Ur. 17S. HbonnementS'RcdindUflsen: »onnemcnt«< Preis dränumerandS! «ierteljShrl. 8&) mt., monatl. 1,10 Mü, wöchentlich 28 Pfg. frei WS HauS. Einzelne Nummer K Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt- 10 Pfg. Post. Abonnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unier Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland L Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien. DSnemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, nSnien, Schweden und die Schweiz, Cridieint lsg»» auDtr IRontagt. 29. Jahrg. Die Tnfertions-Gebüftr MrUgt für die fechsgefpaltene Kolon«!- zeile oder deren Raum«> Pfg.. fflt politische und aewerllchaftliche BerewS- und VerfammIungS- Anzeigen M Pfg. „Aleine Znreigen", daS tettgedruckie Wort 20 Pfg. fzuläffig 2 fettgedruckte Worte), ledes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan. zeigen daS erste Wort 10 Pfg., jede» weitere Wort 5 Pfg. Worte über ISBuch- staben zählen für zwei Motte. Inserate jür�dle nchhste Nummer müsfei Uhr� nachNttagS In"der"Erpedition ... SlttOB Berliner Bolksblntl. abgegeben werden. Die Expe! bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm. Adresse: ,.5sglsliltli>bgn>l Still»". ist Zentralorgan der fozlaldemokrati fchen Partei Deutfchlanda. Redaktion: SM. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Morissplatz, Nr. 1983. Freitag, den S«. Juli Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69« Fernsprecher: Amt Morissplatz, Nr. 1984. Sie englische Nnwott. London, 23. Juli.(Eig. Ber.) Nach den Perspektiven unerhörten Wettrüstens, die Churchills gestrige Flottenrede einer staunenden Welt er- öffnete, erscheint die lumpige Million Pfund Sterling des Nachtragsetats wie ein Körnchen Sand gegenüber einem Chimborasso. Der gelinde Zweifel der englischen Imperialisten, ob Churchill denn auch wirklich endgültig einer der ihren ge- worden sei, brauchte nicht lange zu dauern, und sie sind für ihre Aengstlichkeit reichlich entschädigt worden. Mit dieser Unterhausrede hat Churchill auf das bündigste bewiesen, dajj es keine leere Drohung war, als er im März dieses Jahres die deutsche Regierung vor die Alternative stellte, entweder eine allgemeine Pause in dem Wettrüsten ein- treten zu lassen oder aber durch beispiellose Neu- rü st ungen Englands hoffnungslos überholt zu werden. Hätte die Beweiskraft der Logik irgendwelchen Einfluß auf die deutsche imperialistische Politik, dann müßte jetzt wenigstens mit der albernen Hoffnung aufgeräumt werden, England könne in dieser wahnsinnigen Hetze zuerst erlahmen und Deutschland gegenüber ins Hintertreffen fallen. Die Aus- sichten, die Churchill unter dem fortdauernden Beifall der über- wältigcnden Mehrheit des Unterhauses mit ruhiger Sachlich- keit und zahlenmäßiger Genauigkeit eröffnete, wären noch vor fünf Jahren jedem phantastisch erschienen. Aber auch noch nie hat eine Ministerrede den ganzen verbrecherischen Wahnsinn des internationalen Wettrüstens und Imperialismus in so erschreckender Weise offenbart. Und gewiß ist auch das noch nicht das letzte Wort des Imperialismus. Bisher erschollen von England her gelegentlich Kassandrarufe über die Folgen dieses Wahnes. Heute stecken auch die englischen Minister den Kopf in den Sand und eilen wie die andern mit fatalistischem Stumpfsinn den Abgrund hinab. Wir treten also wieder einmal in eine neue Epoche des wahnsinnigen Wettrüstens, die dazu nicht einmal ausschließlich von der deutsch englischen Rivalität beherrscht sein wird. Die Flottenschwärmer Großbritanniens haben' einen neuen Feind entdeckt— oder gar gleich zwei: Oe st erreich und Italien. Und für das Bestehen der österreichischen und italienischen Gefahr kann man mit denselben plausibel klingenden Argumenten operieren, als für das Bestehen der deutschen Gefahr. Denn müssen nicht 60 Proz. der Lebens- mittel., die yach Großbritannien eingeführt werden, das Mittelländische Meer passieren? Zwar wies Herr Churchill und auch der Premierminister daraus hin, wie-unwahrschein- lich es sei, daß Oesterreich und Italien in einem Kriege gegen England als Verbündete auftreten würden; aber man täuscht sich, wenn man glaubt, daß sich die mächtigen Interessen, die in Großbritannien hinter der Flottenagitation stehen, durch derartige Einwände, die bei dem in der Geschichte entfernter Staaten schlecht bewanderten englischen Volk auf wenig Vcr- ständnis stoßen werden, in ihrer Agitation werden irre machen lassen. Schon seit März, seit dem Zurückziehen des alten englischen Geschwaders von Malta, wird die„Mittelländische Frage" von den Jingo-Organen nach allen Regeln der Kunst ausgebeutet. Es hat sogar den Anschein, als habe die Admiralität diese Frage eigens aufgerollt, um ihren öffent- liehen Wortführern neuen Agitationsstoff zu liefern, nachdem die„deutsche Gefahr" durch übermäßigen Gebrauch etwas fadenscheinig geworden ist. Jedenfalls ist es recht sonderbar, daß die Admiralität Monate, bevor das neue Kreuzer- geschwader für Malta fertig sein kann, die Schlachtschiffe von Malta abberuft und dadurch das Geschrei über die Preisgabe der Machtstellung Englands im Mittelländischen Meere ver» ursacht. �. Herr Churchill ist wie Wachs in den Händen seiner Rat- geber. Deshalb wird er auch von den Reaktionären gelobt, als wäre er einer der ihren, was im Grunde genommen heute auch wieder zutrifft; denn trotz seines fortschrittlichen Jnter- mezzos hat er seine ursprüngliche konservative Gesinnung doch nie aufgegeben. Selbst als er sich als der Radikalste unter den Radikalen aufspielte, hatten ihn seine neuen liberalen Freunde doch immer im Verdacht; die Familie Churchill hat einen üblen Ruf in der englischen Geschichte. In seiner neuen Stellung als Marineminister kann nun er. der trotz seiner Jugend schon so viele Ressorts durchlaufen hat und von' allem nur etwas versteht, seinen Herzensneigungen ungestört nachgehen. Ein Passus aus seiner Rede ist dafür lehrreich, wie die Admirale und Kapitäne seines Ressorts den jungen Minister einexerzieren.„Der Minister". so führte er aus.„der für die Zeit dem Hause fiir die Ge- schäfte der Admiralität verantwortlich ist, wird direkt sehr ernsthaften und sehr bestimmten Tatsachen gegenübergestellt. Es ist dem Hause sehr leicht, den Minister zu wechseln; es ist einer Partei sehr leicht, einen Wortführer zu wechseln: aber durch das Wechseln eines Ministers oder eines Wort- führerS verändert man nicht die Tatsachen.(Beifall bei der Opposition.) Da sind sie und marschieren auf einen zu und irgendeiner muß sich irgendwie mit ihnen befassen, so un- angenehm sie auch sein mögen, so unangenehm die Kon- sequenzen auch sein mögen." Häufiger lauter Beifall der Konservativen lohnte die lange Rede Churchills, während seine Parteifreunde meist stumm dasaßen. Höchst auffallend war das Verhalten der linksliberalen EparsamkeitSapostel, der„littio Englanders", wie sie auch heute noch manchmal spöttisch von den Konservativen genannt werden. Herr Murray Macdonald. der früher einmal 140 Freunde im Parlament hatte, ist verstummt. Es heißt zwar, es habe im Kabinett ein gewaltiges Ringen zwischen Lloyd George und den Whigs stattgefunden, die jetzt die liberale Partei Großbritanniens wieder vollständig beherrschen. Es wurden sogar Gerüchte laut, der Schatzkanzler wolle demissionieren. Diese Geschichten sind aber wohl nur in die Welt gesetzt worden, um den Rückzug der Radikalen zu decken. Man will den unter der Last der Rüstungen seufzenden liberalen Arbeitern und Kleinbürgern den Trost geben, sie hätten noch wackere Kämpen im Kabinett, die schließlich alles zum Besten wenden würden. Man nennt auch die Rede und die Vorschläge Churchills ein Kompromiß zwischen den beiden Flügeln der liberalen Partei. Wenn das ein Kompromiß ist, wie würde dann erst eine Niederlage der Radikalen ausgesehen haben? Die Wahrheit ist, daß die radikalen Elemente der liberalen Partei einen ernstlichen Kampf gegen die Whigs aufgegeben haben. Die Leute unter ihnen, die sich nicht beruhigen lassen wollen, werden mit„Tatsachen" totgemacht. Es war sicher kein bloßer Zufall, daß bei den Flottenmanövern letzte Woche die wesentlich schwächere„feindliche Flotte" einen bedeutenden Erfolg erzielte und die Möglichkeit einer Landung großer Truppenkörper an der Ostküste demonstnerte. Würde diese Landung wohl geglückt sein, wenn dieser„feindliche Erfolg" nicht so vorzüglich in die Propaganda der patriotischen Lärm- macher gepaßt hätte? Die Rede Churchills hat die Drohung der am Horizont der internationalen Politik lagernden schwarzen Wolken nur akzentuiert. Fürchterlich und unerträglich wird der Alpdruck der Rüstungen. Herr B a l f 0 u r ist der Ansicht, daß die Kriegsgefahr bei den bestehenden Defensivbündniffen und Ententen immer geringer wird, weil keine einzelne Macht es wagen würde, eine Mächtegruppe anzugreifen, und daß sich kein Staatsmann finden wird, der die flircht- bare Verantwortlichkeit eines Weltkrieges, auf sich nehmen würde. Man wünschte, man könnte diesem Propheten glauben. Die englischen Linksliberalen hoffen noch immer, daß es gelingen wird, die deutsch-engliscke Rivalität, die der Angelpunkt der internationalen Politik ist, in friedliche, harm- lose Bahnen zu lenken. Die Lebensinteressen beider Völker fordern diese Lösung der bestehenden unerträglichen Spannung. Und doch hieß es sich selbst betrügen, wollte man die Schwierig- keiten, die dieser Lösung im Wege stehen, verkennen. Die Reaktionäre Großbritanniens brauchen die„deutsche Gefahr" ebenso notwendig, wie die Reaktionäre Deutschlands die „englische Gefahr" brauchen. Und die englischen Libe- ralen sind in international«»� Fragen den Reattionären zuzurechnen. Man beobachte nur, wie die Whigs er- schrecken, sobald die Jingos ihr Jndianergeheul anstimmen, wie sie vor den Hnrrapatrioten meist ohne Schwertschlag kapitulieren. Sie wissen recht gut, daß die patriotische Phrase die einzige Karte ist, die die Konservativen mit sicherem Er- folge gegen sie ausspielen können. Das Charakteristische an der auswärtigen Politik der liberalen englischen Regierung ist daher, daß diese Politik von Liberalen gemacht und von Konservativen applaudiert wird. Die bürgerliche Oppositton gegen den Marinemoloch hat in England ganz versagt. Allein die organisierte Arbeiterschaft leistet ihm nunmehr als ernst zu nehmende geschlossene Körperschaft Widerstand. Genosse Macdonald erklärte im Parlament, daß die Arbeiterpartei gleich der deutschen Sozialdemokratte. die alle Ansprüche des Militarismus und des Marinismus zurückweise, gegen die zur Beratung stehende Forderung stimmen werde. In dieser prinzipiellen Ablehnung und Bekämpfung des Imperialismus liegt heute die einzige, aber auch die beste Gewähr für die Erhaltung des Friedens und die Ueberwindung der gespannten Beziehungen. Unsere Gegner mögen heute über die zum Frieden zwingende, unermüdlich organisierende und erziehende sozialistische Welt- bewegung lächeln. Wir können uns nur gratutieren, daß wir solche kluge Gegner haben und ihnen das Lächeln gönnen; denn, wer zuletzt lacht, lacht am besten. Eine zweite flottendebatte. London, 24. Juli. Unterhaus. Die Abstimmung übet den Flottennachtragsetat gab Anlaß zu einer allge- meinen Debatte über die Erklärungen des MarineminifterS Churchill vom 22. Juli. Neue Tatsachen wurden nicht vor- gebracht, aber Churchill setzte verschiedene Punkte auseinander, gegen die sich die Kritik gerichtet hatte. Der Unionist P r e t y- man erklärte, der Geist, in dem viele Mitglieder den Etat be- trachteten, wäre von dem Wunsche eingegeben, dem Beispiel deS deutschen Reichstages zu folgen und den Etat ohne Debatte an- lunehmen. Wenn sie auch sicher wären, daß die genügende Vor- orge getroffen wäre, so zweifle er persönlich doch daran, ob diese Sorsorge ausreichend sei. Es wäre klar, daß 33 englische gegen 2S deutsche Schiffe in voller Dienftbereitschaft nicht einen Sicher- heitsüberschutz von 60 Prozent darstellen. Churchill unter- brach hier und sagte: ES hat niemand behauptet, daß wir einen Sicherheitsüberschuß von 69 Prozent in voller Dienstbereitschaft haben sollen. Pretyman fragte darauf: Betrachtet die Admi- ralität 33 gegen 25 für einen genügenden Sicherheitsüberschuß? Churchill erwiderte: Allerdings. Wir werden für das Jahr 1914 eine genügend große Seemacht haben. Pretyman er- widprte, er betrachte den Sicherheitsüberschuß als zu klein. Churchill ergriff dann das Wort zu einer längeren Rede, in der er den kritischen Ausführungen entgegentrat. Er bekämpfte die Behauptung, daß England in naher Zukunft nur einen Sicher- heitsüberschuß von 4 Schiffen in der Nordsee haben werde. In Wirklichkeit habe England 33 Schlachtschiffe in voller Dienst» bereitschaft zu einer Zeit, wo Deutschland deren 26 habe, und England würde ein fünftes Schlachtschifsgeschwader von 8 Schiffen haben, die vollständig mit aktiven Mannschaften besetzt sein Wür- den, gegenüber 4 deutschen Reserveschiffen. England würde also 41 Schlachtschiffs haben, während Deutschland kns- gesamt 29 zur Verfügung ständen. Es sei ganz richtig, daß 8 von den 41 Schiffen in Gibraltar wären, aber diese wurden sich sehr häufig in den heimischen Gewässern aushalten, und es werde so eingerichtet werden, daß sie dann in der Heimat fein würden, wenn ihre Gegenwart erforderlich erscheinen könnte. Deshalb spreche ich auch, fuhr Churchill fort, von einem englischen Mini- mum und einem absoluten Maximum, das auf Seiten Deutschlands verfügbar sein könnte. Wir sind der Ansicht, daß dieser Sicher- heitsüberschuß vollständig ausreichend ist, wenn wir alles berück- sichtigen, das Durchschnittsmoment, das Auslesemoment und die Qualität der Geschwaderschiffe auf beiden Seiten. Hinsichtlich deS Baues der DreadnoughtS erwarte die Regierung, im letzten Viertel 1913 18 DreadnoughtS zur Verfügung zu haben, während Deutschland nur 13 haben würde. Im letzten Viertel 1914 würden England 24 und Deutschland 16 haben, und im letzten Viertel 1915 würden England 27 und Deutschland 17 haben. Von dieser Aufstellung schließe er die Kreuzer aus. Churchill beschäftigte sich weiter mit dem Argument, daß die Ucberführung von vier DreadnoughtS und Kreuzern in das Mittelländische Meer eine Verkürzung der heimischen Flotte um vier Schiffe in sich schließe. Mit dem 69 Prozent- Sicherheitsüberschuß wäre stets die Deckung eines ge« wissen Betrages der englischen überseeischen Verpflichtungen ve- absichtigt gewesen. Diese Verpflichtungen seien niemals genau bestimmt gewesen, eS sei vielmehr klar, daß in gewissen Fällen eine Verstärkung der Flotte eintreten müsse. In dem Augenblick, wo andere Machte in ihrer Stärke im Mittelmeer eine neue große Entwickelung oder eine sehr schnelle Entfaltung zeigen würden, sei die Notwendigkeit für England gegeben, seine Streitmacht im Mittelmeer, möglicherweise durch Ver- änderung ihrer Zusammensetzung und durch Schaffung eines Drcadnoughtgeschwaders zu verstärken.(Widerspruch und Beifall.) DaS könne notwendig werden, aber dieser Fall sei noch nicht eingetreten, und so werde es ganz leicht sein, dieser Lage auf verschiedene Weise Rechnung zu tragen. In Beantwortung deS Vorwurfs, daß die Admiralität nichts tue, um der veränderten Situation Rechnung zu tragen, führte Churchill aus, daß England in diesem Jahre 45 Millionen Pfund Sterling auf» wende und im nächsten Jahr noch mehr aufwenden werde. In diesem Jahre habe Deutschland zwei neue Schiffe auf Kiel gelegt, während England vier auf Kiel lege; im nächsten Jahre solle, wie berichtet werde, Deutschland ein Extraschiff auf Kiel zu legen beabsichtigen. England werde dann zwei Extra- schiffe bauen. Der Hauptgrundsatz des deutschen Flottengesetzes fei die Schaffung eines dritten Schlachtschiffgeschwaders, welches gegen Ende 1914 in Dienst gestellt sein werde; England werde dann bereits das neue Geschwader befitzen, das, soweit die lieber» dreadnoughts in Betracht kämen, in der ganzen Welt unerreicht dastehe. Wir sind Herren der Situation, und Panik oder Alarm ist unnötig.(Beifall auf den Bänken der Ministeriellen.) Chur- chill schloß: Es ist vollständig unser eigner Fehler, wenn wir nicht imstande sind, uns in der Zukunft die erforderlichen Sicherheüs» Überschüsse zu verschaffen. Wenn die Forderungen vom Hause angenommen werden, so werden wir die für unsere Zwecke aus- reichenden Sicherheitsüberschüsse im Jahre 1914 haben. Im Jahre 1915 werden wir nicht schlechter gestellt sein als 1914, und 1916 wird eine leichte Aufwärtsbewegung zu unseren Gunsten im Verhältnis der Schiffe stattfinden. Jetzt kann keine Entwicke- lung eintreten, die für das Jahr 1914 in Betracht kommt, und jeder neuen Entwickelung, die für 1915 und 1916 in Betracht kommen kann, kann wirksam entgegengetreten werden, sobald sie bekannt wird. In der Diskussion erweckte nur die Rede des Liberalen Sir Compton Richett großes Interesse, der ausführte, er stimme der Erklärung der Regierung nicht zu, daß England nicht •—»> O e st e r r e i ch würde Mitglieder des auf sie ausüben könnte, um eine Ablenkung von der Nordsee zu schaffen, möchte vielleicht zu stark sein. Die Verhältnisse seien derart, daß Eng- land eben mehr tun müsse, als eS tue, und cS müsse den Tatsachen zuvorkommen, denen eS wahrscheinlich im Herbst oder im nächsten Jahre gegenüberstehen werde. Deutschland habe England eine Herausforderung geschickt und England müsse sie entschlossen und bestimmt annehmen. Darauf wurde ein Antrag der Radikalen, den Kostenanschlag für Neubauten herabzusetzen, mit 281 gegen 32 Stimmen abge- lehnt und der Kostenanschlag bewilligt. Die Reichsverteidigung. London, 25. Juli. Unterhaus. Premierminister AS- q u i t h gab bei der Beratung des Etats des Reichsverteidigungsausschusses einen Ueberblick über die Tätigkeit dieses Ausschusses, der in vier ständig tagende Unterausschüsse zerfalle. Der erste sei der Ausschuß für Verteidigung der heimischen Häfen, der zweit« befasse sich mit den überseeischen Angelegenheiten, der dritte, dem er die größte Bedeutung zumesse, habe sich mit den Kriegsangelegenheiten zu befassen und bereits ein Buch aus- gearbeitet, das jedem Departement für den Fall eines Krieges seine Tätigkeit und den Bereich seiner Verantwortung zuweise; der vierte Ausschuß beschästige sich mit der Militär, und Marine- luftschiffahrt. A S q u i t h betonte, daß der ReichSverteidigungs» a u S s ch u tz nicht in die Verantwortung des Kabinetts hinsichtlich der Politik eingreife, und fuhr fort: Obwohl der Ausschuß nicht die Politik bestimmt, wird er doch in seinen Entschließungen not- wendig geleitet durch die Rücksichtnahme auf unsere intcrnationa- len Beziehungen. In dieser Hinsicht hat sich, seitdem wir zur Regierung gelangten, kein irgendwie gearteter Wechsel in der Politik vollzogen. Ich erkläre daS mit dem größten Nachdruck. Unsere internationalen Beziehungen werden jetzt ebenso wie für grätzten Teil 8 er letzteii zehn Jahre nach vollkommen abgegrenzten und bestimmten Richtlinien geleitet. Sie sind während dieser ganzen Zeit weder nach rechts noch links abgewichen. Welches sind diese Richtlinien? Wir Pflegen mit wachsender Herzlichkeit auf beiden Seiten unsere internationalen Freund- schaften. Sie haben die Prüfung der Zeit, und zwar sowohl die Prüfung schlechten wie guten Wetters bestanden, und ich stehe nicht an zu behaupten, daß viele Fragen, die, wenn sie vor zehn oder fünfzehn Jahren aufgetaucht wären, die Ursache von Reibungen, möglicherweise von Mißstimmungen und noch schlimmeren Dingen abgegeben hätten, glatt einer gegenseitigen gütlichen Verständigung gewichen sind und ohne Trübung auf der einen oder anderen Seite beigelegt worden sind. Aber denken sie an das, was mitunter von denen vergessen wird, die unsere auswärtige Politik kritisieren. Diejenigen Mächte, die mit uns in besonderen Freundschafts- bezichungen gestanden haben und glücklicherweise noch stehen, sind die Mächte, mit denen wir in verschiedenen Teilen der Welt in enge und intime Berührung gebracht sind, mit unendlichen Mög- lichkeiten, wie die Vergangenheit gezeigt hat, nicht nur von Reibung, sondern auch von Gereiztheit und Feindseligkeit, wenn unsere Beziehungen eben nicht die wären, die sie sind. Zwischen UNS und jenen Großmächten, mit denen wir ständig in enge Be- ziehung gebracht werden, ist die Geschichte der letzten acht Jahre, wie ich mit Befriedigung feststelle? eine Geschichte des Wechsel- seitigen Verstehens, des Freiseins von Reibungen und der wach- senden Herzlichkeit und Loyalität. Wenn ich sage,„die Mächte, die glücklicherweise mit uns in diesen intimen Beziehungen stehen", so erkläre ich zugleich, wie ich schon mehr als einmal getan habe, daß unsere Freundschaft mit ihnen in keiner Weise ausschließliche Freundschaften sind.