Ur. 196. Ii bon nementz-keMMgen: asonncmentä- Preis pränumerando: Dicrteljährl. z,zo Mr, monatL 1.10 SMf, wöchentlick 28 Pfg. frei WS HauS. Eüizclne Kummer 5 Pfg. EonntagZ. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„Die Neue Well" 10 Pfg. Post« Wonncmenll 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland S Mark pro Monat. Postabonnements nehmen am Belgien. Dänemark Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Numänien, Schweden und die Schweig. 39. Jahrg. vlchil»« Kg»!» außer nisotaas. Vevlinev Volllsblertk. Die Tnf(rtt«n$*G(bSiir Sehägt für die sechsgespaltene Kolonek» geile oder deren Raum 60 Pfg.. für politische und gewerkschaftliche Vereins» und BersammlungS-Anzcigen 30 Pfg. „Klefaie Hnzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. szuläsfig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort lO Psg. Stellengesuche und Schlafltellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg.. jedes wettere Wort b Psg. Worte über 15 Buch» staben zählen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Numnier müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „SizialiltniOKrat Berlin". Zentralorgan der rozialdemokrat» leben parte! Deutfchlands. Redaktion: SRI. 68. Lindenetrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1383. Freitag, den Ä3. August 1913. Expedition: SM. 68» Lindenstrasse 69* Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981» Sie freie volkZbiihne unter Husnahmerecht. Als die Polizei im vorigen Jahre plötzlich das Bedürfnis fühlte, die Berliner Freie Volksbühne unter ihre Zensur zu nehmen, versäumte sie nicht, vor diesem angesehenen Kultur- institut der Berliner Arbeiterschaft ihren tiefsten Bückling zu machen. Im Dreiklassenhause beteuerte Herr v. Dallwitz, niemand denke daran, die Freie Volksbühne in ihrer nützlichen Arbeit zu stören, und Herr v. I a g 0 w erklärte einem Interviewer, wenn man diesen Verein der Polizeiaufsicht unterwerfe, so geschehe dies weniger der Zensur zuliebe als zum Schutz der Mitglieder vor Feuersgefahr. Auch sonst ließ man es an Versicherungen nicht fehlen, daß sich die Freie Volksbühne über den neuen„Rechtszustand" unter der Obhut des Zensors nicht zu beklagen haben werde. Kaum aber hatte sich die öffentliche Meinung über diesen neuesten Polizeistreich einigermaßen berllhigt, kaum war durch das Urteil des Oberverwaltungsgerichts das Recht der Zensur über die Freie Volksbühne sichergestellt, als die Polizei mit ihren wahren Absichten und Gesinnungen gegenüber der Freien Volksbühne offen hervortrat. Ganz wider alles Er- warten, sozusagen gegen alle menschliche Berechnung erfolgte das Verbot don Rosenows Drama„Die im Schatten leben", eines Stückes, dessen Aufführung der Freien Volks- bühne von der bürgerlichen Kritik als Ehrenpflicht gegenüber dem verstorbenen Dichter ans Herz gelegt worden war. In diesem Bergarbeiterdrama, das auf westfälischer Erde und in einer Zeit spielt, die vom Hauch der modernen Arbeiter- bewegung noch gänzlich unberührt war, hatte außer den amtlich berufenen AergerniSnehmern kein Mensch etwaS Aufreizendes, die öffentliche Orduung und Ruhe Gefährdendes gefunden. In Stuttgart und Frankfurt a. M. wurde es öffentlich aufgeführt. In Verlin verbot es der Zensor. Hundert andere Stücke, die nicht mehr oder weniger „aufreizend" sind, Stücke aus dem sozialen Milieu der neueren Zeit, sind in Berlin aufgeführt lvorden, ohne daß die Zensur daran dachte, sie zu unterdrücken. Warum auf einmal dieses unverständliche Verbot? Und warum ein solches Verbot gerade gegen die Freie Volksbühne? Der Bescheid, den der Verein jetzt auf seine Beschwerde vom Oberpräsidenten erhalten hat— natürlich lautet er ab- lehnend— löst das Rätsel vollständig. Die Aufführung wird der Freien Volksbühne nicht gestattet, eben weil sie die Freie Volksbühne ist, weil sie ihre Aufgabe darin erkannt hat. der Arbeiterschaft den Weg zu künstlerischer Kulturentwicke- lung zu öffnen. Für Arbeiter soll die Zensur anders, strenger gehandhabt werden als für Bourgeois, das geht aus dem Bescheid des Oberpräsidenten klar hervor. Dieses neueste Potsdamer Kulturdokument hat den folgenden Wortlaut: Der Oberpräsident der Provinz Brandenburg. O. P. 11 984. Potsdam, den 14. Angust 1912. Ihrer namens des Vereins Freie Volksbühne eingelegten Be- schwerde gegen das Verbot der öffentlichen Aufführung des Stückes .Die im Schatten leben" von Emil Rosenow vermag ich nicht statt- zugeben. Nach dem Inhalt des Stückes steht außer Zweifel, daß die darin gegebene Schilderung des Bergarbeiterloses eine gewisse Allgemein- güliigkeit beansprucht und daß die darin austretenden Personen danach weniger als Einzelpersonen, sondern als Vertreter gewisier Gesellschaftsgruppen in Betracht kommen. Von diesem Standpunkt muß eS Bedenken erregen, daß den Kreisen des Unternehmertums und der Werkverwaltnng durchweg eine Gesinnung unterlegt wird, welche ans eine gewissenlose Ausnutzung der wirtschaftlichen Ab- hringigleit und der Notlage der Bergarbeiter und ihrer Angehörigen heranslommt. Ihre Höhepunkte erreicht diese Tendenz in der während der Beerdigung der verunglückten Bergarbeiter spielenden Verführungsszene und in dem gegen die An- gehörigen der Verführten später ausgeübten Zwange, sich mit der lügenhaften Darstellung des Verführers abzufinden. Wenn derartige Vorgänge einer hauptsächlich aus Arbeiterfamilien bestehenden Zu- Hörerschaft nicht etwa als Einzelerscheinungen, sondern als Vorfälle vorgesnhrt werden, die sür die Behandlung des abhängigen Arbeiter« und seiner Angehörigen typisch seien, so muß notwendig in den Zuhörern ein ingrimmiger Haß gegen bestimmte Stände und GesellschaftSgruppen hervorgerufen werden, dessen Entladung bei geeigneter Ge- legenheit erwartet werden kann. Hierzu koinmt, daß die aufreizende Wirkung der zuletzt an- gegebenen Szene nur durch eine Verfälschung des bestehenden Rechts- zustande? erreicht wird. Obwohl das Stück offenbar in der Gegenwart spielt, wird es so dargestellt, als ob der Werks- invalide Schniermann,' die Witwe des bereits früher im Bergwerk verunglückten Lückel und die Witwe des verunglückten Bergmanns Bigge» mit ihren unmündigen Kindern einzig aus die Willkür- lich entziehbare» Wohltaten der Werksverwallung angewiesen und ohne diese der bittersten Not preisgegeben seien. Nach der Schilderung des Dramas ist aber zweifellos. daß die Wiiwe Lückel, als Witwe eines beim Be- triebe verunglückten Bergmannes, und die Witwe Biggen in gleicher Eigenschaft mit ihren Kindern nach§« des Unfall- Versicherungsgesetzes vom S.Juli 1884 oder 8 Sa der Fassung vom 30. Juni 1900 Hinterbliebenenrente be- «ispruchen können, welche sür Frau Biggen und ihre Kinder zu- sammen 60 Prozent des Arbeitslohnes darstellt. Abgesehen von dem Unfall des Ernährers kämen die rechtlich verfolgbarcn Ansprüche aus Z 272 des Allgemeinen Berggesetzes vom 24.' Juni 18S6(G. S. S. 705 oder 172a,' de r Fassung vom 19. Juni 1906 G. S. S. 289 in Frage, nach denen auch der Invalide Schniermann Knappschaftszinsen beziehen loiirde. Wenn hiernach der herrschende Rechtszustand zu Unrecht so dar- gestellt wird, als ob der Arbeiter und seine Angehörigen keine gesetz- lichen Rechte hätten, sondern lediglich auf jederzeit entziehbare Wohltaten angewiesen seien, st» muß dies aufreizend und erbitternd wirken. Der Staat kann im Interesse der öffentlichen Ordnung nicht dulden, daß der von ihm zur Förderung des sozialen Friedens ge- schaffen? Rechtszustand in öffentlichen Aufführungen verfälscht und hiermit zu Unrecht eine Entrüstung über die herrschenden Rechts- zustände hervorgerufen wird. In ähnlichen Fällen hat das Ober- Verwaltungsgericht Aufführungsverbote wegen ungerechtfertigter An- griffe auf die Strafrechtspflege oder den Militärdienst aus Gründen der öffentlichen Ordnung für zulässig gehalten. I. A.: v. Gneist. Anders als sonst in Menschenköpfen malt sich die Welt in den Räumen unterhalb preußischer Pickelhauben. Zwanzig Jahre lang haben die Arbeitermitglieder der Freien Volksbühne ohne jede polizeiliche Bevormundung Theater besucht, keine„Aufreizung" ist ihnen durch den Ein- spruch des Zensors erspart geblieben— und Berlin und Preußen stehen noch immer. Jetzt auf einmal muß ein Theaterstück in ihnen so„ingrimmigen Haß" erregen, daß seine„Entladung"— nicht etwa sofort, sondern„bei ge- eigneter Gelegenheit— erwartet werden kann." Den Berliner Arbeitern geht es nach polizeilicher Auf- fassung wie den Arbeitern des ganzen Reiches ausgezeichnet. Grund zu Unzufriedenheit ist gar nicht vorhanden. Da kommt ein Stückeschreibcr mit einem Stück, das irgendwo in Westfalen spielt— und plötzlich werden die Leute so auf- geregt, daß die öffentliche Ruhe und Ordnung in Gefahr gerät. Aber der tote Dichter ist nicht nur ein Hetzer, er ist auch ein.„Fälscher", dem die Polizvi glücklich auf die Spur ge- kommen ist. Es hat den§ 6 des Unfallversicherungsgesetzes vom 6. Juli 1884 und außerdem noch vier andere einschlägige Paragraphen anzuziehen schuldhaft unterlassen. Die Zeit ist vorbei, wo ein Schiller sagen durfte:„Freiheit ist nur in dem Reich der Träume", sie ist auch dort nicht mehr! Früher hatte der Dichter das Recht, die Welt nach seinem Willen zu gestalten, zu erfinden, zu übertreiben. Lächerlich, sagt der Zensor, der Kerl muß sich an die' polizeilich beglaubigte Wahrheit halten, er muß vor allem die Paragraphen der Ge- setze kennen, und wehe ihm, wenn er einen Schnitzer macht l Hat nun aber der arme Rosenow wirklich das Verbrechen der dichterischen Freiheit begangen, dessen ihn der Oberpräsi- dent beschuldigt? Nein � und das setzt dem Ganzen die Krone auf— auch dies ist nicht einmal der Fall. Rosenow hat die Gesetze genauer gekannt als irgend ein anderer dra- malischer Dichter, dafür sorgte schon seine sozialdemokratische Erziehung. Allerdings für die Unkenntnis des Gesetzes vom 19. Juni 1996 ist er hinreichend entschuldigt, da er bereits am 7. Februar 1994— st a r b. Auch das Gefetz voiK 39. Juni 1999 konnte er nicht mit anziehen, da er das Stück— schon früher schrieb. Aber, sagt der Oberpräsident trium- phierend, wie ist es mit dem Gesetz vom 9. Juli 1884? Mit Verlaub, hätte man in Potsdam das Drama mit einigem Ver- ständnis gelesen, so würde man bemerkt haben, daß die Hand- lung ihrem ganzen Inhalt nach spätestens Anfang der achtziger Jahre spielen kann. Von einer Arbeiterbewegung ist, wie schon gesagt, in diesem Arbeiterdrama überhaupt noch gar nicht die Rede. Von dem Unfallversicherungsgesetz von 1884 logischer Weise auch nicht! Trotzdem wird in dem Stück von Renten, Entschädigungen usw. wiederholt gesprochen. Hier macht sich eben der Einfluß des Berggesetzes vom 25. Juni 1865 bemerkbar, was auch dem Oberpräsidenten bei etwas genauerem Studiuni nicht hätte entgehen dürfen. Was also bleibt von dem Vorwurf, die„aufreizende Wirkung des Stückes" sei„nur durch eine Verfälschung" des bestehenden Rechtszustandes erreicht worden übrig? Nichts als eine neue, allerdings ungewöhnlich große Polizeiblamage! Mit dem gleichen Recht und nach derselben Logik müßten auch die„Weber" verboten werden, deren aufreizende Wirkung nur dadurch erreicht wird, daß der Fälscher Gerhart Haupt- mann die Eristcnz des Heimarbeiterschutzgesctzes vom 29. De- zember 1911 hartnäckig ignoriert! Aber was liegt der Behörde daran, sich wieder einmal blamiert zu haben, wenn sie nur ilrer staatserhaltenden Auf- gäbe treu bleibt und die Kulturbestrebungen des Proletariats an die preußische Polizeikandare nimmt!?„Aufreizung und Erbitterung" sollten durch das Verbot des Rosenowschen Stückes verhindert werden, aber noch ganz anders aufreizend und erbitternd als die Ausführung eines noch so leidenschaft- lich empfunden sozialen Dramas wird dieses Verbot selber wirken! Dort lobt man in einer Welt des Scheins, was sich hier den Augen offenbart, ist krasse preußische Polizeiwirklich- keit. Polizeiwirklichkeit und Polizei Willkür lichkeit, der die abenteuerlichsten Vorwände gerade noch gut genug sind, wenn es gilt, ein anerkanntes, in aller Welt angesehenes Kul- turinstitut der Arbeiterschaft, die„Freie Volksbühne", unter Apsnahinerecht zu stelUkt SimpDclfnmus-Kaltur und KleriltaDsmus im bayerischen Offizierkorps. In der bayerischen Kammer der Abgeordneten gab es heute wieder eine„große" Debatte, die mit einer derben Abfertigung des Zentrums und ihres Redners. deS Freiherrn v. Franckenstein, endete. Der bayerische Kriegsminister Freiherr von Kreß nahm sofort wieder das Wort uyd führte, gegen die sozialdemokratische Fraktion gewendet, aus, es liege im Jntereffe des Heeres, und eS fei Pflicht der Heeresverwaltung, darüber zu wachen, daß eine Stärkung der sozialdemokratischen Idee bei den Heeresangehörigen nicht stattfinde. Den Offizieren falle eS aber nicht ein, Soldaten, die sich etwas haben zu Schulden kommen lassen, zu fragen, ob sie Sozial- demokraten seien oder nicht. Eine Statistik, eine Bericht- erstattung und eine Kontrolle über die Sozial- demokraten im Heere würden nicht geführt. Es lägen keine Beobachtungen vor, daß im bayerische» Heere die Sozial« demokraten, die sich zweifellos auch darin befinden, irgendetwas Be- merkenswertes gemacht hätten. Mit dem Erlasse betreffend das Verbot der Beteiligung bon Offizieren bei den Wahlen handle es sich nicht um einen Eingriff in das geheime Wahlrecht, sondern eS sollte damit daS öffentliche Eintreten der Offizier zugunsten der Sozialdemokratie ge- troffen werden. Der Erlaß sei ausgegeben worden, lange be- vor der Landtag aufgelöst worden sei und lange vor de» Reuwahlen. Das Recht, über den Krieg zu entscheiden— bemerkte der Kriegs« minister den Sozialdemokraten gegenüber— sei durch die Be- stimmungen der Reichsverfassung festgelegt und setze auch die Zu- stimmung des Bundesrates voraus. Auch in republikanischen Staaten entscheide nicht das Volk über den Krieg. Abg. Freiherr v. Francken st ein(Z.) betonte, die Ent» scheidung über Krieg und Frieden müffe der verantwortlichen Stelle, dem Kaiser, überlassen bleiben. Die Kriegsverwaltung müsse sich innerhalb der Verfassung gegen die Sozialdemokratie wenden. Der Kriegsminister hätte seine programmatische Erklärung nach dieser Richtung hin noch schärfer unterstreichen sollen.(Unruhe links.) Wir müssen, fuhr der Redner fort, aiif das bestimmteste verlangen, daß von den Kasernen die Sozialdemokratie fern bleibe. Es wäre das Höchste, wenn in einer Kaserne, wo der Fahneneid geleistet worden ist, gegen den Fahneneid von der Sozialdemokratie agitiert w ü r d e. Zuruf des Abg. v. V 0 l l m a r: Das ist eine Unverschämtheit I (Große Unruhe links.) Präsident Dr. v. O r t e r e r ruft den Abg. v. Vollmar zur Ordnung. Abg. v. F r a n ck e n st e i n(fortfahrend): Ich nehme kein Wort von dem zurück, was ich gesagt habe. Durch die sozialdcmo- kratische Presse, die in die Kaserne kommt, werden die Disziplin und die Liebe zum Königshause untergraben. Abg. Rollwagen(Soz.) ruft unter-ständig wachsender Un« ruhe links: Das ist eine Verleumdung I Er ivird vom Präsidenten zur Ordnung gerufen. Abg. v. F r a n ck e n st e i n(fortfahrend): Der Erlaß des früheren Kriegsministers, daß die Reserveoffiziere sich nicht für die Wahlen sozialdemokratischer Kandidaten betätigen dürfen, sei von den Liberalen und von den Sozialdemokraten verurteilt worden. Einen derartigen Erlaß halte seine Partei für selb st ver ständlich. Wer als Offizier des BcurlaubtcnstandeS den Fahneneid geschworen habe, habe auch für seinen König treu einzutreten. Wer die Uniform des Königs trage, von dem halte er es für ausgeschlossen, daß er für eine Partei eintrete und sich dafür betätige, die ein offener Gegner deS Königs sei. Seine Partei verlange vom Kriegs minist er ausdrücklich Antwort, ob der Erlaß auch jetzt noch Geltung habe. Er warne davor, in weiten Volkskreisen die Anschauung entstehen zu lasten, als ob ein großer Teil der Offiziere mit der Sozialdemokratie sympathisiere. Ein solcher Stand dürfe auch nicht sympathisieren mit einem Organ, wie es der„SiniplicissimuS" sei. das in jeder Nummer die Geistlichkeit und die StaatSautoritäten verhöhne. In dem preußischen Offizierkorps und in einem preußischen Offizierkasino dürfe der„Simplicissimus" nicht ausliegen. Die bayerischen Offiziere dürften nicht zur«S i m p l i c i s s i m u s"- K u l t u r neigen. Der Kriegs- minister müsse nach dieser Richtung Vorsicht üben.(Bravo I im Zentrum.) Abg. Dr. D i r r(lib.) wendet sich dagegen, daß der Vorredner scharf machen wolle gegen die Offiziere des Beurlaubtenstandes. Es sei politisch und logisch vom Standpunkt des Interesses des Heeres unverständlich, den Fahneneid in die politische Diskussion zu ziehen. Er würde die Offiziere bedauern, die sich in ihrer politischen Ueberzeugung beeinflußen ließen. Im Lfriegsfalle brauche man geübte und erfahrene Landwehroffiziere, und des» wegen dürfe die Kriegsverwaltung keinen Mann wegen politischer Betätigung aus den Reihen des Offizierkorps hinausdrängen. Da- gegen sei er gegen jede politische Agitation in den Kasernen selbst. Der Kriegsminister habe ja selbst erklärt, daß von einer Agitation der Sozialdemokratie in den Kasernen ihm nichts bekannt sei. In dem ganzen Vorgehen des Zentrums liege System. Man wolle jetzt auch noch den Kriegs- «i«ister scharf machen gegen die Politischen Freiheiten. Ter Simplicissimus scheine dem Abg. v. Francken, stein noch geföhrlicher für die ArMe zu sein, alS die Soziald'emö- kratic. Die Offiziere brauchten keine Bevormundung, was sie lesen dürften oder nicht. Kriegsminister Frhr. v. Kreß: Meine Stellung zur Sozial- demokratie habe ich meines Erachtens genügend klar gekennzeichnet. Ich mische mich nicht in Ihre Parteiangelegenheiten; ich vertrete hier lediglich die militärischen Interessen der Armee und in deren Interesse weise ich den schweren Vorwurf, den der Abgeordnete Frhr. v. Franckenstein dem Offizierkorps gemacht hat. auf das allerentschieden st e zurück.(Bravo! links; hört, hört! rechts.) Er hat von Simplicissimuskultur gesprochen, der ein großer Teil des bayerischen Offizierkorps huldige. Er hat auf einen Zuruf es ausdrücklich dahin revidiert, daß es sich nicht um das Lesen, nicht um das Halten des Blattes handele, es handele sich um die ganze Stimmung. Ich muß es auf das tief st e bedauern, daß eine derartige Ver- dächtigung, die der Herr Abgeordnete...(Sturmi- schcs Bravo! links; Unruhe und Bewegung rechts). Vizepräsident Frank: Ich möchte Seine Exzellenz ersuchen, dieses Wort nicht weiter zu gebrauchen. Der Kriegsministcr unter- steht ja nicht meiner Korrektur, ich möchte aber bemerken, daß ich einem Abgeordneten gegenüber dieses Wort als nicht statthast be- zeichnet hätte. Kriegsminister Frhr. v. Kreß(fortfahrend):... wo- für der Herr Abgeordnete auch nicht die Spur eines Beweises ver- sucht hat. Das bayerische Offizierkorps hat, so glaube ich, dem Herrn Abgeordneten nicht im mindesten Anlaß gegeben, an seiner Königstreue, Loyalität und seinem inneren Gehalt zu zweifeln und ich bin überzeugt, daß es in diesen Eigenschaften durch die Lektüre des Simplicissimus nicht wankend gemacht wird.(Sehr gut und Bravo! links, hört, hört, rechts.) Der Abgeordnete von Franckcnstein hatte sich aber mit den Vorwürfen, die er der Armee und dem ganzen Offizierkorps gemacht hat, nicht genügen lassen. Er hat auch mir in nicht mißzuvcrstehender Weise seine Mißbilli- gung ausgesprochen, daß ich die Aeußerungen des Abgeordneten Simon nicht in seinem Sinne zurückgewiesen habe. Meine. Aus- führungen bewegten sich auf dem Boden der Reichsverfassung, die über die Frage der Kriegserklärung sich in einer ganz zweifellosen Weise ausspricht. Einen staatsrechtlichen Exkurs daran zu knüpfen, habe ich keine Veranlassung. Der Abgeordnete von Franckenstein ist auch neuerdings auf den heute bereits mehrfach erwähnten Er- laß zu sprechen gekommen; er hat von mir eine ausdrückliche Er- klärung verlangt, daß ich mich mit diesem Erlaß identifiziere. Ich kann ihm nur erwidern, daß der Erlaß noch in Kraft ist, woraus zur Genüge hervorgeht, daß ich mit ihm einverstanden bin. Der Aufforderung hätte es weiter nicht bedurft.(Sehr richtig, links.) Eine Bemerkung des Abgeordneten Dr. Easselmann hat dann dem Abgeordneten von Franckcnstein Veranlassung gegeben, die DiS- z i p l i n in der Armee anzuzweifeln. Es ist mir nicht bekannt, welche Beobachtungen dem Abgeordneten v. Franckenstein zu seinen Aeußerungen Veranlassung gegeben haben. Ich glaube auch kaum, daß Sie erwarten, daß ich daraus Veran- lassung zu einer hochnotpeinlichen Untersuchung machen werde. Sie werden mix daher gestatten, nach wie vor überzeugt zu sein, daß die Erlasse des KriegSministe- riums von den unterstellten Behörden strikte ausgeführt werden, indiescm Falle wiein jedem anderen.(Lebhaftes Bravo! links, Unruhe im Zentrum.) Nach weiteren Ausführungen des Abgeordneten Held(Z.), der sich wogen der fortdauernden Unruhe im Hause und fortwährender Unterbrechungen durch die linke Seite des Hauses nur mit Mühe .Gehör verschaffen kann, ist die Generaldebatte zu Ende. Ailler«Ii! lishtungzmittelwlichei'ei'. Der Einfluß der Grenze. »Es muß endlich mitEnergie derBerteuerungS- Politik am Lebensmittelmarkt entgegengetreten werden' schreibt— die„Kreuz-Zeitung'. Aber daS Junkerblatt versteht darunter nur den Kampf gegen die Fleischer, die allein an der ungeheuerlichen Preissteigerung schuld seien. Daß nur diese eine Ursache der enormen Stelgerung der Fleischpreise anerkannt werden könne, zeige die große Differenz zwischen den Groß- und Kleinhandelspreisen. Wir leugnen die Mitschuld des Zwischen- Handels nicht, empfehlen der.Kreuz-Zeitung' aber, nicht wie blind aus diese Differenz zu starren, sondern einmal den Unterschied zwischen den Viehpreisen in verschiedenen europäischen Staaten aufmerksam zu studieren. Da wird sie finden, daß schon die Viehpreise des Inlandes wesentlich höher stehen, als die der zollfreien eenetal Uooth. Das„korybantische Christentum", wie Professor Huxleh die Heilsarmee getauft hat, hat durch den Tod seines Führers, des Generals Booth, einen schweren Verlust erlitten. Es wäre viel- leicht richtiger, von dem Generat Booth als dem Papst der Heils- armee zu schreiben; denn das tolle, wilde Christentum wurde von ihm in absolut autokratischer Weise regiert: seine Worte waren ihm Befehl, wer sich ihnen widersetzte, wurde exkommuniziert, der eigene Sohn des Generals wurde von dem Bannstrahl getroffen, die Gelder der Organisation wurden von dem Oberhaupt nach eigenem Gutdünken angelegt und verwendet und nie hat man den Papst der Heilsarmee bewegen können, über die Verwendung der reichlich fließenden Spenden seiner frommen Soldaten und reichen Gönner öffentlich Rechenschaft abzulegen. Als in den Anfängen der Bewegung eine Konferenz der Heilsarmee Miene machte, die Taten des Generals zu kritisieren, schickte dieser das Heilsarmee- Parlament einfach nach Hause. Dieser autokratische Zug war wohl das Hauptmerkmal des Boothschcn Charakters; er machte sich schon früh in seinem Leben bemerkbar, als Booth sich nacheinander als Prediger mit ver- fchiedenen nicht staatSkirchlichen religiölen Sekten zankte, sich ihrer Disziplin nicht unterwerfen wollte und den Gedanken faßte die religiöse Propaganda auf eigene Faust zu betreiben. Aber dieses� Machtgelüst allein würde wohl kaum die weitverzweigte religiöse nnd geschäftliche Organisation geschaffen haben, die die Welt unter dem Namen Heilsarmee kennt. Der Mann war zweifelsohne ein ehrlicher religiöser Fanatiker von großer Ucberredungskunst. aus- gestattet mit jener Pfiffigkeit in geschäftlichen Angelegenheiten. die man bei devoten Gemütern so häufig antrifft. Leisteten ihm diese Eigenschaften in dem Milieu der entsetzlichsten und hoffnungs- losesten Misere der englischen Großstädte, das Booth sich plck " Wirkungsfeld erkoren, treffliche Dienste, so setzten sie ihn ander- i-its außerstande, die sozialen Probleme, über d.e er in Ostlondon auf Schritt und Tritt stolperte, in ihrem wahren Wesen zu be- greifen. Der Mangel an Geist und Kenntn.ssen führte chn auf die Bahnen jener sozialen Reaktion, die aus dem ehemals von jedermann verspotteten General der Heilsarmee einen Lablmg der Kaiser und Könige und der Reaktionare der ganzen Welt »nachte. ,!,<.«< Wäre General Booth hei jeinev ursprünglichen Gedanken dxr AuZlandsstaaten. Je höher die Rohpreise um so größer die Zwischen« gewinne und die Detailpreise, denn das im Vieh- und Fleischhandel an- gelegte Kapital will keinen geringeren Profit als das anderen Erwerbsquellen zugewandte Kapital. Soviel nationalökonomische Weisheit wird auch die„Kreuz-Zeitung' besitzen, um diese Zusammen- hänge einzusehen. Auch hindert gerade die Sperre für ausländisches Fleisch jede Koiilurreuz und fordert zu Extraprofiten heraus. In den Grenzgebieten zeigt sich der Unterschied zwischen auS- ländischen und inländischen Fleischpreisen am deutlichsten. Ge- wöhnlich ist im Grenzvorkehr die zollfreie„Einfuhr' von kleinen Quantitäten gestattet. So berichtet unser Freiburger Parteiblatt, daß von der badischen Grenze aus die Leute in Scharen nach Riehen (in der Schweiz) ziehen, um Fleisch einzukaufen. Täglich werden von dort mindestens zehn Zentner über die Grenze geschleppt; am letzten Sonnabend wurden sogar 20 Zentner im Kleinverkehr hin- übergebracht. Große Scharen suchen die Großmetzgerei Bell Söhne in Riehen auf, die billiges argentinisches Fleisch vertreibt. An einzelnen Tagen mußte die Polizei den Zugang zum Fleischer- laden bewachen. Dieser große Andrang wird durch die Differenz der Preise in Lörrach(Baden) und Riehen(Schweiz) erklärlich. Man muß pro Pfund zahlen: in Lörrach: in Riehe«: für O ch s e n fl e i s ch: Ohne Knochen. 120-130 Pf. I. Qual. 90 Cent= 72 Pf. Mit.. 96, IL, 80.= 64, ELL. 70,= 55, für Kalbfleisch: Vorderes..... 90 Pf. II. Qual. 90 Cent---- 64 Pf. Schlegel..... 100„ I., 100.= 80, Bug....... 100, Schnitzel ohne Knochen 160. Nicht die willkürliche Verteuerungspolitik der Fleischer in Lörrach schafft diese Differenz, sondern die der Agrarier. Sobald eS erlaubt ist, auch in Baden argentinisches Fleisch zu verkaufen, würden die Leute, die jetzt den weiten Weg, selbst mit der Eisenbahn, nicht scheuen, bei deutschen Metzgern kaufen. Die„Kreuz-Zeitung" fordert die Arbeiterschaft sogar zum Boy« kott der Fleischer auf:„Wenn es der Sozialdemokratie ernst wäre im Kampfe gegen das frivole Spiel um die Fleisch- preise, dann wüßte sie wohl wirksamere Mittel' als den Protest. Nun wir können schon heute mit einer Mitteilung dienen über den Flcischkrieg in Württemberg. In zahlreichen Städten Württembergs ist eine starke Bewegung gegen die Fleischermcister im Gange. Die württembergischen Metzger haben die auf den Viehmärkten eingetretene Er- h ö h u n g der Preise sich in einer Weise zunutze gemacht, die vor allem bei der Arbeiterschaft, aber auch bis weit in bürgerliche Kreise hinein, helle Empörung hervorrufen mußte. Der Fleisch- aufschlag, der in vielen Gemeinden in den letzten Wochen von den Metzgerin nungen diktiert wurde, übersteigt stark die Grenze, die sich aus den gegenwärtigen Viehpreisen rechtfertigen läßt. In Land- städten, in denen bei weitem nicht die Unkosten in Betracht kommen, die der moderne Metzgereibetricb in der Großstadt erfordert, ist kaum noch ein Pfund Fleisch unter 95 Pf. zu bekommen, vielfach kostet eS 1 M. Dabei werden meist geringe Qualitäten geführt. Die Arbeiterfrau bekymmt so leicht keine erstklassige Ware, denn der kleinstädtische Metzger, der sein Publikum genau kennt, weiß, was er der Frau Amtmann, der Frau Regierungsrat, der Frau Sekretär und der Frau Hoftapezierer schuldig ist. In zahlreichen Städten, so in Waiblingen, Backnang, Hall, Göppingen, Geislingen, Gmünd, Lorch haben nun stark besuchte Versammlungen sich mit der Fleischteuerung beschäftigt und beschlossen, solange die Metzger zu boykottieren, bis sie mit dem Preise wieder heruntergehen. In Gmünd, Lorch und einigen anderen Orten ist bereits ein voller Erfolg zu ver- zeichnen, der Aufschlag wurde im ganzen Umfang rückgängig gemacht. In anderen Städten nimmt der Kampf heftige Formen an, besonders in Göppingen, wo die Metzgerinnung ihre Mitglieder durch Androhung einer Konventlonalstrafe von 1000 Mark verpflichtet hat. an den bekanntgegebenen Preisen festzuhalten. Der Boykott entfaltet aber selbst nach den Berichten der bürgerlichen Presse eine Wirkung, bei der eS vielen Metzgern wenig angenehm zumute ist. Die Wirtschaften mit Metzgerei sind völlig verödet und in den übrigen Arbeiterwirtschasten wird kein Bissen Fleisch konsumiert. Die christlichen und Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften haben sich den freien Gewerkschaften. die die Führung in diesem Kampfe haben, angeschlossen. Den Arbeitern fällt die Durchführung dieses Boykotts nicht übermäßig schwer, denn der Preishochstand zwang sie vorher schon zur Einschränkung des Fleischgenusses in einem Maße, von dem es bis zur vollen Fleisch- rein religiösen Propaganda geblieben, so würde man heute von der Heilsarmee nicht mehr viel hören. Sie hätte sich vielleicht schon längst zu einer interessanten christlichen Sekte krystallisiert, deren Zeremoniell von frommen Seelen mit mehr oder minder Ehr- furcht betrachtet würde. Denn schließlich unterscheiden sich die Sitten und Gebräuche und die Sprache der Heilsarmee nicht wesentlich, sondern nur dem Grade nach von den Sitten und Gebräuchen und der Sprache anderer religiöser Gemeinschaften, über die man sich nicht besonders aufhält. Einen Menschen, der, fern von religiösen Einflüssen erzogen, plötzlich in unsere Mitte versetzt würde, würde das Zeremoniell und die Sprache mancher seit langem bestehenden religiösen Gemeinschaften ebenso sonderbar anmuten, wie es uns anmutet, wenn wir einen Heilsarmee- soldaten mit Ueberzeugungstreue singen hören:„Und mit meiner Hallelujakanone schick« ich dem Teufel eine blaue Bohne und singe und schreie Halleluja." Was der Heilsarmee Bedeutung gibt, ist ihr Wirken auf dem sozialen Gebiet. Es war gegen die Wende der achtziger Jahre des letzten Jahr- Hunderts, als dem General Booth die Erleuchtung kam, daß das „Retten der Seelen" allein keinen dauernden Erfolg verbürge. daß auch etwas getan werden müsse, um die soziale Lage der allcruntersten Volksschichten zu heben. Kurz nach dem Tode seiner Gattin, einer klugen und beredten Frau, der er nicht wenig ver- dankte und die, nebenbei bemerkt, schon vor mehr als dreißig Jahren für die Gleichberechtigung der Frauen eintrat, veröffent- lichte er(1890) sein Buch„Das dunkelste England und der Aus- weg". Der mit der„Titanic" untergegangene Journalist Stead half ihm bei der Abfassung. In diesem damals viel besprochenem Werke entwickelte er die Ideen über soziale Hilfetätigkeit, die er unmittelbar darauf, nachdem er von dem frommen Publikum, dem eine billige Lösung der Armutsfrage versprochen wurde, über 100 000 Pfund erhalten hatte, in die Praxis umsetzte. Es wurden Stadtkolonien, Landkolonien und überseeische Kolonien gegründet. Zu den Stadtkolonicn gehörten Nachtasyle, Werkstätten, Fabriken. in denen Arbeitslose