Mr. 185. HbonnementS'Bedlngiingen: Abonnements> Preis»ränumerando! «ierteljährl. 320 WI., monatL 1,10 Mb. wöchentlich 28 Pfg, frei ins Hnus. Einzelne Nummer S Pfg, Sonntags» nunimer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt' 10 Pfg Post» Abonnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitunaS» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Sjumänicn, Schweden und die Schweiz, 39. Jahrs. VlcheiM täglich aufier moDtagi. Vevltnev VolksblAtt. vle Inkertlonz-eedllhr betrügt für die sechsgcspallene Koloncl- zeilc oder deren Raum 60 Pfg.. für politische und gewerlschafllichc Pereins- Und Persainmlungs-Anzeigen 80 Pfg. „Klelne Hnreigcn", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckt- Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenen- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- (taben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nummer niüsfcn bis > Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm. Adresie: »SsaisilltwhM Striia", S Zentralorgan der foztaldemokrati feben Partei Deutfcblands. Redahtion: SM. 68, Ltwdcnstraeec 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Sonnabend, den 19. August 1913. Expedition: SM. 68» LtndcnBtrassc 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Der fchwarzc tod und die weiße Salbe. 130 Bergarbeiter getötet! So sehr sich die von der Zechenleitung inspirierte offi- ziöse Berichterstattung bemühte, die Katastrophe auf der Zeche ..Lothringen" als minder furchtbar erscheinen zu lassen, so sah sie sich durch die furchtbaren Tatsachen doch allmählich zum Eingeständnis der Wahrheit gezwungen. Allmählich sickerte in den Telegrammen das Entsetzliche durch. Gegenwärtig wird schon zugegeben, daß l.2ll Bergleute bei der Katastrophe einen schauerlichen Tod gefunden. Ob damit die ganze Größe des Unglücks erschöpft ist, bleibt abzuwarten. Hoffen wir, daß die umschwirrenden Gerüchte, daß sich noch zahlreiche Arbeiter in der Grube befänden, sich nicht bestätigen, denn auch so gehört das Unglück auf der Zeche„Lothringen" zu den s ch w e r st e n Grubenkatastrophen, die sich in den letzten Jahrzehnten in Deutschland ereignet haben. Uebcr die Ursache der Katastrophe gehen die Ansichten natürlich weit auseinander. Die Zechenverwaltung selbst stellt es so dar, als ob das Unglück dadurch entstanden sei, daß ein Sprengschuß eine im Gestein verborgene Gasquelle ge- öffnet und zur Entzündung gebracht habe. Dieser Dar- stellung wird entgegengehalten, daß in diesem Falle die Explo- sion schwerlich einen solchen Umfang ange- nommen haben würde. Die Katastrophe in ihrer Größe sei vielmehr nur dadurch herbeigeführt worden, daß in der Grube explosibler 5tohlenstaiib in gefährlicher Menge vor- Händen gewesen sei. Sollte das der Fall gewesen sein, so würde es auf mangelhafte Ventilation und ungenügende Be- rieselung schließen lassen. Auch die Lesart, daß die Entzün- dung der Gase und des Kohlenstaubes durch Verwendung von Dynamit statt des vorgeschriebenen Sicherheitsbrennstoffs herbeigeführt worden sei, wird sich schwerlich durch Beweise stützen lassen. Jedenfalls ist das Ergebnis der Untersuchung abzuwarten. Auch über die Einrichtung der Sicherhcitsmanner wird angesichts dieser neuen Katastrophe mancherlei zu sagen sein Die Zechenherren haben sich freilich von vornherein die Sache recht bequem gemacht. Hat doch der Wortführer der Grubenbarone, der Essener Handelskammersekretär und nationalliberale Abgeordnete Hirsch am 4. März d. I. im Abgeordnetenhau oereits behauptet, daß die Kontrolle des Grubenbetriebes durch die Sicherheitsmänner schon deshalb eine unzulängliche sein müsse, weil sie für ihre Aufgabe auch beim besten Willen gar nicht qualifiziert seien, fehlten ihnen doch zum weitaus größten Teile die erforderlichen Kenntnisse, die bei den komplizierten Verhältnissen eines modernen Steinkohlenberg� Werks unumgänglich notwendig seien. Von sozialdemokrati� scher Seite freilich wurde demgegenüber festgestellt, daß b� reits eine ganze Reihe von Fällen von Drangsalierungen, Be� nachteiligungen und Schikanierungcn der Sicherhcitsmanner zu verzeichnen sei. Dem Terrorismus der Grubengewaltigen gegenüber könne leider keine Rede davon sein, daß die Sicher heitsmänner ihre Tätigkeit ohne Rücksicht auf die Gruben Verwaltungen entfalten könnten. Wer da weiß, daß die Grubenherren ja das Institut der Sicherheitsmänner von vornherein durch ihre politischen Einflüsse so zu gestalten der- mochten, daß es eine„weiße Salbe" bleiben mußte, wird sich also nicht wundern können, wenn auch die Tätigkeit der Sicherheitsmänner die Katastrophengefahr leider nicht aus- zuschließen vermocht hat. Der gemasiregelte Sicherheitsmann. Bochum» 9. August.(Privattelegr. des„Vorwärts".) Die furchtbare Grubenkatastrophe auf Zeche„Lothringen" ist an Wirkung und Umfang die zweitgrößte, die bis- her den an Massenunglückcn so reichen Ruhrkohlenbergbau heimgesucht hat und wie auf„Karolinenglück" und„Radbvd" eine Schlagwetter- und Kohlenstaubexplosion. Sie ereignete sich in der Morgenschicht am 8. August zwischen 9 und 10 Uhr auf der vierten Sohle des Steigers Middelmann, und zwar durch Abschießen eines mit Dynamit angesetzten Schusses. Es sollte hier von Flöz 9 nach Flöz 14 ein Verbindungsquer- schlag getrieben werden, wobei nach Angabe des Betriebs- führers das Kohlenflöz 14 angebohrt worden ist, dem dann die Schlagwetter entströmt und durch einen Schuß ange- schoflen worocn sind. Ebenso soll der Direktor die Meinung vertreten, daß ein Kohlenflöz und damit der„berühmte" Blätter angebohrt und die dann plötzlich ausgeströmten Gase angeschoflen worden seien, noch ehe die verantwortlichen Bc- amten, Steiger Middelmann und Fahrhauer Paßmann, die ganze Gefahr entdeckten. Soweit die 0 f f i z i e l l e n Mitteilungen vorliegen, lauten sie genau wie bei früheren Unglücken: alles in Ord- nun g, ein unabwendbares Slaturereignis. Da- gegen weichen die Meinungen der Bergarbeiter weit von den Angaben der Verwaltung ab. Allge- Mein bekunden die Arbeiter, daß die Wetterführung Svberst WSvgelbaft. die Temeratur Mndig 26 bis 27 Grad betragen habe und daß Schlagwetter in größe- ren oder geringeren Mengen häufig vorhanden waren. Der S i ch e r h e i t s m a n n, der für die Unglücksabteilung gewählt und der einzige organisierte Sichcrheitsmann in der Belegschaft ist, hatte schon 1910 und wiederholt 1911 das Vor- handensein von Schlagwettern ins Fahrbuch eingetragen, woraus der Betriebsführer entgegengesetzte Bemerkungen machte. Wegen dieser Eintragungen wurde der Sicherheitsmann sogar vom königlichen Einsahrcr Brenks gehörig angefahren und von der Zechenverwaltung nicht weniger als einundzwanzigmal in schlcch- tere Arbeit verlegt und dadurch in seinem Lohn er- hcblich geschädigt. Der Erfolg dieser fortgesetzten Drang- salicrungen war, daß der Sicherheitsmann die Fahrabtei- lung nur noch einmal im Monat befuhr und meistens von Eintragungen ins Fahrbuch Abstand nahm, trotzdem er fast bei jeder Bcfahrung Schlagwetter vorgefunden hat. Selbst der Obersteiger Gicselmann, den der Sichcrheits- mann auf die hohe Temperatur und die mangelhafte Wetter- führung aufmerksam machte, gestand, daß ein L u f t s ch a ch t äußerst notwendig sei, denn ohne Luftschacht sei eine genügende Bewetterung nicht mehr möglich. Der Wetterzug zog durch Schacht I ein, ging dann durch einen zwei Kilo- meter langen Querschlag der vierten Sohle nach dem ent- ferntcsten Revier und bewetterte auf dem Rückzug die Steige- abtcilung von Middelmann und Kühn, dort, wo die Explo- sion die Menschenopfer fortgerafft hat, und dann durch den Querschlag der dritten Sohle nach Schacht II zurück, wo der Ventilator steht. Auf alle Fälle muß die Wetter- führung als unzureichend bezeichnet wer- den. Aber auch die Berieselung i st nicht vor- schriftsmäßig gehandhabt worden, denn bei der Besahrung am 9. August wurden zahlreiche Kokskörner ge- sunden, die bestätigen, daß außer der Schlagwetterexplosion eine starke Kohlenstaubexplosion stattgefunden hat. Ueber die Zahl der Toten läßt sich noch immer nichts Genaues sagen, da die Verwaltung der Zeche widersprechende Angaben macht. Soviel steht jedoch fest, daß 116 bis 118 Bergleute tot sind und 23 Verletzte im Bergmannshcim in Bochum liegen. Einige sind so schwer verletzt, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt werden muß. Jetzt, wo das Un- glück geschehen, jammert die bürgerliche Presse, e s werden Sammlungen für die Hinterbliebenen veranstaltet. Wilhelm II. hat bereits 15 000 Mark gestiftet, auch hat er heute der Unglücks- zeche und den Verletzten einen Besuch abgestattet. Minister und Landräte bemühen sich um die toten und verletzten Berg- lcute. Ach, wenn doch den lebenden, nach mehr Schutz rufenden Bergmännern nur die Hälfte der Sympathie entgegengebracht würde wie den Toten, dann Würden solche Massenunglücke nicht mehr möglich sein! Auf dem Felde der Ehre gefallen. Die Jubiläumsfeier zu Ehren der Dynastie Krupp hat durch die Katastrophe ein jähes Ende gefunden. Wilhelm II. und Krupp von Bohlen-Halbach haben sich nach dem Schau- platz der Katastrophe begeben, um ihr Beileid zu bekunden. Auch in der zweiten Festrede, die Wilhelm II. am Donners- tag bei der großen Festtafel zu Ehren der Krupps gehalten hat, ist er bereits mit einigen Sätzen auf das furchtbare Un- glück zu sprechen gekommen. Er sagte: „Mein lieber Krupp v. Bohlen und Halbach! Bevor ich Ihnen danke, möchte auch ich der T r a u e r k u n d e gedenken, die an unser Ohr gedrungen ist. Es ist von dem Armeekorps der Kohle, das im Kampf mit der Erde steht, von Gefahren und Wettern umgeben, eine tapfere Schar wieder von bösen Wettern dahingerafft. Wir gedenken ihrer in Dankbarkeit. Sie sind auf ihrem Felde der Ehre gefallen, und werden dem Herzen der Provinz, der sie entstammen und in der sie arbeiteten, un- vergessen bleiben. Möge der Herr den Bevlvundeten und Leiden- den beistehen und sie zur Gesundheit zurückführen." Wilhelm II. liebt die soldatische Ausdrucksweise, der er das Wort von dem Felde der Ehre entnommen hat. Er wollte damit seine Hochachtung vor dem Heroismus der gefahrvollen Grubenarbeit ausdrücken. Schade nur, daß der deutsche Kaiser so wenig über die wahre Lage und das wirkliche Empfinden der großen Mehrheit der deutschen Arbeiter- klasse unterrichtet ist! Denn der Kampf auf diesem Felde der Ehre ist höchstens insofern jenem Kampf ans dem Schlacht« felde zu vergleichen, als die Opfer des Kampfes einem blinden Fatum fallen und die überlebenden Veteranen und Invaliden der Arbeit sich ebensowenig des Lohnes ihres Heroismus zu erfreuen haben, wie die Kriegsveteranen, von denen ja bekanntlich in der letzten Zeit eine ganze Reihe dem bitter- sten Elend erlegen ist. Auf den Dank des Unternehmertums hat das„Armeekorps der Kohle" ebensowenig zu rechnen, wie die Kriegsveteranen auf den Dank des Vaterlandes. Und noch an eins sei hier erinnert: Vor fast iünk Kabr?» bereits wurde dem preußischen Volke durch eine Thronrede eine Reform des schreiend ungerechten und gänzlich veralteten Wahlrechts verheißen. An dem brutalen Egoismus des Par- laments der Besitzenden, der Sachwalter des Ausbcutertums, scheiterte selbst der kümmerlichste Reformversuch. Auch gilt es als sicher, daß auch die Neuwahlen zum preußischen Abge- ordnetenhaus im Jahre 1913 trotz des Versprechens der Thron- rede wiederum unter dem bestehenden unerhörten Wahl- unrecht stattfinden sollen. Das preußische Proletariat, zu dem das„Armeekorps der Kohle", das jährlich Tausende von Mcn- schenleben auf dem Schlachtfelde der Arbeit, dem„Felde der Ehre", zum Opfer bringen muß, keinen geringen Bruchteil stellt, soll also auch im nächsten Jahre wieder in der dritten Klasse der Entrechteten zur Wahl gehen, obendrein bei der öffentlichen Stimmabgabe kontrolliert von einem herrischen Arbeitgebertum, dem grimmigsten Feinde jedes wirklichen Arbcitcrschutzes! Kein Wunder, daß das preußische Volk der Arbeit sich bei den Worten des Kaisers seine eigenen Gedanken macht! Einzelheiten der Katastrophe. Bochnm, 9. August.(W. T. B.) Es steht nunmehr fest, daß von der Zeche Lothringen 99 Tote und 25 Verletzte geborgen worden sind. Von den Verletzten sind zwei im Krankenhause Bergmaunsheil gestorben. 15 bis 16 Bergleute fehlen noch; doch ist es möglich, daß einige von diesen beim Beginn des Unglücks ausfuhren, ohne ihre Kontrollmarke abzugeben sowie auch, daß sie hinter Brüchen ein» geschlossen sind und noch leben. Gerthe, 9. August. Um ll'/e Uhr vormittags waren im ganzen 105 Tote geborgen. Die Bergung des auf Sohle 3 verunglückten Steigers Paßmann mit fünf zu seinem Revier gehörigen Bergleuten ist bisher noch nicht gelungen. Die Ein- sargung der zu Tage gebrachten Opfer findet in der sehr geräumigen Totenhalle durch die freiwillige Samaritcrkolonne der Sauitätsvcrcine Herne, Dortmund, Bochum und Gelsen- kirchen statt. Einzelne der Sanitätsmannschafteii sind bereits ununterbrochen 36 Stunden niit der schaurigen Arbeit bc- schäftigt. Um 12 Uhr war die Einsargung der Leichen beendet. Bochum, 9. August. Die Beerdigung der Opfer der Katastrophe findet am Sonntag, 11. August, in Gerthe statt. Die Toten sind in der Leichenhalle, im Spritzen- hause und in dem sogenannten RettungSraum in eicheufarbigen Särgen aufgebahrt. Die Beerdigung wird auf dem nahe bei der Zeche gelegenen Friedhofe in Gerthe erfolgen. Die Opfer der Katastrophe werden in zwei Massengräbern, nach Konfessionen getrennt, bestattet werden. I» den Aufbahrungsräumen der Leichen spielen sich an» bcschreibliche, tief erschütternde Szenen ab. Auf dem Zcchenplatz ist das intensive Schreien und Schluchzen der verzweifelten Frauen der toten Bergleute unaufhörlich vernehmbar. Die an dem Unglück nicht unmittelbar beteiligte Bevölkerung bewahrt eine musterhafte Ruhe und Ordnung so- wie ei»e würdige u n d e r n st e H a l t u n g. Im Laufe des Vormittags haben sich wieder zahlreiche Neugierige an der Unfallstätte eingefunden. Zur Aufrechterhaltuug der Ordnung ist ein starkes Polizeiaufgebot zur Stelle. 36 Gendarmen aus dem Beritt Herne und 12 andere Polizisten find hinzugezogen worden. Der Präsident des Reichstages Dr. Kacmpf hat an die Verwaltung der Zeche Lothringen folgendes Beileidstelegramm gesandt:„Aus Slnlaß der schweren Grubenkatastrophe, die Ihr Werk betroffen, gebe ich namens des Reichstages dein tiefen Schmerze Ausdruck, daß so viele fleißige und ivackcre Bergleute mitten in ihrer harten, dem deutschen Wirtschaftsleben geividmeten Arbeit vom Tode ereilt sind, und spreche allen denen, über die durch den Ver- lnst ihrer Angehörigen so schwerer Kummer hereingebrochen ist, das aufrichtigste Mitgefühl aus." i) sifn M und ein Criuraph der Arbeit". So nannte Wilhelm II. auf dem Festmahl der Kruppfcier die Jubiläumsfeier des Hauses Krupp. Denn Alfred Krupp habe nach dem im Sockel seines Denkmals verewigte» Wahl- spruch gehandelt:„Der Zweck der Arbeit soll das Ge» Meinwohl sein." Friedrich und Alfred Krupp hatten nicht nuv aus der kleinen Schmicdehütte das größte Eisenindustriewerk des � Erdballs, sondern im Laufe der verflossenen hundert Jahre auch' &iU£ Fülle t)oa ZLM jux l>gs ÄWxiMM jüx TMAlde Wd Ubxr« tau sende von deutschen Arbeikekn geschaffett. Was ihn, den Kaiser, aber bei seiner Anwesenheit in Essen und der Villa Hügel stess am sympathischsten berührt habe, das sei das„wahrhaft ideale Verhältnis der Krupps und ihrer Familie zur A r be i t e r s ch a f t" gewesen. Auch jetzt habe er wiederum Ge- kegenheit gehabt, die„m u st e r g ü l t i g.e n W o h l f ah r t s e i n- r ich tun gen" in Augenschein zu nehmen und sich davon zu überzeugen,„wie wohl es sich im Kruppschen Reiche leben l a s s e". l' Wären Wilhelm II. die Darstellungen zu Gesicht gekommen, die in der Arbeiterpresse zu dem Krupp-Jubiläum erschienen sind, hätte man ihm insbesondere das lehrreiche Echriftchen„Krupp und die Arbei-terklasse" zu lesen gegeben, das im Verlag der Essener Arbeiterzeitung erschienen ist, �so würde seine Festrede wghrschein- lich auf einen weniger überschwänglichen Ton-gestimmt gewesen sein. Ist hier doch der auf unwiderlegliche Zahlen gestützte Äach�- weis erbracht, datz die vielgerühmte Arbeitcrfürsorge der Firma Krupp nichts w e n i g b r als mustergültig ist, sondern daß dies größte industrielle Etablissement Deutschlands, das aNein in den letzten acht Jahren nicht weniger als 12a Millionen Gewinn heraus- wirtschaftcte, im Gegenteil hinter manchem anderen Fabrikbetriebe zurückstand. Haben wir doch selbst in unserer letzten Sonntags- nummer bereits gezeigt, daß die bei Krupp gezahlten Löhne viel- fach niedriger waren, als bei anderen in Vergleich kommenden Betrieben, daß insbesondere die Steigerungen der Kruppschen Durchschnittslöhne in den letzten zwölf Jahren nur 17 Prozent betrug, während sich in dem gleichen Zeitraum eine Steigerung oer Lebensmittelpreise von 20 bis 30 Prozent vollzog und sowohl Gesamtllberschnß wie verteilte Dividende der Firma Krupp sich mehr als verdoppelten! Was es aber mit den„Wsohlfahrtseinrichtungen" der Firma i Krupp auf sich hat, das beweist die Tatsache, daß z. B. von der Kruppschen Pensionskasse an die Arbeiter nicht einmal soviel Pension ausgezahlt wurde, als die Arbeiter selbst leisteten. Der Bericht der Kruppschen Pensionskasse für das Jahr 1911 läßt das deutlich erkennen. Die Einnahmen der Kasse betrugen 4 489 052 Mark, davon gingen an Arbeiter- und Beaintcnbriträgen 1 373 624 Mark ein, ferner an Eintrittsgeldern 51870 und an Strafgeldern 30164 Mark. Hinzu kamen an Zinsen 894 559 Mark, so daß inS- gesamt an Arbeiterbeifrägen, Zinsen, Eintrittsgeldern und Straf- geldcrn 2 350 229 Mark vereinnahmt wurden. Verausgabt wurd«i in demselben Jahre für Pensionen, Portp, Arzthonorar, Krankenhauspflege, Reise- usw. Kosten nur 2 211907 Mark. Die Beiträge der Firma Krupp brauchen also für die laufende Aus- gabcndeckung mit keinem Pfennig herangezogen zu werden! Da die Firma Krupp das Kapital der Pensionskasse in ihrem Betriebe arbeiten läßt, dienen ihr also sogar die Arbeitergroschen dazu, ihren Betrieb auszudehnen und die aufgespeicherten Millionen auf Kosten der Arbeiter neuen Mehrwert hecken zu lassen! Da Wilhelm ll. die Auslassungen der Presse nur in Aus- schnitten serviert werden und das interessante Scherlorgan das einzige Blatt sein soll, das ihm unzerschnitten vorgelegt wird, muß cS natürlich um die Information Wilhelms II. übel bestellt sein! 5oÄsI!itiiche€tappcnpolitik. Paris. 4. August.(Gig. Per.) tv Genosse Edouard Baillant hat vor kurzem in der Jranzösischen Deputiertcnkamnier einen sehr bemerkenswerten Gesetzentwurf eingebracht. Er hat die Errichtung einer nationalen und ko M mun a ltznL a n d w irisch a ftS- und Jndustriedomäne zum Gegenstand und strebt durch die fortschreitende Nationalisierung des Bodens die Ver- Minderung der Lebensmittelteuerung und der Arbeitslosigkeit sowie die Verbesserung der Arbeitsbedingungen an. Die Hauptbestimmungen des 10 Artikel umfassenden Vorschlages sind: Art. 1. Alljährlich sind ins Staatsbudget die Kredite aufzunehmen, die für die Wiederherstellung und Progressive Ausdehnung einer nationalen und konnnunalcn Landwirtschafts- und Jndustriedomäne und ihre wirtschaftliche Ausbeutung not- wendig sind. Art. 2. Die Gemeinden nehmen im Ver- hältnts zu ihren Einnahmen und ihrem Anteil an der Staatssubvention an der Formation und Ausbreitung der Domäne teil. Art. 3. Die Funktionen der Verwaltung. Arbeitsorganisation usw. der Domäne werden in einem einzigen Dicnstzweig vereinigt und zwischen dem Staat und den Gemeinden zweckmäßig aufgeteilt. Die Ausbeutung ge- schieht nach den vollkommensten wissenschaftlichen Verfahrens- arten in Wirtschaftskreisen, die für die kommunale Domäne die Kommune oher Jnterkoinmune und für die National- domäne der regionale Kreis oder das gesamte nationale Ge- biet sind. Art. 4. Alljährlich wird eine Summe, die im Anfang nicht weniger als 300 Millionen betragen� darf und den Bedürfnissen entsprechend zu erhöhen ist, als Subvention unter die Gemeinden aufgeteilt, um die Wiedererrichtung und Aus- dehnung, die Bewirtschaftung und Verwaltung ihrer Domäne zu sichern. Es wird vor allem und möglichst schleunig ein kommunaler und interkominunaler Dien st für Lebensmittelversorgung unter Mit- Wirkung der Arbeiter- Kons um- und Pro- duktivgenosscnschaften eingerichtet, dem die Pro- dnktion, Verarbeitung und der— um den Herstellungspreis zu erfolgende— Verkauf von Lebensmitteln vegetabiler Herkunft(Getreide, Mehl, Brot,. Gemüse, Zucker usw.) und tierischer Herkunst(Vieh, Fleisch, Milch. Butter usw.), und im Zusammenhang stehenden Produkten, wie Dünger, vermittelst kommunaler und interkommunaler Warenlager und Märkte obliegt. Demgemäß werden in die kommunale Domäne möglichst rasch die Mühlen, Bäckereien, Schlächtereien usw., Zuckerfabriken usw.. Lagerhäuser. Märkte und die dazu ge- hörigen Transportmittel einbezogen. 