Ur. 179. 29. Jahrg. ildonnements-kecklngUngen: W Sie Insertlons-Sebahi' IlbonnementS< PrciS pränumerando!«WW■$ MB I�Ws WM— MM mB/ nMH I BthSpt für die scchSgespaltcnc Kolone?» Biertcljährl. Z.ZV Mk monatl. I.lv Mt, fiR D| W>> //■■SÄ M W H M�-I �W�f, Jrileohor deren ÄaumfiO=l5fB.,tüt wöchenllich 28 PsU frei ins Haus. jmB.--SW 99 RH H H WS WS WS WS Ms f/ S> MW ��5/»oItti((f)c und ftewerrnhaftllchc Vereins. Einzelne Nun.mer 5 Pfg. EonnlakS. �»K! W W Hl'•) B H ö HH BB»ix 68 WS l�// und VersammIungs.Anze.gcn SO Pig. Nummer mit illustrierter Sonntags. WWW �W> Hg M KU W W W HB W M B DU£/.KLln« Hnoeigtn'.baä clgedruck.e Beilage„Die Vene Well» 10 Psa Pos!- ÜB» Wk«8 M Soi UZ Hfl Wfl Wß H B B HB i Wort 20 Pfg.(zulassia 2 setlgedruckt- Abonnemenu l.llZ Marl pro Monat. MTW W B W W M» Mgl U» WWW B Worte), ledes wettere Wort lo P,g. Eingetragen in die Post- Zeitungk." PW LW Ml W MW �ftXvBSLx HB B �iUr/49 Stellengesuche und Schlastlellenan. Pre.slisic. Unter Kreuzband IUI Ws MM MS�X»MX MWlBBi/aSSi�. JS3W Wi geigen das erste Wort 10 Psg�, ledes Deutschland und Oesterreich- Ungarn j�B HB // DU weitere WortoPsg. Worte über läVuch- 2 Mark, für das iibrige Ausland flMX Z/ V~/ BtWX. // SM jtaben zahlen sur zwei Worte. �Jnserata 8 Mark pro Monat. Postabonnement»"Sr/�--- � bSH, Luti.£'e Uiichste Nunimcr müflcn b.z nehmen am Belgien. Dänemark. V /3> /T_--- T�X.(? V/ /«M B, Itllt nachtnittags IN dn Erpedition lÄÄ�nuÄ�Ä � feil"? u�c abenM�gfoffnel'. CfWtlnt täfllidi außer Msbl-z,. J J bX«. Zentralorgan der rozialdemohrati feben partei Deutfcblandö. Redaktion: 8M. 68, Lindcnstraaac 69, Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1383. Die Belastung des deutschen Volkes. Nach den Beteuerungen der Regierung und der sie stützenden Parteien müßte das deutsche Volk in dem besten aller Staaten leben. Sie bemühen sich deshalb auch, in den breiten Massen das Gefühl der Dankbarkeit für die angeb- lichen Wohltaten des herrschenden Systems zu erhalten. Das Volk solle sich nur ruhig auf seine Leiter verlassen, die nicht nur nach bestem Gewissen das schwierige Geschäft des Nc- gierens übernähmen, sondern auch in weiser Einsicht das wahre Wohl der arbeitenden Klassen verträten. Nichts ist geeigneter, diese Anschauung von der patriarchalischen Ab- hängigkeit zu zerstören, als der Hinweis darauf, daß die Regierten selbst das ganze System erhalten, daß ihre finanziellen Opfer erst die Durchführung der Regierungs- maßnahmen ermöglichen. Die breite Basis für den kompli- ?terten Aufbau des Regierungsmechanismus bildet das ouveräne Volk. Wenn nach kapitalistischem Gesetz und Recht die Größe der Leistungen den Anteil des Einflusses an der Leitung eines Unternehmens sichert, so gebührt nach diesem bürgerlichen Grundsatz gerade auch den Massen das Be- stimmungsrecht über die Verwendung ihrer finanziellen Opfer. Allein die Art der Leistungen birgt den untrüglichen Beweis, daß nicht die Mehrheit des Volkes selbst sie sich frei- willig auferlegt hat. Die arbeitenden Massen wenden sich dagegen, daß sie die Hauptkosten tragen müssen, obgleich sie von dem Genuß der mit eigenem Blut unterstützten Einrich- tungen so gut wie ganz ausgeschlossen sind, falls diese Ein- richtungen nicht gerade ihrer eigenen Knebelung dienen. Sie sträuben sich, ihrer Hände Lohn für sie schädigende Zwecke hinzugeben. Die Art der Verwendung und Aufbringung sowie die Höhe der steuerlichen Lasten erscheint ihnen daher gleich bekämpfenswert, bei aller Einsicht in die Notwendigkeit großer Ausgaben für wahre Kulturzwecke. Eine Zusammenfassung der Finanzen des Reichs und der deutschen Bundesstaaten, wie sie das letzte Vierteljahrsheft zur Statistik deS Deutschen Reiches bringt, gewährt einen guten Einblick in die Leistungen des Volkes. Nicht weniger als 9236 Millionen sind nach dem Voranschlag für 1911 auf- zubringen. Etwa zwei Drittel fallen davon auf die Bundes- st a a t e n. mehr als ein Drittel auf das Deutsche Reich. Die Verwendung dieser ungeheuren Summen zeugt von dem kapitalistischen Charakter Deutschlands. Außer der Reihe der eigentlichen Ausgaben stehen die auf Erwerbs- einkünfte, d. h. also für Domänen, Forsten, staatliche Bergwerke, Eisenbahnen, Post und Telegraph, sowie für sonstige staatliche Betriebe(3971 Millionen). Alle diese Unter- nehmungen werfen selbst Erträgnisse für Reich und Bundes- staaten ab. Unter den reinen Ausgaben stehen an erster Stelle die für das Reichsheer und die Marine (1283 Millionen). Dazu wären noch die Ausgaben für den Reichsinvalidenfonds(aus der Finanzverwaltung) und die Zinsenlast der für militärische Zwecke verwandten Anleihen zu zählen. Die Finanzvcrwaltungen von Reich und Bundesstaaten verbrauchen nach dem Voranschlag für 1911 insgesamt 988 Millionen. Die Staatsschulden belasten das Volk mit 953 Millionen. 770 Millionen erfordert die„innere Verwaltung", wozu die Ausgaben für Polizei, Handel, Gewerbe, Bauten, Landwirtschast, Versicherungswesen u. a. gehören. Dann erst folgen die Ku l t u s a u s g a b cn.(mit 534 Millionen). Neben den Ausgaben für Kunst, Wissenschaft und Schule stehen hierin noch mindestens 88—90 Millionen für kirchliche Zwecke. Die Justizverwaltung be- ansprucht etwa 299 Millionen. An das Reich liefern die Bundesstaaten 237 Millionen ab. Ein nicht geringer Teil(93 Millionen) muß auch für die „äußeren Angelegenheiten" aufgebracht werden; das Einkommen der Staatsoberhäupter, die Ausgaben für Apanagen„ Hofhaltung, Ordcnswesen, Staatsministerium »verden davon bestritten. Die Einnahmen des Reichs und der Bundesstaaten sollen nach dem Voranschlag von 1911 rund 9236 Millionen betragen. Von den 3133 Millionen, die das Reich zu tragen hat,»verden zwei Drittel durch Steuern und Zölle gedeckt. In den Bundesstaaten dagegen bilden die Erwerbs- a n st a l t e n die Haupteinnahmeguelle. Die Staatseisenbahnen bringen in Preußen und Oldenburg allein mehr als die Hälfte der ordentlichen Einnahmen. Aber auch in den Bundesstaaten ist die direkte Belastung mit Steuern nicht unerheblich. Das Reich nimmt an Zöllen 787 Millionen, an Zöllen und Steuern insgesamt 1~05 Millionen ein. Die Einsuhrzölle, die auch die allcrnotlvcndigsten Lebens- bcdürfnisse belasten, bringen demnach 46 Prozent der Zoll- und Steuereinnahmen. Von den übrigen Verbrauchsabgaben belasten den Konsum: die Z u ck e r st e u e r mit 158 Millionen Mark, die B r a n n t>v e i n a b g a b e n, der sich freilich immer mehr Arbeiter dank dem Branntweinboykott entziehen,»nit 179 Millionen Mark, die B r a u st e u c r mit 163 Millionen Mark, die S a l z st e n c r mit 39 Millionen Mark. Die Leuchtmittcl-, Zündwaren-, Schaumwcinstcucr bringen je 10 bis 16 Millionen Mark. Die Reichsstempel- abgaben(205 Millionen Mark), die Wechselstempelstcuer (18 Millionen Mary, die Spielkartcnstempelsteuer(2 Millionen Sonnabend, den 3. Angust 1912. Mark) und die Banknotensteuer(0,5 Millionen Mark) ver- vollständigen die Liste der indirekten Stcuerabgaben. Nur die Wertzuwachs- und die Erbschaftssteuer mit den geringen Beträgen von 39 und 13 Millionen Mark treffen den Besitz. Nun belastet der Einfuhrzoll bekanntlich nicht nur die eingeführten Quantitäten, sondern steigert auch die Preise der im Inland produzierten Mengen zugunsten der agrarischen und industriellen Kapitalisten. Für die Getreidearten konnte der tatsächlich in Erscheinung tretende Preisaufschlag an- nähernd richtig geschätzt werden. Nach Brentanos Be- rechnungen verteuerte der Zoll den Verbrauch von Roggen, Weizen, Gerste und Hafer um 998 Millionen Mark, wovon nur 109 Millionen der Reichskaffe zugute kamen,»vährend 879 Millionen Mark in die Taschen der Agrarier fließen. Nimmt man an, daß auch nur in verringertem Maße sämt- liche agrarischen und industriellen Produkte durch den Zoll- und Steueraufschlag und die in gleicher Richtung wirkenden Verwaltungsmatznahmen verteuert wurden, so er- gibt sich, daß das deutsche Volk ein vielfaches der 1705 Millionen Zoll- und Steuereinnahmen des Reiches durch den Konsum zu tragen hat. Neben dem Reich fordem auch die Bundesstaaten ihren Tribut an Zoll und Steuern von jedem Bürger. 996 Millionen Mark bringen sie durch direkte Steuern, Verbrauchs- und Verkehrsabgaben auf. In Preußen bilden davon nur die direkten Steuern einen er- heblichen Prozentsatz(399 Millionen gleich 84,5 Proz.). Pro Kopf der Bevölkerung erhebt Preußen an direkten Steuern 9,95 Mark und steht damit unter dem Durchschnitt der Bundesstaaten mit 11,67 Mark. Aus der Höhe der Steuer pro Kopf der Bevölkerung kann man noch nicht die»nehr oder minder gerechte Heranziehung erschließen. Die direkten Steuern unlfassen in der Statistik die verschiedensten Arten: Einkommen-, Ergänzungs-, Grund-, Gebäude-, Wohn-, Gc- »verde-, Kapitalrenten-, Eisenbahn-, Bergwerks- u. a. Steuern. Mit am wenigsten bildet die Einkommensteuer einen Maßstab für die gerechte Verteilung der Steuerlast. Werden auch in einzelnen Staaten die niedrigen Einkommenstufen herangezogen, so erhöht sich der Betrag pro Kopf, und dennoch leiden die Bedürftigen in diesem Lande. So werden in Preußen Einkommen von 900 M. an, in Sachsen bereits Einkommen von 400 M. an besteuert. Von der Ge- samtsteuersumme(275 Millionen) der physischen Zensiten in Preußen bringen.die mit einem Einkommen von 900 bis 3000 M. ein Drittel(92 Millionen) auf. Die unteren Klassen tragen also auch hier einen ganz erheblichen Teil der direkten Steuern. Da die Steuersumme pro Kopf in der Statistik auch auf Säuglinge Kinder und Frauen aufgeteilt ist, spielt weiter die Altersgruppierung der Bevölkerung für diese Ziffer eine große Rolle; nur die Erwerbstätigen und Rentner zahlen ja Steuern. Steigern läßt sich der Betrag durch schärfere Heranziehung der besitzenden oberen Schichten natürlich ganz bedeutend. Die Erbschafts- und Schenktingssteuern pro Kopf der Be- völkerung gestatten dagegen eher einen Rückschluß auf die ab- solute Höhe dieser Besitzabgaben. Während im Durchschnitt der Bundesstaaten pro Kopf- 0,35 M. gezahlt werden, weist Preußen nur eine Quote von 0,19 M. auf. Bayern, Sachsen, Württemberg, Baden, Hessen, Mecklenburg, Oldenburg, Braun- schweig und einige der kleineren Staaten beziehen aus dieser Steuergattung erheblichere Beträge. Berechnet man nun die gesamte Belastung der Bevöl- kerung, so fallen an Reichszöllen und Verbrauchsabgaben pro Kop 26,09 Mark, an Erbschafts- und Schcnkungsstcuern nur 0,60 Mark. An Steuern der Einzelstatten kommen dazu im Reichsdurchschnitt: 11,67 Mark direkte Steuern; 1.69 Mark Verbrauchsabgaben; 1,64 Mark Verkehrssteucrn; 0,35 Mark Erbschafts- und Schcnkungssteuern. Insgesamt ist jeder Deutsche mit 42,04 Mark direkten und indirekten Steuern belastet. Mehr als die Hälfte da- von fällt auf die indirekten Steuern. Da diese die arbeitenden Klassen weit empfindlicher treffen als die besitzenden, erhebt die Sozialdemokratie immer wieder ihre grundsätzliche Forderung der Abschaffung dieser Steuern. „Natürlich stellen diese Kopfquoten an direkten und in- direkten Steuern noch keineswegs die gesamte steuerliche Belastung des Volkes dar. Dazu bedurfte es der Feststellung aller Steuern für öffentliche Zwecke, also auch derjenigen für Gemeinden, Kreise, Provinzen und sonstige öffentliche(Schul-, Kirchen- Weg-) Verbände." Nach früheren Berechnungen(1907) stellt sich die Belastung durch K o m- munalabgaben auf 1043 Millionen Mark. Unter Berücksichtigung der seit 5 Jahren erfolgten Erhöhung auch dieser Steuern»vürde sich die gesamte Belastung um weitere 20 M. pro Kopf, also auf etwa 62 Mark belaufen. Das bedeutet eine ganz gewaltige Summe, denn nach der Berechnung muß sie auch jeder Säugling tragen. Auf den Enverbstätigen entfallen in der Tat weit höhere Lasten. Auch die Tatsache, daß die Besitzenden zu Besitzsteucrn allein oder zu höheren Quoten herangezogen werden, mildert den harten Druck auf die breiten Massen kaum. In den 62 Mark stecken eben mehr als zur Hälfte indirekte Steuern, die der Massenkonsum Expedition: 8Rl. 68, Lindcnstraasc 69» Fernsprecher: Amt Moritiplny, Nr. 1384. tragen»nuß. Und nochmals müssen»vir an die Milliarden erinnern, die durch unsere Hochschutzzollpolitik in die Taschen der Privatkapitalisten fließen. Milderung des unerträglich gctvordenen Steuerdrucks, Beseitigung der die Volksgesundheit bedrohenden Teuerung, sotvcit sie durch staat- liche Maßnahmen hervorgenifen wird, kurz Verhütung der Auspoiverung des Volkes heischen wir daher von neuem von der Regierung und den Vertretungskörpern. Die arbeitende Klaffe in ihrer Macht steht hinter dieser Forderung! flus den» rdchsländitchci» Zentrums- Zirkus. Aus dem Elsaß wird uns geschrieben: Die virtuosesten Seiltänzer der deutschen ZentrinnSPartei sind vielleicht— von den» unerreichbaren Meister Mathias von Butten- Hausen abgesehen— die jüngsten Zlveige am herrlichen deutschen Zentrumsbaume, die Sprößlinge im äußersten deutschen Südwesten, in Elsaß-Lothringcn, die im vorigen Jahre, dem Jahre der elsaß» lothringischen Verfassung, rebellisch gctvorden sind. Und ein typischer Vertreter dieser Seiltanzkunst ist der bei der NeichStagslvahl im Januar dieses Jahres im Kreise Colmar unterlegene und jetzt zu der durch den Tod des Abg. Dr. Will im Kreise S ch l e t t st a d t nötig gelvordenen ReichStagslvahl,»nieder aufgestellte Abbü-Nedaklcur Dr. Haegy vom„Elsässer Kurier" in Colmar. Dieser elsäisische Zentrumsrcdakteur war nach der«großen Reichsfinanz« reform" von 1V09 ein gewaltiger deutscher Patriot, der es für seine Aufgabe hielt, das nationale Werk deS ReichStagö-Schuapsblocks vor den Elsaß-Lothringern zu verteidigen und die unzufriedmen oberelsässischcn Zentrumsknappen mit dem steuerspeudendcn Reichs« tagszentrum wieder auszusöhnen. So sagte er nach einem Berichte seines Parteiorgans, der„Oberclsässischcn LandcSzcitmig", vom 29. Oktober 1999 in einer Versammlung deS katholischen VolkSvercins in Thann i. Elf.,»vo er über das«sehr zeitgcinäße Thema: Die ReichSfinanzreform" referierte, ivas folgt: «Eine gewisse Stoßkraft»vohnt der deutschen Nation inne. Sie hat sich durchzuringen gelvußt, sich den gegebenen Ver- Hältnissen bequem anzupassen verstanden und es zu einer Blüte und zu einem Ausehen aus der ganzen Welt gebracht,»vas be- sonders den Konkurrenzneid der Engländer aufs höchste entfachte, die englische Feindschaft gegen unS ent- fesselte. Und angesichts dieser Feindschaft, angesichts aller An« griffe des angelsächsischen Volkes sollte Deutschland müßig und ruhig zusehen?— zusehen,»vie England immer mehr rüstet-- gegen wen--?— Nein 1— Wenn w i r aus Elsaß-Lothringen auch keine waschechten fHurrapatrioten sind, wenn man uns auch schon manchmal von«drüben" als Staatsbürger 2. Klasse behandelt hat, so müssen wir doch sagen, wenn wir die Sachlage von einem rein objektiven Standpunkte aus betrachten, zumal wir nun ja selb st übel oder wohl deutsche Staatsangehörige sind, Deutschland konnte nicht anders Handel-, es war sogar seine Pflicht, eS mußte auch rüsten, um in einem etwa eintretenden Falle nicht nackt und un» bewaffnet dazustehen. Doch kaum hat eS sich entschlossen, vier große Schlachtschiffe ä 1».Drcadnought" zu baue», lv i l l England schonderen acht haben:»nan sieht immer, wo's hinaus»vill. England bestimmt in einem gewissen Maße unsere Politik. England zwingt Deutschland, die Flotte zu vermehren, einige Tausend junge Männer mehr zur Marine zu berufen.... D i e b e st c G c»v ä h r für den Friede» bietet eben ein starkes Heer und eine mächtige Flotte.... Dem Zentrum aber, dem schon so oft verschriene», gilt das Lob, ungeachtet einer eventuell ein- brechenden Parteierschütterung, die Reform durchgeführt zu haben, zur Hebung und Gesundung»inserer Finanzen das möglichste beigetragen zu haben." Nicht ganz zwei Jahre später I Es hat sich gezeigt, daß die ..Parteierschütterung" im Zentrum als Folge der Schnapsblockpolifl? doch etlvas tief ging und für die bevorstehenden Landtags- und ReichötagSwahlen speziell in Elsaß« Lothrigen nichts GnteS ahnen ließ. Da wird denn das national so verdienstvolle Zentrum mit der ganzen nationalen Begeisterung von 1999 plötzlich über Bord ge« worfen! In der Nummer des«Elsässer Kurier" vom Sonnabend, den 19. Juni' 191 l, schrieb derselbe Dr. Haegy diese ganz andere Epistel: „Während wir im Interesse der katholischen Sache jede B e» zichnng abgebrochen wissen wollen mit dem R e i ch S z e n t r n m, um selbständig und unbehindert durch Aus- beutung von rechtsrheinischen Affären unsere elsässische Landes- Politik zu betreiben, stirchten die Herren in Augsburg wir gingen verloren,»vir werfen uns den Antiklerikalen in die Arme, der KlerikaliSmus habe sich«des Schlimmsten zu versehen" I Das Umgekehrte ist richtig. Die«christliche Aktion" soll keinen Schaden leiden. Die breiten Massen unseres Volkes halten fest an den christlichen Grundsätzen, stehen treu zur Kirche. Wir»vünschcn, daß uns aus diesen christlich gesinnten Volkskreisen niemand dadurch entfremdet wird, daß man Abstimmungen deS ReichSzentrumS hetzerisch gegen uns ausbeutet, die m i t d e n Anschauungen unseres Volkes nicht ü berein stimmen. Wir haben da nament- lich Abstimmungen in sogenannten„nationalen Fragen" ini Auge, Veivilligung von Heeres- und Marine» ausgaben, von neuen Steuern usw. Das mag das ReichSzentrum ini Sinne seiner Wähler mit» machen müssen! Seine Wähler haben«nationalen Sinn" und verlangen das! Sie sind stolz auf das große deutsche Heer und die mächtige Kriegsflotte, und sind bereit, für des„Vater- landeS Größe" Opfer zu bringen.... Bei uns inElsaß- Lothringen kennt das Volk nichts dergleichen. Diejenigen, die von Frankreich innerlich völlig losgelöst sind, tragen doch keine Spur deutscher Vaterlands« begeisterung in der Brust. Mit einem Appell an den bürgerlichen Opfersinn für die„Größe und Macht des deutschen Vaterlandes" kann man da nur stürmischen Widerspruch ernten. Der Harm- loseste sozialistische Agitator wirbt gut christlich gesinnte Arbeiter für die Revolutionspartei mit der Hetze gegen die Militär- und Marineausgaben. U n S wird man umgekehrt die nationalen Ausgabenbewilligungen des Ndchszentrums vorhalten, und wir können nicht schroff genug die Verantwortung dasiir abschütteln. Uns wird man die Wähler ausspannen mit Hetze gegen den Militarismus und den M a r i n i s m u s, die uns allen im Lande Elsaß-Lothringen im Grunde der Seele verhaßt sind, denn wir sind Pa- zifistenl Wir fühlen kein Bedürfnis einer stetigen Vergrößerung des deutschen Riesen- Heeres und einer ständigen Vervollkommnung seiner Bewaffnung, um Elsaß-Lothringen zu hüten gegen die Franzosen. Unser Volk sieh» nicht ein. daß man fast eine Milliarde pro Jahr aus- geben muß, um uns zu hüten. Unser Volk glaubt nicht, daß die Franzosen eS so schlimm mit uns vorhaben. Sie haben u»S höchstens etwas z» gern l Franzofenangst, Franzosen- seindschast, Franzosenhaß, das kennt man bei uns nicht. Kaffee- und Zündholzsteucr. Bierverteuerung und Tabaksteuer kann man in Elsaß-Lothringen nicht verteidigen mit dem Hinweis auf „nationale Notwendigkeiten" und vaterländische Aufgaben. Das Publikum lacht dem vaterländischen Redner ins Gesicht und folgt dem sozialistischen Hetzer!... Den anders gearteten tteberzeugungen unseres Volkes muß eine andere Taktik, eine eigene Landespolitik entsprechen, die uns zwingt, unsere unbedingte Selb st- ständigkeit zu betonen, die es uns unmöglich macht, solidarische Verantwortungen mit dem Reichs- zentrum zu tragen. Die Zenlrnmsanhänger im Sieich ringen und mühen sich ab. um als„nationale Partei" zu gelten. Wir wollen„nationale Elsässer" sein in den Augen unseres Volkes, sonst können wir einpacken! Und unser Elsässer-Nationaliömus verlangt von UNS ganz andere? als der„Nationalismus des Deutschtums" im Reich. Es ist geradezu elementar, daß jede Partei mit ihrer Politik den Gesinnungen ihres Volkes Rechnung trägt I" Merkwürdigerweise hat an der Aufstellung diese? elsässischen Patentnationalisten zum RcichstagSkandidaten des Zentrums als Nachfolger des Dr. Will, der bei den Abstimmungen im Reichstag noch gelegentlich mit dem ReichSzentrum für den„Nationalismus des Deutschtums" zu haben war, nicht einmal die„Kölnische LolkSzeitung" Anstoß genommen, die