Nr. 193. M»imementj-Keck1nMW: Bfionncment«■ Preis drinumerandai kicrteljährl. SM Mk» monatl. 1,1» Mü. »vöchcnllich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nunlnier mit illustrierter Sonntags- Vellage.Die Neue Welt" lv Pfg. Post« AtonnemenU 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZcitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deuilchland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland L Marl pro Monat. PostabonnenienlS nehmen an: Belgien. Dänemark Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Suuiünien, Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. vi« sulertlonz-Gedflh? dekSgt für die sechsgespaltene ftolonrt« gelle oder deren Raum«0 Psg.. für politische und gewerkschaftliche LereinS- Und Versa, nmlungs.Anzeigen 30 Pig. „Kleine anzeigen", das fettgedruilte Wort 20 Pfg. szulässtg 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Worts Pfg. Worte über ISBnch- Itaben zählen für zwei Worte. 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Die Arbeiterschaft ist natürlich ob dieser brutalen Verletzung der verfassungsmäßig garantierten Preß- und Redefreiheit nicht erbaut, und vom Züricher„Vollsrecht" wurde bereits die Frage auf. geworfen, ob die sozialdemokratische Partei nicht eine Reihe von Prote st Versammlungen gegen das Treiben der politischen Polizei und das kriecherische Gebaren der b ü r g e r l i che n„Demokraten" einberufen solle. In letzter Stunde scheint der Kaiserbesuch übrigens auch noch wegen eines anderen Umstandes in die Partei hineinspielen zu wollen. In den Kantonsrcgierungen von Basel und St. Gallen sitzen bekanntlich sozialdemokratische Vertreter. In Basel ist ein Sozialdemokrat Regierungspräsident und vom Gesamtkollcgrum zum Empfang des Kaisers auf dem Baseler Bahnhofe ausersehen; der St. Galler Rcgicrungsrat hat als Vertreter zum Kaiserbesuch offiziell den sozialdemokratischen Regierungsrat Heinrich Scher rer abgeordnet. Darüber entstand nun in der schweizerischen Partcipresse eine Diskussion, und zwar mit Rücksicht auf einen Beschluß deL Parteivorstandcs. Dieser hat die Haltung der Sozialdemokratie zum Kaiserbesuch schon vor etlichen Monaten besprochen und den durchaus richtigen Beschluß gefaßt, daß die Partei den Kaiserbcsuch wie irgendeinen andern Besuch einer Privatperson auffasse. Demgemäß hätten die Ver» tretcr der Partei in den Parlamenten die Verwendung der amtlichen Gelder für die Zwecke des KaiserbesucheS zu verweigern und dagegen Stellung zu nehmen. Ein Teil der Partcipresse folgert aus diesem Beschluß mit Recht, daß die sozialdemokratischen Vertreter konscqueiitcrweisc auch dem Kaiser» besuch fernzubleiben hätten, sobald sie die Kredite verweigern, während andere Parteiblättcr, wie„Volksrecht" und„Grütlianer", erklären, in einer solchen Anteilnahme an dem BegrüßungS» zeremoniell liege kein Verstoß gegen den Parteibeschluß. Wie eine Ironie auf diese Diskussion wirkt ein um einige Jahre zurückliegendes Vorkommnis. Der österreichische Monarch machte einmal der Schweiz einen Besuch. Franz Josef fuhr auf den Vodensce und kehrte in der schweizerischen Ortschaft Rorschach an. Zu jener Zeit traf es sich, daß der vor einigen Wochen ver» storbene Bundesrat Deucher Bundespräsident war. Ihm wäre die Aufgabe zugefallen, den österreichischen Monarchen im Namen der Schweizer Behörden zu begrüßen. Aber Deucher lehnte dankend ab. Er erklärte, als Demokrat und Republikaner diesen offiziellen Bcgrüßungssermon nicht mitmachen zu können und reiste in die Ferien. So erheiternd es nun wäre, wenn der deutsche Kaiser bei seinem Eintritt in die Schweiz von einem So» zialdemokratcn empfangen würde, so möchte man im Interesse der Partei doch wünschen, daß die beiden sozialdemokratischen Re» gierungsräte soviel demokratisches Gefühl und republikanischen Stolz äußerten, wie zwei Jahre zuvor der Thurgauer Demokrat Deucher. Sie brauchten ja deswegen nicht in die Ferien zu gehen. Sie Icfywarze Asche. Tcm Essener Katholikentage vom Jahre 1906 wohnte als päpstlicher Abgesandter der.Kardinal V a n u t e l li bei. In einer Ansprache an den Katholikentag lobte der italienische Kirchenfürst die katholischen Politiker Deutschlands, weil sie ..in ihrem ganzen Vorgehen, möge es sich auf die Religion, auf bürgerliche oder soziale Ange- I e g e n h e i t e n beziehen, sich der Autorität der Bischöfe und des heiligen Stuhles unter- ordnen". Dieses Geständnis patzte den klerikalen Poli- tikern, die Wert auf den politischen Charakter ihrer Partei legen, nicht ganz in den Kram, deshalb mutzte sich der Herr Kardinal gefallen lassen, datz in dem für die Presse bestimmten Manuspript seiner Rede jener fatale Satz hinter den Worten „bürgerliche oder soziale Angelegenheiten" den Zusatz erhielt: „soloeit davon die Religion berührt wird". In der Sache wurde dadurch nichts Wesentliches geändert, denn ob durch eine bürgerliche oder soziale Angelegenheit die Reli- gion berührt wird, das zu entscheiden ist Sache des Papstes, und die Rede enthielt auch mit dem Einschiebsel die Pflicht zun: Gehorsam in allen Dingen, wo der Papst diesen Gehör- sam zu fordern für gut erachtet. Immerhin ließ der ein- schränkende Zusatz erkennen, datz die deutschen Klerikalen wenigstens den Schein politischer Selbständigkeit gegenüber Rom wahren mochten. Unterdes hat ja der Klerikalismus in Deutschland schwere Zeiten zu bestehen gehabt. Im eigenen Lager kamen die Störenfriede auf, die für die politische Aktion des deutschen Klerikalismns: für die Zentrumspartei, die katholische Grundlage und die Unterordnung unter die kirchliche Autori- tät forderten. Diejenigen, die sich dieser Zumutung wider- setzten, die im Gegenteil aus dem Turm konfessioneller Ae- schränktheit hinaus wollten, kamen bei den Starrgläubigen und bei Rom in den Verdacht des Modernismus. Das Weitere ist bekannt. Scheinbar hat die Richtung Köln gesiegt, in Wirklichkeit hat sich das Zentrum Rom unterworfen. Seine Führer wagen der kirchlichen Autori- tät gegenüber keine Einschränkung der Gehorsamspflicht mehr, und so oft auch in Aachen die Bereitwilligkeit, dem Papst zu folgen, bekundet wurde, es gesckstih ohne diegeringsteVerwahrung im Sinne des Essener Einschiebsels:„soweit davon die Reli- gion der ührtwird". Damit soll nun nicht gesagt sein, datz die Zentrums- Politiker bei all und jedem, was sie zu tun gedenken, sich vor- her Anweisungen beim Papst holen. Es.wird dem Papst genügen, datz ihm das Recht zuerkannt ist, das Zentrum zu beeinflussen und daß er von diesem Recht, lvenn es ihm gut dünkt, Gebrauch machen kann. Das Zentrum wird sich bemühen, katholische Wege zu wandeln, andrerseits aber auch kein Bedenken tragen, gelegentlich den Papst hinters Licht zu führen, wie es seine Wähler hinters Licht geführt hat und weiter führen wird, wobei ihm die als teures Vermächtnis gehütete Kunst Windthorsts, sich mit Gottes Hilfe glücklich durchzulügen, wesentliche Dienste leisten kann. Die Unter- ordnung des Zentrums unter Rom gewinnt weitergehendes Interesse, wenn man sie in Zusammenhang bringt mit einer gerade in Aachen sehr ausführlich behandelten Frage. Wer die katholischen Zeitschriften und Zeitungen in den letzten Jahren eingehender verfolgt hat, der weiß, mit wie großer Sorge die Kirche in neuester Zeit die Missionsfrage behandelt. Das hat seine Gründe. In Europa greift der Unglaube und der Abfall von der Kirche immer mehr um sich, und ein Land nach dem andern regelt sein Verhältnis zur Kirche in einer Weise, daß man ruhig von dem Verlust ganzer Völker reden kann. In einem Artikel der„Historisch-politi- schen Blätter" vom Oktober 1910 wurde aus der üblen Lage der Kirche in Europa die Notwendigkeit hergeleitet, neuen Anhang b ei„noch weniger verbrauchten Völkern" Zugewinnen, wobei besonders hingewiesen wurde auf China und Japan. Denselben Gedanken findet man immer wieder in der klerikalen Literatur der jüngsten Zeit; Herr Erzberger äußerte ihn in Aachen in der dritten geschlossenen Versammlung, wo über die„Heiden- Mission" verhandelt wurde, und auch in den Ausführungen der übrigen Redner zur Missionsfrage kehrte er wieder. Nun könnte man es ja der Kirche überlassen, zu bekehren wem sie will und wer nach Bekehrung Lust hat. Aber anders wird die Sache, wenn es eine Partei gibt, die der Kirche Untertan ist, und die ihren politischen Einslutz dazu benutzt, den Staat für dieZwecke derKirche mobil zumachen. In der dritten geschlossenen Versammlung wandte sich Herr Karl Bachem mit großer Erregung gegen die Aeutzerung eines höheren Kolonialbeamten, daß der Staat als„geborener Heide" über den Missionen stehe. Den Staaten, so meinte Herr Bachem, liege verfassungsgemätz die christliche Anschauung zugrunde, und das Reich sei ein christliches Reich und solle es bleiben. Und im Gegensatz zu jenen Kreisen, die die Kolonial- Politik vom rein materiellen Standpunkt au« auffassen, stellte Herr Bachem sich auf den Standpunkt,„datz die Kolo- nialpolitik nur dadurch ihre innere Berech- tigung erhalten kann, daß sie auch auf die Christianisierung der Heidenvölker Wert legt". Das Interesse der Kirche an der Missionie' rung fremder Länder, die Unterordnung des Zentrums unter J die Vormundschaft Roms, der Einflutz des Zentrums in der , Politik— diese Dinge im Zusammenhange betrachtet mit der Kolonial-, Flotten- und Heerespolitik, legen den Gedanken nahe, datz in Deutschland die Frage, ob Rom seinen Peters- Pfennig ungemindert bezieht, für die Politik bestimmender ist, als das Wohl des Volkes. „Mit dem 12. Januar 1912 ging ein neuer politischer Tag über Deutschland auf. Aber dieser Tag verspricht kein friedlicher zu werden, denn im grellen Rot kündigte er sich an Und wo das grelle Frührot auf den Höhen steht, da schließt man Schotten und Luken, denn da gibts Sturmi"— So begann in Aachen eine Rede, die man mit großer Ueber legung an das Ende des Katholikentages gesetzt hatte. Wie dem Klerikalismus im allgemeinen, so sitzt auch dem Zentrum die Angst im Nacken. In Deutschland ist es die Sozialdcmo kratie, die Furcht und Schrecken im klerikalen Lager ver breitet, und die hier das Tun und Lassen der führenden Geister bestimmt. Der katholische Volksverein, der in Aachen während des Katholikentages seine Generalver sammlung abhielt, verrichtet seine Arbeiten fast ausschließlich zu dem Zweck, den Absall der gläubigen Massen an die Sozial- demokratie wenn nicht zu verhindern, dann doch wenigstens zu verlangsamen. Und die vom Zentrum ins Leben gerufene Organisation zur Verteidigung der christ l i ch e n Schule und Erziehung hat den einzigen Zweck, die Jugend des arbeitenden Volkes nicht zum Denken, nicht zur Selbständigkeit, nicht zum Klassenbewußtsein, nicht zum Anschluß an die Sozialdemokratie kommen zu lassen. Und in wie vielen der Reden und Anträge offenbarste sich sonst noch das Bemühen, das gläubige Gefolge, den jungen Arbeiter, das heranwachsende Geschlecht von der Berührung mit denkenden Klassengenossen abzusperren, weil man sich be- wüßt ist, daß auch vor den einfachsten Gedankengängen des aufgeklärten Arbeiters alle Bibel- und Kirchenwcishcit, alle Höllcnfurcht und alle Himmelshosfnung wie Spreu im Winde vergeht. Das weiß man, und deshalb appelliert man an die Furcht der Großen und Neichen vor der erwachenden Masse. In Aachen betraute man mit dieser Aufgabe ein Mit- glied jenes Ordens, der mit Recht wegen der Bedenkenlosigkeit in der Wahl der Mittel einen üblen Ruf genießt. Und nicht ohne Absicht setzte man die Rede dieses Mannes, des Jesuiten- Paters C 0 h a u tz, an den Schluß des Katholikentages. Unter dem Eindruck dieser Rede sollte das katholische Volk Aachen verlassen, und sie sollte denen, an die sie gerichtet war, den Regierungen, den Mächtigen und Reichen, am nach- haltigsten in den Ohren klingen. Es war eine Hetzrede schlimmster Art, eine Rede wider den A t h e i s m u s, wie der Titel sagte, eine Rede wider die aufstrebende Arbeiterklasse, wie sie richtig heißen sollte. Ehemals, als die Kirche noch die Völker regierte, war alles eitel Frieden und Glück, Gcrechtig- keit und Ergebenheit waren die Schutzgeister dieser Welt: „Aber dann kam der gelbe Neidhard und schleuderte die Lohe in das Gotteshaus und als die Notglut sprühte und Säule auf Säule krachend stürzte, da flohen die schützenden Geister, und im rauchgeschwärzten Gemäuer vernahm man den un- heimlichen Flügelschlag nächtlicher Unholde. Wo Friede und Ergebung wohnten, sah man jetzt den Geist des Neides, des Ingrimms, der Rache und des Hasses die Glut des Aufruhrs schüren." Und denkt nicht daran, ihr Negierungen und Par- teien, auf dem Wege der Gesetzgebung den For- derungen der Massen gerecht zu werden:„Nie und nimmer werden sie mit Abschlagszahlungen sich zufrieden geben, nur eine völlige Gleichheit wird ihre Gelüste stillen. Wie beutegierige Wölfe den Schlitten russischer Großen auf schneebedeckter Steppe, so werden die beutegierigen Massen im Wettlauf dem Besitzenden nachjagen, nur auf einen günsti- gen Augenblick wartend, wo es ihnen gelingt, den Schlitten umzuwerfen und sich der Güter der Glücksritter zu bemächti- gen." Und was kann helfen gegen den Umsturz? Nicht die Autorität, deren Träger vor dem Dolch undderBombederMeuchelmördernichtsicher sind; nicht das Heer, das immer mehr um- st ü r z l e r i s ch durchsetzt wird, sondern einzig und allein die Kirche! Nun wissen die Regierenden, was sie zu tun haben, um Thron und Altar vor dem Umsturz zu retten und die Geld- schränke vor den Gelüsten gieriger Proletarierwölfe zu sichern. Das Rezept ist sehr einfach. Vielleicht aber erinnern sich unsere Staatsweisen, was aus den Ländern geworden ist, deren Rc- gierungen allzu willig den so selbstlos klingenden Ratschlägen des Klerikalismus gefolgt sind. vi« Schweizer Kaiierointe. Man schreibt uns aus der S ch w e i z: Der bevorstehende Besuch Wilhelms II. treibt die tollsten Erscheinungen. Die stolzen Nepu» blikaner ergehen sich in einer Kriecherei, die ekelhaft ist und an- widert. Von demokratischer Würde keine Spur, jede bürgerliche Zeitung will der andern den Rang als Hofblatt ablaufen, und die Dekadenz kennt keine Grenzen. Daß die nach dem Wohlgemuthandel auf Drängen Bismarcks eingeführte politische Polizei ebenfalls eine fieberhafte Tätigkeit entfaltet, ist ganz in Ordnung, nicht minder wie die Tölpeleien, die sie begeht. Die Verhaftung des Anarchisten B e r t 0 n i steht tatsächlich im Zusammenhang mit dem Kaiserbesuch, und auch die ver Krlienherd in Iflazedonien. Aus Konstantinopel wird uns geschrieben: Zu dem Aufstand in Albanien kommen nun die vielleicht noch gefährlicheren Wirren in Mazedonien. Die türkische Regierung nahm im Anfang wenig Notiz davon und kämpfte gegen die terroristischen Akte mit ihren alten, untauglichen Mitteln: Untersuchungen, Verhaftungen und Einkerkerungen. Erst die schrecklichen Metzeleien in Kotschana nnd die dadurch hervor- gerufene Entrüstung in Bulgarien zeigten der türkischen Re- gierung den Ernst der Situation. Aber auch ohne diese Metzeleien wäre die Tätigkeit der Banden, der„Tschetas", wieder aufgenommen worden. Die mazedonische Bewegung hat bereits eine zwanzig- jährige Geschichte hinter sich. Und doch ist bis heute keine einzige der Forderungen der Mazedonier erfüllt. So dauern die Ursachen ihrer Unzufriedenheit fort, und es ist selbst- verständlich, daß die Mazedonier einen so geeigneten Moment wie die Zeit der albanischen Bewegung benutzen, um einen Druck auf die türkische Regierung auszuüben und ihr Ziel zu erreichen. Noch mehr: die albanische Bewegung und ihre Erfolge müssen, auch abgesehen von der schwierigen Lage der türkischen Regierung, die mazedonische Bewegung wieder beleben. Wie bekannt, betrachteten die Bulgaren immer das Wilajet Kossowo als einen Bestandteil Mazedoniens und verstanden unter Mazedoniern nur die Bulgaren, die in Mazedonien leben. Die Devise„Mazedonien für die Mazedonier" hieß für sie„Mazedonien für mazedonische Bulgaren". Daraus erklärt sich auch die Feindschaft und die ständigen Kämpfe der Bulgaren gegen die mazedonischen Serben und Griechen, die sie zwingen, auf ihre besonderen nationalen Bestrebungen zu verzichten und sich mit den Bulgaren zu verschmelzen. Jetzt, wo die Albanier eine Autonomie verlangen, die auch einen Teil des Wilajets Kossowo umfaßt, werden die Bulgaren unruhig, da sie einen Teil„ihres Territoriums" zu ver- lieren fürchten, auf dem sie ihre eigene Autonomie begründen wollten. Die Autonomie Albaniens kommt für die Bulgaren noch von einem anderem Standtpunlte auS un- gelegen. Viele don den Mazedoniern und besonders ihre Inspiratoren aus Sofia begnügen sich nicht niit der Autonomie. sondern fordern die Einverleibung Mazedoniens durch Bulgarien. Von diesem Standpunkte aus er- scheinen die Erfolge der Albaner als ein Hindernis, da erstens das Territorium Mazedoniens verkleinert und zweitens das Prinzip der Integrität der Türkei erklärt ivird. Denn es unterliegt keinem Zweifel, daß das autonome Albanien der eifrigste Gegner der Einverleibung Mazedoniens sein würde. Unter diesen Umständen scheint es sonderbar, daß die mazedonischen Bulgaren nicht den kritischen Moment der albanischen Bewegung und die durch die innere Krise hervor- gerufene Schwierigkeiten schon früher ausnützten. Aber die Untätigkeit der Mazedonier hat ihre tiestren, äußeren und inneren Ursachen. Ter bulgarische König mußte während seines Besuches in Wien und Berlin versprechen, Verwickelungen auf dem Balkan vorzubeugen. Der Einfluß des Hofes in Sofia auf die Führer der mazedonischen Bewegung ist groß, und der König hat zu- nächst die Revolutionäre von Exzessen in Mazedonien zurück- gehalten. Aber im Laufe der Zeit machte sich in Bulgarien eine starke Strömung zugunsten der Einmischung in die mazedonischen Angelegenheiten geltend, die anscheinend den Einfluß der offiziellen Sphären überwunden hat. Von den inneren Ursachen der Zurückhaltung der maze- donischen Revolutionäre ist am wichtigsten der O r g a n i- sations Mangel. Vor der türkischen Konstitution existierten zwei mazedonische Organisationen: die„innere" und die „äußere". Die erstere, die in Sofia entstand, hatte als ihr unmittelbares Ziel, durch eine Erhebung in Mazedonien die Einmischung der fremden Mächte zu provozieren und auf diese Weise die A n n e x i o n dieses Landes durch Bulgarien zu erwirken. Mit der Zeit entstand in Mazedouien selbst, als eine Reaktion gegen die bulgarischen Tendenzen in der„äußeren" Organisation, eine neue, die sogenannte innere Organisation, die sich zur Aufgabe die Autonomie Mazedoniens stellte. Die„Aeußere Organisation" verfiel rasch; die„Innere" spaltete sich in zwei und nachher sogar in drei Fraktionen, blieb aber bis zur Erklärung der türkischen Konstitution bestehen. Unter dem neuen Regime restaurierte sich eine dieser Fraktionen als„Bund der bulgarischen konstitutionellen Klubs". wurde jedoch einige Monade später auf Grund des Gesetzes, das die rein nationalen Vereinigungen verbot, ge- schlössen. Die andere Fraktion der„Inneren Organisation" jedoch bildete die„Föderative Volkspartei" mit den gewesenen Deputierten der türkischen Kammer Wlachoff, Sandansky, Tschnernopejeff u. a. an der Spitze. Diese Organisation forderte demokratische Reformen und die Lösung der Agrar- frage lind erklärte sich für die Befestigung des neuen Regiines und die Unteilbarkeit der Türkei. Dies rief die Unzufrieden- heit derjenigen Elemente hervor, die den Standpunkt der Ein- Verleihung Mazedoniens an Bulgarien vertraten. Die junge Organisation war nicht imstande diese in den breiten Massen sehr populäre Idee zu bekämpfen und löste sich bald auf. Seit zwei Jahren gab es daher in Mazedonien keine Organisation mehr. Erst in letzter Zeit wurde dank den An- 'strengungen der ehemaligen Mitglieder der„Inneren Organi- sation" Christo Matoff und Thodor Alcxandroff in Sofia ein Komitee organisiert, das jetzt die neue Bewegung in Maze- donien leitet. zun rDa es zweifellos ist, daß die mazedonischen Bulgaren im Grunde ihres Herzens mit den Revolutionären sympathisieren, so ist anzunehmen, daß das bulgarische Komitee bald viele Anhänger in den Massen der Bevölkerung zählen wird. Das einzige Mittel, den Erfolg der mazedonischen Revo- lutionäre zu hintertreiben, wäre die Verwirklichung einer Reihe gründlicher Reformen, vor allem die Reform der gänzlich unhaltbaren Agrarverhältnisse. Ferner wäre es sehr wichtig, die alttürkischen Beamten zu ent- fernen, eine wirkliche Gleichberechtigung der christlichen Be- völkernng Mazedoniens herbeizuführen und dieser Bevölkerung die volle Freiheit in der Einrichtung ihrer national-kulturellen Aufgaben zu geben. Wenir aber die neue Regierung weiter zaudert oder gar aus Mißtrauen zu den Mazedoniern die LieblingLidee des Dr. Nasim, die Ansiedelung islamitischer Einwanderer in Mazedonien zu verivirkltchcn fortfährt, so wird die Velvegung rasch noch größere Ausdehnung gewinnen. Dann wird es die Türkei nicht nur mit den Mazedoniern, sondern auch mit deren Freunden jenseits- der Grenze, den Balkanstaaten, zu tun bekommen. Und alle Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß Flugwesen und Reichsfcijnorrerei. In einem seiner Romane schildert Jules Verne, der technische .Realphantast", eine Erdumschiffung mittels eines Luftschiffes „schwerer als die Luft". DieS Lustschiff ist kein Lentballo», keine mit Motoren ausgestattete Gasblase, sondern eine schiffsförmige Maschine, die ausschließlich durch 78 horizontale Luftschrauben in der Lust erhalten und durch 2 vertikale Propeller vorwärts ge- trieben wird. Mit 200 Kilometer Stundengeschwindigkeit saust das 30 Meter lange Fahrzeug durch die Lüfte, bald dicht über Erde und Meer, bald hoch über den Wolken. Heute schwebt es über den Gletscherwüsten und Eisgipscln des Himalaya, um ein paar Tage später schon über Moskau, Petersburg und Paris dahinzustrcifeni. Wieder wenige Tage später zieht es über den geheimnisvollen Urwaldregioncn des tropischen Afrika seine Bahn, um dann wieder den Ozean zu überqueren. Als Verne diese technische Phantasie schuf, gab es weder einen leistungsfähigen Lenkballon, noch hatte je ein Neroplan seine Kreise in der Luft gezogen. Aber was damals wie ein Märchen klang, ist heute schon halbe Wahrheit geworden. Schon legt der mit moto- rischer Kraft ausgestattete Gleitslieger, auch eine Maschine „schwerer als die Luft", an einem Tage 600—.700 Kilometer zurück; schon fliegen die Zeppelinen in einer Nacht vom Voden'see bis zum Belt. Noch freilich müssen sich die großen Luftschiffe der Gas- füllung bedienen, noch haften den Flugmaschinen böse Kinderkrank- heften an, so daß die Zahl der tödlich verunglückten Jkariden tief in das zweite Hundert vorgerückt ist. Nock) ist das große, sichere Flugzeug, das Passagierluftschiff Jules Vernes, ein Traum der Zukunft, aber vielleicht nicht mehr allzu ferner Zukunft. Verne läßt das Phantasielustschift mit seinen, voneinander unabhängigen Flugschrauben durch elektrische Kraft antreiben, deren er enorme Mengen in leichten Akkumulatoren ausgespeichert sein läßt. Nun, wenn erst das Problem der Uebertragung unbegrenzter elektrischer Kraft durch die Lust geldst ist— und nach Zeitungsmewungen soll es ja bereits gelöst sein, zweifellos aber steht seine Lösung in sicherer Aussicht—. so steht der Konstruktion des Verneschcu Flugschiffts kaum noch etwas im Wege. Es ist daher gar nicht ausgeschlossen, daß dir wundervollen mechanischen Riesenvögel, die wir heute im B«ther schwimmen, sehen, in. gar nicht allzu ferner Zeit nur noch Erinnerungen aus der romantischen Jugendzeit der Flugtechnik sind; gerade so, wie schon heute das poetische Segel- schiff in unserer Aera der Turbine und des Dieselmotors dem Aussterben gewxiht erscheint.. die Türkei die Kraft zu einer solchen Reformpolitik bereits verloren hat. Die Haltung der Albaner. Saloniki, 17. August. Die Zahl der bisher in u e s k ü b an- gekommenen Arnauten wird bereits auf m e h r als 4000 geschätzt. Nach Privatmeldungen ist die Zahl der in und um Uesküb versammelten Arnauten bedeutend höher. Riza B e h und I s s a Boletinaz. die mit 2000 Mann in llesküb eintrafen, stellen die Bedinguug, daß die Regierung hinsichtlich der Auslieferung der Waffen genau den Forderungen der Arnauten zu ent- sprechen habe. Andere Gegenvorschläge werden als u n a n- n e h m b a r bezeichnet und die Arnauten drohen, andernfalls den Marsch nach Saloniki anzutreten. Bisher verhielten sie sich ruhig. Nach amtlichen Berichten aus E l b a s a n haben sich in der dortigen Gegend etwa dreitausend Arnauten zusammen- geschart, die in die Ortschaften einzudringen beabsichtigen. Es sollen ihnen Truppen entgegengesandt werden. Ibrahim Pascha ist von der Regierung beauftragt, den Arnautenführern mitzuteilen, ihre Forderung betreffend Ableistung deS Militärdienstes in der europäischen Türkei könne nicht angenommen werden, da ihre Annahme dos Ansehen der Regierung gefährden würde. Ibrahim soll über diesen Punkt mit den Arnautenführern ein Einvernehmen zu erzielen ver- suchen. In Starowa sWilajet Monastir) sind die Insassen deS dortigen Gefängnisses ausgebrochen und bis auf einen ent- kommen. Aus Monastir wird gemeldet, daß sich der Amneftieerlaß auch auf Tahiar Beh und die übrigen aus albanesischen Garni- fönen desertierten Meuterer erstreckt. Die Meuterer können nunmehr straflos in die Garnisonen zurückkehren. Ein Dementi. Sofia, 17. August. Die„Agenee Bulgare' ist ermächtigt worden, die von dem Korrespondenten des„Matin" dem Unterrichtsminister B o b t sch e w in den Mund gelegten Aeutzerungen kategorisch z u dementieren. An zuständiger Stelle wird erklärt,.der Bericht des„Matin" entspreche in keiner Weise den Anschaumigen des Ministers, s?)_ poUtifcbe Gcberficbt. Berlin, den 17. August 1912. Eine.,Kreuz'Zeitttngs"-Attacke gegen den Umsturz. Eine wüste und kreuz(zeitungs)dumme Attacke gegen die Sozialdemokratie reitet in dem Organ des seligen Hammer- stein ein Herr E. G. Offenbar ist dieser Mann, sintemalen ihm das �schmückende v. fehlt, einer jener Geldmänner des konservativen Hauptorgans, denen für die patriotische Pflicht, das Defizit decken zu helfen, auch gelegentlich das Recht ein- geräumt werden tnuß, ihre journalistischen Versuche in den Spalten der„Kreuz-Ztg." abzulegen. Denn so wenig wir bei diesem Blatte an hervorragenden Leistungen gewöhnt sind, so sehr läßt doch der Erguß des E. O. jene demagogische Routine und politische Vorsicht vermissen, die selbst für konservative Zeitungsschreiber unentbehrlich ist. Der Artikel fordert eine rücksichtslose Bekämpfung der Sozialdemokratie mit allen Machtmitteln des junkerlich- kapitalistischen Staates. Der Kampf mit geistigen Waffen nütze ja doch nichts. Denn so oft auch die Sozialdemokratie „wissenschaftlich widerlegt" worden sei, so wenig Eindruck habe das auf die roten Wählermassen gemacht. In der Tat: die agrarisch-konservative„Wissenschaft" hat der Sozialdemokratie noch nicht wehe getan, und auch das konservative Pflügen mit dem liberalen Kalbe, etwa mit Herrn Eugen Richters„Irr- lehren", hat den Effekt nicht zu vermehren vermocht. Was aber freilich nichts für die geistige Unempfindlichkeit der Sozialdemokratie, sondern nur umsomehr gegen die„Wissen- schaftlichkeit" agrarisch-kapitalistischer Klopffechter beweist I Schrecklich sind dann die Klagen über die Verbrechen der Sozialdemokratie: sie richte ihre Angriffe„gegen die Person des Kaisers", gegen„das ihm getreue Heer", gegen„die dienstgetreue Beamtenschaft", gegen„jedwede Autorität in Kirche und im Staate".