Nr. 198. Ndonnemenk-KMMSeiU BSonnenicntä< Preis vränumerandot Bierteljährl. Z.30 Mk. Monall. l.lo mt, wöchcnllich 28 Pfg. frei ins HauZ. Einzelne Numjner 5 Psg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonniags- Beilage.Die Neue Welt- 10 Psg. Post- «bonneinent: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Poft-Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband lür Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, sür das tibrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostabonnemcntS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Stumänien. Schweden und die Schweiz. S9. Jahrg. Die Insertion«-Sebllhk beträgt für die sechsgespastene Kolonel- zeile oder deren Raum so Pfg., für politische und gewerlschastliche Vereins. und Versammlungs-Anzeigen 30 Pig. „Ateine Anreisen", das fettgedruckte Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über 13 Buch- staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis ki Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition III bis 7 Uhr abends geossnet. Critöelnt tZgllch auBcr Hlontaa». Verlinev VolkSblÄtk. Zcntralorgan äer rozialdcniokratifchcn Partei Deutfchlands. Telegramm. Adresse: „Sozialdtniolirat Bcrlla" Redaktion: SM. 68, Linden Strasse 6g, Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1S83. Sonntag, den ÄS. August 191Ä. Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 138«. Wider den fleilchMcher der Agrarier und Sroklchlächter. Den zahlenmäßigen Beiveis der anhaltenden Teuerung zu führen, kann man sich füglich sparen, seitdem vor kurzem ein hiesiges Gericht die Preiserhöhung„aller Lebensbedürfnisse ohne Unterschied" für gerichtsbekannt erklärte und weiter bc- stätigte, daß„ein Rückgang einmal eingetretener und längere Zeit andauernder Preissteigerung der Lebensmittel erfahrungsgemäß nicht zu erwarten sei. Unter den Lebensmitteln hat das Fleisch aber so un- geheuerliche Preissteigerungen erfahren, daß ein Vergleich der jetzigen Verkaufspreise mit denen vor 10 Jahren allein die Notlage der breiten Massen beleuchtet. Man zahlte in Berlin sür ein Pfund(in Pfennigen): „, Rind- Stoib- Hommel- Schweine- Speck Schinken Schweine- "• fleisch fleisch fleisch fleisch gcräuch. gceöuch. schmolz 1901«4 78 Kl K3 75 108«4 Juli 1912 110 110 105 83 90 160 90 mehr 46 32 44 20 IS 52 26 Bei derartig hohen Preisen wird es proletarischen Familien unmöglich gemacht, sich Fleischgerichte bei ihren Mahl- zciten zu leisten. Allenfalls erhält der Ernährer eine Fleischspeise: Frau und Kinder gehen leer aus, obgleich auch sie regelmäßig zum Unterhalt der Familie durch eigene Arbeit beitragen. Schon in den Jahren 1907 und 1908, die sich durch niedrigere Fleischpreise auszeichneten, mußten in Familien mit einem Gesamteinkommen bis 2000 M. etwa 50 bis 80 Prozent aller Einnahmen für die Nahrungs- beschaffung ausgegeben werden. Wenn Proletarier heute die ebenfalls im Preise gestiegenen allernotwendigsten Ausgaben für Wohnung und Kleidung bestreiten wollen, bleibt ihnen für Lebensmittel kaum eine größere Summe. Am Fleisch wird am ehesten gespart werden. Eine Ernährung, ungenügend nach Menge und Zusammensetzung, muß in breiten Schichten die Folge sein. Klagt doch selbst die Beamten- fchaft und der gewerbliche Mittelstand mit Recht über die teuere Lebenshaltung, obgleich dort die Gehaltserhöhungen erheblicher ausfielen als die Lohnsteigerungen der Arbeiter, die ja zum Teil noch nicht einmal die Löhne der letzten Kon- juukturperiode 1907 erreicht haben. In der bürgerlichen Presse kann man allerdings häufiger sentimentale Klagen von Hausfrauen lesen, daß Proletarierinnen auf den Märkten große Einkäufe machten, die jene„entbehrenden" Damen sich nicht leisten könnten. So weit derartige Mitteilungen nicht ganz aus den Fingern gesogen sind, beruhen sie meist darauf, daß die Proletarierin einmal in der Woche und zugleich für ihre Aftermieter und Schlafgänger die Vorräte einkauft. Unparteiische Beobachter(so im vergangenen Jahr noch eine Arbeit des Statistischen Amts der Stadt Halle) haben es längst ausgesprochen, daß große Teile unseres Volkes an Unterernährung leiden und daß nur durch große Anstrengungen von feiten der stets wachsenden organi- sierten Arbeiterschaft geringe Besserungen erzielt worden sind. Soweit man die Tatsache der Fleischteuerung nicht leugnen kann, suchen ihre Urheber sie auf Dritte abzuwälzen. Und so erleben wir denn seit langem eine sich immer mehr ver- schärfende niedliche Katzbalgerei zwischen Agrariern und Schlächtern. Die Agrarier behaupten, an der Fleischteuerung seien nur die Schlächter schuld; sie selbst erhielten nicht mehr wie früher für ihre Tiere. Sie berufen sich darauf, daß die Preise pro Pfund für lebendes Vieh viel geringer sind als die Verkaufspreise im Klein- Handel. Die Schlächter hingegen schieben der deutschen Landwirtschast die Schuld in die Schuhe; diese liefere zu wenig Schlachtvieh und daher müßten sie so hohe Preise selbst zahlen und anrechnen. Tatsache ist, daß sich die deutsche Be- völkerung viel schneller vermehrt hat, als der Viehbestand ge- wachsen ist. Das Angebot von Schlachttieren kann die Nach- frage nicht mehr befriedigen und so sind die Vieh- und Fleisch- preise gestiegen. Insofern haben die Schlächter mit ihren Vorwürfen recht. Die einzige Konsequenz dieser Erkenntnis kann aber nur lauten: die Grenzen auf für Vieh und Fleisch, Beseitigung der Einfuhrzölle! Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen der Agrarier ist die deutsche Landwirtschaft nicht in der Lage, den wachsenden Flcischbedarf zu befriedigen. Sie hat sich selbst die Ent- Wickelung der Viehzucht versperrt durch die Getreide- und Futtcrmittelzölle. Die kleinen Landwirte müssen Futter für ihr Vieh hinzukaufen. Im vergangenen Jahr zwang sie der Mangel an Futtermitteln zur Schlachtung oder zum Verkauf ihrer Tiere. Am Bezug ausländischer Futtermittel hinderte sie der famose Zoll. Die Großgrundbesitzer besaßen natürlich genug eigenes Futter oder konnten es aus dem Ausland beziehen, da sie aus dem vermehrten Export von Getreide reichen Profit zogen. „Der viehhaltende kleine Landwirt muß direkt den ganzen Zoll tragen. Er muß in den Jahren, wo infolge Mangels an Futtermitteln die Viehpreise niedrig sind, sein Vieh verschleudern und hat dann noch vom Groß- grundbesitzer Stroh. Streu, Kartoffeln. Rüben usw. zu kaum zu erschwingenden Preisen zu kaufen! S e i n V i e h i st rangst veräußert, ehe die hohen Preise für Vieh kommen. Der Großgrundbesitzer hat im Verhältnis sehr wenig Vieh und kann seinen Viehstand auch in schlimmen tahren gut durchbringen, um dann im nächsten Jahre hohe reise für sein Vieh zu erhalten. Wir finden hier wohl den größten Gegensatz zwischen Groß- und Klein- grundbesitz" klagt ein prattischer Landwirt-in der bürger- lichen Presse. Für kurze Zeit sanken im vergangenen Herbst die Preise besonders für die von kleinen Landwirten gezüchteten Schweine. Jetzt aber fehlt es an Vieh; die Preise steigen. So hat es sich schon mehrfach gezeigt: Mißernten an Heu, Klee und Hackfrüchten vermehren den Auftrieb an den Schlachthöfen und ermäßigen vorübergehend die Fleischpreise. In dem darauf folgenden Winter und Sommer schnellen sie um so mehr in die Höhe. Die Futtermittelzölle allein erklären aber die besonders seit 1902/3 einsetzenden Fleischpreissteigerungen nicht. Der Bülowsche Zolltarif jener Jahre erhöhte auch die Einfuhr- zölle auf Vieh und Fleisch. Ein Doppelzentner Rindfleisch ist mit 27 M., ein Doppelzentner Schweinefleisch mit 35 M. belastet. Dafür, daß ihn auch wirklich der in- ländische Konsum trägt, sorgen die Vieheinfuhr- Verbote und Vieheinfuhrerschwerungen. Die Einfuhr von Rindern ist nur aus Oesterreich-Ungarn, der Schweiz und Dänemark gestattet. Schlveine dürfen nur aus Ruß- land und Oesterreich eingeführt werden. Allen anderen Ländern gegenüber sind unsere Grenzen für Vieh gesperrt. Für Schweine ist außerdem eine Höchstzahl der eingeführten Tiere fest- gesetzt. Rindvieh darf nur auf dem Seewege, über bestimmte Häfen eingeführt werden; auch wird es einer zehntägigen Quarantäne unterworfen und muß in bestimmten Schlacht- Häusern innerhalb weniger Tage geschlachtet sein. Aehnlich unterliegt die Fleischeinfuhr schikanösen Vorschriften, die an- gcblich vor Verschleppung von Seuchen in das Zollgebiet schützen sollen. Aber die jetzigen Maßnahmen dienen in erster Linie der Erschwerung der Einfuhr, der Verteuerung des Fleisches und damit dem Profit der Agrarier. Die Herren, die ihre Gutsarbeiter knechten, in deren Bezirken die Säuglings- sterblichkeit zu- statt abnimmt, kümmern sich auch den Teufel um die Gesundheit des Proletariats. Wo sind sie je für das Interesse der breiten Massen eingetreten! Die Preise, die den Landwirten gezahlt werden, sind selbstverständlich infolge dieser Absperrung der Einfuhr gestiegen. Es ist Heuchelei, wenn die agrarische. Presse erklärt, nur die Viehkäufer und Schlächter hätten die Fleischteuerung verursacht. Nein, erst die mannig- fachen Grenzsperren machen es den Viehhändlern und Groß- schlächtern möglich, die Konsumenten auszubeuten. Sobald die Zölle und Einfuhrverbote fallen, würden auch die Zwischen- gewinne jener Vermittler zwischen Produzenten und Kon- sunientcn sinken. Dann würde das ausländische Vieh und Fleisch mit dem inländischen konkurrieren, und die Händler und Schlächter müßten ihre Preise ermäßigen. Gerade das aus Amerika bezogene gekühlte Fleisch ist geeignet, dem Arbeiterkonsum zu dienen, denn es stellt sich mindestens um die Hälfte billiger als das jetzige inländische. Von einem völligen Untergang der deutschen Viehzucht, wie ihn die Agrarier schwarz an die Wand malen, würde trotzdem keine Rede sein. Auch England treibt trotz der großen Ein- fuhr von Hammel- und Rindfleisch eigene Viehzucht. Nur steht englisches Fleisch im Preise höher als eingeführtes australisches und amerikanisches. Vielleicht eignet sich ge- kühltes Fleisch nicht für alle Speisen— obgleich die Gewohn- heit beim Geschmack eine große Rolle spielt— gesundheits- schädlich ist es jedenfalls nicht. Die deutschen Proletarier wären froh, wenn sie sich das billigere, gekühlte Rind- und Hammelfleisch kaufen könnten; Junker, Pfaffen und Bourgeois mögen sich weiterhin das teurere inländische Fleisch leisten. Die Möglichkeit der Einfuhr von Vieh und Fleisch würde auch der Milchproduktion Deutschlands zugute kommen. Heute leiden wir an einer Milchnot, die auf dem platten Lande und in den Städten für die Arbeiterschaft eine gleich schwere Kalamität bildet. Die Ausdehnung des genossenschaftlichen Molkereiwcsens hat die Milch- und Butterteuerung gerade verschärft. Hier haben die agrarischen Produzenten die Ver- arbeitung und den Absatz ihrer Produkte selbst in der Hand behalten, aber der Konsum hat dadurch nichts gewonnen. Daß auch die Schlächter es mit ihrem Geschrei wider die Agrarier nicht ernst meinen, geht daraus hervor, daß sie selbst ständig Lügennachrichten über die Schädlichkeit des amerikanischen Fleisches verbreiten und in ihrer Mehrzahl sich gegen die Einfuhrerlaubnis von Fleisch wenden. Sie steckten zu gern weiter den Profit ein, den ihnen die Agrarier verschaffen. An diesem Profit haben geringen Anteil die kleinen Fleischer, die in den Proletariervicrtcln wenig Fleisch und nur in minderen Qualitäten viertelpfundweise vertreiben. Sie selbst schlachten kein Fleisch, sondern kaufen es von den Groß- schlächtern in der Zentralmarkthallc. Die Spannung zwischen dem Einkaufspreis, den sie selbst zahlen müssen, und dem Verkaufspreis, den sie im Kleinhandel erhalten, ist auf 13 Pf. pro Pfund berechnet worden. Dieser Gewinn kann nicht als besonders hoch bezeichnet werden. Ans ihm werden Loden- miete, Löhne, die mannigfachen Verluste beim Verkauf be- stritten; er enthält zugleich die Vergütung für die persön- liche Arbeitsleistung des Fleischers. Uebrigens hat v. Tyszka durch Vergleich der Groß- und Kleinhandelspreise nachgewiesen, daß die Viehpreise in München und Berlin 1904 bis 1910 prozentual zum Teil erheblicher gestiegen sind als die Detailpreise. Auch er schließt mit Recht daraus, daß die erhebliche Verteuerung ihre Ursache nicht in der Preisgestaltung des Kleinhandels haben kann. Das wird weiter bestätigt, wenn man die Erhöhung der Schweinepreise gegen den Juli vergangenen Jahres für den Großhandel und Kleinhandel berechnet. Pro Kilo stiegen die Preise im Großhandel im Kleinhandel in Berlin um.. 31 Pf. 18 Pf. „ Köln„.. 27, 17„ „ Düsseldorf„.. 30„ 13„ „ Altona,.. 34„ 17„ Besondere Sympathien hat das Proletariat trotzdem nicht mit den Fleischern. Gehören sie doch zu den wütendsten Gegnern der Tarifverträge und suchen sie doch auf allen Wegen die Schlächtcrgcsellen auszubeuten. Ganz anders stehen sich die Viehhändler und Kommissio- näre, die das Vieh aufkaufen und nach Berlin transportieren, und die Großschlächter, die die Schlachtung auf dem Schlacht- Hof vornehmen lassen. Die Differenz zwischen ihrem Einkaufs- und Verkaufspreis ist wesentlich höher. Ihnen fallen die großen Zwischengcwinne zu. Insbesondere die Kommissionäre, die Geldleute am Viehmarkt, stecken die Profite ein. Sie üben einen Druck nach beiden Seiten aus. Die agrarischen Zölle sichern dem Kapital, das in das Viehgeschäft gesteckt wird, durch Ausschaltung der ausländischen Konkurrenz die hohe Rente. Das Geschrei gegen sie und die Schlacht- Unternehmer Hilst daher nicht viel, solange nicht die Grenz- sperre aufgehoben wird. Diese Sachlage darf nicht verschleiert werden. Ein gewisser Druck auf die Schlächter und Fleischer läßt sich allerdings durch kommunale Maßnahmen ausüben. In den Gemeinden, wo man städtische Fleischverkäufe ein- richtete oder auch nur ihre Errichtung ernsthaft androhte, sanken sofort die Fleischpreise. Die Großschlächter müssen dann billiger an die abhängigen Fleischer liefern; ihr Profit blieb dennoch hoch genug, wie sie selbst eingestanden haben. In kleineren Orten bilden Schlächter und Fleischer (Ladeninhaber) noch die gleiche Person. Hier ist der Protest gegen den Wucher der Fleischer voll berechtigt. Hier wird ihr Boykott durch die Arbeiter auch sofort wirksam. Leider ist der Konsum der Arbeiterschaft an Fleisch so gering, daß sich die Errichtung eines Fleischverkaufs durch Konsumanstalten vielfach nicht durchführen läßt. Bei geringem Absatz lohnt sich die Errichtung der Fleischabteilungen kaum. Die Arbeiter haben es daher nicht überall in der Hand, die Zwischengcwinne durch organisierten Absatz auszuschalten. Um so mehr ist es Pflicht der Agrarier, die über jene Gewinne klagen, die Ursachen der Verteuerung zu beseitigen. Aber sie wollen ja nur jenen den Profit entziehen, um ihn selbst einzustecken I Nicht die ernsthafte Sorge um das Wohl und die Gesundheit des deutschen Volkes steht hinter ihren Vor- würfen, sondern das bloße Interesse für den eigenen Geld- beute! und vor allem der Wunsch, die Prügel von sich ab- zulenkcn. Beim Spiritus haben ja die Agrarier Produktion und Absatz ohne Zwischenglieder in ihren Händen vereinigt. Und die Folge? Die Preise sind höher als je in den Zeiten wildester Börsenspekulation. Der Schwindel, daß die Fleischer allein die Schuld an der Teuerung trügen, ist zu durchsichtig, als daß Arbeiter sich durch ihn blenden ließen. Der Wucher der Agrarier schafft er st die Möglichkeit für den der Vieh- k a p i t a l i st e n. Gegen ihn ruft die Arbeiterschaft in erster Linie zum Kampfe auf: alle, die selbst bitter darunter leiden, und alle, die das Wort von ihrer Sorge um die Volkswohl- fahrt im Munde führen. Die Arbeiter fordern Abhilfe von der Regierung, die sich mit dem Glorienschein der Interessenvertretung aller Berufsstände umgibt. Noch im Frühjahr haben die Minister Delbrück und v. Schorlemer- Lieser sich dahinter zu Verstecken gesucht, daß die Fleisch- teuerung vorübergehend und„ungerechtfertigt" sei. Welchen Grad der Unterernährung mutz das Volk erreicht haben, damit unsere Minister diesen Zustand als dauernd anerkennen? Diese Frage wird mit allem Nachdruck außerhalb des Parlaments gestellt werden. Für den 3. September ruft die Sozialdemokratie das Volk von Berlin zum Protest gegen den Lebens- mittelwucher. Aber auch innerhalb des Parlaments muß die Stimme des Volkes gehört werden und wir können nicht bis zum November warten. Die Not des Volkes verlangt gebieterisch, daß der Reichstag einberufen wird, um Abhilfe zu schaffen. Seine Aufgabe ist bekannt, die übergroße Mehrzahl des deutschen Volkes fordert die Oefsnung der Grenze. Die Regierung hat die Pflicht, dem Reichstag ungesäumt Gxl.egxvheit zu geben, dieser Aufgabe nachzukommen V lunlter und Bauer. An der Schlei, die wie ein silbernes Band von der Ostsee tief ins schleswig-holsteinische Land hinein, bis zur Regierungsstadt Schleswig schneidet, liegt bei dem Städtchen Kappeln das Dorf R a b e l. In dem Dorfe steht an einer Straßenbiegung ein Denk- mal: ein großer Stein, der die Inschrift trägt:.1799—1899. Zur Erinnerung an die Aufhebung der Leibeigenschaft.� Aus freiwilligen Beiträgen der Dorfeinwohner ist das Denkmal zur Jahrhundertfeier der Aushebung der Leibeigenschaft errichtet worden. Heute sind die Bauern frei, ein Gesetz, das sie zwingt, für den großen Grund- Herrn zu fronden, gibt es nicht mehr. Groß aber ist heute die wirtschaftliche und politische Macht der Grundherren und sie wissen sie wohl zu ihrem Besten auszunutzen, sehr zum Schaden manches kleinen Bauern. Beispiele davon erfährt man auf Schritt und Tritt in dem Dorf Nabel an der Schlei, in dem das Denkmal steht zur Erinnerung an die Bauernbefreiung. An das Dorf Nabel grenzt das Gut Buckhagen. Besitzer des Gutes ist ein Herr von Schiller, Offizier a. D., Bor st ands Mitglied des Kaiserlichen Jachtklubs. Der Herr soll weit oben sehr gut angeschrieben sein. Der Einbruch der Familie Schiller in die Gegend war verhängnisvoll für die Bauern und das Dorf Nabel. Als Herr v. Schiller damals noch Schiller ohne von, denn der Vater war Fischhändler und Konsul in Hamburg— vor 30 Jahren das Gut Buckhagen kaufte, war Nabel ein blühendes, wohlhabendes Dorf, das Gut aber verhältnismäßig klein. Im Dorfe wohnten zahlreiche größere und kleinere selbständige Besitzer, das Dorf hatte selbst großen Besitz, das sogenannte Schulland. In den 80 Jahren ist eine gewaltige Umwälzung vor sich gegangen. Herr v. Schiller hat das Bauernlegen gründlich verstanden. Im Dorfe Nabel aber wohnen jetzt haupisächlich Pächter und Tagelöhner, die wenigen kleinen Besitzer leben mit dem Grund Herrn in ständiger Fehde. Langsam, aber rücksichtslos und un- erbittlich saugte das Gut einen Besitz nach dem andern auf. Dem l dorfschmied entzog Herr v. Schiller die Kundschaft, er konnte nicht mehr existieren und ging nach Amerika. Heute ist die Schmiede und was dazu gehört Eigentum der Gntsherrschaft. Ein Müller nnd ein Bäcker teilten das Schicksal des Dorfschmieds. Früher war Herr v. Schiller auch Amtsvorsteher. Was kann man da alles von den Bauern verlangen: Wegeausbessern, Wasserregulierung usw. usw. Herr v. Schiller war sehr streng; mancher kleine Besitzer hielt es für ratsam, ihm seinen Besitz zum Kauf anzubieten, manche mögen es auch ohne besondere zwingende Veranlassung' getan haben, jeden� falls hat Herr v. Schiller sein Ziel erreicht, heute hat er einen großen Besitz, alles ist sein. Wie �sehr die Amtsvorsteherschaft des Herrn v. Schiller gefürchtet wurde— heute ist er nicht mehr Amts- Vorsteher—, geht daraus hervor, daß die Gemeinde Schwarkendorf, die zu dem Amtsbezirk Buckhagen gehörte, an den Landpat den Antrag stellte, einem anderem Amtsbezirk zugeteilt zu werden, ein Antrag, der auch Berücksichtigung fand. Ein kleiner Besitzer ist bis heute Herrn v. Schiller nicht ge- Wichen, ein Handelsgärtner. Das ärgert den Grundherrn um so mehr, als der Besitz des Gärtners lang und schnial in den Guts- besitz hineinschneidet. Der Mann muß mürbe gemacht werden. Und ein großer kapitalkräftiger Nachbar kann eine» kleinen Nachbarn schon das Leben sauer machen. Der Kleine baut auf seinem Hofe einen Schuppen, der Große zeigt ihn an. weil der Schuppen zu nahe an das herrschaftliche Gehiet stößt. Das Gericht aber gibt den, Kleinen recht. Der Kleine verbesserte auf eine», an den Gutsbesitz stoßenden Zipfel seines Besitzes die Drainage, der Große zeigt ihn an wegen Sachbeschädigung. Die Wasserschaukommission aber erscheint und gibt dem Kleinen recht. Ein Pächter muß auf Geheiß des Gutsherrn die Gräben zuschütten, durch die zwei auf dem Be- sitze des Gärtners entspringenden Wasserläufe Abfluß haben. Eine besondere Eigenart der schleswig-holsteinischen Landschaft sind die sogenannten Knicks, hohe Hecken, die die einzelnen Besitze abgrenzen. Von Zeit zu Zeit werden diese Knicks abgeholzt, daß sie da? Land nicht zu sehr beschatten. An der Grenze zwischen dem Gutslande und dem Besitze des Gärtners stehen die Bäume bis ä0 Fuß Höhe und werfen lange Schatten auf das Land. Auf alle Bitten des Gärtners, den Knick abholzen zu lassen, hat der Gutsherr taube Ohren. Als eines Tages der Gärtner dabei ist, auf seiner Ackerseite überhängendes Gestrüpp, abzuschlagen und Baumwurzeln zu beseitigen, erhebt der Gutsherr wieder Einspruch. Eine Kom- Mission kommt, besichtigt und gibt denr Kleinen recht, lind bei allen Differenzen ertönt immer drohend das gewichtige Wort des Grund- Herrn:.Ich gehe bis ans Ministerium 1� Sie verkehrte Welt. Von E a i n t- S i m o n. Einleitung. Der nachstehende Essay des großen französi- schen Utopisten erschien zuerst 1822 im ,,Orgamsateur' und wrrrde nach dem Tode des Meisters zehn Jahre später von seinem Schüler Olinde RodviglucA unter dem Titel„Parabel von Saint- Simon" wieder herausgegeben. Ter Verfasser wurde nach der Veröffentlichung angeklagt. Er richtete zur Widerlegung den An- klage vier Briefe an die Geschworenen. Im ersten schreibt er: „Weim ich mich einev Achtungsveuletzung schuldig gemacht habe, so sicher nicht' gegen die Prinzen der königlichen Familie, sondern gegen das ganze heutige politische System. Habe ich ein Delikt begangen, so ist es das. bewiesen zu haben, daß die Art der Ver- waltung der öffentlichen Angelegenheiten gegenüber dem gegen- wältigen Stand der Aufklärwig sehr zurückgeblieben ist, und ange- zeigt zu haben, in welcher Richtung man gehen! müßte, um eine bessere soziale Ordamng zu errichten..." Im vierten Briefe sagt eil„Das Königtum muß mit den zwei AristÄratien, aus denen es so blindlings' seine Verbündeten gemacht hat. brechen. Es muß sich mit den Gemeinden verbinden, um den politischen Einfluß der Kasten radikal m vernichten, und sich an die Spitze der Zivilisa- tionsbewegung stellen... Ich habe meinen Gedanken gang und mit der Freiheit und Festigkeit, die einem freien Manne und einem reinen Gewissen ziemen, ausgedrückt! Mich man im Ver- fasscr dieser Briefe und des„Organisateur" einen Feind des Landes und der Bourbouen sehen? Dies ist die Frage, auf die Sie zu antworten haben." m-« Die Geschworenen antworteten mit»Nein mid Samt-Simon Mirde freigesprochen.... r_., Es ist wohl von Interesse, hier daran zu erinnern, daß Samt- Simon tClandc-Henry de Rouvroh, Graf von Saint-Simon) selbst dem ältesten französischen Adel entstammte. Seine Familie führte ihre Abstammung auf Karl den Großen zurück. Wir haben die.Parabel" ems einem neuen Abdruck an dem kürzlich herausgegebenen ersten Bande der„Encyclopedie Socmliste". täe uintcr der Direktion des Genossen Comperr-Morel ,m Verlag m>n A Ouillet in Paris erscheint, übersetzt Ter unter dem nicht wfnrt.rÄ olückl-ckcn Titel:„Ein wenig Geschichte erschienene Band w Genossen Dr. Ch. Rappoport zum Vensosser. Er enthält eine unpemein klare und lebendige Gc,ch,ckste der lozialnkichen Tbeorstn die für deutsckie Leser besonders durch d-e Ab,chm.te über �>e französische n Vorläufer des nnssens�ftlickM etwa ieckuia Seiten über Earnt-Simon und fast„bustomel uver Ptoudhon— interessant ist. Der polemische Eifer W Propagierung des Marxismus in Frankreich bemühten Versager Die Umzäunung des Wildparkes des Gutes ist stellenweise so schadhast, daß das Wild leicht aus brechen kann. Bei Wildschaden- ansprüchen muß erst lange mit dem Gutsbesitzer gehandelt werden. Die Gemeinde erhält von Herrn v. Schiller für ihr Jagdgebiet ganze 90 M., seit Jahrzehnten ist dieser Betrag nicht erhöht werden. Wo so mit den selbständigen Besitzern umgesprungen wird, haben die Gutsarbeiter nichts zu lachen. Sie