(Beijall.) Ich sage es mit Ueberlegung, daß wir keinen Anlaß haben und, so viel ich weiß, keine Gelegenheit für einen Zwist mit irgendeinem Lande in irgendeinem Teile der Welt.(Beifall.) Wir blicken ohne geringsten Argwohn und Unzufriedenheit, im Gegenteil, mit Gleichmut und mehr als Gleichmut auf solche besonderen Unterredungen und Meinungs- austausche, wie sie z. B. zwischenRutzland und Deutsch. land stattgefunden haben. Unsere Beziehungen zu dem großen deutschen Reich sind in diesem Augenblick, wie ich mich freue sagen zu können, Beziehungen vollkomme- ner Freundschaft und vollkommenen guten Willens, und ich bin gewiß, daß sie wahrscheinlich so bleiben werden. Lord H a l d a n e machte im Anfang des Jahres in Berlin einen Besuch. Er trat in Unterredungen und MeinungSaus- tausche ein, die seither auf beiden Seiten im Geiste vollkomme- ner Offenheit und Freundschaft fortgesetzt worden sind, und ich freue mich sagen zu können, daß wir den Vorteil der Teilnahme dcZ ganz ausgezeichneten Diplomaten haben, den der Kaiser in dies Land gesandt hat.(Beifall.) Ich sage, unsere Freundschaften find in keinem Sinne ausschließliche Freundschaften, und das aus sehr guten. Gründen. DaS größte Interesse Großbritanniens ist der Friede der Welt. Wenn unglücklicherweise hier wie über- all sonst die Ausgaben für Rüstungen in beklagenswerter Weise wachsen, so gibt es keine Macht der Welt, die nicht ganz genau weiß, daß, soweit wir in Betracht kommen und soweit wir ge- zwangen werden, an diesen Ausgaben teilzunehmen, wir keinen agressiven Zweck verfolgen.(Beifall.) Wir begehren keinen Gebietszuwachs. Wir haben weder den Wunsch noch fühlen wir uns versucht, das Gebiet unserer Verantwortlichkeiten irgendwie zu erweitern. Diese Verantwortlichkeiten erstrecken sich über die ganze Welt. Wenn wir gezwungen find, die Fonds, die wir jetzt auf die Erhaltung insbesondere unseres Uebergewichts zur See der- wende», anderen ergiebigen vorteilhafteren Zwecken zu entziehen, so wird diese Ausgabe von uns einfach als eine notwendige Versicherung der enormen inneren und äußeren * Interessen angesehen, deren getreue, wachsame Hüter Regierung und Parlament sind und sein müssen.(Beifall.)j Nzhlvorbmitimgen io Aiirttemberg. Das Wahlabkommen, das die Volksparteiler und die National- liberalen in Württemberg für die bevorstehenden Landtags« wählen getroffen haben, ist in der liberalen Presse als eine Ruhmestat gepriesen worden, die beweise, daß der liberale Geoanke in Württemberg sesteingewurzelt sei und auch in der Zukunft daS Schwabenland beherrschen werde. Man kann eS begreifen, wenn gewandte Zeitungsschreiber aus der Not eine Tugend machen und einen Akt, der ein greifbar deutliches Zeichen der Angst und Schwäche ist, als einen Beweis überschäumender Kraft und Prinzipientreue darzustellen sich bemühen. Nur steht der wenig günstige Ruf, in den sich die schwäbischen Demokraten mit den Jahren gebracht haben, und der»och viel schlechtere, in dem die National- liberalen vom Schlage des„Schwäbischen Merkur" stehen, derartigen Schönfärbereien einigermaßen hinderlich im Wege. Wenn der eine der beiden Bundesgenossen nur mit großen Opfern und vieler Mühe davon zurückgehalten werden kann, den Anschluß rechts zu nehmen, und wenn er trotz aller Opfer bereits mit einem halben Fuß im schwarz- blauen Lager steht, dann sind die überspannten Redens- arten von der„Ausbreitung und Befestigung des Gedankens der liberalen Genieiiibürgschaft", wie sie z. B. auch in der„Frankfurter Zeitung" zu lesen waren, doch ziemlich gewagt. Es bleibt nämlich dabei, daß die Nationalliberalen sich durch die liberale Gemeinbürgschaft nicht abhalten lassen, im Bezirk Leonberg gegen die Volkspartei und für den konservativen Bündler «inzutreten, wosür sie sich die ihnen von der Volkspartei überlassene Kandidatur in Besigheim durch die Bündler unterstützen lassen. Auch der Kampf, den die Nationalliberalen in Tühingen-Land— wahr- scheinlich mit bündlerischer Hilfe— gegen die Volkspartei eröffnet haben, stört die Gemeinbürgschaft nicht. Den Protestkundgebungen, die vereinzelt von Volksparteilern, die sich in der neuen Lage noch nicht zurechtfinden können, erlassen werden, schenkt die Parteileitung kein Gehör. Während der Abg. Haußmann, der volksparteiliche Führer bei den Verhandlungen, behauptete, die Vertrauensmänner der einzelnen Bezirke seien zu Rate gezogen worden, meldet sich jetzt ein Bezirk nach dem anderen und erklärt, die Vertrauensleute wüßten von nichts. Aus Maulbronn kommt die öffentliche Anfrage, warum dieser Bezirk der nationalliberalen Partei zugeteilt sei, „welche im Bezirk faktisch gar nicht existiert". Diese unbequemen Kritiker werden indessen bald zur Ruhe gebracht sein. In Reutlingen-Land, von wo zuerst mit einer Protest- kandidatur gegen die Nationalliberalen, die vertragsmäßig hier den Kandidaten stellen, gedroht wurde, haben die volksparteilichen Helden . schon eingelenkt» obgleich der Nachbarbezirk Tübingen-Land ist, wo die Nationalliberalen gegen die Volkspartei vorgehen. Die innere Zerfahrenheit beider liberalen Parteien tritt mit aller Schärfe bei der Auswahl der Kandidaten zutage. Bisher schon befand sich in den Reihen der Volkspartei so mancher Kämpe, der selbst nicht recht weiß, wie er in diese Partei geraten ist. Wenn irgendwo ein volksparteiliches Mandat gefährdet tvar, so fragten sich die Parteiführer nicht, wo ist ein überzeugungstreuer, be.ählgter gortschrittler?, sondern: wo ist eine einflußreiche BezirkSgröße mit möglichst großer Verwandtschaft? Sie gerieten aus diese Weise des öfteren an Männer, denen tags zuvor dieselbe Kandidatur vom Bunde der Landwirte oder von den Naiionalliberalcn angetragen worden war, und die schließlich derjenigen Partei sich zur Ver- fügung stellten, unter deren Flagge sie am sichersten zu der Ehre des Bezirksabgeordneten zu kommen hoffien. So geht's auch jetzt wieder. Unter den neuen Kandidaten ist so mancher, der sich nie Gedanken gemacht hat über Wesen und Unterschiede der politischen Parteien und der erst am Tage seiner Aufstellung seine Partei wählt. Je weniger der Kandidat politisch sich festgelegt hat, um so mehr wird er aus anderen bürgerlichen Lagern gute Freunde an- ziehen— so rechnet man. Wohin aber dieses Verfahren dann im Parlament führt, daS konnten die Leiter der Volkspartei im letzten Landtage erfahren, als bei verschiedenen Gelegenheiten aus den Kreisen der„fortschrittlichen" Volkspartei wahrhaft hinterwäldlerische Anschauungen entwickelt und— wie beim Schularztgesetz— die Bündler an sozialpolitischem Verständnismangel von manchem Volks- parteiler übertroffen wurden. Auch jetzt wieder sucht man nicht nach erprobten Parteimitgliedern, sondern nach„beliebten" Männern. Herrn v. Payer, der endgültig aus dem Landtag ausscheidet, soll ein Fabrikant Groß ersetzen, der nie der Volkspartei angehört hat, im Falle seiner Wahl der Fraktion als Gast beitreten will und sich vorbehält, später Vollmitglied zu werden. Ein Zeichen, daß die �Gemeinbürgschaft" selbst in der Stadt Reutlingen sich vor der Sozialdemokratie nicht mehr sicher fühlt I Denn der Mann soll mit der Erklärung:„Ich gehöre keiner Partei an," unschlüssige Wähler angeln. In früheren Jahren antwortete die volksparteiliche Agi- tation auf die Erklärung: Ich gehöre keiner Partei an:„Dann gehörst du auch nicht in den Landtag." Aber das war damals I In der Stadt Ludwigsburg hat die Volkspartei den konservativ gerichteten Oberbürgermeister Dr. Hartenstein auf den Schild erhoben, der mit ihr genau so wenig geistig gemeinsam hat wie mit der Sozialdemo- kratie. In Schondors präsentiert sie den ReichStagsabg. Gnnßer, dessen Parteizugehörigkeit datiert vom Tage seiner Erwählung zum Reichstagskandidaten. Bei den Nationalliberalen entscheiden zum Teil dieselben Gesichtspunkte bei der Kandidatcnauswahl. In Göppingen erkoren sie den Oberbürgermeister Dr. Keck. Als Keck vor wenigen Jahren sich um die Stadtvorstandsstelle bewarb, zwangen ihn die Nationalliberalen zu der Erklärung, daß er sid� nicht um ein parlamentarisches Mandat bewerben werde; jetzt wurde Keck auf Antrag derselben Nationalliberalen von seinem den Gemeindewählern gegebenen Versprechen ent- Kunden l Vor einem Jahre war Keck volksparteilicher Kandidat bei der Stuttgarter Stadtvorstandswahl, die Nationalliberalen lehnten ihn ab! Der schon genannte Dr. Hartenstein war vor einem Jahr nicht nur den Volksparteilern, sondern selbst den Na- tionalliberalen zu wenig fortschrittlich. Jetzt ist er„fortschrittlicher" Kandidat I In anderen Bezirken präsentieren die Nationalliberalen Kandidaten, für die sie zugleich die bündlerischen Wähler gewinnen wollen. Der frühere Abgeordnete, jetzige RcgierungSdirektor v. Hieber will die Kandidatur in seinem alten Bezirk Welzheim nicht früher annehmen, bis die Bündler seine Unterstützung versprechen. Diese aber machen noch mürrische Gesichter, stellen vereinzelt sogar den Nationalliberalen Drohkandidatcn gegenüber, die zum Teil den Zweck haben, die Nationalliberalen im zweiten Wahlgang zu den weitgehendsten Konzessionen zu zwingen. DaS Zentrum sucht mit Silbenstecherei den Schein zu erwecket, al» ob eS ohne jede Verbindung mit den bündlerischen Konservativen in den Kamps einträte. Es stellt aber zugleich fest, daß ei, abgesehen von seinen sicheren Bezirken, fast überall sofort für die Konservativen eintrete, selbst da. wo seine Stimmenzahl viel stärker sei als die der Konservativen, wo aber die Aussicht auf einen Zentrumssieg fehle. Nur in einem Bezirk wird den Konservativen ein Zentrumskandidat gegenübergestellt werden, in Neckarsulm. Im ganzen machen die bisherigen Vorbereitungen den Eindruck kleinlicher Mandatangst und Mandatsschachers. Für unsere Partei- genossen, die neben den bisherigen Abgeordneten, alte tüchtige, in der Agitation erprobte Vertreter unserer Sache aufftellen, bietet sich die beste Gelegenheit, nach allen Richtungen kräftig auszuholen und den großen Unterschied zwischen sozialdemokratischer und bürgerlicher Wahlagitation den Wählern zum Bewußtsein zu bringen. .DeMiiieg. Die türkischen Wirren. Wie vorauszusehen war, fängt das neue Kabinett, ehe es vollständig gebildet ist, an, wieder auseinanderzufallen. Der Marineminister Mukhtar Pascha soll schon»vieder zurückgetreten sein. Dabei vertiefen sich die inneren Gegensätze immer mehr. Das jungtürkische Komitee känipft gegen die konservativen Parteien und das neue Ministerium, die politischen Offiziere werden von den angeblich unpolitischen Offizieren auf das erbittertste befehdet, und die Albanerhäuptlinge, mutig gemacht durch das zurzeit in Konstantinopel gezeigte Entgegenkommen, erheben mit umso größerem Nachdruck ihre nationalen For- derungen. Und das Zolles geht vor sich in Kriegszeiten. Wenn die militärische und politische Situation für Italien nicht so verzwickt wäre, könnte es sich die Selbstzerfleischung der Türkei sehr zunutze machen. Die Borgänge im neuen Ministerium. Wie», 24. Juli. Nach einer Meldung der„Neuen Freien Presse" ist Mukhtar Pascha zurückgetreten. Zu seinem Nach- folger wird wahrscheinlich ein Marineoffizier ernannt werden. Die heulige Komiteesitzung verlief stürmisch. Konstantinopel, 24. Juli. Der heute abgehaltene M i n i st e r- r a t beschäftigte sich ausschließlich mit den Vorgängen in Albanien. Es wurde endgültig die Entsendung einer Mission nach Albanien beschlossen. Derselben gehören folgende Mbanier an: Der frühere Wali von Saloniki, Senator Reschid Lkif Pascha, der frühere Gouverneur von Taschlidscha, Daniel Anieh Bey und General Suleiman Pascha. Auch der Deputierte von Durazzo, Essad Pascha. wird sich der Mission, die morgen die Reise antreten wird, an- schließen. An Stelle Fazil Paschas ist der Kommandant des ersten Korps Zeki Pascha zum Kommandanten der Truppe in Albanien ernannt worden. Kampf zwischen Parlament und Offiziersliga. Konstantin»pel, 2S. Juli. In der Kammer teilte der Präsident mit. daß ein Offizier gestern abend in seinem Hause einen von der Offiziersliga unterzeichneten Brief hinterlassen habe, in welchem die Schließung der Kammer binnen 4S Stunden verlangt werde. Der Präsident erklärte unter anhaltendem be- geisterten Beifall der Abgeordneten, er werde seine patriotische Pflicht tun. Der Text des Briefes, dei von der Offiziersliga an den Präsi- deuten der Kammer gerichtet wurde, lautet: „Nach so vielen schlechten Taten, die Ihr im Komitee sowie in der Kamnier begangen habt, hat unsere Liga von Euren Schritten und Intrigen erfahren, die Ihr beim Sultan unternommen habt. Diese Taten verdienen die schwersten Strafen, aber da wir uns nicht mit schmutzigem Blut beflecken wollen, so halten wir eZ für notwendig. Euch zu benachrichtigen, daß Ihr beweisen müßt, daß Ihr nicht aufhalten, sondern erleichtern wollt die Er- füllung des dringendsten Wunsches der Nation und der Armee, näm- lich die Auslösung der Kammer oder vielmehr des Klubs, dieses Theaterklubs. Wenn Ihr nicht in 48 Stunden so handelt, so benach- richtigen wir Euch, daß wir unsere patriotische Pflicht vollständig er- füllen werden." Die Verlesung des Ultimatums der Militärliga rief eine stürmische Debatte hervor. Der Vorsitzende der jung- türkischen Partei erklärte: Die Kanimer wird bis zum letzten Atemzuge bleiben, denn sie ist der wahre Träger der öffentlichen Meinung und gehorcht nur ihrem Gewissen. Wir weisen den Ver« gleich mit einem Theater zurück. Der im Namen der Liga abgesandte Brief berührt nicht die ganze Armee. In dem Augenblick, wo der Feind vor die Tore der Stadt kommt, sollte die Armee ihre Waffen gegen den Feind, der von außen kommt, und nicht gegen die Abgeordneten gebrauchen. Omer N a d j i rief in lebhafter Erregung aus: Die Kammer fürchtet den Tod nicht. Bis jetzt hat noch kein türkischer Offizier die Feigheit begange», einen anonymen Brief abzuschicken.(Bravo I) Wir werden siegen oder sterben. (Frenetischer Beifall. Rufe: Wir werden alle sterben.) Mehrere Abgeordnete verlangten, daß der Kriegsministcr sofort erscheine. Die Armenier Haladjian, Vartakech und Zohrab sprachen von den Offizieren der Liga als von Verbrechern und elenden Feiglingen, die nicht die Ehre der ganzen Armee beschmutzen könnten. Schließlich nahm die Kammer eine Resolution an. in der sie den Groß- wesir und den Kriegsminister auffordert, sofort zu erscheinen und Erklärungen abzugeben, und erklärte sich dann in Permanenz. Konstantinopel, 25. Juli. Wie verlautet, wünscht die Osfiziersliga die Einberufung einer konstituierenden Versammlung, die«ine Revision der Verfassung vornehmen soll. Dieser Gedanke wird von„Dem Gazetta" lebhaft unterstützt. Konstantinopel, 25. Juli. Die in der vorletzten Nacht erfolgte Absetzung des Generaldirektors der Polizei sowie der Polizeikommissare kam überraschend. Eine Gruppe von Offi- ziere» drang plötzlich in das Gebäude der Generaldirektion der Polizei ein und teilte dem Generaldirektor den Beschluß dcS Ministerrates mit. Die Offiziere konnten alle Papiere mit Beschlag belegen. Das gesamte Personal der Hafcnpolizei ist abgesetzt worden. Politische deberlickt. Berlin, den 25. Juli 1912. Krieg im Frieden. Aus Kiel wird uns geschrieben: Die Torpedobootsaffäre in der Ostsee hat noch immer keine amtliche Aufklärung gefunden. Die Marineverwaltung schweigt sich — wie so oft in solchen Fällen— aus. Nach allem, was bis jetzt über die Katastrophe bekannt geworden, ist eine amtliche Darstellung des Unglücksfalles durchaus notwendig, damit festgestellt werden kann, ob die verantwortlichen Stellen bei dem Nachtmanöver alle notwendigen und möglichen Vorsichtsmaßregeln getroffen hatten. Der Unfall ereignete sich nach de» Mitteilungen, die der Presse zugegangen sind, in der Ostsee auf der Höhe von Swine- münde während eines Torpedobootsangriffes auf die auf der Fahrt nach Mcmel befindliche Hochseeflottille. Die angegriffenen Linienschiffe und die angreifenden Torpedoboote fuhren mit abgeblendeten Lichtern. Das Torpedoboot„l)on dieser Zunahme entfallen auf die männlichen Mitglieder 1235 und auf die weiblichen 397. Insgesamt zählt die Organisation jetzt 7116 Mitglieder(5722 Genossen und 1394 GS- nossinnen). Im Vorjahre waren es 5484 Mitglieder(4487 männ- liche und 997 weibliche). An Mitglicderbeiträgen wurden 32 179,70 Mar! vereinnahmt. Der Verein erhebt von männlichen Mitgliedern 50, von weiblichen Mitgliedern 30 Pf. Beitrag pro Monat. 4»« » Der Sozialdemokratische Berein Braunschwrig beschloß am Mittwoch zum Organisationsstatut der Partei, sowohl eine Erhöhung der Beiträge, als auch den Porschlag, die Reichstagsfraktion zu einem Drittel an den Parteitagen teilnehmen zu lassen, abzu- lehnen. Eine Abordnung von 1b Fraktionsmitgliedern wurde für ausreichend gehalten. Der vorgesehene Ausschuß für die Partei Großstadtbewohner einen Schritt außer Hause, so winkt ihm die Reklame in tausendfacher Form und Gestalt als Gewerbesymbol, als Ladenschild, als Plakatbild von allen Wänden bis hinauf unterS Dach und noch höher. Reklamen sind die modernen Schminken und SchönheilSpflästerchen auf dem Antlitz der Großstadtstraße- Daher mag es kommen, daß nun die« unzählige Male verunstaltete Gesicht heute grinst wie eine chinesische TheatermaSke, morgen verführerisch lächelt wie eine gelüstige Tänzerin. Ihren Lockungen vermag niemand zu entrinnen; denn ihrer Reizmittel sind Legion, und ihre Opiate wirken noch sinnbcrückcnder wie Haschischrausch. Ohne Reklame kein Handel und Wandel, kein ersprießlicher GeschäftSumtrieb— und kein illusionistisches Lebensgenießen. Freilich �„umsonst" gibt es nichts in diesem kapitalistischen Reich der Reklame. Sie weiß das sehr wohl, die Zauberin; aber sie versteht auch vielsagend zu schweigen, wenn sie mit der Ziffern- mäßigen GeschäftSnota uns zugleich neue Blendbilder verlockend vor Augen hält. Ja. sie tritt wohl gar in letzter Stunde an unser Sterbebett, um als Fee Morgana himmlisch lächelnd hinzudeuten— auf ein.Sargmagazin dicht neben dem Standesamt". Sind die Protozoen wirklich Urtiere? Ein Hauptsatz der Deszendenztheorie läßt die Organismen aus niederen Formen sich entwickeln und unterscheidet„höhere" Tiere von„niederen", und Metazoen, aus Zellkomplexen bestehend, von einzelligen Protozoen. Der Differenzierung zwischen hoch und niedrig liegt eine allzu menschliche Anschauung zugrunde: Der Mensch ist das höchste Ent- Wickelungsprodukt, wnS ihm mehr ähnelt, wird ein höherer, was ganz anders konstituiert ist, ein niederer Organismus genannt. Nun ist aber, was seinen Bau anbetrifft, der Mensch keines- wegS in allen seinen Teilen daS höchst entwickelte Wesen. Nur in wenigen Punkten erweist sich der Körper deS Menschen weitergebildet als der des Affen, z. B. in der Hand, in anderen ist er viel primi- tiver als diese, so im Gebiß. Zu dem gleichen Resultat kommt man bei der Vergleichnng verschiedener Tierformen untereinander. Also verläuft die„Entivickelung von der Amöbe zum Menschen" nichts weniger � als gradlinig. Auch die am Anfang der Reihe stehenden einzelligen Individuen, die P r 0 t i st e n der Protozoen, sind, wie Dr. B. Franz erst kürzlich in der„Naturwissen- schaftlichen Wochenschrift" darlegte, keineswegs so einfach organisierte Individuen, daß man sie mit einer Zelle deS TierkörperS. z. B. einer Leberzelle, vergleichen könne. Vielmehr sind sie außer« ordentlich komplex zusammengesetzt. Ihre Organe sind bloß nicht sichtbar differenziert. Man kann nicht von einer größeren Einfach« hert der Amöbe, die Scheinfüße ausstreckt oder Geißelbewegungen macht, sprechen, weil sie dies im Gegensatz zu anderen Tieren ohne Hilfe von Muskeln und Nerven ausführt.