrwasser lag, entstand eine mehrtägige Störung des Schiffsverkehrs. Der Dampfer wurde dann nach fünf Tagen ge- hoben und wieder flott gemacht.— Dieser Vorfall hatte die Er- Hebung der jetzigen Anklage gegen den Angeklagten Möser zur Folge, der als Führer des Dampfers„Alfred" den Unfall dadurch ver- schuldet haben sollte, daß er an jener Stelle zu schnell gefahren war und außerdem nicht die vorgeschriebenen Signale gegeben hatte.— Der Angeklagte bestritt jede Fahrlässigkeit auf das ent- schiedenste und behauptete, daß der Zusammenstoß lediglich auf eine Verkettung unglücklicher Umstände zurückzuführen sei, mit denen er vorher nicht habe rechnen können. Aus Grund einer längeren Beweisausnahme, in welcher zahlreiche Sachverständige sich über schiftahrtstechnische Fragen äußerten, kam da« Gericht zu einer Freisprechung des Angeklagten mit der Begründung, daß diesem eine Schuld nicht beizumessen sei. Kinder als Zeuge«. Vor der Strafkammer zu Detmold wurde am Donnerstag ein Arbeiter Höltke wegen Sittlichkeitsverbrechens zu 7 Monaten Ge- fängnis verurteilt. Er hatte sich an kleinen Kindern vergangen, ist aber geistig nicht ganz normal. Der Prozeß hat eine interessante Vorgeschichte gehabt, die wieder beweist, wie vorsrchtig das Zeugnis von Kindern zu bewerten ist. Die Straftaten waren anfangs Januar borgekommen und der Täter hatte sich den Kindern gegenüber Me, er genannt. Einige Tage darauf wurde von der Polizei denn auch ein Dicustknecht Meier in der Nähe de« Tatorts ausfindig gemacht, der zwar ent- schieden bestritt, der Täter gewesen zu fein, den zwei Kinder aber mit absoluter Bestimmtheit als denzemgen. der rhnen gegenüber- getreten wäre, wiedererkennen wollten. Der Mann wäre wahr- scheinlich verurteilt worden, wenn nicht kurz vor der deswegen an- gesetzten Gerichtsverhandlung eine ahnliche Straftat in derselben Gegend passiert wäre. Diesmal gelang es, den richtigen alsbald zu fassen; c» war der jetzt Verurteilte. Dieser gestand auch gleich ein, frie Tat begangen zu haben, wegcv deren her andere verhaftet korben war und' Verurteilt werden sollte. Die Strafkammer sprach Nach diesem Geständnis den fälschlicherweise Verdächtigten frei, ob- gleich die Kinder bei ibrer offenbar unrichtigen Bezichtigung blieben. In der neuen Verhandlung gegen den winklidjcn Täter blieben die Kinder auffallenderweise steif und fest dabei, daß nicht der jetzt Angeklagte, sondern der inzwischen Freigesprochene die Tat begangen habe._ Huö der Frauenbewegung. Der gewerkschaftliche Kampf nm die Frau. Die Entwicklung der freien Gewerkschaften und besonders die Zunahme der Zahl der weiblichen Mitglieder, ist der christlichen Arbeiterbewegung stets ein Dorn im Auge gewesen, und man mutz es ihr lassen, datz sie sich redliche Mühe gegeben hat, diese Eni- Wicklung zu unterbinden. Hervorragendes leisten in dieser Beziehung die katholischen Fachabteilungen, Vereine gewerblicher Arbeiter und Arbeiterinnen, die innerhalb der katholischen Arbeiter- und Arbeiterinnenvcreine gebildet wurden nach dein Rundschreiben lEnzyklika) des Papstes Leo Xlll. aus dem Fahre 1891, der in dem Umsichgreifen des Sozialismus eine Gefahr für die katholische Christenheit sah. Die katholischen Fachabteilungcn sind streng konfessionelle Ver- eine, die vollständig unter dem Einfluß und der Leitung der katho- lischen Geistlichkeit stehen und im Gegensatz zu den intcrkon- fessionellen christlichen Gewerkschaften den Streik grundsätzlich verwerfen. Datz es ihren Leitern weniger darauf ankommt, die Arbeiter und Arbeiterinnen zu organisieren, um ihnen dadurch bessere Ar- beitsbedingungen zu verschaffen, als darauf, zu verhindern, daß die freien— und auch die christlichen Gewerkschaften— größere Ausdehnung gewinnen, auch der Sozialismus in den Reihen der katho- lischen Arbeiter keine Ausbreitung erfährt, geht schon aus dem erwähnten Anlaß hervor und ferner aus der Haltung der Vereine und ihrer Verbandsorgane. Entgegen den Gepflogenheiten in den freien Gewerkschaften bestehen in den christlichen Gewerkschaften und katholischen Fach- abteilungen für Arbeiterinnen besondere Vereine. Das Organ des Verbandes katholischer Vereine erwerbstätiger Frauen und Mädchen Deutschlands ist die„Frauenarbeit". Fast in jeder Nummer dieser Zeitung werden„aufklärende" Artikel über das Vesen der Sozialdemokratie, ihre Irrlehren und die freien Gewerkschaften veröffentlicht, die ganz selbstverständlich „sozialdemokratischen" Gewerkschaften oder kurz„Die Roten" ge- nannt werden. Wir nehmen natürlich im allgemeinen von dieser Tatsache und dem Inhalt der Artikel Kenntnis, ohne uns dagegen zu wenden, in ocr Ueberzeugung, datz eine Bewegung, die keine innere Merbekraft befitzt, sondern nur hervorgerufen und aufrecht erhalten wird durch Kanzel und Beichtstuhl, niemals in der Lage sein kann, der modernen Arbeiterbewegung, der politischen wie der gewerkschaftlichen, nennenswerten oder dauernden Schaden zuzu- fügen. Bedauerlich bleibt es trotzdem, schon weil es ein Zeichen für die geistige Rückständigkeit der Arbeiter und Arbeiterinnen in katho- lischen Gegenden ist, datz Gebilde, wie die katholischen Fach- abteilungen, entstehen und sich bis auf den heutigen Tag halten konnten. Heute geben wir ausnahmsweise einmal wieder unsern Lesern von einer Veröffentlichung in der„Frauenarbeit" Kenntnis. Es (geschieht dies, um auch daran zu zeigen, wie große Fortschritte die freigewerkschaftliche Organisation selbst in einem Berufe mit überwiegend weiblichen Angehörigen, viel Heimarbeiterinnen, und noch recht rückständigen Arbeitsverhältnissen, zu ver- zeichnen hat und um zur weiteren Agitation unter den Arbeite- rinnen anzuregen. In der Nr. 14 der genannten Zeitung heißt es auf Seite 197: „Etwas zum Nachdenken— 60 000 weibliche Mitglieder im roten Textilarbeiterverband I Diese Nachricht durcheilte vor einigen Wochen die sozialdemokratische Presse. Die Ziffer ist um so beachtenswerter, als sie zeigt, datz jede zehnte Textilarbeiterin sozialdemokratisch organisiert ist. Im ver- gangenen Fahre wies der sozialdemokratische Verband im Durch- schnitt erst 39 600 Mitglieder! auf. Die Zunahme im letzten Jahre beträgt demnach nicht weniger als 10 600 Neugeworbene." Dann folgt ein Auszug aus der„Gleichheit" vom 1. April d. F., in der die Zahlen über den Stand der weiblichen Mitglieder seit 1892 abgedruckt sind. Damals waren im Textilarbeiterverbande erst 020 Arbeiterinnen organisiert. Trotz erhöhter Beiträge hat sich ihre Zahl in 20 Jahren auf 60 013 im Februar d. I. vermehrt. Dann heißt es weiter:„Sollten uns diese Zahlen nicht zu einer ernsten Selbstprüfung anspornen? Wie sieht es bei uns mit der Gewinmmg der Textilarbeiterinnen fün die Berufsorganisation, wie mit der Opferwilligkeit aus? Ist's nicht gar hie und da vorgekommen, datz sogar unser 20-Pfennig-Beitrag als zu hoch hingestellt wurde, während die„frei"organisierten Berufskolleginnen w e n i g st e n S 30 bis 60 Pf. pro Woche zahlen müssen? Zweifel- los gehören viele tausende Mitglieder dem sozialdemokratischen Verbände nur an, weil sie sich über seinen wahren Charakter täuschen." Den Beweis dafür, datz der Textilarbeiterverband, wie über- Haupt die freien Gewerkschaften, nicht politisch neutral sind sondern„im Dienste der religionsfeindlichen Sozialdemokratie stehen", erbringt das Blatt dann unter anderem durch Abdruck der Schlußsätze der Artikel, in denen die weiblichen Mitglieder der Ge- werkschaften aufgefordert wurden, an den Versammlungen am 12. Mai teilzunehmen. O nein, verehrte„Frauenarbeit", nicht weil viele Tausende Mitglieder des Textilarbeiterverbandes über den wahren Charakter dieses Verbandes getäuscht sind, traten sie der Organisation bei und gehören ihr weiter an trotz der höheren Beiträge, sondern weil sie wissen, daß allein diese Organisation den in der Textilbranck>e tätigen Arbeitern und Arbeiterinnen bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen