Nr. 182. Abonnements- Bedingungen: S Abonnements Preis bränumerando: Bierteljährl. 8,30 Mr., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. Post Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 29. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Versammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Bfg.( zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Big. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Eine neue Gewerkschaftsstrategie? I. Mittwoch, den 7. August 1912. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Ein Gegner der Abrüftung. Ein Redakteur des" Figaro" hat Herrn Kiderlena echter in Kissingen besucht und das„ Berliner TageEntsprechend der Organisationsmethode der deutschen Gewerkschaften ist auch ihre Aktionsmethode. Man nimmt sich nicht mehr vor, als man voraussichtlich durchführen tann. Daher auch die Zentralisation der Lohnbewegungen in Man schreibt uns aus gewerkschaftlichen Kreisen: I den Vorständen der Organisationen, die alle Voraussetzungen Die Kriegskunst der modernen Gewerkschaftsbewegung zur Beurteilung der Situation haben. Die deutsche Aktions- blatt" beeilt sich, gleichzeitig mit dem Figaro" die Gröffist wie alle Strategie nichts Abgeschlossenes, sondern methode duldet nur organisierte Rämpfe, sie sucht die nungen, die Herr von Riderlen einer gespannten Mitwelt zu auch hier gilt der Grundsatz: Alles fließt. Aus Kampfesfront nicht breiter zu gestalten, als die Leistungs- machen hatte, in aller Ausführlichkeit wiederzugeben. Und in den kleinen, vorwiegend Iotalen Kämpfen sind die großen fähigkeit der Organisationen es zuläßt. Auch die Aus- der Tat, auf dem Gebiet der internationalen Bolitik geht es Massentämpfe geworden, dem Arbeiterstreit segten die Unter- sperrungen der Unternehmerverbände vermögen an diesem Aktions- recht lebhaft zu. Ueber die Stellung seiner Regierung erfährt nehmer, die Aussperrung entgegen, der Firmenvertrag wurde prinzip der deutschen Gewerkschaften nicht viel zu ändern. aber das deutsche Volk so gut wie gar nichts. Der Reichstag durch den Ortsvertrag ersetzt und dieser wiederum macht dem Auch hier sucht die gewerkschaftliche Strategie im Gegensaz ist bertagt und unumschränkter als je nicht einmal durch schaltet der AbsolutisBezirks- oder gar Reichsvertrage Plazz. Allein, man kann zu den Bestrebungen der Unternehmer die Kampfesfront zu einige bescheidene Anfragen belästigt zwischen gewissen Methoden unterscheiden, die in den organi- bermindern, sei es durch Abschiebung der Ausgesperrten mus in der auswärtigen Politik. Nun hat Herr von Kiderlensatorischen Verhältnissen der Arbeiterbewegung einzelner nach anderen Orten oder durch Unterbringung in anderen Waechter wenigstens einem französischen Redakteur gegenüber Die das Schweigen gebrochen. Aber das deutsche Volk hat deshalb Länder wurzeln und daher aufs engste mit den wirtschaft nicht vom Kampfe betroffenen Betrieben am Drte. lichen Verhältnissen, mit der Höhe der kapitalistischen Ent- Prozentaussperrung in der Großindustrie veranlaßt wohl die feinen Grund zur Eifersucht. Denn auch dem Franzosen hat wickelung der betreffenden Länder konform gehen. Organisation gelegentlich, die verbliebenen 30 oder 40 Broz. Herr von Riderlen nichts gesagt und aus dem ganzen unbeEs ist gewiß kein Zufall, daß man von einer spezifisch auch aus den Betrieben herauszuziehen, nicht des Sympathie- ftimmten Gerede hebt sich nur ein Saz klar und deutlich ab: deutschen Gewerkschaftsmethode in der gewerkschaftlichen Welt prinzips halber, sondern um die Fertigstellung bringender Herr von Riderlen erklärte, darin Herrn von Bethmann Hollzu sprechen gewohnt ist. Auf die Entwickelung des deutschen Arbeiten zu verhindern und ferner auch, um der späteren weg völlig homogen, die Abrüstung für eine Utopie. Das ist nun sicherlich nichts neues. Zwar hieß es vor Gewerkschaftswesens hat der marristische Sozialis- Aussortierung" von Arbeitern durch den Unternehmer zu mus den denkbar stärksten Einfluß ausgeübt. Und je länger, begegnen. Der Sympathieſtreik als solcher hat heute in den einiger Zeit, als Marschall als Botschafter nach London ging, Gewerkschaften wenig weil wenig Freunde, desto sicherer fann festgestellt werden, daß das nicht zum Schaden deutschen die es würde über ein Uebereinkommen zur Einschränkung des er nur felten einen Er- Wettrüstens verhandelt. Doch haben wir dieser Meinung kein der Gewerkschaftsbewegung geschah. Die von Mary verfaßte Re- Erfahrungen lehren, daß Die einzige Form Gewicht beigelegt, eben weil wir wußten, daß die deutsche Refolution des Genfer Kongresses der Internationalen Arbeiter- folg für die Arbeiter gewährt. affoziation( 1866) ist in Deutschland die heute noch geltende theo- von Sympathieſtreit, die in Deutschland üblich und erfolgreich gierung freiwillig fich auf eine solche vernünftige Politik nicht retische Unterlage der Gewerkschaften geworden. Jene Resolution ist, ist Verweigerung von Streitarbeit. Aber diese Form hat einlassen wird. Seitdem hat man ja auch gehört, daß die stellte schon 1866 die gewerkschaftliche Aktion und wenig mit dem eigentlichen Prinzip des Sympathieſtreits ge- sogenannte Besserung in den deutsch- englischen Beziehungen Organisation mit in den Vordergrund der Be- mein, dessen Ziel es ist, die Kampfesfront zu vergrößern, weil darin bestehen soll, daß das Wettrüsten gleichsam im gegenstrebungen der Arbeiterklasse. Wenn die Verwirklichung man glaubt, dadurch den Unternehmer um so früher zur Nach. feitigen Einverständnis erfolgen wird. Der Sinn dieses Under These nicht immer glatt vor sich ging, so lag das an giebigkeit zu zwingen. Das gelang wohl früher, als die finns ist, daß die Hauptursachen der Spannung bestehen einer reaktionären Gesetzgebung und einer nicht minder Unternehmer weniger gut organisiert waren, bei den heutigen bleiben, der Gegensat ständig gesteigert wird, die Diplomatie reaktionären Bureaukratie einerseits, teils aber auch an der lang. Organisationsverhältnissen der Unternehmer scheidet diese aber diese Tatsache in ihren Redereien möglichst ignoriert. So kommt es, daß der Rüstungsdruck immer unerträglicher, die andauernden Nachwirkung Lassalleanischer antigewerkschaft- Stampfesform aus, weil sie teinen Erfolg verspricht. Den absoluten Gegensatz zu dieser deutschen Methode eines schönen Tages die Reden ganz aufhören, dafür aber dann Reden der Minister aber immer höflicher werden bis dann licher Anschauungen in der Arbeiterbewegung selbst. Heute hat sich die der Resolution zugrunde liegende Auffassung all- bildet die syndikalistische Methode. Sie verschmäht zu die harten Tatsachen um so lauter sprechen werden. gemein durchgesetzt. nächst organisatorisch die Zentralisation der gewerkschaftlichen Herr von Ki derlen weiß aus dieser Situation keinen Eine weitere These jener Resolution ist nicht minder in Machtmittel. Die französischen Gewerkschaften, die Träger Deutschland zur Verwirklichung gelangt: die Forderung, daß dieser Methode, fassen wohl ihre lokalen Syndikate in Landes- Ausweg. Er hält es für möglich, zu einem Uebereinkommen die Gewerkschaften nicht nur den Lohnkampf führen, sondern vereinigungen zusammen, aber diese Vereinigungen verkörpern über die Rüstungen zu kommen. Wenn wir 300 000 Soldaten auch der allgemeinen sozialen und politisch en feine Zentralgewalt, sondern die Syndikate bestimmen selbst haben und Frankreich 200 000, wie fönnte man sich dann auf Die lokale Selbstherrlichkeit hat die eine bestimmte Zahl einigen, fragt Herr von Kiderlen. Man Bewegung ihre Aufmerksamkeit widmen sollen, das heißt, über ihre Aktionen. daß sie dem politischen Klassenkampf nicht interesselos gegen- finanzielle Hilflosigkeit der Zentrale zur Folge, die somit nur kann die Frage sehr läppisch finden. Wenn England dreißig überstehen dürfen. Die deutschen Gewerkschaften haben ideellen, teinen materiellen Wert besitzt. In einzelnen Schiffe hat und wir fünfzehn, und wir vermehren unsere organisatorisch keine Verbindung zur politischen Organisation, Berufen beginnt man wohl neuerdings eine Aenderung dieses Schiffe um fünf und England um zehn, so ist damit auch nicht die Arbeitsteilung ist hier durchgeführt, aber sie bemühen sich, Zustandes anzustreben, wobei man am weitesten dort kommt, viel geändert. Troßdem hält Herr von Riderlen diese Politik für das letzte Wort staatsmännischer Weisheit. In Wirklichihre Mitglieder zur politischen Wahrnehmung ihrer staats- wo man eine Anlehnung an die in Deutschland üblichen keit ist diese Frage der Einschränkung der Flottenrüstungen bürgerlichen Rechte und Interessen zu erziehen. Also feine Methoden versucht. und diese ist zunächst das praktische Problem- sofort zu nurgewerkschaftliche, sondern gewerkschaftliche und politische Wie die Organisation, so ist auch die Aktionsmethode des Löfen. Es brauchten nur keine neuen Schiffe gebaut zu werden. Syndikalismus. Seine Kämpfe zeichnen sich durch Drgani- Deshalb lehnen wir Sozialdemokraten auch jede FlottenverUnd schließlich ist in Deutschland mehr als sonstwo in fationslosigkeit aus, sie sind das, was man früher in mehrung ab. Wir wissen, daß die Flotte zum Schutz der Küste den Ländern einer alten Gewerkschaftsorganisation auch die Deutschland wilde Streits" nannte. Bei stark organisierten längst zu groß geworden ist. Sie ist eine Angriffswaffe dritte Marrsche Forderung durchgeführt worden, daß nämlich Unternehmerverbänden wie in Deutschland wäre diese Methode im Dienst der Kolonialpolitik. Ein Stillstand in den deutschen die Gewerkschaften sich um die schlechter organisierten von vornherein zur absoluten Erfolglosigkeit verurteilt. Aber Flottenrüstungen würde den der englischen zur unmittelbaren Berufe fümmern sollen. Diese Forderung enthält viel mehr, auch in Frankreich sind die dauernden Erfolge überall Folge haben. Ebenso wenig aber ist die Frage einer Uebereinals man auf den ersten Blick annehmen möchte. Sie ist die dort ganz selten, wo die syndikalistische Methode in Reinkultur Folge haben. Ebenso wenig aber ist die Frage einer Uebereinfunft der wichtigsten Staaten zur schrittweisen Herabsehung. Proklamierung der allgemeinen Arbeitersolida- blüht. In Paris, dem Hauptsitz des Syndikalismus, sind ihrer Flottenausgaben unlösbar. Die englischen Minister, die rität, der brüderlichen Kampfgemeinschaft, aller Lohnsklaven. die Arbeitsverhältnisse der meisten Berufe weit schlechter als dabei die Besitzstandspolitik des englischen Imperialismus Während in England, dem Mutterlande der Gewerkschafts- in entsprechenden deutschen Städten, die Arbeitszeit ungeregelt vertreten, sind nichts weniger als Utopisten, wenn sie immer bewegung, eine gewerkschaftliche Arbeiteraristokratie der quali- und der Zehnstundentag dominierend. Die Berichte deutscher wieder ein solches Uebereinkommen anbieten. Wenn die fizierten Berufe entstand, haben die deutschen Gewerkschaften Arbeiter aus Paris über die Zustände auf den Arbeitspläßen deutsche Regierung es ablehnt, so nicht, weil es unlöslich ist, genau das gleiche Gewicht auf die Organisation der un- lauten durchweg wenig befriedigend; auch die Solidarität der sondern weil es dem Erpansionsstreben der deutschen Imperiagelernten und gelernten Arbeiter gelegt und unsere großen Arbeiter ist, eine Folge der schlechten Organisation, un- listen widerspricht. Gerade deshalb ist aber die Politik der Industrieverbände vereinigen ohne Unterschied in Rechten und genügend. deutschen Regierung eine Gefahr für das deutsche Aktion der Arbeiterklasse.. * Pflichten die Arbeiter und Arbeiterinnen ihres Organisations- Der Syndikalismus vertritt nun bezeichnenderweise die Volt. Die Regierung lehnt jede Verständigung ab, fie wird gebietes, gleichgültig, ob sie berufsgelernt sind oder nicht. der deutschen entgegengesetzte Aktionsmethode. Er proklamiert damit zur stärksten Förderin des Wettrüstens und steigert so, Ueberhaupt ist die Durchführung der Industrieverbandsorgani- die Ausdehnung der Kampfesfront an Stelle der vorsichtig ob sie will oder nicht, die Kriegsgefahr. Die Kriege, sation erst möglich geworden durch diese Anerkennung der abmessenden Taktik. Der Generalstreik ist für ihn die ent- sagte Herr von Riderlen, find immer das Werk der scheidende Hauptwaffe, die sogar jede politisch- parlamentarische Minorität. Für einen Krieg um imperialistischer Zwecke gleichen Intereffen der Arbeiter innerhalb einer Industrie. lichen Regierungen die Kriegsgefahr nicht zu bannen, dann um so schlimmer für sie; denn die Erschütterung eines Krieges kann die bürgerliche Gesellschaft sicher nicht mehr aushalten. Der Krieg. Aus dieser theoretischen Klärung ist die deutsche Gewerk- Tätigkeit überflüssig macht. Die Voraussetzung erfolgreicher willen würde das Urteil sicher zutreffen. Die arbeitenden schaftsmethode hervorgegangen. Organisatorisch erstreben die Durchführung von Riesenfämpfen, die starke Organisation, Massen aber haben keine Lust, das Opfer solcher Minoritätsdeutschen Gewerkschaften die Zusammenfassung aller Ar- fehlt dem Syndikalismus zwar, aber er hilft sich mit einer interessen zu werden. Deshalb fordern fie eine Politik, die beiter in ihren Reihen, und zwar in großen leistungs- Theorie hierüber hinweg: der Theorie der aktions- dem Wettrüsten, der steten Bedrohung des Weltfriedens ein fähigen Verbänden, nicht in fleinen, weniger leistungs- freudigen Minderheit. Was uns eine Schwäche iſt, Ende macht. Die deutsche Regierung erklärt fähigen, dem beruflichen Stastengeist Vorschub leistenden Ver- wird ihm mit Hilfe dieser Theorie zu einer Stärke. Er will sich für unfähig, eine solche Politik zu be einigungen. Für die Organisationsgrenzen ist die technische die Massen nicht, sondern die revolutionäre Elite genügt ihm, treiben. Um so notwendiger ist es, daß die Volksmassen Zusammengehörigkeit der betreffenden Arbeiter im mit deren Hilfe er die großen Massen in den Tagen der selbst dem Wettrüsten entgegentreten. Vermögen die bürgerProduktionsprozeß maßgebend, nicht der Lehrbrief der Aktion mitreißen will. Bunft. Die Folgen sind glänzend: während in Deutschland Es bedarf keiner ausführlichen Darlegung der Gründe, 21 Millionen Arbeiter in 52 Zentralverbänden zusammen- die den Syndikalismus für die Arbeiterklasse in modernen gefaßt sind, die sämtlich der Generalfommission als Landes- kapitalistischen Staaten unannehmbar machen. Wo das Unterzentralisation angehören, zählt das Mutterland der Gewerk- nehmertum über starke Organisationen verfügt, die selbst die schaftsbewegung, England, mehr als 1000 Organisationen bei Lattik der ausgedehnten Kampfesfront befolgen, wird der gleicher Mitgliederzahl. Die Zentralisation in der englischen Syndikalismus zu einer gefährlichen Spielerei, die der ArbeiterLandeszentrale ist ebenso rüdständig, denn kaum 1 Million schaft unermeßlichen Schaden, aber feinen Nugen zu bringen von den 2 Millionen Gewerkschaftsmitgliedern gehören der vermag. Auch das Organisationsprinzip der lokalen Auto- Alle Proteste der jungtürkischen Partei gegen die RammerGeneral- Föderation an. Das gewerkschaftliche Busammen- nomie ist unter diesen Verhältnissen unanwendbar. Hier be- auflösung sind nuglos. Die Regierung weiß die ihr zur Verwirken der ist minimal, englischen Arbeiter ver- darf es starter Zentralorganisationen, die die Einsetzung fügung stehenden Machtmittel anzuwenden, um jeden Versuch die glichen mit dem festen Bande, das deutschen der gewerkschaftlichen Kraft an den Stellen verbürgen, wo einer jungtürkischen Revolte unmöglich zu machen. Zudem Gewerkschaften umschlingt. Nur so ist es zu ber- der Gegner am leichtesten zu überwinden ist. haben die Komiteeleute zu wenig Wurzel in den breiten stehen, daß die Engländer soeben die Unter- Dagegen ist in den letzten Jahren in England eine Kombi- Volksschichten, als daß sie eine Massenbewegung gegen den stüßung von nur 50 000 Streitenden( bei 22 Millionen nation syndikalistischer Massenaktion mit zentraler Organi- Staatsstreich der altliberalen Regierung entfesseln könnten. Drganisierten) nach sechswöchentlichem Kampf die internatio- fationsform praktiziert worden, ein Verfahren, dem in feinen Es kann sich für sie nur noch um ziemlich aussichtslose Rücknale Solidarität anrufen mußten, während die Deutschen, auch Stonsequenzen nachzugehen sich auch für den deutschen Gewerk- zugsgefechte handeln. wo sie mehrere Hunderttausende von Mitgliedern monatelang schafter verlohnt. In einem zweiten Artikel werden wir diese im Stampfe hatten, das Ausland nicht in Anspruch nahmen. Methode einer Besprechung unterziehen. um Die türkische Krise. Wie der Wiener Neuen Freien Presse" aus Konstantinopel gemeldet wird, soll die Komiteepartet beschlossen haben, sich Die Presse hebt die historische Bedeutung des gestrigen Tages hervor. Die Blitter der Liga tadeln die Haltung der Kammer und empfehlen der Bevölkerung Ruhe. ,, Tanin" befürchtet die Beseitigung des Parlaments. A. Auf nur deutschem Gebiete: Ronzeffionsgebiet in Adrianopel als parlament zu konstituieren, durch die Menge hindurch, begrüßt mit einem Enthusiasmus, der nicht, ist doch die Mehrzahl der Konzeffionsunternehmen nur zum an Neuwahlen sich nicht zu beteiligen und die Bevölkerung den beim Besuche des Sultans erlebben weit übertraf. Teil auf deutschem Gebiete tätig, ihr Befizz erstreckt sich zur Wahlenthaltung aufzufordern. Was diesen Menschen besonders hervorhebt, das ist nicht nur sein zumeist auch weit ins französisch gebliebene Rongogebiet hinein. Jeune Turc" veröffentlicht ein Telegramm aus Saloniki, Heldenmut, sondern das große Organisationstalent, das er bisher Stellen wir einmal unter diesem Gesichtspunkt und auch unter das dem Blatte angeblich im Namen von fünftausend Per- bezeugt hat. Er ist der einzige Führer, der sich die Mühe gibt, nicht dem, was denn eigentlich heute von Neukamerun im Besitze der fonen zugegangen ist und gegen die Auflösung der Kammer nur die Arnauten, sondern auch die anderen Nationen, die ganze französischen Konzessionsgesellschaften ist, genauer zufammen, protestiert. Aehnliche Depeschen sind aus Aleppo, Trapezunt Bevölkerung Allferbiens in die Bewegung einzubeziehen. Unter welchen Umfang die acht Konzeffionsgesellschaften im neuen und Sntyrna eingetroffen. seinen Mannschaften gibt es viele Serben. Sein Kommandant der deutschen Kolonialerwerb haben. Wir benuzen dabei selbstverständlich Munitionsfolonne ist ein Serbe. Allen in seinem Tätigkeitsgebiet die amtlichen Biffern des Reichskolonialamtes. wohnenden Familienhäuptern, ohne Unterschied der Nation oder der Es umfaßten: Religion, hatte er mitgeteilt, daß sie ihm soundsoviel Krieger zur Verfügung zu stellen hätten. Den anderen, die keine jungen Leute hatten, befahl er, eine besondere Eteuer zu zahlen. Besondere Kommissäre requirieren für seine Truppen Nahrungsmittel und machen für sie Quartier. Nirgends hat die Bevölkerung ihm Widerstand geleistet. Diese Opferwilligkeit ist tatsächlich bewunderungswert. Sobald Boljetinak in Prishtina mit anderen Führern Fühlung genommen hatte, wurde beschlossen, der Regierungskommission mitzuteilen, daß nur nach der Auflösung des Parlaments die Unterhandlungen aufgenommen werden könnten. Darin sind alle Führer einig. Was nachher verlangt werden soll, darüber sind sie noch nicht einig, und darüber kann zurzeit nichts berichtet werden. Die Regierung hat die Bürgermeister von Smyrna, Adrianopel und anderen Städten abgesett und ihre gerichtliche Verfolgung angeordnet, weil sie Sie Bevölkerung gegen die Regierung aufreizten. Da die Regierung die gestrige Vormittagssigung der Kammer als nichtig am teht, veröffentlicht das Amtsblatt keinen Bericht über die igung. Die Schließung der Kammer ist Jbrahim Pascha, der n Führer der albanesischen Sondermission, notifiziert worden. Inzivis chen haben sich die Italiener auf dem tripolitanischen Kriegsschauplage in den Besitz der lekten großen Küstenoase, um deren Besitz schon mehrmals gekämpft wurde, gesetzt. Es ist dies 3uara in der Nähe der tunesischen Grenze, die als Etappe für den Karawanenverkehr zwischen Tripolis und Tunis von Bedeutung ist. Die Einnahme von Znara. Rom, 5. August.( Meldung der Agenzia Stefani.) Nach einem zwischen dem Kommandanten des Libyschen Operationskorps, dem Kommandanten der Division in Feria und dem Kommandanten des Schiffsgeschwaders borher festgelegten Plan begann heute früh eine Operation, um die Dase von Buara anzugreifen und zu besetzen. Politifche Ueberficht. Berlin, den 6. August 1912. Reichstagserfahwahl in Pfarrkirchen. Comp. Commerciale de Col. du Congo franç. 12 400 Quad.- ilomtr. Comp. de Commerciale et Coloniale de la Mambéré Sangha. Société de la Sangha équatoriale O 5 600 • • 5490 " A. zus. Konzessionsgebiet in Neufamerun 23 490 Quad. Kilomtr. B. Auf deutschem und französischem Gebiete arbeiten Konzessionsgebiet davon deutsch 8 45 000 Dtl. 60 500 II. 36 000 20 000 3 000 " 12 000 " 10 000 90 000 " 160 000 Dtl. Comp. de la Ngoto Sangha.. Comp. français du Haut- Congo Comp. française de l'Duahmé .Société Commerciale Ind. et Agricole du Haut- Duguné. 88 000 177 100 Comp. Forestière Sangha... B. zuf. 381 600 Dtl. dazu Konzessionsgebiet unter A. " 23 490 II. 183 490 ft. Die deutsche Neuertverbung umfaßt überhaupt rund 270 000 Wie aus Pfarrkirchen gemeldet wird, hat bei der gestrigen Die deutſche Neuerwerbung u Reichstagswahl im Wahlkreise Niederbayern 4( Pfarrkirchen) nach Quadratkilometer. Davon sind also 183 490 Quadratkilometer in amtlicher Zählung der Landwirt Bauer( Bayerischer Bauern den Händen acht französischer Konzessionsgesellschaften, und zwar bund) 8650, der Landwirt und Bürgermeister Gerauer( Bentrum) immer bis mindestens 1929. Wir haben also ein neues Land be5798 Stimmen erhalten. Zwölf Stimmen waren zersplittert. Bauer fommen, von dem rund 70 Prozent gar nicht ein ist somit gewählt. Die bayerischen Bauernbündler haben also ihren mal unser wirtschaftliches Eigentum werden Siz behauptet. Die Liberalen hatten von vornherein Wahlparole tönnen, man müßte denn die Aktiengesellschaften auftaufen wollen. Rom, 6. Auguft.