— Ebensowenig wie der Affe der Stammvater des Menschen, ebensowenig ist der Protist der Urzells, aus der sich alle anderen Organismen entwickelt haben, gleichzusetzen. Affe und Mensch haben vielmehr gemeinsame uns unbelannte Ahnen. Der Prolist ist schon so hoch entwickelt, daß er eine für ihn charaklerisiische vollkommene Organisation darstellt. Auch er hat noch eine weite EntwickelungSreihe von der Urzells durchmachen müssen. Mit solchen und ähnlichen Anschauungen, die heute unter Zoologen «nb Biologen sehr im Flusse sind, wird die Deszendenztheorie gewiß nicht geleugnet, sondern im Gegenteil vertieft. In den gesamten organischen Naturwissenschaften tritt überall an Stelle der anatomischen Betracbtung und der Folgerungen aus ihr eine höhere Bewertung der Funktion._ Notizen. — Ein Protest gegen die Zensur. Eine große Reih« von Künstlern bringt folgenden Protest in die Oeffcntlichkeit: „Gegen das Urteil des Bezirksausschusses, der das polizeiliche Verbot der Aufführung von Franz DülbergS„Koralle n- k e t t l i n" in gerechter Würdigung der sittlichen und künstlerische» Eigenschaften des Stückes aufgehoben hatte, hat der Polizeipräsident von Schöncberg Berufung zum Oberverwaltungsgericht eingelegt und so die Hoffnung des Verfassers, sein Werk endlich dem Urteil des Berliner Publikums unterbreiten zu können, wieder auf einige Monate hinaus vernichtet. Wir erheben Protest gegen diese un- ablässige Bekämpfung eines ernsten Kunstwerkes." — K i n 0- P l e i t e n. In den letzten Wochen haben wieder eine Reihe Kinematographentheater ihre Pforten schließen müssen. Soweit eS festzustellen war, gingen innerhalb ganz kurzer Zeit in Berlin 18 Kiuotheater ein. Bei den hohen Leihgebühren für die Films und den sonstigen Unkosten können viele Unternehmen eine stille Zeit nicht überstehen iind müssen eben schließen. Andere Kino- theater wieder setzen einfach vier Wochen aus. Wie groß die Kon- kurrenz bereits ist, wird dadurch erhellt, daß einzelne Kinos ihren Eintrittspreis bereits aus 1v Pf. herabgesetzt haben. Die kleinen Untemehmen werden von den Großbetrieben erdrückt. — Luftschiffahrtshoffnungen von 1844. Einen provhetischen Hinweis aus die Luftschiffahrt fand man jüngst beim Abbruch eines alten Geschäftshauses in Stuttgart. In einem Grund- stein lag eine HauSurkunde vom Jahre 1844, die auf den Eisenbahn« bau hinwies, der 1844 in Stuttgart begann,„wo man auf durch Dampfkrast getriebenen Wagen 6—10 Stunden in einer Stunde zurücklegen will". Daran anknüpfend, schließt die Urkunde mit dem prophetischen Satz:„Vielleicht ist eS bis zu der Zeit, in welcher diese Urkunde gesunden wird, so weit, daß man geregelte Luftreisen macht." — Ein byzantinischer Schatz von erstaunlichem Um- fang(schon das Goldgewicht beträgt 16,38 Kilo, das des Silbers l'/z mal so viel) wurde von zwei Bauernjungen im russischen Gou- vernement Poltalva gefunden. Es sind über bundert silberne und goldene Prunkgeräte, Waffe», Schmucksache». Die jüngsten Münzen gehören dem 7. Jahrhundert an, die ältesten Stücke dem fiinften und vierten Jahrhundert. Die Herknnft der Gefäße usw. ist teils byzantinisch, teils sassanidisch. Der Fimd, der so recht die urwüchsige Kapita lanhäufnng in Form eines Schatzes veranschaulicht, ist nach Petersburg geschafft worden, er soll der Saminlung der Eremitage einverleibt werden. Sein Wert wird aus eine Million Mark geschäht. KurSe cSehfatlS öBdele�n! unÜ bcschlosseff, Jü CftiftifSpR,?sn Parteivorstand um sieben ehrenamtliche Mitglieder zu vermehren. •» • sozialdemokratische Kreisorsanisation dcS 7. sächsischen RcichStagSwahlkreises, Meißen-GroßeNhain. hielt am vorigen Sonntag ihre Generalversammlung ab. Der Vorstandsbericht liest eine außerordentlich günstige EntWickelung erkennen. Die Mit- gliederzahl des Kreisvereins betrug zu Beginn des Jahres 5128, welche Zahl sich bis zum Jahresschluß auf 6413 erhöhte. Weibliche Mitglieder waren zu Anfang des Jahres 460 vorhanden. Diese Zahl hatte sich im Laufe des Jahres fast verdoppelt und betrug am 30. Juni dieses Jahres 891. Versammlungen haben 367 stattge- funden. Davon waren 294 Vereins- und 163 öffentliche Versamm- lungen. Von den letzteren entfielen 199 auf die Zeit des Reichs- tagswahlkampfes. Die Zahl der verbreiteten Flugblätter betrug 414 859, die der Broschüren 21 999 Exemplare, worunter 16 999 Agitotionskalender enthalten sind. Von der Gesamtzahl der ver- breiteten Druckschriften entfallen allein rund 275 999 auf die Zeit des Reichstagswahlkampfes. Auch die Zahl der in den Gemeinde- Parlamenten tätigen Genossen hat sich wiederum erhöht. Es waren am Schluß des Berichtsjahres insgesamt 134 sozialdemokratische Gemeindevertreter zu verzeichnen gegen 119 am Schlüsse des Vor- jahres. Diese verleilen sich auf 3 Städte und 63 Landgemeinden. Trotz des Reichstagswahlkampfes und verschiedener anderer wesent- ltcher Ausgaben hat sich der vorhandene Kassenbcstand im ganzen Kreise nur um 2385,53 M. gegen den des Vorjahres verringert. Die Gesamteinnahme inkl. des Kasienbestandes betrug 42 992,31 M. Die Ausgabe bezifferte sich auf 35 659,92 M., so daß ein Kassenbestand von 13 442,29 M. verblieb. Die Früchte der im verflossenen Geschäftsjahre entfalteten Tätigkeit zeigen sich vor allem in dem Ausfall der Reichstagswahl. Während wir im Jahre 1997 14 174 Stimmen auf unseren Kan- didaten vereinigten und in der Stichtvahl unterlagen, hatten wir diesmal 17 139 Stimmen erhalten und eroberten damit im ersten Wahlkampfe das Mandat. Ferner hat von der günstigen Entwicke- lung auch die Presse wesentliche Erfolge zu verzeichnen gehabt, die Zahl der Abonnenten ist erheblich gestiegen. Einen weiteren wichtigen Punkt der Tagesordnung bildete ein Referat des Genossen Richard Schmidt, des Vertreters des Kreises im Reichstage, über die Vorschläge der Reorganisations- kommission. Hierzu wurde von der Generalversammlung beschlossen, dem Parteitage in Chemnitz folgende Anträge zu unterbreiten: 1. Die 8§ 29, 21 und 22, die Errichtung des Parteiausschusses betreffend, zu streichen und hierfür die Zahl der unbesoldeten Bei- sitzer im Vorstände um 5 zu vermehren. 2. Die Rcichstagsfraktion durch eine Delegation von 5 Mit- gliedern auf dem Parteitage vertreten zu lassen. »• • Am Dienstagabend nahm die Parteiorganisation des Wahl- kreises Nürnberg-Altdorf in einer Versammlung Stellung zu den beiden Parteitagen. Das einleitende Referat hatte Genosse Gier- mann übernommen, der für den bayerischen Parteitag folgende Resolutionen und Anträge begründete: 1. Der bayerische Parteitag hält eine Beitragserhöhung, wie sie in dem Antrag des Parteivnrstandes an den deutschen Parteitag vorgesehen ist, für eine Gefährdung unserer Organisationen in den rein ländlichen Bezirken und als nicht geeignet zur Festigung der notwendigen Positionen auf dem platten Lande als Grund- läge künftiger Wahlerfolge. Er erwartet von den Delegierten des deutschen Parteitages, dajj sie an dem bisherigen Zustand, der die Festsetzung der Bei- trage den einzelnen Vereinen überläßt, festhalten. 2. Die Mitgliedschaft des Sozialdemokratischen Vereins Nürnberg-Altdorf hält eine Zurückstellung der Reform des bestehenden Gemcindewahlprogramms bis zur Erledigung der in der Resolution der zur Abänderung des Gemeindewahlprogramms eingesetzten Kommission erwähnten Gesetzesvorlagen als nicht zweckmäßig und erforderlich. Sie hält es vielmehr für dringend notwendig, daß bis spätestens Frühjahr 1914 die ausgearbeitete Vorlage den Mit- gliedschaften unterbreitet wird, damit eine eingehende Besprechung und Beratung derselben erfolgen und auf dem nächsten bayerischen Parteitag endgültige Beschlüsse gefaßt werden können. Das neue Gemcindewahlprogramm muß als Grundlage der nächsten bayerischen Gemeindewahlbewegungen dienen. 3. Der bayerische Parteitag wolle beschließen:»Doppel- kandidaturen für Reichstag und Landtag sind in Zukunft unzu- lässig." Für den deutschen Parteitag begründete Giermann folgende Anträge: 1. Die in der Vorlage zur Aenderung des OrganisationS- ftatutS in Z 5 aufgenommene Bestimmung: „»Der Mindestbeitrag beträgt für männliche Mitglieder s monatlich 49 Pf. oder wöchentlich 19 Pf. und für weibliche Mitglieder monatlich 29 Pf. oder wöchentlich 5 Pf." ist zu streichen und die Festsetzung der Beitragshöhe den einzelnen Bezirksverbänden und Landesorganisationen wie bisher zu über- lassen. 2. Der deutsche Parteitag wolle beschließen: Der Beschluß des Nürnberger Parteitages lAntrag 99) betreffend die Abliefe- rung des Tagesverdienstes für alle Genossen, die ohne Verdienst- entgang den 1. Mai durch Arbeitsruhe feiern können, ist aufzu- heben. Eine Diskussion wurde nicht beliebt. Mit Ausnahme des letzten Antrages wurden alle Anträge gegen eine oder zwei Stimmen an- genommen. Der letzte Antrag, dem noch folgende Begründung beigegeben War, wurde abgelehnt: „Die Nürnberger Parteigenossen stehen nach wie bor auf dem Standpunkt, daß die würdigste Feier des 1. Mai die Ar- beitsruhe sit. Da der Nürnberger Beschluß(Antrag 99) Anlaß zu fortgesetzten Differenzen innerhalb der Partei gibt und damit zu einer Schädigung ver Maifeieridee führt, beantragen die Nürnberger Genossen die Aufhebung dieses Beschlusses. Ein Antrag Fiebig, den Leipziger Beschlutz gegen den Branntweingenutz zu erneuern und der Presse die Aufnahme der Schnaps- und Likörinserate zu untersagen, fand, nachdem Genosse Rössing gegen den zweiten Teil gesprochen hatte, in seinem ersten Teil Annahme; der zweite Teil wurde mit starker Majorität abgelehnt. Als Delegierte für den deutschen Parteitag wurden ge- wählt: Karl Giermann. Konrad Dorn, Wilhelm Herzberg, Martin Treu, Max Süßheim, Helene Grünberg. »• Der koziaidemokratiiche Berein Stuttgart' eröffcntlicht soeben seinen Jahresbericht für das Geschäftsjahr 1911/12. Die Mit- gliedrzahl stieg im verflossenen Jahr bsn 6833 auf 9157, das ist um 2324 gleich 34 Proz. Die Zahl der weiblichen Mitglieder ist 712. Die Beitragslcistung erhöhte sich von 28 236 M. im Jkchre 1919/11 auf 38 393 M. nn letztverflossenen Geschäftsjahr. Von diesen regulären Einnahmen hat der Stuttgarter Verein mehr als die Hälfte, 19 699 M., an den Parteivorstand, die Landes- und Kreiskasse abgeführt. Ihm bleiben vom 19-Pf.-Wochenbeitrag nur 4� Pf. Einkassier- und sonstige Kosten schmälern auch noch diesen Betrag. Dabei hat der Verein jedes Jahr heftige Wahrkämpfe durchzufechten; der vorjährige Gemeindewahlkampf verursachte eine Ausgabe von 4699 M. Bisweilen folgen mehrere Wahlen nachein- ander. Die Folge der Knappheit der Mittel bei aller Opferwillig- keit der Genossen ist, daß wichtige Aufgaben nicht in Angriff ge- ' nommen werden können. So ist bis jetzt noch nicht möglich ge- wesen. der aufstrebenden Jugendorganisation zur Schaffung des dringend notwendigen Jugendheims finanzielle Beihilfe zu leisten. Die Gesamtausgaben des Stuttgarter Vereins erhöhten sich im letzten Geschäftsjahr von 36 382 M. auf 52 913 M. Bemerkt sei noch, daß die Zahl der politisch Organisierten 34 Proz. der sozial- demokratischen Reichstagswähler beträgt.. Das Bcrsammlungsleben war äußerst rege: die Bezirke der- gnpolteten 135 Versammlungen, die Gesamtpartei 13 allgemeine Mikgliedek- und 17 große öffentliche VersaMmlungön, die zütsteist außerordentlich stark besucht waren. Der Broschürenabsatz steigerte sich von 7394 im vorhergehenden Jahre auf 15 436 im letzten Jahre. Dazu kommen 26 999 Broschüren, die bei den Gemeinde- und Reichs- tagswahlen unentgeltlich verbreitet wurden. Größere Flugblätter wurden 695 999 verteilt. Ein Sozialdemokrat zum Senator gewählt. Die Stadtverord- netenversammlung in Waltershausen(Gotha) wählte am Dienstag abend den Genossen W. Stapf mit 6 gegen 4 Stimmen zum Senator an Stelle des langjährig tätigen Senators Bardärf. Stapf soll in der nächsten öffentlichen Sitzung verpflichtet werden- — Weiter nahm einen günstigen Ausgang für unsere Partei die Gemeindevertreterwahl in Ichtershausen. Von 149 abge- gebenen Stimmen entfielen auf unsere Liste 85 bis 96, auf die der Gegner nur 45 bis 55 Stimmen. In dieser gothaischen Gemeinde gibt es nun 8 sozialdemokratische und zwei bürgerliche Gemeinde- Vertreter,- Jugendbewegung. Ein Massenausflug der Berliner Arbeiterjugend. Man schreibt uns: Im März d. I. lud der Jungdeutschlandbund in Berlin alle »auf nationalem Boden" stehenden Jugend- und Jünglingsvereine zur Teilnahme an einem»großen Kriegsspiel" in Döberitz ein. Es sollte zugleich eine Art Kundgebung der nationalen Jugend- bewegung werden. Den Teilnehmern wurden verschiedene Per- günstigungen versprochen. Nach dem Spiel sollten sie mit Maggi- suppen kostenlos„gestärkt" werden; das Fahrgeld, das sonst 1,59 M. beträgt, wurde ihnen auf 59 Pf. ermäßigt. Und der Erfolg? Trotz eifrigster Agitation der nationalen Jugendvereine und einiger Fortbildungsschullehrer und trotz der in Aussicht ge- stellten Vergünstigungen beteiligten sich knapp 2999 Jugendliche an der Veranstaltung. Die bürgerliche Presse« berichtete zwar von 4999 Teilnehmern. Aber die überwiegende Masse dieser natio- nalen Kundgebung bildeten Schüler, die noch nicht 14 Lenze zählten. Selbst Kerlchen von 8 Jahren halfen hier, den Feind in die Flucht zu schlagen. Dieses Fiaskos des bürgerlichen Jugendfanges erinnerten wir uns, als wir am letzten Sonntag die bei Charlottenburg an der Havel gelegene reizende Halbinsel Pichelswerder betraten. Wir er- blickten da ein munteres Völklein, das fast über die �anze Halb- insel verstreut, ihre jungen Glieder im lustig-freien Spiel kräftigte. Es war die Berliner Arbeiterjugend, die sich stolz zur proleta- rischen Jugendbewegung bekennt, ungeachter der Verfolgungen, die sie dadurch zu erleiden hat. Keine Maggisuppen wurden ihr ge- reicht. Auch keine Fahrpreisermäßigung ist ihr gewährt worden. Und doch war sie in Scharen(und zwar zu Fuß, wohl um der ungerechten Eisenbahnverwaltung ein Schnippchen zu schlagen) herbeigeeilt zum gemeinsamen fröhlichen Spiele. Mehr als 3999 junge Arbeiter und Arbeiterinnen wurden gezählt. Zu ihnen ge- sellten sich in den Nachmittagsstunden etwa 1999 erwachsene Arbeiter mit ihren Familien. Es war ein buntes Treiben, das sich hier entwickelte. Auch dem griesgrämigen Miesepeter mußte beim Anblick dieses fröhlichen jungen Völkleins das Herz im Leibe hüpfen. Als die Sonne sich neigte, formierten sich die Spielenden zu kleinen Gruppen, die sich wiederum zu einer imposanten Ver- sammlung vereinigten. Fast jede Gruppe trug eine Fahne oder ein Banner an der Spitze, auf denen mit jugendlichen Händen die Namen der Gruppen gestickt worden waren. Diese Namen ver- rieten einen köstlichen Humor, der der Arbeiterjugend innewohnt. Da nannte sich eine Gruppe: Jagows Lieblinge, eine andere be- zeichnete sich als: Bund der Aufgelösten. Andere Jugendliche ließen durch ihr Schild den Ruf verkünden: Hurra, wir leben noch! Aehnliche originelle Namen hatten sich noch mehrere der vielen Gruppen beigelegt. Genosse Max Gr unWald, der an dem Massenausflug teil- genommen, hielt eine zündende Ansprache an die in so großer Stärke versammelte Junamannschaft des Proletariats. Er er- mahnte sie, sich zu rüsten für den bevorstehenden Lebenskampf. Der innere Geist ver Solidarität müsse sich stärker erweisen, als die äußeren Ketten einer Organisation, die die Behörden den Jugend- lichcn geraubt haben. Daß des Redners eindringliche Worte auf fruchtbaren Boden gefallen waren, bewies der stürmische Beifall, den er erntete. Damit hatte der Ausflug sein offizielles Ende erreicht. In kleineren Trupps, wie sie angekommen waren, wanderten die jungen Arbeiter und Arbeiterinnen ihren Heimen zu. Ein besonderes Lob gebührt der aufopfernden Tätigkeit der 59 Ar- beiterfamariter, die in etwa 69 Fällen, darunter einige Ohnmacht?- anfülle und Verletzungen, Hilfe leisteten. Ihrem schnellen Ein- greifen war es zu danken, daß alle Verunglücktem bald auf dem Posten sein konnten. 8o2iaie9. Die Unfallgefahrcn in der Holzindustrie. Die Ausstellung von Abbildungen verstümmelter Hände und sonstiger Objekte zur Demonstrierung der Unfallgefahren in der Holzindustrie, die vier Wochen lang im Gewerkschastshause zu, sehen war, hat am 21. Juli ihre Pßorten geschlossen. Sie hat viel Be- achtung gefunden, und man darf sagen, daß sie ihren Zweck, weitere Kreise mit den Gefahren bekannt zu machen, die den Arbeiter an den Holzbearbeitungsmaschinen bedrohen, erfüllt hat. ES wäre zu wünschen, daß das diesem Gegenstand entgegengebrachte Interesse anhält. Denn nur so darf man hoffen, daß die Forderungen, welche die Maschinenarbeiter an die Gewerbeinspektion, an die Berufs- genossenfchafteni und an die Gesetzgebung zur Verminderung der Unfallgefahr stellen, der Erfüllung näher gebracht werden. Eine der wichtigsten Unfallursachen, wenn auch nicht die einzige, ist die Gleichgültigkeit der Unternehmer gegen die den Arbeitern drohenden Gefahren. Aus unangebrachter Sparsamkeit wird oft versäumt, die notwendigsten Schutzvorrichtungen an den Maschinen anzuschaffen. Mit dieser Tatsache rechnet auch die Gesetzgebung, denn die Tätigkeit der Gewerbeaufiichtsbeamten und der technischen Aufsichtsbeamten der Berufsgenossenschaften ist ja zu einem guten Teil darauf gerichtet, derartige Verfehlungen gegen die Anforde- rungen eines rationellen Unfallschutzes festzustellen und für Ab- Hilfe zu sorgen. Dabei soll keineswegs verschwiegen werden, daß auch manche Unfälle durch die Gleichgültigkeit der betre-ffcnen Ar- beiter verursacht werden, die entweder nicht energisch auf die Be- schaffung der erforderlichen Schutzvorrichtungen drängen oder gar vorhandene Schutzvorrichtungen nicht benutzen. Inwieweit die Nichtbenutzung von Schutzvorrichtungen auf den direkten oder indirekten Wunsch der Unternehmer erfolgt, soll hier nicht unter- sucht werden. Soviel steht aber fest, daß jedem Unternehmer, der auf eine Verminderung der Unfallgefahren bedacht ist. auch die Mittel zur Verfügung stehe», die Benutzung der Schutzvorrichtungen durch die Arbeiter nötigenfalls zu erzwingen. In dieser Beziehung macht sich der Einfluß der Organisation sehr wesentlich bemerkbar. Das wird von einsichtigen Aufsichtsorganen auch rückhaltlos aner- kannt. In den Berichten der Gewerbeinspektoren wird des öfteren konstatiert, daß der Deutsche Holzarbeiterverband sich energisch be- müht, die Arbeiter zur Benutzung ixt Schutzvorrichtungen anzuhalten. Die Veranstaltung der erwähnten Ausstellung, die als Wanderausstellung gedacht ist, also auch in anderen Städten gezeigt werden wird, ist wohl als vollgültiger Beweis für das ernste Streben des Deutschen Holzarbeiterverhandes auf diesem Zehiet zu befrachten. GS gibk aSiB SM S«u!ch Sellen ka5 SttÄMtNAlk Set Aus. stellung nicht gefallen hat. Zu ihnen gehören die Männer von der Berliner Tifchlerinnung, die sich in ihrer letzten Ouartalsversamm- lung sehr darüber entrüstet haben. Besonders hat es sie gewurmt, daß das„Berliner Tageblatt" in einer Besprechung'der Ausstellern g die Hauptschuld an den Unfällen den Unternehmern beimißt, die „aus Gründen der Sparsamkeit" lange nicht alle existierenden Schutzvorrichtungen an ihren Maschinen anbringen. Der Aerger der Unternehmer kommt in einem Artikel zum Ausdruck, den die „Fachzeitung" der Tischlermeister und Holzindustriellen Deutsch. lands abgedruckt hat. Durch den Artikel soll bewiesen werden, daß die Unternehmer von jeher ihr möglichstes getan haben, die'dem Betriebe anhaftenden Gefahren zu mildern, und daß im Grunde die Unfallgefahren an den Holzbearbeitungsmaschinen gar nicht so groß sind, wie es von den Arbeitern hingestellt wird. Diesem Versuch gegenüber,'die Unternehmer weiß zw waschen, weist die„Holzarbeiter-Zeitung" an der Hand des letzten Jahres- berichts der Norddeutschen Holzberufsgenossenschaft nach, daß diese Berufsgenossenschaft von den 45 623 ihr unterstehenden Betrieben nur 5892 oder 12,7 Proz. revidiert hat. Von den revidierten Be- trieben gaben nicht weniger als 2444 oder 42,12 Proz. zu Bean- standnngen Anlaß. Man sollte es kaum glauben, was für Selbst- Verständlichkeiten erst angeordnet werden mußten. So mußte die Anbringung oder Aenderung deS Spaltkeils an Kreissägen in 593 Fällen angeordnet werden. 