Kr. 181. Ndonnements-KecklWilzeN: Abonnements• Preis bränumerando! Bicrteljährl. 3£0 SKf., monofl. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Rümmer 5 Psg, Sonntags- Nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Weit' 10 Psg, Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post.Zeitungs. Preisliste, Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland L Mark pro Monat. PoslabonnemenIS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. Wlid anBtr montags. 29. Jahrg. � G, Verlinev Volksblakk. vle snsettlonz-Lebllhr beträgt für die scchsgcspaltcne Kolonel- zcilc oder deren Raum 00 Pfg„ für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammlungs-Anzeigen SO Psg, „Kleine Snreigen", das fettgedruckte Wort 20 Psg,(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafftcllenan- zeigen das erste Wort 10 Psg,, jedes weitere Wort b Psg, Worte über IL Buch- ! laben zählen für zwei Worte, Inserate ür die nächste Nummer müssen bis .. Uhr nachmittags in der Expeditton abgegeben werden. Die Expeditisn ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „SozIaliKmolint BerllBu. Zentralorgan der fozialdemokratilcben Partei Dcutfchlanda. Rcdahtion: 8Äl. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moripplatz, Nr. 1983. Dienstag, den 6. August 191Ä. Expedition: 8M. 68» lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morihplatz, Nr. 1984. mmmmatumMmmaaBammmBamamKamMBmmamtmmammMa Die tiiMchen Klirren. Konstantinopel, 5. Anglist, 2 Uhr 85 Min. nachmittags. I» Gegenwart von 11 Deputierten und 6 Senatoren verlas der Großwcsir in der Deputierten kammcr und im Senat das Dekret, wodurch die Kammer, deren Mandat auf Grund der gestrigen Beschllisie des Senats abgelaufen sei, aufgelöst wird. Auf Vorschlag Dschawid Paschas sprach die Kammer der Regierung ihr Mißtrauen aus und vertagte sich dann auf unbestimmte Zeit. Montag nachmittag ist der Niedergang der jungtürkischen Partei besiegelt worden; die neue Regierung hat die Kammer, deren jungtürkische Majorität die letzte Machtposition der Männer war, die im Jahre 1908 die Revolution gegen das Regiment Abdul Hamils durchführten. Das neue Kabinett hat sich unter Beihilfe des Senats eine auf sehr schlvachen Füßen stehcsttde formelle Berechtigung angemaßt, um dem Parlament das Lebenslicht auszublasen. In Wirklichkeit handelt es sich um nicht mehr oder welliger als einen Staats- streich. Aber in Situationen und Kämpfen, wie sie sich in der Türkei abspielen, entscheiden die Machtverhältnisse und nicht das formelle Recht. Die Schwierigkeiten des neuen Kabinetts sind mit der Kammerauflösung noch nicht aus der Welt geschafft. Der Zwist im Offizierskorps und die Forderungen der Albaner werden die Regierung noch vor schlvcre Entscheidungen stellen. Ucber die Situation, die der Kammerauflösung voraus- ging, und über die Strömungen im Offizierskorps schreibt uns Genosse P a r v u S aus K 0 n st a n t i n 0 p e l: Alle Versuche, trotz dem Sturz des unionistischen Ministe riums, das aus den unionistischen Wahlen hervorgegangene Parlament zu halten, bleiben fruchtlos. Das Parlament wird aufgelöst werden. In erster Linie sind es die A l b a n e s e u, die darauf bestehen und deren Willen man sich fügen muß. Das Parlament selbst zeigte zwar nicht übel Lust, sich der neuen Regierung zu fügen. So antwortete es auf die pro- grammatische Erklärung der Regierung, die ein offener An- griff auf das Komitee ivar und unumwunden das Ziel ver- folgte, ein Mißtrauensvotum zu provozieren, mit einem Ver- trauensvotum, dem allerdings eine Anzahl Stimmen zur absoluten Majorität fehlten. Allein, ohne Macht und ohne Autorität, konnte dieses Parlament der Regierung nur zum beschwerlichen Ballast werden. Die Frage war auch von vorn- herein nur, ob man die Auflösung, folglich die Neuwahlen bis auf eine etwas ruhigere Zeit aufschieben sollte,— aber die Ungeduld der Albanesen und das Drängen der Offiziers» Uga gaben den Ausschlag. Die Offiziersliga tritt jetzt als die politische Ver- tretung der Armee auf. Tie Armee— das ist hier das Offi- zierskorps. Man würde sich aber täuschen, wenn man glauben wollte, das gesamte Offizierskorps stehe hinter der Liga. Wie ich wiederholt hervorgehoben habe, hatte die Gewaltherrschaft des Komitees eine allgemeine Unzufriedenheit geschaffen, die auch das Offizierskorps ergriff. Zwischen dieser allgemeinen Unzufriedenheit und einer allgemeinen Organisation der Ossi- ziere liegt aber noch ein weiter Zwischenraum. Die Regie- rung wurde von den Albanesen und den revoltierenden Offi- zieren angegriffen: da es sich darauf zeigte, daß sie infolge der allgemeinen Unzufriedenheit auf die Armee sich nicht mehr stützen konnte, mußte sie weichen. Die Regierung einmal ge- stürzt, machte» sich die unzufriedenen Elemente breit, und da erst bildete sich die Offiziersliga. Sie umfaßt einen bedeuten- den Teil der Offiziere, aber allem Anschein nach noch lange Nicht die Majorität. Und schon setzte eine Gegenbewegung ein. Die Einiokeit konnte nur in einein Punkt bestehen: in der Notwendigkeit, die Tyrannei der Komitecleute zu stürzen — ähnlich wie beim Sturz Abdul Haniids. Darum dauerte sie auch nur einen Augenblick— den Augenblick des Sturzes. Jetzt kommt die Entspannung der Gemüter, die sich in einem gemeinsamen Wunsch zusammenfanden, und der Gegensatz der Interessen und Meinungen beginnt wieder ihr rcgel- loses Spiel. Neben den allgemeinen politischen Momenten waren es noch besondere Momente, die die Unzufriedenheit der Offiziers- kreise hervorriefen. Da war die Tatsache, daß mit der Revo- lution eine Anzahl Offiziere in hervorragende administrative Stellungen aufrückte, während die große Zahl beim Kasernen- dienst verblieb. Da tvar der Unterschied zwischen dem Dienst in der Provinz und dem Leben in der Hauptstadt— eine ewige Quelle der Verdrossenheit der Offiziere in der Provinz, die aus natürlichen Gründen die große Mehrzahl bilden. Viel böses Blut hat serner die Ausgang der Kärnpfe im I e m e n (Arabien) gemacht. Diese Fcldzüge in der Wüste sind schreck- lich: man hat ausgerechnet, das ü0 Proz. der Leute dabei verloren gehen, und wer zurückkehrt, ist meistens körperlich und moralisch gebrochen. Nun sagte man sich, daß, um einen Vertrag zu schließen, wie jenen, der mit dem Jmam Jahia zustandegebracht wurde, man nicht erst den Stieg im Jemen zu führen brauchte. Das hätte man ohne Krieg billiger haben können. Man machte für diesen Krieg ganz besonders den früheren Minister des Innern T a l a a t B e y verantwortlich. Ich erinnere nebenbei daran, daß der für die Türkei nach- teilige Friedensschluß im Jemen durch den Ausbruch des ita lienischen Kreises sufgenötigt wurde. Schließlich, wenn auch « die Situation in Tripolitanien und Benghazi noch immer für die Türkei günstig ist, so läßt sich doch noch in keiner Weise absehen, wann und wie dieser Krieg mit Italien zu Ende ge> führt werden wird, und auch das förderte die Mißstimmung der Offizierskreise. Es ist klar, daß mit dem Sturz der unionistischen Re gierung diese besondern Ursachen der Gärung in den Offi zierskreisen nicht beseitigt worden sind. Nur ist jetzt für die Unzufriedenheit ein neuer Blitzableiter geschaffen wordrn Das ist eben die neue Negierung. Man hat zur Bildung des neuen Kabinetts alle Autori täten zusantmengesucht, die man überhaupt auftreiben konnte. Da aber diese Autoritäten sich unter dem alten Regime ge bildet hatten, sind sie alle mehr oder weniger anrüchig. Die Hoffnung, die man auf das neue Kabinett setzt, ist deshalb mit starkem Mißtrauen gepaart. Dieses Mißtrauen wird noch dadurch gefördert, daß die Regierung der alten Staatsmänner in der Armee wie in den Verwaltungszweigen sich mit ihrer Anhängerschaft umgibt, die natürlich ebenfalls aus der Zeit des alten Regimes stammt. Auch der Vorschlag der a l l g e meinen politischen Amnestie, die den verbannten reaktionären Machthabern, die zur Durchführung ihrer Im trigen noch immer über gewaltige Reichtümer verfügen, den Weg in die Hauptstadt öffnen würde, erhöht den Argwohn._ Diese Stimmung, die zweifellos im Wachsen ist, ist für die jungtürkischen Elemente günstig, und die Organisation „Einheit und Fortschritt" könnte unbedingt wieder an Ein fluß gewinnen, wenn sie sich vom Jakobinismus frei hält, der ihren Sturz bedingte. Die Stimmung ist innerhalb dieser Organisation im gegebenen Augenblick sehr konfus. Man be kommt die wunderlichsten Dinge zu hören, wie z. B., daß sich aus der Mitte der Organisation Verschwörungen bilden, um durch terroristische Akte die Scksicksale des Landes zu lenken. Das Programm der Regierung ist in bezug auf. die durchzuführenden Reformen so nichtssagend wie nur mögliche zeigt aber den festen Entschluß, die Komiteeleute aus allen Stellungen zu verdrängen. Bezeichnend ist der kurze Passus über die auswärtige Politik, der besagt, daß die Regierung die Politik, wie sie gleich nach der Revolution, gegen Ende des Jahres 1325, das heißt 1998, verfolgt wurde, wieder aufnehmen werde. Also, weder das, was früher, in den letzten Jahren unter Abdul Hamid war, noch was 1999 und später nachfolgte. Das bedeutet:AbrUckenvonDeutschland und AnschlußanEngland. Vor und nach der Kammerauflösung. Konstantinopel, 4. August. In einer heute von der Regierung einberufenen außerordentlichen Sitzung des Senats, die geheim war und zehn Stunden dauerte, wurde beschlossen, einige Artikel der Verfassung in der Weise auszulegen, daß die Legislaturperiode der Kammer als geschlossen anzusehen sei. Der Beschluß des Senats wurde mit 23 gegen 5 Stimmen ge faßt. Dagegen stimmten die Senatoren Achmed Riza, der gewesene Scheich ul Islam Mausa Kiasim, der Wallache Bassaria, der Bul- gare Tilcoff und General Husni, alle Mitglieder der Union für Einheit und Fortschritt. Der ehemalige Kriegsminister Mahmud Schewket Pascha enthielt sich der Abstimmung. Der Beschluß des Senats beruht hauptsächlich auf dem Artikel 43 der Verfassung, der nach einem Antrag des Kabinetts Said in der Richtung abgeändert werden sollte, daß infolge einer Auflösung die neue Kammer sich zu einer außerordentlichen Session zu ver- sammeln habe, die zwei Monate dauern soll. Dies« von der Kammcr angenommene Abänderung ist bisher vom Senat nicht er- lcbigt worden. Heute wurde sie von ihm in dringlichem Wege in Verhandlung gezogen und der gemeldete Beschluß gefaßt. Spät abends nach der Abstimmung im Senat traten die Minister zu einer Beratung zusammen und bereiteten einen Bc- richt vor., den sie im Palast dem Sultan überreichten. Der Beschluß des Senats wurde vom Sultan sofort sanktioniert. Konstantinopel, 5. August, 19 Uhr 39 Min. vorm. Kammer. Sofort nach Eröffnung der Kammer ergriff Dschawid Pascha das Wort und hielt eine heftige Rede gegen die Regierung, die tyrannisch sei. Er erklärte, die Abgeordneten würden jeder Drohung gegenüber Widerstand leisten. Der Text des Dekretes über die Schließung der Kammer, das in der Kammer wie im Senat in Gegenwart von elf Deputierten und sechs Senatoren durch den Großwesir verlesen wurde, lautet: Wegen der zwischen dem früheren Kabinett Said Pascha und der früheren Kammer entstandenen Differenzen über eine Abänderung der Verfasiung ist die alte Kammer aufgelöst und die neugewählte Kammer am 18. April einberufen kvorden. Nach einem Beschlüsse des Senats ist die neue Kammer ausschließlich dazu bestimmt gewesen, sich als Schiedsrichter über den Streit- Punkt, den der Artikel 35 der Verfassung bildet, auszusprechen. Nachdem diese Aufgabe erfüllt worden ist, muß das Parlament geschlossen und Neuwahlen müssen ausgeschrieben werden. Nach- dem dieser Beschluß verlesen worden ist, ordnen wir Schließung des Parlaments und Neuwahlen gemäß der Verfassung an. (gez.): Mehmed Reschad. Für die Verlesung des Schließungsdekrets hatte die Regie- rung umfassende Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Kavallerie und Infanterie waren am Tophaneplatze auf- tätig, die sich immer wieder vor dem Parlamentsgebäude ansam- melnde Menge zu zerstreuen. Konstantinopel, 5. August. In der Stadt herrschte bis jetzt voll- ständige Ruhe. Der Kriegsminister hat weitgehende Maß- nahmen ergriffen, um jeden Versuch von Ruhestörungen zu unterdrücken. Starke Kavallerie, und I n f a n te r i e- pa t r 0 u i l len ziehen durch die Stadt, auch nach Stambul ist Kavallerie geschickt worden. Der Klub des Zentralkomitees wird seit der Verlesung des Schließungsdekrets streng überwacht. Bon einer privaten Versammlung der Deputierten ist nichts bekannt, doch sind Gerüchte im Umlauf, die Deputierten wollten in einer Stadt der Provinz eine Versammlung abhalten. Das würde in Smyrna, Saloniki und Adrianopel unmöglich sein, deren Garni» sonen sich offen gegen das Komitee erklärt haben. Der Komman- dant der Truppen in Smyrna, Abdullah Pascha, hat gestern abend ein Telegramm an die Regierung gesandt, worin er erklärt, wenn die Kammer nicht binnen 48 Stunden aufgelöst würde, würden Truppen gegen Konstantinopel marschieren.— Der Torpedo- bootszer störer„Nemune-i-Hamieh ist heute morgen von den Dardanellen hier eingetroffen und hat vor der Kammer Anker geworfen. Es heißt, daß alle Offiziere und die Mannschaften der Flotte für die Offiziersliga seien.— Der Großwesir hat die Herausgeber der Zeitungen aufgefordert, der Bevölkerung zu raten, Ruhe zu bewahren. Es geht das Gerücht, daß bei der geringsten Ruhestörung für 48 Stunden ein verschärfter Belagerungszustand verkündet werden solle. Die letzten Verzweiflungskämpfe der Kammermehrheit. Konstantinopel, 5. August. Nach der Abstimmung der Kammer entstand ein unbeschreiblicher Wirrwarr. Einige Albanesen fühlten sich durch Worte von Jungtürken beleidigt und wollten sich auf diese stürzen. Es entstand ein Handgemenge. Der Depu- tierte Rahmi zog seinen Revolver, schoß aber nicht. Das Durch- einander dauerte einige Minuten, dann wurde die Ruhe wieder- hergestellt. Der Präsident wiederholte den Beschluß der Kammer und erklärte, die Verhandlungen seien auf unbe» stimmte Zeit vertagt. Der Präsident der Deputierkenkammer erklärte, er habe die Mitteilung der Regierung, in der die Verlesung des Dekrets betreffend den Schluß der Tagung angekündigt wurde, erst nach der heutigen Sitzung der Kammer erhalten. Der Präsident hat dem Kabinett den Beschluß der Kammer, sich zu vertagen, be- reitS mitgeteilt und sich zum Sultan begeben, um ihm das Tadels- Votum gegen das Ministerium bekannt zu geben. Der Sultan hat es abgelehnt, den Präsidenten der Kammer zu empfangen. Die Deputierten richteten darauf eine Depesche an den Sultan, in welcher sie ihm von dem Beschlüsse der Kammer Mitteilung machten. Auch die Depesche wies der Sultan zurück. Die Regierung betrachtet den Beschluß der Kammer als ungültig, denn der Großwesir habe dem Präsidenten der Kammer gestern abend die Entschließung des Senats mitgeteilt. Die Bewegung im Offizierkorps. Konstantinopcl, 4. August. Etwa 299 komiteefreund- liche Offiziere versammelten sich am Nachmittag auf dem Freiheitshügel zu einer KundgebunggegendieLiga. Die auf dem Freiheitshügel versammelten ligafeindlichen Offi- ziere haben folgende Erklärung unterzeichnet, die dem Kriegs- minister heute unterbreitet werden soll:„Wir Endesunterzeichneten sind vollkommen darin einig, daß Offiziere weder an'politischen Komitees noch an anderen Vereinigungen mit politischen Zwecken teilnehmen dürfen, noch sich überhaupt mit Fragen der Politik, die außerhalb ihrer militärischen Pflichten liegen, beschäftigen und sich in Regierungsangelegenhciten und die Grundrechte der Nation ein- mischen dürfen. Wir werden alle Beschlüsse und Maßregeln zur Ausführung bringen, die zur Sicherung der gesetzlichen Ordnung und der Unparteilichkeit der Armee getroffen worden sind und in Zukunft getroffen werden." Die jungtürkischen Offiziere, die an der gestrigen Versamm- lung teilgenommen haben, werden einzeln nacheinander ver- haftet; bisher sind 20 Verhaftungen erfolgt. Ten aus jungtürkischer Quelle stammenden Gerüchten, daß sich die Offiziere in Saloniki telegraphisch gegen die Auflösung'der Kammer ausgesprochen hätten, setzt der Kriegs minister ein ormclles Dementi entgegen und erklärt, von allen Korps und aus Albanien feien Depeschen eingelaufen, in denen darum gebeten werde, die Auflösung der Kammer zu beschleunigen. Konstantinopel, 5. August. Der Anführer der Meuterer von Mona st ir, Fahiav Bey, hat an den Sultan und den Groß- wesir ein Telegramm gerichtet, in dem er seine Befriedigung über den Sturz des jungtürkischen Kabinetts ausdrückt, die Auflösung der Kammer als unerläßlich bezeichnet und darum bittet, seine Verfolgung einzustellen. Er versichert, daß auch ev bis zu der Auf- lösung der Kammcr nichts unternehmen werde. Die Vorgänge in Albanien. Konstantinopel, 4. August. Die Südalbanesen sind bereits eit einer Woche in F i e r i versammelt. Nach Mitteilungen von albancsischen Deputierten verlangen sie nicht die Auflösung der Kammer, sondern stellen Forderungen, welche auf die Erlan- ung einer Art Autonomie hinzielen. Konstantinopel, 5. August. Der Gendarmeriekommandant von Kumanowo hat sich, wie von zuständiger Seite bestätigt wird. mit 16 Gendarmen den aufitändifchen Albanesen angeschlossen. Weiter haben sich ihnen 162 Mann des Gcndarmcricbataillons in Prizvent angeschlossen. Die Besatzung der Ortschaft Kaliadodes bei Ljuma hat kapituliert, ist nach Gostivar geführt und dort entlassen marschiert. Polizeimannschafte» warea Unausgesetzt z worden. Nie Lage in der Stadt P.rizrgnt erscheint bedrohlich. Nn 31. Juli zogen btertuinbcrt zum Teil bewaffnete Manesen aus Ljuma in die- Stadt ein. Nuhestörungen fwexden' dörf befttrchket. Infolge einer Meuterei unter de.r.Ga r tri s o rt Mi t r o- w i tza wurden K90 Reseruisten entlafsen. In Mitrowitza. zogen Sogt) Albanefen aus verschiedenen Städten Nordalbaniens ein. Der ' Kommandant der türkischen Truppen in /Seltsche, Leutnant Ferhad, ist nach Montenegro geflüchtet. Sal»»riki, 5. August. Unter einem Lastzug platzte in der Nähe � von Nröpülü eine Bombe auf dem> Bahndamm. Es wurden - mshrere Zugbeamte verletzt. Es wird vermutet, daß der Anschlag von dem mazedonischen revolutionären Komitee her- rührt. Kämpfe an der montenegrinischen Grenze.