Mr. 175. Nbonnemenk-sMWWn: BSonncmmJ«. Prci» tränumetanSo: Werteljährl. 3,30 Mk,. mono«. 1,10 Ml, wöchentlich 23 Psg. frei WS HauS. Einzelne Nununer S Psg, Sonntag»« nummer mit illustrierter Sonntags» Beilag-.Die Neue Well" 10 Pia, Post« Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitung»« Prcwlislc. Unter Kreuzband für Deutswland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Posiobonnemenl» nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Kumänien, Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. CrliStlnt tistiA illllilk mcntifis. Verltnev Volksblnkk. Zcntratorgan der rozialdcmokratifchcn parte» Deutfchlarsda. Die TnfcrtlonS'Gfbüftr betrügt für die sechsgespaltene Kolonel, »eile oder deren Raum SO Pfg,. für politische und gewerklchastliche Vereins- Und BersannniungS-Anzeigen 30 Pia, „ixt-ine Znretgen", das settgedruckic Wort 20 Pfg,(zulässig 2 fettgedrulkte Worte), jede» weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Echlasstellenan- «eigen da» erst« Wort 10 Pfg,, jede» weitere Wort 5 Pfg, Worte über 16 Buch- staben zählen für zwei Worte, Inseraie für die nächste Numnicr müssen bis 5 Uhr nachmittag» in der Ervcditio» abgegeben werden. Die Ervedition ist bis 7 Uhr abend» geöffnet, Telegramm- Adresse! „SoziüliUmalirat Berlin". Redaktion: 833. 68, Lindcnstrassc 69. Nerusprccher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. oektemichilcher MperiallZwus. Aus Wien wird uns vom 27. Juli geschrieben: In der Debatte im Unterhause hat Churchill, zur Begründung der wahnwitzigen Rüstungen, die England plant. auch von Oesterreich-Ungarn als von einer„neuen Seemacht" gesprochen. Die schwarzgelben Offiziösen haben das„Lob" bescheiden abgewehrt und gemeint, mit den vier Dreyd- noughts, die in Oesterreich-Ungarn in Bau find, könne nicht viel Staat gemacht werden. Aber die Bescheidenheit ist sehr unangebracht, denn in Wahrheit wächst das Gelüste der Militärs auch hier zu Lande ins Unermeßliche. Den vier Dreadnoughts werden weitere folgen, wie ja für den Militarisimts jedes schwere Opfer, das er dem Volke auf- erlegt, ein Anreiz zu neuen Forderungen und ein Präjudiz neuer Verpflichtungen ist. Mit der Wehrreform, die jetzt ins Leben tritt, wird das gange nur irgend wie zulängliche Menschenmaterial verschlungen. Und init alledem nicht genug: die Forderung nach der Viertelmilliardc Kronen, die der Kriegsminister zur Umbewaffnung der Artillerie erhebe, wird, Wenngleich sie die beiden Regierungen für dieses Jahr abgelehnt haben, ganz unzweifelhaft wieder auftauchen, und, wie es inmier der Fall, schließlich auch zu- gestanden werden. Aus dem armen, ausgeplünderten und in allen kulturellen Dingen so rückständigen Lande soll demnach alles herausgepreßt werden, was ihm nur an Gut und Blut abgezapft tverdcn kann, herausgepreßt werden für den Moloch. Tie Schwarzgclben haben es also nicht nötig, so bescheiden zu tun: in dem Wahnwitz der Rüstungen, der auf den Völkern als Fluch des Kapitalismus lastet, steht nun auch Oesterreich-Ungarn nicht zurück, Mit den neuen Kanonen, die man fordern will, hat eS eine gar seltsame Bewandtnis: es sollen nämlich die Ge- schütze, die erst vor knapp sieben Jahren angeschafft worden sind, hinausgeworfen und durch neue ersetzt werden. Die Geschütze sind noch gar nicht in Gebrauch genommen worden, und schon müssen„sie durch neue ersetzt werden". Nämlich Oesterreich-Ungarn hat die Kanonen aus Schmiedebronze, und der Herr Kriegsminister, den wir jetzt haben, hat gefunden, daß Bronze nichts tauge und durch Stahl ersetzt werden müsse. Tie Artillerisierung der Landtvehr ist noch gar nicht belvilligt, das ist ein Zukunftsplan, aber die Kanonen für sie sind, natürlich aus Bronze, schon fertig und eingelagert und muß- tcn also umgetauscht werden, bevor sie eingeführt sind. Nette Zustände, nicht? Die Bronzegeschütze soll der frühere Kriegs- minister Krieghammer am Gewissen haben. Es bestand schon damals eine starke Abneigung gegen die Stahlbronze, bc- kanntlich eine österreichische Erfindung des Generals Uchatius, und man war schon vor sieben Jahren von der Ueberlegenheit des Stahls überzeugt und geneigt, die österreichische Er- findung fahren zu lassen. Ter wackere Kriegsminister hatte ober eine eigene Fabrik zur Schmiedung der Bronze errichtet, und da nian die Million dafür nicht„nutzlos" aufgewendet haben wollte, ließ nian vor der Entscheidung durch die Delc- gationen die geschmiedete Bronze für die Geschütze in riesigen Mengen anfertigen, um die Delegationen zu zwingen, bei der Bronze zu verbleiben. So erzählt es nämlich der jetzige Kriegsministcr, der damit für seinen Stahl Stimmung machen will, aber nicht bedenkt, in welchem Licht er die österreichische Heeresverwaltung damit erscheinen läßt. Es ist nicht aus- geschlossen, daß damals auch dicke„Schmicragcn" mitgespielt haben, denn jener Krieghammcr war dafür bekannt, auch für klingende Argumente empfindlich gewesen zu sein, wonach die armen Völker in Oesterreich-Ungarn jetzt so etwa an eine halbe Milliarde herhalten müßten, um die unlauteren Dumm- hciten eines wenig lauteren Ministers vor sieben Jahren gut- zumachen. So wirtschaftet der Militarismus mit der Völker Gut! Im übrigen weiß man, daß der Moloch um„Argu- mente" nie verlegen ist. und vernünftige Leute haben sich längst abgewöhnt, den„Beweisen" für die augenblickliche „Notwendigkeit", die der Militarismns vorschützt, die ge- ringste Aufmerksamkeit zu schenken. Wie es die Herrschaften „begründen" werden, daß sie die Viertclmilliarde fordern, ist nebensächlich: wichtig und sicher ist nur das eine: daß sie näm- lich nicht Ruhe geben werden, bis sie sie den Völkern abge- knöpft haben. Leicht wird es freilich diesmal nicht gehen, denn beide Staaten der berühmten Monarchie befinden sich, was Geld betrifft, aus dem Trockenen. Der Moloch wird iimner unverschämter und der Dalles wird immer größer. Das Ende wird der Krach sein. Die Seele dieses ewigen Fordcrns ist natürlich der Thronfolger, dem alles zu locnig ist. was die Kriegs- minister verlangen und was die Regierungen bewilligen, und dessen„Unbeugsamkeit" im Fordern offensichtlich dazu bc- stimmt ist. die„Nachgiebigkeit" des alten Kaisers zu be- schämen. Diese Viertelmilliarde hat er schon früher begehrt, und weil der frühere Kriegsminister die Forderung fallen ließ, traf ihn die Ungnade des Belvedere, die ihn auch bald zu Fall brachte. Franz Ferdinand liebt, darin seinem Ideal in Berlin folgend, die starken Worte, und so hat er die gewaltige Last der Opfer, die die unterschiedlichen militari- scheu..Reformen" der letzten Jahre in Anspruch nahmen, mit dem Worte abfertige,, wollen,..elender Brocken"! In der Nücksichtslosigkeit, mit der sich das Belvedere über die Ilster- essen des Volkes hinwegsetzt, diesem Voranstellen und Unter- streichen der militärischen Ansprüche und Zurücksetzung all dessen, was der moderne Staat an Notwendigkeit hervor- bringt, birgt schwere Gefahren in sich und wird sich auch in Europa als ein Element der Unruhe, der Bedrohung des Friedens bemerkbar werden. Es ist der österreichische Im- pcrialismus, der sich darin ausdrückt. Unklar in seinem Ziele und unverständig in seinen Mitteln, strebt er heute vornehm- lich die Erfüllung der militärischen Machtkräste an. Aber daß die aberwitzige Rüsterei nicht dem Frieden dient, ist klar, und die Welt kann noch rascher als ihr lieb, erfahren, daß sie dem Frieden nicht dienen will. Ileu-Kamerun. Im Verlage von G-usbav Fischer in Jena hat das NcichÄolonia»- amt eine Schrift erscheinen lassem in der die Verhältnisie des KongagebietS, das von Frankreich an Deutschland durch das Ab- kommen vom 4. November 1911 abgetreten wuirde, dargelegt werden. Wegen diese» Kolonialgebiets, das in der Schrift„Neui-Kamc run" genannt wird, kam es bekanntlich im Sommer tx I. beinahe zu einem Kriege mit Frankreich— wir erinnern an die Aktion vor Agadir— und Herr v. Lindequisti schüttelte den Staub des Aus- wältigen Amtes von seinen Schuhen� da er von einer Erwerbung dieses Kolonialgebiets nicht erbaut war. Die neueste Schrift über Neu-Kamerun zeigt, daß die Kolonialherrlichkeit hier nicht weit her ist. Nachstehend entnehmen wir der Schrift einige Stellen. Ueber da» Slldgebiet sagt der Verfasser Dr. K. Ritter:„Die Lcbenß- bedingungen sind klimatisch hier im allgemeinen dieselben, wie in allen anderen»veskafrikanischen Urwaldländern. Besonders unangenehm macht sich der st'än di ge große Feuch- tigkeitsgehalt der Lust geltend, der meist den Grad einer vollständigen Sättigung erreicht; erträglicher ist der Ausent- halt auf den trockenien Hochslächm Hier ist in den Nächten eine wohltuende Abkühlung bemerkbar. Auch sind die Stechfliegen,, die in den Sumpfgebieten dcs Jwindo und in den Niederungen des Ekeba und des Uga sehr lästig sind, in lden höheren Lagen seltener. Sumpffiebcr, Gallen, und Leberaffektioneu sind selten; Beriberi kam im Jahre 1999 zur Beobachtung, dagegen richten die Pocken unter den Eingeborenen große Verwüstungen an, auch Lepra und Geschlechtskrankheiten sind sehr verbreitet.— Von größter Bedeutung ist, daß in diesem Gebiete die Schlafkrankheit in den letzten Jahren Fortschritte in westlicher Richtung gemacht hat. .... Zur Bekämpfung der Krankheit ist in diesem Gebiete bisher noch nichts geschehen.— Die Vegetation des Gebiets wird bestimmt durch seine Zugehörigkeit zur Urwaldzone. Wenn der Urwald auch nicht an allen Stellen gleiche Dichtigkeit und Zusammensetzung zeigt — aus der Höhe wird er von lichterem Hochwald oder dichtem Busche, im Jwindosumpfgebiete von Bambus« und Rotangbcständcn abgelöst— so ist doch das Land vom Sanga bi» zur spanischen Grenze ununterbrochen mit Wald bedeckt.... Die Kautschuk- b e st ä n d e sind in diesem Gebiete schon ziemlich g e l i ch- t e t. Kautschukbäume gibt es hier überhaupt nicht mehr; aber auch die Lianenbestände haben sehr gelitten." Ueber den Sangavorsprung, den südlichen der beiden so- genannten Kongozipfel, wird u. a. gesagt:„Ueber die meteorologi« schen Verhältnisse des Sangavorsprungs liegen genaue Angaben nicht vor. da es hier an den zur Beobachtung geeigneten Stationen fehlt.... Der Himmel ist fast immer bedeckt. Die Temperatur ist während des ganzen Jahres gleich und fast ohne Tages- schwankungen. Fast unerträglich wird sie dadurch, daß die Lust bis zur SättiMilg mit Wasserdampf angefüllt ist. Dazu ist die Miilkenplagd- nirgends in Afrika so groß wie hier. Die gewöhn» lichcn tropischen Krankheiten treten in diesem Gebiete in besonders schwerer Form aus; auch die S ch l a skr a nk- h e i t ist hier sehr verbreitet. Ter dauernde Aufenthalt von Weißen in diesem Gebiet wird von Kennern des Landes für unmöglich ge- halten; sogar ein nur vorübergehender Ausenthalt von wenigen Monaten wird als geradezu mörderisch bezeichnet.— Die Bcvölke- rung dieses Gebiets zerfällt in eine Angahk von Völkerschaften, über die noch wenig bekannt ist." Im dritten Kapitel der Schrift kommt der Verfasser zu dem Ostgebiet. Er sagt:„Die gesundheitliche Beurteilung dieses Gebiets wird aber weniger durch diese allgemeinen klimatischen Voraussetzungen bestimmt, als durch die Tatsache, daß das ganze Stromgebiet des Sanga und des Nbangi von der Schlafkrankheit durchseucht und als der Herd zu betrachten ist. von: dem aus sich die Kranlhcit auch nach A l t- K a m c r u n verbreitet hat..... Ein großer Teil der eingeborenen Bevölkerung ist infiziert. Von der französischen Regierung ist hier bis vor kurzem so gut wie nichts zur Bekämpfung der Krankheit geschehen.... In diesem Gebiete ist auch der beste Beweis dafür erbracht worden, daß die eine zeit- lang angenommene JmmunitSt der Wrißrn gegen die Schlafkrank- heit nicht besteht. Es find hier viele Weiße infiziert worden..... Unter den Eingeborenen fordern neben der Schlafkrankheit auch die Pocken zahlreiche Opfer." Dann beschäftigt sich die Denkschrift mit dem nördlichen Teile des Ostgebiets, mit dem Gebiet am Longone:„Zeitlvcise weht auch in diesem Gebiete der in Alt-Kamerun und Togo bekannte Harmalan, ein heftiger Nordwind, der hier oft wochenlang andauert. Er kommt mit großer Kraft über die ausgetrocknete Stepp« und führt den gefürchlctcu und alles durchdringenden Sand der Sahara mit sich. Wochenlang ist dann die S 0 n n e v e r h ü l l t. so daß im der Zeit dieser Stürme die Tages» jcmpexalgrei, vi cht Äer Lö.Gra> lji nein stehen..».» äu fecn Expedition t Ö Die Sorglosigkeit der spanischen Regierung ging sogar so weit. daß der StaatSministcr drei Tage vor dem Putsch, in Beantwortung einer Erklärung des republikanischen Deputierten Sorriano über das Verhalten der Verschwörer an der Grenze, ausführte, daß das. was die Emigranten täten, nur ein Zeitvertreib sei. Zu mir sagte der Ministerpräsident noch am Tage vor dem monarchistischen Einsall, ich spräche über unbestimmte Sachen, als ob sie Glaubensartikel wären. Außerdem erklärte er. daß die portiigiepsche Regierung keine offiziösen Vertreter oder Vermittler brauche, Un, den Standpunkt der spanischen Regierung und naincutlich ihres Führers CanalejaS beurteilen zu können, mufc gesagt werden, daß die monarchistischen Streitkräfte, die die Stadt ChaveZ an- griffen, sich aus 1300 Mann und drei Geschütze beliefen und dab die Mannschaften mit Mausergewehren, einige mit Riflebüchsen be- Waffnet waren. Diese Mannschaften hatten außerdem Packtiere. Munition und Explosivmaterial. Wie fich diese Verschwörer organisierten, erzählte der Fahnen- träger der unter Paiva Couceiro gelierenden Emigranten den, Arzte in Berin, der viele verletzte Monarchisten pflegte: »Wir sammelten uns in einem Orte bei Tuinzo. Dort er» hielten wir Waffen und gingen durch spanisches Gebiet bis nahe an die portugiesische Grenze. Da kam ein Schar spanischer Gendarmen, die uns zu zerstreuen suchten. Wir schössen ein paar Male in die Luft und die spanischen Gendarmen liefen davon I* Obwohl die Vorbereitungen dieser monarchistischen Streitkräfte, ganz ungehindert vor sich gehen konnten, war der Einfall in Chavcs eine Katastrophe. Die Zahl der Toten wird auf 100 gezählt und die der Verletzten und Gefangenen auf mehr als 300. Natürlich hat diese vollständige Niederlage der Monarchisten das portugiesische Volk mit Freude erfüllt. Aber stärker als die Sieges- frcude ist die Erbitterung des Volkes gegen die spanische Regierung wegen ihrer zweideutigen Haltung. Dies erklärte die offiziöse Note, die die portugiesische Botschaft in Madrid der Presse zugehen ließ. Sie greift die spanische Regie- rung scharf an, und mit Recht. Canalejas hat, um einzulenken, verlangt, daß der Gouverneur der Provinz OrenseS seine Entlassung nimmt und hat verschiedene Maßnahmen gegen die portugiesischen Emigranten, die an dem Putsch beteiligt waren, getroffen. Was die portugiesische Note betrifft, so hat CanalejaS nicht ge- wagt, sie zu beantworten. Sein Schweigen wird dadurch gerecht- fertigt, daß er die Lage nicht verschlimmern, einen diplomatischen Konflikt vermeiden will. Ueberzeugt, daß sein Benehmen niemand täuschen kann— die Konservativen selbst haben eS getadelt und ihn ungeschickt gc- heißen— versucht er jetzt die Erbitterung der Portugiesen aus- zunutzen, indem er in einigen Zeitungen die Behauptung verbreiten läßt, daß das portugiesische Volk gegen Spanien feindlich gesinnt sei. Dieser Betrug kann ihm nichts nützen. Die große Mehrheit der Portugiesen greift nicht die Spanier an, sondern nur die spanische Regierung wegen ihres Benehmens bei dem Putsch. Und das mit vollem Recht. Aus demselben Grunde wird sie nicht nur von spanischen Sozialisten und Republikanern angegriffen, sondern auch von allen bürgerlichen Parteien mit Ausnahme der Karlisten. Die sozialistisch-republikanische Koalition hat das Benehmen der Regierung bei verschiedenen Gelegenheiten verurteilt, und noch ganz bor kurzem zeigte sie einem Minister die Gründe ihres Protestes auf. Die sozialistisch- republikanische Minderheit des Madrider Magistrats hat eine Protestnote an den Vertreter Portugals in Madrid gesandt, und die gleiche politische Gruppe des Parlaments der Provinz hat sich ihr angeschlossen. Die portugiesische Republik kann ganz sicher sein, daß die große Mehrheit des spanischen Volkes auf ihrer Seite und gegen die spanische Regierung ist. Regierungen wie die des Ministerpräsidenten Canaleja», die in internationalen Angelegenheiten so perfide handeln, gereichen keinem Lande zur Ehre._ Der Krieg. Die türkische Krise. Genosse Parvus schreibt uns aus Konstantinopel: Das„Komitee" ist gestürzt. Damit ist aber noch keines- tvegs das Jungtürkentum gestürzt worden. Durchaus nicht! Weder als geistige Richtung, noch als soziales Element, noch selbst als politische Organisation ist das Jungtürkentum beseitigt worden, es wird vielmehr in der Geschichte dieses Lan- des noch eine große Rolle spielen. Beseitigt ist bloß die Oligarchie, die aus einigen Personen innerhalb der Regierung und einiger neben der Regierung sich zusammensetzte, und sie ist beseitigt worden, weil sie auf a l t t ü r k i s ch e A r t regie- ren wollte und tatsächlich regiert hatte. Der Sturz dieser Leute ist vollständig. Obwohl sie zu Kompromissen bereit waren, war doch die Gegenbewegung so stark, daß sie auch nicht das geringste Zugeständnis machen wollte. Kein einziger Platz im Ministerium! Mehr noch— es ist das nicht bloß ein Kabinettswechsel, es ist ein Regie- rungswechscl auf amerikanische Art: denn schon wurden eine Reihe höherer Beamten aus dem Ressort des Ministeriums des Innern entfernt, um durch Offiziere ersetzt zu werden, und andere, auch aus anderen Berwaltungszweigcn, werden ihnen vermutlich nachfolgen. So schwer es dem„Komitee" war, die früheren Beamten durch eigene Leute zu ersetzen, denn es besaß nicht genug Menschenmaterial, so leicht kann jetzt dieses, vorzüglich von Talaat Bey geschaffene Werk zu- sammrnbrechen. Denn das„Komitee" kam nach und nach dazu, da ihm die Anhänger fehlten, um wichtige Beamten- Posten zu besetzen, durch Vergebung von Beamtenposten sich Anhänger zu schaffen. Das„Komitee" hielt sich ja erst von der Regierungs- gewalt zurück. Aber das ging auf die Dauer nicht. Es war das eherne Muß der Revolution, das sie zwang, ein Mini- sterium der Jungen zu bilden. Einmal soweit gelangt, be- sorgte die opportunistische Taktik, die sie von Anfang an anwandten, den Rest. Denn es liegt im Wesen des Oppor- tunismus, daß er sich dem Bestehenden bis zur äußersten Möglichkeit anpaßt. Darin liegt seine Stärke und auch seine Schwäche. Denn, wenn es auch eine Kinderei wäre, die politischen Potenzen, die in der Regierungsgewalt stecken, zu ignorieren, so ist es andererseits eine Narrheit, die großen Volksfaktoren einer Revolution gegenüber der Regierungs- gewalt zurücktreten zu lassen. Man muß es den Komileeleuten lassen: sie haben die Regierungsgewalt bis zum letzten Tropfen ausgenützt. Sie haben sich auf alles gestützt, worauf man sich überhaupt hat stützen können.