584 Anordnungen betrafen, die untere, 453 die obere Sägeblattverkleidung. Bei Bandsägen mußte in 659 Fällen die Verkleidung des Sägeblatts und der Sägescheiben gefordert werden; in 822 Fällen fehlten die erforderlichen Schutz- Vorrichtungen an Tischfräsen. Seit Jahren, wird immer dringender nicht nur von den Arbeitern, sondern auch von den Gewerbeinspek- toren und den Berufsgenossenschaften, die Beseitigung der Bierkant- welle an den Hobelmaschinen verlangt. Durch die runde Welle wird die Gefährlichkeit dieser Maschine, die so viele verstümmelte Hände verschuldet hat, ganz bedeutend herabgemindert. Die Beamten der Norddeutschen Holzberufsgenossenschaft haben, obwohl sie nur 12,7 Proz. der Betriebe revidierten, in nicht weniger als 1115 Fällen die Rundgestaltung der Messerwelle verlangen müssen. Insgesamt haben sie 8818 Anordnungen getroffen. Da gehört doch eine dreiste Stirn dazu, angesichts solcher Ziffern behaupten zu wollen, daß die Unternehmer von jeher alles getan hätten, um die Gefahren herabzumindern!, Richtig ist, daß an der Hand ver Zahlen der Berufsgenosscn» schaft der Rückgang der vnfallhäufigkeit konstatiert werden kann. Die Unternehmer haben aber durchaus keine Veranlassung, die ein» getretene Besserung als besonderes Verdienst für sich in Anspruch zu nehmen. Die vielen von den Auffichtsbeamten konstatierten Mängel würden eher berechtigen, zu sagen, daß die Unfallhäufig. keit sich vermindert hat trotz des Widerstandes, den viele Unter- nehmer den Bestrebungen zur Verminderung der Unfallgefahren entgegensetzen. Auf der anderen Seite lassen aber auch die von der Berussgenosscnschaft veröffentlichten Zahlen erkennen, welche Fortschritte die Rentcnquetscherei in den letzten Jahren gemacht hat. Im Jahre 1997 wurden noch 23,94 Proz. der gemeldeten Unfälle entschädigt; im Jahre 1998 waren es nur noch 22,93 Proz., 1999 gingen die entschädigten Unfälle auf 21,22 Proz. und 1919 auf 29,94 Proz. der gemeldeten zurück. Die Berufsgenosscnschaft und die Unternehmer, welche deren Verwaltung in Händen, haben, werden allerdings behaupten, aus den Zahlen ergebe sich, daß die Unfälle immer weniger schwer Werdm Tie aus anderen Quellen hinreichend bekannte Rücksichtslosigkeit der Berufsgenossenschasten gegen die Unfallverletzten läßt aber die wahren Ursachen des Rückganges der Zahl der entschädigten Unfälle unschwer erkennen� Dem Verteidiger der Unternehmer gefällt eS nicht, daß die Arbeit an den Holzbearbeitungsmaschinen als die gefährlichste hin- gestellt wird. Seien doch von den bei den vier Berufsgenossenschasten der Holzindustrie versicherten Arbeitern im Jahre 1919 nur 45,44 pro Tausend verletzt worden, während 24 andere Berufsgenossen- schaften höhere Unfallziffern aufweisen. Das mag stimmen. Bei der Beurteilung der Unfallziffern in der Holzindustrie muß aber berücksichtigt werden, daß die Masse der versicherten Arbeiter in verhältnismäßig geringem Maße gefährdet ist; die eigentlich Ge- fährdetcn sind hauptsächlich die Maschinrnarbeiter, die aber nur einen kleinen Bruchteil der Holzarbeiter umfassen. Zur Beurteilung des Unfallrisikos der Maschinenarbeiter liegen keine anderen Zahlen vor. als die Ergebnisse einer Erhebung, welche die Berliner Maschinenarbeiter im Jahre 1905 ausgenommen haben. In diesem Jahre kamen auf 1999 Beschäftigte nicht weniger als 572,4 Ber» letzte! Das berechtigt wohl, von den Maschinenarbeitern in jd» Holzindustrie als dem gefährdetsten Beruf zu sprechen. Die„Holzarbeiter-Zeitung" weist, übrigens darauf hin. daß der Kampf gegen die Unfallgefahren ein Gebiet ist, auf welchem die Unternehmer und Arbeiter, unbeschadet ihrer sonstigen Gegensätze, Hand in Hand arbeiten können. Bei der Südwestdeutschen Holz- berufsgenossenschaft hat man das erkannt, und die verhältnismäßig niedrige Unfallziffer(35,99 pro Tausend gegen 39,26 bei der Säch. fischen, 46,92 bei der Norddeutschen und 53,14 bei der Bayerischen Holzberufsgenossenschaft), die dort erzielt wurde, dürfte auf dieses verständige Hand-in-Hand-Arbeiten zurüc�uführen sein. Dieses Verhalten ist jedenfalls vernünftiger, als der Versuch, die Aus» stellung zu verdächtigen, die doch das ernste Streben des Deutschen HolzarbeiterverHandeS erkennen läßt, den Unfallgefahren entgegen, zuwirken._ § 63 H.G.B. folgende Zuschrift geht uns zu: In der Nummer vom 21. d. M. Ihrer Zeitung bringen Sie einen Artikel mit der Ueberschrift„§ 63 des H.G.B.". Bezug. nehmend auf den betreffenden Paragraphen des PreßgesetzeZ ersuche ich um Aufnahme folgender Berichtigung: 1. Ich bin kein Händler, sondern ein handelsgerichtlich ein, getragener Kaufmann. 2. Das Objekt ist nicht 90 M., sondern 459 M. 3. Der Hinterlegung ist stattgegeben worden, weil Be. rufung möglich ist und auch eingelegt worden ist. Termin ist am 2. Oktober. 4. Das Berufungsgericht wird zu entscheiden haben, ob jemand,'der mit Lungentuberkulose behaftet ist und im Engage- mentsvertrage erklärt, daß sie vollkommen gesund sei. überhaupt rechtsgültig engagiert ist. Hochachtungsvoll Alfred Baum, Inhaber der Firma Herm. Baum Sohn, Beisitzer deS Kaufmannsgcrichts zu Berlin. Die Ansicht deS Einsenders, ein handelsgerichtlich eingetrage- ner Kaufmann sei kein Bijouteriewarenhändter, wird wohl niemand teilen. Den Bericht nahmen wir auf, weil aus ihm her» vorgeht, daß in dem Baumschen Handelsgeschäft die dem Gehilfen im§ 63 H.B.G. gewährleistete Gehaltszahlung auf die Dauer von 6 Wochen im Krankheitsfall ausgeschlossen ist. Eue Industrie und bandet SchnkzoAiauimcr. Daß eine Handelskammer, die. wie die Dortmunder, im Herzen der Großindustrie domiziliert, genötigt ist, Jammertöne über den Schntzzollsegen auszustoßen, ist jedenfalls sehr beachtenswert. Und fct Ihrem Tchhn Bericht muh die Kammer, obwohl die arohen Stadl. werke dre Väter der Schutzzollpolitik sind, sehr lebhaft lanieutieren. Mau liest da u. a.: „Wie im Vorjahre, so möchten wir auch heute hervorheben, dah itmrch die enorm hohen Zölle nach Oesterreich-IIi,k,arn sowohl als auch«ach Ruhland die Lieferungen unserer Maschinenfabriken nach diesen Landern, wohin früher in erheblichen Mengen unsere Spezialitaten, als Apparate für Kohlenaufbereitungs- und Brikettierungsanlagen, Luflkompressoren und Ventilatoren stir Berg- werke, exportiert wurden, als fast ausgeschlossen zu bezeichnen sind. Es hat vielmehr den An- schein, als ob durch diese hohen Zölle die bisher in dieien Landern zurückgebliebenen Spezialfabriken neuerdinqs einen größeren Teil des Bedarfes dieser Länder selbst herstellen. Auch die Geschäfte nach Frankreich sind durch den französischen Zoll, wenn auch nicht in demselben Maße wie in den anderen Landern, sehr erschwert... Dieses wichtige Absatzgebiet wird den deutschen Werkzcugmaschincnfabriken anscheinend durch die enorme Höhe des Zolles mit der Zeit vollkommen ge- nommen w erden. Denn inimer mehr tritt das Bestreben auf. die früher fast ausschließlich aus Deutschland bezogenen Werkzeugmaschinen in Rußland selbst herzustellen.. . hohen Zollmauern gegen die Einfuhr der Fertigerzeugnisse ««lerer Verarbeitungsindustrie errichtete das Ausland als Amwort auf die deutsche Hochschutzzöllnerei. Man weiß daher, an welche Adresse die Klagen zu richten sind. » a®et auch eine treffliche Charakteristik der in der vor- letzten Woche auf dem Verbandstage der christlichen Metallarbeiter ™ mr v1!ui«e rundeten Schutzzollbegeisterung. Eine Leuchte der � o>. Schule, Dr. Beusch, lobte den Schutzzoll Über den «chellendaus~ und ein Handelskammersekretär muß besten ruinöse Wirkung lär die Maschinenindustrie in seinem offiziellen Bericht fest- stellen I Da merkt man erst, in welch schändlicher Weise die christ- licheiz Arbeiter von ihren Gewerkschaftsführern vor den großkapita- tilufchen Karren gespannt werden sollen. Verteidiger der Hochschutz- zollpolitik sind nur Großindustrielle und Großgrundbesitzer. Weil r � Zentrum politisch mit diesen Jnteressentengruppen versippt ist, itzllen die Arbeiter für deren Plünderpolitik begeistert werden. Thyssen in der Zementindustrie. Juterestante Vorgänge, die in die kapitalistische Wirtschaftsweise recht trefflich hineinleuchten, spielen sich auf dem Zementmarkte ab. Thyssen beabsichtigte, auf einem Gut in Rüversdorf eine Zement- fo.brik zu erbauen. Das paßte den in der Berliner Zementzentrale vereinigten Werken nicht in den Kram. Man befürchtete. Thyssen werde die Preise drücken. Was aber tun? Man bot ihm eine Eist- schädigung in der Höhe von 6 400000 Mark für das Rüders- dorfer Unternehmen. Das ist mehr als wie das Doppelte des Wertes der noch nicht erbauten Fabrik I Thyssen lehnte das Angebot ab. Er verspricht sich also noch viel höhere Gewinne, wenn er produziert und den Preiskampf gegen die Berliner Werke ausnimmt. Jetzt ist ihm von der Zentrale für die Dauer von 'ehn Jahren eine jährliche EntschädigungS- umme angeboten worden! Ueber die Höhe derselben wird noch verhandelt. Jedenfalls ist Thyssen in der angenehmen Lage, Rleseniuinmen einstreichen zu dürfen, wenn er nicht produziert. Zum besseren Verständnis des Vorganges sei noch folgendes hervorgehoben. Früher errafften die Zementwerke durch eine un- finnige Preispolitik große, ganz enorme Profite. Diese reizten zu immer neuen Anlagen und begünstigten das Aufkommen von Außen- seitern. Es gab wütende Preiskämpfe. Trotzdem und obwohl die Lieferungsfähigkeil der Werke nur zur Hälfte ausgenutzt werden konnte, erzielten die meisten Werke immer noch ganz anständige Ueberschiisse. Aber man ist an die fetten Jahre gewöhnt und die sollen iviederkehren. Nach langen Verhandlungen war eS gelungen, den Ring der Produzenten in den einzelnen Bezirken so gut zu schließen, daß man die Preise allgemein wieder tüchtig nach oben dirigieren konnte. Da erscheint plötzlich Thyssen auf dem Markte. Eine Millionen- abfindung soll die störende Konkurrenz verhindern. Selbstverständlich aber müssen die Konsumenten den Spaß bezahlen. Ein anderer Konflikt auS denselben Ursachen entstand in Ober- schlesien. Die dortigen Montanwerke planten den Bau eine? eigenen Zementwerkes, um dadurch die Preistreibereien des Zcmentsyndikates für sich unwirksam zu machen. Nun bat man den Montanwerken Vorzugspreise eingeräumt, die weit unter den Syndikatsätzcn stehen; dafür nnterbleibl die Anlage des neuen Werkes. Man kann also sehr wohl billiger liefern. Als Schutzwehr ihrer Preispolitik schreit die Zementindustrie jetzt auch nach einem hohen Zolll t Gerichts-Zeitung. Die Aufhebung de» Koalitionsrechtes durch einstweilige Gerichts- Verfügungen. In Elberfeld-Bnrmen befanden sich die Friseure in ei-ner Lohn- Bewegung zur Erringring besserer Arbeitsbedingungen. Um den Forderungen mehr Nachdruck zu. verleihen, trat die Organisation der Friseure mit der GewertschaftSkommisfion in Verbindung. Darauf hatten die Friseure ein Anrecht, weil sie dem Kartell an- geschlossen waren. Die Unterstützung des GewerkschastskartellS be- stand darin, daß der Gewerkschaftssekretär, Genosse Sauerbrey, die Vcrösfeistlichungen der bewilligenden Geschäfte und die sonstigen Publikationen mit unterzeichnete. Durch Verbreitung von Handzetteln, für die außerdem polizeiliche Erlaubnis m allen Fällen er- »virkt wurde, wurde die Ocffentlichkeit, insbesondere die männliche Bevölkerung, aufmerksam gemacht und um deren Unterstützung gc- beten. Der Kampf wurde auf diese Art recht wirkungsvoll gestaltet zum Verdruß der Unternehmer. Obwohl trotz aller Bemühungen des Scharfmachertums der Reichstag ein ZuchthauSgefetz ablehnte, so wandten sich die Unter- Tiehiiier im Vertrauen auf die bewährte preußiifch-deutsche Rechtsprechung an den Kadi, damit dieser das Streikpostenstehen und alles, was sonst zum wirtschaftlichen Kampf der Arbeiter gehört, verbiete. Die Freie Innung der Friseure hatte sich in ihrem Vor- trauen zur Justiz nicht getäuscht. Sic erwirkte vom Elbcrfclder Gericht eine einsrweilige Verfügung gegen fünf Friseurgchilfcir, den Gauleiter Kabclitz und den Gcwerkschaftssekretär Sauerbreh, laut welcher den erwähnten Personen bei Androhung einer Geldstrafe von 1500 M. für jeden Fall der Zuwiderhandlung verboten wurde, Streikposten zu stehen und die bewilligenden Geschäfte zu veröffent- lichcn. Gegen dies widerspruchsvolle Urteil wird natürlich Berufung spruch erhoben und geltend gemacht, daß es sich um einen erlaubten. nicht gegen die guten Sitten versioßendcn Boykott handle. Das Elberfelder Landgericht aber hat den Einspruch der klagenden Personen gegen die einstweilige Gerichtsverfügung vcr- worfen. In dem Urteil heißt es:„Wenn auch der Boykott nicht schlechthin ein gegen die guten Sitten verstoßendes unerlaubtes Kampfmittel ist, so muß es doch als gegen die guten Sitten ver- stoßend betrachtet werden, tvenu die Bohkottierung den Zweck hat, die gewerbliche Existenz des Gegners zu untergraben." Da sei aber lbier der Fall. Dies wird daraus geschlossen, daß Kunden erzählt haben, daß Scluvarzkvpf und andere Postcnsteher ihnen gesagt hätten, die Geschäfte feien boykottiert, da die Inhaber die Forde- rungcn der Gehilfen nicht anerkannt hätten. Ein solches Verhalten verstoß» gegen die guten Sitten. Auch die Veröffentlichung der Verzeichnisse derjenigen Friseurgeschäfte, welche die Forderung der Lohnkommission bewilligt haben, verstoße gegen die guten Sitten. Ggen dies widerspruchsvolle Urteil wird natürlich Berufung eingelegt werden. Das Reichsgericht hat freilich in einem Urteil ausgeführt, ein Boykott, der lediglich die Vernichtung der wirt- schaftlichcn Existenz des Gegners bezwecke, verstoße gegen die guten «Sitten. Hie" aber zeigen die eigenen Anführungen, des Urteils, büß nicht dieser Zweck, geschweige allein dieser Zweck, sondern die «ncrkennnng der Forderungen der Lohnkommission Zweck des Boy- Polls ist. Was hätte denn daS Streben nach Anerkennung dieser Forderung für einen Zweck, wenn auf Vernichtung des Geschrfts ' verantwortlicher Redakteur: Albert Wachs. Berlin. Für dt« das Ziel der Fordernden gerichtet wäre? Das Elberfelder Erkennk- nis ist mit dem Gesetz und der Rechtsprechung des Reichsgerichts unvereinbar. Ständig hat das Reichsgericht anerkannt, daß die Ver- hängung des Boykotts als Kampfmittel im Lohn- und Klassenkampf zulässig ist. Nur können die Maßnahmen, wie er durchgeführt wird, zum Beispiel durch Verbreitung unwahrer Behauptungen', etwas Unerlaubtes, Sittenwidriges sein. Daß eine wirffchaftliche Schädi- gung des Gegners eintritt, ist selbstverständliche, zulässige Folge eines Boykotts. Nur ein Boykott, der nicht die Anerkennung be- stimmter, an sich zulässiger Forderungen, sondern lediglich den Wirt- schaftlichen Ruin zum Ziel hat, verstößt als Boykott gegen die guten Sitten. Eine mißglückte Staatsaktion. Bis vor zirka zwei Jahren erhielten unsere in Fichtenau, Schöneiche und Klein-Schöncbeck wohnenden Leser den„Vorwärts" durch einen Privatspediteur zugestellt, welcher gleichzeitig auch bürgerliche Zeitungen vertrieb. Da hierzu oft Schulkinder ver- wendet wurden und die Zustellung auch sonst manches zu wünschen ließ, waren unsere Parteigenossen und Leser schon längere Zeit dar- Über einig, sobald es ging, den Anschluß an unsere Parteispedition durchzusetzen. Durch rege Agitation wurde dies ermöglicht. Die Parteispedition Friedrichshagen ließ unseren Abonnenten nun durch den Zeitungsausträger Schmidt den„Vorwärts" sowie die abon- nicrten Zeitschristen zustellen. Auf Wunsch der morgens nach Berlin fahrenden Abonnenten gibt Schmidt diesen ihre Lektüre am Bahnhof Rahnsdorf, während er den übrigen ihre Zeitungen usw. in die Wohnung trägt. Einen Zeitungsperkauf unterhielt Sch. nicht. Diese Tätigkeit wurde von ihm fast zwei Jahre unbehindert aus- geübt, bis eines Tages die Polizei— die bis heute anscheinend noch nicht die Berwendnng schulpflichtiger Kinder zum Zeitungsaus- tragen bemerkt hat— ein Haar darin fand. Schmidt sollte durch die Abgabe der Zeitungen ckn unsere Abonnenten am Bahnhof Rahnsdorf den Z 43 der Gewerbeordnung übertreten haben, der für gewerbsmäßiges Ausrufen, Verteilen, Verkaufen, Anheften und Anschlagen die Erlaubnis der Ortspolizeibehörde vorschreibe. Eine Anklage war die Falge. Das Schöffengericht zu Köpenick erkannte auf Freisprechung. Die Tätigkeit des Schmidt schien aber doch dem Staatsanwalt so ungeheuerlich zu sein, daß er Berufung einlegte. So stand denn der Sünder jetzt abermals vor dem Richter. Die 3. Ferienstrafkammer des Landgerichts II Berlin gab nach kurzer Beratung dem Antrage des Verteidigers, Rechtsanwalt Roth, in vollem Umst'nge statt. Sie erkannte aus Verwerfung der Berufung, sprach de» Angeklagten frei und legte der Staatskasse die Kosten so- wie die dem Angetlaqten erwachsenen Aufwendungen, einschließlich der Kosten der Verteidigung zur Last. Wenn Polizei und AnIIagebchörden auch nur halb so viel Auf- merksamkeit auf die Verstöße gegen das Kinderschutzgesetz richten würden als ans den ordnungsmäßigen Vertrieb des'„Vorwärts", so würde das den Kindern, aber auch den Behörden nicht schaden. Ein Landwirt als Streiksünder. Die Streikjustiz ist blind wie eine verirrte Kugel, die dort einschlägt, wo sie nicht treffen soll. Ein gutsituierter Landwirt aus dem Kreise Recklinghausrn, dazu ein strammer Zentrums- mann, war wegen Streikvergehcns vor der Bochumer Straf- kammer angeklagt. Er sollte die Frau eines Arbeitswilligen mit Feusterrftischlagcn bedroht und Hungerleider und Streikbrecher gerufen haben. Die Frau des Arbeitswilligen beschwor die Sache steif und fest. Der Angeklagte wäre geliefert gewesen, wenn er nicht durch drei Zeugen, die nicht im Geruch standen, mit den Berg- arbeitern zu sympathisieren, hätte beweisen können, daß er gar nicht' als■ Täter in Frage komme. Es erfolgte deshalb Frei. sprechung. Hätten einem Bergmann die Entlastungszeugen genätzt? Wir irinnern an die vor weniger Tagen vom Landgericht Duisburg erfolgte Verurteilung einer Bergmannsfrau zu einem Monat Gefängnis, wiewohl die Aussagen von fünf Zeugen für ihre Unschuld sprachen._ Heiratsschwindel. Eine Spekulation auf die Leichtgläubigkeit heiratslustiger Mädchen hat dem Maler Georg Engel eine Betrugsanklage ein- gebracht, die ihn gestern vor die 1. Ferienstraskammer des Land- gerichts II führte. Der Angeklagte, welcher in zweiter Ehe ver- heiratet ist, hat sich einige Zeit lang mit Erfolg als gewerbs- mäßiger Heiratsschwindler betätigt. Er verbüßt zurzeit eine ihm wegen Heiratsschwindels vom Landgericht III zudiktierte Gesang- nisstrafe von eiilem Jahre. Infolge der über diese Verhandlung veröffentlichten Gerichtsberichte meldeten sich noch drei andere Mädchen, die ebenfalls von dem Angeklagten beschwindelt worden waren. Wie auch schon in den früheren Fallen hatte der Angeklagte durch Heiratsannoncen und auch auf den Tanzböden die Bekannt- schaft von heiratslustigen Dienstmädchen und Verkäuferinnen zu machen gesucht, denen gegenüber er die Rolle des„ehrbaren Hand- werkcrs" spielte, der sich gern selbständig machen wollte. Er ver- schwieg den Mädchen, daß er längst verheiratet war und knüpfte mit ihnen ziemlich zu gleicher Zeit Liebesverhältnisse an. Wie in vielen derartigen Fällen ging den Mädchen, nachdem erst die Liebe bei ihnen eingezogen war, der Verstand durch. Die Folge war, daß es dem Angellogten sehr leicht gemacht wurde, den Mädchen das Geld abzunehmen.