Kr. 188. NdonnementZ-vecklWiM» WonnementZ> PreiZ drinumerandai BterteljShrl. Z.M MI� monatl. 1,10 Ml., wöchentlich 28 Psg. frei ins HauZ. Einzelne Nummer 5 Pfg. EonntagS- nummer mit illustrierter Sonntags» Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen m die Post.Zeitungs» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, md, Italien, Luxemburg, Portugal. änien, Schweden und die Schweiz. 39* Jahrg. OTe TnftrtionS'Gebfflfir Bttrigt für die sechsgespaltene Kolonel- Ue oder deren Raum 00 Pfg., für zelli Holl Wort Worte), Criditlnt Wich außer montags. Vevlinev Volksblcitk. sc. wu»)fuyfui.iiuie 20 Pfg. tzulässtg 2 fettgedruckte ), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan- geigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- ......... l»ci Worte. Inserate {flt die nächste Nummer müssen bis G Uhr nachmittags in der i abgegeben werden. Die Expeditton ist bis 7 Uhr abends gebffnet. Telegramm-Adreff« �ozialdemolirat Berlin**. Zentralorpfan der rozialdcmokratt fehen Partei Deutfchlands. Redaktton: 831. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1383. Mitttvoch, den 14. August 191A. Expedition: 831. 68, Lindenstrasee 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Die lugcndpflcge als Schacher. Objekt. Seitdem für die königlich preußische Jugendpflege und ihre Ableger in den übrigen Bundesstaaten Millionen aus den öffentlichen Kassen zur Verfügung gestellt worden sind, findet ein edler Wettstreit strebender Elemente um die Mitarbeit an diesem neuesten Mittel der Sozialistcnbekämpfung statt. Lehrer, Doktoren, Pastoren sind es hauptsächlich, die sich für die hohe Aufgabe begeistern. Aber auch Offiziere helfen fleißig mit. Besonders in den wohldotierten Stellungen, die der Jungdeutschlandbund zu vergeben hat. machen sich der- abschiedete Offiziere breit, die auf diesem nicht mehr un- gewöhnlichen Wege ihre Pensionen ein wenig zu verbessern trachten. Wie erbaulich es bei diesem Geraufe um die Futterkrippe zugeht, zeigte vor kurzem der Notschrei, der sich dem gepreßten Herzen des bekannten Deppchen-Götz von der Deutschen Turnerschaft entrungen hatte. Götz hat zwar hinterher seine unbeabsichtigten Indiskretionen ab- zuschwächen versucht. Ist er doch zweiter Vorsitzender des Jungdeutschlandbundes, Stellvertreter eines leibhaftigen Generalfeldmarschalls I Aber man weiß doch seitdem einiges mehr über die idealen Beweggründe der Helfer der staatlichen Jugendpflege. Einen weiteren interessanten Einblick in die verborgenen Herzfalten der Mitarbeiter des Jungdeutschlandbundes gestattet eine Beschwerde, die ein Mitglied der hessischen Schul- Verwaltung in der„Kölnischen Zeitung" veröffentlichte und die in anderen Blättern, so in der„Straßburger Post", mit zustimmenden Redaktionsbemerkungen nachgedruckt wird. Auch in Hessen hat man wie anderwärts die Volksschul- lehrer zur Mitarbeit an den hehren Aufgaben des Jung- deutschlandbundes aufgefordert. Aber in Hessen war man augenscheinlich wieder einmal blind: man hatte dafür den denkbar ungünstigsten Zeitpunkt gewählt. Die Volksschul- lehrer sind dort nämlich zurzeit„verbittert" und lassen nicht mit sich reden. Warum sind die Volksschullehrer verbittert? Weil man sie wie Staatsbürger zweiter Klasse behandelt? Weil man ihre politischen Rechte nicht achtet? Weil ihre Berufs- ausbildung mangelhaft ist? Weil die Volksschule von Staat und Gemeinden ungenügend ausgestattet wird? Weil die Not des Lebens die meisten Kinder der Volksschulen um den besten Teil des Unterrichts bringt? Weil die Volksschullehrer oft gezwungen sind, wider ihr Gewissen und ihre Ueber- zeugung zu lehren? O nein! Das alles brächte die Lehrer nicht in Harnisch. Darüber säuselts, wenn überhaupt, gelegentlich einmal gelinde in einer Lchrerversammlung. Wenn die Lehrer verbittert sind Vom Scheitel bis zur Zehe, wenn sie— im Hause wenigstens I hinter verschlossenen Türen und Fenstervorhängen I— einmal mit der Faust auf den Tisch schla°n, dann handelt es sich allemal um Gehaltsfragen.„Die Volksschullehrer hatten ge- hofft, daß ihnen bei der provisorischen Gelvährung einer durch die Steigerung der Lebenshaltung auf allen Gebieten not- wendig gewordenen Zulage wenigstens 14 Prozent des je- weiligen Gehalts einschließlich einer Wohnungsentschädigung oder Berechnung der Dienstwohnung zuteil lverde. Die Zweite Kammer hatte sich auch bereit erklärt, wenigstens eine Zulage von 15 Prozent der Gehaltsstufen zu bekvilligen. Dagegen lehnte die Erste Kammer diesen Vorschlag ab und blieb bei der Regierungsvorlage, die von vornherein nur 11 Prozent vorgesehen hatte." Diese fehlenden vier Prozentchen haben die Milch der frommen Denknngsart der hessischen»Volksschullehrer in gärend Drachengift verwandelt. Und sie waren bisher von fronmier und patriotischer Denknngsart. Man denke:„An allen Werken vaterländischer Art sind Lehrer tätig; bei vielen Krieger- vereinen wirken sie mit, manchen Turnverein halten sie bei der deutschen Turnerschaft. Flottenverein und Volksbildungs- vereine hoben hier viele ihrer begeistertsten und nnd fleißigsten Anhänger". Der Artikelschreiber zählt noch eine Reihe patrio- tischer Verdienste der hessischen Volksschullehrer auf, besonders bei einem„Blumentage" und einer„Pjostkartemvoche", die die Großherzogin angeregt hatte, haben sie die Hauptarbeit geleistet. Und da enthält man ihnen die vier Prozent vor I Wo soll da die vaterländische Begeisterung bleiben! Sie ist keine Heringsware, die man einpökelt auf lange Jahre, sie ist viel eher eine Treibhauspflanze, die nur in der feuchtivarmcn Atmosphäre behördlichen Wohlwollens gedeiht und die in nicht zu kurzen Zivischenräumen init klingender Anerkennung begossen werden muß. Vom behördlichen Wohlwollen allein wird man nicht satt. Und diesmal war das andere dran. Dieses andere ist aber ausgeblieben. Statt dessen niutet man ihnen gar neue Arbeit zu: die Tätigkeit für den Jung- deutschlandbund I Da ivallt den hessischen Lehrern ihr Blut. Jetzt werden sie es der Regierung und der Ersten Kammer aber einmal zeigen:„Schon vor dem Erlaß der Ministerialversügmig über Jugendfürsorge ivaren Listen zur Einzeichnung für Jung- deutschland unter den Lehrern in Umlauf gesetzt. Die Lehrer waren bereit zur Mitarbeit. Da kamen die Kammerverhand- langen und nnn— werden die Namen zurückgezogen, die Listen fast leer weitergereicht" Das Mitglied der hessischen Schulverwaltung, das sich zum beredten Fürsprecher der Wünsche der Lehrer macht, hofft, daß bei der Herbsttagung die Landstände ein Einsehen haben und die Wünsche der Lehrer besser beachten werden. Denn die Verfügung der Ministerialabteilung, daß die Lehrer sich an der Jugendpflege beteiligen sollen„würde wahrschein- lich schroffe Aeußerungen der Ablehnungen in der Lehrer- schaft erfahren. so lange nicht den hessischen Lehrern eine bessere Regelung ihres Ge» Halts zuteil wird". So sehen bürgerliche Grundsätze aus l Die Jugendpflege wird nicht abgelehnt wegen ihres arbeiterfeindlichen Charakters. Die Lehrer erklären nicht, daß sie sich nicht zu Handlangern reaktionärer politischer Zwecke hergeben wollen. Sie sagen nicht, daß es aus pädagogischen Gründen falsch ist, die Volks- schuljugend und die schulentlassene Jugend von hinten herum oder auch mit offenen plumpen Mitteln für die politischen Zwecke der herrschenden Klasse einzufangen. Wohl aber er- klären sie geschäftsmäßig kühl und„verbittert", daß sie vor- läufig die Jugendpflege boykottieren, weil die Regierung und die Erste Kammer ihnen 4 Proz. zu wenig bewilligt haben. Sollten Regierung und Erste Kammer aber zur besseren Ein- ficht kommen und aus 11 Proz. 15 Proz. machen, so werden die Lehrer auch mit der vorschriftsmäßigen Begeisterung und Hingabe im Jungdeutschland für die vaterländischen Ideale wirken. Wozu doch die bürgerliche Jugendpflege gut ist! Durch soviel Selbstlosigkeit wird zweifellos in kürzester Zeit die proletarische Jugendbewegung vom öffentlichen Schau- platz hinweggefegt werden I vei* llstholikentag In Hache». Die schwarze Parade. Aachen, 13. August.(Telegr. Eigenbericht.) Der zum Präsidenten des Katholikentages gewählte Justizrat Schmitt-Mainz ist ein guter Kenner der katholischen Volksseele und er hat. als alter Praktiker der Katholikentage, das Geschick, die Massen in die gewünschte Stimmung zu bringen. Das bewies er in der ersten öffentlichen Versammlung am gestrigen Abend. Bei der im katholischen Volke herrschenden Neigung, sich vor Autori- täten zu beugen, sichert sich derjenige einen guten Empfang, der die Zuhörer in Beziehung zu bringen weiß mit ihren führenden Geistern. DaS tat Schmitt, indem er das Andenken wachrief an die Verdienste zweier Männer, deS Erzbischoss von Köln und des Zentrumsführers Windthorst, auf welchen Reim der jetzige Katholikentag von vornherein gestimmt ist. Der Redner schmeichelte den Lokalpatriotismus der Aachener, indem er die Be» deutung der alten Kaiserstadt für den katholischen Glauben und das katholische Volk in schwungvollen Worten schilderte. Dann kam die Versicherung, daß das katholische Volk in Deutschland sich von niemanden an Vaterlandsliebe und Königtreue. aber auch von niemanden in der Liebe und Anhänglichkeit zur Kirche und ihrer von Gott gesetzten Autorität beirren lasse. „Wenn in irgendeiner Frage Meinungsverschiedenheiten ent- stehen," erklärte der Redner,„dann folgen wir unbedingt unserem heiligen Vater, den Weisungen unserer Bischöfe. Sind wir einmal vom rechten Wege abgekommen, dann schwenken wir auf ihren Ruf ein. wie eine Kompagnie Soldaten auf dem Exerzierplatz! Für uns gilt der Satz: Alle Wege führen nach Rom � einerlei, ob sie von Berlin oder Köln oder Trier oder München-Gladbach ansgehen." Solches Gerede, reichlich durchsetzt mit wohlberechneten Schlagern, wie sie auf Katholikentagen üblich sind, erweckte unausgesetzt stürmischen Beifall. Der Redner entwickelt dann das Arbeits- Programm des Katholikentages und verweilte mit besonderem Eifer bei dem Kampf gegen Umsturz, Unglauben und Sittenlosigkeit, den sich der Katholizismus zur Hauptaufgabe gemacht habe. DaS war die willkommene Ueberleitung zum Glanz- und Hauptpunkt der Rede: Dieser Kampf verdiene die Unter st ützung aller aus Ordnung, Zucht und Sitte haltenden Elemente, insbesondere der Regie- r u n g e n. Aber hier gäbe es Männer, die so kurzsichtig seien, die Kirche ihrer besten Waffen in diesem Kampf zu berauben: der treuen Betätigung ihrer Orden. Man weiß, was nun folgt: das Jesuiten- gesetz und die sonstigen von einer unreifen Regierung beliebten Schikanen gegen die katholische Kirche. So wurde die Versammlung in jenen Zustand hineingebracht, den man als Kochen der katholischen Volksseele zu bezeichnen pflegt. Nach jedem dritten Wort ein Beifallsausbruch I Und als der Redner die am Morgen in der zweiten geschlossenen Versammlung angenommene Resolution zum Jesuitengesetz verliest, gerät die Versammlung in eine Erregung, wie sie wohl noch kein Katholikentag g e s e h e n h a t. Ob man nicht einsieht, daß man einem in solcher Weise sich äußernden einmütigen Wunsch des katholischen Volkes auf die Dauer nicht widerstehen kann? Mit dieser klugen Phrase, die noch einmal stürmischen Beifall hervorrief, schloß der Redner seine Ausführungen. Es folgte noch eine kurze Mahnung, zusammenzuhalten, und dann traten auf Wunsch des Präsidenten die Bischöfe in Aktion. Die Versammlung, die eben, Mann für Mann, sich in größter Erregung erhoben hatte, sank in die Knie und empfing den oberhirtlichen Segen. Den Ministern, Parteien und allen Faktoren. die den Klerilalismns mit Jesuitengesetzen zu besiegen glauben, wäre der gelegentliche Besuch eines Katholikentages sehr zu empfehlen. Sie hätten dort die beste Gelegenheit, zu erfahren, wie man eö nicht machen darf. Bischof Keppler von Rottenburg redete über: „Das Papsttum alS Hort der Autorität." Von seiner Rede ist erwähnenswert, wegen ihrer aktuellen Be« deutung. die Stelle*, wo er warnte vor ungesundem Mißtrauen, nervöser Gereiztheit und unreifem Kritisieren, vor Angriffen und Widersprüchen gegenüber Kundgebungen und Anordnungen des heiligen Stuhls. Es sei gewiß denkbar und möglich, daß die eigen- artigen Verhältnisse Deutschlands am Sitze der Kirchenregierung nicht immer in wünschenswertem Maß erkannt und berücksichtigt würden: aber dann solle man sich nicht unnötig aufregen oder aufregen lassen, noch weniger sollte man Lärm schlagen und in Zeitungen, namentlich gegnerischen, seinem Aerger Luft machen- So etwa« fei eines Katholiken, der auf Ehre hält- nicht würdig. Man möge den Bischöfen vertrauen, die an zuständiger Stelle schon aufklärend wirken und Schwierigketten aus dem Weg räumen würden. Der dritte Redner de? Abends war Herr JustizratPorsch, der das Andenken Mndthorsts als Politiker, Patriot und Katholik feierte. Die Rede fiel in ihrer Wirkung ab. Sie gab den auf politischem Gebiet Erfahrenen nichts Neues. Für das Arbeiten mit agitatorischen Schlagern besaß der Redner keinen Geschmack und für packende Form keine Gabe. Der Justizrat aus Mainz zeigte sich dem aus Schlesien in der Behandlung der Volksseele weit überlegen. Die Generalversammlung deS katholischen VolkvereinS, die heute morgen stattfand, hatte einen ungünstigen Himmel. ES hatte in der Nacht geregnet und es regnete immer noch in den Saal hinein. Der Regen schlug auf das straffgespannte Leinendach der Festhalle und unter dem Trommelwirbel der fallenden Tropfen gingen die Worte der Redner zum größten Teil verloren. Dennoch aber war die geräumige Halle fast ganz gefüllt. Die Leitung der Versammlung lag in den Händen des Abgeordneten Trim- born, des rührigen Gönners und Förderers des katholffchen Volksvereins. Fabrikbesitzer Franz Brand aus München-Glad- bach hielt eine Rede über Windthorst und den Volksverein. Er nannte den Bolksverein den fortlebenden Windthorst, der auf dem Boden der christlichen Gesellschaftsordnung und in Treue gegen Kirche und Reich das katholische Volk zum modernen Geisteskampf vorbereite und schule und unter dem Ruf»Mit Gott für des Volkes Wohlfahrt!" den gegen Thron und Altar ge, richteten Umsturz zurückdrängen und mit GotteS Willen auch endlich vollständig besiegen werde. Graf P r a s ch m a erörterte ebenfalls die Verdienste Windk- horsts um den Volksverein und auch er erhoffte von München« Gladbach die Ueberwindung des Umsturzes. Der Redner unter« nimmt einen Ausflug ins Politische, indem er meint, daß die Be« Handlung der sozialen Frage insofern eine Komplizierung erfahren! habe, als ein sonderbares Gebilde entstanden sei. Der Liberalis« mus, die Vertretung des Großkapitals, habe ein Bündnis geschloffen mit der Sozialdemokratie, die den Kommunismus predige. Wie diese beiden ihre Besitztheorien miteinander in Einklang brächten, sei ihre Sorge; Hauptsache sei, daß sie nicht die Macht bekämen. Sozialisten, Liberale und Freidenker geben vor, den Klerikalismus zu bekämpfen. In Mrklichkeit gelte ihr Angriff jedem positiven Glauben. Gegen diesen Feind das katholische Volk zu waffnen, sei. die Aufgabe des katholischen Volksvereins. Dr. Hohn, einer der Direktoren des Volksvereins, gibt den Jahresbericht für 1911/12. Der Volksverein zählt gegenwärtig 730 000 Mitglieder. Davon sind 27 000 im letzten Jahre gewonnen. Außerhalb der München-Glad- bacher Zentralstelle gibt es 3 Landessekretäre, 11 Diözesan-Ge« schäftsstellen, 12 Sekretariate und 40 Volksbureaus. Fast 9 Millio. neu Flugschriften sind im vorigen Jahre aus Münchew-Gladbach hinaus gegangen. An Agitationsmaterial, das der Werbung von Mitgliedern sowie der Unterweisung der Angestellten und Ver- trauensmänner dient, sind 214 Millionen Stück ausgegeben worden. Der Buchverlag hat fast eine Million Schriften abge- setzt. Zieht man die mannigfachen Kurse in Betracht, die an der Zentralstelle und im Lande abgehalten werden, die Masse der Ver« sammlungen und sonstigen agitatorischen Veranstaltungen, dann mutz man anerkennen, daß der katholische Bolksverein im Parteileben der ganzen Welt nach dem Ar» beitseifer und der agitatorischen Leistung fast unerreichtdasteht.§ Wenn der Volksverein seinen Zweck, die Sozialdemokratie zu vernichten, nicht erfüllt hat und nicht erfüllen wird, so liegt das nicht an mangelndem Willen und Eifer, sondern an der Sache, die er vertritt. Der Feind, gegen den er ankämpft, hält auch den Mil- lionen Flugblättern und den Tausenden von Versammlungen des Volksvereins Stand. Herr Karl Trimborn, der führende Mann im Volksverein und Leiter der heutigen Versammlung, mutzte seinen alten Stammsitz in Köln räumen und— im Reichstag einem So- zialdemokraten Platz machen. Trotz München-Gladbach und seinen Scharen._ Die€re)gniffe in der Cürliei. Die Haltung der Balkanstaateu« Aus Belgrad wird uns geschrieben: Der König von Montenegro ist ein mutiger Mann. Er dachte, es fehle nur an dem. der anfängt. Und je schwächer er sich fühlte, für desto berufener hielt er sich. den Anfang zu machen; denn wer zuerst kommt, erhält das Qiöfjtc Stück von der Beute. Und so �nachte er kurzen Prozeß und griff die Türken an. Denn diesmal war's kein bloßer Grenzzwischenfall; es war ein wirklicher Anariff. Die Kanonen ivaren aufgefahren und 20 Kilometer weit drangen die Montenegriner ins türkische Gebiet vor. Doch diesnial mußten sie noch einmal zurück, denn die Rechnung ihres Königs war verfehlt. Nikita war überzeugt, die Arnauten würden ihn mit offenen Armen aufnehmen und sich seinem Kommando unterstellen. Bei seinen Truppen waren ja tatsächlich einige von ihm selbst bezahlte Malissoren. Dabei blieb es aber auch. Die Arnauten brauchen nämlich den König Nikita gar nicht. Sie haben ihre Mhrsr, denn die Zeit hat ihre Männer gefunden, I z a B o l j c t i n a tz ist heute viel mächtiger und angesehener, als der alte Wolf von Cettinje. Das Entzücken der Arnauten blieb also aus. Ebensowenig kam die erwartete Hilfe von Belgrad oder Sofia. Denn dort muß man vorläufig Ruhe halten auf Wunsch Rußlands und Englands, die den jetzt in der Türkei entstandenen politischen Kurs erhalten wissen wollen. Und so wurde der Friede wieder hergestellt. Freilich kann es auch einmal anders kommen. Denn man darf nicht glauben, daß die anderen Balkanstaaten den Ereignissen ruhig zusehen. Es ist eine Tatsache, daß die Arnauten nicht nur mit eigenen, sondern mit montenegrinischen, österreichischen und serbischen Waffen kämpfen. Und besonders gefährlich ist das Verhalten der Bulgaren. Infolge der jüngsten Ereignisse ist es wahrscheinlich geworden, daß gewisse Teile der europäischen Türkei eine Art Autonomie erhalten werden. Die Bulgaren erstreben zunächst die Autonomie für Mazedonien mit der geheimen Hoffnung, daß die Autonomie nur die Vorstufe für die Angliederung an ihren Staat bilden werde. Sie haben deshalb von neuem den Bandenkrieg organisiert. Auf Eisenbahnzüge und Bank- filialen werden Bombenattentate verübt und friedliche Mohammedaner überfallen» beraubt und getötet. Dies geschah auch. wie bereits kurz telegraphisch gemeldet, vor einigen Tagen in K o t s ch o n i. Um 3 Uhr nachmittags explodierten im türkischen Stadtteil zwei Bomben; 19 Menschen wurden getötet. Dies rief eine ungeheuere Entrüstung in der ganzen mohammedanischen Bevölkerung hervor. Das Militär, die Polizei und die Bevölkerung ergriffen die Waffen, drangen in den christlichen Stadtteil ein und richteten eine Metzelei unter den Christen an. Das Schlachten und Morden dauerte bis 11 Uhr nachts. Ueber 130 Personen wurden getötet und über 260 verwundet. Das ist ein schamloses Verbrechen, das vor der Welt gebrandniarkt werden muß. Die bulgarische Regierung fordert von der Pforte Satisfaktion für das Hinschlachten der unschuldigen Frauen und Kinder. Es muß aber gesagt werden, daß der religiöse Fanatismus der Mohammedaner schon erloschen war. Erst das Vorgehen der bulgarischen Banden hat ihn wieder so furchtbar angefacht. Und dafür tragen jene Balkanregierungcn die Verantwortung, die unter dem Verwand der nationalen Befreiung durch Mörderbanden friedliche Mohammedaner töten und plündern lassen. Man kann den Kampf der unterjochten Nationen in der Türkei um - ihre Befreiung verstehen, das kann uns über nicht abhalten, diese mordenden Banden zu brandmarken. Es bestätigt sich, daß die Jungtürken den Gedanken an gewaltsamen Widerstand aufgegeben haben. Das Organ des jungtürkischen Komitees„Terdjiman-i-Hakikat" erklärt die 5tachricht, das Komitee beabsichtige die Einberufung eines Rumpfparlanreuts oder die Bildung einer Gegenregierung, für unrichtig. Dagegen fährt die Regierung fort, die jung- türkischen Beamten durch ihre Anhänger zu ersetzen und be- ginnt auch gegen die früheren Minister die Drohungen wahr zu inachen. Der frühere Münster des Innern T a l a a t- B e i ist auf Grund eines gegen ihn ergangenen Haftbefehls in Demotika verhaftet worden. Was die A l b a n e s e n betrifft, so ist über ihre Forde- rungen noch kein definitiver Beschluß gefaßt. Auch die Süd- albanesen sind, entgegen den bisherigen Meldungen noch bei Valona versammelt. Die Borfälle in Kotschana. Konftontillopeh 13. August. Die in Sofia wegen der Vor-- fälle in Kotschana herrschende Erregung scheint auf die offiziellen Kreise Eindruck zu machen. Die Pforte hat versprochen, eine un- parteiische Untersuchung einzuleiten. die Schuldigen zu bestrafen und den Geschädigten Ersatz zu leisten. Die nach Kotschana entsandte Kommission ist dort eingetroffen und hat mit der Untersuchung hereits.begonnen. Bulgarische Friedensbeteuerungen. Wien, 13. August. DaS„Neue Wiener Journal' veröffentlicht Aeutzerungen eines Diplomaten über die Stimmung in Bul- g a r i e n, worin auf das bestimmteste erklärt wird, daß die Ge- riichte von einer Mobilisierung der bulgarischen Armee jeder Grundlage entbehrten. Die bulgarische Presse sei allerdings sehr kriegerisch gesinnt. Doch bestehe keine Kriegsgefahr. Die Regierung habe den festen Willen, den Frieden auf dem Balkan nicht zn stören. Vom Kriegsschauplatz. Rom, 13. August. Wie die„Agenzia Stefani' meldet, hielt gestern in der Nähe � von Alexandrien ein italienischer Hilfskreuzer den vom Phräus kommenden rumänischenDampfer.Carol" an. Bei der Durchsuchung wurden drei Personen als türkische Offiziere erkannt und zu Gefangenen gemacht. Ebenfalls in der Nähe von Alexandrien, wurde gestern das von dort ausgelaufene türkische Segelschiff'.Evangelista' von einem italienische» Schiff gekapert. � Wie aus Bengh afi gemeldet wird, wurde dort eine Kavallerieabteilung bei einem Erkundungsritt von Beduinen, die hinter einer Düne verborgen lagen, beschossen, wobei sie einen Toten und zwei Verwundete hatte. Als die Italiener das Feuer erwiderten, zogen sich die Beduinen zurück. Von einer glühenden Schlsckenhnlde «erichiittet. Zwölf Arbeiter getötet. Eine neue Hiobspost kommt aus dem schwer heimgesuchten rheinisch- westfälischen Industriegebiet. Auf der Zeche „K a i s e r st u h l" bei Dortmund wurde eine Kolonne von Arbeitern, die mit der Hinwegräumung einer brennenden Schlackenhalde beschäftigt war, durch den Einsturz der Halde verschüttet. Zwölf Arbeiter wurden bisher gräßlich der- brannt als Tote hervorgezogen, mehrere andere liegen noch unter den Schlackenmassen. Tie Meldungen labten: Dortmund, 13. August.