- Konstantinopel, 4. August. Wie die Blätter melden, griffen Montenegriner und Malissoren Seltsche und Moikovatz an Und zerstörten die WachttürMe bei' diesen Ortschaften.' Die Türken entsandten dorthin Verstärkungen. Cetinje, 4. August. Ueber die. Kämpfe an der montenegrinisch- türkischen Grenze wird amtlich gemeldet: Gestern abend kam es im Gebiete von Kolaschin bei Moikovac zu einem blutigen Grenz- -konflikt. Die Türken hatten von ihrer Kule in einer Entfernung von 200 Meter auf montenegrinischem Gebiet eine Berschanzung errichtet. Trotz wiederholter- Vorstellung' seitens der' monteNegrini- schen Regierung wollten die Türken diese Verschanzungen nicht ent- fernen. Von früh an wurde der Wachtposten der montenegrinischen Grenzwache von den Türken aus � dar. Verschanzung angegriffen. Die Montenegriner erwiderten. Der Kampf, der- sich darauf ent- spann, dauerte bis zur sinkenden Nacht. Die montenegrinische Grenzbedölkerung, die durch die Provokation in höchstem Grade be° stürzt war, eilte zu den Waffen und unterstützte die Grenzwache. Die Verschanzyngen wurden schliestlich entfernt und die Kule dem Erdboden gleichgemacht. Die Verluste der-Montenegriner betragen 40 Tote Und tö Verwundete. Die Türken ließen 00 Tote zurück. Konstontinopel, S. August. Der Mutessarif von Jpek hat sich geweigert, das Kommando über fünf von Jpek gegen die monte- ncgrinische Grenze vorgeschickte Bataillons zu übernehmen. Diese Weigerung ist auf- die unsichere H-altung der.T.r Uppen zurückzuführen.,...... Empfindliche Verlpste der Türken in Arabien. Massaua, 5. August. Die Agen'zm' Stefani gibt zu dem am 27. Juli erfolgten Bombardement des türkischen Lagers und der um dasselbe liegenden befestigten Schanzen b�i Ho d et da folgende Einzelheiten bekannt: Bei der Explosion des Pulvermagazins haben die Türken drei Millionen Patronen und fast die gesamte'Artillcriemunitiön verloren. Sehr zahlreiche Gc- wehre wie auch eine große Pulvermenge verbrannten in dem 'Lager, das durch die Schüsse der Italiener in Brand' gesetzt worden war. Der Gesamtwert dev' vernichteten Punition überschreitet IVi Millionen Frank.' Das Bombardement hat auch auf der iürki- . schen Seite beträchtliche Verluste an Menschenleben verursacht. Bei der Explosion des Pulvermagazins gab es 23 Tote. Die'Zahl der Deserteure ist sehr groß; der drückende Mangel an? Lebeiismitteln � in der Stadt macht die Lage sehr ernst. Wie versichert wird, hat das Hospital, durch das Bombardement keinen Schaden erlitten. politische Phantasie». �--Genosse Paul Hirsch. schreibt..unÄ: Die Diskussion-über den"Vorschlag des iGenossen Ei'sner betr. unserr Taktik bei den nächsten Lgndtägswahlen � droht. Fpxmen czunehwpn..die weder.-der...Sqche, nach« der-Parfei. dienlich.sind.- Schrill* daran ist in erster Linie EiSner.selbst, der anstatt die Argü- mente seiner. Gegner zu entkräften oder zu widerlegen.-in ellen- langen Artikeln nicht nur die von: ihm empfohlene Taktik, sondern sich selbst anpreist und alle die, die eS wagen,' anderer Meinung zu sein, als dumme Kerle und politische Kinder hinstellt. Einen breiten Raum in seinen Artikeln in der„Ehemnitzer Volksstimme" nehmen persönliche Erinnerungen ein, die er selbst als bescheiden, nicht unnütz und nicht unerheblich bezeichnet, die aber in Wirklichkeit- höchst überflüssig und einer-Geschichtsklitterung ver- teufelt ähnlich sind. Eisner sucht den Anschein zu erwecken, als sei er der hauptsächlichste und hervorragendste Vorkämpfer für die Be- teiligung der Partei an den preußischen Landtagswahlen gewesen; er stellt sich vor als den Verfasser der. ersten Parteibroschüre, die sich mit einer besonderen Angelegenheit Preußens, befaßte. Er kann damit nur seine unter dem- Titel„Eine Junkerrcvolte. Drei Wochen preußischer Politik" im Jahre 1S99-erschienene Broschüre Aemeint haben, die den'Kampf gegen die Kanalvorlage schildert und ' die Notwendigkeit betont, daß-die sozialdemokratische Partei„in der wichtigsten taktischen Frage der Gegenwart, der der preußischen Landtagswahlen, endlich und endgültig zu einem- einheitlich binden- den Beschlüsse komme: ohne die eine wirklich erfolgreiche Aktion niemals geschehen wird". Das war, wie gesagt/ 1800. Nun hatte aber, ganz abgesehen dävon, baß im Verlag der Buchhandlung Vor- wärts schon früher eine Reihe Broschüren erschienen waren, die be- stimmte Gebiete der preußischen Politik, z. B. die Arbeiterpolitik ünd das Wahlrecht behandelten, bereits der Parteitag zu Stuttgart - 1308, also ein Jahr vor Erscheinen dev epochemachenden- Eisnerschen Schxift, von der Verfasser freilich selbst versichert, daß niemand sie gelesen hat, den Parteigenossen der einzelnen Wahlkreise die Entscheidung über die Beteiligung an den Wahlen überlassen ünd für den Fall der Beteiligung bestimmte Normen aufgestellt. Wie Eisner Unter solchen Umständen behaupten kann,„Preußen war damals für die Partei durchaus unerheblich, und wer es für erheblich erachtete, lief Gefahr, an d?n Pranger der Parteiverräter zu geraten", ist schlechterdings unverständlich. Es bleibt nur die Annahme übrig, daß ex zu dieser Art Geschichtsschreibung greift, um seine sonst in der Partei unhekannten Verdienste um das Durchdringen des Ge- . dankens der Wahlbeteiligung in das rechte, oder besser gesagt, in das unrechte Licht zu stellen. Behauptet er doch weiter, daß schließ- lich die Politik der kleinen Gruppe- um ihn befolgt wurde, wobei er ganz vergißt, daß schon lange bevor er seine Dienste der Partei widmete, hervorragende Genossen in führender Stellung für die Wühlbeteiligmig in Wort und Schrift eingetreten sind, oder um ' mit Eisner zu reden, vorzeitig ihre Haut zu. Markte getragen haben. Die geschichtliche Wahrheit völlig auf den Kopf stellt Eisner aber mit seiner Behauptung, daß den Befürwortern der Wahlbeteili- gung nachträglich ein Denkzettel.insofern versetzt sei, als niemand pon denen,„die.durch ihre hartnäckige Preußenpolitik das.Ver- � trauen der Parteigenossen erschütterten,".in deg- preußischen Land- , tag gekommen sei, dafür aber einige,„die bis zum letzten Augen- blick in der Wahlbeteiligung den Untergang der Partei verkündeten". ' So rachsüchiig ünd so' töricht ist�bie sozialdemokrat-ische Partei denn doch nicht. Ihre Stellung zur Wahlbeteiligung spielte bei der Nominatur der Kandidaten gar keine Rolle, und tatsächlich befinden sich sä auch unter' den ersten Genossen, die. iy den preußischen Land- tag einzogen, drei, wenn� nicht. vier, die mindestens ebenso, eifrig ? wie- Eisner, sicher aber weit früher als Eisner die Wahlbeteiligung propagiert haben.■ Soviel über Eisner als Geschichtsschreiber. Nun zu seinem Vorschlag, vost dyn er so eingenommen ist,' haß' ex sich ist'dyst Glgst» ben wiegt, er habe auf die Reaktion eine solche Wirkung ausgeübt, daß das Zentrum schon drauf und dran war, einen Schaukrieg mit den Konservativen und. ein fiktives Liebesverhältnis mit den Liberalen anzufangen, und erst als man erkannte, daß sich die Partei auf einen so tollen Vorschlag nicht einlassen würde, ging man beruhigt zu anderen Dingen über. Ich will Eisner die Freude an seinem Kinde nicht verkümmern, ich will ihm nicht den Wahn rauben, daß schon die bloße Veröffentlichung selbes Vorschlags dem Zentrum blaffe Furcht und Entsetzen eingejagt hat. Protestieren aber muß ich gegen die beleidigende Unterstellung von Eisner, ich hätte, um nur ja nicht den Verdacht innerer'Uebereinstimmung mit ihm zu erregen, die„Mittel allerüblichster Parteipolemik" benutzt, weil ich zwar die Begeisterung der liberalen Presse über seinen Vor- schlag-erwähnt, die Verstörung in der schwarzblauen Presse aber nicht hervorgehoben hätte. Das habe ich aus dem sehr einfachen Gründe nicht getan,' weil ich von dieser angeblichen Verstörung nichts gemerkt habe. Nebenbei irrt Eisner auch,' wenn er meinen Vorschlag als«inen in Wirklichkeit über den. seinigen hinausgehenden be- zeichnet. Wir stimmen darin überein, daß wir da, wo wir die Mög- lichtest haben, aus eigener Kraft Mandatserfolge zu erzielen, wie bisher selbständig vorgehen sollen. Dann aber scheiden sich unsere Wege, denn Eisner will, daß wir in allen anderen Fällen,„schon bei den Urwahlen jeden W ah l m a n n wählen, der nicht blau- und nicht schwarz ist, ob es ein Hansabündler, ob e» ein Freisinniger, selbst ein Nationalliberaler ist". Ich dagegen will von einem Ein- treten für fortschrittliche Volksparteiler nur unter Gewährung ent- -sprechender Gegenleistungen etwas wissen. Eisner hat auf meine Frage unzweideutig erklärt, er wolle nicht nur die Fortschrittler, son- dern auch die Nationalliberalen in den Gegenseitigkeitsvertrag ein- schließen, d. h. die Sozialdemokraten sollten von vornherein ohne Gegenleistung auch für Nationalliberale stimmen. Wenn er meint, ich habe als einzigen Grund für. die Scheidung der Liberalen und der Volksparteiler das liberale Eintreten für die Kreisdrittelyng angeführt, so übersieht er offenbar, daß ich eingehend geschildert habe: wie reaktionär die preußischen Nationalliberalen sind, wie sie in- fast allen Fragen mit den Freikonservativen zusammenstimmen. Vor allem aber bedenkt er nicht, daß die Fortschrittler die Uebertragung des Reichstagswahlrechts auf Preußen verlangen, während die Nationalliberalen entschiedene Gegner des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für Preußen und enragierte Vorkämpfer für ein Pluralwahlrecht sind. Und Ver- tretern dieser Partei sollten wir zu Mandaten verhelfen? Gerade jetzt geht durch die Presse die Nachricht, daß der Wahl? kreisverband Dortmun'd-Hörde der Fortschrittlichen Volkspartei mit Rücksicht auf das Verhalten der westfälischen Nationalliberalen be- schlössen hat,.bei den Organisationen der Fortschrittlichen Volks- Partei dahin zu wirken, daß bei den bevorstehenden Landtagswahlen kein Kandidat unterstützt werde, der in der Frage des preußischen Landtagswahlrechts nicht auf dem Boden der Mindestforderungen der Fortschrittlichen Volkspartei(geheime und direkte Wahl) steht. Es wäre fürwahr ein Schauspiel für. Götter, wollte die Sozial- demokratie nach dem Eisnerschen Rezept Nationalliberalen a la Hirsch-Essen, Haarmann und Genossen ihre Unterstützung leihen, während sich die Fortschrittler von diesen Wahlrechtsfeinden, die nicht einmal für die geheime und direkte Wahl zu haben sind, abwenden. Von einer kaum glaublichen politischen Kurzsichtigkeit zeugt es, wenn Eisner mir gegenüber ausführt, es sei ja möglich, daß es den durch unsere Hilfe ausschlaggebend gewordenen Nationalliberalen gelingen könnte, durch die Kreisdrittelung die paar Sozialdemo- lraten aüs'dem Landtage zu- entfernen, daß sie dann- aber auch kelbex qufhören würden, in der durch uns ermöglichten großen Zahl söicder zu.,.erscheinen.. Mit.änderen Wp.rsen: wir Witten den Nationalliberalen ruhig, diei Mittel geben, unsere. Vertreter aus dem Landtage hinauszubugsieren, ein Versuch schadet ja nichts, wir würden sie dann das nächste Mal nicht wieder unterstützen. Das erinnert an das Wort: Es ist meinem Vater ganz recht, daß ich- mir die Hände erfriere; warum kaust er mir keine Handschuhe? Ja, jä. es ist den Nationalliberalen ganz recht,- daß kein Sozial- demokrat mehr in den Landtag kommt, warum haben sie die Be- zirksdrittelung durchgesetzt? Mit Eisner freilich ist darüber kaum zu reden, denn nach seiner Ansicht kommt es, wie die Dinge in Preußen gegenwärtig liegen, wirklich nicht so sehr darauf an, ob die Sozialdemokratie einige Mandate mehr oder weniger hat, da sie doch unter dem gegenwärtigen Wahlrecht in alle Ewigkeit keine Aussicht hat, eine parlamentarisch ziffernmäßig entscheidende Partei zu werden. In einem Punkte muß ich Eisner beipflichten/nämlich darin, daß sich bei den Liberalen die Tendenz durchsetzt, untereinander bei den Wahlen die Kreise aufzuteilen. So allgemein, wie Eisner meint, trifft das freilich nicht zu, denn es gibt in Preußen Kreise, wo die Nationalliberalen mit der Rechten zusammen gegen die Linke gehen, aber in anderen Kreisen bestehen tatsächlich Abkom- men zwischen den Liberalen der verschiedenen Richtungen. Da muß natürlich die Sozialdemokratie, wenn sie meinem Vorschlage folgt, von Fall zu Fall abwägen, wie sie sich zu verhalten hat. So schwer ist es nicht, hier das Richtige zu finden, zumal da ich ja die bedingungslose Unterstützung der Volksparteiler entschieden be- kämpfe und für das Eintreten der Sozialdemokraten für sie eine Gegenleistung fordere. Es mutz also auch der Gegenköntrahent sein Einverständnis erklären. Ob die Fortschrittler auf den Pakt ein- gehen, ist natürlich ihre Sache. Wenn Eisner endlich seine Taktik mit der der Gewerkschaften vergleicht, die sich häufig um die Erreichung kleiner Erfolge willen in die ungeheuersten wirtschaftlichen Kämpfe und Massen- opfer stürzen, ohne jemals sicher zu wissen, ob sie siegen werden, so hinkt dieser Vergleich. Denn nach dem Vorschlag von Eisner sind die Erfolge nicht auf unserer Seite, sondern auf Seiten unserer Gegner, für die wir die Kastanien aus dem Feuer holen würden, um dann hinterher selbst kaltgestellt zu werden. Das ist eine selbstmörderische Taktik, eine Kur nach dem Rezept des Doktor Eisenbart und hiergegen meine warnende Stimme zu erheben, halte ich für meine Parteigenössische Pflicht. politiscke(leberkickt. Berlin, den 5. August 1912. Wie Erzbischof Mischer bachemitisch tvnrde. Die antibachemitische„Kölner Korrespondenz" widmet dem gestorbenen Kardinal Fischer einen längeren Nachruf, in welchem sie allerlei bisher wenig chefannte Vorfälle aus Fischers Leben ausplaudert. Nach ihrer Versicherung war Fischer, als Weihbischof und Erzbischof von Köln zunächst ein Gegner der um die„Kölner Volkszeitung" gruppierten klerikalen Kligue und ein vertrauter Freund Roerens. Sie erzählt: Bis zum Jahre 1000 gehörte der damalige Abgeordnete Gc- heimrat Noeren zu den Vertrautesten Fischers. Man kann ohne Uebertreibung sagen, daß beide Männer durch enge Freundschaft verbunden waren.- Wenn der Weihbischof unter gewissen Reibereien und sonstigen Menschlichkeiten, von denen auch eine erzbischöfliche Kurie gewiß nicht frei bleibt. schmerzlich zu trafen hattK wrlln er ignoriert und ill die Ecke gedrückt wurde und noch als Kardinal die Nadelstiche von Köln und M.-Gladdach bitter empfand, dann klagte er gern dem Abg. Roeren sein Leid. Wir wollen diese Vorgänge, die einen inter- essanten Einblick in die wahren Gesinnungen und Verhältnisse gewähren, hier nicht weiter erzählen. Aber das können und müssen wir laut sagen: Kardinal Fischer war unter den Gegnern der Kölner Richtung ursprünglich einer der intimsten, und wir glauben, daß er es sein Leben lang geblieben ist. Uebrigens beruhte die scharfe Antipathie zwischen Kardinal Fischer und dem Hause Bachem lange Jahre hindurch auf Gegenseitigkeit, und die Herren der Kölnischen Volkszeitung machten aus ihren Gefühlen gegenüber dem Weihbischof und Kardinal kein Hehl. Sie er- blickten in dem gewiegten Theologen und streng kirchlich gesinnten Manne einen lästigen Kritiker und Aufpasser, der ihnen als Oberhaupt der Erzdiözese äußerst gefährlich werden konnte. Äuch die M.-Gladbacher Richtung, die auf sozialem Gebiete tätig ist und von der politischen Kälnerei unterschieden werden muß, war durchaus nicht nach dem Geschmack des Kardinals, wenn dieser sich späterhin auch mit ihr abgefunden hat. In „M.-Gladbach" erblickte der auf das Autoritütsprinzip streng haltende Kirchenfürst eine präterepiskopale Organisation, deren Entwicklung er mit Besorgnis verfolgte. Die sog. Christlichen Gewerkschaften konnte er anfangs nichts sehen, wie denn auch der preußische Episkopat diese Gewerkschaften durch seine Fuldaer Pastorale vom Jahre 1900 entschieden abgelehnt hatte. Einem unserer Freunde erklärte er kurz nach seiner Erhebung zum Kardinalat, der Geist, der von der„Kölnischen Volkszeitung" und von M.-Gladbach ausgehe, wolle den Einfluß der Kirche aus dem sozialen und politischen Leben bannen und ihn in die Sakristei einschließen— das könne die Kirche sich nicht gefallen lassen» Der Grund, der den Kardinal Fischer bestimmte, die Bachemiten unter seinen Schutz zu' nehmen und sich scharf gegen die Theilnahmer an der bekannten Osterdienstagskonferenz zu wenden, lag denn auch nicht in der Uebereinstimmung Fischers mit den politischen Anschauungen der Besitzer der„Kölnischen Volkszeitung", sondern die bachemitischen Macher wußten dem Kardinal in geschickter Weise die Ansicht beizubringen, die Anhänger der Roerenschen Richtung intrigierten gegen ihn in Rom. Die„Kölner Korrespondenz" weiß darüber zu berichten: „Die Osterkonferenz richtete sich gegen die Bachemschen- Ten- denzen, die gerade in Fischer einen so entschiedenen Gegner gefunden hatten, und ihr Satz: das Zentrum stehe wenigstens �„im Einklang" mit der katholischen Weltanschauung, war so klar und aus ein solches Minimum abgestimmt, daß prinzipiell schlechterdings nichts dagegen gesagt werden konnts. Bei einem so tüchtigen Theologen, wie Fischer es war, konnte man also mit sachlichen Gründen gegen die Osterkonferenz nichts aus- richten, und doch lag alles daran, den einflußreichen und unter Umständen sehr gefährlichen Kardinal für die Kölner Richtung zu gewinnen. Auf dem Wege persönlicher Konnexionen, auf dem die Bachemiten bisher viel erreicht haben, machte man sich an den Kardinal heran und operierte wieder mit den oben angedeuteten Imponderabilien, die im Leben des Kirchen- fürsten eine so große Rolle gespielt haben. Man machte Sr. Eminenz klar, daß die Bewegung Roeren-Bittev sich im Grunde gegen das Ansehen und die Autorität des Erzbischofs richte, stelle doch die Oster- konferenz die verwegene Behauptung auf, in der Erzdiözese 'Köln-sei nicht-alles in Ordnung, dort-hätte sich unter den Augen des Exzbischoss eine gefährlich« Sieligionsmengerei entwickelt,-die bereits die Katholiken des Erzsprengels in ihrer Mehrheit ver. --' feucht habe Und das ganze katholische Deutschland zu verpesten drohe I Dazu kam der Brief über die„Verseuchung des Westens", der gerade ä propos im„Berliner Tageblatt" er-, schien. Als alles das keinen vollen Erfolg hatte, wurde die Ente P-ardini losgelassen. Man brachte dem empfind- lichen Kardina lbei, aus Anregung der Männer um Roeren und Bitter, die nachgerade an allem schuld sind, habe der Papst den römischen Prälaten Pardimi nach Köln geschickt, um die Erzdiözese und ihren Oberhirten auf Modernismus zu untersuchen. Der Effekt war durchschlagend! Fischer zitierte verschiedene Anhänger der Osterkonferenz zu sich, schenkte aber deren Erklärungen keinen Glauben und führte vor seinem Klerus bittere Klage über die - Pardini-Spionage, die nie existiert hat! Wie gut es die„Kölner" durch fortwährende Bearbeitung verstanden haben - den Herrn Erzbischof unter ihren Einfluß zu bringen, geht aus dem letzten Kölner Fastenhirtenbrief vom 14. Januar 1912 hervor. In diesem von der Kölner Richtung als außerordentlich bedeutsam gepriesenen Schreiben erhebt Kardinal Fischer lauten Protest gegen angebliche Verleumdungen und Anschwärzungen der deutschen Katholiken und insonderheit der Katholikep der Erzdiözese Köln. Einer solchen Vorstellung ist sogar der Vatikan entgegengetreten, der in der Note des„Osservatore Romano" vom 23. Februar 1912 erklärte, es sei niemanden eingefallen „die rechte katholische Gesinnung der Gläubigen der Erzdiözese Köln in Zweifel zu ziehen". Man fragt sich in der Tat, wer die Wähnsinnigen sind, die«die große Mehrheit der Katholiken des(deutschen) Vaterlandes... betreffs ihrer Glaubenstreue zu verdächtigen wagten"!