— darum haben sie denn auch schließlich alles verloren. Da waren vor allem zwei Faktoren, mit denen man zu rechnen hatte: die Hochfinanz und die Diplomatie. Die neue Negierung suchte, sich beiden zu akkomodieren. Aber da war auch die Steuerfrage, der blutige Zehent, dessen Ab- » schaffung man dem Bauerntum versprochen hatte,— diese Sache durfte nunmehr nicht angetastet werden, denn die Hochfinanz duldete es nicht. Da waren ein allgemeines Stürmen und Drängen, das die Revolution entfesselte, Meetings, in denen sich ein Freiheitsrausch austobte, Zeitungs- schreiber, die überall sich einmischten und das politische Leben aufwühlten, und dann— die Arbeiterstreiks. Das alles sahen sowohl die Hochfinanz wie die Diplomatie nicht gern. Diese Bewegung mußte also eingedämpft werden— darum der Belagerungszustand, die reaktionären Gesetze. Es ist eine geschichtliche Tatsache, daß die Komiteeleute durch die Hochfinanz und die europäische Diplomatie zur Konter- revolution ermuntert und angetrieben wurden. Das kann nicht nachdrücklich genug betont werden. Das Fiasko des Komitees ist zugleich ein Fiasko der Politik, die das kapita- listische Europa im Orient anwenden möchte. Der letzte Stützpunkt des Komitees war der Sultan. Er verfeindete sich mit den Volksmassen; es verlor seine Popularität unter den fortschrittlichen Elementen und es ge- lang ihm nicht, die rückschrittlichen Elemente zu versöhnen, obwohl es ihnen reichlich Zugeständnisse machte: eS verlor seine parlamentarische Mehrheit, und als es mit Gewalt ein gefügiges Parlament zusammentrommelte, büßte das Par- lament seine Macht ein; es verlor seinen Ruhm, sein An- sehen, seine Autorität: mußte deshalb schließlich auch seine Anhängerschaft im Offizierskorps verlieren. Was noch schlinimer ist, in der Soldatenmasse selbst gärte es. Ich weiß aus guter Quelle, daß man Schwierigkeiten hatte mit den Rebifs, den türkischen Reservisten, daß die Bauern auf den Dörfern erklärt hatten:„Es ist genug, wir wollen uns nicht mehr abschlachten lassen, wir machen nicht mehr mit." Und was war denn der Sultan? Ein verweichlichter, willens- schwacher Mensch, der erst vom Komitee auf den Thron gesetzt wurde und stets dessen Gefangener blieb! Dadurch, daß das Komitee, das durch den Sturz des Absolutismus seinen Triumph einleitete, sich schließlich auf den Willen des Sultans gegenüber dem Willen der Gesamtbevölkerung stützte, führte es seine eigene Taktik ad absurdum, zu deutsch: geriet ins Alberne. Als der Sultan Schwierigkeiten machte, stellte man die Frage seiner Abdankung— und er fügte sich. Die Offiziersrevolte siegte auf der ganzen Linie. Die verhafteten Offiziere werden freigelassen: Offiziere, die min- bestens mit den Aufständischen sympathisiert hatten, kommen an leitende Beamtenstellen. Das war aber eine Bewegung aus der Mitte des Jungtürkentums selbst, zum Teil die- selben Leute, die die Revolution gemacht hatten. Das neue Ministerium setzt sich aus Staatsmännern zu- sammen, die dem alten Regime angehörten. Es beginnt aber seine Tätigkeit damit, daß es den Belagerungszustand auf- hebt und größere politische Freiheit verheißt, d. h., es be- ginnt mit einer jungtürkischen Politik. Es kann nicht anders, denn sonst würde es sich keinen Augenblick halten können. Und das beweist, daß, trotz aller Schwierigkeiten und Hindernisse, der Parlamentarismus in der Türkei Boden gefaßt hat. Der Umsturz ist in der Bevölkerung mit großer Genug- tuung aufgenommen worden. Es war, wie wenn man von einem Alp befreit wäre, man sah überall freudige Gesichter, in den Couloirs des Parlaments, in den Cafäs, auf den Bos- porusdampfern, überall, es war ein Volkstriumph, beinah wie nach dem Sturz Abdul Hamids. Aendernngen im Ministerium. Konstantinopel, 28. Juli. Der ehemalige Großwesir Ferid ist zum Präsidenten des Senats ernannt worden. Der Finanzmtnister Z ia Pascha hat das Ministerium des Innern übernommen. An seine Stelle im Finanzministerium ist das Mitglied der Finanz- reformkommission Abdur, Rahman getreten. Die Vorgänge in der Kammer. Konstantinopel, 20. Juli. In der heutigen Sitzung der De- putiertenkammer verlas der Präsident eine Anzahl von Telegrammen der Bürgermeister und Notabeln von Adrianopel, Koniah, Brussa, Dedcagatsch und Adalia. Die Telegramme wenden sich lebhaft gegen die Umtriebe der der Liga angehörenden Offi- ziere, besonders gegen ihre Forderung nach Auflösung der Kammer, welche ein Eingriff in die Verfassung und in die Rechte des Sultans sei. Die Adrianopeler erklären in ihren Telegrammen, sie seien bereit, diese Leute zu vernichten. In einer Depesche heißt eS, wenn die Offiziere wahrhaft Retter seien, müßten sie an die Grenze von Tripolis gehen. Alle diese Kundgebungen wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Vier Majore überreichten dem Kammerpräsidenten ein Mani- fest unterzeichnet: Militärkomitee zur Verteidigung der Verfassung. In dem Schriftstück erklärt das Komitee sich bereit, die Kammer gegen jeden Angriff zu verteidigen. Die Mitglieder des Wahlkollegiums von Trapezunt haben an die Regierung ein Telegramm gerichtet, sie würden niemals die Auflösung der Kammer zugeben. Das jungtürkische Komitee ver- anlaßt bei seinen Klubs und Parteigenossen in gleichem Sinne geholtene Kundgebungen. Aufhebung der Dcpeschenzensur. Konstantinopel, 29. Juli. Die militärische und zivile De- Peschenzensur wurde aufgehoben. Der Aufstand in Albanien. Konstantinopel, 28. Juli. Wie die Blätter melden, ver- sammelten sich gestern in der Ebene von Kossovo 60 000 Albaner, die an die Regierung ihre bekannten Forderungen richteten. Die albanische Mission, deren Führer Ibrahim Pascha, der ehemalige Wali und Kommandant von TripoliM ist außer Akif Pascha, der. angeblich krank ist, in Pristina eingetroffen. Sie wurde auf allen Stationen begeistert begrüßt. Das Lager der Ar- nauten erstreckt sich bis drei Kilometer vor Pristina. Saloniki, 28. Juli. Malissoren haben in der Gegend von Skui Urel zwei Bataillone angegriffen, die zwei Geschütze mitführten. Der Kampf war heftig; auf beiden Seiten gab es Tote und Verwundete. Die Malissoren besetzten die Ufer des Mati und marschieren gegen Kruja, von wo dringend Ver- stärkungen gefordert werden. Ein Bombardement im Roten Meere. Massaua, 28. Juli.(Meldung der Agenzia Stcfani.) Gestern bombardierten zwei italienische Kriegsschiffe das feindliche Lager und die um dasselbe liegenden befestigten Schanzen nördlich von Ho d ei da. Die am nördlichsten gelegene Schanze wurde zerstört. Die mittlere Schanze wurde in Brand geschossen und die dort lagernden Munitionsvorräte explodierten. Das feind- liehe Lager wurde mit gutgezielten Schüssen aus einer Entfernung von bis zu 8000 Metern aufs wirksamste beschossen, und ein Schuß verursachte sogar die Explosion eines anderen Pulverlagers, das in dieser großen Entfernung gelegen war. In der Stadt selbst und in den Petrolcumlagern wurde kein Schaden angerichtet. politilcke Oebcrlicbt. Verlin, den 29. Juli 1912. Die Reichseinnahmen. Die Jsteinnahme an Zöllen, Steuern und Gebühren im ersten Viertel des laufenden Rechnungsjahres hat 383 Mil- lionen Mark betragen. Im Etat für 1912 war diese Ein- nähme für das ganze Jahr zuerst auf 1561,7 Mill. Mk. ge- schätzt, Durch den Ergänzungsetat wurde der Betrag um rund 52.3 Mill. Mk. gesteigert, so daß im Etat?es lckusenden Jahres aus dieser Einnahmequelle rund 1614 Mill. Mk., für ein Vierteljahr im Durchschnitt also 403,5 Mill. Mk. erwartet werden. Die Jsteinnahme ist also um rund 20 Mil- lionen Mark hinter dem Voranschlag zurück- Hinter dem Voranschlage sind die Zölle mit 13,1 Mill. Mk. zurückgeblieben. Die Tabaksteuer mit 0,8, die Zuckersteuer mit 1,1, die Branntweinverbrauchsabgabe mit 2,1, die Brau- steuer mit 0,8, die Loosesteuer mit 2,4, die Personenfahrkarten- steuer mit 0,6, der Grundstücksübertragungsstempel mit 0,3, die Zuwachssteuer mit 1,0, die Erbschaftssteuer mit 1,5 Mil« lionen Mark. Dagegen haben Mehrerträge abgeworfen die Zigarettensteuer mit 1,1, die Leuchtmittelstem!? mit 0,3, die Zündwarensteuer mit 0,9, der Wechselstempel mit 0,4, die Börsensteuer mit 0,5, die Kraftfahrzeugsteuer mit 0,4, die Tantiemesteuer mit 1,0 Mill. Mk. Bischofskonferenz und Zentrnmsstreit. Ueber die am 7. August in Fulda stattfindende Bischofs« konferenz hatte die»Kölnische Zeitung" auf Grund von Jnfor« mationen geschrieben, daß dort der klerikale Gewerkschaftsstreit zur Beratung gelangen und dabei die Berlin. Trierer» Richtung einen„inoral-theologischcn" Sieg erringen werde. daß aber die„moral-theologische" Ablehnung des M.-Gladbacher Gewerkschaftsprinzips mit dem Ausspruch praktischer Dul« dung und Anerkennung der christlichen Gewerkschaften verbunden sein werde. Der zu erwartende Sieg der„Berliner" werde in Wirklichkeit ein Pyrrhussieg sein. � i Die antibachemitische„Kölner Korrespondenz" läßt in ihrer Nr. 36 vom 20. Juli durchblicken, daß die„Kölnische Zeitung" gut unterrichtet sei. Auch der Streit über den Zentrums- ch a r a k t e r soll in Fulda auf der Bischofskonferenz verhandelt werden; diesem Streit werde i n hohen und höchsten kirch- lichen Kreisen sogar mehr Gewicht beigelegt als dem Gewcrk- schaftsstreit. Man wisse in diesen wie auch in leitenden Zentrums- kreisen,„daß der Streit zwischen der Kölner Richtung und der Osterkonferenz eine Gefahr für die Partei ist, und zwar eine wachsende Gefahr, ferner, daß der Fortbestand und die Stärke des Zentrums für die Kirche von noch viel größerer Bedeu- tung ist wie die Frage,„ob christliche Gewerkschaften oder katho« tische Fachabteilungen". Die Hauptschwierigkeik, so fährt die„Köln. Korrespondenz" fort, liege nicht auf dem prinzipiellen Gebiet(Papst und Mehrheit der deutschen Bischöfe ständen auf feiten der Trier- Berliner), sondern sei die:„Wie kann man den M�Gladbachern taktisch beikommen, ohne daß ein Eklat entsteht? Man hat es nämlich mit Elementen zu tun, die auch den kirchlichen Autoritäten die Zähne zeigen und in der Lage sind, den Bischöfen zuzurufen: Vis hierher und nicht weiter!— Da gilt es, dem Feinde goldene Brücken bauen, über die er sich langsam und schein- bar in allen Ehren zurückziehen kann. Die Bischöfe werden sagen. was Roeren sagt, und Herr Bachem wird sagen, das habe er immer gesagt." Zu dem bevorstehenden Katholikentage in Aachen ver- öffentlicht die„Kölner Korrespondenz" eine Zuschrift, die fordert, daß der Katholikentag sich mit dem Zentrumsstreit befassen solle; denn gerade die„Generalversammlung der Katholiken Deutsch« länds" sei der berufenste Ort. diese„Frage aller Fragen im katho- tischen Deutschland" zu erörtern; der Streit drehe sich doch gerade darum,„ob die Weltanschauungsorganisationen der deutschen Katholiken im Einklang mit der katholischen Weltanschauung bleiben müssen". Die„Köln. Korresp." bezweifelt, daß der Katholikentag aus diese Anregung eingehen werde, denn:„Zu solchen Erörterungen sind die Katholikentage gar nicht da; sie sind keine Waschanstalten, sondern Bcgeistcrungsinstitute; es gilt die katholischen Massen für die katholische Sache und damit fürs Zentrum zu begeistern. Das ist der Zweck der Katholikentage. Die Taktik deS preußischen WahlrechtskampfeS. Genosse Eisner hat bekanntlich vor einigen Wochen den Vor« schlag gemacht, unter den bürgerlichen Kreisen deS preußischen Ab« geordnetenhauses dadurch Verwirrung und Zwietracht zu stiften, eine schärfere Scheidung zwischen Rechts und Links herbeizuführen und damit einer gründlicheren Wahlreform vorzuarbeiten,'daß die Sozial- demokratie überall(von den Wahlkreisen, in denen sie selbst ein Mandat erringe» zu können hofft, abgesehen) schon bei den Ur- wählen für die Liberalen eintrete. Nichi'nur für die Fortschrittler, sondern auch für die N a t i o n a l l i b e r a l e n. Wie unseren Lesern bekannt, hatte Genosse Landtagsabgeordneter Hirsch diesem phantastischen Vorschlag unter Beibringung deS Beweismaterials entgegengehalten, daß erstens dank der Schönheiten des DreiklassenwahlshstemSl und der WahlkreiSgeometrie die dem Liberalismus zugedachte Unterstützung durch die Sozial- demokratie bei weitem nicht den Einfluß auf das Wahlergebnis haben könne, wie Eisner aufs Geratewohl hin anzunehmen beliebte, und daß zweitens die preußischen Nationalliberalen so bösartige Reaktionäre feien, daß sich die Sozialdemokratie durch ihre Unter- stützung selbst die Rute schneide, durch die sie dann gezüchtigt werde. Der einzige Effekt der Vermehrung deS nationalliberalen Einflusses für die Wahlreform selbst könne nur der sein, daß womöglich durch die Beseitigung der Drittelung nach UrWahlbezirken, wie sie die Nationalliberalen so heiß ersehnten, die Sozialdemokratie auch noch um die paar Mandate gebracht werde, die sie zurzeit zu erobern vermöge. Darauf antwortet nun Eisner in einem langen Artikel in der Chemnitzer.Vollsstimme", dessen weitaus größten Teil fteilich per- sönliche Reminiszenzen und allgemeine Betrachtungen einnehmen, die für die Sache selbst völlig belanglos sind. Aber auch das, was Eisner zum strittigen Thema selbst vorbringt, ist leider so allgemein und nichtssagend wie nur möglich. So. wenn er sagt: „Hirsch bestreitetjdannjdie Möglichkeit, die MehrheitSverhältniffe zu sprengen. Darüber könnten wir sehr lange drSkutteren. und sehr erfolglos, weil jede rechnerische Grund« läge, angesichts der vollständig neuen Wahl- situation, fehlt. Die geschichtliche Erfahrung und die heutige soziale Struktur Preußens spricht für'meinejAusfassung. Den Beweis kann nur die Probe führen." Das ist alles total unrichtig. Denn Hirsch hat gerade statistisch nachgewiesen, daß Eisncrs Spekulationen auf die stärkere Wahl- beteiligung auf unrichtigen Annahmen beruhten I Auch ist eS wirklich eine etwas naive Zumutung, auf die phantastischsten Annahmen hin der Partei eine„Probe" zu empfehlen, während doch bei einigem Sitzfleisch wenigstens leidlich zuverlässige An- Haltspunkte zu gewinnen wären. Besitzen wft doch in der detaillierten amtlichen Reichstags- und Landtagswahlstatistik die Unterlagen für eine vergleichende Uebersicht, die noch durch eine weitere Enquete in den nicht allzu zahlreichen Wahlkreisen, die nach der ersten sichtenden Auslese schließlich nur noch in Frage kommen würden, ergänzt werden könnten. Aber wir geben gern zu, daß e» bequemer ist, in den Tag hinein zu reden und die abenteuerlichsten Projekte auszuhecken, als erst einmal ein wenig die Stattstik zu Rate zu ziehen. Man sollte aver doch meinen, daß die Initiatoren einer ganz neuen Wahltaltik sich mindestens auch der Mühe unterziehen würden, für ihre fundamentalsten Voraussetzungen wenigstens auch die B e- weise beizubringen. Und was entgegnet EiSner(der die allgemeine Kennzeichnung des erzreaktionären Charakters der Nationalliberalen zu ent« kräften auch nicht einmal den Versuch macht!) auf Hirschs Bemerkung, daß eine Verstärkung der Nationalliberalen uns höchstens die Drittelung nach UrWahlbezirken kosten könne? Daß ihm diese Wahlrechtsverschlechterungsgelüste der Nationalliberalen wohl bekannt feien, daß doch aber auch vom Freisinn die KreiSdrittelung seinerzeit empfohlen worden sei. Ja- seinerzeit! Inzwischen, und schon im Jahre 1S10, während der Beratung derWahlrechtsvorlage, istaberdem Freisinn von der Sozialdemokratie hinlänglich zum Bewußtsein gebracht worden, daß er sich nun und nimmermehr, um Schönheitsfehler des G e l d s a ck Wahlrechts zu beseitigen, gegen Milderungen dieses Geldsackwahlrechts wenden dürfe, wie sie die Drittelung nach UrWahlbezirken darstellt. Und so irrig und unstichhaltig, wie diese Bemerkung Eisners, sind alle seine Argumente. Wenn wir diesmal sofort auf EisnerZ Artikel antworten, so ge» schicht es nicht der Bedeutung der EiSnerschen Ausführungen wegen, sondern um gewisse(nichtpreußische!) Parteiblätter darauf aufmerksam zu machen, daß doch immerhin eine gewisse Kenntnis des preußischen Wahlrechts und der preußischen Parteien dazu gehört, um grundstürzende wähl- taktische Neuerungen für den preußischen Wahlkampf und Wahlrechts- kämpf zu empfehlen!