haben nicht einmal den Wert irgend eines Stückes Arbeitsgerätes. Ein Tagelöhner wurde vor einigen Jahren vom Verwalter so geschlagen, daß er ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Ein Gutselev: traktierte zwei Schuljungen, die Disteln auf dem Felde ausstechen mußten, mit der Hundepeitsche, weil sie einige Disteln hatten stehe» lassen. Eine russische Arbeiterin erhielt von einem Anfseher einen Tritt in den Leib, daß sie sich ins Bett legen mußte. Die ausländischen Arbeiter und Arbeiterinnen sind in einem Masse» quartier untergebracht. Vor einiger Zeit mnßte sich der Amtsvorsteher für die Leute ins Zeug legen, weil sie berechtigte Beschwerden über Wohnung und Be- Handlung vorbrachten und das Trinkwasser nicht mehr genießbar toar. Oeffentlich spielen sich die Großagrarier als Freunde der Bauern und Landarbeiter auf, in Wirklichkeit aber betreiben sie das Bauern- legen, unterdrücke» den kleinen Besitzer und beuten die Landarbeiter aufs äußerste aus. D-m Kleinbauern und Landarbeitern aber hämmern sie damit die sozialistische Erkenntnis ins Gehirn. In dem nur rund 200 Einwohner zählenden, von allem Verkehr weit abliegenden Dorfe Nabel fielen am 12. Januar 1912 42 sozialdemokratische, Stimmen. poUtilcbe Qcberlicbt Berlin, den 24. August 1912. Das Zentrum für Ausnahmegesetze. Die„Augsburger Postzeitung" verwahrt das Zentrum gegen den Vorwurf, daß es ein Freund von Ausnahmegesetzen gegen die Sozialdemokratie sei und auch im Reichstag den in dieser Hinsicht geäußerten Wünschen der Scharfmacher entgegen kommen werde. Im gleiche» Atemzuge erklärt aber der Artikel sNr. 188, 22. August) ausdrücklich, daß das Zentrum für eine Verschärfung der Strafgesetze im Scharfmachersinne eintreten wird. Das Blatt schreibt: „Wenn nach einem wirksameren Schutze der freie» Arbeiter gegen den Terrorismus der„Genossen" gerufen wird, so schließt das durchaus nicht die Forderung eines„Ausnahmegesetzes" in sich. Es kann sich höchstens darum handeln, die geltenden Strafbestimmungen den Erfordernissen der Zeit entsprechend zu verschärfen. Die Strpsbeslimmungen gelten für die Gesamtheit. nicht für eine einzelne Klasse oder Partei, und wenn eine Verschärfung für wünschenswert oder notwendig erachtet wird, so ändert das an der Sachlage nicht das mindeste. Bestraft wird der Verbrecher, der sich gegen die gesetzlichen Verordnungen versündigt, und es ist dabei völlig gleichgültig, ob der Betreffende Sozialdemokrat ist oder nicht. Würde der Staat es versäumen, pflichtmäßig die freie Arbeiter- schaft in der Ausübung ihres Rechtes, zu arbeiten, gegen die Vergewaltigung einer verbrecherischen Gesellschaft zu schützen, bloß weil diese aus organisierten Sozialdemokrale» besteht, so würde dies eineui Privilegium für die Sozialdemokratie gleichkommen... Für gesetzliche Bestimmungen, durch welche pie Koalitionsfreiheit der Arbeiter die mindeste Einbuße erleidet, wird das Zenlrirm— wir wiederholen das— nie zu haben fein. Anders stehl es mit einer verschärften Handhabung der gesetzlichen Be- st i m m u n g e n. Wenn sich diese alö notwendig erweisen sollten— und dafür würde allein die terroristische Sozial- demokratie die Verantwortung tragen—, so würde sich das Zentrum dagegen nickt sträuben, was auch schon der Abgeordnete Giesoerts in der legten Reichstagssession klar hervorgehoben hat. Demi eine solche Maßnahme würde ja gerade im Jnteresje der Arbeiterschaft liegen, soweit sie nicht durch den sozialdemokratischen Terror entnervt und widerstandslos gemacht ist. Der gesunde Sinn der noch nicht umstürzlerisck angesressenen Ar- beiter wird wissen, was er mit den demagogischen Schlagworten der Verführer des Umsturzes anzufangen hat." Wir wissen schon lange, daß das Zentrum in diesem Sinne zu arbeiten entschlossen ist. auch daß die christlichen Gewerkschaften, die unter solchen Strafgesetzen unter Umständen ebenso zu leiden hätten wie die Sozialdemokraten, die Treiber bei diesem frevelhaften Be- ginnen sind. Mögen siel Je augenfälliger dje Gemeinschaft dieser .Arbeiterfreunde" mit den Scharfmachern dokumentiert wird, desto besser für die Ausklärung der indifferenten Proletariermassen. gelegentlich zu einseitigen oder vorschnellen oder banalew Urteilen verführt— wir haben uns wirklich gewrmdevt, daß er den Gemein- platz, Friedrich Nietzsche„in gerader Linie" auf Max Stirner zu- rückzuführen, ausgenommen hat—, im ganzen aber hat der ge- legentliche Ausblick auf die aktuellen Tendenzeni der französischen Arbeiterbewegung die Anschaulichkeit der im übrigen aus den Quellen schöpfenden Darstellung zum Nutzender nicht auf abstrakte Lektüre geschulten Leser sicher gefördert. Sehr lobenstncrt ist das Geschick, womit der Autor die von.hm besprochenen Schnftfiellcr selbst zu Wort kommen läßt. Auf seiner.' ö20 Seiten enithält das Buch nicht nur eine Menge im Text« verflochtener Zitate, sondern eine Reihe von längeren Lesestücke:� die siiv die Gedankenwelt wie für die schriftstellerische Ausdrucksweise des Besprochenen chcuakte- ristisch sind. So zeigt die„Parabel nebe» der leidenschaftlichen Hingabe Saint-Simons a-n sein Ideal der sozialen Gerechtigkeit und seiner. Begründung der sozialen Reform auf die produktive Tätigkeit der Mafien seine Verkennumg des Gegensatzes zwischen den Ausbeutenden und Ausgebeuteten der„industrielteni Klasse" und seine ideologische Hoffnung auf die soziale Einsicht der Monarchie, die ihn am Schluß seines Lebens sogar antrieb, einen Appell an die Fürsten der Heiligen Allianz zugunsten der Verwirk- lichung des wahren Christentums im„sozialen Glück des Armen" zu richten. Otto Pähl. * Nehmen wir an. Frankreich verlöre plötzlich seine fünfzig ersten Physiker, seine fünfzig ersten Chemiker, seine fünfzig ersten Physiologen. seine fünfzig ersten Mathematiker, sejne fünfzig ersten Dichter, seine fünfzig ersten Maler, seine fünfzig ersten Bildhauer, seine fünfzig ersten Musiker und feine fünfzig ersten Schriftsteller. Ferner: seine fünfzig ersten Mechaniker. Zivil- und Militär- ingemeure, Artilleristen, Architekten, Acrzte, Chirurgen, Apotheker. Seeleute und Uhrmacher. Ferner: seine fünfzig ersten Bankiers, Kaufleute, Ackerbauern, Hüttenmeister, Waffensabrikanten, Gerber, Färber. Bergleute, Fabikanten von Tuch, Baumwolle. Seidenwaren, Leinwand, Blech- warene Fayence und Porzellay, Kristall- und Glaswaren, seine fünfzig ersten Steeder. Spediteure. Buchdrucker/ Graveure, Gold- schmiede und Arbeiter in anderen Metallen. Weiter: seine fünfzig ersten Maurer. Zimmcvlcute, Schreiner, Huischmiede, Schloffer, Messerschmiede, Gießer und hundert ander« Personen verschiedener hier nicht bezeichneten, Stiiitidc, die in den Wissenschaften, schönen Künsten und Kunstgewerben die fähigsten sind: in Summa dreitausend erste Gelehrte. Künstler und Hand- werker Frankreichs. sMan bezeichnet in her Regel als Handwerker nur die ein». Ein Monat Gefängnis für den Schutz deS Wahl- geheimnisses! Am Abend des Wahltages trat ein sozialdemokratisches Wahlkontrolleur in Zweibrodt, Kreis Breslau, an den Wahltisch heran und mit den Worten:„Sie gestatten, meine Herren," schüttelte er die Urne kräftig, ohne daß ein Mitglied des Vorstandes Einspruch erhob. Nach- träglich wurde ein Verfahren gegen ihn eingeleitet wegen Beleidigung des Wahlverfahrens— durch das zum Ausdruck gebrachte Mißtrauen!— nnd wegen Anmaßung einer amt- lichen Eigenschaft! Die Beleidigung war verjährt, weil der Antrag zu spät(!) gestellt war, wegen unbefugter Ausübung einer anitliche« Handlung aber, erhielt der Genosse, der sich nachträglich noch beim Vorsteher entschuldigt hatte, von der Brcslauer Strafkammer einen Monat Gefängnis zudiktiert!___ Preußischer Junkers,-kkurs für die bayerischen Schwarzen. Da das Zentrum mit seiner.Simplicissimus-KampaMee in der bayerischen Kammer so schlecht abgeschnitten hat. ist es begreiflich. daß ihm die„Deutsche Tageszeitung" zu Hilfe zu kommen sucht- Das Ocrtel-Organ ist gar nicht recht zufrieden mit der Haltung des bayerischen KriegsministerS. ES wundert sich, daß der Kriegs- minister die ZenrrumSanrempelung so energisch abgewehrt hat und spricht von einer„gewissen Nervosität" des Kriegsministers. Es fordert kategorisch, daß es gerade bei den Wahlen die Pflicht der Heeresvcrwällung sei. die Offiziere des BeurlaubtenstandeS„daran zu erinnern, was fle in ihrem Fahneneide versprochen." Unnachsichtig müsse die Stimmabgabe eineS Reserveoffiziers für einen Sozial- demokraten, sei es auch nur bei einer Stichwahl, mit dessen De- gradierung geahndet werden:„Ein Offizier, der irgend- wie die Sozialdemokratie fördert, muß unbedingt und unter allen Umständen auS demHeere und aus seiner Stellung scheiden." Wenn das Juukcrblatt das wirklich wollte, müßte eS vor allen Dingen allen Offizieren, die direkt oder indirekt Soldaten- Mißhandlungen verschuldet haben, den Laufpaß geben lasse», ebenso allen Duellanten. Denn solche Offiziere nutzen der Sozialdemokratie unendlich viel mehr als die paar Reserveonkels, die gelegentlich einmal sozialdemokratisch stimmen würden I Tie Fleischer schließen die Läden. Der Obermeister der Schlächtermnung Schöneberg. Herr Ehrhardt, teilte dem„Berliner Tagebl." mit, daß infolge Mangels an Käufern eiuzclne Schlächter ihre Läden schließen. Jeder fünfte Fleischhauer soll in Groß-Berlin bereits zu diesem Schritt gxzwungen worden sein. Da wo kein reiches Publikum wohnt, ist überhaupt nichts mehr zu verdienen. Werden die agrarischen Blätter jetzt auch noch behaupten, die Preise seien künstlich hochgetrieben und die Fleischer verkauften lieber gar nichts, als daß sie ihre Ware billiger abgäben I Es sind kapitalschwache Ladeninhaber, die wider ihren Willen schließen müssen, keine kartellierten Großagrarier, die ihre Waren absichtlich sperren, um den Konsum kirre zu machen. Die Militärverwaltung gegen das Koalitionsrecht der Militärarbeiter. Wie die Militärverwaltung das gesetzlich garantierte Koa» litionsrecht der StaatSarbeiter respektiert, zeigt folgender Fall, Per uns auS Straßburg i. Elf. gemeldet wird. Am Freitag, den 10. August, verlas der Major des BekleidungSamtes den Militär- arbeitern eine Verfügung des Kriegsministeriums, daß der Militär- arbeiterverband und sein Organen letzter Zeit eine hetzerische und aufreizende Betätigung an den Tag lege, die darauf hinzirlc, den Frieden und das gute Einvernehmen zwischen Arbeiter und Be- Hörde zu stören. Das Organ halte immer und immer wieder den Arbeitern die schlechte Entlohnung vor Augen. Namentlich der Artikel in Nr. 9 des Verbandsorgans sei hetzerischer Tendenz. Die Arbeiter würden deshalb vor diesem Verband« gewarnt. Der Major betonte dann noch persönlich, daß die Arbeiter eigentlich zu- frieden seien, denn es käme sehr wenig Wechsel im Arbeitsverhält- »is vor. Diejenigen Arbeiter, die im Ortsvorstand der Sektion Straßburg sind, würden darauf aufmerksam gemacht, daß Per- sonen, die sich im Sinne des Verbandes betätigen, im Staats- betriebe nicht geduldet würden. Einen weiteren Verstoß gegen daS Koalitionsrecht der Ar- beiter leistete sich die Militärverwaltung des Artilleriedepots und der Artilleriewerkstatt mit Hilfe der Polizei. Die Ortsverwaltung Straßburg hatte zu Donnerstag, den 22. August, eine Mitglieder- Versammlung einberufen. Tie Verteilung der Einladungen sollte durch ein Radlerinstitut erfolgen. Die Polizei verweigerte jedoch facheu Arbeiter. Um Umschreibungen zu ersparen, fassen wir unter diesem Ausdruck alle diejenigen zusammen, die sich mit materiellen Produkten beschäftigen, also: die Ackerbauer, Fabrikant«». Händler. Bankiers und alle Angestellten» und Arbeiter, die sie beschäftigen.) Da diese Männer diejpnigeni Franzosen sind, die im höchsten KuSmqß produktiv sind, die wichtigsten Erzeugnisse liefern, die der Nation nützlichsten Arbeiten leiten und die Nation in den Wissen- schaften, schönen Künsten und Gewerben produktiv machen, sind sie in Wahrheit die Blüte der frangösi schen Gesellschaft. Sie sind von allen Franzosen ihrem Lande am nützlichsten; sie sind diejenigen, die ihm am meisten Ruhm verschaffen, seine Zivilisation wie seine Prosperität am meisten beschleunigen. Die Nation würde ein Körpev ohne Seele in dem Augenblick, da sie sie veMre, sie fiele sogleich in einen Zustand der Inferiorität gegenüber den Nationen. deren Rivale sie heute ist. und würde hinter ihnen so lange zurück- stehen, als sie diesen Verlust nicht gutgemacht hätte— so lange, als ihr nicht ein Kaps nachgewachsen wäre. Fnmkreich bedürfte wenigstens einer ganzen Generation, mn dieses Unglück wettzumachen. denn die Männer, die sich in den Arbeiten von positiver Nützlichkeit auszeichnen, sind wahre Anomalien und die Natur ist nicht der- schwenderisch mit Anomalien, besonders solchev Art. Machen wir nun ein« andere Annahme! Setzen Nnr den Fall, daß Frankreich alle Männer von Genie, die es in den Wissen- schaften, schönen Künsten und Gewerben besitzt, behalte, aber das Unglück hätte, an einem und demselben Tage folgend« Persönlich- keilen zu verlieren: Monsieur den Bruder des Königs, Monseigneur den Herzog von AngonlLnie. Monseigneur den Herzog von Bour- bon. Madame die Herzogin von Berry, hie Herzoginnen vog Orleans und Bonrbon und Mademoiselle von Cond-. Und daß es zugleich verlöre: alle Großoffizieve der Kron� olle Staatsminister(mit und ohne Departement), alle StaoiSkäte. tw» tragenden Räte. Marschälle. Kardinäle, Erzbischöfe. Bischöfe. Groß? Vikare nnd Canonici, alle Präfekten und Unterpräfekten. alle Mini. sterialbeamten und Richter und überdies die zehntausend, reichsten Eigenftimer unter denen, die vornehm leben. Dieser Unglücksfall würde sicherlich die Franzosen betrüben, weil sie gutherzig sind und das plötzliche Versck)»vinden einer so großen Anzahl ihrer LandSle utc nicht mit Gleichgültigkeit betrachten könnten. Aber diesen Verlust von dreißigtausend Individuen, die als die wichtigsten dctz Staates angesehen werden, würde ihnen keinen anderen Kummer als aus rein sentimentalen Gründen ver- Ursachen, denn es würde auS.ihm U'\o Politisches liehet für den Staat erwachsen. die Abstempelung eines Zettels, der tonn als polizeiliche Genehmigung dienen sollte. Außerdem erfuhr die Militärverwaltung von der geplanten Versammlung und ließ rasch die Arbeiteraus- schüsse zu sich kommen, denen sie den Auftrag gab. im Namen der Verwaltung vor dem Besuch der Versammlung zu warnen. Bei der Landtagsersabwahl im Wahlkreise Liibbcn-Luckau wurde mit allen 233 abgegebenen Stimmen General z. D. Bock von Wülfingen(k.) gewählt._ Arbciterturnvereine haben keinen Anspruch auf �ahr- Preisermäßigungen bei gemeinschaftlichen Eisenbahn- fahrten! Den Jugendvereinen, Turnvereinen, den Pfadfindern werden bei gemeinschaftlichen Eisenbahnfahrten zu Ausflügen Fahrpreis- ermäßigungcn zugestanden. Der Arbeiterturnverein zu Dresden hatte bei der Generaldirektion der Staatsbahnen beantragt, auch ihm die gleiche» Ermäßigungen wie den oben erwähnten Vereinigungen zu- zugestehen. Hieraus hat das sächsische Finanzministerium, als oberster Leiter der sächsischen Staatsbahnen, dem Vorsitzenden des Deutschen Arbeiter- Turnerbundes, 5treis Sachsen, folgenden ablehnenden Be- scheid zukoinmen laflen:»Auf die namens des Deutsche» Arbeiter-Turner- bundes, Kreis Sachsen, an die Generaldirektion der Staatsbahnen gerichtete Eingabe vom 27. Juni 1912 wird Ihnen im Einverständnis mit dem Ministerium des Innern und des Kultus und öffentlichen Unterrichts eröffnet, daß die erbetene Fahrpreisermäßigung nach den einschlagenden, bei den deutschen Eisenbahnen gleichmäßig geltenden Tarifbestiinmungen nur den staatlich geförderten, besonders be- kannt gegebenen Organisationen für Jugend- p f l.e g e z u r o mm t. Da der Arbeiter-Turnerbund nicht unter diese Tarifbestimmung fällt, kann dem Gesuche des Bundes nicht entsprochen werde». Finanzministerium. Für den Minister: Dr. Schröder." Die Ereignisse in der CUrhet. Saloniki, 24. August. Von gut unterrichteter Seite in U e s k ü b wird erklärt, die albanesische Angelegen- heit sei keineswegs als abgeschlossen zu be- trachten. Die Albanesen würden erst abwarten, ob die Ne- gicrung ihre Versprechungen, besonders die in der Waffen- frage abgegebenen, bis zum Ende des Beiramfestes erfüllen werde. 2 0 0 0 A r n a u t e n, die aus Uesküb kamen, bemäch- tigten sich der Wasfendepots in Jpek und verteilten die Waffen unter sich. Die in den dortigen Gefängnissen besind- lichcn Gefangenen wurden befreit. Aehnliche Vorfälle werden auch aus D j a k o w a gemeldet, Es scheint sich also um einen gemeinsamen Plan zu handeln. Darüber, dag sich die Truppen oder die Behörden dem Ve- ginnen der Arnauten widersetzt hätten, verlautet nichts. Auch in K o t s ch a n a ist die Ruhe noch nicht wiederhergestellt. D s ch a w i d Pascha ist in B e r a n e angekommen und hat dort keisie Montenagriner vorgefunden. Er hatte eine Unterredung mit dem montenegrinischen General Wukotitsch. Die Friedensverhandlungen. Wien, 24. August. Der„Neuen Freien Presse" wird aus Tcrritet gemeldet: Nach an Ort und Stelle eingeholten In- formationen bestätigt es sich, daß die Vorverhandlun- gen über den Frieden seit über einer Woche in der Schweiz wieder aufgenommen sind. Von einer einem Tele- gierten nahestehenden Seite erfährt der Korrespondent fol- gendes: Die Türkei wird auf Tripolitanien und die Cyrenaika gegen eine entsprechende Entschädigung verzichten. Sie wird nominell wieder von den Inseln des Aegäischen Meeres Besitz ergreifen, die unter einer autonomen N e g l e x n n g mit Garantie der Mächte gestellt werdön. In keinem Falle werden dig Inseln unter die direkte Herrschaft der Türkei zurückkehren. Die Vorverhandlungen dürften noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Truppenkonzentriernngen. Konstantinopel, 24. August. Wie Informationen aus türkischen Kreisen besagen, hat Montenegro an der Grenze 34000 Mann konzentriert. Der Mali von Erzerum hat telegraphiert, daß Rußland in Sarykamisch 00000 Mann zusammengezogen habe. Die Regierung zieht Truppen im Engpatz Kat- scharik zusammen, um einer möglichen Rückkehr der Albanesen vorzubeugen. Ter Bandenkrieg. Soloniki, 24. August. Auf der Bahnstrecke Saloniki— Uc-sküb sind zwischen den Stationen Köprülii und Gradtzko zwei Bomben Bop allem darum, weil es sehr leicht wäre, die vakant ge- wordenen Plätze auszufüllen. E? gibt eine große Anzahl von Fran- zosen, die imstande wären, die Funktionen des Bruders des Königs ebensogut auszuüben wie Monsieur selbst. Viele haben die Fähig- keit, die Plätze der Prinzen mit ebensoviel Anstand zu besetzen, wie hie Monseigncurs von Angoukdme, Berry� Orleans und B-mirbon. Viele Französinnen wären ebenso gute Prinzessinnen wie die Her- zoglnnen von Angouldme, Berry, OrlöänH, Bourbvn und Merde- moiselle de Conde. Tic Vonziinmer de? Schlosses sind voll von Höflingen, die be- reit sind, die Plätze der Großoffiziere der Krone einzunehmen; die Armee besitzt eine große Menge von Militärs, die ebensog-ute Heer- führe? werden könnten wie unsere jetzigen Marschälle. Wie viele Konzipisten sind unseren Staatsministern ebenbürtig! Wie viele Verwaltungsbcamte fähiger zu den Geschäften der Departements als die derzeit tätigen Präsekten und Unterpväfekten! Wie viele Advokvten bessere Ncchtskundige als unsere Nichter! Wie. viele Pfarrer ebenso tüchtig wie unsere Kardinäle. Erzb'schöfe. Wvoß- Vikare und Canonici! Was abex die zehntausend vornehm lebenden Eigentümer bctrisst, werden ihre Erben keine Lehrzeit nötig haben, um in ihren Salons die Honneurs ebensogut zu machen wie sie selbst.. Die Prosperität Frankreichs kann nur durch den Fortschritt der Wissenschaften, der schönen Künste und der Gewerbe bewirkt werden. Tie Prinzen, die Großofsiziere der Krone, die Bischöfe, die Feld- Marschall«, die Präfekten und die müßigen Eigentümer aribeiten aber nicht direkt für den Fortschritt der Wiffenschaften, schönen Künste und Gewerbe. Weit davon, dazu beizutragen�, können sie ihm uuv schaden, da sie sich bemühen, das Hebengewicht zu erhalten, das die Ungewissen Theorien b>» zum heutigen Tage über das positive Wissen ausgeübt haben. Sie schaden notwendigerweise dem Aus- schwung der Nation, indem sie die Gelehrten, die Künstler und die Hantoteerker von der höchsten Stufe des Ansehens, die ihnen von Rechts wegen g«bührt, verdrängen. Sie schaden dort, weil sie ihre Geldmittel auf eine Weise verwenden, die den Wissenschasteiz schönen Künsten und Handwerken nicht direkt nützlich ist. Sie schaden dort weil sie alljährlich von den Steuern, die die Nation zahlt, eine Swmne von drei- bis vierhundert Millionen unter dem Titel von Gehalten, Pensionen. Gratisikationrn, Jisdemnitäten usw. für die BezahluiK} ihrer Arbeiten, die jener nichts nützen, erheben. Diese Annahmen setzen die wichtigst« Tatsache der gegenwärtigen Politik ins Licht; sie stellen sie dorthin, wo man sie in ihrem ganzen Umfang und auf einen einzig«» Blick entdeckt; sie beweisen klar, gefunden worden, die bor Passieren des Zuges entfernt werde» konnten. Abdullah Effendi, Gehilfe des Leiters tos Steueramts in Metsovon, ist von einer fünfköpfigen griechischen Bande entführt, sein Begleiter, ein Beamter tos Tele» graphenamts. tödlich verwundet worden, England. Walisische Wahlen. London, 23. August.(Eig. Ber.) Einen kleinen Ein- blick in die Art und Weise, wie es der Liberalismus versteht, das walisische Volk vor seinen Karren zu spannen, gewährt die soeben stattgehabte Nachwahl in E a st C a r m a r t h e n, aus der der liberale Kandidat mit großer, jedoch etwas reduzierter Mehrheit als Sieger über die Kandidaten der konservativen und der Arbeiterpartei hervorgegangen ist. Bekanntlich haben die Waliser ein eigentümliches Tempera- ment: bald begeistern sie sich für eine Sache bis zur Ver- zückung, bald entfalten sie eine Indifferenz und Abgestumpft- heit, die einen zur Verzweiflung bringen kann; dazu sind sie religiös. Diese Eigenschaften machen sich die liberalen Draht- zieher in Wales zunutze. Bei der Wahl in East Carmarthen stellten sie als ihren Kandidaten einen nonkonformistischen Pastor auf. der die Wahl wie einen religiösen Kreuzzug in- szenierte. Der Mann, Pastor Josiah Towyn Jones, ein großer Redner in der walisischen Sprache, der von seinen Verehrern der Zaubermeister von Wales, der Dichter des Volkes genannt wird, verstand es so gut, die Religion mit der Politik zu vermischen, daß seine Zuhörer in den Wahl- Versammlungen stets anstatt Hört! hört! Amen riefen. Der ganze Wahlfeldzug der Liberalen glich aufs Haar einem jener „Erweckungen", die die Heilsarmee und andere religiöse Körperschaften von Zeit zu Zeit veranstalten. Bald nannte man den Pastor, der unter wahnsinnigem Beifall die unglaub- lichsten Plattheiten herunterraspeln durfte, nur noch mit seinem Vornamen und fügte auch wohl den walisischen Kose- namen„Bach" hinzu.„Towyn Bach" wurde von seinen Leuteic als eine Art Messias geschildert, der neues Leben in das Parlament, in jenes„materialistische Institut" bringen werde. Sein Programm war höchst unbestimmter Natur, doch konnte man darin drei Tendenzen wahrnehmen. Vor allen Dingen befürwortete er die Entstaatlichung der Kirche in Wales, dann sprach er sich zugunsten der Selbstverwaltung von Wales aus und schließlich feierte er in dithyrambischen Ergüssen die walisische Sprache, die unter allen Umständen erhalten werden müsse. Natürlich leisteten auch„Die Männer von Harlech"(das walisische Nationallied) vortreffliche Wahl- dienste.„Towyn Bach" ist in diesem Trubel natürlich ge- wählt worden. Er erhielt 6082 Stimmen, der Konservative 3354(über 1000 mehr als das letzte Mal) und der A r b e i t e r- p a r t e i l e r Dr. Williams nur 1089 Stimmen. Bei der vorhergehenden Wahl, als Dr. Williams als unabhängiger Sozialist kandidierte, erzielte er 1176 Stimmen. Da seit der Zeit die Zahl der Wähler in East Carmarthen um fast 900 gestiegen ist, ist nicht nur ein absoluter, sondern auch ein relativer Rückgang in den Stimmen des Arbeiterkandidaten eingetreten. Wundernehmen kann das freilich nicht. Was man in London von dem Programm des Arbeiterkandidaten erfahren hat, sieht sehr schwach und farblos aus. Solange Arbeiterkandidaten mit einer Variante des radikalen Liberalismus auswarten, kann man es den Wählern kaum verdenken, wenn sie für den Kandidaten der liberalen Partei stimmen. Marokko. Tange, 24. August. Der französische Konsul M a i g r e t und seine Begleiter hatten versucht, aus Marrakesch zu entkommen, wurden aber einige Kilometer von der Stadt angehalten und gezwungen, in die Stadt zurückzukehren. Sie fanden dann in dem Hause E l G l a u i s, das in einiger Entfernung von der Stadt liegt, Unterkommen und werden sich dort ein paar Tage verteidigen können. Die französische Regierung beabsichtigt, wegen ihrer Freilassung mit E l H i b a- in Verhandlungen einzutreten. Wenn die Vor- Verhandlungen keinen Erfolg zeitigen, soll eine fliegende Kolonne ihnen von Mesra ben Abu, wohin Verstärkungen entsandt worden sind, zur Hilfe geschickt werden. Ter vor Mogador ankernde Kreuzer wird als aus- reichend angesehen, der örtlichen unruhigen Stimmung die Spitze zu bieten.