— Der Staatsanwalt beantragte mit Rück- ficht darauf, daß es sich offenbar um einen gewerbsmäßigen Heiratsschwindler handele, Jahre Zuchthaus. Das Gericht er- kannte nur auf eine Zusatzstrafe von 10 Monaten Gefängnis und S Jahren Ehrverlust._ Hus aller(gleit* Gruben-Katastrophe. Aus Uniontown(Pennsylvanien) wird gemeldet: In den drei Meilen von der Stadt entfernten Superba- Kohlenniincn sind 40 Bergleute von herein- brechenden Wassermassen überrascht worden. Es wird befürchtet, daß alle ertrunken sind. Die Flut stürzte vom Gebirge herab. Man glaubt, daß dort ein großes Wasserreservoir geborsten ist. � Ein schwerer Unfall hat sich im B o r i n a g e(Belgien) auf dem Schachte E r e b u s ereignet. Dort stürzte infolge Reißens der Haltescile ein Förderkorb mit sieben Bergleuten 150 Meter tief hinab. Drei der Un- glücklichen konnten zwar lebend geborgen werden, doch besteht keine Hoffnung, sie am Leben zu er- halten. Die anderen vier konnten nur als schrecklich ver- stiimmelte Leichen zu Tage gebracht werden. Zur Mordaffäre Rosenthal. Der Gang der Untersuchung in der Affäre Rosenthal wird nicht unwesentlich durch die in Freiheit befindlichen Mitglieder der Apachenbande, auf deren Konto die Bluttat zu setzen ist, er- schwert. Diese üben auf ihre in Haft befindlichen Genossen den schärf st en Druck aus, um ihre Aussagen zu beeinflussen. Gester» wurde der unter dem Spitznamen„Jobn, der Barbier" bekannte Apache John Reißner von dem Untersuchungsrichter ver- hört. Anfangs hatte er erklärt, daß der Apache Webber nach der Erschießung Rosenthals in größter Eile sich aus der Nähe des Metropolhotels enifcrnt habe. Als er gestern diese Aussage wieder- holen sollte, erblickte er im Zuhörerraum vier Mitglieder seiner Bande, die ihm durch Zeichen zu verstehen gaben. daß sein Leben verwirkt sei. wenn er seine Aussage wieder-- holen würde. Darauf schwieg Reißner und blieb auf alle Fragen des Staatsanwalts stumm. Seltsamerweise wurde keiner der vier Apachen verhaftet I Ueber« Haupt ist man in New Dork immer mehr der Ansicht, daß ans dem ganzen Prozeß nichts herauskommen wird, da die Mörder unter den einflußreichsten Kreisen zu mächtige Beschützer besitzen! Vadder, Vadder, de Unkel sttt np de Mudder. In einem Orte des SollinggebirgeS spielte sich dieser Tage lein recht heiteres Ereignis ab. Ein Viehhändler kam dorthin, um von einem Bauer einen größeren Betrag für geliefertes Vteh zu kassieren. Die Frau, die den Viehhändler zufällig kommen sah und der der Besuch nicht behagte, wollte schleunigst verschwinden, konnte aber die Stubentür nicht ungesehen erreichen. Sie schlupfte daher in eine nahe der Tür stehende große Lade, nachdem sie schnell ihren etwa fünfjährigen Jungen instruiert hatte, daß sie mcht zu Hause sei. Als der Viehhändler eintrat, �rief ihm schon der Junge entgegen:„Js keiner inne l"� Der Viehhändler war von der Hitze und dem weiten Wege sehr ermüdet, und da nun doch alles offenstand, setzte er sich, um ein wenig auszuruhen, auf dre Lade. Da stürmte der kleine Junge aufs höchste erschrocken auf den Hof und brüllte:„Vadder. Vadder. de Unkel sitt up de Mudder I Dem Vater kam die Sache nicht recht geheuer vor und er ging m das Haus, um nachzusehen, was denn geschehen sei Er fand den Händler ruhig auf der Lade sitzen und sprach zu ihm:„Mten Junge seggt. Du seitos up miene Fru l" Der Händler wußte sich vor Ver- legenheit kaum zu helfen, bis er sich schließlich erhob und den Deckel der Lade öffnete. Der Bauer und der Händler sollen recht verdutzte Gesichter gemacht haben, als nun dt« Frau ihrem unfreiwilligen Gefängnis entstieg. Erst herrschte natur- lich große Verlegenheit ans allen Seiten, bis der Händler das alles befreiende Lachen fand, in das dann alle Beteiligten herzhaft em- stimmten. Der Händler war über den Ausgang der für ihn erst so peinlichen Affäre so erfreut, daß er eine«Hannoversche lütge Lage anfahren ließ und die Zahlungsfrist unter allgemeiner Znstnnmung wunschgemäß bis nach der Ernte verlängerte. Kleine Notizen. Durch Brunnengase getötet. Bei dem Reinigen eine? Brunnen? in dem pommerschen Torfe Schwedt wurde ein Arbeiter, der in den Brunnen gestiegen war. durch Gase getötet; ein Knecht der ihm nachstieg, um ihn heraufzuholen, hatte daS gleiche Schicksal. Schließ» lich versuchte es der Brunnenbauer, der sich angeseilt herunterließ, doch auch er wurde betäubt emporgezogen. Mutter und Kind vom Eiseubahiizug getötet. Ein entsetzlichoS Unglück ereignete sich auf der Bahnstrecke Stolp-Neustettin, bei dem Bahiiwärterhaus 1. In Abwesenheit des Bahnwärters Kant versah die Frau den Wärterdicnst. Als die Frau sah, daß ihr 2'/z Jahr altes Kind auf den Gleisen spielte als der Zug heraniiahte, eilte sie dem Kinde zu, um es in Sicherheit zu bringen. Doch es war zu spät, der Zug brauste vorüber, Mutter und Kind Überfahrend und sie sofort tötend. Streckenarbeiter fanden die Leichen. Der Frau war der Kopf und ein Arm abgefahren, während daS Kind einen Schädelbruch erlitten hatte. Typhusepidcmie in einer Pariser Kaserne. Nach einer Meldung der„Libertü" sind in einer Kaserne der republikanischen Garde gegen 60 Soldaten schwer erkrankt. Man glaubte an- failgs, daß eS sich um eine Massenvergiftung handele, doch neigen jetzt die Aerzte zu der Ansicht, daß eine Typhus- epidemie vorliegt. Skandalaffäre» in einer amerikanischen Stadt. Der Einwohnerschaft der Stadt D j a w s o n im Staate Georgia hat sich große Entrüstung bemächtigt angesichts der unmenschlichen Behandlung, welche mehrere hochangesehene Bürger einem jungen Mädchen namens Bessie Carter angedeihen ließen. Bessie wurde in einem Gröben in der Nähe der Stadt halb tot aufgefunden. Sie erklärte, daß ihre Verlobung mit dem Sohn des Stadtsekrctärs Dozier bei dem Vater auf Widerstand gestoßen, sei, der sich entschieden einer Vereinigung der beiden jungen Leute mit allen Kräften widersetzte. Der Bater habe seinen Sohn eingesperrt und sie mit Hilfe einiger Freunde in einem Automobil außerhalb der Stadt gefahren, wo sie ihrer Kleider entledigt und von dem Vater des Geliebte» halb tot gepeitscht worden sei. Alsdann habe man sie in einen Graben geworfen, wo sie elendiglich umgekommen wäre, wenn sie nicht hilfs- bereite Menschen gerettet hätten. Wolkenbruchartige Regengüsse haben in West-Pennsyl- v a n i e n, in O st- O h i o und in West- Virginia ungeheuren Schaden angerichtet. Von allen Seiten wird die Zerstörung zahl- reicher Häuser, Brücken und Telegraphenleitungen, die Unterbrechung der Eiscnbahiiverbindungcn und die Vernichtung der Ernten ge- meldet. Viele Personen sind ertrunken, die Straßen sind mit Häusertrümmern verschüttet und zahlreiche Familien sind obdachlos. Erdbeben i» Peru. Ein Erdbeben von 40 Sekunden Dauer hat die Stadt Piura fast gänzlich zerstört. Mehrere Per« s o n e n sind getötet oder verletzt worden. Eingegangene vrucksckriften. Von der„Neuen Zeit« ist soeben da? 43. Heft de? 30. Jahrgang» erschienen. AuS dem Inhalt des Hefte« heben wir hervor: Der Partei- tag von Reggio Emilia. Von Oda Oiberg(Siom).— Massciialtion und Rcvolutton. Von Anton Pannctoek.(Schluß.)— Die sozialdcmolraftsche Fraktion in der dritten Duma. Von Georg Stiekloff.(Schluß.)— Die Eniwickclung des Arbeitsmartics im Jahre 1911. Von Paul Barchel.— Literarische Rundschau: Dr. Fritz Ernst. Landrichter in Essen. BerusSrichtcr und Voiksrichter in der Swasrechtspslcge. Von Siegfried Weinberg. A. M. Simons, Locial Forces in American History. Von K. K.— Zeitschristenschau.* Feuilleton der„Neuen Zeit" Nr. 33: Das Junge Deutschland. Von F. Mehring. Die Intellektuellen. Von Ernst Laken- bacher. Der Monislenbund. Von Fritz Eisner.— Biichcrschali: I. Belli, Die rote Feldpost unter dem Sozialistengesetz. Emil Roscnow, Gesammelte Dramen. Gustav Jnnson, Lügen. Edwart Richter, Meftic Erlebnisse in der Gcsangenschast am Olymp.— Lose Blätter: Die unterdrückte Mcinungs» sreiheit. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Blich« bandlungen, Poslanstalien und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Oiiartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Pf. Von der„Gleichheit«, Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen, ist uns soeben Nr. 21 des 22. Jahrgang« zugegangen. Die„Gleichheit' ericheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Ps., durch die Post bezogen beträgt der Abonnemcntsprei« vierteljährlich ohne Bestellgeld 35 Ps.; umcr Kreuzband 85 Ps. JahreSabonnemenl 2,60 M. Vom„Wahre» Jacob-- ist soeben die 16. Nummer des 29. Jahr« ganges 16 Seiten stark erschienen und enthält die Porträts der sozio- listischcn Kandidaten für die amerikanische Präsidentenwahl. Eugene V. DcbS und Emit Seidel, sowie serner die Porträts der beiden sozialiilischcn Dcpu- tierten im Nationalkongreß von Argentinien, Dr. Juan B. Justo und Dr. Alsredo L. Palacias. Der Preis der 16 Seiten starken Nummer ist 10 Ps. Probe- MlMincrn sind jederzeit durch den Verlag I. H. W. Dtetz Nachs. G. m. b. H. in Stuttgart sowie von allen Buchhandlungen und Kolporteuren zu bezichen. Einige Grundfragen der heutigen deutschen Politik und Wirt, schaftspolitik. Von Pros. Dr. C. Mollno. 2 M. I. Kuttentag, Berlin. Polkstvirtschaftlich-gcirllschaftliche Studien der General-Acker- bau-Direktion im Foinciito-Mtnisteriuin Mexiko. Deutsch von E. Pcust. 247 Seiten. Selbstverlag in Mexiko. Die Schizophrenie. Von Dr. H. C. Fchrlin. 166 Seiten. Selbst- Verlag in Schasshausen. Dätigkeitsbericht deS Tozialdemokratischen Vereins Stuttgart. Juli 1911 bis Juni 1912. 60 Seiten. H. Bullmer,-- Stuttgart. Friedrich Ehoptnö gesammelte Vriese. Von B. Scharlitt. 8 M., geb. 10 M.— Johannes Brnhnis. Von Florence May. Zwei Teile in einem Bande. 12 M., geb. 14 M. Breftkops u. Härtel, Leipzig. holen sollte, erviiaie er i m Zuyorerraum vrer wliigtieoer einem Banve. m oh., gco. n u,c. arciuop, u. ymict, Leipzig. Jnjeratenteil verantw.: Th.Gl»ckr. Berlin. Druck».Perlag: Vorwärt» Vuchdruckerei u. BertagSanstalt Paul Singer u.Eo., Berlin SW. A A.Wer4heim K O'. m. b. H. •i/jk Leipziger Str. König- Str. �BÄUta Rosenthaler Strasse Oranien. Strasse FleischWaren Harte Zervelatwurst 1.70 Salamiwurst.......... Pfund 1.30 Bauernmettwurst Knoblauch� iQO Teewurst............ Pfund 1.10 Landschinken �5�' V fi�pfund 1 25 Westf. Schinken Td™\n. p'SSd I SO Mausschinken 1 25 Rollschinken �.6.b.i'.8.�n.dÄ5 1.35 Schinkenspeck tT?�D.roh�i 115 keine s Halberstädter Würstchen DOM 4 Paar 75 Pf. Do«« 8 Paar 1.45 Speisen- Fabrikate gefärbt. Pudding- u. Gries-Puddingpulver 94 mit Tertohledenem Geschmack. 5 Pakete � Rote Grütze-Pulver 27„ 6 Pakete Ä• Pl- CrSme-Pulver FU�«W«t« 24 Pf. Eis-Pulver Ä'.°�'aİd°.°�- p»k.te 27 pt Kunst-Geleepulver mit Tenohied.9e Geschmack........... 2 Pakete kf- m' i«s*u• i-20. nv. v Saucenpulverm. vaniii« 9. v Ko.. 20 Geschmack 5 kleine Pakete Paket£{J"• Vanillin-Zucker Ä 24, Ä35 pt Bourbon- V anille Süt3.s:'T 40, 75 Pf., 1.15 ßiUiwtdmmiüd Soweit Vorhanden: �Zusendung ausgeschlossen. 'Fleisch Schmorfleisch.....?». 1.00 Rinderkamm...... pm- 80 p f. Brust und Fehlrippe ph. 85 pf. Pökelzunge....... pm. 1.25 Schulterblatt im Ganzen Pfd. 80 pr. Schweinebauch.. Pfund 75 Pf. Rückenfett u. Liesen pfd.70pf. Eisbein(Diokbpef�)d 50?u s pfd. 2.40 Kalbskeule im Ganzen.. Pfd. 1.00 Kalbskotelettes.... pm. 1.30 Kalbskamm u. Bug 70,�75 Pf Kalbsbrust 75,-Spitzepfd.90pf. Kassel. Rippespeer 95pf. b. 1.10 Rehkeulen.... 6.00 bis 9.00 Rehblätter.... 1.75 bis 2.50 Fische Kabeljau!".« 10p.. Seelachs Äü,0."; 8 p.. Schellfisch....... Pfund 15 pf. 'Brat-Schollen.... Pfund 12 pr. Rotzungen...... Pfund 15 pr. Tafellachs m ganz. Fisch., pfd. 40 pr Lebende Forellen. Pfund 2.00 Lebende Karpfen. pfund 83 pr. Lebende Aale pfd. 60, 95 pf, 1.15, 1.25 Leb. Krebse Mdi. 35 pr. bis 2.50 „ Edel-KrebseMdi.l.l5bis4.00 Solo-Krebse.. stück 40 50 pr Obst und* Gemüse Netzmelonen.........?fand 18 pt Pfirsiche............. phmd 45 pf. Zitronen...... Du. 30, 40, 60 pt .Johannisbeeren...... Pfund 26 pt sW'--veo r'Wjn Tomaten............ 2 Pfund 25 pl Einlege-Gurken....... hldi 33 pf. Weisskohl............. Kopf 5 pt Wirsingkohl........... Kopf 5 Pf, Rotkohl............... Kopf 6 pf. Schlangen-Gurken Stack 5, 7, 9 pt. ... Pfund 14 Pf,,.. ............ Pfund 7 Pf. Grüne Bohnen,«?:..... Pfund' 10 pt Blumenkohl....... Kopf 12, 15 pt. Schoten A.t. Mohrrüben Versand-Abteilungs Berlin W. 66, Leipziger Strasse 132-137 Die Firma A. 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Juli, abends pünktlich 8'/g Uhr: Biertelsversammlung süc das vierte Viertel bei Hoffmann, Möllen- dorffstraffe S3/S4. Strausberg. Sonnabend, den 27. Juli, abends 8Vz Uhr, im Lokal des Herrn Rose, Wriezener Tor: Mitgliederversammlung des Wahlvereins mit folgender Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mit- glieder. 2. Endgültige Beschlußfassung über das Sommerfest. 3. Regelung der ländlichen Agitation. 4. Wahl des Bildungsaus- schuffes. S. Vereinsangelegenheiten. Mühlenbeck(Bezirk Niederschönhausen). Sonntag, den 28. Juli, nachmittags 4 Uhr, im Lokal von Aug. Meyer(Buchhorst): V e r- sammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Berichte von den Generalversammlungen des Kreises und des Bezirks. 2. Bericht der Gemeindevertreter. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Bernau. Sonnabend, den 27. Juli, abends S1/« Uhr, findet bei Herrn Franz Salzmann, Basdorfer Straße, unsere Mitglieder- Versammlung mit besonders wichtiger Tagesordnung statt. _ Die Bezirksleitung. Berliner JVacbricbten. Familien können Kaffee kochen. Nichts Besseres weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen, als wenn sich nach einem schönen Spaziergang durch Wald und Flur die Familie in einem Gartenlokal um den Kaffee- tisch sammelt, aus dem in bauchiger Kanne der braune Trank dampft, den„Mutter" nach altem Brauch selbst bereitet hat. Da fühlt man sich beim Genuß der gewohnten Kaffeesorte, mag der Aufguß wegen der teuren Zeiten auch nur dünn sein, so recht heimisch und jedenfalls viel behaglicher, als tvenn man die dunkle Brühe schlürfen müßte, welche in den Wirts- hausküchcn als Kaffee hergerichtet wird. Die große Masse der Berliner Ausflügler hält fest an dem alten Brauch des Kaffeekochens, weil sie ihn aus berechtig- ten Gründen für einen guten Brauch hält. Die Gastwirte scheinen jedoch anders darüber zu denken.— Das Familien- kaffeekochen ist eine alte Berliner Volkssitte. Sie stammt aus einer Zeit, wo das Publikum in bezug auf Komfort in den Sommerlokalen gar keine Ansprüche stellte. Die Zeiten haben sich geändert. Etwas mehr wie vor Jahrzehnten tut heut jeder Gastwirt für die Ausstattung seines Lokals, selbst da, wo auf ein sogenanntes„besseres Publikum" nicht zu rechnen ist. Das wäre nun ganz schön und gut, wenn nicht die meisten Wirte von Sommerlokalen so unhöflich wären, einem ' großen Teil ihrer Gäste, nämlich den Kaffee, kochenden Familien mit aller Deutlichkeit zu zeigen, daß sie eigentlich nur noch geduldete Gäste sind.„Kaffeekochen an gedeckten Tischen ist nicht gestattet." So liest man es im krassesten Polizeistil auf Plakate in fast allen größeren Sommerlokalen. Was das Plakat sagt, ist zwar Unsinn, denn am Tische kocht niemand Kaffee. Aus dem gastwirtlichen Polizeistil in richtiges Deutsch übertragen muß eS heißen:„Es ist nicht ge- stattet, an gedeckten Tischen selbstgekochten Kaffee zu trinken." Ein höflicher Wirt würde schreiben:„Bitte, selbstgekochten Kaffee nicht an gedeckten Tischen zu trinken. Aber, welche Fassung man dieser Anordnung auch geben mag, in jedem Fall muß sie diejenigen, auf die sie sich bezieht, peinlich be- rühren. Wenn es sich nur um die Tischdecke handelt, möchte man es noch hingehen lassen. Die kann man in einem Garten- lokal allenfalls entbehren. Aber die gedeckten Tische stehen an bevorzugten Plätzen, die ungedeckten meist im Hinter- gründe des Gartens. So zieht der Wirt also eine scharfe Grenze zwischen seinen Gästen. Er scheidet sie in zwei Klassen und verletzt dadurch diejenigen, die er in die zweite Klasse � verweist. Warum wird eine solche Klassenscheidung gemacht? Ist das Geld, welches Kaffee kochende Familien im Wirtshause lassen, nicht ebensoviel wert wie das Geld anderer Gäste? Wenn das Familienkaffeekochen für die Gastwirte ein schlechtes Geschäft wäre, dann würden sie die Kaffeeküchen längst geschlossen haben. Es kann doch wirklich kein schlechtes Geschäft sein, wenn an einem Sonntagnachmittag in einem Lokal mehrere hundert Familien einkehren, von denen jede für einen Topf dünner Milch, der als„ein Liter" bezeichnet wird, meist aber nicht mehr als dreiviertel Liter enthält, nebst einer Kanne heißen Wassers und Benutzung einiger Tassen 80 Pf. bis 1 Mk. zahlt. Uebrigens bleibt es ja nicht bein? Kaffee. Es werden doch auch noch andere Getränke gekauft. Wie kommen also die Wirte dazu, diese Gäste als solche zweiter Klasse zu behandeln und ihnen im Polizeistil vorzuschreiben, was ihnen nicht gestattet ist. Das kann man doch wohl ver- langen, daß in einem Wirtshause kein Unterschied in der Behandlung der Gäste gemacht wird. Die Freunde des gemütlichen Kaffeekochens nach altem Brauch finden übrigens noch Lokale genug, wo sie nicht vom Wirt in die zweite Klasse verwiesen und vom Kellner schief angesehen werden. In solchen Lokalen fühle ich mich heimisch, weil ich als Gleicher unter Gleichen behandelt und durch keine Plakatvorschrift verletzt werde. Diejenigen Lokale aber, wo man die Gäste in Klassen scheidet, meide ich gern. Wenn alle Freunde des alten Brauches ebenso denken, dann werden die Wirte, welche auf die hübsche Einnahme aus dem Kaffeekochen nicht verzichten wollen, bald aufhören, die Kaffee kochenden Familien als Gäste zweiter Klaffe zu behandeln. Die einheitliche Regelung der Polizeistunde wird seit Jahren von den Angehörigen des Gastwirtsgewerbes Verlangt, um endlich der Polizeiwillkür einen Riegel vor- zuschieben. Heute ist es vielfach von dem guten Willen eines Polizeileutnanls abhängig. die Polizeistunde für einzelne Lokale festzusetzen und die Gastwirte sind direkt auf das Wohlwollen der Polizei angewiesen. Die Entscheidung über das Offenhalten eines Lokales wird fast durchgängig von dem Gutachten der unteren Polizeiorgane abhängig gemacht. Dazu kommt die Verschiedenartigkeit der Polizeistunde für die verschiedenen Lokale. Lokale obskurer Art werden nach Ansicht vieler Gastwirte besser behandelt, als solche mit anständigem Arbeitervcrkehr. Aus diesen Gründen sind die Fachorganisationcn der Gastwirte, zuletzt der Verband der Gast- und.Schaukwirte für Berlin und die Provinz Brandenburg beim Polizcipräsidiuni um die cinheit- liche Regelung der Polizeistunde vorstellig geworden. Das Gesuch ist aber abgelehnt worden. Der Wortlaut des Polizei- lichen Bescheides ist folgender:„Auf die Eingabe vom 13. d. M. erwidere ich ergebenst, daß es mir bei der Ver- schiedenartigkeit der Verhältnisse von Berlin und den Vororten nicht angezeigt erscheint, auf eine einheitliche Regelung der Polizeistunde für Groß-Berlin hinzuwirken. Jagow." Der Verband will sich bei diesem Bescheide nicht be- ruhigen._ Volkskonzerte im August. Das Berliner Philharmonische Orchester veranstaltet im August folgende Volkskonzerle: Am Freitag, den S., und Mittwoch, den 28. August, in der Brauerei Friedrichshain: am Mittwoch, den 14., und Sonnabend, den 31. August, in der Berliner Bockbrauerei: am Sonnabend, den 17. August, in der Brauerei Königstadt: am Sonn- abend, den 3., und Mittwoch, den 21. August, in den Konkordia- Festsälen: ani Mittwoch, den 7., und Sonnabend, den 24. August, in den Germania-Prachtsälen. Die Eintrittskarte kostet 36 Pf. Karten für die städtische Arbeiterschaft sind außer durch die