( Meldung der Agenzia Stefani.) Das Be- für Bauer ausgegeben, während die sozialdemokratische Parteileitung Was sich bekanntlich trotz des Wunsches sehr prominenter Leute bis streben des Operationstorps gegen Buara war es zunächst, jezt immer wieder zerschlagen hat. Die deutschen Geldmänner wissen den Gegner zu beschäftigen und ihn zu hindern, fich zu konzentrieren. Wahlenthaltung empfohlen hatte.schland wohl warum! Das Kommando des Armeekorps von Tripolis bestimmte dazu Und das Fazit? Neulamerun ist zumeist ungesund in fürchter einen Teil der Try ppen von Ainzara und von Gargaresch. Starke Gruppen Maßnahmen gelang jen. In ihrem Bestreben, die Arbeiter durch allerlei schöne Lockungen lichstem Ausmaße. Die Eingeborenen leiden unter schrecklichen KrankGruppen von Türken einzufangen und in liberalen" Arbeitervereinen zu organisieren, heiten, im besonderen auch unter der Schlaffrankeit. Die Konzessions. Arabern zogen fich nach Ainzara und Gargaresch zu= sammen, traten jedoch bald den Rüdweg an und ließen sind die Freisinuigen und die Nationalliberalen einander ins Gehege gesellschaften befizen 70 Broz. des ganzen Gebietes und sicher nicht Die Mehrzahl der Gesellschaften treibt nur eine Linie Posten zurück. Die italienischen Truppen geraten, da jede der beiden Parteien die sogenannte liberale bie schlechtesten Teile. Arbeiterbewegung" gern für ihre besonderen Parteizwecke Stautschut raubban. Und das sagt uns alles sogar das Reichsausnügen möchte. Die Köln. 8tg." berichtet darüber vom national- folonialamt selbst, allerdings in dunklen und gewundenen Festliberalen Standpunkt: stellungen, die erst mühsam zu einem klaren Bilde zusammengefügt Am 10. und 11. August foll in Leipzig die erste Reichs werden müssen! Es ist doch etwas Herrliches um die deutsche konferenz liberaler Arbeiter abgehalten werden. Die Anregung Kolonialpolitik! Die und um am blieben während der Nacht in ihren Stellungen, Morgen die Beth'egungen fortzusetzen. In den frühesten Morgenstunden des Montags erschien das Landungstorps bor Zuara und begann alsbald die Landung. Zuerst gingen ein Bataillon Matrosen, sodann die unter Befehl des Generals Tassoni stehenden Truppen an Land, während die zu Lande von Sidi Ali kommende Kolonne auf Zuara vorrückte. Die Abteilung bemächtigte sich der Stadt und der ste umgebenden Dase. Der glückliche Erfolg ist auf das vollkommene Zusammenwirken der Marine und der beiden in Zuara zusammengetroffenen Kolonnen zurückzuführen, wie auch auf die Niederlage, die die Verteidiger von Zuara kürzlich in Sidi Ali erlitten. Die Kolonne Tassoni hatte keine Verluste, die Kolonne Lequio wenige Leichtverletzte. Wegen der Hize und der Bodenbeschaffenheit war der Marsch sehr anstrengend, aber die Truppen überstanden ihn mit borzüglicher Ausbauer. Der türkisch- montenegrinische Konflikt. Cetinje, 6. August.( Meldung des Wiener 1. 1. Telegr.- torrefp. Bureaus.) Gestern morgen haben sich die türkischen Angriffe an der simontenegrinischen Grenge erneuert. Die Regierung hat deshalb General Wulotitsch an die Grenze geschickt, um die Ordnung wiederherzustellen. Er soll noch in legter Stunde ein Einvernehmen mit den türkischen Behörden zu erzielen suchen. Türkische Truppen haben von Velika aus Angriffe auf montenegrinisches Gebiet unternommen, wurden aber zurückgeschlagen. Der türkische Gesandte hat gegen die Zwischenfälle an der Grenze mündlich Einspruch erhoben und später eine Note überreicht, in der binnen 24 Stunden Genugtuung verlangt wird, anderenfalls werde er Cetinje verlassen und die diplomatischen Beziehungen abbrechen. Ein Protest Bulgariens. Sofia, 6. August. Wie verlautet, hat die bulgarische Regierung infolge der Ausschreitungen gegen Bulgaren in Kotschana ihren Gesandten in Konstantinopel beauftragt, die fofortige Einstellung der Exzesse, sowie eine strenge Untersuchung und Bestrafung der Schulpigen zu verlangen. Der Führer des Arnautenaufstandes Issa Boljetinah. Man schreibt uns aus Belgrad: Zweimal stand er vor Kriegsgerichten und sollte wegen Rebellion gehängt werden. Zweimal mußte er freigelassen werden, weil seine Volksgenossen drohten, sich für ihn in den Tod zu stürzen. Jetzt ist die türkische Staatsautorität vor ihm gefallen, er ist der berühmteste Mann, der wahre Herrscher von Albanien. " Konkurrenzueid. " 101 Kopfrechnen schwach! war vom Freifinnigen Arbeiter- Verein Leipzig" ausgegangen, einer auf radikalem Boden stehenden Organisation. Ein besonderes Komitee hatte die Einladung an alle männlichen und weiblichen Arbeiter und Angestellten" ergehen lassen, die Ein höchst furioser Kauz ist Herr Dr. Hugo Böttger, fich als Mitglieder oder Anhänger einer liberalen Partei nationalliberaler Vertreter des Reichstagswahlkreises Duisburgausweisen tönnten oder als solche bekannt" seien. In Mülheim a./Ruhr. Er hat eine große Entdeckung gemacht. Denn einem Artikel Hatte die Nationalliberale Korrespondenz während sich die übrigen Sozialistentöter noch den Kopf zerbrechen, für die Rheinprovinz" vom 22. Juli unter Bekannt wie am rationelisten, raschesten und radikalsten die Sozialdemokratie gabe der Tagesordnung eine recht zahlreiche Beschickung ausgerottet werden fönnte, hat Herr Hugo Böttger die SozialSer Konferenz empfohlen. Dieser Hinweis war nicht ungehört ge- bemokratie bereits ausgerottet. Denn, so behauptet er, die Sozialblieben, denn verschiedene landschaftliche Organisationen hatten sich bereit erklärt, nationalliberale Arbeitervertreter zu entsenden. Auf demokratie hat unter dem Proletariate gar nicht den Anhang, wie Und wenn man der Sozialdemo Grund einer Anfrage über eine etwas mißverständliche Aeußerung man gemeinhin annimmt. Essen Bare Natl. 25937 Bentr. Soz. 42 832 40 503 Duisburg- Mülheim. 33 934 Saarbrüden 31 559 34 187 25 108 24 228 4157 42 257 37 650 64 833 in den gefchäftlichen Mitteilungen" der Kommission für die Reichs- tratie nur mit Umficht und Tatkraft" entgegentritt, so wird man fonferenz hatte die Geschäftsstelle der Nationalliberalen Partei ihrer bald Herr. Als Beweis dafür gibt Herr Böttger folgende in Köln von zuständiger Stelle in Leipzig die intereffante Ent- Bahlen von 1912: wort erhalten, daß die Einberufer der Konferenz beabsichtigten, entgegengefegt einigen Blättermeldungen, derfelben die Bildung einer liberalen Arbeiterbewegung im Anschluß an die Forts fchrittliche Volkspartei" vorzuschlagen, Eine weitere Anfrage bei dem Hauptreferenten der Leipziger Tagung brachte die Bochum Bestätigung diefer auffallenden Erflärung mit der ausdrüdlichen d Begründung, daß für eine gemeinsame Organisation zwischen Nun, auch diese Zahlen gewinnen denn doch ein wesentlich Nationalliberalen und Fortschrittlern zurzeit die öffentliche anderes Gesicht, wenn man sie mit den Ergebnissen früherer Wahlen Meinung in Norddeutschland noch nicht reif sei". Weiter heißt vergleicht. Etwa, um zwanzig Jahre zurückzugehen, mit den Wahles in diesem letzten Schreiben, daß zu der Konferenz natürlich ziffern von 1898. Damals erhielten Stimmen in jeder Gingeladene Zutritt habe, daß es aber unter den angegebenen Umständen fraglich sei, ob es vom Standpunkte der Nationalliberalen aus zweckmäßig sei, in Leipzig zu erscheinen". Das ist recht deutlich, obschon es dem Wortlaut des Einladungsschreibens nicht entspricht. Es dürfte sich darum empfehlen, die von nationalliberaler Seite bereits erfolgten Anmeldungen wieder zurück= zuziehen und die fortschrittlichen Arbeiter und Angestellten unter sich zu lassen, da unsere Anwesenheit offenbar recht un- Die sozialdemokratischen Stimmen haben sich also seitdem angenehm empfunden werden würde. Die Frage der mehr als vervierfacht, während die Stimmen vom Zentrum liberalen Arbeiterbewegung ist damit aber und Nationalliberalen sich noch nicht einmal verdoppelt entschieden in ein neues Stadium gerüdt worden. Die nationalliberale Partei wird ihrerseits nunmehr haben. Obendrein handelt es sich hier doch um vier ganz ebenfalls selbständig vorgehen müssen. Hoffentlich wird der exzeptionelle Wahlkreise mit einer so zusammengewürfelten WählerGeschäftsführende Ausschuß in Berlin sobald als möglich dieser schaft, wie sie eben nur in Rheinland und Westfalen anzutreffen ist. Angelegenheit seine besondere Aufmerksamkeit zuwenden, um Und trotzdem geht es auch hier vorwärts! dem Zentralvorstand in dessen nächster Sizung bestimmte Vorschläge unterbreiten zu können." Kongokautschuk! 396 Natl. Zentr. Soz. Essen. . 19 484 19 446 Duisburg- Mülheim. Saarbrüden Bochum. 14 251 14 309 5 868 6121 16 397 5826 1477 . 25 447 20 351 19 585 Zusammen 1893: Dagegen 1912: 75 579 59 932 33 051 127 235 186 269 143 680 Bollends köstlich aber wird der Herr Doktor, wenn er schreibt: Man tann für ganz Deutschland sagen, daß höchstens 10 Broz. der Arbeiterschaft Sozialdemokraten find. Der Rest der 4 Millionen Stimmen wird von Mitläufern aus dem Mittelstande, aus der Privat. beamtenschaft und aus den Beamten gebildet. Es iſt also wirklich Veranlassung gegeben, von der Ueberschätzung der Macht der Sozialdemokratie abzulassen und dafür den viel berufenen Willen zur Macht zu ihrer Bekämpfung anzuwenden. Wo energisch zugegriffen und organisiert wird, wo den Abwehrorganisationen der Nationalen und Gelben ein besseres Berständnis und mehr Sympathie entgegengebracht wird, da ist die Sozialdemokratie zu werfen, und da wird dies Refugnium aller Unflaren und Unzufriedenen seine hypnotische Anziehungskraft verlieren." Gin mittlerer Grundbesizer in dem kleinen Dorfe Boljetin, wurde Issa Boljetinat in alle bisherigen Aufstände, der Arnauten verwickelt, und in allen Balkanländern wegen seines unDaß Neufamerun ein für Weiße geradezu fürchterliches Land glaublichen Heldenmutes sehr bekannt. Die Feinde fürchteten ihn, ist, sind bekannte Dinge, die durch die Darstellung des Reichsdie Freunde beteten ihn an. Im Winter lebte er mit starter Wache folonialamtes nur ihre hundertste Bestätigung erfahren haben. Viel in seinem Dorfe, wo ein türkischer Beamter nur mit seiner Er- wichtiger ist die Frage, was Neukamerun wirtschaftlich wert laubnis einziehen durfte. Gewährten die Türfen den Arnauten die ist. Am allerwichtigsten ist aber, daß jetzt amtlich näheres über die berlangten Kongeffionen, mischten sie sich nicht in ihre Geschäfte ein, Bedeutung der Konzessionsgesellschaften mitDie Denkschrift des Reichstolonialamtes bom dann war alles ruhig, und Iha Boljetinah blieb zu Hause, von geteilt wird. feinen Zinsbauern den zehnten zu sammeln. War es irgendwo 8. November 1911 hatte im besonderen die Konzessionsgesellmit den türkischen Behörden zu Konflikten gekommen, so war Issa schaften respektive ihre Bedeutung geradezu schändlich leichtfertig beBoljetinat immer der Erste, der ins Gebirge ging, seine Schüßen handelt, schrieb sie doch kurz und fröhlich: Für uns kommen in der Jedes Wort der Kritik würde die Schönheit dieses Ergusses nur fammelte und allen Stürmen der türkischen Soldaten trotte. Go Hauptfache nur zwei Stonzessionsgesellschaften in Frage." Was machte er es, wie wir berichtet haben, auch in diesem Frühling, und damals schon festgestellt werden konnte, bestätigt heute das- abschwächen! Herr Böttger mag also fortfahren, die Sozialfeine Flucht in die Berge war der Anfang des jebigen Aufstandes. felbe Kolonialamt, das doch am ehesten darüber unterrichtet gewesen demokratie durch die unsinnigften Bahlenspielereien und Behauptungen Nun ist nicht zu leugnen, daß die stärkste Intelligenz in dem sein sollte, in Neufamerun ſizen acht Konzessionsgesellschaften. zu vernichten. Gegner, die mit solch niederschmetternder Logit ausLager der Aufständischen beim früheren Abgeordneten Hassan Diese Attienunternehmen erhielten ihre Territorien von der fran- gestattet sind, können uns nur willkommen sein! Bei zu finden ist. Aber er wie alle in Prishtina versammelten zösischen Regierung, und zwar immer nur bis zu einem gewissen Offiziere und Führer kommen vor der großen Autorität Issa Höchstumfang an Land. Diese Einschränkung ist aber illusorisch Boljetinag nicht zur Geltung. Deshalb mußte die Regierungs- gewesen, weil sich die Gesellschaften nach ihrer Gründung fast, regel tommission eine ganze Woche auf ihn warten; die anderen wollten mäßig verschmolzen haben. Besteht doch die Compagnie Forestière ohne ihn keinen Beschluß fassen. Und er zog am 30. Juli wie ein Sangha Dubanghui zum Beispiel aus elf früher selbständigen Attienwahrer Herrscher in Prishtina ein. gesellschaften. Ganz wie in Rußland. Ein polizeilicher Willkürakt, der durch die Hinzuziehung von Soldaten mit scharf geladenen Gewehren sehr stark an das russische Knutenregiment erinnert, spielte sich am Sonntagnachmittag gelegentlich einer in Berbau bei Glogau geplanten Schon in Novibazar, Hauptstadt des Candschat Novibazar, den Dies Territorium, das eine Kolonialgesellschaft in Besitz nahm, berufer der Versammlung hatte aus Versehen die Versammlung öffentlichen Bolfsversammlung unter freiem Himmel ab. Der Einer zuerst eroberte, befahl er allen Staatsbeamten, ihn als Befehls- hat nie die französische Regierung bestimmt, die Leitung des Aktien- nur angemeldet und nicht, wie es im Reichsvereinsgesetz vorges haber zu betrachten. Seiner Anordnung, ihm und seinen Leuten unternehmens wählte sich seine Ausbeutungsstrecken ohne jebe Drein- schrieben ist, um die Genehmigung der Versammlung nachgesucht. in der Garnisonstadt Mitrowiza Unterkunft vorzubereiten, wider rede der Behörden völlig felbständig. Das Ausbeutungsrecht wurde Diefen offenbaren Fehler benußte die Polizeigewalt des Ortes, um fetzte sich ganz energisch der dortige Truppentommandant, der immer auf mindestens zehn Jahre erteilt, meist gehen die Befiz- einen vernichtenden Schlag gegen die dort noch junge Bewegung zu energifchfte jungtürkische Mann in dieser Gegend. Aber die Sol- rechte der im deutschen Neufamerun arbeitenden Konzessionsgefel- führen. Nicht nur der Amtsvorsteher war dazu persönlich erschienen, baten und die Offiziere wollten ihrem Kommandanten nicht ge- schaften bis 1929. Nach Ablauf dieser Frist ist dauerndes sondern er hatte sich außerdem der Hilfe zweier Gendarmen und horchen, er mußte fapitulieren, und Boljetinak bemächtigte sich Eigentum der Attienunternehmen all das Land, welches von ihnen der von zwei Soldaten mit scharf geladenen Gewehren aus den Prishtinas und seiner Waffenniederlagen, umjubelt von den Sol- fultiviert, bepflanzt und methodisch ausgebeutet wird. Das andere nahen Schießständen versichert, um den preußischen Staat vor dem drohenden Umsturz durch eine nichtgenehmigte Versammlung fällt an die Regierung zurück. Das find alles Dinge, die dem deutsch unter freiem Himmel zu beschirmen. Staum hatte denn auch daten und der Bevölkerung. Eine besondere Deputation der muselmanischen Bege tam ihm folonialen, Erwerbsgeist" starke Einschränkungen aufgivingen. Der erste ber Einberufer die Bersammlung eröffnet, als ihm auch bor Prifchting entgegen, und die ganze Bevölkerung war auf den Trost gegenüber solchen Gedanken ist immer der, daß man ja ein- schon einer der Gendarmen ins Wort fiel und die Versammlung Beinen. In einem Wagen, das Gewehr über den Knien, fuhr er mal die Gesellschaften in der Hand hat. Aber auch das stimmt auflöfte, weil sie nur angemeldet, aber nicht genehmigt sei, Mit BefonteKttt Nachdruck wurde die sofortige Eutferuung C�er Versammlungsbcsucher verlairgt. Und nun geschah selbst etwas für preußische Verhältnisse Unerhörtes. Trotzdem alle Versammlungs- Besucher ohne Ausnahme der Mahnung des anwesenden Partei- sekretärs, Genossen Scholich-Breslau, folgten und sich schnell und ruhig cntfernlen, wurden doch über 20 Personen von der Polizei zurückgehalten und ihre Personalien festgestellt. Mit diesem Polizeistiickchen hatte es aber noch lein Ende. Als später eine Mitgliederversammlung des Wahlvereins in der Wohnung eines Genossen abgehalten werden sollte, drangen nicht nur die Gendarmen in die Wohnung ein und lösten die Mitgliederversammlung auf, sondern stellten überdies auch noch die Namen der im Hofe des Grundstücks auf ihr« Männer wartenden Frauen fest. Nordmark und Hakatismus. Aus welch unglaublichen Anlässen und mit welch kleinlichen, aber um so aufreizenderen Mitteln man in der„Nord- mark" Germanisierungspolitik betreibt, zeigt folgender Fall: Ein Landmann Jens Nissen aus dem dänischen Orte Hömlund, unmittelbar nördlich der Grenze, hatte vor einigen Jahren einen AusweisungSb e f e h l erhalten, weil er in dem dänischen Versammlungshause des nordichleswigschen OrteS Spandet, wo den Turnern gerade ein Abteilungsfiihrer fehlte, einem jungen Manne bei der Leitung behilflich gewesen war. Später war er um die Erlaubnis cingekommen, den Torf von seinem diesseits der Grenze gelegenen Torfmoore nach Hause fahren zu dürfen; die Erlaubnis war ihm v er- sagt worden. Er war nun öfter ohne Erlaubnis auf seinem Torfmoor gewesen; als er aber vor einigen Tagen wieder kam, war der Gendarm erschienen, der ihn zum Amts- vor st eher führte. Er wurde einem Verhör unterzogen und dann dem Amtsgerichtsgesängnis in Toftlund zu- geführt, von wo er. der letzten Nachricht der„Ribe StiftStidende" zufolge, noch nicht zurückgekehrt ist. Das schöne Avancement. Generalmajor z. D. v. Ditfurth jammert in der Scherl- presse darüber, daß zum t. Oktober nur eine kleine Anzahl der vom Reichstag bewilligten Maschmeugewehrkompagnien ausgestellt wird. Er schließt seinen Artikel mit den Sätzen: „Aber so bedauerlich es auch sein mag, für dieses Jahr müssen 105 Jnfantcrieregimenter noch auf die ersehnte Ber- stärkung durch eine Maschinengewehrkompagnie, müssen in- solgedessen ebensoviel« Oberleutnants auf ihre Beförderung zum Hauptmann, und in jede in dieser drei Regimenter drei Leutnants auf Be- ritte ii n, achung und Gewährung der Gebührnisse zur Beschaffung und Erhaltung eines eigenen Pferdes verzichten.' Würde es sich haben ermöglichen lasten, die Oberleutnants auf andere Weise zu Hauptleuten zu befördern und den Leutnants Rationen und Pferdegelder zu beschaffen, dann wäre also der Schmerz des Generals nur halb so groß. Verbesserung des Avance- mcnts ist demnach die Hauptsache. Begreiflich ist es ja vom Jnter- esseiistandpunkt der Herren Offiziere, daß so mancher von ihnen gern avancieren, der Generalmajor z. B. gerne Generalleutnant und der Hauptmann Major werden möchte; aber nach solchen«vaterlän- dischen" Gesichtspunkten können nun mal keine militärischen Forde- rungen beurteilt werden._ Opfer der Militärpraxis. .n Bor dem Oberkriegsgericht in Koblenz wurde im Wieder- aufuahmeverfahren gegen den Fuhrmann F., früher Musketier im 53. Infanterieregiment, verhandelt. Er war vom Kriegsgericht wegen angeblicher Sinmlation zu vier Monaten Gefängnis der- urteilt worden, weil er durch Vortäuschung einer Krankheit versucht haben soll, sich der Dienstpflicht zu entziehen. Das Ober- kriegsgericht hatte in der Berufung die Strafe noch um weitere zwei Monate erhöht. Das Wiederaufnahmeverfahren ist vom Reichsmilitärgericht auf Grund eines Gutachtens des wissenschaftlichen Senats der Kaiser-Wilhelm-Akademie in Berlin angeordnet worden. Z. war im Frühjahr ISllg wegen einer Sehnenerkrankung in Behandlung gewesen; als er gesund geschrieben wurde, versagte er bei einer Reihe von Uebungen unter Berufung auf sein Leiden den Dienst. Man zwang ihn aber zu marschieren, Klimmzüge zu machen, steile Wände hinaufzusteigen und hinunter- zuspringen, auch wenn Z. erklärte, nicht mehr weiter zu können und über Schmerzen klagte, sogar, wenn er, statt zu springen, von der Wand herunterfiel. Die Verlesung der schriftlichen Aussage des zurzeit verhandlungsunsähigen Z. entrollte ein erschütterndes Bild der Leiden, denen der Unglückliche auf Grund deS Gutachtens milirärärztlicher.Sachverständiger" ausgesetzt gewesen war. Der Oberstabsarzt schrieb ihn immer wieder gesund, was für einzelne Vorgesetzte der Anlaß war, den Kranken mit der größten Rücksichts- losigkeit zu behandeln. Nicht weniger als acht Disziplinarstrafen erlitt der Gepeinigte wegen seiner angeblichen Simulation. Schließ- lich erhielt er, wie mitgeteilt, sechs Monate Gefängnis. Schon während der Vollstreckung der Gefängnisstrafe wurden krank- hafte Erscheinungen körperlicher und geistiger Art festgestellt, und erneute Untersuchungen führten schließlich zum Wiederaufnahme- verfahren. Das Oberkriegsgericht kam jetzt zur Freisprechung, weil nach dem Gutachten deS wissenschafilichen Senats Z. talsächlich in all den Fällen, wo man ihn als Simulanten peinigte und bestrafte, krank gewesen ist. Es handelt sich um krampfartige nervöse Er« scheinungen, die Schmerzen in den verschiedensten Muskeln hervor- rufen, um eine besonders schwere Form der Neurose. Der loissen- schaftliche Senat führt die Erkrankung auf Ueberanstrengung im Dienst zurück. Im Anschluß an die Sehnenscheidenentzündung hätten die sortgesetzten Ueberanstrengungen unter dem militärischen Zwang die schwere Erkrankung verursacht. Auch geistige Veränderungen seien mit Z. vorgegangen. Er fei ein weinerlicher, haltloser Mensch ge- worden. Diese Hysterie sei früher nicht vorhanden gewesen. Mit klaren Worten spricht eS der wissenschaftliche Senat aus, daß die Be- Handlung, die man dem körperlich kranken Menschen zuteil werden