erkämpfen kann. Es ist ein Armutszeugnis, das die„Frauenarbeit" durch diesen Artikel den katholischen Fach- abteilungen ausstellt, die es trotz niedrigr Beiträge, und der tat- kräftigen Hilfe der Geistlichkeit noch nicht einmal auf die Hälfte der Mitglieder gebracht haben, als allein im freien Textilarbeiter- verband vereinigt sind. Für alle, die in den freien Gewerkschaften die einzig richtige Organisationsform sehen, die wirtschaftliche Lage der Arbeiter und Arbeiterinnen zu verbessern, mag> die Konstatierung dieser Tatsache aufs neue den Beweis von der Werbekraft der modernen Arbeiterbewegung und ein Ansporn sein, weiter für ihre Aus- breitung zu wirken._ Versammlungen— Veranstaltungen. Sechster Wahlkreis. Am Dienstag, den 23. Juli, veranstalten die Genossinnen der 21. und 22. Abteilung in dem Jnselrestanrant Plötzensee ein Kaffeekochen, zu dem zahlreiche Beteiligung er- wünscht ist. Borsigwalde. Montag, den 22. Juli, gemeinsames Kaffeekochen in WaidmannSlust, Schweizerhäuschen. Treffpunkt der Genossinnen IV» Uhr im Restaurant von Wilhelm Schulz. Lichtenberg. Dienstag, den 23. Juli: Ausflug der Genossinnen nach Sadowa. Treffpunkt morgens 10 Uhr aus Bahnhof Stralau-Rummelsburg. Nachmittags 4 Uhr, im Lokal»Wald- schänke" in Sadowa, gemeinsames Kaffeekochen. Versammlungen. Zentralverband der Schuhmacher. Die Generalversammlung der Zahlstelle Berlin sand am Mittwochabend in Boekers Lokal, Weberstraße, statt. Hamann legte den Geschäftsbericht vom 2. Quartal 1912 vor. Die Tätigkeit des Verbandes war eine recht rege; es fanden 6 öffentliche, 3 Branchen- und 2 General« Versammlungen statt, ferner 20 Bezirkskonferenzen der Schloß- arbeiter, 70 Fabrik- und Werkstattbesprechungen(42 von Fabrik- und 28 von Sckloßarbeiternl, 4 Sitzungen der Ortsverwaltung, 4 Sitzungen der Vertrauensmänner, 6 Kommissionssitzungen und 3 andere Veranstaltungen, im ganzen 117 Zusammenkünfte. Mit den Unternehmern fanden 11 Verhandlungen statt zur Regelung von 6 Differenzen. Hamann ging auf die Verhältnisse bei zahl- reichen Firmen, die zur Unzufriedenheit Anlaß gaben, näher ein und besprach die Differenzen, die sich ergeben hatten; er rügte unter anderm das Ueberstundenwesen. Die Maifeier brachte ! Todes-Anzeigen 8liMeillv!(!'sti8l:Iiei'V!>!iI,ei'eIii ldr den i Berliner Reidistags-Wahlkrels. Görltster Btertrl. Bez. 197 III. Den Mitftliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Einsetzei. >Vilkelm Knospe Wiener Strohe 44 gestorben ist. Ehre seinem Slndenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 22. Juli, nachmittag« 6 Uhr, von der Leichenhalle de« Gcmeinde-FricdhoseS in Ober- Schöneweide aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Ter Vorstand. venMei' HolzarbeKer-Verbam!! Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Einsetzer Wilhelm Knospe Wiener Str. 44, im Alter von ec» Jahren gestorben ist. Ehre seinem Sliidenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 22. Juli. nach. mittag» ti Uhr, von der Halle des Lberichöneweider Friedhosc» aus statt.._ Um rege Beteiligung ersucht vie Orlsverwaltung Verband der Gemeinde Staatsarbeiter. Filiale tirofi-ltcrlin. Den Miigliidcrn zur Nachricht, da« der Kollege 6CsH! Siebert welcher im Beiricbc des Wasser wer» FAedrichshagen beschäftigt war, verstorben ist. Wir weiden ihm«in ehrendes Andeuten bewahren. Tie Bestallung findet am Sonntag, den 2>. Juli, nachm. 3'/, Uhr. von der Leichenhalle de« Gememdesr edhofe» in Friedrichs. Hagen aus statt. 86/2 Die Ortsverwaltuug. Durch plötzlichen Tod verloren wir unseren Koüegen Theobald Völcker. In ihm betrauern die Berichterstatter des„Vorwärts" einen lieben Freund und guten Kameraden. Den bescheidenen und nach aallen zurückhaltenden Mann, den ein reiches inneres Leben orfüUte, werden wir stets in gutem Andenken behalten. Die Beerdigung erfolgt am MontaBnachmittaB 8'/. Uhr, anf dem neuen Gemeinde-Friedhof In Idarlen- dorf, Friedens tralle, von der Leichenhalle aus.[293/20 vre Berichterstatter des„Vorwärts". Deutscher Transportarbeiter- Verband.| Bezirk Grot-Berlln. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht,! daß zinser Kollege, der Arbeiter| Julius Beierlein am 16. d. Mt». im Alter von| 60 Jahren verstorben Ist. Ehre seinem Andenke» l ISnzialdenißkratiscli.Wabiverein ftföariendopf. | Am Freitag starb plötzlich unser braver Parteigenosse, der Bericht- | erstalter Theobald Völcker, Südende, Lindenstr. 10. Ehre seinem Andenken 1 , Die Beerdigung findet am Montag, abends st.7 Uhr, von der Leichenhalle des Mariendorser 1 Gemeinde- Friedhofes in der i Friedenstraße aus statt. I Um recht zahlreiche Beteiligung bittet >02/12 Der Vorstand. Deutseher | Buchbinder' Verband. (Zahlstelle Berlin.) i« 18,>fuli, starb nach kurzem Krankenlager unser langjähriges 1 treues Mitglied Theobald Völcker Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten, ist er doch jeder- zeit für die Interessen der All- gemeinheit eingetreten.[24/19 Die Beerdigung findet Montag. nachmittag« 6>/, Uhr, aus dem neuen Gemeinde- Friedhof in Martendorf statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Die OrtSverwaltung. Verband der TabriitarbeiUr Deutschlands. Zahlatelle Berlin. 1 Am 18. Juli 1912 verstarb unser Mitglied �-uxust /Narten tlharlottenburg, Wallftraße 6. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet Montag, den 22. Juli, nachmittag« 6'/, Uhr. von der Halle de« Luijenkirchhoss, Eharlottendurg, Neuer Fürsten- brunner Weg. aus statt. 57/20 Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands. Am 15. Juli verstarb infolge eine« Unglück« unfer Kollege Adolf Raschke. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet heute. nachmittag» 5 Uhr von der Halle kies neuen Michael- Friedhofes, Britz. Manendorfer Weg. aus statt. Reg« Beteiligung erwartet Die Ortaverwaltung. Den Mitgliedern serner zur I Nachricht, daß unser Kollege, der ] Chauffeur Adolf Küchler am 18. d. MtS. im Alter von 48 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 21. d. Mi«., nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle de» Heilands-KtrchhofeS tn Plötzensee aus statt. serner zur kolleg«, der Den Mitgliedern Nachricht, daß unser Packer Paul Käsler am 18. b. MI«, im Alter von 23 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet am 22. d. Mt«., nachmittag« S Uhr, von der Leichenhalle de» Aus- erstehungs-KirchhoseS, Weißens«, Lichtenberger Straße au« statt. Ehre ihrem Andenken i Um rege Beteiligung ersucht 65/11 Die Bezirksvenvaittmg. Danksagung. Allen Freunden und Bekannten, insbesondere den Genossen vom 4. o.-Bezirk sagen wir für die Teil. nähme bei der Beerdigung unserer Tochter Frieda unseren herzlichsten Dank. � 10« Kilischewski und sra». Danksagung. Für die üderauS vielen Be- I weife herzlicher Teilnahme und I zahlreichen Kranzipenden bei der! Beerdigung meine« nmiggeliebten. I i unvergeßlichen Gatten und treu-! sorgenden Baier sagen wir allen| [unseren herzlichsten Dank. Anna Schwesinger. Paul Schwesinger. Danksagung. die Für... nähme, sowie für Beweise liebevoller Teil- ..........ie für die Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Manne«, sage auf diesem Wege allen Verwandten, Bekannten, den Ge- Nossen und metner werten Kundschast meinen herzlichsten Dank. 2545b Witwe Anna Freund. eine Aussperrung von 678 Arbeitern und Arberterrn'nen auf 1743 Tage, für die vom Verband Unterstützung gezahlt wurden. In bezug auf die Bestrebungen des Verbarrdes, einen pari- tätischen Arbeitsnachweis zu errichten, konnte der Vorsitzende mit- teilen, daß der Verband der Berliner Schuhfabrikanten unter dem Datum vom 0. Juli geantwortet hat,..daß eine Aenderung des bisherigen Arbeitsnachweises nicht beabsichtigt rst. Das heißt also, datz von den Fabrikanten kein Entgegenkommen zu erwarten ist. Die Arbeiter werden daraus ihre Lehren ziehen müssen. Den Kassenbericht legte Bend ig vor. Dre Abrechnung der Loklkasse für das 2. Quartal zeigt in Einnahmen und Aus- gaben eine Bilanz von 19 316,36 M. Der Kassenbestand am 30. Juni betrug 8076,95 M. Tie Maiaussperrung erforderte eine Ausgabe von 2967,76 M.