sich doch von Tag zu Tag hurrapatriotischer gebärdet. Man denkt in der Redaktion deS rheinischen ZentrumSblaticS wohl auch, daß eS durchaus angebracht sei, in Köln und Berlin gut deutsch- nationale Zentrums- Politik, in Kolmar und Schlettstadt aber elfässisch- nationa- i st i s ch e unter Expeeition des Militarismus und Marinismns zum Kuckuck zu treiben. Wenn nur der Klerikalismus dabei gedeiht! Die Oeffentlichkcit aber darf nun neugierig sein, ob der Reichs- tagskandidat deS Zentrums im Kreise Schlettstadt bei seiner in den nächsten Wochen einsetzenden Wahlagitation seine These von ISOll erneuert:„Die beste Gewähr für den Frieden bietet ein starkes Heer und eine mächtige Flotte" oder ob er seinen Satz von 1911 bestätigt:„Wir fühlen kein Bedürfnis einer stetigen Vergrößerung des deutschen Riesenheeres und einer ständigen Vervollkommnung seiner Bewaffnung!" Welche Schublade wird Herr Dr. Haegy ziehen? Er ist auf alle Eventualitäten«ingerichtet. Er ist der würdige Kandidat des Zentrums i SchAsvllencke Stützen. Nach fast sechsjährigem Stillstand hat die Gärung in der russischen Armee und Marine wieder einen bedrohlichen Umfang angenommen. Schon im Mai fanden, wie erinnerlich, umfassende Verhaftungen auf den in Finnland stationierten Panzerschiffen statt: kürzlich wieder- nm wurden 3 Matrosen des Panzers„Jivan Slatoust" zum- Tode und sieben zur lebenslänglichen Zuchthausstrafe vor- urteilt, und gegenwärtig findet in Petersburg ein Pro z-e ß gegen 6.7 Matrosen der baltischen Flotte statt, die an- geblich einer revolutionären Organisation angehört haben, die sich, wie die Anklage behauptet, auf säuitliche Linienschiffe und Kreuzer der Ostseeflotte erstreckt und für oder 1913 eine bewaffnete Erhebung der baltischen Flotte geplant haben soll. Plan geht nicht fehl, wenn man diese phantastischen Anklagen, die es natürlich auf zahlreiche Bluturteile abgesehen haben, mit der provokatorischen Tätigkeit der Petersburger politischen Polizei in Verbindung bringt, die schon lange ihr Augenmerk auf die Flotte gerichtet hat. und deren Agenten dort eine fieberhafte Tätigkeit entfalten. JndeGen darf nicht unberücksichtigt gelassen werden, dast diesen recht verdächtigen und aufklärungSbedürstigen Vorgängen in der Flotte ein bedroh- licher Grad der Unzufriedenheit und Erregung der Mannschaften zugrunde gelegen hat. Dieselbe Schlußfolgerung gestatten auch die jüngsten Er- eignisse in T u r k c st a n, wo die Mannschaften des ersten und zweiten Pionierbataillons in der Nacht zum 13. Juli gemeutert und den regierungstreuen Schützen und Kosaken ein? förmliche Schlacht geliefert haben. Die Regierungspresse fabelt natürlich auch hier von einein planmäßig vorbereiteten revolutionären Aufstand— die„Kölnische Zeitung" hat so- gar die Stirne, von„sozialdemokratischen Sendlingen" zu sprechen, die„den Mittelpunkt ihrer Propaganda in einem an das Lager grenzendeni Dorfe" unterhielten, wo sie„in Kan- tinen und Bordellen tütig tvaren"—. indessen geht sogar aus der ofsiziösen Schilderung der Revolte hervor, daß die explo- sive Empörung der Truppen sich einzig und allein gegen die unmittelbaren Vorgesetzten, die O s s i z i e r e gerichtet hat, von denen 3g e tötet und4verwundet wurden. Eine zuverlässige Schilderung der Vorgänge fehlt zurzeit noch, es unterliegt aber selbst aus Grund der Mitteilungen in der rechtsstehenden Presse keinem Zweifel, daß der„Ausstand" der Turkestaner Pioniere keineswegs durch eine„sozialdemo- kratische Propaganda", sondern durch den harten militärischen Drill, die schlechte Verpflegung und die Grausamkeit der Ossi- ziere hervorgerufen ivorden ist. Sieht sich doch sogar der reaktionäre Schriftsteller M e n s ch i k o w gezwungen, in der Nowoje Wremja" den Brief eines Kompagniechess zu zitie- reu den er zwei Wochen vor dem erwähnten„Aufstand" aus dem Turkestaner Militärbezirk erhalten hat. Der Kom- vagniechef beklagt sich bitter über die Diebeswirtschast in der Armee, die ihn zwinge, die jungen Soldaten in zerlumpte Uniformen zu stecken und fast barfuß herumlaufen zu lafsew Alles" schreibt er wörtlich,„was von der Staatskasse ge° liefert'werden muß. wird von den Kompagniesuhrern. unter 'dem Druck der Äbteilungschefs, dem Etat der Soldaten selbst aufgebürdet, sonst wird man als untauglicher Kompagnle- chef attestiert.. Diese Mitteilung deckt naturltch nur einen Bruchteil der Gewaltherrschaft aus, die den Untermilt- iärs gegenüber zur Anwendung gelangt."Namentlich in Turkestan ist das Säbelregiment der Offiziere am stärksten, vnd vfltLrgemöb fühlt der Haß dex Soldaten hier am ehesten zu Ausbrüchen der Empörung, die in Kolonialgebieten am schnellsten heranreifen. Es ist natürlich auch kein Zufall, daß diese Anzeichen der Empörung sich zuerst in den technisch hochstehenden Truppen- teilen der Armee, wie in der Marine zeigen. Die Mann- schaften rekrutieren sich hier vorzugsweise aus der indu- striellen Arbeiterschaft, die allein den hohen Anforderungen der modernen Militär- und Marinetechuik genüge leistet. Je höher nun die revolutionäre Welle in der städtischen Ar- beiterschaft steigt, je mehr ihre Aktivität zunimmt und die Stagnation des letzten Jahrfünfts vertreibt, desto heftiger gart es in der Armee und Marine, desto häufiger nimmt das Bewußtsein der geknechteten Menschenwürde überhand über die kühle Berechnung und Erwägung. In der spontan aus- brechenden Revolte vereinigt sich dann die Empörung gegen die unmittelbaren Bedrücker mit dem instinktiven politischen Protest des zum Klassenbewußtsein erwachenden Proletariers. Greift hier noch die politische Polizei ein, um den Gärungs- stoff in der Armee durch ihre Lockspitzeltätigkeit zum Ausbruch zu bringen, so ist der Effekt nur der, daß die Gärung"an Breite und Tiefe zunimmt und den Zersetzungsprozeß der bewaffneten Kräfte beschleunigt. Die klügsten Köpfe im reaktionären Lager verhehlen sich diesen, den Absolutismus gefährdenden Zusammenhang nicht. So schreibt der oben zitierte Mitarbeiter der„Nowoje Wremja", Menschikow:„Was soll denn das Marineressort tun, wenn die modernen Schlachtschiffe Schlachtfabriken sind und für ihre unzähligen Maschinen Untermilitärs er- fordern, die in den- Fabriken die nötige Vorbildung genossen haben? Oder was soll das Pionierressort tun, wenn es keine des Lesens kundige Rekruten hat, die für das Ingenieur- und Pionierfach vorgebildet sind?... Ihrem Wesen nach fordert die moderne Armee eine gewisse Ausbildung: die Bildung jedoch, selbst die in den Volksschulen erworbene, legt die Schienenstränge für alle neuen politischen und revolutio- nären Ideen..." Ans dieser vollkommen richtigen Erkennt- nis zieht aber Menschikow nicht die einzig richtige Konse- guenz, daß der kapitalistische Staat auch in seinen militäri- scben Machtmitteln seinen Antipoden großziehen mutz, der die ganze kapitalistische.Herrlichkeit über den Haufen werfen wird, und daß namentlich das halb-absolutistische Rußland keinen Schritt tun kann, ohne sowohl in seinen Produktions- formen, wie in den durck die Großmachtsstellung und den imperialistischen Kurs geforderten militärischen Kräften die dialektischen Gegensätze auszulösen, die den Untergang der bestehenden Ordnung bedeuten. In hilsloser Verzweiflung schreit auch er nach der Polizei als den» alleinseligmachenden Heilmittel, und gibt sich zugleich der Hoffnung hin, daß die Regierung durch kleine Zugeständnisse auf wirtschaftlichem Gebiet die Herrschaft über ihre militärischen Kräfte würde er- halten können. Die künftige Entwickelung wird diese Hoff- nung ebenso zuschanden machen, wie die Hoffnungen der Re- aktionäre vor 1963, eine mächtige Volksbewegung durch Bajo- nette und kleine Mittelchen meistern zu können. Der Krieg. Die türkische Krise. Konstantinopel, 1. Auguist. To das Ergebnis der Abstimmung in der heutigen Sitzung der Kammer eine gewisse Berwärrung der- ursachte, muß hervorgehoben werden, daß nach der letzten Abstim- mung die Kammission sich in dringlicher Weise mit. der Prüfung des von der Regierung gesiellien Antrages auf Abänderung des Artikels sieben der Verfassung zu befassen haben wird. Die Kammer hat zwar aus die Priorität der Vorfrage verzichtet, jedoch wird es der Kommission ireistchen, sich damit zu befaffenj. Der Großwesir hat die» im Laufe der Verhandkmg anerkannt. Ter Führer der jung- türkischen Partei, Seyid. hat diesen Punkt nach Schluß der Ab- stimm ung besonders hervorgehoben, indem er- sich auf die vorange- gangene Erklärung, des GroßwesirS berief. Nach der Abslinwnmg in der Kaimncr trat die j ungtürki» sche Partei zu einer Beratung zusammen und beschloß, den Kriegsminister wegen der militärischen Maßnahmen und wegen der Vorkehrungen in der Hingebu-ng der Kammer zu, interpellieren. Die Interpellation hätte noch heute abend verhandelt werden sollen, worauf der Minister ausgefordert worden wäre, sie sofort zu, be- antworten, doch ergab sich die Beschlnßunfähigkeit der Kammer. Abermalige Aushebung der Depeschenzensur. Konstantinopel, 2. Augustz Die zivile Depeschenzenswr ist neuerd-ingS ausgehoben worden. Ein Bombenattentat. Saloniki, 2. August. Nach einer amtlichen Meldung hat auf einem Laudgute bei Gjevgelü ein Zusammen st oß zwischen türkischen Soldaten unb einer bulgarischen Bande stattgefunden, wobei der den Soldaten als Führer dienende Komitatschi Risto und zwei Mitglieder der Bande getötet worden sind. Vier türkische Soldaten und zwei Feldhüter wurden verwundet. Infolge einer Bombenexplosion sind 6 Häuser in Brand ge- raten. Saloniki. 2. August. Es bestätigt sich, daß im Bazar von Kotschana im Wikajet Kossowo kurz nach einander zwei Höllenmaschinen explodiert sind. Die Wirkung war furchtbar. Ungefähr vierzig Personen sind teils getötet, teils verletzt worden. Einzelheiten fehlen noch. Wachsende Errcguug der Arnauten. Saloniki, 2. August. Da die vou deu Arnauten fuv die Auf- löfunA der Kammer gestellte Frist bald abläuft, bunächtigt sich der Arnauten wieder eine größere Erregung. Aus Uesküb wird berichtet, daß der Kommandant des Wachtturms Gardischta sowie fünf OrtZvorsteher und 52 Gendarmen ihre Posten der- lassen haben und zu. den Arnaute.n übergegangen sind. In Sienitza brachen die Arnauten, in das Gefängnis ein und setzten, 132 Sträflinge in Freiheit. Bei Seldsche fand ein Kampf zwischen Malissoren und der Besatzung mehrerer Wacht- türme statt. Die Besatzung wurde schließlich überwältigt, entwaffnet und dann freigelassen. Die Begnadigung der alten Würdenträger. Konstantinopel, 2. August. Das jung türkische Komitee sucht, die Begnadigung von 130 M i n i st e r n. Würdenträgem und sonstigen Funktionären des alten Reginws gegen die Regierung aus. zunutzen. Eine offiziöse Note besagt, die Regierung habe die Maß- rahme getroffen, um die Verfassung streng einzuhalten� und weil nach der Aufhebung de» Belagerungszustandes die Begnadigung der auf cidmimstrotiven Wege verbannten Personen nnabweislich gewesen fei/ Zur Kennzeichnung der schwierigen Lage, in der sich die Regierung der. Kammer gegenüber befindet, dient die Tatsache, daß authe,»tischen Nachrichte» zufolg» die albanesischeu Rebel- l e n p o u M i t r o w i tz a am 20. Juli an den S u l t g y csn Tete« gramm gerichtet haben, in dem sie die Auslosung Sc? Kammer binnen 48 Stunden verlangten!. Ter Sultan habe in seiner Antwort zur Geduld geraten. Der Großwesir, den die gleiche Forderung telcgraphisch übermittelt wurde, habe ge- antwortet» er werde den Führer der Mission Ibrahim Pascha nach Ritrowitza entsenden und gesetzliche Forderungen bewilligen. politilcke(leberNcbt. Berlin, den 2. August 1912. Solfs Phantasien und die Wirklichkeit. Herr Solf, der gar off auf Reisen gegangene Staatssekretär für das Reichskolonialamt, hat unlängst erklärt, daß Deutsch- Südwestafrika„eine große Zukunft" habe. Das hat ja auch Herr Dernburg schon Anno 1966 gesagt. Wie es aber in„Neu-Deutschland" heute in Wirklichkeit cnZsieht, das schildert ein„langjähriger, erfahrener Kolonist aus Südwest", der sich zurzeit in der deutschen Heimat aufhält, in der„Deut- scheu Warte" folgendermaßen: Woraus hat Herr Dr. Solf. der also sprach, seine optimistisch- Anschauung geschöpft? Sind ihm denn nicht die derzeit enorm hohen Preise aller Lebensbedürfnisse und Ge- brauchsgegenstände, wie überhaupt der abnorme Gold- stand und geringe Geldwert in unserer Kolonie aufgefallen? Sind doch sogar die behördlichen Preise, z. B. die Gerichtskosten, da- durch bedingt und so hoch, daß niemand mehr auch mir zu prozessieren wagt. Im Landesrat zu Windhuk, der eine Art von Provinziallandtag ohne gesetzgebende Kraft ist. wurde dieser Punkt vor einiger Zeit behandelt, und der Gouverneur Dr. Seitz gestand dabei, er habe in Windhuk für 75 Pfund Kartoffeln 42 M. zahlen müssen, und auch die son- stigeu Hauptlebensmittel seien dreifach so teuer wie in Deutschland, und diese Lcbensmittelteuerung werde die wirtschaftliche Entwickelung deS Schutzgebietes nochaufJahre hinaus aushalten.— Dr. Seitz hatte nur allzu recht mit seiner Weissagung. Tatsächlich klagt die Geschäftswelt des Schutzgebietes heute mehr als je über schlechte Zeiten und der Farmer über schlechte Preise und Mangel an Bargeld bei Ver-' kaufen. Die Unternehmer vermissen neue Aufträge wegen man- gelnder Baulust, Handwerker und Arbeiter klagen über schlechte Beschäftigung. Die Kolonie steht mitten drin in einer geschäft- lichen Krists. Die zeigt sich in Zahlungseinstellungen. Pfändungen, erhöhter Beschäftigung der Gerichte und unheimlich grostem Besuch der Wirtshäuser durch Befchäf- tigungslose und Arbeit- und Berdieustsuchende. Aus geschäftlichen Gründen wird die KrisiS nicht immer ehrlich zugestanden, und so täuscht man, ohne es zu wollen, die Leiter des Landes. Der Farmer klagt. Wie helfen? Die Ansiedelurvgsunterstützung von LOOV M. kann ihm doch unmöglich jährlich gegeben werden. Der Hausbesitzer kann auf das stolzeste HauS keine Hypothek bekommen, es sei denn, daß seine Gläubiger sich eine Sichcrheitshypothek eintragen lassen. Und aus diesem Grunde steht Handel und Wandel still. Die großen Farmgesellschaften mit Direktoren. Schreibern. Wollschuppen und Anschlußgleisen werden sich wohl kaum eine große Divi- den de berechnen können. Unrenbabel angelegtes Großkapi- tal schreckt aber sonst arbeitsfreudiges Kapital zurück. Man sagt sich unwillkürlich, wenn es mit Millionen nicht geht, wie kann es da mit Hunderttausenden gehen. Der Ausblick auf die Zukunft erscheint uns auch in den Bergwerksangelegenheiten nur düster und dunkel. Trotz Arbeit der Minengesellschaften und vieler, vieler optimistischer Privat- schärfer sind wir nicht einen Schritt weiter gekom» m e n. Ucber die Diamanteufrage ist sa alles Wesentliche de- kann». Die Ernüchterung ist eingetreten. Aber welche schönen Hoffnungen knüpften sich nicht auch an den s ü w e st a f r i k a n i- scheu Marmor! Bei der Anfang 1916 gegründeten Africa Ädanmor-Kollonialigeiscllschaft zeigt sich dasselbe, was man auch bei den anderen Untceruehmen konstatieren mußte, nämlich, daß die Hoffnungen der Gründer viel zu hoch gespannt gewesen sind. Der afrikanische Marmor läßt sich nicht so einfach abbauen und verwerten, wie anfangs angenommen wurde. Auch sind es gar nicht einmal die Transportschwierigkeiten, die so verteuernd wirken. Vielmehr stellt sich jetzt heraus, daß nur ein Teil des edlen Gesteins brauchbar ist; groste Mengen(zirka 96 v. H.) sind derartig mit Fremdstoffen durchseht, das, sie für industrielle Zwecke nicht verwendbar sind. Der Kurs der Anteile der Gesell- schaft ist seit der Gründung im freien Markte nm zirka 46 v. H. zurückgegangen." Diese Darstellung des alten, landkundigen Praktikers klingt allerdings ganz anders, als die des Herrn 5dolonial- Ministers, der Potemkinsche Dörfer gesehen hatl In Wirk- lichkeit ist es in Südwestafrika nie besser gewesen. Die Kolonie stand vielmehr vor dem Bankerott, als der Krieg ausbrach, der dann auf Kosten des deutschen Volkes, das 460 Millionen dafür blechen mußte, auf ein paar Jahre einen künstlichen Aufschwung brachte, dem aber jetzt trotz allen Diamanten� segens längst wieder der graue Jammer gefolgt ist! „Nm ein deutsches Menschenleben." Unter dieser sensationellem Ucberschrist kritisiert die„Post". daß die deutsche Regierung angeiblich noch nichts getan habe, um das Schicksal des deutschen Reichsangehörigen Opitz, der in Marra- kcsch ermordet worden sein soll, aufzuklären. Nach neueren, Mel- düngen soll Opitz nicht getötet, sondern von den Eingeborenen zwecks Erlangung eines Lösegeldes entführt worden sein. Die „Post" bemerkt höhnisch: „Bei den guten Beziehungen, die Baron de Schoen zu den Pariser Machthabern hat. und bei dem TankbarkritSaefühl. das mau in Pari? billigerweise für das verständnisvolle Entgegen- kommen der deutschen Regierung in der Zeit vom Juli bis November 1611 voraussetzen darf, kann es sicherlich nicht schwer halten, die Unterstützung der französischen Behörden zu, gewinnen, um sofort eine Hilfsaktion zugunsten des Herrn Opitz einzu- leitcm Die„Post" bedauert dann lebhaft, daß wir w Marokko nichts mehr zu sagen haben, sonst würde das Verfahren wesentlich verein- facht worden sein. Es handle sich hier um ein deutsches Menschen- leben, und es sei zu hoffen, daß die Flagge des Reiches selbst in Frankreich noch genügend Ansehen besitzt, um den in höchster Gc- fihr befindlichen deutschen Untertan auch im verloren gegangenen Marokko zu schützen. Der„Post" ist es natürlich weuigev um den Neichsangehorigen Opitz zu tun, als darum, wieder einmal ihrem Schmerz diarüber Ausdruck zu verleihen,, daß die Marokvo-Affmre nicht die von den deutschen Chauvinisten ersehnte Wendung genommen, hat. Soweit bisher Meldungen vorliegen, ist Opitz im vollen Bewußtsein der Gefährlichkeit dieses Unternehmens ahne jede Begleitung über die Grenze der Stadt Marrakcsch hinausgeritten, und lein Staat in der ganzen Welt kann verpflichtet werden� die Verantwortung für einen solchen Hang nach Abenteuerlichkeiten, zu übernehmen» Man müßte sonst logischerweise verlangen, daß das Reich jedem Deutschen,, den Abenteuerlust in exotische Gegenben treibt, gleich vg» vornherein eine Schutzwache mitgibt, die ihn auf allen Pfaden behütet und bewahrt.