Ur. 190. Nbonnementz-Keckingungen: Sbmmemcnts- Preis vränumerando: »icrleljährl. 3&) 2Kf., mono«. 1,10 Mk., Ivöchenllich 28 Pfg, frei ins HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer init illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfa. Post- Wonncment: 1,10 Mark'pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs- Preisliste, Unter Kreuzband lür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mar!, für das übrige Ausland 8 Mar! pro Monat, Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. VIe Mertlonz-Ledilhr BcMgt für die sechSgespaltene Kolonek zeile oder deren Raum SO Pfg,. für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versainnilungs-Anzeigen SO Pfg, VNlktot täglld) außer montags, Nerlinev „Kleine Hnzcigcn", das"scttgedruÄe Wort 20 Pfg, lzulässtg 2 fettgedruckte Worte), iedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jcdeS weitere Wort b Pfg. Worte über 15 Buch- i laben zählen für zwei Worte, Inserate ür die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm. Adresse: „Sozialdemokrat RerUa**« Zentralorgan der fozialdemokratifcben partes Deutfcblands. Redaktion: 8Äl. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Morihplatz, Nr. 1983. Freitag, den 10. August 1913/ Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Schulreaktion. Namentlich im größten deutschen Bundesstaat, in Preußen, ist die Reaktion eifrig am Werke, die Volksschule immer mehr zum Werkzeug politischen und geistigen Rückschritts zu er- niedrigen. Und leider haben auch gerade die Nationalliberalen, die gelegentlich so eifrig die Klilturkämpfer markieren, seiner- zeit bei dem Schulunterhaltungsgesetz mitgeholfen, die Schule unter die Botmäßigkeit der Kirche zu bringen; wurde doch mit ihrer Unterstützung die Konfessionsschule als Regel festgelegt, während die S i m u l t a n s ch li l e nur als A u s n a h m e zugelassen ist. Und wenn inzwischen auch die Ortsschulinspektion zum Teil aus den Händen der Geist- lichen genommen worden ist, so ist die Zahl der geistlichen Ortsschulinspektoren doch immer noch eine sehr erhebliche. Auch hatten gerade in der letzten Session die Mehrheit des Abgeordnetenhauses wieder eine Aktion zugunsten der geistlichen OrtSschulinspektion unternommen, indem sie einen freisinnigen Antrag, der die Regierung zu geeigneten Maßnahmen zur Aufhebung der geistlichen Ortsschulinspektion allfforderte, ostentativ ablehnte und dabei die Notwendigkeit der Erhaltung des Einflusses der Geistlichkeit auf die Volksschule ausdrücklich hervorhob. Zudem war schon im Jahre vorher von kon- servativcr und ultramontancr Seite hervorgehoben worden, daß auch die hauptamtliche Kreisschulinspektion(deren beschleunigte Durchführung an Stelle der neben- amtlichen 1912 ebenfalls von der blauschivarzcn Mehrheit abgelehnt worden war) keineswegs der Geistlichkeit verschlossen bleiben solle, auch der Kultusminister habe sich in diesem Sinne in der Kommission ausgesprochen. Die Schnlvcrpfafsung macht also in Preußen Fortschritte I Und mau braucht nur noch daran zu erinnern, daß 1911 ein Magdeburger Lehrer ge maßregelt worden ist, weil er seinen Austritt aus der Staatskirche erklärt hatte, um das Bild von der Schulverpfaffiing und der Gelvifsensknebelung der Lehreis zu vervollständigen l Wohin aber das Ziel der Reaktion geht und welch liebenswürdige Absichten man auch der V 0 l k s s ch u l l e h r e r- s ch a f t gegenüber hegt, verrät mit erfreulicher Offenherzigkeit eine dickleibige Broschüre, die ein Anonymus, der sich Dr. Eccartus nennt, soeben im Verlage von Walther Fiedler, Leipzig, hat erscheinen lassen. In dieser Broschüre, der der sächsische Erzreaktionär Dr. M e h n e t t nachgerühmt hat, daß sie„mit einer großen und eingehenden Sachkenntnis" ge- schrieben sei und deren Studium er der Unterrichtsverwaltung und jedem Mitglieds der Schuldeputatiou angelegentlichst empfahl, wird allen modernen pädagogischen Bestrebungen der Lehrerfchaft der Krieg bis aufs Messer angesagt. Wenn die Mehrheit der Lehrer die Einheitsschule verlangt, wenn sie auf möglichste Verminderung der Klassenfrequeuz dringt, die Zulassung zum Universitätsstudium und eine weitergehende Hebung ihrer sozialen Lage fordert, so hat dieser getreue Eckard der Reaktion dafür nur ein glattes N e i n I Dagegen schlägt er allerhand Maßnahmen vor, um die Lehrerschaft zur Ohnmacht zu verurteilen. Doch geben wir einige Stichproben davon, wie sich der von dem sächsischen Reaktionär so warm empfohlene Verfasser die Zukunft der Volksschule und des Volksschullehrerstandes denkt. In den ersten Kapiteln wendet er sich gegen die Vielheit des Wissens, gegen ein überbürdendes Spezialistentum— als ob unsere Volksschule schon allzuviel an nützlichen Kenntnissen verbreitete I Allmählich wird er immer deutlicher. Von der Einführung der Staatsbürgerkunde hält er nicht viel:„Lieber keinen staatsbürgerlichen Unterricht als einen solchen, der er- teilt ivird von einem patriotisch nicht zweifellos zuverlässigen Volksschullchrer". Die Hauptsache ist ihm.„daß der Lehrer... vaterländische Gesinnung und L i e b e zum angestammten Herrscherhause in Herz und Gewissen der ihm ander- trauten Jugend einpflanze". Auch der m i l i t ä ri s ch e Ge- sichtspunkt müsse in erster Linie Berücksichtigung fiiiden, da heutigen Tages in den Schlachten„das moralische'Element eine ungemein starke Rolle" spiele, das nur„durch eine in der Schule anerzogene moralische Zucht und Vater- l ä n d i s ch e B e g e i st e r u n g" erzeugt iverden könne. Im Interesse dieser ,.Zucl)t" hält es der Verfasser auch mit der Prügelpädagogik, Solange aber das Prügeln not- wendig sei— und der Verfasser hält es für notwendig—. müßten den Lehrern„auch dei U e b e r s ch r e i t u n g des Züchtigungsrechts dringend mildernde Umstände" zugebilligt werden. �, Die von der Mehrheit geforderte allgemeine Volksschule als Unterbau der höheren Schulen verwirft Dr, Eccartus aus den interessantesten Gründen. Erstlich:„Rückt mdn arm und reich in der Schulstube so nahe zusammen, so wjrd das Gegenteil von Zufriedenheit erreicht." Zweitens: Bekanntlich grassierten alle an st eckenden Krankheiten in den unteren Klassen der Bevölkerung stärker als in den oberen. Namentlich neige ein viel stärkerer Prozentsatz der Kinder arnicr Leute zur L u n g e n s ch>v i n d s u ch t. Hier liege also eine„eminente Gefahr der Ansteckung" vor— für die Kinder der Reichen! Drittens hätten manche Proletarier- linder— Ungeziefer! Viertens könnten die Kinder der Reichen durch die Sprößlinge der ärmeren Schichten sittlich verdorben werden! Und fünftens endlich bedeute die Einführung der allgemeinen Volksschule mit gleichem Lehrziel 'für alle Kinder des gesamten Volkes einen„kulturellen Rück- Ischritt". Habe doch schon die Natur„durch die Auswahl der 'besten, der stärksten, der klügsten Lebewesen" eine Auslese vorgenommen. Nun Iväre es zivar das Ideal, wenn schlechthin die Begabtesten aus allen Volksschichten einem höheren Unterrichtsziel zugeführt werden könnten;„das v e r- bieten aber zumeist die realen Verhältnisse". So müsse man schon die Besten daher nehmen,„wo zugleich die materiellen Mittel für jene höhere Bildung vor- Händen sind, nämlich in den besser situierten Volks- klaffen". Man muß schon sagen, mit naivcrem oder auch brutalerem Zynismus sind kaum je die Forderungen der Klassenschule vertreten ivorden. Wenn die moderne Pädagogik die durch den Ausbau unserer Volksschule notwendig werdenden steigenden Ausgaben unter anderem auch mit dem großen Einfluß rechtfertigt, den die bessere Schulbildung sogar auf Handarbeit und Industrie habe, so findet sie bei unserem Schulreakttonär mit solchen Hinweiseck keinerlei Gnade:„demgegenüber gilt es zu kon- statieren, daß die Handarbeit in Landwirtschaft, Industrie und Handwerk von der Schulbildung nur in ver- schwindendem Matze beeinflußt wird!" Dem Unternehmer, selbst dem Handwerksmeister, möge bessere Schul- bildung frommen, aber mit kaufmännischer Kalkulation und der- gleichen habe doch„die Hauptmasse der mit der Haud arbeitenden Bevölkerung nur wenig oder nichts zu tun". Zudem: die belgische Volksschulbildung sei die denkbar traurigste, seien doch 1999 10—20 Proz. aller militärischen Gestellungs- Pflichtigen weder des Lesens noch des Schreibens kundig ge- Wesen, in einzelnen Bezirken seien sogar bis zu 50 Proz. Analphabeten gezählt worden. Und doch besitze Belgien eine starke Industrie! Die Tatsache könne also gar nicht ernstlich bestritten werden,„daß Handarbeiter in ihrem speziellen Fach zu den höchsten Leistungen befähigt.„Oualitätsarbeiter" sein können, auch ohne des Lesens und Schreibens kundig zu sein", Wenn also die Proletarier auch bei mangelhaftester Volkse schulbildung die vortrefflichsten kapitalistischen Ausbeutungs' objekte abgeben können— wozu sie dann übermäßig mit Wissen belasten, das sie nur„unzufrieden" und für die Be- sitzenden gefährlich machen kann I Aus diesen„staats- erhaltenden" und„patriotischen" Gedankengängen heraus begreift sich leicht die Forderung des ehrlichen Dr. Eccartus, dü> Volksschulpflicht um ein Jahr zu verkürzen und die Zahl der Unterrichtsstunden und Unterrichtsfächer mög lichst zu beschränken l Die Hauptsache ist ja, daß die pro letarische Masse brauchbares, fügsames Ausbcutungsmaterial und schlachtentüchtiges Kanonenfutter liefert I Aus dieser sozialen Wertung des Volkes und der Volks- schule ergibt sich mit zwingender Logik auch die soziale Ein- schätzung des Volksschullehrer st andes. Zunächst entstamme ja die Volksschullehrerschaft zum guten Teil selbst nicht der besitzenden Klasse. Diese„geringe Herkilnft" habe„ihre schweren Schattenseiten":„Es fehlt den Betreffenden oft die K i n d e r st u b e... sie haben jedenfalls nicht inimer sozusagen mit der Muttermilch schon eingesogen den Takt und das Gefühl für Anstand und Schicklichkeit, das allerdings einem Volksschullehrer als Lehrer und Erzieher des Volkes in Fleisch und Blut übergegangen sein müßte". Und das, fügen wir hinzu, den Herrn Dr. Eccartus in so hervor- ragendem Maße auszeichnet! Aus der„geringen" Herkunft vieler Lehrer resultiert aber nach Eccartus auch der„Hochmut" der Lehrer, denn„niemand ist schwerer zu ertragen als der Emporkömmling." Der Hochnnitsteufel plage nun die Lehrer dergestalt, daß sie das Recht des Universitätsbesuches für sich forderten. Welche Anmaßung I Werde doch„der Geist des Gymnasiums von dem an den Seminaren herrschenden durch eine tiefe Kluft getrennt", ein allerliebstes Zugeständnis beiläufig. Aber es komint noch besser:„Wenn nun jeder beliebige Schnllehrer die Universität besuchen dürfte, so würden jene Erfolge bei dieser Masse ausbleiben, da doch dann die liebe Eitel- kcit und das Strebertum unserer Tage die Universitäten mit einer Menge unbegabter und zum Studium ungeeigneter Elemente überschwemmen würd e." Und notabene: unter all diese liebenswürdigen Urteile hat der Führer der sächsischen Konservativen sein Placet gedrückt I Folglich sollen die Schulmeister sich hübsch mit ihrem bis- herigen Bildungsgang bescheiden, dessen glorreiche Ergebnisse Herr Dr. Eccartus selbst weiterhin mit den Worten charakterisiert:„Ein Volksschullehrer kann in Dingen der Religion nur so weit ein eigenes Urteil haben, als es sich bezieht auf unmittelbare Erfahrungen des christlichen Lebens...; ein Urteil aber über die Fragen der Bibel- kritik, der Dogmatil und Ethik liegen jenseits s e i n e s H 0 r i z 0 n t e s." Da ist der Herr Pfarrer doch ein ganz anderer Mann l Aber die Forderung des Universitätsstudiums der Lehrer i lehnt Dr. Eccartus nicht nur wegen der minderen Begabung und des Strebertums der Lehrer ab, sondern auch wegen der lUeberfüllung der akademischen Karrieren.„Wie ungerecht und bitte r" wäre es, wenn den Söhnen der„oberen Volkskreise" die„allerhärte sie Kon- fkurrenz" durch die studierten Volksschullehrer bereitet würde'! Abgesehen davon, daß die Universitäten„immer mehr veröden würden und die g e i st i g e O u a l i t ä t der Studenten von Jahr zu Jahr minderwertiger würde". Da habt Jhr's, Ihr Schulmeister, was die „patriotischen",„staatserhaltenden" Kreise von Euch Haltens Besonders köstlich aber ist, daß derselbe Herr Dr. Eccartus, der hier über die den„Söhnen der oberen Volkskreise" durch die Volksschullehrcr drohende Konkurrenz flennt, dann selbst empfiehlt, den Lehrern ihre Anmaßlichkeit und ihre Bildungsmuckcn dadurch auszutreiben, daß ihnen eine mög- lichst große Konkurrenz gemacht werde I„Den Volks- schullehrcrn fehlt es zurzeit noch an einer genügenden Konkurrenz unter sich. Dieser Mangel ist eine Haupt- quelle der bestehenden Schwierigkeiten," schreibt er wörtlich.„Zur Erzeugung einer entsprechenden Konkurrenz" empfiehlt er deshalb: 1. eine Beseitigung des numerus lesusus bei den Seminarzöglingen, die Züchtung möglichst zahlreicher Lehrer; 2. die Heranziehung�von Schülern höherer Schulen„zur Erzielimg genügender Konkurrenz". und 3. die Besetzung aller Lehrstellen bis zur Hälfte mit Lehrerinnen I Das ist konservative Lehrerfreundlichkeit I Wir heben zum Schluß nochmals hervor, daß Dr. Mehnert ja bereits dies lehrerfreundliche Opus cmfs wärmste emp- fohlen hat. Ferner decken sich die Ausführungen des Dr. Eccartus häufig in einem Maße mit denen des berüchtigten pädagogischen Wortführers des preußischen Zentrums, des Kreisschul- inspektors Dr. Heß, daß man an die Identität des Dr. Heß mit dem Dr. Eccartus glauben könnte, wenn nicht gewisse Kapitel verrieten, daß Dr. Eccartus ein Protestant ist, also nur ein Wahlverwandter des zentrümlichen Schulreaktionärs. Daß aber solche Schriften möglich sind und die Anerkennung führender reaktionärer Politiker finden, zeigt den Lehrern, tvessen sie sich zu gewärtigen haben, wenn sie sich nicht end- lich entschließen, die Sache der arbeitenden Klassen zu ihrer eigenen zu machen. Der National- liberalismus steht ja längst selbst im Lager der Schulreaktion, und die Vertretung der Forderungen der modernen Pädagogik durch den F 0 r t s ch r i t t läßt an Entschiedenheit nicht weniger als alles zu wünschen übrig. Mit der Sache des klassenbewußten, sozialdemokratischen Proletariats steht und fällt auch die Sache der Volksschule und der Volksschullehrer l Das sollte der Lehrerschaft gerade die Broschüre des Dr. Eccartus eindringlichst zu Gemüte führen I_ � Die Ciirkei und die Mächte. Es kann keinem Zweifel mehr unterliegen: Der Aufstand der Arnauten hat die Orientfrage mit all ihren Ge- fahren aufs neue aufgerollt. Die Türkei steht wieder da, Ivo sie stand, als England und Rußland sie mit den„mazedo- nischcn Reformen" bedrohten. Damals schien der Untergang der europäischen Türkei bevorzustehen. Da erhoben sich die jungtürkischen Offiziere zur Abwehr. Die siegreiche Revolution schien dem vermodernden Staatswesen neue Lebenskraft ein- zuflößen. Zwar vermochte auch die verjüngte Türkei nicht zu hindern, daß Bulgarien sich für unabhängig und Oester- r e i ch- U n g a r n die Okkupation Bosniens und der Herze- gowina für definitiv erklärte. Doch dies waren keine Ein- büßen an realer Macht. Dagegen schienen die englisch-russischen Einmischung�pläne zunächst beseitigt, die Balkanstckaten mutzten Ruhe halten, der Bandcnkrieg in Mazedonien hörte auf, die Albanesen schlössen sich begeistert der neuen Regierung cm und die Bahn für eine ungestörte EntWickelung, die zur Stärkung und Festigung des Staates führen sollte, schien so manchen Optimisten offen. Namentlich seitdem im Verlauf der A n n e x i 0 n s k r i s e von 1909, während der das von Rußland aufgeputschte Serbien den Frieden bedrohte, Ruß- land und England vor der gepanzerten Faust Deutschlands und Oesterreichs zurückweichen mußten, schien die Türkei vor aus- Wärtiger Intervention gesichert. Die Herrlichkeit hat nicht lange gedauert und zu früh haben jene deutschen Imperialisten gejubelt, die in der türkischen Armee schon die verbündete Macht sahen, die einst gegen die Engländer in Aegypten den entscheidenden Vorstoß führen sollte. Der Tripoliskrieg kam, der Verbündete des Deutschen Reiches führte gegen die Türkei den verderben- bringenden Stoß. Dieser Krieg, den die Türkei aus eigener Kraft weder führen noch enden kann, hat am meisten dazu beigetragen, die Autorität der Regierung zu vernichten, den Kamps zwischen den türkischen Parteien selbst und den Kampf der Nationalitäten gegen die Türken zu entzünden. Der Auf- stand der Albaner fand keine widerstandsfähige Regieruugs- macht mehr. Di e Auf ständigen haben heute den vollen Sieg in Händen. Die wichtigsten Plätze des Landes, vor allem Uesküb, sind in ihrer Gewalt, die türkischen Truppen verharren in Untätigkeit. In E l b a s a n. einem Orte in Mittelalbanicn, warten die Führer der Südalbanesen auf das Eintreffen der Führer deS Nordens, um zur ersten albanischen Nationalversammlung zusammenzutreten und Elbasan als zukünftige Hauptstadt des a u t 0- nomen Albanien zu erklären. Die Türkei hat damit � eine ihrer wichtigsten Stützen verloren. Albanien kann aber nicht autonom iverden, ohne das Autonomicstreben in dem vom wildesten Nationalitätcnkampf durchtobten Gebiet M a z e d 0 n j e n s unwiderstehlich zu machen. Mazedonien aber begehren Griechen, Serben, Bul- garen, Montenegriner. Schon haben sie den Bandenkrieg entfesselt und immer bestimmter werden die Nachrichten, daß Montenegro ühi n�iNentlich das Waffenstarte Bul- garien mobilisiert. Und damit nichts fehle an der Wiederkehr des' Zustandes vom Sommer 1908, kommt jetzt die Nachricht von der bevorstehenden Intervention der Mächte. Es ist kein Zweifel, daß in Petersburg zwischen den: französischen und russischen Ministerpräsidenten und dem englischen Botschafter über die türkische Frage verhandelt und ein bestimmtes einheitliches Vorgehen der Tripelcntcnte fest- gelegt worden ist. Offiziell ist nur die Rede von neuen Ver- suchen, den türkisch-italicnischen Krieg durch Vermittelung der Mächte zu beenden. Wie dieser Friede, wenn ihn Rußland und die Westmächtc diktieren sollten, aussehen würde, kann nicht zweifelhaft sein: Italien würde seine Beute heim- bringen, die Türkei der Leidtragende sein. Daß ein solcher Friedensschluß die Autorität jeder türkischen Regierung noch weiter mindern, die Ansprüche der Nationalitäten steigern, die Zersetzung beschleunigen würde, ist sicher. Kann man an- nehmen,"daß die Leiter der Politik der Tripelentente nicht auch diese Folgen in den Kreis ihrer Abmachungen gezogen, daß ihre Pläne nicht weiter reichen und nicht über die Bei- legung des Krieges hinausgehen? lind schon wird auch von anderer Seite die Frage nach dein künftigen Schicksal der Türkei gestellt. Der österreichische Minister des Aeußern, Graf B e r ch t o l d, regt einen Meinungsaustausch der Mächte über die innere Lage der Türkei an. Das nach der Revolution so feierlich proklamierte Prinzip der Nichtcinnuschung ist vergessen. Nach deni österreichischen Vorschlage sollen, wie ein englisches Blatt wissen will, einige europäische Provinzen der Türkei, vor allein Albanien und Mazedonien, autonome Regierungen erhalten lind in ihrer inneren An- » gclegenheiten uon der türkischen Regierung un- abhängig werden. Eine solche von außen der Türkei aufoktroyierte Autonomie würde die v ö l l i g e O h n m a ch t des türkischen Reiches be- deuten. Denn die autonom gewordenen Nationalitäten würden ihren Schwerpunkt noch weniger als bisher in Konstantinopel, sondern in den Balkanstaatcn suchen. Der Rationalitätenkampf würde bei deni unentwirrbaren Völker- gemisch fortbestehen und der ftete Anreiz zum Eingreifen der Balkanstaaten werden; eine solche Autonomie würde keiue Befestigung der Türkei bedeuten, sondern nur ihr Ende beschleunigen. Vor allem aber kann ein„Mcinungsanstausch" die zwischen den europäischen Mächten in der Orientfrnge klaffenden Gegensätze nicht überbrücken; die Furcht ist viel- mehr nur allzu begründet, daß diese Jnterventionsvcrsuche zur Verstärkung und deutlicheren Offenbarung dieser Gegensätze führen werden. So stehj die Türkei wieder vor dem Schicksal, das über sie von den ausivärtigen Mächten entschieden iverden soll, und keine Revolution kann heute das Land zum zlpeitenmal retten, das nach außen Krieg führt und im Innern von Aufstand und Bürgerkrieg zerrissen wird. 1908 schon hat ein ähnlicher Zu- stand für Europa schwere �Kriegsgefahren heraufbe- schworen, und wer könnte leugnen, daß in der jetzigen Situation nicht gleichfalls gefährlichste Konfliktskeime enthalten sind? Durch die unglückselige answärtige Politik, die sie in immer � schärferen Gegensatz zu den.Westmächte» gebracht bat. hat Deutschlands R e g i e r u n g die eigene Stellung in der internationalen Politik geschwächt. Es wäre das schlimmste, tvcnn sie sich jetzt verleiten ließe, im Gefolge Oesterreichs J sich am Balkan zu engagierest. Denn nach wie vor gilt das Wort: Der Balkan ist uns nicht die Knochen eines einzigen Pommers chen Grenadiers ivert. Die Haltung der Balkaustaaten. Koilstantinopcl, IL. August. Der Ministerrat hat heute nacht die türkisch-moutenegrinischeFrageauf Grund deS Berichts des türkischen GreuzkommifiarS beraten, nach welchem König Nikolaus bezüglich der montenegrinischen Mobilisierung erklärt habe, Montenegro müsse seine Rechte verteidigen. Sofia, 1ö. Anglist. Von zuständiger Stelle wird die Existenz eines Bündnisses zwischen S e r b i e n» n d Bulgarien oder einer sonstigen bindenden Abmachung mit Serbien entschieden bestritten. Trotzdem sind eingelvcihte Kreise der Meinung, daß über die letzton Ereignisse in Albanien und Mazedonien im Zusammen- hang mit dem Gemetzel in Kotschana und seinen eventuellen Weite- rungen in Serbien ein Meinungsaustausch gepflogen werde. Die Ministerkrise. Koiistantiilopel, IS. August. ArbeitSmiuister Dam ad Scherif ist zum Minister des Innern ernannt worden. Es verlautet, Staats- rat T e w f i k Bei werde zum ArbeilSminister ernannt werden. Die Beschlüsse des Ministerrats bezüglich der Forderungen der Albanesen sind dem Sultan zur Sanktion unterbreitet worden. Die Frage der Verweisung der Kabinette Hallt und Said vor den Stantsgerichtshof bleibt vorläufig»och offen. Die Waffenfrage wird in der Weise geregelt, daß die Waffen in besonderen Depots ansbewahrt werden. Nach Informationen aus Kreisen der Entente libörale wird das j u n g t ü r k i s ch e Komitee demnächst eine von Dschawid Bey redigierte Proklamation veröffentlichen, in der erklärt lvird, das K o m i t e e n e h n, e die Auflösung der K a ni m e r an.