gegen, wenig Lohn und viel Erbauung be- schäftigt wurden. In den Landkolonien wurden Leute zu Landarbeitern heran- gebildet, um nach den überseeischen Kolonien ver- schifft zu werden oder später den kanadischen Farmern als billige Arbeitskraft zu dienen. In den letzten Jahren hat sich die Heilsarmee auch mit der Befiedelung englischer Landstriche mit Kleinpächters besaßt. Wie dieses Unternehmest von der.Heilsarmee■ enthaltsamkeit kein großer Schritt mehr ist. Auch niedere Beamte und kleine Gewerbetreibende nehmen zum Teil offenkundig an dem Kampfe teil Es fehlt auch nicht an humoristischen Erscheinungen. In Waiblingen zum Beispiel hatte ein Metzger am Tage nach dem BohkottierungS- beschluß alle Fleischwaren aus seinem Fenster entfernt und dafür frische Rettige und Gurken ausgestellt. Soviel steht jetzt schon fest: Den Metzgern ist zum Bewußtsein gebracht worden, daß die Kon- sumenten eine Kontrolle darüber üben, ob die Ladenpreise im an- gemessenen Verhältnis zu den Biehpreisen stehen. Selbstverständlich wird in den Versammlungen, die stärker be» sucht find als bei anderen Gelegenheiten, nicht versäumt, die wucherische Zoll- und Absperrpolitik gebührend zu beleuchten und die Oeffnung der Grenzen zu fordern. Sie VImn in«ier Cürkel. Das Schicksal des Kabinetts ist noch ganz un- gewiß. Mit dem Justizminister ist der letzte Vertreter einer gemäßigten Politik gegenüber den Jungtürken ausgeschieden und der Großwesir ganz isoliert. Das Portefeuille der I u st i z ist dem Senator H a l i m Bei angeboten worden, der sich zur Annahme bereit erklärt hat. Das Ministerium des Innern ist F e r i d Pascha angeboten worden, doch steht dessen Anttvort noch aus. Wie es heißt, steht der Rücktritt Kiamil Paschas und des Scheich ul Islam unmittelbar bevor. Dagegen verlangen die Alttürken den Rücktritt des Gesamtkabinetts und ein Ministerium Kiamil Pascha, das eine energische Politil gegen die Jung- türken einschlagen, das heißt ganz in das alte reaktionäre Fahrwasser einlenken soll. In den Moscheen wird gegen die Jungtürken gepredigt. Ermutigt wird diese Strömung zweifellos durch die geringe Kraft des jungtürkischen Widerstandes. Der seit heute wieder erscheinende „ T a n i n" bestätigt, daß angesichts der bedrohlichen Lage des Landes das jungtürkische Komitee an alle Filial- klubs ein Schreiben gerichtet hat, in welchem erklärt ivird, daß sich das Komitee unter der Bedingung, daß es die Rc- gierung in einem späteren geeigneten Moment zur Rechen- schaft ziehen wird, in das Geschehene fügt und daß die jungtürkische Partei als Oppositionspartei auf das Wohl des Landes hinarbeiten will. An der montenegrinischen Grenze dauern die Unruhen fort. In B e r a n e selbst sind türkische Truppen unter Oberst Hassan Jzzut einmarschiert. Die M o n- tenegriner sind abgezogen. Der Rückzug der Albaner scheint sich nicht ganz kampflos zu vollziehen. Die aufständischen Amanten haben Durazzo in der Absicht, sich der Waffendepots zu be- mächtigen, nochmals angegriffen, sind aber zurückgeworfen worden. Die türkischen Beamten und zahlreiche Ein- wohner der Gegend von K a st r a t i sind infolge des drohenden Austretens der Malissoren nach Skutari geflüchtet. Der Ministerrat hat beschlossen, daß den Albanesen, die Uesküb verlassen haben, eine Entschädigung aus- gezahlt werden soll. Die Haltung der Balkanstaateu. Cctttnjc, 22. August. Aus amtlicher Quelle wird gemeldet: Die aus Konstontinopel stammenden Anschuldigungen gegen Montenegro find unbegründet. Da sich Montenegro an die Großmächte gewendet hat, damit sie sich mit der unerträglichen Lage befasien, die durch die fortwährenden von türkischen Truppen hervorgerufenen Grenzzwischenfälle geschaffen worden ist, wird eS geduldig den Erfolg dieses Schrittes abwarten und ist ent- schloffen, bis dahin alles zu vermeeiden, was die schon genügend ernste Lage noch verwickeln könnte. Unsere Leute haben strengen Befehl erhalten, nur dann zu schießen, wenn die Angreifer die Grenze überschreiten. Sofia, 22. August. Wie die„Agence Bulgare" meldet, ind d i e kriegslustigen Aeußerungen, die das hiesige Blatt„Retsch" dem Arbeitsminister Frangia in den Mund legte, von dem«S erklärte, er habe eine sehr aggressive Rede gegen die Türkei gehalten, nicht authentisch. Der Baudenkrieg. UrSküb, 22. August. In K o t s ch a n a ist alles abgesperrt. Die Mohammedaner, die sich nicht auf die Straße getrauen, erbaten vom Bali angesichts der Vorbereitungen auf bulgarischer Seite tele- graphisch Truppenverstärkung. Die Bandenbewegung nimmt außerordentlichen Umfang an. gehandhabt wird, hat erst vor kurzem der Skandal illustriert, von dem in unseren Spalten berichtet wurde, als die Pächter der Heils- armee massenweise mit Frauen und Kindern in kalter Winterszeit auf die Straße gesetzt wurden, weil sie sich das autokratische Wesen und die unverschämte Ausbeutung der frommen Gesellschaft nicht länger gefallen lassen wollten. Aber charakteristisch für die Art der sozialen Hilfe, die die Heilsarmee auf ihr Banner geschrieben hat. sind die Zustände in ihren städtischen Kolonien. Seit Jahren kämpfen die Londoner Bautischler gegen daS in den Holzfabriken der Heilsarmee Herr- scheute Schwitzsystem, das die korybantischen Christen in Stand setzt, alle Konkurrenz aus dem Felde zu schlagen. Der dlockus operandi ist folgender: In England muß«in Tischler, will er Arbeit finden, sein eigenes Werkzeug stellen. Kommt nun ein armer Kerl durch Krankheit und Unglück so weit herunter, daß er sein Handwerkszeug versetzen muß. so ist seine Lage wahrhaft kläg- lich. Es bleibt ihm nichts übrig, als zur Heilsarmee zu gehen und in ihren Fabriken gegen Beköstigung und Wohnung zu arbeiten. Der Geldlohn, den er erhält, ist so gering, daß er manchmal Jahre warten muß, che er sich wieder Handwerkszeug anschaffen kann. Und während so die Heilsarmee in sehr interessierter Weise einem armen Teufel Arbeit gibt, macht sie einen anderen Arbeiter, der von einem anständigen Meister beschäftigt wird, arbeitslos. Nach dem- selben System arbeitet sie bei der Auswanderung, die sie in großem Maßstabe betreibt. Sie nimmt einen Arbeitslosen von den Straßen Londons oder Manchesters und setzt ihn aus die Straßen Sidneys oder Montreals. Es ist schwer zu sagen, ob in dem Werke, das der General Booth hinterlassen, die geistige Blödigkeit oder der böse Willen die Hauptrolle spielt. Als dem General«inst vorgeworfen wurde, daß er das Sündengeld der Brauer angenommen habe, erwiderte er: „Ist das Sündengeld? Dann will ich eS im Blute des Lammes reinigen." War der Mann ein Einfältiger oder«w brutaler Zyniker? Der Tod ihres Papst-S wird die Heilsarmee schwer treffen. aber zerstören wird er sie nicht. Sie hat eine solide wirtschaftliche Grundlage, solide in dem Sinn, daß ihre aus der unbezahlten Arbeit der Allerärmsten beruhenden Unternehmungen gesichert sind. Verschwinden wird sie erst mit dem gesellschaftlichen Morast, auf dem sie als Sumpfpslanze mit ihren schillernden kreischenden Farben gedeiht. London, 81, August 1918. stn. politifcbe Qeberltcbt. Berlin, den 22. August 1912. Oertel kontra Oertel. Man könnte dieser Notiz auch die Spitzmarke geben:»Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein". Am vergangenen Sonntag veröffentlichte Herr Oertel in seiner»Deutschen Tages- z e i t u n g" ei»en eigenhändig geschriebenen und mit der bekannten Kognakmarke versehenen Leitartikel unter der Ueberschrift»Eine wirkliche Lebensfrage", der sich wiederum mit dem Geburteitrückgang in Deutschland beschäftigt. Selbst- redend, daß Herr Oertel in diesem Artikel eine mächtige Pauke hält gegen die Unmoral und besonders die einer»gewissen" Presse. Er schrieb: »Es darf bei der Frage des Geburtenrückganges ein Punkt nicht unberührt bleiben, der recht heikel ist und bei dessen Er- örterung sich eine Zeitung eine gewisse Zurückhaltung auferlegen muß. Wir meinen die in erichreckender Weise zunehmende künstliche Verhinderung der Geburt und der Empfängnis. Fast täglich bringen die Blätter Berichte über Bestrafungen von Verbrechen gegen das keimende Leben..Gewisse" Zeitungen entblöden sich nicht, Anzeigen zu veröffentlichen, m denen derartig� verbrecherische Hilfe mehr oder ntinder deutlich angeboten wird. Noch viel unverfrorener tind kecker ist die Anpreisung von Mitteln, die bestimmt sind, die Empfängnis zu verhindern. In marktschreierischer Anreisierweise werden diese Waren in.gewissen" Zeitungen an- gepriesen und angeboten..." Wir blätterten weiter in derselben Nummer der»Deutschen Tageszeitung", in der der Chefredakteur so wortgewaltig gegen „gewisse Zeitungen" vom Leder zog— und was entdecken wir da? Ein interessantes Inserat einer früheren Ober- hebamine der königlichen Charitö, die gegen Ein- sendung von 60 Pf. jedermann, oder richtiger gesagt, jeder Frau»d a s für die Familie wichtigste hygienische Buch" nebst einem Katalog in liebenswürdigster Weise zu über- senden sich bereit erklärt! Wir spendierten die SV Pf.— und erhielten nun postwendend: 1. Eine Schrift unter dem Titel:»Die Frau", ein unent- behrlicher Ratgeber für Ehefrauen. 2. Eine ganze Reihe von Reklamezetteln aus dem»Bersand- geschäft für Schutz- und diskrete Bedarfsartikel". die nichts anderes enthalten als Empfehlungen von Mitteln, welche — um mit Herrn Oertel zu reden— dazu bestimmt sind,»die Empfängnis zu verhindern". Es wird zunächst ein Pulverbläser .Omega" empfohlen. Billig I Nur 8 M. Weiter: Heins ver- bessertes Pcssarium. Es bietet angeblich der Frau ganz sicheren Schutz vor Schloängerung und wird keinem der Ehegatten hinder- lich oder... Herr Oertel hat recht: es sind Dinge, die»recht heikel sind und bei deren Erörterung sich eine Zeitung(wie die»Deutsche Tageszeitung") eine gewisseZurückhaltung auserlegen mutzl" Ist doch die Gebrauchsanweisung für dieses Pessar bis in die kleinsten Details geschildert. Auch Desinfektionstabletten(»sie wirken kräftigend auf die UuterleibSorgane", 50 Stück nur 1,20 M.) sind zu haben und ebenso:»Büsten Wasser". Aber auch für Männer hat die gute in einer»Deutschen Tageszeitung' inserierende Frau ein mitsühlendeS Herz: Sie heilt chronischen Tripper mit ihren»Radikal- kathetcr nach Cawe", Stück nur 4,50 M. � Und dieselbe ehrsame, verschämte»Deutsche Tages- z?i t u n g', die im Leitartikel mit höchster Entrüstung gegen eine »gewisse" Presse eifert, welch« sich»nicht entblödet", allerlei die Empfängnis verhindernde Mittel zu empfehlen, nimmt also im Anzeigenteil selb st unbedenklich derartige In« serate aufl Ja, Flora Gab kannte ihre Leute. Tie neue preußische Steuernovelle. Der Bericht der 11. Kommission des Abgeordnetenhauses über die erste Lesung der Einkommen- und Ergänzungssteuernovelle, dessen Drucklegung sich verzögert hatte, ist jetzt den Abgeordneten zur Information zugestellt worden. Der Bericht läßt erkennen, daß in vielen Punkten zwischen den Ansichten der Regierung und der Kommission noch Meinung«- Verschiedenheiten herrschen und eine Reihe der bisherigen Beschlüsse nur provisorischen Charakter hat. Die zweite Lesung im Herbst wird ergeben, ob der Landtag die Novelle verabschieden wird, oder ob er zunächst auf ein Jahr das bestehende Provisorium ver- l ä n g e r n und dem neugewählten Landtage die endgültige Ent« scheidung überläbt. In der Kommission war die Meinung vertreten, der Staat könne bei den guten Finanzen Preußens auf die sechzig Millionen Mark Steuerzuschlag verzichten, während die Regierung gegen diesen Verzicht Widerspruch erhob mit der Begründung, die jetzt günstigen Finanzen könnten sich recht bald wieder verschlechtern, in guten Jahren müsse man für die schlechten Jahre sparen. DieKommission beschloß, die Zuschläge als provisorische vorläufig beizubehalten, bis eine Neuordnung der Tarife erfolgt sei. Ein Termin wurde nicht gestellt. Versuche, die Steuerpflicht erst bei 1200 oder 150 0 Mark beginnen zu lassen, scheiterten an dem Wider- stände der Mehrheit! Entrüftnngsmache. Wie eS scheint, beabsichtigt man in ZentrnmSkreisen, die so- genannte Jesuitenfragc dazu zu benutzen, um die katholische Volks- scele nach bekanntem Rezept wieder mal zum Kochen zu bringen. AnS Mitteilungen der klerikalen Presse ergibt sich, daß die Jesuiten- Petition deS bayerischen Episkopat« an den Bundesrat erst der Auf- takt ist zu einer»m groben Stile beabsichtigten Massenkund« g e b u n g.»Ans dem Kreise des Klerus" läßt sich das Münchener Hertling-Organ. der»Bayr. Kurier", schreiben: Am Klerus und an dem katholischen Volke liegt eS jetzt, ihrer Liebe' und Treue zu den Bischöfen dadurch Ausdruck zu geben, daß sie vor der Oeffentlichkeit lhre S o l r d a r i t ä t mit den Ober- Hirten dartun durch Kundgebungen, in denen sie ihre Zustimmung zu der episkopalen Eingabe an den Bundesrat erklären." Natürlich geht eS dabei, wie es sich gebührt, hübsch„svcuudum ordinem", dem Range nach. Zu: »Die ersten, welche dazu berufen sind, sind d,e Dom- kapitel. denen dann die D e k a n a t s k o n s e r e n z e n und die Volksversammlungen folgen sollten Dre Art und Weise der Durchführung einer solchen Aktion mutz den berufenen Faktoren vorbehalten bleiben." Es scheint hiernach, als ob die»Akteure sich hinsichtlich der Stimmung im katholischen KleruS und Bolke noch nicht recht sicher fühlen. Darum soll zuvor der KleruS von oben bis unten gehörig bearbeitet und erst dann die Sache vor das„Volk" gebracht werden. Die Beamten und die Teuerung. Die unheimlich wachsende Teuerung der Lebensbedürfnisse peitscht auch die Beamten zum Protest gegen die herrschende Wirt- schaftSpolitik auf. Von allen Seiten kommen Nachrichten über Kundgebungen von Beamtenorganisationen gegen die Teuerung, die verständigelweise das Uebel an der richtigen Stelle suchen: in dem s herrschenden agrarischen Wirtschaftssystem. Die k Konservativen sind natürlich recht wenig erbaut von dieser Be- wegung. Ihre Gefolgschaft im Beamtentum droht fahnenflüchtig zu werden. Man versuchte es erst mit Mahnungen und mit Hin- weisen auf die„patriotische Pflicht" der Beamtenschaft, und als das nicht zog. wurde man grob: man warf den Beamten vor, daß ihnen jedes Verständnis für wirtschaftspolitische Vorgänge abgehe, und daß sie keine Rücksicht auf die übrigen Berufsstände, insbe- sondere auf die landwirtschaftliche Bevölkerung nähmen. Die Berliner„Beamten-Korrespondcnz" fertigt diese konser» vativ-agrarischen Angriffe wie folgt ab: „Verständnis für volkswirtschaftliche Fragen haben selbstver- ständlich nur Leute, die auf agrarische Wirtschaftspolitik einge- schworen sind, und die jeden Zusammenhang zwischen dieser Wirtschaftspolitik und der herrschenden, kaum noch einer Steige- rung fähigen Teuerung leugnen. Sie können es sich nicht er- klären, daß man jetzt fast täglich Veteranen findet, die buchstäb- lich verhungert sind oder doch dauernd an Unterernährung leiden. Der agrarische Wirtschaftspolitiker findet es sehr richtig, daß der Unterbeamte mit noch nicht 100 M. Monatsgehalt im Juli und August für 10 Pfund Kartoffeln 60 bis 70 Pf. bezahlen mutz, und hat sogar den traurigen MW, dem armen Unterbeamten, der sich bitter darüber beschwert, daß ihm auch das letzte Nahrungsmittel so enorm verteuert wird, nachdem er auf Fleisch, Butter und Schmalz schon lange hat verzichten müssen, diesem armen Unterbeamten noch vorzuwerfen, er nähme keine Rücksicht auf andere Berufsstände, insbesondere auf die Landwirtschaft. Kann man den Hohn wohl noch weiter treiben. Die Statistik des deutschen Volkes für 1S12 weist nach, daß die Preise für folgende Nahrungsmittel in den letzten 20 Jahren, also seit 1892, durchschnittlich um 31,3 Proz. gestiegen sind, und zwar: Roggen 30,3, Weizen 40,0, Hafer 24,5, Mais 26,1, Gerste 28,7, Kartoffeln 25,0, Rindfleisch 24,5, Schweinefleisch 21,8, Kalbfleisch 40,0, Hammelfleisch 45,8, Roggcnmehl 24,4, Weizenmehl 30,1, Butter 15,8, Rüböl 34,1, Heringe 20,6, Reis 21,7, Schmalz 39,3, Rohtabak 70,5 Proz. Durch unsere Wirtschaftspolitik ist ganz zielbewußt auf diese Preissteigerungen hingewirkt worden, und wir sind noch lange nicht am Ende.... Das Beamtentum hat durch Vorstellung, Bitten und Warnungen nichts erreicht, weil die herrschende Wirtschaftspolitik eine Frage der Machtverteilung im Staate ist. Solange das Beamten- tum die jetzige Wirtschaftspolitik unterstützt, handelt es gegen seine ureigensten Interessen...." Die treffende Abfuhr, die die Beamten den Agrariern zuteil werden lassen, trifft natürlich nicht nur im Hinblick auf die Lage der Beamten, sondern überhaupt zu. Die Arbeiterschaft ist sogar noch weit schlimmer daran, denn wie viele sind ihrer, die monatlich noch nicht über ein Einkommen von 100 M. verfügen und die oben- drein ständig der Unsicherheit des Arbeitsmarktes ausgesetzt sind. Wenn nur die Beamten auch die Konsequenzen aus der Sachlage ziehen wollten, die die Arbeiter längst gezogen haben, und es bei ihrem Kampfe gegen das Wirtschaftssystem nicht nur bei Worten bewenden ließen. Vornehme(Segner. In der Woche vom 22. bis 27. Juli fand in Braunschweig der zweite deutsche Blindentag statt. Die Tagung warf ihre Schatten schon im vorigen Winter voraus. In dem Blatt der Hammersteine, der„Kreuz-Zeitung" und in der bürgerlichen Presse Braunschweigs erschienen Artikel und Eingesandts, die den bevorstehenden zweiten Blindentag als eine sozialdemokratische Veranstaltung denunzierten und vor der Teilnahme an dem Kongreß ivarnten. Der Vorsitzende des Braunschweiger Blindenvereins, ein Privatsekretär Hart- mann, war die Seele dieses Treibens, daS auf dem Blindentage selbst eine kräftige Abfertigung erfuhr. Am Sonnabend hielt der Blindenfürsorge-Berein für das Herzogtum Braunschweig eine Versammlung ab, und in ihr wurde noch ein besonderer Streich der Sozialistentöter an das Licht der Oeffentlichkeit gezogen. Dr. med. H o f f m a n n führte aus: „Der hiesige Blindenfürsorge-Verein nehme Anregungen und Wünsche, die vom Blindentage ausgehen, gern entgegen und werde sie nach Möglichkeil zu berücksichtigen suchen. Der zweite deutsche Blindentag habe einen ungetrübten Verlauf genommen. U n- erhört seien daher die grundlosen Angriffe, die hier von gewisser Seite fortgesetzt trotz wiederholter Abwehr gegen den Blindentag während der Vorbereitung desselben er- hoben worden seien, zuletzt noch in der.Kreuz-Zeitung" in dem Eingesandt deS Vorsitzenden des hiesigen Blindenvereins:»War- nung vor den Bliirdentagen". Der ganze Verlauf des zweiten deutschen Blindentages in Braunschweig habe die Haltlosig- k e i t aller Beschuldigungen und Verdächtigungen über- zeugend und schlagend bewiesen." Der Inspektor der hcrzogl. Blindenanstalt in Braunschweig. Herr Fischer, brachte noch einen weiteren„sehr schönen" Versuch deS Vorsitzenden Hart mann vom Braunschweiger Blindenverein zur Sprache, der den Blindentag, noch mehr aber die Blinden selbst schädigen sollte, die den Blindentag besuchen wollten. Er führte aus: »dab hier auch versucht sei, die Eisenbahnver- waltung zu beeinflussen, damit den blinden Teilnehmern am Blindentage die erhoffte Fahrpreis- er mätzigung nicht gewährt werde. Es habe eine hierauf abzielende mündliche Unterredung des Borsitzenden deS hiesigen Blindenvereins (Hartmonns) mit einem Stationsbeamten statt- gefunden, deren Inhalt bekannt geworden sei. Dies bc- dauernswerte Vorgehen habe ebenso wie der Artikel in der .Kreuz-Zeitung" die größte Erbitterung bei den Teilnehmern deS BlindeniageS hervorgerufen." Der Haß gegen die Sozialdemokratie zeitigt, wie man sieht, bei den Rotkollerigen recht duftige Blüten. Der nachhelfende Feldwebel. In Nr. 174 des„Vorwärts" wurde berichtet, daß der Feldwebel töfer von der 6. Kompagnie des 71. Infanterieregiments in r f u r t vom Kriegsgericht zu sieben Tagen gelinden A r r e st verurteilt worden war, weil er beim Strafexerzieren am 8. Juni eine Abteilung Soldaten l�/z Stunde lang feldmarschmäßig, ohne eine Pause zu gewähren, exerzieren ließ, wobei ein Rekrut ohnmächtig wurde und in die Kaserne gebracht werden mußte. Auf die Klagen des Rekruten, daß er nicht mehr könne, »ahm der die Aufficht führende Feldwebel keine Rücksicht. Vor dem Kriegsgericht sagte er zur Nechlferligung seines, den strikten Befehlen zuwiderlaufenden Verhallens:„Wenn eben ein Soldat schlecht exerziert, muß nachgeholfen werden." Gegen das Urteil hatte der Gerichtsherr Berufung eingelegt, zu deren Verhandlung das Oberkriegsgericht Kassel m Erfurt am Dienstag eine Sitzung abhielt. Die Verhandlung ergab dasselbe Bild, wie vor dem Kriegsgericht. Die Berufung halte aber insofern»Erfolg", als das Strafmaß von sieben auf zehn Tage gelinden Arrest erhöht wurde. Ein Erfolg des militärischen Erziehungssystems. Seit einigen Tagen wurde der bei dem Göttinger Infanterie- regiment Nr. 82 im ersten Jahre dienende Musketier Aurin ver- mißt. Als am vierten Tage die Kompagnie Bajonettfechten hatte und die Bajonette und Panzer vom Boden geholt werden sollten, fand man den Vermißten unter einem Berg von Panzern halb- verhungert vor. Aurin hatte tatsächlich verhungern und auf diese eigenartige Weise seinem Leben ein Ende machen wollen, weil er von einem Mann des älteren Jahrgangs so schwer mißhandelt worden war, daß sein ganzer Körper wie zerschlagen aussah und über und über mit Spuren der Mißhandlungen bedeckt war. Gegen den Schinderknecht ist eine kriegsgerichtliche Unter- j suchung eingeleitet wortzeQ RuBlaitd. Die Gärung in der Flotte. Aus Petersburg wird uns vom 19. August ge- schriebt»': Daß die revolutionäre Bewegung in jüngster Zeit von neuem gewisse Teile der russischen Marinemann- schaften erfaßt, ist längst kein Geheimnis mehr. Jener Monstreprozeß gegen 67 Matrosen und andere Morinechargen, der sich vor etwa zwei Wochen abgespielt hat, bot ja auch einen realen Beleg dafür. Gleichwohl war man hier darauf nicht gefaßt, daß die Regierung mit solcher Ueberstllrzung zu den berüchtigten Unterdrückungsmaßnahmen ihre Zuflucht nehmen würde. So kam die gleichzeitige Proklamierung des Kriegszustandes in Ltronstadt und S e b a st o p o l allen völlig unerwartet und überraschend. Erst vor sieben Monaten hatte Kronstadt die Befreiung vom Ausnahmerecht, mit dem es sechs Jahre geplagt worden war, gefeiert: sämt- liche Stadtväter hatten damals zusammen mit dem Bürger- meister aus Anlaß der Aufhebung des Kriegszustandes einen Dankgottesdienst veranstaltet und schon von neuem muß Krön- stadt die Härten des Ausnahmerechts nebst strengster Beauf- sichtigung aller Ankömmlinge auskosten. Recht seltsam und geheimnisvoll klingt die Mitteilung einer südlichen Zeitung, laut welcher auf der S ch w a r z in e e r f l o t t e die Order er- teilt worden ist. daß die O f f i z i e r e selbst den nächsten Ver- wandten und sogar ihren Frauen über die Vorkomm- nisse auf den Schiffen nichts mitteilen dürfen. Was mag dort alles vor sich gehen? Die Gärung in der Marine scheint aber die zentrale und lokale Verwaltung in starke Besorgnis zu versetzen. Die„Voss. Zeitung" veröffentlicht folgendes Telegramm aus Petersburg, das die von unserem Korrespondenten zuletzt angeführte Maßregel allerdings sehr verständlich erscheinen lassen würde: Gerüchten zufolge hat die Mannschaft deS Kreuzers„K a au l" der Schwarzmeerflotte g e- meutert und ihre Offiziere ermordet. Da es kein anderes Mittel gab, die Meuterei zu unterdrücken, wurde der Kreuzer durch das Feuer der Küstengeschütze zerstört und siing mit seiner ganzen Besatzung unter. Todesurteile gegen Soldaten. Taschkent, 22. August. In dem Prozeß gegen die an der Meuterei im hiesigen Sappeurlager beteiligten Unter- offiziere und Soldaten wurden heute 15 der Angeklagten zum Tode durch den Strang, 112 zu Zwangsarbeit, 79 zu Zuchthaus und 15 zur Einreihung in ein DiSzipIinar.b.ataillon verurteilt.? Angeklagte wurden freigesprochen. Marokko. Der Gegensultan in Marrakesch. Paris, 22. August. Aus M a z a g a n wird unter dem 29. August gemeldet: El Hiba ist am 16. August vor Marrakesch eingetroffen und hat bis zum 18. August mehrere Kämpfe geliefert. Nachdem dann die ein- heimische Polizeiabteilung zu ihm übergegangen war, zog El Hiba am 18. August i n d i e S t a d t ein. bemächtigte sich hier der Kasbah und wurde zum Sultan ausgerufen. El G l a u i, der treu geblieben ist, wird mit dem französischen Konsul Maigret, dem Vizekonsul, einem Kapitän und einem Leutnant in seinem Hause belagert. El Hiba soll nur über zwei- tausend Mann und zwei minderwertige Geschütze verfügen. An alle Stämme im Dukkalagebiet soll er Sendboten geschickt haben. Cfrina. Frieden in Tibet. Simla, 22. August. In Gyantse ist die zuverlässige Nachricht eingetroffen, daß in Lhasa der Frieden zwischen dem D a l a i Lama und den Chinesen geschlossen worden ist. Alle chine- fischen Truppen, mit Ausnahme der üblichen Machen für den Amban, sollen Tibet auf dem Wege über Indien verlassen. Ihre Waffen und Munition bleiben, nachdem sie von beiden Seiten versiegelt worden sind, in Lhasa. Die chinesischen Händler bleiben in Tibet. Präsident und Nationalversammlung. Peking, 21. August. A u a n s ch i ka i hat die Forderung der Nationalversammlung abgelehnt, daß er und der Kriegsminister vor der Versammlung erscheinen und Rechenschaft über die Hinrichtung der Generäle in Hankau geben soll. Der Präsident lud die Vertreter der Provinz von Hupeh zu sich ein und setzte ihnen in freund- schaftlicher Weise die Haltung der Regierung auseinander. Die Besucher erboten sich darauf freiwillig, den Versuch zu machen, die Nationalversammlung zu bewegen, von dem ge- planten Tadelsvotum gegen die Regierung Abstand zu nehmen. Wenn nicht eine Reaktion eintritt, ist die Krisis vorüber. Httienha. Intervention in Nicaragua. Washington, 21. August. Staatssekretär der Marine v. Meyer hat dem K r e u z e r. C a I i s o r n i a" Befehl gegeben, von San Diego nach Panama in See zu geben, wo er 750 S o I d a t e n an Bord nehmen soll, um sie nach Nicaragua zu bringen. Das Marinedepartement hat die Absicht, dort eine Streitmacht von 2000 Seesoldaten innerhalb zehn Tagen an Land zu bringe». um das Eigentum der Fremden zu schützen und die Verbindung zwischen Managua und der Küste aufrechtzuerhalten. Ein neuer politischer Skandal. New Jork, 22. August. Der dekannte Anhänger Tafts, Senator P e n r o S, ist der Mittelpunkt eines schweren politischen Skandals. Hearst veröffentlicht einen Brief des Standard- Oil-Kapitalisten Arcbold, laut dem Pcnros im Jahre 1904 .25 0 0 0 Dollar von diesem erhalten hat. Penros erklärt, diese summe sowie weitere 100 000 Dollar als Kampagne-Bei- trag für Roosevelts Wahl bekommen zu haben, worüber indessen der Brief, der ganz persönlich gehalten ist, nichts enthält. Penros' Verteidigung in öffentlicher Senatssitzung war mehr einem Geständnis ähnlich. Er brachte keine Beweise für Roosevelts Per- bindung mit der Affäre bei. Jedoch scheint au» der Korrespondenz des Oiltrusts mit dem jetzigen Anhänger Roosevelts, Flinn, die der Oiltrust Penros augenscheinlich zur Verfügung gestellt hat, hervor- zugehen, daß Flinn damals die Unterstützung des Oik. trusts suchte, um Bundessenator zu werden. Der Senat wird eine Untersuchung einleiten. Roosevelt weist darauf hin, daß Dokumente vorlängen, laut denen seine Kampagneleiter ausdrück- lich angewiesen seien, kein Geld von irgendeinem Trust anzu- nehmen. GcwerfefchaftUcbes. Der gelbe Damm gegen clie rote flut. Die gelben Unternehmerschützlinge und Arbeiterverräter sind in letzter Zeit arg mitgenommen worden� und zwar von Leuten, bei denen man immerhin eine gewisse Seelenverwandt- schaft mit den Gelben voraussetzen kann. Christliche GeWerk- schaften und evangelische Arbeitervereine sind merkbar von den Gelben abgerückt. Ja. selbst der konservative„Reichs- böte" hat sich in abfälliger Weise über sie ausgelassen. Nun ist den Gelben ein Verteidiger aus den Reihen der Unter- nehmer entstanden. Natürlich. Sind doch die Unternehmer die eigentlichen Väter der gelben Werkvereine und an ihrem Wohl und Wehe am meisten interessiert. In der„Deutschen Arbeitgeberzeitung" tritt Fabrikdirektor Ernst in Branden- bürg unentwegt für die Gelben in die Schranken. Er nimmt diese Schutzgarde des Unternehmertums gegen die abfälligen Bemerkungen des„Reichsboten" in Schutz mit den Worten: „In dem von mir geleiteten Betrieb arbeiten viele söge- nannte„Gelbe"— durchweg aufrechte Männer, und wenn wirk- lich einmal auch ein Mann nicht ganz einwandfreien Charakters Aufnahme im„gelben" Werkverein finden würde—, wie dürste deshalb die ganze Bewegung verurteilt werden?! Der Segen der Werkvercine. vor allen Dingen für die Arbeiter selbst, kann nicht ernstlich bestritten werden. Die„Gelben" sind ein Damm gegen die rote Flut und darum sollte kein konservatives Blatt ihre Bedeutung verkleinern, sondern anerkennen, diese Bewegung fördern." Der Herr Fabrikdirektor sieht natürlich, was er zu sehen wünscht. Die Gelben— durchweg aufrechte Männerl— Na, wer sie kennt, wird diese Kennzeichnung nicht anders als mit Lachen aufnehmen. Wenn Herr Ernst sagt, die gelben Werk- vereine seien ein Segen vor allen Dingen für die Arbeiter selbst, so meint er vermutlich, was ein Segen für den Unter- nehmer ist müsse auch für den Arbeiter segensreich sein. Das ist ja unzweifelhaft: Für die Unternehmer sollen die gelben Gründungen ein Segen sein. Den Unternehmerinteressen sollen sie dienen und dienen sie auch, soweit es an den Leitern und Schöpfern der gelben Vereine liegt. Daß es so und nicht anders ist, das sagt ja Herr Fabrikdirektor Ernst selber:„Die Gelben sind ein Damm gegen die rote Flut." Aus dem sprachlichen Bilde in nüchterne Worte übertragen heißt es: Die Gelben sollen die klassenbewußte Arbeiterbewegung ein- dämmen, hindern, wenn möglich tot machen. Sie sollen es nach dem Wunsche der Unternehmer. Aber sie können es nicht und werden es nie können. Und warum nicht? Weil es keinen Damni gibt, der„die rote Flut" aufhalten könnte, denn„die rote Flut"— die moderne klassenbewußte Arbeiterbewegung— entspringt aus einer un- versiegbaren Quelle. Diese Quelle ist die Erkenntnis, daß zwischen den Interessen der Arbeiterklasse und den Interessen der Kapitalisten eine unüberbrückbare Kluft klafft, daß es zwischen beiden eine wirtschaftliche Interessengemeinschaft Nicht gibt. Diese Erkenntnis beruht auf den Tatsachen des heutigen Wirtschaftslebens. Sie ist es, die den denkenden Arbeiter zum Klassenbewußtsein bringt. Wer sich einbildet, „die rote Flut", die elementare Bewegung der klassenbewußten Arbeiterschaft durch den Damm gelber Werkvereine aufhalten zu können, der hat keine Kenntnis von den tatsächlichen Ver- Hältnissen. Dieser Damm, den die Unternehmer aufzurichten sich bemühen, ist ein wackliges Bauwerk, aufgeschichtet aus morschen Bausteinen auf sandigem Boden. Die Leute, welche sich für die gelben Vereine ködern lassen, sind keine aufrechten Männer. Schwächlinge sind es, die dem Druck der Kreaturen des Unternehmertums nur allzu willig nachgeben, oder Egoisten, die aus dem Anschluß an den gelben Verein persön-! liche Vorteile in Gestalt von Begünstigungen im Arbeitsver- hältnis erwarten. Nur den eigenen Vorteil erstreben diese Leute. Das Geschick ihrer