ließ, auch seine geistige Erkrankung verschuldet hat. Die be- ständigen Aufregungen hätten schließlich die Hysterie zur Entwickelung gebracht. Nach dem Urteil des Kriegsgerichts wird die Staatskaste der- pflichtet, den Z. wegen unschuldig erlittener Haft zu entschädigen. Der VermögenSschadcn ist aber tatsächlich bei Z. nur gering. Daß er für sein ganzes Leben ein kranker, unbrauchbarer und unglücklicher- Mensch geworden ist, dank dem menschenvernichtenden Militarismus, kann und wird ihm keine Staatskaste ersetzen. » Roch ein ähnlicher Fall beschäftigte am gleichen Tage dasselbe Oberkriegsgericht: Ein Ulan vom 7. Regiment war nach beendeter dreijähriger Dienstzeit desertiert, weil er nicht für erlittene Strafen nachdienen wollte. Das Kriegsgericht verurteilte ihn, auch wegen Diebstahls im wiederholten Rückfalle, zu 1t Monate» Gefängnis usw. In der Einzelhaft wurde er von einein Tobsuchtsanfall getroffen, der eine Geisteskrankheit zur Folge hatte. Er erhängte stch, wurde aber noch rechtzeitig abgeschnitten. Der Sachverständige erklärte: Der bei Begehimg der Tat völlig unzurechnungsfähige Mann sei durch die fünf Monate dauernde Einzel» Haft damals irrsinnig geworden. Das Oberkriegs- gericht verurteilte den Mann zu fünf Monaten Gefängnis, die durch die Uutersuchuugshaft für verbüßt erklärt wurden. Soldatcnmiffhandlungen. Der Sergeant Uschprowics vom Dragonerregiment Nr. 7 in Saarbrücken nahm einen Soldaten, weil er laut gewesen war, mit auf den Flur und ließ ihn dort eine Stunde lang mit gefalteten Händen auf- und niederknien, und als dem Geauälterr endlich die Kräfte versagten, da zwang, er ihn durch Schläge mit der Reitpeitsche, den wahnwitzi- gen Befehl weiter zu befolgen. Das Kriegsgericht verurteilte den Herrn Vorgesetzten zu sieben Wochen Gefängnis. Vor dem gleichen Kriegsgericht stand ein im dritten Jahre die- nercder Kanonier von dem Feldartillerieregiment Nr. 8, weil er einen Rekruten mit einer Peitsche derart über den Kopf geschlagen hatte, daß die Sehkraft eines Auges infolge Verletzung dauernd herabgemindert worden ist. Zu seiner Eni- schuldigung sagte der„alte Mann", es sei in der Batterie Sitte, die Rekruten durch Schläge zu erziehen. Das Gericht verurteilte ihn zu zwei Monaten und 14 Tagen Gefängnis. Schweiz. Ei» entlarvter Spitzel. Genf, 4. August,(ffiig. Ber.) Von der Genfer Polizei wurde der russische agent provocateur E r o f 6 e f f, der sich hier B a r a- loff namite, verhaftet und ausgewiesen. Der Polizeischuft suchte in die russischen Organisationen einzudringen und sammelte Geld zur Vorbereitung von«Expropriationen" und Attentaten. Die Verhaftmig geschah am hellen Tage auf öffentlichem Platze. Wie unser Genfer Parteiblatt, der«Peuple", berichtet, hatte Erof�eff im Jahre 1903 bei einem Komplott gegen den bulgarischen Herrscher bereits die Rolle des azxont provocateurs gespielt. Erofeeff wurde verhaftet und verurteilt. Dann legte sich die russische G e- sanp ts chaft in S p f i a ins Mittel und bewirkte, daß der Spitzel, der Agent der O ch r a n a ist, schon kurze Zeit nach seinem Straf- antritt nach Odessa transportiert wurde, wo er sich angeblich wegen eines in Koiistanlinopel begangenen Diebstahls verantworten sollte. Zum Schein ist dann Erosbeff in Odessa gefangen gehalten worden, nach vierzehn Tagen war er aber bereits wieder in Freihet. Im Oktober IVOS kam das Subjekt neuer- diugs nach Bulgarien und beging verschiedene Erpressungsversuche. Die russische Gesandischaft fand eS angezeigt, ihren bisherigen Schiitzliiig öffentlich abzuschütteln, in Genf aber.arbeitete" Eroföeff wieder als Polizeiagent. Der.Peuple" verspricht, in den nächsten Tagen noch ausführlichere Daten beizubringen. Italien. Der Papst gegen die Jndianermisthandlungen. Rom, 5. August. L'Osservatore Romano veröffentlicht eine gn die Bischöse von Südamerika gerichtete Enzyklika„Oacrimabili statu", die sich mit der Lage der Indianer in Süd- a m e r i k a beschäftigt. Der Papst hebt die Maßnahmen rühmend hervor, die bereits zur Besserung der Lage der Indianer getroffen seien, insbesondere die Abschaffung der wirklichen Sklaverei in Brasilien und anderen Ländern, betont indessen, dah noch viel zu tun übrig bleibe angesichts der Gewalttätigkeiten und Uebeltaten, denen die Indianer noch immer ausgesetzt seien. Er bitte Gott, ihm Mittel und Weg« zu weisen, um diesen schweren Mißständen abzuhelfen,.und«r sei glücklich über das Vorgehen der südamerikanischen Regierungen zugunsten der Indianer, obgleich in jenen ausgedehnten Gebieten die Bemühungen der BeHorden nicht selten wirkungslos blieben. Der Papst ermahnt die Bischöfe insbesondere Missionsstationen zu schaffen, und erklärt es für cht ungeheuerliches Verbrechen, die Indianer zu Sklaven zu machen oder sie ihrer Freiheit zu berauben.- Englanä. Kein Ministerwcchsel. London, 6. August. Das Kolonialamt dementiert amtlich die Nachricht von dem bevorstehenden Rücktritt Lord G l a d st o n e S, des Generalgouvcrneurs von Südafrika. Lord Aladstone Wird jm Herbst auf seinen Posten zurücktehren. Marokko. Kritische Lage in Mazaga». Tanger, 5. August. Stach Nachrichten aus M a z a g a n ist eS in der Stadt und in deren Umgegend zu Unruhen gekommen, die durch den K a i d T r i a h i verursacht worden sind, dessen f e i n d- selige Gesinnung bekannt war. Triahi hatte sich geweigert. mit dem Obersten Mangin in die Stadt zu kommen, um die Sicher- stellung der Ruhe in der Gegend zu besprechen. Für die Europäer soll keine Gefahr bestehen. Der Kreuzer„Friant" in nach Mazagan abgegangen; er wird in Rabat Befehl erhalten. Amerika. Der Roosevelt-Parteitag. Chicago, 6. August. Der Nationalkonvent der von Roosevelt organisierten fortschrittlichen Partei begann heute mittag im Colosseum. Es herrschte große Vegcisteruug. 232 Anhüngeriunen des Fra uen st im m rechts und eine Anzahl iveiblicher Delegaten zogen nach der Konvent- Halle und wohnten dem Konvent bei. N e g e r d e l e g a t e n versuchten, Roosevelt zu besuchen, wurden jedoch von Weißen daran verhindert. Die Polizei verhütete eine Schlägerei zwischen beiden Teilen. Intervention in Nicaragua. Washington, 5. August. Mit Rücksicht auf die Unruhen in Nicaragua wurden hundert Seesoldaten von dem amerikanislyen Kanonenboot„AnnapoliS" in Cotinto gelandet und in Managua einquartiert, um die amerikanischen Bahnen, den Dampf« schiffverkehr und das Eigentum der Amerikaner zu schützen. Die Landung geschah auf Wunsch der Regierung in Nicaragua. Huq Industrie und Handel. Ein schntzzölluerisches Experiment. AuS London wird uns geschrieben: Die englischen Schutzzöllner hat ein harter Schlag getroffen. Die englische Regierung hat sich entschlossen, aus dem internatio- nalen Zuckerverband auszutreten und am ersten September den Vertrag zu kündigen. Vom englischen Standpunkt aus bedeutet dies eine direkte und scharfe Absage von der Tarifreform. dir durch die Brüsseler Kouvention nach der Ausicht der Tarifreformer so glänzend gerechtfertigt worden ist. Denn hat die Konvention nicht die westindische Rohrzuckerindustrie gerettet? Oder, um sich richtig auszudrücken, hat sie nicht eine Handvoll westindischer Plantagenbesitzer um Millionen be« I reichert?„Das britische Volk", sagte vor einigen Jahren ein Bewunderer Joseph Camberlains, der für das Zustandekommen der Konvention im Jahre 1902 in erster Linie verantwortlich war,.fängt jetzt an, den Wert der Kolonien recht zu würdigen. Und dafür haben wir Herrn Chamberlain zu danken. Er war es, der den Zuckerpreis von 6 Pfund auf 10 Pfund die Tonne gebracht hat." Das war nicht etwa SarkaSmuS, sondern blutiger Ernst. Und nun soll dieses hoffnungs« volle Experiment der Tarifreformer in die Brüche gehen. Die Zuckerlonvention kam im Jahre 1902 hauptsächlich durch den Druck, den die damalige konservative englische Regierung, der Joseph Chambcrlein noch angehörte, auf die Zucker produzierenden enro- päischen Staaten ausübte, zustande. Ihr Zweck war, die Zucker- Prämien abzuschaffen und dadurch gesündere Zustände auf dem Zuckermarkt zu schaffen. Auf englischer Seite war das treibende Motiv, den bedrängten Rohrzuckerfabrikanten Westindiens zu Hilfe zu kommen. Chamberlain, der mit seinen schutzzöllnerischen Lehren noch nicht in die Oeffentlichleit getreten war, hoffte durch dieses Ex- periment für seine Ideen Propaganda zu machen. Die Liberalen bekämpfle» die Konvention energisch als einen Verstoß gegen die Grundsätze des Freihandels und drohten, den Vertrag flei der ersten sich ihnen bietenden Gelegenheit zu kündigen. Als sich ihnen diese Gelegenheit jedoch im Jahre 1907 bot, taten sie nichts dergleichen. angeblich aus polilischen Gründen. Bei der Erneueiung der Kon- vention im Jahre 1907 setzte es die liberale englische Regierung jedoch durch, daß künftig 200 000 Tonnen Zucker jährlich aus Ruß- land, das mit dem Prämicnsystem noch nicht gebrochen und dessen Zucker deshalb von den Märkten der vertragschließenden Mächte ausgeschlossen ist. nach Westen ausgeführt werden können. Bei der jetzigen Erneuerung erhöhte die englische Regierung ihre Forderung; sie verlangte die Ausfuhr von 500 000 Tonnen russischen Zuckers freigegeben, drückte ihre Forderung jedoch nicht) durch. Daher die Kündigung des Vertrages. Der Entschluß der Regierung wird von dem englischen Volke mit Freuden begrüßt. Vor dem Abschluß der Konvention, als ihm alle Märkte offen standen, konnte England seinen Zucker äußerst billig kaufen. Man zahlte im Durchschnitt für das englische Pfund <450 Gramm) 1'/» P-nce(12'/, Pf.): jetzt kostet derselbe Zucker durchschnittlich 8 Pence(25 Pf.). Dabei ist der Zuckerverbrauch in England seit dem Abschluß der Konvention um 8 Proz. zurück- gegangen, während er auf dem europäischen Festlande um 54 Proz. gestiegen ist. Dieser Preisaufschlag hat dem englischen Volke jährlich nicht weniger als 8 Millionen Pfund(160 Millionen Mark) gekostet. Auch hat die Konvention keineswegs gehalten, waS stch Chamberlain da- von versprach. Sie hat nicht vermocht, der westindischen Rohrzuckerindustrie einen Aufschwung zu'geben; dieProduktion der westindischen Rohrzucker� iudustrie ist vielmehr seit 1903 um 7,6 Proz. zurückgegangen. Sie hat die Preise nicht stabilisiert und hat auch nicht vermocht, eine große Preiserhöhung zu verhindern. Das einzige greifbare Resultat in bezug auf England ist eine Bereicherung der paar westindischen Plantagenbesitzer, die im letzten Jahre allein zwischen eine und zwei Millionen Pfund Sterling Ueberschuß einsteckten. Und als Gegen« stück zu dieser Bereicherung hat man die große Erhöhung der Zucker- preise in England._ Krupp und die Arbeiterklasse. Unter diesem Titel gibt unser Parteiblatt in Esseik eine Broschüre von 40 Druckseiten heraus, die eine Zusammenfassung und Ergänzung mehrerer in der Essener Arbeiterzeitung veröffent- lichter Leitartikel enthält. Die Schrift zerstört an der Hand ein- Äandfreiän Materials die Legende von den vorbildlichen Arbeiter- verhältniffen und Mohlfahrtsanstalten bei Krupp. Die für die Agitation wertvolle Broschüre kostet 20 Pf. und ist von der Partei- buchhandlung zu beziehen. Mus der f rauenbewegung* - Weibliches Dienstjahr. Seitdem Frau Gnauck- Kühne auf dem letzten deutschen Frauenkongreß ihren Vortrag über das weibliche Dienstjahr ge- halten, kommt die Debatte über dieses Thema in bürgerlichen Zeitungen und Zeitschriften nicht zur Ruhe. Bekanntlich sollte sich nach Frau Gnauck-Kühne dieses weibliche Dienstjahr, das sie als anerkannte Forderung(???) der Frauenbewegung anspricht, als organischer Ausbau des in den Schulen erteilten HaushaltungS- Unterrichtes fortsetzen. Das Jahr sollte in Gemeinschaftshäusern, die sich selbst besorgen(Kasernen!) und die an Anstalten ange- gliedert sind, um Arbeitsgelegenheiten zu schaffen, auf Kosten des Staates verbracht werden. Der Gedanke der Frau Gnauck-Kühne treibt schon die üppigsten Blüten. In den meisten Blättern, so in dem„Arbeiterfreund" von Viktor Böhmert-Dresden, hat er sich schon zur zweijährigen Dien st zeit für die Töchter des Volks umgesetzt, wohingegen für die Töchter der höheren Stände, analog dem einjährigen Dienst der Männer, ein Dien st jähr verlangt wird. Vertrauenspersonen(weibliche Unteroffiziere!) sollen dauernd die Kontrolle über die Töchter des Volkes führen. sie drillen! Die Dienstjahre sollen-uvischen dem 14. und 16. Lebensjahre abgeleistet werden. Die Mädchen vom Lande sollen in die Stadt, die Mädchen aus der Stadt auf das Land verschickt werden. Die Mädchen der höheren Stände können ihr Jahr an einer staatlichen sozialen Anstalt absolvieren und können nachdem, wenn sie nicht in den Ehestand treten, die weiblichen Offiziers- Posten ausfüllen. Bekanntlich sind die bürgerlichen Frauen auf dieses verrückte Dienstjahr verfallen, weil ihnen immer bei ihrer Forderung des Frauenstimmrechtes entgegengehalten worden ist, der Mann leistet dem Staat für sein Wahlrecht auch Dienste als Soldat.(Die Erneuerung des Menschengeschlechts durch die Frau gilt diesen bürgerlichen Köpfen nicht als eine Leistung für den Staat!) Wlenn die bürgerlichen Frauen für das weibliche Dienst- jähr Wahlrechte erwarten, werden sie sich gründlich täuschen, denn schon der vorerwähnte„Arbeiterfreund" schreibt:„AuS dieser zweijährigen Dienstzeit können natürlich irgend- welche besondere bürgerliche oder politische Rechte niemals erwachsen." Die bürgerlichen Frauenstimmrechtskämpferinnen werden das entsetzt vernehmen. Wir Sozialdemokraten haben mehr als genug an den männlichen Dienstjahrcn mit ihren furchtbaren Aus- wüchsen. Unsere Mädchen müssen von klein auf schuiten und schaffen, daß sie kaum wissen, wo ihnen der Kopf steht uno was sie zuerst angreifen sollen. Für sie gibt es nirgend Erholung und Ruhe, Ferien und Freiheit. Wenn die Töchter der oberen Schichten, die bisher größtenteils ihre Jugend und ihr ganzes Leben ver- trödelt, ein soziales Jahr absolvieren wollen, hätten wir nichts dagegen, dadurch lernten sie die Leistungen arbeitender Menschen- linder anderer Kategorien schätzen, daß sie aber dann doch um ihr erträumtes Wahlrecht geprellt werden sollen, tut uns aufrichtig leid. Oder sollen sie vielleicht für ihr„einjähriges Dienstjahr erhalten, was für„zweijährige Dienstjahre" nicht gewährt werden soll? Ein Klassenwahlrecht? Versammlungen— Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen ber Arbeiterklasse. Besichtigung von Hobrechtöfclde, Freitag, den 9. d. Mts. Abfahrt Stettiner Bahnhof 1 Uhr 35 Minuten., Gesundbrunnen 1 Uhr 40 Minuten bi< Buch. Dort steht 2 Uhr eine Feldbahn für ups bereit. Nur jux Mitglieder, Mitgliedsbuch legitimiert. Gewerkfchaftlicbea. Berlin und Umgegend. Zum Abwehrstreik der Charlottenburger Arbeitskutscher. ist zu bemerken, daß heute Mittwoch die Arbeit bei Hanisch u. W e r n i ck c wieder aufgenommen wird, nachdem am gestrigen Tage von den beiden Fuhrherrn der für das Schwerfuhrwerks- gewcrbe aufgestellte Tarif unterschriftlich anerkannt wurde. Be- zugnehmend auf die letzte Notiz im„Vorwärts" müssen wir be- richtigen, daß die Kutscher bei Hanisch nicht wegen Tarifbruch, son- dern wegen unterschriftlicher Anerkennung des oben bezeichneten Tarifs in den Streik getreten waren. Auch bei der Firma A m- b e e l sind am Sonntag die Differenzen durch Verglcichsverhand- lungen erledigt worden. Einzelne Charlottenburger Fuhrherren haben eine Vereinigung der Fuhrherren und Kutscher gegründet und versuchen nun, mit allen möglichen Mitteln ihre Kuscher in diesen Verein zu pressen, wobei sich ganz besonders der Fuhr- Unternehmer K l a t t hervortut. Bis jetzt ist es ja erst gelungen, einige für die moderne Gewerkschaftsbewegung untaugliche Ele- mente einzufangen und wird wohl die mitgegründcte Unter- stützungskasse, für welche sich jedes Mitglied wöchentlich 2b Pf. vom Lohn abziehen lassen soll, am ewigen Dalles leiden. Auch der Großfuhrunternehmer H e n n i ck e scheint der Grün- dung der gelben Vereinigung nicht ganz fernzustehen. Hennicke hatte sich die Mühe gemacht, die Streikenden in dem Streiklokal zu besuchen und hat versucht, sie von ihren Forderungen abzu- bringen, andererseits aber auch gleich die Segnungen einer gelben Vereinigung vor Augen gehalten. Seine Liebesmüh war aller- dlngs vergebens, kein Streikender ist abtrünnig geworden. Die Mitglieder des Transportarbeiterverbandes werden aber dafür sorgen, daß die gelbe Flut innerhalb ihres Berufes soweit reicht, daß gerade noch ihre Gründer drinnen ersaufen können. Wie eine Trustfirma ihre Angestellten behandelt. Der Buchhalter Sch. war bei der Berliner Zigarettenfabrik Josetti G. m. b. H., die mit der Zigarettenfabrik A. Jasmatzi Akt.-Ges., Dresden, liiert ist und von dieser ihre Direktiven er- bült, über 8 Jahre beschäftigt. Sch. hat seit Jahren bei der Firma Josetti eine umfangreiche, bis in die kleinsten Details gehende Rechnungskontrolle auszuüben. Durch diese Tätigkeit ist das Sch- vermögen infolge der damit verbundenen Ucberanstrengung stark beeinträchtigt worden, besonders das linke Auge hat gelitten. Pfingsten 1311 stellte sich eine Netzhautablösung ein. die zur Erblindung dieses Auges führte. Nach dem Gut- achten des Arztes konnte Genannter seine Tätigkeit ohne Gefahr für das andere Auge nicht mehr ausüben, und mußte derselbe seine Stellung bei der Firma aufgeben, nachdem eS an dem bekannten sanften Druck nicht gefehlt hat. Obgleich die Firma Gelegenheit hatte, den Betreffenden in Außendienst als Reisenden zu beschäftigen, tat sie es nicht, da angeblich keine Vakanz vorlag. Trotzdem engagierte die Firma kurz darauf 2 Vertreter für Berlin und ließ ein erneues Gesuch ihres früheren langjährigen An- gestellten unberücksichtigt. Die Generaldiriktion der Firma Jasmatzi, an die der Angestellte sich nunmehr wandte, versuchte durch Ausflüchte und Vertröstungen sich ihrer moralischen Ver- pflichtung gegenüber einem in ihrem Betriebe invalide gewordenen Angestellten zu entziehen. Was der in ihrem Betriebe invalide gewordene Angestellte nunmehr tut, läßt die Direktion vollkommen kult. Dieser Fall legt jedenfalls Zeugnis ab für das„soziale Ver- standms des Unternehmertums und sollte den Angestellten Ver- anlassung sein, durch Anschluß an die gewerkschaftliche Organi- satwn, den Zentralverband der Handlungsgehilfen, der Ausbeutung eine Schranke zu setzen. Zentralverband der Handlungsgehilfen. Zur Lohnbewegung der �riseurgehilfen. Im„Vorwärts" vom 28. Juni 1912 brachten wir die Mitteilung, daß sich eine tariftreue Meistervercinigung gegründet habe. Wir stellten bei dieser Gelegenheit fest, daß die freie Vereinigung unter Leitung ihres derzeitigen Vorsitzenden Herrn Lubert. Lychencr «traße 132, sich iinmcr mehr im reaktionären Sinne entwickele. In der Augusinummer.der Zeitung der freien Vereinigung entladet sich nun der Zorn des Herrn Lubert. Der Höhepunkt wird erreicht, indem wir als Wegelagerer bezeichnet werden. Und das tut der- selbe.Herr, der uns gleich hinterher einen Mangel an„Ritterlich- keit vorwirft. Die Forderungen haben 743 Arbeitgeber anerkannt. JnSbe- sondere hat die jetzt stattfindende Kleinagitation für den Verband Fortschritte gebracht. Verband der Friseurgehilfen. Tarifgegnerische Tchuhmachermcister. Obwohl mit den Innungen und Vereinigungen der Schuh- machermeister Groß-Berlins im Dezember 1913 ein Mmimal-Lohn- tarif vereinbart wurde, halten es noch heute die Schuhmachermeister Karl Glieneke, Gr. Frankfurter Straße 72 sVerkaufsgeschäft) und Max M a r u n d e, Veteranenstraße 25< Besohlanstalt) nicht für nötig, diesen zu bezahlen. Glieneke zahlt Löhne, wie sie mise- rabcler in den entlegensten kleinen Prcvinzstädten oder Dörfern nicht bezahlt werden können. Vom Jnnungsschiedsgericht wurde der Arbeiter, der Glieneke auf Zahlung des Tariflohnes verklagte, abgewiesen, weil derselbe, wie er in der Verhandlung ausführte, aus Not bei der ersten Lohnzahlung nicht Einspruch erhoben hat. Ter Arbeiter von Marunde, Vetcranenstraße 2S, wurde abgewiesen, weil derselbe schon im vorigen Jahre bei diesem unter dem Tarif gearbeitet hatte, damals war aber der Arbeiter von Böhmen zuge- reist und kannte die Verhältnisse nicht. Der Vorsitzende des Schiedsgerichts rügte das Verhalten der Betreffenden als Schmutzkonkurrrenz und bedauerte auf Grund der Rechtslage die Beklagten nicht verurteilen zu können.