Ur. 199. Nbonnementz-KeöittMStN: Slboimements- Preis dränunierando! Lierleljährl. Z.Z0 Ml, monatl. I.lv Ml., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonmags Eingetragen in die Post. Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband>ür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mari, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements ncljmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. VIe IirierNoiiS'Gebilhf beträgt für die fechSgefpaltene Kolonelzeile oder deren Raum KO Pfg., für politifche und gewerkschaftliche Vereins- und Versammlungs-Anzeigen M Pfg. „Klein« Jinreigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. tzulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort lll Pfg. Stellengesuche und Schlafftellenan- zeigen das erste Wort lv Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über lSBuch. staben zähle» für zwei Worte. Inserate für die nächste Nir-nmer müssen bis 8 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expeditwl» itt bis 7 Uhr abends geöffnet, CrMjeint Kg«» anBtr montags. Verlinev Volksblskt. Telegramm- Adressez ,,S»aIaIli«l»«Iikat«ctiil»-, ZentraXorgan der fozlaldemohrati fchcn Parte» Deutfchlands. Redaktion: SM. 68, Lnidcnatraasc 69. Fernsprecher: Amt Moriüplatf, Nr. 1983. Dienstag, den 27* August 1913* Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Moriüplatz, Nr. 1984. A» die Varteigettossen! Die Preise für die meisten Lebensmittel sind abermals enorm gestiegen, besonders die Fleisch- preise haben eine Höhe erreicht, die den Arbeitern den Fleischgenuß geradezu unmöglich macht. Millionen Männer, Frauen und Kinder sind zur Unterernährung gezivungen, die Volksgesundheit ist auf das schwerste gefährdet. Durch Mißernten und Viehseuchen können die Preise für Lebensmittel eine natürliche Steigerung erfahren, in Deutschland aber muß immer wieder Protest erhoben werden gegen die brutale Agrarpolitik, die im Interesse des Groß- gruudbesitzes Gesetze geschaffen hat, durch die die Lebensmittelpreise künstlich in die Höhe ge� trieben worden sind und dauernd hochgehalten werden sollen. Gegen diese agrarische Politik, die zeitweilig wahre Hungersnotpreise im Gefolge hat, gilt es angesichts des zurzeit herrschenden Notstandes im ganzen Reiche Protest zu er- heben und Abhilfe zu fordern. Wir empfehlen deshalb den Parteiorgani- sationen die Verbreitung von aufklärenden Flugschriften und die Einberufung von Volksversamm- lungen. In diesen Versammlungen muß die zeitweilige Aufhebung der Zölle auf Lebens- und Futtermittel, die Oeffnung der Grenzen (unter Beibehaltung wirklich unerläßlicher Schutzbestimmungen zur Verhütung von Seuchen- einschleppung) für die Einfuhr von Schlachtvieh verlangt und die Beseitigung der Bestimmungen des Schlachtvieh- und Fleischbeschaugesetzes, durch die die Einfuhr frischen und zubereiteten Fleisches geradezu unmöglich gemacht wird, gefordert werden. Weiter muß die sofortige Ein- berufung des Reichstages verlangt werden. Wir zweifeln nicht daran, daß die Genossen überall bestrebt sein werden, die Versammlungen zu wuchtigen Demonstrationen gegen die agrarische Raubpolitik zu gestalten. Berlin, den 26. August 1912. Der Partemorstand* Sie kingeltellten und die Parteien. Unter den Anträgen zum diesjährigen Parteitag findet sich nicht weniger als ein gutes Tuhend, die dem Parteivor- stand eine besonders eifrige Agitation unter den Privat- a n g e st e l l t e n ans Herz legen. Andere Anträge wollen die Privatbeamtenfrage auf dem nächsten Parteitage in aller Ausführlichkeit erörtert sehen. Es ist ebenso verstandlich wie wohlbegrundet, wenn die Partei, deren Aufgabe in erster Linie die Vertretung von Arbeiter- und Arbeitsinteressen ist, sich in neuerer Zeit mit solcher Energie der Schicht der Angestellten zuwendet. Tie Zahl der dazu Gehörigen ist in den letzten zwei bis drei Jahr- zehnten, besonders aber auch gerade in den letzten Jahren, in einer früher kaum geahnten Weise gewachsen,— im Ver- hältnis viel schneller und stärker als die Zahl der eigentlichen Arbeiter: man zählt heute rund anderthalb Millionen tech- nischer, kaufmännischer und landwirtschaftlicher Angestellter. Aber nicht nur ihre Zahl ist infolge der Zunahme der Groß- betriebe, der Ausdehnung der Produktion und des Handels, der immer weiter fortschreitenden Vervollkommnung der Be- triebSorganisation. der.Rationalisierung" der Arbeit so ge- waltig in die Höhe geschnellt, auch das Wesen der Angestellten von ehedem hat sich gründlich geändert. Für die lvenigsten ist heute ihr Angestelltenverhältnis noch ein bloßes Ueber- gangsstadium, eine Vorbereitung auf die spätere Selbständig- keit: die meisten Angestellten bleiben zeitlebens im Dienst- Verhältnis,— genau so wie der großindustrielle Arbeiter, der die Hoffnung auf spätere Selbständigkeit längst zum Opfer bringen mußte. Während indessen die Arbeiterschaft die Notwendigkeit dieses Opfers als Folge der wirtschaftlichen EntWickelung längst erkannt und ihre Konsequenzen daraus gezogen hat. beginnt in den Kreisen der Angestellten erst allmählich die Erkenntnis zu dämmern. Und auch von denen, die bereits erkannt haben, daß sie ihr Leben lang in Arbeitnehmerstellung bleiben werden, sträubt sich doch die große Mehrzahl noch, daraus nun auch eine entsprechende soziale und politische Orientierung zu entnehmen. Sie fühlen sich noch immer als etwas anderes als„gewöhnliche" Arbeiter. Ein Dünkel, der natürlich von der anderen Seite nach Kräften genährt wird: mögen die Unternehmer auch noch so niedrige Gehälter zahlen und noch so rigorose Dienstverträge ihren Angestellten aufzwingen,— niemals werden sie im gegebenen Augenblick vergessen zu versichern, daß der Angestellte gewissermaßen ihr rechter Arm sei, der die Vermittlung zu übernehmen hätte zwischen dem Arbeitgeber und dem„eigentlichen" Arbeit- nehmer, soll heißen dem Arbeiter der Werkstatt,— und was dergleichen schöne Redensarten mehr sind. Die Parteien der kapitalistischen Ordnung, erst recht natürlich die Regierung, tun natürlich das ihrige, in diesem Sinne mitzuwirken. Ge- flissentlich werden die Angestellten anders behandelt als die Arbeiter: ein Sondergesetz nach dem anderen wird ihnen zu- teil, auch wo die Interessen von Angestellten und Arbeitern handgreiflich dieselben sind: man denke nur daran, wie man sich mit Händen und Füßen dagegen sträubt, die Angestellten der Reichsvcrsicherungsordnung zu unterstellen, und es glück- lich fertigbrachte, für sie ein besonderes Versicherungsgesetz zu schaffen. Aber nicht genug damit, man versucht sogar systematisch, innerhalb der Ängestelltenschicht selbst wieder noch eine Zersplitterung hervorzurufen, indem man jede Kate- gorie von Angestellten mit besonderen Gesetzen beglückt. Und es ist sicherlich dabei kein Zufall, daß jene� Teile der Ange- stellten, die noch am meisten in Dünkel und Unklarheit der eigenen Verhältnisse leben, die Handlungsgehilfen, eine weit bessere Behandlung erfahren als etwa die Techniker, die in der Erkenntnis der modernen EntWickelung und ihrer Konse- quenzen im großen ganzen schon ein gut Teil iveiter sind. Das Traurigste ist, in welcher Weise auch die großen Organisationen der Angestellten selbst fast durchweg in ihren Anhängern eine Gesinnung hegen und pflegen, die statt zu einem zielklaren Kampfe für die eigenen Interessen zu er- ziehen, mehr oder weniger gefügige Werkzeuge des Arbeit- gebertums schafft. Man schmiert bei den„Herren Prinzi- palen", die man in reichem Maße auch als Mitglieder zu ge- Winnen sucht, verschafft sich mit ihrer Unterstützung eine gut- funktionierende Stellenvermittlung, macht ein bißchen in Bildungsveranstaltungen und vielleicht noch mehr in„gemüt- lichen Abenden", Eisbeinesscn und neuerdings Wanderfahrten und„Kriegsspielen", kapert sich auf diese Weise alljährlich immer noch einige Tausend neuer Mitglieder und hält die anderen(zum Teil auch durch einfach skandalöse Austritts- erschwerungen) fest,— und erfüllt sie dann systematisch mit dem Geiste, der in dem Angestellten etwas Besonderes sieht, den„Gehilfen" des Chefs, dessen Interessen mit denen des Prinzipals mehr oder weniger identisch sein sollen, der aber beileibe nicht mit dem„Arbeiter" auf eine Stufe gestellt werden darf. Nicht alle jene Verbände treiben den Standes- dünkel so sehr auf die Spitze wie etiva der„Deutschnationale Handlungsgehilfenverband", der um so widerlicher wirkt und um so gefährlicher ist, als er seine durch und durch reaktiv- nären, standespartikularistischen Tendenzen einerseits unter einem Schwall radikaler Phrasen und Forderungen an die Staatshilfe zu verhüllen sucht, andererseits mit einem Hurra- patriotischen Radauantisemitismus verbrämt. Aber der „Leipziger" und der ,.58er" Handlungsgehilfenverband mit ihrer Gefolgschaft von kleineren, auch lokalen Organisationen von Angestellten und Bureaupersonal, Hand in Hand mit ihnen der große Werkmeistcrverband und andere Vereint- gungen mehr, lassen es doch auch nicht fehlen an der Propa- ganda der„besonderen Eigenarten" der Angestclltenschaft und gewissermaßen in ihrem Namen versicherte noch kürzlich ein Direktorialmitglied des Vereins für Handlungskommis von 1858 vor den Prinzipalen des Hansabundes:„Tie vielfach abschüssigen Wege, die zu den Arbeitermassen führen, müssen verbaut und feste Brücken zur Arbeitgeberschaft geschlagen werden." Diese festen Brücken sah der betreffende Angestelltensuhrer darin, daß er(nachdem der Siegeszug der achtstündigen Ar- beitszcit bereits begonnen) den Herren Chefs den neu n- stiindigen Arbeitstag als Forderung hinstellte, mit Emphaje erklärte, die Angestellten seien keine Freunde der Bezahlung von Ueberstunden, und nur die ergebene Bitte hatte, die Ueber- stunden aus drei Tage der Woche— an ihnen jedoch ohne weitere Begrenzung— zu beschränken.— So vertrat dieser Herr und so vertreten tagtäglich die Macher jener nach vielen hunderttausend Mitgliedern zählenden Organisationen die „Interessen der Angestellten". Demgegenüber will die Schar der insgesamt vielleicht 8l) 000 gewerkschaftlich organisierten Angestellten noch wenig bedeuten: zumal auch von den Organisationen, die auf der Erkenntnis des Interessengegensatzes zwischen Kapital und Arbeit, zwischen Arbeitgeber nnd Angestelltenschaft fußen, die Mehrzahl eine innigere Verbindung, ein organisatorisches Zusammenwirken mit der gewerkschaftlichen Arbeiter» schaft ablehnt und irgendeine politische Be» e i n f l u s s u n g ihrer Mitglieder strikte zurückweist. Die Interessen der Angestelltenschicht fordern aber beides mit Notwendigkeit. Wohin man blickt: die Interessen von Angestellten und Arbeitern larrfen letzten Endes in eins zusammen: und beide ver- langen eine politische Vertretung, wie sie von allen Parteien nach ihrem Wesen und Programm nur die Sozialdemokratie leisten kann. Arbeiter und Angestellte sind heute in gleicher Weise Aus» beutungsobjekte des Kapitals. In gleicher Weise sucht ihnen das Kapital einen immer steigenden Anteil ihres Arbeits- ertrages vorzuenthalten. Die„Gehälter", die den Ange- stellten gezahlt werden, stehen für breite Schichten noch tief, unter den„Löhnen" der Arbeiter. Die Anforderungen an Kraft und Zeit sind für die Angestellten oft genug noch höher als für die Arbeiter. Was Angestellte sich an Arbeitsord- uungen, schäbiger Behandlung, Ausnutzung auf alle Art und Weise gefallen lassen müssen, würden Arbeiter heute gewöhn- lich nicht mehr über sich ergehen lassen. Beide Teile haben gleiches Interesse an höheren Löhnen auf Kosten des Kapital- Profits, gekürzter Arbeitszeit, humaner Behandlung, unge- hemmter Bewegungsfreiheit und vollem Koalitionsrecht. Beide können sich in ihrem Kampfe wertvolle Helfers» d i e n st e leisten. Für die Arbeiter kann es von größter Be- deutung sein, daß nicht Angestellte im Falle ihres Streike die notwendigsten Arbeiten in der Werkstatt verrichten(kürz- lich geschah das z. B. noch bei dem Hamburger Streik auf der Vulkanwerft, um die Fertigstellung des„Imperator" zu er- möglichen): die Angestellten wiederum können vielfach ihre Forderungen nur durchsetzen, wenn die Solidaritätserklärung der Arbeiterschaft auf ihrer Seite steht: Man denke nur an Kleinbetriebe, die nur ein halbes Dutzend leicht ersetzbarer Angestellter beschäftigen, aber in ihrer Arbeit gefährdet sind, wenn die Hunderte unersetzbarer Arbeiter mit Arbeitsnieder- legung drohen: man denke an die Möglichkeit des Arbeiter- boykotts gegenüber Geschäften, die ihre Angestellten schlecht behandeln: man denke schließlich auch daran, wie leicht viele Angestellte— bei der fortschreitenden Mechanisierung auch der sogenannten„höheren" Arbeit— aus Arbeiterkreisen er- setzt werden können.— Arbeiter und Angestellte haben aber auch im wesentlichen dieselben Forderungen an die Gesetz- g e b u n g: Für beide muß es darauf ankommen, ein Dienst- vertragsrecht durchzusetzen, das den Menschen höher wertet als das Kapital und ihm die unbedingte Freiheit sichert, auf dem Wege der Selbsthilfe für die Verbesserung der Lage zu kämpfen. Beide Teile sind daran interessiert, daß die heu- tigen, hundertfach verschiedenen Rechtsbestimmungen, Versiche- rungsinstitutionen usw. vereinheitlicht werden,— aus Gründen der Gerechtigkeit, größeren Rechtssicherheit, der Möglichkeit klarer Kenntnis der bestehenden Normen, leichterer, billigerer Rechtsprechung bezw. Verwaltung.— Ueber diese Forderungen aber hinaus muß es aber auch für beide Teile gelten, eine Aenderung des bestehenden Wirt- schaftssystems zu erstreben, das ja damit steht und fällt, daß immer noch zum mindesten ein Teil des Ertrages der Arbeit, ein Teil des Selbstbestimmungsrechtes, der persön- lichen Freiheit von dem Arbeitnehmer dem Arbeitgeber aus Grund seiner wirtschaftlichen Uebermacht ausgeliefert wird. Solange der Einzelne noch mit der Möglichkeit, ja Wahr- scheinlichkcit rechnen konnte, selbst einmal, nachdem er eine Zeit hindurch geopfert hatte, auch die Opfer anderer einzu- heimsen, konnte er sich zur Not abfinden mit einer solchen Methode. Nun aber, da Angestellte wie Arbeiter in ihrer Masse sich zeitlebens als Opferbringer sehen, müßte doch wahr- lich derjenige unter ihnen ein Tor sein, dem das System ge- fällt. Mag bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger die Ueberzeugung leben, eine soziale Reformgesetzgebung könne die Macht des Kapitals über die Verteilung des Arbeitsertrages und Freiheit beschränken zugunsten der Arbeitnehmer: zu- sammenkommen werden sie müssen in dem Wunsche, daß aus der Beschränkung die Beseitigung wird: das heißt aber nichts anderes als die N e g a t i o n d e s k a p i t a l i st i s ch e n Wirtschaftssystems, die Forderung einer Wirtschaft- lichen und sozialen Ordnung, in der an die Stelle der privat- kapitalistischen die gesellschaftliche Produktion tritt, in der jeder nicht bloß als Arbeitnehmer, sondern— in Gemeinschaft mit den anderen— auch als Besitzer der Pro- duktionsmittel und damit in gewissem Sinne als Arbeitgeber wirkt, da alle Erträgnisse der gemeinsamen Arbeit auch der Gemeinschaft voll zugute kommen. Wie die Sozialdemokratie von allen Parteien in ihrer praktischen, sagen wir einmal„Gegenwartspolitik" am zuverlässigsten und konsequentesten die Interessen der ge- samten Arbeitnehmerschaft vertreten hat, immer Vorkämpferin war der unbedingten Koalitionsfreiheit, der Beschränkung der Macht des einzelnen Arbeitgebers über seine Arbeiter und Angestellten,— so ist sie die alleinige Vertreterin jener Forde- rung auf volle Beseitigung der Ausbeutung der Arbeit durch das Kapital. Klare' Erkenntnis der eigenen Interessen (die nebenbei die Interessen der überwiegenden Mehrheit der Volksgenossen sind) muß darum mit Notwendigkeit den Au- gestellten wie den Arbeiter zum Sozialdemokraten machen. Die Anträge, die dem Parteitag vorliegen und sich auf die Werbung unter den Privatbeamten beziehen« machen zum Teil ausdrücklich Front gegen die Agitation der Demo- kratischenVereinigung unter den Angestellten. Man muß gerechterweise dieser kleinen Gruppe zugeben, daß sie schärfer als die„bürgerlichen Parteien" sonst den Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit erkannt Hat/ Und Wenn sie ihre Forderung in dem Satze präzisierte:„Der Arbeit einen immer höheren Anteil am Produktionsertrage zu sichern", so läßt sich das vom Standpunkt des Arbeitnehmers sehr wohl hörtn Sieht man die Konsequenz des Satzes, so endet ja der„immer höhere" Anteil bei dem Ganzen: dann aber ergibt sich daraus allerdings die Notwendigkeit sozialistischer Wirtschaftsorgani sation. Es ist aber bekannt, daß gewisse Kreise der kleinen Partei mit ihren Folgerungen aus dem Satze n i ch t s o w e i t gehen wollen und ihn dahin umschreiben, daß nur der unter der kapitalistischen Wirtschaftsweise mögliche„höchste" Anteil der Arbeit gemeint ist. Damit kann jedoch weder dem Arbeiter noch dem Angestellten endgültig gedient sein, zumal es ja bekanntlich nicht an Stimmen fehlt, die dies„Höchst- maß" schon heute für überschritten erklären— und insofern nicht ohne Berechtigung, als es einen Maßstab dafür nicht gibt und die privatkapitalistische Konkurrenz mit ihren Be- gleiterscheinungen auch immer wieder differenzierend wirkt. — Wenn gewisse Kreise der F o r t s ch r i t t l i ch e n Volks- Partei in neuerer Zeit mit einem ähnlichem„Programm" die Angestellten und Arbeiter zu ködern suchen, fo muß bei diesen Werbeversuchen noch doppelt und dreifach zurückstoßen, daß hier die Mehrheit der Partei nicht einmal gewillt ist. die dürftigsten sozialen Reformen zu fördern, wovon die Politik der letzten Jahre— es sei nur an die Haltung der meisten Fortschrittler bei der Beratung der Reichsversicherungsord- nung erinnert— mehr als einen Beweis liefert.