*Als ob nicht die der„Kreuz-Zeitung" gar nicht allzu fernstehenden Freikonservativen die Person des Kaisers schlimmer verunglinipft hätten, als irgend jemand, geschweige denn die Sozialdemokratie, die sich stets nur gegen volksfeindliche autokratische Kundgebungen ge- wendet hat l Und als ob nicht die Heidenangst um die„Treue" von Heer und Beamtenschaft auch dem Blindesten das böse Gewissen der„Kreuz-Zeitungs'-Ritter verriete! Richtig ist eben Aber auch ohne solch kühne Ausblicke auf die Entwickelungs- Möglichkeiten der Luftschiffahrt können wir uns deS bereits Er- rungenen mit berechtigtem Stolze erfreuen. Und diese Genug- tuung braucht uns auch die bedauerliche Tatsache nicht zu trüben, daß einstweilen nur der internationale Militarismus die Vorteile der neuen glorreichen technischen Errungenschaft, zu haben scheint. Auch braucht uns die Freude am Flugwesen die Skepsis eines schier unausrottbaren Pcdantentums nicht zu verderben, das da meint, der bisherigen Menschenopfer seien allzu viele gefallen und es wäre besser gewesen, wenn erst die exakte Wissenschaft eine gefahrlose und vollkommene Lösung des Flugproblems gefunden hätte. Probieren geht auch hier über Studieren, und wenn die Menschheit hätte warten sollen. bis erst das Flugproblem in der Studierstube einwandfrei gelöst war, hätten wir vielleicht noch lange auf den Lenkballon und den Aero- plan warten könne» I So wenig wir skrupellose Kapitalisten- Methoden und ein frivoles Aufsspielsetzen von Menschenleben, entschuldigen wollen: das Fliegcrwesen verkörpert ein Stück Helden- tum, und es sind Kulturpioniere, die im Kampfe um die BeHerr- schung der Luft den Tod gefunden. Denn auch das beweist nichts gegen diese Auffassung, daß der Wagemut der Flieger den mannig- fachsten psychischen Triebkräften entstammt. Die„Gunst schöner Frauen" und eine„Stange Gold" wünschte beim großen deutschen Rundflug im vorigen Jahre Major Parseval den Fliegern. Diese Lockungen und Ehrgeiz und jugendlich überschäumender Tatendrang mögen die Flieger zu ihren Wagnissen angespornt, mögen viele von ihnen in den Tod getrieben haben,. Aber mit der Philosophie des reinen Mittels kommt man nun einmal in der Wellgefchichte nicht aus. Ehrgeiz ist noch stets und überall eine der Triebfedern kühnen Vorwärtsdrängens gewesen, auch in der Politik. Und die Dämonie der Liebe hat gelegentlich auch ihre Rolle gespielt, von Ferdinand Lassalle, den ein Liebeshandel zum unglückseligen Duell trieb, bis zurück zu Ulrich Hutten, der der Lustseuche erlag. Wobei freilich schon David Friedrich Strauß in seiner Hutten-Biographie die Fest- slellung des Berliner Kaufmannsgerilyt vorwegnahm, daß sich jemand eine Geschlechtskrankheit zuziehe,., könne, ohne ein Wüstling iU �Trotzdem hat sich der„Vorwärts" gegen, den, Blumen tag ge- wendet, der zur Füllung der Reichsfliegersttfwng dienen soll, aus der verunglückten Luftpionieren oder ihren Hinterbliebenen Unter- stützungen zu gewähren sind. Und mit Recht: denn die Blumentag- seuche wird nachgerade gemeingefährlich! Wenn die Flugzeug. fabrikanten nicht für die Opfer der Flugkunst sorgen können, so müßte etzen der Staat mit seinen, Mitteln eingreifen. Er ist ver«, nur, daß die Junker von dem Kampf mit geistigen Waffen nichts wissen wollen, weil sie solche Waffen zu führen längst verlernt haben und daß sie alles Heil nur von der rohesten und stupidesten Gewaltpolitik erwarten I Zu den geistlosen Mitteln des Herrn E. G. gehört auch die Denunziation, wenn er klagt, daß gegen die„maß- losen Angriffe" der Sozialdemokratie gegen„Thron und Altar" nur„selten und vereinzelt" die Staatsanwaltschaft einschreite, und daß die Paragraphen des Strafgesetzbuches über Aus- reizung zum Klasienhaß und Hochverrat nicht mehr in Kraft zu sein scheinen I Das müssen sich preußische Staats- anwälte sagen lassen! Dann wird verstärkter Mittelstandschutz empfohlen, um der„staatserhaltenden" Elemente sicher zu bleiben. Auch der wäre doch nur möglich, wenn die Herren Sttohdachflickenden ein wenig mehr in den eigenen Geldbeutel greifen wollten, statt nicht nur der Arbeiterklasse, sondern auch dem Mittel- stand durch Brot- und Fleischwucher immer mehr die Existenz zu erschweren I Da E. G. seine Pappenheimer gut genug kennt, um nicht eine solche Mittelstaridspolittk von ihnen zu er- hoffen, fordert er zu guter Letzt den„Hieb", den„An- griff". Der„Mut der Kaltblüttgkeit", von dem Caprivi gesprochen habe, sei jetzt nicht mehr am Platze. Der gute Mann will also wohl Ausnahmegesetze, Stand- gerichte, Polizeiattacken ä la Moabit I Das hat der Sozial- demokratte gerade noch für die nächstjährigen Landtags- Wahlen gefehlt I Endlich aber verlangt Herr E. G. Schaffung eines— konservativen Witzblattes zur höheren Volks- Verblödung. Da meinen wir denn doch, daß solch ein Witz- blatt so lange wirklich überflüssig ist. als sich die„Kreuz- Zeitung" solche Mitarbeiter wie E. G. zu sichern weiß! Nach einer neuen Liebesgabe schreien wieder einmal die ostpreußischen Junker. Und zwar find es die Remontezüchter, die mehr Geld vom Reich für ihre Pferde ver- langen, obwohl sie diese sehr gut bezahlt erhalten. Agrarische Blätter in Ostpreußen schreiben, die Züchter wären im allgemeinen unzufrieed en mit den gegenwärtigen Remonte- preisen. Sie arbeiteten unter den jetzigen Verhältnissen, was außer Frage zu stehen scheine, mit einem Defizit oder mit nur sehr geringem Gewinn. Die Ursachen seien zu suchen in den hohen Preisen für die Füllen, in den teuren Kosten der Aufziehung und in den großen Anforderungen der Remonteankaufskommissionen. Man glaube, daß aus diesen Gründen die Remontezucht eine Einschränkung erfahren werde. Daraus aber resultiere eine nationale Gefahr, weil keine andere Provinz in der Lage sei, Ersatz für den Ausfall an Remonten in Ostpreußen zu liefern. Es müsse daher als eine Notwendigkeit bezeichnet werden, daß d a S Kriegsministerium den Etat für den Remonte« ankauf erhöhe. Die Schädigung, die durch eine Einschränkung der Remontezucht nicht nur für die Landwirtschaft, sondern auch für den Handel entstehe, werde illustiert durch die Tatsache, daß die Provinz Ostpreußen etwa 75 Proz. und der Regierungsbezirk Gum- binnen allein etwa SS Proz. sämtlicher deutscher Militärpferde liefere. Also wenn den Remontezüchtern die Taschen nicht noch mehr als bisher gefüllt werden, dann gibt eS eine„nationale Ge» fahr", d. h.. dann mag das teure Vaterland, da» einzig und allein zum Schröpfe» da ist, sehen, wo eS seine Remonte» herbekommt. Und solche Drohung kommt aus Kreisen, die sonst mit ihrer „wahrhaft nationalen Gesinnung" nicht genug zu prunken wissen und die sich in der Regel als die festesten Stützen deö Thrones preisen. Aber verdient muß dabei gehörig werden, sonst wird dem Racker Staat der Stuhl vor die Türe gesetzt. Es kann gar keine Rede davon sein, daß die Remontezüchter mit Defizit oder nur mit geringem Gewinn arbeiten. Sie haben bisher bei dem Handel mit dem Reiche sehr gute Geschäfte gemacht. Unsere Behörden sind durchaus nicht so agrarierfeindlich, daß fie den Junkern schlechte Preise bieten. Hinter diesen„Klagen" stehen vor allem die Großgrundbesitzer, da das Reich jenen Bauern, die auch Remonten züchten, nur selten Pferde abkaust. Wollen die Kleinbauern ihre Pferde an den Staat losschlagen, so müssen sie gewöhnlich die Remonten an die Großgrund- besitzer verkaufen, und diese liefern fie dann— natürlich mit einem entsprechenden Gewinn— den Militärbehörde». Ueber diese schöne Praxis ist schon wiederholt von den Bauern bitter ge« klagt worden. pflichtet, nicht nur den MiliwrismuS zu mästen und den Polizei- staat zu alimentierrn, sondern auch für den, Kulturfortschritt zu sorgen. Und es ist eine unsinnige Behauptung, daß er das nicht könne. Er könnte es sehr»vvhl, wenn er nur wollte. Er könnte es sogar, ohne deshalb einen Pfennig direkter obct indirekter Steuern mehr zu erheben. Oder glaubt man wirklich, daß sich or den anderthalb Milliarden, die das Reich Jahr für Jahr für Mili- tarismus, MarinismuS und Weltpolitik opfert, nicht ein paarmal hunderttausend Mark für die Fliegcrversorgung ersparen ließen?! Aber vom Reiche ganz abgesehen, auch der preußische Staat hätte Mittel in Hülle und Fülle, wenn es ihm nur ernst wäre mit der Förderung der Flugtechnik und seinem Wohlwollen für die Piloten. Warum vergeudet denn Preußen anderthalb Millionen jährlich für die Jugendpflege, die gar keinen anderen Zweck und Simr hat, als der geistigen EntWickelung der Nation Hemmschuhe anzulegen und die Kinder des Proletariats wieder zur Polizei- und Pfaffen- fürchtigkeit zurückzuführen? Oder warum verzichtet man nicht zu- gunsten der Flieger auf die 300000 Mark, die im Etat für geheime Ausgaben der Polizei vorgesehen sind, für Zwecke der Spitzelei unÄ Spionage? Oder warum streicht man nicht die 265 000 Mark jähr- lich. die für die sieben preußischen Legationssekretäre in Rom. München. Dresden. Karlsruhe, Hamburg, Stuttgart und Oldenburg zum Fenster hinausgeworfen werden? Der Gesandte beim Vatikan kriegt ollein jährlich 75000 Mark; dafür quittiert dann die Kurie mit Nasenstübern, wie die Borromäus-Enzyklita und der Moder- nisteneid. Für diese unfinnigen Sinekuren hat man Geld in Menge übrig. Ja, der preußische Landtag hat noch in der letzten Session eine halbe Million Mark für Ankauf der ehemals Laeiszschen Villa in Hamburg bewilligt, um dem armen obdachlosen preußischen Ge- sandten in Hamburg eine Unterkunft zu schaffen! Der arme Kerl mußte, so wurde in der 5kommission erzählt, bislang ftn Hotel wohnen, weil in der großen Hansastadt Hamburg partout kein standesgemäßes Quartier für ihn aufzutreiben war! Und da soll- ten keine öffentlichen Mittel für eine Fliegerversorgung vorhanden sein, so daß der Bettelsack geschwungen werden müßre?! So gut es mancher der Organisatoren der Reichsfliegerstiftung meinen mag, und so sehr wir den Fliegern eine ausreichende Ver- sorgung gönnen,— die Sozialdemokratie kann den Blumentagbettel weder gutheißen noch mitmachen! Sie ist bereit, jeden Kultur- fortschritt von Staats wegen fördern zu helfen. Mögen die übrigen Partejen, Mg gutep UMn nur auch betpcjje«! Polizeikampf gegen die Arbeiterturnbereiue. De», Arbeiterturnberein„Freiheit" in Rathenow ist von der Polizeibehörde aufgegeben worden, bei Vermeidung von 80 Mark Strafe innerhalb acht Tagen Statut und Verzeichnis der Vorstands- nutgliedcr einzureichen. Die Polizei bcgriindet ihr Vorgehen niit der Zugehörigkeit des Vereins zum Arbeiterturnerbund. Der Kampf der Liberalen um die Arbeiter. Die Gründung des fortschrittlichen Arbeiter-RcichSverbandes hat im nationalliberalen Lager bös verschnupft. So führt die„Süd- deutsche Nalioualliberale Korrespondenz" aus: .Die mit so grohem Tamtam angekündigte„Reichskonfcrenz liberaler Arbeiter" hat ein ziemlich bescheidenes Ergebnis gehabt. Wenn man Massenaklionen mit ganzen 102 Mann veranstaltet. die sich bei der Abstimmung sogar auf 80 verringern, dann ist wirklich kein Grund zu großer Hoffnungsfreudigkcit. Erfreulich an der Gründung ist aber das eine, daß sich bei diesem Anlaß wieder einmal gezeigt hat, wie viel denn noch an Trennendem vorhanden ist zwischen Nationalliberalen und Fortschrittlern, wie wenig sich aber auch derFortschrittMühe gibt, das etwas zu verbergen. Wo es sich um seinen eigenen Vorteil handelt, da sorgt er dafür. daß er, ungestört vom liberalen Bruder, hübsch unter sich ist und für sich allein rafft. Da ist die liberale Gemeinschastsidee zu Ende. In Nord- und Mitteldeutschland weiß man das schon länger; hoffentlich lernen nnn aber auch die süddeutschen Nationalliberalen etwas daraus. Dann kann der fortschrittliche Arbeiterfang ausgehen wie immer, er hat doch ein Gutes gehabt." Eigentlich ist das Objekt des Streites gar nicht wert, denn die Fortschrittler werden genau so wenig Erfolg erzielen, als wie die Nationalliberalen. Die Bedeutungslosigkeit der Hirsch- Dunckerschcn Gewerkschasteu trotz jahrzehntelanger Arbeit ist dafür der beste Beweis. Die gouvernementale Jugendpflege im Sumpfe. Vor eiiliger Zeit brachte die gesamte regierungstreue Presse in Elsaß-Lothringen— wie übrigens auch sonst im Reiche— fulminante Aufrufe zur Förderung der Jugendpflege im bürgerlich- patriotischen Sinne: Elsaß-Lothringischer Jugendbund sollte die neue Gründung heißen, und unterzeichnet waren die Aufrufe, von dem kaiserlichen Statthalter Grafen von W e d el und anderen ton- und maßgebenden Persönlichkeiten der regierenden Welt des ReichSlandeS. Jetzt sieht sich dieselbe Regierungspresie genötigt, einem Notschrei der offiziösen „Süddeutschen Reichskorrespondenz" Raun, zu geben, der das unzweifelhafte Fiasko der neuen Gründung konstatiert. Zunächst wird darüber geklagt, daß der„aus Anregung der Regierung" gegründete Verband zur Förderung der Jugendpflege uilter einem Gegensatz aus konfessionellen Gründen zu leiden habe: gegenüber den an der Spitze der Verbandsgründung stehenden Führern der Pfadfindervereine, die-Sonntags zu ihre» Ausflügen manchmal so früh aufzubrechen pflegen, daß es den jungen Leuten nicht immer möglich ist, vorher die Messe zu besuchen, werde neuerdings, zumal in Lothringen, die feste Forderung gestellt. katholische Wandervereine nach dem Muster dieser konfessionell neutralen zu bilden. Die„Süddeutsche Reichs- lorrespondenz" klagt bitter darüber, daß die konfessionellen Gesichts- punkte aus diese Weise trennend wirken. Noch interessanter ist der fvlgende Noischrei des offiziösen Organs: „Dann aber macht sich unter den Lehrern des Reichs- l a n d e S eine Bewegung geltend, sich nicht an der Jugend- Pflege zu beteiligen. In Preußen soll festgestellt worden sein, daß unter IS 000 ausgebildeten Jugendpflegcrn etwa 10000 Volksschullehrer waren gegenüber nur 214 Beamten und 182 Geistlichen. In Elsaß-Lothringen würde sich bei ungestörter EntWickelung das Verhältnis auf die Dauer wohl nicht anders gestellt haben. Unter den Kämpfen um die Verbesserung der Lage sind die elsaß-lothringischen Lehrer aber so erbittert geworden, daß ihre Erwartungen sich nicht so schnell erfüllen wollen, daß sie den R u f ausgeben, keine neuen Ehren- ämter zu übernehmen, bis ihren Forderungen eine ent- sprechende Erfüllung geworden ist. Dringt daS durch, so kann die Ausbreitung Der Jugendpflege, namentlich in den kleineren Gemeinden nicht unloesentlich erschwert werden. Denn dort ist der Lehrer sehr häufig die einzige Person, die geeignet ist, daS Amt eineS Jugendpflegers zu übernehmen." Daß die reichsländischci» Lehrer schon aus wirtschaftlichen Beweggründen dem Rufe der Regierung zur Erfüllung dieser gouvernemeutal-patriotischen Aufgaben außerhalb des Schul- d i e n st e s skeptisch oder direkt ablehend gegenüberstehen, ist begreiflich: gerade die Regierung gibt sich in Elsaß-Lothringen a n, wenig st e n Mühe, die Lage der Lehrer im Lande so zu bessern, wie die Lehrer dies seit Jahren— auch zu Zeiten des seligen LaiidesauSschnsseS— mit Recht verlangen. Die im laufenden Jahre von der Regierung im neuen Landtag ein- gebrachte Lehrerbesoldungsvorlage ist so lächerlich unzulänglich, daß alle Parteien sie ablehnen und die Budget- kommission der Zweiten Kammer einstimmig beschloß, daß nur etwas ganz Neue» an ihre Stelle gesetzt werden könnte. In unserem materialistisch gerichteten Zeitalter müssen halt auch die Lehrer zur Ueberzeugung kommen, daß man von schönen Ausrufen und Versprechungen der Regierenden allein nun einmal nicht leben kann. In gewissen Kreisen außerhalb deS Lehrcrstandes will die nationale Begeisterung doch auch bezahlt sein! Staatserhaltende Tektgelage auf Gemeiudekosten. Bei der letzten Stadtverordnetenwahl in der westfälischen Kreis- stadt Minden wurden zum erstenmal sozialdemokratische Stadt- verordnete gewählt. Sie konnten aber ihr Amt nicbt antreten, weil man plötzlich„entdeckte", daß die bisher stets übliche Ausschreibung der Wahl nicht den gesetzlichen Vorschristen entspreche. Bei der darauf „richtig" ausgeschriebenen Wahl siegten die gemeinsamen bürger- lichcn'Gegner auf Grund eines mit beispielloien Mitteln geführten WahlkampfcS.___ M Daß die Herren im Mindener Rathause Ursache haben, die An- Wesenheit einiger sozialdemokratischer Heckte in ihrem Karpfeitteiche zu scheuen, das läßt sich»ach den Mitteilungen begreifen, die in der jüngsten Sitzung notgedrungen gemacht werden mußten. Der sozialdemokratische Wahlverein Minden-Liibbccke hatte die Anfrage gestellt, was die Stadt zu tun gedenke, um die BefngniSüberschreitung zu ahnden, die sich eine Anzahl Stadtverordneter bei dem letzten Schützenfeste anläßlich des sogenannten KönigsessenS durch die Ausgabe von Seklgutscheinen erlaubt halte. Der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher Rechtsanwalt Borries bestritt zunächst dem sozialdemokratischen Verein die „Legitimation" z» der Anfrage; er mußte aber im übrigen zugebe», daß mit den im Etat als„Ausgaben für das Freischießen" festgelegten Mitteln auf Kosten der«llgemcinheit seit Jahren unerhörter Miß. brauch getrieben worden ist. Zu den» Schützen-Festessen ladet die Stadt etwa hundert Ehrengäste ein. Nur die Mitglieder der städtischen Kallegicn zahlen je 10 M. für die Teilnahme. Ans jeden, Platz eines städtischen Vertreters liegen F r e i b o>, s für Wein und Sekt, die von diesen auszufüllen sind und nachher von der S t t» d t l a f s e e i n g e l ö st werden. Wie nun festgestellt worden ist, hat eine Anzahl Stadtverordneter— wohl der vierte Teil— das „übliche Maß" ganz bedeutend überschritten, so daß einzelne Herrew Bons bis zu 14, 17, 20, 30, ja 35 Flaschen Sekt aus- gestellt haben. Die Sache ist untersucht worden. Man hat„an- genommen", daß die Schuldigen«in gutem Glauben an einen tatsächlich nicht bestehenden allgemeinen 0) Brauch" gehandelt haben. Wie Herr v. Vorries weiter mitteilte, ist den Herren kein Zweifel darüber gelasien worden, daß ihr Vorgehen als ein grober Unfug zu bezeichnen sei. Die Herren sahen sich ge- nötigt, einen entsprechenden Betrag an die Stadtkasse zurück zu zahlen. Damit soll die Sache erledigt sei. Die Herren, die in eklatanter Weise gezeigt haben, daß ihnen die zu ihrem Amte unentbehrlichen Onalitäten durchaus fehlen, bleiben im Stadtverordnctenkollcgium, und die Arbeitcrvertreter bleiben draußen— wenigstens bis zur nächsten Wahl. kUlUancl. Die revolutionäre Flotte. Paris, 17. August. Der Petersburger Korrespondent des „TemPS" meldet über die Verhängung des Be- l a ge r u n g s z u st a n d e s über Kronstadt: Erst heute früh haben die Zeitungen die diesbezügliche Verordnung des Militärgouverneurs von Kronstadt, des Vizeadmirals Wiron und des Kommandanten der Festung General Mikolonsko der- öffentlicht, obwohl die Verfügung bereits vom 14. August d. I. datiert ist. Ihre Veröffentlichung ist offenbar durch die Ankunft des französischen Ministerpräsidenten auf dem Kreuzer „Conde" zurückgehalten worden. Die Ursache dieser un- erwarteten Verfügung ist noch nicht bekannt und erregt all- gemeines Aufsehen. Man muß annehmen, daß sie für die jetzt eingetroffenen russischen Kriegsschiffe, deren Mannschaften als hoch st unsicher gelten, er» lassen worden ist. Die von feiten der Behörden gegebenen Erklärungen sind so konfus, daß man aus ihnen nichts her- leiten kann, doch scheint es, als wenn die Maßnahme als Vorsichtsniaßregel gegen den geplanten Auf st and der Mannschaften der Flotte gatroffen worden ist. Marokko. Berschlechternng der Lage im Süden. Tanger, 17. August. Die Lage in, Süden ist wenig zu- frieden st eilend. El Hiba steht noch in der Nähe von M a r r a k e s ch. Kaid Mtugi hindert in keiner Weise den Anmarsch des Prätendenten, dessen Annäherung ernste Unruhen hervor- rufen wird. Die Europäer, mit Ausnahme des französischen Konsuls und Vizekousuls, haben die Stadt verlassen. El Glau» erklärte, er werde die Ordnung sicherstellen, aber man weiß nicht, ob er den Einmarsch des Prätendenten verhindern wird. Diese Schwierigkeiten machen die im Augenblick schon kritische Aufgabe deS General- residenten noch mühsamer. Die Unmöglichkeit, Truppen auszusenden, um El Hiba zurückzutreiben, dürfte die Beruhigung des g a n z e n L a n d e s v e r z ö g e r n. China. Eine Militärrevolte? Peking, 17. August. Verhaftungen der Hupe-Generale am vergangenen Donnerstag abend haben in der Stadt große Er- regung hervorgerufen. Die Generale waren, ohne ihr« Persönlich- leiten zu verheimlichen, von Hankau in Peking eingetroffen. Zwei von ihnen, welche die Anstifter der Oktoberrevolution in W u t s ch a n g waren, wurden sofort erschossen, nachdem sie einem kurzen Kriegsgericht unterstellt worden waren. Die anderen wurden in Ketten gelegt und nach Hankau zurück- gebracht. Es hat den Anschein, als ob der Präsident der Re- publik von dem General Li-Duan-Hung ein Telegramm er- halten hat, in welchem mitgeteilt wird, daß die betr. Offiziere an einer neuen Revolution arbeiten. Die Verhaftung der Generale erfolgte so schnell, daß die Offiziere gar nicht daran denken konnten, sich durch Flucht zu retten, Amerika. Die Enteignung der landtvirtschaftlicheu Bevölkerung. Schon nach dem ZensuS von 1900 gab eS in den Vereinigten Staaten nur 8 Staaten und Territorien, wo die Hälfte der Bevölke- rung im eigenen Hein, wohnte, alle im Westen und dünn bevölkert. In 13 war es ein Viertel und weniger, alle im Osten und dicht bevölkert, New Aork zählte nur 18, New Jersey, Rhode Island, der Distrikt Columbia gar nur 15 Proz. Heimeigner. Im riesigen Texas mit feinen Millionen Ali�s brachliegenden Landes wohnten nur 36 Proz. im Eigenheim. Seitdem ist diese EntWickelung mächtig vor- angegangen. Gleichen Schrittes mit dem Steigen des Bodenwerts hat das P a ch t s y st e m sich ausgedehnt. 1310 zählte man bereits 3 l/2 Millionen Pächter. In, jüngsten Staat Oklahoma gab es 1300 47 250 Pächter, 44 Proz. aller Farmer, 1310 aber 104 100---- 55 Proz. M i f f i« f f i p p i, von alters ein Land des Großbesitzes, wo cS 1880 schon 44 Proz. Pächter gab, hat nun 66 Proz.; in einigen Bezirken, ent- sprechend der B a u m w 0 l l k u l t u r, bi» zu 3 4 P r 0 z. I Ebenso in Georgia, Süd-Carolina und andere Südstaaten. Selbst in Texas waren eS 219 600(+ 45 000)— 53 Proz. der Farmer. Je wertvoller das Prodult, um so geringer die Zahl der Eigen- bcsitzcr. Das gilt auch in, Norden mit feinen steigenden Boden- preisen. Wie Nat. G. Hardt, dazu im„Appeal to Reason" sagt, bedeutet steigendes Pachtfhstein steigenden Raubbau sowohl am Boden wie an Menschenkrast. Verurteilung der Mehrheit der Land« bevölkerung zu Not und Elend: einen der schlimmsten Flecken auf der amerikanischen Zivilisation, dessen Beseitigung sich allein die sozialistische Partei zum Ziel setzt. Hirn Induftric und Fjandel. Das Hypothckengeschäft der BersicherungSgesellschaften. Der soeben erschienene Geschäftsbericht des kaiserlichen Aufsicht»- anites für Privatversichcrung enthält über die VersicherungS- cntwicklung des Jahres 1311 ein außerordentlich reichliches Mater, al. Die Jahresberichte deS AmtcS sind, ganz abgesehen von der Be- deutung deS VersicheruiigsgesckäfleS an sich, auch deswegen von hohem Werte, weil ja die Versicherung auch in andere Zweige des wirtschaftlichen L-beus hiuciureicht. weil sie besonders auf dem Darlehusniarkte eine außerordentlich große Rolle spielt. Bon den DarlehnSgewährungen der BersicherungSgesellschaften sind in den letzten Jahren die Gruudstückskrediticnmgen bezw. die Hypotheken für die Beurteilung der Lage deS GrundstückSkredits von de», größten Interesse. Hier verdient-ine vergleichende Statistik vornehmlich Be- achtung, die ein Bild über die in de» Jahren 1310/11 von den Versicherungsunternehmungen auf inländische städtische Grundstücke gewährten Hypotheken nach dem Ertrage gibt. Wir geben in folgendem diese Statistik mit ihren Haiiptzrffer» wieder ffn 1000 SR)': 1910 Proz. der Gesamt« 1311 Proz. der Gesamt- darleihungen darleihungen 4 Proz. 33126 26,48 28 268 7.20 4'/». 132 870 35,50 128 338 32,85 4Vi„ 105 562 28,20 160 393 40,85 4'/-, 8 247 2,20 19 499 4,97 43/.„ 10 443 2,79 23 950 6,10 41/3„ 9 842 2,63 12 045 8,07 Die Statistik zeigt, daß sich die BeleihungSbeträge. was die tinssätze angeht, gegen das Vorjahr erheblich verschoben haben. >er Betrag 4prozentiger Hypotheken ist von 93,1 Millionen Mark auf 28,2 Millionen Mark zurückgegangen, dagegen weisen die �'/«prozentigen Hypotheken eine sehr erhebliche Steigerung auf. Daraus geht hervor, daß die Hypothekennachfrage auf den, G r u n d st ü ck s m a r k t e im Jahre 1911 viel größer gewesen ist als im Jahre 1910, und daß die VersicherungS- gesellichasten die für sie günstige Situation ausgenützt haben. Für die Gesellschaften bedeutet das natürlich eine nennenswerte Erhöhung der Einnahmen. Die folgende Statistik gibt ein Bild über die Ver- teilung der Hypothekendarlehen nach Landesgebieten. Auch ist der Zinsfuß und die Provision für die verschiedenen Gebiete ein- bezogen. Oertliche Lage Zahl Betrag zsnsfuß ��r!vffi°n Berlin... 396 102 243 000 4,200 0,749 Vororte von Berlin.. 632 137 150 000 4,209 1.010 Sonstiges Preußen. 1 061 75 233 000 4,241 0.623 Bayern.. 118 8 332 000 4,274 0,695 Sachsen.. 173 21033 000 4,178 0,673 Württemberg 510 22 771 000 4,224 0.095 Baden... 143 8 033 000 4,221 0,366 Hessen... 22 682 000 4,243 0.507 Hansestädte. 236 14 721 000 4.187 0.439 Sonstiges Deutschland 76 2 382 000 4,256 0.596 Ausland.. 53 15 917 000 4.165 1.022 Auffällig ist der hohe Betrag, der auf die V 0 r 0 r t e von Berlin entfällt, sie haben in, Jahre 1911 für rund 187 Millionen Mark Hypotheken erhalten. Sie haben entschieden das stärkste Hypothekenbedürfnis in Deutschland überhaupt. Allerdings ist auch gerade dort der GrulidstückSn,arkt am unsolidesten. Städtische Fleischverkäufc. In Ilmenau i. Th. sind seit 1911„städtische Fleischverkäufe" abgehalten worden. Ueber die gemachten Erfahrungen hat der dortige Bürgermeister, Dr. Zachäus, der Zentralstelle des Deutschen Städtetagcs folgendes berichtet:„DaS Großh. Staatsministerium zu Weimar verhandelte Ende 1310 mit Vertretern der Stadt- gemeinden, der Landwirtschaftskammer, der Handelskammer, der Handwerkskammer und der Fleischerinnungen über Matznahmen zur Bekämpfung der Fleischteucrung. Das Resultat dieser Ver- Handlungen war, daß seitens der Staatsregierung den Gemeinden empfohlen wurde, die Fleischer ihrer Stadt zur veranlassen, den Bezug ausländischen Fleisches in ganzen Tiervierteln in die Hand zu nehmen und dieses Fleisch den Konsumenten zu mäßigen Preisen abzugeben. Falls sich diese Verhandlungen zerschlagen sollten, möchten die Gemeinden selbst den Bezug und Ver- kauf solchen Fleisches auf eigene Rechnung übernehmen.— Ilmenau defand sich auch unter den Städten, die Fleisch vom Ausland beziehen mußten, da die Verhandlungen mit den Fleischern zu tciwöm ffünffigen Resultat führten. ES bezog von Nielsen-Kopen« Hägen Ende Januar 1911 40 Zentner ausgeschlachtetes Fleisch(voll- fleischig) zum Preise von 58 bzw. 63 Pf. pro Pfund frei Bahnhof Ilmenau. DaS Fleisch wurde mit 63 Pf.(Kochfleisch) und 68 Pf. (Bratenfleisch) verkauft und fand großen Absatz. Kaufberechtigt Mir nur daSJlmenauer Publikum, dem Fleisch im einzelnen bis zu6Pfd. abgegeben wurde. Es war von vorzüglichster Güte. Der Verkauf fand in der städtischen Freibank durch den Freibank- schlächter statt. Der vorteilhafte Verkauf durch diesen brachte mit sich, daß der Stadt nur ein Fehlbetrag von 4,11 M. verblieb. Jetzt boten sich die Fleischer an, den Verkauf dieses Fleisches selbst in die Hand zu nehmen. Bei den Verhandlungen hierüber wunde der Wunsch ausgedrückt, daß sie den Verkaufepreis um 10 und 5 Pf. für das Pfund zurzeit verkauften Fleisches herabsetzen möchten. Auch diese Verhandlungen scheiterten. ES wurde die zweite Sen- dung Fleisch von 40 Zentnern bestellt und verkaust. Der Verkauf vollzog sich wie oben erwähnt und zu denselben Preisen. Der Fehl- betrag war diesmal allerdings etwas höher, er betrug rund 120 M. Die Fleischleuenung hielt an. Man beschloß deshalb, auch in diesem Jahre dänisches Fleisch zu beziehen, nachdem die Fleischer sich wiederum geweigert hatten, die Preise herabzusetzen. So wurden wie im Vorjahre 40 Zentner Fleisch bezogen und verkauft. Die Preise waren in der Zwischenzeit auch hier in die Höhe gegangen. Denn Ochsenfleisch kostete das Pfund 65 Pf., Kuhfleisch 60 Pf., ver- kauft wurde es mit 70 und 65 Pf. für das Pfund. Der Absatz' war mäßig, da über dem Verkauf selbst ein Unglücksstern waltete. Da» Fleisch kam nach der Absendung(im Februar) in Treibeis und in- folgedessen mit 8 Tagen Verspätung an. Mit dem Verkauf konnte daher nicht am Sonnabend, sondern erst am Dienstag begonnen werden. Das war ungünstig, weil mit der großen Arbeiterbevöl» kerung zu rechnen ist, die durchgängig Freitag» Lohntag hat. Ferner streikte der frühere Fleischverkäufer. Sodann stand eine umfassende längere Aussperrung in der Porzellanindustrie bevor. Auch da» wirkte ungünstig auf den Verkauf ein. Familien, die im Vorjahre 4—6 Pfund entnommen hatten, begnügten sich jetzt mit 2—3 Pfund. Die übrigbleibende Menge wurde eingepökelt und später unter dem Einkaufspreis mit 50 Pf. pro Pfund verkauft. Der Verkauf samt» lichen Fleisches zog sich 14 Tage hin. Trotz aller ungün- st igen Zufälle ist aber der Stadt ein Ueberschuß v 0 n 7 2, 6 2 M. v e r b l i.e b e n. Erwähnenswert ist die Stellung- nähme der Fleischer zu diesem Verkaufe dänischen Fleisches. Sie brachte« fast einmütig zum Ausdruck, daß sie der beabsichtigte Ver» kauf dänischen Fleisches„kalt" lasse.