(H. V.) Heute bor- ütittag gegen 10 Uhr ereignete sich auf den?s Stahlwerk Hoesch ein entsetzliches Unglück. An einer Schlackenhalde, die hinter der Zeche„Kaiscrstuhl 2." liegt, arbeitete eine Kolonne von 24 Mann im Austrage einer Essener Firma. Die Leute waren mit dem Abtragen der Halde beschäftigt und zwar mit Hilfe eines Löffel-Bag-« gcrs, aus dem sich ein Maschinist und zwei Heizer befan- den. Während der genannten Zeit bemerkte der Maschinist, das: sich die Halde plötzlich in Bewegung setzte. Er verließ das Bagger mit den beiden Heizern und rettete sich mit den beiden unter eine Brücke, indem er den 24 Arbeitern laute Warnungsrufe gab. Ob nun die Arbeiter die Gefahr unterschätzten, oder die Rufe nicht verstanden, kurz, 11 Mann schoben einen leeren Eisenbahnwagen auf die gefährdete Stelle zu. S i e w u r- den von einer rutschenden Schlacke nmassc erreicht und verschüttet. Die Unglücklichen wur- den von einer 15 Meter hohen Schlackenschicht bedeckt. Es wurde sogleich die Dortmunder Feuerwehr alarmiert, die schleunigst mit allen verfügbare« Rettungs- gerätschaften auf dem Schauplatz der Katastrophe erschien. Zunächst wurden drei Schwerverletzte geborgen und in das Brüderkrankenhaus gebracht. Leider kamen zwei von ihiicu nicht mehr lebend im Krankenhaus an, während der dritte so schwere Verletzungen erlitten hat, daß er kaum mit dem Leben davokommen dürfte. Später wurden acht weitere Leichen, die zum Teil schwere innere Verletzungen aufweisen, unter den Schlackenmassen hervorgezogen und nach der Leichenhalle gebracht. Die Halde brennt seit längerer Zeit und ihre Beseitigung war not- wendig geworden, weil das Stahlwerk Hoesch an jener Stelle die Errichtung von Neubauten plant. Als Ursache des Unglücks nimmt»nan eine Entzündung von Gasen an, die sich anscheinend infolge der jüngsten Regengüsse im Innern des Schlackcnberges gebildet haben dürsten. Von einer Explosion selbst hat man aber nichts gehört. Sosort nach dem Bekanntwerden der Unglücks- Nachricht begab sich der Bürgermeister Dr. Äöttgens und der Polizeidirigcnt nach der Unfallstelle, um eingehende Ermittlungen anzustellen. Dem Oberpräsident und dem Minister des Innern, sowie dem Minister für Handel und Gewerbe wurden sofort telegraphische Berichte über die Katastrophe erstattet. Im nördlichen Stadtteil herrscht ungeheure A u f r c g u ng. Die angrenzenden Stra- ßen, die von Tausenden von Menschen belagert sind, müssen polizeilich abgesperrt werden. Dortmund, 13. August. sW. T. B.) Da? Unglück ereignete sich heute morgen gegen 8'A Uhr auf der Schlackenhalde der Zeche Kaiserstuhl IL die dem Eisen- und Stahlwerk Hösch gehört. An der Halde waren zwei Kolonnen mit 22 Arbeitern beschäftigt. Durch die Feuchtigkeit bildeten sich in der glühenden Halde Gase, die zur Explosion kamen. Ein Teil der Halde stürzte zu- sammen. Es haben sich drei oder vier Arbeiter retten können. Neun Tote und drei Schwerverletzte, die unmittelbar darauf starben, wurden ziemlich rasch geborgen. Die Leichen waren total verbrannt. Eini-ge Tote befinden sich noch in dem Geröll. Dortmund, 13. August.(W. T. B.) Wie das Eisen, und Stahlwerk Hoesch um 12 Uhr mitteilt, sind durch die ins Rutschen gekommenen Schlackenmassen 13 Arbeiter getötet worden. Ein Ar- beiter hat schwere Verletzungen erlitten. Privatmeldungen eines Berliner Blattes besagen, daß nach der Darstellung von Arbeitern das Unglück noch weit schlimmer sein soll, werde doch von 23 Toten, von 28 unter den Trümmern noch Verschütteten gesprochen! Wir wollen indessen hoffen, daß diesmal nicht wieder eine so törichte Ver- tuschungspolitik getrieben wird,' wie bei der Katastrophe auf „Lothringen"! Politische(kb er siebt. Berlin, den 13. August 1912. Eine nette Komödie. In Wllrzvurg ist heute morgen unter dem Vorsitz des bekannten Obermeisters und Herrenhäuslers Plate der„Deutsche Handwerks» und Gewerbekammertag' eröffnet worden. Nach einem langen Referat des Generalsekretärs Dr. Mensch-Hannover über die„Hand- Werkerpolitik im letzten Jahre", kam der, S ch u tz d e r A r b e t t S» willigen' zur Verhandlung. Der konservative Landtags- abgeordnete Malkewitz schimpfte auf die freien Gewerkschaften und legte folgende Resolution vor: „Der 13. Deutsche Handwerks» und Gewerbekammertag be» dauert lebhaft die ablehnende Haltung der Reichsregierung und der Mehrheit des Reichstages gegenüber den Bestrebungen von Industrie und Handwert auf Herbeiführung eines besseren Schutze» der Arbeitswilligen.' Natürlich wurde sie einstimmig angenommen. Dann wurde über die„Regelung des SubmissionS- Wesens' verhandelt, wobei es zu einem niedlichen Konflikt kam. Der LaichtagSabgeordnete R a h a r d t- Berlin äußerte sich nämlich sehr scharf über das Verfahren der„untergeordneten Baubehörden' in Preußen bei der Vergebung von Submissionen und gebrauchte einigemal den Ausdruck, die preußischen Beamten beuteten die Notlage des Handwerks aus. Das versetzte den Vertreter des preußischen Ministeriums Geheimen NegiernngSrat Dr. Franke in wilde Erregung. Er forderte das Wort und erklärte: Es sei nicht Sitte, daß Regierungs- Vertreter in die Debatte eingreifen, und er werde hier auch nicht auf den materiellen Inhalt der Rede des Abg. Rahardt eingehen. Aber er müsse aufs entschiedenste den Vorwurf zurückweisen, daß preußische Beamte die Notlage des Handwecks ausnützten und ausbeuteten. Doch Herr Rahardt spielte den charaktervolle», unentwegten Mann. Er erwiderte, er könne zu seinem Bedauern den Vorwurf nicht zurücknehmen. Allgemeine Verblüfftheit. Aber Herr Obermeister Plate erfaßte mit seinen: bekannten scharfen herrenhäuslerischen Verstand sofort die Situation. Er eilte den abziehenden RcgierungSvertreteru nach und versprach Sühnung der schauderhaften TakUosigkeit Rahardts; dann lehrte er in den Versammlungssaal. zurnck�sund ließ von der Versammlung beschließen, daß sie die Ausdrucksweise Rahardts mißbillige. Einstimmig folgte diese dem Ansinnen. Stolz marschierten die Geheimräte wieder in den Saal, von den Handwerksmeistern stürmisch begrüßt, und Herr Obermeister Plate hielt an sie eine höchst feierliche Ansprache, in der es heißt: Ich habe soeben eine Abstimmung darüber vornehme» lassen, ob sichrer Handwerks- und Gewerbelammertag mit den Worten des Abgeordneten und Vor» sitzenden der Berliner Handwerkskammer Rahardt identifizieren wolle, daß preußische Beamte die Notlage des Handwerks ausbeuten. Ich stelle fest, daß der Handwerks- und Gewerbekammeriag ein» stimmig erklärt hat. daß er sich nicht mit diesen Worten identifiziert. Ich freue mich, daß'die Herren wiedergekehrt sind, und ich hoffe, daß wir noch viele Jahre in alter Weise freundschaftlich miteinander arbeiten werden- Herr Rahardt aber hatte seine Ohrfeige weg. Znr Grubenkatastrophe auf Lothringen. Die Generalversammlung deS Wahlkreises Recklinghausen nahm am Sonntag zum Grubenunglück auf Lothringen folgende Resolution an: „Die Generalversammlung des sozialdemokratischen Vereins für den Wahlkreis Recklinghansen-Borken spricht durch Erheben von den Sitzen den Hinterbliebenen der am 8. August 1S12 aus Zeche Lothringen in Gerthe verunglückten Bergleute ihr herzlichstes Bei- leid aus. Durch die bei dieser Katastrophe sowohl wie in früheren gleich- artigen dargebrachten Geldspenden wird die Hilfsbedürftigkeit der Hinterbliebenen anerkannt. Seit Jahrzehnten wartet die Berg- arbeiterschaft auf bessere gesetzliche Fürsorge ihrer Hinterbliebenen. Die Rentenansprüche der Hinterbliebenen werden bei Massenunglücken mit einer korrekten Schleunigkeit be- trieben, wie man fie sonst bei Einzelunglücksfällen leider vermißt. Die anwesenden Delegierten und Delegiertinnen erblicken in dieser charakteristischen Praxis eine Täuschung der Oeffentlichkeit und übernehmen das Gelöbnis, bei allen den sich bietenden Gelegenheiten auf diesen Widerspruch hinzuweisen, der zwischen den momentanen Mitleidskundgebungen in Geldspenden, sowie der Beschleunigung des RentenanspruchSverfahrenS bei solchen Massenunglücken und der Handhabung bei Tausenden von Einzelfällen zutage tritt. Die Generalversammlung erblickt in dem Ausbau einer grundlegenden A r b e iter s ch u tz g es etz g e b un g unter Mitwirkung der Arbeiterschaft die weitgehendste Garantie, solche Kata st rophen zu verhindern.' Ein Protest evangelischer Getverkschastsführer gegen die gelben Werkvereine. Den.vaterländischen', von der Unternehmerschaft auSgehaltenen gelben Werkvereinen ist eine recht nette Kennzeichnung zu teil ge- worden, deren Wert auch dadurch nicht geschmälert wird, daß der Anlaß zu der Charakteristik im Konkurrenzneid der evangelischen Arbeitervereinler zu suchen ist. In Bethel-Bielefeld werden für die Beamten der evangelischen Arbeitervereine Ausbildungskurse ab- gehalten. Im Anschluß an einen solchen Kursus fand eine Kon- ferenz der Teilnehmer statt, die nachfolgende Resolution faßte: „Die in Bethel bei Bielefeld tagende Konferenz von 48 evan- gelischen Arbeitervereins- und Gewerkschaftssekretären auS allen Teilen Deutschlands bedauert aufs tiefste die durch die Gründung von sogenannten„gelben' Werkveremen, vaterländischen oder reichstreuen Arbeitervereinen in die nationalgestnnte Arbeiterschaft getragene Verwirrung und Zersplitterung und die Förde- rung solcher Gründungen seitens regierender und politischer Kreise. Ihrer wirtschaftlichen Abhängigkeit, nationalen Unzuverlässigkeit und religiösen Feindseligkeit wegen ist die„gelbe" Bewegung nicht imstande, einen festen Wall gegen die klassenkämpferische, Vaterlands« und christentumS- feindliche Sozinldemokrati« zu bilden. Geschädigt werden durch sie allein die ch r i st l i ch» a t i o n a l e n Organisationen, deren geschichtliche EntWickelung beweist, daß sie unter entschiedener Wahrung der Arbefterinteressen alles Verständnis haben stix die jeweilige wirtschaftliche Lage und die gegenüber de»: sozial- demokratischen TerroriSmut den christlich denkenden Arbeitern den notwendigen Schutz gewähren, ihres Glaubens leben zu können. Die auch eine geistige Bewegung dar- st eilende Sozialdemokratie kann dauernd nur durch Entgegenstellung einer anderen. von der Arbeiter- schaft selbst getragenen wirtschaftlichen und geistigen Be» wegung überwunden werden, nicht aber durch die von ll uteri, eh nrergeld unter Anwendung un- würdigen Zwanges ins Leben gerufene» völlig diesseitig materialistisch orientierten„gelben' Organi- s a t i o n e n. Die Konferenz richtet an die denkende evangelische Arbeiterschaft die dringende Mahnung, den zu Charakterlosigkeit, Heuchelei und religiöser Feindschaft führe Ii den.gelben' Vereinigungen nicht beizutreten, sondern sich in immer größeren Scharen den konfessionell und politisch unabhängigen christlichen Gciverk- schnften und den evangelischen Arbeitervereinen als den besten Organisationsformen zur Bertretnng der wirlschaftlichen, nationalen und religiös-siltlicheii Interessen anzuschließen. Die Freunde einer gesunden deutschen Arbeiterbewegung sowie die poetischen Partejen und Persönlichkeiten, die bei Wahlen auf die Stimmen der christlichnatioiialen Arbeiter rechnen, ersucht die Konferenz, sich nicht durch hochtrabende, leere Worte für die.gelben' Vereine einnehmen zu lassen, sondern die christlich-nationalc Arbeiierbemegung in Ansehung ihrer segeuö- reichen Wirksamleit nnchdrncklichst zu fördern. Schließlich spricht die Konferenz den lebhaften Wunsch auS, daß die maßgebenden Instanzen in den evangelischen Arbeitervereinen rhr« Stellung zu den„gelben" Bestrebungen klar und iinzweideutig öffentlich zum Ausdruck bringen und die BereinSmitglieder über die damit verbundenen schweren Gefahren anfklären.' Es ist, wie schon erwähnt, nicht pplitische Einsicht, die den „Evangelischen" die Feder geführt hat, sondern der Aerger darüber, daß die Gelben auch ihre Fangarme nach jenen Arbeitern aus- strecken, die in Verkennnng ihrer Klassenlage oder aus verächtlicher Strcberei den großen Klassenorganisationen der Arbeiter fernbleiben- So treffend jedoch die Charakterisierimg der„Gelben" ist, so wenig wird der Appell nützen. Wenn Arbeiter einmal dahin gekomnicu sind, sich um der Gunst der Unternehmer willen von den freien Ge- werkschaften feriizuhalten, dann machen sie nicht bei den„Christlichen" Halt, sondern gehe» lieber gleich zur Unternehnier-Schutztruppe über. Die Zersplitterung der Arbeiterorgaiiiscitiouen rächt sich so an ihren eigenen Schöpfern._ Neue bayerische Fjnanzgrnndsatze. Auch in Bayern will man jetzt, wie im Reiche, zu einem ver- ständigeren Finanzsystem übergehen. Nachdem der Ab- geordneteiikanimer soeben, eine Nachtragsforderung von 3 150 000 M. zugegangen ist, beläuft sich der Betrag der demnächst anfzunehniendcn bayerischen Anleihe auf mehr als 43 Millionen Mark. In der Begriindung der obigen Nachtragsforderung erklärt nun der Finanzmimster, die Grundsätze einer gesunden Finanzpolitik erforderten es, „daß für die Anlehen, die zur Bestreitung außerordent- licher Stoatsbedürsnisse aufgeiiomnien werden, je unter Veriicksich- tigung der Ait und Dauer der Zwecke, für welche die einzeluen Anlehen bestlnimt sind, sofort mit dem Zeitpunkte der A n l e h e n S a u f n a h n, e die entsprechenden Ti l gung S- betrage in die einschkägige» Etats deS ordentlichen Budgets ein- gestellt werden, da nur auf diese Weise einem allzustarken Anwachsen der Staatsschuld wirksam begegnet werden kann und zugleich vermieden wird, daß diekonimendeii Geschlechter mit der Verzinsung und Tilgung von Anlcheiibelastet werden, die ihnen billigerweise nicht angesomien werden kann und die unter Umständen ihre Leistungsfähigkeit für die eigenen Bedürfnisse beeinträchtigt.' Die bayerische Regierung bezeichnet eS als ihre Absicht, nach diesem Grundsatz künftig zu verfahren. Das ist recht lobens- wert, wiewohl eS eigentlich selbstverständlich sein sollte. Ordentliche Geschäftsleute haben stets nach solchen Grundsätzen ge- handelt, nur im Staats- und Kommunalleben glaubte man sich bisher vielfach von diesem elementaren Grundprinzip einer der- ständige» Finanzwirtschaft emanzipieren zu können. Sachsen in Deutschland voran? Bon der sächsischen Regierung ist, wie die„T. R." berichtet, im Bundesrate der Antrag auf Erlab eines Gesetzes zum Schutze der Arbeitswilligen gestellt worden. Die sächsische Regierung begründet ihren Autrag damit, daß im Königreich Sachsen der sozialdemo- kratische Terror bei Ausständen und Boykotts einen derartigen Um- fang angenommen hat, dah die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen sich als nicht ausreichend erwiesen haben. Der Bundesrat dürste schon im Herbst über diesen Antrag Beschluh fassen.' Der sächsische Vorschlag wird, demselben Blatte zufolge, von mehreren Bundes- regierungen, darunter auch Bayern, unterstützt. Die sächsische Regierung wird nicht umhin können, Aufklärung darüber zu geben, warum sie diesen Schritt unternommen hat. Gerade in Sachsen, mit seiner starken Industrie, ist in den letzten Jahren eigentlich nichts vorgekommen, was«inen solchen Schritt der sächsischen Regierung rechlfertigen könnte. Allein, mau täusche sich nicht, es ist etwas im Werk, um der Koalitionsfreiheit das Genick zu brechen. Alle möglichen mit der Reaktiolk in Verbindung stehenden Organisationen schliefen sich dem Wunsche der Scharf- macher an. der auf einen größeren Schutz der Hintzebrüder hinzielt. Im Reichsamt des Innern lagert das von den Haudelskamniern und von den Unternehmerverbänden zusammen- getragene Material, das der Oeffentlichkeit sorgsam vorenthalten wird, weil es einer objektiven Prüfung nichr standhalten kann. Zwar hat der Reichskanzler noch vor wenigen Monaten es abgelehnt, den Weg der Spezialgesetzgebung zu beschreiten, der Reichstag hat mit überwältigender Mehrheit den konservativen Vorstoß abgelehnt. aber die Herren von der Schwerindustrie haben einen gewaltigen Einfluß und es wäre nicht das erste Mal. daß sie die Regierung in ihrem Sinne umzustimmen vermochten. Für die klassenbewußte Arbeiterschaft Deutschlands heißt es: bereit sein zum Kampf für die Verteidigung der Koalitionsfreiheit! Ein geistig minderwertiger Soldatenerzieher stand jüngst in der Person des Unteroffiziers Göbel vom Jnfanterie-Regiment Nr. 177 vor dem Dresdener Kriegs- gericht, um sich wegen MißbrauchS der Dienstgewalt, Abhaltung eines Untergebenen von einer Beschwerde und Unterdrückung einer solchen zu verantworten. Der Angeklagte war schon mehrfach durch sein furchtbar poltriges Aufireren Untergebenen gegenüber auf- gefallen; er ist wegen Beleidigung Untergebener vorbestraft und wird vom Hauptmann als ein nervöser, überspannter und neuro fthenifchcj: Mensch geschildert. Jetzt war er be- schuldigt, ohne Recht Untergebene zum Putzen seiner eigenen Sachen befehligt zu haben. Und als sich einer der Soldaten darüber b e- schweren wollte, hat der Angeklagte dem Untergebenen g e- droht, daß er dann einen schlechten Stand haben werde! Die Meldung des Soldaten, den Hauptmann sprechen zu wollen, hat der Angeklagte iveder eingetragen noch weitergegeben. Durch das Verhallen des Unteroffiziers wurden Zweifel an der ZurechnuugSfähigkeit laut, woraus eine Beobachtung vorgenommen lvurde. Der ärztliche Sachverständige bezeichnete in der Verhandlung den Unteroffizter als einenget st ig und moralisch minderwertigen und kindischen Men scheut(So ein Mann ist dam, Soldatenerzieher I) Mir Rücksicht auf das Gutachten erhielt er 10 Tage mittleren Arrest. frankreicd. Die Aufhebung des Urteils gegen Durand. Paris, 10. August.(Eig. 93er,) Nach zweitägiger Verhandlung bat der Kassationshof das Schlvnrgerichtsnrteil gegen den Sekretär der Hafenarbeiter von Havre Durand aufgehoben. Damit hat eine der infamsten kapttalisttschcn Justizvergewaltigiingen eine— freilich nur formale— Sühne gefunden. Der uiigliickliche Durand hat seinen ehrlichen Namen wiederbekommen, aber er wird die Nachricht davon kaum erfassen können. Denn die Aufregungen seines Prozesses haben ihn seit langem in geistige Umnachtung geworfen.