— Von den industriellen und agrarischen Scharfmachern der Rechten, ein- schließlich der nationalliberalen Pseudolinken braucht nicht erst die Rede zu sein.— Bliebe höchstens das Zentrum, das selbstverständlich die Schicht der Angestellten auch als Jagdgrund betrachtet und den Katholikentag in Aachen aus- drücklich sein warmes Herz für ihre Interessen bekunden ließ. Aber jeder nur halbwegs Sehende weiß ja allgeniach, was es mit den Beteuerungen gerade des Zentrums auf sich hat. Ja, wer Autorität will statt Freiheit, Jenseitsverheißungen statt Diesseitsrechtes, Priesterherrschaft statt sozialistischer Demo- kratie, der mag zum Zentrum stoßen. Etwas anderes ist von ihm nicht zu erwarten. Wer die wirtschaftliche Entwickelung mit wachem Sinn verfolgt und als Arbeitnehmer, Angestellter oder Arbeiter im engeren Sinne am eigenen Leibe spürt, was Herrschaft des Kapitals bedeutet,— den kann es nicht schwer sein, der So- zialdemokratie zu gewinnen, zum Mitkämpfer einer Partei zu machen, die auf dem Grundsatz fußt, daß der schaffende Mensch das höchste Gut sei und alle anderen Interessen sich den seinen unterzuordnen haben. Die deshalb wie keine an- dere berufen ist, der Hort und die Führerin all jener zu werden, die zu Licht und Freiheit wollen und sich dort auf Schritt und Tritt behemmt fühlen von den Fesseln ihres Tienstvertrags. Eines guten Teiles Arbeit mag es bedürfen, so viele Vorurteile nicderzurennen, die noch in Angestellten- kreisen lebendig sind, Mühe mag es kosten, aufzuklären, auf- zuWecken. Aber am Ende der Mühe und Arbeit wird der Erfolg stehen. Ein Erfolg, der einige Anstrengungen lohnt. Mögen daher die Anregungen der verschiedenen Organisa- tionen auf dem Chemnitzer Parteitag auf guten Boden fallen! SeefifchzSIIe. Die seit Jahren andauernde Steigerung der Preis« so ziemlich aller Lebensmittel hat dazu geführt, daß der Konsum an Seefischen ganz enorm gestiegen ist. In Gegenden, in denen man vor 10 bis IL Jahren von den Seefischen eigentlich nur den Hering kannte, der noch dazu für die VolkScrnährung in nur sehr bescheidenem Maße in Frage kam, werden heute alle möglichen Arten Seefische in großen Mengen verzehrt. Der rasche Transport und die besonders hierzu von den Eiscnbahnvcrwaltungen geschaffenen Einrichtungen ermöglichen es, selbst die entlegensten Teile Deutschlands regel- mäßig und in kürzester Frist mit frischen Seefischen zu versorgen. Die gesteigerte Nachfrage nach diesem Volksnahrungsmittcl hat natürlich auch das Großkapital angelockt und so find See- fischereiunternehmen großen Stils entstanden, die über eine ganze Flotte von Fischdampfern verfügen. Wie auf allen anderen Ge- bieten, so auch hier, macht der vorgeschrittene, mit allen Errungen- fchaften der Neuzeit ausgestattete Großbetrieb den Kleinbetrieb völlig unrentabel und die in ihrer Existenz bedrohten kleineren Unternehmungen schreien nun nach Staatshilfe. Sie verlangen «inen Zoll auf Seefische. In diesem Verlangen treffen sie zusammen mit den A g r a- «ie r n. Die Agrarier lassen sich bei dieser Forderung von der Be- fürchtung leiten, daß der steigende Fischkonsum, namentlich im Winter, die Fleischpreise drücken könnte. Einen Zoll auf Heringe haben wir ja bereits. Neuerdings wird das Verlangen nach einem Zoll auf alle Arten von Seefischen in einer Peti- tion des„Gcsamt-FischervercinS an der Kieler Förde" erhöben. Diese Petition gibt ein interessantes Bild von der Entwickelung des ScefischfangeS und der Fischindustrie, si« zeigt aber auch die ganze Vcrbohrtheit der von der Konkurrenz schwer bedrohten kleinen Unternehmer, die alleS Heil von einer künstlichen Verteuerung ldes Produktes erhoffen. Zunächst steht fest, daß der deutsche Fang die Nachfrage auch nicht entfernt befriedigen kann. Namentlich in Altona, aber auch zum Teil im Binnenland«, sind große Betriebe entstanden, in denen die Seefische verarbeitet werden, teils zu Marinaden, teils zu Räucherware. Diese Fabriken sind direkt darauf angewiesen, die Fisch« aus dem Ausland zu beziehen; zumeist aus England und auS Dänemark. Den Unternehmern in Altona wird nun der Vorwurf gemacht, daß sie ihre englischen und dänischen Lieseranten zwingen, in Cuxhaven, Bremerhaven und Geestemünde nichts von der Ladung zu löschen, sondern alles direkt in Altona abzuliefern. Den dorti» gen Großindustriellen wird weiter verdacht, daß sie ihre Raucher- waren bereits an Ort und Stelle haben, wenn die an der Pommer- schen Küste hergestellten Räucherwaren sich noch unterwegs befinden. Durch einen Zoll will man nun die Großbetriebe schädigen und glaubt die pommerschen Zwergbetriebe, die oft weitab von jedem Verkehr liegen, wieder wirtschaftlich lebensfähig machen zu können. In der Petition wird z. B. ausgeführt: „Die Ostseeräuchereien mögen noch so gute Ware anbieten, die Qualität derselben mag noch so erstklassig sein, stet» klagt die Kundschaft über die Höhe der Preise. Das isr auch ganz natür- sich, denn die billige schwedische und hollandische Ware wird trotz aller Mängel gekauft, eben weil sie billig ist. Kommen ,m Winter die Sprotten, dann konkurriert Altona erfolgreich mittels der belgischen Sprotten gegen sie; gegen den billigen Altonaer engl.- schen Hering aufzukommen, ist ebenfalls schwer, hat Hilbeck den Schwedenhering, so verschlechtert dieser das Geschäft, bringt das Frühjahr den Schlei-, Kanal-°!cr Ostseehering. dann wirft f olland waggonweise seine Bücklinge ins Land, so daß zu jeder eit der Ausländer dem Inländer das Geschäft ruiniepj» DaS also ist der Ztveck der Petition: Dem deutschen Volke den gesunden deutschen Herfng! Die Ratio natität des Herings festzustellen, ist nun aber einigermaßen er- schwert. In der Petition wird dargelegt, daß ein Heringszoll von 20 Pf. pro Wall(80 Stück) es den dänischen Fischern unmöglich machen würde, ihre Heringe auf den deutschen Markt zu bringen: „Der dänische Fischer ist dann gezwungen, den Fang von Heringen e i n z u st e l l e n, und sobald dies geschehen muß, kann der Hering seinen Weg nach den Laichplätzen der Ostsee fortsetzen. Der Hering kommt dann wie in früheren Jahren an die deutschen Küsten heran und kann hier von den deutschen Fisckprn gefangen werden." Die Nationalität des Herings bestimmt sich sonach nach der Nationalitätdes Fischer» und der minderwertige dänische Hering wird in dem Moment zu einem unübertrefflichen und natür lich entsprechend teuereren Nahrungsmittel, in dem ihm die Ehre widerfährt, von einem deutschen Fischer gefangen zu werden. Richtig ist, daß die deutsche Hochseefischerei unter ungünstigeren Umständen arbeitet als ihre Konkurrenz in England, Dänemark, Schweden, Holland und Belgien. Das Reich wendet auch jährlich im Durchschnitt 400 000 M. zur Unterstützung der Hochseefischerei auf. Aus diesen Mitteln werden Beiträge geleistet für Netzeverluste und als Subvention bei der Anschaffung oder Ausstattung von Booten mit Motorbtrieb. Trotzdem ist der Ertrag der Hochsee- sischmi auch nicht entfernt hinreichend, um den fortgesetzt steigen- den Bedarf im Reiche zu decken. Die Fangergebnisse der deutschen Seefischerei werden auf einen Wert von 30 Millionen Mark im Jahr« geschätzt. Die Einfuhr aus dem Auslande bezifferte sich im Jahre 1911 dagegen auf 64 Millionen Mark. Die angebliche Schädlichkeit ier ausländischen Ware muß auch hier den Grund für eine Grenzsperre abgeben. Von agrarischer Seite ist behauptet worden, und das wird von den oben erwähnten Petenten wiederholt, daß das Ausland minderwertige Fische liefere, die zum Teil eine Gefahr für die Volksgesundheit bedeuten, und daß deshalb neben einem Zoll auch eine Veterinärpolizei- liche Revision der eingeführten Fischbestände erfolgen müsse. Seefische sind nun aber Produkte, die sich nicht lange halten, die rasch auf den Markt geworfen oder rasch verarbeitet werden müssen. Wollte man den agrarischen Wünschen folgen, eine vetcrinärpolizei- liche Untersuchung der eingeführten Seefische vornehmen, so wäre das gleichbedeutend mit der Unbrauchbarmachungd er ganzen Sendungen, ganz abgesehen davon, daß es völlig undenkbar ist, das für solche Untersuchungen notwendige Personal zu stellen. Nicht minder schwierig würde es aber mit der Zollabfertigung liegen, die natürlich auch nicht verzögert werden dürfte. Aber auch ein weiterer Umstand>darf nicht übersehen werden und das ist der, daß sich die Herkunftder Fische beim besten Willen nicht feststellen läßt. ES ist möglich, und wäre in der Praxis jedenfalls sehr wahrschein- lich, daß bei Einführung eines Zolles die deutschen Fischdampfer selbst vielfach nicht mehr fischen, sondern auf hoher See fremden Fischdampfern die Ladung abkaufen würden. Diese Ladung müßte dann zollfrei eingehen, weil sie auf einem deutschen Dampfer einge- führt wird. Es fehlen also schon die praktischen Möglichkeiten, einen solchen Zoll überhaupt durchzuführen. Die auf die Einführung eines solchen Zolles hinzielenden Be- strebungen müssen aber mit allem Nachdruck bekämpft werden im Interesse der Volkswohlfahrt. Die Seefische sind heute für weite Kreise der deutschen Bevölkerung, nicht etwa der Arbeiterklasse allein, ein unentbehrliches Nahrungsmittel geworden. Jede, auch nur die geringste Verteuerung würde außerordentlich schwer emp- funden werdem Die Schreier nach einem Zoll auf Seefische haben eS aber gerade auf eine Verteuerung abgesehen, sie wollen, wie sie selbst verraten, die Konkurrenz des Auslandes ausschalten, um für sich ein Monopol auf dem deutschen Markt zu schaffen. Die Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen, daß die Regierung, gestützt auf die schutzzöllnerische Mehrheit des Reichstags, versuchen wird, diesen Wünschen in irgend einer Form Rechnung zu tragen. Bei der gewaltigen Protestbewegung gegen die Teuerung mag daher nicht übersehen werden, auch gleichzeitig die Bestrebungen zu brand- marken, die«ine Verteuerung der Seefische und damit eine weitere Verschlechterung der Lebenshaltung breiter Volksmassen bezwecken. Zur Teuerung. DaS außerordentlich starke Steigen der Fleisch- preise in der letzten Zeit wird durch die»amtlichen Preßberichte" der letzten»Stat. Korr." aufs nachdrücklichste bestätigt. Gegen die zweite Hälfte des Juli hat in der ersten Hälfte des August der Preis sämtlicher Fleischsorten erheblich angezogen. Das Rind- fleisch stieg im Kleinhandel von 18V.1 Pf. in der ersten Hälfte des Juli für das Kilogramm auf 189 Pf., also um fast 4 Pf.; cS steht jetzt um 1S.S Pf. über dem Preise deS Juli 1911 und um 33. 1 Pf. über dem deS Juli 1909. Kalbfleisch halte einen Preis von 198,7 Pf. gegen 196.4 Pf. in der zweiten Hälfte deS Juli. Gegen den August v. I. liegt sein Preis jetzt um 18,4 Pf., gegen den Juli 1910 um 14,8 Pf. und gegen den August 1909 sogar um 2S.1 Pf. höher. Hammel- fleisch stellte sich aus 195,9 Pf. gegen 191.4 im Juli diese« Jahres. 188.5 Pf. im vorigen August. 174,3 Pf. im August 1910 und 169,6 im August 1909. Das Schweinefleisch endlich stieg sogar gegen die zweite Hälfte de? Juli um 7,9 Pf. ES ist jetzt um 27.5 Pf. teurer als im August 1911. In den letzten drei Jahren ist der Preis von Rindfleisch. Kalbfleisch und Hammel- fleisch um über 20 Proz. gestiegen, Schweinefleisch dagegen im letzten Jahre allein um fast 19 Proz. teurer geworden. Die Regierung will untätig bleibe». DaS Kanzlerblatt sucht in seiner Montagsnummer die Bor- würfe zu widerlegen, daß eS in Deutschland an Vieh und Fleisch mangele. CS beruft siw dabei auf die Berliner Marktverhältnisse. Soweit eS Zahlen bringt, bestätigt eS dabei unsere früheren Be- hauptungen. Der Viehaustrieb am Berliner Zentralviehmarkt ist bei Rindern und Kälbern gegen 1911 gesunken, bei Schafen und Schweinen etwas gestiegen. Der Rückgang an Rindern und Kälbern ist aber für den Monat August so groß, daß er durch den Mehr- auftrieb an Schafen und Schweinen nicht ausgeglichen wird. Legt man die amtliche Berechnung lein Stück Großvieh--- vier Schweine— zehn Schafe) zugrunde, so ergibt sich nur ein Zu- wachs von 1101 Stück, während der Rückgang 1597 Rinder und 1553 Kälber betrug. Die„Rordd. Allg. Ztg.' sollte doch lieber rechnen. und nicht soviel philosophieren I Auch die MonatSziffern der Schlachtvieh- und Fleischbeschau für April bis Juni(Nr. 83 der„Statist. Korresp.') zeigen eine deutliche Tendenz zur Abnahme. Hinzu kommt vor allem, daß nach den Vcr- sicherungen aller Sachverständige» das Schlachtgewicht der Tiere am Markt abgenommen hat, und zwar gilt das besonder» auch für Schweine. Die.Norddeutsche' hat glücklich einen Sach- verständigen gefunden, der diese Tatsache.nur mit Einschränkungen für richtig hält'. Die Steigerung der Fleischzufuhr im Eisenbahnfrachtverkehr bedeutet diesem tatsächlichen Rückgang speziell in den letzten Monate» gegenüber wenig. Eine Provokation der Darbenden leistet sich aber das offiziöse Blatt mit folgenden Sätzen: .Schließlich sei bemerkt, daß die Schlachtvieheinfuhr aus dem Auslände neuerdings Erleichterungen erfahren Hot. insbesondere, ab- gesehen von der zeitweiligen Oeffmmg der Grenzen für französisches Schlachtvieh, die allerdings wegen bedrohlichen Umsichgreifens der Maul- und Klauenseuche in Frankreich wieder habe geschlossen werden müssen, aus Schweden über die neuerbaute Quarantäne in Saßnitz und einige andere vorhandene Quarantänen. In den Monaten Mai bis Juli d. I. sind dorther 6083 Rinder eingeführt worden. Sie haben allerdings ihren Weg nach Berlin nicht oder nur in ver- schwindender Anzahl gefunden. Daneben ist bekanntlich die Fleisch- einfuhr aus allen Ländern ganz oder teilweise gestattet'. Bielleicht kann uns das Kanzlerblatt verraten, weshalb die Bndenser über die Grenze nach der Schweiz wandern, um dort billiges argentinisches Fleisch einzukaufen!