—"( Eine recht interessante Enthüllung, die einen tiefen Blick in das genieine Intrigenspiel bietet, das sich gerade in den frommen klerikalen Kreisen so breit macht. Die Erzählung der„Kölner Korrespondenz" ist ein niedliches Gegenstück zu dem Aachener Liebessabbel-Ausruf, den jetzt die Zentrums- presse verbreitet._ Die indirekten Stenern des Bundes der Landwirte. Im redaktionellen Teile der am 3. August erschienenen NumMer des Organs des Bundes der Landwirte erscheint wieder eine riesengroße„technische Bekanntmachung", welche die Land- loirte auffordert, schon jetzt Kalisalze zu bestellen. Da wird Kaimt, Karnallit, Kalidüngesalz, aber auch Superphosphat, Ammouiaksuperphosphat, schwefelsaures Ammoniak, Kuochenmehl, Peruguano, Kalkstickstoff, Chilesalpeter, Düngekalk und Mergel an- geboten. Uns interessiert dabei nur eine kleine, ganz eng gedruckte Notiz am Kopfe der technischen Bekanntmachung, sie lautet:„Von dem sich ergebenden Reingewinn aus allen Geschäften, die. auf Grund der im redaktionellen Teile dieses Blattes aufgenommenen bczw. beigelegten Bekanntmachungen und Offer- ten mit der Verkaufsstelle des Bundes der Landwirte abgeschlossen werden, wird ein d u r ch d i e Sa tzungenbestimmter Teil der B u ndeskasse zur Deckung der entsprechenden Unkosten, Gc- fchäftsspesen und Verwaltungskoften resp. soweit hierfür nicht verwendet, z» allgemeinen Buudeszweckcn überwiesen." Wir möchten einmal hören, welches Geschrei die„Deutsche Tageszeitung" und ihr� hinterwäldlerisches Blätterecho anheben würde, wenn die Arbeiterkonsumvereine einfach mitteilten:„Wir liefern- einen Teil deS Reingewinnes auf Grund unserer Satzungen usw.---- soweit hierfür nicht vxMeodzt" zu allgeWeiuev Partei» Wecken an die sozialdemokratische Organisation ab. Das wäre genau dasselbe, weil der Bund der Landwirte eine rein poli- tische Organisation ist. Diese politische Organisation ver braucht alljährlich Hunderttausende von Mvrk so eingekommener Gelder; anders könnte sie ihren kostspieligen iltiesenapparat, der Hut politisich-agrarischen Zwecken dient, gar nicht erhalten. Ans der politischen Agitation der Kriegervereine. Die„unpolitischen' Kriegervereine scheinen sich ganz besonders sür berufen zu halten, den„nationalen" Parteien in der Köderung nicht nur der Wahlberechtigten, sondern auch der zukünftigen Wähler gu helfen. Sie glauben das am besten zu machen, wenn ste schon den jungen, noch nicht zuni Militär eingezogenen Rekruten einzu fangen suchen. Die Mittel sind nicht ungeschickt gewählt. Der Militärverein Nordhausen versendet z. B. an die zu- künstigen Rekruten folgendes Schreiben: „Der Tag, an welchem Ihre aktive Militärzeit beginnt, rückt immer näher und damit ein Wendepunkt in Ihrem Leben, welcher Sie in eine Ihnen ganz neue Umgebung mit unbekannten Gc bräuchen und ungewohnte Anforderungen stxllt. Die Kricgervereine, welche bis jetzt nur den Militärentlassenen ihre Aufmerksamkeit schenkten, haben sich nun insofern ein neues Ziel gesteckt, als dieselben auch den Rekruten ihre Fürsorge an- gedeihen lassen wollen. Ist Ihnen also daran gelegen, sich schon jetzt über Ihre bevorstehende militärische Dienstzeit Aufklärung und gute Ratschläge zu verschaffen, was wir Ihnen zu Ihrem eigenen Wohle nur empfehlen können, da Sie sich dann erheblich schneller und leichter in der ungewohnten Umgebung zurecht finden, so besuchen Sie die Versammlung des Vereins«Kameraden der Infanterie", welche am 2. August d. I. und jeden ersten Freitag im Monat in dem Etablissement„Zur Hoffnung" stattfindet. Ueber die Teil nähme, an den zu veranstaltenden Vorträgen wird Ihnen eine Bescheinigung ausgestellt, welche beim Eintritt zum Militär abgegeben Iv erden kann und eine gute Empfehlung d a r st e l l t. Sie sind unS stets willkommen I Mit kameradschaftlichem Grufi Der Vorstand. I. A.: Rühl-e, Schriftführer." Auch ein„Hüter der öffentlichen Ordnung". Wegen Sittlichkeitsverbrechens wurde dieser Tage in Königs- berg i. Pr. der„Schutzmann" Hermann SymanSky zu drei Jahren Gefängnis verurtei.lt. Als er eines Tages seinen«Dienst" ausübte, sah er im FestungSglacis auf dem Rasen ein Liebespärchen liegen. Der gestrenge Herr„Schutzmann" nahm daran„sittlichen Anstoß", verbot den Beiden das Lagern, und er- klärte dem Mädchen, daß er es mitnehmen müßte. Das Mädchen ging mit und wurde vom«Schutzmann" gewaltsam mißbraucht. Es erstattete Anzeige; die Justiz mußte einschreiten und der„Hüter der öffentlichen Ordnung" wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. In der Verhandlung, die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfand, wurde festgestellt, daß Shmansky bereits im Alier von 18 Jahren wegen Sittlichkeitsverbrechens zu einem Jahre Gefängnis verurteilt worden war. Trotzdem wurde er„Schutzmann" in dem selben Preußen, in dem Sozialdemokraten als Mitglieder der Schul- deputationen nicht bestätigt werden, lveil ihnen angeblich die dazu erforderliche„sittliche Qualifikation" fehlt. Die Furcht vor Spionen. In Eckernförde sind a>n Sonnabend unter dem Verdachte der Spionage fünf Engländer verhaftet worden. Ihre Namen sind: Wr. Macdonald, Dr. D. Stone, L H. Sheffield, Gregory Robinson und Dr. N. Roberts. Als Stand haben sie angegeben: einer Rechts- änwalt, einer Ingenieur, einer Marinemaler und zwei Aerzte. Die Untersuchung har ergeben, daß die Verhafteten in ihrer Dampsjacht vor drei Tagen von England abgefahren sind. Sie begaben sich durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal und den Kieler Kriegshafen nach Eckernsörde. Das Boot, die photographischen Apparate, Platten und Papiere sind beschlagnahmt, die Akten über die Voruntersuchung sind dem Reichsanwalt nach Leipzig übersandt worden. Die Verhafteten werden heute nachmittag in daS Kieler Untersuchungsgefängnis über geführt werden. Zugleich wird ans Metz gemeldet: Der Schirrmeister Maark vom Artilleriedepot und ein Vizefeldwebel Welk von der hiesigen Garnison 'sind verhaftet worden. Ueber die Gründe, die zu dieser Festnahme geführt haben, wird von der Militärbehörde Stillschweigen beobachtet._ Zur Ermordung zweier Tcuts�en in Mexiko. Wie die Pretz-Zentrale aus Mexiko zu melden weiß, ist auf Verlangen des deutschen Gesandten wegen der Ermordung der beiden deutschen Staatsangehörigen Johann Hertling und Guido Schubert, die in Monte Vista im Staate So» ora erhängt auf- gefunden wurden, eine strenge Untersuchung eingeleitet worden. Die mexikanische Regierung behauptet, daß die Ermordung der Deutschen lediglich einen Willkürakt der Rebellen darstelle, in der Absicht, eine bewaffnete Intervention der Mächte herbeizuführen. Englanä. Aenderungen im Ministerium? London, 5. August. Die Abendblätter bezeichnen verschiedene Aenderungen im Ministerium als tvahrscheinlich. Lord- Präsident des Geheimen Rats Viscount M o r l e y soll danach aus Gesundheitsrücksichten zurückzutreten beabsichtigen und der Sekretär von Indien, Marqueß of Crewe, sein Nachfolger wer- den. Gencralpostmeister Samuel werde an die Stelle des Chef. sckretärs für Irland B i r r e l' treten, der zum Peer ernannt wer- den solle. Mit weniger Bestimmtheit tritt in den Blättern die Behauptung auf, daß der Patronagesekretär im Schatzamt M a st e r of Elibank, der Haupteinpci tscher der Regierung und eines ihrer einflußreichsten Mitglieder, zurücktreten und möglicherweise an Stelle Lord Gladstoncs zum Gcneralgouverneur von Süd- afrila ernannt werde. Marokko. Kämpfe und Unruhen in allen Gebieten. Rabat, 4. August. In der letzten Nacht wurde ein französischer Militärtransport am lled Kcmissat von. 50 Reitern angegriffen.— Mannschaften der Kolonne Gouraud rücken morgen in die Gegend nördlich v;3 Fes ab, um das Vorrücken des Rogi zu verhindern und das politische Werk zu vollenden, das im Juni bei den Hay- aina begonnen wurde.— Der Prätendent E l H i b a gewinnt fortgesetzt an Einfluß bei den Stämmen. Ein Bombardement in Agadir. Rabat, 5. August. DaS Rcgierungsschiff„Cosmao" soll Befehl erhalten haben, die Kasbah von Agadir, den Re- gierungSsitz des Prätendenten El Hiba, zu bombardieren. China. Die Ernennung Morrisons. London, S. Angnst. Der„Daily Telegraph" meldet ans Peking voin 4. August: Mit der Ernennung des„TimeS"-Korrespondenten Dr. Morrison zum politischen Berater der chinesischen Regierung ist ein Posten wieder besetzt worden, der«ine reine Sine- kure war und keinem Ressort angegliedert ist. Das chinesische Auswärtige Amt lehnt jede Verbindung damitab. Die Pekinger Presse fragt, was eigentlich hinter dieser Ernennung stecke, die sie bitter beklagt. Der frühere Inhaber dieses Postens war der Sinologe Sir Walter Hillier, der seit 1867 in China gelebt hat. Er wurde im Jahre 1908 zum Ratgeber der chinesischen Regierung ernannt und trat nach einiger Zeit wieder zurück, da er fand, daß er nichts zu tun hatte. Diese von der Konkurrentin der„Times" gebrachte Notiz, die vom Wölfischen Bureau so prompt weiter befördert wird, soll wohl über die Bedeutung der Ernennung hinweg- täuschen. In Wirklichkeit ist Dr. Morrison schon bisher für die englische Politik oft wirkungsvoll eingetreten und wird es in der Zukunft in offizieller Stellung noch mit größerem Erfolge tun können._ Die Tötung russischer Uutertaue». Peking, 4. August. Die ch i n e s i s ch e Regierung hat ge- maß der Forderung des russischen Gesandten eine Entschädigung für die kürzlich durch chinesische Soldaten bei Khotan verübte Tötung von hundert russischen Untertanen und die Bestrafung der Täter zugesagt. Der Präfekt von Khotan ist als verantwortlich erklärt und abgesetzt worden und der chinesische Offizier, der den Zusammenstoß veranlaßt hatte, wird vor ein öffent- liches Gericht gestellt. Der rusfische Konsul in Kaschgar und die chinesischen Ortsbehörden werden die Höhe der Entschädigung fest- setzen. ZZmerika. Rooscvelts Parteitag. Chicago, 5. August. Auf dem ersten Konvent der neuen fortschrittlichen Partei, der morgen hier eröffnet wird, um Roosevelt zum Präsidentschaftskandidaten zu nominieren, werden 47 Staaten vertreten sein. Nur Südkarolina ist nicht vertreten, weil es darauf bestand, Neger als Delegierte zu senden. Die Kommission, die die Beglaubigung der Dele- gierten zu prüfen hat, hat bereits Neger, die als Vertreter von Alabama gewählt waren, zurückgewiesen. Es wird wahrscheinlich bei allen Südstaaten so verfahren, dagegen werden Neger als Vertreter der Nordstaaten zugelassen werden. Viele Frauen sind als Delegierte zum Konvent gewählt. Roosevelt wird morgen hier eintreffen. Wachsende Erkenntnis. Genosse Seidel., der sozialistische VizepräsidentschaftSkan- didat, der in den letzten Monaten Versammlungen in fast sämt- lichen östlichen Nordstaaten abgehalten hat, meint, daß einige der dümmsten und tiefeingewurzelten Vorurteile gegen den Sozialis- mus im Verschwinden seien. Niemals habe man ihm die Frage gestellt, wie es nach der Teilung alles Besitzes verhindert werden solle, daß der Reichtum wieder in die Hände seiner heutigen Besitzer zurückfließe; auch. nicht, ob nicht der Sozialismus die Familie zerstören und die freie Liebe einführen wolle; ebensowenig nach der„Feindschaft gegen Religion" oder der„Verteidigung von Gewalttaten und Anarchie". Nur einmal stellte jemand die Frage nach der„freien Liebe". Es ergab sich aber, daß es ein Parteigenosse war. der ihn veranlassen wollte, über dieses populäre Vorurteil zu sprechen.„Diese albernen Fragen, die so lange dazu gedient haben, vernünftige Diskussionen wirtschaftlicher Fragen zu verhindern, sind nun völlig ins Vergessen gekommen." Seidel, der seit 14 Jahren in allen Teilen von Wisconsin ge- sprachen hat, stellt für die jetzige Wahlkampagne ein völlig ge- ändertes Verhalten der Bevölkerung fest. Während früher viele aus-' NeugMde ka mctc manche äuch, um Ulk zu treiben und den Redner zu stören, herrsche jetzt Stille und ernstes Nachdenken. „Es ist zweifellos daß sehr viele jetzt ernsthaft über Sozialismus nachdenken. Leute, die früher nur Neugier oder amüsierte Geduld zeigten, sie beginnen sich zu fragen, ob sie in irgendeine andere als die sozialistische Bewegung gehören. Sie wollen Sozialismus lerne n. Dieser Durst nach mehr Wissen um einen Weg zur Be- Handlung der großen Tagesfragen prägt sich schon auf den Gc- sichtern der Leute aus." Australien. Ter Antimilitarismus. Die zwangsweise militärische Ausbildung�>die neuerdings, hauptsächlich aus Furcht vor einer japanischen Invasion, in Austra lien eingeführt wird, begegnet in einem großen Teil der Arbeiter- bevölkerung, namentlich in Victoria und NeusüdwoleS, heftigem Widerstand. Etwa 10 000 junge Leute, die den Protest der Sozialisten gegen die Neuerung durch Verweigerung der Uebungen in die Tat umgesetzt haben, sind angeklagt tyorden. Min- destens ebensovicle haben sogar die E i n sch r e i b u n g ver- weigert. An der Bewegung sind auch verschiedene religiöse Sekten beteiligt, die in Anlehnung an Tolstoi das biblische Verbot des Tötens wörtlich anwenden wollen. Hus der Partei. Aus den Organisationen. Der Jahresbericht deö Sozialdemokratischen Vereins für den Wahlkreis Mansfcld, der auf dem am Sonntag in Eislebe» stattgefundencn Kreistage erstattet wurde, gibt ein anschauliches Bild von den erfolgreichen Kämpfen, die unsere Genossen gegen die be- rüchtigte Mansfelder Gewerkschaft und ihren„Silber-Arendt" im ver- .flossenen Jahre geführt haben. Der Kreis gehört zu den denjenigen, wo die„entschiedenen" Liberalen bei der Stichwahl mit fliegenden Fahnen ins konservative Lager abrückten und dadurch noch einmal dem Reichsparteiler Arendt das Mandat zuschanzten. Das.Hallesche Volksblatt" wird in 42 Orten des Kreises ver- breitet gegen 37 im Jahre vorher. Außerdem wird noch der un- entgeltlich verbreitete„Stadt- und Laudbote" in etwa 10 000 Exemplaren gelesen. Die Mitgliederzahl hat sich auf der gleichen Höhe gehalten, trotz der ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse, die in der Ab- Wanderung von rund 2500 Bergarbeitern in die Erscheinung traten und trotz des Terrorismus, den die Schergen der Mansfelder Macht- haber gegenüber den„verdächtigen" Arbeitern in unverhüllter Weise betätigen. Bemerkenswert ist noch, daß es bisher nicht möglich war, im Wahlkreise auch nur eine einzige Versammlung unter freiem Hiinmel abzuhalten. Stets haben AnitSvorsteher, Landrot und Re« gierungspräsident die öffentliche Sicherheit für gefährdet ge« halten, wenn um die Genehmigung solcher Versammlungen nach- gesucht wurde. Ohne nennenswerte Debatte wurde einem Antrage zugestimmt, ab 1. Oktober für die männlichen Mitglieder den Zehnpfennig- Wochenbeitrag einzuführen und den Beitrag für dte werblichen Mit- glieder von 10 auf 15 Pf. pro Monat zu erhöhen. Nach einem kurzen Referat über die im nächsten Jahre bevorstehende Landtags- wähl wurde beschlossen, trotz des berüchtigten Mansfelder Terrors in eine intensive Wahlagitation einzutreten. Bon einer Beschickung des Chemnitzer Parteitages wurde aus Sparsamkeitsrücksichten ab» gesehen. �■ Eine Sch icds gcrich tövcrh lmdlung in Stuttgart. Bei den Stuttgarter Gemeindewahlen vom 3. Dezember 1011 war gegen den von der Parteiorganisation vorgeschlagenen Stimm- zettel ein lithographierler Gegenzettel in Massen verbreitet worden, auf welchem die nach dem Proportionalwahlverfahren gesetzlich zu« lässige Stimmenhäufung anders vorgenommen worden war, als- dies in der Organisation beschlossen war. Neben diesen ge- druckten Zetteln, die fälschlich als Vorschlag der sozialdemokratischen Partei Stuttgarts bezeichnet wurden, fanden vielfach noch Hand- schriftliche Aenderungen aus den offiziellen Stimmzetteln statt. Da solche Zettel auch in dem zu Groß-Stuttgart gehörigen Cannstatt in Umlauf waren, belchloß die Versammlung des sozialdemokratischen Vereins in Cannstalt, gegen die Verbreiter geänderter Zettel das Ausschlußverfahren einzuleiten. Der Verbreitung angeschuldigt wurden die Genossen Dußler.Uhlrich und Sonder, gegen die am 81. Juli und 2. August d. I. unter dem Vorsitze deS Genossen Müller- Berlin Schiedsgerichtssitzungen stattfanden. Die Beweisaufnahme ergab, daß es sich bei den Genossen Dußler und Uhlrich nur um Agitation sür handschriftlich geänderte Zettel handelte. Die Urheber des gedruckten gefälschten Wahlvorschlags sind bisher nicht ermittelt. Handschristliche Abänderungen kamen auch bei früheren Gemeindewahlen, als eine Ku- mulierung von Partei wegen nicht beschlossen war, vor. Dies wurde früher schon nach den Wahlen gerügt. Außer- dem hatte das Zentralwahlkomttee für Groß- Stuttgart vor der Wahl vom 8. Dezember vor Abgabe geänderter Zettel in Versammlungen, in der Presse und durch Plakate gewarnt. Genosse Dußler gab zu, zwei handschriftlich geänderte Zettel gezeigt und dazu bemerkt zu haben:„So wähle ich I" Die beiden Zettel wurden bei der Wahl nicht abgegeben, sondern dem Parteiausschutz übergeben. Im Falle Uhlrich wurde eine Verbreitung geänderter Zettel nicht behauptet, ihm aber vorgehalten, daß er sür Abgabe abgeänderter Zettel agitiert habe, und daß er erklärt habe, daß sich unter ähnlichen Voraussetzungen bei künftigen Wahlen daS Gleiche wiederholen dürfe. Der Genosse Sonder hatte in drei Fällen die lithog.raphierten Zettel weitergegeben, die er von dem Vertrauensmann des Geschäfts erhalten haben will, dem die Zettel wiederum zugeschickt worden seien. In einem Falle will er den Zettel nur in ironischer Absicht weitergegeben haben, im zweiten Falle habe er durch Abgabe dieses Zettels an einen nur gewerlschaftlich organisierten Genossen diesen überhaupt zum Wählen veranlassen wollen; im dritten Falle war der Empfänger inzwischen verstorben. In dem zweiten Falle wurde der Zettel von dem be- treffenden Empfänger bei der Wahl nicht abgegeben. Von den Warnungen in der Presse, in Versammlungen und durch Plakate will Sonder nichts erfahren haben, da er im Dezember beruflich stark beschäftigt gewesen sei. Die angeschuldigten Genossen glaubten zu ihrem Vorgehen berechtigt zu sein, weil auch früher schon bei den Wahlen, wenn auch in weit geringerem Prozentsatze. Zettel anders abgegeben wurden, als durch die Organisation beschlossen worden war, weil ferner ihrer Auffassung nach die Kandidaten- aufstellung nicht ordnungsgemäß erfolgt fei(was von der Organisation bestritten wird) und weil alte bewährte Genoffen, die bisher dem Gemeinderat angehört hatten, durch die Kumulierung des offiziellen Borschlages der Parteiorganisation, zu aussichtslosen Kandidaten ge- worden wären. Die Angeschuldigten behaupteten ferner, daß auch von der Gegenseite bei der Wahl in großer Zahl abgeänderte Zettel abgegeben wurden. Das Schiedsgericht stellte in den Fällen Dußler und U h I- r i ch einstimmig fest, daß eine ehrlose Handlung nicht vorliege und entschied mit Mehrheit, daß ein beharrliches Zuwiderhandeln gegen den Beschlutz der Parteiorganisation vorliege, weshalb gegen Dußler und Uhlrich auf Ausschließung von Vertrauensämtern auf die Dauer von zwei Jahren zu erkennen sei. Im Falle Sonder sah das Schiedsgericht in der Weitergabe des lilhographierten Zettels mindestens in dem einen Falle eine erwiesene ernstgemeinte Verbreitung. Das Schiedsgericht stellte mit 4 gegen 8 Stimmen fest:„Der lithographierte Zettel war eine rafft» nierte Fälschung, mit der der Eindruck erweckt werden sollte, als ob es sich um den Vorschlag der Stuttgarter Parteiorganisation handele. In der Herausgabe und Propagierung dieses gefälschten Vorschlages sieht das Schieds- gericht eine ehrlose Handlung und in dem Falle Sonder die Unterstützung einer ehrlosen Handlung. Als mildernder Um- fftand miisfen" die scharfen Gegensätze in Stuttgart und ihre viel» fachen unparteigenösfischen Begleiterscheinungen in Betracht gezogen werden." Das Schiedsgericht erkannte demgemäß mit 4 gegen 3 Stimmen auf Ausschließung von Vertrauensämtern für fünf Jahre. Die Sozialisten und der antiklerikale Block der römischen Stadtverwaltung. Rom, 1. August.