„Seien sie durch den Verkauf im Vorjahre nicht bankrott geworden, so würden sie ihn auch in diesem Jahre ertragen. Verdienten sie am Fleisch- verkauf nicht mindestens LS Proz., dann müßten sie hierauf überhaupt verzichten." Daß eS den Fleischern möglich gewesen wäre, mit ihren Preisen herabzugehen, ist auS der Tatsache zu entnehmen, daß ein Fleischer- meister und ein Viehhändler sich erboten. Fleisch von hier geschlachtetem fetten Rindvieh mit 64 Pf.(ohne Uebernahme der Schlachtgebührcn usw.) und mit 67 Pf.(bei Uebernahme der Ge- bühren) der Stadt zur Verfügung zu stellen. Der Prei» war aber immer noch um rund L,65 M. pro Zentner höher als bei de» dänischen Fleische», weshalb von diesem Angebot abgesehen wurde. Auch wegen diese» Fleischverkaufes Wendete sich die Fleischerinnung beschwerdeführend an die Handwerkskammer, die aber beschloß, irgendwelche Maßnahmen nicht zu unternehmen." Kommunale Gemüsezucht. In Budapest, der Hauptstadt Ungarn». wurde dem Magistrat der Borschlag unterbreitet, eine städtische, ge« meinlchaftliche Gemüsezucht einzurichten, u», der enormen Steigerung der Gemüsepreise die Spitze zu brechen. CS müfle dafür ein große» Terrain in Gebrauch genommen werden. Der Vorschlag, der mit allen GelddelailS auSgcarbritet ist, wurdt dir Finanzkommission üherwiesea. Arbeiter, verweigert den Agrariern den Scbnapstribut! Gcwerkfcbaftlicbea. Der Scharfmacherverband gastwirtschastlicher Unternehmer. Bei dem andauernden Geschrei über den angeblichen„Ter- rorismus der Gewerkschaften" scheint es recht ange- bracht, das reichhaltige Material über den Unternehmerterror zu sammeln und an die Oeffentlichkeit zu bringen. In Verlegenheit gerät man dabei nicht. Zu dem Vielen, das wir in der letzten Zeit darüber gebracht, heute ein neues Beweisstück— diesmal aus dem Ga st Wirtsgewerbe. Wir hatten seinerzeit schon mitgeteilt, daß ein sogenannter .Jntercssenverband des Ga st Wirtsgewerbes" zu- stände gekommen sei, der nach seinen eigenen Angaben den Zweck haben sollte,„dauernde friedliche Verhältnisse zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern her beizuführc n". Wie der Unternehmerverband, dessen Vor sitzender, der Generaldirektor des„Zentralhotel" Herr E l k a n. diesen löblichen Zweck zu erreichen gedachte, zeigte sich bei den vcr� schiedenen Lohnbewegungen der gastwirtschaftlichen Angestellten: Gänzliche Unterdrückung der Organisation und Beseitigung des Koalit,onsrcchts— sollte das Mittel sein, den«Frieden" herbei zuführen. Aber den Scharfmachern genügt es nicht, ihre Macht gegen die .Gehilsen zu richten, mit noch größerem Terror wenden sie sich gegen ihre eigenen Kollegen. Das ist ersichtlich aus dem Statut des Scharf machcrverbandes, das uns jetzt vorliegt. Auf fällig an den Bestimmungen des Statuts sind die sehr hohen Beiträge und die sehr scharfen Bedingungen in bezug auf den Austritt, Hinterlegung von Kaution usw. Der§ 12 regelt die Beitragsleistung. Danach haben Einzelmitglieder ein Eintritte geld von 10 M. zu zahlen. Die Beiträge sind abgestuft nach der Zahl der von dem betreffenden Unternehmer beschäftigten Personen Unternehmer, die bis zu 30 Personen beschäftigen, haben 30 M., die bis zu 600 Mitglieder pro Kopf je 1 M. Beitrag zu leisten. Bei einem Pcrsonalstand von über S00 Personen wird dann für die über 500 pro Kopf 50 Pf. bezahlt. Außer Einzelmitglicdern sind auch Vereine zum Beitritt zugelassen. Diese haben bis zu 100 Mitgliedern 60 M., über 100 Mitglieder 120 M. Beitrag zu zahlen. Die Saisongeschäfte unterliegen der Schätzung der betreffenden Gruppen. Nach§ 13 entfällt auf je 30 M. eine Stimme. Der Austritt ist nur durch eine schriftliche Kündigung mit einer Frist von drei Monaten angängig. Vor dem 31. Dezember 1914 ist der Austritt überhaupt unzulässig. Den Machern des Jntcressenvcrbandes scheint es um ihre Mitglieder doch etwas bänglich zu sein, er bindet sie sofort auf beinahe 3 Jahre. Ist das etwa kein Terrorismus? In dem Rahmen dieser»Z w a n g S- organisation paßt daS in Z 6 festgelegte Strafverfahren gegen unbotmäßige Mitglieder ganz vortrefflich hinein. Es sind vorgesehen: 1. Verweis ohne Bekanntgabe an die Mitglieder des Vereins. 2. Verweis unter Bekanntgabe an die Mitglieder des Vereins. 3. Eine Geldstrafe bis zur Höhe des zehnfachen Jahresbeitrages. Der Anspruch auf Erfüllung der Satzung und auf Ersatz weiteren Schadens bleibt außerdem noch vorbehalten. Damit der Eingang dieser Strafe auch gesichert sei, hat jedes Mitglied dem Vorstand den zehnfachen Jahresbeitrag einzusenden. Den Mitgliedern ist es strengstens untersagt, mit der Organi- sation der Gehilsen zu unterhandeln, und in mehreren Fällen der letzten Zeit ist es zu Arbeitsniederlegungen gekommen, nur, weil der betreffende Unternehmer als Mitglied des„Jnteressenverbandes" nicht verhandeln, geschweige denn bewilligen durfte, bei Strafe des KautionLverlustes. Nur mit eisernem Zwange, Kon- dentionalstrafen, Boykott, Materialsperre usw., können die Scharf- macher die verschiedenen Interessengruppen des Unternehmertums zusammenhalten. Mögen dabei Existenzen zugrunde gehen, die Großen halten eS aus. Die Kleinen bilden daS„Kanonenfutter". Im übrigen ist es auch ein gutes Mittel, die Konzentration des Kapitals im Gewerbe zu beschleunigen. Aber Terrorismus ist das alles beileibe nicht— wenn eS Unternehmer tun. Wenn sich eine Arbeiterorganisation dergleichen er- tauben würde, dann kann man nicht laut genug darüber schreien. Lerlln und Qmgegend. Ablauf des Malertarifs. Am 15. Februar 1913 läuft der seit Januar 1910 gültige Reichstarif für das Maler- und Anstreichergewerbe ab. Auf der vorjährigen Generalversammlung des Verbandes in München konnte der Vorsitzende T o b l e r konstatieren, daß schon nach ein- jährigem Bestehen des Reichstarifs eine Wandlung in der Auf- fassung der Mitglieder eingetreten sei. Die gehegten Befürch- tungen und die Abneigung gegen den Reichstarif hatten schon da- mals einer ruhigeren Würdigung der durch ihn geschaffenen Ver- Hältnisse Platz gemacht. Zur Durchführung der Lohnbewegung bei Ablauf des ReichStarifs hatte die Generalversammlung in München einige vom Verbandsvorstand vorgeschlagene Matznahmen gut- geheißen, nach denen in erster Linie die Aufstellung der Forderungen durch die Mitglieder in den Filialen zu geschehen hat. Die Filiale Berlin hat jetzt in zwei Versammlungen Stellung zum Tarifablauf genommen. Gegen wenige Stimmen wurde der Erneuerung des Reichstarifs im Prinzip zugestimmt. Es wird aber eine Verkürzung der Arbeitszeit auf wöchentlich 51)4 Stunden gefordert, und zwar mit der Maßgabe, daß die täg- liche Arbeitszeit 8)4 Stunden, an Sonnabenden 8 Stunden betrage. Als Nachtarbeit sollen die Stunden von 5 Uhr abends bis 7 Uhr morgens gelten. Dem verteuerten Lebensunterhalt entsprechend wird eine Lohnerhöhung von 10 Pf. pro Stunde gefordert. Hiernach würde der Stundenlohn betragen für Gehilfen über 20 Jahre 85 Pf., für Gehilfen unter 20 Jahre und für Anstreicher 76 Pf. Die Bestimmung, daß im ersten Jahr« nach beendeter Lehrzeit die Festsetzung des Lohnes der freien Vereinbarung unter- liegt, soll gestrichen werden. Außerdem werden noch verschiedene Aenderungen und Streichungen bei den Lohnklauseln verlangt. Das Fahrgeld soll auf jeden Fall vergütet werden, wenn zur Er- reichung der Arbeitsstelle außerhalb des Tarifortes die Eisenbahn benutzt werden mutz. Ein Antrag, Akkordarbeit tariflich zu unter- sagen, wurde mit der Begründung abgelehnt, daß sich dies zurzeit noch nicht durchführen lasse. Dem Antrag, wenigstens für glatte Arbeit feste Aklordpreis« festzusetzen, wurde entgegengehalten, daß schon eine feste Norm bestände, wonach jeder Gehilfe sich richten könne. Betreffs der Lohnzahlung wird verlangt, daß diese an den Arbeitsstätten zu erfolgen hat und mit Arbeitsschluß beendet sein muß. Eine Kündigungsfrist soll ohne Ausnahme ausgeschlossen sein. Die Bestimmungen des§ 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs sollen tariflich nicht als ausgeschlossen gelten. Ebenso wird eine Aufhebung des Verbotes der Agitation an den Arbeitsstätten ver- langt. Garderobcnräume sollen auf keinen Fall als Farbenaus- bewahrungsraum dienen. Für Waschgelegenheit, Seife, Bürste und Handtuch soll gesorgt werden, lieber die Errichtung paritätischer und obligatorischer Arbeitsnachweise herrschte in der Versammlung noch eine geteilte Meinung. Die Gegner führten an, daß bei der momentanen Zersplitterung der Arbeitgeber in verschiedenen In- nungen, die zum Teil ihren eigenen Nachweis haben und behalten wollen, sowie auch aus anderen Gründen der obligatorische Nach- weis noch nicht seinen Zweck erfüllen würde. Auch könne ohne eine Arbeitslosenunterstützung nicht jedem Gehilfen zugemutet werden, so lange zu warten, bis er durch den Nachweis Arbeit erhalte.— Die Befürworter betonten demgegenüber, daß durch die obliga- torische Benutzung die Arbeitsvcrmittelung schneller vonstatten gehen würde. Der obligatorische Arbeitsnachweis sei aber beson- dcrs für Berlin eine Notwendigkeit, um dem unwürdigen Mißstand ein Ende zu bereiten, daß Scharen von Gehilfen sich auf den Bauten einfinden, um wegen Arbeit nachzufragen. Die Forderung eines obligatorischen Arbeitsnachweises wurde denn auch zum Beschluß erhoben. Die Bermittelung muß in der Reihen- folge der Eingetragenen erfolgen. Der Tarif soll wieder auf drei Jahre abgeschlossen werden. Die in den Filialen gestellten Abänderungsanträge werden nunmehr der Bczirkskonferenz zur Beschlutzfassung unterbreitet werden. Die Bezirkskonferenz wählt dann einen Ausschuß, welcher in Verbindung mit den Bezirksleitern und Vertretern des Ver bandsvorstandcs und des Verbandsausschusses über alle vor und nach den Tarifverhandlungen zu beobachtenden Matznahmen zu beschließen hat._ Die Holzbildhauer beschäftigten sich in zwei Versammlungen, deren letzte am Freitag stattfand, mit der Frage, in welcher Weise die zurzeit herrschende sehr günstige Konjunktur im Interesse der Kollegen ausgenutzt weden könne. Die Meinungen der Redner waren geteilt. Die einen wünschten, daß eine Lohnerhöhung er- strebt werde, während die anderen eine Verkürzung der Arbeitszeit für notwendig hielten. Schließlich wurde ein Antrag angenommen. welcher besagt, daß weitere Schritte zur Erringung des Achtstunden- tages getan werden sollen. Diese Forderung soll nunmehr propa- giert werden._ Zur Tabakarbeiterbewegung in Groh-Berliu. Die Sperre bei dem Zigarren fabri kanten Gustav Becker in Neukölln, Jnnstr. 29, bleibt besteben. Arbeiter! Raucherl Achtet bei Euren Zigarreneinkäufen auf die grünen Plakate unterzeichnet mit Alwin Schulze. Der Vertrauensmann. tlchtuns, TSpfer! Die Firma Kasimir Kowalski, Schönhauser Allee 69, welche zurzeit wieder in Borsigwalde, Schubartstraße» einen Bau ausführt, ist immer noch als gesperrt zu betrachten, da sie noch 300 M. Restlöhnc zu zahlen hat. Die Vcrbandslcitung. Dtutfches Reich. Entweder Streikbrecher— oder ins Arbeitshaus. Bei einem vor kurzer Zeit beendeten Streik der Leitergerüst- bauer in Essen gelang es den Streikenden, die Arbeitswilligen zum Anschluß an den Streik zu bewegen. Einer von diesen Arbeitern bekundet folgenden Vorgang: Er sei von der Polizei festgenommen worden, weil man ihn im Verdacht hatte, arbeitsscheu zu sein. Auf dem Essener Polizeipräsidium sei ihm von dem Kriminal- s ch u tz m a n n/ der ihn verhörte, die A b s chi e bu n g ins Arbeitshaus angedroht worden. Der Beamte ließ, auf die Widerrede des Arbeiters, der beteuerte, sich wohl um Arbeit bc- müht, aber keine gefunden zu haben, durchblicken, daß es doch ge- nügcnd Arbeitsgelegenheit in Essen gäbe. Er nannte dabei die drei bestreikten Leitergerüslbaufirmcn und schrieb ihm die Adressen der Firmen auf einen Zettel. Der Beamte machte dann die Bemerkung, daß, wenn der angeblich Arbeitsscheue dort in Arbeit trete, die Unterbringung in ein Arbeits- haus nicht stattfinden würde, andernfalls sollte er sich am andern Tage zur bestimmten Zeit im Zimmer Nr. 107 des Polizeipräsidiums wieder einfinden. Der Arbeitswillige, der diese Begebenheit der Verbandsleitung vortrug, übergab derselben als Beweis für die Wahrheit seiner Behauptung einen aus dem Polizei. Präsidium stammenden Zettel, der die erwähnten Adressen und den Namen des Beamten sowie die betreffende Zimmernummer enthielt. Ob der Kriminalschutzmann im höheren Auftrage oder aus eigenem Antriebe handelte, ist aus der Tarstellung nicht ersichtlich. Wie dem aber auch sein möge: Für den Arbeiter, dem die Einsper- rung ins Arbeitshaus in Aussicht gestellt wird, falls er nicht zum Streikbrecher werden will, ist ein solches Entweder— Oder von derselben Wirkung wie eine Erpressung. Eisenbahnarbeiter als Streikbrecher kommandiert. In einem Essener SpeditionS- und Fuhrbetrieb befinden sich die Fuhrleute und Kutscher seit über eine Woche im Streik. Die Bemühungen der Firma, Arbeitswillige zu bekommen, waren bisher wenig erfolgreich. Da griff die Eisenbahndirektion, die sich in letzter Zeit durch Maßregelung von organisierten Arbeitern und Beamten unrühmlich bemerkbar gemacht hat, der bestreikten Firma unter die Arme. Sie stellte Rottenarbeiter, die obendrein nicht einmal fahren konnten, zur Verfügung. Wie diese bekundeten, seien sie gezwungen worden, diese Arbeik zu verrichten. Bei ihrer Weigerung wären sie zweifellos entlassen worden.— Terrorismus der schlimmsten Art. Die Zigarrenarbeiter in Schönlanke(Provinz Posen) fordern eine geringe Erhöhung der Lohnsätze. Der bisherige Lohn für die billigste Sorte beträgt 2 M. für Wickelmachen, 4,25 M. für Einrollen und 60 bis 05 Pf. für Sortieren. Es wird deshalb gefordert: 2,50 M. für Wickelmachen, 5 M. für Einrollen und 75 Pf. für Sortieren. Gewiß eine sehr bescheidene Forderung. Aber die Fabrikanten lehnten sie ab. Verhandlungen hatten keinen Erfolg. Die Arbeiter waren des- halb genötigt, bei den Fabrikanten EckerSdorf u. Rosenberg. H. Grünbaum, A. Will u. Söhne in den Streik zu treten. Di« Tabak- arbeiter richten aus diesem Anlaß erneut daS Ersuchen an die Händler und Konsumenten, ihren Bedarf auS solchen Bezugsquellen zu decken, wo die Forderungen des TabakarbeitervcrbandeS anerkannt werden. Ausland. Die Angst der rusfische» Regierung vor den Eisenbahn- arbeitern. Keine einzige Arbeiterkategorie isi von dem Wüten der Reaktion so betroffen worden, wie die Eisenbahnarbeiter und Angestellten. Und das ist leicht begreiflich. Die Regierung kann es heute nicht vergessen, daß eS in erster Linie die grandiosen Sisenbahnerstreiks deS JahreS 1905 waren, die sie damals zu Konzessionen zwangen. Nach Niederwerfung deS Dezemberaufstandes feierte die Reaktion .mich auf den Eisenbahnen ihre blutigen Triumphe, warf sie Taufende Eisenbahner auf die Straße und noch heute finden sich Nachklänge dieses Wüteiis in Form von Prozessen, die gegen die Teilnehmer dieses Streiks angestrengt worden sind. ES schien nun. daß die Re- gierung sich damit zufrieden geben könnte. Weit gefehlt. Trotz ihrer äußeren Erfolge fühlt sie, wie unsicher und schwankend ihre Lage ist. und versucht deshalb immer neue Mittel, um künftige Volksbewegungen schon im Keime zu ersticken. Vor einigen Jahren schon rüstete sie eine Reihe gepanzerter Eisenbahnzüge aus. die die„Ordnung" aus den Bahnlinien nötigenfalls wieder herzustellen haben. Und jetzt wird in Negierungskreisen eifrig diskutiert/ daß die Organisierung von Streikbrecherkolonnen auf den Eisenbahnen notwendig ist. AuS Arbeitern der Eisenbahnwerkstäiten sollen spezielle Kolonnen g«. bildet werden, die die„Ordnung" aus den Bahnen zu wahren haben und aus Augestellten aller Eisenbahnbetriebe soll ein so- genanntes.Exploitationskorps" gebildet werden, das die„Moral und daS Pflichtgefühl" der Eisenbahner beben und als Schutz Lckdantw. Redakteur: Albert Wach». Berlin. Inseratenteil verantw.: TH.Gl»ckc. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchdr.u VerlagSanstalt Paul Singer Sc Co.. Berlin SW. wall gegen die Revolution dienen soll. Die Reptilienpresse und vor allem der RegierungSmoniteur„Nowoje Wremja" begrüße» natürlich das neue Vorhaben der Bureaukratie mit Entzücken: „Gegenwärtig geben die Bahnen jährlich drei Millionen Rubel für Wachmannschaften aus," schreibt Menschikoff in der„Nowoje Wremja". „Wird aber das Exploitationskorps gebildet, dann bedarf man dieser Wachmannschaften nicht mehr." Die Eisenbahnen sind ein neuer Faktor in der Geschichte der Revolution geworden, und daS Jahr 1905 hat gezeigt, wie wichtig eS für jede Regierung ist, sich die Herrschaft über sie zu sichern. Da die Eisenbahnangestellten dieselben geblieben sind und die revolutionäre Gärung unter ihnen bloß latente Formen angenommen hat, so ist eS klar, daß die Negierung jetzt entsprechende Maßregeln ergreifen muß. Mit anderen Worten: die Zukunft Rußlands, die Existenz der Regierung hängt von den geplanten Streikbrecherkolonnen auf den Bahnen ab. Es fehlt bloß eine Kleinigkeit— die Arbeiter, die sich dazu hergeben würden, Polizei- und Streikbrecherdienste auf den Bahnen zu leisten und gegen die kompakte Masse der Eisenbahner vorzugehen. DaS erkennt sogar derselbe Menschikoff an.„Man bat ein ausgezeichnetes Projekt ersonnen, aber leider zu spät!" schließt qr melancholisch und empfiehlt, alle diejenigen Personen auS dem Dienst zu entlassen, die, durch„hohen Posten und Orden" ge- schützt, ein revolutionäres Korps auf den Bahnen herangebildet haben. Zu spät! Denn nicht liberale„höhere Angestellte"— wie eS der reaktionäre Autor meint— organisieren die Massen der Eisenbahner, sondern klassenbewußte Arbeiter, die schon 1905 ihren Mann gestanden haben und auch in Zukunft ihren Posten behaupten werden. Schuhmacherstreik in Leitomischel(VShmen). Die Arbeiter der mechanischen Schuhfabrik Lederer u. Adler in Leitomischel(Böhmen) befinden sich im Streik wegen Reduzierung der Löhne und Maß- regclung des Vertrauensmannes. Da die Firma ibre Agenten nach Deutschland schickte, um Arbeitswillige zum Maschinenbetrieb zu suchen, so werden die Kollegen ersucht, den Werbungen der Agenten nicht zu folgen._ Streik der Strastenbahner i« Lausaune. Lausanne, 17. August.(Eigenes Telegramm deS„Vorwärts"� Die Straßenbahner sind hier heute morgen in Streik getreten wegen Maßregelung ihrer Vertrauensleute. Die Verwaltung der Straßenbahn hat in der üblichen Weise, statt auf die Wunsche der Angestellten einzugehen, die Wortführer derselben kurzerhand ent- lassen. Der Verkehr auf der Straßenbahn ruht v o l l st ä n d i g._ Warnung vor Arbeitsangeboten nach Finnland. Bei Kymi, einer der größten Papierfabriken in Finnland, kam es am 13. Juli zum Streik, der noch nicht beigelegt werden konnte. Die Einigkeit und Ordnung unter den Streikenden ist vollständig und die Aussichten auf einen glücklichen Ausgang groß, deirn die Firma hat keine Streikbrecher im Lande finden können. Gegen- wärfig sollen Agenten in Teutschland herumreisen, um 200 beruf»- kundige Streikbrecher anzuwerben. Die deutschen Arbeiter werden dshalb vor Arbcitsannahme nach Finnland gewarnt. £ctztc Wachrichtcti. Türkisch-italienische Fricdensverhandluugeu. Konstantiaopel, 17. August.(W. T. B.) Hier werden von an- scheinend beachtenswerter Seite Informationen verbreitet, nach denen zwischen der Türkei und Italien nichtoffizielle Besprechungen wieder aufgenommen werden, um festzustellen, ob e» möglich ist, Gründlagen für offizielle Verhandlungen zu finden. Die albanischen Wirren. Konstantinopel, 17. August.(W. T. B.) Etwa 100 Albanesür sind in Köprülü eingerückt. Eettinje, 17. August.(P. C.)' Im Bezirk Vera»« dauert bereits seit drei Tagen das Morden, Brenne««ad Plündern der türkischen Truppen im Lcreia mit den Arnante« an der Grenz- bevölkerung fort. Hunderte Familien flüchteten auf montenegri- nisches Gebiet. Konstantinopel, 17. August.(W. T. B.) Der frühere Depu- tierte I S m a e l A e m a l, der sich in Adlons befindet, um von dort die südalbanesifche Bewegung zu leiten, ist vom Sultan dringend nach Konstantinopel gerufen worden. Veto gegen die Panamakanalbill? Washington. 17. August.(W. T. B.) Präsident Tafl«. klärte heute, er wäre sich noch nicht klar darüber, ob er die Panama- kanalbill unterzeichnen könne. Er würde frühest««» in der nächsten Woche eine Entscheidung darüber treffen. Nach der Bill sollen K üsten s ch iffe gebührenfrei sei« und Schiffe, die Eisenbahngesellschaften gehören, von der Fahrt durch den Panamakanal ausgeschlossen werden. Gegen den Kinematographentrust. New York, 17. August.(P.-C.) Die amerikanische Re- gierung hat die Absicht, einen Prozeß gegen den sogenannten Kinematographentrust anzustrengen. Dieser Trust übt augenblicklich ein Monopol über sämtliche Filmfabriken Amerika» aus. Er beschäftigt 7000 Arbeiter und weist einen jährlichen Um- satz von 600 Millionen Dollar auf. Die Russen in Perssen. TifliS, 17. August. Ueber den Vormarsch russischer Abteilungen nach Persien wird amtlich gemeldet: Oberst Tolmatscheff rückt« aus Sudschbulak gegen Reiter de? Hedschanedialistamme» vor und warf sie auf den Berg Koschedag zurück. General Fidarow überfiel auf dem Bergrücken Sawolan.unerwartet die Schahsevennen. welche der Abteilung des Obersten Tolmatscheff gegenüber eine drohende Stellung eingenommen hatten, und bemächtigte sich ihreS ganzen Lagers, In der Umgegend von Akbulak warf die dortige russische Abteilung zweihundert Schahsevennen. welche d« rufst. schen Vorposten von Akbulak abzuschneiden versuchten, zurück. Die Russen hatten fünf Tote, darunter einen Offizier, und mnen Per- wundeten. General Fidarow beabsichtigt, in nächster Zeit ein gemeinsames Vorgehen mit Tolmatscheff» Abteilung gegen die Schahsevennen in nördlicher Richtung, wenn Tolmatscheff die Hede schanedialireiterein vollständig zerstreut haben wird. Schlägerei in der Kirche. Krakau, 17. August.(P. C.) In der hiesigen Hauptpfarrkirche zu St. Maria kam es gestern während deS Gottesdienste» zu Panik- artigen Szenen. Zwei Frauen gerieten wahrscheinlich au» Eifer- sucht in der Kirche in einen Worttvechsel, der schließlich in Tat» l i ch k e i t e n ausartete. Die Kirchenbesucher bemühten sich ver- geben», die kämpfenden Frauen auseinanderzubringen und schließ- lich wurde der Skandal so groß, daß unter den Anwesenden eine Panik entstand. Alles drängte zum Kircheneingang, jedoch gelang es der schnell herbeigerufenen Polizei noch rechtzeitig, die Menge zu beruhigen und größere» Unheil zu verhüten. Die beiden Frauen wurden verhaftet. Hierzu 4 Beilage« |t. 193. 29. ZMW t AeilM des Jitmätls" Klllilin JolteM SsMllg,18.AWßt9!2. Ccucrung und kein finde! In früheren Zeiten wirkte das Wort„Teuerung" wie ein Schreckgespenst auf die Gemüter. Die Worte des Chronisten ..Und es kam eine Teuerung über das betreffende Land" er- regten das Mitleid und die Hilfsbereitschaft auch der Un- beteiligten. Galt doch ein Notstandsjahr als ein außer- gewöhnliches Ereignis, dessen Folgen man mit allen Mitteln zu beseitigen oder zu mildern suchte. Seit der Kapitalismus auf der Erde herrscht, ist die Teuerung nicht mehr ein vor- übergehendes, nur zuweilen eintretendes, von den Natur- gewalten hervorgerufenes Ereignis; vielmehr gehört die Steigerung der Warenpreise zum Wesen der jetzigen Phase des Kapitalismus und tritt bei allen Schwankungen Jahr für Jahr deutlicher in Erscheinung. Man hat sich daran gewöhnt, mit der Teuerung als einem chronischen Uebel zu rechnen. Kein Land ist von ihr unberührt geblieben. In jedem�steigen und steigen die Kurven der Warenpreishöhe. Von den herrschenden Klassen eines Staates wird die Tatsache, daß die Teuerung des letzten Jahrhunderts eine internationale Erscheinung ist, als Entschuldigung und zur Abwehr notwendiger Schutzmaßregeln zu benutzen der- sucht. Aber das bedeutet nichts anderes als das Zu- geständnis, daß die kapitalistische Produktionsweise un- fähig ist, die Interessen der Konsumierenden zu be- friedigen. Die Tatsache, daß trotz glänzender Ent- Wickelung der Produktivkräfte im modernen Kapitalismus Hunderttausende und Millionen Erdenbürger hungern müssen, beweist nur, daß in dieser Produktionsform etwas faul ist. Die elende Klassenlage des Proletariats und die Tendenz, dieses Elend durch die zunehmende Wcltteuerung weiter zu verschlechtern, geben dem Sozialisten die Angriffspunkte gegen den Kapitalismus überhaupt. In wilder Anarchie werden Güter produziert und auf den Markt geworfen— aber es fehlt an Käufern. Weil den Proletariern nicht der Boden gehört, auf dem sie die Früchte bestellten und ernteten, weil sie nur als Mietlinge den Grund betraten, aus dem sie die Erdschätze gruben, weil sie nur als Kapitalsöldner in den Maschinenhallen schufteten, kurz, weil das Privat- cigentum sie von Werkzeug und Produkten trennt, sind sie vom vollen Anteil ihrer Arbeit ausgeschlossen und ver- mögen nicht einmal den notwendigen Bruchteil dieser Güter zurückzucrwerben. Auch wenn die ungeordnete und unzwcck- mäßige Produktion durch eine Organisation der Produzenten in Kartellen und Trusts beeinflußt wird, diente sie nur durch Ausschaltung der Konkurrenz dem eigenen Profit, der Belastung des Konsums. Die Verteilung der Güter, bis sie vom UrProduzenten in die Hände des Konsumenten gelangen, belastet die Warenpreise von neuem. Die Zufälligkeit der Produktion in unserer Wirtschaftsordnung verlangt eine große Kette von Zwischengliedern und eine kam- plizierte Organisation zum Ausgleich von Angebot und Nach- frage. Gerade bei den Lebensmitteln(Getreide und Vieh) ist die Kette noch verhältnismäßig klein, die Verteuerung durch sie relativ gering. Bei industriellen Produkten über- steigt der endgültige Verkaufspreis an die letzte Hand oft um das Vielfache den Rohverkaufspreis von feiten des Kon- sunienten. Auch die Börsenspekulation gehört bei entwickelter Kapitalwirtschaft zu diesen notwendige» Zwischen- gliedern. Den Vorwürfen unserer Agrarier, daß gerade sie allein die Ware verteuere, steht die Behauptung des Handels gegenüber, daß sie eine Ueberteuerung durch die Produzenten hindere. Diese Zusammenhänge allgemeinerer Natur werden gerade von uns Sozialisten hervorgehoben. Aber ihre Wirkung hebt noch nicht die Schuld des Staates an der Teuerung eines einzelnen Landes auf. Je wahrscheinlicher für den Verteidiger der geltenden Wirtschaftsordnung„unvermeidliche" Steigerungstendenzen sich durchsetzen, um so mehr hat er die Pflicht, alles zu tun, um besondere vermeidbare Ursachen zn beseitigen. Regierung und Parlament, die durch die staat- liche Wirtschaftspolitik in den internationalen Warentausch eingreifen, müssen um so mehr durch eigene Maßnahmen den Konsum zu e n t l a st e n suchen. Die deutsche Regierung sieht es allerdings immer als ihre Aufgabe an, die Interessen der Agrarier und der Schwerindustriellen zu vertreten und Agrar- und Jndustriezölle zu verteidigen. Als sie im letzten Winter der dringenden Kritik durch die Tatsachen und die Massen nicht völlig stillschweigend ausweichen konnte, tröstete sie die Darbenden außer ganz unzulänglichen positiven Maßnahmen mit der Prophezeiung, die durch Gottes Fügung verhängte Teuerung werde im Frühjahr und Sommer verschwinden. Monat um Monat sind verronnen, aber die Preise sind inzwischen ganz exorbitant ge- stiegen. Die„vorübergehende Erscheinung" ist geblieben und hat ihre Wirkungen verschlimmert. In den amtlichen Ver- öffentlichungen der preußischen und kaiserlichen Statistischen Aemter muß die Regierung selbst Woche für Woche diese Tat- fachen bestätigen. Aber dennoch haben wir noch nicht ein- mal gehört, daß sie E r w ä g u n g e n zur Abhilfe der drin- genden Not der breiten Massen pflege. Die Lage der Arbeiterklasse und der mittleren Schichten unseres Volkes ist mißlicher denn je. Wohl zeigen die Preise von Vegetabilicn gegen den Stand in den Wintermonaten einige Ermäßigung. Aber sie weisen noch immer bedeutende Erhöhungen gegen die Sommermonate des Vorjahres auf. Die Juliprcise von Linsen, Erbsen, Bohnen, Getreide, Mehl sind nicht nie- driger, sondern zum Teil wesentlich höher als die des Jahres 1911. Man zahlte für 1 Kilogramm Erbsen Bohnen Linsen Kartoffeln Butter Juli 1912... 