_ Die Creignilfe in der türkel. Das Ministerium ist nun— für wie lange?— voll- ständig. Die Minister der geistlichen Stiftungen, des Innern, der Marine, der Justiz und der Post sind ehemalige Anhänger oder Freunde des Komites und vertreten die Gruppe Hilmis. Die Gruppe Kiamils umfaßt den Scheich ül Jslanr und die Minister des Aeußern, der Finanzen, des Handels und des Unterrichts. Im übrigen ist die Lage noch keineswegs beruhigend. Trotz aller Meldungen, daß die Beilegung des monte- negrinischen Konflikts unmittelbar bevorstehe, dauern die Grenzkämpfe ununterbrochen fort. Die Pforte hat in Montenegro gegen die anscheinende Mobilisierung protestieren lassen. Gleichzeitig trifft die Türkei V o r s i ch t s- maßregeln an der Grenze. Von Uesküb, Mitrovitza und Novibazar sind Truppen nach der Grenze gesandt worden. Man nimmt an, daß die Türkei in Prizrend 35 Bataillone zusammengezogen hat. Wie Gerüchte besagen, ist G u s i n j e von Montenegrinern eingeschlossen. Die Gerüchte sind jedoch nicht bestätigt. Bedenklicher noch ist es, daß die Albaner keineswegs so ruhig abziehen, wie es in den amtlichen Meldungen ver- heißen war. Nach einer Meldung aus Durazzo wurden Militärabteilungen, welche die Straße nach Durazzo besetzt hielten, von Arnauten aus� Malissia, Mattia und Gora angegriffen. Ein besonders heftiger Zusammen- stoß erfolgte bei Raspol. Vierzig Arnauten sollen verwundet sein. Die Verluste des Militärs sind unbekannt. In Berane haben sie den Kaimakan ermordet, in I p e k das Waffen- d e p o t geplündert und angezündet. Auch in Djakova»volltcn sie das Waffendepot plündern, wurden aber daran gehindert. Am schlimmsten aber wäre es, wenn sich die Meldungen über Greueltaten bestätigen sollten, die Albaner gegen Serben verübt haben sollen. Belgrader Blätter veröffentlichen nämlich Mitteilungen über ein von den Albanesen in Senjitza und Beliopolie angerichtetes Serbenmassaker, bei dem auch der Kaimakan Popovic getötet worden ist. Ferner wird das Gerücht verzeichnet, daß die Albanesen auch in Novibazar ein Serbenmassaker Planen. Zahl- reiche serbische Familien aus Senjitza und Beliopolie flüchten nach der serbischen Grenze. Die Nachricht hat in Belgrad tiefe E r r e g u n g hervorgerufen. Die Zeitungen fordern die Regierung auf. zum Schutze der Stammesgcnossen energische Maßnahmen zu treffen. Für heute wird eine große Volksversammlung vorbereitet. Nachts veranstalteten Universitätsstudentcn eine große De m o n st r a t i o u in allen Häuptstraßen, an welcher auch zahlreiche Bürger teil- nahmen. In den hierbei gehaltenen Reden wurde zum Schutz der Stammesgeuoffen in der Türkei die sofortige Bildung einer starken Regierung gefordert. Vor dem Offiziers- kasino, wo sich viele Offiziere eingefunden hatten, wurde eine Kundgebung für die Armee veranstaltet. Gleichzeitig dauert die Kriegsagitation in Bul» g a r i e n fort. In Sofia ist Sonntag ein etwa fünfhundert Delegierte aus dem ganzen Königreich umfassender Kongreß zusammengetreten, um über Maßnahmen zur Besserung des Schicksals der Bulgaren in der Türkei zu beraten. In den auf dem Kongreß gehaltenen Reden wurde die Notwendigkeit betont, daß Bulgarien zugunsten seiner Landsleute energisch einschreite, um ihnen normale Lebensbedingungen unter einem autonomen Regime zu sichern. Die Reden der Provinzdelegierten waren im heftigsten Ton gehalten. Der Kongreß nahm so- dann eine Resolution per Akklamation an. welche die Negierung auffordert, angesichts der auf die Vernichtung des bulgarischen Elements abzielenden Behandlung der Bulgaren in der Türkei eine allgemeine Mobili- sterung anzuordnen und gleichzeitig von den Mächten zu verlangen, daß sie Mazedonien und dem Wilajet Adrianopel die Autonomie verschaffen mit einem christlichen Generalgouverneur an der Spitze, der vom Volke zu wählen und von den Mächten zu bestätigen wäre. Im Fall- dcr Nichterfüllung dieser Postulats wird die Negierung aus- gefordert, die Befreiung auszusprechen, wenn ii: nicht unberechenbare Folgen im Lande selbst herauf- beschwören wolle. Während der Verlesung der Resolution er- schien, lebhaft begrüßt, eine Abordnung der mazedonischen Vereine, in deren Begleitung sich die Kongreßteilnehmer nach Schluß des Kongresses, gefolgt von einer zahlreichen Menschenmenge. zum Denkmal des Zarbefrciers begaben, wo ein Kranz niedergelegt wurde. Auf dcni Wege dahin wurde die i t a l i c- "* l �" d t s ch a f t lebhaft akklamiert. All diese Umstände mehren die Wahrscheinlichkeit aus- wärtiger Interventionen in die türkischen Angelegenheiten. Vom Kriegsschauplatz. Konstantinopel, 26. August. Das Kriegsministerium.hat eine Depesche miS Benghasi vom 16. publiziert, wonach die Türken und Araber seit 16 Tagen das italienische Lager von Derna bombardierten, ohne unter dem feindlichen Feuer zu leiden. Am 8. d. M. soll das Bombardement den Italienern b e t r ä ch t. lichen Schaden zugefügt haben. Drei türkische Artilleristen seien verwundet Warden. Rom, 25. August..Tribuna' meldet au« Tripolis: Heute früh ist der 8 Heg er Offizier Manzini bei Zeiuem Erkundungs- flugc mit seinem Eindecker i n S Meer gestürzt und ettrunkeu. Die Tripolitaoer und der Friede. Konstantinopel, 26. August. Der ehemalige Deputierte von Tripolis Nadschi hatte gestern mit dem Minister des Aeußern eine Besprechung, wobei er ihm. wie verlautet, den Standpunkt der Einwohner von Tripolis gegenüber den FriedenSgerüchien auseinandersetzte. Die Tripolitaner wollen sich mit einem ihren Interessen ungünstigen Frieden nicht einverstanden erklären. Politische(lederlicht. Berlin, den 26. August 1912. Arveitsmangel bei der kaiserlichen Marine. Die„Kieler Zeitung" berichtete, daß demnächst auf der kaiserlichen Werst zirka tausend Arheiter entlassen werden müßten wegen Arbeitsmangel. Und die fortschrittlichen Blätter verbinden diese Mitteilung mit Vorwürfen gegen die Marine- Verwaltung, daß sie sich vom Reichstag nicht genug Mittel habe bewilligen lassen, um die Arbeiter ständig beschäftigen zu können Die Werft sei in ihrer Bewegungsfreiheit sehr ein- aeschräntt. Wahrscheinlich hänge das mit der von der Bethmannschen Regierung propagierten Spartaktik zusammen. die eingeschlagen worden sei. um auf Wunsch des Zentrums der Erbschaftssteuer aus dem Wege zu gehen. Wie uns aus Ael mitgeteilt wird, stecken hinter der ein- fachen Tatsache, daß vorübergehender Arbeitsmangel herrscht. gar keine hochpolitischen Gründe. Solcher Arbeitsmangel kommt regelmäßig hin und wieder vor, wenn größere Är- beiten vollendet und neue noch nicht in Angriff genommen sind. Ein Grund also, die Regierung zu neuen marinisttschen Ausgaben aufzupeitschen, liegt nicht vor. Das„Verl. Tage- blatt" hat einen Mitarbeiter in das Reichsmarineamt geschickt, dem man dort folgendes erklärte:> »Wenn auf der kaiserlichen Werft in Kiel tatsächlich die Eni- lassung von Arbeitern bevorstehen sollte, so ist hierin nichts Außergewöhnliches zu sehen. Es würde sich einfach um einen Vorgang handeln, wie er auf allen Werften oftmals eintritt. Entlassungen von Arbeitern können nämlich gerade im gegen- wältigen Zeitraum auf der Kieler Werst möglich werden, sobald das Linienschiff„Kaiser", das jetzt seine Probefahrten auf- nimmt, abgeliefert wird. Mit diesem Augenblick ist für zahlreiche Arbeiter keine Beschäftigung mehr vorhanden, da die Werst Kiel für daS gegenwättige Baujahr kein neues Linienschiff in Auftrag bekommen hat. Nach dem Flotten- dauplan konnten in diesem Jahre der Kieler Werft nur zwei Linienschiffe in Austrag gegeben werden, und der„Kaiser" ist das zweite dieser Linienschiffe. Allerdings wurde vor kurzem an der Kieler Werft der Bau des kleinen Kreuzers„Ersatz Prinzeß Wilhelm" vergeben. aber das ArbeitSmaterial eines kleinen Kreuzers beträgt doch immer nur etwa ein Fünftel des Arbeitsmaterials eines Linienschiffes. Hieraus geht hervor, daß von den bei dem Bau des Linienschiffe? „Kaiser" beschäftigten Arbeitern nur ungefähr ein Fünftel ivieder beim Bau deS Kleinen Kreuzers„Ersatz Prinzeß Wilhelm' verwandt werden kann. Außerdem kommt hinzu, daß bei der Beendigung eines SchiffsneubaueS der Maximalstand der Arbeiter- beichästigung erreicht wird, während be5 Beginn eines Schiffs- Neubaues der Minimalstand vorhanden ist. Jedesmal bei Bc- endigung eines SchiffsneubaueS werden also naturgemäß Ent- lassungen von Arbeitern notwendig werden, wenn nicht gerade anderweitige Arbeit für sie gesunden wird. Abgesehen von dieser in der Ratur deS Schiffbaues begründetet» Möglichkeit von Entlassungen zahlreicher Arbeiter auf der Kieler Werst scheint es doch gerade in diesem Augenblick fast ausgeschlossen, daß der Umfang der Entlassungen außerordentlich groß wird. Denn für die nächsten Monate steht auf der Kieler Werft eine Masse von Arbeitsgelegenheit in Aussicht, da die periodischen Jnstandsetzungs- arbeiten der Schiffe, die den ganzen Winter über dauern, bald be- llinneii. Ein großer Teil der Arbeiter, die beim Bau des Linien« schiffe»„Kaiser" beschäftigt waren, wird also bei diesen Winter- instandsetzungsarbeiten und bei dem Neubau deS kleinen Kreuzers «Ersatz Prinzeß Wilhelm" Verwendung finden. Immerhin liegt, wie schon gesagt, die Möglichkeit vor, daß trotzdem noch Arbeiter entlassen werden müssen. Auf keinen Fall jedoch werden von diesen Entlassungen tausend Arbeiter betroffen, wie irrtümlich in Kiel an- genonimen tvorden zu sein scheint. Ebenfalls auf einem Irrtum beruht die Annahme, daß die Arbeilcrentlafslnigen erfolgen, weil der Kieler Werft nicht ge- niigend Mittel zur Verfügung gestellt worden seien, um den Be- trieb in dem durch da« Flottengesetz vorgesehenen Umfang auf- rechtznerhalten. SDer Werft find selbstverständlich von Ansang an die notwendigen Mittel zur Ausführung der im Flottenbauplan für dieses Jahr vorgesehenen Neubauten zur Verfügung gestellt worden. Ein Bericht der Kieler Werf», daß ihr die zur Lusrecht- erhaltung deS Betriebes nötigen Mittel fehlten, konnte deshalb aucb nicht beim Reichsmarincamt eingehen." Man braucht die Frage der Arbeiterentlassungen nicht so leichtherzig zu nehmen, wie es nach dieser Auslassung an- scheinend das Reichsmarincamt tut. Uns scheint, daß es sehr leicht sein muß, die Arbeit auf der Werft so einzurichten, daß die beschäfttgten Arbeiter das ganze Jahr hindurch gleichmäßig beschäftigt lverden. daß nicht zu einer Zeit Hals über Kopf niit äußerstem Hochdruck gearbeitet lverden muß. um dann. wenn die Arbeit erledigt ist, ohne große GewissenSskrupel eine Menge Leute auf die Äraße zu setzen. Angesichts der schweren Bedrückung der Arbeiter im allgemeinen ist es das mindeste, was man verlangen kann, daß in Staatsbetrieben die Arbeits- Verhältnisse möglichst kontinuierlich gestaltet werden. Die Konsequenz, die freilich die FortschrittSblätter aus den drohen- den Arbeiterentlassungcn ziehen, daß nimmehr eine Anzahl neue Millionen für den Marinismus bereitgestellt lverden, müssen wir sehr entschieden zurückweisen. Aortsetzung folgt. lln, die„katholische Volksseele" zum Kochen zu bringen, hat » jüngst die bayerisch« ZeitlrumSpress« einen Aufruf an Kleru« und Laien veröffentlicht, in welchem dazu aufgefordert wird, die Eingabe der bayerischen Bischöfe an den Butidesrat um Aufhebung deS JefuitengesetzeS durch öffentliche Kuitdebnngen zu unterstützen. Der Aufruf scheint zu wirken. Als erster erscheint daS Bamberger Metropolitankapitcl auf dem Plan mit einem Dankschreiben an den Erzbischos von Bamberg, worin eS heißt: „Die von dem Hochwürdigsten bayerischen Aesamtepiskopat um die gänzliche Aufhebung oder doch eine sachgemäße Interpretation deS JeinileitgesetzeS an den Bundesrat gerichtete Vorstellung hat in den weitesten Kreisen des katholischen Volkes, insbesondere aber de« katholischen Klerus, lebhaftesten und freudigsten Wider- .. hall gestnideu.... Mir innigster Freude hat auch da» treugehorsamste Metro- volitankapitel von diesem für die Kirchengefchichte so wichtigen Dokumente KernttiiiS genommen und erbittet sich die Gnade, Euer Erzellenz«hrerbietigsten Dank übermitteln zu dürfen." Ein ähnliches Schreiben hat auch, wie verlautet, da« Münchener Metropolitmikapitel an den Erzbifchof Dr. v. Bettinger gerichtet. Bornehtne Gegner. Zu der Notiz, die wir in obiger Slichmarke in unserer letzte» FreltagSnu»,.»er veröffentlichten, wird un, noch geschrieben: Der vorbereitende Ausschuß de« 2. Vlindentages hatte die Ber- anftaliung niier Geldlotterie geplant, aus deren Erträgnissen Reise- zuschüffe an uiibeiitittclle Blinde gezahlt werden sollten, u»i auch solche» den Besuch des BlindeiitageS zu ermöglichen. Nachdem auch für Preuß»» an zuständiger Stelle die Genehmigung zu der Lotterie nachgesucht worden war. wurde u>, mittelbar daraus der erste Geschästsführer des Blindentages, der in Breslau wohnhaft ist sowie noch Zwei blinde Herren von einem Beanilen der Breslauer politischen Polizei vernommen. Ob die Betreffende» Abonnenten oder Leser de« sozialdemokratische» Blindenorgan» feie,, oder ob ihnen solche Leser bekannt wären, woher die Mittel zur Beranstaltung de« BlindeiitageS kämen— dies und noch manches andere wollte man wissen. Die Genehmigung zur Vera iistaltmig der Lotten« wurde schließlich versagt. Ma» begegnet deu Kreisen der Blinden allgemein der Anffassmig. daß es sich bier um ein« Denunziation handelt. Zwar wurde die Verlosung auch iu Bat, er». Württemberg und Hessen nicht genehmigt, doch steht«« außer Zweifel, daß die polizeilich- Periiehmnng und da» Lottetteverbot für Preußen m einem direkten Zusainmenhange stehen. Die Angst vor der„roten Gefahr" ist eben so groß, daß man den tollsten Einflüsterungen Gehör gibt und keine Bedenken trägt, die völlig neuttalen, auf Verbesserung liste« Loses genuteten Bestrebungen der Blinden zu schädigen. Als für die sottriialistischeit Gepflogenheiten der„Kreuz-Zeitung" charakteristisch mag noch angeführt werden, daß diese» Blatt eine von Dr. Ludwig Eohn-Breslau eingesandte Entgegnung auch den Hartmannschen Schmähartikel mit der Begründung zurückwies, daß darin das Wort„Unwahrheit" gebraucht werde, was eine Be- leidigung sei. Dr. Cohn war nunmehr gezwungen, sich unter Be- rufung aus Z 11 des PrehgesetzeS die Aufnahme einer Berichtigung zu erzwingen._ Verteidigung einer Berfafsungsverletzung. Die Regierung deS Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt hat, wie erinnerlich, ohne den Landtag zu fragen, den Beamten des Landes Teuerungszulagen gewährt. Am t. September d. I. tritt der Landtag wieder zusammen, und es dürfte sofort zu einem heftigen Zusamnienstoß zwischen der Regierung und der sozialdemokratischen Mehrheit kommen. DaS Organ de« Reichskanzler?, die„Nordd. Allg. Ztg.", schreibt nun zu dieser Angelegenheit: «Gewiß erfordert eine Ausbesserung der Beamtenbezüge die Zustimmung deS Landtages. Bei seiner FrühjahrStagung hat ihm auch schon ein bezüglicher Antrag der Regierung vorgelegen, gejtcn den sich aber eben die Sozialdemokraten ablehnend aus- eiprochen hatten, und dessen parlamentarische Erledigung durch ie inzwischen unvermeidlich gewordene LandtagSauflösung un- möglich wurde. Die Besserstellung der Staatsbeamten noch länger hinauszuschieben, lag nun sicherlich weder im Staats- interesse, noch im Interesse der beteiligten Kreise, zumal bei der oppositionellen Haltung der Parlamentsmehrheit eine absichtliche Verschleppung der Angelegenheit zu gewärtigen war. Berück- sichtigung