Kr. 177. flbonncmentS'Bedlngungen: Wboimtmeniä> Prei» ttänumetonba: Sictlcimn 330 rot, monatl. 1,10 Mt, wSchenUich 28 Pfg. frei taä Haus. Sinzeine Nummer k Pfg. EonntagS- Singetragcn in die Post-Zeituna»- treisliste. Unter Kreuzband für culichland und Oesterreich- Unparn 2 Mark, für das übrige Susland 8 Marl pro Monat. PostabonncmentS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, nänien. Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. VI« fnleMons-Stdllh« veträgt für die sechsgespaltene Kolonel- geile oder deren Raum 00 Pfg.. sür politische und gewerllchastliche Bereins- und Versammlung«. Anjeigen SO Pfg. ..kleine Anreisen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Etcllengcsuche und Echlafstellena». geigen das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort S Pfg. Worte über ISBuch- 1 laben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nummer müssen bis » Uhr nachmittags in der Srpedition abgegeben werden. Die Srpcdilian ist bis 7 Uhr abends geüsfnet. vlchtlül ttgll» aoScr OKntagt Vevlinev Volksblatt. Zcntfalorgan der rozialdcmokratifchen Partei Deutfcblande. Telegramm. Udreff« „Sszlal�ackrat Berlin", Redaktion: 8 Cd. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morilsplah. Nr. 1983. Japans Kfandlung. des Fortschritts vorwärts tat. wenn sie sicher war, daß dadurch ihr Kasteninteresse nicht zu kurz kam. An Stelle des mittel- alterlichen Feudalstaates mit dem Schogun an der Spitze war '»ine Autokratie mit dem Mikado als Haupt getreten. Daß � v � ,r.' diese später ein konstitutionelles Gepräge erhalten sollte, hatte Der Mikado Mutsuhlto, den die Sagenschreibung den jungen Mikado bei seiner Krönnung versprechen 121. 5tal|er von �apan nennt, ist zu seuien Ahnen i�n. Wäre dieser Gottsohn nicht wiederholt und recht deut- abgerusen worden. Das Schicksal liest ihn am 3. November idl bon ben vorwärtsdrängenden Volksteilen an sein Ver> 1352, an der Schwelle einer neuen, der wichtigsten Epoche, die die japanische Geschichte kennt, das Licht der Welt er- blicken. Kurz nach seiner Geburt brach in Japan ein wilde Gärung los, von der damals niemand sagen kpniite, niit welchem Resultat sie endigen werde. Am allerwenigsten konnte das Haupt der Mikadodynastie, der Vater MutsuHitos, ahnen, dast der rasende Sturm, der das morsche Gebäude des asiatischen Feudalstaates durchbebte, derartig durchgreifende Umwäl zungen auf politischem und wirtschaftlichem Gebiete zeitigen, das Mikadotum von seinem Schattendasein erlösen und es zu neuer Macht und Ansehen bringen würde. Als der jetzt verstorbene Mikado geboren wurde, spielte sein Vater, der Gottsohn Komet, noch ergeben und geduldig die klägliche Rolle, die ihm die Gründer des Schogunats (Militärkaisertum). Hideyoschi und Jeyasu, um die Wende des sechzehnten Jahrhunderts zu spielen vorgeschrieben hatten. Die Verfassung, die diese beiden Nationalheroen Japans diesem gegeben hatten, sollte 259 Jahre unverändert in Kraft bleiben. Sie hatten das Schogunat, die Dynastie der Militärkaiser, geschaffen, die gestützt auf des Schwertes Knaus die eigentlichen Machthaber Japans waren. Sie waren klug oder gnädig genug gewesen, dem Mikadotum das Lebens licht nicht gänzlich auszublasen, immerhin schraubten sie es so tief, dast seine Existenz kaum noch wo anders als in den Religionsbüchern bemerkt werden konnte. Neben dem Scho gunat war der Gottsohn Mikado zu einem wesenlosen Schat ten reduziert worden. Er lebte in der alten Kaiserstadt Kyoto in göttlicher Ohnmacht,„hinter einem Bettschirm, ohne je mals den Fust auf den Erdboden zu setzen, und von dem, was sich brausten in der Welt zutrug, drang nichts an seine ge heiligten Ohren"; er brütete über seine himmlische Abstam> mung nach und behielt dabei aber noch Verstand genug, sie dem Schogun gegenüber nicht geltend zu machen. Tie Macht der Schoguns war unbestritten. Zu ihrer Er- Haltung standen eine Million Samurais(Soldknechte) und eine gefüllte Kriegskasse bereit. Einen etwa aufbegehrenden Mikado hätten sie schnell zur Ruhe gebracht: sie hielten die zu blutigen Sckjarmützeln stets bereiten 279 Daymios(Feudal- Herren) in Schach und sicherten dem Lande den äußeren Frie- den. Aber zu einem waren auch sie nicht imstande: den Feudalstaat mit seiner Krönung, dem Schogunat, vor Verfall zu bewahren. Als erste Vorbedingung für die Erhaltung ihrer Macht und des äußeren Friedens galt den Gründern des Militärkaisertums die Ausweisung und Fernhaltung der Fremden, besonders der„weißen Barbaren". Dadurch wurde allerdings das erwartete Resultat gezeitigt, der Friede ge» sichert, aber aus dem„langen Frieden" wurde ein„tiefer Schlaf". Kraft und Geist des Volkes entwickelten sich nicht weiter, schlummerten ein; das Wirtschaftsleben stagnierte, ver- kümmerte: die faulenzenden Kriegerscharen wurden übermütig und drangsalierten das gemeine Volk: die Bureaukratie war unfähig und korrupt geworden. Das feudale Staatswesen war innerlich schon zerfallen, als der amerikanische Admiral Perry im Hafen von Jokohama(1853) erschien und ihm den Gnadenstoß versetzte. Tie durch eine starke Kriegsflotte unterstützte Forderung Amerikas, das Land dem Handel und Verkehr zu öffnen, schied die herrschenden Cliquen in zwei Haufen. Der eine unterstützte das die Abweisung der Freniden verfechtende Schogunat. der andere forderte eine den Weißen entgegen- kommendere Politik. Und wenn die letztere Richtung schließ- lich nach vieljährigem, oft blutigem Kampfe über die andere Richtung siegte, so hatte sie es nicht wenig der Furcht zuzu- schreiben, daß ein weiteres Festhalten an dem Ausschluß der Weißen die Unabhängigkeit des Landes ernstlich gefährden könne. Dieser drohenden Möglichkeit, die durch einen Blick auf China oder Indien wahrscheinlicher wurde, verdankte die Partei des Fortschritts eine Zunahme an numerischer und innerer Stärke und nicht zum wenigsten den Sieg über die Partei des Schogunats. Dieser Sieg fand seine äußerliche Tokumentierung durch die Krönung des verstorbenen Mikados als alleinigen Herrscher des Jnselreickjes im Jahre 1868. Ein Jahr vorher hatte Mutsuhito. kaum vierzehn Jahre alt. das Erbe seiner Vorfahren angetreten. Sein Schatten- dasein wurde durch die Krönung beendigt. Im Jahre 1869 zog er mit seinem Hof nach Tokio, in die Residenz der bis da- hin allmächtigen Schoguns. Die Auflösung deren Dynastie wurde ein Jahr nach der Ucbersiedelung noch in aller Form vorgenommen. An der Gestaltung der neuen Ordnung der Dinge konnte der Knabe, der in einer hermetisch abgeschlossenen Atmosphäre aufgewachsen war, wo nian vom Weltgctriebe noch weniger wußte, als der Christ vom Jenseits, naturgemäß vorderhand keinerlei Anteil haben. Die Refornnerung des Feudalstaates wie die Regierung überhaupt lag praktisch in der Hand einer aus Prinzen und abgelösten Daymios(Feudalherren) ge- bildeten Kamarilla, die nur dann einen Schritt auf der Bahn sprechen gemahnt worden, es wäre auch 1889 noch nicht einmal zu jener Verfassung preußisch-asiatischen Kalibers gekommen, wie sie heute in Japan eristiert. Die Regierungszeit des verstorbenen Mikados ist„Meiji", die„Epoche der Erleuchtung" getauft worden. Diese Bezeich- nung wird der Politiker Nur im bedingten Sinn, der Volks- Wirtschafter und Techniker rückhaltslos unterschreiben können. Denn Japan hat in dieser Zeit eine so tiefgreifende und viel- seitige Umwandlung seines Wirtschafts- und Geisteslebens er- fahren, wie sie bis jetzt kein Staat auf dem Erdenrund aufzu- Wesen hat. In den 45 Jahren der Regierung MutsuHitos wurden 15 999 Fabriken für eine Million Arbeiter gebaut, 5399 Meilen Bahn gelegt, 38 999 Meilen Telegraphen errichtet, eine bedeutende Handelsflotte geschaffen, das Rcchtswesen der Höhe der Zeit nahegebracht, die mittelalterliche Quacksalberei wird in steigendem Maße von der medizinischen Wissenschaft ver- drängt und die gesamte Geistes- und Gedankenwelt des Asiaten- staates wird von der modernen Wissenschaft durchleuchtet und befruchtet. Dazu hat Japan zwei blutige Kriege geführt, sich eine Kriegsrüstung angelegt, die für ein reicheres Land zu schwer sein würde und eine Staatsschuld erhalten, die das Volk zu erdrücken droht. Zurzeit läßt sich nicht sagen, wie groß der Teil an den Umwandlungen ist, der auf die ureigenste Initiative der herrschenden Klasse Japans zurückzuführen ist. Jedenfalls sind der eherne Zwang der Notwendigkeit und die Furcht vor fremden Mächten unvergleichlich mächtiger treibende Faktoren der Umwälzung gewesen als die Weitsicht, Klugheit und Liebe zum Fortschritt der herrschenden Kaste. In welchem Maße der verflossene Mikado die Aufgabe erfüllt hat. die ihm die Geschichte gestellt, ist vorderhand noch nicht zu beurteilen. Der Oeffentlichkeit ist nicht bekannt, ob er dem ehernen Gang der Dinge gleichgültig oder Verständnis voll zugesehen, ob er sich ihm widersetzt oder ihn gefördert hat. Das Maß und die Art seiner Mitwikung an der um geheuren Umgestaltung des geistigen und wirtschaftlichen Lebens seines Landes werden sich erst dann in annähernder Nichtigkeit beurteilen lassen, wenn der dichte, von Byzan- tinismus, Mystik und Mummenschanz gewobene Schleier von seiner Person und ihrem Werk und ihren Fähigkeiten ge nommen ist. wenn der Mikado des Charakters eines Halst gottes entkleidet und als Mensch vor der Geschichtsforschung steht und von ihr als solcher behandelt wird. Doch dazu wird es sobald nicht kommen können. Die herrschende Kaste wird aus wohl verstandenem Eigeninteresse auch weiterhin darauf dringen, daß er in seiner Isolierung beharrt, daß er sich dem Volke so wenig wie nur immer möglich, weder als guter Vater noch als strenger Herrscher zeigt, daß sein Tun und Denken in mystisches Dunkel gehüllt bleibt, damit sie, die Kaste allein, das einzige Bindeglied zwischen Thron und Volk bildet. Die herrschende Kaste wußte sehr wohl, was sie tat. als sie den unmündigen, hilflosen Sohn Kome'is zum Allein- Herrscher Japans ausrief; sie hat auch heute ihre guten Gründe, wenn sie den Kaiser— die Bezeichnung Mikado wird in Japan nur in der Poesie und bei besonders feier- lchen Gelegenheiten gebraucht— auch in unsprer aufgeklärten Zeit noch als Tensie, d. i. Sohn des Himmels oder Tenno, d. i. göttlicher Kaiser, fortbestehen läßt; wenn sie den 59999 Volksschullchrern ihre Hauptaufgabe darin erblicken heißt, den Kindern die Ueberlegenheit und Auserlesenheit der Japaner an allen möglichen und unmöglichen Beispielen dar- zutun und ihnen eine neue Religion mit dem Mikado als einzigen Gott einzupauken: wenn sie an den höheren Schulen und in offiziellen Lehrbüchern lehren läßt,„das japanische Volk hat die Ehre, von seinem Kaiser abzustammen, und der Kaiser ist von Göttern geboren": wenn ein Professor(Naito) in der Akademie behaupten darf,„die Japaner allein haben das Recht auf den Titel menschliche Wesen; die anderen Völker sind, wenn auch keine Tiere, so doch immerhin Wilde". Eine jahrzehntelang systematisch betriebene Eintrichterung solcher Ideen in die Köpfe der Jugend muß zu einem Ueber- Patriotismus führen, der im Fremdenhaß ausmündet und die Ueberschätzung, die Vergöttlichung des Herrschers zeitigen. So konnte es kommen, daß das japanische Volk den Mikado mit den Scheuklappen religiöser Ehrfurcht betrachtet. Die vielen Millionen bigotter, rückständiger, im Elend dahin vegetierenden Bauern sind geneigt, in.ihrem Herrscher ein übernatürliches Geschöpf niit den Kräften eines Mammuts und den Fähigkeiten eines Geniel zu erblicken, in jeden Fortschritt glauben sie das Walten des göttlichen Kaisers, in den aus deni Ausland kommenden Maschinen das Produkt des Sohnes des Himmels zu sehen. Und es ist noch nicht ab- zusehen, wenn diese systematisch erzeugte Verkrüppelung des japanischen Volksgeistes beseitigt und das Volk zum Bewußt- sein seiner selbst und-zur nüchternen Beurteilung der Rolle, Fähigkeiten und Taten seines Herrschers gebracht werden kann. Expedition: 8 LI. 63» lindenstrasse 69* Fernsprecher: Amt Moribplatz, Nr« 1984. Erst wenn der Mikado seiner Göttlichkeit entkleidet. er aus dem Dunstkleid der Mystik heraus und in den Licht- kegel der vorurteilsfreien Kritik gestellt ist, kurz, wenn er wie ein gewöhnlicher Sterblicher behandelt werden kann, ist eine gerechte und richtige Beurteilung seiner Person und ihres Lebenswerkes möglich. Solange dies nicht gegeben ist, muß jeder Versuch einer Kritik zu falschen oder halbrichtigen, jedenfalls unsicheren Schlüssen führen. Was jetzt bei seinem Tode über den Mensch und Regent Mutsuhito geschrieben werden mag, kann aus tausend und einem Grund nicht viel mehr sein als das, was Byzantinismus und die interessierte höfische Umgebung über ihn mitzuteilen für gut findet. Die BeisetzungSzeremonien. Tokio, 39. Juli. Der Landtag ist zu einer autzerordent» lichen Sitzung einberufen worden, um der kaiserlichen Familie sein Beileid auszusprechen und die Ausgaben für die Bestattung des Kaisers zu bewilligen. Der neue Kaiser hat sich in den Aoyama- Palast zurückgezogen, wo er morgen die Minister, Räte und an- deren Würdenträger empfangen wird. Der Geheime Rat macht den Vorschlag, die neue Aera T a i- s e i oder die große Rechtlichkeit zu nennen. Die Bestattung des Kaisers wird in Tokio erfolgen, gemäß einem Gesetz, das allerdings von dem Kaiser Mutsuhito nicht mehr unterzeichnet worden ist. Unmittelbar nach der Zeremonie der Thronbesteigung des neuen Kaisers wurde der kaiserliche Ahnentempel nach dem Shinto-RituS ausgeschmückt und Opfergaben an Lebensmitteln wurden auf den Altar niedergelegt. haml-«ml Spanndienste im 20. Jatzr- hundert in Ostpreußen. ES ist allgemein bekannt, daß in den meisten ländlichen Ge- meinden die Landarbeiter und kleinen Besitzer zu verhältnismäßig höheren Abgaben herangezogen werden, als die größeren Bauern und Großgrundbesitzer. TaS trifft ganz besonders auf die Ge- meinden zu, wo der Kleinbesitz vorherrschend und die wenigen größe- rcn Besitzer durch mancherlei überlieferte Vergünstigungen Steuerfreiheiten genießen oder durch allerhand Rechenkünste bei der Selbst- einschätzung eine niedrige Veranlagung zur Steuer erreichen. Solche Gemeinden sind arm und bleiben arm. Viel bares Geld ist durch die Steuern nicht einzutreiben. Das Gehalt des Lehrers besteht zum Beispiel in solchen Gemeinden zum größten Teil aus von der Gemeinde zu liefernden Naturalien. Für die von der Ge- mcinde zu unterhaltenden Wege. Brücken. Schulen. Armenhäuser und dergleichen ist erst recht kein Geld da, es befindet sich das alles auch meist in einem trostlosen Zustande. Da helfen sich denn sblche Gemeinden mit einem auch noch aus dem Mittelalter stammenden Gesetz, wonach die Gcmeindcmitglieder anstatt zur Zahlung der Steuern und Abgaben in bar zur Leistung von Hand- und Spann- dienstcn herangezogen werden können. Solche Hand- und Spann- dienste müssen heute noch in Gemeinden der Kreise ScnSburg, OrtelSburg, Hehdekrug, Labiau und anderen von den ärmsten Kätnern und Landarbeitern, ja sogar von Witwen geleistet werden, von den sonst auch nicht ein Pfennig Steuer in bar herauszu- quetschen wäre. Vor mehreren Jahren passierte eS sogar im Dorfe Pannangen, Kreis Labiau. daß drei armen Witwen, weil sie ihrem Broterwerb nachgehen mußten und infolgedessen die ihnen auferleg- ten, unentgeltlich zu leistenden Handdicnste nicht verrichten konnten, ihre Stubenuhren gepfändet wurden. Eine andere arm« Frau muhte dem Dorfschullehrer unentgeltlich 19 Rücken Kartoffeln behäufeln. Andere Freiarbeiter mußten dem Lehrer Handdienste nach Belieben leisten. In Brödienen, Kr. Sensburg, müssen die kleinen Besitzer. die nur ein Pferdchen haben, mit dem sie zur Not kaum ihr bißchen Feldarbeit verrichten können, für die Gemeinde unentgeltlich KicS zur Wegeausbesserung fahren, außerdem an gewissen Tagen ihre eigene Arbeitskraft zur Verfügung stellen. Landarbeiter, die an- derswo pro Tag 1,60 Mk. verdienten und diese Arbeit nicht verlieren wollten, leisteten die 3 Tage Handdienste für die Gemeinde nicht. Sie wurden mit je 3 Mark dafür bestraft. Beschwerden wegen un- gerechter Handhabung dieser mittelalterlichen Gesetze wurden bis an das Ministerium gerichtet, sie sind aber nicht mal einer Ant- wort gewürdigt worden.• Neuerdings ist nun eine verschärfte Verordnung über die Leistung von Hand- und Spanndiensten im Dorfe Bittkallen, Kreis Labiau, datiert vom 19. Juli 1912, erlassen worden. Das amtliche Schriftstück lautet: „Auf Grund des Beschlusses der Gemeindevertretung vom 17. Juni 1912 wird auf Grund des 8 68 des K. A. G. vom 14. Juli 1393 und dcS 8 192 des L. G. O. vom 3. Juli 1891 fol- gende Natural-Dieustordnung erlassen: 8 I. Die nach öffentlichem Rechte der Gemeinde obliegenden, insbesondere aber für den Bau und die Unterhaltung dei?MN Gemeindebezirk gelegenen Wege und Brücken, für die Anmhr ■ und das Zerkleinern dcS Brennholzes für die Schule und für Armenzwccke erforderlichen Hand- und Spanndiensten sind, in- soweit nicht für den einzelnen Fall ein abweichender Beschluß zustande kommt, von den Steuerpflichtigen der hiesigen Gemeinde in Natur zu leisten. Zu den Dienstcn sind sämtliche Steuer» pflichiiqcn, also auch die Forenscn, juristischen Personen ver» pflickitet. 8 2. Spanndienste sind von den Gespann haltenden Grund- bcsitzcrn nach dem Verhältnis der Anzahl Zugtiere(Pferde), welche die Bewirtschaftung ihres im Gemeindebezirk belegenen Grundstücks erfordert, Handdicnste von sämtlichen Steuerpflick'. tigen gleichheitlich zu leisten. Als zur Bewirtschaftung des im hiestaeil Gemeindebezirk belegenen Grundbesitzes erforderlich todtficn«MgeseM: für Grundstücke bis?tu 20 Morgetr Trohe l Pferd, für Grundstücke bis zu 40 Morgen Größe 2 Pferde, für größere Grundstücke für je 30 Morgen 1 Pferd mehr. Ausnahmen bei Verteilung bezw. Heran- ziehungeinzelnerDiensten kann der Gemeinde- Vorsteher nach seinem Ermessen, wenn sie gc- rechtfertigt erscheinen, machen. Z 3. Aus rechtzeitig zu stellenden Antrag ka»n ein Leistungs. Pflichtiger, wenn die Ilmstände solches rechtfertigen, durch den Gemeindevorsteher von der persönlichen Leistung gegen Zahlung eines Geldbetrages von 4 M. für jeden Tag dsr Handdienst- leistung von dem Handdienst entbunden werden. 8 4. Führt be, den Naturatdiensten der Ge- meindevorsteher oder ein Schöffe die Aufsicht, so wird das als Naturaldienst gerechnet. 8 5. Werden Hand- und Spanndienste erforderlich, so wer- den die Pflichtigen nach der Reihenfolge des Verzeichnisses dazu herangezogen Stellt sich ein Dienstpflichtiger zu dem bestimmten Zeitpunkt nicht ein und schickt er auch keinen tauglichen Stellver- tretcr, so ist der Gemeindevorsteher berechtigt, den Dienst durch einen Dritten auf seine Kosten leisten zu lassen Darüber, ob ein Stellvertreter tauglich ist» entscheidet der Gemeindevorsteher. § S. Die Handdicnstpflichtigen haben die zur Leistung der geforderten Dienste nötigen Geräte mitzubringen. Die Spann» idienstpflichtigen haben mit den Zugtieren die dazu gehörigen Wagen und Geschirre zu stellen, zu jedem Wagen muß ein Führer sein." Vorstehender Gemeindebeschluß wird hiermit bekanntgemacht. Bittkallen, den 10. Juli 1012. Der Gemeindevorsteher. Schulz. Derartige Gemeindeberordnungen stellen die Lrtsangehörigen unter Leibeigenschaft der Gemeinden. Für die ärmere Bevölkerung wirken st« aber mnh ganz besonders drückend, weil die Handhabung des ohnehin nicht mehr zeitgemäßen Gemeindebeschlusses in das Ermessen des Gemeindevorstehers gestellt ist. Der Gemeindevorsteher wird, da er meisten» selbst größerer Besitzer ist und mit seinen Klassengenossen verwandt oder befreundet ist, nicht immer unpar- teiisch bei der Heranziehung zu den Hand- und Spanndiensten ver- fahren. Aber auch sonst sind diese eine Last, die mit eine Ursache zur allgemeinen Landflucht ist. Unsere sozialdemokratischen Abgeordneton im preußischen Landtag würden sich ein großes Verdienst um das Wohl der arbeitenden Landbevölkerung erwerben, wenn sie bei der nächsten passenden Gelegenheit für die Beseitigung dieser, aus der Zeit der Leibeigen- schaft überlieferten Steuerhandhabung eintreten würden» ver Krieg. Der Aufstand in Albanien. Man schreibt uns aus Belgrad: Die Regierung Said-Paschas, die die Bewegung in Albanien als ehten kleinlichen Akt der Unzufriedenheit einiger Staatslieferanten darzustellen versuchte, ist hauptsächlich unter dem Drucke dieser Bewegung gefallen. Eine Reihe glänzender Siege haben die Arnauten davongetragen. Wo sie immer mit den Soldaten einen Zusammenstoß gehabt haben, haben sie diese regelmäßig geschlagen. Mehrere Hun- derte von Toten und Verwundeten blieben aus den Kampf- Plätzen liegen. Taufende wurden entwaffnet,.die großen Magazine mit Waffen und Munition fielen in die Hände der Rebellen. Dazu kam die Empörung bei den tiir- tischen Truppen selbst. Anfangs nahmen daran nur die Offiziere und Soldaten albanischer Herkunft teil, nachher aber auch die übrigen Truppen. Achtundsechzig Bataillone, ungefähr die ganze in Albanien konzen- trierte Armee, erklärten ihrem Kommando, daß sie gegen Arnauten nicht kämpfen wollen. Vergebens versuchten die jungtürkischen Komiteeleute ihre bisherige Macht aufrechtzu- erhalten. Sie konnten nicht in den entscheidenden Momenten ihre Anhänger in der Armee zusammenhalten. Als ihre Befehle nicht mehr beachtet wurden, als eine ganze Reihe der Widerstand leistenden Beamten gehängt wurde, flog ein Kaimakam. ein Wali, ein Pascha, ein Kommandostab nach dem anderen von seinem Posten weg. In diesem Augenblick befindet sich über die Hälfte Albaniens außerhalb der tür- kischen Staatsmacht. Die Rebellen beherrschen vollständig die ganze Fläche von der montenegrinischen, bosnischen, serbischen Grenze über Fesirowitsch bis Skadar. Erst nachdem Albanien dem türkischen Reiche tatsächlich verloren gegangen war, zeigte man sich in Konstantinopel bereit, mit den Arnauten über ihre Forderrmgen ernst zu verhandeln. Dem Sturze des mächtigen Schewket-Pascha folgte der Sturz der Herrschaft der Zentrale des jungtiirkischen Komitees am Hofe und auf der Pforte. Der erste Akt der neuen Regierung war: be- dingungslos alle Feindseligkeiten mit den Arnauten einzu- stellen und eine Kommission zur Führung der Friedensver- Handlungen zu ernennen. Man kann sich der junktürkischen Herrschast gegenüber stellen wie man will, man kann es bedauern, daß sie jetzt beinahe in die Brüche geraten ist. man kann es aber nickt leugnen, daß ein Ausgleich mit den Arnauten das vernünf- tigste sei, was überhaupt geschehen kann. Er ist der ein- zige Weg, nicht nur Albanien dem türkischen Reiche zu retten, sondern das Reich selbst nicht in eine bedrohliche Lage zu versetzen. Für die Hcrbstmanöver sind in Serbien und Bul- garien die ganzen Reservetruppen einberufen. Diese Manöver werden einer Mobilisation ähneln. In BoS- Uten, genau wie vor der Annerionskrisis, führt man lang- sam und geheim eine militärische Konzentration durch. In allen umliegenden Staaten hat sich die Ueberzeugung, daß die Arnauten sicher siegen können und siegen werden, Bahn gebrochen, und man unterstützt sie von ollen Seiten, man liefert ihnen die Waffen und die Munition, man bietet ihnen Bündnisse aller Art, man rechnet ganz offen mit der Möglichkeit der Auflösung der Türkei. Der Krieg in Tripolis, der Aufltand in Jemen und auf Kreta, die Feinde auf allen Grenzen kriegsbereit, und die besten und tapfersten Soldaten im Aufruhr. Gibt es da eilten anderen Ausweg, als die Ruhe in dem Hause selbst. gewonnen durch die Gewährung der administrativen Selb- ständigkeit Albaniens, die dessen Kultttrentwickelung nur för- dem kann?.... Die Jungtürken' schettertt an etnem chrer Grundprinzipien. das nur von den Leuten mit einer Käser- nbnbildung so fanatisch verfochten werden konnte. Das ist das Prinzip des strengsten staatlichen Zentralts- m u s. In dieselben Staats- und Verwaltungsformen. unter dieselben militärischen und Steuerpflichten sollen alle Teile des breiten Reiches gepreßt werden, die sich nach ihren Kultur- stufen um zirka tausend Jahre unterscheiden. In Mazedonien ist der Kapitalismus im vollen Gange, in Albanien herrscht noch immer sehr stark die Gentilorganisation, und tn Kletn- asien in vielen Gegenden gibt es überhaupt keine seßhafte Bevölkerung. Die Reformen, die die übrigen Reichsteile nötig haben, braucht Mazedonien seit langem nicht mehr: die Lasten, die Mazedonien mit Leichtigkeit tragen kann, können die anderen Provinzen nicht tragen. Im Gegen- teil. Es gibt albanische Stämm.e. die durch ihre Wirt� schaftsweise nicht imstande sind, die notwendigen Lebens- mittel zu gewinnen. Da ist die Erpressung durch die Be- steuerunz oder der Raub an benachbarten friedlichen Bauern uird Reisenden eine regelmäßige Einnahmequelle, eine Wirt- schaftliche Notwendigkeit. Durch die Kanonen ist da nichts zu erreichen. Nur durch eine Knlturpolitik, die die Ver- ändening der Wirtßchaftsweise der betreffenden Stämme zum Zweck hätte, wäre es möglich, in die Schädel den Begriff der Unverletzlichkeit des Privateigentums �einzuprägeu. Alle türkischen Regierungetl, selbst die jungtürkischen, haben für eine solche Politik kein Verständnis gehabt. Statt dessen haben gerade die Jungtürken die bis da unbekannte Gleich- heit eingeführt: beim Steuerzahlen und Rekrutenstellen. Es ist deshalb ganz erklärlich, wenn gerade mit der jung- türkischen Herrschaft die Zeit der gefährlichen Revolten der Arnauten einsetzte. Tie junztürkische Revolution nahm ihren Anfang in der entwickelten Landesprovinz Mazedonien und in ihrer blühen- den Hauptstadt Saloniki. Die Teilnahme der Masse der mazedonischen Bevölkerung an der militärischen Revolte gab der jungtürkischen Bewegung einen sozialen, revolutionären Charakter. Sie war die Empörung Mazedoniens gegen das Parasitentum der anderen Provinzen. Die Jungtürken fanden keine andere Lösung des Problems als die Unter- jochung, die Vergewaltigung der Zurückgebliebenen. Dieser Fehler, begangen Nur wegen der oligarchischen Herrschaft der Offiziere in den Komitees, rief den zähen Widerstand der Grenzprovinzen aus, der jetzt der durch den Krieg mit Italien geschwächten Macht der Jungtürken den Untergang gebracht hat. Der Föderalismus in der Organisation des Staates, die Selbstverwaltung der einzelnen Provinzen, ist eine in dem Wirtschaftswesen der Türkei begründete Not- wendigkeit. Diese Notwendigkeit konnte nicht abgeschafft werden, sie setzt sich jetzt mit Gewalt durch. So ist das wahr- scheinliche Resultat der jetzt in Albanien geführten Unter- Handlungen die Autonomie Albaniens, das wäre aber nicht nur die Garantie der Erhaltung des türkischen Reiches, des Friedens auf dem Balkan und in Europa, fondern auch ein wichtiger Kulturfortschritt. Es bleibt ahzuwarten, ob die neuen Machthaber in Kotistantinypel das Verständnis dafür haben werden, oder ob es nicht schon zu spar ist, Der albanische Aufstand. Konpantinopel, 31. Juli. Ueber den Einmarsch de» Jssa Boletinaz in Mitrowitza wird gemeldet, daß der Platz- kommandant von Mitrowitza anfangs das Einrücken der Sllbanesen nur unter der Bedingung erlauben wollte, daß sie ihre Waffen ab legten. Jssa bestand jedoch nicht nur auf dem Einmarsch seiner be waffneten Leute, sondern verlangte auch die Entfernung der Ge* schütze, welche auf den die Siadt beherrschenden Höhen aufgestellt waren. Der Kommandant gab dem Verlangen Folge, worauf Jssa mit 3000 Sllbanesen in die Stadt einzog. Bei Rapsa unweit der Maliquelle hat ein Kampf zwischen Truppen und Malissoren stattgefunden. Die Truppe» hatten 30 Tote. Luthentischen Nachrichten zufolge beträgt die Zahl der bereits in der Ebene von Kossowo versammelten A l b a n e s e n 6000. Die Vorgänge in Konstantinopel. Konstautinopel, 31. Juli. �Meldung de» Wiener k. k. Telegr.