— Die lokale Zuschußkasse zeigt eine Bilanz von 6262,32 M., einen Bestand von 4669,87 M. und unter den Ausgaben die Summe von 171.20 M. für Arbeitslosenunter- stiitzung und 1369,60 M. für Streikunterstützung.— Die Abrech- imng der Zentralkasse ergab eine Bilnnz von 16 240,35 27c. unter den Ausgaben stehen verzeiclmet für Arbeitslo'senunterstutzung Kl. 1 61,10 M.. Kl. 2' 283.00 NT, Kl. 3 2380,60 M.— 2714,60 M. Krankenunterstütznng Kl 1 35,50 M., Kl. 2 447,70 M., Kl. 3 3346,20 M.— 3829,40 M. Reiseunterstützung 392,06 M. Umzugs* Unterstützung 356,25 M.. Todesfall 20,00 M.= 7312,31 M.> In der Diskussion über den Geschäftsbericht wurde Haupt- sächlich ein Antrag besprochen, der verlangte, daß den Mitgliedern. die versäumt hatten, Maimarken zu entnehmen, der Betrag dafür von der näckisten Unterstützung, die sie beziehen, in Abzug gebracht werde. Diesen Antrag hatten auch die Vertrauensmänner unter- stützt, und die Versammlung nahm ihn schließlich gegen wenige Stimmen an.,,™ Bendig erstattete dann den Bericht vom Verbandstage in Dresden, dessen wichtigste Beschlüsse er anführte, um sich dann über die Gründe, die für die Beschlüsse maßgebend waren, eingehend auszulassen.— Die Diskussion, zu der nur ein Redner das Wort nehmen konnte, wurde wegen der hohen Temperatur im Saale und wegen der vorgerückten Zeit vertagt. «locken-Spielplan der berliner Cbeater. Lessina-Tlicatcr. Allabendlich: Vergnügungsreise.(Anfang 8'/, Uhr.1 Berliner Theater. Allabendlich: Große Rosinen.(Ansang 8 Uhr.) Neues Schauspielhaus. Täglich: Sylvester Schäffcr. 1. Klasse. fi'ur sürstcu-OPer. Allabendlich: Der Tanzanwalt.(Ansang 8 Uhr.) Neues Theater. Allabendlich: Der liebe Augustin.(Ansang 8 Uhr.) Kleines Theater. Allabendlich: Der Unverschämte. Der Arzt seiner Ehre. Der Herr mit der grünen Krawatte.(Ansang 8-/, Uhr.) Schiller-Theater Charlottenburg. Allabendlich: DaS Konzert. (Anfang 8�Nhr.) Schauspielhaus. Allabendlich: Die keusche Susanne.(Ansang 8>/, Uhr.)..... Theater t» der.Köntggrätter Strasse. Bis auf weiteres täglich abends 8 Uhr: Die süns Frankfurter.„. Tbalia-Theatcr. Allabendlich: Autoliebchen.(Ansang 8 Uhr.) elhaus. Allabendlich: Ein Königreich m. b. H.(Ansang Allabendlich: Parkettsitz Nr. 10. Lustspielhaus. 8'/, Uhr.) Neues Operetten- Theater (Ansang 3 Uhr.) Rose- Theater. Sonntag: Die Tragödie einer Ehe. Montag und Dienstag: Die Kamelicndame. Mittwoch: Die Tragödie einer Ehe. Donnerstag: Die Kameliendame. Freitag: Die Tragödie einer Ehe. Sonnabend, Sonntag und Montag: Die Kameliendame.(Ansang 8*/ lltjr) * Lnisen-Tyeatcr. Sonntag. 28. Juli, nachmittags 3 Uhr: Ich lasse Dich nicht. Abends: Die unbekannte Macht(Rätsel der Liebe). Ansang 8 Uhr 20 Min. Metropol- Theater. Allabendlich: Schwindelmeter u. Co.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Prater-Theater. O diese Berliner.(Ansang 7'/, Uhr.) Paisnge-Thenter. Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Admiralspalast. Eisballett: Uvonne.(Ansang 10 Uhr.) Urania-Theater. Sonntag: In den Dolomiten. Montag: lieber den Brenner nach Venedig. Dienstag: In den Dolomiten. Mittwoch: Von Meran zum Ortler. Donnerstag: Ucbcr den Brenner nach Venedig. Freitag: Von Meran zum Ortler. Sonnabend: Ueber den Brenner nach Venedig. Sonntag: Die Insel Rügen. Montag: Der Großglockner und die Salzburgcr Alpen.(Ansang 8 Uhr.) Zentralverbaiid der Masehinisteii und Beizer sowie Berufsgenossen Deutscbl. Verwaltungsstelle GroB-Berlm. Am 18. Juli verstarb nach langen Leiden unser Mitglied, Kollege Lodert Wecke. Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet am Montag, den 22. Juli, nachmittags Sst, Uhr, von der Leichenhalle des Zentral-Friedhoses in Friedrichs- selbe aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 146/1 Die Ortsverwaltung Deutscher Metallarbeiter-Verband! Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß I unser Mitglied, der Klempner �od.(juuxowski am 18. b, MtS. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 22. Juli, nachmittags I 5 Uhr, von der Leichenhalle des I Zentral-FriedhoseS in Friedrichs- selbe aus statt. Reg« Beteiligung erwartet 121/8 Die Ortsverwaltung. s Am 18. Juli verstarb unser Kollege Schulz im Alter von 30 Jahren. Sein ehrlicher Charakter und sein stets kollegiales Verhalten sichern ihm ein ehrendes An- denken bei den Kollegen der Norddeutschen Buchdruckerel. Die Beerdigung findet am Montag, den 22. Juli, nachm. 4 Uhr, aus dem Ostsriedhose in Ahrensfelde statt. Abfahrt des ZugeS vom Schlesischen Bahnhof (Wriezener Bahnsteig) 3.15 nach. mittags. 251gb Am 19. Juti. früh Sst, Uhr. entschlief»ach langem schweren Leiden mein geliebter Mann, Bruder, Schwager und Onkel, der Chauffeur �iclwd Plaen im 49. Lebensjahr. 6881 Um stilles Beileid bittet im Namen der Hinterbliebenen Ww. Berta Plaen geb. Möller. Beerdigung Montag, 22. Juli, uachmiltags 4>/, Uhr, von der I Leichenhalle des Gemeindesricd- Hosts Reinickendors, Humboldtstraße, aus statt. Tanksagung. Für die herzliche Teilnahme und vielen Blumenspenden bei der Be- erdizung unseres verunglückten Sohnes und Bruders 10A «Znmtav Vottoi-lelnd sagen wir allen Beieiligten, insbe« sondere dem Personal und Lehrlingen der Firma Gursch und dem Deutschen Wetallarbeiter-Verband unseren innig- sten Dank. Die trauernden Eltern».Schwester. klm Donnerstag, den 18. Juli,{ 1 verstarb sanst nach langem j schweren Leiden meine hebe| | Frau und gute Mutter kerta l�oxe! geb. Funk I im 48.LebenZjahre. Dies zeigen ttesbetrübt a» Paul Kogel nebst Tochter. Die Beerdigung findet DienZ- > tag, nachmittags 4'/, Uhr von I ! der Halle de» ZentralsriedhoseS in i Friedrichsseide aus statt. 12546 1 MUWfrMMMj Extra- Abteilung 1 1. Gesch.: BerllaW., Mohren-[ StraBe37a(2 Haus von der) ierusalemor Straße). | II. Gesch.; Berlin NO., QroBe 1 Frankfurt. Str. IIS(2. 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Dafür findet am Mittwoch, den 24. Juli, ein Ausflug mit Familie nach dem„Schloßpark"(bei Schüßler) statt. Treffpunkt nachmittags 2 Uhr, Pankow-Kirche. Charlottcnbnrg. Der Leseabend fällt aus l Friedrichshagcn. Der Frauen- Leseabend am Montag. den 22. Juli, f ä l l t a u s. Bohnsdorf und Umgegend. Montag, den 22. Juli, abends 8'/, Uhr, Villa Kahl: Leseabend. Am Dienstag, den 23. Juli, findet ein Ausflug mit Kindern nach Marienlust statt. Treffpunkt an den Genossen- schaftshäusern. Abmarsch pünktlich 9'/, Uhr vormittags. Bei ungünstiger Witterung findet der AuSflug am 24. Juli statt. Nicdcr-Schönhausen-Nordend. Der Frauen-Lefeabend fmdet am Dienstag den 23. Juli, im Lokal„Schwarzer Adler" (Jnh. Rettig), Blankenburger Straße, statt. Ober-Schöneweide. Am Montag, den 22. Juli, findet der Leseabend im Lokal„Neue Post" statt. Vortrag des Ge- nossen Jakobsen über Anatomie(Fortsetzung). Die Erwerbung der preußischen Staatsange- Hörigkeit ist die Vorbedingung zur Wahlberechti- gung für den preußischen Landtag wie für die Stadtverordnetenversammlung. In beiden Fällen gilt noch ein infames Drei- klassenwahlsystem. Dieses zu beseitigen, ist unser Ziel! .So lange aber das Wahlrecht noch besteht, muß es bis aufs letzte ausgenutzt werden! Schon deshalb, um das ungerechte Wahlsystem in krasse Erscheinung treten zu lassen. Dazu gehört, daß jeder Arbeiter, jeder Partei- genösse, der noch nicht Preuße ist, sich in den preußischen Staatsverband aufnehmen läßt. Der Antrag ist zu richten im Landespolizei- bezirk Berlin an den Polizeipräsidenten; im übrigen Gebiete des Königreichs Preußen an den für den Wohnsitz des Antragstellers zuständigen Regierungs- Präsidenten. Zum Landespolizeibezirk Berlin ge- hören: Berlin, Eharlottenburg, Schöneberg, Neu- kölln, Wilmersdorf, Lichtenberg und Voxhagen- Rummelsburg. Dem Antrag muß beigefügt sein eine Urkunde über die Staatsangehörigkeit von der Heimat- behöröe und eine Bescheinigung, daß der Antrag- steller sich in Preußen bereits niedergelassen hat. Ueber die einzuleitenden Schritte geben Ge- Nossen in den einzelnen Wahlkreisen Auskunft. Arbeiter! Parteigenossen! Betreibt rege Propaganda für die Aufnahme in den preußischen Staatsverband! Kuq der Frauenbewegung. Den Arbeiterinnen znr Beachtung! Wir machen wiederholt darauf aufmerksam, daß in folgenden Bureaus Beschwerden von Arbeiterinnen über Mißstände und Un- gesetzlichkeiten im Arbeitsverhältnis entgegengenommen und von dort aus dev Gewerbeinspektion übermittelt werden: Arbeiterinnensekretariat der Generalkommission der Gewerkschaften, Berlin S-O. 16, Engelufer 15 IV. Sprechstunden täglich von 9 bis 6 Uhr. Donnerstags bis 8 Uhr. Bureau der sozialdcm. Frauen. Berlin EW., Lindenstr. 