_ Hobrechts Nachfolger. Wie der.Königsberger Allgemeinen Zeitung� aus Dirschau mit- geteilt wird, haben gestern die liberalen und k o n s e r v a- r i V e n Parteien sich dahin geeinigt, den nationalliberalen Rechtsanwalt Menzel-Dirschau als Kandidaten für die durch den Tod deS früheren Abgeordneten Exzellenz Hobrecht not- wendig gewordene Landtagsersätzwahl im Wahlkreise Danzig 4 lBerent-Pr.-Stargard-Dirschau) aufzustellen. Auch die Wahl HobrechtS ist seinerzeit durch ein liberal-kon- serbativeS Kompromiß zustande gekommen, indem der Wahlkreis, der zwei Abgeordnete zu wählen hat, unter Nationalliberale und Freilonservative geteilt wurde._ Freikonservative Wahlrcchtsfrennde. In der freikonservativen„Post" wird ein Wahlvorschlag gemacht, der den Konservativen alle Ehre macht. Man höre: Genügt der mindestens 28 Jahre alte Deutsche den drei Wahlvoraussctzungen: 1. Wehrpflicht. 2. Pflicht der Familiengründung. S. S t e u e r p f l i ch t, so hat er eine Vollstimme. Genügt er nur zweien dieser Voraussetzungen, so steht ihm nur eine kleine Stimme zu. Drei Wähler mit solcher kleinen Stimme ergeben eine V o l l st i m m e. Erfüllt er nur eine Voraus- setzung oder gar keine, so ist er überhaupt nicht wähl- berechtigt! Das passive Wahlrecht darf nur derjenige aus- üben, der 3ö Jahre a l t ist und eine reine Vollstimme besitzt.... Die Wahl müßte öffentlich sein, denn jeder Deutsche muß für seine politische Ueberzeugung offen einstehen können. Wer nun glaubt, der konservative Wahlrcchtsfreund wolle nach seinem Vorschlage das p r e u tz i s ch e Wahlrecht umändern, der irrt sich. Der Wahlrechtsvorschlag gilt dem Reichstags- �Wahlrecht umändern, der irrt sich. Der Wahlrechtsvorschlag gilt dem Reichstagswahlrecht! An die Stelle des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts für den Reichstag will er ein Wahlrecht setzen, das ungleich, nicht allgemein und öffentlich ist, und überdies das Wahlalter sowohl für die Wähler wie für die Wählbarkeit erhöht. Das nennt sich eine„gerechte" und eine„nationale" Wahl- reform I Die„Post" hat an den Vorschlägen selbstverständlich nichts auszusetzen. Belgien. Das Attentat gegen den Priester Flenret. Man schreibt uns aus Brüssel: Ein französischer Priester, der sich zur Erholung nach Brüssel begab, geht im dortigen königlichen Park, Zeitung lesend, spazieren. Hinter ihm geht ein Mann, der in einem gegebenen Augenblick auf den Priester losstürzt und ihm eine 15 Zentimeter lange Messerklinge in den Rücken stößt. Der Mörder ruft:„Es lebe das Wahlrecht. Es lebe die Revolution!" und wird bald darauf verhaftet... Ein übereifriger Reporter drahtet flink etwas ins Ausland von einem politischen Attentat und niit der knappen Mord- Nachricht erscheint in einem klerikalen Brüsseler Blatt bereits die erlvartete politische Ausschrotung. Auf einen Priester wird ein Messer gezückt von der Hand eines Mannes, der die Revolution leben läßt l Na, wenn das kein politisches Attentat, keine Folge der sozialistischen und antiklerikalen Propaganda ijk.-- Aber leider gehen die Dinge nicht immer, wie man will. Herr Flcurct ist ein Priester, den kein Sozialist in Brüssel kennt und dem niemand Böses wollte. Der Attentäter dagegen ist ein V e r- rückter, der aus einer von einer gut katholischen Verwaltung gc- leiteten Strafkolonie— zu früh wie man sieht— entlassen und seinen entarteten Instinkten überlassen wurde.' Oblvohl nun seither nachzuivciseu ist, daß der Attentäter ein braver Katholik war, der seine religiösen Pflichten erfüllte, da- gegen nie etwas mit Sozialismus und Arbei- terparteizu tun hatte, wird das Attentat gegen den Priester von der klerikalen Presse, angefangen vom Brüsseler„Patriote" bis zum letzten klerikalen Wiukelblatt— und natürlich von ihren deutschen Gesinnungsgenossen— in der perfidesten und stupidesten Weise fruktifiziert. Man treibt die Idiotie so weit, die Führer der Linken für das Attentat verantwortlich zu machen— weil ein halb oder ganz irrsinniges und moralisch defektes Jndividinm, das bereits 10 Jahre in Guyana war, den Ruf:„Es lebe das Wahlrecht I" ausgestoßen!— Den Verbrecher wird man jetzt unschädlich machen. Die VerleumduugSidiotcn und geistigen Giftmischer arbeiten unbehindert weiter. Der Regierungschef hat auf seine Weise dem Attentat eine politische Pointe gegeben. Herr v. Brogueville hat den schwer- verletzten Priester ini Spital besucht. Tagegen wäre an sich gewiß nichts einzuwenden, wenn man nicht Beweise hätte, daß der Ministerpräsident auch hierin Parteiniann ist. Während der Wahlzeit gab es zwei Todesopfer klerikaler Hetz- wut und ein Attentat gegen einen liberalen Deputierten, aber Herr v. Brogueville kümmerte sich weder um Verwundete noch Tote, wenn sie auch gewissermaßen Opfer des klerikalen Fana- tismus sind. Dagegen ist nun zu erwarten, daß der Spitalbcsuch des klerikalen Chefs im Verein niit der perfiden Hetze in der katholischen Presse ihre Wirkung auf die Arm- seligen im Geiste nicht verfehlen wird. Klerikale Gcmciuheiten und diplomatische Feinheiten. Unser Brüsseler Korrespondent schreibt uns: Während der Wahlzeit erschien in einem klerikalen Witzblatt, dessen Geld- und Herausgeber der klerikale Deputierte und Vicomte de Jonghe d'Ordoye ist, ein Bild, das zeigte,»vie die Kinder der offiziellen Schulen zu Apachen, Mördern und Schweinen heran- wachsen.... Als die Stadt Brüffel gegen das feine Blatt einen Prozeß auf Schadenersatz von 100 000 Fr. anstrengte, lancierte die llcritale Presse die Version, die Tendenz des Bildes ziele nicht auf die„gottlose" offizielle Schule Belgiens, sondern auf die Welt- liche Schule Frankreichs.... Herr von KlobukowSky, der französische Minister in Brüssel, schcnlte dieser Version Glauben, Was ihm niemand verbieten kann. Als am Nationalfeiertag, am 14. Juli, der Präsident der französischen Handelskammer in Brüssel, Herr Rolland, vor Herrn von Kobukowskh erschien, um in seiner offiziellen Eigenschaft seine Rede zu halten, kam er auch auf die klerikale Beschimpfung der französischen Schule zu sprechen und verteidigte sein Land gegen die Schmähungen der Klerikalen. Der französische Minister erwiderte und hatte die Kühnheit, die Ab- wehr des Präsidenten der französischen Handelskammer gutzuheißen. Die belgischen klerikalen Blätter sind nun außer sich über diese „diplomatische Taktlosigkeit" des französischen Ministers. Der französische diplomatische Vertreter in Brüssel hat sich nach ihnen in die„innere Politik Belgiens" gemischt, weil er der Be- schimpfung, aus den französischen Schulen gehen Mörder, Apachen und Satyrcn hervor, entgegengetreten sei. Ein richtiger Diplomat hat dergleichen Dinge übcrhaugt nicht zu sehen und zu hören, wenn er eben den erforderlichen„Takt" besitzt, den ein diplomatisches Amt erheischt. Herr von KlobukowSky wird aber jetzt sehr arg mitgenommen von den klerikalen Blättern, davon einige als Sühne sogar die Abberufung des„Taktlosen" fordern. Die Politik bringt zuweilen seltsame Mischungen zustande. Zu diesem Fall zeigt sie die belgischen Klerikalen, die jeden Gegner als Bonnot und Garnier an- sprechen, die die weltliche Schule als Institut zur Züchtung von Banditen, Mördern und Satyren darstellen, als Vcrsechter diplo- malischen TaklcS und politischen Feingefühls. Arme Diplomatie! PforoKKo. Ermordung eines Deutschen bei Marrakesch? Tanger, 29. Juli. Meldungen auS Marrakesch znfoikge ist die Lage in der Stadt ruhig. Es gelang die Ordnung wiederherzu- stellen�, so>datz einstweilen für die Sicherheit der Europäer keine Gefahr besteht. Bei der andauernd kritischen Situation um Marra- kcsch kann sich aber das Bild der Stadt schon morgen ändern. Wie es heißt, ist in der Umgebung von Marrakesch ein Deutscher namens W o l f g a n g Opitz, der ein Angestellter der Gebrüder Mannesmann sein soll, unter bisher noch unbekannten Umständen verschwainden, die jedoch darauf hindeuten, daß er einem Verbrechen seitens der aufgeregten Eingeborenen zum Opfer gefallen ist. Sonn- abend nachmiitag hatte er die Unvorsichtigkeit begangen, die Stadt ohne jede Begleitung zu verlassen. Er wollte einen Ritt mit einem Maulesel in die Umgegend von Marrakesch unternehmen und gegen abend nach dort zurückkehren. Seitdem ist er verfchwundcn. Alle Bemühungen, ihn aufzufinden sind bis jetzt ergebnislos geblieben. Man glaubt, daß er unterwegs von marokkanischen Straßenräubern überfallen und ermordet worden ist, die es auf seinen Maulesel und seine Wertsachen abgesehen hatten. Hus der Partei. Aus den Organisationen. In Ladeburg fand am Sonntag die KreiSgeneralvcrsammlung deS Zentralwahlvercins von Ober-Barnim statt. Anwesend waren auS 9 Orten 29 Delegierte, darunter eine Genossin sowie 5 Ver. trcter des Zentralvorstandcs und Genosse Wels als Provinzsekre- tär. Aus dem Bericht des Vorsitzenden, Genossen Gräbert, ent- nehmen wir, daß sich auch in Ober-Varnim das Parteileben im Berichtsjahr in auffteigender Linie bewegt habe, was in erster Linie den Anstrengungen bei der Neichstagswahl zu verdanken ist. Nichtsdestoweniger seien die Resultate als unzulänglich zu be- zeichnen, da die numerische Stärkung des Wahlvereins nur 89 Mit- glieder betrage, er hat jetzt 1948 l968) Mitglieder, darunter 132 jt27) weibliche. Völlig unzulänglich sei das Lesen der Parteipreffe im Kreise. In mehreren Orten haben wir bei den Gemeinde- wählen Fortschritte zu verzeichnen und haben jetzt 9(4) Stadtver- ordnete und 19 l4) Gcmeindevertreter, darunter ist in Heeger- mühle di« ganze dritte Klasse in unserem Besitz. Erschwert wird die Teilnahme häufig dadurch, daß die geeigneten Kräfte fehlen. die als Vertreter fungieren können. Das Bildungswesen liegt im Kreise noch arg danieder und sind erst in neuerer Zeit Ansätze zu einer Bcfferung auf diesem Gebiet vorhanden. Bibliotheken bestehen in Eberswalde, Straus- berg, Wriezen, Freienwalde und Hccgermühle, es wurden insge- samt 999 Bücher verliehen. Tic im Kreise errichteten Rcchtsaus- kunftstellen sind in stärkerer Weise in Anspruch genommen, wie im Vorjahre. Es ist aber zu bemerken gewesen, daß die Landarbeiter, augenscheinlich infolge des Terrorismus der Gutsbesitzer, eine Scheu vor der Auffuchung unserer Auskunftstellen an den Tag legten. Die Maifeier bat sich kaum gegen das Vorjahr gebessert: die Zahl der den 1. Mai durch Arbeitsruhe feiernden Genossen betrug nur 987. Dem Kassenbericht ist zu entnehmen, daß die Ein- nahmen und Ausgaben 2S3l.S9 M. betrugen, bei einem verbleiben- den Kasscnbestand von 381,77 M.— Die Diskussion über den Vor- standsbericht bewegte sich mehr im Rahmen von Ortsberichten üb-r die örtlichen Situationen bei Gemeindewahlen, als einer Kritik an der Borstandstätigkeit und ist deswegen nicht von allgemeinem Interesse. Erwähnt sei daraus nur, daß die Wirte in den Städten mehr und-mehr dazu übergehen, uns ihre Lokale freizugeben, wäh- rcnd die auf dem platten Lande immer noch mit Ausreden kommen, die die Furcht vor der Ungnade des Landrats verraten. In Straus- berg wollten die Genossen eine RechtsauSkunftstelle eröffnen, weil ein dringendes Bedürfnis dazu vorhanden ist, doch scheiterte der Plan an der ablehnenden Haltung der dortigen Gewerkschaften, voran der Cchuhmacherverlvaltung. Wegen der hohen Kosten mußte davon Abstand genommen werden.— Die Neuwahl des Vorsitzenden ergab die einstimmige Wiederwahl des Genossen Gräbert.— Nach einer regen Diskussion wurde die Erhöhung der Wahlvercinsbeiträge auf 49 Pf. pro Monat beschlossen. Ein An- trag, den WocheubcUrag von 19 Pf. einzuführen, wurde abgelehnt. Die Vertretung des Kreises auf dem Parteitage in Chemnitz wurde, um Kosten zu ersparen, dem Kandidaten Genossen Bruns übei> tragen, da dieser als Angestellter der Vorwärts-Buchhandlung an und für sich dort sein muh. � Der Parteiverein Stettin gibt soeben seinen gedruckten Jahresbericht heraus. Nach diesem umfaßte der Verein am 1. Juli d. I. 2794 Mitglieder, davon 2234 Genossen und 479 Genossinnen. Gegen das Vorjahr hat der Mitgliedcvbcstand eine Zunahme von ins- gesamt 487 erfahren, an der 332 Genossen und 159 Genossinnen b-teiligt sind. Die letzteren wurden fast sämtlich durch den letzten Frauentag gewonnen, wurden doch anläßlich dieser Demonstration 157 neue Mitglieder aufgenomnien, wovon über 199 Frauen waren. Der Kassenbericht läßt ebenfalls das erfreuliche Wachstum des Ver. eins erkennen, denn das Vermögen des Vereins stieg von 2399,84 Mark auf 5549,94 M., trotzdem gerade die diesjährige Reichstags- wähl größere Ausgaben erforderte. 4318,52 M> kostete sie. Außer- dem erforderte die reguläre Propaganda und Aufklärungsarbeit 1257,93 M. Während des Wahlkampfcs wurden 394 999 Flug- blättek, dätunler 25 909 illustrierke, verbreikek, 57 199 Zirkulare und 35 999 Benachrichtigungskarten informierten die Wähler über ihre Eintragung in die Wählerliste und sonstiges Wissenswertes. Der Bericht muß leider beklagen, daß eine planmäßige Bildungs- arbeit, durch einheitliche und systematisch zusammenhängende Vor- träge in den allmonatlich stattfindenden Distriktsversammlungen sich nicht durchführen ließ, weil die rednerisch befähigten Genossen den vorbereitenden Referentensitzungen meist fern blieben. Ferner muß der Bericht beklagen, daß ein großer Teil der Gewerkschaften die Angabe der Adressen ihrer Mitglieder verweigerte, als unter letzteren eine Hausagitation für die politische Agitation betrieben werden sollte. Da die Parteiarbeiten nebenamtlich nicht mehr mit wünschenswerter Sorgfalt ausgeführt werden können, wurde Gc- nosse Lementzowi-Jtzchoe zum Sekretär des Vereins gewählt und augestellt, der sein Amt�am 1. August d.�J. antreten wird. Der Reichstagswahlkreis Mülheim-Wipperfürth-Gummersbachl hielt am Sontag seine Krciskonferenz ab. Aus dem Berichte des Parteisekretärs Miß ging herbor, daß die Bewegung auch auf diesem schwierigen Boden im verflossenen Geschäftsjahre tüchtig vorwarf» gekommen ist. Die Gesamteinnahmen betrugen 24 892,. 