- Korr.-BureauS.) Die Regierung ergreift ernste Maßnahmen zur Aufrechterhaliung der Ordnung. Die Patrouillen sind verstärkt worden und ei» Regiment Kavallerie wird in der Kaserne Daud- Pascha in Bereitschaft gehalten. Die Regierung hat, wie e» heißt, der jungtürkischen Partei und der Leitung der Entente Liberale mit- geteilt, daß sie für ihr Programm Propaganda machen dürften, die Regierung werde aber jeden streng bestrafen, der versuchen sollte, die Ordnung zu stören. »Jkdam' erfährt, zahlreiche albanesische Rebellen auS Mcssio hätten die Straße Slutari-Tiranga besetzt und verlangten die Auflösung der Kammer. Dl« Regierung und die Kammer. Koastantinopch 3!. Juli. Gegen t Uhr erschien da? gesamte Kabinett mit Ausnahme von Ktamil und Nazim Pascha und übergab dem Präsidenten einen DringlichteitSantrag auf Aenderung des Artikels 7 der Verfassung, betreffend das Recht de» Sultan« zur Auflösung der Kammer. Die Re- aierung verlangt darin, dem Sultan daS Recht zu geben, die Kammer, falls ungewöhnliche Umstände vorliegen, aufzulösen, nachdem der Senat sich gleichfalls dafür ausgesprochen hat. Die Dardauellenfahrt. Rom, 31. Juli. In einem amtlichen Bericht, den der Komman- dant Milio über den Angriff der italienischen Torpedoboote gegen die Dardanellen«insandte, wird mitgeteilt, daß auf der Rückfahrt auS den Dardanellen das Torpedoboot.Spiea" von zwei türkischen Geschossen getroffen wurde. Das Torpedo- boot.<£ f) t m o n e' erhielt von den türkischen Festungswerken sechs Kugeln, die erheblichen Schaden anrichteten. Auf den Torpedobooten.Perseo' und.«stör«' wurden durch einen Schuß kleine Beschädigungen verursacht. Der.Spiea' trug ferner noch eine Kontufion de» Wellbaumes und einen Schrauben- bruch davon._ poUtircbe Qcberlicbt Berlin, den 81. Juli 1912. Nochmals die Taktik des WahlrechtSkampfeS. In der.Chemnitzer VollSstimme' sucht Genosse E i» n e r durch einen zweiten Artikel Stimmung für seinen famosen Vorschlag zu machen, bei den LandtagSwahlen im Jahre 1813 durch Unterstützung der Nationalliberalen ein— demokratisches Wahlrecht zu erringen. Such dieser Artikel enthält so wenig Tatsächliches, daß sich ein näheres Eingehen darauf nicht verlohnt. Sein leitender Gedanke ist. daß. wenn sich in Bayern ein Zusammengehen von Sozial- demokraten und Liberalen, auch RechiSliberalen, habe ermöglichen lassen, daS auch in Preußen möglich sein müsse. Zumal gerade in Preußen die Bourgeoisie ein weit größeres Klasseninteresse habe, den LiberaliSnius durchzusetzen, als in Bayern. ES tut uns aufrichtig leid, uns auch diesen wortreichen ver- fichernngen EiSnerS verschließen zu müssen. Aber wir sind nun einmal der altmodischen Ansicht, daß unsere preußischen Rechts- oder Rationalliberalen wohl selbst am besten wissen, wie sie ihr Klasseninteresse wahrzunehmen haben, ein Klasseninteresse, da» in der Hauptsache mit dem. Interesse de» rheinisch- westfälischen Großunternehmertums identtsch ist. Und die Wahrnehmung diese» Interesses hat sich bisher durch eine Politik bestätigt, die von derjenigen der preußischen Freikonservativen, der be- rüchtigten Zedlitz-Garde kaum zu unterscheiden ist. Speziell in der WahlrechtSfrage waren die preußischen National- liberalen auf dem Sprunge/ sich sür da? Zedlitzsche Kompromiß»in- sangen zu lassen. Und wenn schließlich die freikonservative Wahlreform nicht zustande kam, so lag das nicht an der Mannhaftig- keit der NationaUiberolen, sondern am glatten Nein des blauschwarzen Blocks. Und von der Unterstützung dieses Liberalismus durch die sozialdemolralje soll nach Eisner das Schicksal der preußischen Wahl- ceform abhängig sein l Es bleibt also schon dabei, daß eine geradezu abenteuerliche P h a n t a st i k und eine aller politischen Realitäten spottende Projektenmocherei dazu gehören, die Unterstützung »er Nationalliberalen als Mittel zur Erringung eines freiheitlichen Wahlrechts zu empfehlen. In. einem Poftskriptum zu seinem Artikel wendet sich EiSner noch besonders gegen den.Vorwärts', obwohl er eine AuSemander- ietzung mit ihm gewissermaßen grundsätzlich ablehnt. Ein solches Prinzip hat schon seinen guten Sinn: es erspart dem ihm Hul- digenden geistige Strapazen, das Beibringen von Gegengründen. EiSnerS Entgegnung besteht denn auch— obwohl daS dem»Vor- wärtS' gewidmete Postskripium annähernd achtzig Druckzeilen um- laßt— ausschließlich in einer Gegenfrage, und diese Gegen- frage lautet: Wenn der.Vorwärts' die Unterstützung der Rational- liberalen von vornherein und die des Fortschritts wenigstens schon Sei den Urwahlen ablehnt, wie will er denn dann die Junker- und Äeldsackfeste brechen? Durch den Ansturm der Massen von außen? Ja, worin soll denik dieser Ansturm bestehen? I Diese famose Frage ist charakteristisch für den Genossen EiSner, wenn auch freilich nicht neu. Denn schon bei der Debatte über den politischen Massenstreik stellte er die Alternative: entweder RevisioniS- muS oder Putschismus. Leider können wir dem Genossen EiSner auch diesmal nicht den Gefallen tun, die Partei auf bestimmte äußerste Aktionen fest- zulegen. Trotzdem aber entspricht eS sicherlich unendlich mehr der sozialdemokratischen Auffassung, durch intensive Massenauftlärung und Mossenoufrüttelung, durch Stärkung unserer agitatorischen und organisatorischen Macht einen Druck auf die Rc- gierung auszuüben, als von der Verstärkung des Freisinns und der Nationalliberalen um ein oder zwei Dutzend Mandate eine demo- kratische Wahlreform zu erhoffen! Und wenn wir auch daran verzweifeln, das dem Genossen EiSner klar machen zu können, so sind wir um so fester davon über- zeupt, daß sich in Preußen auch nicht einmal eine kleine Minderheit für seine Illusionen erwärmen könnte. Tod des Kardinals Fischer. Kardinal-Erzbischof D. Antonius Fischer, der am 30. Fuli in Neuenahr verstarb, wurde im Jahre 18-10 als der Sohn eines VolkSschullehrerS in Jülich im Rheinland geboren, war 25 Jahre lang Religionslehrer ckm Gymnasium in Essen, und wurde vor 25 Jahren Weihbischof, vor 10 Jahren Erzbischof von Köln. Seine vor 8 Jahren erfolgte Ernennung zum Kardinal verdankt er der Gunst Wilhelms II., und man hat ihn damals spöttisch als den „königlich-prcußischen Kardinal' bezeichnet. Er Pflegte Wilhelm II. in geradezu byzantinischer Form in seinen Festreden zu feiern. Einmal behauptete Kardinal Fischer, Wilhelm II. habe etwas von dem Geiste Karls des Großen, und er nannte Wilhelm II. und den Papst die„beiden größten Herrscher der Gegenwart'. Auch sprach kardinal Fischer von Wilhelm II. meistens als von„unserem er- l abenen' oder„unserem herrlichen" Kaiser;„einem solchen Herrscher zu dienen, sei eine freudige Herzensangelegenheit". Den Besitzlosen gegenüber sprach der Kardinal in seinem ersten Hirtenbrief als von den„Geringen, die durch Gottes weise Vor- ichung ein Leben der Armut, der Niedrigkeit, der Entsagung und der demütigen Arbeit führen'. Er sprach von den Tugenden der Armut und dem Laster der Habsucht; aber niemals richtete er seine Worte an die millionenschweren Männer Bachem, Trimborn, Wil- kenS usw., bei denen er häufig zu Tische saß. Kardinal Fischer» politische Anschauungen waren konservativ. ja beinahe feudal, trotz seiner proletarischen Herkunft. Seine Stellung der Wissenschaft gegenüber wird charakterisiert durch den Ausspruch, den er anläßlich des Katholikentages in Düsseldorf tat: „So weit der Himmel über der Erde steht, so hoch steht der Glaube über der Wissenschaft.' Kardinal Fischer wurzelte vollständig in den religiösen Anschauungen des Mittelalters; er förderte die Heiligenverehrung und den Reliquienkult und vollzog unter großem Vrunk die feierliche Krönung einer eigentlich für den Kölner Dom beschafften riesigen Mutter-GotteS-Statue. Er betrieb auch die Seligsprechung der Christina von Stommeln, einer an Halluzina- tionen leidenden Frau aus dem 13. Jahrhundert, von der die Le- gende behauptet, mit ihrem Leib feien nicht weniger als fechSund- achtzigtausend Teufel in die Hölle gefahren. Dieser Geistesbeschaffenheit deS Kardinals entsprach die Er- ziehung, die er dem KleruS zuteil werden ließ. DaS zu der Uni- bersität Bonn gehörende Konvikt wurde durch Kardinal Fischer von der Universität fast völlig getrennt; die Studenten wurden gleich Gefangenen behandelt und ihre Lektüre usw. wurde aufs schärfste überwacht. Auch wurden die Studenten völlig im Geiste des tiefsten Mittelalter» erzogen. Ueber die Geistlichen übte der Kardinal eine förmliche Zwangsherrschaft auS; er bevormundete sie wie Schul- i>uben. Bei Kirchenreisen gebot er, daß man ihn mit fürstlichem Pomp empfange, und einmal hat er es den Bonner Theologie- Vrofessoren sehr übel vermerkt, daß sie nicht gleich dem sonstigen KleruS an der Stadtgrenze von Bonn zu seinem Empfange erschienen waren. Nichts ist bezeichnender, als daß ein Mann von solcher Geistes- beschaffenheit beim Vatikan im Geruch der Modernität stand und daß der andere deutsche Kardinal Kopp mit deutlichem Hinblick aus Fischer das Wort vom„verseuchten Westen" gesprochen hat.' Fischer war eben klug genug, um einzusehen, daß die Bachemiteu mit ihren christlichen Gewerkvereinen ein viel bessere? Werkzeug der Herrschaft deS Episkopats abgeben, als ihre gerade aufs Ziel loS- gehenden Gegner. Daher sein Gegensatz gegen den BreSlauer Kar- tinal und den Bischof Korum von Trier. Er hielt eben nicht t iel von den katholischen Arbeitervereinen und sah tn der Spaltung der Arbeiterbewegung durch die christlichen Gewerkschaften ein viel geeigneteres Mittel, der Sozialdemokratie?lbbruch zu tun. Dem Kampf gegen unsere Partei und die freien Gewerkschaften galt cber sein ganze» Streben und in diesem Kampfe schreckte er nicht t or Waffen zurück, die auch der Reichsvcrband hätte führen können. E» sei daran erinnert, daß. al» vor einer Reihe von Jahren Genosse Bebel in Köln gesprochen hatte, Kardinal Fischer bald nachher in einem Hirtenbriefe von einem„bekannten, von außen gekommenen ! Parteiführer" sprach, dem er Verursachung maßlosen AergernisseS und frecher Gotteslästerung vorwarf. Fischers Tod bedeutet in dem jetzigen Moment für die Bache- mite», deren Schützer er war, einen schweren Verlust. Um seine Nachfolge wird ein geheimer aber um so schärferer Kampf zwischen der opportunistischen und der intransigenten Richtung im Katholi- fismu« geführt werden. Der neue Erzbischoj ist innerhalb drei Mtzsatik»LS des Domkapitel|u Wahles, Wie die Behörden den Alkoholmihbranch„bekämpfen". In Ostelbien wird diel Alkohol getrunken; besonders auf dem Lande und in den kleinen Städten ist der Verbrauch von Trink- branntwem enorm, was schon vor Jahren die Behörden und frommen Vereine veranlaßt hat, den Alkoholmißbrauch zu bekämpfen. Man gründete Vereine, Alloholsürsorgestellen usw. Trotzdem ist von einer wesenllichen Abnahme des Verbrauchs von Alkohol in den Junker- domänen wenig zu spüren. Da bar nun die sozialdemokratische Partei in Weh lau ein Gartenlokal erworben, und sie ersuchte um die Konzession zum Ausschank— alkoholfreier Getränke. Doch der Kreisausschuß, in dem die„staatSerhalteiiden* Agrarier natürlich die Majorität haben, lehnte das Gesuch ab, so daß die Partei nicht in der Lage ist, Seltcr und Sprudel dorr auszuschenken. Tie VersainmlungSbcsucher können also nichts trinken. Dabei ist in Wehlau der Schnapsgcnuß weit verbeitet. Abends und Sonntags sind die Kneipen gefüllt, was den Bürgermeister wiederholt veran- laßt hat, seine Mißbilligung darüber auszusprechen. Könnte die Partei in ihrem Lokal alkoholfreie Getränke ausschenken, so würde sie damit erzieherisch auf die Arbeiter einwirken und sie bald aus den Schnapskneipen herausholen können. Das würde der Stadt und der Umgegend nur zum Segen gereichen. Aber der Kreisausschuß hat es anders beschlossen. Die Sozialdemokratie könnte vielleicht einen Nutzen haben, wenn in dem Lokal alkoholfreie Getränke ver- kaust werden, und deshalb darf es nicht sein. Sozialdemokraten werden nicht bestätigt. Bei der Beratung der Reichsversicherungsordnung im Reichstag haben die Vertreter der Regierung hoch und heilig versichert, daß die politische Gesinnung eines Kassenbeamten keinen Nachteil für ihn bedeuten solle. Von sozialdemokratischer Seite war mit Recht betont worden, daß solche Versprechungen absolut wertlos sind, denn in der Praxis kommt es immer anders. Die Besetzung der Nendantenstelle bei der B o ch u m e r Ortskrankenkasse mit einem Oberstleutnant war der erste Streich. Den zweiten hat sich nunmehr das o l d e n» b n r g i s ch e Versicherungsamt Budjadingen geleistet. Die Mehrheit des Vorstandes der Ortskrankenkasse in Nordenham hatte den Buchhalter der Ortskrankenkasse in Neukölln, Adolf Heller, zum Rechnungsführer gewählt. Das Persicherungsamt hat dem Gewählten die Bestätigung versagt, mit folgender Begründung: „Nach den Ermittelungen des Amtes ist der Gewählte mit Burcauarbeiten nur in der Abteilung für Krankenabfertigung und BcitragSeinziehung tätig gewesen, hat aber sonstige Bureau- arbeiten, vor allem solche, welche mit der Tätigkeit eines Geschäfts- fnhrers verbunden sind, nicht ausgeführt. Seine Fähigkeit eines Rechnungsführers erscheint daher. zweifelhaft. Heller ist ferner schon seil mehreren Jahren als Agitator und Organisator der sozialdemokratischen Partei tätig und hat in dieser Richtung einen bedeutenden Einfloß ausgeübt. Diese Tat- fachen— nicht die Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Partei an sich, sondern die agitatorische Tätigkeit besonders— lassen daraus schließen, daß dem Gewählten die erforderliche Zuverlässigkeit für eine unparteiische Wahrnehmung derDienstgeschäfte eines Rechnungsführers fehlt. Dieses Bedenken fällt um so schwerer ins Gewicht, als erst in allerjüngster Zeit wieder ein sehr scharfer Gegensatz zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern sowie zwischen den arbeitswilligen und streikenden bezw. ausgesperrten Arbeitern in Nordenham ein« ' getreten ist.' p Wäre Heller für die Konservativen oder für den Bund der Landwirte agitatorisch tätig gewesen, das Versicherungs- amt hätte ihn bestimmt bestätigt. Aber weil der Mann Sozialdemokrat ist, ist er ungeeignet, obwohl er im Kranken- kassenwesen eine mehrjährige Erfahrung hinter sich hat. Vielleicht findet man jetzt einen ausgedienten Feldwebel, den das Versicherungsamt gewiß für sehr geeignet halten wird, denn er ist nicht Sozialdemokrat. Was aber sagt das Reich samt des Innern dazu, daß ein beliebiges, völlig unbedeutendes Versicherungsamt nicht nach fach- lichen, sondern nach politischen Grundsätzen ent- scheidet? Jesuitendebatte in Bayern. -In der Mittwochssitzung der Kammer der Reichsräte kam es zu einer sensationellen Debatte des bayeri- scheu Jesuitenerlasses. Im Laufe der Debatte erklärte Reichsrat Graf zu Törring-Jettenbach, er stehe auf dem Standpunkt, daß der Jesuitenerlaß ein grober taktischer Fehler der Staatsregierung gewesen sei. Der Er- laß bedeute auch eine ganz bedeutende Blamqg« für die Staats- regierung und für ganz Bayern, und zwar von dem Augenblick an, wo die Staatsregierung zugeben mutzte, daß sie nicht b e- r e ch t i g t war, den Erlaß herauszugeben, ohne vorher die Ansicht der Neichsregierung gehört zu haben. Er bedauere, daß die Rcaierung wiederholt den Versuch gemacht habe, die Schuld an dem Erlas; dem früheren Kultusminister in die Schuhe zu schieben. Graf zu Törring fuhr fort, die Regierung habe Bayern mit ihrem Jesuitenerlaß einen recht schlechten Dienst erwiesen. Die große Majorität der bayerischen Bevölkerung sei der Ansicht, daß es besser sei, wenn das Tor, daS zwischen ihm und den Jesuiten errichtet sei, geschlossen bleibe mit Rücksicht darauf, daß dadurch zweifellos der konfessionelle Friede gewahrt werde. Ein bedeuten- der Teil des katholischen Klerus teile diese Ansicht. W i r w l s s e n ' e tz t— schloß Graf zu Törring— was wir in diesen und äint lichen Fragen von der Staatsregierung zu erwarten haben. Ministerpräsident Dr. Freiherr v. Hertliny erklärte: Ob die Regierung mit dem Jesuitenerlaß einen Bock geschossen habe, müsse : der Beurteilung anderer überlassen. Die Regierung sei bis jetzt er Meinung, daß sie richtig gehandelt habe. Wenn man aber oavon überzeugt ist, daß das Gesetz von 1872 ein odioses Ausnahme- aesetz und ein Kampfgesetz ist, und wenn man erwägt, daß der Rcichsrat in wechselvoller Zusammensetzung der Parteien zu ver- schiedcnen Malen die Aufhebung des ganzen Gesetzes verlangt hat, so war für die Regierung die Frage naheliegend, ob sie nicht im Sinne des schon vorbereiteten milderen Erlasses vorgehen sollte. Wenn die Regierung überzeugt war, daß das Gesetz von einem großen Teil der Bevölkerung schwer empfunden würde, dann konnte es nicht unzulässig sein, wenigstens für eine Milderung der Aus- führung einzutreten. Nun sollen wir gegen die Reichseinheit ver- stoßen haben! Wir waren der Meinung, daß wir vollkommen be- r iigt waren, so vorzugehen, und erst, als wir sahen, welche große Erregung, vielfach künstlich geschürt, entstanden war, sagten wir r. wenn wir uns auf einem falschen Wege befunden haben soll- dann wollen wir den Bundesrat auffordern, den Begriff der £ oenStatigkeit zu interpretieren. DaS war ein durchaus loyales verhalten der Staatsregierung, und von der Reichsleitung wird dieses Verfahren vollkommen anerkannt. Ich sehe also nicht ein, wo die Blamage der Regierung ist. So eine große Gefahr sind die Jesuiten nicht, daß man die Reichsleitung um Schutz anzurufen braucht. Selbst wenn ein �Jesuit nicht nur im Wirtsbaus, sondern auch auf der Kanzel seine Vorträge hält, glaube ich nicht, daß jemand so gefährdet wird, daß er den Schutz der Reichsleitung anzurufen braucht. Von einer Störung des kon- fession-llen Friedens durch die Jesuiten kann in Wahrheit nicht die Rede sein. Prinz GeorgvonBayexn führte aus: Ich teiledie Stellungnahme der StaatSregierung in der Jesuitenfrage vollkommen, und ich gehNre zu den Per- sonen, die die Rückkehr der Jesuiten als begrüßenS- wert betrachten. Ein derartiges Vorgehen, wie daS des Grafen zu Törring, die Unterstützung der Reichsleitung anzurufen, hat meines Wissens in der Geschichte unseres Hauses bisher keinen Präzedenzfall. Ich halte dieses Vorgehen für bedauerlich und unbegreif- l i ch, und ich denke von der geschichtlichen Selbständigkeit Bayerns viel zu hoch, als daß ich es für nötig halte, die Reichsleitung um Schutz anzugchen._ Aus einer Zentrumsdomäne. Die Strafkammer Würzburg verurteilte dieser Tage den Bezirks- amts-Sekretär Weilhammer aus Kallstadt a. M. wegen„ReligionS- Vergehens" zu 2 Monaten Gefängnis. Mit diesem„ReligionS- vergehen" hat es eine eigene Bewandtnis. Der Angeklagte war Verwalter des Distrikts-Psründnerspitals, in dem Klosterschwestern als Pflegerinnen tätig sind. Obwohl verheiratet, stellte der Patron doch eifrig den Schwestern nach und wurde überall, wo er mit ihnen zusammentraf, handgreiflich. Einmal ging er einer Schwester nach. als sie in die Kirche zum Gebelläuten ging, schloß die Kirche ab und wollte in dieser Stätte unter Anwendung von Gewalt seine Absicht erreichen. Weil dieser Angriff in der Kirche erfolgte, konstruierte die Staatsanwaltschaft ein.Religionsvergehen" daraus. In Wirklichkeit wollte man damit um eine ausgiebige Vernehmung verschiedener Zeugen herumkommen, die bei der Anklage wegen Sittlichkeitsvergehen oder Verbrechen, sowie bei Notzuchtversuch nicht zu umgehen gewesen wäre. Eigentümlich berührte es auch, daß weder die Krankenschwestern noch die Oberin Anzeige erstatteten, obwohl die letztgenannte längst von dem Vorkommnis wußte. Karl- stadt ist eine stramme Zentrumsdoniäne, der Pfarrer führt ein besonders strenges Regiment, und es ist für die Sozialdemokratie äußerst schwer, ein Versammlungslokal zu erhalten. Aus der Reihe getanzt. DaS amtliche Kreisblatt für Guhrau bringt in seinem nichtamtlichen Teil in einer der letzten Nummern folgenden anerkennenden Artikel über die Wirkungen des sozialdemo- kratischen Schnapsboykotts: „Ehre und Dank, wem Ehre und Dank ge- bühren. Sie gebühren aber dem sozialdemo« kratischen Parteitag, der den S ch n ap s b o y ko tt empfohlen hat." Hier folgt nun die vom„Vorwärts" gebrachte Notiz, die sich mit dem Rückgang der Alkoholproduktion beschäftigte. Und zum Schluß des Kreisblattartikels heißt es dann: „Immerhin besten Dan! für den dem ganzen Vaterlande tn mehr als einer Beziehung zu- statten kommendenden Rückgang des Schnaps- Verbrauchs." Die erstaunliche Objektivität des Artikelschreibers wird in den Kreisen der Fuselbrenner ein schweres Unbehagen hervor- rufe« l_ Belgien. Die Organisierung des Generalstreiks. Brüffel. 28. Juli.(Eig. Ber.) Die Vorbereitungen für den Generalstreik nehmen ihren Gang. Diese Woche hat das Föderalkomitee des Brüsseler Wahlkreises im Verein mit den parlamentarlsa>en Vertretern und den übrigen Delegierten seine Sitzung abgehalten, um wichtige Entscheidungen für die vorbereitenden Arbeiten zu treffen. Gleichwie im nationalen Generalstreikkomitee wurden auch hier vier Kommissionen ge- wählt, die die Organisations- und Propagandaarbcit, die finanzielle Vorbereitung, den Einkauf und die Verteilung der Lebensmittel für den Brüsseler Kreis durchzuführen haben. Jede Kommission besteht aus 8 Mitgliedern. Es wurde weiter beschlossen, vom 12. August an Sparmarken in Vertrieb zu bringen, die einen Wtzrt von 30 Centimes und einen Frank repräsentieren werden. Diese Marken werden in den Filialen des„Maison du Peuple' und auch durch die BrotauSträger der Genossenschaft erhältlich sein. Wo es keine derartigen Filialen gibt, werden die Wahl- vereine den Umlauf der Sparmarken besorgen. Die Marken werden in ein für diesen Zweck ausgegebenes Büchlein geklebt. Donnerstag versammelten sich auck das Bureau des Generalrats und die vom nationalen Streikkomitee gewählten Kommissionen, die zusammen das Exekutivkomitee bilden. Es wurde die Herausgabe einer nationalen Sammelliste beschlossen. Diese Woche wird ein Manifest erscheinen, das in Hunderttausenden von Exemplaren verbreitet werden wird. Ein von den Administrationen der sozialistischen Genossenschaften Belgiens unterfertigter Aufruf appelliert an die llllit- glieder, den Generalstreik in jeder Weise vorzubereiten. Die Arbeiter mögen ihre Rückvergütungen in den Kassen der Genossenschaft belassen, um sie während eines Generalstreiks eventuell für Brot einzutauschen. Die Ar- beitcr sollen serner ihre Ersparnisse aus den staatlichen und kapitalistischen Unternehmungen zurückziehen und sie in den Arbeiterinstituten unterbringen. Ferner mögen sie die Ge- neralstreiktickets kaufen, um sie in; Falle eines Generalstreiks für Waren einzutauschen. Der Aufruf schließt mit den Worten:„Sparet, wartet nicht bis morgen.." Auch die Versammlungsaktion hat bereits eingesetzt. In La Louviere im Ccntre hat in einer Riesenversammlung De Brouckere über den Generalstreik gesprochen; diesen Sonntag findet ein Monstermeeting in C Harleroi statt, in der Vandervelde, Anseele und D e st r ö e über dieses Thema referieren. Für Gent wird demnächst gleich- falls ein großes Meeting vorbereitet, in dem D e st r ö e und Huysmans über den Generalstreik sprechen werden. Von Zustimmungskundgebungen für den Generalstreik sei aus der letzten Zeit die der sozialistischen Cooperative von Verviers erwähnt. Der Verwaltungsrat hat 8000 F r. für den General st reik votiett. Die Einnahmen der kinematographischen Vorstellungen der Genossenschaft gehen der Streikkasse zu. Das Personal wird im Falle des Streiks die Hälfte seines Gehalts dem Streikfonds zu- führen.