dieser Sachlage hat die verschiedenen Stimmen im bürgerliche» Lager, die anfänglich mit dem Vorgehen der Regie- rung nicht einverstanden waren, zum Schweigen gebracht, so daß jetzt wohl mit wenigen Ausnahmen alle bürgerlichen Elemente de« Landes die Maßnahmen der Regierung als notwendig und damit gerechtfertigt betrachten." Das amtliche Blatt stellt hier die Wahrheit direkt auf den Kopf. Die Sozialdemokratie war nicht gegen Teuerungszulagen, sie verlangte bloß eine gerechtere Verteilung derselben und zwar so, daß die unteren Beamten mehr, die besser bezahlten weniger be- kommen sollten. DaS war der einzige Punkt, über den sich Diffe- renzen ergaben. Die Regierung hat dann ihre vom Landtag abge- lehnte Vorlage einfach aus eigenem Willen in Kraft gesetzt und darin liegt zweifellos eine Verletzung der Verfassung. Regierung„nd Sozialdemokratie in Glsaß-Lothriugen. Der zur sozialdemokratischen Landesversammlung in Elsaß- Lothringen vom 31. August und 1. September d. I. erschienene Tätigkeitsbericht der sozialdemokratischen Land- tagSfraktion in Elsaß-Lothringen wirft bemerkens- werte Streiflichter auf daS Verhältnis der Regierung zur Sozial- demokratie,— Streiflichter, die die Dummpfisfigkeit des bei den Land- und Reichstagswahlen in Elsaß-Lothringen von klerikal- nationalistischer Seite und ebenso viel Eifer wie wenig Erfolg ge- brauchten Schlagwortes von der„kaiserlichen Sozial- demokratie" recht zeitgemäß offenbaren. Der von dem FraktionSmitgliede Abg. Fuchs verfaßte Bericht erinnert daran, daß bei der allgemeinen ElaiSdebatte am 1. Februar d. I. der Staatssekretär Herr Baron Zorn v. Bulach niit dürren Worten erklärte:„Meine Herren I Die Herren der soztaldemo- kratischen Partei können sicher sei», daß die Regierung ihre Grundsätze auf j e d em®«biet Aul' da? 1 ch ärfsljr hier bekämpsen w i r d." Noch deutlicher war Unter- staatssekretär Mandel bei der Verhandlung über die Revisionsbedürstigkeit der reichSläiidischen Gemelndeordnung am 19. Juni diese» Jabre». Hier antwortete der Leiter der Abteilung de» Innern im Ministerium für Elsoß-Lothringen auf den Vorhalt, daß im Jahre 1902 der vom Gemeinderat der Stadt Mülhausen zum Bei- geordneten gewählt« Genosse Martin von der Regierung nicht bestätigt wurde, nach dem stenogrophi- scheu Bericht: .... einer Partei, die sich so feindlich zum Staate stellt. können wir die Verwaltung einer Gemeinde nicht anvertrauen. lWiderspruch.) Da« ist ein allgemeine« Prinzip. Wenn die Herren sich mal mausern werden lHeiterketts, dann können wir darüber reden, aber zur Zeit ist es nicht möglich, daß wir sozialdemokratische Gemeindevorstände ernennen. Do« ist unsere Auf- fassung und an ter werden wir einstweilen festhallen.' Der FraklionSbericht nimmt die persönliche Bemerkung auf, mit welcher nicht minder deutlich der al« Abgeordneter der Kammer an- gehörende Genosse Martin diese Einladung de» RegierungSver- treters beantwortete, indem er erklärt«: Wenn e» wahr ist, daß die Regimmg Sozialdemokraten nur zu Beigeordneten ernennen will um den Preis de« Verrate« ihrer politischen Ueberzeugung, so weise er mit seinen Freunden diese Ehre mit dem Fuß« von sich.— sie rechneten unter solchen Um- ständen eS sich vielmehr zur Ehre an, als Beigeordnete nicht be- slätigt zu werden.... Die Erinneruiig ist umso zeitgemäßer, als die klerikale Presse zur Zeit au« Anlaß der Nichtbestätigung deS vom BenKinderat des Städtchens Oberehnheim zum Bürgermeister grwählten bisherigen Beigeordneten Rumpler, dem sein Sohn al« Offizier in der französischen Armee zum Verhängnis wurde, die im Jahre 1908 erfolgte Ernennung de« damals der sozialdemo- kratischen Partei angehörenden SchreinermeisterS Sie« in Geb« weiter zum Beigeordneten heranzieht. Dieser einzig« sozialdemo- kratische Beigeordnete in Elsaß-Lothringen ist bekanntlich nicht sehr lange nach seiner Ernennung infolge eine? Konfliktes auf gewerk- schastlichem Gebiete aus der sozialdemokratischen Partei ausgetreten, und auf diesen Ailstritt berief sich nach- träglich entschuldigend der Unterstaatssekretär Mandel im Land- tage, indem er bemerkte, der spätere A>i»tritt de« Sie« au» der sozialdeinokraiischeit Partei habe gezeigt, daß die Regierung bei seiner Enieitnung auf dem richtigen Wege war: das ist da» tat- sächliche Verhältnis der Regierung zur Sozialdemokratie in Elsaß-Solhringen. Die Sozialdemokratie hat es nicht zu bedauern: sie kommt dabei weiter, als wenn sie sich im Landtage zu Handlanger- diensten gegen die Regierenden mißbrauchen ließe wie da» halb nationalistisch« elsässische Zentrum, da« nach vor- gängigen radikalen Opposit>o»«rede>t bei der entscheidenden Ab- stintniling schließlich kleinlaut den oft so mißbräuchlich angewandten kaiserlichen Gnadenfonds mit dem Disposition«- fonds des Statthalter« und den Ausgaben für dt« politische Polizei bewilligte. Die Zentrumspress« hat hiernach allen Grund, höchst bescheiden zu sein. Die Altersgrenze der VertunltungSfähigkeit. In einer zeitweilig zu offiziösen Zwecken benutzten Straß- buracr ZettungSkorrespondenz hat jemand von der clsaß-lothringischen Regieruna erklären lassen, eS sei falsch, mit der„Rheinisch-West- fälischen Zeitung" und der„Post" anzunehmen, daß der in der französischen Armee als Offizier dienende Sohn de« Beigeordneten Rumpler von Oberehnheim die Ursache der N i ch t b« st a t i a u n g diese» Herrn als Bürgermeister des Städtchens sei; nein, der Grund sei in dem hohen Alter des Herrn Rumpler zn suchen. Mit dieser Erklärung kommt die reichsländische Regierung vom Regen in die Traufe. In der elsäsfischen Presse w,rd daran erinnert, daß Rumpler der Nichtbestätigte mit seinen 72 Jahren etwa im Alter deS derzeitigen kaiser- lichen Satthalters Grafen v. Wedel ist,— erfordert die Regierung de« Reichslandes Elsaß-Lothringen weniger körperliche und geistige Kräfte, als die Verwaltuiig eines Städtchens von nicht ganz 4000 Einwohttern?... Es wird daran erinnert, daß ein früherer Statthalter. Fürst Chlodwig von Hohenlohe- Schillingsfürst, mit 7S Jahren zum Reichskanzler berufen wurde,— erfordert die Reichsregierung weniger Frische, al« die Bürgermeister- funktion in einem unterelsätzischen Vogesenstädtchen?... Und erst der Vater Wilhelms II.?... Doch genug de« grausamen Spiels. ES ist klar: wenn das preußisch-deutsche Regiment an der West- grenze wie an der Spree einmal mit Vernunftgründen operieren will, so bringt es sich selbst um. Das System ,st vernunftwidrig an und für sich._ Zun» Kampf gegen die Arbeiterjugend. In S o r a u ist vor einiger Zeit den Fortbildungsschülern auf- gegeben worden, entweder in der Fortbildungsschule des Sonntags nachmittag? von 3 bis 4 Uhr dem Turnunterricht beizuwohnen oder aber den anderen patriotischen Vereinen, der Jugendwehr usw., an- zugehören. Als einige Fortbildungsschüler nicht den Nachweis liefern lonnten, daß sie in einem dieser Vereine sind, wurden sie aufgefordert, deS Sonntags nachmittags unter der Aufficht eines Lehrers turnen zu kommen. Dagegen hoben die Eltern der in Frage kommenden Kinder Protest eingelegt, sie haben ihre Kinder von dem Turnunterricht ferngehalten, weil sie der Meinung sind. nicht verpflichtet zu sein, ihre Kinder Sonntag nachmittags zum Turn« Unterricht zu schicken. Die Folge davon war, daß eine Anzahl jener Schüler Strafmandate in Höhe von 5 M. erhielten, mit dem Hin- weis, daß diese S M. an die Stadtkasse zu zahlen seien. Ferner wurde darauf hingewiesen, daß das Ortsstatur von 1908 eine derartige Strafe für gerechtfertigt erklärt.— Gegen diese Strafmandate ist richterliche Entscheidung beantragt worden. Die fr an zo Ten in JMarohho. Die Lage der Franzosen wird immer bedenklicher und es scheint, daß die Marokkaner entschlossen sind, den Europäern zu zeigen, welche Gefahren die koloniale Raubpolitik in sich schließt. 40000 Soldaten haben die Franzosen dort stehen, weitere Truppensendungen bedeuten bereits die Gefahr einer militärischen Entblößung des eigenen Landes, und doch können sie mit dieser gewaltigen Macht nickts Entscheidendes ausrichten. Der„Aufstand", wie man die Verteidigung der Eingeborenen gegen die Räuber nennt, macht reißende Fort- schritte. Die Ernte wird mit größter Beschleunigung ein- gebracht, um gegen den Feind ziehen zu können und die Kämpfer im Süden wie im Norden mehren sich von Tag zu Tag. Und in ein solches Abenteuer wollten unsere Kolonialfexe und Mordspatrioten uns mit aller Gewalt stürzen,' und sie hätten beinahe einen europäischen Krieg riskiert, um die Stelle der Franzosen einnehmen zu können. Während die Franzosen im Norden fortwährend von feindlichen Scharen belästigt werden, ist der Süden in der un- bestrittenen Gewalt des Gegensultans El H i b a. Die neun Franzosen aus M a r r a k e s ch. die sich zu E l G l a u i vor deu Toren von Marrakesch geflüchtet hatten, wurden von diesem El H i b a ausgeliefert, der sie durch Soldaten gegen einen etwa möglichen Angriff von feiten fanatischer Eingeborener bewachen läßt. El Hiba hat El Glcniiniersprochm. sii��Franzosen zu respekticren und sie an die Küste bringen zu lassen. Ob das angebliche Versprechen auch gehalten werden wird, ist mehr qls zweifelhaft. Jedenfalls sind die Franzosen nicht inistandc geivesen, ihren Lands- leuten rechtzeitig zu Hilfe zu kommen. El Hiba selbst trifft bereits Anstalten zur Fortsetzung seines Vormarsches. Italien. Tagung des reformiftischeu Parteitage». In der ersten Septemberhälfte wird der Vorstand der refor- mistischen Partei in Rem seine erste Tagung abhalten, um die Ent- würfe des OrgaiiisationSftatulS und dcS Programm» der neuen Partei einer Prüfung zu unterziehen. Diese Entwürfe sind von Ciottt und Bonomi ausgearbeitet worden. Der Vorstand wird weiter den Zeilpunkt des Zusaminentritts des ersten Parteitages, sowie dessen Tagungsort und Tagesordnung festsetzen. Cklna. Sunyatsen in Peking. Peking, 2». August. Sunyatsen ist hier angekommen und auf» glänzendste empfangen worden. Die Mongolen, die vor kurzem in der Mandschurei mit chinesischen Truppen zusammengestoßen waren, haben sich zurück- gezogen, beobachten aber noch eine aggresswe Haltung. In dev Sitzung deS Kabinetts wurde die Frage der Entsendung eines Expeditionsheere» nach der inneren Mongolei er- örtert; e» wurde jedoch beschlossen, vorläufig nur Vorbeugung� maßregeln gegen räuberische Einfäll« zu treffen, für die die mand- schurischen Truppen ausreichend find. Amerika. Das Panamakanalgesetz. Präsident Taft hat die Panamanalbill gestern abend unterzeichnet. In einem Memorandum, das er an den Kongreß gerichtet hat. empfiehlt er die Annahme einer Resolution, in der erklärt wird, daß die Regierung die Be- stimmnngen dieser Bill nicht als Verletzung irgend eines Ver- träges betrachte. Jni Repräsentantenhause wurde eine Bill ein- gebracht, welche die Klausel der Panamakanalakte aufhebt. durch die der ainerikanischen Küstenschiffahrt freie Durch- fahrt gewährt wird. Der Einbringer der Bill erklärt, seine Absicht sei, dadurch die angedrohten internatio- nalen Verwickelungen zu vermeiden. Die Bill wird zur Verhandlung gelangen, sobald der Kongreß im De- zember wieder zusammentritt. Hua Induftnc und ftandcL Baumwollindustrie in Japan. Nach einem Berichte de» japanischen Fabrikantenverbandes der Baumwollindustrie gehören dieser Vereinigung 32 Spinnereien mit 1867 023 Spindeln. 17 967 Arbeitern und 70124 Arbeiterinnen an. Im letzten Jabre waren die Betriebe an 26 Tagen in jedem Monat und während 23 Stunden täglich»m Gange. Die DurchschnittSproduktion betrug täglich 13 Unze für Ring, und S Unze für Mulespindeln. Insgesamt wurden 49 Millionen englische Pfund Baumwolle monat- l'ch verarbeitet. Die Bezahlung betrug durchschnittlich 9S Pf. für Arbeiter und 60 Pf. für Arbeiterinnen pro Tag! da« soll gegen das Bor- jähr eine Erhöhung von S Proz. bedeuten. Kein Wunder daher. daß amerikanlsche und englische Fabrikanten daran gehen, ihr Kapital im fernen Osten anzulegen und aus diese Weise dl« Konkurrenz der Gelben gegen die Arvener ihre» eigenen„Vaterlandes" ausspielen. Gewerkfcbaftlicbea. Berlin und Qmgegcnd. Streik in den Buchdruckmaschinenfabriken Das Nachlassen an ihren ursprünglichen Forderungen hat die in den Buchdruckmaschinenfabriken beschäftigten Arbeiter keinen Schritt vorwärts gebracht; an der Hartnäckigkeit der Unternehmer zerschlugen sich die Verhandlungen, die am letzten Freitag nochmals gepflogen wurden. Betreffs der Mindeststundenlöhne zeigten die Arbeitgeber zwar Sin geringes Entgegenkommen, doch blieben die Angebote bei verschiedenen Kategorien auch jetzt noch um S Ps. hinler den reduzierten Forderungen der Arbeitnehmer zurück. Die Kommission war zwar in letzter Stunde bereit, auf dieses Angebot noch einzugehen und auch in verschiedenen anderen Punkten noch nachzulassen, sie bestand aber auf der Zubilligung einiger Zugeständ nisse, von denen sie nicht abgehen konnte. Vor allen Dingen sollte eine allgemeine Zulage von 3 Pf. pro Stunde gewährt werden. und zivar denjenigen, die in den letzten sechs Wochen keine Zulage erhallen und nicht mehr als 85 Pf. Stundenlohn haben. Für Arbeiten außerhalb der Werkstatt sollte ein Aufschlag von 5 Pf. pro Stunde innerhalb der Postgrenze Groß- Berlins und von 10 Pf. außerhalb dieser Grenze gezahlt werden. Dann aber sollte auch der Mindeststundenlohn für jung ausgelernte Schlosser und Dreher, den die Arbeitgeber auf 40 bjs 55 Pf. festsetzen wollten, 52—55 Pf. in den ersten beiden Jahren nach Beendigung der Lehrzeit betragen. Zu diesen Zugeständnissen ließen sich aber die Arbeitgeber trotz stundenlanger Verhandlungen nicht bewegen; sie erklärten, daß sie dazu außerstande seien. Da das Entgegenkommen der Unternehmer in bezug auf die Mindest- löhne kein nennenswertes gewesen war und zudem Dreifünftel der Beschäftigten davon gar nicht getroffen werden, sah sich die Kom- Mission der Arbeitnehmer gezwungen, von dem Abschluß eines Tarifes abzusehen, der so geringe Verbesserungen für die Arbeiter enthielt. In einer gut besuchten Versammlung am Sonntag berichtete Handle über diese letzten Verhandlungen und die Bemühungen der Kommission, die Bewegung in friedlicher Weise zu beendigen. In der Diskussion wurden der Kommission schwere Vorwürfe ge- macht, daß sie nicht bei den zuletzt aufgestellten Forderungen stehen geblieben und hiervon noch so viel abzulassen ge- loillt gewesen sei. Demgegenüber wurde erklärt, daß die Unternehmer sich darauf berufen haben, die Arbeiter ständen gar nicht hinter den Forderungen, sondern diese seien nur das Machwerk der Kommission. In der überaus ruhigen und sachlichen Debatte wurde von allen Rednern— manchal nur kurz, aber bestimmt— betont, daß an diesen Forderungen unbedingt festgehalten werden müsse. In einer geheimen Abstimmung erklärten sich dann� von 136 Abstimmenden bei einer Stimmenthaltung 114 für den Streik. Diese überwältigende Majorität dürfte den Unter- nchmcrn beweisen, daß die Arbeiter vollzählig die aufgestellten Forderungen aufrecht erhalten und um sie durchzudrücken, mit aller Energie zu kämpfen bereit sind. �ärbcrstrcik. Die Färber von Kalläne u. Meiling, Färberei und chemische Waschanstalt, Blumenstr. 88, befinden sich seit dem 26. August im Ausstand ivegen Maßregelung der im Deutsche» Textilarbeitcrverband organisierten Kollegen. Die ausständigen Färber wollten eine Verhandlung mit ihrem Chef, Herrn Kalläne, haben, dieses wurde ihnen abgelehnt; es hieß, der Herr Chef wäre verreist, deshalb verweigerten die Kollegen die Arbeit, bis sich der Inhaber zur Verhandlung bereit erklärt. Die Kollegen der hiesigen Färbereien und chcmi!che Wäschereien wg,dcn ersucht, hiervon gefälligst Notiz zu nehmen und die Kollegen bei Kalläne u. Meiling tatkräftig zu unterstützen. Die Branchenleitung der Färber. Der Streik der Geschäfts- und Warcnhauskutschcr bei der Firma W i l s k e, Karlstr. 