— Die Vorgeschichte dieser denkwürdigen Affäre ist bekannt. Während des Hafenarbeiterstreiks in Havre im Jahre 3910 war eines Tages ein„gelber" Vorarbeiter namens DongS, nachdem er seinen Sündenlohn in zahlreichen Schnapsschenken vertan hatte, in schliinme Trunkenheitsexzesse verfallen. Hierbei geriet ernist andyren Betrunkenen in einenNaufhandel und wurde erschlagen. Trotzdem ganz offenbar eine gewöhnliche Schlägerei von Alkoholikern vorlag, bemühten sich einige Agenten der in Havre allmächtigen Coinpanie TranSatlantique dem Fall ein„sozialpolitisches" Gesicht zu geben und ihn zur Koinprpniittierung und Niederwerfung der unbequemen Ge- werkschaft der Hafenarbeiter auszubeuten. Es fanden sich denn auch wirklich ein Dutzend Zeugen dazu, alles zu be- haupten, was die Herren nur wünschen mochten. So gelang es, den Sekretär Durand in die Affäre, mit der er nicht das ge- ringste zu tun hatte, zu verwickeln. Durand, der sich während der ganzen Ansstandsbewegung bemüht hatte, die Streikenden zur Selbstbeherrschung und zurVermeidung von Ausschreitungen zu bewegeir— et ist selbst vollkommener Abstinent— wurde be- schtildigt, den Totschlag angestiftet zu haben. Man baute eine ganz ungeheuerliche Geschichte auf von einer großen Streik- Versammlung, worin er die„Todesstrafe" für den Streikbrecher Dong« zur Abstlmmung gebracht haben sollte. Die Moritat ist seinerzeit natürlich durch die ganze internationale Ver- lcumdcrprcsse gegangen. Die offenbare Unwahrheit dieser Aussagen machte weder dem Untersuchungsrichter, noch dein Staatsanwalt und den Geschworenen von Ronen, die den Fall zu erledigen hatten, Beschiverden. Am 25. November 1910 sprachen die Geschworenen Durand schuldig, und der An- geklagte wurde zum Tode verurteilt. Vielleicht war es gerode diese bis zur Groteske getriebene Wahnwitzigkeit deL Urteils, die die Protestbewegung, die sich sofort in der Arbeiter- fchaft erhob und von einigen ehrenhaften Bürgerlichen unterstützt »vurde, förderte. An cine93ollstreck>ing desUrtdls ivagten natürlich selbst die Scharfmacher nicht zu denken, für sie tväre wohl die Angelegenheit mit der Begnadigung Durands und die Umtvandlnng der Strafe in 7 Jahren Kerker am bequemsten erledigt gewesen. Die Anhänger der Revisionsbewcgung— Durand selbst war inzwischen schwer erkrankt und in ein JrrenhauS übergeführt worden— ließen sich aber damit nicht abfinden und der „neuen Tatsachen" waren soviel, daß sich der Kassationshof ihrer Macht nicht widersetzen konnte. Entlastungszeugen, die nian früher nicht hatte vernehmen wollen, meldeten sich und Belastungszeugen widerriefen, neue Umstände, die Durands Unschuld beiviesen, kamen zutage. In der Verhandlung war besonders die Haltung des Peneralanwalts bemerkenswert, der wenngleich er erklärte, nicht bis zur Behauptung eines gegen Durand ge- schmiedeten Komplotts gehen zu wollen, doch nicht mit seiner Ueberzeugung zurückhielt, daß die Belastungszeugen beeinflußt worden seien. Er forderte die Annullierung des Urteils mit Berufung auf die Ehrenhaftigkeit der Entlastungs- zeugen, die geringe Glaubwürdigkeit der Belastungszermen und auf die UnWahrscheinlichkeit einer Aufforderung zum Tot- schlag, die vor 500 Personen ausgesprochen und zwanzig Tage hernach befolgt worden sein sollte. Ueber die Arrangeure der Affäre sagte er:„Diese Leute waren gut unterrichtet. Sie hatten Anzeiger im Saal. Die Anzeiger wissen alles, was in den revolutionären Versammlungen geschieht und sogar noch mehr". Hoffentlich wird man diese Einsicht künftig auch gelten lassen, wenn es sich um professionelle Anzeiger der Polizei handelt. Das Erkenntnis des KaffationShoses erklärt da8 Schwurgerichtsurteil für nichtig und ordnet eine neue mündliche Ver- handlilstg an, ohne im übrigen das neue Gericht zu bezeichnen. Der Zustand Durands macht eben eine Verhandlung in ab- schbarer Zeit unmöglich. Gerade mit Rücksicht darauf wäre eine einfache Aufhebung des Urteils wünschenswert gewesen. Aber auch so ist die Rehabilitation Durands vollständig und die Anstifter der Anklage wie die Helfershelfer der Verleum- dung sind in allen Ländern gerichtet. Die Abmachnngen mit Rußland. Paris, 13. August. Als Ergebnis der Besprechungen zwischen dem Ministerpräsidenten P o i n c a r 6 und dem Minister des Aeußern S s a s o n o w wird mitgeteilt, daß ein Abkommen zivischen Frankreich und Rußland über die chinesische Anleihe erzielt worden sei. Rußland vertrat bisher den von Frankreich nicht geteilten Standpunkt, daß die Verwendung und Kontrolle der Anleihe durch das Konsortium der sechs Großmächte mit der besonders privilegierten Stellung Rußlands in China nicht in Widerspruch stehen dürste. Frank- reich wird diesen Gesichtspunkt Rußlands künftighin als seinen eigenen vertreten. �onvegen. Der„Sozialist" von Babylon. Die norwegische Parteileitung hat in der vopigen Woche das bisherige Parteimitglied Pfarrer E r i k s e n aus der Partei ausgeschlossen. Die Sache würde weniger Interesse beanspruchen, wenn dieser Verkünder der Heilslehre des Christentums nicht einer der Führer der nortvegischen Sozialdemokratie gewesen wäre, der insbesondere auf parlamentarischem Gebiete der Wortführer der Partei war. Der Sozialismus des Herrn Eriksen war zwar immer ziveifelhafter Art, aber seine parlamentarischen Fähigkeiten brachten ihn bald an führende Stelle in der Partei. Er hatte unter den spießbürgerlichen Dorf- Politikern des norwegischen Storthings einige Vorzüge, die der Tagespolitik der Sozialdemokratie zugute kamen. Dazu gehörten allerdings nicht eingehendere Kenntnisse der inter- nationalen Sozialdelnokratie und ihrer Politik, aber um so mehr ein von der Theologie präpariertes Redetalent und eine geschickte Dialektik. Für seinen„Sozialismus" war seine Haltung bei der Unionstrennung 1905, wo er sein Bestes zur Aufrechterhaltung des norwegischen Königtums tat. Gestolpert ist Eriksen über die S p r a ch e n f r a g e. Er ist Vorsitzender einer Organisation von Kleinbürgern und Intellektuellen, die für hie Erhaltung der Reichssprache, das norwegische Dänisch, eintritt im Gegensatz zu einer Bewegung, die für die Durchführung eines nonvegischen Provinzial- dialeM als Landessprache kämpft. Der Sturm im Glase Waffe?. Unsere Partei steht der Frage neutral gegenüber. Ihr ist aber von dem Reichssprachenverband unter dem Vorsitz Eriksens der Krieg angekündigt, sofern ihre Kandidaten bei der bevorstehenden Wahl sich nicht auf die Reichssprache ver- pflichten. Eriksen leugnete zunächst diese Bedeutung des von seinem Vorbande gefaßten Beschlusses, er entging dadurch dem Ausschluß aus der Partei vor wenigen Monaten. Jetzt aber läßt er sich als Kandidat der Reichs- sprachler in dem von dem Parteisekretär Nielsen vertretenen Kreis aufstellen, um seinem sozialdemokratischen Parteigenossen den Kreis abzuknöpfen. Das ging selbst der norwegischen Parteileitung zu iveit; sie verfügte endlich den Ausschluß Eriksens aus der Partei. Der Beschluß hätte ruhig vor sieben Jahren gefaßt werden können. Damals handelte es sich um die Frage Republik oder Monarchie, was unendlich wichtiger ist als die Zungen von Babylon. Aegypten. Die Justiz im Dienste der Unterdrücker. Kairo, 13. August. Der Nationalist Waked, der angeklagt war. gegen den KYedive und Lord Kitchener ein Komplott geschmiedet zu haben, ist zu fünfzehn Jahren Zwangs- arbeit verurteilt worden. Seine Mitangeklagten, Mohammed Abdel Salam und Mahmud Taher el Arabi, wurden zu fünfzehn Jahren Gefängnis verurteilt. Amerika. Der Bürgerkrieg in Mexiko. New Dork, 13� August Nach einer Depesche auS Mexiko C i t Y haben die Zapalislen die Stadl eingenommen und die ganze Besatzung, die aus je hundert Bauern und Stadteinwohnern bestand, im Straßeulampf u i e d e r g e in a ch l. Die Zapatisten marschieren nach Toluca._ Em der Partei. Aus den Organisationen. Auch in den ostelbischen Gefilden geht cS mit der Partei- bcweginig immer vorwärts; dafür legen die gegenwärtig tagenden Bezirks- und Krdsversammlungen Zeugnis ab. So wurde auf der Kreiskonferenz für Liegniti-Goldberg-Hnyiiau in Schlesien konstatiert, daß bereits in 72 Dörfern des Wahlkreises organisierte Partei- mitglieder vorhanden sind. Die Gesamtzahl der Mitglieder hat sich von 2157 auf 3010 vermehrt; im gleichen Verhältnis ist die Zahl der Leser der Parteipresse gestiegen. Da im Kreise 10 700 sozial- demokratische Stimmen abgegeben wurden und uns nur noch 600 Stimmen zum Siege bei der Reichstagswahl fehlten, soll vom 1. Oktober ab ein besonderes KopsblaU der.Bolkswacht" unter dein Titel„Liegnttzer VolkSzeitung" erscheinen. Dieses wird dann das fünfte Parteiblatt der Provinz Schlesien sein. »» » Auf der Bezirkskonferenz für den schlesischen Bezirk Laiigen- biclau, der jetzt durch einen sozialdemokratischen Abgeordneten im Reichstag vertreten ist, konnte festgestellt werden, daß sich die Leser- schnfl der Parteipresse von 13 706 Äbonneuten auf 21 200 gehoben hat. Auch die Zahl der Parteimitglieder stieg von 11505 auf 12 638. Es gelang im Laufe der letzten Jahre, 130 sozialdemokratische Ver- treter in die Laubgemeindekörperschaften zu entsenden. Als Organ für die Landbevölkerung wird ein„Schlesischer Weckruf" heraus- gegeben, der bisher in 210 ovo Exemplaren erschien. Dem Land- arbeiterverband find 250 Mtgkieber gewonnen worden. Es wurde beschlossen, sich im Bezirk mit aller Kraft an den nächsten Landtags- wählen zu beteiligen. Wenn es auch nicht gelingen sollte, ein Mandat zu«robern. so müssen doch Zentrum und Konservative im Landtage geschwächt werden. Die Konferenz erklärte sich schließlich gegen den Parteiausschuß und gegen die Erhöhung der Beiträge, um die Werbekraft der Organisation nicht zu schwächen. Die WahlkreiSorganisation für Wittenberg-Schw-inih hielt am Sonntag ihren Kreistag in Kemberg ab. Die Mitgliederzahl und .Volksblatt"- Leser stiegen und die Kassenverhältnisse besserten sich. Bei der Stellungnahme zum Stichwahlabkommen erklärte der Re- ferent Hildebrandt- Berlin unter allgemeiner Zustimmung, daß ein Abkommen an sich nötig war: die Dämpfung sei aber auf alle Fälle zu verwerfen. Der Parteivorstand werde eine solche Abmachung hoffentlich nie wieder treffen. � *# Der sozialdemokratische Berein für den Wahlkreis Delitzsch- Bitterfeld hielt seinen Kreistag in Delitzsch ab. Der zum ersten Male siegreiche Reichstagswahlkampf brachte dem Berein eine Steigerung der Mitgliederzahl von 2517 auf 8166 und der.Bolksblatt"- Abonnenlenzahl von 8260 auf 8950. Der KreiS zählt über 500 Abonnenten der„Arbeiterjugend"; er hat in 15 Landgemeinden 41 Genossen als Gemeindevertreter und in drei Kleinstädten 11 Stadtverordnete. Nach einem Referat de« Reichstagsabgeordneten Raute über den bevorstehenden Parteitag erklärte sich der Kreistag gegen die im Stichwahlabkommen vorgesehene Dämpfung. Der Parteiausschuh wurde als zu schwerfällig abgelehnt, dafür einer Er- Weiterung des Parteivorstandes um sieben geschulte Politiker und der Erweiterung der Rechte der Kontrollkommission zugestimmt. Mit der vorgeschlagenen Beschränkung der ReichStagSsraltion war man einverstanden. � a Der sozialdemokratische Verein für den RelchStagSloahlkreis Augsburg-Wertingen hat im abgelaufenen Vereinsjahr seinen Mit- gliederbestand von 1300 auf 2200 erhöht. Die sich mehrenden Ver- waltungSarbeiten machten die Anstellung eines Parteisekretärs not- wendig; als solcher wurde der Genosse B u ch w i e s e r gewählt. Die bei der Gememdewahl für die Sozialdemokratie � abgegebenen Stimmen stiege» von 11 110 im Jahre 1903 auf 12 261. Bei der Reichstagswahl betrug die Stimmenzuuahme der Sozialdemokratie 1183, in der Stichwahl blieb unser Kandidat nur um 581 Stimmen hinter dem Kandidaten des Zentrums zurück. Die Landtagswahl brachte uns ein Mandat. In der Gemeindevertretung sitzen sieben Genossen. � m> Der sozialdemokratische Zentralverein für den ersten und zweiten schleswig-holsteinischen Wahlkreis(Hadersleben« Sonderburg und Flensburg- Apeurade) hielt am Sonntag sein« Generalversammlung ab, die sich u. a. auch mit dem Stichwahlabkommen beschäftigte. Der Wahlkreis Flensburg-«Penrade gehört mit zu den 16 Wahl- kreisen, in denen nach dem Stichwahlabkommen die Agitation ge- dämpft werden sollte. Die Generalversammlung nahm mit großer Mehrheit eine Resolution an, in der das Stichwahl- abkommen bedauert wird, weil dadurch Erbitterung und Ver- wirrung in die Reihen der Parteigenossen getragen wird. Die Generalversammlung beschloß weiter, daß jedes männliche Mit- glied jährlich neben dem Beitrag noch sechs Wahlfondsmarken zu je 10 Pf. bezahlen soll. Beim Provinzialparteitag soll beantragt werden, daß die jetzt jährlich viermal erscheinende Agitationszeitung in dänischer Sprache„Det röde Postbud" künftig jährlich achtmal erscheinen soll. In der Frage des Ausbaues der Organisation der Gesamt- Partei erklärte sich die Generalversammlung für die Erhöhung deS Mindestbeiträaes für männliche Mitglieder, aber gegen die Erhöhung des Mindestbeitrages für weibliche Mitglieder, für die Beichrnnkung der. Vertretung der Reichslagsfrnklion und den Parteiausschuß nach den Vorschlägen der Neorganisationskommission. ». 0 m Auf der Generalversammlung deS Sozialdemokratischen Vereins für den Wahlkreis Recklinghausen wurde folgende Resolution an- genommen: Die Generalversammlung verurteilt energisch daö Vor- gehen der Parteigenossen einschließlich der ReichStagsabgeordnete». welche Konferenzen veranstalten oder daran teilnehmen, die auf Sonderbündelei hinauslaufe». Die Generalversammlung erwartet vom Parteitag, daß er da« Vorgehen der Veranstalter und Teil» nehmer entschieden mißbilligt. � In Teuchern traten am Sonntagvormittag 102 Delegierte des sozialdemokratischen Vereins für den Wahlkreis Naumbiirg-Weißen- felS-Zeitz zum diesjährigen Kreistag zusammen. Nach dem vom Parteisekretär Gehrmann erstatteten Jahresbericht hatte der Verein am Schlüsse deS Jahres in 42 Ortsvereinen einen Mitgliederbestand von 5636, was gegen das Vorjahr einen Gewinn von 600 Mit- gliedern bedeutet. Die Einnahmen und Ausgaben der Kreiskasse bilanzieren mit 68 260 M. Mit Genugtuung konnte hervorgehoben werden, daß eS nach einem beispiellos heftigen Wahlkampfe gelang, das bei der Hottentottenwahl verloren gegangene Mandat wiederzu- gewinnen. SeitAugust v.J. wird der früher als Kopfblatt des.Halleschen Volksblatts" im Kreise erscheinende«Zeitzer Volksbote" in eigener Druckerei hergestellt. Dank der.Aufmerksamkeit" der Staatsanwalt- fchaft hat das Blatt bereits einen Stand von 12 000 Abonnenten aufzuweisen. Da die Verhandlungen über die Umgestaltung des KreisstatutS sich sehr in die Länge zogen, konnte der Kreistag zu den schwebenden Parteifragen und dem Parteitag nickt Stellung nehmen. Zwei Delegierte sollen durch Urabstimmung gewählt werden. Neben dem bereits bestehenden Zehupfennigwochenbeitrag für männliche Mitglieder wurde der Monatsbeitrag sttr weibliche Mitglieder auf 15 Pf. erhöht und außerdem die Erhebung eines Wahlfonds- beitrages von 10 Pf. pro Vierteljahr beschlossen. Ein neues Parteiorgan. Die Generalversammlung des Wahlkreises Necklinghaufen- Vorken beschloß in der am Sonntag abgehaltenen General- Versammlung, die Gründung eines�eigenen Organs vorzunehmen, das in einem noch näher zu bestimmende» Orte des Wahlkreises erscheinen soll. Vorläufig wird jedoch nur der lokale Teil fertiggestellt, während der politische Teil vom.Volksblatt" in Bochum bezogen werden soll. Die starke Zunahme der Abonnenten, dt« im vergangenen Jahre allein 3000 betrug, andererseits die Ueberhäufung der Geschäfte des .Volksblattes", das den gesteigerten Anforderungen nicht mehr Rechnung tragen konnte, da insbesondere der Transport ungeheuere Schwierigkeiten erforderte, haben im Einverständnis mit dein Partei- vorstand diesen Beschluß herbeigeführt. Die Genueser Parteisektion gegen Ifen Parteivorstand. Die Genurser Parteisektiom deren Abgeordneter Canepa zu den Rechtsreformisten übergegangen ist, hat nach langer Diskussiou eine Tagesordnung angenommen, die dem Abgeordneten, ihr Ver- trauen bestätigt und gleichzeitig aus das Recht Anspruch erhebt. weiter der sozialistischen Partei anzugehören. Daraufhin wind der Parteivorstand genötigt sein, die Sektion von Genud auszulösen und eine neue zu gründen. Auch die Sektion von Borgo San D o n n i n o, deren Abgeordneter B e r e n i n i ist. Hab ein ähnliches Votum angenommen und muß dasselbe Schicksal gewärtigen» Parteiliteratur. Im Verlage von Kaden u. To. in Dresden erschien soeben Heft 1 der. Abhandlungen und Borträge zur sozia« l i st i s ch e n Bildung", herausgegeben von Max Grumoald. Das 36 Seiten starke Heft bietet neben einer knappen Ein- f ü h r u Ii g in Marx' Kapital vom Genossen G r u n w a l d als Anhang 1. eine Marx-Chronik, 2. ein Verzeichnis der Marx- Literatur und 3. zwei Abhandlungen von Friedrich Engels und Joseph Dietzgen über Marx' Kapital. Der Preis des Heftes beträgt 40 Pj. Gewcrkfchaftlicbee. Die Schwarzen und die Gelben. Nachdem sich die christlichen Gewerkschaften beim Streik der Ruhrbergleute als getreue Helfer des Unternehmertums erwiesen und durch organisierten Massenstreikbruch den Lohnkampf der freien Gewerkschaft verraten haben, ist es wirklich schwer, zwischen ihnen und den Gelben noch wesentliche Unterschiede zu entdecken. An- scheinend machen sich die Gelben diesen Umstand zunutze, indem sie für ihre Vereine unter den Mitgliedern der christlichen GeWerk- schaften Mitglieder zu werben suchen und jedenfalls mit Erfolg, denn ebenso wie die an anderer Stelle abgedruckte Resolution der evangelischen Gewerkschaftsführer, wendet sich das Organ der M.-Gladbacher Richtung, die„Westdeutsche Arbeiterzeitung", mit folgenden Ausführungen gegen die gelbe Konkurrenz: „Man schreibt uns aus dem Ruhrrevier: Unsere katholischen Knappen- und Arbeitervereine haben bisher den gelben Gewerkschaften und Werksvereinen gegenüber eine ab- lehnende Haltung eingenommen. Auf den verschiedensten Delegierten- tagen sind Beschlüsse in diesem Sinne gefaßt worden. Bis jetzt hatte die Frage aber für die meisten unserer Vereine wenig prak- tische Bedeutung. Es fehlte im Bezirk dieser Vereine die gelbe Bewegung. Das ist nun vielfach anders geworden. Der Zentral- verband deutscher Industrieller hat auf seiner letzten im Mai ab- gehaltenen Tagung die Förderung der Gelben empfohlen. In, Ruhrgebiet arbeitet der Zechenverband in seinem Sinne. Auf fast allen Gruben wurden gelbe Werkvereine gegründet. Sie werden besonders in der letzten Zeit mit Hochdruck gefördert. Es ergeben sich jetzt selbstverständlich Differenzen mit den katholischen Arbeitervereinen. Man sucht auch die katholischen Arbeiter für die gelben Werkvereine zu gewinnen, auch die Mitglieder der katholischen Arbeitervereine. Die katholischen Arbeitervereine werden dadurch gezwungen, die bisher mehr theoretisch den Gelben gegenüber beobachtete Haltung auöh praktisch durchzuführen. Um so mehr ist das notwendig, als die Gelben versuchen, die katholischen Arbeitervereine von ihrer bis- herigen grundsätzlichen Stellung abzudrängen. Die Gelben fordern nämlich ihre Mitglieder jetzt auf, in die konfessionellen Arbeitervereine zu gehen und als deren Mitglieder dafür zu sorgen, daß eine Bekämpfung der gelben Werkvereine und eine Befürwortung der christlichen Gewerkschaften unterbleibt. Für viele Vereine wird also die Frage aktuell: Wollen wir bleiben, was wir sind, oder sollen wir den Gelben entgegenkommen und unsere Grundsätze ändern?" Ii, der Tat ist die Sache nicht so einfach. Die„Grundsätze" der sonst verwandten Seelen bestehen eben darin, datz die Christen die Schutztruppe des Zentrums und die Gelben die der„liberalen" Kapitalisten sind. Und beide Gruppen wollen auf ihre Schutztruppen nicht verzichten. Bielleicht ergibt sich eine Lösung dadurch, daß eine „gemischte Kommission" die beiderseitigen„Grundsätze" besieht und dann findet, daß da doch zur höheren Ehre des Profits ein Aus- gleich leicht möglich ist. Aber die bösen Sozialdemokraten würden das ja wieder aus- nutzen; die M.-Gladbacherin schreibt am Schluß ahnungsvoll: „Würden unsere katholischen Arbeitervereine mit den Gelben, auch gegenüber berechtigten Bestrebungen der Arbeiter zusammen- gehen, so könnte die Sozialdemokratie wirkungsvoll von einem Zusammengehen von Kirche und Kapital gegen das arme Volk reden. Und manchen würde sie damit für sich und gegen das Christentum und die katholische Kirche gewinnen. Eine reinliche Scheidung ist auch aus diesem Grunde geboten." Ja, wenn dieser Grund nicht vorhanden wäre, dann stände wohl einer talsächlichen Verbrüderung der Schwarzen mit den Gelben kaum noch etwas im Wege. Berlin und Umgegend. Tariffcindliche Buchdrucker. Die Bereinigten Buch- und Kunstdruckwerke in Berlin, die aus der Tarifgemeinschaft der deutschen Buchdrucker mit der Begründung ausgetreten sind, daß sie sich einzelnen Be- stimmungen des deutschen Buchdruckertarifs nicht mehr unterWersen und fügen wollen, sind in arge Bedrängnis geraten. In der An- nähme, daß von ihrem alten Personal doch einige Gehilfen sich lieber aus der Tarifgemeinschaft ausschließen lassen und bei der Firma verbleiben würden, hat sich diese arg getäuscht und das Solidaritätsgefühl der Verbandsgehilsen unterschätzt. Samt- liche bei derFirma beschäftigten dreißiaGehilfen haben einmütig denKunsttempel verlassen, darunter ein Gehilfe im Alter von SS Jahren, der eine größere Arbeit bei der jetzigen und der früheren Firma„Die Post" seit 40 Jahren aus- geführt hat. Alle Achtung vor solchem Solidaritätsbeispiel I— Der Firma sind nun durch Helfershelfer, in erster Reihe durch den Arbeitgeberverband im Buchdruck.gewerbe, einige auf Lager befindliche Rausreißer übermittelt worden, anderer- seits sind auch aus einigen dem Arbeitgeberverband zu- gehörigen Firmen Arbeitskräfte abkommandiert worden. Bei der Firma Legal sind sechs Mann fahnenflüchtig geworden und haben in den Kunstwerken augefangen. Eine der Berliner Gehilfenschast bekannte„Kunststütze", die den Gauverein um 1340 M. betrogen hat, gehört ebenfalls zu der Rausreißerfamilie. So sieht es jetzt bei der Firma aus, die ehemals stolz aui ihre Gehilfen und deren Leistungen lvar.— Momentan geht das Geschäft bei der Firma schwach und wenn sie überhaupt noch einmal in die Lage kommen sollte, einen besseren Geschäftsgang zu haben, dann wird es ihr wie in vielen ähnlichen Fällen gehen, sie wird sich vergebens an die Tariforgane wenden, um ihre Aufnahme in die Tarifgemeinschaft wiederum herbeizuführen. Mit solchem Personal kann man keine„Kunstwerke" aufrecht erhalten.— Daß die Firma auch die Polizei zur Hilfe rief, um gegen„freche" Eindringlinge vor ihren Toren Wache zu halten, gilt im Zeitalter des Schutzes der„Arbeitswilligen" als selbst- verständlich. Sie bat aber nichts zu tun bekommen. Es gibt andere Mittel gegen die Leute, welche die.Tarifgemeinschaft schädigen. Der Ausschluß aus derselben ist die Folge und wenn bei ihnen später die Einsicht kommt, daß sie sich durch ihre Handlungsweise selbst geschädigt hoben, dann mögen sie sich bei denen bedanken, für die sie jetzt Rausreißerdienste leisten. Die Nomen der aus der Tarif- gemeinichaft Ausgeschlossenen werden der Gehilfenschaft und den Prinzipalen durch Veröffentlichung in den Fachorganen zur Kenntnis gebracht.— Mittlerweile hat die Firma, damit sich die Ransreißer- schar besser kennen lernt, am vergangenen Sonnabend ein Eisbein- essen arrangiert. Bei diesem Verbrüderungsfest ging es äußerst animiert zu. So sucht man sich gegenseitig über die Misere hinweg- zutäuschen. Die Ernüchterung wird nicht ausbleiben. Achtung, Friscurgehilfcn! Wegen Tarisbnichs für Vcrbands- mitgliedcr gesperrt: Bcbreud, Triftstr. 40; Siippckohl, Schöne- weide, Rathenaustr. 4.— In die Liste der geregelten Be- triebe ist nachzutragen: Fritz. Löwestr. 17; Lock und Nenn, Landsberger Alle 131 und 134; Hoffmann, Neukölln, Weisestr. 6; Rechlin, Adlershof, Handjerystr. 18. Verband der Friscurgehilfen. Die Lederarbeiter derFirma Berg er, Ncanderstr. 