Kr. 184. nbonnementS'Bed'mgttftsen: Abonnements- Preis vränumerandoi Vierteljäbrb?P0 Mk., monatb t.tv Mb, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nnmmer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeiwngK- Preisliste. Unter Kreuzband sür Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonncmems nehmen an: Belgien. Dänemark Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Crldotlnt täglich aufitr montags. )&■'■ Verlinev VolksblAtk. 89. Jahrg." vle fnsefNong'lZedill»? beträgt für die sechsgespaltene Kolonet- geile oder deren illaum 00 Pig., für politische und aewerlschaftliche Vereins. und Versammlungs-Anz eigen M Pfg. § Klein- anzeigen", das fettgedruckte lort 20 Pfg. fzuläsfig 2 fettgedruckte Worte), jede« weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafftellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- (laben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Numnier niüsicn bis i Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm. Adresse! »SozlallUmolirat Rtrlia". Zcntratorgan der roztaldcmokrati fchen Partei Deutfcblands. Redaktion: SM. 68, Lindcnstraesc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Freitag, den 9. August 191.8. Expedition: SM. 68, Lindenstrasee 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Aahrhett und C- egende im (ieschlchtsuntei'i'icht. In der„Pädagogischen Zeitung" behandelt Lehrer Ziegler- Fechenheim die Frage, wie sich der Lehrer im Geschichtsunter- richt zur geschichtlichen Anekdote stellen soll. Als Grundton hört man aus dem Artikel das Mißbehagen heraus, das einen ehrlichen und wahrheitsliebenden Lehrer überkommt, wenn er zwischen der geschichtlichen Tatsache und der byzantinischen Legendenbildung wählen soll. Gerade im Geschichtsunterricht wird von der heutigen Volksschule, besonders der preußischen, in schamlosester Weise gegen ein Prinzip verstoßen, das sie sonst angeblich als vor- nehmsten Grundsatz in der Schule und nach der Schule respektiert: Die Jugend vor der politischen Beeinflussung und Verhetzung zu schützen. Man überlege nur, daß gerade dieser verlogene Grundsatz herhalten muß, um die proletarischen Jugendorganisationen zu vernichten. Aber genau wie bei der Jugendbewegung gilt den herrschenden Herrschaften auch in der Volksschule nur das als Politik, was in der Richtung des Fortschritts und der frei- heitlichen Entwickclung liegt. Mit der vermufftesten reaktionären Politik, mit abgestandenem Hurrapatriotismus, mit erlogener byzantinischer Geschichtsklittcrung darf die Schuljugend und dürfen die jungen Arbeiter und Arbeiterinnen bis zum Ueber- druß geödet und verhetzt werden. Das darf geschehen, das verstößt nicht gegen den Jugendparagraphen des Reichs Vereinsgesetzes, das verletzt nicht den edlen Grundsatz, die Jugend vor der Politik zu bewahren, denn— es gilt nicht als Politik! Es wäre gut, wenn die Rückwärtserei in der Politik nichts mehr zu sagen hätte. Leider gibt sie vorläufig aber noch den Takt an. Die ebenso skrupelfreie wie heuchle- rische Methode der herrschenden Klasse, den jugendlichen Nach- wuchs von frühester Jugend an im Sinne ihrer Interessen- Politik zu beeinflussen und zu verbilden, muß deshalb stets energisch gegeißelt werden, wo immer sich nur eine Gelegen heit bietet. Leider können die Freunde einer freiheitlichen Erziehung dabei wenig auf die heutigen Volksschullehrer rechnen. Sie stehen zu sehr im Banne der allgemeinen Tradition des ge- horsamen, fürstenfürchtigen Untertanen und der besonderen Ausbildung und Anweisung, die sie als Lehrer erhalten haben. Nach einem ministeriellen Reskript sollen die Seminaristen, die werdenden Lehrer, zu einem Geschlecht er- zogen werden,„welches weiß, ein wie hohes Gut es an seinem Herrscherhause und an seinem Vaterland besitzt, und welches befähigt ist, die Millionen der ihm anvertrauten Kinder mit Liebe und Dankbarkeit gegen König und Vater- land zu erfüllen." Ferner kennt jeder Lehrer den„aller- höchsten Erlaß" vom 1. Mat 1889, in dem es an den ent- scheidenden Stellen heißt:„Schon längere Zeit hat mich der Gedanke beschäftigt, die Schule in ihren einzelnen Abstufungen nutzbar zu machen, um der Ausbreitung sozia- listischer und kommunistischer Ideen ent- gegenzuwirken". Darum müsse die Schule bestrebt sein,„schon der Jugend die Ueberzeugung(Ueberzeugung I So heißt es wörtlich I D. R.) zu verschaffen, daß d i e Lehren der Sozialdemokratie nicht nur den göttlichen Geboten und der christlichen Sittenlehre widersprechen, sondern in der Wirklich- keit unausführbar sind und in ihren Konsequenzen dem einzelnen und dem Ganzen gleich verderblich sind". In den Dienst dieser ganz offenkundigen politischen Pro- paganda soll in erster Linie der Geschichtsunterricht gestellt werden:„Die vaterländische Geschichte wird insonderheit auch die Geschichte unserer sozialen und wirtschaftlichen Gesetzgebung und Entwickelung seit dem Beginne dieses Jahrhunderts bis zu der gegenwärtigen sozialpolitischen Gesetzgebung zu be- handeln haben, um zu zeigen(„um zu zeigen I" D. R.) wie die Monarchen Preußens es von jeher als ihre besondere Au f g a b e betrachtet haben, der auf die Arbeit ihrer Hände angewiesenen Bevölkerung den landesväterlichen Schutz angedeihen zu lassen und ihr leibliches und geistiges Wohl zu heben und wie auch in Zukunft die Arbeiter Gerechtigkeit und Sicherheit ihres Erwerbes nur unter dem Schutze und der Fürsorge des Königs an der Spitze eines geordneten Staates zu erwarten haben." Die meisten Lehrer werden bedenkenlos dieser obersten Anweisung folgen. Bei ihren Ansichten über Könizstreue und Beamteneid, die noch auf der letzten Lehrerversammlung so beredte Fürsprecher fanden, werden sie es ohne weiteres für ihre Pflicht halten, in der Schule gegen die Sozialdemokratie zu donnern und im Geschichtsunterricht die Hohenzollern bis über das Schellendaus zu lobpreisen. Allerdings darf man aus einigen Anzeichen schließen, daß neuerdings auch in der Lehrerschaft ein innerer und äußerer Widerstand gegen diese wissenschaftsfeindliche und unpädagogische Methode aufkeimt. Während der Lehrerversammlung wagte sich dieser Widerstand stellenweise ziemlich deutlich hervor. Auch für den eingangs erwähnten Artikel der„Pädagogischen Zeitung" scheint dieser Widerstand die— vielleicht unbewußte— Triebfeder gewesen zu sein. Ziegler kommt zu folgendem Ergebnis:„In der Geschichte die reine Historische Wahrheit; kann man diese nicht bieten, so schweige man. Gerade in unserer Zeit brauchte die Volks- schule mehr als je Vertrauen. Nehmen wir eS mit den patriotischen Anekdoten nicht genau, so müssen wir uns den Vorwurf gefallen lassen, daß wir es überhaupt mit der Wahr- heit nicht genau nehmen, und das Vertrauen ist dahin!" Das ist ein Wort, das seinem Bekenner alle Ehre macht. Aber es zeugt doch nur davon, wie wenig Ziegler vorläufig noch die ganze innere UnWahrhaftigkeit des heutigen Geschichts- Unterrichts empfindet. Gewiß ist der Anekdotenkram des heutigen Geschichtsunterrichts eine bedenkliche Sache. Ziegler hat ganz recht, daß durch eine Anekdote die Individualität eines großen Mannes oft blitzartig erleuchtet werden kann, Und vielleicht weil er erkannt hat, welcher abgeschmackte Miß brauch heutzutage mit verlogenen Anekdoten getrieben wird. um irgendeinen Hohenzollern„blitzartig" zu einem„großen Mann" zu machen, tritt er diesem Mißbrauch entgegen. Aber die Anekdoten allein tun's nicht, der ganze.Geschichts Unterricht ist falsch basiert und orientiert. Er muß von den Direktiven allerhöchster Erlasse befreit und unter die Ge böte der geschichtlichen Wahrheit gestellt werden. Er dar' nicht zu einem untergeordneten Werkzeug politischer Agitation herabgewürdigt werden. Vielleicht untersuchen die deutschen VolkSschuUehrer mr ihrem nächsten Kongresse einmal, wie sie diesem Ziele näher zu kommen vermögen. Sie könnten dadurch zugleich ein wenig die Scharte der Berliner Tagung auswetzen. Wir fürchten aber, daß die Lehrer in Kiel, wo sie nächstes Mal zusammenkommen wollen, angesichts der Kriegsschiffe und vor stürmischer Marinebegeisterung nicht dazu kommen werden. den Geschichtsunterricht und den sonstigen Schulplan vom Byzantinismus und von der politischen Agitatton zu reinigen, Der Ichwarze Cod. Grubenkatastrophe in Westfalen. Während in Essen die Feierlichkeiten des Krupp Jubiläums kein Ende nehmen und die Lobgesänge auf die Großtaten eines Jndustriegewaltigen ertönen, hat sich ganz in der Nähe eine furchtbare Grubenkatastrophe ereignet, die eine erschütternde Mahnung daran ist, durch wessen Arbeit und unter welch furchtbaren Lebensgefahren die Riesen- vermögen der rheinisch- westfälischen Jndustriefeudalen zu- sammengehäuft werden. Der schwarze Tod, der im unter- irdischen Gebirge umgeht, hat wieder einmal unheimliche Emte gehalten unter den Namenlosen, die kein Jubiläums Hymnus besingt und kein Ehrenbürgertitel lohnt und die doch tagtäglich heroisch der Gefahr ins Auge blicken müssen, damit die Wunderwerke der Industrie entstehen und ein neues Geschlecht von Feudalen heranwächst, Herren- stolz, herrschsüchtig und rechtsweigernd, wie der adelsstolzeste Junker... Auf der Zeche„Lothringen" in der Nähe des westfälischen Dorfes Gertha ist die Grube durch eine Schlagwetterexplosion in Brand gesetzt worden. Wieviel Opfer die Katastrophe ge- fordert hat, steht zur Stunde noch nicht fest, doch spricht die die letzte Meldung bereits von 67 Toten und 18 Schwerverletzten. Zahlreiche Verschüttete befinden sich aber noch in dem brennenden Schacht, so daß die Zahl von 100 Todesopfern leicht noch überschritten werden kann. Die D e p e s ch e n. die nur zögernd das volle Schrecknis enthüllen, lauten: Bochum, 8. August. Bisher sollen 6 Tote und 20 Schwer« verletzte geborgen sein. Von allen benachbarten Zechen sind zahl- reiche Rettungsmannschaften herbeigeeilt. Nach Aussagen von Berg» leuten soll der gefährdete Bezirk in Brand stehen und etwa 159 Bergleute sollen abgeschnitten sein. Diese Aussagen wurden von der Verwaltung bisher nicht bestätigt. Der Zecheneingang wird von Hunderten von Menschen, darunter sehr vielen Frauen, belagert. Bochum, 8. August. Das Unglück auf Zeche Lothringen ist b e d e n t e n d größer, als anfangs angenommen wurde. Es scheint sicher, daß von den Eingeschlossenen kaum einer noch am Leben ist, da die betreffenden beiden Grnbenbezirke in Brand stehen. Bis 4 Uhr sind 28 Leiche« geborgen worden. Bochum, 8. August. Um 4Vz Uhr wurde die Zahl der Toten auf 40 angegeben. Verletzt find etwa 20 Bergleute. In dem Bezirke ist eine Strecke zu Bruch gegangen. Kleinere Brände find gelöscht worden. Bochum, 8. Angnst. Nach den neuesten Feststellunge« find auf der Zeche Lothringen bisheröefo1�en „ Primero-Mine(Kolorado)......... 120 1909 Cherry(Illinois)............ 150 1908 Radbod........ 335 „ Marianna(Pennsylvania)........| 300 1907 Reden(Saarrevier)............ US » Aolande-Mine(Bei Pittsburg)........ 500 » Dare-Mine(bei Pittsburg)......... 250 1906 CourriöreS.............. 1200 . Nagasaki(Japan)............ 259 1905 Rhondda Valley(WaleS).......... 119 1903 Hanna(Wyoming, Vereinigte Staaten).... 175 1902 Fraterville(Tennessee)........... 209 „ Carolinenglück(Westfalen).........>19 1891 Pontypridd(Wales)........... 286 „ Karwin(Oesterreich)........... 235 . Grube Camphausen(Saar)......... 181 1893 Thornhill(England)........... 139 1892 Tondu(Wales)............. ng tÖSc" Liste noch die Zahl der in Deuffchlgnd allem tödlich Berungliicktc» aus den Jahren 1905—1919 hinzu: 1905....>335 1906.... I2l> 1907....>743 1908.... 2051 1909....>748 1910.... 1571 die fortgesetzt Ver- vle ereigniüe In der türhe). Streng wird in Konstantinopel die Zensur gehandhabt und noch läßt es sich nicht erkennen, ob sich die Regierung in- der Macht behaupten kann, oder es den Jungtürken noch ein» mal gelingen wird, von Saloniki her, den Gegenstoß zu ühren. In diesem alten Zentrum der jungtürkischen Be- wegung ist durch Anhänger des Komitees das Offizierkorps zu Hilfe gerufen wurden. Ueber hundert Offiziere hielten eine Versammlung ab und richteten eine Protest- kundgebung an den Sultan, in der strenge Bestrafung der Meuterei! und der Offiziere, die zu den Rebellen übergegangen änd, gefordert und die Wiedereröffnung des bisherigen Parka- ments verlangt wird, andernfalls sei eine Katastrophe fürdas Reich unvermeidlich. Nun wird allerdings die Bedeutung der Nachricht von der Regierung abzuschwächen versucht. Danach habe der Korpskommandaut eine Untersuchung vorgeuommen, bei der sich angeblich herausstellte, dah die Offiziere nur den Passus kannten, der von der Bestrafung der Bteuterer handelte. Die Offiziere hätten sich bereit erklärt, sich streng an die Disziplin und die Vorschriften zu halten. Damit sei der Zwischenfall vorläufig erledigt. Aber diesem Beschwichtigungsversuch kommt wohl gar keine Bedeutung zu, umsowcniger, wenn sich die Nachricht bestätigen sollte, dafi Niazi Vey, der Held der Revolution, sich auf die Nachricht von der Kammer- auflösung hin mit 70 Mann in die Gebirge bei Rcsna be- geben habe, um die Gegenbelvcgung zu organisieren. Daß die Bewegung von der Regierung selbst als große Gefahr gcwcrtet wird, beweist die Verhängung des Be- lagerungszustandes über Saloniki. Die Regierung entschloß sich zu dieser Maßregel auf die Nachricht hin, daß die jung- türkischen Führer D s ch a v i d und T a l a a t eine Vereinigung von Deputierten nach Art einer Kammer in Saloniki oder eine andere Vereinigung ins Leben rufen wollten, uin gegen ' die Regierung zu arbeiten. Auch in Konstantinopel sind die Jungtürken trotz der strengen Maßnahmen der Regierung nicht untätig. In der vorgestrigen Nacht wurden Aufrufe der Jungtürken in einigen Vierteln von Stambul verbreitet, die Polizei konnte jedoch kein einziges Exemplar beschlagnahmen. Seit dieser Nacht wird dort der Belagerungszustand aufs st r e n g st e gehandhabt. Selbst die Journalisten konnten nicht die Erlaubnis erhalten, nach Mitternacht auf die Straße zu gehen. Auch über die Haltung der Arnauten läßt sich zur Stunde kein klares Bild gewinnen. Daß sie N e s k ü b, diesen wichtigen strategischen Punkt, bereits besetzt hätten, ist nicht verbürgt. Die offiziellen Meldungen lauten im Gegen- teil sehr optimistisch. Danach hätten die Arnauten auf den Rat ihrer Führer hin begonnen, in ihre Dörfer zurückzukehren. Viel wahrscheinlicher ist die andere Nachricht, daß die Albanier neue Forderungen gestellt hätten. Denn daß die Bewegung, die sich die Erreichung der Autonomie zum Ziel gesetzt hat, auch diesmal auf unbestimmte Versprechungen der Regierung so rasch abflauen werde, ist durchaus nicht anzunehmen. Dagegen ist der t ii r k i s ch- m o n t e n e g r i n i s ch e Konflikt beigelegt worden. Der montenegri- nische Geschäftsträger Plamenatz erschien auf der Pforte und teilte dem Minister des Aeußern mit, Montenegro habe seine Truppen von Mojkowatz zurückziehen lassen, bestehe aber darauf, die Verantwortlichkeit den türkischen Truppen zuzuschreiben, und fordere eine Untersuchung, um diese Verantwortlichkeit festzustellen. Minister Nordunghian erklärte sich hierdurch befriedigt. Die Pforte habe den Grenzwachen Befehl gegeben, das Feuern einzustellen, jede Provokation zu vermeiden und die Truppen aus der genann- ten Zone zurückzuziehen. Der Grcuzkommissar sei beauftragt worden, eine Untersuchung mit seinem montenegrinischen Kollegen anzustellen. Ter türkische Gesandte sei bei seinein in Cetinjc unternommenen Schritte über die Instruktionen der Pforte hinausgegangen. Wenn dies zutreffen sollte, werde er die Folgen zu tragen haben. Kämpfe mit Albanier«. ' Konstantinopcl, 8. August. Autbentische Meldungen berichten von Kämpfen der Truppen mit den M a l i s s o r e n, Kastrati und Chula an der montenegrinischen Grenze nordwestlich von Skutari. Es verlautet, die Malissoren hätten sich empört wegen der Truppenbewegungen; man glaubt jedoch, daß auch von montenegri- nischer Seite unter den Malifforen agitiert wird. Der Chef der albanischen Mission Ibrahim Pascha ist zum interimistischen Mali von Kossowo ernannt worden. Kleine albane- fische Abordnungen treffen in der Ebene von Kossowo ein, um zu erklären, die A l b a n e s e n im Süden seien mit den von den Albanesen im Norden aufgestellten Forderungen e i n v e r- st a n d e n. Mordtaten der Banden. Saloniki, 8. August. In Smolar im Bezirk Strumitza sind Vier Griechen von unbekannten Bulgaren er- mordet worden. Die Friedeiisverhandlnitgen. Koiistantinopel, 8. August. Die Meldungen der Blätter über Friedensverhandlungen sind verfrüht. Ein Mitglied des Kabinetts erklärte, daß die gegenwärtige Regierung noch nicht Zeit gehabt habe, sich mit der Friedensfrage zu befassen. Gleichzeitig wird auS R o m berichtet:„Popolo Romana* gibt die verschiedenen Meldungen über die angeblichen vertraulichen Ber- Handlungen zwischen Italien und der Türkei wieder und schreibt, es handle sich dabei um ganz gewöhnliche Lügen, die auch einander widersprächen. Das Blatt erklärt rund heraus, die Regie- rung habe niemande» den Auftrag gegeben, zu verhandeln, selbst nicht vertraulich. Eive Ministeranklagc? Koustantinopel, 8. August.(P. G.) Wie aus sicherer Quelle verlautet, sollen Mahmud S ch e f k e t. der frühere Kriegsminister. Dschavid Bei, Talant Bei und die anderen Mitglieder des Kabinetts Said unter Anklage gestellt werden. Sie werden be- schuldigt, durch ihre Nachlässigkeit die Landung der Italiener in Tripolis, ermöglicht zu haben. polrnfcbe Oeberfkbt* Berlin, den 8. August 1912. Aus dem Sumpf der geheimen Polizei. Am Mittwoch ist der ehemalige Berliner Polizeikommissar d. Tausch gestorben, der Mann, der Ende der neunziger Jahre teils auf eigene Faust, teils als Handlanger politisch einflußreicher Personen.