(Eig. Ber.) Wie bekannt liegt die Stadtver- waltung Roms in Händen eines antiklerikalen Blocks, an dem sich auch die Sozialisten beteiligt haben, und in dem sie 18 Vertreter zählen. Da nun der Parteitag von Reggio sich gegen Wahlbijnd- nisse ausgesprochen hat, hat die römische Parteisektion die Frage aufgeworfen, ob sie weiter das WahlbündniZj aus dem die römische Stadtverwaltung hervorgegangen ist, aufrechterhalten soll oder nicht. Der Parteitagsbeschluß selbst löste diese Frage nicht, da er sich nicht mit der Frage der kommunalen Wahlen beschäftigt. Nach drei- tägiger lebhafter Diskussion beschloß die Sektion mit großer Mehr- heit, die als Stadwerordnete wirkenden Parteigenossen zur Nieder- legung ihres Mandats aufzufordern. Es werden somit die Ge- nossen Deila Seta, Paglierini, Armeni, Cam» p a n o z z i und Montemartini ihr Mandat niederlegen. Es ist zu bedenken, daß unsere Partei bei Eingehung des Wahlbünd- nisses sich stillschweigend für einen Zeitraum von 6 Jahren ver- pflichtet hatte, in welcher Periode sich in Italien die Stadtver- waltungen erneuen. Gleichzeitig hielt auch die reformistische Parteisektion, zu der ein Teil der sozialistischen Stadtverordneten übergetreten ist, ihre Sitzung ab. Sie beschloß, die eingegangene Verpflichtung aufrecht zu erhalten und hat somit ihre 8 Stadtverordneten, unter denen sich auch Podrerca und Bonomi befinden, aufgefordert, ihr Mandat weiter auszuüben. Zwei Reformisten, die 1 Professoren Bonfiglio und Carrara lieferten aber gleich den Beweis ihrer Auffassung der Parteidisziplin, indem sie erklärten, trotz des Beschlusses der Sektion, ihr Mandat niederzulegen. Somit treten im ganzen � Stadtverordnete zurück, was wahrscheinlich die Auf- lösung des Stadtrates und die Uebernahme der Verwaltung durch einen königlichen Kommissär in Erwartung»er Neuwahlen zur Folge haben wird. Man kann der Haltung unserer Parteifraktion die Logik nicht absprechen. Es fragt sich nur, ob eine Partei bündnisfähig bleibt, wenn sie ihre Bündnisse nicht einhält. In seinen praktischen Folgen bedeutet die Auflösung des römischen Blocks einen großen Triumph der Aktiengesellschaften, die mit ungeheurem Profit die öffentlichen Dienste in Rom monopolisierten und denen die antiklerikale Stadt- Verwaltung die Krallen beschnitten und Konkurrenzunternehmen entgegengestellt hat. Vielleicht hätte unsere Partei besser abge- schnitten, wenn sie da» Wahlbündnis damals aufgesagt hätte, als der Bürgermeister von Rom durch Beteiligung an der Ehrung des Zaren in Racconigi den Bündnispakt in dreister Weise verletzte und den Gefühlen der sozialistischen Partei Hohn sprach. Damals rechtfertigten äußere Wandlungen der Verbündeten den Rücktritt vollkommen, ob ihn die innere« Wandlungen unserer Partei während der Fortdauer der Bündniszeit zu rechtfertigen vermögen, das wollen wir dahingestellt sein lassen. Rcdakteurfreuden. Der frühere Verantwortliche der Chemnitz er „V o l k s st i m m e", Genosse Hermann Müller, hat an: Montag das Zwickauer Gefängnis bezogen, um dort auf vier Monate Aufciit- halt zu nehmen, die er wegen angeblicher Beleidigung des Chemnitzer Bürgermeisters Dr. Hllbschmann erhalten hat. Bei seiner Vor- stellung in Zwickau erklärte man ihm, daß er im Gefängnis keine Vergünstigungen bekomme. Ob es dabei bleibt, muß ab« gewartet werden.* Gewerhrchaftliches. Maßregelung von ölcberbeltsmännem. Die Bergherren im Ruhrgebiet zeigen sich bei der Durchführung des Sicherheitsmännersystems als sehr gelehrige Schüler des Berg� Werksdirektors Hilger, der bekanntlich in jener Berliner Minister� stürzerkonferenz das Wort von der„weißen Salbe" geprägt hat, mit der man schlimmstenfalls schon nach Saarbrückener Muster fertig werden könne. Zu den mancherlei bisher bekannten Beispielen, die illustrierten, wie man sich solcher Sicherheitsmänner, die ihre Auf- gäbe ernst auffassen, trotz der gesetzlichen Schutzvorschriften entledi gen kann, sei hier eins angeführt, das als besonders drastisch be zeichnet zu werden verdient.' Im November v. I. befuhr ein Sicherheitsmann der Zeche „Mathias Stinnes" eine Abteilung, in der er einen Bremsberg in schlechter Zimmerung vorfand. Da er diesen Zustand schon wieder holt dem Steiger gegenüber moniert hatte, sah er sich diesmal ge nötigt, den Befund ins Fahrbuch einzutragen. Zwei Tage darauf wurde er zum Betricbsführer bestellt, der ihm sagte:„Sie haben den Befund des Bremsberges ins Fahrbuch eingetragen. Sie kommen zum Ersten dorthin zum Verbauen, und zwar für 5,20 M. pro Schicht." Als der Sicherheitsmann mit dem Verbauen fertig war, kam er nicht wieder an seine frühere Arbeit zurück, sondern er erhielt eine andere Arbeit zugewiesen mit schlechten Gebirgsver Hältnissen, so daß er einen Verdienstausfall von 30,72 M. erlitt. Der Mann betrachtete diese Behandlung als den Schutzbestimmungen des Gesetzes die Sichcrheitsmänner betreffend widersprechend und beschwerte sich beim Bergrevicrbeamten. Dieser hielt eine Kon- ferenz ab, in der dem Beschwerdeführer vorgehalten wurde, daß er eigentlich noch mehr bekommen habe als andere gleichartige Arbeiter; er wurde mit seiner Beschwerde abgewiesen. Den gleichen nega- iiven Erfolg hatte eine an das Öberbergamt gerichtete Beschwerde. Doch wurde hier der Arbeiter wegen seiner Lohnansprüche an das Berggewerbegericht als zuständige Instanz verwiesen. Der Ar- beiter befolgte diesen Hinweis und klagte auf Auszahlung des Minderverdienstes. Er wurde abgewiesen und zwar mit einer Be- gründung, die zu charakteristisch ist, als daß sie nicht verdiente, hier zitiert zu werden: „Die Verlegung ist ordnungsmäßig erfolgt. Wenn die Arbeit dem Kläger nicht zusagte, so konnte er ja kündigen... Ob eine Maßregelung wegen der Tätigkeit als Sicherheitsmann vorliegt, hat das Gericht nicht zu prüfen, hierin ist es nicht zuständig." Da es eine Berusung gegen diese Entscheidung nicht gibt, griff der Gemaßrcgelte zum letzten Mittel. Er beschwerte sich beim Minister. Fast ein halbes Jahr ist inzwischen verstrichen, aber der Beschwerdeführer hat noch keine Antwort. Natürlich. Wenn Ar- beiter sich über Gesetzwidrigkeiten der Unternehmer beklagen, dann können sie lange auf Antwort warten, wenn man sie überhaupt einer Antwort würdigt. Wenn aber die Unternehmer neue gesctz- liche Knebelungen der Arbeiter verlangen, dann finden sie bei Ministern willige Ohren. Serlin imck CInigtgtnd. Tarifbewcgung im Tachdeckergewerbe. In den letzten Tagen hat der Kampf ganz erheblich an Schärfe zugenommen. Bei einigen Firmen ist es wieder zur Arbeitsein- stellung gekommen. Die Unternehmer haben versucht, in der vor- gangenen Woche die Aussperrung umfangreicher durckizuführen. Das ist allerdings auch diesmal wieder fehlgeschlagen.— In der außerordentlichen Generalversammlung der Freien Innung zu Berlin vom 2g. Juli wurde folgende Resolution angenominen: „Die heutige Generalversammlung der Freien Innung des Dach-, Schiefer- und Ziegeldeckerhbndwerks zu Berlin beschließt im Anschluß der in der OuartalSversammlung vom 8. Juli gefaßten Resolution sämtliche organisierte Gesellen und Hilfsarbeiter sofort auszusperren." Die Wirkung dieser Resolution war, daß noch drei Firmen teil- weite ausgesperrt haben; die Zahl der Ausgesperrten hat sich hier- durch nicht, sonderlich erhöht. I» dieser Versammlung ist eS auch zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Arbeitgebern ge- kommen, weil ein Teil der JnnungSmeister absolut nicht aussperren lvill.— Auch in der außerordentlichen Generalversammlung des Arbeltgebe�?rbandeZ vom 29. Juli stimmten die Herren das gleiche Klagelied an. Noch reden sie sich ja Mut zu über die Stärke deS Arbeitgeberverbandes,'trotzdem sie ganz genau wisien, daß die Mit- glieder sich den Anordnungen des Vorstandes nicht fügen und nicht aussperren wollen. Genau so sieht es in der Innung aus. Bis zum heutigen Tage haben ausgesperrt 21 Firmen mit 139 Arbeitern. Im Ausstand befinden sich insgesamt 49 Firmen. Die Gesamtzahl der Ausständigen beträgt mit den Arbeitslosen 439. Die Dinge stehen für die Arbeiter äußerst günstig. ES haben bis jetzt 19 Firmen die Lohn- und Arbeitsbedingungen Unterschrift- lich anerkannt, darunter befinden sich einige der größten in Berlin und in den Vororten. Die Zahl der von diesen Firmen beschäftigten Kollegen ist erfreulicherweise eine ziemlich hohe. Achtung, Metallarbeiter! B u d a p e st ist wegen Aussperrung gesperrt. Deutscher Metallarbeiterverband, OrtSverwaltung Berlin. dem Gehilfenausschuß, mit dem sie verhandeln wollte, kein beson deres Entgegenkommen zeigte. Kurz vor der Arbeitsniederlegung ist eS nun doch noch zu einem dreijährigen Tarifabschluß zwischen Innung und Verband gekommen. Der Tarifvertrag sieht u. a. vor: Die Erhöhung des Stundenlohnes von 32 Pf. auf 38 Pf., was einen wöchentlichen Mehrverdienst von 3 M. bedeutet; nach einem Jahre tritt eine Arbeitszeitverkürzung von einer halben Stunde wöchentlich, in dem darauffolgenden Jahre eine weitere Verkür- zung um eine volle Stunde ein, so daß im dritten Vertragsjahre täglich Wi Stunden gearbeitet werden. Der Arbeitsverdienst darf durch die Verkürzung der Arbeitszeit nicht geschmälert werden. Bei einigen kaufmännischen Geschäften, die der Innung nicht ange- hören und keinerlei Entgegenkommen zeigten, ist am 2. August die Arbeit niedergelegt worden. Die Lohnbewegung der Maschinisten und Heizer in den Schneidemühlen Tilsits ist zugunsten der Arbeiter beendet. Es gelang, mit dem Unter- nehmerverband einen Tarifvertrag auf die Dauer von drei Jahren abzuschließen, der für die Arbeiter bedeutende Vorteile bringt. Der Monatslohn beträgt für Maschinisten 129 M., steigend auf 139 M. während der Vertragszeit. Die Heizer erhalten 36 Pf. die Stunde, steigend auf 49 Pf. Die tägliche Arbeitszeit wurde auf 11 Stunden festgesetzt. Für Arbeiten während der Pausen wird ein Zuschlag von 19 Pf., für Ueberstunden 3 und 19 Pf. die Stunde gezahlt. Die Vorteile sind insofern von Bedeutung, als noch Löhne für die Heizer von wöchentlich 19 M. vorhanden waren, die nun durch die Tarifregelung um etwa 7 M. erhöht wurden. In den meisten Be- trieben mußten Arbeiten während der Pausen ohne Bezahlung ge- leistet werden, ebenso Ueberstunden, die jetzt nur gegen Bezahlung nach den tariflichen Abmachungen verlangt werden können. Tarifabschlust der Brauereiarbciter in Bonn. Viel Mühe und Opfer hat es erfordert, die Brauereiarbeiter der Universitätsstadt Bonn in solcher Zahl zur Organisation zu bringen, um einen Vorstoß zur Verbesserung ihrer Arbcitsverhält- nisse zu machen. Schon viermal war es gelungen, einen Teil dieser Arbeiter zu organisieren, immer wieder gingen sie der Organisation verloren. Schuld daran war zum größten Teil das dort eingeführte Gratifikationssystem. Bei schlechten Löhnen erhielten die Arbeiter am Jahresschluß eine„Gratifikation" bis zu 129 M., diese wurde aber nur ausbezahlt bei voller Jahresbeschäftigung. Die Angst um den Verlust dieser für die Unternehmer so außerordentlich wertvollen Einrichtung hielt die Arbeiter von der Organisation ab. Im Herbst v. J-. organisierten sich die Arbeiter wieder und blieben auch bei der Organisation; nach verhältnismäßig kurzer Zeit haben sie nun auch den praktischen Erfolg in Form eines vor- teilhaften Tarifvertrages, den die beiden Großbrauereien anerkannt haben. Die Arbeitszeit ist auf 914 bezw. 19 Stunden festgesetzt, die Lohnerhöhungen betragen 2,39 M. bis 8 M. pro Woche. Die lieber- stundensätze wurden erhöht, die Ueberschichtcn im Maschinenraum werden extra bezahlt; früher waren sie im Monatslohn einbegriffen, auch sonst wurden noch Vcrbesierungen erzielt. Zustand. Ein nenes Gewerkschaftsblatt. In Turin September ab allwöchentlich unter dem Titel Sindacale" eine gewerkschaftliche Zeitung als Organ der Zen- tralverbände Italiens._ erscheint vom „La Battaglia Gelbe Sumpfpflanzen. Die Organe der gelben Vereine bezeichnen es als ihre Aus- gäbe, die angeblich zwischen Unternehmern und Arbeitern be- stehenden gemeinsamen Interessen zu wahren und so den Wirt- schaftsfriedcn aufrechtzuerhalten. Eine eigenartige Illustration zu diesem Grundsatz der Gelben hat einer von ihnen, der im Siemens- Schuckert-Wcrk eine hervorragende Rolle spielt, geliefert. Der Betreffende ist Vorstandsmitglied des gelben Unterstützungsvereins und Werkbevollmächtigter. Unter den Arbeitern machte er sich da- durch unbeliebt, daß er sich bei der Agitation für den gelben Ver- ein recht verwerflicher Mittel bediente. Auch das technische und kaufmännische Personq� hatte unter den Denunziationen dieses gelben Vertrauensmannes zu leiden. Als dieser Obergelbe den auf Urlaub befindlichen Werkzeugverwalter zu vertreten hatte, machte er sich diese Vertrauensstellung zunutze, um umfangreiche Diebstähle an dem ihm anvertrauten Material auszuüben. Der Mann wurde be, dieser Art. die gemeinsamen Interessen der Unter- nehmer und Arbeiter zu vertreten, ertappt und entlassen. Dies ist nicht das erstemal, daß sich ein Obergelber der Siemens- Werke neben gelber Agitation auch auf dem Gebiete der Langfinger betätigte. Natürlich wird man über solche„peinliche Angelegen- heiten" im gelben„Bund" nichts lesen. Wegen Veruntreuungen lourden bereits zum Teufel gejagt: ein gelber Vorsitzender des Konsumvereins, Werk Franklinstraße, ein Vorstandsmitglied des Unterstützungsvereins wegen Kupfcrdiebstahls und ein anderer gelber Funktionär hat 799 M. seinen Arbeitskollegen(Sparaelder der S9-Pf.-Kasse) unterschlagen. Wundern braucht man sich nicht, daß so zahlreiche Fehltritte von Leuten begangen werden, die im Vordergrunde der gelben Or- ganisation stehen. Arbeiter von durchaus ehrenhafter Gesinnung geben sich natürlich nicht als Stützen der gelben Bewegung her. Oeutsestes Reich. Erfolgreiche Lohnbewegung der Böttcher in Magdeburg. In Magdeburg hatten die Böttcher ihre Kündigungen einge- reicht. Sie wollten am 1. August die Arbeit einstellen, weil die Innung sich zu Verhandlungen über eingereichte Forderungen mit Vertretern des Verbandes nicht verstehen wollte und außerdem auch /Zus Induftne und Handel. Deutsches Eisen gegen deutsches Eise». Die Verwaltung des Baroper Walzwerks macht in ihrem Ge- chäftsberichte einige interessante Bemerkungen über die Betäti- gung der deutschen Rohcisenindustrie auf dem Weltmarkte. Sie klagt darüber, daß die Erträgnisse durch die Erhöhung der Preise für Stahlroheiscn beeinträchtigt worden seien und daß die deutsche Roh- eisenindustrie durch niedrigere Prcisstellung auf dem Weltmarkte die ausländische Konkurrenz gestärkt habe. Dadurch sei der Wett- bewerb in den Erzeugnissen des Unternehmens dem Auslande gegen- über erschwert worden. Die Verwaltung konstatiert also, daß das deutsche Eisen in roher Form dem deutschen Eisen in der Weiter- Verarbeitung auf dem Weltmarkte schädigenden Wettbewerb mache: Die bekannte Wirkung unserer Eisenzölle! unter Umständen ein sehr ernster werden könne. ES werde daher von allen Mitgliedern erwartet, daß sie ihr Interesse mehr als bis« her den Vorgängen in der Organisation wiomen und sich in erster Linie reger an den Versammlungen beteiligen. Die Versamm- lung erklärte sich debattelos mit dem Vorgehen des Vorstandes ein- verstanden. Alsdann erstattete S e g a w e einen eingehenden Bericht über die Verhandlungen be treffen dEr- richtung eines paritätischen Arbeitsnachweises. Das vom Vorstand entworfene Statut hat den Bezirksversamm- lungen vorgelegen und ist von der Mehrzahl derselben angenommen worden. Derselbe Statutentwurf ist dann den Unternehmern unter- breitet worden; eine Kommission von fünf Arbeitgebern und fünf darüber beraten und verlangten die Unter- Arbeitnehmern hat bereits in einer Sitzuw ist schon so ziemlich einig geworden. Bei§!