(Solche Beschlüsse liegen auch von anderen Genossen- schaften dar.) Interessant sind die Beschlüsse der Lehrerorganisationen. Der„Schoolbond" von St. Nicolas(Waesland) hat seine pekuniäre und moralische Unterstützung für den Wahlkampf und den Generalstreik zugesagt. Die Lehrer der kam- mnnalen Schulen von Gent haben beschlossen, daß jedes Mitglied der Vereinigung vom 1. August an bis zum Streikausbruch mindestens ein Prozent seines monatlichenGehalts und während der ganzen Streikdauer wöchentlich ein Prozent seines Jahresgehalts für den Streikfonds abführt. Nebenbei: darob große Entrüstung in klerikalen Blättern. Die Streikspenden sollen nämlich den Kindern der Streikenden zugute kommen. Das paßt aber diesen Christen schon gar nicht, daß von der Kommune besoldete Lehrer ihre Liebe für Kinder so weit treiben, daß sie sie so- gar auf die Sprößlinge streikender Arbeiter ausdehnen l In der anständigen Oeffentlichkeit hat dagegen das tapfer-mensch- liche Vorgehen der Genter Lehrerschaft nur Anerkennung ge- erntet. ftollanck. Die künftige Handelspolitik. Haag, 31. Juli. Der Bericht der Kommission zur Prüfung des Zolltarifgesetzentwurfs ist veröffentlicht worden. Die Gegner des Schutzzolls bekämpfen den Entwurf. erbittert, denn die Industrie brauche und wünsche ihn nicht. Die Gegner sind der Ansicht, daß das Gesetz für Holland gefährlich sei, da Holland so günstig für den Handel liege, und um so gefähr« licher, weil es der Regierung das Recht gebe, zu Repressalien zu greifen, wenn das Ausland die Produkte der Industrie, des Han, dels oder der Schiffahrt der Niederlande belaste. Man hat nach» gewiesen, daß das Ausland bereits Maßnahmen trifft für den Fall, daß der Entwurf Gesetz wird. Die Anhänger deS Ent« Wurfes betrachten die Repreffalien als eine Präventivmaß« nähme. Der Minister des Auswärtigen verteidigt die Repressalien, indem er hervorhebt, Holland sei zurzeit dem Auslande gegenüber machtlos. Die Regierung hat mehrere Abänderungen in dem Ent- Wurf vorgenommen,'die hauptsächlich in der Herabsetzung der Zölle aus Mehl, Orangen, Zitronen. Mandarinen und getrocknete Fische bestehen. Auf der anderen Seite sind die Zölle äuf Holz- schuhe, Manufakturwaren, Kleidungsstücke, Salz, Zucker, Tabak und Kolonialwaren b e st e h e n geblieben. Ein neuer Zoll itt Höhe von einem Gulden auf 1iX> Kilogramm ist für Bananen ge- schaffen worden. Papier soll fortan mit einem Wertzoll von sechs bis zehn Prozent belegt werden. Dänemark. Die bevorstehende« ReichstagSwahle«. Anfangs des nächsten Jahres werden die Wahlen zur weiten Kammer des dänischen Reichstages stattfinden. ie Sozialdemokratie tritt bereits jetzt als erste in den Wahl- kämpf ein. Die Arbeiter und alle mit der Sozialdemokratie sympathisierenden Staatsbürger werden von der Partei- leitung aufgerufen, den Wahlfonds zu stärken, um den Kampf auf der ganzen Linie zu finanzieren. Die Wahlkreisorgani» sationen rüsten sich. Tausende von Versamnilnngen überall im Lande abzuhalten, die Verbreitung von Millionen Flugschristen wird vorbereitet. Die Rührigkeit der dänischen Partei ist ja auch im Aus- lande zur Genüge bekannt. Aber die bevorstehende Wahl hat eine besondere Vedentung für die Sozialdemokratie, und die frühzeitige Aufnahme des Wahlkampfes beweist, daß die Parteileitung sich über die Bedeutung im klaren ist. Seitdem die bürgerliche Linke um die Jahrhundertwende zur Macht kam, hat sie sehr schnell nicht nur ihr eigenes Pro- gramm, sondern auch die Hilfe vergessen, die ihr die Sozial- demokratie im wohlverstandenen eigenen Interesse im Kampfe gegen die konservativen Junker gewährte. Wohl ivurde an- sangs der Anlauf zu einer sozialpolitischen Gesetzgebung genommen, der Arbetterschutz durchgeführt, die freiwillige Ar- betterversicherung unterstützt und auch die Lösung der Arbeits- loscnversicherung auf der Grundlage des Genter Systems unternomnwn. Aber recht bald versagte das sozial» politische Interesse der Linken führ er. Der Name A l b e r t i ist bezeichnend für das Regime der Linken. Der kapitalistische Parvenü wurde in der politischen Arena der ausschlaggebende Faktor. Der Fall des Verbrechers Alberti wurde auch zu einer moralischen Verurteilung der regierenden Pattei, die ihn so lange gedeckt hatte und seine Betrüaereien dadurch ermöglichte. Die letzten Wahlen vor drei Jahren wurden um die Militärreform geführt. Die durch die Vorgänge der Aera Alberti ans Ruder gekommenen liberalen Radikalen, eine kleine von der bürgerlichen Linken ab- gesonderte Gruppe, ivollten die Befestigung Kopenhagens und andere Rüstungen, die die Linke mit den Konservativen durch- zusetzen bemüht waren, durch die Neuwahlen illusorisch machen. Die Radikalen und die Sozialdemokratie gingen gemeinsam bei der Wahl vor, aber es gelang ihnen nicht, an den Majoritätsverhältnissen etwas zu ändern. Wohl stieg die sozial- demokratische Stimmenzahl von 93000 auf 100000, aber die Zahl der Mandate blieb die gleiche. Die Folge der Wahl als Ganzes war der Fall des Ministeriunis Zahle und die Wiederkehr der Altliberalen, die sich nun fester an ihre früheren konservativen Feinde schlössen. Die drei- jährige Legislaturperiode hat dem arbeitenden Volke nichts gebracht als neue Lasten, die versprochene Reform des Wahlrechts, vor allem der veralteten und unge- rechten Wahlkrciseinteilung, i st unterblieben. Der Angriff der Unternehmer dagegen auf die Arbeitslosenver- sicherung fand in weiten Kreisen der regierenden Partei Ge- hör. Das Budget wurde durch 18 Millionen Kronen neuer indirekter Steuern„saniert", die nur ein Tropfen auf dem durch die Nüstungspolitik heiß gewordenen Stein bedeuten. Neue Steuern für den gleichen Zweck sind unausbleiblich, falls die Wahlen nicht eine radikale Aenderung in der Zu- sammensetzung der Kammer bringen. Die Sozialdemokratie wird ihren Gegnern im Wahlkampfe nichts schenken. Ihre Wahlparole ist die Fortführung der sozialpolitischen Gesetzgebung, die Aufgabe der Rüstungspolitik und nicht zuletzt die Verfassungsrevision. Zu diesem Punkte fordert sie die Neneinteilung der Wahlkreise, die Gewährung des Wahlrechts an alle mündigen Staatsbürger beiderlei Geschlechts und schließlich die Beseitigung der Ersten Kammer, Einführung des Einkamniersystems. Der Wahlausfall wird zeigen, ob diese Forderungen die Billigung der heutigen Wählennassen finden. Das bestehende Wahlrecht ist zwar mit einigen Einschränkungen allgemein, aber die Altersgrenze der Wahlberechtigten ist a u f 3 0 I a h r e gesetzt, was naturgemäß den Vormarsch der Arbeiterpartei erschwert. Immerhin hat die Partei bei der letzten Wahl in vielen Wahlkreisen eine so ansehnliche Stimmcnzahl auf sich vereinigt, daß sie mit berechtigter Hoffnung auf schöne Erfolge in den Wahl» kämpf ziehen kann. BnBland. Eine Pclzwiische. Jrkutsk, 31. Juli.(W. T. B.) Auf Grund der Untersuchung der Vorgänge in den Lena Goldwäschereien durch Senator Manuchin ist gegen den Gehilfen des Gendarmeriechess Rutmeister Tereschtschenlow ein gerichtliches Verfahren wegen Untätig« keit und Ueberschreitung seiner Mefugnjsse ein, geleitet worden, GewerkfcbaftUcbes. Sekt nickt nach der Schweiz! Infolge des Wütens der Reaktion in Zürich, verbunden mit dem absoluten Verbot des Streikpostenstehens, ist der Streik der Maler in Zürich abgebrochen worden. Da in Verbindung hiermit, als Teil eines zentralen Kampfes, auch Streiks an anderen Orten geführt wurden, so endigten auch diese gleichzeitig mit Zürich. Die langandauernden Kämpfe hatten zur Folge, daß eine Menge Arbeit zurückgestellt wurde, und braucht es er- fahrungsgemäß Wochen, bis sich die Geschäfte einigermaßen wieder normal entwickeln. Den Moment wollen nun die Unternehmer ausnützen und haben beschlossen, bei hoher Konventionalstrafe, keine Streikenden einzustellen, d. h. sie auszusperren und gleich. zeitig von auswärts mit aller Energie Arbeitskräfte zuzu» ziehen. Da schon von allen Seiten Anfragen organisierter Kol- legen an uns gelangen, so teilen wir hier mit, daß, um die Pläne der Unternehmer zu vereiteln, energischer als zuvor jeder Zuzug nach der Schweiz zu unterbleiben hat und fern- zuhalten ist. Keiner werde zum Sperrebrecher. Zentralverband der Maler pnd Gipser der Schweiz. Lertin un«l tlmgegcnd. Der Tarifbruch der Charlottenburger Fuhrwerksbesitzer. Im Volkshaus zu Charlottenburg tagte gestern abend im großen Saal eine stark besuchte Versammlung der Bau- und Ar- beitskutscher, um Stellung zu dem Tarif- und Treubruch der Char- lottenburger Fuhrherren zu nehmen. Franke referierte über den Werdegang der Lohnbewegung. In der Diskussion sprachen sich alle Redner in der schärfsten Weise über das Vorgehen der vertrag- verletzenden Fuhrunternehmer aus und wurde am Schluß folgende Resolution einstimmig angenommen: »Die heute versammelten Arbeitskutscher Charlottenburgs nehmen mit Entrüstung Kenntnis von dem Vorgehen der Fuhr- Unternehmer. Sie sehen in der Festsetzung einer anderen Rege- lung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse nach vorherigem Abschluß eines Tarifvertrages zwischen Fuhrunternehmern und Transport- arbeitern eine Vertragsverletzung und Treubruch, der nicht dazu angetan ist, das moralische Ansehen der Fuhrunternehmer zu er- höhen. Die versammelten Kutscher und Arbeiter halten es im Interesse ihrer Gesundheit und ihres gedeihlichen Familienlebens für ihre erste Pflicht, jede Vertragsverletzung auf das schärfste zurückzuweisen und kein Mittel unversucht zu lassen, ihre nach langen Jahren errungenen tariflichen Abmachungen in allen Teilen aufrechtzuerhalten. Die Versammelten verpflichten sich, in allen Betrieben darauf zu achten, daß die Arbeitszeit des Morgens um �6 Uhr begonnen und des Abends bestimmt um 7 Uhr beendet wird und verpflichten sich ferner, in allen Be- trieben, in denen die Plakate ausgehängt, die Arbeit so lange ruhen zu lassen, bis dieselben entfernt und die Unternehmer sich unterschriftlich verpflichten, den zwischen Fuhrunternehmern und Transportarbeiterverband geschlossenen Tarif in allen Teilen auf das Genaueste innezuhalten." Eine« Kampf um die Verkürzung der Arbeitszeit führen die Arbeiter und Arbeiterinnen der Firma Dewitt u. Herz, Fabrik chirurgischer Instrumente, Georgenkirchstr. 24. In der Montage- abteilung dieses Betriebes herrschte bis jetzt die 914 stündige Arbeitszeit, während in allen anderen Abteilungen 9 Stunden täglich gearbeitet wurde. Die Arbeiter der Montageabteilung haben das ebenso begreiflich« wie berechtigte Verlangen, daß auch ihnen der Neunstundcntag gewährt werde. Sie beschlossen, eine dahingehende Forderung an die Firma zu stellen. Gleichzeitig forderte auch die übrige Arbeiterschaft, daß am Sonnabend eine Stunde früher Feierabend gemacht werde wie an den anderen Tagen, so daß also für den gesamten Betrieb eine Arbeitszeit von 53 Stunden wöchentlich in Kraft treten sollte. Weiter wurde verlangt, daß die Zeit- löhne so weit erhöht würden, daß die verkürzte Arbeitszeit den Ar- beitern keine Schmälerung des bisherigen Wochcnlohnes bringen würde. Die Akkordarbeitcr— das sind die meisten im Betriebe— verlangten keine Lohnerhöhung, obwohl die Löhne keineswegs als gute zu bezeichnen sind. Da die geforderte Arbeitszeit bereits in der gesamten Berliner Metallindustrie allgemein üblich ist und selbst die Untarnehmerorganisation wegen einer Forderung, wie sie die Arbeiter von Dewitt u. Herz stellten, keinen Kampf mehr führen, so glaubten die Arbeiter, daß ihre berechtigte Forderung keinen Widerstand finden würde. Aber die Firma Dewitt u. Herz wollte von keinen Zugeständnissen etwas wissen. Die Verhandlungen hatten keinen Erfolg. Die Arbeiter legten am letzten Sonnabend die Arbeits nieder und zwar mit solcher Einmütigkeit, daß von den 811 Beschäftigten nur 7(darunter 4, die eine Kündigungsfrist haben) im Betriebe blieben.— In der am Mittwoch abgehaltenen Versammlung der Streikenden wurde mitgeteilt, daß die Akkord- arbeiter bei D«witt u. Herz 50, 60, 65 Pf. pro Stunde verdienten, während die Zeitlöhne 70— 7214 und in einem Falle 75 Pf. be- trugen. Es sollen aber in der Montage auch Stundcnverdienste von nur 36, 40— 56 Pf. erzielt worden sein. Da die Arbeiter trotz- dem keine Lohnerhöhung fordern, sondern sich auf das berechtigte Verlangen beschränken, die Arbeitszeit auf das allgemein übliche Maß festzusetzen, so erwarten sie. daß ihnen der Sieg zufallen muß, denn es herrscht unter ihnen volle Einmütigkeit. Niemand denkt daran, in den Betrieb zurückzukehren, ehe die Forderungen der Streikenden erfüllt sind. Die Differenzen in dem Kraftdroschkenbctrieb von Helterhoff, Memeler Straße 27. sind beigelegt. Die Sektion IV im Deutschen Transportarbeiterverband. veurkcben KeicK./ Zu den Krawallen in Ragnit wird uns berichte,: Ragnit, wo am Sonnabend anläßlich des Streiks bei der Firma Brüning u. Sohn ein Arbeiter erschossen wurde, ist förmlich in Belagerungszustand versetzt. Die zweite Kompagnie deS Infanterieregiments Nr. 41 unter Führung des Hauptmanns o. Mendt ist in Ragnit stationiert worden. Die Truppen sind in Bürgcrquartieren untergebracht und patrouillieren durch die Straßen. Die Firma Brüning u. Sohn hatte aus den bekannten Streik- brecherbureaus eine Hintzegarde nach Ragnit kommen lassen, die, wie überall, durch ihr provokatorisches Verhalten die Bevölkerung reizte und sich dafür natürlich noch allen möglichen Schutzes durch die Behörden erfreute.— In Ragnit ist seit Ausbruch des Streiks jede öffentliche Tanzlustbarkeit unterlagt. Am Sonnabend ver- breitete sich nun das Gerücht, daß die bei der Firma Brüning u. Sohn beschäftigten Arbeitswilligen eine Tanzlustbarkeit in einem der Fabrik benachbarten Lokale abhalten wollen. Wegen dieser Be- vorzugung der Arbeitswilligen hat es in der Bevölkerung einige Aufregung gegeben. Es hatten sich Neugierige angesammelt, die von der Polizei zurückgewiesen wurden. DaS gab natürlich bei den Arbeitswilligen, die diesem Treiben zusahen, ein großes Gaudium. Sie kamen aus den Lokalen und machten Hallo. Bei dieser Gc- legenheit- ist auch ein Stein aus der Menge der Arbeitswilligen gegen die Polizei geflogen, der den Polizeikommissar verletzte. Das gab der Polizei Veranlassung, von der Waffe Gebrauch zu machen, die diese aber nicht etwa gegen die Arbeitswilligen, sondern gegen die Menge Neugieriger richtete, die der Lärm herbeigelockt hatte Dabei ist dann auch der Schuß gefallen, der den Kreissägen- schneider Girolath zu Boden streckt«. Die Erregung über die Vorgänge ist in Ragnit natürlich enorm. Am Sonntag waren in der Stadl sämtliche Laternen ausgelöscht. Einen Einfluß auf die Lohnbewegung der Holzarbeiter werden diese Vorgänge nicht haben; die dortigen Ausständigen sind ent- schloffen, sich nicht provozieren zu lassen, sondern in aller Ruhe den Kampf um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen fortzusetzen. Aus Ragnit wird der.Tilsiter Zeitung" gemeldet, daß es Dienstagabend noch zu neuen Unruhen gekommen ist. Auch die erste Kompagnie des Infanterieregiments Nr. 41 ist dort eingetroffen, so daß jetzt zwei Kompagnien für die Aufrechterhaltung der Ordnung sorgen._• Zum Streik in der Görlitzer Waggonfabrik. Wie man Arbeiter zu düpieren sucht, geht aus folgendem Schreiben hervor: Görlitz, den..... 1912. Herrn........... Von einer uns befreundeten Automobilfabrik ist uns u. a. auch Ihr Gesuch als Dreher zugegangen. Bei uns sind einige Dreherstellen zu besetzen, und können Sie bei uns als solcher Beschäftigung finden, wenn Sie nicht über 40 Jahre alt sind und von den Aerzten unserer Fabrik- krankenkasse für gesund befunden werden. Der Anfangslohn beträgt 3 3 P f. Bei zufriedenstellenden Leistungen erhöht sich dieser Stundenlohn sehr bald. Bei Beschäftigung im Stücklohn(Akkord) tritt zu dem Grund- lohn noch ein Ueberverdienst, dessen Höhe sich ganz nach Ihren Leistungen richtet. Die Reisekosten IV. Klasse von...... bis Görlitz vergüten wir Ihnen, wenn Sie 14 Tage bei uns in Arbeit ge- standen haben. Hochachtungsvoll Aktiengesellschaft für Fabrikation von Eisenbahnmaterial zu Görlitz. Dieses Schreiben ist in mehrfacher Hinsicht interessant. Zu- nächst einmal wird es ja ein schallendes Gelächter bei den Berliner Drehern hervorrufen, daß man Dreher mit— 33 Pf. Stunden- lohn einstellen will. Des weiteren ist es bezeichnend, daß man in dem betreffenden Schreiben nichts davon bemerkt, daß bei der be- treffenden Firma in Görlitz g e st r e i k t wird. Drittens ist es interessant, wie eine Berliner Firma sich bemüht, einer be- freundeten Firma in Görlitz zu Hilfe zu kommen. Welche Ber- liner Firma es ist, konnte man ziemlich genau feststellen, an Hand des Brieses, in welchem einige Worte sortgelassen sind, die einen deutlichen Hinweis geben, wer der Freund der Waggonfabrik in Görlitz ist.(Die Worte sind fortgelassen, um nicht zu deutlich den Empfänger des Briefes zu kennzeichnen.) Eigentümlich be- rührt es, daß diese„befreundete" Berliner Firma sich sonst den Arbeitern gegenüber gern den Anschein gibt, als ob sie die Ehr- begriffe der Arbeiter respektiert. Hier aber leistet sie Beihilfe dazu, daß anständige Arbeiter verleitet werden sollen, Verrat an ihren Kollegen zu üben, indem man ihnen den wahren Tatbestand ver- schweigt._ Erfolgreicher Mühlenarbeiterstreik. Nach sechSwöckientlichem hartnäckigen Kampfe mit der Firma Rommel in Biisingen, einem Großbetrieb, ist es zu einem für die Arbeiter vorteilhaften Frieden gekommen. Auch diese Firma hatte es sich mit dem Export und der Verpflegung der aus Hamburg be- zogenen Kintzebrüder viel Geld kosten lassen, die aus Anerkennung dafür sich gegenseitig die Köpfe im Betriebe blutig schlugen; genutzt haben.ihr die Streikbrecher nichts und sie ist offenbar froh, daß sie diessGeister nun los ist. Erreicht wurden Lohnerhöhungen von 1,20 M. bis 4,80 M. pro Woche. Husland. Ter Londoner Streik. London, 29. Juli 1912.(Eig. Ber.) Der erstaunliche Streik der Londoner Hafenarbeiter ist trotz der letzten Sonnabend von der Streikleitung einstimmig erlassenen Aufforderung an die Arbeiter. die Arbeit wieder aufzunehmen, noch nicht beendet. Von 30 000 Streikenden wurde gestern in Massenversammlungen im Southwark Park heftig gegen den Beschluß der Streikleitung protestiert und einstimmig die Fortsetzung des Kampfes beschlossen. Dieser Vor- fall beweist zur Genüge, daß die von den Organen der Scharf- machcr eifrig auch heute noch kolportierte Nachricht, der Abbruch des Streiks werde nup durch einige Führer verhindert, eine plumpe Lüge ist. Die Führer hatten in den Massenversammlungen einen schweren Stand und entschuldigten ihr Manifest schließlich damit, daß es nur ein Versuchsballon sei, daß man d?e Mannschaften über die Wiederaufnahme der Arbeit habe befragen wollen, daß man der Oesfentlichkeit habe beweisen wollen, daß es nicht einige Führer, sondern die Arbeiter selbst seien, die die Fortsetzung des Kampfes wünschen. Wenn das der Zweck des Manifestes war, io war es recht ungeschickt abgefaßt. Die Entschuldigung wird man kaum gelten lassen können. Zweifelsohne waren die Führer Sonn- abendnachmittag nach vierstündiger Beratung zur Uebcrzeugung gekommen, daß eine Fortsetzung des Streiks zwecklos sei. Was sie zu der Herausgabe des Manifestes, in dem der Abbruch des Streiks angekündigt wird, bewog, ist nicht schwer zu erraten. Die Propaganda Havelock Wisons zugunsten eines allgemeinen Streits hat in den anderen Hafenstädten wenig Erfolg gehabt und die letzte Hoffnung schwand damit dahin. Bestimmend für den Be- fchluß wird auch die Tatsache gewesen sein, daß sich eine bedeutende Zahl Arbeitgeber privatim den Streikleitern gegenüber bereit er- klärt haben, die vor dem Kampfe bestehenden Verträge einzuhalten. Heute morgen haben sich nur einige Hundert Arbeiter wieder zur Arbeit gemeldet. Es ist jedoch schwer einzusehen, wie sich eine allgemeine Wiederaufnahme der Arbeit nach diesen Vorfällen noch lange wird hinausschieben lassen. � London, 31. Juli.(W. T. B.) Eine Massenversammlung der Lcichterleute hat die Wrederaufnahme der Arbeit be- schlössen. Es wurde ein Brief Lord Devenports ver- lesen, in dem er dafür garantiert, daß die früheren Ab- machungcn innegehalten werden, und erklärt, daß die Arbeitgeber gerecht und großmütig mit den Arbeitern zu verhandeln wünfch- ten. Friedliche Arbeit sei das Hauptinteresse des Hafens. Er hoffe, daß der lange Streit enden werden, ohne Groll auf beiden Seiten zurückzulassen. Der Arbeiterführer G o s l i n g erklärre, er sei davon überzeugt, daß Lord Devenport sein Wort halten werde._ Der konfessionelle Charakter der katholische» Gewerkschaften. Rom, 29. Juli.(Eig. Ber.) Der Vorsitzende der„Wirtschaftlich- sozialen Verein, gung", in der alle katholischen Gewerkschaften, Ge- nosienschaflen und Hilfskasscn zentralisiert sind, Graf Albani, hat ollen klerikalen Organisationen ein zweifellos vom Hl. Stuhl in- spiriertes Rundschreiben zugehen lassen, das diese Organisationen auffordert, ihren konfessionellen Charakter deutlich hervorzukehren. In dem Schreiben heißt eS, daß oft an katholische Vereine das An- sinnen gestellt wird, sich an Zusammenkünften von parteilosem Cha- rokter oder sogar an offiziell sozialistischen zu beteiligen. Ver- schiedene Zeitungen katholischer Richtung hätten sich zugunsten der Annahme derartiger Einladungen erklärt, was nur dazu führen könnte, Verwirrung in das katholische Lager zu bringen. Deshalb hielt cS der Vorsitzende für seine Pflicht; noch einmal daran zu er- innern, daß die vom Hl. Stuhl ausgehende Leitung jede? Zusammen- gehen nrit nichlkatholischen Vereinigungen widerrare, und erfolge dies Zusammengehen auch nur zu rein wirtschaftlichen Zwecken. Gelegentlich könnte zu einem bestimmten Zweck ein vorübergehendes Einvernehmen mit nichtkatholischcn Institutionen stallfinden, nie aber ein dauerndes Zusammenarbeiten, wie es sich aus dem Beitritt zu Zentralverbändcn oder Beteiligung an Kongressen ergeben würde. kh. Glocke, Bcrl'N. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u, Verlagsanftalt Auch in wirtschaftlicher Beziehung bestände zwischen KatboMe» und Nichtkatholiken ein grundlegender Unterschied. Für dt« andere» wäre das Wirtschaftliche Selbstzweck, wenn eS nicht gar politischen und Parteizwecken dienen soll; für die Katholiken ist es nur ein Mittel, um der Kirche und ihrem göttlichen Gründer Personen und Vereinigungen zurückzuerobern, um im Sinue des PapsteS „mstaurars omnia in Christo". Der Vatikan zeigt durch dieses Rundschreiben, daß er sehr wohl einsieht, daß die Macht seiner Organisation in ihrer Geschlossenheit und Jntransigenz liegt. Zu Kompromissen wird er sich erst ent« schließen, sobald diese ein Mittel darstellen, um daS Lebe« der sich nur künstlich fortfrislenden lonfessionellen Arbeiterbewegung zu ver- längern. Hiia Induftm und Kandel. Der kommende Znsammenbruch der chemische« Industrie. Natürlich steht die chemische Industrie Deutschlands vor dem Zusammenbruch I Wachsen doch die Arbeiterorganisationen mehr und mehr,„schmälern" sich dadurch doch die chemische» Dividenden,„verringern" sich doch die heimlichen Millionen- abschreibungen bei den chemischen Aktiengesellschaften mebr und mehr, werden doch die Tantiemen der Herren Aussichtsräte und Direktoren dieser Unternehmen von Jahr zu Jahr„kleiner". Wenn ein Arbeiter es trotzdem nicht glaubt, so mag er folgendes Brieflein vorsichtig und ruhig durchlesen. Es lautet: Streng vertraulichl Der Verein zur Wahrung der Interessen der chemischen Industrie Deutschlands. Berlin, bezw. sein sozialpolitisches Komitee, verfolgt mit besonderer Aufmerksamkeit die Entwickelung des F a b r i k a r b e i t» r v e r b a n d e S, in dessen Zunahme und Machtzuwachs er eventuell eine ernste Gefahr für die Prosperität der chemischen In- du st rie Deutschlands in derZukunft erblickt. Zur Beurteilung der Frage, ob und inwieweit der Fabrikarbeiterverband auch in unlerer speziellen Industrie vertreten ist. bitte ich Sie er- gebcnst, betfolgendcn Fragebogen an Ihre Fabriken zu richten und mir die Antwort baldgefälligft zusenden zu wollen. Hochachtungsvoll Der Vorsitzende der Vertrettr, gez. Auffchläger. Sehen wir nun zu, wie mit dem Wachstum des Fabrikarbeiter« Verbandes— seit 1909— die Dividenden der chemischen Industrie« aktiengesellschaften„gesunken" find. DaS Bild steht dann folgender- maßen aus: 1909 1910 1911 Aktl-ngesellschaft Dividende in Prozent Anilinfabrikation....... 20 20 20 Albert, chemisch- Werke..... 32 32 80 Anglo Cont. Guano...... 61/»"Pft �/i Badische Anilin....... 24 25 26 Buckau, chemische Fabrik.... 12 12 12 Chemische Industrie, Gelsenlirchen.9 10 10 EgeSdorff, Salzwerk...... 10 12 13 Elberfelder Farben...... 45,3 25 26 Gerb- und Farbstoff Renner.. 16 18 18 Griesheim-Elektron...... 14 14 14 Grünau.......... 10 10 10 Heinrichshall, chemische Fabrik.. 6 0 3 von Heyden........ i 10 12 14 Höchster Farbwerke...... 27 27 80 Nitrilsabrik......... 16 16 16 Oranienburg........ 8 5 8 Rheinische Gerbstoff...... 16 18 18 Riedel.......... 12 12 12 RügcrSwerke........ 11 Ii 12 Saline Salzungen...... 7 71/, Schering, chemische Fabrik... 10 12 18 Frirl Schulz jun........ 23 28 23 Thüringer Salinen...... 4% 6 4 Weiler-et-Meer....... 12 12 12 Dividenden von 10, 20 und 30 Proz., dazu die Abschreibungen, die nicht sichtbar sind, die Gewinne an Tochtergesellschaften resp. deren Aktien, die öffentlichen und geheimen Tantiemen und was sonst noch alles in Frage kommt. Ist eS doch bekannt, daß die chemische Industrie eine der blühendsten Deutschlands ist, daß sie Zeiten schlechter Konjunktur so gut wie gar nicht kennt. Würde in der chemischen Industrie jeder Arbeiter wirklich ent« lohnt wie eS sich gehört, sie könnte nicht solche Wucherdividenden ver» teilen, die zu einem Teil doch nur durch die schrankenlose Ausbeutung der Jndustriesklaven ermöglicht werden. lUtztc IHachrichtcn. Eine neue südamerikanische Katzbalgerei. Washington, 31� Juli.(P. C.) Die klein« mittelamerikanische Republik N i t a r wg u a ist schon wieder einmal der Schauplatz einer Revolution. Der Kriegsminister General Mena hat die außerhalb der Hauptstadt Managua belegenen Forts besetzt und die schweren Geschütze gegen die Stadt gerichtet, um sie eventuell bom. Kardieren zu können. Die Regierung der Ve r« i n i g t e n Staaten hat den Kreuzer ,A n n a p o l i S" nach den nikaragsta» Nischen Gewässern entsandt, um Leben und Eigentum der bedeu« tenden amerikanischen Kolonie in Managua und Blufield, dem Hauptausfuhrort der amerikanischen Obstexportgesell schasten, zu schützen._ Zugzusammenstosz aus der französischen Nordbaha. Paris, 31. Juli.(P. C.) Ein schweres Eisenbahn« Unglück ereignete sich heute auf der Nordbahn. Auf der Strecke Paris— Boulogne stießen bei Marquise-Rinxent zwei Güterzüge in- folge falscher Weichenstellung zusammen. Die beiden Lokomotiv- führcr sind tot._ � Hauseinsturz in Petersburg. Petersburg, 31. Juli. Heute früh ist ein sechsstöckiger Neubau in der Ligowostrahe eingestürzt. Die stürzenden Balken und Decken begruben eine große Anzahl von Arbeitern, die dort gegen daS aus- drückliche Polizeiverbot nächtigten. Die Feuerwehr beschäftigt sich bis zur Stunde mit den Rettungsarbeiten. Von einem tollen Hund gebissen. Krakau, 31. Juli.(P. C.) In D o m b r o w a wurden der Bezirkshauptmann Hadsiel. dessen aus fünf Personen bestehende Familie sowie fünf andere Personen von einem an Tollwut er- krankten Hund gebissen. Alle Personen wurden in das Pasteursche Institut nach Krakau gebracht�_ Ein neuer Mord der New Aorker Verbrecherbande». New V«rk, 31. Juli.(P. C.) Eine neue Untat der Kadetten setzt New Dork in Schrecken. James Berella, der Besitzer eines italienischen Kaffeehauses, wurde heute am hellerlichten Tage von zweien seiner Landslcute erschossen. Verella hatte den Banditen Dago Frank dem Staatsanwalt als Mitschuldigen an dem an dem Spielsaalbesitzcr Roscnthal verübten Mord angezeigt. Dago Frank war der Spitzname des Verbrechers, der italienischer Abkunft ist und das Bindeglied zwischen deck größtenteils aus Galizien stammenden Kadetten und den Mitgliedern der italienischen Vcrbrechergesell- schasten der„Schwarzen Hand"-bildete. Verantt».?Zedakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw.; PaulSinger�Co.,BerlinLW. Hierzu 2 Beilagen u.UnterhaltungSbl. Nr. 177. 29. Iahrgaog. 1. Sciliijc Ks Janrätto" Sttlintt loMlott Zomerstxg, 1. Aug»? 