(es war dabei auch von Herbert Bismarck die Rede) die tollste Hetze gegen eine Reihe von Staatsmännern getrieben hatte. Sein Kesseltreiben in der Presse gegen den Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Freiherrn v. Marschall, zwang diesen schließlich zur Flucht in die Oeffentlichkeit, zum gerichtlichen Vorgehen gegen Tausch und seine Kreaturen, die Lockert, Lützow und N o r m a n u- S ch u m a n n. Die beiden erstercn wanderten ins Gefängnis. Herr v. Tausch wurde pensioniet Wie Tausch aearbeit in welcher Weise er die Behörden getäuscht und in amtlicher Eigenschaft die tollsten Komödien ausgesührt hatte. geht aus folgender Aussage hervor, die damals der Staats- sekretär Freiherr v. Marschall, der fetzige Londoner Botschafter. unter seinem Zcugeneid vor Gericht machte. „Bald nach Herrn v. Caprivis Amtsantritt erichien-n in der .Saale-Zeitung" und anderwärts sensationelle, geschickte Artikel. die Spitzen gegen ihn und mich und bald daraus Se. Majestät den Kaiser enthielten. Ebenso im New Aorker„Herald und im »Memorial diplomatique'. Wir wandten uns an die politische Polizei um Erhebungen, aber stets ohne Erfolg. Da erhielten wir, wenn ich nicht irre, anfangs 1892 ein Schreiben aus Halle von einem Herrn Fritz Brentano, der sich als Mitredakteur der„Saale-Zeitung" bezeichnete, worin er anzeigte, daß er dem Auswärtigen Amt den Namen des Berfaffers der Skandalartikel mitteile» könne. Diesen Brief übergaben wir der politischen Polizei und baten den Herrn Brentano, nach Berlin zu kommen. Hier verhandelte im Auftrage des Aus- wältigen Amtes der Hauptmann Ebmeier mit ihm. Brentano hat gesagt, daß alle diese Skandalartikel von einem Beamten der geheimen Polizei herrühren. Auch davon gaben wir der geheimen Polizei Kenntnis und baten um Er- Mittelungen. Wenige Tage darauf erhielt das Auswärtige Amt einen Brief von Brentano, in dem dieser sich bitter darüber beschwerte, daß man ihn verraten habe. Der Verfasser der Artikel sei in Halle gewesen ans der Redaktion und habe dort den- selben Brief vorgelegt, den er, Brentano, an das Auswärtige Amt gerichtet, und er sei deshalb später fans der Redaktion entfernt worden. Auch davon wurde der politischen Polizei Kenntnis ge- geben. Herr v. Mauderode kam zu mir und sagte: das kann sich nur auf N o r m a n n- S ch u m a ii n beziehen. Aber es erfolgte nichts. Das Auswärtige Amt brach von nun an alle Beziehungen zu der politischen Polizei ab. War schon die weitere Bcrwciidung des Normann-Schumann höchst sonderbar, so war doch die baldige Entlarvung dieses Herrn noch interessanter. Dieser Herr wurde im Austrage der geheimen Polizei durch Herrn v. Tausch nach Leipzig geschickt, um dort die Bewegung der antisemitischen Partei zu überwachen. Und was tat der Herr von Normann-Schumann? Er schrieb selbst die Skandalartikel, die zur gerichtlichen Verfolgung führten und deren Verfasser zu ermitteln er dann beauftragt wurde. Natürlich haben seine Ermittelungen keinen Erfolg gehabt. Später teilte mir Herr v. Richthofen mit, daß in der Tat auch die anderen Skandalartikcl(im„Herald' usw.) von Normann- Schumann herrührte», den jeweilen gerade Herr v. Tausch stets mit der Nachforschung über die Urheberschaft seiner eigenen Artikel beauftragte. Daß da nichts herauskam, liegt auf der Hand.' Herr V. Marschall erklärte damals auch, daß er das ganze Vertrauensmännersystem der geheimen Polizei für ein verfehltes halte:„denn diese Leute erhalten eine Aufgabe, die sie nicht lösen können, und deshalb sind neun Zehntel aller Meldungen einfach Unwahrheiten". v. Tausch ist tot, aber die geheime politische Polizei existiert noch. Aus ihrem Gcheinifonds von jährlich diversen hunderttausend Mark werden noch heute die zweifelhaftesten Elemente gespeist l_ Hier werden Arbeiterlöhne verschenkt. Unter großem Pomp geben die Jahrhundert-Feierlichkeiten Krupps in Essen vor sich. Der Kaiser, Mitglieder der kaiserlichen Familie, fast das gesamte Staatsministerium mit dem Reichskanzler an der Spitze und eine große Zahl von behördlichen Vertretern huldigen den jetzigen zufälligen Besitzern des Werkes. Der Kaiser hat sogar in einer Rede Krupps„hohe Auffassung von den Pflichten des Großunternehmers gegenüber den Angehörigen des Werkes wie gegenüber der Allgemeinheit' gerühmt. Wie schwach es tatsächlich damit aussieht, geht daraus hervor, daß die Krupps an ihrem Festtage den Arbeitern mildtätig schenken, waS die Arbeiter selbst geschaffen haben und von Rechts wegen fordern könnten. 11 Millionen stiften Familie und Firma- Was bedeuten diese Sunnnen gegenüber den Riesengewinnen, die die Arbeiter in den 100 Jahren dem Unternehmen geleistet haben. In den letzten acht Geschäftsjahren hat die Familie allein an Dividende 124 Millionen Mark eingesteckt. In der gleichen kurzen Zeit betrug der BetriebSüberschuß 263,53 Millionen Mark. Und nur werden ärmliche 14 Millionen„verschenkt'. Aber selbst von ihnen kommt nur ein ganz geringer Bruchteil den Kruppschen Arbeitern wirklich zugute. 3 Millionen fallen ans Jubiläums- geschenke an Arbeiter und Beamte. Während jeder Beamte ein volles Monatsgehalt empfängt, erhält jeder Arbeiter je nach Länge der Dienstzeit nur 5 bis 100 Mark. Fünf Millionen werden zur Bildung eines Fonds verwendet, aus dessen Zinsen in Zukunft der Lohn für beurlaubte ältere und„bewährte" Arbeiter gezahlt wird. Fortgeschrittene Unternehmer bewilligen längst allen ihren Arbeitern regelmäßig Erholungsurlaub. Die Millionen Krupps brauchen dazu noch einen besonderen Fonds, um GesiniiiingsziichtAei zu treiben und Fesseln zu schaffen. Die übrigen Millionen sollen dem Beamten- UnterstützungSfondS, Krankenanstalten zu« fallen und für Errichtung von Sport- und Spielplätzen in Essen verwendet werden. Eine ganze Million wird der Stadt Essen für Kunst- und Musenmszwecke überwiesen. Mehr haben die Krupps für solche ideellen Zwecke nicht übrig. Recht spendabel er- weisen sie sich aber gegen Heer und Marine. Zwei Millionen Mark sollen zum besten von Sporlplätzen, Soldatenheimen u. dergl. für die Mannschaften verwendet werden. Aus dem Wettrüsten haben die die Krupps ihre höchsten Profite gezogen. Wenn dem Reich um 100 und mehr Prozent verteuerte Waffen liefert, kann man schon einen Teil zur Stärkung soldatischen Geistes opfern. Die eigenen Arbeiter knebelt man durch Wohlfahrtsfesseln, die öffentliche Meinung durch Stiftungen._ Die„liberale Einigung" vor Gericht. DaS liberale Wahlabkommen in Württemberg wird wahrscheinlich noch durch ein Gerichtsurteil seine Weihe erhalten. In den ineisten Bezirken stimmen die volksparteilichen Ber- eine stumm oder unter einigem Murren den Bedingungen zu, die ihr Generalbevollmächtigter Haußmann selbstherrlich seinen Parteigenossen im ganzen Lande auferlegt hat. Selbst im Bezirk Maul- broim. ist dem die Volksparteiler durch öffentliche Erklärungen dagegen protestierten, daß sie den Nationalliberalen zum Mandat verhelfen sollen, obgleich„diese Partei im Bezirk gar nicht existiert', scheinen sie sich ins Unvermeidliche zu fügen. Umso lebhafter geht's aber im Bezirk Besigheim zu. Zum Dank da- für, daß die Kandidatur für diesen bis heute volksparteilich ver- tretenen Bezirk ohne weiteres von Haußmann den Nationalliberalen überlassen wurde, stellleu diese in der Porson des Gerbermeistcrs Schmid einen Kandidaten auf, der bei der Reichstagswahl im Heilbroimer Wahlkreis, zu welchem Besigheim zählt, kräftig zu- gunsten des schwarz-blauen Kandidaten Dr. Wvlff gearbeitet und dadurch mitgeholfen hat, Herrn Naumann aus der Stichwahl zu verdrängen. Die Nationalliberalen scheinen bei der Kandidaten- aufstellung einem Befehl der LandwirtSbündler, die hier den Ausschlag geben, gehorcht zu haben. Für die Volks- parteiler ist die Zumutung, gerade diesen Kandidaten mit ihrer Vertretung im Landtage zu betrauen, ein starker Tobak. Sie er- erklärten denn auch bald nach Bekanntgabe der Kandidatur, daß sie dieselbe„keinesfalls unlerstützen" nnd vorziehen werden, sich der Stimme z u e n t h a l t e n. Die Folge werde sein, daß das LandtagSmandat, wie das Reichstagsmandal im letzten Winter, an die Sozialdemokratie übergehen werde. Diese Drohung hat nun zu heftigen Auseinandersetzungen in der Presse geführt, in denen der alte Haß der Bolksparteiler, die in der Rechtsentwickekung der Führer nicht mitkommen konnten; gegen dt« Nationalliberalen zum Ausdruck kam. Es wurde als eine große Zumutung an den fortschrittlichen Wähler bezeichnet,„einem Manne die Stimme zu geben, dessen Standpunkt himmelweit von dem seinen entfernt ist'. Die Nationalliberalen verlangten darauf von der Leitung der Volks- Partei, sie solle ihre widerspenstigen Anhänger abschütteln. Die Antwort aus dem volksparteilichen Bezirkslager lautete, dann müßten 99 Proz. der eingetragenen Mitglieder der Volks- Partei abgeschüttelt werden. Der Kandidat Schmid schimpfte nun die Volksparteiler, die ihn vertragsmäßig unterstützen sollten, öffentlich Lügner, weil er als ein Gegner Naumanns bezeichnet worden war. Ein offener Brief der Volksparteiler, der darauf folgte, führte eine Reihe von Tatsachen an, darunter die. Schmid habe bei der Reichstagswahl erklärt, er könne nicht für Naumann eintreten, weil er Rücksicht zu nehmen habe auf die Stimmen von rechts bei der Landtagswahl. Ferner habe dieser wackere Politiker bei der Reichstagswahl 1907 einem Sozialdemokraten einen Sitz auf dem Raihause versprochen, wenn die Sozialdemokraten den konservativen Dr. Wolff(gegen Naumann) wählten I Das ist ja nun allerlei und es ist recht er- frcnlich, daß der Kandidat Schmid öffentlich erklärt, der offene Brief werde vor dem zuständigen Gericht beantwortet werden. Trotzdem die„Einigung" diesen kaum noch zu überbietenden Grad erreicht hatte, gab sich die Leitung der Volkspartei in einer geheimen Vertrauensmännerversanunlung alle erdenkliche Mühe, ihre Gesinnungsgenossen zum Eintreten für Schmid zu veranlassen. Bis jetzt ohne Erfolg. In der Bezirkspresse wird vielmehr aufs neue erklärt, daß der Reichstags- und der Landtagssitz für immer verloren bleiben werde, wenn die Wünsche der Anhänger der Volkspartei nicht berücksichtigt würden.„Jetzt schon sage ich", heißt's in einer Einsendung,„daß unser Bezirk der- selben Partei ausgeliefert wird, die uns auch den Reichtagssitz ab- genommen hat." Warten wir nun einmal die gerichtliche Ver- Handlung ab; wenn auch die den Volksparteilern keine Zuneigung für den nationalliberal-konservativen Kandidaten einzuflößen ver- mag. dann wird man wohl alle Hoffnung aufgeben müssen. Arbeiter-Radfahrerverein, Kriegervercin und Reichsvereinsgesctz. Die Kriegervereine werden im militärisch durchseuchten Preußen- Deutschland nach allen Regeln der Kunst gefördert. Es gibt sogar preußische Behörden, die den Grundsatz aufstellen, daß andere Ver- eine zu Hause bleiben müssen, wenn es den Kriegervereinen gefällt, sich in einem Orte breit zu machen. Willkürlich wird dann für andere Vereine einfach das Reichsvereinsgesetz außer Kurs gesetzt. Der Arbeiter- Radfahrerverein„Bruderbund" in Rends- bürg wollte am 9. Juni in der Nachbargemeinde BüdelSdorf sein Stiftungsfest feiern und hattte die Genehmigung für eine Korsosahrt von Rendsburg bis zur Büdelsdorfer Grenze von der Rendsburger Polizeibehörde erhalten. In Büdelsdors aber stieß die Sache auf Schwierigkeiten; der Amtsvorsteher Tödt versagte die Genehmigung für die Weiterführung des Korsos von 9 der Gemeindegrenze bis zum Festlokal. Er ging sogar soweit, daß er auch das im Festlokal vorgesehene Konzert verbot. Der Vor- sitzende des Arbeiter-Radfahrervereins beschwerte sich darauf beim Landrat B r ü t t in Rendsburg. Dieser Herr, der auch Mitglied des preußischen Dreiklossenhauses und zwar freikonservatives ist. bestätigte das Verbot des Festzuges und des Konzerts. Er begründete die Ablehnung der Beschwerde damit, daß an demselben Tage, an dem der Arbeiter-Radfahrerverein sein Stiftungsfest abhalten wollte, in Büdelsdorf der Kreis-Kriegerverbandstag nebst Fahnenweihe statt« finden würden. Die gleichzeitige Abhaltung des Radfahrerfestes und des Kriegerfestes müsse aber zu Unzuträglichkeiten führen. Eigen- tümlicherweise zog nun auch die Rendsburger Polizeibehörde die schon erteilte Erlaubnis für den Festzug im Stadtgebiet Rendsburg zurück. Der Vorsitzende des Arbeiter-RadfahrervereinS beschwerte sich nun beim Regierungspräsidenten. Der Regierungspräsident lehnte die Beschwerde ab und gab den ihm untergeordneten Beamten recht. Die Begründung ist ein so eigenartiges Dokument preußischer Polizeiwilllllr. daß es notwendig ist, die entscheidenden Sätze für die Nachwelt zu erhalten. Nachdem in der Begründung gesagt ist. daß die Veranstaltungen des Arbeiter-Radfahrervereins und des Kriegervereins zeillich zusammenfallen, heißt es wörtlich: „Da der Arbeiter- Radfahrerverein sozialdemokratischen Nei« gungeu huldigt und auch die Beschwerde an den Landrat von einem als politisch tätig bekannten Sozial- d e m o t r a t e n v e r f a ß t i st, so ist die Vermutung begründet, daß der Radfahrerkorso als Gegendemonstration gegen den Umzug der Kriegervereine geplant war, wie denn auch die Einwohner von Büdelsdorf von sozialdemokratischer Seite ermahnt wurden, den KriegerverbandStag und die Fahnenweihe, insbesondere den Umzug der Kriegervereine zu ignorieren." Dann führt die Begründung an. daß die Festlokale der beiden Vereine nahe beieinander liegen, und sagt: „Die Polizeibehörde durfte deshalb nicht dulden, daß derFeldgottesdienst und dieFahnen weihe. wo Choräle und patriotische Lieder mit Musik- begleitung gesungen wurden, durch das von Ihnen in dem Schmookschen Lokale beabsichtigte Konzert gestört wurde. Das Verbot des Konzerts war um so mebr gerechtfertigt, als sein Beginn so festgesetzt war. daß unter Berücksichtigung aller in Betracht kommenden Umstände eine Störung der Fahnenweihe mit Sicherheit als beabsichtigt anzunehmen war. In der an den Landrat gerichteten Beschwerde wird übrigens ausdrücklich behauptet, daß eine Stockung de« Verkehrs durch ein Zusammentreffen selbst einzeln fahrender Radfahrer mit dem Zuge des Kriegervereins entstehen könne, daß diese Gefabr bei ge- schloffenem Zuge geringer gewesen wäre, kann nicht zugegeben werden, da nach Lage der Sache auch dann mit der Begegnung gerechnet werden mußte." Daß diese auf lauter Vermutungen aufgebaute Begründung keine Rechtfertigung der Verbote im Sinne des 8 7 des Reichs- vereinsgcsetzes war. leuchtete auch wohl dem Regierungspräsidenten ein. darum zieht er zum Schluß noch den vorjährigen Streik aus der Carlshiitte zur Begründung heran, um einen großen Teil der arbeitenden Bevölkerung in Büdelsdorf als zu Gewalttätigkeiten geneigt hinzustellen. Er sagt nämlich: .... es erübrigt sich nur noch hervorzuheben, daß in Büdelsdorf sehr viele industrielle Arbeiter der Carlshütte wohnen. ! Der auf diesem Unternehmen im vergangenen Jahr in Szene ae- ' setzte Streik hat zu mehrfachen Bestrafungen der Streikenden wegen Ausschreitungen geführt. Seme lang, Dauer bis zum 9. März d. I. und der Umstand, daß von der Carlshütte 220 der Streikenden nicht wieder eingestellt find, legten Befürchtungen für wiederholte Ausschreitungen und damit verbundene Störung der öffentlichen Sicherheit besonders nahe. Es sei nur noch bemerkt, daß die Idee, die Korsofahrt des Rad- fahrervereins sei als Gegendemonstration gegen das Kriegervereins- fest geplant, einfach im Kops der Behörden entstanden ist, denn das Fest war schon angesetzt, ehe noch jemand von dem Kriegervereins- fest etwas wußte. Ebenso ist es Phantasie der Behördeft, daß von sozialdemokratischer Seite die Bevölkerung aufgefordert worden sein soll, das Kriegervereinsfest zu ignorieren. Eine neue Einnahmequelle der Steuerbehörden. Im Wahlkreise Labiau-Wehlau hatte sich der Grundbesitzer Rentier Hermann Dunkel an der liberalen Wahlagitation im Kreise beteiligt. Das veranlagte die Steuerbehörde, ihn höher zu be- steuern. Als er gegen seine Veranlagung Einspruch erhob, wurde ihm im Berufungsentscheide mitgeteilt, daß die Steuerbehörde 800 M. Einnahmen aus der Wahlagitation angesetzt habe.(1) Der Rentier ging zum Landrat, der Vorsitzender' der Veranlagungs- kommission ist, und erklärte hier an Eidesstatt, daß er aus seiner Wahlagitation keine Einnahmen gehabt habe, worauf der Landrat — wahrscheinlich entsprechend seinen Erfahrungen in konservativen Kreisen— antwortete:„Dann gehören Sie zu den wenigen, die es ohne Bezahlung machen 1* Später mutzte der Rentier noch eine schriftliche Bescheinigung vom Bureau der liberalen Parteien darüber bringen, datz er tatsächlich keinerlei Einkommen aus seiner Wahl- agitation erzielt habe. Es würde zu netten Zuständen führen, wenn die Steuerbehörden allgemein so vorgehen würden. Uebrigens, wenn die Veranlagungs- kommissionen auch nur den halben Eifer in der Erforschung der Ver- mögens- und Einkommensverhältnisse in den agrarischen Kreisen an- wenden würden, könnten sicherlich Staat und Gemeinden jährlich viele Millionen Mark mehr an Steuern einnehmen. Tie spionagevcrdächtigen Engländer wieder freigelassen. Die anr 3. August in Eckernförde wegen Spionageverdachts ver- hafteten und in das Kieler Untersuchungsgefängnis übersührlen fünf Engländer sind am Donnerstag lvieder auf freien Futz gesetzt worden. Die Verhaftung war also übereilt. Die Verhaftung wird natürlich auf die eigene Schuld der Eng- ländcr zurückgeführt, die die Dreistigkeit besatzen, auf See von ihrer Jacht aus photographische Aufnahmen von der deutschen Küste zu inachen. Uebrigens waren bereits englische Interventionen wegen dieser� Verhaftung in Aussicht gestellt. England wollte ganz energisch Aufklärung des Falles verlangen. Durch die Freilassung der Ver- hasteten ist dieser Fall aus der Welt geschafft. Sicher hätte er wieder hüben wie drüben böses Blut verursacht. Schon rüsteten sich alldeutsche Blätter, und auch aus England werden verschärfte Matz- nahmen zur Ueberwnchung der Werften der Kriegsmarine gemeldet. Hungernde Kriegsveteranen. Der Jammer der ehemaligen Kriegsteilnehmer ist überall der gleiche. Ein grotzer Teil dieser Leute ist auf ein„Einkommen� an- gewiesen, von dem man kaum einen ausgewachsenen Hund ernähren tonnte. So wendet sich jetzt auch ein 72 Jahre alter Kriegsteil- nehmer in K ö l n- S ü l z, der die Feldzüge von 1866 und 1870/71 mitgemacht hat. an die Oeffentlichkeit. Es ist ihm beim besten Willen nicht möglich, irgend einen Erwerb zu finden, obwohl er sich den Arbeitgebern gegenüber zu jeder Tätigkeit, auch zur Nacht- arbeit, bereit erklärt hat. Die Armenpflege der reichen Stadt Köln, die für jede Stunde des Kaiserbesuchs im vorigen Jahre 20 000 M. hinausgeworfen hat, versagt gegenüber dem Manne, obwohl seine Frau, die ein Augenleiden hat, auch nichts mehr ver- dienen kann: Die Leute haben innerhalb drei Monaten zweimal 6 M. erhalten. Ihr Einkommen bestebt aus 15,05 M.„Altersrente" und 10 M.