_ nehmer, daß Söhne oder Väter von Meistern nicht durch den Ar- beitsnachweis zu gehen brauchen. Diesem Verlangen sind die Ver- treter der Arbeitnehmer nachgekommen, da diese Ausnahme für Berlin von geringer Bedeutung ist. Bei Z 5 hatten die Unternehmer verlangt, daß ihnen die Auswahl unter der Hälfte der beim Nach- weis eingetragenen Gesellen zu gestatten sei. Nach langem Hin und Her wurde vereinbart, daß nur unter der achtfachen Zahl der ge- wünschten Arbeitskräfte und zwar nur unter den in der Liste vor- anstehenden, ausgesucht werden dürfe. 8 6 lautet jetzt, daß in Arbeit stehende Gesellen keine Privatarbeit verrichten dürfen, so- fern sie nicht vom Arbeitsnachweis ausgeschlossen werden wollen. Diese Bestimmung liegt auch nur im Interesse der Arbeitnehmer, und deshalb stimmten deren Vertreter dem zu. Sie verlangten nun aber auch, daß Kleinmeister nicht in Arbeit genommen werden dürfen. Die Unternehmervertreter konnten sich zu dieser Konse- quenz aber nicht aufschwingen und deshalb scheiterte eine entgültige Verständigung. Die Beschlußfassung der Unternehmer wird jeden- falls erst in ihrer nächsten Ouartalssitzung im Oktober stattfinden. Die Arbeitnehmer werden dann auch ihrerseits nochmals dazu Stellung nehmen. Zcntralvcrband der Maschinisten und Heizer. Die Zahlstelle Berlin hielt am Sonnabend ihre Generalversammlung ab. Der Kassenbericht zeigt folgendes Bild: Einnahme vom 1. April bis 39. Juni 1912 11747,99 M., Ausgabe 11385,88 M.. Mehreinnahme 162,92 M.— Betreffs der Wahl eines Lokalbeamten beschloß die Versammlung, die Angelegenheit erst nochmal den Bezirken zur Besprechung zu unterbreiten und den Beamten durch Urwahl zu wählen. Ferner soll die Stelle neuerlich ausgeschrieben und die Wahl bis Oktober hinausgeschoben werden: Letzte NachrScbten. Reichstagscrsatzwahl in Pfarrkircheu. Pfarrkirchen, 5. August.(SB. T. B.) Bei der heutigen Reichs« tagsersatzwahl im Wahlkreise Niederbayern wurden für den Oeko- nomen Bauer(Bayerischer löauernbund) 6169 und für den Bürger- meister Gerauer(Z.) 4849 Stimmen gezählt. Um 19 Uhr abends standen noch 26 Gemeinden aus. /Zus der frauenbewegunef* Eine Kandidatin für den Gouverneursposten haben die Sozialisten des Staates SV a s h i n g t o n in der Person der Genossin Anna Agnes M a n l.e Y aufgestellt. Sie ist als achtes von elf Geschwistern auf einer Farm in Minnesota geboren und kam mit 13 Jahren nach Minneapolis, wo sie für ihren Unterhalt arbeitete und dabei eine höhere Schule besuchte. Später wurde sie Lehrerin, besuchte dann die Universität in Minneapolis und eine Schule für Sozialwissenschaft in New Jork. Als dort die Tageszeitung„Call" gegründet wurde, übertrug man ihr die geschäftliche Leitung. Später wurde sie als Organisatorin der Frauen angestellt und be- reiste dazu die gesamte Union. Eine Zeitlang gab sie die Zeitschrift „Gemeinwohl" heraus, gab sie aber wieder auf, um sich ganz der Agitation zu widmen. Sie ist als Rednerin tätig, und man nimmt an. daß ihre Kandidatur in dem fernen Nordwcststaate, der die völlige politische Gleichheit der Frauen anerkannt und eine rasch wachsende, entschiedene Arbeiterbewegung hat, nicht aus- sichtslos sei,__ Versammlungen. Zentralverband der Töpfer. Die Filiale Grotz-Berlin hielt am Freitag im Gewerkschaftshaus eine ordentliche Generalvcrsamm- lung ab. Dem Geschäftsbericht für das 2. Quartal, der vom Vorsitzenden S e g a w e gegeben wurde, ist zu entnehmen, daß fünf Sperren verhängt wurden, von denen diejenigen über die Firmen Hcinritz und Bcrlow u. Pöttkc als erledigt zu betrachten sind. Die Ächlichtunaskommission hatte 57 Strcitsälle zu erledigen. Das Bild, welches der Arbeitsnachweis im verflossenen Vierteljahr bot, war recht trübe. Im Monat April wurden 396 Arbeitslose über- Nammen, von denen der Nachweis nur verhältnismäßig wenig ver- mittelte, während durch Umschau mehr unterkamen. Die niedrigste Arbeitslosenziffer war 214, zurzeit ist diese aber schon wieder auf 327 emporgeschnellt. Gegen das Vorjahr sind im vergangenen Vierteljahr im Durchschnitt doppelt so viel Arbeitslose gezählt worden. Eine von den Meistern einberufene Konferenz, an der u. a. auch Segawe teilnahm, hat beschlossen, eine heizungstechnische Kom- Mission für Teutschland einzusetzen. J» derselben sind auch den Gesellen 3 Sitze eingeräumt worden, die von den Filialen Berlin, Hamburg und Dresden besetzt werden sollen. Als Vertreter Berlins ist Karl Vietze bestimmt worden. Der Kassenbericht lag im Verbandsorgan gedruckt vor. Die Einnahmen der Zentralkasse betrugen 23 137,75 M., die Aus- gaben 16 596,17 M., darunter 2243,29 M. für Krankenunterstützung und 6164,99 M. für Arbeitslosenunterstützung. Die Lokalkasse ver- einnahmte 7738,11 M. und verausgabte 7739,91 M. Ueder die bevorstehende Tarifbewegung referierte Segawe. Er teilte zunächst mit. daß der bestehende Tarif von den Unternehmern zum 39. September 1912 gekündigt worden sei und zwar mit der Motivierung, daß derselbe den veränderten Ver- Hältnissen angepatzt werden solle. Denselben Wunsch hegen auch die Arbeitnehmer. In einer bereits statlgefundenen Lohnkommissions- sitzung gingen aber die Auffassungen über die gegenseitigen Forde- rungen noch zu sehr auseinander. Der Iieferent entwickelte dann die in dieser Beziehung vom Vorstände einzuschlagenden Nicht- linien und verhehlte nicht, daß der Kampf um den neuen Tarif Belagerungszustand in Konstantinopel. Konstantinopel, 5. August.(W. T. B.) Ein Jrade des Sultans verhängt über Konstantinopel für 4V Tage den Be- lagerungszustand._ Das Reskript des Sultans. Konstantinopel, 5. August.(W. T. B.) Der erste Palastsckretär hat auf der Pforte soeben ein Reskript des Sultans verlesen. Das Reskript ist dem Gebrauch nach an den Großwesir gerichtet und be- sagt: Der Senat, der verfassungsgemätz für die Interpretation der Vexfassung zuständig ist, war der Ansicht, daß die nach der Auf- lösung der alten Kammer gewählte neue Kammer ausschließlich das Mandat hatte, als Schiedsrichter über den Konflikt zu urteilen, der zur Auflösung der alten Kammer geführt hat. Daher ist auch gestern ein Jrade des Sultans herausgekommen, das die Schließung der Kammer und Neuwahlen anordnet. Obschon das Großwesirrat am Vormittag dem Kammer- und dem Senatspräfidenten mitgeteilt hatte, sie sollten für den Nachmittag die Verlesung dieses JradeS abwarten, trat die Kammer bereits am Vormittag zusammen, machte Einwendungen gegen das Recht des Senats zur Interpretation der Verfassung und beschloß in Abwesenheit des Kabinetts eine Refo» lution gegen das Kabinett, diesem das Mißtrauen auszusprechen. Diese Handlungsweise, die mir von dem früheren Präsidenten der Kammer mitgeteilt wurde, hat mein Bedauern hervorgerufen. Ich habe nach wie vor Volles Vertrauen zu meinem Kabinett, das im Einklang mit der Verfassung gebildet worden ist und fortfährt, für das Wohl der Nation und die öffentliche Ordnung zu arbeiten. Ich erwarte, daß das Kabinett auch weiter die größten Anstren- gungen machen wird, damit die SBahlen zur Kammer, die am 14. November wieder zusammentreten muß, frei von jeder Jnter- vention, von jedem Druck und von jedem Mißbrauch vor sich gehen, Zwei Fuhrwerke überfahren. Ohligs, 5. August.(W. T B.).Heute nachmittag 3 Uhr wurde auf deni Uebergangc Kilometer 3,393 der Strecke Ohligs— Hilden durch vorzeitiges Oeffnen der Schranken zwei Fuhrwerke überfahren, wobei der Fuhrmann Karl Hottgenrot aus Ohligs schwer ver« letzt wurde._ Fruchtabtreibung. Dortmund, 5. August. Der hiesige Frauenarzt Dr. Härtung hat sich heute morgen bei seiner Verhaftung, die wegen Vergehens gegen§ 218 des Strafgesetzbuches erfolgte, durch Gfft das Lebe« genommen._ Ausstellungsbrand in Dünkircheu. Tünkirchen, 5. August.(P. C.) In der verflossenen Nacht entstand in der Allgemeinen Ausstellung ein Brand, der erst nach längerer Zeit beigelegt werden konnte. Zwei Pavillons sowie ver« schiedene Gebäude des Vergnügungsparks sind vollständig nieder- gebrannt. Wie sich herausgestellt hat, ist die Ausstellung durchaus nicht feuersicher angelegt worden und man nimmt daher an, daß sie vorzeitig geschlossen wird._ Flieger Abramowitsch wieder flott. Luga, 3. August.e Anfrage an die vortragenden Herren folgte, sprach der Geschäftsführer der Ortskrankenkasse der Kaufleute zu Berlin Albert Kohn über:„Die Verwaltung der Genesungsheime und Heilstäten nach einheitlichen Grundsätzen." Mit einem Referat des Geschäftsführers Magnan-Berlin über die glcichsversicherungsovdnung fand die Tagung nach sechsstündiger Dauer ihren Abschluß. Die nächste Konferenz soll in Forst«b- gehalten werden. Liiwelchen von Stocken als Lntlaskuagsgrunck. Am 18. Juni berichteten wir über die Urteile des Amtsgerichts Gnoien und des Landgerichts Rostock, die die kündigungslose Eni» lassung eines Landarbeiters deshalb für gerechtfertigt erklärten, weil der Arbeiter in Gegenwart des Gutsin'spektors. seine Winde laut abgelassen hatte. Aus unserem Leserkreise und selbst in bür- gerlichen Organen wurde es für kaum glaublich erachtet, dass ein grundgelehrter Richter in Mecklenburg in seltsamer Weltfremdheit angenommen habe, ein Landarbeiter könne— ähnlich wie das be- rühmte Pferd eines Herrn Von Oertzen, das Vor der Schwadron auf Kommando konnte förtzen— das Naturwunder Verrichten, nach Belieben Winde streichen und anhalten zu lassen. Das Urteil wird jetzt in seinem Wortlaut in der Monats- schrift„Gewerbe- und KaufmannSgericht' Veröffentlicht. Der Zeitung hat das Unikum juristisch-naturwissenschaftlicher Auffassung der Rostocker Landgerichtspräsident eingesendet. Wir teilen den Wort- laut deS Rostocker Landgerichtserkenntnisses nachstehend mit. DaZ Urteil lautet: „Die Klage des ohne Kündigung entlassenen Arbeiters ist Vom Amtsgericht Gnoien abgewiesen. Die Berufung deS Klägers ist zurückgewiesen. Aus den Grünben: Wie sich aus der eidlichen, Völlig glaub- würdigen Aussage des Zeugen Sch. ergibt, war der Kläger am Morgen des 8. August 1911 mit noch anderen Arbeitern beim Auf- setzen einer Miete beschäftigt. Da er nur lässig arbeitete und dem anwesenden Zeugen schon seit langem als faul bekannt war, wurde er von Sch. aufgefordert, fleißiger zuzugreifen. Gleich darauf ließ der Klüger seine Winde so laut ab, das; der etwa 6 Meter v»n ihm entfernte Zeuge es hören kannte. Dasselbe Benehmen wiederholte er nach einizer Zeit noch einmal. Sch., der sich durch das Benehmen beleidigt fühlte, stellte ihn hierauf zur Rede und sagte zu ihm: Wenn er sich wie ein Schwein betragen wolle, so habe er keine Arbeit mehr für ihn. Hierauf erwiderte der Kläger, er habe mit ihm nichts abzumachen, er sei vom Herrn angenommen. Es sei ihm un° möglich, feine Winde anzuhalten, er würde sich, wenn der Herr da- stände, ebenso betragen. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß das Verhalten des Klägers den Beklagten zu seiner sofortigen Entlassung berechtigte. Nach Lage der Sache kann das laute Ablassen der Winde seitens des Klägers nicht anders aufgefaßt werden als dahin, dass sie eine Antwort Wf die Vorhaltung Sch.? bilden sollte: fleißiger zu sein. Dies unflätige Betragen des Klägers in Gegenwart der übrigen Arbeiter enthielt eine schwere Beleidigung des Inspektors Sch.. die allein schon genügen würde, den Beklagten zur sofortigen Aufkün- digung des Dienstvertrages zu berechtigen. Der Inspektor eines Gutes ist der Vertreter des Gutsherrn den Leuten gegenüber, er hat den Leuten die Arbeit zuzuweisen und sie bei derselben zu be- aufsichtigen. Im Interesse eines ordentlichen Arbeitsbetriebcs aber ist es unbedingt erforderlich, dass die Autorität des Inspektors den Leuten gegenüber gewahrt wird Würde ein! Gutsherr ein Be- nehmen wie das des Klägers ungerügt hingehen lassen, würde er hiergegen nicht sofort auf das schärfste einschreiten, so würde er das Ansehen des Inspektors und damit sich selbst auf das schwerste schädigen. Die sofortige Entlassung des Klägers war aber umso- mehr gerechtfertigt, als er seinem unflätigen Benehmen noch schwere wörtliche Beleidigungen gegen den Inspektor und gegen den Be- klagten selbst folgen ließ. Denn schwere Beledigungen waren es, wenn er zu Sch. in Gegenwart der übrigen Arbeiter sagte, er habe mit ihm nichts abzumachen und würde sich genau so betragen habe», wenn der Beklagte anwesend gewesen wäre. Ein Entschuldigungsgrund für das Verhalten des Klägers ist nicht vorhanden. Selbst wenn er, wie er behauptet, an Blähungen leiden sollte, war es nicht gerechtfertigt, wenn er seine Winde laut von sich gab. Zu seinen wörtlichen Beleidigunigen will der Kläger durch die Aeusserung Sch.s gereizt worden sein: Wenn er sich wie ein Schwein betragen wolle, so hätte er keine Arbeit mehr für ihn. Mag dies aber auch der Fall sein, so sind die Aeußenmgen doch nicht zu entschuldigen. Der Inspektor war im Interesse der Aufrecht- erhaltung seiner Autorität berechtigt, das Benehmen des Klägers auf das schärfste zu tadeln. Die Bezeichnung des Verhaltens des Klägers als Schweinerei war, wie der Kläger erkenne» mußte und zweifellos auch erkannt hat, durchaus zutreffend." Na also, da haben wir es schwarz auf weiss„im Namen des Grotzherzogs von Mecklenburg-Schwerin". Es unterliegt darnach „keinem.Zweifel"— diese famose Ausflucht vor Anführung eines wirklichen Grundes bildet die einzige Grundlage für den luftigen Bau der Rostocker Herren Juristen— daß lautes Ablassen von Winden ein„wichtiger Grund" ist, bei dessen Vorhandensein dem Gutsherrn nicht zugemutet werden kann, einen Vertrag mit einem Landarbeiter einzuhalten, ja selbst, wenn der Landarbeiter an Blähungen leidet, verlangt der Richter, dass diese nicht laut sein dürfen. Deshalb habe der Inspektor mit Recht den Landarbeiter für ein Schwein erklärt. Denn, müsse man logisch zugeben, das sei ja gerade das Unterschiedliche zwischen Menschen und Schwein, daß dies seine Gase laut entweichen lassen muß, während dem Menschen oder wenigstens dem Landarbeiter Gewalt über die Töne gegeben sei. Das Rostocker Landgericht hat durch seine Entscheidung die Naturwissenschaft um ganz neue Erkenntnisse bereichert. Jetzt wird endlich der Unterschied von Mensch und Schwein „zweifellos" klar. Jetzt ist umgestoßen die Auffassung, die Stärke eines Tons werde durch die Weite der Schwingungen der Schall- wellen hervorgerufen und der Landarbeiter zum Meister der Töne erkoren. Dank wird neben den Naturwissenschaftlern die musikalische Welt für diese Entdeckung den Herren in Rostock wissen. Ihre Entdeckung geht noch weit über die Aenderung der Gesetze der Schwerkraft durch jene preußischen Richter hinaus, die da er- klärten, die Schwere eines Pakets sei nicht an dem Gewicht des Pakets, sovidern an dem sozialdemokratischen Inhalt der in ihm der- borgenen Druckschriften abhängig. Beklage sich in Zukunft niemand über ungerechte Urteile. Nach der famosen Theorie der Gewalt des Menschen über die Winde und seiner Pflicht zur Ausübung dieser Gewalt sind solche Urteile naturgemäße Folgen versetzter Blähungen. �iigendbewegiitig. Die patriotische Jugendbewegung eine öffentliche Gefahr. Der Regierungspräsident in G um binnen hat in den letzten Tagen eine Bekanntmachung erlassen, worin er mitteilt, dass«hm lebhafte Beschwerden zugegangen seien, daß Wandervögel und andere jugendliche Wanderertrupps häufig in den Forsten und ohne jegliche Sicherheitsinassregeln Feuer zum Abkochen anzünden. Er- Mahnungen und Verbote der Wächter hätten«neistens nichts gefruchtet und seien sogar noch oft mit höhnischen Redensarten auf- geiioisimen Ivorden. Der Regierungspräsident macht daher darauf ausmerksam, daß er einem derartigen gefährlichen Treiben auf das schärfste entgegentreten müßte und ersucht die Ortsausschüsse und Vor- stände, mit geeigneter Belehrung auf die jugendlichen Wanderer ein- zuwirken.— Wenn es sich um die proletarische Jugendbewegung handeln würde, dann ivürde die„geeignete Belehrung" jedenfalls in dem Mobilmachen zahlreicher Gendarmen und im Verhängen von Strafbesehlen en gros bestehen. Die Förderer der staatlichen Jugend- pflege können auch sagen:.Der Knabe Karl fängt an mir fürchter» lich zu werden"._ Soziales. Landkrankenkassen und Sozialdemokratie. Vor der Erbschaftssteuer und dem Aufwachen der Landarbeiter haben die Junker Angst, alles andere, mit Einschluß von Thron, Altar, Vaterland. Patriotismus und ähnlicher„Chosen" ist ihnen — wie sie oft genug bewiesen haben— reichlich gleichgültig. Dem Landproletarier wirklichen Arbeiterschutz zu gewähren, das lostet erstens Geld und zweitens wäre es doch ein Kulturfortschritt, den Proleten ihre Gesundheit und Arbeitskraft zu schützen— das gibts nicht! In der Ncichsvcrsicherungsordilung haben so die Konservativen eifrigst dafür gesorgt, daß„ihren" Landarbeitern nicht zu viel ge- Holsen wird. Den Landarbeitern ist der maßgebende Einfluß in den Verwaltungen der Kassen genommen. Die Kassenherrschaft liegt in den Händen der vom Gossgrundbesitz beherrschten Kreis- Vertretungen. Betriebe mit mehr als 55 Arbeitern können ganz dem Einfluß von sogenannten Betriebskrankenkassen untergeordnet werden. Den Arbeitern wird ein? sehr geringes Krankengeld ge- boten, das im Winter auch noch herabgesetzt werden kann. Der Wöchnerinnenschutz für landwirtschaftliche Arbeiterinnen ist noch viel schlechter als der allgemein durchgeführte. Weshalb dem Land- arbeiter in seinen Kassen entgegen den Bestimmungen der städti- schen und anderer Krankenkassen auf Grund der Reichsversiche- rungsordnung kein Mitbestimmungsrecht gewährt wird, das ist von den Agrariern immer vorsichtig verschwiegen worden. Um so wich- tiger ist eine Notiz der scharfmacherischen deutschen Volkswirtschaft- lichen Korrespondenz, die in den ländlichen Ablegern der „Deutschen Tageszeitung" jetzt abgedruckt erschienen ist. In ihr heißt es, nachdem von dem„Nachteil" gesprochen worden ist, der dadurch entstände, dass in nichtprcussischen Staaten keine Land- krankenkassen gegründet werden sollen: „Gerade der preußische Staat, der eine hochentwickelte, sich immer mehr ausdehnende Industrie besitzt, hat ganz besondere Veranlassung, die Bildung von Landkrankenkassen zu begünstigen, die das sicherste Bollwerk gegen die Sozialdemokratie vilden. In ihnen kann der sozialdemokratische Einfluß sich schon deswegen nicht geltend machen, weil die Kassen nach dem Gesetz keine Selbstverwaltung besitzen. Die Sozialdemokratie hat dagegen ein grosses Interesse an einer Erstarkung der Ortskrankenkasscn. Sie wird es mit Genugtuung begrüßen, wenn auch in Preußen diesen � Expansionsbestrebungen Vorschub geleistet würde. Sie hätte auch allen Grund dazu, da ihr dann die Möglichkeit gegeben würde, ihren alten Lieblingsplan, den sie bisher nicht verwirklichen konnte, durchzusetzen, nämlich, eine wirksame Agitation auf dem Lande zu entfalten, — Krankenkassen sind nitff einmal auch Organisationert, die allerdings nur Wohlfahrtseinrichtungen sein sollen, die ccher zu politischen Zwecken mißbraucht worden sind, und zweifellos., wenn nicht rechtzeitig eingegriffen wird, auch weiterhin sich?n den- selben Bahnen bewegen werden." Hier ist klipp und klar ausgesprochen, dass die Junker die Reichsversicherungsordnung gegen die landwirtschaftlichen Arbeiter und Arbeiterinnen aus politischen Motiven benutzt habere Das offene Geständnis ist wertvoll: um die Kassen zu'politischen Zwecken zu missbrauchen, nehmen sie den Arbeitern die Selbstver- waltung für die Kaffen, die durch eine direkte, den Arbeitern aus- erlegte Reichseinkommensteuer erhalten werden. Und das unter der heuchlerischen unwahren Behauptung, die Sozialdemokratie miß- brauche die Kassen zu politischen Zwecken. So handelten nicht allein die Konservativen, sondern alle Parteien des schwarzblauen Blocks und darüber hinaus die bürgerlichen Abgeordneten bis in die Reihen der Freisinnigen hinein. Kindlich ist die Auffassung, der Sozial- demokrie werde durch die Entrechtung der Landarbeiter der Boden auf dem Lande abgegraben. In Wahrheit ist diese schamlose Ent- rechtung der Landarbeiter Dünger, aus dem der sozialdemokratische Weizen noch üppiger auf dem Lande gedeihen wird. Ungültiger Arbeitsvertrag eines Minderjährige«. Die 16jährige Tochter eines Jnsterburger Arbeiters ging nach Königsberg, um hier Stellung als Dienstmädchen anzunehmen. Der Vater gab ihr eine Bescheinigung mit. daß er ihr zur Ver- mietung in Königsberg die väterliche Genehmigung erteile. Das Mädchen nahm auch zunächst eine Stelle in Königsberg an. der- mietete sich jedoch dann als Dienstmädchen auf ein Rittergut, ohne den Eltern etivas hiervon mitzuteilen. Als der Vater davon er- fuhr, teilte er dem Dienstherrn sofort mit. dass er den Arbeits- vertrag nicht genehmige und dass seine Tochter sofort zurückkommen solle. Als der Rittergutsbesitzer das Mädchen nicht ziehen ließ. ging sie eigenmächtig fort. Ter zuständige Ämtsvorsteher verhängte über das Mädchen eine Ztvangsstrafe, um sie zum Wiedcrantritt der Stelle zu zwingen. Die erhobene Klage wies der Kreisaus- schuß in Rastcnburg(Ostpreussen) ab, indem er erklärte, das minderjährige Mädchen brauche zwar zur Eingehung von Dienst- Verhältnissen die Genehmigung des Vaters. Aber der Vater habe ihr die Genehmigung für einen Dienst in Königsberg erteilt. Stach § 113 Abs. 4 des B. G.