1912. lischklänge zu der Streikiuitlz im Kuhrrevler. Sm Dortmunder Landgericht haben die beiden für die Ab- urteilung von.Streitsachen" eingesetzten Sonderstrafkammern ihre„Arbeit" bekanntlich im wesentlichen erledigt. ES kommen aber noch allerhand.Nachklänge". Jetzt ist ein in einem Streikprozesse als Zeuge.arbeitswillig" gewesener„Nützlicher" unter der Anklage des wissentlichen Meineides, der schweren Körperverletzung und der wissentlich falschen Anschuldigung in Untersuchungs- hast genommen. Der Arbeitswillige hatte angegeben, daß der streikende Bergmann Friedrich Heine dem Arbeitswilligen Joh. Böwer vor einer Wirtschaft mit einem Gummischlauch miszhandelt habe. Böwer selbst wußte nicht, wer ihn so mißhandelt; die Tat war am 10. April, mehrere Wochen nach Beendigung des Streiks. geschehen. Man schob aber alles, was.aus Anlaß des Bergarbeiter- streiks" geschehen schien, vor die Streikkammer des Landgerichts. In der Verhandlung wollte der Zeuge Otto Hake nicht mehr so bestimmt angegeben haben, daß Heine der Täter sei, er wollte dies nur.angenommen" haben. Der Mißhandelte sagte aber anders. Der angeklagte Streikende komite leicht nach- weisen, daß er zur Zeit der Tat ganz wo anders war und daß auch die sonstigen Angaben der arbeitswilligen Zeugen nicht stimmten. Hake bestritt u n t e r E i d, daß er selbst den Böwer mißhandelt habe; indes wurde bereits in der Verhandlung festgestellt, daß beide Arbeitswillige außer Ernst kurz vor dem Vor- fall in einer anderen Wirtschaft einen Wortstreit gehabt und daß Hake dem anderen gedroht hat, daß er„noch Schläge be- kommen" werde. Der Angeklagte wurde freigesprochen und dabei aus- drücklich betont, daß seiue Unschuld erwiesen sei. Der Verteidiger hatte ausgeführt, es scheine sich um e i n B u b e n st ü ck schlimmster und gemeinster Sorte zu handeln. Der Verdacht liege dringend nahe, daß Hake den Böwer selb st durchgehauen und dann, um stei wegzukommen, wider besseres Wissen den Streikenden beschuldigt habe. Die Staats� anwaltschaft werde untersuchen müssen, ob Hake einen Meineid ge teistet. Jetzt ist der arbeitswillige Zeuge verhaftet. Damit scheint wenigstens über dieses'eine nützliche Element das Verhängnis herein zubrechen.— Ist eS verwunderlich, wenn Streikbrecher zu der Am ficht kommen konnten, daß ihnen ein solcher„Dreh" bei den Streik- sonderkammern leicht gelingen könnte? Und noch über eine andere Aktion ist zu berichten. Die „Dortmunder Arbeiter-Zeitung" hat pflichtgemäß über da? Wüten der Streikjustiz kritische Mitteilungen gemacht, die nicht überall gefallen haben. In der Nummer vom 20. Mai berichtete sie unter der Stichmarke:.Wieder was neues I' über folgenden Fall. Durch.Johlen und Schreien' und unter Zuhilfenahme von Topfdeckeln sollten die Frau Wilh. Böge und ihre Tochter, die Näherin Henriette Göge in ihrer Wohnung einige Streikbrecher.be grüßt" haben. Die.Nützlichen" hatten nur Lärm gehört und die beiden Frauen am Fenster ihrer Wohnung gesehen. Ob die Frauen auch den Lärm gemocht, wußten sie nicht. Die Streiksünderinnen erklärten, daß Kinder von einer Hochzeit erzählt und dabei auch demon- striert hätten, wie Musik gemacht worden sei. Der Verteidiger krittsterte die.juristische Novität", nach der Frauen mit den Kindern, weil fie scherzten, vor die Streikkammer wegen Beleidigung Arbeitswilliger gekommen waren. Bei sorgfältiger Arbeit hätte die Anklage nicht zustande kommen können. DaS Gericht kam zur Freisprechung der beiden Frauen. kleines feuilleton. Henri FabreS Freilicht-Laboratorinm..Das ist's, waS ich mir schon lange ersehnt habe, ein Stück Land. oh. nicht sehr groß, aber umzäunt, um nicht gestört zu werden, ein verlassenes. unbebautes, sonnenerfülltes Stück Land, günstig für Bienen und Disteln." So hebt der greise„Homer der Insekten". Henri Fabre, einen Aufsatz in der»Daily Mail" an. in dem er von der Erfüllung seines schönsten Wunsches, seinem Freilichtlaboratorium in Ssrignan, spricht. Er erzählt, wie er sich danach gesehnt, an einem solchen stillen Fleck sich ganz in das Leben und Treiben der Insekten zu vertiefen, und wie schwer es ihm geworden sei, dieses bescheidene Lebensziel zu verfolgen im grimmen Kampf ums tägliche Brot. „Nun ist mein Wunsch erfüllt. Etwas spät freilich, meine geliebten Insekten I Ich fürchte fast, daß der Kuchen mir vom Schicksal erst dargeboten worden ist, da ich keine Zähne mehr habe, um ihn zu essen I" Seine leidenschaftliche Begier nach wissenschaftlicher Wahrheit hat ihn stets hingelenkt auf diese unendliche Welt des Kleinen. Aber wie lange hinderte ihn die Sorge ums tägliche Brot, diesem Probleme nachzuforschen I Endlich, endlich war es ihm ge- glückt, sich das langersehnte Laboratorium der lebenden Insektenkunde zu schaffen: das Stück Land, das er erworben in der Einsamkeit eines kleinen Dorfes. Hier hat sich Fabre eine blühende Wildnis geschaffen von Disteln. Tausendgüldenkraut und vielen anderen Pflanzen, wie sie die Bienen und die Insekten lieben.„Dieser ver- achtete Boden, den man keiner Saat für wert erachtet hat, der un- fruchtbar dalag, er ist nun ein irdisches Paradies für die Bienen. Die mächtige Größe der Disteln und Flockenblumen lockt sie alle zu mir her von rings herum. Niemals in den reichen Erinnerungen meiner Jnsektenjagden habe ich eine so reiche Bevölkerung auf einem so kleinen Fleck gesehen; alle Arten haben sich hier ihren Treffpunkt eingerichtet. Da kommen sie alle, Jäger von mancher Art Wild, Bauleute, Weber von feinen Stoffen, Sammler von Stückchen, ge» schnitten auS dem Blütenblatt einer Blume, Architekten, die Häuser bauen aus Pappendeckeln, Gipsarbciter, die Mörtel mischen. Zimmerleute. Bergleute, die unterirdische Galerien graben und noch viele andere Arbeiter mehr. Hier ist einer, der die spinnwebartigen Stengel des gelben Tausendgüldenkrautes abkratzt und eine Kugel von einer Art Watte sammelt, die er stolz davonträgt an den Spitzen seiner Freßwerkzeuge. Unter der Erde wird er dies Material in kleine Täschchen verwandeln, die seinen Vorrat von Honig und das Ei aufnehmen sollen. Und die dort, die so eifrig sind im Plündern? Es sind laubschneidende Bienen, die uuter ihrem Bauch ihre schwarzen, weißen oder blutroten Schneideapparate tragen. Nun verlassen sie die Disteln, um die benach- barten Büsche zu besuchen, und schneiden hier von den Blättern ovale Stücke ab, in denen sie gar sorgsam ihre Ernte verpacken. Und die dort, gekleidet in schwarzen Samt? DaS find Mauerbienen, die mit Zement und Kies arbeiten. Wir könnten leicht ihre Maurerarbeit an den Steinen finden. Und die dort, die so lärmend summen im raschen Fluge? Es sind die Zimmererbienen, die in den alten Mauern und den sonnigen Bänken der Nachbarschaft leben." „Wann werden wir", so schließt Fabre,„entomologische Labo- ratorien für das Studium nicht der toten Insekten in Alkohol, fondern der lebenden Insekten haben, eine Untersuchungsstätte, deren Gegenstand der Instinkt, die Gewohnheiten, die Lebensweise, Arbeit Die„Dortmunder Arbeiter-Zeitung" schrieb in ihrem Bericht, ob es nun nicht ein Skandal sei, daß auf solche Vor- gänge hin Anklagen erhoben würden? Vor dieser Landplage sei ja nun kein armer Teufel mehr sicher. DaS behagte dem Ersten Staatsanwalt beim Dort- muuder Landgericht nicht. Am Dienstag hatte sich der ver- antwortliche Redakteur, Genosse Heußler, wegen ö fs e n t- licher Beleidigung des Ersten Staatsanwalts Friedheim zu verantworten. Man kam aber nicht weit. Bor- sitzender der Ferienstrafkammer war nämlich derselbe Landgerichts- direktor Dr. Hilgenstock, der auch Vorsitzender der zur Ab urteilung der„Streiksachen" eingesetzten Sonderkammer la, gewesen war. Auch einer der amtierenden Beisitzer hat der Kammer la angehört. Diese Kammer hat besonders von sich reden gemacht. weil sie gleich bei Beginn der Streikjustiz auch bei geringen Be- leidigungen auf hohe Gefängnisstrafen erkannte. Hinzu kam, daß die Streikkammer la auch den Fall Göge verhandelt hat, wegen dessen Besprechung die Anklage erhoben wurde. Der Angeklagte und sein Verteidiger lehnten die beiden Richter wegen Besorgnis der Befangenheit ab. Unser Genosse führte aus, daß die„Arbeiter-Zeitung" wiederholt die Urteile der Sonderkammer Is. scharf kritisiert habe. Wo die jüngere Streikk»nmer(IIa) auf Geldstrafe erkannt habe, habe es bei der andere» Streikkammer Gefängnis gegeben. Auch über das Streikgebiet hinaus hätten die Urteile berechtigtes Aufsehen erregt. Weiter kämen die freundschaftlichen Beziehungen der Richter zur Groß- industrie als Grund zu einer Besorgnis gegen eine Befangenheit der Richter in Betracht. Der Verteidiger kündigte weiter an, daß sich die Beweis- erhebung felbstverständsich nicht aus den einen unter Anklage ge- stellten Fall beschränken könne, es solle vielmehr durch ein großes Material nachgewiesen werden, daß der Angeklagte mit Recht über die Art, wie die Anklagen zustande kamen, habe erbittert sein können. Der Staatsanwalt meinte, daß die Anklagebehörde„höhere Interessen' vertreten müffe.— Die rasche Justiz habe weitere Streikvergehen verhüten sollen. Das Gericht fand einen Ausweg durch Vertagung der Sache bis wahrscheinlich nach den Gerichtsferien. Dann ist die Besetzung der Kammern ohnehin eine andere. Andernfalls wird dann der Ablehnungsantrag erneut gestellt. Ob die Justiz Freude an diesem Prozeß haben wird, muß sich erst noch zeigen. Huq der Partei. Aus den Organisationen.-' Am Sonntag fand in Erfurt die KreiSgeNeralver- s a m m l u n g des Wahlkreises Erfurt-Schlcufingen-Ziegenrück statt. Dem vom Kreisporstand erstatteten Jahresbericht ist zu entnehmen, daß die Organisation in den letzten Jahren recht erfreuliche Fort- schritte im Kreise gemacht hat. Am Schlüsse des Jahres 1L09 wurden 1903 Mitglieder gezählt, Ende 1910 waren es 2435. 1911 schon 3130 und am 1. Juli 1912 war die Mitgliederzahl auf 4266 gestiegen, darunter 739 weibliche Mitglieder, die sich auf 11 Orte verteilen. Trotzdem bleibt noch ein gewaltiges Arbeitsfeld zu be- ackern, wenn man bedenkt, daß im Kreise 12 200 gewerkschaftlich organisierte Arbeiter vorhanden sind und bei der verflossenen Reichstagswahl 23249 sozialdemokratische Stim- m e n abgegeben wurden. Die„Arbeiter-Jugend" hat im Kreise 662 Abonnenten. Das Parteiorgan, die„Tribun e", gewann 2000 bleibende Abonnenten. Im Berichtsjahre wurden in den Ortsgruppen 285 Versammlungen abgehalten, während der Reichs- tagswahlbewcgung außerdem noch 139 Versammlungen, darunter 12 unter freiem Himmel; insgesamt wurden rund 390 000 Flug- blätter und Broschüren sowie 12000 Kalender im Kreise verteilt. Die Zahl der Gemeindevertreter erhöhte sich von 36 auf Kampf und Fortpflanzung dieser kleinen Welt find, mit der Land- Wirtschaft und Philosophie so ernsthaft zu rechnen haben?' Der Tempel Robert Kochs in Japan. Ein Beweis für die hohe Verehrung, die die Japaner Robert Koch entgegenbringen, ist der Tempel, der ihm im Garten des Instituts für Infektionskrankheiten in Tokio errichtet wurde. Näheres von diesem eigenartigen Denk- mal erzählt Prof. Dr. Shiga in der Umschau. Der auS schönem japanischem Holz erbaute Tempel trägt an der Vorderseite ein Bildnis Kochs; in den steinernen Unterbau ist ein Kupfer- kästchen eingemauert, das eine Anzahl von KochS Haupt- haaren enthält. Haare gelten nämlich nach alter japanischer Sitte als ein ewig unverändert bleibendes Andenken. Ueber- Haupt steht die Errichtung des Tempels im engsten Zu- sammenhang mit dem Ahnenkult der Japaner, die den Geistern großer Männer für die durch sie geschaffenen Wohltaten ewig dankbar sind und göttliche Verehrung darbringen. Diese Ver- götterung des Genies wird durch eine hübsche Episode, die Koch bei leiner Anwesenheit in Japan erlebte, bezeugt. Der große Forscher erblickte in dem Berühmtesten Tempel der alten Residenzstadt„Nora" eine Figur des„Uakushi"; als er hörte, daß diese den„Gott der Medizin" darstelle, wollte er näheres erfahren, aber der Prister ent- gegnete kurz und bündig: Dies ist der„Dakushi der Vergangenheit" aus Indien; wir haben aber augenblicklich die Ehre, den„Dakushi der Gegenwart" bor uns zu sehen. Die Weltreise des Motorschiffs. DaS Motorschiff.Sclandia" hat jetzt auf seiner Weltreise bereits über 35 000 Kilometer zurück- gelegt, und zwar mit einer Ladung von 9300 Tonnen. Dieser Er- folg kann den Anfang einer neuen Aera im Weltverkehr bedeuten. da die schnelle Vermehrung der Motorschiffe dadurch fast zu einer Selbstverständlichkeit wird. Die Vorzüge sind gegenüber den Dampf- schiffen zu groß, als daß diese Folge ausbleiben könnte. Die „Selandia" hat nack, einem Bericht des„Engineer" einen Verbraach an Brennstoff von nur neun Tonne» für 24 Stunden er- fordert und zur Bedienung der Maschinen waren zehn Mann und drei Jungen notwendig. Dabei wurde von den An- sprüchen an Manövrierfähigkeit und Zuverlässigkeit des Schiffes durchaus nichts nachgelaffen. Die„Selandia" ist nun- mehr 4>on Bangkok in England wieder eingetroffen. Sie hat auf dieser weiten Reise oft böses Wetter zu bestehen gehabt, so daß auch in dieser Hinsicht die Maschinen eine volle Probe bestanden haben. Im ganzen wurden 16 Häfen angelaufen. Selbstverständlich ist dies die längste Reise, die bisher je von einem Motorschiff zurückgelegt worden ist. Die Maschinen wurden während dieser Reis« nur zwei- mal einer gründlichen Prüfung unterzogen, die Kolbenringe und Zylinder fanden sich vollkommen rein. Ebenso tadellos bewährten sich die Auslaßventile, und damit war gleichzeitig der Beweis geliefert, daß die Zuführung des Brennstoffes ohne Fehler vor sich ging. Nur in den Hilfsdorrichtuiigen zum Schmieren und zur Kühlung der Maschinen haben sich einige Verbesserungen als wünschenswert erwiesen, die sich aber auch weniger aus die Kon- struklion als auf die Größenbemeffung beziehen. Der Viertaktmotor hat sich also im ganzen glänzend bewährt. Es wird sich bei weiterer Ausbreitung des Verbrennungsmotors für den Weltschiffsverkehr nur noch darum bandeln, daß in hinreichender Weise für die Möglichkeit, den Brennstoff an einer genügenden Zahl von Plätzen zu ergänzen, Sorge getragen wird. Für die Jungscrnreise der.Selandia" waren u» dieser Hinsicht besondere Maßnahmen vorbereitet worden» die 46, außerdem gehören in Erfurt 2, in Suhl 5 Genossen der Stadt- verordnetenversammlung an. Der Kassenbericht verzeichnet an eigenen Einnahmen der Kreiskaffe 10 390,05 M., für den Wahlfonds wurden im ganzen Kreise seit Beginn der Sammlungen 12 698,75 M. gesammelt. Eine lange Debatte verursachten auf der Kreisgeneralversamm- lung die Anträge des Kreisvorstandes und der Kontrollkommission, die Beiträge im Monat um 10 Pf. bezw. um 15 Pf. zu er- höhen zwecks Anstellung eines Kreissekretärs. Sämtliche Anträge wurden abgelehnt.— Auf dem deutschen Parteitag in Chemnitz wird der Kreis durch den Reichstagsabgeordneten Genossen Hein- rich Schulz(Berlin) vertreten.— Ueber den neuen Entwurf zum Organisationsstatut referierte Genoffe P. Reiß- haus, Mitglied der in Jena gewählten Revisionskommission. Nach ihm sprach Genosse S ch u lJ. Beide Redner faßten ihre Ansichten in der folgenden Resolution zusammen: „Die Kreisgcneralversammlung lehnt den Partei- ausschuß in der vorgeschlagenen Form ab. Sie tritt für einen aus 9 Genossen bestehenden Beirat(als unbesol- dete Mitglieder des Parteivorstandes) ein, der auf Grund eines Wahlvorschlages aus allen Bezirken vom Parteitag zu wählen ist. Der Beirat hat das Recht, an allen Sitzungen des Parteivor- standes, in denen nicht nur Verwaltungsangelegenheiten er- ledigt werden, teilzunehmen. Z 19 des Organisationsstatuts bleibt unverändert bestehen. Mit der Erhöhung der Beiträge und der Anstellung eines Sekretärs ist die Krei�versammlung einver- standen.".... Dieser Resolution wurde zugestimmt. Als Kandidat für den eventuell vom Parteitag akzeptierten Wahlausschuß wurde Genosse Schulz aufgestellt.— Zum Kreisvorsitzenden wurde Genosse R i tz wiedergewählt. » Eine außerordentliche Generalversammlung oes 8. Hannover- schen Wahlkreises(Hannover-Linden) beschloß nach mehrstündiger Debatte die Einführung des Delegiertensystems für die Generalversammlungen. Der Verein zählt gegenwärtig über 18 000 Mitglieder. Gegen das Delcgiertensystem wandten sich die Wortführer einer starken Minderheit, die darin eine Verletzung des demokratischen Prinzips und eine Entrechtung der Wahlvereinsmitglieder er- blickten, weil diesen dadurch die Entscheidung über Parteiangelegen- heiten entwunden und in die Hände einer kleinen Anzahl D�lc- giertet gelegt werde. Die Redner der für das Delegiertensystem eintretenden Mehrheit betonten demgegenüber, daß gerade durch den heutigen Zustand die Mitglieder entrechtet und das demokra- tische Prinzip verletzt werde, Werl die Generalversammlungen immer nur eine kleine und allen Möglichkeiten wechselnder Zufalls- Zusammensetzung unterliegende Gruppe der 18 000 Mitglieder dar- stellten, die niemals auch nur annähernd an der Generalversamm- lung teilnehmen könnten; insbesondere seien davon die Parteigc- »offen in den Landorten wegen ihrer Entfernung(bis 8 und mehr Kilometer) und wegen der Verkehrsschwierigkeiten so gut wie auS- geschlossen. �# • Der sozialdemokratische Verein für den ReichStagSwahlkreiS Schweinfurt-Haßfurt-Ebern tagte Sonntag in Schweinfurt. Anwesend waren 20 Delegierte. 7 Vorstandsmitglieder und 1 Ver- treter des Gauvorstandes. Der vom Vorsitzenden erstattete Jahres- bericht konstatierte ein erfreuliches Fortschreiten der Partcibewe? gung auch in diesem Wahlkreise. Die im vergangenen Herbst statt- gefundene Gemeindetvahl brachte einen Zuwachs von 5 Mandaten.' wodurch auch eine Vertretung der Arbeiterschaft im Magistrat ge- sichert wurde. Bei der ReichstagSwahl stieg unsere Stimmenzahl von 3121 im Jahre 1907 auf 5602 im Jahre 1912. Der Stimmen- zuwachs betrug 2481, während die Liberalen 2017 und das Zentrum trotz der skrupellosesten Agitation 132 Stimmen verloren. Das letztere sitzt mit 10436 Stimmen noch fest im Sattel. Zum ersten Male kam die Sozialdemokratie in dem Wahlkreise in Stichwahl, wobei auf unseren Kandidaten 9870 Stimmen sich vereinigten» während das Zentrum mit 11 889 Stimmen nochmals siegte. Mit dem vom Landesvorstand mit den Liberalen abgeschlossenen Kompromiß bei den letzten Landtagswahlen war die Generalversammlung nicht einverstanden, da der Schwein- bei gewöhnlichen und häufigeren Fahrten in Fortfall kommen müssen. Die verkehrsreichsten Straßen der Welt. Den stärksten Straßen- verkehr Hot, wenigstens für fünf Tage— von Montag früh bis Sonnabend mittag— das Viertel der Londoner City, das von der Börse, der Bank von England und dem Mansion House begrenzt wird. Dort passieren tagtäglich 500 000 Fußgänger und 50 000 Wagen, und die Zahl der Fußgänger beträgt pro Stunde 45 000 bis 50 000 Personen. Was die anderen Großstädte Europas betrifft, so sind die verkehrsreichsten Punkte die Friedrichstraße in Berlin, die durchschnittlich pro Stunde 30 000 Fußgänger und pro Tag 300 000 passieren, der Graben in Wien, auf dem täglich 275 000 Personen gezählt werden, und der Wladimirskiprospekt in Petersburg, den pro Tag rund 300 000 Menschen passieren. Den ersten Platz mit Bezug auf den Wagenverkehr und den zweiten mit Bezug auf den Personenverkehr nimmt in Europa aber der O p e r n p l a tz in Paris ein, den Tag für Tag ein Strom von 63 000 Wagen und 450 000 Fußgänger durchflutet. 350 000 Personen bevölkern in den 24 Stunden des Tag? und der Nacht die kuorta äs Sol in Madrid, in die 10 große Straßenzüge münden.' New-Aork übertrifft indessen mit seinem Verkehr und dem Broadway den der übrigen Großstädte um ein Beträchtliches. Zwar bleibt die Tages- ziffer der dort passierenden Fußgänger unter dem Niveau von 500 000, dafür beträgt ober die Zahl der Personen, die in Automobilen und Straßenbahnwagen ihren Weg über die Hauptverlehrsstraße New- Nocks nehmen, mehr als 700000. Nottzeu. Die Kinder. Drei Kinder aus den verschiedenen Wohnungen eines herrschaftlichen Hauses treffen in dem gemein- samen Entrüe zusammen. Lisy. die Tochter des in der dritten Etage de« Vorderhauses wohnenden Geheimrats Plenke sagt:„Die Kinder bringt der Storch, das weiß ich genau I" Max, der Sohn des Bankiers Silberstein aus der ersten Etage erwidert belehrend:„Nein, das ist nicht wahr, die verschreibt der Arzt l' Ferdinand, der Sohn des Portiers, meint bedrückt:„Meine Eltern sind so arm. die machen sie sich selber I" — Auf nach Müritzl DaS Ostseebad Müritz, in Mecklen- bürg belegen, schickt einen Prospekt heraus, der anzeigt, welcher Trefflichkeiten sich dieser blühende Ort rühmen darf: die schöne Lage. die heranwogenden Wellenberge,.ein Bild", sagt der Prospelt,„von unbeschreiblich grotesker Schönheit", der Komfort— und so. Hinten aber, auf der letzten Seite des Büchleins, prangt ein Bild: Großherz. Strandpavillon, genannt Teehaus. verlobungssiätte des deutschen Kronprinzenpaares. Und für eine solche Sehenswürdigkeit wird nicht einmal Entree erhoben I — Pflanzliches Elfenbein. Man findet in Geschäften oft Gegenstände aus einem Material, die man ohne weiteres für Elfenbein hält. Es ist indessen nur ein Surrogat und nichts anderes als der Eiweißkörper der Frucht eines der Familie der Palmen an- gehörenden Baumes. Das Fleisch dieser Frucht, das anfangs weich ist, erhärtet an der Luft rasch und nimmt das Aussehe» des echten Elfenbein an. Neuerdings ist erst wieder eine neue Quelle dieses pflanzlichen Elfenbeins in den WiUdem des französischen Sudans entdeckt worden. urter LandkagSwahlkreiS für die Toz!aldc>lw!ratic reif gcfvc>cn ei und trotzdem den Liberalen zugesprochen wurde. Im Berichtsjahre wurden 143 Versammlungen abgehalten, 103 000 Flugblätter und 11000 Broschüren perteilt. Die Mit- gliederzahl stieg infolge der grasten Fluktuation der Arbeiterschaft nur um 221 auf 1513. Tie gleiche Entwicklung zeigt auch die Presse. Die Jugendorganisation steigerte ihre Mitgliederzahl von 40 auf 06. Allgemein wurde die Tätigkeit des Bürgerrcchtsvereins anerkannt, dem die Erfolge bei der letzten Gemeindewahl in der Hauptsache zu verdanken war. Die Einnahmen betrugen 0666,08 Mark, die Ausgaben 8428,03 M., es verbleibt somit ein Kassenbestand von 1237,15 M. Die Kosten der Sicichstagsivahl beliefen sich auf 4388,31 M. Als Delegierter zum deutschen Parteitag wurde Ge- nosse Kupfer gewählt, zum bayerischen Parteitag wurden die Genossen Land und Beikert delegiert. Ein Antrag der Vorstandschaft, den Beitrag von 30 auf 40 Pf. zu erhöhen und einen Parteisekretär anzustellen, wurde einer nach den diesjährigen Parteitagen einzu- berufenden Generalversammlung zur Entscheidung überwiesen. Ter Delegierte zum deutschen Parteitag wurde beauftragt, gegen die Erhöhung des Grundbeitrages und für die Schaffung des Parteiausschusses zu stimmen. Ferner wurde den Delegierten dringend empfohlen, für die Verbreitugg des bayerischen Wochenblattes tätig zu sein. »* » Der sozialdemokratische Verein für die Wahlkreise Köln-Dtadt und Küln-Lnud veröffentlicht seinen Jahresbericht als Broschüre. Im verflossenen Geschäftsjahr stieg die Mitglicderzahl von 6143 auf 8174, also um 2031; darunter befanden sich 867 weibliche Mit- glieder gegen 588 am Anfange des Geschäftsjahres. Die Zahl der männlichen Mitglieder bedeutet nur 17 Proz. der sozialdemokra- tischen Ncichstagswähtcr. Die Aufnahme neuer Mitglieder betrug 4741 Personen; es schieden aus durch Wegzug 2010, es traten aus 101 und gestrichen wurden wegen Unterlassens der Beitragzahlung 163 Personen. Für die allgemeine Agitation wurden 146 000 Bro- schüren und Flugblätter, 418 000 Laufzettel und 5615 Plakate, für die Frauenagitation 45 700 Broschüren und Flugblätter, für die Reichstagswahl öl Flugblätter in einer gesamten Auf- lagezahl von 1 6 8 6 4 0 0 Stück, 30 000 Broschüren und 800 000 Exemplare der„Rheinischen Zeitung" verbreitet; für die Stadt- vcrordnctenwahl wurden weitere 265 000 Flugblätter herausgegeben. Bei der Reichstagswahl wird relativ kein Wahlkreis in Deutschland so viel Flugblattagitation getrieben haben, als Köln-Stadt. Der Erfolg war die glänzende Eroberung des deutschen Roms. Die Kosten der Reichstagswahl betrugen 20 061 M., die der Stadtver- ordnctcnwahl 5325 M.— Die Gcsamteinnahme des Vereins betrug im verflossenen Geschäftsjahr 63 445,37 M., die Ausgabe 63 478,11 Mark. Das Vermögen des Vereins betrug 4028 M. »» * Ter Reichstagswahlkreis Aachen-Land hielt am Sonntag in Aachen eine sehr gut beschickte Kreiskonferenz ab. Vorsitzender der Krcisorganisation, Genosse Weist, erstattete den Bericht über das verflossene Geschäftsjahr. Das Jahr stand im Zeichen des Rcichstagswahlkampfee. Die Organisation hat in diesem Wahl- kreise, der zu den Hochburgen des Zentrums gehört, einen tüchtigen Aufschwung genommen. Die Einnahme n betrugen 4101,41 M. Die Reichstagswahl verursachte ein Ausgabe von 1033,70 M., für die allgemeine Agitation wurden verwendet 448,50 M., für die Verwaltung machte sich eine Ausgabe von 520 M. notwendig, der Parteihauptkasse wurden 301,74 M., der Kasse des Agitations- komitees für den Oberrhein 203,80 M. übersandt. Es verblieb ein Kassenbestand von 320,15 M., von dem 200 M. auf Beschlutz der Konferenz dem neuen Wahlfonds überwiesen werden sollen. Die Zahl der Mitglieder stieg von 510 männlichen und 36 weib- lichen ans 685 männliche und 45 weibliche. Im ganzen Berichts- jähr wurden 383 Mitglieder neu aufgenommen, von denen viele jetzt wieder abgereist sind.(Die Fluktuation in diesem Grenzwahl- kreise ist sehr erheblich.) Auherordentliche Erfolge wurden bei der Reichstagswahl errungen. In den einzelnen Industrie- orten waren ganz erstaunliche Steigerungen unserer stimmen- zahlen zu verzeichnen, in manchen Orten verdoppelte sich unsere Stimmcnzahl lin Eschweiler stieg sie von 400 auf 800, in Burtscheld von 400 auf 700, in der Zentrumsfeste Würselen sogar von 130 auf 400 usw.). Der Reichstagswahl war eine sehr lebhafte Agi- tation vorausgegangen. So waren 176 000 Flugblätter, 3000 Bro- schären verbreitet worden, 2300 Plakate waren zum Aushang ge- kommen. Ferner wurden im Berichtsjahre abgehalten 38 öffent- liche Volksversammlungen, 80 Mitgliederversammlungen, sowte 4 kombinierte Sitzungen und 33 Vorstandssitzungen. Die Konferenz wählte dann zum Kreisvertrauensmann den Genossen Weist wieder. Von der Beschickung des Parteitages de- schloh man Abstand zu nehmen, trotzdem aus der Mitte der Kon- fcrenz lebhaft für eine Beschickung gesprochen worden war. Für den Partciausschutz wurde.Genosse Hofrichter-Köln borge- schlagen. �# * Der Sozialdemokratische Verein für den Wahlkreis Bielefeld- Wiedenbrück hielt am 23. Juli seine Generalversammlung ab. Nach dem Kassenbericht betrugen die Neineinnahmen im verflossenen Geschäftsjahr 22 364,16 M., die Ausgaben 24 045,01 Mlark. Am 30. Juni war noch ein Kassenbestand von 1158,06 M. vorhanden. Die Mitgliederzahl stieg von 6706(davon 560 weibliche) am 30. Juni 1011 auf 7142(davon 611 weibliche) am 30. Juni 1012. Den 17 237 sozialdemokratischen Stimmen bei der Wahl 1012 stehen also 37,73 Proz. organisierte Genossen gegenüber. Das Parteigeschäft hat sich gut entwickelt. Die Zahl der„Volks- wacht"-Abonnenten betragt rund 13 000, der Kreis zählt 10 700. Flugblätter und Broschüren wurden 24 000 verbreitet, ferner 23 000 Exemplare der„Volksmacht". 