9 Mark, die Gesamtausgaben 24 591,79 Mk. Der Kassenbestand bc- trägt 399,94 Mk. Der Wahlsonds wies am 1. Juli 1912 einen Be- stand von 397.92 Mk. auf. Die Einnahmen sind im Verhältnis der Mitgliederzahl gestiegen, die sich in crfteulicher Weise erhöht hat. Die Organisation hatte am 1. Juli 1911 2424 männliche und 215 weibliche Mitglieder. Diese Ziffern waren bis zum 1. Juli 1912 gestiegen auf 3978 bei den männlichen, auf 259 bei den wcib- liehen Mitgliedern. Es hatten somit eine Zunahme zu verzeichnen um 649 die männlichen und um 35 die weiblichen Mitglieder. Die Agitation war auherordentlich lebhast. Es wurden 173 Mit- gliedervcrsammlungcn und 45 öffentliche Versammlungen abge- halten. Auch wurden 8 verschiedene Flugblätter in einer Gesamt- aufläge von 155 999 und 6 verschiedene Broschüren in einer Gesamt- aufläge von 66 999 unter die Maßen geworfen. Man war ge- zwangen, die Agitation in manchen Gegenden zu einem großen Teile durch Flugblätter zu betreiben, weil es uns durch die hinter- hältige Kampfesweise der Gegner in vielen Ortschaften unmöglich gemacht ist, Säle zu Versammlungen zu bekommen. Ganz besonders tut sich in dieser Hinsicht die Zentrumspartei her- vor, die in vielen Orten mit den verwerflichsten Mitteln, mit Boy- kott und Gewissensdruck arbeitet, um die Wirte davon abzuhalten, ihre Lokale für eine sozialdemokratische Versammlung zur Ver- fügung zu stellen. Trotzdem ist festzustellen, daß wir in einer Reihe von Landorten recht erhebliche Fortschritte machten. Das gleiche wurde konstatiert in dem Bericht über die Reichs- tagSwahlen. Gegen die Nachwahl im Jahre 1997 ist die Stimmen- zahl um rund 3999 gestiegen. Daß wir trotzdem nicht in die Stich- Wahl kamen, lag daran, daß die Forffchrittlichen einen Kandidaten aufgestellt hatten, der in den ländlichen Kreisen und besonders im Kreise Gummersbach sehr beliebt war. Betreffs des deutschen Parteitages sprach sich der Parteisekretär für Einsetzung des Parteiausschusses aus. Die gegen diese In- stitution ins Feld geführten Bedenken konnten nicht als stichhaltig angesehen werden. Bei diesem Punkte der Tagesordnung lagen zwei Resolutionen vor, die sich gegen die Sonderkon- ferenzen wandten. Sie lauten:„Die Kreiskonferenz ver- urteilt auf das schärfste die sogenannten Sonderkonfercnzen und wünscht, daß es den Delegierten verboten wird, solche Konferenzen abzuhalten." „Die Kreiskonferenz protestiert gegen das parteischädigende Treiben der Sonderkonferenzen, von denen unlängst noch eine in E i s e n a ch abgehalten worden ist. Die Kreiskonferenz beschließt, beim deutschen Parteitage zu beantragen, Schritte zu unternehmen. daß derartige Konferenzen in Zukunft unterbleiben." Beide Re- solutionen wurden einstimmig angenommen. Als Reichstagskandi- bat wurde wieder Genosse Miß gewählt. Mit erdrückender Mehr- heit wurde eine Resolution abgelehnt, die den Parteitag bcauf- tragen soll, bei dem nächsten internationalen Kongreß den Antrag zu stellen, die Maifeier auf den dem 1. Mai folgenden Sonntag zu verlegen. Der Antrag hatte aus der Mitte der Konferenz scharfe Verurteilung erfahren. »* • Eine Kreisgcneralversammlung des Wahlvereius Randow- Greifcnhagen nahm am Sonntag den Geschäftsbericht des Vereins entgegen. Diesem zufolge ist die Mitgliedcrzahl von 4936 auf 4443 gewachsen, worunter sich 869 Genossinnen befinden. Die Reichstagswahl bedingte eine enorme Arbeit. 818 999 Flugblätter wurden neben 132 999 Agitationskalendern und Broschüren im Kreis« verteilt. Zwecks mündlicher Agitation wurde der KreiS in Bezirke gegliedert und von eigens gebildeten Agitationskommissio-- neu bereist, die in zahlreichen Orten neue Verbindungen anknüpf- ten, wodurch vielfach erstmalig die Abhaltung einer sozialdcmo- kratischen Versammlung im Orte ermöglicht wurde. 82 Wähler- Versammlungen, davon 12 unter freiem Himmel tagend, wurden abgehalten und außerdem mußten unsere Redner noch in zahl- reichen gegnerischen Versamoilungen reden, da sie sonst nicht zu den Wählern sprechen konnten. Der Wahlkampf er- forderte einen Kostenbetrag von zirka 11 999 M. An Kommunal- wählen war der Verein in 14 Gemeinden beteiligt und gewann 13 Mandate, so daß er zurzeit 35 Gemeindevertreter und Stadt- verordnete aus seiner Mitte stellt. Das Vereinsleben äußerte sich neben der Wahltätigkeit in 98 öffentlichen, 4 Haupt, und 168 Mitgliederversammlungen. Neben der darin enthaltenen Agitations- und Aufklärungsarbeit wird seit 1. April alle zwei Mönate die Agitationsschrift„Der Sozialdemokrat" in je 39 999 Exemplaren verbreitet, die lediglich der prinzipiellen Aufklärung dient. Die Jahresbilanz weist eine Einnahme von 24 464,79 M. und eine Ausgabe von 22 218,52 M. nach. Der Bestand der Hauptkasse be- trug danach 2246,27 M., wozu sich noch ein verzinsbar angelegtes Vermögen von 2999 M. gesellt. Die Kreisgeneralversammlung beschäftigte sich unter anderem mit dem neuen Statutenentwurf. Den Mendestlbcitrag von 49 Pf. pro Monat lehnte sie ab. Mit der Einschränkung der Fraktionsvcrtretung auf dem Parteitag auf ein Drittel der Fraktionsstärke erklärte sie sich einverstanden. Der vorgeschlagene Parteiausschuß wurde abgelehnt, dagegen Verstärkung der Beisitzer des Parteivorstandes durch Parteigenossen in politisch hervorragenden Parteiämtern die in Berlin oder dessen nächster Umgebung ihren dauernden Wohnsitz haben. Totculistc der Partei. In Frankfurt a. O. starb Genosse Wilhelm Schulz, der von Jugend auf in den Reihen der Arbeiterbewegung gestanden hat, gehörte er doch schon in den siebziger Jahren dem Allgemeinen deutschen Arbeiterverein und der Tabakarbeiterorganisation an. Vor allem war er in der Zeit des Ausnahmegesetzes tätig, was ihm Verfolgungen und Gefängnisstrafen eintrug. Fast ein Menschen- alter hat der Verstorbene die Interessen der Partei- und Gewerk- schaftsgenossen in Frankfurt a. O. und im Kreise Frankfurt-LcbuS wahrgenommen. Die Partei wird sein Andenken in Ehren halten. DaS eigene Heim ihres Parteiblattes haben am Sonntag die Brandenburger Partei» genossen eingeweiht. In einem schmucken, stilvollen Neubau der St. Annenstraßc, in der auch Rathaus und Postgebäude liegen, sind jetzt die gesamten Geschäftsräume des Partciblattes unter- gebracht worden, die natürlich allen Anforderungen der Hygiene usw. entsprechen. Eine illustrierte Sonderbeilage der„Branden- burger Zeitung" gibt ein anschauliches Bild des neuen Gebäudes und seiner Einrichtung. Personalien. Zum Parteisekretär für den Wahlkreis Sachsen- Altenburg wurde Genosse Schuhmacher. Altenburg, bisher Berichterstatter an der„Altenburger Volks- zeitung", gewählt. DaS Parteisekretariat ist eine Ncuschöpsung untz tritt am 1. Oktober ds. I. ins Lefeen.. « GcwerkfcbaftUcbcs. Gelbfticbt im dcrhrneiftervcrband I Die größte Organisation technischer Angestellter, der �Deutsche Werkmeister-Verband", gerät, seitdem der da- malige Rcichstagsabgeordnete Dr. Potthoff als Syndikus ab- gesägt und durch einen Dr. Werner ersetzt wurde, immer mehr in ein reaktionäres Fahrwasser. Schon kürzlich gelangte ein Rundschreiben des„Arbeitgeberverbandes für den Bezirk der nordwestlichen Gruppe des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrie" zur Kenntnis der Oeffentlichkeit, aus der her- vorging, daß sich die vereinigten Bezirksvereine von Groß- Düsseldorf des Werkmeisterverbandes(Düsseldorf ist neben- bei Sitz des Verbandes) ganz nach Art der Gelben an eine Reihe von Arbeitgebern um finanzielle Unter st ützung gewandt hätten. Der Arbeitgeberverband hatte sich nun der Sache angenommen, augenscheinlich die Leitung des Werkmeisterverbandes interpelliert und war dann„auf Grund ausreichenden Materials" zu der Ueber- zeugung gekommen,„daß an dem guten Willen der Leitung des Werkmeister-Vcrbandes, freundliche Beziehungen zum Arbeitgeber zu pflegen, nicht zu zweifeln" sei. Er empfahl deshalb seinen Mitgliedern, den Werkmeisterverband in ihre schützende Obhut zu nehmen. In welcher Weise sich die Werkmeister dankbar und der Scharfmacher-Anerkennung würdig zu zeigen bestreben, geht schon daraus hervor, daß aus Düsseldorf berichtet wird, Mit- glieder des Werkmeisterverbandes zeichneten sich in letzter Zeit durch besonders eifrige Wc rbearbeit für die gelben Werkvereine aus. Ein besonders tolles, für den Charak- ter der Verbandsleitung bezeichnendes Stücklein ubergibt aber jetzt der„Werkmeister", das Berliner Organ des Verbandes, das zur Leitung und der offiziellen„Werkmeister- zeitung" in scharfer Opposition steht, der öffentlichen Kritik: Ein Werkmeister, dem die Stellenvermittlung des Verbandes keine Stelle hatte verschaffen können, sah sich schließlich ge- nötigt, als einfacher Arbeiter wieder in die Fabrik zu gehen. Während er dort arbeitet, wurde von oben her eine Aus- fperrung dekretiert. Der ehemalige Werkmeister sollte die �„Vergünstigung" erhalten, weiter arbeiten zu dürfen. Er verzichtete aber darauf und erklärte sich mit seinen Arbeits- kollegen solidarisch. So kam er wieder um sein Brot. Er suchte nunmehr die Stcllenlosen-Unterstiitzung seines Ver- bandes nach. Aber diese wurde ihm verweigert, weil jer ja Gelegenheit gehabt hätte, weiterzuarbeiten. Diese Verweigerung ist wirklich ein starkes Stück. Erst kann der Verband es nicht verhindern, daß sein Mitglied wieder als Handlanger auf Arbeit muß,— dann verlangt er von ihm auch noch, daß er seinen Genossen in den Rücken fällt.— Erstaunlich ist ja, daß das Berliner Organ sich kräftig darüber entrüstet, und daß nach seiner Darstellung doch auch außerhalb Berlins jenes Vorgehen der Verbandsleitung große Mißstimmung hervorgerufen habe. Wenn nur den Worten recht bald auch einmal Taten folgten! Ist es nicht möglich, den reaktionären Flügel des Verbandes zu überwinden— und es scheint, als ob dessen Position mit den Jahren eher fester als schwächer geworden wäre, dann kann es nur eine Parole geben: Heraus aus der Gesellschaft, und je eher, desto besser! Wer da nicht schleuniM das Tischtuch zer- schneidet, macht sich mitschuldig an einer Handlungsweise, die dem Verrat von Arbeitnehmerinteressen an das Scharfmachertum aufs Haar gleich steht. Verlin unck Umgegend. Der Kellnerstreik im Ausschank der Löwcnbraurrri, Badstrahe, Ecke Hochstraße, dauert unverändert fort. In bezug auf unsere Sonnabendnotiz über diese Bewegung sendet uns die Direktion der Löwenbrauerei eine Zuschrift, in der es heißt:.Es entspricht nicht den Tatsachen, daß ein Bureauangestellter oder überhaupt einer unserer Angestellten in dem Ausschank Kellnerdienste verrichtet bzw. verrichtet hat." Von feiten der streikenden Gehilfen wird unS dagegen mitgeteilt, daß den Arbeitswilligen auch der Durchgang durch die Brauerei ermöglicht wird. Die Aussperrung im Dachdeckergewerbe. Bis zum gestrigen Tage war die Aussperrung noch nicht in dem Umfange erfolgt, wie es die Unternehmer gedacht und geplant hatten. Es haben sich bis jetzt 31 Firmen an der Aussperrung be- teiligt und 328 Arbeiter, darunter etwa 11 christlich organisiert«, sind davon betroffen worden. Allerdings befinden sich unter diesen Firmen auch solche, die nur einen Mann beschäftigen und diesen «inen Mann ausgesperrt haben. Am Montag beschloß eine stark besuchte Dachdeckerversamm- lung, daß am Mittwoch in allen jenen Betrieben, die nicht von der Aussperrung betroffen sind, Werkstättenbcfprcchungen zu veran- stalten sind, woselbst statistisches Material gesammelt werden soll. veuvkckes Veicb. Der Streik der Brauereiarbciter in Neubrandenburg i. M. ist mit Erfolg beendet. Geschlossen legten die Arbeiter der Brauerei Janssen u. Bcchly wegen Ablehnung ihrer Forderungen die Arbeit nieder. Mit solcher Einigkeit hatte allerdings die Brauereileitung nicht gerechnet. Nach wenigen Stunden erklärte sie sich schon bereit zu verhandeln, wobei sie allerdings den Bezirksleiter des Verbandes ausgeschaltet wissen wollte. Ohne diesen wollten aber die Arbeiter keine Verhandlung. Es wurden schließlich soweit Zugeständnisse gemacht, daß nach vierstündiger Dauer der Streik aufgehoben werden konnte. Mit Rücksicht darauf, daß der ncuerbaute Betrieb erst zum nächsten Jahre aufgenommen werden kann, wurde ein Provisorium getroffen, wobei folgende Verbesserungen erzielt wurden: Ab 1. Oktober tritt die zehnstündige Arbeitszeit in Kraft. Die Wochenlöhne werden sofort um 1 M., die Entlohnung für Ueber- stunden- und Sonntagsarbeiten um b Pf. die Stunde erhöht. Die bisher ohne besondere Vergütung zu leistende dreistündige Sonn- tagsarbeit soll ab 1. November wegfallen resp. besondere Bezahlung dafür erfolgen.___ Die Stettiner Seeleute sind in eine Lohnbewegung eingetreten in der Erhöhung des Ueberstundenlohncs von 40 auf 30 Pf. und Regelung des Ueberstundenwcscns gefordert wird. Außerdem wer- den Verbesserungen im Anheucrwcsen und bei der Beköstigung ver- langt. Die Forderungen wurden dem Berein der Stettincr Reeder überreicht, von dessen Entgegenkommen es abhängen wird, ob der Friede in Stettins Schiffahrt erhalten bleibt. Moabit in Ragnit. » Wie die„Tilsiter Zeitung" aus Ragnit meldet, kam es am Sonnabend aus Anlaß eines Streiks bei der Firma Brüning u. Sohn zu einem Zusammenstoß zwischen Streikenden und Polizeibeamten. Dabei wurde angeblich der Polizeikommissar Locper von einem Arbeiter gewürgt. Zwei Gcndarmcriewacht- meister grifsen ein und einer von ihnen erschoß dabei den Arbeiter Girrulat. Der Polizeikommissar Loeper hat angeblich durch Steinwürfe und Hiebe schwere Verletzungen erlitten. Die Leipziger Fassadenputzer haben durch einen kurzen Streit die achteinhalbstündige Arbeitszeit errungen, sowie einen Minimal- Perantw. Redakteur� Albert Wachs. Berlin, Jnjeratenteil vereint»,; lohn von 90 Pf. die Stunde, der sich am 1. Juli 1913 auf 95 Pf. erhöht. Der Minimallohn für Hilfsarbeiter beträgt 70 Pf., vom 1. Juli 1913 ab 75 Pf. Die Errungenschaften sind durch Tarif festgelegt._ Der Segen der Wohlfahrtseinrichtungen. Wie die von bürgerlicher Seite so über den Schellenkönig ge- lobten„Wohlfahrtseinrichtungen" bei Lohnbewegungen und Streiks den Arbeiter auf Gnade und Ungnade dem Unternehmer aus- liefern, beweist ein anläßlich des Streiks der Textilarbeiter der Mechanischen Baumwollspinnerei und-Weberei in Augsburg zutage getretener Fall. Ein Arbeiter, Vater von sieben kleinen Kindern, und seit zweieinhalb Jahren Mitglied des dort bestehenden gelben Werkvereins hatte sich, wie auch zahlreiche andere gelbe Mitglieder, den Streikenden angeschlossen. Dem Manne wurde nicht nur so- fort die Wohnung gekündigt—" er wohnte in einer der vielen von der Fabrik zur Verfügung gestellten Arbeiterwohnhäuser— sondern der gelbe Konsumverein verweigerte ihm auch den Kredit, ob- wohl er am letzten Zahltage seinen ganzen Lohn dort gelassen, um die angelaufenen Schulden restlos zu begleichen. Der Mann wurde also, weil er seinen Mitarbeitern nicht in den Rücken fallen wollte, nicht bloß obdachlos gemacht, sondern er sollte auch mit seiner Familie dem Hunger ausgeliefert werden! So wirken die Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen in der Praxis, sie sind Sklavenketten, um den Arbeiter wehrlos und dem Unter- nehmer für alle Zeiten gefügig zu machen. Der Streik im genannten Betriebe ist übrigens beendet, nach- dem sich demselben auch die in dem gleichen Werke beschäftigten Spinner angeschlossen hatten. Die Direktion sah sich daraufhin ver- anlaßt, Zugeständnisse zu machen, so daß die Arheit von den Aus- ständigen einmütig wieder aufgenommen wurde. Die vor Aus- bruch des Streiks nur zu einem kleinen Prozentsatz organisiert gewesenen Arbeiter sind fast ausnahmslos der Organisation bei- getreten._ Lohnbewegung der Srntearbeiter auf der Insel Fehmarn. Die im vorigen Jahre durch die organisierten Erntearbeiter mit Erfolg durchgeführte Lohnbewegung auf der ftuchtbaren Insel Fehmarn(Schleswig-Holstein) hatte die Gutsbesitzer veranlaßt, sich zu einem landwirtschaftlichen Abwehrverein zusammen- zuschließen. Dieser Verein soll nun verhindern, daß bei der dies- zährigcn Ernte und Dreschkampagne wiederum die erhöhten Löhne gezahlt werden. Den Dreschmaschinenbesitzern wurde ein Ver- tragsentwurf zugesandt, durch welchen sie sich verpflichten sollen, nur bei denjenigen Landwirten zu dreschen, die sich vor Beginn des Dreschens schriftlich verpflichtet haben, die vom landwirtschaftlichen Verein festgesetzten Bedingungen einzuhalten. Diese schreiben vor, daß kein Arbeiter beschäftigt werden darf, der nicht den vom Verein vorgelegten Vertrag unterschrieben hat. Der Vertrag sieht den früheren Lohn vor und die weitere einschneidende Bestimmung, daß dem Arbeiter kein Anspruch auf verdienten Lohn zusteht, sofern er ohne wichtigen Grund die Arbeit verläßt oder bei Vorliegen eines „wichtigen Grundes" entlassen wird. Die Dreschmaschinenbesitzer müssen sich außerdem den Landwirten gegenüber vertraglich ver- pflichten, keinen höheren Lohn zu zahlen, als er von den Landwirten festgesetzt wird. Arbeiter, die„ohne Grund" die Arbeit bei einer Dreschmaschine verlassen haben, dürfen nirgends eingestellt werden. Um allen Lohnerhöhungen vorzubeugen, schreibt der§ 2 des zwischen Dreschmaschinenbesitzern und Landwirten abzuschließenden Vertrages vor:„Weder direkt noch indirekt dürfen die Vertrag- schließenden eine Erhöhung des TagelohneS herbeiführen." Schließ- lich ist festgesetzt, daß für jede Vertragsverletzung eine Kon- ventionalstrafe von 100 M. an den Verein für Landwirtschaft und Industrie der Insel Fehmarn gezahlt werden mutz. Zur Schlich- tung von Streitigkeiten auS dem Vertrage ist unter Ausschluß des ordentlichen Gerichtswege? ein Schiedsgericht unter dem Vorsitz des Amtsrichters Ahe von Burg a. F. zuständig. Der Umstand, daß man die Konventionalstrafe so niedrig fest- setzte, läßt mit Sicherheit darauf schließen, daß die Besitzer von Fehmarn zum großen Teil selbst nicht an die Durchführbarkeit ihres Vorgehens glauben. Die organisierten Erntcarbeiter auf Fehmarn sind gerüstet und werden den Schlag zu parieren wissen. Dabei rechnen sie bestimmt darauf, daß der Zuzug von Erntearbeitern aus den übrigen Teilen des Reiches, der sonst regelmäßig Anfang August einzusetzen pflegt, nach Möglichkeit ferngehalten wird. Tritt bei der diesjährigen großen Ernte eine 5knappheit an Leuten ein, dann sind die Verschlechterungsvcrsuchc der Gutsbesitzer und Drcsch- maschineninhaber auf lange Zeit abgeschlagen. Ausland« Ein Jubiläum der Ssterreichischcn Buchdruckerorganisation. In eigenen Festschriften wird die 50jährige Organisationstätigkeit der Buchdrucker und Schriftgicßer Böhmens und die 40jährige ihrer Tiroler Kollegen gefeiert. Der böhmische Verein hat ei in diesen 50 Jahren von 276 Mitgliedern auf 3792 gebracht und seine Einnahmen stiegen seit 1876 von 14 575 auf 328 527 Kronen. Fast alle gelernten Buchdrucker Böhmens sind organisiert.