— -ye getroffenen Vereinbarungen zu halten haben sich diejeni- gen Schuhmachermeister verpflichtet, die ein rotes, mit unserem Stempel versehenes Plakat aufweifen mit der Aufschrift:„Hier sind die Forderungen der Schuhmschergehilfen bewilligt." Zentralverband der Schuhmacher, Ortsverwaltung Berlin. Deutsches Reich. Tie Entscheidungen des Zentralschiedsgerichts für das Baugewerbe werden vom Verbandsorgan des Zimmcrerverbandes vielfach kriti- siert. Nach dem„Zimmerer" betritt das Schiedsgericht in der Spruchpraxis mit den Stimmen der Unparteiischen und denen der Unternehmerbeisitzcr neue Bahnen, die zu nichts gutem führen können. Besonders wird eine Entscheidung angegriffen, wonach das Schiedsgericht entschieden Hai. daß das Ansinnen an Zimmerer- gesellen, aus dem Verbände auszutreten, um sie zu Polierern zu machen, nicht gegen den Tarifvertrag verstoße. Das Schiedsgericht wies eine solche Klage einer Ortsverwaltung des Zimmererver- bandes mit der Begründung zurück: es sei nicht tatsächlich fest- gestellt, daß die Arbeitgeber über das Bedürfnis hinaus, ledjglich in der Absicht, die Zimmerer ihrer Organisation zu entziehen, sie zu Polierern gemacht haben. Der„Zimmerer" verweist darauf, daß der Tarifvertrag bestimmt, Einstellung und Entlassung von Arbeitern stehen in freiem Ermessen des Arbeitgebers, die Zu- geHörigkeit zu einer Organisation darf aber auf keiner Seite ein Grund zu Maßregelungen sein, ebenso darf der Aus- tritt aus der Organisation nicht verlangt werden. Auch �»e Entscheidungen, die in letzter Zeit zustande kommen, geben ZfcKaß zur Kritik. Das Schiedsgericht hat seine Spruch- Praxis insofern geändert, als es Entscheidungen nicht inehr im Plenum des Schiedsgerichts stattfinden läßt, sondern die Unpartei- Verantw. Redakteur: Alber« Wachs. Berlin. Inseratenteil verantw.: ischen ziehen sich zurück, formulieren ihre Vorschläge und bringen sie im Plenum zur Diskussion und zur Abstimmung. Aendern die Unparteiischen ihre Vorschläge nicht selbst ab, dann werden bei dieser Methode die Vorschläge natürlich immer Beschlutz; es müßten denn die Unternehmer- und die Arbeitervertreter gemeinsam da- gegen stimmen, was nie borkommen dürfte. Auch wenn nur einer der Unparteiischen sich der Stimme enthält, wie das in einigen Fällen geschah, so erhält der Vorschlag der Unparteiischen die Mehr- heit des Gerichts. Außerdem unterschreiben jetzt die Unparteiischen allein die Entscheidungen, und zwar ohne daß ihr Wortlaut und die Gründe dem Plenum des Schiedsgerichts vorliegen. Aus dieser Veränderung in der Spruchpraxis resultieren Entscheidungen, die nach dem„Zimmerer" nicht im Einklang stehen mit dem Geiste des Tarifvertrages und die von ihm öffentlich kritisiert werden. Lohnbewegung der Stettiner Strafienbahner. Die im vorigen Monat vom Transportarbeiterverband einge- leitete Löhnbewegung der Stettiner Straßenbahner ist mit Erfolg beendet. Es hatte zuerst den Anschein, als wenn es zu ernsten Kämpfen kommen sollte. Die Verwaltung, die wohl einsah, daß die Angestellten zu cnisren Schritten bereit seien, berief zum 1. August eine Aufsichtsratssitzung ein. Das Resultat ihrer Beratung wurde ain 2. August durch Anschlag bekanntgegeben. Danach wird den im festen Dienstverhältnis stehenden Angestellten eine Gehaltszulage von S M. monatlich zugebilligt, und das Anfangsgehalt durchweg um 5 M. monatlich erhöht. Auch die Höchstgrenzen werden um 8 M. vorgerückt. Den im 2. und 5. Dienstjahr stehenden Ange- stellten werden 3 bezw. 6 Urlaubstage gewährt. Die vom Fahr- personal gewünschten Diensterleichterungen, insbesondere der Ab- lösungen, sollen durch Einstellung und Ausbildung des benötigten Personals nach Möglichkeit Berücksichtigung finden. Den� Bahnwärtern werden fortan drei dienstfreie Tage im Monat gewährt. In einer Versammlung am 3. August nahmen die Angestellten zu dieser Bekanntmachung Stellung. Es kam zu erregten Aus- führungen. Die Mehrzahl forderte den Streik, weil die Direktion sich in keiner Weise geäußert habe, ob sie der beispiellosen brutalen und schikanösen Behandlung durch die Vorgesetzten endlich ein Ziel setzen wolle. Die Verbandsleitung hatte alle Mühe, die Anwesenden zu überzeugen, die Erledigung dieser Angelegenheit in weiteren Verhandlungen mit der Gesellschaft zunächst zu ermöglichen. Eine entsprechende Resolution wurde schließlich nach wiederholter Ab- stimmung angenommen._ Eine neue christliche Gewerkschaft. Aus Bingen wird uns geschrieben: Unter dem Titel „Deutscher Weinbergs-, Land- und Waldarbeiter- b u n d" wurde hier von einem Bäckerdutzend aus den verschiedenen Weinbaugebieten zusammengeholter Weinbergsarbeiter ein neuer christlicher Berufsverband„gegründet". Zweck des unter Ausschluß der Oeffentlichkcit ins Leben getretenen„Bundes" soll die„Förde- rung des Gemeinsinns, Hebung des Standesbewußtscins und der Berufstätigkeit, Wahrung der wirtschaftlichen und sozialen Interessen der Mitglieder usw. sein. Die Taufrede hielt S t e g e r w a l d- Köln, der natürlich nicht aus der Rolle siel und gegen die„sozialdemo- kratichen" Gewerkschaften schwer vom Leder zog. Er hatte ja nicht zu befürchten, sich mit Gegnern messen zu müssen, dcnn�diesen war der Zutritt verweigert. Sitz des neuen Verbandes ist Köln. Ausland. Scharfmachcrtuin in Oesterreich. Die Leitung der Vereinigung der„Arbeitgeber" Oesterreichs versendet an ihre Mitglieder ein Rundschrebcn, das die Ueber- reichung einer Massen- und Sturmpetition um noch mehr gesetz- lichen Schutz für die Arbeitswilligen vorbereiten soll. Di« Petition soll der Regierung im Herbst überreicht werden. Nach dem Wahl- sieg der deutsch-freiheitlichen Sckiarfmachersöldlinge in den Jndu- stricgegendcn der Sudctenländcr im vorjährigen Sommer sehen die Scharfmacher offenbar ihre Zeit gekommen. Aus dem Rundschreiben geht aber auch hervor, wie unnötig ihr Verlangen ist, denn es wird darin mit Befriedigung festgestellt, daß die Behörden und ihre Organe, also die Polizei und Gendarmerie, infolge des steten Drängens der Scharfmacher seit einiger Zeit ein schärferes Vor- gehen bei Streiks üben. In der Tat ist festzustellen, daß das äußere Bild der Lohnkämpfe dem in Preußen, Sachsen oder anderen Polizeistaaten gewohnten immer ähnlicher wird. Der Ver- and der in Deutschland sattsam bekannten Streikbrecher- und Ruhcstörerkolonnen hat ja auch längst nicht mehr an den schwarz- gelben Grenzpfählen Halt gemacht und dieser Import erfreut sich durchaus des Wohlgefallens der Regierung. In bezug auf die An- Passung behördlicher Unparteilichkeit an die Bedürfnisse des Kapitals ist Oesterreich längst in die vorderste Reihe der modernen Kultur- staaten eingerückt. Ein Streik der Baupoliere ist in R e i ch e n b« r g, der„Metro- pole Deutschböhmens" ausgebrochen. Lohnforderungen sind die Ursache des Streiks. Die Unternehmer suchen nun Techniker als Streikbrecher zu gewinnen— wobl im Vertrauen auf die deutsch- nationale Gesinnung der Akademiker. Die Bauarbeiter haben be- schlössen, den Streik zu unterstützen, insbesondere dadurch, daß sie unter strenger Beobachtung des Kollektivvertrags die einstweilige Uebernahme von Polierfunktionen zurückweisen.— Die Bauarbeiter Nordböhmens, die bei dem Tarifabschluß von 1319 wegen des gleich- zeitigen Ricsenkampfes im deutschen Baugewerbe manche höchst zeitgemäße Forderung zurückstellen mußten, rüsten energisch zum neuen Tariftermin von 1913. Eine Konferenz in Reichenberg, an der auch Delegierte aus Görlitz und Zittau teilnahmen, beschloß u. a. die Konzentration der kleinen Ortsgruppen. Syndikalistische Zeitungsgründunq in Italien. Gestern nahmen wir Notiz von der beabsichtigten Gründung eines neuen Gewerkschaftsblattes in Italien. Die betreffende Mit- teilung ging uns aus Turin zu. Sie trug die Adresse des Bureaus, welches uns als Sitz der dem Internationalen Sekretariat angeschlossenen gewerkschaftlichen Landeszentrale Italiens bekannt ist, auch mußte die Unterschrift die Annahme erwecken, als ob es sich um ein Blatt der Landeszentrale handelt. Wie wir jetzt erfahren, ist das ein— allerdings erklärlicher Irrtum.— Von zustündiger Stelle wird uns geschrieben: Neben der gewerkschaftlichen Landeszentrale Italiens mit 384 999 Mitgliedern sConfederazione Generale del Lavorne), die ihren Sitz in Mailand hat, besteht in Italien sowohl ein katholisches „Sekretariat der Berufsverbände" unter Leitung der Kirche mit 8787 Industriearbeiter- und 79 912 Landarbeitermitgliedern, wie auch eine syndikalistisch-anarchistische Richtung, welch letztere bis- her nur eine lose Föderation ohne jede Beitragspflicht besaß. Ihre Leitung oblag der Arbeitskammcr in Parma, die als Leiterin der„revolutionären Gewerkschaftsbewegung" gilt. Nachdem sie auf dem letzten Gewerkschaftskongresse wieder unterlegen, hat diese Richtung eine Art Landcszentrale und ein eigenes Organ,„La Battaglia Sindicalc"(Der Gewerkschaftskampf) beschlossen. Nach den Behauptungen ihrer Gründer sollen der neuen Zentrale rund 89 999 Mitglieder angehören. Ihre Hauptarbeit und auch der Zweck der Zeitungsgründung ist leider wieder die Bekämpfung der bestehenden Gewerkschaften, wobei sie natürliche Verbündete im katholischen Lager finden. Das Blatt der dem Internationalen Sekretariat angeschlossenen italienischen Landcszentrale„La Confederazione del Lavoro" er- scheint halbmonatlich im Format des deutschen„Correspondenzblatt" in Mailand, während die in Turin(auffallcnderweise im selben Bureau, das- bis vor einigen Monaten von der Zentrale der Zentralverbände bewohnt wurde!) neu erscheinende Zeitung keines- Wegs, wie ihre Redaktion in ihrem Rundschreiben an die Arbeiter- »�Glocke, Beei'tuDruck u. Verlag: Vorwärts Buch0r.it Verlagsanstalt! presse in irreführender Weise mitteilt,„Organ der Zentralverbände", sondern der Syndikalisten, also der.Gegner der Zentral- verbände, ist. Eisenbahnerstreik in Südspanien. Madrid, 6. August.(W. T. B.) Die Angestellten der Eisen- bahnen im südlichen Spanien haben der Regierung mitgeteilt, daß sie am 12. August in den Ausstand treten werden. Versammlungen. Die Stukkateure hielten am Montag im Gewerkschaftshause eine Versammlung ab, die sich hauptsächlich mit der Frage zu be- schäftigen hatte, ob Lohn oder Akkord die gerechteste und gün- stigste Entlohnungsform ist. Die Stukkateure haben zwar einen Akkordtarif, aber klar ausgesprochene Prinzipien, welcher Ent- lohnungsform der Vorzug zu geben sei, sind bisher weder bei der Arbeitgeberorganisation, noch bei der Arbeitnehmerorganisation zutage getreten. Nach dem letzten Tarifabschluß ist aber im Unter- nehnierlager eine Wandlung zu bemerken, die dahin gehtz an Stelle der Akkordarbeit immer mehr die Lohnarbeit zur Einführung zu bringen. Trotzdem der Zeitlohn gestiegen, die Akkordpreise aber im Ivesentlichen unverändert geblieben sind, glauben die Unter- nehmer durch die Einführung der Lohnarbeit ihre Profitrate noch steigern zu können. Die Schaffung eines Einheitslohnes, über den hinaus keine Forderungen gestellt werden dürfen, soll ihnen den Weg in dieser Beziehung noch mehr ebnen. Der Umstand, daß einzelne Gehilfen, wohl durch die Akkordarbeit verwöhnt, auch im Zeitlohn ein ihren Lohn weit übersteigendes Arbeitsquantum lieferten, bildet einen weiteren Anreiz für die Unternehmer, von der Akkordarbeit Abstand zu nehmen. Wollen die Gehilfen aber keinen Rückschlag erleiden, dann müssen sie auch bei der Lohnarbeit darauf achten, daß der Akkordtarif für die Arbeitsleistung als Grundlage dient. Wollen die Unternehmer die Akkordarbeit be- seitigen, dann können sie doch nicht verlangen, daß die Gehilfen für den geringeren Zeitlohn dieselbe Arbeit leisten, die sie bei einem bedeutend höheren Akkordverdienst geleistet haben. Wird dem Arbeiter im Verdienst eine Schranke gesetzt, so ist er auch berechtigt, für seine Arbeitsleistung eine Schranke zu setzen. Der Vorsitzende W c n g e l s berichtete dann noch über einige Streitsachen, die der Schlichtungskommission zur Entscheidung vorgelegen haben. Es soll nicht statthaft sein und einen Tarifbruch bedeuten, wenn durch Ausnutzung einer Notlage de? Unternehmers höhere Löhne gefordert werden. Wenn bei Eingehung eines Arbeitsverhältnisses über den Lohn nichts vereinbart wird, dann soll der Minimallohn gelten. Bei Zeitlohn soll der am Lohnzahlungs- tage fällige Lohn zur Auszahlung kommen, einen oder mehrere Tage einzubehalten, ist der Unternehmer nicht berechtigt. Es wurde dann noch auf die bevorstehende Lohnbewegung der Gipsbildhauer und Modelleure hingewiesen. Auch die Stukkateure haben ein Interesse daran, daß die Arbeitsbedingungen dieser Branche mit ihren eigenen gleichgestellt werden, da beide Branchen sehr oft ineinandergreifen. Es sollen daher auf den Bauten die dort beschäftigten Bildhauer und Modelleure auf die am Donners- tag in den„Jndustrie-Fcstsälen" stattfindende Versammlung hin- gewiesen werden._ Letzte IHachrlchten. Tödlicher Unfall auf dem Flugplatz Johannisthal. Gestern nachmittag verunglückte der Monteur Franz D e n e l I aus Lichtenberg auf dem Flugplatz Johannisthal tödlich. Denell, der bei den Rumpler-Werken beschäftigt war, drehte an dem Pro- peller einer im Schuppen stehenden Flugmaschine. Der Motor sprang plötzlich an, die Maschine setzte sich in Bewegung und drückte den Monteur, der von dem Propeller erfaßt wurde, gegen die Klappen des Schuppens, wobei Denell tödliche Verletzungen erlitt. Die ganze linke Seite wurde ihm abgeschlagen, so daß die Eingeweide heraustraten. Er wurde nach dem Kreiskranken- Hause Britz gebracht, wo er bald nach der Einlieferung ver- st a r b._ Der Aufruhr in Mazagan. Paris, 6. August.(W. T. B.) Ueber die gestrigen Unruhen in Mazagan wird ergänzend gemeldet: Um 11 Uhr abends dauerte das Schießen noch fort, das um 9 Uhr begonnen hatte. Kaid Triahi schürte die fremdenfeindliche Bewegung. Seine Aehänger wollen unter dem Einfluß seiner Aufreizungen die Franzose« ver- treiben. Als die Verhaftung des aufrührerischen KaidS als Prä- ventivmaßregel angeordnet wurde, kam der Aufruhr zum Ausbruch. Ein Teil der Einwohner hat sich in seinen Häusern verbarrikadiert. Der Pascha hält sich in seinem Hause eingeschlossen aus Furcht, von den Aufrührern getötet zu werden.(Siehe Marokko.) Notschrei der Krankenpflegerinnen. Köln, 6. August.(W. T. B.) Der Internationale Kongreß des Weltbundes der Krankenpflegerinnen nahm in seiner heutigen Morgcnsitzung auf den Vortrag des Geheimen Medizinalrats Dr. Hecker-Straßburg über Ucberarbeitung der Krankenpflegerinnen einen Beschluß an. solange die Regierungen und die Parlamente der einzelnen Länder um Hilfe anzurufen, bis die berechtigten Forderungen der Krankenpflegerinnen erfüllt würden. Strastenbahnzusammcnstoß in Wien. Wien, 6. August.(P.-C.) Heute vormittag stieß an der Ecke der Prinzengasse und Albertstraße ein aus einem Motor- und einem Beiwagen bestehender mit Bierfässern beladener Automobilzug der Liesinger Brauerei mit einem Straßenbahnzug zusammen. Der Anprall war so heftig, daß der Stratzenbahnzug einen halben Meter weit aus dem Gleise geschleudert und teilweise demoliert wurde. Drei Personen wurden schwer verletzt. Einsturzkatastrophe. Budapest, 6. August.(P.-C.) Heute früh ist in der Kleinen Rochusgasse eine 3VH Meter hohe Wand, die bei Kanalifierungs- arbeiten untergraben worden war, eingestürzt. Ein Arbeiter wurde auf der Stelle getötet, mehrere andere schwer verletzt. Dreifacher Todessturz. Paris, 6. August.(P. C.) Ein schrecklicher Unglücksfall hat sich gestern in Versailles ereignet. Ein Materialzug der Ver- sailler Straßenbahn stieß mit einem Privatwagen, in dem sich drei Frauen befanden, zusammen. Der Zusammenstoß war so heftig, daß die drei Frauen aus dem Wagen fielen. Sie waren sofort tot. Zugzusammcnstos; im Tunnel. Lyon, 6. August.(W. T. B.) Heute nachmittag stießen im Tunnel bei Lozanne(Departement Rhön«) zwei Züge zusammen, wobei vier Personen getötet und zwölf verletzt wurde«. Schweres Eisenbahnunglück in Irland. London, 9. August.(P. C.) Aus Cork(Irland) wird ge- meldet: Ein mit Ausflüglern besetzter Zug, der von Killarncy nach North-Wall zurückkehrte, e n t g l e i st e in der Nähe von Lombards- town. Vier Wagen wurden vollständig zertrümmert, etwa 29 Ausflügler schwer verletzt. Sämtliche Verletzten wurden mittels Spczialzug nach Cork transportiert und in dortige Hospital eingeliefert. äulSingeröe Co., Berlin LW. Hierzu 2 Beilagen tu UnterhaltungSbl. Nr. 182. 29. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Verelendung der niederfchlesischen Bergleute. Auf Grund einer statistischen Aufnahme über die Ernährungs-, Wohn- und Gesundheitsverhältnisse der Bergleute im Waldenburger Grubenrevier, der fürstlich Pleßschen Domäne, wo man durch einen brutalen Terror die Grubenarbeiter in die reichstreuen Knechtebereine preßt, veröffentlicht unser Waldenburger Parteiblatt, die Schlesische Bergwacht", eine Reihe geradezu erschütternder Beispiele proletarischen Elends. Aus den Beispielen über die Lebenshaltung dieser Berghörigen sei eine kleine Auslese wiedergegeben. Die Haushaltung eines Tagearbeiters mit einem Kind weist an Verbrauch und Ausgaben für eine Woche auf: 3 Brote 3 Pfund Mehl 1 Pfund Zucker 20 Pfennig Kaffee 2 Pfund Margarine 5 Liter Kartoffeln 2 Büchsen Milch. 1 Pfund Pferdefleisch " 1,50 M. 0,54 0,26" 0,20 " 1,28 " • 0,45 " 0,90 0,75" " ben Mittwoch, 7. Auguft 1912. Der Vater geht im Sommer noch ständig in den Steinbruch jeder Hinsicht unterstützt. Besonders durch Herausgabe entsprechenund arbeitet täglich etwa 16 Stunden. Er ist kränklich und hält sich sur mit größter Energie aufrecht, um etwas mehr Geld nach Hause zu bringen. Auch die Frau geht meist auf Bauarbeit und nimmt die noch nicht schulpflichtigen Kinder mit, die sie dann im Sande spielen läßt. Leider für alle Familienmitglieder werden beim Kaufmann geliehen und 50 Pfennig weise abgezahlt. Wochenhaushalt eines Hauers mit 7 Kindern: 8 Brote. 10 Pfund Mehl 12 Pfund Zucker 1 Pfund Malz 1 Pfund Butter 4 Pfund Margarine 15 Liter Kartoffeln 9 Liter Milch. 20 Pf. Fleisch 4,80 M. 1,80 0,42 " " 0,25 " 1,30 " 2,56 " 1,35 " 1,35 " 1 " 1,20 0,50 " Sonntags 1 Pfund Pferdefleisch Abschlag und Lohnrestzahlung reichen hier, wie in allen ähne lichen Fällen, natürlich nicht aus, und Frau und Kinder müssen hinzu verdienen. Die Frau geht zur Arbeit in die Sandgrube und nimmt die Kinder mit. Die Wohnung" besteht für alle Familien mitglieder aus einer Stube, die 8,40 m lang, 2,70 breit und Es handelt sich hier um einen Tagearbeiter mit dem kümmer- 2,40 m hoch ist. lichen Lohn von 2,70 m. Wochenhaushalt eines Hauers mit 4 Kindern: 6 Brote. 5 Pfund Mehl 12 Pfund Zucker 1/ Pfund Kaffee 20 Pf. Malz. 1 Pfund Butter • 1 Pfund Margarine. 10 Liter Kartoffeln 2 Pfund Fleisch 3,- M. 0,90 0,42 0,40 " " " 0,20 " 1,40" 0,70 0,90 " " 1,80 " Wochenhaushalt eines Tagearbeiters mit 6 Kindern: 7 Brote. 3 Pfund Mehl 3 Pfund Zucker 1 Pfund Malzkaffee 3 Pfund Margarine • 10 Liter Kartoffeln 2 Büchsen Milch 4,20 M. • 0,54 0,78" " 0,25 2,10 " " 0,90 " 1,00 " " 1 Pfund Pferdefleisch, nur Sonntags 0,50 Die Ausgabe für Nahrung beträgt bei 6 Kindern 10,27 M., der Lohn ebenfalls 2,70 M. Man merkt, wie das Elend wächst. Ein Blick in die Behausung dieser Leute zeigt, daß für diese 8 Personen, von denen die Mutter frant liegt, nur drei Betten und ein Raum zur Verfügung stehen. Selbstverständlich muß der Mann, und wenn die Frau gesund ist, auch sie, auf Nebenerwerb bedacht sein. Wochenhaushalt eines Hauers mit 6 Kindern: 8 Brote. 12 Pfund Mehl 1 Pfund Rucker 10 Pfennig Kaffee 1/2 Pfund Butter 8 Pfund Margarine 5 Liter Milch 0 20 Pfennig Fleisch pro Tag Sonntags Pferdefleisch. 4,80 M. 2,18 " 0,42 " 0,10 " 0,70 " • 1,80 " 9 0,90 1,20 0,50 " " " Wochenhaushalt eines Haners mit 8 Kindern und alter Mutter: 10 Brote 15 Pfund Mehl 4 Pfund Zucker 14 Pfund Kaffee 1 Pfund Malzkaffee 3 Pfund Margarine 12 Pfund gute Butter 5 Liter Kartoffeln 1 Liter Milch 6,00 M. 2,90 1,08" 0,40 0,13 " " " 1,92 0,70 " " 0,45" 0,18 " 25 Pf. Fleisch tägl.