(?)_ wenn auch auf eine indirekte Art, daß die sozial« Oryanisation wenig vervollkommnet ist: daß sich die Menschen noch dtvrch die Gewalt und die List regieren lassen und daß das Menschengeschlecht(politisch ge- sprachen) noch in tor Umnoralität steckt: weil die Gelehrten, Künslkev und Handwerken die einzigen Menschen, deren Arbeiten der Gesellschaft positiv nützlich sind und sie fast nichts kosten, den, Fürsten und anderen Regierenden, die nichts als mehr oder minder cmsähige Routiniers find, nntergeord, net sind; weil die Verleiher des Ansehens und tor anderen nationalen Belohnungen im allgemeinen den Borrang, den sie genießen, nur dem Zufall der Geburt, der Schmeichelei, der Intrige wnd anderen wenig achtbaren Handlungen verdanken; weil diejenige� die mit der Verwaltung der öffentlichen Ange- legenheiten betraut sind, alljährlich die Hältte der Steuern unter- einander aufteilen und von den Abgaben, deren sie sich nicht für ihre Person bemächtigen, nicht ein Drittel auf eine für die Rc- gierten nützliche Weise verwenden. Unsere Annahmen zeigen, daß die heutige Gesellschaft tatsäch. lich die verkehrte Welt ist: weil die Nation zum Grundprinzip erhoben hat, daß die Armcn großmütig gegen die Reichen sein sollen und demgemäß die am wenigsten Begüterten sich täglich eines Teiles ihres not» wendigen Bedarfes berauben, um den Ueberfluß der großen Besitzer zu permehre»; weil die Hauptschuldigen, die allgemeinen Diebe, diejenigen. die die Gesamtheit der Bürgen verkürzen und ihnen dreihundert bis vierhundert Millionen jährlich wegnehmen, das Amt haben, die kleinen Delikte gegen die Gesellschist zu bestrafen; weil die Unwissenheit, der Aberglauben, die Faulheit und die Lust an verschwenderischen Vergnügungen die Mitgift tor obersten Häupter tor Gesellschift bilden und die fähigen, sparsamen und arbeitsamen Leute nur als Untergeordnet« und als Weuktzmge beschäftigt wenden; weil, mit einem Worte, in allen Arten von Beschäftigungen es die unfähigen Menschen sind, die das Amt erhalten, die Fähigen zu leiten; weil es, in moralischer Hinsicht, die unsittlichsten Leute, die be- rufen werden, die Bürger zue Tugend heranzubilden und, in Hin- ficht der austeilenden Gerechtigkeit, die großen Schuldigen einge- sitzt sind, dir Hüstden der kleinen Teljnquenten zu beIgjeg. Htnerika» Die Wahlbestechungeck. Washington, 24. August. Vor der Wahlfonds. kommission des Senats sagte Archbold von der Standard Oil Company weiter aus, seines Wissens sei Mr. Cortelyou, der im Jahre 1904 Vorsitzender des republikanischen Nationalkomitees war, über die Geldbeiträge der Standard Oil Company vollständig unterrichtet gewesen. Diese Aussage steht in direktem Widerspruch zu der Erklärung, die Mr. Cortelyou vor einiger Zeit abgegeben hat. Der nächste Zeuge war Senator P e n r o s e. Er sagte aus, daß der verstorbene Mr. Bliß vom republikanischen Nationalkomitee um den Geldbetrag bei der Standard Oil Company nachgesucht und außerdem noch 150 000 Dollar gefordert habe mit der Bemerkung, daß eine Ablehnung wahr- scheinlich zu Vergeltungsmaßregeln führen würde, Noosevelt erklärte zu der Zeugenaussage Archbolds vor dem Wahlfondskomitee, er wisse nichts von einem Beitrag Arcbbolds oder der Standard Oil Company, und er glaube nicht, daß Archbolds Zeugenaussage auf Wahrheit beruhe.— In Washington ist man der Ansicht, Roosevelt werde in einigen Tagen vor dem Wahlfondskomitee xr« scheinen._ Intervention in Mexiko. New Jork, 24. August. Das amerikanische Kanonett« boot„Vicksbnrg" ist von Santiago nach der Westküst? von Mexiko geschickt worden, um Leben und Eigentum der Amerikaner gegen die Rebellen zu schützen. Ferner wird angesichts tor unsicheren Lage im Sü dwe sten M ex i ko s geplant, mehvere amerikawsche Kanonenboote nach Westindien zu schicken. Soziales. Di« AnstellungSverhältuisse der Ortskrankenkassenbeamte». Der Zentralverband von Ortskrankenkassen im Deutschen Reich hat soeben eine interesianle Statistik über die AnstellungS- und Ge- haltSverhältnisse bei 220 Ortskranlenkassen herausgegeben. Die Kassen hatten 2877 Angestellte und 2 387 569 Mitglieder. Es kommen so- mit ans einen Angestellten im Durchschnitt 839 Mitglieder. Bei den Kassen, die nur die eigenen(Krankenversicherungs-) Geschäfte be- sorgen, entfallen aber auf einen Angestellten 973 Mitglieder, da- gegen bei den Kasten, die gleichzeitig auch die Einziehung der Jiwalidenversicherungsgeschäfte besorgen, nur 652 Mitglieder. Auf- fällig ist, daß allgemein bei den kleineren Kassen mehr Mitglieder auf' einen Angestellten entfallen als bei den großen. Das hat seinen Grund darin, daß mit dem Umfang der Kasse die Erledigung der Geschäfte komplizierter wird und bei den großen Kassen auch die Kasseneinrichtungen durch die Genesungsheime usw. viel vollkommener ausgebaut sind und somit mehr Arbeitskräfte erfordern. Auf 199 Beamte entfallen 12,6 leitende Beamte(Rendanten usw.), 74 Verwaltungsbeamte, 12,9 Hilfsarbeiter, 9,4 Lehrlinge. Die Arbeitszeit beträgt bei 23 Kassen S bis 7'/» Stunden, bei 189. Kassen 8 Stunden und bei dem Rest bis 9l/a Stunden. Besondere Dienstvorschriften(Dienstordnungen) bestehen bei einem Drittel der Kassen. 72 Kassen, also auch rund ein Drittel, haben Pensions- und Hinterbliebenenfürsorge getroffen. Einzelne Kassen gewähren Ruhegehalt nicht für alle, sondern nur für einzelne An- gestellte. Die Aufstellungen über die Gehaltsverhältnisse sind sehr kompliziert. Die übergroße Mehrzahl der Beamten, nämlich 37 Proz. hatte ein Einkommen von 1399—1799 M. Das Mindestgehalt ist für die festangestellten Beamten laut der bestehenden Tarifgemein- jchaft zwischen den Kossen und ihren Angestellten selbst auch in den lleinsten Orten 1999 M,, in den Großstädten 1399 M. Löhne der deutschen Bergarbeiter. Soeben bringt der Bergbauverein in Essen ton zweiten Teil seines Jahresberichtes für 1911 heraus, der ein reiches statistisches Material enthält. BesondevS bemerkenswert sind, die Angaben. welche sich ans die Lohnverhältnisse, aus! die Berga rbeiterversicherung und aus die Unfälle beziehen. Die Statistik über die Unfälle kommt gerade in einer Zeit, wo tnfvlge tos Unglücks auf tor Zeche„Loth* ringen" die Unglücksgefahr im Leben des Bergmannes wieder be- sondere Aufmerksamikeit erfordert. Nach dem Berichte stieg die Arbciterzahl(ohne Beamte) im Oberbergamtstozirk Tortmund im Jahre 1911 von 334 919 in 1919 auf 341713, in Oberschlesien von 116 232 auf 117 493. im Aachener Bezirk von 22 224 auf 23 392; im Saarbezirk fiel sie von 52 397 auf 51 733, während sie sich in Nieder- schlesien mit 27 983 auf der gleichen Höhe hielt wie im Vorjahre (27 979). Der JahreSarbeitSverdienst eines Aicheiters der Gesamtbelegschaft betrug in den letzten Jahren: in Oberschlesien... im Saarbezirk... in Niederschlesien.. im Aachener Bezirk.. Diese Zahlen sind sehr charakteristisch. Sie zeigen;, daß in keinem der Bergbvug« biete die Lohnhöhe der Jahre 1997 und 1998 erreicht worden ist. Im Bezirk Oberschlesien werden noch immer die schlechtesten Löhne gezahlt,; hiev stehen die Löhne sogar noch tiefer als im Jahre 1999. Genau dasselbe Bild ergibt sich für die Jahreslöhne der unterirdisch beschäftigten eigentlichen Bergarbeiter(etwa die Hälfte tor �Gesamtbelegschaft); sie betrugen: 1907 1993 1999 1919 1911 Bt. M. M. M. M. Dortmund...... 1871 1766 1566 1589 1666 Oberschlesien..... 1130 1146 1190 1068 1094 Saurbezirt...... 1330 1383 1273 1248 1298 Niederschlesien..... 1080 1088 1045 1040 1069 Aachen....... 1699 1582 1456 1502 1524 Nach einer Uebersicht über die Todesursachen der im Oberberg. amtsbezirk Dortmund sowie beim gesamten Bergwerlsbetriebe Preußens vorgekommenen Verunglückungen ist die Zahb der töd- lichen Unfälle im Bergwerksbetriebe Preußens, auf 1900 Mann der Belegschaft berechnet, von 1,862 ans 1.929 gestiegen. Im Berg- bau tos Dortmunder Bezirks ftel die entsprechende Verunglückungs- ziffer von 2,240 auf 2,222. Für daä Jahr 1912 dürste sich infolge tor jetzt schon vorgekommenen schwevm Unglücksfälle die Statistik der Verunglückungen im OberbergcrmtÄbezirh Dortmund wesentlich ungunsiisjer stellen. Jugendbewegung. „Arbriter-Jngend". Aus dem Inhalt der soeben erschienenen Nr. 18 des vierten Jahrganges heben wir hervor: Wie der Bundesrat die Geschäfte tos Großkapitals zum Schaden der Arbeiterjugend besorgt. Von Gustav Hoch.— Jugenderinnerungen eines Arbeiters. Von Albert Rudolph.— Knappe Wahrheiten.— Ein Jahr tor Arbeit und des Fortschritts.— Nestbauten einheimischer Vögel(mit Ab- bildungen). Von Jürgen Brand.— Lehrlinge in der gewerblichen Rechtsprechung.— Aus der Jugendbewegung(Niederrhein, Ham- burg-Allona. Gotha).— Die Gegner an der Arbeit.— Zur Wirt, schaftlichen Lage usw. �... Beilage: Der Leuchtturm von SkudeSnaes. Erzählung von Karl Hans Strobl.— Das Nibelungenlied. Von Otto Koenig.— Tie Spanier in Peru(mit Abbildungen). Von A. Conradh.— Ein Stierkampf. Von L. Lessen.— Mehr al» die Sonne. Ge- dicht von S. Rast.— Wissenswertes von der Sprache.— Goldene Worte.— Der dumme Apfelbaum. Erzählung von Walter Harlan. Geweiitfcbaftlicbes. Die Schwarzen Tollen gelb werden. Nachdem die christlichen Gewerkschaften beim Streik der Berg- arbeiter den Arbeiterverrat im großen getrieben haben, erwarten die Unternehmer, daß sie auf der schiefen Bahn weiter abwärts gleiten, bis sie völlig im Sumpf angelangt sind. Was das Unter- nehmertum von den christlichen Gewerkschaften erwartet, das sagte auf der letzten Hauptversammlung des Vereins deutscher Gießereien der Geschäftsführer Dr. Brandt. Er führte aus, daß das Fern- bleiben der christlichen Gewerkschaften bei dem Kohlenarbeiteraus- stand ein Vorgang von größerer Bedeutung nicht nur im Sinne einer wesentlichen Stellung der Unternehmer sei, sondern auch von Bedeutung für das politische Leben. Das Auftreten der christ- lichen Gewerkschaften sei nicht nur diftiert gewesen von der politi- schen Stellung des Zentrums zur Regierung, sondern es sollte auch dadurch eine außerordentliche Stärkung des politischen Einflusses des Zentrums auf die christlichen Gewerkschaften bewirkt werden. Das Zentrum habe schon immer eine besondere Beachtung der christlichen Gewerkschaften von der Regierung verlangt, weil diese Gewerkschaften baterlandstreu und schutzzöllnerisch seien. Es müsse von der größten Tragweite sein, daß nun in einem großen Kampfe diese Gewerkschaften auch wirtschaftspolitische Einsicht gezeigt haben, und es könne nicht ohne Eindruck bleiben, wenn die Führer des Zentrums bei irgendeiner Gelegenheit dem Reichskanzler sagen könnten: Wir sind die einzige Partei, die große Arbeitermassen für das Vaterland und für den Wirtschaftsfrieden gegen die Sozial- demokratie aufbieten können. Das Unternehmertum steht den Dingen freilich etwas anders gegenüber. Es erinnert sich des Spruches, daß eine Schwalbe keinen Sommer macht, und daß auch die christlichen Gewerkschaften grundsätzlich Streikanhänger seien. Wenn sie auch dieses eine Mal beiseite gestanden und sogar den Schutz der Arbeitswilligen in öffentlichen Kundgebungen als not- wendig anerkannt und für sich selbst erkannt haben. Man sieht also aus dieser Rede, daß der organisierte Massen- streikbruch in einem Falle den Unternehmern noch nicht Veran- lassung gibt, den christlichen Gewerkschaften unbedingt zu trauen. Sie müßten sich erst in aller Form als unbedingte Gegner des Streiks erklären, also jeden, wenn auch nur äußeren. Unterschied zwischen sich und den Gelben verwischen.— Na, was nicht ist, kann ja noch werden. Die Gunst des Papstes und das Vertrauen der Unternehmer werden ja zugkräftig genug sein, um die Schwarzen bis über die Ohren in den gelben Sumpf zu ziehen. Berlin und Qmgegcnd. Die„rote Gefahr" im Cafehausgeiverbe. Wie in so vielen anderen Berufszweigen, glaubten auch die Berliner Casetiers der roten Flut, die hier schon gewaltige Dimen- sionen angenommen hat, den gelben Damm entgegensetzen zu müssen. Aber wie anderweitig auch, ist das Menschenmaterial,. das sich unter der gelben Fahne zusammenfindet, derartig, daß den Unternehmern allmählich vor ihren eigenen Schützlingen zu grauen anfängt. Das Tragikomische dabei ist nur, daß hier die Gelben versuchen, das�Gros der Unternehmer dadurch zu täuschen, daß sie den frciorganisiertcn Gehilfen alles nachzuahmen versuchen, so daß dadurch der Anschein erweckt wird, als handele es sich tatsächlich um freie Gewerkschaftler. So haben sie ihren Namen„Verband deutscher Casehausgchilfen" deshalb gewählt, um eine Verwechse- lung mit dem„Verbände deutscher Gastwirtsgchilfen" herbeizu- führen.-Dies scheint jedoch nicht den gewünschten Erfolg gezeitigt zu haben, weil die Abteilung der Cafeangestellten als„Zweigverein der Cafeangcstellten" firmiert, und so ist man jetzt schon dazu über- gegangen, statt Cafehaus g e h i l f e n Cafehaus ange st eilten zu sagen. Trotzdem können alle Täuschungsversuche die eine Tat- fache nicht aus der Welt schaffen, daß die brauchbaren und besten Arbeitskräfte im Cafehausgewerbe nur unter den Roten zu finden sind, weil sich auch hier bei den Arbeitern, und gerade bei den qualifizierten, die Erkenntnis Bahn gebrochen hat, daß der An- schluß an die moderne Arbeiterbewegung nur dazu dienen kann. die wirtschaftlichg Lage zu verbessern. Auch die Herren Cafetiers sehen sich gezwungen, diesen Ver- Hältnissen Rechnung zu tragen, denn wer, wie die Berliner Cafe- angestellten, Lg Proz. der arbeitenden Kellner hinter sich hat. dem kann auch ein Bäckcrdutzend Gelber keinerlei Abbruch tun. Mögen sich die Unternehmer auch noch so sehr sträuben, es bleibt ihnen nichts weiter übrig, sie müssen sich damit abfinden, organisierte Gehilfen zu beschäftigen, und so fällt eine Stütze der Gelben nach der anderen ab. Die Organisation schreitet von Erfolg zu Erfolg, und die paar Scharfmacher können den Untergang des „Schwimmenden Sarges", wie man hier die gelbe Sumpfpflanze bezeichnet, nicht aufhalten. So ist es der Organisation u. a. ge- lungen, mit Herrn Ad. Stern, Inhaber des Cafe„Stern" am Oranienburger Tor, einen Vertrag abzuschließen, in dem Aner- kcnnung der Organisation und des Arbeitsnachweises sowie das schon vorher geregelte Gehalt von 10 M. pro Monat festgelegt ist. Auch Herr Leop. Mandel, Inhaber des Cafe„Abbazia" in Charlottenburg Am Knie, hat die Organisation und den Ar- beitsnachweis anerkannt, ebenfalls sind daselbst die bisher er- hobenen Abgaben von 30 Pf. pro Tag abgeschafft worden. G es ch äfts kutsch erstreik. Die Kutscher der Firma Wilske, Fuhrwesen, Inhaber Klin- kowski, Karl-Stratze 42 und Alt-Moabit 19 sind am Sonnabend, den 24. August, sämtlich in den Streik getreten. Herr Klinkowski hat das Geschäft vor 3 Wochen übernommen und hat herausge- sunden, daß ein Teil der Kutscher nicht für den Betrieb paßt. Eigentümlich erscheint es, daß alle die organisierten Kutscher die Untauglichen und die fast sämtlich unorganisierten Haus« kutscher alles tüchtige Kerle sind. So kam es, daß zwei organi- sierte Geschäftskutscher, von denen der eine 4 Jahre und der andere 7 Jahre im Betrieb tätig sind, ohne Angaben von Gründen Plötz- lich entlassen wurden. Da von kompetenter und maßgebender Stelle im Betriebe der Ausspruch erfolgte, es werden noch weitere ti Mann herausfliegen, so erklärten sich die übrigen Kutscher mit den Entlassenen solidarisch und legten die Arbeit nieder. Die Kutscher hielten sich hierzu um so mehr verpflichtet, als den beiden Entlassenen von der Kundschaft, die sie zu bedienen hatten, das beste Zeugnis ausgestellt wird. Die Sache ist zu durchsichtig. Die gesamten Kutscher für die Kauf- und Warenhäuser sind mit ihren Lohn- und Arbeitsverhält- nissen mit Recht unzufrieden und suchen durch Anschluß an die Organisation, den Deutschen Transportarbeiterverband, ihre Lage zu verbessern. Die Maßnahmen der Firma richten sich hier nicht allein gegen die beiden Entlassenen, sondern gegen die Organisation im Betriebe. Das Gros der in Frage kommenden Kutscher der. angeführten Betriebe wird sich durch die Schikanen der Firma Wilske nicht irreführen lassen und ihre Prinzipien nach wie vor verfechten. Pflicht- und Ehrlichkeitsgefühl eines jeden denkenden Kutschers muß es sein, den Betrieb Wilske so lange zu meiden. bis die Differenzen in diesem Betriebe geregelt sind. Die Firma Wilske stellt ihre Fuhrwerke für die Firma Twtz, Warenhaus. Deutscher Transportarbeiterverband. Branche der Geschäfts- kutscher usw. Eine Episode vom Streik der Stukkateure. Man ichreibt uns: Während des Streiks der Berliner Stukka- teure versandten die Unternehmer am V. Mai ein Rundschreiben. welches auch im„Uentralblatt sür das deutsche Baugewerbe" unter den Nachrichten des Bcrbandes der Baugeschäfte veröffentlicht wurde. In diesem Rundschreiben fand sich folgender Satz:_ Perantw. Redakteur: Albert Wachs. Berlin. Inseratenteil verantw.j «Die Arbeitswilligen aber, die von der Bauverwaltung des Boardinghouse gegen reichliche an die Streikkasse gezahlte Ent- schädigung bezogen werden, sind die Hauptstützen der Streik- leitung, sie führen das große Wort und gebärden sich, trotzdem sie selbst tadellose Streikbrecher sind, als Retter der Organi- sation." Die Streikleitung strengte gegen die Unternehmerorganisation die Klage an und nach Beendigung des Streiks kam nachstehender Vergleich zustande: Erklärung. Die uns von unserem Gewährsmann zugetragene Be- hauptung, daß die Bauverwaltung des Boardinghouse an die Streikkasse Entschädigungen gezahlt haben soll, konnten wir aus ihre Richtigkeit nicht nachprüfen. Wir nehmen daher diese Be- hauptung zurück. Der Vorstand der Freien Vereinigung der Jnhäber von Bildhauer- und Stuckgeschäften Groß-Berlins. Deutfches Reich. Lohnbewegung in der Tapetenindustrie. Die Formstechergehilfen, welche die Druckwalzen für die Tapeten herstellen, hatten bis zum Jahre 1908 eine eigene Zen- trawrganisation. Diese hat sich 1909 mit dem größeren verwandten Berufsverband der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe verschmolzen; die größte Zahl aller in Deutschland vor- handenen Formstechergehilfen ist organisiert. Eine im Jahre 1910 stattgefundene Lohnbewegung führte zum Abschluß von Verein- barungen über die Lohn- und Arbeitsbedingungen im deutschen Formstcchergewerbe, die am 1. Oktober d. I. ablaufen. Zum Zwecke der Beratungen für einen neuen Tarif fand am 18. August in Berlin eine Gehilsenkonfcrnz statt, die von Ver- tretern aus allen Teilen Deutschlands beschickt war. Hier wurden die Berufsverhältnisse von allen Seiten beleuchtet, wobei mancher schwere Krebsschaden bloßgelegt wurde. In erster Linie wurde hervorgehoben, daß die durch die letzte Lohnbewegung erzielten Lohnerhöhungen bei weitem nicht gleichen Schritt hielten mit der eingetretenen Verteuerung der Lebensmittel.— Unhaltbare Miß- stände kamen ferner bei der Schilderung der wahnsinnigen Ueber- stundenschiebcrei und Hausarbeit zur Sprache, aus welche Weise in manchen Fällen jährlich von einem Gehilsen Hunderte von Ueber- stunden geleistet werden. Auch die bei manchen Firmen grassierende Lehrlingszüchterei wurde erwähnt, unter anderem, daß ein Unter- nchmer in Thüringen keinen Gehilfen, aber nicht weniger wie 19 Lehrlinge beschäftigt.— Die Konferenz war sich einig, daß diese und viele andere Mißstände beseitigt werden müssen. Eine große Anzahl von Anträgen der einzelnen Vcrbandsfilialen lagen der Konferenz zur Beratung vor. Eingehend wurden alle Wünsche diskutiert und auf ihre Vcrwirklichungsmöglichkeit ge- prüft. Schließlich formulierte die Konferenz einstimmig folgende Forderungen, für die mit aller Entschiedenheit und allem Nach- druck eingetreten werden soll. „Umwandlung der Stundenlohnbcrechnung in Wochenlohn; Feiertagsbezahlung; Entschädigung für Versäumnisse nach Z 616 BGB. Erhöhung des Mindcstlohncs für Ausgelernte von 19,50 M. auf 21 M. und der Löhne bis zu 25 M. um 3 M., über 25 bis 30 M. um 2,50 M. und über 30 M. um 2 M.; Lohnzahlung Frei- tags während der Arbeitszeit.— Festsetzung der wöchentlichen Ar- beitszeit auf 52 Stunden. Gewährung des Zuschlags für jede Uebcrstunde, und zwar von 25 Proz. für Ueberarbeit vor 10 Uhr abends und 50 Proz. nach 10 Uhr abends und an Sonntagen; Gewährung einer viertelstündigen Pause, die in die Arbeitszeit einzurechnen ist, bei 2 Ucberstunden am Tage. Verbot der Be- schäftigung von Heimarbeitern; über Ausnahmen sollen die Ver- tragskontrahenten von Fall zu Fall entscheiden; Arbeit nach Feier- abend mit nach Hause zu nehmen, soll verboten sein.— Lehrlingsskala: Auf je 5 Gehilfen soll ein Lehrling kommen; wo nur ein Lehrling zulässig ist, soll nach beendetem zweiten Lehrjahre ein weiterer Lehrling eingestellt werden können.— Lieferung des Werkzeuges, besonders des Vcrbraucbs Materials, z. B. von Feilen und Vorschlägen. Die Kündigungsfrist soll 14 Tage und die Kün- digung soll nur am Lohntag zulässig sein. Etwaiger Arbcitsmangel soll zur Vermeidung von Entlassungen durch Verkürzung der Ar- beitsdauer auf alle Gehilfen gleichmäßig verteilt werden. Tie Maschinen sollen aus hygienischen Rücksichten in besonderen Räumen aufgestellt werden." Diese Forderungen sollen sofort der Prinzipalsorganisation eingereicht werden. Zum Schlüsse wurde dann noch eine Kom- Mission gewählt, die mit der Prinzipalsorganisation über diese Forderungen verhandeln soll._ Streik in der Glasindustrie. In Mitterteich(Oberpfalz) ist es in den Tafel-, Salin, und Spiegclglasfabrikcn zur Arbeitseinstellung gekommen. Die Tafel- glasmacher und deren Hilfsarbeiter haben die Arbeit eingestellt. Es handelt sich nicht um Lohnforderungen, sondern um die An- erkennung der Organisation. Die Firma wirft fortgesetzt die Ver- trauensleute hinaus und erklärt trotzdem, daß sie nichts gegen die Organisation einwendet. Sobald aber irgendein Arbeiter eine Vcrtrauensstellugn einnimmt, wird er entlassen. Es werden des- halb alle in der Tafelglasindustrie beschäftigten Glasarbeiter er- sucht, Mitterteich zu meiden. Gelingt es den Glasfabriken nicht, Arbeitswillige zu erhalten, dann wird die Firma nachgeben und die Organisation dulden müssen. Ter Streik der Betonarbciter und Zimmerer am Festhallcnbau in Breslau ist beigelegt und die Arbeit wieder aufgenommen worden. Vor der von den Unternehmern angerufenen Schlich- tungskommission konnte die bestreikte Firma die gegen sie erHobe- nen Vorwürfe nicht entkräften. Die Gesellschaft wurde ver- pflichtet, die vertraglichen Bestimmungen für die Zukunft einzuhalten, was von dieser versprochen wurde. Bei Einstellung von Arbeitskräften sollen nach Möglichkeit die Breslauer berücksichtigt werden. Neueinstellungen von Arbeits- kräften dürfen nicht eher erfolgen, bis die am Streik Beteiligten sämtlich wieder eingestellt sind. Husland. In den Marmorbrüchcn von Carrara sind sämtliche Arbeiter, etwa 9000, in den Streik getreten. Differenzen wegen Pensionen bilden die Ursache des Streiks. £liis Indurtrie und f)andeL Der Kampf der Kanalgcbühren. Im Hinblick auf die Eröffnung des Panamakanals hat die Suezkanalgcsellschaft beschlossen, mit dem Tarif weiter herunter zu gehen. Das ist eine Maßnahme von außerordentlicher Wich- tigkeit für die gesamte internationale Schiffahrt. Wahrscheinlich wird nun ein Tarifkampf beginnen, der ja zunächst den Schiffahrtsgesellschaftcn, soweit sie an der Suezkanalgesellschaft nicht selbst interessiert sind, nur angenehm sein kann. Wahlschein- lich würde jedoch ein fortgesetzter Kampf zu einem Uebereinkommen führen müssen, durch das die Gebühren auf ein bestimmtes Maß festgesetzt würden. Vorläufig wird sicherlich bei den Schiffahrts- gesellschaftcn über den Entschluß der Suezkanalverwaltung große Freude herrschen. Ueber die Abgabenpolitik der Suczkanalgesell- schaft ist schon seit Jahren geklagt worden. Besonders der Verein Hamburger Reeder hat immer und immer wieder verlangt, daß die Gesellschaft mehr Rücksicht auf die allgemeinen Interessen als auf die Interessen ihrer Aktionäre nehmen sollte. Denn der Suez- kanal fei auch als Privatunternehmcn verpflichtet, in erster Linie den Wünschen der internationalen Schiffahrt zu dienen, deren Ge- deihcn ja viel zum volkswirtschaftlichen Wohle der gesamten Welt beitrage. Auch auf der Britischen Reichskonferenz, die im August vorigen Jahres stattfand, wurde über die(Sebührcnpolitil der Suezkanalgesellschaft lebhaft Klage geführt. E» gelangte damals . folgende Resolution zur Annahme:„Die Konferenz ist der An- ficht, daß die von der Schiffahrt für Benutzung des Suezkanaks geforderten Gebühren eine schwere Belastung darstellen und ge- eignet erscheinen, den Handel innerhalb des britischen Reiches und mit anderen Ländern zu behindern; sie fordert die grotzbritannische Regierung auf, auch weiterhin ihren Einfluß geltend zu machen, um eine wesentliche Ermäßigung der gegenwärtigen Gebühren herbeizuführen." Inzwischen hat die Gesellschaft unter dem Druck der Verhältnisse den Tarif mehrmals ermäßigen müssen.