3, Hof IV. Sprechstunden täglich von 9 bis 4 Uhr. Bureau des Textilarbeiterverbandes Berlin O., AndreaSstr. 61. Sprechstunden Montags von 5 bis 8 Uhr. Die Namen der Beschwerdeführerinnen werden streng geheim gehalten._ Die Ergebnisse des FrauenstinttKrechts in Finnland. Das erste europäische Land, das den Frauen das Stimm- recht zum Parlament einräumte, war das kleine Finnland, jenes Land, das auch in mancher anderen Beziehung zum Pionier des sozialen Fortschritts in Europa geworden ist. Die finnischen Frauen erhielten das allgemeine, gleiche Stimmrecht zugleich mit den Männern, und es gehört zu den Denkwürdigkeiten in Finn- tands Geschichte, daß dieser Uebergang von der Standesvertretung §m MMmoiershstM ohne Revolution vor sich ging, daß diese herrschende Kaste unter dem Drucke der gemeinsamen Gefahr, die dem Vaterland von feiten des russischen Eroberers drohte, vielmehr auf ihre Privilegien verzichtete. Das war im Jahre 1907. Seitdem haben, da der Landtag jedes Jahr aufgelöst wurde, 5 Wahlen stattgefunden, bei denen also die Frauen das aktive und passive Wahlrecht besaßen. Ueber die Er- fahrungen, die mit diesem Wahlrecht und mit der Tätigkeit der Frauen im Parlament gemacht sind, berichtet in der letzten Nummer der„Dokumente des Fortschritts" in sehr interessanter Weise die finnische Gewerbeinspektorin und Mitglied des Landtags Vera H j e l t. Die Frauen haben bis jetzt bei den Wahlen nicht gegen die Männer gekämpft, sondern sie haben mit den Männern ihrer Parteien gemeinsam Kandidatenlisten aufgestellt, auf denen sich nur eine geringe Anzahl weiblicher Namen befand. Bei der ersten Wahl im Jahre 1907 wurden 181 männliche und 19 weibliche Abgeordnete gewählt. Die Ziffern über die Wahlbeteiligung in diesem Jahre fehlen leider. Bei der nächsten Wahl im Jahre darauf stimmten von sämtlichen stimmberechtigten Männern 70,5 und von den Frauen 60,5 Proz. Gewählt wurden 175 männliche und 25 weibliche Vertreter. 1909 war das Abstimmungsverhältnis 64,9 Proz. der männlichen und 55,8 Proz. der weiblichen Stimmberech- tigten; es gingen 179 männliche und 21 weibliche Kandidaten aus der Urne als gewählt hervor. 1910 stimmten 64,9 Proz. der Männer und 55,8 Proz. der Frauen und verhalfen 183 männlichen und 17 weiblichen Abgeordneten zum Siege. Im letzten Jahre end- lich war die Wahlbeteiligung 65,3 und 54,8 Proz., das Ergebnis 186 männliche und 14 weibliche Abgeordnete. In bezug auf die Wahlbeteiligung stehen also die Frauen kaum hinter den Männern zurück und zieht man ihre schwerere Abkömm. lichkeit vom Hause, besonders auf dem Lande, in Betracht, so ver- halten sich beide Geschlechter ungefähr gleich. Dagegen ist die Zahl der weiblichen Abgeordneten seit der Wahl von 1908 ständig zurückgegangen. Vera Hjelt führt dies in erster Linie darauf zurück, daß bei der verwickelten politischen Situation der letzten Wahlen vor allem erfahrene Politiker ins Parlament ge- schickt werden mußten. Das Zusammenarbeiten von Frauen und Männern im Landtag war immer das denkbar beste. Vera Hjelt schreibt über diesen Punkt:„Die Zuversicht auf das Rechtsgefühl der Männer wuchs unter der gemeinsamen ernsten Arbeit. Und wir konnten uns an sie wenden wie an Kameraden und Freunde, wenn es galt, Kunde von der verwickelten Maschinerie des Staats- lebens zu erhalten. Der Ton des Wohlwollens, �er Aufrichtigkeit, Feinheit und Ermunterung, der uns von feiten der Männer im Landtage begegnete, bekräftigt meine Auffassung, daß ein gutes Zu- sammenarbeiten möglich ist. Und gerade auf diesem Wege wird die Arbeit und der Einslutz der Frau zur Bedeutung für die Gesetz- gebung." Die meisten weiblichen Abgeordneten— 9 unter 17 im letzten Landtag— gehören der sozialdemokratischen Fraktion an, die ja überhaupt die stärkste des ganzen Parlaments ist. Sie umfaßt von den 200 Abgeordneten 86. Die schwedische Volkspartei zählt 3, die sinnische und jungfinnische Partei je einen weiblichen Abgeord- neten, während die Agrarpartei und die nur einen Kopf starke Christliche Arbeiterpartei zurzeit noch ohne weiblichen Ein- schlag sind. Die Frauen haben sich an der Gesamtarbeit des Landtages ebenso eifrig beteiligt wie die Männer. Das beweisen die ver- schiedenen Statistiken über die Zahl der eingebrachten Anträge, der Wortmeldung usw. Naturgemäßerweise beziehen sich die Anträge und die Petitionen der Frauen in erster Linie auf weibliche und sodann auf allgemein soziale Angelegenheiten. So wurden durch sie folgende Fragen berührt: Erhöhung des Ehealters der Frau, die Eigentumsverhältnisse zwischen den Ehegatten, Aufhebung der Vormundschaft des Mannes über die Frau, Mutterschasisversiche- rung. Recht der Frau, alle Staatsämter zu bekleiden, die Perbcsse- rung der'Stellung unehelicher Kinder, Errichtung von Heimen für schutzlose Mütter und Kinder, Verschärfung der Strafbestimmungen betr. Schändung, Ernennung von weiblichen Gesundheits- inspcktoren/kommunale Arbeitsvcrmittelung, das Alkoholverbot und vieles andere mehr. Jedenfalls haben die Frauen im finnischen Landtag gezeigt, daß sie den ernsten Willen und die Fähigkeit haben, an der sozialen Gesetzgcbungsarbeit mitzuwirken, Hiid aller Älelt. Hinter den Mördern Roscnthals. Aus New Jork wird gemeldet: Der von einer A n- zahl reicher Bürger New Jorks verpflichtete Detektiv Burns hat gestern die Verfolgung der Mörder Rosenthals s e l b st in die Han d genommen. Er hat sich zu diesem Zwecke mit dem Staatsanwalt Whitinan und dein Bürgermeister Gaynor in Verbindung gesetzt. Der Stab Burns besteht aus 25 anderen Detektivs. Die beiden Automobilsührer Shapiro und Lioby sollen gestern vor dem Staatsanwalt noch sehr wichtige Aussagen ge- macht haben. In erster Linie richtet sich die Verfolgung gegen den berüchtigten Spieler Jack Zecling, der sich für gewöhnlich in den Spelunken des Chinesenviertels auf- zuhalten Pflegte. Seit der Ermordung Rosenthals ist er dort aber nicht wieder gesehen worden und spurlos ver- schwundcn. Burns nimmt daher an, daß er einer der Haupt- beteiligten bei der Bluttat ist. Außer Zecling werden noch fünf andere Spieler verfolgt. Fünf verdächtige Personen lvurden gestern verhaftet und dem Staatsanwalt vorgeführt. Bürgermeister Gaynor hat gestern dem Polizeipräfekten von Neiv Jork, Waldow, in einem Schreiben sein Bedauern und seine Enttüstung darüber ausgedrückt. daß Polizei- beamte, wie der Leutnant Becker, mit Rosenthal gemeinsame Sache gemacht und mit dem Spielhöllenbesitzer Freundschaft geschlossen haben. Hoffentlich führt nun auch die mit so großem Aufwand von Detektivs aufgenommene Verfolgung zum Ziel. Denn es heißt zwar, daß viele Hunde des Hasen Tod sind, aber ein anderes Sprichwort lautet auch: viele Köche verderben den Brei l Opfer der Hitze. Kürzlich erstellte der Redakteur der„Marienburger Zeitung" seine Leier mit einer auskührllcben Darstellung, wie eine Marien- burger Dame einen kranken Goldfisch durch Massieren dem Leben wiedergegeben habe. So ingeniös diese Ivundersäme Huiidslags- geschichte schon war, sie wird durch eine Notiz der„Elbinger Zeitung" in 165 noch überböte». Da