__ Vom„liberalen" Vereinsgesetz. In welch„loyaler" Weise preußische Amtsvorsteher im» famose Reichsvereinsgesetz handhaben, dafür zwei Beispiele au« dem Wahlkreise Merseburg-Ouerfurt. Zwei Vertreter des Arbeiter- RadsahrerbereinS Neuwar? vegaven sich zuw Kuständigen- Amts- Vorsteher, dem konservativen Rittergutsbesitzer von Helldorss- Et. Ullrich um die Bergnügiungs-steucr für ein nur für Mitglieder bestimmte» Vereinsvergniigeu zu erlegen» Da der junkerliche Amts- Vorsteher als ein fanatischer Sozialiftcnfeind bekannt ist. hatten die Arbeiterradler gar nicht erst um die Genehmigung der üblichen Korsofahrt und eines öffentlichen Festes nachgesucht. Aber auch die Abhaltung des geschlossenen Vereinsvergnügens wurde verboten. Als dem Herrn daraufhin erwidert wurde, dah er mit zweierlei Matz messe und bei Kriegervereinsfestew keine Schranken kenne, gab der gemutvolle Amtsgewaltige unseren Genossen den folgenden Rat: „Halten Sie zu Kaiser, König und Vaterland und halten Sie es mit mir, dann können Sie auch Bev» gnügen abhalten." Um zu verhindern, datz die Radler dennoch ihr Fest feierten, postierte der Amtsvorstcher nicht weniger als fünf Gendar- mrn. einen Amtsdiener und einen Nachtwächter vor das Loval. Die Arbeiter kamen jedoch gar nicht in die Lage, in den Bereich der Gendarmenkliingen zu geraten, denn der ge- ängstigte Wirt zog feine Zusage zurück mit der Entschuldigung. eS sei ihm vom Amtsvorsteher eine Geldstrafe von IM M. und di e Verhängung der Polizei st unde an. gedroht worden. Nach der Erläuterung des jetzigen Reichskanzlers bei Beratung des Vercinsgesctzes ist dieses Vorgehen des Aintsivorstehcrs ein Amtsmitzbrauch und da unsere Genossen auf die Beachtung der Ge- setze in solchen Fällen ebenso peinlich achten� als in anderen Fällen die Amtsvorsteher, so dürfte das Liedchen noch nicht auSgesungen sein. Nicht minder schroff ging der Nachbarikollege des Herrn von Hclldorff, der Ämtsvorftchcr v. Bose in Frankleben gegen den Rndsahrervcrein Mügeln vor, der um die Genehmigung einer Korsofahrt durch den kleinen Jndustrieort Benndorf nachgesucht hatte. Das Gesuch wurde glatt abgelehnt und den Antrag- Kellern folgender preutzischer Bescheid als„Begründung" zugestellt: „Mit Rücksicht auf die ganz erhebliche Spannung zwischen den bürgerlichen Parteien einerseits und den Sozialdemokraten andererseits kann einer solchen Herausforderung der bürgerlichen Parteien durch die Sozialdemo- kraten, wie sie durch den geplanten Umzug stattfinden soll, die öffentliche Sicherheit auf den, be- treffenden Stratzen während- des Umzuges nicht verbürgt wer» dem Es steht zu befürchten», datz es bei dieser Gelegenheit zu Tumulten kommen- wird. Der geplante Umzug hat-daher Gefabr für die öffentliche Sicherheit im Gefolge. Da-die in Benn- dorf befindlichen öffentlichen Stratzen- sehr schmal und hier regel» mätzig ein starker Automobil- und Fuhrwerksverkehr stattfindet. bietet der geplante Umzug auch in dieser Hinsicht eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit. Ein Grund für den Umzug in Benndorf ist im Hinblick darauf, datz der Verein ein Lokal in Benndorf nicht besitzt, nicht ersichtlich. Der Amtsvorsteher. v. Bose." Der Schauplatz dieser Ereignisse liegt nicht in Ostelbim oder Mecklenburg, sondern dicht bei den Grotzstädten Halle und Leipzig, and zwar in einem Wahlreise, in dem die Junker bei der lotzten ReichstagSwahl arg zerschunden, hinausgejagt wurden» Der Schmerz über den Verlust des Mandats steckt daher den agrarischen Mahl- viacherg noch in den Knochen._ Fünfzig Tage Zwangsarbeit. In Kclcher Weise die Eingeborenen unserer Kolonien durch Kopfsteuern respektive Zwangsarbeit belastet werden-, beweist folgende Notiz der„Täglichen Rundschau": „Dem durchaus zu billigenden Grundsatz fol- gend, datz die Eingeborenen in den Kolonien mit beizusteuern haben zu den Kosten der Verwaltung, unter deren Schutz ihr Leben und Eigentum, früher eine häufige Beute räuberischer Nachbarn, nunmehr gesichert sind, hat Gouverneur Hahl in 93 Gemeinden die jährliche Kopfsteuer von 5 M. auf 10 M. erhöht. Die Steuer kann nur durch Arbeitsleistung abgetragen werden, wobei 20 Pf. für den Arbeitstag in Anrechnung gebracht werden. Es wäre zu wünschen, datz auch in den anderen Kolonien die Eingcborenen mehr als bisher zur teilweisen Erstattung der Verwaltungskosten herange- zogen würden, natürlich entsprechend den ihnen zugänglichen Erwcrbsmöalichkeiten. Das gilt insbesondere auch für unser anderes Sudseeschutzgcbiet, S a m o a, wo der erwachsene Ein- geborene bei einem Arbeitstagelohn von 2,50 M. nur 20 M. jährlich Steuern zu zahlen hat. Die Besteuerung der Einge- borenen im Neu-Guinea-Gebiet, soweit sie unter der Kontrolle der deutschen Verwaltung stehen, ist eine verhältnismätzig mehr als sechsmal so hohe wie in Samoa. Würde man sich auch dort endlich zu einer gerechten Steuervertcilung ent- schlietzen, so wurde neben einer Entlastung der jetzt über die Gebühr besteuerten europäischen WtrtschaftSbetriebe die Ar� d eiterfrage wenigstens zu einem Teile ihrer Lösung nähergebracht werden." Wenn die Verwaltung von Neu»Guinea 20 Pf. Kopfsteuer einem Arbeitstag gleichsetzt, wird durch die Erhöhung der Kopf. steuer für 03 Gemeinden mit einem Schlage die dem Gouverne» mcnt zu leistende Zwangsarbeit um 25 Tage, nämlich auf 50 Tage erhöht! Und die Gemütsmenschen des„Blattes der Gebildeten" fordern obendrein, datz auch in den anderen Schutzgebieten, wie Samoa, die Steuern derart erhöht wurden, datz die 50 Tage Zwangsarbeit entstehen. Datz die Eingeborenen- von solcher zivili. satorischen Beglückung nicht entzückt sind, und die Erhebungen gegen da» Kolonialrcgiment nicht abreitzen, ist kein Munderl Oeltefreickf-lZngarn. Der Atteutatsprozeß in Kroatien. Au» A g r a m wird uns geschrieben: Der Prozeß de» Atten. täterS Jukic gestaltete sich gleich zu Beginn zu tinerschweren Blamage des Diktators Kuwai und seiner Lakaien. Als Zuschauer wurden nur 20 Personen von der Polizei ein» gelassen. Den Journalisten wurde mitgeteilt, datz alle Telegramme und alle Zeitungsberichte zuerst die Zensur passieren müßten. So erschien am ersten Tage kein Vertreter der ausländischen Presse. Angeklagt sind neben dem Juristen Jukic als intellektuelle »Mithelfer" zwei Schüler der Lehrerakademie, zwei von der Handels» akademie und sieben Gymnastalschüler. von denen der jüngste 15 Jahre alt ist. Sobald die Angeklagten ihre Plätze w dem Sitzungssaal eingenommen hatten, stand Jnkic auf und erklärte ganz laut: «Bevor der Staatsanwalt uns der Verbrechen an» zu klagen beginnt, verlange ich von dem Gericht die Verfolgung des größten Verbrechers in Kroatien. deSSlavkoKuwat."«Halten Sie den Mund". erwiderte der Vorsitzende,«hier ist der Justizpalast."„In Kroatien gibt es keine Justiz, gibt es keine Gesetze." schrie Juknitsch.—„Ich verbiete Ihnen zu sprechen."«Ich gehorche nicht. Sie sind ein Lakai von Kuwai, und repräsentieren für mich keine Autorität." Nachdem die Erregung, die lange andauerte, etwas nachgelassen hatte, wurde die.Arbeit" wieder aufgenommen. Als von Julie verlangt wurde,«inen Verteidiger zu ernennen, erklärte er:„Ich brauche teinen Verteidiger. Ich»verde mich selbst verteidigen, wie sich ein von allen Seiten von Hunden angegriffener Mensch mit seinem aus» gezogenem Rock verteidigt." Die vom Gericht bestellten Verteidiger verlangten die Unter» suchung des �Geisteszustandes der zwei HauptangeNagten, Jukic und Neuhart. Als mit der Verlesung der Anklage des Staatsanwalt» an» gefangen wurde, stand Jukic auf und sagte zu seinen Kameraden: „Wir haben jetzt hier nicht» zu tun, gehen wir hinaus," und lief schnell zur Tür. Die anwesenden Schutzleute stürzten sich auf ihn schlugen ihn so, datz er an die Tür stürzte. Er machte doch die Tür auf, verlietz den Sitzungssaal und wollte auf leinen Fall zurück- kehren. Er verlangte, in sseiner Zelle zu bleiben, loa» ihm endlich belvilligt wurde. Das Schlagen eines Wehrlosen vor den Augen des Gerichts und der Oeffentlichkeit rief allgemeine Entrüstung hervor. „Schlagen Sie uns auch!" riefen die aüderen Angeklagten.".Das ist das einzige,»vaS Sie können!" «Jetzt haben wir einen Beweis, wie die Angeklagten in der Vor» Untersuchung behandelt worden sind," konstatierten die Verteidiger. Der Vorsitzende schloß die Sitzung. Alle Agramer Blätter, die die Erklärungen Jukic über Kuwai veröffentlicht haben, wurden konfisziert. franhreicb. Die Flottenkonvention mit Rußland. Paris, t. August. Zu der Meldung des„Temps" über die französisch-russische Flottenvereinbarung wird offiziös noch ergänzend und bestätigend erklärt: Ein Abendblatt brachte die Meldung, die französische und die russische Negierung hätten kürzlich wichtige Verhandlungen be- züglich des Abschlusses einer Marinekonvention ge- pflogen. In dieser Form ist die Nachricht nicht vollkommen richtig. Es haben keinerlei Verhandlungen zwischen den beiden Regierungen, sondern nur Besprechungen zwischen dem französischen und dem russischen Generalstabschef statt- gefunden. Die Besprechungen bezogen sich auf eine zeit- gemäße Weiterentwicklung der im Jahre 1892 zwischen Frankreich und Rußland abgeschlossenen Militär- konvention. Bisher war die Militärkonvention auf die Marine nicht ausgedehnt worden. Da sich aber heute die Lage zur See infolge der von den beiden Mächten ge- machten Anstrengungen geändert hat. so erschien es den Generalstäben nützlich, sich über diesen Gegenstand zu der» ständigen. Die Frage ist, wie wir glauben, von dem Fürsten Lieven gelegentlich seiner letzten Reise nach Frank- reich zur Besprechung gebracht worden. Die zeitgemäße Weiterentwicklung der Militärkonvention ändert das be- stehende Abkommen in keiner Weise und hat keiner Macht gegenüber den Charakter einer aggressiven Neuerung. Portugal. Ein monarchistisches Bombenattentat. Lissabon, 2. August. Auf der Avenida da Liberdade wurde ein Soldat durch die Explosion einer auf dem Bürgersteig niedergelegten Bombe, gegen die er anstieß, schwer verletzt. Unter dem Verdachte, an der Verschwörung beteiligt zu sein, wurde ein früherer Arzt der Militär schule, Carlos Lopes, verhaftet. # Di« Kriegsgerichte in CabeceiraS de Basto und ChaveS haben mehrere Verschwörer zu sechs Jahren Zellenge» fängnis und nachfolgender Deportation nach Afrika auf zehn oder zwanzig Jahre verurteilt. In Villard de Monte, in der Nähe von BarcelloS, ist eine Verschwörung entdeckt worden. Der Pfarrer und sieben Bauern wurden verhaftet. Zahlreiche Roha listen haben sich nach Südamerika ein» geschifst.'-" � Englancl. Auswärtige Fragen. London, 1. August. Unterhaus. In der Generaldebatte über da» Etatsgesctz behandelte Staatssekretär Geey verschiedene Fragen der auswärtigen Politik. Ueber die persische Angelegenheit bemerkte er. das eigentliche Problem der Gegenwart seien-di? inneren Unruhen. Er nehme nicht an, datz im gcgenwär- tigen Augenblick sich eine Finanzgruppe finden lassen würde, die der persischen Regierung Geld leihen würde, ohne englische oder russische oder englisch-russische Garantie. Eine große Anleihe zu garantieren, würde einer von den Schritten sein, für die er steti in Persien und anderswo die Verantwortung abzuwälzen sich be» müht habe. Was England in Betracht ziehe, sei ein weiterer Vor- schütz von 200 000 Pfund Sterling. 100000 von England und 100 000 von Rußland. Er könne nicht genau sagen, welche Bedingungen Rußland bei der Gewährung des Vorschusses Persien aufer- legen werde. Sie wurden aber seines Wissens fiir die persisch� Regierung nicht lästig sein. Soweit England in Betracht komme, würde die Bedingung di« sei, datz daS Geld zur Förderung der Bildung der persischen Gendarmerie oder für andere Mittel zur Wiiederherstellung der Sicherheit im Süden ver- wandt werde. Er könne nur hoffen, datz, wenn der Vorschutz ge- zahlt wäre, die Besserung der Verhältnisse in Persien sich so ge- stalten möchte, datz die Aussicht auf eine große Anleihe näher rücke, als es gegenwärtig der Fall sei. G r e y nahm sodann Bezug auf einen Vorschlag Noel BuxtonS. datz die Aegäifchen Inseln, da sie der Kontrolle der Türkei nunmehr entzogen seien, in eine Art von Föde- r a t i o n umgewandelt werden sollten, und erklärte dazu: Die Okku- pation der Aegäischen Inseln während des Kriege» ist ein Ereignis, wie eS in jedem Krieg vorkommt, und wird Anlaß zu wichtigen Erörterungen geben, wenn der Krieg vorüber und eine Einigung erzielt ist. Die Besetzung der Inseln, ihre Lage und ihr Schicksal sind Angelegenheiten, an denen mehr als eine europäische Groß. macht lebhaftes Interesse nimmt. Mehr als da» kann ich äugen. blicklich nicht sagen, während der Krieg noch im Gange ist. Nie» mand nimmt an, daß alles, was während eine» Krieges von einem Kriegführenden besetzt worden ist, an diesen übergeben wird, wenn der Krieg vorüber ist. Was beim Friedensschluß an einen Krieg. führenden Übergeben wird, kann nicht erörtert werden, bevor der Friede in Sicht ist. Buxton hat von der Möglichkeit eine» ChaoS in der Türkei gesprochen. Ich hoffe, datz dieser Fall nicht eintreten wird. Die innere Lage der Türkei ist, wie jeder weiß, augenblicklich außerordentlich schwierig. Ich hoffe zuver- sichtlich, datz sie einen günstigen Ausgang nehmen wird. Grey kam sodann, auf die Putumayogreuel zu sprechen mid erklärte, soweit die Vergangenheit in Betracht komme, habe die bri- tische Regierung ein ehrenvolle? Verantwortung»» gefuhl gezeigt, weil sie einen Zustand ans Licht gebracht habe. der sonst nicht bekannt geworden wate. Grey schloß: Wir habe» alles getan, waS wir auf diplomatischem Wege tun konnten, und die Regierung von Peru, die allein in dem genannten Gebiet Rechte besitzt, dringend ersucht, im Interesse ihres eigenen guten Rufes die Schuldigen zu bestrafen und einer Wiederholung solcher Greuel vorzubeugen. LMtia. Ein englischer Journalist als Beirat Auanschikai». Peking, 2. August. Der Pekinger Korrespondent der „Times", Dr. Morrison, hat das Amt eines poli» t j s ch e n R a t g e b e r s bei dem Präsidenten der chinesischen Republik auf fünf Jahre übertragen erhalten und angenom- men. Er wird sein Amt im Oktober übernehmen. Hurtratfen. Die Arbeiter-Regierung in West-Australien. Nach dem Sturze des allmächtigen Ministerpräsidenten I. Fori est, des Vertreters der großen Besitzerfamilien, hat die Regierung der westaustralischen Arbeiterpartei, die als die fort- schrittlichste der gleichartigen australischen Parteien bezeichnet wird, sich ans Werk gemacht und in wenigen- Monaten schon er- folgreich gearbeitet. Die Wasserleitung nach den Gold- fcldern— die Wasserbeschaffung ist eine Hauptfrage für das trockene Australien—, bisher ein„weißer Elefant", der nicht seine Kosten und Zinsen aufbrachte, wurde ertragreich gemacht, indem man von den Wassermengen, die die vorhanden« Maschinerie in der doppelten Menge des Bedarfs zu fördern erlaubt, an die Landwirte der durchzogenen- Gegend abgab, und so zugleich den Staatsfinanzen wie der Landwirtschaft nützte. Auch sonst wurden Dutzende erfolgreicher Brun-nenbohrungen ausgeführt. Ebenfalls zugunsten der kleinen Landwirte, deren Vernichtung für den Fall des Sieges der Arbeiterpartei man prophezeit hatte, ist eS, datz die vom Staate subventionierte Adclaide-Dampfergesell- schaft veranlaßt wurde, ein Schiff für den Norden des Landes zum Viehtransport in Dienst zu stellen, wodurch die kleinen Besitzer, denen bisher die großen allen verfügbaren Schiffplatz weggenommen hatten, auch zur Viehausfuhr instand gesetzt werden. Weiter wurde von der Regirrung vorzügliches Saatgut gekauft und zum Selbstkostenpreis-st 5 Proz. für Zinsen abgegeben. Und jetzt ist man daran, eine Staatsfabrik von landwirtschast- lichen Maschinen zu bauen, um die Landwirte von der Mono» polherrschast der Fabriken zu befreien. Auch auf anderen Gebieten nimmt die neue Regierung daS Gemeinwohl gegenüber den Kapitalinteressen wahr. Der Dampf- schiffgesellschaft wurde der Zuschuß von 6000 auf 3500 Pfd. Sterl. herabgesetzt, wofür sie ein wesentlich geeignetes Schiff zu stellen hat. Eisenbahnen. Trams und Jähren- werden verstaatlicht: kurz, die Fähigkeit der Arbeiterrcgierung zu wirklich positiper Arbeit zeigt sich ig hkster Weise._ Soziales. Der Kampf um die Krankenkasse«!. Die Unternehmer rüsten, um die Leitung der Ortskrankenkassen in ihre Hände zu bekommen. Die Reichsversicherungsordnung be» stimmt bekanntlich, datz ein Beamter, um gewählt zu sein, nicht bloß die Mehrheit der Stimmen der Arbeiterbeisitzer, sondern auch die Mehrheit der Stimmen der Unternehmerbeisitzer haben mutz. Damit liegt es in der Hand der Unternehmer, zu bestimmen, wer als Beamter angestellt werden soll. Allerdings sieht das Gesetz vor, datz, wenn Arbeiter und Unternehmer sich nicht einigen können, die vorgesetzte Bersicherungsbehörde die Stelle provisorisch zu be» setzen hat. Diese Versicherungsbehörde wird aber stets entweder den Vertrauensmann der Unternehmer oder einen Militäranwärter mit der provisorischen Wahrnehmung der Stelle betrauen, nie aber einen Vertrauensmann der Arbeiter. Der Plan zum Kampfe gegen das Selbstverwaltungsrecht der Versicherten geht offenbar von einer amtlichen Stelle aus. Die„Berliner Politlschen Nachrichten" des Herrn Viktor Schweinburg übermitteln nämlich an die bürgerliche Presse folgende Notiz: „Nach der neuen ReichSbersicherungSordnung liegt die Ent» scheidung über die Wahl der Vorsitzenden und der Kassenangestell- tcn bei den Ortskrankenkassen in der Hauptsache bei den Arbeit- gebern in den Kassenorganen. Diese Bestimmungen hat die Reichsversicherungsordnung vorgesehen, um die Macht der So- zialdemokratie in den Ortskrankenkassen einzuschränken. An den Arbeitgebern liegt es nun, diese neuen Rechte auszuüben, damit der Zweck des Gesetzes auch erreicht wird. Dazu ist erforderlich, daß sich die Arbeitgeber wieder rege an den Wahlen zu den Kassenorganen beteiligen, um so mehr, als diese Wahlen aus- schlaggebend sind für die Besetzung der neuen Versicherung� behöcden mit Vertretern der Arbeitgeber und der Versicherten. Die Anregung, diejenigen Ortskrankenlassen, die nicht unter sozialdemokratischem Einflüsse stehen, in einen Verband zu» sainmenzufassen, verdient besonderer Erwägung und Verwirk» lichung. Alle politischen Bezirks- und Ortsverbände, welche auf nationalem Boden stehen, sollten sich bei den bevorstehenden Wahlen zu den Krankenlassen und Versicherungsbehörden recht!- zeitig verständigen und ein einheitliches Borgehen herbeiführen, um so der Herrschaft der Sozialdemokratie in den gesetzlichen Krankenkassen, welche die Sozialdemokratie allgemein und außer- ordentlich gestärkt hat, ein Ende zu bereiten." Mit der Aufforderung an die auf„nationalem" Boden stehen- -den Bezirks- und Ortsverbände, eine umfassende Assitation für gie Wahlen zu den Ortskrankenkassen zu entfalten, wird der Kampf von den Feinden der Arbeiterklasse zu einem politischen Kampf gestempelt. Nicht die frei-organisierten Arbeiter haben den politi- scheu Kampf in die Krankenkassen hineingetragen, sondern die unter dem Patronat amtlicher Stellen stehenden Feinde der Ar- beiterklasse haben das Signal dazu gegeben. Offen und brutal wird eingestanden, daß eS sich um die Rechtlosmachung sozialdemo- kratischer Arbeiter handelt, und zwar nur deshalb, weil sie Sozial- demokraten sind. Die Wahlen zu den Ortskrankenkassen werden damit politische Kämpfe von hoher Tragweite. Die klassenbewußte Arbeiterschaft wird auch in diesem Kampf mit ungleichen Waffen ihren Mann zu stellen wissen._ Die Ausgabe der Versicherungskarten der Angcstelltcnversichernng. Das Direktorium der Reichsversicherungsanstalt ist bereits daran gegangen, die unteren Verwaltungsbehörden, Landratsämter. Stadtmagistrate usw. über ihre nach dem Gesetz nun beginnende Mitwirkung genau zu unterrichten. In ausführlich erläuterndem Schreiben stellt es ihnen für die nächste Zeit zur Verteilung an die von den Bundesregierunssen zu bestimmenden Ausgabestellen lOrts- Polizeibehörden u. a.) die erforderlichen Mengen Aufnahmekarten und BersicherungSkarten in Aussicht. Jeder im Bezirke der Aus- gabestelle wohnhafte Angestellte, der nach dem Gesetze versicherungs- pflichtig ist, hat Anspruch auf ein Formular der Ausnahme- und der VersicherungSk-arte. Zugleich empfängt er eine Belehrung, die in wenigen knappen Absähen die richtige Ausfüllung der Vordrucke bezweckt. Zum Gebrauche der Ausgabestellen selbst werde» je zwei Exemplare einer kurzen Anleitung mitgeliefert, welche die erste Entscheidung über da» Bestehen jenes Anspruches erleichtert. Die Reichsdruckerei hat e? übernommen, die Herstellung der Formulare so zu beschleunigen, datz ihr Versand Mitte Juli be- ginnen konnte ung Anfang August beendet sein soll. Mit den vier er- wähnten Drucksachen gehen als fünfte die für die Vertrauensmännerwahlen bestimmten Wahlkuvcrts hinaus. Das Wahlrecht hängt bei Angestellten vom Besitze der Versicherungskarte ab, bei Arbeitgebern von einer Bescheinigung der Gemeindebehörde, über die Zahl ihrer regelmäßig beschäftigten versicherten Angestellten. Da» zeigt vollends di» Wichtigkeit de» glatten Verlauf» der örb> lichen Vorarbeiten. Es ist nämlich bestimmt anzunehmen, daß die Wahlen so bald als möglich, und zwar schon Mitte Oktober, stattfinden sollen. Ab Mitte August dürften also die Vordrucke in den Ausgabestellen zu haben sein. Die Ausforderung der unteren Verwaltungsbehörden zur Abholung der Vordrucke mit besonderem Hinweis auf das aus- zuübende Wahlrecht wird demnach voraussichtlich während der ersten Augusthälfte in den Amtsblättern ergehen. Als Legitimation vor der Ausgabestelle kann der Steuerzettcl dienen, allenfalls auch die Quittungskarte der Invaliden- und Hin- tcrbliebenenversicherung, sofern der Angestellte auch dieser unter» liegt. Die ausgefüllten Vordrucke sind der Ausgabestelle wieder einzureichen, welche sie daraufhin mit ihren Eintragungen vervoll- ständigt und die V-rsicherungskarte dem Angestellten als nunmehr gültigen Wahlaustveip zurückgibt» GewerhlcbaftUchea« Kncgszuftand in Ragnit. Ueber die Vorgänge, welche sich aus Anlaß eines Kistenmacher- streiks in Ragnit abspielten, wird uns von dort geschrieben: In dem kleinen