Zentralstelle für Volkswohlfahrt auch bei der Gewerkschaftskommission erhältlich. Die Konzerte dauern von 7l/z bis etwa 10>/� Uhr abends. Es werden zwei Pausen von je 15 Minuten gemacht, in denen die Konzertbesucher Gelegenheit haben, sich im Freien zu ergehen. In diesen Pausen können Speisen und Gelränke eingenommen werden, während der Musik wird nichts verabreicht. Garderobengeld wird nicht erhoben, auch wenn etwa wegen der Witterung eine Abnahme der Garderobe nötig werden sollte. Stühle im Saale dürfen mit Garderobe nicht belegt werden. Wieder mal ein PostzSpfch en. Bekanntlich ist unsere Post- Verwaltung äußerst genau in der Prüfung von Legitimationen vor Auszahlung von Geldern oder Auslieferung von Wertpaketen in den Posträumen, nachdem der Adressat in seiner Wohnung nicht an- getroffen wurde. Zieht heute jemand in Schlafstelle, so wird ihm eine am selben Tage eingehende Wertsendung ohne weiteres aus- gebändigt, ohne überhaupt Legitimation zu verlangen. Auf Herz und Nieren wird dagegen der Adreffat geprüft, sobald er zur Post gehen muß. Standesamtliche oder pfarramtliche Geburtszeugnisse, Steuerzettel, MielSkontrakte und dergleichen Papiere haben in den Auge» der Postverwaltung keine legitimierende Gültigkeit. Es wird ein amtliches Ausweispapier verlangt, das neben der Photographie und der eigenhändigen Unterschrift noch eine genaue Personalbeschreibung enthält. Solche Ausweispapiere sind Patz und Paßkarte, Gewerbe- legilimotionskarte, Wandergewerbeschein und insbesondere die grüne Postausweiskarte. Letztere kann jeder Interessent gegen Zahlung von bv Pfenuig bei seinem zuständigen Postamt ausgefertigt er- halten, das heißt auch erst nach Vorlegung des Taufscheins oder eines ähnlichen ausreichenden AmtspapierS und nach Rekognoszie- rung durch den Bestellbriefträger. Wird nun bei Präsentierung eines Wertpakets durch den Postschaffner der Adressat nicht angetroffen, so läßt der Schaffner eine Karte zurück, auf der ver- merkt steht, daß bei der Abholung vom Hofpostamt in der Spandauer Straße ein.noch gültiges" Ausweispapier obenerwähnter Art vorzulegen ist. Wann ist denn nun aber das Ausweispapier noch gültig? Postausweiskarten werden auf Zeit ausgestellt, stets auf em Jahr. Berechtigt eine solche Karte nach Ablauf des Jahres nicht mehr zur Abholung von Wertsendungen? Es kommt doch darauf an, daß das Aussehen und die Unterschrift des Ab- holers, also des Vorzeigers der Karte, genau übereinstimmt mit der Photographie und der Unterschrift in der Postausweis- karte. Alles andere ist nebensächlich. Deshalb kann es der Post auch völlig gleichgültig sein, ob der Zeitraum, für welchen die Karte ausgestellt wurde, bereits abgelaufen ist, wenn man nicht annehmen will, daß es der Post um die Gebührenvermehrung zu tun ist. Genau so verhält es sich mit der Abholung von Geld, das auf Post- anweisung eingezahlt ist. Manche Postbeamte sind kulant und händigen auch bei Vorlegung einer zeitlich abgelaufenen Karte aus. andere weisen auf den Zeitablauf hin und machen Schwierigkeiten. Die Aushändigung sollte aber unseres Erachtens doch nur dann beanstandet werden können, wenn es nicht möglich ist, den Vorzeiger der Postausweiskarte oder eines anderen Ausweises aus dem In- halte zu identifizieren._ Aus der städtischen Straßenreinigung. Noch immer müssen die städtischen' Straßenreiniger in der Sonnenglut die berühmte Halsbinde um den Hals tragen, da ohne dieses Bekleidungsstück die Straßen der Stadt Berlin nicht sauber genug gemacht werden können, wenigstens scheint diese Ansicht bei der Direktion der städtischen Straßeureinigung zu herrschen. Während die Straßenreiniger in benachbarten Vororten möglichst leicht ge- kleidet gehen und auch ohne Halsbinde die Straßen rein fegen, kommt die Berliner Verwaltung ohne dieses militärische Bekleidungsstück nicht aus. Das ist nur zu erklären durch den Geist, der in der Berliner Direktion herrscht. Kürzlich hat die Direktion einen neuen Beweis erbracht für die Art, in der regiert wird. Am 29. Juni wurde bei der Konferenz den Aufsehern strengste Anweisung gegeben, daß der Besen vorschrifts- mäßig angefaßt und gehalten wird; daß sich nicht etwa ein Arbeiter erlaubt, den Besenstiel etwas zu hoch zu halten, oder gar den Stiel vor die Brust setzt, um den schweren Kehricht etwas leichter zusammen- schieben zu können. Solche Vorkommnisse sollen sofort zur Meldung gebracht werden, damit dem Arbeiter, der sich derartiges zuschulden kommen läßt, die gebührende Strafe zuteil wird. Damit ist de» Aufsehern eine neue Handhabe gegeben, um die ihnen unliebsamen Arbeiter nach allen Regeln der Kunst schikanieren zu können. Selbst den Burschen ist es verboten, den Kehricht vor sich herzuschieben, obgleich es für einen jugendlichen Arbeiter schon an sich eine Unmöglichkeit ist, den ganzen Tag mit dem fchwercn Schienenbesen zu arbeiten. Die Direktion beweist mit derartigen Verfügungen nur, wie wenig Ahnung sie von der praktischen Arbeit hat, und welcher Art die»Fürsorge" ist, die sie den Arbeitern an«. gedeihen läßt. Die allgemeine Behandlung der Mannschaften in den einzelnen Abteilungen gleicht eher der von Sträflingen als der von ehren- basten Arbeitern. Die Kommandierrolle ist ein Schmerzenskind in vielen Abteilungen und wird zum Nockiteil der Arbeiter gehandhabt. Die Gießkanne wird durch die Art der Verteilung durch die Aufscher zu einem Instrument zur Zwiebelung der Arbeiter. Dazu kommt, daß in manchen Straßen die Brunnen vier Wocken und noch länger, trotz Anmeldung durch die Vor- arbeiter, kein Wasser geben: ein Schlauchständer wird auch nicht benutzt. Der kleine Handsprengwagen wäre von großem Nutzen, leider aber ist er nicht in allen Abteilungen im Gebranch. In ver« schiedenen Abteilungen ninß ihn ein eiu-elner Arbeiter, oit sogar ein einzelner jugendlicher Arbeiter in der Sonnenglut auf dem heiße» Asphalt handhaben, obwohl zwei Arbeiter oder ein Arbeiter und ein Bursche zur Bedienung notwendig sind. Es kommt vor, daß tagelang verschiedene Brücken überhaupt nickt gesprengt werden. Diese Mißstände sind-'.oie sckon wiederholt an dieser Stelle durch Tatsachenmaterial bewiesen wurde— in der Straßenreinigung Legion und haben ihre Ursache indem im Kommißstil wirtschaftenden Beamtentum. Die iutcllekiuclle Unsähigkcit feiert da geradezu Triumphe, wie ein krasses Beispiel bcwci'rn mag. Im Oberanfscher- bezirk IIb dauert die Lohnzahlung stets mehrere Stunde n. Jede der dazu gehörigen' ftinf Abteilungen sie 56 Ar- bester im Durchschnitt) muß gesondert antreten. Dan» beginnt die Auszahlung, aber nicht etwa so, daß jeder Arbeiter Lohn und eventuelle Nebenbezüge zusammen erhält— keineswegs I Erst kommt eine Ab- teilung heran; sämtliche Arbeiter derselben bekommen zunächst der Reihe nach den blanken Lohn und treten zurück in Reih' und Glied. Es folgt nun in derselben Weise die Zahlung des Zuschusses zum Krankengeld an diejenigen, welche in der Lohnperiode krank waren; dann wieder der Reihe nach durch werden die lleberstunden und andere Extravergütungen ausgezahlt. Ist so eine Abteilung endlich abgefertigt, dann wird feierlich militärisch der Befehl„Ab- treten!" erteilt. Jetzt rückt die' nächste Abteilung vor und mit ihr geht derselbe Unfug von vorne an. Im selben Schneckentempo folgt so eine Abteilung nach der anderen, ganz unbekümmert darum, ob die Arbeiter stundenlang auf den Lohn warten müssen und um ihre Freizeit gebracht werden. Solche unglaubliche Entlohnungsmethode kann nur eine tief im Bureaukratismus und Krämergeist steckende Beamtenhierarchie heraustifteln. Allerdings ist von Leuten, welche auf dem Kasernenhof ihre„Ausbildung" erhalten haben, nicht mehr zu erwarten; nur ein Schelm gibt mehr als er hat. Es wird die höchste Zeit, daß in der Verwaltung der Straßen- reinigung endlich einmal ein großes Reinemachen einsetzt und die hinterwäldlerischen Methoden der Behandlung von ehrlichen Arbeitern als Rekruten mit eisernem Besen ausgefegt werden. Englische Hygieniker in Berlin. Die angesehenste und größte englische Korporation für das öffentliche Gesundheitswesen, das Royal Institut of Public Health, ist gestern in Berlin im Herrenhause zu ihrer Jahresversammlung zusammengetreten, begrüßt von Vertretern wissenschaftlicher, staatlicher und städtischer Behörden. Ruhrerkrankungen im Döberitzer Lager. Bei dem militärischen Arbeitskommando des Truppenübungsplatzes Döberitz find in den letzten Tagen sechs Mann an ruhrverdächtigen Erscheinungen erkrankt. bei vier von ihnen ist bakteriologisch Ruhr festgestellt. Der Verlauf der Krankheit ist bisher durchweg leicht. Die Militärbehörde hat alle Vorkehrungen getroffen, um einer Westerverbreitung der Krankheit vorzubeugen. Man nimmt an, daß die genannten Krankheitsfälle mit der vorjährigen Ruhrepidemie auf dem Truppenübungsplatz Döberitz in ursächlichem Zusammenhang stehen. Eine Berlinerin in Bansin erschossen. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich am Mittwochabend im Ostjeebade Bansin. Die Kauf- mannsfrau Gertrud Levy aus der Düsseldorfer Str. 47 in Berlin erschoß sich im Tanzsaal des Hotels Meeresstrand aus Unvorsichtig- keit mit einer Browningpistole. Der Tod trat auf der Stelle ein. Frau Gertrud Levy, die Gattin eines Berliner Kaufmanns, weilte leit kurzem in Heringsdorf zur Kur und hatte Mittwoch abend die Reunion im Hotel Meeresstrand zu Bansin besucht, das an der See liegt. Die Dame beteiligte sich lebhaft am Tanz. In einer Pause begab sie sich in Gesellschaft zweier Herren in den Hotelgarten, wo sie mit einer größeren Anzahl von Bekannten in froher Runde saß. Einer der Herren trug eine Browningpistole bei sich. Frau Levy bat, ihr die Waffe doch auch einmal zu zeigen. Sie erhielt auch die Pistole mit der ausdrücklichen warnenden Bemerkung, daß sie scharf geladen sei. Kaum hatte sie die Waffe in der Hand, da ertönte ein Schuß und Frau Levy sank mit einem Ausschrei zu Boden. Die Kugel war ihr in die Brust gedrungen und hatte anscheinend das Herz getroffen. Der Tod trat auf der Stelle ein. Ein zufällig anwesender Arzt konnte keine Hilfe mehr bringen. Die Portiersfrau Friedrich aus Steglitz ist gestern aus dem Kreiskrankenhause in Steglitz entlassen worden und wurde als Haft- gefangene der städtischen Irrenanstalt zu Dalldorf zur Beobachtung ihres Geisteszustandes zugeführt. Weil er nicht mehr arbeiten konnte. Im Friedrichshain erhängt aufgefunden wurde gestern morgen der 67 Jahre alte Arbeiter Friedrich' Krause auS der Andreasstratze 49. Der Mann, der ver- heiratet und Vater von zwei noch schulpflichtigen Kindern ist, hatte seit neun Monaten keine Beschäftigung finden können. Am ver- gangenen Montag fand er Arbeit, die er jedoch seines Brustleidens wegen nicht bewältigen konnte und daher ausgeben mußte. Aus Gram darüber beschloß er in den Tod zu gehen. Gestern abend kehrte er nicht mehr von der Stellungsuche in seine Wohnung zurück. Er war zum Friedrichshain gegangen und hatte sich dort gegenüber dem Hause Landsberger Allee 11 an einem Baume erhängt. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Sch«ihause gebracht. Ein schwerer Straßenbahnunfall ereignete sich am Mittwoch- abend gegen 6 Uhr in der Lindenstraße. Dort wollte vor dem Hause Nr. 9 der zwanzigjährige Walter Punkt aus der Mariendorscr Straße 14 auf seinem Zweirade vor einem herannahenden Straßen- bahnwagen der Linie 64 das Gleis kreuzen. Dabei wurde das Vorderrad der Maschine in der Schienenrille eingeklemmt und der Rodler infolgedessen von dem Waggon erfaßt und zur Seite ge- schleudert. P. stürzte mit solcher Wucht auf das Straßenpflaster, daß er außer erheblichen Quetschungen eine schwere Gehirn- erichillterung davontrug. Der Verunglückte erhielt auf der Unfall- station am Tempekhofer Ufer die erste Hilfe und wurde von dort in fast hoffnungslosem Zustande nach dem Urban-Krankenhause geschafft. Acht Tage tot in seiner Stube gelegen hat der 49 Jahre alte Rentenempfänger Max Drath aus der Büschingstraße 9. Der Mann. der eines Lungenleidens wegen schon seit langer Zeit arbeitsunfähig war und von seinen Renten lebte, bewobnte im vierten Stock des Vorderhauses für sich allein eine kleine Stube. Weil man ihn seit acht Tagen nicht mehr gesehen hatte und er seine Briefschaften nicht aus dem Kasten holte, öffnete man gestern nachmittag sein Zimmer. Jetzt fand mau ihn tot auf dem Fußboden liegen. Er war schon so stark in Verwesung übergegangen, daß der Arzt die Todesursache nicht mehr feststellen konnte. Da neben ihm eine große Blutlache auf- gefunden wurde, wird angenommen, daß er einen Blutsturz erlitten hat. Seine Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. In einer Autodroschke erschossen hat sich gestern mittag an der Ecke der Leipziger und Wilhelmstraße eine bisher noch unbekannte Frau von ungefähr 35—46 Jahren. Die Frau stieg auf dem Leipziger Platz in die Autodroschke und gab dem Chauffeur als Reiseziel die Joachimstraße an. Kaum war der Führer die kurze Strecke gefahren, als er einen Schuß hinter sich fallen hörte. Als er nacksah, lag die Frau bewußilos in seinem Wagen. Sie hatte sick eine Kugel in die Brust gesckossen. Er fuhr mit ihr zur Charitö, wo sie bald nach der Aufnahme starb. Die Tote ist un- getähr 1.66 Meter groß und scklank, hat dunkelblondes Haar und trug einen schwarzen Rock, eine weiße Bluse und einen schwarzen Slioyhut mit roten Rosen. Ihr Tasckentuch ist D. L. gezeichnet. In der Hand hatte sie außer dem Revolver noch eine weiß-blaue Perlenlasche, i» der sich zwei Schlüffel befanden. Die Leiche wurde »ach dem Schauhause aebracht. Die Brandstiftungen wollen kein Ende nehmen. Der Brand des Hauses Reinickendorfer Str. 63, der die Feuerwehr bis Mitternacht beichäftigle und bei dem der Fenerwehrmann Karins durch die Ziviscken'decke brach und in die Flammen stürzte, ist nach dem Er» gcbnis der Ermittelungen von böswilliger Hand verursacht worden. Karius mußte nach dem Kaiser-Friedrich-KinderkrankenhauS gebracht »nd dort verbunden werden. Er hat Brandwunden an Händen und Armen erlitten, so daß er keine» Dienst tun kann. Die Ermittelungen nach dein Brandstifter waren bisher ergebnislos. Gestern früh um 6 Uhr kam schon wieder in der Reinickendorfer Slraße Feuer aus. ES brannten alter Hausrat, Lumpen, Papier und anderes auf dem Boden des großen Eckhauses Nr. 86 an der Wiescnftraße. Die Aufregung unter den zahlreiche» Mietern war nicht gering. In diesem Falle glückte eS aver, de» Brand auf den Boden zu beschränken. Den Mietern und Hauswirten kann nicht dringend genug empfohlen werden, ein wachsames Auge auf Fremde zu haben und die Böden dauernd zu kontrollieren. Vorort- f�admekten. Ungesetzliche Maßnahmen einer Polizeibehörde. Der Lehrling H. aus N o w a w e S war bei dem Tischlermeister Jrrgang in P o t s d a m in der Lehre, von dem erzählt wird, daß er seinen Lehrtingen oft einen unsanften Hieb versetzt. Der Lehr- ling H. soll ebenfalls von Herrn Jrrgang geschlagen worden sein, so daß der Vater seinen Sohn aus der Lehre nahm und Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattete. Der Staatsanwalt lehnte ein Einschreiten ab und verwies den Vater auf den Weg der Privat- klage. Der Vater schickte aber seinen Sohn nicht wieder zurück, sondern hob das Lehrverhältnis auf, indem er folgendes ärztliche Attest beibrachte: Max H., den ich heute ärztlich untersucht habe, ist stark bleich- süchtig, hat einen beginnenden Lungenspitzenkatarrh und starke Schmerzen in der rechten Bauchseite. Er ist für sein Alter sehr groß in die Höhe geschossen. Er ist untauglich für jegliche Arbeit in geschlossenen Räumen bei staubiger Luft, da sonst eine ernste Erkrankung der Lungen zu befürchten ist. Dr. Gleiß, Arzt. Trotz dieses Gutachtens bestand der Lehrherr auf der Rückkehr des Lehrlings und er wandte sich an die P o l i z e i b e h ö r d e in N o w a w e s. Diese führte dem Lehrherrn den Lehrling denn auch wieder zu. Da dieser aber sofort wieder entlief, erhielt der Lehr- ling von der Polizeibehörde eine Strafversügung über 50 Mark oder fünf Tage Haft. Gegen diese Verfügung erhob der Vater Beschwerde beim Land- rat und erhielt darauf folgendes Schreiben: Nach den angestellten Ermittelungen hat Ihr Sohn die Lehre ohne gesetzlichen Grund und ohne Zustimmung des Lehrherrn ver- lassen. Die Matznahmen der Ortspolizeibehörde bewegen sich im Rahmen des tz 127 d der Neichsgewerbeordnung. Die erhobene Beschwerde mutz mithin als unbegründet zurückgewiesen werden. Der Landrat des Kreises Teltow. Da der Vater nun keinen Ausweg mehr wußte, wandte er sich um Rat an das Potsdamer Arbeiterauskunftsbureau. Von diesem wurde dann eine Beschwerde gegen den Bescheid des Landrats an den Regierungspräsidenten in Potsdam als die vor- gesetzte Behörde des Landrats gerichtet, in dem zunächst darauf hin- gewiesen wurde, daß die Polizeibehörde Nowawes überhaupt nicht berechtigt war, den Lehrling zurückzuführen und eine Strafverfügung zu erlassen. Ferner wurde darauf hin- gewiesen, daß die Voraussetzungen des Z 127d der Gewerbeordnung überhaupt nicht vorliegen, denn die Lehre war nicht verlassen, sondern auf Grund eines ärztlichen Gutachtens aufgelöst worden. Diese Beschwerde gegen den Landrat an den RegierungS» Präsidenten muß nach den gesetzlichen Bestimmungen immer an den Landrat gehen und dieser gibt sie dann an den Regierungspräsidenten weiter. Auf diese Beschwerde ging nun am 13. Juli folgende Antwort vom Landrat an den Vater des Lehrlings ein: Bei Abweisung der von Ihnen gegen die Verfügung des Herrn Amtsvorstehers in Nowawes vom 14. März d. I. erhobenen Beschwerde ist übersehen worden, daß Ihr Sohn in Potsdam im Lehrverhältnis war.-Selbstverständlich war die Polizeibehörde in Nowawes zum Erlasse der polizeilichen Verfügung nicht zu- ständig. Ich habe deshalb den Herrn Amtsvorstehcr ersucht, die Verfügung zurückzunehmen, und habe, da sich die Beschwerde somit erledigt, von ihrer Weitergabe an den Herrn RegierungS- Präsidenten Abstand genommen. Dieser Fall zeigt wieder einmal, wie oberflächlich zuweilen bei den Behörden gearbeitet wird. Die Polizeibehörde in Nowawes hätte wissen müssen, daß sie gar nicht zu der ihr übertragenen Arbeit zuständig war. Aber auch auf dem Landratsamt hätte man sofort erkennen müsien, daß die Maßnahmen der Polizeibehörde nicht nur in bezug auf die Zuständigkeit, so auch auf Grund dieses doch gewiß deutlich sprechenden ärztlichen Gutachtens unzulässig waren. Jeder Arbeiter tut gut, bei irgendwelchen gewerblichen Streitigkeiten und dergleichen sofort eine der gewerkschaftlichen Auskunftseinrichtungen aufzusuchen, denn es werden ihm dann mancherlei Scherereien er- spart bleiben._ Wilmersdorf. Schwerer Automobilunfall. Als die zehnjährige Schülerin Else Arndt aus der Augustastr. 28 gestern den Fahrdamm dieses Straßen- zuges überschreiten wollte, geriet sie, hinter einem anderen Wagen herumgehend, gegen ein in schneller Fahrt aus der entgegengesetzten Richtung herannahendes Privatautomobil. Das Mädchen wurde umgerissen, zur Seite geschleudert und blieb blutüberströmt und besinnungslos liegen. Die Verunglückte wurde nach der nächsten Unfallstation gebracht, wo neben anderen Verletzungen ein Bruch des rechten Knöchels, eine klaffende Kopfwunde und erhebliche Quetschungen an« rechten Knie und an der linken Schulter festgestellt wurden. Nach Anlegung von Notverbänden wurde das Kind auf Wunsch der Eltern nach der Wohnung geschafft. Steglitz. Im Traum aus dem Feilster gesprungen. Der elfjährige Sohn Max des Fuhrwerksbesitzers Skora, Mommsenstr. 