'Art. 5. Die notwendigen budgetären Mittel für die Ein- richtung, den Beirieb und die Ausdehnung der nationalen und kommunalen Domäne, sowie für die Ausübung des Vor- kaufsrechts in allen Fällen des ländlichen Besitzwechsels werden durch progressive Steuern auf die Nachlässe, die Kapitalien und die Einkommen und durch das Alkoholmonopol geliefert. Art. 6. In allen Fällen ländlichen Besitzivechsels hat der Staat das Vorkaufsrecht. Der Pächter des vom Staat derart erworbenen privaten Grundstücks wird Staatspächter mit einem Pachtzins, der durch den Abzug der absoluten Grund- rente und des Zinsbetrags, den er für das in diesem privaten Grundstück inkorporierte Kapital zahlte, vermindert ist. Dies bis zu dem Tag, wo er vorzieht unter den entsprechenden Bedingungen an der Kultur der nationalen und kommunalen Domäne teilzunehmen. Beim Besitzwechsel eines kleinen ländlichen Gutes werden der Eigentümer und seine Nachfolger nicht enteignet. Der Staat nimmt die Hyp o th e ke n schu l d auf sich, zahlt ihre Zlnsen und der kleine bäuerliche Eigentümer wird, von jeder Grund- steuer befteit. S t a a t s p ä ch t e r. Sein Pachtzins soll die D i f f e,r e n t i a l r'e n t e— die einzig aus den: Unterschied in der Fruchtbarkeit oder in her Lage entspringt— nicht übersteigen. Der Pächter und seine Nachfolger behalten das Recht, auf ihre direkte persönliche Ausbeutung des Gutes zu verzichten, es durch einen neuen Vertrag der allgemeinen Domäne zu übergeben und in die Assoziation der Landarbeiter einzutreten. Art. 7. Die natürlichen Wasserkräfte, ihre landwirtschaftliche Ausnützung und ihre Werkstätten für Er- zeugung elektrischer Kraft bilden einen Hauptbestandteil der nationalen Domäne und werden je nach ihrer Beschaffenheit der. nationalen oder kommunalen Domäne zur Ausbeutung zugeteilt. Dasselbe gilt von den unterirdischen Mineral-' schätzen, Steinbrüchen, Kohlen- und Erz- gruben, mineralischen Dung st offen usw. Art. 8. Die Ausbeutung der nationalen und kommunalen Domäne geschieht durch die auf egalitärer Basis assoziierten Arbeiter, hie den Gewerkschaften der allgemeinen Arbeitskonsöderation an- gehören. Ihre Arbeitsbedingungen umfassen die notwendigen Bürgschaften der Hygiene und Versicherling. Ihre Haupt- grundlagen sind: Achtstündiger Maximalarbeitstag; englische Woche(das heißt freier Sonnabendnachmittag); Entlohnung nach dem Gewerkschaftstarif und entsprechende Bedingungen für Arbeiten, die wie die landwirtschaftlichen sich weniger für die genaue Anwendung dieser Bestimmungen eignen. In allen Fällen wird Zeitlohn bezahlt. Art. 9. In allen kommunalen, interkommunalen, regio- nalen und nationalen Bezirken der Domäne geschieht die Ver- waltung und Geschäftsführung unter der Kontrolle der Ge- meinde bezw. des Parlaments durch ein Komitee, das zu zwei Dritteln aus Delegierten der kon- föderierten Gewerkschaften, die zum größeren Teil aus den assoziierten Arbeitern des Wirtschaftskreises ge- wählt werden und zu einem Drittel aus von den kon- trollicrenden Versammlungen— Gemeindcräten oder Parlament — gewählten Technikern und Administratoren besteht. Art. 10.. Ein Jnipektionsdienst, dessen An- gehörige die gleiche Besoldung wie die entsprechenden staat- lichen und kommunaleii Auffichtsbcamten empfangen, wird von der allgemeinen Arbeitskonsöderation für die Kontrolle der Arbeitsbedingungen, der Hygiene und der Sicherheit der Arbeiter der Domäne mittels Delegation ein- gerichtet. In der Begründung dieses Vorschlages legt Genosse Vaillant dar, wie die fortschreitende demokratische und soziale Organisation der Kommune und des Staats den anarchischen Tendenzen der kapitalistischen Produktionsweise und den mo- nopolistischen Formen der kapitalistischen Konzentration cnt- gegenwirken könne. Er sagt u. a.:„Besonders in der Kom- mune zeigt sich schon heute der Einfluß der Demokratie und die m u n i z i p a l e R e g i e ist vielleicht noch mehr als die nationale die teilweise, beginnende gesellschaft- liche Besitzergreifung eines bisher ausschließlich— sei vs privatkapitalistisch oder durch den Staatskapitalisnrns verwalteten Dienstes." Vaillant weist auf das Beispiel Deutschläiids hin, wo die Haltung der Sozialisten gegenüber der öffentlichen Regie tun Reich, wo die Demokratie täglich fortschreite und die Kontrolle der Sozialisten möglich sei, anders sei als in Preußen und erklärt:„Ueberau bildet sich heute allmählich das politische Milieu für eine direkte soziale Nutzbarmachung und für eine freiere Vereinigung der Ar- better." Der Vorschlag des Genossen Vaillant ist unstreitig ein sehr berücksichtigepswertes Projekt wirtschaftlicher Politik für einen Staat, wo die— sozialistische Arbeiterklasse schon die politische Macht erobert und die Ueber- gangsformen für die sozialistische Organisation der Gesellschaft zu wählen hat. In der französischen Bourgeoisrepublik>vird dafür ebensowenig eine Parlamentsmehrheit zu finden sein, wie für Jaurss Armeeprojekt, das ja auch die Grundlage des bürgerlichen Nationalstaats nicht antastete. Man braucht sich nur zu erinnern, wie rasch die kleinbürgerlichen Radikalen den vom Ministerium Caillaux eingebrachten bescheidenen Gesetzentwurf über die kommunalen und von den Gemeinden subventionierten genossenschaftlichen Bäckereien und Schlächtereien abgetan haben. Vom Deutschen Reich, bezüglich dessen demokratische Fortschritte Genosse Vaillant einen merkwürdigen Optimismus zeigt, nicht zu sprechen. Aber es ist sicherlich von großer propagandistischer Bedeutung, wenn der Sozialismus inmitten des vom Kapi- talismus herbeigeführten sozialen Elends und gegenüber der demagogischen Unredlichkeit und der Ratlosigkeit der bürger- lichen Parteien die bedrückten Massen auf die Lösungen ver- weist, die er bringen»vird und das Proletariat aufklärend auf die Aufgaben der Zuknifft vorbereitet. Die Ereignisse in der türkel Dw Regierung fährt fort, sehr optiniistische Berichte so- wohl über die Geringfügigkeit des jnngtürkischen Widerstandes als über die günstige und versöhnliche Stimmung der Albanesen zu veröffentlichen. Man wird diesen Berichten um so größere Skepsis entgegenbringen müssen, als sie mit den Maßregeln der Regierung in Widerspruch stehen. Der Be- lager un gszu stand wird immer mehr ausgedehnt und immer streger gehandhabt.-Zugleich sucht die Regierung die wichtigen Poiten in der Verwaltung und Armee mit ihren Anhängern zu besetzen. So wurde der Kommandant der Flotte Bassim Pascha abgesetzt und durch Tahir Bei ersetzt. In Saloniki sind unterdessen die meisten hervor- ragenden Mitglieder des jungtürkischen Komitees, darunter Talaat, Dschavid und Nasim, versammelt, um über ihr weiteres Vorgehen zu beraten. Das Zentralkomitee wird dort wieder seinen Sitz aufschlagen. Es scheint, daß das Vorgehen der Regierung die Stellung der Jungtürken bisher eher befestigt als geschwächt hat. Mit großer Hartnäckigkeit erhalten sich die Gerüchte über Friedensverhandlungen. Der frühere türkische Unterhändler Hussein Diahib, ein Jungtürke, ist zwar aus der Schweiz abgereist, doch soll der Herzog von Genua in Zürich eingetroffen sein, wo auch eine neue türkische Ab- ordnung erwartet werde. Dann sollen die türkisch-italienischen Verhandlungen umgehend aufgenommen werden. Die Würdenträger Hamids. Aus K o n st a n t i n o p e l wird uns geschrieben: Das alte Sprichwort:„Wen die Göttver verderben wollen, dem rauben sie den Verstand", findet wieder einmal eine nachdrück, liche Bestätigung in der.Handlungsweise de» neuen Kabinejts. Wir hatten nie eine zu hohe Meinung von den Fähigkeikcn und dem politischen Takte der führenden Männer der Türkei. Trotzdem hätten wir nicht vermutet, daß die Tätigkeit der neuen Männer nur aus einer langen Reihe von Fehlern so schwer- , wiegender Natur bestehen. werde. Do kann man sich freilich nicht wundern, daß die Lage in der Türkei nicht nur nicht besser wird, sondern sich immer weiter verschlimmert. Zu den verhängnisvollen Fehlern der türkischen Regierung, die die Türkei dem tragischen Ausgange immer näher bringen, gehört auch der unglückliche Gedanke der neuen Regierung, die Würdenträger des alten Regimes zu amnestieren. Wie bekannt, rechtfertigte das Kabinett diesen Beschlutz damit, daß die Auf- Hebung des Kriegszustandes die Amnestie voraussetzt. Solche Jnter- pretation ist freilich absurd, und die. Erklärung des Kabinetts wäre am Platze, wenn, die Würdenträger nur für die Zeit des Kriegs- zustandes verbannt worden wären. In der Tat aber waren einige von ihnen für immer aus dem Lande verwiesen, während die anderen flüchteten; und wenn diese letzteren damals in die Hände der Regierung gefallen wären, so hätte sie zweifelsohne das Schicksal derjenigen ereilt, deren Leichen tagelang an den Pfählen der Galatabrücke hingen. Wenn ferner die Aufhebung des � Kriegszustandes bedeuten sollte, daß die Ruhe wiederhergestellt und die Verfassung so weit befestigt sei, daß ihre früheren Feinde ins Land zurückkommen können, wie ist es dann zu erklären, daß drei Tage nach dem Amnestiedekret über Konstantinopel und einige andere Städte der Belagerungszustand verhängt wurde? Das Kabinett zeigt allmählich seine wahre Physiognomie. ES ist nicht der„Rat der Weisen", wie die Reptilorgane die Regierung Mukhtar Paschas taufen,, sondern eine Clique von verbrauchten Höflingen, die in ihren halbverwesten Herzen noch so viel Galle haben, daß sie der Rache an ihren politischen Gegnern das Wohl des Landes und des Volkes zu opfern bereit sind. Das Entsetz- lichste dabei ist, daß einige Mitglieder des neuen Kabinetts, die vor noch nicht' langer Zeit bereit waren, Portefeuilles in eineiq jungtürkischen Ministerium anzunehmen, nun für den Kampf gegen dieselben Jungtürken alle dunklen Kräfte gesammelt haben; und es kann kaum ein Zweifel herrschen, daß die wahren Ränke nach der Ankunft der amnestierten Kreaturen dcS blutigen Sultans, der Jsset Paschas. Scherif Paschas und ihrer Gesinnungsgenossen beginnen werden.. Wir rechtfertigen nicht die Jungtürken, deren Politik wir stets kritisiert haben. Wir glauben auch jetzt, daß dies gegenwärtige Elend unmittelbares Resultat ihres politischen Unverständnisses und Übel angebrachten Hochmutes ist. Aber unter ihnen gibt es aufrichtige und opferwillige Revolutionäre, und das Komitee in seiner Gesamtheit sank doch nicht so tief, wie die jetzt regierenden Greise, die ihre Ausschreitungen mit der Autorität der Verfassung decken. Wer kennt nicht zum Beispiel den amnestierten Arab Jsset Pascha, den berüchtigten Sekretär Hamids?, Wer in der Türkei kennt nicht alle Greueltaten, die er unter der Regierung seines Herrschers verübt hat? Und wer weiß nicht, daß er bis zum Ende dem entthronten Tyrannen treu geblieben ist. und während er in Aegypten lebte, eine Propaganda gegen die Konstitution organi« sierte, indem er seine ungeheuren Geldmittel anwandte, die er jahrelang aus den Volkstränen erpreßt hatte. Wer kennt nicht den hinterlistigen Scherif Pascha, dessen schriftliche Denunziationen gegen die Volksfreunde man in berühmten Koffern Hamids fand. und der in Paris eine Zeitschrift gegen die Jungtürken'und im Namen des Volkswohles herausgab. Wer in der Türkei kennt nicht Memduh, Tahsin. Nasif und alle anderen Verbrecher, diq sich in den Reihen der Amnestierten befinden? Die Regierung läßt außer acht, daß die Männer der Politik öfters das vergessen, was Idas Volksgewissen niemals vergißt, Und dieses Gewissen wird nie dem Kabinett Ghazi Mukhtar Pascha? seine rührende Zärtlichkeit gegen die Henker des Vpftes verzeihep. Beamte und Offiziere. Konstantinopel, 9. August. Der Ministerrat beriet über die B e a m t e n f r a g e. Er veröffentlicht zwei Erlasse, in denen er die Gerüchte dementiert, die Beamten würden ihres Amtes entsetzt werden. Er versichert, die Beamten würden nach dem Gesetz und nach ihren Rechten im Ainte behalten und befördert werden, wenn sie vollständig unparteiisch blieben.' Der Ministerrat fordert alle Beamten in Konstantinopel und in der Provinz auf. ihren Vorgesetzten eine Erklärung zu übergeben, die besagt, sie würden alle Beziehungen zu politischen Parteien abbrechen und keine Klubs besuchen. Falls sie diese Verpflichtungen verletzen, würden sie abgesetzt werden. Es wird versichert, daß das Jrade, welches den BelagerungS- zustand in Saloniki proklamiert, den Minister des Innern er« mächtigt. den Belagerungszustand erforderlichenfalls auch über die Wilajets Adrianopel. Smyrna. Monastir, Kossowo, Janina und Skutari zu verhängen. Der Wali von Smyrna, der frühere jungtürkische Minister Djelal, ist abgesetzt worden. Der Wali von Saloniki Hussein Kiazim, der aus dem Komitee ausgetreten war, weil er hoffte, Innenminister zu werden, ist Mitglied de? Komitees ge- worden. Er erhielt den Befehl, sofort nach Konstantinopel zu kommen. Der KriegSmini st er veröffentlicht ein Telegramm de» Kommandanten des sechsten Korps in Monastir, Djavid Pascha, von dem man glaubte, daß er Anhänger des Komitees sei. DaS Telegramm besagt, der Befehl des Ministers, der den Offizieren die politische Betätigung untersagt, sei vor allen Offizieren deS sechsten Korps und der vierten Division verlesen worden. Alle Offiziere hätten geschworen, sie würden sich von l e i n e r politischen Partei verwenden lassen, sondern alle der Regierung in Uebereinstimmung mit der Verfassung gehorchen. Derselbe Befehl ist den Divisionen in Jschtip und Bibra übermittelt worden. Die Provinzen gegen die Jungtürkcn? Saloniki, 9. August. Die Lage beginnt sich zu klären. Die Annahme, daß doch eine größere Anzahl von O ff i z i e r e n der verschiedenen Armeekorps den von den hiesigen Offizieren aus- gehenden Appell unterstützten und sich der Gegenbewegung des jungtiirkischen Komitees anschließen könnten, erweist sich«IS unzutreffend. Die Offizierkorps von Monastir. Janina. NeSküb, Adrianopel und Smyrna antworteten auf die Zirkulgr« depesche der hiesigen Offiziere, daß man wohl damit ein« verstanden sei, daß die Meuterer be st rast würden; was jedoch ihre Stellungnahme zur Auflösung der Kammer und zum neuen Kabinett betreffe, so erklärten alle Offizicrkorps kategorisch, die An- ficht der hiesigen Offiziere nicht zu teilen. Mun habe volles Vertrauen zur Regierung und werde sich keiner politischen Partei anschließen, sondern nur den Befehlen de? ftriegsministers gehorchen. Die Erklärungen haben hier eine gewisse Er- nüchterung hervorgerufen. Die Südalbanesen haben sich bereit erklärt, ihre Scharen wieder aufzulösen und sie in ihre Dörfer zurückzusenden, falls die Regierung die Versicherung abgibt, daß alle Zugeständnisse, die in Nordalbanien gemacht werden würden, auch den Südalbanesen zu feil werben. Aicherbem fordern sie, in dieser Angelegenheit mit ihren nordalbanesischen Genossen ungehindert telegraphisch verlehren zu dürfen.\ Juugtürkische Hoffnungen. Konstantinopel, 9. August. In jungtürkischen Kreisen hält man an der Hoffnung fest, dag das jetzige Regime in kurzer Zeit wieder gestürzt werde. Die Führer des Komitees scheinen jedoch auf die zuerst geplante Errichtung einer Gegenregierung ver- zichten zu wollen, da sie augenblicklich wohl selbst an die Mog- lichkeit eines gewaltsamen Widerstandes gegen die Regierung nicht glauben. Der Beschlust, die früheren jungtürkischen Minister Dschavid und Talaat, kurz vor ihrer Abfahrt nach Salo- niki zu verhaften, war nur von einem Teil des Kabinetts gefastt worden, und nmstte auf den Widerstand des KriegsministerS, StiiziiTt, hin unausgeführt bleiben. Unionistisch gesinnte Offiziere an wichtigen militärischen Plätzen verraten das Bestreben, sich zu sammeln und enge Beziehungen untereinander anzuknüpfen. Ihre Hoffnung setzen sie auf den abgesetzten Korpskonunandanten von ll'onastir, Dschavid Pascha, der bisher nicht hierher zurückkehrte, sondern in Saloniki Halt machte. Politilcbe(lebersicbt. Berlin, den 9. August 1912. Von Hinte»» herum. Der Reichstag hat das Gesetz über die Erhebung von Schiff- fahrtt-abgaben zwar genehmigt, aber es kann so lange nicht auSge- führt werden, bis Oesterreich für die Elbe, Holland für den Rhein ihre Zustimmung erteilt haben. Daß daran in absehbarer Zeit zu denken ist, erschien zunächst ausgeschlossen, wie ja auch die deutschen Interessenten selbst noch auf ihrem Widerspruch beharren. Die preußische Regierung, die Urheberin des Schiffahrtsabgabengesetzes, lüstt nun durch die„Berliner Politischen Nachrichten" verkünden, dag dem Landtag im Herbst ein Gesetzentwurf zugehen wird, der den Ausbau der Oderstrecke zwischen Breslau und Fürstenberg zum Gegenstand hat. Die Unterbrechungen, unter denen die Schiffahrt wegen niedrigen Wasserstandes vielfach zu leiden hatte, sollen auf diese Weise vermieden werden. In Fürstenberg zweigt der Kanal »>ach der Spree ab, so dah eine st e t s besahrbare Wasserverbindung zwischen Breslau und Berlin geschaffen wird. Besonders der Transport der Produkte aus dem schlesischen Montanrevicr wird dadurch erheblich gefördert werden. Die erwähnte Notiz der„Ber- lincr Politischen Nachrichten" besagt auch: „In dieser Hinsicht dürfte die Wasserstraße: Oder-Märkische Wasserstrasjcn-Hamburg vor der E l b st r a st e einen be» t r ä ch t l i ch e n Vorsprung gewinnen, solange für diese die Möglichkeit, Schiffahrtsabgal'cn zu erheben und damit die Borbedingung für ähnluhe Verbesserungen fehlt, wie sie dank dem Schiffahrtsabgabengesctze jetzt für die Oder in Aussicht ge- nommen werden können. Denn die Odervorlage ist die erste Frucht dieses Gesetzes, nur auf Grund desselben ist sie möglich geworden. Wenn jetzt an der Hand der Vorlage dem Schiffahrts- verkehr auf der Oder und der großen durchgehenden Straße nach Hamburg so beträchtliche Vorteile in Aussicht stehen, so ist dies dem Umstände zuzuschreiben, daß die Wasserstraste der Oder rein preußisch ist, mithin das Schiffahrtsabgabengesetz für sie un- mittelbar in Kraft treten konnte." Preußen baut also die Strecke Breslau-Fürstenberg Haupt- söchlfth deshalb aus, um de» Verkehr auf der Elbe zu schädigen- R�nchofft auf diese Weise die Interessenten der Ekbschiffahrt dahin zii bringen, daß sie ihren Widerstand gegen hie Erhebung von Schiffahrtsabgaben fallen lassen. Ist das erreichst, dann hofft man mit Oesterreich leichtes Spiel zu haben. Wenn Oesterreich seine Zustimmung gegeben hat, dann ist es, so kalkuliert man, nur eine Frage der Zeit, bis das kleine Holland auch seinen Widerspruch gegen die Erhebung eines Stromzollcs auf dein Rhein falle» lassen wird. Der Ausbau der Qderstrecke Breslau-Fürstenberg war längst eine Notwendigkeit, und es ist bezeichnend für die preußische Politik, baß man an die Lösung einer solch hohen Kulturaufgabe erst heran- tritt, nachdem sich damit die Möglichkeit verbinden läßt, ein ver- kchrsseindliches Gesetz auf Umwegen zur Geltung bringen zu können._ Ausbau der Zentrumsorganisationen. Die„Kölnische Volkszeitung" tritt in einem Artikel unter Hin- IveiS auf die Erfolge der Sozialdemokratie sehr energisch für den Ausbau der Zentrumsorganisationen ein. Vor allem müsse eine planmäßigere und systenratische Schulung der Wähler erfolgen. Man müsse jeden Reichstagswahlkreis in kleiner- Bezirke zerlegen, hier eine Art U n t e r r i ch t s k o m m i s s i o n bilden und dieser-in den Verhältnissen des Kreises angepaßtes Programm zur Durchführung übergeben. Die Lehrkräfte seien leicht zu gewinnen, wenn erst ernstlich der Anfang geinncht sei. Man soll nur die Spezialgebiete eulsprechend abgrenzen und für Austausch von Rednern in den be- nachborten Gcnieindcn sorgen. In diesen kleinen und kleinsten Ver- sa.r.nilung-n»vürden oft greisbarere Erfolge erzielt als in den glänzendsten Massenversaminlungen. Ferner fordert die„Kölnische Bolls zeitung" eine größere Zentra- lisation der Zentrumsorganisation: Die Arbeit muß zentralisiert und von elner»unsassel, den und finaiiziell leistungsfähigen Organisation getragen sein. Wir brauchen neben den Kreis- und Landesorganisationen noch eine große NeichSorganifation— unbeschadet aller Dezentrali« salion, unbeschadet alles Parlikularismus. In dieser Reichs- organisation müssen alle deutschen Zentrumsmänner gesammelt werden, die sich als Mitglieder der Zentrumspartei eintragen lassen und die vielseiiige Arbeit der Partei durch jährliche Geld- beiiräae unterstützen. Wenn wir dauernd und mit Erfolg gegen die Sozialdemokratie ankämpfen wollen, müssen w i r diese Organisationen schaffen— die Berhällnisse werden unS früher oder später sicher dazu zwingen. Wo sind die alten Zentrllmsführer. die auf Grund ihrer Erfahrung die opferfreudige und begeisterungsfähige Mouulchaft der Partei in einem schlagfertigen, wohlgerüsteten Aeichsheere sammeln?_ Wen»,'s an den eigenen Geldbeutel geht— Ein Kuckucks«» hat sich die unter dem Protektorate deS Dom- propst-S Dr. Pichlor erscheinende Passauer„Donau-Zeitung" in ihr Nest legen lassen. Sie druckt ohne jeden Zusatz einen ihr zu- gegangenen Artikel ab, de» bitterböse Klagen über das S t e u c r u n g l ü ck d. h. über die von der regierenden Z e n- trumSpartei verbrochene bayerische Steuerreform enthalt. Spöttisch schreibt der Verfasser: „Wohin man in Bayern»etzt kommt. Hort»nan nur Ausdrücke der Freude und Lust über die neue» Steuern. beionderS in jenen G-aeuden, in welchen dafür gesorgt wurde, daß d» e M, n d e r- ist blieben. Es muß eine wahrhaft geniale Steuergesetzgebung sein, welche zu solchen Ergebnissen führt. Der„Donau-Zeituug" wird es nicht ganz leicht geworden sein, dieses Todesurteil über die klerikale SteuergefetzgebungSlunst abzudrucken. Aver was nimmt eine Zentrumszeitung nicht alles auf, wenn es von— hoch würdiger Seite kommt I Und daß ein Geistlicher der Verfasser ist, geht daraus hervor, daß in dem Artikel, nach der obigen Klage über die Steuer,», des langen»»nd breiten der Spezialfall eines nicht ge- nannten Landpfarrers vorgetragen wird, der bisher ein Einkommen von 4262 Mark versteuerte und jetzt auf einmal mit einem Reineinkommen von 12 473 M. s!!) ein- geschätzt worden ist._ Die Reichstagsersahwahl in Pfarrkirchen. Bei der Reichstagsersatzwahl im Kreise Niederbayern 4(Pfarr- kirchen) erhielten nach endgültiger amtlicher Feststellung der Land- wH Joseph Bauer(Bauernbund) 8699 und Landwirt und Bürger- meister Franz Geraner(Zentrum) 5747 Stimmen. Zersplittert ivaren 14 Stimmen._ Dicke Haut. Der ultramontane Zeitungsverleger und Landtagsabgeordnete G ä st l er« Landau hatte den Redakteur des bauerbündlerischenKon- kurreuzblattes wegen Beleidigung verklagt, und der Beklagte hatte darauf Widerklage erhoben. Beide»vurdeN zu Geldstrafen von 15 bezlv. 