— Verschiedene jmigtürkische Abgeordnete verlangen jetzt voni Staatsschatz die Kosten für die Rückkehr in ihre Heimat. Die Haltung der Albaner. Saloniki, IS. August. IS A r n a u t e n f ü h r e r Süd- alba nienS sind in Elbas an eingetroffen und haben sich mit Hassan Bei in Prischtina tclegraphisch in Verbindung gesetzt. um genaue Aufschlnsie über die dortige» Abmachungen zu erhalten. Ans U e S k ii b wird gemeldet, daß etwa dreitausend A r n a u t e n, von denen viele bewaffnet sind, unter der Führuitg Bairam ZurS von Verisovitsch dort eingetroffen sind. Sie verhalten sich ruhig: es ist eine Kommission zur Verpflegung der Amanten "m"'"a"u Saloniki, 15. August. Der A r t i l l e r i e h a u p t m a n n Z i a ffi f f e n d i ist auf dem Markte in Mitrowitza von einem Unbekannten erschossen worden. Der Täter entkam.-� In der Nähe der S'ation Amatovo an der Eisenbahnlinie Saloniti-Uesküb wurde vor dem Passieren deS Zuge« eine an den Schienen befestigte D Y n a m i t b o ni b e entdeckt. Die österreichische Intervention. Wien, 13.'Auaust. Wie daö.Neue Wiener Tagblatt' meldet. verfolgt die Initiative des Grafen B e r ch t o l d den Zweck, die Pforte in der von ihr eii.gcschlagenen d e z°"" Nst'' ch°n Richtung zu bestärken und für'hre gegenwärtige Politik auch alle Balkanvölker zu gewinnen, deren 2"t»ressen h'�mch ebenso wie die der ottomauischen Regierung am besten gewahrt werden könnten. i Der KatNihentag in Dachen. Da der Spezialbericht aus Aachen gestern nicht ftüh genug ein- traf, konnten wir in gestriger Nummer nur einen kurzen telegraphi- scheu Auszug zum Abdruck bringen; wir tragen deshalb das Wesentlichste aus den Verhandlungen nach. Die zweite öffentliche Versammlung, die am 13. d. um 5 Uhr nachmittags staltfand, beschäftigte sich mit der Stellung des katholischen Glaubens im Wirt- schaftSleben, zur Wissenschaft und zur Sittlich- keit. Die geringere Leistmigssähigkeit der Kalholiken Deutschlands ist im wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Leben eine Tatsache, die von vernünftigen Leuten im klerikalen Lager selbst nicht bestritten wird, und die auch von den beiden Rednern, die gestern zu dieser Frage redeten, nicht bestritten wurde. In der Untersuchung der Gründe dieser Erscheinung ließen sie es an Eifer nicht fehlen, doch blieben sie an Nebensächlichkeiten kleben. Es unter- liefen ihnen hierbei wahre Widersinnigkeiten. WaS soll man sagen, tvenn der Zentrumsabgeordnete Mayer aus München, der über die Pflicht der Katholiken zur Betätigimg im wirtschaftlichen Leben sprach und Gründe für die wirt- schaftliche Rückständigkeii der Katholiken anführte, zugab, daß zwar Gott den Erwerbssinn in die Seele des Menschen gepflanzt habe, daß es aber für den Katholiken im Erwerbsleben unnbersteig- bare Schranken gebe. Selbstsucht, Habsucht. Unehrlichkeit, Ausnutzung des Nebenmenschen seien ihm verboten. Der gute Mann hätte sich nur mal in Aachen umsehen sollen, wo denn dort der christliche Unternehmer einem derartigen Verbot gefolgt wäre. Der Redner empfiehlt seinen Glanbensgenossen, die Jugend mehr als bisher dem Studium der Technik und des Handels zuzuführen. Auch der wirtschaftliche Kampf sei ein Stück Glaubensbekenntnis geworden und die stärkere Be- teiligung der Katholiken am Wirtschaftsleben würde einen Kanal bilden, durch den katholischer Wind verklärend hineinströmen könnte in die weiten Gefilde von Industrie und Handel. Generaldirekor Werra- Münster sprach über die wisscuschaftliche Betätigung und Aufgabe der Katholiken. Der Redner der die Inferiorität seiner Glaubensgenossen auf wiffen- schaftlichem Gebiete zugibt, will daZ nur im quantitativen, nicht aber im qualitalivein Sinne verstanden wissen. Als Schul- mann habe er die Beobachtung gemacht, daß die Katholiken an geistiger Fähigkeit den Andersgläubigen nicht nachstehen. Er empfiehlt, wie der Vorredner, die katholische Jugend mehr dem Handel und der Jndiistrie zuzuführen; denn auf der wirtschaftlichen uud finanziellen Kraft beruhe die Möglich- keit, dem Geiste der Wissenschaft zahlreiche Kräfte zu- zuführen. Er behandelt ausführlich die Vereinigung der Be- strebungen zur Erleichterung des Studiums und zur Pflege der Wissenschaft und meint:„Wenn wir der Wissenschast im katholischen Deutschland folgen, dann soll sie das Zeichen des Kreuzes tragen, das Symbol der Bereinigung von Glaube und Wissen". Die Wissenschaft unter dem Zeichen des Kreuzes das heißt: Unter der Vormundschaft der Kirche. Damit hat der Redner ungewollt den wahren Grund für die geistige Rückständigkeit im katholischen Lager und die Ohnmacht der katholischen Wissenschaft dargelegt. Dann redet Professor Dr. Mausbach-Münster über den. Kampf gegen die moderne Sfttcnlosigkeit als Kukturaufgabe des deutschen Volke?. Er folgt der Gewohnheit seiner Glaubens- und Gesinnmigsgenoffen. das Wissenschaftsleben der Gegenwart grau in grau zu malen: eine Gewohnheit, die sich auS der Anschauung frommer Christen erklärt, alles, was von der Ueber- lieferung oder dem katholischen Dogma abweicht, für sittenlos an- zusehen. Die Lehre von dem ewigen und göttlichen Wissensgesetz, dessen Leitung natürlich der Kirche obliegt, nimmt den Leuten die Möglichkeit, das Leben in seiner Wirklichkeit und seiner Notwendigkeit zu begreifen. Ueber die Frage des Geburtenrückganges, die Herr Mausbach auch in der heutigen Sittenlosigkeit begründet fleht, hilft er sich in der Eile mit der Phrase hinweg, daß d«r Kinderreichtum eine Gottesgabe sei. Er kann zwar nicht bestreite», daß Kinderreichtum gesteigerte Sorgen, oft auch harte Not und Eni« behrnng mit sich bringen; aber er meint, dieser Sporn und Stachel wecke wiederum wertvolle Kräfte, die sonst träge und ungenutzt bleiben würden. Das Leben vieler großer Männer zeige uns, daß ein Elternhaus, wo viele Hungrige sich an den einfachen Tisch drängen, die beste Schule der Tüchtigkeit sei, der Unternehmungslust und Schaffensfreude sei. Da versteht man nur nicht, weshalb die beiden Vorredner sich so ungeheure Mühe gegeben haben, um ihren Glaubensgenossen klar zu machen, daß sie darauf bedacht sein müssen, einen größeren Anteil am wirtschaftlichen Kulturleben zu erringen. «• • Nach dem katholischen Paukverein veranstalteten die M i s s i o n S- vereine heute morgen eine öffentliche Versammlung in der Fest- Halle. Fürst Alois zu Low enstein präsidierte. Er schilderte die mannigfaltigen Bestrebungen der Organisationen zur Bcrireitung des katholischen Glaubens unter den Heiden. Bischof Geyer auS Chartum(Zentralafrika) legte unter Schildemug seiner Erfahrungen auf diesem Gebiete dar: Die Kolonialpolitik sei, meinte er. in der Hand der göttlichen Vorsehung ein wichtiger Faktor zur Verbreitung deS Christentums. Vollsschullehrer Janssen(Ohligs) trat für die Pflege des MissionSgednnkenS bei der Jugend ein. Im Religionsunterricht sei dafür die beste Gelegenheit; aber auch die GcschichtS- und Geographiestunde kann auf die Missionen und ihre Tätigkeit hinlcitcn. An alle Lehrer und Lehrerinnen richtete der Redner den Aufruf: An die Arbeit mit d e r L o su n g.G o tt w ill es I" Auf zur Erhaltung und Entfaltung des Glaubens- lebens im eigenen Lande und zur Bekehrung und Rettung der Heidcnvölker in allen Weltteilen. Das ist ein kleiner Vorgeschmack davon, wozu die christlichen Schulen im Sinne der Kirche dienen sollen. L" der. �. dritten öffentlichen Versammlung brachte Abgeordneter GieSbertS einen Antrag ein. betreffend die Fürsorge für Zuziehende, das heißt für die vom Lande in die Fabrik und die von Fabrik zu Fabrik wandernden Jünglinge und Erwachsenen beiderlei Geschlechts, um soziale und wirtichafiliche Schäden zu verhüten, die dem Zu- ziehenden am neuen Orte infolge mangelnder Vertrautheit mit den Verhältnissen treffen. Der Antrag schlägt die Bestellung von Vertrauensleuten vor, die die Zugezogenen mit den Einrichtungen des neuen Wohnsitzes bekannt machen sollen, und sie für den Ein- tritt in die katholischen Arbeitervereine und das Halten einer katholischen Presse gewinnen sollen. GieSberts begründet seinen Antrag damit, daß bis Wanderung katholischer Arbeiter große Gefahren mit sich bringe, zunächst für den Glauben und dann auch für die bürgerliche Stellung des Zuziehenden. Für die Arbeiter komme ferner noch in Betracht, daß nach der Entwickelung der Dinge in den Städten die Zeit nicht mehr fern sei, wo Sozialdemokratie in den Betrieben eine Monopolstellung einnehmen und wo der andersdenkende Arbeiter sich in der Zwangslage be- finden werde, Sozialdemokrat zu werden, falls es nicht gelänge, die katholischen Arbeiter ihren Landesberufsvereineu zu erhalten. Habe der zuziehende Arbeiter erst das sozialdemokratische Berbandsbuch in der Tasche, dann sei es nicht mehr weit bis dahin, wo er abschwenke und für die christliche Sache ver- loren sei. Ans dem Antrage spricht die Angst, daß die Arbeiter in der Fabrik über das Zentrum und die Streitbrecherdienfte der christlichen Gewerkvereine aufgeklärt werden. Tatsache ist eS denn auch, daß bei dem Antrag auf Gründung von Handwerkervereinen offen zu- gegeben wurde, daß die Organisationen bestimmt seien, die jüngeren Handwerker von der Sozialdemokratie fernzuhalten. Lehrer L a n g e n b e r g- Köln hielt einen mit reichlichen dichterischen Zitaten gespickten Vortrag über: »Jugendpflege als Stütze für Thron und Altar". Der Titel gibt auch den Inhalt der Rede wieder. Gewiß kam in der langen Rede auch mancher vernünftige Gedanke zum Vorschein, aber die ulkramontane Tendenz machte sich in aufdringlicher Weise geltend. Ein Satz zur Kennzeichnung des Ganzen:„Wer die Jugend zum wahren Glücke führen, die Jugendpflege in den Dienst von Thron und Altar stellen will, der mutz die Religion zur Grundlage seiner Arbeit machen, der mutz arbeiten im Geiste des großen Vorbildes aller Erzieher, der muß sein ein treuer Jünger des göttlichen Lehrmeisters Christus. Darum verlangen wir Katho- lilen die konfessionelle Schule als Fundament einer gedeihlichen Jugendpflege, darum fordern wir den Religionsunterricht in der Fortbildungsschule als wirkungsvollste Unterstützung für deren ge- deihliche Tätigkeit an den Jugendlichen." Pfarrer Knebel- Mannheim redet über: „Stellung und Aufgaben der katholischen Frauen im Lebe«. der Gegenwart". Er preist den katholischen Frauenbund als das Muster einer Frauenbewegung. Die Frauen, die dieser Bewegung angehören, gehen mißbilligend vorüber an dem Treiben berüchtigter auslän- discher Frauenrechtlerinnen. In ihnen lebt der klar ausgesprochene Will« zur Einordnung in die Gesellschaft, die bestimmte Absage an die sozialistische Frauenbewegung und ihrem Streben nach Macht. Dieses Streben steigt empor aus der Frauennatur, denn die Frau ist die geborene Feindin des Klassenhaffes und des Klassenkampfes. Der Redner versichert, daß die christliche Welt- anfchauung Führerin bleiben wird in der Bewegung der religiös so zart empfindenden Frau.„Es gibt ja," behauptet er,„nur eine ausgesprochen antichristliche Richtung in der Frauenbewegung, und auch da verzweifeln wir nicht an der einzelnen Sozialistin, wohl aber am Sozialismus, der eine Weltanschauung ist wie eine Glocke, wenn sie von oben bis unten zersprungen ist." Gewiß, aber Blech bleibt Blech, wenn es auch ein Pfarrer spricht, dem seine Freunde einen üblen Dienst erwiesen, haben, indem sie ihn mit der BeHand- lung einer Frage betrauten, die sich mit der Einfalt eines eifern, den Wolkenwandlers nun einmal nicht begreifen und lösen läßt, «-* Bachen, 15, August»- '(Telegraphischer Eigenbericht.) Der letzte Tag der klerikalen Jahresparads fiiurd'e eröffneZ mit der Fünften geschlossenen Bersammlung, die noch die Anträge des Ausschusses für Schule und Erziehung zu erledigen hatte. An der Spitze stand der Antrag mit der Forderung der christlichen Schule. Er verlangt, daß der Kirche derjenige Einfluß auf das Schul- und Erziehungswesen gewährt werde, dessen sie zur Erfüllung ihres göttlichen Auftrags, die Völler zu lehren und zu erziehen, bedarf. Zu diesem Zweck hat die Kirche zu beanspruchen, daß ihr das Recht der Uebcrwachung der gesamten religiös-sittlichen Erziehung durch eine entsprechende Teilnahme an der Schulaufsicht ge- währleistet werde. Der Antrag fordert deshalb die konfessionellen Schulen und im katholischen Geist geleitete Seminare, empfiehlt den katholischen Lehrerverein und vor allem die nengegründete Or- ganisation„zur Verteidigung der christlichen Schule und Erziehung". Die weiteren Anträge, die, ebenso wie die porigen, alle ein- stimmig angenommen wurden, betreffen die Bestrebungen deS Münchener Vereins für christliche Kunst, des Karl-Boromäus- vercins zur Verbreitung katholischer Literatur, den Zusammen- schluß der akademisch gebildeten Katholiken, die Förderung der katholischen Presse als bestes Mittel zur Abwehr der Angriffe der glauben»- und kirchenfeindlichen Presse, ihrer Verwüstungen auf geistlichem Gebiet und die Zerstörung von Nationalgut, die jene, im Geiste der materialistischen Weltanschauung arbeitende Presse auch in katholischen Kreisen anrichte. Endlich wäre noch zu nennen ein Antrag, der sich gegen die Gefahren wendet, die dem Volk durch die der Mehrzahl nach nicht einwandfreien Vorführungen der Kinotheater drohen. Der Zentrumsabgeordnete Marx, der den Bericht über die Anträge des Ausschusses erstattete, erklärte, daß sich der Antrag nicht gegen die Kinos überhaupt, sondern nur gegen seine Aus- wüchse richte. Das Kino sei eine Erscheinung des modernen Lebens, und da der Katholizismus durchaus Verständnis für derartige Er- schcinunven habe— sei er doch die modernste Religion!—, bekämpfs er das Kino nicht an sich, sondern bemühe sich nur, es seiner Weltanschauung unterzuordnen. Wenn es allerdings nicht gelänge, das bestehende Kino in diesem Sinne zu beeinflussen, müsse man darangehen,— eigene KinoS zu errichte nj Man muß also mit der Möglichkeit rechnen, demnächst katholische Kirntöppe zu erleben. Die letzte öffeniliche Versammlung brachte einen ganz belanglosen, wenn auch mit viel Pathos ausgestatteten Vortrag eines Würzburger Gymnasiallehrers über den Kulturwrrt der BonifaziuSvereine. Jedes ultramontane Vereinchen hat in diesem Kreis ungemessene Kulturbedeutung, warum nicht auch der Bonifaziusverein, zumal wenn er einem ultramontanen Lehrer Gelegenheit zur Anbringung seiner Kulturphrasen gibt?! Den würdigen Abschluß des Katholikentages bildete die Rede eines Jesuiten, des Pater C o h a u s z aus Köln. Mit der Stimm- gowalt eines Feldpredigers donnerte er gegen den Atheis- m n s und die soziale Gefahr. In der Mitte seiner Rede hatte er sich um seine Stimme geschrien. Er brachte seine blutrünstigen Phrasen nur noch unter heiserem Gebrüll heraus. Die Rede war darauf berechnet, die Leute von Besitz»nd Macht gruselig zu maKen und naMenjlick» den Regierungen und Staatsoberhäuptern Klerikalismus als einziges Mttel gegen den Umsturz zu empfehlen. Der Mann von der Gesellschaft Jesu griff dabei zu den stärksten Argumenten. Er entblödete sich nicht, die lange Liste politischer Attentate aus den letzten Jahrhunderten aufzustellen, als Beweis, was den Inhabern der Throne von denen drohe, die sich nicht dem klerikalen Joch fügen. Unnötig, zu sagen, daß er von Stürmen des Beifalls umtost wurde. In seiner Schlußrebe ön den Katholikentag zitierte Präsident Schmitt noch ein- mal den Geist Windthorsts. Dieser mahne zur Einigkeit. Der Präsident versicherte noch einmal den Episkopat der Treue und des Gehorsams der frommen Katholiken, und sicherte sich dann einen guten, vom Donner der Zustimmung begleiteten Abgang. indem er die Rückkehr der Jesuiten und die Freiheit der Kirche forderte. Unter frommem Gesang ging der Kgtholisentag auseinander. polltirche GcberHcbt. Berlin, den 15. August 1912. Wie spontane Begeisterung gemacht wird. Bekanntlich läßt die Leitung der Katholikentage nicht nur schon die Berichte über die angekündigten Reden drucken, bevor diese gehalten worden sind, sondern in diesen Berichten wird auch vorher ganz genau angegeben, wo„st a r k e r", „st ü r in i s ch e r" oder„minutenlanger" Beifall er- folgt ist. Und seltsamerweise stimmt diese Angabe meistens. Wie das möglich ist. zeigt folgende Berichtstelle, die wir der „Germania" entnehmen: Dr. Schmitt: ES ist ein Gebot der Selbstachtung, daß wir nicht ruhen und rasten, bis jenes Gesetz(das Jesuitengesctz) beseitigt ist.(Stürmischer Beifall.) Ich danke Ihnen für den Beifall, den Sie mir bei der Ankündigung dieses meines Ge- dankens gezollt haben. Aber es war noch nicht genug. Es muh noch besser werden.(Stürmischer Bei- fall.) Ich will Ihnen mal was sagen: Wir haben heute morgen in der geschlossenen Sitzung eine Resolution betreffend da? Jesuitengesetz angenommen, und ich lasse diese Resolution nachher verlesen. Eine förmliche-Abstimmung kann ich nicht herbeiführen, aber ich hoffe, daß wir uns auch so der- ständigen, daß wir noch etwas mehr als eine ein- fache Abstimmung herausbringen.(Lebhafter Beifall.) Stellen sie sich mal vor, es handle sich darum, einen großen wichtigen Bau zu illuminieren. Sagen wir mal in diesem großen, mächtigen Gebäude seien tll lXX) elektrische Lampen an- gebracht, und wenn dann plötzlich der Oberregisseur auf den Knoipf drückt, dann springt auf einmal das Feuer auf in 8— 10 000 Lampen, und das ganze Gebäude erstrahlt in herrlicher Beleuchtung. Ich werde Ihnen nachher die Resolution vorlesen, und wenn ich mit der Vorlesung zu Ende bin, dann werde ich auf den Knopf drücken und Sie fragen, ob Sie damit einverstanden sind.(Beifall und Heiterkeit.)