6 öffentliche und 132 Mitglieder- Versammlungen- fanden statt. In den 20 Ortsaruppen besitzt der Verein Bibliotheken mit insgesamt 3752 Büchern. Der B i l- dungsausschutz veranstaltete einen Vortragskursus über„Der Mensch in der Vorzeit". Daran nahmen von 432 Personen im Durchschnitt 349 teil. Ausserdem fanden noch 11 wissenschaftliche Vorträge statt. Der Ausschutz vereinnahmte 1452,75 M. und ver- ausgabte 1401,06 M. Neben diesen Veranstaltungen fanden noch 15 Theatervorstellungen und 2 Bunte Abende statt. Für Bildungs- zwecke wurden insgesamt 11 120,25 M. eingenommen und 10 834,05 Mark ausgegeben. Die„ A r b e i t e r-J u g e n d". hat über 400 Abonnenten. Als Reichstagskandidat wurde einstimmig der Genosse Severins wieder aufgestellt. In einem Vortrage sprach Genosse Severing seine Zustimmung zu dem Wahlabkommen aus, er er- klärte sich für die Anwesenheit der gesamten ReichstagSfraktion auf dem Parteitage und für den vorgeschlagenen Parteiausschutz. Folgende Anträge wurden angenommen: „Die Generalversammlung erklärt sich gegen die Erhöhung des Mindestbeitrages, da eine solche zurzeit die Entwickelung der politischen Organisation gerade in den ländlichen Wahlkreisen nur hemmen würde." .Die Generalversammlung betrachtet eS als unerlählich, datz in dem zu bildenden Parteiausschutz dem Bezirk„Oestliches West- falen und lippische Fürstentümer" eine selbständige Vertretung �"�ußerdem� ein Antrag, wonach die Resolution deS Leipziger und Magdeburger Parteitages betr. den Schnapsboykott erneuert Lum°P'arteitag entsendet der Kreis vier Delegierte. Ferri und die reformistische Partei. Rom. 20. Juli.(Eig. Ber.) In der„Provincia di Mantova" veröffentlicht der Abgeordnete Enrico Ferri einen längeren Brief, in dem er sich mit seinen Wähler» über seine Stellung zur neuen reformistischen Partei auseinandersetzt. Ferri erklart, tmtz er schon in den letzten Jahren B i s s o l a t i s Haltung gebilligt habe, weil er sie im Einklang findet mit der neuen politischen und sozialen Lage Italiens. Früher hätte er es für nötig gehalten, datz das Proletariat unabhängig von allen anderen Parteien vor- giltge, lvcil es damals noch nicht die nötige Kraft besag. Heute hätte das Proletariat in seinen Gewerkschaften und Genossenschasten Machtmittel genug, um einen weitgehenden politischen Einslutz auszuüben, weshalb Ferri jetzt die Bündmspolitik für ungefährlich und, angesichts der allgemeinen Demokratisierung des Landes, für nütz- lich halte. Deshalb billige er heute die von T u r a t i und Bissolati im Jahre 1000 begonnene reformistische Politik, die er, Ferri, da- mals bekämpfte, weil sie verfrüht war. Im übrigen erklärt Ferri, die Parteispaltung zu beklagen, meint aber, daß ihr Schaden durch die Einheitlichkeit der Gewerkschaftsbewegung wieder gut gemacht würde. Er persönlich trete der neuen Partei nicht bei, wäre aber immer bereit, jede ihrer Forderungen in und außerhalb des Parla- mentS zu unterstützen,„soweit sie sich die Aufgabe stellt, die Wirt- schaftliche, moralische und politische Lage der Arbeiter im Einklang mit den materiellen und moralischen Interessen jeder anderen sozialen Klasse zu heben, als geschichtliches und fortschrittliches (sie!) Ergebnis des kulturellen Wettstreits im öffentlichen Leben". Nach dieser Vorführung einer neuen Spielart des Klassenkampfes rät Ferri all seinen Freunden, der neuen reformistischen Partei beizutreten, wenn ihnen ihre Ueberzeugung oder die lokalen Ver- Hältnisse das Verbleiben in der offiziellen Partei unmöglich machen. Es ist wirklich schade, datz Ferri den Reformisten nicht den Streich gespielt hat, in ihre Organisation einzutreten. polireUickea, ßerlehtUebes ulw. Wann ist eine Mitgliederversammlung eine Sffentliche Versammlung. Im Winter 1911 hielt der Vorsitzende des Sozialdemokratischen Vereins für den Wahlkreis Königsberg(-Land)-Fischhausen, Arbeitersekretär Genosse Krüger, in Fischhausen �ine Mitglieder- Versammlung des Vereins(Bezirk Fischhausen) cm. Die Polizeibehörde sandte einen Beamten zur Ueberwachuug, der sich trotz Auf- fcrderung nicht entfernte. Genosse Krüger erhielt dann einen Strafbefehl wegen Abhaltung einer nichtangemeldeten öffentlichen Versammlung. Das Schöffengericht in Fischhausen hob den Straf- befehl aus und sprach den Genossen Krüger frei, da es sich nicht um eine öffentliche Versammlung gehandelt habe. Es seien nur die Mitglieder durch brieflich zugesandte Einladungen eingeladen worden. Zivar seien einige Richtmitglieder anwesend gewesen(die Polizei hatte ganze zwei festgestellt), aber das mache die Versamm- luny noch nicht zu einer öffentlichen. Der Staatsanwalt legte gegen dieses Urteil Berufung ein und die Strafkammer in Königsberg unter dem Vorsitz des Landgerichtspräsidenten Karnatz verurteilte den Genossen Krüger zu 0 M. Geldstrafe. Zur Begründung führte der Vorsitzende folgendes aus: Die Versammlung sei zwar eine Mitgliederversammlung gewesen und es seien nur die Mitglieder des Bezirks Fischhausen eingeladen worden. Die Mitglieder hätten aber ihrerseits wieder andere, dem Verein nicht angehörige Per- sonen eingeladen und diese hätten auch ohne weiteres zur Versamm- lung Zutritt gehabt, da keinerlei Kontrolle über die Mitgliedschaft der Erschienenen ausgeübt worden ist. Das Gesetz schreibe zwar nicht vor, datz eine Kontrolle ausgeübt werden müsse, aber in diesem Falle müsse angenommen werden, datz es dem Angeklagten gerade darum zu tun war, möglichst viele Richtmitglieder in die Versamm- lung zu bekommen. Die Versammlung babe sich mit der Reichs- tagswahl beschäftigt und zu der Zeit hätten alle Parteien den Wunsch gehabt, möglichst weite Kreise in ihre Versammlungen zu ziehen. Das treffe auch auf diese Versammlung zu und deshalb habe der Angeklagte von vornherein die Versammlung nicht auf die Kreise der Mitglieder beschränken wollen, sondern jeder, der gekommen wäre, hätte Zutritt gehabt. Es sei also ein öffent- liche Versammlung gewesen und der Angeklagte ist zu bestrafen. Preisfrage: Wann ist eine Mitgliederversammlung eine Mit- gliederversammlung?_ Soziales* Ungültige Vcrzichtleistung auf einen Teilbetrag des Lohnes bei der Entlassung. Im Berliner Schneidergewerbe(Herrenmatzschneider) besteht ein alter, aber schlechter Brauch, dem Arbeiter oder der Arbeiterin bei der Entlassung einen Revers vorzulegen, wonach sie durch ihre Unterschrift anerkennen sollen, an die Firma keine Lohnansprüche mehr zu haben. Dies geschieht in der ausgesprochenen Absicht, sich vor der Klage wegen der Lohnrückstände zu schützen. Schon früher haben die örtlichen Vorstände, soweit ihnen derartige Verzichtrevene vorgelegt wurden, diese ständig auf die Seite geschoben. Es wurde immer geprüft, ob der Arbeitgeber dem Arbeiter noch etivas schul- dete, eine etwaige gegenteilige schriftliche Erklärung wurde nicht beachtet, weil der Arbeiter diese doch nur hergab, um wenigstens einen Teil seines Lohnes zu erhalten. Im neuen Vertrag ist nun der Arbeitsvertrag dahin kommen- tiert:„Wird von einem Arbeiter bei der Entlassung, äbwohl er noch Ansprüche an die Firma hat, die Unterzeichnung eines Reverses verlangt, wonach er keine Ansprüche mehr haben soll, so hat die Unterzeichnung keine rechtliche Wirkung." Jüngst hat nun der Schneidermeister Hoffmann,(Gotzkowsky- stratze 2) einem Arbeiter einen solchen Revers vorgelegt, nachdem er ihm statt 33,05 M. nur 19,50 M. ausbezahlt hatte. Der Revers wurde auch von dem Arbeiter unterschrieben. Auf Anfrage der Ortsverwolwng, wie er die Differenz erklären wolle, bezog er sich auf dem Revers. Es wurde nun Klage beim Jnnungsschicdsgericht erhoben. Dies nahm mit Recht den Standpunkt ein, datz der er- wähnte Revers keine rechtliche Wirkung habe, weil das im Arbeits- Vertrag ausdrücklich hervorgehoben ist. z 63 H. G. B. Der Behauptung in der„Berichtigung" des Beisitzers des Kauf- mannsgerichts, Inhaber der Firma Herm. Baum Sohn, seinem An- trag auf Hinterlegung sei entgegen unserer Darstellung statt- gegeben, sind wir nachgegangen. Das Resultat ist, datz auch unsere nach dieser Richtung aufgestellte Behauptung völlig zutrifft. Die Sache liegt folgendermaßen: Nach dem Kaufmannsgerichtsgesetz unterliegen Urteile mit einem Objekt unter 300 M. nicht der Berufung. Sie sind also unanfechtbar und können nach Urteilsaus- fertigung sofort vollstreckt werden. Dieser Modus hat wegen der Schnelligkeit der Abwickelung des ganzen Verfahrens einen sehr grossen Vorteil. Gehilfen, die über 300 M. zu fordern haben, glauben öfter, sich die Berufungsunmöglichkeit dadurch zu sichern. datz sie erst einen Teilbetrag, der 300 M. nicht erreichen darf, einklagen. Sie erlangen auch ihren Zweck, wenn der verklagte Prinzipal keinen Einspruch dagegen erhebt. Letzterer kann aber „Aufrollung" beantragen, und dann ist der Kläger verpflichtet, seine gesamte Forderung geltend zu machen. Will sich dann der Angc- stellte die Berufungsunmöglichkeit sichern, dann bleibt ihm nur noch Ermäßigung seiner Forderung unter 300 M. übrig. Auf der anderen Seite wird auch jeder Versuch seitens der Prin. zipale. die Forderung künstlich erhöhen, um sich die Berufung zu sichern, von den Gerichten zurückgewiesen. So erhob Herr Baum, als ihn eine Verkäuferin auf Zahlung von 90 M. Gehalt für KrankheitSzeit verklagte, eine Widerklage in Höhe von 360 M. Er sei durch das Fehlen der Verkäuferin um das Vierfache ihres Verdienstes geschädigt worden. Die 1. Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts kam zur Verurteilung deS Beklagten B. und gleichzeitiger Abweisung der Widerklage. Dem Antrage, die Voll- streckung gegen Hinterlegung abzuwenden, wurde vom Kaufmanns- gericht nicht stattgegeben, so datz dcis von der Verkäuferin erstrittene Urteil vollstreckbar ist._ Einführung der Schulzahnpflege. In Göttingen hat infolge einer Vereinbarung mit dem Ma- gistrat der zahnärztliche Verein durch seine fünf jüngsten Mit- glieder die Schulzahnpflege m den Volksschulen un? der Warte- schule übernommen. In der Warteschule(Kinderbewahranstalt) wird die Zahnpflege vollständig kostenlos ausgeführt. In den Volksschulen wird mit dem jüngsten Jahrgange begonnen und die Zahnpflege dann allmählich aufsteigend für alle Klaffen eingeführt. Die Stadt zahlt an den zahnärztlichen Verein für jedes Kind, das behandelt wird, 1 M., sofern die Eltern denselben Betrag zahlen. Für den Betrag von 2 M. pro Kind Übernehmen die Zahnärzte die gesamte zahnärztliche Behandlung der Kinder einschliehlich der Zahnfüllungen, nur etwaiger künstlicher Zahnersatz mutz besonders honoriert werden. Die Einrichtung wird vorerst etwa 700 Knaben und Mädchen zuteil,_ Recht? Der Schlosser G. H. aus Berlin fiel Anfang August 1900 bei der Arbeit von einem 1)4 Meter hoch über dem Erdboden befinv- lichen Brett herab und zog sich eine starke Quetschung beider Hoden zu. Der Hodensack war schwarz verfärbt und bis Kindskopfgrötze geschwollen. Patient mutzte zunächst drei Wochen das Bett hüten. Als er dann zum ersten Male ausser Bett war, bekam er plötzlich Kopfschmerzen beiderseits oben auf dem Scheitel und ein.körper- liches Angstgefühl". Es war keine bestimmte Angst, sondern eine unklare Angstsensation,„als wenn man was verbrochen hätte und was befürchten müsse". Ferner hatte er sofort beim Verlassen des Bettes einen Schwindelanfall. Die Kopfschmerzen wiederholten sich dann täglich. Im Laufe der nächsten vierzehn Tage wurden die Anfälle geringer, verschwanden jedoch nicht ganz. Im März 1010 suchte er wieder ärztliche Hilfe wegen Schmerzen im Unterleib und wegen Zunahme der bereits seit dem Unfall bestehenden Hoden- schmerzen nach. Trotzdem arbeitete er bis Juli. Als aber die Schmerzen schlimmer wurden, meldete er sich krank. Bei der Bc- rufsgenossenschaft erhobene Entschädigungsansprüche lehnte diese nach einem Gutachten des Vertrauensarztes Dr. Frank ab. Der Arzt meinte, bei dem Verletzten eine beginnende Rückenmarks- erkrankung— Tabes— festgestellt zu haben, die nicht im Zu- sammenhange mit dem Unfall stehe. Zum gleichen Ergebnis kam auch der vom Schiedsgericht gehörte Nervenarzt Fr. Leppmann. Das Schiedsgericht wies am 10. April 1011 die Berufung zurück. Zwei andere im Verfahren gehörte Aerzte, Dr. Lipschütz und Dr. Engel, hatten die Tabes bestritten und traumatische Nerven- erkrankung angenommen. Auch Professor Jakobsohn und Prwat- dozent Dr. Cassierer, an die sich der Kläger noch gewandt hatte, konnten von einer Tabes nichts entdecken. Das vom Kläger ange- rufene Reichsversichcrungsamt holte ein Gutachten von der Nerven- klinik der Königlichen Charite ein. die zu dem Schlutz kam, datz ein Rückenmarksleiden bei H. nicht vorliege, sondern eine Neu- rasthenie mit leichten hysterischen Symptomen. Sie sei auf den Unfall zurückzuführen. Durch diese Neurasthenie sei der Patient nicht unerheblich beschränkt und zwar um etwa 60 Proz. Mit diesem Gutachten noch nicht zufrieden, holte das- Reichsversicherungsamt auch noch behördliche Auskunft über die Arbeits- und Lohnverhält- nisse des Verletzten ein. Die ging dahin, datz H. seit März 1911 nicht mehr gearbeitet habe, seines Leidens wegen auch keiner Arbeit nachgehen könne und schon seit dem 8. September 1010 ununter- brochen in ärztlicher Behandlung stehe. Nun endlich kam das Neichsversicherungsamt im 3. Termin zur Rcntcngcwährung— aber in Höhe von nur 30 Proz. In dem jetzt schriftlich vorliegenden Urteil(Aktenzeichen la 3771/11 10-�) ist gesagt, datz das Rekurs- gericht seiner Entscheidung„das eingehend begründete Obergut- achten des Prof. Dr. Ziehen und des Dr. Borchart," das in wesentlichen Punkten durch die Gutachten und Zeugnisse des Dr. Engel, Dr. Lipschütz, Prof. Dr. Jakobsohn und des Dr. Cassierer unter- stützt töerde, zugrunde gelegt. Hiernach sei anzunehmen, datz bei H. kein Rückenmarksleiden vorliege, sondern ein Nervenleiden, das mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall zurückzuführen sei. In der Schätzung des Grades der Erwcrbsbeeinträchtigung habe das Rcichsversicherungsamt jedoch dem Gutachten nicht folgen können, vielmehr auf Grund des ärztlichen Befundes und des persönlichen Eindrucks des Klägers in den Verhandlungsterminen 30 Proz. für genügend gehalten.— Die Schätzung der durch UnfallSfolgew bewirkten Erwerbs- beeinträchtigung ist ja nun sicher Aufgabe der rechtsprechenden In- stanzen. Aber alles hat seine Begrenzung. Die Einwirkung innerer und nervöser Leiden aus die Erwerbsfähigkeit ist so schwierig zu beurteilen, datz man hier dem Arzte ein entscheidendes Wort ein- räumen mutz. Und wenn nach einer dreiwöchentlichen Beobach- tung— so lange war H. in der Charite— ein so hervorragender Gutachter, wie es der Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Ziehen ist, eine Autorität von Weltruf, zu der Schätzung einer Erwerbsbeschränkung von 60 Proz. kommt, dann ist es geradezu eine Anmaßung, wenn ein medizinischer Laie meint, ein von so kompetenter Stelle er- stattetes Gutachten inhaltlich besser würdigen zu können wie diese selbst und auf Grund des eigenen Augenschein? in Verhandlung?- terminen, die zusammen nicht eine Stunde dauerten, die Erwerbs- beschränkung ohne Anhörung technischer Sachverständiger auf genau die Hälfte schätzt, wie die berufenste Stelle sie geschätzt hat. Ja man mutz weiter fragen, was-denn eine Beweiserhebung für einen Zweck hat, wenn sie so unberücksichtigt bleibt, wie in diesem Falle mit der behördlichen Auskunft über die Lohn, und Arbeitsverhält- nisse geschehen ist. Das Urteil würdigt sie mit keinem Worte. Diese Auskunft hätte doch eine Rente von 60 Proz. noch zu gering erscheinen lassen. Diese lediglich auf Senkung der Renten gerichtete Recht- sprechung des höchsten Gerichts in Unfallsachen beeinträchtigt die schmalen Rechte deS Arbeiters ungeheuerlich und steht der Willkür weit näher als dem Recht. Weder aus der ersten Zeit des Reichs- versicherungsamtes, noch aus der reichen Praxis des Reichsgerichts über das Haftpflichtgesetz ist uns ein Fall bekannt, in dem eine so willkürliche Herabsetzung eines berechtigten Rentenanspruchs vor dem Reichsgericht Billigung gefunden hätte. Eine derartige Praxis zeigt, in wie starkem Matze leider die Sucht berufsgenossenschaft- licher Rentenquetscherei allmählich das Reichsversicherungsamt an- gesteckt hat. Marktbericht von Nerlin an, 30. Juki 19IL. nach Ermittelung des kSnigt. Polizeipräsidiums. M a rki b a II e n p r« I s e. sKIeinbandel) 100 Kilogramm Elbleu, gelbe, zum Kochen 34,00—50,00. Speiiebohnen, weitze, 30.00—50.00. Linsen 40,00— 80,00. Shutoffeln(Kiemhdl.) 10,00— ,4.00. 1 Kilogramm Rindfleilch, von der Keule 1,80—2.40. Rindfleisch, Bauchfleiich l, 50— 1.90. Schweinesicisch 1,50—2.20. Kalbfleiich 1.50— 2.40. Hammelfleisch 1,70—2,40. Bulter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 3,40—5,20. 1 Kilogramm Karpfen 1,40—2,20. Aale 1,20—3,20, Zander 1,60-3,60. Hechte 1,40—2,80. Barsche 0,80—2,40. Schleie 1,40—3,20. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebst 2,40-40,00. BrUfhaften der Redahtion. Dle futifttfrfie Tprechstunde findet Linden st raste Lg, vor« vte, Iredpen — Fastr stuhl—, wochentäglich von 416 bis 716 Uhr abends, Sonnabends, von 416 bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Brirfkaste» bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merl„Ichen delznsttgen. Briefliche Antwort wird nicht ertestt. Anfragen, denen leine Adoiinrmrntsqnittung bAgefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage mau tu der SPrrchftunde vor. R. P. 30. Die Liquidation erscheint begründet bis auf die Post- tion 2„Narkose geleitet 6 Mark».— ffi. 1000. t Nein. 2. Ja, fall» Sie nicht gekündigt haben.— Bau 27. Ihre Angaben reichen nicht aus. Kommen Sie in die Sprechstunde.— Klara 27. Sie persönlich nicht. Ihre Frau ist jedoch zahlungspflichtig.— L. I. 110. Etwa 4 Marl wöchentlich sind beschlagnahmesähig.—(6. I. 83. Die Firma ist zur Rücknahme nicht verpflichtet, tann vielmehr Zahlung verlangen. Der 28,85 Marl wöchentlich oder 125 Marl monatlich übersteigende Betrag unterliegt der Bejchlag- j.— M. K. Charlottenburg. oraane halten wir sür ungesetzlich. ieschwerdcweges; zunächst beim 48. ES muß beim VonnundschastSgericht die Vo Rathenow. 1. Meldepflicht Das geschilderte Der- Wir raten zur Be- Polizeipräsidium.— nähme.— D. F. keitserllärung beantragt werden.— Schubert besteht nicht."2. Ja. halten der Polizeioi. �WWW�W ktz. A. 109. 1. Ja. Es kann die össentliche Zustellung der Ladung bcan< tragt werden. 2. Zehn Monat nach Rechlskrasr des Urteils.— v. I. ÜZ. Ja,"sofern mehrere Personen sich belästigt suhlen.— W. 5. Die Rechnung erscheint zu hoch. ZV Mark dürsten angemessen sein.— M. M. 2. 1. Dagegen lägt sich nichts tun. 2. TaZ ist unzulässig. Eine Klage dürste Erfolg haben.— Frida 88. 1. Das ist zulässig ohne vorherige Aufforderung. 2. Ja.— Tinger, Bern. Das Betreiben einer Bordellwirtschast ist durch den Kuppeleiparagraphcn des Deutschen Reichsstrasgesetzbuches verboten.— C. 39. In der Regel nicht.— R. 8. 18. Ununterbrochen zehn Wochen. — E. T. 33. Sic müssen aus Rückgabe der Photographie klagen und können Vernichtung des Bildes verlangen.— R. M. 1. Durch die Gerichtsvollzichcr-Vcrteilungsstelle beim Amtsgericht Berlin- Milte. 2. Wann Sic wollen. 3. Einen Monat nach Zustellung. — ft. Z. 13. Warten Sie den Bescheid auf ihre Reklamation ab. Den veranlagten Steuersatz müssen Sie zunächst bezahlen.— A. H. 8. 1 bis 3. Falls Bedürftigkeit vorliegt, kann Unterstützung verlangt werden. Die Hei- matbehörde ist zur Erstattung verpflichtet. 4. Die Hcimatbehörde hat als- dann dazu da» Recht.—«. t. 4- Fall« keine Abtretung oder Beschlagnahme vorliegt, ist der Eigentümer empfangsberechtigt. WttterungSüberflcht vom 31. Juli ISIS. Etattonen aranda clersburg cillh Abcrdcen Pari« II Bf 752 757 752 780 761 wolkig halb bd. Sbedeckt wo Uig bedeckt rlin Frankk.a.M. München Wien Wetterprognose für TonnrrStag, den 1. August ISIS. Etwas wärmer, zunächst vielfach heiter, bei ziemlich lebhasten südlichen Winden: später wieder zunehmende Bewölkung und Gewitterneigung. Berliner W e t t» r b u r e a u. «aflerstandS-Skachrtchten Wasserstand M e m e I, Tilsit P r e g e I, Jnsterburg Weichsel, Thon» Oder, Rattbor , Krassen , Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden . Barby » Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau") . Rathenow') Spree, Spremberg') . BccSkow Weser, Münden . Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub . Köln Neckar, Heilbron» Main, Hanau Mosel, Trier am 30. 7. cm 58 10 -10 60 77 95 172 474 247 224 78 108 (est 29.7. cm1) —4 —2 —18 +4 0 —3 tt —7 +1 —2 +4 ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpcgel. Nach telegraphischer Meldung ist die Oder bei Ratibor aus 397 cm g e st i e g e u und steht dort seit heute 7 Uhr morgens unverändert. Sroltei' Saison- Ausverkauf Der Verkauf findet nur in nachstehenden Geschäften statt! Man achte genau auf Straßennamen und Hausnummern! Die früheren Verkaufspreise sind auf jedem Paar noch deutlich ersichtlich, so daß sich ein jeder von den enormen Preisvorteilen selbst überzeugen kannl Kein Kaufzwangl Keine Auswahlsendungenl Kein Versand! Kein Umtausch! Jerusalemer Str. 35 Potsdamer Straße 2 Tauentzlenstr.19a Königstraße 25-26 Rosenthaler Str. 5 Oranlen- Straße 161 Gr. Frankfurt. St. 123 Chaussee-Str. 114 Neukölln, Bergst. 25 Schöneberg, Hauptst.1 49 Charlottenburg: Wilmersdorf. Str. 45 Einige Beispiele unserer großen Billigkeit: Moderne Herren- und Damen-Stiefel Große Posten erstklass. Fabrikate in vielen Ausführungen, hauptsächlich braun, auch in schwarz 75.QTä � 14" 8 früh bis zu M 12.50 früh, bis zu M. 15.50 früher bis zu M, 18.00 Zum Teil noch mehr ermäBigtl früh bis zu M. 21.00 Extra billig! Grosse Posten Herren- und Dam.-Schuhwaren, nur grosse u. Kleine Nummern, unsortiert 6" Wert bis zu M i 6™ Hausschuhe für Damen, aus Stoff und Leder, mit und ohne Absatz Kur Jerusalemer Strasse I»0 und 2'° Wert bis zu M 6Bo Halbschuhe in vielen reizenden Variationen von M. 5™«n Sandalen! Braune Rindleder-Sandalen, breite, bequeme Form, sehr preiswert 25-8# 27- 80 81-85 88-42 240 2bo 30° 3 60 Extra billlgl Grosse Posten Dam.-Leinen- Stiefel und-Schuhe, in vielen Farben, unsortiert, durchweg �jes � so 2" Wert bis zu M 7B0 Touren-Stiefel Jagd- und Berg-Stiefel, Braun Natur- und Chrom-Kalbleder Hup Jeruaalemer Straase 14r5 und 1678 Wert bis zu M 3000 Kinder-Stiefel zu hervorragend billlsen Preisen! irbeiter-Bildungsseiiule. onuerstag, den 8. Zlugu», abends&i, Uhr. im Schulloki Grenadierftr.»7: General-Berfainmluttg. Tagesordnung: 1. Bericht des� Vorstandes, des Lehrerkollegiums und der Revisoren. 2. Anträge und schulangelegenheiten. 3. Wahl der Unterrichtsvertreter. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbücher find mitzubringen, ohne dieselben kein Sinlast. Rückständige Beiträge sind zu zahlen. 8/10- ner Arbelisnsohwoit: Hof I. Amt Norden. Nr. 1239. Miroplelle Berlin <5haritSstrahe 3. Hauptbureau: Hos III. Amt Norden, Nr. 1987 Sonnabend, den 3. August 1912, präzise nachts 12 Uhr: Allgemeine Versammlung der 121/19 Kino-Operateure Groß-Berlms in Julius Meyers Festsälen, Oranienstr. 103. Ta geSordnung: 1. Welche Bedeutung hat für uns die neue Polizeiverordnuug? 2. Branchen- und Verband-angelegenheiten. 3. Verschiedenes Kollegen: In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist da» Er- scheinen sämtlicher Kollegen notwendig. Tie Ortsverwaitung. ooooooooooooaOeeeOeeoOOOOo»aaOOoooOooOOO f ta rini Köpenicker Straße 96/97 zur bevorstehenden Saison empfehle meine Säle, W8 20 his 200 Personen fassend, zu Hochzeiten und sonstigen Festlichkeiten. 3713L* Carl Keller jr. »ggagggggtggggggaggggggtMiagaggggai f — Verwaltung Berlin.--- Morgen Freitag, den 2. August 1912: Tif»iiiig der Ortsverwaltung Die Zahlstelle 78(Weserstra�e 153) ist nach Wilden- brnchstraste Stt bei Mathulat verlegt. 87/5_ Die Ort.yerwnltnnif. flnnaljinettellen für„Kleine Anzeigen «t llerlln C. W. O. 3l. Hahnisch, Rugnststr. 50, Eingang Joachimstrasie. .\o. X. (8. 2riimibt,,SVic46nchftv. 14. R0 Hackelbusch, Petersburger Platz 4. Gustav Bogel, Koppen- ftratze 82 gl. Wengels, Gr. Frankfurter Str. 120. 8. Zucht, Jmmanuellirchstr. 12. I. Reut. Barnimstr. 42. W. Bauinaun, Rbeinsberger Str. 87. F. Trapp, Bastianstr. 6. Karl Mar«, GreisenhagcnerStr. 27 J.Hönisch. Nazaretbkirchstr. 49. A. Dietz, Jnvalidenstr. 124 H. Bogel, Lortzingstr. 37. L. Dechand, Rubevlatzstr. 24. XW. Kart Slnvers, Salzwcdelerstr. 8. 8W. H. Werner. Gneisenaustr 72. Taehn, Hagelberger Str. 27. 8. Zt. Frist. Prinzenslr. LI. F. Lehmann, Kollbulcr Damm 8. 84». Pnut Bölini. Lauiitzer Platz 14/15. P. Harsch, Engeluser IL. .Aellc-sliot. Karl Schwarzlose, Hostmannstr. 9. ItuuniscNnIcnvcx. H. Hornig". Maricntbalerstr. 13, 1. noi-slx«»I«le. Paul Nieiiaft, Räuschstr. 10. Olioi-Iotlondni-jr. Gustav Scbaruberg, Seicnbcimer Str. 1. releNi-lcliskog:«». Ernst Wereiiian», Köpenickcr Str. 18. t-ctinan. Franz Klein, Fricdrichslr. 10. •lolmnnlstlml. Pielicke, Kaiscr-Wilhclm-Platz 6. KarlHhorst. Richard Stüter, Rödclstr. 9, II. UUpcnJck. Euiil Wistler, Kietzcrstr. 6, Laden. l-Ichtcndci-ze. Otto Scikei, Wartenbergstr. 1. Xiciicc-lSoliUncHviiletc. Gchrt. Britzcr Str. S. Xo-n-»,,-«». Wilhelm Jappe, Friedrichstr. 7. Okci-.ScIiODcwci«!«. Alfred Bader. Wilhelminenhosstr. 17 II. Funlton-. Otto Rihmann, Müblenstr. 80. itcInlokeuckoR-t. P. Gursch. Provinzftr. 58, Laden. «IxUoi-k. M. Heinrich. Reckarstr. 2. Conrad, Hermann ftr. C. Rohr, Stegsricdftr. 28/29. Nomiuelsdui-x. A. Rosenkranz. Alt-Borhagen 58. SehilnvOei-!- Spand Steglitz. H. Bernsee, Alscnstr. 5. ' ml» ir Zweigverein Berlin. Achtung! Töpferträger! Sonntag, den 1. August er., vormittags IV Uhr: Mitglieder-Nrrsammwug bei Kluge, Langcstr. 53. Tagesordnung wird in der Versammlung bekanntgemacht. Es ist Pflicht jedes Rollegen, pünktlich zu erscheinen. Idee GrappenvorstAnd. Die General Uersummlung deS ZweigverciuS findet agS S Uhr, im Saal 1 des Gewerkschaftshause« statt. mittags Wir er! die Bezirke, Stellung nehmen zu wollen. Sonntag, den 8. September d. I., vor- '' Gewerkfi'....... In ihren Augustoersammlunge» hierzu 141/6« Her �«-elgvei-elnGvoi-GtAiid. n Filiale CiroQ-Bcrlln. 50. t. Wilhelm Bäilmler. Marttn-Luther-Sir. 89 im Laden. öppcn, Brcitestr. 64. Tcmpelhof. Joh. Strohn, Borussiastr. 63. Treptow. Robert Gramenz, Kiesbolzstr. 412, Laden. Weitienwee. Fuhrmann. Sedanstr.lOö. Schillert. König-Ehaussee LS» Wilmersdorf. Paul Schubert, WilhelmSaue 27. Freitag, v. August IVI2, abends 8 Uhr. im GewerkschaftShause, Engelufer 13: General-Versammlung. Tagesordnung: 35/6 1. Bericht über den BcrbandStag in München. �Fortsetzung der Diskussion.) 