19 M. verurteilt. In der Verhandlung erhob der Verteidiger des Angeklagte»», Rechtsanlvalt Kohl- München(der bekannte liberale Landtags- abgeordnete) gegen den Abg. G ä ß l e r den Vorwurf, Gäßler habe das Landau-Reichsdorser Elektrizitätswerk durch Einschaltung unerlaubter Lampen schwer betrogen und habe überdies an dieses Werk das Ansinnen gestellt, ihm heim- licherweise einen billigen Aus nahmetarif zu ge- währen; er werde dann zum Dank die scharfen Artikel gegen daS Werk in feinem Blatte nicht fortsetzen. Herr Gähler liest durch seinen Rechtsbeistand dieses Beweis- angedot als nicht zur Sache gehörig ablehnen, obwohl sicherlich eine Klarstellung in seinem eigenen Interesse wünschenswert gewesen wäre. Unteroffiziere als Re»»tengutsbesttzer. Die Frage der Versorgung der Unteroffiziere wird in der „Rheinisch-Westfälischen Zeitung" in einem langen Artikel eingehend erörtert. Während der Beratung des Militäretats im Rerchstag war von verschiedenen Seiten auf die Schwierigkeit Hingelviesen worden, einen geeigneten Unteroffizierersatz zu bekommen, weil die Versorgung der ausgedienten Unleroffiziere nicht so geregelt sei, daß sie einen Ansporn biete, längere Zeit als Unteroffiziere zu dieuen. Die„Rheinisch-Westfälische Zeitung" empfiehlt nu». geeignete Unteroffiziere wieder in ihre früheren Verhältnisse zurückzuführen, in die Landwirtschaft, und zwar als Ansiedler oder Rcntengutsbesitzer. Natürlich fehlen den Unteroffizieren die Mittel, sich ein Gut zu kaufen, weil sie sonst eben die Unter- offiziersbahn überhaupt nicht eingeschlagen hätten. Der Vorschlag der„Rheinisch-Westfälischen Zeitung" läuft darauf hinaus, von den Aufwendungen für Zwecke der inneren Kolonisation einige Mil- lionen Mark abzuzweigen und sie dem Kriegsministerium zum Zwecke der Ansiedelung von Unteroffizieren zu überweisen. Das Scharfmacherblatt glaubt, dah der Unteroffizierersatz besser wird, wenn die Leute wissen, daß sie später gewissermaßen als Beloh- nung in den Besitz eines Rentengutes gelangen. Wie diele Mil- lionen dazu notwendig wären und woher diese Summen schließ- lich genommen werden sollen, das sind Fragen, die ein Blatt vom Schlage der„Rheinisch-Westfälischen Zeitung" natürlich nicht weiter kümmern. Um so mehr muß Verwahrung dagegen ein- gelegt werden, daß hier zugunsten einer relativ kleinen Gruppe enorme Aufwendungen aus Mitteln der Allgemeinheit gemacht werden sollen._ Aus der Ferienkolonie. Der verhängnisvolle Znsammenstoß zweier Nachtpatrouillen bildete den Gegenstand einer Anklage, die gestern das Oberkriegs- gericht des 3. Armeekorps beschäftigte. Unter der Anklage der fahr- lässigen Körperverletzung durch unvorsichtige Behandlung der Waffe und unter Austerachllassung der Dienstvorschriflen hatte sich der Unter- offizier SchleuSner von der 1. Kompagnie des Grenadier-Regimerns Nr. 12 zu verantworten. In der Nacht vom 4. zum 5. Juli halte da« Regiment eine Nachtübung auf dem Truppenübungsplatz in Kmninersdorf. Sowohl die 1. als auch die 2. Kompagnie hatten sich in» Walde gelagert und standen sich feindlich gegenüber. Es waren von beiden Kompagnien Patrouillen ausgeschickt»vordem um den Feind zu erkunden. Die Patrouillen, von denen die eine unter Führung eines Offiziers, die andere unter Führung des Sergeanten Peters stand, mußten ihren Weg bei stockfinsterer Nacht durch einen Wald nehmen. Es war so finster, daß man kaum einen Meter von sich entfernt einen Menschen beobachten konnte, so daß die Patrouillen fast lediglich auf das Knacken von Gehölz oder auf andere Geräusche angewiesen waren. Ausgeschwärmt schlich die Patrouille des Peters, der zwei weitere Unteroffiziere und einige Mannschaften angehörten, durch die Nacht. Da ertönte aus der anderen Richtung plötzlich da» Kommando:„Auf, marsch marsch!" und im nächsten Augenblick krachten mehrere Schüsse. Die Patrouille des Peters war auf die Patrouille des Offiziers gestoßen. Ein kleines Hand- gemenge folgte und plötzlich rief der Grenadier Mattner:„Ich bin angeschossen!" Von den abgefeuerten Platzpatronen war ihm eine in die rechte Schulter eingedrungen. Das Geschoß tvar von einen» Scksiitzen abgegeben worden, der kaum einen Meter vor M. m knie- ender Stellung das Gewehr in.Hochonschlag abgefeuert hatte. Der Abgeber des Schusses konnte nach Lage der Sache kein anderer gewesen sein als der Angeklagte, da er nach seinem Ge- stein bniö oie Waffe abgefeuert hatte. Auch stand M. in dem Mo- ment, als er angeschossen wurde, fast direkt vor dem Untcrosfizrer. Nach den vorhandenen Dienstvorschriften für nächtliche Hebungen dürfen Schüsse nur im Hochanschlag als Alarmschüsse abgefeuert werden. Das Oberkriegsgemcht war jedoch der Ansicht, daß der Angeklagte in der knienden Stellung nicht die nötige Vorsicht ange- lvandt halte und daß er zu verurteilen sei. Es ließ jedoch Milde Ivalten und erkannte nur auf drei Tage Mittclarrcst. Ungarn. Das Attentat auf Tiszck. Budapest, 9. August. Der Anklagesenat hat dem Rekurs de? Staatsanwalts stattgegeben und demzufolge beschlossen, die Akten und das Gutachten der Eerichtsärzte in der Angelegen- heit des Abgeordneten Kovacs dem justizärztlichen Landcsscnat zur Nachprüfung zu unterbreiten. Bis zur Entscheidung des Senats bleibt Kovacs weiter in Untersuchungshaft. fVanhrdcfo. Verschmelzung der Kousumvereme. Nachdem die beiden Verbände der französischen Konsumgenossenschaften. der sozialistische und der neutral», sich zu einem„Nalional- verband der Konsumgenossenschaften, Organ zur Befreiung der Arbeiter" zusanirnengeschlossen haben, sucht man die Zersplitterung. die bisher der Entwickelung des sranzösischen Konsmnvemnswesens entgegengestanden hat, auch an den einzelnen Orten zu bekämpfen. So richtet der Verband der Pariser sozialistischen Genossenschaften an die Konsuniqenossenschaften von St. Denis ein Rmidschreiben. in dem die Verschmelzung vorgeschlagen wird. Zur Begründung wird auf die gesteigerte Leistungssähigkeit der kapitalistischen Konkurrenz und den durch die Zersplitterung bedingten Mangel an Verwaltmigs- kräflen der Berein« hingewiesen. Empfohlen wird die Verschmelzung sämtlicher vereine jeder Stadt und Verwandlung der bestehenden Geschäftslokale in Filialen, deren Mitglieder in der Verwaltung sozialer und Bildungsveranstaltungen selbständig sein, im übrigen durch Vertreter an ber Leitung des Gesamtverein» beteiligt sein sollen-_ Sngwnck. Eine liberale Niederlage. London, 8. August. Bei der UnterhauSersatz'wM int Wahlkreise Nordwest-Manchester für den zurückge, tretenen Liberalen Sir George K e m p ist der Unionist Sir John R a n d l e s mit 5573 Stimmen gegen den Liberalen Hewart, der 4371 Stimmen erhielt, gewählt worder� Der Wahlkampf war sehr heftig und die konservative Presse jubelt über den Sieg und insbesondere über die be- deutende Majorität, die ihr Kandidat erzielt hat. Sie will darin ein Symptom für den Rückgang des Liberalismus sehen. In der Tat scheint das Anwachsen der imperialistischen Strömung die Stellung der Konservativen iyi Lasstde wieder zu befestigen.._»— Rai«. Tod des Präsidenten._ Port 0» Prince, 9. August, lieber die schon gestern gemeld ei« Explosion, bei der der Präsident der Republik Haiti. General Le- conte, umgekommen ist, wird noch ergänzend berichtet: Alle dem Palast benachbarten Häuser ttuwden be« schädigt. Eine Anzahl Geschütze wurde durch die Gewalt der Ex». plosion weit fortgeschleudert. Alle Angehörigen des Präsidenten sind gerettet worden. Die Zahl der Toten und Verletzten wird auf vierhundert angegeben. Es geht das Gerücht, die Explosion sei durch Revolutionäre bewerkstelligt worden. Die Nationalversammlung ist einberufen worden, um einen Nachfolger zu wählen. Gewählt wurde der Genxxal Tgncxede A u g u st.—"____ Hmenha. Der Panamakanal. Washington, 9. August. Der Senat hak mik 84 gegen 24 Stimmen ein Amendement zur P a n a ma kam a lb i l l ange» nommen. wonach im Ausland gebaute Schiffe zur Eintragung in, das amerikanische Schiffsregister zuzulassen sind, wenn sie Ameri- kanern gehören und ausschließlich sich mit auswärtigem Handel befassen. Ein weiteres Amendement, das der Senat annahm, erlaubt für Schiffe mit Balast eine niedrigere Abgabe als für Schiffe mit Ladung und ein ferneres Amendement befreit alle in Amerika registrierten Schiffe, die sich mit auswärtigem .Handel befassen, von den Kanalgebühren, vorausgesetzt, daß ihre Besitzer sie in Kriegszeiten der Regierung zur Verfügung stellen. Diese einseitige Bevorzugung amerikanischer Schiffe widerspricht direkt dem mit England über die Gleichberechtigung der Schiffahrt abgeschlossenen Vertrag und ist auch eine Benach- teiligung der Schiffahrt aller anderen Nationei»,.. Hus Induftm und HandcL Die Fleischpreise steige«. Während die erste Hälfte des Juli einen geringen Rückgang der Preise einzelner Flcischsorten gebracht hatte, ist für die zweite Hälfte des Juli ein erneutes starkes Anziehen der Preise aller Fleischarten zu konstatieron. Im Durchschnitt der Notierungen an 59 preußischen Orten stiegen die Preise pro Kilo für Rindfleisch von 182,4 Pf. auf 185,1; für Hammelfleisch von 183,6 auf 191,4; für Schweinefleisch(vom Bug) von 169 auf 172,3; für Schweinespeck von 184,1 auf 184,9 Pf. Nur Kalbfleisch ist bei dem hohen Preisstande von 196,4 Pf. geblieben. Gegen den Juli des Vorjahres ergeben sich Preissteigerungen für Rindfleisch um 15 Pf., für Kalbfleisch um 19,5 Pf., für Hammelfleisch um 6,5, für Schweinefleisch u»n 19 Pfennige, für Speck um 13,9 Pf. Dabei ist zu beachten, daß in diesen Durchschnitts- zahlen auch Orte mit niedrigeren Fleischpreisen enthalten sind. In Berlin z. B. stellen sich sämtliche Fleischsorten(mit Ausnahme de» Schweinefleisches) noch Ivesentlich teurer. 8o2iales. Errichtung elneS RSntgen-Jnstitttts durch die Zentrolkommission der Kronkenkosse» Berlins»»»d der Vororte. Eine Versammlung der Vorstände und Vcrwaltungsbeamten der Krankenkassen Berlins und der Vororte, die am Donnerstag im Gewerkschaftshause stattfand, beschäftigte sich mit obigem Thema, Wer das Albert Kohn referierte. Er führte aus, daß er keinen Vortrag geben wolle, sondern nur mitteilen werde, tvarum die Zentralkommission daran gegangen ist, ein derartiges Institut zu errichten. Immer wieder kamen Gesuche um Errichtung eine? solchen Instituts und die Kreise, die diese Wünsche stellten, lmirdcn stets größer. ES waren zirka 80 Aerzte, die Röntgen-Jnstitute ein- gerichtet hatten. Die Klagen über hohe und ungleiche Preise hätten sich fortwährend gemehrt. ES würden auch heute bei den bestehenden Instituten nicht immer gute Aufnahmen geliefert, wodurch der ge- »vünschte Zweck nicht erreicht werde. Wenn gute Apparate ange- lvcndet werden sollen, müßten schon für einen Apparat, der alle Errungenschaften der Technik aufweise, 8999 M. ausgegeben werden. Da die Gelegenheit geboten war, Räume, die mit der schon be- stehenden Hydrotherapeutischen Answlt zusammenhängen, zu mieten. habe man zugegriffen und sie gemietet. Die Erfahrung habe in dem einen Jahre, da das andere Institut bestehe, schon gelehrt, daß den Kassen uird auch den Patienten durch eine solche Einrichtung geuützt werde. Es sei möglich, daß sich in den ersten Jahren die Ausgaben nicht decken, trotzdem aber bitte er, der Sache zuzu- stimmen. Eigentlich hätte schon gleich mit der obengenannte,» An» stalt ein Röntgeii-Jnstitut verbunden werden müssen; daß man eS nicht getan, wäre- ein Beweis für das vorsichtige Vorgehen. In der Diskussion wmrden verschiedene Bedenken, besonders solche finanzieller Natur, geäußert, die jedoch von Kohn und S i m a n o w L k i zerstreut wurden. Zuletzt stimmte die Ver- sammlung dem Vorschlag der Zeniralkommission gegen 19 Stim, inen zu. Hierauf erstattete Dr. K a i s e r l i n g den Bericht über die Behandlungen in der Hydrotherapeutischen An» st a l t. Sie stellt, wie er besonders betonte, etwas Neues in der Krankenkassenpraxis dar und kann nun auf ein 1l4jähriges Be- stehen zurückblicken. Der Bericht umfasse die Tätigkeit in den letzten 7Vö Monaten. Es wurden aufgenommen: 2159 Männer und 979 Frauen. Redner gibt noch einen kurzen Ueberblick über Entstehung und Heilung der Krankheiten und wünscht mehr körperliche Betäti- gung bei den Männern und ganz besonders bei den Frauen. Diesem Bericht schloß sich auch Geheimr.ü Dr. B rieger mit kurzen Worte»» ap, GcwerkfcbaftUcbeö. Vierzig?akre Gewerkfcbaftsarbeit. Im Laufs dieses Monats sind es vierzig Jahre, seit durch einen Kongreß der Weißgerbergehilfen in Berlin der Grund für den heutigen Lederarbeiterverband gelegt worden ist. Bis dahin hatten die Weißgerber teils noch ihre alten Zunflbruderschasten, teils be- standen— hauptsächlich im Norden Deutschlands— bereits totale Fachvereine. Ein ungünstig verlaufener Streit der Berliner Weiß- gerber gab im Jahre 1872 Anlaß zur Einberufung des erwähnten Kongresses, der mit der Gründung eines„norddeutschen Weißgerber- bundes" endete. Mehrere Jahre währte es. bis die süddeutschen Weißgerber zu dieser Form der Organisation Vertrauen gewannen; in München, dem für diesen Teil Deutschlands damals maßgebenden Jndustrieort, war man dem Zusammenschluß abgeneigt, weil den dortigen Gehilfen die Satzungen des Bundes, der in denselben nur wirtschaftliche Zwecke vorgesehen hatte, nicht weit genug gingen. München war politisch weiter vorgeschritten, wollte statt eines eigenen Verbandsblattes den sozialdemotratischen„Volts- staat" als Publitationsorgan eingeführt wissen und trat auch schon frühzeitig für die Aufnahme der ungelernten Arbeiter ein, doch scheiterte dies letztere Bestreben— wie sich die Berliner Bundes- leitung ausdrückte— an dem„gesunden Sinn der Weißgerber- gehilfen." Die Vereinigung zwischen Süd- und Norddeutschland erfolgte vollständig und für immer erst im Jahre 1887. Vom Jahre 1878 an gab der Bund ein eigenes Organ heraus, nachdem er zwei Jahre vorher den Titel„Allgemeiner Weißgeberverband" angenommen halte, dessen Sitz von Berlin nach Altenburg verlegt ivurde. Die Weiterentwickelung des Verbandes zu einer auf dem Ge- biete des wirtschaftlichen Kampfes und des Unterstützungswei'ens leistungsfähigen Organisation vollzog sich in der Zeit des Sozialisten- gesetzes nur langsam. Mit dem Fall des Sozialistengesetzes zog auch in diese Organisation frisches Leben ein. Im Jahre 1892 zählte der Verband bereits in 50 Zahlstellen nahezu 1909 Mitglieder, ein Jahr später wurde der Uebertritt der Lohgerber perfett und gleichzeitig traten einige Lotalvereine der Lederfärber zum Verband über, der nun den Namen„Leder- arbeiterverband" führte und 1894 seinen Sitz in Berlin nahm. Im weiteren Verlauf der Jahre wurde das Unterstützungswesen weiter ausgebaut, die zünftlerischen Anschauungen traten mehr und mehr, zurück, eS fanden alle in der Lederindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen Aufnahme in den Verband. Ein weiterer für die Entwickelung des Verbandes sehr bedeutsamer Schritt ist die im Juli 1999 erfolgte Angliederung des Handschuhmacherverbandes. Dadurch erhöhte sich die Mitgliederzahl gleich um zirta 3999 und damit auch die wirtschaftliche und finanzielle Leistungsfähigteit des Verbandes. Mit lleinen Monatsbeiträgen anfangend schulte sich die Opfer- willigteit der Berufsgenossen so, daß gegenwärtig Beiträge von 26 Pf., 46 Pf., 69 Pf. und 76 Pf. ohne die lokalen Zuschläge erhoben werden können. Entsprechend der Opferwilligkeit seiner Mitglieder ist auch die Leistungsfähigkeit des Verbandes gestiegen. Aus einer Aufstellung der„Lederarbeiter- Zeitung', die aus Anlaß des Ver- bandsjubiläums als Festnummer erscheint, entnehmen wir, daß der Verband in den Jahren von 1877 bis Ende 1911 allein rund zwei Millionen Mark für Unterstützungszwecke ausgegeben hat, wovon auf die Unterstützung für Streitende und Gemaßregelte rund 869 999 M. entfallen. In vierzig Jahren gewerkschaftlicher Tätigkeit hat der Verband unermüdlich an der Hebung der wirtschaftlichen Verhältnisse sowie an der Aufklärung der Berufsangehörigen gearbeitet. Daß er in diesem Sinne weiterarbeiten wird, ist gewiß. Berlin und Umgegend. Tarifbewegung der Bildhauer in der Modellbranche. Nachdem die Versammlung der Gehilfen am 14. Juli beschlossen hatte, den Tarif zum 1. September zu kündigen, wurden seitens der Kommission die Vorschläge zur Revision des Tarifs der Freien Vereinigung der Bildhauer und Stuckgeschäfte eingereicht. Diese hat sich nun aber in ihrem Antwortschreiben auf einen vollständig ab- lehnenden Standpunkt gestellt und nur ihre Bereitwilligkeit aus- gesprochen» den bestehenden Tarif zu verlängern. Begründet wird die Ablehnung der neuen Forderungen in erster Linie mit den schwierigen Konkurrenzverhältnissen, die einerseits durch die so- genannten„fliegenden Unternehmer" und dann durch außerhalb Berlins domizilierende Firmen verursacht würden. Außerdem wird geltend gemacht, daß in den meisten Fällen schon bedeutend bessere Löhne als die Minimallöhne gezahlt werden. In der Versammlung, die am Donnerstag von den Gehilfen in den„Jndustriefestsälen" abgehalten wurde, war man über diese Antwort der Unternehmer fast sprachlos, da die angeführten Gründe keineswegs anerkannt werden können. Welker unterbreitete noch einmal die schon bekannten Forderungen und ging dann eingehend auf die Ablehnungsgründe der Unternehmer ein. Was die„fliegenden Unternehmer" betriff!— das sind solche Leute, die einmal als Unternehmer, das andere Mal als Gehilfe auftreten—, so werden diese gerade von solchen Unter- nehmern gezüchtet, die am meisten darüber schreien. Die Gehilfen sind nicht abgeneigt, diesen Mißstand beseitigen zu helfen. An der auswärtigen Konkurrenz tragen die Arbeitsverhältnisse auch keine Schuld, denn diese sind in verschiedenen anderen Städten bedeutend günstiger als in Berlin. Die Statistik des Zentralverbandes gibt darüber eine sehr gute Auskunft. Hamburg z. B. hat einen im nächsten Jahre bereits wieder ablausenden Tarif, der schon die Lohn- sätze enthält, die in Berlin jetzt erst gefordert werden. Der Durch- schnittslohn, der in Berlin jetzt 45.34 M. beträgt, ist in Hamburg um 8 M. und selbst in Breslau noch um 4 M. höher. Während in Berlin der Durchschnittsverdienst seit dem Jahre 1996 um 3,57 M. gefallen ist, stieg er während dieser Zeit in Hamburg um 11 M., in Leipzig um 6 M., in Breslau um 4,26 M., in Dresden um 2,33 M., in Düsseldorf um 2,66 M. und in München um 3,26 M. Berlin steht zurzeit mit dem Durchschnittslohn erst an der sünften Stelle. Dabei ist noch in Betracht zu ziehen, daß es sich fast ausschließlich um tüchtige Kräfte handelt, da die minder tüchtigen infolge der schweren Berutskrise abgestoßen worden sind. Die Bildhauer verlangen zum mindesten auch, daß sie mit den Stukkateuren gleichgestellt werden. da ihre Arbeit absolut nicht geringer zu bewerten ist, sondern in- folge der verlangten Kenntnisse eigentlich höher bezahlt werden müßte.— In der Diskussion wurden diese Ausführungen noch unterstützt. Der von der Versammlung eingenommene Standpunkt kam zum Ausdruck durch die einstimmige Annahme der folgende» Resolution: „Die Stersammlung kaim die zur Ablehnung des eingerrvvten Vertragsentwurfs von den Unternehmern angeiührten Gründe nicht als stichhaltig anerkennen. Die Versammlung hält den ein- gereichten Vertragsentwurf nach wie vor für berechtigt und be- auftragt die Kommission, unter Bezugnahme auf das Antwort- schreiben nochmals Schritte zu unternehmen, um Verhandlungen mit den Unternehmern anzubahnen." Ungültige Tarifkündigung im Berliner Steinsetzgewerbe. Der Tarif süc das Steinsetzgewerbe in Groß-Berlin umfaßt den Bereich der Steivsetzerinnungen Berlin, Steglitz, Potsdam und Ebersioalde', er hat Geltung für alle Orte im Westen bis Branden- burg-Rathenow. im Süden bis Jüterbog-Treuenbrietzen, im Osten bis nahe an Fllrstenwalde und im Norden bis Eberswalde. Freien- Verantw. Redakteur: AlbertWachs, Berlin. Inseratenteil verantw.: Walde, Wriezen. In diesem Jahre kündigten nun die beiden Innungen in Freienwalde und Wriezen für sich den Tarif. Die Arbeitervertreter in der paritätischen Schlichtungskommission be- anstandeten die Kündigung als ungültig, da nach ihrer Auffassung der Tarif für Groß-Berlin sowohl wirtschaftlich als auch organi- satorisch ein unteilbares Ganzes sei. In der Schlichtungskommission kam darüber eine Einigung nicht zustande, so daß auf Beschluß der- selben da? Einigungsamt des Berliner Eewerbegerichts, vor dem im Jahre 1994 der Tarif in seiner heutigen Form abgeschlossen wurde, über die Streitfrage zu entscheiden hatte. Das Einigungsamt hat nun gleichfalls im Sinne der Auffassung der Arbeiter entschieden, d. h. es h-et die teilweise Kündigung als dem Sinn des Tarifs nicht entsprechend und damit als ungültig erklärt. Zur Zigarrenarbeiterbewegung. Folgende Zigarrcnhändler haben gegen die Bestimmungen des grünen Plakats verstoßen, es mußte ihnen infolgedessen dasselbe entzogen werden. In Reinickendorf-West: Boppski, Antonienstr. 66; E. Witt, Scharnweberstr. 69; A. Strickert, Augusta-Viktoria-Allee 38. — In Borsigwalde: Franz Rübe, Schubertstr. 21.— In Lichtenberg: E. Seiffert, Weichselstr. 22. Arbeiterl Raucherl Fragt nach den grünen Plakaten, unter- schrieben Alwin Schulze. Äuch dem Zigarren f a b r i k a n t e n Gustav Becker, Neukölln, Jnnstr. 22, ist Tarif und Plakat entzogen worden, da er gegen beides verstieß. Die Fabrik ist für Tabakarbeiter gesperrt. Deutscher Tabakarbeiterverband. Achtung, Metallarbeiter! Bei der Firma A. Wetzig, Mühlen- bauanstalt in Wittenberg, Bez. Halle, sind die Schlosser wegen Lohn- forderüngen in den Streik getreten. Die Firma sucht in den ver- scbiedensten Zeitungen Ersatzkräfte.. Gleichfalls ist ein Meister der Firma in Berlin, um Streikbrecher für Wittenberg anzuwerben. Da der Streik sich wahrscheinlich über den ganzen Betrieb ausdehnen wird, ersuchen wir, den Zuzug von Metallarbeitern aller Branchen nach Wittenberg, Bez. Halle, fernzuhalten. Deutscher Metallarbeiterverband. Oeuvlckes Reich. Ein„teurer" Unternehmerschützling. Wie unglaublich leichtsinnig manche Unternehmer handeln, wenn es heißt. Arbeitswillige in verhältnismäßig günstige Stellungen unterzubringen, das mußte zu ihrem großen Leidwesen die Woll« waren-Aktienges ellschaft„Merkur" in Liegnitz er- fahren. Vor etwa zwei Jahren brach aus dem Erweiterungsbau der Aktiengesellschaft ein Streik der Bauarbeiter aus, bei dem der Bau- Hilfsarbeiter Paul J�nsch als Streikbrecher weiterarbeitete. Zum Dank sür diese staatserhaltende Tätigkeit wurde er vom Polier später der Firma als Kassenbote empfohlen. Ohne nähere Erkun- digungen über sein Vorleben einzuziehen, lediglich auf die Ver- sicherungen des Poliers hin, daß Jensch während des Streiks ein „durchaus zuverlässiger Arbeiter" gewesen sei, wurde er als Kassen- böte eingestellt. Eine Zeitlang rechtfertigte er das„Vertrauen", denn sobald er größere Summen zu holen hatte, gab ihm die Firma immer einen Kontoristen oder Lehrling mit. Als er aber im Früh- jähr dieses Jahres 15999 M.. die zur Lohnzahlung für die Arbeiter bestimmt waren, von der Bank holen sollte und keine Begleitung hatte, brannte er mit der ganzen Summe durch. Nach mehrfachen Irrfahrten durch Deutschland kam er nach Liegnitz zurück und wurde verhaftet. 19999 M. sind von dem Gelde end- gültig verschwunden, 5999 M., die der arbeitswillige Defraudant an seine Eltern schickte, wurden beschlagnahmt und der geschädigten Firma wieder zurückerstattet. Das Gericht verurteilte die„teure Staatsstütze" zu 4 Jahren Gefängnis. Während der Verhandlung konnte selbst der Vorsitzende der Strafkammer nicht umhin, seiner Verwunderung über die große Vertrauensseligkeit der Firma Aus- druck zu geben, denn es stellte sich nämlich heraus, daß der Betrüger ein mehrfach mit Gefängnis und Zuchthaus vor- bestraftes Subjekt ist. So sehen die Leute aus, die sich des weitgehendsten Schutzes der Behörden erfreuen, die gehätschelt und gepflegt werden von Be- Hörden und von Unternehmern. Streik rusfisch-polnischer Landarbeiter. Auf dem Gute Althof bei Barten sOstpr.) legten 39 russisch- polnische Arbeiter die Arbeit nieder. Anstatt daß der Gutsbesitzer ihre Wünsche befriedigte, drohte er ihnen, jetzt mitten in der Ernte- zeit, mit der Ausweisung, was die Leute in große Erregung versetzte� Nun holte der Gutsbesitzer den Gendarmen, der die Arbeiter aufforderte, ihre Tätigkeil aufzunehmen. Dieser Aufforderung kamen sie nicht nach. Als eine Arbeiterin„offenen Widerstand gegen die Staatsgewalt" leistete und die anderen Arbeiter eine„drohende Haltung" einnahmen, machte, wie die bürgerlichen Blätter melden, der Gendarm von seiner Waffe Gebrauch und zerstreute die auf« geregten Leute. Die Arbeiterin, die als„Rädclsführerin" gilt, wurde verhaftet, während man fünf Arbeiter über die Grenze schaffte. Die anderen nahmen dann die Arbeit wieder auf. Dieser Vorgang zeigt wieder einmal, daß Gesetze zum Schutze der Arbeiter gegen Uebergriffe von Polizeiorganen notwendig sind. Eine christliche„Lohnbewegpng". In unserer Sonntagnummer besprachen wir einen Fall, wo Arbeiter der„Westfälischen Draht- industrie" in Hamm in eine Lohnbewegung eintreten wollten, was sich aber dadurch erübrigte, daß ihre Organisation, der Christliche Metallarbeiterverband, den Arbeitern die Differenz zwischen den ge- widerten und den tatsächlichen Löhnen gezahlt habe.