42.2 46.1 54,6 13,4 268.7 „ 1911... 36,1 39,7 40,2 13,6 259,5 d. h. mehr... 6.1 6.4 14,4-0.2 9.2 Weizenmehl Roggenmehl Schweineschmalz Eier Juli 1912 38,6'30,7 181,1 417,6 , 1911 38,0 29,1 165,1 405.0 d. h. mehr 0.6 1,6 16,0 12,6 An der Verteuerung des Brotes tragen die Getreide- einfuhrzölle natürlich die größte Schuld. Gerade um den Betrag des Zolles stehen die Inlandspreise höher als die Weltniarktpreise. Trotzdem die Weizen- und Roggenernte im Jahre 1911 qualitativ und quantitativ besser ausgefallen war, stiegen die Preise erheblich. Das Einfnhrscheinsystem beförderte die Ausfuhr auf Kosten des inländischen Konsums. An Roggen wurden vom 1. August 1911 bis 31. Juli 1912 rund 1 Million Doppelzentner, an Weizen rund 1,2 Millionen Doppelzentner mehr ausgeführt als in der entsprechenden Zeit des Vorjahres. Die gute Beschaffenheit der Ernten kam dem Transport und damit dem Ausland zu gute, das zum Teil deutschen Roggen als Viehfutter verbrauchte. Die Beschränkung der Ilmlaufszeit der Einfuhrscheine von sechs auf zwei Monate half nichts, weil die Scheine auch für ge- wöhnlich schon früher eingelöst werden. Ebenso konnte die Außerkraftsetzung der Scheine für die Einfuhr von Petroleum und Kaffee wenig bessern, da Deutschland so viel an Weizen und Gerste einführen muß, daß sie reichlich dafür Verwendung finden. Auch die Ausnahmeexporttarife für Be- förderung von Getreide nach der Grenze schädigte den Inlands- konsum so sehr, daß die deutschen Mühlen in den Grenz- gebieten über Mangel klagten— trotz der um 2 Millionen Doppelzentner Weizen und um 3,6 Millionen Roggen größeren Ernte als 1910 1 Die Getreideeinfuhrzölle wirkten im Verein mit denen auf Futtermittel auch auf dieGestaltung der Viehpreise ungünstig ein. Da die ungünstige Witterung Futter- und Hackfrüchte schädigte, mußte der Viehzüchter auf ausländisches Futter zurückgreifen. Die wichtigsten Futtermittel, Gerste und Mais, unterliegen aber einem hohen Einfuhrzoll. Professor Auen- Hägen hat berechnet, daß der Gerstenzoll ein Kilo Schweine- fleisch mit 5Vz Pfennigen, der Maiszoll mit 11 Pfennigen be- lastet. Da die Viehzüchter die hohen Futterpreise nicht er- schwingen konnten, gingen sie dazu über, ihre Tiere zu schlachten; zuerst die weniger wertvollen Schweine. Infolge- dessen fielen die Schweinepreise etwas. Seit dem Winter ist aber ein Mangel eingetreten, und so begann das Steigen der Fleischpreise. Vom Januar bis Juli dieses Jahres erhöhte sich der Durchschnittspreis für Schweinefleisch von 145,8 auf 164,8 Pf. pro Kilo. Man zahlte pro Kilogramm Rindfleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Schweinefleisch Juli 1912.. 183,9 196,4 190,0 164,8 Juli 1911.. 168,9 185,9 183,5 145,8 mehr... 15,0 10,5 6,5 19,0 Der Mangel an Fleisch kann durch Einfuhr nicht aus- geglichen werden. Die Einfuhrzölle und die Einfuhr- erschwerungen aus angeblich veterinärpolizeilichen und hygie- nischen Gründen stehen dem entgegen. Der Einwand, daß man das inländische Vieh vor Tierseuchen und die Be- völkerung vor gesundheitsschädlichen Nahrungsmitteln schützen wolle, ist eitel Lüge. Gerade das deutsche Vieh neigt infolge der übertriebenen Mastzüchtung zu Seuchen. Die Stallzüchtung, die möglichst die Fleisch- und Milchproduktion in die Höhe treibt, führt leichter zur Degeneratton als Weide- zucht. Aber das in England eingeführte geschlachtete ge- frorene oder das noch bessere gekühlte Fleisch loben auch Nicht- Engländer. In den letzten Jahren sind regelmäßig fünf bis sechs Millionen Zentner gekühltes und gefrorenes Rindfleisch in England eingeführt worden und bisher hat die zur Ueberwachung eingesetzte Sanitäts- kommission noch keine gesundheitlichen Gefahren entdecken können. Andererseits hat aber eine amtliche österreichische Studienkommission im Oktober 1910 festgestellt, daß in b e st e n Qualitäten Rumpsteak 75 bis 94 Pf., Schmorbraten 58 bis 75 Pf., Rinderbrust 55 bis 65 Pf. kostete. Da die Fleischpreise dort im ganzen billiger sind, können auch von den weniger bemittelten Schichten die wert- volleren und geschmackvolleren Tierteile gekauft werden, wäh- rcnd die Arbeiter in Deutschland, wenn überhaupt, dann nur auf minder gutes Fleisch angewiesen sind und Fleischvergiftungen gerade hier nichts Seltenes sind. Die künstlich hochgettiebene Gctteidcproduktton hindert auch direkt die Viehzüchtung. Nähme sie ab, so würde die Fleischproduktion in Deutschland steigen. Die Getreidezölle begünstigen den Getreidebau auf Kosten des Anbaus von Futtermitteln und damit der Viehhaltung. Mit Erhöhung der Getteidezölle und der Getrcidepreise steigen deshalb automatisch die Viehpreise. Auch das wirkte bei der Fleisch- teuerung dieses Jahres mit. Es beruht daher auf be- T" Kleines feullleton. Gewonnenes Land. Am 9. August 1912 waren 50 Jahre ver- flössen, seit der Abzugskanal des in den Abruzzen gelegenen Fu- einer Sees zum ersten Male geöffnet wurde und der Abfluß des Wassers begann, der 1875 endigte. Der See maß im Umkreis 52 Kilometer, und schon Julius Cäsar hatte seine Austrocknung ins Auge gefaßt, um neues Kornland für die unersättliche Hauptstadt zu gewinnen. Der Kaiser Claudius versuchte dann das Wasser durch den Bau eines riesigen Emissärs abzuleiten. Elf Jahre lang wurden 30 000 Sklaven mit der Herstellung eines großen Abzugs- tunncls beschäftigt, der noch heute sichtbar ist und 5605 Meter weit in lebendiges Gestein gehauen ist. Die unrichtige Anlage dieses Tunnels war schuld, daß der See nur zum Teil entleert wurde, und der Abzugskanal sich schon nach wenigen Generationen völlig verstopfte. Da der See durch seine Ueberschtvemmungen große Verwüstungen anrichtete, wurde 1852 eine Aktiengesellschaft ge- gründet, die den Abzugstunnel des Claudius wieder in Stand setzen wollte. Tie Ausgaben waren aber so groß, daß die Gesellschaft ihre Zahlungen einstellen mußte, worauf der päpstliche Bankier, Fürst Alexander-r o r l o n i a, auch noch die andere Hälfte der ?lktien ankaufte, um ganz allein dos Riesenwerk zu übernehmen. Nur ein Teil der altrömischen Werke konnte benutzt werden. Im August 1862 begann, wie gesagt, der erste Abfluß, der ein Jahr dauerte. Dann vertiefte man den Abzugstunnel. 1875 war end- lich der ganze See aiisgetrocknet. Nun wurde das gewonnene Land durch ein ungeheures Netz von Kanälen, das im ganzen 800 Kilo- Meter mißt, in mustergültiger Weise mit Wasser versehen, so daß die 14 000 Hektar Ackerboden heute 10 000 Menschen Arbeit geben und einen Bruttoertrag von 6 Millionen abwerfen. Es wich Ge. treibe und Obst gebaut, außerdem Rindvieh- und Pferdezucht be- trieben. Die Austrocknung des Sees hat einen Kapitalaufwand von 40 Millionen erfordert, während die Kosten des Versuchs des Claudius auf 247 Millionen berechnet werden. Als Torlonia seiner- zeit die Sache übernahm, soll er gesagt haben:„Entweder trockne ich den See. oder er trocknet mich aus." In dem Kampfe ist der See unterlegen, denn davon, daß die Torlonia auf dem Trocknen säße», ha' man nie etwas zebört. Außer einem Zuwachs an sozialem Reichtum bedeutet übrigens die Austrocknung auch einen großen Gewinn für sie Sicherheit und Gesundheit der umwohnenden Be- völkerung, die vorher schwer von Ueberschwemmungen bedroht und von der Malaria heimgesucht wurde. Eine»eue Grubenlampe. Da? britische Ministerium des Innern hatte im vorigen Jahre Preise für eine elektrische Gruben- lompc ausgeschrieben, die die besten Sichcrhcitsgaranticn bilde. Der erste Preis im Betrage van 12 000 M. wurde nunmehr einem Tci"schen, F. F ä r b e r ,r. Tortmund, zuerkannt. Es waren 19c> Lampen eingeschickt, Erfinder von acht anderen, Lampen, die gewisse Vorzüge hattcm wurden mit Preisen von je 1000 M. bedacht. Unter ihnen ist„od, ein Deutscher, Adolph Bohras in Hannover.— Bei dem Preisausschreiben für GrubensichcrheitS- lampen, war als Hauptforderung die Bedingung gestellt worden, daß eine Entzündung brennbarer Gase weder innerhalb ncch außerhalb der Lampe geschehen könne, d.h. die Lampe sollte absolut schlagwettersicher sein. Ferner sollte sie auf einer gesunden und einfachen Konstruktion beruhen und leicht in Ordnung zu halten sein. Die Kosten für die Anschaffung, die Betriebskosten und das Gewicht sollten möglichst gering sein. Das, Ingenieur Färber- sche Produkt erhielt den Namen Ceag-Lampe. Ihre totalen Betriebskosten stellen sich auf etwa 5 Pf. pro Schicht, also auf einen Preis, der geringer ist als der für die Benzinlampe übliche. Die Lampe wiegt 2,2 Kilo, ist also nicht wesentlich schwerer als die Benzinlampe. Die Leuchtkraft beträgt 1,5 Kerzen gegenüber 0,7 bis 0.8 bei Benzinlampcn. Als Hauptvorteil ist aber wohl die absolute Schlagivettersicherheit der elektrischen Lampe anzusehen. Nun sind ja die Bergwcrksbarone aller Pflichten. Leben und Gesundheit der Grubenleute zu schützen, los und ledig. Ter Sekt wird mit den Dividenden in Strömen fließen. Ein unbekannter Sinn der Insekten. Der Naturforscher Henri F a b r e hat einen der Forschung bisher unbekannten Sinn der Insekten entdeckt. Es gibt einen Wurm, berichtet Favre, den sogenannten Grauwurm, der die natürliche Nahrung gewisser In- selten bildet. Ohne ihn kann die Biene nicht bestehen. Keine ficht- baren Anzeichen verraten dem Schlupfwinkel dieses Wurmes, der mehrere Zentimeter tief unter der Erdoberfläche im Dunkel waltet. Plötzlich sieht man, wie ein Insekt an einer bestimmten Stelle des Bodens zu graben beginnt. Bei größter Aufmerffamkeit und auch mit Hilfe der Lupe ist nichts erkennbar, was auf das Vorhanden- sein des Wurmes schließen läßt. Aber der Grauwurm ist da, tief in der Erde. Durch welchen Sinn hat das Insekt den im Unsicht- baren verborgenen Wurm wahrgenommen? Der Tastsinn, der in den Fühlern lokalisiert ist, bleibt außer Frage, denm der Wurm ist eine Reihe von Zentimetern tief im Boden vergraben. Bleibt also der Gcruchsinn. Man weiß, daß die Insekten einen oft recht hoch entwickelten Gcruchsinn entwickeln, aber man weiß nicht unum- stritten, wo dieser Gcruchsinn beim Jnsctt lokalisiert ist. Man be- hauptet. in den Fühlern: wobei es schwer verständlich bleibt, wie diese hornortigen, Stück um Stück zusammengefügten Segmente die Funktion unserer Nüstern erfüllen sollenc Aber die Frage ist selbst bei dcr Annahme einer solchen Möglichkeit nicht geklärt: der Geruchssinn kann nicht walten� wo kein Geruch vorhanden ist. Fabre hat nun den Grauwurm aus seinen Geruch hin untersucht und nicht die geringsten Spuren eines wahrnehmbaren Geruches feststellen können. Zudem liegen starkduftende dichte Erdschichten zwischen dem Jäger und seinem Ziel. Bleibt also nur das Gehör, ein Sinn, über dessen Ausbildung bei den Insekten die Entomologie noch nicht genügend unterrichtet ist. Man nimmt an, daß der Gehörssinn ebenfalls in den Fühlern liegt, und es ist auch denkbar, daß diese zarten, stets vibrierenden Organe für Schallwellen, eine feine Auf- nahmefähigkeit besitzen. Aber welches Geräusch kann die Erdschichten durchdringen? Es müßte ein verhältnismäßig starkes Geräusch sein: in Wirklichkeit aber ist gar keines vorhanden. Denn der Grauwurni ist ein Nachttier. Beim Tage schläft er. seine Nage- Werkzeuge ruhen, ja er krümmt sich nicht einmal. Er liegt voll- kämmen bewegungslos wie tot: das Gchörsorgan des Insektes kommt also nicht in Betracht. Was bleibt übrig? Nur ein Sinn, den, wir Menschen nicht kennen, nicht besitzen und uns daher nicht vorzustellen vermögen. Mit unseren Sinnen bleibt das Phänomen, das die Biene den Grauwurm, diesen schlimmsten Feind der Gartenkultur unfehlbar sinde— auch dort, wo er weder gesehen, gehört noch gerochen werden kann— ein Rätsel, das. sich jedem Ver- gleiche entzieht und uns zwingt einzuräumen� daß die Tiere Wahr- nehmungen machen, können, die außerhalb des Kreises unserer fünf Sinne liegen,> Humor und Satire» Der Kopfarbeiter. Bethmann Hollweg. der Kanzler de« Reiches, hielt in seiner Hand etwas Weiches, und dies war ein abgeschältes Ei— sum ein weniges Salz war auch dabei). Und während er langsam die Eihäutchen lupfte, und das Gelbe sorgsam mit Butter betupfte— (mit grausig viel Butter— jedem andern wird mieS—) sprach der längliche Beamte dies: „Wie schwer hat es doch so unsereiner! Die andern haben es viel, viel feiner: sie schuften ein Jahr lang mit Emsigkeit und freuen sich auf die Ferienzeit.... Wohin ich aber mein Haupt auch lege: ob ich in den Ferien der Ruhe pflege. ob Deutschland in Rußland ein Borteil entwischt, ob im Parlament der Hcydcbrand zischt— ich merke nischt I"— Kurt. Notizen. — JuleS Massenet zum Gedächtnis haben die K a mm er li chtsp tele am Potsdamer Platz„Manon LeScaut", die der in seiner gleichnamigen Oper verherrlichte, in ihr neucS Programm aufgenommen. — Eine Ausstellung für�tzolzbildkunst wird im kommenden Frühjahr in Berlin eröffnet werden. Zweck der Aus- stellung ist, die lang vernachlässigte Holzbildhauern zu fördern und dem Publikum nahe zu bringen. —„Die Rivalin", Schauspiel in drei Akten von Eduard Eugen Ritter, wurde für das Friedrich-Wilhelmstädtische Schauspiel- Haus zur Aufführung erworben. � Der Nachlaß Johann Orths, des seit zwanzig Jahren verschollenen Habsburgers, der danials auf alle fürstlichen Geburts- und Standesrcchte verzichtete und als Schiffseigner und Kapitän eine Seereise unternahm, koinml hier anfangs November zur Versteigerung. Antiquitäten und Bildwerke von Meistern des 15. und 16. Jahrhunderts usw. sind da in schwerer Menge. Wer viel Geld hat, kann wieder viel Krimskrams erwerben. Immerhin war Johann Orth als„k. k." Erzherzog zur Welt gekommen— obgleich er später einsichtig genug war. den Plunder abzuschütteln. — Pfarrer Martin Scheyer, der Erfinder des bald eingeschlafenen Welffprache-Systems.Volapük" ist in Konstanz im Alter von 81 Jahren gestorben. v'bsichtlgter Schau», schlägerei oder UukeMchnis, Wenk Regierung und Agrarier erklären, die Fleischteuerung sei„un- gerechtfertigt", es könne keine Fleischnot bestehen, denn der Viehbestand sei größer als vor einem Jahre. Gewiß wies die Viehzählung vom 1. Dezember t911— tu Preußen— einen größeren Schweine- und Nindviehbestand auf als im Jahre 1910. Aber seit jenen, Datum wird berichtet, daß immer weniger ausgewachsenes Vieh zu Markte gebracht wird. Die Vestände müssen also so abgenommen haben, daß die Landwirte und Viehauskäufer Tiere mit geringerem Gewicht zum Schlachten airbieten. Nach den Ergebnissen der amtlichen Statistik ging das Schlachtgewicht aller von der Vieh- und Fleischbeschau erfaßten Ochsen und Schafe um 5 bezw. 4 Proz. zurück(im zweiten Vierteljahr 1912 gegen 1911). Bei Jnngrindern und Ziegen stieg es dagegen etwa um 11 Proz., bei Schweinen um nicht ganz 6 Proz. Bei allen anderen Tierarten bleibt es ungefähr gleich. Die starke Zunahme der Schlachtungen von Jungrindern, Ziegen und Schweinen erklärt sich sehr leicht: es fehlt an billigen Futtermitteln; der kleine Mann, der so lange seine Schweine und Ziegen im Haushalt schlachtete und verbrauchte(ohne dabei der amt- lichen Beschau für den Verkauf unterworfen zu werden), muß in diesen, Jahre sein Schwein und seine Ziege verkaufen, um bares Geld zu erhalten. Er selbst ist nun aber wieder auf den Kauf von Fleisch im Kleinhandel an- gewiesen, soweit er nicht auf den Fleischgenuß verzichten ge- lernt hat. So erklären sich auch die von Calwer kürzlich ver- breiteten Zahlen über vermehrten Schweineaustrieb trotz steigender Preise. Nicht das Geschrei über die Teuerung erlaubt den Fleischen, so hohe Preise zu nehmen, sondern das immer geringer werdende tatsächliche An- gebot, wie es für Ochsen, Schafe und auch Kälber (Abnahme 0,9 Proz.) schon in die Erscheinung getreten ist. Uns liegt nicht im mindesten daran, den Anteil der Groß- Händler, die mit ihren, Kapital Viehzüchter und Schlächter aushalten und ausnutzen, noch den der Kleinschlächter zu verschleiern. Mit steigenden, Preise wächst natürlich auch der Verdienst der Zwischenhändler. Es wirkt daher nur wie eine Albernheit auf»ns, als sich die agrarische Presse kürzlich mit einem Freudengeheul über die von uns mitgeteilten Belege aus der Brutzerschen Veröffentlichung über die Höhe dieser Zwischen- gewinne warf. Beseitigt den Zollwuchcr, und diese Gewinne werden fallen l Was an der Arbeiterschaft liegt, tut sie bereits, um die Zwischenglieder auszuschalten. Sie organisiert in ihren Konsumvereinen den Verbrauch und stellt ihn den Pro- duzenten direkt gegenüber. Aber gerade die Agrarier wüten an, ärgsten über die Prcisausglcichenden Konsumvereine. Ihr heuchlerisches Spiel wird nur noch mehr Arbeiter in die Konsum- vereine treiben. Von der N e g i e r u n g und dem Parlament fordert die Arbeiterschaft aber von neuem Aufhebung der Zölle, O e f f n u n g der Grenzen für Einfuhr von Vieh und gekühltem Fleisch. Momentan herrscht in der Industrie Hochkonjunktur und die Getreideernten versprechen noch besser auszufallen als im vergangenen Jahre. So sieht der Arbeiter den Profit des Boden- und Kapital- besitzers wachsen, während sein Anteil am Ertrage kleiner wird, ja vielfach noch nicht einmal die Höhe früherer günstiger Wirtschaftsperioden(1907/08) erreicht hat. Die Gewinne, Dividenden, Tantiemen der Besitzenden steigen; die Güter hGtjen sich. Aber der Arbeiter bleibt von diesem Aufschwung ausgeschlossen. Er merkt nur, daß mit den Preisen der Rohprodukte Kohle und Eisen auch die notwendigen Erzeugnisse für seinen Lebensunterhalt gestiegen sind. Wenn man ihn darauf verweist, er müsse im Interesse der Landwirtschaft und der nationalen Selbständigkeit leiden, so erkennt er auch das als Lüge. Nur der Groß- grundbcsitz profitiert von dem Zollschutz. Stärker als je hat sich in diesem Jahre gezeigt, daß der Bauer und Viehzüchter Korn und Futter hat kaufen müssen, daß ihm nicht einmal das Schwein im Stall und die Ziege im Hofe blieb. Auch die Versorgung mit Lebensmitteln in Kriegs- z e i t c N ist bei einer Aenderung der Zollpolitik nicht gc- jährdct. Erst kürzlich hat Professor Eßlen in Zürich daraus hingewiesen, daß Deutschland wohl nie von allen Seiten angegriffen sein würde, so daß die Zu- fuhr von Getreide völlig unmöglich wäre. An Vieh fehlt es dagegen auch in anderen Ländern. Dcuffchland müsse deshalb mehr Wert darauf legen Fleisch zu produzieren als Brot-Getreide. Die Viehhaltung hält jetzt schon nicht mehr Schritt mit dem Bevölkerungszuivachs. So bedarf es selbst in normalen Zeiten vermehrter Fleischerzeugung. Neben der inneren Kolonisation Deutschlands, wie wir sie verstehen, muß deshalb die Aufhebung der Zölle diesen Bedarf decken helfen. Nicht der Bestand des Reiches und der Landwirt- schaft ist jetzt gefährdet, sondern die Gesundheit nnd Ernährung des deutschen Volkes! Hus der Partei. Die Partcibewegung in Pommern. Die Parteigenossen der Provinz Pommern halten alle zwei Jahre ihren Bezirkstag ab. Der nächste Parteitag findet am 1. und 2. September in Stettin statt. Ucbcr die Entwickelung der Partei- bcwcgung und über die mifgewendeke ArbeitSIeistlung orientiert der Bericht des dortigen Parteisekretärs, der soeben erschienen, ist. Der Bezirk Pommern setzt sich aus 14 Rcichstagswvhlkreisen zusammen, die in ihrer Mehrheit rein ländliche Kreise sind. Die Agitation ist dort recht schmierig. Unsere Genossen haben nicht nur mit einer im allgcmein-en noch recht rückständigen Bevölkerung zu tun, sie haben auch sehr unter den polizeilichen und anderen behördlichen Schikanen zu leiden. Nicht zuletzt trägt auch das brutale Junkerregiment der pommerschen Agrarier viel dazu bei, daß tne Bewegung in der Provinz nur langsam vorwärts geht. Trotz alledem haben sich in den beiden Berichtsjahren 1S1l>/11 und ISll/iL nicht nur die O r t s- vereine vermehrt, die von LS auf 96 gestiegen sind, sondern ancb die Zahl der organisierten Mitglieder hat zugenommen. 1910 gab es 8605 männliche und 819 weibliche Parteimitglieder und 1912 verzeichnet der Bericht 10 049 männliche und 1712 weibliche politisch Organisierte. Die Mitgltederzunohme beträgt somit 2265. " An Aufklärungsarbeit in der Provinz Pommern hat es nicht gemangelt. Während der Reichstagswahl wurden 205 000 Wahl- In lender und 1822 500 Flugblätter verteilt. Der„Pommer", ein Organ für die ländliche Bevölkerung, erscheint alle zwei Monate in einer Auflage von 20 500, die während der Wahlbewegung auf 03 000 erhöbt wurde; während diefer Zeit erschien das Blatt sogar monatlich.' In der Provinz wurden insgesamt 568 ofientliche und 1243 Mitgliederversammlungen abgehalten. Wahrend der Berichts- zeit wurden auch mehrere lokale Bildungsauslchusse ins Leben gerufen und eine B e z i r k sb i l d u n gsau s Schutz ge- gründet. Unser Parteiorgan in Pommern, der„BolkSbote, hat über 4000 Abonnenten gewonnen. Im vorigen Jahre wurde auch die Druckerei in Partcieigentum übergeführt und für Pen Waytkreis Stralfunh-Rügen ein Kopsblatt gegründet, Die ReichstagDwahlen brachte» unserer Partei gegenüber 1907 eiiien Stimmenzuwachs von 16 816. In der Gemeindevertretung sitzen zurzeit 69 Genossen, davon 20 in 4 Städten und 49 m 18 Land- gemeinden. Erwähnen wir dann noch, daß auch unserer Partei- presse der behördliche Dank für die entfaltete segensreiche Tätigkeit in Gestalt von 230 M. Strafe und vier Monaten Gefängnis gezollt wurde, so haben, wir einigermaßen ein Bild über die Partcibewegung .m agrarischen Pommern. Parteitag der luxemburgischen Sozialdemokratie. Am letzten Sonntag fand in Luxemburg der diesjährige Partei- tag der sozialdemokratische» Partei statt. Die Tagung war von etwa 40 Delegierten des Landes besucht. Außerdem nahmen einige deuffche Genossen als Gäste an den Verhandlungen teil. Auf der Tagesordnung stand die Stellungnahme zum allgemeinen Wahlrecht, die Verschmelzung der beiden in Luxemburg erscheinenden Partei- orgaiu zu einem einheitlichen unter" Kontrolle stehenden Organe und ein Antrag, de» die Ausstellung sämtlicher Parteikandidaiuren durch die Parteiorganisationen fordert. Den Jahresbericht der Organisation erstattete Genosse S ch o r t g e n. Aus seinen Dar- legungen ging hervor, daß die Partei nach schweren Känrpfcn ge« stärkt nnd rüstig vorwärts marschiert, lieber die Stellungnahme zum allgemeinen Wahlrecht, daß infolge der Thronbesteigung der 13 jährigen Landesherrscherin zur Tagessrage geworden ist, erstattete Genosse Dr. W e l t e r Bericht. Er führte in seinem Referat aus, daß auch die herrschenden Klassen Luxemburgs es verstanden haben, dein arbeitenden Volke trotz der lvirtschastlichen Blüten des Landes eine gerechte Mitwirkung an den Geschicken des Lande» vor- zuenthalten. Welter sprach die Hoffnung aus, daß die Stunden des Zensuswahlrechts gezählt seien, wenn die gegenwärtige Agitation der Liberalen und der katholischen Volkspartei nicht etwa Schaumschlägerei sei. Die sozialdemokratische Kammerfraktion zählt zurzeit fünf Mit- glieder. Im letzten Jahre legte ein Genosse sein Mandat nieder, während der Genosse Zkavier Brasseur aus dem Leben schied. Die beiden Mandate wurden von den Liberalen erobert. Eine rege Debatte entstand bei dem Punkte Ausstellung sämtlicher Parteikandidaturei» durch die Parteiorganisationen. Die Delegierten stellten sich einstimmig auf den Standpunkt, daß in Zukunft nur solche Genossen als sozialdemokratische Kandidaten anzusprechen seien, die von den in Betracht kommenden Parteiorganisationen als Kandidaten aufgestellt iverden. Dieser Beschluß hat eine lang- jährige Mißstimmung in Parteikreisen beseitigt. Ferner beschloß der Parteitag, die beiden Parteiorgane.Escher Journal" und.Der arme Teufel" einer aus drei Genossen be- stehenden Koiitrollkoimnissiou zu unterstellen. Der neugewählte Parteivorstand besteht aus den Genossen: Schortgen, Thon», Dr. Welter, Thomas, Schaak, Thilluiany und Knepper. poUzeüiebes, ßerichttlcbea ukw. Das beleidigte Militär. Genosse Karl S i n d e r m a n n, der Vorsitzende des sächsischen Landesvorstandes, wurde am Sonnabend zu Dresden zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Er soll das Heer und Osfizierkorps in einer Bersammlungsrede beleidigt haben. Straf- antrag haben der sächsische und der preußische Kriegsminister gestellt. Wegen Beleidigung eines Arbeitswilligen wurde der verantwortliche Redakteur der.Kümgöberger Volkszeitung" zu zweihundert Mark Geld st rase verurteilt. Während deS SlraßcnbahnerstreikS teilte das verurteilte Blatt von einem arbeitswillige»» Schaffner mit, daß er mit einem Jahre Gefängnis vorbestraft sei. Die Tatsache»var nicht zu bestreiten, aber da« Ge- richt sah darin die Beleidigung, daß dem Arbeitswilligen die Strafe öffentlich vorgehalten wurde. 8o2iales. Die Arbeiterfchubbestimmungen für die Glasindustrie. Die buntzesrätlichen Bestirromingen, nach denen eS auch fugend- lichen Arbeitern unter 16 Jahren gestattet ist, nachts zu arbeiten. waren nach einer zehnjährigen Gültigkeitsdauer im März abge- laufen, jedoch in letzter Stunde bis 1913 verlängert worden. Das Ministerium deSJnnern hatte neben Vertretern der Glasindustriellen auch den Vorsitzenden des Glasarbeiterverbandes z»r einer Kcmfe- renz geladen, um die Meinungen dieser Vertreter der Industrie zu hören. Die Vertreter der Industriellen tratciil für eine Verlängerung der Bcstiinmungen auf 10— 15 Jahre ein. Sie behaupteten� laß der Gesundheitszustand der Glasarbeiter ein befriedigender sei und daß bei einer Aenderung zugunsten der Arbeiter die Glasindustrie schwer geschädigt würde. Mit der Einführung der Faschenmaschin«, erklärten die Unternehmer weiter, sei in loyaler Weise vorgegangen worden, und wenn bis jetzt in Deutschland nur 21 Owe ns->J laschem maschiruen mit einer Jahresproduktion von 110 Millionei» Flaschen aufgestellt»vären, so sei dies in erster Linie den Industriellen zu danken, die dafür sorgen, daß die Arbeiter in jeder Weise zu- friedcngcftellt werden,. Der Vertreter der Unternehmerorgauijation ließ sich sogar zu der Erklärung herbei, daß der Glasarbeiter bei der Arbeit geschmeidige Knochen- gebrauche, und wenn dann die jungen Leute unter 16 Jahren nicht mehr des Nachts arbeiten dür- fcn, dann würden sie nichts mehr lernen und auch die Geschicklichkeit nicht mehr erreichen, die ein Glasarbeiter besitzen muß. Ferner meinte der Herr, daß, lvenw tzie Sterblichkeit in den Kreisen der Glasarbeiter eine große sei, dies aus den großen Alkoholgenuß der Arbeiter zurückzuführen sei. Durch einen Zwischenruf aus seine Ungeschicklichkeit aufmerksam gemacht, setzte er allerdings hinzu, daß die Organisation der Arbeiter das lobenswerte Ziel verfolge, den Alkoholgermtz einzuschräirken. Die Herren, beteuerten fortgesetzt, daß»nit der Beseitigung der Nachtarbeit die Jndrrstrio schweren Erschütterungen zugeführt»verde, daß»vir unS heute schon im Zeit- alter der Insubordination befirrden. Die Herren gingen sogar so weit, daß sie noch eine rotere Ausdehnung der Ausnahnwbestim- mungen- forderten, und zwar dergestalt, daß die Regierung zulassen möge, auch Knaben unter 14 Jahren, die aus der Schule eirt lassen sind, in Glashütten zir beschäftigen. Der Vorsitzende des Glasarbeiterverbandes»vidcrlegte die Aus- führungen der Untcrnehmervertreter. Nach einer von.