(Redner verliest die Resolution zur Jesuitenfrage.) Als er mit erhobener Stimme die letzten Worte der Resolution verlesen hatte— da bricht spontan(l) ein Beifall aus, wie er in dieser Stärke bisher auf keiner der Generalversammlungen dagewesen ist. Die Vcrsamm- lung hat sich einmütig von ihren Plätzen erhoben. Unter Hut- und Tücherschwcnken auf allen Seiten bricht der Beifall er- ncut aus. Der Bericht liefert ein prächtiges Beispiel dafür, wie ver ungeheure spontane Beifall hervorgerufen wird. Die Zuhörer werden, wenn sie nicht genügend Beifall spenden, geradezu mit der Nase darauf gestoßen, sich eine größere spontane Begeisterung zu leisten. Uebrigeus ist das Beispiel von dem O b e r r e g i s s e u r. der„auf den Knopf drückt" und dadurch ciiien bestimmten Mechanismus auslöst, recht zutreffend. Auch die Zuhörerschaft der Katholikentage ist ein Mechanismus, der gedankenlos und willenlos rein automatisch dem Druck der Regisseure gehorcht; nur der Vergleich mit den elektrischen La in Pen st i m m t n i ch t. Die Zuhörer sind größtenteils weder Lampen noch Leuchten, sondern Marionetten. Slufhebnng des IesuitengeseNcs. Nach einer Meldung der.Nanonal-Zeitung" will Bayern im Bundesrat den Antrag auf völlige Aufhebung des Jesuitengesetzes stellen. Im Rcichsiag hat das Zentrum belaniitlich seinen allen Alltrag auf Aufhebung des Jesuitengesetzes lvieder eingebracht. Ein empfindliches Gemüt. Der antisemitische ReichstagZabgeordnete Bruhn, Vertreter des Wahlkreises Auiswatde-Friedeberg im Reichstage und Verleger der berühmten, mehrfach im Erpresserprozesse verwickelten»Wahr- beit�, besitzt, wie es scheint, ein sehr zartbesaitetes, empfindliches Gemüt. Er hat nämlich jüngst 45 politische Gegner fernes Wahlkreises wegen Beleidigung verklagt. Die Klage stützt sich auf ein konservatives Flugblatt, da« von den 45 Angellagten unterschrieben war; darin war gesagt:.Bruhn sei nicht der Ehrenmann, den man als Vertreter des Wahlkreises Fricdcberg-ArnSwalde gebrauche. Bruhn sei in seinem großen.Erpresserprozeß' nur„wegen Mangel an Beweisen freigesprocheir worden" usw. Die Wähler wurden auf- gefordert, ihre Stiiiiine in der Stichwahl dem Herrn v. Schuckuiann zu geben." Bei der Beweisaufnahme stellte sich heraus, daß von den 45 An- geklagten 41 das inkriminierte Flugblatt nicht unterschrieben hatten; thncn lvar vielmehr ein Blatt zur Unterschrift vorgelegt worden mit dem Bemerken, daß sie nur ihre Zustimmung zu einem Flugblatt gegen Bruhn geben sollten. Sie hatten aber von der Existenz des Flugblattes und dessen Inhalt keine Ahnung. Diese 41 Angeklagten wurden daher freigesprochen und die Kasten fielen dem Privatkläger zur Last. Die anderen vier lvirktich Schuldigen wurden zu je 10 M. Geldstrafe verurteilt. Das Gericht hat die Beleidigung darin gc- fimden, daß in dem Flugblatt behauptet wurde, der Abg. Bruhn sei nur„wegen Maiigels au Beweisen" im Erpresserprozeß freigesprochen worden. In den übrigen Bemerluugen sah das Gericht keine Person- liche Beleidignng. UebrigenS muß es als ein höchst merkwürdiges Verfahren bc- zeichnet werden, daß von den Leitern der konservativen Agitation im Wahlkreise ArnSlvalde-Friedeberg einfach ihrer Gefolgschaft ein Blatt Papier zur Unterschrift vorgelegt wurde, auf' dem fie zu bestätigen haben, mit der Herausgabe eines Flugblattes gegen den gegnerischen Kandidaten einverstanden zu sein, ohne daß sie vorher erfahren, was in diesem Flugblatt steht. Ausländische Landarbeiter bei schlestvig- holsteinischen Agrarier«. In dem sonst fast rein bäuerlichen SchlcSwig-Holstein gibt eS eure Ecke, wo die Junker so dick fitzen wie in Oslelbicn. Es ist der schönste Teil der Provinz, das östliche Holstein, in dem auch die wegen ihrer landschaftlichen Reize bekannte Holsteinische Schweiz liegt. Die junkerlichen Schnapphähne haben es ja verstanden, sich überall zu rechter Zeit die schönsten Stellen auszusuchen. Im östlichen Holstein residieren die Einflußreichsten des holsteinischen GroßagrieriumS. Hier findet man wie in Ostelbien den politischen Begriff Gutsbczirk, bier werden auch noch konservative Wahlen gemacht nach bekannten Rezepten. Für ihre Landarbeiter haben diese Agrarier genau die- selbe Verachtung wie die Ostelbier. Besonders sind es die auS- ländischen Landarbeiter, mit denen sie nicht viel Federlesens machen, für die sie aber Ivcgen ihrer billigen Arbeitskräfle eine besondere Borliebe habe». In Nr. 117 des„Vorwärts" vom 22. Mai war ein Bericht der- öffentlicht über eine Gerichtsverhandlung gegen den verantwortlichen Redakteur der„Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung", Genossen Bielenberg- Kiel und den verantwortlichen Redakteur der „Schleswig-Holsteinischen Landpost", Genossen B a r t e l s« Altona. Beide wurden zu je 100 M. Geldstrafe verurteilt, weil sie den Gutsbesitzer Behr In Stocksee beleidigt haben sollten. Sie hatten nämlich die Leiden zweier russischer Landarbeiterfamilien ge- schildert, die nach Denlschland gekommen waren und von Herrn Vehr beschäftigt wurden. Dieser Tage hat sich nun wieder ein Gericht mit den Zuständen auf dem Gute des Herrn Behr beschäftigt, und zwar das Amtsgericht in Segeberg. Diesmal stehen aber keine sozialdemokratischen Re- dakteure wegen angeblicher Beleidigung des Herrn Behr auf der Anklagebank, sondern 14 galizische Arbeiter klagten gegen ihn auf Auszahlung des verdienten Lohnes, Auszahlung der ein behaltenen Kaution, Entschädigung für Einbehaltung des Arbeitsbuches und Ersatz für die vom österreichischen Konsulat gewährte Verpflegung. Die Arbeiter haben das Arbeitsverhältnis vorzeitig gelöst, weil nach ihrer Angabe zwei von ihnen mißhandelt worden seien und weil Behandlung und Verpflegung so schlecht gewesen seien, oaß man ihnen nicht zumuten könne, länger bei Herrn Behr in Arbeil zu bleiben.— Die Vernehmung der Galizier gestaltete sich etwas schwierig, iveil sie kein Wort Deutsch verstanden und ein Dolmetscher zu Hilfe genommen werden mußte. WaS sie über Wohnung und Ver- pflegung aussagten, kann sich getrost mit ostelbischen Zuständen messen. Im ganzen waren es 15 Personen. Sie wohnten alle zusammen in einer L e h m k a t e, die zwei Stuben und zwei k l e i n e K a m m e r n hatte. Die beiden Kammern lvaren aber nur zwei Löcher, in denen sie höchstens schmutzige Wäsche und Kartoffeln aufbelvahren konnten. Alle Personen hatten nur eine einzige Kochgelegenheit, die Esse deS Herdes lvar unverdeckr, so daß bei Regen- Wetter Regen und Ruß in die Kochtöpfe fiel. Von den IS Personen schliefen in einen, Raum sieben, in dem anderen acht. Als Bettstellen dients» Holzverschläge, in denen Stroh- sacke gelegt waren. Verheiratete und Unverheiratete, Männer. Frauen und junge Mädchen schliefen in einem Raum b u n t d u r ch e in a n d e r. Ein Arbeiter sagte aus, e r h a b e mi t s e in e p C o u fi q e auf einem Stroh- s a ck g e s ch l a f e n........ Am 23. April sollte einer der Arbeiter Wasser in die Pferde- tränke pumpen. Die Tränke. wurde aber-nicht voll, weil sie ein Loch hatte, aus dem immer wieder Waffer auslief. Der Verwalter, Zur N e d d e n ist sein Name, gab dem Arbeiter einen Schlag mit der Faust ins G'eNick.'als der Arbeiter weglief, lief der Verwalter hinter ihm her� und' gab ihm noch einen Schlag. Am selben Tage schlug finier� der Verwalter noch einen achl- zehnjährigen Arbeiter Der. Arbeiter sollte auf Geheitz des Verwalters die Pferde beim.Eggen schärfer antreiben. Der Arbeiter machte aber Widerrede, weil die Pferde schon schlapp waren. Da schlug der Verwalter-dem Ar-beiter mit einem Handstock über den Kopf, so d'aß der Arbeiter eine blutende Verletzung erhiebt.' DaS' war die Veranlassung, daß sämtliche Arbeiter am nächsten Tage nicht zur Arbeit ginge». Nun wurden aber die Arbeiter von den Sohn des Herrn Behr und einem Schweizer mit Stöcken v o m Hofe getrieben. Sie mußten dann auf freiem Felde kampieren, bis' sich der österreichische Konsul ins Werk legte, und ihnen Unter- kmist verschaffte. DaS Gericht fällte noch kein Urteil; es sollen noch Beweis- aufnahmen stattfinden, ob den Arbeitern die Papiere tatsächlich widerrechilich einbehalten worden sind. Nach elf Jahren„lästig". Am Montag, früh um 5 Uhr, wurde der seit elf Jahren in Altranstädl bei Halle wohnhafte. auS Rußland stammende Arbeiter Stcptinatus verhaftet und nach Halle transporliert, wo ihm eröffnet wurde, daß er aus Preußen als lästiger Ausländer ausgewiesen sei. Wohin der Mann geschafft lvurde, konnte selbst seine Frau bis zur Stunde nicht eriahren. Der Ansgeiviesene ist, obwohl er sich „Anarchist" naiince, ein völlig harmloser Mensch.— Die Ursache dieser Maßregel dürfte unschwer zu erraten sein: Altranstädt liegt nur wenige Kilnmeter von Merseburg entfernt, allwo Wilhelm II. in den nächsten Tagen zur Abhaltung der Manöver und Krieger» vereinSparaden einirifft._ Ein Notschrei hungernder Beamten. Ans Veranlassung des H a II e schen B e a m t e n a u s sch u ss e S, einer Vereinigung von Reichs-, Staat«- und Kommunalbeamten, mit Einschluß der Lehrer, fand in Halle a. S. eine Versammlung statt, in welcher mit scharfen Worten gegen die WirlschaftSpolitik der Regierung protestiert wurde. Nach einem agrarisch gefärbten Bericht der nationalliberalen„Saalezeitniig" wurde von allen Rednern aus- geführt, daß die Voraussagen der Schlvarzseher noch weit über- tc offen seien. Die Teuerung habe eine erschreckende Höhe erreicht und sei im letzten Jahre, entgegen den Prophezeiungen de? Land- wirtschaftSmiiiisterS, keine vorübergehende, sondern eine stetig lvachsende gewesen. In einem Augenblicke wie dem gegenwärligen habe die Fleischnahrung für die minderbemittelte Bevölkerung beinahe ganz aufgehört. Trotz eines Beschwichtigungsversuchs deS fortschrittlichen LaiidtagSabgeordueten D e l i»< gelangte folgende Protestresolution einstimmig zur Annahme: „Die fortgesetzt steigenden Preise der notwendigsten Lebens- mittel führen zu einer ungeheuren Belastung der Konsumenten. Der Druck wird nachgerade so schlver. daß es den mit geringen Einkommen lvirtschasieuden Familienvätern nicht mehr mösi« lich ist, sich)fo ernähren zu können, wie es im Interesse der VolkSgesundheit durchaus notwendig ist. Die in den letzten Jahren vorgenommenen Eiukommensverbefferungeu gleichen in keiner Weise das Steigen der Preise ans. Namentlich in der Stadt Halle sind die Lebensmittelpreise nachweislich ständig besonders hohe. Die Versammlung erlvartet deshalb von der Negierung und den gesetzgebenden Körperschaften, daß schleimigst Mittel und Wege ausfindig gemacht werden, um dem drückenden Nolstande abzuhelfen." Diese Resolution soll der Reichs- und Stacitsregierung über- Mittelt werden— die sich natürlich hüten werden, dem Geldsack der Juuker wehe zu tun und die Notlage der Beamten zu lindern. Die NeichstagSivahl ist ja vorüber und wegen der prenßilchcn Landtags Wahl braucht man sich keine Sorge zu machen. Ein Opfer des Militarismus. Im Sprechsaal des„Ulmer Volksboten", eines Zentrumsblattes, schildert der Schuhmachermeister Karl Dreher, wie sein kranker Sohn in der Kaserne behandelt wurde und schließlich den Tod erlitt, weil er zu spät in ärztliche Behandlung genommen wurde. Der hart getroffene Vater schreibt; „Neufra a. D., 10. August 1912. Eine Kompagnie bei der es„keine Kranke, sondern nur Gesunde oder Tote" gibt, verdient wohl auch in der Oeffentlichkeit nicht unerwähnt zu bleiben. Mein Sohn, seit Herbst 1911 Grenadier bei der 5. Kompagnie de« Regiments Nr. 123 in Ulm. war am 10. Juni d. I. leidend zu mir in Urlaub gekommen. Er mußte sich häufig und heftig er- brechen und konnte keine Nahrung mehr einnehmen. Da seine Krankheit sich verschlimmerte, gab ick ihn vom 12. Juni ab in die Behandlung des BczirlSarztes. welcher schweren Magenkatarrh und hochgradige Kopfschmerzen feststellte und den Patienten über die ganze Zeit deS Urlaubs(bis 17. Juni) ans Bett befohlen hat. Bei dieser Sachlage richtete ich am 15. Juni unter Beifügung eines ärztlichen Attestes an das Kommando folgendes mit dem Stempel der Gemeinde Neufra versehenes Bittgesuch: „Da mein Sohn. Grenadier Dreher der 5. Kompagnie, zur- zeit beurlaubt, gleich nach seiner Abreise aus der Garnison mit starken Kopf- und Magenbeschwerden befallen wurde, welche bis heute noch nicht behoben sind und„ihn größtenteils an das Bett fesselten, so gestatte ich mir, an das Kommando die ergebenste Bitte zu richten, demselben seinen Urlaub, wenn möglich um mehrere Tage verlängern zu wollen, da er im jetzigen Zustande doch keineii Dienst tun könnte und eine Erholung für ihn gut wäre." Zur Antwort wurde meinem Sohn der telegraphische Befehl vom 17. Juni nachmittags 12 Uhr: «Sofort einrücken. I. B. D....... Leutnant." In elendem Zustande kehrte denn der Kranke in die Garnison zurück, wo er von seinem Feldwebel M..... mit Schimpfen und Drohen empfangen wurde: „Drei Tage Arrest bekommst, wenn Du nicht krank bist; bei meiner Kompagnie gibtS keine Kranke, entweder gesund oder tot." Einige Tage später schreibt der Kranke heim: „Am DienStag(den 18. Juni) morgen meldete ich mich krank. wo ich dann ins Revier(d... in die Krankenstube) kam. Bin nun schon vier Tage hier, ohne etwas zu essen. Sollte es bis in ein paar Tagen nicht besser werden, so werde ick ins Lazarett be« fördert. Vom 20. bis 21. Juni mittags durfte ich nicht das ge- ringste essen. Bin bloß noch Haut und Bein. Gestern, den 20., mußte ich mich den ganzen Tag brechen, wo nichts als Galle kam." Während deS Aufenthalts in der Krankenstube verbesserte sich der Zustand des Kranken keineswegs; vielinehr haben sich die Er- brechunge» nach dem Zeugnis mehrerer Grenadiere, die mit ihm zusammen in der Krankenstube gelegen, unablässig wiederholt. Trotzdem tourde er statt der erhofften Uebcrweisung ins Lazarett schon nach acht Tagest wieder als gesund zum Dienst kom- inandiert. Auf mehrfach wiederholte Krankmeldungen wußte der Feldwebel nur die Antwort, er wolle sich vom Dienst drücken. Ja so wenig Rücksicht wurde auf den nackhalUgen Krankheitszustand genommen, daß der Patient am 9. Juli sogar auf die Wache koinmandiert wurde. Posten stehend, mußte er sich viermal erbrechen, hielt jedoch aus Furcht vor den Drohungen des Feldwebels vollends aus, als seine sckwere Krank- heit gegen Ende vom Wachhabenden erkannt wurde. Jetzt endlich, am 10. Juli, wurde er ins Lazarett gesprochen. Vor seinem Ab- gang dahin schleuderte ihm der Feldwebel, auf die häufigen Er- brechunge» anspielend, noch die schönen Worte ins Gesicht: „So, bist jetzt bald ausg'loffa?" Diese Darstellung entspricht getreu den brieflichen Mitteilungen meines Sohnes und seinen letzten mündlichen Aeußerungen, die er mir noch am Abend vor seiner gleich zu erwähnenden zweiten Ope- ratio» machen tonnte. Ausweislick der Aufzeichnungen, die ich selbst eingesehen habe. hatte er beim Einrücken 74 Kilogramm gewogen, während er im Lazarett nur noch 54 Kilogramm wog: in wenigen Tagen uilverständ» licher Behandlung eine Abnahme um 40 Pfund I Am Freitag, den 19. Juli, erhielt ich nun vom Lazarett ein Telegramm: „Sohn Geschwulst Unterleib, schwer erkrankt, sofort kommen". Sofort reiste ich ab. Als ich abends ankam, war bereits am Magen eine gefährliche Magenoperation vorgenommen worden. Jetzt erst durfte eS sich herausstellen, daß mein Sohn an einer Bauch- s p e i ch e l d r ü s e n g e s ch w u l st schwer litt. Schon am 25. Juli wurde ich abermals ins Lazarett beordert. Da nach Ausspruch der Aerzte der schon seit 14 Tagen künstlich er« nährte Patient sonst hätte verhungern müssen, lvurde dann am 2S. Juli eine zweite schwere, zweieinhalb Stunden lange Operation vorgenommen. Am 30. Juli erfolgte der Tod meines Sohnes." ES genügt, diesen Notschrei eines gequälten Vaters wieder- zugeben. Er gewährt einen tiefen Einblick in die seelische Ver- fassung mancher„Stellvertreter Gottes" bei der Behandlung ihrer Untergebenen. Die militärische Erziehung trägt herrliche Früchte. Gugarn. Die Wahlreforiff. In dem Regierungsorgan„Magyar Nemzet" steckt der olle ehrliche Lukacs-B6la, Ministerpräsident und Ver- fassungseidvirtuose, einen Wahlreformfühler aus: In- tclligenzzensus, dargestellt durch ein ungarisches Elementarschulzeugnis, Vermögenszensus, nach wie vor, M i n d e st a l t e r im umgekehrten Verhältnis zum Geld- sack von 24 bis 30 Jahren und einjährige Ansässig- k e i t am Orte— was man in Oesterreich zur Milderling des gleichen Wahlrechts unter dem inoffiziellen Namen der „Gesäßhaftigkeit" eingeführt hat. Das übrige soll der Wahl- Vorgang und wahrscheinlich auch die öffentliche Stimmabgabe besorgen, zu welchem Ende man wohl auch die Kenntnis des Schreibens zum Wahlrechtserfordernis macht! Die sozialdemokratische„Nepszava" kündigt den Kampf bis aufs Messer gegen eine solche Wahlreform an. Amerika. Ter Panamakanal. Washington, 14. August. Die gemeinsame Konferenz der beiden Häuser des Kongreffes ist heute zu einer Einigung ge- kommen. Das Amendement des Senates, das der amerika- »»schen Ozean schiffahrt die gebührenfreie Benutzung des Panamakanals einräumt, wurde gestrichen. Der Paragraph, der der amerikanischen Küstenschiffahrt die freie Be- Nutzung des Kanals gewährt, bleibt bestehen. Eine neue Bestimmung wurde angenommen, die sich auf die Schiffe be- zieht, die Eisen bahngesellschaften gehören, und auf die Beziehungen zwischen Eisenbahnen und Dampferlinien. Die Ainen- dements des Senats, nach denen Schiffen, die sich unter der Kon- trolle von Trusts befinden, die Benutzung des Kanals verwehrt wird, wurden angenommen. Senator Brandcgee und Kongreß- Mitglied Stevens weigerten sich, den Bericht der Konferenz zu unterzeichnen........ Der demokratische Partclausschuß im Repräsentanten- Hause hat sich bereit erklärt, den Bau eines Schlacht. s ch i f f e s(statt zweier) als diesjähriges SchlffSbauprogramm zu befürworten. Man erwartet, daß der Senat diese? Kompromiß gniiehmxu wird. GcwerkfchaftUchca. öntcmehmcrtcrrommua im Baugewerbe. Die rücksichtsloseste Bekämpfung jedes Unternehmers, der nicht nach der Pfeife der Scharfmacher tanzt, ist einer der obersten Grundsätze der Unternehmerverbände. Was in dieser Hinsicht besonders der Bauarbeitgeberverband leistet, ist wiederholt dargelegt worden. Ein neues Beispiel dafür bietet ein der„Leipziger Volkszeitung" zugeflogenes Schrift- stück, das sich gegen Leipziger Firmen wendet, die so kühn waren, entgegen dem Willen der Scharfmacher im Bau- gewerbe, mit dem Bauarbeiterverbande einen Tarifvertrag abzuschließen. Das Schreiben flautete: „Verband der Bauarbeitgcbcr für Leipzig u. Umg. Leipzig, den 12. August 1912. Den geehrten Mitgliedern bringen wir hiermit zur Kenntnis, daß die Inhaber von Fassaden- Putzgeschäften Glück, Kraml, Scheibe, Schwenke, die bisher unsere Mitglieder waren, durch Vorstandsbeschluß aus dem Verbände ausgeschlossen worden sind, und daß die Haupt- Versammlung am 29. Juli den Einspruch der Herren einstimmig zurückgewiesen hat. Veranlassung zu dieser Maßnahme ist die Tatsache, daß die Obengenannten sowie' die Firmen E. I. Kickelhahn und I. Wacha die Interessen der Mitglieder und das Ansehen des gesamten Verbandes dadurch geschädigt haben haben, daß sie nach acht- tägigem Streik ihrer Arbeiter mit dem Bauarbeiterverbande einen Tarifvertrag abgeschlossen haben, in dem die Arbeitszeit auf Stunden, sowie die Mindestlöhne von 90 Pf„ vom 1. 7. 13 an 95 Pf., für Maurer(Putzer) und 70 Pf., vom 1. 7. 13 ab 75 Pf., für Arbeiter 2 M. tägliche Auslösung, Fahrt 3. Klasse und dergl. mehr fest- gesetzt sind. Diesen Vertrag haben die Firmen an demselben Tage der- einbart, an dem da? Tarifschiedsgericht entschieden hat, daß der Streik gegen den bestehenden Tarif verstößt und deshalb auf- zuhcben sei. Die Hauptversammlung hat beschlossen, allen Mitgliedern auf das dringendste zu empfehlen, ihre Fassaden unter allen Um- ständen durch eigene Maurer putzen zu lassen» keinesfalls aber die Fassadenputzgeschäfte etwa noch durch Aufträge unserseits zu unter st ützen. Das Putzen mit sogen. Edelputz ist keine Kunst, jeder Maurer kann es sofort.— Anleitung hierzu zu geben, sind mehrere Kol- legen bereit; man wende sich deswegen an das Geschäftsamt. Der Vorstand." Weil also die betreffenden Firmen mit den bei ihnen beschäftigten Arbeitern einen Tarifvertrag abgeschlossen haben, deshalb sollen sie ruiniert werden, denn auf den Ruin der Firmen läuft diese Aktion doch schließlich hinaus., Und wie steht es denn mit dem stolzen Wort:„Ter Ar- beitgeber muß Herr im Hause sein." Jedesmal fast, wenn Arbeiter Forderungen stellen, die den Unternehmern nicht passen, dann dröhitt ihnen das stolze Wort entgegen. Hier ist es nun die Unternehmerorganisation, die ihren Mit- gliedern das Recht, Herren im eigenen Hause zu sein, ab- spricht. Denn darauf läuft es doch hinaus, wenn Unter- nehmer von ihren Klassengenossen deshalb boykottiert werden, weil sie im eigenen Betriebe Arbeitsbedingungen eingeführt haben, die anderen Unternehmern nicht gefallen. Serlin und Umgegend. Der Streik bei der F-irma C. F. Staerke beschäftigte eine äußerst stark besuchte Versammlung aller in der Schraubenbranche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. H a n d k e, vom Deutschen Metallarbeiter-Verband, schilderte die Verhältnisse bei dieser Firma, sowie die Ursachen zu dem jetzigen Streik. Die Firma zeige sich nur dann arbeiterfreundlich, wenn sich unter den Arbeitern eine bedrohliche Unruhe bemerkbar mache. Nachdem in letzter Zeit verschiedene Arbeiterentlassungen infolge Differenzen mit der Firma Staerke stattgefunden hätten, u. a. Herr Staerke erklärt habe, daß die Preise für die Arbeit er selbst festsetze, seien die Arbeiter des Betriebes zu der Erkenntnis gc- langt, daß es so nicht weiter gehen könne. Und da auch eine auf- genommene Lohnstatistik bewiesen habe, daß die Löhne bei der Firma Slaerke mit den Löhnen in den übrigen Betrieben der Schraubenbranche nicht Schritt halten, so trat die Organisations- Icitung mit der Firma in Verhandlungen. Es haben von 29 Schraubendrehern 14 unter 30 M. verdient. In der Regel be- trachteten die Arbeiter den Staerkeschen Betrieb als Durchgangs- station, während andere es vorziehen, lieber arbeitslos zu bleiben, als dort in Arbeit zu treten. Besonders die Hilfsarbeiter seien sehr schlecht gestellt. Bei ihnen seien mitunter Löhne von 14 bis 17 M. an der Tagesordnung. Die dort beschäftigten Arbeiter hoben nun im Einverständnis mit der Leitung ihrer Organisation der Firma einen Tarisentwurf unterbreitet. Am 25. Juni fand zwischen den Vertretern des Deutschen Metallarbeiter-Verbandcs und Herrn Staerke eine Unterredung statt. Auf einen Tarif einzugehen, lehnte der Herr ab. Hierauf legten die Vertreter des Metallarbeiter-Verbandes dein Herrn Staerke nahe, doch eine Ver- einbarung abzuschließen, Name und Form sei Nebensache, nur etwas schriftlich Garantiertes wollten die Arbeiter haben. Der Inhaber habe jedoch auch diesen Vorschlag unter den nichtigsten Vorwänden abgelehnt., desgleichen verliefen weitere Einigungsversuche resultat- los, da Herr Staerke sich auf nichts einlassen wollte, so beschlossen am 26, Juli die Arbeiter des Betriebes gegen 2 Stimmen, in den Streik einzutreten, Die Firma hat nun schon Versuche unternommen, Arbeit außerhalb anfertigen zu lassen, was jedoch mißglückte, da die dorti- g«n Berufskollegen auf der Hut waren. Tasselbe ist von Berlin zu berichten, wo ebenfalls Strcikarbeit untergcschmuggelt werden soll. Handle betonte ausdrücklich, daß die Streikenden bereit seien, zu verhandeln und zu annehmbaren Bedingungen gerne Frieden machen wollten. In der Diskussion schlössen sich die Redner den Ausführungen Handkes vollinhaltlich an. Folgende Resolution fand einstimmige Annahme: „Tie am 15. August 1912 tagende Versammlung der in der Schraubenbranche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen erklärt nach Kenntnisnahme den Streik bei der Firma Staerke für durchaus berechtigt und spricht den Streikenden ihre vollste Sympathie aus. Die Versammlung erwartet, daß die Kollegen bczw. Kolleginnen von den Firmen, wo Arbeit von Staerke verrichtet wird bezw. werden soll, in geeigneter Weise Stellung nehmen und jede Streik- arbeit verweigern."