heißt es: „Ein Kampf zwischen Hai und Schwertfisch. Den Passagieren des der'Ankerlinie gehörenden Dampfers„Caledonia", der soeben Vau Glasgow in New Aork angekommen ist, bot sich auf der Höhe der an der Südostlllste von Massachusetts gelegenen Insel Nanlucket ein interessantes Schauspiel. Es war ein Kampf auf Leben und Tod, den ein Schwertfisch mit einem Hai führte. Man sah den 10 Fuß langen Hai über die Wasserfläche emporspringen und hinter ihm einen um ein Drittel kleineren Tintenfisch hoch- schnellen, der sich wülend auf ihn stürzte. Als beide ins Meer zurückfielen, bohrte der Tintenfisch sein Schwert dem Hai in die Seite, und die Gegner wälzten sich, zu einem Knäuel zusammengeballt, im Wasser. das sich bald von dem Blute des Hais färbte. Dann wurde es still und die Passagiere nahmen an. daß der Schwertfisch seinen Gegner unter dem Wasser den Garaus gemacht hätte. Kurz darauf geriet aber das Wasser wiederum in wilde Bewegung und es er- schien der Hai mit dem Schwerte des Tintenfisches in der Seite allein auf der Oberfläche. Er hatte eS offensichtlich während des Kampfes abgebrochen und war so Sieger ge- blieben." Wie gruselt's uns ob dieses fürchterlichen Kampfes! Aber noch mehr wird dem Herrn Chefredakteur gegraust haben, als er sah, was sein Kollege da zusammengebaut hatte. Ist doch ein Tintenfisch mit einem„Schwert" so ein Ding, wie ein Elefant mit Flügeln oder wie ein vierbeiniger Esel mit einem Menschenkopf. „Kein Geld, keine Schweizer!" Man schreibt uns aus Brüssel: Es waren einmal zwei „Schweizer", beamtet in der herrlichen Kathedrale St. Gudula in Brüssel. Als der 2. Juni, der Wahltag nahte, wurden auch sie, wie so viele andere von der Sorge um die Existenz der katholischen Re- gierung ergriffen und sie konnten sich nicht mehr wie einst mit der alten Ruhe der edlen Tängkeit der Fremdenführung in dem be- sagten vielbcwunderten gothischen Dom hingeben. Las man nicht in der„gutgefinnten Presse" allerorten, daß ein Sieg des„liberal- sozialistisch-sreimaurerisch-antiklerikalen Kartells" der ganzen Kloster- und Kirchenherrlichkeit, der Religion, der Familie, der Ehe usw. ein Ende mit Schrecken machen würde? Mußte da nicht jeder fromme Christenmensch und insbesondere ein braver„Schweizer" in der Kirche der guten Brüsseler Patronin St. Gudula zittern um die Existenz der katholischen Regierung und vielleicht gar um die— eigene. So muß eS wohl gewesen sein und einer der beiden Schweizer hat sich sogar zrWriefem Geständnis bewogen gefühlt.... Es ist nämlich geschehen, daß in der Donnerstagsitzung der Kammer ein liberaler Deputierter namens L e m o n n i e r, ein„Dossier" von Bons präsentierte, versehen mit dem Siegel des„Herzens Jesu", welche einen— Wahlwert von 5 Fr. repräseikierten. Diese Bons wurden vom Herrn Vikar der Kathedrale St. Gudula den beiden Sch Weizern übergeben, damit sie sie an Personen verteilen, denen sowohl die Erhaltung der katholischen Regierung wie das Erhalten eines blanken silbernen FünffrantstückeS am Herzen liegt. Und die„Schweizer" nahmen die Bons mit dem heiligen Siegel und gaben sie an arme Kutscher und dergleichen mit dem Bemerken, daß man selbige Bons gegen ein echtes Fünffrankstück— weiß Gott! was es für verflixte falsche oder außer Kurs geratene Münzen in Belgien gibt— nach dem 2. Juni einlösen können. in den mystischen Hallen der edlen Kathedrale. Nur eine Bedingung werde gestellt: die verfl...... Freimaurer und Sozialisten sder Schweizer betete sofort fünf Vaterunser zur Sühne dieses ach I so verzeihlichen Fluchs) müssen am Wahltag unterliegen, die katholische Regierung muß siegen. Und es geschah, daß Herr von Broqueville — wir haben oft aufgezeigt, wieso, warum— am 2. Juni siegte; da erhielten die Inhaber der Bons, die nicht verabsäumten, für die Katholiken zu stimmen, ihre Fünffrankstücke von den nunmehr beruhigten Schweizern und waren glücklich und zufrieden.— Aber eS geschah auch leider, daß die Bons einigen Ungläubigen und Sozialisten in die Hände fielen und der Deputierte Lemomner selbige Bons in der Kammer vorzuzeigen in der Lage war und sogar der Justizminister von 22 solcher Bons zugeben mußte, nur so viel, weil nicht mehr entdeckt wurden, und der Vikar und die beiden Schweizer, letztere nach langem Zögern, vor dem Untersuchungsrichter die bewußten Fakten zugeben mußten... Und dies alles ereignete sich nicht in einem armseligen flandrischen Dorf von 1200 Einwohnern, sondern in der Haupt- und Residenz- stadt Brüssel, dem lebendig-internationalen Mittelpunkt Europas, dein Sitz der herrlichen Kathedrale St. Gudula. Wen» man aber künftig in Brüssel das alle Wort:„Kein Geld, keine Schweizer", in den Mund nebmen wird, dann wird unwillkürlich so mancher an das famose Geständnis des Schweizers der St. Gudula sich erinnern, dessen Tun von der Furcht diktiert ivar. daß wenn man vor den Wahlen kein Geld verteilt, es mit den Schweizern aus sein würde. Meuternde Sträflinge in einer Irrenanstalt. Rom, 18. Juli 1912.(Eig. Ber.) In der Kriminalabteilung der Turiner Irrenanstalt C o l e g n o ist es ani 14. d. M. zu einer Revolte gekommen, an der sich 80 geisteskranke Verbrecher be- leiligte». Die Irren, die die Sache offenbar vorbereitet hatten, über- fielen in der Nacht die die Säle inspizierenden Wärter und über« wälligten vier von ihnen. Drei Wärter sperrten sie in eine Zelle, den vierten schleppten sie aufs Dach, um durch die Drohung, ihn herunterzuwerfen, sich selbst vor gewaltsamen Maßregeln zu schützen. Zum Ueberfluß nahmen die Sträflinge den Wärtern ihre Schlüssel ab und konnten auf diese Weise in den Raum dringen, in dem die Waffen und gesährlichen Werkzeuge aufbewahrt werden, die man den Kranken bei ihrer Ausnahme abnimmt. Als sie sich nun ge- waffnet sahen, wurden die Sträflinge, die es ursprünglich auf einen Massenausbruch abgesehen zu haben schienen, noch selbstbewußter, und ließen sich auch durch die Feuerwehr, die aus Turin herbei- gerufen war, keineswegs einschüchtern. Schließlich mußte man, da der Direktor der Anstalt sich auf das entschiedenste weigerte, die Anwendung von Gewalt zu autorisieren, mit den Meuterern unterhandeln. Sie verlangten die Herbeirufung des Präfelten und des Polizeidirektors von Turin, sowie eine» sozialistischen Provinzialverordneten. Als man ihnen das bewilligt batte, ließen sie sich Straffreiheit versprechen und lieferten dann die Waffen, sowie die vier als Geiseln gehaltenen Wärter ab. Bei der Ablieferung der Waffen kam es zu einem aufregenden Zwischenfall. Einer der Irren fuhr drohend mit einem langen Dolch herum, worauf der Direktor der Anstalt Professor Marro, selbst natürlich unbewaffnet, auf den Mann zutrat und ihm die Waffe abforderte. Ehe dieser, den die Ruhe des Arztes einschüchterte, Folge leisten konnte, wurde er jedoch von einem anderen Sträfling entwaffnet. Kleine Notizen. Gerüsteinsturz. Auf einem Neubau im Vorort Giebicben» stein bei Halle stürzte am Sounabeiidvormiltag ein Gerüst zu- sammen. Dabei wurde ein Maurer getötet, zwei schwer und einer leicht verletzt. Zum Flug Berlin— Petersburg. Der Flieger Mramowicz ist am Sonnabend in Tauroggen in 3i u ß l a n d angekommen, von wo aus er baldigst die Fahrt nach Riga fortsetzen will. Bis Tauroggen hat der Flieger in der Lufllinie 640 Kilometer zurück- gelegt, während bis Petersburg noch zirka 900 Kilometer zurück« zulegen sind. Beim Edclwelßsuchcn abgestürzt. Die im Oetztal auf Sommer- frische weilende Dora ll ch t r i tz aus Breslau ist beim Edelweiß- suchen in den Niedertaicralpen abgestürzt und auf der Stelle tot geblieben. TodcSsturz einer deutschen Artistin in Frankreich. Bei einer Vorstellung im Zirkus Dutricu in Douai stürzte die junge deutsche Artistin Berta Kreinhager so unglücklich von einem fliegenden Trapez, daß sie beim Fall in das Fangnetz die Wirbelsäule brach. Die Unglückliche erlag ihrer furchtbaren Verletzung bereits auf dem Transport nach dem Krankenhause. Neue