>der Organs- sation aufgenommenen Statistik betrage das Durchschnittsalter der Glasarbeiter etwa 38 Jahre. Die Industrie wurde arich keineswegs zugrunde gehen. Die großen Aktiengesellschaften zahlen bis zu 20 Pr«z. Dividende. Wenn die Industriellen mit der Einführung der Flaschen,»aschine mir langsam vorgehen, so geschehe die» keines- wcgS aus Liebe zu den Arbeitern, sondern eS liege im Interesse der Industriellen selbst, die damit zugleich das Grab für ihre allen Betriebe graben würden. Wenn behauptet»vird. die Arbeiter der Glasindustrie sröhnen dem Alkvholgenuß. so sei dies eine Beleidi- gung für die Arbeiter. In der Glasindustrie legen, die Industriellen Gelvicht darauf,, daß eine gange Reihe Nebenarbeiten nicht mit barem Gelde, sondern mit Bier und Schnaps bezahlt»verden. Für tüchtige Arbeiter seien Wtochenlöhne von, 30 M. schon selten und deshalb führe heut ein erheblicher Teil der Arbeiter seine Söhne nicht mehr dieser Industrie zu. Der Mangel an tüchtigen Arbeitern würde schwinden, lvenn gute und lohnende Arbeitsbedingungen, ge- schaffen würden. Die Glasarbeiter fordern deshalb mit allem Nach- druck, daß die Nachtarbeit an den Oesm mit kontinuierlichem Betriebe nicht twr 4 Uhr morgens und nicht nach 10 Uhr abends enden, darf. Geheimrat Lehmann schloß die Sitzung mit dem Bemerken, daß das heute gewonnene Material dem Bundesrat unterbreitet»verdc »md dieser entscheiden dönne. Einen, trostlosen Eindruck machten die anwesenden unorganisierten Arbeiter. Nur.drei von ihnen nahmen auf Drängen der Regicrurogsvertreter das Wort. Ihre Auswahl lrmr so getroffen, worden� daß sie sich in einem für die Industriellen günstigen Sinne äußerten. Gerechter»md für die Information der Regierung besser»väre es schon gewesen, wenn jtats dieser schweigfamei» Arheitervertrejer dem Alasartzeiterverbantz eine größere Perireinstg zugebilligt wdiFevi wäre. TaS Ergebnis der Konferenz muß sich ja bald zeigen. Gerichte-Zeitung. Kaidirektor Winter-Hamburg vor Gericht. Ein Sozialistentöter, der Kaidirektor Paul Winter in Hamburg, mußte sich gestern wegen seiner schier unglaublichen sozialisten-- töterischen Acußerungen vor der 4. Ferienstrafkammer des Land- gerichts Berlin I zcugeneidlich erklären. Direktor Winter, Anti- somit und Mitglied des mit dem Antisemitismus eng verwandten Reichsvcrbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie, hatte den Kaiarbeitern Rassig und Frank in einer von ihnen nachgesuchten Auditnz erklärt:„Er»ullsse sie entlassen, da sie den zum Verbände der Gelben gehörenden Kaiarbciter Löwenstcin seiner Verbanis» angehörigkcit wegen belästigt haben. Cr dulde Anhänger der Ilm- sturzpartci nicht im Staatsbetriebe." Nossig und Frank bestritten mit großer Entschiedenheit die Behauptungen Läwensteins und baten, ihm gegenübergestellt zu werden. Direktor Winter lehnte das ab mit dem Bemerken: Er müsse bei seinem Entschlüsse, die Arbeiter zu entlassen, bleiben, zumal ihm mitgeteilt tvorden sei, daß sie als Mitglieder des Arbeiterausschusses seiner vorgesetzten Behörde, der Deputation für Handel, Gewerbe und Schiffahrt, einen falschen Bericht erstattet haben. Nossig und Frank bcsirittcrr das ebenfalls und erboten sich, den Wahrheitsbeweis zu führen. Winter lehnte jedoch jede weitere Unterredung mit dem Bemerken ab:„Ich will zugeben, daß ich die Arbeiterbetvcgung nicht auf- halten kam». Aber hier im Staatskaibetrieb, wo ich die Macht in Händen habe, werde ich sie bekämpfen, solange ich lebe und ich werde dabei vor keinem Mittel zurückschrecken." Die Genossen Nossig und Frank haben diesen Vorgang mit entsprechenden Randglossen im„Hamburger Echo" und in Gewerk- schastsblättcrn veröffentlicht. Der„Courier", Zentralorgan des Transportarbeiterverbandes, hatte dies in Rr. 51 vom 17. De- zember 1911 mit der Ueberschrist abgedruckt:„Die Arbeiterbewegung in ihrem Lauf hält»veder Ochs noch Esel auf, sagt ein bekanntes Sprichwort." Am Schluß des Artikels wurde von Mistkäfer und Gesindel gesprochen. Die Deputation für Handel, Schiffahrt und Gewerbe stellte deshalb, als vorgesetzte Behörde des Direktors Winter, gegen den verantwortlichen Redakteur des„Courier", Genossen Karl Millhahn, Strafantrag. Direktor Winter gab als Zeuge zu, daß er sich dem Sinne nach so geäußert habe, wie in dem Artikel angegeben sei. Staatsanwalt Tr. Lehmann führte zur Begründung der An- klage aus: Es liege jedenfalls eine unerhörte schwere Beleidigung gegen einen Staatsbeamten vor, der im Bewußtsein seiner Amts- Pflicht gehandelt habe. Es müsse daher eine strenge Bestrafung eintreten. Er beantrage eine Gefängnisstrafe von zlvei Wochen. Verteidiger Rechtsanwalt Wvlfgang Heine erklärte in seinem Plädoyer: Ter Herr StaatSawvalt irrt, wenn er behauptet: Herr Winter habe im Bewußtsein seiner Amtspflicht gehandelt. Der Herr Kaidirektor hat sich durch den inkriminierten Artikel beleidigt gefühlt und mußte heute unter seinem Eide zugeben, daß er sich, bis auf einige unwesentliche Unrichtigkeiten, tatsächlich so geäußert hat. Wenn irgend ein Tischlermeister ein ähnliches Verhalten seinen Arbeitern gegenüber beobachtet, dann ist das gewiß von jedem rechtlich denkenden Menschen zu verurteilen. Schließlich ist dieser Tischlermeister aber nur Privatmann. Der Vorsteher eines Staats- bctricbes ist aber nicht berechtigt, nach der politischen Parteistcllung oder gewerkschaftlichen Zugehörigkeit der im Staatsberieb« be- schästigten Arbeiter zu fragen. Zum mindesten ist er verpflichtet« Gerechtigkeit zu üben. Es verletzt jedes Gerechtigkeitsgefühl, wenn der Herr Kaidirektor auf Denunziation eines vielfach bestraften Menschen, vor dessen Einstellung ausdrücklich gewarnt worden ist, zwei alte Arbeiter entlassen hat. Das ist geradezu ein gemein- gefährliches Verfahren. Dadurch wird dem Arbeiter vor Augen geführt, daß in den Staatsbetrieben keine Gerechtigkeit herrscht. Durch ein derartiges Verfahren»vird den Arbeitern zum Bewußt- sein gebracht, daß sie rechtl-S seien. Tic Arbeiter Nossig und Frank waren Mitglieder des durch Reichsgcsetz eingesetzten Arbeiteraus- jchusses und hatten als solche das Bcschimrdcrccht bei der vorgesetzten Behörde des KaidirektorS. Bei Beurteilung des Artikels muß in Betrocht gezogen»nerdcn, daß die Arbeiter über ihre Entrechtung und grulidlose plötzliche Arbeitsentlassung mit vollem Recht erregt waren. Der Herr Kaidirektor kann sich doch auch nicht beklagen, wenn es aus dem Walde herausschallt, wie er hineingerufen hat- Die gesamten Umstände sprechen für eine möglichst milde Be- urteilung. Nach kurzer Beratung des Gerichtshofes verkündete der Vor- sitzende. LandgerichtSdircktor Dr. Gayer, folgendes Urteil: Ter Ge- richtshof erblickt in den Worten„Mistkäfer" und„Gesindel" eine schwere Beleidigung, die um so schwerer ins Gewicht fällt, da sie gegen einen hohen Staatsbeamten gerichtet ist. der im Bewußtsem seiner Pflichterfüllung gehandelt hat. Der Gerichtshof hat deshalb eine hohe Strafe für angemessen erachtet und aus zwei Wochen Gc- süngnis, sowie auf Publikationsbcfugnis für den Beleidigten im „Vorwärts" erkannt. Die eigene Mutter bestohlen. Ein EinbruchsdiebswHl bei der eigenem Mutter, einer armen alten Witwe, lag einer Anllogesachc tvegen schweren Diebstahls im slrafverschärfenden. Rückfalle zugrunde, die gestern unter Vorsitz des LanldyerichtSdirektors Spletfftößer die 2. Feriensbrafkammer des Landgerichts I beschäftigte. Angeklagt lvvren der Möbelpolierer Richard Kriening und der Arbeiter Fritz Wichert.— Der Angeklagte Kriening ist schon mehrfach vorbestraft. Nachdem er am 5. März d. I. nach Berbützung einer achtmonatigen Gefängnis- strafe aus der Strafanstzalt entlassen»varden war, trieb er sich arbeitslos in Berlin umher. Um sich in den Besitz von Geldmitteln zu setzen, kam er auf folgenden, von niedrigster Gesinnung zeugen- den Plai». Er schickte an seine Mutter, einer am Weidentveg 31 »wohnhaften, in ärmlichen Verhältnissen lebenden Witwe,«inen Zettel, auf den sie gebeten wurde, schnell zu einer Freundin zu kommen, die schtver erkrankt sei. Die alte Frau machte sich schien- nigst auf den Weg zu der Freundin. Als sie diese frisch und munter antraf, eilte sie sofort, von einer dunklen Ahnung erfüllt, nach ihrer Wohnung zurück. Hier»var iitzlisischen der Angeklagte in Be- gleitung des Wichert eingedrungen und hatte alle?,»»ms nicht niet- und nageltest»var und sich versetzen ließ, gestohlen. Unter den ge- stohlenen Sachen befand sich sogar der Stolz der altem Frau, das aus früheren bessern Tagen herübergerettete„jute Schwarzseidene", das sie bei der Hochzeit getragen hmlle. Dieses Brautkleid der eingc» nen Mutter wurde von dem verbrecherischem Sohne dann für ein paar Pfennige an einen Trödler verkauft, ebenso das andere gc- ringfüglge Besitztum der bedauernswertem alten i�rau, die dadurch »n große Not geriet.— Das Gericht erkannte mit Rücksicht aus die ebenso dreiste wie gemeine Tat dcL Angeklagten Kriening auf 1 Jahr und 3 Monate Gefängnis. Der Mitangeklagte Wichert wurde zu 5 Monaten Gefängnis verurteilt._ Hue der frauenbewegungs Kinderschutzkommisfiou Teltow BeeSkow. Montag, den 19. August, abends 8'/, Uhr. findet im GeWerk- schaftShause in Kerlin, Sngelufer IS(Saal II), eine Sitzung der ftotritoffeurinnen statt. DaS Erscheinen aller Kontrolleurinnen ist dringend notwendig. Leseabende. Friedenau. Montag. 8V, Uhr, bei Mechelke, Handserhstr. M/61. Tagesordnung: Neueinteilung der Bezirke. Bericht von den Kinderferienausflügen. Niederschöiihausen-Nordcnd. Dienstag, den 20. August, abends S'/» Uhr, bei Retlig, Blankenburger Str. 4. Vortrag des Ge- nonen Zimmermann-Karls horste Tempelhof. Der Frauen-Leseabend findet am Mittwoch nicht statt. jfiiis aller Älelt. Keine Lehren aus der„Titanic"-Katastrophe. Die nach dem furchtbaren Mafienunglück eingesetzte englische Kommission zur Beratung der Frage der Sicherheit zur See ver- öffenilicht über ihre Untersuchungen soeben einen längeren Bericht. Sie empfiehlt darin eine gröstere Anzahl von Rettungsbooten und Rettungsflötzen, die für alle an Bord befindlichen Per- fönen aufnahmefähig sein müssen, betont aber nach- drücklich, dast die Stabilität und die Seetüchtigkeit der Dampfer selbst von vorwiegender Wichtigkeit sei eil und dag alle Vorsorge gegen einen möglichen Unglücksfall dieser ersten Notwendigkeit untergeordnet werden müsse. Tie Kommission ist weiter der Ansicht, daß die Einführung von Scheinwerfern für die Handels- marine nicht ratsam sei, da die Nachteile die Vorteile über- wiegen würden. Im übrigen ist die Kommission der Meinung, daß die Routen über den Atlantischen Ozean als vorsichtig gewählt und mu st erhaft zu betrachten seien. Das Ergebnis der mit großem Tamtam angekündigten Er- Hebungen ist sehr minimal und dürfte den großen Dampfergesell- schaften wenig Kopfschmerzen machen. Nur allzu deutlich spricht aus dem Bericht das Bestreben, die Reingewinne der Gesellschaften nicht zu schmälern. Der Kinematograph im Gerichtsfaale. Zum ersten Male in Amerika wird der Kinematograph bei einer Gerichtsverhandlung eine Rolle spielen. Ein in Los Angeles gelegentlich eines Streikes zwischen Ausständigen und Polizei vor einiger Zeit stattgcfundener blutiger Kampf war zufällig von einem Kinematographenoperateur mit seinem Apparat aufgenommen worden. Das Gericht hat jetzt die Borführung der Films im Gerichts s aale angeordnet, um von den Vorgängen ein genaues Bild zu gewinnen. Nur schade, daß bei den Moabiter Polizeiattacken kein Kine- matograph in Tätigkeit war, vielleicht hätte man dann den Mörder des Arbeiters Herrmann._ Des deutschen Studenten Heiligtum. Ein Glciwitzer Studiosus, dem auf der Heimreise von Hannover nach Gleiwitz eine Pappschachtel, enthaltend die farbige Mütze, Fuchsen- und Burschenbändcr usw., abhanden gekommen war, setzt zur Wiedererlangung dieser Sachen die oberschlesische Prefie in Be- wegung. In dem im„Oberschlcsischen Anzeiger' erlassenen Aus- schreiben führt er aus:.Es ist mir nanientlich um Wiedererlangung der F u ch s e n b ä n d e r und B u r s ch e n b ä n d e r zu tun; ich habe selbige auf einer Anzahl Mensuren getragen und waren(!) diese(! I> vollständig mit meinem Blute durchtränkt. Der Verlust dieser wertvollen Andenken würde für inich ein unersetzlicher sein."— Dem Finder der.blutdurchtränkten" Andenken wäre zu empfehlen, dem Herrn Studiosus außer seinen unersetzlichen Reliquien auch eine deutsche Grammatik zu schenken, meint die„Freisinnige Zeitung". Wir könneit ihr nicht beipflichten, denn was soll ein solcher Schwärmer mit Lehrbüchern, die er dank dem Geist, wie er die Jugend unserer Bourgeoisie beseelt, doch nicht benutzt.__ Ter Stromboli in Tätigkeit. Wie ein Telegramm aus Catania meldet, befindet sich der Strornboli neuerdings wieder in Tätigkeit; der Horizont ist durch die fortwährenden Aschenregen völlig verdunkelt. Die Eruptionen sind stärker als die seit dem Jahre 1907 da- gewesenen. Die ausgeworfene Asche bedeckt bereits meterhoch den Erdboden. Die Oefsiiung deS Kralers hat eine bedeutende Erweiterung erfahren. Der Bevölkerung hat sich eine lebhafte Unruhe bemächtigt._ Der Brigant Musolino im Gefängnis. Am 22. Juli dieses Jahres hat der zu lebenslänglichem Zucht- haus verurteilte italienische Brigant Musolino die zehnjährige Periode der Einzelhaft überstanden, zu der er als der höchsten im italienischen Strasrecht vorgesehenen Strafe verurteilt wurde. Wenige Gefangene überleben auch nur die ersten Jahre der Einzel- Haft, ohne wahnsinnig zu werden oder an Tuberkulose zugrunde zu gehen. Wiederholt war auch gemeldet worden, daß Musolino geisteskrank oder schwindsüchtig war, aber jetzt erfährt das »Giornale di Sicilia", daß selbst die Schrecken der Einzelhaft den Briganten nicht gebrochen hüben. Musolino, der sich seinerzeit der psychiatrischen Untersuchung als ein körperlich und geistig gut ent- wickelter und die Norm überragender Mensch darstellte, ist zweifellos durch Milieuvcrhältnisse, und zwar vor allem durch eine unschuldige Verurteilung, zum Verbrecher geworden. Der Zuchthäusler kennt beute alle ihm zustehenden Rechte sehr genau. Als er jetzt aus einem Zucht- Haus ins andere übergeführt wurde, weigerte er sich, sein Gepäck zu tragen und forderte die Karabinieri auf, ihm einen Gepäckträger zu nehmen. Jetzt hat er, wie ihm dies zusteht, die Zulassung zu den gemeinsamen Arbeitssälen gefordert, aber die Angst vor einem Fluchtversuch bringt es mit sich, daß der Unglückliche noch strenger überwacht wird und noch weniger Freiheit genießt, als seine Mit- gefangenen. Musolino ist aus der Untersuchungshaft schon einmal entwichen, und der Staat hat ungefähr eine Million dafür aus- gegeben, um seiner wieder habhast zu werden. Selbst wenn diese vom„Giornale di Sicilia" angegebene Ziffer um das Doppelte zu hoch wäre, muß man doch sagen, daß man sicher der Delinquenz in Calabrien schärfer zu Leibe gerückt wäre, wenn man das Geld für Schulen und für den Bau einer Straße ausgegeben hätte. Das sittliche Kanton. Die Lokalregierung von Kanton hat außerordentlich strenge Maßregeln gegen die ergriffen, die sich auch weiterhin nnt der Sklaverei, dem Absatz von Opium, dem Spiel usw. beschäftigen. Diese Gesetzesübertretungen werden mit dem Tode bestraft. Alle Spielhöllen, Opiumhöhlen und verdächtigen Häuser werden ge- schlössen. Es ist nicht mehr möglich, ein Zimmer zu mieten, außer für einen Reisenden. Mebrere Gastwirte sind mit furchtbaren Strafen belegt worden, weil sie Zimmer an zweifelhafte Pärchen vermietet hatten. Eine junge Frau, die sich allein in ein Restaurant in der Stadt gewagt hatte, wurde von den Gästen selbst, die verhüten wollten, daß europäische Sitten sich in der Stadt einbürgern, hinausgeworfen. In letzter Zeit haben 25 Hinrichtungen wegen Verstoßes gegen die Sittlichkeit und besonders wegen des Spreles stattgefunden._ Kleine Notizen. Ein Langersehnter. Der Falschspieler Stallmann alias Korff- König ist Sonnabendvormittag auf seinem Transport von England in Hamburg eingetroffen und soll am Nachmittage nach Berlin weitertransportiert werden. Russische Alltäglichkeiten. Beim bischöflichen Konsistorium in W i l u a wurden' Unterschlagungen von Kirchen- geldern in Höbe von 650 OOO Rubel entdeckt. Die Schuldigen wurden verhaftet. Feuer im Kohlenbergwerk. Auf der Zeche Magny der Stein- kohlengruben von Ronchamp ist Feuer ausgebrochen. Bier Per- sonen sind umgekommen. Ein Liebesdrama. Am Sonnabendnachmittag erschoß in Trier ein junger Fuhrmann seine Braut und brachte sich selbst einen tödlichen Schuß in die Brust bei. Der Grund soll die Weigerung des Mädchens gewesen sein, zur Ehe zu schreiten. Branbkatastrophe in Russisch-Polen. Laut Blättermeldungen hat in P l o s k ein verheerender Brand großen Schaden angerichtet. Den Flammen sind mehrere Kirchen, die Synagoge, zahlreiche öffent« liche Gebäude und mehrere hundert Wohnhäuser zum Opfer gefallen. Fünf Personen find in den Flammen um- gekommen. Mehrere Tausende sind obdachlos. Bmfkartcn der Redaktion. Tie juristische Sprechstunde findet Lindenstraße SS, dorn vier Treppen — F- h r ft u»»—, wochent« glich von tg, bis Uhr abend», Sonnabend», von vi» 6 Uhr abend» statt. Jeder für de» Briestaften befttinmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merreetchen betzufUgen. Briefliche Antwort wird nicht rrtcU». Anfragen, denen keine Abonnrmcntsqutttung brigcfngt ist, werden nicht beantwortet, tkiligc Fragen trage mau in der Sprechstunde vor. H. W. Vi. 1. 15. September. 2. Zunächst vor daS Amtsgericht Berlin-Mitte zum Sühnctcrmin laden. Alsdann ist ein Anwalt mit Er- bebung der Klage zu bcaustragen. 3. Drei bis sechs Monate. 4. Richten sich nach dem vom Gericht festzusetzenden Objekt.— A. K. 44. Ja. Auch kann bei Wahrnehmung über einen stattgesundenen Verkehr die Aussage verweigert werben.— F. B. 63. Ja.— K. F. 12. 1. Ja. 2. An das Amtsgericht, in dessen Bezirk die Frau wobnt.— W. B. 25. 1. Möglich. 2. Postanstalt des Aufgabeorts.— St. R. 12. Sie sind dem Kinde gegen- über unterhaltspflichtig, wenn Sie nicht nachweisen können, daß die Kindes- mutier in der gesetzlichen EmpsängniSzcit— 15. Oktober 1911 bis 13. Fe- bruar 1912— mit anderen Männern Verkehr gepflogen hat. Daß Sie dem Mädchen Geld gegeben haben, schließt Ihre Unterhaltspflicht nicht aus.— Frieden 12. 1. Nein. 2. u. 3. Verzicht aus Unterhaltsanjprüche für die Zukunft ist ohne Rechtswirkung.— R. N. 99. 1. Ja. 2. u. 3. Binnen sechs Monaten, bei Getrennllebcn binnen zehn Jahren. 4. Mindcststrasc ein Tag Gesängnis. 5. U. E. nein. 6. Sie können sich trennen.— R. P. 7«. Der Vertrag ist jür die ganze vorgesehene Zeitdauer verbindlich. — C. C. 100. 1. Nein. 2. Ja. 3. 8 bi« 10 M.— L. H. 51. 1. Das ist unzulässig. 2. Das ist ein Grund zur Lösung de» Lehroertragcs. 3. Nach dem Gesetz nicht.— Boxhage« 45. I. a. 2. Sie sind für April und Mai von der Zahlung der Staats einkommensteuer befreit, nicht aber von Zahlung der Gemcindeeinlommensteuer. Richten Sie ein Gesuch an den Vorsitzenden der VeranlagungSkommIssion.— W. 28 489. 1. und 2. Dafür find ortspolizeiliche Vorschriften maßgebend. Fragen Sie daher beim ÄmtSvorstehcr an. 3. Ja.— RavenSsirasie. Die nur zeitweilige Anwesenheit beireit Sie nicht von der Einquartierungslast. Nach dem Gesetz können.alle benutzbaren Baulichkeiten" verwendet werden. Die örtliche Verteilung geschieht durch den Gemcindcvorstand.— H. M. 19. Voraussichtlich am 1. Januar 1914.— Norden 28. Nein.— E. D. 87. Da« gesetzliche Pfandrecht des Vermieters ist erloschen. Das hindert aber nicht, daß die MietSsorderung noch ausgeklagt und aus dem Urteil gepfändet werden kann. — H. B. 100. Zentrale für private Fürsorge, Flottwellstraße 4, I.— U. 46. Zentrale jür Auswanderer. Berlin W., Karlsbad Nr. 9/10.— F. W. 5424. Das kann sehr verschiedene Ursachen haben, daher von hier nicht zu raten. Vogelhandlung oder Kanarienzüchtervercin.— Klub 42. 1872—1912= 36.— E. L. M. 22. Die Bestimmungen der Polizei find zu beachten. Eine privat« Gesellschaft wie die anderen!— N. I. 1912, Hannover. Neue Bücher über China sind im letzten Jahre erschienen: Rohrbach, Deutsche Kulturausgabe in China, 2 M. Bland, China unter der Kaiserin Wilwe, 10 M. Ku Hung Ming, Chinas Verteidigung gegen euro- päische Ideen, 3 M. M. v. Brandt, Der Chinese in der Oesientlichkcit, 6 M. Deutsche Handelsverträge mit Rußland im„Zollhandbuch sür die Aussuhr nach Rußland", 6 M., mit Nachttag 8,50 M. Briefkasten der Expedition. Patienten in Beelitz, Buch und andere« Heilstätten. Dieierngo unserer Abonnenten, die noch während des ganzen nächsten Monats h. der Heilstätte bleiben, wollen uns wegen der Ueberweisung von Frei- eremplaren iosort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Rummern des neuen Monats von der Post nicht geliefert werden. Alte Adressen müsien jeden Monat neu eingesandt werden. -- 3 Arbcitsnaohweis; Wllg Amt Norden. Nr. 1239. Eharit�sirasw 3. ttsuptdurosu: Hos III. Amt Norden, Nr. 1987 Ten Mitgliedern der Kassierungs-Kommission zur Kenntnis, das; die nächste Sitzung am Montag, den 4«. August, abends 8 Uhr, im Verbandshaus, Charits- strafte 3, stattfindet. vi« Oi-i«vvi',»v-»itiinzx. Tarif- Äigarren. ♦ Erstklassige Ware. Rein überseeisch. k Preislage: Mk. 3« 15«. ♦ Heinrich HoSsing, Zigarrenfabrlk BlaKhclni bei Lübbecke(Westfalen). --.K.- Vertreter für Gr» st»Berlin«nd Brandenburg» Fr. Fehrensen, Berlin N., Kopenhagcner Strafte 15. 33782* Heinrich Franck Tel.: Amt Ndn 4352. Brunnenstraße 22. 8 bis 7 Uttr xsöllost. 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Äcchieem Ziegler- Hamburg und Malter- Breslau sowie Schädlich- Hamburg gesprochen haben, gelangt ein Schluß- a n t r o g mit 44 gegen 41 Stimmen zur Annahme. In seinem Schlußwort geht Verbandsvorsitzender Stühmer nochmals auf einen Teil der gegen den Vorstand erhobenen Vorwürfe ein und sucht an Hand von Belegen nachzuweisen, daß die Vorwürfe unberechtigt waren. Redner beschäftigt sich dann noch mit den Vor- schlügen der Unparteiischen zum Reichstarif, die er anzunehmen bittet, und macht darauf aufmerksam, daß die Einführung des Reichstarifs zum 1. Januar 1816 sicher noch ernst« Kämpfe bringen werde. Der Vorstand rechne es sich mit Rücksicht hierauf zum Ver- dienst an, daß trotz der großen Kämpfe im verflossenen Frühjahr die Verbandskaffe erheblich gestärkt worden sei und daß die Kol- legenschaft deshalb den kommenden Kämpfen mit den besten Hoff- nungen entgegensehen könne. Nunmehr wird der Antrag, Vorstand und Kassierer D« ch a r g e zu erteilen, gegen 2 Stimmen angenommen. Es wird dann ferner auf Vorschlag des Bureaus eine Redaktionskom- Mission von 11 Personen gewählt, der alle Anträge, die zum Tarif, Schiedsgerichtsverfahren, Streikreglement und Unter- stützungswesen vorliegen, zwecks Beratung und Ausarbeitung einer Vorlage überwiesen werden sollen. Es beginnt nunmehr die Debatte über die zur Verhandlung ge- stellten Anträge. Brennecke- Bremen tritt für Einführung der Arbeitslosenunterstützung ein und betont, daß es«in Unrecht gegen die ansässigen Kollegen sei, denen bei Arbeitslosigkeit nichts gegeben werde, während die Ledigen bei Arbeitslosigkeit auf Reisen gehen könnten und dann ihre Reiseunterstützung erhalten.— Schumacher- Stuttgart fordert, daß vom Tage der Aussteuerung an den Arbeitslosen der Beitrag erlassen werde, ersucht um Einführung eines Einheitsbeitrages und um vorläufige Ablehnung aller Anträge auf Einführung einer Arbeitslosen- und Sterbeunterstützung.— Theißinger- Bielefeld bedauert, daß vom diesjährigen Ver- bandstag die Unterlagen für die Einführung des Unterstützungs- wesenS fehlen. Er ersucht um Herbeiführung eines Beschlusses, der den Vorstand verpflichtet, dem nächsten Verbandstage eine ent- sprechende Vorlage zu unterbreiten. Redner bekämpft ferner die Beseitigung der Klassenbeiträge.— Müller- Stettin betont dem- gegenüber, daß in Stettin schlechte Erfahrungen mit den Staffel- beitrügen gemacht seien, und tritt für Einführung einer Sterbe- Unterstützung ein.— Heitmann(Vorstand) weist darauf hin, daß der Vorstand keinerlei Anträge in bezug auf Unterstützungs- einrichtungen und Beitragswesen gestellt habe, weil er auf dem jetzigen Verbandstage an beiden nichts geändert haben möchte. Dagegen ist er einverstanden, wenn der Vorstand mit der Aus- arbeitung einer Vorlage zum nächsten Verbandstage beauftragt wird. Entschieden wendet sich Redner gegen den Antrag auf Weg- fall der Beitragszahlung während der Arbeitslosigkeit, weil der Ausfall ein zu erheblicher sein würde. Die Diskussion wurde in der Nachmittagssitzung fort- gesetzt. Im Mittelpunkte der Erörterungen stehen die Unter- stützungseinrichtungen, die einerseits befürwortet, andererseits be- kämpft werden. Vorstand und einig« Redner vertreten zwar den Standpunkt, daß sowohl an der Beitragszahlung wie an den Unter- stützungseinrichtungen durch den jetzigen Verbandstag Aenderungen nicht vorgenommen werden sollen, doch gibt Heitmann schließlich im Namen des Vorstandes die Erklärung ab, daß der Vorstand gegen die Einführung einer Sterbeunter st ützung nichts einzu- wenden habe, auch ohne Beitragserhöhung, was lebhaften Beifall auslöst. Es folgt nun ein Referat des Redakteurs Sabath über: Das Hausarbcitsgesetz. Der Redakteur unterbreitet dem Verbandstage ein« R e s o- lution, in der seine Ausführungen zusammengefaßt sind. Sie lautet: „Der 12. Verbandstag des Verbandes der Schneider, Schnei- derinnen und Wäschearbeiter Deutschlands steht in der Frage deS Heimarbeiterschutzes nach wie vor auf dem Boden der auf dem Heimarbeiterschutzkongreß im Jahre 1984 in Berlin angenom- menen Entschließung. Ter Verbandstag erklärt deshalb, daß das Hausarbeitsgesetz vom 28. Dezember 1911 in keiner Weise auch nur den mini- malsten Forderungen eines wirksamen Heimarbeiterschutzes ent- spricht. Abgesehen davon, daß die Lohnamter als Grundlage eines durchgreifenden Heimarbeiterschutzes fehlen, ist das Gesetz nur ein Rahmengesetz, welches wenig zwingende Bestimmungen enthält, sondern mehr nur leitend« Grundsätze aufstellt, deren Aus- führung dem Ermessen der zuständigen Behörden überlassen ist. Zwingend sind lediglich die Bestimmungen über die offene Auslage von Lohnverzeichnissen und Lohntafeln(ß 3), die Führung von Lohnbüchern oder Lohnzetteln(§ 4), die Registrierpflicht(§ 13) und die Unterstellung der Heimarbeiter unter die Gewcrbcinspcktion t§ 17). Alle anderen Bestimmung, so u. a. die, daß die Behörden durch Verfügung anordnen können, was zur Vermeidung einer nicht gerechtfertigten Zeitversäumnis der Heimarbeiter bei der Empfangnahme oder Ablieferung der Arbeit erforderlich ist(Z 5), die Vorschriften zum Schutze gegen Gefahren für Leben und Gc- sundheit der Hausarbeiter, sowie der Schutz der Kinder und Jugendlichen sZ 6), die Vorschriften für Schutzmaßregeln gegen Gefahren für die öffentliche Gesundheit(8 7), das Verbot der gesundheitschädlichen, der lebensgefährlichen oder die Sittlichkeit der Hausarbeiter oder der Oeffentlichkeit gefährdenden Arbeiten durch den Bundesrat(Z 18), die Anzeigepflicht, in welchen Räumen Heimarbeit verrichtet werden soll(Z 12) und die Be- stimmungen über die Fachausschüsse(Z 18 usw.) find nur fakul- tativ. Als arge Verschlechterung kommt noch hinzu, daß der Zeit- Punkt für das Inkrafttreten der besten Bestimmungen des Ge- setzes, die§§ 3 und 4, erst durch Kaiserliche Verordnung mit Zu- stimmung des Bundesrats festgesetzt und dadurch auf unbestimmte Zeit hinausgeschoben wird. Das Gesetz ist demnach nur als Vorarbeit für ein Heim- arbeiterschutzgefetz zu betrachten, das in seiner gegenwärtigen Fassung mehr eine Belastung, denn einen Schutz der Heimarbeiter enthält. Trotz alledem wird es Aufgabe der organifierten Arbeiter- schaft sein, das Wenige, was das Gesetz den Heimarbeitern dringt, für sie nutzbar zu machen und alles zu tun, um die Gesetzgebung zu weiteren Schritten auf der Bahn zu einem wirksamen Heim- arbeitcrschutz vorwärts zu drängen. Der Verbandstag verpflichtet deshalb die Kollegen und Kol- leginnen, unablässig in der Propaganda für Ausnutzung der ge- schaffenen Schutzbestimmungen und für Weiterentwickelung des Gesetzes tätig zu sein. Gleichzeitig ruft der Verbandstag die Kollegenschaft auf, mit verdoppeltem Eifer für die Organisierung der Heimarbeiter und Arbeiterinnen zu wirken, weil im Zusammenschluß der Arbeiter- schaft die beste Schutzwehr gegen ihre Ausbeutung in jeglicher Form gegeben ist." Marktbericht von Berlin am 16. Slugnst 1912,«ach Ermittelung des königl. Polizeipräsidiums. Markthallenpretse. sKIeinhaiidel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00— 50,00. Epciscbohnen, weiße. 30,00—50,00. Linsen 40,00-80,00. Kartoffeln(Kl-inhdI.) 7,00—12,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,80—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,50—1,90. Schweinefleisch 1,60—2,30. Kalbfleisch 1,50—2,40. Hammelfieisch 1,70— 2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 3,60— 5,50. 1 Kilogramm Karpsen 1,60—2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,40-3,60. Hechte 1,60—3,00. Barsche 1,00-2,40. Schleie 1,40—3,20. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 2,00—40,00.• Stiller- Cheater 0. Wallncr-Thcaler. Sonntag, abends 3 Uhr: Das Konzert. Morgen und solgende Tage: _ Konzert. Schiller- Theater Charlotteiibnrg. Sonntag, abends 8 Uhr: »«k« Politik. ilnsang 3 Uhr. Ende 10 Uhr. Morgen Nüd folgende Tage: Hohe Polltib. Neues Theater. Abends 3 Uhr: Der liebe Zlugustin. Operette von Leo Kall. berliner 1 bester. Abends 8 Uhr: Große Rosineu. fbMili ilei'Wggi'zliöi'�O Abends d Uhr: Die S Frankfurter. Theater des Westens. 