— Die Ti- roier Organisation geht in ihren Anfängen gar bis auf 1826 zu- rück, der Laudesverein besteht aber erst seit 1872. 1899 wurde dann der Verband der Vereine der Buchdrucker und Schristgietzer usw. Oesterreichs gegründet, dessen 15 Mitgliedervcreine sich heute über 308 Druckorte der 17 Provinzen(Kronländer) erstrecken. Der älteste der 15 Vereine besteht 69 Jahre, die Einnahmen der Ver- bandsvereine betrugen 1911 23279 405 Kronen, die Ausgaben 20 725 567 Kronen. Da? Vermögen betrug Ende 1911 2 553 838 Kronen. Mit 17 ausländischen Buchdruckcrorganisationen steht der Verband im Gegenseitigkeitsvcrhältnis. Die Gesamtmitglieder- zahl— 15 310— grenzt so nahe an die Gesamtzahl der Beschäf- tigten, daß 1911 u. a. eine allgemeine Teuerungszulage durchgesetzt werden konnte. Bm Induftm und Rande!. Rückgang des deutschen Handels mit Samoa. Nach der Theorie unserer Kolonialschwärmer sollen Kolonien den Absatz deutscher Waren in diesen Gebieten und damit die Eni- ivickelung der heimischen Industrie fördern. Wie wenig das für unsere kleinen und wertlosen Besitzungen zutrifft, beweisen Aus- führungen iu der„Deutschen Kolonialzcitung" über de» Handel SamoaS im Jahre 1911. Der Gesamthandel dieser Kolonie ist zwar um l'/o Millionen gegen 1910 auf S'/a Millionen Mark gestiegen. Von der Gesamtausfuhr von 4,39 Millionen Mark entfielen aber auf daS Mutterland nur 2,12 Millionen Mark, also noch nicht einmal die Hälfte. Von der Gesamteinfuhr lctwa über 4 Millionen Morls stammte aber gar nur der fünfte Teil(855 000 M.) aus Demschland. Den Haupttcil der eingeführten Waren lieferte Australien (2.57 Mill. M.) An der Gesamtsteigerung der samoanischen Einfuhr von 604 000 M. gegen 1910 war Deutschland nur mit 13 400 M. beteiligt. Gegenüber der Einfuhr aus England und Australien, das oft nur als Zwischenstarion für englische Ware» dient, geht die aus Deutsch- land nach Samoa zurück. Der Einfluß englischen Kapitals macht sich immer mehr geltend. Die weite Entfernung der Kolonie von Deutschland und die Nähe englischer und australischer Gebiete trage» wesentlich dazu bei. Als Heilmittel empfiehlt die„Kolonialzeitung" die„Einleitung einer streng nationalen Politik, vor allem die Förderung der deutschen Ansiedelung, Schaffung einer deutsche» Schiffsverbindung und die Herbeiführung günstigerer Arbeiterverhältnisse", worunter ein vermehrter Druck auf die Eingeborenen zu verstehen ist. Kapitalkonzcntration im Bankwesen der Schweiz. Während in der Schweiber Industrie der Großbetrieb picht die Rolle spielt, wie im Deutschen Reiche, ist die Konzentration im Bankgeschäft dort weiter fortgeschritten. Wie im„Volksrecht" auf Grund der Berichte von 123 Banken mit mehr als einer Milliarde xh7GI«cke,Ber4m. Druck U.Verlag: Vorwärts B.uchdr.zi. Verlagsanstati Frank Kapital gezeigt wird, gibt es zehn Großbanken mit mehr als 30 Millionen Eigenkapital, zusammen am 1. Januar 1912 546,4 Millionen, und einem Reingewinn im Jahre 1911 von 36 Millionen. Davon haben fünf ihren Sitz in Zürich, zwei in Basel, zwei in Lausanne, eine in Bern. Zwei der„Provinzial- banken" machen auch ihr Hauptgeschäft in Zürich. Große' Mittelbanken<10— 30 Millionen) gab es 25 mit 899,25 Millionen Kapital und 23,44 Millionen Reingewinn. Mehrere davon sind Kantonalbanken, mehrere tatsächlich nur Filialen von Groß- banken. Vier sind in Zürich, je drei in Basel und Genf. Kleine Mittelbanken<5— 10 Millionen) gab es am 1. Januar 18 mit 123,4 Millionen Kapital und 7,4 Millionen Reingewinn. Seitdem sind wieder zwei von Züricher Großbanken aufgesogen worden. Kleinbanken(1—5 Millionen) zählte man 70, meist in Klein- städtcn und Dörfern, mit 170,3 Millionen Eigenlapital und 11,93 Millionen Reingewinn. Noch kleinere Banken sind nicht mitgerechnet. Das Gesamt»Eigenkapital der Schweizer Banken von 1240 Millionen und der Reingewinn von 79 Millionen verteilten sich danach auf die einzelnen Gruppen: Kapital Gewinn Großbanken.... 43,5 Proz. 45,1 Pro� Mittelbanken, große. 32,2. 29,2, , kleine.10,0, 9,2, Kleinbanken.... 14,3, 16,6, Versammlungen. Eine Mitgliederversammlung bcS TranSportarbeiter-Ler- bandes, Sektion 5. I n d u st r i e a r b e i t e r, fand am Sonntag bei Franke in der Badstraßc statt. Den Verbandstagsbericht gaben die Delegierten B ö t t g e r und Schmidt. Die Versammlung er- klärte sich mit der Haltung des Vcrbandstages wie der Stellung der Delegierten einverstanden. Ueber den Tätigkeitsbericht rese- ricrtc F r o m k e. Er hob hervor, daß das erste Halbjahr 1912 sich dem Abschluß des Vorjahres würdig anschließe. Es haben 13 Lohnbewegungen stattgefunden, an denen zusammen 2029 Kollegen beteiligt waren. Der Erfolg dieser Bewegung gip- seit in einer wesentlichen Verkürzung der Arbeitszeit, sowie Er- langung eines Mehrlohnes von insgesamt 2675,50 M. die Woche oder 133 775 M. pro Jahr. Neuaufnahmen von Mitgliedern sind in den sechs Monaten 1822 gemacht Ivordcn. Außerdem fanden 123 Uebertritte aus anderen Verbänden statt. Es haben stattgefunden: Branchenversammlungen 28, Betriebs- und Wertftattbesprcchungen 460, Vertrauensmännerkonfcrcnzcn 70, Sitzungen der Sektions- Icitung und der Kartelle 18, Verhandlungen fanden 16 mal statt. Die Gesamtzahl der Sitzungen und Versammlungen beträgt 592. Der Versammlungsbcsuch ist im Durchschnitt ein zufriedenstellender gewesen. Im Aufbau des VcrtrauensmännersyftemS, wurde bc- richtet, sei ein wesentlicher Fortschritt zu verzeichnen. Im Vor- jähre betrug die Zahl der Vertrauensleute 236, wohingegen es ge- genwärtig 342 seien. Für die Bildung und Belehrung der Funktio- näre haben im verflossenen Winterhalbjahr besondere Kurse statt- gefunden, die einen recht praktischen Wert zeigten. Infolgedessen wurde beschlossen, diese Kurse im kommenden Winter wieder statt- finden zu lassen und neben der Ausbildung der Funktionäre auch tätigen Mitgliedern den Zutritt zu gestatten. Der Agitationsfonds hat eine Einnahme von 1789,64 M. und eine Ausgabe von 1905,30 Mark; der am 14. 7. er. verbleibende Kassenbestand beträgt 784,34 Mark. Zum Schluß wurde zu der Neubesetzung der Beisitzer für den Verbandsvorstand Stellung genommen und entsprechende Vor- schlüge gemacht._ I*ctzU IVachricbtcm Die Bergungsarbeiten in Binz bei Nacht. Binz, 29. Juli. kannte. Plötzlich gab es einen furchtbaren Krach und man sah große Holzsplitter und zahlreiche Moral verdankt, wird ohne weiteres auf die Ahnen des Kaiser- Gottes zurückgeführt. In der konsequenten Durchführung dieser Ideen begegnen sich die Schulbücher mit den offiziellen Wissenschaft- lichen Schriften. Kurzum, der Nationalismus und Imperialismus, der als Begleiterscheinung des Kapitalismus überall auftritt, ist in Japan zur Religion gemacht worden. Die Eroberung der„Jungfrau". Nach einer Bauzeit von drei- zehn Jahren hat die Jungfraubahn jetzt das 3457 Meter über dem Meer gelegene, zwischen Mönch und Jungfrau eingebettete Jung- fraujoch erreicht, das der Gipfel der Jungfrau nur noch um 700 Meter überragt. Bisher war Station Eismeer die Endstation der Jungfraubahn. Ende Juli 1912 werden die Reisenden zum ersten- mal weiterbefördert bis zur Station Jungfraujoch und damit mitten hinein in die Schönheiten der hochalpinen Welt. Konrad Falke schildert in„Westermanns Monatsheften" den überwältigenden Eindruck, den die HochgebirgSwelt von der neuen Station aus auf den Beschauer macht: „Es war ein Anblick von überraschender Stille und Größe; das Spiel der Gipfellinien, die hier nicht mehr jäh die Höhe er- streben, sondern gleichsam genießend und auskostend sich in ihr ver- breiten, zeigt eine solche erhabene Ruhe, daß einem wohl die Tränen in die Augen treten mochten: man fühlte, daß man von dem großen Bau der Erde das oberste Plateau betreten hatte. In wunderbarer Einsamkeit, wie ein friedvolles Jenseits, dehnte sich zu unseren Füßen kilometerweit das enge, flache Tal des Jungfraufirns zum Konkordiaplatz hinunter; von beiden Seiten, links vom Trugberg, rechts vom Kranzberg, schoben sich kulissenartig auslaufende Fels- und Schnecgrate herein, zwischen denen hindurch der Blick bis zu den Walliser Glctscherkuppen schweifte. Zu unserer Rechten aber, an der Grenze der tief uns im Rücken liegenden Erdcnwelt, reckte sich der oberste Gipfelbau der Jungfrau in den Aether empor! Wie mit leidenschaftlich schützen- der Gebärde Heiliges vom Profanen trennend, fällt unmittelbar vom Gipfel, durch volle siebenhundert Meter, der kahle, zackige Nordostgrat zu unserem Standpunkt ab; er ist es auch, der allen Angrisfen der Bergsteiger am längsten standgehalten hat, denn erst 1911 wurde er zum erstenmal bezwungen. Wer in diesem Sommer die Station Jungfraujoch �3457 Meter) besucht, wird von der Durchbruchstelle aus einen in die steile Grat- lehne eingesprengten Weg vorfinden und zu dem keine zweihundert Meter entfernten Schneesattcl des Jungfraujochs wagerecht hinüber wandern können; dort ergänzt den Blick nach Süden, in die hehre Firnenwclt, ein Blick nach Norden: über schaurige Abgründe hinweg in grüne Taltiefcn und blaue Fernen, wie ihn uns der Mönchs- stollen bot. Nun wird es in dieser stillen, weißen Landschaft bald reges Leben geben; aber so groß sind die Dimensionen, daß auch ganze Karawanen kaum das Naturbild verderben, und die Spuren sind bald genug wieder verwischt. Einzig die dem grimmigen Nordostgrat der Jungfrau vorgelagerte feine Schneepyramide (Punkt 3560), die zu Ehren der Tochter Guyer-Zellers, der Gattin Menschen im Wasser. Im nächsten Augenblick wurden alle verfügbaren Rettungsmittel von Mannschaften und dem Publikum herangebracht. Wegen der großen Zahl de ins Wasser Gefallenen reichten die Stangen und Haken nicht aus, so daß viele der im Wasser Treibenden mit der Hand herausgezogen werden mußten. Die Verunglückten klammerten sich in ihrer Todesangst aneinander und wurden dadurch in die Tiefe gezogen. Ich sah, wie eine Frau an der Hand emporgezogen wurde, dann aber ins Wasser zurückfiel. Ver- mutlich hatte ein Herzschlag plötzlich ihrem Leben ein Ende gemacht. Ein junger Mann aus Greifswald rettete mehrere Personen. Viele Menschen standen dabei, ohne helfen zu können, denn alles war vollgepfropft von Leuten, besonders auf dem unteren Teil der Brücke. Bisher war es üblich, daß man das Publikum beim Anlegen eines Dampfers auf dem oberen Teil warten ließ. Vermutlich trug man gestern dem.starken Verkehr Rechnung und gab auch den unteren Teil der Brücke für das Publikum frei. Die direkte Ursache des Unglücks mag gewesen sein, daß der mittlere Balken zwischen den beiden Stützen durchgebrochen ist. Tie Brücke schadhaft gewesen? Nach einer von der Firma Heinrich Sputh in Greifswald ge« gebcnen Darstellung ist die von ihr im Jahre 1905 erbaute Binzer Brücke durch das Eistrciben im vergangenen Winter beschädigt worden. Eine Abnahme der Rcparaturarbeitcn durch die Wasserbau- inipektion hat, da sie gesetzlich nicht vorgeschrieben ist, nicht statt- gefunden. Durch die Nordstiirme der letzten Tage ist die Brücke vermutlich schadhaft geworden. Einige Bolzen haben sich wahr- scheinlich gelöst, so daß dem Anscheine nach der in Frage kommende Mittelbalke» nur noch an einem Bolzen gehangen haben kann. Infolge des gestrigen großen Andranges dürfte auch dieser Bolzen nachgegeben haben, wodurch das Unglück herbeigeführt worden sei. O Schilda, mein Vaterland! Unglaubliche Dinge läßt sich die„Vossische Zeitung" über polizeiliche Schildbürger st ückchen melden: „Unter den B a d e g ä st e n heißt es da, herrscht große Erbitterung, da die Brücke augenscheinlich zu schwach ge- baut war. Für Rettung war überhaupt nicht ge- sorgt. DieRettungsarbeiten wurdenfast aus- schließlich von der Besatzung der äugen- blicklich hier liegenden Kriegsflotte ausge- führt. Ein Marinesoldat wäre bei dem Rettungswerk bei- nahe selbst ums Leben gekommen. Die zur Rettung her- beieilcndcn Personen wurden von der B i n z e r Polizei gewaltsam zurückgedrängt mit dem Bemerken:„Sie haben nichts zu rette«!" Von den Geretteten wurde von den Brückenkontrolleuren beim Verlasseu der Brücke noch ein Brückengeld von 10 Pf. erhoben. Auch die Retter mußten eine Brückenkarte lösen. Nunmehr sind auch die drei bisher noch unbekannten Per- sonen der bis jetzt geborgenen 14 Opfer der Binzer Katastrophe rekognosziert worden. Es handelt sich um die bei der Greifs; walder Polizeidirektion als vermißt gemeldete Frau des Tclegraphenassistenten W e P n e r sowie deren Tochter und den Inspektor des Taxameterdepots M a u n e g e l. Der eben- falls als vermißt gemeldete Ratsherr Noffke ist gerettet worden, mußte jedoch in eine Privatklinik gebracht werden, da er am Kinn durch einen Bootshaken nicht unerheblich ver- letzt worden ist. Lebensgefahr besteht nicht bei ihm. 8o2iales. Wie die Postbehörde Angestellte behandelt.