� Nach ihrem letzten Geschäftsberichte hat ihr jedoch diese Ermäßigung nichts geschadet, denn trotz der Herabsetzung waren die Einnahmen vom 1. Januar bis 20. Mai dieses Jahres um 1,86 Millionen Frank höher als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Versammlungen. Deutscher Transportarieiter-Berland. Die BezirkSderwaltung Groß-Berlin hielt am Donnerstag ihre ordentliche� General- Versammlung für das 2. Quartal 1912 ab. Der Geschäfts« und Kassenberichl liegt gedruckt vor. Das Gesamtresultat der Lohn- bewegungen im 2. Quartal ist wie folgt: Forderungen wurden ein- gereicht bei 37 Firmen mit 1945 Beteiligten.— Bei 35 Firmen erzielten 1915 Beteiligte auf friedlichem Wege eine Lohnzulage von 2972,95 M. pro Woche und 622 Beteiligte eine Arbeitszeitverkürzung von 1393 Stunden pro Woche.— Bei 2 Firmen erzielten 30 Beteiligte durch Arbeitseinstellung eine Lohnzulage von 55,50 M. pro Woche.— Zum Abschluß eines Tarifvertrages kam es bei 10 Firmen mit 149 Beteiligten.— Zu Abwehrbewegungcn kam es bei 9 Firmen mit 523 Beleiligten, die ebenfalls sämtlich mit Erfolg beendet wurden.— Abgewehrt wurde in 6 Betrieben die Maßregelung von 14 Beteiligten, und in 4 Betrieben wurde die Anerkennung der Organisation erreicht. Außerdem wurde abgewehtt in einem Betrieb die beabsichtigte Lohnreduzierung in Höhe von 27 M. pro Woche für neun Beteiligte. Eine Uebersicht über die agitatonsche Tätigkeit zeigt, daß 196 Branchenversammlungen. 1300 Betriebsbcsprechungen, 190 Sitzungen der Vertrauensleute, 222 Verhandlungen stattgefunden haben. 247 Mitglieder sind übergetreten, 4403 wurden neu aufgenommen. Der Kassenbericht bilanziert mit 413 257,82 M. Vezirkskasse: Kassenbestand am 1. April 1912 80 516,73 M.. Kassenbestand am I.Juli 1912 106 563.18 M.. Ueberschuß 26 046,40 M. Verbands- Hauptkasse: Kassenbestand am 1. April 1912 31 186,80 M., Kassen- bestand am 1. Juli 1912 30 351,80 M. Mehrausgabe 835 M. Hauptkasse-.Ablieferung 199 443,80 M. in bar abgeliefert 81540,18 M.— Erwerbslosen- Unterstützung an Arbeitslose 44 014.30 M.. an Kranke 58 358,60 M. Streikunterstützung 2587,12 M.,- Gemaßregeltenunterstützuug 4419,15 M., Extraunter- stötzung 1730 M., Beerdigungsbeihilfe 6285 M., Rechtsschutz 509,45 M.. gleich 199 443,80 M. Mitgliederbewegung: Bestand am 1. April 1912: Männliche 43 400, Weibliche 1828, Jugendliche 1917, Bestand am 1. Juli 1912: Männliche 43 919, Weibliche 1833, Jugendliche 1952. Bericht über den Arbeitsnachweis: Arbeitslose 4953, gemeldete Stellen für fest 2622, Stellen zur Aushilfe 4634, zusammen 7256, besetzte Stellen für fest 1721, Stellen zur Aushilfe 4385, ist zu- sammen 6105. Arbeitslos blieben am Schluß des 2. Quartals 841 Mitglieder. 'Werner erläuterte und ergänzte den Bericht noch in einigen Punkten. Insbesondere machte er die Mitglieder auS dem Schwer« suhrwerlsgewerbe auf das Bestreben der Fuhrherrn-Zentrale auf- merksam, die ihre Arbeiter in einen gelben Verein pressen möchten. In der kurzen Diskussion, die folgte, wurden wesentliche Ein« wände gegen den Geschäfts« und Kassenbericht nicht erhoben. Aus der Wahl der Beisitzer zum Verbandsvorstand gingen her« vor: P. Müller, Luckow.Bolien. Bernes. Urowka, W i st, Z e i s s i n g, N o r d m a n n; als Revisoren für die Haupt- lasse wurden gewählt: Fvöhbrodt, Lenz, Langkan, S u h r.. � Die Branchenversammlung der Hausdiener, Packer und Kutscher auS den Papier-, Pappen-, Zeitungsbetrieben usw. beantragte: t „Die ordentliche Generalversammlung möge beschließen, den seinerzeit gefaßten Beschluß, daß die OuartalSgeneralversamm- lungen in verschiedenen Stadtteilen abgehalten werden, aufzuheben und dafür einzutreten, daß in Zukunft die Generalversammlungen im Zentrum der Stadt einberufen werden." Die Versammlung stimmte dem zu. Nachrichten. Zum türkischen Ministerwcchsel. Konstantinopcl, 24. August.(W. T. B.) Der frühere Minister Aristidi Pascha ist zum P o st m i n i st e r ernannt worden. Senator Halim Bei ist zum Justizminister und Danick Bei ist zum Mini st er des Innern ernannt worden. Tie Jungtürken in Armenien. Konstantinopel, 24. August.(W. T. B.) In Erzerum ver» suchten Jungtürken eine regierungsfeindliche Kundgebung zu ver- anstalten, die jedoch dank der getroffenen Mahnahmen scheiterte, Ueber Erzerum wird der Belagerungszustand verhängt werden. Sechs Arbeiter verschüttet. Bukarest, 24. August.(P.-C.) Bei dem Bahnbau zu Gaveni wurden sechs Erdarbeiter durch herabstürzende Lehmmasseu ver- schüttet. Trotz sofort vorgenommener RcttungZarbeiten konnten alle sechs Arbeiter nur noch als Leichen geborgen weröen. Zugentgleisung. Brüssel, 24. August. Der Zug Chatchinau-Givet ist bei der Station Romedenne entgleist. Mehrere Wagen wurden zer- trümmert; einige Passagiere sind verletzt. Brand im Londoner Haupttelegraphenamt. London, 24. August.(W. T. B.) Heute abend gegen 7 Uhr brach in der vierten Etage des Haupttelegraphenamtes in London ein Brand aus. In kurzer Zeit standen mehrere tausend Drahte in Flammen. Die Angestellten versuchten vergebens, das ireuer zu löschen; während dessen kam die Feuerwehr, es standen aber bereits alle Drähte in hellen Flammen, so daß es nicht möglich war, Herr des Brandes zu werden. Alle Angestellten mutzten sofort daS Ge. bände verlassen. Der Schaden, der an dem Gebäude, den Drahten und den Apparaten angerichtet ist, ist ein sehr Stößer. Es wird mehrere Tage dauern, bis die Verbindungen wiederhergestellt sind und der Dienst wieder aufgenommen werden kann. Riesenbrände. Petersburg, 24. August.(W.T.B.) In den Newawerk. st ä t t e n ist G r o ß f e u e r ausgebrochen. Die Reparatur- abteilung und die Kesselabteilung sind vollstandia und die Schiff. bauabteilung ist teilweise abgebrannt. Der Schaden wird auf 250 000 Rubel geschätzt. Jassy, 24. August.(P.-C.) In der verflossenen Nacht brach in der Möbelfabrik Fortuna ein Brand aus. Die Löscharbeiten wurden durch den bestehenden Wassermangel äußerst erschwert und die Flammen, die an den Holzvorräten reichliche Nahrung fanden, sprangen bald bei dem herrschenden Winde auf die benachbarten Gebäude über. Bald standen sämtliche Gebäude zu beiden Seiten der Straste in Flammen. Erst nach mehrstündigen verzweifelten Anstrengungen gelang e» der Wehr, das Fcner einzudämmen. Mehrere Feuerwehrleute und Privatpersonen erlitten bei den Löscharbeiten schwere Brandwunden.__ Hierzu 4 Beilagen. Zh.Glocke.Berl'n. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. ll Verlagsanstalt Paul Smger � Co., Berlin LW, Nr. 198. LS.ZahtMg. i Kkilage des Jmniirts" Kerlim MsM Ssvlltag. 33. AM? IM Sie entlarvte» Zevtrumsheuchler. Die grenzenlose Zentrumsheuchelei, die sich, wie in den Debatten über die letzten Reichstagswahlen sowohl im Reichs- tag als namentlich auch im preußischen Abgeordnetenhaus, in den letzten Tagen in der bayerischen Kammer hcrvorwagte, hat bei den bayenschen Debatten am Donnerstag die gleich- zeitig lusttgste wie vernichtendste Abferttgung erfahren. Auf die Aufforderung des Zentrumsredners v. Franckenstein, in der Armee die Sozialdemokratie aufs schärfste zu bekämpfen. Plauderte der sozialdemokrattsche Abgeordnete Körner folgende Jntema über das einstmalige schwarz-rote Wahl- bündnis aus: Bei uns in der Pfalz, wo daS Zentrum noch vor einigen Iahren bei den Wahlen mit uns gegangen ist, wundert man sich darüber, datz jetzt die Sozialdemokraten aus einmal so bitterböse Kerle geworden sein sollen. Ich will Ihnen doch e Pälzer Geschichte erzähle! sGrotze Heiterkeit.) Es war im Jahre 1905, als wir mit dem Zentrum in der Pfalz wegen Schaffung eines neuen Wahlgesetzes ein Kompromiß für die Landtagswahlen geschlossen haben. Auch im Wahlkreise Germersheim wurde ein solches abgeschloffen— Herr Spindler sitzt ja noch da! sGrotze Heiterkeit.)_ Da haben wir uns zur Verabredung nach Mannheim hinübergeflüchtet und uns in einer Wein st übe köstlich amüsiert! sGrotze Heiterkeit.) Unter den auf Grund des Wahlabkommens gewählten Wahlmännern waren Staatsbeamte, Geistliche(Stürmisches Hört! links), dann der frühere Bürgermeister Kleehaas— Kricgervercinsvorstand— (Hört, hört), der spätere Bürgermeister von Germersheim— ein pensionierter Oberstleutnant.(Hört, hört!) Damals hat sich aber niernand vom Zentrum enttüstet I(Sehr gut I) Ja, als die nationalliberale.Speyerer Zeitung" aufbegehrte, da hat ihr Dr. Jäger kräftig in die Suppe gespuckt, weil sie eS wage, in das Wahlverfahren einzugreifen und Offiziere angreife.(Hört, hört I und Schallende Heiterkeit links.) Der jetzige Mnnchcncr Erzbischof war auch dabei damals in Mannheim!(Große Heiterkeit.) Er hat sich auch gar nicht geniert und auch, nachdem er schon Erzbischof geworden, mir bei einer Besichtigung einmal recht herzlich die Hand gedrückt.(Schallende Heiterkeit.) Und jetzt auf einmal diese Entrüstung! Und Genosse Roßhaupter ergänzte diese köstlichen Reminiszenzen weiterhin: Ich erinnere an die ReichStagSwahlen 1907. Damals war es das jetzige bayerische Regierungsorgan, der.Bayerische Kurier". der am 2. Februar 1907 die S t i ch w a h l p a r o l e des Zentrums veröffentlichte und dazu aufforderte. in München 1, Erlangen und Fürth dem Sozialdemokraten die Stimme zu geben!(Hört, hört!) Es hietz!.Wählt in München I Birk!" Die Erzbischöfe von München-Freising und Bamberg waren damit nicht einverstanden. Der.Bayerische Kurier" hat deshalb gegen die Erzbischöfe fulminante Artikel gebracht.(Ruie link«: Aus lauter Ehrerbietung!) Unglaubliches sei geschehen: die beiden Metropo» liten seien Herabgefliegen in die Arena des politischen Wahlkompfes. (Große Heiterkeil links.) Sie hätten dieGeistlichen in ihrem Wahlrecht bccinfliißt.(Stürmische Heiterkeit.) Sie hätten ihrer Würde und dem Vertrauen des Volkes geschadet.(Schallende Heiterkeit) Noch weit schärfer ging es in der Versammlung an der Brunnstraße zu. Da erklärte Dr. Lochbrunner, der Liberalismus habe m München I einen Wahlsieg errungen mit Unterstützung katholischer Behörden. In dem Bericht heißt es:.Stürmische Pfuirufe!"(Große Heiler- keit.) Die Zeit werde kommen, wo man froh sei, vom Zentrum unterstützt zu werden. DaS Zentrum sei hinterrücks «»gegriffen worden. In Zukunft werde man sich nicht mehr verlassen auf den katholischen Adel! Nicht mehr aus die katholischen geistlichen Behörden I Am Zentrum fei Verrat geübt worden. Die Versammlung brach in endlosen Beifall für Lochbrunner aus.(Große Heiterkeit.) Dann kam der Chefredakteur Siebertz, während dessen Rede Pfuirufe gegen die Erzbischöfe, Pfuirufe gegen Hertling ertönten. Es wurde gegen Hertling geruien: Solche Leute sollte man hinauSschiucihcn. (Stürmische Heiterkeit! und Hört! hört!) Wer Hertling seine Stimme als cvent. Reichstagspräsident geben würde, der müsse leinen Charakter und kein Selbstbewußtsein haben!(Große Heiler- keit.) Meine Herren, ich könnte noch lange sortlesen, aber ich denke, es genügt vorläufig,(v. Vollmar: Als erste Portion!) Jedenfalls hat da« Zentrum über die Staatsgesäbrlichkeit der Sozialdemokratie nicht immer so wie jetzt gedacht.(Adolf Müller: Armer Moritz!) Auch gelegentlich der ReichStagSwahlen gab es «ine Siegesfeier mit einem SicgeSmahl. Es wird Sie viel- kleines feuilleton. Der Overpräsidcnt der Provinz Brandenburg hat festgestellt, daß dem Invaliden Schniermann rechtlich verfolgbare Ansprüche aus ß 272 des Allgemeinen Berggesetzes vom 24. Juni 1865 (Ges.-Samml. S. 705) oder 172n der Fassung vom 19. Juni 1906 (Ges.-Samml. S. 289) zuständen, nach denen er Knappschastszinsen bezieben würde. Der Schniermann ist eine(erfundene) Gestalt aus dem R o s e n o w schen Stück.Die im Schatten leben."— Dem Oberpräsidenten gereicht hiermit zum Bescheide, daß der p. Rosenow bei der Ansertigung des nunmehr verbotenen Kunstwerls nickt nur die Absicht gehabt hat, auf die Lücken der einschlägige» Gesetzgebung hinzuweisen, sondern einer hauptsächlich aus Arbeiter- familien bestehenden Zuhörerschaft darzulegen, wie trotz Bestehens von Schutzvorschriften wirtschaftliche Abhängigkeit der Proletarier, Ausnutzung derselben seitens der Unternehmer und sogar Notlagen nicht ganz haben vermieden werden können. Dem Oberpräsidenten wird hiermit aufgegeben, sich zwecks ?ensunerung auch die deutschen Klassiker sowie die p r e u ß i« che» P a t r i o t e n- D r a m a t i k e r anzusehen. Ein gewisser Wildenbruch läßt eine Reihe seiner Gestalten im ganzen 23(dreiundzwanzig) Mal gegen den§ 211 S».-G.-B. (Mord) verstoßen, bei Joicph Laufs ist die kleine Strofgesctznovelle gänzlich unberücksichtigt geblieben, die auf den Freilichttheatern dar- gestellte» Rechtsgeschäfte der ersten Hohcnzollern dürften nach Matz- gäbe der Bestimmungen de? Bürgerlichen Gesetzbuches wesentlich ander« aussallen.(Vergl.§§ 138,2. Wucher.—§§ 823, 826... die guten Sitten. Das Gericht im.Götz von Berlichtngen" schaltet, ent- gegen den vestimniungen der Strafprozeßordnung vom 1. Februar 1877. die Berufung«- beziehungsweise Revrsionsinstanzen ga„z auS. Dem oben angezogenen Oberpräsidenten wird sohi» anheim- gestellt, auch die im königlichen Schauspielhaus zu Berlin üblichen dramatischen Vorgänge auf ihren juristischen Gehalt zu unter- suchen. Andererseits muß notwendig in den Zuhörern ein in- grimmiger Haß gegen bestimmte Stände und Gesellschaftsgr uppen hervorgerufen werden. dessen EntladungbeigeeigneterGelegenheiter- wartet werden kann. Was die Freie Volksbühne bringt. Die Verwaltungsbehörden haben der Freien Volksbühne den Krieg angesagt. Für die Arbeiter «roß-Berlins kann das nur ein Grund mehr sein, sich desto enger dieser ihren Kulturinteresscn dienstbaren Organisation anzuschlictzcn, I ihr noch zahlreicher als Mitglieder beizutreten. I leicht interessieren, die Teilnehmer zu er- fahren.(Stürmische Heiterkeit.— Rufe bei den Liberalen: Was wird jetzt wieder kommen!) Die Teilnehmer waren: Der jetzige Münchener Erzbischof Dr. v. Bettinger, der Domkapitular Dr. Zimmern, der Zentrumsabgeordnete Dr. Jäger(Stürmische Heiterkeit) und die Sozialdemokraten Ehthart und Profit. Erzbischof Dr. Bettinger gab damals sogar seiner Freude Ausdruck, daß eS bei uns in Bayern eine solche Be- Handlung der Sozialdemokratie nicht gibt wie in Preußen. (Tosende Heiterkeit.) Ob das Zentrum an dieser„ersten Portion" noch nicht genug hat? »llbbzu oder ffufhebung der Zahlabende. Von Wi lhe Im Pieck. In einer der letzten Sitzungen des AktionSausschuffeS von Grotz-Berlin hat sich dieser— wie in der Nummer 1, 7. Jahrgang des„Mitteilungsblattes" berichtet wurde— mit dem Ausbau der Zahlabende beschäftigt und diesen als Notwendigkeit anerkannt, die zu erfüllen eine der nächsten Aufgaben der Organisation sei. Es wurde beschlossen, daß sich die Kreise mit dem Ausbau der Zahl- abende beschästigen und geeignete Vorschläge machen sollen. Dieser erfreuliche Beschluß wird von allen Genossen begrüßt werden, denen eine bessere theoretische Aufklärung der Parteimitglieder und die geistige Hebung des Berliner Partcilebens am Herzen liegt. Denn nach dieser Richtung hin werden die Zahlabende besonders zu reformieren sein. Hoffentlich führt dieser Beschluß des Aktions- ausschuffes auch wirklich zu einer Besserung des heutigen, nicht gerade erhebenden Zustandes. Der Verlauf des größten Teile» der Zahlabcnde ist keineswegs geeignet, die Genossen und Genossinnen, besonders die jüngeren, zum Besuch der Zahlabende anzuregen. Nicht nur, daß viele Zahl- abende unregelmäßig, meistens sehr spät eröffnet werden, daß die Verhandlungen durch die Beitragskassierung gestört werden, auch die Verhandlungen selbst sind selten anregend und von geistiger Lebendigkeit getragen. Steht aber die Reorganisation der Zahlabende einmal zur Diskussion, dann ist zugleich ernsthaft zu prüfen, ob es nicht zweck- mäßig ist, die Zahlabende als Gelegenheit zur Bei- tragsleistung überhaupt aufzuheben, und an ihrer Stelle Mitgliederversammlungen einzuberufen, in denen beleh- rende Vorträge gehalten und organisatorische Fragen besprochen werden. Diese Mitgliederversammlungen könnten für mehrere Bezirke gemeinsam, je nach deren Größe, als Distrikts- oder Ab- tcilungsversammlungen— zum Unterschiede von den monatlichen Mitgliederversammlungen des ganzen Kreises oder Ortes— einberufen werden. Durch diese Aenderung würden die Mitglieder- Zusammenkünfte nicht durch die Beitragskassierung gestört, es würde ihnen vor allem eine größere Bedeutung beigemessen werden. Heute betrachten leider viele Genossen den Zahlabend in seiner fast allgemein üblichen Art eben nur als Gelegenheit zum Beitrag- zahlen, auf die einen ganzen Abend zu verwenden den Genossen als Zeitvcrtrödelung erscheint. Sie lassen deshalb auch vielfach 2 bis 3 oder noch mehr Zahlabende verstreichen, bevor sie wieder einmal zum Zahlen erscheinen. Die, Beitragskassierung könnte, wie in den meisten sozialdcmo- kratrschcn Vereinen und in den Gewerkschaften, durch Hauskassierer erfolgen. Ob diese Beitragskassierung einheitlich über Grotz-Berlin an einem bestimmten Sonntage des Monats oder in anderer Weise erfolgt, ist eine Frage von untergeordneter Bedeutung. Jeden- falls würden sich die in Grotz-Berlin aufgebrachten Beitragssum- inen ganz beträchtlich dadurch erhöhen lassen. Es würde zum Teil verhütet werden, daß nicht so viele Mitglieder mit größeren Bei- tvagsrückständen abreisen, auch würden die Beitragsrückstände zum großen Teile cinkommen, wegen der alljährlich eine beträchtliche Anzahl Mitglieder gestrichen werden müssen. In der Nummer 47 der„Neuen Zeit" habe ich den Vorteil der Hauskassierung gegenüber der in Berlin geübten Beitragser- Hebung zahlenmäßig nachgewiesen. Es ergibt sich daraus die für Grotz-Berlin sehr beachtenswerte Tatsache, daß es seine jähr- lichen Einnahmen aus Beiträgen von 402 000 auf 898 000 Mark steigern müßte, wollte es relativ so viel an Beiträgen aufbrinDen wie Hamburg und Bremen, wo die Haus- Obwohl es an Schwierigkeiten nicht fehlt, ist die Gesamttätigkeit der Freien Volksbühne in keiner Weise ernstlich bedroht. Der Verein ist vielmehr bestrebt, unter Ucberwindung der ihm entgegenstehenden Widerstände seine Leistungen zu erhöhen. Inwieweit das schon gelungen ist, geht aus dem Programm hervor, mit dem am 1. September das neue Spieljahr eröffnet wird. Im Deutschen Schauspielhaus(vormals: Komische Oper) an der Weidcndammer Brücke kommt Goethes„Egmont" für die Mitglieder zur Aufführung. In den Räumen des H e r r n f e l d- Theaters wird zugleich in eigener Regie(Direktor Witte-Wild) StrindbergS„Vater" gegeben. Am 8. September beginnen dann die Vorstellungen im Lessing-Theater mit Schön- herrs, Glaube un e i m a t" und im Thalia-Theater, wieder in eigener RegW mit DreyerS„Des PfarrerS Tochter zu Streladorf". Vom 15. September ab spielt die Volksbühne im Residenz-Theater. Hier gelangt Dumas „Francillon" zur Darstellung Am 6. Oktober ist die erste Extra! Vorstellung im Lessing-Theater: Ernst Hardts„Gudrun" Und sofort nach Fertigstellung der D e u t s ch e n O p e r in C h a r- lottenburg nimmt der Verein auch dort mit einer Aufführung von Beethovens„Fidelio" seine Tätigkeit auf. DaS Neue Schauspielhaus(Nollendorfplatz) hat sich infolge der Zahlungsschwierigkeiten, in die es geraten ist, zunächst noch nicht in der Lage befunden, seine vertragsmäßigen Verpflichtungen gegenüber der Freien Volksbühne einhalten zu können. Die hierfür im ursprünglichen Programm vorgesehenen Vorstellungen finden daher bis auf weiteres im Deutschen Schauspielhaus statt. Die patriotische Synagoge. Am Montag wird zu Berlin eine neue Synagoge im Beisein eines Kaiservertreters eingeweiht werden. Die Kuppel ist mit Cadiner Kacheln aus der Fabrik Wilhelm II. geschmückt. Der Weg von Galizien bis zur Fasanenstraße— da steht daS neue BelhauS ist weit. Es hat lange gedauert, daß er zurück gelegt wurde— über hundert Jahre. Aber die alte Ausnahme ftcllung der Juden zu beseitigen, das ist dieser zähen Rasse bis heute nicht ganz gelungen. Die Offiziere nehmen sie nicht, und die hohen Staatsbeamten nicht. Das mit den Offizieren läßt sich verschmerzen. Außerdem ist der Jude intelligent und... überhaupt für den Osfizierstand ungeeignet. Anders die Sperrung der Beamten karriere. Was da momentan an leitenden Stellen sitzt, sieht man man haut Abrahams Söhne links aufs Ohr, man haut sie rechts aufs Ohr,— und die Unfähigkeit einer Kaste wird, wie die gesamte auswärtige Politik, erst dann Sache der Nation, wenn man die Knochen der Soldaten braucht. Der Jude ist noch heute von vielem ausgeschlossen: er wird „regierungSfeitlicherfeiiS" nicht allzu freundlich angesehen. alle», was die Regierung Preußens tur, ist dos dumm und kassierung(in Hamburg nur zum Teil) eingeführt ist. Diese finan- zielle Mehrleistung der beiden Orte rührt daher, daß in Hamburg» 44 Proz.(in Hamburg III sogar 46,5 Proz.), in Bremen 37.2 Proz. und in Berlin nur 21,2 Proz.(in Berlin VI nur 18,7 Proz,) der sozialdemokratischen Reichstagswähler organisiert sind und in Ham- bürg 10,5, in Bremen 11,6 Monatsbeiträge pro Mitglied und Jahr eingehen, in Berlin dagegen nur 9,5. Auch im übrigen treten die Vorteile der Hauskassierung in den Organisationsziffern der beiden Orte deutlich in Erscheinung. Der Mitgliederbestand erhöhte sich im letzten Jahre in Hamburg um 25,6 Proz., in Bremen um 17.8 Proz, in Grotz-Berlin nur um 7.9 Proz. Gegenüber den Aufnahmen erhöhte sich der Mitgliederbe. stand in Hamburg um 54,8 Proz., in Bremen um 49,3 Proz., in Berlin nur um 28,5 Proz. Wenn man in Grotz-Berlin das Mehr der im letzten Jahre eingegangenen Beiträge der Berechnung zu- gründe legt, dann ergibt sich, daß sich der Mitgliederbestand sogar nur um 9,3 Proz. der Aufnahmen gesteigert hat, das heißt, daß noch nicht einmal der zehnte Teil der Aufnahmen geblieben sind. Dieser organisatorische Mißerfolg in Grotz-Berlin bedeutet einen relativen Rückgang gegenüber der organisatorischen Ent. Wickelung der Partei im letzten Jahre, wie auch in anderen Diu- gen Groß-Berlin von den Mitgliedschaften in der Provinz weit überflügelt worden ist. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Ursache zum Teil in der in Berlin üblichen Beitragserhebung zu suchen ist, die das Rcstantenwesen und die Fluktuation geradezu zu fördern geeignet ist. Wenn ein in seiner Parteipflicht noch nicht genügend gefestigtes Mitglied erst durch den Nichtbesuch der Zahl- abende drei bis vier Monate mit den Beiträgen im Rückstände ist, wird es nur schwer zur Nachzahlung zu bewegen sein. Allerdings würde die Hauskassierung auch Ausgaben verur« fachen, indem die Beittagskassierer dafür entschädigt werden müssen. Aber selbst wenn die Entschädigung dem Betrage gleich- käme, der durch die Hauskassierung an Mitgliedsbeiträgen mehr aufgebracht würde, so käme doch immerhin der Vorteil in Bettacht, datz nicht so viele Mitglieder wegen rückständiger Beiträge ge- strichen zu werden brauchten. Jeder in der Agitation tätige Gc° nosse weiß, wieviel Mühe es erfordert, die Arbeiter von der Not- wendigkeit der politischen Organisation zu überzeugen und sie zum Beitritt zu bewegen. Um wieviel mehr ist es notwendig, die ge- wonnenen Mitglieder zu erhalten und Vorsorge zu treffen, daß sie nicht mit ihren Beiträgen in Rückstand geraten und deshalb ge- strichen werden müssen. Es ist ferner zu beachten, datz bei der Hauskassierung viele Mitglieder durch den Beittagskassierer gewonnen werden, so daß dessen Entschädigung auch dadurch reichlich aufgewogen wird. Wenn der Beitragskassierer allmonatlich zu den Genossen ins Haus kommt, wird er in ihrer Wohnung sehr häufig Arbeiter(Einlo- gierer. Familienangehörige, Bekannte) antreffen, die noch nicht der Partei angehören, bei denen es aber oft nur des Anstoßes bedarf, sich der Partei anzuschließen. Auch werden dem Kassierer häufig Adressen von Arbeitern mitgeteilt werden, die zum Beitritt bereit sind. Auch die Kolportage der Parteiliteratur könnte durch die Hauskassierer in nennenswertem Maße gesteigert werden, sei es, daß sie Bestellungen auf Bücher entgegennehmen oder Bücher direkt zum Kauf anbieten. Es würde den Beitragskassierern zugleich eine kleine Nebeneinnahme daraus entstehen. Es kommt auch noch in Betracht, daß durch die monatliche Hauskassierung eine ständige Fühlung mit allen Parteimitgliedern aufrecht erhalten wird, die für das Getriebe einer Partei von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist. So ergeben sich von selbst die Vorteile, die diese Form der Beitragscrhebung vor anderen Formen voraus hat. Der beste Beweis für die Zweckmäßigkeit der Hauskassierung liegt doch in der Tatsache, daß eine große Anzahl Parteimitgliedschaften in Groß- und Mittelstädten dieses System eingeführt und mit ihm gute Er- fahrungen gemacht haben. Die einzige Schwierigkeit, die besonders in Großstädten der Durchführung der Hauskassierung begegnet, ist die Beschaffung der erforderlichen Beitragssammler. Aber das ist eine Schwierigkeit, die bei der Besetzung aller Arbeitsposten in der Partei überwunden werden muß und die auch bei der Besetzung der Kassiererposten überwunden werden wird, besonders wenn dafür die Genossinnen herangezogen werden. praktisch. Denn w i e konservativ der Jude ist, zeigt sich in der Fasanenstraße. Hier kommen die sonst Geprügelten, Verachteten zusammen(die nur liberal sind, weil man sie nicht für voll nimmt...), hier k a ch e l n sie mit k a i s e r l i ch e n Z i e g e l n, hier steht unter ihnen ein hoher Offizier... Fühlen sie nicht, wie sie sich verspotten?— Was denkt sich der Kaiservertretcr unter Leuten, die er nie in seinen Kreis wählen würde?— Jüdische Rekruten werden schikaniert—. es ist würdelos. Die Staatsbürgerin wird pöbeln, datz Wilhelm II. jemand in seinem Namen gesandt hat. der diensttuende Rabbiner wird von neuem die„unverbrüchliche Treue zum Kaiserhaus" bezeugen und der hohe Offizier muß, muß, muß niedrig von Menschen denken, die sich selbst erniedrigen. Früher... In Prag steht heute noch, unter Mietshäusern, die„Judenschule'. eine uralte Synagoge, halb unter der Erde. Da saßen sie. alte und junge, und beteten verängstigt, wenn draußen scharfe Pfiffe gellten und die Steine gegen die Fenster prasselten. Hcpp! Heppl— Und rückten noch enger zusammen und beteten lauter... Das Auge ihrer neugetauften Nachkommen aber sieht glänzend, gleißend, hoch oben an der Kuppel:— CadinerKacheln. tu. Alfred von Berger ist gestern nach kurzer Krankheit im Alter von 59 Jahren gestorben. Somit hat da« Wiener Burgtheater abermals seinen Schauspieldirektor verloren. Ob er der Mann gewesen wäre. frischen Wind in die schlaffen Segel des mehr von„großen Tradi- tionen" zehrenden, als positive Arbeit im modern-künstlerischen Vor- wärtsdrängen leistenden BurgtheaterS zu blasen, muß dahingestellt bleiben, da seine Wirksamkeit zu kurz bemessen blieb, um Früchte zu reifen. Immerhin war Berger erst auf Umwegen an diesen Platz gekommen. Seine zehnjährige Tätigkeit als Leiter des Hamburger Deutschen Schauspielhauses war nicht unverdienstlich für ihn z und als Theaterfachmann von feinster ästhettscher Schulung hatte er sich in seinen Schriften gezeigt. In Wien allerdings wollten ihm keine rechten Erfolge erblühen. Der Karren war auch zu tief in den Dreck gefahren. Ein künstlerisches Erbe hinterläßt Berger für seinen Nach- solger nicht. Wer der auch sein mag— über den Hofratstitel mit diversen Brustlatzverzierungen bringt's keiner. DaS System ist an sich unfruchtbar, um nicht zu sagen: kunstfeindlich. Und die? System heißt: Hoskunst und Hofgunst. Humor und Satire. Ein materialisierte» Märchen. Die Knusperhexe sperrte den Keinen Hansel in ein Gänse» Wie siällchcn und fütterte ihn tagaus, tagein— mochenlang. Die UN- 1 fewften stäesbiffeji{topfte fit tfm zu. Hqttl die Silte den Liilligcu So ist mit Bestimmtheit damit zu rechnen, baß eine solche Aen- derung der Beitragserhebung keinen Nachteil bringen, sondern von erheblichem Nutzen für die politische Organisation sein würde. Der beste Beweis dafür liegt in der Tatsache, daß eine große Anzahl Parteimitgliedschaften in Groß- und Mittelstädten dieses Kassier- system eingeführt haben, andere dazu übergehen. Ich empfehle deshalb den Genossen, vorurteilsfrei zu prüfen, ob sich nicht auch nir Groß-Bcrlin das Hauskassierersystem empfiehlt, *• * Mit der Einführung der HauSkassierung wäre aber noch nicht das Problem gelöst, wie eine bessere theoretische und politische Schulung der großen Massen von Partei- genossen, die im Bezirk Groß-Berlin wohnen, herbeizuführen ist. Die Erfüllung dieser Aufgabe ist nicht nur wichtiger als die der Beitragserhebung, sie ist auch schwerer zu erfüllen. Sie läßt sich nicht so einheitlich regeln, ihr Ziel ist auch ein weitgestecktes. Ich unterbreite daher zwei Vorschläge, die zur geistigen Belebung der kleineren Mitgliederzusammcnkünfte dienen sollen. Es hängt hier allerdings sehr viel von der geistigen Vefähi- lgung des Bezirksführcrs, der in der Regel der Versammlungsleiter ist, ab. Der Bczirksführer mag noch ein so tüchtiger und arbeits- eifriger Genosse sein, ab.er zur Leitung einer Versammlung gehört auch etlvas rednerische Befähigung und taktisches Geschick, vor allem aber die geistige Beherrschung der Versammlung. Er muß ermessen können, was geeignet ist, die Versammlung interessant und lehrreich für die Genossen zu gestalten. Die Organisationsleitungcn müssen den Bezirksführcrn dafür die erforderlichen Anregungen geben. Es müssen ihnen kurze, zum Vorlesen geeignete Zeitungs- oder Zeitschriftenartikel angezeigt und zur Verfügung gestellt werden, oder aber, was entschieden noch besser wäre, es müßte neben dem„Mitteilungsblatt" für die Mit. gliedcrzusammenkünfte eine besondere Zeitschrift heraus- gegeben werden, in der Artikel enthalten sind, die von vornherein für den Zweck des Vorlesens von den dafür geeigneten Autoren verfaßt sind. Notwendig wäre in jedem Falle,, daß der Vorstand die Bezirks- sührer vor dem Verlesen der betreffenden Artikel zusammenberuft, um sie durch einen mit dem Stoff vertrauten Genossen über die Gedanken und den Zweck des Artikels näher zu informieren. Da- durch wird ein gedankenloses monotones Vorlesen vermieden— auch das Vorlesen selbst will gelernt sein— es muh der Bezirks- führer auch für eine eintretende Diskussion über den Artikel Ma- terial an die Hand bekommen. An dieser Stelle will ich auch einige Worte über das übliche Vorlesen des„Mitteilungsblattes" einflcchtcn. Es trägt sicher nicht zur Belebung des Zahlabends bei, wenn das„Mit- teilungsblatt" vom ersten bis zum letzten Buchstaben, einschließ- lich aller für die Gesamtheit gleichgültigen Mitteilungen, vorge- lesen wird. Die Vorstände müßten vorher mit den Bezirksführern vereinbaren, was aus dem„Mitteilungsblatt" in der Versamm- lung mitgeteilt werden soll. Wer von den Mitgliedern sich auch von dem übrigen Inhalt des Blattes unterrichten will, kann dies durch persönliche Einsichtnahme. Ferner unterbreite ich einen weiteren Vorschlag, der bereits seit einem Jahre praktisch erprobt worden ist. Da selbst dem guten Vorlesen eines Artikels nicht das Interesse entgegengebracht wird wie einem Vortrage, so liegt es nahe, zu versuchen, die Ver» sammlungen durch Vorträge zu beleben. Hierbei wird in erster Linie auf die Wahl der Themata zu achten sein. Es darf nicht über alles mögliche bunt durcheinander geredet werden, auch dürfen die Vorträge nicht zu lang sein— nicht länger als eine halbe bis dreiviertel Stunde—, ferner muß der behandelte Stoff an die geistige Vorbildung der Zuhörer anknüpfen. Am besten ist eS> wenn für eine Anzahl aufeinanderfolgende Versammlungen ein größeres Stoffgebiet zur Behandlung vorgesehen wird, so daß in den einzelnen Versammlungen dieses Gebiet in kurzen Abschnitten durchgenommen wird. Die Aufgabe der Vorstände wäre es zu- nächst, unter Hinzuziehung theoretisch erfahrener Genossen solche Vortragspläne aufzustellen und sie den Mitgliedern zur Bestäti- gung vorzulegen. Schwierig wird die Beschaffung der erforderlichen Referenten sein. Aber auch diese Schtvierigkeit ist nicht so groß, als daß sie unüberwindlich wäre. In jedem Kreise und Orte werden eine Anzahl jüngerer Genossen sein, die durch Selbststudium oder durch den Besuch der Arbeiterbildungsschule sich ein' größeres Maß von Wissen angeeignet haben. Diese gilt es für die Vortragstätigkeit in den Versammlungen heranzuziehen, um ihnen zugleich Gelegenheit zu geben, sich rednerisch zu betätigen und das erwor- bcne Wissen im Dienste der Aufklärungsarbeit zu verwenden. Eö wird gerade in Berlin mit seiner großen Zahl geübter Versamm- lungsredner den heranreifenden Genossen schwer gemacht, sich red- denn so lieb? War sie so rührend um sein leibliches Wohl be- sorgt? O nein; fressen wollte sie ihn— und bis dahin sollte er fett werden.— Frau Justitia sperrte den Raubmörder Trcnkler in die Krankenabteilung des Untersuchungsgefängnisses, da er schwer lungenkrank und infolge von Bluistürzen vernehmungsunfähig ge- worden war. Allda, so erzählen Berliner Blätter mit einer Harm- losigkeit ohnegleichen, wurde mit dem armseligen Raubmörder unter Anwendung von©analogen, Biomalz und anderen Nährpräparaten «ine förmliche Aufpäppelungskur vorgenommen, wonach sich sein Gesundheitszustand sehr gebessert habe.... Wählte Frau Justitia diese wundcrwirkende„Aufpäppelungskur". um des Häft- lings kranke Lunge auszuheilen? O nein; sie füttert ihn nur, um Trenkler„bei bester Gesundheit" den Kopf abzuhacken.... Aber Frau Justitia!! E. M. « Eine futuristische Schlachtenschilderug (nach Signor Marinetti). „Trompetenstöße! Mehr Musik! Dumpfes Dröbnen! Husgeklapper! Bumm! bumm I Päng! päng! Krack I krack! Uff l uff! Sß! Uizzz I Täterätä I Hufgeklapper! Pferdeköpfe! Helmbüsche! Staubwolken! Wagengerassel I Rauch! Gewehrgeknatter I Rauch I Blut! Stöhnen! Seufzen! Wimmern I Gebrüll I Sieg!— Tod!" Notizen. -»-Der Berliner Volkschor(Dirigent: Dr. E. Zander) veranstaltet heute Sonntag in, Garten resp. Konzertsaal der Brauerei Friedrichshain ein Soinmerkonzert unter Mitwirkung von Frl. Meinet (Sopran). Herrn Bauer«Tenor), Herrn Kiukcldey(Bariton) sowie des Neuen Berliner Sinfonieorchesters. Zur Aufiührung gelangen: Die erste Walpurgisnachi und das Lorelcyfinale von Mendelssohn u. a. Eintritt 80 Pf. inkl. Programm. — Die im Schatten leben". Emil Rosenows Arbeiterdrama, gegen dessen Ausführung in Berlin zurzeit Polizei und Oberpräsidium mit Spießen und Stangen kämpfen, erobert stch draußen im Reich ei» Theater ums andere. Es wird, nach dem bisherigen Stande, i» Stuttgart. Wiesbaden, Elber- feld und Solingen gegeben werden. Und der Freien Volks» bühne soll es, wenn wir noch unvoreingenommene Richter haben, durch keine reaktionäre» Gegeusüßler genommen sein. — Pelle der Eroberer. M. Andersen N e x 0 S ällomon- ferie, erscheint in der von Mathilde Mann besorgte» deutschen Ausgabe zum Herbst im Leipziger Jnselverlag. — Die Hans Sachs-Spiele in Bernau beginnen heute nachmittag. Auf dem Programm stehen:„Das heiß Eisen" „Der Teufel nahm ein altes Weib",„Der Noßbteb zu izunstiig und „Das Kalberbrüten'. nerisch auszubilden. Diese werden sich freudig und unentgeltlich den kleineren Versammlungen zur Verfügung stellen. Allerdings muß den Genossen bei dieser Aufgabe geholfen werden. Rechtzeitig, am besten gleich nach der monatlichen Ver- sammlung müssen sie zusammenberufen werden, und ihnen von einem erfahrenen Genossen eine Instruktion, ein mündlicher Leit- faden über den Aufbau, über die leitenden Gedanken und über die vorhandene Literatur des Vortrages für die nächste Versammlung gegeben werden. Den Genossen muß auheim gestellt werden, daß sie sich schon vor der Zusammenkunft mit dem Thema beschäftigen, da- mit sie diesem nicht ganz fremd gegenübertreten. Durch eine Aus- spräche nach der Instruktion eventuell durch Fragestellung werden zweifelhafte oder schwierigere Fragen noch näher zu erläutern sein. Auch kann den Genossen noch ein schriftlicher Leitfaden von den Referenten gegeben werden. Die Genossen haben dann annähernd vier Wochen Zeit, sich auf den Vortrag vorzubereiten. Es müßte ihnen die geeignete Literatur unentgeltlich oder gegen eine erheb- liche Preisermäßigung zur Verfügung gestellt werden. Diese Methode bedingt, daß in allen Versammlungen eines Kreises, Viertels oder Ortes gleichzeitig über das gleiche, vorbe- rcitete Thema gesprochen wird. Es liegt nahe, einzuwenden, daß es rationeller sei, jedem Referenten aufzugeben, sich auf ein Thema zu präparieren und dieses Thema in den verschiedenen Versamm- lungen von ihm behandeln zu lassen. Dem steht aber der Vorteil der crsteren Methode gegenüber, daß dadurch die Referenten unaus- gesetzt zur Vervollkommnung ihres Wissens gezwungen werden. Und da die einzelnen Vorträge immer nur den Teil eines größeren Stoffgebietes umfassen, so wird es den Referenten erleichtert, sich in systematischer Weise in das Gebiet hineinzuarbeiten. Es braucht der einzelne Genosse natürlich nicht immer in der gleichen Ver- sammlung zu reden, sondern es ist ein Austausch der Referenten unter den einzelnen Versammlungen zu empfehlen. Diese Methode hat auch noch den Vorteil, daß ein Thema, das in den Versammlungen eine rege Diskussion und Meinungsver- schiedenheiten hervorgerufen hat, nachträglich noch in einer größeren Mitgliederversammlung von einem das Thema beherrschenden Ge- nossen behandelt werden kann, um dadurch eine Klärung der strittigen Fragen herbeizuführen. Die Mitglieder würden einen großen Gewinn von einer solchen Methode haben. Jedenfalls läßt sich auf diesem Wege«ine erfolg- reiche, systematische Aufklärung der Mitglieder und eine Belebung der Versammlungen herbeiführen. Es kommt auch noch hinzu, daß dadurch eine ganz beträchtliche Anzahl junger intelligenter Genossen und Genossinnen veranlaßt werden, sich rednerisch auszubilden und unausgesetzt zur Vervoll- kommnung ihres Wissens gezwungen werden. Es ist selbstverständlich, daß die für die Versammlungen vorge- 'ehenen Vortragspläne nicht hindern, daß zwischendurch notwendig gewordene politische Aktionen in den Versammlungen besprochen werden. Auch dabei kann die vorstehend empfohlene Methode vorteil- hafte Dienste leisten, indem die Referenten mit dem Vorhaben der Organisationsleitung vertraut gemacht werden, um darüber in den Versammlungen zu referieren. Zur Ermunterung der Genossen, diesen Vorschlag in ernste Erwägung zu ziehen, wie pessimistisch gesonnenen Ge- nossen gegenüber betone ich nochmals, daß diese Methode nicht graue Theorie, sondern in einer einjährigen Praxis mit gutem Erfolge in einem westlichen Vororte mit 13 Zahlabenden durchge- führt worden ist. In den Zahlabcndcn wurde weniger über nich- tige persönliche Angelegenheiten geredet, sondern der Abend neben den notwendigen geschäftichcn Dingen mit der Erörterung des Vor- tragsstoffeS ausgefüllt. Wenn die Diskussion nicht immer in dem gewünschten Maße einsetzte, so lag das eben daran, daß dazu eine längere Erziehungsarbeit als ein Jahr gehört. Hus der parte!* Ein Jnbiläum der norwegischen Arbeiterpartei. Am 22. August konnte die sozialdemokratische Partei Norwegens auf eine 2Sjährige Dauer zurückblicken. Schon 1839 hatte W e r g e- la nd, der Begründer der modernen norwegischen Literatur, ein Blatt:„Für die Arbeiter" herausgegeben, 1848 sein Nachfolger Throne die erste Organisation geschaffen. 1860 zählte man 259 Vereine mit fast 21 999 Mitgliedern, Die Bewegung siel den einsetzenden Verfolgungen zum Opfer. Thranc wurde mit anderen zu langer Gesängnisstrase verurteilt und ging später nach Amerika. Seit 1872 wurden, zuerst von den Buchdruckern, Gewerkschaften ge- gründet, die sich 1899 im Allgemeinen, GewerkschastSvcrband zu- sammenschlossen. 1885 wurde, wie in einer vom Parteivorstand herausgegebenen Gedenkschrift erzählt wird, Nneder ein sozialistischer Verein in Christiania, bald danach in Berget errichtet, die ein kleines Blättchen erscheinen ließen. 1887 wurde die„Arbeiter- Partei" in Arental gegründet, die 1889 ihren Heu- tigen Namen annahm. 1892 hatte sie rnnd 3990 Mit- glieder. 1900 10 900. 1910 32 000. Jetzt sind eS über 36 000. Die Gewerkschaften haben ihre Mitgliederzahl von 3500 im Jahre 1899 auf 52 000 im Jahre 1911 gesteigert. Die Stimmenzahl bei den Storthingwahlen, die 1900 7000 gewesen war, stieg bis 1906 auf fast 43 000 und 1909, nach Einführung des Frauenstimmrechts, auf 91 000, gut ein Viertel aller Stimmen. Trotzdem zählt die Storthingsfrakticm nur 11 unter 123 Mit- gliedern. Die Parteipresse besteht aus 8 täglich und 15 zwei- bis dreimal wöchentlich erscheinenden Bläsern. DaS Zentralorgan „Sozialdemokraten" in C h r i st i a n i a hat 30 000 Abonnenten�. Die Zahl der Gemeindevertreter stieg von 147 im Jahre 1901 auf 1071, wovon 83 Frauen, im Jahre 1910. Die Partei hat in 7 Städten die Mehrheit, in einer großen Anzahl die stärkste Fraktion in der Gemeindevertretung. Die Tätigkeit in den Gemeinden hat manche Erfolge auszuweisen: so die Errichtung städtischer Wohnhäuser, die Kommunalisierung des Brennmaterialhandels, Errichtung von Schullantinen u. a. In der Landesgesetzgcbung hat die Partei große Fortschritte verwirklicht: so das Frauenstimmrecht, den Achtstundentag für die StaatSarbeiter, Unfallversicherung der Fischer und Holzarbeiter; Staatszuschuß zu den Arbeitslosenkassen, die Verstaatlichung des Apothekenwesens, die namentlich fiir die dünnbevölkerten Bezirke des Nordens wichtig ist. Die Herab- setzung der Zuckerstcuer wurde durchgesetzt. Dagegen war der Kampf gegen den steigenden Land- und WasscrmilitariSmuS auch hier bis- her ergebnislos.' Von 1906 bis 1909 gehörte die Starthinyfraktion mit 10 Mann zur Mehrheit mit den Radikalen, die 60 zählten. 1909 gingen sie auf 47 zurück, und die vereinigten Konservativen und Liberalen er- rangen mit 65 Stimmen die Mehrheit. Die Legislaturperiode ist nun abgelaufen. Die Neuwahlen finden voraussichtlich Anfang Oktober statp Aus den Organisationen. Der Sozialdemokratische Verein Breslau nahm am Donnerstag in einer gutbesuchten Vertreterversammlung Stellung zum deutschen Parteitag. Nach einem kurzen Rückblick aus die Tagesordnung des Parteitages debattierte die Versammlung lange und eingehend über die Anträge der Reorganisaiionskommissiou und über das Stichwahlabkommen des Parteivor- standeS mit der Fortschrittlichen Volkspartei bei der letzten ReichStagSwahl. Mit dem geplanten Parteiausschuß war die Ver» sammlung einverstanden, nur kvck? mim der Meinung, Käß Schlesien mit Bezug auf seine Größe und Bedeutung zwei Vertreter zu beanspruchen hätte. Als Kandidat für den Partei- ausschuß wurde von allen vier schlesischen Bezirksleitungen Genosse L ö b e- Breslau vorgeschlagen und gewählt. Das Stichevahl- abkommen des Parteivorstandes fand nicht die ungeteilte Zustim- mung aller Redner, jedoch wurde betont, daß unter den gegebenen Verhältnissen der Partcivorstand gar nicht anders handeln konnte. Eine Resolution, die das Stichwahlabkommen bedauert, wurde mit 250 gegen etwa 10 Stimmen abgelehnt. � � Zwei Anträge, wonach der Parteivorstand in erhöhtem Maße Material für die Agitation unter den Privat- angestellten den Parteifunktionären zur Verfügung stellen soll, und unter den technischen A n g e st e l l t e n die Agitation für die Partei nach Möglichkeit för- d e r n soll, fanoen einstimmige Annahme. Ein Antrag, daß die Delegierten aus Breslau mit aller Entschiedenheit gegen eine allgemeine Beitragserhöhung auf 40 Pf. pro Monat eintreten sollen, fand ebenfalls Annahme. Abgelehnt dagegen wurde die Einführung des 10 Pf.-Wochenbeitragcs. Angenommen wurde ein Antrag der Bezirksleitung, wonach die Delegations» kosten zu den Parteitagen in Zukunft vom Partei. vorstand zu tragen sind, damit allen Wahlkreisen die Ver- tretung auf Parteitagen gesichert wird. Ein weiterer Antrag, der die Doppelkandidaturen zu den gesetzgebenden Körperschaften des Reiches und der Einzclstaaten verbietet, fand ein- stimmige Annahme. Ebensalls einstimmig angenommen wurde ein Antrag, daß mit Rücksicht auf den im nächsten Jahre anläßlich der Jahrhundertfeier der sogenannten Erhebung Preußens in Breslau zu erwartenden byzantinischen Rummels der nächste Parteitag in Breslau stattfinden soll. Als Delc- gierte zum Parteitag wählte die Versammlung die Genossen Löbe, Hermann, Weese und die Genossin L a w a t s ch. -1-* Der Sozialdemokratische Verein für den Wahlkreis Hamm- Soest blickt auf ein Geschäftsjahr zurück, das nicht ganz zufrieden- stellend ist. Das Resultat einer lebhaften Agitation ist zwar� der Gewinn von 822 neuen Mitgliedern(141 weibliche und 681 männliche), jedoch gingen nach dem Bergarbciterstreik viele Mitglieder durch Verzug nach anderen Kreisen verloren. Der Verein zählt 1713 männliche und 475 weibliche Mitglieder, das sind gegen 1911 weniger 107 männliche und 43 weibliche. Die Agitation ist in diesem Kreise besonders schwierig. Die Saalabtreiberei ist hier noch ein beliebtes Kampfesmittel der bürgerlichen Parteien. Es war während der Wahlkampagne nur in 20 Orten möglich, Ver- sammlungen abzuhalten, während uns in 162 Orten keine Lokale zur Verfügung standen. Durch diese Verhältnisse ivar eine besonders intensive Agitation durch Flugschriften nötig geworden. Insgesamt wurden Wahlflugschriften, Kalender_ usw. in 362 200 Eremplaren verbreitet. Die Fortschrittlcr, die hier mit der zugkräftigen Kandidatur des Pfarrers Traub auftraten, haben uns wohl alle sogenannten MUäufer weggenommen. Dennoch stieg unsere Stimmenzahl von 7246 im Jahre 1907 auf 9023 im Jahre 1912. Unsere Stimmenzunahme beträgt 1777 oder 24,5 Proz. Die Maifeier ließ im letzten Jahre zu wünschen übrig.— Im Wahlkreise amtieren gegenwärtig 19 sozialdeinoiratische Gemeindevertreter. Einem Gewinn von sechs neuen Mandaten steht ein Verlust von drei bisherigen gegenüber. Die Einnahmen des Kreis- Vereins betrugen(inkl. Bestand von 1163,89 M. aus dem Borjahre) 9494,86 M., die Ausgaben 7256,13 M. Die Kreiskasse hat einen Bestand von 2233,68 M., einen Kommunalsonds von 351,87 M., einen Preßfonds von 506,96 M. und einen Wahlfonds von 244,95 M. Als Reichstagskandidat wurde von der Generalversammlung wiederum der Genosse H u s em a n n- Bockum aufgestellt. Als Landtagskandidaten wurden die Genossen M e h I i ch- Dortmund und Husemann- Bochum bestimmt. Serickts- Leitung. Der Verein„Arbeitcr-Jugeudhrim Berlin" ist der preußischen Regierung, die ja jetzt auf ihre Art die„Jugend.