8 Uhr: Die schöne Helena. ü 0SE=THEATEI Erotze Frankfnrter Str. 132. Die golbne Eva. Anfang 8',. Uhr. Aus der Gartcnbühne: Juhu! GS ist erreicht! Gr. Revue. ««.oetseuc� CARTEN Heute Sonntag Et A Eintritt«U Kinder unter 10 Jahr. die Hälfte. Ah naclim. 4 Uhr: GroBos Militär-Konzert t Kapellen. Täglich: Militär-Doppel-Konzert. Passage-Panoptikum Prinz ATOM Das kleinste menschliche Lebewesen. | Das Wunder aller Wunder. I Lebend! Ohne Eitra-Entree! Sozialdemokr. Wahlverein für den 5. Berl. Reiehstagswahlkreis Casino-Theater Wiedereröffnung der 12. Spielfaison. Soninibtnd, 24. Angust: Ein lustiges Stück a. d. Berl. Leben Der Großfürst. Vorverkauf für die ersten 7 Tage von ll— 2 an der Theaterkasse. Ah 8 Uhr 1 10 gp. kölnische ÄWoneo. 10 Uhr Der Wnndci'papngcl JLom als Lieder- und Coupistsänger. Boigt-THeater. Gesundbrmulen Badstrasie 58 Heule und solgende Tage: Die Battettschnle. Geprngsloinödic mit Tanz in 2 Akten. Bollständig neue erstklassige Spezialitäten. Ans. 4 Uhr. Im Saale: Gr. Ball. Voranzeige! Dienstag, 27. August: Benefiz sür das Schauspielpersonal: Ter rechte Weg. kölclisltsllsu-Tiiekter Täglich: Stettiner Sänger. Ans. Wochen!. 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Itrlchi«- hallcn- Cinrten .«lt. Berlin« u. Saal täglich: Kreßes Honigmann-Konzert. Wie man Männer bessert! Die Originai- Kiabrias-Partie Beide Stflcke mit Anton nnd Bonat Hcrrnfeld in den Ilanptrollcu. Anfang 8 Uhr. Vorvorhaut 11—2(Theatcrltaeae.) Königstadt-Kasino. Ecke Holzinarkt- u. Alexanderstr. Täglich: Barietö u. Theater im herrlichen Naturgarlcn. ?s°August: ö KI»iü»Wiliepg nnd„Ho leben ivip". GesanaSburleSke in 2 Bildern. Tägl. Äoffcefiiche biS 6 Uhr. Bepliner Ppater-Theater KuKtnnienalloe 7-0. Täglich: Ansang i'/i Uhr. O, diese Berliner! Ausslatt.-Posse von Freund. Musik von Einödshoser. krstlilsssjxe Spezialitäten. Konzert. X HA Ij E. Metropol-Tlieater. Miileliler Comp. Phailt.-musik. Uomödie in 3 Akt. aus d. EngL völlig frei bcarb. von I. Freund. Munt von ZI. Nelson, u. a. Tänze von W. B:shop. In Szene gcs. v. Dir.SchuItz. Ansang 8 Ubr. Ziauchc» gestaltet. �clmirÄtspAtsst am Bahnhek Friodrichstraßc, z. X. einziger EispalaHt. Heute Ä groBe Vorstellungen L. Nachmittags und abends: Das sensationelle ElNballctt ,, Yvonne". Willi Frlck, der kleinste Eislaufkünstler. Bis 6 Uhr und von 10'/� Uhr abends halbe Kassenpreiso. KeHtaurunt 1. Kangreul Wein- und Bier-Abteilung. Trianon-Theater. Ansang 8 Uhr..Die Brieftasche«. „Ein peinlicher Zwischenfall-. „Ter Dieb«. ! Am Königstor Am Friedrichshain Heute sowie jeden Tag »www»ww www www. 1 UNA Hark Heute Sonntag;: '1L£\ �enni� Volkstag! Kinder frei! Attraktionen ermäßigt t Voiksgarten-Tiiealer Babstr. 8 und Bellermannsb. 20/25. Täglich: Das neue Riesenprogramm! Käte ktormani— Leopold kiosser— The 3 Chiarotlos— Fred Halle/— Ada Wille— Ballett-Divertissement, Frida Lederer. Heydciuann& Sohn. Gr. Lebensbild mit Gesang u. Tanz. Kseuzboig-USis und Garten Bes. 0. Ernert Kreuzbergstr. 48. "*■ Jed. Sonnt. Gr. Spezial.« Vorstellung(P. Jeschocks Ensemble). Eintritt frei, Prosrr. pr. Pers. 10 PL— oden Montag: Hoffmanns Nordd. Sängi Jeden Freitag: Paul Mantheys Lustige Sänger. Passep.u. Vonsgsk. gült. Einige Sonnab.unt. kul. Bed. an Y ereine zu verg. puhimanns Theater * SchUnhnu«er AHeo 148. Täglich: Ob schön, ob Ncgm: Konzert, Theater, Spezialitäteo. Nach der Vorstellung: Ball. Die Kasseefüche ist von 2 Uhr an geöffnet. geben Mlnwoch: Elifekag. Ellsice so Ps. Ansang 4'/, Uhr. Soulltsx. clen 18. �uxust. in dos lZesamträumen cler krauerei Friedrichsbain, Am Friedrichshain 16—23: Großes Sommer-Fest verbunden mit Elite-Gesangs- u. Instrumental-Konzert Gastspiel hervorragender Künstler X Spezialitäten Kinderbelustigung X Fackelpolonäse X Kasperle-Theater usw In den Sälen Großer Ball. Eintritt frei. Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Anfang 4 Uhr. KalTccküche. Eintritt 30 Pf. SSM ( Berliner Volks- Chor M. d. A.-8.-B. Dirigent: Dr. E. Zander. Sonntag, den 25. August er., nachmittags 5 l"hr im Konzertetablissement : Friedrichshain: am Friedrichshain 16—23: Sommer=Konzert Mitwirkende: Fräulein G. Helncl(Breslau), Sopran; Herr Paul Bauer, Tenor; Herr Otto Kinkcldcy, Bariton; das neue Sinfonie- Orchester(50 Künstler); der Berliner Volks-Chor. Programm: Mendelssohn: Walpurgisnacht, Loreley-Finale. Beethoven: Pastoral-Sinfonie u. a. Eintritt SO Pf. einschließlich Programm, an der Kasse 40 Pf. Kussenaroffnung 3 Uhr. 59/12* Billetts sind in folgenden Geschäften zu haben: W. R o 1 o f f, Wörthor Str. 31. Bösnor, Immanuelkirchs tr. 12. Hanisoh, Augusts tr. 51. Kietz, Koponhagener Straße 2, Swinemünder Straße 86, Fehmamstr. 8. Vogel, Lortzingstr. 37. Ziehm, Bernauer Str. 48. Thomas, Gartens tr. 71. Schulz.Wiesenstraße 60a. Tie tz, Invalidenstr. 124. Haß, Torfstr. 19. Fische r, Veteranonstr. 6. Kriedemann, Stargarder Str. 74. Beyer, Veteranenstr. 11. Bremer, Weißenhurger Str. 9. Juhl, Ackerstr. 46. Charlet, Ackerstr. 154. W e s s e 1, Trcsckow- straße 20. O. V o ge 1, Koppenstr. 82. Heinz, Koppenstr. 92. Perlewitz, Am Friedrichshain 6. Liobecke, Komintener Str. 11. Dahn, Petersburger Str. 34. Niemeyer, Weberstraße 19. Beul, Bamimstr. 42. Kißling, Kadiner Str. 15. C. Sommerfeld u. Co., Rosenthaler Str. 51. W eih'n acht, Orünstr. 21. W W i e m e r s, Bülowstr. 59. Bühle, Winter- feldtplatz. SW. S. Goßmann, Teltower Str. 16. JuL Meyer, Oramenstr. 103. Pritsche, Tempelhofor Ufer 1. Böttcher, Zossener Str. 30. D a e h n, Hagelbergerstr. 27. Priegent, BeUealliunoestr. 75.». Börner, Bitte rstr. 15. Franke, Mariannens tr. 26a. Schulz, Admiralstr. 40. K u h r i n g, Jahnstr. 1. Bühle, Moritzplatz. M o s e 1 e r, Bitters tr. 84. Wenkttlln. Liebe, Hermnnnstr. 68. Zirkel, Idealpassage. L i n d n e r, Kaiser- Friodrich-Str. 38. RainnielBbnrg;._H a ven- stein, Lonbachstr. 22. SO. H o r s o h. Engelufer 15. Ihm, Wrangelstraße 58. Stangenderg. Köpenioker Straße 20a. Schlösser, Köpenicker Str. 134. AlW. Menz, Wilhelmshavener Str. 61. M ä r k e r, Türmst r. 52. Gstör, Pauls tr. 33. Lamprecht, Putlitzstr. 10. Chailottenbnrg. Weisheit, Rosinenstr. 3. Schmidt, Wilmersdorfer-Str. 130. Wilk, Kirohstr. 30. In sämtlichen Verkaufsstellen der Konsum-Genossenschaft Berlin und Umgegend sowie in allen mit Plakaten versehenen Geschäften. Recht zahlreichen Besuch erwartet Der Voratand., p wwwwww we»ww«w l-'■ AUUTELIUNGJHALUN AM ZOO BERIIN-1912 von IT.flUGüST-t SEPTEMBER EINTPJTTFttEI GEÖFFNET v. 10- 8 UHR Hagenbecks Indien Tempelhofer Feld. JCeute letzter Sonntag! Großes ibsehiedsfest der Indier. Ein Kind frei t Eniree 50 Pfennig. ArbkltklWndermeiil„Kerlin" Verein zur Förderung des Wandersports unter dm organifiertm Pari et» genossen Grotz-Verlins. Durch die allseiHge Anerfennung, welche seitens unserer Gäste und Mitglieder unseren bisberigen Sprccwaldfahrtcn gezollt wurde, bewiesen durch die starte Beteiligung, sehen wir UNS veranlaßt, am Sonntag. de» 43. September, noch eine eintägige H erbst- Spreewaldf ahrt haben die Teilnehmer an des Spreewaldes zu bestch- zu veranstalten.— Unter bewährter dieser Fahrt Gelegenheit, die schönsten.... tige», ohne sich irgendwelcher Anstrengung(Fußwanderung) zu unterziehen; es können daher auch Personen teilnehmen, welche nicht imstande find, lange Fußtouren zu unternehmen. Tetlnehmerlarten a 5,75 M.(Bahn- und Kahnfahrt) find zu haben bei den Führern Georg Weihnacht, Arünstr. 21 und Fritz Kruse, Mariannen st r. 11, und wollen sich Interessenten bis spätestens Mittwoch, den lt. September daselbst melden. Nachfolgend lassen wir eine kurze Beschreibung der Tour folgen: Fahrt am Sonnlag früh mit bestellten Wagen Iii. Klafle bis Lübbenau; dort be- steigen wir 3 Minuten vom Bahnhof die Kähne und passieren nun, Lübbenau verlassend, daS malerische Lehde(Spree- Venedig.) Dann nach Leipe, von dort an der Poleiizschänke vorbei, erreichen wir den herrlichen Erlenwald(leine abgekürzte, sondern ouSsührliche Fahrt), ForsthauS Eiche, Kanno-Mühle. SotschasSla, Lehde, Lübbenau.— Rückjahrt: Ankunst in Berlin: Sonntag abends zirla 11 Uhr. Die nächste Versammlung findet am Mittwoch, den 21. Angust. abends 8'/z Uhr, bei Wählisch, Skalitzerstr. 22, tatt.— Gäste willkommen. Gebr. Schwarzer Arnholdl Wer Berlln-Iilchtcnberg;, Frankfurter Chaussee S. Täglich: Konzert und Spezialitäten- Vorstellung mit vollständig neuem Prog r a m n Jeden Mittwoch: Elite» Tag» Sonntag: TanzsReunion. j[ Restaurant Neu-Seeland, Stralau j• < t am Bummelsburger See. Inh. Wwe. Schonert. i> »Jeden Sonntag Spezialitäten-Vorstellung u. Konzerf,' Im Vergnügungspark: 32121/ | Großes Volksfest ä la Stralauer Fischzug.£ Im Saal: Gr. Ball. Jeden Mittwoch: Gr. Kinderfest. Abends: Spree-Athener, Dir. M. Zerner. malrtlell. MllilllfSllltto (am Schlesischcn Bahnhos). �m°itt'a1s� Uhr'nach: Woltersdorfer Schleuse. L'sUs. xsxyxxiTOtsaaxntxzxaBKxaassxxxrxsgxxxi fr. Sieaei5 feMöle Theaterbühne Gr. FrEßkllirtfiF Stf. 30. 2 Kegelbahnen Empfehle den GewerNchasten sowie Vereinen meine v.Iinnit-r sowie tsttl«!<30 bis 360 Personen fassend) zur Ab. Haltung von Sitzungen, Brrfammliirgen sowie Festlichfeltc» zu den fulantcsten Bedingungen. 343211' NB. Sonnabende u.Sonntage im August, September, Oktober noch frei. Rosenthaler Hof Rosenthaler Str. 11/12. Inh. Otto Schilling. Telephon: Amt N. 2438. Sämtliche Näume renoviert. g BercinSzimmer. Kegelbahn. 3 Säle mit Bühne bis 400 Personen. noch einige Sonnabende und Sonntage frei. 3776L Markgrafen-Säle 84, Karkgrafen-Damiu 34. ■ An der Dtralauer Allee.== Täglich: Gröba Kino- Vorstellung. Im Restaurant täglich»lufifalifche Nnterhaltung. Vorzügliche Küche, fi- Biere u. Deine, Billard».Kegelbahn Athambra Vallner-Theaterstraße 15. Großer Ball Großes Orchester. Anfang Sonntags 5 Uhr. A. Zanieftat. Jeden Sonntag: P. Sommer- Theater Landsderger Atter 76,77. Taglich: Gr. Konzert u. Spezialitäten» Vorstellung. Im Saal:«r.«all. Jeden 1. und 16.: Neues Pro. gramm. Wochentags Entree jrei. Mittwoch: Gr. Kinderfest. Nißles Fest-Säle DennewitzstraSe 13. Jeden Sonntag: Canzkränzchen. «•'""}? m«l.. Adr.: Neukölln|,abn8tr.74L Moabiter Schützenhaus, Plötzensee. Bunte Bühne. Elite-Konzert. Große Halle. Feuerwcrt. Sl�sium f»»v»d»«hevgee Allee 40-41. Tägl. herrliches Programm: „ mit Franz Spezialitäten«»,»»» �ki. Großer Ball. FaniiHen-KaffccUochen. Ansang 3'/, Uhr. Eniree 10 Ps. öurgtiteale!'- Kino und Feslsäle, WNWiz.» u. V oreins vergnügen. 4hocholeg. Kogelbahnen. Tägl. Frei-Konzert und Frei-Kino im Qarton _ Hudolf Merz. Hüüüi Berliner"»•«* wfiuDrfe» _ Gfl- Treuer RastacieaaUeeM jtnt den Inhal» der Jnierare »deruimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber tetnrrlet Berantwortnng. SozIdldcmoMfcber Vahlvmin für den 4. Berliner Belchstags�ahlkreis. Dienstag, den 20. August, abends 8 Uhr: S Viertels'Versammltmisen in folgenden Lokalen: I. Oorlitzrer Viertel bei Grauinanu, Naunynstraße 27. Reserent: Genysje HVivIocll. 2. Köpenicker Viertel in„Süd-O�, Waldemarstraße 73. Reserent: Genosse ZleUe. s. k�rankkurter Viertel bei Boeker, Weberstraße 17. Reserent: Genosse Davidsohn. 4. Stralauer Viertel in den Comenins-Sälen, Memeler Str. 67. Reserent: Genosse Bruckner. 5. Petersburger Viertel in der Löwenbrauerei. Frankfurter Allee 33. Reserent: Genosse SIexle. 6. Landsberger Viertel im Elysium, Landsberger Allee 46. Reserent: Genosse BUcnner. Tagesordnung: 1. Anträge und Vorschläge der Delegierten zum Parteitag. 2. Vorschläge für eine eventuell zu wählende Schiedsgerichtskommission. 3. Bestätigung der Delegierten zur Verbands-Generalversammlung. Mitgliedsbuch legitimiert."WD vor Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein für den sechsten Berliner Reichstagswahlkreis. Dienstag, den 20. August 1912, abends 8l/2 Uhr: 22 Mitgliederversammlungen 1. Abt.: Obiglo, SchwedterStr.23(kl.Saal). 2.„ Obiglo, Schwedter Str. 23(gr. Saal). 3. Berolinasäle, Schönhauser Allee 28 (mittlerer Saal). 4.„ Berolinasäle, Schönhauser Allee 28 (oberer Saal). Burgthcater-Festsäle, Schönhauser Allee 129. KonzerthauS Sühmilch, Born- bolmer Str. 7. Milafäle, Schönhauser Allee 136. Swincmünder Gcsellschaftshaus, Swinemünder Str. 42. in folgenden Lokalen: 11. Abt.: Oranienburger Festsäle, Chaussee- straße 16. 12.„ Artushof» Perleberger Str. 23. 13.„ Moabiter Biirgersäle,Beusselstr. 9. 14.„ Moabiter Stadt- Theater, Alt- Moabit 47/49. 15.„ Arminiushallen, Bremer Str. 74/75. 16.„ Funkes Gescllschaftshaus, Trift- straße 63. 17.„ Voigt-Theater, Badstr. 58. 18.„ Frankes Festsäle, Badstr. 19. 19.„ Schmidts Fcstsäle» Prinzenallee 33. 26.„ Pharusiäle, Müllerstr. 142(gr.©.). 21.„ Pharussäle, Müllerstr. 142(kl. S.). 22.„ Sachon, Müllerstr. 136. 9.„ Tase, Brunnenstr. 154. 16... Kramer, Hussitenstr. 46. Tagesordnung: Stellungnahme zu der Tagesordnung der Kreis- Generalversammlung am 27. August und den dazu vorliegenden Anträgen. 1. Antrag der 4. Abteilung: Den§ 5 de» OrganisationSstatutS in der alten Fassung bestehen zu lassen. 2. Antrag bei Genossen Kuttmann, die Abänderung des§ 7 betrcssend. 3. Antrag deZ Genossen Lehmann, Agitation unter den Prioatangestellten betrcssend. 4. Reioliitton des Genossen Krause, den Fall Dr. Landsberg betreffend. b. Resolution Schiemann, die Sondertonscrenzen der Abgeordneten betreffend. (5. Resolution, Agitation unter den Jugendlichen zwischen 18—20 Jahren betreffend. ——————— Mitgliedsbuch legitimiert. 1 281/18 Der Vorstand. Engeialer no. H/js. Bezirksverwaltllng LroB-Beriin. re!.!«orltrplstr 2Z8Z.4747. Donnerstag, den 22. August IDliJ, abends 8>/g Ilhr: Ordentliche General- Bersammlnng im großen Saal des Gewerkschaftshauses, Engelufer 14/13. Tagesordnung: 6ö/5 i. Mitteilungen. 2. Geschäfts-, Kassen- und Arbcitsnachweisbericht für daS zweite Quartal 1912. 3. Wahl Jan 8 Mitgliedern zum Verbandsvorstand und 4 Revisoren sür die Hauptkasse. 4. Erledigung ein- gegangener Anträge. S. Geschäftliches. Hierzu sind die Delegierten freundlichst eingeladen. MtgiMr' Legltimationskarten sowie Mitgliedsbuch sind niitzubringe» und zwecks Kontrolle resp. Zlbstempcluug am Gingang zur Versammlung vorzuzeigen. ---------------- Ohne Karte und Such kein Euintt!==== Wer über acht Wochen mit seinen Beiträge» im Rückstände ist, hat ebenfalls keinen Zutritt. Die Vezirksverwaltung. I. A.: A. Werner. E. f». m. b. H.— Zentrale: Liicbtenbcrg, Rlttergntstr. 19/86. Wir eröffnen am 106(2 unsere 20. Angnst 89. Terkanf�stelle m££öpeilick9 Müggelheims Sir. Der Vorstanik -— V Fleischer-Innung, Berlin. Erklänung» Die durchaus ungenügende Beschickung des Schlachlviehmarktes mit schlachtreifen Tieren hat zu einer großen Steigerung der Preise für Schlachtvieh aller Gattungen geführt. Für Rinder und Schweine müssen jetzt Preise bezahlt werden, wie sie noch niemals bezahlt worden sind und wie sie auch keineswegs dem Herstellungswert der Ware entsprechen. Die Ursache des ungenügenden Beschickens der Schlachtviehmärkte ist allein darin zu suchen, daß unsere Landwirtschaft nicht den erforderlichen Bedarf an Schlachttieren liefert. Die Einfuhr aus viehreicheren Ländern ist aber zum größten Teil durch Verordnungen aller Art direkt unmöglich gemacht. Solange dieser Zustand fortdauert, müssen die Preise für Fleisch und Fleischwaren weiter steigen und es ist nicht abzusehen, daß i.�end welche Besserung dieser Verhältnisse eintritt. 3839L Der Vorstand der Fleischer-Innung Berlin. I. V.; P. Burg, Altmeister, Von der Reise zurück Dr. Max Blumenthal, Landtberger Allee 187/158. Sozialdemokratischer Klal)l verein Cfyarlottenburg. Dienstag, den 80. August er., abends'1,0 Uhr, im großen Saale des Volkshauses, Rosinenslraße 3: Genernl-Versammlung. Tagesordnung: 1; ,®evi'bt von der Kreis- Generalversammlung. der Delegierten zur Verbands- GeneralversammInngV 4. Verschiedenes Zahlreichen Besuch erwartet[230/18] 2. Diskussion. 3. Wahl Verschiedenes. Der Vorstand. Verband der Sattler u. Portefeuiller Ortsverwaltung Berlin. iemung! Portefeuiller! tcdlvtig! Mittwoch, den 81. August, abend»«>/, Nhr. in den Armiuhalleu, Kommandantenstraße 38/39: Hußerordentl. Versammlung aller in der Portefeuillesbranche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Ä 1k®? 8. Die�Veichlüsse des Münchener Verbandstages zur Beitrag». frage. Referent: Kollege �.chnlze. s. Verschiedenes.■ � j,,. 15811 Kollegen! Kolleginnen! Die Versammlung wird präzise 8'/, Uhr er- öffnet. Wir ersuchen deshalb um pünltltches und vollzähliges Erscheinen. Die Ortsverwaltung. MmU« der Man Gipser, Miller ii subten» icniejstei"'iip -— VcfwnltiingsstcIIo Berlin.- Mittwoch, den 81. Sluauft. abends 8 Uhr, im Saal 3 de» Gewerk'chattShauicS: JWitgUedcr-Vcrfamtnlungf. 1. Kassenbericht vom 1912 2. Wahl der HUstkasfierer.— R. llassenangelegenheilen. Bio OrtsTcrwaltnng. Zahlstelle Berlin. Mittwoch den 31. Slngust, abends 8 Uhr: General- Versammlung im Saal 4 des Gewerkschaftshauses, Engelufer IS. Tagesordnung: 1. Geschäfts, und Kassenbericht. 2. Wahl von 8 Revisoren. 3. DerbandSangelegenheiten und Verschiedenes. "»"�»»»«—» mtg-Ilodnbuoh legitimiert. VjO Uhr eröffnet. Die OrtSverwaltung. tMBT Die Versammlung wird Pünlllich Zahlreichen Besuch erwartet 23/4 Wir machen die Mitglieder besonders darauf ansmerlsam, daß die Generalversammlung nicht am Montag, sondern Mittwoch, deu 81. s'ngust, staltfindet.__ l der Mittwoch, den 21. August er., abends S'/a Uhr: Fortsetzung der Generalversammlung bei Boeker, Weberstr. 17. Tagesordnung: 1. Bericht und Diskussion über den Verbandstag zu Dresden. 2. Neuwahl von Mitgliedern zur GewerkschastSkommilston. 3. Verbandsangelcgenheitcn und Verschiedeue». 1KS/11 fflitalledsbucb legitimiert.' 3&5 J Vollzähliges Erscheinen erwartet Die Ortsverwaltung. Vvrdsnü der ksussrÄvsrswv Sertrk vsten. Donnerstag, den 88. August, abends 8'/,»Hr. in den Commenins- Fcstsäleu, Memeler Ztt. 67: Geffentliche Versammlung. Tagesordnung: 1. Tie schützt der Arbeiter Leben und Gesundheit feiner FamMe? Reserent: Genosse Br. Mosen.— 2. Diskussion.— 3. Ausnahme neuer Mitglieder. Wer cS gut meint mit seiner Familie, wer ein wirklicher Familienvater im wahre» Sinne des Wortes ist, besnche diese Versammlung. Mitglieder werden ausgenommen beim 1.«orsthende» Karl Röbel, Kopcrnikusstr. 9, Ouergebäude I. Sprechstunden abends 3—3 außer Sonnabends und Sonntag». 294/13' laer Verwaltung Berlin. MgUsäerversammwngsn: Bezirk Osten III und östliche Vororte Montag, den 19. August, abends 5Vj Uhr, in den Prachtsäle» des Ostens, Frankfurter Allee 151. Tagesordnung: Bericht vom VerdandStag. Diskussion.— Bericht von der letzten General-' Versammlung.— VerbandSangelcgenhetten. Kisten-«. Koffermacher Montag, den 19. August, abends präzise 8 Uhr, in den Audreas-Festsälcn, Andrcasstr. 23. Tagesordnung: 1. Die Arbeitszeit im Holzgewcrbe. 2. DerbandSangelegenheiten. 3. Wahl eine» Beitragsammlers und zweier KommisstonSmitgiiedtr. Korbmacher ;m Mittwoch, den 21. August, abends 8'/, Uhr, GcwerkschaftShause, Engelufcr 15. Saal 4(Arbeits- losensaal). Tagesordnung! l. DaS SnbmisfionSwesen und die Innung. 2. Anträge zur General- Versammlung. 3. Ersatzwahl zur Kommission. 4. Branchenangelegenheit. Modell- nFabriktischler Donnerstag, den 22. Angust, abends pünktlich 8 Uhr. im Roscnthaler Hof, Nosenthaler Straße 11/12. Tagesordnung: l. Bericht vom Vcrbandstag. 2. Anträge zur Generalversammlung. 3. Brallchenangelegenhcilen. Die arbeitslosen Kollege» werden gebeten, t» der Ver, sammlung zu erscheinen,-h»« Achtung! Die Bibliothek ist wieder eröffnet! 37/17 vle Ortsv crwaltnny. Industrie- Fest- Säle luh. 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Eine Spur des Unholdes, die vorgestern abend noch ge- funden wurde, geht in Börnicke verloren. In der Nähe des Forst- Hauses der Stadt Nauen wurde von einem Waldarbeiter ein Ma�n gesehen, auf den die Beschreibung des Täters patzt, der aber keine Kopfbedeckung trug. Kurze Feit darauf stellte der Stadtförster Pieper fest, datz ihm ein Fahrrad, Marke Brennabor, gestohlen worden war. Das Rad war von seinem Sohne bei der Rückkehr von der Schule in Nauen benutzt worden und an die Veranda seines Hauses gestellt. Von hier verliert sich aber seine Spur. Weil es möglich ist, datz der Verfolgte die Hamburger Bahn benutzen wird, wurden durch die Berliner Kriminalpolizei alle in Frage kommenden Stationen, wie Neustadt a. Dosse und Wusterhausen, durch Staats- bepeschen benachristtigt. In Nauen, Finkenkrug und Seegefeld war vorgestern abend spät das Gerücht verbreitet, datz der Täter in der Försterei des Herrn von Bredow verhaftet worden sei. Eine grotze, erregte Menschenmenge belagerte daraufhin bis in die Nacht hinein den Naucner Bahnhof in der Meinung, datz der Messerstecher dorthin transportiert und dem Polizeiamt zugeführt werden würde. Später lief dann die Meldung ein, datz die Nachricht auf einen Irrtum beruhe. Gleich nach Tagesanbruch wurde auch die Streck«, die der Täter bei seiner Flucht zurücklegte, daraufhin nachgesucht, ob der Messer- stecher vielleicht beim Durchwaten des großen Wassertümpels seinen Hut verloren hat. Nach den Beschreibungen der Zeugen, die den Unhold vor oder nach der Tat gesehen haben, sieht dieser wie folgt aus: Er ist ungefähr 19 bis 29 Jahre alt, 154 bis 1,69 Meter groß und schlank, hat dunkelblondes, gescheiteltes Haar, ein bartloses Gesicht von aschgrauer Farbe und trug einen dunkelblauen, schäbigen Jackettanzug, einen schwarze� steifen Hut, aber keine Plättwäsche. Anscheinend war er mit einem gestreiften Barchenthemd bekleidet. Der Eisenbahnwagen, in dem sich der blutige Vorfall abgespielt hat. wurde gestern nach Berlin befördert und von einer Gerichts-- Kommission im Beisein des GerichtsarzteS Medizinalrat Dr. Stürmer untersucht. Die Eisenbahndirektion hat noch vorgestern abend auf die Er- tzreifung des Messerstechers eine Belohnung von 1999 Mark gesetzt- Die drei verletzten Frauen haben sich im Laufe der Nacht soweit erholt, datz keine Lebensgefahr mehr vorhanden ist. Sie konnten auch schon von Kriminalkommissar Klinghammer vernommen wer- den. Die Vernehmung ergab, datz es sich unzweifelhaft um einen Geisteskranken handeln muß, der die schreckliche Tat aus- geführt hat. Die Frauen geben an: Als der Zug sich kaum in Bewegung gesetzt habe, sei der Mann mit gezücktem Messer aus dem Nebenabteil gekommen und habe sich sofort auf sie gestürzt und blindlings auf sie eingestochen. Er habe dabei kein Wort geredet und auch nicht den Versuch gemacht, ihnen die Wert- und Schmucksachen zu rauben. Sein Ge- sicht habe einen ganz wilden Ausdruck gehabt. Die Augen seien hervorgetreten und fortwährend habe er sie mit stieren Blicken angesehen. Ob sie selbst oder ein anderer die Notbremse gezogen haben, vermögen sie gar nicht anzugeben. Sie hätten nur bemerkt, wie der Zug plötzlich stehen blieb, der Mann heraussprang und davoneilte. Gestern vormittag ist von der Staatsanwalt- schaft III der Untersuchungsrichter nach Nauen gefahren, um die Verletzten weiter zu vernehmen. Alle Fahrgäste des Zuges» in dem sich die Bluttat abgespielt hat, werden ersucht, sich bei der hiesigen Kriminalpolizei zu melden, da sie vielleicht in der Lage sind, Mit- teilungrn zu machen, die für die Ergreifung des Täters wertvoll sind. Die Trainsoldaten, die bei einem hiesigem Regiment dienen und von einem Ernteurlaub auS ihrer Heimat zurückkehrten, haben sich bereit? gemeldet. Sie können nur angeben, datz sie den Täter haben flüchten sehen, dessen Verfolgung sie aufgeben mutzten, weil teive Ergreifung nicht mehr möglich gewesen sei. Die Aussagen deS Fräuleinö Karftedt. Wie weiter berichtet wird, konnie gestern vormittag noch die Tochter der Frau Karftedt. die nur zwei Stiche erhielt und weniger schwer verletzt ist. eingehend vernommen werden. Danach hat sich der Unhold zuerst auf Frau Votz gestürzt, die in der linken Ecke nach der Fahrtrichtung de« Zuges saß und sich bei seinem Eintreten er- hob. Er stach blindlings auf sie ein. bis sie die Besinnung verlor. Dann richtete er sich um und stach ebenso toll auf Frau Karftedt «in, die der Frau Votz gegenüber auf der Mitte der Bank saß. Auch sie verlor bald das Bewutztsein und fiel mit dem Oberkörper auf die Bank. Dieser Vorfall spielte sich in wenigen Sekunden ab. Fräulein Karftedt zog gleich die Notbrems«. Als dies der Mann sah, versetzte er ihr noch zwei Stiche in den Oberschenkel und sprang dann aus dem langsamer fahrenden Zug heraus und zwar nach der rechten Seite der Fahrtrichtung. Als der Eisen- bnhnzng hielt, kamen erst nach einer kurzen Weile Beamte und sahen nach der Ursache, die zum Ziehen der Notleine Veranlassung gegeben hatte. Datz nicht gleich jemand erschien, erklärt sich dadurch, daß zu dieser Zeit ein v- Zug die Strecke passiert und dieser erst vorbeigelassen werden mutzte. Als sie nachsahen, kam ihnen Fräulein Karftedt schon aus dem Abteil entgegen. Auf Veranlassung eines höheren Eisenbahn- beamten, der zufällig mit dem Zuge fuhr, wurde der Zug gleich wieder in Bewegung gesetzt, um den besinnungslos daliegenden Frauen auf der nächsten Station die erste Hilfe zuteil werden zu lassen. Die Darstellung des Fräulein Karftedt stinnnt mit dem Er- gebnis der Besichtigung des Eisenbahnwagens überein. Der ganze Futzbodei, de» Wagens war so dick mit Blut bedeckt, datz darauf vorgestern abend eine Blutlache gestanden haben mutz. Auch Sie Plätze, wo Frau Votz und Frau Karftedt satzen. waren über und über mit Blut besudelt. Selbst die Scheiben und Wände wiesen Blutflecke und Spritzer auf. An der Seite, wo die Frau Votz sah, war auch die Gardine heruntergerissen. Einige Teile des Wagens. die Fingerabdrücke aufwiesen, wurden herausgenommen' und dem Erkennungsdienst der Berliner Kriminalpolizei übergeben. Da» dem Förster gestohlene Fahrrad stammt von den Vrennaborwerken, hat aber keine Mark« und keine Nummer. Die Lenkstongengriffe sind schwarz. Satteltasche und Laterne fehlt. Die Reife» sind neu bezogen und einer Pedale fehlt der Gummibezug. Gestern nachmittag kurz nach 2 Uhr trafen in Nauen die beiden Polizeihunde«Lux' und.Moritz' mit Berliner Kriminalbeamten ein. von der Stelle, wo der Täter den Zug verlassen und den Weg Aber die Wiesen hinweg nach dem Walde genommen hat, soll die ungefähr 7 Kilometer lange Strecke auf eine Breite von mehreren hundert Metern durchsucht werden, um eveut. das Messer des Ver- brechers zu finden und so den Hunden eine neue Witterung geben zu können. Es wird sehr schwer sein, dieses zu finden, da die Wiesen mit zahlreichen Gräben durchzogen sind, die von dem Flüchtenden alle genommen wurden. Auch steht das Gras sehr hoch, da es noch nicht zum zweitenmal gemäht worden ist. Wahrscheinlich wird auch der Hut des Täters noch dort liegen. Die Streifen der Polizeihunde waren bis jetzt ohne Erfolg. Partei- EtogelegenKeiteu. Verband der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend. Die ordentliche Generalversammlung des Verbandes findet am Sonntag, den 25. August 1912, mittags 12 Uhr, in den Concordia-Festsälen, Andreasstraße 64, statt. Provisorische Tagesordnung: 1. Beratung der in der Generalversammlung am 31. März zurückgestellten Anträge. 2. Bericht des Vorstandes, Kassenbericht, Bericht derRevisoren. 3. Antrag des Zentralvorstandes auf Abänderung des Ber- bandsstatnts. 4. Wahl des Vorsitzenden. Schriftführers, Kassierers; der Revisoren und der weiblichen Vorstandsbeisitzer, sowie Bestätigung der von den Kreisen gewählten Funktionäre dos Verbandes. 5. Anträge der Kreis-Wahlvereine. Zutritt zur Generalversammlung haben nur die mit Legitimationskarten versehenen Delegierten. Parteigenossen, die derselben als Gäste beiwohnen wollen, erhalten Gastkarten durch den Vorstand ihres Kreises resp. durch die Schriftführer. _ Der Zeutralvorstand. Zweiter Wahlkreis. Heute, Sonntag, von 9 bis 1 Uhr, findet d i e U r w a h I in den im Freitag- und Sonnabend-Jnferat aufgeführten Lokalen statt._ Sozialdemokratischer Wahlverein für Potsdam-Spandan- Osthavelland. Die Kreisgeneralversammlung findet heute, Sonntag, den 18. August, vormittags 10 Uhr, in der Brauerei Pichelsdorf in Spandau statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Kreisvorstandes. 2. Bericht von der Provinzialkonferenz. 3. Stellungnahme zum Parteitag. 4. Die preußischen Landtagswahlen. 5. Anträge. 6. Wahl des Kreisvorstandes, derRevisoren sowie der Ob- leute der Kommissionen. _ Der Kreisvorstand. Tcmpelhof. Dienstag, den 29. August, abends S'/a Uhr, bei Becker, Berliner Str. 41/42: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 8. Bericht von der Kreis- Generalversammlung. 