_ Deutfehes Reich. Maßregelung von Textilarbeiterinnen. In der Teppicktabrik in Würzen sind in letzter Zeit mehrere Arbeilerinnen gemaßregelt worden. Der Gesckiä':sleit>lng ist die Ge- werkichaftsorganiiation ein Dorn im Auge. Die Gründung eines gelben Vereins ist denn im Betriebe kräftig betrieben worden. Die � Entlassenen werden von anderen Fabrikanten in Würzen nicht ein- gestellt, auch dann nicht, wenn solche gebraucht werden. Die Wurzner Teppichfabrik sucht überall Arbeitskräfte. Ein Meister ist gegen- wältig in Berlin. Die organisierte Arbeiterschaft wird ersucht, Ar- beitSangebote von obiger Firma nicht anzunehmen. __ Deutscker Textilarbeiter-Verbanv. Zahlstelle Würzen. B«ranttv. Siedakteur: Albert Wachs. Berlin. Inseratenteil verantw. Lohnbewegungen im Branereigewerbe. Nahezu ein volle? Jahr hat eS gedauert, bis die Germania- brauerei zu Löningen i. Oldenbg. sich bequemte, den Forderungen der Arbeiter einigermaßen gerecht zu werden. Obwohl bereits im September v. I. mit der dortigen Aktienbraucrei die Lohn- und Arbeitsbedingungen tariflich festgelegt wurden, weigerte sich die Germaniabrauerei entschieden, die gleichen Bedingungen anzu- erkennen. Mit ebenso großer Ausdauer vertraten aber die Arbeiter ihre Forderungen. Der Tarif bestimmt: Nach dem ersten Tarif- jähr tritt für die Wintermonate die 9M stündige Arbeitszeit in Kraft. Die Wochenlöhne werden sofort um 1,50 M. und für jedes weitere Tarifjahr um je 50 Pf., für jugendliche Arbeiter um 25 Pf. erhöht. Ebenso werden die Sonntagsarbeiten und Ueberstunden um je 5 Pf. die Stunde erhöht. Urlaub mit Lohnzahlung wird drei Tage gewährt. Anstelle des am 1. Juli abgelaufenen Tarifvertrages wurde durch den Verband der Brauerei- und Mühlenarbeiter mit der Aktienbrauerei zu Itzehoe und der dortigen Niederlage der Elbschloß- brauerei Nienstedten ein neuer, für drei Jahre geltender Tarif- vertrag abgeschlossen. Dabei wurde die Arbeitszeit für die ganze Tarifdauer während der Wintermonate auf 9 Stunden beschränkt. Ab 1. April 1914 tritt auch für die Sommermonate eine viertel- stündige Verkürzung ein. Der Wochenlohn wird sofort um 1 M. und mit Beginn des zweiten Tarisjahres um weitere 1 M. erhöht. Arbeiterinnen erhalten einen Stundenlohn von 30 Pf. Die Be-' zahlung der Sonn- und Feiertagsarbeiten und Ueberstunden wird um je 10 Pf. die Stunde erhöht, die Dujour an Wochen- und Sonn- tagen um je 50 Pf., das Bierausfahren an Sonntagen bis Mittag um 1 M. Nachtarbeiten werden mit den Ueberstundensätzen entlohnt. Husland. Die schweizerischen Gewerkschaften im Jahre 1911. Das Bundeskomitee des schweizerischen Gewerkschaftsbundes veröffentlicht in seinem Organ, der„Gewerksch. Rundschau", den Bericht über EntWickelung und Stand der schweizerischen Gewerk- schaftsbewegung im Jahre 1911, der erfreulicherweise kein ungün- stiges Bild bietet. Indessen weist es keinen einheitlichen Zug auf, was durch die widerspruchsvolle Gestaltung der Wirtschaftslage für die verschiedenen Jndustrieen verursacht ist. Die Maschinen- und Uhrenindustrie z. B. erfreute sich eines sehr guten Geschäftsganges, während die Textil-, Schuh- und Lederindustrie weniger pro- sperierte. Einzelne Industrien, wie die Steinindustrie, befinden sich im Niedergang, und zwar infolge des Ueberhan'dnehmens der sogenannten„Kunststeine"(aus Zement). Die starke Einwände- rung fremder Arbeitskräfte, große Flukwation der Arbeiterschaft, Vorherrschen der unqualifizierten und weiblichen Arbeiter sind weitere Hemmnisse der fortschreitenden Entwickelung der Gewerk- schaftsbewegung. Unter diesen Umständen gestalteten sich die Verhältnisse der schweizerischen Gewerkschaftsbewegung im Vergleich mit dem Von den 21 Verbänden erfuhren im Berichtsjahre 17 eine mehr oder weniger erhebliche Mitgliedervermehrung, während vier Ver- bände einen Mitgliederrllckgang aufweisen, der beispielsweise bei den Lederarbeitern durch die schwere Krise in der SckmH- und Lederindustrie verschuldet wurde. Insgesamt stieg die Mitgliederzahl des Gewerkschaftsbundes von 75 344 auf 78 119, wobei die aufsteigende Tendenz größere Bedeutung besitzt als der absolute ZuwackiS an sich. Tritt nicht wieder eine neue allgemeine Wirtschaftskrise störend da- zwischen, so wird daS laufende Jahr 1912 weitere Fortschritte bringen. Ingendbewegiing. Das Reglement für die französische Jugendorganisation. In Ausführung des Kongretzbeschlusses von Lyon beschloß der Nationalrat der französischen Partei folgendes Reglement für die Jugendorganisation: 1. Die Parteiorganisationen sind verpflichtet, alle notwendigen Anstrengungen zu machen, um Jugendgruppen für die Agitation und Erziehung der Arbeiterjugend zu schaffen und diese moralisch und materiell zu unterstützen. 2. Die Jugendgruppen sollen für jedes Departement(Kreis) ein Agitationskomitee einsetzen. 3. Die Vereinigung aller Kreisverbände bildet einen National- verband, der dem Internationalen Jugendsekretariat ange- schloffen ist. 4. In jedem Jahr soll ein Nationalkongrcß des Verbandes unter dem Vorsitz eines Mitgliedes des Parteivorstandes stattfinden. 5. Der Nationalverband soll durch ein Nationalkomitee geleitet werden, für welches fünf Mitglieder der Verband und zwei Mit- glieder der Partcivorstand bestimmt. Diese letzteren sollen ein Ein- spruchsrecht besitzen. In letzter Instanz entscheidet der Partei- vorstand. 6. Um einer Jugendgruppe beizutreten, muß man mehr als 16 Jahre und weniger als 21 Jahre sein. Mitglied bleiben kann man bis zum 25. Jahre. 7. Jedes Mitglied der Jugendorganisation bekommt die Partei- Mitgliedskarte und hat in seiner Sektion dieselben Rechte wie die Erwachsenen. 8. Die Organisationskosten für die Kreisverbändc gehen zu Lasten derselben und der entsprechenden Organisationen der Partei. Die Kosten des Nationalkomitees gehen zu Lasten der Partei unter der Kontrolle des Parteivorstandes. 9. Die Kassengebarung der Zentrale untersteht der Kontrolle der Partei. 10. Die Jugendgruppen, ihre Kreisverbände und der National- verband dürfen keine politische Aktion unternehmen, ohne die Zu- stimmung der entsprechenden Parteiorganisation eingeholt zu haben. 11. Die Kreisverbände bestimmen ihr Reglement für die Jugend- bewegung selbst innerhalb der durch dieses Reglement gezogenen Grenzen. Die erste Nationalkonferenz wird vom Parteivorstand ein- berufen werden. Bis dahin soll das Agitationskomitee der Seine- Td- Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buckdr. u Verlagsanitalt Föderation die Funktionen des Zentralkomitees mit Unterstützung des Parteisekretariats übernehmen. Das Publikationsorgan des Nationalverbandes ist der „Socialiste", der ein- oder zweimal im Jahre auch eine Spezial- nummer für die Jugendpropaganda herausgeben soll. Am 7. Juli fand die Konferenz der Jugendorganisationen der Seine-Föderation statt und nominierte fünf Vertreter für den Zentralvorstand. Diese haben sich gemeinsam mit den vom Partei- vorstand ernannten zwei Delegierten noch am 7. Juli als Zentral- komitee des Jugendverbandes konstituiert und einen Aufruf er- lassen, in welchem die bestehenden Jugendgruppen zum Anschluß an den Nationalverband und die Genossen allerorts aufgefordert werden, Jugendorganisationen zu gründen. Die Jugendbewegung wird sich nunmehr hoffentlich auch in Frankreich kräftig entwickeln und bald eine der Partei entsprechende Ausdehnung und Stärke erhalten.Die Adresse ihres Sekretariats ist: bederation des Jeunesses socialistes de France, 87, Rue Sainte-Croix de la Bretonnerie, Paris, Die Redaktionen aller Jugendorgane werden ersucht, dem Sekretariat regelmäßig die Zeitungen zuzusenden, £ctzte IVachriehtcti« Zu der österreichischen Intervention Wien, 15. August. Die„Neue Freie Presse" meldet: Die Einladungen an die Mächte zu der vom Grafen Berchtold an- geregten Aussprache unter den Unterzeichnern des Berliner Ber- träges über die Verhältnisse in der Türkei sind bereit? erfolgt. Die Antworten werden in den nächsten Tagen erwartet. Man nimmt an, daß die Mächte dem Vorschlag des Grafen Berchtold zustimmen werden. Es liegt kein spezielles Programm vor. Die Konversation soll durch die Botschafter bei den Großmächten erfolgen, Ein türkisches Regierungsprogramm. Konstantinopel, 15. August.(P.-C.) Hussein Hilmi, augenblicklich der führende Minister des Kabinett?, entwickelte mit großem Optimismus einem Redakteur des„Jeune Türe" den Re- gicrungsstandpunkt. Er proklamiert die N e u t r a l i t ä t der Re- gierung gegenüber den Parteien, die Neuwahlen würden an einem Tage, und zwar am J. Oktober stattfinden. Albanien solle keine Vorrechte, welche den Charakter der Autonomie tragen, erhalten. Die Albanesen verlangen auch nichts, was der Einigkeit des Reiches, für welches stets zu kämpfen sie sich bereit erklärten, Abbruch tun könnte. In bezug auf den Krieg mit Italien weist Hussein Hilmi darauf hin, daß dieser nur mit Wahrung der Rechte und des Prestiges des ottomanischen Reiches abgeschlossen werden könne. Wichtig ist seine Erklärung über die Meer- engenfrage, über die er sagt, daß die Pforte feste Zusiche- rungen von Rußland und Frankreich erhalten habe, daß diese Frage nicht zu den Gegenständen der Aussprache zwischen Ssasonow und Poincare gehöre. Drohung Montenegros. Konstantinopel, 15. August.(Meldung des Wiener K. K. Tel.-Korr.-Bureaus.) Der montenegrinische Geschäftsträger über- mittelte der Pforte eine Note, in der die Ratifikation des Proto- kolls betreffend die Grenzberichtigung verlangt wird. Dieses Protokoll spricht Montenegro das Gebiet von Eresnitza zu, wovon in dem an die Mächte gerichteten Zirkular die Rede war. Dieses enthielt Puch einen Passus, daß Montenegro, falls die Mächte nicht einschreiten, um die Ratifikation des Protokolls zu erlangen, gc- nötigt sein werde, selbständig vorzugehen. Es heißt, daß die der Pforte übermittelte Rote die gleiche Sprache führt. Nachmittags hatte der Geschäftsträger eine neue Unterredung mit dem Minister des Aeuhern, der ihm erwidert haben soll, der Augenblick sei nicht geeignet zur Ratifikation, da diese eine Erhebung der Malissoreu infolge der Abtretung ihres Gebietes an ein fremdes Land hervor. � rufen könnte. Jungtürkischc Korrespondenz beschlagnahmt. Konstantinopel, 15. August.(W. T. B.) Auf Befehl de? Kriegsministers entsandte der Korpskommandant von Saloniki, Said Pascha, 200 Mann nach Serres, die das Postamt besetzten und eine Korrespondenz des Komitees über angebliche Machenschaften gegen die Regirrung b e s ch l a g. n a h m t e n. Aus dem arabischen Aufstandsgebiet. Konstantinopel, 15. August.(W. T. B.) Bei der Pforte ein- gegangene Nachrichten besagen, die Harka Said Jdris, dreitausend Mann mit drei Kanonen, habe einen Angriff auf die türkischen Truppen bei El Hafa unternommen, sei aber mit großen Verlusten zurückgeschlagen worden. Die türkischen Truppen hatten sechs Tote und vier Verwundete gehabt. Ein Vizekonsul erschossen. Washington, 14. August. In Carthagena(Columbien) ist der dortige amerikanische Vizekonsul erschossen worden, und zwar, wie dem Staatsdepartement von columbischer Seite ge- meldet wird, durch einen unglücklichen Zufall. Da aber früher schon Anschläge auf sein Leben gemacht worden sind und zwischen ihm und den columbischen Behörden gespannte Beziehungen be- standen, zweifelt man an der Wahrheit des Berichtes über die Ursache seines Todes. Deutsche Grubenlampe in England prämiiert. London, 15. August.(P.-C.) Ter vom Ministerium des Innern ausgeschriebene Preis von 12 000 Mark für die beste elek- irische Grubenlampe zum Gebrauch in Kohlenbergwerken wurde einem Deutschen zuerkannt. Die Lampe ist von einem deut- Ingenieur namens F a b e r aus Dortmund konstruiert worden. Schwerer Zugunfall. Temesvar, 15. August.(P.-C.) Vor der Station Croszlamos entgleisten wahrscheinlich infolge A ch s e« b r u ch e s die drei letzten Wagen des Schnellzuges Budapest-Temesvar. Die Wagen bohrten sich tief in den Erdboden ein. Eine Person wurde getötet, zahl- reiche andere schwer verletzt. Flugapparate für die russische Kriegsflotte. Petersburg. 15. August.(W. T. B.) Das Marineministerium baut auf der Golodaiinsel bei Petersburg ein erstes Aerodrom zu Versuchen für Verwendung von Flugapparaten für die Kriegs» flotte._ Durch Wanzervrrtilgung ein Haus demoliert. Budapest, 15. August.(P.-T.) Bei der Vertilgung von Wan- zen in einer hiesigen Pension durch eine aus Schwefel und Benzin bergcstellte Mixtur erfolgte eine Explosion, durch die die Zwischenwände des dreistöckigen Hauses heraus. gedrückt wurden. Alle Bewohner mußten delogiert werdcn. PaulSingerL Co.. Berlin LW. Hierzu 2 Beilagen u. UnterhaltungSbl. Nr. 190. 29. Jahrgang. 1. Itilnp 0(5 Jirnrälö" Sctlintt lolUlait. Freitag, 16. Augnst 1912. Nerbavdstag der Zchneider. Köln, öcn 14. August. Die heutige Sitzung, in welcher über Lohnbewegungen, Tarifverträge und Schiedsgerichtsverfahren verhandelt werden soll, ist eine geschlossene. Vor Eintritt in vie Verhandlungen erhält das Wort zu einer Begrützungsansprachc der Sekretär der Zentralorganisation der englischen Schneider, Flynn. Er überbringt die Grütze seiner Organisation und gratu- liert den deutschen Schneiderverband zu seinen grotzen Erfolgen und seiner glänzenden EntWickelung und spricht sein Bedauern darüber aus, datz die englischen Kollegen in 12 bis 14 Sonderorgani- Jationen, meist lokalen Chavakters, zersplittert sind. Die Einheit >er Organisation sei aber auch für die englischen Schneider eine Lebensfrage. Nach Verlesung einiger Begrützungstelegramme und der Er- ledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten wird alsdann in die Verhandlungen eingetreten. Es liegt zu der zu behandelnden Ma- terie eine grötzere Anzahl Anträge und einige Resolutionen vor, die mit wenigen Ausnahmen genügend unterstützt werden. Verbandsvorsitzender S t ü h m e r erhält sodann das Wort zur Berichterstattung. Er entwirst zunächst ein Bild von der allgemei- nen Lage, wie sie sich nach dem letzten Vorbandstage in Hamburg gestaltet hat und geht dann auf die Lohnkämpfc während der Be- richtsperiode näher ein, in Einzelheiten dabei aus den gedruckt vor- liegenden Geschäftsbericht verweisend. Zahl und Umfang der Lohn- dewegungen waren in keiner vorhergehenden Geschästsperiode so grotz, wie in der verflossenen, worüber dor Vorstand jetzt zu berich- tcn hat. Die Lohnbelvegungen, welche im ersten Berichtsjahre, 1910, in der Breslauer und Südwestdeutschen Konfektionsbranche geführt wurden, endeten mit guten Erfolgen, im letzteren Bezirk auch ohne Arbeitseinstellung. Schwieriger gestaltete sich jedoch die AbWicke- lung dar Bewegungen in der Matzbranche. Die örtlichen Verhandlungen endeten in den meisten Fällen resultatlos, so datz sich das Schiedsgericht der Hauptvorstände in Frankfurt a. M. damit zu befassen hatte und vor grotze Schwierigkeiten gestellt sah. Datz es 1911 noch einmal gelang, in der Matzbranche den Frieden aufrecht zu erhalten, ist teilweise mit auf das Verhallen des Arbeitgeber- Verbandes zurückzuführen, der augenscheinlich den Zeitpunkt für einen gröheren Machtkampf noch nicht für gekommen erachtete. An- ders gestaltete sich die Sachlage im Jahre 1912. Nun hatte der Ar- beitgeberverband eine Konferenz seiner Ortsgruppen, an welche mit Lohnforderungen herangetreten war, einberufen, und in dieser Konferenz wurde dann der Mtionsplan beraten und beschlossen. Auch 1912 blieben die örtlichen Verhandlungen ebenso wie 1911 zu- nächst ohne jedes positive Ergebnis. Redner schildert nun in de- taillierter Weise die zentralen Verhandlungen, die zunächst gleich- falls scheiterten und damit ihren vorläufigen Abschlutz fanden. Der allgemeine Kanipf war demnach unausbleiblich geworden, zumal auch ein nochmaliger Versuch des Arbeitgeberverbandes, vor Ver- hängung der Generalaussperrung noch einmal Verhandlungen an- zubahnen, sich wieder zerschlugen. Vorstand und Beirat beschlossen deshalb. Extrabeiträge auszuschreiben und trafen die weitere Bs- stimmung, datz sowohl Streikende wie Ausgesperrte in der ersten Kampfwoche auf Unterstützung zu verzichten hatten. Diese Be- schlüss« sind von der Kollegenschaft mit erfreulicher Einmütigkeit gutgeheitzen worden. Stühmcr schildert nun weiter in eingehend- sier Weise die Friedensvermittelungen des Ministers Dr. Del-- b r ü ck, die nach einer Rcichstagsrede des Abgeordneten Behrens in Flutz kamen, sowie die Einigungsverhandlungen unter Vorsitz des Frankfurter Gewerberichtcrs Dr. Hiller. Rednar unterzieht hier- bei die Einigungsvorschläge des Herrn Dr. Hiller einer Kritik, hebt deren Ablehnung durch die am Kampfe beteiligten Filialen her- vor und verbreitet sich dann in längeren Ausführungen über die Verhandlungen vor den drei Unparteiischen in Jena, den Herren Magistratsrat Dr. von Schulz, Dr. P r e n n e r und Dr. H i l l e r, sowie über das endgültige Ergebnis der Verhandlungen und den Abschlutz des Kampfes. Dor Berichterstatter resümiert sich dahin, datz die Kollegen sehr wohl mit dem Ergebnis des grotzen Kampfes zufrieden sein können. Andere Gewerkschaftsführer hätten den Vorstand zu seinen Erfolgen gratuliert. Der Vorstand hatte grotze Schwierigkeiten zu überwinden. Das sollten die Delegierten zu würdigen verstehen und demnach ihre Kritik einrichten. � Der recht beifällig aufgenommene Bericht des Borsitzenden Stühmer füllte die ganze Vormittagssitzung aus. Die Nachmittags- sitzung fällt aus wegen einer vom Kölner Lokalkomitee veranstalte- ten R heinfahrt. Morgen untersteht der Bericht des Vorstandes der Kritik des BcrbandstageS. kleines feuiUeton. Wilhelm Wundt, der Leipziger Psychologe und Philosoph, be- geht heute seinen 89. Geburtstag. Die wissenschaftliche Welt be- wundert ihn als einen Gelehrten von allumfassendem Wissen. Es gibt kaum unter den Forschern der Gegenwart einen, der gleich Wundt Vielseitigkeit und GründliSkeit in so reichem Matze vereinigt. Ma» ist geradezu überrascht, wenn man in WundtS Werken die mannigfaltigsten Probleme sachkundig wie von einem Fachmann bis in das kleinste Detail hinab behandelt findet. Die Schriften über Logik, Ethik. Völkerpsychologie und sein System der Philosophie enthalten eine Fülle von Material und doch stets geordnet und be- herrscht von der Wundt eigentümlichen einheitlichen Auffassung. Wundt befitzt dabei in allem eine unbedingte Achtung vor der Empirie, der Erfahrung. So sehr auch Mündts enzyklopädische Kenntnisse zu achten sind, wirklich� schöpferisch und bahnbrechend ist er nur auf dem Gebiete der Psychologie. Die moderne Seelenwissenschaft dankt der Wundlschen Lebensarbeit ihre erste systematische Grundlegung und eine seit 55 Jahren dauernde Bereicherung durch wertvolle Einzel- Untersuchungen. Gewiß, die Begründung der experimentellen Psychologie knüpft sich an die Rainen Webers und Fechners. Aber als selbständige sauch von der benachbarten Physiologie zu trennende) Wissenschaft hat sie erst Wundt geschaffen. Wundt begann wie die Mehrzahl der ersten Psychologen- aeneration mit dem Studlum der Medizin. Er widinete sich anfänglich speziell der Anatonne und Pathologie. Später wandte er sich ber Physiologie zu und arbeitete unter Helmholtz in Heidelberg. J» den Jahren 18S9 bis 1862 erschienen seine„Beiträge zur Tbeorie der Sinneswahrnehmung", in der er die allgemeine Forderung einer experimenicll begründeten Wissenschaft der Seele aufstellt und die Anwendung des Experiments bei seelischen Erschein, mge» rechtfertigt. Die„Vor- leiüngen über die Menschen- und Tierseele"<1863), die auch heute noch zu den lesenswertesten Einführungen in die Psychologie gebören, versuchen zum erstenmal ein Gesamtbild von den Aufgaben und Lösungen der Psychologie zu geben. Die Seele als ein Natur- Phänomen und die Seelenlehre als Nattirwissenschaft aufgefatzr. läßt natürlich für metaphysische Spekulationen keinen Raum mehr. Der Seelenbegriff bedeutet nichts als eine Abstraktion des steten Zu- sammenhanges aller seelischen Erlebnisse. An sich ist die Seele weder ein Einfaches noch eine Realität. Noch am Anfang der SOer Jahre«nutzte Wundt diesen rohen Empirismus" einer„Psychologie ohne Seele", der jetzt zum Ällgemeingnt geworden ist. gegen den aufstrebenden Neukantianismus, die spekulative Philosophie und die Bulgärmeinung verteidigen. Die„Grundzüge der physiologischen Psychologie'(1874) konnten bereits eine Zahl von Ergebnissen sammeln, dte mit der neuen experimentellen Methode gewonnen waren. Die Berufung nach Leipzig(1875), an dessen Universität Sttndestag des Arbkiterradfthrer-Knndes„Zolidaritiit". Dresden, den 14. August. 