6. hatten » wegen Lohnforderungen die Arbeit niedergelegt. Durch VerHand- lungen, welche gestern nachmittag stattfanden, sind die Forderungen bewilligt worden. VeiitleKea Reich. Streik und Aussperrung in den Brennaborwerken. In den Brennaborwerken(Gebr. Reichstem) in Brandenburg a. d. Havel ist am 0. August eine Abteilung des Automobilbaues infolge von Lohndifferenzen und Entlassungen in den Ausstand ge- treten. Seit längerer Zeit versucht die Firma, die bestehenden Akkordsätze zu revidieren. Begründet werden diese Maßnahmen mit Veranlw Redakteur. Albert Wachs. Berlin. Inseratenteil verantw.. neuen technischen Verbesserungen und Aenderungen in der Pro- duktion. So wurde auch im vorliegenden Fall der Akkordpreis von 40 auf 2S Pf. pro Stück„revidiert". Schon bei dem Preis von 40 Pf. erklärten die Arbeiter, den bisher üblichen Verdienst nicht erreichen zu können. Trotzdem sollte der Lohn weiter gedrückt werden. Die beteiligten Arbeiter versuchten zunächst mit dem Meister, dann mit dem Chef selbst eine Verständigung herbei- zuführen. Der Chef erklärte, der neue Akkordpreis sei genau aus- kalkuliert, er(der Chef) habe sich von der Richtigkeit der festgesetzten Akkordpreise überzeugt. Hier ist zu bemerken, datz zwischen dem Arbeiterausschuß und der Firma vereinbart war, daß strittige Ar- beiten im Beisein der Arbeiter ausprobiert werden sollen. Dieses Versprechen der Firma ist hier nicht eingelöst worden. Ein Ar- beiter wurde vielmehr durch den Betriebsleiter entlassen, weil er die Arbeit zu dem reduzierten Preise nicht anfertigen wollte. Einem anderen Arbeiter erging es ebenso. Der Arbeiterausschutz versuchte nun, zwischen der Firma und den Arbeitern der Autoabteilung vermittelnd einzugreifen. Nach zweimaligen Verhandlungen gab die Firma zu, daß sie sich an den neu festgesetzten Preis nicht mehr binde, sie wolle die Arbeit noch einmal genau ausprobieren. Die Wiedereinstellung der beiden entlassenen Arbeiter solle �erfolgen, bevor betriebsfremde Arbeiter eingestellt werden. Die Arbeiter der fraglichen Abteilung nahmen das Zugeständnis bezüglich der nochmaligen Akkordpreisfestsetzung an, wünschten aber auch, daß nach dieser Stellungnahme der Firma die Entlassung der beiden Arbeiter zurückgenommen werde. Die Firma lehnte den Wunsch der Arbeiter ab. Die Arbeiter erklärten nun den Streik. Die Firma versuchte diese Abteilung mit Meistern, Vizemeistern, Lehrlingen und Arbeitern aus anderen Abteilungen zu besetzen. Am Montag, den 12. d. M., wurden außerdem 24 Arbeiter aus anderen Abteilungen, die sich geweigert hatten, Streikarbeit zu verrichten, entlassen. Kurz vor 6 Uhr machte die Firma dann bekannt, daß sie gezwungen(I) sei, den Betrieb zu schließen, weil es der Firma nicht gelungen sei, Arbeiter aus der Kinderwagen- und Fahrradabteilung als Ersatz für die Streikenden zu bekommen. Der Betrieb soll erst wieder aufgenommen werden, wenn es gelungen ist, die Abteilung der Streikenden zu besetzen. Wir sehen uns zu dieser Sachdarstellung gezwungen, weil einige bürgerliche Zeitungen die Nachricht verbreiten, als wenn es sich bei den Differenzen lediglich darum handele, datz die Arbeiter wegen zwei entlassener Kollegen den Streik erklärt hätten. Die Dinge bei Reichstein stehen so, daß es in letzter Zeit wiederholt vor- gekommen ist, daß, wie wir oben bereits bemerkt haben, die be- stehenden Akkordpreise reduziert wurden, die Firma sich keineswegs an ihr Versprechen, strittige Arbeiten auszuprobieren, gehalten hat, vielmehr nach dem Grundsatz verfahren ist: Friß Vogel oder stirb. Nach dieseip Grundsatz ist nicht nur in dieser Abteilung, sondern in fast allen Abteilungen des großen Werks verfahren worden. Wenn die Firma die Aussperrung von rund 3S00 Arbeitern damit begründet, daß es ihr nicht gelungen sei, aus den anderen Abtei- lungen Streikbrecher zu finden, so kann die Firma daraus den Schluß ziehen, wie groß der Unwille ihrer Arbeiterschaft über das im Betriebe herrschende System der Akkordfestsetzungen ist. Bei einigermaßen gutem Willen und bei genügender Garantie, daß die Arbeiter bei Festsetzung neuer Akkorde in ihrem bisherigen Verdienst nicht gekürzt werden, wäre sehr leicht eine Verständigung erzielt worden. Wir betonen also nochmals ausdrücklich, datz nicht die Entlassung der beiden Arbeiter die alleinige Ursache der entstände- nen Differenzen ist. Die Ursache ist vielmehr die, daß bei Preis- festsetzungen der Akkorde auf die Einwände der Arbeiter nicht gehört und Streitigkeiten über den Akkord- preis ständig mit Entlassung bedroht wurden. Metallarbeiterverband, Zahlstelle Brandenburg. Tachdeckerstreik in Neust a. Rh. Die Dachdecker in Neuß a. Rh. haben am Montag die Arbeit eingestellt. Schon im März d. I. wurden den Uniernehmern die Forderungen der Gehilfen zugestellt, die im wesentlichen verlangten: Für dieses Jahr eine Lohnerhöhnng von 3 Pf., ab 1. Mai 1913 eine solche von 2 Pf. pro Stunde, so daß der Mindestlohn S8 bezw. 60 Pf. beträgt. Die Unternehmer waren zu einer Verhandlung mit den Gehilfen nicht zu beivegen. Ein am Sonnabend nochmals unternommener Versuch der Gehilfen, zu einer friedliche» Ver- ständigung zu kommen, wurde von den Uniernehmern mit der Drohung beantwortet, datz, wer die Arbeit niederlegt, nicht mehr eingestellt wird. Unter diesen Umständen blieb für die Gehilfen nur noch der Streik übrig. Vor Zuzug wird gewarnt. Mühlenarbeiterstreik. Die Arbeiter der Großfirma Bremms in Unna haben die Arbeit niedergelegt, weil ihren gerechten Forderungen bei der jetzigen Lohn- bewegung gar zu wenig Rechnung getragen wurde. Im vorigen Jahre, als die Organisation zum ersten Male mit Forderungen an die Firma heraurrat, wünschte diese selbst einen Vertrag auf ein Jahr, um angeblich seine Wirkung zu erproben. Nun die Arbeiter den Tarif zur rechten Zeit kündigten, war die Firma sehr entrüstet über die Begehrlichkeit der Arbeiter. Die Löhne für das leure Jndustrierevier betragen 3,80 M. bis 4,60 M. Zuzug ist fern- zuhalten I_ Breslauer Gerichtsurteile gegen Streiksünder. Neun Monate Gefängnis verhängte wieder einmal die Breslauer Straslammer gegen vier Streiksünder aus dem Bau- gewerbe, die Arbeitswilligen mit dem Rade den Weg verstellt und ihnen mit Worten von der Arbeit aus dem gesperrten Bau abgeredet hatten. Die einzige Gewalttätigkeit bestand darin, daß ein Ar- beitswilliger in den Chausscegraben gestoßen wurde, dafür lautete das höchste Einzelurteil auf fünf Monate GefängnisI Damit muß man die Urteile gegen gewalttätige Breslauer Schutz- leute vergleichen!_ Nachklänge zum Streik in der Görlitzer Waggonfabrik. Montag abend fand in Görlitz eine überfüllte Versammlung der bereits wieder eingestellten und der noch außenstehenden am Streik beteiligt ge- wcsenen Arbeiter statt. In der Versammlung wurde darüber Klage geführt, daß die Werksleitung die über die Wiedereinstellung ge- troffenen Vereinbarungen nicht befolgt. So wurde behauptet, daß die Streikenden entgegen den Vereinbarungen nicht nach ihrer Be- schäfligungsdauer eingestellt werden, sondern daß vielfach grundlos jüngere Arbeitskräfte angenommen und die alten Arbeiter hintenan gehalten würden. Auch würden die Arbeiter nicht, trotzdem es auch schriftlich zugesagt lvar, an ihre alten Plätze gestellt, zudem werden ihnen reduzierte Akkordpreise angeboten. Diese Klagen wurden in der Versammlung von einer ganzen Anzahl Redner bestätigt. Die Versammlung nahm einstimmig eine Resolution an, nach der die Organisationsvertreter den Austrag erhielten, wegen korrekter Durchführung der Vereinbarung bei der Werkslcitung vorstellig zu werden. Den Auftrag führen die Organiiationsvertreter am Dienstag aus. Stellt die Direktion diese Mißstände nicht ab, kann es leicht zu neuen Differeuzen kommen. jfagencibetvegiiiig. Eine Konserenz der Jugendausschüsse Thüringens tagte am Sonntag, den 11. August, im Gewerkschaftshause zu Jena. Der Bericht der Bezirksleitung, den Genosse Schumann- Jena erstattete, läßt erkennen, daß die proletarische Jugendbewegung in Thüringen glänzende Fortschritte gemacht hat. und daß die thüringischen Kleinstaaten den meisten anderen Bezirken im Reiche in der Jugendbewegung als nachahmenswertes Vorbild dienen können. Besucht war die Konferenz von 89 Delegierten aus S2 Orte». Jugcndausschüsse waren 45 vertreten. Ferner hatten die Wahlkreise Weimar I, II und in, Meiningen I und II, Schwarzburg-Sondershausen und Altenburg, die Bezirksorganisationen Thüringen II und Erfurt, der Bezirksbildungsausschuß für ,z Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag' Vorwärts Buckdr u Verlagsanstalt Thüringen, die Jugendbezirkslertung in Halle(Saale), sowie die Zentralstelle für die arbeitende Jugend in Berlin je einen Vertreter entsandt. In der Diskussion wurde die Herausgabe einer besonderen Zeitungskorrespondenz für die Jugendbewegung, die Ein« richtung von Bezirkskursen für Jugendhelfer, die Erneuerung des JugendliederbucheS sowie g rö tz e r e Zuwendungen an die örtlichen Jugendausschüsse gefordert. Im Anschluß an den Bericht des Genossen Schmidt- Jena über die P f i n g st- Jugendtage, die durch die Steigerung ihrer Beteiligungsziffer von 300 in 1910 auf 537 in 1911 und 1200 im Jahre 1912 ihre große Bedeutung für die Werbung der Arbeiterjugend von selbst kund tun, und von der Eisenbahnbehörde insofern„gefördert" werden, als der diesjährige Antrag der proletarischen Jugend auf Gewährung von Fahrpreisermäßigung abgewiesen wurde, beauftragte die Konferenz die Bezirksleitung, zunächst in allen Aus- schüssen eine gründliche Erörterung der Frage zu veranlassen, ob die allgemeinen Jugendtage wie bisher alljährlich oder erst jedes zweite oder dritte Jahr stattfinden sollen, und ob es nicht empfehlenswert sei, gleichzeitig mehrere Jugendtage in verschiedenen Distriklen Thüringens zu veranstalten und dann eine schriftliche Ab- stimmung darüber herbeizuführen. Von den angenommenen Anträgen ist besonders der hervorhebenswert, der die Bezirks- leitung beauftragt, mit der Zentralstelle in Berlin betreffend Anstellung eines besoldeten Jugendsekretärs für den Bezirk in Verhandlung zu treten. Ein weiterer Antrag bezweckt das Studium der Möglichkeit einer ll n f a l l v e r- s i ch e r u n g der Jugendlichen an Spielabenden usw. Ebenso fand Annahme ein Antrag von Distriktsspieltagen und von Spiel- und Jugendleiterkursen innerhalb des Bezirks. Zum nächstei» Tagungsorte der Konferenz wurde Erfurt be- stimmt. Zum Bezirksleiter wurde statt des ausscheidenden verdienst- vollen Genossen Schumann, der diesen Winter die Parteischule besucht. Genosse T i e tz- Jena gewählt. Außerdem wurden die Genossen Böhme, Schmidt, Preller und M a t t h i e s aus Jena in die Bezirksleitung delegiert. Versammlungen. Zentralverband der Sattler und Portefeuiller. Die Zahlstelle Berlin hielt am Montag eine außerordentliche Generalversammlung ab. Die Verwaltung hatte der Versammlung Vorschläge zur Aus- gestaltung der Lokalkasse unterbreitet, die dahingingen, daß die Sätze für Streik-, Maßregelungs« und Arbeitslosenunterstützung zu erhöhen seien. Bei der Krankenunterftützung wird an der bisherigen Aus- zahlungsart nichts geändert, jedoch steigt die Summe, die da« Mit- glied beziehen kann, nach dreijähriger Mitgliedschaft auf 44 M. und nach fünfjähriger Mitgliedschaft auf SS M. Nach den Vorschlägen der Verwaltung sollen die Leistungen der Lokalkasse folgendermaßen erweitert werden: 1. Arbeitslosenunter st ützung. a) Nach einjähriger Mitgliedschaft für die ersten drei Tage pro Tag 1 M. und für die folgende Zeit pro Tag S0 Pf. bis zur Höchstsumme von 33 M.; d) nach dreijähriger Mitgliedschaft für die ersten drei Tage pro Tag 1 M. und für die folgende Zeit pro Tag 7ö Pf. bis zur Höchstsumme von 44 M.; o) nach fünfjähriger Mitgliedschaft pro Tag 1 M. bs zur Höchstsumme von S6M. 2. Streik« und Matzregelungsunter st ützung. a) Nach 14- bis 26wöchiger Mitgliedschaft pro Tag 60 Pf. gleich pro Woche 3 M.; b) nach mehr als 2Swöchiger Mitgliedschaft pro Tag 1 M. gleich pro Woche 6 M. Die Versammlung stimmte nach eingehender Diskussion den Unterstützungsvorschlägen einstimmig zu, desgleicheu dem vor« geschlagenen Einführungstermin. Die Bestimmungen treten also am 1. Januar 1913 in Kraft. Schulze teilte noch mit, daß am 1. Oktober d. I. der Bei- trag zur Lokalkasse obligatorisch wird, und zwar gilt das für die Mitglieder des mit dem Sattlerverbande verschmolzenen Portefeuiller- Verbandes. Es sei möglich, daß diese Bestimmung eine kleine Ein- büße an Mitgliedern bringt, doch müsse versucht werden, durch intensive Agitation dies wieder auszugleichen. Wer von den Porte- feuillern am 1. Oktober der Lokalkasse beitritt, kommt dadurch am 1. Januar 1913 schon auf die erste Stufe der Lokalkassen- Unter- stützung. Zum Gauleiter für Gau Berlin wurde Prenzel gewählt. Als Beisitzer Kammel und Hoffmann. Letzte Nachrichten* Die türkischen Wirren. Konstantinopel, 13. August.(W. T. B.) Der Minister des Innern Ferid Pascha ist zurückgetreten. Einige Mit- glieder des Kabinetts befürworten die Ernennung de? Führers der albanischen Spezialkommission Ibrahim Pascha zum Minister des Innern. Das bulgarische Protestmeeting. Sofia, 13. August.(P. C.) Das für heute angesetzte Protest- Meeting der bulgarischen Bruderschaften gegen die von den Türken in Mazedonien verübten Greueltaten wurde programmäßig und ohne Ruhestörung auf dem Platze vor dem Sobranjegebäude ab- gehalten. Es sprachen der ehemalige Minister de? Aeußeren B a l a- b a n o f f und der gewesene Justizminister P e s ch o f über die Ereignisse in Kotschan a. Nach den Referaten wurde eine Resolution angenommen, in welcher der König zur Rache durch die Waffen für das in Mazedonien unschuldig vergossene Blut auf- gefordert wird. Wiederholt erfolgten Hochrufe auf die Befreiung Mazedoniens von der türkischen Herrschaft. Die Ruhe wurde nicht gestört. Nach der Versammlung gingen die Teilnehmer in kleineren Trupps auseinander. Die Abreise Muley Hafids. Rabat, 13. August.(W. T. B.) Benghabit begleitet Mulcy Hafid. El Mokri bleibt zurück, um die Frage der Nachfolgerschaft zu regeln. Neue Differenzen in der Brünner Textilindustrie. Brünn, 13. August.(W. T. B.) Nach der gestern erfolgten Aufhebung der Aussperrung in der Wollindustrie begannen heute die Verhandlungen über die L o h n f r a g e. Die Arbeiterschaft einer Firma brach die Verhandlungen ab, infolgedessen steht der größte Teil der Brünner Wollarbeiter im Streik. Der Komponist Jules Massenet gestorben. Paris, 13. August.(H. B.) Der weit über die Grenzen seines Vaterlandes hinaus bekannte Musiker Jules Massenet ist heute nachmittag plötzlich verstorben. Mossenet wurde am 12. Mai 1842 zu Montaud geboren und erhielt seine musikalische AuSbil- dung auf dem Konservatorium von Paris. Seine berühmtesten Schöpfungen waren: Manon, Sapho, Don Cesar de Bazan usw. Er ist auch Verfasser von sechs Orchesterwerken. Fliegers Ende. London, 13. August.(W. T. B.) Ein Flieger, dessen Name noch nicht feststeht, stürzte bei L a r k h i I l nahe SaliSbury aus drei- hundert Meter Höhe ab und blieb tot. Gestrandeter Dampfer. London, 13. August.(P.-T.) Man berichtet aus M e l b o u r n e, datz der englische Dampfer„G. V. Wolff", der von Buenos Aires nach New-Castle unterwegs war, auf einen Felsen aufgefahren ist. Die Besatzung wurde gerettet, der Kapitän ist ertrunken. Paul Singer � Co..BerlinLW. Hierzu 2 Beilagen n.llnterhaltnngsbl it 188. i. lejiup des„Nsmarts" Kttlilttt NsldsdlM.»»wch.it.AMßMZ. Das Keichsverlicherungsawt im Schlepptau äer Scharfmacher. xd. Wir haben nur zu oft Veranlassung, uns gegen die Rechtsprechung des Neichsversicherungsaiuts zu wenden, weil sie der Rechtsaufsassung der Arbeiter nicht entspricht. Heute ober müssen wir darauf hinweisen, daß selbst ein bürgerlicher «sachverständiger, Herr Magistratsassessor Lange in Neukölln, sich in der Wochenschrift der bürgerlichen Sozialpolitiker, der „Sozialen Praxis", bitter über einen„Rückschritt in der neuesten Rechtsprechung des Reichsversicherungsamts" de- schwert. Dies ist um so beachtenswerter, da Herr Lange nicht gut als ein„Nörgler" verdächtigt werden kann: im Gegenteil ist er eifrigst bemüht, die Verdienste herauszustreichen, die er dem Reichsversicherungsamt in der, den Bedürfnissen der versicherten Arbeiter möglichst entgegenkommenden Aus- legung des Gesetzes zuschreiben kann. Wenn sich ein solcher Mann zur Flucht in die Oeffentlichkeit entschließt, dann muß ein sehr dringender Grund vorliegen. Das in ist der Tat der Fall. Es handelt sich nämlich um eine Auslegung des Wortes Betriebsunfall, die geeignet ist, die verunglückten Arbeiter in sehr vielen Fällen um die Entschädigung aus der Unfallversicherung zu bringen. Die Unfallversicherung erstreckt sich auf„Unfälle bei Be- trieben oder Tätigkeiten"(§ 544 der Reichsversicherungsord- uung) oder nach dem Wortlaut des bis zum Ende dieses Jahres noch gellenden Gewerbeunfallversicherungsgesetzes 8 l! „auf die Folgen der bei dem Betriebe sich ereignenden Un- fälle". Es muß also ein gewisser Zusammenhang zwischen dem Unfall und dem Betriebe oder der Tätigkeit im Betriebe vorhanden sein. Nehmen wir als Beispiel den Fall: Ein Arbeiter ver- unglückt dadurch, daß ihm bei seiner Arbeit ein Blumentopf, den ein Windstoß aus einem Fenster herausgeschleudert hat, auf den Kopf fällt. Dann ist der Unfall durch ein Ereignis herbeigeführt worden, das an sich mit der Arbeit im Betriebe gar nichts zu tun hat. Jeder andere Mensch, der sich zufällig in jenem Augenblick an der Stelle befand, hätte den Unfall erleiden können. Die Gefahr, daß einem Menschen ein solcher Unfall zustößt, ist nicht eine besondere Gefahr irgend einer Erwerbsarbeit, sondern eine„Gefahr des täglichen Lebens". Jedoch hat der Arbeiter den Unfall deshalb erleiden müssen, weil er sich infolge seiner Arbeit in entscheidenden Augenblick an jener Stelle befand. Ohne daß er dort gearbeitet hätte, wäre er an der Stelle nicht gewesen, hätte also auch den Un- fall nicht erlitten. Es ist also klar, daß die Arbeit mit eine Ursache des Unfalls war, daß der Unfall mit der Arbeit im Zusammemnhang steht, und daß dem Verunglückten ein Ent- schädigungsanspruch an die Unfallversicherung gebührt. Das Reichsversicherungsamt hat denn auch im Laufe der Zeit auf Grund seiner Erfahrungen mit derartigen Fällen den Rechtsgrundsatz aufgestellt: Die Unfallversicherung um- faßt auch„Gefahren des täglichen Lebens", sofern der Ver- sicherte ihnen infolge der Bctriebstätigkeit ausgesetzt ist und nur die Ausübung der Betriebstätigkeit es mit sich bringt, daß er sich im Augenblick des Unfalls an der gefährdeten Stelle befunden hat.— Diese Auffassung hat sich inzwischen auch das Reichsgericht angeschlossen. Jedoch sind mit dem Rechtsgrundsatz des Reichsversiche- rungsamts die Unternehmer nicht einverstanden, die mit allen Mitteln an den Kosten der Unfallversicherung sparen wollen, und deshalb stets auf eine, für die Arbeiter möglichst un- günstige Auslegung des Gesetzes dringen. Diese Scharfmacher haben bei jeder passenden Gelegenheit Einspruch gegen jenen „zu weit" gehenden Rechtsgrundsatz erhoben. Aus diesem Grunde beschäftigte sich auch die Reichsversicherungsordnungs- kommission des Reichstags mit dieser Frage. Darüber heißt es in dem Bericht, Reichstags-Drucksache Nr. 946, 3. Teil, Seite 28: kleines femUetou. In Zivil. Dieser Tage sah man in der illustrierten Scherl- Presse ein Bild: König Alfons von Spanien in London. Das wäre nun weiter nichts Merkwürdiges, aber die Photographie zeigt den erhabenen Herrscher in Zivil. Mein Gott l— er sieht ein bißchen jämmerlich aus, wie ein Zigarettenreisender etwa, dem gerade ge- kündigt worden ist... Dabei sitzt der Rock tadellos, und von seinem Kragen läßt sich sogar feststellen, daß er fleckenlos ist... Und doch... Und doch sieht der ganze Junge so unendlich bemitleidenswert aus, so— verunglückt, so— bestellt und nicht abgeholt. In Uniform strahlt der Habsburger repräsentierend und seine Unterlippe wirkt ausgesprochen historisch... In Uniform. Und man ist versucht, sich so allerhand Herrschaften in Zivil vorzustellen. Nicht bloß so in bürgerlicher Kleidung. Nein: so ganz losgelöst von ihren Hintergründen, wie Villen. Diener— von denen sich diese Gattung Menschen aus das wirkungsvollste abzuheben pflegt. Ein paar würden ja die Probe aushalten— aber bei den meisten gäbe es ein klägliches Schauspiel. Wie wenn man eine ägyptische Königsmumie auf den Potsdamer Platz stellte. Denn gerade bei uns, in Deutschland, kann nicht oft genug daran erinnert werden, daß ein buntgekleideter Unteroffizier— zivi- listisch gesehen— nur ein ehemaliger Fuhrknecht ist, der peitschen- knallend seinen Mist fuhr... tu. Wie ist Rousseau gestorben? Die Jubiläumsfeier für den großen französischen Denker hat Anlaß gegeben, die Frage seiner TodeSart wieder aufzurollen. Ueber dieser hat von Anfang an ein gewisses- Dunkel geschwebt. Vor allem die reaktionären Gegner des Philo- sophen hatten behauptet, er habe Selbstmord geübt. Indes galt diese Vermutung für widerlegt und als Todesursache wurde ein Schlaganfall angenommen. Jetzt kommt Dr. Raspail in einer soeben in der.Grande Revue" veröffentlichten Studie zu einer dritten Hypothese— zu der des M o r d e s. Er gründet sie auf die Untersuchung der vom berühmten Bildhauer H o u d o n ab- genommenen Totenmaske, die seit drei Generationen im Besitz der Familie Raspail ist. Das Protokoll der Autopsie von 1778 ver- merit eine Ecchymose an der Stirn, die mit der Annahme des Schlaganfalls übereinstimmen könnte. Therese Levasseur, die Lebens- gefährtin Rousseaus. hat denn auch behauptet, dieser sei bei der Oeffnung des Kleiderschrankes gestürzt. Nach dem Bericht Houdons war aber die Aufschürfung ein wahres Loch— so tief, daß es die Modellierung der Maske erschwerte und den Bildhauer zwang, es mit Baumwolle zu verstopfen. Die Schwere dieser Verletzung scheint in keinem richtigen Verhältnis zur angegebenen Ursache. Aber Dr. RaSpail hat bei genauer Untersuchung zwei weitere, wenn auch leichtere Wunden entdeckt— eine Kontusion im rechten Augenwinkel und eine andere auf der linken Nasenseite, die eine Verletzung de« Knochengerüstes herbeigeführt hat, allerdings aber keine Ein Abgeordneter sprach, ohne Widerspruch zu sin- den, seine Genugtuung aus über neuere Entscheidungen des Reichsversicherungsamts, wonach die reichsgesetzliche Unfallver- sicherung sich auf alle Gefahren erstreckt, die der Betrieb bietet, und wonach hierzu auch„die Gefahren des täglichen Lebens" ge- bören, sofern der Versicherte ihnen infolge seiner Betriebstätig- keit ausgesetzt ist. Hoffentlich lasse sich das Reichsversicherungs- ami durch noch so starke Treibereien bestimmter einflußreicher Kreise von dieser, dem Sinne der Gesetzgeber un- zweifelhaft entsprechenden Rechtsprechung nicht wieder abringen. Auch im Plenum des Reichstags fanden diese Aus- führungen keinen Widerspruch.