* pflege" betreibt� ein böser Down im Auge. Schon im März 1911 wwrde gegen den Verein der erste Angviff eingeleitet, indem der Polizeipräsident von Berlin den Genossen Rechtsanwalt Kurt Jlosenfcld als den Bereinsvorsitzenden ersuchte, die Satzungen des Vereins sowie eine Liste der Vorstandsmitglieder einzureichen. Diese Forderung würde unter Hinweis auf das ReickMvereinsgesetz damit begründet, daß den Verein Arbeiter-Jngcnldheim«ine Ein» Wirkung auf politische Angelegenheiten beztreefe. Eine Bes�verde, die Rosenfeld gegen die Verfügung des Polizeipräsidenten erhob, n-urde im April 1911 vom Oberpräsidenten zurückgewiesen. In dem VcrwaltungSstrritverfahren, durch das Rosenfeld den Bescheid des Oberpräsidenten anfocht, trat im März 1912 daS Oberverwal» tunysgericht der Ansicht deS Oberpräsidenteni bei und wies den Kläger ab. Als Rosenfeld dessenungeachtet der Aufforderung nicht nachfam, die Vereinssatzungeu und die Vorstandsmitglieder dem Polizeipräsidenten mitzuteilen, erging gegen ihn«in Strafbefehl von 20 Mark. Nachdem er gerichtliche Entscheidung beantragt hatte, stand Genosse Rosenfeld gestern als Angeklagter vor dem Amts« gericht Verlin-Mitte(Abteilung 142). Vor Eintritt in die Verhandlung äußerte der Vorsitzende De- denken, ob überhaupt verhandelt werden könne- Die heranzuziehen«- den Akten über das frühere Strafverfahren wegen- des Jugendaus- schusses sejen so umfangreich und seien ihm so spät zugegangen, daß er sie noch nicht völlig habe durcharbeiten können. Rosenfeld wider- sprach der Anregung, zu vertagen. Jenes Verfahren habe mit dem jetzigen gar nichts zu tum, da der Berein Zlrbeiter-Jugendheim ja etwas ganz anderes als der Jugendausschutz sei. Der Staatsanwalt meinte, es besser zu wissen. Das Gericht trat dann zunächst in die Verhandlung ein. Rosenfeld bestmitt, daß der Strafbefehl gerechtfertigt sei. Er halte sich nicht für verpflichtet, Vereinssatzungen und Vorstands- Mitglieder dem Polizeipräsidenten mitzuteilen. Der Verein sei nicht politisch, trotz der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts, die er als irrig ansehen muß. Eben deshalb habe er sich der Ent- scheiduny nicht gefügt, sondern weiter verweigert, die Aufforderung des Polizeipräsidenten zu befolgen. Den Nachweis, daß der Verein politisch sei. suche man vergeblich in dem Urteil des Oberverwal- tungsgerichtS. In keiner Weise gehe es darauf ein, was denn der Verein getan habe. Es begnüge sich, zu sagen, daß die sozialdemo- kratisch» Partei die Jugendbewegung fördert, Jugendausschüsse ein- gesetzt hat und die Einrichtung von Jugendheimen wünscht. Daraus werbe dann ohne weiteres gefolgert, daß der Verein Arbeiter- Jugendheim politisch sei. Nichts sei angeführt, woraus man schließen könne, daß dieser Verein eine Einwirkung auf politische Angelegenheiten bezwecke. Sein Zweck sei lediglich der, Geld zur Errichtung von Jugendheimen zusammenzubringen. Der Jugend- ausschuß wolle durch belehrende Vorträge die Jugend weiterbilden, wobei das Gebiet der Politik vermieden werde. In den Jugend- Heimen solle die schulentlassene Jugend gesammelt werden, um sie dem Einfluß der Straße und der Wirtshäuser zu entziehen. Dem Kampf gegen die Schundliteratur diene die Dibliothek, die jedem Heimbefucher zur Verfügung stehe. Mit Politik habe das alles nichts zu tun. Daß der Verein Arbeiter-Jugendheim in keiner Verbindung mit der sozialdemokratischen Partei stehe, dafür berief Rosenfeld sich auf das Zeugnis des Genossen Eugen Ernst, des Vor- sitzenden vom Verband der sozialdemokratischen Wahlvercine Groß- Berlins. Der Vorsitzende des Gerichts fragte, ob nicht die füv den Verein tätigen Personen der sozialdemokratischen Partei angehören. ES seien eben Arbeiter, antwortete Roscwfeld. und die seien ja vor- wiegend Sozialdemokraten. Ob nicht die Jugendlichen der Heime Söhne von SoziaDemokraien seien, harschte 5er Vorsihende weiier. Rosenseld erwiderte, nicht alle seien das. J-m übrigen werde hierüber in den Heimen, zu denen jeder ohne weiteres Zutritt habe, keine Kontrolle ausgeübt, so datz man die gestellte Frage gar nicht bestimmt beantworten könne. Zu einem Hinweis des Vorsitzenden auf die Stellungnahme unserer Parteitage erklärte Rosenfeld, selbst- verständlich habe die sozialdemokratische Partei alle Sympathien für diese Jugendheime, aber die habe ja auch mancher andere. Aus Lehrcrkrcisen zum Beispiel rühre das Urteil her, daß diese Heime mustergültig eingerichtet seien. Solch« Sympathien finde man glück- licherweise überall, wo Verständnis für eine Kulturbewegung vor- Händen sei. Der Staatsanwalt meinte, es komme auf den Punkt nicht an, für den Ernst als Zeuge benannt war. Er hielt sich an das Urteil des Oberverwaltungsgerichts, das ihm als über allen Zweifel er- haben galt. Rosenfelds Einwendungen seien bereits in dem Ver- fahren wegen des Jugcndausschusses widerlegt worden. Durchaus zutreffend habe damals das Landgericht den Standpunkt eingc- nommen, daß alle diese Institutionen von der sozialdemokratischen Partei ressortieren und ihr Zweck der sei, in den Jugendlichen eine Weltanschauung zu pflegen, die sie geeignet machen soll zu Kämpfern des Proletariats. Das sei ja auch auf dem Nürnberger Parteitag zum Ausdruck gekommen, und nach Annahme einer Resolution über die Jugend au sschüsse habe der Vorsitzende Singer erklärt, diese neu« Waffe werde hoffentlich die Jugend mit dem Geist deS Sozialismus erfüllen. Ebenso wie die Jugendausschüffe diene auch der Verein Arbeiter-Jugendheim mittelbar den Zwecken der Partei. Bei dem Begriff„politisch" komme es aber nur darauf an, daß etwa? den Zwecken einer Partei diene. Das trefie für den Berein zu, auch wenn er nur Gelder für die Heime sammele. Nach bloßer Ver- lesung der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts werde das Gericht schon jetzt zu einer Verurteilung kommen müssen. In einer Entgegnung versuchte Rosenseld, dem Staatsanwalt begreiflich zu machen, daß man, tvaS über die Jugendausschüsse auf einem Parteitag gesagt worden sei, nicht gegen den Verein Arbeiter- Jugendheim in einem Strafverfahren ausspielen könne. Hier habe man Beweise beizubringen, und dabei habe man sich nur an das zu halten, was der Berein selber tue. Ter Staatsanwalt blieb dabei, Jugendausschüsse und Verein Arbeiter-Jugendheim zusammenzu- werfen. Auf den Namen komme es nicht an, ihm genüge, datz das Obervcrwaltungsgericht die Förderung der sozialdemokratischen Partei als den Zweck dieser sämtlichen Unternehmungen ansehe. Rosenfeld richtete schließlich an ihn die Aufforderung, selber einmal unangemeldet die Jugendheime zu besuchen» um sie kennen zu lernen. Auf Antrag des Staatsanwalts beschloß gegen den Widerspruch des Angeklagten das Gericht, zu vertagen und in einem neuen Ter- min die Akten des Jugcndansschußprozesses sowie des Verwaltungs- streitderfahrcns heranzuziehen. Eine bloße Verlesung des Urteils des Oberverwaltungsgerichts schien dem Gericht bedenklich, vielmehr hielt es ein Verfahren vor dem ordentlichen Gericht für nötig, an Hand der Akten nachzuprüfen, ob das ObcrverwaltungSgericht von zutreffenden BorauSsrtzungen ausgegangen sei. Drei gegen eine«. Kürzlich veröffentlichten wir unter dieser Spitzmarke einen Gerichtsbericht, wonach drei Angeklagte wegen Körperverletzung, begangen an einem Neger, zu geringen Geld- strafen verurteilt wurden. Die Prügelei spielte sich in einem Lokal in der Denncwitzstraße ab, und in der Gerichtsverhandlung kam u. a. zur Erörterung, daß dcr� Neger eine besondere An- Der Besitzer längeren Zuschrift kam u. a. zur Erörterung, daß der Neger«ine. ziehungskraft auf die Töchter des Wirts ausübte. des betreffenden Lokals teilt uns nun in einer läns mit, daß der Neger an jenem Abend zum ersten Male in seinem Lokal gewesen sei. Die Angeklagten hätten sich wie alle anderen Gäste unter den Besuchern des Tanzvergnügens befunden. Es könne keine Rede davon sein, daß seine beiden wohlerzogenen und kaum dem Kindesalter entwachsenen Töchter sich ausnahmslos mit dem Neger beschäftigt hätten und dieser eine besondere Anziehungs- kraft auf sie ausgeübt habe.__ Ein Scheckschwindler, der mit Hilfe wertloser Schecks zahlreiche Geschäftsleute, speziell Juweliere, um recht erhebliche Beträge geprellt hatte, wurde gestern in der Person des Kaufmanns Max Wölk der 4. Ferienstrafiammer des Landgerichts I aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Der schon wegen Betruges vorbestrafte Angeklagte hat verschiedene Schwindeleien verübt» die als recht raffinierte Hochstapeleien zu bezeichnen sind. Um sich mit dem Nimbus eines reichen Kauf- manns und Geschäftsinhabers zu umgeben, ließ er sich elegante Briefbogen drucken, auf deren Köpfen die Firma„Wölk u. Arndt, Brennmaterialien engros, Girokonto: Deutsche Bank", stand. So- dann zahlte er bei der Deutschen Bank bare 100 M. ein, um auf diese Weise in den Besitz eines Scheckbuches zu kommen. Mit diesen beiden Requisiten versehen, ging dann der Schwindel engros los. Nachdem er sich auf Pump gleich zwei elegante Gehpelze zu- gelegt hatte, erschien er am 26. Januar d. I. bei dem Juwelier Busse und ließ sich Brillantschmucksachen vorlegen, die er mit Kennermiene betrachtete und kritisierte. Er wählte schließlich für 2000 M. Schmucksachen aus. Als es dann an das Bezahlen ging, füllte er mit gleichgültigstem Gesicht, als wenn er täglich über hundertwusende Schecks ausstelle, einen Scheck über 2000 M. aus. Als sich der Juwelier weigerte, den Scheck anzunehmen, traten die Briefbogen in Aktion, mit denen er sich als Inhaber eines großen Geschäfts legitimierte. Zugleich legte er eine offenbar von ihm gefälschte Bestellung einer hiesigen großen Firma über 1000 Zentner Kohlen vor. Der Juwelier gab nunmehr die Schmuck- fachen heraus. Am nächsten Tage legte er dann den Scheck der Bank vor, die ihn natürlich nicht einlöste. Auf gleiche Weis« er- schwindelte sich der Angeklagte auch noch bei drei anderen Juwe- lieren Schmucksachen im Werte von mehreren tausend Mark. Er hatte sich schließlich in die Rolle des reichen Mannes so hinein- gelebt, daß für ihn ohne Automobil, Villa und vornehme Woh- nung das Leben bald nicht mehr möglich war. Nachdem er sich ein Automobil erschwindelt hatte, mietete er in Groß-Lichterfelde eine Villa, für die er bei der Firma Emmler Möbel zum Preise von 10 000 M. bestellte. Nebenher beging der Angeklagte noch mehrere kleine Schwindeleien. Nach seiner Verhaftung spielte er den„Verrückten". Nach dem Gutachten des Geh. Medizinalrats Dr. Leppmann handelte es sich um eine bewußte Simulation, wenn auch bei dem Angeklagten eine gewisse geistige Minder- Wertigkeit zu konstatieren sei.— Staatsanwalt Dr. Erich be- antragte mit Rücksicht darauf, daß gerade gegen Scheckfälscher mit aller Schärfe vorgegangen werden müsse, 2 Jahre Gefängnis und 3 Jahre Ehrverlust. Das Gericht ging jedoch noch über diesen Antrag hinaus und erkannte auf 2�, Jahre Gefängnis und fünf Jahre Ehrverlust.____ Hus der Frauenbewegung. Geschäftsschluß. Einem Fachblatt entnehmen wir das Folgende: Eine Ver- käuferin war von ihrem Chef kündigungsloS entlassen worden, weli sie sich geweigert hatte, noch nach Geschäftsschluß das Schau- fenster, das geputzt werden sollte, mit aufzuräumen. Sie klagte jetzt vor dem Kaufmannsgericht zu Leipzig auf Zahlung des Rest- gehaltS, da sie zu der verlangten Dienstleistung nicht verpflichtet gewesen sei. Das Kaufmannsgericht stellte sich jedoch auf den Standpunkt, daß solche Arbeiten, wie das Ausräumen des Schau- fensters, von den Angestellten auch noch nach Geschäftsschlutz auf Verlangen geleistet werden müssen, wenn die gesetzlich garantierte elfftündige Ruhezeit gewahrt bleibt. Eine Weigerung des Ange- klagten sei ein genügender Grund zur sofortigen Entlassung. Im Interesse der Verkäuferinnen kann gar nicht scharf genug gegen derartige Urteile Front gemacht werden. Denn was wäre die Folge? Die ausbeutenden Chefs würden alle ähnlichen Be- schäftigungen nach Schluß der regulären Arbeitszeit erledigt haben wollen. Und wo blieb dann die gesetzliche Arbeitszeit? Die Um- gehung des Willens des Gesetzgebers liegt hier noch auf der Hand, sonst blieb ja allen möglichen, die Arbeitnehmerin schädigenden Maßregeln Tür und Tor geöffnet. Leseabende. (So weit nicht anders angegeben, finden die Leseabende am Montag, den 26. d. M.. statt.) Zweiter Kreis(Westen) bei Wiemers, Bülowstr. 58. Vortrag deS Genossen Clajus. Dritter Kreis. Gemeiusckaftlicher Leseabend im GewerkschastShause (Seitenflügel III). Vortrag des Genossen Appicht über das Sircikrecht. Fünfter Wahlkreis. Gemeinschaftlicher Leseabend in den KönigSsälen, Neue Königstr. 26, Eingang Wadzeckstraße. Vortrag der Genossin Nemitz. Bohnsdorf. Villa Kahl, Inhaber Bakofzer. Köpenick. Dienstag, 27. August, bei Stibbekohl, Schönerlinder Str. 5: Vortrag der Genossin Juchacz. Friedrichshagen. Der Leseabend sällt aus. Lichtenberg. 1. V i e r t e l bei Heine, Friedrich-Karlstraße. Genosse John:„Volksbildung". 2. Viertel bei Schulz, Kronprinzenstraße. Genosse Hackelbusch: .Erinnerungen und Erlebnisse unterm Sozialistengesetz". 3. Viertel bei Simon. Wilhelmstr. 86. Genosse Zimmermann: .Die Volksschule ein Stieflind der kulturellen Entwickelung". 4. Viertel bei Hoffmann, Möllendorffstr. 54/55. Vortrag deS Genossen Nitzschke. 5. und 6. Viertel gemeinsam bei Tempel, Hauptstr. 2. Ge« nossin Kaschewski:„Reichrum und Massenelend". Ober-Schönewcide im Vereinshaus sNeue Post). Vortrag der Ge« nossin Buchmann-Kaulsdorf. Pankow bei Friedrich(früher Großkurt), Berliner Str. 27. Vortrag des Genossen Schindler-Pankow. Reinickcndorf-Wcst bei Halmann, Scharnweberstr. 54. Genosse Hildesheimer: Die Entstehung des Christentums. Treptow-Baumschulenweg für beide Ortsteile gemeinsam im Sport» Restaurant zur Rennbahn, Elsenstr. 115/116. Nicki 7" stiesentormat, trel lielass jeder Etage, M. 8,25 pro 1000, ersten Senftenberger Marken voll gleichwertig. Miehel- Yerlrieb Neukölln, Bergstraße 110. Telephon 1310. j. Baer Bailstr.ZdprMie, Herren- und Knaben- 1— ZT�it Moden. Berufikleidunn. Lf Rl AK Eleg. Paletots. Ulster. Grofies Stoffiager:: zur Anfertigung n.MaB. Einsegnungsanzüge In jeder Preislage. Allerbilligste, streng feste Preise. ' Berlin, AlteJakobstr. 124.' lElektro-TecbDikaml egr. 1874. Eia. 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Folgende Stücke sind vorläufig auf den Spielplan gesetzt: EWrfMfhircAMninllfliTOfff am mit besonderem Repertoire werden veranstaltet: LAiräiDrSlvllUIlUGil im Lessing-Theater II in der Deutschen Oper in Chariottenburg Zf 6. Oktober, 25. Dezember, 23. März 1 1 2. Februar, 16. März, 13. April, nachmittags 3 Uhr Sonntag, den 6. Oktober � Jj Schauspiel in drei Aufzügen nachmittags 3 Uhr W M g|S Ä g BT*' W M Wg von Ernst Hardt im LcSSing-ThCütcri JL Ul AH Einlasskarten vom 15. Septembor ab in allen Zahlstellen Anmeldungen nehmen folgende Zahlstellen an: S.: Emst Beyer, Zigarrenhandlung, Veteranenstr. 11. H. KoloS, Zigarrenhandlung, Wörther Str. 31. A. Ohariet, Zigarrenhandlung, Ackerstr. 154. Paul Mazanke, Zigarrenhandlung, Panks tr. 24. H. Vogel T, Zigarrenhandlung, Lortzingstr. 37; C. Opitz, Zigarrenhandlung, Lynarstr. 2. '" sck, Zigarrenhandlung, Müllerstr. 60, i S 8 J. v. d. Beeck,—„----------- A. Tietz, Zigarrenhan dl., Invalidenstr. 124(Stett. Bahnh.) Kriedemann, Zigarrenhandlung, Stargarder Straße 74. H. Brückner I, Zigarrenhandlung, Gartenstr. 71. NO.: Franz Niemeyer, Zigarrenhandlung, Weberstr. 19. J. Beul, Zigarrenhandlung, Bamimstr. 42. M. Herforth, Zigarrenhandlung, Lippehner Straße 15. O.: C. Vogel II. Zigarrenhandlung, Koppenstr. 82. F. Kißling, Zigarrenhandlung, Cadiner Str. 15. Karl Dahn I, Zigarrenhandlung, Petersburger Str. 34. H. Boldt, Zigarrenhandlung, Warschauer Str. 62. SO.: p. Borsch, Zigarrenhan dl., Engelufer 15(Gewerksoh.) B. Böttger I, Zigarrenhandlung, Skalitzer Straße 107. K. Friedrich, Zigarrenhandlung, Mariannenstr. 5. H. Neithardt, Restaurant Görfitzer Straße 58. Karl Scholz, Glaserei, Wrangelstr. 110. Paul Ihm, Zigarrenhandlung, Wrangelstr. 58. s.: H. Lehmann, Zigarrenhandlung, Kottbuser Damm 8. Gottfried Schulz, Zigarrenhandlung, Admiralstr. 40a. W. Börner, Zigarrennandlung, Ritterstr. 15. F. Meyer I, Cafe, Dresdener Str. 128/129. SW.: Rudolf Daehnll, Zigarrenhan dlg., Hagelberger Str. 27. Klara Augustin, Restaurant, Oranienstr. 103. F. Ohnesorgo, Restaurant, Markgrafens tr. 102. A. Böttger II, Zigarrenhandlung, Zossener Straße 30. W.: A. Wiemers, Restaurant, Bülowstr. 59. E. Sperlich, Zigarrenhandlung, Barbarossastr. 64. F. Schäfer, Restaurant, Nollendorfplatz 6. NW.(Moabit): Emst Voigt, Zigarrenhan dl., Charitdstr. 3 (Verbandshaus der Metallarbeiter). Lamprecnt, Restaurant, Putlitzstr. 10. Karl Märkor, Zigarrenhandlung, Turmstr. 52. C.: A. Löwenboig, Zigarronhdl., Neue Schönhauser Str. 18. M. Glasen, Zigarrenhandlung, Gipsstr. 27. G. Weihnacht, Restaurant, Grünstr. 21. R. Thiele, Zigarrenladen, An der Stralauer Brücke 4. Kaufbaus Hahn, Alexanderplatz(Theaterkasse). Klxilorf-Brita: H. Kramer, Restaurant. Zietcnstr. 69. Max Zirkel, Zigarrenladen, Puldastr. 55(Idealpassage). W. Conrad, Zigarrenhandlung, Hermannstr. 50. A. Mittag, Zigarrenhandlung, Chausseestr. 82. Charlottenburg: A. Wilk, Zigarrenhandlung, Kirchstr. 30. F. Schmidt, Zigarrenhandlung, Wilmersdorfer Str. 130. Wilmersdorf: E. Meyer II, Konfitürenhandlung, Uhlandstr. 97. Frledonan: B. Kropp, Zigarrenhandlung, Kirchstr. 12. Tcinpelhof: Theodor Richter, Zigarrenhandlung, Bornssiastr. 8. Obcr-scböneweide: H. Knappe, Restaurant, Westondstr. 22. Tegel: Johann Lauer, Zigarrenhandlung, Berliner Str. 02. Wclßensee i Paul Schillert, Zigarrenladen, Berliner Allee 253. I.lchtenbcrg-Unmmclsbarg: Max Braun, Zigarrenladen, Lenbaohstr. 22. Stralau: R. Gerhardt, Zigarrenhandlung, Stralauer Allee 23. Pankow: A. Janike, Zigarrenhandlung, Mühlens tr. 88. Itainnscbalcnwe�: C. Bommel, Zigarrenhandlung, Kiefholzstr. 186. tcinickcndorf: Otto Brückner II, Restaurant, Provinzstr. 82. Friedrichshagen: Franke(Konsumgenossenschaft), Friedrichstr. 98. Kiankwltz-Idchtcrfelde: P. Dehnst, Zigarrenhandlung, Seydlitzstr. 12. Grünau- Adlershof: A. Beck(Konsumgenossenschaft), Bismarckstr. 11. Fried rlchs fei deOLIchfon borg: Münnich(Konsumgenossenschaft), Capnvi-AUee 44. Die Adresse der Geschähsstelle und Kassenvenvaltung ist: Q. Winkler, Berlin SO. 16, Micbaelkirch-PlaU 2, vorn 2 Treppen. Freie Volksbühne Die Kunst dem Volke! Vereinigung zur Vermittlung guter Kunst an alle Volkssciiicliten O 23. Vereinsjahr« O 50000 Mitglieder. O Die Kunst dem Volke! Beitritts- Einladung: Die Neue Freie Volksbühne bietet ihren Mitgliedern gegen geringen Beitrag guten, edlen Kunstgenuß! Sie dient keinerlei Interessenpolitik, verfolgt keine Üeschäftszwecke; ihre einzige Aufgabe ist es, dem arbeitenden Volke, gleichviel welcher Klasse und welchen Standes, Erholung und Erhebung durch künstlerische Darbietungen zu verschaffen. Die Neue Freie Volksbühne Ist in jeder Beziehung unabhängig, alle ihre Einnahmen dienen einzig und allein ihrer Idealen Auf« gäbe und fließen den Mitgliedern wieder zu in Form von künsterischen Leistungen in ihrem eigenen Neuen Volks« Theater und den meisten Theatern Berlins. 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Personenzettel, Besprechung der Theaterstücke und Garderobengeld.— Die Vereinsschrift.Neue Freie Volksbühne" wird jedem Mitglied gratis per Post zugestellt. Anmeldungen nehmen folgende Zahlstellen ans Norden: Fischer, Veteranenstr. 6. Knapp, Grünthaler Str. 5- Zemdt, Brüsseler Str. 17. Hasel, Weißenburger Str. 60- Gotteohalk, Driesener Str. 90. Pett, Putbusor Str. 42. Freyer, Bernauer Str. 50. Grucke, Invalidenstr. 114. Liebe, Neue Hoohstr. 15. Kiscbkat, Qleimstf. 45 III(privat). Streblau, Oudenarder Str. 3 III(privat). Buhk, Malplaquet- straßo 14. Hoffmann, Pappel-Allee 43. Hiller, Kastanien- Allee 85. Kasulke. Müllers tr. 41. Kasulko, Brunnenstr. 106D (Bahnhof Oesundbrunnen). Frankfurthor, Gr. Hamburger Straße 38. Blume, Chausseestraßo 46. Schneeweiß, Fennstraße 61, Nordost: Sohrolle, Landwehrstraße 3. Schurig, Linienstraße 8. Marotzki, Strausberger Straße 35. i Hannemann, Immanuelkirohstraße 20. Schöngalla, Kniprodostr. 11/12. Richter, Landsberger Allee 143. Nordwest: Becker, Gotzkowskystr. 10. Löhe, Wiclefstr. 7. Piel, Schiffbaüordamm 6. Volkmann, Lehrter Str. 48 a. Walf, Stophanstr. 16. Oster, Paulstr. 33. Schmädioke, Rathenower Straße 78. SDden: Bobsien, Kommandantenstr. 68. Bielefeld, Gräfestr. 85. Schindler, Neue Jakobstr. 8. Martienzen, Ritterslr, 54. SUdost: Volksbühnenbttchhahdlung, Köpe- nickor Str. 68. Poeschel, Britzer Straße 23. Gleich, Cuvfy- straße 33. Stangenberg, Köpenicker Str. 20a. Giebel, Engelufer 13. Teichert, ReicnonbergerStr. 98. Bartholdy, Adalbert- straßO 89. Wettermann. Naunynstr. 82. Schütze, Wiener Straße 62. Nörenberg, Elsenstr. 53, Ecke Haryer Straße. SUdwest: Landgraf, Zossener Str. 42. Pritsche, Tempelhofer Ufer la. Pech, Teltower Str. 37. Kaufhau« Tietz, Leipziger Straße(Roisebureau). Martienzen, Friedrichstr. 204. Ost,»: Tabert, Markusstr. 14(Eingang Grüner Weg). Gom, Cadiher Straße 1. Gr&bke, Langestr. 74. Zietz, Warschauer Str. 61. Jahn, Zorndorfer Straße 59. Kasulke, Auf der Warschauer Brücke. Kaufhaus Tietz, Frankfurter Allee(Sammelkasse). Röhl Früchts tr. 57. Grahl, Goßlorstr. 24, Ecke Markgrafen- dämm. Westen: Martienzen, Potsdamer Str. 43. Arendt, Kataleretr. 10. Kittel, Joachimithsler Str. 19. Kasulke, Auf dem Potsdamer Ringbahnhof. Zentrum: Vogler. Klosterstraße 101. Keller, Molkenmarkt 14. Kaufhaus Tietz, Am Alexanderplatz(Reisebureau). Adlershof; Bester, Bismarck- straße 17 b. Baumschulenweg: Scharf, Baumeohulenstr. 73, Anmeldung zur Mllglledschaft. ÄÄ Interessenten wollen Ihre genaue Adresse In nachstehende Rubriken»Intragen und dies nebst dem Betrag von 1,10 Mark (Einschreibegeld) bei einer der hier verzeichneten Annahme- Gemiachto Abteilung(8 Abend- und, DIe nicM ge. 7—8 Nachmittagavorsteliungen). Abend- I wünschte AK- Abteilung(12 Abend-Vorstellungen) im J �"durchstre!cn° Neuen Volks-Theater. Charlottenburg: Dorp, Potsdamer Stf. 5 a. Lindenau Orol- manstr. 4/5. Noaok, Pestalozzlstr. 64. KSpenlck• 1 efhvrn Grünstr. 16. Friedenau: Dans, Rheinstr. 26. Friedriohihanen: Stegemann. Seestraße 107. Nslsnie«; Kasulke Arn hof. Karlshorlt: Ellmer, Attgueta-Viotoria-Str 21 Lankwitz* Zack, Wühlenstr. 20(privat). Lichtenberg: Müller, Hagen- straße. 58. Holberg, Gartnerstr. 11. GroB-Llchterfelde: Doli, Kommandantenstr. 86. Neuktlln: Heinrich, Münchener Straße 19. Weher, Hermannstr. HO(am Bahnkof). Delsing, Kaiser-Fnedriohstr. 171, Ecke Roseggerstraße. Eiche, Thünnger Str. 87, Ecke Wipperstraße. Niedsr-SchOnhausen; Jutzi. Irosckowstr 55(Eingang Blüohoratraße). Ober- SchUneweide; Rabe, Wilhelminonhofetr 43. Pankow: Niesei, Grunowstr. 5. Reinickendorf-Rosenthal: Kasulke, im Bahnhofs- geb&ude. Relnlekendsrf-Ost: Grünenberg, Keeidensstr. 53 (Eingang Hollftndorstraße). Rummelsburg i Rosen, Sohlller- straße 8. Stralau-Rummelsburg: Nenmann. Am Bahnhof. Schöneberg: Heyda, Akazienstr. 23. Spittel, Merseburger Straße 5. Spandau; Lorens, flahnhofstr. 7. Sieglitz: Hilsoher, Albrechtstr. 7. Tegel: Bohnsaok, Sohlieperstr. 17. 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Zahrgavs. 1 ßtilMt Ks Jonirls" ßttlinet WIKsdlÄ. 3mt<$. 23. Jnjsf 1912. vom Kinderelend 1 wird in dem neuesten Jahresbericht über die Tätigkeit der K i n d e r> fchntzkommission für Grotz-Berlin, der jetzt aus dem Jahre 1911/12(Juli 1911 bis Juni 1912) uns vorliegt, wieder ein sehr trübes Bild entworfen. Äus dem Bericht ersehen wir. daß die Kom- Mission auf den drei Gebieten ihrer Arbeit— in ihrem Kampf gegen Kinderausbeutung, sowie gegen Kindermitzhandlung und gegen Kinderverwahrlosung— leider wieder reichlich zu wn gehabt hat. Die Kinderausbeutung dauert fort, trotz dem Kinder- schutzgesetz, durch das ja die Erwerbsarbeit der Kinder nicht voll- ständig verboten worden ist. Auch die unzulänglichen Bestimmungen dieses Gesetzes, das die Kindererwerbsarbeit nur einschränken wollte, werden noch lange nicht überall befolgt. Den mit der.Arbeits- kraft" schwacher Kinder getriebenen schändlichen Mißbrauch aufzu- decken, war die erste der Aufgaben, die der von der sozialdemokratischen Partei und der Gewerkschaftskommission geschaffenen Kinderschutz- kommission gestellt wurden. Die Kinderschutzkommifsion liefert durch die Ermittelungen, die von ihren Kontrolleuren und Helferinnen ausgeführt werden, immer aufs neue den Beweis, daß das Kinder schutzgesetz ein kläglich-halbes Mittel ge- blieben ist. Dabei ist zu beachten, daß auch ihr, die die behördliche Kontrolle wirksam ergänzl, sicherlich noch zahlreiche Fälle von Kinderausbeutung entgehen. Bei den in den Jahresberichten der Kommission veroffentlichren Zahlenangaben ist von vornherein der ein- schränkende Zusatz zu machen, daß sie hinter den ratsächlichen Berhältnissen gewiß noch weil zurückbleiben. ES wäre sehr falsch, sie als ein getreues Wirilichkeitsbild hinzunehmen, das keiner Ergänzung mehr bedürfte. Im Jahre 1911/12 hat die Kommission durch ihre regel- mäßigen Kontrollen über die Kindererwerbs- arbeit eine noch größere Zahl von AusbeutungSfällen als im vorhergehenden Jahr kennen gelernt. Es muß dahingestellt bleiben, ob diese Zunahme aus einer Mehrung der Erwerbsarbeit der Kinder oder nur aus einer eindringenderen Tätigkeit der Kinder« schutzkommission zu erklären ist. Im Hinblick auf die andauernde LebenSmiltelteuerung möchte man allerdings erwarlen, daß in der unbemittelten Bevölkerung die mehr oder minder not- gedrungene Neigung, die Kinder ums Brot arbeiten zu lassen, eher zu- als abgenommen haben könnle. Noch zugenommen Hat die Be« schäfligung der Kinder mit Zeitung- und FrübstückauStragen, wenn man die Ermittelungen der Kinderfchutzkommiision als Maßstab an- sehen will. Diese Art der Kindererwerbsarbeit wird immer wieder als die häufigste festgestellt, aber vielleicht nur deshalb, weil sie auf der Straße ausgeübt werden muß und daher nicht so leicht, wie z. B. die Heimarbeit, verborgen bleiben kann. Ermittelt wurden diesmal 187 Kinder, die Zeitungen aus- trugen, sowie 197 und 67 Kinder, die Gebäck b e z w. Milch austrugen, während im vorhergehenden Jahre in denselben drei Gruppen 146 sowie 64 und 38 Kinder ermittelt worden waren. Dazu kamen diesmal noch ISVKinder, die andere gewerbliche Arbeiten ver- richteten, gegenüber rund 109 aus dem vorhergehenden Jahre. Soweit das Aller festgestellt werden konnte, ergab sich, daß mehr als die Hälfte der Kinder noch keine 12 Jahre alt waren. In einzelnen Fällen waren die erwerbstätigen Kinder er st sechs, ja erst fünf Jahre alt! Die Arbeitszeit war oft von einer Dauer, die geradezu mit Entsetzen erfüllen muß, wenn man sich vergegen- wältigt, daß sie Kindern zugemutet wurde. Bei 353 Kindern konnte die Arbeitszeit festgestellt werden: sie betrug pro Tag bei 14 Kindern Vs Stunde, bei 103 Kindern 1 Stunde, bei 195 Kindern 2 Stunden, bei 46 Kindern 3 Stunden, bei 41 Kindern 4 Stunden, bei 15 Kindern 5 Stunden, bei 11 Kindern 6 Stunden, bei 9 Kindern 7 Stunden, bei 2 Kindern 8 Stunden, bei 2 Kindern 9 Stunden, bei 8 Kindern IV Stunden, bei 2 Kindern IS Stunden. Kinder 18 Stunden an einem Tage mit ErwerbSarbeit zu beschäftigen, das ist so grauenhaft, daß man es nicht für möglich halten sollte! Leider fehlt in dem Bericht eine Kombination von Alter und Arbeitsdauer. Sie würde wahr- scheinlich zeigen, daß selbst ganz junge Kinder manchmal viele Stunden an einem Tagt umS Brot arbeiten müssen. Unerhört lange Arbeitszeiten find auch in einer Tabelle angegeben, die eine Auswahl der.anderen gewerblichen Arbeiten" bietet. Wir finden da alles mögliche, besonder« zum Beispiel Fabrikarbeit, Haus- arbeit, Botengänge, Kegelaufsetzen, Gläsereinsammeln, Stiefelputzen (an Nenntagen in Karlshorst) Handeln, Singen, auch Betteln. Hausarbeit bis zu 6 und 7 Stunden an einem Tage, Botengänge bis zu 7 und 9 Stunden, Kegelauffetzen bis zu 19 Stunden werden hier aufgezählt. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß solche Kinderausbeutung einen verwü st enden Einfluß auf die Körper- und Geistesentwickelung eines Kindes haben muß. Eine einmalige allgemeine Kontrolle der in den Morgenstunden auf der Straße ausgeübten Kindererwerbsarbeit wurde auch diesmal wieder versuwt, wobei— wie im Vorjahr— die acht sozialdemokratischen Wahlvereine Groß-BerlinS jeder für fein Kontrollgebiet die nötigen Hilfskräfte stellten. Durch eine der- artige.Razzia" können begreiflicherweise fast nur solche Kinder ermittelt werden, die Zeitungen oder Drucksachen austragen. Aber selbst für dieses Spezialgebier der Kinderausbeutung wird so eine unerwartet ausgeführte Kontrolle doch noch kein Bild geben, das als vollständig gelten könnte. Gerade die mit Zeitung- und Früh- stückauslragen beschäftigten Kinder dürften, angeleitet durch Eltern und Arbeitgeber, allmählick die Kunst gelernt haben, sich der Kon- trolle zu entziehen, der außerordentlichen vielleicht ebenso wie der regelmäßigen. Auffallen muß, daß die diesjährige.Razzia", die am 9. Mai stattfand, ein so sehr viel geringeres Ergebnis als die vorjährige gebracht hat. Diesmal wurden.nur" 2198 Kinder(1396 Knaben und 892 Mädchen) als Zeitungs- und Frühstücksausträger ermittelt, das sind nicht ganz drei Fünftel der im vorigen Jahre ermittelten Zahl, die sich auf 3595 belief.(Kinder, die mehrere Male angehalten und notiert wurden, sind selbstverständlich nur einmal gezählt worden.) Der Bericht führt die Verminderung auf das Wirken der Kinderschutzkommifsion zurück. Er sagt aber auch, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse dabei eine Rolle spielen. Man werde abwarten müssen, ob die Abnahme von Dauer sein werde. Gewiß ist anzunehmen, daß so viel Mühe und Arbeit nicht wirkungslos geblieben sein wird. Aber daß in einem einzigen Jahre die Minderung der mit Zeitung- und Frühstückaustragen be schäfligten Kinder so bedeutend sein würde, wird schwerlich jemand erwartet haben. Vielleicht sprechen da doch andere Umstände mit, die daS Ergebnis der Razzia noch unvollständiger als im Vorjahre haben werden lassen. Berücksichtigt muß zum Beispiel auch werden, daß sie im vorigen Jahre sich auf die Morgen- stunden 5—8 Uhr, in diesem Jahre nur auf die Morgenstunden 5—7 Uhr erstreckte. Di« durch die außerordentliche Kontrolle er« brachte Minderung steht übrigen? in einem Gegensatz zu der durch die regelmäßige Kontrolle erbrachten Mehrung. Aus den Mitteilungen des Berichts über das Ergebnis dieser außerordentlichen Kontrolle für 1912 wollen wir nur ein paar Hauptzahlen wiedergeben. Unter 2198 Kindern waren beschäftigt mit ZeitungSaustragen 897, mit GebäckauStragen 587, mit MilchauSlragen 624. Ermittelt wurden in Berlin allein 1234 Kinder(785 Knaben. 449 Mädchen), in 29 Orten des Kreises Niederbarnim 395 Kinder(189 Knaben, 125 Mädchen), in 14 Orten des Kreises Teltow 569 Kinder<339 Knaben, 239 Mädchen). Die Feststellung des Alters brachte dasselbe Bild wie bei der regel- mäßigen Kontrolle: Kinder von 14 Jahren hinab bis zu erst 5 Jahren waren vertreten. Kinder im Alter von erst 6 Jahren jagt man in der Morgenfrühe auS den Betten, damit sie, durch die Straßen rennend und in den Häusern ungezählte Treppen er- klimmend, ihr Brot verdienen! Von den zusammen 1211 Kindern, die Gebäck oder Milch austrugen, waren nicht weniger als 739 bei fremden Arbeitgebern beschäftigt, bei Milchhändlern, Bäcker- meistern usw. 481 arbeiteten im Betrieb der Eltern mit, denen allerdings das Kinderschutzgesetz mit seinen weitherzigen Bestimmungen über die Beschäftigung eigener Kinder noch weniger Schranken setzt als fremden Arbeitgebern. Unter den Zeitungen, bei deren Vertrieb eine Kinderausbeutung ermittelt wurde, stand obenan die. M o r g e n p o st", an zweiter Stelle der .Lokal-Anzeiger", bann folgten. V o l k s z eitun g", .Berliner Tageblatt",»Berliner Allgemeine Zeitung". Der Bericht hebt hervor, daß diese Zustände mit aus schlechter Bezahlung der Zeilungsfrauen zu erklären sind, an deren Löhnen die großen Verleger bürgerlicher Blätter alljährlich Hunderttausende von Mark ersparen. Beim .Vorwärts" wird keine Kinderarbeit geduldet. Wie die Tätigkeit der Kinderschuykommission in ihrem Kampfe gegen die Kinderausbcutung zugenommen hat, so hat sie auch mir ihren Bemühungen, der Kindermißhandlung und der Kinderverwahrlosnng entgegenzutreten, im letzten Fahr öfter als im vorletzten eingreifen müssen. Zu ihrer Kenntnis� ge- langten 71 Fälle von Mißhandlung, 68 Fälle von Verwahrlosung, außerdem 36 Fälle grober Vernachlässigung. Um die notwendige Abhilfe herbeizuführen, versucht die Kommission möglichst, zunächst durch gütliche Ueberredung von Eltern oder Arbeitgebern die durch Ausbeutung bedrückten, unter Mißhandlung leidenden, von Verwahrlosung bedrohten Kinder aus ihrer traurigen Lage zu befreien. Wo aber nicht Unverstand oder Böswilligkeit, sondern bittere Not vorliegt— der Bericht führt er- schülternde Beispiele davon an— da bedarf es der m a t e r i e l l e n Hilfe. Auch diese sucht die Kommission zu beschaffen, indem sie die Gemeindeorgane auf die Hilflosen aufmerksam macht, Wohl- tätigkeitsvereine für sie zu interessieren sich bemüht und gelegentlich auch einige Mittel von privater Seite zusammenbringt. Aber nur zu oft muß die Kinderschuykommission erkennen, daß sie gegenüber den sozialen Miß st änden machtlos ist. Erst mit der k a p i t a l i st i s ch e n G e s e l l s ch a f t s- o r d n u n g wird, wie alles Elend, das in ihr wurzelt, auch die Schmach des Kinderelends beseitigt werden können. Wasscrstands-Nachrichte» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterl ureau ff bedeutet WuckS,— Fall.— ff Unterpegek. Verband der Sozialdemokrat Wahluereine Berlins und Umgegend. Dienstag, den Z'?. Augnft ISIS, abends 8'/, Uhr: **■ Qener al Versammlungen der sechs Berliner Wahlkreise. I. IVaiiBkreis in den Corona-Prachtsälen, Kommandantenstraße 72. Tagesordnung: 1. Ter Parteitag in Chemnitz. Referent: Landtagsabgeordnetcr H. Ströbel. 2. Anträge. 3. Diskussion. 4. Wahl der Delegierten. 5. Krcisangelegenheitcn. 2. Wahlkreis in der Bock-Brauerei, am Tempelhofer Berg. Tagesordnung: 1. Der Parteitag in Chemnitz. Referent: Reichstagsabgeordneter R. Fischer. 2. Beratung der Anträge. 3. Wahlkreis im Gewerkschaftshaus, Engelufer Nr. 15. Tagesordnung: 1. Der Parteitag in Chemnitz. Referent: NeichstagSabgeordneter W. Pfannkuch. 2. Diskussion. 3. Wahl der Delegierten. 4. Wahl eines Mitgliedes zur Kinderschutzkoinmission. 4. Wahlkreis in den Coneordia-Festsälen, Andreasstraße 64. Tagesordnung: 1. Der Parteitag in Chemnitz. Referent: Reichstagsabgeordneter O. Büchner. 2. Die zum Parteitag gestellten Anträge. 3. Aufstellung der Delegierten. S. Wahlkreis in den Musiker- Sälen, Kaiser-WilHelm-Str. 18m. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum Parteitag in Chemnitz. 2. Wahl der Delegierten. 3. Ausschlußanträge. 4. Kreisangelegenheiten. 6. Wahlkreis in den Germania-Prachtsälen, Chausseestr. 110. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum Parteitag in Chemnitz. 2. Wahl der Delegierten. Die Besetzung der Generalversammlung im 4. nnd 6. Wahlkreis Die Versammlungen werden pünktlich eröffnet.— Mitgliedsbuch resp. Delegiertenkarte 201,6* erfolgt durch Delegierte. legitimieren, ohne dieselben kein Eintritt! IM« Torstände. Dentscher Holzarbeiter-Verband. Verwaltung Berlin. Montag, den 26. August 1912, abends 5V2 Uhr: VM" Mitglieder Versammlungen für folgende Kestrüe nnd Kranchen: Tagesordnung: 1. Beratung der Anträge zur Generalversammlung. 2. Verbandsangelegenheiten und Ausgabe der Delegiertenkarten. OkcMei*. SNdu-esten: in. Habels Brauerei, Bergmannstr. 6/7. «Udo»: lm Märkischen Hof, Sldmiralstr. 18c. 8ttd«»t«» l: in den Nauniin-Festsäle», Naunhnstr. 6. £indo»to» II: im Reichciiberger Hof, Ncichenbcrger Strohe 117. Outen I: bei Mertowski, Andreasstr. 26. Ostvn II: bei Grunwnld, Mcmeler Str. 67. Osten III und OestUeNv Vororte: in den„Prachtsäicu des Ostens*. Frankfurter Allee 151. Vordosten: bei Merkmann, Gr. Frankfurter Sir. 16. Vörden: bei Obiglo, Schwedter Straße 23. Weddlng und Moabit: bei Kaczarowski, Ravenästr. 6. Bau- uncl JMöbeltircbler. Venliölln: in den„Passagesälen*, Bergstr. 151/152. Vortrag des Kollegen F c n d ei über:«ArbeitSvermittetung in der Holzindustrie." Bairtifcbler. Bezirk 1: Südosten, Süden, Südwesten bei Raave, Fichtestraß- 29. Bezirk 2: Osten bei Bratner, Weidenweg 85. Bezirk 3: Vörden nnd nürdllche Vororte Bei Glieschc, Kopenhagener Str. 71. Bezirk 4: Gcsnndbriinnen. Weddlng nnd Moabit bei Rantmann, Tegeler Straße 55/56. kadctmmnchtmigs- und Kontormöbel-Branche im Englischen Garten, Alexanderstr. 27 Berliner Str. 8 4, bei Müller, DcZllfl loycli Dienstag, den 27. August. Bezirk Twpelhof: Bezirk Schüneberg:«Ä'tÄSS** M- Bezirk BeirckkeMl-Mi: � SäinMcfie Kurse beginnen»bends 8'/, Ilbr. Das Kursusgeld beträgt M; 3,—; für Teilnehmer unter 18 Jahren M. 1,50. Lehrbuch und Schreibhefte werden gratis geliefert Um zahlreichen Besuch bittet 295/5 Der Vorstand. I. A.: OskarSchlayer,!. Vorsitzender, Tempelhof, Kaiserin- Augusta-Straße 70. Spandau. Bewilligte Bäckerei. Die Differenzen mit dem Bäckermeister Kramer, Spandau, HamBurger Straße 49, und dem Vertrauensmann der Bäcker und Konditoren sind zur Zufriedenheit Beigelegt. Achtungsvoll Krämer, Ter Vertrauensmann der Bäcker». Konditoren Berlind u. Umg. £€€€€€«« Unserem lieben und der«>Ä dienten Abteilungssührer T Kastsv risSo � zu seinem 50. Ecburswge die O herzlichsten Glückwiinsche. ö Die Parteigenossen � und Genossinnen der 4. Abteil.' Bezirk Lichtenberg. »SAIZsSCESHE »oien. � ;€€«€««« Unserem treuen Freunde v» und Genossen W | MM llleick nelist Fraa| P senden zur silbernen Hochzeit/,1 Uhr, vom Neuköllner Gc- meindcsriedhof, Marindorser Weg aus statt. Am 22. d. Mts. verschied im I 4t. Lebensjahre meine liebe Frau. unsere gute Mutter 2909b Auua Esser geb. licnthcr. Im Namen der Hinterbliebenen dakoh Enacr nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Montagnachmittag 4'/, Uhr vl>n Zentral- Friedhos in Friedrichs- leide aus statt. Allen Genossen und Bekannten die traurige Nachricht, da» Sonn- abend srüh plätzlich am Herzschlag mein herzcnSguler Mann, der Schneidermeister tluxo TteinBold Holsteiner Ufer 13, gestorben ist. Dies zeigt licsbctrubt an .Ägne« Kelnhold. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 28. d. MtS., nachm. 3 Uhr. von der Leichenhalle deS städl. Friedhoss in Friedrichsseide auS statt.__ [Zentral-Kranken- llnterstillzungs- verein der Schmiede | und verw. Gewerbe Deutschlands. Berlin 11. Den Mitgliedern zur Nachricht, 1 da» am 19. d. MtS. unser Kollege kustsv Lutz I verstorben ist. Ehre seine« Andenken! Danksagung. Für hie wohlenipsundenen TrosteS- Worte, die vielen Beweise innigster Teilnahme und die herrlichen zahl- reichen Kranzspenden bei der Beerdi- gnng meines unvergeßlichen Mannes Wilhelm Lehmgim sage ich Hiermit allen Verwandten, Freunden imd Bekannten meinen Herzlichsten Dank. L1A Witwe Ida Lehmann geb. Wedler. Berlin N., Bernauer Str. 73. Danksagung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere dem Deutschen TranSportarbeiter-Berband, für die zahlreichen Kranzipenden bei der Be- crdignng meines lieben Mannes sage ich hiermit meinen herzlichsten Dank. Witwe Schmidt, 26A Exerzierstraße 2. Von der Reise zurück.J. Kallmann Zahnoperaiionen mit örtl. Betäubung, sür Kasscnmitglieder aus Wunsch ohne Nachzahlung. Sprechstunden 8—8. Bitte daraus zu achten, da» sich mein Atelier nur Münzftr. 14/15, Eck- hau? Kaiser- Wilhelm> Str. 1«, befindet. 130/14 Extra-Abteilung 1 1. Gesch.: BerlinW., Mohren- 1 Straße 37a(2 Haus von der Jerusalemer Straße). Iii. Gesch.; Berlin NO., Große Frankfurt. 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Milchtopf, 1 Zuckerbose 6 paar bekorierte Tassen...... 6 Paar Tassen mtt Goldrand..... Porzellan ) zus. (90 Pf. 90 Pf. 90 Pf. 1 Kaffeeservice für 2 Personen mit Gilddekoration. 90 Pf. 1 Satz Milchtöpfe dekor oder Golddekor »»»»»» 90 Pt 1 komplettes Waschservice 4-teiüg........ 90 pi. 6 Speiseteller mit Goldrand.■>.. a a a a a a a•» 90 Pf. 12 bunte Speiseteller................. 90 Pf. 1 Satz Näpfe weiss, 7 Stück.............. 90 Pf 5 Glaskompotieren Steinpressung 90 Pf. 6 Victoriabecher mit Goldrand............. 90 Pf 1 Käseglocke, 1 Butterglocke... t Stein- �-US. 1 Zuckerschale, 1 Zitronenpresse/ Pressung/ 90 pi. pi. 1 grosser Emailleschmortopf mit u. ohne Ring st. 90 pi. 1 Emaille-Müll-Eimer mit Schrift......... 90 pi. 1 bekorierter Eimer.................. 90 pi. 1 Wanne oval oder rund 90 Pf Markttaschen m verschiedenen Ausführungen Stück 90 Pf Aktenmappen mit 2 Schlössern............ 90 Pf Damentaschen 90 w. Damenfrühstückstaschen mit 2 Henkel...... 90 Pf Bilberahmen 2 Visit, 1 Kabinet...... zusammen 90 Pf Glasvasen farbig und weiss, 32 cm hoch.,...» � Postkarten-Album für 500 Postkarten � 100 Papierservietten, 1 Tischläufer zusammen 90 Pf Samtstoss mit Kordel............. 2 Meter 90 � Friese-Gürtel................••• Stflck 90 pt Schwarze Samtgürtel mit hübschen Schlössern.. 90 Pf. Tüllstoffe schwarz oder weiss......, a»» Meter 90 Pf. 2 Paar Rüschen-Strumptbänber.......... 90 Ff In der PHotographisch. Abteilung Qa 12 Postkarten|ür eine Person..... iU p£- Oben aufgeführte Artikel sind nur ein kleiner Auszug von den zum Verkauf kommenden Artikeln. 8,. 198. 29. ww 4. geilflfle des Lmillts" Kerlilm Uolksdliitt. Montag, den 26. August: grauen-Ccfeabend in Groß-Berlin. parte!- Angelegenheiten. 2. Wahlkreis. Zu dem Konzert des Philharmoniichen Orchesters am Sonnabend, den 31. Avgnst, sind noch Billetts in der Parteispedition Gustav Schmidt, Kirchbachstr. 14, zu haben. Schöneberg. Die Versammlung des Wahlvereins findet am Dienstag, den 27. August, abends 8 Uhr, bei E. Ebrccht, Neue Rathaussälc, Meininger Str. 8, statt. Tagesordnung: Vortrag des Redakteurs N ich. Barth über:„Kapitalistische und sozialistische Presse." Berichte. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Wilmersdorf. Die für morgen, Montag, den 26. August, fällige WahlvcreinSvcrsammIung fällt aus. Zur nächsten, voraussichtlich Mitte September stattfindenden Versammlung geht den Mitgliedern eine besondere Einladung zu. Der Vorstand. Lankwitz. Mittwoch, den 28. August, Mitgliederversammlung bei Schulz. Miihlenstr. 21. Bortrag über Liberalismus und Sozial» demorratie. Schmargendorf. Dienstag, den 27. August, abends 8>/, Uhr, bei Pöischer, Spandauer Straße: Mitgliederversamm» lung. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Vortrag des Genossen Jacobsen« Nieder-Schöueweide über Bibliotheks- Wesen. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Bie Neuanschaffungen für die Bibliothek liegen an diesem Abend zur Ansicht auS. Groß-Lichtcrfelde. Dienstag, den 27. August, abends 3'/z Uhr, findet bei Wahrendorf, Bäkestr. 7, eine außerordentliche General- Versammlung des SSahlveretns statt. Tagesordnung: Berichte von der Kreis- sowie Verbandsgeneralversammlung, Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Steglitz. Dienstag, den 27. August, abends 8l/z Uhr: Mit- gliederversammlung bei Schellhase, Ahornstr. Iba. Tagesordnung: I. Bericht von der KreiS- und Verbands- Generalversammlung. 2. Bericht über die Ferienspiele. 3. Kassenbericht. 4. Anträge und Verschiedenes. Der Vorstand. Zehlcndorf lWannscebahn). Dienstag, den 27. August, findet bei Benno Mieklei, Potsdamer Srr. 26, die Mitgliederversamm- lung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Vortrag über den 2. Berichte von der Kreis- sowie Ver- 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Ver- Der Vorstand. 27. August, abends S'/o Uhr, Mi t- im Kastanienwäldchen sfrüher Groß- Tagesordnung: 1. Die Konsumgenosscn- Arbeiterbewegung. Referent: Genosse M. bevorstehenden Parteitag. bandsgeneralversammlung. schiedeneS. Pankow. Dienstag, den gliederversammlung kurt), Berliner Str. 27. schaft ein Glied der Barth. 2. Bericht von der Kreis- und VerbandSgeneralversamm lung. 3. Ortsangclegenheiten. 4. Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Reinickendorf-Ost. Dienstag, den 27., abends 8 Uhr, Mitglieder- Versammlung im Restaurant„Zur Elscnbahn", Provinzstr. 7g.'Tages- ordnung: Die Aufgaben des Parteitages. Referent: Genosse Brühl. Diskussiom Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Nc'mickcudorf-Wrst. DienStag. den 27. August, abends 7 Uhr: Flugblattverbrcitung von den Zahlabendlokalen aus. Der Vorstand. Hohenschönhausen. DienStag, den 27. August, findet eine Mit- gliederversaminlung bei Reyher, Berliner Str. 03, statt. Tages- ordnung: Bericht von der Kreis- sowie Verbandsgeneralversammliing. Die EingemeindungSsrage und Verschiedenes. Der Vorstand. Nicdcrschöuhausen-Nordend. DienStag, den 27. August, abends 8'/? Uhr, Mitgliederversammlung bei Manke, Charloltenstr. 8, Ecke Beüthstraße. Tagesorduung: 1. Vortrag der Genossi» Minna Lohse über„Kinderschutz". 2. Berichterstattung von der Kreis- und VerbandS-Generalversammlung. 3. Vereinsangelegenheiten und Ver- schiedenes. Die Bezirksleitung. Lichtenberg. Dienstag, den 27. August, abends 7 Uhr, findet von den bekannten Stellen auS eine Flugblattver- breitung statt. Die Bezirksleitung. Die Bibliothek ist von Mittwoch, den 28. August, ab wieder geöffnet. Bücher können entliehen werden in den Ausgabestellen: Kronprinzenstr. 47, Hof parterre, Mittwoch und Sonnabend von 7—!) Uhr abendS; Alt-Boxhagen Nr. 66 lgeitung«- spedition). Diensiag und Freitag von 6—8 Uhr, Mittwoch und Donnerstag von 6—7 Uhr. Die Ausgabe erfolgt nur gegen Vor- zeigung des Mitgliedsbuches der Partei. Die Bibliothelkommiffion. Grünau. Mittwoch, den 28. August, abends S Uhr, im Restaurant „Zur grünen Eike"(J. Franz): Mitgliederversammlung. 1. Vortrag De» Genossen Max Schütte. 2. Bericht von der Kreis- sowie BerbandS-Generalversaminlung. 3. Verschiedenes. Gäste willkommen. __ Der Vorstand. Berliner JVachncbten, Die Kinderschutzkommission hatte am Freitag ihre Kontrolleurinnen und Helferinnen zu einer Versammlung sin den Andrea»- Festsälen) zusammenberufen. in der der Obmann Genoffe Barenthtn seinen Bericht über das Jahr 1ö11/12 erstattete. AuS dem Inhalt dieses Be< richteS, der aufs neue die Notwendigkeit vermehrten KmderschutzeS zeigt, machen wir an anderer Stelle des Blattes ausführliche Mit- teilungcn..„.,...,_ Fii der Diskussion über den Bericht kam eS unter anderem zu einer Erörterung der Frage, ob die Kindererwerbs- arbeit ab- oder etwa noch zugenommen hat. Daß am S. Mai in Groß-Berlin wieder eine allgemein« Razzia auf die iu den Morgenstunden mit Zeitung- und Frühstückaustragen be- schästigten Kinder veranstaltet werden sollte, sei offenbar vorher bekannt aewotdeit, und das dann das Ergebnis beeinflußt. Für Tegel wurde behauptet, daß bestimmt nur ein Teil der rcgel- mäßig als ZeitungS- und FrühstncksauSträgcr verwendeten Kinder ermittelt worden sei. AUS Berlin wurde über einen Schutzmann berichtet, der während der Razzia dadurch aufgefallen war. baß er in die bereits geöffneten Läden einiger der in Frage kommenden Geschäftsleute hineinging. Die Meinung. daß die Kindererwerbsarbeit abgenommen habe, wurde vom Obmann Genossen Barenthi» aufrecht erhalten. Wer die Dinge aufmerksam beobachte der müsse zugebe», daß heute doch bei iveitem nicht mehr so viel Kinder wie früher mit ZeitungS- austragen usw. beschäftigt werden. In längeren Ausführungen legte Reichstagsabgeordneter Genoffe Büchner dar. daß die Arbeit der Kinderschutzkommission ein wichtiges Glied in der Kette der Fürsorge- bestrebungen sür die Jugend sei. Vom Mutter- und Säuglingsschutz, für den im Reichstag die bürgerlichen Parteien nichts drüber hatten- führe der Weg über den Kinderschuh, bei dem das von vornherein unzulängliche und überdies mangelhaft durchgeführte Kinderschuh gefetz versagt, zur Jugendpflege an den Schulentlassenen, in der die preußische Regierung die aus der Millionenkrippe gefütterten Ver- eine gegen den Nachwuchs der Arbeiterklasse mobil zu machen sucht. Von der Versammlungsleiterin Genossin Demning wurde die Diskussion über den Bericht geschlossen mit Worten des Dankes für die mühevolle und aufopfernde Täiigkeit der Kontrollcnrinnen und Helferinnen._ Ein Konflikt ist in der Berliner Feuerwehr ausgebrochen. Der „Vossische» Zeitung" wird darübergeschrieben:„Der Berein Berliner Feuerwehrmänner, der vor drei Jahren gegründet und mit dem seit langer Zeit bestehenden Verein der FeuerweHrpensirmäre vereinigt wurde, stand bis kurzem unter Leitung des Feldwebels Balzer von der 2. Kompagnie. Bei der letzten Generalversammlung unterlag dieser bei der Wahl zum Vorsitzenden gegenüber dem Kandidaten der jüngeren Leute, dem früheren Feuerwehrmann Ottmann Heine- mann. Vor wie nach der Generalversammlung kam es in dem Verein zwischen den Anhängern der beiden Richtungen, die sich inzwischen herausgebildet hatten, wiederholt zu Konflikten. Von diesen erhielt Branddirektor Reichel Kenntnis und auch davon, daß der Verein unter seiner jetzigen Leitung den Anschluß an den Verband der deutschen Feuerwehre» beabsichtige. Herr Reichel machte kein Hehl daraus, daß letzteres sür einen Verein Berliner Feuerwehrmänner — die Berliner Wehr ist königlich— unerwünscht sei. Branddirektor Reichel hat aber, wie wir von bestunterrichteter Seite erfahren, niemals auf die ihm unterstehenden Leute wegen ihrer Zugehörigkeit zu dem Verein irgendeinen Druck ausgeübt oder gar ihren Anslritt verlangt. Der Verein verfügt über ein Vermögen von etwa 38 000 M., und jedes einzelne Mitglied würde durch seinen Austritt einen Schaden erleiden. Ohne jedes Zutun oder Ein- Wirkung von feiten des Branddirektors Reichel sind die Chargierten infolge der Konflikte aus dem Verein Berliner Feuerwehr- männer ausgetreten und haben einen eigenen Berein gebildet. Natürlich sind dadurch die Gegensätze nur verschärft worden. Es ist zu hoffen, daß die bestehenden Differenzen eine allgemein be- friedigende Lösung finden, sobald Branddirektor Reichel von seinem Urlaub zurückgekehrt sein wird." Ans der beschönigenden Darstellung, von der die Miiteilnng zeugt, ist ersichtlich, daß den Feuerwehrleuten zwar die Zugehörig- keit zu dem Bercin gestaltet ist, nicht aber der Anschluß ihres Berenis an einen Verband, der wider den preußischen Geist zu verstoßen scheint. „Fürsorge" für Geisteskranke. Unter dieser Ueberschrist ver- breitete vor einigen Tagen eine Korrespond«»� folgende Melduaig: ..Zur Jrrenpflege liegt eine bem«rkenö!