( Sonntag für 60 Pf.) 2,10" Die Abend- und Morgenkost besteht aus Mehlsuppe und trocken Brot, die Kleider werden zusammengebettelt und zu guter Lezt werden die Eltern mit Polizeistrafen belegt, weil die Kinder draußen einen armseligen Haufierhandel treiben. Das Elend kann nicht gut über boten werden. Dies Elend herrscht unter einer Arbeiterschaft, die 30 000 Ar beiter umfaßt. Wie tief diese Lebenshaltung ist, zeigt ein Vergleich mit der Normalernährung der deutschen Marine. Diese besteht pro Stopf und Woche in: 300 Gramm Kartoffeln Zuder Brot 800 Gramm Rindfleisch Schweinefleisch Hammelfleisch 750 " 800 150 " Reis " 300 Bohnen " 300 " 500 200 " " Erbsen Weizenmehl Backpflaumen Butter 340 5250 " " 450 " 106 " 105 " 22 Salz Kaffee Tee. 01 Verbandstag der Fabrikarbeiter. Dresden, den 5. August 1912. der Flugschriften. Es wurden versandt: 120 000 Flugblätter über die Beitragserhöhung, 100 000 für die Papierindustrie, 184 000 für die chemische Industrie, 88 000 für die Biegelindustrie, 10 000 für die Kaliindustrie, 4000 für die Zündholzindustrie und 20 000 für die Zementindustrie. Weckrufe und sonstige geeignete Flugschriften zur Agitation unter den fremdsprachigen Arbeitern seien in italienischer, polnischer und böhmischer Sprache gedruckt und verteilt worden. Der Vorstand habe geglaubt, durch diese Mittel die Kollegen im Kampfe gegen den Indifferentismus gut zu unterstüben. Die Gaueinteilung habe sich bewährt. Nach Ansicht des Vorstandes soll nun ein Stillstand bei der Teilung von Gauen eintreten, keine Aenderungen mehr vorgenommen werden. Mit dem Vertrauensmännersystem sei man gut gefahren, man möge es überall noch weiter ausbauen. Die agitatorischen Erfolge hätten eine Einbuße dadurch erlitten, daß die Flucht von Mitgliedern nicht verhindert werden konnte. Die Mitgliederfluktuation sei wohl etwas zurückgegangen, aber immer noch stark genug. Die eigentliche Ursache des Mitgliederschwundes liege wohl in der mangeln= den Aufklärung. Da müsse eingesetzt werden. Brey ging sodann auf die Unterſtüßungseinrichtungen des Verbandes und die geführten Lohnkämpfe ein, die wir bereits im Vorbericht behandelt haben. Bei den Lohnbewegungen müsse immer mehr der Grundsatz hochgehalten werden, daß man nicht streift, um des Streits willen. Die Resultate der Lohnbewegungen seien äußerst günstig gewesen. Die Ergebnisse zeigten, daß man den Zielen der Organifation immer näher komme und die materiellen Interessen der Kollegen immer besser wahre. Eine gleich günstige Entwickelung habe auch die Tarifbewegung genommen. Mancher Unternehmer sei durch die Macht der Organisation gezwungen worden, Tarifverträge mit dem Verband einzugehen. Die Unternehmer bekämpften den Verband mit allen Mitteln. Besonders tue sich hier der Verein zur Wahrung der Interessen der chemischen Industrie hervor. Es werde dem Verband nachgesagt, daß er die Prosperität der chemischen Industrie bedrohe. Und dabei gehen die Dividenden der chemischen Werke immer mehr in die Höhe. Die Entwickelung werde nicht halt machen vor den Toren der chemischen Industrie. Daß der Verband auch hier an Einfluß gewinne, zeige, daß Ende 1911 in der chemischen Industrie 108 Tarife für 112 Betriebe mit 88,31 Arbeiter abgeschlossen find. Dies sollte die Unternehmer überzeugen, daß die Arbeiterorganisation auch immer mehr in die chemischen Fabriken eindringe. Brey berichtete noch über die Volksfürsorge" und über das von den Vorständen beschlossene Umlageverfahren bei Streiks. Er bittet um Sanktio= nierung dieser Beschlüsse. Den Kaffenbericht gab Bruns Hannover. Der Kassierer betonte, die Finanzen seien nicht so gestiegen, wie man vor zwei Jahren erwartet habe. Er hofft, daß sie sich in den nächsten Jahren bedeutend erhöhen. Für den Ausschuß berichtete Bruns- Hamburg. Der Ausschuß hatte eine Reihe Beschwerden zu erledigen, die aber interner Natur sind. Den Redaktionsbericht = erstattete Schneider Hannover. Er betonte, daß Beschwerden gegen die Redaktion nicht eingegangen, die Mitglieder mit der Haltung des Verbandsorgans also wohl einverstanden seien. Die Redaktion wäre bemüht gewesen, das Verbandsorgan weiter auszubauen. Für einzelne Industriezweige sind ständige Rubriken eingerichtet worden. Die Auflage des Proletariers" betrug bei Beginn der Berichtsperiode 140 200, am Schlusse 192 000. Jm März dieses Jahres war das zweite, Hunderttausend erreicht. An die Berichte schloß sich eine längere Debatte, Jm geschmückten Saale des Kristallpalastes" wurde gestern nachmittag der elfte ordentliche Verbandstag des Zentralverbandes Die Kinder können sich niemals satt essen. Die Nationen müssen der Fabrikarbeiter Deutschlands eröffnet. Der Kongreß ist von 160 streng eingeteilt werden. Kaffee wird hier wie fast überall nur Delegierten, darunter 2 Frauen, 17 Gauleitern und 5 Vorstandsmitschwarz und bitter getrunken und der Kaffeesaß hierzu wird in dem gliedern besucht. Die Redaktion des Verbandsorgans ist durch in der die Redner die vorliegenden Anträge begründeten und die benachbarten Bad Salzbrunn erbettelt, wo die Bergarbeiterfrauen Schneider- Hannover, der Ausschuß durch Joh. Bruns- Ham- Wünsche ihrer Zahlstellen vorbrachten. Mehrfach wurde verlangt, ebenfalls die Küchenabfälle pfennigweise auftaufen. Sleidung für burg und die Generalfommission durch Rob. Schmidt- Berlin daß bei den Ziegeleiarbeitern eine größere Agitation entfaltet die Kinder wird nur durch Geschenke erneuert. Die Wohnung be- vertreten. Die Bruderverbände von Desterreich, Schweden, Nor- werden soll. Hämmel- München wünschte, daß den italienischen steht aus einem Raum und die unterernährten und strofulösen wegen und Dänemark haben Abordnungen entsandt. Nach den Be- Kollegen der" Operaio" zugestellt wird. Es sei auch angebracht, daß der Vorstand versuche, mit dem italienischen BauarbeiterverKinder müssen sämtlich auf der Diele schlafen. grüßungsreden wurde die vorgesehene Tagesordnung bestätigt. Hertwig Köln In der heutigen Sigung überbrachten zunächst die Vertreter band in ein Vertragsverhältnis zu treten. Wochenhaushalt eines Hauers mit 7 Kindern: der ausländischen Organisationen die brüderlichen Grüße ihrer verlangte, daß bei allgemeinen Agitationstouren die Hauptkasse die Kollegen, und gaben eine Schilderung der Verhältnisse in ihren Sosten trägt. Er verlangte ferner, daß der Proletarier" fünftig achtseitig erscheint, und für die weiblichen Mitglieder ein besonderer Teil reserviert wird. Richter Dresden und andere Verbandsvorsitzender Brey- Hannover erstattete hierauf den Redner unterstützten diese Anregung- plädierte dafür, daß das literarische Bureau des Verbandes besser ausgebaut und für die Materialsammlung und-bearbeitung ein besonderer Sekretär an= gestellt wird. Mit der allgemeinen Tätigkeit des Vorstandes waren fast alle Redner einverstanden. 7 Brote. 10 Pfund Mehl. 2 Pfund Zucker 1/4 Pfund Kaffee Malz 1 Pfund Butter 2 Pfund Margarine. 15 Liter Kartoffeln 9 Liter Milch 3 Pfund Fleisch B " 4,20 m. 1,90 0,54 0,40" 0,13 " " 1,85 " 1,44 " 0,75 " 1,44 " 2,40 " Kleines feuilleton Ländern. Geschäftsbericht. Mit Befriedigung fanstatiert Brey, daß der Verband in den letzten Jahren gut vorwärts geschritten sei. Das wäre ein Zeichen eifriger Verbandstätigkeit der Funktionäre. Seit Wochen zählte der Verband 200 000 Mitglieder, heute sei auch diese Ziffer überschritten. Bei der Agitation habe der Vorstand die Kollegen in " = Durch Schlußantrag wurde die Debatte geschlossen und nach den Schlußworten der Referenten die Verhandlungen vertagt. Weltanschauung geblieben, in denen die Gegenwart zu anderen Bon Japans Presse. Die beiden ältesten Zeitungen Japans Schlüssen gelangen würde. Abweichungen ähnlicher Art findet sind der" Mai Nitchi" und der„ Tokio Nitchi", die vor 36 Jahren geman bei Goethe auf allen Wissensgebieten. Daher wird es zum gründet wurden. Sie erscheinen in einer Auflage von je 130 000 Problem, daß er als Dichter, noch mehr als Denker und Forscher Exemplaren und kosten im Monat nach unserem Gelde 1,20 M. Für Ueber Diluvium und prähistorische Menschheit bei Goethe für die Gegenwart größere Bedeutung befibt als für seine Beit- diesen Preis erhält der Abonnent täglich 10 große auf grobes und seinen Zeitgenossen" ließ sich auf dem am Montag in Weimar genossen. Es ist jedoch kein Zufall, daß gleichzeitig eine neue Papier eng gedruckte Textseiten und eine illustrierte Beilage. Die eröffneten Anthropologentag Professor Dr. Semper folgender- Periode rationalistischer Forschung beginnt, denn in ihrem heutigen Seher arbeiten für einen festen Tagelohn von 1,35 M. Was die maßen aus: Niemand kann den Boden Weimars betreten, ohne Bustand bietet die Wissenschaft kein geschlossenes Gesamtbild, wie llustrationen anbetrifft, einfache Federstizzen, in denen die Künstfich in Gedanken Rechenschaft abzulegen über die Stellung, die das rationalistische Denken eines bedarf und begehrt. Den Welt- ler im Reiche der aufgehenden Sonne bekanntlich Glänzendes er im Leben und im Forschen zu Goethe und seinem Lebenswerk begriff aber, der uns menschlich und wissenschaftlich am nächsten leisten, so erhält man diese für ein Butterbrot, zuweilen auch einnimmt. Anthropologie, Ethnologie und Prähistorie sind jedoch steht, finden wir bei Goethe. An ihm orientieren wir uns bei- ganz umsonst. Die Redakteure beziehen ein Monatsgehalt, das Wissenschaften, die sich erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts pflichtend oder widersprechend über die Stellung, die ein Forschungs- zwischen 96 bis 136 M. schwankt. Unter den Reportern gibt es voll entfaltet haben, und es ist weder aus Goethes Schriften noch gebiet im Rahmen des Gesamtwissens einnimmt. Bugleich stellt dagegen einige, die im Jahre 4-5000 m. verdienen. Von den aus seinen Sammlungen zu ersehen, daß seine Gedanken sich zu sich uns im Hinblick auf Goethe die Notwendigkeit vor Augen, 10 Seiten des Blattes bleiben 3 für Inserate bestimmt, drei entreceptiv oder produktiv nach dieser Richtung hin bewegt haben. Das eigene Denken trotz aller entgegenstehender Schwierigkeiten auf halten den Leitartikel, Korrespondenzen und Telegramme, zwei Die Frage, die sich erhebt, ist also nicht, was er auf diesen Zusammenfassung, auf begriffliche Durcharbeitung der bom literarische und künstlerische Nachrichten, den Gerichtsbericht und die Gebieten geleistet hat, sondern wie es kam, daß er die Lücke, die 19. Jahrhundert neu erworbenen Tatsachenkenntnis zu richten. fast immer illustrierte Beilage, Nachrichten aus dem Industrie- und durch den Ausfall dieser Gedankengruppen in sein Gesamtbild Es ist nicht eine abgeschlossene Größe der Vergangenheit, die einen Geschäftsleben und lokale und vermischte Notizen. des Weltgeschehens gerissen wurde, nicht selbst bemerkte. Nach Schatten wirft über die Gegenwart und zu unproduktiver Geschichtsdamaliger Auffassung umfaßte die prähistorische Zeit nur einen betrachtung zurückruft, sondern gerade der vorwärtsblickenden ForNotizen. furzen Zwischenraum zwischen Diluvium und Gegenwart. Man schung zeigt er sich als ein lebendes in die Zukunft weisendes Jdeal. glaubte, daß sehr bald nach dem Auftreten des Menschen die ge= W - Bürgermeister Georg Reide ist in der Tante Boß schichtliche Zeit begonnen habe. Diese Mißdeutung wird ber- Eine Schwefelinsel. In der Bucht des Ueberfluffes"( Bay of mit einem Sezefsionistenbriefwechsel niedergekommen. Allein er beständlich durch die rationalistische Tendenz der damaligen Natur- Plenty), einer weiten Meeresbucht an der Nordinsel von Neuseeland, weist damit nichts weiter, als seinen bureaukratischen Kunststandpunkt, forschung, die sich bestrebte, das Weltgeschehen logisch- verstandes- liegt in ziemlich bedeutender Entfernung von der Küste die Weiße und wie sehr der Vorstand der Sezession im Recht ist, wenn er mäßig, nicht als historischen Vorgang zu begreifen und deshalb Jniel( White Island). Im Gegensatz zu jenem Namen, haben sich sich von Herrn Reide weder was vortafeln noch was bormalen läßt. allen Nachdruck auf die Frage nach der Entstehung des Begriffs- diese Gestade als wenig ertragreich für den Menschen erwiesen, wie- Die Musitalische Voltsbibliothek des Berbermögens verlegte. Die Entstehung der technischen Kultur, also überhaupt die Nordinsel Neuseelands zwar eins der merkwürdigsten liner Zonkünstlerbereins, die ja von der Stadt Berlin das nächst erreichbare Ziel der heutigen prähistorischen Forschung und durch seinen Reichtum an Naturschauspielen sehenswürdigsten subventioniert wird, hegt die Absicht, unabhängig von der Hauptward erst im Jahrhundert der Technik interessant. Ferner glaubte Gebiete der Erde ist, aber an wirtschaftlicher Bedeutung hinter der bibliothet eine Zweiganstalt in Charlottenburg mit einem Anfangsman im Anschluß an überlieferte Vorstellungen, daß seit dem auch größeren Südinset weit zurücktritt. Große Flächen des Innern bestand von 2000 Nummern zu eröffnen. Die Verhandlungen über Diluvium erit 6000 Jahre verflossen seien, daß das Diluvium find wegen der mächtigen vulkanischen Erscheinungen und der diese Neugründung sind vorläufig noch nicht zum Abschluß gebracht. selbst Schauplatz der letzten Erdrevolution und eine Zeit vor- häufigen Erdbeben für den Menschen unbenutzbar. Jene Weiße Frank Wedekind soll, sicherem Vernehmen nach, ein waltender Meeresbedeckung gewesen sei. Daher hielt man die Iniel soll nun aber eine besondere Ausnutzung erfahren. Das Eiland, Ultgegenstand für die Bossenreißer des Metropoltheaters werden. Er Existenz vordiluvialer Menschen für ausgeschlossen und mußte das den Gipfel eines bereits erloschenen Bultans darstellt und wird also wirklich modisch populär. Aber wie! weiterhin auf eine rapide Entwidelung der geistigen Stultur und aus größerer Meerestiefe aufragt, befigt nämlich sehr ausgedehnte- Der XVI internationale Freidenfertongreß auf eine rasche Ueberwindung der prähistorischen Vorstufen schließen, Schwefellager, die nun in Bearbeitung genommen werden sollen. findet in München zwischen 31. August bis 4. September statt. weil die historischen Ueberlieferungen in dunklen Nachklängen bis Hoffentlich bereitet die Insel ihren Ausbeutern nicht doch noch eine Unter den zwanzig Rednern steht auch Genosse Adolf Hoffmann weit in die erste Hälfte der Menschheitseristenz zurückzugreifen bulkanische Ueberraschung, was aber nicht als ganz unwahrscheinlich verzeichnet. schienen. Goethe tannte diese Vorstellungen. Wenn er es nicht zu bezeichnen ist, da sie gerade in der Verlängerung der Zone des-Eine Advokatin am höchsten norwegischen für nötig hielt, ihnen ausdrücklich näher zu treten, so ist bei ihm Taupojces, der Taraweraspalte und der großen Geiser liegt, wo Gericht. Die Frauenrechtlerinnen des Nordens haben einen ein solches Uebersehen von Zwischenstadien einer Entwickelung nicht erst vor wenigen Jahrzehnten ein gewaltiger Ausbruch erfolgte, der wichtigen Erfolg errungen. In einem der nächsten Tage wird Fräuvereinzelt. Es war ihm zu tun um eine Vorstellung über die leider auch das Weltwunder der roten Stiefelsinterterrasse in die Luft lein Elise Sem ihre Bollmacht als erster weiblicher Advokat am Triebkräfte der Entwickelung. Diese aber konnten, so wie man sprengte. Anch auf der Weißen Insel finden sich noch Geiser und höchsten Gericht Norwegens erhalten, nachdem sie die nötigen damals diese Probleme ansehen mußte, bei der Frage nach der andere heiße Quellen, die einen See im alten Krater speisen. Das Prüfungen sämtlich bestanden hat. Sie hatte bereits 1901 ihre Entstehung der geistigen Kultur durch eingehende Forschung nicht Wasser des Sees hat infolgedessen einen ungewöhnlich starken große juristische Prüfung abgelegt, fie erhielt aber erst 1904 die Gr besser aufgeklärt werden, als es schon durch einen generalisierenden Mineralgehalt. Die Lager enthalten der Schäßung nach wenigstens laubnis, als Rechtsanwalt zu praktizieren, da das norwegische Gesetz Ueberblick geschah. Die so bezeichnete Lücke in Goethes Erkenntnis: 750 000 Tonnen von zum größten Teil reinem oder wenigstens viel es den Frauen eigentlich untersagt, Prozesse für andere zu führen. die mißbritändliche Unterwertung mancher damals schon bekannter reinerem Schwefel als irgendeine andere ähnliche Abänderung Indessen ist es Fräulein Sem gelungen, die alten Bestimmungen zu Tatsachen ist nicht ohne Einfluß auf wichtige Grundsäße seiner der Erde. durchbrechen. Hus der Partei« > Parteitag der Sozialdemokratie BayerttZ. t � Der Parteitag der bayrischen Sozialdemokratie in Latld�ut, der schwarzen Krelshauptstadt Niederbayecn-, nmr der am stärksten besuchte aller Landesparteitage. Es waren 184 Delegierte an- tvesend. Genosse B o l l m a r führte den Vorsitz�Der V o r st a n d s- der ich t stellte zahlenmäßig sest, wie die Sozialdemokratie in Bayern auf allen Gebieten mächtig fortschreitet. Die Organisation hat in diesem Jahre das erste Hunderttausend der Mitglieder er- reicht; auch die Gewerkschaften haben ihre Mitglieder in zwei Jahren um 52 000 vermehrt. Die Debatte, die dem Vorstandsbericht folgte, behandelte Haupt- sächlich das Wahlabkommen bei den Landtagswahlcn, das von den nordfränkischen Genossen heftig kritisiert wurde, weil sich seine Spitze allein gegen das Zentrum richtete, das in Hof und Bayreuth nicht in Betracht komme. Schließlich wurde aber mit er- drückender Mehrheit gegen 17 Stimmen das Vorgehen des Vor- standcs gebilligt, ihm also das Vertrauen des Parteitages ausge- sprachen. Einstimmig angenommen wurde ein Antrag, daß künftig, der bisherigen Praxis entsprechend, bei Wahlabkommen zuvor die Gau- und Wahlkreisleitungen verständigt würden. In der weiteren Debatte wurde vereinzelter Widerspruch da- gegen laut, daß bei der Präsidiumswahl des Landtages die Sozialdemokraten, um dem Zentrum jeden Vorwand zu nehmen, sich den Liberalen gegenüber verpflichtet hatten, an der üblichen Vorstellung beim Prinzregenten teilzunehmen, wogegen sich die Liberalen verpflichteten, ohne die Sozialdemokraten keinen Sitz im Präsidium anzunehmen. Bei dem Fraktionsbericht lebten die innerpolitischen �Erörterungen nochmals auf. Genosse Adolf Müller gab ein umfassendes und scharfes Bild der gegenwärtigen politischen Situa- tion in Bayern. Schon Gen. Vollmar hatte in seiner Begrüßungs- rede ausgeführt, daß wir in Bayern vor sehr ernsten Entscheidun- gen ständen, weil der regierende Klerikalismus sich auf den Weg der Gewaltpolitik begeben wird. Auch Genosse Auer hatte diese schwarzen Pläne im.Auge, als er die Auffassungen der Sozial» demokratie dahin zusammenfaßte: Wir lassen uns nicht treten! Genosse Müller gab interessante Mitteilungen über die U r- fachen des letzten Ministersturzes und über das neue Ministerium. Hertling kam als Vertrauensmann des Kaisers nach München ins Ministerium und trug sich zuerst mit der dann durch den Jesuitenerlaß vereitelten Hoffnung, es bald zum Reichskanzler zu bringen. Müller berichtete auf Grund einer, wie wir versichern können, durchaus zuverlässigen Information: Der deutsche Kaiser sei nach einer Unterhaltung mit dem neuen Ministerpräsidenten so geblendet gewesen, daß er gesagt habe: 10 Bcthmann für einen Hertling. Adolf Müller bezweifelte nun allerdings, daß jetzt am Schlüsse des ersten Semesters Wilhelm II. den Professorenaustausch Bethmann-Hertling noch eingehen wird, weil Bethmann doch nicht die Riesendummheit des Hertlingschen Jesuitenerlasses begangen haben würde. In der Debatte wurde fast allgemein anerkannt, daß sich der bayrische Kammerliberalismus anständig liberal verhalten habe. Auch der Kritiker des Wahlabkommens in der bayrischen Fraktion, Genosse Simon, gab das unumwunden zu.— Die sozialdemokratische Antwort auf die klerikale Gewalt wird zunächst darin be- stehen, daß wir unsere Organisation erweitern und vertiefen. Zu diesem Zweck wird bereits im nächsten Jahre ein außerordent- sicher Parteitag in Nürnberg stattfinden. Uebcr Steuerpolitik sprach Genosse Hall er. Sein Vortrag erweiterte sich zu einer Kritik des gesamten deutschen Finanzwesens. Haller kam zu dem Schluß: Eine Sanierung der einzelstaatlichen und Reichsfinanzen könne nur eine Reichserb- schaftssteuer bringen. Das frivole sozialpolitische Spiel des Zentrums unterzog Genosse Simon in eindringlicher Darlegung einer vernichtenden Kritik. Das stymmuma listische Programms,-das«Slegitz und Südekum gemeinsam ausgearbeitet- haben, soll bis zum nächsten Frühjahr fertiggestellt und dem außerordentlichen Partei- tag vorgelegt und beraten werden. Eine besondere Aufmerksamkeit wird der gesetzlichen Regelung der Besitzrechte der Gemeindebürger gewidmet werden. Das Zentrum plant einen neuen Verrat. Es will in über- stürzter Beratung noch in dieser Session das altbayerische Heimatrecht beseitigen und durch den Reichsunter- tützungswohnsitz mit all seinen Mängeln und Rechtlosigkeiten er- etzen. Eduard Schmid' wies überzeugend nach, daß die Vor- � age in dieser Form für uns unannehmbar ist. Genosse Timm beschäftigte sich mit den eben herausgekom- menen bayerischen Ausführungsbestimmungen zur Reichsversicherüngsordnung. Diese bedeuten das schlechteste Recht, das überhaupt zulässig ist. Sogar die Land- krankenkasscn sind vorgesehen. Der letzte Tag brachte wichtigere Willensäußerungen zur inneren Organisation. Die einheitliche Heraufsetzung des Parteibeitrages sollen die Bayern in Chemnitz nicht vertreten, sondern es bei der jetzigen Praxis befassen, bei der es möglich ist, nach den wirtschaftlichen Verhältnissen der Kreise die Beiträge festzusetzen.— Doppelmandate werden, ohne rigorose Ausnahmst- losigkeit, künftig für unzulässig erklärt. Ueber eine Anregung, die Frage der Abonnentenversicherung zu prüfen, wurde mit einer klelnen Mehrheit zur Tagesordnung übergegangen. Auch die Antragsteller dachten natürlich an keine Einrichtung ähnlich der bürgerlichen Blätter, sondern an eine Ver- bindnng mit der künftigen„Volksfürsorge". Der bisherige Landesvorstand wurde wiedergewählt. Für den eventl. in Chemnitz zu wählenden Parteiausschuß wurde für Nord- bahern Genosse Walter, für Südbahern Genosse Auer vorgeschlagen. Der nächste ordentliche Parteitag findet 1914 in Neustadt a. Hardt statt._ A» die Adresse der bürgerlichen Klatschprrsse, Unser BreSlauer Parteiblatt schreibt: Heinz Sperber und Hermann HeijermanS. Durch die Berliner Presse läuft eine der„Braunschwetgischen Landeszeiiung" entnommene Notiz über den Feutllctonmitarbeiter des„Vorwärts" Heinz Sperber, der mit dem bekannten Dichter und Schriftsteller Hermann Hcijermans identisch sein soll. Die Enthüllung über diese angebliche Identität schreiben das „Kleine Journal", die..Post" und andere der„Volkswacht" in Breslau zu, in der folgendes gestanden haben soll: „Die ahnungslose ,.Vorwärts"-Re!>aktion, die sich'für den „Genossen Heinz Sperber" so sehr ins Zeug legt, scheint nicht einmal zu wissen, daß der schöne„Genossenname" Heinz Sperber nur ein Pseudonym für den Holländer Hermann HeijermanS. der Mitarbeiter des bürgerlichen„Berliner Tageblattes" und der„Vorwärts"-Mitarbeiter Genosse Sperber ein und dieselbe Persönlichkeit ist." Eine solche Notiz hat niemals in der„Volkswacht" gestan- den, auch ist n.icmals in unserem Blatte von einer Identität zwischen Heinz Sperber und Hermann Heijcrmans die Rede gewesen. Die gnannten Blätter sind von der„Braunschweigischen Landeszeitung" irregeführt worden und werden ersucht, ohne eine besondere Berichtigung ihre Falschmeldung zu widerrufen. Die„Vraunsckstveigische Landeszeitung" selbst muß eine sehr merk- würdige Vorstellung von Parteimoral haben, wenn sie es für wahr- scheinlich hält, daß ein sozialdemokratisches Blatt ein anderes oder einen Genossen denunzieren würde. Das überlassen wir ihr. Aus den Organisationen. Auf dem Parteitag für Oldcnburg-Ostfrieslanb wurde die günstige Entwicklung der Bewegung konstatiert. Der Konflikt des Parteiorgans mit dem Bezirksvorstand wurde diskutiert; doch wurden keine Beschlüsse gefaßt. Zum Parteitag in Chemnitz wurde beschlossen: Ten Parteiausschuh abzulehnen, ebenso «ine nur teilweise Vertretung der Reichstagsfraktion. Abgelehnt ivirb M'ch eins Aeild'iDussg ftf Jet ZusckmMiMMg SeS P«!eTff5?a stände s durch einen Beirat oder durch eine politische und«ine bureaukratische Abteilung. Dagegen soll den Reichstagsabgeord- neten beratende Stimme gegeben werden, bei wichtigen Aktionen sollen die im Z 19 vorgesehenen Konferenzen der Bezirksvorstände des öfteren stattfinden und falls notwendig, die Zahl der besoldeten Parteivorstandsmitglieder erhöht werden, die Einteilung der Ar- beiten dem Vorstande aber selbst überlassen bleiben.— Das Stichwahlabkommen wurde gegen drei Stimmen gutgeheißen.