Eisbcrggcfahr für die transatlantischen Schiffe. Der der White Star Linie gehörige Dampfer„Adriatic" berichtet, daß er am 16. Juni unter dem 48. Breitegrade 30 Minuten nördlich einen un- geheuren Eisberg gesichtet habe. Er sandte ein drahtloses Telegramm an die„Mauretania", welche denselben Kurs verfolgte, um sie zu warnen, und steuerte dann in südlicher Richtung nach New Dork, wo er mit vier Stunden Verspätung eintraf. Die„Mauretania", die nach einigen Stunden die Stelle ebenfalls passierte, hat den Eisberg ebenfalls gesehen, welcher in der Fahrlinie liegt, die der Dampfer »Titanic" während seiner Todessahrt eingehalten hat. Stiller' tl)eater Eharlottenburg. Das Konzert. Lustspiel m 3 Akten von v-rm. Bahr. Ansang ö Uhr. Ende 10' j, Uhr. Morgen und solgende Tage: Das Koneert. Berliner Theater. Abend» 8 Uhr: Grotze Rosinen. Abend« e Uhr: vle S krAnklurter. Neues Theater. Abend» 8 Uhr: Ter liebe Augustin. Operette von Leo Zoll. tBroge Arantkurtei eh 133. Die Tragödie einer Ehe. Ansang 8'/. nht. Montag: Zum 1. Male: Die Ka> meliendame. Aus der Etartenbübne: Juhu! Es ist erreich».' Gr. Revue. Metropol-Theater. ScMoieloieier! Phantastisch musikalische KomSdie in » uklen au» dem Snglttchen völlig srct bearbeitet von X Freund Musik von R. Nelion. U. a. Tanz- v. W. Bishop. In Szene gesehl vom Dir. R. Schultz. Ansang 8 Ubr. Rauchen gestattet. Vaplotutep Sonntag! Ab 8 Uhr. 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Schulz, Mittenwalder Str. 2; W Seidel, Berg- mannstr. 59; B. BSltger, Zossener Str. 30 und Skahtzer Straße 107; M. Kämmerer, Elisabethufer 37; P. Horsch, Engelufer 15; H. Koppe, Tilsiter Sti.45; H. Parske, Büschingstr. 2: A.Reneky, Choriner Str. 28; P. Opitz, Neukölln. Pflügerstr. 74 und A. Rietdorf, NeuköUn, Pannierstr. 40; K. Schänebeck, 1111U M.(lIDIUUi ly XI O tttVVJilll, x öXixziVüDVA.—------- Vr Sohönebergr Brunhildstr, 7; F. Meyer Cbarlottenburg.Har- ■ denbergstr. 15, sowie in den mit Plakaten belegten Handl. Nenes Eierhäuschen Treptow.;� Inhaber R. Müller. OroKes Große Tauz-Reunion. Kaffecwche läglich von 2 Uhr ab geöffnet. \ Restaurant Neu-Seeland, Stralau II l am Rummelsbnrger See. Inh. Wwe. SchonerL > Jeden Sonntag Spezialitäten-Vorstellung o. Konzert i'' Im Vergnügungspark: S212L* | Großes Volksfest ä la Stralauer Pischzug. � | im Ssaj: Gr» Ball* jeden Mittwoch: Gr* Kinderfest* J[ Abends; Spree-Athener, Dir. M- Zerner. J Po» der Michaelbrückc an der iviichaetkirchstrajse. 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Kinderbelustigungen. A Kalfeekttche von 2 Uhr an geöffnet. 7 Eintritt�reis inkl. Tanz 50 Pf. Billetts auch an der Kasse, y ♦ Regen Zuspruch erwartet Da» Komitee. WUhehnsruh- ftcsenthal Station: Relnloliendnrf-Bösenthal(Etektriiche i-a&tikh: 82, 36, 41)'. Sonntag, den 28. und Montag, den SO. Juli: krosieL Näheres stehe Anschlagsäulen. Die vereinigte» tiastwlrte. fi u Größte», a« schönsten gelegene» Gartenlofal an der Nordbahn. Für Vereine extra adgrschlossrner Garten für llOVG Pers. Zvn7.ag- Gr. Frrikonzert. Tanz. 3 Kegelbahnen. Ausspannung. Kaffeeiüche. Aussichtsturm. Donnerstag: Groster Kavalierball. in seinem Line Vorstellung im stw- Yorker varletS unct die übrigen AttraklioneD! Exeelsior- Lichtspielhaus Neukölln ÄJ.V" Passage Vom 20. bis 26. Juli Inkl.» Der schwarze I Kanzler Landsberger «llee 40. Elysium Täglich herrliche» Programm. �peziai i täten mit Frau» SobanKki. Oroller Kall. Familien-Kaffcefochen. Ansang 3'/= Uhr. Entree 10 Ps. 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Mittwoch, den S4. Juli, abends 8V, Uhr, bei Boeker, Weberstr. 17: Ordentliche Generalverfaroinlung. Tagesordnung! 177/1 1. Mrechnung vom 2. Duortoi. 2. Tas Ergebnis der Urabstimmung über die Verschmelzung mit dem Teutschen Metallardeitcr-Berband. S. Anträge und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Ohne Mitgliedsbuch keinen Zutritt. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist das vollzählige Erscheinen der Kollegen dringend ersorderlich. Billetts zur Dampferpartie am Sonntag, de« SS. August, sind in allen Zahlstellen und im Bureau zu haben. Die Ortsverwal tun g. Filiale Groß-Berlln.' Tonnerstag, den SS. Juli, abends 8'/z Uhr, im„Gewerkschaftshaus", Engelufer RS: Genrral-Nerfammluug. Tagesordnung: 1. Bericht über daS 2. Bierteljahr 1912. Referent! Kollege Nottmaiin. 2. Bericht über den Verbandstag in München. Referenten: Kollegen lVutrlix und geollor. 3. Wahl von fünf Beisitzern zum Verbandsvorstand und drei Revisoren. 4. Neugestaltung der Filial-Unterstützungs- Einrichtungen nach den Münchcncr Beschlüssen. K. VcrbandSangelegenheiten. Zutritt nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches! 25/1 Die Ortsverwaltnng. Verwaltung Berlin. Mitglieder-Versammlungen: BUrstenmachep» Mittwoch, den 84. Jnli. abends 8>/, KH», bei PrenB, Holzmarktstraste 65. Tagesordnung! 1. Vortrag über:.Militarismus und Ma- riniSmuS». Referent! Genosse Hermann Grunz« l. 8. Branchen- angclegenheitcn._ PerlmutK Horn- und Steinnaßarbelter. Mittwoch, den S4 Jnli, abends S'/, Uhr. im Clewerlr- schaftHbaase, Engelufrr 14/15, Saal 5. Tagesordnung: 1. Bericht vom zweiten Quartal. B. Bericht .non der Generalversammlung. S. Stellungnahme zum Ablauf unseres Vertrages.__ Haarschmuckarbeitep. Mittwoch, den 24. Juli, abends 8 Uhr. bei Bermel, Holzmarktstraste 21. Tagesordnung: 1. Fortsetzung der Diskusston über die Arbeits- nachwcisfrag«. 2. Stellungnahme zu der Konferenz. 2. Bericht von der Genclnlversammlung. 4. Verbands« und Branchenangelegenhetten. BoiivnlSgQP. �Mittwoch, den 2t. Juli, abends 8 Uhr. Im OewerM» schaftshuuse, Engelufer 15. Saal 3. Tagesordnung: Verbands- und Branchenangelegenheiten. BNrisppabmsnmaebsp. Donnerstag, den 25. Jnli, abends v Uhr. tm Gewerk- •rnaftshsuse, Engelufer 16. Saal 1. Tagesordnung: 1. Beitcht vom BerbandStage. 2. Bericht der Kommission. 2. VerbaudSangelcgenheilen. SS/IS Die Ortsverwaltnng. tirbeiisnsobvoio! Hol I. AnN Norden, Nr. 1229. -:,.- Verwaltungsstelle Berlin Shart»estrafte 3. Hauptburean; Hos UI. Amt Norden, Nr. 1987 Dienstag, den SS. Juli, abends S Uhr, in den Moablter Bürgcrfälen, Beufselftr. 9: Kranchen- Kersammlnng der Wnslhi'nrittirbrltkr«. Arbriterinnkn der Mktalllndvjlrit Moabits und Eharlottenburgs. Tagesordnung: 1. Die Lohn, und Arbciisbedwgiingcn in unserer Branche und welche Aufgabe haben die Kolleginnen und Kollegen»u erfüllen? Referent; Kollege Fried. 8. Dislussion. 2. Branchenangelegenhetten und Ber- schiedeneS. 12l/7 Kollogistnon und Kolleginnen I Pflicht jedes einzelnen ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen, da äutzerst wichtige Branchenaugelegenheiten zu besprechen sind. Achtung! Gnuicnre n. Mlcilre! Achwng! Die Versammlung am 24. Juli er. fällt aus. Die Ortsverwaltnng. VelKisil! der Hut- und Filzwarenarbeiter und ■Arbeiletinnen Deutschlands '....... Ortsverwaltnng Berlin...... Am Mittwoch, den S4. Juli, abends 8»/, Uhr, in den Mnsikersälen, Kaiser-Wilhelm-Tir. I8m: m Tagesordnung: l. Wahl des Gesamtdorstande».». Der- schiedeues. 76/l2 QLg- DI- Tagesordnung Ist eine Sußerst wichtige, daram ist daS Er- scheinen aller Wlglieder dringend notwendig. Uie llseodlitttlldree. Verband der fiackierer, Anstreicher TiHale SerUn. DSV. Bureau: Melchiorftraße 28, hart. Fernsprecher Amt Mpl. Nr. 4787. Arbeitsnachweis: Rückerstraße 9. Fernsprecher: Amt Norden 6708. Donnerstag, den 25. Jnli, abends S'/s Uhr, in der Nene» Philharmonie, Köpenicker Str. 96/97: Mitglieder-Versammlung. Tagesordnung: 1. Der Ablauf unseres Tarifvertrages, und welche Forderungen nuterbreiten wir den Arbeitgebern'i 2. Beschlustfafsung über die einzureichenden Forderungen. ———> Mitgliedsbuch legitimiert.> i> Kollegen! Angesichts der wichtigen Frage der ferneren Gestalwng der Lohn- und Arbeitsbedingungen — die hier zur Erörterung und Beschlußfassung steht— erwarten wir, daß kein Kollege in dieser Ber- sammlung fehlt.