47, litt seit einigen Tagen an starkem Fieber und hatte dabei Angstträume. In der Nacht wurde der Aermste derart von Träumen geplagt, daß er in seinem Zustand die Lagerstätte verließ und sich aus der Höhe des zweiten Stockwerks in die Tiefe hinabstürzte. Er erlitt einen Schädelbruch sowie Schenkelbrüche und wurde nach dem Kreis- krankenhause Groß-Lichterselde übergeführt. Nenkölln. Eine außerordentliche Generalversammlung des Wahlvereins nahm am Dienstag Stellung zum Chemnitzer Parteitag. In An- betracht der tiefeinschneidenden Fragen der Reorganisation unserer Partei, ließ der Besuch der Versammlung zu wünschen übrig. Genosse Fell er führte als Referent etwa folgendes aus: Die Tagesordnung des diesjährigen Parteitages umfaßt nicht nur viele Punkte und wichtige Dinge, die man der Diskussion über- lassen sollte, sondern eS ist notwendig sie eingehend zu behandeln. Auf allen Parteilagen ist eS die eine oder andere Frage, welche in den Vordergrund der politischen Ereignisse tritt. Beim Punkt Vorstandsbericht wird u. a. über die Sanierung des Göppinger Parteiblattes diskutiert werden. Partei- und Landesvorstand dürren nur im äußersten Notfall eingreifen und Redakteure nur entlassen, wenn eine Programmverletzung vorliegt- Die überwachende Tätigkeit muß man den Genossen des Ortes überlassen.' Der Ausschluß des Genosse Hildebrandt ist als unangenehme zu bezeichnen, da sehr be- konnte Parteigenossen schwere Vorwürfe gegen das Schiedsgericht erhoben haben. Allerdings darf es nicht soweit kommen, daß unsere �Partei zum Tummelplatz aller möglichen Streber und Projektemacher wird Der Alkoholfrage muß sich unsere Reichstagsfraktion mehr zuwenden und dem Alkohol schärfer zu Lelbe gehen. Für nicht be- denllich kann man auch die Besprechungen von Landsmannschaften vor Kongressen oder Parteitagen halten, weil hier, ohne Nucksicht auf die Richtung, die Vertreter zusammenkommen. Ganz aiiders dagegen sind die Sonderkonferenzen zu bewerten, die die zwer Rich- tungen in der Partei in letzter Zeit abhielten.'.. Beim Punkt Reichstagswahlen wird sicher mlt dem�Partelvor- stand wegen der»Dämpfung" des Wahlkampfes em Wortchen ge- redet werden.-- Ueber die Maifeier ist nicht diel zureden, denn es wird abzuwarten sein, was die nächste Internationale daran ändert.— Zur Reorganisation des Organisations- st a t u t s sind eine ganze Anzahl Vorschläge gemacht worden. Der letzte Parteitag griff insofern ein, als er zur Be- wältiguug der laufenden Arbeiten zwei neue Sekretäre wählte und eine Kommission von 22 Mitgliedern einsetzte, die einen neuen Entwurf ausarbeitete. Der Beitrag kann für männliche Mitglieder auf 40 Pf. monatlich oder 10 Pf. wöchentlich und für weibliche Mitglieder auf 20 Pf. monatlich oder 5 Pf. wöchentlich festgesetzt werden. Was die Vertretung der Reichstags- fraktion auf dem Parteitag anlangte so ist der Vorschlag des Genossen Ledebour der glücklichste, alle 110 Abgeordnete nur mit beratender Stimme zuzulassen. Gegen die Tätigkeit der 32er Kom- Mission läßt sich viel einwenden, warum sollen'aber nicht 7 un- besoldete Beisitzer dem Parteivorstande angegliedert werden. Möge der Parteitag in Chemnitz es als höchste Aufgabe betrachten, die Vielheit unserer Organisationsgebilde zusammenzufassen und das beste für die Mitglieder herausschälen. Vor Eintritt in die Diskussion teilte der Vorsitzende Genosse Schulz die eingegangenen Anträge mit. Der 17. Bezirk fordert eine schärfere Propaganda zur Maifeier; Genoffe Krille beantragte: a) alle Reichsiagsabgeordneten an den Verhandlungen des Partei- tages ohne Stimmrecht teilnehmen zu lassen; b) sich gegen den ge- planten Parteiausschuß zu erklären; ferner lag eine Resolution vor, die zur schärfsten Durchführung des Branntweinboykotts auffordert. — Erster Diskussionsredner ist Genosse Z e p o m i k. Er wundert sich, daß man soweit gekommen ist, einen 32er Ausschuß zu wählen, um den Parteivorstand mundtot zu machen. Das Hindernis gegen die wirksamere Durchführung der Maifeier seien die Gewerkschafts- siihrer, sie wollen die Kasse schonen; dies sei der reine Geschäfts« standpunkt. Redner wendet sich unter großer Unruhe dagegen, daß die proletarischen Polen noch zum Teil als Nationalisten verschrien werden. Genosse K l ü ß hält dem Vorredner zugule, daß er es wohl ehrlich meine, als Pole aber doch noch etwas eigenartige Ansichten über unsere Forderungen habe. Der Maifeier-Antrag sei abzulehnen, weil sie in dieser Form nicht durchführbar. Den nach Chemnitz gehenden Delegierten ersucht Redner, sich an den Debatten über das Stich- wahlabkommen rege zu beteiligen, selbstverständlich im versöhn- l i ch e n Sinne. Klüß hat durchaus nichts gegen Zusammenkünfte, ganz gleich welcher Art. wenn sie nur der Partei dienen. Genosse K o t t e begründet den Antrag des 17. Bezirks; feine Hauptausführungen gipfeln darin, daß es unwürdig sei, sich durch einen Betrag von der Maifeier loszukaufen. Genosse N e u m a n n ist gegen den Maiantrag, da man seit 1890 der achtstündigen Arbeits- zeit immer näher gekommen, sei die Entrüstung gegen die Gewerk- schaftsführer nicht immer am Platze. Eine Reichstagsfraktion ohne Stimmrecht auf dem Parteitag könne er sich mcht denken. Genosse Franke hält es für ratsam, sämtlichen Instanzen auf dem Parteitag das Stimmrecht abzusprechen. Ueber das Stichwahl- abkommen müsse eingehend geredet werden, zur Verhütung ähnlicher Fälle.— Genosse Pilz erklärt, daß wir ohne das Stichwahl- abkommen keine 110 Mandate erobert hätten. Den Parteivorstand tadeln, hieße ihm Unrecht tun.— Genosse P ä tz e l bekundet, daß man am Parteivorstand nicht immer seine Reibungsfläche suchen dürfe, denn seine Mitglieder seien kampferprobte Genoffen, die selbst- verständlich der Kritik unterstehen. Bei der nunmehr vorgenommenen Abstimmung wurden die Anträge Krille und der des 17. Bezirks abgelehnt. Gegen fünf Stimmen wurde der Antrag Feller, den Parteivorstand durch sieben unbesoldeke Beisitzer zu verstärken, angenommen und der Resolution zur schärferen Durchführung des Schnapsboykotts einstimmig zu- gestimmt.> Der Kreisgeneralversammlung sollen als Delegierte zum Parteitag Genosse Feller und Genossin Röhl vorgeschlagen werden. Die Ferienspielr, die von opferfreudigen Genossinnen geleitet werden, haben bisher einen befriedigenden Verlauf genommen. Die Helferinnen tauschen ihre Erfahrungen aus, um neue Anregungen zu erhalten. Das soll besonders am heutigen Freitagabend 8'/., Uhr in einer Zusammenkunft bei Hoppe, Hermannstr. 49, geschehen. Weistenfee. Die Milchvcrwertung des Birkholzer Gutes in eigener Regie durch die Gemeinde hat die„Staatsbürger-Zeitung" zu einem heftigen Ausfall gegen die Gemeindemitglieder und nicht zuletzt gegen den Bürgermeister Dr. Woelck veranlaßt, die zu dem Beschluß beigetragen haben. Dieser Beschluß soll nach dem genannten Blatte bereits den Weg zum Zukunftsstaat bedeuten. Das Blatt weiß in seiner Unkenntnis gar nicht, daß in vielen anderen Gemeinden längst das besteht, was in Weißensee eingeführt werden soll.»Kommt das Vorhaben zur Ausführung," so faselt der Artikelschreiber,„dann werden nicht nur die Milchhändler am Orte wirtschaftlich ruiniert, sdndern auch die Molkereibesitzer müsien ihren Betrieb einschränken oder aufgeben, wenn die.Bollewagen" der Gemeinde durch die Straßen fahren und allmählich die gesamte Kundschaft an sich ziehen, da die Kommune um einen Pfennig unter den ortsüblichen Preis heruntergehen will. Durch diesen direkt mittelstandsfeindlichen Plan würden 60 bis 70 selbständige Existenzen mit einem Schlage zugrunde gerichtet, um ihren Erwerb gebracht und mit ihren Familien ins Proletariat hinabgestoßen. Was heute den Melkern und Milchhändlern geschehe, könne morgen den Bäckern und Fleischern, den Kolonialwaren- geschäften.den Schuhmachern und Schneidern widerfahren. Die Gemeinde- Vertretung beschließt dann die Uebernahme von Handwerk und Gewerbe in eigener Regie, der einzige Arbeitgeber sei nur noch die Kommune und der Zukunftsstaat sei auf friedlichem Wege errichtet, ohne Generalstrerk. ohne Revolution und Blulvergießen. Selbstverständlich sind es die sozialdemokratischen Gemeindeverlreter,� die den mittelstandmordenden Plan ausgeheckt haben und sie erfreuten sich dabei der tatkräftigen Unterstützung des Gemeindevorstehers Dr. Woelck." Mit diesem Geseiere will man besonders den, Bürgermeister eins auswischen. Den Gipfel erklimmt das staatsbürgerliche Blättchen durch folgende verwerfliche Denunziation:»Da sich die bürgerlichen Parteien häufig schroff gegenüberstehen, so bilden die Roten das Zünglein an der Wage, auf sie stützt sich das Gemeindeoberhaupt, sie sind seine Kerntruppen und beide arbeilen Hand in Hand." Dann schüttet sich der ganze Groll'auf den Genossen Frentz aus, der als Kurator des dem Säuglingskrankenhause an- gegliederten Musterkuhstalles für neun Monate für 45 000 M. Futter angekauft haben soll. während für nur 6000 Mark gebraucht wird. Der.Sozialdemokrat Frentz habe sich in zwanzigjähriger Tätigkeit als Parleibudiker alle die Spezial- kenntnisse angeeignet, die erforderlich seien, ein landwirtschaftliches Unternehmen, wie den Musterkuhstall zu leiten. Daß ein jüdischer Großhändler hierbei auch eine Rolle spielt, nimmt nach der Tendenz des Blattes kein Wunder, hinter den Worten:„man darf auf die Weiterentwicklung der Sache gespannt sein" liegt der versteckte Vorwurf, daß Genosse Frentz wohl den Ankauf nicht so„glatt" abgewickelt hat. Ferner wird der staunenden Oeffentlichkeit kundgegeben, daß die Milchwirtschaft in Birkholz von drei Genoffen revidiert wird und zwar Frentz, dem Tischler Fuhrmann und dem früheren Schriftsetzer, jetzigen Parteibudiker Taubmann. Diese drei landwirtschaftlichen Sach- verständigen musterten mit scharfem, sachkritischem Blicke die Ställe. den Viehbestand und die Milchverwertung, sie fanden nichts daran auszusetzen. Zum Schluß wird behauptet, obendrein schließen die Birkhol, er Milchwirtschaft mit einer Unterbilanz von 60 000 bis 80000 M. ab. Mit Wonne wird natürlich dieser Artikel abgedruckt, so hat der amtliche„Tegeler Anzeiger" für diesen Schwindel nur die Worte übrig:„Weißensee liegt auch im Kreise Niederbarnini, der schon viel von sich reden machte". Mit noch größerer Wonne hat auch das hiesige G. m. b. H.-Organ sich der Sadie angenommen, ohne jedwede Bemerkung natürlich, trotzdem es wissen muß. daß größere Unwahrheiten nicht verbreitet werden konnten. Der Ertrag der Birkholzer Milch beträgt im Höchstfälle 1500 Liter pro Tag. hierdurch können keine 60—70 Existenzen vernichtet werden. Auch hat man den Genoffen Frentz erst seit vier Monaten zu der Kommission als Mitglied zugezogen, er kann daher am I. Oktober v. I. keine Futtermittel angekauft haben. Ferner hat das Nieselgut Birkholz keine Revisoren, die noch dazu aus drei Genossen bestehen sollen. Ebenso ist aus dem Betriebe in Birkholz immer noch ein Ueberschuß herausgerechnet worden, der im letzten Etat mit 35 000 M. vorgesehen ist, die Unterbilanz von 60—80 000 M. ist eine rein willkürliche Annahme, die Differenz der Summe bezeugt das schon. All dies hätte das G. m. b. H.-Organ richtigstellen können, wenn es wollte, aber das paßte nicht in den Kram hinein. Da man bei gewissenhafter Prüfung an die Sache nicht herankann, müssen eben die Tatsachen gefälscht werden, sonst schimpft es sich auch nicht so gut. Hermsdorf i. M. Der neue Bahnsteig ist vergangene Woche endlich dem Verkehr übergeben worden. Die Aufschijttungsarbeiten der in der Mitte liegenden Gleise haben nunmehr freie Bahn, so daß der neue Tunnel wohl auch bald in Angriff genommen werden kann. Wenn die seit Jahren währenden Umbauarbeiten beendet sein werden, wird man erleichtert aufatmen. Das Uebergangsstadium des ewig unfertigen Zustandes, die Staubbelästigung und hätzliches Aussehen des Bahnkörpers, sind dem Orte nicht gerade förderlich gewesen. NowaweS. Der Konsumverein beschloß in seiner außerordentlichen General» Versammlung am Montagabend die wegen der Verschmelzung mit der Potsdamer Konsumgenoffenschaft„Hoffnung" notwendig ge- wordene Liquidation und wählte zu Liquidatoren die Genoflen Paul Krüger(Geschäftsführer) und Karl Sabrowski(Kassierer). Während der bisherige Vorstand nunmehr seine Tätigkeit einstellt, bleibt der Aufsichtsrat solange im Amte, bis die Liquidation beendet ist. Da mit obigem Beschluß der Konsumverein für Nowawes und Umgegend aufgelöst ist, dürfen die Verkaufs» stellen laut Gesetz an solche Personen, die der Pols- damer Konsumgenossenschaft noch nicht beigetreten find, keine Waren verabfolgen. Es ist daher denjenigen, die das ihnen zugesandte Uebertrittsformular noch nicht ausgefüllt und in einer der Geschäftsstellen abgegeben haben, dringend zu raten, dies schleu- nigst nachzuholen. Der Schluß des laufenden Geschäftsjahres erfolgt am Sonntag, den 4. August. Da die bisherigen Rabattmarken für das nächste Jahr keine Gültigkeit haben, sind sie bei der letzten Markenabgabe mit zu verrechnen. Spandau. Die außerordentliche Generalversammlung des Wal/lvcrcinS, die sich mit der in der vorhergegangenen Generalversammlung un- erledigten Tagesordnung beschäftigte, tagte am Dienstagabend bei Köpenick. Zunächst ehrte die Versammlung des Andenken des aus so tragische Weise ums Leben gekommenen Maurers Hänisch und nahm daim die Berichte der einzelnen Kommissionen entgegen. Beim Bericht der Lokalkommission wurde bemängelt, daß Lokale, die ein Sitzungszimmer besitzen, nicht mit in die Lokalliste aufgenommen werden. Dem wurde entgegengehalten, daß laut Beschluß nur diejenigen Lokale erwähnt werden, deren Sitzungszimmer mehr als 75 Personen fassen.— Die Veranstaltungen des Bildungs- ausschusseS haben nicht die gewünschte Unterstützung gefunden und deshalb mit einem Defizit abgeschlossen. Die Neuwahlen der Kommissionen hatten folgendes Ergebnis: Lokalkommission: Kasmierzack,' Behrend, Pckul Bartel; Schiedskommission: Mette sen.(1. Abteilung), Röhr und Salzwedel(2. Abteilung), Dürlich und Schächter(3. Abt.), Beuser(Abt. Nonnendamm). Dem Bildungsausschutz gehören W. Jahnke, Trompler, Dahlke und Frau Gebhardt an.— Als 2. Kassierer wurde Genosse Ganzer gewählt und als Leiterin der Frauen- Leseabende Genossin Peczilis.— Der Vorstand hatte noch eine Reihe Anträge eingebracht; angenommen wurde der Antrag, alle halbe Jahre eine intensive Agitation zu« gunsten des Konsumvereins zu unternehmen. Die Initiative soll die Propagandakommission ergreifen. Weiter wurde beschloffen, in öffent» licher Versammlung die kommunale Steuerpolitik durch einen ge» eigneten Referenten behandeln zu lassen.— Dem 1. Kassierer sollen in Zukunft alljährlich 75 und dem 2. Kassierer 20 Mark als Manko« gelder bewilligt werden. Hierauf wurde Stellung zu der am 18. August stattfindenden Kreisgeneralversammlung genommen und die einzelnen Tages« ordnungspunkte einer eingehenden Erörterung unterzogen. Dabei ge« langten folgende Anträge zur Annahme: 1. Die Kreisgeneralver- sammlung wolle beschließen, die Wahl der Delegierten nach dem Proportivnalwahlsystem vorzunehmen, bis zu 100 Mitgliedern einen und für jede weiteren 200 Mitglieder wieder je einen Delegierten zu wählen; 2. den 13. Wochenbeitrag dem BildungsauSschnfse~ju überweisen; 3. zum Parteitag zwei Delegierte zu entsenden.— Zum Kreisvorstand sollen folgende Genossen vorgeschlagen werden: Schubert und Pieper(Vorsitzende), Stahl und Hornig(Kassierer), Reinhardt (Schriftführer). Nachdem die Delegierten zur Kreisgeneralver» sammlung gewählt wurden, machte der Vorsitzende noch auf die Dampfertour nach Velten am Sonntag aufmerksam. Eue der frauenbewegung." Die Agitation zu dem eucharistischen Kongreß. Im September wird in Wien der eucharistische Kongreß statt- finde». Es soll dieser zur Anbetung und besonderen Verehrung des Altarsakramentes eingesetzte Kongreß aber nicht vor allem für die Religion veranstaltet werden, wenn er auch von den höchsten Würden- trägcrn der Kirche gefördert und geleitet wird. Die Religion soll nur der Deckmanlel' für die klerikale Propaganda abgeben, welche durch den Kongreß betrieben werden wird. Die Agitation soll die Massen zusammenrufen, um sie dem klerikalen Heerbann einzuordnen. Seit vielen Monaten wird diese Agitation, deren Kosten vor- nehmlich einige reiche Juden decken, in der umfangreichsten Weise durchgeführt. Alle Erzherzoginnen, allen voran die älleste Tochter des Kaisers, stellen sich in den Dienst der Agitation. Wie schreien die Klerikalen, wenn die Kinder der Arbeiter an den Festen»nd Umzügen der Arbeiterschaft teilnehmen, aber wenn sie die Agitation in die Schulen tragen, dann werden sie nicht von Kindermißbrauch reden. Tausende Flugblätter werden schon in den Wiener Schulen verleilt und auch in der Provinz ist es vorgekommen, daß die Kinder aufgefordert wurden, an den Veranstaltungen teilzunehmen und auch die Ellern auf diese aufmerksam zu machen. ES sollen an einem Tag 20 000 Kinder der Wiener Schulen im Schwarzen- bcrg-Garten beichten und kommunizieren. Der Stcfansdom, die schönste Kirche Wiens, soll in ein Versammlungslokal umgewandelt werden, damit dort die Agitatoren des Piusvercins Reden für die christliche Presse halten können. Aber nicht die Reden allein sollen die Kirchen zu Versainnilungs- lokalen stempeln, es sollen dort auch kinematographische Diirstellungen vor sich gehen, um den Gläubigen die Bedeutung des Kougrcffes durch Anschauungsunterricht zu vermitteln. Der Papst hat in einem eigenem Erlaß geboten, daß diese Vorstellungen, bei denen es ja dunkel werden muß, nur für die Männer oder die Frauen ver- anstaltet werden, niemals aber für beide Geschlechter gemeinsam. Hat_ man so wenig Vertrauen in die Sittcnreinheit der frommen Schäfchen, daß man sie nur getrennt zur Sitllichkeit bekehren kann. Versammlungen— Veranstaltungen. NowawcS. Die weiblichen Mitglieder des sozialdemokratischen Wahlvereins in NowawcS machen am Sonntag, den 28. Juli, einen Spaziergang nach Bornim(Lokal Woywodt, Mittelstraße). Die Genossinnen versammeln sich im Lokal von Hiemke, Wall» stratze 55. Bneffeaftcn der Redahtion. Die juristische Sprechstunde findet bis auf weiteres von 7 bis M/z Uhr abends— Sonnabends von 4Va~6 Uhr— Liiidcnstr. 69, IV. Etage(Fahrstuhl) statt. E. H. 49. Sie können Ihr Gesuch cvcntull nochmals bei dem»Koin- enandeur des Truppenteils, zu welchem Sie eingezogen werden, wieder- holen, sonst lägt sich leider nichts dagegen machen. Nehmen Sic coenlncll Bescheinigungen über den Zustand Ihrer Frau zur llcbung mit. — 21. W. 66. Die Einschähungskommission in Berlin ist berechtigt, Sie von neuem einzuschätzen.— R. 44. Das kommt ganz aus die Art der Leistungen an. Bei einer regelmäßigen Geburt bis M M., bei einer schweren bis 4a M. Sie können die Gebührenordnung bei uns einsehen.— Auto ZV. 1. Nach der Lehrzeit vom Polizeipräsidium. 3 M. Stempel und Schreibgebübren. 2. Die Strase wird vermerkt, ist aber wohl kaum hinderlich. 3. und 4. Im Transportarbeiterverband, wo sie auch das Nähere erfahren.- B. P. Zorndorf. Ja.— K. S. 15. Beschweren sie sich beim Magistrat. Dessen Entscheidung kann wiederum binnen zwei Wochen durch Beschwerde beisri Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg angesochten werden. Dieser entscheidet endgültig. B. LI. Erst müsse» Sie verllagt werden. Nach Erlaß des Urteils kann gepfändet werden.— M. R. 1. und 2. Ohne Einwilligung des Gegners nicht. 3. Eventuell ja. Sie können sogar aus Abnahme der Sachen verklagt werden.— C. St. IVO. Wir halten in diesem Falle die Strafverfllgung für nicht begründet.— Zl. B. 10. Wo das Kind verbleibt, bestimmt der Vormund. Sie können nicht Vormund werden. W. K. 77c. Nein, Sie müssen aber nachweisen, daß sich das Mädchen in der betreffenden Zeit mit anderen Männern eingelassen hat.— H. E. IVO. Wenden Sie sich mal an das Auswärtige Amt.— E. Wesch. Man kann nur dringend abraten.— Pankow 63. Fragen Sie bei der Schuldeputation an, Berlin, RathauS. P. W. 83. Senden Sie Probe ein!—(55. B. 1. Schon von den alten Griechen und Römern entdeckt und weiter beobachtet. Kleine Experimente am Bernstein usw. Dann die Entdeckungen von 1600 und 1700 bis 1000. 2. Damals handelte es sich um Versuche mit Dampfwagen.— K. B.. Nein.— T. V. Lieber nicht.— Pr. S. DaS stimmt.— Frankfurt a. O. 17SS.