„Veterancnsold". Von diesen 25 M. monatlichem Ein- kommen gehen 16 W. für Miete ab, so datz also S M. für den Monat oder für den Tag 30 Pfennig bleiben, wovon die Leute sich ernähren und kleiden sollen. Als letztes Retwngsmittel wandte der Greis sich an das königliche Bezirkskommando, aber ohne Erfolg. Um Weihnachten vergangenen Jahres herum sandte ein siebzig Jahre alter Kriegsteilnehmer der Redaktion unseres Kölner Partei- organs seine sämtlichen Orden und Ehrenzeichen mit folgender Be- gleilschrift:„Ich teile Ihnen mit, datz es mir bis heute nicht ge- iungcn ist, eine Unterstützung zu erlangen... Anbei sende ich Jbnen meinen Orden und Ehrenzeichen ein, weil sie mir beute z um E kel g e w o rd en sind." Unter den Orden befindet sich einer mit der Aufschrift:„Unfern tapfern Kriegern 1861"._ Eine Mifthandlungsaffare» deren Ausgang auf unsere schöne militärische Rechtspflege ein grelles Licht wirft, bildete pkn Gegenstand einer umfangreichen Verhandlung vor dem Dresdener Kriegsgericht. Angeklagt waren der Unteroffizier Strehle wegen Mitzhandlung, vor- schriftswidriger Behandlung, Beleidigung und Mitzbrauch der Dien st gew alt, sowie der Soldat S ch m o h l e wegen verleumderischer Beleidigung eines Vorgesetzten. Der Unteroffizier Strehle hat sich An- fang d. I. verschiedene Uebergriffe, in der Hauptsache gegen Schmohle, zuschulden kommen lassen. In einem Briefe an seinen Schwager machte Schmohle seinem Herzen Lust und schrieb, datz er beim Exerzieren vom Unteroffizier so intz Gesicht geschlagen worden sei, datz die Funken spritzten. Während der Zeit, wo sich Schmohle im Lazarett befand, wurde nun eine Schranldurchsicht vorgenommen, bei der der Unteroffizier einen an Schmohle gerichteten Brief vorfand, in dem wenig schmeichelhafte Bemerkungen über seine Person enthalten waren. Er fühlte sich „gekränkt" und ging mit diesem Briefe zum Hauptmann, der sofort den Soldaten�Schmohle zur Rede stellte. Um den Unteroffizier zu schonen, gab Schmohle an, datz er keine Beschwerden vorzubringen habe; als er aber merkte, datz ihm wegen seines Briefes ein Strick gedreht werden sollte, rückte Schmohle init der Sprache heraus. Nach seinen Angaben hat sich der Unteroffizier wie folgt an ihm vergangen. Bei verschiedenen Gelegenheiten ist Schmohle von dem Unteroffizier Strehle Lausejunge genannt worden. Beim Exerzieren mutzte er auf Befehl des Unteroffiziers so lange Laufschritt machen, bis er in Schwertz gebadet war. und sich dann das Gesicht mit Schnee abwaschen. Dabei will er auch verschiedentlich vom Unteroffizier mit der F a u st ins Gesicht geschlagen worden sein. Ein anderer Soldat ist„abgeschüttelt" ivorden. Weiter hat der Unteroffizier Acutzerungen gelan, die sich als eine Anstiftung Untergebener zu Mitzhandlungen darstellen. Mit Bezug auf'einen mitzlicbigen Sol baten äntzerte er mal:„Den hätten wir uns schon ge zogen!" Vor Gericht bestritt Strehle alles in Bausch und Bogen. Schmohle. von dem man annahm, datz er wider besseres Wisse» falsche Behauptungen gemacht hat. um den Unteroffizier in der Oeffentlichkcil herabzusetzen, gab zu, brieflich die zitierte Aeutzerung getan zu haben. Er sei tatsächlich mitzhandelt worden nur habe er in der Erregung hinzugefügt, datz die Funken gespritzt seien. Mehrere Beschuldigungen gegen den Unteroffizier fanden ihre Bestätigung, oagegen stand Schmohle, der als Mitangeklagter nicht in die Lage kam zu schworen, mit verschiedenen Angaben allein. Das Gericht sprach den Unteroffizier nur der B e l c i d i- gung unddesMitzbrauchs der Dien st gew alt schuldig und erkannte auf-- drei Tage mittlere» Arrest!! Dagegen wurde der Soldat Schmohle der verleumderischen Be- l« i d i g ii n g für überführt erachtet und zu--- sechs Wochen «nd einen Tag Gefängnis verurteilt! I Englanck. Parlamentsvertagung. London, 7. August. Das Unterhaus hat sich bis zum 7. Ol tober vertagt. Master of E l i b a n k, der sich ins Privatleben zurückzieht, ist zum Peer ernannt worden. Zu seinem Nachfolger als Haupt- einpeitscher der Liberalen ist das Mitglied des Unterhauses Illing- Worth ausersehen. Amerika. Die Pntumayo-Grcncl. London, 7. August.(Eig. Ber.) Die Besprechung der an der indianischen Bevölkerung des Putumayo verübten Greueltaten bringt immer mehr neue Tatsachen ans Tages- licht. Sp schreibt der Oberst Fgtpcett m den„Times. daß der Putumayo nicht der einzige Distrikt in Peru ist, tvö solche Schandtaten verübt werden: die Lage der ganzen india- irischen Bevölkerung Perus verlangt im Interesse der Mensch- lichkeit dringend eine Untersuchung. In einem Schreiben stellt der Oberst folgende bemerkenswerte Tatsachen fest, die einem einen Blick in das Leben dieser geknechteten Volks- stamme gestattet. Der Transport von Gummi vom Baume bis zum Markt über die Kordilleren kostet etwa 3 Schilling das Pfund. Um die Arbeiterschaft zu ernähren, müssen jeden Monat mindestens 100 Pfund Nahrungsmittel über entsetz- lichen Wegen nach dem Innern eingeführt werden. Ein Ar- beiter bekommt selten Geld zu sehen, außer dem Vorschuß, den man ihm gibt, um ihn gesetzlich an das Geschäft zu fesseln. Das Einsammeln von Gummi ist die schwerste Arbeit, die man sich denken kann. Meist regnet es in diesen Gebieten und dann kann man keinen Gummi einsammeln, da der Saft im Regenwetter nicht gerinnt. Fieber und schreckliche Krank- heiten sind in den Gummigegenden epidemisch und ärztliche Hilfe ist nicht vorhanden. Kann der Arbeiter nicht arbeiten, so muß er doch leben. Er erhält dann von der Gesellschaft Vorschüsse und gerät so immer tiefer in Schuld und Sklaverei. Gerade in den Gegenden, die oberhalb schiffbarer Flüsse liegen, geben die Bäume wenig Gunimi und dort ist auch die Arbeit am schwersten. Für 100 Pfund Gummi erhält der Einsammler einen Lohn von 130 Schilling. Für Nahrung, Kleidung und Werkzeug muß er der Gesellschaft ganz uner- hörte Preise bezahlen. Ein guter und wohlgenährter Arbeiter kann im Jahre ungefähr 300 Pfund Gummi einsammeln. Das Gesetz zwingt ihn, solange im Dienste der Handelsgesell- schaft zu bleiben, bis seine Schuld abbezahlt ist. Aus dieser Sklaverei zu entkommen, ist praktisch ein Ding der Unmög- lichkeit. New Dork, 8. August. Nach einem Bericht aus Lima hat der Spezialkommissar der peruanischen Regierung im Putumayo- Bezirk ein starkes Polizeikorps gebildet, das an ver- schiedenen Orten aufgestellt ist, wo es der Schutz der Eingeborenen erfordert. Es wird berichtet, datz die Indianer jetzt gut behandelt würden und datz im Bezirke Ruhe herrsche. Die Kandidatur Roosevelts. Chicago, 8. August. Roosevelt ist nach einem drei- viertelstündigen Begeisterungssturm zum Präsidentschäfts- kandidaten nominiert worden. Acht Delegierte, darunter Jane Adams, hielten die Nomination unterstützende Reden.— Vier Frauen wurden zu Mitgliedern des Nationalkomitees der Partei ernannt. Der Gouverneur von Kalifornien Johnson ist zum Vizepräsidentschaftskandidaten bestimmt worden. 8o2iales. Zur wirtschaftlichen Lage der Krankenpflegerinnen. Auf dem gegenwärtig in Köln tagenden internationalen Kon- gretz des Weltbundes der Krankenpflegerinnen sprach Regierungs- und Geheimer McWinalrat Dr. Hccker-Stratzburg über die Ueber- arbeitung der Krankenpflegerinnen. Er gab auf Grund offiziellen Materials aus dem statistischen Landesamt für Preutzen ein er- greifendes Bild von der traurigen Lage der Mehrzahl der deut- scheu Krankenpflegerinnen. Nach einer einjährigen durchaus un- zureichenden Ausbildungszeit würden unerhörte Leistungen ver- langt. Es kommen in grötzeren Anstalten 5 bis 8 Patienten, in kleineren 8 bis 12, in Privatkliniken sogar 12 bis 16 Patienten auf eine Pflegerin. Von 31 200 Pflegerinnen hatten 40 Proz. eine Dicnstdauer von 13 bis 14 Stunden täglich. 42 Proz. von 14 bis 17 Stunden, nur 18 Proz. hatten weniger als 14 Stunden Dienst. Welche Arbeiten noch außer dieser Dienstzeit zu verrichten sind. offenbart die amtliche Erhebung nicht. In vielen Fällen wird auch noch in den sogenannten„freien" Stunden Unterricht erteilt. Und trotzdem hat das Pflegepersonal nach solchen horrenden Leistungen auch noch Nachtwachen zu erledigen; in der Regel wird auch dafür keine Freizeit am folgenden Tage gewährt. So kommen Dienst- leistungcn zustande, die 36 bis 33 Stunden, in einzelnen Fällen sogar 46 Stunden ununterbrochen dauern. An ein Ausgehen in den dienstfreien Stunden ist gar nicht zu denken. Vielfach können die Pflegerinnen überhaupt nicht frei über ihre kärglichen Ruhe- stunden verfügen. Den Pflegerinnen werden auch noch fast überall schwere häusliche Arbeiten, wie Kochen, Waschen und Scheuern zugemutet. Nur einer geringen Zahl ist es möglich, einen ein- oder zweiwöchigen Urlaub zu erlangen. Die Bezahlung für die ausreibende Tätigkeit beträgt in der Regel jährlich 366 bis 516 M. bei freier Station; als Höchstgehalt wurden 766 M. ermittelt. Von dem Gehalt flietzen 5 bis 16?ü Prozent der Pensionskasse zu. Die Gesundheitsverhältnisse der Pflegerinnen sind außer- ordentlich schlechte. Die Todesfälle, besonders an Tuberkulose. erreichen eine erschreckende Häufigkeit. Mit dem unausbleiblichen körperlichen Zusammenbruch wird auch die seelische Widerstands- fähigkeit geschwächt, was sich in den entsetzlich hohen Selbstmord- zahlen widerspiegelt. Der Redner nannte diese Ausbeutung der Leistungsfähigkeit der deutschen Krankenpflegerinnen: Raubbau an dem edelsten Menschcnmatcrial. Die gründliche Ausrottung dicser Mißstände liegt nicht nur im Interesse der Pflegerinnen, sondern auch der Kranken, die heute übermüdeten, abgehetzten und seelisch verstimmten Pflege- schwcstern anvertraut werden. Die Berufsorganisationen der deutschen Krankenpflegerinnen fordern eine Söchstdienstdauer von 16 Stunden täglich, Regelung von Tagdienst und Nachtwachen, dreijährige, mindestens aber zweijährige Ausbildung, staatliche Alters- und Unfallfürsorge, Urlaubsgcwährung, Befreiung von allen groben und niederen Arbeiten, die mit der Krankenpflege nichts zu tun haben und durch die lediglich Löhne für Dienst- personal gespart werden sollen usw. Das Referat wurde oft von stürmischen Kundgebungen unter- krochen. Die nach der in zustimmendem Sinne verlaufenen Aus- spräche verlesene Entschließung konnte unmöglich als Ausdruck des Empfindens des Redners und der Zuhörer gelten; sie wurde trotz des Widerspruchs des Referenten angenommen. Die Eni- schließt, ng lautet wie folgt: „Die Fortschritte der Wissenschaft im Studium und in der Erkenntnis des menschlichen Organismus und die gewonnenen Erfahrungen über die Art und Wirkung der Etinüdung aus denselben beweisen, datz es unwissenschaftlich ist und eine Vergeudung bedeutet, wenn man die menschliche Leistungsfähigkeit durch Ueber- anstrenguilg zerstört. Wir richten daher an die Vorstände der Krankenhäuser die ernstliche Bitte, dem Problem der Ucberarbci- tung unter den Pslegeriunen die gleiche Aufmerksamkelt zuzu- wenden, wie die Leiter industrieller Einrichtungen sie jetzt für die Ueberarbeitung ihres Personals beweisen, damit die gegenwärtige und unnötige traurige Zerstörung der Gesundheit der Pflege- rinnen aufhören möge." Nicht die Industriellen haben der Ueberarbeitung ihres Per- sonals ein Ende bereitet, sondern die Industriearbeiter haben sich eine geregelte Arbeitszeit erkämpft, verehrte Schwestern? Darum geht hin und tut desgleichen._ Sexuelle Erkrankung ein„selbstverschuldetes Unglück"? Zu der Rechtsfrage, ob Infektion durch den Verkehr mit einer Prostituierten als Verschulden oder unverschuldetes Unglück an- zusehen sei, nahm die 2. Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts in verständiger Weise Stellung. Es handelte sich um einen un- verheirateten Gehilfen, der die Möglichkeit der Ansteckung durch den Verkehr mit einer Dirne zugab. Der beklagte Prinzipal ver- weigert Gehaltszahlung, weil Kläger die Krankheit verschglhet habe. Dieser hätte nicht nötig gehabt, Unzucht zu lreiben. DaS Kaufmannsgericht billigte dem Kläger das geforderte Ge« halt zu. In der Begründung heißt es: Die Erkrankung des Ge- Hilfen infolge Geschlechtsverkehrs selbst mit einer dem Kläger als Dirne bekannten Person kann man nicht grundsätzlich als ver- schuldetes Unglück bezeichnen. Wie immer ein solcher Verkehr eines Junggesellen vom Standpunkt der Religion, der Moral, Hygiene, der sozialen Gesundheitsbestrebung usw. beurteilt werden mag, so ist doch nicht zu verkennen, daß ber außereheliche Ge- schlechtsverkehr eines unverheirateten Mannes(selbst mit einer Dirne gegen Entgelt) weder eine schuldhafte Handlung im Sinne des bürgerlichen Rechts, noch schlechthin ein liederlicher Lebens- wandel, noch ein in bezug auf Jnfektzion ohne weitere Neben- umstände fahrlässiges Verhalten ist. Es ist bei ber Geschlechts- krankheit wie bei anderen Krankheiten das Eingehen auf die Frage des Verschuldens dann abzulehnen, wenn bestimmte An- Haltspunkte für den ursächlichen Zusammenhang zwischen einer schuldhaften Lebensführung und der Erkrankung fehlen. Freilich setzt sich der grob fahrlässig der erhöhten Gefahr einer Infektion aus, der in ausschweifender oder sonst laxerer Art sich dem Ver- kehr mit beliebigen Frauenspersonen hingibt. Die Beweisauf- nähme hat hier aber nicht ergeben, datz Kläger sich einem aus- schweifenden geschlechtlichen Verkehr hingegeben hat, Hub Induftne und f)andcl. Berliner Bühnenhäuser. Wieder einmal ist ein Berliner Bühnendirektor finanziell zu- sammengebrochen. Man hat gegen den Direktor des„Neuen Schau- spielhauses" in Berlin, Alfred Halm, Konkursantrag gestellt. Der Fall entbehrt insofern nicht einer gewissen Tragik, als Herr Halm bemüht war, im Gegensatz zu anderen Berliner Vühnendirektoren, das ernste Schauspiel zu pflegen. Leider kann man aber mit künstlerischem Ernst in Berlin keine Geschäfte machen. Das beste Theatergeschäft macht bekanntlich das Berliner Metropoltheater. auf dessen Bühne Beine geschwungen und faule Scherze gemacht werden. Der Zusammenbruch des Direktors Halm ist aber noch aus einem anderen Grunde außerordentlich bemerkenswert. Das „Neue Schauspielhaus" ist eine Spekulationsgründung, die von einer bekannten und gerade nicht sehr rühmlich bekannten Berliner Baufirma ausging. Die Gründung stellte sich von vornherein als eine Bodenspekulation dar, die heutzutage in Berlin genau so mit Theatern wie mit Miethäusern getrieben wird. Von Anfang an war daher der„Boden" des Unternehmens unsolide. Man hatte das Theater ooer vielmehr das Gebäude aus den Massenbetrieb ein- gestellt und versuchte, die Verluste, die die ernste Kunst brachte, durch Verabfolgung von Speisen,' schlechter Cafchausmusik, Kine- matographen-Dcrrbietung usw., wieber wettzumachen. Das Unter- nehmen war einer der modernen Gefühls- und Magenbasare, wie sie nur von der Grundstücksspekulation ersonnen werden konnten. Wir haben ja in Berlin noch mehr solcher Vergnügungsstätten, in denen das Publikum alles haben kann. In der Berliner Grund- stücksgeschichte ist das Theaterkapital eines der dunkelsten. Wer sich einmal die Mühe gegeben-hat, die Dheatergründungen im Hau- delsregister nachzuprüfen, den schauderte. Ueberall Zwischen» gewinne, die ohne jeden Grund gemacht wurden, Einbringungen ohne Sinn und Verstand. Eine Berliner Oper mutzte bei ihrer Gründung das Recht, den Opernbau zu pachten, mit mehreren hunderttausend Mark berechnen. Natürlich kam das Unternehmen dadurch von vornherein ins Wanken, und seine weitere Entwicke- lung war denn auch demgemäß. Abgesehen von diesen Schwierig- ketten leiden die Berliner Theater auch unter der geschäftlichen Untüchtigkeit ihrer Direktoren. Jedenfalls wäre cS nötig, den künstlerischen Direktoren tüchtige Geschäftsleute an die Seite zu setzen, aber keine Grundstücksschieber. Das ganze Berliner Theaterleben krankt am Terrainschwindel, so daß selbst bei gutem Theaterbesuch künstlerische Absichten kaum durchgeführt tveroen können. Trotzdem werden immer neue Theater in Berlin ge- gründet. Das Spekulantentum kommt ja dabei auf seine Kosten, weil cS sich früh genug in Sicherheit zu bringen weiß. Gmdrts- Zeitung. Zentrumskampfweise. Eine schwarze Verleumdung ist von dem Landgericht Weiden abgestraft worden. Der„Oberpfälzische Kurier", eines der ge» hässigsten Zentrumsblätter Bayerns, hatte den Genossen Bär, der in Weiden eine Wirtschaft besitzt(er gehört zu den drei Eisenbahn- Werkstättenarbeitern, die seiner Zeit in der Staatswerkstätte gemäß- regelt wurden wegen Verbreitung einer Faschingszeitung, in der das bayerische Landtagszentrum verulkt wurde), unmotiviert ange- griffen und folgendes behaupetet: „Man gehe einmal in einen sozialdemokratischen Bildungs- abend in der Restauration zur Sonne. Schon hundert Schritte weit davon entfernt hört man von roten Weibern, Männern und Jahn- Hagel die gemeinsten Dingec wie z. B. das Nachäffen von religiösen Gebräuchen, das Herunterleiern von Litaneien und sonstiges wider die Religion." Der Pächter des Restaurants zur Sonne, Genosse Bär, stellte gegen den verantwortlichen Redakteur Nickl Beleidigungsklage, wurde aber vom Amtsgericht abgewiesen, weil er der Meinung war, datz die Verbreiter einer Verleumdung die Pflicht hätten, Beweise dafür zu erbringen, und deshalb keine Zeugen namhaft gemacht hatte. In der Verhandlung vor dem Berufungsgericht wies er die völlige Haltlosigkeit der Behauptungen des schwarzen Blattes nach. Der Redakteur wurde zu 166 M. Geldstrafe verurteilt. Abermals Kautionsschwindcleien. Kautionsschwindeleien en gros hat der Kaufmann Albert Rothe verübt, welcher gestern aus der Untersuchungshaft der 16. Ferien- strafkammer des Landgerichts I vdrgeführt wurde, um sich wegen wiederholten Betruges im strafschärfenden Rückfalle zu verant- Worten. Ted Angeklagte, welcher erst 29 Jahre alt ist. hat die größere Hälfte des letzten Jahrzehnts hinter Gefängnismauern zugebracht. Zuletzt wurde er wegen Rückfallbetruges zu einem Jahre Gefängnis verurteilt, nachdem er kurze Zeit vorher etwa eine GefängniSstrase von m Jahr verbüßt hatte. Bald nach Verbützung der letzten Strafe nahm er sein Gewerbe als Kautionsschwindler wieder auf. Er betrieb angeblich ein Bureau ftir„Bermittelung des An- und Verkaufs von Ladengeschäften". Er erließ dann in mehreren bür- gerlichen Zeitungen Inserate folgenden Inhalts-: Dauernde Stellung fiiidet junger Mann mit einigen 100 M. bar. Gehalt monatlich 150 M. Es wird nur auf fleißigen und gewissenhaften Menschen reflektiert, da Vertrauensstellung. Auf diese Inserate hin meldeten sich zahlreiche Bewerber, die gewillt waren, ihre mühsam gemachten Erjparnisse als Sicherheit hinzugeben, wenn sie nur dadurch eine 9ute Stellung erhalten konnten. Den sich meldenden Personen erzählte der Angeklagte, datz er ein sehr einträgliches altes Geschäft habe, in welchem sogar der Sohn eines bekannten Rechtsanwalts arbeite. Er selbst habe ein größeres Grundstück in Reinickendorf, ,',0n'0' und habe sehr viele Aufträge für die Landwirt- schaftskammer zu erledigen. Diese und ähnliche falsche Vorspiege- lungen vcranlaßten etwa 40 Stellungsuchende ihre Ersparnisie her- zugeocn. Der Angeklagte engagierte hintereinander 25 Personen, die in den sogenannten Burauräumen in dey Hufelandstraße 17 mit ganz einfachen und zum Teil sogar überflüssigen Arbeiten beschäf- tigt wurden. Um zu verhindern, daß sich die Angestellten näher kennen lernten, und dadurch vielleicht hinter den Schwindel kämen, hatte er getrennte Burauräume gemietet, die im ersten und vierten Stockwerk lagen; außerdem ließ er die Arbeit der im ersten Stock- Werk beschäftigten Personen eine Stunde früher anfangen und enden, wie bei den anderen Angestellten.— Nachdem der Angeklagte auf diese Weise zirka 4500 M. erbeutet hatte, kam der Schwindel erst zur Entdeckung. Der Staatsanwalt beantragte 5 Jahre Zuchthaus. Das Urteil lautete auf 3� Jahre Zuchthaus, 3QÖ M. Geldstrafe und d Jahre Ehrverlust. GewcrkfcbaftUcbea. CQacbstum der Gewerhrchaften. Nach den Feststellungen deS Kaiserlichen Statistischen Amtes, die kürzlich im„Neichs-ArbeitsblaU* veröffentlicht wurden, weisen die Arbeiterorganisationen der verschiedenen Richtungen und Färbungen in den beiden letzten Jahren folgende Mitgliederzahlen auf: Ende 1911 1910 Freie Gewerkschaften...... 2 400 018 2128 021 Hirsch-Dunckersche Gcwerkvereine.. 107 743 122 571 Christliche Gewerkschaften.... 350574 31S 115 Unabhängige Vereine...... 763 935 711 177 Wirtschastsfriedl. Vereine DelbeZ.. 102 262 121 12S Lokalorganisierte Gewerkschaften.. 