„Man sollte demnach meinen", schreibt Herr Lange mit Recht, daß diese Frage nun abge- schlössen, daß der unselige Begriff des„Unfalls des täglichen Lebens" endgültig über Bord geworfen sei, und man hier endlich einer klaren und durchsichtigen Rechtslage gegenüber- stehe. Zu seinem Entsetzen muß aber der gutgesinnte Herr sehen, daß sich im Reichsversicherungsamt ein vollständiger Umschwung der Anschauung vollzieht: Schon am 13. Novem- ber 1911 hat ein früheres Mitglied des Reichsversicherungs- amts in einem Vortrage vor der westfälischen und rheinischen Vereinigung berufsgenossenschaftlicher Verwaltungen darauf hingewiesen, daß vor einigen Wochen ein Senat des Reichs- vcrsicherungsamts in dem von uns als Beispiel angenomme- neu Fall des Unfalls infolge Verletzung durch einen herab- geschleuderten Blumentopf von jenen: Rechtsgrundsatze des Rcichsversicherungsamts abweichen wollte, und deshalb den Fall an den erweiterten Senat verwiesen habe. Dazu ist es schließlich aber nicht gekommen. Der Senat hat den Unfall als Betriebsunfall anerkannt, dies jedoch in absichtlicher Abweichung von jenem Rechtsgrundsatz des Rcichsversicherungsamt mit einer besonderen Gefahr des Betriebs begründet. Dasselbe hat sich in einem anderen Fall gezeigt: Ein Ar- beiter ist bei seiner Betriebstätigkeit in einem Holzschuppen von einem Insekt gestochen worden und an den Folgen ge- starben. In einem früheren ähnlichen Falle hatte das Reichs- Versicherungsamt den Insektenstich ohne Umstände, lediglich unter Hinweis auf jenen Rechtsgrundsatz, als Betriebsunfall anerkannt. In dem jetzigen Falle wollte der Senat den Be- triebsunfall verneinen und verwies die Sache an den erweiter- ten Senat. Nach langem Hin und Her, und nach umfang- reicher Beweiserhebung wurde endlich festgestellt: Der Ver- storbene sei durch seine Betriebstätigkeit der Gefahr, von einen: Insekt gestochen zu werden, in erhöhtem Maße ausgesetzt gewesen. Aus diesem Grunde allein wurde der Betriebsunfall anerkannt: von jenen: Rechtsgrundsatz ist nicht mehr die Rede.— Dieselbe Entscheidung hat das Reichs- versicherungsamt am 24. April 1912 in einem ganz ähn- lichen Fall geschaffen. Zweifellos, ruft Herr Lange aus, sollen hier Brücken geschlagen werden zu den früheren Entscheidungen, nach denen ein Betriebsunfall nur bei besonderen Gefah- ren des Betriebs anerkannt, dagegen jede Unfallent- schädigung versagt wird, wenn der Unfall durch eine„Gefahr des täglichen Leben" herbeigeführt wird. In sehr vielen Fällen handelt es sich um Verletzungen, die auch im täglichen Leben vorkommen können. Ja, Herr Lange fragt: Welche Art von Unfall gibt es wohl, die Versicherte nur im Betrieb erleiden kann, und die er nicht ebenso außerhalb würde er- leiden„können"? Die Gerichte würden also mit langwieri- gen Untersuchungen belastet; und die Fälle würden immer häufiger werden, in denen der Verunglückte oder seine Hin- terbliebenen trotz der Unfallversicherung hilflos dastehen, weil nicht eine besondere Betriebsgefahr nachgewiesen werden kann. Derartige„Beweise" sind sehr schwer. So droht den Ar- beitern eine schlimme Verschlechterung der Unfallversicherung. Was ist dagegen zu tun? Selbverständlich entscheiden die Richter im Reichsversicherungsamt nach bestem Wissen und Gewissen. Sie folgen nur deshalb der Auffassung der Scharf- andere Folge haben konnte, als einen heftigen Blutfluß. Die Stirnwunde dagegen genügt, um den Tod zu erklären. Denn der Schädel ist eingeschlagen und das Gehirn in Mitleidenschaft gezogen. Dr. RaSpail, in Uebercinstimmung mit dem Pariser Gerichtsarzt Dr. B a l t h a z a r, der seine Feststellungen überprüft hat, ver- zeichnet aber noch weitere Merkwürdigkeiten. Die drei Verletzungen weisen«ine parallele Richtung auf. Sie haben genau die gleiche Form und sie liegen alle drer an zurückliegenden Stellen, während bei einem Fall doch gerade die vorspringenden gelitten hätten. Aber weder die Augenbrauenbogen noch der Nasenrücken ist verletzt und — was besonders auffallend ist— die Wunden liegen nicht auf der- selben Gesichtsseite. Dr. Raspail folgert daraus, daß die Erklärung durch einen Sturz unmöglich sei. Ausgeschlossen aber ist auch, daß die Wunden von einer Feuerwaffe herrühren. Sie sind alle durch ein Schlagwerkzeug, vermutlich durch eine durch langen Gebrauch aus der Form gekommene und verdrückte Hammerpinne beigebracht. Danach wäre Rousseau also ermordet worden. Von wem? RaSpail zögert nicht, Therese als die Mörderin zu bezeichnen. Therese hat nach dem Tode Rousseaus mit einem sehr anrüchigen Menschen zu- sammengelebt, der sie ausbeutete und zugrunde richtete. Das Ber- hältnis hat aber schon zu Lebzeiten Rousseaus begonnen und dieser wußte darum. Frau von Girardin berichtet einmal, daß sie, durch die„Situation" Rousseaus erschreckt, einmal bei diesem eingetreten sei.„Was suchen Sie hier?" rief er ihr zu,„soll Ihre Feinfühlig- keit einer solchen Szene und der K a t a st r o p h e. d:e sie beenden muß. preisgegeben lein?" Und er beschwor sie. ihn allein zu lassen. — Im Verlauf dieser„Szene", meint Dr. RaSpail, sei es dann zur „Katastrophe" gekommen. Die enorme Tragfähigkeit deS Eisenbetons ist in der letzten Zeit wiederholt an besonders interessanten Ausstellungsobjekten demonstriert worden. So wurde kürzlich auf einer Ausstellung in KöSlin ein eigenartiges kühnes Bauwerk errichtet: eine AusstcllungStreppe mit Pavillon, die durch die gewagt erscheinende Konstruktion allgemeines Aufsehen erregt. Zwei schlanke nebeneinander liegende Treppen« läufe— aus eisenbewehrtem Portlandzementbeton— mit fünfzehn Stufen ragen aus dem Erdboden hervor und tragen in drei Meter Höhe ein Podest, von dem ein weiterer Treppenlauf mit zwanzig Stufen über sieben Meter nach oben zu einem Pavillon aus dem gleichen Baumaterial führt. Die Kühnheit der Kon- struktion liegt— nach der„Tonindustrie-Zeitung"— darin, daß die Treppen ohne Pfeiler oder Stützen in geknicktem Lauf gewisser- maßen aus dem Erdboden herauswachsen und so, freistehend, sich im Gleichgewicht halten, ohne umzukippen. Nach den geringen Ab- Messungen zu urteilen, erscheint der Gedanke nahezu unfaßbar, daß diese Treppe tatsächlich für ein Menschengedränge auf allen Läufen von 500 Kilogramm aus jeden Quadratmeter berechnet und kon- struiert ist und auch die Belastungsprobe bestanden hat. Das etwas über zehn Meter hohe Bauwerk wies hierbei eine Durchbiegung von nur zwei Millimetern auf, welche nach Beseitigung der Last zurückging. macher, weil sie nicht den nötigen Einblick in die Arbeiterver- Hältnisse haben. Hier gilt es einzusetzen. Unsere Vertreter im Reichsversicherungsamt müssen den Richtern nachweisen, daß eine solche Rechtsprechung für die Arbeiter geradezu uner- träglich ist. Unsere Vertreter iin Reichstage müssen daran er- inner::, daß die Auffassung der Scharfmacher sich nicht mit den: Willen des Gcsetzsgebers deckt. Die große Masse der Arbeiter selbst muß bei jeder passenden Gelegenheit ihre Meinung über diese Sache mit der nötigen Deutlichkeit aussprechen. Dann wird schließlich das Reichsversicherungsamt erkennen, wie die Rechtsaufsassung der weitestei: Kreise des Volkes in dieser Sache ist._ Derbandstag der Schntider. Köln, den 12. August. Im festlich geschmückten Saal des Volkshauses trat heute der 12. Verbandstag der Schneider, Schneiderinnen und Wäschearbeiter Deutschlands zusammen, nachdem bereits gestern abend eine Empfangsfeierlichkeit vorangegangen lvar. Im Namen des Ver- bandsvorstandes begrüßt Stühmer die Delegierten. Er tveist darauf hin, daß im Jahre 1867 von Köln aus der Grundstein zur Organisation gelegt wurde, da von hier aus der Aufruf an die deutsche Kollegenfchaft erfolgte, auf Grund dessen dann später ein allgemeiner deutscher Schneiderkongreß und schließlich die Grün- dung der Organisation erfolgte. Nachdem Redner dann die aus- ländischen Delegierten besonders begrüßt hat, erklärt er den Ver- bandstag für eröffnet. Im Namen der Kölner Kollcgenschaft spricht Appel, der dis Delegierten gleichfalls begrüßt und besten Erfolg zu den Arbeiten wünscht. Im Namen der bulgarischen Kollegenschaft überbringt G r a n t s ch a r o f die Solidaritätsbezeugungen der sog.„eng- herzigen" Organisation, die nach Mitteilung des Redners auf marxistischem Boden steht und etivas über 600 Mitglieder zählt, während die Konkurrenz-Organisation, die„weitherzigen", im anarchistischen Fahrwasser schwimmen sollen. Der bulgarische Ver- band ist 1907 gegründet. Mar kgraf-Zürich betont, daß die Schweizer Kollegen, die zur Zeit mit 1946 Personen organisiert sind, die deutsche Organi- sation als Schrittmacher betrachten. Auch in der Schweiz geht die Organisation nur sehr langsam voran. Die Träger sind vor- wiegend eingewanderte Deutsche und Oesterreicher. Der General- streik hat erhebliche Verluste gebracht. Mit 416 Firmen sind für 3035 Personen günstige Tarife abgeschlossen. Redner betont, daß die sog.„christliche" Gegenorganisation die Regierung gegen die „roten Hetzer" scharf zu machen sucht und auf Ausweisung drängt und daß„christliche" Führer sogar offen erklärten, für ein Streit- postenverbot zu sein, da ihre Organisation derartiges nicht brauche. Die Regierung zeige sich diesen Forderungen gegenüber auch sehr willführig. W o nd r a- Wien, der vom österreichischen SchneidcrverbanÄ delegiert ist, entwirft ein Bild von der nationalen Zerrissenheit, die früher wohl nur im Bürgertum ausgefochten sei, jetzt leiocr aber auch in die Arbeiterorganisationen eingedrungen sei. Fast neidisch blicke man in Oesterreich auf die Entwickelung der Organi- sationen. Redner schiloert die zersetzende Tätigkeit der tschechrschen Agitation, betont aber, daß trotz des Separatismus durch verstärkte Agitation der Ausschluß längst wieder weit gemacht sei. Z e l e n k a- Wien überbrnigt die Grütze des Wäschearbeiter- Verbandes und legt die skandalösen Zustände in der Heimarbeit klar. Jedes Ministerium in Oesterreich verspreche ein Heim- arbeiterschutzgesetz, aber kein Ministerium löse das Versprechen! ein. In Wien sind 2800 Mitglieder der Wäschebranche organisiert. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedenkt der Verbandstag der dem Grubenunglück auf Zeche„Lothringen" zum Opfer gefallenen Bergarbeiter durch Erheben von den Sitzen. Alsdann berichtet im Namen der Mandatsprüfungskommission Ploog- Leipzig: Es sind 93 Delegierte, 4 Vorstandsmitglieder, 5 Gauleiter, sowie Vertreter der Hauptkassenrebisorev, der Fachzeitung, des Ausschusses und der Aebeiterinnenagitatton, sowie 7 ausländische Gäste anwesend. Nunmehr erfolgt die Konsti- tuierung des Verbandstages. Es werden als Vorsitzende Ritt er-Berlin und Tauschet- München bestimmt. In der Nachmi ttag s s i tz ung erfolgt die Berichterstattung des Vorstandes. Der Geschäftsbericht erfährt insofern eine Aeudening, akS be- schlössen wird, den Punkt„Lohnbewegungen" aus der Berichterstat- Die Höhle ber Winde. Der nordamerikanische Bundesstaat Georgia besitzt in der„Blowing cave", die„blasende Höhle", ge- nannten Grotte ein Naturwunder, das seinesgleichen in der Welt nicht haben dürfte. Sie liegt im Distrikt Decatus 27 Meilen von Thomasville entfernt. Hinten läuft sie in eine Art von natürlichem Becken aus, das etwa 30 Fuß Durchmesser hat und ganz von Strauchwerk umgeben ist. Ihrem Eingang entströmt ein heftiger Luftzug, dessen heulendes Geräusch auf 70 Meter Entfernung zu hören ist. An bestimmten Tagesstunden ist der Luftstrom so stark, daß ein Strohhut oder ein anderer herabgeworfener Gegenstand 7— 8 Fuß in die Höhe gehoben oder auch statt nach außen getrieben in die Höhle hineingezogen wird. Eine Erklärung des Phänomens war bisher noch nicht möglich. Nottzen. — Parsifaliana. Sehr vernünftig äußert sich Traf S e e b a ch, der Generalintendant des Dresdener Hostheaters, zu der Frage: Schutzgesetz für Parsifal folgendermaßen:„Ich kann..., da ich mich als Leiter einer deutschen Bühne der Allgemeinheit gegen- über verpflichtet fühl«, nicht dazu beizutragen, daß eins der größten musikalischen Werke, die die Menschheit besitzt, dauernd ein Privi- lcgium derer bleibt, die mindestens 50 M. für ein Billett und die Reise nach Bayreuth zur Verfügung haben. Es ist auch meine Mei- nung: Der„Porsifal" gehört dem deutschen Volke l' — Ueber die Gründung von Musikerkammern soll eine auf den 27. und 28. einzuberufende Konferenz von Delegierten musikalischer Verbände verhandeln. — Berliner Papier messe. Der Zentralbervand ber Schulbuchhändler, Papier« und Schreibwarendetaillisten Deutsch- landS, E. V. Sitz Berlin, veranstaltet vom 17. bis 19. August im Lehrer-VereinShaus am Alexauderplatz eine allgemeine Fach- ausstellung und Einkaufsmesse. — DaS erste Heinedenkmal auf preußischem Boden wurde am vorigen Sonntag in Halle a. S. enthüllt. Bon dem dortigen Bildhauer Schönemann geschaffen, zeigt es auf einem 2 Meter hohen Sockel Heines LeidenSgestcht auS den letzten Lebens- jähren, darunter eine Bronzotafel mit dem VerS:„Ich bin ein deutscher Dichter, bekannt im deutschen Land. Nennt man die besten Namen, so wird auch der meine genannt". — Eine„Nationalbühne" will der Kasseler Schrift« steller Wolf haben. Merkwürdigerweise finden sich selbst zu den überflüssigsten Dingxn Leute zusammen, die flugs ein„Komitee" gründen. In diesem Falle begegnet man den Namen einiger ge- achteter Dramatiker neben denen anderer etwas muffiger Schrift- steller. Otto Ernst. Max Halbe, Max Schillings, der Opernkomponist und Stuttgarter.Generalmufikdirektor, um nur die bekannten Autoren zu nennen und MaximiligN Schmiß plagiatorijchcn Gedkn!e»S— wie revnt sich das! X tung aüszuscheiLen und?n geschlossener Sitz'ung zu behandeln. Alsdann erhält S t ü h m e r das Wort. Redner der- weist auf den gedruckt vorliegeitocn Bericht, den er hier und da ergänzt, einzelne Positionen erklärt und im übrigen den sehr er- heblichen Fortschritt im Mitgliederbestande und Finanzen hervor- hebt. Redner betont die Notwendigkeit der Aufnahme von Tarif- und Lohnstatistiken und bemängelt es, daß in manchen Filialen dem so wenig Verständnis entgegengebracht wird. Schon mit Rücksicht auf die bevorstehende Kündigung der Tarife sei eine ein- wandfreie Lohnstatistik dringend notwendig. Redner bespricht dann die zum Geschäftsbericht vorliegenden Anträge, die er teil- weise zur Annahme empfiehlt, teilweise abzulehnen ersucht. Den Kassenbericht erstattet Heitmann. Auch er be- zieht sich auf den gedruckt vorliegenden Kassenbericht, den er in einigen Punkten ergänzt. Das derzeitige Verbandsvcrmögen inkl. das der Lokalkassen beträgt 818 534,29 M. Redner wünscht, daß an der Beitragsleistung nichts geändert wird, daß aber auch die Untcrstützungscinrichtungen zurzeit keine Aenderungen erfahren. S t r ü b i n g° Hamburg(Ausschußvorsitzender) betont, daß sich in einigen Punkten Differenzen zwischen Vorstand und Aus- schuß ergeben haben. Im allgemeinen haben die Maßnahmen des Vorstandes, so weit sie die Stärkung der Organisation bezweckten, den Beifall des Ausschusses gefunden, doch waren bei einigen Be- schwerden Meinungsverschiedenheiten über die Erledigung der Be- schwerden vorhanden. Es liegen dieserhalb entsprechende Anträge vor. Redner tritt einigen Monitas an der Geschäftsführung des Vorstandes entgegen und bedauert es lebhaft, daß der zweite Vor- sitzende M i r u s aus dem Vorstande ausgeschieden ist, um eine finanziell günstigere Stellung in der Konsumvereinsbewegung an- zunehmen und knüpft hieran die Mahnung, den Fehler, den der Verbandstag in Hamburg in Punkto..Gehaltsregulierung" gemacht. wieder gut zu machen, indem er sich solche Kräfte, wie die des Kollegen Mirus tn Zukunft durch finanzielle Besserstellung zu sichern suche. Der Ausschuß ersucht ferner um Anstellung einer Hilfskraft für die Redaktion des Fachorgans, und beantragt im übrigen für Vorstand und Kassierer Decharge. Za nd e r-ßkrtin als Vertreter der Hauptkassenrevisoren schließt sich dem Antrage auf Dechargeerteilung an. Kmidestag des Arbeiterradfthrer-Snndks„Zolidaritat". Dresden, 12. August. (2. V e rha nd lu ngs t ag.) Die heutige Sitzung begann mit Entgegennahme des Ber- bandsberichts» den Fischer- Offenbach a. M. gab. Zunächst ging der Redner auf die Beschlüsse des letzten Bundestages ein. Die Beschlüsse auf Beitragserhöhung und Erhebung von Baufonds- marken hätten einen kleinen Sturm der Unzufriedenheit in einigen Gauen erstehen lassen. Im Gau 14 sei die Unzufriedenheit durch irreführende Berichterstattung der Chemnitzer Delegierten so stark geworden, daß ein Teil der Mitglieder ausgetreten ist. Die Ver- luste wurden aber bald wieder wett gemacht. Redner bittet, über die Chemnitzer Angelegenheit zur Tagesordnung überzugehen. Die Beitragserhöhung wäre weniger auf Widerspruch gestoßen, als die Erhebung von Baufondsmarken. Der Bundestag habe nun aus- zusprechen, was mit den Mitgliedern zu geschehen hat, die sich weigern, diesem Beschluß nachzukommen. Erklärt müsse auch werden, daß allen Beschlüssen des Bundestages Rechnung getragen werden muß. Der Bund sei in die Breite gegangen, die innere Aufklärung habe aber tmmit nicht Schritt gehalten. Der Vorstand schlage darum vor, ein Archiv mit einem besonderen Beamten zu errichten. Der Archivar habe dann in bestimmten Zeitabschnitten Material an die Funktionäre zu versenden, um diese über alles auf dem Laufenden zu halten. Der Kassenbericht erstatteten die Kassierer Zimmermann- und Sachs- Offenbach a. M. In der Berichtsperiode seien hohe Anforderungen an die Bundeskasse gestellt worden. Die Ausgaben für Unterstützungen hätten sich ganz wesentlich erhöht. Die Außen- stände an Daufondsmarken wären noch sehr zahlreich. Die meisten Zahlstellen seien mit solchen noch belastet. Daß die Beitrags- erhöhung nur zum Segen des Bundes gewesen sei, davon wäre man wohl nun allgemein überzeugt.(Sehr richtigl) Den Ausschutzbericht gab Müller- Dresden. Die vom Ausschutz erledigten Angelegenheiten haben kein Allgemein- Interesse. Die Debatte über die Geschäftsberichte war ausgedehnt. Es wurden in ihr viele rein örtliche Angelegenheiten besprochen. Von der Mohrzahl der Redner wurde der Vorstandsbericht günstig auf- genommen, einige Delegierte schlugen aber/ auch scharfe Töne an. So Koch-Hamburg, der dem Vorstand vorwarf, er verpulvere das Bundesgeld, da er zu Gaukonferenzen Vertreter gesandt hat. Die Redner gaben auch ein Bild behördlicher Schikanen in einzelnen Orten. Mit der vom Vorstand vorgeschlagenen Errichtung eines Archivs erklärten sich die Delegierten einverstanden. Der an- zustellende Beamte solle aber nicht jetzt auf dem Bundestage ge- wählt, sondern die Stelle ausgeschrieben werden. Auf die Bau- sondsmarken, von denen laut Beschluß des letzten Bundestages zedes Mitglied 2 Stück ä 50 Pf. zu nehmen hat, gingen die meisten Redner ein. Ein Teil wünschte, daß der Termin der Zurück- gahlung— der vom letzten Bundestag für 1914 angesetzt wurde— bis 1916 hinausgeschoben wird. Das Geld solle dem Geschäft noch länger erhalten bleiben. Von anderer Seite wurde dagegen betont, ein derartiger Beschluß würde bei den Mitgliedern auf großen Widerspruch stoßen. Man müsse versuchen, die Mitglieder zu bewegen, freiwillig das Geld im Geschäft zu belassen. In ver- schiedenen Vereinen hätten die Mitglieder bereits erklärt, über- Haupt auf die Rückzahlung zu verzichten. Nach den Schlußworten der Referenten stimmte der Bundestag einstimmig dem Antrag des Vorstandes, auf Errichtung eines Archivs und Anstellung eines Beamten hierfür, zu. Ein Beschlutz über die Baufoudsmarken soll erst bei Erörterung der Verhält- niffe des Fahrradhauses»Irisch auf" gefaßt werden. Soziales. Zur wirtschaftlichen Lage der KrankcnschweskerU. Im Anschluß an unseren Bericht über den Kongreß der Krankenpflegerinnen wird uns noch folgendes über die Wirtschaft- liche Lage der Krankenschwestern geschrieben: Zu den Krankenpflegerinnen oder Schwestern gehören drei ver- schiedene Gruppen: 1. die katholischen Ordensschwestern; 2. die evangelischen Diakonissinnen und 3. die weltlichen Schwestern. . Ordensschwestern werden in den drei Krankenhäusern in Köln und in den beiden Krankenhäusern Mariahilf und Elisabeth in Aachen beschäftigt. Hier erhalten die Schwestern von den Kranken- Häusern im wesentlichen nur Beköstigung, Wohnung und freie ärzt- liche Behandlung, aber gar keine Barentschädigung. Nur an die Mutterorganisationen wird von den Kölner und Aachener Kranken- Häusern pro Schwester und Jahr 159 M. gezahlt nebst einer kleinen Nebenleistung zur Altersversorgungskasse oder zum Noviziat. Sie werden vielfach außer mit Krankenpfleg« auch mit niederen Dienst- leistungen beschäftigt. Evangelische Diakonissinnen sind als Krankenpflegerinnen an den Krankenhäusern in Nürnberg, Magdeburg, Bethanien in Berlin usw. angestellt und beziehen außer den Pauschalleistungen an die .Vereinsleitung ein persönliches Gehalt von 399 bis 699 M. Eine ähnliche Organisation wie die Diakonissinnen haben die bayerischen Schwestern vom Noten Kreuz, die auch vom Kranken- Hause unmittelbar keine Bezahlung erhalten, aber die Mutter- organisation erhält hier etwa 599 M. pro Jahr und pro Schwester. Die weltlichen Krankenschwestern schließen selbst Anstellungs- Verträge mit den Krankenhausleitungen. Sie stehen ebenfalls unter vollständig freier Station, aber ihr Bargehalt ist je nach ihren Kenntnissen, Dienstzeit und Leistungen abgestuft. In Charlotten- bürg erhält z. B. die Oberin 1299 M., die zlvei Oberschwestern einen Anfangsgehalt von je 729 M., steigend bis 969 M. Die SS Zchtpestepg erhaltest eistest AnfangSgehalt voa 300 W., steigegd bis 789 M., und die 28 Schwesterschülerinnen erhalten 159 M. Aehnlich sind die Gehaltsätze in Frankfurt a. M., Hamburg-Eppen- dorf und am Urban in Berlin. Der Aufwand für Beköstigung ist auch ziemlich verschieden. In Aachen beträgt er für die Ordens schwestern buchmäßig 1,12 M. pro Tag, in Düsseldorf 1,33 M., in Berlin am Urban 2,91 M. usw. Außerordentlich lange dauert