42 und Alt-Moabit 1ö, dauert noch fort. Eine Verhandlung mit dem Firmeninhaber Herrn Klinkowski und dem Vertreter der Organisation im Beisein der Vertrauensleute der Kutscher verlief resultatlos. Herr Klinkowski lehnte es strikte ab, die beiden jahrelang bei ihm beschäftigt gewesenen Kutscher wieder einzustellen. Die ausständigen Kutscher sollten„nach Bedarf" mit Ausnahme von zweien eingestellt werden. Wie es mit dem„Bedarf" in solchen Fällen aussieht, wissen die Arbeiter genau. Deshalb lehnten die Ausständigen ein solches„Entgegenkommen" ab. Wie gewöhnlich bei Arbeiterausständen, legt auch hier die Polizei einen großen Eifer an den Tag. Es wird das Slreikpostenstehen verboten in der Karlstraße vom Karlsplatz bis zur Krön- Prinzenbrücke. Herr Klinkowski sowohl als auch seine Inspektoren weisen die Polizeibeamten auf die sichtbaren Streikposten hin und die Beamten fühlen sich verpflichtet, entgegen dem geltenden Recht, die Streikposten zu vertreiben resp. zu verfolgen. Nicht allein die Straßenbahn dient hierzu, sondern auch fahrende Postwagen werden benutzt, um sich hinten„aufzuhocken" und den Streikposten zu haschen. Es ist den Streikposten fast unmöglich, mit den Arbeitswilligen in Berührung zu kommen. Unter solchen Umständen braucht Herr Klinkowski nicht stolz darauf zu sein, daß sich hungernde Arbeiter finden, die sich gegen einen Wochenlohn von 24 M. in Unkenntnis der Sachlage bereit finden, bei ihm Arbeit zu nehmen. Jeder ehrlich denkende Arbeiter und Berufskollege wird es ab- lehnen, bei der Firma Wilske Arbeit anzunehmen und wird den Streikenden die weitgehendste Solidarität beweisen. Die Firnia Wilske stellt ihre Wagen für die Firma Tietz, Alexanderplatz und Krausenstratze. Achtung! Glasbläser. Bei der Deutschen Dewargesellschaft, Kott- buser Ufer 3g— 40, Erdmannshof, ist es wegen Preisdifferenzen zur Arbeitseinstellung gekommen, nachdem die Firma abgelehnt halte, mit der Kommission zu verhandeln. Es ist Pflicht vollste Solidarität zu üben und die Firma streng zu meiden. Verband der Glasarbeiter. Achtung, Töpfer! Die Firma Otto Neubert führt zurzeit wieder Arbeiten aus. Wir machen darauf aufmerksam, daß die Firma immer noch gesperrt ist, da sie unseren Kollegen noch einen erheblichen Teil Löhne restiert. Die Verbandsleitung. DeutTcKes Reich. streik der Horn- und Stockarbeiter in Wald i. Rhld. Der Ausstand der Horn- und Stockarbeiter am Orte ist in ein neues Stadium getreten. Bekanntlich haben die Unternehmer bisher vergeblich versucht. Arbeitswillige aufzutreiben. Alle ihre Ver- sprechungen und durch Agenten, daß die Arbeiter spielend 40 M. verdienen können, haben bisher nicht den geringsten Erfolg gezeitigt, ganz abgesehen davon, daß die hohen Versprechungen nicht im entfern- testen ernst zu nehmen sind. Hinzu kommt noch, daß die Arbeit nicht ohne weiteres von jedem Arbeiter ausgeführt werden kann, weil sie gelernt und verstanden sein will; war doch schon des öfteren zu verzeichnen, daß es noch nicht einmal gelernte Arbeiter verstanden haben, den Ansprüchen der Unternehmer zu geniigen. Trotzdem hat während des Streiks speziell die Firma Vock sich alle erdenkliche Mühe gegeben, Leute zu bekommen, ungeachtet deren qualitativer Be- fähigung. Da dicS aber alles bisher nichts fruchtete, so hat man sich schließlich dazu aufgeschwungen, durch eine gewerbsmäßige Streikbrecherver Mittelung Arbeitswillige zu bekommen. Ein Transport direkt importierter Arbeitswilliger sogenannter Hintze- brüder sind in Wald eingetroffen und im Quartier des Stadt- rats Bock abgestiegen.. In bester Weise ist für diese modernen Judasse gesorgt, während gegen die Streikenden immer schärfere Maßnahmen ergriffen werden. So schrieb eine Firma in Meißen einem silt, bewerbenden Streikenden, daß er nicht eingestellt werden könne, weil Wald als Strcikgebict angezeigt sei. Ein Dachdeckermeister hatte einige Streikende mit Tragen von Dach. ziegeln beschäftigt. Darauf drohte Herr Vock dem Meister den Boykott an, falls die Streikenden von ihm noch weiter beschäftigt würden. So schreckt man vor den verwerflichsten Mitteln nicht zurück, um die Arbeiter kleinzukriegen. Man versucht, sie auszu- hungern, um sie auf diese Weise zu veranlassen, den Kampf, der bisher so mustergültig geführt wurde, aufzugeben. Die Arbeiter aber werden sich nicht beirren lassen, sie werden standhalten trotz der 18 wöchigen Dauer des Kampfes, weil sie wissen, daß ihre Forderung des Ncunstundentages eine gerechte und kulturelle ist. Die Stockarbeiter allerorts werden gebeten, den Zuzug nach wie vor fernzuhalten. Die Zentralkommission der Stockindustrie. Bei der Firma„Märkische Maschinenfabrik Teutonia", Frank- furt a. O., streiken seit vier Wochen die Balanciercr. Verringerter Verdinest und erschwerte Arbeitsleistungen gaben Veranlassung zum Streik. Die Firma zeigte sich annehmbaren Zugeständnissen nicht geneigt und versucht mit Hilfe von Streikbrechern den Be- trieb aufrecht zu erhalten. Tatsächlich wird aber von den Streik- brechern noch nicht ein Zehntel der bisherigen Produktion ge- leistet. Die Firma findet für ihre Zentrifuge„Teutonia" viel Abnehmer bei der industriellen und bergmännischen Bevölie- rung des Rheinlandes und des Saarreviers. Die Agenten der Firma vertrösten die Käufer bei Bestellungen, daß die Firma wegen der augenblicklichen Differenz mit den Balancierern nicht sofort, aber in kürzester Frist liefern würde. Das wird die Firma nicht können. Es wäre ihr ein leichtes, wenn sie eine Einigung mit den Streikenden herbeiführte, wozu diese jederzeit bereit sind. Es ist der Betrieb„Teutonia" ein Schwesterbetrieb der„Titania" in Wels(Oesterreich), wo die Metallarbeiter soeben erst einen 21 Wochen dauernden Streik beendet haben. Daß die Firma, wie ihre Agenten versichern, in kürzester Zeit lieferfähig ist, halten die Streikenden für völlig ausgeschlossen. Sie fühlen sich verpflichtet, dies den Käufern, vor allen Dingen den der Arbeiterschaft ange- hörigen, zur Kenntnis zu bringen. In der Zigarettenfabrik Nestor Ginaclis, Frankfurt a. M., sind Differenzen ausgebrochen. Die Firma versucht bedeutende Lohn- abzüge in ihrem Betriebe durchzuführen. Da die Arbeiter sich da- gegen auflehnten, wurden schon acht Arbeiter gemaßregelt.— Vor Zuzug von Zigarettenmachern nach Frankfurt a. M. wird dringend gewarnt. Ausland. Falsche Generalstreikgerüchte. In Hamburg und anderen großen Hafenstädten wird die Nach- richt in Umlauf gesetzt, daß die Arbeiterschaft des Genueser Hafens am 1. September den Generalstreik proklamieren wolle und man fordert weshalb die Reeder und Verftachter auf. den italienischen Hafen zu meiden. Wie uns aus Rom geschrieben wird, ist diese Nachricht tendenziös. Wohl herrscht in der genuesischen Arbeiter- schaft große Unzufriedenheit, da das Konsortium die Frage des Turnus der Schanerleute unter offenbarer Hintansetzung der Jnter- essen der organisierten Arbeiterschaft gelöst hat. Daß aber diese Unzufriedenheit pünktlich am 1. September in einem Generalstreik explodieren wird, dessen Brandgeruch schon heule den Unternehmern anderer Hafenstädte bemerkbar wäre, davon ist wirklich nicht die Rede. Wenn wirklich die stark organisierten Hafenarbeiter von Genua zur Waffe des Generalstreiks greifen sollten, dann würde dieser Streik über die Unternehmer kommen wie der Dieb in der Nacht._ Soziales» Tic Arztsystemc bei den Lrtskrankcnkasscn. Ter Kampf um die freie Arztwahl bei den Krankenkassen, der schon seither die Gemüter sehr erregte, wird nach der Absicht der Aerzte mit der Einführung des neuen Rechts auf dem Gebiete der Krankenversicherung noch mehr entfesselt werden. In diesem Widerstreite der Meinungen ist eine Statistik sehr interessant, die der Zentralverband der Ortskrankenkassen im Deutschen Reich so- eben aufgenommen hat. Sie erstreckt sich auf 260 große Kassen. Von diesen hatten 28 festangestellte Kassenärzte, 136 hatten be- schränkt freie Arztwahl, das heißt, die Kassen haben eine Anzahl Aerzte bestimmt, unter denen die Mitglieder die Auswahl haben, 81 hatten bedingt freie Arztwahl, das heißt, die Mitglieder haben die Wahl unter denjenigen Aerzten, die sich der Kasse zur Ver- fügung stellen, und 14 Kassen hatten die absolute freie Arztwahl, bei der die Mitglieder die freie Wahl unter allen Aerzten des Ortes haben. Die letztgenannten Kassen sind nur solche in kleinen Orten. Die Beiträge waren mit 3,88 Proz. vom durchschnittlichen Lohn am höchsten bei den Kassen mit bedingt freier Arztwahl. Bei den Kassen mit festangestellten Kassenärzten betrugen sie 3,55 Proz. Das Krankengeld war durchschnittlich am höchsten mit 55,12 Proz. vom Lohn bei den(kleinen) Kasse» mit absolut freier Arztwahl, sodann mit 53,79 Proz. bei den Kassen mit festangestellten Kassen- ärzten. Die durchschnittliche Dauer des Krankengcldbczuges war mit durchschnittlich 27,27 Wocken am längsten bei den Kassen mit beschränkt freier Arztwahl, sodann mit 27,18 Wochen bei den Kassen mit festangestellten Kassenärzten. Es war am kürzesten mit 26 Wochen bei den Kassen mit absolut freier Arztwahl. Die sonstigen Unterstüyungseinrichtungcn zeigen, daß sie am besten ausgebaut sind bei den Kassen mit beschränkter freier Arztwahl. Tie Zahl der Erwerbsunsähigkeitsfälle war mit 50,40 pro 100 Mit- glieder und Jahr am höchsten bei den Kassen mit bedingt freier Arztwahl, am geringsten mit 30,17 bei den Kassen mit fcstange- stellten Kassenärzten. Auf ein Mitglied entfallen 10,5 Erwerbs- unfähigkeitstage bei den Kassen mit bedingt freier Arztwahl und 9,1 bei den Kassen mit festangestellten Kassenärzten. Für die ärztliche Behandlung wurde ausgegeben pro Mitglied 6,94 M. bei den Kassen mit bedingt freier Arztwahl, 5,81 M. bei den Kassen mit festangestellten Kassenärzten. Die Ausgaben für Arznsi und Heilmittel waren mit 4,42 M. pro Mitglied am höchsten bei den Kassen mit beschränkt freier Arztwahl, am niedrigsten mit 3,95 M. bei den Kassen mit festangestellten Kassenärzten. Die letztgedachten Kassen hatten auch mit 29,09 M. pro Mitglied das größte Ver- mögen. Im allgemeinen sprechen diese Ziffern vom Standpunkt der Kassen aus zugunsten des Systems der festangestellten Kassen- ärzte. Sie bringen aber die verschiedenen Wirkungen nicht voll zum Ausdrckck. Das Bild ist deshalb ein getrübtes, weil während der verflossenen Kampfeszeit einmal festangestellte Kassenärzte nur unter hohen Aufwendungen zu haben waren, andererseits auch die Aerzte dort, wo die freie Arztwahl besteht, wie z. B. in Leipzig, sich nach jeder Richtung große Beschränkungen auferlegten, die sie sonst nicht üben werden._ Hus der Frauenbewegung. Helen Kellcr eine Genossin. Genossin Meta L. Stern-New Dork schreibt der„Gleichheit": Eine der interessantesten Frauen der Welt ist jetzt eine der Unseren: die blinde und taubstumme Helen Keller, deren fesselndes Buch über ihr eigenes Leben auch in Deutschland weite Verbreitung ge- funden hat. Helen Kellers Hinneigung zu sozialistischen Ansichten war schon lange bekannt. Als im vorigen Jahre in'der Industriestadt Shnektady ein sozialistischer Bürgermeister und ein sozialistischer Stadtrat gewählt wurden, fiedelte Helen Keller mit einer ihr befreundeten Familie nach Shnektady über und trat dort bald der sozialistischen Partei bei. Aus Shnektady kommt nun die Meldung, der sozialistische Bürgermeister Lunn habe Helen Keller zum Mitglied einer städtischen Wohlfahrtsbehörde ernannt. Schien es schon unglaublich, daß sich diese treffliche Frau trotz ihrer schweren körperlichen Hemmungen zur Höhe einer modernen Geistes- kultur emporringen konnte, so scheint es noch unglaublicher, daß sie im Stande ist, teilzunehmen an den sozialen Kämpfen ihrer Zeit, um ihren Mitmenschen dadurch zu dienen. Sehr treffend schreibt über sie Genossin Anitas C. Block im„New Dork Call":„Diese Blinde sieht besser als wir Sehenden daS Elend dieser Welt. Deutliche,: als wir, die hören können, vernimmt diese Taube den Schrei der Not, und die Handlungen dieser Stummen sind beredter als unsere Worte."_ Der Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklaffe tritt mit einem reichhaltigen Programm für seine Wintertätigkeil 1912/13 an die Oeffentlichkeit. Ein erster Zyklus behandelt Sturm und Drang; eine deutsche Litcraturepoche.(Dr. Nestriepke am 2. und 16. September.) Eine zweite Vortragreihe behandelt Frauen- fragen: Gertrud Hanna und Robert Breuer, Die Frau und die Qualitätsarbeit. Luise Zietz. Fabrikarbeit der verheirateten Frau. Wally Zepler, Umbildung des Frauentypus durch die Berufsarbeit (am 21. Oktober. 4.. 18. und 24. November). Ein dritter Zyklus beschäftigt sich mit Erziehungsfragen: Otto Rühle, Kind und Umwelt. Paul Göhre, Kind und Religion. Anna Bloß, Kind und Schule. Heinrich Schulz, Jugendbewegung(am 20. Januar, 3.. 9.. 17. Februar, 3. März). An Konzerten finden statt: am 13. Oktober Kompositionen von F. Schubert; am 24. November von Rob. Schumann(Einführung zu beiden Konzerten am 7. Oktober). Am 29. Dezember Wagner-Feier(Einführung am 10. Dezember). Einzelvorträge werden veranstaltet: am 2. Dezember spricht Dr. Osborn über Max Klinger(Lichtbildervortrag), am 13. Januar Otto Landsberg über Heinrich v. Kleist.— Die Weihnachtsfeier findet statt am 27. Dezember, das Stiftungsfest am 9. Februar, die Generalversammlung am 17. März.— Führungen durch Museen und gemeinnützige Anstalten werden an dieser Stelle im„Vorwärts" bekanntgegeben. Gäste(Männer und Frauen) find zu allen Veran- staltungen stets willkommen. Die Veranstaltungen sind mit Aus- nähme der Konzerte unentgeltlich. Der Monatsbeitrag beträgt 20 Pf. Mitglieder werden an den Abenden und in allen Zahlstellen Kassiererin(Frau Klotsch, Fichtestr. 1) aufgenommen. Leseabende. Waibmannslust. Mittwoch, 28. August, im Schweizerhaus. Bor- trag der Genossin Rcichcrt-Berlin:„Die Schule wie sie ist und wie sie sein soll". Versammlungen. Korbmacherelend. In einer dieier Tage abgehaltenen Versammlung der im Holzarbeiterverband organisierten Korbmacher beschäftigte man sich mit dem Submissionswesen und der Innung. An den vom Staate ausgeschriebenen Submissionen beteiligt sich auch die Berliner Korbmacher-Jnnung als Submittent. So auch bei einer vor kur- zem vorgenommenen Ausschreibung von Geschoßkörben. Es ist wohl selbstverständlich, daß die Innung ein niedriges Angebot machen mutz, wenn sie den Zuschlag haben will. Was die Innung aber in diesem Falle geleistet hat, das spottet jeder Beschreibung. Der Obermeister Bergmann hat für die Innung 2000 Stück Körbe bekommen, zum Preise von 3,30 M. pro Stück. Er gibt die Körbe an Jnnungsmitgliedcr weiter für 3 M. Es ist interessant, wie die Innung die eigenen Mitglieder entlohnt: Herr Bergmann bekommr 3,30 M., er vergibt die Arbeit für 3 M., bleibt für die Innung ein Verdienst von 30 Pf.; das Material kostet ILO M.. der Arbeits- lohn beträgt 1,67 M., der Herstellungspreis pro Korb beträgt also 2 87 M. Es bleibt mithin ein Uebcrsckutz von 13 Pf. pro Korb für den ausführenden Meister. Für die 13 Pf. müssen sämtliche Aus- gaben, wie Werkstattmicte. Transport bis Bergmann, Versicherung für die Arbeiter und sonstige notwendige Ausgaben bezahlt werden. Bei einem der Meister waren zur Zeit der Feststellungen 4 Ar- bciter beschäftigt. Es werden 58 Körbe in der Woche fertig. An jedem werden 13 Pf. verdient, also ein Verdienst von 7,54 M. für die ganze Woche für einen Meister und Mitglied der Innung. Davon mutz natürlich noch der Jnnnngsbeitrag bezahlt werden. Würde da das ganze Jahr staatliche Arbeit gemacht werden, so hätte der Meister ein Einkommen von 392,08 M. Djp Innung macht dabei ein besseres Geschäft. Sie hat am Korb 30 Pf. Das macht bei 2000 Körben 600 M. Ungefähr 100 M. machen die Transport- kosten bis Spandau, bleiben also 500 M.. ohne daß sich der Ober- mcistcr viel um die Arbeit kümmert. Auch die Arbeiter verdienen beutigen Verhältnissen entsprechend viel zu wenig. Es sind Löhne festgestellt von 19,80 M.. 21 M., 24,80 M. bei 55stündiger Arbeitszeit. Die übliche Arbeitszeit der Berliner Korbmacher beträgt 52 Stunden, der Mindcstlohn 55 Pf. Die Versammlung hat eine Petition einstimmig angenommen, welche an den Kriegsminister abgesandt werden soll. Nachdem die Sachlage dargestellt ist, wird folgendes verlangt: Bei Vergebung von Geschoßkörben soll den submittierenden Unternehmern die Verpflichtung auferlegt werden, 1. den Korbmachcrgesellen wenigstens den tariflich verein- barten Lohn zu zahlen, 2. die Körbe in eigenen Werkstätten unter Ausschaltung von Zwischenmeistcrn herstellen zu lassen, und 3. die Innungen nicht als Submittenten zuzulassen, da durch die Innungen das Gewerbe geschädigt wird. letzte Nachrfcbtcn. Russisch-türkischer Zwischenfall in Persien. Urmia, 26. August.