ostpreutzischen Städtchen Ragnit ist es in den letzten Tagen zu ganz ungeheuerlichen Dingen gekommen. Wenn auch formell der Belagerungszustand noch nicht verhängt worden ist, so ist die Situation doch eikle derartige, als ob wirklich allein die militärische Gewalt in der Stadt herrscht. An dem Streik sind noch keine hundert Mann beteiligt, und doch sind bereits zwei Kom- pagnien Soldaten in Ragnit, die mit scharfen Patronen versehen sind. Man wird mit Recht fragen, wozu dieser gewaltige Apparat? In Ragnit hat sich in den letzten Jahren die Industrie ange- siedelt. Es erfolgte ein Zustrom von Arbeitern, was ein ganz enormes Steigen der Wohnungsmieten zun Folge hatte. Die Mietspreise sind in vielen Fällen verdoppelt worden. Dazu kommt die starke Besetzung der Wohnungen. In einer Wohnung von zwei Zimmern logieren nicht weniger als 18 Kanalisationsarbeiter. Wegen der Mietssteigcrungen mußten die Arbeiter Lohnforde- rungen stellen, und dazu kam es a»ch in der Brüningschcn Kisten- fabrik. Es wurde ein Stundenlohn von 32 Pf. und eine Erhöhung der Akkordsätze gefordert. Das letztere lehnte die Firma ab; sie forderte aber, daß der Holzarbeiterverband mit seiner Kasse für sämtlichen Schaden haften soll, den die Mitglieder des Verbände?' der Firma zufügen. Natürlich wurde das abgelehnt. Der Streik brach aus und die Firma holte zuerst von Posen, dann von Ham- bürg Streikbrecher. Es gelang die Posener abzuschieben. Die Ham- burger lvaren die echten Hinvebrüder, die man mit Dolchen„zu ihrem persönlichen Schutz" versehen hatte. In die Fabrik hatte man ein Gendarmeriekommando verlegt; außerdem wachten die Beamten der Ortspolizeibehörde über die Streikbrecher. Die fühl- ten sich als Herren der Situation und gingen gewalttätig gegen die Streikenden vor. Es kam zu einem Zusammenstoß, bei dem ein Polizeikommisiar einen Stcinwurf aus dem Lager der Arbeit». willigen erhielt, worauf ein Gendarm schoß und den Arbeiter Girolath tötete. Es wird nun behauptet, dieser wäre der Haupt- Übeltäter, doch das ist eine Verleumdung. Er gehörte nicht zu den Streikenden, war 22 Jahre alt, noch nicht bestraft, auch nicht als gewalttätig bekannt. Es wird ihm allgemein das Zeugnis eine? fleißigen Arbeiters ausgestellt. Augenzeugen versichern, daß er nicht gewalttätig vorgegangen sei; ja, sie bekunden, daß auch die Gendarmen nicht angegriffen wurden. Die Erschießung dieses braven Arbeiters verursachte eine un- geheure Aufregung, und die Folge davon war, daß eine Anzahl Laternen zertrümmert wurden. Wenn man bedenkt, daß die Ar- beiter in Ragnit noch nicht lange unter der gewerkschaftlichen Disziplin stehen, so ist das zumal bei der gewaltigen Empörung verständlich. Jetzt erschien Militär, das auf Veranlassung des Landrats kam, der„auf den Ernst der Situation" wiederum vom Vertreter der Brüningschcn Firma aufmerksam gemacht wor- den war. Eine Kompagnie aus Tilsit marschierte ein; ihr Hauptmann ist als besonders„schneidiger" Offizier bekannt. Jeder Soldat erhielt 60 scharfe Patronen. In der bestreikten Fabrik wurden drei Ossi- ziere, sechs Unteroffiziere und 43 Mann untergebracht. Der Haupt- mann gab den Befehl: Mit scharfen Patronen laden und dann sichern! In der Stadt wurden die Aufruhrparagraphen angeschlagen. Militärpatrouillen zogen durch die Straßen; nach 8 Uhr abends wurden die Straßen„gesäubert"; die Wirtschaften mußten um diese Zeit schließen, auch die Fenster und Türen der Privathäuser mußten geschlossen werden. Spät abends drangen Soldaten, mit dem Gr- wehrkolben die Türe öffnend, in das Lokal, in dem die Gewcrk» schaften ihre Versammlungen abhalten. Mit vorgestrecktem Ba- jonett wurde da? ganze Lokal, sogar die Privatwohnung de? Wirte» abgesucht. Selbst in da» Zimmer eine» Mädchen? drang ein Soldat und schaute unter» Bett. Man vermutete, daß eine geheime Ver- sammlung abgehalten würde! Auch drangen die Soldaten in die Wohnungen verschiedener Leute, die schon im Bett waren bezw. schlafengehen wollten. In die kleine Stube eineS Maurers traten etwa IS Soldaten(II); die Kinder schrien natürlich laut auf. Nach diesen Taten zogen die Soldaten unter Absingung der Nationalhymne ab. Ein Arbeiter, der nach Hause wollte, erhielt mit dem Gewehrkolben einen Schlag an den Kopf. Am Mittwoch wurde der erschossene Arbeiter Girolath b e- e r d i g t. Den Arbeitern wurde nicht gestattet, einen geschlossenen Trauerzug durch die Stadt zu veranstalten; rote Schleifen an den Kränzen, Reden am Grabe wurden verboten. Der Geistliche hatte abgelehnt, am Grabe des Getöteten zu amtieren; auch der Lehrer war nicht zu bewegen gewesen, eine Ansprache zu halten. Von Tilsit kamen einige Genossen zur Beerdigung. Zu ihrem Empfang war der Bahnhof mit Militär besetzt. Der Hauptmann war sogar zu Pferde erschienen. Man hatte geglaubt, es würden Hunderte kommen. Der Kirchhof und die Allee, die zu ihm führt, waren mit vielen Soldaten befetzt, die ihre Seitengewehre aufgc- pflanzt hatten!! Es durfte am Grabe auch nicht ein Wort dem Toten gewidmet werden. Man kann sich denken, daß sich der Ar- beiterschaft eine furchtbare Aufregung bemächtigte. Insbesondere waren die Frauen empört. Zahlreiche erklärten, sie würden nun nicht mehr zur Kirche gehen. Die Arbeiter hatten es sich natürlich nicht entgehen lassen, durch zahlreiche Kranzspenden zu bekunden. daß sie das Andenken des Erschossenen jederzeit hochhalten werden. Nach der Beerdigung zogen die Soldaten ab. Unterwegs sangen sie„Die Wacht am Rhein"!! Inzwischen wird gemeldet, daß bereits die zweite Kompagnie Soldaten in Ragnit einmarschiert fei. Wenn das so weiter geht, wird bald die ganze Tilsitcr Garnison in Ragnit sein. Natürlich wird die kleine Stadt die Verpflegungskosten zu bezahlen haben. Da werden die Steuerzahler belastet und die Arbeiter doppelt und dreifach geschädigt. Auch die Gendarmen muß die Stadt unter- halten, und das alles wegen eines kleinen Streiks. Der Firma ist es nur um eine Kraftprobe zu tun; sie will organisierte Arbeiter nicht mehr einstellen, also den Verband vernichten, und dazu sendet der Staat Infanterie mit scharfen Patronen! ES ist ganz klar, daß dieser Vorgang, der bisher in Ostpreußen nicht zu verzeichnen war, alarmierend auf die ganze Arbeiterschaft wirken muß. Gelber Neid. Es ist ein alter Satz: Wenn der Gegner mich lobt, dann habe ich gewiß eine Dummheit gemacht. Daraus folgt: Wenn der Gegner mich tadelt, dann bin ich auf dem rechten Wege.— Wenn nun ein so bösartiger Feind der modernen Arbeiterbewegung, wie es„Der Bund", das Organ der.gelben Vereine ist, über den An- schluß des Schmiedeverbandes an den Deutschen Metallarbeiter- verband hämische Glossen macht, dann muß das auch für die- jenigen, die bisher noch anderer Meinung gewesen sein sollten, ein �Zeichen dafür sein, daß der Schmiedeverband den rechten Weg ein- schlug, indem er beschloß, sich mit dem Deutschen Metallarbeiter- verband zu verschmelzen. Kein Wunder, daß die Feinde der modernen Gewerkschafts- bewegung, vor allem die Führer der Gelben, vor Neid bersten könnten, wenn sie sehen, wie die freien Gewerkschaften, allen gegne- rischen Bestrebungen zum Trotz, sich immer weiter ausbreiten, an Macht und Einfluß zunehmen, während die von den Unternehmern gehätschelten und begünstigten Gelben für die Arbeiterbewegung überhaupt keine Bedeutung haben. In einer recht bezeichnenden Seelenverwandtschaft mit Wiesen- thal, die zum Teil mit denselben fadenscheinigen Argumenten, die dieser kürzlich in der„Berliner Volkszeitung" abgelagert hat, sucht auch„Der Bund" den Anschluß der Schmiede an den Deutschen Metallarbeiterverband zu verunglimpfen. Anscheinend hofft man im gelben Lager, von den Mitgliedern des Schmiedeverbandes, die gegen die Verschmelzung stimmten, einen Teil für die gelben Ver- eine gewinnen zu können. So vorsichtig ist der Artikelschreiber im „Bund" allerdings, daß er dieser Hoffnung nicht Ausdruck gibt, denn er würde sich doch gar zu sehr blamieren, wenn von solcher Hoff- nung kein Schimmer in Erfüllung geht. Und sie wird nicht in Erfüllung gehen. Das ist gewiß. Ebensowenig, wie die Erwar- tungen des Organisationszersplitterers in der„Volkszeitung" in Erfüllung gehen werden. Nachdem die Urabstimmung im Schmiede- verband für die Verschmelzung ausgefallen ist, wird sich die Minderheit, die dagegen stimmte, selbstverständlich dem Mehrheits- beschlutz fügen. So sind wir es von unseren auf demokartischer Grundlage ruhenden Organisationen gewohnt, und so wird es ge- schehen. Es ist begreiflich, wenn das Organ der Gelben durch den neuen Zuwachs des Deutschen MetallarbeiterverbandeS unangenehm be- rührt ist und von Neid und Aerger erfüllt, ausruft:„Die große Sippe der Metallarbeiter vom Stamme Marx und Genossen ist nunmehr so ziemlich unter einer gemeinsamen Fahne vereinigt."— Das mutz natürlich den Neid jedes echten Gelben erregen, wenn et sieht, wie sich die„Roten" immer fester zusammenschließen und un- beirrt um die Quertreibereien der gelben Unternehmerschützlinge ihren Weg gehen, den einzigen Weg, auf dem die Arbeiterinter- essen gewahrt werden können. DeutTchea Reich. Ende des Streiks in der Görlitzer Waggonfabrik. Die Verhandlungen, die auf Anregung des Gauleiters des Me. tallarbeiterverbandes stattfanden, haben nun doch noch zu einer Einigung geführt. Es wurden erreicht die öSstündige wöchentliche Arbeitszeit und Lohnzulagen in Höhe von 3— 6J4 Pf. pro Stunde. Außerdem wurden die Akkordsätze erhöht und bei Akkordarbeiten ein Minimallohn garantiert. Eine Versammlung der Streikenden nahm am Freitag mit 683 geyen 42 Stimmen diese Zugeständnisse an. Die Arbeitsaufnahme wird voraussichtlich Dienstag erfolgen. Der Streik ist damit beendet. Das Ergebnis dieses mit großer Hartnäckigkeit vier Monate hindurch geführten Kampfes ist für die Arbeiter als durchaus be- friedigend anzusehen. Trotz Hintzebrüder und einseitigen Auf- tretenS der Behörden gegen die Streikenden gehen die Arbeiter kraft ihrer Ausdauer und Einigkeit aus diesem Kampfe als Sieger hervor. Der Unternehmer hätte sich diesen langen Kampf, der sicher auch für den Betrieb mit größeren wirtschaftlichen Nachteilen verbunden ist, sehr leicht ersparen können, wenn er gleich zu An- fang des Streiks den Arbeitern diese Zugeständnisse gemacht hätte. Ein eingefleischter Gegner de? Koalitionsrecht. Unter dieser Ueberschrift brachten wir am 24. Juli eine Notiz. Zu derselben sendet uns die Firma Harry Trüller, Celle, Zwieback-, Waffel- und Keksfabriken, folgende Berichtigung: 1. Es ist nicht wahr, daß den in meinen Betrieb neu Eintreten- den ein Revers zur Unterschrift vorgelegt wird, in welchem sie irgendeine Verpflichtung bezüglich der Mitgliedschaft des Bäcker- und Konditoren-Verbandes eingehen. 2. Der Verband der Keks-, Waffel- und Lebkuchenfabrikanten Deutschlands, dessen Vorsitzender ich bin, ist keine Arbeitgeber-Or- ganisation, sondern ein reiner wirtschaftlicher Verein mit auSdrück- lichem Ausschluß jeglicher Arbeitgeber- oder Arbeiterfragen. 3. Wahr ist dagegen, daß von jedem Eintretenden die Unter- schrift unter einem Rever» verlangt wird, der lediglich die An» erkennung der Arbeitsordnung ausspricht. Auch in dieser Arbeit»- ordnung ist kein Verbot der Mitgliedschaft de» Ääckerverbande»«nt- halten. Harry Trüller. Daß Herr Trüller Vorfitzender eine» Fabrikantenvereins ist, gibt er in seiner Berichtigung zu. Mehr hatten wir hinsichtlich dieses Punktes auch gar nicht behauptet. Was Herr Trüller über die von den Arbeitern zu leistende Unterschrift sagt, können wir im Augenblick nicht nachprüfen. Wir müssen eS unserem Gewähr?- mann überlassen, sich darüber zu äußern, ?usl»nck. Londoner Streikbrecher gefindel. L o n d o n, 1. August. sEig. Ber.) Die Geister, die er gerufen, wird der protzige Lord Devonport nun nicht wieder los. Die ver- zweifelten Elemente, die während des Londoner Hafenarbeiter- streiks Streikbrecherdienste leisteten, die in den Docks ein faules Leben führten und aus Dankbarkeit für ihre„gesellschaftserhal- tende Tätigkeit" den doppelten, dreifachen, ja vierfachen Lohn des anständigen Arbeiters bezogen, verspüren keine Lust, ihr fideles Räuberleben aufzugeben. Während des Streiks hatten sie sich mit Revolvern bewaffnet, die sie bei jeder Gelegenheit abknallten, und Polizei und Regierung unternahm nichts, um diese gefährliche Ansammlung der Banditen des ganzen Landes zu entwaffnen. Außer den Revolvern gebrauchten sie auch noch eine andere mör- derische Waffe. Sie füllten schwere steinern« Mineraltvasserkrüge mit Schlamm, banden sie an einen Strick und gingen, diese Waffe schwingend, auf die streikenden Arbeiter loS. Kein Wunder, wenn diese bewaffnete Streikbrechcrgarde jetzt glaubt, ihre„eroberte Le- bensstellung" verteidigen zu können. Gestern kam e» in den Vik- toria-Docks zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen diesen Ele- menten und den zur Arbeit zurückkehrenden Transportarbeitern, bei dem 26 Personen verletzt wurden. 866 dieser RowdieS stürzten sich auf etwa 1S6 Arbeiter, wurden aber in die Flucht geschlagen, nachdem die letzteren Verstärkung erhalten hatten. Die kapita- listische Presse stellt eS natürlich so hm, als ob die 156 Arbeiter einen wütenden Angriff auf eine sünfmal so starke, schwer bewaff- nete Streikbrecherbande unternommen hätten. Das ist natürlich pure Erfindung. In Wirklichkeit waren die Streikbrecher nicht damit zufrieden, die Arbeiter anzugreifen, sie griffen zum Teil sogar die Polizei an und schössen von dem Schiff, wohin sie sich gc- slüchtet, wahllos aus sicherem Versteck in die Menge Hinein. Die Polizei ihrerseits ging in ganz kopfloser Weise vor und schien nur von dem einen Gedanken beseelt zu sein: Schutz den„Arbeits- willigen"! In ganz brutaler Weise hieb sie auf die Arbeiter ein. Die Streikleitung, die sich noch nicht aufgelöst hat, hat einen schar- fen Protest gegen das Vorgehen der Polizei und die Untätigkeit der Regierung veröffentlicht. Es heißt darin:„Das Streikkomitee protestiert energisch gegen die Gewalttätigkeiten der Streikbrecher und gegen das Vorgehen der Polizei, die es erlaubt, daß diese Schietzwaffen tragen. Personen sind ernstlick verstümmelt worden und einige unserer Kollegen sind von den Streikbrechern ermordet worden. Wir haben diese Vorfälle gemeldet und finden, daß keiner- lei Untersuchung stattgefunden hat. Dieses Komitee fordert den Minister des Innern und die Arbeiterpartei auf, darauf zu achten, daß mit Rücksicht auf die Erbitterung, die diese Zustände bei un- scren Leuten hervorrufen, die Streikbrecher entwaffnet werden." London, 2. August.(W. T. 93.) Der Streikausschuß der Dockarbeiter erklärt, daß heute etwa 76 Proz. der Arbeiter die Ar- beit wieder aufgenommen hätten. Der Ausschutz wird erst am Mittwoch wieder zusammentreten und an diesem Tage formell auf- gelöst werden. Bauarbeiterstreik in Bosnien. Der Bauarbeiterverband erhielt aus Sarajewo(Bosnien) die telegraphische Nachricht, daß dort ein Streik der Maurer und Zim- merer ausgebrochen ist. Da Streikbrecheragenten in Deutschland arbeitswillige Bau- arbeiter nach Bosnien suchen werden, so sei besonders darauf hin» gewiesen. Hm Induftrie und Handel. Eine neue Gesellschaft für drahtlose Telegraphie. Mit einem Grundkapital von 1 366 666 Mark ist die Aktien- gesellschaft Deutsche Südsee-Gesellschast für drahtlose Telegraphie ins Leben gerufen worden. Ihr Zweck ist, die deutschen Südsee- Kolonien funkentelegraphisch miteinander und mit der Kabelstation der Deutsch-Niederländischen Telegraphen-Gesellschaft in Jap(Karo- linen) zu verbinden und dadurch an das Welttelegraphennetz anzu- schließen. An der Gründung der neuen Gesellschaft sind die A.-E.-G., Siemens und Halske sowie die Dresdener Bank und der Schaaff- hausensche Bankverein beteiligt. Die Tätigkeit der Gesellschaft beruht auf einer zwanzigjährigen Betriebskonzession des Reichspostamts, das satzungsgemäß bei der Gesellschaft durch einen Staatskommissar vertreten wird. Vorläufig werden vier Großstationen errichtet: Jap, Rabaul(Neu-Guinea), Apia(Samoa) und Nauru(Marshall-Jnseln). Die Ausführung der Anlagen ist vertragsmäßig der Telesunkengesellschaft übertrogen. Durch die Deutsche Südsee-Gesellschast für drahtlose Telegraphie wird zum ersten Male in Deutschland das Zusammengehen der Kabeltelegraphic mit dem drahtlosen Nachrichtendienst bekundet. Konkurs Kurt Berndt. Den zahlreichen Konkursen auf dem Berliner Baumarkt hat sich ein neuer zugereiht. Schon vor einiger Zeit berichteten wir, daß die Baufirma Kurt Berndt in Zahlungsschwierigkeiten geraten sei. Die Gläubiger versuchten den Konkurs dadurch aufzuhalten, daß die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden sollte, deren Anteilscheine ihnen dann zugefallen wären. Die Mittel zur Sanierung waren indessen nicht zu beschaffen. Die Forderungen gegen die Firma belaufen sich auf 5 Millionen Mark. Der Schaaff- hausensche Bankverein ist an ihnen mit 3 Millionen Mark beteiligt. Er ist aber gedeckt durch eine Anzahl von Häusern in guten Stadt- gegenden._ Die Untersuchung gegen den Stahltrnst. Washington, 2. August. Dem Repräsentantenhause ist heute der Bericht der demokratischen Majorität des mit der Untersuchung des Stahltrusts betrauten Ausschusses unterbreitet worden.. Der Bericht erhebt allgemeine An- klagen gegen die United StateS Steel Corporation, legt ihr Ueberkapitalisierung und ungesetzmäßige politische Tätigkeit zur Last, und klagt die Groß- aktionäre an, einen„mächtigen und schädlichen Einfluß auf das Geschäftsleben der Vereinigten Staaten ausgeübt zu haben." Der Bericht tritt nicht für eine Kontrolle der Kor- porationen durch die Bundesregierung ein, empfiehlt aber g e s e tz- geberische Maßregeln, die der geschädigten Partei das Recht geben, einen Prozeß anzustrengen, um Kombinationen und die Beschränkung des Handels zu verhindern, die ferner der angeklagten Korporation die Beweislast dafür auferlegen, daß sie den Handel nicht beschränkt, und schließlich gegen den Zusammenschluß von industriellen und Eisenbahngesellschaften Vorsorge treffen, damit Handel, Produktion und Transport durchaus getrennt und ge« schieden sein. Die republikanische Minderheit des Ausschusses hat gleichfalllS einen Bericht vorgelegt, der für gesetzliche Maßnahmen zur Regelung der Verhältnisse der großen industriellen Konzerne und für die Schaffung einer zwischenstaatlichen Jndustriekommission ein- tritt, die die Befugnis haben soll, die Preise zu regulieren und in angemessener Höhe festzusetzen. Der Bericht verlangt ferner, daß Korporationen mit über 56 Millionen Dollars Kapital, wenn sie an, zwischenstaatlichen Handel beteiligt sind, nur unter einem Freibrief der Vereinigten Staaten operieren dürfen. Ein spanische» Kohlensyndikat. Wie da»„Berliner Tageblatt" meldet, ist in Spanien ein Kohlensyndikat im Entstehen begriffen. Unter dem Namen„Ratio- nale Kohlenproduzentenvereinigung" wird es ein Verkaufsbureau in Madrid errichten. Erhöhung der ProduktionSfähigkeit, Verdrängung der auSländrschen Konkurrenz, Ausschaltung des Zwischenhandels, „um ungerechtfertigte oder willkürliche Preisveranderungen der Brennstoffe, sowie die Spekulation in diesen Artikeln und die Kon- kurrenz zwischen einigen Hauptproduzenten auszuschalten, werden seine Ziele sein. Der erste Vertrag soll vom 1. Januar auf 5 Jahre lauten. Spanien selbst produziert nur etwa 4 Millionen Tonnen jährlich und ist auf ausländische Einfuhr angewiesen. Der Anteil Deutsch- lands an dem Import ist nur gering. Er betrug im Jahre 1911 rund 866 666 Tonnen._ letzte Nachrichten. Volkskundgebung gegen den italienisch-türkischen Krieg. Mailand, 2. August.(P. T.) In einer Volksversammlung in B r e s c i a sprach der sozialdemokratische Abgeordnete T r e v e S gegen den Krieg. Nach Schluß der Versammlung machten etwa 6606 Demonstranten einen Umzug, wobei es zu mehrfachen Zw- sammenftößen mit der Polizei kam. Die Kämpfe in Tibet. Simla, 2. August.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Der Kampf bei Lhasa dauert fort. Die Chinesen haben einen Angriff aus das Kloster Tratchi zurückgeschlagen und sich beträcht- liche Lebensmittelvorräte verschafft. Sehr ermutigt sind sie durch die Nachrichten, daß die Ankunft einer aus der Provinz Szechuan aufgebrochenen Entsatzungstruppe im Anfang September in Lhasa zu erwarten ist.. Vom französischen Sccmannsstreik. Le Havre, 2. August.