7 133— Was an diesen Zahlen sofort in die Augen springt, das ist ein erfreuliches starkes Anwachsen der freien Gewerkschaften, Konnten sie doch das Jahr 1911 mit der stattlichen Mitgliedcrzahl von 2 400 000 abschließen. Sie haben seit Schluß des Jahre? 1910 nicht weniger als 271 997 Mitglieder gewonnen und stehen dem Unternehmertum als eine achtunggebietende Macht gegenüber. Die Hirsch-Dunckcrschen Gewerkvereine dagegen sind um 14 828 Mitglieder zurückgegangen. Bei ihnen nimmt nur die Bedeutungslosigkeit zu. Wenn die christlichen Gewerkschaften, die man nach den Borgängen der letzten Zeit kaum noch als Gewerkschaften mitzählen kann, einen Mitgliederzuwachs von 34 459 zu verzeichnen haben, so will das im Vergleich zu dem Anwachsen der freien Gewerkschaften nicht viel sagen. Die Lokalorganisationen kommen ihrer verschwindend kleinen Mitgliederzahl wegen gar nicht mehr in Betracht. Sie sind nichts als kümmerliche Uebcrblcibfel vergangener Zeiten. Was sich unter der Bezeichnung.Unabhängige Vereine" und.Wirtschaftsfriedliche Vereine" präsentiert, daS mögen wohl Vereinigungen von Arbeitern sein, aber Gewerkschaften sind eS nicht und wollen es nicht sein. Es handelt sich bei diesen Organi- sationsgebilden zumeist um die sattsam bekannten Gelben, diese aus- gesprochenen Feinde der modernen Gewerkschaften. Die angeführten Zahlen sind auch insofern interessant, als sie zeigen, daß die Hoffnungen jener Leute wieder zuschanden geworden sind, Ivelche glauben, man könnte durch eifrige Förderung der so- genannten wirtschaftsfriedlichen Vereine den freien Gewerkschaften den Wind aus den Segeln nehmen. Wenn man sieht, daß in den Großbetrieben mit den schärfsten terroristischen Mitteln für die gelben Vereine gearbeitet wird und sie in jeder Hinsicht von den Unternehmern gefördert werden, dann weiß man, daß nur diesen Umständen und nicht etwa dem freien Willen der Arbeiter die Zu- nähme der gelben Vereine von 121 000 auf 162 000 zuzuschreiben ist. Trotzalledem haben die Gelben, die Unabhängigen, die Christlichen und die Hirsch-Dunckerschen zusammen nur etwa halbsoviel Mit- glieder wie die freien Gewerkschaften. Den letzteren wird es gewiß nicht leicht gemacht, sich Weier und immer weiter auszubreiten. Müssen sie doch jeden Schritt ihres Gebietes erobern im unaufhörlichen'Kampfe mit allerlei Schwierig- keiten und Schikanen, die ihiisn von Behörden und Unternehmern bereitet werden. Wenn die freien Gewerkschaften trotz dieser Wider- stände in so erfreulicher Weise gewachsen sind, so ist das der beste Beweis für den gesunden Sinn der Arbeiter, der erkannt hat, daß nicht in den Harmonievereinen, sondern nur in den freien Gewerk- schaften die Interessen der Arbeiter vertreten werden. Serlin und Umgegend. Ueber die Lage im Zimmerergewerbe Groh-Berlins referierte Witt in einer Generalversammlung des Zimmerer- Verbandes. Er bezeichnete die Geschäftslage als sehr ungünstig. Von einer Belebung der Bautätigkeit sei nicht die Rede. Die Lage sei ebenso schlecht wie 1908. Am besten zeige dies die Summe der auszezahlten Arbeitslosengelder; dieselbe betrug allein im letzten Quartal 9836,25 M. An diesen Zuständen ist vor allem die lieber- Produktion an Wohnungen schuld, zirka 70 000 Wohnungen stehen zurzeit leer. Die bewohnten Wohnungen find zum größten Teil überküllt, während so viele Wohnungen nicht vermietet werden können. Die Grund- und Bodenspekulation wirkt geradezu ver- Heerend. Die Berliner Handwerkskammer hat 868 Bauschwindler zusammengestellt. Alle diese Umstände bedingen eine immer- währende Hinaufschraubung der Mieten. Schrieb doch die.Bau- gewerks-Zeitung": Die Mieten müßten steigen, so lange die Löhne der Arbeiter stiegen, den weitaus größten Teil von den Bau- kosten verschlängen die Löhne.— So such: man die wahren Ursachen zu verdecken und zugleich eine Hetze gegen die Gewerkschaften zu entfachen. Aber auch die nächste Zukunft, erklärte Redner, verspreche nicht viel, und die Alarmnachrichten in bürgerlichen Blättern, die von Zeit zu Zeit eine großartige Bautätigkeit ankündigten, seien recht skeptifch auszunehmen. Immerhin brauchte die Lage des Zimmerergewerbes nicht so schlecht zu sein, wenn nicht durch technische und sonstige Umwälzungen dem Zimmerer ein ArbeitSzweig nach dem anderen entrissen und der Zimmermann immer mehr ausgeschalret würde. Für die Berliner Zimmerer käme noch in Betracht, daß die Unter- nehmer schon viele Dachverbände draußen in der Provinz herstellen lassen, wo Stundenlöhne von 25 Ps. an gezahlt werden. Die Zimmerer müßten derartige Arbeiten als Berliner Arbeiten betrachten und mit Berliner Löhnen bezahlen lassen oder die Tätigkeit sofort ein- stellen. Es kommt noch hinzu, daß hie Emschaler Zimmererarbeiten herstellen und die Zimmerer dadurch ausgeschaltet werden, und zwar erhalten jene 10 Ps. die Stunde weniger wie die Zimmerer. Es müsse unbedingt darauf hingewirkt werden, daß jeder, ganz gleich was er gelernt hat, der Zimmererarbeiten ausführt, auch Zimmererlöhne erhalte. Es gibt Firmen, die folgenden Trick anwenden: Kommt ein Zimmerer, so sagen sie, für Zimmerer hätten sie nichts zu tun, dagegen könnte» sie noch Eiuschaler einstellen, doch nur zum Einschalerlohn. Um diesen Zuständen zu begegnen, schlägt Redner vor, von Fall zu Fall als Organisationsleitung mit den als Ein- schalern arbeitenden Zimmerern Rücksprache zu nehmen. Des weiteren kritisiert der Referent die maßlose Schufterei aus den Bauten, die oft genug ohne jeglichen Schutz für Gesundheit und Leben vor sich gehe. Würden die Zimmerer Groß-Berlins sich straffer organisieren, so könnten die Bauten, wo die Löhne der Ar- beiter nicht sichergestellt find, gesperrt werden. An den Vortrag schloß sich eine kurze Diskussion, die dem Ge- dankengange des Referenten entsprach. Die Aussperrung im Dachdeckergewerbe. Die„Arbeitgeber-Zeitung" schreibt, es kämen als aussperrende Firmen 200 in Berracht, die 1000 Gehilfen ausgesperrt hätten, doch stimmt diese Behauptung nicht, da nicht einmal 500 Arbeiter von der Aussperrung betroffen worden sind und es ja auch von vorn- herein feststand, daß die Aussperrung höchstens 50 Proz. der Ge- Hilfen umfassen wiirde. Bewilligt haben bis jetzt folgende 14 Firmen: Hugo Grieke, Dachschutzgesellschaft Ernst Hanauer, Dachschutzgesellichafl Odag, Otto Wagner-Charlottenburg, I. Sprenger, P. Rusch-Wannsee, K. Ammon-Zehlendorf, W. Wilschke-Zehlendorf, W. Neumeister, G. Puhlemann, W. Nielebock, F. Zörner, R. Strauß, Th. Seibel._ Tonntagsruhe der Bierfahrer. Die in den Brauereien und Niederlagen Groß-Belins be- schäftiglen Kollege» vom Fahrpersonal werden hiermit darauf auf- merlsam gemacht, daß am 10. August d. I. die langersehnte Polizei- Verordnung in Kraft tritt, welche das Bierausfahren an Sonntagen nur bis 10 Uhr gestattet. Es braucht also kein Kollege mehr an S onn- rgen nach 12 Uhr noch Bestellungen erledigen und fi 5 Zumutungen solcher Art ruhig aber bestimmt zurückzuweisen._ Verantw. Redakteurl Albert Wachs�Berlin, Inseratenteil pepantty.; Kollegen! Ist es auch nicht viel, was erreicht wurde, so ist eS doch eine wesentliche Verbesserung des bisher bestehenden Zustandes, und kann darauf weiter gebaut werden. Der Obmann der Gruppe des Fahrpersonals. Frisenrgehilfen. Für Verbandsmitglieder wegen Differenzen gesperrt: A m b o S, Gubener Str. 3b. Bewilligt haben: Swiderski, Wolliner Str. 81; e l l m a n s k i, Neukölln, Pannierstr. 26; H o I l st e i n, Charlotten- »rg, Ufnatistr. 9. Verband der Friseurgehilfen. Deutkebes Reich. Lohnbewegung der Metallarbeiter des Kölner Industriegebietes. Um eine Verkürzung der Arbeitszeit zu erreichen, haben die Metallarbeiter eine große Bewegung eingeleitet. Am Mittwochabend fanden in Köln, Mülheim, Kalk, Deutz, Ehrenfeld, Sülz, Bayenthal und Nippes insgesamt elf zumeist überfüllte Versa mm- l u n g e n statt, in denen über die Forderungen, die an die Unter- nehmer gestellt werden sollen, Beschluß gefaßt wurde. Es wurde von den Rednern festgestellt, daß in der Metallindustrie des Kölner Gebietes eine so lange Arbeitszeit bestehe wie in keinem anderen Jndustriebezirke im Reiche. Das wird durch eine Statistik belegt, die sich auf 89 der größten Betriebe mit 23 309 Arbeitern erstreckt. Nach dieser Statistik haben 6 Betriebe mit 1657 Arbeitern eine Ar- beitszeit von 57 Stunden, 4 Betrjebe mit 467 Arbeitern 58 Stunden, 2 Betriebe mit 3132 Arbeitern 58'/z Stunden, 1 Betrieb mit 2820 Arbeitern 683lt Stunden. 27 Betriebe mit 8147 Arbeitern 59 Stunden, 10 Betriebe mit 3094 Arbeitern 59Vz Stunden, 15 Betriebe mit 2298 Arbeiter» 60 Stunden, 3 Betriebe mit 187 Arbeitern 61 bis 62l/z Stunden und ein Betrieb mit 292 Arbeitern 64 Stunden die Woche. Die Arbeitszeit beträgt im Durchschnitt 53,07 Stunden pro Woche oder pro Tag 10,01 Stunden. Einmütig stimmten die Besucher aller elf Versammlungen den folgenden Forderungen zu: 1. die tägliche Arbeitszeit beträgt an den ersten fünf Wochentagen O'/z Stunden, Sonnabends 8ll3 Stunden, pro Woche 56 Stunden; 2. Ueberstunden, die nur in dringenden Fällen verlangt werden dürfen, werden für die ersten drei Stunden 25 Proz., für weitere Ueberstunden, Nacht- und SonntagSarbeit mit 50 Proz. Zuschlag vergütet; Arbeiter, die in abwechselnder Schicht nachts arbeiten müssen, erhalten einen Zuschlag von 10 Pf. pro Stunde. Die Stunden- bezw. Akkordlöhne sind dergestalt zu er- höhen, daß durch die Verkürzung der Arbeitszeit der frühere Ver dienst erreicht wird. Die Lohnzahlung soll wöchentlich an einem der ersten fünf Wochentage, möglichst Freitags, erfolgen. Die Leitung dieser großen Lohnbewegung liegt in den Händen einer ZentraUommisfion, die aus fünf Vertretern des deutschen Metallarbeiterverbandes und je zwei Vertretern der christlichen und Hirsch-Dunckerschen Organisation besteht. Ein eingefleischter Gegner des Koalitionsrechts. Am 3. d. Mts. veröffentlichten wir eine Berichtigung der Firma Harry Trüller, Zwieback-, Waffel- und Kakesfabrik in Celle. Die Berichttgung bezog sich auf eine Nottz, die wir am 24. Juli abgedruckt hatten. Zu der Berichtigung deS Herrn Trüller schreibt uns zuständige Arbeiterorganisation: In der Hitze deS Gefechts hat Trüller übersehen, auf den Kern der Sache einzugehen. Mt der Erklärnng: Es ist nicht wahr, daß den in meinen Betrieb neu Eintretenden ein Revers zur Unter- schrift vorgelegt wird, in welchem sie irgendeine Verpflichtung be- züglich der Mitgliedschaft des Bäcker- und Konditorenverbandes eingehen, wird wie die Katze um den heißen Brei herum- gegangen. Herr Trüller wird niemals in der Lage fein, weg- ttreiten zu können, daß erst kürzlich bei einer Verhandlung vor dem Gewerbegericht in Celle ein von der Firma ent- laffener Arbeiter erklärte, daß ihm ein Vertrag zur Unterzeichnung vorgelegt wurde, nach welchem er verspreche, nicht Mitglied des Verbandes der Bäcker und Konditoren zu sein. Von dieser Verhandlung wurde in der Preffe berichtet; Herr Trüller fand es aber nicht not- wendig, schon damals eine Richttgstellung zu veröffentlichen. In der Berichttgung heißt es weiter, der Unternehmerverband, deffen Vorfitzender Trüller ist, sei keine Arbettgeberorganisatton, sondern ein rein wirtschaftlicher Verein. Selbst wenn daS zutrifft. daß dort keine Arbeitgeber« und Arbeiterftagen erörtert werden, fo wird nur bestätigt, daß Herr Trüller recht gut den Wert deS wirtschaftlichen Zusammenschlusses zu schätzen weiß. Oder ist das keine Vereinigung zum Schutze der Unternehmer, wenn bezüglich der Warenverkaufspreise einheitliche Regeln getroffen werden? Tlustand. Textilarbetteraussperrung in Brünn. In mehreren Fabriken der mährischen Hauptstadt Brünn, des «österreichischen Manchester", haben die Weber und Färber Forde- rungen überreicht, über die die Fabrikanten zu verhandeln geneigt waren. Da kündigte die separatisttsche Gewerkschaft den von der Union der Textilarbeiter Oesterreichs abgeschlosienen Tarifvertrag und nun drohten die Unternehmer eine Aussperrung an, wenn nicht sofort die gestellten Forderungen zurückgenommen würden. DaS Austreten der Separatisten hat eben den Scharfmachern wieder das Kommando verschafft. DeN neuesten telegraphischen Meldungen zufolge ist die Aus- sperrung inzwischen deschloffen. Sie soll am Sonnabend beginnen und sich auf 40 Fabriken mit 14 000 Arbeitern erstrecken. Portefeuiller! In der Lederwarenfabrik von Zollschamm in Raab(Ungarn) be- finden sich seit dem 7. August sämtliche Portefeuillearbeiter im Streik. Die Firma verlangt in Berliner und Offenbacher Blättern Portefeuiller und Täschner. Um Fernhaltung des Zuzugs wird deshalb streng ersucht I Gerichtliche Anerkennung einer gewerkschaftliche« Forderung. In Italien müssen die Statuten der Genossenschaften(Cooperative) vom Zivilgericht der Provinz bestätigt werden. Bisher wurde diese Bestätigung stets verweigert, wenn die Statuten die Bestimmung enthiellen,' daß jedes Mitglied der Genossenschaft gewerkschaftlich organisiert sein muß. Kürzlich hat nun das Zivilgericht von Bologna die Statuten zweier Genossenschaften bestätigt, die diese Bestimmung in unzweideutiger Form enthalten. ES wird hierdurch ein juristtscher Präzedenzfall von großer Wichtigkeit geschaffen. Huö der Frauenbewegung. Auch eine Kämpferin. Der Kampf der englischen Konservativen gegen die von den Liberalen eingeführte Sozialversicherung hat sonderbare Formen an- genommen. Der Kampf ist nicht prinzipieller Natur, sondern ent- springt vielmehr einer Art Eifersucht, daß sie, die Konservativen, eS nicht selbst gewesen find, die die Versicherung eingeführt haben. Daher auch der Mangel an ernst zu nehmende» Argumenten. In den unteren konservativen Volksschichten operiert»um mit der grotesken, aber vielfach geglaubten Andeutung, daß die Verficherungs- benräge der Arbeiter jedenfalls dazu verwendet werden würden, um die Gehälter der Parlamentsmitglieder zu zahlen. Die wütendsten Gegner der neuen Versicherung, die am 15. Juli in Kraft trat, finden! Dh. Glocke, Beritv. Druck u,.Verlag: Vorwärts Buchdr. u PerlagsanMt sich jedoch unter den Damen der höheren Gesellschaftskreise. Manche dieser Damen scheinen ganz aus dem Häuschen zu sein. So haben ver« schiedene der überzeugungstreuen Kämpferinnen um die Mitte des letzten Monats alle ihre Bedienten entlassen, nur um der Ver- pflichtung zu entgehen, Versicherungsmarken zu kleben. Lange werden sie den Mangel an Bequemlichkeit jedoch nicht ausaehalten haben. Nur eine von ihnen scheint gesonnen zu sein, ihre Opposition konsequent durchzuführen. Sie beabsichttgt, an die Stelle der entlassenen acht Dienstboten junge Personen unter 15 Jahre und alte über 70 Jahre, die von der Versicherungspflicht ausgeschlossen sind, zu setzen. Schon hat sie ein junges Dienstmädchen und einen alten Gärtner gefunden, jetzt sucht sie einen Kutscher, der über 70 Jahre alt ist. Die Dame erklärt, daß sie den Schatzkanzler verantwortlich machen will, wenn ihr bei der Spazierfahrt ein Unfall zustoßen sollte. Sie behauptet auch, viele Hunderte Glückwunschschreiben erhalten zu haben. In einem Briefe, der von einigen Arbeiterinnen aus Birmingham stammen soll, heißt es:„Wir grüßen Dich, Tapferste der Tapferen I" Die Birminghamer Arbeiterinnen scheinen mehr Humor zu befitzen, als Frau Septima Robinson-Guppy, wie die originelle, aber etwas übergeschnappte Dame heißt._ Die Arbeitsbedingungen der Telephonistinnen und die Hygiene. Der italienische Poftminister hat eine ärztliche Kommission mit der Untersuchung der Arbeitsverhältnisse der Telephonistinnen vom sanitären Standpunkt aus betraut. Die Untersuchung soll sich auf die beim römischen Hauptamt angestellten Beamtinnen be- schränken. Es soll auch festgestellt werden, ob die heute bei der Aufnahine gestellten gesundheitlichen Ansprüche für die Anforde- rungen des Berufs hinreichend sind und ob sie mit hinreichender Strenge angewendet werden. Weiter soll die Kommission dar- über entscheiden, ob die heutige Arbeitszeit eine Ueberlastung dar- stellt oder nicht und ob das Eheverbot vom sanitären Standpunkte aus aufrecht zu erhalten ist. Man darf darauf gespannt sein, ob sich Aerzte finden, die der Ehelosigkeit gesunder Mädchen als einer sanitären Rtaßregel das Wort reden. Die Einsetzung der Kom- Mission geht übrigens einerseits auf die Unzufriedenheit des Publikums mit dem Telephondienst, andererseits auf die Agitation der Telephonistinnen gegen ihre Lage zurück. Versammlungen— Veranstaltungen. Tempclhof. Am Sonntag, den 11. d. M., veranstalten die Parteigenossinnen im Parkrestaurant„Marien-Höhe" ein Kaffeekochen. Für Unterhaltung ist bestens gesorgt. Hetzte Ptachrichtcm Die Grubcnkatartropbe in Äleltfalen. Allen bisherigen abschwächenden Depeschenmeldunge�i entgegen, stellt sich die Zahl der Opfer der schrecklichen Kata- strophe schon auf über hundert Tote. Die amtliche Meldung lautet! Bochum, 8. August. Heute vormittag ereignete sich auf der Zeche Lothringen 1 und 2 in Gerthe eine Schlag- weiter- und Kohlenstaubexplosion, der 193 Bergleute zum Opfer sielen. Ferner wurden zwei Bergleute schwer und 23 leicht verletzt. Der Handelsminister und der Oberpräsident von Westfalen in Begleitung des Berghaupt- mannes haben die Grube besucht und im besonderen Austrage des Kaisers der Werksverwaltung, den Angehörigen und den Ueberlebenden das Beileid des Kaisers ausgedrückt. Die„Preß-Centrale" berichtet noch: Castrop, 8. August. Bis um 8� Uhr abends sind 91 Tote geborgen. Das Feuer im Innern des Schachtes ist durch Ein- dämmen der Gänge ersttckt worden. 24 Schwerverletzte haben so schwere B�indwunden davonge- tragen, daß sie kaum die Nacht überstehen werden. Die bisher geborgenen 91 Leichen sind in einem Schuppen in drei Reihen aufgebahrt. Die Leichen sind entsetzlich verstümmelt und bilden eine bräunliche verkohlte Masse. Den meisten fehlen einzelne Glieder. Vielen ist der Kopf vom Rumpf gerissen. Fast alle find an Erstickung gestorben und erst dann verbrannt. Die Leichen sind bis zur Unkenntlicljkeit entstellt, so daß eine Re- kognoSzieruny vielfach völlig ausgeschlossen ist. Erst durch eine Fest- stellung der Kontrollisten werden sich die Namen der Opfer der Katastrophe ermitteln lassen. Die Zechenverwaltung hat bisher keine Totenliften anfertigen können. An den Kleidern der unglücklichen Opfer ist zu erkennen, daß sie sich daS Zeug in Fetzen vom Leib« gerissen haben, um das Einatmen der giftigen Schwaden durch Zeugstücke, die sie sich in den Mund steckten, nach Möglichkeit zu verhindern. Wie der Vertreter der„Preß-Centrale" weiter erfährt, liegen noch 12 Tote auf der dritten Sohle, unter ihnen der Steiger Patz. mann. Die Bergungsarbeiten stoßen auf große Schwierigkeiten, da die Strecke zu Bruch gegangen ist. Als der Handelsminister und der Oberpräsident den Zechen- platz verließen, wurden sie von den Tausenden, die sich in stummer Erwartung der Trauernachrichten eingefunden hatten, sehr'Ühl begrüßt. Von den benachbarten Zechen waren so viele Rettnngsmann- schaften eingetroffen, daß ein großer Teil zurückgesandt werden konnte. Die Rettungsmannschaften arbeiten schichtweise und wechseln alle zwei Stunden. Auch während der Nacht sollen die Arbeiten fortgesetzt werden, um. wenn möglich, bis morgen früh sämtliche Leichen sowie die Schwerverletzten bergen zu können. Ten Zechenplatz umlagert noch in den späten Abendstunden eine tausendköpfige Menge. Kein lautes Wort ist vernehmbar, alles steht unter dem Eindruck des furchtbaren Ereignisses. Auf dem Zechenplatz steht Krankenwagen bei Krankenwagen, Automobil bei Automobil. Bergleute und Tagarbciter umlagern die Türen zu dem Schuppen, der zum Verbandsraum umgewandelt ist. Ueber- all erblickt man gespannte ängstliche Gesichter. In der Verbands- stube sind drei Aerzte tätig: Dr. Zumpusch aus Olthausen, Dr. Perner cruS Castrop und Dr. Bödefeld aus Gerthe, die zum Schacht geeilt sind und ihre Kräfte zur Verfügung gestellt hcchen. Schluß der belgischen Kammer. Brüssel, 8. August.