— Unter Be- zugnahme aus diese Mitteilung fordert der Vorsitzende des Christ- lichen Metallarbeiterverbandes. Fr. Wieber, von uns die Aufnahme der folgenden Berichtigung: Es ist unwahr, daß die Verbandsleitung des Christlichen Metallarbeiterverbandes an obengenannte Arbeiter aus der Ver- bandskasse Gelder ausbezahlt oder hat ausbezahlen lasten, als Ausgleich schlechter Akkordpreise. Wahr ist, daß die Verbandsleitung des Christlichen Metall- arbeiterverbandeS aus der Verbandskaste zn diesem Zweck weder Gelder bewilligt noch ausbezahlt hat, auch davon keine Kenntnis besaß, ob einzelne Arbeiter aus solchen lokalen Mitteln einen Zu- schuß erhalten haben, über welche der Verbandsleitung kein Ver- fügungsrecht zusteht. Mag sein, daß die Arbeiter aus der Hauptkasse des Ver- bandes die zur„Erledigung" der Lohnbewegung erforderlichen Gelder nicht erhallen haben. Man braucht in der Fertigkeit, zwischen den Zeilen zu lesen, nicht sehr bewandert zu sein, um aus der„Be- richtigung" des Herrn Wieber zu entnehmen, daß die Arbeiter die betreffende Entschädigung„aus lokalen Mitteln", also doch aus Mittein der Mitgliedschaft deS Christlichen Metallarbeiter- Verbandes erhalten haben. Dadurch wird natürlich an der Sache, auf die es hier ankommt, nicht das mindeste geändert. HlnsUmd. Streik der Pflasterer in Preßburg sPozsonhj, Ungarn. Am 29. Juli reichten die Preßburger Pflasterer den Unternehmern ihre Forderungen ein und stellten dann die Arbeit ein. Nach zwei Tagen bewilligten die Unternehmer, zogen jedoch am 2. August ihre Be- willigung wieder zurück, worauf die Arbeiter erneut die Arbeit ein- Dellien. Das städtische Jngenieuraml will sich nun selber um Streik- brecher bemühen, und es ist nicht ausgeschlossen, daß es solche auch in Deutschland zu werben versucht. ES wird deshalb gebeten, Zuzug fernzuhalten. Zur Textilarbciteraussperruug in Brünn wird mitgeteilt, daß eine Versammlung der separatistischen Gewerkschaft am Donnerstag beschlossen hat, sich an der Lohnbewegung nicht zu beteiligen, da sie kein Interesse am Kampf habe._■ SCH. Glocke, Beel'». Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Verlagsanstalt Hus der frauenbewegimg. Christentum und Frauenbewegung. Daß der Sozialismus der kräftigste Stützpunkt der Frauen- bewegung ist, weiß jeder Sozialdemokrat, weiß jeder Gebildete, weiß vor allen Dingen jede Frauenrechtlerin. Es liegt das ja auch im Wesen des Sozialismus begründet, der Mann und Weib tatsächlich gleich achtet. Ohne die Angst vor dem Sozialismus würden die Frauenrechtlerinnen wenig Erfolge zu verzeichnen haben, besonders in Deutschland. Die deutsche bürgerliche Frauenbewegung, die in den revolutionären 49er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurzelt, ist allmählich, hauptsächlich seitdem auch der christliche„Evangelische Frauenbund"(die jüngste, aber nicht schwächste ihrer Gruppen) darin Fuß gefaßt und seitdem ihr sogar die kaiserliche Gnadensonne neuerdings lächelt, in ein wesentlich anderes Fahrwasser übergegangen. Sie wird vermutlich durch ihre konfessionellen Strömungen, denn wie die letzte deutsche Frauenkonferenz bewies, sind auch die katholischen und israelitischen Frauen(auch die Zionistinnen) auf dem Posten, mächtig verflachen. Je mehr sie sich ausdehnt, je sicherer, je schneller wird da? eintreten. Wir Sozialdemokratinnen können dieser Entwicklung ruhig zuschauen, wir stehen Seite an Seite mit unseren auf- steigenden Genossen. Schon heute kann man lange Vorträge und Artikel von christ- lichen Profestoren und Pastoren lesen, in denen dargetan wird, daß die Frauenbewegung ursprünglich durch das Christentum entstanden, daß es das Christentum gewesen, welches Mann und Frau absolut gleichgestellt habe. So macht jüngst wieder ein gedruckter Vortrag des Pastors Reimpell in Oldesloe die Runde, der den Titel führt: „Die deutsche Frauenbewegung im Lichte der Geschichte, betrachtet vom Standpunkt der Inneren Mission". Der Verfaster geht darin sogar von den Frauengestalten des Neuen Testamentes aus, schildert dann die Frau in der altchristlichen Gemeinde, ihre Flucht im Mittelalter in die Klöster und die Rückkehr ins allgemeine Menschentum im Zeitalter des humanistischen Ge- dankens. Die heutige Frauenbewegung könnte sich demnach noch bei den Vertretern des alten Christentums für ihre Existenz be- danken. Solche und ähnliche Schilderungen kann man in konfessio- nellen Kreisen, Zeitungen und Zeitschriften, jeden Tag zu hören bekommen. Wahrhaft erftischend dagegen berührt es, diesen gleißne- rischen Darlegungen gegenüber zu erfahren, wie sich das Christentum wirklich den Frauen gegenüber verhielt. So antwortet zum Beispiel auf die Anfrage:„Wie stand die alte Kirche zur Taufe durch Frauen?" der Geheime Kirchenrat Dr. Hauck, Profestor der Kirchen- geschichte in Leipzig:„Soviel ich sehe, kann man mit ziemlicher Be- stimmtheit behaupten, daß die alte Kirche die Taufe durch Frauen nicht kannte, daß sie aber bald und zwar mißbräuchlich vor« gekommen ist." Der Profestor begründet das mit folgender, für die Frauen höchst schmeichelhafter Stelle:(1. Tert. de bapt. 17.) Tert. polemisiert da gegen eine gewisse Ouintilla:„Der tolle Ueber- mut eines Weibes, der sich vermesten hat, lehren zu wollen, wird sich hoffentlich nicht auch das Recht zu taufen aneignen, außer wenn etwa eine neue Bestie, ähnlich der früheren, auftreten sollte, so daß. wie jene(Ouintilla) die Taufe sich anmaßte, nun irgend eine andere sie aus eigener Vollmacht erteilen würde. Wenn nun die Schriften. die man verkehrter Weise Paulus zugeschrieben hat, das Beispiel der Thekla zur Verteidigung der Statthaftigkeit des Lehrens und Taufens durch Weiber vorbringen, so soll man wisten, daß der Ver- faster dieser Fälschung abgesetzt wurde. Denn wie wahrscheinlich wäre es wohl, daß der, welcher dem Weibe beharrlich die Erlaubnis zu lehren verweigert hat, ihm die Macht zu taufen sollte eingeräumt haben?" S o stand das alte Christentum den Frauen gegenüber. Versammlungen— Veranstaltungen. Berein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Der für Sonntag, den 11. August geplante Ausflug nach Sadowa findet nicht statt. K-ctztc Ptachrid*tcn. Veto gegen die Revision des amerikanischen Wolltarifs. Washington, 9. August.(W. T. B.) Präsident Taft legte sein Veto gegen das Gesetz betreffend die Revision des Woll- t a r i f s ein, das so niedrige Raten vorsieht, daß das unausbleib- liche Ergebnis eine nicht wieder gutzumachende Schädigung der Wollindustrie sein würde und eine Stillegung vieler Fabriken und somit die Arbeitslosigkeit vieler tausend Arbeiter herbeiführen würde. Präsident Taft verlangte dringend, daß der Kongreß sich nicht vertage, bis Maßregeln Gesetzeskraft erlangt hätten, durch die die wesentlichen Reduktionen, die das Tarifamt für möglich er- achte, durchgeführt werden, ohne daß irgend eine bestehende Industrie gefährdet werde. Der neue Präsident von Paraguay. Asuneion, 9. August.(W. T. B.) Der Kongreß hat der Wahl von Eduard Schaerer zum Präsidenten und von Pedro Voba» d i p t a zum Vizepräsidenten der Republik die Zustimmung erteilt. Die Amtszeit des neuen Präsidiums beginnt am 16. August. Aufhebung eines ungerechten Todesurteils. Paris, 9. August. Der Kassattonshos hat das vom Schwur- gericht in Rouen gegen den Sekretär des KohlenarbeitersyndikatS Durand ausgesprochene Todesurteil aufgehoben. Durand war beschuldigt, zur Ermordung des Arbeitswilligen Dange angestiftet zu haben, die in einer Versammlung von Ausständigen in Havre, in der er den Vorsitz führte, beschlossen wurde. Die Angelegenheit hat seinerzett großes Aufsehen gemacht und ist auch im Parlament erörtert worden. Nunmehr wird ein anderer Gerichtshof über den Fall Durand zu befinden haben. Folgenschwere Explosionen. Frankfurt a. M., 9. August. iW. T. B.) In der Garage der Opelwerke in der Mainzer Landstraße erfolgte heut abend beim Ab- füllen von Benzin eine Explosion, wobei zwei Personen getötet und mehrere schwer verlebt wurden. Budapest, 9. August.(P. C.) Aus Karansebcs wird gemeldet, daß in dem dortigen Eisenwerk Arbeiter Wasser auf heiße Eisen- schlacke gössen, wodurch eine Explosion entstand. Zwei Arbeiter wurden getötet, sechs schwer verletzt. Nws Kork, 9. August.(P. C.) Vc: den Arbeiten, die zurzeit im Zentralpork für die Anlage der neuen Wasserleitung ausge- führt werden, ereignete sich heute Mittag ein furchtbarer Unglücks- fall. Als ein Stück Felsen gesprengt werden sollte, kam eine der Dynamitpatronen vorzeitig zur Explosion. Bier Arbeiter wurden auf der Stelle getötet, vier weitere erlitten so schwere Bcrkebungen, daß sie bereits auf dem Transport zum Hospital starben. Tod durch Ueberschwcmmung. Madrid, 9. August.(P. T.) Infolge einer Ueberschwemmung durch den Bruch der Wasserleitung sind in A l m c i d a vier Arbeiter ertrunken. Fünfzig andere konnten sich nur mit genauer Not retten. Gaul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsbl. süss. 29. 1 geilnp des„Usmartg" Kttlilltt Vsldsllllllt. s«MÄ.t«.zMls.z. Verbandstilg der Fabrikarbeiter. Dresden, 8. August. Dritter Berhandlungstag. In der heutigen Sitzung referierte Verbandssekretär Stille- Kannover Wer Die Branchengliederung innerhalb unserer Organisation. Der Redner begründete ausführlich die Notwendigkeit einer Branchengliederung mit einer besonderen örtlichen Leitung. Er unterbreitete eine Resolution, in der die Grundgedanken seiner Ausführungen wiedergegeben sind. Sie lautet: Der Verbandstag in Dresden empfiehlt den Zahlstellen, in denen die für den Verband zuständigen Industrien in genügen- der Stärke vertreten sind, die Einführung der Brancheirgliede- rung entsprechend der im 8 3 des Statuts gegebenen Einteilung mit einer örtlichen Branchenleitung aus nachfolgenden Gründen: Der moderne Großbetrieb bringt durch die technische Eni- Wickelung und Jntensivität im Arbeitsprozeß ständig neue, bisher nicht bekannte Gefahren für Leben und Gesundheit der Arbeiter- schaft und ist deshalb die fortwährende und genaueste Beobach- tung der Arbeitsweise zur Abwendung derselben unumgänglich. Die Sammlung von Material zu einer wirksamen Bekämpfung der den Arbeitern drohenden Berufsgefahren in der Oeffentlich- keit und durch die Gesetzgebung kann am gründlichsten von der in Frage kommenden Jndustriegruppe selbst besorgt werden. Des weiteren kann die Propaganda für die gewerkschaftliche Organisation und der Ausbau derselben im Betriebe nochdrück- licher durch die Branche und Branchenobteilung bewirkt werden, als oas anderen Verbandsorgancn möglich ist. Bei anzustellenden Erhebungen über Lohn- und Arbeitsver- Hältnisse der Brauche kann die Branchenleitung wertvoll» Mit« arbeit leisten. � Die Vertretung der speziellen Berufsinteressen kann am Wirkungsvollsten durch die Branchenleitung erfolgen. Die Branchenvcrsammlungen und-Leitungen haben alle Maßnahmen nicht selbständig, sondern immer im Einverständnis und unter Mitwirkung der Ortsverwaltung zu treffen. Aus besonderer Veranlassung können durch den Verbands- vorstand allgemeine Bvanchenkonserenzen einberufen werden. An das Referat knüpften sich längere Erörterungen. Die Redner erklärten sämtlich ihr Einverständnis mit der vom Refc- renten vorgeschlagenen Branchengliederung. Gewünscht wurde, daß bestimmte Grundsätze und Richtlinien für ihre Durchführung fest- gesetzt werden. Von dem Ilgitationsleiter für die Ziegeleiarbeiter, Berg-Hannover, wurde die Schwierigkeit der Agitation bei dieser Branche geschildert und um größere Unterstützung bei der Agitation in den Ziegeleien gebeten. Darauf erwiderten mehrere Gauleiter, daß sie immer nachdrücklichst unter den Ziegeleiarbeitcrn agitiert hätten. Die Resolution fand mit einer unwesentlichen Aendcrung eines Satzes einstimmige Annahme. Dann berichtete Großmann-Magdeburg über die Beschlüsse des Gewerkschaftökongresses. Er sprach besonders seine Befriedigung über die Errichtung der gewcrlschastlich-gcnossenschaftlichen Volks- versicherung aus. Lamprecht- Höchst unterstrich in der Debatte diese Ausführung. Er bat die Delegierten, oafür zu sorgen, daß die„Volksfürsorge" in den Mitglicderkreisen weiteste Unter- stützung findet. Adler- Harburg wünschte, daß der Verband sein Delegationsrecht zum nächsten Gewerkschaftskongreß voll ausnützt. Wö r n e r- Kannstatt betonte, man müsse von den Genossenschaften verladen, daß sie nur mit solchen Firmen Lieferungsverträge ab« schlichen, bei denen geordnete Lohn- und Arbeitsverhältnisse bc« stehen. Der Verbandstag beriet dann die allgemeinen Anträge. Zur Maifeier liegen mehrere Anträge vor, die eine Abänderung oder Aufhebung deS auf dem Verbandstag in Leipzig(1906) gefaßten Maifeier- beschlusses verlangten. Nach diesem Leipziger Beschlutz werden die Mitglieder bei einer Maiaussperrung unter bestimmten Voraus- setzungen nach dem Streikreglement unterstützt. Die Statuten- beratungskommission empfahl nun folgenden Antrag Lübeck zur Annahme: „Der Beschluß des Leipziger VerbandstageS ist aufzuheben. Dafür sind Satzungen im Verbandsstatut festzulegen, die sich mit den zurzeit bestehenden Beschlüssen des Gewerkschaftskongresses und des Parteitages decken." Die Anträge riefen eine längere Debatte hervor, in der die meisten Redner g e g die Maifeier in ihrer heutigen Form Stellung nahmen. Die Maifeier sei verpfuscht, erklärte ein Redner, kleines feuilleton. Künftlerirchc fabrihardritehtur. Hinter den meisten und größten unserer Bauaufgaben steht ein neuer Faktor: der Verkehr, der Handel, die Industrie, mit einem Wort: das große Kapital. Für Bahnhöfe und Brücken. Kauf- und Warenhäuser, Kraftwerke und Fabriken werden die Summen aufgebracht, die unsere Baumeister in Architektur um- zusetzen haben. Zuerst standen sie ein wenig ratlos vor den plötzlich gestellten Anforderungen. Man wußte von den Hochschulen her sehr wohl Bescheid, wie ein Dom, wie ein Palais gefällig und künstlerisch an- zulegen wäre; doch eine so nüchterne und gewöhnliche Sache wie eine Fabrik?! Die Griechen hatten keine Fabriken gebaut, die Römer so etwas nicht gekannt, die Gotik keine Beispiele dafür hinterlassen: also konnte das unmöglich eine Aufgabe sein für Menschen, die sich als Baukünstler fühlten, die etwas an die Straßen setzen wollten ähnlich dem, was die alten Meister ge- schaffen hatten.... Den Industriebau überließ also der künst- lcrisch bestrebte Architekt minder ehrgeizigen und minder befähigten Bautechnikern. Für Leute, die eben nichts„Höheres" zustande bringen konnten, war er als Arbeitsgebiet gerade recht. Das ganze 19. Jahrhundert, das diesen verblüffenden Sieges- lauf der Maschine erleben sollte, war von solchen Anschauungen beherrscht. Die„Arbeitskaserne" war eine von jenen wider- wärtigen Erscheinungen, die das Leben täglich ungemütlicher mach- ten und die man am liebsten gar nicht auf der Welt gehabt hätte. Man konnte sie sich nur roh, nur häßlich, nur abstoßend vorstellen, und welchen Sinn hätte es gehabt, an so etwas künstlerische Sorg- falt zu verschwenden! War es nicht des Guten genug, wenn man die Fassade ein bißchen stilgerecht herrichtete, wenn man einen Happen Gotik, Renaissance oder dergleichen als Aufputz drciugab? Kein Wunder, wenn die rapid anschwellenden Fabrikstädte ein so unsagbar trostloses Aussehen boten, wenn der Naturfreund zu zittern begann, so in einem stillen Tal der erste Schlot zu rauchen anfing. Wo die Maschinen erst einmal ratterten, die Räder surr- ten, die-Hämmer dröhnten, war es aus mit der Schönheit. Kahle Backsteinmauern, klobige Schornsteine, geteerte Dächer, ungeordnete Baumassen, das war die Welt der Arbeit, die sich alles unterjochte. Eine entsetzliche Welt! Und eine Entwüroigung des lebendigsten aller neuen Begriffe: des Arbeitsbegriffes. Die stolze Industrie, die Hunderttausenden die Daseinsmöglichkeit gab. hauste so. als ob sie wie eine Falschmünzcvwerkstatt das Tageslicht zu scheuen hätte, und pferchte diese Hunderttausende Zeit ihres Lebens in Baulichkeiten, die sie vorzeitig altern und arbeitsunfähig machen mußten. Unhygienisch und unwirtschaftlich, war diese Art der Kasernierung nicht länger haltbar. Männer von und darum solle man auch den Mut haben, damit Schluß zu machen. Und ein anderer Delegierter sagte, die Partei fasse die Beschlüsse und die Gewerkschaften müßten die Kosten tragen. Von mehreren Rednern wurde auf„die ungeheuren Opfer" hingewiesen, die manche Maifeier den Mitgliedern auferlege. Betont wurde auch, wer den 1. Mai feiere, dies auf seine eigene Verantwortung tun solle. Verbandsvorsitzender Brey trat für den Antrag Lübeck ein. Bei der A b st i m m u n g wurde dieser Antrag Lübeck mit großer Mehrheit angenommen. Zustimmung fand ferner ein Antrag Hamburg, wonach in Betrieben, in denen der Verband ausschlaggebend ist.% der Beschäftigten 14 Jahr organisiert sein und mit% Mehrheit beschließen müssen, am 1. Mai die Arbeit ruhen zu lassen, wenn die Maifeier begangen werden soll. Tic Abstimmung hat in einer Betriebsversammlung zu erfolgen, in der% der Beschäftigten anwesend sein müssen.— Wird ein Mitglied dann ausgesperrt— so wurde von dem Berichterstatter der Statutenberatungskommission hierzu noch erklärt—, so erhält er nach den Bedingungen des Statuts die übliche Arbeitslosen- Unterstützung. Vor Vertagung sprach der Vorsitzende Richter den Opfern des Grubenunglücks in Bochum die wärmste Anteilnahme und das Hcrzliclsste Mitgefühl des Verbandstages auS. Bus der partei. Aus den Organisationen. Der sozialdemokratische Berein für den Wahlkreis Nürnberg- Altdorf hielt am Mittwoch seine Jahresversammlung ab. Die Refe- reuten, Vorsitzender Dorn und Kassierer Treu, konnten über ein be- wegtes Geschäftsjahr berichten; waren doch in diesem Jahre nicht weniger als drei große Wahlkämpfe durchzufechten, die aufs neue das unaufhaltsame Fortschreiten der Sozialdemokratie im industriellen Zentrum Bayerns bekundeten. Bei der Reichstagswahl wurde der bisherige sozialdemokratische Vertreter mit glänzendem Stimmen- zuwachs wiedergewählt; bei der LandtaaSwahl fielen von sechs Man- baten fünf unserer Partei zu, bei den Gemeindewahlen konnten wir die Zahl der sozialdemokratischen Gemeindebevollmächtigten ver- doppeln(von 19 auf 29), während die Zahl der MagistratSräte von 2 auf 5 stieg. Der Bericht ergibt, daß die Organisation ein erhebliches Stück Arbeit zu leisten hatte. Auch die Bildungsaufgabe», die ein be- sonderer Bildungsausschuß zu pflegen hat, sind in diesem hoch- politischen Jahre nicht vernachlässigt worden. Die Jugendbewegung blüht immer erfreulicher auf; den jugendlichen Arbeitern und Ar- beiterinncn Nürnbergs konnte im Berichtsjahre ein freundlich ein- gerichtetes Jugendheim mit Vortrags- und Spielsaal, Lesezimmer und Bibliothek übergeben werden, das sich großen Zuspruchs erfreut. Das Parteiunternehmen, die Fränkische Verlagsanstalt, vollendete im Frühjahr das zehnte Jahr ihres Bestehens in der jetzigen Form; es ist damals»mter sehr schwierigen Verhältnissen einer Reorganisation unterzogen worden; diese Schwierigkeiten sind jetzt überwunden, das Unternehmen kann vielversprechend in das zweite Jahrzehnt seines Besteheirs eintreten. Die Zahl der Abon- nenten des Parteiblattes ist von 33S09 aus 34 599 gestiegen. Die Mitgliederzahl des Vereins ist von 18 449 auf 29 218 ge- stiegen; von wen Mitgliedern sind 1767 weiblich. Als Vorsitzende wurden die Genossen Dorn und Giermann, als Kassierer Genosse Treu wiedergewählt. Zum Parteitag der deutschen Sozialdemokratie wurden folgende Anträge angenommen: 1. Die Einsetzung eines Parteiausschusses von 12 Mitgliedern ist abzulehnen. 2. Der Parteivorstand ist um 5 bis 7 ehrenamtliche Mitglieder zu vermehren. Die Wahl des gesamten Parteivorstandes Ist«»s dem Parteitag vorzunehmen. 3. Die Kontrollkommission besteht aus 15 Mitgliedern. Die Wahl derselben findet auf dem Parteitag statt, wobei die einzelnen Bezirke zu berücksichtigen sind. Die Kontrollkommission hat die ge- schäftliche und politische Tätigkeit des Parteivorstandes zu über- wachen und über Beschwerden gegen den Parteivorstand zu ent- scheiden. Ferner wurde ein Antrag angenommen, allen Mitgliedern der Reichstagsfraktion auf dein Parteitage beratende Stimme zu ge- währen. «.' Der Jahresbericht des sozialdemokratischen Vereins für Halle- Saalkrcis konstatiert als erfreulichstes Moinent neben der glänzenden Behauptung des ReichstagSmandals die Steigerung der Mitglieder- weiteren» Blick erkannten, daß man Leuten, die gute Arbeit leisten sollten. menschenwürdige Aufenthaltsräume, Licht, Luft und eine zweckmäßige Ordnung bieten müßte. Schon im Aufbau sollte der Betrieb so gegliedert sein, daß jede Arbeitsfunktion wie eine Selbstverständlichkeit zu der nächsten überleitete, daß unnötige Härten gegenüber den vielerlei Ange- stellten vermieden wären. So war es ein Gebot der Klugheit, sich bei solcher Gelegenheit an die besten Architekten der Zeit zu wenden. Nicht weil sie mehr oder minder große Künstler waren, sondern weil bei ihnen am meisten Verständnis zu erwarten war für die Bedürfnisse des praktischen Alltages, weil sie ja auch sonst darauf ausgingen, das Notwendige zweckvoll und harmo- nisch zu organisieren. Um an einem Beispiel zu zeigen, um was es sich eigentlich handelt, braucht man nur auf die neue Turbinenhalle und die neuen Fabrikanlagen der A. E. G. in Berlin zu verweisen. Es ist ja bekannt genug, daß die A. E. G. sich für ihre Bauten Peter Behrens aus Düsseldorf herübergeholt und daß im Norden Ber- lins Jngenieurwcrke von jauchzenden» Schwung und prickelnder Elastizität entstanden sind. Arbeitsstätten, in denen die Arbeit nichts mehr Gedrücktes und Helotenmäßigcs an sich zu haben scheint, die als Wahrzeichen einer neuen Großmacht in die Welt hineinragen. Den Kenner unserer architektonischen Bewegung wird es interessieren, zu erfahren, daß M u t h e s i u s, der die netten Landhäuschcn baute, eben dabei ist, für eine Berliner Seidenfabrik in Nowawes eine große Fabrikanlage zu schaffen. Fürwahr, wenn man heute mit einem Blick für solche Di>»ge durch das Reich fährt, findet man doch eine ganze Menge Anlagen, die wie einst die Tome und die Schlösser davon zeugen, daß die deutsche Arbeit, sich zu einer stolzen, ihres Wertes auch bewußten Macht entwickelt hat. Starke Förderung verdanken diese Bestrebungen der sogenann- ten Heimschutzbewcgung. In dem alte» Fabrikbau. der rücksichts- los Landschaften und Städtebilder verwüstete, bekämpfte sie einen ihrer grimmigsten Gegner. Den Unternehmern suchte sie das Ge- wissen zu schärfen, den Leuten draußen im Lande klarzumachen, wie unsozial eö doch sei, wenn ein einzelner die Möglichkeit habe, mit einem rohen Bau die Schönheit eines ganzen Bezirkes zu zer- stören; ja, sie scheute sich nicht, gegen derlei ästhetische Rohlinge die Klinke der Gesetzgebung in Bewegung zu setzen. Schade nur. daß diese verdienstvollen Absichten gelegentlich beeinträchtigt werden durch ein paar Heißsporne, die in einem Uebcreifer die neuen Fabrikbauten in das Gewand alter Bauerngehöfte stecken möchte,». Eine Spinnerei, eine Weberei, eine Gießerei oder eine Papier- fabrik sollen nicht anders aussehen als die Tenne des Rittergutes. das vielleicht einmal an dem Platz gestanden hat. Wo die Räder sausen, die Treibriemen surren, die Hämmer schlagen, die Schlote rauchen, ist diese„Scheunenromantik" aber wahrlich nickt weniger operettcnhaft als die Autogarage, die wie ein Schweinekober ein- zahl um rund 2999. Während die Organisation im Vorjahr 6116 Mitglieder zählte, waren ain Schlüsse des Berichtsjahres 8945 Organisierte vorhanden, darunter 982 iveibliche. Durch eine kürzlich lnit Unterstiiyung der Gelverkichaften vorgenommenen Haus- agitation wurden allein 1150 neue Mitglieder gewonnen. Die Er« folge wären zweifellos noch größere gewesen, wenn nicht durch das ungesetzliche Vorgehen der Halleschen Polizei eine zeitlang jegliches Vereinsleben unterbunden gewesen wäre. Die Behörde ichreckte sogar davor»richt zurück, über das Heim der Arbeiterschaft über ein halbes Jahr lang die Zehnuhrpolizeistunde zu verhängen. Die Gesamleinnahme betrug 48 199,95 M., die Ausgabe 36199,92 M., an Wochenbeiträgen wurden 25 248,49 M. ein- genommen. In zwei Versammlungen beschäftigten sich die Genossen mit den» Reorganisationsentwurf. Nach einem Referat des Reichstags- abgeordneten Genossen A l b r e ch t und nach eingehender Debatte wurde in der gestrigen Versammlung einstimmig folgende Resolution gefaxt: Die Genossen von Halle-Saalkreis beantragen: 1. Einen einheitlichen Beitrag von 19 Pf. für männliche und 5 Pf. für weibliche Mitglieder einzuführen. 