( Nach neunjährigem Dienst im Betriebe des Fernsprechamts Y in Hamburg hat die Telegraphengehilfin L. am 28. Sepvember 1902 infolge eines stärkeren WeckstromeS einen Betriebsunfall erlitten, infolgedessen sie wegen Dienstuntauglichkeit von unabsehbarer Dauer entlassen wurde. Durch Entscheidung der Oberpostdirektion des Jungfraubahnpräsidenten von Salis, Pic Mathilde genannt wird, mag an schönen Tagen überreichen Besuch erhalten; in einer halben Stunde ist man oben und hat dabei doch alle Reize eines steilen Schneegrats mit Blicken in Abgründe und Aetherweiten ge- kostet!" Leider bekommen von diesen Naturschönheiten, die technischer Fortschritt erschließt, die wenigsten Menschen etwas zu sehen. Die große Natur rst ein Monopol so gut wie alles andere in der kapita- listischen Welt. Mikkclsens Heimkehr. Die bereits gemeldete Auffindung des Grönlandfahrers Einar Mikkelsen und seines Begleiters, die seit zwei Jahren für verschollen galten, vollzog sich auf merkwürdige Art. Als der Fangkutter„Söblomsten" sie fand, waren sie mehr Tieren als Menschen ähnlich. Eine Holzstange auf der Walroß- insel mit der eingeschnittenen Jahreszahl 1912 brachte den Kapi- tön des Kutters zuerst auf die Spur der beiden; er folgte ihr bis zur Hütte, die sich Mikkelsen und Jversen erbaut hatten. Als er anklopfte, kamen beide heraus, fast nackend, die Gewehre mit ge- spannten: Hahn in der Hand, weil sie glaubten, es seien wilde Tiere vor der Tür. Menschen hatten sie nicht erwartet. Sie hatten reichlich Munition bei sich und konnten sich also Lebensmittel ver- schaffen. Mikkelsen soll sehr krank gewesen sein, so daß Jversen lhn auf einem Schlitten über 100 Meilen weit ziehen mußte. Die Expedition Mikkelsens ivar 1909 auf dem Schiff„Ala- bama" ausgesandt worden, um die Tagebücher des verunglückten Grönlandforschers MvliuS Erichsen aufzusuchen. Das Schiff wurde vom Eise zerstört, die Mannschaft rettete sich und kehrte voriges Jahr zurück, während Mikkelsen und sein Begleiter die Expedition fortsetzten. Sie haben große Wanderungen über das grönländische Inlandeis unternommen und Nachrichten von Erich- sen im Danmartsfjord gefunden. Auch die Tagebücher Erichsens wurden heimgebracht. Lange haben die Wackeren vergeblich auf Walfischfahrer gewartet, bis sie nun endlich die.Söblomsten" auf 741h Grad nördlicher Breite traf und mitnahm. Notizen. — Das Friedrich-Wil Helm städtische Schau- spielhaus bleibt im August geschlossen. Das Theater wird als Berliner Possen-Theater wieder eröffnet werden. — Soz:ologenkongreß. Pom 20. bis 22. Oktober findet in Berlin die zweite Tagung der Soziologen statt, deren Ver- bandlungen diesmal ein einheitliches allgemeines Thema:„Die Soziologie der Nation und verwandter Begriffe" zugrunde liegen wird. Die Leitung liegt in den Händen der Vorsitzenden der Deut- scheu Gesellschaft für Soziologie, Professor Sombart, Professor Tönnies und Professor Timmel. Als Vortragende sind gemeldet: Professor Alfred Weber(Heidelberg), Professor Edv. Lehmann (Berlin). Professor Michels(Turin), Dr. Oppenheimer(Berlin), Dr. Ludo M. Hartmann(Wien); Prosessox Paul Barth(Leipzig), Professor Vierkandt(Berlin)." fem 26. August 1910 ttfürSe Set S. auf Grund eines Gutachtens des Postvertrauensarztes Dr. Riedel in Lübeck eine jährliche Uafall- rente von 375 M. für 33K Proz. verminderte Erwerbsfähigkeit zugesprochen. Da aber die Rentenfestsetzung auf unrichtigen Vor- ouSsetzungen der wirklichen Erwerbsunfähigkeit der L. beruhte, chatte deren Pfleger durch den Rechtsanwalt Dr. Tannenwald gegen den Reichsfiskus bei dem Hamburger Landgericht einen Prozeh auf Erhöhung der Rente um S2ö M. angestrengt. Es wurde eine Rente in Höhe von 900 M. pro Jahr für verminderte Erwerbsfähigkeit beansprucht. Zur Begründung der Klage wurde hervorgehoben, Sah die Klägerin unter Aufbietung aller Kräfte zurzeit nur eine einfache Stellung als Kinderfräulein versehen kann, wofür sie eine .Vergütung von 18 M. monatlich ohne jegliche Beköstigung erhält. Der Kampf, der sich sodann um die Erhöhung der Rente ab- spielte, ist sehr interessant und veranlatzt unz, mit einigen Worten des näheren auf die Geschichte des Rentenkampfcs einzugehen. Die Oberpostbehörde beantragte nämlich Abweisung der Klage, indem sie auf das Gutachten des Dr. Riedel und die Gutachten des Dr. Nonne und des Physikus Dr. Schwartz berief, welch letztere beide bekunden, daß der Unfall nur das auslösende Moment einer schon bestandenen nervösen Erschöpfung gewesen sei. Physikus Dr. Schwartz behauptete sogar, es handle sich bei der Klägerin um eine von Haus aus nervöse Person, die an krankhafter Willens- schwäche leide. Diesen Gutachten stehen aber die des Oberarztes am Krankenhaus St. Georg, Dr. Saenger, und des Nervenarztes Dr. Kalmus, der die L. seit dem Unfall behandelte, entgegen. Diese beiden Gutachter haben übereinstimmend die Erwerbsunfähigkeit der Klägerin auf mindestens 80 Proz. geschätzt. Die Zivilkammer in Hamburg hat demnächst den ReichssiskuS kostenpflichtig zur Zahlung eines Ruhegehalts von 700 M. verurteilt. In der Be- gründung des Urteils stützt sich dasselbe auf die Gutachten von Dr. Kalmus und Dr. Saenger, die unter anderem ausführten, daß der jetzige Zustand der Klägerin, nicht allein durch den Unfall, son- dern auch durch die Art, wie die Oberpostbehördc in die Behandlung der Kranken eingegriffen hat. verursacht ist. Für den ungllnstigen Ausgang des Leidens seien die dauernden Behelligungen von der Postbehörde, der erzwungene Wechsel der Behandlung, die mit den häufigen Untersuchungen verbundenen Erregungen usw. und die Verweigerung der Sanatoriumsbehandlung mitverantwortlich zu machen. Der Arzt der Postkrankenkasse hatte sofort nach dem Unfall nervenärztliche Behandlung empfohlen. Da der L. solche von der Postkrankenkasse nicht gewährt wurde, stellte die Klägerin einen förmlichen Antrag, auf welchen das kaiserliche Fernsprechamt erwiderte: Die Postkrankenkasse hat Ihre Eingabe dahin ent- schieden, daß sie die spezialärztliche Behandlung durch Herrn Dr. Kalmus nur dann gestattet, sofern die Gesamtkosten den Be- trag von 7, SO M. nicht überschreiten(!)... E. F. dürfte Kranken- Hausbehandlung am Platze sein. Da Dr. Kalmus für 7, SO M. die L. nicht kurieren konnte, begab sich die L. bei Dr. K. in Privat- behandlung. Nach S Wochen war eine ausgesprochene Besserung mit einer Gewichtszunahme von 11 Pfund eingetreten. Die Be- mühungen, die empfindsamen Nerven zu beruhigen, wurden durch die ständigen Borladungen, persönlichen Verhandlungen und Kon- trollbesuche von der Behörde sehr erschwert. Der Sachverständige sah sich daher am LS. November 1909 veranlagt, das kaiserliche Fernsprechamt auf die Gesundheitsschädigung, die durch das Ver- halten der Behörde zu befürchten war, warnend hinzuweisen. Auch von einer Krankenhausbehandlung riet der Gutachter aus ärzt» lichen Gründen ab. Trotzdem wurde am 26. November die sofortige Ausnahme in das Krankenhaus wie folgt verfügt:„Sie werden hiermit nochmals ausgefordert, sich nunmehr sofort in das Kranken� Haus aufnehmen zu lassen. Sollten Sie der Aufforderung nicht nachkommen, so werden Sie sich die für Sie hieraus entstehenden Folgen selbst zuzuschreiben haben." Nachdem die L. 3 Monate im Krankenhaus gewesen war, verließ sie erheblich verschlechtert das Krankenhaus. Der Sachverständige schließt sein Gutachten mit den Worten, baß die vorgesetzte Behörde es von Anfang an an einer zweckmäßig durchgeführten und notwendigen Behandlung hat fehlen lassen, ja sogar eine solche privat von der Kranken veranlasste Be- Handlung durch ihr Eingreifen gestört hat. In dem Gutachten des Dr. Saenger heißt es:„Es handelt sich um recht schwer funktionell nervöse Veränderungen, wie sie nicht selten nach Einwirkung von elektrischen Strömen auf das ZentnPnervenshstem beobachtet werden. Schädigend eingewirkt hat die Art, wie die Oberpost- behörde in die Behandlung eingegriffen hat." Gegen das Urteil des Landgerichts legte die Oberpostdirektion Berufung ein und for- derte u. a. die Einholung eines Obergutachtens, da die Gutachten der Sachverständigen sich widersprächen. Nach ihrer Ansicht sei das Urteil des Dr. Kalmus nicht unparteiisch und das des Dr. Saenger nicht beweiskräftig. Das Oberlandesgericht wies die Berufung aber ab, da es keine Bedenken trägt, das in sich schlüssige und über- zeugende Gutachten von Dr. Saenger seiner Entscheidung zugrunde zu legen. Am 28. September 1909 erlitt die Telegraphengehilfin den Unfall, am 23. April 1912 konnte endlich das inzwischen rechts- kräftig gewordene Urteil verkündet werden.— Bezeichnend ist, wie die beiden Gutachter die„segensreiche" Tätigkeit der Oberpost- behörde eingeschätzt und bewertet haben. Viel antisozialer kann eine Behörde schwerlich vorgehen als hier die Postbehörde. Die zukünftige Bolksversicherung der Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften wird in der soeben erschienenen Nummer 30 vom 27. Juli der offiziellen„Konservativen Mitteilungen", herausgegeben vom Hauptverein der Konservativen, dringend empfohlen. Es wird dabei betont, daß es sich hier um eine öffentliche Lebensversicherung handelt, die darauf großen Wert legt, die landwirtschaftliche Be- völkerung zu entschulden. In dieser im großen Stil durch- geführten Lebensversicherung„ist ein Werbemittel geschaffen, das besonders der landwirtschaftlichen Bevölkerung große Borteile bietet". Wird wohl nun der Hirsch-Dunckersche„Gewerkverein" von einer Empfehlung dieser agrarischen Schuldentilgungsvcrsicherung Abstand nehmen?_ Ens der frauenbenegung. Hundstagsirrunge» der„Deutsche« Tageszeitung". Am 18. Juli brachten wir eine Glosse.Agrarische Ferien- kolonien", die ein von mehreren Blättern mitgeteiltes Inserat de« „Hannoverschen Couriers" kritisierte. Obgleich Erscheinungszeit und-ort genannt worden waren, schwang sich da? Feuilleton der agrarischen„Deutschen Tageszeitung"(Nr. 372 vom 25. Juli) zu folgender Notiz auf: „Eine anmutige Gaunerei ist von der sozialdemokratischen und liberalen Presse in die Welt gesetzt worden, um den Agrariern ein« anzuhängen. Da soll in einer hannoverschen Zeitung eine Anzeige folgenden Inhalts gestanden haben:„Erholungsaufenthalt auf dem Lande, etwa 1t Tage, finden sofort 16—20 erholungS- bedürftige junge Mädchen oder Kinder(Mädchen nicht unter 12 Jahren) aus rechtlichen Familien auf meinem Gute bei freier Station. Dieselben müssen dafür 8 bis 10 Stunden täglich Erbsen pflücken. Fleißigen Pflückerinnen wird außerdem noch Barvcrdienst gewährt. Bewerberinnen wollen sich Mittwochs, abends 7'/z Uhr, Bahnhof, Wartesaal 8. Klasse melden. Gut Holtau bei Celle." ES mag dahingestellt bleiben, ob sich Erholungsbedürstigkeit und Erbsenpflücken miteinander vertragen, und ob die freie Station der richtige Gegenwert für die. geforderte Arbeitsleistung bildet. Aber gerade diese Punkte hätten die Redakteure, die die angeb- liche Anzeige weiterverbreitet haben, stutzig machen müssen. In welcher Zeitung hat die Anzeige gestanden? Die Angaben darüber fehlen und wenn wirklich irgendein Provinzblatt«in derartiges Inserat gebracht haben sollte, hätten sich die Herren doch das„Gut Holtau bei Celle" näher ansehen müssen. Es existiert eben einfach nicht, wenig stens nicht in Hannover, nicht in Preußen, nicht in Deutschland überhaupt; es ist ein Phantasiegut, belastet mit den Schwindelhypotheken seines Er- finderS, und kein Ortsverzeichnis weist einen Ort oder ekn Gut dieses NaineuS auf. Bei dem Tiefstand der Polemik, der unsere gegnerische Presse auszeichnet, ist nicht anzunehmen, daß sie von dieser Richtigstellung Kenntnis nehmen und ihren Lesern den wahren Sachverhalt mitteilen werde. Gegen die Agrarier gelte» alle Mittel, und den Z 11 des Preßgesetzes können sie nicht an- wenden nach Lage des Falles und vor allem nicht vom„Gut Holtau bei Celle" anwenden lassen. waSmaßen selbiges zu dem Privat- eigentum des seligen Freiherrn von Münchhausen ge- Hort." Die„Deutsche Tageszeitung" war sogar so liebenswürdig, uns durch ein mit Zeichen versehenes Exemplar— wenn auch unnötiger- weise— auf ihre Notiz aufmerksam zu machen. Wer beschreibt unser Erstaunen, als wir am Montag früh die gleiche Notiz noch- mals in der„Deutschen Tageszeitung" finden, nur diesmal im politischen Teil mit der schönen Ueberschrift:„Wie man gegen die Agrarier kämpft' und dem Vermerk, die Ausführungen seien ent- nommen der„Vraunschweigischen Tageszeitung"! Mischen wir uns indiskret in interne RedaktionSangelegenheiten, wenn wir das Feuilleton ersuchen, künftighin ihren Teil nicht an den»Vorwärts", sondern an seine Kollegen in der Politik einzusenden? Nun empsiehll das„Verl. Tagebl." der politischen Redaktion der „Tageszeitung", nicht nur das Feuilleton fondern auch den Anzeigen- teil von Nr. 372 zu studieren. Sie wird dort eine Notiz finden: „Vorschnitter mit zirka 30 Leuten, 10 Männern oder Burschen und 20 Mädchen für sofort oder Anfang August zu gutem Vertrags gesucht. Derselbe kann auch dort mit einem Teil der Leute über Winter bleiben. Gemüseplantage Gut Holtau b. Celle(Hannover)." Hat auch der„Deutschen Tageszeitung" ein.Phantasiegut, be- lastet mit den Schwindelhypotheken' des Inserierenden, die Anzeige- gebühren beglichen? Damit nicht wieder einige Tage vergehen, bis die politische Redaktion der„Tageszeitung" die nötigen Erkundi- gungen eingezogen, verrät ihr das„Berliner Tageblatt" des Rätsels Lösung: Vor einem Jahr hat der Besitzer des Gutes Brummerhof. Herr v. ArnSwaldt, den Namen in Gut Holtau bei Celle geändert. Die Moral von der Gefchicht? Wie»man' gegen die links- stehende Presse kämpft!_ Die Einrichtung einer Mutterschaftsverficherung, unentgeltlicher Krankeufürsorge und planmäßiger Bekämpfung der Tuberkulose wird in der Plalsorm der Sozialisten des Staates New V o r k als erste derartige Programmforderung in Amerika gefordert. Für das Amt eines Staatssekretärs wurde auch hier, auf der Parteikonvention zu Auburn, eine Genossin. Carrie Akten, aufgestellt. Marktbericht von Berlin am 27. Juli 1S12, nach Ermittelung deS lönigl Polizeipräsidiums. Markthallenpreise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00— 50,00. Speiscbohncn, wcisic, 30,00-50,00. Linsen 40,00-80,00. Kartoffeln(Kl-inhdl) 10,00—16,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,80—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,50— 1,90. Schweinefleisch 1,50—2,00. Kalbslciich 1,50— 2,40. Hammelfleisch 1,70—2,40. Butter 2,40-3,00. 60 Stück Eier 3,40—5,20. 1 Kilogramm Karpien 1,20-2,20. Aale 1,20—3,20. Zander 1,60-3,60. Hechte 1.40-2,80. Barsche 0,80-2,40. Schiele 1,40—3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 2,00—40,00._ Wasserstands-Nachrichte» der LandeSanstalt für Gewässerlunde, mitgeteilt vom Berliner Detterbureau Wasserstand Kemel, Tilstt P r e g e I, Jnsterburg Weichsel, Thon» Oder, Ratibor . itrossen , Frantsurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg am !S.7. CM 69 -51 — 2" 212 37 42 -44 —60 —42 —24 —112 79 136 seit 27. 7. cm') 0 -3 —2 —60 0 —4 —2 —1 0 —46 -45 +4 +21 Wasserstand Saale, Grochlltz Havel, Spandau») , Rathenow») Spree, Sprembcrg») , BeeSkow Weser, Münden Minden Rhein, Maximilians au , Kaub , Köln Neckar, Hellbronu Main, Hanau Mosel. Trier am L. 7. cm 70 10 —10 56 77 93 170 487 258 236 70 114 3 seit 27.7. cm1) +22 -2 —22 _ o Ö +1 —4 —2 —5 —10 —12 +6 -2 ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—») Unterpegel. Todes-Anzeigen SozialdeinokratiseiierWalifterelD de« 6. BerL Relebstags-Wablkrelses. Am 27. d. M. verstarb unser Genosse, der Arbeiter Gustav Ulrich Stralsunder Straße 37 (Bezirk 644). Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 51/, Uhr, von der Halle des Elisabeth- KirchhoseS in der Prinzenallee au» stait. 231/5 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. SoziaMemokraflseberWaliH de« 6. Beri. Reichstags-Wahlkreises. Am 26. b. M. verstarb unser Genosse, der Gürtler Eduard Müller Beusselstr. 65a. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet heute nachmittag 4'/« Uhr von der Halle deS Süd« West- Friedhofes in Stahnsdorf aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 231/5 vor Torntemck. SozialdetnokratiseherWahlifereiii für den 0. Berliner Reiehstagswahlkrels. Am 28. d. Mis. oerstarb unser Genosse, der Zigarrenmacher Wilhelm Diehl Gartenstr. 58(Bezirk 625). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 31. d. Mts., nach- mittags 1'/, Uhr. vom Trauer- häufe aus nach dem stadtischen Friedhof, Müllerstraße, Ecke See- straffe statt. Um rege Betellignng ersucht Der Borstand. Di- Kollegen Beerdigung unseres 2621b Gustav Tillner findet am Mittwoch, den»1. Juli, vormittags 10 Uhr. von der Leichenhalle des Neu- löllner Gemeinde- Friedhofes, Mariendorfer Weg, aus statt. Die Kollegen des„Berliner Tageblattes". Typographia. Die Beerdigung des Kollegen Gustav Tiüner findet am Mittwoch, den 31. Juli, vormittag» 4« Uhr, von der Leichenhalle deS Neu- töllner Gemeinde- Friedhofes, Mariendorfer Weg, aus statt. Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsttelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dah unser Mitglied, der Zuleger .lohaim Korcik Mcmeler Str. 4 am 27. d. Mts. an Leberleiden gestorben ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 31. Juli, nach- mittags 31/, Uhr, von der Leichen- Halle des Pauls-KirchhofeS in der Seestraffc aus statt. Rege Beteiligung erwartet 121/17 Die OrtSverwaltung. Deutscher Iranspcrtarbeiter- Verband. Bezirk GroB-Berlln. Nachruf! Den Mitgliedern zur Nachricht, daff unser Kollege, der Droschken- führ« Julius Boldt am Donnerstag, den 25, d. M., im Aster von 60 Jahren verswrben ist, Ehre seinem Andenken! «-IM6 Die Bezlrksverwaltunn. Am 27. Juli, abends 8 Uhr, enlschlies sanft infolge eines Schlaganfalle.S mein lieber Mann, unser herzensguter, wniggeliebler Pater, Schwieger- und Groß- Vater, der Webermeister Eduard Härtig im 82. Lebensjahre. Dies zeigt tiesbetrübt an im Namen der Hinterbliebenen llmiiie Härtig geb. Ouncker. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 31. Just, nach- , mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des Zenwal-Friedhoses in I Friedrichsseide auS statt. 2680b Am Sonnabend, den 27, Juli, früh 7 Uhr, verschied nach kurzem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Pater, Bruder, Onlel und Schwager Otto Blumberg im 26. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinlerdllebenen. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 31. Juli, nach- mittags 6 Uhr, von der Leichen- halle des neuen JalobikirchbofeS auS statt._ 26236 Sonnabend, den 27. Juli, abend» 9'/, Uhr. verschied nach langem, schwerem, mit groffer Geduld er- tragenem Leiden meine liebe Frau, Schwester, Schwägerin und Tante, Frau Marie Wirth geb. KUhn, im Alter von 53 Jabren. Pnnl Wlrth. Die Beerdigung findet Dien». tag, den 30. Juli, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Sophien-Kirchhoses, Freienwaider straffe, aus statt. 