(129/19*1 Die Ortsverwaltnng. ies" zu Berlio. (Eingetragene Genossenschaft mit beschrlnkter Haftpflicht) Bureau: 80., KoNbuier Ufer 44, H. r. I. GeSff. v. 11 2 Uhr. Sonnab.» 8 8 Uhr. Donnerstag, den SS. Juli, abends 8 Uhr: Mute ordcuttilht©cnttalDctfaininlung in de» Rittersäleu, Ritterstraste 7S. � Tagesordnung t 1. Geschäftsbericht: Vorlegung der Bilanz nebst Ge- wlnn- und Vrrlustrechnung. 2. Bericht der Revisoren und Genehmigung der Bilanz, sowie Beschlusisassung über die Verteilung dcS Gewinnes oder Verlustes. 2. Neuwahlen, a) des Vorstandes, b) Ersatzwahlen zum AussichtSrat. 4. Statutenänderung, d. Beschlußfassung über unser neue» Projekt. S. BerschtedeneS. 105/15 Wir ersuchen um zahlreiche Beteiligung. Ohne Mitgliedsbuch lein Einlaß. Der Torstand: G. Dorner. P. Schiffte. P. Müller. Tarif- Zigarren. Erftklafstge Ware. Rein überseeisch. Preislage: Mk. 30-150. Heinrich Holsing, Zigarrenfabrik Blashelm bei Lübbecke(Westfalen). Vertreter für«roft.Be r?in und Bra ndenvurgt k�r. Behrensen, kerlln Kopenhagener Strafte 15. 22722* t°>»>"'u> Bewilligte Bäckerei. tcl"llllul Teile dem verehrten Publikum und der Nachbarschaft mit, daß Ich die Forderungen deS Bäcker- und Konditoren-VerbandeS anerkannt Hab«. ES wird mein Bestreben sein, dem Publikum nach wie vor gut« Ware zu llesern. Achtungsvoll NlßtSCll, Pofener Str. 16. BestSttgt durch den Vertrauensmann der Bücker nud Konditoren Berlins und Umgegend�____ id"»s Querstraße an der IV* OtF Müllerstraße 113 »«t»»«»�.Wohnungen mit und ohne Bad, . mit Warmwasser-Verloraung, vorn und Gartenhaus, in neuen trockenen Häusern sofort dtllig zu vermiete«, gu erfragen Rr. 37 beim Verwalter Beyer.* Die reellsten und billigsten Möbel and Polsterwaren erhält man aa Kassaproisen in der seit 33 Jahren bestehenden Möbeltabrik von A. Schals, Relchenberger StraSe 5. Größte Auswahl in allen Holz- und Stilarten mit zehn- jühriger Garende.(5 Proz. Kassaskonto.) Ev. auf Ratenzahlung Ts&B® O T1 Mmwmäm wird eine Dam« eine ander» als die allein echte §ie 50, 2.60 M. Schneidermeister, welche unsere Stoße tadellos vorarbeiten, weisen wir nach. Arbeitslohn nebst Zutaten ca. 20 bis 30 M. Tuchlagor Koch ck Seeland 0. m. b. H. Mutalr. 21/11 Petrlkirohe. Orts-Krankenkafse Kuhen-IdjSiihuilskii. Am Montag, den 2». Juli 1912, nachmittag» 6 Uhr, findet in dem Letal von M. Ruft, Berliner Str. 92 Hierselbst, eine Slufterordeutliche General-Versammlong statt. Tagesordnung: L Vortrag de» Herrn Dr. Gold- b e r g hier über.Frauen-Krank- betten". 2. Verlesen des Protokoll» der letzten Generalversammlung. 8. Wahl von 3 Vorstandsmitgliedern (1 Arbeitgeber und 2 Arbeitnehmerl aus Grund des 8. Nachtrages zu den Kafsensatzungen. 4. Verschiedenes. ES ist gestattet, daß zu dem Vor- trage de« Herrn Dr. Goldberg auch andere Kassenmitglleder kRichtdele- alerte) erscheinen; die geehrten De- legierten werden gebeten, Interessenten daraus hinzuweisen. Den Verband- lungen der Generalversammlung (Punkt 2—4 der Tagesordnung) können diese Personen nicht bei. wohnen. 277/11 Etwaige Anfragen und Beschwerden, zu denen die Einsichtnahme der Ge- schästSbücher erforderlich tkt, sind dem Vorstand 3 Tage vorher schriftlich zu unterbreiten. Besonders wird daraus aufmerksam gemacht, daß jeder Delegierte eine besondere Einladungskarte erhält, welche nur zum EintrM berechtigt. Der Borstand. Artur Schäfer. M a r O u a st. Vorsitzenoer._ Schriflsührer. Krankenkasse der Huimacliergesellen «a Berlin(E. H. 67). Dienstag, d. 80. Juili 1018, abends 8'/, Uhr, General-Versammlung Grofte Hamburger Str. 18/19. Tagesordnungt 1. Kassenbericht. 2. Wahl der Revssoren. 3. Verschiedene». 293/12 Um pünktliche» und zahlreiche« Er- scheinen der Mitglieder ersucht Der vorstand. L. Georgelowltz, Vornehme Bekleldund fertig und nach Maß trhallm Sit In dir mödinn Mass• Schneiderei J. Kurzbera auf Wunsch Wochenrata. Bosenthaler Straße 80 1. Etage. Frankfurter Allee 104 Ecke Friodenstraße. Reinickendorfer(Str. 4 _ Weddingplatz._ In Blumenstr. 7, werden jeden Dienstag und Donnerstag Versteigerungen grbr. Möbel, Dameokleider, Wäsche,«tnderklrtder abgebalte»! für gebr. Möbel, WirtschaftSsachen, wird Vorschuß gezahlt..» � Kur noch kurze Zeltl 'dadle lladifrasi«öl rasa ist. | ADgeleat« ObstgVten. 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S4, Tocnser Bödiferstr. 3, Stephan Bornholmer Str. 3, Düte« Bornholmcr Str. 9a, D egoer Dornemannstr. 4, Dlrschta Boppstr. 8, Liebenau Boeckhstr. 50, Hanne Böttgerstr. 2, Münzberg Boxbagener Str. 27, Berger Boxhagener Str. 31», Ander» Boxhagener Str. 42, Schuster Breslauer Str. 11», Stracka Britzer Str. 14, Schreiber Brunnenstr. 92, Wirth Brüsseler Str. 43, Klappstew Brüsseler Str. 46 Heiermann Buttmannstr. 8, Knuth Eadiner Str. 8, Scholz Cadiner Str. 17, Fröhlich Carmen-Sqlvastr. 153, Döhrtng Christianiastr. 124, Langner Ehrislincnstr. 26, Schilling Ehristmeiistr. 35, Schmidt Chorwer Str. 28, Bunge Culmstr. 20, Hagen Cuvrhstr. 8, Böhm Cuvrystr, 23, Reinicke Cuvrhstr. 34, Rosental Cuvrystr. 41, Schröder Danziger Str. 31, Zickert Driesener Str. 7, Nisse! Drtesener Str. 11, Tonnisch Dronthetmcr Str. 20, MamewSti Dunckerstr. 11, Braptz Ebertystr. 42, Scholle Ebertystr. 47, Drcchsel Elbingerstr. 6, Riedel Elbinger Str..18, Neumcister Elbinger Str. 65, FijurSki. 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Gleimstr. 5, Nowotny Glogauer«tr. 18, Nehrke Glogauer Str. 24, Handro Glogauer Str. 32, Krause Görlitzcr Str. 1, Grade Gärlitzer Str.'"' Görlttzer Str. 41, Scholz Gormannstr. 12, Schonke Gormannstr. 25, Lorbeer Gräsestr. 9, Kathen Greisenhagener Str. 33, Rehe Grünauer Str. 4, Kohle Grünauer Str. 34, Schuhs« Krünthaler Str. 13, Kolocrg Grünthaler Str. 35, Koch Guüieastr. 7, Münchow Gubener Str. 3», Ambo» Gubener Str. 48, Preß Graste Hamburger Str. 16, Meisert HauSburgstr. 3, Dammick Hausburgstr. 15, Fenzlaff HennigSdorser Str. 1, Braoni Hochstr. 33, Loth Neue Hochstr. 16. JanttzN Höchstestr. 41. Zachars» Hochstädter Str. 17, Kretschmer Hübnerstr. S, Bell Husfitenstr. 45, Henke Hussitenstr. 70, Ebell Hultenstr. 25, Wolgast Huttenstr. 36. Mi-ll- Huttenstr. 62, Grosch Jagowstr. 22, Voigt Jaynstr. 2t, Heise Kameruner Str. 53, Barthel Kastanienallee 15, Busse Kochhannstr. 16, Zipprich Kochhannstr. 28, Cieslin»» Kochhannstr. 40, Wöifling Koiomestr. 36, Bärtel Koloniestr. 68, Weber Koppensir. 30, Gellbrecht Kopenhagener Str. 76, Warner Kopernilusstr. 2, Peter» Köpenick« Str. 48, Rohde Korsörer Str. 5, Jdc Korjörer Str. 15, Göde Kotibuser Str. 21, Makow»» Krautstr. 33. Seijert Küstriner Platz 5, Dienst Zhigierftr. 1, Grey Kugierstr. 44, Müller Langestr. 80, Bärwinkel Lanaestr. 102, Reinholz Lanvwehrstr. 3, Schrolle Lausitzer Str. 21, Pützenreuter Lausitz« Str. 32, Prtemann Lausitz« Platz 12», Fielitz Libauer Str. 14, Bonin Libau« Str. 21. Barth Lichtenberg« Str. 15, Berght Licbenwald« Str. 35/36, Prochnotv Licbigstr. 2, Gendolla Liebigstr. 14, Hoppmann Liegnitz« Str. 16, Welicke Lmdenstr. 79, Kochmann Linienstr. 78, Maaz Lortzingstr. 8, Witttops Lortzingstr. 41, Witt Löwestr. 28. Puff Lübbener Str. 28, Gellentin Lychen« Str. 12, Potrvku» Lhchcn« Str. 100, Schiebel Lychen« Str. 106, König Lynarstr. 15, Papensust Landsberger Allee 143, Nagetin Malplaauetftr. 23, Völler Manteuffelslr. 5, Mücke Manien selstr. 9, Fabian Manteu sclstr. 16, Dickmann Manteuffelslr. 60, Röhl« Manteuffelftr. 68, Wols Mantcuffeiftr. 75, Cardwal Mantcuffelstr. 80, Metz Marfgrasenstr. 9, Jamke Markgrascndamm 34, Jurisch Wariannenstr. 53, Schob« MarsiliuSstr. 23, Lutsche Matternstr. 4, Tchwandt Memeier Str. 6. Manigl Mcmeler Str. 23, Striepiing Memel« Str. 36/37, Buchholz Memeier Str. 60», Czaplicki Memel« Str. 81, Patz« Moabit(Alt) 54. Gaedicke Mühlenstr. 47», Rudolf Mulackstr. 26, Fröhlich Müllerstr. 58, Brandt Müllerstr. 62, Lücke Müller str. 129, Denig« Muslaucr Str. 22, Bellgardt Moritzstr. 2, Bethge nstr. 27. Mohwinlel Naunynstr. 34, Nitschke Naunynftr. 75, Beyer Norweger Str. 3, Marttn Nostizstr. 