Arbeitsbrüder ist ihnen gleich- gültig. Mit kaltem Blute sind sie zu jedem Verrat bereit, wenn ihnen ein augenblicklicher Nutzen winkt. Das sind nicht die Elemente, mit denen man die steigende „rote Flut" eindämmen kann. Mögen sie auch den klassen- bewußten Arbeiterorganisationen hier und da einige Schwierigkeiten bereiten— überwinden können sie sie nicht. Ter klassenbewußte Arbeiter erstrebt ein hohes Ideal, eine bessere Zukunft und auch in der Gegenwart bessere Verhält- nisse für alle Angehörigen seiner Klasse. Solcher Jdealisnms kann nicht vernichtet werden durch den krassen Egoismus der gelben Unternehmerschutztruppe. Serlin und Umgegend. Achtung, Töpfer! Durch großen Zuzug nach Leipzig find in den dortigen Geschäften verschiedene Mißstände eingerissen. Unter anderen stetes Warten auf Material und mangelhafte Bedienung. Die Unternehmer sind seitens ihrer Arbeiter und der Verbands- leitung aufgefordert worden, die Mißstände abzustellen. Jedoch sind sie dem nicht nachgekommen, auch lassen sie sich trotz Aufforderung auf keine Berhandluüg mit dem Verbände ein, sondern erklären schlankweg:„Wir haben es gar nicht nötig, die Mißstände zu be- seitigen, denn es gibt genug andere Gesellen, die unter diesen Ver- hältnisien arbeiten, speziell von Berlin." Wir ersuchen darum die Groß-Berliner Kollegen nicht nach Leipzig zu gehen. veuttebes Reich. Differenzen in einer Halberstädter Wurstfabrik. Bei der Spezialfabrik von Halberstädter Würstchen, Heine u. Co. in Halberstadt, die ihre Produkte in ganz Deutschland umsetzt, sind Differenzen ausgebrochen. Die zuständige Organisation, der Zentralverband der Fleischer und Berufsgenossen Deutschlands, hat im Auftrage der Beschäftigten der Firma einen Tarifvertrag unter- breitet, der eine Lohnaufbesserung von 1,20 bis 2 M. pro Woche fordert. Des weiteren wurde gefordert die Einhaltung der in der eigenen Arbeitsordnung des Betriebes festgelegten Arbeitszeit, ferner einige Tage Ferien, sowie Anerkennung der Organisation. Was war nun die Antwort auf diese bescheidenen Forderungen? — Die glatte Ablehnung jeder Verhandlung über den eingereichten Tarif. Bemerkt muß dabei werden, daß die Firma mit zirka 400 Beschäftigten die größte Fabrik dieser Branche ist, und trotzdem ist in ihrem Betriebe die längste Arbeitszeit von allen Halberstädter Wurstfabriken, nämlich 10 Stunden und 55 Minuten, also fast 11 Stunden. Auch der Lohn ist bei dieser Firma mit am schlechtesten von allen Fabriken, erhalten doch ver- heiratete Arbeiter nur 18 M. pro Woche ohne Kost. Gelernte Fleischergesellen werden zum Teil noch mit 20 und 22 M. pro Woche entlohnt, ohne Kost und LogiS, ein Lohn, der im ganzen Fleischergewerbe seinesgleichen an Niedrigkeit sucht. Die Firma hat weiterhin, verstanden, zu den Arbeiten, welche in anderen Wurstfabriken von Gesellen verrichtet werden. Jugendliche im Alter von 14— 17 Jahren heranzuziehen, denen sie mit wenigen Aus- nahmen den beneidenswerten Lohn von 7 bis 9 M. pro Woche zahlt. Infolge der schlechten Entlohnung und der langen Arbeitszeit wirft das Geschäft für die Firma riesenhafte Gewinne ab. Trotz. dem lehnt die Finna jede Verhandlung über diese bescheidenen Forderungen ab. Ihr ist es vollkommen gleichgültig, daß die Lebensmittel in den letzten Jahren um 50 Proz. gestiegen sind, und ob ihre Arbeiter infolge d«S niedrigen Lohnes hungern müssen, wenn nur ihr Profit dabei gewahrt wird; das ist für die menschen- freundliche Firma die Hauptsache. Der Firma sind die organisierten Arbeiter in ihrem Betriebe ein Greuel, weil sie eine Verbesserung der Verhältniffc erstreben. Der Organisationsleitung hat der bekannte günstige Wind eine Eytlassungsliste zugeführt, in der bei der Firma gewissen- Haft registriert wird, warum die Entlassungen aus dem Betriebe er- folgt sind. Wir finden da in der Liste eine Reihe Arbeiter, die aus folgenden Gründen entlassen sind:„Wegen Sozialdemo- k r a t i e",„Wegen Aufwiegelung seiner Mit- a rb e i t e r" usw. usw. Die Organisation kann sich selbstverständlich mit dem ablehnen- den Bescheide der Firma nicht zufrieden geben. Ist der Firma ein Kampf lieber, als die Gewährung und die tarifliche Festlegung der bescheidenen Forderungen der Arbeiter, so ist das ihre Sache. Die Firma setzt ihre Produkte zum großen Teil in Arbeiterkreisen in fast allen Städten Deutschlands ab; ändert sie ihre Stellungnahme nicht, dann dürfte der Kampf unausbleiblich sein. In der Zwieback-, Waffel- und Kakesfabrik von Harry Trüller in Celle besteht der Konflikt mit der Arbeiterorganisation nach wie vor. Bekanntlich bestreitet Herr Trüller, daß er die Arbeiter zum Unterschreiben eines Reverses veranlaßt, durch den sie sich ver- pflichten, dem Zentralverband der Bäcker und Konditoren nicht an- zugehören. Die Verhängung des Boykotts gegen seine Firma sei grundlos, behauptet Herr Trüller. Es ist auch versucht worden, diese Behauptung durch eine Versammlung der bei der Firma Be- schäftigten bestätigen zu lassen. Die Versammlung, die angeblich ohne Zutun der Firma von einem Maschinenschmierer einberufen und geleitet wurde, nahm auch eine Resolution an, welche gegen die Ver- hängung des Boykotts protestiert, weil durch ihn die Beschäftigten arbeitslos würden. Mit dieser Resolution geht nun die Firma in der bürgerlichen Presse krebsen.— Wie die Bohkottkommisfion erfahren hat. kann die Annahme der Resolution keineswegs als ein freiwilliger Willensausdruck der Versammlung angesehen werden. Ein Arbeiter hat in jener Versammlung ausdrücklich bestätigt, daß Reverse der bezeichneten Art bestehen. Im Anschluß hieran wurde aus der Ver- sammlung verlangt, Herr Trüller solle an Ort und Stelle persönlich erllären, daß er nichts dagegen habe, wenn die bei ihm Beschäftigten dem Verbände der Bäcker und Konditoren angehören. Eine solche Erklärung war aber nicht zu erlangen. Später wollte der Bezirks- leiter des Verbandes, ersuchen, eine dahingehende Erklärung von Herrn Trüller zu erhalten. Dieser lehnte es jedoch ab, den Bezirks- leiter zu empfangen. Das sagt genug.— Die Boykottkommission ersucht die Arbeiterschaft um Beachtung des Boykotts der Trüllerfchen Fabrikate, der so lanye bestehen bleibt, bis Herr Trüller die be- stimmte Erklärung abgibt, daß er niemanden hindere, dem Zentral- verbände der Bäcker und Konditoren anzugehören. �Ausland. Ausstand der Seeleute in Marseille beendet. Zwischen der Direktion der Messageries Maritimes und den eingeschriebenen Seeleuten find die bestehenden Streitigkeiten beigelegt worden. Der Verband der eingeschriebenen Seeleute hat diesem Abkommen seine Zustimmung gegeben, die Besatzungen werden an Bord zurück- kehren. Ministerpräsident Poincare wird die Schiedsrichter er- nennen, deren Entscheidung sich die beiden Parteien beugen werden. Ein Kriegsschiff gegen Streikende. London, 22. August.(B. H.) Aus Santos(Brasilien) wird be- richtet, daß die Situation in dieser Stadt sich noch verschlimmert hat. 3000 streikende Arbeiter unternahmen einen Angriff auf die Truppen, die den Hafen bewachten. Ein Kriegsschiff soll nach der Stadt entsandt worden sein._ Metallarbeiterausstand in Spanien. Madrid, 22. August.(H. B.) In Oviedo haben die Metall- arbeiter den Ausstand erklärt. Auch die Grubenarbeiter sind er- sucht worden, sich dem Streike anzuschließen. So2iaUs. Sichert euch die tariflichen Vorteile? Um sich vor wirtschaftlichen Schaden zu bewahren, sollten Ar- beiter eines Berufes, für den Tarifverträge abgeschlossen sind, vor Antritt einer neuen Beschäftigung den Unternehmer oder dessen gesetzlichen Vertreter jedesmal darauf hinweisen, daß sie nur zu tariflichen Bedingungen arbeiten. Machen die Arbeiter ihre For- derungen erst im Wege der Klage geltend, dann berufen sich die Unternehmer gewöhnlich darauf, daß nichts darüber vereinbart toorden sei. Wenn nun auch die Gerichte sich meistens auf den Standpunkt stellen, daß im Zweifelsfalle der Tarif gilt, sofern dieser ortsüblich, d. h. von der Mehrzahl der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer anerkannt ist, so liegen die einzelnen Verhältniss« doch zu verschieden, um hierin eine Sicherstellung des Arbeiters in jedem Falle zu erblicken. Diese Sicherheit ist besonders dann nicht gewährleistet, wenn die Beschäftigung durch Umschauen oder Ver- Mittelung eines Arbeitsnachweises erfolgt ist, der nicht nur zu tariflichen Bedingungen vermittelt. Bor dem Gewerbegericht klagte der Maler Z. gegen den Maler- meister Teichert aus Fichtenau, der nicht der Malerinnung angehört. Der Beklagte hatte für das Cafe Klose Malerarbeiten an- genommen, und da der Geschäftsbetrieb nicht gestört werden sollte, war vereinbart worden, daß nur bis nachmittags um 2 Uhr ge- arbeitet würde. Der durch den städtischen Arbeitsnachweis in der Gormannstraße vermittelte Kläger war damit einverstanden, daß die Arbeitszeit von 5 Uhr morgens bis 2 Uhr nachmittags dauere; als Stundenlohn wurden 75 Pf. vereinbart. Am Wochenschluß be- rechnete der Kläger aber den Tag nicht zu 8, sondern zu 9 Stun- den, der tariflichen Arbeitszeit. Er motivierte dies damit, daß er die eine Stunde fijr den ihm tariflich zustehenden Nachtaufschlag von 50 Proz. für die Stunden von 5— 7 Uhr morgens angerechnet habe. Der Beklagte berief sich darauf, daß eine derartige Ab- machung nicht getroffen worden sei. Die Kammer 3, unter Vorsitz des Magistratsrats Dr. Schal- Horn, wies den Kläger mit seiner Klage ab. Dieser sei damit ein- verstanden gewesen, daß nur 3 Stunden täglich gearbeitet werde und könne nun deshalb nicht 9 Stunden bezahlt verlangen. Den Nachtaufschlag habe Kläger beim Antritt der Beschäftigung auch nicht geltend gemacht und es stehe ihm daher ein Anspruch darauf ebenfalls nicht zu. Ein weiterer Fall: Vor dem JnnungSschiedSgericht klagte der Schuhmacher L. gegen den Schuhmachermetster Ott» RetjewSki auf Zahlung eines Restlohnes von 3,50 M. Der Kläger war von außerhalb zugereist und beim Beklagten gegen Stücklohn in Arbeit getreten. Erst später wurde er von Berufskollegen darüber be- lehrt, daß die ihm gezahlten Akkordpreise niedriger als die tarjf- lich festgelegten seien. Er verlangte nun vom Beklagten die Diffe- renz nachbezahlt, was aber mit der Begründung verweigert wurde, der Tarif gehe ihn nichts an. Das JnnungSschiedSgericht konnte dem Kläger einen rechtlichen Anspruch auch nicht zubilligen. Es belehrte aber den Beklagten, daß der Tarif sowohl im Interesse der Arbeitnehmer als auch der Arbeitgeber abgeschlossen worden sei, und erreichte damit, daß ein Vergleich zustande kam. )?iis der frauenbewegung. Bürgerliche und proletarische Frauenbewegung. In jenen Ländern, wo noch bevor die proletarische Frauen- bewegung erstarkt war, schon eine zahlreiche bürgerliche Frauen- bewegung bestanden hat, haben die Arbeiterinnenvereine, die erste Form, in der überall die proletarische Frauenbewegung sich organi- siiert, Anlehnung und Gemeinschaft bei den bürgerlichen Frauen- vereinen gesucht. Die mangelnde Erziehung und namentlich die mangelnde theoretische Bildung dieser ersten Pionierinnen des weiblichen Proletariats haben oft in gemeinsamen Komitees mit den bürgerlichen Frauen gearbeitet. Dieses Verhältnis haben wir in den nördlichen Ländern und haben wir auch in der Schweiz gesehen. Die Schweizer Genossinnen haben hier und da mit den bürgerlichen Frauen gemeinsam gearbeitet. Nun aber wo die Arbeiterinnenvereine immer größer werden und ihr Bekenntnis zum Sozialismus durch den Beschluß der sozialdemokratischen Partei beizutreten und sich ihrer Parteiorganisation einzufügen dokumentiert wurde, war es nur eine natürliche Folge, daß auf der letzten Konferenz der Arbeiterinnenvereine der Antrag Zürich angenommen wurde, welcher den sozialdemokratischen Frauen- vereinen die Mitgliedschaft bei allen anderen Frauenvereinen unter- sagt. Das hat nun zur Folge, daß die Arbeiterinnenvereine nicht mehr Mitglieder des Bundes der sämtlichen schweizerischen Frauen- vereine fern können. Diese reinliche Scheidung ist gewiß im Interesse der proleta» rischen Frauenbewegung lebhaft zu begrüßen, weil die Propaganda und die Erziehung unter den Frauen durch die prinzipielle Klarheit nur gewinnen kann. Diese Beschlüsse sind aber auch ein Beweis, welch schöne Erfolge unsere schweizerischen Genossinnen gemacht haben. Sie gewinnen mehr und mehr an der eigenen Kraft und dienen immer besser der weiblichen Internationale. Aus der internationalen Frauenbewegung des Proletariats. Auf dem Parteikongresse, welche die sozialdemokratische Parter der Vereinigten Staaten im Mai dieses Jahres abgehalten hat, haben die Genossinnen einen ausführlichen Bericht erstattet. Im Anfang dieses Jahrhunderts, kurz nach der Gründung der Socialist Party, waren nur wenige Frauen in der Bewegung tätig. Erst 1904 bis 1908, als in den verschiedenen Staaten immer mehr von dem Frauenwahlrecht gesprochen wurde, und als die politische Tätig- keit unter den Frauen mehr und mehr zugenommen hat, wurde ein Frauenkomitee gewählt, und in das Parteiprogramm wurde aufgenommen,„wir fordern unbeschränktes, gleiches Wahlrecht für Männer und Frauen und verpflichten unsere Mitglieder zu einer regen Propaganda für diese Forderung. Sofort nach dem Kongreß gingen die Mitglieder des nationalen Frauenkomitees daran, einen Agitätionsplan auszuarbeiten. Sic veröffentlichten eine ganze Reihe von Flugschristen, die alle Seiten der Frauenftage behandelt haben. 1910 wurde auf dem nächsten Kongreß das nationale Frauenkomitee zu einer ständigen Einrich- tung innerhalb der Parteileitung. Gleichzeitig» wurde in dein nationalen Parteisekretariat in Chicago ein Frauenbureau er- richtet, und der ständigen Leitung einer Sekretärin unterstellt, die vom Frauenkomitee gewählt wird. Daran anschließend wurden viele lokale Frauenkomitecs gebildet. Tausende von Flugschriften wurden für die Frauen herausgegeben, in fünf Staaten und in 270 Bezirken haben die Frauen das Amt als Parteisekretär inne. Ein Mitglied des nationalen Parteivorstandcs und zwei Mitglieder des nationalen Parteiausschusses sind Frauen. Eine Genossin fun- giert als internationale Korrespondentin. Acht Frauen bereisen als nationale Agitatorinnen und Organisatorinnen das Land. Leider ist es nicht möglich, die Zahl der weiblichen Mitglieder fest. zustellen, doch dürften sie ein Zehntel der gesamten Mitgliedschaft betragen. Viel arbeiten die Genossinnen auch auf dem Gebiet der Kinder- erziehung. Es gibt mehrere sozialistische Schulen in New Uork. in Rochester gibt es eine Schule, die von 200 Kindern besucht wird. Auch in Los Angeles gibt es eine große und erfolgreiche sozialistische Schule. In New Jersey wurde ein besonderes Unterrichtskomitcc eingesetzt, welches einen vorzüglichen Plan für eine sozialistische Schule ausgearbeitet hat. Der Frauentag am 25. Februar verlief außerordentlich glän» zend. Es erschienen Flugschriften und massenhaft besuchte Ver» sammlungen fanden statt. 1*ctzU Nachrichtcti. Die russische Regierung dementiert. Petersburg, 22. August. Die Petersburger Telegraphenagentur dementiert kategorisch die Meldung auswärtiger Blätter, daß die Mannschaft des Kreuzers„Kagul" der Schwarzenmeer-Flotte ge- meutert und ihre Offiziere ermordet habe und daß der Kreuzer durch die Küstengeschütze zerstört worden und mit seiner ganzen Besatzung untergegangen sei. Die Nachricht entbehre jeder Be» gründung.(Vergl. Rußland.) Amerikanische Kampfzölle. Washington, 22. August.(W. T. B.) Das Schatzamt hat einen Ausgleichszoll auf deutsches Weizenmehl, Roggenmehl und auf Splißerbsen, die eine Ausfuhrprämie genießen, angeordnet. Die Verfügung tritt nach 30 Tagen in Kraft. Es wird erklärt, sie b«- treffe vornehmlich die Splißerbsen, di« infolge der Ausfuhrprämie ein gefährlicher Konkurrent der Splißcrbsenindustrie Minnesota» seien. Bestialitäten aus Nicaragua. Washington, 22. August.(W. T. B.) Wie gemeldet wird. sind zwei Amerikaner, die in dem Kampfe bei Leon in Nicaragua verwundet worden waren, im Hospital durch die Aufständischen ermordet worden, als diese die Garnison umbrachten. Die Auf» ständischen fahren fort. Städte zu besetzen und zu plündern.. Kampfe in der Mandschurei. Peking, 22. August.(W. T. B.) Nachrichten au» chinesischer Quelle zufolge sind 2000 Mongolen in die Mandschurei eingefallen. Mit Maschinengewehren ausgerüstete chinesische Truppen anS Mulden yaben die Mongolen am 20. August angegriffen.-£.er Kampf, dessen Ausgang noch unbekannt ist, dauerte bis zum 21. August. Grosifeuer in Wic«c.. m Wien, 22. August.(P.-C) Verflossene Nacht ist die Wiener Niederlassung der Prag-Rudniker Korbiabrik von einem riesigen Feuer heimgesucht worden, durch das der größte Te.l des Etablisse. ments eingeäschert wurde. Das Feuer entstand um l42 Uhr ftüh im zweiten Stockwerk des Gebäudes und muh lange Zeit unbemerkt gewütet haben. Die Bewohner der umliegenden Häuser mußten ihre Wohnungen ausräumen. Bei den Rettungsarbeiten erlitten fünf Personen teils schwere, teils leichtere Verletzungen. Erst nach mehrstündigen Anstrengungen der Feuerwehr gelang eS. den Brand zu lokalisieren. Auf der Suche nach Arbeit verunglückt. ' Paris. 22. August.(P.-C.) Aus Reims wird gemeldet: Ein„blinder Passagier", der die Absicht hatte, sich nach Deutschland zu begeben, um dort seinem Gewerbe als Anstreicher nachzugehen. hatte die Unvorsichtigkeit, heute auf einem Zug, der nach Epcrnay ging, auf einen Wagen hinaufzuklettern. Als der Zug durch einen Tunnel fuhr, stieß der Unglückliche mit dem Kopfe so stark gegen die Tunnelmauer, daß er aus der Stelle getötet wurde. Es handelt sich um einen ungarischen Arbeiter namens Bola Hampfclde.__ Lerantw. Redakteur; Albert Wachs, Berlin. Jnjeratenteil verantw-j LH. Glocke, Berlin. Drucku. Verlag: Vorwärts Buchdr.li Verlagsanstalz xaulSingeräCo.«Berlin5VV. Hierzu 2 Beilagen».UnterhaltungSbl. Nr. 196. 29. Jahrgang. t Ifilpjf des Jormätb" KM» öolblilntl. Mag, 23. JtjtP 1912. Dem Völktrfrkden entgegen. Die Redensart von dem„Gallischen Erbfeind" ist schon seit langem etwas in MiUredit gekommen, jetzt ist England an die�Stelle gerückt. Das„perfide Albion" sei der Feind, um dessentwillen das friedfertige Deutschland rüsten müsse. Denn die Engländer ständen der Expansionspolitik unserer Imperialisten hindernd im Wege. Auf englischer Seite das- selbe Schauspiel, die gleiche Verhetzung mit denselben Mitteln. Und so ist in den letzten Jahren mehr als einmal die Gefahr eines Krieges zwischen den beiden Völkern in greifbare Nähe gerückt gewesen. Aber es ersteht den Mordspatrioten in den Kulturländern ein Gegner in der Masse des klaffen- bewußten Proletariats. Und dieser Feind jeder brutalen Ge- walt wird immer mächtiger, der Wille zum Frieden stärker und entschiedener. Die Furcht vor dieser wachsenden Macht ist es vor allem, die die Gewalthaber und Großen der Erde abhält, den folgenschweren Schritt zu wagen. An diese Gedanken konnte der Genosse Scheidemann anknüpfen, als er am Mittwochabend im Namen des Par- teivorstandes eine größere Anzahl englischer Besucher willkommen hieß, die sich im Gewerkschaftshause mit Berliner Genossen zu einer Begrüßungsfeier zusammengefunden hatten. Er erinnerte an die Tatsache, daß schon einmal die englischen Genossen im Unterhause und unsere deutschen Ab- geordneten im Reichstag durch Einbringung von Resolutionen sich um die friedliche Verständigung zwischen den beiden Ländern bemüht hatten. Unter großem Beifall der englischen nnd deutschen Teilnehmer der Feier betonte Scheidemann, daß die deutsche Sozialdemokratie nicht aufhören werde— soweit es in ihrer Macht liege— den Frieden unter den Völkern zu fördern. Für die große Masse des deutschen Volkes liege keine Veranlassung vor, feindliche Gesinnung gegen das britische Volk zu hegen, mit dem so zahlreiche Jnter- essen uns verbänden. Diese Ueberzeugung dürften die eng- lischen Genossen mit nach Hause nehmen, in diesem Sinne möchten sie Grüße von den deutschen Sozialdemokraten an die englischen Freunde übermitteln. Es handelte sich diesmal um Mitglieder der„Jndepen- dent Labour Party"(Unabhängige Arbeiterpartei) und zwar von der Ortsgruppe Bradford, die Berlin einen Besuch abstatteten. Sie alle sind auch gewerkschaftlich organisiert. Die englischen Gäste hatten die Zentrale des Berliner Kon- sumvereins besucht, die„Vorwärts".Druckerei, Redaktion, Parteiarchiv, die Bureaus des Parteivorstandes und einiger Gewerkschaften sich angesehen. Neben Potsdam hatten sie auch die Stätten des Elends, die Berliner Nachtasyle besucht, also auch die Kehrseite großstädtischen Glanzes kennen gelernt. Genosse Barber, Sekretär des Gewerkschaftskartells von Bradford. drückte seine Freude aus über den herK- lichen Empfang, den er und seine Begleiter gefunden. Sre hätten viel gesehen und gelernt. Bewundernswert sei die vor- zügliche Organisation der deutschen Partei und der machtvoll ausstrebenden Gewerkschaften. Sie in EnglaUd werden be- strebt sein, den Deutschen nachzueifern, eine so gute kraftvolle Parteiorganisation würden sie aber so bald noch nicht schaffen können. Im übrigen finden seine Ausführungen ihren Aus- druck in den beiden nachstehenden Resolutionen, die er im Auftrag seiner englischen Freunde und Genossen unterbreitet: Grüße an die deutschen Genossen! „Die Mtglieder der Bradforder Organisation der Unab- ihängigen Arbeiterpartei, durch die englische Arbeiter- Partei der großen internationalen sozialistischen Bewegung angeschlossen, sendet den deutschen Sozial- demokraten den Ausdruck i nnilgster Gefühle der Gemeinschaft» der Zuneigung und Freund- schaft. Wir sehen mit Freude ver Zeit entgegen, da die gemeinsame Bewegung der Sozialisten von Großbritannien und Deutschland, wie der übrigen Länder des Festlandes eine solche Macht erlangt kleines Feuilleton. Worauf die amerikanische Schauerdramatik Hinarbeitet.„Das Rückenmark ist der Sitz, der reservierteste Sitz der Erregungen und doppelt so schwer zu reizen wie der Verstand." Aus diesem Elementarsatz leitet A. H. Woods, einer der bekanntesten Schauer- dramenfabrilanten Amerikas, die hohe Bedeutung seiner Tätigkeit her. In einem Aufsatz der Associated Sunday Magazines vcr- osfentlicht er seine Beobachtungen und Bekenntnisse„über die Kunst, aus dem Rückenmark Kapital zu schlagen". Das gewöhnliche Schauerdrama, der sogenannte„SO Cents-Reißer" hat sich seit einigen Jahren in das„Zwei Dollar-Melodrama" ver- wandelt, d. h. kostspielige Ausstattung und Bühnenluxus spielt bei diesen Vorführungen«ine große Rolle, und das Publikum zahlt gern einen recht beträchtlichen Preis, um seine geliebten Nerven- scnsationen im prächtigsten Gewände zu erhalten. Der Schauer- dramatiker pocht tonusf, daß die von ihm gepflegte Gattung ewig sei wie die Leidenschaften selbst und wie der Hunger nach spannen- der Unterhaltung.„ä.as Melodrama verliert niemals an Geltung, mögen auch die äußeren formen sich der Mode fügen. Die Ge- hcimnisse der Sensation, die Tricks, um auf das Rückenmarl zu wirken bleiben dieselben in den alten Schauerdramen wie in den neuen Sensationsstücken. Die-Menschennatur gibt freudig jeden Abend in der Woche ihr gutes Geld aus, um drei Stunden in einem Theater zu sihen und zu lauern, bis es die Genugtuung hat, den Schurken um 11 Uhr bestraft zu ichen. Die Menschen- natur des jungen Amerika wird die Schauhauser aus eben diesem Grunde füllen. Gebt mir eine glite spannende Zeitungsgeschichte. ein Paar Lackschuhe und einige Zigaretten für den Schurken und eine blaue Arbeitsbluse für de» Helden, und ich will Euch garan- tieren, daß ich oder ein anderer Fabrikant das Rückenmark der Nation in Geld verwandeln kann. Lacht darüber, so viel Ihr wollt! Die Liebe zum Melodrama wird immer mit uns fein." In Woods Scbauerdramenfabnk ist seit Jahren eine ganze kleine Schar von Mitarbeitern beschäftigt, aus den Zeitungen die neuesten Sensationsgeschichten herauszuschneiden. Alle die großen Erfolge mit melodramatischen Reißern im letzten Jahrzehnt sind nach der Angabe des Verfassers durch die Zeitungen inspiriert worden. Freilich häusig sind die wirklich effektvollen Geschichten nicht; ,nan findet auch bei angestrengtem Suchen höchstens eine im Monat, die sich zur Verarbeitung im Melodrama eignet. Unser Schauer- dramatiker hat das, was er das„nationale Rückenmark" nennt. genau studiert und ist zu der Ansicht gekommen, daß dieser merk- würdige Stoff in den verschiedenen Teilen der Vereinigten Staaten verschieden geartet sei. daß immer wieder besondere Mittel von- nöten sind, um die rechte Wirkung jenes schrecklich schönen Er- fchauernF. dos das Ideal qll seiger Bestrebungen ist, hervorzu- haben wird, daß Kriege zur Unmöglichkeit werden, und ver- sprechen, mit den deutschen Sozialisten zusammen alles zu tun, um dieses schöne Endziel zu erreichen. A. S u t t o n j Sekretär." Die zweite Resolution lautet: „Das Gewerkschaftskartell des Bezirks Bradford, in Vertretung von 24 000 Gewerkschaftsangehörigen der Stadt Bradford sendet unseren Gewerkschaftskollegen und Partei- genossen in Deutschland herzliche brüderliche Grüße mit dem Ausdruck ihrer innigsten Gefühle der Freundschaft und der Solidarität. Wir sehen der Zeit entgegen» wo die Arbeiter Groß-Britanniens und Deutschlands in wahrer Verbrüderung zusammengeschweißt sind, und solche Macht besitzen, um jede Kriegsgefahr zu beseitigen. Wir werden zu allen Zeiten gewillt sein, uns mit unseren deutschen Genossen zu verbinden, um alle die Bewegungen, die als ihr Ziel die Förderung des Krieges haben, niederzuringen» W. Barber, Sekräter des Gewerkschaftskartells." Neben dem Genossen Ernst, der in humorvoller Weise den Abend eingeleitet hatte, sprach noch der Genosse Legten als Vertreter der deutschen Gewerksck)aften und für die Frauen die Genossin Z i e tz. Der Genosse C a h e n Re° dakteur der New Norker jüdisch-sozialistischen Zeitung„Vor- wärts", der zufällig in Berlin anwesend ist, beteiligte sich ebenfalls an der Feier. Er konnte die erfreuliche Mitteilung machen, daß das genannte Blatt eine Auflage von über 100 övl) habe. Berlin, das„Rom des Sozialismus", wie er es nannte, habe sich in den 19 Jahren, seitdem er hier gewesen, großartig entwickelt. Die Entfaltung der sozialistischen und gewerkschaftlichen Macht erfülle ihn mit großer Freude. Die Genossen aller Länder hätten von den Deutschen zu lernen, und in Amerika gehe es in Riesenschritten vorwärts. Genosse L e g i e n hatte vor allem die Notwendigkeit betont, daß die politische und wirtschaftliche Arbeiterbewegung in gegen- seitiger Verständigung nebeneinander wirke., So klang auch diese Zusammenkunft von Arbeiterver- tretern der beiden großen Kulturländer aus in eine ent- schicdene Absage an den Krieg und die Völker- Verhetzung: es war eine Demonstration für die Solidarität der Arbeiterklasse, für den Frieden unter den Nationen. vleNahlen zur flngeftellknverflcljerung. Für bie Wahlen zur Angestelltenversicherung ist nunmehr die Wahlordnung bekanntgegeben. Die wichtigsten Bestimmungen sind folgende: Die Wahl wird von der unteren Verwaltungsbehörde ange- ordnet. Der Wahltag wird von jeder Verwaltungsbehörde beson- ders festgesetzt, es kann auch der Sonntag als Wahltag bestimmt werden. Der Wahltag muß mindestens sechs Wochen vorher be- kanntgegeben werden. Die Wahlen erfolgen für Unternehmer und Angestellte getrennt. Jeder Wahlberechtigte hat eine Stimme. Jedoch haben Unternehmer, die mehr als 00. aber nicht mehr als 100 versicherte Angestellte beschäftigen, zwei Stimmen. Für je weitere angefangene 100 versicherte Angestellte erhöht sich die Zahl um«ine Stimme, jedoch darf kein Unternehmer mehr als 20 Stim- men haben. Als Unternehmer gelten auch die Vorsitzenden von Krankenkassen, Gewerkschaften, Aufsichtskom- Missionen der Arbeitersekretariate, politischen oder anderen Vereinen, sofern von diesen Korporationen mindestens ein versicherungspflichtiger Angestellter beschäftigt wird und der Vorsitzende nicht selbst zu den Versicherungspflichtigen ge- hört. Ist das letztere der Fall, so empfiehlt es sich, daß der Vorstand durch Beschluß einem anderen Mitglied des Vorstandes die Aus- Übung des Wahlrechts übertrögt.- In den größeren Städten wird es sich empfehlen, auch eine Li sie der Unternehmer aufzustellen. Legitimiert für die Wahl wird der Unternehmer durch eine Bescheinigung, die von der Gemeindebehörde einzufordern ist. Für den Versicherten genügt die Versicherungskarte, die von der Ausgabestelle vor der Wahl gelöst werden muß. bringen.„Das Rückenmark in dem Teil unseres theatralischen Gebietes, das zwischen New Dork und Pittsburg liegt, ist das am leichtesten erregbare. Hier liegt der Schauer gleich'am an der Oberfläche und ist so leicht hervorzurufen, daß richtige Reißer 10 000 bis 11000 Dollar pro Woche aus diesem östlick>en Rücken- mark herausgezogen haben. Das sogenannte theatralische Rücken- mark des mittleren Westens kann nur durch die ruhige Form des Melodramas gewonnen werden und wird richtig aufgeregt nur durch einen sentimentalen Reißer. Der Effekt, der erzeugt wird durch die gewaltsame Trennung von Held und Heldin infolge der Intrigen eines Schurken, ist derart, wie ihn das Rückenmark von Pittsburg bis St. Louis braucht. Das westliche Rückenmark von St. Louis bis San Francisco braucht Handlungen und inkliniert nicht für szenische und maschinelle Effekte. Worte sprechen lauter als Taten westlich vom Mississippi." Nach dieser„Geographie der Wirbelsäule" wendet sich Woods der näheren Schilderung der Effekte zu, deren das Schauerdrama bedarf, und führt dafür ein interessantes Beispiel am In einem seiner Produkte wird auf der Szene ein Mädchen vom Dach eines brennenden Hauses durch einen Feuerwehrmann gerettet, der sie an den Telephondrähten auf ein anderes Dach in Sicherheit schleift. Zunächst wurde ein dicker Draht verwendet, an dem die Heldin hinübergezerrt wurde. Die Wirkung auf das Rückenmark blieb aus. Man nahm dünneren Draht. Kein Erfolg. Nun wurde die Szene höher verlegt; durch geschickte Dekorationen erschien alles doppelt so hoch. Die Flammep mußten um den Draht herum lodern, so daß die„doppelte Gefahr von Feuer und Elektrizität" die beiden bedrohte.„Das Rücken- mark blieb kalt."„So verbrachten wir unsere Zeit mit beständigen Versuchen, das Rätsel des Reißers zu lösen, bis eines Tages der Regisseur bemerkte, daß wir das Hauptclement der Erregung über- sehen hatten.„Weder die Flammen noch die Elektrizität sind die Hauptsache." argumentierte er.