2. An Stelle des vorgeschlagenen Parteiausschusses einen Beirat von 7—9 Personen zu wählen. Der Beirat wird auf dem Parteitag gewählt. 3. Die Mitglieder der ReichStagSfraktion sind wie bisher berechtigt, am Parteitage teilzunehmen. 4. Die Rechte der Kontrollkommission dürfen nicht beschränkt werden. Weiter wurde gegen eine starke Minderheit eine Resolution be- schlössen, die eine Aenderung des Punktes 6 unseres Parteiprogramms bezweckt und in welcher verlangt wird, der Parteitag möge den Wunsch aussprechen, daß die Parteiorganisation auch auf dem Ge- biete der Bekämpfung der christlichen Kirche, die ja»»»r eine Herrschaftsorganisation der staatlichen Machthaber darstelle, ihre Pflicht erfülle. � � Mit dem Parteitag in Chemnitz beschäftigte sich am Diens- tagabend eine Versammlung des sozialdemokratischen Vereins für den Wahlkreis Lübeck. Nach eingehender Debatte wurde einstimmig eine Resolution angenommen, in welcher die Schaffung des bean- tragten Parteiausschusses als weder notwendig noch zweckmäßig bezeichnet wird. Wichtiger seien die Bezirks- und Landesuorstarrds- konferenzen bei politischen Ereignissen von größerer Tragweite. Gleichfalls erklärte sich die Versammlung gegen eine Erhöhung der Minimalbeiträge und gegen die Beschränkuirg deS Rechts der Reichs- tagsabgeordneten, an den Parteitagen teilzunehmen. Des weiteren wurde einmütig eine Resolution beschlossen, welche sowohl die Sondevkonferenzen auf den Parteitagen, als auch die Sondevkonfc- renzen von Reichstagsabgeordneten entschieden verurteilt. Ange- nommen wurde endlich noch eine Resolution, welche eine Ver- schärfung des Schnapsboykotts fordert. Gewählt wurden zum Par- teitage die Genossen G. Ehlers, Möller und Löwigt. Als Mitglied des eventuell zu wählenden Parteiausschusscs wurde der Vor- sitzende der Lübecker Parteiorganisation, Genosse P. Löwigt, vorgeschlagen, *• Der Wahlverein für Kottdus-Spremberg, der in 24 Orten 2464 Mitglieder zählt, beschloß auf seiner Kreisversammlung mit 44 gegen 13 Stimmen einen Wochenbeitrag von 10 Pf. für Männer und von 5 Pf. für Frauen einzuführen. Ueber den Parteitag in Cheinnitz referierte der Abgeordnete des Kreises, Genosse Giebel. Er bedauerte, daß in die Tagesordnung nicht auch der Punkt auf- genommen wurde:.Die Privatangestellten und die Sozialdemo- kratie". Mit dem Stichwahlabkommen habe der Parteivorstand bei der gegebenen politischen Situation die richtige Taktik eingeschlagen. Zum Parteitag wurde folgende Resolution angenommen: .Zu den Aenderungsvorschlägen zum Organisationsstatut be« schließt die Kreisgeneralversammlung: 1. sie stimmt der Beitragserhöhung zu mit dem Vorbehalt, daß eine genügend lange Einführungsfrist vorgesehen wird; 2. das bestehende Vertretungsrecht der Gesamtsraktion soll nicht eingeengt werden; 3. eine mitbeschließende Körperschaft soll neben dem Partei- Vorstande nicht geschaffen werden. »» • Der sozialdemokratische Wahlverein für den 5. schleSwig- holsteinischen Wahlkreis gab soeben seinen Jahresbericht heraus. Die Orgarnsation hat sich im Berichtsjahr erfreulich entwickelt. Von 2979 stieg die Mitgliederzahl auf 2698; eine Steigerung von 25,4 Proz. 336 Genossinnen gehören der Organisation an. Die Abcmnementsziffer der Parteipresse steht leider noch unter der er- gedeckt wird. Die eigentliche Größe des nwdernen Fabrikbaues besteht doch darin, daß er für die organisatorischen, technischen, hygienischen uird sozialen Voraussetzungen eines solchen Betriebes sich die selbstverständliche Form schafft, daß er aus den neuen Kon- struktionen, den neuen Baustoffe», die zur Verwendung gelangen müssen, und den neuartigen Möglichkeiten, die in dieser Welt der großstiligen Arbeitstaten schlummern, Gestaltungen entwickelt, die an Größe und charaktervoller Schönheit nicht hinter den Doku- menten aus Urväter Zeiten zurückbleiben.' P, W. Notizen. — Der.Parsifal-Schutzbund' bekundet das lächerliche Bestreben, WagnerS letztes Musikdrama für ewige Zeiten an Bayreuth zu ketten. Die Intendanten höfischer Theater kriegten den.Deutschen Bühnenverein", der sich zum größten Teil aus Direktoren zusammen- setzt, auch hiersür herum. Indessen sind diesen Herrn doch Bedenken aufgestiegen: und so ist eS wahrscheinlich, daß sie sich— nicht aus KunstidealiSinuS, sondern auS geschästsspekulativen Gründen— entschließen werden, von einen» Sonderschutz des.Parsifal" zugunsten WagnerS Erben abzuraien. UebrigenS soll das Werk in Budapest schon am 13. Februar 1913, also fast ein volles Jahr vor Ablauf der dreißigjährigen Schutzfrist ausgeführt werden. — Hermann SudermannS Schauspiel»Der gute Ruf" wurde bisher von 26 Bühnen erworben. Außerdem sind Uebersetzungen ins sranzösische, englische und russische im Gange. — Peter Werner Larsen, der den Vorwärtslesern be- kannte Schriftsteller, der trotz eines Unwetters eine schwierige Wetterhorntour unternonimen hatte, wird seit einigen Tagen vermißt. — Konrad Dreher, der auch den Berlinern bekannte Münchener Schauspieler hat die Leitung des Ansbacher Stadttheaters übernomnien. Er will neben einem künstlerUcheii Repertoire und Wandergastspielen in bayerischen Städten auch kinematographische Vorstellungen veranstalten. — August StrindbergS Leiche wird Ende September oder Ansang Oktober von ihren» jetzigen Platz nach einen» schöner gelegenen aus dem gleichen Friedhof übergeführt werden. Ueber der neuen Grabstätte soll sich dann mit dem nächsten Jahre ein würdiges Denkmal erheben. — Maurice Maeterlinck will ein eigenes Theater gleich- falls in Form einer Wanderbühne, aber nur für seine Drainen, eröffnen. Zunächst wird er in Nizza, dann in Paris Ausführungen' veranstalten. Die künstlerische Leitung hat des Dichters Frau über- nommen. — Eine Rordpolexpedition. der auch zugleich die Aufgabe obliegt, die russischen Polarländereien zu erforschen, wird jetzt vorbereitet.„Väterchen", der Zar, war so gnädig, denr Organi- sationskomitee die Befugnis zlim Geldsammeln für diesen Zweck im ganzen Reiche zu verleihe». Ivahnten OrZaNisationszifftt. Die Ja'hreZbilonz des Vereins schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 18 240,14 M., bei 2S52,2L Mark Kassenbestand. Die RcichsiagSwahl erforderte eine Ausgabe von 8246,33 M., womit unter anderem die Kosten für I3ö 600 Flug- blätter und 64 Versammlungen bestritten wurden. Bemerkenswert ist ein Wäh lc rst r e i k, der am Ii!. Januar in Osterbelmhusen mit Erfolg durchgeführt wurde. D«r Bericht meldet darüber, daß in genanntem Ort eine Suppenterrine die Stelle der Wahlurne vertreten sollte. Aber die Wähler weigerten sich, dieser ihre Stimm- zettel anzuvertrauen, so daß dem Wahlvorstand nichts anderes übrig blieb» als eine ordentliche Wahlurne herbeizuschaffen... Sericdts- Leitung» Vertrauen jn solcher Rechtsprechung? „Ein Arbeitswilliger ist glaubhafter wie alle übrigen Zeugen, aber nicht deshalb, weil ein solcher Zeuge„arbeitswillig" ist, sondern weil seine Aussage— nach der Würdigung deS Gerichts mehr Glauben verdient." Diesen tiefgründigen Ausspruch leistete sich der Landgerichtsrat Hillenknmp in Duisburg als Gerichtsvorsitzender einer Fcrienstraf- kammcr in einer Streikprozeßsache gegen die 41 Jahre alte Berg- mannsfra« Lipck aus Marxloh, die den„arbeitswilligen" Berg- mann Lipkowski beleidigt haben sollte. Der Verteidiger der An- geklagten hatte beantragt, die überaus widerspruchsvollen Aussagen des angeblich„Beleidigten" wörtlich»« protokolliere». Das Gericht lehnte es ab, die für den„arbeitswilligen" Zeugen Lipkowski viel- leicht verhängnisvolle Aussage zu protokollieren. Der Zeuge hatte nämlich vor dem Schöffengericht unter Eid bestritten, zu der An- geklagten„verrücktes Weib" gesagt m haben. Er bestritt es auch zunächst in der Berufungsinstanz, irgrßtc dann aber schließlich die Aeußeruug doch zugeben. Als der Äerichtsvorsitzende erläuternd zu der sich widersprechenden Aussage bti„Arbeitswilligen" bemerkte, der Zeug« werde doch sicherlich«rst nachher die Aeuszerung getan haben, weil er wahrscheinlich vorher von der Angeklagten„Pfui, Streikbrecher" apostrophiert sei, da fand sich der Zeuge natürlich sofort zurecht und erklärte, daß es so gewesen sei. Die Angeklagte dagegen und mit ihr 7 Zeugen bzw. Zeuginnen stellen den Vorfall ganz anders dar. Nach ihrer Aussage hat der „Arbeitswillige" Lipkowski, als er am 14. März während des Streiks der Bergarbeiter zur Schicht ging, im Vorbeigehen mit Bezug auf die Angeklagte gesagt:„Da steht das verrückte Weib." Darauf habe die Angeklagte erwidert:„Du bist noch verrückter wie ich." Weiter ist nach Aussage von 1 Zeugen kein Wort zwischen dem Zeugen und der Angeklagten gefallen. Ja, einige der Zeugen betonten, daß es absolut unwahr sei. was Lipkowski unter Eid be- hauptet habe, und daß die Angeklagte dem Zeugen nicht die geringste Veranlassung gegeben habe zu der Beschimpfung. Absolut unwahr sei es auch, daß die Angeklagte in die Hände geklatscht habe. Trotz dieser bestimmten Aussagen war der Gcrichtsvorsitzende der Mei- nung, die Zeugen würden es„übeehört" haben, daß die Ange- klagte vorher:„Pfui, Streikbrecher" gesagt habe. Es entspreche auch ganz der Situation, wenn der Zeuge Lipkowski darauf er- widert habe:„Da steht das verrückt« Weib."— Und das, obwohl selbst der vom Zeugen Lipkowski benannte„Arbeitswillige" Specht die Sache so darstellt, wie die Angeklagte und das halbe Dutzend Entlastungszeugen. Bei der Begründung des Beschlusses, die Arbeitswilligenaussage nicht zu protokollieren, betonte der Vorsitzende, daß es nach Ansicht des Gerichts auf die wörtliche Aussage des Zeugen nicht ankomme..... Wie sollte sonst der Zeuge Lipkowski dazu kommen, wenige Tage nach dem Borfall die Angeklagte zur Anzeige zu bringen? Der Zeuge müßte schon einen Meineid schlimmster Art geleistet haben. wenn das, was er unter seinem Eide ausgesagt hat, wider besseres Wissen von ihm gesagt sei. Zn dieser Annahme liege gar kein Grund vor.„Zweifellos" habe die Angeklagte auch in die Hände geklatscht, weil es— der Beleidigte ausgesagt habe. Es erhielt die Angeklagte wegen„Beleidigung" des Arbeits- willigen 30 M. Geldstrafe zudiktiert! Wenn so tvenig Gewicht auf das Zeugnis von sieben, so viel auf da» Zeugnis vckn einem Zeugen gelegt wird, dessen Slussage nicht einmal widerspruchsfrei ist, und Nichter dem an die Spitze dieses Berichts gebrachten Ausspruch zustimmen, dann ist die Schlußfolgerung gerechtfertigt: solche Richter können nicht unbe- fangen sein. Zu ihnen fehlt das Vertrauen; der Angeklagte er- hält das Gefühl: nicht um zu richten, sondern um zu rächen ist das Gericht da._ Meuternde Arbeitshäusler. Eine Anklage wegen Meuterei beschäftigte gestern die dritte Zerienstrafkammer des Landgerichts III. Angeklagt war der auS der Haft vorgeführte Nudolf Herzog._. Der Angeklagte war lange Zeit hindurch der Berliner Krimi- nalpolizei als einer der gefährlichsten Zuhälter Berlins bekannt. der auch vor schwereren Verbrechen nicht zurückschreckte. Nachdem feinem gefährlichen Treiben durch seine Verhaftung ein Ende bc- reitet worden>var, wurde er von der Strafkammer zu 2fi Jahren Gefängnis verurteilt. Außerdem verhängte das Gericht die lieber» Weisung an das A»b«tShaus. Nach Verbüßung der Gefängnis- strafe wurde H. dem Arbeitshause in Rummelsburg überwiesen. Am 28. Dezember 1310 unternahm er zum ersten Male in Gemein- schaft mit neun anderen, ebenfalls wegen Zuhälterei inhaftierten Arbcitshäuslcrn einen Fluchtversuch, bei welchem mehrere Tür- füllungen durchschnitten wurden. Nachdem die Flüchtlinge wieder eingefangen waren, unternahm der�lngeklagte etwa ein Jahr später in Gemeinschaft mit fünf anderen Arbeitshäuslern einen neuen Flüchrvcrfuch, bei dem sogar eine dicke Mauer durchbrochen wurde. Er wurde abermals wieder eingefangen und von nun an in einer Einzelzelle untergebracht. Am 10. März d. I. war der Bogel jedoch wiederum ausgeflogen. Der Angeklagte hatte in der Nacht in Ge- meinschaft mit einem anderen Insassen die starke Steinwand durchbrochen und war dann durch das entstandene Loch entschlüpft. Da es sich herausstellte, daß er auch andere Häftlinge aufgehetzt hcitte. eventuell unter Anwendung von Gewalt zu flüchten, wurde die Anklage wegen Vergehens gegen den ß 122 des Strafgesetzbuches gegen ihn erhoben."— Der Staatsanwalt beantragte 114'Jahre Gefängnis. Das Urteil lautete aus S Monat« Gefängnis._ Huö aller Alelt. Der Polizeiskandal i« Netv York. lieber die gelegentlich der Ermordung des Spielhöllenbesitzers Rosenthal bekannt gewordene Korruption in der New Dorker Polizei bringt jeder Tag neue sensationelle Enthüllungen. Zurzeit finden fünf von einander getrennte Untersuchungen statt. Unter anderen hat auch der Petrolömnköiiig John Rockefeller einen seiner Privat- detektivs damit beauftragt, über die Bestechlichkeit der New Dorker Polizeiorgane genaue Erhebungen anzustellen. Dieser hat die aufsehenerregende Entdeckung gemacht, daß die P o l i z e i o f f i z i e r e nicht nur den Spielsazzlbesitzem, sondern mich den internationalen Mädchen Händlern ihren besonderen Schutz angedeihen ließen. Das vov dem Detektiv in dieser Sache gesammelte Material ist mit allen Einzelheiten dem Staatsanwalt Whiteman zugegangen. Daraus geht hervor, daß ein höherer Polizeioffizier für den Dienst, den er he» Mädchenhändlern erwies, allmonatlich die Summe von 1000 Dollar erhielt. Der New Dorker Stadtrat, dem übrigens der Borwurf gemacht wird, daß er seine Untersuchung sehr einseitig und schonend für die Polizei führt, beabsichtigt eine Aste von Hauseigentümern zu ber> öffentlichen, die gegen erhöhte Miete ihre Häuser zu Spiel- und anderen Zwecken hergebe». Bei einer Untersuchung berichteten auch Jack Roses Hausgenossen über Besuche des Polizeileutnants Becker, bei denen dieser von den Spielern erpreßte Gelder ab- holte._ Selbstmord im Gerichtssaale. Ein dramatischer Zwischenfall spielte sich am Freitag im Sitzungssaal der 1. Ferienstrafkammer in B r a u n s ch w e i g ab. Dort hatte sich der Schriftsteller Paul Kochendörfer wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und versuchter Nötigung zu verantworten. Als der Vorsitzende das auf nenn Monate Gefängnis und sofortige Verhaftung lautende Urteil verkündete, zog der Ver- urteilte plötzlich ein Fläschchen au-Z der Tasche und trank dessen Jn- halt rasch aus. Bewußtlos brach« zusammen. Der sofort hinzu- gerufene Arzt konnte nur noch den infolge Vergiftung mit Cyankali eingetretenen Tod feststellen. Erdbeben im Balkangebiet. AuS verschicdeuen Teilen der Türkei wird berichtet, daß im Lande am Freitagmorgen drei starke Erdstöße verspürt wurden. Unier der Bevölkerung brach an mehreren Orten eine Panik aus. Die Bewohner verließen fluchtartkg ihre Häuser und kampieren im Freien. Das Beben, das sich in der Richtung von Südwest nach Nordost bewegte, wurde auch in B u k a r e st und anderen Ortschaften Rumäniens verspürt. Die Bevölkerung scheint mit den, bloßen Schrecken davongekommen zu sein. betrügerische Manöver eineS Rechtsanwalts. Wie uns ein Telegramm auS Mannheim meldet, ist dort unter dem Verdachte eines groß angelegten Betruges, wobei es sich um 200 000 M. handeln soll, der Rechtsanwalt Grünwald samt seinem Bureau chef verhaftet worden. Rechtsanwalt Grün- wald hat sich erst vor einem Vierteljahr in Mannheim nieder- gelassen. Es wird ihm Fälschung von Telegrammen vorgeworfen. Der Anwalt hatte die'Finanzierung einer neuen Erfindung— die wesentlich vereinfachte und verbilligte Fabrikation von GaS— über- nommen und soll seinen Auftraggebern durch fingierte Telegramme getäuscht haben._ Untergang eines japanischen Kreuzers. Der japanische Kreuzer„Naniwa", der während deS chinesisch- japanischen Kriege» im Jahre 1894 und auch in, russtsch-japanischen Kriege im Jahre 1904 eine bedeutende Rolle gespielt hat. ist an der Küste der Insel B r o t o n gescheitert und gesunken. Die Mannschaft konnte gerettet werden. Im chinefisch-japauischen Kriege wurde die .Naniwa" von dem damaligen Kapitän und späteren Admiral Togo befehligt. Auch im russisch- japanischen Kriege war die.Naniwa" unter dem Kommando des Admirals Togo in der berühmten See- schlacht bei Tsuschima beteiligt. Kleine Notizen. Der Tod in der Grube. Auf der Grube Laurweg bei Kohl« scheid wurden am Freitag fünf Bergleute von einem Förderkorb erfaßt. Ein Bergmann wurde getötet, ein zweiter schwer und die drei übrigen leicht verletzt. Einsturz eines Baugerüstes. Jn der ungarischen Ortschaft Otcsztena stürzte beim Neubau eines Hauses das Gerüst zu« sammcn. Sieben Arbeiter wurden unter bat Trümmern begraben. Einer i st tot. drei wurden tödlich uno drei schwer verletzt. Opfer der Berge. Der Wiener Buchhändler Rosenberg und seine Tochter, die eine Partie in den Stubaieralpen unternahmen, gerieten in einen fürchterlichen Schneesturm und wurden beide auf dem Wilden Freiger erfroren aufgefunden. Arboilsnsclwsis: Hos I Amt Norden, Nr. l239. Verwaltuiptelle BerliQ EharilHftraste 3. Hauptbureau: Hos III. Amt Norden, Nr. 1SS7 Dienstag, den 13. August: Mrh$- Versammlungen für die gesamte Verwaltungsstelle Berlin in folgenden Lokalen: Norden PhamMHl©» Müllerstr. 142, abends 8«/, Uhr. NOrdeO* obi1�ilos Fcsts&lo, Schwcdter Strasse 23, abends NOrdeN Frankes Festsäle, Badstr. 19, abends S1/, Uhr. MOObU* Kronen- Brauerei, Alt-Moabit 47—49, abends Tanol• Wohlfahrt» Fcstsälc, Reinickeudorf. Eichbornftr. 18, 1 Cy Cl. abends 6 Uhr. Weälen und Schöueberg: Hauptstr. 30/31» abends 8'/, Uhr. 0S(6D I Comcninssäle, Mcmeler Strasse 67, abends 8'/, Uhr. Lichtenberg: ÄaÄ J- Ertelt' Watv�abt 7i' Stralau und Rummelsburg: ÄÄTCÄ* Südeilbezirke*. n"slWe'®nwm 76- Weißensee: Prälaten, Lehderstr. 122, nachm. 5'/, Uhr. Bericht der Bezirksleitung und Neuwahl derselben. Neukölln: IlopposFestsäle, Hermannstr. 49, abends 3'/, Uhr. Cliarlottenburg: Volkshana, Roslnenstr. 3, abends 8'/, Uhr. HtanHi'»* Schellhnwes Fcstsälc, A Hornstrasse 15» Olcyillk. abends 8'/, Uhr. Köpeulck u. Frledricbsliagen: ifsaSlSMÜSSÄ- Hagener Str. 1, abends 8 Uhr. flhpp.QphnnOWOiriO' Froehovskl,„BercinsHauS". Schiller- Uvvl SVIIVllvN vlUV. Promenade 13. abends 8 Uhr. SgaildaU* 8VClu",,>el tS Kurstrasse 21, abends Tagesordnung in allen Versammlungen: Stellungnahme zur Generalversammlung. @9** Mitgliedsbuch legitimiert."VS Die Versammlungen werde» pünktlich eröffnet. Zahlreicher Besuch wird erwartet._ NB. Den Mitgliedern der Kassierungs-Kommisfio« zur Kenntnis, dast die nächste Sitzung au, Montag, de« 1Ä. August, abends 8 Uhr» im Berbandshaus, Charit�« strafte 3, stattfindet. 122/0_ Die Ortsverwaltnng. gäckereigenosssnsctiaft Berlin Eingetragene Genossenschast mti beschräntterHastpflicht. GIogauerstr.28. Am Sonnlag, oen 18. Zlugust 1312, mittags 2 Uhr, findet bei Wineriern, Reicheubergerstr. 104, unsere dies- jährige Orckentllehe General- Versammlung statt. 105/19 Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht und Bericht des AujiichtSratS. 2. Diskussion. 3. Ersatzwahl für die ausscheidenden Vorstands- und AussichtSratsmit- glieder. 4. Statutenänderung und Anträge. 5. GeschästlichcS. Der Vorstand. Richard Linder. Ludwig Erik. Neue Berliner ßenossenschafts- Räoiforoi(Eingeschriebene Genoffen- üdonclcl schnsl mit beschränkterHast« Pflicht). Rcinickcndors-Okt, Wilkcstr. S2. Sonnabend, den 24. August 1312, abends 8'/, Uhr, im VersammlungS- zimmer der Bäckerei: AnBcrordeir,dlche General-Versaminlung Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und Auf» sichtSrates. 105/20 2. Statutenändcrmig. 3. Anträge. 4. Verschiedene». Der �ovstand. Grosser 1 Saison- Ausverkauf Der Verkauf findet in nachstehenden Geschäften statt! Jerusalemer Str. 35| Königstrasse 25-26 Potsdamer Strasse 2 Tauentzien-Str. 19a Bosenthaler Str. 5 Oranienstrasse 161 □ Man achte genau auf Strassennamen und Hausnummern l Gr. Frankfurter Str. 1 23 1 Schöneb., Hauptstr.' 1 46 Chaussee- Strasse 114 Charlottenburg Neukölln, Bergstr. 25 I Wilmersdorfer Str. 45 Enorm billig! 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H. 86, Hamburg).- Verwaltungsstelle Berlin B. Am 7. August verstarb unser Mitglied Heinrich Fengler. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung sindet Sonn» abend, nachm. 31/, Uhr, von der Leichenhalle des llmmaus-Kirch- Hofes aus statt. 294/13 Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Hans Belleville am 6. August an Halsleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet ffeutc Sonnabend, den 10. August, nach- mittags 5'/, Uhr, von der Leichen. halle de« Franzöfischen Kirchhofs in Pan kom, Wollanlstr. 43, aus statt. ferner starb unser Mitglied, der losser Frit? Gartzke. Die Beerdigung findet am I Sonntag, den LI. d. Mts., nachmittags 2'/- Uhr, von der Leichen- halle des'Treptower Gemeinde- Friedhofs, Neue Krug- Allee, au§ statt. Ehre ihrem Andenken: Rege Beteiligung erwartet 122/4 Bio Ortsverwattung. /Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und zahlreichen fHanz- spenden bei der Beerdigung meines lieben ManneZ,. unseres guten Vaters WtII>«!l»i!!iprc«,vitz sagen wir allen Verwandten und Be» kannten, insbesondere dem Wahl- verein deZ 4. Berliner Reichstags- Wahlkreises, dem Deutschen Bau- arbeiterverband, den Angestellten der Dortmunder Osenbaugesellschast, dem Gesangverein.Süd-Osl" sowie Herrn Bruno Lieske für seine trostreichen Worte am Sarge des Entschlasenen unseren herzlichsten Dank. 2779b Wwe. Johanna Spreewitz H. Kinder. FFJICIC*' S- Xaedt. 1 BorchariU. ■ Friedrichstr. 115 I, am Oranienta. Tor. Tel.; Nord 7402. 37142* Krack, Smoking, Gehrockanzüge, Chapeau elaqur, sür jede Figurpass., vorrätig in verschiedenen Preislagen. Sehr grelle Auswahl, mSkige preise. Am Mittwoch, srüh 3'/, Uhr, oerstarb insolge' eines Unfalls unsere innigstgeliebte Tochter Herta im Alter von 7 Jahren. DieS zeigen an Tie tiefbetrübte« Eltern August lutlerbiise und Frau. Die Beerdigung findet Sonntag, den 11. August, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Lichten- berger Gemeinde-Friedhoss in der RathauSstraße aus statt. S5A Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben MamicS Bormaim Förster iage ich allen Verwandten und Be- kannten, sowie Herr» Steinsetzmeisler Bchringcr nebst gesamtem Personal, serner den Kutschern der Firma Hintze »leinen herztichen Dank.'40A Witwe Marie Farster ncbst Kindern. Danksagung. Für die Beweise liebevoller Teil- nähme, sowie auch sür die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Sohnes, Bruders und Schwagers, des Schlossers I�emhold Rothe sagen wir aus diesem Wege allen Verwandten und Bekannten sowie den Genossen des 14. Bezirks des Wahlvcrcins und dem Genossen Heid- mann sür die Ansprache, den Kollegen des MetallarbciterverbandeS A.