-B. gelte aber die einem Minderjährigen für einen einzelnei« Fall erleilte Ermächtigung im Zweifel als allgemeine Ermächtigung. Das müsse auch hier angenommen werden. Deshalb wäre daS Mädchen berechtigt gewesen, sich ohne weitere besondere Genehmigung auch ausserhalb Königsbergs weiter zu vermieten. DaS Arbeitersekretariat in Königsberg focht diese willkürliche Entscheidung durch Berufung beim Bczirksaus- schuß in Königsberg an. Es führte aus, daß der§ 113 des B. G.-B. nur angewendet werden könne, wenn aus der Form der erteilten Genehmigung sich ein Zweifel ergebe. Dies sei hier aber nicht der Fall, denn der Vater des Mädchens habe ausdrücklich und Zweifels- frei nur die Genehmigung zum Vermieten in Königsberg gegeben. Der Bezirksausschuß folgte diesen Ausführungen auch und hob die Entscheid»« des Kreisausschusses auf. Das Verlassen des Dienstes durch das Mädchen wurde für berechtigt erklärt, da ein gültiger Dienstvertrag mangels der Genehmigung des VaterS nicht zustande gekommen sei._ Eine Gemeinde ohne Borsteher und Gemeindevertretung. Die Gemeinde Langerfeld in Westfalen, Kreis Schwelm, ist seit dem 29. Juli ohne Gemeindevertretung und-Vorsteher. Das kam so: Aus dem aus 18 Mitgliedern zusammengesetzten Gemeinde- rat muß alle 2 Jahre ein Drittel der Mitglieder, also in jeder Abteilung zwei, ausscheiden. Seit Jahren bestand nun der Modus, daß einmal in jeder der Abteilungen 3 Mitglieder, einmal 1 und einmal 2 ausscheiden. Am 15. November v. I. wurden bei der Ge- meinderatswahl in der 1. Abteilung die Fabrikanten Henkels, Windhövel, Ouambusch und Hillringhaus, in der 2. Abteilung der Rentner Cleff und in der 3. Abteilung der Kaufmann Dabring� hausen sowie die Genossen Wolferts und Honsberg gewählt. Die Ausschreibung der Wahl war vom Gemeindevorsteher unterschrieben. Am 19. Dezember 1911 wurden die Mandate unter Zustimmung deS Gemeindevorstehers für gültig erklärt. Um eine Gleichmäßigkeit der Zahl der ausscheidenden Mit- glieder herbeizuführen, ließ der Amtmann in einer Gemeinderats- sitzung durch Los entschieden, wer von den Gewählten in 2 respektive in 4 Jahren ausscheiden sollte. In der 3. Abteilung traf das Los unseren Genossen Hondsbcrg, in der 1. Abteilung sollten die Fabri- kanten Windhövel und Ouambusch in 2 respetive 4 Jahren aus- scheiden. Der Gcmeinderat hatte diese Auslosung unter Vorsitz des Amtsmanns Ernst vorgenommen und gutgeheißen, aber der Ge- meindevorsteher Himmelmann beanstandete die Wahl mit der Be- hauptung, das frühzeitige Ausscheiden hätte bei der Ausschreibung der Wahl mit bekannt gegeben werden müssen. Gegen die Beanstandung klagte der Amtmann beim Kreis- ausschuß. Der Klage schlössen sich Dr. Hillringhaus, Fabrikant Ouambusch, Rentner Cleff und Kaufmann Dabringhausen an. Die Klage kam am 25. Juni d. I. zur Verhandlung. Ter bis vor kurzem noch aus 15 Mitgliedern bestehende Gemeinderat war aber inzwischen durch den Verzug unseres Genossen Schmidt und durch den Tod eines bürgerlichen Vertreters beschlußunfähig geworden. Um die Beschlussfähigkeit wieder herzustellen, zog der Gemeinde- Vorsteher die Beanstandung gegen das Mitglied Windhövcl zurück. Der Krcisausschuß erklärte in der 1. Abteilung die Manoate enkels, Dr. Hillringhaus und Windhövel für gültig, das Mandat uambuschs der ersten Abteilung sowie sämtliche Mandate der zweiten und dritten Abteilung jedoch für ungültig. Bei der ersten Abteilung hatte der Amtmann einen Irrtum begangen, indem er erklärt hatte, daß Q. auf 4 Jahre gewählt worden sei, obwohl er nur auf 2 Jahre gewählt sei. Deshalb die Ungültigkeitserklärung. Die zurückgezogene Beanstandung gegen Mndhövel wurde ebenfalls gutgeheißen. Die Mandate der 3. Abteilung wurden für ungültig erklärt, weil bei der Ausschreibung der Wahl eine Ersatzwahl für ein verstorbenes Mitglied nicht angegeben war. In der letzten Woche hat nun, nachdem eine am 6. Juli statt- gefundene Volksversammlung energisch gegen diese Vorkommnisse protestiert hatte, der Gemeindevorsteher Himmelmann sein Amt niedergelegt. Zur Ueberraschung der Gemeindevertreter sollte be- reits am 29. Juli eine Neuwahl stattfinden. Die Amtsniederlegung erfolgte angeblich wegen„sozialdemokratischer Hetzereien". Dave, haben unsere Genossen bis zur Stunde infolge schikanöser Winkel- züge nicht einmal den Sitzungssaal betreten können! Fünf von den neuen Gcmeindcvertretern gaben nunmehr in der Sitzung am 29. Juli die Erklärung ab, dass sie sich an einer Neuwahl erst nach Herstellung des gesetzmäßigen Zustandes beteiligen könnten. Gleichzeitig legten sie ihr Mandat nieder, so dass der Gemeinderat in Langerfeld ein jähes Ende nahm. Serickts-Leitung. Den Vorwurf des Meineids, den er im Amchtssaal gegen die Zeugen erhoben haste, mußte der Landmesser Erich Fischer in einer für ihn recht empfindlichen Weise büßen. Vor der 1. Ferienstrafkammer des Landgerichts II hatte sich Fischer gestern unter der Anklage deS Hausfriedens- bruchs zu verantworten.— Der Angeklagte war als Student seiner Wirtin die Miete ichuldig geblieben, die ihm dafür, um sich schad- los zu halten, mehrere Bücher pfändete, die er nicht zu seinem Studium brauchte. Um sich wieder in den Besitz dieser Bücher zu ctzcn, drang F. eines Tages in die Wohnung seiner ehemaligen Wirtin gewaltsam ein und verließ diese auch nicht trotz wiederholter Aufsorderung. Die Folge war eine Anklage wegen Haustriedens- bruchs, die vor dem Schösfengericht mit der Verurteilung des F. zu einer Geldstrafe von 25 M. endete. Gegen dieses Urteil legte »er Angeklagte Berusimg ein. Vor der Strafkammer wurde der- selbe Tatbestand wie vyr dem Schöffengericht festgestellt, so dass ba'S Geticht zu einer VerDerfüIkg itet VKufuAg faflt.— WährStid der Urteilsverkündung durch den Vorsitzenden rief der Angeklagte, der anscheinend vergessen hatte, wo er sich befand, plötzlich mit lauter Stimme:„Die Zeugen haben hier einen Meineid geleistet und daraufhin wird man nun hier verurteilt!" Das Gericht er- blickte in dieser Acutzerung eine grobe Ungebühr vor Gericht und beschloh, den Angeklagten in eine sofort zu vollstreckende Ordnungs- strafe von 24 Stunden Haft zu nehmen. Ein gefährlicher Denunziant. Der Eigentümer Ladewig aus Oberschöneweide schreibt uns zu dem Gerichtsbericht in Nr. 178, daß er gegen die Auferlegung der Kostest Beschwerde eingelegt hat. In der Tat will er durch Manipulationen des Angeklagten erheblich geschädigt sein. Es ser dann ein Vergleich geschlossen und habe er die Strafanzeige bereits vor Mongten auf Grund des Vergleichs zurückgenommen, Wetterprognose für Dienstag, den 6. August 1918. Etwas kühler, zunächst vorherrschend wollig mit leichten Regensällen und ziemlich frischen südwestlichen Winden; nachher wieder ausklarend. ierliner Wetterbureau. WitternngSüberstcht vom S. August 1918. Ltatlonen ||l g c L s B- Swinemde Samburg erlin Franks �luR München Wien ßZ if i 759 DSD 757235® 757i5D 76015® 760;® 757 5® AVetter 4 heiter bedeckt halb bd. bedeckt bedeckt wolkenl »K t* wS 19 17 20 16 16 21 Stationen Haparanda Petersburg Scilly Zlberdeeu Pari» O o » Z Unserm Freund und Genossen% Christian Tonneuberg nebst Frau � die besten Klückwünsche zum r- 25 jährigen Ehejubiläum.«i- Die Stammgäste von � Georg Schmidt. h Christian, wie wird Dirk SISZSAKTTGHH � Todes-Anzeigen � ZoMeWlii'MIierMssenüiiL tür äon ß. M\m Reichstagsvahlkrels. Stm Sonnabend, den 3. August, verstarb unsere Genosfin, Frau Mark Bruder Schlegelsw. 0(Bezirk 638). Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 3'/, Uhr, von der Halle des Philippus- AvostelkirchhoseS ans nach dem städtischen Friedhos, Müllerstrage, Ecke Seeswage statt. Um rege Beteiligung ersucht 231/8 Der Aorstand. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirk Grofi-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Industrie- arbeiter �uxust Weßlowski am Sonnabend, den 3. d. M, im Alter von 37 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 8. August, nach. mittags 2>/z Uhr, von der Leichen- Halle des Dankes- KwchhoseS, Reinickendorf, Blankestrabe, aus statt. Um rege Beteiligung wird ersucht. »tacltfut. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Droschken- sührer Karl Bandekow am 2. b. M. im Alter von 62 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken t 65/18 Die Bezirksverwaltung. gekehrt ÜF. 1�11�1', BakncntraBe 3. 121/5 Sozialdemokrat. Watilvereio Neukölln. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unsere Parteigenossin, Frau kiesbetk Gueridon Hermannstr. 70(17. Bezirk) verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Dienstag, nachmittag» 3'/, Uhr. von der Leichenhalle des Thomas- Kirchhoses, Hermannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Sozialdemokratisciier Wahlverein Treptow-Baumschulenweg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Böttcher ]*iml Zacli gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 7. d. MtS., nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- halle des Gcmeinde-Frtedhoscs in Treptow, Neue Krug-Allce, aus statt. Rege Beteiligung erwartet Her Vorstazid. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Einrichter EmU lehnst Gottschedsw. 40 am 3. August an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 7. August, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- .....~'" Arch- halle des St.Philipp.-Apostel-Kv hois, Müllerstr. 44/46, aus statt.' Rege Beteiligung erwartet 122/2 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung unsere» lieben Bruders u. Schwa- gcrs En, II Richter sagen wir dem Ches und Personal der Firma G. Bernstein sowie allen Beteiligten aus diesem Wege un- sercn herzlichsten Dank. 27506 Ernst Richter. Rudolf Richter. Helene Krüger, geb. Richter. Eduard Krüger. Allen Freunden und Bekannten die waurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater und Schwiegervater, der Tischler •Julius Manthey am 3. August nach einer schweren Operation im Sanatorium ver- schieden ist. Dies zeigen tiesbetrübt an Witwe?I»rle Manthey nebst Kindern, Schönieinstr. 29. Die Beerdigung findet am Mittwoch, 7. Slugust, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Heilig-Krcuz-Kirchhoss, Eisenachcr Straße, aus statt. 2742b Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daß unsere liebe Mutter, Schwiegermutter und Großmutter kuise Wilknitz geb. B o e r ß, Steinmetzstr. 23, am Sonntag, den 4. Slugust, nach kurzem schwerem Leiden sanst entschlasen ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 7. d. MtS., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle deS Luther-Kirchhofs in Lankwitz aus statt. 47 A Die trauernden Hinterbliebenen «Bwalel Wilknitz nebst Frau und Kind. Rclnhold Wilknitz. Danksagung. Für die vielen Beweise der Freund- schast und Liebe bei dem Hinscheiden und der Beerdigung unseres lieben Entschlasenen, deS Fischhändlers Ott» Uliiinborg, sage ich allen Freunden und Bekannten uusercii tlesgcjühltesteu Dank. 2751b Im Namen der Hinterbliebenen: Frieda Blumberg geb. H u t h. Deutseber Buchbinder- Verband. (Zahlstelle Berlin.) De» Mitgliedern die traurige Mitteilung, daß die Kollegin, Frau Mal-xarete Thieme plötzlich gestorben ist. 25/2 Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet Diens- tag. den 6. August, nachmittags 5 Uhr, aus dem Zenwal-Friedhos in Friedrichsselde statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Von der Reise zurück. 266/8 Prot. Dr. Th. Sommerfeld, Spezialarzt f. Hals- u. Lungenleiden, KW., Turmstr. 3 I. Für die reichen Kranzspenden und rege Beteiligung bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, sagen wir allen Verwandten und Bekannten, insbesondere dem Wahlverein, dem Verbände der Maschinisten und den Kollegen und Kolleginnen des Verstorbenen unseren herzlichsten Dank. HR Witwo Bertha Strelow Ä. Für die vielen Beweise herz- chcr Teilnahme und Kranz- I spenden bei der Beerdigung I meiner lieben Mutter Berta Sutnann sage ich allen Teilnehmern, ins- besondere dem Gesangverein .Licdersrcund", Pankow, und dem Wablverein, Bez. Pankow, meinen herzlichen Dank. Willi Snmann. Grohs Fernsicht hat man mit unserem Fernrohr„planes Planet ist kein Spielzeug, sondern ein wirk- lich brauchb. Instrument m. 4 scharf. Linsen mit ca. 10 x Vergrößerg. und 3 Aus- zügen. Planet leistet auch auf weite Entfernungen vorzüglicheDienste, daher für Reise, Jagd, Aus- flllge bestens zuenipfehlen. ist PrcispcrStück�lZ. Porto 50 zeptra, bei Vorhereinsend. auch Briefm. od. Nach- nähme 25, Bei zurück. Ein Versuch für Sie völlig kostenlos. Sosort nach Eingang Ihrer Bestellung erhal- ten Sie unser Fernrohr aus 14 Tage Probezeit zugesandt. Nichtgefallen senden Betrag Preiskatalog über Optik, Stahlwaren und Massen gratis an jedermann. Kinlisng& Cie., Foche 12 b. Solingen SpezialVersandhaus In Optik usw.(Gegr. 1889.) »vMil?n*,r........ 11( •yj.,."ttiiniiiri '•••../— V"-i|.1 e t in ii,, t:|iM'l'l":i|,|||,'(l '•)'(.,...... 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August, abends 8V, Uhr, findet für den Bezirk Königs-Wusterhausen beim Genossen Heidrich, Berliner Strohe, ein Extra-gahlabend statt. Auf der Tages- ordnung steht u. a.: Die Gemeindevertreterwahl am 12. August. berliner JVadmcbtem Berliner Kremserpartie. Jede Stadt hat ihre typischen Ainüsements. Man muß schon in den Vororten wohnen, will man den Berliner Sonn- taasausflügler richtig kennen lernen. Schon in aller Herr- gottsfrühe geht es los. Dann poltern die Kremser über das holprige Pflaster oder graben ihre Räder zolltief in den weichen Flugsand, daß sie bei jeder Umdrehung quietschen und aufkreischen und oft den Lärm übertönen, den sich die Wagen- insassen leisten. Menschen, Gäule und Wagen sind bunt herausgeputzt. Mit bunten Papierfähnchen ist nicht gespart. Ihr Flattern und Weben hält sogar die Flieden und Bremsen einiger- maßen in Schach. Ebenso wenig wie das Fäßchen unter dem Wägen fehlt die Musik auf dem Kutscherbock: nur der Paukenist, der freie Armbewegung braucht, hat am Hinterende der Mdssenkutsche seinen Platz gesunden. Auf gewöhnlicher Fahrstraße kann man bei einigem guten Willen m.it der Musik leidlich zufrieden sein. Geht es aber über typisches Spitzsteinpflaster, dann schüttelt der Wagen seine Insassen tüchtig durcheinander. Jeder dritte Paukenschlag geht in die Lust oder auf die Schulter des Nächstsitzenden. Und auch der Posaunist kann den Takt nicht halten, obwohl er sich ganz steif gewacht und die Beine fest gegen die Vorder- leiste des Bocksitzcs gestemmt hat. Aber das tut dem Vergnügen keinen Abbruch. Spaß muß fein. Scherzende Anzüglichkeiten fliegen im Wagen hin und her. Die Frauen kreischen. Und die Männer intonieren das beliebte Lied:„Das haben die Mädchen so gerne..." Wenn es dann abends mit leerem Fäßlein und leuchten den Lampions heimwärts geht, kann das Vorortstraßenpflaster noch so holprig sein: es schadet nichts. Der Paukenist hat längst seinen Schläger verloren, und dem Posaunisten ist die Puste ausgegangen. Innen im Wagen aber sitzen sie paarweiß eng umschlungen. Die alten Herrschaften machen ihr Nicker chen oder lassen einen Kalauer die Runde gehen. Dann wie hert ein Gelächter auf, daß die Gäule die Ohren spitzen und der Posaunenmann sich erschrocken seiner Berufstätigkeit er innert. Vor den Haustüren, an den Fenstern und Gartenzäunen der Straßen aber, durch die der Kremser rumpelt, stecken die tNeiugierigen die Köpfe zusammen und tauschen Bemerkungen aus über Vergnügungssucht... Proletarisches Sonntags� vergnügen!_ „Feuer im Berliner Waisenhause" zu RummelSburg alarmierte in der Nacht zum Sonntag die Berliner Feuerwehr. Der 7. Zug unter Leitung des Brandmeisters Hoch rückte sofort aus. Es brannte die sogenannte Uhrenkammer im Verwaltungsgebäude. Die Flammen ergriffen dann den Glockenstuhl und gefährdeten das Dachgeschoß des großen Gebäudes. Dank dem kräftigen Ein- greifen der Wehr ist der Schaven nicht erheblich. Nach Zstündiger Tätigkeit konnte die Wehr wieder abrücken. Die Ursache des Feuers konnte noch nicht ermittelt werden. Man nimmt an, daß sie durch Reparaturarbeiten, die dort jetzt vorgenommen werden, entstanden sein können.