(W. T. B.) In einer heute abend ab- gehaltenen Versammlung der eingeschriebenen Seeleute haben die Ausständigen beschlossen, morgen früh die Arbeit wiederaufzunehmen. Ein Revolverheld. Saarbrücken, 2. August.(H. B.) Im benachbarten lothringischen Orte Groß-Blittersdorf gab der Sattler Schwartz im Verlawse eines Wortwechsels auf seine beiden Kollegen, den verheirateten Nikolai und den unverehelichten Gitzhofcn, fünf Rcvolverschüsse ab. Nikolai wurde von drei Schüssen in die Brust getroffen und war auf der Stelle tot. Gitzhofei, wurde lebensgefährlich verletzt. Der Täter konnte verhaftet werden. Gcrüsteinsturz. Brüssel, 2. August. i.H. 9?.) Wie aus Stavelot berichtet wird, ist in dem in 93au begriffenen Tunnel der neuen deutsch-belgischen Grenzbahnlinie Stavclot-Malmedh ein Gerüst eingestürzt, aus dem sich mehrere Arbeiter befanden. Der Zusammenbruch ist auf die Entgleisung einer Lokomotive zurückzufuhren, die mit dem Pfosten des Gerüstes karambolierte. Bier Arbeiter haben lebensgefährliche Verletzungen davongetragen. Derantw. Redakteur: Albert Wach», Berlin. Inseratenteil verantw.» TH.Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: vorwärts Buchdr.», Verlagsanstalt MaulStngeraCo.,BerlinL1V. Hierzu 3 BeUagea«. UnterhaltunzSbl, Nr. 179. N.Iahrgavs. t. AMt des Jnimrls" Kniisn PolMlott Sonnabend, 3. August 1912. furchtbare Linitur�katastrophe bei Nürnberg. tR Arbeiter tot, 3S verletzt oder vermißt! Am Freitag früh ist bei dem im Bau befindlichen Groß- Kraftwerk Franken bei Nürnberg das Eisengerüst der Maschinen- Halle eingestürzt, wodurch auch ein Teil der Maschinenhalle zum Einsturz gebracht wurde. Da sich auf dem Bau gegen 1(X) Arbeiter befanden, wurden zahlreiche Arbeiter unter den Eisentrümmern begraben. Bis zum Nachmittag wurden 10 Leichen geborgen, 35 Verletzten sind den Krankcnhänsern zugeführt worden, während noch eine weitere Anzahl von Arbeitem vermißt wird. Tie Ursache der Katastrophe wird auf die zu schwere Belastung der ein- gestürzten Eisenbetonteile zurückgeführt. Am Donnerstag fand eine Belastungsprobe des aus Eisenbeton bestehenden Gerüstes statt, das die eisernen Konstruktionsteile des Daches tragen sollte. Das Gerüst sollte eine Belastung von 25 000 Zentnern tragen. Um festzustellen, ob es dies Gewicht auszuhalten vermochte, wurde es mit einer entsprechenden Zahl von Sandsäcken belastet. Die Probe soll keinerlei Verände- rung des Gerüstes hervorgerufen haben. Da es jedoch in der Nacht geregnet hat, nimmt man an, daß die Sandsäcke durch Vollsaugen mit Wasser ein so großes Gewicht erhielten, daß das Gerüst die Last nicht mehr zu tragen vermochte. Ob diese Erklärung ausreichend ist, wird die fach- männische Untersuchung festzustellen haben. Uns will es scheinen, als ob der Gewichtsunterschied durch Naßwerden der Sandsäcke keineswegs als ein so bedeutender anzusehen wäre, daß ein ordnungsgemäß ausgeführtes Gerüst dadurch hätte zur Einführung gebracht werden dürfen! Der Einsturz erfolgte ganz plötzlich. Bis zum Freitagmorgen war an dem Gerüst nichts Gefahrdrohendes wahrzunehmen, bis um 7'/« Uhr unter einem gewaltigen Krachen die Eisenbetonteile barsten und zusammenstürzten. Die verunglückten Arbeiter wurden unter einem wüsten Haufen von Steinen. Sandsäcken und Eisenbetontrümmern begraben. Die Aufräumungsarbeiten wurden vom S. Feldartillerieregiment, drei Kompagnien des IL Infanterieregiments und vom 6. Feldartillerieregiment in Fürth vorgenommen. Der ganze Gebäudekomplex ist durch Kavallerie ab« gesperrt. Die Sanitätswachen von Nürnberg und Fürth sowie die Sanitätskolonnen der verschiedenen Regimenter sind mit Aerzten zur Stelle und damit beschäftigt, die aus den Trümmern hervorgezogenen Verwundeten zu verbinden. Eine Gerichtskommission hat sich an Ort und Stelle eingefunden. Nach den letzte» Feststellunge« des städtischen Nachrichtenamts beträgt die Zahl der bei dem Unglück auf dem Großkraftwerk Franken Getöteten elf. die der Verletzten 35; vermißt werden noch vier Arbeiter. Zuletzt wurden noch zwci Arbeiter unverletzt aus den Trümmern geborgen. Ein weiterer Arbeiter liegt noch unter den Trümmern und hat herausgerufen, daß er unverletzt sei. Das Nachrichtenamt weist darauf hin, daß die Maschinenhalle selb st nicht eingestürzt, viel- mehr ein in derselben aufgestelltes Gerüst zu- sammengebrochen ist. kleines feuilleton. Europäische Scheidungen. Die Scheidungslust ist in den einzelnen europäischen Staaten eine sehr verschieden große. Im allgemeinen kann man sagen, daß in den industriell höher ent- wickelten Ländern mehr geschieden wird, als in den landwirtschaftlich zurückgebliebenen. Auch hat natürlich die Konfession der Bevölkerung einen gewissen Einfluß, da bekanntlich die katholische Religion die Scheidung nicht kennt, sondern nur die Trennung von Tisch und Bett. Immerhin zeigt das fast ganz katholische Frankreich, dessen Scheidungszisser eine der höchsten ist. daß dieser Einfluß der Religion nicht überschätzt werden darf. Auch die Gesetze des Landes spielen natürlich eine sehr starke Rolle, wie das Beispiel Oesterreichs beweist, dessen Gesetzgebung die Scheidung ungeheuer erschwert, ja fast un- möglich macht. Wir geben in nachstehender Tabelle eine Uebersicht über den Umfang der Ehescheidungen in den einzelnen Ländern: Staat Oesterreich(1836-1000) Ungarn(1898—1901) Frankreich(1896—1900) Deutschland(1895—1899) Schweiz(1896-�1900) Niederlande(1895—1899) Dänemark(1896— 1900) Norwegen(1889— 1893) Slbweden(1895— 1899) Rußland(1893— 1897) Im allgemeinen ist die Scheidungslust im rapiden Ansteigen be- otiffcit. Deutschland, das in der Periode 1900/04 erst 9152 Scheidungen im Jahr hatte, zählte deren im Jahre 1909: 15 000. Die relativ meisten Scheidungen, nämlich 35,6 auf 100 000 Ehen zeigte Branden. bürg- doch drückt sich hierin der Einfluß Berlins aus. Es folgt Sachsen mit 32,4 und Schleswig-Holstein mit 30,0 Scheidungen auf 100 000 Ehen. Sprechen ohne Kehlkopf. Im Stuttgarter ärztlichen Verein stellte Prof. Steinthal einen Patienten vor. dem wegen Krebs der Kehl- topf entkernt worden ivar und der auch ohne Kehlkopf und auch ohne künstlichen Kehlkopf sich verständlich machen konnte. Du meisten derartigen Patienten finden zunächst eine Sprache, die man als Flüstersprache bezeichnen kann. In Anlehnung an ihre frühere Sprechweise versuchen sie durch mehr oder weniger energische Act,- kulation an den verschiedenen Lautstellen des Mundes Laute hervor- zubringen: namentlich gilt das von den sog. Geräuschlauten, die von dem Vorhandensein eines Kehlkopfes unabhängig sind. Bei der Fliister- Bus 4er Partei. Aus den Organisationen. Die Parteigenossen in Frankfurt a. M. nahmen am Dienstag in einer gut besuchten Versammlung zur Reorganisation des Partei st atuts Stellung. Genosse Dr. Q u a r ck refe- rierte. Einleitend kam er auf die Eisenacher Konferenz zu sprechen, deren Haltung er scharf kritisierte. Solche Vorgänge seien zu be- klagen und zu verurteilen, sie führten direkt zum Cliquenwesen. Die Verteidigung Ledebours in der„Neuen Zeit" wäre recht un- glücklich gewesen. Auch das Verhalten des„Vorwärts" in dieser Frage habe recht eigentümlich berührt. Das Ganze wäre eine direkte Umgehung der Parteiorganisation. Der Vergleich mit den süddeutschen Konferenzen sei nicht angebracht, weil dort nur über süddeutsche Landtagsfragen geredet wurde und alle Jnteressenien ohne Ausnahme eingeladen waren.— Einer Beschränkung der Reichstagsfraktion kann Ouarck nicht zustimmen. Die 110 Abge ordneten seien ein Beweis unseres mächtigen Fortschritts; man sollte sie also auf den Parteitagen nicht in der Zahl beschränken, sondern mit ihnen demonstrieren. Bei unseren rückständigen Ver- fassungsverhältnissen hätten wir alle Ursache, das, was wir erobert haben, im glänzendsten Lichte erscheinen zu lassen. Davon, die übrigen Delegierten zu überstimmen, würde die Abgeordneten wohl immer der politische Takt abhalten. Wolle man sich aber durchaus sichern, so sei der beste Ausweg, daß man der Fraktion nur be- ratende Stimme gebe.— i Einen Pareiausschuß von 32 Gc- nassen hält Ouarck für zu schwerfällig und umständlich. Es komme darauf an, die beweglichste und aktivste Einrichtung zu schaffen, und die schaffe der Entwurf nicht. Die Verbindung durch Viertel- jahressitzungen sei viel zu lose. Besser wäre ein kleiner Ausschuß, der dann ständig, mindestens monatlich einmal, mit dem Partei- vorstand zusammenarbeitet. Aus allen Bezirken der Tüchtigste, der in der Provinz maßgebend ist und der dann auch im Partei- vorstand für die Vorgänge im Bezirk die Verantwortung über- nimmt. Dann könnten Dinge, wie die Differenzen über die Bud- gctabstimmung, nicht mehr vorkommen, weil dann der Partcivorstand ständig auf dem laufenden wäre. Eine Masse Zündstoff würde beseitigt und Erfahrungsstoff zusamengetragen. Mit 9 bis 10, höchstens 12 Genossen hätte man die größte Beweglichkeit und politische Verantwortlichkeit, und man könnte die Wahl auf dem Parteitag vollziehen schon aus rein demokratischem Gefühl heraus, dem Parteitag die größten Rechte einzuräumen. Kleinliche Eifer- süchtcseien wären dann ausgeschlossen. Wer nicht bekannt genug ist, um«if den Parteitag gewählt zu werden, der sei eben nicht jener Mann, den wir gebrauchen können. Ouarck unterbreitete folgende Anträge: 1. In§ 7. Ziffer 2 zu sagen: die ReichStagSfrak- tion mit beratender Stimme. 2. Statt 88 20— 22 zu sagen: Der Parteiausschuß besteht aus 10 Mitgliedern, die vom Parteitag gewählt werden. Je eines dieser Mitglieder muß in Ostpreußen oder Schlesien, den Hansastädten, in Rheinland-Wcstfalen, in den mitteldeutschen Kleinstaaten, im Königreich Sachsen, in Hessen oder Hessen- Nassau, in den Reichslanden und in Bayern, Württemberg und Baden politisch tätig sein. Der Parteiausschutz entscheidet gemeinsam mit dem Partei- borstand in regelmäßigen monatlichen Sitzungen über alle die Partei berührenden wichtigeren Angelegenheiten namentlich au) dem Gebiete der Politik. Eine außerordentliche Sitzung des Parteiausschusses mit dem Parteivorstand muß stattfinden, wenn mindestens die Hälfte der Parteiausschußmitglieder dies beantragt. 3. Die Wahlordnung am Schlüsse des Statutenent- Wurfs ist zu streiche n. In der Debatte kamen die verschiedensten Meinungen über die Frage des Parteiausschusses zum Ausdruck. Die Mehrzahl der Redner trat für die Schaffung eines Parteiausschusses ein. Doch gingen bei ihnen die Ansichten über die Stärke dieses Aus' schusses auseinander: einzelne traten für den vorgeschlagenen 32er-Ausschuß ein, während die anderen Redner Ouarck beistimmten. Mehrere Genossen wandten sich überhaupt gegen die Einsetzung eines Parteiausschusses. Genosse Reichtagsabgeordneter Hüttmann trat für eine Erweiterung des Partcivorstandes im Sinne der Vorschläge Ledebours ein.— Bei der Abstimmung fanden die An träge von Ouarck Annahme. *• ♦ Die Parteileitung von Elberfeld-Barmen erstattete in der am Mittwoch stattgefundenen Generalversammlung den Jahresbericht für das am 30. Juni abgelaufene Geschäftsjahr. Die bemerkcns wertesten Ereignisse waren natürlich die Zurückerobcrung des im Jahre 1907 verlorenen Reichtagsmandats und die siegreichen Stadt spräche blieb der Patient aber nicht stehen, er gewann vielmehr eine laute, auf Entfernungen deutliche Sprache wieder. Daß er es fertig bringt, mit sonorer Stimme zu sprechen, erklärt sich nur so, daß an irgend einer Stelle unterhalb des Ansatzrohres faltige Gc- bilde entstände» sind, die ähnlich wie die Stinimbänder von einem weiter abwärts gelegenen Hohlraum hier in Schwingungen versetzt werden. Der Patient bietet ein Beispiel dafür, wie unser Organismus imstande ist, so scheinbar unersetzliche Defekte in wunderbarer Weise auszugleichen. Die Ursache des Stotterns. Beim Stottern spielt daS Miß- Verhältnis zwischen Sprachverständnis und Sprachvermögen eine große Rolle. Die Anstrengungen, mit der die Schwierigkeiten der mechanischen Sprache hier überwunden werden, kann zu lrampf- haften Zuständen führen, aus denen sich das Stottern entwickelt. Das Stottern ist eine nervöse Störung im Sprcchmcchanisinus. Seine Entstehung hat, wie im„Arzt als Erzieher" ausgeführt wird, entweder eine ungewöhnliche Reizbarkeit oder eine gewisse Widerstandslosigkeit des Organismus zur Voraussetzung. Da ober eine solche Veranlagung heutzutage etwas sehr häufiges ist, mag es auch wahr sein, daß das Stottern im allgemeinen eher zu- nimmt. Jedenfalls ist das Stottern direkt erblich. Es kommt in manchen Familien häufig vor und vererbt sich als Anlage, ohne daß die Kinder es unmittelbar von den Eltern lernen. Auch Kinder, die gar nicht von ihren stotternden Eltern erzogen werden, stottern doch. Geringe geistige Fähigkeiten sind entgegen der allge- meinen Ansicht nur in seltenen Fällen die Ursache von Stottern. Veranlassende Momente für das Stottern sind eine Reihe von akuten Krankheiten des Kindesalters(Scharlach, Masern, Di- phtherie), die die Kinder sehr herunterbringen und zu nervösen Störungen disponieren. Nicht zu vergessen sind die Erkrankungen der Nase und des Nasenrachenraumes. Ihre direkte Folgen, ober- flächlichc und unausgicbigc Mundatmung, disponieren ganz sicher zum Stottern. Daneben kommt die falsche Erziehung zur Arngst- lichkcit, wiederholte Schreckaffekte, Nervenreize usw. Das Stottern ist keine Krankheit für sich, sondern nur das Symptom einer solchen. Vom Schlachtfeld« der Großstadt. Wie„Globe" berichtet, sind im Jahre 1911 in den Londoner Straßen nicht weniger aIS410Per- fönen getötet und 14 254 verwundet worden. Den Löwenanteil an dieser Menschenschlächterei hat der Automobilverkehr, dem von 410 getöteten Personen 283(im Jahre 1909 waren cS nur 161) zum Opfer fielen. Von diesen 288 Todesfällen gehen 133 Fälle aus den Autobus- und Tramwagenverkehr, während 155 Personen durch andere Automobile aller Art getötet wurden. Daß es vor allem die großstädtischen, insbesondere die Londoner Verhältnisse sind, die solche enormen Verluste an Menschenleben ver- Ursachen, geht zur Evidenz daraus hervor, daß in demselben Jahre in ganz England 873 Personen durch den Automobilverkehr ihr Leben eingebüßt haben. 1910 waren e» nur 672, und die oben an- verordnetenwahlen im November vorigen Jahres, welche uns in Elberfeld 6 und in Barmen 5 neue Stadtverordnete der dritten Wählerklasse brachten. Gegenwärtig haben die Wuppertaler Partei- genossen in Elberfeld 10 und in Barmen 9 Vertreter in der Kom- mune. Im übernächsten Jahre wird in beiden Städten noch das letzte Drittel geholt. Der Reichstagswahlkampf in Haupt- und Stichwahl verursachte eine Ausgabe von 32 462,36 M., dem allerdings eine Einnahme durch Sammlungen usw. von 22 815,36 M. gegenübersteht. Die übrigen 10 000 M., wovon 5000 M. dem Kassenbcstand und weitere 5000 M. durch Mitgliederbeiträge auf- gebracht wurden, sind jetzt, ein halbes Jahr nach dem Kampfe, voll- ständig gedeckt, so daß der Jahresabschluß mit 66 233,36 M. Ein- nähme und 64 971,32 M. Ausgabe, noch mit einem Ucberschuß von 1262,04 M. abschließt. Die Stadtverordnetenwahlen in beiden Städten, die 4253 M. Kosten verursachten, sind gleichfalls vollständig gedeckt worden. Während des ReichstagswahlkampseS sind rund IVi Miilionen F l u g b lfä t t e/r verfeilt worden. Die Zahl der organisierten Genossen beträgt in beiden Städten 6601, davon 5636 männliche und 865 weibliche. Zur besseren Bcwerkstelligung der Agitation ist eine neue Bezirks- e i n t e i l u n g durchgeführt worden. Während Elberfeld bisher in 14 und Barmen in 12 Bezirke eingeteilt war. zählt Elberfeld jetzt 21 und Barmen 20 Parteibezirke. Ocffcntliche Versammlungen wurden 60 abgehalten. Die Wahl zum Parteitage in Chemnitz wurde schon vorher durch Urwahl erledigt. Als Delegierte wurden gewählt die Genossen Drescher und H o f f m a n n und die Ge- nossin Grotzbecker. *.* Der sozialdemokratische Berein in Bremen berichtet in dem soeben erschienenen Jahresbericht über einen erfreulichen Mit- gliederzuwachs. Während im Vorjahre 11 335 Mitglieder zu ver- zeichnen waren, ist die Zahl in diesem Jahre auf 13 357 gestiegen. Die Zahl der weiblichen Mitglieder stieg im Berichtsjahre von 1909 auf 2353. Der Kassenbericht verzeichnet eine Gefamteinnahme von 76 985,02 M., eine Gesamtausgabe von 65 722,44 M., somit ein Saldo von 11 262,58 M. Die Arbeiterzcntralbibliothck verfügt jetzt über 9030 Bände, das ist im Vergleich zum Vorjahre ein Zu- wachs von 2188 Bänden. Der Abonnentenstand der„Bremer Bürgerzeitung" stieg von 19 283 auf 22 012. Der Umsatz der Buch- Handlung der„Bremer Bürgerzeitung" steigerte sich von 43 248 M. auf 47 681 M. An Parteiliteratur wurde für 19 000 M. umge- setzt. DaS ist ein Mehr von 4500 M. »* * Der Jahresbericht des AgitationSbezirkcS Thüringen II, der soeben im Druck vorliegt, zeugt von einer sehr regen Tätigkeit der Parteigenossen. Die müiwliche Agitation bestand in der Erledi» gung von 1153 Versammlungen. Davon waren 477 Volksversamm- lunge», 52 Frauen- und 627 Mitgliederversammlungen. Die schrift» liche Agitation war nicht minder reichhaltig. Flugblätter wurden verbreitet— mit Einschluß der RcichStagswahl— 772 000. Broschüren mit Einschluß des Agitationskajcndcrs für Weimar III 35 000 Exemplare. Weiter ist aus dem Bericht zu ersehen, daß bei der letzten Reichstagswahl die beiden Wahlkreise Reuß jünger« und ältere Linie in der Hauptwahl erobert wurden, in der Stich- wähl Weimar III. so daß der ganze Agitationsbezirk im Reichs- tage„rot" vertreten ist. Im ganzen Agitationsbezirk sitzen in den Gcmeindeparlamenten 219 sozialdemokratische Gcmcinderäte. In den Landtagen 8 sozialdemokratische Landtagsabgeordnete.— Die Zahl der in den sozialdemokratischen Wahlvcreinen organisierten Mitglieder beträgt 11 400. Davon sind 1590 weibliche Miigliodsr. Die Zunahme im ganzen Bezirk beträgt 153 weibliche und 1492 männ. liche Mitglieder, zusammen 1645.— Die„A r b e i t c r- A u g e n d" wird in einer Auflage von 1062 Nummern verbreitet. Die P a r» t e i p r e s s e hatte am Schluß des 1. Quartals 1912 eine Höhe von 23 000 Abonnenten erreicht. Die Einnahmen des Bezirks- sekretariats beliefen sich auf 3335,64 M. Die Ausgaben auf 2470,56 M., so daß ein Kassenvorrat von 865,08 M. am Jahresschluß verbleibt. Vom Sekretär selbst wurden abgehalten 164 Versamm- lungen und Konferenzen, außerdem sind 1406 Postausgänge zu verzeichnen. Die Frauenbewegung macht langsame aber stetige Fortschritte, die noch bedeutend besser sein könnten, wenn die Frauen selbst in verschiedenen Orten„Hand ans Werk" legen wollten. Die im Fürstentum Reuß ä. L. stattgcfundcncn Landtagswahlcn brach- ten trotz des rückständigen indirekten Wahlrechts 2 schöne Siege. Im 4. ländlichen Bezirk siegte Genosse Fischer-Greiz mit 38 gcacn 4 gegnerische Wahlmänner. Jin 5. ländlichen Bezirk siegte Gc- nasse Herzog-Hohenölsen mit 21 gegen 12 gegnerische Wahlinänner. Alles in allem genommen können wir mit den Erfolgen zufrieden sein. '.» Wahlkreis Erfurt-Schleusingen-Ziegcnrück. In dem Bericht über die Kreisgeneralversammlung(„Vorwärts" Nr. 177, 1. Beilage) geführten Londoner Zahlen lassen mit Sicherheit vermuten, daß an dieser unheimlichen Steigerung der Londoner Straßenverkehr den Hauptteil der Schuld trägt._ Notizen. Ein Besuch amerikanischer Arbeitersänger in Deutschland steht für den nächstjährigen Sommer in Aussicht. Die Sozialistische Liedertafel in Neiv Aork, einer der größte» pro- letarischen Sängerbünde Amerikas, plant eine Dentschlandsahrt, zu der schon jetzt die Vorbereitungen getroffen werden. ES ist folgendes Programm vorgesehen: Abfahrt ain 15. Juli 1013 in New Jork. 27. Juli Ankunft in Hamburg, 29. Juli r n Verlin, 7. Anglist in Dresden, 9. August in Leipzig, 11. August in Nürnberg. 