(W. T. B.) Die Wachmannschaften und Kawasse des türkischen Konsulates mißhandelten auf der Straße ♦ den einheimischen Dragoman des russischen Konsulates, trotzdem er das Abzeichen dieses Konsulates trug. Der russische Konsul hat bei dem türkischen Konsul Protest eingelegt und die Bestrafung der Schuldigen verlangt._ Wachsende Erfolge des Prätendenten El Hiba. Paris, 26. August.(W. T. B.) Wie vom 23. August auS Mogador gemeldet wird, finden in der arabischen Bevölkerung geheime Versammlungen statt, in denen für den Prätendenten E l Hiba Stimmung gemacht wird. Noch mehr Pilzvergiftungen. Trier, 26. August.(P. C.) Die Nachrichten von d« Er. krankung nach Genutz giftiger Pilze mehren sich in erschreckender Weise, fast taglich werden ein-der mehrere Todesfälle-der schwere Erkrankungen gemeldet. Heute wurden in E Hingen(Luxemburg) sieben Personen, die nach dem Genuß eines Pilzgerichtes unter Vergiftungserscheinungen schwer erkrankten, in fc»» Kranken- y?us eingeliefert, während die Pensionsinhaberin selbst der Ver. giftung zum Opfer fiel.. � Auch in Nürnberg erkrankte nach dem Genuß frisch ge- pflückter Pilze eine ganze Familie. Auch hier ist d� Familien- oberhaupt der Vergiftung bereits erle gen. wahrend die Mutter mit ihren beiden Töchtern im bedenklichen Zustande da- nicderliegen. Dennoch hoffen die Aerzte, sie retten zu können. Opfer der Arbeit. Innsbruck. 26. August.(W. T. B.) In Selka bei Borgo stürzte ein Ä a l k o f e n ein, während Arbeiter m,t dem Aus- räumen desselben beschäftigt waren. Drei Arbeiter wurden unter den Trümmern begraben Zwei von ihnen wurden getötet, der dritte schwerverletzt. Ein vierter Arbeiter, der ebenfalls bei den Aufräumungser Andreasstratze ab. Nach Eröffnung und Festsetzung der Tages- vrdnung gibt der Vorsitzende Eugen Ernst bekannt, daß ein Protest' eingegangen ist, weil die Anträge zur Generalversammlung nicht im„Vorwärts" veröffentlicht sind.— Das sei— sagt Genosse E r n st— nicht absichtlich geschehen, sondern die Folge eines Ver- sehens. Es werde in Zukunft nicht wieder vorkommen.— Hierauf erstattet Eugen Ernst den Geschäftsbericht des Borstandes. Parteigenossen! Man kann mit vollem Recht das verflossene Geschäftsjahr bezeichnen als ein Jahr reich an Arbeit, reich an heißen, aufregenden Kämpfen. Im Mittelpunkt der Kämpfe, im Mittelpunkt unserer gesamten Tätigkeit stand die Reichstags- Iv a h l. Es ist bei der Verschärfung der Klassengegensätze selbstver- ständlich, daß auch dieser Wdhlkampf an Schärfe zugenommen hat. Vorbei ist die Zeit, wo die bürgerlichen Parteien erst in den letzten Tagen vor der Wahl die Wähler einzufangen suchten. Auch unsere Gegner haben den Wert der Organisation erkannt. Auch sie haben ihre Organisationen ausgebaut, um sie gegen uns ins Feld zu führen. Aber vorbei ist auch der Jubel, den unsere Gegner über den Ausfall der Wahlen im Jahre IM? anstimmten. Eine Kater- stimmung ist nach den Reichstagswahlen von 1912 bei den Gegnern eingetreten. Berlin hat den Wahlkampf gut bestanden. Für die Sozialdemokratie wurden 159 999 Stimmen mehr abgegeben wie im Jahre 1997. 56 Proz. der Wahlberechtigten und 68 Proz. aller abgegebenen Stimmen fielen uns zu. Wir können also sagen, daß wir einen schönen Erfolg errungen haben. Aber das darf uns nicht veranlassen, nach den Erfolgen auszuruhen. Der Ausfall der Wahl macht es uns gerade zur Pflicht, weiter zu arbeiten, zu agi- tieren und neue Erfolge vorzubereiten.— Auch bei den Land- tagswahlen waren unsere Arbeiten von Erfolg begleitet. Am 17. Oktober siegten wir im 5. Landtagswahlbezirk. Genosse Borchardt wurde gewählt. Am 26. März fand eine Wahl im 2. Landtagswahlbezirk statt. Dieser fiel zwar wieder dem Freisinn zu, aber wir hatten einen allgemeinen Stimmenzuwachs.— Auch die Stadtverordnetenwahlen fielen für uns günstig aus. Nicht nur unsere Stimmen, sondern auch unsere Mandate vermehrten sich. Wir haben in Berlin 11 Mandate behauptet und 5 neue Mandate erobert. Aber die Hoffnungen, welche wir auf die Sonntagswahl setzten, haben sich nicht erfüllt. Die Wahl- beteiligung ist nicht so gestiegen, wie wir es erwartet hatten.— Mit dem Ausfall der Gemeindewahlen in den beiden Landkreisen können wir ebenfalls zufrieden sein. In Niederbarnim hat sich die Zahl unserer Mandate von 137 auf 165 vermehrt und in Teltow-Beeskow, wo wir im vorigen Jahre 292 Mandate hatten, haben wir jetzt 228. Das ist ein Beweis, daß der Gedanke des Sozialisn, iW auch auf dem flachen Lande mehr und mehr Boden gewinnt und daß unsere Genossen den Gemeindeangelegenheiten immer mehr Interesse entgegenbringen. Die imperialistische Weltmachtspolitik gab uns mehrmals Gelegenheit, auch zu wichtigen Fragen der äußeren Politik Stellung zu nehmen, Protest zu erheben gegen die frivolen Kriegstreibereien, sowie unsere Friedensliebe und unsere inter- nationale Solidarität zu bekunden. Eine imposante Kundgebung dieser Art veranstalteten wir am 29. Juli in Gegenwart von Vertretern des französischen Proletariats. Am 29. August wurde ■in unserer Verbandsgeneralversammlung die Marokkoafsäre be- handelt. Eine der größten Demonstrationen, die die Welt gesehen hat, war die Friedenskundgebung am 3. September im Treptower Park, an der sich etwa 299 999 Personen beteiligten. Am 12. No- vember protestierten wir gegen den Raubzug der italienischen Re- gierung in Tripolis. Neben diesen Kundgebungen auf dem Gebiet der äußeren Politik ließen wir auch die preußische Wahlrechtsfrage nicht außer acht. Am 4. Juli 1911 kennzeichneten wir das infame Treiben der Gegner im Landtag. Am 9. Mai 1912 protestierten wir in imposanten Versammlungen gegen die Vergewaltigung unserer Abgeordneten Borchardt und Leinert und am 22. Mai erhob das Berliner Proletariat flammenden Protest gegen die Be- Handlung der Wahlrechtsanträge im Landtage. Wenn wir durch die Reichstagswahlarbeit gezwungen waren, eine Zeitlang Ruhe eintreten zu lassen in der Wahlrechtsbewegung in Preußen, so können unsere Freunde und Feinde doch versichert sein, daß wir nicht eher ruhen werden, und daß es nicht eher Frieden geben wird, als bis wir unsere Gleichberechtigung in Preußen errungen haben und die Regierung unsere Forderungen bewilligt haben wird. Es sind beinahe vier Jahre her, als der König von Preußen die Wahlreform versprochen hat. Die herrschen- den Klassen haben es verstanden, die Erfüllung dieses Versprechens zu hintertreiben. Freiwillig werden sie uns das Wahlrecht nicht bewilligen. Wir müssen es im heißen Kampf erobern, und wir werden es erobern, wenn das Proletariat so machtvoll dasteht, um sich sein Recht zu nehmen. Leidenschaftliche Kämpfe wird es kosten. Wir erwarten, daß in diesen Kämpfen jeder seinen Mann steht. Auch im abgelaufenen Jahre hatten wir uns mit der Raub- Politik deS schwarzblauen Blocks zu beschäftigen, die eine schwere Zeit der Teuerung über das Volk heraufbeschworen hat. Mit dieser Angelegenheit befaßte sich eine Reihe von Protest- Versammlungen am 17. Oktober. Doch nicht nur dem Kamps war unsere'Tätigkeit gewidmet, sondern auch für Ausklärung unserer Mitglieder hatten wir zu sorgen. Es galt, sie fester an die Parteiorganisation zu ketten. Wir ließen uns den Ausbau der Frauenleseabende angelegen sein. Die Folge davon war, daß der Frauentag am 12. Mai trotz der mißlichen Verhältnisse eine gutgelungene Veran- staltung wurde.— Für die Mitglieder der Armen- und Waisen- kommissionen ließen wir Vorträge halten, die allgemein befrie- digten— Der Arbeiterbildungsschule überwiesen wir 5999 M.. um die Weiterbildung der Genossen zu fördern. Mehr als 15 Milli- onen Flugblätter, die unsere Forderungen in populärer Form be- handeln, wurden verbreitet, �eber 172 999 Broschüren verschie- denen Fnhalts wurden verteilt. Die„Neue Zeit" wird allwöchent- lich 1999 Funktionären zugestellt, so daß mit ihrer Hilfe an den Zahlabenden prinzipielle Aufklarung verbreitet werden kann. Trotzalledem müssen wir offen sagen, daß unsere Erfolge nicht so sind wie wir es wünschen. Unsere Mitglieder- zunähme beträgt nur 3751, darunter sind 3992 Frauen. Das bedeutet einen Stillstand der Organisation, es entspricht nicht unseren Wünschen. Die Groß-Berliner Organisation hat nur 7,9 Prozent an Mitgliedern zugenommen. Hamburg hat dagegen eine Zunahme von 25 Proz. und Württemberg eine Zunahme von 80 Proz. zu verzeichnen. Auch beim Vergleich der Organisations- ziffer mit den für uns abgegebenen Reichstagswahlstimmen schnei- det Berlin schlechter ab wie manche anderen Bezirke. Auf 199 sozialdemokratische Stimmen kommen in Berlin 21,2, in Schleswig- Holstein 39,8, in Lübeck 49,8, in Hamburg 44 organisierte Genossen. Da? ist für Berlin ein Resultat, welches unS nicht genügen kann. Parteigenossen! Tie Zeit wo die Arbeiter so hindämmern können in Lauheit und Laschheit ist vorüber. Die Zeiten sind ernst. Da genügt es nicht, daß die Genossen nur ihre Beiträge zahlen, di: Zahlabende und Versammlungen besuchen. Wenn ine Sozialdemokratie nicht imstande ist. auch die rückständigen Schichten der Ar- bester zu gewinnen, dann ist sie zur Ohnmacht verdammt. Wir wenden uns an~uch. Parteigenossen! Ihr seid die Kerntruppe tkk Org-wisgjjWf. Ihr Büßt ijj Eppen Kniseg däfur eiMet«-, daß alles Kleinliche zurückgestellt wird im Interesse des großen Kampfes, den wir zu führen haben. Rastlose Agitation müssen wir treiben, um die Masse der Arbeiter zu klassenbewußten Kämpfern für die Ziele der Partei heranzubilden. Wir müssen dafür Sorge tragen, daß die Aufklärung in unseren Reihen Fortschritte macht. Ter Zentralvorstand beschäftigt sich schon seit längerer Zeit mit der Frage, wie die Organisation auszubauen ist, um die Mitglieder zu zielklaren Kämpfern zu machen. Wir haben es mit Freuden begrüßt, daß jetzt die Diskussion darüber einsetzt, was in dieser Hinsicht nottut. Wir wünschen, daß diese Diskussion ruhig und sachlich geführt wird und daß eine Klärung herbeigeführt wird über diese Frage, die heute noch nicht spruchreif ist. Mr er- warten, daß die Parteigenossen weitere Vorschläg'e über den Aus- bau der Organisation machen und darüber, wie die Mitglieder fester an die Organisation gekettet werden können. Parteigenossen! Am 17. August haben wir beschlossen, die Verbindung mit der Bezirksorganisation Brandenburg zu lösen. Dadurch ist die Agitationskommission aufgelöst. Ein Bericht über ihre Tätigkeit erübrigt sich deshalb. Die Lokalkommission haä Diffe>renzen mit einigen Saalbesitzern geschlichtet. Die städtische Subvention des Philhar- mouischen Orchesters veranlatzte die Kommission, erneut zum Boy- kott der Philharmonie Stellung zu nehmen. Die Verhandlungen hatten keinen Erfolg. Der Boykott bleibt in der bisherigen Form bestehen. Die Pretzkpmmission beschäftigte sich mit der Regelung der Gehälter des Redaktions-, Expeditions- und Speditionsperso- »als. Mit den Austrägerinnen drohte ein Konflikt wegen Lohn- forderungen, der die bürgerlichen Zeitungen zu hämischen Bemer- kungen veranlaßte. Diese Zeitungen sollten nur vor ihrer eigenen Tür kehren. Im Hinblick auf die Löhne, die sie ihren Austräge- rinnen zahlen, haben die bürgerlichen Zeitungen keine Ursache. sich über uns aufzuhalten. Der drohende Konflikt ist durch einen Vertrag mit der Organisation unserer Austrägerinnen aus der Welt geschafft. Die juristischen Sprech st unden haben sich gut be- währt. Sie wurden 1911/12 von 17 495 Personen besucht. Das sinS 3945 Besucher mehr wie im Vorjahre. Ein Zeichen für die Beliebtheit dieser Einrichtung. Tie Abonnentenzahl des„Vorwärts" stellte sich im Juli 1911 auf 156 999, m Juli 1912 auf 161 999, also nur eine Vermehrung von 5999. Auch das ist ein Resultat, welches uns nicht befriedigt. Die Presse ist unsere Hauptwaffe. Für ihre Ausbreitung muß mehr agitiert werden. Die Kinderschutzkommission erfüllte ihre schwierige Aufgabe nach besten Kräften. Es wäre eine fürchterliche Anklage der heutigen Gesellschaft, wenn wir alle Fälle von Verwahrlosung und Mißhandlung der Kinder, welche die Kommission festgestellt hat, vorbringen würden. Bei der Kontrolle am 9. Mai 1912 wur- den über 2199 Kinder festgestellt, die vor dem Beginn des Schul- Unterrichts Erwerbsarbeit leisteten. Doch das ist nur ein Bruchteil der großen Schar von Kindern, die auf solche Weise um ihre Jugend betrogen werden. Angesichts solcher Tatsachen wagt es die bürgerliche Gesellschaft, heuchelnd die Augen zu verdrehen über die Verrohung der Kinder. Es ist Pflicht des Staates, Kinder- fürsorge zu treiben, um die kommende Generation vor leiblichem und seelischem Verderben zu bewahren. Die Erfüllung dieser Auf- gäbe wäre würdiger und nutzbringender, als wenn die Welt- Politiker mit gepanzerter Faust und Schnaps ihr Christentum in Afrika verbreiten. Nun habe ich noch einen Ueberblick über die geschäftliche Tätig- keit des Vorstandes zu geben. Außer den täglichen Sitzungen des geschäftsführenden Ausschusses, den Sitzungen mit anderen Or- ganisationen und den Kommissionssitzungen hielt der Zentralvor- stand 14 und der Aktionsausschutz 23 Sitzungen ab. Für 756 Ver- sammlungen wurden Referenten besorgt. Das„Mitteilungsblatt" erschien in 5699 Exemplaren. Parteigenossen! Der Geschäftsbericht liegt Ihnen gedruckt vor, ich habe hier deshalb nur einen kurzen Auszug gegeben. Ich habe schon gesagt, daß uns die Zunahme, die wir zu verzeichnen haben, nicht genügt. Die beste Waffe des Proletariats ist die Größe und Geschlossenheit der Organisation und die weite Verbrei- tung der Presse. Wir brauchen klassenbewußte Kämpfer, Mitglie- der, die mit Herz und Hirn bei der Sache sind. Immer neue Schläge sausen auf das Proletariat nieder. Die Raubpolitik des schwarzblauen Blocks hat uns so weit gebracht, daß eine Hungers- not droht. Die Arbeiter müssen den Riemen immer enger schnallen, bis ihnen schließlich der Atem ausgeht. Immer lauter erschallen die Rufe der Arbeiterfeinde nach einem Zuchthausgesetz zur Knebelung der wirtschaftlichen Bestrebungen der Arbeiterklasse und nach Ausnahmegesetzen gegen ihre politischen Bestrebungen. Man kann nicht erwarten, daß das Bürgertum den reaktionären Ge- lüften erfolgreichen Widerstand leisten wird. In den Kämpfen gegen die finsteren Pläne der Reaktion ist das Proletariat auf seine eigene Kraft angewiesen. Nur wenn es stark und mächtig ist, wird man nicht mehr wagen. Anforderungen an die Regierung zu stellen, welche die Unterdrückung der Arbeiterbewegung bezwecken. Immer offener zeigen Regierung und Behörden, daß sie sich als Vertreter der besitzenden Klassen fühlen. Immer verzweifelter sind die Mittel, welche die Herrschenden anwenden, um ihre Herr- schaft aufrecht zu erhalten. Sie merken, daß ihnen der Boden unter den Füßen schwindet. Darum wenden sie ihre Machtmittel immer rücksichtsloser gegen das aufstrebende Proletariat an. Des- halb haben die Proletarier die Pflicht, sich zusammenzuschließen. An Euch. Genossen, die Ihr die Kerntruppe unserer Organisation seid, wenden wir uns: Geht hin in die Kreise der Indifferenten, zeigt ihnen, wer die Freunde und wer die Feinde der Arbeiterschaft sind. Verbreitet Aufklärung im Sinne der revolutionären Sozialdemo- kratie. Das ist die Aufgabe, der wir uns mit ganzer Seele zu widmen haben. Ten Kassenbericht erstattete der Kassierer Boeske: Wenn Genosse Ernst sagte, daß die Organisation keinen Fortschritt, sondern einen Stillstand zu verzeichnen hat, so zeigt sich das auch in dem Stand der Kasse. Wir haben eine Einnahme von 148 699 M. Das siwd 15 599 M. mehr wie im Vorjahre.