-E.-G.- Abteilung, den Sangesbrüdcrn und dem Sparvcrein„Nordpol- unfern tiesgesühltcsten Dank.' 50A lm Kamen der trauernden Hinterbliebenen Mutter, Geschwister und Schwager. Mh- Institut I Die bellen Sommer- Paletots und 4—500 getragene Anzüge sür Herren, Smoking-Anzüge, Frack- auzüge, sowie von Kavalieren gc- tragenc, jasl neue Sachen(a.Scide), für jede Figur passend, iiigroSter Auswahl z. unübertrofsen[114/15* billigen Preisen. lTr.,deshalbbUliger wicim Laden. Ri!'seliltiese!'iiaum.s�""'"°" .Stra8e12/13 I f June Ciqarette H.& P. Uder, SÄ'?. Vabak-Oroßhamllnng und Tabakfabrik. Spezialität: Nordhäuser Kautabak von Q. A. Kanewacker, QHmm a Triepel. ■ Stets frisch zu den äußersten Engrospreisen. I -- Amt IV, 3014.---— H Anzeige Bin Westmann Mohrenstrasse 37a(nahe Jerusalemer Str.) Gr« Frankfurter Str. IIS(nahe Andreasstr.) nur durch Inserate. 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Verlag: Torwart»»vuchdruckerei u. Vertagsanjtalt Paul Einger u.«to., Berlti, SW. Nr. 185. 29. Jahrg. f dingt dt» Jotraiitl»"■ AiWtn für Sit« md iütitii. 10. August 1912. Vorort- JVacbnchten. Tempelhof. Gemeindevertretung. In der letzten Sitzung wurde beschlossen, auf dem der Gemeinde gehörigen,- an der Borussiastrahe gelegenen, zwei Morgen großen Grundstück einen massiven Schuppen zu errichten, der zunächst zur Ausnahme des Feuerlöschautomobils be- stimmt wird. In Anbetracht der zentralen Lage des Grundstücks soll dieses zu einem Fuhrdepot benutzt und der Schuppen, der mit Heizungsvorrichtungen versehen werden soll, in Zukunft für ein Feuerwehrdepot hergestellt werden. Auch der Nachbarschuppen soll massiv hergestellt und vergrößert werden. Die Kosten belaufen sich auf 17 600 M. Genosse Schmidt vermißte einen Raum für Reparaturen und sprach den Wunsch für Schaffung einer ständigen Feuerwache aus, die aber«lach Ansicht des Vorstandes noch nicht notwendig sein soll. Die Enteignung einer Parzelle in der Teilestraße beschäftigte bereits einmal die Vertretung. Es handelt sich um Schwierigkeiten, die bei der Anlegung der Teilestraße durch die Terraingesellschaft „Industrieviertel" in der Widerspenstigkeit der Badingschen Erben ihren Grund haben. Es liegt im Interesse der Gemeinde, daß diese Entwickelung der Industrie nicht gehemmt wird. Durch die An- legung des Teltowkanals sind den Badingschen Erben recht schätzbare Werte entstanden. Um sich einen Begriff von dieser Wertsteigerung zu machen, sei mitgeteilt, daß für das 100 Ruten große, mitten in der Feldmark gelegene Grundstück vor mehreren Jahren die Kaufsumme von 1000 M. als sehr hoch galt. Heute verlangt der Besitzer nicht etwa die doppelte Summe, sondern das bOfache! 50 000 M. für 100 Ruten zu zahlen, lehnte die Terraingeselljchaft ab, nun aber das Land zum weiteren Ausbau der Teilestraße notwentug braucht. Obgleich auf die lange Dauer des Entcignungsverfahrms hingewiesen und nur der Mangel an gutem Willen seitens des Besitzers alles gütliche Verhandeln als zwecklos erscheinen läßt, sah sich die Gemeinde- Vertretung genötigt, das Enteignungsverfahren einleiten zu lassen. Seit einigen Tagen findet in der Berliner Straße eine Probe- beleuchtung statt. Während von der Dorsaue bis zur Ringbahn- straße Gasbeleuchtung vorhanden ist, erstrahlt von der Ringbahn- straße bis zum Ringbahnhof das elektrische Licht. Im Preis ist nur ein geringfügiger Unterschied vorhanden und zu den Kosten der Installation, die auf der Berliner Straße etwa 24 000 M. betragen, will die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft ein Drittel der Selbst- kosten beisteuern. Eine PslichtfortbildungSschule soll zum 1. April 1913 für alle Männer unter 17 Jahren errichtet werden.— In die Voreinschätzungskommission wurde als Stellvertreter Genosse Martin Müller gewählt.— Beim Bau des Realgymnasiums sind der Aktiengesellschaft Kaisersteinbruch 10 950 M. als Vertrags- strafe einbehalten worden, weil die Firma die Lieferfrist nicht ein- gehalten halte und der Gemeinde dadurch Schaden entstanden ist. Genannte Firma hat sich damit nicht einverstanden erklärt, weil nach ihrer Ansicht derartige Bestimmungen gegen die guten Sitten ver- stoßen. Ein Rechtsstreit dürfte die Folge sein.— Der Voranschlag zum Bau des Realgymnasiums, der 1050 000 M. betrug, ist nur unerheblich überschritten. Auf eine Anfrage des Genossen Schmidt, wer denn die etwa 3000 M. zum Festessen anläßlich der Einweihung des Realgymnasiums bezahlt habe, antwortete der Herr Vorsteher: „Wir I' Das heißt also, die Honoratioren haben sich auf Gemeinde- kosten amüsiert. Von Straßenangelegenheiten sei mitgeteilt, daß die Ab- ficht besteht, die Schöneberger Straße nicht bis zur Borussia-, sondern bis zur Schönburgstraße auszubauen und zwar mit Pflastersteinen-, die Kosten dürften 362 000 M. verursachen. Auch die Kaiserin- Augusta- und Albrechtstraße sollen gepflastert werden. Der Baum« bestand soll in der Straßenmitte erhalten.bleiben und Vorgärten geschaffen werden. Bemerkenswert war die Mitteilung, daß auf eine Neupflasterung der Dorfftrahe nicht gerechnet werden könne, da die Kosten für das alte Pflaster aus dem Jahre 1394 erst bis zu 70 Proz. gedeckt und neue Mittel noch nicht vorhanden seien.— Genosse Schmidt brachte noch den schlechten Zustand, in dem sich mehrere Straßen lfftfinden, zur Sprache.— Einer Anfrage der sozialdemo- kratische». Fraktion, den seinerzeit rundweg abgelehnten Sommer- urlaub der Gemeindearbeiter betreffend, wurde entgegnet, daß Ver- Handlungen eingeleitet worden sind. Mariendorf.. AuS der Gemeindevertretung. In der letzten Gemeindevertreter- sitzung machte der Gemeindevorsteher zunächst Mitteilung über die Trennung der Amtsbezirke Mariendorf und Marienfelde. Hierbei kritisierte Genosse Reichardt die Art der Mitteilung. Nachdem schon lange vordem die Presse davon benachrichtigt worden, lasse sich der Gemeindevorsteher endlich herbei, der Gemeindevertretung Mit- teilung zu machen. Solche Angelegenheiten gehörten wohl zu aller- erst in die Gemeindevertretung. Die Trennung sei eine so wichtige Gemeindeangelegenheit, für welche die Vertreter ihren Wählern gegenüber gerade stehen müßten. Der Gemeindevorsteher verteidigte sein Verhallen in der von ihm schon wiederholt beliebten, wenn auch nicht gerade angenehm ausfallenden Form. Hierauf stand ein Antrag auf Zahlung einer Pauschvergütung für bakteriologische Unter- suchungen an das Medizinaluntersuchungsamt in Potsdam zur Debatte. Die Pauschvergütung ist so gedacht, daß auf je 1000 Ein- wohner 6 M. pro Jahr gezahlt werden. Genosse Weber nahm hierbei Gelegenheit, die gepriesene„Staatsfürsorge" an den Pranger zu stellen. Man einigte sich, die Summe von Jahr zu Jahr zu bewilligen mit der Begründung, daß das vom Kreise schon errichtete, von der obersten Verwaltungsbehörde aber nicht genehmigte Institut in Lichterfelde wahrscheinlich doch noch zur Eröffnung komme und die | Gemeinde dann selbstverständlich dort lieber die Beiträge zahle.— .Für die innere Einrichtung des sich im Bau befindenden Lyzeums in der Ringstraße wurden 103 000 M. gefordert. An sich ließ sich natürlich gegen die Bewilligung nichts einwenden. Genosse Reichardt verlangte Auskunft, ob die geplante Kochküche auch wirklich errichtet würde und ob die Volksschlllerinnen in bestinimtem Alter zum Unter- richt in der Kochküche zugelassen werden. Hierzu, wünschte Reichardt den Beschluß des Plenums, damit nicht nachher die Kommission oder das Kuratorium, zu welchem unsere Genossen nicht zugelassen werden, anderes bestimmen könnten. Einesi Beschluß fftlffle der Gemeindevorsteher nicht herbei, hingegen versicherte er auf das bestimmteste, daß für die Einrichtung der Kochlüche 1378 M. vorgesehen und baß es als ganz selbstverständlich gilt, den Volks- ichülerinnen den Vorteil der Einrichtung zugute kommen zu lassen. An sich sei ja überhaupt schon vorgesehen, vierzehn Klassen aus der Gemeindeschule dort unterzubringen. Die geforderte Summe soll aus laufenden Mitteln gedeckt werden. NowaweS. An der Höhcrlcgung der Eisenbahn wird jetzt, nachdem bereits vor Wochen der aufgeschüttete südliche Teil des Bahngeländes für den Verkehr der Fernzüge freigegeben wurde, besonders emsig gearbeitet, um die für Anfang nächsten Jahres in Aussicht genommene Inbetriebnahme des neuen Bahnhofs zu ermöglichen. Nach Fertig- stellung der jetzt im Bau begriffenen Unterführung im Zuge der Planlagenstraße soll auch die Ausschüttung der Nordseite in der Richtung Potsdam in, Angriff genommen werden, so daß die Vollendung der Unterführungen für Ende dieses Jahres mit Sicherheit erwartet werden darf Die Unterführung im Zuge der neuen Moltkestraße soll sogar bereits Ansang Oktober ausgeführt sein, damit der Straßenbahnbetrieb in der alten Linienführung bis zur Plantagen- straße wieder aufgenommen werden kann. Da die Verlegung der KanalisationS- und Wasserleitungsröhren in dieser Straße schon lange beendet ist, bleibt nur noch die Legung der Schienen sowie die Pflasterung übrig. Tegel. Der Arbeiter-Radfahrervercin„Kette Tegel" sM. d A.-R.-B. „Solidarität") feiert am Sonntag, den 11. August, in Trapps Fest- fäle, Bahnhofstr. 1. sein 12. Stiftungsfest. Nachmittags 3 Uhr findet eine Korsofahrt durch deu Ort statt. Da der Verein sich zu Partei- und Gewerkschaftsfesten stets zur Verfügung stellt, wird be- sonders auf das Fest verwiesen. Bernau. Die organisierte Arbeiterschaft von Bernau und Umgegend feiert am Sonntag, den 11. August, ihr diesjähriges Gewer t- s ch a f t s f e st. Die Feier nimmt nachmittags 2 Uhr ihren An- fang mit einem Festzug vom Gewerkschaftshause(R. Wünsche, Chauffeestratze) aus. Bon 3 Uhr ab findet Gartenkonzert im Schützenhause statt. Zur Unterhaltung finden außerdem statt: Kinderbelustigungen, Preisschießen, Preiskegeln, Aufführungen des Turn- sowie des Gesangvereins. Von 5 Uhr ab Tanz und Reigen- fahren des Arbeiterradfahrervereins. Programm' 25 Pf., Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf. Museen, Sammlungen, Sthenswürdigkelteu. (Zutritt ist unentgeltlich, wenn nicht» anderes vermerk ist.) Altes und Neues Museum. Am Lustgarten. Wochentags(außer Montags): Zlpril bis September 10— 4, Oktober Bis März 10—3. Am «onmag und an den zweiten Wcihnachts-, Oster-, Pfingstseiertagen: April bis September 12—6, Oktober und März 12—5, November und Februar. 12—4, Dezember und Januar 12—3. Am Montag und an Feiertagen(außer den zweiten Feiertagen): geschlossen. Architektur-Museum. Technische Hochschule, Cbarlottcnburg, Berliner- swaße 151. Montag 10— 3(auch 5>/,—7>/„ vom Oktober bis März), Dienstag 12—3,(auch 10—12 für Studienzwecke), Mittwoch 10—12, Donnerstag 12—3 (auch 10—12 für Studienzweckc, auch 5'/,— 7'/, vom Oktober bis März), Freitag 10—3. Geschlossen: Sonnabend und Sonntag. Ausstellung für Arbeiterwohlfahrt. Charlottenburg, Fraunhoser- straße 11/12. Sin allen Wochentagen(äußer Montag) 10—1, am Dienstag und Donnerstag auch 6—9 abends. Sonntag 1—5. t Baumuscum. Siehe Verlehrsmuseum. Berg, und Hüttenmuseum. Invalid cnslr. 44. Wochentags(außcr Sonnabcnd) 12—2, am Sonntag: April bis September 12—6, Oktober und März 12— 5, November und Februar 12—4, Dezember und Januar 12—3. Botanischer Garten. Dahlem. Unentgeltlich: Sonntag, Dienstag, Mittwoch. Freitag 2—7, Sonntag 10—7. An Wochentagen vormittags Zutritt nur gegen Erwerbung des„Führers"(beim Pförtner).[Nut im Sommer geöffnet.) Botanisches Museum. Dahlem Montag und Donnerstag 3—6, Mittwoch 9—6. Eiseubahiimuseum. Wehe Vcrkehrsmuseum. Kaiser Fricdrich-Muscum. Monbijoustraße. Eröffnung: an den Wochentagen(außer Montag) um 10, am Montag um 1, am Sonntag und an den zweiten Weihnacht»-, Oster- und Pfingstseiertagen um 12. Schluß an allen Tagen: April bis September um 6, Oktober und März um 5, November und Februar um 4, Dezember und Januar um 3. Eintritts- geld: Ntontag 1 M., Dienstag und Mittwoch 50 Ps. Eintritt frei: an allen übrigen Tagen. Hygicuemuseum. Hessischestr. 4. Dienstag und Freitag 10—2,- Sonntag: Zlpril bis September 1—6, Oktober und März 1—5, November und Februar 1—4, Dezember und Januar 1—3. Kunstgewerbr-Museum. Prinz Albrechtsw. 7. Besuchszeit wie beim Alten Museum. Laiidwirtschaftömuseum. Jnvalidenstr. 42. An den Wochentagen (außer Montag) 10—3. An jedem dritten Sonntag Im Monat: 11—5. Märkisches Provinzial-Museum. Dallftr. 50/54. Besuchszeit täglich (mit Ausnahme von Sonnabend) 10—3 Uhr. Eintritt frei. Gedruckte Führer 10 Ps. Meereskundcmuseiim. Gcorgenstr. 34—36. Sonnabend und Montag 11—4, Sonntag 12—3. National-Galeric. MuseumSinsel, an der Friedrichsbrücke. Eröffnung: an den Wochentagen(außer Donnerstag) um 10, am Donnerstag um 1, am Sonntag und an den zweiten Wcihnachts-, Oster- und Pfingstseiertagen um 12. Schluß, an allen Tagen: April bi» September um 6, Oktober und März um 5, November und Februar um 4, Dezember und Januar um 3. Eintrittsgeld: Donnerstag 1 M., Freitag und Sonnabend 50 Ps. Eintritt an allen übrigen Tagen jrei. Natnrkunde-Muscum. Jnvalidcnstraße 43. Montag, Mittwoch, Douner�vzjk Sonnabend: Zlpril bis September 10— 4, Oktober bis März 10—3. Am Sonntag und an zweiten Feiertagen: wie beim Alten Museum. Post-Museum. Leipzigerstr. 16/13. Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag 10—2. Am Sonntag und an den zweiten Feiertagen: 12—2. Räuch-Mnseum.(Werke von Christ. Rauch.) Klostcrstr. 76. Wochen- tags: Zlpril bis September 10—4, Oktober bis März 10—3. Rathaus. Königstraßc. Täglich(außer Donnerstag und Freitag) 10—3, unentgeltlich. Turmbcsteigung: Zlpril bis September, täglich(auch Donnerstag und Freitag) 10—3, Einttittsgeld 20 Ps. Stadthaus, Jüdenstraße. An Wochentagen von 11— 3 Uhr und Sonntags von 11—2 Uhr. Montag und Donnerstags Zutritt frei. An anderen Tagen 20 Ps. Eintritt. Rcichstagsgcbnudc. Königsplatz. An Wochentagen 8'l,~9'l2 vormittags, am Sonntag 2—4. Eintrittsgeld 50 Pf. Sternwarte. Enckeplatz 3a. Mittwoch und Sonnabend, m Sommer 9—11, vormittags, im Winter 10—11 vormittags. Sternwarte. Treptower Park. Täglich von 2 Uhr nachmittags ab, im Sommer bis 12 Uhr nachts, im Winter bis 10 Uhr abend». Eintritts- geld: 50 Ps. für Besichtigung der Sternwarte und des Astronomischen Museums, 1 M. jür Beobachtung mit dem großen Fernrohr. • Sternwarte der„Urania". Jnvalidenstr. 57/62. Täglich 7'/«— 11 Uhr abends. Eintrittsgeld 50 Ps. Urania, Sammlungen und wissenschaftliches Theater. Taubensw. 48. Täglich von 10 Uhr vormittags ab. Einttittsgeld 50 Pfennig(für Zlbcnd- Vorstellungen von 1 Mark»n). Verkehrs- und Banmuseum. Jnvalidenstr. 51. Sonntag 11—4, Dienstag. Donnerstag, Freitag 10—4, Mittwoch und Sonnabend 2—8. Bölkerkundc-Museum. Königgrätzcrstr. 120. Besuchszeit wie beim Zlllen Museum. Museum für deutsche Volkstrachten und Volkskunde. Kloster- straße 36. Besuchszeit wie beim Alten und Neuen Museum. Zeughaus. Sln der Schloßbrückc. Wochentags(außer Sonnabend): März bis Oktober 10—3, November bis Februar 10—2; am Sonntag und an den zweiten Feiertagen 12—3. Zoologischer Garten. Eingänge: Lützow-Ufer, Kurfürstendamm und Stadtbahnhos. Eintrittsgeld: an Wochentagen 1 Mark,(abends nach 6 Uhr 50 Pf.), an Sonn- und Festtagen 50 Ps./ Kinder die tzäljte. Am ersten Sonntag jedes Monats 25 Pf. Eingegangene Dnickftbinften. HickmanoS Geogr.-ftatist. Universal-Daschenatlas ISIS. Preis M. 3,80— K. 4,50, mit Porto M. 4,20— K. 4,95,(Verlag der Kartogr. Anstalt G. Frchtag u. Bcrndt, Ges. m. b. H.. Wien VII.) Begegnung. Novellen von Adele Gerhard.— Gottesgericht. Er- Zählung von Marie Eug. velle Grazie.(3) Ps. Bücherei.)— Zl. Bonnler, Leipzig. Politisches Sündenbekenntnis. Zcitbettachtungcn von L. Schaper, 40 Ps.— C. 81. Frcntzcl, Kiel, Sophienblatt 5. Schattcnrisikartc». Herausgegeben vom Kunstwart. Je 12 Karten 1,20 M.— G. D. W. Eallwcy, München. ttniversalbibliothek 5431/32. Das Klima von Dr. E. Alt.— 5434. Das Licht leuchtet in der Finsternis. Drama von L. N. Tolstoi. — 5433. Berbrccher. Novellen von Anna Wahlcnbcrg.— 5435. Die Messfahrt. Novellen von A. Bock.— 5436. Mozarts Don Juo». Erläuterungen zu Meisterwerken der Tonkunst.— 5437/40. Geschichte des russischen Krieges 1818 von Dr. H. Beitzke. Einzelnummer 20 Ps. PH. Neclam, Leipzig. Die Wunder der Natur. Lies. 7 und 8. Erscheint in 65 Lieferungen a 60 Ps.— Bong u. Co., Berlin W. 57. Die Liebe. Ihr Wesen und ihr Wert, mit einem Anhang: Die Liebe in der Philosophie von Dr. Max Rosenthal. M. 2,50 br., M. 3,50 geb.— Mutterschutz und Sexualreforin. Referate und Leitsätze dcS 1. Jntcr« nationalen Kongresses für Mutterschutz und Scxualrcsorm. Herausgegeben von Dr. Max Rosenthal. Preuß u. Jünger(Jnh. Kropfs u. Weinbcrger), Breslau, 2,50 M. Malschiilers Anfang(14 Schattenrisse) 1 M, die Malschule (13 Schattenrisfe) 1 M., Professor und Modell(14 Schattenrisse) 1 M. von Wilhelm Rcpsold.— Gesundbrunnenkalcndcr des Dürerbundes ISIS. 60 Pf.- K. D. W. Callwcy, München. Wie leicht man sich strafbar machen kaün von Rechtsanwalt Dr. I. Werthaucr. 2 M.— Dr. P. Langenscheidt, Berlin W. 57. Krupp und die Zlrbeitcrklasse. Eine soziale Studie aus der modernen Jndustrieentwickclung. 20 Ps.— F. Gemoll u. Co., Essen-Ruhr. Die Groststadtarbcit und ihre Hygiene von Sanilätsrat Dr. B. Laquer.(Sammlung Hoche 9 Bd., Heft 8), Sonderabdruck 1 M.— E. Marhold, Halle a. S. Die soziale Frage und der Sozialismus. Eine kritische Aus- einandersctzung mit der marxistischen Theorie von Dr. F, Oppenheimer. 1,20 M.— G. Fischer, Jena. Reichsverftcherungsordnung. Praktischer Führer. Versaßt von den Arbeiterselretären Güldenberg und KleeiS. 75 Pf— W. Pfanntuch u. Co., Magdeburg. „Tie Zeltschrift«. 22. Heft. Herausgegeben von Zl. Helms. Halb- jahrsabonnement 6 M.— Jannfsen in Hamburg. Erster deutscher Kongreft für Jügeiidbildnng und Jugendkinide. Bund für Schulreform. Arbeiten IV und V. Bd. I: Die Arbeitsschule. Bd. II: Jntelligcnzproblcm u»d Schule. Vorträge und Ver« Handlungen. Geheftet je 2 M.— Leipzig und Berlin, B. G. Teubncr. Die Schwestern von E. Wichcrt.(Hausbücherci Bd. 37.) Geb. 1 M. 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Die Mitgliederversammlung findet nicht Mittwoch, den 14., sondern erst Mittwoch, den 2 8. August, statt. Alles Nähere wird noch bekanntgegeben. Der Vorstand. Lichtenberg. Sonntag, den 11. August, findet bei Klugmann, „Neue Scheune", das diesjährige Kinderfest statt. Der Ein- trittspreis beträgt IS Pf.— Jedes Kind erhält ein Geschenk. Großer Fackelzug. Kinderbelustigung aller Art. Rudow. Sonntag, den 11. August, nachmittags 4 Uhr, bei Rolle Wahlvereinsversammlung. Die äußerst wichtige Tagesordnung wird in der Versammlung bekanntgegeben. Tegel. Die nächste Mitgliederversammlung des sozialdemo- kratischen Wahlvereins findet umständehalber am Donnerstag, den 15. August, statt. Die Bezirksleitung. Zernsdorf. Heute, Sonnabend, abends 8 Uhr, findet im Lokale von I. Knorr die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung wird in der Versammlung bekanntgegeben. _ Der Vorstand. Berliner Nachrichten. Bandalismus in der Natur. Die Geschichte weist uns Namen von Personen und Völ- kern auf, deren Ruhm unvergänglich ist: sie erzählt uns aber auch von Völkern und Menschen, deren Namen uns nur im Zusammenhang mit Zerstörung und Unkultur überliefert sind. Zu ihnen gehören die Vandalen.— Ursprünglich biedere Germanen und im mittleren Odergebiet seßhaft, kam ihnen die Wanderlust, wie unseren modernen Alldeutschen und Kolonialpolitikern. Auch sie gingen dahin, wo„was zu holen war", und ohne das Lied zu kennen mit dem Refrain„mein Vaterland muß größer sein", drangen sie bis über Italien hinaus nach Afrika vor und gründeten an der Nordküste Afrikas das vandalische Reich. Unsere Alldeutschen könnten also beweisen, daß Tripolis nicht den Italienern, sondern uns gehört und eigentlich dem— Oderbruch zugeteilt werden müßte.— Aber nicht dem Umstand, daß sie der Kultur nachzogen, wie die Wespen den Kuchenbuden, sondern der furchtbaren Verwüstung Roms durch sie im Jahre 455 verdanken die Van- dalen es, daß man stets da, wo Kultur zertrampelt wird, von Vandalismus redet. Die Vandalen sind längst dahingegan- gen, aber der Vandalismus ist uns leider erhalten geblieben. Gerade an dieser Stelle plaudern Naturfreunde so oft über die schöne Umgebung Berlins, von unseren prächtigen .�märkischen Seen und den Fußpartien an ihren Usern eist- lang: von den schönen Wäldern mit ihren lauschigen Wegen, von Vogelgesang und Blumenpracht, und den Herz und Auge » erfreuenden Wanderungen zwischen Wiesen und Felder und durch stille Dörfer.— Wer hätte diese Schilderungen nicht gern gelesen, wieviele sind nicht diese gleichsam empfehlende Wege gegangen, voll Freude, das Geschilderte bestätigt zu finden. Heute mag wieder einmal hingewiesen werden auf die Spuren, die unsere modernen Vandalen in jenen reizenden Gefilden hinterlassen.— Hundert Zentner Papier, in allen Farben und Formen, schleppen sie jeden Sonntag mit hin- ans, um das Grün in Wald und Feld, das Wasser und die Wiesen, Wege und Stege damit zu verschönen.— Ganze Pappbogen und Kartons, Zigarrentüten, Zigarettenetuis, Schokoladen- und Bonbonetuis, Zeitungen in allen Größen und aller Parteien, dienen zur Dekoration der Natur. Hin- zu gesellen sich noch Holzwolle, zerbrochene Gläser, Flaschen, Geschirr, Blechbüchsen und was sonst entbehrlich. Alles dies drapiert die Wege und Uferrände der Gewässer, als wäre eine geschlagene Armee hier durchgeeilt und hätte, um besser laufen zu können, alles Hinderliche weggeworfen. Und doch rührt dies alles von Kulturmenschen her, die uns erzählen, daß sie hinausgehen, um frische Luft zu schöpfen und das Auge weiden zu wollen am Anblick der Natur.— Dabei haben sie die Natur in eine öffentliche Lesehalle umge- wandelt. Der Sparsame braucht Sonntags keine Zeitung zu kaufen. Er findet im Freien alles gratis, sobald er sich ein Fleckchen am Wasser zur Ruhe und Beschaulichkeit ausge- sucht hat. Besonders liebliche Plätze darf man außerdem noch mit besonderer Vorsicht betreten. Der Vandalismus verfolgt uns überall hin, auf Straßen und Platzen, in die öffentlichen und gepflegten Parkanlagen, auf unsere Ausflüge in'die weitere Umgegend, auf das Wasser, ja. bis hinauf ins Gebirge.— Und dieselben Menschen, die über geschmacklose Farben und Formen in der Kleidung ihrer Mitmenschen lachen, finden nichts darin, Wald und Feld durch ihr Stullenpapier zu verunzieren.— Wir treten ans Wasser. Vor uns lagert eine Familie, die sich eben„gestärkt" hat. Selbstverständlich bleibt das Papier liegen, soweit nicht die Kinder sich ein Vergnügen daraus machen, es auf das Wasser zu werfen. Uns interessiert aber jetzt etwas anderes. Vater hat die Hosen aufgekrempelt und„stippt", d. h. er angelt. Natürlich nur zum Vergnügen: er will nur sehen, ob sie „beißen". Und sie beißen wirklich.