(W. T. B.) Die Kammer hat nach vier- wöchentlicher Beratung alle Mandate für gültig erklärt und sich konstituiert. Sic wählte Cooremann wiederum zu ihrem Prä- sidenten, worauf die außerordentliche Session geschlossen wurde. Die Revolution auf Haiti. Washington, 8. August.(W. T. B.) DaS Staatsdepartement hat die Nachricht erhalten, daß die Stadt Dajabon in San Do- mingo nach einem Kampf von 15 Stunden Dauer durch die Auf- ständischen von Haiti eingenommen worden sei. 200 Mann seien vertvunoet worden.— Aus Port-au-Prince wird gemeldet: Der Präsident der Republik Haiti Leconte ist bei einem Brand seines Hauseö umgekommen. Der Brand ist durch Explosion eine? be- nachbarten Pulvermagazins entstanden. Leconte war erst seit dem vergangenen Jahre Präsident, nach- dem es ihm gelungen war. den greisen langjährigen Präsidenten Nord Alexis durch eine Revolution zu vertreiben. Paul Singers Co., Berlin SW, Hierzu 2 Beilagen u.llnterhaltungsbl, Nr. W. 29. Jahrgang 1. ßfilnot drs.Amiick" Knlim KIKsdlM Freitag, 9. August 1912. Eue der parte!* Aus den Organisation»«. Die Generalversammlung des sozialdemokratischen Vereins für Reuß ä. L. fand am Sonntag, den 4. August, in Zeulenroda statt. Aus dem Bericht des Vorsitzenden, Genosten Kiß, ist zu ent- nehmen, daß die Mitgliedersteigerung 23, S Proz. betrug, von 1393 auf 1717. Die Kassenverhältniste sind ebenfalls erfreulich. Die Gesamtabrechnung der Haupt- und Ortsgruppenkasten betrug in Einnahmen und Ausgaben 14 829,38 M., Kassenbestände am 30. Juni 1912 2997,85 M. Die„Reustische Volkszeitung" hat einen Aboiv- nentenstand von 4109._ Nach Referaten der Genosten F e u st e l und K i st über die verflossene Landtagswahl und über Organisation und Agitation spricht Genosse Leber über den Parteitag in Chemnitz, wobei es hauptsächlich bei der Beitragserhöhung zu leb haften Auseinandersetzungen kommt. Während Genosse Leber für die Beitragserhöhung eintritt, ist der Rcichstagsabgeordncte Genosse Förster ein entschiedener Gegner der Erhöhung. Fast einstimmig wird die Erhöhung der Beiträge von der Generalversammlung ab- gelehn. Beschlossen wurde, 2 Genossen nach Chemnitz zu delegieren. Eine vollständie Reform in der Zusammensetzung des Kreisvor- ftandes beantragte Genosse Kist-Greiz. Da man sich in vorge- rückter Stunde nicht einigen konnte, wurde diese Angelegenheit einer 7 gliedrigen Kommission übergeben. ** * Der sozialdemokratische Verein für Reuß j. L. zählt gegen. tvärtig 6991 Mitglieder, darunter 883 Frauen. Der Abonnentem- stand der„Reustischen Tribüne" beziffert sich auf 12 999. Die am Sonntag stattgefundene Generalversammlung befastte sich mit den Abänderungsvorschlägen der Reorganisationskommissiom Der vor- geschlagene P a r de i a u sschuh wurde abgelehnt, statt dessen befürwortet die Generalversammlung eine entsprechende Berstär- ! u n g d e s P a r t e i v o r st a n d e s. Die Reichstagsfraktion soll vollzählig, aber nur mit beratender, nicht mit beschlie- stender Stimme zu den Parteitagen zugelassen werden. Die vor- geschlagene Erhöhung her Beiträge wurde a n g e- n o m m e n. ««• Die drei ostsächsischen Kreise Zittau, Lübau und Bautzen Beifen, trotz der dort bestehenden sehr schlechten wirtschaftlichen Ber- ihältnisse, eine erfreuliche Mitglicderzunahme auf. Für die nächsten Wahlen ist man in allen drei Kreisen zur Gründung eines Wahl- 'fonds geschritten. Der Beitrag, der freiwillig ist, beträgt viertel- jährlich 19 P,. DaS Stichwalgabkommen wurde in den General- Versammlungen aller drei Kreise abfällig kritisiert. Auch mit dem Vorgehen des Genossen Ledebour resp. mit der Abhaltung der Eonderkonferenz war man nirgends einverstanden, lieber die Er- Weiterung des Parteivorstandes resp. die Bildung eines ParteiauS- fchusses war mau geteilter�Meinung. ' Auf der am Sonntag abgehaltenen Kreisgeneralversammlung b'eS Wahlkreises Kassel-Melsungen wurde nach einem Referat des Genossen H a u s ch i l d t beschlossen, folgende Anträge an den Parteitag zu stellen: 1. die Zahl der Beisitzer im Vorstand von zwei auf fünf zu erhöhen; 2. die den Parteiau»schust betreffenden Para- graphen aus der Vorlage der ReorganisationSkommifsion zu streichen; 3. die Kontrollkommission mit ihren alten Befugnissen weiterhin amtieren zu lassen; 4. einen einheitlichen Wochenveitrag von 19 resp. 5 Pf. einzuführen; 5. bei Anlage von Parteigeldern möglichst die genossenschaftliche Zentralbank zu berücksichtigen; 6. die Reichstagsfraktion möge bei passender Gelegenheit erneut in einem Antrag die Abschaffung der Todesstrafe fordern. Da» Stich- wahlabkommen mit der Fortschrittlichen VolkSpartei wurde als Akt politischer Notwendigkeit, gebilligt. Die Kreiskonferenz des Wahlkreises DuiSburg-Miilheim-Ober- Hausen fand am Sonntag in Duisburg-Meiderich statt. Der Kreis war bekanntlich in der zerflossenen Reichstagssession durch den Genossen Hengsbach im Reichstag vertreten, fiel aber bei der letzten Wlahl ab. Wie schwer in diesem Wahlkreis« Agitation und Organisatnon sind, ist daran zu ermessen, daß bei rund 3999 Neuaufnahmen in die Parteiorganisation am Schlüsse des Geschäftsjahres nur ein Mehr von 441 Köpfen vorhanden war. Die Partei presse hat sich gut entwickelt, so dast die Er- richtung einer eigenen Druckerei nicht mehr zu um- gehen war. Der Grundstein wurde vorige Woche gelegt. Von den angenommenen Anträgen sind zu erwähnen ein Beschlust, der die Kreisleitung verpflichtet, jedem neugewonnenen Grnossen die Broschüre„Grundsätze und Forderungen der Sozial- demokratie" gratis zu liefern. Ferner folgender Antrag: „Der Parteitag in Chemnitz wolle beschliestcn: �Der Partei. vorstand wird ersucht, in erhöhtem Mäste Material für die Agita- dion unter den Privatangestellten sHandlungSgehilfen. Techniker, Bureauangestellten) den Parteifunktionären zur Verfügung zu kleines Feuilleton. Hie Theater— hie Kino! In der.Internationalen Film- zeitung" verteidigt H. Fellner das Kinematogrophentheater gegen verschiedene seiner Angreifer, als da sind: Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger, Theaterleiter und Goethe-Bund. Der offene Brief ist speziell an Ludwig Fulda. Otto Brahm(Lessing-Theater) und Viktor BarnowSky(Kleines Theater) gerichtet. Fellnrr fragt zunächst Dr. Fulda, den Vorsitzenden des Goethe-BundeS: In wessen Namen greifen Sie uns an? Aus welchem Grunde? Sind Sie wirklich der Ansicht, dast eS eine vornehme Aufgabe der deuffchen Schriftsteller sei. den Kinematographen zu unterdrücken? Halten Sie den Standpunkt, den die französischen Autoren eingenommen haben. nicht für richtig, den Kiiiematographen zu unterstützen und für den Kinematogrophen wie für da« Theater zu schreiben? Wenn wir wirklich so unintelligent und so unkünstlerisch sind, warum wollen denn dann die deutschen Schriftsteller mit ihrer Intelligenz und ihrem «unstverständniS uns nicht zu Hilfe kommen?; Die Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger wurde 1871 gegründet. Damals schon herrschte das gröhte Elend in Schau- ipielerkreisen. Damals gab es noch keine Kinematogrophentheater. Die Tatsache, dast da» Theater eine Anziehungskraft ausübt auf viel«, deren Fähigkeiten nicht dazu hinreichen, sich beim Theater zu ernähren, ist nicht die Schuld de« Ktnemato- graphen. Aus der anderen Seite hat die Kinematographie Tausenden und Abertausenden(I?) von hungernden Schauspielern nicht nur bescheidenen Verdienst, sondern in vielen ein reichliche« Auskommen gesichert. Und häufig waren diese hungernden Schau- svieler nichr engagementSloS. sondern Angehörige guter Bühnen. Wir wollen nicht über die soziale Lage der Schauipieler Worte ver- lieren. Wenn die Kinematographie hier eine Wandlung geschaffen bat. so kann es nur eine Wandlung zum Befferen sein. Im Namen der Schauspieler können und dürfen Sie wcht � An die oben genannten beiden Direktoren geht Fellners zweite 8tan3ie, mein- Herren, stehen zweien unserer ersten Theater vor. die glänzend prosperieren. Für wen sprechen Sie denn? Für Ihre Kollegen, die keine Geschäfte machen? Die gab eS zu jeder Zeit und wird es immer geben. Ihre und viele andere Theater prosperieren trotz der Kine- iographen. Ich glaube kaum, wie wir e» so oft hören und lesen, dast da» f, stellen und die Privatangestelltenfrage auf die Tagesordnung des nächsten Parteitages zu setzen." Zu dem Stichwahlabkommen mit der fortschrittlichen Volkspartei lag der Kreiskonferenz eine Resolution vor, die j e d e s Stichwahlabkommen mit bürgerlichen Parteien verwirft und sich in der schärfsten Weise gegen das Stichwahlabkommen bei der letzten Reichstagswahl ausspricht. Diese Resolution wurde indes gegen die Stimmen der Antragsteller verworfen und dann folgende Resolution beschlossen: „Die Kreiskonferenz des Wahlkreises DnisburgMülheim- Oberhausen spricht ihr Bedauern darüber aus, dast der Partei- vorstand sich herbeigelassen hat, beim Stichwahlabkommen mit der Fortschrittlichen Volkspartei in 16 Wahlkreisen/ in denen unsere Kandidaten mit den Fortschrittlern in Stichwahl' standen, den Wahlkampf, zu„dämpfen". Eine solche Mastinahme must ver- wirrend wirken und Desorganisation erzeugen und ist deshalb unter allen Umständen zu verwerfen." Ein Antrag, der eine Stellungnahme der Kreiskonferenz zu dem vom Parteiporstand veröffentlichten Organisationsstatut bezweckte, wurde merkwürdigerweise von der Mehrzahl der Delegierten abgelehnt, so dost diese sehr wichtige Angelegen- heit gar n i ch( zur Verhandlung kam. Als Kandidaten für die beiden preußischen Landtagswahlkreise des Dmsburg>-Mül- heimer Bezirks wurden die Genossen Hengsbach-Köln und der Parteisekretär Schluchtmann aufgestellt. Beide wurden auch als Delegierte für den preußischen Landespartei- tag gewählt. Schließlich wurde dann noch einem Antrage der Filiale Mülheim und des Kreisvorstandes zugestimmt, wonach gegen die Genossen Roes, Laib, Schliester und Sie- kö t t er aus Mülheim das A u s s ch l ustv e r fa hr e n eingeleitet werden soll. Ebenso soll das Ausfchlustverfahrcn eingeleitet werden gegen diejenigen Genossen, die sich weigern, ihren Tagesverdienst vom 1. Mai in den Maifeierfonds abgiulieferu, obwohl sie nach dem Jenaer Beschlüsse auf Grund ihres Arbeitsverhältnisses hierzu ber- pflichtet wären. » Der Sozialdemokratische Berein für den Wahlkreis Minben- Lübbecke hielt am Sonntag seine Generalversammlung in Minden ab. Da sich aber ein Beamter der Kriminal- Polizei zur Ueberwachung eingefunden hatte, der auf Befragen erklärte, in höherem Auftrage zu handeln und sich dabei auf Reichs- gerichtsentscheidngen berief, wurde die Versammlung, da sie sich nicht überwachen zu lassen brauchte, vertagt. Gegen das Vorgehen der Polizei wird er Vorstand Beschwerde führen. Nach einer Stund« konnte die Versamlung ungestört tagen. Der Verein hat im verflossenen Geschäftsjahre seine Mitgliederzahl um 256 ver« mehrt; er zählte am 39, Juni 1912 1398 Mitglieder, darunter 82 weibliche, in 24 Ortsgruppen. Zum Parteitage wurde folgender Antrag angenommen: „Die Erhöhung des Minimalbeitrages ist abzulehnen, eventuell den Wahlkreisen mit dem Durchschnittseinkommen der Arbeiter unter 1099 M. die Einführung deS Beitrages von 49 Pf. freizu» stellen." Ferner wurde der Schaffung eines Parteiausschusses zuge- stimmt und eine Vertretung darin für den Bezirk„OestlicheS West- falen und lippische Fürstentümer" verlangt. Zum deutschen Partei» tage sowie zum preustischen Parteitage wurde Genosse Litzinger delegiert. iif oga,.m.* W" Der Sozialdemokratische Berein für den Wahlkreis Schaum- burg-Lippe hielt am Sonntag seine Generalversammlung in Stadthagen ab. Die Zahl der Mitglieder ist von 366(dar- unter 6 weibliche) in 11 Ortsgruppen am 39. Juni 1911 auf 337 (darunter 19 weibliche) in 9 Ortsgruppen am 39. Juni 1912 zurückgegangen trotz des Fortschrittes in mehreren Orten. Die Schuld liegt an dem schmählich verloren gegangenen Streik der Berg- arbeiter, da in manchen Orten fast sämtlick>e Mitglieder dem Ver ein dadurch verloren gingen, dast sie gemastregelt wurden und ab' wandern mutzten. Die Furcht vor, der Bergverwaltung tat ein übriges. Die Generalversammlung erklärte sich gegen dine Beitrags erhöhung und für den vorgeschlagenen Parteiausschutz, für den eine Vertretung für den Bezirk„Oestliches Westfalen und lippische Fürstentümer" gefordert wird. ».» Der Reichstagswahlkrcis Wiesbaden-Rheingau hielt am Sonw tag seine Generalversammlung in Wiesbaden ab. Die Mitglieder' zahl stieg von 1591 auf 2996. Ter wichtigste Schritt war die Anstellung eines eigenen Parteisekretärs und die beschlossene Umge- staltung der„Frankfurter Volksstimme", die bisher im Kreise ge- lesen wurde, in ein Wiesbadener Lokalblatt, das ab 1. Oktober erscheinen wird. Die Zunahme der Abonnenten hat diesen Schritt als notwendig erscheinen lassen. Ueber den Parteitag referierte Parteisekretär Genosse Rudolph- Frankfurt, der den Vorschlag des Genossen Ledebour befürwortete. Anträge wurden nicht an- Theater sterben oder nahezu sterben wird, wenn der Ktnemato- graph lebt I Wenn aber beim Theater die geschäftliche Tüchtigkeit der Direktoren und der Geist der Autoren nicht imstande ist» das zu bieten, was die Menge verlangt, dann lastr da? Theater st e r b e n I Man wirft uns häufig bor, dast wir billig sein können und billig sind und eben durch diese Billigkeit die Masse anziehen. Wir sind nicht billiger wie das Theater und werden stets teurer werden. Wir bieten nicht Theaterbillette auf den Strasten gegen Stempelgebühr an. Man verlangt von vielen Seiten Konzessionszwang für die Kiiiematographentheaier! Vielleicht gar eine finanzielle, mora- tische oder künstlerische Garantie vom Leiter eines LichtbildthcaterS? In einem Lichtbildtheater wird die defekte Moral eines Direktors auch nicht den geringsten Schaden stiften können, Die moralische Garantie ist also unnötig. Mitten in der Saison wird ein Kine- matographentheater nie seine Pforten schliesten, ohne seine Schau- spieler zu bezahlen. Die finanzielle Garantie brauchen«vir also nicht. Dem Kinematographen-Theater wird sein fertiges Programm geliefert. Also ist auch eine künstlerische Garantie nicht nötig." Usw. usw. Dast Angreifer wie Angegriffene au? ein und demselben Motiv ihre Position zu halten suchen, bedarf eigentlich keiner Worte. Das Motiv heistt: Geschäft und wieder Geschäft. Es kann sich lediglich fragen, welche materiellen Vorteile die beschäftigten Mimen und welchen künstlerischen Gewinn das zahlende Publikum aus diesem kapitalistischen Jnteressenmanöver ziehen wird. Der Berliner Schutzmann in englischer Beleuchtung. Die Zahl englischer Journalisten, die Deutschland bereisen und für ihr Vater- land„entdecken", wächst zusehends. Natürlich ist ihrem unbekümmert scharfen Blick auch nicht das preußische„Auge des Gesetzes" ent- angen. Ein Beobachter gibt nun in der»Daily Mail"«ine ergötz- iche Schilderung des Berliner Schutzmannes:„Der Berliner Schutz- mann scheint einer riesigen Familie von Vettern anzugehören: das ist der erste Eindruck. Die Schutzleute haben einen Leibesumfang, der größer ist al» ihre Brust und sie alle umgürten abends, wenn sie zu Bett gehen, ihre Oberlippe mit einem Netzwerk, das dazu dient, den Schnurrbart so kühn empor zu sträuben, wie den deS Kaisers. Alle Schutzleute halten, wenn sie gerade nichts zu tun haben, die Hände auf dem Rücken und blicken grimmig auf die Passanten, die sie alle für ihre gewerbsmäßigen Feinde halten. Fast jeden Morgen wird man in den deutschen Zeitungen bei dem Be- richt über die in der Nacht vorgekommenen Berhaftungen zwei oder drei stet» widerkehrende Sätze finden, die da» vechöltmS des Berliner genommen. Die Wahl der Delegierten wird in eurer Urabstim- mung vorgenommen. « �» Die Genossen des Wahlkreises Friedberg-Büdingen hielten gleichfalls am Sonntag in Büdesheim ihre Kreiskonferenz ab, in der Genosse B u s o l d- Friedberg die Mitteilung machen tonnte, daß das verflossene Jahr rund 599 neue Mitglieder brachte und der Arbeiterpresse ebensoviel neue Abonnenten. Nach mnem Re- ferate des Genossen Thomas- Frankfurt wurde Anschluß an den Bezirksbildungsausschust beschlossen. Die Erhöhung der Beiträge, wurde abgelehnt. Der Kreisvorstand hatte vorgeschlagen, anstatt 39, in Zukunft 49 Pf. zu erheben. Nach Referaten über die Reichs- und die Landwgsivahlen wurde Genosse Busold wieder als Kandidat für den Reichstag aufgestellt. Ein Antrag wurde angenommen, der die Annahme von Doppel- kandidaturen aus der Welt geschafft wissen will. Als Delegierter nach Chemnitz wurde Genosse Speer- Friedberg gewählt. "» � Im Wahlkreis Walbenburg(Schlesien) sind zurzeit im Sozial- demokratischen Verein 2473 männliche und 1994 weibliche Mit- glieder organisiert. Die Armut der Bevölkerung und der Terror der Grubenherren sind Hindernisse für die Entwickelung der Or- ganisation, die nicht leicht zu nehmen sind. Die„Schlesische Berg- wacht" hat 15 999 Abonnenten. Aus den Beschlüssen der General- Versammlung ist vor allem der Antrag hervorzuheben, der den Parteitag in Chemnitz auffordert, von einer Erhöhung der Partei- beitrüge abzusehen, um in den armen Distrikten die Agitation nicht noch weiter zu erschweren. *#* Aus dem Reichstagswahlkreise Hanau-Gelnhausen-Orb, lder am Sonntag seine Generalversammlung abhielt, wird uns bc- richtet, daß das letzte Geschäftsjahr der Organisation einen präch- tigen organisatorischen und agitatorischen Erfolg brachte. 575 männliche und 127 weibliche Mitglieder wurden der Organisation zugeführt, so daß der Mitgliederbestand auf 9113 stieg. Die Soziab- demokratie hat in drei Städten 15 Abgeordnete und in 29 Land- gemeinden 93 Gemcindevertreter, außerdem 5 Gemeindevorstands- Mitglieder. Die Bildungsarbeit und die Jugendbewegung fanden, die größte Beachtung und allseitige Unterstützung. Annähernd 1999 Abonnenten der„Arbeiterjugend" sind im Kreise vorhanden, ferner ist die Zahl der eigenen Bibliotheken in den Filialen von 22 auf 29 gestiegen. Zum Parteitag in Chemnitz referierte Reichs- tagsabgeordneter Genosse Hoch- Hanau. Folgende Anträge wurden angenomen: Zu ß 7 Absatz 2 deS Statuts: Die gesamte ReichstagSfraktion ist zur Teilnahme am Parteitag berechtigt, doch nur mit be- ratender Stimme, soweit nicht ihre Mitglieder durch die Organi« sation delegiert sind. Zu§ 14 des Statuts: Der Parteivorstand ist durch die Wahl von mindestens fünf weiteren unbesoldeten Beisitzern zu ver- stärken. Die Wahl sämtlicher Beisitzer erfolgt wie bei den übrigen Vorstandsmitgliedern durch den Parteitag. 