— Gleichzeitig hatte die 2. Kompagnie in der Köpe- nicker Straße zu tun. Dort brannten auf dem Hofe des Viktoria- spcichers Kohlen, Holz und andere Brennmaterialien. Auch hier gelang es der Wehr, durch kräftiges Wassergeben eine weitere Ge- fahr zu verhüten.— Der 9. Löschzug hatte längere Zeit in der Trebbiner Straße 13 zu tun. Dort stand ein Koloitialwarenkellcr in großer Zlusdehnung in Flammen. Diese hatten besonders an Petroleum, Spiritus usw. reiche Nahrung gefunden. Ei» nationaler?lllcrwclts- Manager. Unterschlagungen von rund 20 000 Mark wurden von dem Schriftsteller„Karl Rolf" ver- übt, der seit l'A Jahren für nicht weniger als acht Vereinigungen und Unternehmungen die Geschäfte führte: den Verband nationaler Vereine Groß-Berlin, den Alldeutschen Verband Groß-Berlin, den Allgemeinen Deutschen Schriftverein, den Ausschuß Kolonialfeste, den Deutschen Orden, die Koloniale Stellenvermittelung, die Ost- afrikanische Zeitung und die Deutsche Kanzlei, die alle in der Bernburger Straße IS/lö ihren Sitz haben. In dem Betriebe dieser Vereinigung merkte man am Montag voriger Woche, daß Geld fehlte. Man stellte„Karl Rolf", den Geschäftsführer, zur Rede, ohne sofort ermitteln zu können, um welche Summe es sich han- dclte.„Rolf" erbot sich,. für den Fall, daß ein größerer Betrag fehlen sollte, sofort durch eine Hvpothek den Vereinigungen Sicher- beit zu leisten. Das geschah denn auch. Die Hypothek wurde in Höhe von 20 000 M. mit Hilfe von Verwandten„Rolfs" beschafft. Im Laufe der Tage wurde dann auch festgestellt, daß der Geschäfts- führer etwa die Summe unterschlagen hat. Bald stellte es sich auch heraus, daß der Ungetreue nicht„Rolf" heißt, sondern Karl Lencer, rind daß er eine böse Vergangenheit hat, die er durch Fälschung von Papieren zu verdecken verstanden hätte. Lencer, ein Mann von 46 Jahren, ist vor langer Zeit wegen Betrügereien zuletzt mit mehreren Jahren Zuchthaus bestraft worden. Er legte sich nun den Namen Rolf bei und verstand es, vor IM: Jahren die Stelle eines Geschäftsführers für die genannten Vereinigungen zu erlangen. Der Entlarvte, der zuletzt in Steglitz in einem Pensionat wohnte, führte ein so bescheidenes Leben, daß man sich nicht erklären konnte, wofür er das unterschlagene Geld gebraucht haben könnte. Er selbst behauptet, daß er einem Erpresser in die Hände gefallen sei. Ein ehemaliger Zuchthäusler, mit dem er zusammen seine Strafe verbüßte, habe ihn auf der Straße zufällig getroffen, seine Ver- Hältnisse ausgekundschaftet und ihn seitdem unter der Drohung, !>aß er ihn andernfalls verraten werde, ständig ausgepreßt. Ob das richtig ist, bedarf noch weiterer Feststellung. Nach den unliebsamen Entdeckungen wurde gegen den Entlarvten Strafanzeige erstattet. Als die Dinge gestern öffentlich bekannt wurden, erklärte„Rolf" zu Hause, daß eine Personenverwcchselung vorliegen müsse. Mit einem Freunde, der ihn abholte, verließ er dann frühmorgens seine Wohnung, angeblich, um mit mehreren Freunden gemeinsam einen Ausslug zu machen. Bis Sonntagabend war er noch nicht zurück- gekehrt. Zum Schutze de» zweiten Rathauses und der alten Parochial- kirche in der Klosterftraße werden beim Bau der Untergrundbahn außerordentliche Sicherheitsmaßregeln getroffen. Längs der ganzen Seitenfront des Stadthauses ist eine vier Meter starke Betonmauer l erbaut worden, welche tief unter die Grundmauern des massigen .Bauwerks gehen; besondere Verstärkungsrippen nehmen den ge- wältigen Scilendruck der Raihansfundamente auf. In ähnlicher Weise ist die gegenüberliegende Tunnelwand gegen die Last des ParochialkirchturmeS versteift. Aber auch der Tunnel selbst muß gegen den Druck der beiden Monumentalbauten geschützt werden: von drei zu drei Meiern werden in die Tunneldecke l'/z Meter hohe Eisenträger eingebaut, welche das Zusanimenpressen der Tunnel- wände verhindern. Ueber zwanzig dieser Träger sind unter großen Schwierigkeiten schon auf ihre Lager gebracht, so daß die Ein- betontierung demnächst beginnen kann. Der Streit um„Indien", der zwischen Hagenbeck und Höpfner entbrannt ist, geht noch immer weiter. Hagenbeck und Elkor-Lauc hatten von Höpfner für 15 000 M. Wechsel erhalten, jedoch bc- hauptet, daß sie sie nicht unterbringen konnten. Jetzt ergab sich aber, daß sie dieselben dennoch ausgegeben haben, und nun wur- den die Wechsel Höpfner zur Zahlung vorgelegt. Wie der Jmpre- sario Elkor öffentlich mitteilen ließ, sollte Gustav Hagenbeck am vergangenen Freitag aus Dresden zurückkehren. Er ist aber bis jetzt noch nicht wiedergekommen. Die Leute, die nach Dresden fuhren, um sich ihren Lohn von ihm zu holen, haben ihn dort auch nicht gefunden. Das ist für sie um so unangenehmer, als die neue G. m. b. H. für Hagenbeck nicht zahlt. So haben nun Leute ihr Gehalt für Juli, das sie am 1. bekommen sollten, auch jetzt noch nicht erhalten. Vier von den böhmischen Musikanten, die Hagen- bcck mitbrachte, sind nach Hause gefahren und haben außer dem Gehalt für 14 Tage auch noch jeder 30 M. Kaution eingebüßt. Ob die Bemühungen der Unternehmer, einen neuen Gastwirt mit Geld oder neue Büfettiers mit Kaution zu finden, Erfolg haben werden, ist wohl zweifelhaft. Die Gründung der G. m. b. H. hat manchen überrascht. Auffallend ist auch die Eile, mit der sie betrieben wurde. Der Badedetektiv ist zur Sommerszeit für unsere„Erstklassigen" unentbehrlich geworden. Er weiß, wie es auf den Höhen des Lebens zugeht und schlägt Kapital daraus, stellt sich den Herrschaften durch ZeitungSinserate, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen, zur Verfügung. Neben dem bloßen Flirt blüht in den mondainen und anderen Badeorten auch der Ehebruch. Was sich da alles als Eheleute ausgibt und in fremdem Revier jagt, geht auf keine Kuh- haut. Da ist denn der Badedetektiv in seinem Element. Er läßt sein Opfer nicht mehr ans den Krallen und soll, um seinen Auftrag- geber zu befriedigen, nicht allzu selten die Rolle des Garntreibers spielen. Daheim gibt's natürlich eine Ehescheidung mit Paulen und Trompeten, die der sogenannten besten Gesellschaft erwünschten Stoff zu», Klatsch bietet. Auch bei den Berliner Gerichten häufen sich die Ehescheidungsklagen gerade nach der Badesaison, Schwere Brandwunden erlitt am Sonntag der 64jährige Maler W. Schulz bei einem Brande in der Hussitcnstr. 44. Die Flammen sollen durch Umfallen einer Petroleumlampe in der Wohnung des W. Schulz ausgekommen fein. Bei dem Bemühen, die Flammen zu löschen, fingen die Kleider des alten Mannes Feuer. Obgleich schnell Hilfe zur Stelle war, konnte Schulz nicht mehr gerettet werden. In hoffnungslosem Zustande mußte er nach dem LazaruSkrankenhause gebracht werden._ 1000 Mark Belohnung für die Entdeckung von Brandstiftern. Die in den letzten Wochen mehrfach vorgekommenen Brand- stiftungsfälle in Berlin haben jetzt die Deputation für die städtische Feuersozictät zu folgender Bekanntmachung veranlaßt: „Ans Anlaß der in der letzten Zeit in der Stadt Berlin statt- gehabten Brände, deren Entstehung auf vorsätzliche Brandstiftung zurückzuführen ist, bringen wir hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß wir eine Belohnung bis zu 1000 M. demjenigen zahlen wer- den, der uns den oder die Brandstifter so nachweist, daß deren ge- richtliche Bestrafung erfolgen kann." Das Ende eines jugendlichen MuttermSrdcrs.' Auf dem Fried- Hofe der Strafanstalt in Plötzensce ist vorgestern der 21 Jahre alte frühere Amtsschreiber Otto Schulze beerdigt worden. Schulze hat im Januar 1909 seine eigene Mutter und seine Großmutter in Kloster Lehnin ermordet und beraubt. Im März 1909 ist Schulze wegen dieses Doppelmordes zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Im Gefängnis zu Plötzensee erkrankte er an einem Lungenleiden und wurde vor einigen Wochen ins Lazarett gebrach:, wo er am Freitag gestorben ist. Aus der Selbstmordchconik. Bon der Böschung dcS NorduferS nahe der Eisenbahiibrücke sprang in der vergangenen Nacht die wohnungslose, 2l Jahre alte Arbeiterin Emma Czeczollek in den Spandaucr Schiffahrtskanal und ertrank. Ihre Leiche konnte gleich darauf geborgen werden. Andauernde Krankheit(Lungentuberkulose) dürfte die C. in den Tod getrieben haben.— Einen Selbstmord- versuch aus Liebeskummer verübte in der Nacht zu Montag in dem bei Oranienburg belegenen Orte Schmachtenhagen die 25jährige Margarete Köppel aus Berlin, Kanierunstraße 53. Am Sonntag war sie nach Schmachtenhagen gekommen, um ihren dort wohnenden Bräutigam zu besuchen und sich zu vergewissern, ob Gerüchte von seiner Untreue wahr seien. Als sie den Geliebten mit einem anderen Mädchen zusammensah, vergiftete sie sich. Sie wurde in hoffnungs- losem Zustande ins Krankenhaus nach Oranienburg übergeführt.— In einem Anfall von Schwermut sprang gestern früh die Frau des Bahnassistenten Dietrich aus ihrer Südufer 23 belegenen Wohnung aus die Straße hinab, wo sie mit zerschmetterten Gliedern tot liegen blieb./ In der sächsischen Schweiz verunglückt bei einem nächtlichen Spaziergang im Postelwitzer Staatsforstrevier ist der Geheime expedierende Sekretär Rechnungsrat Hugo Ney vom Kriegs- Ministerium. Er verfehlte den rechten Weg und stürzte in eine ewa fünf Meter tiefe Schlucht. Herr Ney mußte sich in ärztliche Behandlung begeben. Vom Vorortzuge totgefahren. Auf dem Bahngleise in der Nähe des Bahnhofs Friedrichshagen wurde gestern morgen um 4 Uhr die Leiche eines Mannes gefunden. Dem Befunde nach war der Mann von einem Vorortzug während der Dunkelheit überfahren worden. Wie festgestellt wurde, handelt es sich um den Schutzmann Langner vom 113. Berliner Polizeirevier. Reicher Kindersegen ist dem Schiffer Heimes beschieden. Seine Ehefrau hat ihm bereits sechzehn Kindern geschcnkr und in der Nacht zum Sonntag erblickten auf dem Kahn Drillinge das Licht der Welt. Auf der Fahrt von Oranienburg nach Berlin auf der Oberhavel wurden die jungen Weltenbürger geboren. Zwei von ihnen starben jedoch nach wenigen Stunden, Ein schwerer Straßenbahnnnfall ereignete sich am Sonntag- abend gegen 9 Uhr in der Brunnenstraße. Tort wollte an der Lortzingstraße die OOjährige Frau Johanna Tietz aus der Bcusicl- straße 8b kurz vor einem Straßenbahnwagen der Linie 41 das Gleis überschreiten. Obwohl der Führer des Motorwagens sofort alle ihm zur Verfügung stehenden Bremsmittcl betätigte, konnte er ein Unglück nicht mehr verhüten. Die alte Frau wurde umgestoßen und geriet mit den Beinen unter den Schutzrahmen des Vorder- Perrons. Die Verunglückte wurde in bewußtlosem Zustande nach der nächsten Unfallstation gebracht, wo ein Schädelbruch, eine Gehirn- crschütternng und Lmetschungen an beiden Beiden festgestellt wur- den. Nach Anlegung von Notverbänden wurde die Frau in hoff- nungslosem Zustande nach dem Rudolf-Virchow-Krankenhans träns- portiert. Das Gebrüder-Herrnfcld-Theater eröffnete am Sonnabend nach dreimonatlicher Sommerpause die neue Saison. Die Direktion hatte die aus dem letzten Winter mit so viel Erfolg gespielte zwei- aktige Komödie«Wie man Männer bessert" auf das Repertoir ge- gesetzt. Das ausverkaufte Haus und der von dem Publikum den Darstellern gespendete Applaus beweisen, daß das Stück noch eine erhebliche Zugkraft auf die Theaterbesucher ausübt. Anton und Donat Herrnfeld zeigten sich mit drastischem Humor und herzer. quickender Frische als verbesserungsbedürftige Ehemänner. Auch die übrigen Teilnehmer spielten ihre Rollen mit vielem Geschick. Den Schluß des Abends bildete die bereits vor Jahren aufgeführte, jetzt wieder erneuerte„Klabiras-Partie". Wie wenig bei der Großen Berliner Straßeiibahngesellschaft soziales Empfinden anzutreffen ist, zeigt folgender Vorgang. Ein bei der Gesellschaft beschäftigter Schlaffer P. hatte das Unglück, krank zu werden. Eines Tages wurde ihm nun von einem An- gestellten des Betriebes mitgeteilt, daß die Arbeit sehr dränge und seine Stelle nicht unbesetzt bleiben könne. Als P. nun am darauf folgenden Sonnabend sich zum Wiederantritt meldete, wurde er kurzer Hand entlassen. Dieser Schlag traf P. um so härter, als er schon drei Kinder hatte und seine Frau zu jener Zeit mit dem vierten niederkam. P. mußte aber obendrein mit vollkommen leeren Händen den Betrieb verlassen, indem ihm bei der Entlassung gesagt wurde:„So, hier ist die Quittung, Geld bekommen Sie nicht mehr". Er hatte nämlich ein Darlehen aufgenommen und so behielt man ihm selbst das K r a n k e n g e l d. zirka 17 M., ein. Für den Rest des Darlehens soll nun ein Bürge aufkommen, der für P. Bürg- schaft geleistet hat. Dieser Borgang zeigt wieder einmal, daß im Re,che der Großen Berliner von sozialem Empfinden wenig zu merken ist. Unverständ- lich aber ist es, wie dem Arbeiter für ein aufgenommenes Darlehen das Krankengeld einbehallen werden konnte, eine Maßnahme. die den gesetzlichen Bestimmungen einfacb widerspricht. Unter dem gelben Regime scheint sich nachgerade schon die Ansicht gebildet zu haben, daß alles, was man dort tut, wohlgetan und jeglicher Rechts- sphäre entrückt ist. Hoffentlich wird der Gesellschaft von anderer Stelle der Standpunkt klar gemacht. Für die Arbeiter des Betriebes aber ergibt sich aus alledem, daß sie mehr wie bisher in die Reihen der Kampfcsorganisation einzutreten haben, wenn die gelbe Willkür- Herrschaft gebrochen werden soll. Berliner Asylverein für Obdachlose. Im Monat Juli nächtigten im Männerasyl 15 336 Personen, wovon 10 479 badeten, im Frauen- asyl 1896 Personen, wovon 546 badeten. Arbeitsnachweis wird erbeten: für Männer Wiesenstr. 55/59, für Frauen Kolberger Str. 30. Eine schaurige Entdeckung machten Vorübergehende gestern vor- mittag gegen 10 Uhr an'der Ecke der Friedrich- und Charlotten- straße. Dort lag auf dem Fahrdamm eine große Mehltüte, über die schon mehrere Fuhrwerke hinweggegangen waren. Als jemand die Tüte öffnete, fand er darin zu seinem Entsetzen eine vollständig verstümmelte Kindesleiche. Die Polizei ließ die kleine Leiche nach dem Schauhause bringe». Wieder eine Brandstiftung. In der zehnten Abendstunde wurde gestern die Berliner Feuerwehr durch dreifachen Alarm nach der Weißenburger Straße 36 gerufen, wo wieder ein Dachstuhlbrand ausgebrochen tvar. Die Löscharbeiten zogen sich über eine Stunde hin. Offenbar liegt auch hier wieder vor» sätzliche Brandstiftung vor, wenn es auch nicht mehr möglich war, irgendwelche Feststellungen in dieser Richtung zu machen. Verloren. Auf der Bahnfahrt von Grünau nach Bahnhof Jannowitzürücke ist am Sonntagabend ein Portemonnaie mit über 50 M. Inhalt abhanden gekommen. Rückgabe erbittet Wonnenberg, Prenzlauer Alle 233. Im Wisseuschastlichen Theater der Urania gelangt der Vortrag „Der Vierwaldstädter See und der Gotthard", dessen farbenprächtige Bilder und Wandelpanoramen die Schönheiten und Reize des schönsten der Schweizer Seen in verblüffender Naturwahrheit dem Beschauer enthülle», am Mittwoch und Freitag zur Darstellung. Er bring: neben einer Bergfahrt auf den Nigi und den Pilatus die techliischen Wstnder der Gotihärdbahn sowie die alpinen Reize der gewaltigen Höhen des Gotthard. Am Donnerstag und Sonnabend ivird der Vortrag»Bon der Zugspitze zum Watzmann" noch einmal wiederholt.__ Vorort- JVacbricbtem NenköNn. Außerordentliche Stadtverorducteusitzung. Der Stadtverordneten- Vorsteher beruft die Stadtverordneten während ihres Sommerurlaubs zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, um den Konflikt zu erledigen, der in der letzten Sitzung vor den Ferien zwischen dem Magistrat und der Stadtverordnetenversaminlung ausgebrochen war. Die Stadtverordnetenversamnilung beschloß bekanntlich einstimmig, die Konimissionen und Deputationen nach der Stärke der Fraktionen zu ergänzen. Diese Maßnahme erschien der Versammlung dringend notwendig, weil die Kommissionen nur provisorisch und sehr schwach besetzt waren, da durch ein Urteil des Obcrverwaltungsgerichts die Stadtverordneten- Mandate von 29 Stadtverordneten für ungültig erklärt worden waren. Der Magistrat hatte in der letzten Sitzung der Stadt- vcrordnetcnversammlung vor den Ferien erklärt, daß er diesem Be- schluß der Versammlung seine Zustimmung versagen werde. In- zwischen hat eine Deputation, bestehend aus Magistratsmitgliedern und Stadtverordneten, getagt, die mehrere Vorschläge zu einer Einigung ausgearbeitet hat. Diese Vorschläge sollen der Stadt- verordnetenversammlung in der Sitzung am Donnerstag zur Be- schlußfasiung unterbreitet werden, damit Anfang nächsten Monats, wo die Beratungen über die neue Besoldungsordnung stattfinden sollen, die Kommissionen vollzählig sind und ungestört arbeiten können. Die Mietsschwindlerin in Trauerklcidcrn verhaftet. Bergangene Woche berichteten wir von den erfolgreichen Schwindeleien einer „Dame in Trauer". Nach einem neuen, allerdings vergeblichen Versuch, sich einen Damenhut zu erschwindeln, wurde sie von der Polizei ergriffen und in Haft genommen. Sie erschien in den: Putz- geschäft von Paul Cohn, Hermannstraße 166, und überbrachte einen alten Damenhut, den sie auf ihren Diebesfahrten erbeutet hatte, zum Umändern. Dabei kaufte sie einen neuen und wollte sich die Rechnung über diesen zugleich mit dem umgeänderten alten Hut nach der Hermannstraße 168, wo sie bei einem Oberlehrer Krause zu wohnen angab, schicken lassen, den neuen Hut selbst aber gleich nntnehmen. Im Geschäft war man jedoch so vorsichtig, erst schnell nach der angegebenen Adresse zu forschen, worauf sich herausstellte, daß die Angabc der Frauensperson unrichtig war. Der Hut wurde ihr infolgedessen nicht mitgegeben, dafür aber die Polizei auf ihr Treiben aufmerksam gemacht, die in ihr die gesuchte Miels» schwindlerin erkannte. Lichtenberg. Bon einem schwere» Unglücksfall wurde gestern nachmittag die sechsjährige Tochter des Möbelhändlers Lutterbllse, Friedrich- Kärl-Str. 5, betroffen. Das Mädchen blickte aus einem Fenster der im Hochparterre gelegenen elterlichen Wohnung, als plötzlich aus einem Fenster der dritten Etage ein Blumentopf herabfiel, der das Mädchen am Kopf traf. Der Blumenropf sauste mit solcher Wucht auf den Kopf des bedauernswerten Kindes, daß dieses das lieber- gewicht verlor und ans dem Fenster auf die Straße stürzte. Mit einer fchiveren Verletzung der Schädeldecke wurde das Kind nach An- legung eines Notverbandes dem Krankenhause zugeführt, wo es in bedenklichen: Zustand daniederliegt. Ein Schlnfstellendicb ist hier unter dem Namen Mr. JameS White aus London aufgetreten und hat u. a. eine Witwe ganz empfindlich geschädigt. Er mietete sich bei der Witwe ein und bar sie sogleich, für ihn nach dem Anhalter Bahnhof zu gehen, um dort seine vier Koffer einzulösen. Er selbst sei des Lesens unkundig, spreche nur schlecht Deutsch und glaube sich nicht zurecht zu finden. Die Wirtin kam dem Verlangen ihres neuen Mieters ohne weiteres nach. Während sie nach dem Bahnhof unterwegs war, erbrach der Fremde alle Behälter und Schränke und stahl daraus, was er für mitnehmenswert hielt. Bei der Rückkehr der Frau, die natürlich auf dem Bahnhof sich auch nicht ausfand, weil die Angaben des Mannes falsch waren, fand sie alles erbrochen und ihren neuen Mieter ver» schwunden. Sie beschreibt ihn als einen schlanken, abgelebt aus- sehenden Menschen, der einen grauen Anzug und helle gelbe Stiefel trug. Er sprach gebrochen Deutsch, hat jedoch seine Sprache wahr> scheinlich verstellt. Traurige Aufklärung hat das Verschwinden eines jungen Mädchens, der 17jährigen Näherin Margarete Schumacher auS der Weserstrafie 17 gefunden. Sonnabend vormittag fand man im Schiffahrtskanal die Leiche einer jugendlichen Selbstmörderin, in der die Vermihle erkannt wurde. Wegen unglücklicher Liebe hotte das junge Mädchen den Tod im Wasser gesucht. Die Leiche wurde nach dem Schauhause übergeführt. Adlershof. Der letzte Ferienausflug findet nicht heute Dienstag, sondern morgen Mittwoch, den 7. August statt. Abmarsch 2 Uhr vom Jugendheim, BiSmarckstr. 