14. August in München; am 17. August werden Ulm lind Stuttgart, an, 13. Heidelberg und Mannheim, am 20. Frankfurt a. M., am 22. Hannover besucht, am 24. treffen die Gäste wieder in Hamburg ein, von lvo aus die Rückfahrt erfolgt. Die deutschen Arbeitersänger rüsten sich, um ihre Gäste würdig zu empfangen. — Studentische Arbeiter-Unterrichtskurse. Am 3. und 4. August 1912 wird in Jena die XII. Konferenz des Ver- bandes der Akademischen ArbeiterunterrichtSkurse Deutschlands statt- finden. Der Verband erstreckt sich über ganz Deutschland; 20Orga>ii. sationen sind ihm angeschlossen. Er bezweckt den Zusammenschluß aller akademischen Kreise, die sich die Ausgabe gestellt haben, unter Ausschluß der Behandlung von Fragen über Politik. Konfession und Weltanschauung Elementarunterricht an die erwerbstätige Bevölkerung zu erteilen. Im Wintersemester 1911/12 wurden in 474 Kursen nahezu 7000 Arbeiter unterrichtet. Unter den 739 Lehrenden waren 63 Studentinnen. 18 ältere Akademiker und 12 Nichtakadeiniker. — Amundsen in Berlin. Die Gesellschaft für Erdkunde hat den Südpolentdecker Roald Amundsen eingeladen, am 9. Oktober in Berlin einen Vortrag zu halten. Als Ort für diesen Vortrag ist die Aula der Berliner Universität in Aussicht genommen. — Der Kunsthistoriker Karl I u st i, der sich in seinem großen Werke über Winckelmann, Velasquez und Michelangelo als ein ebenso gründlicher wie gediegener Forscher und eminenter Dar- steller erwies, beging in Bonn seinen 80. Geburtstag. Die Stadt Bonn ernannte ihn zum Ehrenbürger. — Das Los eines Gelehrten. Der französische Unterrichtsminister hat dem in materieller Not befindlichen neunzig- jährigen Gelehrten Henry Fabre eine Pension von zweitamend Frank bewilligt, die Fabre angenommen hat. Der greise Gelehrte hatte alle ihm in letzter Zeit von Verehrern übermittelten freiwilligen Gaben abgelehnt und viele der eingegangenen Geldspenden zurück- geschickt._ Alle Zuschriften an die Feuilleton-Redaktion bitten wir an diese zu richten, da unser Feuilleton-Rrdakteur K. H. Döscher in Urlaub geht, Stiufc es in der R e so lnli v n Mkl dtMchen PadseikSg in det vorletzten Zeile heißen: Anstellung einer Sekretärin (im Partcivorstand. anstelle der jetzigen Vertrauensperson), statt „Anstellung eines Sekretärs". Dieser Ausdruck könnte irrtümlich auf die tatsächlich abgelehnte Anstellung eines Wahlkreissekretärs bezogen werden, weshalb wir den Fehler zu berichtigen bitten. Die Parteibewegung in Württemberg hat im letzten Jahre sehr erhebliche Fortschritte gemacht. Bis jetzt liegen nur die Berichte für Stuttgart, für den 2. und 3. Kreisverein vom letzten Geschäfts- jähr vor. Danach ist allein in diesen drei Organisationen die Mit- gliederzahl in dem einen Jahr um zirka 48S0 Mitglieder gestiegen. Stuttgart zählt jetzt 9150 Mitglieder, Nxrs einen Zuwachs von 2300 gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Seit dem 1. Mai 1910 hat der Stuttgarter Verein einen besoldeten Sekretär, unter dessen Tätig- keit die Mitgliederzahl von 5100 auf 9150 anwuchs, darunter 712 weibliche. Der 2. Wahlkreis(Cannstatt-Ludwigsburg) zählt ein- schließlich einiger nach dem Geschäftsabschluß gegründeter Mit- gliedschaften rund 7000 Mitglieder, darunter 480 weibliche. Im Jahre 1903 stand die Mitgliederzohl noch auf 3000. Im letzten Jahre betrug der Zuwachs zirka 1800 Mitglieder. Dieser Erfolg ist um so höher zu schätzen, als dem Verein, der 52 Mitgliedschaften umfaßt(bei im ganzen 110 Ortschaften des Wahlkreises), über keine besoldete Kraft verfügt. Die ganzen Verwaltungs- und Organi- sationsarbeiten werden von einem in der Fabrik tätigen Partei» genossen bewältigt. Auch der 3. Kreis lHcilbronn) hat es ohne be» soldete Kraft im letzten Jahre von 2470 auf 3200 Mitglieder, dar- unter 440 weibliche, gebracht, gegen 1400 im Jahre 1908. In diesem Wahlkreise ist eine überraschend hohe Leserzahl unserer Presse er» reicht worden. Das..Neckar-Ecko" hat jetzt rund 9000 Abonnenten bei 12 430 sozialdemokratischen Stimmen. Im zweiten Wahlkreise, der kein eigenes Wahlkreisblatt hat, wird die..Schwäbisch«: Tagwacht" in zirka 7200 Exemplaren gelesen bei 20 000 Wählerstimmen, in Stuttgart(ohne die zum zweiten Wahlkreise zählenden Vororte) hat die„Schwäbische Tagwacht" 9500 Abonnenten bei 24 620 Stimmen. Der Kassenumsatz betrug in Stuttgart 52 013 M., im zwei- len Kreise 20 120 M., im dritten 14 577 M. Die Reichstagswahl kostete im dritten Kreise 8870 M., im zweiten 4240 M.(ohne Stich. wähl). Vorn ersten Wahlkreise sind die Wahlkosten noch nicht be- kannt. Der Stuttgarter Verein hat 2190 M. dazu beigetragen. Das Vermögen beträgt im dritten Wahlkreise 1740 M., im zweiten 4038 M., in Stuttgart 1785 M. Rcdakteurfreuden. Am Mittwochnachmittag hat Genosse Darf von der.Breslauer Volksmacht" auf 3 Monate das dortige Zentralgefängnis beziehen müssen. In einem Artikel der „Volkswacht" war die Beschlagnahme der roten Kranzschleifen bei Beerdigungen von Sozialdemokraten und die damit verbundene Störung der Leichenbegängnisse durch die Polizei den Tatsachen entsprechend kritisiert worden. Trotzdem fühlte sich die Breslauer Polizei dadurch schwer beleidigt. Die Breslauer erste Strafkammer war selbstverständlich derselben Meinung und erkannte auf die oben angegebene Strafe. Durch den Generalstreik hat unser Parteibliatti in> Zürich, das„Volksiecht", 2400 neue Abonnenten gewonnen� polireilickea, OmedtlicKes uCxv. Der abgeblitzte Staatsanwalt. Um die Sthnlentlassungszeit herum erschien in unserem Zeitz er Partciblatt ein Artikel mit der Uebcrschrift: Den Schulentlassenen zum Gruß! Während der von einem größeren Teil der Parteipresse abgedruckte Artikel überall unbe- anstandet blieh, las die Naumburger' Staatsanwaltschaft aus demselben eine ganze Reihe strafbarer Handlungen heraus und er- hob gegen den verantwortlichen Redatteuir Genossen Stroinski Anklage. Die großangelegte Staatscftion endete jetzt mit einem glatten Reinfall des übereifrigen Anklägers, denev die Strafkammer wies seinen Antrag zurück und packte die Kosten der Staatskasse auf. In der Begründung des Beschlusses heißt e»: DaS Gericht habe in dem Artikel eine gegen die Person der Lehrer oder Lehner- schast gerichtete Beleidigung nicht fänden könnem Der Artikel richte sich vielmehr gegen die Einrichtung der Schule, wie siez urzeit besteht, nicht gegen die Lehrer. Auch gegen 8 131 I(Verächtlichmachung tum Staakseinrichkung-n) verstößt der Artikel schon deshalb nicht, da in ihm keine Tatsachen entstellt werden, sondern eine scharfe Kritik an der Organisation der Schule geübt wird.— Der Beschluß bedeutet nicht nur einen wohlverdienten Reinfall der Staatsanwaltschaft, er schließt auch gleichzeitig eine Verurteilung des preußischen VoftsschubsYstcmS in sich, LH das der Staatsanwalt gewollt hat?/_ Hua der frauenbewegung. Der Schutz der unehelichen Kinder in der Schweiz ist mit In- krafttreten des neuen Zivilgesetzbuches am 1. Januar 1912 so gut geregelt wie nirgends sonst. Nach dem neuen Gesetz kann der Bater nicht nur zur Unterhaltungspflicht bis zum 18. Jahr gezwungen werden, es kann auch, wenn der Mann der Mutter die Ehe ver- sprachen hat. die Anerkennung des Kindes durchgesetzt werden. Das heißt, der Vater muß dies Kind als sein Kind anerkennen. DaS Kind erhält den Namen deö Vaters und muß nach dem Stand des Vaters erzogen werden. Ist der Vater reich, so muß er das Kind in denselben Verhältnissen aufziehen, in denen er lebt. Das Kind bekommt auch an die Verwandten des Vaters dieselben Ansprüche, wie die ehelichen Kinder, auch in erbrechtlicher Beziehung. DaS gilt allerdings nur, wenn der Mann ledig ist, ist er verheiratet, so hat er nur materiell für das Kind zu sorgen. _(Aus der»Frauenbewegung.") Bewegung gegen die Reglementierung der Prostitution in Schweden. Die Stadtverordnetenversammlung von Stockholm hat be« schlössen, an die Regierung das Ersuchen zu richten, den Polizei- meister von der ihm jetzt obliegenden Pflicht, für die„erforder- liche Aufsicht über liederliche Frauenzimmer" und für ihre„Be- sichtigung durch hierzu angestellte Aerzte" zu sorgen, zu befreien. Ursprünglich lautete der Antrag dahin, die zu diesem Zweck im Budget der Stadt aufgeführte Summe von rund 80 000 Kronen einfach zu streichen. Nachdem jedoch der Oberstatthalter auf eine königliche Verordnung aus dem Jahre 1809 aufmerksam gemacht halbe, durch die die Pflicht des Polizeimeisters zur Ueberwachung der Prostitution festgelegt ist, hielt eS die Mehrheit für zweck- mäßiger, sich mit dem erwähnten Ersuchen an die Regierung zu wenden. Uebrigcns macht sich seit einigen Jahren in ganz Schwe- den eine immer sijärkr werdende Bewegung gegen die ch-gle- mentierte Prostitution geltend, so daß die Zeit nicht mehr fern zu sein scheint, wo Schweden dem Beispiele Norwegens und Däne- marks folgt und allgemein mit dem eingewurzelten Systeme bricht. Ckncbts- Zeitung» Ein„Diebstahl". Der Radfahrer Sch. klagte gestern vor dem Gewerbegericht gegen die Graphische Kunsianstalt Dr. Seile u. Eo., Zossener Straße 55 auf Zahlung von 38 M. Lohn wegen Nichteinhaltung der vierzehntägigen Kündigungsfrist. Der Kläger war vier Mo- nate bei der Beklagten tätig gewesen und hatte keinen Zweifel an seiner Ehrlichkeit aufkommen lassen. Am 19. Juli fand eine Ange- stellte, die Buchhalterin Mary Woche, in dem Rucksack des Klägers, den dieser zum Transport der Waren benutzte, ein halbes Knäuel Bindfaden und ein Stück Watte. Sie beschuldigte daraufhin den Kläger, diese Gegenstände dem Geschäfte entwendet zu haben. Da der junge Mann über diese Beschuldigung sprachlos war und nichts erwiderte, entließ ihn die Buchhalterin sofort wegen Diebstahls. Vor dem Gericht erklärte der. Kläger dasl Hineinkommen der Gegenstände in den Rucksack damit, daß er dieselben genommen habe, um sie im Interesse dcS Geschäfts zu verwenden. Es sei ihm öfter passiert, daß ihm unterwegs Pakete ausgegangen und deren Inhalt auf die Straße gefallen sei. Um die Gegenstände in solchen Fällen vom Straßenschmutz zu säubern und die Pakete wieder verschnüren zu können, habe er dann den Bindfaden und die Watte ständig mitgenommen. Der Vertreter der Beklagten gab im Termin auch zu, daß der Wert der in Frage kommenden Gegenstände sich auf höchstens eine Mark belaufe. Es kam dann noch zur Sprache, daß dem Kläger, olS kr sieben Wochen in dem Geschäft tätig gewesen, sein eigenes Rad gestohlen worden war. Um sich ein neues zu kaufen, hatte er sich 30 M. von der Beklagten geliehen, und dieses Geld auch bis zum letzten Heller zurückgezahlt. Das Gericht konnte nach dieser Sachlage keinen Entlassungs- grund anerkennen. Der Borwurf der Entwendung sei ungerecht- fertigt da dem Kläger Glauben zu schenken sei, daß er die Sachen im Interesse des Geschäfts verwendet habe. Die Beklagte wurde dnher gemäß dem Klageantrage verurteilt.- Aus einer kleinen Stadt. In einer Stadtverordnetensitzung zu Pollnow wurde in ge« heimer Sitzung� über einen Punkt verhandelt, der die dortigen Lehrerverhältnisse betraf. Der Rektor Schenkel erfuhr hiervon und kritisierte, da er sich angegriffen fühlte, das Verhalten einiger Stadtverordneter in einer Bürgervereinsversammlung. Er nannte sie„Feiglinge und Lügner", sowie„als ihres Amtes unfähig und unwürdig". In der Sitzung der Stadtverordneten vom 18. Mai 1911 antworteten nun die Stadtväter auf diesen Angriff. Der Stadtverordnetenvorsbeher, Rentier Pirk, erklärte,„der Rektor sei ein ganz unedler Charakter, der sinnlos betrunken im Rinnstein gelegen habe und jüngere, seiner Obhut unterstellte Lehrer zum Saufen verführt habe". Der Stadtverordnete Dr. Freiberg betonte, daß unter dem heute herrschenden System ein Lehrer nach dem andern erkläre, zede Arbeitsfreudigkeit verloren zu haben. So könne es nicht weiter gehen, die Mißstände müßten schleunigst be» seitigt werden. Der Stadtverordnete Baugewerksmeister Schedalke betonte, daß man dem Lehrer unmöglich ferner die Kinder anver» trauen dürfte, daß gegen denselben einmütig vorgegangen werden müsse. Dieser Sitzung wohnte auch der Lehrer Otte-Stolp, der mit dem Rektor Schenkel auf gespanntem Fuße lebt, als Zuhörer bei und machte sich auch hierüber Notizen. Die Notizen übergab er dem Redakteur der liberalen„Stolper Neueste Nachrichten", dem früheren Lehrer Stark-Seehof, der öfters mit der Regierung in Fehde gelegen hatte. Dieser veröffentlichte in der Nummer 134 vom 10. Juni 1911 die Notizen. Darob ergrimmte nun der Rektor und er lief zum Kadi. Er erzielte auch die Berurtrilung der be- treffenden Stadtverordneten. Vor dem Schöftengricht in Stolp hatten sich jetzt wegen des Zeitungsartikels der frühere Verleger der„Stolper Neueste Nach- richten', Weidlich in Lauenburg, der Redakteur Stark, jetzt libe- raler Parteiangcstellter in Königsberg, und der Lehrer Otte-Stolp zu verantworten. Die Verhandlung ergab die Richtigkeit des Ar- tilels, ja noch vielmehr als in dem Artikel gesagt war. Weidlich und Stark wurden freigesprochen, dagegen wurde Ofte zu 30 M. Geldstrafe verurteilt._. Fledderer. Ein nächtliches Abenteuer im Tiergarten, welches der Box» lehrer Radtke zu bestehen gehabt hatte, lag einer Anklage wegen versuchten Diebstahls und gefährlicher Körperverletzung zugrunde, welche gestern die I. Ferienstrafkammer des Landgerichts I beschäftigte. Aus der Untersuchungshaft wurden zwei.Gelegenheits- arbeiter, Otto Dietrich und Paul Aulich, vorgeführt. Am Abend des 11. Juni d. I. hatte der Boxlehrer Alberk Radtke einen Spaziergang durch den Tiergarten unternommen. AlS er sich, etwas ermüdet, auf eine Bank niederließ, übermannre ihn der Schlaf und bald ruhte er sanft in Morpheus Armen. Er wurde erst wieder wach, als er eine Hand in seiner Hosentasche fühlte, die gerade dabei war. sein Portemonnaie herauszuziehen, Als er dann völlig munter war. bemerkte er zwei Männer, die lang ausgestreckt unter der Bank lagen. Ehe er von seinen Box- künsten Gebrauch machen konnte, hatte ihn einer der Männer einen furchtbaren Fußtritt gegen den Unterleib versetzt, der zur Folge hatte, daß R. von Schmerzen gepeinigt zusammenbrach» während die beiden Diebe die Flucht ergriffen. Auf seine Hilfe» rufe nahmen zwei Schutzleute die Verfolgung der Flüchtigen auf, die dann in der Nähe des Reichstagsgebäudes von Asphaltarbeitern gestellt wurden. Die Festgenommenen waren die beiden jetzigen Angeklagten Dietrich und Aulich. Letzterer ist schon mehrfach wegen „Fledderns" bestraft worden.— DaS Gericht erkannte dem An, trage des Staatsanwalts gemäß auf je 9 Monate Gefängnis. U Tm Selbstkostenpreis! Von Sonnabend, den 3. bis Freitag, den 16. August veranstalten wir einen großen Räumungs- Ausverkauf..• In dieser Zeit werden sämtliche Waren ohne Ausnahme zum Selbstkostenpreis abgegeben.~ Es erübrigt sich auf die endlosen Vorteile dieses Ausverkaufs besonders hinzuweisen."-' Jedes Etikett zeigt den Selbstkostenpreis deutlich an. pa Herren-Kleider-Vertriebs- Ges.| lM W Nur; Neue Schönhauser Str. 1«trr V/ Zweigverein Berlin. Achtung! Töpferträger! Sonntag, den 4. August er., vormittags 10 Uhr: MitgUeder-Uersammlung bei Klage, L-n,gestr. 53. Tagesordnung wird in der Versammlung bekanulgemacht. Ts ist «flicht jedes Kollegen, Pünktlich zu erscheinen. Der' Grappenvorntniid. Die Oeuerai Uerfammiung bed ZweiavereinS findet Sonntag, den 8. September d. I.. vor- mittaas 0 lifir, im Saal 1 des Gewerkschaftslianses statt. Wir ersuchen die Bezirke, in ihren Augustversammlungen hierzu Stellung nehme» zu wollen. 141/5' Der Zwclgverelnnvorstand. CWaa|# Meili- Institut ■ I flCH*« Dorg Nachf. ** Borchardt. Friedrichstr 115 I, am Oranienb. 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Seit einiger Zeit will der Re vicrvorstand, der eingangs genannte Polizeileutnant, diese nicht mehr im Schaufenster dulden. Als Anfang Juni d. I. wieder einmal eine rote Schleife mit Goldfransen und der Aufschrift:„Unserem Kollegen Emil Rothe den letzten Gruß. Gewidmet von den Kolleginnen und Kollegen der Firma H. Aron, Charlottenburg" im Fenster aushing, ließ er Gay Wiederum, indem er sich dabei auf das P r e u ß i s ch e P r e ß g e s e tz berief, auffordern, die Schleife zu entfernen. Als der Gärtner das ablehnte, wurde die Schleife mit Gewalt ent fernt. Einige Tage später erhielt der Gärtner dann eine Strosversügung über 5,— Mk., weil er eine rote Kranzschleife öffentlich ausgestellt und der wiederholten Auß forderung, sie zu entfernen, nicht Folge geleistet habe. Auf iiie über die gewaltsame Entfernung beim Polizei-Präsidium erhobene Beschwerde erging die Antwort, daß die Entscheidung über diese bis zur Erledigung des Strafversahrens ausgesetzt fei. Auf den Einspruch gegen die Strafverfügung fand am 24. Juli Termin vor dem Schöffengericht Wedding statt: Der als Zeuge vernommene Polizeilcutnant suchte sein Vorgehen durch den Hinweis auf die„rote Farbe der Schleife und die dadurch mit Rücksicht auf die Bevölkerung der Gegend bestehende Gefährdung" zu rechtfertigen. Der Amtsanwalt beantragte denn auch Verurteilung auf Grund des Preußi- fchcn Preßgesetzes, das die öffentliche Ausstellung von An- fchlagzcttcln und Plakaten verbietet, eventuell wegen groben Unfugs. Das Gericht erkannte natürlich auf Frei- sprechung, alldieweil rote Kranzschleifen keine„Anschlags- zettel oder Plakate" sind und rote Farbe nur auf Büffel de- llästigend wirken kann, das Publikum in seiner Allgenieinheit aber nicht aus Büffeln oder diesen Geistesverwandten besteht. Ter Polizeileutnant eröffnete trotzdein bereits am 27. Juli er. wieder seinen Kampf gegen die roten Kranz- schleifen. Dieses Mal ivar es die mit der Widmung versehene Schleife:„Unserem treuen Mitglied E. Müller den letzten Scheibegruß, gewidmet vom Sparvcrein Hoffnung", die den Polizeilcutnant in Tätigkeit gesetzt hatte. Nachdem der Gärtner zunächst wiedermif die Aufforderung zur Wegnahme abgelehnt hatte, belagerten am Sonntag zwei Beamte mehrere Stunden lang das geschlossene Geschäft und entfernten am 30. Juli die Schleife mit Gewalt. Ter Polizeikamps gegen die Kranzschleifen ist für den Polizeistaat Preußen und die Residenzstadt Berlin im beson- deren kennzeichnend. Wie viele polizeiliche Totschläger, flüch- tige Kassierer, gemeingefährliche Verbrecher erfreuen sich der Freiheit, weil die Polizei ihrer nicht mächtig iverdeu kann! Aber zur Verhaftung roter Kranzschleifen reicht die Polizei- gcwalt aus. Freilich ist die Jagd auf rote Liranzschleifcn gesetzwidrig. Anschlagzettel oder ein Plakat soll eine rote Kranzschleife sein? Weshalb wäre, wenn man dieser völlig verkehrten Auffassung huldigt, dann eine weiße Schleife oder eine ausgestellte Visitenkarte kein Anschlagzettel oder Plakat? Ter geschädigte Gärtner ist selbstverständlich berechtigt, gegen den Polizeilcutnant und den preußischen Fiskus auf Schadens- crsatz zu klagen. Aber recht haben und recht bekommen ist nicht immer einerlei und bis zu der endgültigen Verurteilung durch das Reichsgericht können Jahre vergehen, selbst wenn das Obervcrwaktungsgcricht der Justiz nicht hemmend in den Arm fällt. Weshalb hat's dem Reviervorstand die rote Farbe so an- getan? Das Polizei-Präsidium hat auf die Beschwerde noch nicht geantwortet. Sinnt es etwa auf eine Polizeiverordnung zur Besänftigung von rotem Farbenkoller? Wir bringen ihm eine ältere Verordnung in Erinnerung, die gründlich allen Hebels Wurzel, dem Rot, zu Leibe ging. Sie lautete Polizei-Bcrordnung. Da das Licht der Aufklärung die Fledermäuse und Eulen der Reaktion schmerzhaft berührt, so wird hiermit verordnet: 1. Alle öffentlichen Gebäude sind gräulich zu beschmutzen. 2. Rote Nasen sind an öffentlichen Orten ebenso geheim zu ßragc», wie die Nase, die mir mein Herr Chef noch schuldet. 3. Der Regenbogen hat fortan in 6 warben, unter Fortlassung des Not, zu erscheinen. 4. Aurora wird verboten, ums Morgenrot aus dunklen Träu- men cmporzufahrcn oder zu gehen: sie hat liegen zu bleiben. ' 5. Abendrot und Morgenrot haben sich in unserem Polizei- Präsidium, das die Uebcrschrift trägt: „Nach Freiheit strebt der Mann, das Weib nach Sitte". innerhalb 24 Stunden einzufinden und sich dort in den Dienst der Blauen zu begeben. 6. Das rote Blut lmänniglich und weiblich) ist morgen mittag um 12 Uhr auf dem Polizeipräsidium abzugeben und gegen Fisch- blut umzutauschen. 7. Rote Lippen sind an öffentlichen Orten sorgfältig möglichst paarig zu bedecken. 