in allen Krankenhäusern der Tagesdienst. Er dauert inklusive 1— 2 Stunden Pausen meist 14 Stunden, in Hamburg-Eppendorf, Nürnberg und Aachen-Maria- hilf 15sb Stunden, in Aachen Elisabeth-Krankenhaus 16 Stunden. Dazu kommt fast jeden dritten Tag anstrengender Nachtdienst. Die niedrigen Gehälter und die lange Arbeitszeit der Kranken- schwestern, besonders der Ordensschwestern und der Diakonissinnen, haben natürlich zur Folge, daß man möglichst wenig männliche Krankenpfleger anstellt und auch diese nur bei niedrigen Löhnen. Die Diakonissinnen und namentlich die Ordensschwestetn haben bei ihrer Anstellung über deren Bedingungen nicht mitzureden, darüber treffen ausschließlich ihre Muttcrorganisationen mit den Krankenhäusern ihre Abkommen, und sie sind, wie wir gesehen haben, die für die Schwestern ungünstigsten. Die weltlichen Schwestern schließen wohl ihre Anstellungsverträge mit den Krankenhäusern selbst ab, wenn sie majorenn sind, aber die drückenden Bestim- mungen der Verträge wegen der Ordensschwestern und Dia- konisinnen machen es auch ihnen schwer, wesentlich günstigere Be- dingungen zu erreichen, und viele versuchen, ganz erfüllt von der Ansicht, daß die Stellung der Krankenschwester ja eine sehr schöne ideale Existenz ist, das gar nicht. Leider ist es dann meist zu spät, wenn sie merken, daß ihre Gesundheit und Arbeitskraft dabei in verhältnismäßig kurzer Zeit aufgebraucht ist. Daher haben sich leider nur wenige von ihnen den Bestrebungen und Organisationen der Arbeiter angeschlossen, obwohl gerade dies der richtigste Weg zur Besserung ihrer Stellung wäre. Die Betriebsunfälle im Hamburger Hafen. Der Hamburger Hafen ist ein einziges gewaltiges Arbeits- haus. Viele Tausende von Arbeitern schuften und schanzen dort mit einer Kraftanstrengung und einer Unermüdlichkeit, die jedem Binnenländer, der einmal zwischen den Schleppern und Schuten und Riesendampfcrn, den Reihen der mächtigen Lagerhäuser und den Werften hindurchfährt, fast beängstigend vorkommt. Dort wird der Reichtum geschaffen für die 159 Multimillionäre der Elbe- Metropole, an deren Reichtum nicht nur der Schweiß, sondern auch das Blut der Arbeiter klebt. Wer die Arbeitsweise im Hamburger Hafen je gesehen, wird von vornherein mit einer großen Zähl von Betriebsunfällen rechnen. Doch er wird erschreckt sein, wenn er die genauen Zahlen darüber vernimmt. Die Hafeninspektion hat jetzt ihren Bericht über das Jahr 1911 veröffentlicht. Er zeigt, daß die Unfälle wiederum zugenommen haben. Erlitten 1919„nur" 2795 Arbeiter Verletzungen im Betrieb, so 1911 3144. Das ist eine Zunahme von 439 Fällen oder 16,23 Proz. Dabei steigerte sich der Schiffsverkehr nur von 25 414 999 Tonnen auf 26 375 999 Tonnen, d. h. um 3,78 Proz. Das zeugt davon, in welcher Weise die Intensität der Arbeit steigt. Es steigt damit leider auch der Prozentsatz der verunglückten Arbeiter, und die technische Ent- wickelung tut das ihre dazu. Beim Löschen der Schiffe arbeiten jetzt riesige Elevatoren für Getreide und dergleichen. Kohlen- greiser von mächtigen Dimensionen, die je an einem Motorhäuschen hängen, entleeren die Kohlendampfer in erstaunlich kurzer Zeit. Da werden die Arbeiter auf die Straße geworfen und dw Arbeit wird nervöser und gefährlicher. Aber freilich, die Hafeninspektion trägt auch ihr Wohl gemessenes Maß an Schuld für die große Zahl der Unfälle. Es sind ganze 3329 Schiffe revidiert Warden, davon nur 119 aus Anlaß von Unfällen. Dabei liegen beständig 399 bis 359 Seeschiffe im Hafen und täglich fahren etwa 69 ein. Unge- rechnet sind dabei die Flußfahrzeuge, von denen im letzten Jahre allein etiva 46 999 den Hafen aufsuchten. Täglich sind etwa 12 bis 13 Revisionen vorgenommen worden. Wie notwendig sie aber sind, beweist die Tatsache, daß bei den 3899 Revisionen etwa 3999 Rügen wegen Betriebsmängeln erhoben werden mußten. Was würde sich alles finden, wenn im notwendigen Umfang und von Arbeitern revidiert würde! Ueber die Ursachen der Unfälle meint der Bericht der Hafeninspektion:„Bei den Revisionen der Be- triebsstätten wurde wiederholt die Beobachtung gemacht, daß in den Hafenbetrieben Leute beschäftigt werden, die mit der Arbeit an Bord von Schiffen, insbesondere mit dem Löschen und Laden, nicht vertraut waren, sowie auch die Gefahren, die mit solchen Arbeiten verbunden sind, nicht genügend kannten. Hieraus erklärt sich die Zunahme der Unfälle, die auf eigene Sorglosigkeit, Unaufmerk- samkeit und Ungeschicklichkeit zurückzuführen sind." Die Arbeiter sind also selbst daran schuld. Aber daran denken die Herren nicht, daß der Hafenbetriebsverein der Unternehmer überall im Binnenlande Arbeiter anwirbt, die mit der Hafenarbeit nicht vertraut sind, um den geübten Arbeitern den Kampf zu erschweren. Und eine vernichtende Kritik der skandalösen Antreiberei ist es, wenn der Bericht weiter sagt:„In recht vielen Fällen mußten die auf- sichtführenden Organe gerügt werden wegen ihrer Gleichgültigkeit und NllcksichtSlosigkeit, die sie gegenüber der Sicherheit der ihnen unterstellten Arbeiter zeigten." Die Aufstellung der Hafen- inspektion, die sich wohl nach der den Arbeitern ungünstigen Recht- sprechung richtet, verzeichnet 2918 Unfälle leichter, 226 schwerer Natur. 48 Arbeiter wurden getötet. Bei alledem handelt es sich hier nur um den eigentlick>en Hafen-, nicht um den Werftbetrieb, der noch mehr und noch schwerere Opfer fordert. Eine Fülle von Elend und Schmerzen und Sarges_ Sericbts- Leitung. Strafbare Körperverletzung durch Uebertragung einer ansteckenden Krankheit. Wegen Verführung einer Minderjährigen und fahrlässiger Körperverletzung hat das Landgericht Hirschbcrg am 20. April d. I. den Buchhalter L. zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. L. ver- kehrte im Hause einer Familie E. in H. und lernte hier die am 9. Juli 1895 geborene Tochter kennen. Das Verhältnis zwischen dem Angeklagten und dem noch nicht 16 Jahre alten Mädchen führte schließlich im Juni vorigen Jahres zu intimem Verkehr. Bereits am 24. August stellte ein Arzt fest, daß das Mädchen an Syphilis erkrankt war, und zwar war sie durch den Angeklagten angesteckt worden. Als der Vater des Mädchens von dem Arzt auf seine Er- kundigung hin von der Art der Krankheit seiner Tochter erfuhr, stellte er gegen den Verführer Strafantrag. Das Gericht verurteilte ihn wegen Verführung und fahrlässiger Körperverletzung. Es nahm als erwiesen an, daß der Angeklagte das Alter des Mäd- chcns gekannt und auch gewußt hat, daß er selbst syphilitisch erkrankt bezw. von dieser Krankheit noch nicht geheilt war. so daß er mit der Ansteckungsgefahr hätte rechnen müssen. Gegen das Urteil hatte der Angeklagte Revision eingelegt, in der er unter anderem. Verletzung des§ 266 St. P. O. rügte, weil das Urteil nichts dar- über enthalte, aus welchen Gründen auf die hohe Gefängnisstrafe erkannt worden ist. Das Reichsgericht hielt im Einklang mit den Ausführungen des Rcichsanwalts diese Rüge für begründet. Es führte aus, bei eingehender Begründung und richtiger Würdigung aller Momente wäre der bisher unbestrafte und den bürgerlichen Kreisen angehörende Angeklagte vielleicht mit Geldstrafe weggekom- men. Es hob deshalb am Montag das Urteil hinsichtlich des Straf- ausmaßes auf und verwies die Sache insoweit zurück. Damit sollte natürlich nicht ausgesprochen werden, daß das Reichsgericht das Strafmaß für zu hoch hält. Unter Berücksichti- gung der furchtbaren Sckiädigung des Mädchens durch die An- stcckung und unter Berücksichtigung deö freventlichen Leichtsinns des Verurteilten erscheint die Strafe eher zu gering als zu hoch......... 50 Jahre Zuchthausstrafe! Zu über 59 Jahren Zuchthaus ist der frühere Theatergarde- rvbier Stanislaus Weyreuther durch mehrere rechtskräftige Urteile verurteilt worden. Gestern hatte er sich unter der Anklage des Diebstahls im strafverschärfenden Rückfalle vor der 1. Ferienstrgf- kSANer des Landgerichts II zu verantstxMeL. I Der Angeklagle ist nlchk weniger als 72mak wegen Diebstahls und anderer Vergehen vorbestraft. Mehr als die Hälfte dieser Vor- strafen datierten erst aus den letzten drei Jahren. Er wurde zu- letzt von mehreren Dutzend verschiedener Gerichtsbehörden gesucht, da er in allen Gegenden Deutschlands Straftaten verübt hatte. Seine Spezialität bildeten Schlafstellendiebstähle, bei denen er sich unter falschem Namen Werall einmietete, um dann bei der ersten sich bietenden Gelegenheit zu stehlen, was irgendwie verwertbar oder versetzbar war. Als der Angeklagte dann endlich gefaßt wurde, mußte er an den verschiedensten Orten vor Gericht erscheinen, um hier sein Schuldkonto zu begleichen. Da jedoch immer von neuem Anzeigen gegen ihn einliefen, konnten bis jetzt die gegen ihn er» kannten Einzelstrafen noch nicht zu der gesetzlichen Höchststrafe von 15 Jahren Zuchthaus zusammengezogen werden, so daß gegen den Angeklagten zurzeit über 59 Jahre Zuchthaus in Einzelstrafen er- kannt sind. Wegen derartiger Schlasstellendiebstähle war der An-' geklagte u. a. auch in Halberstadt zu einer mehriährigen Zuchthaus- strafe verurteilt worden. Der Angeklagte bestritt die Tat, die am 27. April 1998 verübt sein sollte, von Anfang an und stellte den Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens. In diesem Antrage gab er an, daß er schon deshalb nicht als Täter in Frage kommen könne, weil er an jenem Tage in Schöneberg gewesen sei und hier einen Diebstahl verübt habe. Auf Grund dieses Geständnisses wur- den Ermittelungen angestellt und tatsächlich festgestellt, daß der Angeklagte in der Nacht zum 28. April unter dem Namen eines Monteurs Kurt Winter in Schöneberg geivohnt und hier einen Diebstahl verübt hatte. Die betreffende Zimmervermieterin er- kannte ihn auch in dem gestrigen Termin mit aller Bestimmtheit wieder. Das Gericht erkannte dem Antrage des Staatsanwalts gemäß auf 1 Jahr Zuchthaus zusätzlich zu den bereits gegen ihn verhängten Strafen. Da insgesamt auf höchstens 15 Jahre Zuchthaus erkannt wer- den darf, wären die nachträglichen Anklagen höchst überflüssig. Indes enthält die jetzige Strafprozeßordnung keine Vorschrift, die es zuläßt, unter solchen Umständen von der Erhebung der nachträg- lichen Anklagen abzusehen. Im Entwurf zur Aenderung der Straf- Prozeßordnung befand sich ein dahin zielender Vorschlag. Er fand die Zustimmung aller Parteien. Der Entwurf selbst fiel aber, da die Regierungen und die Konservativen die Gelegenheit einer Straf- Prozeßreform nicht vorübergehen lassen wollten, durch eine Reihe Vorschläge erhebliche Verschlechterungen selbst des bestehenden Zu- standes herbeizuführen. Huö der frauenbewegung. Vom Kampfe um das Frauenstimmrecht in England. Die parlamentarische Erledigung der Wahlrechtsvorlage der Regierung wird erst in der Herbstsession des Unterhauses erfolgen. Die Arbeiterpartei wird die Beseitigung des Pluralwahlrechts bei- fällig aufnehmen. Aber der Grundsatz: Jedem Manne eine Stimme, soll auf die Frauen übertragen werden; ein Amendement (Zusatzantrag) hierzu ist bereits von der Arbeiterpartei eingereicht worden. Das erste Amendement zur Wahlrechtsvorlage ging von Sir Edward Grey,'dem Staatssekretär des Aeußeren, aus, der beantragt, das Wort„männlich" in der ersten Fassung des Gesetzes zu streichen. Wenn dies geschehen würde, wäre der Weg frei für neue Abänderungsanträge, die die Frauen zur Ein- Zeichnung in die Wählerliste berechtigen. Grey hat hierzu folgende Ausführungen gemacht:„Die Vorlage bietet eine glänzende Ge- legenheit, um die Frauen politisch zu befreien; aber ich bin sicher, daß jede Rückkehr zur Kampftaktik der Suffragettes oder die Be- schädigung von Leben und Eigentum derer, die sich dem Frauen- stimmrecht widersetzen, manchen seiner schwachmütigen Gönner die willkommene Gelegenheit bieten wird, gegen mein Amendement zu stimmen und so die glänzende Chance, die sich jetzt geboten, inj ihren Anfängen zu vernichten." Unser Bruderorgan„Justice" wendet sich erneut scharf gegen! die Suffragettes, denen sie vorwirft, mit ihrer Gewalttaktik bis Sache deö Frauenstimmrechts absichtlich diskreditiert zu haben.) Lieber sollte keine Frau das Wahlrecht haben, als daß alle groß- jährigen Frauen es bekämen. Den meisten ihrer wohlsituiertcn Anhängerinnen lag nur daran, durch das beschränkte Wahlrecht ein neues Vorrecht für sich zu gewinnen. Ein allgemeines Wahlrecht wäre ihnen verhaßt, weil sie es mit ihren Dienstmädchen, Wasch- und Scheuerfrauen zu teilen haben würden. Lange schon hätten die Suffragettes es trefflich verstanden, mit zweierlei Zungen zu reden; einerseits versicherten sie den Anhängerinnen des Damen- Wahlrechts, daß eine Ausdehnung des Wahlrechts auf alle Frauen als nächste Folge des beschränkten Stimmrechts ausgeschlossen seiz andererseits suchten sie mit der entgegengesetzten Versicherung mög- lichst viele Anhänger des demokratischen Stimmrechts aller Groß- jährigen einzusaugen. Auch behaupteten sie skrupellos, schon die Eroberung des Wahlrechts auf Grund der gegenwärtig für Männer geltenden Besitzklauseln, die etwa 1 Million Frauen der Oberklasse begünstigt hätten, würde von außerordentlicher Wirkung auf die Hebung der wirtschaftlichen Lage der 9 Millionen nichtwahlberech- tigten Frauen sein.„Justice" beweist die zweideutige Haltung der Suffragettes aus Zitaten ihrer Flugblätter und aus Aeußerungen ihrer Führerinnen, von denen die meisten aus ihrer Feindschaft gegen das Wahlrecht aller Großjährigen kein Hehl gemacht haben. Als das demokratische Stimmrecht in der Wahlvorlage der Regie- rung anerkannt wurde, hätte die Haltung der Suffragettes, wenn sie es ehrlich mit der politischen Gleichberechtigung aller Männer und Frauen meinten, ganz klar und einfach sein müssen. Sie hätten sofort eine ernste, ruhige und sachliche Agitation begrünen müssen, um dem Parlament und dem Publikum zu zeigen, daß sie zur Ausübung des Stimmrechts voll befähigt wären und daß eine neue Vorlage, die die Frauen nicht einschloß, höchst ungerecht wäre. Zweifellos hätten sie im Unterhause eine Majorität für ein Amende, ment gewinnen können, das die Frauen in die Wahlrechtsvorlage der Regierung einbezog. Dies war aber offenbar gerade das, was die Suffragettes nicht wollten; und anstatt eine Taktik zu üben, die ihre Forderung nach politischer Gleichberechtigung gerechtfertigt hätte, benahmen sie sich wie Tollhäuslerinnen und taten ihr Bestes, um die Opposition gegen die Sache des Frauenstimmrechts zu stärken und alle zweifelhaften und ängstlichen Gemüter in das Lager des Gegners zu treiben.„ Leseabende. Mariendorf. Morgen, Donnerstag, um 8 Uhr bei Paul, König- straße 14. Genosse O. von Zschock spricht über: Die christliche Weltanschauung und die politische Entrechtung der Frau. Versammlungen— Veranstaltungen. WilmerSdorf-Halensce. Ein Kaffeekochen, verbunden mit Kinder- spielen, findet an Stelle des am 8. d. M. verregneten Ausfluges am Donnerstag, den 15., nachmittags 3 Uhr. im Stadtpark, Kaiserallee, statt. Gäste willkommen. Bei schlechtem Wetter findet das Kaffeekochen am nächsten Donnerstag statt. Marktbericht von Berlin am IL. Augnst 1SIL, nach Ermittelung dcZ tönigl. Polizeipräsidiums. Markthallenpreis«.(Kleinhandel) 109 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34.09—50,09. Speisebuhnen, weiße, 30,00-50,00. Linsen 40,00-80,00. Kartofscln(Kleinhdl.) 7.00-13,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,80-2,40, Rindfleisch, Bauchstcisch 1,50— 1,90. Schweinefleisch 1,60—2,40. Kalbfleisch 1,50—2,40. Hammelfleisch 1,70—2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 3,60—5,50. 1 Kilogramm Karpfen 1,60-2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,40-3,60. Hechte 1.60—3,00. Barsche 1.00-2,49. Schleie 1.40r-2,20. 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Die Origwal-KIabrias- Partie. anctroiipl. Schwindelmeier tt. Co. Apollo.> Sbezialitäten. Passage. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Anfang 8'/. Uhr. Lessing. Vergnügungsreise. Neues Sedauivietbaus. Sylvester Schäffer. Der erlanste Gatte. Ein wenig Musit. Lnstipielhaus. Ein Königreich m. b. H. Friedr.> Wilh. Schauspielhaus. Die keusche Susanne. Rose. Die Kameliendame. FolieS Capriee. Paristana» Ensemble. Walhalla. Nur nicht drängeln. Anfang 8.20 Uhr. Luise». Der verfallene Turm. Ansang 8>/, Uhr. Kleines. Der Unverschämte. Der Arzt seiner Ehre. Der Herr mit der grünen Krawatte. Königstadt-Kasino. Spezialitäten. Ansang 10 Uhr. Adwiralspalaft. Eisballett: Dvonne. «» Sternwarte. Invalidenstr. 57—«2. Schillei'.rhester 0. Wallnrr-Xheater. Mittwoch: Donnerstag, Geschlossen. abends 8 Uhr: Das Konzert. Freitag und folgende Tage: I>»B Konzert. Sehiller-Thealer Chabru™,en' Mittwoch, abends 8 Uhr: Das Konzert. Ansang 8 Uhr. Ende 10 Uhr. Donnerstag, abends 8 Uhr: «oiie Politik. Freitag und folgende Tage: Holte Politik. Hcrlmer Theater. Abends 8 Uhr: Grohe Rosrnen. Abends 8 Uhr: Die 5 Frankfurter. Neues Theater. Abend» 8 Uhr: Der liebe Augusti«. Operette von Leo Fall. L*p ■nÜBlARK Qrößt. Vergnügungspark des Kontinents! SO lEltatiraktioueü 90 Entree 50 Kinder und Zwergstadt bis 6 Ubr frei! OSE=THEATE Groge Frantsurter Str. t3S. vis KameliMdamö. Ansang 81/« Uhr. Aus der Karteubühne: Juh«! ES ist erreicht l Gr. Revue. Metropol-Theater. MIM» z Phant.-mustt. Komödie in 3 Akt. aus d. Engl, völlig frei bearb. von I. Freund. Musik von R. Nelson, u. a. Tänze von W. Bishop. In Szene ges. v. Dir.schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Pas�Panopfc Prinz ATOM Das kleinste menschliche Lebewesen. | Das Wunder aller Wunder.| Lebend! OhneExtPä-Entree! Sl«!, IOC! SCHER GARTEN Täglich: Großes Militär- Doppei-Konzert. Eintritt 1 lüark, von abends 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Ab 8 Uhr 10 große Attraktionen mit LOrSly dem auf Kommando singenden und sprechenden Wunderpapagei. Voigt-Theater. Tesundbrunnen Baditratze 58. .Mittwoch, t4. August 1912: Eliieiag! Die Ballettschule. Tann bei großem Orchester. Kassen evoffn. 2 Ubr. Ans. 4>,, Uhr. �.merlkanixeber Vci'g»üg»ng»park. Heute Hittwocta: Großes Kinder-Erntedankfest. Fostzng, Pestspiel, Bonbonregen, Fackelzug, Verlosung von Geschenken, Hauptgewinne: 2 goldene Uhren. Eintritt 15 Pf. Donnerstag: Pracht- Elitetag. JUT" Wiederholung der Be- schießnng von Port Arthur. Zerstörung des Schlachtschiffes Petro Pawlowitsch. Pyrotechniker E. Nielandt. Eintritt 50 Pf. Bfflfeiil Vie man Männer bessert! Die Original- Klabrias-Partie Beide Stücke mit Anton und Donnt Herrnfeld In den Hauptrollen. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf 11—2(Theaterkasse.) KSnigstadt-Kasino. Ecke Holzmarlt« u. Alexauderstr. Täglich; Variete u. Theater im herrlichen Naturgarten. August- S lZIzirniWüieni und„So leheu wir". Gesangsburlesle in 2 Bildern. Tägl. Kaffeeküche bis 6 Uhr. Admirslspalsst am Bahnhof FriedrichstraDe, z. Z. einziger Eispalast. Angenehm kühler Aufenthalt. Heute S große Vorstellungen 2. Nachmittags und abends: Das sensationelle Eisballctt „Yvonne". Willi Frick, der kleinste Eislaufkünstler. Bis 6 Uhr und von lO3/. Uhr abends halbe Kassenpreise. Restaurant 1. Ranges! Wein- und Bier-Abteilung. Hft�enbedck Indien Tempelhofer Feld Täglich geöffnet von 11 Uhr vormittags bis 11 Uhr abends 150 Indler.— Vorletztes Auftreten Macri Soiiothi s Eöwen- n. Tlgcrgrnppe Ohne Extra- Entree! Berliner Prater-Tliealer Kastanienallee 7-9. Täglich: Ansang 41/» Uhr. O, diese Berliner! AuSstatt.-Posse von Freund. Mufik von Einödshofer. Erstklassige Spezialitäten. Konzort. X B A E lo Reicbshallen- Theater Freitag. 16. 8.: Wtes-zebegin» der Soireen der Wettings 8ziigöi. Reiehs- hailen» klarten »Alt- Berlin- Ii. Saal täglich: GroDes-l Konzert. Honigmann 'Verantwortlicher Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Für de» Lnseratenteil verantw.: TH. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckeret u. Verlagsanstalt Paul Singer u. io� Berlin SWs 9, 188 29. Z. KtÜM IM„Dgllllllltg" gCtlilUt Nllll!Sll!M. � 14 � 19a Heute Mitwoch, 14. flugutt: Zablabend in Groß-Bcrlin. Partei- Hn�elegenbcitcn. Zweiter Wahltreis, Friedrichstadt. 3. Abteilung: Mittwoch, den 14. August, abends>/z12 Uhr, Zahlnacht für Buchdrucker, Stereo- typeure, Kinooperateure. Donnerstag, den 15. August, morgens Vzb Uhr: Zahl- niorgcn für Zeitungsdruckerei- Nachtarbeiter, bei Witwe Klara Augustin, Oranienstrahe 103. Dritter Wahlkreis. Fünfte Abteilung. Für die Bezirke 224— 226a findet ein gemeinschaftlicher Zahlabend mit einem Vortrag des Genossen Fritz Znbeil bei Persicke, Ritterstr. 123, statt. Tegel. Donnerstag, den 15. August, abends S'/a Uhr. im Restaurant Klippeiistein: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Vortrog des Genossen Brühl über:»Die Entivickelung der Partei- organiiation' und Stellungnahme zum Parteitag. Eintritt nur gegen Vorzeigen des Mitgliedsbuches. Bernau. Der Zahlabend findet morgen Donnerstag in den bekannten Bezirkslokalen statt. Die Bezirksleitung. Alt-Landsberg-Süd. Der Zahlabend findet heute nicht statt. Dafür Sonntag, den 18. August: kombinierter Zahlmorgen bei Ernst Funke. Klosterstr. 