2. Wahl von 3 Beisitzern zum BerdaudSvorstaud und 3 Revisoren. 3. Neugestaltung der Filialunterstüstungscinrichtungen nach den Münchener Beschlüssen. 4. BerbandSaugelenheiten. — Zutritt nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches.> _______ Die Ortsverwaltnng. Bereine«, Gewerkschaften und Schule» empfiehlt sich da» Restaurant Wald-Sdyll ——— Scbnittckwitz I. d. Mark.■ Ausschank von Schnltheitz.Bieren.— Anerkannt gute Küche.. Jnh.: Ernst Noack. Telephon: Zeuthen 31 | Todes-Anzeigen| SozlalüeniokraiisctierWalilyeFein des K. BerL Reichstags-Waiilkreises. JVaclirnf. Am 29. Juli verstarb unser Genosse prsvi kossev! Sparrstr. 3(Bezirk 748a). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung fand am Miltwoch, den 3i. Juli, in Finken- thal in Mecklenburg statt. 231/7_ Der Aorstand. SoziaWemokratiscöJalilvsreii) Kreis Nieilerliarflini• Bezirk Rosenthal. Am 30. Juli verstarb unser Ge- nasse, der Dachdecker �uxust KrocltKe Niederschönhausen-West. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am f rcitag, den 2. August, nachmittags Uhr, von der Leichenhalle des Gcmeinde-Friedhoses Niederschön- Hausen aus statt. Rege Beteiligung erwartet 24l/12 Die Bezirksleitung. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe treusorgcnde Mutter Berta Sumann geb. Zart,[163t am Mittwoch, früh 3 Uhr, im Pankower Krankenhause sanst entschlafen ist. Pankow, den 31. IM 1312. Willi Sumann. Die Beerdigung findet Sonn- abend, nachmittags 3'/, Uhr,! ans dem neuen Panlower Friedhof, Schönholzer Heide, statt. SozialiieinoMchJaliHD Kreis Nieder-BarDim. Bezirk Pankow. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere liebe Genossin Frau Berta Sumann Mittwoch früh 3 Uhr im Pankower Krantenhausc verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 3 3lugust, nachmittags 3�/, Uhr, von der Halle des neuen Pankower ZcirchhoseS(Schönholzer Heide) aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 241/13__ Pia Bezirksieitung. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirk Groll-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Droschken- jührer Paul Schumann am 30. Juli im Alter von 40 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 2. August, nachmit- tags 6 Uhr, von der Leichenhalle des Bartholomäus- Kirchhofes, Falkenberger Chaussee, aus statt. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Hausdiener priedrich Schultz am 30. Juli im Alter von 42 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am 3. August nachmittags statt. �Taelirut. Ferner starb unser Mitglied, der Droschkensührer Bermann Weinhold am 28. IM, im Alter von 65 Jahren. Ehre seinem Andenke«! 65/16 vis Bezirkevenwaituiig. Deutscher Buchbinder- Verband. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern die traurige Mitteilung, daß unser langjähriges Mitglied, der Kollege Paul Lemke nach längerem Leiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag. den 2. August, nachmittags s'/zUhr, aus dem Gethsemane-Kirchhos in Nordend-Niederschönhausen statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Ortsverloattnng. Danksagung. Für die Beweise liebevoller Teil- nähme, sowie auch sür die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Sohnes, unseres guten Vaters, des Gürtlers Bcknard ntiller, sagen wir allen Verwandten und Bekannten unser« innigsten Dank. Pia trauernden ttinlerdliebenen. Todes-Anzeige. Hierdurch allen Bekannten und Freunden die traurige Nachricht, daß am Mittwoch, den 31. Juli 1912, mein lieber Mann, unser guter Bater, der Putzer Efrust Dölling nach langer, schwerer Krankheit im 60. Lebensjahre verstorben ist. Dies zeigen tiesbetrübt an Pia trauernden Hinterbliebenen. Jagowstraße 22. Die Beerdigung findet am Freitag, den 2. August, nach- mittags 4 Uhr, vom Trauerhause, Jagowstraße 22, aus nach oem Heilands-Kirchhos statt. |ÄiIp.KraDi[en-u.Mekasse der Deutseben OreebslerE.H. se | Hamburg. Verwaltungsst.Berlin�. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Wilhelm Kattner am 29. Juli verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 1. August, nach- mittags 5>/z Uhr, von der Leichen- halle des Markus- KirchhoseS in Wilhelmsberg aus statt. 294/9 Die Ortsverwaltung. Montag, den 29. Juli, verstarb meine liebe Frau 47A Berta Freidank geb. Einsiedel Steinmetzstr. 36a. DieS zeigt tiesbetrübt an Wilhelm i�reillsole. Die Beerdigung findet Freitag, den 2. August, nachm. 3y/, Uhr, von der Halle des Luther-Kirch- Hajes(in Lankwitz) aus statt. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daß unsere liebe Tochter Helene am Dienstag, den 30. IM, sanst entschlasen ist. Dies zeigen ttesbetrübt an Dshsr Gerhardt IIa und Frau. Die Beerdigung findet am Freitag, den 2. August, nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Gcmeindesriedhoss, Neukölln. Mariendorser Weg, aus statt. Danksagung. Für die zahlreiche Teilnahme und herrlichen Kranzspenden bei der Be- erdigung unseres lieben, unvergeß- lichen Bruders, Schwagers und Sohnes Willi Sehnlz sprechen wir allen, die daran teilnahmen, unser» innigsten und herzlichsten Dank aus. 10a Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Für die reichen Kranzspenden und rege Beteiligung bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, sagen wir allen Verwandten, Bekannten, Arbeitskollegen und Ge- Nossen unseren herzlichsten Dank. Berta Bilder und Kinder. Spezialarzt f. Baut- und Harnleiden, ncrv.Schwäche,„Ehrlich 606" usw. *Dr.Honieyer*|? Untersuchung., Fäden i. Harn usw. Frisdriohstr, 81,«gS. Spr. 10—2, 5—8, Sonnt. 11—2. Honorar mästig. auch Teilzahl. Von ckor Reise zurück l)r. Vollmann, krauen»«, 37161- Schlesische Str. 40a. Iferieib- Institut 1 I flLIC* S. Berg Nacht. * WVtl. Borchardt. Friedrichstr ,151, am Oranienb. Tor. Tel.: Nord 7402. 37142* track, Smoking, Gehrockanzüge, hapeau claque, für jede Figur pasf., vorrätig in verschiedenen Preislagen. Sehr grelle Auswahl, mäßige Preise. RtstnnrationsgrilndjM (Parteilokal) in einer Fabrikstadt(40 000 Einw.) wegen dauernder Krankheit der Frau zu verlausen. Ein großer und ein kleiner Saal und andere Verfamm- lungsräume. 2 Büsetts, 3 Bühnen. Kegelbahn, großer Garten und Fest- platz. Logisräume mit 10 Betten. Verkehrslokal der Gewerkschaften. Ge- bäudeversicherung 84 000, Inventar- Versicherung 50 000. Offerten unter H. 2 an die Hauptexpcdition des Vorwärts". 3720L Ktnmtll-«nd ßrnnzbiuhtrei von ködert lSexer.' Jnh.: P. Bolletz aut Mariauueu-Straße 2. Telephon: Morinplast 346. Pen„Vorwärts"-I-esern gewahre Rabatt. Riesenlager säiä PerserTeppiche Smil Lefevre Berlin, Oranienstr. 158 AbgepaBtc Fenster. weiß nnd creme p.Fens}8r23S,3,4-60M. Imit. Point-lace-KBnsller- fi75 Gardinen, p. Fenster M.*-» Elegante Sezessions-Tüll-|85 Stores...... H.* Gestickte echte Spachtel- �75 Store»..... M.' Goldfarbige reichgestickte 385 Band-Stores.., M. TUllbettdecken, Grolle TSO 160/220 cm.... M. w Reichgest. Erbstüll-Bett- /i7S decken..... M. Elegante TOII-BettrDck- /»75 wände...... M." Brise-Bise(Scheibenschleier) 25, 35, 40, SO Pfennig. Nach auswärts p. Nachnahme. Spezial-Katalog Abbildungen ptiS DDll!M0. „Fichte-Georginia 1879". Einer plötzlich eingetretenen wichtigen Angelegen- heit halber werden die Mitglieder gebeten, statt«m S Uhr schon«m 8 Uhr heute abend pünktlich im Uebungs- lokal zu sein. 2691b Weber. Von der Reise zurück[226/19* Hermann Katz, Landsberger Straße 71.1 Für Zahnleidende 9-7. Kgst. 1831 Sei Rückgrat- mkrümmag glämnäsle& folge mit meinem weltberühmten regallerbareo Rcdresslone- Apparat— Patent Baas— für Erwachsene nnd Kinder. Ueln Apparat wurde auf d. 10. Aente-Kon- gress mit d. L Preis ausgezeichnet n. erhielt auf der International. Hygiene- Anssteliuns in Dresden 1911 die silberne Uedaille. Prospekt n. fachmänn. Beratung kostenlos. F. Menzel, OHfn08Ä?he' Berlin W. 35. Schöneberger Ufer 28. Neue Josefti Ciqa rette früher Neues Kgl. Opern- Theater (Tiergarten-Kömgsplatz). Naturfarben-Lichtspiele „Kinemakolor" Heute Premiere. Siehe Theaterzettel a. d. Anschlagsäulen. An diesem Schild sind die Läden erkennbar, II in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. Bnstergttltig in Konstrnbtlon nnd Anslöhrnng, gleich vorzüglich für Hausgebranch n. Industrie. H Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges. BBltLIX. Leipziger Straße 03. Läden in den verschiedenen Stadtteilen. B verlangt vor der Patentanmeldung gratis die Schrift:«Wie muß eine Erfindung für die Verwertung beschaffen sein?" Ziv.-Ing. Jaeger, Dr. Breslauer, Berlin SW. 61. 208/8* eine vorzügliche cQ* Fehlfarben-Sortimente in besonders preiswerten Mischungen Fortana 10 St. 60 Pf. Hansa 10 St. 75 Pf. �xcelslor 10 St. 1,00 M. �•Kenuaaim Ci|£ar r en— Fabi�i [ lieber 200 Nlederiagen In Deutschland!"] Zeitungs Ausgabe stellen ünd Inl'eraten-Annalsme. Zentrum: Albert Hahnisch. Auguststr. 50, Eingang Joachimstraße. 3. Wahihrei», V?.: Gust. Schmidt, Kirchbachstt. 14, Hochparterre. 8. und 8W.: Hermann Werner. Gneisenaustr. 72. ß. Wahlhrela: St. Fritz, Prinzenstr. 31, Hos rechts Part. 4. Wahlkreis: Ott e n: Robert Wenzels, Gr. Franksurterstr. 120. — Richard H a ck e l b u s ch, Petersburgerplatz 4(Laden). 4. Wahlkreis, Süd o st e n: Paul Böhm, Laufitzerplatz 14/15. B. Wahlkreis: Leo Zucht, Jmmanuelkirchstr. 12(Hof). 6. Wahlkreis(Heabit): Karl Ander«, Salzwedelerstr. 8. Wedding: I. H ö n i i ch, Nazarethkirchfttaße 49. Bosenthalter und Oranienburger Vorstadt: Wilhelm B a u m a n n, Rheinsbergeritt. 67, Laden. Besundbruuueu: F. Trapp, Bastianstt. 6, Laden. SüchOnhauwer Vorstadt: Karl Mar«, Greisenhagener Stt. 27 �dlerxhok: Karl Uchwarzlose, Hoffmannstt. 9. 4it.«iienicke: Wilhelm Dürre, Kövemckeritt. 6. Baun>«chulenw eg: H. Horrig, Mariurlhalerstt. 13, I. Hei*?»».!!. Köntcentai, iBep�riiicK, Scltöitow UNo Scböll" brück: Heinrich B r o s e, Mühlenstt. 5, Laden. Behuwd-rk und»'alkenberg: Lllois Lauf, Bohnsdorf, Ge» nossenichastshaus.Paradies'..... Cbariotteuburg: Gustav Schernberg, Sesenbeimerlkaße 1 Fredcrsdorf-Peteraliagen: E. Höselbarth, PeterShage». t'rlcdenan-Steglltz-Südende-Grt.ß-LIchterfelde-Ijaiik- witz; H. Bernlee, Alsenstt. 5 in Steglitz. Friedrichshagcn: Ernst Werkmann, Köpenicker Straße IS. Grünau: Franz Klein, Friedrichstr. 10. dobannii't'tiai: P i e I i ck e, Kaiser-Wilhelm-Platz 6. Harlaliorst: Richard Küler, Rödelslr. 9, ll. I»vnig---Wu«terhau«en: Friedrich B a u m a N N, Bahnhosstr. 18. Vi ijr»c»ick: Emil W i ß l e r, Kietzcrsir. 6, Laden. Lichtenberg, FrierlricliNfeldc, Bohcnschönhanseiz: Ctio«eitel, Warienbergsttaße 1(Laden). ülahlKdorf, Kanlsdorf: P. Heßberg, Kaulsdors, Ferdinand« siraße 17. Barienderk: August Leip, Cbausseestt. 296. Hos. » ieder-Schünew eide: G e h r l. Britzerstt. 6. h nwaw e»: Wilhelm I a v p e. Friedrichstr. 7. Qber.h»chöneu elde: Alfred Bader. WilHelminenHosstt. 17 11. CaBkow-Xlcdcrachönhunaen: Riß mann, Atühlenstr. 30. Ueinickcndorf- Ost, Wilhcliutfruh und Schünholz: ... � u r s ch, Provinzstr. 56, Laden. BLsdorf: M. Heinrich. Neckarslr. 2. im Laden: R o h r. Siegfried- slraße 28/29. Buiniueinburg, Bezbageu:A. Rosenkranz, Alt-Boxhagen 56. tsebüneberg: Wilhelm Baumler. Martin Lutherstr. 69, im Laden. Spandau, Konncndaniui, Staaken, Seegefeld und Falken hagen: Koppen, Breitestt. 64. Tegel, Borsigwalde, Wittenau, Waldmannslnzt, llei-niNdorf und Keinickendorf- West: Paul(tienast, Borsigwalde, Räuschstraße 10. Teltow: Wilhelm B o n o w, Teltow, Berliner Stt. 16. Tenipclhor: Joh. K r o h n, Boruisiastr. 62. Treptow: Rod. Gramenz. Kiesholzstraße 412, Laden. eiüensee: K. Fuhrmann, Sedansir. 105, parterre. Wiliuersdorf-Balensee-Schiuargeiidorf: Paul Schubert, WihelmSaue 27. Barienkeide: Emil W e i n e r t, Dorsstr. 14. hieuenhageu: Gustav L e y, Woltersttaße. Fichw aide: OSkar Mahle, Stnbenrauchstt. 99. Frkiier: Ernst H o s s m a n n, Friedrichshagener Chaussee. leeutheu, Zilersdork: Ernst Hütt ig, Zeuthen, Dorsstr. 15. Sämtliche Parteiliteratur sowie alle wisseuschastlichen Werke werden geliefert Lerantwortlicher Nedatteur: Albert Wach», Berlin. Für den Inseratenteil ver-uttw.: Ttz. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Borwärt» Buchdruckei�t u. Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlins�. bm77.».1.�.«, 2. Keilllge des Jormättö" berliner WlksblM. Sie SchSneberger firbeitsloknverncberung. Die Stadt Schöneberg ist die einzige Gemeinde Groß- Berlins, dve eine Arbeitslosenversicherung eingeführt hat. Die Ergebnisse des ersten Geschäftsjahres dieser Versicherung, vom 26. Januar bis 31. Dezember 1911, liegen nun vor und an die veröffentlich:en Zahlen hat sich eine interessante Kontroverse ge- knüpft. Die Abeitslosenversicherung in Schöneberg ist bekanntlich nach dem Genter System eingerichtet, d. h. es werden in erster Linie Zuschüsse zu der Arbeitslosenversicherung gewährt, welche die Organisationen an ihre Mitglieder zahlen. Daneben ist aber auch die Möglichkeit gegeben, sich durch Anlegung eines Sparkontos für die Zeit der Arbeitslosigkeit ein Anrecht auf den Zuschus; aus der städtischen Arbeitslosenversicherung zu sichern. Erklärlicherweise hat der letztgenannte Zweig der Arbeitslosenversicherung nur ge- ringe Bedeutung, der Hauptteil der verausgabten Summe ist Ver- bandsangehörigen zugute gekominen. Von 699 Arbeitern, die sich arbeitslos meldeten, waren 536 Verbandsmitglieder und darunter 594 Mitglieder freier Gewerkschaften. Unterstützt wurden 592 Per- sonen für 11283 Tage mit insgesamt 9931,42 M. Von dieser Summe kommt aber 8749,12 M. auf 479 Verbandsangehörige. Diese Ziffern haben in einigen reaktionären Bhättern gelinde Tobsuchtsanfälle hervorgerufen. Die scharfmacherische„Post" ent- rüstet sich z. B. darüber, daß die Gewerkschaften aus städtischen Mitteln unterstützt werden.„Die Schönebergcr Stadtverwaltung," schreibt das Blatt,„hätte doch voraussehen müssen, daß diese Art von Arbeitslosenversicherung die Arbeiter den sozial- demokratischen Organisationen scharenweis in die Arme treib t". Um dieser Gefahr vorzubeugen ertönt der Ruf:„Weg mit der Arbeitslosenversicherung!" Die Deputation für das Schöneberger städti- sche Arbeitsamt hat auf diese Hetzerei, die auch in der übri- gen reaktionären Presse ein Echo fand, in würdiger und entschie- dener Weise geantwortet. In dieser Erklärung wird daraus hin- gewiesen, daß der Umstand, daß die städtische Arbeitslosenversiche- rung vornehmlich den Angehörigen der freien Gewerkschaften zu- gute komme, lediglich besage, daß die Mehrzahl der Arbeiter in Groß-Berlin in den freien Gewerkschaften organisiert ist. Die Ar- beitslosenversicherung nach dem Genter System will die S e l b st- Hilfe durch Gewährung von Zuschüssen fördern und stärken, mit den anderen Zielen der Gewerkschaften hat das Genter System nichts zu tun.„Je mehr Arbeiter sich zu solchen Selbsthilfezwccken zusammenschließen, um so besser wird es um die Wohlfahrt und wirtschaftliche Sicherheit der Allgemein- h e i t bestellt sein, um so wirksamer werden die arbeitenden Klassen gegen Not und Armut geschützt sein. Diese sehr wertvolle Frucht der Organisation, die Selb st Hilfe zu för- dern und zu verbreiten, liegt im eigenen Jnter- esse der Gemeinden." Diese vorurteilsfreie Anerkennung der Bedeutung der Gewerk- schaften sticht wohltuend ab von einer Auslassung, die wir in dem amtlichen Organ der Berliner Armenverwaltung finden. Die „Blätter für die Berliner Armen- und Waisen- pflege" ziehen die Schöneberger Arbeitslosenversicherung eben- falls in den Kreis ihrer Betrachtungen und ihr Urteil unterscheidet sich in nichts von der Stellungnahnie der oben erwähnten reaktiv- närcn Scharsmacherorgane. Ter Verfasser des Artikels, Mägi- fta:a t s a s s e s s o r Conrad, empfindet es als einen schweren Mangel der Arbeitslosenversicherung, daß sie hauptsächlich den orga- nisierten Arbeitern zugute kommt. Er hält es für notwendig zu be- tonen, daß vorwiegend die freien Gewerkschaften die Arbeitslosen- Versicherung eingeführt haben, was übrigens nicht einmal richtig ist, denn auch die Organisationen anderer Richtung pflegen diese Versicherung. Für die Gewerkschaftsmitglieder, die eine Arbeits- Xosenunterstützung haben, brauchte die Gemeinde nicht einzustehen, aber für die Unorganisierten, die sie besonders notwendig hätten, verläuft die Gemeindearbeitslosenversicherung fast völlig wirkungs- los. Herr Conrad zieht aus den mitgeteilten Zahlen folgenden Schluß: „Da? Ergebnis der Schöneberger Arbeitslosenversicherung ist unseres Erachtens der schlagende Beweis dafür, daß die bisher versuchte gemeindliche Arbeits losenversicherung ein falscher Weg ist, der nicht weiter verfolgt werden sollte." DaS ist sachlich das Gleiche wie der Ruf, den die„Post" aus- stößt„Weg mit der Arbeitslosenversicherung!" Auch die Motive sind ini wesenrlichen dieselben, nämlich Haß und Mißgun st gegen die Gewerkschaften. Ist eine solche Stellungnahme bei dem Scharfmacherorgan verständlich, so hätte man nicht erwarten sollen, daß auch die Berliner Armenverwaltung derartig rückständigen An- sichten huldigt. Wenn der Magistratsassessor der berufene Jnter- prct der für die Berliner Armenverwaltung matzgebenden Grund- sätze ist, und man muß das wohl annehmen, da er als Redakteur ihres amtlichen Organs zeichnet, daikn kann man zu der Meinung kommen, daß die Gewährung von Almosen als die wichtigste Auf- gäbe der Berliner Armenpflege betrachtet wird. Wertvoller dünkt uns freilich die vorbeugende Tätigkeit. Eine gut geleitete Armenpflege müßte es sich angewgen sein lassen, alle Bestrebungen zu fördern, die geeignet sind, dem Eintritt der Hilfsbedürftigkeit vorzubeugen. Sie dürfte deshalb nicht aus blinder Voreingenom- mcnheit die gemeindliche Arbeitslosenversicherung bekämpfen, weil sie vornehmlich den Mitgliedern der Gewerkschaften zugute kommt, sondern dieser letztere Umstand müßte ihr besonders sympathisch sein, weil er die Elemente, welche leicht in die Lage kommen, Objekte der Armenfürsorge zu werden, auf den Weg der Selbsthilfe ver- weist. Die Deputation des Schönebcrger städtischen Arbeitsamtes stellt sich erfreulicherweise auf diesen Standpunkt, von dem wir nur wünschen, daß sich ihn auch die Berliner Armenverlvaltung zu eigen machen möchte. LerUner I�acbrickten. Im Beteranenhimmel. Treppauf, treppab sind wir gewandert in dem Polizei- licben Labyrinth am Alexanderplab, haben uns glücklich durch- gefragt nach einem bestimmten Ziel. Vor Zimmer 190 im ersten Stockwerk, nach dem großen Hofe zu, ist kaum durch- zukommen. Wohl an vierhundert Männer halten den lang- gestreckten Korridor besetzt. Keine betrübten Lohgerber- mienen ficht man, wie bei Leuten, die hier antanzen müssen, weil sie irgend etwas auf dem Kerbholz haben, auch keine ängstlichen Zeugengcsichter. Lauter eitel Lust und Freude strahlt aus diesen glücklichen Zügen. Ist es ein wunderlicher Zufall, daß die Leutchen samt und sonders so zermiirbt aus- sehen und so verbraucht, mit einem Fuß schon im Grabe zu stehen scheinen? Man wähnt sich beinahe in einen Krieger- verein versetzt. Viele tragen auf dem schäbigen, zerschlissenen Kittel, auf der Heldenbrust, die vor langen Jahren des Königs bunter Rock umspannte, Orden und Ehrenzeichen. Heute ist das nicht mal mehr eine noch einigermaßen zugkräftige Spekulation auf die Mildtätigkeit für Leierkasten und Streichholzverkauf. Dem da fehlt ein Bein, das er auf dem Altare des Vaterlandes opferte, einem anderen ein Arm. Und wenn man alle die Hunderte längst ausrangierter Kriegs- 1 mannen examiniert, wird kein einziger sich finden, der in 1 yeißem Ringen auf dem Schlachtfelde mehr geerntet hat als billige Lorbeeren. Das Vaterland, das teure, ist so vergeß- lich und belohnt am reichsten, wer weit ab ist vom Schuß. Saft und Kraft haben sie hingegeben, auch diese tapferen Vierhundert, und im Zenit des Lebens, hart am Rande des Grabes, hat sich das dankbare Vaterland doch noch ihrer er- innert. Auf jeden Monatsersten fällt der große Tag, an dem über die ergrautesten Kriegsveteranen zum Entgelt für den einstigen Kugelregen ein gewaltiger Goldregen niedergeht. Vom Dienstzimmer her schallt Kommandoton. Ein merklicher Ruck geht durch die alte Garde, durch die morschen, steifen Knochen. Das Stelzbein nimmt Richtung, der Armstumpf erstarrt zur Unbeweglichkeit... echt preußisch-militärisch. Name auf Name wird ausgerufen. Jedesmal tritt ein Greis aus Reih und Glied, zeichnet zitternd seinen Schnörkel in die lange Quittungsliste, streckt begehrlich die Rechte aus nach einem wahrhaftigen Zehnmarkstück, macht seinen unter- tänigsten Kratzfuß und singt im stillen inbrünstig: Heil Dir im Siegerkranz. Ein wirkliches, echtes Zehnmarkstück! Doch nachträglich auch etwas von den Millionen, die in die Taschen von Generalen geflossen sind. Halt, fehlt da nicht einer? Kraucht da nicht ein wallen- der, drohender Schatten an der Wand entlang?... An der sagenhaften Schwelle der Glückseligkeit kauert der olle Petrus, die Hand zwischen Heiligenschein und weißbebuschten Augen. Donnerwetter da humpelt schon wieder so'n alter Mummel- greis mit zerschossenen Knochen zur ewigen Seligkeit heran! Ist denn Schlachtefest da unten, wo die Kirchtürme wie Jgelfelle gen Himmel starren und die Erdenwürmer trotz aller Frömmigkeit sich chronisch gegenseitig auffressen? Lang- sam ist der neue, einsame Gast nähergewankt. Neugierig strömen die himmlischen Heerscharen zusammen. Ach... wieder so einer... dieses Jammerbild von Mutter Erde kennt man schon hier oben. Der Alte richtet sich zitternd am Stock hoch, klappt in alter Gewohnheit mühselig die Hacken zusammen und salutiert:„Drux, der verhungerte Drux aus Berlin, Veteran aus den glorreichen deutschen Kriegen, meldet sich gehorsamst zur großen Armee!"... Auf dem zerfetzten Rock baumelt bunter, glitzernder Kriegsschmuck: die Landwehrdienstauszeichnung zweiter Klasse, die Zentenar- medaille, am Ordensband die Ehrenspange für den Todes- ritt von Mars-la-Tour. Ihn hat nicht die männermordende Schlacht, erst das grausame Hundeleben niedergeritten. Petrus winkt leutselig ab. Er weiß schon alles. Und drei- mal spuckt der Himmelspförwer in weitem Bogen auf das liebliche Eden, wo der Hunger für Kriegsveteranen der beste Koch ist. Am Dienstag erschienen in unserer Redaktion zwei mit- leidige Leute, die uns eine alten weißbärtigen Mann vor- stellten. Der Mann war(32 Jahre, chat den Fcldzug 70/71 mitgemacht und acht Schlachten geschlagen. Der alte Mann war aus Herzberge entlassen worden. Man hatte ihm ganze 10 Pfennige gegeben, damit er nach Berlin fahren konnte. Und nun stand er da, der ehemalige Vaterlandsverteidiger. Sein letzter Weg war nach dem städtischen Obdach. Ob er Aufnahme gefunden hat, entzieht sich im Augenblick unserer Kenntnis. So sorgt das dankbare Vaterland für seine Söhne! « Am Dienstag brach in der Stralauer Straße, vor dem Hause Nr 13, der KnegSinvalide Wilhelm Kioncke, geboren am 7. Mai 1859, vor Hunger zusammen. Die Bewohner des Hauses veranstalteten«ine Sammlung für den Aermsten. Er gab an, daß er beim 8. Schlesischen Dragonerregiment am 3. Septem- ber 1879 schwer verwundet wurde. Der Mann ist vollständig mittel« loS und hat keine Wohnung._ Zwei Personen bei einer Explosion getötet. Ein schweres Brandunglück, das durch eine gewaltige Benzinexplosion noch verschärft wurde, ereignete sich gestern mittag gegen>/z2 Uhr im Südosten Berlins in der Dresdener Straße IL. Bei der Katastrophe sind leider auch zwei jugendliche Ardciterlcben zu beklagen. Im einzelnen erfahren wir über das Unglück folgendes: Das Fener ist in der Dresdener Straße IL in der Putzfedern- fabrik von A. Pohl entstanden und hat dann aus das Drogen- lager von Hugo Grimpe mit kolossaler Schnelligkeit über- gegriffen. Es explodierte ein großes Bcnzinfaß, wobei die beiden Arbeiter Fritz Winzler, Grün� Haler Str. 6, und Otto Hanisch, Neukölln, Bergstr. 9S, den Tod gefunden haben. Beide wurden als unförmliche Masie auf dem 2. Hof unmittelbar an der Treppe aufgefunden. Von der Gewalt der Explosion kann man sich einen Begriff machen, wenn man sich vergegenwärtigt, daß auf dem 2. Hof das Pflaster vollständig gesprungen ist. Teilweise ist die Asphaltdecke vollkommen in die Höhe gesckleudert worden. Natürlich ist in dem Seiteuflügel, wo die Explosion erfolgte, keine Fensterscheibe ganz geblieben. Wie in allen salchen Fällen liegt auch hier grobe Fahrlässigkeit seitens der Fabrikanten vor. Sowohl auf dem Hof als im Keller waren noch große gefüllte Benzinfässer, die zum Glück von der Feuerwehr sofort vor weiteren Explosionen geschützt wurden. Als die Explosion gemeldet wurde, rückte die Feuerwehr mit zahlreichen Löscbzügen nach der Unglücksstelle aus. Das Geschäfts- personal, das über dem Keller im Kontor arbeitete, konnte sich in Sicherheit bringen. Vollständig kopslos rannte das Personal fort und es konnte nickt ermittelt werden, ob noch mehr im Keller arbeiteten und ob bei der Explosion noch weitere Personen verunglückt sind. In den Nachbarhäusern, die durch diese Nachlässigkeit sehr gefährdet waren, herrscht natürlich ganz berechtigte Aufregung, denn das ganze Stadtviertel war durch die Lagerung von großen Mengen Benzin in die größte Gefahr geraten. Die Flammen, die an Benzin, Lacken, Oelen, Kisten, Tonnen uud Farben reiche Nahrung gefunden hatten, konnten mit 8 Schlauch- leitungen auf den großen Lagerkeller der Drogenfirma Hugo Grimpe beschränkt werden. Das Wasser, vermischt mit Oelen, Benzin, Farben usw. stand schließlich fußhoch im Keller und hatte eine unsaubere, graue Farbe angenommen. Als die Explosion erfolgte, glaubten die Anwohner, der Blitz habe eingeschlagen. Niemand glaubte, daß eine Explosion die Ursache der Detonation sein könne. Die beiden Leichen der jungen Leute waren vollständig unkenntlich. Sie wurden Jjoil der Polizei beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Ucber die Ursache konnte bei der Kopflosigkeit und Zugeknöpstheit der beteiligte» Personen nichts Authentisches ermitlert werden. Rat» oer Löschung des Brandes stellte es sich heraus, daß ein mit zirka 299 Kilo Benzin gefülltes, ausgemauertes Bassin noch unversehrt war. Ferner wurde ermittelt, daß noch Benzinvorräte auf dem Hofe lagerten. Nur dem sofortigen Einschreiten der Feuerwehr ist eS zu danken, daß nicht noch größeres Unheil entstanden ist. Das Grundstück Dresdener Straße 15 ist vollständig unter- kellert. Die Keller stehen miteinander in Verbindung und sind so vollgepackt mit feuergefährlichen Materialien, daß wahrscheinlich nickts zu retten gewesen wäre, sobald noch einige der dort lagernden Fässer mit Benzin oder der Benzintank explodiert wären. Ein Pulverfaß ist nicht halb so schlimm wie die auf dem Hose und im Keller lagernden Benzinvorräte. Die Urheber zahlreicher Ucbcrfälle an wehrlosen Frauen sind jetzt in der W u h l h e i d e von ihrem Schicksal ereilt worden. Der Po- lizei waren in letzter Zeil fortgesetzt Meldungen über das gemeinge- sähiliche Treiben zweier Unholde zugegangen. Die Wüstlinge pflegten sich in Gebüschen zu verstecken und sobald sie eine Dame allein vorübcrkommen sahen, stürzten sie aus dem Versteck heraus, fielen über die Wehrlose her und warfen sie zu Boden, um sie zu vergewaltigen. Zum Glück gelang es den Wege- logerern in den meisten Fällen nickt, die Verbrechen zu Ende zu führen, da die Uebeltäter infolge der lauten Hilferufe der Opfer zur Fluckt gezwungen wurden. Gestern sollte es endlich gelingen, die Burschen»nsckädlick zu machen.