� Bei den Einnahmen ans Beitragsmarken der Männer sehen wir einen Rückgang. Sie betrugen im vorigen Jahre 191 139 M., in diesem Jahre aber nur 96 519 M„ also 4629 M. weniger. Die Abrechnung der Kreiskassen zeigt noch deutlicher, daß die Zahl der Restanten groß ist. Die Einnahme aus Beitrags- marken für Frauen ist dagegen in die Höhe gegangen. Sie betrug im vorigen Jahre 16 917 M. und stieg in diesem Jahre auf 29 449 Mark, das ist also ein Mehr von 3523 M. Das ist eine eigentsim- liche Erscheinung. Wenn' es wahr ist, was immer behauptet wird, daß die Männer die Beiträge für die Frauen zahlrn dann müßten ja nach dem Kassenergebnis viele Männer mit den eigenen Bei- trägen im Rückstände geblieben sein, aber für ihre Frauen die Bei- träge bezahlt haben.— Tie Einnahme aus Eintrittsmarken hat sich gegen das Vorjahr um 490 M. erhöht. Die Sektion der Taub- stummen, die jetzt ein Jahr besteht, geht langsam ihrem Ende entgegen.— Tie Einnahmen aus den Kreisen betragen 17 822,82 Mark, die allgemeinen Einnahmen 95 547,36 M.. an diversen Ein- nahmen gingen 7962,33 M. ein. Bons wurden in diesem Jahre nicht ausgegeben, weil keine Nachfrage danach war.— An den Mrteivyrstanp«vvrdeir 237 M M. ahgesjeftrt. Aach de» AestM nmngen des Organisationsstatuts waren 76 487,88 M. al�uhühren. Wir haben also 169 512,12 M. mehr abgegeben als das Statut vor- schreibt. Der diesmalige Satz ist der höchste, den wir an den Parteivorstand abgeführt haben.— Die Agitation Akormn i ssi on er- hielt 73 909 M., davon 35 999 M. zum Wahlfonds. Der Ausgabe- Posten an die Agitationskommission fällt in Zukunft fort.— Ferner wurden ausgegeben an die Preßkommission 275 M., an die Lokal- kommission 259 M., für Stadtverordnetenwahlen und sonstige kam- munale Tätigkeit 13 694,75 M. Diese Ausgaben sind im Laufe der Jahre durch die Vermehrung unserer Stadt- und Gemeindeverord- neten gestiegen. Für Bildungsgwecke wurden 21 389,49 M. aus- gegeben. Auch diese Ausgaben sind von Jahr zu Jahr gestiegen. An gemischten Ausgaben hatten wir 6266,34 M., für Inserate und Drucksachen 26 296,79 M� für die„Neue Zeit" und Broschüren 15 954.92 M.. für Rechtsschutz 444,15 M.. für Verwaltung 11 968.91 Mark.— Die Gesamteinnahme beläuft sich auf 489 359.15 M., die Gesamtausgabe auf 495 549,27 M„ der Bestand am 1. Juli beträgt 83 899.88 M. Davon gehen ab 28 844 M. für den Maißonids, so daß ein Bestand von 54 965,88 M. bleibt. Für den M a i s o n d s wurden aufgebracht durch die Gewerkschaftskommission 69 979 M., durch die Partei 28 844 M.. zu- sammen 88 914 M. Davon sind 85 471 M. dem bestehenden Be- schluß gemäß an die Gewerkschaften als Zuschuß zur Unterstützung ihrer Maiausgesperrten gezahlt. Die beteiligten Gewerkschaften haben! aus eigenen Mitteln 113 433 M. gezahlt. Soweit sich bis jetzt übersehen läßt, wird die diesjährige Sammlung zum Maifonds nicht 88 914 M. erreichen wie im Vorjahr. Wenn wir bedenken, daß wir in Berlin 249 999 gewerkschaftlich und 129 999 politisch organi- sierte Mitglieder haben.dann ist der geringe Betrag des Maifonds ein Zeichen dafür, daß oie Solidarität für die Maifeier in Groß- Berlin! nur schwach ist. Wenn die Maifeier nicht zu Grabe getragen werden soll, dann muß für sie iind> für den Markenumsatz hesser agitiert werden wie bisher. Dobrohlaw heantragt namens der Revisoren, dem Kassierer zu entlasten.. Die Diskussion wird eröffnet, Pieck: Es Wird Wohl keiner hier im Saale feint der nicht enk- täuscht wäre über den organisatorischen Abschluß des Geschäfts- jahres. Die Freude über den Wahlerfolg wird sehr getrübt durch den geringen Zuwachs der Organisation, der nicht als Fortschritt. sondern als starker relativer Rückgang bezeichnet werden muß. Tie- Steigerung der Mitgliederzahl in Berlin beträgt noch nicht die Hälfte der durchschnittlichen Steigerung in der Gesamtipartei. Wie in der Organisationsziffer für Groß-Berlin kein Fortschritt zu verzeichnen ist. so ist es auch im übrigen Parteileben. Auch das geistige Leben in der Partei hat keine Besserung erfahren. Frisches, pulsierendes, vorwärtsdrängendes Leben findet man weder in den Versammlungen noch an den Zahlabestden. Die Klagen über die Oede der Zahlabende nehmen zu. Aber von oben her ist man bis- her ängstlich bemüht gewesen, diese Klagen zu unterdrücken, sie zw ignorieren, ohne ernsthaft an eine Besserung der Mißstände heran-- zugehen. Durch einen theoretisch sein ausgeklügelten Organisations» apparat, der aber praktisch von Jahr zu Jahr mehr und mehr ver- sagt, versucht' man Ängstlich, den Fortschritt zu hindern. Weniv man sieht, wie es in der Provinz überall vorwärts geht, in der Mitgliederzahl, im Abonnement der Presse, in den Einnahmen, im Bildungswesen, in der Jugendbewegung, dann müssen wir in Ber- lin beschämt die Augen fenkem. Man kann nicht sagen», daß die ort- lichen Verhältnisse die Säsulid an dem Schneckengany der Berliner Parteibewegung tragen. Die Schuld! liegt zum Teil an einem ver- knöcherten Bureaukratismus, der sich innerhalb der Berliner Organisation breit macht und fortschrittlich gesinnten Elementen� die Lust an der Mitarbeit verekelt, wenn nicht gar unmöglich macht. Die Schuld liegt aber auch an der Masse der Parteigenossen, die sich eine solche Bevormundung gefallen läßt. Wir haben sorgfältig einen Organisationsausbau errichtet, aber dabei vergessen, für die Zufuhr von Licht und frischer Luft zu sorgen, und wo noch eine Ritze der frischen Luft Zutritt gewährt, da wird sie schnell ver- stopft, wie es auf der letzten Generalversammluing geschah, indem das Einbringen von Anträgen in der Generalversammlung unterbunden wurde. Ich denke, daß der diesjährige Mißerfolg vielen Parteigenossen die Augen öffnen und sie veranlassen wird, über die Zweckmäßigkeit der Organisationseinrichlungen nachzudenken. Bei dem Aktionsausschuß fängt ja die Erkenntnis bereits an. Er hat den Genossen die Diskussion über den Ausbau der Zahlabenbo empfohlen. Aber er konnte diesen fortschritttichen Gedanken nicht aussprechen, ohne zugleich seinen Lauf zu hemmen. Als ich dem Aktionsausschuß einen Artikel mit Vorschlägen über den Ausbau der Zahlabcnde für das„Mitteilungsblatt" sandte, lehnte die Mehr- heit des Aktionsausschusses die Veröffentlichung ab. weil die Kreise erst zu dem Ausbau der Zahlawnde Stellung nehmen müßten. Also meine Vorschläge sollten erst veröffentlicht werden, wenn die Diskussion in den Kreisen, abgeschlossen ist. Die Bürger von Schilda waren demnach nicht einfältiger, wie die Mehrheit d>eS Aktionsausschusses im vorliegenden Falle. Auch die Redaktion des„Vor- wärts" läßt der Ruhm das Aktionsausschusses nicht schlafen. Auch sie lehnte die Veröffentlichung meines Artikels ab, mit derselben Begründung wie der Aktionsauifchuß. Also meine Vorschläge zur Diskussion in den Kreisen sollten, erst veröffentRcht werden, wenn die Kreise mit der Diskussion fertig sind. Die Mehrheit der Redak- tion des„Vorwärts" darf sich bei dieser Haltung nicht wundern, wenn die Achtung vor ihrem Intellekt sich mindert und wenn inner- halb der Partei die Anschauung immer mehr Boden gewinnt, daß die„Vorwärts"-Redaktion über das Parteileben im Reiche nur das bringt, was der Patteivorstant» erlaubt, und über das Parteileben in Groß-Berlin nur das. was der Aktionsausschuß gestattet. Die Preßkommission hat ja erfreulicherweise etwas mehr Verständ- nis für die vernünftige Erledigung solcher Dislkussicmen bewiesen und hat die Veröffenilichung beschlossen, so daß die Genossen gestern und heute in den Besitz der Vorschläge gelangt sind. Auch der Zentralvorstand soll der Veröffentlichung zugestimmt beben, weil die Generalversammlung von Teltow-Beeskow die öffentliche Diskussion gewünscht hat. Ich ersuche Sie, Parteigenossen, die Vor- schlage von Grunwald und mir. zu denen sicher noch andere kommen werden, vorurteilsfrei zu prüfen. Sorgen Sie dafür, daß im kommenden Jahre Welt gemacht wird, waS im alten Jahr ver- säumt wurde. Niemand wird wollen, daß es so weiter geht. Aber dann muß auch die Liebe zu alten unzweckmäßigen Einrichtungen schwinden und dem Verständnis für neue bessere Einrichtungen Platz machen. Je besser unsere Einrichtungen sind» um so besser werden wir unsere Aufgaben erfüllen können. Glatz beschwert sich darüber, daß Mitteilungen der Partei polnischer Sozialisten nicht im redaktionellen Teil des„Vorwärts" aufgenommen werden und beantragt folgende Resolutton: „Die Generalversammlung fordert den Zentralvorstand auf, dafür zu sorgen» daß Mitteilungen über Veranstaltungen und Versammlungen der P. P. S. im„Vorwärts" unter Partei- angelegenheiten aufzunehmen sind." Podany führt aus, die polnischen Genossen würden vom Zentralvorstand stiefmütterlich behandelt. Ihre Organisation, be- ruhe aus einem Beschluß des Mannheimer Parteitags, sie habe die- selben Rechte wie die Organisation der deutschen Genossen, In Berlin seien sehr viele polnische Arbeiter. Für die soziMenMra- tische AgitgtM MtÄ wM etjM gM -/Weber: Gendsse Pieck Hat die Reöaltiob des„Vorivärts" mit verantwortlich dafür gemocht, dofe die Organisation in Berlin nicht genügend vorwärts gegangen ist. Er glaubt, unsere Antwort auf die Einsendung seines Artikels dafür in Anspruch nehmen zu kön- nen, das} der Intellekt der Redaktion nach seiner Meinung im Sinken begriffen ist. Ich weiß aus Erfahrung— ich war ja auch Parteischüler: Da kommt man vvn der Schule, ausgerüstet mit der ganzen Wissenschaft des Jahrhunderts und glaubt, seine Lehrer abkanzeln zu könnem Wenn Pieck glaubt, daß wir uns dem Aktionsa u sschuH unterordnen, dann irrt er sich. Wir sind keine Kulis. ES ist doch notwendig, das} über solche Vorschläge, wie den Ausbau der Zahlabende, erst in den Organisationen gesprochen wird. Da wird wahrscheinlich eine größere Klarheit herrschen als wie in dem Artikel des Genossen Pieck. Er scheint das Wesen der Berliner Organisation doch nicht so zu kennen, wie es notwendig ist. Wenn er sogt, da ist eine Bureaukratie vorhanden, so will ich nur darauf huuc/iscn, daß mir ein Genosse aus Steglitz sagte, im dortigen Wahlverein ist eine Autokratie eingezogen seit Pieck den Vorsitz führt. Wenn man reorganisieren wich, dann muß man viel »veiter gehen tvie die Vorschläge des Genossen Pieck. Man mutz sich die Vorschläge des Grunwaldschen Artikels zu eigen machen, mit denen auch ich einverstanden bin. Zu einer durchgreifenden Reorganisation gehört auch die Zentralisierung des Bildungswesens. der Bibliotheken. Es sind noch mehr Vorschäge zu machen als die, welche Pieck geinacht hat, um die Organisation auf die Höhe zu bringen. Wevm es nicht in wünschenswerter Weise vorwärts geht, baS liegt nicht an der Leitung, sondern an den Mitgliedern. In meiner Organisation ist eine solche Lauheit eingerissen, datz die Mitglieder nicht einmal in die Versammlung kominen, im die Anträge zur Generalversammlung erörtert werde»?. Wenn die Mit- glieder aus dem Posten sind, dann wird die Organisation dahin kommen, wohin sie gehört. Pieck: Wenn man so wie der Vorredner über den Ausbau der Organisation diÄuiieren will, dann nzerden wir nicht weiter kcmimen. Ich habe nicht an einzelnen Personen Kritik geübt. sondern ich mache die Masse dafür verantivortlich. datz es so ist, wie ich gesagt habe. Wenn Weber die Parteischule daz»« benutzt, um gegen mich Sti??unung zu machen, so zeugt das nicht von Intellekt, nnd»venn die anderen Redakteure auch so sind wie Weber, dann zeugt das nicht vom Intellekt der Redaktion. Ich kritisiere nicht die Führer überhaupt, sondern die, welche von Verbessernngsvor- schlägen nichts wissen wollen. Ich habe nicht gesagt, der Intellekt d«r Redaktion sinkt, sondern ich sagte, die Mehrheit der Redaktion darf sich nicht wundern, wenn bei solchem Beschlüssen die Achtung vor ihrem Intellekt schwindet.— Es ist ja eine bekannte Er- scheinung, daß man den Kritikern, mit denen man nicht einver- standen ist, sagt, sie verstehen nichts von der Sache. Wenw Weber mit dem Artikel des Genossen Grunwald cinberstanden ist, dann mutz er auch mit dem ersten Teil meines Artikels einverstanden sein, denn dieser will dasselbe wie Gnmwalid.— Mit dem Genossen! aus Steglitz, auf den sich Weber berief, niöchte ich mich ein- mal über den Begriff„Autokratie" aussprechen. Was ich in Steglitz getan habe, ist keine Autokratie. Ich bilde mir nicht ein, daß meine Vorschläge das Heil der Berliner Partei bedeuten» Ueber die Erfahrungen, die ich in meinem Artikel niedergelegt habe, lasse ich mit mir reden, aber so leicht abtun lasse ich mich nicht. Ich ersuche Sie. sich durch diese persönliche Polemik nicht von der Sache ablenke»»! zu lassen, sondern die Vorschläge»veitcr zu diakuticren. .Grunwald bringt eine Resolution ein, welche besagt: Ueber die Reorgaiüsation soll in den Kreisen diskutiert und kaS Ergebnis der Diskussion im„Voriväris" veröffentlicht werden, dann soll eine Generalversalnrnlung dazu Stellung nehmen. Vorsitzender. Groger bemerkt, die Resolution- gehöre zur Statutenberatlung, aber nicht zum Geschäftsbericht. Grunwald verlangt, daß die Resolution beim Geschäfts, Bericht erörtert und abgestimmt wird, damit die Frage der Reorga, pisation nicht hinausgeschoben werde. Die DiÄuission ist erschöpft» Das Schlußwort erhält Ernst: Unsere polnischen Genossen bcschtvcren sich, daß sie Nicht als Landsmannschaft betrachtet und ihre Bekanntmachungen nicht im.Vorwärts" veröffentlicht werden. Ich weih nicht, ob die Polnischen Genossen jetzt einig sind.(Glaß: Das sind wir.) Früher waren sie gespalten. Da lmben»vir ihtien den Vorschlag gemacht, sie sollten sich zusammenschließen, dann könnten sie eine besondere (Beftioit in unserer Organisation bilden. Es wäre doch besser für sie, wenu die große deutsche Organisation hinter ihnen stände. Die polnischen Genossen waren damit nicht einverstanden. Wir sagten deshalb, sie könnten in der Partei nicht anders behandelt»verden. wie alle anderen Genossen. Daß ihre Anzeigen nicht im rcldak» tionellen Teil veröffentlicht werden, beruht auf einem Beschluß der Pretzkommission. Weim Genosse Glaß damit nicht einverstanden war. dann hätte er es uns sagen sollen, wir hätten, dann mit ihm und der Preßkommission darüber gesprochen. Ich halte es nicht für möglich, daß der W misch der polnischen, Genossen, hier erledigt wird. Der Zentralvorstand kann sich aber damit beschäftigen. Nun komme ich zu?n Antrage Grunwald» Der»vill dasselbe, was ich hier als Wunsch des Zentralvorstandes vorgetragen habe. Wir er- suchen Sie, sich heute nicht durch Beschlüsse festzulegen, sondern' erst in freier Diskussion alles zu erörtern, tvas zur Sache gehört. Die Resolution Grün walds»väre also überflüssig.