8 19 Absatz 3(Bezirksversammlungen) bleibt bestehen, Der vorgeschlagene Parteiausschutz ist abzulehnen. Der Parteitag wolle beschließen: Der Parteivorstand wird beauftragt, sich mit der Gcnecalkommission der Gewerkschaften zu verständigen, um zu Beginn des nächsten Jahres eine allge- meine Bewegung zum Ausbau unserer Arbeiterschutzgesotzgcbung anzuregen. Zu Delegierten auf den Parteitag wurden gewählt die Gc- nassen D i st m a n n- Hanau, Zander- Bockenheim, D i e tz- Wachepbuchen und H est b.e.rge r-Orb. Für Pen Preustq�'g wurden bestimmt die Genossen S ch u l-s- Enkheim und Schnell- b a ch e r, Hanau..- Parteiliteratur. Im Verlag der Wiener Volksbuch« Handlung ist soeben erschienen«Der Wiener Hoch- v e r r a t S p r o z e ß Es ist der Bericht über die Schwurgerichts- Verhandlung gegen Andreas Scheu, Heinrich Oberwinder, Johann Most und Genossen, welchen Heinrich Scheu neu herausgegeben hat, der einst mit seinen beiden Brüdern in der ersten Linie unserer Arbeiterbewegung stand. Die Veröffentlichung macht ein wichtiges Ouellcnwerk Kur Geschichte der Anfänge der österreichischen Arbeiterbewegung wieder zugänglich und wird schon wegen der angeklagten Personen, die auch in der deutschen Be- wegung eine Rolle gespielt haben, in Deutschland großem Interesse begegnen. DaS Buch gewinnt dadurch sehr an Wert, daß Genosse Karl Renner in einer ausführlichen Einleitung und in einem Nach- wort einenWbriß der politischen und sozialen Entwickelung Oesterreichs von 1848 bis 1997 gibt. Das elegant ausgestattete Werk umfaßt 879 Seiten und kostet gebunden 7 M. ES ist auch in 27 Lieferungen a 29 Pf. zu beziehen. poliieiUebes, Sericbtlicbeo ufw. Statt ber Umzugsgenehmigung— Beleidigung der Arbeiterschaft. Die Gewerkschaften des kleinen Städtchens Kemberg im Kreise Wittenberg beantragten bei ihrem Stadtoberhaupt, als dem In» Schutzmannes kennzeichnet zu jedem Menschen, der ihm trotzt, wie winzig und schwächlich der Uebeltäter auch sein möge:„Darauf zog der Schutzmann blank und hieb auf ihn ein, bis der Mann blutüberströmt z u fa m»> e» v r a ch"... Das Konterfei ist nicht„ohne" werden alle Siftierten sagen, die jemals Dresche gekriegt haben. Notizen. — Direktor Max Reinhardt wird während deS nächsten WinterS Zirkusvorstellungen mit„Oedipus",„Hamlet", der„Schönen Helena" und dem„Mirakel" veranstalten. In Berlin? I wo, sondern in Paris, London, Wien. Wie sichs schickt für den Ritterprofessor der Fremden-— pardon— Ehrenlegion. — Reklame-, Bearbeiter". Die Theaterhetz ist in Sicht. Fast täglich kommen u»S aus den Agenturen und Theaterkanzleicn Notizen zugeflogen des welterschüttcrnden Inhalts, daß der Sport- berichterstatter Soundso oder der Witzblattmacher Soundso diese oder jene Over, Operette usw.„neu bearbeitet". Unter anderen hat auch Herr Georg Hartmann, der künftige Direktor vom Deutschen Opern- hause in Charlottenburg, das, wenn'S gut geht, erst gegen JahrcS- schlafe eröffnet werden kann, Webers„Oberon"„neu bearbeitet". Wäre es nicht vorteilhafter, erst einmal rein direktoriale Leistungen zu bringen? — Rudolf Lencer, der betrügerische Geschäftsführer der „Alldeutschen Kanzlei" in Berlin, hat. wie auS München gemeldet wird, dort wegen großer Betrügereien sieben Jahre Zuchthaus und vorher bereits in Sarau(Schweiz)' fünf Jahre schweren Kerkers wegen des gleichen ReatS abgesessen. Er erschien also prädestiniert für patriotische Vertrauensstellungen. O, die armen Exzellenzen, und die„liberalen Verbände" und die„deutschen Orden" und die„All- deutschen" Groß-Berlins I Woher nun wieder einen gleichwertigen Ersatzmann nehmen? Aber vielleicht sitzt er schon wo sein letztes Strafsemester ab. Wer weiß? I, — Eine Berliner SiegeSallee in— Norwegen? Wilhelm II., der soeben Anordnungen für die Aufstellung einer riesigen Frithjof-Statue am Sognefjord getroffen hat, will auf dem nahe» Konig-Beele-Grabhügel gleichfalls ein Kolossalmonuinent errichten lassen. Die Norweger befürchten nun mit einigem Gruseln, daß, wenn die Freigebigkeit des Hohenzollers anhält, am Sognefjord eine Zweite„SiegeSallee" zu erwarten sei.... Daun gute Nacht, Mitternachtssonne I — JacqueHDalcroze.der Leiter der Hellerauer BildungS- anstatt, arbeitet an einer Oper«Prometheus", zu der»r auch den Text geschrieben hat, Haber der PolizeigÄvald, die Genehmigung zu einem Umzugs aus Anlaß des üblichen Gewerkschaftsfestes. Die Genehmigung wurde wegen Gefahr der öffentlichen Sicherheit mit folgender Begründung versagt: Schon die Teilnahme von Kindern an einem öffentlichen Umzüge, der politischen Zwecken dienen soll, und in diesem Sinne von den Zuschauern alsbald erkannt werden wird, ist geeignet, die öffentliche Sicherheit insofern zu gefährden, als die Kinder, da sie bei entstehenden Reibereien oder Schlägereien am meisten zu leiden haben werden, erfahrungsgemäß in kopfloser Ver- wirr un g s ich und andere, auch eventuell die Zu- schauer, an der Gesundheit schädigen. Im übrigen wird der geplante Umzug, dessen besondere Berechtigung nicht aner- kannt wird, durch Verschärfung der Parteigegensätze die Gemüter erhitzen, was die öffentliche Sicherheit gefährden dürfte. Man könnte meinen, der Herr Bürgermeister— Scheffer ist sein Nenne— wolle sich über das famose Vereinsgesetz lustig machen, doch bedeutete der Hinweis auf die nach seiner Meinung mit Sicher- heit zu erwartenden Prügeleien und die Schädigung der Gesundheit durch die„erfahrungsgemäß" in kopflose Verwirrung geratenden Kinder eher eine grobe Beleidigung der Arbeiterschaft. Marktbericht von Berlin am 7. August ISIS, nach Ermittelung des königl. Polizeipräsidiums. Markthallenpreise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34.00— 50,00. Speisebohnen, weihe, 30,00— 50,00. Linsen 40,00— 80,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 8.00— 13,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,80—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,50—1,90. Schweinefleisch 1,60—2,20. Kalbfleisch 1,50— 2,40. Hammelfleisch 1,70—2,40. Butter 2,40-3,00. 60 Stück Eier 3,60—5,20. 1 Kilogramm Karpjen 1,60—2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,60—3,60. Hechte 1,40—3,00. Barsche 1,00-2,40. Schleie 1,40—3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 1,60-36,00._ Wer möchte wohl heute noch an Vorteilen achtlos vorübergehen, besonders wenn sich die MöglichKeit bietet, in doppelter Hinsicht zu profitieren? Die verständige Hausfrau tut es nicht und die rechnende noch weniger. Beide haben die Erfahrung gemacht, daß sie durch Verwendung von„KornfrancK" ein gutes HaffeegetränK auf den Tisch bringen und dennoch sparsam wirtschaften Können. Dö □DO □□ Theater und Vergnügungen Freitag, 9. August 1912. Ansang i'l2 Uhr. Voigt. Die Tochter der Hexe. Anfang l'l, Uhr. Prater. O diese Berliner. Ansang 8 Ubr. Urania. DerVierwaldstäiterSee und der Gotthard. Königgrätzer Strafte. Die süns Franksurter. Kurfürsteiioper. Der Tanzanwalt. Neues. Der liebe Augustin. Berliner. Grotze Rosinen. Schiller. Charlotteuburg. DaS Konzert. Thalia. Autoliebchen. Herrnfeld. Wie man Männer bessert. Die Original-Klabrias- Partie. Metropol. Schwindclmeier u. Co. Apollo. Spezialitäten. Passage. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Anfang 8>/, Uhr. Lessing. Vergnügungsreise. Neues Schanipielbaus. Sylvester Schäffer. Der erlaujte Gatte. Ein wenig Musik. Lustspielhaus. Ein Königreich m. b. H. Friedr.' Wilh. Schauspielhans. Die keusche Susanne. Rose. Die Kamcltendame. Jolies Caprice. Parisiana- Ensemble. Walhalla. Nur nicht drängeln. Anfang 8.20 Uhr. Luisen. Der verfallene Turm. Ansang 8'/, Uhr. Kleines. Der Unverschämte. Der Arzt seiner Ehre. Der Herr mit der grünen Krawatte. Königstadt-Kasino. Spezialitäten. Anjang 10 Uhr. Admiralspalast. Eisballett: Dvonne. », Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—62. Schiller- rvestei' Charlotteuburg. Das Konzert. Lustspiel«i 3 Akten von Herm. Bahr. Ansang 8 Uhr. Ende 10'/, Uhr. Morgen und folgende Tage: D»« Konzert. Berliner Theater. AbendS 8 Uhr: Große Rosinen. Abends 8 Uhr: vis 5 Frankfurter. Neues Theater. AbendS 8 Uhr: Der liebe Augustin. Operette von Leo Fall. I-essiilg-IIlellter. DäAliob 8'U Uhr: Die Vergnügungsreise. OSE=THEATE| Große Frankfurter Str. 132. Die Kameliendame. Ansang 8'/, Uhr. Aus der Gartcnbühne: Juh«: Es ist erreicht: Gr. Revue, LS/ iOCSSCHE!� CSJmTEM Täglich: Großes Militär- Doppel-Konzert. Eintritt 1 mark, von abends 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Metropol- Theater. Ii»!» Phantastisch musikalische Komödie in 3 Akten aus dem Englischen völlig frei bearbeitet von I. Freund. Musik von N.Nelson. U. a. Tänze v. W. Bishop. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. . Ab 8 lJ|r j « iO große ittraktionen\ j mit L.oreli !dem auf Kommando singenden und sprechenden Wunder-Papagei. Theater Wie man Männer bessert! Die ICSaferäss-FartSe Beide Stücke mit Anton and Donat Sfcrrnfeld in den Hanptrollen. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf 11—2(Theaterkasse.) Voigt-Theater. Gesundbrunnen Badstratze 58. Nur noch einige Tage: Die Tochter der he.re. Kasseneröffn. 2 Uhr. Ans. 4'/z Uhr. Voranzeige! Sonnabend, 17.August: Benefiz sür den Ober- Regisseur Beinriek Bach: Rodert und Dertram. keieiisiiaiien-liarlen „Alt-Berlin" täglich. Großes Konzert des 28 Mann starken Boiiipaim-llreliest. Ansang wochent.8 Uhr, Sonntags k Uhr. Bei schlecht. Weit. i. herrlich renov. d. 4000 Glühlp. erleuchteteh Saal. llsiciisbsllen-Tkesier: 16. Aug. Wiederbeg. d. SoirSen d. Stettiner Sänger. Sozialdemokratisclier Wahlverein m des 6, Berliner tteichstags-Wahlkreises 12. bis 15. Abteilang. Sommer-Fest am Sonntag, den 11. August im Intel-IReltaurant IFlötzcniee. Konzert, Gesang, humorist. Vorträge, Spezialitäten, Tanz. Mitwirkende: Iffloablter Miinnercbor(Mitglied d. D. A.-S.-B.), Beel. Hnmor-Qnartctt, Freie Tnrner, Spezialitäten, Zlvllinnsikcr. Anfang 3 Ubr. Billett 25 Pf. Von 4 Uhr ab: T � S�i düÜa Herren zahlen 50 Pf. nach. Kinder erhalten an der Kasse zwei Bons; einer berechtigt zur einmaligen Benutzung des Karussels oder der Schaukel, der andere zum Empfang einer Stooklaterne. 231/11 Das Komitee. I ❖ H MllMellt ÜMsMf (am Schlesischen Bahnhos). (Großer Ansnahmetag) Morgen Sonnabend(Großer AnSnahmetag) ksst umsonst nach Woltersdorfer Schleuse Abfahrt: Früh von 8-10 Uhr. Jeder Dampfer mit Musik. Daselbst großes Garlen-Konzert. Hin und zurück ZO Pf., Kinder 10 Pf. Es ladet freundlichst ein[27666]_ E. Schmitz. Puhlmanns Theater Schönhauser Allee 148. Täglich: Das vollständig neue Programm l Mmi Theater, Spezialitäten. Jeden Mittwoch: Elite-Tag. Jeden Freitag: llxtrs-Vorstellung mit des. Deberrasckungen liir Kinder. llr.lree 30 Pf. lU&iA_ lARK Heute Freitag;: Großes Tages-Feuerwerk sowie Front-Feuerwerk« Ehtreo 50 Kinder und A G Zentral-VeM der Zimmerer Zahlstelle Berlin und Umgegend, Sonnabend, den 10. August 1912: rosiss zur Feier des 29. Stiftungsfestes in den llesaKtriümen der JMenlraerei Jriedrielishain Am Königstor. Konzert:: Spezialitäten- Vorstellung:: Kasperle-Theater Kinder-Jaekelzug:: Kineraatograph. in den säen: Großer Sommernacbtöball. Die Kaffeekiiche steht den geehrten Damen von 3 Uhr ab zur Verfügung. Alle Mitglieder nebst Familie sowie Freunde und Bekannte XXX sind hierdurch ergebonst eingeladen. XXX Anfang des Festes d'/j Chr. X X X X Entree 30 Pf. 254in* 0er Vorstand. Hagenbeckt Indien Tempelhof er Feld Täglich geöffnet von 11 Uhr vormittags bis 11 Uhr abends 150 Indier. Macri Soliothl's Eöwen- n. Tlgergrappe Ohne Extra-Entree! Königstadt-Kasino. Ecke Holzmarft- u. Alexanderstr. Täglich: Bariets u. Theater im herrlichen Nawrgarten. � Altgusi- 9 ßlanzmimim und„SE leben wir". Gesangsburlcsfe in 2 Bildern. Tägl. Kaffeeküche bis« Uhr. Admirslspawst am Bahnhof FriedrichstralZe, 1 z. 56. einziger Eispalast. Angenehm kühler Aufenthalt. Heute L groBe Vorstellungen 2.| Nachmittags und abends: Das sensationelle Eisballett| „Yvonne". Willi Frick, der I kleinste Eislaufkünstler. Bis 6 Uhr und von tO3/, Uhr I abends halbe Kassenpreise. Restaurant 1. Banges! Wein- und Bier- Abteilung. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber temertei Bera«twort«ng. schreibe ich nicht auch dafür enthält leäez Püktt des so beliebten vr. kenlntt't Veilchenseifenpulvrrs «s«Ooldxerle� ein reizendes Geschenk. Alleiniger Fabrikant auch des flüsflgea Metallpuymittels„Lintel": Larl Lentner, Fabrik chem.-techn. Pro». Söppingen. Tertretnng für Orofi- Berlin: 200/12* Hax Hlrwch. Neukölln, Kaiser-Friedrich-Str. 216. Tel. Neukölln 9280. Verkauf nur im Fabrikgebäude! I 35 FW bie sparen ueld! sir| ! ITlöbel rs MMaH! (H. Wallet �Willi Maat, lK|3ii ' Tel.: A. III, 5157_ ii kaufen. Verkauf nur im Fabrikgebäude— eigene K Tischlerei und Polsteret.— AufWunsch Teilzahlung. 35■■ Permanente Musterzimmer-Ausstcliung.BB 35 Ülcrcincn. Gewerkschafte» und Schult« empfiehlt sich das Ztestsursnt • Schmiickwitz i. d. Stark.——— Ausschank von Tchultheift-Biere».— Anerkannt gute Küche. * Jnh.: Ernst Noait. Telephon: Zeuthen 31. 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Meldungen nur in Begleitung der Eltern oder des Vormundes von 9—1 Uhr vorm. und von 4—8 Uhr nachm. in unserer Personal- Verwaltung, III. Etage. Kaufhaus des Westens, G. m. b. H., Tauentzienstr. 21/24. 37012* II AAVcrtheim M G. sn« b. H» * Zusendung ausgeschlossen, Leipziger Str. 13 2— 3� Soweit Vorhanden, König-Str. �a„Ä,ate V«#.-» Rosenthaler Strasse H B«« äCSk\ Oranien«Strasse&31&0 Geflügel Junge Hühner.. 45, 90 pr. bis 2.40 Suppenhühner.. 1.50, 1.75, 3.00 Enten...... Stack 1.65, 2.25, 4.00 Tauben........... 40, 60, 70 Pf. Gänse-Rümpfe.... stück 2.75, 4.00 Junge Gänse.... Pfund 62 bu 72 rf. Fleischwaren Zervelatwurst......... Pfund 1.35 Salamiwurst.......... Pfund 1.35 Bauernmettwurst m. Knoblauch Pfd. 1.10 * Weiche Mettwurst.... Pfund 1.05 Teewurst............ Pfund 1.15 Landschinken n P!d; Pfund 125 Westf. Schinken �wV�ptund 1 30 Mausschinken 8 p�pfund 1.30 Rollschinken Shwer,*.8.P� Pfund 1.45 Schinkenspeck pfund 1 20 Echte Frankfurter Würstchen DO!« ZV, Paar 85 Pf.,, 5 Paar 1.40 Delikatess» Brühwürstchen Dote 6 Paar. 90 Pf., 13 Paar 1.80 Prager Schinken ÄW�?pK 140 Speisen-Fabrikate Pudding und Griespudding- Pulvav n»it verschiedenem O-d ruiver Sssehmack..... 5 Pakete � Rote Grütze-Pulver mit verschied. Geschmack........... 6 Pakete � Creme-Pulver?''.�'.°ck�z Wate 24 Pf. Eis-Pulver§it.eäef#n!m z Pakete 27 Pf. Saucenpulver 5Pkäki"e 24, 20 pf. Vanillin-Zucker 24, 35 Pf. 'Obst und Gemüse Weintrauben......... Pfund 23 Pf. Weintrauben m Postkisten.. Pfund 21 Pf. Ital. Pfirsiche...... Pfund 26, 33 pf. Bananen............. Pfund 28 pf. Kochäpfel........... Z Pfund 25 Pf. Sternreinetten........ Pfund 14 pf. Kochbirnen....... Pfund 10, 15 pf. Tafelbirnen....... Pfund 13, 18 pt Tomaten Pfund 10 pt. Melonen............ z Pfund 25 Pf. Blaue Pflaumen...... Pfund 20 Pf. Schlangengurken..... Stack 4, 6 pt. Einlegegurken....... Handel 25 Pf. Rot- und Weisskohl Kopf 4, 6, 8 pf. Wirsingkohl....... Kopf 4, 6, 8 pt Kopfsalat........... s Köpfe 10 pf. « Frisches Fleisch und Tische Kalbskeule 1.10 Kalbskotelettes.. Pfund 1.30 Kalbskamm u. Bug?». 80 pf KalbsbrUSt Ganz. 80, Spitze 90 Pf. Hammelkeule im Ganz, pfd.95 pf. Hammelrücken im Ganz. 95 pr. Dicke Rippe..... p«. 90 pr Dünnung....... pm. 80 pr. Kasseler Rippespeer 1.00 b.1.15 WIIdscHwein Kral« prd. 1.00, 1.10, RticKen 90 Pf, 1.00, Statt 80 Pr., Ragout 30 Pr. RehKeule6.00b9.00, RehrücKen 7.00b 10.00, Rehblatt 1. 60 b.2.20 Schmorfleisch... prund l.lfl Brust-Fehlrippe. prund 90 pr. Kamm u. Querrippe prd. 80 pr. Pökelzunge..... prund 1.25 Schweinekamm u.Schuft 1.10 Schweinekotelettes prd. 1.15 Rückenfett 75. Liesen 80 pr. Eisbein(Dickbein).. prund 65 Pf. Gehacktes Fleisch prd. 70 pr. Gulasch........ prd. 80 pr. HirscH und Lebende Aale 60, 90pr. 1.10 Seelachs öhnf ko" �ph. öpr. Lebende Schleie. prd. 1.18 Schellfische..... prd. 15 pr Kabeljau FUchperS. 16pf. Zander......... Pfd. 65 pr. Lachs in ganzen Fischen Pfd. 40 Pf. Versand-Abteilung: Berlin W. 66, Leipziger Strasse 132-137 Die Firma A. WERTHEIM hat zu ähnlich lautenden Firmen keinerlei Beziehung 'Butter u.*Käse Kochbutter............. m 1.18 Tischbutter............ Pfd. 1.25 Tafelbutter. Pfd. 1.35, 68 pf. Schmalz............... Pfd. 65 Pf. Pflaumenmus.......... Pfd. 30 pt Marmelade f££üV\ t'Tpli 33 pf. Emmen thaler Käse..... pfd.1.15 Limburger Käse....... pra. 55 pf. Romatour............ stock 28 pt Bierkäse.............. Pfd. 62 pf. Caunembertkäse....... Stack 23 pr. Schweizer Käse....... Pfd. 92 pt. Tilsiter Käse.......... pti 65 Pf. Speise-Quark......... stock 10 pt *0 mit Raffinade eingekocht Himbeersaft......•/, n 95 pt. 1.30 Kirschsaft........>/, pl 95 pt, 1.30 Johannisbeersaft.......>/. fl 95 pt Erdbeersaft........... /.pt 1.20 Ananassaft............ v, Fi 1.30 Zitronensaft m. Zucker>/. Fi 95 pt. 1.30 Zitronenmost Zucker Fi. 1.10 Wein Räucherwaren Java-Reis...... Pfund 25, 30, 36 Pf. Rangoon-Reis..... Pfund 17, 20 pt Reisgries............. Pfund 19 pt. Weizengries.......... Pfund 19 pt Bücklinge s stock 20, 25,« stock 15 pt Flundern.............. Pfd. 60 pt Geräuch. Aale 1.00, 1.60 Bund 35 pt Dorsch............ stock 12, 15 Pt Bornh. Sprottbücklinge. Pfd. 40 pt Saure Gurken.... s stock 10, 15 pt Sardellen.......... Pfd. 75, 90 pf. Matjes-Heringe. stock 10, 15, 20 pt inkl. Flacche Borsdorfer Apfelwein..•/. fi. 32 pt 1910 Westhofener.....•/. fi. 65 pt 1 91 1 Obermoseler.....>/, fi. 70 pt 1 91 1 Wormeldinger---- vi Fi 82 pf. 1 909 Saint Mathieu rot.. v. fl 63 pt 1909 Saint Juan rot..... Fi 70 pt Ln(*L Porter und Ale Double Brown stout.... um 1.50 Imperial stout......... wfi 1.90 Pale-AIe.............. ton 1.90 Lcara Portsr- und Alefluchen werdsn mit 10 Pt baraohnst und ebenso mrückgenommen. Verwaltung Berlin. fieutc Freitag, obtttbS S'/a Uhr, im GewerfschaftShause, Engelufrr 14/1S Saal IV iArbeitjlosensaal): TlLeung der Freitag, de» 30. August, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel» ufer 15/15tr m Lnskratentetl verantw.t Th. Glocke,«erlm. Druck lt. Verlag: Berwart» vuSdruckire, g.«erlggSaoiVtt Sjaui«loger iblife,©jeiin Nr. 184. 29. Jahrgang. 2. WM des Jotntt" Kerüm DollisdlM Freitag, 9. Aagnst t9l2. Partei-?Zngelegenkeiten. Bezirk Gtrnlaii. Sonntag, den 11. August, nachmittags 2 Nhr, findet im Lokal Häuseler, Kienbaum, eine öffentliche Versammlung statt. Referent: Genosse Eugen Brückner. Alle Genossen, die einen Ausflug in hiesige Gegend unternehmen, werden ersucht, an der Versainmuing teilzunehmen. Niederlehtne. Sonnabend, den 10. August: Außerordentliche Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Vor- trag des Genossen Max Peters über„Proletarische Jugend- bestrebungen". 2. Diskussion. 