■ Als die in der Markusstraße 14 zu Berlin tvohnhafle 22jäbrige Arbeiterin Anna B. die Wuhlheide passierte, lagen die beiden wieder auf der Lauer und fielen über sie her. Da? junge Mädchen setzte sich ver» zweifelt zur Wehr und stieß laute Hilferufe aus. Zum Glück weilten mehrere Spaziergänger in der Nähe, die sofort hinzusprangen und die Täter überwältigten. Sie wurden der Polizei übergeben und als die„Gelegenheitsarbeiter" Fritz Teichert und Karl Peters auS Berlin ermittelt. Eine LicbeStragödie am Telephon spielte sich gestern nachmittag im Westen der Stadt ab. Der 19 Jahre alte Hausdiener Wilhelm Sommerfeld aus der Bülowstraße 65 unterhielt seit einiger Zeit ein Liebesverhältnis mit einer ebenso alten Kontoristin. Das Mädchen lernte vor einiger Zeit einen Monteur kennen, den sie ihrem früheren Geliebten vorzog. Sie schrieb diesem deshalb gestern, daß sie das Verhältnis lösen würde. Als der junge Mann gestern früh den Brief erhielt, war er untröstlich. Er konnte nicht mehr arbeiten und ging deshalb zu seiner Mutter, der er sein Leid klagte. Hier blieb er bis zum Nachmittag und weinte die ganze Zeit bindurch bitterlich. Das Zureden der Mutter, sich doch zu fassen, half nichts. Um 4 Uhr verließ er die elterliche Wohnung, nachdem er seinen Sonntagsstaat angezogen hatte, und ging zum Postamt in der Körncrstraße. Er ging in eine Fern- Ipreckzelle und ließ sich mit dem Geschäft seiner früheren Geliebten verbinden. Als diese ans Telephon kam. sagte er, daß er dort sei und nur noch Lebewohl sagen wolle. Im selben Augenblick drückte er die Waffe, die er schon auf sich gerichtet hatte, ab und brack von der Kugel in die rechte Sckläfe getroffen tot zusammen. Seine frühere Geliebte hörte den Knall durch das Telephon und bekam, da sie gleich obnte, daß er sich erschossen hatte, einen Ohnmachts- ansall. Die Leicke des jungen Mannes wurde beschlagnahmt mid nach dem Schauhause gebracht. Eine folgenschwere Katastrophe hat sich gestern vormittag auf dem Gesundbrunnen ereignet. In der chemischen Waschanstalt und Färberei von Albert Herz, Koloniestr. 91/93, wurden durch ein ab» gesprungenes Schwungrad drei Personen erheblich verletzt. In dem Betriebe befinden sich mehrere Waschmaschinen, die mit Schwung- rädern in Gang gehalten werden. Gestern vormittag löste sich bei einer dieser Maschinen plötzlich das schwere Schwungrad, während es im Betriebe war, und flog in den Raum hinein. Die Folgen sollten recht verhängnisvolle sein. Drei Personen, die gerade in der Nähe der Maschine beschäftigt waren, wurden mit solcher Gewalt getroffen, daß sie zusammenbrachen und wie leblos liegen blieben. Fenster wurden zertrümmert und andere Maschinen beschädigt. Fabrik» orbeiter aus den Nebenräumen eilten den Verunglückten sofort zu Hilfe und sorgten dafür, daß sie in ärztliche Behandlung genommen wurden. Am schwersten verletzt war der 22jährige Arbeiter Hetmann Gottschalk, Koloniestr. 91 wohnhaft. Dem Aermsten war das Schwungrad gegen den Kopf geflogen, so daß ein schwerer Schädelbruch herbeigeführt wurde. G. wurde nach dem Birchow» Krankenhause gebracht, wo er in hoffnungslosem Zustande danieder» liegt. Ferner waren bei dem Unfall eine zwanzigjährige Wäscherin und ein anderer junger Arbeiter verletzt worden. Ueber die Ursache des Unglücksfalles, die bisher noch nickt aufgeklärt werden konnte, ist eine polizeiliche Untersuchung eingeleitet worden. Im Freibad Grünau ertrunken. Beim Baden im Freibad Grünau ertrunken sind die Lehrlinge Aisred P r e n g e l und Alfred Schwartzkopff aus Neukölln, Bergstraße 138 wohnhaft und beim Schlächtermeister Wilhelm Schratz besckäftigt. Prengel, der schwimmen konnte, hatte sich zu weit hinausgewagt, gefolgt von seinem Freunde, der des SchwimmenS unkundig war. Plötzlich versanken beide in den Fluten. Gestern vormittag wurden beide als Leichen geborgen. Selbstmord eines Fabrikbesitzers. Auf furchtbare Weise hat der 61 jährige Fabrilbesitzcr Olto Brack, Ulmenallee 8 in Westend wohn- bafl, seinem Leben ein Ende gemachl. B. ivar seit längerer Zeit schwer nervenleidend und konnte trotz vielfacher Kuren keine Heilung finden. In voriger Woche wurde er von einem besonders heftigen Anfall seines schmerzhaften Leidens betroffen. Da der Fabrikbesitzer fürchtete, geisteskrank zu werden, beschloß er freiwillig aus dem Leben zu scheiden. In seinem Schlafzimmer brachte er sich mit einem Rasiermesser zwölf tiefe Schnitte am linken Unterarm bei. wodurch die Pulsader und fast sämtliche Muskeln durchschnitten wurden. Auch am linken Oberschenkel fügte sich der Kranke eine schwere Verletzung zu. Erst nach längerer Zeit wurde der Fabrik« bcsiper von Angestellten in einer großen Blutlache und fast leblos aufgefunden. Der Schwerverletzte wurde nach dem Krankenhaus Weitend geschafft, wo er bald darauf verstarb. Furcht vor Erbliiiduiig hat die 6t Jahre alte Witwe Emilie Karr-e. er, geborene Hen.pel, vom Schiffbauerdamm 1 in den Tod getrieben. Die Frau, die ihren Lebensunterhalt durch Abvermieten eines Zimmers bestritt und von ihrem Sohne unterstützt wurde, war augenkrank. Als sie sich untersuchen ließ, erfuhr sie, daß die Krank» heit schon so weit vorgeschritten war, daß eine Heilung auS» geschloffen schien. Darüber war sie so verzweifelt, daß sie be» ichloß. lieber aus dem Leben zu scheiden, als des Augenlichts be» raubt zu sein. Gestern erhängte sie sich in ihrer Küche am Fenster» kreuz. Als man sie ausfaud, war sie schon tot. Ihre Leiche wurde beschlagnahmt und dem Schanhanse überwiesen. Einbruch in die Villa dcS Grafen Fink von Finkcnstrin i» EberS» waldc. In der Nacht zum Dienstag haben Berliner Einbrecher auf ihrer Reise durch die Mark in Eberswalde eine Gastrolle gegeben. Drei von ihnen, berückliate Berliner Geldschrankknacker, wurden von de» dortigen Polizei dabei abgefaßt und hinter Schloß und Riegel g». bracht. Die anderen Einbrecher, die dem Grafen einen Besuch ab» statteien. sind entkommen. Die Diebe verschafften sich m der Nacht gegen 12 Uhr gewaltsam Eingang in die Villa und stahlen aus Schränken, die sie erbrachen, für über 8000 Mark Silber» fachen aller Art, wie einen Kasten mit silbernem Besteck für 18 Personen, silberne Obftkörbe, Zuckerschalen, Kaffeekanne», Becher usw. Alle Silberiachen sind mit dem Wappen des Grafen gezeichnet. Dieses bestebt au« mehreren Feldern, in dem oberen befindet sich ein Doppelavler, in dem unteren ein Hund. Uebcr dem Wappenfeld befindet sich eine ncunzackige Krone. Mehrere silberne Teller tragen den Namen M. von der Burg. Der Oekonom des Löwenbranerei-Ausschankc« in der Hochstrahe, Herr Donath wurde gestern von seiner Dogge derartig an beiden Armen zerfleischt, daß sich seine Ueberführung in da« Krankenhaus nötig machte. Der Hund wurde von einem Polizeibcamten erschossen.— Im Betrieb de§ Gastwirts wird zurzeit gestreikt. Ein frivoler Raub ist gestern abend auf dem W e d d i n g verübt worden. Vor dem Grundstück Uferstr. 14 war der Schneider- ineister Wilhelm Tilscher, Bornemannstr. 1 wohnhaft, plötzlich vo» Krämpfen befallen worden und leblos umgestürzt. Es trat nun ein fremder Mensch an ihn heran, der sich als Samariter aufspielte und dem Erkrankten angeblich Hilfe leistete. In Wahrheit hatte es der Unbekannte jedoch auf die Beraubung des Ohnmächtigen abgesehen. Er stahl ihm eme Börse mit 180 M. sowie die Uhr aus der Tasche und machte sich, als der Kranke wieder zu sich kam, aus dem Staube. Leider vermochte T. von dem Uebeltäter keine Beschreibung zu geben, da er den Tjiebstahl erst einige Zeit später bemerkte und der dreiste Räuber inzwischen die Flucht ergriffen hatte. Am Spirituskocher lebensgefährlich verbrannt hat sich gestern nachmittag das 18 Jahre alte Dienstmädchen Helene Riebecke, daS bei dem Erzpriester der St. Mauritiusgemeinde N. Kubern in der MauritiuSkirchstr. S zu Lichtenberg beschäftigt war. Das junge Madchen beging die Unvorsichtigkeit, in einen noch brennenden Spirituskocher Spiritus nachzufüllen. Die unausbleibliche Folge war, daß Kocher und Spiritusslasche in Brand gingen und explo- dicrten. Die Flammen ergriffen die Kleider des Mädchens. Aus ihr lautcZ Geschrei kamen Leute zu Hilfe und erstickten die Flammen. Die Unglückliche war aber schon über und über mit Brandwunden bedeckt. Mit einem Rünzelichen Kr. ckenautomobil wurde sie nach dem St. Hedwigskrankenhause gebracht, wo sie hoff- nungsloS daniederliegt. Wer ist die Tote? In Saatwjnkel wurde gestern di« Leiche einer unbekannten ungefähr 80 Jahre alten Frau aufgefunden. Die Tote, die nach der Leichenhalle in Plötzcnsee gebracht wurde, ist un- „efähr 80 Jahre alt und 1,68 Meter gros;, bat dunkelblondes Haar, ein frisches Gesicht, braune Augen und vollständige Zähne und trug «n weifzeS Kostüm mit Spachtelbluse, weiße Schuhe mit Messing- schnallen, einen großen weißen Hut mit schwarzem Bande und Weiße Unterwäsche, die mit dem Buchstaben LI. gezeichnet ist. Ein schwerer Strnßenbahnunfall hat sich gestern gegen Uhr am Kottbuser Damm ereignet. Dort wollte am Hohenstaufenplatz der Bäcker Otto Hübner ans der Allerstraße 42 m Neukölln un- mittelbar vor einem Straßenbahnwagen das Gleis überschreiten. Er wurde jedoch umgestoßen und erlitt schwere Kopfwunden und einen Bruch de« Nasenbeins. Der Verunglückte fand im nahen Urban-Krankenhaus in besinnungslosem Zustande Aufnahme. Gefunden. In Köpenick hat sich ein Fahrrad und eine Mütze angefunden. Der Eigentümer erhält nähere Auskunft beim Bor- sitzenden des ArbeiierradfahrervereinS Groß-Bertin, Paul Pippow, Liegnitzer Str. 10, vorn II. Vorort- l�acdridrten. Nenkölln. Der Wahlverein nahm in seiner am Dienstag abgehaltenen Generalversammlung zunächst Stellung zur Kreis-General- Versammlung, die unter anderem das Statut des Verbände« Groß-Berlin zu beraten hat. Zu dem Entwurf dieses StatuiS empfahl der Referent Scholz folgende Aenderungen: Die Funllionäre des Kreise« im Verbandsvorstande sollen nicht nur dem Kreise, sonoern auch den örtlichen Wahlvereinen Bericht erstatten.— Bei wichtigen Angelegenheiten, die nach dem Statut den Kreisen zur Beratung zu überweisen sind, soll auch in den Land- kreisen den örtlichen Organisationen Gelegenheit gegeben werden, zu diesen Angelegenheiten Stellung zu nehmen.— Nicht für 100, sondern für je 200 Mitglieder soll ein Delegierter zur Verbands-Generalversammlung gewählt werden.— Die Bersamm- lung stimmte diese» Abänderungsanträgen zu. Hierauf erstattete Genosse Scholz den Vorstandsbericht für das verflossene Geschäftsjahr. Der Redner gedachte zunächst der auß rordentlich günstigen Ergebnisse der ReichStagSwahl, sowie der Vorgänge bei den Stadtverordnetenwahlen, Dann ging er auf die Geschüfie des Vereins ein. Eine im November veranstaltete Aaita- tion für den.Vorwärts" hatte das günstige Ergebnis, daß 2 806 neue Abonnenten gewonnen wurden. Aber e» ist leider uicht möglich gewesen, die Gewonnenen vollzählig zu erhalten. Die Zahl der„Vorwärts"« Abonnenten betrug am Schluß des Geschäftsjahres>18 038. Das ist eine Zunahme gegenüber dem Vorjahre von nur 343. Die„Gleichheit" wird in 45L Exemplaren gelesen. Hier ist gegenüber dem Vorfahr eine Abnahme von Sö zu verzeichnen, obgleich der Verein im Geschäft«- jähr 479 neue weibliche Mitglieder gewonnen hat, Eine besondere Agitation für den Wahlverein, die im Dezember im Anschluß an 18 Bezirksversammlungen betrieben wurde, hatte nicht den gewohnten Erfolg. ES wurden nur 480 neue männliche Mitglieder gewonnen. Eine Hansagitation zur Gewinnung von weiblichen Mitgliedern brachte 445 Neuaufnahmen. Die Agitation, die im Anschluß an den Frauentag im Mai stattfand, hat der Organisation 2ül neue weibliche Mitglieder zugeführt.— Die Werbearbeit unter den Frauen wird außer von de» 28 Leiterinnen der Leseabende von 200 Gruppen» führerinnen erledigt. Der Mitgliederbestand deS WahkvereinS belief sich am 1. Juli 1911 auf 11287 männliche und 2073 weibliche, zusammen 14 340. Am 30. Juni 1012 betrug die Mitgliederzahl 11 746 männliche und 3452 weibliche, zusanimen 16 108. Die Zunahme beträgt also 370 männliche und 470 weibliche, insgesamt 868 Mitglieder. DaS ist im Vergleich zu früheren Jahren kein günstiges Ergebnis. Die Streichungen sind sowohl bei den männlichen wie bei den weib- lichen Mitgliedern viel zahlreicher als die Aufnahmen. Auch die aus dem Orte Abziehenoen sind zahlreicher als die Zuziehenden. Allein durch Abzug hat der Verein 480 Mitglieder verloren. Den Neuaufnahmen von 2436 männlichen Mitgliedern steht eine Zunahme von nur 370 männlichen Mitgliedern gegenüber.—- Bon den 11 746 männlichen Mitgliedern sind 0102 gewerlschaftlich organisiert. DaS sind«1.8 Pro,., während e« im vorigen Jahre 84 Proz. waren. Der Konsumgenossenschaft gehören 2207 WahlvereinSmit- glieder an.— Die Zahl der.BorwärtS"-Leser unter den Mitgliedern betragt 0881 oder 87,8 Proz. Auch diese Zahl ist gegen daS Bor- jähr, wo sie 89 Proz. der Mitglieder betrug, zurückgegangen. Die Spedition in Neukölln hat 16 088„Vorwärts"- Abonnenten. Es sind also 7100„VorwärtS'-Abonnenten in Neukölln, die dem Wahlverein nicht angehören. Andererseits lesen aber 1301 Wahlvereinsmitglieder den„vorwärts" nicht. Es wurde festgestellt, daß 810 Mitglieder andere politische.»01 Mit- glieder„unparteiische" und 890 Mitglieder überhaupt keine Zeitung ' lesen. Bon den letzteren sind 228 Schlafburschen.— Unter HnuveiS auf die angeführten ungünstigen Tatsachen ersuchte der Redner um rege Mithilfe der Genoffen bei der Agitotion. damit der nächste Be- richt in jeder Hinsicht günstiger ausfallen kann.. � Der vom Genoffen Hube vorgelegte Kassenbericht für da» verflossene Jahr zeigt in Einnahme und Susgabe die Summe von»4 786,41 M., wovon 37 307,33 M. an die Kreiskasse abgeführt woöden sind. Außerdem wurden der Kreiskasse au« dem Vertrieb von Broschüren, Maimarken usw. 4310,30 M. zugeführt. Nach einer auSgedehvten Diskussion, die sich auf verschiedene Einzelheiten aus dem örtlichen Partei- und Organisationsleben er- streckte, wurde der Kassierer entlastet.— Dann wurde eine aus der Versammlung eingebrachte Resolution aiigenonimen, welche die Parteigenoffen auffordert, der Konsumgenossenschaft bei- zutreten und deren Bestrebungen zu fördern. Die Anstellung eines Sekretärs für den Wahlverein, bie_ auf Veranlassung des Vorstandes bereits die Zahlabcnde be- schäftigl hat, wurde von der Versammlung nach kurzer Debatte mit allen gegen drei Stimmen beschlossen.— Die hierauf vor- genomniene Vorstandswahl hatte folgendes Ergebnis: Scholz erster. He lb ig zweiter Vorsitzender. Feller Schriftführer, Kupke, Rummel und Bunzel Neviioren, Mählender- lein, K u b i g, R o ttm a nn und Beiersdorf Beisitzer. Genosse Hube führt die Kaffcngeschäfte weiter vi« zur Wahl des Sekreiär«, der diese dann mitbesorgen soll.— Als Vicrtelskasfierer wurden gewählt ftir den ersten Bezirk Fi du IIa, für den zweiten Bezirk K a h I b a u m. für den dritten Bezirk Ä i e s e w e t t e r. für den vierten Bezirk A l b r e ch t. AIS weibliche Beisitzerinnen im Vorstande wählte die Versammlung die Genossinnen Röhl und Scholz. Steglitz. Die zweite außerordentliche Sitzung der Gemeindevertretung er- ledigte gestern bei 16 Anwesenden die fast durchweg wichtige TageS- ordnung, die einen stärkeren Besuch gerechtfertigt hatte. Bemerkt sei vorweg, daß auch eine Bollversammlung keine anderen Beschlüffe ge- zeitigt hätte, da durch die fehlenden Herren daS Stärkeverhällnis der einzelnen Parteien nicht gestört war: Die HauSbesitzermehrheit, ver- stärkt durch die Mitglieder des Gemeindevorstande« war vorhanden und konnte wie stets der Bürgerschaft ihren Willen aufoktroyieren. Der Abschluß eineö Vertrages der Gemeinde mit der Steglitzer Tisvectriebsgesellschaft m. b. H. wurde von unserem Ver- treter A ß m a n n aus prinzipiellen Gründen bekämpft. Er müsse auch hier wieder die Forderung erheben, daß wirrschastliche Unte? u!! nungen der Gemeinde in eigenen Betrieb genommen werden müßten. Es liege kein stichhaltiger Grund vor, einen Privatunternehmer zwischen die eisproduzierende Gemeinde und die Konsumenten zu stelle», wodurch nicht nur die Einnahmen der Gemeinde geschmälert, sondern auch das Produkt verteuert würde. Völlig unanmhmbar für ihn sei jedoch der vorliegende Vertrag noch besonders deshalb, weil die Gesellschafter der vertragschließenden Eis- ve: riebSgesellschaft der Gemeindeverordnete Bank und dessen Ehefrau seien. Er halte ein« solche geschäftliche Ver- bindlmg eineS Gemeindeverordneten init der Gemeinde nicht für angebracht und werde au» diesen Gründen gegen den Vertragsabschluß stimmen. Schöffe Jochen» entgegnete, baß zwar in einigen Kommunen dieser Grundsatz durchgeführt sei, daß er ihn aber nicht für richtig holte, da er darauf hinauslaufe, Geschäftsleute mit wirtschaftlichen Nächteilen für die Annahme eine« Ehrenamtes zu bestrafen. Der Antrag selbst wurde nach langer Debatte, in der von der Hausbesitzerpartei wiederholt bedauert wurde, daß gerade eiller der ihrigen der Vertragschließend« sei, was sicher in der Wahl- agiration gegen sie ausgenutzt werden würde, gegen eine Stimme angenommen. Der Betrieb de« Eis werke« wird voraussichtlich Ende August oder Anfang September aufgenommen werden. Nachdem unsere Gemeinde ein eigenes Elektrizität«- w erk errichtet hat, rnußte sie vertraglich das Kabeknetz der Berliner VorortS-EIektrizilälswerke„zum Taxwert" übernehmen, der durch zwei Gutachtet festzustellen war, deren je einen die Gemeinde»ind die B. V. E. zu ernennen hatten. DaS»oar geschehen mit dem Er- gebniS, daß der Gutachter der Gemeinde den„Taxwert" auf 180 000 Mark, derjenige der B. B.<£. aber auf 1 181 000 Mark schätzte. Da die Gemeinde selbstverständlich einen derartig unerhörten Preis nicht zahlen wollte, mußte ein vertraglich vorgesehene« Obergutachten ein- geholt»verden, das sich auf der„mittleren Linie" beloegt und zu der imnrerhin ansehnlichen Summe von 680000 M. kommt. Da man allgemein einem gerichtlichen AnSIrag der Sache abgeneigt »oar, wurde einstimmig beschlossen, die 680 000 M. zu zahlen. Auch der Vertrag mit dem Kreise Teltow über die Betriebs- führuug unserer Straßenbahn wurde gutgeheißen und dann der Tarif für die vom Bahnhof bis zur Siemens- straße verlängerte elektrische Straßenbahn zur Beratung gestellt, der neben zwei Teilstrecken a 10 Pf. für die gesamte Strecke 16 Pf. festsetzt. Genosse A ß m a n n bemängelte zunächst, daß der Gemeinde- vorstand die bezügliche Bekanntmachung erlassen habe, ehe die Gemeindevertretung, der allein die Entscheidung zustehe, einen Be- schluß gefaßt habe. Auch gegen die Behauptung de« Referenten, Schöffe Jochem, daß u. a. der Finanzausschtlß die Vorlage an- genommen habe, müsse er sich wende»:, weil dies unzutreffend sei. Nur ein Mitglied diese« AuSfchuffeS habe mit vier Herren des GemeindevorstandeS dafür gestimmt. Im übrigen wandte er sich gegen die Borlage und beantragte den Zehnpsennigtarif imJntereffe deS Verkehrs und der Gemeinde. Trotzdein der Antrag von einigen Herren der bürgerlichen Linken»nit guten Gründen warin unterstützt wurde, erfolgte gegen vier Snmmen Ablehnung. Bürgerlneister Buhrow konnte es sich nicht versagen, wieder einmal den Schulmeister zu spiele»», indem er Genossen Aßmann Verletzung der Geschäftsordnung vorivarf. Er mußte sich jedoch sagen lasten, daß es ihm schlecht anstehe, als Geschäftsordnungsivachter aufzu- treten, da er selber entgegen den Bestimmundcn der Geschäfts- ordnung iin Finanzausschuß einen Beschluß habe fasten lassen, also geschäftZordnungSwidrig gehandelt habe, obwohl er auf die Un- gültigkeit des Beschlusses hingewiesen worden sei. Nach Ablehnung des 10 Pf.-Tarif« versuchte Genosse Aßmann auf aildere Weis« de»» BerkehrSbedürfniS Rechnung zu tragen, ohile jedoch Entgegenkominei» zu finde»». So beantragte er Verlängerung der Teil- st recken. Einfügung einer dritten Teilstrecke, UebergangSberechtlgung zur gleislosen Bahn. Alle Mühe»var vergeben«— gegen eine Sttmi»»e wllrden seine Anträge abgelehnt. Auch der so selbstverständliche Antrag, die Arbeiterwochenkarten nicht für eine Kalender- Woche, sondern für sechs aufeinanderfolgende Arbeitstage gelten zu lasten, wie ei sogar be» der Eisenbahn Regel ist, wurde mit 8 gegen 7 Stimmen abgelehnt. Nur der Anregung versprach der vlirger- meister stattzugebe»», daß auf dem Rathause eine Ausgabestelle für Wochenkarte» ejrngerichtet»verde» soll. Der Verlauf der Sitzung bestätigte vollauf, daß auch 16 Man» genau so rückständige Beschlüffe zustande bringen köitne»», wle die Gcsamtvertretung in Stärke von 32 Mann. Willnersdorf. Ist» dem gestrigen Bericht über die Bcrsaininlung de« Sozial- demokratischen Wahlvereins muß eS selbstverständlich in der vierten Zeile von unten heißen, die genannten Parteigenoffen sind zu Mitgliedern de« BildungSauSschusse« und nicht des Be- zirksausschusies gewählt. Potsdam. Zu dem Riefenbrand, der DienSIagnachmittag auf dem Druschkyschen Lagerplatz an der Leipziger Straße wütete, wird noch gemeldet: Das Terrain ist mehrere Morgen groß und gehört der Eisenbahn, die eS an den Kaufmann Druschky verpachtete, der wiederum mehrere Unterpächtcr einsetzte. Es standen Schuppen. Ställe und Depots dort. Außer Druschky. der dort Gewürz-, Darmlager und Fleischereimaschtnen untergebracht hat. hatte der Kohlenhändler Schröter dort größere Borräte an Brennmaterialien, Maschinen und Nutzholz aufgespeichert. Alle möglichen Produkte waren auf dem Platz aufgespeichert. Gegen lli2 Uhr sahen Passanten urnnittclbat an den» großen Kohlenlager der Eisenbahn hinter einem Schuppen Rauch aufsteigen, dann schoß eine Feuergarbe empor und bald war alles ein Flammen,>»ecr. Undurchdringlicher Ouakm wälzte sich übet die Brandstätte und der Wind trieb die beißenden Rauchwolken über den südlichen Stadtteil, der bald raucherfüllt war. Sechzig Feuerwehrlmte hatten ununterbrochen mit einem Detachement vom 1. Garde-Regiment zu tun, um deS Feuers einigermaßen Herr zu werden. Bald lag ein unentwirrbares ChaoS von Trümmer»», Holz- und Kohlenstiicken und Gebälk auf dem Brandplatz. Da und dort glühten Maschinenteile, 100 Zentner Salz, mehrere Fässer Därme und Zwiebel- Haufen lagen unter den Gcbäudelrümmern. In drei Stallungen verbrannten je ein Pferd, und ein ganzer Geflügelstall ging mit dem Federvieh in Flammen auf. Trotzdem ein Netz von 16 Schläuchen über die Braildsteve verzloeigt war, gelang eS nicht, das Fwgfeuer abzulvehren, das schließlich auf zwei an der erhöhten Straße liegende Pavillons übersprang. Der Brosesche Zigarrenladen und das Blumengeschäft von Affclt wurden in ihrem Innern völlig zerstört. Der Brandschaden»vird auf über 60 000 M. beziffert. Am scht»>erslen ist der Kohlenhändler Schröter betroffen, dessen Inventar fast nicht versichert war._' Geriebtö- Zeitung« Wirkungen der Strafgefetznovelle. Die strafmildernde Wirkung der neuen Novelle zum Straf- gcsctz zeigt sich in dem Moabiter Kriminalgericht fast täglich in einer Weise, die erkennen läßt, daß eS sich hierbei um eine Gesetzesänderung handelt, die endlich eine Anzahl völlig unange- brachtet Schärfen beseitigt und das Gesetz viel mehr mit dem Rechtsempfinden in Einklang gebracht hat. Vor nicht allzu langer Zeit hatte sich ein bisher unbestrafter Mann unter der Anklage des schweren Diebstahls vor der Straf- kammer zu verantivorten. Der Angeklagte War über einen Zaun auf einen Kohlenplatz gestiegen und hatte sich dort in dem Moment, als er ertappt wurde, gerade«ine einzige Klobe Holz im Werte von einigen Pfennige» angeeignet. Da der Diebstahl„mittels Ein- steigcns" verübt u>ar, also schwerer Diebstahl vorlag, mußte der Angeklagte, der in der bittersten Not gehandelt hatte, zu der gesetz- lich niedrigsten und ganz unangemessenen hohen Strafe von drei Monaten Gefängnis verurteilt werden. Der dauralige Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Leue, verkündete dieses Urteil mit offenen Worten des Bedauerns über die Schärfe des Gesetzes in derartig milde liegeirden Fällen. Diese mehr als drakonische Strenge ist nunmehr ein für allemal beseitigt. Der Diebstahlsparagraph, der bisher nur Gefängnisstrafe zuließ, hat bekanntlich folgenden Zu- sah erhalten:„Wer aus Rot geringwertige Gegenstände entwendet oder unterschlägt, wird mit Geldstrafe bis zu 300 M. oder mit Ge- fängnis bis zu drei Monaten bestrast. Die Verfolgung tritt nur auf Antrag ein. Die Zurücknahme des Antrages ist zulässig.' Wie sich diese Aenderung in der Praxis bewährt, zeigten mehrere Fälle, die in diesen Tagen die Strafkammer beschäftigten. Angeklagt wegen schweren Diebstahls im strafschärfenden Rückfalle war ein Arbeiter Birkholz. Dieser hatte sich vor vielen Jahren im Leichtsinn gegen da» Strafgesetz vergangem und befand sich nun „im Rückfall", als er eines Tages in der bittersten Not und um Frau und Kinder vor Hunger zu schützen, ein Stück Regengosse ab- riß. um es als altes Zink für ein paar Pfennig« im„Lumpenkeller" zu verkaufen. Da auch dieser Diebstahl mittels Einsteigen« verübt »oar, hätte B.. selbst bei Zubilligung mildernder Umstände, zu der niedrigsten gesetzlich zulässigen Strafe von— einem Jahre Gr- fängnis verurteilt werden müssen, da schwerer Diebstahl im straf- schärfenden Rückfalle vorlag. In der Verhandlung machte Rechts- anmalt Dr. Karl Loewcnthal auf jene Novelle zum Strafgesetz auf. merksam und wie« darauf hin, daß der Strafantrag fehle, der bis- her nach der alten Fassung nicht nötig war. Die Folge war, daß da« Verfahren wegen des fehlonden Strafantrags eingestellt werde» mußt«. In einem anderen Falke hatte eine Näherin Gemman« in einem Laden für 65 Pfennige„Persil" gestohlen. In diesem Falle bandelte es sich um eine mehrfach vorbestrafte Ladendiebin, die aber schon wiederholt als geisteskrank gemäß§ 61 St.�G.-B. freigesprochen worden war. Auch jetzt hätte wiederum eine kostspielige llnd langandauernde Untersuchung der Angeklagten stattfinden müssen. Da hier ebenfalls ein Srafantrag fehlte, wurde da« Ver- fahren gegen die G. eingestellt.