„sondern die Furcht, daß der Draht unter der Last zerreißt und die beiden in die Tiefe stürben." Nun wurde eine Reihe von Drähten herabgerissen und wahrend des Feuers mußte ein Mann noch andere Drähte herabfallen lassen, was durch ein zischendes Geräusch begleitet wurde, wie wenn das " euer die Drähte ergriffen hätte. Der Erfolg war schlagend. Das Rückenmark verstand, daß die noch schwebenden Drähte in jedem Moment zerreißen konnten, und es ließ seinen silbernen Tribut in unsere Kasse strömen.... NahrungSmittelversälschung. Unter Ben die Grundkckge unserer Ernährung bildenden Lebensmitteln sind Milch und Brot die- jenigen, die am häufigsten verfälscht werden. In einem beachtens- werten Artikel der„Revue des Deux Mondes" werden zur Er- bauung der Käufer die von gewissenlosen Fabrikanten und Händ- lern in großem Maßstabe angewandten Verfälschungssysteme dar- gelegt. Milch wird künstlich hergestellt. Mehl wird ebenso künstlich schwerer und-feipex" gemacht. Heuftulage ksWllt Wjchu Vorgesehen ist die Proportionalwahl. Ueber die Auf« stellung der Listen besagen die Vorschriften der Wahlordnung Fol« gendes: Die Wahlberechtigten sind aufzufordern, Vorschlagslisten bis spätestens drei Wochen vor dem Wahltag dem Wahlleiter einzu- reichen. Die Vorschlagslisten sind für Unternehmer und Angestellte getrennt aufzustellen. Jede Vorschlagsliste soll mindestens soviel Namen enthalten, als Vertrauens- und Ersatzmänner zu wählen sind. Mehr Vorschläge als die doppelte Zahl der zu Wählenden darf sie nicht enthalten. Wo nähere Angaben fehlen, wird angenommen, daß die an erster Stelle Aufgeführten als Vertrauensmänner vor- geschlagen sind. Die Vorschlagslisten müssen von mindestens fünf Wahlberechtigten unterschrieben sein. Die Vorschlagsliste soll die Wählerverernigung. von der sie ausgeht, kenntlich machen. Tritt der Charakter der Wählervereinigung nicht klar hervor, so kann der Wahlleiter dem Vorschlag eine Bezeichnung beilegen. Ist eine Person auf mehreren Listen vorgeschlagen, so hat sie sich auf Auf« forderung für eine bestimmte Liste zu entscheiden. Unterbleibt die Entscheidung, wird sein Name auf allen Listen gestrichen. Hat ein Wähler mehrere Vorschlagslisten unterschrieben, so wird seine Unterschrift auf allen Vorschlagslisten gestrichen. Frühestens neun und spätestens drei Tage vor dem Wahltag sind die giltigen Vor« schlagslisten vom Wahlleiter öffentlich bekannt zu machen. Wird innerhalb der gesetzlichen Frist nur eine Vorschlagsliste von Unter- nehmern oder Versicherten eingereicht, so findet keine Wahl statt. Die in der Vorschlagsliste verzeichneten Personen gelten als gewählt. Aenderungen der Liste darf der Wähler nicht vornehmen. Wird jemand bei der Wahl zurückgewiesen, so ist dies unter Angabe des Grundes in der zu führenden Liste zu vermerken. Hat ein Unter- nehmer mehrere Stimmen, so hat er jeden Stimmzettel in einen besonderen Umschlag zu legen. Die Umschläge werden von der Reichsversicherungsanstalt geliefert und sind im Wahlraum den Wahlberechtigten zur Verfügung zu stellen. Den Unternehmern ist es gestattet!, ihren Stimmzettel dem Wahlleiter brieflich einzusenden. Für die Wahl wird ein Wahlbureau gebildet, deren Beisitzer aus dem Kreise der Unternehmer und Angestellten angehören müssen. Die Giltigkeit der Wahl kann binnen einem Monat nach der Bekanntmachung des Wahlergebnisses bei der unteren Ver- waltungsbehörde angefochten werden. Auf Beschwerde entscheidet die höhere Verwaltungsbehörde endgiltig. Für jeden Bezirk einer unteren VerwältungSebhörde sind sechs Vertrauensmänner und für jeden Verttauensmann zwei Ersatz. männer zu wählen. Für die größeren Städte ist die Zahl der VerttauenSmänner erhöht, und zwar wählt Berlin 38, Köln 14, Breslau 14, Frankfurt a. M. 12, Düsseldorf. Charlottenburg. Hannover. Essen und Magdeburg je 10, Königsberg. Neukölln, Stettin, Duisburg, Dortmund, Kiel. Halle, Schöneberg, Altona, Danzig, Elberfeld, Gelsenkirchen, Barmen, Posen, Aachen, Kassel, Bochum und Krefeld je 8 Vertrauensmänner und die entsprchende Zahl von Ersatzmännern. Da das Gesetz noch nicht in Kraft getreten ist, so bollziehen sich die ersten Wahlen unter der besonderen Anordnung, daß schon gegenwärtig bei den„Ausgabestellen der Angestelltenversicherung" (eS sind das durch besonderen Anschlag kenntlich gemachte Stellen der Ortspolizeibehörden oder der Gemeindeverwaltungen) die Auf- nahmekarte von den Versicherungspflichtigen gefordert werden kann. Diese Aufnahmekarte wird später gegen die Versichcrungskarte um- getauscht. Diese Karte dient dann als Legitimation für den An- gestellten, der an der Wahl teilnehmen will. Es muß deshalb in den Kreisen der Angestellten darauf hingewirkt werden, daß die Angestellten die Karte schon jetzt lösen und nicht bis nach der Wahl warten. Die der Generalkommission der Gewerkschaften angeschlossenen Verbände, der Zenttalverband der Handlungsgehilfen und -gehilfinnen Deutschlands und der Verband der Burcauangestellten und der Verwaltungsbeamten der Krankenkassen und Berufs- genossenfchaften Deutschlands, deren Mitglieder zu einem erheb- lichen Teil der Angestelltenversicherung beitreten müssen, haben sich mit der Freien Vereinigung für die soziale Versicherung der Privatangestellten dahin verständigt, gemeinsam eine Vorschlagsliste aufzustellen. Die Wahlen sollen in der zweiten Hälfte des Oktober stattfinden, mehr auf den Gedanken, dem Mehl Talk hinzuzufügen: diesen Stoff kann man nämlich leicht entdecken, wenn man ein Prischen Mehl verbrennt. Jetzt„verbessert" und bleicht man schlechtes Mehl „wissenschaftlich" mit Stickstoffoxhden. In größtem Maßstäbe pflegt man Weizenmehl mit gewissen Abfällen, die man beim Reis- schälen erzielt, zu vermischen. Naive Leute sind der Ansicht, daß wir unfern Honig den Bienen zu verdanken haben. Gar nicht daran zu denken! Man kennt jetzt einen„Phantasiehonig", der aus Gummi, Glhkose und gelöstem Zucker fabriziert wird. Und was ist Schokolade? Sie sollte eigentlich eine Mischung von Kakao und Zucker sein. Der moderne Kakao ist aber ein Gemisch von Stärkemehl und Mandeln, und der Hauptbestandteil des Zuckers ist Glhkose. Eine gute Schokolade sollte 32 Teile Kakao und 68 Teile Zucker enthalten. Kakao ist aber recht teuer: sieben. oder achtmal teurer als Zucker. Da man nun nicht immer das Gesetz umgehen kann, hat man in Frankreich einen sogenannten Kakaozucker in den Handel gebracht. In dieser merkwürdigen Komposition dient der Kakao nur als Deckblatt für mehr oder minder echte Zuckerstücke. Das Publikum läßt sich täuschen und kauft, Hauptsache ist und bleibt die Illusion, Notizen. »» Wilheliü Kielizl, der Komponist deS„Evängeliwann" und des„Kuhreigen", der nächstens in der Kurfürstenoper seine Erst« aufführung haben wird, hält am S. September, abends 8 Uhr, im Bürgersaal des Berliner Rathauses einen Vortrag über das Thema „Der Künstler und die Welt". — Für die W e in ga r tn er ko nz ert e in Fürsten« Walde sind vier Sinfonien Beethovens mit dem Blüthner» Orchester in Aussicht genommen und als Aufführungstage der 15. Oktober, 5. und 25. November und 10. Dezember bestimmt. Proletarier freilich können sich die Konzerte nicht leisten, denn sie kosten 20 bis 50 M. im Abonnement. — Als Kandidaten für den literarischen Nobelpreis bringen sich jetzt allerhand obskure Tintenfische in Vorschlag. Wie schade, daß Karl May schon in die ewigen Jagd» gründe gewandert ist! Aber noch leben ja die Herren Alfred Holzbock, Otto Borngräber, Rudolf Lencer u. Co.? — Ein Wagnerverein in Amerika ist das neueste. Er hat sich die Aufgabe gestellt, in allen großen Städten der Union Musikfeste zu veranstalten, die im Zeichen der Wagnerschen Kunst stehen und zugleich für regelmäßige Veranstaltung würdiger In- strumental- und Vokalkonzerte, die aus Werken des Bayreuther Meisters bestritten werden sollen, zu sorgen. Stiefelwichserdienste für seine Erben, wie sie unsere deutschen Wagnervereine seit Jahr. zehnten getan haben, wird der amerikanische Namensbruder keines- fglls übernehme», Hua der partei. Eine syndikalistische Kriegserklatting. Paris. 20. August.(Eig. Ber.) Die Optimisten, die auf eine baldige Ueberwindung der Gegensätze innerhalb der französischen Arbeiterbewegung ge- hofft und ihre Erwartungen auf die ja in der Arbeiterschaft selbst unleugbar vorhandene UeberdrSssigkeit au dem nicht endenden und oft so kleinlichen Gezanke gegründet haben, werden Vwchl noch eilte geraume Zeit auf die Erfüllung warten müssen. Es zeigt sich, daß das oft bis zur Selbstverleugnung getriebene Entgegenkommen vieler leitenden Parteigenossen den Haff, den die bekanntesten Führet der Arbeitskonföderation gegen die sozialistische Partei hegen, nicht zu besänftigen der- mag.�und baff diese um so heftiger die demagsgische, gegen den Sozialismus gerichtete Seite des Syndikalisnius hervor- zuheben bestrebt sind, je stärker die Stimmung in den Massen wird, die zu einer einheitlichen Aktion des Proletariats in allen Formen hintreibt. Charakteristisch dafür ist ein von fünf bekannten Syndikalisten, darunter Jouhaux, Griff uelhes, Savoie, in der heutigen„Bataille Syn- dicaliste" veröffentlichtes Manifest, das unter dem Vorwand, die angeblich bedrohte Autonontie der Konföderation zu verteidigen, einen sachlich durchaus unmotivierten gehässigen Angriff auf die sozialistische Partei ausführt. Den unmittelbaren Anlaff geben die Bemühungen HervsS, die„Abrüstung" in den mit einander streitenden Organisationen und Richtungen der re- volutionärcn Arbeiterschaft zu propagieren. Die„Guerre Sociale" wird gerade in jenen Schichten des Pariser Prole- tariats, die die Kerntruppe des revolutionären Syndikalismus stellen und lange auch für die gegen die politische Partei ge- richtete Demagogie besonders empfänglich waren, gerne ge- lesen und Herv» ist dort besonders populär. Daher erklärt sich, warum die Attacke besonders gegen ihn gerichtet ist. Die Kritik des Hervöismus, die in dem übrigens recht konfusen Artikel einen hervorragenden Platz einnimmt, ist besonders dort ungerecht, wo sie richtige Elemente enthält. Wenn die Verfasser den phrasenhaften„AntiPatriotismus"— der übrigens von Hervö selbst ausdrücklich preisgegeben worden ist— bezichtigen, sich an die Stelle des wahren prole- tarischen Antimilitarismus drängen zu»vollen, so ist dem gegenüber festzustellen, daff just der„Antipatrio- tismits" in der syndikalistischen Bewegung nicht nur ein Lieblingsschlagwort war. sondern auch auf Gewerkschaftskon- gresscn den Ton angegeben hat, vor allem in Marseille vor vier Iahren. Ehedem hätten die Syndikalisten gern der sozialsstischen Partei Hervü und den„AntiPatriotismus" als Prügel zwischen die Beine geworfen. Heute wollen sie nicht nur Hervö auf die von ihm überwundene Formel festnageln, sondern womöglich gleich die sozialistische Partei mit dem Hervöismus identifizieren, genau wie es die Bourgeoispolitiker tun. Seit 20 Jahren, heifft es in dem Manifest, seien die Treibereien der Politiker am Werk. Nach 12 Jahren einer von einer sozialistischen Fraktion unterstützten korrumpierenden Regierung, sei vor sechs Jahren eine, jeder Idee bare Hetzerei unter dem Deckmantel des AntiPatriotismus gekommen— ein Bastardprodukt übertriebener Reklame. Zugleich seien die Be- strebungen sozialistischer„Politikaster", sich der Gewerkschafts- bcwegung zu bemächtigen, wieder in Gang gekommen. Die sozialistische Partei habe,„von kompro- msttierenden Freunden unterstützt," unter gemütlichen Formen die Wachsamkeit und Gutgläubigkeit der Gewerk- schaften zu übertrumpfen versucht. An die Stelle der organisierten Attion der Gewerkschaften wolle man den per- sönlichen Akt in theatralischer Pose oder in gewaltigem, oft rohen Ausdruck setzen. Aus dem„Browning" und der „Mamzelle Cisaille"(Fräulein Schere, das Hervssche Symbol für die Sabotage der Telegraphen- und Eisenbahnsabotage) habe man eine Fahne gemacht, während sie doch nur Mittel für den äuffersten Notfall seien... Gegen die Exzesse dieser Propaganda ohne Stützpunkt müsse eingeschritten werden. Daff dieser wilde Angriff nach dem Geschmack der Mehr- zahl der organisierten Arbeiter sei, darf füglich bezweifelt werden. In vielen Gewerkschaften, wo man ehedem auf die Formeln des antiparlamentarischen Syndikalismus schwirr, wollen diese nicht mehr recht verfangen. Charakteristisch ist der überraschend breite Platz, den die Gewerkschaftsgruppen in der Sammelliste für den Ausbau der„Humanitv" ein- nehmen. Indes kommen bekanntlich die wirklichen Stärke- Verhältnisse in der Konföderation und auf ihren Kongressen nicht zum AuSdrtrck. Jedenfalls aber wird das Manifest, das just als Fanfare vor dem Gewerkschaftskongreff in Hävre losgelaffen worden ist, nicht dazu beitragen, die ohne- hin auf den Konföderatianskongressen so schwierige Diskussions- sührung zu erleichtern. AuS den Organisationen. Der soeben erschienene Jahresbericht der sozialdemokratischen Partei des Herzogtums Braun schweig für 1011 teilt mit, daff die Organisation 11 807 Mitglieder, darunter 1806 weibliche. habe, gegen da? Borjahr eine Zunahme von 1863. Im Berichts- jähre fanden 80ä Versammlungen und 220 Besprechungen statt. Flugblätter Ivurden in 473 750, der„Bolksfteund-Kalender" in 40 000, die Monatsschrift„Empor" monatlich in 4800 Exemplaren verbreitet. Weiter wurde die achtseitige Flugschrift„So sind siel Wer? Die Sozialdemokraten!" in 82 000 Exemplaren verteilt. In den Gsmeindetöeperschaftcn zählt die Partei 30 Stadtverordnete und 63 Gemeinderatsmitglieder gegen 28 und 88 im Vor- jähre. Der Bild ung�verein jugendlicher Arbeiter und Arbeiterinnen zählt etwa 820 Mitglieder in der Stadt Braunfchwcig. Weiter besteht eine Jugendbewegung in- Wolfenbüttel und in 8 Orten sind gute Anfänge vorhanden. Der„Volksfreund" zählt 15 090 zahlende Abonnenten gegen 13085 im Vorjahre. Die Landesparteikafife hatte ein- schließlich eines aus dem Vorjahre übernommenen Bestandes von 3055,92 M. eine Einnahme von 26 674,18 M. und eine AnSgabe von 24 065,87 M. An die Haupikasse m Berlin wurden abgeführt 6780.00 M. Infolge der rührigen Agitation vermehrten sich unsere Reichslagswahlstimmen von 37 208 im Jahre 1007 auf 48 245, während die bürgerlichen Stimmen von 55 537 auf 46 800 zurück- gingen. �, • Im Wahlkreise Mühlhause»- Langensalza machte die Partei im verflossenen Jahre wieder erhebliche Fortschritte. Die Zahl der Organisierten ist von 1100 auf 1400 gestiegen. Es bestehen im Kreise fieben OrtSvereine. Die Wahlsiimmen konnten bei der Reichstagswahl von 6000 auf 8300 erhöht werden. ES gelang aber nicht, da« Mandat zu erobern, da die Liberalen trotz Stichwahl. abkoinmenS versagten. Auch daS„Mühlhauser BolksBIatt hat nch gut entwickelt. In einer Resolution zum Partettag wird der Zehn- pseniiig'Wocheubeilrag gutgeheitzen, statt des ParleiauSichuiies aber Erhöhung de, Beisitzerzahl im Parteivorstand verlangt. Die Reichs- tagsftaftion soll wie bisher aus dem Parteitage vertreten fem. 3us Inclukkrie unä ktaiiclel. Gründung einer Gewerkschaftsbank— in England. In Nr. 189 vom IS. d. M. brachten wir eine Notiz „Gründung einer Gewerkschaftsbank", bei der leider die An- gäbe des Ursprungslandes(England) fortgeblieben ist, so daß die Mitteilung fälschlicherweise von mehreren Blättern auf deutsche Verhältnisse bezogen worden ist. Aus London wird uns dazu geschrieben: Der Jahres- bericht des Parlamentarischen Komitees des Trade-Union- Kongresses, der am 2. September zusammentritt, wird dem Kongreß die baldige Einrichtung einer Gewerkschaftsbank empfehlen. Der Abgeordnete Bowerman, Sekretär des Parlamentarischen Komitees, erklärt, daff das Komitee sich schon eingehend mit der Frage befaßt hat und von der Nütz- lickkeit und Durchführbarkeit des Planes überzeugt ist. Wenn die Groffeinkaufsgenossenschaft eine eigene Bank haben kann, dann werden, sagte Bowerman, wohl auch die Gewerkschaften dazu imstande sein.. Bei fast allen großen Streiks der letzten Jahre hatten die Gewerkschaften unter ihrer Abhängigkeit von den kapitalistischen Banken zu leiden. Es wurden ihnen immer Schwierigkeiten gemacht, wenn sie ihre deponierten Anlagepapiere für Streikgelder flüssig machen wollten, und sie stießen erst recht auf Schwierigkeiten und Hindernisse, wenn sie zu solchem Zwecke Anleihen machen wollten. Die Gcwerkschaftsbank würde unter Jnnehaltung solider Geschäftsrcgeln in erster Linie die Interessen der Gewerkschaften pflegen. Gerichts-Rettung. Schwindeleien in allen möglichen Arten wurden dem ButThändler Walter Hoenig zur Last gelegt, der gester» aus ber Untersuchungshaft der 7. Feriensdrafkammer des Land- gerichts I vorgeführt wurde.— Der aus einer vermögenden Familie stammende Angeklagte eröffnete im Jahre 1908 mit einem größeren Kapital, dos ihm seine Mutter zur Verfügung gestellt hatte, in Dresden eine Buchhandlung. Dieses Unternehmen reüssierte nicht, trotzdem er wiederholt größere Unterstützungen erhielt. Es kam schließlich soweit, daß H., nachdem er verschiedene geschäftliche Fehlschläge erlitten hatte, den OffenbarungSeid leisten mußte, bei dein er als eigenes„Vermögen" die Summe von 1,50 M. angab. Wie die Anklage behauptet, soll er nun zu allen möglichen Schwin. deleren Zufluchi genommen haben. Die Sache fing damit an, daß er durch Kreditschwindeleien mehrere Geschäftsleute in Dresden um zum Teil recht erhebliche Beträge schädigte. Als ihm schließlich giemand mehr etwas borgen wollte, nahm er zu einem neuen Mittel sich Geld zu verschaffen, Zuflucht, das die Anklage ebenfalls als Betrug auslegt. Er erließ Inserate, in denen er sich zur Be- schaffung von„Nebenverdiensten bis zu 10 M. täglich" anbot. Den sich meldenden Personen vahm er erst 6 M. ab und händigte ihnen dann geringwertiges Material zum Uebexmalen von Photographien aus mit der Berstcherung, daß er ihnen später lohnenden, Verdienst beschaffen würde. Als auch dieses Mjttel nicht„zog", nahm er, wie behauptet wird, zum Adoptionsschwindel seine Zuflucht. Er erließ im„Pirnaer Anzeiger" und in einer Chemnitzer Zeitung Inserate, in denen er sein eigenes vierjähriges Kind, bei Zahlung einer Ab- findungsfumm« von 3— 5000 M. zur Adoption aüsbot. Den sich meldenden Personen teilte er mit, daß er es auf ärztlichen Rat wegen eines nervösen Kopfleidens seiner Frau bei anständigen Leuten unterbringen und dafür 3000 M. zahlen wolle. Am Schlüsse dieses mit Klagen über sein Unglück erfüllten Briefes kam dann der übliche Passus, daß er sich natürlich erst über die Vertrauens- Würdigkeit derjenigen Leute, denen er sein Kind anvertraue, infor- mieren müsse und deshalb bitte, die Gebühren für die einzuholende Auskunft in Höhe von 6 M. ihm einzusenden. Als ihm schließlich in Dresden der Boden gu heiß wurde, kam er nach Berlin, mietete sich hier in der Bachstrage eine Wohnung und betrieb seine Schwin- deleien weiter. Wie die Ermittelungen ergeben haben, ist dem Angeklagten dieser Schwindel in zirka 18V Fällen gelungen; im Monat Oktober nahm er auf diese Weise allein 1200 M. ein. Das Gericht kam nach mehrstündiger Verhandlung zu einer Freisprechung des Angeklagten in mehreren Anftagepunkien, verurteilte ihn aber im übrigen zu 1 Jahr Gefängnis unter Anrechnung von 3 Monaten Untersuchungshaft._ Ist der Abschnitt einer Paketadresse eine Urkunde und darf der Absender einen fremden Name» darauf setzen? Mit dieser Frage hatte sich da« Reichsgericht zn beschästigen in der Strafsache gegen den Bernsteinfabrikanten Adolf M, der vom Landgericht D a n z i g am 12. März d. I. wegen Betrug« und Urkundenfälschung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Der Angeklagte bezog Bernstein von den konigl. Bernsteinwerken. Laut Vertrag erhielt er den Roh- und Preß« bernstein nur zur eigenen Bearbeitung und durste ihn im Roh- zustand nicht weiterverkaufen. Zur Sicherheit behielten sich die Bernsteinwerke an dem gelieferten Bernstein bis zu dessen Ver- arbeitung das Eigentumsrecht vor. Trotz dieser vertraglichen Be- stimmung hatte aber der Angeklagte lange Zeit hindurch, bis Anfang November d. I., Rohbernstem au eine Firma in Wien mit einem Gewinn von 100 Proz. wetterverkauft. Um dies zu verheimlichen, hatte er ans die Paketadresse nicht seinen wirklichen Namen, sondern den Namen„Spitzen" gesetzt. In dem Tun des Angeklagten hat das Gericht einmal«inen Betrug und zum andern eine U r- kundenfälsckung erblickt. Gegen da« Urteil hatte der Angeklagte Revision eingelegt mit der Begründung, daß deshalb zu Unrecht ein Betrug angenommen worden sei, weil keine VermSgensheschädignng und keine Verschaffung eine« rechtswidrigen Vermögensvorteils vorliege. Ebenso sei er zu Unrecht wegen Urkundenfälschung verurteilt worden, denn der Abschnitt einer Poftpaketadresso stelle keine Urkunde im Sinne de?§ 267 des Strafgesetzbuches dar, da ihm keine Recht«» und Beweiserheblichkeit innewohne. ES könne dem Empfänger, wie der Post doch ganz gleichgültig sein, wer da« Paket abgesandt hat. Deshalb sei man berechtigt, entweder jeden Absendervermerk auf dem Abschnitt zu unterlassen oder einen beliebigen Namen darauf zu setzen. Demgegenüber machte der Reichsanwalt ungefähr folgende AnSführnngen: In dem Betrugsfalle hat der Vorderrichter mit Reckt die BermögenSbeichädigung in dem den Bernsteinivevten ent- gangenen Gewinn gesehen. Denn der Angeklagte hatte den Werken die Möglichkeit genommen, in dem Falle selbst an die ausländische Firma zu liefern, und zwar zu einem höheren Preise, als im In- lande. WaS die Frage beirifft, ob der Abschnitt einer Paketadresse als Urkunde anzusehen ist, so ist die« aller- dingS in früherer Rechtsprechung des Reichsgericht? verneint und dahin entschieden worden, daß die falsche Ein- setzu?" eines Absendf.ra auf dem Abichnitt die TatbütandSnierk. male des§ 207 des Strafgesetzbuches nicht ertzllle. Die neue Recht- spcechung de« Reichsgerichts ist jedoch der Ansicht, daß der Absender- vermerk auf Paketadreflen genau so wie auf Postanweisungeu und Briefen rechtierhebliche Beztehungen zwischen Absender und Empfänger sowie zwischen Absender und Post schaffen kann. Denn Empfänger wie Postverwaltung kann aus irgendwelchen Gründen— vielleicht wegen Einholung des Strafportos bei ungenügender Frairkierung— Interesse daran haben, den Absender zu ermitteln. AtiS diesem Grunde ist der ausgefüllte Abschnitt einer Paletadrefie als Urkunde und jede falsche RamenSangabe auf deutselben als Ihkuiideiisälschuiig anzusehen.— Auf Grund dieser Astssühritugen, denen daS Reichs» gericht beitrat, lautete daS Endurteil auf Verwerfung der Revist.»». Hus aller Alelt. MeilZe Keftien. Einer furchtbaren Bluttat ist man in Deutsch-Südwestafrika auf die Spur gekommen. Wie der„National-Zeitung" aus Swakopmun.d telegraphiert wird, wurden in W i n d h u k vor drei Monaten zwei weiße Vagabunden wegen Mordes zum Tode uevurteilt, ein aus Haslach in Baden gebürtiger Falk und ein gewisser Sommer aus Bernau in der Mark stammend. Die beiden Burschen hatten viele Wochen long in den Eros-Bergen. unweit Windhuk ein Räuberleben geführt, haaöen in einer der Höhlen des Gebirges und verübten nachts in der nahen Schutzgebietshauptstadt- Einbruchsdiebstähle. Ende März dieses Jahres wollten sie ihren Hauptschlag ausführen. Sie überfielen un« weit Windhuk eine Polizeipatrouille, die einen amtlichen Geld- tranSport ausführte, wobei ein Reiter erschossen wurde, während der andere mit dem Gelde entkam. Die Täter wurden dingfest gemacht und letzthin zum Tode verurteilt. Im Gefängnis hat nun Sommer ein Geständnis abgelegt, wo« nach er mit Falk zusammen Ende Februar d. I. zwei weibliche Eingeborene von der katholischen MissionS- station Dobra ermordet hat. Eine fünfzigjährige, außer- gewöhnlich fleißige und sich gut führende Hereroftau war mit ihrer neuneinhalbjährigen, in der Mission erzogenen Enkelin auf dem Wege von Windhuk nach Döbra begriffen, als sie von den beiden Verbrechern gefesselt und nach ihrer Höhle geschleppt wurden. Unterwegs schnitt Sommer der Alten den Hals durch; das Kind wurde von den beiden Strolchen einige Tage lang mi ß» braucht und dann gleichfalls ermordet. Nachdem die beiden Mörder ihr Geständnis abgelegt hatten, wurde in den Erosbergen auf Grund der Ortsangaben nach den Resten der Opfer geforscht. Man fand die Leichen biS auf die Knochen von wilden Tieren zerstört. Neue Erdflöhe in der Türkei. In dem in der letzten'Zeit verschiedentlich durch Erdbeben schwer heimgesuchten Gebiet am Marmaramecr wird die Bevölkerung andauernd durch mehr oder weniger heftige Erd- stöße in Ausregung gehalten. Gestern sind, wie ein Telegramm atts K o st a n t i n o p e 1 meldet, in dem Erdbebengebict mehrere schwere Erdstöße erfolgt, durch die die früher verschont gebliebenen Häuser dem Einstnrz nahe gebracht worden sind._ Königsmörderische Zugluft. Könige von Gottesgnaden find manchmal recht empfindsame Lebeweseit. So schreibt der Pariser„Rappel" in seiner letzten Nummer: Es dürfte nur wenigen bekannt sein, daß sich unter den Beamten am englischen Hofe ein Mann befindet, der einzig und allein die Aufgabe hat, den König vor Zugluft zu schützen und ihn so vor einer Erkältung zu be- wahren. Dieser Posten ist von dem König auf Anraten seiner Aerzte geschaffen worden, weil er sich gewöhnlich bei allen Zeremonien eine Erkältung zuzieht. Unter seinen Kollegen hat dieser Beamte deshalb den Spitznamen: der„Jäger aufZug» l n f t". Jedesmal, wenn der König den Palast durchschreitet, geht der«Jäger aus Zugluft' vor ihm ber, überzeugt sich davon, daß alle Fenster und Türen geschlossen sind, und erst dann darf sein königlicher Herr die Gemächer betreten. Ob der„Jäger auf Zugluft' der einzige seiner Art ist? Sollte das der Fall sekn, dürfte es sich empfehlen, diesen Posten auch an anderen Höfen einzuführen, denn sonst könnte leicht bei redegewandten Berufskollegen deS Engländers durch Erkältung eine unliebsame Stimmg im Redenhakten eiittreten. Sträfliches Spiel mit Meitschenleben. Wie der„Avanti" erfährt, ist bei den Kavallerieübungen in Gallarate unlängst ein Soldat verunglückt, weil man ihn, wie die ganze Eskadron, zu einem gefährlichen Rriterkunftstück gezwungen hatte. Die Soldaten mußten schießen, während sie auf dem Rücken des Pferdes standen. Dabei fiel der Soldat Colombini, da das Pserd nicht ruhig blieb, zu Boden und stieß sich den F l i n t e n l a u f ins Auge. Daö Auge mußte heraus« genommen werden und der Zustand des Soldaten ist nicht un- bedenklich. Kein Exerzierreglement sieht derartige verrückte Hebungen, die den Soldaten der Ruhe seines Pferdes ausliefern, vor. Warum duldet man diesen Unsinn? Weil der DivisionSkommaiidant, der Graf von Turin, der Better des König« ist! Und der hohe Herr findet an solchem Sport Gefallen. Kleine Notizen. Der schwarze Tod. Auf Zeche Friedrich der Große bei Essen wurden drei Bergleute verschüttet. Einer ist tot, einer wurde schwer, der dritte leichter verletzt. Autounfall. Bei N e i ch e r t s h o f e n in Bayern fuhr am Mitt- woch ein Automobil, ,n dem sich die Gattin und zwei Töchter des amerikanischen Botschafters in Berlin Leishman mit ihrer Kammerfrau befanden, als es einem Fuhrwerk auswich. gegen einen Baum und stürzte in den Straßengraben. Die Insassen wurden herauSgeichleudert. Eine der Töchter des Botschafters erlitt Quetschungen, die andere eine leichte Gehirn- e r s ch ü t t e r u n g. dte übrigen Insassen blieben unverletzt. Giftige Pilze. In der ungarischen Ortschaft Vagdebrod sind fünfzehn Familien nach dem Genuß von Pilzen unter BergfftungSerschcmungen erkrankt. F ü n f P e r s o u e n sind bereits gestorben. in Die Moral der„dessen Gesellschaft". Großes Aussehen erregt B n d a p e st die Verhaftung der bekanmen Weinstubenbesitzerm Frau Vuchetich, Handel verhastet -hörigen der esucht. die wegen Kuppelei und Mädchen- wurde. Die Weiustiibe wurde von S n- öesten Budapest er Gesellschaft Arbeiter-Wanderveret»„Berlin«,«anderfahrt am Sonntag, den 25. August: Nach Seegefeld. Finkenkrug. Brieselang. Nauener Stadt- sorst, Nauen. Abfahrt 6,30 Lehrter Badnhoj. Gäste willlommen. WafserstandS-Nachrichten der LandeSanstalt für Gewäsferkunde. mugetcilt voni Bertwer Wdterburea-. Lafferstand Memel. Ii[fit Pr t ge I, Jnsterdurg © ti ich f e I, Thon» Oder, Ratibor » Krosfen . Frantiurt Warthe, Schrimm . LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmcritz , Dresden , Barbq Magdeburg Wasserstand Saale, GrochlTg Havel, Spandaus . Rathenow«) Spree, Spremberg») . Bcesiow Ä e fer. Münden » Minden Rhein, Maximilians au » Kaub . Köln Neckar. Heilbronn Main. Hmu,, Mojel. Trier am I feit 21.8 20.8. cm 60 17 —2 68 80 102 837 3.!2 110 12U 63 cm1) -8 — 1 +4 -2i 0 —10 —20 —2t 0 — 1 0 0+ bedeutet Wuchs.-Fall.- st Unterpegel. und trotz «Ile» dem Allen Verwandten und Be- kannten zur Nachricht, daß mein lieber Mann u.Vater, der Vergolder Franz Tillmann nach schwerer Krankheit verstorben ist.— Um stille Teilnahme bitten Sopdie Tillmsnn und Sohn. Die Beerdigung findet Sonn- abend, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des St. Michael-Kirch- hoses,Maricndorser Weg, auZ statt. Danksagung. Für die reichen Kranzspenden und die vielen Beweise der Freund- schast und Liebe beim Begräbnis meines unvergeßlichen, lieben Mannes sage ich allen Ver- wandten. Freunden, Nachbarn, der Firma Wolter,.dem Verband der Handlungsgebilsen und dem 4. Berliner Wahltrcts meinen herzlichsten Dank. 2gSSb Witwe Kostmann und Sohn. Kinder schuf z- Kommission! Freitag, 23. August, abends 8V2 Uhr, in de» Andrcas-Festsälcn, Andreasstr. 21 Versammlung:. Tagesordnung: 1. Bericht von der Tätigkeit der Kinderschutz-Kommission. Berichterstatter: U. Barentbln* 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Für zahlreiches und pünktliches Erscheinen der Kotstrolleurinnen und Heiserinnen ersucht 219/8* Der Auöschust. I. A.: Martha Demmning. Danksagung. Für die reichen Kranzspenden und rege Beteiligung bei der Beerdigung meines lieben Mannes und unseres guten VatcrS sagen wir allen Ver- wandten, Bekannten, Arbeitskollegen und Genossen des 6. Kreises sowie dem Redner für die trostbringenden Worte und den Sängern unseren herzlichsten Dank. 3ta Agnes Hetterich _ nebst Kinder». gjfguüeu die kein Abzahlunga- flesohätt aufsuchen wollen, unter hoch* kulanten Bedingungen Möbel- Magazin Berlin N. Brunnen- Strasse 120 Bf Heute, -- Verwaltung Berlin.===== Freitag, abends 8V3 Uhr, im Gewerkschastshause, kngejnfcr 14/15, Saal IV sArbritslosensaal): Sitzung c§er Ortsvenwaltung. Für den Bezirk Chavlottenbnrg SSSS Zahlstelle 8»: Wielandstr. 4 bei Thunack. Zahlstelle 90: Potsdamer Str. 44 bei Metzdorf. Zahlstelle 91: Wallstr. 90 bei Schulze. Zahlstelle 88 in Wilmersdorf ist von Wilhclmsaue 112 nach Lauenburger Strafte 21 verlegt. Montag, den 20. August: Mitglieder-Uersammlungeit der Bezirke und Branchen. Die Versammlungslokale werden am Sonntag bekannt gegeben. 87/19 iiv&m p; W 5-f;:*« .Erstaunlich« billige Angebote Herren» Stiefel Rindboz-Schnürstief., sehr dauerhaft 1675 auch Zug und Schnalle, jetzt nur w Roßchevreaux-Schnür Stiefel, Derby, Lack-£2S kappe, aiperikan. Fasson«, jetzt nur W Einsegnungs- Schnürstiefel, Größe �7S' 36— 40, sehr haltbar.... jetzt nur"ff Herren-Leder-Haasschuhe,«V 92 4 jetzt nur I Damen« Stiefel Schwarze Schnürstiefel, Derby, Lack- kappe, amerik. Fassons, jetzt nur., Roßchcvreaux-Schnürstiefel m. Lack- fi75 Tj kappe, sehr elegant.., jetzt nur 'Einsegnungsstiefel mit Lackkappe, jetzt nur"fr Damen-Halbschuhe \ Schwarze Schnür-Schuhe, Derby, Lackkappe, sehr modern,? S jetzt nur<31 Schwarz u. braun Roßchevreaux, Derby A'l Lackkappe, eleganteste Formen jjJJ jetzt nur Damen-Leder-Haus-«JSS-, schuhe jetzt nur Kinder-Stiefel Schwarz Rindbox und Roßchevreaux, braun Ziege und Chevreaux. 18-21 22-24 25-26 0.85 1.5� 2.95 22-30 31-35 3.45 3.75, Extra V/ MIHI Samnstiefebz:«1'�£35 Wildledereinsatz.•. Jetzt nur M. Kenmlietel irSÄ. ZSS ledereinsalz........ jetzt nur M. SbMJifiSvhii, QrcStes SchiMmm füi*- k üe�genheltskcuife KSftoserdha/br'ysirb 40/41 Verbaoil der Steinsetzer, Pflasterer u.Berulsg.Doiitselilaüds Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser Mitglied Nikolaus 8cliZfer am 20. d. Mt». verstorben ist. Die Beerdigung findet am 24. August, nachm. S'/, Uhr, aus dem Friedhof der Sophien- gemeinde, Frclenwalder Str., statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Verdand der Fabrikarbeiter Deutschlands. Xachrnf. Am 16. August ist unser lang» jähriges Mitglied frick Schnauer freiwillig aus dem Leben ge- schieden. Ehre keinem Andenken! 58/4 Die Ortsverwallung. Todes-Anzeigen SozialöefflokratiscbJaWyereiD filr den 2. M Reiebstasswablkreis. (Bezirk 114). Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse Jotiami TempelmaDG Zossener Str. 3, verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 24. d. MtS., abends bllt Uhr, von der Halle de« Heilig-Kreuz-Kirchhofes in Mariendors ans statt. Um rege Beteiligung ersucht 208/12 vee Vorstand. ferbaail der Bich- und Steiiidruekerei-BillsarbEiter u. irbeiieriDDen Deutschlands. = Ortsverwaltung Berlin.- Am 20. d. M. verschied nach schwerem Leiden unser Mitglied Msmi Tempelmann im Alter von 34 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 24. d. M., nach- mittags 5>i, Uhr, aus dem Kreuz- Kirchhos in Mariendors statt. 28/7 vis Ortsverwaltung. Deutscher Transportarbeiter-Verband, Bezirksverwaltung GroS-Berlln. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Industrie- arbeiter liermann Ldimidt am Montag, den 19. d. Mt».. Im Atter von 36 Jahren verstorben ist Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 22. August, nach. mittags 4'L Uhr. von der Leichen- balle de» Eliiabcth-Kirchhoses in der Prinzenallee aus statt. Um rege Beteiligung wird ersucht. Den Mitgliedern zur Nachricht daß unser Kollege, der Industrie-' arbeiter .JosepK Patulski am Sonnabend, den 17. d. Mts.. im Alter von 37 Jahren ver- storben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 23. August, nach- mittag« 3 Uhr, vor. der Leichen- balle des Tankes-Kirchhcses ,n ZidnickenM-West auS statt. Ehre ihrem Andenke»! 66/3 vis BezirksverwSItung. Allen Freunden und Bekannten ie traurige Nachricht, daß unser I eber Bruder, Schwager und l >ntel. der Tischler ÜA| Wilhelm Pannvitz ÜÜV; 20- August, abend? 9 Uhi störten"!"111' fuiäcm Pelden ver ~icä zeigen tiesbetrübt an it»», aie �'Ichwifter: Herma,,nw,tz und Fr« «ermann Pannvvltz w-"Ii 5rau. Pnnn* P*nnwl*». P5°,„,ne PnnnwUz. Anno Pannwltz,. ®ic Beerdigung findet morac Sonnabend nachuuitagz„g, von der Leichenhalle des Kirchhofe», Landsberger i&.i aus statt. 3" Arbeitsnachweis: Hos L Amt Norden. Nr. 1239. üemItuuZ�telle Berlin Chaeitestrafte 3. Itaupibureau: Hos III. Amt Norden, Nr. 1987. Tonntag, den 25. Angnst 1912, vormittags 19 Uhr: Versammlung :: aller m Zuchdruckmaschiueufabriken:: beschäftigten Arbeiter in den BFufiker. Festsälen, Kaiser-Wilhelm-Straße 18m. Tagesordnung: l. Bericht über die Antwort der Arbeitgeber und unsere weitere Stellungnahme. 2. Diskusfion. Kollegen! In dieser Versammlung wird die Antwort der Arbeitgeber auf unser letztes Angebot mitgeteilt. Es ist deshalb notwendig, daß Sie alle in dieser Versammlung anwesend sind, damit ew jeder von Ihnen auch an der Entscheidung, wie sich die Arbeiterschaft gegenüber den Fabrikanten zu verhalten bat, teilnehmen kann. ES handelt sich um Ihre Interessen, sei daher jeder von Ihnen aus dem Posten. Sonntag, den 25. August 1912, vormittags 10 Uhr: = Versammlung— der Gmaillierer Kerlins und Umgegend im GeweekschaftShaus, Engeluser 15, Saal 1. Tagesordnung: 1 Vortrag des Kollegen«ax Behren« über:»Die Bedeutung der Tarife». 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zahlreicher Besuch sämtlicher Kollegen und Kolleginnen zu dieser Ver« sammlung wird erwartet. Auch unorganisierte Kollegen haben Zutritt. 123/3 vi« OrtsvervvaUnnx. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Drücker Otto Mmer Pücklerstr. 11, am 20. August an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 24. August, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Emmaus-KirchhäseS iy Neukölln, Hermannstraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 123/2 vis Ortsverwaltung. W A.Wertheim G« 01« fe» H« ».»f® Leipziger Sir. ZZZlZ? König-Str. 5LSSSL. Rosenthaler Strasse Oranien-Strasse Soweit Vorhanden: Lebensmittel-Verkauf Versand-Abteilung Berits W. 66, Leipziger Strasse 132- 137 Die Firma A. WERTHEIM hat zu ähnlich lautenden Firmen keinerlei Beziehung * Zusendung ausgeschlossen: Teigwaren KaRao imd Clobus-MaKRaroni fein und ,o D< stark(gefärbt).. 1 Pfd.-Paket"• Scnta-MakKaronI 42 pt Olympia-MakKaroni fei» n. und stark.... 1 Pkd. Paket Olympia-Schnitt-, Band- u. Faden-Nudeln i Pfi-Pak. 52 fi. Scnta-Schnitt-, Band- und Faden-Nudeln i pfd.-pak. 42?t. Schnitt- u. Faden-Nudeln. (gefärbt)......... pfi ÄO Pf. Hörnchen, Figuren und Graupen I....... pn 36 pi. Figuren u. Graupen'UU 28 pf. Java-Reis.. Pfand 25, 30, 36 pt Rangoon-Rcis Pfand 17 o. 20 pt Reisgries........ FfandlOpt Hartgries........ ptund 21 pt Weizengries...... pfundlOpt Olympia-Bouillon-Würfei Posa 10 20 50 100 500 Stflck 28, 55 pf.. 1.35, 2.60, 12.40 Fleischwaren Zervelatwurst...... pm. 1.40 Salamiwurst........ ptd. 1.40 Bauernmettwurst.... Pfd. 1.15 *Weiche Mettwurst.Pfund 1.15 *Tecwurst......... Pfd. 1.25 �Jagdwurst........ ptd. 1.05 *Rotwurst..... Pfd. 55, 75 pt *Felne Leberwurst... pid. 1.15 *Landleberwurst____ Pfd. 1.00 Mausschinken S�r8.?«. 1-35 LandSChinken im Ganzen Pfd. 1.35 Schinkenspeck Wia'pfi 1-30 Delikatess-Sülze____ Dose 55 Pf. Delikaless- Würstchen S0pf.l.75 * Geflügel Gänse-Rümpfe stock 3.50 b. 4.50 Suppenhühner... 1.65 bis 2.75 Junge Hühner.. 45 pf. bis 2.25 Junge Enten.... 1.95 bis 3.50 SchoKolade Deutscher Kakao 65, 85 pf. Kolonial- Kakao..... Pfd. 1.80 Holland. Kakao. Pfd. 1.50, 2.00 Vanille-Schokolade 1.20, 1.30 Haushalt-Schokolade 70, 95 pl Block-Schokolade... m. 80 fi Engl. Porter und Ale Double brown stout. iofi. 1.50 Imperial stout. lopiasohen 1.90 Pale-Ale...... 10 Flaschen 1.90 Leere Porter- und Aloflasohen werden mit lOPf. berechnet o. ebenso zurückgenommen. Fruchtsäfte Wein IncL Flasche mit Raffinade eingehocht Himbeersaft.. n. 95 pl. 1.30 Kirschsaft n. 95 pt, 1.30 Johannisbeersaft...% fi 95 pf. Erdbeersaft....... v,fi. 1.20 Ananassaft........ /.Fk 1.30 Zitronensaft � z?/°ki\r 95 pf. 1.30 Zitronenmost m» Zucker n. 1.10 Gebrannter Kaffee I II III IV VI VII 1.40 1.50 1.60 1.70 1.80 2.00 2.20 Spezialmischung ÄSawenem Bohnenkaffee und ca. 50% Kaffeezusatz Ständiger Verkauf: Einmache-Raffinade ungebiaut in ganzen Broten Pfd. 26 Pf.,geschlag. Pfd. 28 P5. Einmache-Essig u/exkiFus�e�tr0 24 pl Gemischte Marmelade mit mehr. als 25% Capiüairsirup gefärbt, Eimer ca. 5 Pfd. Obst und Gemüse Lissaboner Weintraubenpfd.23?i. Essbirnen Pfand 10, s Pfd. 25 pt. Kochbirnen....... sprd. IOpl Grosse Kochbirnen. t Pfd. 20 pl Kochäpfel........« Pfd. 45 pl Einmache-Melonen... ptd 12 pl Zuckermelonen..... ptd 12 pl Einmache-Pflaumen.. pfd 15 pl Reineclauden.......?». 12 pl Mais-Kolben.....» stück 20 pl Weiss-, Rot- und Wirsingkohl....... Kopf 3, 5, 8 pf. Weintrauben pfund 15?' Salander- Birnen Pfirsiche. pfmd 16, 25� Tomaten..... Pfund IOp'- . Pfund 6 Pf. Frisclies Fleischt ct. Fische Kalbsbrust pfd. 80 pr,-Koteletts 1.30 Roastbeef.. Pfd. 1.10, Ohne Knoeh. 1.40 Schmorfleisch........ pm. 95 pf PöKelzunge........... pfd. 1.25 Kamm- und Querrippe.. p». 80 p f. Schweinehamm u. Schuft Pfd. 90 pr. Schweinekoteletts...... p». 95 pf. Kalbskeulen. Rüchen pfd.85, geteiit90pr. Kalbskamm und Bug... pfd. 80 pf. Hammelkeule n Rücken �Ttd. 85 pr. Dicke Rippe.......... Pfd. 85 pf. Frische Rost-Bratwurst 1.10 Kirsch- und Wildschwein Ipfandl.lO» Rücken 1.00, Blatt 75, Ragout 30pf. Rehblätter Rehkeulen Rehrücken 1.70 bis 2.50 5.50 bis 8.50 7.00bisl0.00 Kasseler Rippespeer... pfd. 65?'• vi, l.OO Kabeljau fSscS. 12 pf. ohn.Kopf pfd. 15 pf. Seelachs............ Pfund 10 pr. Grosse Schollen....... Pfund 35 pr. Brat- Schollen..... Pfund 15, 25 pr- Frischer Zander...... Pfund 68 pr. Lachs in ganzen Fischen..... Pfund 40 Pf Lebende Aale pfund 58, 78. 95, pr. 1.25 Lebende Spiegelkarpfen Pfund 95 pr Grüne Heringe Mandel 30pf. Borsdorfcr Apfelwein■/. fi. 32 pt. 1910 Westhofener..«a fl 65 pl 1 91 1 Obermoscler.«/. fl 70 pt 1 91 1 Wormcldinger>/. fi. 82 pl 1 909 Saint Mathleu T0,\ n 63 pl 1 909 Saint Juan rot.•/, n. 70 pt Obstschamnwein Olympia-Silber..... v.fl 1.50 Olympia-Gold......•/. fl 1.80 ßraunschw. Schiffsmumme Konzentriertes MalzeztraKt Vi Doss.,. 2.20'/, Doze... 1.10 'Räucherwaren Nordsee-Schollen... pts. 60 pf. Ahlbecker Flundern pfd. 40,60 pl Schleibücklinge..» siück 25 PL Bücklinge....... s stück IOpl Dorsch......... staek 15 pl Aale Pfd. 1.10, 1.60, Bund 38 PL Matjesheringe stock 10,1 5,20 pl Sardellen..... pfd. 75 u. 90 pl Neuer Sauerkohl..... Pfd. 6 pt Saure Gurken...... stock 5 fl 'Butter u. Käse. Kochbutter........ Pfand 1.18 Tafelbutter....... Pfand 1.28 Tafelbutter Pfand 1.38 AN 70 pl Pflaumenmus..... Pfand 33 pf. Marmelade ieiciitgcfärdt.pfd. 33 fl Bratenschmalz____ Pfand 68 pl Emmenthaler Käse..Pfd. 1.10 Schweizer Käse____ Pfand 92 pl Tilsiter Käse...... Pfand 68 pt. Brie-Käse........ Pfand 65 pl Allgäuer Rahmkäse Pfand 68 pl Limburger Käse... Pfand 55 pl Romatour-Käse____ stock 30 pl Kuh- und Landkäse, stck. 35 pl Yoghurt-Käse...... stock 15 pl Speise-Quark..... stock IOpl I •s ■ Wenn Sie 35 I WWW Verbaut nnr Im FabrlkgebUnde! I MSie sparen Geld! Öbel ä Möbelfabrik ».Wallet. Willi MaaS, KS 3i| Tel.: A.III, 5157"ü kaufen. Verkauf nnr im Fabrikgebäude— eigene jg B ■ Tischlerei und Polsierei.— AufWunsoh Teilzahlung. 35»» Permanente Musterzimmer-Ausstellung. ob 35 Dr.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, mIX'Tu 10—2. 6—7. Sonntags 10— 12. 2— 4 Hichi 7" Riesenformat, frei Gelass jeder Etage, M. 8,25 pro 1000, ersten Senftenberger Marken voll gleichwertig. Miehel- Yerlrieb Neukölln, Bergstraße 110. Telephon 1510. Hört! Hört! Regenscliirme! Än| Kein Laden, Fabrikniederlage. AUnhla Alexandi-inen- > fflOtlie, straßo ISA, I. Etage rechts pjiint'. mim N8 DrGentners. Veikhcnseifenpulver, mit den reizenden, praktischen und brauchbaren Qeschenkbeilagen können Sie nur In obiger Packung bekommen. Alleiniger Fabrikant auch der N i n■< i n"* ao beliebten Schuhcrärae• c«rl Gentner, Fabrik cbem.-teeb». Ptod., Göppingen. Vertretung fürOroU Oerlln: 200/12* Max Hirsch, NeukSlln, Kaiser-Friedrich-Str. 216. Tel. Neukölln 9280. ist der schönste Ausflugsort? � Immer noch Pichelswerder, VeemZtt beim Alten Freund. Hobst Gustav Rentel, TcäuTtm�iw e e 11 u. am besten beim Grttßte Auswahl In allen Holz- nnd Stilarten. Tischlermeister. r; LaitlsliergerStr.6,�rge?ToV Die Konfiskation ist aufgehoben! VON UNTEN AUF Ein neues Buch der Freiheit Gesammelt und gestaltet von Dr. Franz Diederich Mit 26 künstlerisch bedeutenden sozialen revolutionären Bildern und Bildwerken Preis: In 1 Leinenband 5 Hark :: In 8 Leinenbänden 6 Hark Band 1 nnd 2 können auch einzeln zum Preise von je 8 U. bezogen werden. Das Werk ist von der Arbeiterpresse überaus lobend besprochen worden und sollte daher in keiner Arbeiterfamilie fehlen. Buchhandlung Vorwärts 0' Verantwortlicher Redakteur: Bftert Wach». Berlin. Für den Lnseratenteil verantw.: Tb. Glocke,»erltn. Druck u. Verlag: Borwärt» lvuchdruckeret u. Verlagsanstalt Paul Singer u. To., Berlin SVW Dr. 196. 29.?ahrgavs. 2. öfiliiijt des Jorwärts" ßttlintr WksdlM Freitag, 23. Aagast 1912. Anträge zum Parteitag in Chemnitz am 15. September. Cagcsordnung des Parteitages. 1. Steglitz: Auf die Tagesordnung des Chemnitzer Partei- tages ist die bürgerliche Jugendpflege in Deutsch- I a n d als besonderer Punkt zu setzen. 2. Teltow-Be es low- Storkow- Charlotten- bürg: Als 7. Punkl der Tagesordnung zu setzen: a) Steuerfragen. b) Die Steigerung der Lebensmittelpreise. Agitation. 3. Genosse Giebel-Berlin. Sozialdem. Verein Essen, Königsberg i. Pr., Duisburg, drei Ge- nassen in Arnstadt, sechs Genossen in Breslau, Köln: Der Parleivorstand wird ersucht, in erhöhtem Matze Material für die Agitation unter den Privatangestellten iHandlungs- gehilfen, Technikern, Bureauangestellten) den Parteifunktionären zur Verfügung zu stellen. 4. Frankfurt a. M.: Der Parteivorstand wird beauftragt, die sozialdemokratische Agitation unter den Kreisen der kauf- männischen und technischen Angestellten nach Möglichkeit zu fördern. Bei dieser Agitation ist insbesondere der von der Demokratischen Vereinigung und dem Bund der technisch-industriellen Beamten propagierte Gedanke abzuwehren, datz die Handlungsgehilfen, Techniker usw. eine besondere Angestelltenbewegung neben der der Arbeiterbewegung bilden sollen; die Angestellten können ihrer ganzen wirtschaftlichen Lage nach nur ein Teil der allgemeinen Arbeiterbewegung sein. 5. Hainburg in, Distrikt Hamm: In Anbetracht dessen, datz die wirtschaftliche EntWickelung die Privatangestellten immer mehr ihre Klassenlage erkennen lätzt, ferner datz die verschiedenen politischen Parteien sich bemühen, diese Kategorie von Angestellten für ihre Bestrebungen einzusaugen, beauftragt der Parteilag den Parteivorstand, die Agitation unter den Privatangestellten mit be- sonderer Energie zu fördern. Insbesondere sind auch alle diejenigen Bestrebungen zu bekämpfen, die unter dem Deckmantel der.Demo- kraue" und.Fortschrittliche Gesinnung die Privatangestellten von der allgemeinen Arbeiterbewegung fernhalten wollen. 6. Hamburg m, Distritt Veddel: Mit Rücksicht darauf, datz die politischen Parteien immer mehr Einflutz auf die An gestelltenkreise gewinnen, macht sich eine umfangreiche sozial. demokratische Agitation innerhalb dieser Kreise notwendig, um so mehr eine sozial-fortschrittliche Bewegung versucht, diese Kreise zu organisieren. Dem Parteivorstand wird anheimgegeben, eine rege Agitation zu entfalten. 7. Solingen, Kiel und acht Genossen in Düssel- d o r s: Der Parteitag möge beschlietzen: Mit Rücksicht darauf, datz die Demokratische Vereinigung bestrebt ist, auf die technischen An- gestellten immer mehr Einflutz zu gewinnen, wird der Parteivorstand beauftragt, die sozialdemokratische Agitation unter diesen Kreisen der Angestellten nach Möglichkeit zu fördern. Bei dieser Agitation ist insbesondere der von der Demokratischen Vereinigung und dem Bund der technisch-industriellen Beamten propagierte Gedanke ad- zuWehren, datz die Handlungsgehilfen. Techniker usw. eine besondere �xAngeslelltcnbewegung neben der Arbeiterbewegung bilden sollen. � Tie Angestellten können ihrer ganzen wirtschaftlichen Lage nach nur Nn Teil der allgemeinen Arbeiterbewegung sein. 8. Sondershausen: Der Parteitag wolle beschließen, den Frauentag in Zukunft im März stattfinden zu lasten. 9. Genosse Kolb in Würz burg: Der Parteivorstand möge in den Wahlkreisen, die eigene Parteisekretäre besitzen, speziell in allen städtischen und industriellen Wahlkreisen oder womöglich in allen Kreisen des Reiches, in denen die sozialdemokratische Stimmen« zisser über 25 Proz. aller Wähler beträgt, eine soziale Gliederung der Wählerschaft veranlassen und danach die Agitation einrichten lassen. Siehe diesbezügliche gute Erfolge durch solche Arbeiten bei der Wahl 1912 in einzelnen Wahlkreisen, nenne speziell Berlin V und Magdeburg-Sladt. 19. Hanau: Der Parteivorstand wird beausttagt, sich mit der Generalkommission der Gewerkschaften zu verständigen, um zu Beginn des nächsten Jahres eine allgemeine Bewegung zum Ausbau unserer Arbeiterschutzgesetzgebung anzuregen. 11. Köln: Der Parteitag beauftragt den Parteivorstand, baldigst eine Konferenz der Kreissekretäre einzuberufen, um über einheitliche Richtlinien in der Organisation und Kleinagitotion zu be- raten. Hierbei ist besonderer Wert zu legen auf eine Einheitlichkeit in der Führung der Geschäfte der Kreisorganisattonen. 12. Hamburg I: Der Parteitag beschlietzt, der Organisation und geistigen, sittlichen und körperlichen Ausbildung der proletarischen Jugend alle nur denkbare Förderung argedeihen zu lassen. 13. N i e d e r b a r n i m: Mit Rücksicht darauf, datz die Ver- folgungen der Arbeiterjugend durch die Polizeiorgane bei Zusammen- kiinsten, Spaziergängen und Ausflügen immer mehr um sich greifen und die Jugendlichen unserer politischen Organisation bis zum 18. Jahre gesetzlich entzogen sind, beauftragt der Parteitag den Parteivorstand, besondere Matznahmen zu treffen, datz die Jugend- lichen in der Zeit vom 18. bis 29. Jahre um so gründlicher auf- geklärt und für unsere Bestrebungen gewonnen werden. Orgamlationsrtatiit. Der Entwurf der Organisationskommission wird in seiner end- gültigen Fassnng erst in Chemnitz verteilt. 11. Nürnberg:„Der Mindestbeitrag beträgt für mann- liche Mitglieder monatlich 40 Pf. oder wöchentlich 10 Pf. und für weibliche Mitglieder monatlich 20 Pf. oder wöchentlich 6 Pf.", ist zu streichen und die Festsetzung der Beitragshöhe den einzelnen Bezirksverbänden und Laudesorganisalionen, wie bisher, zu überlassen. 15. Die Ablehnung der Beitragserhöhung wird beantragt von: München. Ludwigshafen. Slriegau, Darm st ad t, Minden. Altona, Langenbielau. Hof, Bremer- Häven und 19. hannoverschen Wahlkreis, Lübeck, Braun schweig.Würzburg-Heidingsfeld. 19. Eine längere Ucbergangszeit für die Beitragserhöhung be- antragen:Breslau-Land, Ohlau, Liegnitz, Goldberg, G log au, Reitze, Brieg. Namslau, Rostock bis 1911'1915, Arnstadt, Jena. Minden, Königsberg i. Pr.. Ocls- Warte nberg, Neustadt sOb.-Schles.). 17. Leipzig Stadt undLand: In z5 des Entwurfs die Worte„monatlich 49 Pf. oder" und die Worte„monatlich 20 Pf. oder" zu streichen. 18. B r a u n s ch w e i g: Die Monatsbeiträge für arbeitslose Invalide auf 15 Pf. zu ermätzigen. 19. Jüterbog: Ueber jede BeittagSerhöhung ist eine Ur- abstimmuna vorzunehmen. 29. Genosse Hägele-Aalen: Der Monatsbeitrag beträgt NN Minimum 10 Proz. der ortsüblichen Durchschnittstagelöhne für männliche und weibliche Mitglieder. Bei Beiträgen von 35 Pf. und höher sind Wochcnbeiträge einzuführen. Eine Reduzierung der jetzt erhobenen Beiträge findet nicht statt. 21. Düsseldorf: Die Festsetzung der Mitglicderbeiträge ist den Bezirksvcrbäiiden und den Landesorganisationen überlassen. Der Mindestbeitrag beträgt für männliche Mitglieder monatlich 40 Pf. oder wöchentlich 10 Pf.,»nd für weibliche Mitglieder monat- lich 20 Pf. oder wöchentlich 5 Pf. Mindestens 29 Proz. der Bei- träge, die als Mindestleistung festgelegt worden sind, sind an die Zentralkasse abzuführen. Der Vorstand kann den Wahlkreisen mit Zustimmung der Vorstände der Bezirks- oder Landesorganisationen einen über 80 Proz. dieser Einnahme hinausgehenden Betrag zur Eigenverwendung überlassen. 22. Duisburg: Der Parteitag wolle für ganz Deutschland einen Einheitsbeitrag in Höhe von mindestens 49 Pf. pro Monat festlegen. Die Kreisorganisationen sind verpflichtet, von diesem Satz den Pflichtbeitrag an de» Parteivorstapd zu entrichten. 23. Hartmannsdorf: Die progressive Beitragsleistung einzuführen. 24. Niederbarnim: Im Z 5 der Vorlage zum neuen Organisattonsstatut, sechste Zeile hinter„5 Pf." ist einzufügen:„in Kreisen, wo sehr niedrige Löhne gezahlt werden, sind zunächst Aus- nahmen zulässig. Doch dürfen die Beiträge nicht geringer sein, als im bisherigen Organisationsstatut angegeben". 25. Kassel: Im Z 5 des Organisationsstatuts den Sätzen 1 und 2 folgende Fassung zu geben: § 5. Die Festsetzung der Mitgliederbeiträge ist den Bezirks- verbänden und Landesorganisationen überlassen. Der Mindestbeitrag beträgt für männliche Mitglieder wöchentlich 19 Pf., für weibliche Mitglieder wöchentlich 5 Pf. 26. G r o tz- K i e l, H a m b u r g I: Ist für die Festsetzung eines Mindestbeitrages von 40 Pf. monatlich ev. wöchentlich 10 Pf. für männliche Mitglieder, lehnt aber die Erhöhung der Beiträge für weibliche Mitglieder ab, weil dadurch eine einseitige Belastung der verheirateten Mitglieder herbeigeführt wird, denn die Mehrzahl der weiblichen Parteimitglieder sind Frauen und Töchter der verheirateten Genossen. 27. Teltow- Beeskow- Storkow- Charlotten- bürg und Bremen: Z6 wie folgt zu ändern: Das Geschäfts- jähr für alle Parteiorganisationen läuft vom 1. April bis 31. März. 28. F r a n k f u r t a. M.:§ 7. Es können gewählt werden: in Wahlkreisen bis 2090 Mitglieder ein Delegierter, bis 4000 zwei, bis 8999 drei, bis 15 900 vier, bis 25 000 fünf und über 25 990 sechs Delegierte. Der Parteivorstaud wird ermächtigt, unbemittelten Kreisen die Kosten der Delegation zu zahlen. 29. Genosse Schmidt-Lübeck: Die Wahlhandlungen für die Delegiertenwahlen zum Parteitag sind vom Parteivorstand festzu- setzen und haben an einem bestimmten Tage in ganz Deutschland stattzufinden. Die Delegiertenwahl ist getrennt von jeder anderen Parteiangelegenheit zu behandeln. 39. Leipzig: Die Delegierten der Partei, deren Zahl 409 nicht übersteigen darf. Die Vertretung richtet sich nach der vom Parteivorstand auf Grund der nach§ 5 abgeführten Beiträge fest- gestellten Mitgliederzahl. Der Parteivorstand stellt am Schlüsse eines jeden Geschäftsjahres fest, auf wieviel Mitglieder ein Delegierter zu entsenden ist und teilt dies den Bezirksvorständen mit. Die Bezirks- vorstände stellen hiernach die Zahl der Delegierten für die einzelnen Wahlkreise fest und teilen dies den Wahlkreisvorständen mit. Die Wahl der Delegierten erfolgt durch die Krcisorganisationen. 31. Halle a. S., Ohlau. Strehlen. Weimar ni, Lübeck, Ludwigshasen und München: Die Mitglieder der ReichStagsfrattion haben wie bisher volles Vertretungsrecht auf dem Parteitag. 32. Altenburg, Hamburg II und Braunschweig: Zu 8 7 Ziffer 2: Die ReichstagSfraktton ist berechtigt, bis zu ein Sechstel ihrer Mitglieder als Vertretung auf den Parteitag zu ent- senden. 33. Leipzig: Die Vertreterzahl der Reichstagsfraktion ist weiier als ein Drittel herabzusetzen. 34. 7. sächsischer ReichStagSwahlkreis: Die Reichstagsfraktion ist auf dem Parteitag durch eine Delegation von 6 Mitgliedern vertreten. 35. Köln und Hanau: Zu K 7 Absatz L des Statuts: Die gesamte Reichstagsfraktion ist zur Teilnahme am Parteitag berechtigt, doch nur mit beratender Stimme, soweit nicht ihre Mitglieder durch die Organisation delegiert sind. 36. Genosse Guttmann-Berlin VI: Die Mitglieder der ReichStagssraktivn haben— auch Wenn sie zugleich Delegierte sind— in allen die parlamentarische und die Mitglieder des Parteivorstandes in allen die geschäftliche Leitung der Partei betteffenden Fragen nur beratende Stimme. Nur beratende Stimme haben auch die vom Parteivorstand hinzugezogenen Vertreter von Parteiinstitulionen. 37. Reutz j. L., Langenbielau, Hamburg II, Oldenburg, Frankfurt a. M., Hof: Der letzte Absatz des § 7 wird wie folgt gefatzt: Die Mitglieder der Reichstagsfraktivn haben nur beratende Stimme usw. 38. Königsberg i. Pr.: Z7 Absatz 2: Die Mitglieder deS Partcivorstandes und der Kontrollkommission haben in allen die geschäftliche Leitung betreffenden Fragen, die Mitglieder der Reichstagsfraklion, die vom Parteivorstand berufenen Referenten und Vertreter von Parteiinstitutionen in allen Fragen nur beratende Stimme. 39. Bremen: Den zweiten Absatz des ß 8 wie folgt zu fassen:„Die Abstimmungen auf dem Parteitag finden nach Organi- ationen statt, jeder Organisation wird für jedes volle und an- gefangene.Tausend Mitglieder je eine Stimme zuerkannt. Zur Gültigkeit der Beschlüsse ist die absolute Mehrheit der aufgebrachten Stimmen erforderlich." 49. Stuttgart: Die Abstimmungen auf dem Parteitag Inden nach Organisationen statt; jeder Organisation wird für jedes volle und angefangene Tausend Mitglieder je eine Stimme zuerkannt. Zur Gültigkeit der Beschlüsse ist die absolute Mehrheit der aufgebrachten Stimmen erforderlich. 41. A-l t e n b u r g: Bei Abstimmungen auf dem Parteitage über wichtige OrganisationS- und Prinzipienfragen sowie bei Wahlen ent- 'cheidet die Mitgliederzahl, die ein Delegierter vertritt. 42. Breslau-Land, Ohlau-Strehlen, Liegnitz- Goldberg, Glogau-Neiße, Brieg-NamSlau, Oels- Wartenberg, Neustadt i. Oberschl.: Die Delegationskosten �u den Parteitagen trägt die Zentralkasse. Der Parleivorstand ist be- rcchtigt, zur Deckung der Delegationskosten einen Extrabeitrag von Pf. pro Mitglied durch die Bezirksverbände zu erhebe». 43. Kassel, W a n z l e b e n und der 18. sächsische Wahlkreis: Dem§ 14 des Organisationsstatuts ist folgende Faffung zu geben: § 14. Die Zahl der Mitglieder des Parteivorstandes wird vom Parteitag bestimmt. Der Parteivorstand besteht aus zwei Vor- itzenden,' einem Kassierer, den Schriftführern, unter denen sich eine Genossin befinden muß, und fünf Beisitzern. Die Mitglieder des Parteivorstandes sind berechtigt, sich gegenseifig zu vertreten. Die Wahl aller Vorstandsmitglieder erfolgt durch den Parteitag mittels Stimmzettel in einem Wahlgange und nach absoluter Mehr- heit. Hat ein Kandidat die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen nicht erhalten, so findet Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten statt, auf die die meisten Stimmen gefallen sind. Bei Stimmengleichheit entscheidet das Los. Nach erfolgter Wahl hat der Parteivorstand seine Konstitution vorzunehmen und sie im Zentralorgan der Partei zu veröffentlichen. 44. Königsberg: 8 14 Absatz 1 Satz 2: Der Partei- vorstand besteht aus zwei Vorsitzenden, einem Kassierer, den Schrift- führern, unter denen sich eine Genossin befinden muß, und vier Beisitzern. 8 14 Absatz 2 Satz 1: Die Wahl des Parteivorstandes erfolgt durch den Parteitag mittels Stimmzettel usw. 8 14 Absatz 3 fällt fort. 45. Hanau und 8. und 19. S ch le s w i g-H o l st e i n i sch e r -a-ahlkreis, Elberfeld-Barmen, Leipzig, 7. sächsi- scher Wahlkreis, Niederbarnim: Zu 8 14 des Statuts: Der Partcivorstand ist durch die Wahl von mindestens fünf weiteren unbesoldeten Beisitzern zu verstärken. Die Wahl sämtlicher Bei- sitzer erfolgt wie bei den übrigen Vorstandsmitgliedern durch den Parteitag. 46. Nürnberg, Brau»schweig und Solingen: Der Parteivorstand ist um 5— 7 ehrenamtliche Mitglieder zu ver- mehren. Die Wahl des gesamten Parteivorstandes ist auf dem Parteitag vorzunehmen. 47. Nordhausen: Den Parteivorstand um mmdestcnS v und höchstens neun stimmberechtigte, unbesoldete Beisitzer zu ver- stärken, die:. �. a) vom Parteitag aus den verschiedenen Wlrtschaftsgebteteu Deutschlands zu wählen: b) zur Beratung politischer Fragen heranzuziehen sind, und zwar mindestens einmal monatlich; o) mit Dreiviertel-Mchrheit beschließen dürfen, Sitzungen des Parteivorstandes außerhalb Berlins stattfinden zu lassen. 48. Oldenburg: Die Zahl der Parteivorstandsmitglieder eventuell zu erhöhen, aber nicht durch Vertreter der Berliner Genossen oder durch einen unbesoldeten Beirat aus diesen oder den Berlin am nächsten liegenden Wahlkreisen. Die Erledigung und Einteilung der Geschäfte dem Parteivorstand aber selbst zu überlassen. 49. Jena: Der Parteivorstand ist durch einen unbesoldeten, mindestens siebengliedrigen Beirat zu verstärken, dem auch zwei Genossen angehören sollen, die in der Gewerkschaftsbewegung in leitender Stellung sich befinden. 59. Stuttgart: Die Versammlung des Sozialdemokratischen Vereins Stuttgart spricht sich gegen die Einführung des� von der Reorganisationskommission vorgeschlagenen Parteiausschuffes aus. Sie hält eine Reorganisation des Parteivorstandes insofern für not- wendig, daß die Zahl der besoldeten Sekretäre vermehrt und eine Resiorteinteilung im Sinne des Vorschlages des Genossen Dittmann vorgenommen wird. Gleichzeitig ist die Zahl der unbesoldeten Mit- glieder des Parteivorstandes derart zu erhöhen, datz sie die Mehrheit des Parteivorstandes bilden. Die Organisationen, denen die un- besoldeten Mitglieder zu entnehmen sind, bestimmt der Parteitag. Neben dem Parteivorstand bleibt die Kontrollkommission bestehen, deren politische Befugnisse zu erweitern sind. Die Parteiversammlung er- achtet es als wünschenswert, daß eine aus Vertretern der Großstädte und der großindustricllen Bezirke bestehende Körperschaft mit nur beratender und informierender Funktion eingesetzt wird, die die Parteileitung in steter Verbindung mit der Stimmung der Massen hält, aus deren Schultern die Durchführung eventueller Massen- aktionen ruht. 51. Köln: Die Versammlung ist der Ansicht, daß eine Er- Weiterung des Parteivorstandes in der Weise notwendig ist, daß eine Ressorteinteilung im Sinne der Dittmannschen Vorschläge eintritt. 52. Bremen: Die Versammlung des sozialdemokratischen Vereins spricht sich gegen die Einführung des von der Reorgani- sationskommission vorgeschlagenen Parteiausschusses aus. Sie erachtet es als erwünscht, daß eine aus Vertretern der Großstädte und der großindustriellen Bezirke bestehende Körperschaft mit nur beratender und informierender Funktion eingesetzt wird� die die Parteileitung in steter Verbindung mit der Stimmung der Massen hält, auf deren Schultern die Durchführung eventueller Massenaktionen ruht. Sie erachtet es für eine kräftige, weitblickende und schlagfertige Leitung der Partei notwendig, daß eine Trennung gemacht wird zwischen der aus den Sekretären bestehenden Parteiverwaltung und der eigentlichen politischen Parteileitung, die zusammen den Partei» vorstand bilden. 53. Düsseldorf: Die Kreiskonferenz des Wahlkreises Düsseldorf lehnt den Parteiausschuß in der vorgeschlagenen Form ab und erwartet vom Parteitag Reorganisation des Parteivorstandes und Ausbau der Agitationskeiterkonfereiizen. 54. Königsberg: Zur Begutachtung wichtiger, die Gesamt» Partei berührender Fragen hat der Partcivorstand Konferenzen von Vertretern der Bezirks- oder Landcsvorstände, und zwar in der Regel alle Vierteljahre, zu veranstalten. Auch auf Antrag von mindestens zehn Bezirks- oder Landesvorständen sind solche Kon« ferenzen vom Parteivorstand oder, bei dessen Weigerung, von den Antragstellern einzuberufen. 55. Braunschweig: Die vorgeschlagene Streichung des bis- herigen 8 19, Absatz 3, des Statuts abzulehnen und die Konferenzen der Bezirksvorstände beizubehalten. 56. Freiburg i. Br.: Der Parteivorstand wird beauftragt, von dem ihm nach§ 19, Absah 3, des Organisatiousstatuts zu- stehenden Recht häufiger als bisher Gebrauch zu machen und bei allen wichtigen Fragen die Landes- bezw. Bezirksvorsitzcnden zu ge- meinsamer Sitzung zusammenzurufen. 57. Oldenburg: Dem Vorstande aufzugeben, die im 8 19 des sLrgamsatioiisstatuts vorgesehenen Konferenzen der Landes- bezw. Bezirksvorstände zur Beratung von wichtigeren Fragen der inneren und äußeren Politik des öfteren einzuberufen. 53. Leipzig: Der Absatz 3 von 8 19 des jetzigen Organi« sationsstatuts ist auch in Zukunft beizubehalten. 59. München: Die Generalversammlung des sozialdemo« kratischen Vereins München erklärt sich mit der Schaffung eines Parteiausschusses nach Vorschlag der Organisationskommission ein« verstanden. Sie erwartet von der Heranziehung der Vertrauens- männer aus den verschiedenen Reichsteilen zur Vorentscheidung wich» .ligcr Angelegenheiten eine Förderung der inneren Einheit der Partei. 