11, nach„Waldhaus", Nieder-Schöneweide. Daselbst findet ein Kinderfest statt. Es wird ersucht, wenn möglich, den Kindern IS Pf. mitzugeben, wofür eine Stocklaterne, Kaffee und Kuchen verabfolgt werden. Köpenick. Die Fischverkäufe, die seitens der Stadt allwöchentlich stattfanden, sollen demnächst in der Grünstr. 10 wieder aufgenommen werden. Die Einstellung des Verkaufs war durch die heiße Witterung veran- laßt, die den Konsum von Seefischen ungünstig beeinflußte. Nach- dem jetzt kühleres Wetter eingetreten ist, dürfte in 2—3 Wochen der Verkauf neu eröffnet werden. Reinickendorf. Zwei Kirchcndicbe sind in der Nacht zum Sonntag verhaftet worden. Einem Polizeibeamten fielen in der Provinzstraße zwei Männer auf, die unter ihrer Kleidung etwas zu verbergen schienen. Der Beamte hielt die Männer an und stellte fest, daß sie mehrere aus einer Kirche stammende Gegenstände bei sich hatten, die sie in der Schönholzer Heide gefunden haben wollten. Beide wurden ver- haftet; sie nannten sich Kurth und Goschke. gaben auch zu, einen Einbruch in die Kapelle des Gemeindefriedhofes zu Lübars aus- geführt und dort die Gegenstände, mehrere Altarleuchter, gestohlen zu haben. Wilhelmsruh. Tödlicher Unglücksfall. Die Frau des in der Fontanestraße 28 wohnenden Fabrikarbeiters Paul Heyder hatte auf einem Gaskocher Wasser zum Kaffee aufgesetzt. Frau H. mußte sich auf wenige Minuten nach dem Wohnzimmer begeben und ihren eineinhalb- jährigen Sohn in der Küche zurücklassen. Während der kurzen Ab- Wesenheit der Mutler griff der Kleine spielend nach dem von dem Kochherde zu dem Gaskocher sübrenden Gummischlauch und ritz diesen herab. Dabei entzündete sich das aus demAniatzrohr ausströmende Gas und setzte deit Gummischlauch iu Brand. Erschreckt ließ das Kind den Schlauch los und dieser fiel auf die Kleider, die sofort Feuer fingen. Im Nu glich der bedauernswerte Kleine einer lebenden Feuersöule. Auf das Geschrei des Kindes eilte die Mutter herbei und erstickte durch Aufwerfen von Decken und Berten die Flainnten. Ein in der Nähe wohnender Arzt legte dem schwerverletzien Kinde Notverbände an und ordnete die Ueberführung nach dem Reinicken« dorfer Krankcnhause an. Auf dem Transport rst jedoch daS unglückliche Kind den schweren Brandwunden erlegen. Wannsee. Die Gemeindevertretung wählte in ihrer S'tzmrg am Freitag den bisherige» Amts- und Gemeindevorsteher Heß auf weitere sechs Jahre zum Gemeindevorsteher wieder. Bernau. Wilhelm Böswctter, ein alter Parteiveteran, ist am Freitag nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 60 Jahren g e st o r b e n. Von Beruf Weber, schloß er sich schon in jungen Jahren der Partei an! überall, wo es galt für die Partei tätig zu sein, war er einer der ersten. Bis in die letzte Zeit hinein, wo ihn eine heimtückische Krankheit ans Lager fesselte, betätigte er sich eifrig im Dienste der modernen Arbeiterbewegung. Während des letzten Wahlkampfes be« dauerte er eS lebhaft, als»verbrauchter Kämpfer" abseits der großen Masse stehen zu müffen, aber im Geiste durchlebte er auf dem Krankenbette den gewaltigen Wahlkampf. Die jungen Genossen können sich B. jederzeit als Vorbild dienen lassen, die Partei aber wird sein Andenken stets in Ehren halten. Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittag 3 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Krankenhauses aus statt. Hiis aller Weit. Ueber die Nürnberger Einsturzkatastrophe entnehmen wir der.Fränk. Tagespost" folgende Betrachtungen: „Fest steht, daß, ganz abgesehen von den vielen Laien und von Bauarbeitern, zahlreiche Ingenieure, die den Trümmerhaufen umstanden, ganz außerordentlich erstaunt waren über das leichte und schwache Material, aus dem das Gerüst bestand. Es war eine Konstruktion von austechtstchenden Mannesmannröhren mit etwa 65 Millimeter Durchmesser und sehr schwachen Wänden, die mit fast blechartigem Winkeleisen untereinander verbunden waren. Ohne uns als Sachverständige aufzuspielen, sei hier bemerkt, daß dieses Gerüstmaterial ohne weiteres den Eindruck von großer Geringwertigkeit macht, wenn man die riesige Größe, die daS Gerüst hatte, und die schwere Last, die es tragen sollte, ins Auge faßte. Wer das zusammengebrochene Gerüst bald nach dem Unglück sah, dem fiel es ohne weiteres auf, mit welcher Gleich- Mäßigkeit das Gerüst zusammengebrochen war. Wir hörten von Ingenieuren und von Bauhandwerkern, von Zimmermeistern und Technikern an der Baustelle sagen, und es ist dies auch unsere Meinung, es kann nicht so gewesen sein, daß das Gerüst nur an irgend einer Stelle zu schwer belastet war oder daß nur an irgend einer einzigen Stelle ein Mangel oder eine Schadhastigkeil im Gerüst vorlag, sondern der Umstand, daß d a S Gerüst ganz gleichmäßig zusammenbrach, spricht dafür, daß die ganze Konstruktion unter allen Umständen zu schwach gewesen ist. Bezeichnend sind da auch die Mit- teilungen, die uns von Augenzeugen des Unglücks wurden und die die eben bekundete Auffassung bestätigen. Man sagte unS nämlich: DaS Gerüst stürzte in der Weise ein, wie ein Kartenhaus zusammen- bricht. Die Frage: Wer ist schuld? muß diesmal viel energischer gestellt und viel gründlicher beantwortet werden. ES darf nicht, wie das seither fast immer in ähnlichen Fällen geschah, so werden, daß man den Schuldigen nicht findet oder, daß man ihn mit lächerlich geringer Strafe lausen läßt. Die toten Opfer, die starr auf der Bahre hingestreckt mit zerquetschten Leibern und gebrochenen Gliedern liegen, fordern Sühne I Sühne fordern jene Opfer, die zerschlagenen und zerfetzten Leibes sich in Schmerzen im Krankenhause winden, die zum großen Teil Sieche oder Krüppel bleiben werden. In diesem Falle gibt es kein Ausweichen, kein Eni- rinnen, kein Deuteln und kein Verschleiern. Die Sache ist un- gemein klar, ganz abgesehen davon, ob das Gerüst genügend fest oder nickit genügend fest war; es war ein grober Verstoß gegen alle im Bauwesen nötige, ja selbstverständliche Vorsicht; es ist eine un- erhörte Maßnahme, eine gefährliche Belastungsprobe vorzu- nehmen, ohne dabei die Arbeiter in Sicherheit zu bringen. Es ist unglaublich, wie mau zulassen resp. anordnen konnte, daß während der Belastungsprobe die Arbeiter unter und im G e r ü st beschäftigt wurden. Darüber kommt die Bauleitung nicht hinweg, und es kann nicht schwer sein, den, der hierfür verantwort- lich ist, zu finden. Man erzählte uns gestern an Ort und Stelle, daß Poliere das Gerüst zu schwach und gefährlich fanden, daß ihre Hinweise aber unbeachtet blieben. Man teilt uns ferner mit, daß am Bau mit der denkbar größten Ha st gearbeitet wurde, daß eS wiederholt deswegen Differenzen mit den Arbeitern gab. Das namenlose Unglück gibt Anlaß, den Ruf nach wirksamem B a u a rb e i t er sch u tz energisch zu erheben.. ES drängt sich wiederum die dringende Frage auf, wo waren die st ädti scheu Baukontrolleure?" Seinen Fing Berlin— Petersburg glaubte am Montag der Flieger Abramowttsch beenden zu können, da es gelungen war, das schwer beschädigte Flüg- zeug in P s k o w wieder startfähig zu machen. Der treffliche Pilot hatte jedoch abermals Pech. Aus Luga wird nämlich vom 5. August gemeldet: Der Motor des Wright- Apparates des Fliegers Abramowitsch, der heute morgen von Pskow aufgestiegen war, hörte 23 Werst von Luga in Höhe von 200 Meter auf zu funkttonieren, so daß Jias Flugzeug niederging und an einer sumpfigen Stelle tief einsank. Es ist noch ni ch t g e lun g en, d en Ap p a r at wieder heraus- zuziehen. Flieger und Paffagier sind unverletzt. Bootskatastrophe in England. Bei L e y s d o w n auf der Insel Sheppey kenterte heute ein Segelboot, das 23 Bopscouts und fünf Männer an Bord hatte. Die Küstenwache rettete die fünf Männer und sechzehn Jungen, von welchen einer aber bald starb. Die übrigen sieben Boysconts ertranken. Ein anderer Unfall, dem vier Boysconts zum Opfer fielen, er- eignete sich im Seebad Rottingdean bei Brighton. Beim Baden ertranken dort drei Boyscouts, als sie einem unter- sinkenden Kameraden Hilfe leisten wollten. Schneefälle in New Lfork und Pennsylvanie«. Im Staate New Dock sowie in den westlich von New York ge- legenen Staaten ist ein Temperatursturz erfolgt, wie er im Juli und August seit Menschengedenken nicht zu verzeichnen war. Bisher waren diese Monate die heißesten in den Vereinigten Staaten und in diese Zeit fielen gewöhnlich auch die meisten Todesfälle an Hitz- schlag. In den letzten Tagen ist jetzt aber im Staate New gork so- wohl als in Pennsylvanien viel Schnee gefallen und in der Stadt New Aork hat sich die Bevölkerung genötigt gesehen, die Winter- garderobe hervorzusuchen. Kleine Notizen. Sicherheitsvorschriften auf stanzösischen Kriegsschiffen. Marine- minister Delcassö hat in Anbetracht der auf den Passagierdampfern infolge der.Titanic"-Katastrophe getroffenen Verbesse- rungen nunmehr angeordnet, daß von jetzt ab auf sämtlichen französischen Kriegsschiffen genau so viele ettungsringe vorhanden sein müssen, als sich Mann- s ch a f t. e n an Bord befinden. Bisher galt diese Vorschrift nur für die Torpedojäger. Automodilunfälle. Aus Wien wird gemeldet: In der Nähe des Kahlenberger Dorfes fuhr gestern abend«in Automobil mit drei 'nsassen auf der abschüssigen Straße gegen einen Chausseestein. lle drei Insassen wurden hinausgeschleudert. Der Fabrikant Beer aus Wien wurde lebensgefährlich, die anderen zwei leichter und der Chauffeur nicht verletzt. Schwere ExplosionSkatastrophc. In der Notendruckerei der Reichs- bank in S t o ck h o l m erfolgte gestern nachmittag eine Explosion von Feuerwerkskörpern. Das Innere des Raumes wurde vollständig verwüstet. Drei Personen erlitten lebenS» gefährliche Verletzungen. Aus dem Zuge gestürzt. Der geisteskranke Werkmeister Ferdinand Clause aus Stahlhaminer stürzte sich auf der Strecke B e u t h e n— Stadtwald aus dem Zuge 358. Der Kopf wurde ihm vom Rumpfe getrennt. Clause war von seiner Frau und seiner Schwester begleitet. Absturz in den Bergen. Aus Innsbruck wird gemeldet: Der Studenr Greetzsch aus Chemnitz ist beim Abstieg im Passeier tödlich verunglückt._ Marktbericht von Berlin am 3. August ISIS, nach Ermittelung des tönigl. Polizeipräsidiums. Markthallenpreise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm. Erbsen, gelbe, zum Kochen 31,00—50,00. Spetsebohnen, weiße. 30,00—50,00. Linsen 40.00—80,00. Kartoffeln(Klcinhdl.) 3,00—14.00. Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,30—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,50— 1,90. Schweinefleisch 1,60—2,20. Kalbfleisch 1,50-2,40. Hammelfleisch 1,70— 2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 3,40—5,20. 1 Kilogramm Karpsen 1,40—2,20. Aale 1,40—3,20, Zander 1,60-3,60. Hecht- 1,40—2,30. Barsche 0,80-2,40. Schleie 1,40—3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 2,00—40,00. Bei Darmkatarrh Magenverstimmung Santa Sncia Kraft-Rotwein-». l.so 2.oo Xacliahmungen bitte znrückweisen Käuflich in Apotheken, Drogerien und Delikatessen-Geschäften. tta sich vor Infektionskrankheiten zu schütten, trinken die Völker des Südens Wasser nicht ohne Zusatz von Wein. Daß das Volksbewußtsein richtig ist, haben unsere Gelehrten durch Versuche bestätigt. Durch Vermischen gleicher Teile gewöhnlichen Trinkwassers mit Wein wurde die Zahl der Infektionskeime zu•/« vernichtet, nach kurzer Zeit sogar vollständig, so daß nach dem Bericht des Dr. Mfg. Wasser durch Weinzusatz absolut keimfrei wurde. fliisnulnne-Preise für Loden-Pelerinen Dienstag= Mittwoch= Donnerstag= Freitag= Sonnabend Loden-Pelerinen grauer oder grünlicher Strichloden.„Imprägniert". Vorzuglich im Tragen. Mit abknöpfbarer Kapuze, Tragbändern, Ar mdurch griffen und Taschen. 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Bericht der Kommissionen. 2. Wahl des Vorstandes und der Funktionäre. 3. Beschlußfassung über den Antrag: Entschädigung der Funktionäre. 4. Stellungnahme zur Vorlage des Verbandsstatuts für Groß-Berlin. 5. Bestätigung der Delegierten zur Verbandsgeneral Versammlung. 2. Wahlkreis in der Bock-Brauerei, am Tempelhofer Berg. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und der Kommissionen vom letzten Jahre. 2. Beratung des Statuts von Groß-Berlin. 8. Aufstellung der Kandidaten zum Vorstand und zum Parteitag zu der am Sonntag, den 13. August 1912. statt- findenden Urwahl. 4. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung Groß- Berlins und Anträge dazu. S. Vereinssachen. 3. Wahlkreis im Gewerkschaftshaus, Engelufer Nr. 15. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und der Revisoren. 2. Wahl des Vorstandes und dreier Revisoren. 3. Bericht und Wahl der KommissionLmitglieder. 4. Die Verbandsgeneralversammlung und die Bestätigung der Delegierten zu derselben. 5. Kreisangelegenheiten. 4. Wahlkreis in den Coueordia-Festsälen, Andreasstraße 64. Tagesordnung: 1. Vorstands-, Kassen-, Revisions- und Kommissionsbericht. 2. Aufstellung der Kandidaten zum Kreis« und zum Zentralvorstand. 8. Beratung und Beschlußfassung über das Verbands- und KreiSstatut und Anträge zur Verbandsgeneralversammlung. Die Besetzung der Generalversammlung erfolgt durch Delegierte. S. Wahlkreis in den Musiker-Sälen, Kaiser-WilHelyi-Str. lJ3m. Tagesordnung: 1. Vorstands- und Geschäftsbericht. 2. Diskussion. 3. Bericht der Kommissionen. 4. Wahl des Vorstandes und der Funktionär». 5. Das Statut von Groß-Berlin. 6. Anträge zur Generalversammlung von Groß-Berlin. 7. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung von Groß-Berlin. 6. Wahlkreis in den Germania-Prachtsälen, Chaussee str. 110. Tagesordnung: 1. Bestätigung der Delegierten zur BerbanSLgeneral- Versammlung. 2. Geschäfts- und Kassenbericht. Bericht der Revisoren. 3. Neuwahl des Gesamtvorstandes und der KommMoneu, 4. Beratung über die Aenderungen des Berliner Verbands- statuts. 6. Sonstige Anträge. Die Besetzung der Generalversammlung erfolgt durch Delegierte. Die Versammlungen werden pünktlich eröffnet.— Mitgliedsbuch resp. Delegiertenkarte SM/U* legitimieren, ohne dieselben kein Eintritt! IM« Vorstände. Verwaltung Berlin. Don nerötag. S. Mugust. abends 8 Uhr. in den Jndustrie-Festsälen, Beuthstr. 19/20: Oeffentliche Versammlung aller in der Modellbranche beschäftigten Bildhauer. Tagesordnung: SO/8* Die Antwort der Unternehmer auf unsere eingereichten Forderungen. Dal Erscheinen aller Kollegen ist notwendig- Der Vor«tand. Arbeltsnachwel»: vmt Nor�en/sir. 1289. Kerwaliuipielle Berlin Sharitesirahe 8. Hauptbureau: Hos III. vmt Norden, Nr. 1987. Alhwg! Kauanschläger! Donnerstag, den 8. August 1919, abends 8 Uhr: Monatsversammlung im Gewerkschaftshause, Engelufer 1ö. Saal I. Tagesordnung: 1. Verbands- und Branchenangelegenheiten.-- 2. Diskussion.— 3. Verschiedenes. 122/1 Wir machen daraus ausmerlsam, dag die Versammlung laut Beschlutz um 8 Uhr eröffnet wird. Zahlreiches und pünktliche« Erscheinen er- wariet__ Die Ortsvcrwaltung. Verband der Lederarbeiter Filiale Berlin 1. Donnerstag, den 8. August, abends 8 Uhr, Prinzeu-Allee 33; Versammlung Tagesordnung: 1..vierzig Jahre Organisation.« Nesereni: Kollege Beek. g. Verbandsangelegenheiten. 8. Verschiedenes. 148/15 Um recht»ablreiche« Erscheinen ersucht Der Vorstand. IM rHsi Verwaltungsstelle Berlin. ßSttttwoch, den 7. August, abends 8 Uhr, im GewrrlschaftShausr, SaV 1: Versammlung Deutscher Holzarbeiter-Verband. Verwaltung; Berlin. Morgen Mittwoch, den 7. August ISIS, abends 8V2 Uhr: Uertrauensmänner■ Uersammlnugen der Kezirke und Kranchen. Tagesordnung: 1. Bericht des Obmannes. 2. Bericht der Werkstatt-Vertrauensleute. 3. VerbandZgngelegenheiten. Jede Werkstatt muh vertreten sein. Mitgliedsbuch und BertranenSmännerkarte legitimiert. Versammlungslokale: fVIafdrinenarbetter. su Versammlung fm an». Drechsler, Oreppengeläncler- und OHMwöbel- brauche. Ci fehler. Slidweaten n. Westen; in Habels Brauerei, B-rgmannstr. 7/8. Süden: bei Glirfing, Wassertorltr. 68. (Südosten I u. II: in den Nannyn FestsSlen, Naunhnstr. S. Osten I: bei Kluge, Lange Str. 53. Osten I!: bei Zieh, Warschauer Str. St. Osten II!: bei Bergmann, Boxhagener Str. 28. Ocstlichc Vororte: bei W. Schulz, Lichtenberg. Kronprinzen« strage 47, Ecke Scharnweberstraße. Mordosten: bei Merkman«, Gr. Franisurier Str. 18. � erei mich einen Vertrauensmann nach dieser Ver« Jede Sarg sammlung' senden. Bosentkaler und Schönhauser Torstadt: bei Vbigl», Schroetter Straße 23. Wedding and Boablt: bei Kaczarowski. RavenSstr. 8. Welvensee: im Prölaten, Lehderstr. 122. Abends 8'/, Uhr. Vonkölln: im Jdeal-Kasino. Weichselfir. B. Schöneberg; um 5'/, Uhr bei Kuschle, Meininger Str. 8. 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