4. Berhandlungstag. Die Debatte über den Bericht vom Fahrradhaus„Frisch auf" zog sich drei Stunden hin. Es wurden in ihr nur interne Angele- genheiten erörtert, die für die Oeffentlichkeit kein Jnteresie haben. Ucbcr den Punkt„Rechtsschutz in unserm Bunde,, referierte der Bundessyndikus Rechisanivalt Dr. K a tz- Offeübach a. M. Der vom Bund gewährte Rechtsschutz wird von den Bundesgenossen von Jahr zu Jahr stärker in Anspruch genommen und auch vom Bundes- vorstand in weitgehendstem Matze gewährt. Der Bundessyndikus hatte in den beiden letzten Jahren 212 Sachen zu erledigen. Es waren meist Schadenersatzklagen, deren Forderungen durch Zusam- menstöhe mit Automobilen, Fuhrwerken usw. entstanden sind und wobei der Radfahrer Schaden am Körper odor Fahrrad genommen hat. Im Jahre 1919 wurde in 297 und 1911 in 492 Fällen Rechts- schütz erteilt. Eine ganze Reihe Gesuche um Rechtsschutz mutzten abgelehnt werden, da sie private Angelegenheiten betrafen oder bei denen auf keinen Erfolg im Prozehwege zu rechnen war. Grotz war die Zahl der Prozesse, die aus Anlatz der Erklärung der Ver- eine als politische geführt werden mutzten. Eigenartige Dinge sind dabei zutage getreten und eine Unklarheit und Verworrenheit unter den verschiedenen Instanzen der Behörden und Gerichte hat sich offenbart. Der Referent erläuterte ausführlich, unter welchen Voraussetzungen der Bund Rechtsschutz gewährt, besprach einige vor- gekommene Fälle, dabei Winke und Ratschläge gebend, und kenn- zeichnete kurz die öffentlich rechtliche Stellung des Radfahrers. Der Vortrag wurde mit Beifall aufgenommen. Er wird zur allgemeinen Kenntnis der Mitglieder im Bundesorgan wörtlich wiedergegeben. In den sich an das Referat anschliehenden Erörterungen wirr- den Klagen über Ablehnung von Rechtsschutzgesuchen vorgetragen und Anfragen an den Syndikus gestellt, die dieser ausführlich be- antwortete. Ueber die zukünftige Gestaltung des Fahrrabhauses„Frisch auf" verbreitete sich Wirt- Offenbach a. M. Er begründete Vorschläge der Geschäftsleitung und des Aufsichtsrates für den Ausbau des Fahrradhauses. Nach diesen soll die weitere Durchführung und der Ausbau des Filialsystems angestrebt werden. Verkaufsstellen, die die nötige Rentabilität garantieren, sind nach und nach in Fi- lialen umzuwandeln. Hierüber entscheidet von Fall zu Fall auf Vorschlag der Geschäftsleitung und Anhörung des Bundesvorstan- des der Aufsichtsrat. Zu besseren Finanzierung des Fahr- radhauses und um keinen zu hohen Bankkredit i,n Anspruch nehmen KU müssen, wird vorgeschlagen, eine Sparkasse zu errichten, in der die einzelnen Vereine und auch Privatpersonen ihr entbehr- lichcs Geld anlegen sollten. Das Kapital kann mit 4%' Proz. verzinst werden. Damit hätten die Vereine und Privatpersonen ihr Kapital günstig angelegt und das Fahrradhaus würde, wenn grotze Beträge eingelegt würden, bedeutend leistungsfähiger gemacht. Für diese Einrichtung mutzte seitens der Leitung grotzzügige Propaganda gemacht werden, so datz die Vereine daran interessiert würden. An das Referat schlotz sich eine De b a t t e, die mopgen fortge- setzt wird....... Hus der Partei. Die Partei in Baden. Ter Landesvorstand der badischen Parteiorganisation veröffent- licht seinen Bericht für den am 24. und 25. August in Offenburg stattfindenden Parteitag. Die Zahl der Mitgliedschaften stieg im Berichtsjahre von 293 auf 228, die Zahl der Mitglieder von 17 245 männlichen und 1437 weiblichen auf 19 135 resp. 1898. Die Mit gliederzunahme entfällt fast ausschlietzlich. auf den Mannheimer Wahlkreis und auf Mittelbaden, in den Landbezirken sind Fort- schritte nicht zu verzeichnen. Zur Betreibung der Agitation bei der Reichstags- und bei den Gemeinderatswahlen wurden im Lande 1299 Versammlungen abgehalten und 1 815 599 Flugblätter verbreitet. Autzerdem wur- den noch für die Agitation unter den Frauen 65 999 Flugblätter verbreitet und 139 Versammlungen abgehalten. Bei der Reichs- tagswahl gewann die Partei wohl 24 099 Stimmen(insgesamt 177 999), sie bützte aber die Mandate in Pforzheim und Karlsruhe ein. Bei den Gemeindewahlen dagegen waren der Partei wefent- liche Erfolge bcfchieden. Auf badischen Gemeindehäusern sind augenblicklich 1939 Parteigenossen tätig. Die Zahl der in Land- gemeinden tätigen Bürgerausschuhmttglieder beläuft sich auf 1378 Wundt bis zu diesen. Tage lehrt, schuf ihm durch die Begründung des ersten Instituts für experimentelle Psychologie den gewünschten Wirkungskreis. Von diesem Institut gingen durch die in den„Psycho- logischen Studien" gesammelten Schülerarbeiten immer neue An- regungen aus. Eine grotze Zahl der in Deutschland, Italien, Frank- reich, England und Amerika wirkenden Psychologen haben unter Wundts Leitung ihre Studien begonnen. Unter den Einzeldisziplinen der Psychologie hat sich Wundt in seinen letzten Jahren in besonderem Matze der Völker- Psychologie gewidmet. Sie soll die Aufgabe erhalten, die all- gemeinen psychischen Bedingungen für die Bildung und EntWickelung geistigen Gemeinschaftslebens auszusuchen. Je'weniger man sich über die realen(historischen und ökonomischen) Wurzeln der Gemein- schaftsäutzerungen klar ist, um so mehr wird man geneigt sein, all- gemeine psychische zur Erklärung heranzuziehen. Dieser Gefahr ist Wundt in starkem Matze erlegen. Nur in den Untersuchungen über die Sprache hat WundtS Methode zum Ziel geführt. Die Forschungen über Kunst. Mythos und Religion suche»(ebenso wie seine Logik der Geisteswisienschaften) gänzliw falsche Entwicklungsgesetze auf. Aber auch hier kann man sich nicht der Bewunderung deS immensen Fleitzes und der geistreichen Deutung entziehen. Gleichzeitigkeit.... Das ungeheure Wunder der Gleichzeitig- keit... Sie ist eines. Dies zu denken: du sitzt auf dem Hof der Fabrik und frühstückst, hier in Berlin, etwa in der Köpenicker Stratze, und gleichzeitig, während du das tust, weht— heute ange- nommen, morgens(411 Uhr— der Wind oben auf einem Gletscher der Jungfrau ein bihchen Schnee zusammen, rings ist es toten- still... und zur gleichen Zeit kochen wirbelnd 3999 Mexikaner im Rund einer Arena wie in einem Topf um einen irrsinnigen Stier und die Eingeweide zweier Pferde... und zur gleichen Zeit stehen sich in einem hohen Haus zu Chicago zwei Männer gegen- über. Blick in Blick, die Hände fest auf dem Tisch... und irgendwo brüllt einer auf, im Echo des Waldes, und Wilde stotzen auf Kanoes vom Lande ab, und einer sagt: Claire... nicht, nicht weinen! Ruhig sein, so... so... Alles, während du frühstückst. Das ist so eine Sache mit diesem Wunder: Da steht zum Bei- spiel in prächrigcr Uniform der Herrscher eines Landes auf einem gelbsandigen Platz, der weit von Menschen umsäumt ist. und spricht: Ehre des Vaterlandes... sagt er... und: jedem das Seine!... und: Bürgerrechte und Frieden-- und während alledem pufft und knufft ein Wachmann einen armen Inhaftierten auf der einsamen Polizeistube, tausend Meilen entfernt von dem redenden Herrscher, aber zur gleichen Zeit... Oder in einer Gerichtsverhandlung erhebt sich der Staatsamvalt und sagt krähend: und so haben diese Burschen das Leben der Arbeitswilligen verletzt I Das Leben sader und die Gesundheit der Bürger... schützen...——" und während alledem wirbeln in einem entfernten Bergwerk, tief unter der Erde, Knochen und Arme und Köpfe durcheinander, schwarzer Rauch stickt das Stöhnen Zer- rissener... Alles zu gleicher Zeit. Und man kann es dem lieben und die der Gemeinderäte auf 123. In den Städten fungieren als Stadtverordnete 391 Genossen und 38 als Stadträte. 5 Genossen sind als Landbürgermeister tätig und 4 Genossen als Mitglieder von Bürgerausschutzvorständcn. Die Tätigkeit der drei von der Landeskasse unterhaltenen Sekretariate befriedigt den Landcsvorstand nicht. Die für die- selben aufgewendeten Kosten ständen nicht im Einklang mit den minimalen Erfolgen. Er regt an, das Sekretariat für Mittelbadcn als Krcissekretariat von Pforzheim und Karlsruhe zu übernehmen und dasjenige für Oberbaden aufzuheben. Dafür will er den Wahlkreisvorständen mehr Mittel zur Verfügung gestellt wissen. Die Parteipresse berichtet über gute Erfolge. Das jüngste Organ Badens, die„Volkswacht" in Freiburg, hat sich bereits in den ersten acht Monaten ihres Bestehens gut entwickelt. Ter „Badisch« Volkskalender" wurde in 23 596 Exemplaren abgesetzt. Der Einführung des 19-Pf.-Wochenbeitrages für die gesamten badischen Parteivereine haben sich Schwierigkeiten nicht in den Weg gestellt. Die Landeskasse schlietzt mit einer Einnahme von 77 516,57 Mark ab. Darunter befndet sich ein Zuschutz des Parteivorstandcs in Höhe von V9 099 M. für die Reichstagswahlagitation, � Aus den Organisationen. Die Bremer Parteigenossen haben sich in vier Versammlungen mit der Tagesordnung des Chemnitzer Parteitages beschäftigt. Die letzte Versammlung am Dienstag stimmte folgenden Anträgen zu: 1. Ter Parteitag erklärt, datz die Kvntrolle der parteitaktischen Haltung der Parteiorgane und die der Auswahl der Ange- stellten nur den von den Genossen des Verwaltungsbezirks gewählten Instanzen zusteht. 2. Der Parteitag beschlietzt, dem Z 6 des Organisationsstatuts folgende Aenderung zu geben: Das Geschäftsjahr für alle Parteiorganisationen läuft vom 1. April bis 31. März usw. Ferner nahm die Versammlung eine Resolution an, wonach der Chemnitzer Parteitag den von dem Leipziger und Magdeburger Parteitag beschlossenen Branntweinboykott erneuert und erklärt. datz sich der Beschluh auf Spirituosen jeder Art bezieht, da er nicht allein der Bekämpfung des ostelbischen Junkertums, sondern auch als praktische Protestaktion gegen das herrschende Steuersystem diene. Der Schlutzpassus dieser Resolution, der die Parteipresse verpflichten sollte, keinerlei Anzeigen oder Anpreisungen derartiger Getränke aufzunehmen, wurde abgelehnt. Als Delegierte wurden die Genossen W e l l m a n n, Dr. Pannekoek, Radek, Voigt und die Genossin Simon ge- wählt. »» * Der sozialdemokratische Verein von Elberfcld-Barmen nahm am letzten Dienstag Stellung zum Chemnitzer Parteitag. Nach einem Referat deS Genosien Hoffmann wurde eine Reihe von Anträgen und Resolutionen an den Parteitag beschlossen. Zum O r g a n i- sationsstatut erhob die Versammlung folgenden Antrag des Genosien Wilh. Gewehr, den dieser vorher in einer Artikelserie in der„Freien Presse' schon eingehender begründet hatte, zum Be- schlusse: „Die Versammlung erklärt sich gegen den von der Kommission vorgeschlagenen Ausschuß, dagegen für die Verstärkung des Vor« standes um fünf unbesoldete Beisitzer und für die Beibehaltung der Sitzungen der Vertreter der Bezirks- oder Landesvorstände mit dem Parteivorstand.' Der in der Artikelserie des Genossen Gewehr gegebenen An» regung entsprechend wurden auch für das Ausschlutzverfahren aus der Partei mehrere Abänderungsanträge angenommen. Gleichfalls auf Antrag des Genoffen Gewehr erklärte die Versammlung zum Stichwahlabkommen der Partei mit den Freisinnigen:„Der Parteivorstand hätte auf die von den Fortschrittlern verlangte Dämpfung unserer Agitation in einer Anzahl Wahlkreisen nicht ein- gehen sollen, auch wenn die Möglichkeit bestand, daß dann das Ab- kommen nicht zustande gekommen wäre." Angenommen wurde serner ein Antrag des Genoffen Hoffmann auf Erhöhung der Zahl der Partervorstandsbeisitzer von zwei auf sieben. Zum Schnapsboykott hatten die absti- nenten Genossen einen Antrag eingebracht, laut welchem eS der Parteipresse verboten wird,„Anzeigen oder Anpreisungen derartiger Getränke aufzunehmen" und die Volks- und Gewerkschastsbäuser ersucht werden, den gesamten Spirituosenverkauf einzustellen. Dieser Antrag wurde abgelehnt. Dagegen wurde beschlossen, daß der Chemnitzer Parteitag die Beschlüsse der Leipziger und Magdc- burger Parteitage erneuern und bekräftigen möge. Mit geringer Majorität gelangte auch eine Resolution,'die zum Aus» tritt aus der Landeskirche als wirksamste Form Gott, der doch von oben alles übersehen kann, nicht verdenken, wenn er hier und da. wenn sie ihm die„Kreuzzeitung" zu lesen bringen, ein bitzchen lächelt..,_ tu. % Notizen. — Das Richard Wagner-Festjahr bringt, je näher wir ihm kommen, nicht bloß alle Bayreuth-Schwärmer— worunter sich gerode gewisse journalistische„Freiberger" am lautesten hervor- tun— für ein Parsifal-Schutzgesetz auf die Beine. Auch die Weib- lichkeit, die ja in der kapitalistischen Gesellschaft den„Ton" angibt, macht mobil. Zunächst läßt der„Richard Wagnerverband deutscher Frauen" eine Medaille prägen, die auf der Vorderseite den Köpf des Bayreuthers, hingegen auf der Rückseite den Gedanken eines frommen Bibelspruches im Bilde zeigen soll. Wagner, der „Barrikadeur" von 1849 und gewaltige Kunstrevolutionär eine Art pastor bonus(guter Hirte) für abgestempelte Damemnoral l Dieses ist der erste Streich. Doch der andere folgt sogleich. Nämlich in großen Modellhutausstellungen deutscher wie ausländischer Finnen kann man es jetzt schon sehen: Der„Clou" der nächsten Modesaison wird— das Wagner-Barett für Damen(in Plüsch oder Samt, lila, blau oder schwarz) sein! Wer kein solches tragen sollte, ist„natürlich"— kein Kenner und Verehrer Wagnecscher Kunst.... - Bibliotheken auf Ozean-Seglern. Hauptsächlich für den Verkehr mit der Westküste Amerikas werden immer noch Segelschiffe gebaut; meist große eiserne oder stählerne Bier- und Fünfmaster, die be, gutem Winde an Schnelligkeit mit den Fracht- dampfern wetteifern können und im Verhältnis zu ihrer Trag- fähigkeit nur wenig Mannschaft zur Bedienung nötig haben. Am L Ä" wurden 249 deutsche Schiffe mit 123 790 Tonnen Gehalt gezahlt. Diese großen Segler bleiben auf ihren ozeanischen Welt- fahrten sehr oft sieben oder acht Monate unterwegs. ES war daher ein ichoiier Gedanke, sie für ihre weite Fahrt mit einer Bücherei auszurüsten, die den Matrosen eine gediegene Unterhaltung bietet. m..„ 5'en.bedanken will nunmehr die Deutsche Dichter» G e dachtnlSstiftung in Hamburg-Grotzborstel mit Unter» Uiitzmrg einer ortsansässigen Reederei zur Ausführung bringen. Am guten Erfolg ist schwerlich zu zweifeln. ■— Ein Zeitungsrekord. Die Vereinigten Staaten sind wohl das weitaus zeitungsreichste Land der Welt. Aber wohl kein Ort wird sich verhältnismätzig an die Seite der kleinen Stadt Hallettsville in Texas stellen dürfen, die bei knapp 1599 Einwohnern nicht weniger als zehn Zeitungen besitzt. Darunter sind vier sozialistische: zwei englische.„Die Neue Aera", ein Halb- Wochenblatt, das älteste, und„Der Rebell", ein Wochenblatt, das Verbreitetste sozialistische Blatt des Staates. Weiter erscheinen „Pozor" in tschechischer und„Habt Acht" in deutscher Sprache, beide herausgegeben von Profeffor I. ZizeS Panek, der in Wien studiert und sich offenbar der separatistischen Krankheit erfolgreich er« wehrt hat. des Protestes gegen die geistige Knechtung des Volkes auf- fordert, zur Annahnie. Mit der Vereinheitlichung des Bibliothekwesens hotte sich schon kürzlich eine Konferenz der BildimgSauSschüsse und Bibliothekore des niederrheinischen Ägitalions- bezirkes befaßt. Die dort beschlossenen und im„Vorwärts" schon veröffentlichen Anträge wurden von der Bersaniinluiig akzeptiert und zur Veiclilllßfafsilng auf dem Parteitage unterstützt. Zur Ausführung des Jenaer Beschlusses betr. Abführung eines Tagelohnes am 1. Mai, wurde ohne Diskussion ein Antrag ang'enoninie», daß gegen diejenigen, welche bis zum 8. September er. ihren Verpflichlungen nicht nachgekommen sind, das Ausschlußversahrcn eingeleilet wird. 4- In einer außerordentlichen Generalversammlung beschnstigte sich der sozialdemokratische Verein Königsberg-Stadt mit dem Chemnitzer Parteirage. Genosse Gottschalk, Mitglied der Neorgonisations- kommission, referierte. Namens der Köuigsbergcr Parteileitung irat er für Amiahme der Beitrogserhöhung, aber für Ablehnung aller sonstigen Abänderuiigsanträge der Kommission ein; insbesondere lehnte er den Parteiausschuß ab. Dagegen trat er für Aus- bau der Bezirkskonferenzen und Verstärkung der Kontrollkommission um vier Mitglieder ein. Statt der bisherigen zivei Beisitzer dcS Parteivorstnndes verlangt der Referent vier Beisitzer, die durch den Parteitag zu wählen seien. Die zun« Organisalionsstatut angenommenen Anträge decken sich mit der vom Genossen Gottschalk vertretenen Auffassung. Weiter wurde noch folgender Antrag angeuoinmen: Der Partei- tag trolle den Beschluß des Nürnberger Parteitages: Die Beaniten, Arbeiter und Mitglieder der Partei, welche am 1. Mai feiern und keinen Lohnausfall erleiden, sind verpflichtet, an die Partei- und Gewerkschaftskosse einen Tagesverdienst abzuliefern, aufheben. Schließlich fand noch ein Antrag Annahnie, der eine noch strengere Durchführung des Schnapsboykotts für notwendig erachtet, insbesondere die Vertrauenspcrsanen zu deren energischster Uiilerstlitzung verpflichtet und erklärt, daß sich der Schnapsboykolt auf Spirituosen jeder Art beziehe. Zu Delegierten für den Chemnitzer Parteitag wurden die Ge- Nossen G o t t s ch a l k und D o n a I i e s, sowie die Genossin Härtung geivählt. Als Vertretreler in den Parteiausschuß lvurde im Einverständnis mit dem westprenßischen Bezirksvorstand Genosse G o t l s ch a l k gewählt. *• ♦ Die Generalversammlung des 14. wtirttembergischen Wahlkreises lUlm-Heidercheim-Geislingen), die am Sonntag in Ulm tagte, konnte einen überaus erfreulichen Jahresbericht entgegen- nehmen. Die Mitgliederzahl ist von IlbO im Vorjahre auf 1716 gestiegen, ISvS hatte der Kreis erst 676 Rkitglicder. Es wurden im abgeschlossenen Geschäftsjahre in 14 Ortsvereinen 266 Mit- gliederversammlungen, daneben 16b öffentliche Versammlungen ab- gehalten, 121 S06 Flugblätter verbreitet und 1725 Broschüren ab- gesetzt. Die Zahl der Gemeindcratsmitglieder stieg von 14 in sieben Orten auf 23 in neun Orten. Die Zahl der Abonnenten der Parteiprejje im Wlahlkreise stieg infolge der Gründung der„Donau- wacht", die ihr Probejahr glänzend oestandeni hat, um 2223. Die taktische Haltung der„Donauwacht" wurde einmütig gebilligt. Zum Parteitag wurde einstimmig ein Antrag angenommen, der die geplante Errichtung des Parteiausschusses begrüßt und die Hoffnung ausspricht, daß der Parteitag die gemachten Vorschläge zum Beschluß erhebt. Voiioiuis Mandatsniederlegiiiig nicht angenommen. Rom, 13. August.(Eig. Ber.) Nachdem der Parteitag den Aus- schluß des Abg. Bvnomi aus der Partei beschlossen hatte, erklärte der Ausgeschlossene, er werde von seinem Parlamentsmaudat nur zurücktreten, salls die Sozialisten seines Wahlkreises in diesem Sinne entschieden. Es hat nun am 11. d. M. in O st i g I i a ein Wahlkreis- kongreß stattgefullden, auf dem außer den Parteiscktione» auch die Gewerkschaflon vertreten Ware». Nach lebhafter Diskussion blieben diejenigen, die die Mandatsniederlegung BonomiS forderten, mit 1468 gegen 2466 Stimmen in der Minderheit. ES wird somit auch die Auflösung sämtlicher Parteisektionen des Wahlkreises nötig werden, da sie sich durch ihr Volum in Widerspruch zur Parteidisziplin gesetzt haben.