69. Magdeburg: Die Generalversammlung des sozial- demokratischen Vereins Magdeburg begrüßt in dem vorgeschlagenen Parteiausschuß einen weiteren Schritt zur demokratischen Aus- gestaltung unseres Parteilebens und erblickt in der verantwortlichen Mitwirkung der Genossen aller Landesteile an der Politik der Gesamtpartei eine Gewähr für die gedeihliche Weiterentwickelung. Sie hält jedoch die direkte Wahl der Ausschußmitglieder durch die breite Masse der Parteigenossen, möglichst in Form einer Urwahh für eine Notwendigkeit. 61. Ludwigshafen: Die Wahl des Parteiausschusses soll nicht durch den Parteitag erfolgen, sondern direkt durch die 'einzelnen Wahlbezirke. 62. Frankfurt a. M.: Statt§8 29 bis 22 zu sagen: Der Parteitausschuß besteht aus 10 Mitgliedern, die vom Parteitag gewählt werden. Je eines dieser Mitglieder muß in Ostpreußen oder Schlesien, den Hansastädten, in Rheinland-Westfalen, in den mitteldeutschen Kleinstaaten, im Königreich Sachsen, in Hessen oder Hessen-Nassau, in den Reichslanden und in Bayern, Württemberg und Baden politisch tätig sein. Der Parteiausschuß entscheidet gemeinsam mit dem Partei- vorstand in regelmäßigen monatlichen Sitzungen über alle die Partei berührenden wichtigeren Angelegenheiten namentlich auf dem Gebiete der Politik. Eine außerordentliche Sitzung des Parteiausschusses mit dem Parteivorstand muß stattfinden, wenn mindestens die Hälfte der Parteiausschußmitglieder dies beantragt. 63. Halle a. S.: An Stelle des vorgeschlagenen Partei» ausschusses einen Beirat von mindestens sieben bis neun Personen auf dem Parteitage zu wählen. Der Beirat wird auf dem Partei- tage vorgeschlagen. 64. Hof: Den Parteiausschutz abzulehnen und einen poli- tischen Beirat zu wählen, um die Aktionsfähigkeit der Partei zu erhöben. 65. Wanzleben: 8 21 Absatz 2 soll lauten: Bei schwierigen oder sehr bedeutungsvollen Situationen, die längere Zeit andauern, kann der Parleinusschuß einen Unterausschuß ernennen, der in per- manenter Funktion bleibt und mit dem Parteivorstaud zusammen tagt. Das schließt die Berufung des Gesamtausschusses während der Dauer dieser Situation nicht aus. 66. O f f e n b u r g: Jeder Wahlbezirk macht dem Parteitag einen Vorschlag, der drei Namen enthalten muß. In Bezirken, in denen mehrere Vertreter zu wählen sind(wie Groß-Berlin, Ham» bürg usw.), sind so viel mal drei Genossen vorzuschlagen, wie Vcr- lreier gewählt werden müssen. 67. M i ii d e n» L ü 6 b e et e: In dem zu schaffenden Partei- aiisschub dem Agitationsbezirk„Oestliches Westfalen" einen Sitz resp. ein Mitglied zu überlassen. 68. Breslau-Land, Ohlau, Liegnitz, Goldberg, Glogau, Reiste, Brieg, Namslan, Neustadt O.-Schl.: Der Parteiansschnst ist abzulehnen. Sollte er jedoch beschlossen werden, sind für die Provinz Schlesien 2 Vertreter in den Ausschust (je einer für die Agitationsbezirke Breslau und Kattowitz, Görlitz und Langenbielau zu wählen. 69. Ni e o er b a r n im: Ausdehnung der Rechte der Kontrolle koiniiiission und Beibehaltung der im§ 19 des Organisationsstatuts vorgesehenen Konferenzen. 70. Königsberg i. Pr.: Ein Kontrollkommission von 13 Mitgliedern. 71. Ha Ire a. S.: Die Rechte der Kontrollkommission dürfen nicht beschränkt werden. 72. Leipzig: Die Kontrollkommission zu erlveitern und ihr politische Funktionen zuzuweisen. 73. W a n z l e b e n: Z 23 soll lauten; Die Kontrollkommission Wird auS der Mitte des Parteiausschusses gewählt. 74. R i e d e r b a r n i m: Der jetzige Z 23. Absatz 2 ist wie folgt zu ergänzen:„Ueber die Zugehörigkeit zur Partei entscheidet der Vorstand der zuständigen Bezirks- oder Landesorganisalion oder eine von dieser eingesetzte Schiedsgerichtskommission." 75. Nürnberg: Die Kontrollkommission besteht aus IbMit- gliedern. Die Wahl derselben findet auf dem Parteitag statt, wo- bei die einzelnen Bezirke zu berücksichtigen sind. Die Kontroll- kommission hat die geschäftliche und politische Tätigkeit des Partei- Vorstandes zu überwachen und über Beschwerden gegen den Partei- Vorstand zu entscheiden. 76. Teltow-Beeskow-Charlottenburg: Dem Z 23 soll als 4. Absatz hinzugefügt werden:„Entzieht sich ein An- geschuldigter einem gegen ihn einzuleitenden Schiedsgerichtsverfahren durch seinen Austritt aus der Parteiorganisation, so kann gegen den Austretenden das NichtWiederaufnahmeverfahren eingeleitet werden." 77. Elberfeld-Barmen: Hinter K 24. Absatz 2 ist als Absatz 3 einzufügen:„Erscheint der Angeschuldigte ohne genügende Entschuldigung zu dem festgesetzten Termin nicht, so haben die Jnstanzen-Vas Recht, ohne dessen Anwesenheit zu beschliesten." In dem jetzigen Absatz 3 des fj 24 ist der Schlust von„er- nennen" ab so zu gestalten:„so gilt ohne weiteres der Beschluh des Bezirks- oder Landesvorstandes". Als Absatz S ist neu einzufügen: „Handelt eS sich in einer Sache um mehrere Angeschuldigte einer Organisation, so hat der Parteivorstand das Recht, die Sache vor einem Schiedsgericht verhandeln zu lassen und die erforderlichen Maßnahmen dazu zu treffen". 78. E l b e r f e l d- B a r m e n: In§ 26 ist Absatz 3 wie folgt zu fassen: Die Organisationen haben das Recht, auch ohne Aus- schlnstantrag eine Untersnchungs- und Beschlustkommission gegen ein Mitglied einzusetzen. Gelangt die Kommission zu einem sachlichen Beschlust, so steht den Beteiligten daS Einspruchsrecht gegen diesen Beschlust nach den Bestimmungen der§K 24 und 25 zu., Sonstige Anträge zur Organisation. 79. Bremen: Die Kontrolle der parteitaktischen Haltung der Parteiorgane und die der Auswahl der Angestellten steht nur den von den Genossen des Verwaltungsbezirks gewählten Instanzen zu. 80. Mülheim-Wipperfürth-Gummersbach: Der Parteivorstand wird beauftragt, dafür zu sorgen, daß die Ver- waltungsmaterialien, als Geschäftsbücher, Kassen- und Mitglieds- bücher sowie Formulare au einer Zentralstelle hergestellt werden, um so eine Vereinheitlichung und Berbilligung der Materialien zu erzielen. - 81. K a s s e l: Bei Anlage von Parteiaeldern möge der Partei- vorstand in Zukunft möglichst die genossenschaftliche Zentralbank berücksichtigen. 8Ä. Düsseldorf: 1. In besoldete Parteiämter können nur Genossen gewählt oder angestellt werden, welche mindestens fünf Jahre der Partei angehören. 2. Es ist eine Institution oder Ausschust zu schaffen, der die Ge- hälter von denjenigen Genoffen regelt, die ein ReichstagSmandat oder LandtagSmandat haben und sonst noch im Partei- und Gewerk- schaftsleben angestellt sind. 83. Genosse Kolb-Würzburg: Neuabgrenzung der Agitationsbezirke. Der weitere Forffchritt der ökonomischen Ent- Wickelung, das rapide Wachstum der Bevölkerung in bestimmten Gegenden schafft stark nberlastende. auch räumlich zu groß aus- gedehnte Agitationsbezirke. Die starke Ausdehnung der Partei bringt diversen Bezirksiekretären zu viel Arbeit, wodurch deren Ueber« blick leidet, aber durch eine bessere Arbeitsteilung die Arbeit in den einzelnen Kreisen intensiver betrieben werden kann. Verschiedene Bezirke gehören geteilt oder Teile mit anderen zusammemjelegt. Analog meines Artikels,„Soz. Monatshefte" Nr. 15, schlafse statt der jetzigen 45 nun 55 Agitationsbezirke vor, die mehr ausgeglichen sind in der Kopfzahl, auch diverse wirtschaftliche Gebiete zusammen- fassen. Maifeier. 34. Sozialdemokratischer Berein Wanzleben, 15. sächsi- scher Wahlkreis. Reichenbach-Neurode, Ortsgruppen St i e s a und Gröba(Sachsen VH), Ludwigshafen, 19. hannoverscher Wahlkreis und Bremerhaven, Königsberg i. Pr., Hagen-Schwelm, 12. sächsischer ReichstagSwahlkreis, Bezirk Ober-Langenbielau, Nordhausen.Köln, Magdeburg: Der Beschlust 90 deS Parteitages zu Nürnberg(Abführung des Tagesverdienstes) ist auf- zuHeben. 85. 183 Genoffen in Braunschweig. 29 Genoffen in K o t t b u S, 21 Genoffen in Dortmund, das Personal der Druckerei„Volksfreund' in Karlsruhe und das technische Per- sonal der.Volksstimme' in Frankfurt a. M.: Der Beschlust deS Jenaer Parteitages, nach welchem diejenigen Parteigenossen, die in Parteibetrieben, Arbeitergenoffenichaften usw. angestellt sind, den ganzen Arbeitsverdienst deS 1. Mai an die Parteikasse abzuführen haben, ist aufzuheben.» Zwecks Ansammlung eines Fonds zur Unterstützung wegen Feierns des 1. Mai Gemastregelter ist von jedem eingeschriebenen Mitgliede ein Beitrag zu erheben, und zwar von den männlichen Mitgliedern 1 M., von den weiblichen 50 Pf. Dieser Beitrag wird nicht erhoben von den Mitgliedern, welche am 1. Mai feiern und keine» Lohn erhalten. 86. 16 Genossen in W a l d e n b u r g i. Schi.: Der Beschlust deS Jenaer Parteitages, nach welchem diejenigen Parteigenossen, die in Parteibetrieben. Arbeitergenoffenschaften usw. angestellt sind, den ganzen Arbeitsverdienst deS 1. Mai an die Parteilasse abzuführen haben, ist aufzuheben. Der Parteitag wolle dagegen beschlresten, eine gerechtere Lösung der Frage herbeizuführen. Internationaler Kongreß. 87. Reichenbach-Neurode: Auf dem nächsten Internationalen Arboiterkongrest der- Antrag zu stellen, die Regelung deS Feierns des 1. Mai den einzelnen Landern lelbst zu überlassen. 88. Randow-Grersenhagen: Der Parteworstand wird beauftragt, im Einvernehmen mit der Generalkommtssion eine Ur- -bstimmuim-vrüber vorzunehmen, wer von den Organisierten für dis Ar�eilsruhe am 1 Mai ist. Das. Resultat soll dem Jnter- . nationalen Kongreß in Wien als Materml überwiesen werden «9 R n 0 o ck' Der Parteitag wolle beschliesten, bei dem Internationalen Parteilag den Antrag zu stellen, die Maifeier auf den ersten Sonntag im Mai zu verlegen.„. 90. M a g d e b u r g: Der Parteitag wolle dem Jnternatronalen Kongreß in Wien die Aufhebung der Matfeler empfehlen, oder, um eine wirklich würdige Demonstration herbeizuführen, sie aus den ersten Sonntag im Mai verlegen. presse irnd Literatur. 91. Bremerhaven und 19. hannoverscher Wahl kreis: Die Redaktion der„Gleichheit" wird ersucht, den Inhalt unseres Frauenblattes mehr dem Verständnis der Leserinnen ent sprechend zu halten, die Kinderbeilage soll die jetzige Gestaltung und Tendenz beibehalten. 92. M ü l h ei.m- W ipp e r fü r t h- G u m m e r s b a ch: Der „Gleichheit" ist jeden Monat ein Schnitrmuster beizulegen. Ferner sind kleinere Artikel für die Hausfrau über Küche, Wäsche und der- gleichen zu bringen. 93. H a in b u r g m, D i st r i k t Veddel: Für alle in der Schiffahrt beschäftigten Personen eine einheitliche periodische Zeit schrift herauszugeben. 94. Köln: DaS Titelblatt der„Neuen Zeit' ist in moderner Ausstattung herzustellen. 95. F r a n k f u r t a. Für das gesamte Bildungswesen ist (event. gemeinsam mit der Generalkommission der Gewerkschaften) ein monatlich erscheinendes Organ herauszugeben. Dasselbe soll für alle Zweige unserer Bildnngsarbeit Rat und Auskunft geben, den Austausch praktischer Erfahrungen ermöglichen und besonders das Bibliothekswesen in wirksamer Weise unterstützen. Eventuell kann die in Leipzig erscheinende Monatsschrift„Der Bibliothekar" übernommen und in gedachter Weise ausgebaut werden. 96. Steglitz: Ter Parteivorstand wird ersucht, eine Ueber- setzung des Protokolls des letzten italienischen Parteitages vorzu- bereiten und mit einer kleinen einleitenden Darstellung der jüngsten italienischen Parteiwirren und des tripolitanischen Abenteuers zu versehen. Diese Schrift ist den Genossen möglichst billig zu über- lassen. 97. Düsseldorf: Die Sektion der taubstunimen Genossen und Genossinnen: Der Parteivorstand wird beauftragt, für die taub- stummen Genossen eine regelmäßig erscheinende Agitationsschrift herauszugeben. Die Schrift soll mindestens monatlich einmal er- scheinen. 98. Köln. Der Parteitag beauftragt den Parteivorstand, in Verbindung mit dem Zentralbildungsausschust ein der Reihenfolge nach geordnetes Verzeichnis von Büchern herauszugeben, die eine planmäßige Einführung in den wissenschaftlichen Sozialismus ermöglichen. 99. München: Der Parteivorstand soll sich mit der General- kommission der Gewerkschaften in Verbindung setzen, um unverzüg- lich die Gründung einer Zeitschrift in die Wege zu leilen, deren Inhalt sich erstreckt: 1. auf die gesamte Verwaltungslätigkeit der Versicherungsinstitute. 2. auf die Organisation der Wahlen zu diesen Instituten, 3. auf die Rechtsprechung der Spruchinstanzen. 4. auf das Wirken der gesamten Privatversicherung und ihrer Träger. ReiebstagstvaM. 100. Duisburg: Die Kreiskonferenz spricht ihr Bedauern darüber aus, daß der Parteivorstand sich im verflossenen Wahlkamps beim Stichwahlabkommen mit der Fortschrittspartei in einer Anzahl Wahlkreise, in denen unsere Genossen mit der Fortschrittspartei in Stichwahl standen, herbeigelassen hat. den Wahlkampf zu„dämpfen". Eine solche Maßnahme ist geeignet, Verwirrung und Deöorgani- sation bei den Genossen zu erzeugen und ist deshalb in Zukunft zu verwerfen. 101. Nordhausen-Hohenstein: Da» Stichwahl- abkommen vom Januar 1312 war geeignet, die Führung eines prinzipiellen Wahlkampfes für die Zukunft zu erschweren und das Vertrauen der Parteigenoffen zu erschüttern. Die Generalversammlung bedauert deshalb lebhaft dieses Abkommen und erwartet, daß sich derartige Abmachungen nicht wiederholen. Sie ersucht den Parteitag. seinen Willen in dieser Richtung zum Ausdruck zu bringen. 102. Elberfeld-Barmen: Der Parteivorstand hätte aus die von den Forischritilcrn verlangte Dämpfung unserer Agi- tation in einer Anzahl Wahlkreise nicht eingehen sollen, auch wenn die Möglichkeit bestand, daß daan das Abkommen nicht zustande ge- kommen wäre. 103. Weimar III: Die Generalversammlung des sozial- demokratischen Kreiswahlvereins Weimar III bedauert, daß der Parteitag bei dem Snchwahlabkommen mit der Fortschrittlichen Volkspartei sich dazu herbeigelassen hat, in sechzehn Wahlkreisen, in denen die Partei mit den Fortschrittlern in Stichwahl stand, den Wahlkampf zu dämpfen, weil dadurch nicht nur unsere prinzipielle Auffassung des WablkampfeS verletzt, sondern auch eine große Verwirrung und Erbitterung bei den Parteigenoffen angerichtet worden ist. 104. Frankfurt a. M.: Bei Aufftellung von Kandidaten für den Reichstag und die Landtage sollen Doppelkandidaturen ver- mieden werden. 105. Kassel: Durch den Abschluß de« Stichwahlabkommens mit der Fortschrittlichen Volkspartei hat der Vorstand unserer Partei die Interessen der arbeitenden Bevölkerung im allgemeinen und die- jenigen der sozialdemokrattschen Partei im besonderen erfolgreich wahrgenommen. Deshalb billigt der Parteitag den Abschluß dieses Stichwahlabkommens. Parlamentanfcbe». 106. Frankfurt a. M.: Der Parteivorstand wird beauf- tragt, zur Durcharbeitung großer Geletzesvorlagen, wie z. B. des bevorstehenden ZolltarifeS, geeignete Parteigenoffen auS dem Reiche auch außerhalb der Fraktion zu berufen. 107. Genosse Schmidt in Lübeck: Die ReichStagSfraktion ist verpflichtet, bei jeder Abstimmung im Reichstage und bei Be- ratung von Anträgen, die von unserer Fraktion gestellt sind, zu mindestens 75 Proz. anwesend zu sein. 108. Genosse Jakobsen-Swinemünde: Die Reichs- tagsfraktion aukzufordern, Anträge, die Forderung de? Rechts auf Arbeit betreffend, in entsprechender Formulierung im Reichstage ein- zubringen. 109. Kassel: Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion möge bei geeigneten Beratungen im Reichstag erneut unsere Forderung auf Abschaffung der Todesstrafe durch diesbezügliche Anträge ver- treten. Sonstige Anträge. 110. 17. sächsischer Wahlkreis: Die Generalversamm- lung deS 17. sächsischen ReichstagSwahlkreiseS drückt ihr Mistfallen darüber aus. daß ein Teil der ReichStagSfraktion in Eisenach eine Sonderkonferenz abgehalten hat. Sie erblickt darin eine Be« einträchttgung der Einheit in Partei und den Massen. Die Kreis- Versammlung stellt sich(in dieser Frage) ganz auf den Standpunkt der„Volksstimme'. III. Mülhe.im-Wipperfürth-GummerSbach: Die Kreiskonferenz verurteilt auf das schärfste die Teilnahme an den sogenannten Sonderkonferenzen und wünscht, daß eS den als Delegierten zu den Parteitagen gewählten Genoffen verboten wird, an irgendeiner Sonderkonferenz teilzunehmen. Die Kreiskonferenz protestiert gegen daS parteischädigende Treiben der Sonderkonserenzen, wie unlängst eine in Eisenach statt- gefunden hat. Die Kreiskonferenz beschließt, beim deutschen Partei- tag zu beantragen, dieser möge dafür sorgen, daß derartige Kon- ferenzen in Zukunft unterbleiben. 112. R e ck l i n g h a u s e n- B o r k e n: Die Generalversamm- lung verurteilt energisch das Vorgehen der Parteigenossen ein- schließlich der Reichslagsabgeordneten, welche Konferenzen ver- anstalten oder daran teilnehmen, die auf Sonderbündeler hinaus- laufen. Die Generalversammlung erwartet vom Parteitag, daß er das Vorgehen der Veranstalter und Teilnehmer entschieden mißbilligt. 113. Lübeck und Köln: Der Parteitag verurteilt auf da« entschiedenste die Abhaltung besonderer Zusammenkünfte von Partei- tagsdelegicrten der einen oder der anderen Richtung, sowie die Arrangierung von Sonderkonserenzen von Mirgliedern der sozial- demokratischen Reichslagsfraktion. Er erblickt darin ein die Einigkeit der Partei schwer gefährdendes Verhalten. Der Parteitag spricht die bestimmte Erwartung auS, daß derartige Sonderzusammenkünfte fernerhin unterbleiben. [ 114. Magdeburg: Der Parteitag möge auf das schärfste alle Sonderkonserenzen und-Veranstaltungen verurteilen, die dazu bestimmt sind, die Verhandlungen innerhalb der Partei- Organisationen überflüssig zu machen und an Stelle der offenen Aussprache unter Parteigenossen die Konventtkelherrschaft zu setzen. 115. Bonn: Die Generalversammlung des sozialdemokratischen Vereins Bonn-Rheinbach mißbilligt die Veranstaltung von Sonder- konferenzen, in denen Parteigenossen, gleichviel welcher Richtung, zu allgemeinen Parleifragen Stellung nehmen. Die Parteidisziplin verlangt, daß die Parteigenossen ihre theoretischen und takttschen Gegensätze im Rahmen der Organisatton austragen. Derartige Sonderkonserenzen schwächen die Bedeutung des Parlenags und zersplittern die Kräfte der Partei, während das einheitliche Klaffen- interesse des Proletariats eine starke, einheitliche Organisation fordert. 116. Frankfurt a. M.: Der Parteitag spricht die Er- Wartung aus, daß Zusammenkünfte bestimmter Richtungen nach Art der Eisenacher Konferenz im Jntereffe der Geschlossenheit und Einheit der Partei vermieden werden. 117. Niederbarnim: Der Parteitag mistbilligt die Arrangierung jeder Art von Sonderkonserenzen sozialdemokratischer Parlamentarier. Die Abgeordneten sind in erster Linie Mitglieder der sozialdemokrattschen Parteiorganisationen ihres Kreises und haben als solche daher die Pflicht, diesen ihre Anschauungen und Meinungen über alle das Parteileben berührende Fragen zu unter- breiten. 118. Frankfurt a. M.: Den Zentral-BildungSausschuß der sozialdemokratischen Partei Deutschlands zu veranlassen, daß er, in Anbetracht der immer größeren Verbreitung der Lichtbilder- Vorführungen, den Bezirks- resp. örtlichen Bildungsausschüssen Material für derariige Vorträge zur Verfügung stellt. Dies kann geschehen durch leihweise Ueberlassung von Lichtbilderierien oder durch gemeinsamen Bezug der interessierten Bildungsausschüsse. 119. Elberfeld-Barmen: 1. Zusammenlegung der am gleichen Orte befindlichen Bibliotheken, die Besitz von Arbeiter- organisationen sind. 2. Vereinheitlichung der Verwaltung, insbesondere deS Aus- leiheverfahrens, BibliothekbenutzungSordnung und Statistik. 3. Vereinheitlichung der Kataloge mit Unterstützung einer so bald wie möglich ins Leben zu rufenden Zentralstelle für die Arbeiterbiblioiheken. nach dem Muster der von der belgischen Bildungszenttale geschaffenen. 4. Die Bibliothekenftage ist von den angedeuteten Gesichts« punkten aus so bald als möglich von einem Parteitag zu behandeln. 5. Kurse für Arbeiterbibliothekare nach dem Vorgang der öfter- reichischen Genossen. 6. Die wiederholt verlangte Zusammenkunft der Arbeiter- bibliothetare ist bald einzuberufen. 120. Merseburg-Ouerfurt: Mitglieder eines gelben Werkvereins oder eine« gelben Verbandes können nicht Mitglieder der lozialdemokratischen Partei sein. Angehörige, solcher gelben Ge« werkscbaften, sofern sie der Partei angehören, sind aus der Partei auszuschließen. 121. Genoffe Haller in Mylau: DaS Lotteriespiel wider- spricht den Anschauungen der Sozialdemokratie und ersucht der Partei- tag die Genossen um Unterlassung desselben. 122. Genoffe Repp in Friedberg: Der Parteivorstanb wird beauftragt, einen oder mehrere Genossen zu bestimmen, welche statistische Erhebungen anzustellen haben, ob und inwieweit eine Steigerung der Lebenshaltung der Arbeiterklaffe seit Mitte der siebziger Jahre stattgefunden hat. 123. Genosse Stein in Charlottenburg: Der Partei- tag beschließt, den örtlichen Parteivereinen die Förderung des ArbeitersamariterwesenS und der Arbeitersamariterausbildung zu empfehlen, da e« für die Arbeiter von großer Bedeutung ist, daß.bei «intretenden Betriebsunfällen sofortige Hilfe vorhanden ist. Die ungemein zahlreichen Unfälle in den Betrieben der Industrie, des Baugewerbes usw., die eine Folgeerscheinung der modernen kapitalistischen Ausbeutung der Arberter sind, haben seit Jahren de» Arbeitern nahegelegt, selbst für eine sachgemäße erste Hilfe bei ein- tretenden Unfällen Sorge zu tragen, da erfahrungsgemäß die von den Unternehmern gettoffene Vorsorge für etwaige Unfälle im Be- trieb häufig sehr ungenügend ist, und daß sie in vielen Fällen gapz gefehlt hat. Der Parteitag empfiehlt daher, den Kolonnen des Arbeiter- samariterbundes die weitgehendste Unterstützung zn teil werden zu lassen, da diese bestrebt sind, unter den Arbeitern eine genügende Zahl von Kräften heranzubilden, die bei eintretenden Unfällen Isfort im Betriebe zur Hand sind und die erst» Hilfe leisten kännen. 124. Genosse Jacobsen in Swinemünde: DaS sozial- demokratische Programm lautet in Zukunft wie folgt: Was will die Sozialdemokratie, was ist deren Ziel und wie will sie dasselbe erreichen? Die Sozialdemokratische Partei will die Erringung der wirt- schastlichen und politischen Macht, um: 1. durch Uebernahme von Grund und Boden, Bergwerken, Fabriken, kurz aller ProduktionS-, Fabrikattons- und Ver« kehrsmittel in StaatShände— gemeinschaftlicher Besitz deS ganzen Volke». 2. durch geregelte ordnungsmäßige Produktion und Fabrikation. 3. durch gewissenhafte Verteilung der erforderlichen Arbeiten an alle dazu Befähigten, mit weitgehendster Berücksichtigung der persönlichen Veranlagung, der physischen und geisttgen Kräfte jedes einzelnen, 4. durch gerechte Verteilung der erzeugten Güter und Produkte, jedem Staatsangehörigen eine auskömmliche und sorgenfreie Existenz zu verschaffen und damit eine menschenwürdige Lebensführung, nicht nur in leibttcher, sondern auch in geistiger Beziehung zu er- möglichen. 125, a,�-: Der SchnapSboykottbeschlust d-S Leipziger Parteitages vom Jahre 1909 wird den Genossinnen und Genoffen in eindringliche Erinnerung gebracht 126. OrtSverein Harburg. Köln. Magdeburg. Ham- bürg I. Niederbarnim: Der Parteilag erneuert und be- kräftigt den von dem Leipziger und dem Magdeburger Parteitag beschlossenen Branntweinboykott. Der Parteitag stellt fest, daß die bisherige Durchführung des Boykotts an vielen Orte» eine erheb- liche Verminderung des Branntweinoerbrauchs zur Folge gehabt hat, die im Interesse der körperlichen und geistigen Volksgesundheit, der geslergerlen Kämpffähigkeit und der Schwächung seiner bösartigsten Feinde freudig zu begrüßen ist. Er erkennt jedo» an vielen Orten eine viel schärfere Durchiührung des Parteibeschlüsse« als notwendig und verpflichtet insbesondere die Vertrauenspersonen zu deren energischster Unterstützung.„.„„„. 127. Königsberg i. P r.. Hagen Westf.. Lübeck, Bonn. Bremen und Sozialdemokratischer Berein auf Fehmarn: Borstehendem Antrag und fotgendem Absatz 2: Der Parteitag erklärt, daß der Beschluß sich auf Spirituosen jeder Art bezieht, da er nicht allein der Bekämpfung des ostelbuchen Junlertums. sondern auch als praktische Protestaktion gegen das herrschende Steuersystein dient. Diese Protestaktton ist durch die neueste, unter dem Namen„Abschaffung der Liebesgabe" erfolgte weitere Belastung der ärmsten Schichten zugunsteii des Militarismus und der Schnapsproduzentcn besonders dringend geworden, zugleich aber bezweckt sie auch die Förderung der durch den Alkohol gefährdeten Volksgesundheit.„ 128. Rees-Mör». Kiel. T e lt o w- B e e S k o w- C h a r- lottenburg, OrtSverein M a r n e in Holstein, 7. sächsischer ReichstagSwahlkreis. 16. sächsischer RetlyStagS- Wahlkreis. Naußlitz in Sachsen VI. 22. sächsischer Reichstags>v ahlkreis und 36 Genoffen in Bremen bc- aiilrage«, den vorstehenden beiden llbsatzen noch folgenden Absatz 3 zuzusetzen. Der Parteitag verpflichtet demgemäß die Parteipresse. keinerlei Anzeigen oder Anpreisungen derartiger Getränke aufzuuebmen. Er erwartet auch von den Verwaltungen der Volks- und Gewerkschafts- Häuser, sowie sonstiger Arbeiterunternehmungen, daß sie die segens- reiche Bewegung deZ BranntweinvohkottS durch Einstellung des ge- samten Spirilnosenverkaufs wie auf sonstige geeignete Weise(Ver- breitung von Ausklärung uslv.) kräftig fördern. 129. Die sozialdemokratischen Vereine für den sechsten sächsischen R e i ch s t a g s w a h l k r e i s, für Halle a. S. und für 23 e i in a r, die Mitgliedschaft in Oldesloe, sowie 312 Ge- nossen in Meißen, 143 Genosien in Lübeck, 23 Genossen in Bra ndenburg a. H., 21 Genossen im 14. Hann. Wahl- lr.tZ, 24 Genossen in Sondershausen, 16 Genossen in Eisenberg, 47 Genossen in Augsburg, 28 Genossen in Regensburg, 6 Genossen in A r e i b e r g i. S., 18 Genossen in Herten in Wests., 13 Genossen in Rendsburg: Da der Vunkt 6 unseres Parteiprogrammes sehr oft derart aus- gelegt wird, als sei für die Partei die Religionssache eine private Sache, mit dc: die Partei sich nicht befassen dürfe, erkeunt der Parteitag ausdrücklich an, daß die Aufklärung über die Unvereinbar- keit der Religion mit der Wissenschaft wesentliche Aufgabe der Partei, insonderheit der Parteipresse sein muß. Der Parteilag erkennt weiter an, daß die Bekämpfung der christ- lichen Kirche, die eine Herrschaftsorganisation der staallichen Macht- haber darstellt. Parteisache geworden ist, deshalb, weil derjenige, der die Machthaber bekämpft, auch deren Mittel, in diesem Falle die Kirche, mit bekämpfen muß. Der Parteitag spricht deshalb den Wunsch aus, v.aß die Parteiorganisationen in allen Orten Deuisch- lands auch aus diesem Gebiete ihre volle Pflicht erfüllen. 139. Die sozialdemokratischen Vereine von Halle und Weimar, sowie die obengenannten Genossen aus Sonders- hausen, Freiberg, Lübeck und Brandenburg be- antragen, dem obigen Antrag noch folgenden Absatz 2 anzufügen: 2. Da die Parteigenossen heute gezwungen sind, ihre Kinder an einem staatlich rnerkannten Religionsunterricht teilnehmen zu lassen, dieser Unterricht ober im Gegensatz zu der Wissenschaft steht, hält es der Parteitag für notwendig, dadurch gegen diesen Gewissenszwang zu protestieren und die Einführung von Dissidentenschulen zu er- möglichen, daß er die Parteigenossen, die mit der Staatsreligion gebrochen haben, auffordert, der Staatskirche den Rücken zu kehren. 131. Der sozialdemokratische Verein für den 8. und 10. schleswig-holsteinischen ReichStagswahlkreis, die Mitgliedschaft von Itzehoe in Holstein, in Kiel sowie die Mit« gliedschaften von Bergkamen und Overberge in Westfalen, Distrikte Uhlenhorst, Cuxhaven, Hamm und Berge- d o r f in Hamburg Hl: Der Parteilag ersucht die Organisationen, teils durch Verbreitung von entsprechenden Schriften, teils durch Versammlungen neben den allgemeinen Protesten gegen die wirtschaftliche und politische Unter- drückung auch Protest zu erheben dagegen, daß die Religion zur Unterdrückung und Ausbeutung des Volkes benutzt wird. In den Schriften und Versammlungen ist auch auf den Austritt aus der Landeskirche schon deshalb hinzuweisen, um wirksam da- gegen zu protestieren, daß unsere Kinder gezwungen werden, an dem unwissenschaftlichen Religionsunterricht teilzunehmen. 132. Elberfeld-Barmen: Der Parteitag ersucht die Organisationen, neben den Protesten gegen die wirtschaftliche und die politische Unterdrückung auch mehr wie bisher Protest zu erheben gegen die Unterdrückung, Ausbeutung und geistige Knechtung des Volkes durch die Kirche. Besonders muß auch dagegen protestiert werden, daß die Kinder des Volkes zur Teilnahme an einem Religionsunterricht gezwungen werden, der mit den Ergebnissen der Wissenschaft in schroffem Wider- spruch steht. Als wirliamste Form des Protestes empfiehlt der Parteilag allen Parteigenoffen, die innerlich mit der Religion ge- brachen haben, den Austritt aus der Landeskirche. 133. Der Ortsverein in Sagau und fünf Genoffen in Essen: Da die Parteigenossen heute gezwungen sind, ihre Kinder an einem staat- Uch anerkannten Religionsunterricht teilnehmen zu lassen, dieser Unterricht aber im Gegensatz zu der Wissenschast steht, hält es der Parteitag für notwendig, dadurch gegen diesen Gewissenszwang �u protestieren und die Einführung von Dissideutenschulen zu ermöglichen, daß er die Parteigenossen, die mit der Sraatsreligion gebrochen haben, auf- fordert, der Staatskirche den Rücken zu kehren. 134. Genosse Haller in Mylau i. S.: Angesichts der Tatsache, daß der Satz des Parteiprogramms.Erklärung der Re- ligion zur Privatsache' vielfach finnwidrig aufgefaßt wird, erklärt der Parteitag es für moralische Pflicht der Genoffen, die persönlich keine kirchlichen Bedürfniffe haben, aus der Kirche auszutreten. 136. 19 Genossen in Nürnberg-Altdorf: Um eine wirksame Kundgebung im ganzen Lande gegen die sich immer stärker geltend machende klerikale Verdummungspolitik in die Wege zu leiten, und um besondere Propaganda für unsere programmatische Schul- forderungen zu machen, hält es der Parteitag für angezeigt, überall durch Schrift und Wort Agitation zu entfalten, um die Genoffen, die durch Anerkennung des Parteiprogramms faktisch mit jedem kirchlichen Bekenntnis gebrochen haben, zu veranlaffen, ihre bisher geübte Bequemlichzeit beiseite zu legen und aus der Kirche aus- zutreten. 133. Eschersheim. Kr. Hanau: Der Parteivorstand soll von nun an wenigstens jedes Vierteljahr Aufforderungen zum Aus- tritt aus der Landeskirche in sämtlichen Parteiblättern Deutschlands erscheinen laffen. Der nachfte Parteitag. 137. Hägen-Schwelm: Den nächsten Parteitag in Hagen in Westfalen abzuhalten. 138. Görlitz-Lauban: Den nächsten Parteitag in Görlitz abzuhalten. 139. Leipzig-Stadt und Land:. Den Parteitag 1913 in Leipzig abzuhalten. llagesoränung ckes naebften Parteitages. 140. Mülheim- Wipperfürth- Gummersbach, Sagau: Die Agrarfrage auf die Tagesordnung des nächsten Parteitages zu setzen. 141. Genosse Schmidt in Essen: Die Jmpfftage auf die Tagesordnung des nächsten Parteitages zu setzen. 