58, Schmidt Odttberg« Str. 56, Grabenschroer Oppeln« Str. 11, Bunzel Oudenard«str. 36, Feuerherd Oudeuarderstr. 42, Strauß Pankstr. 7, Thierse Pankstr. 62, Schmidt Pappelallee 9, Leuschn« Pappelallee 33, Daunert Pappelallee 65, Trojanow»» Pasleurstr. 39, Schmidt Perleberg« Str. 39, Artelt Petersburg« Str. 5, Buchholz Pillauer Str. 6, Nowack Pintschsti. 20, Geelhaar Prenzlauer Allee 174. Witzig Prinzenallee 11, Hohmann Prinzcnall« 26, Zochert Proskau« Str. 3, Gomoll Proskauer Str. 33, Gmatzm»» Pücklerstr. 45, Prenzl« Putbuser Str. 2, Lowack Putbuser Str. 19, Billerbeck Putbuser Str. 46, Kühn Putbuser Str. 47», Beccardt Ramlerstr. 16, Kellner Ramlerstr. 33, Dahike Reichenberger Str. 51, Weniger Reichenberger Str. 90, Kachel Reichenberger Str. 122, Merkel Reichenberger Str. 162, Bei» Reuchiinstr. 7, Thiele Rhinower Str. 5, Beck Rigaer Str. 4, Laute Riga« Str. 57, Baumhammel Riga« Sir. 91, Schmidt Rigaer Str. 98, Gärtner Romintener Str. 7, Wclsert Romintener Str. 22, Götze Roffocker Str. 1, Teichert Rostocker Str. 19, Lange Rostock« Str. 42, Bleute Rostocker Str. 48, Gi«ts Rüdersdorser Str. 28. Schneider Rügener Str. 16, Köhl« Rügener Str. 25, Badtle Ruheplatzstr. 18, Woh Rupptn« Str. 24, Borotvi» Saarbrück« Str. 6, Gebauer Seelower Str. 12, Mehl Seneseiderstr. 13, Niendorf Sickingcnstr. 7, Arlt Simeonstr. 28, Rode Simon-Dachstr. 8, Alex Simon-Dachstr. 27, Keim Skalitzer Srr. 54c, Gottwald Skalitzer Str. 73, Ponzel Skalitzer Str. 80, Taubert Skalitzer Str. 141», Blumenhagen Soldiner Str. 17, Müller Soldin« Str. 66, Graff Soldin« Str. 76, Zacharias Soidin« Str. 112, Vieth Sonnenburg« Str. 27, Grundmann Sorauer Str. 16, Heinrich Swinemünder Str. 7. Reuschel Swincmünder Str. 77, Braune Swinemünd« Str. 84, Säger Scheringstr. 8, Heinrich Schlefische Str. 3, v. Neffen Schlisische Str. 15, Malchereck Schliemannstr. 20, Tellschow Schlicmannstr. 33, Dziuba Schliemannstr. 45, Fleischer Schivclbein« Str. 39, Saalmann Schioelbcin« Str. 44, Steinhoff Schönhauser Allee 50», Flügel Schönholz« Str. 12, Ncugebaucr Schönleinstr. 18. Unger Schönleinsu. 28, Ebell Schönleinstr. 29, Weigt Echönwald« Str. 2, Wisoc» Schreinerstr. 8, Marx Schreinerstr. 20. Follch« Schreinerstr. 52, Karpe Stallschrcibcrstr. 59, Rinke Stargard« Str. 14, Klas» Slargard« Str. 18, Krei Stargard« Str. 58, Scholz Stettiner Str. 23, Otte Stephanstr. 63, Porl Straßmannstr. 27, Weit Strausberg« Str. 26, Rittenbach Strausberger Str. 35, Wegen« Strelitzer Str. 12, Jäckel Stolpischc Str. 37, Lang« Tegeler Str. 25, Reichel Tegel« Str. 33/34, Gehrle Tcmpiin« Str. 12, Kohsmand Thaerslr. 32, Görlitz Tresckowstr. 12, Lindenberg Triststr. 1. Peckel Tilsiter Str. 12, B-nk Togostr. 74, Baarsch Torssir. 20, Kläre Ueckermünder Str. 1, Linke Usedomftr. 2, Lange Usedomstr. 9, Lorenz Utrechier Str. 19, Brockel Veteranenstr. 6, Kroll Vcteranenstr. 23, Plew Waldstr. 15, Fuhrmann Waidstr. 24, Rybicki Waldsir. 38, Achenbach Waldemarftr. 36, Gogalla Waldemarstr. 65, Schurig Waldenserstr. 12, Kinder Warschauer Str. 63, Restel Wafferiarstr. 38. Kuhrmann Weberstr. 11, Brandt Wetdenweg 73, Matz Weidenweg 80, Stülpner Wcndcnstr. 6, Schulz Wichertstr. 154, Bethke Wiener Sir. 16, Heinrich Wien« Str. 29, Salzwedel Wien« Str. 53, Lipstt Wiener Str. 56, Adler Wien« Str. 58», Okupnick WiIheIm-«toIzc-Str. 16, Bürkner Wittstock« Str. 2, Oeblke Wittitocker Str. 8, Lück Wittstocker Str. 20. tzoffmann Wrangeistr. 21, Rütz Wrangeistr. 80, Paltioch Wrangeistr. 135, Luplow Wörth« Str. 26, Lublow stad« Str. 15, Dahlenburg ionSkirchstr. 11, Marzt ionskirchstr. 46, Bcrln« orndorser Str. 17, Regenb«g ,,orndors« Str. 63, Pantzfe Zwmglistr. 11, Methner Adlershof. Bismarckstr. 3, Dehme! Bismarckstr. 53, Tschirschke Hackenbergstr. 7, Müll« Alt-Stralau 17, Linke Urßt«. Chauffeestr. 67, Beuth Rudow« Str. 90, Meißner Ctmi'Iottenlhiirx. Kantstr. 60, Higmann Knobclsdorffstr. 14, Messerknecht Krummestr. 42, Borchmann Osnabrück« Str. 3, Schmidt Sesenheimer Str. 39, Wartmann Sprcestr. 7, Seng« Usnaustr. 15, Hoffman» OvpQNlkok. 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An die zu. ständige Vcrsicherungzanftalt, wo der Betrestende wohnt.— E. U. 7. Sie müssen von neuem Ihren Eintritt in die Kirche erklären und müssen danach natürlich wieder Kirchensteuern zahlen.— B. t. t�ankenoersiche- rung nicht, Invalidenversicherung ja,— H. L. 24. 1. 1200 Beitrags. wachen. 2. Wenn 100 Beilräge aus Grund der Vcrficherunospflicht geleistet sind, mindestens 200, anderenfalls 500.— W. 18. 1. Melden Sie dem Amisgericht, in dessen Bezirk Sie wohnen, an, daß Sie au» der Landes- kirche austreten wollen, sie bekommen dann eine Vorladung, müsten frühestens 4 Wochen, spätesten» 6 Wochen nach obiger Anmeldung vor dem Gericht mündlich Ihre Srllärung wiederholen. 2. Derartige Unterrichts- geldcr sind nicht abziehbar.— H. G. 100. Sie haben, da Sic Hand- lnngSgehilsin sind, sogar eine sechswöchcntllche Kündigungsfrist zum Quartaisschluß. Ihre Vereinbarung aus vicrzehntägige Kündigungssrist ist ungültig.— R. Ech. 1000. 1- Von der 14. Woche ab. 2. Nein, Sie können Gutachten eines anderen Sachverständigen verlangen. 3. Nein. — R. Sch. Gemeint sind die Ereignisse von 1864, 1866 und 1870/71.— P. Sch. 100. Darüber kann nur ein erfahrener Fachmann entscheiden. Größere« Blumengeschäft. Botanischer Garten usw.— St. M. Fällt in die Zeit Friedrich» ll.— Zimmerer(HermSdors). Zu erfrage» w ewem größeren Drogeng-lchäst.-«S. S. Die Züricher und Parijer Adresse er. hallen Sie durch Joezf SchrejW, Boulevard dTSughien, EngWen-Les- Baius(Seine-et Oise), Frankreich(France).— 180. G. SS. Zu 1. und 2. Da» wird nicht gehen. Sprechen Sie daher aus dem Schöneberger Rathause vor in der SBonnittagäjeit und bitten Sie an zuständiger Stelle um guten Rat.— N. X. 1. Rein. 2. Ja.— Streitende. Zum Kreis- legel gehört natürlich die lrumme Lberfläche(Mantel). Die gegnerische irrige Behauptung bezieht sich wohl aus geometrische Körper, die von einer geradlinigen Figur als Grundfläche und in der Spitze zusammen- stoßenden Dreiecken gebildet werden. Also nicht Kegel, sondern P y r a- m i d e n.— S. 91. 1900 und 1889.— R. St. Finden Sie in Friedrich EngelS' Nassischem Buch:.Lage der arbeitenden Klassen in England". Marktbericht von Verlin am IS. Juli ISIS, nach Ermittelung deS lönigl. Polizeipräsidiums. Marlthallenpreise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00—80,00. Speisebohnen, weiße. 30,00— b0,00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffeln(Klemhdl.) 10,00—16,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindsieisch, Bauchflcisch 1,50—1,80. Schweinefleisch 1,50—2.00. Kalbfleisch 1,50—2,40. Hammelfleisch 1,70—2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 3,40—6,20. 1 Kilogramm Karpsen 1,20-2,20. Aale 1,20-3,20. Zander 1,60-3,60. Hecht- 1,40-2,80. Barsche 0,80-2,40. Schleie 1,20-3,20. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 2,00-40,00._ WitteruugSüberficht vom SO. Juli 1912. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Franks.a.M. München Wien II 757 RD 767iSW 75KNW 75858 7öFNO 7S6WN« ** ü* I Wetterprognose für Sonntag, den 21. Juli ISIS. Ziemlich kühl, zeitweise wieder heiter, aber veränderlich mit etwaS Regen und mäßigen westlichen Winden. Berliner W-tterburea«. WasierstandS-Nachrtchteu der LandeSanstatt für GiwSfferkunde, mitgeteilt vom BerNner Wellerbureau. Wafferstand Memel. Xllfit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thor« Oder, Ratibor , Krassen , Franksurt Warth«, Echrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby . Magdeburg -)-s bedeutet Wuchs,— Fall.—») Unterpegel. HERMANN UETZ LEIPZIGER STRASSE Diese wocho ALEXANDERPLATZ soweit Vorrat FRANKFURTER ALLEE Glas- Porzellan Serien-T afelgeschirr Ein Posten Porzellonteller flach und tief, mit mod. Dekoren und Goldrand 25 pt filnsföaren Viktoriabecher glatt m. 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