—- Zum Bezirksporsitzenden wurde Genosse H u g wiedergewählt. * Die Generalversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins für den 18. sächsischen Reichstagswahlkreis tagte am Sonntag in Zwickau. Dieselbe war von 148 Vertretern(darunter 16 weib- liche) beschickt. Die Mitgliederzahl beträgt 6556, das ist eine Zunahme gegenüber dem Vorjahre um 1194. Ueber den Partei- tag in Chemnitz referierte Genosse Sch m i d t- Zwickau. Der- selbe erklärte sich gegen die Schaffung eines Parteiausschusses und befürwortete dafür den Vorschlag Qunrck-Frankfurt a. M., der eine Verstärkung des Parteivorstandes um 5 oder 7 unbesoldete Beisitzer vorsteht. Von der Reichstagsfraktion soll nur einem Drittel Sitz und Stimme auf dem Parteitag eingeräumt werden. Die Kontroll- kommission ist in ihrer bisherigen Form beizubehalten. Der Partei- beitrag soll pro Woche 16 Pf. für männliche und 5 Pf. für weibliche Mitglieder betragen. Das Wahlabkommen des Parteivorstandcs mit der freisinnigen Volkspartei fand nicht die Zustimmung des Redners. Schließlich plädierte er noch für die Aufhebung des Nürn- berger Maifeierbeschlusses, die Abfuhrung des Tagesverdienstes betreffend, weil durch denselben nur Unfrieden unter den Partei- genossen gestiftet werde. In der Diskussion fand der Vorschlag auf Einsetzung eines Parteiausschusses keine Borliebe, dagegen wurde die beantragte Aufhebung des Nürnberger Beschlusses stark bekämpft und schließlich in namentlicher Abstimmung mit 95 gegen 49 Stimmen abgelehnt. Im weiteren wurde beschlossen, dem Parteitag folgenden Antrag des Kreisvorstandes zu unterbreiten: „Abänderung des Parteistatuts betr.§ 14. Die Zahl der Mitglieder des Pqrteivorstandes wird vom Parteitag bestimmt. Der Parteivorstand besteht aus zwei Vorsitzenden, einem Kas- sierer, den Schriftführern, unter denen sich eine Genossin befinden muß, und 7 Beisitzern, Die Mitglieder des Parteivorstandes sind berechtigt, sich wechselweise zu vertreten. Die Wahl des Partei- Vorstandes erfolgt durch den Parteitag mittels Stimmzettels in einem Wahlgange und nach absoluter Mehrheit usw." Auch soll die bekannte Resolution des Arbeiter-Abstinenten- Bundes, die eine Verschärfung des Schnapsbohkotts verlangt, beim Parteitag eingereicht werden. Jsil Parteitagsdelegierten wählte man die Genossen Graupe- au, S ch u st e r- Crimmitschau und G i l l a r- Werdau. Für die sächsische Landeskonferenz in Dresden wurden 4 Ge- nossen und 1 Genossin als Delegierte gewählt. Dann stimmte die Versammlung dem Kreisvorstandsantrage auf Anstellung eines Parteisekretärs für den 18. Kreis mit großer Mehrheit zu. Die Stelle soll sofort ausgeschrieben und das Bureau am 1. Oktober d. I. eröffnet werden. ' Auch der Antrag einer Ortsgruppe, die Bezirkseinteilung im Kreise aufzuheben, damit die Ortsgruppen direkt mit dem Kreis- vorstand zu verkehren haben, was auch dem deutschen Organisations- statut entspricht, fand Annahme. poluseilicbes» Gmcbtlichea ufw. Ein Opfer des Herr» v. Dallwitz. Um die Ehre des angeblich schwer beleidigten preußischen Polizei« Ministers V.Dallwitz wiederherzustellen, hat Genosse Karl O k o n s k y von der Breslaüer„Volkswacht" am Montag eine dreimonatige Gefängnisstrafe im Breslauer Zentral- gefängnis antreten müssen. Herr v. Dallwitz, der im preußischen Junkerparlament gelegentlich der Wahlrechtsdebatten die Beamten, die bei der letzten ReichStagSwahl sozialdemokratisch gewählt hatten, Lügner, Heuckler und Eidbrecher beschimpfte, fühlte sich durch einen Abwehrartikel der Breslauer„Volkswacht"„sehr stark beleidigt". Auf seinen Antrag wurde Strafantrag ge- stellt und sein Kollege I u st i z m i n i st e r verfügte eigen- händig Beschleunigung des Verfahrens. Diesem Wunsche der höchsten Vorgesetzten haben d,e Richter selbst- verständlich Rechnung getragen. Am 9. April war die Haupt- Verhandlung, am 28. Juni Termin vor dem Reichsgericht,»nd am 2. August erhielt Genosse OkonSkh die Aufforderung, sich zum Strafantritt bis spätestens Montag, den 5. August, zu melden. Eine so auffällig kurze Zeit zum Strafantritt war bis- her nicht üblich. Hoffentlich ist Herr v. Dallwitz nicht etwa der irrigen Meinung, daß mit der Verbüßuug der dreimonatigen Gefängnisstrafe seine Beschiinpfungen der Beamten vergessen sind. LZer unter dem Schutz seiner Immunität die schwersten Beleidigungen ausstößt und Re- dakteure, die diese Beschimpfungen zurückweisen, ins Gefängnis stecken läßt, der muß es sich gefallen lassen, daß ihm dieses für preußische Verhältnisse allerdings charakteristische Wesen, so lange er lebt, vor- gehalten wird. Zurzeit sind im BreSlauer Zentralgefängnis zwei R e- dakteure der„Volkswacht", von denen jeder„von RechlS wegen" drei Monate verbüßen muß. Jugendbewegung. Die diesjährige Konferenz der niederrhcinischen Jugendausschüffe wurde am Sonntag im Jugeiidheim zu Elberfeld abgehalten. Vertreten waren 25 Jugendausschüffe sowie die ÄgitationSkomitees. Nach dem Geschäftsbericht vermehrte sich im verflossenen Geschäfts- jähre die Zahl der Jugendausschiisse von>22 auf 29. Daneben be- stehen in lechs Orte» Jugendsektionen der Gewerkschaften. Mehrere Jligendausschüsse hatten die Fürsorge eifriger Behörden zu beklagen; ganz besonders tat sich die Essener Polizei in der Verfolgung der Arbeiterjugendbewegung hervor.— Der Kassenbericht der Bezirks- leitung weist eine Einnahme von 1705,40 M. und eine Ausgabe von 1237,73 M. auf._ Soziales. Komsumverelne und Gewerkschaften. Die Tatsache, daß der sozialdemokratische Parteitag und mehrere Gewerkschaftskongresse die politisch und gewerkschaftlich organisierten Arbeiter aufforderten, auch die Konsumvereine als den Arbeitern nützliche Einrichtungen zu betrachten und zu förder», läßt es begreiflich erscheinen, daß nun auch in der Arbeiterpresse und-Literatur diesem Thema größere Beachtung geschenkt wird. DaS ist nur zu begrüßen! Eine von M. 23., einem Parteiredakteur, im Verlage des Hofer Parteiblattes herausgegebene 36 Seiten starke Broschüre(„Gewerkschaften und Konsumgenossenschaften". Hof i. B. 1912. Druck und Verlag von Hanz Dill. Druckerei der „Oberfränkischen Volkszeitung".) will dem besonderen Zwecke dienen, die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter den Konsumvereinen zu- zuführen. Das Schriftchen führt den Titel: Gewerkschafter und Konsumgenossenschaft. Der Verfasser hat im Hofer Gewerkschafts« kartell einen gleichnamigen Vortrag gehalten und ist nun dem Wunsche, diesen Vortrag als Agitationsbroschüre herauszugeben, nachgekommen. Der Inhalt des Hestchens entspricht durchaus dem guten Zwecke, dem es dienen soll. Der Verfasser führt, etwas weit ausholend zwar, aber durchaus logisch und richtig, den Nachweis, daß gerade der Arbeiter aus eigenem Interesse zum Konsumvereinsmitglied werden muß, denn seid ganzes Einkommen muß wieder ausgegeben werden für den nötigsten Lebensunterhalt. Da der Konsumverein die Aufgabe Hotj durch Ausschaltung d-s unnützen ZwischenhaMIs JfetR Sh Ei'chll'gffen SessdtfSfftlilel Vsrkeile ja Serschaffen, so ist seine besondere Bedeutung für den Arbeiter ganz offenbar. Da er aber obendrein bemüht ist, in bezug auf Lohn- und Arbeitsverhältnisse vorbildlich zugunsten der Arbeiter auf dem Arbeitsmarkt zu wirken, so liegt für gewerkschaftlich organisierte Arbeiter noch ein weiterer Grund zur Förderung der Konsum- Vereinsbewegung vor. Die gegenwärtigen Teuerungsverhältnisse werden erörtert und auch daraus dem Zweck der Schrift ent- sprechende Schlüsse gezogen. Am Ende ist dem Unwesen des Rabatts im privaten Kleinhandel noch ein Kapitel gewidmet, das die Gründe gegen dieses Unwesen erörtert. Das Schriftchen bringt dem Kenner der Dinge nichts neues, es ist zur Agitation aber recht gut geeignet. Besonders in leitenden Konsumvereinskreisen sollten derartige Bemühungen anerkannt und begrüßt werden. Um so mehr muß es auffallen und verwundern, daß die Broschüre in der Konsum- genossenschaftlichen Rundsckau in einer Art und Weise behandelt wird, die zum schärfsten Protest herausfordert und als die Sache der Konsumvereine schädigend bezeichnet werden muß. Das Recht der Kritik wollen wir selbstredend nicht verkümmert wissen. Die „K. R." geht aber Mit keinem Wort auf den eigentlichen Inhalt der Broschüre(die sich von jeder Polemik fernhält!) ein, sondern verurteilt sie mit einigen allgemeinen unzutreffenden Bemerkungen, und warnt direkt die Konsumvereine vor dem Bezug der Schrift.(!) Dieses Verfahren. hat-obendrein noch einen recht hätzlichen ge- schäftspolitischen Beigeschmach indem zugleich einige im Verlage der Rundschau erschienene Broschüren als die einzige unumstößliche Wahrheit empfohlen werden. Man ist es ja gewöhnt, daß in der „K. R." allen derartigen Schriften, die nicht den Segen der Leitung des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine haben, als schlecht und untauglich gekennzeichnet werden. Dieser Fall ist aber be- sonders kratz, weil es' sich um eine ganz unpolemische sachliche Agitationsschrift handelt, bis gar' nicht anders wirken kann, als nur für die Sache der Konsumvereine! Wo soll in Partei- und Gewerkschaftskreisen die Lust ugd Liebe zur Förderung der Konsumvereine herkommen,.wenn, nützliche und ehrlich gemeinte Bestrebungen derartig behandelt werden! Wlir legen im Interesse der Konsumvereinsbewegung Verwahrung dagegen ein, daß Partei- und Gcwerkschaftsgenossen die Mitarbeit in dieser Weise verekelt wird! Man möchte bald zu der Ausfassung kommen, als ob der- artige„Kritiken" in der„Konsumgenossenschaftlichen Rundschau" zu dem Zwecke geschrieben werden, ein intimeres Berhältnis zwischen der Konsumvereins- und der modernen Arbeiterbewegung zu ver- hindern. Das kann nicht mehr nur kurzsichtige und eigenwillige Schulmeisteret sein. Hier ist man geradezu gezwungen nach anderen Gründen dieser Methode zu suchen. Wie lange werden unsere in den Konsumvereinsverwaltungen sitzenden Parteigenossen diesem die gemeinsame Sache schädigenden Treiben noch zusehen?! Wir möchten die Mahnung an unsere Parteigenossen wiederholen, mehr als bisher sich um die General- Versammlungen der Konsumvereine zu kümmern, um diesem an- mähenden, überhebenden Gebaren der Leitung des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine entgegenzutreten, das die Konsumvereins- bewegung und die Arbeiterbewegung schwer schädigt. Bon der�Lggerei-Berufsgcnossenschaft. Die Lagerei-Berufsgenossenschaft teilt in ihrem soeben er- schienenen Berichte mit, daß die Zahl der versicherten Betriebe auf 83 449 mit 392 543 Arbeiter» gestiegen sei. Auf jeden Betrieb ent- fallen durchschnittlich nur 4,7 Arbeiter. Es handelt sich also in der Mehrzahl um Kleinbetriebe, die durch die Reichsversicherungs- ordnung vermehrt werden. In Handelsbetrieben wurden ins- gesamt 345 233 Arbeiter in 80 530 Betrieben beschäftigt, die eben der Versicherung jetzt schon unterstellt sind, während der Rest von 2910 Betrieben mit 47 310 Arbeitern dem Hilfsgcwerbe des Handels und Verkehrs angehören. Wie gefährlich das Transportgewerbe ist, beweisen uns die Zahlen des Berichts, der anführt, daß seit Gründung der Genossen- schaft, vom Jahre 1836 bis 1911 insgesamt 274249 Unfälle zur An, Meldung gelangten. Im Durchschnitt seien also pro Tag 36 Unfälle gemeldet war, den, wovon 50 332 Fälle entschädigt werden mußten. Auch im Jahre 1911 ist die Unfallziffer wieder bedenklich ge- stiegen. Gemeldet wurden 23 817 Unfälle gegen 21 433 im Jahre 1910.» Ein Mehr von 2384 Unfälle. Auch die Zahl der Todesfälle ist von 190 im Jahre 1910 auf 281 gestiegen. Die Zahl der Rentenempfänger beträgt jetzt 25 649. Für die Kosten des Heilverfahrens innerhalb der ersten 13 Wochen wendete die Genossenschaft im Berichtsjahre 38 960,71 M, auf, die sich auf 454 Fälle erstreckten. Mit der Rechtsprechung kann die Genossenschaft wohl sehr zu- frieden sein. Denn die Schiedsgerichte haben in 83,32 Proz. der Fälle zugunsten der Genossenschaft entschieden. Ja, einzelne Schiedsgerichte, wie Leipzig usw., haben sogar in 93 Proz. der Fälle gegen die Verletzten entschieden. Das Reichsversicherungs- amt zerstörte die letzten Hoffnungen der Verletzten und deren Hinterbliebenen und gab in 31,9 Proz. der RekurSfälle der Berufs- gcnossenschaft auch recht. Wie langsam das ReichSvcrsicherungsamt arbeitet, ergibt sich auch daraus, daß allein 598 Rekurse aus dem Vorjahre übernom- men worden sind, zu den 780 neuen Rekursen des Berichtsjahres. Die Zahl der vielen Unfälle beweist, daß die Genossenschaft alle Ursache hat, die Frage des Unfallschutzes näher zu prüfen. Ihre technischen Äufsichtsbeamtcn geben einen Sonderbericht, der aber lehr zaghaft gehalten ist. Ja, die Beamten bringen es fertig, von den Beschwerden der Arbeiterschaft etwas abfällig zu sprechen. In einigen Fällen seien ihnen Beschwerden über mangelhafte Betriebs- einrichtungen zugegangen, die aber„im allgemeinen bestätigt gefun- den wurden". Trotzdem schreibt der Beamte später:„Beschwerden über Mißstände kamen ausschließlich von entlassenen oder streiken- den Arbeitern". Ob die Beschwerdeführer noch in der Firma tätig waren oder nicht, hat doch mit der Frage der Nachprüfung gar nichts zu tun. Offenbar will man aber mit solchen Ausführungen die Unternehmer entschuldigen. Dabei muß der Beamte selbst zu- geben, daß die Betriebe sehr mangelhaft eingerichtet sind:„Auf- fallend ist zuweilen die Zahl der Mängel in Betrieben an kleineren Orten, so daß manchmal der Umfang des Betriebes zur Zahl der Mängel in keinem Verhältnis steht. Ein gewisses Sichgehenlassen und Unkenntnis von neueren Hilfsmitteln und Einrichtungen zur Unfallverhütung erklären die in derartigen Betrieben sich-««ig- nenden Unfälle, während die Unfälle in Großbetrieben, dank" den oft vorzüglichen Anlagen und Einrichtungen verhältnismäßig ge- ringer sind". Im Widerspruch zu diesem Lob der Großsirmen steht aber dann die weitere Bemerkung:„Zu verwundern ist. daß selbst große Firmen, in denen technisch geschultes Personal vorhanden ist, die Notwendigkeit der Unfallverhütungsvorschriften und ebenso die auf Grund derselben getroffenen Maßnahmen noch anzweifeln, sich über diese Matznahmen beschweren und der Ansicht zu sein scheinen, für sie wären diese Vorschriften unnötig". Kann man da unkun- dige Arbeiter verurteilen, wenn der Unternehmer selbst so sich stellt?) Trotzdem brummt der 23eamte von„Leichtsinn, Unachtsamkeit der Verletzten"._ Gerichts-Zeltung. Alk-Hvlfvlgen. i Die Verfehlungen eines sogenannten„QuartalsäuferS" lagen einer Anklagesache zugrunde, welche gestern die 10. Ferienstraf- kammer des Landgerichts I beschäftigte. Angeklagt wegen schweren Diebstahls war du Mvgtjchru Johannes Schröder. Du An? geklagle, welcher der Sohn eines Paffors ist, gehörte zu fenen beslöses verfrunten. Wie auch schon früher bei derartigen Zuständen, zu bringen set. Bezüglich des einen Falles, in welchem fich der bauernswerten Personen, die infolge einer schweren erblichen Be- fuhr er dann ohne ein bestimmtes Biel blindlings in die Welt hin- Angeklagte selbst an alles erinnern fönne, liegen jedoch die AnDas Gericht erkannte lastung in ganz bestimmten Zeitabständen sich in der unmäßigsten ein, um dann an irgendeinem Orte endlich wieder zur Besinnung wendungsmöglichkeiten des§ 51 nicht vor. Weise dem Alkoholgenuß ergeben und dann alle möglichen Dinge zu kommen. Als er wieder in seiner Wohnung in Berlin eintra auf 3 Monate und 3 Wochen Gefängnis unter Anrechnung von begehen, über die sie sich nachher selbst nicht Rechenschaft ablegen und ihm seine Frau mitteilte, daß gegen ihn eine Anzeige wegen 3 Wochen der erlittenen Untersuchungshaft. Die Annahme der Zutönnen. In einer dieser Säuferperioden hat sich der Angeklagte des Diebstahls erstattet worden sei, ging er zur Polizei und stellte rechnungsfähigkeit des Verurteilten erscheint recht bedenklich. schon einmal gegen das Gesez vergangen und ist dann wegen sich freiwillig. Vor Gericht befundete der Gerichtsarzt Dr. Mary Lese- und Diskutierklub Südost". Heute Mittwoch, abends schwerer Urkundenfälschung verurteilt worden. In dem jetzt zur als Sachverständiger, daß der Angeklagte einer Trinterfamilie entAnklage stehenden Fall hatte er zwei Herren, die von ihm ein stamme, sein Vater und seine Brüder seien sämtlich dem Alkohol 8½ Uhr, Sigung bei Neidhardt, Görlitzer Str. 58: Vortrag. Gäste will möbliertes Zimmer gemietet hatten, mittels Einbruchs Bücher, in unmäßigster Form ergeben. Bei einer derartig psychopathischen Leses und Diskutierklub„ Baumschulenweg". Heute Mittwoch, Wäsche, eine goldene Uhr und andere Sachen gestohlen. Diese Konstitution, die bei allen sogenannten„ Quartalsfäufern" vorhan- abends 9 Uhr, im Lokal von Erbe, Baumschulenstr. 14: Sizung. Gäste Sachen hatte er dann berpfändet und den größten Teil des Er- den sei, erscheine es sehr fraglich, ob nicht der§ 51 in Anwendung willkommen. Todes- Anzeigen Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Landsberger Viertel. Bez. 400 1. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse Rudolf Pfaff Thorner Str. 63, gestorben ist. am Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwoch, den 7. b. Mis., nachm, 4 Uhr, auf dem Adventstirchhof in Beißensee statt. Der Vorstand. Allen Freunden, Berwandten und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser lieber Bater, Großbater, Schwiegervater, Schwager und Onkel, der Arbeiter August Schulz am 4. Auguft, früh 7 Uhr, durch Unglüdsfall verstorben ist. Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 8. August, nach mittags 38 Uhr, von der Leichenhalle des Philippus Apostel- Kirchhofes, Müllerstraße Ede Seestraße, aus statt. Die trauernden Söhne nebst Angehörigen. Sozialdemokratischer Wahlverein des 6. Berl. Reichstags- Wahlkreises. Am 4. d. M. verstarb unser Genosse, der Hobler August Schulz Hussitenstr. 44( Bezirk 622). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 8. d. M., nach mittags 8 Uhr, von der Leichenhalle des Philippus- Apostel- Kirchhofes nach dem Städtischen Friedhof in der Müllerstraße Ecke Seestraße statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Sozialdemokrat. Wahlverein Neukölln. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schloffer Reinhold Rothe Oberstr. 3( 14. Bezirk) verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, nachmittags 32 Uhr, von der Leichenhalle des Neuköllner Gemeinde Friedhofes, Mariendorfer Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter. Filiale Groß- Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Verband der Schneider und Schneiderinnen. Den Mitgliedern geben wir hiermit bekannt, daß der Militärschneider, Kollege Alfred Wuttig am 5. Auguft cr. verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am 8. d. Mis., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofs in Ahrensfelde aus statt. 165/8 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Metallarbeiter Wilhelm Gerstmann am 3. August an Lungenleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 7. August, nachmittags 6, Uhr, von der Leichenballe des Elisabeth- Kirchhofs in der Wollantstraße aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Dreher Sonntag, den 4. August, verstarb uach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, der Buzer Hermann Klöpfer. Dies zeigt tiefbetrübt an Frau Emma Klöpfer nebst Kindern. Die Beerdigung findet Donners. tag, den 8. August, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen St. Pauls Kirchhofes in Blößensee aus statt. . 6a Deutscher Bauarbeiter- Verband Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Am 4. August starb nach langen Leiden, im Alter von 62 Jahren, unser Mitglied Hermann Klöpfer. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerstag, den 8. August, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des neuen Pauls- Kirchhofes in Plözenfee aus statt. 141/11 Der Vorstand. Allen Berwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser lieber Bruder und guter Vater, Schwager und Onkel Emil Schust Ernst Müller am Eldenaer Str. 13 am 1. b. M., Freitod. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 7. August, nach mittags 3 Uhr, von der Leichen halle des Zentralfriedhofs in Friedrichsfelde, aus statt. Ferner starb unser Mitglied, ber Schloffer Reinhold Rothe Neukölln, Dbei str. 3 am 5. b. M. an Diphtherie. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 8. d. M., nach mittags 32 Uhr, von der Leichen halle des Neuköllner Gemeinde Friedhofes in der Gottlieb- Dunkelstraße, aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Hobler August Schulz am am 4. b. M. durch Unglycksfall. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 8. August, nach mittags 3/4 Uhr, von der Leichenhalle ces Philippus- Apostel- Kirchhofes, Müllerstraße, Ede Seestraße, aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet 122/2 Die Ortsverwaltung. 6a am 3. d. m. verstoren ist. Dies zeigen tiefbetrübt an Die trauerndenHinterbliebenen. Die Beerdigung findet heute Mittwochnachmittag 4 Uhr, von der Halle des Philippus ApostelFriedhojes auf dem städtischen Friedhof, Müller-, Ede Seestraße, statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, sowie für die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes Karl Bandekow sagen ich allen Verwandten und Betannten, insbesondere dem Angler verein Schlei" und den Mietern des Hauses Müllerstr. 30a, meinen herz62 lichsten Dant. Witwe Anna Bandekow nebst Sohn, Tochter u. Schwiegersohn Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und zahlreichen Kranz Spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des 1914 tommen. V " 3af ERA Joselli CIGARETTE Querstraße an der Otavistr. 