2521 Für die vielen Bcwei?e herzstcher Teilnahme beim Hinscheiden meines lieben MaimcS Kar! Neuendorf sage ich allen Bekannten und Ge- noffcn meinen herzlichsten Dank, ins- besondere dem Gesangverein der Putzer, dem Herrn Obst für die trost- reichen Worte am Grabe. Frau jlarle Venendorf 4821 nebst Kindern. I Allen Verwandten, Freunden und Gönnern die ticstraurige Nachricht, daff meine inniggeltebte Frau und gute Mutter Ämslie Bieleit«-6.�.»«- nach langem schweren Leiden am Sonnabend, abend» 8 Uhr, sanft entschlafen ist. 26796 Dies zeigen ttefbetrübt an die Hinterbliebenen August«ieleit und Sohn, Familie Rehwaldt. Die Beerdigung findet am Mittwoch, nachmittags 3 Uhr, auf dem Friedhofe der Bartholomäus- Gemeinde in Weiffenfe« statt. Allen Freunden und Gönnern die traurige Nachricht, daff die Frau unseres Generalpächters Amalie Bieleit geb. Krause am Sonnabend, abends 8 Uhr, nach langem schweren Leiden sanst«ntschlasen ist. DieS zeigen an Die Pächter der Kolonie„LindenwSldcben". Danksagung. flr die Beweise liebevoller Teil- nähme, sowie auch sür die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben ManncS und guten VaterS, des SchrislsetzerS 2624b Max Voß sagen wir aus diesem Wege allen Verwandten und Bekannten, sowie den Genossen deS 3. Wahlkreises, besonders den Kollegen der Firmen Beyer u. Böhme und Hilde- brandt u. Stephan unseren Innigsten Dank.— Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Witwe Emma Boß und Sohn. Für die herzliche Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Becrdi- gung meines lieben, unvergefflichcn Mannes, unseres herzensguten Vaters, Schwicger- und(Äroffvater», des Schriftsetzers HVlIh. Schnanck sagen wir allen Freunden und Bekannten unseren herzlichsten Dank. V«e. E. Sclmauck 2625B nebst Kindern. Tätowierung entfernt Dr. Schttncmann Spezialarzt für Hautkrankheiten Berlin S., Oranionstraße 139. 205/17 gofastoffe Riesenauswahl allerQualltäten. SSS.Besle! Master bei näherer Angabe franko. Emil leIßvre,oBreanÄ18! Von der Reise zurück[220/19* Hermann Katz, l-andsberger StraBe 71. Für Zahnleidende 9-7. Kgst, 1831. Oskar Wollburg Trauer» Magazin Berlin N., BrunnenstraBe 56. Große Auswahl in schwarzer Konfektion; auch eine. Rdcke, Blusen, Hüte eto. Anfertigung nach Maß in 12 Stunden. Aenderungen sofort. VHjllJ.l««""»•-.■i* -..'«».'"' 1«'...■■'I":■■r-mu '» 1111- I'"t I Manoli Ci$areiie« •fpeciolmarken Abbas Dandy Gibson GiTl Sozialdemokratischer Wahiverein im 4. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Dienstag, den 30. Juli, abends 8 Uhr: S Viertels-Versammlungen 1. bei Graumann, Naunynstraße 27 für das Görlitzer Viertele Referent: Genosse ZlcUv. in folgenden Lokalen: 218/12' 4. in den Comenius-Sälen, Memeler Str. 67 für das Stralauer Viertel. Reserent: Genosse Ruf. 5. im Elysium, Landsberger Allee 40 für das Landsberger Viertel. Referent: Genosse 6. in der Löwenbranerei, Frankfurter Allee 53 für das Petersburger Viertel. Referent: Genosse Wislocl». Tagesordnung: 1. Beratung des Berbandsstatuts und Anträge zur Verbands-General- Versammlung. 2. Vereinsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert."WD Oer Vorstand. 2. in den Naunyn- Sälen, Naunynstraße 6 für das Köpenicker Viertel. L. bei Boeker, Weberstraße 17 für das Frankfurter Viertel. Sozialdemokratischer Wahiverein lür cIsq sechsten Berliner Reichstagswahlkreis. Dienstag den 30. Juli 1913, abends 87» Uhr: 22 Mitgliederversammlungen in folgenden Lokalen: 5. 6. 7. 8. 9. 10. Abt.: Obiglo, Schwedter Str. 23(kl. Saal). „ Obiglo, Schwedter Str. 23(gr. Saal). „ Berolinasäle, SchönhauserAllee 28. „ Pnhlmanns Theater, Schönhauser Allee 147. Burgtheater-Festsäle, Schönhauser Allee 129. Konzerthaus Süßmilch, Born- holmer Str. 7. Milasäle, Schönhauser Allee 130. Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünder Str. 42. Tase, Brunnenstr. 154. Kramer, Hussitenstr. 40. 11. Abt.: 12... 13... 14... 15... 16... 17. 18. 19. 20. 21. 22. Tagesordnung: Oranienburger Festsäle, Chaussee- straße 16. Artushof, Perleberger Str. 26. Moabiter Bürgersäle, Beusselstr. 9. Moabiter Stadt- Theater, Alt- Moabit 47/49. Arminiushallen, Bremer Str. 70/71. Funkes Gesellschaftshaus, Trift- straße 63. Cranz' Festsäle, Kösliner Str. 8. Frankes Festsäle, Badstr. 19. Voigt-Theater, Badstr. 58. Pharus'äle, Müllerstr. 142(gr. S.). Pharussäle, Müllerstr. 142(kl. S.). Sachon, Müllerstr. 136. i. Wahl der Dtlesierten zur Vtrbandsgrntrülversmmlllng. 2.$tfüunpa|)tne zur Kreisgtneralvkrsllmmluüg u. zu deu dazu vortitgeudtu Autriigen. Laut Z S der AuSsührungSbestimmungen verössentlichen wir die zurIKreiSgeneralversammIung gestellten Anträge: I. Bezirk 760: Die Generalversammlung setzt sich zusammen aus den Delegierten, dem Gesamtvorstande, den Mitgliedern deZ ÄktionSauSschusses und ZentralvorstandeS, sowie den Stadtverordneten und den Reichstags- und den LandtagSabgeordneten des Kreise». Bei allen eigenen Angelegenheiten der Teilnehmenden ruht da» Stimmrecht. S. Bezirk 831: In Zukunft die Delegiertenvorbesprechung zur BerbandSgeneralversammlung sortsallen zu lassen. 3. Zum Verbands st atut. Abt. 9:». Den Absatz i dcS§ 3 in den§ 13 aufzunehmen, b. Bei Ablehnung des Berbandsstatuts wird beantragt: Die Wahl der Beisitzer sllr den Parteivorstand erfolgt in der BerbandSgeneralversammlung. Ritslledsbach legitimiert. 231/3*_ Per Voretand. Soziallemokr. Wahiverein Heukölln heute Dieustag, abeuds 8�2 Uhr. iu Bartschs Miile, Sermmch. 49: General- Versammlung. Tagesordnung: 237/18 1. Stellungnahme zur KreiL-Generalversamniluitg. 2. Geschäfts- und Kassenbericht. 3. Anstellung eines Sekretärs. 4. Neuivah? des Vorstandes und der Funktionäre. 5. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert!— Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Borstand. Sozialdemokr. Wahiverein Schöneberg. Dienstag, de» 30. Juli, abends S'/s Uhr: Ordentliche Generalveriarontlung in den„Neuen Nathaussälen", Meininger Str. 8. Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Neuwahlen. 3. Anträge und Delegiertenwahlen zur KreiS-Geiieralversanunlung. 4. Anträge und Delegiertenwahlen zur Verbands- Generalversammlung von Groß, Berlin. 5. Der nächste Parteitag, Anträge und Kandidatenvorschläge zur Delegiertenwahl. 6. VereinSangelegenheiteii. 15/20 Mitgliedsbuch legitimiert zum Eintritt. Per Vorstand. Arbeitsnachweis: Hos I. Amt Norden, Nr. 1239. yerwaltuiplelle Berlin HaMÄmau: (Cliarüeflrnstc 3. Amt Norden, Nr. 1987 MM- Rohrltger li. Hrlftr. Achtunq! Mittwoch, den 31. Juli ISIS, abeudS 8 Uhr: AllgemeiiltKriUllijeilNtrsliiiiiillililg im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Engelufer 15. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Pr. Rndolf Breltscbeld:»Schutz der Arbeitswillige».* 2. Dislussion. 3. Branchen- und VerbandSangelegenhelten. i. Verschiedenes. Es wird bestimmter und pünktlicher Besuch jedes Kollegen erwartet. Auch ersuchen wir die Frauen unserer Kollegen, mit zur Versamnilung zu kommen. Ple Ortsvcrivnltnng. Kios Cigarelten Kurprinz 3Pfg Fürsttn, 4., Welt-Math» 5« Aulo-Klub_6.. .' Airo-Klub.lO IKios- C i g a>r e 1 1 e Stück 4 Pfennig. Deutscher Tabakarbeiter-Verband Kalilstcllc Berlin. Achtung! Zigarettenarbeiter! Donnerstag, den 1. August, abends 9 Uhr, im»Roseuthaler Hof*» Rosenthaler Str. 11/ tÄ: AM" Vspssmmlung"MW Tagesordnung: Stellungnahme zur Sektionsbildung. 187/17 Ple Prt»ver«'altnng-. Land u.Wald am gr. Storkower See mit eigenen Bootsstellen CUR von 7 M. an. TerralngeseUscIi. am Storkow« und Scharmützelsoe m. b. H.» Berlin C.3, Burg«Strasse 30. Xenkölln. Zentral-Kraukenkaffe der Maurer usw. „Grnndjiein zur Einigkeit". Mittwoch, 31. Juli, abends B'l, Uhr: Mitgliederversammlung bei Wolsf, Kirchhosstrajze 41. Tagesordnung: Abrechuuiig vom L. L.»artal. — Verschiedenes in Kassenan- geiegenheite». 149/7 Zu zahreichem Besuch ladet ein Ple örtliche Vcrwaltans: SLilh. Kraft. Spezialarzt f. Haut- und Kavnlcldcn, ncrv.Schlväche,„Ehrlich 608" usw. Jr.Homep*!? Untersuchung.. Fäden t. Harn usw. Friedrichstr. 81, Spr. 10—2, 5— 8, Sonnt. 11—2. Honorar mäfjtfl, auch Teilzahl. Wen! Ken I Zubeil's wr/ni beseitigt Wanzen mit Brnt unter Garantie sosort. Flasche 0.50 M. Verlaus nur bei Gustav Zubetl u. Sohn. Berlin SA.. Lindenstr. 8S._* Shren Vorteil Lkonomischc Hausfrauen, die sich durch einlache! Auskochen von Zucker(ohne weitere Zutaten) 5 Psd. 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Abends 8 Uhr: Der liebe Augustin. Operette von Leo Fall. Ljp EfeDBnlARK Kongo, Zwergstadt, Die alte Mühle, Johnstowns Untergang usw. Entree 50 PI. Saisonkarten 3 Mark. Kinder und Zwergstadt bis 6 Uhr frei. IOSE=THEATE Trotze Frantiurtei Str. 132. vis Tragödie einer Ebe. Ansang 8»/, Uhr. Aus der Gartenbühn«: Juhu! ES ist erreicht! Gr. Revue Köntgstadt-Kastno. Ecke Holzmarkt, u. Alexanderstr. fZ. Aug?! 8 Glanzniimern und„Die weiße Dame 8. 4. Wahlkreis, W.: föuft. Schmidt, Kirchbach ftr. 14, Hochparterre. S. und SW.: Hermann Werner, Gneisenaustr. 72. Wahlkreis: St. Fritz, Prinzenstr. 3t, Hos rechts pari. Wahlkreis: Ost e n: Robert W e n g e I s, Gr. Franksurterstr. 120. — Richard H a ck e l b u s ch, Petersburgerptatz 4(Laden). Wahlkreis, Süd Osten: Paul Böhm, Lansttzerplatz 14/15. v. Wahlkreis': Leo Zucht, Jniinanuelkirchfh. 12(Hos). I»lt): Karl Sl»der-Z ,- Salzwedelerstr. 8. 0. Wahlkreis(tiieahlt) We«>«Il»zx: I. H ö» U ch. Razarethkirchstraße 49. Itoscnthalcr und Oranionbiirger Vorstadt: Wilhelm B a u m a n n, RhcinZbcrgeritr. 67, Laden. «esaadhraane»: F. Trapp, Bastianstr. 6, Laden. tiehUuhauser Vorstadt: Karl Mars, Greisenhagener Str. 27 /»dlershok: Karl Schwarzlose, Hofsmannstr. 9. �It-t-Iienieke: Wilhelm Dürre, Köpenickersir. 6. Itaumschiilcnwcg: H. Hornig, Marienthalerstr. 13, i. liernaa, Iittat«eiital, iLeperniek, Seh»no«v und Sehtta» brtick; Heinrich Prost, Mühlenstr. 5, Laden. Bohnsdorf und Falkenbcrg: Alois Laus, Bohnsdors, Ge> nossenschastShauS.Paradies". Vharlottenbiirx: Gustav Scharnberg, SesenHeimerstrage 1 Fredersdorf-Fetershaxen: E. Höselbarth, Pclershagcn. Friedeiiaa-tzitejjllts.üjijdende-tSrcß-ldehterfelde-Liank- witz: H. B e r u! e e, Alsenstr. 5 in Steglitz. Friedriehshaipe»: Ernst W e r t m a n n, Köpenicker Straße 18. Criinau: Franz Klein. Friedrich str. 10. ■lohaniilsthal: Pi dicke, Kaiser-Wilhelm-Platz 6. Karlshorst: Richard K ü t e r, Rödelitr. 9, II. Ktinixs-Wusterhansen: Friedrich B a u m a N n, BaHnHosstr. 13. KUneniek: Emil W i ß I e r. Kictzerstr. 6, Laden. Kielitenberx, Friedriehsfelde. Iloleensehvnhansea: Oho Seite!, Wartenbcrgstraße 1(Laden). Bahlsdorf, Kanlsdorf: P. H e ß b e r g, KaulSdors, Ferdinand- straße 17. ltlarlendorf: August Leip, Ebausseestr. 29S, Hos. hiieder-tSehbiierreide: G e h r t, Britzerstr. 6. Xonaw cs: Wilhelm I a p P c, Friedrichstr. 7. Dber-Gehttnenelde: Alfred Bader, WilHelmincnHosstr. 17 II. Fankorv-XiedersehUnhausen: Riß mann, Mühlenstr. 30. Ucinickcndorf- Ost, Wilhelmsruh und Schiinholx: P. G u r I ch, Provinzstr. 56, Laden. Bixdorf; M. Heinrich, Neckarstr. 2, im Laden; Rohr, Siegsried- straße 28/29. Bnmmelsburx, iioxliaaen: A. R o s e n l r a n z, AIt-Bo;hagen 56. SchUneberg: sailhclm B a u ni l c r, Martin Lutherstr. 69, im Laden. fitpandau, Xonncndaniiu, Staaken, Seegefeld und Falkenhagcn: Koppen, Brcitestr. 64. Tegel, itorsignaldc, Wittenau, Waldmannsluot, llernisdorf und Iteinickendorf- W'est: Paul Kienast, Borfigwalde, Ziäuichstraße 10. Teltou: Wilhelm B o n o w, Teltow, Berliner Str. 16. Tempelhof: JvH. Kr ahn, Borussiastr. 62. Treptow: Rod. Gramenz, Kicsholzstraße 412, Laden. Weiilensee: K. Fuhrmann, sedanstr. 105, parterre. W iliuersdorf-Iialeusee-Sehmargendorf: Paul Schubert, WiHelniSaue 27. Ziarlenfelde: Emil W e i n e r t, Dvrsstr. 14. Xenenhagen: Gustav Ley, Wolterstraßc. Klehnaleie: Ostar Mahle, Etubenrauchstr. 99. Krkner: Ernst H o s s m a n n, Frlcdrichshagener Chaussee. iLeuthen, Ullersdorf: Emst Hütt ig, Zeuthen, Dorsstr. 15. Eämtlichc Parleiliteratur iomic alle iviisenlchaitlicheii Werte werden gelietert. n.& P. Uder, irÄ"; Takak-füroßliandlnng und Tabakfakrik. Spezialität: Nordhäuser Kautabak von Q. A. Kanewacker, Trimm* frlepel ■ Stets irisch zu den äußersten Engrospreisen. ■■- Amt IV, 3014.- MMMMMWMWWVWWMMWMWVW WMMWWMWMMVMMWf Heinrich Franck Tel.; Amt Ndn 4352. 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Ferner hatte die Wehr noch in der Greifswalder Strasse 18, Waldstrasse SS und mehreren anderen Stellen aus der- schiedenen Anlässen zu tun. Ein tödlicher Strassenunfall ereignete sich gestern abend kurz nach 7 Uhr am Lustgarten. Beim Ueberschreiten des Fahrdammes übersah der 9 Jahre alte Sohn Alfred des Schlächtermeisters Hüniike aus der Dragonerstr. 31 das Herannahen eines Pferde-omnibnsses. Er geriet unter die Räder des Omnibaisses, ehe der Kutscher diesen zrnn Stehen bringen konnte. Dabei erlitt der Knabe so schwere innere umd äußere Verletzungen, dass er noch auf dem Transport nach der Hilfswache am Spittelmarkt verstarb. Hier kannten die Aevzte nur„och seinen Tod fcstztellen. Die Leiche wurde darauf nach dem Schauhause gebracht. Radrennen in Zchlendorf. Sonntag, 28. Juli. Dieser Renntag brachte trotz seiner niedrigen Eintrittspreise nur schwachen Besuch. Der gebotene Sport bot in der Hauptsache Fliegerrennen und vereinigte eine grössere Anzahl der besseren Klasse, so dass es an interessanten Kämpfen nicht fehlte. Der beste Mann war Oskar P e t e r. Im Eröffnungsfahren konnte er Carapezzi mit halber Länge schlagen, während Techmer und Senuccke den Rest bildeten. Das Hauplfahren ergab aus den Vorläufen und Hoffuungsläufen ein Feld von Peter, Schwab, Kudela, das ersterer sicher gewann. Ein hübsches Bild war das Verfolgungsrennen von je zwei Liererinaimschaften. Kudela-Peter-Tadeivald-Tcchmer hatten nach acht Runden ihre Gegner Schwab-Carapezzi-Müller-Lehmann ein. Das Prämienfahren gewann Kudela vor Techmer und Tadewald, während im Handicap Techmer vor Kudela, Sennecke und Hase einlief. Die beiden Dauerrenne» über 2S und 30 Kilometer büsstcn durch das Versagen der Motoren an Interesse ein. Im ersten Laus kam beim Start der Schrittmacher von Münzner zweimal zu Fall. so dass sein. Fahrer ausschied und R i e s n e r und Schulze allein fuhren. Schulze endete drei Runden zurück. Der zweite Lauf brachte Riesner und Münzner durch Motordefekte ins Hintertreffen und Schulze blieb leichter Sieger. Dachstuhlbrand. Am Sonntag abend wurde schon wieder ein igrotzer Dachstuhlbrand, diesmal vom Gesundbrunnen gemeldet. Dort stand der Dachstuhl des neuen Hauses Christianiastrasse 116 an der Prinzenallee in seiner ganzen Ausdehnung in Flammen. Weithin waren diese sichtbar. Als die Züge 19 und 21 an der ent- fernten Brandstelle ankamen, war der Dachstuhl nicht mehr zu retten. Um die Flammen zu löschen, muhte die Wehr mit vier Schlauchleitungen längere Zeit kräftig Wasser geben. Der Schaden ist wieder bedeutend. Zahlreiche Mieter verlieren eine Menge Hausrat. Die meisten waren beim Ausbruch des FeuerS nicht daheim.__ Vorort- JVacbncbtem Neukölln. Zwei Wcchselfallcnschwindler, deren Treiben an Räuberei grenzt, sind am Sonntag hier aufgetreten. In dem Buttergeschäft von Krause in der Käiser-Friedrich-Str. 66 erschienen zwei Burschen im Alter von 22 bis 24 Jahren und sragte» die allein anwesende Ver- käuserin, ob sie ihnen ein Zehnmarkstück wechseln könne. Als sie dies bejahte, forderten sie für 20 Pf. Schinkenspeck. Dann legte der eine ein Zehnmarkstück auf den Ladentisch. Als nun die Verkäuferin 9,80 M. aufgezählt hatte, um diese den Burschen aus die 10 M. herauszugeben, griff einer der beiden nach dem Zehnmarlstück und der andere nach den 9,80 M. Sie steckten das Geld in die Tasche, liefen zur Ladentür hinaus und schwangen sich dort auf bereit- stehende Fahrräder. Ehe noch die Verkäuferin um Hilfe rufen konnte, waren die Burschen mit ihren Rädern verschivunden. Die Frechheit der Räuber ist um so grösser, als sie die Tat im Beisein eines Briefträgers ausführten, der nachträglich in den Laden gekommen war. Der Kriminalposizei, die auf die beiden gefährlichen Burschen fahndet, gelang es bisher noch nicht, diese zu fassen. Schöneberg. Schwerer Automobilnnfall. In der Schwäbischen Strasse spielten Sonntag vormittag mehrere Kinder auf dem Fahrdamm, als ein Droschkenautomobil herannahte. Als der Chauffeur die Kinder er- blickte, verlangsamte er sofort die Fahrt und gab wiederholt Warnungs- signale. Während die übrigen Kinder sich noch rechtzeitig in Sicher- heit brachten, lief der 3Vz jährige Sohn des Vierfahrers Hossuck aus der Schwäbischen Str. 16 gegen den Kraftlvagen und wurde um- gestvssen. Der Kleine geriet unter das Auto und wurde überfahren. Er erlitt einen Bruch des rechten Armes, eine Gehirnerschütterung und eine Verletzung des Unterkiefers. In besinnungslosem Zustande wurde das verunglückte Kind durch den Führer der Droschke nach der Unfallstation in der Vorbergstrahe und von dort nach Anlegung von Notverbänden nach dem Krankenhause geschafft. Der Zustand des Knaben ist sehr bedenklich. Eharlottenburg. Gärtilcrischc Anlagen. Pläne zur weiteren künstlerischen Aus- gestaltnng des Savignhplatzes beschäftigen zurzeit die Stadt- Verwaltung. 