__ Soziales. Uneheliche Kinder in Großstädte». Es ist bekannt, daß die Häufigkeit der unehelichen Geburten in den Städten erheblich größer ist als auf dem platten Lande. So waren im Jahre 1916 in Preußen durchschnittlich von je 166 Ge- borenen in der Stadt 89,5 eheliche und 16,5 uneheliche, während auf dem Lande 94 Proz. eheliche und 6 Proz. uneheliche Geburten fest- gestellt wurden. In einigen deutschen Großstädten geht der pro- zcntuale Anteil der unehelichen Geburten iiolb weit über den für das Königreich Preußen berechneten Durchschnitt hinaus. An der Spitze marschiert hinsichtlich der Häufigkeit unehelicher Ge« brüten München, die Stadt der Müsen und Künste. Hier wurden im Jahre 1911 9368 eheliche und 4l29 uneheliche Geburten gezählt. Milhin entfallen auf 166 Geborene durchschnittlich 69,4 Eheliche und 30,6 Uneheliche. Daß im Dezember, d. h. zirka dreiviertel Jahr nach dem sf a s ch i n g. die ineisten unehelichen Kinder in München geboren iverden, sei nur beiläufig erwähnt. Tue Neichshauptstadt iveist bei weitem keine so große Häufigkeit der un- ehelichen Geburten auf wie Jsarathcn. Von 42 832 Geborenen waren im Jahre 1911 in Berlin 33 566 Eheliche und 9266 Un- eheliche. Hiernach ergibt sich eine prozentuale Beteiligung der Unehelichen mit 21,63 Proz. und der Ehelichen mit 78,37 Proz. In Leipzig waren von 18 469 Geburten 16 563 oder 78.8 Proz. ehelich und 2846 oder 21,2 Proz. unehelich. Ungefähr das gleiche Verhältnis zeigte sich in Breslau. Hier waren von 14 398 Geburten 79,1 Proz. ehelich und 26.9 Proz. unehelich. In Halle a. S kamen auf 166 Geborene durch- schiuttlich 86,6 Eheliche und 19,4 Uneheliche. Etwas günstiger als in diesen Orten, die übrigens sämtlich Universitätsstädte sind, war das prozentuale Verhältnis zwischen legitimen und illegitimen Geburten in Stettin. Ans die Ehelichen entfielen hier 85,4 Proz. und auf die Unehelichen 14,6 Proz. Einen interessanten Einblick in die Berhältnisse der unbemittelten ledigen Wöchnerinnen gewähren Spezialcrhebungen des Statistischen ilmieS der Stadt Dresden. Was für die Hauptstadt Sachsens ermittelt wurde, dürfte mit geringen Abweichungen auch für andere Großstädte gelten. Nach den Feststelllmgeit des Dresdener Statistischen AmieS, die st» auf 1169 uneheliche Mütter erstreckte». waren, nach der Berufstätigkeit gegliedert. 37 Proz. der- selben Fabrikarbeiterinnen, 82 Proz. gehörten zum häuslichen Dienstpersonal, je zirka 11 Proz. waren Handlungsgehilfinncil und Kellnerinnen. Ferner befanden sich unter den unehelichen Milttern noch 76 in selbständiger Stellung befindliche oder als Heim- arbeiterinnen tätige Pcrionen, acht Sängerinnen, Choristinnen nnv. und 17 Haustöchter. Nach ihrer Herkunft gehörten 71 Proz. der ledigen Wöchnerinnen den Arbeiterkreisen, 21 Proz. der Schicht der Handwerker und Kleingewerbetreibenden an. In zirka 8 Proz. aller Fälle stammte die uneheliche Mutter au« einer AeamteiifaniUie usw. Bemerkt sei. daß 46 Proz. der ledigen Wöchnerinnen selbst halb oder ganz verivaist waren, lieber die Hälfte der n n e h e l i ch e n Väter nämlich 58 Proz., gehörten dem Arbeiterstmide an. Die tzandlunqs- gehilfen stellten 13 Proz., die Militärpersonen zirka 7 Proz. Von den Wöchnerinnen haben 63 den Beruf des Vaters ihres Kindes überhalipt nicht gekannt, während in 33 Fällen jede AuS- kunft über den Vater des Kindes von ihnen verweigert wurde. Hiiisichllich der Eheversprcchcn muß ans die Em- , seitigkeit der beUeffendeu Aiissageii hiugelviesen werden. die Zweifel an ihrer Nichtigkeit nicht überall ausschließt. Im ganzen soll die Ehe i» 727 Fällen, d. h. 62 Proz., versprochen worden sein. Ein recht trübeS Bild moderner sozialer Verhältniffe ergaben � die grststellungen über den Monatsverdienst der ledigen Wöchnerinnen. Es berdieitien 26 M. und weniger 346 uneheliche Mütter. Bon diesen waren 364, meist Dienstmädchen, bei voller Beköstigung angestellt, während 42 keine Kost bezogen. Ueber 26 bis 56 M. verdienten 599 Mädchen, davon 496 ohne Kost und 169 mir Kost. Ein Einkommen von 56 bis 166 M. hatten 137 un- ehelichc Mütter, davon 117 ohne Kost. Die Untersuchungen des Dresdener Statistischen Amtes, deren zweiter Teil sich auch auf die unbemittelten vcrbeirateten Wöchnerinnen erstreckt, verdienen anderwärts nach- gcahmi zu werden. Gerade aus möglichst eingehenden Einzel- beobachtimgen läßt sich viel wertvolles Material für eine allgemeine Sozial st ati st ik gewinnen. Für manche wichtige soziale Frage— es sei nur auf den Rückgang des Geburtenüberschusses in Deuiichland verwiesen— könnte so eine zutreffende Erklärung und die zuverlässige Grundlage für Reformversuche gewonnen werden. Klus Industrie md ftandeL Die Erhöhung der Zündholzpreise. Nachdem vor einiger Zeit die Zündholzfabriken die Preise für Zündhölzer erhöht haben, will nunmehr auch der Kleinhandel eine Preiserhöhung, und zwar um eine Mark auf hundert Pakete zu zehn Schachteln vornehmen. Im Juli dieses Jahres ist eine Preis- Vereinbarung der Zündholzfabriken zustande gekommen. Von der Konvention wurden die Preise sofort um einen Pfennig pro Paket erhöht, und es wurde ferner beschlosseni, auf eine Einschränkung der Erzeugung derart hinzuwirken, daß die Zündholzindustrie wieder auf einen grünen Zweig käme. Damals wurde ausdrücklich gesagt, daß im Hinblick auf den Konsum die Detailpreise eine Erhöhung nicht erfahren sollten. Auch der bisherige Ladenpreis solle bestehen bleiben. Nun gehen die Kleinhändler, obwohl ihnen die alten Preise belassen worden sind, doch an eine Preiserhöhung. Dadurch wird der Zündholzkonsum natürlich aufs neue erheblich belastet. Wie weit die Absicht der Zündholzvereinigung, auf eine Ein- schränkung der Erzeugung hinzuarbeiten, bisher verwirklicht worden ist, davon verlautete noch nichts. Auch scheint es, daß die Be- strebungen der Werke, einen engeren Zusammenschluß herbeizu- führen, bis jetzt von Erfolg noch nicht begleitet waren. Ueber die Preisvereinbarung und die Einschränkungsvcrabred.urig ist man an- scheinend« noch nicht hinausgekommen. Kommitne und Ueberlandzentralen. Kommunen und Komimunalverwaltungen übernehmen bei Ver- trägen mit UeberlandKentralen oft die Verpflichtung, keinem ande- ren Unternehmer das Recht der Wcgebenutzung für Stromleitungen einzuräumen. Gegen derartige Vereinbarungen, welche die Monopolstellung der großen ElektrizitätSfirmen� in deren Hand die Ueberlandzentralen liegen, noch befestigen, wendet sich ein ministe- rieller Erlaß vom 13. Juli d. I. Er macht darauf aufmerksam, daß durch solche ausschließliche Berechtigungen der Privatunternehmer öffentlich-rechtlichen Verbänden der Erwerb und Äe Errichtung eigener Werke erschwert wird. Die Kommunen binden sich leicht die Hände, durch spätere Zulassung deS Wettbewerbes von der Ver- billigung der Stromkostcnerzeugung zu> profitieren. Die Wirt- schaftlichkeit der Privatbetriebe wird durch den Ausschluß des Monopols auf Wegebenutzung nicht gefährdet. So haben die Kom» munen keinen Anlaß, den Wünschen der Unternehmer nach Ein- rfiumung eines Ausschließlichkeitsrechts entgegenzukommen. Im be- sonderen Fall ist es aber nur auf kurze Zeit zu gewähren, und zwar sollen alle dem Stromvcrsor�ungSgebiet einer Zentrale an- gehörigen Gemeinden die Zeit dieieS Rechts einheitlich festsetzen. Auch soll das Wegemonopol dann nur für die Leitung von Starkstrom(nicht auch von Schwachstrom oder GaS) gelten und nicht die Leitung des Stroms für private Zwecke und nach anderen Ver- sorgungsgebieten ansischließen. Wenn dieser Erlaß wirklich befolgt werden würde, könnte er dazu beitragen, d-er Erweiterung privater Monopole unserer Elektrokonzerne zu steuern. Aber tue preußischen Ministerien haben s e l b st mehrfach den großen EIcktrizitätSgesellschaften ig Jjje Hand gearbeitet._ Gerichts-Zeitung. «Unverschämter, frecher Lümmel.- Gestern wurde vor dem Strafsenat des Kammergerichts die Revision des Oberförsters Finsterwalder und die des Genossen Stadthagen gegen das Urteil der Strafkammer des Landgerichts verhandelt. Unsere Leser entsinnen sich des Hergangs. Am 29. Mai 1916 fand zu Wandlitz eine öffentliche Versammlung statt, in der Stadt- Hägen referierte. Er wurde durch lärmende und flegelhafte Zwischenrufe von dem Tisch aus. an dem der Oberförster Finster- walder saß. unterbrochen. Der Vorsitzende Koffert ermahnte die Herren zum Anstand und drohte ihnen an, daß er eventuell von seinem Hausrecht Gebrauch machen würde. Als Stadthagen die Rechtlosmachung der Landarbeiter durch die Reichsversicherungs- ordnung klarlegte und darauf hinwies, daß nach H 343 der Reichs- vcrsichernngsordnung der Gemeindeverband den Vorsteher und die anderen Mitglieder des Kassenvorstandes einer Landkronkenkaff« er- nennen könne, rief Finsterwalder mehrfach dazwischen:„Das ist nntvahrl". Stadthagen belehrte den Zwischenruftr dahin, daß seine Darlegungen leider wahr seien, es aber Finsterwalder freistehe, in der Diskussion seine Ansicht zu äußern. Er faßte dann nochmals die Vorschriften des§ 343 zusammen. Da rief Finsterwalder„Das ist eine bewußte Unwahrheit!" Hierauf replizierte Stadthagen: „Wenn Sie mir bewußte Unwahrheit vorwerfen, dann sind sie«in unverschämter, frecher Lümmel". Finsterwalder und seine Ge- sinmingSgenossen erhoben nun einen Tumult. Koffert vertagte die Versammlung, um durch Entfernung der Ruhestörer die Ruhe wieder herzustellen. Der Gendarm löste die Versammlung aber auf. Fin- sterwalder lief nun zum Kadi; Stadthagen erhob Widerklage. Die Strafkammer erklärte beide Teile für schuldig, belegte Stadthagen mit 26 Mark Strafe und erklärte den Kläger Finsterwalder aber für straffrei. Von den gerichtlichen Kosten soll in der Kompensa- tion der außergerichtlichen Kosten Finsterwalder ein Viertel. Stadt- Hägen drei Viertel tragen. Die Stvaskammer stellte fest, daß Stadthagen die Vorschriften der Reichsversicherungsordnung durchaus zutreffend wiedergegeben hatte. Die Behauptung Finfterwalders:„Das ist eine Unwahr- heit" und„Das ist eine bewußte Unwahrheit" entbehre jeder Grund- läge. Die Strafkammer erklärt, dem Finsterwalder hätte der Schutz des ß 193 Str.-G.-B. trotzdem vielleicht zugebilligt werden können, da man ihm glaubte, er habe angenommen,„unmöglich könne ein solches unvernünftiges Gesetz von der Regierung entworfen sein", er habe gefürchtet, die— wahrheitsgemäßen, dem Entwurf entnommenen— Ausführungen Stadthagens seien geeignet, die Waldarbeiter unzufrieden zu machen, und daß ein Teil der Wald- arbeiter den Saal verlassen würde, bevor Finsterwalder das Wort in der Diskussion erhielte. Indessen fei das nicht möglich gewesen, weil Finsterwalder seinen..beleidigenden Borwurf in grob leicht- fertiger Weise ohne tatsächliche Unterlage-erhoben" Hot. Ein der- ortiges Verhalten verstößt gegen die guten Sitten. Finfterwalders „Leichtfertigkeit sei eine um so größere, als er gcftändlich den Ge- setzentwurf überhaupt nicht eingesehen, sondern nur gelegentlich darüber in den Zeitungen gelesen hatte, und«r sich sagen mußte, daß Stadthagen als Abgeordneter med Teilnehmer über den Gesetz- entwurf besser in der Sache orientiert sein werde wie er selbst." Stadthagens Zuruf„unverschämter, frecher Lümmel", sei nicht schiverer zu verurteilen, als der frivole Angriff des Klägers. Städte Hagen sei nur mit Rücksicht auf seine vielen Borstrafen — Fahrstuhl—, wVcheutS glich taim 4V4 dt» 7V4 Uhr-»endS,«onnnheiibS, von i'A dis 6»Ihr alenbta statt, gebet fit den Brteftafte» beftimmtrn Anfrage ist ein Buchstabe unb eine Zahl»lS Wertjetcheu btijufügcn. Brief licht Antwort wirb uicht crtrilt. anfragen, denen leine AbonnrmrntSgnittnng beigefügt ist, Wttbtn nicht beantwortet. Eilige Frogeu trage man in der Sprechstunde taor. I. d. Dt. 22. Schließen Sie mit Ihrer Braut vor einem Notar einen Ehedertrag. Die Kosten richten sich nach dem Objekt.—."».............—■-•---r— D. Ja.— K. T. 71. Wiederholen Sie die Anfrage und geben Sie noch an wann die zweite Ehe geschlossen und wo der erste Ehewohnsitz ' C. S. 37. Ja.— C. M. 31. Ja.— B. B. 45. gewesen ist.— 1. u. 2. Nein. Sie können aber aus Grund deZ früheren Urteils jederzeit neue ZwangSvollstreckungsmaßregeln, z. B. Mobiliarpsändung. Lohnbeschlagnahme, veranlassen. Zur erneuten Ableiswng des OffenbarungS. eides ist Schuldner erst nach Ablauf von 5 Jahren.verpflichtet: früher nur dann, salls glaubhast gemacht werden kann, daß er Vermögen erworben hat.— S. 78. Die Bestimmungen Ihres Mietsvertrages sind maßgebend. — H. G. SO. 1. Ja. 2. Läßt sich nicht sagen, da die RechtSvorgänge nicht bekannt sind.— W. T., Nieder-Schöncweide. Nein. Vom Vater muß aber eine EinwilligungScrllärung vorliegen.— B. K. 5. Die Groß- eitern können Ihrerseits in Anspruch genommen werden.— M. H. 51. Nein.— H. G. H. 80. 1. u. 2. Nein. 3. Nach dem Gesetz nicht. Jeden- sallS ist es nicht zweckmäßig, daS anzugeben, i. Die ersorderliche Bescheinigung der Heimatbehörde, daß Ehehindernissc nicht entgegenstehen. können Sie selber beantragen. Die Bescheinigung muß vom Deutschen Konsulat legalisiert lein. 5. Beide sind zuständig, sie haben die Wahl. — F. K. S5. Sie haben die Einlösungs- oder VcrlängcrungSPflicht, andernsalls Sic schadenersatzpflichtig sind. Den Psandschein können Sie nach vorheriger Androhung durch einen Gerichtsvollzieher versteigern lassen. — Thiniiis, Srubenrauchstr. Der gesetzliche Vertreter des Jungen kann beim Schöffengericht die Privatklage erheben.— H. N. 100. Sie können den Nestbetrag verlangen. Zunächst erlcheint ein Zahlungsbefehl an- gebracht.— H. K. S1. Sie sind nicht zahlungspflichtig.— E. D. 17. Sie sind bis April an den Mietsvertrag gebunden. Zu ermitteln, welches die süiis größten Warenhäuser der Welt sind, mangelt es uns an Zeit.— Heidelberger Str. 30. 1. Stellen Sie durch Nachftage beim Grundbuch- amt— Amtsgericht Neukölln— fest, wer Eigentümer ist; an diesen zahlen Sie. 2. Vielleicht Hilst eine solche Beschwerde. Der Sachverhalt und die eventl. Gefahr bei der Passage ist zu schildern.— 3. Kaum.— B. L. SO. Die Erteilung derartiger Auskünste müssen wir ablehnen, da strasbar.— C. K., Beusselstr. Es kann aus Antrag Befreiung von der Steuerpflicht erfolgen. Für da§ laufende Halbjahr April bis einschl. September er- scheinen Sie steuerpflichtig.— A. A. O. 34. Wenn durch Sachverständige erhebliche Mängel bewiesen werden können, kann aus Ersatz geklagt werden. Sie müssen aber auch noch beweisen können, daß Sie die Mängel erst jetzt entdeckt haben.— H. III. Die Klage erscheint nicht aussichtslos. Die Kosten des Anwalts würden sich aus etwa 20 M. stellen.— A. 100. 1. Ja. 2. Nein. 3. Ja, etwa 15 M. i. Falls deren Angabc unrichtig ist, kann geklagt werden. 5. Die Weiterversicherung ist zweckmäßig.— O. Z. N. 9. Ja. Die Psändung der entbehrlichen Sachen ist zulässig. — F. D. 100. 1. Mindestens 200. 2. Mindestens 1200, falls nicht Ab- türzung der Wartezeit eintritt, woftir Ihr Schreiben nichts enthält. 3. Ja. — N. G. 779. 1. Ohne Kenntnis des Artikels nicht zu beurteilen. 2. Wenn Ausnahme, jawohl.— Krupp. 1302. DaS Gerücht ist Unsinn. — Pan. 1.— 3. Vertrauen Sie sich einem sozial cmpsindenden Arzt an. 4. Durch Nachschlagen in der Berliner Stadtgeschichte in der städtischen Bibliothek, Zimmcrstr. 90/91.— KegelbruderN eanzen Pischen Pfd. 10 Pk� ohn. KopkPkd. 1 5�. Gvl�barse pfd lO pf. ZeelachsgnzFis�pfd. 15pf. Grüne Heringe............. Mandel 32 pf. Frische Plötzen.............. pfund 35 pt- Lachs in ganz. Fischen Pfd. 40, Zander Pfund 65 Pf- Lebende Aale---- prund 85 pl. 1.00, 1.25 Geflüg'el Wildenten............. stück 1.15, 1.45 Junge Hühner........... 45 pr. bis 1.95 Suppenhühner........... 1.65 us 3.00 Junge Enten............. 1.95 bis 3.75 Berlin SO, 16, Sngcl-Clfcr 5. 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Keicbsbaiien-Ibeater Täglich: Bfottiner Sänger. Aus. Wochent. 8 Uhr, "onntags 7 Uhr. Relcbs- liullcn- Garten „Alt. Berlin« u. Saal täglich: Kroges Honigmann- Konzert. Admiralspalast am Bahnhof Friedrichstraße, z. Z. einziger ElapalaHt. Angenehm kühler Aufenthalt. Heute S grobe Vorstellungen 2. Nachmittags und abends: Das sensationelle Elsballett! „Yvonne". Willi Frick, der> kleinste Eislaufkünstler. Bis 6 Uhr und von 10% Uhr| abends halbe Kasseuproise. Rcstaarant 1. Itmigea! Wein- und Bier-Abteilung. RerllnerljlK-Trio Adr.: Neukölln l.aliustr.741. Sur sen Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortuug. verantwortlicher Redakteur: Albert Wachs. Berlin. Für den Inseratenteil oerantw.: Th. Glucke, Bertin. Druck u. Verlag: Vorwärts iöuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. To, Berlin SW> Ht. 190. 29. Jahrgang. 2. Ifilngf des„Jormöttf Ittlinn NcksbIM Freitag. 16. Augnst 1912. Partei- Hncfclcgcnbeiten. Vierter Wahlkreis. Am Sonntag, den 13. d. Ms., veranstaltet die 19. Abteilung einen Ausflug nach Friedrichsfelde,„Lmdenpark" Treffpunkt mittags 1 Uhr am Depot in der Kleinen Frankfurter Straße. 5. Kreis. Sonntag, den 18. August, Sommerfest in der Brauerei Friedrichshain, Am Friedrichshain 16—23, verbunden mit Konzert, Auftreten hervorragender Künstler, Kinderbelustigimg, Kaiperle-Theater, Fackelpolonaise. In den Sälen: Ball, Eintritt frei. Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen S0 Vf. nach. Kaffeeküche. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf. für Tic Generalversammlung des Zentralwahlvereins Tcltow-Becskow-storkow-Charlottenburg findet am Sonntag, den 18. August, vorm. 11 Uhr. im Volks- Haus Charlottenburg, Rosinenstr. 8, statt. Tagesordnung: Bericht des Vorstandes und der Funktionäre. Neuwahl des Vorstandes und der Funktionäre. Beratung der Vorlage betreffend Abänderung des Orga- nisationsstatuts. Ref.: Gen. Böske. Beratung über das Statut Grotz-Berlin. Ref.: Gen. G r o g e r. Stellungnahme zum Parteitag. Ref.: Gen. Zubeil. Wahl der Delegierten. v. Anträge. . Zutritt zur Generalversammlung haben die mit Mandaten versehenen Delegierten. Parteigenossen haben das Recht, gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuchs der Generalversammlung als Gäste beizuwohnen. _ Der Zentralvorstand. 1. 2. 3. 5. 6. Friedrichsfelde. Heute Freitagabend: breitung von den Zahlstellen aus. Flugblattver- Lichtenrade. Sonnabend, den 17. August, abends 8�/« Uhr, findet unser Zahlabend in den Bezirkslokalen statt. berliner JVacbricbten. Frohnau. Zahlreich wie die„Kientöppe", sind in den letzten Jahren rings um Berlin die„Gartenstädte" aus der Erde gewachsen. Irgendein Stück Land in der Wildnis oder in der Nachbar schaft eines kleinen Dörfleins wird eines schönen Tages zur «Gartenstadt" erhoben. Ein paar Straßen werden abgesteckt, ein paar Bauplätze umzäunt, hier und dort wird nrit einem Hausbau begonnen, und— was» die Hauptsache ist— die Reklame setzt ein. Inserate, Plakate, bemalte Giebel und Planken längs der Bahn. Scheinwerfer nnd was es derlei nette Sachen sonst noch gibt, verkünden dem p. t. Publikum, die Garteustadt Zt. sei die herrlichst gelegene, billigste, an -genehmste in der ganzen Unigegend von Groß-Berlin. Prospekte nnd nähere Auskunft— und so weiter in bekannter .Manier. Eine schöne und gute Idee, diese„Gartenstädte". Jeder ein eigenes Häuschen, im Grün gelegen, fernab vom Rauch und Qualm der Stadt. Wenn nur nicht das, was sich da in Berlins Umgebung als„Gartenstadt" etabliert, ganz andere Ziele hätte, als dem überhasteten, müden Berliner ein bißchen Ruhe und Erholung, frische Luft und würzigen Waldesduft zu spenden. Das schöne Wort ist nur ein neues zukräftiges Aushängeschild für eine alte, ganz gewöhnliche Terrain- spekulation. Grund und Boden, der noch weitab der Welt- stadt liegt und daher billig aufzukaufen war, soll nun schon in kurzer Zeit den ungeduldigen Spekulanten die Möglichkeit bieten, durch Anlage einer„Gartenstadt" fette Profite ein zustecken. Einzig die Interessen des Kapitals, des Groß kapitals stecken hinter all diesen Neugründungen und ihrer marktschreierischen Reklame. Am besten hat es die Gesellschaft verstanden, die uns die Gartenstadt Frohnau schuf. Wer kannte vor einigen Jahren noch Frohnau? Heute ist der Name allen geläufig. Allsonntäglich pilgern Hunderte von Berlinern hinaus, uin sich den Ort anzusehen wie eine richtige Sehenswürdigkeit. Die Herren Gesellschafter haben sich ihr Unternehmen etwas kosten lassen. Die„Gartenstadt Frohnau" hat eine Reklame entfaltet, die ihres gleichen suchte. Aber man muß es den Herren lassen, sie haben auch nicht gespart, um ihre Siedlung herauszuputzen. Das kostet zwar zuerst Hunderttausende, Millionen. Man muß sie haben und eine Zeitlang warten können. Dann aber kommt dafür auch um so reicher der goldene Lohn. Wer will es leugnen— Frohnau ist ein Schmiickkästlein, wcnigstelis in vielen Partien. Rmgs überall und auch mitten- drin die schönen, hohen,'märkischen Kiefern, hochragend und sich im Winde wiegend. Straßen in gewundenen Linien, nie langweilig-gerade, weißgepflastert, in der Britto Blumen, oder die hellen Trottoirs in saftig-grünen Streifen, alle von jungen Laubbäumen gesäumt, die erst ihre ganze Schönheit entfalten werden, ivenn sie älter sind. Hier und da ivunderschöne Schmückplätze..., die rötlichen Stämme der Fichten um- spönnen vom lichten Grün der Kletterranken: herrliche, hoch- stengliche, bunte Blumen in großen Stauden beisamme», gelb- schimmernde Wege, weiße Stufen zwischendurch und inmitten zwischen weiten Steinfl eßen ein klarer Brunnen; dort wieder eine satt-sastige Wiese mit Busch- und Baumwerk, wahrhaft leuchtend" in ihrem gepflegten Grün. lind dann diese Terrassen mit schlichtweißen Holzlauben, um die sich junge Ranken ziehen... In wenigen Jahren haben sich einige hundert kleiner und mittlerer Häuschen zwischen diese Anlagen gesetzt: in Stein und Stuck die meisten, einige aber auch