8. Rote Nasen haben grün zu bleiben. S. Jedes Aufsteigen von Schamröte, insbesondere beim Lesen behördlicher Anordnungen, wird hiermit verboten. Note Haare dürfen vorab noch getragen werden, da wir genug alte Zöpfe habe». Wer hiergegen handelt oder in anderer Weise die rote Farbe verbreiten sollte, wird konfisziert werden und so lange sitzen, bis er schwarz oder eine Behörde schamrot werden wird. Partei-?Zngelegenkeiten. Mariendorf. Sonntag, den 4. August, Besuch der Ausstellung für Arbeiterwohlfahrt. Treffpunkt 8/42 Uhr nachmittag Untergrimd- bahnhos Knic. Schnellste Verbindung vom Hochbahnhof HallcscheS Tor. FriedrichSfclde. Dienstag, den 6. August. 8'/z Uhr abends: Mitgliederversammlung bei Schulz, Lindenpark, Wilhelmstr. 11. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum Parteitag. Referent: Genosse Schacht. 2. Die Aenderung des Organisationsstatuts. 3. Vereinsangelegenheiten. Friedrichshagen. Am Sonntag, den 4. August, findet unser � Familienansflug nach Raven st ein statt. Kaffeekochen und Be> lustigungen für jung und alt. Abends Kinderfackelzug. Treffpunkt: 2 Uhr vor dem Eingang zum Kurpark. Bezirk Waidmannslust. Die Abfahrt zum Sommerfest im „ParadieSgarten" in Birkenwerder erfolgt von Waidmannslust 1.46, von Hermsdorf 1.56 Uhr. Vom Bahnhof Stolpe erfolgt der Ab- marsch Punkt 2>/z Uhr. Bernau. Sonntag, den 4. August, nachmittags 3 Uhr, findet in S ch ö n o w im Saale des Herrn Schulze eine öffentliche Ver- sammlung statt, an der sich die Genossen von Bernau, Zepernick und Röntgental zahlreich beteiligen wollen. Referent ist Genosse Paul Brühl- Lichtenberg. Abmarsch für Bernau: Vz3 Uhr vom Genossen Salzmann._ Die Bezirksleitung. Berliner JVachrichten. Neue Stadtbahnwagen sollen demnächst in Betrieb gestellt werden. Vor allem werden die neuen Wagen an Stelle der schmalen Wagentritte, die das Aussteigen erschweren, verbreiterte Trittbretter sowie links aufschlagende Türen und selbsttätig wirkende Tür- schlösser erhalten. Die Wagen werden zunächst nur auf der Stadt- und Ringbahn verkehren,- weil deren Strecken hohe Bahnsteige haben, die das Besteigen und Verlassen der mit breiten Trittbrettern ver- sehcnen Wagen leicht und mit kürzestem Zeitaufwand gestatten. Die Vorortstrecken sollen nach und nach mit erhöhten Bahnsteigen ausgerüstet werden, so daß später auch dort die entsprechend ein- gerichteten Wagen in Betrieb genommen werden können. � Die links aufschlagenden Türen haben den Vorteil, daß beim Anfahren des Zuges etwa noch offenstehende Türen in der Regel sich selbst schließen und darauf durch die selbsttätig wirkenden Schlösser ver- riegelt werden. Diese Einrichtungen sind auch im Hinblick auf die in Aussicht genommene Elektrisierung der Stadt- und Vorortbahnen getroffen und für die Sicherheit der Reisenden erforderlich, weil später die Züge erheblich schneller anfahren werden und das Schließen der Türen durch die Türschließer dann nicht immer mög- lich sein wird, wenn nach Fertigstellung des Zuges zur Abfahrt im letzten Augenblick noch Reisende einsteigen und das Schließen der Türen unterlassen sollten. Alle diese Einrichtungen gestatten eine schnellere Abfertigung der Züge, dienen zur Abkürzung der Aufent- Haltszeiten und damit auch der Reisedauer und tragen zur Erhöhung der Sicherheit der Reisenden wesentlich bei. Beim Umbau des Bahnhofs Friedrichstraße der Stadtbahn soll auf die von der Stadt geplante Untergrundbahn Krcuzberg-�See- straße gebührend Rücksickit genommen werden. Diese soll hier be- kanntlich eine Haltestelle erhalten, welche einen bequemen Uebcrgang ans die Stadt- und Ringbahn ermöglicht. Da die geringe Breite der Fricdrichslraße die Anlage von Zugängen auf dem Fabrdamm verbietet, muß die Treppenanlage in den Stadtbahnbogen Nr. 266, den gegenwärtig der„Franziskaner" für 8506 M. Jahresmiete innehat, verlegt werden. Dieser Eckbogen ist 244 Ouadratmeler groß. für die Untergrundbahn wird davon etwa die Hälfte beansprucht. Der EisenbahnfiSkus hat sich nun auch bereit erklärt, beiin Umbau des Bahnhofes zwischen dein vorhandenen und dem neu zu er- richtenden Widerlager eine drei Meter breite Tür einbauen zu lasten, die den Stadtbahnbogen unmittelbar von der Friedrichstraße ans zugänglich macht: außerdem soll die Herstellung einer unmittelbaren Verbindung zwischen der Untergrundbahn und der Stadtbahn ins Auge gesaßt werden. Mit Rücksicht auf die dadurch bedingte Ent- ziehung der bisherigen Nutzung verlangt der Fiskus von der Stadt eine JahrcSmicte von 5606 M., welche ihm der Magistrat auch zu- gestanden hat. Da die Nord-Südbahn an der fraglichen Stelle— wegen ihrer späteren Unterführung unter die Spree— ziemlich tief liegt, wird die Anlage der Zugangstreppe zu dem Mittelbahnsteig keine Schwierigkeiten bieten. Mit der Tochter seiner Verlobten flüchtig geworden ist der 38 Jahre alte Schlosser Hennann Thiemann. Dieser lernte vor nahezu sechs Jahren die setzt 43 Jahre alte Kaufmannsfrau Asche aus der Ticckstr. 12/13 kennen. Die Frau, die Mutter von drei Töchtern im Alter von 17—24 Jahren ist, richtete ihrem Geliebten in demselben Hanse ein Zigarrengcschäst ein und verlobte sich vor einiger Zeit mit ihm. Für den nächsten Monat war die Heirat der beiden festgesetzt. Vor einigen Tagen verschwand der Bräutigam plötzlich aus der Wohnung seiner Braut und mit ihn: deren jüngste Tochter. Beide hielten sich zunächst in Berlin verborgen. Um sich Mittel zur Flucht z» verschaffen, fälschte Thiemann eine Quittung und hob von dem Bankguthaben seiner Verlobten die Summe von 2066 M. ab. Mit dem Gclde kleidete er sich und seine neue Geliebte vollständig neu ein und begab sich mit ihr auf Reisen. Wohin er sich gewandt hat, konnte noch nicht festgestellt werden. Wegen der Unterschlagung wird er jetzt von der Kriminalpolizei gesucht. Zwischen Trittbrett und Rampe eingeklemmt wurde vorgestern abend aus dem Stadtbahnhos Schönhauser Allee der 23 Jahre alte Handlungsgehilfe Adolf Kogel. Als dieser um 6 Uhr den Bahn- steig betrat, setzte sich gerade ein Ringbahnzug in Bewegung. Der junge Mann versuchte, noch in den fahrenden Zug einzusteigen. Dabei glitt er aus und geriet zwischen Trittbrett und Perron. Der Stationsbeamte, der den Unfall gleich bemerkte, ließ den Zug halten und den jungen Mann aus seiner unglücklichen Lage befreien. Man brachte den Verletzten zur Hilfswachc in der Gaudystraße, wo der Arzt außer inneren Verletzungen einen Beckenbruch feststellte. Er wurde nach Anlegung eines Notverbandes nach der Charite ge- schafft. Ei»„ehrlicher Finder". Wie wir vor einiger Zeit mitteilten, hatte ein in Friedenau ansässiger Künstler im Eiseubahn-Abtcil eine Stradivari-Gcige vergessen, in deren Lederbehälter er auch noch 1666 M. gelegt hatte. Jetzt wird berichtet, daß ihm die überaus wertvolle Geige wieder zugestellt worden ist. Der„ehrliche Finder". der sie wohl nicht verwerten konnte, hatte sich mit dem Bargeld begnügt. Im Tiergarten erschossen hat sich in der gestrigen Nacht ein junger Mann, der Papiere aus den Namen eines 1861 zu Stenken- darf geborenen Hausdieners Friedrich Klatter bei sich führte. Seine Leiche wurde gestern früh gegen 4 Uhr in der Großen Querallec aufgefunden und nach dem Schauhause gebracht. Grosifcuer kam gestern nacht aus bisher unaufgeklärter Ur- fache in der Holzbcarbcitungsfabrik von Gebr. Raabe, Usedomstr. 31z, zum Ausbruch. Beim Eintreffen der ersten Löschzügc standen dort Hölzer und Maschinen usw. sowie das Kessel- und Maschinenhaus in großer Ausdehnung bereits in Flammen. Unter Leitung des Brandinspektors Äende löschten die Züge 13, 19, 21 und 23 inner- halb drei Stunden den Brand. Die Aufräumungsarbeiten sind gestern mittag beendet worden. Der Schaden ist erheblich, soll aber durch Versicherung gedeckt sein. Der Betrieb ist auf längere Zeit gestört. Ein Opfer deS Edelweiß ist am Sonntag der in Lana bei Meran seit kurzem in Arbeit stehende Tischlergehilfe Mar Eugen Weber ans Charlottenburg, Sohn eines Berliner Tischlermeisters geworden. W. hatte sich von feinen Kollegen entfernt und wurde beim Abstieg ver- mißt. Am anderen Tage fand ihn eine Rettungsexpedition als Leiche. Er war in einer Höhe von etwa 360 Meter abgestürzt. Automobilunfall eines Berliners bei Itzehoe. In der vergangenen Nacht hat sich bei Itzehoe ein schweres Automobilunglück ereignet, bei dem der Sohn des Berliner KaffcehauSbesitzerS Wender aus der Alexanderstraße lebensgefährlich verletzt wurde. Wender befand sich mit seiner Frau zu Besuch bei seinem Bruder auf dessen Gut Kohlebeck. Vorgestern abend unternahm Wender mit einem Gutsbesitzer, einem Dampfziegeleibesitzer und dem Kimstschüler Otto Buchholz aus Hamburg eine Ausfahrt im Automobil. Infolge der Dunkelheit übersah Wender, daß bei einem Bahnübergang die Schranken geschlossen waren. Das Automobil fuhr mit voller Fahrt gegen die Schranke und wurde zertrümmert. Sämtliche vier Insassen wurden aus dem Wagen geschleudert. Hierbei erlitt Wender lebensgefährliche Verletzungen und wurde, nachdem er unterwegs die erste Hilfe erhalten hatte, in daS Krankenhaus nach Itzehoe gebracht. Die übrigen Insassen kamen mit leichten Verletzungen davon. Im Kampfe mit einem Schimpansen. Ein aufregender Vor�- gang hat sich vorgestern in Sachsenhausen bei Oranienburg abge- spielt. Der Ticrdresseur Clermont hat während der toten Saison feinen Wohnsitz in Sachsenhausen. Er benutzte die engagements- frei Zeit dazu, um neue Tierdresiuren vorzunehmen; unter seinen neuen Errungenschaften befand sich diesmal auch ein starker ausgewachsener Schimpanse. Vorgestern mußte das Tier die ein- geübten Kunststücke vormachen. Bon Anfang an zeigte es sich diesmal aber recht störrisch und als es von seinem Herrn zurecht- gewiesen wurde, stürzte es sich plötzlich über C. her und biß wütend auf ihn ein. Der Angegriffene setzte sich zur Wehr und als er nach dem Affen schlagen wollte, biß sich dieser so fest in die Hand ein, daß es weder C. noch anderen Personen, die zu seiner Befreiung herbeigeeilt waren, gelang, sie freizubekommen. Schließlich nahm man einen Hammer und schlug damit dem Schimpansen den Schädel ein. Die Hand war dem C. vollständig zerfleischt worden. Unheilbare Krankheit hat den 52 Jahre alten Agenten Adolf Kraus aus der Lankwitzstraße 14 in den Tod getrieben. Kraus fprang gestern abend an der Großbeerenbrücke ins Wasser. Gestern früh landete man in der Nähe seine Leiche. Im Fahrstuhl schwer verunglückt. In der Kartonfavrik von Chaim, Mainzer Straße in Lichtenberg, hat sich gestern morgen ein schweres Fahrstuhlunglück zugetragen. Beim Reparieren des Fahr» ftuhls schlug, während der Kutscher Bruno Pieur auf der Plattform stand, ein Ärbeiter mit dem Hanimer auf das Gerüst so stark zu. daß sich der Fahrstuhl sofort in Bewegung setzte und in die Tiefe sauste. Pieur erlitt dabei lebensgefährliche Kopfverletzungen und Bruck beider Beine. Nach der ersten Hilfe auf der Unfallstation in der Warschauer Straße wurde der Verunglückte in hoffnungslosem Zustande nach der Klinik am Mariannenufer gebracht. Einen dreisten Ueberfall verübte gestern nachmittag gegen k Uhr ein gutgekleideter etwa 25 Jahre alter Mann auf die Portiersrau des Hauses Werft-, Ecke Flemmingstratze. Die Frau hatte Miele kassiert und ging mit der gesüllten Geldtasche über den Hof, wo sie von hinten überfallen wurde. Der Gauner entriß ihr die Geldtasche mit etwa 1666 Mark Inhalt und verschwand, ehe Hilfe hcrbeige- rufen werden konnte. Der langersehnte Regen hat sich nach den Sonnenstrahlen des heißen, trockenen Juli endlich in zureichender Menge eingestellt. Die Alleen und Schmuckplätze der Reichshauptstadt, auf denen schon ver- gilbte Blätter sich breit machten, bekommen wieder ein frisches Aus- sehen und alle Welt atmet auf. Um den Schülern, die während der Ferien in Berlin weilen. kostenlose Gelegenheit zum Anhören eines Vortrages auf der Trep- tower Sternwarte und zur Beobachtung mit dem großen Fernrohr zu bieten, kann zu den Vorträgen von Direktor Dr. F. S. Archen- hold am Sonntag, den 4. August, abends 7 Uhr:„Das Geheimnis des Weltenbaucs", und Montag, den 5. August, abends 7 Uhr: „Boten aus den fernsten Himmelsräumen" jeder Erwachsene«inen Schüler frei einführen. Beide Vorträge sind gemeinverständlich und mit zahlreichen Licht- und Drehbildern ausgestattet. Schüler. welche sich nicht in Begleitung von Erwachsenen befinden, erhalten Eintrittskarten zu Vorzugspreisen. Mit dem großen Fernrohr wird der Jupiter, der bald in den Strahlen der Sonne verschwindet und in später Abendstunde auch der Mond gezeigt. Mit den klei- nercn Fernrohren werden interessante Doppelsterne und Nebel- weiten beobachtet»._ Vorort- JVaebriebtem Charlottenbnrg. Der sozialdemokratische Wahlverein nahm in der Generalver« sammlung am Dienstag Stellung zu den geplanten Aenderungen des Organisationsstatuts. Genosse Schulz hatte das Referat überuonimen. Die geplante Erhöhung der Beiträge wurde im all» gemeinen gutgeheißen, da die erhöhten Beiträge durch das An» wachsen der Unkosten erforderlich sind. Geteilt sind dagegen die Ansichten über den Borschlag der Kommission, einen Parteiausschuß einzusetzen. Genosse Schulz ist nicht der Ansicht, daß die Einsetzung des ParteiausschusseS die Aktionsfähigkeit des Parteivorstandes er» höhen würde. Eine Verstärkung des Vorstandes um 12 Beisitzer sei eher am Platze. Was die Vertretung der ReichStagsfraktion auf dem Parteitag anbelangt, so sei es zweckmäßig, wenn die gesamte Reichstagsfraktion— allerdings nur mit beschränkter Stimmen» berechtigung— ans dem Parteitag vertreten wäre. Im Anschluß an das Referat entwickelte sich eine äußerst leb- hafte Diskussion. Genosse Richter hält im Gegensatz zum Referenten die Einsetzung eines Parteiausschusses für zweckmäßig. Dadurch könne vor allen Dingen den einzelnen Landesteilen am besten Rech- nung getragen werden; der Spalt zwischen Nord und Süd würde überbrückt. An der weiteren Diskussion, in der man sich für und gegen die Einsetzung des ParteiauSschusies erklärte, beteiligten sich u. a. die Genossen Rubin, Eberlein, Zempelbnrg, Zippel, Rätz. Schließlich gelangte folgende Resolution zur Annahme:„Der Wahlverein Charlottenburg stellt den Antrag, den Parteivorstand um 12 Beisitzer zu verstärken, die auf dem Parteitag zu wählen sind". Die vor- geschlagenen Aenderungen am Verbandsstatut von Groß-Berlin wurden gutgeheißen. An den Folgen einer schweren Gehirnerschütterung verstorben ist der 43jährige Kanzleibcamte Friedrich Vogt, Horstlveg 22 in Charlottcnburg wohnhaft. V. wurde am 26. Juli auf dem Sophie. Charlolte-Platz von einem schncllfahrenden Radler, einem Schüler, umgestoßen und schlug so heftig mit dem Kopf auf die Bordschloclle, daß er eine schwere Gehirnerschütterung davontrug. Im Kraulen- Hause Westend, Ivohin der Schwerverletzte gebracht wurde, ist er, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, an den Folgen des Unfalles verstorben. Vcrsichcrungsäniter. Am I. Juli ist daS dem Magistrat an- gegliederte Versichorungsamt der Siadt Charlotteuburg in Kraft ge- treten, dessen Bezirk sich mit dem der Stadtgemeinde deckt. Vor- sitzender ist kraft gesetzlicher Vorschrift der Oberbürgermeister. Zu seinen ständigen Stellvertretern hat der Magistrat Stadtrat Boll, Magistratsrat Dr. Landsberger und Magistratsassessor Wimmel be- stellt. Der Geschäftsraum des Versicherungsamts, das nicht nur die Geschäfte der Reichsversicherung wahrzunehmen,; sondern auch in Angelegenheiten der Reichsversicherung Auskunft zu erteilen hat, befindet sich im R a t h a u s e Zimmer 34. Steglitz. Der sozialdemokratische Wahlverein nahm in seiner Mitglieder- Versammlung vom 36. Juli zum Parteitage in Chemnitzi Stellung. Das einleitende Referat hielt Genosse Dr. Hermann Duncker. Er beschäftigte sich hauptsächlich mit dem Entwurf zum Organisationsstatut und der Frage des I m p e r i a. l i s m u s. Die Einführung eines einheitlichen Mindestbeitrages sei zu begrüßen. Zu wünschen wäre die Erhebung eines w öch e n t. lichev Beitrages. Die Rechte der KMrMlMMfsion sollen nicht beschränkt, Konferenzen der Landes- und Bezirkssekretare auch in Zukunft öfters veranstaltet werden. Der vorgeschlagene Partei- a u s s ch u tz mit seinen 44 Mitgliedern erscheint als eine zu schwer- fällige Körperschaft. Der Vorschlag, den Parteivorstand aus 2 Vorsitzenden, 8 Sekretären und 7 unbesoldeten Beisitzern zu bilden, sei die beste Lösung der Reorganisation der Parteileitung. Bei der Stellungnahme zum Imperialismus sollte der Partei- itag unzweideutig zum Ausdruck bringen, daß der Imperialismus, auch wenn er in der Form„friedlicher Eroberungen" auftrete, zu bekämpfen sei. Der sogenannte friedliche Imperialismus sei nur das Festtagskleid des kriegerischen Imperialismus. Auch mit dem Schlagwort„sozialistische Kolonialpolitik" müsse abgerechnet werden. Eine sozialistische Kolonialpolitik sei so unmöglich, wie ein sozia- listischcr Raubmord unmöglich sei. Zum Schutze fremder Völker gegen Unterdrückung würden wir selbstverständlich immer bereit sein. Die Forderungen der Miliz und der Abrüstung laufen neben einander. Alle diese Fragen sollten auf dem Parteitage gründlich erörtert werden; die bestehenden Meinungsverschiedenheiten in der Partei müßten klar zum Ausdruck gebracht werden. Keine Vertuschungs- tendenzl Dagegen seien Haarspaltereien zu vermeiden, denn sie dienen nicht dem Interesse der Partei. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Genosse Duncker schlug folgende Anträge zum Partei- tage vor: 1.„Die bürgerliche Jugendbewegung in Deutschland" als besonderen Punkt auf die Tagesordnung zu setzen; 2. den Parteivorstand zu beauftragen, eine Uebersetzung des Protokolls des letzten italienischen Parteitags vorzubereiten und mit einer kurzen einleitenden Darstellung der jüngsten italienischen Partei- wirren und des tripolitanischen Abenteuers zu versehen. Diese Schrift soll den Genossen zu einem möglichst billigen Preise übev lassen werden. Schließlich beantragte der Redner eine Resolution, die in dem vorgeschlagenen Parteiausschuß keine Gewähr für die Steigerung der politischen Aktionsfähigkeit sieht, vielmehr eine bedenkliche Unterstreichung der einzelstaatlichen Sonderinter- essen innerhalb der Partei. An Stelle des Parteiausschusses wird die Erweiterung des Parteivorstandes um 5 un- besoldete Beisitzer vorgeschlagen. Die Funktionen der Kon- trollkommission sind uneingeschränkt aufrecht zu erhalten.— Samt- liche Anträge wurden angenommen. Als Delegierter zum Parteitag soll Genosse Pieck der Kreisgeneralversammlung vor- geschlagen werden. Zur Kreisgeneralversammlung wurden auf Vor- schlag des Vorstandes folgende Anträge beschlossen: 1. die Wahlen der Berliner Vertreter in Korporationen der Ge- samtpartei(Parteivorstand, Kontrollkommission und evtl. Partei- ausschuß) sind von der Verbandsgeneralversammlung vorzunehmen; 3. die Wahlvereine führen in Zukunft die Namen: sozialdemo- Iratische Vereine; 3. die Zahl der Delegierten der Kreisgeneral- Versammlung ist in dem Matze herabzusetzen, daß nur auf 200 Mit- glieder ein Vertreter kommt; 4. der Vorwärtsverlag wird ersucht, an Stelle des historischen Kalenders einen künstlerisch ausgeführten Wandkalender und ferner einen geschmackvollen Abreißkalender, ver mit Sinnsprüchen aus der Gedankenwelt der kämpfenden Arbeiter- schaft versehen ist, herauszugeben; 0. die Verbandsgeneralver- sammlungen sollen um 9 Uhr vormittags beginnen, um die Ver- Handlungen nicht künstlich einschränken zu müssen. Treptow-Baumschulenweg. Der Radfahrerverein Treptow-Baumschulcnwcg(Mitglied des Ar- beitcr-Radfahrerbundes„Solidarität") veranstaltet am Sonntag, den 4. August, in Baumschulenweg, Baumschulenstr. 