3. Wahl der Delegierten zur Kreisgeneralversammlung. Sonntag, den 11. August, findet das Volksfest des Wahl- Vereins Niederlchme auf der Dorfaue am Luch statt. Volks- belustigungen für Jung und Alt tragen zur nötigen Unter- Haltung bei. KöiiigS-Wusterhausen. Sonntag, den 11. August, nachmittags 2 Uhr, findet im Lokal W-dhorn, Altes Schützenhaus, eine ö f t e n t- liche Gemeindewähler-Versammlung statt. TageS- ordnnng: 1. Die Sozialdemokratie in der Gemeinde- Vertretung und die Vorgänge bei der letzten Ge- meindewahl. Referent: Stadtverordneter Max G r o g e r, Neukölln. 2. Diskussion. Sonnabend, den 10. August, abends 7 Uhr, findet vom Lokale Heidrich, Berliner Str. 26 aus Flugblattverbreitung statt. Von den Parteigenossen und Genossinnen wird erwartet, daß sie ihre Pflicht in vollem Maße erfüllen. Der Vorstand. berliner INacbricbtcn. Das Martyrium einLS zehnjährigen Mädchens. Die zehnjährige Schülerin Katarina Kirsch, die bei ihrem Stiefvater Wilhelm Schalitzky in der Malplaguetstraße wohnte, sprang gestern nachmittag in der Nähe der Fennbrück? in den Schiffahrts- kanal. Ein zufällig vorübergehender Former sah den Vorgang und zog das Kind noch lebend aus den Fluten heraus. Das Mädchen wurde nach dem 53. Polizeirevier gebracht, wo es angab, die Tat wegen fortgesetzter Mißhandlungen durch die eigene Mutter verübt zu haben. Die Polizei ließ das Kind nach dem Waisenhaus in der Alten Jakobstraße bringen, von wo aus es in Pflege gegeben werden soll. Einem hiesigen Lokalblatt wird über die Beweggründe des Kindes zum Selbstmord noch gemeldet: Das Kind, das unehelich geboren wurde, war bis zu seinem vierten Lebensjahre bei einer Frau Beyer in Pflege, bis sich die Mutter des Mädchens mit dem Arbeiter Schalitzky verheiratete. Von diesem Tage an zählt die Leidens- gcschichte de-Z Kindes. Es wurde von der Mutter, die inzwischen drei ehelichen Kindern das Leben schenkte, in der rücksichtsloseste» Weise mißhandelt. Mit Ausklopfern, Besenstielen und anderen Instrumenten wurde das Kind so geschlagen, daß es häufig blut- unterlaufene Stellen am Körper zeigte. Das Kind wurde von den übrigen Kindern getrennt und wiederholt in dunkle Räume oder gar in die Toilette eingesperrt. Die Folge davon war, daß das Kind körperlich völlig zurückblieb. In den verschiedenen Wohnungen, in denen das Ehepaar Schalitzky wohnte, erregten die Mißhandlungen des Kindes oft den Unwillen der anderen Hausbewohner, so daß sich schließlich die Behörden mit dem Martyrium des KindeS beschäftigten. Der Vormund deS KindcS war der Mann der Frau Beyer. Er klagte darauf, daß vom Vor- mundschaftsgericht der Frau Schalitzky und ihrem Manne die Er- ziehungsrechte über das Kind genommen werden sollten, und be- gründete seinen Antrag mit zahlreichen ärztlichen Attesten, aus denen hervorging, daß das Kind häufig schwer mißhandelt worden war. Die Mutter gab zu, ihre Tochter wiederholt geschlagen zu haben, begründete dies aber damit, daß das Mädchen sehr verlogen sei. Gleichzeitig erkundigten sich die Behörden bei dem zuständigen Schulrektor, der jedoch die Auskunft gab, daß ihm von den Miß- Handlungen nichts zu Ohren gekominen sei und daß auch sonst das Kind gut versorgt zu sein schien. Die Mutter des Kindes erhob schließlich Widerklage beim Landgericht und erreichte, daß ihr das Kind zugesprochen wurde. Daraufhin legte der bis- herige Vormund Beyer die Vormundschaft nieder. Eines Tages im vergangenen Jahre erschien der Stiefvater des Kindes bei der Frau Beyer und bat sie, das Kind wieder zu sich zu nehmen, da er die Mißhandlungen, denen eS von feiten seiner Frau aus- gesetzt sei, nicht mehr mit ansehen könne. Nun behielt Frau Beyer das Mädchen acht Monate lang, bis es schließlich von seiner Mutter wieder zurückgeholt wurde. Seit dieser Zeit setzten die Mißhandlungen von neuem ein, die das Kind zur Verzweiflung trieben. Gestern war es wieder in die Toilette eingesperrt worden. Es kletterte aus dem im Parterre gelegenen Fenster heraus und lief davon. Dann eilte es nach der Fennbrücke, wo es sich, ehe es jemand daran hindern konnte, in das Wasser stürzte. Gegen die Mutter deS Kindes soll Strafantrag gestellt werden. Eine neue FernsprechvermittlungSstelle wird am 16. August in Berlin eröffnet. Sie erhält den Namen.Alexander' und wird neben der bestehenden Vermittlungsstelle Königstadt beim Fern- sprechamt 7 in der Palisadenstraße vv betrieben werden. Die Post empfiehlt den Teilnehmern, die später an die neue Fernsprech- vermittliingsstelle angeschlossen werden und ihren Anschluß auf Brief- bogen, Geschästspapieren ulw. angeben, dafür die Fassung„Berlin, Aint Alexander Nr.....*. Die Zahl der Vermittlungsstellen in Berlin selbst steigt damit aus neun. Sie führen die Namen Zentrum, Moabit, Norden. Moritzplatz. Kurfürst. Lützow, Nollendors, König- stadt und Alexander. Zu unterscheiden hiervon sind die kaiserlichen Fernsprechämter, denen die einzelnen Vermittlungsanstalten zugeteilt sind. Don diesen gibt es sechs, das Hauptfcrnsprechamt und die Fernsprechämter 2, 3, 4, 0 und 7. Kapitel Straßcnreinigung Berlin. Aus den Kreisen der städtischen Arbeiter wird uns geschrieben: Ganz rigoros werden seitens der einzelnen Ausseher die Strasbestimmungen für die Arbeiter, welche sich augeblich etwas zuschulden kommen lassen, gehandhabt. Nicht allein, daß man Arbeiter, welche es wagen, einmal ihre Meinung aem Vorgesetzten gegenüber zu vertrete», sofort mit zwei Stunden dienst bestrasl, müssen oitmals die kleinlichsten Sachen bei der Verhäiigung der Strafe herhalten. So wurde in der vorigen Woche ein jugendlicher Arbeiter der am Hallcschen Tor-Viertel Dienst ver- richtet, von dem einen Aufseher deswegen mit zwei Stunden Straf- arvert bedacht, weil ihm bciiii Radfahren die Arbeitskleidung etwas vejchmutzt wnr. Diese Strafe sollte der jugendliche Arbeiter am " eigentlich dienstfrei war. antreten. Run hatte � a!n Sonntag das Malheur. d.eZeit zu verschlafen. was anderen Leuten gewiß auch schon pafitert ,st. Da nun die Ar- bettsordming über das Antreten der Strafe absolut nichts vor- schreibt, ging der Bursche am Sonntag nicht an die Arbeit. Am .Noiilag wurde�er dann von dein anderen Aufseher gleichfalls mit «W � bedacht, weshalb, mögeu die Götter wissen. �"Bursche hat allo das Vergnüge», a» seinem nächsten freien Strnfarbeit zu verrichten. Wenn er nun gar das Malheur hat, beim Radfahren wieder einmal die Kleidung zu bcichinutzen, dann kann unter Umständen der Bursche seines ganzen freien Sonntags beraubt werden. Ob ein solches Vorgehen der Vorgesetzten die Arbeitsfreudigkeit der Arbeiter hebd, ist eine Frage, die wir billig bezweifeln möchten. Des öfteren koinmt es auch vor, daß die Strafen iu der Mittagszeit abgerissen werden müssen. Auch dieses Vorgehen muß verurteilt werdmr. Arbeiter find keine Schulbuben, welche man durch Nachsitzdn usw. bestraft. Nebenbei bemerkt, scheint der Aufseher, welcher die Strafe verhängt, auch eine sehr lose Hand zu haben. So hat derselbe vor einiger Zeit einem Burschen eine Ohrfeige gegeben, weil ein Stück seiner Dienstkleidung zerrissen war. Hier wäre es Pflicht des Kura- toriums, einmal einzugreifen, damit die Aufseher nicht gar zu sehr über die Stränge schlagen. Hoffentlich tragen diese wenigen Zeilen mit dazu bei, in dieser Angelegenheit Wandel zu schaffen. Elektrische Bahn Rahnsdorf- Woltersdorfer Schleuse. Die Ge- meinde W o l t e r s d o r f hat sich entschlossen, mit dem Bau der elektrischen Straßenbahn vom Bahnhof Rahnsdorf bis zur W o l t e r S d o r f e r Schleuse zu beginnen, nachdem die Genehmigung der Baupläne anstandslos erfolgt ist. Mit der Bau- ausführung wurde bereits begonnen und eine gerade Strecke durch die königl. Forst Köpenick in zirka 2'/» Kilometer Länge ausgeforstet. Auf der ganzen 6 Kilometer langen Strecke ist halbstündiger bezw. viertelstündiger Verkehr vorgesehen mit jeweiligem Anschluß an die Vorortzüge nach Erkner. Die Eröffnung der Bahn ist für das Frühjahr 1913 geplant. Bon einem Bahnhofsdiebe um seine ganze Habe gebracht tvnrde das 22 Jahre alte Dienstmädchen Anna Scholtoschek. Das Mädchen kam vorgestern aus Schlesien auf dem Bahnhof Friedrichstraße an. Außer einem großen Koffer, in dem es seine ganzen Kleidungsstücke und Wertsachen verpackt hatte, trug es nur noch eine kleine Hand- tasche bei sich. Den Koffer gab das Mädchen gleich nach der An- kunft auf den: Bahnhof bei der Gepäckablieferung ab. Dann fuhr eS zu einer Stellenvermittelung in der Johannisstraße, um sich nach Arbeit umzusehen. Als eS dort ankam, machte es die unliebsame Entdeckung, daß ihm aus der Handtasche heraus da? Portemonnaie gestohlen worden war, das außer 6 M. barem Geld den Gepäck- ablieserungsschein enthielt. Auf Anraten der Stellenvermittlerin fuhr es nun gleich zum Bahnhof zurück, um zu verhindern, daß das Gepäck von anderer Seite abgeholt wurde. ES kam aber schon zu spät, der Koffer war schon abgeholt. Das Mädchen hatte außerdem in den Koffer noch 10 M. hineingelegt. Ans dem Fenster gestürzt ist gestern nachmittag im Hanse Wolliner Str. 8 ein kleines Kind. Bei dem Maler Schirge, der im vierten Stock des Vorderhauses wohnt, war das Töchterchen Erika seines Sohnes ans Besuch. Die Großmutter spielte mit ihrem Enkel- lind in der Wohnstube eine Zeitlang und setzte es dann auf einen Stuhl am offenstehenden Fenster, um einen älteren Bruder des Kindes zu holen, damit dieser auf dasselbe aufpasse, weil sie in der Küche zu tun hatte. In der kurzen Zeit, wo sie die Kleine unbeaufsichtigt gelassen hatte, war letztere voni Stuhl auf da« Fensterbrett geklettert. Hier verlor da? Kind das Gleichgewicht und stürzte auf die Slraße. Mit zerschmettertem Schädel blieb es hier tot liegen. Auf seiner Arbeitsstelle erschossen hat sich der 48 Jahre alte Kaufmann Alfred I a n k aus der Fischerslraße. Gestern nachmittag fanden Angestellte der Aschiiiger-Aklieiigesellschaft, bei der auch Jaul beschäftigt war, diesen in deren Kontorräumcn in der Saarbrücker Straße 36 tot daliegen. Er hatte sich mit einem kleinkalibrigen Revolver eine Kugel in die rechte Schläfe geschossen, ohne daß jemand davon etwa? gemerkt hatte. Die Leiche wurde gleich nach dem Schauhause gebracht. Ein schmerzhaftes Magen- und Darm- leiden haben den Mann zu diesem Schritt veranlaßt.— Krankheit hat auch den 38 Jahre alten Kaufmann Hermann I a c o- b i w i c z aus der Badstraße 64 zum Selbstmord veranlaßt. Der Mann litt an Rückenmarksschwindsucht und äußerte schon wiederholt, daß er sich das Leben nehmen wolle. Als er gestern abend allein in der Wohnung anwesend war, erhängte er sich. Vergiftet anfgefunden wurde gestern vormittag am Nordufer deS Müggelsees, univeit der EiSwcrke, ein 18— 20jährigeS Mädchen. In einen» Notizbuch fand sich die Adresse„Coriand, Friedrichsfelderstraße", so daß eS sich um eine Berlinerin handeln dürste. Die Lebensmüde hatte Kleesalz zu sich genomnien. Ein falscher Kriminalbeainter, der schon des öfteren allerlei Schwindelmanöver ausführte, hat abermals eine Gastrolle gegeben, und zivar diesmal in Charlotlenbnrg. Er suchte eine dort»vohn- hafte Hansbesitzerin in der Lanklvitzstraßc auf und gab an, ein an- geblich verhafteter Falschmünzer habe in ihrem Hanse gewohnt. Aus diesen» Grunde sei er beauftragt, nach etwaige», falschen Geld oder Papiergeld, daS sich im Hanse noch befinden könnte, HauS- snchung zu halten. AuS deui ihin vorgelegten Geld bezeichnete er einen Zehmnarkschein als falsch, legte diesen in ein anscheinend ver- siegelteS Kuvert, das er der Hanseigentümerin mit der Weisung übergab, sich hiermit beim Polizeiprnsidiinn einzufinden. Wie sich später herausstellte, hatte der Mann den Zehnmarlichein nut wertlosem Papier zu vertauschen verstanden. Auch das ihm vorgezeigte Bargeld hatte er verschioinden lassen. Der gefährliche Patron legitimiert sich durch eine Marke, die aber von den Geschädigten nur sehr flüchtig angesehen wurde. Er wird als etwa 80 Jahre alt, mit blondein Schnurrbart, frischem, ovalcin Gesicht, grauem Jackett und weißem Strohhut beschrieben. Zweckdienliche Aitgaben nimmt die Kriminalpolizei, Zimmer 100, entgegen. Bon seinem Fuhrwerk überfahren. Ein aufregender Unglücksfall hat sich gestern vormittag in der Dessauer Straße ereignet. Ain Potsdamer Hafen war ein Gefährt des Besitzers Bogt, Manteuffel- straße 82, mit Maucrfteineu beladen worden und soeben hatte der Kutscher, der 29 Jahre alte Friedrich Kicnast. Naunynstr. 10 wohn- hast, den Bock bestiegen, als die Pferde plötzlich scheuten und davon- rasten. In toller Karriere eilte das Gespann nach der Dessauer Straße, bog in diese ein»md nun gings nach der Königgrätzer Straße. An der Kreuzung ivnrde der Wagen mit solcher Gewalt gegen die Bordschwelle geschleudert, daß K. vom Bock heruuter- geivorfen wurde und unter die Räder stürzte. Er tvurde über- fahren und erlitt so schwere innere Verletzungen, daß er in hoff- nungslosem Zustande in das Krankenhaus am Urban eingeliefert wurde. Selbstmord in geistiger Nmiiachtimg hat die 86 Jahre alte Ehe- frau des im Hanse Babelsberger Str. 48 wohnhaften Rentiers Witkowski begangen. Der Ehemann hatte uin'/zlO Uhr die Wohnung verlassen, um sich zu einein Arzt zu begeben. Als er mittags heimlehrte, fand er seine Frau in der Küche am Fußboden liegend und in ihre,» Blute schwimmend, tot auf. Er glaubte zu- nächst, daß es sich um einen Mord handle und benachrichtigte die Polizei, die auch bald am Tatort erschien. Nach dein Befunde stellte es sich jedoch bald heraus, daß die Frau in einem Anfall von geistiger Umnachtung Selbstmord verübt hatte. Wie einige Haus- bewohnerinnen belunden, hatte Frau W. fast völlig entkleidet am Küchenfenster gestanden. Hier hatte sie sich ein Tranchiermesser, dessen Klinge etiva 20 Zentimeter lang ist, in der Gegend der Magengrube in den Leib gestoßen. Einen gräßlichen Tod hat der Hausbesitzer Karl Göricke, Ring- bahnstraße 81 zu Neukölln, gefunden. G. hatte eine in Waidmannslust wohnende verheiratete Towter besucht. Als er dann abends wieder mit dem Vorortzug heimfuhr, schlief er ein und legte sich dabei etwas gegen die Coupölür. Diese muß wohl nicht verschlossen gewesen sein, denn durch den Gegendruck öffnete sie sich während der Fahrt und G. stürzte heraus. Er fiel uiiglücklichcrlveise auf die Schienen des Nachbargleiscs, auf dem gerade ein Zug von Berlin herangesaust kam._ Der Zug ging nun über den Verunglückten hinweg und die Räder zerstückelten G. vollständig. Ein Strecken- Wärter fand später die Leichenteile ans und benachrichtigte die Polizei. Ein Leichenfund, der noch der Auftlärung bedarf, wurde bor« gestarit im Gamensee bei Strausberg gemacht. Ein Schulknabe ent- deckte am Ufer den Leichnam eines jungen Mannes und benach- richiigte die nahe Försterei Heidekrug. Man schaffte den Toten daim ans Land und nun stellteDsich heraus, daß er nicht die geringsten Wertsachen bei sich hatte. Ein Taschentuch, da? man fand, enthielt das Zeichen E. M. Die Hosen waren durch Fahrradklammern be- festigt. Es wird angenommen, daß es sich bei dem Toten um einen Radfahrer, vielleicht einen jungen Berliner handelt. Neber den bevorstehenden Sternschnuppenschwarm der Perseide» wird Dozent Jenz Lützen am Sonnabend, den 10. August, abends 8 Uhr, unter Vorführung zahlreicher Lichtbilder einen besonderen Vortrag auf der Treptow-Sternwarte halten. Da? Institut bleibt während der ganzen Nachr für die Beobachtung der Steriischnuppen geöffnet, es werden Wagen der Straßenbahn nach Bedarf verkehren. Die Besucher werden gebeten, ihre Operngläser und event. lichtstarke photographische Apparate mitzubringen, da ein Teil der Plattform auch zum Phoiozraphieren der Sternschnuppen reserviert bleibt. Direktor Dr. Archenhold hat im neuesten Heft des„Weltalls" Winke zum Photographieren von Sternschnuppen" veröffentlicht, die gegen Einsendung von 60 Pf. an Interessenten von der Treptow-Sternwarte versandt werden. Da der Mond nicht stört, wird das Schauspiel der Sternschnuppenentsallung in diesem Jahre besonders günstig sein. Der Ausstreuungspunkt der Perseiden liegt bei Beginn d«r Dunkel- heit bereits 18 Grad über dem Horizont. Vorort- f�acbricbtw. GchStteüerg. Wieder ein hungernder Kriegsinvalide. Mehreren Anwohnern des L.euthenplatzes fiel es auf, daß ein alter Kriegsinvalide schon mehrere Tage und Nächte hindurch sein Stammquartier auf einer Bank am Leutheichlatz aufgeschlagen hatte, die er nur verließ, um in der Ilnigegend sich das Nötigste zu seiner Nahrung zusammen- zubctteln. Man benachrichtigte einen Beaniten, der den bedauerns- werten alten Mann nach der Wachtstube des 12. Polizeireviers brachte, wo er an' dem Tisch neben den Schutzleuten Platz nehmen mußte und hier Abendbrot erhielt. Dann wurde ihm ein Bett im Wacht- zimmer a»fgeschlagen und am nächsten Morgen wurde der alte Mann nach dein Polizeipräsidium überführt. Hier wurde er iu einem Vorzinimer wiederum mit einem Frühstück bedacht, daß er mit Heißhunger vermehrte, ein Beweis dafür, daß der Bedauernswerte lange Zeit hindurch gehungert hatte. Aus seine» Papieren, die er bei sich führte, und aus seinen Aussagen ging hervor, daß der Veteran die Schlacht bei Königgrätz mitgefochtcn und ebenso den Feldzug 1870/71 nütgemacht hatte. In diesem Feldzug erhielt er einen Schuß in die rechte Hand, wobei ihm da» Daumenglied abgerissen wurde. In dem Invaliden wurde der 68jährige obdachlose Stephan Markowieski, 1344 zu DembirieS geboren, festgestellt. Die Geschichte seiner Leiden ver- mochte der Veteran nicht anzugeben, da er durch die langen körper- lichen Entbehrungen auch geistig gelitten zu haben scheint. Tteglitz. Die Kinderfcricnspiele finden am heutigen Freitag im„Birken- Wäldchen" ihren Abschluß. Insgesamt wurden acht Ausflüge nach dem Grunewald unternommen und viermal wurde im„Birkenwäldchen" gespielt. An den Ansflügen nach dem Grunewald, bei denen die Straßenbahn für die Hinfahrt, einigemal auch für die Rückfahrt benutzt wurde, beteiligten sich hintereinander 106, 128, 180, 162, 132, 136, 190, 165 Kinder: an den Spielen im„Birkenwäldchen" beteiligten sich 164, 150, 140, 148 Kinder, die den verschiedensten BevölierungSschichten angehörten. Von der Gemeindevertretung waren auf sozialdemokratischen Antrag dem Spielkomitee 50 M. überwiesen worden, die aber bei der großen Beteiligung nicht ein- mal ausreichten, um die Fahrgelder auf der der Gemeinde gehörigen Grunewaldbahn zu decken. Es wurden 63,60 M. dafür verausgabt. Es ist nur zu wünschen, daß die Gemeinde im nächsten Jahre einen etwas höheren Betrag für diesen edlen Zweck bewilligt. Da? aus sechs Genossinnen bestehende Spielkomitee hat ein großes Stück Arbeit geleistet, was bei der oftmals tropischen Hitze keine leichte Aiifgabe war. Die lachenden Kinderaugen und der von den Kindern lebhaft geäußerte Wunsch auf Wiederholung der Spiele werden den Geiiosstnncn der beste Dank für ihre Arbeit sein. Das heutige Schlußfest soll die Kinder noch einmal zu fröhlichem Spiel ver- einen, wozu mich die Eltern freundlichst eingeladen sind. Friedenau. Die AbschiedSfeier der FerienanSflügler findet Sonnabend. den 10. August, im Birkenwäldchen, Lichlerfelde, statt. Treffpunkt nachmittags 2 Uhr am Schillerplatz. Neukölln. Einen dreisten Ueberfall verübte am hellen Tage vor dem Hause in der Schicrkestraße 27, Ecke Hermannstraße, ein junger Bursche. Als gestern früh gegen 10 Uhr eine Frau vom Einholen in ihre Wohnung zurückkehren wollte, wurde sie von dem jungen Burschen hinterrücks niedergeschlagen und ihrer Geldbörse mit einem Inhalt von 14 M. beraubt. Der Täter entkam, ohne erkannt zu werden. Weihensee« Ei» Fabrikbrand entstand Mittwochabend gegen 7 Uhr in der Tischlerwerkstatt von O. Banemann in der Berliner Allee 44. Die Hobelspäne iverden abends in einen Raum neben der Feuerungs- anlage der Dampfheizung gebracht und gerieten vorgestern auf noch unaufgetlärte Weise in Brand. Das Feuer erhielt durch die große Masse dort lagernder Späne reichliche Nahrung, so daß die Haus- bewohner bald durch helle Flammen, die aus den Kellereien empor- schlugen, alarmiert wurden. Da eS sich um ein massives Fabrik- gcbäude handelte, konnte die anriickende Feuerwehr bald jede Ge- fahr beseitigen. Nach zweistündiger Tätigkeit war das Feuer gelöscht. Sldlershos. Der Arbeiter-Radfahremrein„V°MiirtS"M.d.A.