5. Zeuthen- Micrsdorf. Die Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins findet heute abend S'/z Uhr in MierS d o rf bei Krüger statt. Der Vorsitzende. Staaken. Die Mitgliederversammlung findet Umstände halber erst am 24. August statt._ Berliner JNtecbricbten. Lichtreklame. Sie ist das Symbol der ruhelosen, nur nach Abwechselung jagenden Gegenivart. Sie zuckt, springt wie das Nerven- gestecht, wie der Wille und Gedanke des Mcnschenvolkes— der unten im Straßengetriebe.... Seit die elektrische Lampe zum Werkzeug alles kapitalistischen Handels und Wandels er- koren ist, verfiel dieser Geschäftlichkeit auch die Nacht, die doch alles Lebens Feind ist. Aus der Lichtflut der abendlichen Stadt kletterts behend an den Häuserwänden entlang bis über die Dächer, um bald in Girlanden, Kronen, Schildern, bald in schwingenden Räderreifcn, Schlangenlinien, barocken Sterngebilden und Wellenbändern aufzuflimmern, rasch zu versinken, wieder zu erstrahlen und abermals zu verschwinden. Es ist als treiben Kobolde von astralischer Körperhaftigkeit in den Lüften ihr neckisches Spiel. Hier sind Glühbirnen zu Buchstaben, dort zu Figuren geordnet. Fern brennt anscheinend ruhig ein Lampcnkreis, über den fort- während gespensterhaft ein schwärzlicher Schleier huscht; aber inmitten flammt ein Wort, ein Name, den wir alle kennen. Oder zwiefarbige Lichtschilder erglänzen wechselwcis. Doch was ist das nur? Keine Hand, keine Feder wird sichtbar— und dennoch schrcibts da hoch über dem Giebel langsam Strich für Strich„Buchstaben von Feuer" wie einst im Festsaal Belsazars; und kaum haben wir die Flammenschrift zu entziffern begonnen, so erlischt sie schon wieder. Wie gebannt mäßigen wir den eiligen Schritt und starren ins Dunkel empor, in dem jene Zeichen verschwunden sind. Da Plötzlich schreibts wieder, verlischt wieder und so fort im abgezirkelten Sekundenschwung... Aber der Licht- wunder höchstes ists noch nicht. Während wir von bannen schreiten, sehen wir anderen Orts glühende Buchstaben und Worte sich magisch immer zu neuen Sätzen vereinigen, die stets verschiedene Dinge benennen. Ob vielleicht im Turm- ftiibchen über dem Dache ein Tippfräulein an einer Art elektri- scher Schreibmaschine ihren losen Schabernack mit den Passanten treibt? In ihr Plaudern und Lachen, oder in den Schwärm einsanier kosmischer Gedanken fährt der Blitz jener Worte hinein, wie ein Habicht, der unter Tauben stößt.... Das ist der Triumph der modernen Lichtreklame: daß sie uns zwingt, ihr durch die Straßen zu folgen, daß sie uns zwingt, nach ihrem Willen zu denken und daß sie selbst dem Müden, wenn er zum Schlaf die Augen schließt, sich ge- spenstig in seine Träume drängt. Mit nervösem unsichtbarem Finger schreibt sie hoch in die Luft und tief unter Glassteine des Trottoirs ihren Flamnienspruch:„Ich beherrsche das Erdreich I Ich bin die Fürstin des Tages, ich bin der ruhelose Geist der Nacht!"..._ Die neue Blnmcntagssenchc. Wer erinnert sich nicht des Blumentagrummels, der im origen Jahre gleich einer Modekrankheit ausgebrochen war. .�n allen Straßen und an allen Plätzen wurden die Blunren unter dem Motto:„Zum Besten der Veteranen" I gegen Er- stattung eines Obolus den Passanten aufgedrängt. Ach, wie sie schon schtvelgten in Vorahnung des großen, späten Glücks, die zerschossenen Krüppel von Anno 64. 66 und 70! Mancher, der vierzig Jahre mit dem Hunde an einem Knochen nagte. träumte sich als Rentier, baute Luftschlösser und schlug auf dem Stelzfuß einen patriotischen Saltomortale. Dann kam der große Krach. Hunderttausende waren geflossen und ge- ivonnen... nur nicht in die Taschen hungernder, vor Hunger ans der Straße niedersinkender Retter des Vaterlandes. Fee Wohltätigkeit. verhülle dein Haupt! Und wieder. trotz aller Blamage. heißt's: auf zum deutschen Blumentag I Es gibt ja Leute. die ihre Lügen so oft wiederhole«' daß sie endlich selbst daran glauben. Die lockende, girrend, Patrioteuflöte ist dieselbe geblieben, nur die Melodie hat sich geändert. Weg mit dem Stumpfsinn, immer Neues muß die Nerven der Wohltätigkeitstiger kitzeln. So lautet denn diesmal die Firma streng modern: Allgemeiner deutscher Blumentag für verunglückte Flieger, veranstaltet von der durch den Reichsflugverein ins Leben gerufenen Reichs- fliegerstiflung. Tja, nun ist man glücklich wieder mittenmang im Bettelbüchsenpairiotismus. Wenn's bloß nicht den Flieger- Witwen genau so geht wie den Veteranen! Klingelbeutel haben manchmal doppelte Böden. Und damit mehr Flug- wind in die Geschichte kommt, ist Jungdeutschland auf die Beine gebracht. Die Feldmarschalls-Leibgarde soll am Tage der Seda»parade aus dem Paradefelde, auf Sport- und Spielplätzen und sonstwo Propellerspielzeug als Knopfloch- zierde verschachern. Wer dabei Talent entwickelt, bekommt die„Knöppe" oder gar die„Tressen" an der Kinder- "skorm. Anck, eine Flnavostkarte angeblich von einem leibhaftigen Prinzen entworfen, wird Vertrieben. SPohl, wir gönnen den einkommendcn Mammon den Hinterbliebenen verunglückter Flieger von Herzen. Doch wie steht's mit an- deren, wichtigeren Aufgaben der Vaterlandspflicht. Ach bitte, err Prinz, lassen Sie doch Ihre Künstlerhand mal eine alerie darbender, verkommener Kriegsveteranen zeichnen. Der selige Papa Drux, von einem Blumenmedium aus der gierten Dimension herbeizitiert, wird Ihnen gern Modell stehen. Der Veteran mit dem Leierkasten, der Veteran am Bettelstab, der Veteran im Nasenquetscher und oben als Vignette ein Fußtritt Frau Germaniens... noch mehr Sujets gefällig? Und just am Paradetage soll man, zusammen mit Propellers und Blumen, die kunstbegnadete Postkarte verkaufen, mit der Unterschrift: So ehrt das dankbare Vaterland noch nach dem Tode seine vor Hunger gestorbenen alten Krieger! Gegenüber lautbar gewordenen Klagen über den unhaltbaren Zustand des östlichen Teiles der Seestratze an der Reinickendorfer Straße verbreitet das Nachrichtenamt des Magistrats folgende Mit- teilung: Die städtische Verwaltung hat bereits vor einiger Zeit die Ver- befierung dieses Stratzenstückcs beschlossen: sie beabsichtigt den süd- östlichen Damm der Seestraße hinter der Exerzierstraße bis zur Reinickendorfer Straße fortzuführen und mit provisorischem Pflaster zu versehen, ferner ist die Einzäunung des freibleibenden Geländes in Aussicht genommen. Die erforderlichen Mittel sind in- zwiichen bereit gestellt. Die Ausführung der Arbeiten konnte aber noch nicht erfolgen, weil die Prüsnng der Entwässerungsmöglichkeit noch nicht abgeschlossen war. Dieses Hindernis ist aber jetzt be- seitigt und es kann daher nunmehr die Pflasterung erfolgen. Eine endgültige Regulierung kann, da die Anlegung des nur zum Teil im Berliner Weichbilde belegenen Oskarplatzes vorläufig nicht angängig ist, nicht in Frage kominen. Hiernach dürfte noch im Laufe des Sommers eine ausreichende Besserung eintreten. Die Flucht des Rechtsanwalts Paul Brcdereck. Der Sozius des verschwundenen Rechtsanwalts Paul Bredereck hat gestern vormittag dem Landgerichtspräsidenten die offizielle Anzeige von der Flucht seines Sozius übermittelt. Die Streichung Brederecks aus der Liste der Rechtsanwälte wird seitens des Landgerichtspräsidenten sogleich in die Wege geleitet werden. Inzwischen sind die Feststellungen nach den Schulden Brederecks weiter fortgeschritten. Während vorgestern etwa 140 060 M. Verbindlichkeiten vorlagen, haben sich gestern noch einige Gläubiger gemeldet, so daß bis jetzt bereits rund 150000 M. unbezahlte Forderungen vorliegen. Die Summe wird sich aber noch steigern, da noch einige Wechselproteste schweben. Ein Gerücht, wonach Bredereck vorgestern noch in Berlin gewesen sei, lvird als unzutreffend bezeichnet. Ob der Flüchtige, wie vielfach angenommen wird, falsche Schecks ausgestellt und unreelle Wechsel- Verbindlichkeiten eingeganguir ist, wird die von der Behörde ein- geleitete Untersuchung ergeben. 152 838 579 Fahrkarten sind im letzten Etatsjahre(April 1911/12) an den Schaltern der Berliner Stadt-, Ringbahn- und Vorortstationen verkauft worden: das sind über 7,8 Millionen mehr als im Vorjahr. Nach der soeben erschienenen amtlichen Verkehrsstalistik steht wiederum der Stadlbahnhof Alexanderplatz mit 6,9 Millionen Fahrkarten an der Spitze; Bahnhof Friedrichstraße brachte es im Stadt- und Vor- ortverkehr aus 6,7 und der Schlestsche Bahnhof auf 5,9 Millionen Fahrkarten. In ziemlich weitem Abstände folgen darauf: Zoologischer Garten(4,8), Wannseebahnhof(4.6), Charloltenburg(4,2), Börse(3,9). Potsdamer Ringbahnhof und Bellevue(je 3,4), Warschauer Str.(3,3), Spandau(3,0), Jannowitzbrücke(2,3), Wedding und Nieder-Schöne- weide(2.7), Savignyplatz und Stralau-Rummelsburg(2,6), Lehrter Stadtbahnhof und Schönhauser Allee(2,5), Großgörschenstraße (2.2), Hermannstraße, Neukölln und Wilmersdorf-Friedenau(2,1). Potsdam(2.0 Millionen). Ueberall, fast ohne Ausnahme, ist der Verkehr gestiegen, zum Teil recht beträchtlich. Nach Nikolassee zum Beispiel wurden im Berichtsjahre 1 039 855, im Vorjahre dagegen 797 537 Fahrkarten verkauft. Auch die neuen Stalioncn haben sich ganz gut angelassen. So brachte es der Halte- Punkt Pichelsberg auf unserer kleinen Gebirgsbahn schon auf nahezu 98000 Fahrkarten. Spandau-West auf 653 391, Hohenzollerndamm auf 237 396 �jn!) Heerstraße auf 173183 Fahrkarten. Auch der Fernverkehr hat wiederum zugenommen. Hier steht."wie immer, der Stettiner Bahnhos mit 1,9 Millionen Fahrkarten an der Spitze; dann folgen: Anhalter Bahnhof mit 1,7, Hamburg-Lehrter und Schlesischer Bahnhof mit je 1 Million und Potsdamer Bahnhos (einschl. Amtliches Reisebureau) 887 000 Fahrkarten. Die Frage, wieviel Fahrten sind im Berichtsjahre ungefähr auf den Berliner Stadt- und Vorortbahnen zurückgelegt worden? beantwortet der Anhang, in welchem auf die Monats- und Zeitkarten usw. täglich zwei Fahrten gerechnet werden. Es ergeben sich danach für den inneren Stadt- verkehr 77,6. für den Ringverkehr 92,7 und für den Vorortverkehr nahezu 158 Millionen Fahrten. Das sind zusammen über 328 Millionen Fahrten. Arbeilerivochenkarten wurden auf den Ring- bahnstationen allein über 3,7 Millionen ausgegeben; die Zahl der Monatskarten betrug im Stadtverkehr weit über eine halbe Million, im Ringverkchr 422 330. und für den Vorortverkehr wurden aus Stadt- und Ringbahnstationen 80 803 Monatskarten ausgefertigt. Unterschlagungen des Bankiers Gräienitz. Gegen den verstorbenen Bankier Hugo Gräbenitz, Markgrafen- straße 27, ist gestern auf Antrag der Gläubiger das Konkurs- verfahren eröffnet worden. Wie berichtet wird, dürften die Aus- sichten für die Gläubiger sehr gering sein. Ein erheblicher Teil Depots ist nicht mehr vorhanden. Die Passiven dürften weit über eine halbe Million Mark betragen. Bei den unterschlagenen Depots soll es sich nach der Annahme von Börsenkrcisen um Gelder von Wohltätigkcitsvereinen handeln. Auch nimmt man an. daß Gräbenitz, der verheiratet«var und Kirchenvorstand der Jerusalems- Kirche gewesen ist. Kirchengelder unterschlagen hat. Die Loiterieein»ahmen''sollen früher etwa 15 000 M. im Jahre abgeworfen haben. Neben seinem Bankgeschäft war Gräbenitz Lotterie- kollekteur der preußischen Klassenlotterie. Zur Regelung des Verkehrs mit Milch als Nahrungsmittel für Menschen find, wie die Berliner Korrespondenz bemerkt, von den zuständigen Ministerien an Stelle der bisherigen Bestimmungen Grundsätze aufgestellt worden. Diese Grundsätze sollen künftighin de» zu erlassenden Polizeiverordnungen zur Unterlage dienen, jedocki wird nicht verlangt, daß die einzelnen Vorschriften allenthalben unterschiedslos angewandt werden, da die Formen der Milchgewinnung und des Milchhandels zu verschiedenarttg sind, um in eine starre Einheitsichablone gezwängt zu werden. Demnach sollen dem Erlaß von Polizeiverordnungen sorgfältige Erwägungen voran- gehen, inwieweit Abiveichungen von den neuen Grundsätzen not- wendig und zulässig sind. Besondere Berücksichtigung wäre hierbei ck>en Vorschriften über die Beschaffenheit der Milch in dem Sinne zuzuwenden, daß nicht einseitig das Hauptgewicht auf einen angemessenen Fettgehalt der Milch gelegt, sondern auch auf reinliche Gewinnung der Milch und Erhaltung ihrer Frische Bedacht genommen wird. Ferner wird für eine deutliche Bezeichnung der Gefäße zu sorgen sein, damit das Publikum sich leichter vergewissern kann, daß ihm Milch von einer bestimmten Beschaffenheit angeboten wird. Im Hinblick auf die Ausübung der M i l ch k o n t r o l l e dürfte der Hinweis genügen, daß eine fortlaufende und gründliche Beaufsichtigung des Milchverkehrs erfolgen muß. Hierbei haben die Marktpolizei, die Nabrungsinittel- Untersuchungsanstalten und als hygienische Sachverständige die beamteten Aerzte und Tierärzte mit« zuwirken. Auch bei der Vornahme der Stallprobe, die in bestimmten Fällen zum Nachiveis von Fälschungen unentbehrlich ist, werden die sachverständigen Stellen sich beteiligen müffen. Um das Verständnis für richtige Gewinnung und Behandlung der Milch in den Kreisen der Landwirte, Molkereibesitzer, Milchhändlsr und im Publikum selbst zu fördern, muß jedes brauchbare Mittel ergriffen iverden. Den Milchhändlern steht zur vollkommenen Orientierung das im Kaiserlichen Gesundheitsamte bearbeitete Milchmerkblatt zur Verfügung._ „Bolls"krankenkaffen. Wiederholt haben wir uns an dieser Stelle mit dem Geschäfts« gebaren einer Anzahl Krankenkassen beschäftigen müssen, die als „Volks"krankenkassen firmieren und deren Agenten unter allen mög« lichcn Versprechungen versuchen, Mitglieder zu werben. Diesen Kassen kommt es anscheinend weniger darauf an, Unterstützungen im Krankheitsfalle zu zahlen, als vielmehr darauf, die Mitglieder- beitrüge zu erhalten. Die Wahlen der Vorstandsmitglieder erfolgen in der Regel unter Ausschluß der Oeffenllichkeit. Da diese Kassen ihre Mitglieder im ganzen Deutschen Reiche haben, die Versammlungen am Orte des Sitzes der Kasse stattfinden, nehmen nur wenige Mit« glieder daran teil. Dafür werden auch die beamteten Vorstands- miiglieder auf fünf, sechs und noch mehr bis zu zwölf Jahren gewählt. Die Unkosten, die diese Art Kassen haben, sind ungeheuer groß, der größte Teil der Einnahmen geht für Verwaltungsansgaben drauf. Erheben Mitglieder Ansprüche auf Gewährung von Kranken- Unterstützung, dann wird verschiedentlich die und jene Bestimmung des Statuts angewendet, um sich vor der Zahlung drücken zu können. Einer der beliebtesten Einwände ist der, das Mitglied habe bei der Aufnahme eine bereits vorher überstände»? Krankheit verschwiegen. Die Kasse hat sich gesichert, indem im Statut ausdrücklich erklärt ist, hat das Mitglied eine Krankheit verschwiegen, hat es einen An- sprach an die Kasse nicht. Viele sind der Meinung, wenn die Krank- heiten dem Agenten mitgeteilt worden find, genügt es. Dem ist aber nicht so, denn im Aufnahmeschein heißt es ausdrücklich, daß der Auf- nahmesuchende alle Krankheiten auf dem Schein angegeben habe. Wenn die Krankenkasse auf diese Art sich von der Zahlungs- Verpflichtung nicht drücken kann, dann wird das Mitglied bei der Krankmeldung von einem Vertrauensarzt untersucht. Dieser Arzt stellt Erwerbsfähigkeit fest. Nun hat nach dem Statut der Kasse das Mitglied das Recht, das Gutachten eines. dritten Arztes einzuholten. Ist das Gutachten nicht innerhalb fünf Tagen in Händen der Kasse, dann erklärt es sich mit dem Urteil des Vertrauensarztes einverstanden. Die Kassen rechnen eben damit, daß die Mitglieder das Statut nicht lesen, demzufolge diese Rechts- bestimmungen nicht kennen. Kominen die Mirglieoer darauf, ist es in der Regel zu spät. Die Kasse ist formal mit der Abweisung im Recht. Für das Borhergesagte zwei Beispiele: Eine Frau Sp. wurde am 1. Juli 1911 Mitglied der»Viktoria" Dt. Volkskraukenkasse zu Berlin, Mauerstraße 92, jetzt firmiert diese Kasse»Deutsche Volkskrankenkasse" Berlin. Anfang Juni 1912 er» krankte diese Frau und forderte anläßlich dieses Krankheitsfalles Unterstützung. Mit Schreiben vom 13. Juni erklärte die Kasse:„Da sich herausgestellt hat, daß Sie an derselben Krankheit schon seit Jahren leiden, dies jedoch in Ihrem Antrage verschwiegen haben, so schließen wir Sie hierdurch nach z 7 aus und sind jegliche Ansprüche gegen«ms dadurch erloschen." Die Frau bestritt, vordem an derselben Krankheit gelitten zu habe««, um jedoch von der Kasse loszukommen, erklärte sich die Frau «nit der Ausschließung einverstanden und erklärte, da nach Ansicht der Kasse die Aufnahme zu Unrecht erfolgte, sei auch die Erhebung der Beiträge nicht zu Recht erfolgt. Es wurde Zurückzahlung der Beiträge gefordert. Daraufhin erklärte die Kasse, daß sie hierzu nicht verpflichtet sei, sich jedoch bereit erkläre, 50 Proz. der Beiträge zu erstatten, die vollen Beiträge können nicht erstattet werden, da hierauf Provisionen und VerivaltungSkosten ruhen.(Also 50 Proz. Verwaltungskosten I) Im zweiten Fall kommt die„Deutsche Kranken» und Sterbe« Versicherungs-Anstalt" zu Berlin in Betracht. Diese Kasse hatte früher ihr Domizil in Bautzen. In nicht zu übertreffender Weise trieb diese Kasse Reklame, um neue Mitglieder zu gewinnen. Am 26. Juni 1912 erkmnkte das Mitglied Frl. L. Der behandelnde Arzt erklärte dieselbe wegen Blutarmut und Herz« schwäche für erwerbsunfähig. Der Vertrauensarzt der Kasse hielt Frl. L. für krank, aber erwerbsfähig. Dieses Gutachten mußte nach dem Statut der Kasse innerhalb süns Tagen angefochten werden. Dieses hatte Frl. L. übersehen und reichte erst einige Tage nach diesem Termin das Gutachten eines dritten Arztes ein, der gleichfalls Erwersunfähigkeit konstatierte. Die Kasse berief sich auf das Sratu« und lehnte die Zahlung des Krankengeldes ab. Angesichts derartiger Fälle wiederholen wir unsere Mahnung:� Tretet nicht derartigen Kassen bei, schützt Euch vor Nachteilen! Bon einer Autodroschke totgcfahreu wurde gestern vormittag gegen Iv'/g Uhr an der Ecke der Friedrich- und Französischenstraße der Direktor Heinrich Kleye aus der Markgrafenstr. 14a zu Oranien« bürg. Dieser verließ vor dem Hause Friedrichstr. 171 einen Auto» omnibuS, mit dem er vom Bahnhof Friedrichstraße gekommen war. Als er von dem Omnibus abgesttegen war und zur anderen Straßenseite gehen wollte, übersah er das Herannahen einer Kraft- droschke. Er wurde von dieser erfaßt und zu Boden geschleudert. Durch den Aufprall auf die Straße zog er sich einen Schädelbruch zu. Außerdem erlitt er, da er unter die Räder geriet, noch mehrere innere Verletzungen, so daß sein Tod auf der Stelle einttat. Ein weiterer ichwerer Unfall ereignete sich gestern vornrittag gegen 9 Uhr in der Linienstraße. Als dort die 43 Jahre alte Verwalterin Auguste Elsner aus der Fehrbelliner Straße 5 den Fahrdamm über- schreiten wollte, wurde sie von einem Geschäftsautomobil erfaßt und überfahren. Die Frau kam so unglücklich zu liegen, daß-ihr die Räder des schweren Autos über die Brust gingen. Der Brustkorb wurde völlig eingedrückt, und auch sonst trug die Verunglückte schwere Verletzungen davon. Sie wurde nach der Unfallstation in der Keibel« straße geschafft, wo der Arzt aber mir noch den Tod feststellen konnte. Die Leiche kam nach dem Schauhause. Ein tödlicher Betriebsunfall hat sich gestern mittag in der Nord« deutschen Gummi- und Guttaperchawarenfabrik am Tempeihofcr Ufer 17 ereignet. In der Abteilrmg für Gummifahrikation stehen mehrere Gummimischwalzen im Betrieb. Gestern mittag hatte der siebzehnjährige Arbeiter Max Wille, Johairniterstr. 2 wohnhaft, niit einem anderen Arbeiter zusammen eine der Walzen zu bedienen. AlS etwas an dem Gehwerk nicht in Ordnung war. kletterte der Vorort- Nachrichten* Neukölln. Ei» gefährlicher Kinderfreund. Der Rohrleger Buchholz aus der Schöuwaider Slraße L3 sprach in der letzten Zeit wiederholt Kinder an und bat sie, mit aus sein Lauben�rundstück zu kommen, um dort die Blumen und das Gennife zu begießen. In den meisten Fällen gingen die Kiuder ahnungslos mit. Wenn sich die Kleinen dann eine Weile im Gorien beschäfligt hatten, lockte er sie in seine Laube und verging sich schwer an ihnen. Als dies jetzt zur Kenntnis der Kriminalpolizei kam. nahm sie den Wüstling, der wegen Sitt- lichkcitSderbrechen schon wiederholt bestraft ist, sofort fest. Seldstmord eines Brteranc». An der Teupitzer Brücke wurde gestern die Leiche des üö �ahre alten Veteranen Andreas G a s i r u f ö k tz aus dem Wasser gezogen. G. lebte bei seinem Sohne in der Neckarstr. 8 und bezog lS Mark Invalidenrente und 10 Mark Beteranensold monatlich. Am 1. August verließ er die Seinen, um seine Zulagen abzuheben, und war ieiidem verschwunden, bis man gestern seine Leiche im Wasser treibend fand. junge W. an der Walze hinauf und versuchte über dem Walzwerk hinwegzuschreiten. Er rutschte jedoch aus und fiel in die Walze hinein, so daß beide Beine zwischen das mit Spitzen versehene Walzwerk hinein gerissen wurden. Bis zum Unterleib wurde der Unglückliche fast vollständig zermalmt. Das Werk wurde schleunigst zum Stehen gebracht, doch dauerte es fast zwei Stunden, bis man den Verunglückten aus dem Walzwerk herausgeholt hatte. Auf dem Transport nach dem Krankenhause am Urban erlag der junge Mensch den furchtbaren Verletzungen. Die Leiche wurde be� schlagnahmt...- Bei der Arbeit schwer verunglückt ist gestern vormittag 10'/, Uhr die in der Stanzerei der Allgemeinen ElektrizitätS-Aktiengesellschaft, Ackerstraße, beschäftigte IS jährige Erna Bredow, bei der Mutter Ackerstr. Sl) wohnhaft. Dem Mädchen wurden beim Anfertigen von kleinen Blechkappen an einer Ziehpresse drei Finger der linken Hand teilweise abgequetscht. Nachdem der Verunglückten in der Fabrik der erste Notverband angelegt war, wurde sie nach dem Lazarus-Kranken» hause gebracht. Wie uns mitgeteilt wird, ist dies seit kurzem der vierte Unfall in dem Betriebe. Ei» angeblicher Doppelsclbstmord beschäftigt seit gestern die Tegeler Polizei. Einige in der Kolonie Konradshöhe weilende'Sommergäste promenierten Dienstag früh am Ufer der Havel. Unweit des Terrassenrestaurants von Fröhlich fanden sie einen braunen Herrenpaletot, einen schwarzen Herrenhut sowie ein dunkelblaues Damenjackett. Daneben lag eine schwarzlederne Damenhandtasche, in deren einem Behälter sich 17,72 M. befanden. Wie bisher ermittelt wurde, gehören die Gegen« stände einem jungen Paar, da» Montag abend im Terrasienrestau- rant einkehrte und dann den Weg in der Richtung nach Sandhausen einschlug.— Die von dem eigenartigen Fund benachrichtigte Polizei hat gestern die Havel an jener Stelle nach den Leichen des Paares abfischen lassen, da man annahm, daß eS sich hier um einen Doppel- felbstmord handle und die beiden Personen unweit des Restaurants in die an jener Stelle ziemlich tiefe� Havel gesprungen seien, um ihrem Leben ei» Ende zu machen. Die Leichen wurden jedoch noch nicht gefunden. Der Eigentümer deS Hauses Höchstestr. 