nur in leichter Holzarchitektur; alle gartenumgürtet, jedes in seiner Art, eins hochgelegen, eins in der Tiefe, dieses gleich an der Straße, jenes weiter zurück. Keine lärmende Werkstatt dazwischen, kein störender Laden, keine langiveilige Mietskaserne, kein Cafö und kein Restaurant. Was an diesen Dingen da ist und da sein muß, hat ein geschickter Architekt glücklich in einem einzigen großzügigen Gebäudekomplex zu- sammengetan und mit dem turmübel ragten Bahnhof zu einem prächtigen, harmonischen Ganzen verschmolzen. Nicht nur an der Architektur des Bahnhofplatzes kann man seine Freude haben, auch an der einer großen Mehr- «hl jener Häuser und Häuslein in den Straßen rings- um. Es scheint, als hätte zunächst ein guter Geist darüber gewacht, daß ein gewisser Stil— vielgestaltig und doch einheitlich— gewahrt bliebe. Aber dann„fing die Sache an von selbst zu gehen"(oder irre ich mich?), und nun kam doch dieser und jener und Pfuschte hinein, daß man Ach und Wehe rufen möchte über das, was nun an falschen Steinen diesem Schmuckkästlein eingesetzt wurde. Ist es nicht bezeichnend genug, daß ein„Architekt" selber, dessen Hand und„Geschmack" man noch hier und dort iviedererkennt, die Fensterläden seines eigenen Hauses mit knalligen, armbreiten weiß-roten Ouerstreifen anstreichen ließ?! � Nichttzweit von seinem„Heim" entsteht nun lvieder ein häßlicher engbrüstiger, steifer, eckiger Steinkasten,— paßt in die zierlichen, traulich-geschwungenen Linien ringsum wie die Faust ins Auge... Indessen, ein kleines Schild verkündet, daß ein Geh. Rechnungsrat sein Erbauer sei; ein Rechnungs- rat,— man sieht ihn ordentlich vor sich: rückensteif, eng- brüstig, Bureaukrat... Da versteht man wenigstens diesen ungastlichen Bau. Ohne diese„Zugaben" würde einem das Herz noch viel weiter werden... und nicht nur vor der Freude am Schönen nnd Gefälligen, auch von jenem anderen: dem Ueberdenken, daß dies alles einer kleinen Klasse von Besitzenden vorbehalten ist— und daß solcher zierlicher kleiner Häuslein zu Tausenden das Land bedecken und auch denen ein frohes, gemütliches Heim gewähren könnten, die heute nur aus eingefallenen Augchr müde und hungrig von ferne danach schauen können, — wenn nicht der Privatbesitz am Kapital und der am Grund und Boden einer Handvoll Machthaber, die Möglichkeit gäbe, in unersättlicher Gier so viel von jenem zu verschlingen, was der Proletarier in harter Arbeit schuf.... Bredereck steckbrieflich verfolgt. Hinter dem flüchtigen Rechtsanwalt Paul Bredereck. ist gestern von der Staatsanwaltschofl ein Steckbrief erlassen worden, nachdem sich herausgestellt hat, daß sich B. tatsächlich an den ihm an- vertrauten Depots vergriffen hat. In dem Bureau ist gestern eine zweite Haussuchung vorgenommen worden, bei der weiteres Material zur strafrechtlichen Verfolgung misi Beschlag be- legt wurde. B. soll sich in letzter Zeit mehrfach betrügerischer Manipulationen schuldig gemacht haben, um Geld zu erlangen. Ueber seinen Aufenthalt ist»och nichts bekannt. Bemerken möchten wir noch, daß der Justizrat Bredereck mit dem Flüchtling nicht identisch ist, sondern daß es sich um jenen Bredereck handelt, der in zahlreichen antisemitischen und Sensations- Prozessen, namentlich in solchen des„Wahrheits"-Verlegers Bruh n, die Verteidigung geführt hat._ Der erste der neuen Wagenzüge mit breiten Trittbrettern und linksaufschlagenden, selbsttätigen Türschlössern ist gestern in Umlauf gesetzt worden und zwar zunächst ans dein Südring. Er besteht ans 10 Wagen, an denen die Türgriffe links angebracht sind. Dieselben stehen bei geschlossener Tür schräg nach oben, sie sind klinkenartig und darum bequemer zu handhaben, als die alten Türgriffe. Beim Anziehen der Lokomotive werden die Türen durch den Luftdruck an- gepreßt, so daß sie beim Begegnen zweier Züge nicht weit auf- gerissen werden uisiz.zil Unfällen Veranlassung geben, köpnen. Bei der Abfahrt brauchen sie nur ins Schloß geworfen zu-werden, wo- bei sich zugleich der Sicherheitsverichluß von selbst betätigt, ohne daß die Bahnsteigschaffner die Türgriffe anzufassen brauch�. Die breiten Trittbretter erleichtern das Ein- und Ausstogeri- wesentlich. Begreiflicherweise war auf den Stationen lebhaste Aachsrage nach dem neuen Probezug, ihn aber bei den verwickelten Verkehrs- Verhältnissen Groß-Berlins aufzufinden ist nicht leicht. Die Abschaffung der Raucherabteile in den Hochbahnzügen wird demnächst die Aufsichtsbehörden be'chäfligen. Die Hochbahngesellschaft hat sich entschlossen, das Ranchverbot zu beantragen, weil die Ab- ferlignng der Züge dadurch beschleunigt wird. Im Publikum sieht man der geplanten Aenderung mit gemischten Gefühlen entgegen. Die Raucher werden das Verbot als eine Zurücksetzung im Verkehrs- leben empfinden. Dem Einwände, daß es sich nur um kurze Fahrten handle, begegnet man mit dem Hinweise auf die langen Strecken der im Bau begriffenen Erweiternngslinien. Wie berichtet wird, soll voraussichtlich das Rauchverbot schon in diesem Herbst, zugleich mit der neuen Betriebsregelung im Gleisdreieck, zur Einführung gelangen. Die herbstliche Witterung der letztest Tage scheint nicht weichen I zu wollen. Das Berliner Wetterbnreau macht zu dem Wetterstand I die folgenden Mitteilungen:»linier dem Einflnsse einer tiefen bare 1 »letriictieu Depression auf der Nordsee, die ihre Lage nur ivenig ver- l. änderle. halte ganz Deulschland in den letzten Tagen ziemlich kühles,|> irübes und regnerisches Wetter. Die Temperalur im Westen ivar außerordentlich' niedrig; so betrug am 13. d. M. das Maximum in Münster(Westfalen) 13 Grad, in Essen sogar nur 12 Grad Celsius. Die Regenfälle waren im Rheingebiet und in Bayern sehr stark. Gewitter sind in den letzten Tagen an vielen Orten Westdeutschlands beobachtet worden. Gestern mittag zog über Berlin, zienrlich schnell nach Nordosten sich entfernend, ein Gewitter, das um 11 Uhr aus Kyritz gemeldet worden war und das hier einen kurzen, aber starken Regen und einen jähen Temperatui stürz von 13 auf 14 Grad Celsius brachte. Das Weiler bleibt für die nächste Zeit noch ungünstig, wenngleich ein höherer Luftdruck im Südwesten zeilweise Aufheiterung und wärmere Temperaluren bedingen dürfte. Demnach haben loir mit einer Witteeung z» rechnen, die für die gegenwärtige Jahreszeit abnormal kühl und regnerisch anzusehen ist." Berhiistuug einer Erpresserin. Ein in Charlottenburg wohnender vermögender alter Herr erhielt kürzlich einen'Brief, in dem er auf- gefordert wurde, auf einem näher bezeichneten Berliner Postamt 1000 Mark po st lagernd niederzulegen, widrigenfalls ihm Unannehmlichkeiten erwachsen würden. Der Herr übergab den Brief der Charlottenburger Kriminalpolizei, die als die Schreiberin die 40 Jahre alte Witwe Marie Sniolenski, Kantstr. 152. ermittelte und festnahm. Bei der Durchsuchung ihrer elegant eingerichteten, aus acht Zimmern bestebenden Wohnung, die sie ganz allein ohne Personal bewohnt, wurde ein ganzes Lager von Gebrauchsartikeln, die zur Ausübung widernatürlicher Unzucht dienen, beichlagnohint. Die Erpresserin ist gestern mittag dem Gericht zu- geführt worden. Feuer in der Baugrube der Untergrnndbahiistrecke Alexander- platz— Schönhauser Allee alarmierte gestern vormittag die Berliner Feuerwehr nach der Miinzstraße. Dort brannten vor dem Hause Nr. 14, Ecke Kaiser-Wilhelm-Straße, in der Baugrube Teer und Dachpappe, mit der die Zwischenräume, die zwischen Straßenniveau und der Oberkante des Tunnels zur Aufnahme von Röhren dienen. gedichtet werden. Ein undurchdringlicher Qualm erschwerte die Löslbung. Der Wehr gelang es. die Flammen auf ihren Herd zu beschränken. Ein schwerer Unfall hat sich am Mittwochnachmittag ans dem Bahnhof 16 der Großen Berliner Straßenbahn ereignet. Dort war der Schlosser K. in dem Schuppen L mit der Reparatur eines Bahn- wagenS beschäftigt. Als er die Reparaturgrube verließ, achtete er nicht darauf, daß ein Straßenbahnwagen auf dem Nebengleis in der Ausfahrt begriffen war. Der Schlosser wurde zwischen der Treppe' und der Reparaturgrube und dem Schutzbrett des Waggons ein- geklemmt und erlitt einen Bruch des rechten Oberschenkels und eine Zerreißung des linken Kniegelenks. Der Verunglückte fand im nahen Krankenhause Westend Aufnahme. In einen Fahrstuhl eingeklemmt wurde gestern früh ein Bewohner des Eckhauses Königstr. 25/26 und Klosterstr. 29/31. Die Feuer- wehr mußte gerufen werden, um den Festgeklemmten zu befreien. Auf der nächsten Unfallstation wurde der Verunglückte verbunden. Aus der Spree gelandet wurde gestern vor dem Hause Krön- prinzenufer 12 die Leiche einer unbekannten Frau, die ihrem Aeußeren nach den bessergestellten Kreisen angehört zu haben scheint. Die Tote, die erst einen Tag im Wasser gelegen haben kann, ist ungefähr 35—40 Jahre alt, hat ein längliches Gesicht, braune Augen und schwarzmeliertes Haar und trug einen dunkelblauen Rock und Jackett, eine blaue seidene Bluse mit rotem Einsatz, K. S. gezeichnete Wäsche, gelbe Schuhe mit großen, gelben Schnallen und schwarzblau ge- streifte Strümpfe. Bei ihr fand man eine doppelkapselige Uhr init langer Kette, einen Trauring und einen Brillantring. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Ein BetriebSnnsall ereignete sich vorgestern auf dem Lagerplatz der Anilinfabrik A.-G. in der Hoffmannstr. 25/26 zu Treptow. Dort rollte dem Arbeiter Albert Schwarzbach aus der Falckensteinstr. 26 ein schwerer Ballon über den Unterkörper. Der Verunglückte, der sich dadurch einen Beckenbruch und Brüche beider Beine zugezogen hatte, wurde mit einem Rünzelschen Krankenwagen nach dem Kranken- haus Bethanien gebracht. Selbstmord eines Geisteskranken. In der Irrenanstalt Herzberge hat am Mittwoch der 48 jährige SchlääUer Johann K. seinem Leben ein Ende gemacht. K. war wegen Geisteskrankheit seit dem 29. Mai dieses Jahres in der Anstalt interniert, befand sich aber auf dem Wege der Besserung. Mittwochnachminag erhängte sich der Kranke mit seinen Hosenträgern auf dem Abort. Als die Tat entdeckt wurde, war K. bereits tot. Die Leiche wurde beschlagnahmt. Wegen einer Spirituscxplosion wurde der 7. Löschzug nach der Straußberger Straße 31 gerufen. Eine 80jährige Frau. Mari Anders hatte dabei so schwere Brandwunden erlitten, daß sie nach Anlegung von Notverbänden sich in ärztliche Behandlung begeben mußte. Die Feuerwehr konnte»ach der Beseitigung der Gefahr und nach dem Verbinden der alten Frau wieder abrücken. Aus dem Fenster gestürzt. Gestern abend gegen 7 Uhr stürzte sich die Frau des Kaufmanns Tolgmann aus ihrer im 4. Stock des Hauses Warschauer Sir. 64 gelegenen Wohnung aus dein Fenster. Mit zerschmetterten Gliedern blieb sie auf der Straße liegen und wurde in bewußtlosem Zustande nach der Unfallstation in der Warschauer Straße gebracht. DaS Verschwinden eines jungen Mädchens beschäftigt gegen- wärtig die Polizeibehörden. Seit 8. August wird die 16jährige Martha G i e s e aus der Wilmersdorfer Str. 61 vermißt. Das junge Mädchen, das in einem Berliner Kaufhause beschäftigt war, verließ anr Donnerstag voriger Woche gegen 9 Uhr abends die elterliche Wohnung, um mit einer Freundin einen Spaziergang zu unternehmen und ist von diesem Ausgange nicht nrehr zurückgekehrt. Alle bisherigen Nachforschungen nach ihrem Verbleib sind vergeblich gewesen. Martha G. ist 1,60 Meter groß, hat ein volles, etwas ovales Gesicht, blaue Augen, dunkelblondes Haar; sie trug ein resedasarbenes Kleid, graues, enganliegendes Jackett, schwarze Strümpfe und schwarze Schleifenschuhe und einen weißen Strohhu" mit großer weißer Feder.—— Der Sängcrchor„Südost" veranstaltet am Sonnabend, den 17. August, im Spreegarten. Treptow, ein Sommerkonzert unter Mitwirkung des Berliner Sinfonieorchesters. Im großen Saale Ball. Emirits 3ff Pf. Anfang 7 Uhr.' Lied'erlexte gratis.' Bei ungünstiger Witterung findet das Konzert im Saale statt. Anf�dcr Treptow-Sternwarte spricht Dozent Jens Lützen am Sonntag, den 18. August, abends 7 Uhr, über:„Boten aus den fernsten Himmelsräumen"; am Montag, abends 7 Uhr, lautet das Thema:„Sterne und Sternenlicht", und am Dienstag, abends 8V2 Uhr:„Welche Himmelskörper sind bewohnt?" Die Vorträge sind gemeinverständlich und mit zahlreichen Lichtbildern ausgestattet. Mit dem großen Fernrohr werden am Tage ein heller Stern und des Abends Jupiter abwechselnd mit dem Mond gezeigt. Kleinere Fernrohre stehen den Besuchern kostenlos zum Aufsuchen beliebiger Objekte zur Verfügung. Vorort- l�acb richten. Zeh» Fahre Volkshans Charlokkenvurg. In diesen Monaten sind zehn Jahre feit der Eröffnung des Volkshauses in Charlottenburg verflossen. Die Gründung des Hauses war damals für die Partei- und Gewcrkschaftsbetvcgung am Orte eine dringende Notwendig- keit, da alle bürgerlichen Saalbesitzer die Ueberlassitng ihrer Räumlichkeiten an die Arbeiterschaft verweigerten. Zu jener Zeit war die Arbeiterbewegung in Charlottenburg im Ver- gleich zu heute, wo an 9000 gewerkschaftlich und mehr als 4000 politisch organisierte Arbeiter vorhanden sind, noch klein. Um so höher ist jedoch die Tatkraft zu veranschlagen, die die Arbeiterschaft und ihre führenden Personen bewiesen, als sie mit den verhältnismäßig sehr geringen, durch die Opfer- ivilligkeit der Genossen aufgebrachten Mitteln zur Gründung eines so großen Unternehmens schritten. Die Zeit hat ihnen darin recht gegeben, daß vielleicht mehr als jeder andere Ort gerade Charlottenburg eines solchen Mittelpunktes der Arbeiterbeivegung bedarf, weil die sonstigen Schwierigkeiten der Bewegung am Ort so am ehesten überwunden werden können. Am 1. April 1910 hat die Arbeiterschaft das Volkshans in eigene Regie übernommen, nachdem es bis dahin von Pächtern verwaltet worden war. Seit diesem Zeitpunkt ist das Volkshaus Charlottenburg erst im vollen Sinne ein Haus des Volkes geworden. Das Volkshaus hat der Arbeiterschaft in der Vergangen- heit einen festen Stützpunkt geboten und wird es auch in Zu- kunft bleiben. In ernsten Stunden der Beratung wie in fröhlichen Stunden haben sich die Genossen zusammengefunden, viele Tausende haben in Versammlungen sowie durch Vorträge Aufklärung und Belehrung erhalten. Das Volks Haus zu stützen und zu heben, muß deshalb auch in Zukunft das eifrigste Bestreben der Arbeiterschaft sein. Zur Feier des zehnjährigen Bestehens findet am Sonntag,, 18. August, in den Gesamträumen des Volkshauses, Rosinen, st r a ß e 3, ein großes Sommerfest statt. Festrede: Reichs- tagsabgeordneter Zubeil. Es wird ein Gartenkonzert veranstaltet außerdem ist die Mitwirkung der Charlotienburger Liedertafel, des Berliner Ulk-TnoS und der Charlottenburger Artistenbereinigung zu- gesichert. Kinderbelustigungen, Preiskegeln, Verlosung usw. Eintritt 30 Pf., Kinder frei. Anfang 4 Uhr. Die Kaffeeküche ist von 2 Uhr ab geöffnet. Später Tanz, Herren zahlen 50 Pf. nach. Nenkölln.'•""• Beim Roslschiihlinife» verunglückt ist gestern der elfjährige Schüler Kurt Schröder aus der Nogatstrabe 40. Als der Knave in der Berliner Straße beim Rollschuhlaufen einem GeschäflSwagen ausweichen wollte, blieb er in einer Schienenrille des Straßenbahn» gleises stecken und stürzte. Er fiel bor das Fuhrwerk und wurde überfahren. Der Verunglückte erlitt einen komplizierten Bruch des linlc» Fußknöchels. Nach Anlegung eines Notverbandes, wurde er nach der elterlichen Wohuung gebracht. Briy-Buckotv. Der Nrlicitcr-BildlingSanSschuß veranstaltet Tonntag. den t8. d. M., nachmittags 6 Uhr, einen Besuch der Sternwarte. Zum Vortrag gelangt:„Die B e wo hnbarkeit-der Planete n". Treff- pw'kl ist pünktlich 6 Uhr Rudower Straße, Ecke Grenz'Allee. Billetts find dort noch zu haben. Ochöneberg. Eine raffinierte Schwindlerin ist gestern durch die Kriminal- Polizei in der 22jährige» Frida Bahre nfeld festgenommen worden. Die B. wandte den allen Trick an, daß sie in Geschäften erschien und nach ihrer Mutter fragte, die angeblich ihre Tochter dort treffen wollte. Wenn die Geschäftsinhaber erklärten, die Mutter gar nicht zu kenne», so tat die B. sehr erstaunt und behauptete, daß ihre Mutter ganz in der Nähe wohne und täglich größere Einkäufe in dem Geschäft mache. Die Gaunerin, die sehr sicher und vcr- trauenerweckend auftritt, bestellt dann einen größeren Posten Ware, die mit quittierter Rechnung nach der Wohuung gesandt werden soll. Die B. entfernt sich dann, kommt aber nach ganz kurzer Zeit mit dem offenen Portemonnaie in der Hand Ivieder und klagt dem Geschäfisinhaber ihre Verlegenheit. Sie habe noch ciiicn größeren Einkauf zu erledigen, in der Eile aber nicht ge» nügend Geld von Hause initgenoininen. Auf Bitten der Kundin hat picie dann auch in vielen Fällen da» gewünschte Darlehen erhallen. Gestern wurde die Betrügerin tauf Grund der genauen Personal- beschreibung eines Geschädigten hin festgenommen. Eharlotteuburg. Vorernahrung der Mütter. Die Stadt Charlottenvurg hat dem Hauspflegeverein eine Summe zur Verfügung gestellt, aus der an hiesige unbemittelte oder lvenig bemittelte Schwangere vier Wochen vor der Entbindung und für die Zeit des Wochenbette« Bei- Hilfen gewährt werden sollen, um sie für ihre Aufgabe des Selbst- sliNen» vorzubereiten. Die Beihilfe besteht meist in der Verab- reichung eines kräftige» Mittagessens. Zu diesem Zwecke sind folgende Speisungsstellen eingerichtet: Charlottenburger User!ö, Königsweg St, Wilmersdorfer Straße III, Berliner Straße 137 und Alt-Moabit 89. Meldungen werden von der Er- nährungSabteilung March st raße 7l Dienstags und Freitags zwischen 10 und 11 Uhr vormittags möglichst sechs Wochen vor der erwarteten Entbindung angenommen. Der HauSpflege- verein hat die Verpflichtlmg iibcrnonune», die von ihm gepflegten Mütter stets rechtzeitig vor dem Aufhören seiner Pflege an die nächste SäuglingSsürsorgestelle zu überweisen, damit diese in un- mittelbarem Anschluß an die Tätigkeit des HauSPflegevereinS die weitere Fürsorge übernehmen kann. Berschmähte Liebe. Im Hotel„Bismarck* in der Berliner Straße versuchte in der Nacht zum Donnerstag die 23jährige Gertrud P o l l a ck aus Essen sich das Leben zu nehmen. Das junge Mädchen war mit einem in Berlin wohnenden Kaufmann verlobt, der jedoch vor kurzem das Verhältnis gelöst hatte. Eine geplante AuSiöhnung mit dem Bräutigam, wegen der die P. nach Berlin gekommen war, kam nicht zustande und so beschloß das Mädchen, srciivillig ans dem Leben zu scheiden. Sie mietete in dem er- wähnten Hotel ein Zimmer und trank in der Nacht Lysol. Gestern früh wurde Fräulein P. besinnungslos aufgefunden. Man schaffte die Lebonsmiide nach der Unfallstation in der Berliner Slraße, wo es dein Arzt nach längeren Bemühnngen gelang, sie wieder ins Leben zurückzurufen. Der Zustand war jedoch so bedenklich, daß sie dem Krankcnhanse Westend zugeführt werden mußte. Steglitz-j�riedenau. Der Mnimerchor Fricdeuau- Steglitzeide. Das Volksfest der organisierten Arbeiterschaft findet Sonntag. den 13. August, unter Mitivirkung des Arbestergesang-, Turn- und Nadfahrervereins im W i l h e l m i n e» h o f statt. Die« Fest erfreut sich alljährlich des lebhaften Interesses der Arbeiterschaft und ist auch in diesem Jahre alles aufgeboten, den Teilnchinern einige angenehme Stunden fernab von des TageS Last und Mühe» zu bereiten. HermSdorf i. M. Ein schwerer Eiseiibahniinfall hat sich vorgestern auf dem hiesigen Bahnhofe ereignet. Dort fuhr ein Güterzug mit solcher Gewalt gegen die Laderampe, daß die Lokomotive etwa anderthalb Meter tief in die Steinmauer hlneiudrang. Fünf Waggon» wurde» vollständig zertrümmert, sieben Wagen schiver, die übrigen leichter beschädigt. Personen sind glücklicherweise nicht vernnglückt, da das Zugpersonal rechtzeitig abzuspringen vermochte. Die Beamten konnten jedoch infolge des ausgestandenen Schreckens ihren Dienst Nicht weiter versehen und mußten abgelöst werden. Die Ursache des Unfalls ist in der unvollkommenen Sinstellnng einer Weiche zu suche». Der Materialschaden ist ein bedeutender. Die AufräumungSarbeiten werden inehrere Tage in Anspruch nehmen, doch ist eine wesentliche Betriebsstörung nicht eingetrelen. Schönow(Kreis Niederbarnim). Die Gciiieiiidcvcrtretuiig genehmigte in ihrer letzten Sitzung einige Bansachen in der VoranSsetznilg, daß die von der Gemeinde gestellten Bedinglingen erfüllt werden.— Die geforderte Anstellung eines Sekretärs wurde einstimmig abgelehnt, weil das Bedürfnis zur Schaffung einer Sekrelärftelle nicht vorhanden sei; dagegen ivnrde dem Gemeindevorsteher eine jährliche Zulage von 200 M. bewilligt.