142. Solingen: 1. Dem nächsten Parteitag eine ander- weiiige Regelung der Parteibeilräge vorzulegen, welche eine pro- gressive Steigerung je nach dem Einkommen vorsieht(Selbst- einschätzungspflicht). Die Beiträge sollen serner so gestellt werden, daß es auch dem wirtschaftlich ungünstig gestellten Genossen möglich ist, Mitglied der Partei zu sein. 2. Dem nächsten Parteitag eine Regelung der Diätenbezüge unserer Reichs- und LandtagsftattionSmitglieder vorzulegen, wonach den Abgeordneten Tagegelder gewährt werden unter Abführung der Diäten an die Parteijaffe. Vorbildlich für die Höhe der Tagegelder sollen die Beschlüsse der Gewerkschaflskongreffe sein. 143. Duisburg, Genoffe Giebe l- Berlin, sechs Ge- nassen in Breslau, drei Genoffen in Arnstadt, Essen: Die Privatangestelltenfrage auf die Tagesordnung deS nächsten Parteitages zu setzen. Seric?)ts- Leitung» Eine Schutzmannsaffäre gab gestern am Landgericht Berlin I der Ferienstrafkammer VI C bis in den späten Nachmittag hinein zu tun. Der Schutzmann, der in ihr eine Rolle spielte, trat als Zeuge gegen eine von ihm sistierte Frau Schlegel auf. Frau Schlegel war angeklagt des groben Unfugs, den sie dadurch begangen haben sollte, daß sie in der Elbinger Straße, wo sie wohnt, vor der Polizeiwache am 3. Juni abends gegen �9 Uhr sich an einem Auflauf beteiligt habe, nicht weitergegangen sei und auf die Schutzleute geschimpft habe, so daß der Auflauf noch vergrößert worden sei. Gegen ein Strafmandat von 3 M., das ihr von der Polizei aufgepackt worden war, hatte sie richterliche Entscheidung beantragt. Vom Amtsgericht Berlin- Mitte war dann die Geldstrafe von 3 M. als angemessen erachtet worden, obwohl nach der Beweisaufnahme der Amtsanwalt selber die Freisprechung beantragt hatte. Aus die von Frau Schlegel ein- gelegte Berufung hatte das Landgericht das Urteil nachzuprüfen. Die Angeklagte erklärte, sie habe, als schon kein Auflaus mehr zu sehen war. im Vorbeigehen bemerkt, wie ein Schutzmann ein paar Kinder vertrieb und gegen einen kleinen Jungen die Hand hob, als ob er ihn schlagen wollte. Darauf habe sie, die selber ihr Kind bei sich hatte, gesagt, das werde ja immer schöner, jetzt wolle wohl der Beamte die Kinder hauen. Der Schutzmann habe sie darüber zur Rede gestellt, habe dann verlangt, daß sie schneller gehe, und habe schließlich sie am Arm gepackt, ihr Schläge in den Rücken gegeben, sie zur Wache geführt und noch auf dem Treppenflur'sie so hin und her gestoßen, daß sie an die Wand taumelte. Diese Dar- stellung wurde von einer Zeugin Fräulein Dürrling unterstützt. Frau Schlegel sei von dem Schutzmann so heftig in den Rücken ge- schlagen worden, daß sie, die Zeugin, sowie mehrere andere Frauen, die den Borgang mitansahen, sich darüber empörten. Schutzmann Emil Seltzer, gegen den der Vorwurf sich richtete, bestritt unter Eid, geschlagen zu haben. Bei der Erörterung dieser Frage hatte der Vorsitzende schon während der Vernehmung der Zeugin Dürr- ling eine schwer begreifliche Gereiztheit gezeigt, die im Laufe der Sitzung sich noch steigerte. Die Zeugin war aber dadurch in ihrer Auffassung des Sachverhaltes nicht beirrt worden, und sie hielt daran fest auch gegenüber der Aussage des Schutzmanns. Als sie hinzufügte, Frau Schlegel sei von ihm so gestoßen worden, daß sie sich kaum mehr auf den Beinen halten konnte, kam es aus Anlaß weiterer Frageversuche des Verteidigers Rechtsanwalt Kurt Rosen- feld zu lebhaften Auseinandersetzungen mit dem abwehrenden Vor- sitzenden. Sie wiederholten sich, als Schutzmann Seltzer cS für „ausgeschlossen" erklärte, daß er die sistierte Frau Schlegel auch nur gestoßen haben könne. Gegen die hier vom Vorsitzenden einge- schobene Korrektur:„Ausgeschlossen? Na, wenn sie sich wehrt, müssen Sie sie doch weiterschieben!' erhob der Verteidiger Protest, den der Vorsitzende erregt zurückwies. Nach nochmaliger Beteue- rung des Schutzmanns, daß er die Frau Schlegel nicht gestoßen habe, fragte der Verteidiger:„Will die Zeugin daraufhin ihre Aus- sage ändern?' Die Zeugin erklärte fest:„Dieser Schutzmann hier hat Frau Schlegel geschlagen!" und in tiefer Bewegung fügte sie hinzu:„Uns hat das Herz«eh getan, als wir es sahen." Ein Attest, das Frau Schlegel am Tage nach der Sistierung sich von einem untersuchenden Arzte hatte ausstellen lassen, bescheinigte blaue Flecken am Arm und schmerzhafte Schwellungen in der Lendengegend. Auch ein Zeuge Rasch bekundete, Schutzmann Seltzer habe die Frau geschubst und gestoßen. Vor Schreck sei sie ganz weiß geworden, die Frisur sei ihr aufgegangen, so daß der Zopf herunterhing, und sie habe sich am Hause halten müssen. Die Zu- schauenden seien darüber empört gewesen. Die Frage, ob Frau Schlegel weitergegangen sei, blieb ungeklärt. Zeuge Rasch meinte, der Schutzmann habe keineswegs nötig gehabt, sie zu stoßen. Schutzmann Seltzer berief sich noch aus das Zeugnis seines Kollegen Schmolling sowie einer Schankwirtin Fritsch. Das Gericht hielt die Ladung dieser Zeugen sowie noch andeter. die der Schutzmann erst noch benennen wollte, für nötig. Als der Verteidiger auch die Ladung von Zeugen forderte, die die Angeklagte noch benennen werde, meinte der Vorsitzende, das gehe nicht. Ein Hinweis auf die gleichfalls erst zu benennenden Zeugen des Schutz- manns belehrte ihn, daß es doch ging. Das Gericht beschloß dann, die Sache zu vertagen und die neuen Zeugen zu laden, ßriefkarten der Sxpedition. Patienten in Beelitz, Buch und anderen Heilstätten. Diejenigen unserer Abonnenten, die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben, wollen unS wegen der Ueberweisung von Frei- excinplarcn sosort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neuen Monats von der Post nicht geliesert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. «zöSÄäzi Unseren: verehrten Genossen und allen Abteilungslester Alfred Zaduk W die herzlichsten Glückwünsche M «um 39. Geburtstage. Dio Genossen der I.Abteilung im 1. Kreise. i Seinen 75. Geburtstag seiert heute der Schristsetzer-Jnvalide Heinrich Rusche. IIa Ärlieiter-Raälalirer- U SoliHt. Ortsgruppe Berlin. Touren zum Sonutag, den 25. August: 1., 3., 6.. 8. und 10. Abt.(10. Abt. Buchdruckcrcihilfsarbeiter): 6 und 12 Uhr: Strausberg(Hungriger Woij). 2., 5., 7., 9. Abt. und jugendliche Bundesgenossen: 6 Uhr: Oranien- bürg(Schühenstt. 34), 1 Uhr: Glienicke a. Nordbahn(Allermann). Start an den bekannten Stellen. löntlalsglnsteittiing findet am Donnerstag, den 29. August, abends 9 Uhr, Stralauer Brücke 3, statt. Das Er- scheinen aller Samariter ist Pflicht. Diejenigen Genossen und Ge- nolsinnen. welche gewillt sind, am nächsten SamaritcrlursuS teilnebmcn zu wollen, werden ebenfalls ersucht, an dieser Versammlung teilzunehmen. Der Obmann. Reinickendorf. (Vereinstour) 8 Uhr: Rummels- bürg: Unterbezirkstag. 2 Uhr: Lichten- berg. Start bei Lüning. 12/11 Freitag, den 30. abends 8V, Uhr, findet eine aU< gemeine Mitgliederversammlung bei Bockcr. Weberstr. 17, statt. Dagcsordnung: Berichlerstnttung vom BundeS- tag. DaS Erscheinen aller Mitglieder ist notwendig. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Zcntralvorstand. Vermitelll Sie nicht, wennlhrHolz- Uclnr. Scholz versorgt ganz Berlin mit biUigem Holz. Heizkräftige Buche, ofenf. 20Ztr.27, lOZtr.14, 5Ztr.7.B0, Anzündenolz20Sack 9.50M., 10 Sack 6.00 M., Kiefernholz □ m 8.50, geschnitten und gespalten 12.50 M. frei Keller :::: inklusive Anfuhr, u:: Sägewerk Lohmiihlenstr.M. Jcdcv Hrbciter, jeder Handwerhetf sollte zur Hrbcit die Lederboso Herkules traten. s Unerreicht* s Leistungsfähigkeit- Allein-Verkam Sehr starkes Lecke» in grauen n. braunen Streifen, auch einfarbig. Am Bund aus einem Stück gearbeitet, wodurch besotfdere Haltbarkeit bedingt isV Sehr feste Kappnähte m. stark. Gaa> Schwere Leder-Püot-Taachen. OroOe Flicken umsonst Trotz dieser vielen und andener Vorzüge kostet M die Herkules- Kose dir CJL ,»«a normale Mannes- OrODe" I". Ow Berufs- u. Schutzkleidung (Ur alle Zweige der Oewerke u. Industrie, Sanitätsdienst usw, BAERSOHN Spezial-Haus größten Maßstab» Cheussseetr. 20-30— Brfickeastr. s» Qr. Fr«nkfurt*r«tr, za Schöneberg, Hauptstr. I*. Haupt-Katalog gratis und frank* Znrttckgckebrt 129/10 Dr. Alfred Alexander KurfUrstendamm226. Artillerlostr, U. ffefferheru- Spezialaussshaak Hnckescher Merkt, Heus Promenade S ErSttnung Sonnabend nachmittag. fathan Mandl 129 Skalitz-r Str. 12V. Die schönsten Smoking-, Jackett-, Rock- und Gehrockanzüge Ä�cMslenj crstfialfige, aus Seide gearbciicle Garderobe, von 342L lliewisH«»-«!! getragen, i inst neu, für jede Figur passend.« speziell Bauchanzüge sind i»i großer Auswahl stet* zu staunend I billigen Preisen zu habe». S Nathan Wand 1129 Skalitzer Str. 129. HochbahustatioitKottbuskrTor. Litte im eigenen Interesse auf| Hausnummer zu achten. Ubeatcr» Freitag, 23. August 1912. Ansang 7'/, Uhr. JnT. Overuhaus. Die ZaubcrslSle. ,nl. Zchauipielhans. Die Welt. in der man sich langweilt. tzrater. O diese Berlin«. Äniang 8 ttbr. Irnnin. U-ber den Brenn« nach de.ttsches5 Ein Sommernacht,. ttaiim.. •cfiiiin. Die Weder. stöniggrätzer Straße.>""> giaiilfurt«.. Weste». Die schöne Helena- Heue«. Der liebe Augustin. Berliner. Groge Rosinen. Tchitler«. Da» Konzert. Sa, iir,. Ehartottendurg SusttpielliauS. Ein Kölligreich b. s. äftictr.. Zsjlh. Tchauspielhans. --ir fcusdjt Susanne. thnlio. Amoliebchen. Hemtreu,. Die man Männer Parti?' vrtginal-KIabttaS- Lrkanon. Die Brieslaiche. Ein peinlich« Zwischen, all. D« Di-b. »terrotu,. �chwindetmci« u. Co. Apollo. Sveztnltiiiiea. öassage. Tvezinliisten. icichshalleii. Stettin« Sänger. Antang 8'/, Ubr. »rues Trtiaii'vtelbaus. SblBcrter Schäffer. D««taufte fflnii» Ein wenig Mufik. kos». Die Jüdin von Toledo. Hohe Anlang 8.20 Uhr. Luise». D« verflossene Reßdors. Ansang S'l, Uhr. Kleines. Der Unverschämte. D« Arzt sein« Ehre. Loltchen, Geburtstag. Kaminersptele. MeinFreund Teddy. Köntgstadt-Kasino. Spezialitäten. Ansang 10 Uhr. AdmiralSpalast. EiSballett! Dvonnc. »» Sternwarte. Jnvalidenstr. 57— S2. Schiller-Cljeater 0. Wallner-Dheater. Freitag, abend» S Uhr: Das Konzert. Morgen und folgende Tage: v»» Koncert. •Sdjillcr-Cljcatcr Eharlottenburg. Freitag abend» 8 Uhr: Hohe Politik. Ansang 8 Uhr. Ende 10 Uhr. Morgen und folgende Taget Heke Politik. Neues Theater. Abend» 8 Uhr: Der liebe Augustin. Operette von Leo Fall. berliner l'keater. Abend» 8 Uhr: Große Rosinen. sdMiiillsi'WgMei'Me Abend» d Uhr: Die 5 Frankfurter. Theater des Westens. 8 Uhr: Die schöne Helena. Trianon-Theater. Ansang 8 Uhr..Die Brieftasche". .«in peinliche�Zwischenfall'. i'WSgs-IIiöZles. Wiedereröffnung Sonnabend, den 31. August. Gastspiel sieben Spaßniacher in ihrer Revue „Da tut sich was." IOSE=THEATE! Große fftanffurl« Str. 132. Die Jüdin o. Toledo Ansang SV, Uhr. Aus der Gartenbühne: Juhu! GS ist erreicht! Gr. Revue. jj HBüMI£ 1 Metropol-Theater. ScMielBr& Comp. Phant-musif. Komödie in 3 Akt. au» d. Engl, völlig srei bcarb. von I. Freund. Müiik von R. Nelson, u. a. Tänze von W.B,shop. In Szene ges. v.Dir.Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. vssiiio-?kss�si' Wiedereröffnung der 12. Spielsaison. Sonnobend, 24. August: Ein lustige» Stück a. d. Verl. Leben Der Großfürst. Vorverkauf für die ersten 7 Tage von 11—2 an der Theaterkasse. Onlgstaltt-Kastni). Ecke Holzmarkt, u. Alcxanderflr. Täglich: Bariets u. Theater im herrlichen Naturgarten. 8 Glanznummern und„So loben wir". Gesanasburleske in 2 Bildern. Tägl. Kaffeeküche bis S Uhr. Vie ms» Müller bessert! vis OHumsI» Klabrias-Paptie Beide Stücke mit Anton und Donat Herrnfold In den Hauptrollen. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf 11—2(Theaterkasse.) Pfis�panogini [Prinz &TOH Das kleinste menschliche Lebewesen. Das Wunder aller Wunder.| Lebend! Ohne Extra- Entrec! Täglich: Großes Militfir- Doppel-Konzert. I'l Eintritt 1 Uark, von abends 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Ab 8 Uhr 10 or. lm± ittraktioneD. 10 Uhr Der Wnnderpapagel liora als Lieder- und Coupletsänger. Reichsbalien-Theater Stettiner Sänger. Ken! Die Macht der Töne. BurleSfe v. Meyscl. Ansang S Uhr, Sonntag, 7',, Uhr. » „KornfrancK"-Raf!eegetränKeverschredenerArt. Die eine Art: Man trinKt„KornfrancK" mit einer Kleinen Beimischung von »Aeipht FrancK-Kaffeezusatz'% Das GetränK hat die bekannte Kaifeefarbe, es schmeckt fein und mittelkräftig. Die andere Art: Man trinkt„Kornfranck" mit einer grösseren Beimischung* von Aecht Franck"(etwa%„Kornfranck' mit%„Aecht Franck")# Das Getränk ist intensiv dunkel, der Geschmack fein, voll und kräftig. Die dritte Art? Man trinkt„Kornfranck" als Mischung von„Kornfranck" und Bohnenkaffee mit einer Beigabe von„Aecht Franck«Kaffee« Zusatz"(etwa je Das Getränk ist intensiv dunkel, der Geschmack sehr fein, voll und kräftig. Milch und Zucker nach Gewohnheit. m* Gardinen— Stores— Künstler-Gardinen Bunte Garnituren. Tornehme Zlnster, anerreicht billig. Vertrieb von Erzeagnlssen shchs. Gardinen- Fabriken Johann Pellot& Oo., Unsere Originalpreise sind C. Rosenthaler Straße 2, Rosenthaler Tor. S. Oranienatr. 37, nahe Oranienplatz. S. Kotibuser Damm 85 (Neukölln) nahe Hermannpl. Spezialhaus allergrößten Stils mit Kommanditgesellschaft. verbürgt nur; 0. Gr. Frankfurter Str. 5-6 Ecke Fruohtstraße. 0. Niederbarnimstr. 13 Ecke Boxhagener Straße. 0. Grüner Weg 28 8787L* gegenüber der Markthalle. Einzelverkauf. Sachgemäße Bedienung. Jeder Arbeiter,«>* Kandtoerker, jeder praktisch arbeitende Mann der sür seine Arbeit, sür seinen Beruf, besonders vorteilhast geeignete Kleidung nötig hat, laust diese bei Kohnen& Jöring, Größtes SpezialHaus für Arbeits- u. Serufskleiduttg Hauptgeschäft: Alexauderstr. Nähe Alex Reelle billige Pret JHSbcl-Hngcbot. Solides Möbelgeschäft liefert bürgerliche Wohnungseinrichtungen sowie ein» zelne Möbel gegen mäßige Zinsvergütung bei kleiner Anzahlung u. geringen monatlichen Teilzahlungen. Anfragen unter Postlagerkarte 79, Postamt 28. Kein Bbzahlungögefchäft 38512* Bereinen, Gewerkschaften und Schulen empfiehlt sich das Restaurant Wald-Sdylt Schmöckwitz 1. d. Mark.——— Ausschank von Schultheift.Bieren.— Anerkannt gute Küche. * Juh.: Ernst Roack. Telephon: Zeuthen»1. Jedes Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte). Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg,; das erste Wort(lettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. ) Kleine Anzeigen ANZEIGEN fllr die nächste Nummer werden In den Annahmestellen tdr Berlin bis 1 Uhr, fOr die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedition, Llndenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. Gardinen! Steppbecken I Portieren I Tischdecken I außergewöhnlich billig! Vorwärtsleser 5 Prozent Rabatt extra I Gardinenhaus Brünn, Hacke- scher Markt i(Bahnhos Börse). «onnlcgs geöffnet.» Monatsanzüge und Sommer- Paletots von 5 Mark sowie Hosen von 1,50, Gebrockanzüge von 12.00, Fracks von 2,50, sowie für korpulente Figuren. Neue Garderohe zu stauneud billigen Preisen, aus Pfandleihen ver- sallene Sachen tanit man am billigsten bei Naß, Mulackstraße 14.- Betten, Roland 9,—. Brunnen« straße 70, im Keller. 1200K* Radfahrerkarten. Wir empfehlen Rad- und Aulo-Fahrern Straubes Karle 1200 Quadrat- Meilen um Berlin. 2 Teile a 1,50 Mark. Nörd- liche Hälfte der Provinz Branden- bürg reicht bis Stettin-Ueckermünde, südliche Hälfte bis Halle-Leipzig- Dresden- Görlitz. Buchhandlung Vorwärts, Lindenslraße 59(Laden).* Teppiche:(sehierdasle) in allen Größen, säst sür die Hülste des Wertes Teppichlager Brünn. Hackescher Mark! 4, Bahnbos Börse.(Leser des .Vorwärts' erhallen 5 Prozent Rabatt.) Sonntags geöffnet!_• Teilzahlungen 0,50 wöchentlich; Gardinen, Portieren, Teppiche, Decken' Uhren, Bilder, Möbel, Polsterwaren, Beilen. Wäsche. Kinderwagen, Herren- garderobe. Sende Vertreter. Meiseis Nachfolger, Warschauerstraße 80 Teppiche, Prochistücke(Farben- sebler). sür halben Preis. Vorwärts- leser 10 Prozent! Mauerhoff. Große Franksurterstraße 9, parterre. Kern Laden I 18ö5K Borjiihrtge eleganteHerrenanzuge und Paletots aus j-insten Magfioffen 20—40 Mark, Hosen 6—14 Mark. Versandhaus Germania, Unter den Linden 21. 1288K* Werkzeug, Ein- und Verlaus billig, Dragonerstraße 3._ 29306 Grundbegriffe der Politik, von Friedrich Stampfer. Gebunden 3M. Buchhandlung Vorwärts, Linden- straße 69(Laden) Borivartsleier erhallen süns Prozenl Extrarabatl. selbst bei Ge- I egenbeitSkäusen. Teppich- Thomas, Rosenthalerstraße 54 und Qranien- straße 126._ 1764K* Taschenbuch für Gartenfreunde Ein Ratgeber sür die Pflege und sachgemäße Bewirtschaftung des häuslichen Zier-, Gemüse» und Obst» gartenS von Max HeSdörser. Zweite vermehrte Auflage. Mit 137 Text- abbildungen. Preis 3,50 Mark. Expe- dition Vorwärts, Lindenstr. 69. Teppiche, unbedeutende Farben- sehler, sür die Hälfte deS Wertes. Gelegenheitskäufe. Portieren, Gar- dinen, Steppdecken, Tischdecken, Schlafdecken zu Schleuderpreisen. Teppichhaus Adler, Königstraße 50, gegenüber Rathaus. 1957K* Hermannplau 6. PsandleihhauZ. Extrabillige Jackettanzüge. Gebrock. anzüge. SommervaletolS. Herren« holen. Damemnäntel. Allerbilligster Bettenverlaus. Vermietungsbett. Aussteuerbetien. Aussteuerwäsche. Reichhaltige GardinenauSwahl.� Tep- Pichauswahl. Müichtischdecken. Steppdecken. Goldsacheu. Taschenuhren. Wanduhren. Wandbilder. Waren- verkauf ebenfalls SanntagS.* Damenhemden mit gestickter Passe 1,15, Herrenhemden 1,15, Nor- malwäsche, Arbeiterhemden sowie elegante Reisemuster bis zur Hälfte des Wertes. Wäschesabrik Salomonsth, Dircksenstraße 21, Alexanderplatz. Gescbäftsverkäufe. Gutgehendes Milch- und Vorkost- geschast zu verkaufen. Berlichingen. straße 10. s78 Konfitürengeschäst billig zu ver- kaufen. Carmen Syloaslraße 161. Grünkramgeschäft, nachweislich gute Existenz, wegen Krankheit so- fort verkäuflich. Walter, Neukölln. Hermannstraße 110._ �4 Restauration. voller Schank, mehrere Vereine, ist zu verkaufen. Zu ersrageu Vorwärts- Spedition. Alt-Boxhagen 56._ t61 Möbel. Möbelverkauf und Möbeltausch. Vorwärtsleser erhalten Möbel aus Teilzahlung. Aeltere Möbel werden in Zahlung genommen. Postlager- tarte 12, Postamt 22. 1945K* Schleunigster Verlaus einer noch neuen Nußbaumwirtschast mit bild- schönen Küchenmöbeln, einige Wand- bilder, sämtliche Wirtschaslsgegen- stände, 195,00. Neue Königstr. 66 1. Möbel-Gelegenheits-Käuse spotl billig, neue gediegene Einzelmöbel und ganze Einrichtungen, Schlaf- zimmer(eiche) 288,—, komplette Wohnzimmer 132,— bis 240,—, Chaise longne 24,—, Sosa 38.—, Trumeau 33,—, Schreibtische 40,—, Bettstellen 25,—. Riesenauswahl. Möbelspeicher Neue Königstraße 5/6, 4 Etagen. Teilzahlung gestattet. Auch Sonn« tags. 249/1' Möbelhaus Andreasplatz. Braut- leute, Möbelsuchende kaufen jetzt de, deutend billiger, enorm riesige Aus- wähl, Besichtigung lohnend. Andreas- straße 25, neben Metzner. IlllöK* Möbelhandlung Mariannen- straße 25, billige Preise. Teilzahlung gestattet.»Vorwärts'leser 3 Prozent Rabatt. zgA» 95 Ankleide schränke, salin, nuß. bäum, Mahagoni 63,—, 75.—, 90,—, dreitürig mit Facettespiegel M.Hirscha- Witz, Skalitzerstraße 25, an der Hoch- bahn._ 1g36K Großer Möb elverkauf! Möbel- fabrik Gneisenaustraße 15. nahe dem tzalleschen Tore, 32 Jahre bestehend. verkaust zu außerordentlich billigen Preisen: Wohnungseinrichtungen 120 Mark an, Herrenzimmer, Speise- zimmer, Schtaszimmer 180 Marl an. Teilzahlung gestattet. Kleiderspind, Vertiko 20,—, Bettstelle 12,—, Wachs- wchttsche 7,—, Umbauten, Sosas, Küchen, Büfetts 60,—, Schreibttsche —, Garnituren 65,—. Zurückgesetzte, verliehen gewesene Möbel besonders preiswert. Lieferung, Aus- bewahrung frei. Kein Laden. Haus- nummer 15 genau beachten. 1685K' Obst-, Gemüse- und Kolonial- warengeschäst umständehalber zu ver- kaufen. Zu erfragen Tegel, Berliner- ___ straße 86,1 links.__ tÜHL Lcrmttwortlicher Nedakteuei Alberl Wachs, Berlin. Für de? Zentrale für Arbeitermöbel liefert Resarmeinriibtungen in gediegener Arbeit an Reelldenkende auch aus Teilzahlung und bittet Parteimitglie. der um Besuch der großen Läger. Niedrige Anzahlung. Zinsvergütung. Gelegenheilskäuse in gebrauchten Mö- beln. Verkaufsstelle Schatz, Brunnen- straße 160, Eingang Anllamerstraße. Möbel-Gelegenheitskäufe, gut gearbeitet, viele Gelegenheitsmöb-l, welche bedeutend unterm Preis find. Bücherspwd 68,—. Schreiblisch 48,—, Bettstelle 33,—, Trumeau mit Stufe 34,—, Sosa 45,—, Kleiderspind 46,—, Kücheneinrichtung 68,—. Ehrlich, Alte Schönha Uferstraße 32. 1944K' Möbel ohne Geldl Bei kleiner Anzahlung geben Wirtichasien und einzelne Stücke aus Kredit unter äußerster Preisnotierung, auch Waren aller Art. Der ganze Osten laust bei uns. Kretschmann u. Co., Koppen- straße 4.(Schiefischer Bahnbos.)' Arbeiter-Mufterwohiiungen.Für jedermann leicht erwerbbar, sehr billig, auch gebrauchte Möbel, gut erhalten, große Auswahl, Teilzahlung gern gestattet. Kassenpreis Zinsvergütung, kleine Anzahlung, bequeme Abzah- luna nach Wunsch der Käufer. Gabbert Tischlermeister, Acker- slraße 54. Kein Abzahlungsgeschäft s Prachtvolles Plüschsosa, gute Niißbauniwirtschast, auch einzeln, ver- tauft Zorndorserftraße 4, vorn I rechts. Wirtschaft, hochmodern, nuß- bäum, mit aparter Kücheneinrich- tung verkäuflich.(Händler uner- wünscht I) Darunter: Prachtvolles Büfett, Herrenschreibttsch, Plüschsosa, Umbau, Chaiselongue, Prachtwand- bilder, GaSlrone, Mehreres. Königs- bergerstraße 11. vorn 1 lintS, bei Fischer(nahe Schlefischerbahnhos). Bilder. Sie kaufen BUder nirgends billiger als dirett Fabrik bei Bilder-Bogdan. Weinmeisterslraße 2. 1005K' Fahrräder. Erstklassige Fahrräder, Monats- rate 10 Mark. Brückenstraße 10a. Kein Laden. 1629K' Hrrrenfahrrad, wie neu. 35,—. straße 44. Dameinabrrad, Holz, Blumen- I093K' Breuuaborrad. Herrenfahrrad 25,00, Damensahrrad, sofort, Schräder, Weberstraße 42, Ouergebäude.' Ver8di,e6ene5. Kunltstopferei von Frau KotaslH S-blachienice. Kurstraße 8 III._ Patentanwalt Müller, Güschiucr- straße 81._ 243951' Patentanwalt Wessel, Gitschmer- ftraße 94a. Parteigcuoffe. schreibaewandt. sucht B-schajtigung gleich welch« Arl Elsterett, Enckeplatz � Stellenangebote. Leistcunicter auf Kartons sofort verlangt. Katz u. Co., Immanuel- kirchstraße 3/4. ffl5* Belegerin verlangt Raabe, Kur- sürstenstraße 7. 7 139 Jnjeratentetl verantw.: Th. Glocke, Leriin. Druck u. Vertag! Vorwort» zvuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Perliu SVL Nr. 196. 29. Jahrgang. 3. Stilnjp des„öjrmnils" Kerlim{olUlott. Fltttlls. 23. August 1912. Partei- Angelegenheiten. Zur Lokalliste! Die Berliner Arbeiterschaft wird gebeten, fich bei Aaeflüge» Nach dem Spreewalde zwecks Fährleute usw. an den Genossen P. Äuscht), Lübbenau, zu wenden. In Lübbenau ist das Lokal von Spitzeck von der Lokalliste zu streichen; zur Verfügung steht uns das Lokal von Trimolt, Vor- städtische Hauptstr. S9. Auf mehrfache Anfragen teilen wir mit, dah der Inhaber des Restaurants.Neu-Heringsdorf' neben den Elektrizitätswerken an der Oberspree nicht gewillt ist, der organisierten Arbeiterschaft sein Lokal zur Verfügung zu stellen. Herr Rob. Bludschutz verzichtet auSdrück- lich auf Arbeiterkundschaft. In Reinickendorf-Ost, N.*B., findet am Sonntag, den 25. und Monlag, den 26. August, in den drei Lokalen, Hauptstrahe, groheS Erntefest statt. Wir machen darauf aufmerksam, dah das Lokal von Kuhrmann für organisierte Arbeiter gesperrt ist. Desgleichen findet in Rosenthalon der Waffe Gebrauch machen konnte. Ungefähr 50 000 Mark die K. sich im Lause der Zeit durch den Verkauf der Konsols verschafft hat. will dieser durch seinen leichtsinnigen Lebenswandel verbraucht haben, Böse hineingelegt hat ein Vergnügungskomitee die im Glüh lampenwerk der A. E. G.(Sickingenstraße) beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Das Komitee hatte zum Sonnabend, den 17. August, eine Mondscheinfahrt mit Musik nach dem Prinzen- garten(Müggelsee) arrangiert und hatte Billetts zu diesem Zwecke ausgegeben, auf denen das Ziel der Fahrt aufgedruckt war. Die Fahrt ging auch von statten. Als der Dampfer hielt, stiegen die Fahrgäste aus und mit Musik, die die Arbeitermarseillaise spielte, ging es in das Festlokal. Wie erstaunten aber die Festteilnehmer. als sie bemerkten, daß sie gar nicht im Prinzengarten am Müggel see gelandet waren, sondern im Seglerschloß zu Schmöckwitz. War man deswegen schon ungehallen. so griff Empörung Platz, als sich herausstellte, daß das neue Ziel der Fahrt, das Seglerschlotz, ein für die organisierte Arbeiterschaft ge- sperrtes Lokal war. Kellner, die nach ihrer Organisations- zugehörigkeit gefragt wurden, antworteten auch ganz ungeniert, daß die Anftagenden nicht in ein gesperrtes Lokal kommen sollten, wenn sie durchaus von organisierten Kellnern bedient werden wollten. Als der Wirt von der Entrüstung Kenntnis erhielt, stellte er sich auf einen Stuhl und erklärte:„Heute gebe ich Ihnen das Lokal fteil" Auch ein Mitglied des Vergnügungskomitees erklärte dasselbe. Womit natürlich gar nichts gesagt war. Gewiß wird ein Wirt sein Lokal einem Massenbesuch öffnen, wenn von ihm nichts weiter verlangt wird, als bei einem Vergnügen das Geld der Arbeiter einzunehmen. Man frägt sich, wie war es möglich, daß ein Vergnügungs- komitee organisierte Arbeiter so hineinlegen konnte, wie daS im vorliegenden Falle geschehen ist. Erst fährt man gar nicht nach dem auf den Billetts angegebenen Ziel und dann geht die Fahrt nach einem für die Arbeiterschaft gesperrten Lokal. Es klingt oben- drein wie Hohn, daß die Musik die Marseillaise spielt in dem Augenblick, da man in ein gesperrtes Lokal einzieht. ES muß gefragt werden: Wer sind die Veranstalter dieses Vergnügens, die ihre Kollegen in dieser schandbaren Weise hineingelegt haben. ES mutz mit aller Schärfe gegen ein solch dunkles Treiben von Ver- gnügungsmenschen Einspruch erhoben werden. Der Hungertod des Beteranen Drux, der vor einigen Wochen erhebliches Aufsehen erregte, hat die„amtlichen Stellen" veranlaßt, eine Untersuchung über den Lebensgang des Toten einzuleiten, deren Ergebnis von der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" jetzt wie folgt veröffentlicht wird: „Vor kurzem ging durch die Tagespresse die Nachricht, daß der Veteran Drux auf der Straße in Berlin-Wilmersdorf den Hunger- wd erlitten habe. An diese Mitteilung knüpfte ein Teil der Blätter mehr oder minder heftige Anklagen gegen die betreffenden Stellen im Reich, deren„unzureichende Fürsorge für den alten Kriegsteil- nehmer" man mittelbar für den Tod des Drux verantwortlich machte. Mit Rückficht auf die Erregung, die durch diese Zeitungs- artikel in weite Kreise hineingetragen worden ist, erscheint es notwendig, hier kurz das Ergebnis der amtlichen Ermittelungen mitzuteilen, die gleich nach dem Vorfall eingeleitet wurden und jetzt abgeschlossen sind. Drux war in feiner Heimat als Trinker, Bettler und Land- ftreicher bekannt. Seit mehr als zwanzig Jahren hielt er sich von seinen in Westfalen lebenden Angehörigen, seiner Ehefrau und mehreren Söhnen, fern und trieb sich von Ort zu Ort umher. Die Söhne hatten sich immer wieder erboten, für ihren Vater vollständig zu sorgen, doch waren alle Bemühungen, Drux zu Hause zurück- zuhalten oder zur Rückkehr zu bewegen, vergeblich. Drux verließ stets von neuem die Heimat, seine Familie ohne jede Nachricht zurücklassend, so daß diese schon seit langer Zeit von seinem Aus- enthalte und seinem Ergehen keine Kenntnis hatte. Von 1889 bis 1911 war Drux nicht weniger als 7Kmal wegen Bettelei und Landstreichcns bestrast worden, 12 Jahre hat er im Arbeitshause zugebracht. Außerdem erlitt er verschiedene andere Strafen wegen Betruges, Beleidigung, Sachbeschädigung und wurde zuletzt noch anfangs 1911 wegen gefährlicher Körperverletzung zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt. Bis wenige Wochen vor seinem Tode befand sich Drux im Landkrankenhause in Hanau, wo er seit Ende 1911 auf Kosten des Landarmenverbandes verpflegt worden war. Die unmittelbare Ursache des Todes des Drux war ein Herz- schlag, der auf Entkräftung— wie angenommen wurde— nicht zurückzuführen ist, da sich der Verstorbene, laut ärztlicher Fest- stellung, in einem guten Ernährungszustande befunden hat. Drux hat nach vorstehendem ganz allein seine Lage seiner Trunksucht und seiner unglücklichen Veranlagung zuzuschreiben, die ihn das ungeregelte Leben dem sorgenfreien Aufenthalt bei seinen Angehörigen vorziehen ließen. Zu einem besonderen Mit- leid lag hiernach jednfalls ein Anlaß in keiner Weise vor. Es darf erwartet werden, daß die beteiligten Blätter nunmehr ihre Leser über den wahren Sachverbalt aufNären werden. Im übrigen zeigt auch wieder oer Fall Drux, mit welcher Vorsicht Mitteilungen dieser Art behandelt werden müssen, ehe der wirkliche Tatbestand festgestellt ist." Selbst wenn das zutrifft, was in der amtlichen Erklärung von dem Hungers verstorbenen Veteranen behauptet wird bleibt die Tatsache bestehen, daß das Reich die alten Krieger mit Bettel- Pfennigen abspeist. Im übrigen hätten sich die amtlichen Er- Mittelungen vielleicht auch darauf erstrecken können, inwieweit die Teilnahme an den drei Feldzügen den inneren Zerfall des auf der Straße Verstorbenen herbeigeführt hat. Daß er wegen Bettelns und Landstreichens häufig bestraft, ja sogar ins Arbeits- haus gewandert, wegen Betruges, Beleidigung, Sachbeschädigung und gefährlicher Körperverletzung zu 10 Monaten Gefängnis ver- urteilt worden ist, beseitigt nicht das Faktum des Hungertodes. Und die Lage der noch taufenden darbenden Kriegsveteranen wird durch die Aufzählung all der schlechten Eigenschaften des ver- hungerten Vaterlandsverteidigers um kein Deut besser. Im übrigen sind erfahrungsgemäß auch amtliche Unter- suchungen mit größter Vorsicht auszunehmen. Nachtrag zum Berliner FernsprechverzeichniS. Zu dem Ver- zeichnis der Teilnehmer an den Fernsprechnetzen in Berlin und Umgegend vom April hat die Oberpostdirektwn einen Nachtrag her- gestellt, der demnächst verteilt wird. Der Nachtrag enthält auf 56 Seiten etwa 6500 neue Anschlüsse aus den Ober-Postdirektions- bezirken Berlin und Potsdam. Aenderungen und Streichungen sind nicht besonders mitgeteilt. Eine Anmerkung besagt, daß für den Monat Oktober eine Neuauflage de? Verzeichnisses beabsichtigt ist. die Mitte November zur Ausgabe kommt. Anträge auf Aende- rung oder Vervollständigung der Eintragungen sind möglichst früh- zeitig, spätestens bis zum 8. Oktober, schriftlich und frankiett an das zuständige Fernsprechamt zu richten. Umleitung einer Strahenbahnlinie. Die Straßenbahn ist ge- nötigt, wegen Kanalisationsarbeiten an der Kreuzung der Gneisenau- und Zossener Straße die Linie 14 statt durch die Belle Alliance und Gneisenaustratze vom Sonnabend, den 24. August an über die Blücher- und Zossener Straße zu leiten. Die Arbeiten und die Umleitung werden etwa fünf Tage dauern. Die großen Tunnelbauten im Westen Groß-BerlinS nähern sich ihrer Bollendung. Für die Wilmersdorfer Schnellbahn muß he- kanntlich das Eckhaus Tauentzien- und Nürnberger Straße unter- fahren werden. Hier sind die Arbeiten in letzter Zeit derart ge- fördert worden, daß der Tunnelbau in kurzer Zeit wird fertiggestellt werden können. Der eingleisige Tunnel, der zwecks Abzweigung der Bahn nach dem Rursürstendamm(Uhlandstraßenecke) die Stamm- linie an der Kaiser-Wilhelm-GedächtniSkirche unterfährt, ist im Rohbau schon fertig, so daß auf dem Auguste-Viktoria-Platz wieder mit der Umlegung der