4. Bestätigung der Bezirksfiihrer. 5. Wahl der Kontrolleuriii für die Kinderschutzkommission. 6. Ver- schiedeneS. Friedenau. Die Mitgliederversammlung deS Wahl- Vereins findet Dienstag, den 29. August, abends Uhr, im.Kaiser- Wilhelm-Garten', Rheinstr. 65, statt. Auf der Tagesordnung steht u. a. ein Vortrag des Genossen Max G r o g e r über:„Die Auf- gaben des Parteitages'. Wahl der Delegterten zur Verbands- generalversammlung von Grotz-Berlin. Der Vorstand. Borsigwalde> Wittenau. Dienstag, den 29. August er., abends 3>/z Uhr, findet die Mitgliederversammlung deS Wahl- Vereins in den Borsigwalder Festiälen statt. Die Bezirksleitung. Obcr-Ichö»cweide. Dienstag, den 29. August, abends 8'/, Uhr, findet bei Prochowski sRestaurant„Neue Post'), RathauSstratze. Ecke Schillerpromenade, die Mitgliederversammlung statt. Tagesordnung: Das neue Organisationsstatut, DiZkussion, Verschiedenes. _ Der Vorstand. Berliner ISacbrichtem Die Heide blüht. Erika... welch' entzückender Mädchennahme! Wie etwas fein Abgetöntes, knospcnhaft Zartes und doch wieder Abgeklärtes, Reifes klingt es aus ihm entgegen. Keine wilde Hunimel, die wie ein Sprühtcufelchen durch Feld und Wald tollt, darf Erika sein. Nur eine sanfte Maid, die lieblich und still erblüht, dem Herzen eine wonnige Freude. Erika... so auch benannte Linnö, der große Beherrscher im Reiche Floras, das schönste Blütenkind des Herbstes. Die Natur gleicht aus. Nickis gibt es, das nicht irgendwo und irgend- ivann ihren beglückenden Odem fühlt. Heide... endlos dürre, starre, todestranrige Heide I Und auch sie wird wach- geküßt vom Zaubermnnd der Natur... wenn der Sommer zur Neige gehen ivill, langsam schon die Blätter fallen und die ersten Herbstboten ungeduldig an die Weltentür klopfen. Ist ein Wunder geschehen über Nacht und Nebel? Die Heide blüht! Was des Wanderers Fuß sonst vorsichtig umgeht, dem Auge kein Wohlgefallen ist, schimmert mit einem Male im eigenartigsten Blütcnmeer. In warmem, sattem Violett leuchtet die Ebene, wie ein Abglanz der Himnielspalctte. der schönsten, reifesten Farbenspiclart des Rcgcnbogens. Milliarden zarter, winziger Blüten hat der Angusthauch geöffnet. Violett, mit Purpur gemischt, wohin das Auge blickt. Und Leben... summendes, surrendes Leben ist in die sonst so starre, dürre Heide eingekehrt. Schmetterlinge und Bienen haben sich auf ihr ein Stelldichein gegeben, tauchen wie im Sommerabschicdsrausch die feinen Rüssel in die süßschwangeren Blütenkelche, fliegen schwer- beladen zum Heim, hin und her. immer aufs neue in rast- losem Fleiß. Unzählige Heerscharen geflügelter Lebewesen nehmen freudetrunken ihren Tribut vom Tischtuch der Natur. Millionen der kleinen, stillen Zecher saugen sich am Blütenhonig zu Tode. bleiben auf der Strecke. werden die leichte Beute des gierigen Stärkeren. Würde die blühende Heide so wunderschön aussehen, wenn sie nicht auch Abwechselung böte im Farbenspiel? Droben in der Lüneburger Heide habe ich sie stauneud bewundert, die „Zypressen des Nordens", diese mächtigen, viele Meter hohen Wacholdersträuche. die sich hier wie schwere schivarzgrüne Säulen in das Heideblumenmeer hineinschieben. Und staunend sah ich hier auch das Heidekraut in wunderbarer Ueppigkeit sich dehnen, einen Meter hoch und höher— in erhabener Gesamtwirkung, die man in unserer heidereichen Mark ähnlich großartig nicht kennt. So verstand ich auch, wie der Strom der Ausflügler sich hingezogen fühlte nach dem einzigartigen Naturschauspiel des abschiednehmendcn Sommers und aus aller Munde die Freude klang: die Heide blüht I Sie blüht schön und sehenswert, inmitten Hunderter von verstreuten Wacholdersäulen, hier und da betipft mit blauen Farben- klecksen des wohlriechenden Thymian, auch in unserer Mark. Schon hinter Tegelort, aber auch sonst in der Nähe Berlins, findet man weite Heidekrautflächen, die jetzt das nicht ver- wöhnte Großstadtauge entzücken können und uns erinnern an das Dichterwort: Nur seine Zeit will jedes Ding, Im Dunkel oder Sonnenschein: Reift einen Sommer lang der Wein, Tut's über Nacht ein Pfifferling. Tie Erntefeste blühen jetzt wieder an der Peripherie der Großstadt. Mag die Witterung auch noch so rauh und unfreundlich sein, jeder Sonnlag— von den zugehörigen Wochentagen ganz abge- sehen— ist mit Beschlag belegt. Die Vororte wollen auch ihr Renommee wahren und dem Berliner zeigen, daß er auch außerhalb des Häusermeeres sein Vergnügen finden kann; und noch dazu ein Vergnügen mit„echt ländlichem" Anstrich! So etwas zieht! Tie Elektrischen, die nach den jeweiligen Erntefestorten rattern, sind denn auch„knüppeldickevoll". Ein bißchen Drängeln kann man bei der herrschenden Augustkälte schon vertragen; das macht, warm. Ungünstiges Wetter aber darf einem waschechten Berliner überhaupt nicht die Laune verderben. So pilgert er denn hoffnungsvoll nach den Stätten der ländlichen Lustbarkeit hinaus. Schon in den Zugangsstraßen zu den Rummelplätzen drängen sich die Menschen. Kinder mit bändergeschmückten Harken, mit Papierschärpen und Papienniitzcn lassen die trompetenden Gummiblasenschweinchen guicken und die Ra- dauflöten tremolieren, daß einein die Ohren gellen. Aber das ist nur die Ouvertüre. Auf den Festplätzen selbst ent- wickelt sich erst die eigentliche Handlung. Leierkästen und Phonographen konkurrieren mit einander und bringen es zu einem Höllenlärm. Dazwischen donnern die dröhnenden Stimmen der Anreißer und Ausrufer. An den Kraftmessern poltern die Hämmer, an den Schießbuden brummen die Bären und brüllen die Löwen. Wer überall mitmachen will, kann manchen Nickel los- werden. Freilich bekommt er dafür das Schaurigste vom Schaurigen zu sehen, er kann einen Riesenpfefferkuchen gewinnen, oder womöglich eine echte, lebendige Gans heim- führen. Für die nötige Erfrischung sorgen Limonaden in allen Farben: gelb, grün, rot und braun. Die Schaukeln und Karussells sind sämtlich vom neuesten Typ und dicht belagert. Das eigentMie Vergnügen aber beginnt doch erst, wenn die Sonne sinkt und sich die Pforten der Tanzsäle öffnen., Dann behauptet die„ausgewachsene" Jugend das Feld. Die Ehekrüppel müssen heim; Vater hat den Kinderwagen, in dem die plärrenden beiden Jüngsten Platz gefunden haben. zu schieben, während Mutter mit dem im Gedränge schief ge' schobenen Hut die beiden Aelteren sorgsam an der Hand hält. Bald ist die„Lust rein". Zahllose farbige Lampions blitzen auf. Die Musik der Karussels leistet sich jetzt nur noch die schmalzendsten Schunkelwalzer. Und auf den hölzernen Rossen und Fabeltieren, die den ganzen Nachmittag hindurch unaufhaltsam von den Kindern gestürmt wurden, hocken jetzb die Pärchen und singen und summen die Melodien mit, die die Karufsellkapelle just intoniert hat... So hat auch der Großstädter— namentlich der groß- städtisthe Arbeiter— seine ländlichen Freuden. Und er, der die Woche hindurch schwer und intensiv hat arbeiten müssen, feiert die Feste, wie sie fallen. Seine Vergnügungen sind schlicht und harmlos; sie haben nichts mit jenen Orgien zu tun. denen sich satte Nichtstuer in verschwiegenen Lokalen der Riesenstadt in tollen Ausschweifungstaumeln hingeben. Ein bißchen Natur, ein wenig Ursprünglichkcit: sie genügen dem städtischen Proletarier, um ihn froh zu stimmen. Und beides findet er. wenn auch meist schon arg übertüncht, bei den zahl- reichen Erntefesten, in denen gegenwärtig die Berliner Vor- orte schwelgen_ Zur Frage des Erwerbes der preußischen Staatszuge- Hörigkeit gehen fortgesetzt Zuschriften ein, die beweisen, daß die Polizeibehörden nach wie vor an die Nachsuchenden An- fragen richten und Anforderungen stellen, auf die einzugehen die Antragsteller keine gesetzliche Verpflichtung haben. Statt daß die Polizeiorgane dem Publikum beratend und helfend zur Seite stehen, läuft ihre Tätigkeit auf eine Behinderung des gesetzlich gewährleisteten Rechts der Staatsbürger hinaus. Bekanntlich hat die Groß-Berliner Parteiorganisation Auskunftsstellen errichtet, in denen über die Frage der Aufnahme in den preußischen Staatsverband Auskunft erteilt, und unter Benutzung sachgemäßer Formulare der Antrag gestellt wird. Dadurch wird der Polizei eine erhebliche Arbeit erspart, wofür die Polizei der Partei dankbar sein sollte. Uns wird nun ein Fall aus Charlottenburg mitgeteilt, der beweist, daß statt dessen der in Frage kommende Polizeiwacht- meister über die Tatsache, daß die Partei ihm seine Arbeit er- leichtert hat, anscheinend sehr verärgert ist. Der Antrag- steller wurde, wie üblich, zur Polizeiwache zitiert. Die erste Frage des Wachtmeisters war: wo haben Sie das Formular her? Nach wahrheitsgemäßer Beantwortung dieser Frage war die Neugier des Herrn Polizeiwachtmeisters noch nicht gestillt. Er fragte weiter: Sind Sie Sozialdemokrat? Wenn auch kein Sozialdemokrat Veranlassung hat, seine Partei» Zugehörigkeit zu verleugnen, so konnte der betreffende Ge- nosse doch nicht einsehen, was diese Frage mit dem Erwerb der Staatszugehörigkeit zu tun hat. Außerdem stellte der Wachtmeister weitere Fragen, die ebenfalls mit dem Gesuch nichts zu tun haben. Der Genosse, der bereits 6 Jahre in Charlottenburg ansässig ist, und einen Ausweis über seine badische Staatszugehörigkeit beigebracht hatte, wurde nach allen Aufenthaltsorten seit seiner Geburt befragt, von ihm wurde die Beibringung von Leumundszeug. nissen der Heimatsbehörde und sonstiger Aufenthaltsorte verlangt. Aber nicht nur das; der Polizeibcamt« wollte auch wissen, wann und wo die 7 Geschwister des Antragstellers geboren sind, welchen Beruf sie haben usw. . Wir wollen nun nicht annehmen, daß alle diese Schere- reien den Gesuchstellern gemacht werden, um sie und andere von ihrem gesetzlichen Recht ans Aufnahme ahzuhalten, sott- tiern daß es lediglich geschieht in Gesetzesunkenntnis und viel- leicht auf Grund falscher Instruktionen seitens der vorgesetzten Dienstbehörde. Daun hat aber der Polizeipräsident, be- ziehungsweise der Minister des Innern die Verpflichtung, die nachgeordneten Organe anzuweisen, das Gesetz zu be- achten. Den antragstellenden Genossen geben wir wiederholt den Rat, derartige Ansinnen zurückzuweisen und eventuell den in der Nummer vom Ist. August bezeichneten Beschwerdeweg zu beschreiten. Die Antragsteller sind nur verpflichtet, eine Bescheinigung der Heimatbehörde über ihre Zugehörigkeit zu einem beut- schen Bundesstaat, und einen Nachweis über ihre Niaier- lassung zu bringen. Hosfenttich besinnt sich noch der Reichstag, und schiebt der polizeilichen Willkür einen Riegel vor durch Annahme des Antrages unserer Genossen zu dem Reichs- und Staatszuge- Hörigkeitsgesetz, der bezweckt, daß jeder Deutsche in dem Bundesstaat, in dem er seinen Wohnsitz nimmt, ohne weiteres staatszugehörig wird, falls er nicht das Gegenteil wünscht. Einheitliche Droschkenordiiung für Groß-Bcrli». Eine neue Droschkenordiiung ist nun auch in den Städten Charlottenburg, Wilmersdorf und Schöueberg in Kraft getreten. Nach der neuen Ordnung miissen die Pferdcdroschken einen dunklen, Kraftdroschken mit Lerbrennuugsmaschiiie einen niarsiallbraunen, dunkelblauen oder dunkelgrünen, mit schmalen roten Streifen abgesetzten Anstrich tragen. Der Wagenführer ist verpflichtet, auf Verlangen der Fahr- gaste eine Person mit auf den Führersitz zu nehmen, falls auf diesem Sitz ausreichend Platz vorhanden ist. Von Wichtigkeit ist folgende Bestimmung: Wird von dem Fahrgast Ausdrücklich ein bestimmter Weg bezeichnet, den der Führer fahren soll, so hat der Führer diesen Weg zu fahren. Gibt der Fahrgast aber nur das Ziel der Fahrt an, so hat der Führer den zum Ziel führenden kürzesten Weg ein- zuschlagen. Er ist jedoch berechtigt, die Friedrich-, Leipziger und Königstraße zu vermeiden, solvie bei Fahrten zwischen dem Branden- burger Tor und dein Kreuzungspunkte zivischcn Tiergartenstratze, Hofjägcr-Allee und Friedrich- Wilhelm- Straße in beiden Richtungen den Weg über den großen Stern zu wählen, falls nicht das Ziel der Fahrt in den drei erstgenannten Straßen liegt oder der Fahrgast nicht dagegen Einspruch erhebt. Im Sountagsvcrkehr der Berliner Stadt- und Ningdahn ist be- kaimtlich am 1. Mai eine durchgreifende Aenderung dahin getroffen Morden,- daß an Sonn- und Festtagen Süd- und Nordringzüge über- Haupt nicht mehr Verkehren. An ihre Stelle sind Vollringzüge ge- treten, die aber zum Potsdamer Ringbnhnhof einlaufen. Diese Ein- richtung hat sich im allgemeinen bclvährt. Sie wird deshalb auch für den Winter vom l. Oktober an für den Sonntagsverkehr bei- behalten. An die Stelle der Nord- und Südringe können dann, wie jetzt auf der Stadtbahn, Voronziige nach Erkner, Nicderschöneweide- Johannisthal, Kaulsdorf und Wannsee treten. Von der Ringbahn nach Sladtbahnstatiouen muß man also auch künftig in Westend, Halcnsee, Stralau-Rummelsburg oder Treptow umsteigen. Eine neue Stiftung für Waisenkinder. Ter Magistrat hat be- schlössen, eine Stiftung anzuiiehinen, die den Namen Ludwig-Nühe- Stiflung tragen wird. Der Zweck dieser Stiftung, die nur einem Kapital von 93 000 M. gegründet wurde, ist die llnterstützung von Personen, die aus der städtischen Waiseupflege hervorgegangen sind. Die zu Unterstützendcn sollen die Zinsen des Kapitals eventuell zur Begründung eines eigenen Geschäfts erhalte». Gestörte Juwele ndiebe. Geldschrankeinbrecher hatten es in der gestrigen Nacht auf das Juwelengcschäst von H. Kersten in der Neuen Wilhelmstr. 3/4 abgesehen. Dieselben verschafften sich zuerst Eingang in eine über dem Laden liegende Wohnung. Hier bohrten sie ein großes Loch in den Fußboden und ließen sich dann mit Stricken in das Geschäft hinab. Zlinächst machten sich die Diebe an das Oeffnen des schwer gepanzerten Geldschrankes. Nachdem sie «ine Menge Löcher um das Schloß hcrumgebohrt hatten, gelang es ihnen schließlich auch, dieses herauszuschlagen und das Spind zu öffnen. Sie packlcn nun die darin befindlichen Juwelen, die einen Wert von ungefähr 25 000 M. haben, in einen besonders dazu mit- gebrachten Koffer. Dann machten sie sich auch an die Auslagen im Schaufenster. Hierbei müssen sie wohl gestört worden sein, denn sie sind unter Zurücklassnng ihres Einbrccherwcrkzeugcs sowie des Koffers, der fast die ganze Beute enthielt, geflüchtet. Gestohlen haben sie nur für ungefähr 0000 M. Juwelen, die sie beim Rauben in die Taschen gesteckt hatten. Ter Einbruch wurde erst gestern morgen entdeckt. Acht Tage tot i» der Wohnung gelegen hat der 55 Jahre dlte Maurer Bernhard Scedorf aus der Oderberger Straße 4. Der Mann, der seit einem Jahre Witwer ist, bewohnte im zweiten Stock des Seitenflügels eine Stube für sich allein. Vorgestern machte sich�aus seinem Zimmer ein starker Geruch bemerkbar. Nach Oeffnen der Tür fand man S. tot im Bette liegen. Die Leiche, die schon stark verwest war, wurde nach dem Schauhause gebracht. Wahrscheinlich hat ein Herzschlag dem Leben des Mannes ein Ende gemacht. Die national gefärbten Waldspielplähe bei Dahlem und Eich- kamp, die erst kurze Zeit bestehen, sind an dieser Stelle so ziemlich am Ende ihrer Wirksamkeit angelaugt. Tie Pachtung soll der ..Groß-Berliner Vereinigung für Waldspielplätzc" gekündigt werden, weil das Gelände für den Besitzer besser verwertbar ist. Nach einem amtlichen Berichte des städtischen Oberturnrats sollen sich an diesen Waldspielen im laufenden Jahre sechs Prozent aller Gemeindeschüler beteiligt haben. Das würde, wenn man für Groß- Berlin rund 400 000 Gemcindes�jüler annimmt, 24 000 Volkskinder ergeben, tann also unmöglich stimmen. Diese Zahl muß selbst dann zu hoch gegriffen sein, wenn die an jedem Tage anwesenden Ge- meindeschulkinder fortlaufend zusammengezählt fein sollten. In Wirklichkeit werden sich unier 100 anwesenden Kindern nur sechs Gemeindcschüler befunden haben. Dies stimmt auch mit allen anderen Nachrichten, daß die beiden Waldspiclplätze fast ausschlietz- lich von Schülern der höheren Lehranstalten besucht worden sind. Auf der Straße zusammengebrochen und gestorben ist vor- gestern nachmittag der Kaufmann Max Dehtleff aus der Kleinen Alexanderstr, ö/11. Der Mann brach vor dem Hause Seydelstr. 26 plötzlich zusammen und verlor das Bewußtsein. Ein Schutzmann brachte ihn zur Hilfswache am Spittelmarkt. wo aber nur noch sein Tod festgestellt werden konnte. Da die Todesursache nicht fest- zustellen war, wurde die Leiche beschlagnahmt und nach dem Schau- hause gebracht. Schon wieder ein Sechstagerennen soll in Berlin veranstaltet werden, und zwar bereits im November. Dieser zum Rummel ausgeartete Pseudosport muß also doch noch immer erheblichen Profit abwerfen, daß sich eine ncugegründete„Sechstage-Gesellschaft mit beschränkter Haftpflicht" an das Projekt heranmachen kann. Die Schaulust des Publikums könnte aber doch mal gründlich der- sagen.'Schon bei den letzten Sechstagerennen narrten die Fahrer förmlich das Publikum und gestalteten das Rennen so uninter- essant, daß das Eintrittsgeld fortgeworsen war. Man sollte endlich diesen' überlasten Sportauswuchs, der bloß r.nige Taschen fällt. begraben. Von Vcrsicherungsschwiudlcrn heimgesucht wurden kürzlich «inige Laubcnbesitzcr bei Rummelsburg. Dort stellte sich ein an- geblichcr Versicherungsagent S t r e s e m a n» aus Neukölln ein, der zwei Laubeninhabern eine Offerte zwecks Verstcherung ihrer Lauben gegen Feuerschaden bei der Baseler Feucrverstcherungsgewllichaft machte. Als Kosten sollten inkl. einer Jahrcspraime von 3 M. b M. entstehen. Die Laubeninhaber schloffen denn auch den Ver- trag ab und bezahlten die vereinbarten Kosten gegen Ouuiung. Die Police sollte ihnen nach einigen Tagen zugestellt werden. Aach zwei Tagen erschien plötzlich Lei 8en Sälcheninhabern ein Herr ..B l a u r o ck" aus Berlin, der sich als Generalagent der Baseler Versicherungsgesellschaft vorstellte und die Mitteilung machte, daß er den bei ihm angestellten Agent Stresemann hinausgeworfen hätte. Stresemann hätte wohl die Aufuahmeformulare, nicht aber das Geld bei ihm abgeliefert. Er(„Blaurock") stelle den beiden anheim, noch 2,50 M. nachzuzahlen, damit man die Versichevung perfekt mache, andernfalls sei das Geld verloren. Jetzt wurden die Laubeninhaber mißtrauisch. Sie forderten den„Blaurock" münd- lich und nach einigen Tagen auch schriftlich auf, die Policen ein- zusenden. Bis jetzt harren dieselben noch vergeblich darauf. Da sie nunmehr die Ueberzougung gewonnen haben, daß sie es mit zwei Schwindlern zu tun gehabt haben, die ihr Treiben auch bei andern Laubenbesitzeru wiederholen können, sei vor denselben ge- warnt. In den Landwehrkanal gesprungen ist gestern früh um 4 Uhr vor dem Hause Königin-Augusta-Stratze 8 ein junges Mädchen. Auf das Geschrei des Mädchens und anderer Personen eilten Fischer, Feuerwehr und Polizei herbei. Die Hilfe kam aber zu spät. Die Leiche wurde von der Fsuerwehr geborgen. Wieder- belebungsversuche auf der Rettungswache in der Eichhornstr. 10 waren vergeblich. Lie Leibwäsche des Mädchens war L. R. gezeichnet. Eine Klage geht uns von einem Leser über das Krankenhaus Nordend(Niederschönhausen-Nordend) zu. Im genannten Kranken- Hause hatte der Betreffende seine lungenkranke Frau untergebracht, die jedoch im vorigen Monat dort verstarb. Nach dem Tode der Frau wurden dem Ehemann die Sachen derselben in einem Karton als desinfiziert übergeben. Aus naheliegenden Gründen unterließ es der Ehemann der Verstorbenen, den Karton die ersten Tage zu öffnen, um so mehr, als er der Meinung war, daß die Sachen sich in sauberem Zustande befanden. Doch als er nach anderthalb Wochen die Sachen herausnehmen wollte, bot sich ihm ein sonderbarer Anblick. Obenauf lag die teilweise init Kot und Auswurf be- schmutzte Wäsche' der Verstorbenen, dazlvischeu die anderen Kleiduugs- stücke, darunter auch ein Tuchmautel. In den Aermeln des letzcren waren mit Auswurf beschmutzte. nasse Taschentücher unter- gebracht. Auf diese Weise sind die Sachen natürlich in einen völlig unbrauchbaren Zustand versetzt worden. Da ihm, dem Ehemann der Verstorbenen, bei der Uebergabe des Kartons versichert worden war, daß die Sachen desinfiziert sind, so richtete er an die Krnnkenhausverwaltnng unter Darlegung des Sachverhalts eine Anfrage. Bald darauf erhielt er als Bescheid zurück, daß die Sachen mit dem Dampfapparat desinfiziert worden seien. Daß die Verwaltung die Sachen noch waschen oder gar cheniisch reinigen lasse, könne er nicht verlangen, es müßte eventuell auf seine Kosten geschehen. Am Schluß heißt es;„Daß die Sachen l'/a Wochen bei Ihnen verpackt gestanden, dafür können wir nicht; die" Sachen werden von der Dampfdesinfeklion feucht, folglich haben sie durch das lauge Verpacktsein gelitten." Durch diese Ant- wort ist dem Aufragenden noch nicht klar geworden, wie es möglich ist, daß desinfizierte Sachen noch so voll Schmutz sein können. Wenn schon die Krankenhausverwaltung sich nicht für verpflichtet hält, die der Verstorbenen gehörigen Sachen dem Ehemann in reinem Zustande zu übergeben, so hätte sie denselben doch darauf aufmerksam machen können. Eine eintägige Sprccwalbfahrt veranstaltet der Arbeiter- wandervexcin„Berlin", dessen Mitgliedschaft aus organisierten Parteigenossinnen und Genossen besteht, am Sonntag, den 15. Sep- tember. Näheres siehe Inserat in heutiger Nummer. Im Zoologischen Garten ist zurzeit ein interessanter Vogel, der zu den Sporen-Kuckucken gehört, in der Fasanerie neben den Wachteln ausgestellt: ein sogenannter Fasanen-Kuckuck aus Australien, der in der Tat. auf den ersten Blick einem lang- schwänzigen Hühnervogel recht ähnlich sieht. Als Bodenvogcl sind seine Beine, deren Zehen aber nach Kuckucksart paarig nach vorn und hinten angeordnet sind, sehr stark entwickelt, der lange Schwanz und die kurzen Flügel verraten den geschickten Gebüschkriecher. Im Gegensatz zu den echten Kuckucken bauen diese Vögel eigene Nester . und brüten selbst. Im Wissenschaftlichen Theater der Urania wird am Sonntag noch einmal der Vortrag„Von der Zugspitze zum Watzmann" ge- halten. Am Dienstag. Mittwoch und Donnerstag gelangt der Vor- trag„Der Vierwaldstädter See und der Gotthard", der mit einer Fülle historischer und aktueller Hinweise in glanzvollem Bildern und Wandelpanoramen die Schönheiten und Eigenarten dieses reizvollsten Sees der Schweiz, die technischen Wunder der Gotlhardbahn sowie die alpinen Reize der allen Völkerstraße über den Gotthard dem Beschauer vor Augen führt, zur Darstellung. Am Montag und Freitag finden Wiederholungen des Vortrages„Ueber den Brenner nach Venedig" statt, während am Sonnabend noch einmal der Vortrag„In den Dolomiten" gehalten werden wird. Im Hörsaal spricht am Dienstag, nachmittags 6 Uhr, Herr Professor Dr. B. Donath über„Elektrodynamik"(Zyklusvortrag, Dienstags zwei- stündig)._ Vorort- Nachrichten« Weiftcnsee. Eine ereignisreiche Gcmcindcvcrtrctcrsitzuug fand am Freitag, den 16. August, statt. Wie schon so häufig, mußten vom Gemeinde- vorstand Angriffe der P r e s s e zurückgewiesen wetden. Ins- besondere galt dies dem neugebackenen Gemeindevertreter Schwarz. der in einem von ihm gezeichneten Artikel unter anderem die Be- hauptuug anfsiellte, daß der Bürgermeister mit Hilfe der Roten auf krummem Wege seine Ziele zu erreichen sucht. Die fortschrittliche Fraktion hatte durch Einbringung einer Resolution dem Bürgermeister volles Vertrauen erwiesen und auch mehrere Vertreter derselben drückten ihre Mißbilligung über die Schreiber solcher Artikel aus. Genosse Fuhrmann besprach ebenfalls die dreisten Behauplimgeii des Herrn Schwarz und bewies an der Hand von Talsachen die völlige Haltlosigkeit seines Artikels. Als unser Genosse die Be- bauptung ausstellte, daß die Vertreter der allen Fraktion den vielen Artikeln gegen den Gemeindevorstand und unsere Fraktion nicht fern- stehen, sprang Herr Fechner wie von einer Tarantel gestochen vom Piatze und tobte so lange, bis der Vorsitzende sich genötigt sah, die Sitzimg zu schließen. Ein wildes Hin und Her war die Folge jeuer Erregung. Nach zehn Minuten Pause trat man erst wieder in die Verhandlungen ein. Die Tribüne war ebenfalls überfüllt»nd hatten sich dort verschiedene Vertreter der Berliner Presse eingefimdc». Diese wurden ausgefordert, an den Pressetischen Platz zu nehmen. während alle übrigen, die nach der Landgemeindeordnung die Tribüne nicht besuchen dürfen, aufgefordert wurden, dieselbe zu ver- lassen. Ein Berliner NegiermigSbauliieister Soimenfeld. der für den Tiefbaumeistcr Allers Bauten ausführl und mir diesem in Differenzen geraten ist. wollie dieser Aufforderung erst nicht nachkommen, verließ aber dann die Tribüne mit dem Ruf:„Freut mich sehr, Herr Bürger- meister, an anderer Stelle geht es Weiler I" In geheimer Sitzung wurde die Angelegenheit des TiefbauunternehmerS Hugo Allers sen.(Schöneberg), die bereits verschiedentlich die Presse beschäftigte, eingehend erörtert. Es wurde allgemein der Entrüstung Ausdruck gegeben, daß der Bauuntcruehmer Soinienfeld, der bei der Ausführung von drei Bauten für Allers mit diesem in Differenzen gekommen ist. es fertig gebracht hat. unrichtige Notizen in die Zeilniigeii zu bringen, die geeignet waren, das Ansehen der Gemeinde zu schädigen. Daraufhin wurde ein- stimmig beschlösse», in der Angelegeiiheir mit Rücksicht daraus, daß die Forderungen der Gemeinde durchaus gesickert sind, nichts weiter zu veranlassen. Wie Herr Souueiifeld bemüht ist, seinen Willen durchzusetzen, wurde dadurch bewiesen, daß sein Vertreter, als er vom Bürgermeister nicht vorgelassen wurde, äußerte, morgen würden die Berliner Zeitungen mit einem hanebüchenen Artikel über Weißen- see erscheinen. Ein Beweis, wie schlecht die Angelegenheit deS Sonnen- feld steht, ist der, daß er sich an g l l e drei Fraktionen nm Unterstützung gewandt hatte, ihm jedoch von sämtlichen Fraktionen die Unterstützung versagt wurde. Britz-Bulkow. Die Ferienspiele für Arbeiterkinder erfreuten sich auch hier eines lebhaften Interesses, das zeigte, wie zweckdienlich derartige Ver- anstaltungen sind. Der erstmalige Versuch hat zu einem guten Resultal geführt, denn etwa 50 Kinder waren täglich zu munterem, fröhlichem Spiel versammelt. Sie alle waren von dem Wunsche beseelt, daß diese schöne, wohltuende Einrichtung zu einer dauernden werden möge. Hoffentlich gelingt es auch im nächsten Jahre, die Gemeindeverwallung zur Hergabe eines geeigneteren Spielplatzes zu bewegen.— Leider ist es vielen Arbeiterkindern nicht vergönnt, während der Schulferien sich in der freien Natur ungezwungen herum�itummeln. Ein spekulalives Unternehmertum zieüt schon aus den armen Kindern seinen Profit. So wird uns mirgneilt, daß ic einer hiesigen Baumschule sowie einer Gärtnerei Schulkinder während der Ferien fast den ganzen Tag beschäftigt wurden. Treptow-Baumschulenwcg. Schreckenstat einer Wahnsinnigen. Bei den Eheleuten Schulz in der Graetzstraße 26 zu Treptow war heute vormittag die 23 Jahre alte Schwester der Frau Schulz, ein Fräulein Lina Buchholz aus Charlottenburg, zu Besuch. Das Mädchen zeigte früher schon Anzeichen von Geisteskrankheit und war auch schon dieserhalb in eine Anstalt. Als es gestern mit dem 4 Jahre alten Töchterchen der Eheleute Schulz allein in der im 2. Stock des Vorderhauses belegenen Wohnung anwesend war, bekam es plötzlich einen Tobsuchtsanfall. Zuerst schlug die Wahnsinnige mit einem schweren, harten Gegenstand auf das kleine Kind ein, bis es fast leblos am Boden liegen blieb. Dann zertrümmerte sie die ganze Wohnungseinrichtung, riß alles von den Wänden herunter und schmiß schließlich einzelne Stücke durch die Fensterscheiben auf die Straße.' Die Wahnsinnige wurde nach der Charite gebracht. Das schwerverletzte Kind mußte gleichfalls nach dem Krankenhaus gebracht werden.., kt>i Billige Badegelegenheit. Einer Anregung aus der Gemeinde- Vertretung folgend, hat jetzt der Gemeindevorstand bei den beide» Treptower Badcanstallen eine Ermäßigung der Badepreise für Ein- heimische durchgesetzt. Der Badepreis beträgt für diese im Deutschen Bad 20 statt 30 Pf. für Erwachsene und 10 statt 15 Pf. für Kinder; im Kaiserbad 10 statt 20 Pf. für Erwachsene und für 2 Kinderkarten 15 statt 30 Pf. Diese Vorzugskarten werden gegen Nachweis der Gemeindeangehörigkeit(Vorlegung des Steuer« zettels oder Anmeldescheins) an folgenden Stellen abgegeben: Beermannstr. 