20 000 M. stehen für diesen Zweck zur Verfügung. Auf dem AmtsgcrichlSplatz soll ein Springbrunnen errichtet werden, der der Stadt geschenkt worden ist. Ein weiteres Projekt, dessen Verwirklichung 27 000 M. Kosten verursachen wird, ist bereits von der massgebenden Deputation genehmigt worden. Es handelt sich uin die Herstellung von gärtnerischen Anlagen auf dem nördlichen Teil de? Grundstücks des Krankenhauses Westend vor den beiden nen errichteten Pavillons für Leichttranke. Die Anlagen werden nicht nur der Erholung der Patienten dienen, sondern durch einige eingefügte kleine Baulichkeiten dem betreffenden Teil der Anstalt ein wohltuendes architektonisches Gepräge geben. Auch hierbei ist ein kleiner Springbrunnen vorgesehen. Der Brand cilicr grossen HolzbcarbeitnngSfabrik alarmierte in der Nacht zum Sonntag die hiesige und Berliner Feuerwehr nach P l v tz e n s e e. Tort brannte am Spandauer Schiffahltskanal um . 12�/4 Uhr die HolzbearbeilliugSfabrik von E. Opperinann in großer Ausdehnung. Die hiesige Wehr entsandte sofort den ersten, und . dann den dritten Zug. Trotz der umfangreichen Löickarbeiten konnte es nicht niehr verhindert werden, dass das Maschiucnhaus mit wert- vollen Maschinen, die nur zuin Teil versichert sein sollen, nieder- brannte. Das Feuer soll in deni Maschinenraum ausgekommen sein. Der Besitzer ist vor Ansregung schwer erkrankt. Um Vz6 Uhr war das Feuer gelöscht. Wilmersdorf. Tödlich vernuglückt ist in der Nacht zum Sonntag der Kutscher Adolf Juncker aus der Detmolder Strasse 61. I. befand sich gegen 1 Uhr mit einem Möbelwagen seines Arbeitgebers auf dem Nachhausewege und Ivar iniolge Uebermüdung eingeschlafen. In der Laubacher Strasse stieß der Wagen gegen die Bordschwelle, wo- durch der Kutscher von seinem Sitz herabgeichleudert wurde. I, stürzte in weitem Bogen auf das Strassenpflaster und blieb blutüberströmt und besinniniaslos liegen. Passanten fanden den Schwerverletzten * bald daraus auf und ichafften ihn zu einem in der Nähe wohnenden Aal der einen Bruch des rechten Armes und des Unterschenkels, -wei' klaffende Wunden am Kopfe und schwere Riickenquetschuiigen Mtstellle iknn Notverbände anlegte und seme lieber, lihrung nach dem Lichierfelder Kreiskrankcnhause anordnete. Hier wurde jedoch die Aufnahm« des Kutschers wegen Ucberfullung abgelehM. das gleiche war bei dem Schöneberger Kraiikenhaus der Fall. So musste der Schwerverletzte nach dem Britzer Krel--kraiikeilha>is transportiert Verantwortlicher Rebakieuc: Alverl Wachs, Bertlfl. Zur oe? werden. Inzwischen halte der Verunglückte aber einen so starken Blutverlust erlitten, dass er alsbald nach seiner Einlieferung ver- starb. Steglitz., Sturz au§ dem dritten Stockwerk. In einem Anfall geistiger Umiinchtinig hat sich gestern früh die 43jährige verwitwete Frau K. aus dem Fenster ihrer Stubenrauchplatz 4 belegenen Wohnung ge- stürzt. Frau K. war schon seit längerer Zeit schwer nervenleidend und hatte wiederholt in Heilanstalten geweilt. Erst vor wenigen Tagen war sie, da sich ihr Zustand etwas gebessert zu haben schien. aus einem hiesigen Sanatorium nach Hause zurückgekehrt. Oblvohl die Patientin ständig von Familienangehörigen beobachtet wurde, fand sie doch gestern früh Gelegenheit, in einem unbewachten Augen- blick in einem erneuten Anfall ihres Leidens sich aus dem Fenster des Schlafzimmers auf die Strasse hinabzustürzen. Die Bedauerns- werte, die schwere innere und äussere Verletzungen davongetragen hatte, fand im Krciskrankenhause zu Gross-Lichterfelde Aufnahme. Ihr Zustand ist fast hoffnungslos. Grost-Lichterfelde. Fcricnvcranstaltungen. Mittwoch, den 31. Juli, nachmittags 3 Uhr: Spielen bei Wahrendorf, Bäkestrasse 7. Trinkgefässe sind mitzubringen. Neuenhagen(Ostbahn). Mit einem endgültigen Siege für die Sozialdemokratie endete die Stichwahl am Sonntag. Gen. M ö s e r erhielt 109 und Gen. Reinhardt 99 Stimmen, während die Gegner nur 69 resp. ö9 Stimmen auf sich vereinigten. Zu dem überraschend günstigen Ans- fall der Wahl trug wohl etivas die fast vollständige Stimmen- enthaltung der Mitglieder des Grundbesitzervereins Niederheide- Hoppegarten bei. Die dritte Abteilung gehört jetzt der Sozialdemokratie. Ist uns doch ausser dem schon ein- mal eroberten, aber wieder für ungültig erklärten Mandat des Gen. Moser auch noch das letzte Mandat der dritten Abteilung nach hartem Kampf, in dem sich unsere Parteigenossen tapfer geschlagen haben, zugefallen. Grosse Opfer wurden von den Genossen verlangt und nicht mehr als viermal mußten sie an den Wahltisch treten. Zweimal davon zu einer solch ungünstigen Wahlzeit, daß viele einen halben, einige sogar einen ganzen Tagesverdienst opfern mußten. Sie ließen sich aber durch eine derartige Nadelstichpolitik nicht ab- schrecken, sondern arbeiteten mit um so grösserem Mut und doppelter Freude. Der Lohn ist nicht ausgeblieben. Nicht umsonst legten die Parteigenoffen bei der Hauptwahl daS Hauptgewicht auf die B e- setzung des Wahlbureaus. Dies konnte nun als Stich« Wahltag einen Sonntag wählen, der eS allen Wählern ermöglichte, ihr Wahlrecht ohne Opfer an Zeit und Geld auszuüben. Doch nun heißt es. nicht ruhen, sondern den Sieg ausnutzen, bis auch der letzte unserer Anhänger in die Reihen der Kämpfer ein- getreten ist. Nowawe». Zu einer wüsten Schlägerei kam es Sonnabendnacht im Lokal des Gastwirts Schramm in der Plantagenstrasse. Bei dem Versuch, den zwischen einigen Gästen entstandenen Streit zu schlichten, wurde der Wirt von einem der Hauptbcteiligten, dem ILjährigen Max Herz- bach, tätlich angegriffen und erheblich verletzt. Auch seine An- gehörigen und die anderen am Streit Beteiligten trugen in dem darauffolgenden Kampfe, in. dem ausser den Fäusten auch Biergläser als Waffe dienten, Verletzungen davon. Nach Beendigung des Kampfes, der sich bis auf die Strasse fortgesetzt hatte, drang Herz- bach nochmals in das Lokal und zertrümmerte in seiner Wut die etwa 1 Zentimeter starke Türscheibe und zwei Zimmertüren, die er aus den Angeln gehoben hatte. Trotz des grossen LärmS waren keine Polizeibeamten zu erblicken; sie konnten erst nach langem Suchen aus entfernteren Strassen herbeigerufen werden. Semdts- Deining» , Bertrauensduselei. Daß eS noch mehr als vertrauensselige Leute gibt, die einem x-oeliebigen Menschen ohne weiteres ihre gesamte Barschaft an- vertrauen, zeigte eine Verhandlung, welche die 10. Fericnstraf- kammer des Landgerichts l beschäftigte. Aus der Untersuchungshaft wuvde der Pferdehändler Georg Neinicke vorgeführt, um sich wegen wiederholten Betruges im straf- schärfenden Rückfalle zu verantworten.— Der wegen gleicher Schwindeleien schon vielfach vorbestrafte Angeklagte arbeitete mit folgendem Trick: Er hielt sich in den Wartesälen der einzelnen Bahnhöfe auf und suchte sich hier mit einem gewissen Kennerblick seine Opfer aus. So traf er u. a. auf dem Schlcsischcn Bahnhof einen jungen Menschen, der nach seiner Kleidung offenbar dem Schlosser- oder Mechanikerhandwerk angehörte. Er sprach ihn an und erfuhr, dass dieser Monteur war und nach Danzig fahren wollte. Der Schwindler war scheinbar höchst erfreut und erzählte seinem Opfer, dass er ebenfalls Monteur sei un-d nach Langfuhr fahren müsse, um dort in der Wohnung des Kronprinzen Reparaturen vorzunehmen. Eigentlich habe er erst am nächsten Tage fahren wollen, da er aber Begleitung habe, so wolle er gleich mitfahren. Zu diesem Zwecke müsse er aber erst noch seinen Koffer holen. Er forderte dann den„Kollegen" auf, mit nach seiner Wohnung zu kommen und ihm den Koffer tragen zu helfen, wofür er dann ein paar Glas Bier spendieren wolle. Kurz vor der Wohnung holte der Angeklagte dann einen Hundertmarkschein hervor und bat seinen Begleiter ihm diesen zu wechseln. Als dieser erklärte, daß efc nicht so viel Geld bei sich habe, erzählte der Angeklagte, daß er bei seiner Wirtin noch 82 M. zahlen müsse und diese den Schein wahrscheinlich auch nicht wechseln könne. Der anscheinend ausserordentlich ver- trauensselige Monteur erklärte hierauf, dass er gerade 82 M. bei sich habe, die er ihm gern zur Verfügung stellen wolle. Er gab auch tat- sächlich dem ihm völlig unbekannten Angeklagten, dessen Namen er nicht einmal kannte, seine gesamte Barschaft und wartete dann geduldig auf dessen Rückkehr. Nachdem er etwa zwei Stunden vor der Haustür aus und abgegangen war, wandte er sich schliesslich an einen Schutzmann, der ihn dann darüber aufklärte, daß er einem Schwindler in die Hände gefallen sei, der längst durch einen zwei- tcn Ausgang entwischt sei. Derartige Schwindeleien gelangen dem Angeklagten in über 29 Fallen. Der Staatsanwalt beantragte eine Zuchthausstrafe von vier Jahren. Das Urteil lautete auf 3� Jahre Zuchthaus, 1500 M. Geldstrafe ev. noch 100 Tage Zuchthaus und S Jahre Ehrverlust. Eine Regierung ist für kalte Füste des Pastors. Dass eine Regierung auch einem Pastor gegenüber in gerade so fahrlässig grober Weise wie ein rücksichtsloser Arbeitgeber ihre ge- schliche und vertragliche Verpflichtung verletzt, den zur Arbeit Ver- pflichteten gegen Gefahr für Leben und Gesundheit so weit zu schützen, als es die Natur der Dienstleistung gestattet, zeigt ein Bc- richt der„Frankfurter Zeitung" über einen Prozeß, der jetzt von dem Obcrlandcsgcricht in Celle entschieden ist. In dem Prozeß handelt es sich um die nach s 618 des Bürger- lichen Gesetzbuches und nach dem Grundsatz von Treu und Glauben selbstverständlich zu verneinende, von der Regierung aber bejahte Frage: ob ein Pfarrer verpflichtet ist, im Winter in der ungc- heizten Kirche zu amtieren. Der Pfarrer der Klosterkirche in Neinhausen im Landkreise Göttingen hatte bei der Regierung als Eigentümerin der Kirche den Antrag gestellt, für die Kirche eine Hcizungsanlage zu be- schaffen, da man es ihm und den Gemeindcmitgliedcrn nicht zu- Lnieral-Nlett verantw.: Th.Glockc.Berlm. Druck u. Perlag: Vorwärts' muten könne, durch den Aufenthalt in der ungeheizten Kirche bei eisiger Winterkälte ihre Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Der Pfarrer war jedoch von der Regierung zu Hildesheim mit seinem Antrage kurzerhand und ohne jegliche Begründung abgewiesen worden. Der Pfarrer beschritt den Klageweg, wurde aber in erster Instanz unbegreiflicherweise kostenpflichtig abgewiesen. Der Pfarrer legte beim Oberlandcsgericht in Celle Berufung ein. Die Berufung hatte den gewünschten Erfolg. Die Regierung wurde kostenpflichtig verurteilt, für die Kirche in Reinhausen eine Heizungsanlage zu beschaffen. Nette Arbeiterfürsorge einer Regierung, ungeheizte Arbeits- räume dem geistlichen Arbeiter darzubieten. Wenn nun die Kirche im Winter nicht geheizt wird, ist der Pfarrer berechtigt zu streiken und Fortzahlung seines Gehaltes zu verlangen. Wenn diese? Ziel durch den Mangel an Fürsorge seitens der Negierung sicher erreicht würde, möchten wir es zur Nachachtung empfehlen. 29 Mark Strafe für ein Hoch auf Frankreich. In früher Morgenstunde brachte eine angetrunkene Gesell- schaft von mehreren Studenten und einem Zeichner in einer Gast- Wirtschaft im Anschluß an eine politische Erörterung der damals aktuellen Marokkofrage ein Hoch auf Deutschland und den deutschen Kaiser aus. Ein anderer Student, der vorher im Gegensatz zu der übrigen Gesellschaft behauptet hatte, nicht Frankreich, wie diese meinte, sondern England sei unser gefährlichster Gegner, rief hierauf:„Nun können wir ja auch«inmal Frankreich hochleben lassen, die französische Nation lebe hoch!" Natürlich wollte er mit diesem gar nicht ernst gemeinten Hoch auf Frankreich nur den an den Haaren herbeigezogenen Hurrapatriotismus der übrigen Ge- sellschaft parodieren. Aber darob waren die Swdenten in der tiefsten Seele ihres patriotischen Herzens gekränkt. Sie denun. zierten den anderen Studenten durch einen Artikel in einer Göt» tinger Zeitung als einen Vaterlandsfeind und verklagten ihn auch noch wegen Beleidigung. Und siehe da, das Göttinger Schöffen- gericht verurteilte jetzt den Studenten auch zu 29 M. Geldstrafe, weil er das Kaiserhoch der übrigen Gesellschaft durch sein Hoch auf Frankreich verspottet habe. Gegen das Urteil ist natürlich Bc> rufung eingelegt worden. )Ziis aller Melt. Blutiget Rassenkampf i» Georgia. Die Stadt Rome im Staate Georgia war am Montag der Schauplatz eines furchtbaren Kampfes zwischen Negern und Weissen. Ein vagabondierender Neger hatte eine weisse Frau mit unsittlichen Anträgen belästigt. Auf die Annähe- rung einiger Weißer hatte er die Flucht ergriffen. Es hatte sich sofort eine bewaffnete Abteilung von Weissen auf den Weg gemacht, um den Neger zu ergreifen. Es gelang ihren Bluthunden, im Gebüsch zwei Neger aufzustöbern, die sich bei der Annäherung der Weissen zur Wehr setzten. Sie wurden jedoch überwältigt und in der schrecklichsten Weise gelyncht. Die Unglücklichen wurden nämlich lebend auf die Schienen der nahegelegenen Eisenbahn gelegt, wo sie festgobunden wurden. Ein bald des Weges kommen. der Expretzzug zermalmte die beiden Unglücklichen.' Damit war der Rassenhaß entflammt, die Neger rotteten sich zur Verteidigung zusammen, und eS kam zu einer förmlichen Schlacht, bei der zwanzig Weisse und noch mehr Neger schwere Verletzungen erlitten. Einer Gruppe von fünf Negern, die einem überlegenen Trupp Weisser in die Hände fiel, erging es besonders schlimm. Die fünf Neger wurden nackt ausgczogcn und mit Hundepeitschen zu Tode geprügelt. Die Miliz ist aufgeboten, um weitere Ruhe- störungcn zu vermeiden, man befürchtet jedoch, dass die Soldaten nichts gegen die Weissen unternehmen werden, die jeden Neger, dessen sie habhaft werden können, in der grausamsten Weise foltern. Ein schwerer Schissszusammenstoh hat sich einer Meldung aus Montreal zufolge im Atlan» tischen Ozean ereignet. Der englische Dampfer„H e l v e t i a". der den Dienst zwischen Sydney und Montreal versieht, stieß hei der Insel Magdalena, der größten der Magdaleneninseln im Atlantischen Ozean, mit dem großen Passagierdampfer „Empretz of Britain" von der Canadian Pacific Railway Company zusammen. Die„Hclvetia" wurde buchstäblich in zwei Teile gespalten. Die Besatzung konnte von dem Ozeandampfer gerettet werden. Auch die„Em- preß of Britain" hat schwere Beschädigungen erlitten. Das Schiff setzt seine Fahrt langsam nach Quebec fort. An Bord des Ozeandampfers befinden sich 432 Passagiere erster und 328 Passagiere zweiter Klasse sowie 846 Zwischendccker. Unter den Passagieren entstand bei dem Zusammenstoß eine Panik, doch sind Personen nicht verletzt. Kleine Notizen. VootSunfall. In Magdeburg lief am Sonntag auf der alten Elbe ein mit vier jungen Leuten besetztes Boot gegen das Drahtseil eines am Ufer liegenden Schiffes und st ü r z t e um, wobei die Insassen ins Wasser fielen. Zwei Mädchen und ein junger Mann ertranken. Unglücksfälle in den Bergen. Am Sonntag ereigneten sich, wie aus München gemeldet wird, in den Bergen mehrere Un- glücksfälle. Am hohen Göll stürzte der Tourist Theunenkauf-Drcs- den ab und wurde schwer verletzt. Am Hochstauffen fiel ein Diplomingenieur des Saalach-Kraftwerkcs 300 Meter tief in einen Abgrund und war sofort tot. Oberlehrer Dr. Wicsing verunglückte bei Besteigung der Roten Wand tödlich. Verhängnisvolle Zugentgleisung in Frankreich. Am Sonntag- nachmittag entgleiste ein L 0 k a l z u g bei M 0 r l a i x, Dcparte- mcnt Finistere. Vier Reisende wurden getötet, fünfzehn verletzt. Fünf Personen ertrunken. Im Hafen von Bordeaux wurde ein mit sechs Personen besetztes Boot von einem Raddampfer angerannt und in den Grund gebohrt. Fünf In- fassen des Bootes ertranken. Ein Fallschiriiikii, istler abgestürzt. Aus Kanton(Ohlo) wird gemeldet: Der Fallschirmkünstler Flick siel aus einer Höhe von 1000 Fuss herab, nachdem ein Seil des Trapezes am Fallschirm gerissen war. Flick war sofort tot. WitternngSübersich» vom LS. Juli 1912. Wetterprogiiosc für Dienstag, de» 89. Juli 19 IS. Mäßig warm, zeiilveise wieder heiler, aber sehr veränderlich mit etwas Regen, ziemlich lebhajien südwestlichen Winden und svrtdaueruder Gewitter- Neigung.___ B e r l i n e r Wettcrbureau. Buchdrucker«! u. PeelagSanstalt Paul Singer u. Berlin SW.