Straßenbahngleise an ihre frühere Stelle hat begonnen werden können. DaS gleiche gilt von der Spichernstraße und dem Kurfürftendamm._ Hier ist freilich noch ein schwieriges Werk zu überwinden: die Unterfahrung de? großen im Zuge der Joachimsthaler Straße liegenden Notauslasses. Die Arbeiten sollen aber auch an dieser Stelle so gefördett werden, daß die Fertigstellung noch in diesem Jahre erfolgen kann. In der Nürnberger Straße endlich soll mit der Wiederherstellung des Pflasters und der Umlegung der Straßen« bahngleise demnächst begonnen werden. Am weitesten zurück sind noch die Arbeiten am Wittenbergplatz, woselbst allerdings_ die größten Schwierigkeit zu bewältigen sind. Die alten Tunnelwände sind hier noch nicht völlig beseittgt, so daß der Umbau des sechs- gleisigen Bahnhofs wohl erst im nächsten Jahre wird vollendet werden können. Unter dem Verdacht, der gesuchte Defraudant, der Kassenbotö Brüning zu sein, ist am gestrigen Mittwoch mittag auf dem Fern- bahnsteig in Charlottenburg eine Dame verhaftet worden, die in dem um diese Zeit eingelaufenen D-Zug Köln-Berlin in Begleitung einer anderen eleganten und auffallend schönen Frau die Reise von der rheinischen Hauptstadt nach Berlin zurückgelegt hat. Auf der Fahrt nach hierher war dem Oberkellner des Speisewagens in dem genannten Zuge die tiefe Stimme der schönen Frau auf- gefallen und er erinnerte sich auch, die jüngere der Damen in den letzten Monaten wiederholt beim Diner im Speisewagen bedient zu haben. Und zwar glaubte der Oberkellner, diese Dame in Ge- sellschaft eines Herrn gesehen zu haben, der mit der schönen Frau eine sprechende Aehnlichkeit besaß. Der Oberkellner besprach den Fall sofort mit seinen Kollegen und man kam zur Ansicht, daß es sich hier wahrscheinlich um den Destaudanten Brüning handele, der in Damenkleidern der Stätte seiner ehemaligen Tätigkeit einen Besuch abzustatten gewillt sei. Auch der Zugführer wurde von dem Verdacht verständigt. Unterwegs wurde die Charlottenburger Kriminalpolizei telegraphisch von dem Eintreffen der beiden Damen informiert. Als der Zug auf dem Bahnhofe des genannten Vorortes eintraf, traten mehrere Kriminalbeamte an das Coupe, in welchem die Damen saßen, heran, legitimierten sich und brachten die Herrschaften in durchaus unauffälliger Weise vom Bahnsteig, um sie nachher nach dem Charlottenburger Polizeipräsidium zu überführen. Hier legitimierten sich aber die beiden Damen als — ein Ehepaar aus Frankfurt am Main. Der als Frau gekleidete Gatte gab an, daß er ein TranSvestit fei und sich auf dem Wege zu Dr. Magnus Hirschfeld in Berlin befinde, den er konsultieren wolle. Die jüngere Dame erklärte, daß sie die Frau des TranS« vestiten und vollkommen damit einverstanden sei, daß ihr Mann weibliche Kleidung trage. Den Verdacht, der Kassenbote Brüning und seine etwaige Begleiterin zu ,sein, wies das Ehepaar mit Entrüstung zurück. ES stellte sich auch bald heraus, daß der Gatte mit dem gesuchten Kassenboten nicht identisch war und daß es sich hier um ein Frankfurter Ehepaar handelte. Gegen 10 Uhr abends wurde das seltsame Ehepaar aus seiner Haft egklasscu. Einen umfangreichen Schwindel mit gefälschten Rabattmarke« hat die Kriminalpolizei aufgedeckt. Der Reichs-Span- uns» Rabattverein in der Gitfchiner Straße fand in der letzten Zeit wieder- holt, daß die Bücher, die er von den Kaufleuten gefüllt-zurück bekam, gefälschte Rabattmarken enthielten. Er machte feine Kunden hierauf aufmerksam und bat sie, acht zu geben. Auf biefe Warnung hin sah auch ein Kaufmann in der Weserstraße in Neukölln genauer zu, als ein Mann ihm bei einem kleinen Einkastf ein Markenbuch in Zahlung gab. Weil alle Marken ganz neu waren, schöpfte er Verdacht und ließ den Käufer festnehmen. Auf dem Polizeipräsidium wurde der Verdächtige festgestellt als der 30 Jahre alte Lithograph Gustav Ruthe, ber in der Kaiser« Friedrichstraße 176 eine Küche gemietet hatte, um Marken im großen herstellen zu können. Er hatte zu diesem Zweck eine Stein- druckhandpresse, eine Perforiermaschine und die nötigen Farben angeschafft und seine Versuche unermüdlich solange fortgesetzt, bis ihm die Fälschungen zuletzt durchweg gut gelangen. Besonders ähnlich fielen die Einmark- und die Zehnpfennigmarken aus, während er bei den 25-Pfennigmarken die Farbe nicht recht traf. In der Fälscherküche fand die Kriminalpolizei noch ungefähr 300 Bogen nachgemachter Marken. Ruthe, der wegen Falschmünzerei schon mit 3 Jahren Gefängnis bestraft ist, gestand ein, die Fäl- schungen der Rabattmarken schon seit längerer Zeit betrieben zu haben, um davon zu leben. Seit zwei Jahren ist er wegen Krank» heit arbeitslos._ Ein weiterer Berliner Bankdefraudant wurde auf Veranlassung der Berliner Kriminalpolizei in Swakopmund verhaftet. Kurz nach der Unterschlagung des Kassenboten Haase bei der American Expreß Compagnie stellte sich heraus, daß derselben Bank 16 000 M. veruntreut worden waren. Zwei Wertbriefe, die das Berliner Zweiggeschäft nach dem Hauptsitz der Bank in New gork sandte, enthielten statt der darin angekündigten 16 000 M. nur Papierschnitzel. Bei der Absendung waren den Beamten vier Tausend« dollarnoten zum Einstecken in den Brief gegeben worden. Es mußte also einer von ihnen die Scheine für sich behalten haben. Der Verdacht fiel zuerst auf den Kassenboten Haase, der bei seinem Geständnis die Unterschlagung dieses Geldes jedoch bestritt. Es stellte sich auch bald heraus, daß diese Veruntreuung von einem an» deren früheren Angestellten de? Geschäfts verübt worden war, und zwar von dem 27 Jahre alten Verwaltungssekretär Karl Bennent, der auS Düsseldorf gebürtig ist und zuletzt in der Wind« scheidstr. 30 zu Charlottenburg wohnte. Bennent erschien am 10. v. M. bei einem Lotterie- � und Bankgeschäft, wo er auf Englisch bat, ihm eine Tausend-Dollarnote zu wechseln. Der Geschäftsinhaber tat dies auch. Später wurde der Dollarschein in Hamburg, wo die Nummer der Note bekannt war. angehalten. Der Inhaber deS Bankgeschäfts erkannte auS den ihm vorgelegten Bildern den Ver- waltungssekretär Karl Bennent bestimmt wieder. Die Kriminal» Polizei ermittelte bald, daß sich Bennent, der sich nach Berlin ab« gemeldet hatte, in Wirllichkeit den Dampfer„Prinzessin" bestiegen hatte, um nach Südafrika zu fliehen. Bei seiner Ankunft in Swakopmund wurde er jetzt von der benachrichtigten Hafenbchörde erkannt und festgenommen. Die Affäre der verhafteten Inhaber der„Berliner Fleisch- und Wurstwarenfabrik A. Müller" in der Neuen Königstraße. Kaufleute Max und Rudolf Schmager, hat gestern eine unerivartete Wendung genommen. Die unter dem Verdacht des KonkurSver- brcchens und Vergehens gegen das Gesetz betr. die Gesellschaften m. b. H. verhafteten Inhaber wurden in erster Linie beschuldigt, angesichts des drohenden Konkurses in der Absicht, ihre Gläubiger zu benachteiligen, Vermögensstücke beiseite geschafft zu haben. Außerdem sollten sie die Geschäftsbücher unordentlich geführt und bei Gründung der Gesellschaft unrichtige Angaben gemacht haben. Tie Verhasteten bestritten von Anfang an mit aller Entschieden- heit, sich irgendeiner strafbaren Handlung schuldig gemacht zu haben. Vom RcchtSbcistand der beiden Verhafteten wurde sofort der Antrag auf Haftentlassung gestellt, der wie folgt begründet wurde: Durch ein plötzlich aufgetauchtes, völlig unbegründetes Gerücht, nach welchem die Gebrüder Schmager zahlungsunfähig seien, habe sich ein förmlicher„Run" der Gläubiger entwickelt, die plötzlich sämtlich ihre Forderungen einziehen wollten. Die hier. durch entstehende Krisis habe sich dann durch den völlig übereilten Antrag auf Eröffnug des Konkursverfahrens zur Katastrophe ent- wickelt.— Die Nachprüfung dieser einzelnen Momente durch den Untersuchungsrichter hak zu dettr Resultat geführt, daß die deiddü Verhafteten ohne Stellung einer Kaution gestern aus der Haft entlassen wurden. In dem Beschlüsse wird u. a. gesagt, daß die sämtlichen von dem„Gläubigerschutzverband" ausgehenden Be- schuldigungen völlig zu Unrecht erhoben worden seien, ebenso seien auch die Bücher in bester Ordnung gewesen. Nevcr die Höhe der Gcsamtkostcn einer Feuerbestattung werden von Zeit zu Zeit Anfragen an die Redaktion des Briefkastens ge> richtet. Hierzu ist zu bemerken, daß die Preise in denjenigen Städten, in denen die Leichenverbrennung schon längere Zeit besteht, ver-> schieden sind. Eine wesentliche Lerbilligung der Feuerbestattung hat der Verein der Freidenker für Feuerbestattung, Sitz Berlin, Geschäfts- stelle Emil Bunde, Neukölln-Berlin, Elbestr. l 9/20. vorn IV, für seine Mitglieder erreicht. Derselbe kann für seine Mitglieder die Feuer- bestattung(einschl. sämtlicher Besorgungen, ärztliche Atteste, Polizei- licher Ueberfühnmgsschein usw. durch die Geschäftsstelle) in Chemnitz für 2öö M., in Jena für 272 M., in Gotha für 235 M. und in Ham- bürg für 310 M. ausführen. Für auswärtige Mitglieder werden diese Kostenansätze verändert durch die Transportkosten auf der Eisenbahn sowie durch die Zusendung eines voischriftsmäßigen TransportwagenS. Als Zuschuß zur Verbrennung gewährt der Verein bei einem Eintrittsgeld von 1 M. und dem Mindestbeitrag von monatlich 50 Pf. nach dreijähriger Mitgliedschaft 30 M., nach fünfjähriger 20 M., nach siebenjähriger 100 M., nach achtjähriger 120 M. und nach neun- jähriger Mitgliedschaft 200 M. Nach zehnjähriger Mitgliedschaft wird die volle Einäscherung kostenlos nach den Mindestsätzen des Ver- einS ausgeführt. Sobald die Leichenverbrennung in dem von der Stadt Berlin errichteten Krematorium vor sich geht, ändern sich die Bedingungen des Vereins. Er übernimmt dann bereits die k o st e n I o s e E i n-- ä s ch e r u n g seiner Mitglieder nach dreijähriger Mitgliedschaft zu den Mindestsätzen des Berliner Krematoriums. Der Borstaud des jüdischen Krankenhauses teilt uns unter Bezug. nähme auf die in der Nummer vom 13. d. M. im„Vorwärts" cnt- haltene Notiz:„Ein aufregender Vorgang" mit, daß die Unter- suchung über die Entlassung des Patienten Margolies die Unrichtig- leit unserer Mitteilungen ergeben hätte. M. sei am 3. August durchaus entlassungsfähig gewesen, er habe sich jedoch geweigert, das Krankenhaus zu verlassen. Der Patient habe stets gegen die Disziplin des Kraukenhauses verstoßen. ES treffe daher nicht zu, daß er wegen Nichtzahlung der rückständigen Verpflcgungskosten ent- lassen worden sei. fluch wird in dem Schreiben bestritten, daß der Inspektor den M. am Halse gepackt oder mit der Polizei gedroht habe. Aus dieser Mitteilung ist nicht ersichtlich, weshalb die Entlassung des M. plötzlich so eilte. Auf unsere Angabe, daß der stellvertretende Chefarzt, Prof. Karewsky angeordnet habe, daß dem Kranken ein anderes künstliches Bein angefertigt werden müsse, weil das ihm vorher verordnete Schmerzen verursache, geht das Schreiben nicht ein. Dem Kranken kam es doch lediglich darauf an, im Besitze deS künstlichen Beines zu sein. Diesem Wunsche hätte die Verwaltung Rechnung tragen können, sie hätte dadurch sich und den übrigen Patienten einen solchen unangenehmen Auftritt erspart. DaS zwangs weise Anlleiders des Patienten durch Arzt und Krankenpfleger mußte auf die airdew» Patienten empörend wirken. Mamilienobdach befanden sich am 1. August �w-ar 37 Familien mit zusammen 112 Köpfen er und 31 Säuglinge) und 20 Einzelpersonen. > betrug am 1. Juli 26 Personen weniger. kiche Obdach wurde während des Juli von 21047 642 Frauen besucht. Der Tag des geringsten Be- der 12. Juli mit 1487 Personen, der des stärksten Be- r 2. Juli mit 1022 Personen. Gebadet haben in den dern täglich durchschnittlich 636 Personen. Wannenbäder während des ganzen Monats an 663 Männern und Frauen verabreicht. Auf der Treptow-Sternwarte spricht Dozent Jens Lützen am 'Sonntag, den 22. August, abends 7 Uhr, über:„Sonne und Sommerhitze", am Montag, den 26., abends 7 Uhr lautet das Thema:„Welche Himmelskörper sind bewohnt?" Beide Vorträge sind gemeinverständlich und mit zahlreichen Lichtbildern ausge- stattet. Mit dem großen Fernrohr wird am Tage ein heller Stern und des Abends der Jupiter, ein Sternhaufen oder ein Fixstern gezeigt. Kleinere Fernrohre stehen den Besuchern zum Aufsuchen beliebiger Objekte kostenlos zur Verfügung. 162 (darp Vorort- l�admckten. Schoniberg. Eine gefährliche Schwindlerin ist gestern durch die Kriminal- Polizei festgenommen worden. Es handelt sich um ein 22jähriges Mädchen, das unter den Namen Elsa von Sonden, Anna Sameck, Anna Spey. Elise Koch usw. seit längerer Zeit in den westlichen Vororten und auch in Berlin selbst Logisichwindeleien verübt hat. Die sehr vornehm und sicher auftretende Gaunerin, mietete sich in besseren Pensionen ein, wo sie auf Kosten der Pensionsinhaber ein flottes Leben führte. Sobald ihr die Rechnung präsentiert wurde. verschwand sie heimlich. Beim Umzug schwer verletzt wurde gestern der 23 jährige HmiS« Wem Bernhard Pirket ans der Ebcrsstr. 4. P. befand sich im Umzug und wollte gestern niehrere schwere Eisenplatten auf den Wagen heben. Dabei entglitt ihn, die Last»nd fiel ihm auf die linke Hand, deren Finger völlig zermalmt wurde. Der Verunglückte erhielt von einem hinzugerufenen Arzt die erste Hilfe und fand dann Aufnahme im städtischen Krankenhaus-. Grotz-Lichterfelde. Selbstmord durch GaSvergiftuilg beging der 34 Jahrs alte Plättereibesitzer PaulLiesegang. Dürerstr. 42 wohnhaft. Gestern früh machte sich im genannten Hause ein intensiver Gasgeruch be- merkbar. Als um>/z3 Uhr die Plättcrinncn erschienen und mit ibrer Arbeit beginnen' wollten, fanden sie sämtliche Gashähne ge° öffnet vor, während L. angekleidet auf dem Bett lag. Die sofort herbeigerufene Sanitätskolonne versuchte mit dein Sauerstaffapparat Wiederbelebungsversuche. SanitätSrat Dr. Rothe konnte jedoch nur den bereits vor Stunden eingetretenen Tod feststellen. L. war ver- heiratet und hinterläßt Frau sowie einen achtjährigen Sohn. Ehe- liche Zmistigkeiten, verursacht durch allzu reichlichen Alkoholgenuß des Mannes, haben diesen in den Tod getrieben. Die Eheleute lebten in der letzten Zeit getrennt. Aiieder-Schöneweide. Auf zur Gemeindewahl l Heute, Freitag, den 23. August, nachmittags von 2 bis 9 Uhr abeuds, findet in der Aula der Schule die Ersatzwahl zur Gemeinde- Vertretung statt. Kandidat der sozialdemokratischen Partei ist Restaurateur W i l h e l n, L a d e n d o r f. An den Wählern liegt es nun, durch Abgabe ihrer Stinime für den Kandidaten der Sozialdemokratie, der die Interessen der arbeitenden Bevölkerung vertritt, dessen Wa?l zu sichern. Tue jeder Genosse seine Pflicht und der Erfolg wird nicht ausbleiben. Genossen, die sich an den Wahlarbciten beteiligen, treffen sich vor 2 Uhr im Schlepplokal bei R e i n h. S ch n e i d e r, Hasselwerder Str. 36. ivber-Schöneweide. Gcmciiidevcrtrctcrsitznng. Vom Gemeindevorsteher wurden zunächst die neugewählten Schöffen»nd Vertreter, unter ihnen auch Genosse Liesegang, in ihr Amt eingeführt. Unter Mitteilungen wurde bekanntgegeben daß die Klage des früheren Gemeindewächters verantwortlicher Redakteur:«lbert Wach», Berlin. Für bat Pfläüz auf Gewährung einsr Rente attch in zweiter Instanz a b gewiesen, das Urteil aber vom Kläger angefochten sei. Die im Frühjahr von der Vertretung neugeichaffene Besoldungs- ordnung für die Lehrkräfte in der Volksschule hat nicht die Genehmigung der Behörde gefunden. Vom Gemeinde vorstand ist gegen diesen Entscheid, der mit der un- günstigen Finanzlage der Gemeinde begründet wurde, Beschwerde an den Provinzialrat erhoben worden. Bei der Angelegenheit der Erneuerung verschiedener Versicherungen wurde von unseren Genossen auf den Mangel hingewiesen, daß Unfälle der Schüler beim Turnen vielfach ohne Eirt- schädignng blieben. Die Maßnahme der Versicherungsgesellschaften, wonach bei Unfällen, die sich unter Aufsicht der Lehrperson zutragen, eine Entschädigung nicht gezahlt werde, mache die ganze Versicherung ziemlich wertlos, da von dem haftenden Lehrer doch keine Deckung der Ansprüche zu erlangen sei.— Der aus dem Verkauf eines Gemeindcgrundstückes erzielte Gewinn soll zur Bildung eines Grund st ückerwerbsfonds verwandt werden. Zur Aufstellung des Projektes der neuen Kanalisation wurden 3000 M. bewilligt; der Aufwand für die erstmalige Anlage wird zirka Vg Million Mark betragen. In geheimer Sitzung wurden'AnstellungS« und Penstonierungs- fachen erledigt. Grünau. Der Arbeiter- Radfahrervercin veranstaltet Sonntag, den 22. August, in„Günthers Sportpark" unter Mitwirkung der Arbeiter- Turn- und Gesangvereine ein Volksfest. Die Arbeiterschaft wird hierdurch auf das Fest aufmerksam gemacht. Neuenhagen(Ostbahn). Die Gemeindevertretung erklärte die Wahlen der Genosien Reinhardt und M ö s e r einstimmig für gültig. Für den, die Annahme der Wahl verweigernden Landwirt O. Schmücke wurde Rentier Z i t t e r b a r t in die Voreinschätzungskommission gewählt. Eine rege Debatte entstand über einen Antrag des Schulvorstandes, der die Erstattung der Kosten für einen Teilnehmer am Kursus für Jugendpflege fordert. Der Kursus findet vom 29. September bis 6. Oktober in Ren-Ruppin statt. Die Teilnahme wird vom Landrat den Gemeinden auf deren Kosten empfohlen. Nach dem Programm soll die„Jugendpflege" nach dein Muster des Jungdeutschlandvundes gestaltet werden, ein Dutzend Pastoren halten Vorträge u. a. auch über die„Jugendpflege der Sozialdemokratie". Gegen die Stimmen unserer Genossen und des Herrn Dr. Leubuscher wurden die Kosten in Höhe von 20 Mark bewilligt.— Der sozialdemokratische Antrag, der die llnentgeltlichkeit der Desinfeklion verlangt, förderte verschiedene Ansichten zutage. Der Gemeinde könnten durch die Annahme dieses Antrages ungeheure Kosten ent- stehen— man solle die Allgemeinheit nicht zu sehr belasten— und ähnlich äußerten sich die bürgerlichen Vertreter. Der Herr Kanzleirat empfahl die Ablehnung des Antrages; eS solle bei dem bisherigen Modus bleiben, wonach von Einkommen über 000 M. Gebühren erhoben werden. Einige Vertreter wollten diese Grenze der Polizei- lichen Gebührenordnung auf 1200 resp. 1200 M. erhöht wissen. Unsere Vertreter erklärten, daß die Desinfektion zur öffentlichen Gesundheitspflege gehöre und ebenso wie im Interesse der einzelnen Familien auch im Jnteresie der Gesamtheit liege; es sei deshalb nur recht und billig, daß die Kosten für die Desinfektion von der Gesamtheit, getragen würden. Der Antrag wurde zur nächsten Sitzung vertagt. Bis dahin sollen Erkundigungen beim Amts- Vorsteher eingezogen werden über die durchschnittliche Höhe der Desinfektionskosten innerhalb der letzten drei Jahre. Unsere Ge- meinde besitzt bis jetzt keine Desinfektionsapparate, sondern benutzt die der Stadt Altlandsberg. In geheimer Sitzung wurde über ein Grnndstücksangebot verhandelt. Schöneiche(Nieder-Barnim). Die Gas- und Wasserversorgung durch die Stadt Ltchtenber scheint jetzt in weite Ferne gerückt zu sein. Wie bekannt, hatte si Schönelche von den umliegenden Gemeinden— die durch einen Zweckverband ein Zentralwasserwerk für die östlichen Vorortgemeinden des Kreises Niederbarnim errichten wollen und darin vom Landrat nnterstiitzt werden— abgesondert und mit der Stadt Lichtenberg einen Monopolvertrag abgeschlossen. Lichtenberg verpflichtete sich, sowohl Wasser wie Gas zu einem erheblich geringeren Preise zu liefern, wie es das geplante Zentralwasserwerk und auch das Gas- werk der benachbarten Gemeinde Klein-Schönebeck vorläufig ab- zugeben imstande ist; ferner verpflichtete sich Lichtenberg, die not- wendigen Leitungen der Gemeinde kostenfrei zu legen, sobald der Vertrag die Genehmigung der Aufsichtsbehörde gefunden habe. Diese Genehmigung wurde aber gar nicht abgewartet, sondern sofort mit der Legung des Rohrnetzes begonnen. Jetzt hat der Landrat— ebenso wie Rüdersdorf zu dem Wasser- werk— die Genehmigung zu dem Vertrag und auch die Erlaubnis zur Legung der Rohre durch die Kreischaussee, die durchquert werden muß, versagt. Ein großes Geschrei und Protestversammlungen seitens der Haus« und Grundbesitzer, die mit der„ersten" Wasser- leitung, bei Hervorhebung der augenblicklich niedrigen Preise die Nachbargemeinden auszustechen und gute Geschäfte zu machen ge- dachten, ist die Folge. Im Gegensatz zu R ü d e r s d o r f, das von dem projektierten Bau eines eigenen Wasserwerks Abstand nimmt und sich an das geplaikte Zentralwasserwerk anzuschließen beabsichtigt, will Schöneiche den Rechtsweg beschreiten. Herzfelde. Großindustrie soll in unserem Orte Einzug halten. Wie gemeldet wird, bat die dem bekannten rheinischen Industriellen August Thyssen nahestehende„Rittergut Rüdersdorf G. m. b. H." das Gut des Rittergutsbesitzers Bredcreck zum Preise von 162 000 M. gekauft. Es besteht die Absicht, dort eine Fabrik zu errichten, wie es hieß, sollte es sich um eine Stahlplattenfabrik handeln. Die auf dem Gute vorgenommenen Bohrungen nach Ton lassen aber darauf schließen, daß je nach Beschaffenheit des gefundenen Materials entweder eine Ziegelei oder eine Porzellanfabrik ge- gründet werden soll. Bernau. Die Stadtverordneten beschäftigten sich in ihrer letzten Sitzung mit der Landwirtschaftlichen Krankenkasse, wobei auch die Kranken« hausfrage gestreift wurde. Hierzu teilt uns Herr Stadtverordneter S ch m e i ch e l mit, daß vor länger als Jahresfrist im städtischen Krankenhause bei einer höheren Velegzahl als jetzt der Krankenwärter und zwei Schwester» den inneren Dienst versahen, während die Frau allein die Küche besorgte. Der Magistrat habe es damals abgelehnt, Hilfskräfte zu bewilligen. Heute seien bei einer geringeren Belegzahl ein Krankenwärter, acht Schwestern, eine Köchin, drei Dienstmädchen sowie zwei Waschfrauen beschäftigt. Er sei also nicht„eines Besseren belehrt" worden, vielmehr müsse der Magistrat seine Anregungen für richtig gehalten haben, denn schon nach acht Tagen seien zwei Schwestern entlassen worden. Spanva«. Nach Potsdamer Muster? Folgendes Inserat wird von der hiesigen Ortsgruppe der Vereinigung kommunaler Polizeibeamten Preußens,„Kameradschaft", in der„Spand. Ztg." veröffentlicht: „Infolge des in letzter Zeit erfolgten Massenauslrittes, hervor- gerufen durch die Widerwärtigkeiten, denen die Mitglieder der uvling oreieo un irres iraarson>.�erricyeii«icanes A b st a n d zu nehmen und erklären wir daher, um die Existenz der einzelnen Kameraden nicht- zu gefährden, hiermit die Ortsgruppe für aufgelöst." Nach dem Inserat zu urteilen, könnte man zu dem Schlusie kommen, als sei den Hütern der Ordnung„von oben berab", ähnlich wie den Potsdamer Feuerwehrleuten, die Zugehöugleit zu dem Berein untersagt worden. Die JahreSaufnahme der Partei- und GewerkschastsbibNothek, die sich in der„Vorwärts"-Ausgabestelle Breitestr. 64(Laden) be- findet,: ist beendet und werden Bücher von Sonnabend, den 24. August, an wieder ausgegeben. Die Ausgabe erfolgt nur an Wochentagen von 8 bis 2 Uhr und von 4 bis 8 Uhr abends. Sonn- tags bleibt die Bibliothek geschlossen. Ei» bedauerlicher Unglücksfall, bei dem unsere Parteigenossin Frau Anna Büttner, Hamburger Str. 119, lebensgefährliche Ver- letzungen davontrug, ereignete sich bei einer Radfahrerpartie, die die Familie unternommen hatte. Im Grunewald, auf der Chaussee zwischen Schildhorn und Wannsee, kam plötzlich ein Automobil herangesaust, dem die Radfahrer nicht schnell genug ausweichen konnten. Die Verunglückte verlor die Gewalt über ihr Rad und stürzte so unglücklich, daß ihr das Blut aus Mund und Nase quoll. Der sofort herbeigerufene Arzt ordnete die Ueberführnng in das hiesige Krankenhaus an, wo die Bedauernswerte am Dienstag ftüh den schweren inneren Verletzungen erlegen ist. Die Beerdigung kann infolge der Beschlagnahme der Leiche noch nicht stattfinden und werden wir im Inseratenteil noch Mitteilung dävon machen. Eingegangene Druckfdmften. Von der„Reuen Zeit" ist soeben das 47. Hest des 30. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes beben wir hervor: Die Schlag« weiter- und Kohlenstaubexplosionen aus den Zechen Osterseld und Lothringen. Von G. Werner(Essen).— Das restaurierte Preußen. Von Franz Mehring.— Miliz und Wrüstung. Von Paul Lensch.— Roosevclts neuer Nationalismus und die radikale Bewegung m den Vereinigten Staaten. Bon L. B. Boudin(New Jork).(Schluß.)— Die Erhebung der Partei- beitrage. Von Wilhelm Pieck.— Literarische Rundschau.— Feuilleton der .Neuen Zeit" Nr. b4: Kunst und Proletariat. Von H. Ströbel. Zur ästhetisch-literarischen Enquete. Von Lu Märten. Die„proletarische" Kunst? Bon W. Zimmer. Kunst und ArbeUerschast. Von Robert Gröhsch. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch« bandlnngen, Postanstalien und Kolporleure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Von der„Gleirtibeit", Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen, ist uns soeben Nr. 24 des 22. Jahrgangs zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Ausruf des ParleworftandeS zum Partei- tag.— Menetekel.— Zur Aenderung des Organisationsstatuts der Partei. — Fortbildungsschulen für Arbeiterinnen. Von Luise Zieh.— Von der dcutschxn Kolonialpolitik. II. Von H. B.— Mit den Beilagen: Für unsere Mütter und Hausfrauen und Für unsere Kinder. Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Ps., durch die Post bezogen beträgt der Abonnementspreis viertclsährlich ohne Bestellgeld 55 Ps.; unter Kreuzband 85 Ps. Jahresabonnement 2,S0 M. Vom»Wahren Jacob" ist uns soeben die 18. Nummer des 29. Jahr» ganges zugegangen. Der Preis der textlich und bildlich reich ausgestalteten IS Seiten starken Nummer ist 10 Ps. Probenummern sind jederzeit durch den Verlag I. H. W. Dich Nachs. G. m. b. H. in Stuttgart sowie von allen Buch- Handlungen und Kolporteuren zu beziehen. Arbeitertouristenverein„Tie Naturfreunde", Ortsgruppe Berlin. Sonntag, den 25. August: Wanderung von Fürstcnwalde nach Nauen, Markgrasensteine, Scharmützelsce, Storlowcrsee, Storkow. Abfahrt nach Fürstenwalde I. am 24. August abends Alcxanderplatz 7.50; Schiesischer Bahnhof 3,02; II. am 25. August früh Alcxanderplatz 7,03; Schiesischer Bahnhof 7,15(Fernzüge). Treffpunkt an den Markgrasensteinen. Gäste willkommen._ BrUfkaften der Redafttton. Tie imistlsche Sprechstunde findet Linden st rake 69, ver» vier Treppen — Fahrstuhl—, irochcntä glich von bis 7% Uhr abrndS, SonnabeudS, von 4>-, bis 6 Uhr abends statt. Feder für den Briefkasten bestimmten Anfrage ist ei« Buchstabe und eine zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht crteilt. Anfragen, denen kctnc Abonnrmentsquittnng beigefügt ist, werben nicht beantwortet. EUige Fragen«rage man in der Eprechstundc vor. R. B. 1914. 1. Soweit bekannt: ja. 2. Kommt ans die näheren Umstände des Falles an.— H. G. H. 86. An die Behörde des Ge- burtSorteS. Das zuständige Konsulat erfahren Sie bei der österreichisch- ungarischen Gesandtschaft.— F. K. KarlShorst 299. Ihre Angaben sind imvollltändig. Die Berusungssrist beträgt eine Wochz. Gegen den Bescheid der Oberstaatsanwaltschast kann Beschwerde beim Justizminister eingereicht werden.— Helios 18. 1. Die AuZeimindersetzungsbescheinigung erteilt das Vormundschastsgericht, das ist, soweit ersichtlich, das Amtsgericht Lichtenberg. 2. und 4. Ja. 3. Nein.— Möbd. Einen geietzlichen Anspruch aus Ermäßigung des Kaufpreises haben Sie nicht. Ein schriftliches Garantie- versprechen ist zweckmäßig.— E. H. lOO. 1. und 2. Nein. 3. Das Testament kann auch in der Wohnung ausbewahrt werden.— H. W. 33. Nein.— Kopernitus 29. 1. Ja. 2. Jeder nach seiner Leistungsjähig- kcit. 3. New.— M. Sich. Leider ja.— H. Z. 22. 1. Bor Abiaus von zwei Jahren, vom Ausstellungsdatum gerechnet, die Karte umtauschen und im selben Zeitraum mindesteus zwanzig Marken einer beliebigen Lohnklasse entwerten. 2. Nein.— F. M. Friedenau. Die Firma kann Zahlung und Abnahme fordern.— O. K. 173. 1. Ihre Auffassuna ist richtig. Die Erklärung ist bei dem Regierungspräsidenten einzureichen. 2. Ja. — R. K. 45. 1. Taufschein. 2. und 3. Nicht das Standesamt, sondern das Pfarramt ist zur Ausstellung des Tausscheins berechtigt; wenden Sie sich an das letztere.— Steuern 55 O. B. Mindestens zehn Wochen un- unterbrochen. Innerhalb Jahressrist ist der Antrag zu stellen. AIS Aus« weis kann die Jnvalidenkarte dienen.— Abonnent Buch 24. 1. DaS ist kein Widerspruch. Jeder der Erben hat»Anspruch mit Vollendung des 29. Lebensjahres; die weitere Bestimmung kann nur dahin verstanden werden, daß in dieser Zeit die endgültige Rechnungslegung seitens des Testamentsvollstreckers erfolgen muß. 2. Nein.— Tch. Sch. 49. 1. Ver- jährungsfrist: 30 Jahre. 2. und 3. Ohne nähere Kenntnis deS Sach- Verhalts nicht zu beurteilen.— Hospital 24. Anspruch aus Herausgab« des Schuldscheins besteh! nicht. Dagegen können Sie, soweit ersichtlich, die Beerdigungskosten vom Hoipital erstattet verlangen.—<9. W. 79. Nein. Für den Fall der Invalidität wäre die Wartezeit erfüllt.— H. M. W. Ja.— Nt. 9. Leider ja. Ihr Lohn ist befchlagnahmesähig.— F. G. 77. Nein. P. Buchhandlung Vorwärts, Lindenstr. 69.— R. P. 100. Zu einer Nachfrage am Ort fehlt unS die Zeit.— Schwarz 11. Von 11 bis 12'/, und von 6 bis VI, Uhr.— M. F. 55. RcklamS Unweffal- bibliothek in Leipzig.— F. H. Dir.— Wette. Offene Handelsgesellschaft. — R. 23. 2. Klasse 54.80 M.; etwa 24 Stunden.— A. M. 14. Ära- siiianische Gesandtschaft, Berlin IV., Llltzowstr. 33, von 2—4 Uhr.— B. R. 33. Jede Aummisabrik. Adressen im Adreßbuch, 2. Teil.— I. S. 101. Stislungsdeputation des Magistrais. Poststraße 16.— F. R. 36. Nein.— B. St. 1879. Schristliche Anfrage an das Ein» Wohnermeldeamt in Leipzig. Genaue Angabe von Geburtsort und Datum. Rückporto und 50 Ps. Gebühren.— G. H. 19. Am 6., 10., 13., 17., 20., 24., 27. und 31. Juli.— A. Z. 5999. Eine Klage ist aussichtslos. Marktbericht von Berlin am 21. August 1912, nach Ermittelung des königl Polizeipräsidiums. Martthallenpreise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—50,00. Speiscbobnen, weiße, 30.00—50,00. Linsen 40,00—80,00. Kartosseln(Klcinhdl.) 7,00—12,00/ 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,80—2,40, Rindfleisch, Bauchfleisch 1,50— 1,90. Schweinefleisch 1,60—2,40. Kalbfleisch 1,50— 2,40. Hammelfleisch 1,70—2,40. Bulter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 3,60—6,00. 1 Kilogramm Karpfen 1,60-2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,40-3)60. Hechte 1,60—3,00. Barsche 1.00-2,40. Schleie 1,60-3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 3,00-40,00._ WitterungSüberticht vom LS. August 1912. «tationen Swwemde. Hamburg Berlin Frankj.a.M, München Wien II |E= 758 SW 758 WSW 760, SW 763SW 766 SW 766 WSW Wetter w« c-?- »Ii E-4 Ho 7halb bd, 3 wolkig Zhcdcckt 4!bedeckt 5�edcckt »bald bd. etattonen zl 2 5 Haparanda Petersburg Scilly Abcrdeen Paris A= B 5 S-9 -a 764, D 762O 763, SW 75ZWNW 764'WSW Wetter stwolkig 2, Dunst 4 wolkig Swolkiq 2 bedeckt C* 4 II o 7 13 11 14 Wetterprognose für Freitag, den 23. August 19�2. Ziemlich kühl und witidig, vorwiegend trübe, mit lcichteil Regcnsällen und Gewitterneigung. Berliner Wetterburean. gnseratsnteil verantw.l Zd.W»ckr.Berstll. Druck».Verlag: Borwärt» vuchdruckerei u. Be rlagsanstalt Paul Singer u. Co., fBerttn SW.