4 bei Kanzlcidiätar Glöckner. Bouchöstr. 22 Lehrer Knlchik, Kiefholzstr. 33/34 Lehrer Schütt, Kiefholzstr. 4 Fabrikant Hahn, Kiefholzstr. 35 Lehrer Zerning, Elsenstr. 101 Kaufmann Kempe, All-Treptow 8 Gastwirt Ebel, Parkstr. 2 bei Geier, Baumschulen- straße 102 Lehrer Schumann, Ernststr. 21 Fabrikant Kurth und Schraderslr. 2 bei Kalkulator Wille. Es ist sehr verivnuderlich, daß der Gemeindevorstand keinen der regelmäßigen Verkehrspuukte der Arbeiterschaft in diese Ausgabestellen eingereiht hat, obgleich doch gerade die Arbeiter ein erhöhtes Interesse ail billigen Badegelegenheiten haben. Auch ist eS äußerst bedauerlich, daß diese Vergünstigung erst jetzt, wo der Sommer im Schwinden begriffen ist, gewährt wird. Trotzdem wollen wir wünschen, daß von der sgebotenen Vergünstigung weitgehender Gebrauch gemacht wird. Nieder-Tchöneweide. Die Wahl zur Gemeiudeverttetmig findet bereits am Freitag den 23. August, statt. Lange genug hat man sich um die Festsetzmig des WahltermiuS herumgedrückt und nun auf einmal die Wahl schon auf den 23. August angesetzt. Die Arbeiterschaft wird wohl dasür sorgen, daß die lleberrunipelmigSgeliiste zuschanden werden. Es gilt schon heute, zu agitteren. alle Säumigen aufzurütteln und eine leb« hafte Propaganda zur Wahl zu entfalten.— Heute vormittag 9 Uhr findet im.Waldhaus" eine Versammlung statt. Obcr-Schönetveide. Der besoldete Gcmcindeschöffe Magistratsassessor Dr. K ü h n aus Rendsburg hat am 15. August sein Amt in der Gemeinde angetreten. Neben Uebernahme sonstiger Zweige der Gemeindeverwaltung wird ihm voraussichilich auch die Leitung deS Kaufmanns- und Gewerbe- gerichts übertragen werden. Alt-Glie»i«fe. Die Rechnungslegung über den Bau der neuen Turnhalle er- folgte in der letzten Sitzung der Gemeindevertretung. Der Vor- anjchlag wurde danach um etwa 9000 M. überschritten; die Gesamt- kosten bezifferten sich ans 49 133 M., einschließlich 4365 M. für Ge« räte und Jnnenrnissiitttung. Mit den beiden hiesigen Turnvereinen ist über das BenutzungS- recht der Halle ein Vertrag auf vorläufig ein Jahr abgeschlossen worden. Genosse B a r t e l bemängelte einen so kurzfristigen Vertrag und forderte, daß dieser auf zehn Jahre abgeschlossen werden soll. Auf seinen Hinweis, daß man später dem bekannte»„Druck von Oben" nachgeben und dem Arbeiter- Turnverein die Halle entziehen würde, fand weder der Gemeinde- Vorsteher noch einer der bürgerlichen Vertreter eine Antwort. Ferner wurde ein Ortsstatut über die Natural« und Ouartierleiftung an- genommen. Danach können auch Mieter, die über entbehrliche Räume verfügen und ein Einkommen von 1800 M.� und mehr ver- steuern, mit Einquartierung belegt werden. Die jährlich zweimal vorzunehmende Einschulung wurde ebenfalls beschlossen. Ein von unseren Genossen eingebrachter Antrag wegen Errichtung einer Badeanstalt konnte nicht erledigt werden, da der Gemeinde- Vorsteher wegen eines ausgebrochenen Feuers abberufen wurde, und einige Vertreter die Sitzung verließen. Nieder- Schönhausen. BelSstigungeii der Frauen durch einen anscheinend nicht zu- rechmmgsfähigen Mann werden seit einiger Zeit im hiesigen Schloß« parl beobachtet. Wenn der Park weniger stark besucht ist. geht er langsam seines Weges; kommt dann eine Frau allein in seine Nähe, stellt er sich ihr entgegen und entblößt sich in unsittlichster Weise. Vor einigen Tagen machten Frauen in der Schloßallee einen Polizei- beamten auf das schamlose Beginnen des Mannes aufmerksam. Dieser will über das Treiben schon� unterrichtet gewesen sein und soll gesagt haben, nian würde ihn schon kriegen, wenn man wüßte, wo er wohnt. Dies wäre ja eine sonderbare AuSrede, oder kann die Polizei hier wirklich nur Verbrecher und Erreger öffentlichen Aergernisses fassen, wenn sie weiß, wo diese wohnen? Erkner. In der letzten Gemeindevertrrtersitzung wurde u. a, mitgeteilt, daß die Einführung eines Wochenmarltes vom Regierungspräsidenten genehmigt worden sei. Der Wochenmarkt soll wöchentlich zweimal. und zwar Dienstags und Freitag« im Sommer von 7—11, im Winter von 8—12 Uhr abgehalten werden. Standgeld soll zunächst noch nicht erhoben, auch sonst soll den Verkaufern auf dem Markt das weiteste Entgegenkommen geleistet werden. In den umliegenden Dörfern sollen Plakate mit Hinweisen aus den Sflssit ausgehängt werden. Hcrzfelde. Aus der Gemeindevertretung. In der letzten Sitzung wurde über die Aussührung der Straßenpflasteruug und Vergebung der Arbeiten verhandelt. Die Möllenstraße muß eingangs in der Länge des Schleyschen Grundstückes erweitert werden. Dies soll mit der Neupflasterung geschehen, weshalb ein Ankauf de? betreffenden Ge« ländes notwendig ist. Die Besitzerin verlangt pro Quadratmeter 5 M.; da dieser Preis der Vertretung zu hoch ist. soll mit ihr noch- malS verhandelt werden. Die PflasteningSarbeiten wurden der Firma Matt�eS-AaMtt�e übirtragsn�— Du�ch die Einführung des Siebeiistufen-Shstems für die Volksschule ist die Einstellung weiterer drei Lehrkräfte erforderlich. Aus„Sparsanrkeits"rücksichten konnte sich die Mehrheit der Vertretung hierfür nicht entschließen. Es wurde der schier unglaubliche Beschluß gefaßt. wieder das Sechsstufen-System einzuführen, wodurch 74 Unterrichts- stunden pro Woche in Wegsall kämen. Die Gemeinde- Vertretung hatte seinerzeit schon einen derartigen, unverstehlichen Beschluß gefaßt. Die Einführung des 6-Stufenshstcms war aber damals von der Regierung in Anbetracht der hohen Schülerzahl nicht genehmigt worden; hoffentlich wird auch diesmal die Ge- nehmigung nicht erteilt.— Dem Antrage der Firma Max Philipp Nachf. um Genehmigung zur Benutzung eines Weges wurde gegen eine sährliche Anerkennungsgebühr ftatlgegeben.— U. a. wurde noch die Lieferung der Brennmaterialien für die Volksschule der Firma O. Faßler Hierselbst übertragen. Kalkberge-Rüdersdorf. Verzweiflung über ihr schweres Leiden und Angst bor einer neuen Operation, die demnächst vorgenoinmcn werden sollte, hat die Frau des Schlächtermeisters Wilhelm K l o ck e aus der Schulstraße Hierselbst in den T o d g e t r i e b e n. Sie hatte am Donnerstag spät abends ihrem Leben durch Ertrinken ein Ende geniacht. Die Leiche wurde Freitag abend aus dem Kalkgrabcn gefischt. NolvaweS. Die industrielle Entwickclimg unseres Ortes kann trotz des merk- lichen Fortschrittes in den letzten Jahren nicht befriedigend genannt werden, wenn man bedenkt, daß sich das Bestreben der Industrie, ihre Betriebe aus den Mauern der Großstadt nach Vororten zu der- legen, von Jahr zu Jahr mehr geltend macht. Obwohl die Ge- nreinde gleich anderen Orten die Anlage neuer Fabrilbetriebe aus finanziellen Gründen zu ermöglichen sucht, will es doch nicht vorwärts gehen. Schuld daran ist wohl allein die Profitsucht der hiesigen Grundbesitzer, die für ihre Ländereien geradezu unerschwingliche Preise forder». Auf diese Weise sind in den letzten Jahren bereits verschiedene größere Projekte gescheitert, deren Verwirklichung Tausenden von Arbeitern Beschäfrigung geboten und die finanzielle Lage der Gemeinde gebessert hätte. Aber darauf nehmen die Herren Grundbesitzer, die sich bei jeder Gelegenheit als die wahren Ver- fechter der Gemcindeinteressen brüsten, keine Rücksicht; ihnen komnit es nur daraus an, das bei der Steuerdeklaration lächerlich gering bewertete Land zu wahren Wucherpreisen loszuschlagen. Trebbin(Kreis Teltow). Ocffcntliche Stadlvcrordiictcnsitziing. Dem Pfarrer Faulhaber wurde ein Zimmer im alten Schulhause zum Preise von 60 Mark verniietct. An Stelle des Schneidermeisters Blisje, der die Wahl zur Boreinschätzungskomniisfion abgelehnt hat, wurde Nlempnermeister Marx gewählt. Der Magistrat bcaniragte, den jährlichen WasserzinS für den Gemeindelirchenrat mit 70 M. zu berechnen. Unsere Ge- nossen erklärten, daß der Gcmeindekirchenrat das Wasser ebenso wie jeder andere Pürgcr zu bezahlen habe; unverständlich sei nur, wie der Kirchenrat das Wasser drei Jahre lang umsonst beziehen konnte. Es wurde deni Aulrage gemäß beschlossen. Einstimmig wurde be- schlössen, für das Wasserwerk einen Hanptnicsser zum Preise von 350 M. sowie Telcphonanschluß(80 M.) anzuschaffen. Spandan. Durch unvorsichtiges Abspringen von der Straßenbahn ist gestern morgen ein Fahrgast verunglückt. Ein älterer Herr befand sich in einem von der Neustadt kommenden Triebwagen der Straßenbahn und ivollle beim Annsgericht in der Potsdamer Straße, wo sich eine Hallestelle nicht befindet, absteigen. Dabei stürzte er kopfüber herunler und wurde bis auf den Bürgersteig an die Gebäudefront aeschleuderl. Ter Verletzte wurde mittels Droschke nach seiner in der Neustadt gelegenen Wohnung besördert. Vcrmijii wird seit mehreren Tagen ein Einjähriger der sechsten Kompagnie des ö. Gardercgimeuts z. F. Er hat sich ohne Urlaub von hier cutscrut und ist nichl wieder zu seinem Truppenteil zurück- gekehrt; der Verschwnndcne ist ein Berliner. Juge»«dvcra»lstaltu»ge». Grost-Lichtcrfclde. Sonntag, den 25. August: Besuch des Botanl- schcn Gartens. Tresipunkl: 3 Uhr am Portal des Botanischen Gartens in der Straße„Unter den Eichen. Vsrsammlungen. Statistik der Gips- und Zcmcntbranche- In zwei Sektionsvcrsammlungen des Deutschen Bauarbeiter- Verbandes wurden die Ergebnisse einer Mitte Juli in Groß-Berlin vorgenomniciren Bautenkontrolle besprochen. Diese ergab folgendes für die Betonbranche. Im Hochbau wurden 211 Arbeitsstellen kontrolliert, wo 108 llntcrnchmcr Bctonarbeitcn ausführen ließ. Beschäftigt waren dort 2644 Personen, und zwar 253 Zeinenticrer und Flechter, 250 Slcindcckemuolbcr, 576 Einsctsalcr. 42 Maschinisten und Schmiede, 162 Sieiriträgcr und 1371 Hilfsarbeiter. Im Deutschen Bauarbeiter- verband organisiert waren davon 1857, in anderen Verbänden 206 und unorganisiert 580 Personen. Am Tage der Erhebung waren 180 Organisierte arbeitslos gemeldet. Die Stundenlöhne sind durch- tveg sehr schwankend. Den tariflichen Lohn von 771� Pf. erreichten bei den Zementicrern und Flecktern 127, während 46 bis herab zu kv Pf. und 56 auswärts bis 90 Ps. erhielten. Von den Steindeckenr wölbcrn hatten 27 den tariflichen Lohn von 80 Pf., dagegen wur- den 223 höher entlohnt, bis zu 90 Pf. Einschaler wurden in 327 Fällen tariflich cinlohnt mit 70 Pf., darüber hinaus bis zu 85 Pf. in 196 Fällen. Tie Löhne der Maschinisten, betrugen zwischen 55 und 77� Pf., in den meisten Fällen 60 Pf. Die Steinträger er- reichten>den. tariflichen Lohn von 75 Pf. nur in 78 Fällen, wurden aber geringer entlohnt, bis herab zu 79 Pf., in 74 Fällen. Die Hilfsarbeiter crziellcn in 217 Fällen 60 Ps., in 819 Fällen unter und nur in 32 Fällen über 60 Ps. Die Arbeitszeit war auf 173 Arbeitsstellen mit 1928 Arbeitern die tarifliche neunstündige, be- trug aber noch auf 38 Arbeitsstellen mit 536 Arbeitern 10 Stunden, Den größten Prozentsatz der Unorganisierten stellen die Stein- träger und nach diesen die Hilfsarbeiter. Diese beiden Kategorien stehen denn auch in bczug auf die Erreichung der tariflichen Stundenlöhne am schlechtesten da. Ter Drang, nach Uebcrsmnden ist bei ihnen stark vorhanden, niedrigere Löhne und lange Arbeits- zeit gehen auch hier wteder Hand in Hand. Ein erheblich trüberes Bild biptet d-ie Kontrolle im T i e f ba u. Hier wurden 89 Arbeits- stellen kontrolliert und dabei 3571 Arbeiter vorgefunden. Davon waren 2136 Erdarbeiter, Löö Betonarbeiter, 59 Eiuschaler, 23 Zementicrer, 214 Maurer, 267 Zimmerer, 45 Maschinisten und Schmiede und 222 Hillsarbeiter. Die Arbeitszeit betrug auf 63 Arbeitsstellen 10—12 Stunden, auf 26 Arbeitsstellen 9 bis 9 Stunden. Der meistens langen Arbeitszeit entsprechend sind auch hier wieder die Stundenlohne zum größten Teil äußerst gering. Während die Zementicrer, Maurer und Zimmerer noch einen Stundenlohn von 8« Pf. im Durchschnitt erzielen, beträgt er bei den Hilfsarbeitern durchschnittlich nur 50 Pf., bei den Erdarbeitern gar nur 42 P-� Daß daran dos Fehlen der Organisation schuld ist, beweist die Tatsache, daß nur 428 Personen dem Deutschen Bau- arbeitervcrband angehören, 453 aber in anderen und 2690 über- Haupt nicht organisiert sind'. Die Organisierten sind fast ausschließ- lich Maurer. Zementiercr. Zimmerer. Maschinisten usw.. bei den Hilfsarbeitern und den Erdarbeitern ist nur wenig oder gar kein Trieb zur Organisation vorhanden. Unter den letzteren befinden sich neben einigen Ausländen eine ganze Reihe von Arbeitern, die aus den östlichen Provinzen hergekommen und noch vollständig in- Afferent sind. Die Bautenbontrolse für di» GiMkMH« ergab fokgendes Resultat: Es wurden 153 Arbeitsstellen kontrolliert und 1117 in der Gipsbranche beschäftigte Arbeiter, dabei festgestellt, darunter 322 Rabitzputzer, 226 Einschalwandputzer, 227 Nabitz- spanner, 322 Träger und 20 Hiljsarbeiter. Im Deutschen Bau- arbeiterverband warsn 931, in anderen Verbänden 14 organisiert, nichtorganisiert waren 172. Arbeitslos am Tage der Kontrolle waren 65 Personen. Die Stundenlöhne waren bei den Rabitzputzern in 265 Fällen tariflich, in 31 Fällen darüber. 40 Einschalwandputzer erhielten den tariflichen Lohn von 95 Pf., 4 iarunter, 11 darüber. Spanner erreichten in 154 Fällen den Tariflohn von 80 Pf,, wäh- rend 2 darunter und 56 darüber entlohnt wurden- Der Lohn der Träger war in den meisten Fällen, der tarifliche von 78 Pf., ging aber auch nicht darüber hinaus. Die Hilfsarbeiter erhielten durch- weg 60 Pf. Die Arbeitszeit war auf 78 Bauten mit 1008 befchäf- tigten Personen die tarifliche von 8K Stunden, während auf 13 Bauten mit 44 Arbeitern noch 9 Stunden gearbeitet wurde. Im Zlkkord beschäftigt waren 13 Rabitzputzer, 136 Einschalwandputzer, 8 Spanner und 138 Träger. Die Akkordpreise konnten in einwand- freier Weise nicht festgestellt werden, nach den vorhandenen An- zeigen sind sie aber gegen früher ganz bedeutend gesunken- Es scheint auch, als ob die Akkordarbeit im Schwinden begriffen ist, dagegen ist die Jntensivität der Lohnarbeit eine stärkere geworden. Tie Frage der Akkordarbeit hat auch eine erweiterte Vorstands- sitzung beschäftigt und sind dabei einige Vorschläge hervorgetreten. Der eine davon verlangt die Aufftellung einer Preistafel, wonach sich jeder bei Festsetzung einer Akkordarbeit richten könne.— In der Versainmlung gingen die Meinungen über diesen Vorschlag weit auseinander. Einesteils wurde bezweifelt, daß die Organisa- tion in absehbarer Zeit die Akkordarbeit abzuschaffen in der Lage ist; es sei deshalb besser, durch einen Akkordtarif wenigstens für eine gute Bezahlung zu sorgen. Von anderer Seite wurde dem- gegenüber betont, daß man damit der Akkordarbeit, welche man prinzipiell bekämpfe, die Sanktion erteile und ihrer vermehrten Einführung die Wege ebne. Die Diskussion konnte nicht zu Ende geführt werden- und soll sich eine Versainmlung anfangs September noch weiter mit dieser Angelegenheit beschäftigen Berichtigung. Im Bericht über die Generalversammlung des ersten Wahlkreises ist ein Fehler unterlaufen. Nicht der Wirt des Lokals„N eu- He lgola nd". sondern von„Neu- Heringsdorf"(Obersprcc) verzichtet aus die Arbeiterkundschaft. Mocken-Spielplan der Berliner Cbeater. Königl. Overnhans. Bis Mittwoch geschlossen. Donnerstag: Der Nosentovalier. Freitag: Die Zauberflötc. Sonnabend: Mabame Buttcrfly, Sonntag: Tannhäuser, Montag: Cavalleria rusticana. Bajazzi. Ansang T'/j Uhr, Königl. SchausPiclftailS, Bis Mittwoch geschlossen, Donnerstag: Der große König. Freitag: Die Welt, in der man sich langweilt. Sonn- abend: Die Rabenstcincrin. Sonntag: Der große König. Montag: Die Journalisten.(Ansang 7'/, Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag: Penthesilca. Montag: Romeo und Julia. Dienstag: Erdgeist. Mittwoch: Judith. Donnerstag: Faust I. Teil. Freitag: Ein Sommcrnachtstraum. Sonnabend: Penthcsilea. Sonntag: Romeo und Julia. Montag: Erdgeist.(Ansang 8 Uhr.) Kainiiirrspielr. Sonntag: Mein Freund Teddy. Montag: Der Arzt am Scheidewege. Dienstag bis Montag: Mein Freund Teddy.(An- sang 8'/, Uhr.) Lessiiig-Tlieatcr. Sonntngnachmittag 3 Uhr: Glaube und Heimat. Abends: Die Frau vom Meere. Montag: Die versunkene Glucke. DienS- tag: Nora. Miltwoch: Zioseninontag. Donnerstag: Gespenster. Freitag: Die Weber. Sonnab-nd': Hedda Gabler. Sonntag: Gudrun. Montag: Einsame Menschen.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. Llllabendlich: Große Rosinen.(Ansang 8 Uhr.) Neues Tchnnspielhaiis. Täglich: Der erkaufte Galle. Ein wenig Musik. Gastspiel Schässcr.(Ansang 89« Uhr.) Neues Theater. Allabendlich: Ter liebe Augustin.(Anfang 8 Uhr.) Kleines Theater. Sonntag. Montag bis Montag: Der Unverschämte. Der Arzt seiner Ehre. Lottcheus Geburtstag.(Ansgng 8 Uhr.) Trianon-Theater. Allabendlich: Die Brieftasche. Ein peinlicher Zwischcniall. Der Dieb.(Anfang 8 Uhr.) Sckilttcr. Theater O. Allabendlich: Das Konzert.(Anfang 8 Ubr.) Schi Iler-TheaterEharlottenburg. Allabendlich: Hohe Politik.(An- sang 8 Uhr.) Friedrich. WilhclmstädtischeS Schauspielhaus. Allabendlich: Die keusche Susanne.(Anfang 8'/, Uhr.) Theater i» der Königgrätier Straße. Bis aus weiteres-täglich abends 8 Uhr: Die süns Franksurter. Thalin, Tbcarrr. Sonnlaq nachmittag 3 Uhr: Polnische Wirtschast. Allabendlich: Autoliebchen.(Ansang 8 Uhr.) vustipielhaus. Allabendlich: Em Königreich m. b. H.(Ansang 89. Ubr.) Theater des WestenS. Allabendlich: Die schöne Helena.(Ansang 8 Uhr.) Lniscii-Theatcr. Sonnlag. 18. August, nachmittags 3 Uhr: Ich lasse Dich nicht. Allabendlich: Der verflossene Reßdors.(Ansang 8,2» Uhr,) Rosc-Thcatcr. Sonntag und Montag: Die goldene Eva. Dienstag: Die Kanielicndamc. Mittwoch und Donnerstag: Die goldene Eva. Freitag: Die Jüdin von Toledo. Sonnabend, Sonntag und Montag: Die goldene Eva.(Ansang 89, Uhr.)_,,, Herrufeld- Theater. Wie man Männer bessert. Die Original- Klabrias-Partie.(Ansang 3 Uhr.)...,,„ Mctropol- Theater. Allabendlich: Schwindelmeier u. Co.(Ansang 8 Uhr) Berliner Pratcr-Theater. O diese Berliner.(Ansang 49, Uhr.) Boigt-Thcater. Allabendlich: Die Ballettschule. Dienstag: Der rechte Weg.(Ansang 49, Uhr.) Paiiagc-Theatcr. Spezialitäten.(Anfang 8 Uhr.) Admiralspalast. Eisballclt: Dvonne.(Ansang 10 Uhr.) Folie» Gapricc. Allabendlich: Parisiana-Ensemble.(Ans. 89, Uhr.) Apollo> Tlieater. Abends täglich; Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) BSint, rgarten. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Nönigstadl, Kasino. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Rcitiishalleii-Tbcater. Allabendlich: Stettincr Sanger.(Ansang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr.) Urania-Theater. Sonntag: Von der Zugspitze zum Watzmann. Montag: lieber den Brenner nach Venedig. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag: Der Vierwaldstädter See und der Gotthard. Freitag: Ucber den Brenner nach Venedig. Sonnabend: In den Dolomiten. Sonnlag: Vom Metern zum Ortler. Montag: Unbestimmt.(Ansang 8 Uhr.) Arbeitcr-Samariterbund, Kreis Brandenburg. Lchrabend haben in dleser Woche: Berlin. Am Montag bei Dase, Brnnnenstr. 154, abends 8'/, Uhr, Spandau. Am Mittwoch bei Pccziles, PichelSdorser Straße 5, abends 89, Uhr.. N o w a w e s. Am Montag bei Schmidt, Friedrich-, Ecke Wilhelm- straßc, abends 89, Uhr.-. Mariendorj. Am Monlag bei Lowenhagen, Chausseestr. 27, abends ' 11 lg ch ö n e w e i d e. Am Monwa Siemensstr. 12. abends 89, Uhr. Fricdrichshagen, Am Donnerstag, Friedrichstr. 12, 2. Hos, abends 89, Uhr.. Wilhelmsruh. Arn Donnerstag bei Barth, Viltoriastraße t, abends 89, Uhr.___ WitteruiigSiibersicht vom 17. Nugust ISIS. (Setter 3bedeckl 3bedeckt 4 bedeckt 3|5)unft Twolkig �wollig ä. II Wo 15 14 14 13 13 17 ktationen CO c 3 Bf Haparanda>752NO Petersburg 753sW Scilly Abcrdecn Paris 758!Still 767 SSW (Setter 4 bedeckt I bedeckt 5bedeckt ibedeckt 1 wölken! c* Ol! S* WS} 11 13 15 12 13 Wetterprognose für Tonntag, den 18. August ISIS. Langsam ausllarend, ein wenig wärmer, bei müßigen südwestlichen Winden: leine erheblichen Niederschlage. Berliner Wetterbureau. ' C Waflerstastbs-Nachrichten � c der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau Wasserstand M e m e 1, Tilsit Pregel, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ralibor , Krassen , Frankjurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree, Spremberg') , Becskow Weser, Münden , Minden Rhein, Mnrimiliansau , Kaub , Köln Neckar, Heilbronn Main, Hanau Mosel, Trier —») Unterpegel. \lf Unserem alten | ValeF Jentscli stf zu seinem �S. Geburtstage Vi die herz lichstrn Glück- üs % wünsche! 28836 K nS Oer 141a. Bezirk, III. Kreis, tn -?/ Todes-Anzeigen SozialtleniokraüsciiPFWa&lyereiii für den 8. Beriiner BeiclistasswaMkreis. Am 15. d. M. verstarb unser j Genosse, der Schreiber tiettericd �(Bez. 518), Wcißenburger Str. 41. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am I Montag, den 19. August, nach- mittags 5 Uhr, aus dem städii- schon Friedhofe in Friedrichsseldc j statt. L3t/10 Um rege Beteiligung ersticht Der Borstand. VeM der Gemeinde- u. Staatsarbeiter. Filiale Groß-Ileplln. Den Mitgliedern zur Nachricht, ! daß unser Kvllege ttarl Hetterich von der 15. Ncvicrinspcktion I am 16. d. M, verstorben ist. Wir werden sein Andenken in| | Ehren hallen. Die Beerdigung findet an: I ! Montag, den 19. d. M., nachm. ! 5 Uhr, von der Leichenhalle des I städtischen Friedhoscs tu Friedrichs- 1 | jelde aus statt, Zahlreiche Beteiligung erwartet f 1 35/7 Tic OrtSvrrwaltung. iSozialiSemokratiseliJaWycreiDl Kreis Hießerliaraiai Bezirk{«Ichtcnbcrg. Den Mitgliedern zur Nachricht, I | daß unser Mitglied Mixust Vetter (Nicderbarniinstr. 7) | verstorben ist. Ehre seinem Andenkeu! Die Beerdigung findet heute, ! nachmittags 4 Uhr, aus dein s Friedhofe in Marzahn statt. Rege Beteiligung erwartet 1 14/15 Tie Bezirksleitung. Deutscher Bauarbeiter-Verband Zweigverein Berlin. Am 16. August starb unser Mitglied, der Maurer Eduard Richter (Bezirl Norden I). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 19. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Gethsemane-Kirchhofes in Nord- end aus statt, Der Borstnnd. Deutscher Metallarbeiter-VerbantT; Verwaltungsstelle Berlin.! Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Dreher ßjebard Kliickmann Lichtenberg, Bürgerheimstr, 10 am 15. August an Lungenleide» gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 18, August, nach- mittags 4 Uhr, vou der Leichen- i Halle des KirchhojK in Marzahn s aus statt. biege Beteiligung erwartet 122/17 Oie Ortsvenwallung/, jAllgeni. Kranken- u. Sterbekasse!; der Metallarbeiter (E. H. Nr. 29, Hamburg). si Filiale Lichtenberg!.! Am 15. d. M. verstarb unser n | Mitglied 11. K I ü c k m a n n. 1 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet ain fj Sonntag, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle Marzahn statt. 294/20 Oie Ortsverwaltung. Kj I IUI IW Ii» H I H Hill I' I Iii III lill Uli II I Ii» aaamcammmamKmamäBmBtjzrt*.'LLLi Zentralverbanil j der Masetiinisten ül Heizer [ sowie Berufsgenossen Deutschl. Verwaltungsstelle Groß-Berlin. Nachruf. SCm 1. August verunglückte tödlich im Belrieb der Firma Ludwig Locwe u. Co. unser Will- j glied, Kollege Karl Haospt. Ehre seinem Andenkeu! Die Beerdigung hat bereits am I 12. August stattgefunden. j 146/5 Tie Ortsverwaltung Dr.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41,«dÄ 10—2, 5—7. Sonntsch;« 10—12, 2—4 ltttlmd der Untrr, !Lnltirkrtr,A«jtmdjtrlrsiii. Filiale Berlin. Stektinn der Lackierer. Den Mitgliedern zur Nachricht, | daß der Kollege Ruclolk EkRert [ am 15. August verstorben ist. Ehre seinem Zludenke» l Die Beerdigung findet am | Montag, den 19. d. M., iiacksntlliag j 9,2 Uhr, von der Halle des I städtischen Friedhoscs, Müllerstraße, s aus statt.. Jjt Um rege Beteiligung ersucht Oie Ortsverwaltunx. Allen Bekannten und Ver- wandten hiermit die traurige Nach- richt, daß mein lieber Mann und guier Vater, der Kastwirt Heiuricb Licbick nach langem, schwerem Leiden sanst enlschlasen ist. Dies zeigt tiesbclrübt an frauUeM uelist Wter. Die Beerdigung findet am Mittwoch, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus-Zknch- hoss aus statt. Danksagung. ,8686 Für die fielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Musikers Hernrnnn Irrgang sage ich allen Verwandten und Bekaniilcn, seinen Kollegen und den Genossen des 4. Wahlkreises, der Gcwcrlschasts- kommission sowie den Mitgliedern des Zcnttalvcrbondes der Zivilmusiler Deutschlands und des RauchNubs „Bombardon" sowie dun Genossen Wieloch und den Sängern meinen herzlichsten Dank. Helene irrgang geb. Warbeck. üesttnannsTraueriiiagaziai Fxtrn- Abtciliing I. Gesch.: Berlin W., Mohren- StraBc37a(2. Haus von der Jerusalemer Straße). II. Gesch.: Berlin NO., Große; Frankfurt. Str.115(2. Haus| von der Andreasstraße). Sehrgr.Ausw. fort. Kleider, i Hute, Handschuh», Schleier/ etc. v. einfachsten bis zum hochelegant Genre z.äuCorst! niedrigen Preisen. Sonder- Abteilung: lnaliuiifcrtignn� in 10 bis 12 Stunden. iSSwt der Reise zurück Augenarzt DP. HOffBiailü Gr. Frankturter Str. 134. __ 89.— 11- 5-y. SSS3L* Von der Reise zurück Max Witte Zahnkünstler, 28676 Muskauer Str. 15. ■■■i— il MIMt M■■■| V»» mt—»tMMmm t Tiüifip prpmwrfpUEuhPifEn für Herbst ■ z \ | 1 c i I ll k: „Lola." Apartes Kostüm 59.- aus feingestreiftem Phantasiestoff. Vonüglieh ver- arbei1»t. Jacke auf prima Halbseide.......... ,;Bionka." Eleg. Kostüm 74- aus prima dunkelblau. Kamm- garn.InbesterVerarbeitungu. m. aparter Garnierung. Jacke auf reinseidenem Futter M. und Winter. „Erna." Solider Paletot aus meliertem Phantasiestoff im englischen Geschmack. Mit Riegel oder Passe gearbeitet.... M. 19. 50 „Marga." Sport-Paletot 34- aus vorzüglichem Flausch» Cheviot. 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Für diese Kommission begründete Harms-Bremen folgende Resolution, der der Bundestag auch einstimmig zustimmte: „Der Bundestag beschließt, die Uebernahme des Magde- burger Geschäfts in Bundesregie zu fordern, und nimmt im übrigen in dieser Frage die gleiche Stellung ein wie die Geschäfts- leitung, der- Aufsichtsrat, der Bundesvorstand und schließlich der Gautag des Gaues 17a. Der Bundestag empfiehlt deshalb der Geschäftsleitung des Fahrradhauses„Frisch aus", mit den Funktionären des Gaues 17a und den Genossenschaftern des Magdeburger Geschäfts in Verbindung zu treten, um die Ver- schmelzung baldmöglichst durchzuführen, und erwartet, daß bis spätestens 1. Januar 1S13 diesem Beschlüsse Rechnung ge- tragen ist." Der Geschäftsleitung des Fahrradhauses„Frisch auf" und dem Bundesvorstand wurde sodann einstimmig Entlastung erteilt. Bei Beratung der allgemeinen Anträge wurden An- träge, die eine andere Gaueinteilung wünschen, einer Kommission überwiesen, die aus Vertretern der beteiligten Gaue und dem Bundesvorstand gebildet werden soll. Weiter wurde beschlossen, daß Mitglieder des Deutschen Rad- und Motorradhändlerverbandes in den Bund nicht mehr aufgenommen werden dürfen. Annahme fand auch ein Antrag, daß Bundesgenossen, di« durch irgendwelche Angelegenheiten, gleichgültig welcher Art, von ihren öffentlichen Aemtern ausgeschlossen sind, nicht als Delegierte für Bezirks-, Gau- und Bundestag fungieren können. Das Endgehalt der Hilfskassierer im Bundesbureau wurde von 2460 M. auf 2700 M. und die jährliche Steigerung von 60 M. auf 120 M. erhöht Die angestellten Vorstandsmitglieder wurden einstimmig wiedergewählt, ebenso der Redakteur Labbe. Sitz des Ausschusses bleibt Dresden. Das geänderte Statut tritt am 1. Januar 1913 in Kraft. Damit waren die Arbeiten des Verbandstages beendet. Ter nächste Verbandstag wird 1914 in Köln abgehalten. Ds-SMttfftscbeS Jedes Wort 10 Pfenniq. Das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fett'edruckte Worte). Stellengesuche und Schlafstellen-\nzeigen 5 Pfg.; das erste Wort(fettgedruckt) 10 PU Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. ) Kleine Anzeigen ANZEIGEN fQr die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedition, LIndenstrasse(9, bis 5 Uhr angenommen. Verkaufe. Teppiche, Prachtstücke(Farben. feiler), für InIben Preis. Vorwärtsleser 10 Prozent I Mau erb oft, Grütze Frantsurierslratze 9, parterre. Kein Laden I 18SKK' Gardinen, Fabrikreste, Fraiifsurterstratze g parterre. Grotze Steppdecken, billig, Fabrik Grotze granksurterstratze 9 parterre. 1897K" Piorjäbrige eleganteHirrenanzüge und Paletots aus seinsien Matzitosien SO— to Mark, Hosen 6— U Marl. 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