>vcrte Verfügung� des Justiznnmstcrs und des Ministers des Innern vor. Bei Geistes- kranken, die freiwillig in eine Privatanitalt eingetreten sind, kam: eine Aenderung ihres Zustandes später dazu führen, den Kranken auf eine verschlossene Abteilung gui verlegen oder ihn in seinem Verkehr in durchgreifender Weise zu. beschränken. In solchen Fällen ist künftig ein besonderes Verfahren'einMleiten� Es muß dies auch dann stattfinden, wenn es nicht ausdrücklich dadurch veranlaßt wird, daß der Kranke verlangt, entlasten zu werden, aber nicht freigegeben werden kann." Hierzu wird uns geschrieben: Auf ihren Kongressen haben die Irrenärzte stolz erklärt, daß jeder, der sich freiwillig in eine Privatirrenanstalt begibt, auf sein Verlangen auch ohne weiteres wieder entlasten werden muß. In der Praxis ist das Vertrauen zu diesen hochtrabenden Worten in ungemein zahlreichen Fällen auf das. ärgste mißbraucht, worden. Besonders wo viel Geld vorhanden nmr, zeigten Privatirrenärzle sich sehr eifrig, aus dem Freiwilligen Aufenthalt mit ungeniertester Rücksichtslosigkeit einen Zwvngsausenthalt zu machen. Die obige Ministerialverfügung gesteht ihnen dieses angemaßte Recht auch ferner zu, will aber die Anwendung von der Einleitung eines ,,be- sonderen Verfahrens" abhängig machen. Das hört sich sehr hübsch an, ist aber für Privatanstalten eine Verschlimmbcsscrung, da nun die Zivaugsimaßregeln der Privatirrenärztc von oben herab die ersehnte Deckung finden. Welcher Art soll denn das„besondere Verfahren" sein? Hoffentlich ein gerichtliches, und zwav gleich in Form einer la nd gerichtlichen Nachprnsnng. Kreisärztliche Alteste und polizeiliche Entscheidungen bieten in keiner Weise die Gewähr, daß das, was die Irrenärzte für notwendigchaltcn, auch wirklich notwendig ist. Der neue Erlaß vermehrt den Wust der Mimsterial- Verfügungen auf dem Jrrenhausgebiete. Es ist höchste Zeit, daß aus diesem Sammelsurium ein ReichSgesetz wird. Auf alle Fälle muß jetzt dringend davor gewarnt werden, sich freiwillig in eine Privatirrenanstalt, auch wenn sie wohlklingend„Sanatorium für Gemüts- und Nervenkranke" heißt, zu begeben oder bringen zu lassen. Wie mau siehs, schützt die vertrauensselige Freiwilligkeit des Handelns nicht Vov der Preisgabe der persönlichen Freiheit. Nur nach einer bestimmten Richtung hin kann der Mimsterial- erlaß, wenn er sich allgemein auf Irrenanstalten bezieht, einen Fortschritt bedeuten. Er ist geeignet, daS gerade an den Berliner städtischen Irrenanstalten zum Unfug ausgeartete Taubenschlag- h stein dev Sclbstgestellrmg von Alkohvlistcn ganz wesentlich et»zu- sthränken. Bei der Hcrbstparade am 2. September sollen diesmal Wagen nicht zugelassen werden. Wie berichtet wird, ist durch die Beteiligung des Gardekorps und des 3. Armeekorps der zur Verfügung stehende Raum auf der Ostseite des Tcmpelhofer Feldes so beschränkt, daß die militärischen Kommandobehörden in Berücksichtigung der Er- fordcrnisse für ungehinderten glatten Verlauf der zum Vorbeimarsch nötigen Truppenbewegungen sich gegen die bisher üblich gewesene Zulassung von etwa 266 Wagen sür Zuschauer ausgesprochen haben. Der Polizeipräsident ist daher zu dem Entschluß gekommen, über- haupr keine Wagen zuzulassen. Wegen Berstaatlichnng der Reinickendorf-Groß-Schönebeckcr Eisen- bah» wollen die beteiligten Gemeinden(l3 an der Zahl) beim Minister der öffentlichen Arbeilen vorstellig werden. Der Pacht- vertrag dieser Kleinbahn läuft bekanntlich Ende März künftigen Jahres ab. Die Bahn ist mit Hilfe der Gemeinden gebaut worden, sie hat sich trotz aller Ungnnst der Verhältnisse zu einem rentablen Unternehmen entwickelt; sie würde sich sogar zu einer Hauptbahn auswachsen, wenn sie Anschluß an den Bahnbof Gesundbrunnen erhielte und von Groß-Schönebeck und Liebenwalde nach Zehdenick weitergeführt würde. Der Eisenbahnfiskn« ist nach der Konzession berechtigt, die Bahn zu übernehmen. Die beteiligten Gemeinden wünschen, falls die Verstaatlichung nicht zu erreichen ist, schnellere Zugfolge und billigere Tarife mit durchgehendem Verkehr. Auch an den Berbands-AnSlchuß Groß-Berlin wollen die Gemeinden eine Eingabe richten. Nach Unterschlagung von 2900 Mk. ist der 24 Jahre alte Haus- dienen Wilhelm Angcrmann aus. der FruchtstraK, der bei einer Buckchruckerci in der Alexandrinenstraße angestellt war. flüchtig ge- worden. A. bolte. vorgestern, im Austrage seines Arbeitgebers vom Postscheckamt 2900 Mk. ab. steckte sie in seine Tasche und machte sich mit seinem Geschäftsdreirad auf und davon. Vergeblich wartete sein Arbeitgeber auf seine Rückkehr. Ob dev junge Mann hier vielleicht in schlechte Gesellschaft geraten ist. steht noch dahin. Ein Bauunfall ereignete sich am Sonnabendvormittag auf dem Neubau der Firma Tiey. Leipziger Straße(Ecke Jerusalemer Straße). Einige Zimmerer waren dort unter dem Dach mit AbrüstungS- arbeiten beschäftigt, wobei der Zimmerer August Segebarth, Schliemannstraße 24 wohnhaft, zirka drei Etagen hoch abstürzte und sich schwere innere und äußere Verletzungen zuzog. Der Ver- »nglückte wurde mittels Automobil nach dem städtischen Krankenhaus Moabit übergeführt. Ein rätselhafter Fund. Am Freitag nachmittag beobachtete eine ße 12 in der Spree eine kleine enthalte, zog die Frau die Blechdose ans Land. Als sie den kleinen Blechkasten öffnete, fand sie darin die Photographie eines Artille. listen, die offenbar von einem Schnellphotographen aufgenommen worden ist, und einen'Zettel, der folgende Worte enthielt: �„Seit dem 18. Februar 1911 liegt meine Leiche vermodert� auf dein Wastergrunde. Eine unglückliche Liebelei! Ernst Eulenstein." Die Frau machte der Kriminalpolizei von dem Funde Mitteilung, und diese will untevsuchen, ob eS sich hier um einen, sogenannten Scherz oder um den Selbstmord eines Artilleristen handelt Zu dem Attentat im Naucn-Berlincr Lorortzug ist jetzt eine Zeugin ermittelt worden, die noch wichtige Bekundungen machen tonnte. Die Dame ist seinerzeit mit dem Zuge gefahren, in dem das Attentat verübt wurde, sie hat sogar in demselben Wagen ge- festen, in dem der Messerstecher seinen lleberfall ausführie. Unbcgreiflicherweise hat sich die Zeugin nicht schon unmittelbar nach dem Attentat gemeldet. Sie begründet dies damit, daß sie ihre Beobachtungen nicht für bemerkenswert gehalten habe. Sie saß, wie sie jetzt bekundet, im ersten Coupo deS Wagens. Das zweite Abteil war leer, und in dem dritlen Abteil, das mit dem zweiten durch eine Schiebetür verbunden war, wurde der lleberfall verübt. Diese Tür stand, wie die Zeugin genau beobacht hat. zu- nächst offen. Dann wurde sie, als sich der Zug in voller Fahrt be- fand, plötzlich mit großer Schnelligkeit zugezogen, und unmittelbar darauf ertönte aus dem Innern des Coup6s ein lauter Hilfe- schrei. Wenige Sekunden später stand der Zug. Die Zeugin blickte aus Neugierde zum Fenster hinaus und sah nun, wie sich vor dem übernächsten EmipS die Zugbeamten und einige Passagiere an- sammelten. Erst später ist es ihr zum Bewußtsein gekommen, daß der verzweifelte Hilfeschrei mit dem lleberfall in Zusammenhang stand. AuS der Bekundung dieser Zeugin geht hervor, daß der Täter den lleberfall nicht in einem plötzlich auftretenden Wahnsinns- anfall verübt, sondern ihn mit Ueberlegung ausgeführt hat. Dies schließt natürlich nicht aus, daß der Täler geisteskrank ist. Des weiteren ist ermittelt worden, daß der Täter unmittelbar, bevor er den Zug bestleg, im Bahnhofsrestaurant ein Glas Bier getrunken hat und dem Wirt dazu sagte, daß er große Eile habe. Dieser er- widerte ihm. daß der Berliner Zug erst in fünf Minuten gehe, und daß er sich deshalb ruhig Zeit nehmen könne. Trotzdem trank der Täter das Bier in großer Hast in einem Zuge aus. Ter Todessturz eines Greifes wird aus der Möckernstraße ge- meldet. In dem Hause Möckernstraße 195 stürzte sich vorgestern nachmittag der 75 Jahre alte Rentenempfänger Wilhelm Matth is. der früher Maurer war, aus dem Bodenfenster des OuergebäudeS aus den, Hof hinab, er war sofort tot. WaS den Greis dazu ver- anlaßt hat, ist unbekannt. Erschossen aufgefunden wurde vorgestern nachmittag in der Jungsernheide in der Nähe der Tegeler Schießstände ein bisher noch unbekannter Mann. Anscheinend liegt Selbstmord vor. Die Leiche wurde nach der Halle in Plötzensee gebracht. Der unbekannte Tote ist ungefähr 26—28 Jahre all, 1,70 Meter groß und schlank, hat blondes kurzgeschnitlencs Haar, einen rötlichblonden knrzgeschnittenen Schnurrbart und ein längliches Gesicht. Bekleidet war er mil einem grün und blau gestreiften Jackelt, einer schwarz gestreiften Hose, einer bunten Weste, einem weißen Leineuhemd, gestreisten Hosen- träger», grauen Strümpfen und gelben Schuhen. Verschwunden ist der 26 Jahre alte Former Erich Tetzlaff bei den Ellern, Lehrterstr. 63, wohnhaft. T. hat am Mittwoch abend seine Wohnung verlassen, er ist dorthin aber nicht mehr zurück- gelehrt, auch hat er sich auf seiner Arbeitsstelle nicht mehr blicken lassen. Da der Verschwundene seine Wcrlsachen und Legitimation zurückgelassen hat, sind die Angehörtgen besorgt, daß er sich ein Leid angetan oder sonst verunglückt ist. Der Verschollene ist etwa 1,78 groß, mit blaugestreiftem Anzug bekleidet, trägt schwarzen steifen Hut und Schnürstiesel. Nach- richten werden an die Eltern oder an das nächste Polizeirevier er» beten. Znm bevorstehenden NmzugStermin und Herbstreinmachen bringt der Zentralverein für ArbeilsnachweiS seine kostenlose Vermittelung von zuverlässigem Wasch- und Rcinmachpersonal in Erinnerung. Bestellungen werden erbeten durch Postkarte C. 54, Rückerstr. 9, oder durch telephoniichen Anruf Amt 3, 3791—3797. Das Bureau ist geöffnet van 7—1 Uhr. Die Auszahlung erfolgt direkt an die Arbeitenden. ES findet kein irgendwie gearteter Abzug statt, der sich bei den Privatreinigungsinstimten auf 59—75 Pf. pro Arbeits- tag belauft. Der in Neukölln, Hermannstr. 297 wohnhafte Geschäftsinhaber Gustav Ruthe bittet uns mitzuteilen, daß er mit dem in der Freitag- nummer des„Vorwärts" erwähnten Rabattmarkenschwindler gleichen Namens nicht identisch ist. Ein Schlafstellenschwindler wurde in der Person deS Koppel» knechtes Heinrich Keßler am Freitag früh in der Ramlerstraße ver» haftet. Keßler hatte die Wohnung gerade erst bezagen und dabei salgende Angaben gemacht: Er sei al» Pferdehändler mit einem Transport Pferde aus Schweden gekommen, währenddessen sei seine Wirtin gestorben und daher die Wohnung polizeilich versiegelt worden. Somit sei er augenblicklich ohne Sachen und ohne Geld. Am anderen Tage werde er die Herausgabe seiner Sachen bei der Polizei erwirlen. Seine neue Wirtin glaubte ihm jedoch nicht, sondern erkundigte sich in der angeblich bersiegelten Wohnung. Hier erfuhr sie, daß das, was ihr vorgeredet worden, Schwindel war.. Die Leiche eines neugeborenen Mädchen? wurde vorgestern nachmittag an der Jnsclbrücke aus der Spree gelandet. Sie wurde nach dem Schauhause gebracht, wo durch Obduktion festgestellt werden soll, ob das Kind eines gewaltsamen Todes gestorben ist. Vermißte Personen. Seit dem 19. August ist der 12 jährige Schüler Hans Weichsler spurlos verschwunden. Der Knabe hatte am Montag nachmittag die in der Barbarossastr. 34 belegene Wohnung seiner Pflegeeltern verlassen, um auf der Straße mit Schulfreunden zu spielen. Als der Junge abends gesucht wurde, war er spurlo« verschwunden. Hans W. ist 1,65 Meter groß, schmächtig, hat hellblonde Haare, blaue Augen und war mit dunkelgrauen Knie- hosen, blauer Bluse, schwarzen Schnürschuhen und blauer Schirm- mütze bekleidet.— Die 19 jährige Emma Siebert, die bei ihren Eltern in der Hauptstr. 119 wohnte, wird seit einigen Tagen ebenfalls vermißt. Die Angehörigen befürchten, daß das hübsche und gutenrivickelte Mädchen in schlechie Gesellschaft geraten und ver- borgen gehalten wird. Fräulein S. ist 1.63 Meter groß, schlank. hat ein volles gesundes Gesicht, dunkelblondes Haar, blaue Augen. Bekleidet war sie mit schwarzem Rock, blau- und weißgestreifler Bluse, schwarzen durchbrochenen Strümpfen, gelben Schnürstiefeln und großem weißen Sommerhut. Für 40 609 M. Saccharin eingeschmuggelt. Einem Riesen» schmuggcl Mit Saccharin, der aus der Schweiz nach Deutschland knsucht föutSe, ist gfestettt ttaHmMag Kfe Kriminalpolizei auf die Spur gekommen. In einem aus Basel importierten Möbelwagen wurden nicht weniger als 16 Zentner Saccharin gefunden, die einen Wert von 40 bis 45 060 M. darstellen. Am 13. August war in Basel bei dem dortigen Hauptbahnhof von der Firma Meyer in Basel ein für den internationalen Güter- transport gebauter großer Möbelwagen von 24 Meter Länge und 3 Meter Breite aufgegeben worden, der nach Angabe der Spedi- tionsfirma gebrauchte Möbel enthielt, die nach Berlin transportiert werden sollten. Man schöpfte Verdacht und schickte bei Abgang des Güterwagens ein Telegramm nach Berlin, in dem die Vermutung ausgesprochen wurde, daß man es bei dem Uebergewicht vermutlich mit Schmugglcrware zu tun habe. Die Behörde ließ den Wagen bei seiner Ankunft sofort beschlagnahmen, doch konnten die Schmuggler selbst noch nicht ermittelt werden. Der Berliner Zoologische Garten hat vor kurzem zwei seltene brasilianische Affen erworben, die durch ihre eigentümlich Plüsch- artige Behaarung, die am Körper grau, am Kopfe aber abgesetzt schwarz ist, sowie durch ihren langen Greiffchwanz besonders auf- fallen. Es sind sogenannte Wollasfea, ein ganz prächtiges� erwach- nes Weibchen und ein junges Männchen, sie hausen im Neuen ffenhaus in einem großen Käfig, zusammen mit einigen Meer- katzen. von denen sie sich durch ihre ganz andere Bewegungstpeife sejv unterscheiden. Nieder-Schöneweide. Einen schönen Sieg errangen unsere Genossen bei der Ersatz Wahl zur Gemeindevertretung am Freitag. Die mühevolle Arbeit wurde durch den großartigen Erfolg gelohnt und Genosie Wilhelm Ladendorf eroberte das Mandat mit 351 Stimmen. Die vereinten Gegner hatten alle Hebel in Bewegung gesetzt, das heiß umstrittene Mandat zu behaupten, vergebens, ganze 92 Wähler gaben dem Mischmaschkandidateu ihre Stimme.— Mit dem Genossen Ladendorf zieht der zweite sozialdemokratische Vertreter ins Gemeindeparlament. Für die Genossen wird dieser Sieg ein neuer Ansporn sein, unerniütlich zu agiteren, damit bei den nächsten Wahl weitere Bresche in die Vertretung geschlagen und die dritte Abteilung gänzlich erobert wird. Köpenick. Ein großes Volksfest veranstaltet die organisierte Arbeiterschaft am heutigen Sonntag im Müggelschloß. Der geplante Ans marsch mit Musik hat die behördliche Genehmigung gefunden. Außer den bestehenden Fahrgelegenheiten wird abends eine Motorboot Verbindung nach Köpenick unterhalten. Vorort- l�acbricbten. Neukölln. Zwei neue Anzüge für eine Mark verschaffte sich ein unbekannter Gauner auf einem etwas umständlichen und nicht ganz gewöhnlichen Umwege. In der Weichselstraße mietete er sich von einem Hauswirt eine Wohnung, die gerade leer stand, und ließ sich gleich die Schlüssel geben, um sofort einziehen zu können. Mit dem Mietsvertrag und dem Schlüssel ausgerüstet, suchte nun der neue Mieter ein Kleider- geschäft am Kottbuser Damm auf und kaufte zwei Anzüge für 90 M. mit der Weisung, sie ihm mit guittierter Rechnung sogleich nach der Wohnung zu schicken, wo er den Boten zur Bezahlung erwarten werde. Als dieser nach kurzer Zeit erschien, empfing ihn der Kunde an der Tür. nahm ihm die Anzüge ab und gab ihm eine Mark mit der Bitte, sie irgendwo zu wechseln, damit er ihm ein Trink- geld geben könne. Aber vergebens wartete der Bote, als er zurück- kehrte, auf Einlaß und ließ schließlich durch den Hauswirt öffnen; doch von dem Mieter war keine Spur zu entdecken. Er war in- zwischen mit den Anzügen verschwunden. Reiche Beute machten Schaufenstereinbrecher in dem Goldwaren» und Uhrengeschäft von Bonneck am Kottbuser Damm 4. Sie schlugen mit einem Stein ein großes Loch in die Scheibe und langten dadurch fast alle wertvollen Sachen, zum größten Teil Brillanten, für mindestens bvvv M. aus der Auslage heraus. Die Uhren ließen sie liegen. Der Einbruch muß erst in den Morgenstunden zwischen 5 und 6 Uhr verübt worden sein. Denn als Straßenreiniger um 5 Uhr an dem Laden vorbeikamen, war noch alles in Ordnung. Gleich nach 6 Uhr entdeckten die Geschäftsleute den Einbruch. Der Elternverein für Sport und Wandern veranstaltet Sonntag, den 25. August, im Etablissement.KarlSgarten", KarlSgartenstr. 6/10, ein So m m e r f e st. Konzert, turnerische Aufführungen, Spezialitäten- Theater und Tanz. Eintritt 10 Pf. Anfang 4 Uhr. Britz-Buckow. Der Vortragszyklus über Verfassungswesen findet am 26. August. 2. und 9. September, pünktlich abends 8>/z Uhr, in Beckers Ge- fellschaftShaus, Britz. Chausseestr. 97, statt. Teilnehmer können sich bei den Bezirksführern, ebenso am Montagabend im Vortragslokal melden. Tempelhof. In der Mitgliederversammlung deS WahlvcrrinS hielt Genosse Mermuth-Neukölln einen recht interessanten Vortrag über.Ent- Wickelung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft". Leb- hafter Beifall lohnte dem Redner am Schlüsse semer lehrreichen Aus- führungen. Hierauf berichtete Genosse Ewald über die Kreis- generalversammlung. Da der Bericht im allgemeinen schon im .Vorwärts" abgedruckt war, beschränkten sich die Ausführungen des Redners in der Hauptsache auf die vom Wahlverein gestellten An- träge. Redner kritisierte dann, daß die Generalversammlungen des Kreises in der Regel so spät angesetzt werden, und die reichhaltige Tagesordnung dann im Eiltempo erledigt werden müsse. In Zukunft dürfe eS nicht mehr vorkommen, daß Anträge aus Mangel an Zeit unerledigt bleiben. Diese Anträge sollen etliche Stunden vor dem Beginn der Verbandsgeneralversammlung durch andere Delegierte beraten werden. Dies sei ein unerquicklicher und unhaltbarer Zustand. — Als Kontrolleurin für die Kinderschutzkommission wurde Frau Appelt gewählt. Zur Konferenz der Vertreter der BildungSausschüsfe wurde Genosse F. Günther delegiert. Schöneberg. Schwerer Baunnfall. Auf einem Neubau in der Nähe des Stadt- partes war der 23sährige Maler Willi Lemm aus der Gustav- Müllerstr. 12 beschäftigt, der auf einer Leiter stehend in der Höhe der zweiten Etage arbeitete. Plötzlich rutfchte diese zur Seite und der Maler stürzte rücklings in die Tiefe, wo er befinnungslo» liegen blieb. Der Verunglückte, der eine klaffende Kopfwunde und eine Gehirnerschütterung erlitten hatte, erhielt auf der Unfallstation in der Vorbergstraße die erste Hilfe und fand dann im hiesigen Krankcnhause Aufnahme. Ein größeres Schauturnen veranstalten die Arbeiterturnvereine und die Freie Elternvereinigung heute nachiniltag ab'/z4 Uhr auf dein Spielplatz in Tempelhof. Manteuffel- Ecke Bossestraße /, Uhr.) Berliner Tbeater. Allabendlich: Große Rosinen.(Ansang 8 Uhr.) ?tencö Schauspielhaus. Täglich: Der erlanste Gatte. Ein wenig Musik. Gastspiel Schässer.(Anfang 8'/, Uhr.) Neues Theater. Allabendlich: Der liebe Angnsttn.(Anfang 8 Uhr.) Kleines Theater. Sonntag. Montag bis Montag: Der Unverschämte. Der Arzt seiner Ehre. LottchenS Geburtstag.(Ansang 8 Uhr.) Triauon-Theater. Allabendlich: Die Brieftasche. Ein peinlicher Zwischenfall. Der Dieb.(Ansang S Uhr.) SchtUer-Thcater O. Sonntag bis Mittwoch: Das Konzert. Don» nerStag: Dir Haubenlerche. Freitag: Der Kompagnon. Sonnabend: Die Haubenlerche. Sonntag: Nachruhm. Montag: Gefährtin. ParacclfuS. irüner Kakadu.(Ansang 8 Uhr.) Schiller< Theater Eharlottenburg. Sonntagnachmmittag 3 Uhr: Wilhelm Tell. Abends und Montag bi» Mittwoch: Hohe«olittk. DonnerS- tag und Sonnabend: Gefährtin. Paracelsu». Grüner Kakadu. Freitag und Sonntag: Die Lokalbahn. Die Medaille. Montag: Die Haubenlrrche. (Anang 8 Uhr.) Friedrich. WUhelmstädtischeS Schauspielhaus. Allabendlich: Die keusche Susanne. Ansang 8 Uhr. Theater in der Königgräyer Strafte. Bis aus weiteres täglich abends S Uhr: Die süns Frankfurter. Thalia-Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Polnische Wirtschast. Allabendlich: Autoliebchen.(Ansang 8 Uhr.) LustsPielhanS. Allabendlich: Ei» Kö 8',. Uhr.) Theater deS Westens. Allabendlich: Die schöne Helena.(Ansang 3 Uhr.) Luisen> Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Ich laste Dich nicht. Abend» und Montag bi» Freitag: Der verflossen- Regdors. Sonnabend bi» Montag: Aipenlönig und der Menschensohn.(Ansang 8 Uhr.) Stose-Theater. Sonntag bis Mittwoch:(Sie goldene Eva. Donnerstag: Die Jüdin von Toledo. Frettag: Die goldene Eva. Sonnabend: Heimat, Sonntag und Montag: Zapfenstreich,(Ansang 8>/, Uhr.) Herrnfeld- Tbeater. Wie man Männer bessert. Die Original» KlabriaS.Partte.(Ansang 8 Uhr.)..._. Metropol- Theater. Allabendlich: Schwindelmeier u.«o.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Prater-Theater. O diese Berliner.(Ansang 7'/, Uhr.) Boigt-Theater. Allabendlich: Die Ballettschule.(Ansang i'l, Ukji Passage- Theater. Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Admiralopalast. Eisballett: Avonne.(Ansang 19 Uhr.) Folies(kaprice. Allabendlich: Parisiana-Ensembie.(Ans. 6'/. Avollo- Tbeater. Abends täglich: Spezialitäten.(Ansang 3 Wintergarten. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Röuigstadt-Kafiuo. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Reickshallen-Tbeater. Allabendlich: Stettiner Sanger.(Ansang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr.) Urania> Theater. Sonntag: Vom Meran zum Ortler. Montag: Der Bicrwaldstädter See und der Gotthard. Dienstag und Mittwoch: Ueber den Brenner nach Venedig. Donnerstag: Von der Zugspitze zum Watzmann. Freitag: In den Dolomiten. Sonnabend: Der Llerlvaidstätter See und der Gotthard. Sonntag: Von der Zugspitze zum Watzmann. Montag: Unbestimmt.(Ansang 8 Uhr.) Allabendlich: Ein Könlgretch m. b. H.(Anfang ir) von Allgemeine Familiensterbekasse. Heute Zahl» und«» 3— ö Uhr im Restaurant Ackerstt. 123 und Sebasttanftr. 36. Wittcri«ngsübersicht vom 24. August 1912. vusnahmetag Etatlonen Swinemde. tamburg erlin Franks.a.M. München Wien fv e n« C c II s? 753 SO 752NNO 75t O 755 SD ;sw i.SSD Vetter 3 wolkig Lbedeckt 1 bedeckt 5Reaen flwolkig »Regen »a 0» Ä" i!? Mlv Stationen �aranda Petersburg Zcillq Ab-rdeen Paris 753 N 757 Vetter SD 751 DND 754NNO 75ä@B L.Regen 2 bebeckt 5 Nebel ■ bd. dedeckt ** c- S» h US» 6 9 14 10 14 Wetterprognose fnr Sonntag, den»5. August ISIS. Zeitweise ausllarend, aber noch vorwiegend trübe und ziemlich kühl mit leichien Regensällm und meist schwachen südwestlichen Winden. Verltver Wetterb urea«. Q.-E.-G. Hamburs: imis Tabakarbeiter-Genossenschaft Ki in vorzüglicher Güte u. in verschiedenen Preise lagen empfehlen Iforden. Ehoriner Str. 53/ Slb. Bordasch. Fehmarnstr. 8. Korsörer Str. 8. Wilh. Bredow. Kuglerstr. 45.(9. Rademacher. Kopenhagener Str. S. Lychener Str. 183. Herm. Holzhüttcr Malplaquetftr. 14. Franz Buhl. Swinemünder Str. 8K. Beteranenstr. K, Herm. Fischer. Nene Hochstr. 34, Rich. Schmidt. Ziordontsn. Lippehncr Str. 15, Max Hersorth. Naugarder Str. 3i>. Chmilewski. Wörther Str. 88, Reinh. Schirmer. Kdrdwe»t«n. Beuffelftr. 37, Tb. Pimx. Roftocter Str. 40, Fritz Berner. Waldstr. 5«, Otto Schinkel. 80 den. Gräfestr. 35, C. Bieleseldt. i8ttdo»tvi». Engelnfer 13, Gustav Giebel, neben dem GcwerlschastShaus. Franzstr. 7. O. Speck. Generaldepot: Udo Stangenberg, Amt Moritzplatz 9460. folgende Verkaufsstellen; Osten. Poseuer Str. 83, Herm. Schäser. Kopcrnikusstr. 11. Petersburger Str. 5. Romiu teuer Str. 18, Gust. Liebecke. Xhaerstr. 10. Charlottenborg. Cauerstr. 89, Bruno Leupold. I/lchtenberg. Möllendorffftr. 73. Alb. Doptchai. XenKülln. Bergstr. 57, I. Brager. Btcbrichstr. 14. I. Hirsch. Hermannstr. 50, Wilh. Conrad. Pannierstr. 8. H. Krause. SiledeivScliOnevrelde. Fennftr. 16, am Kaisersteg, Georg Wegener. Ober-Schtfneweide, Edisonftr. 61, Karl Ohlerich. Boxhagen. Lenbachstr. 3, G. Hielscher. Spandan. Bahnhofstr. 7, R. Lorenz. SQ. 33. Köpenicker Str. 80a, Grüne Plakate hängen aus Heinrich Franck Tel: Amt Ndn 4352. Brunnenstraße 22. 8 bis 7 Ohr geöffnet Holland. Restgut reines Umblatt, reif, M. 1,15 verzollt. Sumatra-Decke Dell-Tabak, Vollbl. 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