—• Unter Verschiedene« lam der GeineiNdevorsteher aus einen Bericht des„Vorwärts" über die öffentliche Persannnlung am 4. Anglist zu sprechen. Der Bericht, soll, wie auch Herr Zinn be- hanplet, unzmreffende Angaben entheilten habe». Genosse D u ck- w i tz trat diesen Ausführungen ganz ents-bieden entgegen; der Be« richl sei i n a l l e» P n n k r e n z u t r e f f e n d. Wenn die Herren seinerzeit der Einladung Folge geleistet und die Versammlung be- sucht hätien, so hätte» sie sich selbst davon überzeugen können. Daß der unhaltbare Zustand, in dem sich das Armenhaus befindet, an die Oeffenliichkeit gebracht wurde, mißfiel dem Herrn Gemeinde- oberhaupr ganz besonders. Es soll aber für baldige Abhilfe gesorgt wcrdm. Demnach ist die zutreffende Kritik in der Persammlung / » auf fruchtbaren Boden gefallen und läßt die Abhilfe hoffentlich nicht allzulange auf sich warten. Staaken. Die freie Turnerschaft feiert Sonntag, den 18. d. M.. in GnädigS Gasthof ihr ö. Stiftungsfest und werden alle Interessenten darauf hingewiesen. Spandau. Die dcutsch-anicrikaiiischen Lehrer statteten gestern unserer Stadt einen Bcsudh ab. Elwa 100 Herren und Damen wurden auf dem Bahnhof, cnipfangen und fuhren mit den geschmückten Straßenbahn- wagen zur Besichtigiiiig des JohaiineSstifies, der LandeSturnanstalt, des Lehrerseminars nnd des städtischen Hollenbades. In den ein- zelnen Anstalten wurden sie von den Leitern durch die Räumlich- leiten geführt. Buq der frauenbei-vegung. Frauensclbstmorde. Mit der zunehmenden EriverbSIätigkeit der Frau, die sie in verstärktem Maße in allerlei seelische, körperliche und juristisckie Kon- ilikte bringt, steigt auch die Zahl der Fmuenselbstinorde. Während die Selbstmorde von Männer» seit 1900 keine Zunahme, in einzelnen �nhren spgar eine beträchtliche Abnahme erfuhren, haben in jedein „ahre stetig mehr Frauen Hand an sich gelegt. Zu den Ursachen, die auf dem Gebiete des scrnellen LebcnS und der Mnllerschaft Frauen zum Selbstmorde treiben, sind die Fährnisse des modernen Erwerbslebens getreten. Im Jahre 1901 zählte die Reichsstatistik beim weiblichen Geschlecht 233S Selbstmorde, iin Jahre 1910 dagegen sast 1000 mehr, nämlich 3331. Ans 100 000 Frauen macht das im ersteren Jahre 3,2. im letzteren 10,3 Selbstmorde. Die Selbstmorde (aus IVO 000 Personen des betreffenden Jahres bezogen) betragen bei Männern bei Frauen . 33.6 . 34.4 . 34.3 . 33.2 . 33,4 . 31.8 . 31.9 . 34.3 . 34.7 . 32.2 1801 1902 1903 1904 1905 1906 1907 1908 1909 1910 8.2 8.0 9.1 9.2 9,5 9.4 9,6 9.7 10.1 10,3 Die Obcrstaatsanwaltschaft gegen einen weibliche» Rechtsanwalt. Dr. Therese L a b r i o l a, die von der römischen Anwaltskammer zur Ausübung der Advokatur zugelassen ivorden ist, sollte dieser Tage in Rom zum ersten Male einen Angeklagten verteidigen. Der betreffende Prozeß ist nunmehr vertagt worden, da der Oberstaats- anwalt Emspnlch gegen die Berechtigung einer Frau zur Ausübung der Advokatur erhoben hat. Huq aller Melt. Die New Aorker Polizeiganner.. Zu den Enthüllungen über den New gorker Polizcistandal wird noch gemeldet, daß nunmehr feststeht, daß Polizeileutnant Becker über ein Depot von 1 250 000 Mark bei einer Reihe von Banken verfügt. Sein Vermögen soll sich auf 4 250 000 Mark belaufen.Dagegen beträgt sein jährliches Einkommen nur etwa 12000 M. Es hat sich nunmehr auch herausgestellt, daß nicht nur die Sptelsaal- Besitzer, sondern auch viele andere Verbreche rkategorien ai, die New Aorker Polizei ihren Tribut ent- richten mutzten. Viele Fmiktionäre der Polizei haben ebenso. wie Polizeileutnant Becker ansehnliche Bankkonten. Gestern sind in New Aork mehrere Protestversannnlnngen abgehalten worden, in denen das Verhalten der Polizei scharf kritisiert wurde. ISO Fischer umgekommen. Das gestern von uns gemeldete Unwetter an der spanischen Küste hat eine schwere Katastrophe im Gefolge gehabt. Wie ans Bilbao telegraphiert wird, wurde auf dem Meere beim Fischfang eine Fischerflottille vom Sturnie überrascht, von der vierzehn Barken kenterten. 120 Fischer haben da- bei ihr Leben eingebüßt. Die Trauer im Lande ist allgemein. Da eine schwache Hoffnung besteht, daß einzelne Schiffbrüchige noch lebend im Meere treiben, sind Torpedoboote ausgesandt worden, die in der Nähe der Unglücksstelle kreuzen. Das geschenkte Automobil. AnS Rom wird uns geschrieben: Einige Herren und Damen vom schwarzen Adel Mailands konnten den Schmerz nicht länger ertragen, daß der Erzbischof der Stadt, der Kardinal Ferrari, kein Automobil besitzen sollte. JesnS hatte zwar nichts, wo er sein Haupt hinlegen konnte, aber er war eben auch kein streitbarer Kirchen- fürst des 20. Jahrhunderts. So hat dieser Tage ein Komitee dem Kardinal Ferrari ein hochelegantes Automobil als Geschenk dar- geboten, und der Kardinal hat es a»z>nieh»ien geruht, mit derselben Grazie, mit der unlängst der Erzbischof von Turin ein gleiches Ge- schenk annahm. Früher machten die Gläubigen srouune Stiftungen, heute schenken sie den Kirchenfürsten, die buchstäblich mit ihren Ein- nahmen nicht wissen wohin, Automobile, um ihnen die Mühsal ihres Berufes zu erleichtern._ Kleine Notizen. Der Methylalkohol. Wie die.Landeszeitnng für die beiden Mecklenburg" erfährt, sind in den letzten drei Monaten an amtlicher Stelle nicht weniger als 60 Vergiftungsfälle durch Methylalkohol im Reichsgebiet bekannt ge- worden, von denen ein Drittel tödlich verlaufen ist. Infolge- dessen sind gesetzgeberische Maßnahmen gegen die Verwendung des Meihylallohols zu Genußzwecken in Vorbereitung. Brand einer Erdgasqnellc. Wie ans Klanienburg gemeldet wird, geriet eine Erdgasquelle in Kissarmar(Ungar») infolge der Unvorsichtigkeit eines Arbeiters, der trotz des Verbotes rauchte, in Brand. Der 25 Meter hohe Bohrturm stürzte ein. Die Arbeiter retteten sich zum größten Teile durch Herabspringen. Drei von ihnen gelang es nicht, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Sie erlitten schwere Verletz u» gen. Eingegangene Druck Tchnften. Don der„Reuen Jett» ist soeben das 46. Hest des 30. Jahrgangs erschienen.'Aus dem Indult de« Helte« heben wir hervor: Berltaat- lichung und Sozialdemokralje. Von Gnstav Hoch.— Die neue Taktik. Von Kqrl KauISly.(gchlufj.)— Die neue Armee. Von Ernst Däumig. (Lchlnfj.)— Roosevelts neuer Nationalismus und die nationale Be- wcgung in den Verelnigien Siaalen. Kon L. B. Voudin(New Jork).— Literarische Rundschau: Paul Louis, Le Syndioalisme oontre l'Etat. Von G. Eckstein. . Dier„Neue Zeit* erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- bandlungcn, Postanstallen und Kolporleure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest tostet SS Pf. Probenümmern stehen jederzeit zur Versiigung. BermühlerS Reise- und Städteftihrer, Berlin. Berlin, S. Bermühler Verlag. 1.M... Der JlluftrationS- Photograph. Zugleich Adrehbuch der Absatz- gebiete Herausgegeben von F. C. Vietze und M. A. R. Brünner. 4,20 M, Leinenbaiib(Taschenformat) 4,50 M. Ed. Liesegangs Verlag IN Leipzig, Lanaestraße, Tie Entstehung der indtvidualistikchcn Sozialphilofophie. Von Dr. K. Pribrnm. 2,30 M. C. Ii. Hirsch seid, Leipzig. Zlngostellrenorgaiiisationen und Zo ftalvolitik, Separatabdruck ans Dd. 25, Heft 1 Archiv für Sozialwissenschast.— Fleischpreise und Getreidczölle von I. B. Estlen, iseparatabdruck aus Bd. 25, Hest 1 Archiv für Sozialwissenschast. I. C. B. Mohr, Tübingen. Lndwig- Richter- Postkarten, Serie 1 und 2 je 50 Pf. Hegel u. Schade, Leipzig. England und Deutschland oder Der europäische Friede. Historisch» politilchc Abhandlung von Dr. A. Böhtlingk. 80 Pf. Pultlamer u. Mühl- brecht, Berlin W. 56. In meinen Musicstnnden. Nalnrwissenschastliche Anregungen sür die Jugend. Hest 8— 11. Herausgegeben von Pros. Dr. K. Smalian. Halb). 6 Hoste 1,50 M. Franckh, Sluligart. Die schwarze Hofmänni» von Böckingen. Drama von W. H. Klink. .Neue Bahnen*. Heilbronn, Kaiserstr. 22. Arbcitcr-Wandcrvcrei»„Berlin«. Wanderfahrten am Sonn- tag. den 18. August, nach Buch. Forstbaus Buch, Schönertinde, Schönwalde, Forsthaus Gorinsee, Bernau. Für Nachzügler Treffounkt bis 3 Uhr nach- mittags Sportshans am Gorinsee. Abfahrt 6,50 Uhr Stctliner Vorort- babnhos. Nachzügler 11,30 Uhr bis Schömvalde, Umsteigen in Rosenthal. Gäste willkommen.— Sonnlag. den 15. September, sindet unsere dritte Sprcewaldsahrt statt. Näheres siebe Inserat am Sonntag, den 13. August. Zlebettertouristeiiverci»„Tie Natnrfreniidc», Ortsgruppe Bertin. Sonntag, den 18. August: Wanderung von Frohnau nach Heiligcnsee, Nicdcr-Ncuendorf, Spandau. Abfahrt. SteUincr Bahnhos 9,40 Uhr siüh. Gäste willlommen.__ Marktbericht von Berlin am 14. Zlugust ISIS, nach Ermittelung des tönigl. Polizeipräsidiums. M a r k t h a I l e n p r e i s e.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34.00— 50,00. Speiicbobnen, weiße, 30,00—50,00. Linien 40,00— 80.00s Kartoffeln(KleiiiHM.) 7.00— l 2.00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,80—2,40. Rindfleisch. Bauchfteiich 1,50—1,30. Schweinesteisch 1,60—2.20. Kalbfleisch 1,50— 2,40. Hammelfleisch 1,70— 2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 3,60—5,50, 1 Kilogramm Karpfen 1,60—2,40. Aale 1,00—3,20. Zander 1,40-3,60. Hechle 1,60—3,00. Barsche 1,00-2,40. Schleie 1,40—3,20. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 2,00—40,00. WitternngSübersicht vom 15. Slugnst 1912. Stationen Stationen i 8 ß 6 §2 SS winemde Hamburg Berlin Frants.a.M.! 760 SW München I763jSW Wien 1763(588 758'®®® 1 4 wolkig 757 SSW 3 bedeckt 750 WNW 1 wolkig 4 Dunst 2wolkig IsDunst öaparanda Petersburg Scilly Aberdeen Paris b C Ä if r 7600 757OS0 758 WN« 750 NW 761 SW WeUer 2 wolkig 1 Regen 5wolrig 2 bedeckt 3bedeckt c-« »II WS, 14 15 13 12 11 Wetterprognose für Freitag, den 1k. August 1912. Ziemlich lühl, zeitweise aiisklarciid, aber noch sehr veränderlich mit unerheblichen Niederschlägen und mäßigen siidwcstltchen Winden. Berliner Wetterbureau. Wasserstands-Nachrtchten er LandeSanstalt sür Gewässerkirnde, miigetefll vom Berliner Wetterburea« ')-s- bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpegel. Sozialdeinokrat. Walilverein SleukUSÜn. Den Parteigenossen zur Nach- Acht, daß unser Mitglied, der Schriftsetzer ttermsnn �letzse Prinz-Handjery-Slr, 7(19, Bez.), verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle de« Jerusa- lemer Kirchhoses, Hermannstraße, aus statt. Der Vorstand. Reparaturen. Spez.i Un- erläßlich saubere Mensur sür Schüler. Tonverbesse- rung, aus Wunsch auch solche, die dem alt-italienischeuTone täuschend ähnlich ist. Wesent- liche Vorteile und eventnclle Ratenzahlung sür Vorwärts- Aboinienten. Ungewöhnlich Zehrende Anerkennungen. "mi! 7ou8ssint. IVcrstslatie für Kunstgeigenbau in Berlin N. 24, Kl. Hainburgcrstr. 17. Zähne Plomben, beste AuS- , sührung, billigste Preise. 1 Gegr. 1889. Jacobson, Sozialdcmokratikber Blablvcrcio für d. 2. Berl. ieicbstagswablkrcis. Sonntag, den 18. Angnft von 9 Uhr gb: - I! 1 w rt h l des Vorstandes, der Kommissionsmitglieder für Groß-Berlin, des Kandidaten für den Partei- ausschuß und der Parteitagsdelegierten tn folgenden Lokalen: August WiemerS. Büloivstr. 58. Fr. Wilhelm, Bülowstr. 66. Borgfeld, Nostizstr. 29. Thomsen, Gneisenaustr. 39. Knechtel, Wassertorstr. 12. Rübke, Plaimfcr 7. Bracht, Schönleinstr. 29. Reim, Urbanstr. 29. Wahlberechtigt ist jedes Ntitglicd, das den Beitrag für April 1912 bezahlt hat. Da? Wahlrecht kann tn irgendeinem der vorgenannte» Lokale ausgeübt»Verden. BW Die Wahl beginnt um 9 Uhr vonnittagS und wird«in 1 Uhr nachmittags geschlossen. 208/11- Der Vorstnnd. Wwe.Augnstin.Orantenstr. 193. Ohnesorge Nachf., Markgrafen- strciße 102. Kenfner, Jorckstr. 61. Zentralhrankenhaife der Maurer Grundstein zur Ginigkeit - Sonntag, den 18. August, vormittags 10 Uhr. im Bolkshaus, Charlottenburg, Rosinenstraße 3, vorn: Mitglieciep-Versammlung. T.a g e S o r d n u n g: Kassenbericht' vom II. Quartal 1912 nnd Kaffenangelegenbeiten. 2342h Dlo OrtoTerwaltnng. I.A.: BSilh. Strahl. Erstaunlich billig« Herren-Stiefel Damen-Halbschuhe Schwarze Schniir-Schuhe, Derby, Lack kappe, sehr modern, je zt cur � Schwarz u. braun Roßchevreaux, Derby, P. »k Lackkappe, eleganteste Formen A •'.S Damen-Leder-Haus- � SS-■, AM schuhe.... jetzt nur>, Kinder-Stiefel Schwarz Rindbox und Roß-���B 1 i 3.45 a-ys äKKKKm üroßtes Schuhhaus für* yDbrsenihoUhr'isi/y 40/41 � Am Mttwoch, bcn 14. August, verschied euch kurzem schweren Kraiikcnlngcr unser lieber Kollege und langjähriger Mitarbeiter, der Schriftsetzer LS4Sb tiermann �et?e im Alter von 37 Jahren. Wir verlieren in dem Verstor- bencn einen braven und jederzeit hilfsbereiten Freund und werden sein Andenken slelS in Ehren halten. ToS Personal der Buchdriilterei JaniSzewski. Beerdigung: Sonnabend, nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle des Jerusalcmer Kirchhofes, Hermann» straste. a»S. Buclihandiung Vorwärts Dndenstr. 69(Laden). Kener sctaolniuigcn: ÄbtiaDdlungen und Vorträge zur sozialistischen Bildung. Herausgegeben von Max Granwald Heft 1: Zur Einführung in Marx' „Kapital" von Max Grnnwald W Heft 2:'> Partei und Gewerkscbaft 1 In vergleichender Statistik von Angnst Mai O Heft 3: Goethe und die Arbeiter von Max Granwald Preis jedes Heftes 40 Pf. Todes-Anzeigen SozialdemokraliscberWaMverein für den 4. Berliner Heichstans-Waiilkreis. ' Landsberger Viertel. Bez. 383, Den Milgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Schlosser i�icNard Lange Wilhelin-Stolze-Straste 18, g > storben ist. Cchre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 17. d. M.. nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Zcnhal-Fricdhoscs in Friedrichssclde aus statt. lim rege Beteiligung ersucht! 213/3 Der' Voz-stand. Deutscher Melallarbeiter-Verbandl Verwaltungsstelle Berlin. Ten Kollegen zur Nachricht, daß[ unser Mitglied, der Schlosser I�iciiarä Lange Wilhclm-Stolze- Straße Nr. 18 verstorben ist Ghre seinem Andenken! Tie Beerdigung findet amj Sonnabend, den 17. August, nach- m itags 4 Uhr, von der Leichen- 1 Halle des Zentral-Friedhoses inj Friedrichssclde aus statt. Ziege Beteiligung erwartet 122.13 Die Ortsverwaltung, j Verband der Steinsetzer, |Pfiastereru.ßeni{sg. Deutschlands Filiale Berlin. Den Vcrb.mdsmitgliedcrn zur [ Nachricht, daß unser Mitglied ÜP. Schultze | am 10. d. Ml«, verstorben ist. Tic Beerdigung findet am Freitag, den IL. d. Mts., nachm i ö1/, Uhr, von der Leichenhalle I des Covhicn-Kirchbofe», Freien- I walder Straße, nus statt. I Siege Bclciligung erwartet 176/5 Ter Borstand. Zentraiverband der ZiYiibeniisniusiker Deutschlands. Ortsverwaitung Berlin. Unseren Mitgliedern die traurige Nachricht, daß unser langjähriger Kollege jierwsnn am IZ.August plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findet Frei- lag, den 16. August, nachmittags 2'/, Uhr, von der Leichenhalle des ZenIralsriedhoscS, Friedrichssclde, aus statt. Uni rege Betcillglmg ersucht 294/18 Der Vorttand. Deutscher Holzarbeiter-Verband Zahlstelle Berti». Den Mitglieder» zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tisdiler «losepk Diegner Köpenick, Kaiserin-Nugusle-Viktoriastr. 19, im Silier von 52 Jahren gestorben ist Ghre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, de» 17. Slugust, nach- mittags 6 Uhr, von der Halle des Köpcnlckcr Gemeinde< Fried- hose«, Rndower Straße, aus statt. Um rege Beteiligung Ersucht Ois Ortsverwaltung. Am 14. Slugust 1912 verstarb der seit langen Jahren m meiner Buchdruckerei tätig gewesene Schriftsetzer 2849b Vtanmsnn Metze. Derselbe hat sich durch sein ruhiges Wesen und seinen treuen Fleiß ein stetes Slndenken bewahrt. v. damis�ewslil. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirk GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Hausdiener Wilhelm Kaiser am Mittwoch, den 14. d. Mts., im Atter von 27 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke» l Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 17. d. Mts., nach- mittags 5'/, Uhr, von der Leichen- halle des Nazareth-Kirchhoses in Ncinickendors-West, Kögelstraße, aus statt. 66/4 Die Bezirksverwaltung. Orts-KvanUenUasse für das BuchdrucUgewerbe zu Berlin. Aus Beschluß der ordentlichen Generalversammlung vom 3. Slpril 1912 hat der§ 10 des Kassenstatuts folgende Abänderungen erfahren: § 10 Abs. 1 Nr. 3 erhält folgende . Fassung: ... im Falle der Erwerbsunfähigkeit vom Tage des Eintritts der- selben für jeden Slrbcitstag und für die Festtage, welche nicht aus einen Sonntag sollen, die Hälfte des durchschnittlichen TagelobnS (§ 3) als Krankengeld. Der letzte Slbsatz des§ 10 wird gestrichen. Diese Abänderung tritt mit dem Tage der ordnungsmäßigen Ver- öffcntlichung in Kraft. Ter Borstand. J. Blenz, Vorsitzender. Otto Wonitzki, Schrislsührer. zum Arbeiter- Radiatirer- ßund Solidarität. Ortsgruppe Berlin. Touren Sonntag, den 18. August: 1. Abt.: 6 Uhr: Nauen(Kunipke). 1 Uhr: Saatwinlct. Start: Bülow- straße 68. 2. Slbt.: 5 Uhr: Sireiszllge durch die Dubcrow(Ablochen). 1 Uhr: Schmöckwitz �Waldidyll). Start: Schön- leinstraße 6. 3. Slbt.: 6 und 12 Uhr: Wandlitz (©«trug). Start: Lausitzer Platz 11. 4. Abl.: 6 und 12 Uhr: Krossinsee (Badetour). Start: Küstriner Platz. S. Abt.: 6 Uhr: Michendorf. 1 Uhr: Wannsce(Fürstenhos). Start: Elysium. 6. Abt.: Früh 1 Uhr: Lderberg (Meyer). 12 Ubr: Zülsdors(Zur Eisenbahn). Start: Oderberger Straße 28, 7. Abt.: Am 17. abends 8'/, Uhr: Sprecwald. Am 18. 7 Uhr: Fang- schieuie-Grünhcide(Seeblick). j2Uhr: Ziahnsdorser Mühle. Start: Schul- straße 29. 8. Slbt.: Früh 4 Uhr: Freienwalde lRadatz). 12 Uhr:(Müggelheim (Sportshansl. Start: Levetzowslr. 21. 9. Ab!: 8 u. 12-/. Uhr: Gorinsee. Start: Schillingstr. 22. Jugendlickie Bundesgenossen: 6 Uhr: Birlcnwcrder- Brise- Elscnquell(>Ab- lochtour). Start: Stralauer Brücke 3. Verleih-Institut S. Berg Nacht. Borohardt. Friedrichsir 115 1, am Oranienh. Tor. Tel.: Nord 7402. 37142* Frack, Smokiv», Gehrockanzüge, EHapeanclaque, für jede Figurpass., vorrätig in verschiedenen Preislagen. Lehr grobe Auswahl, mäßige Preise. rü 7" Riesenformat, frei Gelass jeder Etage, M. 8,25 pro 1000, ersten Senftenherger Marken voll gleichwertig. Michel- VeFlrieb Xeitkölln, Bergstraße 110. Telephon 1510. iier- Verwaituiiisstelle Berlin Arbeitsnachweis: H»f I. Amt Norden, Nr. 1233. CharitSttraste 3. Hauptbureau: Hos in. Ami Norden, Nr. 1387 Sonntag, den 18. August 1S1Ä, vormittags 10 Uhr, in den Musiker-Festsälen, Kaiser Wilhelmstr. 18m: Versammlung aller in Buchdruckmaschinenfabriken beschäftigten Arbeiter. Tagesordnung: 122/12 1. Bericht über die Verhandlungen mit den Arbeitgebern zwecks Vereinbarung eines Tarifs. 2. Diskussion. Kollegen I Mit Rücksicht daraus, daß jeder von Ihnen von dem Verlauf und Resultat der Verhandlungen genau unterrichtet ist, müssen Sie alle für einen guten und zahlreichen Versammlungsbesuch sorgen. Da auch die Stellungnahme der Slrbeilcrschast aus den Buchdruckmaschincnfabriten eine einheitliche sein muß, so ist es dringend notwendig, daß jeder Kollege in dieser Versammlung anwesend ist. JH« Ortsverwaitung;. r Verwaltungsstelle Berlin. Sonntag, 18. August, vormittags 10 Uhr, im Gcwerkschaftfhause, Eugelufer 1ä, Saal 1; DM" VersasnmBung"MU der Dachdecker u. Hilfsarbeiter. Tagesordnung: Bericht über de» Stand der Tarifbewegung. Berbandsbuch legitimiert.—(Lhne dasselve kein Zutritt. Her Verstand. Reinickendorf. I.Abt.: 8 Uhr: Tcuseissee(Müggel- heim),©tort bei Lüning. 12/10 I—>'»■ Berliner"»«»« uniür-ftunrlett Gg. Treuer V£KastaaieoajlM40 Verwaltung Berlin. Heute, Freitag, abends 8>/z Uhr, im Gewerkschastshanse, Engeln fcr 11/15, Saal IV(ArbeitSIosensaal): der Ortsverwaltung. Für den Bezirk Chtt Vlottenbttrg stellen°N-"wmd°n': Zahlstelle 8S: Wiclandstr. 4 bei Thunack. Zahlstelle: Potsdamer Str. 44 bei Metzdorf. Zahlstelle 91: Wallstr. 90 bei Schulze. Zahlstelle 88 in Wilmersdorf ist von Wilhelmsaue 112 nach Laucnburger Straße Ä1 verlegt, Montag, den 111. August, abends S'/s Uhr: JtiHgtieder- Versammlung des Bezirks Osten III und östliche Vororte in den Prachtsälen des Ostens, Frankfurter Allee 151. Tagesordnung: Bericht vom Verbandstag. Diskussion.— Bericht von der letzten General- Versammlung.— Pcrbandsangelegenheiten. Zlchtimg! Die Bibliothek ist wieder eröffnet! 87/16 IMe Ortsverw-aUnngr. SOtliBUSlIBiCt' Fasion, ZT S*95 Wildledereinsatz... jetzt nur M. Kmmtitiel sSsfe*. gS5 ledereinsaiz........ jetzt nur M. mä Verband der Gastwirts- gehiifen. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser Kollege Lviii Ladewig am 13. Slugust an Herzschwäche verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 16. Slugust, nach- mittags 5 Uhr, von der Halle des Zwöls-Slposlel-Friedhoses in Schönebcrg, Kolomicnjtraße, aus statt. 31/16 Ortsverwaitung Berlin I. «as Rindbox-Schnürstief., sehr dauerhaft auch Zu? und Schnalle, jetzt nur Roßchevreaux-Scfanürstiefel, Derby, Lack- Ä'25 kaooe. amerikan. Fassons, jetzt nur U1 kappe, amerikan. Fassons, jetzt nur Einsegnungs- Schnürstiefel, Größe 36— 40, sehr haltbar.... jetzt nur Herren-Leder-Hausschnhe, jetzt nur Damen Stiefel Sdiwarze Schnürstiefel, Derby, Lack- �9?, kappe, amerik. Fassons, jetzt nur J kappe, amerik. Fassons, jetzt nur Gr r Rofichevreaux-ScbnürstLefel ra. Lack-{ff1 yjV ' kappe, sehr elegant... jetzt nur*& 1 Einsegnungsstiefel mit Lackkappe, jetzt mvt"ä" LcwaiidowSky-GesellschajiQuitzow- straße 105. 178. 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