12, Herr Günther, teilt unS auf die gestrige Notiz im.Vorwärts"' mit, daß er den P.schen Eheleuten gegenüber längere Zeit Nachsicht geübt habe. Bereits Mitte Juli habe er gegen dieselben die Räumungsklage angestrengt, weil sie für Juni und Juli mit der Miete im Rückstände waren. Eilde Juli habe er das Urteil, wonach die P.schen Eheleute die Wohnung zu räumen hatten, den letzteren zugestellt. Seitdem habe er dieselben wiederholt ermahnt, die Wohnung zu räumen unter der Zusicherung, keine Miete haben zu wollen. Am Sonnabend vor acht Tagen habe Frau P. ziehen wollen. Als die Wohnung jedoch am Montag darauf immer noch von den P.schen Eheleuten bewohnt gewesen, sei er, G. noch einmal zu ihnen gegangen und habe sie mit dem Bemerken, daß er ihnen für den Umzug sogar kostenloses Fuhrwerk stelle, ersucht, die Woh nung �u räumen. Nachdem auch jetzt wieder Frau P. erklärt hatte, daß sie noch nicht ziehe, weil ihre neu gemietete Wohnung erst renoviert werde, habe er die Fenster aus der Wohnung entfernt. fierr G. bestreitet des weiteren, daß die Kellerwohnung nicht mehr cwohnt werden dürfe. Vorher hätten Mieter mit vier Kindern über vier Jahre in derselben gewohnt. Auch habe er die Aeußerung, daß Hunde besser seien wie Kinder, nicht getan. Beim Angeln ertrunken ist am Sonntagabend der aus Berlin stammende, in den besten Jahren stehende Damenschneider Bräutigam. B. hatte, wie allsonntäglich, auf dem Krüpelsee bei Kablow dem Angelsport gehuldigt. Als er abends auf feinem Kahn das andere Ufer zu erreichen suchte, verlor er beim Rudern plötzlich das Gleichgewicht und stürzte ins Wasser. Trotzdem B. deS Schimmens kundig war und mehrere Freunde und Ruderer zur Unfallstelle eilten, gelang es nicht, den Verunglückten zu retten. Man nimmt an, daß B. einem Herzschlage erlegen und im Schilf hängen ge- blieben ist. Die Leiche des B. konnte bis jetzt noch nicht ge- borgen werden. Bei dem am Sonntag, den II. Angust, im Jnselrestaurant (Plötzensee) stattgefundene» Sommerfest sind folgende Gegenstände gefunden worden: ein Spazierstock, eine Zigarrentasche, ein Damen- qürtel und ein Taschentuch. Verloren gegangen ist eine Damen- Handtasche mit Inhalt. Abzugeben resp. abzuholen sind die Gegen- stände beim Genossen F. Fröhlich, Wittstocker Straße 23. Wer ist die Tote? Das Polizeipräsidium teilt mit: Am 10. 8. 12, nachmittags gegen 8'/, Uhr, sprang vor dem Hause Llltzow- ufer 17 eine unbekannte, etwa 2S Jahre alte, anscheinend dem Arbeiterstande angehörende Frauensperson in den Landwehrkanal. Sie wurde aus dem Wasser gezogen und nach dem Elisabethkranken« hause geschafft, woselbst sie verstarb, ohne das Bewußtsein ivieder- erlangr zu haben. Sie ist schlank, mittelgroß, hat dunkle Haare und ist bekleidet mit braunem Rock und brauner Taille, blaugestreister Schürze, braunen Strümpfen. Knöpfstiefeln und weißem Hemd, gez- H. L. Die Leiche ist im Ärankenhause verblieben. Nachricht über die Persönlichkeit der Toten sowie die Angehörigen erbittet die Kriminalpolizei zur Nummer 311V. IV. SS. 12. DaS Mutterschutzhaus und Säuglingsheim in Pankow, Hartwigstr. 39. nimmt verheiratete und unverheiratete Mütter vor und nach der Entbindung auf. Es umfaßt drei Klassen zum Preise von S, 3 und 1 M. pro Tag und gewährt für gänzlich Unbemittelte eine Anzahl Freistellen gegen Hausarbeit. In dem sich ständig ver- größernden Säuglingsheim können noch eine Anzahl Lebrichwestern ausgebildet werden. Ebenso können zurzeit 2 bis 3 Wäscherinnen. die bei freier Station für sich und ihr Kind noch ein kleines Gehalt beziehen, Aufnahme finden. Nieder-Schönewetde. In der letzten Gemeindevertreterfitzung teilte der Gemeinde- Vorsteher mit, daß Herr Schewe sein Amt als Gemeindevertreter niedergelegt habe. Für die Nationalflugspende wurden 100 M. gegen die Stimme unseres Genossen, der unseren ablehnenden Standpunkt begründete, bewilligt. Der Antrag, einen Beitrag zu der für Groß-Berlin zu errichtenden Zentrallehrstellenvermittlung zu be« willigen, wurde abgelehnt. Eine Aenderung der Gemeindegrund- ordnung wurde in der Weife vorgenommen, daß die Steuer für unbebaute Grundstücke doppelt so hoch ist, wie für bebaute. Der Gemeindestätteplatz wurde an den bisherigen Pächter für die jährliche Pachtsumme von 760 Mark weiter verpachtet.— Wegen der Verlängerung der Straßenbahn von Alt-Glienicke nach Schönfeld, an welcher Linie der hiesige Gemeinde- friedhof liegt, soll der Gemeindevorstand mit der Gemeinde Schön- seid in Verhandlung treten.— Dem Antrag des Stenographenvereins Riederschöneweide-Johannisthal. ihm ein Schulzimmer zur Verfügung zu stellen, wurde zugestimmt.— Der Beschluß über die neue Lehrerbesoldungsordnung wurde ausgesetzt. Man wollte sich der Besoldungsordnung von Oberschöneweide anschließen, diese hat jedoch die Genehmigung der vorgesetzten Behörde nicht gefunden. Trotz des heftigen Einspruchs unseres Genossen will man den Eni- scheid des Oberverwaltungsaerichts, wohin sich Oberschöneweide beschwerdeführend gewandt hat, abwarten.— Der Besoldungsordnung für Beamte wurde zugestimmt. Nach dieser Ordnung find die Gehälter der Beamten bis zu 300 Mark erhöht worden. Mit der Firma Siemens u. Halske wurde ein Bertrag, die Errichtung des Feueralarmwefens betreffend, abgeschlossen. Es sollen 10 Straßenmelder mit Fernsprechapparaten und 3S Alarmglocken in den Wohnungen der Feuerwehrleute gebaut, außerdem eine Sirene aufgestellt werden.— Weiter wurde beschlossen, 100 Baumschutzkörbe versuchsweise anzuschaffen. � Nach der Abrechnung über die Errichtung des Gemeindefriedhofes betrugen die Ausgaben für die Gebäude 133 767 M-, für Grund und Boden 42 690 M. Ober-Schönetveide. Die Ersatzwahlen zur Gemeindevertretung finden Donnerstag, den 22. August statt. In der ersten Klaffe fft das Mandat des Direktors Weber, der die Wahl nicht angenommen hat. neu zu be- setzen, und eine zweite Wahl vorzunehmen, da die Wahl deS Barons von der Ropp für ungültig erklärt wurde. In der zweiten Klasse find ebenfalls zwei Ersatzwahlen vorzunehmen anläßlich der erfolgten Wahl der Gemeindeverordneten Müller und K a b« l i y zu Schöffen. Die sozialdemokratische Partei beteiligt sich an diesen Wahlen nicht, da infolge der Zusammensetzung dieser Wählerklassen ein Einfluß der Arbeiterschaft ausgeschlossen erscheint. Gegen den Beschluß der Vertretung auf Ungültigkeitserklärmig der Wahl unseres Vertreters Wesenburg ist Klage erhoben worden und muß dies Mandat bis zur Entscheidung der Sache un- erledigt bleiben. Bernau. Die Stadtverordneten wählten in der letzten Versammlung zu nächst die Delegierten zum Brandenburgischen Städtetag in Fürsten' Walde- von der sozialdemokratischen Fraktion wurde Genosse Werner gewählt. Vom Stadtv. Schulze wurde die Einführung des obliga- torischen FortbildungSschulunterrichis beantragt. In der Diskussion wiesen die Genossen Helbig und Knöschke darauf hin, daß der Aw trag bereits früher von der Sozialdemokratie gestellt, von der Mehr' heit der Stadtverordneten jedoch abgelehnt worden sei. Unsere Ge' nossen vertraten auch die Ansicht, daß nicht— wie Stadtv. Schulze beantragt— nur für Knaben eine Fortbildungsschule errichtet werden solle, sondern auch die Mädchen einbegriffen sein müßten. Der Antrag wurde ohne Widerspruch dem Mogistrat zur Berück sichtigung und Prüfung der Kostenftage überwiesen. Ferner wurde der Mogistratsvorlage zugestimmt, wonach sämtliche löschdienst« Pflichtige Einwohner gegen Uniall beim Feuerlöschdienst versichert sein sollten. Ein Antrag, die Gründung einer städtischen Sparkaffe in Bernau betreffend, wurde gleichfalls dem Magistrat zur weiteren Veranlassung überwiesen., Unter Verschiedenem wurde vom Genossen Pohl das Gebaren der Landwirtschaftlichen Krankenkasse gerügt. Die Kranken genannter Kasse werden vom Kassenarzt ohne dessen Unter- ichrist dem Krankenhause überwiesen und die Kasse zahlt dann nur die Mindestsätze, was event. bei der OrtSkasse Nachahmung finden könnte. Seinerzeit wurde von der bürgerlichen Mehrheit der Antrag auf Herabsetzung der Sätze für die Kasse abgelehnt, mithin habe die Landwirtschaftliche Kasse dieselbe Verpflichtung wie die andere Kasse. — Stadtv. Schmeichel glaubte bei dieser Gelegenheit der Kranken- Hausverwaltung einen Vorwurf machen zu müssen.� daß sie zu viel Personal beschäftige. Er wurde jedoch vom Bürgermeister, dem Dezernenten, sowie den Genossen Krüger und Knöschke eine? Besseren belehrt! es wurde betont, daß es von der Verwaltung sehr ver- nünftig sei, wenn sie genügend Personal zur Verfügung habe. Zossen. �/ Daiiipfmiihlenbraud. Die am Bahnhof WünSdorf gelegene große Dampfmühle Fögertsdorfer ist bis auf die Grundmauern eingeäschert worden. Der Materiolschaden bcläuft sich auf 100 000 M., die aber durch Versicherung gedeckt sind. Man nimmt an, daß der Mühlenbrand auf Brandstiftung zurückzuführen ist. Bei den Auf« räumungSarbeiten fand man die Leiche deS Heizers C h r i st i a n Götz, der bei dem Brand im Schlafe von den Flammen über- rafcht wurde._ Hiid aller Welt. Ein schuftiger Streich. Ein abscheuliches Verbrechen ist, wie uns ein Privattelegramm auch Bochum meldet, am Montag an den Hinterbliebenen der Ver- unglücklen auf Zeche Lothringen in Gerthe verübt worden. Während die Witwen mit ihren Angehörigen an bem Begräbnis teilnahmen, hat sich eine Bande von Einbrechern in den Wohnungen Einlaß verschafft, dort Kisten und Kasten durchwühlt und in IS Fällen die gespendeten Gelder, die eben zur SuS- zahlung gelangt waren, an sich genommen. Die Diebe erbeuteten Beträge von SOO M und darüber. ES ist gestern gelungen, drei der Kerle zu verhaften. Bei einem wurden sieben Portemonnaies mit erheblichen Beträgen gefunden. Das Erdbeben in der Türkei. In den vom Erdbeben heimgesuchten» Ortschaften dauern die Erdstöße fort. Die Berge zwischen GanoS und Chora sollen sich gesenkt haben. ES heißt, daß fich auf dem Berge Tekfurdagh ein Krater gebildet habe, aus dem Rauch aui- steige. Unter den Trümmern befinden sich noch zahlreiche Letchen. Fünfzigtausend Menschen sind ohne Obdach. Em Torpedoboot bringt fortgesetzt Hilfe, die jedoch bei der großen Zahl der Verunglückten nicht ausreicht. Das Wetter. Meldungen auS verschiedenen Punkten Frankreich? ver- zeichnen äußerst kalte Witterungsverhältnisse sowie orkanartige Stürme. In Sur zum wurde großer Schaden angerichtet. In der Ortschaft Kergroise find viele Häuser abgedeckt. Bäume entwurzelt und andere Verwüstungen ongenchtet worden. In Marseille herrscht ein heftiger Südsturm, wodurch d,e Schtff- fahrt zum Teil eingestellt werden mußte. Aus CerbsreS an der spanischen Grenze wird berichtet, daß in BradaS und Umgegend heftige Schneefälle eingetreten sind. Aus Rußland da- gegen meldet man eine neue große Hitze. Das Thermometer erreicht in Südrußland durchschnittlich in den Nachmittagsstunden 40 Grad im Schatten und 61 Grad in der Sonne. Es ,st die dritte Hitzwelle, die in diesem Jahre in Rußland zu verzeichnen tst. In vielen Orten kampieren nachts die Einwohner im Freien. Kleine Notizen. Ein schweres Grubenunglück wird ans St. Ttienne gemeldet. Al« die Nachtschicht der Grube.ChateluS L' sich im Förderkorbe hinabbegeben wollte, trafen verschiedene Grubenwagen, die sich von ihrer Verkuppelung losgelöst hatten, auf einer abschüssigen Galene die vordersten der Mannschaften. Vier Bergleute wurden schwerverletzt..._ 500 Passagiere in Lebensgefahr. Die Insassen eine» Expreß- zugeS, der gestern von Boston nach New Uork fuhr, gerieten nahe New Bork inmitten eines Tunnels in große Gefahr. Die elektrische Lokomotive deS in voller Fahrt dahinbrausenden Zuges sprang in dem Tunnel aus den Schienen und rannte gegen die Steinpfeiler. Die Passagiere kamen mit dem Schrecken davon. Mit Hilfe von Leitern gelangten sie später an die Oberwelt. Tödlicher Unfall im Theater. Im Kasinotheater in Biarritz er- eignete sich Montagnachmiliag ein schwerer Unglücksfall. Hinter der Szene stürzten zwei Arbeiter, die dort auf einer Leiter standen, aus bisher unbekannter Ursache plötzlich ab und fielen aus einer Höhe von 12 Meter auf ein Glasdach, das sie mit ihren Körpern durchschlugen. Beide waren sofort tot. Das Publikum wurde von einer leichten Panik ergriffen. Die Vorstellung mußte abgebrochen werden. Bnefkaften der Redaktion. XU tariftme Sprechstunde findet Linde» st raste es, vor» vier Trevdea — Fahr st»hl—, wocheningltch vo» iV, bist 7% Uhr-b-ndS, S-unabendS, von*14»18 6 Uhr abend» statt. Jeder für de» Brieftasten»esttmmtea Anfrage ist ei» vnchftabe uud eine Saht al» Mertzetchen brizufstgt». Briefliche Aniwort wird nicht erteilt,«»fragen, denen leine«»onnemeniZautttung»eigefiigt ist, werden nicht beantiMrtet. Eilige Fragen trage man in der Sdrechftuude dar. O. M.»01. Die Pfändung ist statthast,.soweit es sich um entbehrlich- Sachen handelt.— E. P. 100. Die Witwe soll Antrag aus Waisenrente beim Vtckficherungsamt stellen. Ob Witwengeld oder Witwenrente bean- sprucht werden kann, läßt Ihr Schreiben nicht erkennen.— A. N. 117. ») Unentgeltlich beim Standesamt, d) Rein.— Mariendorf, A.®. Sech» Wochen vor Ende jedes Dienst«, nicht Kalender-Vierteljahres.— M.?t. 31. Wenden Sie sich an da« Au«kunftSbureau Bahnhof «Icrandcrplatz.— F. St. 88. 1 und 2. Auf geschäftliche Empfehlungen können wir uns nicht einlassen. 3. Wenden Sie sich an einen Kammer. jäger, deren Adressen im Adreßbuch ersichtlich sind.— Carmen Tylva 7. Kommt aus die jeweilige Abmachung zwischen diesen beiden Instituten an. — B.<2. 40. Stiftungen bestehen. Die Ausnahme ist von Bedingungen abhängig wie Mter. Geschlecht und Wohnsitz, SsistungSdeputation deS Magistrats Berlin, Puststratze 16.— B. St. 33. Meldungen sind an die Geschäsisleitung. Berlin- Lichtenberg, Rtttergutstraße, zu richten. Auskunft erhalten Sie dort.— A. C. Baugewerkschule, Linden- straße S7/S8, oder Gewerbcsaal, Straßmannstratze 6.— St. St. Nein. Witterungsübersicht vom 13. August ISIS. k tattonen Swinemde. Hamburg Berlin Franks.a.M München Wien || II ef 753 5®» 753, WSW 754® 7521®» 755'SSffl 757|0®D Wetter eiler 2 halb bd. t wolkig pNebel 3 bedeckt 1, Nebel »« d» Ä II Ct» wS> Etationen Jß II II Haparanda Petersburg Scillh Aberdeen Pari» -ö 5 B S a® �-c 749920 753 SO 761 N 756 WNW 762 SSW Setter wolkig SRegen 5 wolkig 4 bedeckt heiter t* 15 14 12 9 16 Wetterprognose für Mittwoch, den 14. August ISIS. Ziemlich kühl und trübe mit Regensüllen, zeitwelfe aujklarend; mäßige südliche Winde. Berliner Wetterbureau. Wasserstands. Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau Wasserstand M e m e l, Tilfit P r e g e I. Jnfterburg Weichsel. Schorn Oder, Ratibor , Strossen . Frankfurt Warthe, Schimm . LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dre«den . Barby , Magdeburg seit 11.8. om') —11 0 +13 —10 + 1 0 —3 0 +12 +12 +29 +1 +2 ')+ bedeutet Wuch».— Fall.—•) Untervegel. Von der Keise zurück Dr. Max Blumenthal, Landsberger Allee 157/158. Ans Teilzahlung! Ohne Anzahlung I Kein Kassierer. Teppiche. Gardinen, Mtores, Portleren, Stepp-, Plüsch- and Ulvandecken.* Matzner, Hufelanditraste 41. Bildergeschäst. Karten od. Besuch erbet. von Mittwoch, den 14. August, an wieder jeden Mtltwochnachmiitag die berühmten 37S2L Grützwürftchen. »uriMlejer, fX": Haben Sie Stoff l" Ich Jirtu* davon Anzug od. Pzlolot nach M» SC, tddeh. datier h. Zutaten 35 Mtrk an. Moritz Lernen d Promenade d, II(Sladtk. BrSrmJ R V�r. •?) y Todes-Anzeigen Nach langen, schweren Leiden verschied am Montaanachmittag 21/» Uhr mem lieber Mann, Brüder, Schwager, Onkel Franz Pekel im Aller von 5« Jahren. 36A Um stilles Belleid bittet Witwe Severina Pekel, Zorndorser Str. 12. Die Beerdigung findet Donners- tag, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Katholischen Kirchhoses in WilhelmSberg aus statt. Sozialdemokrat. Wahlverein für den 4. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Petersburg. Viertel. Bez. 341. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Maurer Franz Pekel Zorndorser Str. 12, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 15. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Katholischen Kirchhoses der Pius- Gemeinde in WilhelmSberg aus statt. 213/1 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Oeutsetier Bauarheilervertiantl, Sektion der Pntaer. Unseren sowie den Mitgliedern des Gesangvereins der Putzer hiermit zur Kenntnis, daß unser langjähriges Mitglied Franz Pekel am 12. August im Alter von SS Jahren an Herzschwäche ge- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, 15. d. ÄtS., nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Katholischen KirchhoseS, Wilhelms- berg, aus statt. 141/15 Um recht rege Betelltgung ersucht vis Srtliche Verwaltung. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Bezirk GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter Paul Kuckuk am 10. d. MtS. im Alter von 27 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 14. d. MtA. nachmittag» 4'/, Uhr, von der Leichen- Halle de» neuen Jakobi-KirchhojeS, Hermannsttatze, aus statt. 66/2 Die Bezirksverwaltung, Verband deutscher Gastwirtsgehilten Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege frick Müller am 10. August im 33. Lebensjahre H verstorben ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 14. August, nachmittags 51/, Uhr, aus dem Bartholomäus-Friedhos inWeißen- see, Falkenberger Straße, statt. Um rege Beteiligung ersucht 31/14 Der Vorstand. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht daß unser Kollege. der Klempner 55A Franz Denell Lichtenberg, Rummelsburger Str. 5, durch Unsall auS dem Leben ge- schieden ist, Die Beerdigung findet Mittwoch, den 14. August, nachm. 4% Uhr, von der Halle de» Britzcr De- meinde-FriedhoseS aus statt. Die Kollegen der Firma Lichtende Rumpler, oerg. Todesanzeige. Am Sonntag sruh 5 Uhr ist nach einem schweren Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter Flisabetk Karbstein geb. Zatscb sanst entschlasen. 19A Die Beerdigung findet Mittwochnachmittag 5 Uhr aus dem. Ge- mcinde-Friedhos in Weißensee, Roelkeftraße, statt. leeeph Karbstein nebst Kindern, Weißensee, Sedanttt. 80, Xe Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher -llnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Manne«. unsere» lieben Vaters, BruderZ, Schwager» und Onkel» neinrick renxler sagen wir a�cn Verwandten, Freunden und Bekannten sowie den Arbeit». kolleaen und der Hillikrankenlasse der Drechsler herzlichen Dank. Wwe. Fengler nebst Kindern. Allen Freunden und Bekannten hiermit die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser fürsorg- licher Vater, Onkel und Neffe, der Gastwirt Herr Karl Meyer im 46. Lebensjahre am Montagabend S>/. Uhr nach langem, schwerem Leiden sanst entschiasen ist. Um stilles Beileid bitten Die Kauernde Witwe I-nlse Meyer geb. Heyne nebst Kindern Lieschen und Erna. Die Beerdigung findet am Freitag, den 16. August, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- halle des 3. Pankower Gemeinde- sriedhosS in Schönbolz aus statt. > Deutscher �etallarbeiter-Verhand Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mttglied, der Schlosser �dolf Stübener am 7. August an Herzleiden ge- storben ist Ehre seinem Andenke«! 122/10 Die Orisverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes Lmil Beyer sage ich allen Verwandten, Bekannten und meinen Kunden sowie den Ge- noflen des 4. Wahlkreises, dem Gesangverein„Thpographia', der Bäcker-ZwangSinnung und den Bäcker- meistern des Bezirks Nordost meineii herzlichen Dank. 36A Ww. Beyer. Danksagung. 26A Für die vielen Kranzspenden und herzlich« Teilnahme bei der Beer- digung meiner lieben Frau Trida Hesse West sage ich hiermit meinen herzlichsten Dank. Franz Hesse. Für die innige Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Manne», unsere» guten Vaters 2827b Mm Kirstein sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten meinen herzlichsten Dank. Witwe Pauline Kirstein nebst Kindern. iManvüfi'amapiPl Extra- Ab teil nng j I. Gesch.: Berlin Vi., Mohren- 1 StraBe 37a(2. Haus von der j Jerusalemer StraBe). Iii. Gesch.; Berlin NO., GroBe Frankturt. Str. 115(2. Haus| von der AndreasstraBe). 1 Sehrgx.Ausw. fert. Kleider, I J Hüte, Handschuhe, Schleierl leto. v. einfachsten bis zum I | hochelegant. Genrez. äußerst| niedrigen Preisen. 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Mit Buchschmuck und dem Porträt des Verfassers. Broschiert 60 Pf.— Gebunden I M. 247/20 Nervosität und Verdauungsstörungen stehen ost in engem Zu< sammenhange, da die geschwächten Magen- und Darmnerven die Tätigkeit der VerdauungSorgane ungünstig beeinflussen und außer diesen Beschwerden meist auch noch Appetttmangel besteht. Nervösen Leuten wird insolgedessen eine schmackhaste, abwechselungsreiche, g!et> gut ernährende und leicht verdauliche Kost willlommen sein, wie sie ihnen die Anwendung von . K u s e k e' zu bieten vermag.. K u f e k e' kann, wie aus dem „ St u f c I e*> Kochbüchlein ersichtlich, in den täglichen Speisen gereicht werden, deren Geschmack durch diesen Zusatz nur noch gewinnt. Rosenthaler Hof Rasenthaler Str. 11/12. Jnh. Otto Schilling. 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Zu diesem Posten Befälitgte werden, unter Angabe ihrer bisherigen Tätigkeit, ersucht, ihre Bewerbungen bis einschließlich Sonnabend, 31..4nen»t er., an H. Hensc, Bcsenbinderhof 68, parterre, mit der Ausschrist„Bewerbnns"' einzureichen. 106/1* Der Anfsichtsrat. XO. X. xw. sw. s. s«. flnnabmettelkn für„Kleine Hnzelgen llcriin C. 21. Hahniicki. Auguststr. 50, Eingang Joachimftraße. W. ffi. Sckiiuidt, Kirchbachftr. 14. O. R. Hackelbnich, Petersburger Platz 4. Gustav Ttogel, Koppen- straße 82. 9t. Wrngels. Gr. Franksurter Str. 120. L. Zucht, Jmmanueikirchstr. 12. F. Ütenl. Barnimitr. 42. W. Baumann. Rbeinsberger Str. 67. F. Trapp. Ba itianstr. 6. Kart Vtnrs. Greiscii Hagener Str. 27. I. Hönisch, Razarethkirchstr. 49 H. Bogel. Lortzingstr. 37. 2l. Tieß, Jnvalidenstr. 124 L. Drchnnd, Nubeplatzitr. 24. Karl 21»ders, Salzioedelerftr. 8. H. Werner. Gneiienausv- 72. Taeh», Hagelberger Str. 27. St. Friv, Prinzenitr. 3t. F. Lehmann. Koltbuser Damm 8. Paul Böbin, Laufitzer Platz 14115. P. 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