78, bei Serpentin ein Sportfest. Da der Verein an allen Arheiterfesten teilnimmt, werden die Genossen besonders darauf hingewiesen. Köpenick. Das Opfer eines Raubanfalls ist der 38 jährige Bierfahrer S. auS der Glinicker Straße 36 geworden. Als S., der bei der Filiale der Schultheiß-Brauerei in Oberschöneweide beschäftigt ist, sich gestern abend gegen»/zio Uhr auf dem Nachhausewege befand, wurde er plötzlich im Walde bei Spindlersfeld von zwei 22 bis 2Sjährigen Burschen überfallen. Die ÄowdieS rissen den Ueberraschten zu Boden und schlugen mit Stöcken und Schlagringen so lange aus ihn ein, bis er aus vielen Wunden blutend. bewußtlos liegen blieb. Dann raubten sie ihm das Portemonnaie, in dem sich aber nur ein ganz geringer Geldbetrag befand. Eine bedeutende Summe, die S. in einem Leinewandbeutel unter der Kleidung aus dem Rücken trug, hatten die Burschen nicht gefunden. Der Ueberfallene wurde bald darauf von Passanten aufgefunden und zu einem hiesigen Arzt gebracht, der ihm Notverbände anlegte. Der Bierfahrer, der unter anderen Verletzungen auch eine tiefe Schnittwunde in der Brust erhalten hatte, wurde auf seinen Wunsch nach der Wohnung geschafft. Friedrichsfelde. Die Erfolge auf dem Gebiete der Bekämpfung der Kindersterblich- keit sowie der Fürsorge für Lungenkranke machen sich von Jahr zu Jahr mehr bemerkbar. Wie bei allen sozialen Anregungen wurde auf die Anträge unserer Genossen auf Einsetzung von Mitteln für die Bekämpfung der Kindersterhlichkeit sowie für die Lungenkranken- fürsorge in den Etat von den Gegnern stets entgegnet, daß die Llrmenverwaltung bereits für alle Bedürftigen tue, was notwendig sei. Daß zwischen Armenpflege und Krankenfürsorge ein wesentlicher Unterschied besteht, begriffen die Herren in der Regel nicht. Dem fortgesetzten Drängen der Sozialdemokraten gaben sie jedoch nach, so daß in den Etat für 1906 bereits 3000 Mark, 2000 Mark zur Fürsorge für Lungenkranke und 1000 Mark zur Be- kämpfung der Kindersterblichkeit, eingesetzt wurden. Unsere Genossen hielten es nun erst recht für ihre Aufgabe, diese Fürsorge in die richtigen Bahnen zu lenken. In einem Programm legten sie dar. in welcher Weise die Mittel Verwendung finden sollten. Obwohl die Gegner Einwendungen hiergegen nicht erhoben, strichen sie die Forderungen betreffs Errichtung einer eigenen Fürsorgestelle und die damit verbundene Anstellung einer Gemeindeschwester. Sie glaubten mit den zwei Schwestern der Frauenvereine vor- läufig durchkommen zu können. Heute sind die Herren auch zu der Ansicht gekommen, daß es richtiger ist, eine Pflegeschwcster zu haben, welche der Gemeindeverwaltung untersteht. In dem Fürsorgeprogramm für Lungenkranke wird ge- fordert, daß für sonnige und genügend große Wohnungen Sorge ge- tragen und ungeeignete Wohnungen durch geeignete ersetzt werden. Die Mietsdifferenz muß aus Gemeindemitteln ersetzt werden. Neben anderen hygienischen Maßnahmen wird gefordert, daß zur Hebung des Kräftezustandes den Erkrankten Milch, Fleisch oder sonstige Nährstoffe verabfolgt werden sollen. Die meist skrofulösen Kinder solcher Leute sollen in vorbeugendem Sinne behandelt werden. Um zu verhindern, daß Kranke und Gesunde wegen Bettmangels zusammen schlafen müssen, sollen eventuell Betten gestellt werden. Alle diese Maßnahmen dürfen nicht als Armcnunlerstiitzung angesehen werde». Zur Erlangung geeigneter Unterlagen werden hieraus Bezug nehmende Fragebogen durch den Rechercheur ausgefüllt. Die Be- kämpfung der Kindersterblichkeit soll bestehen in Gewährung von Stillprämien, Lieferung guter Milch, ärztlicher und Pflegeüberwachung der Rinder solcher Eltern, welche durch Stillprämien oder im Un- vermögensfalle der Selbststillung durch Milch unterstützt werden, sowie der unehelichen und auch der Pflegekinder. Als Stillprämie werden im Durchschnitt 2 M. pro Woche gefordert. Vorbedingung dieser Unter- stiitzungeii ist, daß die Betreffenden den Unterstützungswobnsitz am »Orte haben. Welchen Einfluß die programmatischen Forderungen auf die Verwendung dieses Fonds hatten, erhellt am besten daraus, daß, während in'den Jahren 1907—1909 zur Bekämpfung der Kindersterblichkeit nichts, im Jahre 1910 bereits 88,60 und 1911 sogar 368,12 M. ausgegeben wurden. Aus dem Fonds zur Fürsorge für Lungenkranke wurden 1909 817,26 M., 1910 2143,06 und 1911 1334,38 Mark ausgegeben. Bemerkt sei, daß die Unter- stützung aus diesem Fonds nicht als Armenunterstützung gerechnet wird. Für den Ortsteil Friedrichsfelde ist Ge- nofse O e h l e r t, Prinzenallee 12, für den OrtSteil Karlshorst Genosse Pinseler, Gundelfingener Str. 18, gern bereit, in Fürsorgeangelegenheiten Auskunft zu erteilen. Für das nächste Jahr ist auch eine rationelle Unterbringung von Kindern in Ferienkolonien und Erholungsheimen in Angriff zu nehmen. Bisher war der Löwenanteil dieser Fürsorge den Frauenvereinen über- lassen. Das Geld mußte natürlich die Gemeinde geben. Jeder Verein erhält von der Gemeinde 600 Mark pro Jahr. Dafür wurde bei der Unterbringung der Kinder in Ferienkolonien, Heilstätten usw. nicht die Bedürftigkeit der Kinder, sondern die„Würdigkeit" der Eltern geprüft. Auch hiermit wird und muß aufgeräumt werden. Weißensee. Zu einer imposanten Kundgebung, wie sie unser Ort anläßlich einer kommunalen Angelegenheit noch nie aufweisen konnte, ge- staltete sich die von der sozialdemokratischen Gemeindevertreter- fraktion einberufene öffentliche Versammlung. Der große Saal der Bergbrauerei war von etwa 1000 Personen dicht gefüllt. Die schriftlich eingeladenen bürgerlichen Gemeindevertreter waren nur durch einige Herren der Fortschrittlichen Fraktion vertreten. Den Anlaß zu dieser Versammlung gaben mehrere gehässige, von Un- Wahrheiten strotzende Artikel des„Weißenseer Tageblattes", die sich gegen unsere Genossen, den Schöffen Mewes, sowie den Bürger- meister Dr. Wölk richteten. Letzterem wirft man vor, er gehe mit unseren Genossen durch Dick und Dünn, er wolle den Mittelstand ruinieren und sei unser Qbergenosse. Das Thema des Abends gab der bekannte Artikel der„Staats- bürgerzeitung":„Weißensee auf dem Wege zum Zu- kunftsstaat", der den Umlauf durch verschiedene Amtsblätter des Kreises Niederbarnim gemacht hat. In großen Umrissen gab der Referent Genosse Taubmann ein Bild über die Tätigkeit unserer Fraktion im Gemeindeparlament, sowie in den Kom- Missionen. Er zerpflückte die unzähligen unwahren Behauptungen und Verdrehungen des G. m. b. H.-Blattes unter großem Beifall der Versammelten. Redner erinnerte zum Schluß an die Resolu- tion der Generalversammlung, weder das Abonnement auf das Blatt zu erneuern, noch den Inseratenteil zu beachten, und for- derte die anwesenden NichtParteigenossen auf, sich der Partei an- zuschließen. Ferner machte er bekannt, daß der Verfasser des sinn- losen Artikels im Saale anwesend sei und geißelte die hinter- listige Art solcher Preßpiraten. Hierauf nahmen die Gemeinde- Vertreter Genossen Schlemminger, Frentz und Fuhr- mann das Wort, um ihre Tätigkeit in dieser ganzen Milchange- legenheit klarzulegen und die persönlichen Angriffe auf ihre Per- son zurückzuweisen. Die Art, wie sie den Verleumdern heimleuch- teten, fand selbst bei den anwesenden Bürgerlichen Beifall und hatte zur Folge, daß der bekannte Antisemit, Molkereibesitzer Mertens aus der Reserve gelockt, zweimal das Podium bestieg. Nach seinen Ausführungen, die sich mit dem Inhalt des Artikels der„Staats- bürgerzeitung" deckten, konnte ihm Genosse Taubmann auf den Kopf zusagen, daß er der Verfasser oder Inspirator jenes Artikels sei. Ans Berlin war ein Herr Wolf, Wanderredner des uatio- nalen Arbeitervereins, erschienen, der van allem möglichen, aber nur nicht zur Sache sprach, wovon er allerdings auch keine Ahnung hatte. Er gestand denn auch ein, er habe nur verhindern wollen. daß der Zukunftsstaat in Weißensee eingeführt werde. Zum Schluß wurde die Haltung der Fraktion in allen Fragen g u t g e- heißen und nachfolgende Resolution einstimmig ange- wommen: „Die am 30. Juli 1912 in der Bergbrauerei versammelten Einwohner von Weißensee erklären sich mit der Tätigkeit der Vertreter der dritten Wählerabteilung in der Gemeindevertretung einverstanden. Sie erblicken darin die konsequente Ver- folgung der in der Versammlung vom 19. September 1911 gefaßten Beschlüsse und ersuchen die Fraktion, in diesem Sinne weiter zu wirken. Die Versammelten verurteilen das Vorgehen der so- genannten„Unabhängigen Fraktion", die bei allen ihren Eni- fchließungen das Eigeninteresse in den Vordergrund stellt und damit die große Mehrheit der örtlichen Bevölkerung zu schädigen sucht. Da die»n der Resolution vom 19. September 1911 an- geführte Teuerung auch jetzt noch in vollem Umfange besteht, werden der Gemeindevorstand und die Gemeindevertretung noch- mals ersucht, die darin näher bezeichneten Maßnahmen zur Durchführung zu bringen",■'• Tegel. Die Humboldtmühle, die vor einigen Wochen durch Großfeuer zur Ruine wurde, wird jetzt abgerissen. Auch die beiden Ober- geschosse des neuen SiloanbaueS werden jetzt von den durch die Hitze des Feuermeers unbrauchbar gewordenen Maschinenteilen, Aufzügen, Wellen, Trägern geräumt, da sich eine Erneuerung der Fußböden und Decken als notwendig herausgestellt hat. Berliner Althändler halten dabei reiche Ernte; denn die Verwaltung ist froh, wenn ihr der Kram abgeholt wird. Die Vorarbeiten für den noch in diesem Herbst in Angriff zu nehmenden Neubau sind bereits im Gange. Drewitz(Potsdam). Der hiesige Arbeiter-Radfahrerverein hatte zu einem Sommer- fest am Sonntag, den 4. August, nach dem Lokal„Zur freien Ans- ficht" am Bahnhof eingeladen und alle Vorbereitungen getroffen. Da der Wirt plötzlich wegzog, wurde dem Verein das Lokal ent- zogen. Wenn man etwa annimmt, damit die Abhaltung des Arbeiterfestes unmöglich zu matben, so irrt man sich gewaltig. Dieses findet nunmehr am Sonntag inNowawes in den„Deutschen Festsälen", Friedrich- und Wilhelmstraßen-Ecke. statt und werden alle Jntereffenten besonders darauf hingewiesen. Dabendorf bei Zossen. In der letzten Gemeindevertreterfitzung wurde zunächst die Ab- rechnung vom Jahre 1911 vorgelegt. Die Gesamteinnahmen be- trugen 42 694,40 M.. denen an Ausgaben 40 666,83 M. entgegen- standen; von dem übrig bleibenden Betrag wurden bis zur Rechnungs- legung 1492,14 M. verbraucht, so daß ein Barbestand von 446,33 M. vorhanden ist.— In die Boreinschätzungskommission wurde u. a. Genosse Lau gewählt.— Die vorgelegte Zeichnung für den Bau eines Spritzenhauses, das Raum zur Unterbringung von vier Fahr» zeugen gewähren soll, wurde gutgeheißen. Als Entschädigung für die KasienprüfungSkommijsion forderte der Gemeindevorsteher jährlich 40 M. Nach lebhafter Debatte, an der sich besonders Genosse Lau beteiligte, wurde dieser Antrag abgelehnt und ein Antrag Lau, bis zur nächsten Sitzung eine Kommission in Vorschlag zu bringen, die das Amt ohne Entschädigung ausübt, mit 7 gegen 4 Stimmen an- genommen.— Bei Beratung der Kirchenangelegenheiten stellte es sich heraus, daß von dem im Frühjahr 1911' erbauten Pfarrhaus in Zossen trotz mehrmaliger Aufforderung noch keine Abrechnung erfolgt ist. Da die Gemeinde Dabendorf dort noch ein Guthaben besitzt. stellte unser Genosse den Antrag, jegliche Zahlung an die Kirchen- gemeinde Zossen so lange einzustellen, bis die Abrechnung erfolgt ist. Dieser Antrag wurde mit 6 gegen 6 Stimmen angenommen. Jngendveranstaltungea. Tempelhof-Mariendorf. Sonntag, den 4. August: Besuch der Arbeitcr-Wohlsahrts-AuSstellung zu Charlotten- bürg. TrcsspunN'/.l— 1 Uhr, Hochbahnhallestelle Hallesches Tor,'lt2 Uhr Knie. Eintritt frei. Fahrgeld 30 Pf. � Arbetterjngend Steglitz-Friedenan. Sonntag, den 4. August: Tagesausslug nach Finlenlrug-Brieselang. Treffpunkt>1,7 Uhr morgens Bahnhof Steglitz. Abfahrt vom Lehrter Bahnhof 8.09 Uhr. Fahr- acld 1 M. Jeder Teilnehmer versehe sich mit genügend Proviant(Getränke). Licderhücher nicht vergessen! Jeden Dienstag, Mittwoch und Freitag finden von fl,7—'/,10 Uhr aus den„Rauhen Bergen"(Bismarckslraße) Spiele statt. Spielmaterial ist reichlich vorhanden. Die hiesige Arbeiterschast wird ersucht, ihre schul- enttassenen Töchter und Söhne zum Beiuche unlerer Veranstaltungen cm- zuhatten. Der Zentral-Kranken-UnterstützuuaSvereln der Schmiede und verwandten Gewerbe errichtet in Reinickendorf-Ott eine Zahlstelle. Der Zahlabcnd findet erstmalig am Montag, den 5. August, abends von 8 bis 9 Uhr und später zweimal monatlich und zwar an den Montagen nachdem 1. und 16. des Monats im Restaurant Hirjch, Amend- straße 83, statt._ Eingegangene Druckschriften. „Der Kampf". Sozialdemokratische Monatsfchrist, Wien, Jahrg. V. Otto Bauer: Der böhmische Ausgleich. Karl Marx: Oesterreichs Bankerotts. Adols Braun: Die Bevölkerung Oesterreichs. I. Mcerseld(Köln): Päpst- liche Gewerkschaften. S. Olow: Deutsche und Letten in den baltischen Provinzen.— Ferdinand Reinhold: Ein Massensport.— Franz Diedrich (Dresden): Weltsahrerlyrik. Handbuch für Heer und Flotte. Herausgegeben von G. v. Alten. 43. Liejer. 2 M.— Bong u. Co., Berlin W. 57. Lriekkalten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Linden st raste 69, vorn trftt Treppen — Fahrstuhl—, wochcntäglich von 4V4 bis 7>4 Uhr abends, Sonnabends» von 4>,4 bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Brieflasten bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merlzeichcn beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht rriellt. Anfragen, denen keine Abonnemcntsquitiung beigefügt ist» werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Oesterreicher 45. 1. Ja. 2. Das kann nur von sämtlichen Erben verlangt werden.— Hilfskasse. Wir empfehlen Kassen nicht.— Schuh- macher. Das ist anfechtbar.— 100. Elbing Falls er noch nicht rechtskrästtg verurteilt ist, braucht er nicht zu zahlen.— O. R. SS. Ja. — GlückSburg SV. Nein.— M. B. IS. Die Vereinbarung ist nichtig. Wenden Sie fich an das Kausmannsgericht, Zimmcrstraße 88.— St. B. I. W. t. Ja.— H. M. Die Gebühr ist für drei Jahre im voraus zu zahlen. Ob jährliche Zahlung genehmigt wird, ist uns nicht be- kannt.— F. R. 22. 1. Ja. 2. Der Vertrag ist gültig, die Kündigung demnach zu spät erfolgt,— St. SSV. Sie brauchen den Vertrag nicht herauszugeben und tonnten nach Lage der Sache andere Belckästigung an- nehmen.— Krause» Neukölln. Sie dürfen die Wohnung nur mit Ge- nehmigung des anderen Mieters beziehen.— S. 1VV. 50 M., kann aber aus 5 M. ermäßigt werden.— E. Z. 7. 1. Ja. 2. und 3. Nein.— ISO C. Sie brauchen nicht zu bezahlen.— A. H. S17. Die Mutter kann das Urteil aus sich als Erbin bei Gericht umschreiben lassen und dann von neuem Vollstreckung versuchen.— W. S. lOÖ. Ihr Mann kann Sie nicht zum Arbeiten zwingen. Sie können event. im Klagewege Unterhalt fordern. Sie brauchen mit der Weggabe des Kindes nicht einverstanden zu sein.— E. M. O. Die BerusungSpflicht beträgt eine Woche und be- ginnt mit der Verkündung des Urteils, waren Sie bei Verkündung deS Urteils nicht zugegen, beginnt die Frist mit Zustellung des Urteils.— — H. I. Ivv. Der Verschollene muß erst sur tot erklärt werden. Die Todeserklärung ist zulässig, wenn fett 10 Jahren keine Nachricht von dem Leben des Verschollenen eingegangen ist und erfolgt durch das Gericht.— H. B. 24. Sie werden kaum etwas erreichen. Nach der Reichsversichc- rungSordnung erhalten Sie nur Witwengeld, wenn Sie ebenfalls geklebt haben und zwar, wenn aus Grund der Versicherungspflicht mindestens 200 Beiträge geleistet worden sind, davon 100 als versicherungspflichtig.— F. B. 50. Aus welchem Grunde wird Vorlegung der Quittung verlangt? Eine Verpflichtung hierzu besteht sonst nicht.— M. F. G. 25. Die Firma ist zur Ausbesserung nicht verpflichtet.— W 27. Auslandspaß. Erkundigen Sie sich beim Amerikanischen Konsulat Hierselbst Friedrichstraße» Ecke Kronenstraße.— Pflegekind 1. Zurzeit werden 25—30 M. pro Monat gezahlt, cventl. muß die Mutter zuzahlen. Aus das Kind haben Sie kein Anrecht, darüber bestimmt der Vormund.— P. H. Sie brauchen das Rad nicht herauszugeben.— G. D. 75. Die Firma hat Anspruch aus Abnahme der Ware.— F. G. 1. 1 und 2. Ja. Ob Sie ausgenommen werden, ist eine andere Frage.— S. W. 2Z. 1. Der Mieter ist ver» pflichtet, die Miete zu hinterlegen. 2. Das kann der Hauswirt verbleien. — A. H. 20. Sie sind nur eriatzpflichttg, wenn der Mangel bei der An- probe nicht erkennbar war. R. W. 38. 1. Durch Erwerbung der preußischen StaalSzugehörigkeit. Antrag beim Polizeipräsidium. 2. bis 4. Nein.— Klünder. Fennftr. Möglich. Falls dem Antrage stattgegeben wird: 160 M. Der Betrag kann bei Bedürsliaieit bis aus 6 M. ermäßigt werden.— W. R. 4. 1 Mark. A. B. 108. Dem Schutzmann gegenüber waren Sie nicht verpflichtet, den Namen anzugeben.— F. Sch. 28. Nein.— M. D. 28. Die Kasse kann Ihnen unter Umständen das Krankengeld entziehen.— Fruchtstraiie 1<>. 1. und 2. Das richtet sich nach den Statuten. 3. Die Hebamme braucht deshalb nicht ihre Hilfe versagen. 4. Ja, die Tochter kann ihre Auslagen aus dem Erlös vorweg fordern.— F. S. SO. 1. Sie brauchen das Kind nicht zu holen. 2. Nein.— Zlbonent 223. Leider ja.— F. R. 72. Sie können Abänderung des Zeugnisses verlangen.— R. P. 07. Sie brauchen nicht zu zahle».— O. G. 43. Wenden Sie sich unter Ucbcr» reichung einer Stcrbeurkunde an das Amtsgericht und beantragen Sie Ein« leitung des Nachlaßvcrsabrens.— W. K. 10. Das monatlich gemietete Gefinde muß am letzten Tage deS vorausgegangenen Monats, das viertel- jährlich gemietete am 2. Tage des neuen Monats zuziehen.— K. M. 300. Voraussetzung ist körperliche und geistige Bcsähigung, insbesondere KcimtniS des Lesens und Schreibens, ferner Zuverlässigkeit und unbescholtener Beruf, insbesondere dürfen die Bewerberinnen nicht außerchiich geboren haben, endlich ein Alter zwischen 20 und 30 Jahren. In letzteren Fällen ist Dis- pensation zulässig. Die körperliche und geistige Fähigkeit ist durch Attest des Kreisarztes nachzuweisen, die übrigen Ersordemisse durch Bescheiniguna der Polizei. Das Atter durch Geburtsschein. Es gibt evtl kostenfreie Aus- bilduiig. Diese Schülerinnen sind verpflichtet, eine ihnen angewiesene Stelle als Bezirkshebammc mindestens 3 Jahre zu verwalten. Der Kursus dauert mindestens 6 Monate. Anträge sind an den Polizeipräsidenten oder Regie» rungspräfidenten zu richten. Die Parteizugehörigkeit sollte keine Rolle spielen.— K. A. 15. 1. Ja. 2. Mit dem 17. Lebensjahr. 3. Bei dem Bezirks« kommando des Wohnorts oder direkt bei der Unlerosfizierschuie. 4. Soweit bekannt: nein.— A. 10. Ja.— Paulchen 333. 1. Wissenschaftliche Befähigung, die durch ein Besähigungszeugnis darzulegen ist. 2. Ja. bis zum Hauptmann.— C. T. 10. 1. Ja. 2. Zu gewerblichen Zwecken ja. — E. H. 18. 1. iL 2. Bei dem deutschen Konsulat deS AusenthaitSorts. 3. Ja, sofern Bedürftigkeit im Sinne deS Gesetzes vorliegt. 4. Stille Ozean.— H. F. Ihre Angaben reichen nicht aus. Kommen Sie in die Sprechstunde.— K. P. 25. DaS zweckmäßigste ist. Sie beschasten sich eine Bescheinigung vom deutschen Konsulat.— P. 04. 1. Polizei- Präsidium. 2. Wenn es sich um eine handwerksmäßig betriebene Werkslclle handelt, wird sich leider nichts wn lassen.— N. Schön 15. 1. Bezirks- kommando oder direkt an die Schule. 2. Kostenlos. Es sind jedoch zwei Hemden, ausreichendes Schuhzeug und 6 M. bares Geld mitzubruiaeu. Alter: 1? Jahre. WitternngSüberstcht vom 2. August 1S12. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Franks.a.M München Wien ü s i e Ii 7SKSSW 756 SO 756Nffi 75KSW 757, W 75S!Still Setter 1 Regen 2 bedeckt llbedcckt liRcgen 3Regcn Dollig uss »II w5> Stationen _ C S- ß- Haparanda Petersburg Scilly Aberdeen Paris i £5 SS S 759 SW 763SO 757 NW 755 WNW 758 Still Setter t- 2 Regen 1 wölken! 4>halb bd. 3 heiter iwolleni 16 19 12 8 14 'Wetterprognose für Sonnabend» den 3. August lgl2. Ziemlich kühl, zeitweise ausllarend. vorherrschend wollig mit leichte« Regenjällen und mäßigen westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. ».»....... WasserstaudS-Nachrichten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau Wasserstand Memel, Tilsit Pregel, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Raiibor , Krassen , Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe» Leilmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlltz Havel. Spandau') , Rathenow') Spree, Spremberg') . Beeskow Weser, Münden Minden Rhein, MaximilianSau „ Kaub , Köln Neckar, Heilbronn Main, Hanau Mosel, Trier am 1.8. om 48 10 —2 68 78 92 165 476 237 210 65 110 seit 31.7. ein1) —2 0 +1E +1 0 +5 +2 —3 —6 —9 +3 +2 «)+ bedeutet Wuchs.— Fall.—■) Unierpegel.—») Am 2. früh Wasserstand 306 ein, weiter fallend.*) Höchster Wasserstand am 1. um 3 Uhr morgenS: 131 em._ Lerqntwortlicher SltiutUuc; Ulbert Wachs. Merlin. Lür Pen Lnjeratentetl verantw.t Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag; Vorwärt» Büchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Versi» SW.