39-32 Müllerstraße 113 1. bis 2- Zimmer- Wohnungen mit und ohne Bat, Warmwasser- Versorgung, elektr. Nachtbeleuchtung, vorn und Gartenhaus, in neuen trodenen Häusern sofort billig zu vermieten. Zu erfragen Nr. 37 beim Verwalter Meyer. Karl Riegelmeyer Ohne jede Anzahlung sage ich hiermit allen Teilnehmern meinen herzlichsten Dank. 61A Minna Riegelmeyer. Verband der Schneider Idealbrikett der Zukunft und Schneiderinnen. Den Mitgliedern geben wir hiermit bekannt, daß der Kollege Johann Piese am 5. August 1912 im Alter von 25 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 8. August, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des neuen St. Michael- Kirchhofes am Mariendorfer Weg aus statt. 164/12 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Ernst Fischer Teilnahme und die zahlreichen Kranz welcher im Betriebe der Wasser. werte( Baub. Friedrichshagen) beschäftigt war, verstorben ist. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Bestattung findet am Mittwoch, den 7. August, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Kirchhofes in Friedrichshagen aus statt. 35/6 Die Ortsverwaltung. Verhand der Böttcher. Weinküfer und Hilfsarbeiter Deutschlands( Filiale Berlin) Am Sonnabend, den 3. August, verstarb unser Stollege Paul Zach nach langer Krankheit im Alter bon 31 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 7. August, nach halle des Gemeinde- Friedhofes in Spenden bei der Beerdigung meines lieben Sohnes, Bräutigams und Bruders Georg Zander sagen wir hierdurch allen Beteiligten unseren herzlichsten Dank. Louis Zander und Kinder. Emma Lentz. Hennigsdorf. Michel 7" Riesen format, frei Gelaẞ jeder Etage, M. 8,25 pro 1000, ersten Senftenberger Marken voll gleichwertig. Michel- Vertrieb Neukölln, Bergstraße 110. Telephon IS10. JB J. Baer Badstr.26 Prinz- Allee Ecke Herren- und KnabenModen, Berufskleidung. Eleg. Paletots. Ulster. :: Großes Stofflager:: zur Anfertigung n. Maß. 37612 Allerbilligste, streng feste Preise. Verein d. Berliner Buchdrucker u. Schriftgießer Der Berliner Gehilfenschaft geben wir hiermit bekannt, daß die Firma Vereinigte Buch... Kunstdruckwerke G. m. b. H. aus dem Tarif- Verzeichnis gelöscht worden ist, und sind jedwede Konditionsmittags 41, Uhr, bon der Leiden angebote bei der Firma abzulehnen. Auskunft erteilt die Verwaltung Engelufer 14 I. Der Gauvorstand. 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Wahl der Unterrichtsvertreter. 4. Verschiedenes. gesucht. Unterstützung durch Beamte erfolgt jederzeit. Offerten Mitgliedsbücher sind mitzubringen, ohne dieselben kein Einlaß. unter J. K. 9869 befördert Rudolf Mosse, Berlin SW. 19. Rüdständige Beiträge sind zu zahlen. 6/ 10* Deutscher Bauarbeiter- Verband. Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Heute Mittwoch, den 7. Auguft, abends 6 Uhr, in den„ Ar minhallen", Kommandantenstr. 58/59: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: Bericht von der Bautenkontrolle und Verschiedenes. Um zahlreichen und pünktlichen Besuch bittet K Raucht 141/12 Die örtliche Verwaltung. ressin Cigaretten Kleine Anzeigen Taichenbuch für Gartenfreunde Ein Ratgeber für die Pflege und sachgemäße Bewirtschaftung des häuslichen Biers, Gemüse- und Obst. gartens von Mar Hesdörfer. Zweite vermehrte Auflage. Mit 137 Tert abbildungen. Preis 3,50 Mart. Erpe bition Borwärts, Lindenstr. 69. Möbel ohne Geld! 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Meldungen von 11-12 Uhr bormittags. 37622 Kaufhaus- Wesfens BERLIN W, Tauentzienstr. 21-24 Berantwortlicher Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drudu. Verlag: Vorwärta Buchdruderet u. Verlagsanstalt Baul Singer u. Co., Berlin SW Nr. 182. 29. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Mittwoch 7. August 1912. Partei- Angelegenheiten. Lichterfelde. Donnerstag, den 8. August, abends 7 Uhr, in allen Bezirken: Handzettelverbreitung. Der Vorstand. Potsdam. Heute, Mittwoch, abends 8 Uhr, bei Glaser: Wahlvereinsversammlung. Auf der Tagesordnung steht u. a.: Wahl der Delegierten zur Kreis- Generalversammlung und Anträge. Berliner Nachrichten. " Friedhöfe" für Tiere. in I Interessant ist noch, daß die Firma Lemte selber in ihrer Klage die Frau mit ihren Kindern in den Tod zu gehen. Gestern mittag um vom August v. J. den Wert der Nähmaschine auf 50 M. angibt. 2 Uhr bemerkten Hausbewohner einen starken Gasgeruch auf der Treppe. Daraus muß man folgern, daß die Maschine in 1½ Jahren um Sie benachrichtigten deshalb die Gasanstalt, damit die einen Arbeiter / minderwertiger geworden war, jetzt aber nach 2 Jahren über- zum Nachsehen der Hähne schickte. Als dieser erschien, nahm er haupt wertlos ist. Will man zu diesem für die Güte der von der wahr, daß der Gasgeruch aus dem Zimmer der Frau Dr. HageFirma zum Preise von 150 m. vertriebenen Nähmaschine sehr mann strömte. Daraufhin ließ man deren Wohnung gewaltsam blamablen Ergebnis nicht kommen, so kann die Maschine zur Zeit öffnen. In der Wohnstube fand man die Frau mit ihren Kindern des Verkaufs im Jahre 1910 unmöglich 150 M. wert gewesen sein. bewußtlos daliegen. Der Sohn lag auf dem Liegesofa, die Tochter und ihre Mutter auf dem Bett. Die Hausbewohner benachrichtigten Die Einnahme der städtischen Straßenbahnen im Juli betrugen jegt einen Arzt und die Feuerwehr, die gemeinsam Wiederbelebungs178 112,40 m. gegen 165 693,05 M. im Juli 1911, d. i. eine Tages versuche anstellten. Bei der Tochter waren diese auch noch von Gra einnahme von 5745,56 M. gegen 5 344.94 M. im Juli 1911. Es wurden insgesamt 1895 987 Personen gegen 1785 410 Personen im folg. Mutter und Sohn waren jedoch schon tot. Während man das Mädchen nach dem Krankenhause Westend brachte, wurden die beiden Borjahre befördert. Die Anzahl der im Juli gefahrenen Wagen Leichen dem Charlottenburger Schauhause zugeführt. In hinterfilometer( Motorwagen und Anhängewagen) ist von 347 715 des lassenen Briefen erklärt die Frau, daß Nahrungssorgen fie Vorjahres auf 387 893 gestiegen. Die Einnahme für das Wagen- und ihre Kinder in den Tod getrieben haben. filometer beträgt 45,92 Pf. gegen 47,65 Pf. im Vorjahre. Das Verschwinden des Berliner Rechtsanwalts, Justizrat Man braucht kein Gegner vernünftiger Tierschutzbestrebungen geschweige ein Tierfeind zu sein, um die Art und Weise, wie heutzutage namentlich in den oberen Klassen Dachstuhlbrände ohne Ende. Auch gestern war wieder ein Dachvierbeinige Hausfreunde unter Aufwand erheblicher Kosten michaelis wird seit einigen Tagen viel besprochen. Wie berichtet ſtuhlbrand zu verzeichnen. Diesmal herrschte das Feuer im Dachstuhl des Quergebäudes Huffitenstraße 74, im Norden der verzärtelt werden, im Gegensatz zum Menschenschuh sträflich wird, weilte die Gattin des Rechtsanwaltes in den letzten Wochen Stadt. Die Feuerwehr rückte mit den Zügen 19, 21 und 23 an und stuhl des Quergebäudes Hussitenstraße 74, im Norden der zu finden. Es stimmt nicht ganz, wenn gesagt wird: wer die in Marienbad, während der Rechtsanwalt in einer geschäftlichen AnTiere liebt; liebt auch die Menschen. Ach nein, übergenug gelegenheit am 27. Juli nach Paris gereist war und sich dann einige ging fofort mit zwei Rohren gegen den Brand vor. Eine starke Rauchentwicklung erschwerte anfangs die Löscharbeiten ungemein und Beispiele lassen sich aufzählen, daß Menschen, die für einen Tage in dem nahe bei Baris gelegenen Enghien les bains erholen erst, als ein Sauerstoffschutzhelm in Benutzung genommen wurde, gestürzten Gaul, einen Ziehhund das teffie Mitleid öffentlich wolte. Am Sonntag erhielt die Dame einen am 1. Auguſt ge- fonnte der eigentliche Brandherd erreicht werden. Nach einstündigem zur Schau tragen, an einem leidenden Mitmenschen hart schriebenen, am 2. in Paris aufgegebenen Brief, in dem der Rechts- Wassergeben war das Feuer erstickt. Der Dachstuhl des Duerund grausam vorübergehen. Wegen eines der anwalt ankündigte, daß er Selbstmord begehen wollte. Die Gründe gebäudes ist größtenteils zerstört. Nach Ansicht der Hausbewohner Stirchturmspite eingeklemmten Raubvogels wird die Feuer- für die Lebensmüdigkeit, so hieß es in dem Briefe, feien große muß auch hier wieder vorsägliche Brandstiftung vorliegen, denn vor Feuer- finanzielle Schwierigkeiten, deren er nicht Herr werden könne. Ausbruch des Brandes das Feuer wurde gegen 8 Uhr morgens wehr in Bewegung gesetzt. Wer fühlt zur rechten Die Gattin des Rechtsanwaltes fuhr nach Berlin, setzte sich bemerkt hatte noch niemand von den Mietern den Boden beBeit Mitleid mit dem ehrenzeichengeschmückten Krüppel, fofort mit der deutschen Botschaft in Paris, mit der dortigen treten. Mit den Aufräumungsarbeiten auf der Brandstelle hatte die der mühselig trotz des Holzbeins seinen Leierkasten schiebt und Polizei und mit dem Hotel, in dem ihr Gatte abgestiegen oft nicht weiß, wovon er den Hunger stillen soll? Solche war, in Verbindung. Vom Hotel erhielt sie die Antwort, daß der Feuerwehr noch lange Zeit zu tun. Todessturz aus dem Fenster. In der Schlesischen Straße 6 erGedanken müssen wach werden, wenn man hört, wie Tier- Rechtsanwalt vor drei Tagen das Hotel unter Zurücklassung des schutzvereine weit über die Stränge schlagen und über ihrem Gepäckes verlassen habe. Seither fehle jede Nachricht über ihn. Es eignete sich gestern ein bedauerlicher Unfall. Der 30jährige Felir an sich löblichen Tun immer mehr die Menschen vergessen. ist bis zur Stunde den Angehörigen nicht gelungen, eine sichere Mahl, der an Krämpfen leidet, bekam, während er aus dem Fenster Nachricht darüber zu erlangen, was aus dem Rechtsanwalt geworden sah, einen Anfall und stürzte dabei aus dem Fenster seiner in der Erst der Mensch, dann das Tier! Des Tierschutzes sich zu ist, ob er die Selbstmordabsicht auch verwirklicht hat oder sich in vierten Etage gelegenen Wohnung. Er starb nach wenigen Minuten. brüsten hat nur ein Recht, wer auch dem Menschen seinen Baris verborgen hält. Der Bureauvorsteher des Rechtsanwalts ist Gestern früh gegen 7 Uhr hat sich die 34 Jahre alte Klara vollen Schutz gewährt. Es muß sonderbar berühren, wenn gestern nach Paris gefahren, um dort Ermittelungen anzustellen. Brandt, Geisbergstr. 2, aus ihrer im dritten Stod belegenen Wohman hört, daß ber Charlottenburger Tierschutzverein Wie ein Telegramm aus Paris meldet, wurde gestern vor- nung auf die Straße hinabgestüzt. Schwerverletzt wurde sie in das die behördliche Erlaubnis zur Errichtung von Be- mittag die Leiche des Notars Paul Michaelis aus der Seine Elisabeth- Krankenhaus gebracht. Die Tat soll in geistiger Umnachtung gräbnisstätten für Tiere an zahlreichen Stellen Groß- gezogen. Bei der Leiche wurde ein Brief gefunden, der Aufgeschehen sein. Berlins anstrebt. Mahnend und anklagend sei es schluß über die Gründe des Selbstmordes gibt, die in sehr Beim Spielen der Arbeiterjugend im Humboldthain sind folgende wiederholt: erst der Mensch, dann das Tier! Sind die großzen namhaften Spielverluften bestehen sollen. Gegenstände gefunden worden: Ein Paar Strümpfe, zwei Schlüssel, eine Uhrkette und ein Haarpfeil; als verloren gemeldet ist ein golLeichenfelder vor den Toren der Stadt, wo ungezählte Die Sonntagsruhe im Bier- und Eishandel. Der Polizei- denes Halsband. Die Gegenstände sind abzugeben resp. abzuholen Taufende im Leben grausam behandelter Menschen den letzten präsident hat über die Sonntagsruhe im Gewerbebetriebe der Bier- beim Spielleiter Richard Rehbock, N. 20, Thurneysserstr. 7. 3. Auf7, Schlaf schlafen, in jenem Zustande, der nichts zu tun mehr brauereien und Eisfabriken für den Landespolizeibezirk Berlin übrig läßt?... In der Müllerstraße, auf dem Hinter- folgende Bestimmungen erlassen: Handlungsgehilfen, Lehrlinge und grundstück 122-124, befindet sich seit Jahren ein privater Arbeiter dürfen mit dem Handeln von Bier und Roheis an SonnEin dreifter Ueberfall wurde gestern nacht in der Köpenider Tierfriedhof, den wohl nur wenige Berliner kennen. Das und Feiertagen nur bis spätestens 12 Uhr mittags beschäftigt werden. Heide auf den 44jährigen Droschtenkutscher Albert Zippel aus der Rüdersdorfer Straße 49 berübt. Als er mit seiner Droschte auf Gende ist mit einem Holzzaun umgeben. Hinter ihm sehen Das Ausfahren hat in der Zeit von 5 bis 10 lbr zu erfolgen. wir mehrere hundert Grabhügel mit marmornen Grab- Diejenigen Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter, die an Sonn- und dem Halteplag am Strausberger Plaz hielt, tamen abends gegen steinen und reich reich mit Blumen geschmückt. Und fast Festtagen auf Grund vorstehender Vorschriften im Handelsgewerbe 11 Uhr zwei Männer und eine Frau und forderten ihn auf, sie Einer der jeder Stein trägt in goldenen Lettern eine Inschrift, länger als fünf Stunden, und diejenigen Arbeiter, die auf Grund die Köpenider Chaussee entlang spazieren zu fahren. der obigen Vorschriften im Gewerbebetriebe länger als drei Stunden Männer segte sich neben dem Kutscher auf den Bock, während der die kündet von der Anhänglichkeit an das tote Tier.. Die beschäftigt find, find entweder an jedem dritten Sonntage volle andere mit der Frauensperson im Wagen Plaz nahm. Als der Leidtragenden" gehen hier ein und aus, schmücken die Hügel, 36 Stunden oder an jedem zweiten Sonntage mindestens in der Kutscher mit seinem Fuhrwerk in der Köpenider Heide angekommen bergießen nicht selten Tränen. Sogar Holztreuze stehen auf Beit von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends von jeder Beschäftigung war, erhielt er plößlich von hinten einen wuchtigen Hieb auf den Kopf. Gleichzeitig packte ihn der Mann, der neben ihm saß, an den einigen Gräbern. Nun soll gern zugestanden sein, daß es, frei zu lassen. Beinen und warf ihn vom Wagen. Alle drei Personen fielen jetzt über ihn her, schlugen ihn so lange, bis er die Besinnung verloren hatte und warfen ihn in einen Chausseegraben. Dann entrissen sie ihm seine Geldbörse, in der nur ungefähr 10 M. bares Geld war. solange die Sache in engsten Grenzen bleibt, harmlos ist, Die Eröffnung des Großschiffahrtsweges Stettin- Berlin kann sehr gefühlvollen Seelen eine Konzession zu machen. Aber eine Verzögerung erfahren. Auf der Strecke Dranienburg- Lehnizer Groß- Berlin mit einem ganzen Kranze von Tierbegräbnis- Schleuse- Malz ist Wasser aus dem Kanal in das angrenzende Gestätten zu beglücken nein, dafür haben wir in unserer Zeit, lände gedrungen. Dadurch find Befürchtungen über die Undurchdie mit allen Kräften der Menschenwohlfahrt dienen soll, fein lässigkeit der fünstlichen Tonschichten der Kanalsohle entstanden. Bur Verständnis. Und darum nochmals: erst der Mensch, dann Prüfung dieser Undurchlässigkeit und einer befieren Dichtung der das Tier! Man verlege doch den Tierfriedhof aus der Müller- Sohle und Wände des Kanals hat man das Wasser aus der Kanalstraße nach Friedrichsfelde, dicht neben die abgestorbene Groß- strecke wieder abgelassen. stadtarmut mit ihren elenden, niedrigen, kahlen Massenhügeln. Der Vergleich ist ein schwerer Vorwurf für die moderne Weltordnung, die Tiere mit Menschenehren begräbt und arme Menschen wie Raubtiere verscharrt. = D Eintrittskarten zu dem Konzert des Philharmonischen Orchesters am 9. August find noch an folgenden Stellen zu haben: Bureau des vierten Wahlkreises, Stralauer Play 1/2; Bureau des sechsten Wahlkreises, Neue Hochstr. 23; Berliner Gewerkschaftskommission, Engelufer 15 und im Bigarrengeschäft von Horsch, Engelufer 15. Unsere Genossen mögen von dieser Gelegenheit regen Gebrauch machen. gang, 3 Tr. Wer sind die Toten? In der Nacht zu vorgestern wurde in der Hofkammerforst Halbe im Kreise Teltow ein unbekannter Mann mit einer Schußwunde im Kopfe aufgefunden. Weil er noch Lebenszeichen von sich gab, wurde er nach Anlegung eines Verbandes nach dem Krankenhause Bethanien gebracht. Dort ist er gestern aber seinen Verlegungen erlegen. Ob ein Selbstmord oder ein Unglüdsfall vorliegt, ließ sich noch nicht feststellen. Der Tote soll Ernst Belag heißen. Ob das sein richtiger Name ist und wo er gewohnt hat, fonnte man noch nicht ermitteln. Seine Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Aus dem Wannsee gelandet wurde gestern ein unbekannter Mann, dessen Persönlichkeit ebenfalls noch nicht festgestellt werden konnte. Der Tote ist ungefähr 1,65-1,70 Meter groß und hat rotblondes Haar. Bekleidet war er mit einem blauen Cheviotanzug, schwarzen Schnürstiefeln, grauen Strümpfen und einem weißleinenen Hemd ohne Zeichen. Mit welcher Rücksichtslosigkeit Abzahlungsgeschäfte mitunter vorgehen, beweist nachstehender Fall: Anfangs 1910 entnahm der Maler A. von der Nähmaschinenfirma Wilh. Lemte, Kronenstraße 57, Lieferant der Kaiser Wilhelm Stiftung, des FrauenGroschenvereins, des Vereins der Heimstättenarbeiter ust.", eine Nähmaschine zum Preise von 150 M. auf Abzahlung. Die Abzahlungen waren auf 1,50 M. pro Woche vereinbart. Der Kaufpreis wäre allerdings bereits bezahlt, wenn die Raten pünktlich geleistet worden wären. Doch kommen bei Arbeitern, insbesondere auch bei Malern, Zeiten der Arbeitslosigkeit, während welcher es unmöglich ist, Zahlung zu leisten. Damit sollte jedes Abzahlungsgeschäft, das ja seine Kundschaft und seinen Profit bei der unbemittelten Bevölke Trotz der Warnung vor dem Gebrauche überlanger Hutnadeln rung sucht und findet, rechnen und im eigenen Geschäftsintereffe, ganz abgesehen von Gründen der Menschlichkeit, Rücksicht nehmen. gibt es hie und da noch Damen, welche diese gefährlichen Waffen Dies unt so mehr, insofern der Käufer, wie in diesem Falle, den nicht strecken wollen. In den Straßenbahnwagen wurden, nach dem guten Willen zeigt, feine Schuld abzutragen. Die Preise der Grundfaze:" Kommt den Frauen zart entgegen", die Damen zuDer Vorstand des Vereins der Angestellten der Großen Abzahlungsgeschäfte find durchweg so bemessen, daß neben einem nächst höflichst gebeten, im Intereffe der Mitfahrenden ihre Hüte auständigen Verdienst der geringe Binsverlust mehr als gedeckt ist. nicht mit langbervorstehenden Hutnadeln zu befestigen". Diese in Berliner Straßenbahn teilt uns unter Bezugnahme auf unsere Notiz Dem S. soll übrigens noch, als er beim Stauf auf die Zeiten der den Wagen hängenden Platate sind jetzt überklebt worden und man in der gestrigen Nummer des„ Vorwärts":" Wie wenig bei der Arbeitslosigkeit und die dadurch bedingte Zahlungsunmöglichkeit hin- liest nunmehr auf ihnen:„ Um eine Gefährdung der Mitfahrenden Großen Berliner Straßenbahngesellschaft" usw. mit, daß das dem zu verhüten, haben die Damen hervorstehende Hutnadeln zu entlassenen B. vom Krankengelde zu Unrecht abgezogene Darlehn wies, Nachsicht zugesichert worden sein. R. hat bisher 87 m. abgezahlt, schuldet also noch 63 M. Die sichern." Gin zweites Verbot richtet sich gegen die Gewohnheit unverzüglich portofrei wieder zugesandt worden sei. Der Obmann Firma Lemle hat nun, indem sie von einem im Sommer vorigen der Kinder( oder ihrer Begleiter?). Es lautet:" Stehen und Knien des Vereins sei der irrtümlichen Meinung gewesen, daß das Darlehn Jahres, als N. ebenfalls im Rückstand war, erlangten Urteil Ge- von Kindern auf Sigplägen ist nicht gestattet." ebensogut vom Krankengelde wie vom Lohn abgezogen werden könne. Sobald der Vorstand diesen Irrtum erfahren, habe er die Aufhebung der Maßnahme veranlaßt. Zu dem Streit in ,, Indien" wird gemeldet, daß der Unternehmer Noch nicht rekognosziert ist der Selbstmörder, dessen Leiche am Gustav Hagenbeck aus Dresden hierher zurückgekehrt ist. Herr Sonnabend in der Nähe des Restaurants Schloß Tegel" aufgefunden Hagenbeck ist geschäftlich verreist gewesen, um Unterhandlungen wurde. Der Unbekannte, der sich anscheinend vergiftet hat, ist etwa wegen Bachtung der Dresdener Vogelwiese für eine Schaustellung 50 Jahre alt und 1,66 Meter groß. Er hat graumeliertes Kopfhaar, einzuleiten. Hagenbeck soll nunmehr gegen Höpfner aus mehreren ebenjolchen Bart, längliches Gesicht, graue Augen, schmale Nase, Gründen den Antrag auf Strafverfolgung gestellt haben. auffallend kleinen Mund und ein lückenhaftes Gebiß. Bekleidet ist der Tote mit dunkler gestreifter Hose, schwarzem Jadett, schwarzen Schnürschuhen, grauen Strümpfen und weißer Unterwäsche. Er trug eine schwarz- und rotgestreifte Krawatte. Die Leiche liegt in der Halle des Tegeler Friedhofes. " " Neukölln. Vorort- Nachrichten. brauch machte, die Nähmaschine am 31. Juli durch einen Gerichts- Drei Tiergartenräuber wurden vorgestern abend um 9 Uhr auf vollzieher abholen lassen. Der Arbeiter ist seine sauer erworbenen, frischer Tat ergriffen. Als um diese Zeit die Geschäftsinhaberin vom Munde abgesparten 87. M. los, seiner Frau ist es nicht mehr möglich, in Zeiten der Not mitzuverdienen und die Firma fann mit Fräulein M. aus der Alexandrinenſtr. 