— Auch die Milderungen au« Ab- satz 2 des Z 123(Hausfriedensbruch) gelangen häufig zur Anwen- dung. DaS erfuhren dieser Tage zwei junge unbestrafte Leute, die in angetrunkener Stimmung auf die Aufforderung des Wirts hin nicht sofort daS Lokal verlassen hatten. Die beiden unbescholtenen Leute hätten früher ihre Tat mit mindesten« 1 Woche GefSngni» büßen müssen, da dies bisher das gesetzliche Strafminimum bei ge- meinschaftlichem Hausfriedensbruch War. Da die Novelle jetzt auch Geldstrafe vorsieht, wurden sie nur zu Geldstrafen von j« Ist M. verurteilt._ Hus der frauenbewegung« Die birmanische Frau. Der Untergang aller Sitte, Ordnung und de« Familienleben» soll die Folge sein, wenn die Frauen die politische Gleichberechtt- gung mit dem gleichen Wahlrecht wie die Männer erhalten. Wie falsch und unrecht dieses Geschrei ist, beweist augenfällig ein Auf- sehen erregeirder Artikel im„Journal of the Meha Bodhi Society", der die Stellung der birmanischen Frau behandelt. Nirgends in der Welt, heißt eS in der betreffe»»den Abhandlung, hat eir»e Ration ihren Frauen solch absolute Freiheit, solch glänzende Perfügung über ihr Leben und Eigentum zugestanden, wie die Birmanen eS getan. In bezug auf Gesetz, Religion und Sitte steht die Frau dem Manne gleich. Die Frau vertvaltet seidständig ihr Eigentum, ihr Mann hat kein Verfügungsrecht hierüber. Von Kindheit an ist sie frei. DaS Rittcrwefen, welches die Frau als Göttin pries und sie als Sklavin behandelte, ist nie nach Birma gedrungen. Dabei»st die Birmanin weiblich geblieben. Verheiratet oder ledig hat fast jede Frau eine Besäbäftigung neben ihren häuslichen Pflichten. Die Wirkung dieser Gepflogenheit, daß jede Frau ein eigenes Geschäft besitzt, hat großen Einfluß auf ihr Leben. Ihr Blick erweitert sich, sie lernt Dinge, die der enge Kreis der Häuslichkeit sie niemals lehren würde, sie erwirbt so die Toleranz und da» Verständnis, die jedem so sehr auffallen, der sie kennt. Die Ehescheidung ist so leicht zu erlangen, wie es der vorgeschrittene Reformator wünschen kann, aber sie gehört zu den Seltenheiten. Was sage»» die Stiinmrechtsgegncr zu diesen Ausführungen? Etwas ist noch anzufügen: diese Selbständigkeit der birmani- schen Frau hat etwas zur VorauSsetzu»»g: durchaus andere soziale Verhältnisse und Einrichtungen, als die sogenannten Kulturländer sie besitzen. In Birma kann die Frau einem Beruf nachgehen, ohne ihre familiären Pflichten zu vernachlässigen, weil sie der Be- rufSarbeit nur 3 Stunden widmet. Wo haben wir das in den Ländern, die sich ihrer Kultur rühmen. Die Erwerbsarbeit nimmt heutzutage die volle Kraft des Mannes in Anspruch, so daß letzterer an der Erziehung der Kinder nicht teilnehmen und sein Leben für die Familie nicht mehr in Betracht kommen kann. Von den er- werbStäiigen Frauen gilt daS gleiche. Für die Mehrzahl derselben behält der Satz sein Recht:„Niemand kann zween Herren dienen". Nur die Beseitigung der kapitalistischen Herrschaft, die Verwirk- lichung des Sozialismus, schafft wieder für jede Frau die Möglich- keit, alle ihre Fähigkeiten, alle Seiten ihres Wesens reich zu ent- wickeln und auszudehnen. Und mit jedem Tag wachsen die Wirt- schaftlichen Voraussetzungen kräftiger, mannigfaltiger empor für die sozialistische Gesellschaft und für die einzig in ihr mögliche er- weitcrte und höhere Tätigkeitssphäre de» gesamten weiblichen Ge- schlechts._ Frauenarbeit«nd Frauruftimmrecht i» Amerika. Bisher beschränkt sich das Frauenwahlrecht in der Union auf eine Reih« der Weststaatei», während e« in den alten Oststaateu nirgends eingeführt ist. Nur in industtiell wenig entwickelten Staaten hat man eS bisher gewagt, den Fra»»en, den Proletarier»»»?»», Stimmrecht zu gewähren. DaS zeigt eine Ausstellung der„New Yorker BolkSzeitimg", die die Ausdehnung der Fabrtkarben der Frauen in den verschiedenen Gebieten Amerikas darlegt. Bei der Zählung HflCMEN bcrcem von 1000— die ZMen von 1S10 stehen noch au?— gab eS im Sloate Wyoming, Ivo die Frauen schon seil 1869 das Wahlrecht haben, nur 47 Fabrikarbeiterinnen. In Jdbho waren eS 59, in Ulah 818, in Colorado 1894.— Dagegen wurden schon 1900 in Pennsylvania 126 100, in Massachusetts 148 100, in New Fort(Staat) 830 200 Fabrikarbeilerinnen ermittelt. Heute sind eS dort schon über eine halbe Million. Hier also ist die Erweiterung der Frauenrechte zugleich eine Klassen frage, der Kampf darum ein Stück Klassen- kämpf. Daher der Widerstand der herrschenden Parteien. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) Hus aller Melt. Eine Eifersuchtstragödie, die sich am Mittwoch in Paris zugetragen hat, erregt da« größte Aufsehen. Die bekonnte Pariser Schriftstellerin Frau Bloch, die unter dem Pseudonym Becrulieu schreibt, hat gestern ihre Reben- b u h l e r i», eine Amerikanerin, eine Mr«. Bridgemann, erschösse n. Frau Bloch, deren Mann Reisender für eine grohe Firma ist, hatte in Erfahrung gebracht, ddtz ihr Gatte Beziehungen zu Frau Bridgemann, einer schönen rotblonden Amerikanerin, die für die New Dork VerficherungSgesellschaft tätig war, unterhielt. Frau Bridgemann, die gleichfalls verheiratet war, hatte ein Parterre- zimnrer gemietet, in dem sie sich mit Bloch zu treffen pflegte. Mittwochmorgen begab sich Frau Bloch zu Frau Bridgemann und eS kam zu einer heftigen Aussprache Zwilchen den beiden. Reben- buhlerinnen, in deren Verlauf Frau Bridgemann sagte:„Ihr Gatte gehört mir und ich werde ihn behalten". Darauf zog Frau Bloch einen Revolver und gab zwei S5c;3d Ldpzi�cröfr: 05 NcukolIn.Bc�fr: Oxanien M r: U7d Friedenau j&db&K heiberwir �roßc. �Poöfcn von öchohvarcn öllcrArf die fdb un�orficpf ölnd und feilt) nichf reifer c�führf werden linPrdfc herabdesefzf An jedem Paar ist der frühere Preis ersicbtitdi. MM IUI! Unser diesjähriger großer S edlbn Ausverkauf bietet außergewöhnlich große Vorteile Die überaas große Reichhaltigkeit onserer Ausverkauf swaren gestaltet uns, nur einca.Brmlitefl derselben hier aufzuführen. Wir bringen daher in den sachstehenden Preisen nur einige Beispiele unserer sensationellen Sillitzkeit Herren- Stiefel Spiegelroßled., Schnür- n.) jetzt Zugstfl ,bes.haltb.,fr.7.99 I yj qc Roß-Chevr..Schn.'HaIbsch.| m.u o Uckk.fr. 10.50,8.90 i Gelb Kalblcdor, Knopf- Halbschuhe, früher 12.50 Glatt. Boxe.- Zogst. fr,l 2.50 Udcbss. Schnür- U.Knopf- stfl.,kl.u gr.Num, fr. 12.60 jetzt 7®° Hellgelbe Boxealf-Bergsteiger.. früher 15.50 Chevr.-5chnörsticfel,Ladc- kappe u. Derby fr. 12.50 Braun Chevreaux- u Lack- Halbschuhe früher 12.50 jetzt Schwarz und braun Schnür- jetzt Stiefel m.Ladck., auch Derby JBUÜ Gr. 36-38, bed. ermäßigt Ein Posten Leder-] Damen 1 e,sdiwarz/ Ä 7S HaussdlllhCyäcnwarz/ Ä45 und braun, durchw.j Herren 2 Boxcalf- u. Chevr.-Schnnr- stiefel, Derby, fr. 12.50( fhQn Hellgelb Kalbleder. Berg-| W steig., DoppelsohJ.fr.12.50 j Damen-Stiefel Uckbes., Knopfstiefe] mit Kammgarn-Eins..... Boxcalf-Damenstiefel mit Uckkappe und Derby. Braun eiht Chevr.-Schnür- sliefel mit Lackkappe.. Chevr.-SchnCrstief„echt Doppelsohle, früh. 15�0 Gelb rlelbled.-Schnürstf. engl-StoffeiBs.,fr 16.50 Uekbes.-Knopfstfl. mit eleg. Stoff- oder Matt- chevr.-Eins..lch-50,16.50 Besondere Kaufgdegwibeit f. kleine u. große Herren-» Damen-Stiefet 590£90 790 Echt Chevr.-. und Boxcaic- Soi«niirslief.,Orig.-Goody.- � Welt, verschiedenste Ans-. fühnmgen, auch in brenn___ früher 12.50 ö" Damen- Halbschuhe Segeltuch-Schnür- u, Knöpf- Halbsch. sowie hohe Stief., einz. Groß., fr. 4.90 u. 6.50 Samt-Salonschuhe in vielen] Farben... früher 6.90 I Chevrette- Schnürschuh,) Derby, Udclc� früher 5.90 1 Gran Chevr.-Pumps,fr. 9.90 Chevrette Hochlaschensch. mit Stickerei, früh 10.50 Uck-Scknürschuh m. weiß Udereinsatz, früher 9.50 Dam. braun Chevr.-Schnürschuh, kl. Numm.,fr. 12.50' jetzt <|9S jetzt 2»s jetzt 6*° Braun Glanzriog.-Schnür- stiefel, Größe 18— 21, früher 2 50 BraunChevreaux-Schnür- stiefel mit Lackkappe, Gr. 18-21, früher 2.95� jetzt 95 pf Braun eht Ziegenl.- Schnürstiefel 23— 24 15- 25 37-30 ,1-5» Grau und braun Chevr.- Knopfsch., feinste Wiener Handarbeit, früher 16.50 Lack u.br. Pnmps, fr. 12.50 Bronze-Salon m. Perlstick. Lack-Schnürschuh m.grau- sämisch Eins., echt Louis XV.- Absatz, früh. 12.50 Lack-Schnürschuh m. weiß Samtkalb od. m. weiß u. schwarz kariertem Stoff- Einsatz., früher 12�0 Kinder- Stiefel Roßleder-Schnurstiefl., pr. Fabrikat 27—30 31—35 Prima Boxcalfsticfel mit Lackkappe 27—30 31—35 ginr- HM 4' Braun Chevreaux-Sdinürst-jkÄ'a m. Uckk. gewendet, jetzt 2 25- 35 27-30 51—36 durchgenäht�6" 52a SP» Lack-Knopfschuh mit beige Chevreaux od. grau Samt- kalb-Einsatz, früher 12.50 Hellgelb Chevreaux-Seiten Schnürschuh, früher 12.50 Bronze- Hochlaschenschuh m. eleg.Perlstick., fr 11.90 Lack-Knopfschnh mit weiß und graa sämisch Einsatz Braun Chevr.- Knöpfschuh mit weiß Samtkalb- Einsatz, früher 1 5.50 u. 16.50 Kellgelb Kalbleder- Mo- lierc- Schuh, früher 12.50 Grau«. beige Uinenachnürstiefel _ 22— 24 35-25 27—30 31-35 2-6 9>S" �9« jetzt Braune Ncrmal-Sandalen jetzt: 21-24 25 26 27-30 31.35 36 42 43-47 jss 230 2*° 2 86 3 50 4 86 Braun echt Chevr. Möllere- und Spangenschuhe bis Grüße 35, unsortiert Knaben-Stiefel Roßkd.-Schnürst.nurGr. 39-40, fr 5.90, j.2.95 Rind box- Schnürst ,Gr.36-40,fr.6.90, j 4.90 rbeatcr* Donnerstag, l.SIugu fit 1912. Anfang 7',, Uhr. Prater. O diese Berliner. Anfang 8 Ubr. Nrania. In den Dolomiten. «öniggräyer Strasze. Die süns Frankfurter. Lliirfürstrnopcr. Der Tanzanwalt. Neues. Der liebe Augustin. Berliner. Große Rosinen. Sch!»e>- trvarlottciiburg. Das Konzert. Tbalia. Autoliebchen. Wketr»>>o>. Schwindelmeier u. Co. Apollo. Speztalitäten. Passage. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Anfang 8V, Uhr. Lesfing. Vergnügungsreise. Neues ScNauipleltianS. Sylvester Schäficr. 1. Klasse. Lustiptellmiis. Ein Königreich in. b. H. Neues Operetten. Geschloffen. Fricdr.> Will,. Schausptelhans. Die keusche Susanne. Rose. Die Jüdin von Toledo. FolieS Eaprice. Parisiana- Ensemble. Walhalla. Nur nicht drängeln. Ansang 8'/, Uhr. Kleines. Der Unverschämte. Der Slrzt seiner Ehre. Der Herr mit der grünen Krawatte. Königstadt-Kasino. Spezialitäten. Ansang 10 Uhr. Admiralspalast. Eisballett: Dvonne. »» Sternwarte, Jnvälidcnstr. 57—«2. Schillep- Ehester Charlottenburg. Das Konzert. Lustspiel m 3 Akten von Horm. Bahr. Ansang 8 Uhr. Ende 10'/« Uhr. Morgen und solgende Tage: Oa.fi Konzert. OSE=THEATE Große Frantsurter«Str. 132. Die Jüdin von Toledo. Ansang 8'/« Uhr. Aus der Gartcnbühne: Juh«: Es ist erreicht! Gr. Revue. Lerlmer'Hieater. Abends 8 Uhr: Grotze Rosinen. Abends 8 Uhr: Die 5 Frankfurter. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Der liebe Augustin. Operrrie von Leo Fall. Melnpl-Tliöstös. WM i Phantastisch musikalische Komödie in 3«Iten auS dem Englischen völlig srei bearbeitet von I. Freund. Musik von R. Nelson. U. a. Tänze v. W.BishoP. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Ab 8 Uhr Premiere 12 große Attraktionen mit Perzinas Wnnderpapagei Lora als Lieder- und Coupletsänger. Boigt-Theater. Gesundbrunnen Badstraß« 58. Heute sowie täglich: Die Tochter der Here Gr. rom. Ausstattungsstück m. Tanz und Gesang in 5 Bildern. Neue Beleuchtungseffekte usw. usw. u. d. große Spezialitäten-Programm. Kaffeneröffnung 2 Uhr. Ans. 4 Uhr. Nißles Fest-Säle Dennewltzstraße 13. Jeden Donnerstag: Canzhränzclscn. Schöner Naturgnrtcn. 26816 O. 6/181 e. AmerlkaniHcher Vergntignngspark. Hente Donnerstag: Pracht-Elitetag mit gr. Gala-Fenerwerb. Auf allgemeinen Wunsch Wiederholung der Beschießung von Port Arthur, Zerstörung des SchlachtschifTes Petro Pawlowltsch. Pyrotechniker E. Nielandt. Großes Doppelkonzert „Kavalleriemusik" des 8. Chevauleger-Keg. Dillingen a. d. Donau. Musikmstr. Heinlein. Eintritt 50 Pf. Wieder- Eröffnung der Tanzscbuie Richard Heinrich Engel- Qewerksehaftshaus, ufe-ns , am Sonntag, den II. August, Ä Von 6 Uhr ab: Srölfnungs- Ceselhchaftsstunde. Allfnahmon werden jederzeit vor Beginn des UnterHill U Au III Cli riohts sowie in meiner Wohnung Jetzt Neukölln, Weichselstr. 8, III, Amt Neukölln 406, entgegengenommen. Hochachtungsvoll 37151,* Richard Heinrich. Täglich Jt. Voigts Krampenburg vis a vis Schmöckwitz. Extra-Dampferfahrten: vormittags 9 und nachmittags 9 Ehr, von der Jannowitz- und IV alsenbrücke. 37922* Bon der Oberbanmbrncke, Falckcnfteinstr. 49: Vampfer-Sdondseiie inlslii't mitAusik __ am Sonnabend, den 3. August, nach dem im Walde gelegenen keslwt.HiileMn" am tziigeri See bei Krampenbups. Dortselbst: Sommcrnachts-Ball und Eestbelastlgangen. Abfahrt: Abends«'/, Uhr.— Fahrgeld: Hin und zurück 5» Pf. Außerdem: Tägl. u. Sonntag, den 4. August, vorm. 9 u. nachm. 2 Uhr nach Woltersdorfer Schleuse- Strandpromenade. Fahrgeld: Woche 50 Ps., Kinder 95 Pf., Sonntags 4 M., Kinder 4V Pf. Reederei Hiech, Falckonsteinstr. 48. Fernspr.: Amt Moritzpl. 8197. * urcizcHcR GARTEN Täglich: Großes Militär Doppel-Konzert. Eintritt 1 Bark, von abends 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. WM Sonnabend, den 3. August Wieder-Eröffnung (nach dreimonatlicher Pause) Allabendlicher Spielplan: Wie man Männer bessert! Dazu: Die Original- KBabrias-PaHJe mit Anton u. Oonat Herrnfeld. Billetvorverkauf 11— 2(Theaterkasse) sowie bei A. Werheim u. Invalidendank. Königsladl-Kasino. Ecke Holzmarkt- u. Alexanderstr. mmi. AnA" 8 Glanzmimmerii und„Die weiße Dameu Schwank mit Gesang. UNA IARK Heute Donnerstag; Elite=Konzert ausgef. v. d. Kap. d. 2. Garde- Regts.(Obermusikmstr. Graf). Entree 50 Pf. Kinder und Zwergstadt bis 6 Uhr frei Hadenbcdc's Indien Tempelhofsr Feld Täglich geöSnet von 11 Uhr| vormittags bis 11 Uhr abends! 150 Indler. Maori Sollothl's Eöwen-u. Tigergruppe j Ohne Extra-Entree! Reichshallen-Garten „Alt-Berlin" täglich. Großes Konzert des 28 Mann starken HoDipaßn-Orehest Ansang wochent.8 Uhr, Sonntags ß Uhr. Bei schlecht. Wctt. i. herrlich renov. d. 4000 Glühlp. erleuchteten Saal. Reicbstisllen-Theater: 16. Aug. Wiederbeg. d. Soiröcn d. Stettiner Sänger. I�88ggs-?znDpf!iaim Prinz ITOH Das kleinste menschliche Lebewesen. | Das Wunder aller Wunder. Leiienil! Ohne Extra-Entree! Jedes Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte). Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. ) Kleine Anzeigen ANZEIGEN fflr die nächste Nummer werden In den Annahmestellen für Berlin bis 1 Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt-Expedition, Lindenstrasse 69, bis 5 Uhr anftenommen. Verkäufe. Teppiche, unbedeutende Farben- fehler, für die Hülste des Wertes. Gelegenheitskäufe. Portieren, Gar- dinen, Steppdecken, Tischdecken, Schlasdecken zu Schleuderpreisen. Teppichhaus Adler, Königstraßc 50, gegenüber Rathaus._ 1786S1* Hertiiiinnplan 6. Psandleihhaus. Sxtrabillige Jackettanzüge. Gebrock- anzüge. Sommervaletots. Herren- boien. Damenmäntel. Allerbilligster Bettenvertaus. Vermietungsbett. Slussleuerbctten. Aussteuerwäsche. Reichhaltige GnrbinenauSwahl. Teo» tiiwauswabl. Plnichttschdecken. stepp- decken. Goldsacheu. Taschenubren. Wandubren. Wandbilder. Waren- verkauf ebenfalls Sonntags._* m allen Wertes Tevpiche!(seblerhasie) r Größen, jast jür die Hälste des Tevpichiager Brünn. Hackeicher Markt 4. Bahndos Börse.(Leier deS »Vorwärts' erhallen 5 Prozent Rabatt.) Sonnlags geöffnet!» Taillienbuch sür Gartenfreunde Ein Ratgeber für die Pflege und lachgemäße Bewirtschaftung des häuS« lichen Zier-, Gemüse- und Obst- gartenS von Max Hesdörfcr. Zweite vermehrte Auflage. Mit 137 Text- obbildungen. Preis 3.50 Mark. Expe. dition Vorwärts, Lindenftr. 59. Littaner Nähmaschinen ohne An- Zahlung, gebrauchte spottbillig. Ekalitzerslraßc 99, Warschauerstr. 65.' ÄorniärtSleier erhallen süns Brozenl Exrraradatt. selbst bei Ge< legenheitSläusen. Teppich- Thonias, Rosenthalerstraße 54 und Oranien- praße 126.__ 17648" Radfahrerkarten. Wir empsehlen Rad. und Auto-Fahrern StraubeS Karte 1200 Quadrat- Meilen um Berlin. 2 Teile a 1,50 Mark. Nörd- liche Hälft- der Provinz Branden. bürg reicht bis Stettin-Ueckermünde, südliche Hälste bis Halle-Leipzig- Dresden- Görlitz. Buchhandlung Vorwärts, Lindcnstraße 69(Laden). Gebrauchte Nähmaschinen billig Bellmann, Gollnowstraße 26. 205851" Letten, Stand 9,-. Brunnen. ftraße 70, im Keller. 1200«* Gardine»! Steppdecken iPortieren Tischdecken I außergewöhnlich billig I Vorwärtsleser ö Prozent Rabatt extra I GardinenhauS Brünn. Hock-t- scher Markt 4(Bahnhos Börse). Sonntags geöffnet. Vorjährige el-ganteH-rr-nanzüge und PaleiolS ans feinsten MagNoffen 20— 40 Marl, Hosen 6— 14 Mark. Versandhaus Germania, Unter den Linden 21._ 1288K" Grundbegriffe der Politik, von Friedrich Stampser. Gebunden 3M. Buchhandlung Vorwärts, Linien- stratze 69(Laden). Plllfchttfchdeckcn mit wunder- vollen Pressung- oder Stickereimustern 5,75, 6,85 bis 18.—. Filztuch dicken 1,50, 2,25 usw. Echtsarbige Kaffee- decken 0,95. Wolss Teppichhaus, DrcSdencrstraße 8(Kotlbusertor). Abonnenten 10 Prozent Rabatt." Zinfwafchfäffer. Zober, Sitz. wannen, Badewannen, spezialsabrik Retchenbergerstratze 47. Lesern 5 Proz. Teppiche(Farbensebier), Stepp. decken. Gardinen, Jnventurverlaiif, 10 Prozent Rabatt. Mauerhoff, Große Franliunertlraße 9, parterre. Aquarium mit Tisch zu verlausen Charlottenburg, Schillcrstraße 95. Hancke. 1-76" tZesekSktsverkSuke. Zigarreugeschäft wegen Krank- beit der Frau billig verkäuflich Kreuzbergstraße 36. 2687b" Zigarrengeschäft wegen Verzug nach außerhalb billig zu verlausen. Nähere? Seiseiiladeii Triststraße 66. Reslanration, gute Existenz, um» ständchalbcr billig verkäuflich. Zech. Gitschinerstraße 53. 26826 Möbel. Möbel obne Geld! Bei kleiner Anzablung geben Wirtichasten und einzelne Stücke aus Kredit unler äußeriler Preiznoticrung, auch Waren aller Art. Der ganze Osten taust bei uns. Krelichmann u. Co., Koppen- straße 4,(Schleftschcr Babnbvs.)" Möbel-GelegenhcitS-Käuse spotl- billig neue gediegene Einzelmöbel und ganze Einrichtungen, Schlaf- , immer(eiche) 288,—, lomvlette Wohnzimmer 132,— bis 240,—, Chaise- longue 24,—, Sosa 38.—, Trumeau 33,—, Schreibtische 40,—, Bettstellen 25,—. Rieicnauswahl. Möbelipcicher Neue Königslratze 5/6, 4 Etagen. Teilzahlung gestaltet. Auch Sonn« tagS. 249/1" Schlafzimmer 135,—, Eiche 288,—, Satin, Birken, Mahagoni, große Ge- legenheit. Möbeffpcicher Neue König- straße 5— 6. 249/2* In unseren Speicherräumen Masse» lagernder Schlafzimmer, Speise- zimmer, Herrenzimmer, Wohnzimmer, Küchen einrichtung, Einzel- Möbel, gelangen zum spottbilligen Wer- laus. Keiner darf solche günstige Kaufgelcgcnheit veriäumen. Kamer- lwg, Kastanien-Allee 56. Ecke Wein- bergSweg und Brückenstraßc 6 (Jannowitzbrücke), Laden. 26535" Plüschsofa 40.00, 50,00, 60,00, Chaiselongue, Trumeau, AuSzichtisch, englische Bettstellen 20,00, gebrauch!- 5,00. Tapezierer Walter, Stargarder- straße 18. 1 703 Vlüschsofa, Bettstelle. Matratze, uhaiselongue. gut erhalten, billig Schweda. Michaelkirchplatz 16. 117/i5. Möbel! Für Brautleule günstigste Relegenbeit, sich Möbel anzuschaffen. Mit kleinster Anzablung gebe schon Stube und Küche. An jedem Stück deutlicher Preis. Uebcrvortcilung daber ausgeschloffen. Bei KrantbeitS- fällen und ArbeilSlostgteil anertannt größte Rücksicht. Möbelgeschäft M. Goldstaub, Zossenerstraße 38. Ecke Gncisenaustraße. 290IK" Kaufen Sie direkt beim Tischler- meister. Komplette Wobnungs-Ein- richtungen in allen Preislagen. Be- sichtigen Sic meine Ausstellung. Harnack, Stallschrciberstr. 57(Moritz- platz). Perkaus nur im Fabrikgebäude. Zahlungserleichterung." Möbel- Lechner, Brunncnttr. 7 am Roscnldaler Tor, Spezial-Möbel- hauS aus Kredit und gegen bar. Anzahlungen auf Stuben und Küchen 20,—, 35,—, 50.—, 75,—, 100— Mark usw. Einzelne Möbelstücke von 5 Mark 'Anzahlung an. Bequeme Abzahlung. Kunden, die ihr Konto beglichen baben, eventuell ohne Anzahlung. Ferner Herrenzimmer. Speiiezimmer, Schlafzimmer, bunte Küchen in großer Auswabl. Vorzeigcr dieses Inserats eibält beim Kaus von 50 Marl an 5 Alart guigeschrieben. Aus Wunsch Vertreter. Sonntags von 8—10 ge- öffnet. 1559K" Schleunigster Verkauf einer noch neuen Nußbaumwirtschaft mit bild- schönen Küchcnmöbeln. einige Wand- bilder, sämtliche Wirtschastsgegen- stände. 195,00. Neue Königstr. 061. Arbeiter- Wohnungseinrichtungen in großer Auswahl. Fünf Etagen. Einsach, gediegen und lonknrrcnzlos billig. Stube und Küche 195,00 an. Bequeme Teilzahlung nach Belieben des Käufers gern gestattet. Geringe Anzahlung, Trotzdem streng reelle Kassavreisc und Zinsvergütung. Tisch- lermeister Rejcwske, Badstraße 66. Zwei Mnuten vom Bahnhos Gesund- brunnen. kl?/ 12. Gratiskatalog sendet aus Wunsch die altrenomiertc Möbeksabrik M. Sirschowitz, Skalitzerstraße 25, an der ochbahm_ 1826 K" Kleiderschrank 20,00, verkauft Lehmann. Spichernstraße 5/6. 2038 b Wirtschaft, Nußbaum, verkäuflich, auch einzeln. Neukölln, Steinmetz- straße 6. Reiter. Musikinstrumente. PianinoS, Harmonium« Flügel jeder Preislage, gebraucht- 120.00 an. Teilzahlung. Scherer, Chauffee. straße 105._ 534K". Pianino, wertvolles, neucrhalte- nes, 150 Zentimeter hoch,� 200,—. Krüger, Frieden straße 2(KönigStor). Bilder. Sie kaufen Bilder nirgends billiger als direkt Fabrik bei Bilder-Bogdan. Weinmeifterstraße 2. 1005K" Fahrräder. Herrenfahrrad, Dameniabrrad, wie neu. 35,—. Holz, Blumen. straße 44. 1093K' GeschäftSdretrad, äußerst stabil 50,00 an. Holz, Blumenstraße 44." Fahrräder, Teilzahlungen, größte Auswahl, billigste Preise. Lothringer- straße 40. Filialen: Steglitz, Schloß- straße 116. WilmerSdors, Uhland- straße 100. Charloltenburg, Kant- straße 57. 1203K" Erstklassige Fahrräder, Monats. rate 10 Mark. Brückcnstraße lOa. Kein Laden. 1629K" Fahrradgelegenheite», sowie Motorzweiräder spottbillig. Fahrräder nehme Zahlung. Kämmercit, Große Franlsurterstraße 14. 115/9 Kaufxesucke. Kaufe Frauenhaare, ausgekämmte. Zahle höchste Preise. Kaska, Zöpsesabrik. Rixdors, Erlstraße 3." Meerschweinchen kaust Pietzker, Holteistraßc 16. Postkarte. 2690 b Zahugebisie in Kautschuk, Gold, Silber und Platina taust pro Zahn bis 50 Pfennig und jür Platin zahll (den höchsten Preis Blumenreich Biunnenstraße 3, amRosenthaler Tor (Telephon.)_ 763K" Platiiiabfälle, Gramm 5,65. Gold, Silber. Znhngebisse, Stannwl. Queck- fllber taust Blümel, Auguststraße 19. Zahngebisse. Zahn bis 1,25 Mark, Bruchgold, Stauniol, hüchstzadleud. Kvbu, Neue Königstraßc 76. 226/21" Höchstzahlend, Metalle, Zahn- gebisse. Platinabsall, Gold, Silber, Oueckfllder. Metallschmelze Ni-per, Köpenickerstraße 20a(gegenüber Manteuffclstraße).__ Zahngebisse, Zahn bis 1,00, Pla- tinabfälle, Goldanlaus, höchslzahlcnd, , G eldkontor", Hollmannstraße 30." Zahngebiffe, Zahnbtsl,25. Platin- absälle, Goldsachen, Silbersachcn, Stanniolpapicr, Zinn, Quecksilber, Blattgold, Goldwatten, Kupfer, Messing höchstzahlend Edelmetall- Einlaussbureau Wcberstr. 31. 1716K" Verschiedenes. Kiinffftopferei von Frau KokoSkh Schiachtcnice. Kurffraße 8 III._ Paientauwalt Wessel, Gitschiner- straße 94a._ Pateutanwalt Müller, Gitichiner- straße 81. Z439K» Jede Uhr zu reparieren 1,25 (außer Bruch), kleinere Reparaturen billiger. Kariel, Uhrmacher und Juwelier. Brunnenstraße 113, Ecke Usedomstraße 1026K" Kniist stopferei Große Frantsurter» straße 67. 2399K" Hnlbinvalide, Küchenmöbel- Spezialist, streicht Eiiiiichtling von 12 Mark an, Bettstelle in Nußbaum von 4 Mark, Schrank 6.00 an. Postkarte. Bunge. Neulölln, Handjerystraße 60 III. Wasche wird schonendst gewaschen, tadellos gerollt. Leibwä/che, Bett- Wäsche, drei Handtücher, vier Taschen- tüchcr 0,10. Abholunq Sonnabends und Montags. Waschanstalt Karl Bcbriak, Kövcnick, Glieiiickerstraße 29. Handwäscherei. Wäsche wird sauber gewaschen. Im Freien ge- trocknet. Lake», Leibwüsche, vier frandlücher O.lO. Abholung Sonn- abends. Frau Nimz, Äöpcnict, Gutenbergstraße 18. 26g3b Aufpolsteruiig, Sosa, Matratzen, billig, im— außerm Hause. Chaussee- straße 74, Schäfer. 117,11 i Pfandlethe MarkuSstraße 27. Zum 1. Oktober d. I. wird sür die„Volközeitung" w Düsseldorf ein vierter gesucht, der in der Hauptsache den provinziellen Teil zu bearbeiten hätte. Aiijlcllung nach den Bcdinguiigcn des Vereins Arbeiter- presse. Bewerbuiigcii sind baldigst an E. Westkump, Düsseldorf, Wallslr. 10, zu richten. 294/7" Für die am 1. Januar 1913 in Jena neu erscheinende Landcszeitung sür das Gioßherzogtiim Sachscn-Weimar werden 294/8" drei Redakteure gesucht. 1. Ei» leitender Redakteur in ähnlicher Stellung tätig war. 2. Je.... M>----------- Sitze in Weimar und E i s- n a ch. Außerdem wird jür die Leitung der Druckerei sowie des gesamten Geschäfts (Sitz in I e n a), erste Kraft, der je ein Lokätri-dakicur mit dem ein Qeschaftsfuhrep der Fachmann ist, lausmännische Ausbildung genossen und größere Druckerei schon geleitet hat.— Offerten mit der Ausschrist Bewerbung sind bis zum 31. August 1912 an den SozlaldeinokratlBchen Kreis- wahlvercln Weimar 3 in Jena, Teichgraben 4 II, einzureichen. Vermietungen. Wohnungen. Admirnlstrafte 20. Oltober, Stube, Küche 27,00, 26,00, 20,00. 2686 b Schlafstellen. Möblierte freundliche Schlafstelle vermietet Romatzli, Dresdener» straße 107/8, vorn 117/2" Möblierte Schlasstellc, 1 Herrn oder Dame, bei Dikmann, Lychcner» straße 29, Hos II.'-s-ioz Möblierte Schlasstellc billig zu verniielcn. Frau Kraus«, Simon. Dachstraße 36._ föO Schlafstelle. Bierente, Dresdenerstraße 107. 117,14 Möblierte Schlafstelle, Melchior. straße 33. Frau Nätcbusch. 1150 �rdeitsmarht. Stellenangebote. Bankpolierer verlangt Electro plated, Nitterstraße 41. Tüchtiger Borzcichner zu sofort gesucht. A. Druckenmüller G. m. d. H., Serlin-Tcmpelhos. 1844 Einen Hobler und einen Abzieher aus Zinkplatlen verlangt H. Ber- nert, Charlottenburg, Wieland- straße 42. 117/15' Zeiniugsfrau, hohen Lohn, keine Treppen, sucht Fuchs, Marlgrasen- straße 33/34. 2684b Kartonnageuarbeiterinncit. ge- übt aus kleine Kartonnagcn, finden dauernde Bcschästtgung in und außer dem Hause. Kartonnagensabrik Mar» filiusstraße 21. 1820S£+ Zeitungsfrauen sosort verlangt für die Tour Friedrich straße an der Kochsttaße. Meldunnen Zimmer. stiaße 60, im Laden.Berliner Tage. blalt". 116/14" Aclitung! Holzarbeiter. Wegen Streik oder Lohn» diffcrenzen stnp gesperrt: Beruf»verein ticc Berliner ParkettgexchUfte, Ehar« lotteuburg. Ilhlanbstrasic. Erzgebtrgische Holzindustrie w Brand, Filiale DessauerStr, ßß DaS Berliner Arbettowilligen- permittelnngsdureau d. gelben .Haiidwerkeridinyverbnndcs«. Arbeitc-nachweis d. Stellmacher» Innung und der Wagensabrl» kanten, Kaiser-Franj-Grenadier» Platz. Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Ortsverwaitung Berlin des Deutschen Holzarbeiterverbandes Verantwortlicher Redakteur: Albert Wach». BerUsi. Für per Lnscraieuieil oeiantw.: Ttz Glocke. Perlm. Tcuck u. Verlag: Borivart»«uchdruckerei u. Verlagsansialt Paul»Inger u.'to-,«ertttl Z)»l.