— Eben wird es heraus- gezogen, ein Fischchen, so lang wie ein kleiner Finger, silbern glänzt sein Leib im Sonnenlicht.—„Kiek mal, Mutter, wie er zappelt", ruft freudig der kleine Junge. Ja, mein Junge, wenn Mutter deine Stulle an dem Angelhaken befestigte, und du die Stulle und den Haken verschlingest, der dir dann aus dem Halse herausgerissen werden müßte, du würdest nicht nur zappeln, wie dieser kleine Fisch, sondern briillen— brüllen, daß man es von Grünau bis Berlin hören könnte. Der arme Fisch kann das leider nicht, er muß„zappelnd" am Ufer sein Leben enden, wenn ihn nicht zeitig noch eine mitleidige Krähe verzehrt.— Den Fisch mitzunehmen, lohnt sich nicht, war auch gar nicht beabsichtigt, denn Vater hat ja nur zum „Vergnügen gestippt". Daß er dabei auch ein kleines Leben unnütz vernichtete, kümmert ihn weiter nicht.— Da ein Schmetterling.„Den muß ich haben", ruft ein kleiner Junge.„Ja, warum denn, Junge"?„Den piek ick ne Nadel, vor meine Sammlung".-- So, na wenn ich dich nun auf die Stahlspitze meines Stockes aufpieken würde"? Der Junge guckt mich verwundert an: offenbar ist ihm so ein dummer Kerl noch nicht vorgekommen.— Schmetterling und Käfer, überhaupt alles Lebende, was sich greifen läßt, wandert in die Sammlung oder wird zertreten. Was braucht die Natur auch Lebewesen,— alles muß kahl und ausgefegt sein, wie eine Bauernheide.— Dort steht ein Pilz, noch dazu ein hübscher Fliegenpilz mit rotem Dach und weißen Pünkt- chen:„Ein Männlein steht im Walde, ganz still und stunim, es hat von lauter Purpur ein rotes Mäntlein um."— Was soll der Pilz? Ein Stoß mit dem Fuß und er war. — Fliegenpilze—, ja wenn es noch Pfefferlinge wären, aber „gewöhnliche" Pilze—, die haben doch keinen Wert! Ja, haben denn diese Vandalen keinen Sinn für Natur? Können sie sich wirklich nicht freuen über das, was die Erde hervor- bringt? Wissen sie außerdem nicht, daß Pilze mancherlei Tieren als Nahrung dienen, wie dem Menschen die Pfeffer- linge? Ist es Gemütsroheit oder Dummheit bei der hübschen Tochter, dem muntern Jungen, der selbstbewußten rundlichen Mama und dem„qualmenden" Papa, das solchen Vandalis- mus ermöglicht? Ich nehme zu ihrer Entschuldigung an, daß es Dummheit ist. Der Sinn für die Schönheit der Natur ist in ihnen nicht genügend geweckt; sie kennen die Zusammen- hänge und das Bestimende in der Natur nicht; es fehlt ihnen die naturwissenschaftliche Erkenntnis. Hätte doch jede Familie den Inhalt des kleinen Buches von Grvttewitz,„Spaziergänge eines großstädtischen Arbeiters in die Natur", sich zu eigen gemacht, dann gäbe es schon weniger Vandalen in der Natur. Im übrigen aber ist es Aufgabe der Schule, die Liebe zur Natur zu pflegen und naturwissenschaftliche Erkenntnis mehr und mehr zu fördern. Mit dem Abc und dem Einmaleins müssen die Kinder zugleich die Natur respektieren und lieben lernen, dann käme neben der Verstandes- auch die Herzens- bildung zu ihrem Recht. Und es schadete denn auch nicht, wenn die Eltern von den Kindern lernen, wie man Wald und Feld sehen soll. Jede Zeitung aber sollte an hervortretender Stelle in großen Lettern die Aufschrift tragen: Ausflügler, verschont Wald und Feld mit eurem Stullenpapier! Seid keine Vandalen!_ Scherereien, die im Gesetz keine Stütze finden, werden den um Aufnahme in den preußischen Staatsverband Nach- suchenden seitens der Polizeiorgane bereitet. Das Gesetz be- sagt:„Die Aufnahmeurkunde wird jedem Angehörigen eines anderen Bundesstaates erteilt, welcher um dieselbe nachsucht und nachweist, daß er in dem Bundesstaate, in welchem er die Aufnahme nachsucht, sich niedergelassen habe, sofern kein Grund vorliegt, welcher nach den§§ 2— 5 des Gesetzes über die Freizügigkeit die Abweisung eines Neuanziehenden oder die Versagung der Fortsetzung des Aufenthalts rechtfertigt". Hiernach hat der Nachsuchende nur den Nachweis über seine Staatszugehörigkeit zu einem deutschen Bundesstaat sowie den Nachweis über seine Niederlassung zu erbringen; zur Beschaffung weiterer Urkunden ist er nicht verpflichtet. Will die Behörde prüfen, ob die Bedingungen der Freizügig- keit erfüllt sind oder nicht, so hat sie—.die Behörde— die erforderlichen Feststellungen zu treffen. Der Nachsuchende ist zur Beibringung von Nachweisen zum Zwecke derartiger Feststellungen nicht verpflichtet, ebensowenig als wie ein in einer Gemeinde Neuanziehender dazu verpflichtet ist. Die Aufnahme in den Staatsverband ist nicht abhängig von der Willkür der Polizeibehörde, wie die Naturalisation eines Reichsausländers, sondern jeder Deutsche hat ein gesetzlich gewährleistetes R e ch t auf Aufnahme, sofern der Polizei nicht Gründe bekannt sind und von ihr bewiesen werden können, die die Freizügigkeit beschränken oder aufheben. Aus wiederholten Mitteilungen entnehmen wir, daß die Polizei z. B. Führungsatteste verlangt von den Polizei- oder Ortsbehörden all der Orte, in denen sich der Antragsteller seit seiner Geburt aufgehalten hat, selbst dann, wenn der Nachsuchende hier schon jahrelang ansässig ist, ebenso werden Taufscheine, Zeugnisse von Arbeitgebern usw. verlangt. Zur Beschaffung all dieser Urkunden ist der Antragsteller nicht verpflichtet, man weise ein derartiges Ansinnen ein- für alle- mal zurück. Sollte die Polizeibehörde alsdann Schwierig- keiten machen oder den Antrag ablehnen, so beschwere man sich bei dem Oberpräsidenten, eventuell dem Minister des Innern: gegen dessen Bescheid kann die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts angerufen werden. Die Beamten der Polizei sollten zu nützlicherer Tätigkeit verwendet werden als zu Arbeiten, die eine vom Gesetz nicht gewollte Belästigung des betroffenen Publikums darstellen. Der Verkehr auf der Linie Warschauer Brücke— Leipziger Platz— Spittclmarkt, der infolge der Umbauarbeiten im Gleisdreieck seit dem 25. Juli über die Station Bülowstraße geleitet werden mußte, wird vom Sonntag, den 11. August, S Uhr vormittags ab wieder in alter Weise durchgeführt werden, so daß dann ein Um- steigen auf Bahnhof Bülowstraße nicht mehr erforderlich ist. Da- gegen wird es durch die Bauarbeiten notwendig, vom Sonnabend, den 15. August, S Uhr abends ab bis voraussichtlich zum 14. Sep- tember, den Betrieb der Linie Warschauer Brücke— Zologischer Garten über die Station Leipziger Platz zu leiten. Vom Sonntag vormittag ab, nach Wiederinbetriebsetzung des durchgehenden Ver- kehrs zwischen Warschauer Brücke und Spittelmarkt, mutz also bei den Fahrten auf der Strecke Warschauer Brücke— Zoologischer Garten auf der Station Leipziger Platz umgestiegen werden; für sofortigen Anschluß in beiden Fahrrichtungen wird vorgcsorgt wer- den. Für wenige Stunden, nämlich vom Sonnabend, den 15. August, abends 9 Uhr, bis zum folgenden Sonntag vormittags 9 Uhr, mutz der Verkehr über das Gleisdreieck sowohj zwischen Bülowstraße— Hallesches Tor, als auch zwischen Leipziger Platz— Hallesches Tor unterbrochen werden, so daß eine Beförderung von Fahrgästen zwischen den genannten Stationen in dieser Zeit nicht stattfinden kann. Der Zugverkehr auf der Oststreckc wird während dieser Zeit nur zwischen Hallesches Tor und Warschauer Brücke aufrecht er- halten werden. Der Betrieb zwischen Westen und Spittelmarkt, auf dem die Bauarbeiten überhaupt ohne Einfluß sind, bleibt auch während der genannten Stunden aufrecht erhalten. Ueber das kürzlich gemeldete Vorkommen von Rissen und Sprüngen im neuen Stadthause berichtet das Nachrichtenamt des Magistrats folgendes: Das Stadthaus steht seit 6 Jahren, ohne daß sich ein Riß im Mauerwerk gezeigt hätte; erst mit Ausführung der Bauarbeiten an der Untergrundbahn sind solche Schäden ein- getreten. Die Gesellschaft für elektrische Hoch- und Untergrund- bahnen wird die Schäden auf ihre Kosten beseitigen. Um das Ncbcrfahren von Kindern beim Eisenbahnbetrieb nach Möglichkeit zu verhüten, hat die Staatsbahnverwaltung angeord- net, daß die Austichtsbeamten und das Bahnbeivachungspersonal Kinder mit de, größten Strenge vom Betreten der verbotenen Stellen der Bahnanlagen fernhalten sollen. Die in der Nähe der Bahn wohnenden Bediensteten werden wiederholt aufgefordert, ihren Kindern den Aufenthalt an den Schienensträngen zu der- bieten, ferner sollen die Schrankenwärter angewiesen werden, beim Schließen der Schranken auch aus die Kinder zu achten, die sich in der Nähe aufhalten, besonders dann, wenn eine Zugbegeg- nung stattfinoet, wegen der die Schranken nach der Vorbeifahrt des einen Zuges noch geschlossen bleiben müssen. Wo die örtlichen Verhältnisse es erheischen, sollen die Einfriedungen und Schranken- anlagen so eingerichtet werden, daß sie nicht umgangen oder durch- schlüpft werden können. Die genaue Beachtung dieser Vorschriften wird mit Rücksicht auf die neuerdings vorgekommenen Ver- unglückungen von Kindern allen Beamten zur Pflicht gemacht. Etwa 1555 Franzosen, Aerzte, Journalisten. Industrielle, Großkauflcute usw., sind gestern in Berlin eingetroffen. Der Besuch gilt wohl lediglich den Sehenswürdigkeiten von Groß-Berlin. Wegen betrügerischen Bankerotts verhaftet wurden die früheren! Inhaber der A. Müllerschen Fleischwaren- und Wurstfabrik in der Neuen Königstraße 66, Rudolf und Max Schmager. Die Verhaf- tung des einen der beiden Brüder erfolgte in Zinnowitz, die des anderen in Berlin. Die Bücher wurden beschlagnahmt. Die Müllersche Flcischwarenfabrik genoß unter ihrem Be« gründer in allen Kreisen ein großes Ansehen und galt als ein best- fundiertes Unternehmen. Der Zusammenbruch der Firma, die als Arineelieferantin große Gewinne cingeheimst hatte, erregte seiner- zeit ungeheures Aufsehen. Das Geschäft wurde nach dem Tode des Inhabers von der Witwe, einer geborenen Schmager, fortgeführt und ging schließlich in Besitz der beiden ihr nahestehenden Brüder über. Aber auch diesen gelang es nicht, den Betrieb gewinn- bringend zu gestalten, und so erfolgte vor etwa zwei Jahren ein neuer Zusammenbruch. Die Passiven hatten eine Höhe von etwa einer Million erreicht. Ein Vergleichsvorschlag mit 35 v. H. wurde von den Gläubigern abgelehnt und Konkurseröffnung beantragt. Den hierzu geforderten Kostcnvorschutz von 55 555 M. brachten die Gläubiger nicht zusammen und so unterblieb die Eröffnung. Schließlich kam ein Moratorium zustande, in dem sich die Firmen- inhaber unter Mitwirkung von Verwandten verpflichteten, die Gläubiger durch Ratenzahlungen zu befriedigen. Aber schon nach ganz kurzer Zeit stellte sich heraus, daß die Firma nicht in der Lage war, diese übernommenen Verpflichtungen zu erfüllen. In- folgedessen taten sich die Gläubiger aufs neue zusammen und es kam zu recht stürmischen Auftritten in den Gläubigerversamm« lungen, wobei schon damals mit dem Staatsanwalt gedroht wurde. Die Leichen zweier junger Mädchen wurden vorgestern nach- mittag aus dem Wasser gelandet, die eine am Frieorichsgracht aus der Spree, die andere am Kottbuser Ufer aus dem Landwchrkanal. Die Persönlichkeiten der beiden Toten, die ungefähr 25 Jahre alt sind, konnten bis jetzt noch nicht festgestellt werden. Zwei junge Leute sahen gegen 5 Uhr die Leiche eines jungen Mädchens auf dem Wasser treiben. Mit Hilfe eines Kahnes gelang es ihnen, sie im Schleusenkanal gegenüber dem Hause Friedrichsgracht 44/45 zw landen. Die Tote muß schon etiva vier Tage im Wasser gelegen haben. Ihrem Acußeren nach scheint sie dem Mittelstande ange- hört zu haben. Sie trug eine schwarz und weiß gestreifte Bluse mit grünem Besatz, braune hohe Schnürschuhe, braune Strümpfe und einen grauen Unterrock. Ihr Haar ist dunkel. Die Leiche des anderen Mädchens wurde gegen 3 Uhr von Schiffern vor dem Hause Kottbuser Ufer 4s aus dem Wasser gezogen. Sie war schon stark in Verwesung übergegangen und muß schon mindestens acht Tage im Wasser gelegen haben. Die Tote ist ungefähr 1,58 Meter groß und war bekleidet mit einem grauschwarz gestreiften Oberrock, einer weitzblau karierten Bluse, einem braunen Gürtel, der mit Gold durchwirkt ist, einem weißen Umlegekragen, langen, bunten Strümpfen und schwarzen Schnürschuhen. Die Leichen beider Mädchen wurden nach dem Schauhause gebracht. Zwei neue Polizeivcrordnungen treten mit dem heutigen Tage in Kraft. Die eine betrifft den Verkehr mit Arzneimitteln, deren Verkauf von nun an im Landespolizeibezirk Berlin weder direkt noch indirekt angekündigt und angepriesen werden dürfen. Die zweite Polizeiverordnung regelt die Sonntagsruhe im Brauerei- gewerbe, sowie den Handel mit Eis; sie gilt vom heutigen Tage ab für den Landespolizeibezirk Berlin und für eine große Anzahl, in einem Umkreise von 25 Kilometer um Berlin gelegenen Ort- schaften. Es soll danach das Ausfahren von Bier und Eis nur in der Zeit von 5 bis 15 Uhr vormittags stattfinden. Die Rückbe- förderung der Wagen nach der Betriebsstätte, sowie das Abrechnen der Kutscher darf bis 12 Uhr erfolgen. Vorhereitungsarbeiten für das Ausfahren dürfen bereits um 4 Uhr morgens begonnen wer- den. Diejenigen Gehilfen usw., die an Sonntagen im Handels- gewerbe länger als 5 Stunden und diejenigen, die im Gewerhe- betriebe länger als drei Stunden beschäftigt werden, sind entweder an jedem 3. Sonntage vqlle 36 Stunden oder an jedem 2. Sonn- tage in der Zeit von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends pon jeder Beschäftigung frei zu lassen. Dem Flammentode entronnen. Die Unsitte, bei offenem Licht im Bett zu lesen, hat wiederum einen bedauerlichen Unglücksfall herbeigeführt. Das 24 jährige Fräulein Hedwig Gärtner aus der Heilbronner Straße 21 hatte gestern spät abends noch im Bett die Zeitung gelesen und war schließlich dabei eingeschlafen. DaS Zeitungsblatt fiel auf den Nachttisch und entzündete sich an der auf dem Tisch in einem Leuchter stehenden brennenden Kerze. Auch die Betten wurden von den Flanimen ergriffen und bald brannte auch das Haar der Schläferin. Infolge der durch Brand» wunden am Kopfe hervotgerusenen Schmerzen erwachte Frl. G. und erkannte fasort die gefährliche Situation, in die sie ihre Leichtfertigkeit gebracht hatte. Mit Aufbietung aller Kräfte ge» lang es dem erschreckten und durch die Rauchentwickelung halb be« täubten Mädchen, sich von dem Lager zu erheben und sich bis zur Zimmertür zu schleppen, wo es laut um Hilfe rief und dann be- sinnungslos zusammenbrach. Glücklicherweise wurden die Rufe sofort gehört und Hausbewohner brachten die Verunglückte ins Freie. Ihnen gelang es denn auch bald den Brand zu löschen. Fräulein G., die erhebliche Brandwunden am Kopf und an den Armen er« litten hat und außerdem den Verlust des größten Teiles ihres reichen Kopfhaares zu beklagen hat, mußte ärztliche Hilfe in An- spruch nehmen._ Lauft keinem Pastor nach! Diese Mahnung, die wir schon so oft an unsere Leser gerichtet haben, müssen wir heute angesichts eines unS erneut mitgeteilten t alles wiederholen. Bei der Benzinexplosion in der Dresdener trahe, die sich in der vorigen Woche ereignete, wurde auch der 15jährige Laufbursche Fritz Winzler getötet. Die Beerdigung sollte am vergangenen Sonntag stattfinden, und da die Mutter des Verstorbenen den Beistand eines Geistlichen wünschte, begab sie sich in Begleitung ihres Schwiegersohnes zu dem Pastor From- menhagen von der Stephanusgemeinde auf dem- Gesund- brunnen. Dieser Herr hatte den Verstorbenen konfirmiert und sollte nun auch die Leichenrede halten. Nachdem er sich von der Mutter hatte vortragen lassen, wie der junge Mensch zu Tode gekommen ist, soll Herr Fr. dieselbe etwa folgendermaßen ge- tröstet haben:„Liebe Frau, ich bedauere das sehr. Aber das will ich Ihnen sagen, der Junge war immer ein Faultier und vn Windhund, er hätte Ihnen später doch noch manche schwere Prü- fung bereitet." Nachdem die Mutter des Verstorbenen über diese Worte in Erregung geraten und dem Herrn Postor gesagt hatte: „Aber Herr Pastor, Sie werden doch solche Worte nicht auch am Grabe gebrauchen", erwiderte dieser:„Selbstverständlich, meinen Sie, ich werde lügen?! Ich werde es vielleicht etwas verschönern,' aber ich werde der Jugend sagen, wie leichtsinnig sie mit ihrem Leben umgeht." Hierauf betonte die Mutter, ihr Sohn wäre nicht in den Keiler gegangen, KetUi er nur eine Ahnung von der Gefahr gehabt hätte, denn er habe sogar vor einem Gewitter Angst ge- habt. In ihrer Erregung wußten die Mutter und der Schwieger- söhn dem Pastor keine treffende Antwort zu geben. Am anderen Tage aber verzichteten sie auf seine Leichenrede. Der Herr scheint denn auch eingesehen zu haben, daß sein Benehmen den Leid- tragenden gegenüber nicht einwandfrei war, denn er bemühte sich, einen anderen Geistlichen zum Leichenbegängnis zu entsenden. Die Angehörigen des auf so tragische Weise ums Leben gekommenen Menschen können natürlich nicht begreifen, warum der Geistliche in dieser Weise sich ihnen gegenüber äußerte. Abgesehen davon, daß einfaches Taktgefühl denselben abgehalten haben sollte, so von einem Toten zu sprechen, bestreiten sie, daß der Junge die von dem Herrn Pastor behauptete Eigenschaften gehabt habe. Selbst der letzte Arbeitgeber desselben habe ihm das Zeugnis ausgestellt, daß er fleißig, willig und aufmerksam gewesen sei. Der von dem Herrn Seelsorger den Angehörigen gewidmete Trost dürfte jeden falls nicht geeignet sein, dieselben an die Kirche zu fesseln. Tie Leiche einer vermißten Berliner Touristin gefunden. Seit vergangenem Sonntag wurde in der Schweiz ein Fräulein Kübler aus Berlin, die Schwester des in der Kurfürstenstraße wohnenden Geheimen Justizrais und vortragenden Rates im Justizminisierium Kübler, vermißt. Nachdem mehrere ausgesandte Nettungskolonnen ergebnislos zurückgekehrt tvaren, gelang es am Donnerstag, abends 8 Uhr einer der ausgesandten Rettungskolonnen, unterhalb der Ebnet-Alp, Fräulein K. als zerschmetterte Leiche aufzufinden. Sie ist vermutlich vom rechten Weg abgeirrt und dann über einen hohen Felsen zu Tode gestürzt. Ter Schwimmverein„BorwSrtS" Verlin 1897 veranstaltet am Sonntag, den 11. August, nachmittags 3 Uhr, sein diesjähriges großes Sommerschlvimmfest im Wilhelmsruher Seebad bei Rei- nickeudors-Nosenthal. Von den dem Verein zurzeit angehörenden 1219 Mitgliedern, 247 Erwachsene, 963 Jugendliche, nehmen zirka 399 Schwimmer und Schwimmerinnen a» den Konkurrenzen teil. Die Arbcitclbevöikerung ist zum Besuch des Festes eingeladen. Fahrverbindungen sind die Linien 32, 35, 36 und 41; außerdem die Stettiner Borortbabn bis Reinickendorf-Rosenthal. Die Uebungsbadeanstalten des Vereins sind: Schillingsbrücke, Bärwald- straße, Ratiborstratze, Gerichtstraße, Oderberger Straße, Turm- straße, Rummelsburg uns Wilhelmsruh. Anfragen sind an den Vorsitzenden K. Schütze, Neukölln, Sanderstr. 13, zu richten. Der kostenlose Schülertag auf der Treptow-Sternwarte wird wegen des großen Anklangcs, welchen die beiden Lichtbildervorträge am letzten Sonntag und Montag gefunden haben, an den beiden letzten Fcrientagen wiederholt, und zwar Sonntag, den 11. August, abends 7 Uhr:„Ein Tag auf dem Monde" und Montag, den 12. August, abends 7 Uhr:„Ein Ausflug in die Welt der Planeten". In beiden Vorträgen, welche mit zahlreichen Lichtbildern ausge- stattet sind, werden auch Anweisungen für die Beobachtung der Sternschnuppen gegeben. Jeder Erwachsene hat das Recht, einen Schüler frei für alle Veranstaltungen einzuführen. Die Platt- form der Treptow-Sternwarte bietet für 2999 Personen Platz. Der AuLstrenungspunlt der Persciden liegt bei Beginn der Dunkelheit bereits 18 Grad über dem Horizont. Vom Tode überrascht wurde � vorgestern abend in der„Neuen Welt" in der Hasenheide die zwölfjährige Tochter des Mechanikers Elvert aus der Wrangelstraße. In dem Lokal wurde ein Kinder- fest veranstaltet, und als die Kleinen von einem starken Regenguß überrascht wurden, flüchteten sie eilig nach dem Saal. Das Mäd- chen, das sich auch unter der Kinderschar befand, brach, im Saal angekommen, plötzlich tot zusammen. Wie ein hinzugerufener Arzt feststellte, war das Kind infolge des plötzlichen schnellen LaufenS von einem Herzschlag heimgesucht worden. Vermißt wird der 79jährige Postsekrctär a. D. Bruno Sommer .aus Pankow, Berliner Str. 192. Der alte geistesschwache Herr bat sich am 5. Juni seinem Sommcraüfenthalt in Hönow bei Mahls- darf(Ostbahn) entfernt und ist seitdem verschollen. Er ist von Mittlerer, hagerer Figur, hat blaue Augen und fehlerhaftes Gebiß, Bart und Haar sind grau. Infolge eines Schlaganfalles zieht er den linken Fuß nactf, auch spricht er verworren. Bekleidet war er mit grauem Jackettanzug, weichem Hut und Schaftstiefeln. Ende vorigen Monats soll er noch in ganz verwahrlostem Zustand in Lichtenberg-Berlin gesehen worden sein. Wahrnehmungen bittet man dem nächsten Poiizeibureau zu machen. Vorort- I�ackrickten. Charlottenburg. Pflegcstellcn für Säuglinge gesucht, jedoch nur in Charlotten- bürg. Gewährt wird ein monatliches Pflegcgeid von 25 M. und Bekleidung, ärztliche Behandlung und Arznei. Meldungen baldigst an die Geschäftsstelle der Waisenverwaltung Kirchhvfstr. 9, Hinterhaus, Erdgeschoß Zimmer 21. Sprechstunde werktäglich von 12 bis 2 Uhr. Neukölltt. Die Stadtverordnetenversammlung fand sich am Donnerstag- nachmittag um 5 Uhr zu einer außerordentlichen Feriensitzung zu- sammcn, um sen bekannten Konflikt mit dem Magistrat aus der Welt zu schaffen. Zuvor wurde aber über die Beteiligung am Brandenburgtschen Städtetagc, der am 9. und 19. September d. I. in Fürstenwalde stattfindet, verhandelt. Der Wahlausschuß hatte bei der Vorprüfung die Beteiligung von feiten der Stadtverordnetenversammlung mit fünf gegen vier Stimmen abgelehnt, weil die Interessen Neuköllns nicht bei jenem Sladtetage, sondern in Groß-Berlin liegen. ES gab oahör nicht geringes Staunen, als der sogenannte Referent des Ausschusses, Stadtv. Otto, das Gegenteil, nämlich die Teilnahme am Mär- ki scheu Städtctage mit ein paar Redcbrocken befürwortete. Schließ- lich wurde von der Versammlung mit 29 gegen 23 Stimmen di« überflüssige Delegation beschlossen und Stadtv.-Vorsteher San- her. Stadtv. Iben(Soz.) und Stadtv. Winter dazu gewählt. Der vom Magistrat seinerzeit angezettelte Konflikt nahm für den Urheber ein klägliches Ende. Augenblickspolitik ist es wieder einmal gewesen, die den Magistrat bestimmte, gegen die von der Stadtverordnetenversammlung in der letzten Sitzung vor den Ferien beschlossene Neubesetzung der Deputationen, Kom- Missionen und Ausschüsse mit Emphase Stellung zu nehmen. Dabei hatte man es so eilig, daß nicht einmal der Städteordnung Rech- „uiig getragen wurde, wonach die Gründe des Magistrats der Stadtverordnetenversammlung mitzuteilen sind. In einer Sitzung des Seniorcnkonvents förderte dann der Magistrat als Ursache des Konflikts das Verlangen an den Tag, in einem halben Dutzend von den 39 Deputationen usw. mit je einem Mitglied mehr der- treten zu sein. Das hätte er schon bei der ersten Beratung— ohne Konflikt haben können. Die Versammlung beschloß nunmehr demgemäß und— die Staatsaktion des konfliltlustigen Magistrats zerfiel in ein Nichts. Als letzter Punkt stand auf der Tagesordnung eine Vorlage des Magistrats, nach der die durch die Wahl des Stadtrats Dr Glücksmann zum Ersten Bürgermeister von Guben frei- gewordcne StadtratSftclle neu besetzt weroen soll. Die AuSschrei- dung soll alS Hauptbodingungen die zweite Hauptprüfung als Re° gicrungsbaumeister und praktische Erfahrungen auf dem Gebiete des großstädtischen Verkehrswesens und des Jn�enieurbaufaches enthalten. Als Gehalt wuroen 9000 bis 13 999 M festgesetzt; die Uobernahme entgeltlicher Nebenarbeit wird von der Genehmigung der städtischen Körperschaften abhängig gemacht.