24 im Tiergarten am Goldder abgeholten Maschine nochmals ein Geschäft machen. Der Fabrik- fiichteich vorbeiging, sprang plöglich ein Sterl auf sie zu und ver= fuchte, ihr die Handtasche zu entreißen. Fräulein M. setzte sich zur preis, den die Firma gezahlt hat, dürfte durch die 87 M. zum Wehr und mit Hilfe von Spaziergängern, die auf ihr Hilfegeschrei mindesten gedeckt sein. Dabei ist die Firma Lemke nicht einmal formell im Recht. Wie dazugekommen waren, gelang es, den Räuber festzunehmen und der Ein schwerer Straßenunfall hat sich am Montagnachmittag an gefagt, ist das Urteil im Sommer vorigen Jahres erlangt. Nachdem Polizei zu übergeben. Der Ertappte wurde festgestellt als ein hat St. Zahlungen von zusammen 29 M. geleistet. Die letzte Ab- 18 Jahre alter Friseurgehilfe Willi Holper, der erst vor kurzem aus der Ecke Berliner- und Jägerstraße ereignet. Der Kaufmann Gustav zahlung von 2 M. ist am 30. Juli, also einen Tag vor der Ab- der Provinz hierher gekommen ist. Er gab an, daß er von zwei Wolff aus der Elsenstraße 77 wollte dort einen Straßenbahnwagen holung erfolgt. Das erwähnte Urteil lautete auf Bahlung von anderen Männern zu der Tat angestellt worden sei. Diefe Behaup- der Linie 46 während der Fahrt besteigen. Er kam zu Fall und 20 M. oder Herausgabe der Maschine. Nach Erlaß des Urteils find tung erwies sich auch als wahr. Die Anstifter hatten sich, während stürzte vor einem herannahenden Geschäftswagen der Firma Eckert er die Dame überfiel, in der Nähe im Gebüsch versteckt gehalten und aus der Manteuffelstraße 79. Der Kutscher des Gefährtes vermochte also mehr als 20 M. gezahlt, die Rechte aus dem Urteil waren bann die Flucht ergriffen. Dieselben wurden aber noch im Laufe nicht mehr die Pferde rechtzeitig zum Stehen zu bringen; der Verfonach erloschen, abgesehen davon, daß die Annahme von Zahlungen der Nacht ermittelt und festgenommen. Es sind ein Arbeiter Erwin unglückte geriet unter den schweren Wagent, dessen Vorderräder über nach Urteilserlag, sogar noch am 30. Juli unmittelbar vor der Abvon Bredow und ein gewisser Schlächter Wilhelm", die beide schon ihn hinweggingen. Der Kaufmann, der schwere innere und äußere holung, einen Verzicht auf den im Urteil festgelegten Herausgabe- länger in Berlin wohnen. Sie hatten sich zufällig mit dem jungen Verlegungen davongetragen hatte, wurde in fast hoffnungsloſem anspruch bedeutet. Diese Handlungsweise der Firma verstößt gegen Treu und Glauben im Geschäftsverkehr. Dem S. ist zu raten. Friseurgehilfen im Tiergarten getroffen und ihn dazu überredet, zu Bustande nach dem städtischen Strankenhause geschafft. Klage auf Rückgabe der Maschine und auf Schadenersaz dafür, daß versuchen, durch den Raub Geld zu beschaffen. die Ehefrau nicht mitverdienen fann, zu erheben. Das Gericht wird Aus Nahrungssorgen in den Tod. Eine Familientragödie spielte nicht umhin tönnen, ihm diese Ansprüche zuzubilligen. sich gestern nachmittag im Hause Charlottenburger Ufer 16-17 ab. Die durch unsere kapitalistische Wirtschaftsordnung geschaffene Dort wohnte seit einem Jahr im dritten Stock des Vorderhauses Notlage wird von spekulativen Köpfen doppelt ausgenugt: Erhöhte die 55 Jahre alte verwitwete Frau Dr. Klara Hagemann mit ihren Preise für die Abzahlungsfachen, Fortnahme und Weiterverkauf der beiden Kindern, dem 17 Jahre alten Sohn Clarence und der Sachen mit erneutem Profit, falls der Arbeiter beim besten Willen 15 Jahre alten Tochter Elisabeth. Wie sie den Hausgenossen er die Naten nicht pünktlich innezuhalten imstande ist. zählte, lebte die Frau mit ihren Kindern von ihren Ersparnissen. Den Arbeitern fann nur geraten werden: Vermeidet, wenn In diesem Sommer war die Familie vier Wochen verreist. Als sie irgend möglich, Abzahlungsverträge. Seid Ihr aber zu solchen ge- vor 14 Tagen zurückkehrte, verkaufte Frau Dr. Hagemann ein Stück Abholung von Spareinlagen. Die Sparkasse hiesiger Stadt hat zwungen, dann geht nicht höhere Verpflichtungen ein, als wie 3hr ihrer Wirtschaft nach dem andern. Den Hausgenossen gegenüber er- eine neue Einrichtung geschaffen, die für jeden, der in der glücklichen fte auch bestimmt erfüllen fönnt. Die mündlichen Zusicherungen find flärte sie das damit, daß sie ins Ausland zu geben beabsichtige. In Lage ist, sparen zu können, von Vorteil sein dürfte. Bei jedem gegenüber schriftlichen Vertrage wirkungslos, abgesehen davon, Wirklichkeit aber zwan sie dazu die Notwendigkeit, sich auf diesem Sparfähigen fann die unentgeltliche Abholung der Spardaß sie in der Regel nicht bewiesen werden können. Auf Entgegen Wege die Mittel für den Lebensunterhalt zu beschaffen. Als nach der gelder in wöchentlichen Beträgen von 50 f., 1 M 2 M., 3 M., tommen ist in der Regel nicht zu rechnen. Beräußerung fast aller Sachen auch diese Möglichkeit aufhörte, beschloß 4 m., 5 M., 10 M., 20 M. erfolgen. Rückzahlungen der ersparten Die erste Männer- und erste Lehrlingsabteilung der Freien Turnerschaft, Neukölln Brig" turnen jezt im Lokal des Herrn Die Turnstunden finden statt: für die Petri, Knesebeckstraße. Männerabteilung jeden Donnerstag von 8 bis 10 Uhr, und für die Lehrlingsabteilung jeden Mittwoch von 8 bis 10 Uhr. Zur Eröffnung der neuen Turnstätte findet Donnerstag, 8. August, ein Zusammenturnen der drei Männerabteilungen statt. Schöneberg. Gelder und Zinsen erfolgen ohne jeden Abzug. Von dieser neuen feine starke Stichflamme hervor, die die Haare der in der Nähe Während gestern ein Mitglied der New Yorker StadtEinrichtung wird wohl der größte Teil der hiesigen Bevölkerung leider stehenden Frau 2. in Brand fezte. Mehrere zur Befestigung der behörde die Polizei angeklagt hat, die korruption, feinen Gebrauch machen können, denn die Arbeiterschaft ist froh, wenn sie Saare benutte Belluloidtämme fingen sofort Feuer und im Nu glich durch welche die Ermordung Rosenthals hervorgerufen wurde, in der heutigen Zeit ohne Schuldenmachen durchkommt und soviel verdient, die Bedauernswerte einer lebenden Feuersäule. Trotzdem Haus- begünstigt zu haben, so revanchiert sich heute die Polizei, daß es von der Hand in den Mund reicht. Wer jedoch von der bewohner versuchten, die Flammen durch leberwerfen von Säcken zu er- indem sie die Stadtbehörde beschuldigt. Der Kommandant dingungen von den Sparkassen: a. Hauptstelle, Kaiser- Wilhelm- tüden, het die unglüdliche Frau bereits berartig schwere Verlegungen der New Yorker Polizei Waldom erbrachte gestern in einer Blay 8; b. 8weigstelle I, Sohenstaufenstr. 49; c. Bweigstelle II, erlitten, daß fie in fast hoffnungslosem Zustande nach dem Briger längeren Erklärung dem Richter Swann gegenüber den BeBahnhofstr. 8, unweit des Wannseebahnhofs Friedenau; d. die Ein Strantenhause gebracht werden mußte. Frau W. ist Mutter von sechs weiß, daß sämtliche Spielhöllen nicht bestehen fammler ber Sparkasse und e. das städtische Arbeitsamt, Grunewald Kindern und erst am legten Sonnabend von einer längeren Krankheit tönnten, wenn sie nicht im Einverständnis mit der Waldow straße 19, Ecke Schwäbische Straße.. Polizei lebten. erklärte seinerzeit, seinerzeit, daß die Spielhöllen nur existieren, weil die Gerichte ihnen allen notwendigen Schutz angedeihen lassen. Der PolizeiEin folgenschwerer Gerüsteinsturz, wobei vier Ar- tommandant führte weiter aus, daß der Spielhöllenbefizer beiter verlegt wurden, hat sich gestern in den Nütgers- Sam Paul ganz öffentlich an einem Abende in seiner Spielwerken A. G. ereignet. Bei einem im Neubau befindlichen hölle über die Art und Weise diskutiert habe, wie Rosenthal Fabrikgebäude brach infolge Bruchs der Stüßen plößlich ein zu ermorden sei. Darauf wurde Sam Paul festgenommen, Teil des Gerüftes ein, vier Arbeiter wurden mit in jedoch wieder auf freien Fuß geseht. Waldow die Tiefe gerissen und verlegt. Am übelſten wurde behauptet, daß die Spielhölle Pauls von der Polizei oft beder Maurer Hermann Feld aus Neuzittau zugerichtet. Dem sucht wurde. Er verlangte, daß eine Untersuchung eingeleitet Aermsten war die Schädeldecke aufgerissen worden und außer- werde, um zu erfahren, warum gegen Paul von der richterdem hatte er innere Verlegungen erlitten. Bei den anderen lichen Behörde soviel Nachsicht geübt worden set. Berunglückten. stellte der hinzugerufene Arzt Verlegungen leichterer Natur fest. Ueber die Schuldfrage des verhängnisvollen Unfalles ist eine polizeiliche Untersuchung eingeleitet worden. genesen. Berhaftung eines Sittlichkeitsverbrechers in Jugendwehruniform. Erkner, Von den Polizeibehörden wurde seit mehreren Wochen der 23 Jahre alte Kaufmann Rudolf Butschte, gulegt Siegfriedstraße 28 wohnhaft, wegen schwerer Sittlichkeitsverbrechen, die er an feiner eigenen Schwester, einem zwölfjährigen Kinde, verübt hat, bis jetzt vergeblich gesucht. Gestern gelang es der Schöneberger Kriminalpolizei, den Berbrecher bei einem Befuche, den er seiner im Augusta- BiftoriaKrankenhause befindlichen Braut abftattete, festzunehmen und in das Moabiter Untersuchungsgefängnis einzuliefern. Die Mutter des B. wohnt mit ihrer 12jährigen Tochter Emma feit mehreren Jahren hier und hat zur Bestreitung des Lebensunterhaltes mehrere Aufwartestellen inne. Früher wohnte auch der Sohn bei ihr, da es jedoch öfter zu Auseinanderlegungen fam, mußte er ziehen. Ab und zu besuchte der auf die Verbrecherlaufbahn geratene und oft zu Gefängnis berurteilte Sohn seine Mutter. Die öftere Abwesenheit der Mutter benuste er dazu, seine Schwester in bestialisch roher Weise zu mißbrauchen. Als die Mutter von dem schamlosen gemeinen Treiben ihres Sohnes Kenntnis erhielt, erstattete fie Ane Schenkendorf bei Königs- Wusterhausen. zeige. Da B. in den letzten Wochen keine feste Wohnung mehr hatte ,. so war seine Festnahme schwierig. Man wußte nur, daß er sich häufig in der Jugendwehruniform sehen ließ. Schließlich gelang es doch, seiner habhaft zu werden. Die Turnübungen des Arbeiterturnvereins finden von jest ab wie folgt statt: Für Männer und Lehrlinge jeden Montag und Freitag, für Frauen und Mädchen jeden Dienstag von 8 bis 10 Uhr abends in den Reuen Rathausfälen", Meininger Str. 8, und in Nißles Fest sälen", Dennewiß straße, statt. Charlottenburg. " Auf der Suche nach Arbeit erkrankt. In hilflosem Bustande wurde der 36jährige Schlosser Paul Völz aus Dramburg in der Berliner Straße aufgefunden. V. war aus seiner Heimat nach hier gekommen, um eine Stellung zu suchen. Auf dem Wege zu einer Firma, bei der er Beschäftigung zu finden hoffte, wurde er gestern an der Ecke der Berliner- und Wallstraße ohumächtig und brach zufammen. Paffanten brachten den Erkrankten zur nahen Unfallstation. Von dort mukte der Schlosser in bedenklichem Zustande nach dem Krankenhaus Westend geschafft werden. Wilmersdorf. Ein Säuglingsheim hat der Vaterländische Frauenverein im Haufe Kaiserallee 14 eröffnet. Das Haus gehört der Stadt, die die Räume dem genannten Verein zur Verfügung gestellt hat. In dem neuen Heim fönnen etwa 80-40 frante Säuglinge Aufnahme finden, jedoch sind Kinder mit Infektionskrankheiten ausgeschlossen. Die Schwesternschaft wird gestellt vom Kaiserin- Auguste- Vittoria- Haus in Charlottenburg. Mit der ärztlichen Leitung ist Dr. Soldin Wilmersdorf betraut. Familienausflug. Donnerstag, den 8. August, findet ein Familien ausflug nach Eichtamp statt. Treffpunkt für Fußgänger 2 Uhr bei Sellke, Brandenburgische Str. 100, für Nachzügler Forsthaus Eichtamp, 10 Minuten vom Bahnhof. Lichtenberg. Geschäft und Frömmigkeit. Wie fromme" Unternehmungen es verstehen, Geschäft und Frömmigkeit mit einander zu vereinen, zeigt uns folgendes Inserat in der, Tremonia": Bei dem Untergang der Titanic spielte die Schiffskapelle den Choral: Näher mein Gott zu Dir! Die lette Gemeindevertretersizung erledigte zunächst einige Armensachen, dann die Wahl der Voreinschäßungskommission. Für den verzogenen Genossen Kolberg wurde Genosse Pezold als Mitglied der Kommission gewählt, sonst blieb alles unverändert. Befchlossen wurde nom, eine neue Feuerfprige anzuschaffen. Eine Kom mission von sechs Mitgliedern soll jedoch erst die Spritzen einiger Nachbargemeinden besichtigen und dann der Gemeindevertretung Borschläge über den Preis sowie das zu wählende System machen. Unglüd anläglich des Unterganges der Titanic" muß diesem Schönow( Kreis Niederbarnim). N Derselbe ist mit deutschem Zert für Männer chor bearbeitet. Vorrätig bei: Gebr. Lensing, Dortmund u. Hörde. Kleine Notizen. Bahnunfall. Aus Hagen wird amtlich gemeldet: Auf dem 10.18 Uhr einlaufende D- Zug nicht rechtzeitig zum Halten und stieß hiesigen Hauptbahnhofe tam am Sonntagmorgen der um beim Durchrutschen auf eine etwa 100 meter hinter dem Ausfahrtssignal ſtehende Lokomotive. Hierbei wurden zwei Bahnbeamte und vier Reisende verletzt. Der Sachschaden ist gering. Der Zug fuhr mit breiviertelstündiger Verspätung weiter. Die Untersuchung über die Schuldfrage ist eingeleitet. die Schuldfrage ist eingeleitet. Kann man sich eine widerlichere Reflame denken? Das gräßliche frommen" Unternehmen dazu herhalten, um das Lied„ Näher mein Welche Forderungen stellen wir an unsere Gemeindevertretungen? Gott zu dir" als eine sensationelle Neuheit anpreisen zu können. Dies interessante Thema behandelte Genosse Brühl- Lichtenberg bier in gut besuchter öffentlicher Versammlung. An einigen Bei spielen aus der Praxis wies er nach, daß überall dort, wo unsere Vertreter Einfluß auf die Gemeindeverwaltungen haben, sich unsere Forderungen zum Wohle der Allgemeinheit verwirklichen lassen. Nach dem mit reichem Beifall aufgenommenen Referat erstattete Genosse Dutwit seinen Tätigkeitsbericht als Gemeindevertreter. Daraus war zu entnehmen, daß er als einziger sozialdemokratischer Vertreter es nicht leicht hat, seinen Standpunkt zu bertreten. Ist er doch von den Gegnern schon gefragt worden, wie er sich„ erdreiften" tönne, während der kurzen Zeit feiner Tätigkeit als" Gemeinde bertreter schon Anträge zu stellen. In unserer Gemeinde sind leider noch sehr viele Berbesserungsanträge zu stellen. Ist doch das Armen haus in einem Zustande, daß es als menschliche Wohnung gar nicht mehr in Frage lommen dürfte. Ferner sträubt sich die Gemeinde dagegen, Gas durch den Ort legen zu laffen. So wäre noch manches zu erwähnen, was dringend verbesserungsbedürftig ist. Am Schluß der Versammlung wurde einstimmig eine Resolution angenommen, in der unserem Gemeindevertreter das Vertrauen für feine bisherige Tätigkeit ausgesprochen sowie gefordert wurde, daß die Gemeindevertretung mehr als bisher Rücksicht auf die Interessen der gesamten Einwohner nimmt und vor allem die Gasangelegen heit bald in zufriedenstellender Weise erledigt. Großbeeren( Kreis Teltow- Beeskow). · Mutter und Sohn vom Zuge getötet. Auf dem hiesigen Bahnhof wurde gestern nachmittag zwischen 1-2 Uhr die Frau und der Zu dem schweren Unglücksfall in der Friedrich- Karl- Straße teilt Sohn des hiesigen Ackerbürgers Sarl Ebel, als dieselben mit Pferd uns der Vater des bedauernswerten Kindes zur Ergänzung unserer und Wagen die Bahnschranke passierten, von einem Schnellzug ergeftrigen Notiz mit, daß seine Tochter Herta mit ihren beiden füngeren Geschwistern auf dem Bürgersteig gespielt habe, als ihr faßt und getötet. Nach einer bahnamtlichen Mitteilung soll plößlich der Blumentopf auf den Kopf fiel. Im Krankenhaus eigenes Verschulden der Getöteten vorliegen, da die geschlossene Friedrichshain, wohin das Kind in bewußtlosem Zustande gebracht Schranke von ihnen eigenmächtig geöffnet worden ist. iwurde, stellte der Arzt einen schweren Schädelbruch sowie Blutergüffe ins Gehirn fest. Auch mußte auf operativem Wege ein Knochensplitter aus dem Gehirn entfernt werden. Adlershof. Aus aller Welt. Zwischen Himmel und Erde. Ermordet aufgefunden wurde in Südenscheid der Hammerschmied Schmidt. Der Täter, Fabritarbeiter Michel, wurde in das Gerichtsgefängnis eingeliefert. Nach dem Genuß giftiger Pilze erkrankte auf dem Nittergute Groscholin( Prov. Posen) eine galizische Arbeiter. familie. Drei Personen sind bereits gestorben, eine vierte ringt mit dem Tode. Der Flieger Abramowitsch ist am Dienstag endlich in Petersburg angekommen. Da er am 15. Juli in Johannisthal startete, brauchte er drei Wochen zu der in der Luftlinie 1500 Kilometer weiten Reise. Bekanntlich wurde der sehr tüchtige Flieger mehrfach durch Unfälle längere Zeit aufgehalten. llebrigens soll auch der Flieger Hirth jetzt eine Luftreise nach Petersburg planen. Angeblich mit jener Riefentaube, die nach den Anweisungen des russischen Gouverneurs Loupkoi mit zwei Motoren von je 100 Pferdestärken ausgestattet wurde und auf der Ala viel Aufmerksamkeit erregte. Marktbericht von Berlin am 5. August 1912, nach Ermittelung des fönigl. Polizeipräsidiums. Martiballenpreise.( Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00-50,00. Speisebohnen, meiße, 30,00-50,00. Linsen 40,00-80,00. Startoffeln( Sleinhdl.) 8,00-14,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Steule 1,80-2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,50-1,90. Schweinefleisch 1,50-2,20. Kalbfleisch 1,60-2,40. Sammelfleisch 1,70-2,40. Butter 2,40-3,00. 60 Stüd Gier 3,40-5,20. I Kilogramm Starpjen 1,40-2,20. Male 1,40-3,20. Bander 1,60-3,60. echte 1,40-3,00. Barfche 1,00-2,40. Schlete 1,40-3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stud Krebse 1,50-36,00. Stationen Witterungsübersicht vom 6. August 1912. Barometerstand mm 759 Wind Die Errichtung des Kaufmannsgerichts ist nunmehr beEin schreckliches Drama hat fich in Genf auf dem Dache stätigt und wird die Ausschreibung zur Beisigerwahl in den eines fechsstödigen Arbeiterwohnbauses abgespielt. nächsten Tagen erfolgen. Zu wählen sind acht Beisiger, le Der Täter ist ein Arbeiter, der schon seit längerer Zeit mit einem vier aus den Reihen der Kaufleute und der Handlungsgehilfen. Mädchen ein Biebesverhältnis unterhielt. Vor einigen Tagen hatte Für die Wahl der Staufleute ist eine Wählerliste aufzustellen, er erfahren, daß er die Gunst des Mädchens mit einem Nebenbuhler die sechs Wochen vor der Wahl auf die Dauer von einer er erfahren, daß er die Gunst des Mädchens mit einem Nebenbuhler teilen mußte. Heute überraschte er nun seinen Nebenbuhler mit Woche auszulegen ist. Einsprüche gegen die Nichtigkeit diefer feiner Geliebten, als diese gerade im Begriffe waren, durch ein Lifte und wegen nicht erfolgter Eintragung find während Dachfenster in die Wohnung des zweiten Arbeiters zu steigen. Er Swinemde. 7573 der Dauer der Auslegung erstmalig beim Gemeindevorsteher eilte sofort hinzu, und es entspann sich zwischen ihm und seinem Hamburg 758 D zu erheben. Streichungen von in die Liste eingetragenen Per- Nebenbuhler auf dem Dache ein furchtbarer Kampf, sonen dürfen nur vorgenommen werden, nachdem den Be bis es ihm gelang, feinen Rivalen in die gähnende München 758 MD treffenden Gelegenheit zur Aeußerung gegeben worden ist Tiefe hinabzustürzen, wo er mit zerschmetterten Gliedern Wien 758 2 Kaufleute, die mindestens einen Gehilfen oder Handlungs tot liegen blieb. Der Täter wurde verhaftet. Lehrling regelmäßig oder zu gewissen Zeiten des Jahres bes schäftigen, müssen in die Liste eingetragen werden. Für die Wahlen der Handlungsgehilfen werden Listen nicht aufgestellt, sondern haben diese bei der Wahl dem Wahlvorstande ihre Berechtigung nachzuweisen. Die Nachweisformulare werden von der Gemeinde ausgegeben. Die Wahlvorschlagslisten sind fünf Wochen vor der Wahl einzureichen und müssen von drei Wahlberechtigten unter Benennung eines für weitere Verhandlungen Bevollmächtigten unterschrieben sein. Diese Liste darf nur soviel Namen enthalten, als Beifizer zu wählen sind, Bunipa Windstärke Better Lemp. n. G. 5°. 4° N. Stationen Barometer stand mm Wind richtung Windstarle Better Temp. n. 6. So 2 heiter 7mollig 1halb bb. 13 3 bededt 14 22 12 3 Regen 16 Haparanda 762 ND 4 halb bb. 15 2wolfen! 15 Betersburg 764 SSD 3 woltig 14 Scilly 747 N 1 Dunst Frankf.a.M. 758 SD 13 Aberdeen 752 SSD 2Nebel 11 Paris 753 SS 1woltig 17 Wetterprognose für Mittwoch, den 7. August 1912. Ein wenig wärmer, zunächst noch vorherrschend wolkig mit leichten Regenfällen und frischen südwestlichen Winden; nachher wieder zeitweise auftlarend. Berliner Betterbureau Wasserstand Ein Hochschulprofessor als Einbrecher. Chicago, Die Polizei hat am Montag eine Verhaftung vorgenommen, die allgemeines Aufiehen erregt. Der Verhaftete ist der Brofeffor A. Guthrier, der Leiter der elektrotechnischen Abteilung an der Chicagoer Technischen Hochschule. Der Professor ist der Landesanstalt für Gewässerfunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau angeklagt, za blreiche Einbruchsdiebstähle begangen zu haben und hat auch bereits ein teilweises Geständnis abgelegt. Seit März dieses Jahres hatte er sich darauf gelegt, in die Billen der Chicagoer Geldaristokratie in Abwesenheit der Besitzer einzubrechen. Die von ihm gemachte Beute, die den Wert von 250 000 Memel, Tilfit Dollar übersteigt, wurde bei einer Haussuchung un- regel, Insterburg Weichsel, Thorn Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich am Sonntag in der berührt in feiner Wohnung vorgefunden. Ueber die Dder, Natibor Bäckerei von Griebe, Bismarckstr. 21. Die dort mit Austragen Gründe befragt, die ihn zu den Einbrüchen getrieben haben, gab D Frankfurt von Backwaren beschäftigte Frau Wiesener lehrte gegen 7 Uhr der Professor an, daß er durch eifriges Lefen von Kriminalmit ihrem Mann, der ihr beim Austragen behilflich war, zur Bäckerei romanen auf die Bahn des Verbrechens getrieben worden sei. Warthe, Schrimm zurück und bemerkte, daß die Backstube mit dichtem Rauch gefüllt Er habe die Einbrüche aber durchaus nicht ausgeführt, um sich zu Neze, Bordamm war. Beide forschten sofort nach der Ursache, des Qualms. In- bereichern, sondern nur um einer frankhaften Neigung zu fröhnen. Elbe, Leitmerig awischen war auch der Bäckerlehrling herbeigeeilt und goß Wasser auf den vermutlichen Brandherd, einem Ofen, in dem Pfannkuchen gebacken wurden. Dadurch sprigte das Fett aus der Pfannkuchen Die„ Daily Mail" veröffentlicht über die RosenthalSchüffel in das Feuer des Dfens, und im nächsten Augenblick schoß Angelegenheit folgendes Telegramm aus New York: Sie stinken beide! Wasserstands- Nachrichten am ſeit 5. 8. 4. 8. cm cm³) 69 -2 Wasserstand Saale, Grochlik am feit 5.8. 4.8. cm cm³) 44-4 -49 -1 Landsberg 30-8. 198 171+61 106-6 -18+12 -57+1 -35 -80 Havel, Spandau) Rathenow³) Spree, Spremberg) 80 Beeskow 11+1 2 77 102 +6 168+4 +-18 -3 251+14 Köln 210+3 Dresden Barby Magdeburg 67 -134-4 80+10 4-1 Nedar, Heilbronn 99 -20 Main, Hanau 108 +2 Mosel, Trier 1)+ bedeutet Wuchs, Fall. 3) Unterbegel. 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