— 2l. 10. Nein. P. S. 1. und 2. Ja. 3. Das kann nicht geschehen.— M. F. 99. Von wem haben Sic die Aufforderung bekommen?— M. F. N. Sie müssen zunächst angeben, wer gestorben ist.— H. 36. 1. Ja. 2. Solange Sie nicht die erforderlichen Papiere habe«, könnet, Sie nicht heiraten. 3. DaS ist noch unbekannt. 4. Melden Sie Ihre Braut als Wirtschafterin an.— Lux 10 Neukölln. Wenn die Sachen während der Ehe geschenkt sind, und es existiert ein Eheuertrag nicht, kann der Mann darüber verfügen.— H. W. 1. Nein. Der Besitzer kann auf Herausgabe klagen. 2. Das Wort hat mit dem Gesetz nichts zu tun.— 2l»ut 35. An das Verstcherungsanit, wo Sie jetzt wohnen. 2lrbeitertouristcnverein„Tie Natursreuude", Ortsgruppe Berlin. Sonntag, den 28. Juli: Wandelung von Mclchow über Samithfee, Schöp- surt, Stewsurt, Uedersee, Werbellinsee. Abfahrt I am 27, Juli, abends 7.40 nach Bicsenihal i II. am 28. Juli, früh 6,59 nach Mclchow vom Stett. Bahnhos. Treffpunkt Fischcrhütte am Samithsee. lllrbeitcr-Wailderverein„Berlin". Sonntag, den 28. Juli: Wanderfahrt nach Fangschlcuse— Löcknitz— Kl. Wall— Kienbaum— Hangels- berg— Mönchswinkel— Fangschleuse. Absahrl 5.50 Schlesischer Bahnhos. Arbeiter-Büanderbniid„Die Naturfreunde". Wanderfahrten am Sonntag, den 28. Juli. I. Neu-Ruppin— Fh. Rottstiel— Zermützclsce— Malchow — Neu-Ruppin. Abs. Stett. Fernbahnhos Sonnabendabend 9.29 Uhr.— II. Frohnau— Mühlenbecker See— Mönchsmühle— Nordend. Abs. Stett. Vorortbahnhos 6.45 Uhr vorm.— III. Angermünde— Wolletzsee— Glam- bccker Mühle— Herzsprung. Abf. Stett. Fernbahnhos Sonnabendabend 10.45 Uhr.— IV. Erkner— Stienitzsee— Strausberg. Abs. schief. Bahnhos 5.53 Uhr vorm.— V. Bernau— Liepnitzsce— Bernau. Abs. Stett. Vorort- bahnhos 6.40 Uhr. vorm.— VI. Zehlendors— Klein-Machnow— Ar.-Lichter- seloe-Ost. Treffp. 2 Uhr Bahnhos Zehlendors.— VII. Kinderwanderung. Tegel— Hermsdors. Treffp. 1. Schlcs. Bahnhof(Ecke Frucht- und Madai- strage°/,8 Uhr vorm. 2. Bahnhos Wedding(Eing. Nettelbeckplatz) 8 Uhr vorm. Gäste willkommen._ Marktbericht dou Berlin am 34. Juli 1913, nach.Ermittelung des königl. Polizeipräsidiums. Markthallenpreise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00—50,00. Speiscbohnen, weiße, 30,00—50,00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 10,00—16,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,50— 1,80. Schweinefleisch 1,50— 2,00. Kalbfleisch 1,50—2,40. Jöammelflcifch 1,70—2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 3,40—5,20. 1 Kilogramm Karpfen 1,20—2,20. Aale 1,20—3,20. Zander 1,60-3,60. Hechte 1,40—2,80. Barsche 0,80-2,40. Schleie 1,20—3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 2,00—40,00. WitterungSüberstcht vom 35. Juli 1012. Swinemde. Hamburg Berlin Frankf.a.R München Wien 76� OSO 763OSO 763SO 760'NO 760!ND 761NNO 2 heiter 3wolkcnl 1 wollenl aparanda 764iO etersburg 764, W Dunst heiter wölken! äcilly Aberdeen Paris 754,® 761Still 759W heiter wölken! wolkig Nebel Regen Wetterprognose für Freitag, den 86. Juli 1913. Sehr warm, zunächst vorwiegend heiter bei mäßigen südöstlichen Winden; später zunehmende Bewölkung und Gewitterneigung. WoflerstandS-machrtchten Wasserstand M e m e I. Tilsit P r e g e I, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor . Krossen , Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz . Dresden » Barby , Magdeburg Wassersland Saale, Grochlitz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree, Spremberg') , Beeskow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub , Köln Neckar, Heiwron» Main, Hanau Mosel. Trier am 24.7. cm 60 18 24 58 77 100 172 514 277 229 125 99 20 seit 23.7. om1) 0 0 — 1 +l — 6 +31 +17 —55 -3 ? ')+ bedeutet WuchS,— Fall.—') Unterpegel,—•) otB 25. früh Wasserstand nur noch 336 om und weiter fallend. ToKs-Anzeigen Am Miltwochnachmittag entschlief sanft nach langem schweren Leiden mein lieber Mann, Unser guter Vater, Bruder, Schwager und Onkel, der Schriftsetzer 25926 Max Voss im 46. Lebensjahr. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Sonnabendnachmittag 5 Uhr von der Leichenhalle des Zentral-Fricd- Hofes in Friedrichsselde aus statt. Sozisldeinokrät. Wahlverein Neukölln. Den Parteigenossen zur Nachricht daß unser Mitglied, der Monteur' Kar! Ldineider Weichsel straße 34(4. Bezirk) verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute Freitag, nachmittags 4'/z Uhr, von der Leichenhalle des Neuköllner Gemeinde- Friedhofes, Marien- dorser Weg, aus statt.' Rege Beteiligung erwartet Der Borstand. �iMWLlll'stlzelierÄzlilvMiii des 3. Beil. Relelistags-tfahlkrelses. Den Mitgliedern hiermit zur Nach- richt, daß unser langjähriges Mit- glicd, der Buchdrucker Max Voß gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 27. Juli, nach. mittags 5 Uhr, von der Halle des ZentralsriedhoseS in Friedrichs selbe auS statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borftand. SozialiieiDoRratiscIierWatüvereii) des 4 4. Berl. Reichstags-WalilkpeiSES. Siralauer Viertel. Bezirk 336 II. Den Mitgliedern zur Nachricht, «Saß unser Genosse, der Gastwirt �ehikold Matthes Boxhagener Str. 22, verstorben ist. 1 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 26. Juli, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Andreas- Kirchhofes in Wilhcluisberg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 218/�������erBorstaiid. kiailleniltol. Wablverein für den 4. Berl. Reielistaßswalilkreis. Landsberg. Viertel. Bez. 420 I. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Tischler �ickarä �«bereit Hnselandstr. 18, gestorben ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 26. Juli, nachmittags 4'/, Uhr, von der Halle des Bartbolomäus-Kirchhoscs, Weißen- see, Falkcnbergcr Chaussee, aus statt. 218/10 Ter Borstand Dauksagttngl Für die erwiesene Teilnahme bei der Beerdigung unserer Tochter Ii'inzxlu-d sprechen wir an dieser Stellen allen Kollegen, Genossinnen und Genossen, ganz hesonders dem Gesangverein des D. T.-A.-Vcrbandes unseren herzlichsten Dank aus. Otto Ortmann nnd Fran, Reuchlinstraße 4 III. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Zulegcr Qtta Böden, Neichenberger Str. 130, am 24. d. Mts. an Herzschlag ge- storbcn ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 27. Juli, nach- mittags ill2 Uhr, von der Leichen- balle des Zentral-Friedhoses in Friedrichsselde aus statt. Rege Beteiligung erwartet 121/13 Die OrtSverwaltun». [ Deutscher Holzarbeiter-Verband Zahlstelle Köpenick. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Maschinen- arbeiter Collis Lebnert im Alter von 43 Jahren ge- slorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute, Freitag, den 26. Juli, nach- mittags 6 Uhr, von der hiesigen Leichenhalle aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 87/2 Bie Ortsverwaltung. Am Dienstag entschlief sanft nach langem Leiden meine liebs Frau, unsere herzensgute Mutter Haroliiie Rescbke im 57. Lebensjahre.[3121 Um stille Teilnahme bitten Oie trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Sonn- abend, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenballe des Gethsemane- f Kirchhofs, Nordend, aus statt. Für die Beweise herzlicher Teil- nähme sowie sür die reiche Kranz- spcndung bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer guten Mutter Olxs Schnieber sagen wir allen Beteiligten, besonders Serrn Stadlverordneten Gottfried chukz sür die zu Herzen gehenden Worte unseren herzlichsten Dank. Hermann Schnicbcr 2595b nebst Kindern. Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Unfern Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß unser Kollege liermsnn Osburx an Lungenschwindsucht verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Freitag, den 26. Juli, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des St. Pius- Kirch Hajes, Wilhelmsberg, aus statt. 48/2 Oie Ortsverwaltung. Verband der Denreinde- u. Staatsarbeiter. Filiale«ro« Berlin. Durch den Tod ist uns eines unserer Mitglieder, der Kollege Autjus! Naujoks welcher im Betriebe der Straßen- reinigung, 8. Abteilung, beschäftigt war, entrissen worden. Wir werden ihm ein ehrendes hindenken bewahren. Die Bestattung findet am Freitag, den 26. Juli, nach« mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Elisabcth°.KirchK>scS in Pankow, Wollanlstraße, aus statt. 35/4 Die Ortsverwaltniig. Mal-IlFaRkeR-R.BLgM3- kasse f. Textilarbeiter etc.*« Oertliclie Verwaltung Berlin. Kaclirnf. Am 22. Juli verstarb unser Mitglied, Frau Dhariotte Hoffmaiiii im Hilter von 67 Jahren. Ehre ihrem Andenken! 197/7 Oie Verwaltung. DaiilliSÄximA. Für die vielen Beweise liebe- voller Teilnahme beim Hinscheiden meines lieben, guten Mannes, unseres guten Bruders, Schwagers und Onkels, des Gastwirts Oskaa* sage ich allen Verwandten, Freun- den und Bekannten, meinen werien- Gästen, dem Wahlverein, dem Verein Moabitcr Gastwirte, insbesondere Herrn Genossen Moses sür die trostreichen Worte meinen herzlichsten Dank. Berlin XIV. 23, Holitciner Ufer 14. 114/13 krau Ünna Kay geb. Taubert. Am Dienstag, den 23. Juli, abends 9'/, Uhr, verschied meine inuigstgeliebte Frau, unsere gute Mutter Klsnis Uvvkvn geb. Barleben. _ Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 27. Juli, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle der Kolonie Kupferhammer bei Eberswalde aus statt. 25a Oie trauernden Hinterbliebenen Ferd. Feelrer inobst Kindern Ziehung am 1. u.a. August In Bonn. Erste W» Pferde Lrterae- otterle. 6717 Gewinne, Gesamtwert M. iiooe 40 Pferde, Wert Mark iQOOS 5677 Sübergewiano Mark 10060 1. Hauptgewinn Wert Mark 10000 Rheinische Lose ä 1 M. 11 Lose---- 10 M., Porto a. Liste 30 PI. in allen Lotteriegeschäften, Loseverkaufsatellea und durch Lud. Müller& Co. Berlin C. BieiteStr. 5. Plomben, beste Ans- , sührung, billigste Preise. » Gegr. 1889. allden- 145, II. Zälllljj, Gegr. 1 Olga /acobson, Sozialttemokrat. Wattlverein Grünau Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am Montag, den 22. Juli, unser Genosse Msx Scheyer am Herzschlag verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Einäscherung der Leiche findet in Gotha statt. 202/15 Der Borstand. Für die rege Beteiligung bei d� Beerdigung meiner lieben Frau und guten Mutter, Tochter und Schwester Luize Nachtigall geb. Reinhardt sagen wir allen Leidtragenden, be» sonders den Genossen des 6. Wahl« krcifeS, dem Deutschen Metallarbeiter- verband, dcnKollcgen und Kolleginnen der A. E. G.. Schlegelstraße,«lbteil. Meister Engel, dem Sparverein Wiesenburg, den Mietern des HauseS Höchste. ld und dem Gesangverein der freien Vereinigung unseren herz« lichsten Dank. 25a Die trauernden Hinterbliebene». Achtung! Tabakarbeiter! Mit Rücksicht auf unser Sommerfest bei Lipps fällt am Sonnabend, de» S7. Juli 1912, der Zahlabend aus. 187/is_ Der Vertrauensmann. Kautabak Nur echt, wenn jedes Böllohen nebenstehenden Zettel enthält. Hauptniederlage: H.& P. Uder, G. A. Hanewacker Nordhausen. Schutzmarke. Berlin SO. 16. Eugelirier 8. Tabak-Großhdlg. Amt Moritzpl. 3014. Mflilt ljMljkllk WlllgklWe. Nachzutragen der Liste vom Sonntag, den 21. Juli, sind folgende Betriebe: Berlin: Figurski, Pctersburgerstr. 65. Jurkat, Cadinerstr. 21. Kieinield, Malistöerstr. 12. Knoblauch, Webcrstr. 13. Swidurski, Wollinerstr. 31. Neukölln: Hanisch, Emserstr. 130/131, Neu bewilligt: Berlin: � i, Naugarderstr. 3. Dommisch, Driesenerstr. 4. Kaue, Reichenbergerstr. 88. Kutzera, Goßlerstraße 17. Marx, Heidenseldslr. 16. Schulz, Mürichcbcrgeritr. 20. Die beschäftigte» Gehilfen sind im Besitz einer meisten mit rotem Rand versehenen Koutroll- karte, welche der leichten Kontrolle wegen nui Spiegel steckt. Geschäfte, in denen kein Personal beschäftigt wird, gelten ebenfalls als geregelt. 294/4_ Bcrband der zpriseurgehilfen. Zwcigverband Berlin und Vororte. Renkölln: Seltner, Treptowerstr. 92/93. lsteckhösel, Friedelstr. 1. Adlershot: Brhch, Bismarckstr. 18. Mleder-Schöneweide: Kaiser, Berlinerstr. 108. äj-hv.' iJwfc/' k'v-V"->-■ tOrfhi r.?-- trsöaw» 1 Arbeite?, Handwerker,* Mann jeder praktisch Jeder teder WQSl' arbeitende der sür seine Arbeit, sür seinen Beruf, besonder? vorteilhaft geeignete Kleidung nötig hat, kaust diese bei I£o]iiien&«föring, Größtes Spezmthlms für Arbeits- u. Derufskleidung Hauptgeschäft: Alexaudcrstr. 12. Zweiggeschäste': Nosenthaler Str. 53— Landsberger Allee 148— Neukölln: Bergstr. 66 Jstiihe Alcxauderplatz. Ecke Weinmeislcrstraße. am Friedrichshaw.(Rixdors)am Ringbahnh. viahc cllcxaiioerplag. Ecke Wemmeineriirage. am Frledrichshaw. lNixdorijam Rtngvayny. Reelle billige Preise, erprobte solide Qualitäten, guter Sitz, richtige Machart, beste Verarbeitung, größte Auswahl. Die reellsten und billigsten Möbel nnd Polstcrwaren erhält man zu Kassapreisen in der seit 33 Jahren bestehenden Möbelfabrik von A. Scbnls, Reichenberger Straße 5. Größte Auswahl in allen Holz- und Stilarten mit zehnjähriger Garantie.(5 Proz. Kassaskonto.) Ev. auf Ratenzahlung Her Ilzar Verwaltung Berlin. Küchenmöbel-Branche Montag, den SS. Juli lSlS, abends 6 Uhr, Englischer Garten, Alexanderstrasze S7: Vonssmmlung. Tagesordnung: 87/1 1. Der Berbandstag in Berlin.— 2. Branchenangelegenheiten. Sitzung der Ortsverwaltung fällt biefen Freitag auö. nie Ortsverwaltnag. 35' I ■BB Verkauf nur Im Fabrikgeblinde! I MSiesparen Geld! öbel Wenn Sie direkt in der '35 I Möbelfabrik l 2H1WallerM:WilliMaaß,BsS35} III! SJUItWI iUU. 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Abt.: 3 Uhr: Frankfurt a. Oder. 5 Uhr: Steinsurt. 1 Uhr: Saat« Winkel. Start: Eihsium. 6. Abt.: 5 Uhr: Steinsurt. 12 Uhr: Bernau(Salzmann). Start: Oderberger Str. 28. 7. Abt.: 6, 10 und 12 Uhr: Gorin see. Start: Schulstr. 29. 8. Abt.: Am 27., abends 8 Uhr: Plötzensee(Deutscher Kaiser), am 28., 2 Uhr: Saatwintel. Start: Levetzow straße 2t. 9. Abt.: 8 Uhr: Hohenschöpping 1'/, Uhr: Hemtigsdors(Brose) Start: Schillingstraße 22. Jugendliche Bundesgenossen: Bade tour nach dem Blumenthalsee. Start ö'/, Uhr: Stralauer Brücke 3. Agitationstour. Tour wird am sammelstart bekannt- egeben; derselbe ist 12 Uhr am .iahnhos Weißens«. Die Genossen werden dringend ersucht, sich an der Tour rege zu beteiligen. Wegen der Generalversammlung findet die Zentralfahrwarissitzung am Freitag, den S. August, statt. Der Zentralsahrwart. Reinickendorf. 1. Abt.: Tegelort. Start: 2 Uhr bei Lllnwg. 12/7 Tischler Otto Nickstedt, zeb. 1890 zu Magdeburg, wird er- ucht, fich sofort zu melden(wegen Erbschaft). Antwort unter„Erbschast", Bennungen postlagernd. 205/15» Saison-Ausverkaufl DV~ Heute~3Hi eröffne wieder meine Gänse-Ausschlächterei Frau M. Schöning, 2583b Annenstr. Äii. Voranzeige für morgen Wir bitten um Beachtung der Einkaufsvorteile bei den von morgen ab zum Ausverkauf gelangenden Herren- und jünglings- Anzügen BaenSohn Kleider-Werke o Deutschlands größte Fabrik dieser Art Chausseestraße 29-30--- 11 BrGckenstraße 11 Gr.Frankfurter Str.20' Schöneberg, Hauptstr. 10 JtiUektr Nachdruck verboten. | Der Haupt-Katalog Nr 44(Neueste Moden) kosten freiT�l Freitag, 26. Juli 1912. Anfang 7'/, Ubr. Prater. O diese Berliner. Theater und VerLnügungen� MWjW Urania. Von Meran zum Ortler. Königgräiter Straße. Die fünf Franksurter. Kiirfürsteiioper. Der Tanzanwalt. Neues. Der liebe Augustin. Berliner. Große Rosinen. Schule,- Eharlottendurg. Das Konzert. Thalia. Autoliebchen. Slierrovo,. Schwindelmeier u. Co. Apollo. Svezialtläten. Passage. Spezialitäten. ReichShallen. Dresdener Viktoria» Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. Ansang 8'f, Uhr. Lessing. Vergnügungsreise. Neues Schauilnelhaus. Shlvester Schäfier. 1. Klaffe. Lustspielhans. Ein Königreich m. b. H. Neues Operetten. Partettfitz Nr. 10. Friedr.> Wilh. Schauspielhaus. Die keusche Susanne. Rose. Die Tragödie einer Ehe. Folies Capriee. Parifiana- Ensemble. Ansang 8>/, Uhr. Kleines. Der Unverschämte. Der Arzt seiner Ehre. Der Herr mit der grünen Krawatte. Königstadt-Kasino. Spezialitäten. Ansang 10 Uhr. Admiralspalast. Eisballett: Dvonne. Sternwarte. Jnvalidenstr. 57—62. LkhIIIei'- Ehester Charlottenburg. Das Konzert. Lustspiel in 3 Alten von Herm. Bahr. Ansang 8 Uhr. Ende IG/« Uhr. Morgen und folgende Tage: Hu» Konzert. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Große Rosinen. Abends b Uhr: Die 5 Frankfurter. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Ter liebe Augustiu. Operette von Leo Fall. _OC, SCHER GARTEN Tätlich: Großes Militar- Doppel-Konzert. Eintritt 1 Hark, von abends 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. IDSEsTHfATE Große Franffurte, Str. 132. llie Tragödie einer Ehe. Ansang 81/. Uhr. Aus der Gartenbübne: Jnhu! ES ist erreicht! Gr. Revue. ATEQ Sir. 132. 1|f ir Ehe.| br. I— r" Letzte Tage! Ab 8 Uhr. Sensationeller Lacherfolg! Clown Alf. Huniels mit seinen Zirlusspäßen. Atta Haxini Kgl. Kammervirwosin, und 10 weitere gr. Attraktionen. Metropol-Theater. SMntteler Phantastisch musilalische Komödie in 3.alten auS dem Englilchen völlig jrei bearbeitet von I. Freund. Musik von R. Nelson. U. a. Tänze v. W. Bishop. In Szene gesetzl vom Dir. R. Schultz. Ansang 8 Übr. Rauchen gestattet. emiMdM Wlicrei U Jen 4«m MslMsiraireis Montag, den 29. Juli 1912: Großes Kinder=Fest •• •• in den Lokalen Mentes„Volksgarten", Lichtenberg, Röderstraße, Ludwigs„Viktoriagarten", Am Treptower Park. I I KU ■day Kinderspiele mit Verteilung von Bonbons ------------- Garten-Konzert und Tanz== Billett 20 Pf, 218/11» Anfang 4 Uhr. Jedes Kind erhält am Eingang einen Bon liir Stocklaterne und Karussell gratis! I Ii i (q I I 1 Sozialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berliner Reichstagswahlkreis :::: 16., 20., 21. und 22. Abteilung Sonntag, den 28. Juli 1912: Sommerfest — im Insel-Restaurant----- (Inh.: Neumüller), Plötzensee, Seestraße Mitwirkende; Konzertorcbester„Moabit"(Zivilbernfsmaslker) Tnrner— Spezialitätenvorstellung Aaltreten des„Berliner Ulk-Trio" In den Sälen: GROSSER BALL Teilnehmende Herren zahlen SO Pf. — Anfang 4 Uhr Billett 25 Pfennig Jedes Kind erhält zwei Bons, gültig für eine Karussellfahrt und eine Stocklaterne 231/2 Das Komitee. Die Kaffeeküche ist von 2 Uhr an geöffnet Voigt-Theater. Gesundbrunnen• Badstraße 58. Heute sowie täglich: Die Tochter der Here Gr. rom. Ausstattungsstück m. Tanz und Gesang in 5 Bildern. Neue Beleuchlungseffelte usw. usw. u. d. große Spezialitäten-Programm. Kaffeneröffnung 2 Ubr. Ans. 4 Uhr. Könlgstadt-Kasino. Ecke Holzmartt- u. Zllexanderstr. bis". AuKt- ö lümmeni und„Die weiße Dameu Schwank mil Gesang. UP ■■■■Hark ."."CGala-Tag mit grofiem Rleaen- Front-Fenerwerk (Deichmanu& Gallwitz). Sonntag: Elite-Sonntag; mit Gala- Front-Feuerwerk. Gastspiel der heribintenllresileiier fictoria-Sänger. Ansang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 77. Uhr. Admiralspalast im Bahnhof Priedriohstraße, z. f.. einziger Eiapalast. Angenehm kühler Aufenthalt. Heute lS große Vorstellungen X. Nachmittags und abends: Das aensationelle Elaballett „Yvtonne". Willi Frlck, der kleinste Eislaufkünstler. Bis 6 Uhr und von 10,/< Uhr abends halbe Kassenpreise. Ilcstaurant 1. Kangei«! Wein- und Bier-Abteilung. mm üMlllMüte (am Schlefischen Bahnhos) lam islytesilwen wagnqou-' r r i. (Großer AnSnabmetag) Morgen Sonnabend(Großer Aiisnahmetag) fast umsonst nach Woltersdorker Schleuse Abfahrt: Früh 8. 9. 10 Uhr, mittags 2 Uhr. Jeder Dampser mit Musik. Daselbst großes Garten-Konzert. Hin und zurück 30 Pf.. Kinder 10 Pf. Es ladet sreundllchst ein_ E. Schmitz. Vereinen, Gewerkschaften und Schulen empfiehlt fich das Zestsursnt WaR-ZWsI ——— Schmöckwitz I. d. Hark.-- Ausschank von Tchultheiff-Bieren.— Anerkannt gute Küche. Inh.: Ernst Roack. Telephon: Zeuthen 3t Operette von Leo Fall.__ iZny.:«rnn otong. Telephon: Wenigen verantwortlicher Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Für de? Lnjeratentetl verantto.: Ts�. Glocke, Berlta. Druck u. Verlag: Borwart» Buchdruckeret u. Verlagsanstalt Paul Htnger».«ta, BertiuSW,