— Staotv. Grog er(Soz.) begrüßt als Referent des Wahlausschusses die beabsichtiqle Berufung eines Berkehrstechnikers in den Magistrat, bemängelt jedoch die in der Vorlage angedeutete Belastung de» neuen Stadirats durch Nebendezeriiate. Dassen müsse nach Ansicht des Wahlausschusses Abstand genommen werden, da die Vcrkehrspolitik im Rahinen von Groß»Berlin genug Ge- lcgenheit zu großzügiger Arbeit biete. � Ohne den Rechten des DberbürgermeisterS als Magistratsdirigenten zu nahe treten zu wollen, schlage der Wahlausschuß die Wahl einer Kommission von fünf Mitgliedern vor, die mit dem erstercn iisserjste Gestaltung oes neuen Dezernats in Beratung treten soll.— Stadtrat M l e r stellte fest, daß die Kommission keinen entscheidenden Einfluß auf die Tezcrnatverteilung haben und erst bei Vorliegen der Be� werbungSschveiben in geeigneter Weise in Tätigkeit treten könne. — Stadtv. Medtzinalrat Dr. Dietrich stimmt namens der Altbürgerlichen Fraktion der Einsetzung einer Kommission zu. Die Kommission wurde darauf einstimmig beschlossen; in diese die Stadtvv. Dr. Dietrich, I u si, G r o g e r(Soz.), Dr. S i l.» berstein(Soz.) und E m in e l u t h gewählt. Die„Freie Turnerschast Neukölln-Britz"(Mitglied des Ar. beiterturnerbundes) feiert Sonntag, den 11. August, in der Bev liner Kindl-Brauerei und in.Hopp-s Festsälen, Hevmannstrtße, ihr diesjähriges Sommerfest, bestehend aus Gartcnkonzert. tur. nerischcn Aufführungen usw. Im hinteren Teil deS Gartens sin- den Kinderspiele� unter Leitung von Turngenossinnen und -genossen statt. Da obigem Verein durch behördliche Verfügungen die Jugendabteilungen entrissen wurden, er sich jedoch trotzdem in weitestem Maße um die körperliche Erziehung und Kräftigung der Jugend kümmert, wird besonders auf die Veranstaltung aufmerk- sarn gemacht. Beginn oes Konzerts 4 Uhr. Eintritt 25 Pf. Lichtenberg. Ein tödlicher Unglücksfall ereignete sich gestern nachmittag in den Elektrizitätswerken im Stadtteil Rummelsburg. Dort waren mehrere Arbeiter auf einem Kahn mit dem Verladen von Kohlen beschäftigt. Hierbei geriet der Arbeiter Höft von hier so Unglück- lich in den Greifer des KrahnS, daß ihm der Kopf v o l l st ä n d i g zerquetscht wurde. Ein scknell herbeigerufener Arzt konnte nur noch den Tod deS Unglücklichen feststellen. Ueber de» Parteitag in Chemnitz referierte Genosse Fritz Thurm in der außerordentlichen Generalversammlung des Bezirkswahlvereins. In kurzen Zügen streifte der Referent die Aufgaben, die der dies- jährige Parteitag zu erledigen hat, dabei behandelte er besonders die vorgeschlagene Aenderung des OcganisationsstatutS und die Frage des Imperialismus. In der Diskussion sprach sich der größte Teil der Redner gegen die Wahl eines Partei-Aus- s ch u s s e s auS und forderte die Erweiterung des Parteivorftandes durch unbesoldete Beisitzer. Desgleichen wandte man sich gegen eine prozentuale Vertretung der Reichstagsfraktton; die Fraktion solle auf dem Parteitag ohne Stimmrecht vertreten sein. Die Maifeier soll entweder durch Arbeilsnihe imposanter gestaltet werden oder man soll die Arbeitsruhe fallen lassen und durch Massenversammlungen für die Arbeiterschutzgesetz- gebung demonstrieren. Zur Maifeier wurde ein Antrag angenommen, der verlangt, daß der Antrag 99 des Nürnberger Parteitages, der die Ablieferung de? Tagesverdienstes von Genossen, die keinen Ber- dienstverlust erleiden, bestimmt, bestehen bleiben soll. DaS Stichwahlabkommen des Parteivorstandes mit den Frei- sinnigen wurde von einem kleinen Teil der Versammlung gebilligt, vom größten Teil aber verurteilt; es wurde verlangt, daß der Parteitag seine Mißbilligimg über dieses Abkommen aussprechen soll. Eine Resolution, die die Verschärfung des BraimtweinboykottS fordert und den Bohkott auf die Volks- und Gewerkschaftshäuser ausgedehnt wisten will, die ferner verlangt, daß die Parteipresse Anpreisungen und Anzeigen von Spirituosen nicht mehr veröffent- licht, wurde einstimmig angenommen. Weiter wurde folgender Antrag angenommen: Der Parteitag wird ersucht, der Resolution 139(Parteitag 1993 Nürnberg) im Ab- satz 4 hinzuzusetzen: Die JugendauSschüsse find zu gleichen Teilen aus Erwachsenen und Vertretern der freien Jugend zusammen- zusetzen. Als Parteitagsdelegierter für den Kreis Niederbarnim soll Ge- nosse Fritz Thurin in Vorschlag gebracht iverden. Nachdem noch einige Wahlen für die BergnügungSkommission, desgleichen für die Zeitungskommission vorgenommen wurden, wurde die General- Versammlung wegen vorgerückter Zeit vertagt. Grüna«. Die freie Turnerschast begeht am Sonnabend, den 19. August«., im Restaurant Jägerhaus(Inhaber Ehrhardt), Fricdrichstraße, Ecke Bahnhofstroße, ihr 4. Stiftungsfest, verbunden mit Rekruten- AbschiedSfeier. Alle Interessenten werden darauf aufmerksam gemacht. Friedrichshagcn. Aus der Gemeintedertretiing. Zunächst wurde in gebeimcr Sitzung an Stell« des ausgeschiedenen Schöffen Lange der Rentier Ranz einstimmig gewählt. In der darauf folgenden öffentlichen Sitzung wurde als Schiedsmann der Schornsteiilfegenneister Bolk- rnanu und als Stellvertreter Schöffe Kunzke gewählt. Bei der Prüfung des Rechnungsabschlusses für 1911 wies Genosse Barth auf das überaus günstige Ergebnis hin. Für die Verbreiterung des Blirgerfteigs in der Berliner Straße in Hirschgarten wurden 792 M. bewilligt. Auf Vorschlag der GaSwerkSdcpHjAtjo» und deS Gemeinde- Vorstandes soll die Straßenbeleuchtung emdniKrbesserung erfahren. Die für daS laufende Jahr geforderten 1565 M. wurden bewilligt. DeS ferneren lag ein Antrag vor, die GaSfernzündung einzuführc». Der Bürgermeister teilte mit. daß die AnschaffnngSkosten 7899 M. betragen, während etwa 8323 M. jährlich gespart würden. Durch die Einführung werden allerdings einige Arbeiter existenzlo». Bisher waren sechs Anzünder teilweise beschäftigt. Jetzt sollen zwei Arbeiter mit einem JahreSgebalt von je 1599 M. eingestellt werden, während zwei weitere Arbeiter voraussichtlich noch im GaS- werk Beschäftigung erhalten. Genosse Tarnow bedauerte, daß einige Arbeiter beschäftigungslos würden und fand die Bezahlung von je 1599 M. etwas niedrig. Die Einführung der Gasfernzündimg wurde beschlossen. Der Gemeindevorstand hatte auf Verfügung der Regierung dem Arbeiter-Turnverein„Vorwärts" die Turnhalle entzogen, In der letzten Sitzung stellte Genosse Micke an de» Bürgermeister die Anfrage, warum dem Turnverein„Vorwärts" die Halle entzogen ist und was der Gemeindevorstand zu tun gedenkt, um dem Verein das Turnen in der Halle wieder zu ermöglichen. Die Beantwortung lehnte der Bürgermeister ab, weil der Gemeinde- vorstand sich mit der Angelegenheit noch nicht beschäftigt habe. In- zwischen stellten unsere Genossen den Antrag auf Errichtung einer G e mse i n d e nr n h a ll e. Der Bürgermeister teilte jetzt mit, daß die Benutzung der Turnhalle deshalb ver- sagt sei., weil der Turnverein„Vorwärts" dem Arbeiter- Turnerbunde angehöre und dieser als, sozialdemokratischer Verein" betrachtet werde. Was den Antrag betreffend Er- richtung einer Gemeindeturnhalle betrifft, so hat sich die Gemeinde- Vertretung früher schon damit befaßt. Der Gemeindevorstand empfehle den Bau einer Gemelndeturnhalle. Genosse M i l k e weist die Behauptung, daß der Turnverein„Vorwärts" ein politischer Verein sei, ganz entschieden zurück._ Durch die Schikanierung der Regierung sei der Turnverein„Vorwärts" in die unangenehme Lage versetzt, seine jungen Mitglieder unter 18 Jahren wieder in den Wirtshäusern turnen zu lassen. Im übrigen bitte er als Protest gegen die Regrerung den Bau einer Gemeindeturnhalle einstimmig zu beschließen. Genosse Tarnow sprach sich eben- falls fllr den Bau einer Gemeindeturnhalle aus und be- tonte, daß die Gemeinde ganz energisch gegen die Be- vormundung seitens der Regierung Front machen müsse. Der An- trag wurde darauf einstimmig angenommen. DeS weiteren stellte» unsere Genosse» den Aulrag auf Errichtung einer Gemeindebadeanstalt. Einleitend erklärt der Bürgermeister, daß sich der Gemeindevorstand ebenfall« für den Antrag entschieden habe und daß die Vorarbeiten im Winter erledigt werden sollen, damit die Eröffnung im nächsten Frühjahr erfolgen könne. Genosse Barth stellte fest, daß dieser Antrag von unseren Genossen bereits 1919 und 1911 gestellt und auch angenommen worden sei. Nachdem wir nun die Enlwickelung des Freibades ge- sehen haben, sei es wohl au der Zeit, den Bau einer Gemeinde- badeanstalt endgültig zu beschließen, da das Freibad für Friedrichs- Hagen so gut wie gar nicht in Betracht komme. Der Antrag wurde darauf einstimmig angenommen. Ein weiterer Antrag des Genossen Barth, die Vorlagen, den Omnibusberkehr nach dem Freibad sowie kommunalen und kirchlichen Friedhof betreffend, in öffentlicher Sitzung zu verhandeln, wurde gegen die Stimmen unserer Genossen abgelehnt. Zum Schluß wurde noch beschlosten, den Kaisersteg wieder neu anzulegen und gleichzeitig eine Bedürfnisanstalt zu errichten. In geheimer Sitzung wurde beschlossen, das Grundstück neben dem Miiggelkasino für. die Badeanstalt anzukaufen. Peteröhagen bei Fredersdorf. „Deutschland über alles!" lautete das Thema, über welche» Genosse Adolf Hoffmann in gut besuchter öffentlicher Versamm- lung referierte. In treffenden Ausführungen schilderte Redner, wie iit der Schule ber Hurrapatriotismus in die Herzen der Kinder ein- gepaukt wird, wie olles in byzantinischem Geiste erzogen werden soll. Mit beißendem Spott behandelte er dann die famosen Rechts- Verhältnisse in unserem über alle? gepriesenen Deutschland, wofür die Versammlung mit stürmischem Betfall dankte. In der Diskussion sprach Genosse Waldeck Manasse, der in beredten Worten zum brüderlichen Zusamtnenschluß aller Gleichgesinnten ausforderte. Der Borsitzende, Genosse Höselbart, kam auf die bevorstehenden Landtags» wählen zu sprechen, wobei er die Erwerbung der preußischen Staats- angehörigkeil jedem Anwesenden zur dringenden Pflicht machte. Mit einem Appell zum Eintreten in die Reihen der kämpfenden Sozial- dsmokrate» und zum Abonnieren der Arbeiterpresse wurde die gut verlaufene Versammlung geschlossen. Hohen- Schönhausen. In der Mitgliederversammlung des Wahlvereins gab Genosse H e r s ch l e b den Kassenbericht vom 2. Quartal. Hierauf erstattete der Vorsitzende Kintze den Bericht von der Kreisgeneralversamm- lung. Die dort gefaßten Beschlüsse fanden die Zustimmung der Versammelten, insbesondere wurde begrüßt, daß die Beiträge bei den Mitgliedern abgeholt werden sollen. Der Bericht der Gemeinde» Vertreter, den die Genossen Thiel« und Obermeyer gaben, entfesselte eine lebhafte Diskussion. Ein Antrag, die Versammlung zu vertagen, wurde abgelehnt, und so mußten verschiedene wichtige Sachen sehr kurz behandelt werden. Eine Rüge erteilte die schon stark gelichtete Versammlung einem Parteigenossen, weil er dem hiesigen Lokalblättchen Beiträge liefert, obwohl das Blatt die tätigen Genossen wiederholt in gehässigster Weise verunglimpfte. Teltow. Ungültige Stadtvervrdnetenwahl. Am 18. November v. I. wurde in der zweiten Abteilung eine Ergänzungswahl zur Stadtverordneten» Versammlung vorgenommen. Als Kandidat der bürgerlichen Gruppen wurde der Rechtsanwalt und Notar Erich Granaß aufgestellt. Gr. wurde auch gewählt und die Wahl von der Stadlverordneten- Versammlung anerkannt. Gegen die Gültigkeit der Wahl erhoben die Sladtvv. Franz Häntschel und Palm Einspruch. Sie begründeten ihreu Einspruch mit der Behauptung, daß der Gewählte die Be« dingungen deS Wahlgesetzes nicht erfüllt habe, wonach er mindestens ein Jahr lang als Steuerzahler am Orte ansässig sein müsse. Das Stadtparlament wies den Einspruch zurück und nun beschritten die Vertreter deS Einspruches den Klageweg. Die drei Stadtverordneten Franke, Gänsert und Röder schlössen sich der Klage an. In der >auptsache wurde von ihnen geltend gemacht, daß der Gewählte erst ieben Monate lang in Teltow Steuern zahle und zur Zeit der Wahl keinen selbständigen Haushalt führte. Da« gegen wandte das Stadlparlament ein, daß nur durch ein Versehen der Steuerbehörde Granaß erst' sieben Monate in Teltow Slenern entrichtet und dann für das volle Jahr die Steuerleistung nach» träglich erfüllt habe. Ferner sei er selbständig gewesen und habe einen eigenen Haushalt geführt. Der BezirlSausschuß wies die Klagen der Stadtvv. Franke, Gänsert und Röder aus dem formellen Grunde zurück, da sie sich einem schwebenden Verfahren angeschlossen hatten, ohne gleich Einspruch erhoben zu haben. Auf die Klage der Stadtväter H. und P. wurde die Wahl des Granaß für ungültig erklärt, da er zur Zeit der Wahl seiner Steuerpflicht nicht g«» n ü g t habe. Spandau. Selbstmord in der Kaserne. Gestern verübte in der Schülcrverg» kaserne ein Oekonomiehandwerker vom BekleidungSamt des 3. Armee» lorpS Selbstmord. Der Lebensinüde namens Behnke tötet« sich durch einen Schuh in den Kopf. Furcht vor Straft soll das Motiv zu dieser Verzweiflungstat gewesen sein. Arbeiterjugend Lichtenberg. Sonntag, den 11. August: Spiel» Partie nach Sndowa(Pserdcbucht). Trcsspunkt in den Jugendheimen l ÄU-Boxhagen 56 I; II Bürgerheimstr. 94: vormittags 7 Uhr. Marktbericht von Berlin am 8. August lOlX, nach Ermittelung deS tönigl. Polizeipräsidiums. Markthalle»preise.(Kleinhandel) 199 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34.99—59,99. Spellebohnen, weihe. 39,99—59,99. Linsen 49,99— 39.99. Kartoffeln(Kleinhdl.) 8,99— 13,99. 1 Kilogramm Rindsielich. von der Keule 1,80—2,49. Rindfleisch. Bauchsieilch 1,50—1,90. Schwelnefleilch 1,00—2,20. Kalbfleffch 1,60—2,40. Hammelfleisch 1,70—2,40. Butler 2,40-3,00. 60 Stück Eier 3,60—5,50. 1 Kilegramm Karpseii 1,60-2,40. Aale 1,60-3,20. Zander 1,40-3,60. Hechte 0,80—2,80. Barsche 1,00-2,40. Schleie 1,40-3,20. Bleie 0,80-1,80. 60 Stück Krebse 1,60-40,00.__ WitjerungSübersicht vom 9. August 1918. «laNonen Swinemde lin Franks.a.M München Wie» 756 W 756 WSW 758 SW 761« 762 ZW 761W Wcu» 3iwolklg 4 bedeckt 3� molkig 2, Dunst 2roolfcnI 4wolkenl Wetterprognose für Sonnabend, den Ziemlich kübl, veränderlich, vielfach wolkig und frischen westlichen Winden. Berliner »ei äII §2» H to Stationen öS o 2 K* LZ Haparanda Petersburg Scilly Aberdeen Paris IZ S? 763 ZW 763 SO 759, A 762® 760INll Wetter 2 wolkenl 2wolke»I 2 halb bd. 2 bedeckt ibedeckt i" ££ 21 23 12 12 11 10. August 1918. mit geringen Regensällen Wetterbureau. WasscrstandS-Nachrlchte» der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau Wasserstand Memel, Tilsit P r e g« l, Jnsterburg Weichsel. Thorn Oder, Ratibor » Krossen , Frantsurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby . Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlltz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree, Spremberg') , Beestow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximikianSau , Kaub Köln Neckar, Heilbroim Main, Hanau Mosel. Trier ')-st bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpeg-l. Berliner Credit-Hau» föggT ICommandantfeDatr. (Ti m /iSkchsiKi-ela Getränke ÄJ» änkej [rasiz A StraliiMki äivml.Kestsina-u.R-Cmertraiih-Kell. y 4, EwItHlr 8«, Farnap. Kset.l870ä- i Erflier-u. Liraonad.-Fnbdk U ThaerBtr. 41. T. A.7, 817S. Sdifttig, E., WäBiTäit. lä t, 1.7,111». QttUi alkohci- ♦reftt öttränk. BtrlfnO.Siib«if#.4 Si-Si ( Arbotter-Gtiicieidung| 'Urs If g'�'w'7o"Va>r'»'ir! 32 a. o» Ker5ifiat»(t.9C Hambv9gEi'lJadenl ChBrl.)W»ll»t.69 JaKssine�Äm, RoigrLaden�Scboneh-.Haaptytr. I u8 CB�ckoreSevif Kondl�or J .vayggwdw�cf—r Wittiknv,'s Oi�oBSbäckenei Oezcbatte ia Berlin, Gharlottenbure, Sohfinsberg, Wilmerodorf. 1 Adlcrsbofer Bäckerei, S. Zog*««. Kai ÜBcIcer, Hcmlorstr. 36. Eml! Beyer, Thornorstr. 6. ti)hn d or F'» 1 i;i rk.,! i'*' r 30 [ d r o'�Fäbrik„Vor wärTä"! i I erinann üilrich, KOponjok. 25 Buch!«Sohn,|paburik Paul Deüy, MarkuSscr. 15. Herrn. Carl, NeBkölIo, BerB&ünHr. 231 Karin. Ecfer, Schonenscbestr. 1 FraT!ÄFaulwetter,ManteofreIslr.67. C. Freyer, �hmiensir. 72, E. MsrV.nytr 1253 EnBe!,8 Landbrot li� Heinorsdorfer Müh!« VerkfdsteIi.:Kolöni«M.9,Rodenl>erg»t2, LiiderUzßt.55,ScluvoIfcßijier8i44,8wiBe- wn.iderstr. 43, rankotr, Florastr. 80. Willi. EllSs! TfoitMorJ'r'orkjtr. 4. I Verkauf in Milcüeescbäften ? Berlins. Ecktoo! gtgtTien. d. PlokoH. Siachep, fiörlitzcrstr. 65. I frlktosteiarlr. so. Köpeoieteritr. 173. W. Gcrlach, Sthöoslg. geJinolr. 117. Georg Gpnz, glenielerstr. 20 .tlfreü Gra!, Beusselatr.?!, Keil GJes'.nann,"Wittstockstr. 7. H. Glück, Wilhelniohavenerstr. 61. Htiaern Dunkerstr. 78 • RSuab l'reulooer Alle» 193. Angast Hübnet, Scbw»dter»tr. 62. Angngt H'audi, Cöpenlck, IBBmBi Oeschttfte | in allen Stadtteilen Berlin«| und in RIxdorf. Gcgr tindet 180%. S�Ües-Großbäckerei, Boßestr. 8. Curl Laudahn, Weberstr. 30. Landhrot-Bflck.|,Schnl2.Fr..8Bfhtol«. [tsndbrot-eroHbBokerol O. Senf, NcW. Krug, Wald«tr. 4 Hermann Lebelt, Hussitteustr.SÖ Alfred Lier, Wialefstr. 86. lifsoSierpEi Broltalink lle'u: Emtl Lieste, Grftnor Wen 122. Mattke, Gipsstr. 9. /;____ E. Kertina, Reif henborgof8r. 168. E. Mariin, Gleimstr. 65. Elitz Mülle, Grafostr. 4. Ouoiav mohlolcpb, Rhinoworstr. 2. Th.Neumana,01donburger8tr.2i. Frledrldi Oste, Madaistr; 10. Herrn. Proeil, Konnendamm. Frisdrieh Probst, Andreasstr. 51 'Bäckerei„Norristern" Inli.; Onst. 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Infolge der Explosion einer Wasch- Maschine wurde der schwere eiserne Verschlutzdcckel emporgeschlcu- dert und traf den Arbeiter Hermann Rodewald so unglücklich am Kopfe, daß dieser einen schweren Schädelbruch erlitt, an deren Folgen er am nächsten Morgen im Virchow-Krankenhaus verstarb. Eine zwei Tage darauf stattfindende Betriebsversammlung beschäf- tigte sich natürlich auch mit diesem Vorkommnis, wobei auch die Schuldfrage zur Erörterung gelangte und einige Mißstände kriti- siert wurden. Viele Kollegen und Kolleginnen des Verstorbenen hatten natürlich den Wunsch, an der Beerdigungsfeier teilzu- nehmen. Die Versammlung wählte daher eine Kommission, welche diesen Wunsch der Geschäftsleitung unterbreiten und die Freigabe der notwendigen Zeit erwirken sollte. Da zurzeit stille Saison ist, hätte es sich auch ermöglichen lassen, daß jeder nach Wunsch dem Toten die letzte Ehre erweisen konnte. Die Kommission wuroe gar nicht erst vorgelassen, und die Meister erhielten dann den Auftrag, aus seder Abteilung eine oder zwei Personen zu be- stimmen, die zum Begräbnis gehen durften. Am darauffolgenden Sonnabend wurden dann einige Mitglieder der Kommission und lwch etliche andere Arbeiter und Arbeiterinnen plötzlich entlassen, teilweise unter Auszahlung des Lohnes für die Kündigungsfrist. Durch ein willfähriges Werkzeug war dem Chef denunziert wor- den, was in der Versammlung gesprochen wurde. Die„Hetzer" mußten deshalb den Betrieb sofort verlassen. Hatten nun die Ar- beiter und Arbeiterinnen der Firma Albert Herz überhaupt Ur- fache, über die Betricbsverhältnissc zu klagen? Nach dem, was in der Versammlung mitgeteilt wurde, verhält es sich so: Die Firma Albert Herz, die sich mit dem königlichen Hoflieferantcnwappen schmücken darf, zahlt mit die schlechtesten Löhne in dieser Branche. Arbeiterinnen, sogenannte Detacheusen, verdienen Wohl in der Hochsaison bei elfstündiger Arbeitszeit und Sonntagsarbeit im Akkord etlva 25 M. wöchentlich, in der stillen Jett sinkt der Ver- dienst aber bis auf 9 bis 19 M. Aehnlich liegt Wbei den Plätterinnen. Der Lohn der Männer ist auch nicht genügend; Stunden- löhne von 46 Pf. im Durchschnitt werden älteren und geübten Ar- beitern gezahlt, die dafür ihre Gesundheit und ihr Leben aufs Spiel setzen müsse». Leider liegen die Organisationsver- Hältnisse bei dieser Firma noch sehr im argen. Die neuesten Vor- kommnissc dürften aber auch den noch Fernstehenden die Augen geöffnet und ihnen gezeigt haben, daß nur eine starke Organisation die Unternehmer zwingen kann, in dem Arbeiter auch einen freien Menschen und keinen Sklaven zu erblicken. Nur noch 8 Tage bis Freitag, den 16. August, dauert unser großer Räumungs-Ausverkauf. In dieser Zeit werden sämtliche Waren ohne Ausnahme zum Selbstkostenpreis abgegeben, Es erübrigt sich auf die endlosen Vorteile dieses Ausverkaufs besonders hinzuweisen. Herren-Kleider- Vertriebs- Ges Nur: Neue Schönhauser Str. 1 m. b. H. Ecke Weinmeister- und Münzstraße Sonnabend, 10. Zl u g u st 1912. Ansang 4st, Uhr. Boigt. Die Tochter der Hexe. Ansang 71/, Ubr. Prater. O diese Berliner. Ansang 8 Ubr. Urania. Von der Zugspitze zum 'Watzmann. Köuiggräncr Strasse. Die fünf Frantsurter. Kursürftcnopcr. Der Tanzanwalt. Neues. Der liebe Augustin. Berliner. Große Rosinen. SchlUer- Charlottcuvurg. Das Konzert. Dhalia. Zlutoliebchen. Herrnfeld. Wie man Männer bessert. Tic Original-Klabrias- Partie. Mrirnnvi. Zchwindelmeier u. Co. Apollo. Svezialitäleir Passage. Svczialitätcn. Wintergarte». Spezialitäten. Anfang 8h, Uhr. Lesting. Vergnügungsreise. Rcncs Telianivielbaus. Sylvester Schäger. Ter erkaustc Gatte. Ein wenig Musik. Lustspiclyans. Ein Königreich in. b. H. Friedr.< Willi. 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86 1 88134 56 82 228 645 851 189093 123 67[200] 241 684 802 27 190026 99 881 191165 254 352 98 468 7 5 527 48 765 83 192285[1000] 425 665 858 969 94 193976 424 C3 578 194401 1. Ziehung 2. Kl. 1. Preuss.-Süddeutsche (227. Königlich Preuss.) Klassen-Lotterie Ziehung vom 9. August 1913 nachmittags. Alf)*d* gesogene Nummer sind iwel gleich hohe Ge* wlnne gefallen, und mar Je einer auf die Loee gleicher Nimmer tu den beiden Abteilungen I und II Nur die Gewinne Uber 96 Mark sind den betreftenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 318 53 832 958 1061 200 84 860 819 2145 275 424 913 3073 84 296 314 684 698 777 4020[200] 142 895 300[200] 471 547 91 612 736 834 5367 497 656 6009 463 602 663 736[300] 44 976 7074 117 218 68 310 455 79 617 942[200] 8064 104 243 603 705 9109 22 357 412 810 717 38 50 89 910 23 25 19013 143 747 957 11470 618 929 12298 828 38 13242.48 489 569 648 14050 102[300] 442 45 65 632 73 15069 149 80 235 486 783 87 16171 228 329 488 612 65 864 72 90 905 17151 632 766 828 62 962 18058 130 468 86 633 796 961 19378 676 994 29013 137 76 668[200] 725 958 21133 398 409 632 77 22336 467 673[206] 647 23372 83[300] 763 845 69 813 24010 198 336 478 673 718 25193 420 70 630 833 26032 80 202 99 378 438 957 27508 680 806 28136 287 361 413 631 827 95 968 29105 28 308 420 47 984 39376 400 680 3 1 207 300[1000] 43 72[200] 403 70 635 60 32821 31 33538 659 807 53 939 69 34132 97 429 619[400] 628 44 878 35041 61 334 632 767 806 974 3 6043 83 133[200] 444 37047 197 •654 621 743 889 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