«N.-B.„Sokida- riläl") feiert am Sonntag, den 10. August, im Lokal von Wöllstein, Bismarckstr. 24, sein zehntes Stiftungsfest. Nachmittags 3 Uhr findet eine Korsofahrt vom genannten Lokal aus statt. Da der Verein sich zu Partei- und Gewerkschaftsfeste» stets zur Verfügung stellt, wird besonders auf das Fest verwiesen. Ober-Schöneweide. � lchkn gewordenes Pferd wurde gestern die 64jährige Händlerin Anna Neufeld schlver verletzt. Frau N. verkaufte auf dem Wochenmarkte in der Wilhelminenhofstraße Schnürsenkel und stand neben der Bude eines Händlers, vor der ein Wagen vorfuhr, auf den Waren verladen werden sollten. Plötzlich scheute das Pferd, bäumte sich auf und stürzte zu Boden. Im Fallen riß das Tier die Händlerin Neufeld um, die unter den Körper des wild um sich schlagenden Tieres zu liegen kam. Erst nach längerer Zeit gelang es mehreren Männern, die Verunglückte ans ihrer schrecklichen Lage zu befreien. In besinnungslosem Zustande wurde sie nach dem Elisabcth-Hospital geschafft, wo die Aerzte Nippenbrüche und schwere innere Verletzungen seststelltctr. Köpenilk. Falsche Mordgerüchte wurden miS Anlaß eines Leichenfundcs. der in der städtischen Forst gemacht wurde, verbreitet. In der Nähe dsS Müggelschlößchens stieß ein Spaziergänger auf die Leiche einer alten Frau, die mit dem Gesicht auf dem Erdboden lag. Die Be- nachrichtigte Polizei sorgte dafür, daß die Tote nach der Leichenhalle gebracht und dort untersucht wurde. Dabei ergab sich, dag nicht ein gewaltsamer Tod vorliegt. Es kommt vielmehr ein Herzschlag als Todesursache in Betracht. In der Toten ermittelte man die 64jäbrige Witwe P. von hier, die beim Holzsammeln plötzlich vom Herzschlag getroffen worden ist. Potsdam. Selbstmord beim Gardercgiment. Bei der 4. Kompagnie des 1. Garde-Regiments stand der Einjährige Johannes I o t t k a, der Sohn eines Postbeamten aus Nauen. Er sollte seine Wohnung außerhalb der Kaserne aufgeben und wieder in der Kaserne wohnen. Gestern abend gegen Vo7 Uhr erschoß er sich auf der Mannschafts- stube seines Reviers mit seinem Dienstgewehr. I. ist am 19. No- vember 1892 in Wittenberge geboren. Die Motive zur Tat sind noch nicht aufgeNärt, doch nimmt man an, daß der Einjährige aus Furcht vor einer zu erwartenden Strafe Selbstmord verübt hat. Spandau. Jugendlicher Lebensretter. Eine mutige Tat vollbrachte gestern der 13jährige Schüler D i e tz aus der Bismarckstr. 61a. Nachmittags gegen Va5 Uhr spielten in der Nähe des sogenannten Torfgrabens mehrere Kinder am Ufer der Havel. Dabei stürzte der siebenjährige Willy Mendt kopfüber in den Fluß und ging sofort unter. Der gerade vorübergehende Schüler Dietz hatte den Vorfall bemerkt und sprang kurz entschloffen in voller Kleidung in die Fluten. Nach mehr- maligem Tauchen gelang es ihm, den verunglückten Knaben zu er- fassen und ans Ufer zu bringen. Ein hinzugerufener Arzt stellte Wiederbelebungsversuche an, die glücklicherweise von Erfolg gekrönt waren._ Jugendveranstaltungeu. Arbeiterjugend Weistensee. Sonnabend, den 16. August: Nacht- Wanderung nach Tegel, Hennigsdors-Velten. Treffpunkt abenos 16 Uhr Friedrich-, Ecke Sweustraffe(Weber). Kosten 96 Ps. Sonntag vorm. 9—12 Uhr und Dienstags 7—9: Spiele aus dem Pscrdemarkt(Rölckestraffe). Arbeiterjugend Nowawes. Sonntag, den 11. August: TageStour nach Ketzm. Treffpunkt 6 Uhr bei Singer. Proviant und Liederbücher mit- bringen. dem Flugplatze bei Bonn ein. wohin er sich Monteure und Benzin- Vorräte hatte schaffen lassen. Trotzdem der Flieger auf dieser ersten Etappe schon bei sehr starkem Wind hatte fliegen müssen, erhob er sich doch gegen 11 Uhr von neuem in die Lüfte, um die nächste Etappe Hannover und womöglich auch noch Berlin zu erreichen. Er geriet jedoch bald in so st arke Gewitterböen, daß er sich genötigt sah, bei Attendorf(Altendorf?) in Westfalen niederzugehen. Bei der Landung stieß der Morane-Saulnier-Eindecker heftig gegen einen Baum, wobei der Propeller zersplitterte und die Tragflächen stark beschädigt wurden. Der Flieger selbst blieb unverletzt. Der Apparat wurde sofort abmontiert und nach Paris zurückgeschickt, wohin sich auch der Flieger wieder zurückbegab. Hätte er die Nach- Mittagsstunden abgewartet, so wäre ihm sein Unternehmen vielleicht gelungen, da sich nachmittags der Wind legte. Brindejonc de Moulinais beabsichtigt, seinen Versuch zu wiederholen. Versammlungen. Berichtigung. Im Versammlungsbericht des 1. Kreises ist der Kassenbestand irrtümlich mit 3766,26 M. angegeben; derselbe be- trägt aber nur 1862,67 M. Ferner ist zu bemerken, daß Genosse Simmel nicht in den Jugendausschuß gewählt worden ist. Hus aller Alelt. Der„kluge" Genosse. Folgende beachtenswerte Ausführungen entnehmen wir der »Wiener Arbeiterzeitung": »In einer Gastwirtschaft war's im Wienerwald. Da traf ich ihn zuletzt. Er saß in einem Kreise einfacher, kleiner Leute und »klärte auf".„WaS heute ein aufgeklärter Mensch ist, der muß ein Sozialdemokrat sein", sagte er. Potztausend I Der ging ja forsch ins Zeug I Ich Hub an, hinüberzuhorchen.„Denn warum? Js denn das eine Ordnung, daß der eine a Graf is und der andere wohnt im BäckerhäuSI I? Menschen san mar alle. Teilt mutz wer'n." Den Zuhörern schien die temperamentvolle Programmrede in ihre» tieferen Zusammenhängen nicht ganz einzuleuchten und sie fragten einiges, was ich nicht verstehen konnte, wohl aber vernahm ich die blitzgeschwinde Antwort:„Was ein rechter Sozialdemokrat is wi i, der läßt sich von niemand nix sagen. Wir Sozialdemo- kraten führen die Freiheit ein, und wann mir erst die Freiheit ein- g'führt haben, nacher kann jeder tun, was er will." „Ist das ein verworrener und verdrehter Kopf", dachte ich mir, während die Zuhörer wieder ihre leisen Fragen an den wohlunter- richteten„Sozialisten" stellten. „Hört's mir auf!" brüllte er.„Was ein rechter Sozialdemokrat ist, der weiß längst, daß das alles nur erlogen und erstunken ist und glaubt auf gar nix. I Hab' aa a Hirn im Kopf, so gut wie die anderen, und damit hört si der Gcspaß auf mit dem Belehren. Und der Schwindel mit die Biiacheln und die Schulen, der wird si bald g'hoben haben, wann erst mir am Ruder san." Jetzt hielt ich'S nicht mehr aus. Ich ging, lief, rannte hinüber zu jenem Tisch, wo die„sozialen" Zukunftsideen so trüb ge- waltsam wirbelten, und fragte:„Sie, bitt' Sie, sagen Sie mir, wo sind Sie denn eigentlich organisiert?"— Da glotzte er mich blöde an. dachte eine Weile nach, dann sagte er:„Or— ga— ni— siert? Was manen S' denn eigentlich da damit?..." Und dieser„Genosse" ureigenster Mache sitzt allsonntäglich in ein paar hundert Exemplaren in den kleineren Wirtshäusern nicht nur von Wien und Umgebung; er ist zu finden auch bei uns, auf den Plattformen der Lokalziige und in den Waggons der Elektrischen und klärt allenthalben die Leute über das Wesen und die Ziele der Sozialdemokratie auf. so dummdreist, so großmäulig-lächerlich und so verdreht, daß allen naiven Zuhörern der Verstand still und das Haar zu Berge steht. Genossen I Steht nicht still überlegen lächelnd dabei, wenn er seine Weisheit verzapft und unwissende Gehirne verwirrt. Stopft ihm den Torheit triefenden Mund, er ist ein gefähr- licher Mensch!__ Der Augiasstall der New Aorker Polizei. Der New Docker Polizeiskandal hat der Bevölkerung wieder eine neue Sensation beschert. Der Privatdetektiv B u r n s, der von dem Staatsanwalt Whiteman mit der Verfolgung der Mörder des Spiclsaalbesitzers Hermann Rosenthal beauftragt, worden ist, hat gestern die anfsehcnerregende Erklärung abgegeben, daß er seit drei Monaten selbst einen Spielsaal unterhalte. Er habe diesen lediglich zu dem Zweckc eröffnet, um sichdurch eigenen Augenschein von dem Verhalten der Polizei gegenüber den Spielsalonbcsitzern zu überzeugen. Auch er habe an die mit der Kontrolle beauftragten Polizeiosfiziere die gleich hohe» Summen zahlen müssen, wie alle anderen Spielsaalbesitzer. Die Dollarnoten, die er den Polizeiorganen als„Zuckergeld" gegeben habe, habe er jedoch gezeichnet, um sie später wieder zu erkennen, und so Beweise von dem verbrecherischen Treiben der Polizei in Händen zu haben- Wie Detektiv Burns weiter aussagte, befinde er sich jetzt auf der Spur von drei weiteren Polizeibeamten, die bei der schmutzigen Angelegenheit beteiligt sind._ Der Flug Paris-Berlin mißlungen. Der französische Flieger Brindejonc de Moulinais machte am Donnerstag den Versuch, in einem Tage die zirka 966 Kilometer lange Strecke Paris-Berlin zurückzulegen, um damit den bisherigen Rekord im Ueberländflug in gerader Linie, der jetzt mit 660 Kilometer gehalten wird, zu drücken und dadurch den Preis der französischen Champagnerfabrik Pommerh zu gewinnen. Der Flieger, der erst 21 Jahre alt ist, sich aber bereits im Rundflug um den großen Preis der Lüfte besonders ausgezeichnet hat, startete um v Uhr früh bei Paris und traf, nach einer Zwischenlandung tu Köln, un» 16 Uhr nach Zurücklegung von 466 Kilometer auf Unwetter im nördlichen Italien. Aus vielen Orten der Provinz Como werden schwere Unwetter emeldet. Der bei A r g e g n o mündende Bergstrom Telo ist in- olge von Gewitterregen über seine Ufer getreten und hat zwei Häuser der Stadt zum Einsturz gebracht und drei be- schädigt. In Dorio hat ein Bergrutsch ein Haus mit sich gerissen, dessen Trümmer drei Personen verschütteten. Der Berg- ström Brencia hat zwei Brücken weggeschwemmt, drei Personen ertranken. In Lecco Dalsassina und der ganzen Gegend am See haben Ueberschwemmungen die Felder verheert. Die Eisenbahn Colice— Sondrio hat wegen Unterspülungen den Betrieb eingestellt. Kleine Notizen. Schwerer Ernteunfall. Ein trauriger Vorfall hat sich in Niederfinow zugetragen. Dem Fischer Hermann Krüger war bei der Feldarbeit die Witwe Gelling aus Stechertschleuse behilflich. Die Frau hatte ihre vierjährige Enkelin, deren Eltern vor Jahren starben, mitgenommen. Das Kind spielte im hohen Kornfeld und pflückte Blumen. Plötzlich geriet es in die Mäh Maschine und beide Füße wurden dem armen Mädchen oberhalb des Knöchels glatt abgeschnitten. In den Händen des Arztes starb das Mädchen. Explosion bei einer Truppenübung. Bei der Vornahme von Sprengübnngen seitens des 22. Dragonerregiments auf dem Schieß Platze in Reims explodierte eine Melenitpatrone zu zeitig und verwundete den Oberst de Damperre, den Eskadronschef Bouilliö, den Leutnant de Mirin und 22 Unteroffiziere und Dragoner sehr schwer im Gesicht, besonders an den Augen. Eine größere Zahl der Betroffenen wird wahrscheinlich das Augenlicht einbüßen. Außerdem erlitten 25 Offiziere und Dragoner leichtere Verletzungen. Mit der Förderschale abgestürzt. Am Mittwochmittag benutzte auf der Lithandragrube bei B e u t h e n(O.-Schl.) der Oberhauer Machanitz mit fünf Häuern und einem Schlepper entgegen der Vor- schrift eine Schale, die nur für Förderung bestimmt ist. Die Schale stürzte fünf Meter tief ab, wobei die sieben Insassen v e r- letzt wurden. Lebensgefahr besteht bei keinem der Verletzten. Arbeiter-Wanderverein„Berlin". Wanderfahrten am Sonn- abend, den 16. und Sonntag, den 11. August: I. Nachtwandersahrt nach dem Springsee bei Schannützelsee. Abfahrt am Sonnabend, den 16., abends 9,46 Görl. Bahnhos bis Storkow, nicht 9,56 Uhr, wie aus dem Tourcuplane steht. II. Abfahrt Sonntag, den 11. 7,40 Uhr vormittags bis Scharmützel- see. Treffpunkt beider Gruppen am Springsee an der Springquclle. Da- selbst Rast bis zum Abend. Gäste willkommen. Arbeitertouriftenvercin„Die Ratnrsrcunde", Ortsgruppe Berlin. Sonntag, den 11. August: Wanderung von Zeuthen nach Rauchsangs- werder, Wernsdorf, Ncu-Zittau und Erkner. Abf. früh 6 Uhr Görl. Bahnh. nach Zeuthen. Gäste willkommen. Deutscher Arbeiter. Abftinentenbun». Freitag, den 9. August, abends 8'/, Uhr, im GewerkschastShaus, Engeluser: Vortrag deS Genossen Dr. Drucker:„Wie ist daS Leben entstanden?- Gäste willkommen. Eingegangene Drucklchnften. Von der„Reuen Zeit" ist soeben daS 45. Heft des 36. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt deS HcsteS heben wir hervor: Die neue Armee. Von Ernst Däumig. I.— Die neue Taktik. Von K. Kautsky. (Fortsetzung).— Roosevells neuer Nationalismus und die radikale Be- wegung in den Vereinigten Staaten. Von L. B. Boudin(New Jork).— Kapitalismus und Judentum. Von W. van Ravestcijn(Rotterdam).— Untersuchung über ländliche Berhältniffe. Von Dr. Wilhelm Gruinach— Literarische Rundschau. Ergänzungshest zur Neuen Zeit Nr. 13: Zur Geschichte der Ansänge deS englischen Trade Unionismus. Organisationen und Kämpse der englischen Arbeiter in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts. Von L. Pumpiansly. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- bandlungcn, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3, 25 M. pro Ouartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft lostet 25 Pf. Von der„Gleichheit". Zeitschrift sür die Interessen der Arbeiterinnen. ist uns soeben Nr. 23 des 22. Jahrgangs zugegangen. Aus Jicm Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Die Prostitution.— Die Frau in der Industrie und Landwirtschast Württembergs. V. Von m.— Vom Kinder- elend in Berlin. Von H. Barenthin.— Die Beteiligung der Frauen an der Durchsührung der Krankenversicherung. Von Fr. Kleeis.— Textll- arbciterverband im badischen Wiesenthal. Von Luise Zietz.— Aus der Be- wegung.— BerschicdeneS. Dazu die Beilagen für unsere Mütter und HauSsrauen und für unsere Kinder. Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 16 Ps., durch die Post bezogen beträgt der Abonnementsprcis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Ps.; unicr Kreuzband 85 Ps. Jahresabonnement 2.66 M. „Den Schwarzen ge»vidmet!" Unter diesem Motto ist die neueste Nummer des„Wahre» Jakob" aus Anlaß des bevorstehenden Aachener Katholikentags als Spczialnummcr, 16 Seiten stark, erschienen und läßt es an satirischer Geißelung des Zentrums in Wort und Bild nicht fehlen. Der Preis der 16 Seiten starken Nummer ist 16 Ps. Probenummern sind jederzeit durch den Verlag I. H. W. Dietz Nachs. G. m. b. H. in Stutt- gart sowie von allen Buchhandlungen und Kolporteuren zu beziehen. Wassersiands-Nachrichten der LandeSanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau Wasserstand M e m e I. Tilsit P r c g e I, Jnslerburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor . Krassen , Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Bordamin Elbe, Leitmcritz , Dresden , Barby , Magdeburg -) 4- bedeutet Wuchs,— Fall.—') Unterpegel. Witteruugsübcrsicht vom 8. August 1912. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Franks.a.M. München Wien S» trA ö 5 c 3 if 747 O 753539k» 750« 758SW 760;© 756|» Wetter 2 Regen 2 bedeckt übedcckt 3bcdeckt 5'bedeckt 5'bedeckt ÖK t* HÖ Stationen Haparanda Peiersburg Seilly Abcrdeen PariS Ii «Ä « 5 761 SSW 758W 752»N® 760;»®» Wetter 2 bedeckt 6;lDOlfig i| Siegen ! bedeckt t* $ 18 13 12 14 Wetterprognose für Freitag, den 9. August 1912. Zunächst etwas wärmer und zeitweise ausklarend, aber sehr veränderüch, später wieder neue Trübung mit leichten Regenjällen bei ziemlich frffckjcir südwestlichen Winden. Berliner Wettcrbureau. Todes-Anzeigen � Zentral-Men- iidiI Steiiie-f teOeutseMaplw Ortsverwaltung Berlin 11. Naclu-nk. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Tischler WilKelm Böhm nach langem, schwerem Leiden im 66. Lebensjahre verstorben ist. Ehre seinem Andenken k 253/1 via OrisvanMltung. Nach langem schweren mit Ge- duld ertragenen Leiden verschied beute srüh 8'/, Uhr mein lieber Mann, unser treu sorgender Vater, Bruder, Schwager und Onkel Franz Kirstein im Alter von 58 Jahren. Um stilles Beileid bittet Witwe l-aiilln« Kirstein geb. Iloenisch. Helene, Albert als.Kinder. Berlin, den 3. August 1912. Melanchthonstr. 21. 41 A Die Beerdigung findet am Sonntag, den 11. August, nach- mittags Zflz Uhr, von der Kapelle deS neuen St. Johannes-Kirch- Hofes, Plötzensee, aus statt. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung unserer lieben einzigen Tochter 6A Lieschen Mittag sagen wir allen Verwandten und Be- kannten unseren herzlichsten Dank. Die tieftraueruden Eltern «ud Großmutter. Danksagung. Nur aus diesem Wege, sagen wir allen Lieben bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer Herzens- guten Mutter, sür die zahlreichen Kranzspenden, insbesondere den Sängern und der 12. Männer- abieilung des Turnvereins Fichte unseren herzlichsten Dank. Emil Koch 21a nebst Kindern. Dstikssxunx. Für die überaus zahlreiche Beteiii- gung und Kranzspenden bei der Be- eerdigung unserer lieben Mutter, Schwieger- und Großmutter Louise Wilknitz sagen wir allen Verwandten und Bekannten unseren herzlichsten Dank. 6»walll Wilknitz nebst Frau u. Kind. Reinhold Wilknitz. 2767b ÄrMter-IMalirep- Bitntl Solikität Ortsgruppe Berlin. Tonreii zum Sonntag, de» 11. Angnst: 1. Abt.: 61/, Uhr: Wannsee(Badetour). 3 Uhr: Familientour(An- Halter Ressource, Möckernstraße 114). Start: Bülowstraße 58. 2. Abt.: 6 Uhr: Schnitzeljagd. 1 Uhr: Hirschgarten(Wilvelmshos). (Familientour.) Start: Schönlcin- slraße 6. 3. 9lbt.: 1 Uhr: Bohnsdorf(Villa Kahl).-Start: Lausitzcr Platz 11. 5. Abt.: 6 Uhr: Rauchjangswerder. 1 Uhr: Mahlsdors-Süd(Hcidckrug). Slart: Elysium. 6. 5lbt.: 5 Uhr: Seddin(Grätz). 12 Uhr: Siahnsdorfer Mühle(Para- diesgarten).(Badetour.) Start: Oderberger Str. 28. 7. Abt.: 7 Uhr: Birkenwerder (Paradicsgarten). 1 Uhr: Tegel (Trapp). Start: Schulstr. 29. 8. Abt.: 3 Uhr srüh: Neuendors bei Wendisch- Buchholz. 16 Uhr: Boimim(Schwarzer Adler). Stark Lcvctzowstrnßc 21. 9. Abt: l'/z Uhr: Tegel(Tabbert, Babnhofftraße). Start: Schilling- slraße 22. Jugendliche Bundesgenossen: 7 Uhr: Rüdcrsdorser Kalkberge. 1 Uhr: Rahnsdorscr Mühle(Paradiesgartcn). Start: Stralauer Brücke 3. Heute: Zentralfahrwartsitznng. Reinickendorf. Vereinstour nach Tegel. 2 Uhr bei Lüning. Start: 12/9 Jeder Hrbcitcr, jeder Fjarsdwerke? sollte zur Hrbcit die Lederhose Herkules irasen. s Unerreichte s Leistungsfähigkeit. 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