— Genosse Pieck hat mit langen Worten das wiederholt, was ich kurz gesagt habe. Ich habe die Genossen aui gefordert- nicht im Schlendrian dahinzuleben, sondern ihre gange straft daranzusetzen, daß eS besser wird. Ich habe betont, daß die Diskussion über die Reorganisation frei bleiben muß von allen demagogischen Schlagworten. Nur mit sachlichen Gründen soll sie ge fuhrt»verden. Wenn Pieck so eii»p» findlich ist, weil ihn Weber angegriffen Hai, so muß ich sagen,, die. Art seiner Tisküssion trägt nicht zur sachlichen Erörterung bei. Es ist doch nicht so, daß alles vom Zentralvorstand gemacht wird. Die Generalversammlung hat beschlossen, daß Antrüge erst von den Genossen erörtert werden müssen» Pieck sagt, es herrsche bei uns ein BureaukratismrlS, der deir Genossen die Lust am Mitarbeiten verekelt. Wem» Aas wahr»väre, dann habt Ihr, Parteigenossen. die Schuld. Ihr müßtet uns doch nach Hause schicken»»venu wir uns einfallen lietzerr. Euch bureaukratisch zu beherrschen. Daß nicht jeder Wunsch der Parteigenossen, erfüllt»verden kann» ist ja selbstverständlich. Aber deshalb herrscht doch noch kein Bureau- kratiSmus. Müssen wir ums denn alle Angriffe ruhig gefallen, lassen,? Soll man denn vogelfrei sein, wenn man auf einen Partei- Posten gestellt» ist? Nein, Genossen, wir stehen' mit Euch im gleichen Recht.— Ich wiederhole nochmals: ES ist uns sehr ernst damit, daß eine freie Diskussion über die Frage der Reorganisation ge, führt wird. Unsere Organisation ist das Ergebnis einer historischen. EntWickelung. Wenn die Parteigenossen' der Meinung sind, datz sie geändert werden muß. so ist es ihre Pfticht, die Diskussion darüber ruchig und sachlich, frei von allen persönlichen Angriffen, zu führen. Nach einigen» persönlichen Bemerkungen der Genossen Pieck und Ernst wird der Antrag der Revisoren, den Kassierer zu ent- lasten, einstimmig angenommen.— Die Resolution der polnischen Genossen- ivird dem Zentralvorstand überwiesen. Vorsitzender Groger: Nun sind wir mit dem Geschäfts- bericht zu Ende. Grunwald: Ich verlange, daß über meine Resolution» ab- gestimmt»virtz. Ernst: Ich habe doch gesagt, daß die frcicste Diskussion über die Reorganisation stattfinden soll. Die Entscheidung hat natür- lich die Gcncralversammlmmg» D,e Abstimmung erfolgt, die Resolution Grunwald wird an- » genommen. Wahl de» Bvrstande» ES»trnrdcn wiedergc'wähl't als erster Vorsitzender Eugen Ernst, als erster Schriftführer Theodor Fischer, als Kas- sierer Emil Bocske. Ferner wrden gewählt als Revisoren: Schmidt, Burghardt, Dobrohlaw, Weinniann. T a u b m a n n. Als Vertreterinnen der Frauen die Genossinnen Baader, Fahrenwald, Matschke, Juchacz, Arend- iee.— Die übrigen Mitglieder des Zentralvorstandes sind bereits I> de» Kreisen zewählt und wurden widerspruchslos bestätigt Der nun folgende Punkt der Tagesordnung laute!:'- Anträge des Zentralvorstandes auf Abänderung de? Berbandsstatuts. Hierzu beantragt Grog et namens des Kreises Tcltow- Beeskow: Da wir uns gegenwärtig in der Beratung des Partei- statuts befinden und auch über die Reorganisation der Berliner Organisation diskutiert werden soll, so würde ein heut festgesetztes Statut sehr bald wieder geändert werden müssen. Es solle deshalb heute von Statutenänderungen, abgesehen werden, bis auf die eine, »velche sich infolge der Trennung der Berliner von der Branden? burger Organisation- notwendig macht. Dieser Antrag wird angenommen. E r n st führt zur Begründung der betreffenden Aenderung aus: Durch das Ausscheiden der Agitationskommission, ist der Zentralvorsiand um die Zahl der Mitglieder desselben verringert. Würde diese Zahl nicht wieder ergänzt, dann wäre das Stärke- Verhältnis zwischen dem Zentralvorstand und dem Aktionsausschuß verschoben und jeder Appell an den Zentralvorstand illusorisch ge- macht. Man müßte auch» wenn die Lücke nicht wieder ausgefüllt würde, die Vertretung der Kreise in den einzelnen, Körperschaften ändern, die sich als richtig bewährt hat. Jetzt bildet der Aktionsausschuß zugleich das Schiedsgericht der Bezirksorganisation, wo- durch er mit Arbeit sehr überlastet wird. Der Zentralvorstand schlägt nun vor, ihn durch Einsetzung einer Schiedsgerichtskommis- sion zu verstärken, die aus einem weiblichen und acht männlichen Mitgliedern besteht. Ferner soll einem Vertreter des im End- stehen begriffenen BildungLausschufses, sowie dem O-bmann der Ki nd er schu tzkomm i ssion ein Sitz im Aktionsausschuß eingeräumt werden» Auch für die bisher von der Agiiaftonskommifsion be- trieben« Propaganda unter den Schiffern ist ein besonderes Mit- glied erforderlich. Nach kurzer Diskussion wird folgender Antrag zum Statut an- genommen: Die Schiedsgerichtskommission, beschließt als die Vertretung des Zentralvorstandes über die gestellten A»rsschlußan träge. Auf Wunsch des betreffenden Kreises kaum die Schicds- gerichtskommission auch in sonstigen Streitfällen in den Kreisen als Schiedsgericht, fungieren. Die Versammlung geht nun zur Beratung der Anträge über. die von der vorigen Generalversanrmlung zurückgestellt worden sind. Gleichzeitig werden die Anträge beraten, welche die Kreise zur gegenwärtigen Generalversammlung gestellt haben» Sechs Anträge, die sich im wesentlichen decken, beziehen sich auf die Gratislieferung des„Vorwärts". Zurzeit wird der„Vorwärts" auf Antrag gratis geliefert an Arbeitslose nach zweimonatiger Dauer der Arbeitslosigkeit. Die Anträge wollen, daß die Karenzzeit auf vier Wochen, beschränkt ivird, auch wird verlangt, daß sich die Gratislieferung auf Streikende und Ausgesperrte unter denselben Voraussetzungen er- strecken soll. Die Grundlage der Diskussion bildet ein in diesem Sinne gehaltener Antrag des Kreises Niedcr-Barnim. Mehrere Redner traten für den Antrag ein mit der Begrün- düng, es»verde doch den Arbeitslosen sehr schwer, erst acht Wochen den„Vorwärts" zu bezahlen, che sie Anspruch auf Gratislieferung haben. Gegenüber dem sehr hohen Ueberschutz, den der„Vorwärts" im letzten Geschäftsjahre erzielt habe, seien die Kosten für die Gratislieferung in dem beantragten Umfange nur gering. Der „Vorwärts" sei doch nicht dazu da, um nur Ueberschüsse herauszu- wirtschaften. Bei so kolossalen Ueberschüssen hätten wir die Pflicht, an die Zlrbeitslosen zu denken. Sassen ersucht im Namen des Zentralvorstandes um Ab- lehnung des Antrages. Es sei anzuerkennen, daß der Antrag gut gemeint ist. Aber man könne in diesem Falle nicht das gute Herz allein sprechen lassen, sondern man müsse die finanzielle Tragweite des Antrages betrachten. Der Redner stellt nun eine eingehende Berechnung auf und kommt zu dem Schluß, datz schon die Herab- setzung der Karenzzeit für die Arbeitslosen eine Mehrbelastung von etwa 34 000 Mk. jährlich bringen tvurde. Wenn die Gratis- lieferung auch noch auf die Streikenden und Ausgesperrten ausge- dehnt werden sollte, dann ließen sich die Folgen gar nicht absehen. Bei großen, auf weite Kreise der Arbeiter ausgedehnte Lohn- kämpfen tvurden die, Ueberschüsse des„Vorwärts" vollständig her- loren gehen. Bei keinem anderen Parteiblatt würden Gratisliefe- rungen in so großem Umfange gewährt wie beim„Vorwärts". Im weiteren Verlauf der Debatte äußert auch B i t t o r f Be- denken gegen den Antrag. Er weist darauf hin, datz bei der Gratis- lieferung eigentlich der Verdienst des Betreffenden berücksichtigt werden»nützte, denn ein Arbeiter mit hohem Lohn könne auch in Zeiten der Arbeitslosigkeit das Abonnement eher bezahlen als ein anderer mit niedrigem Lohn. Wenn die Generalversammlung den Antrag annehmen sollte, dann hänge die Durchführung desselben doch noch von der Zustimmung des Partcivorstandes ab, der ja über alle Angelegenheiten des„Vorwärts" mitzubestimmen habe. Der Parteivorstand habe zu dem Antrage noch nicht Stellung genom- men. Es sei sehr unwahrscheinlich, daß er ihn annehmen werde. Durch die Abstimmung wird zunächst beschlossen, aus dem An- trage Nicderbarnim den Passus zu streichen,»oeicher für den Fall der Gratislieferung den Nachweis verlangt, datz der Betreffende zwei Jahre Abonnent des„Vorwärts" ist.— Der Antrag wird dann in folgender Fassung angenommen: „Der Beschlutz betreffend Gratislieferung des„Vorwärts" an arbeitslose Abonnenten ist dahin abzuändern, daß diese den „Vorwärts" auf ihren Antrag frei erhalten, wenn sie vier Wochen arbeitslos und zwei Jahre politisch und gewerksdhaftlich organisiert sind.— Streikende und Ausgesperrte sind den Ar- beltslosen gleich zu achten. Der Empfänger eines Gratisexemplars hat sich zweimal im Monat bei dem Spediteur zu legitimiere»»." Ein Antrag, welcher verlangt, datz die Ausgabe von Parteibons eingestellt wird, wird ohne Debatte angenommen, nachdem Ernst be- merkt hatte, der Zentralvorstand stimme dem Antrage zu. Es seien im letzten Jahre keine Bons mehr vertrieben, weil lerne Nachfrage danach war.— Zur Jugendbeivcgung werden ohne Debatte folgende Resolutionen angenommen: „In Anbetracht dessen, datz die preußische Schulverwaltung zur Bekämpfung der Arbeiter-Jugendbewcgung eine Broschüre ausgearbeitet hat und in dieser die Mahnui»g an die schulent- lassen? Jugend richtet, keiner„sozialdemokratischen Jugendorga- nisation", sondern einer auf dem Boden„vaterländischer Ge- sinrning" stehenden Jugcndvereinigung beizutreten; des ferneren, datz diese Brcischüre zun» erstenmal im April d. I. gratis an die Schüler verteilt wurde, soll der Zentralvorstand von Grotz-Bcrlin geeignete Schritte unterneh»?en, um dieser Broschüre in Form eines Flugblattes oder eventuell ebenfalls einer Broschüre ent- gegenzutreten." «Mit Rücksicht darauf, datz die Verfolgungen der Arbeiter- jugcnd durch die Polizeiorgane bei Zusammenkünften, Spazier. gängen und Ausflügen immer mehr um sich greifen und die Ju- gendlichen unserer"politischen Organisation bis zum 13. Jahre gesetzlich entzogen sind, beauftragt die Verbandsgeneralversamm- lung den Zentralvorstand von Grotz-Berlin, besondere Mahnah- »neu zu treffen, datz die Jugendlichen in der Zeit vom 18. bis 20. Jahre um so gründlicher aufgeklärt uird für unsere Bestre- bungen gewonnen werden." Das Genossenschaftswesen betrifft folgender Antrag: „Ii»?„Vorwärts" eine ständige Rubrik für das Genossen- schaftswcsen einzurichten, ebenso wie sie der Frauen- und Ge- werkschaftsbcweguiig eingeräumt worden ist. Zum Leiter des genossenschaftlichen Teiles wolle man eine geeignete Persönlich- keit, die in der Gcnossenschaftsbcwegung erfahren ist, bestellen." Sicmer führt zur Begründung des Antrages aus, der„Vor- wärts" bringe nicht genug über das Genossenschaftswesen. Dem solle der Antrag abhelfen. Nachdem die Gewerkschaften und die Frauenbewegung längst eine besondere Rubxjk ixg»PoMäxts" haben, sei eS recht und billig, daß auch das GenossenschaftsKesft» ist gleicher Weise berüdssichtigt werde. Selbstverständlich müsse für die Bearbeituirg dieses Teiles eine geeignete Person, vielleicht ein mit dem Genossenschaftswesen vertrauter Reichstagsabgeordneter ge- Wonnen werden. Heinrichs bemerkt namens des Zentralvorstandes, es fei selbstverständlich, datz das Genossenschaftswesen im.Vorwärts" propagiert werde. Es sei jcboch bedenklich, einen bestimmten Raum dafür festzusetzen, denn in p»»litisch bewegten Zeiten würden wohl andere wichtige Angelegenheiten den Vorzug verdienen. Der Red- ner ersucht um Ueberweisung des Antrages an die AufsichtS- instanzen des„Vorwärts". S i e m e r s meint, es werde der erforderliche Raum vorhan- den sein, wenn die Versammlungen und die langen Nachrichten aus den Vororten gekürzt würden. Ein besonderer Redakteur für den Genossenschaftsteil werde von'den Antragstellern nicht gefordert« sondern ein geeigneter Mitarbeiter. Redakteur Weber tritt ebenfalls für Ueberweisung des An-� träges an die Instanzen des„Vorwärts" ein und betont, datz das Genossenschaftswesen selbstverständlich im„Vorwärts" propagiert werde, es werde aber auch notwendig sein, Stellung zu� nehmen gegen die von Hamburg ausgehende Richtung der genossenschaft- lichen Ueberneutralität. Die Versammlung beschließt, den Antrag der Redaktion und Pretzkommission zur Berücksichtigung zu über- weisen. Ein Antrag, welcher sich auf Veröffentlichung im „Mitteilungsblatt" bezieht, wird zurückgestellt, weil er in Verbindung steht mit den die Reorganisation der Zahlabende usw. betreffenden Vorschlägen, mit denen er gemeinsam erledigt werden soll. Ohne Debatte wird folgender Antrag angenommen, der diö Jahresberichte betrifft: Den gedruckten Jahresberichten des Verbandes der Wahl- vereine Groh-Berlins sind die wichtigsten Beschlüsse der Orga- nisation anzufügen. Die Herabsetzung der Delegiertenwahl bezwecken zwei Anträge. Der eine ist vom Kreise Teltow-Beeskow' gestellt. Er will, datz auf 2S0 Mitglieder ein Delegierter zur Verbandsgeneralversammlung kommt und datz den kleinen Kreisen eine Mindestzahl von 10 Delegierten zugestanden wird.— Niederbarnim beantragt, datz für je 200 Mitglieder ein Delegierter ge- wählt werden soll. Die Antragsteller verweisen darauf, datz jetzt, wo eltf 100 Mitglieder ein Delegierter kommt, die Zahl der Delegierten so groß sei, datz eine korrekte Verhandlung in der Generalvcrsamm- lung nicht mehr möglich sei, deshalb müsse die Zahl beschränkt wer- den, die Teilnehmer der Generalversammlung tvürdei» dann den Verhandlungen besser folgen köirnen. Andere Redner meinten, man solle erst das Ergebnis der Dis- kusston über den Ausbau der Zahlabende abwarten, ehe man an den Einrichtungen der Organisation etwas ändere. Die Pckrtei- genossen wollten mehr Demokratie in der Organisation haben. Durch Herabsetzung der Delegiertenzahl würden die Rechte der Mitglieder beschnitten. Die jetzige Zahl der Delegierten sei nicht so groß, datz man von einer Ueberfüllung der Versammlung reden könne.— Friedländer führt aus: Der jetzigen Mitgliederzahl entsprechend müßte, wenn auf 100 Mitglieder ein Delegierter gewählt wird, die nächste Generalversammlung aus»1200 Dele- gierten bestehen. Bei einer so großen Zahl seien alle Beschlüsse von Zufallsmehrheiten wie in einer Volksversammlung abhängig. Es sei durchaus nicht undemotratisch. wenn die Zahl der Dele- gierten beschränkt werde. Er gehe noch weiter wie die Antrag- steller. Er schlage vor, datz die Zahl der Delegierten auf 300 fest- gesetzt werde, die nach dem Proportioualftjstem auf die einzelnen Kreise zu verteilen wären. Eine so zusammengesetzte Generalver- sammlung würde erfolgreicher arbeiten können wie eine aus 1200 Delegierten besteheiwe. Er wünsche nicht, datz heute über diele Angelegenheit Beschlutz gefaßt werde, man möge sie den Kreisen zur Bearbeitung überweisen. Die nächste Generalversammlung könne darin Beschlutz fassen. Die Versammlung beschließt, die Anträge Teitotv-BccSkow und Niederbarnim den Kreisen zur Diskussion zu über- weisen. Gehaltserhöhungen der Angestelltc» haben drei Anträge zum Gegenstand. Die Anträge verlangen, daß Gehaltserhöhungen der Angestellten sowie einmalig' Znwendungen (Teuerungszulagen) nicht vom Zentralvorstande beschlossen, sondern nur mit Zustiinmung der Vcrbandsgeneralversammlung bewilligt werden dürfen. Wie aus den Ausführungen der Antragsteller hervorgeht, sind die Anträge deshalb gestellt, weil der Zentralvorstand den Ver» bandSangestellten eine einmalige Teuerungszulage bewilligt hat, ohne die Mitglieder zu befragen. Der Zentralvorstand habe da- durch seine Kompetenz überschritten. Seitens des Zentralvorstandes wird die Ablehnung der An- träge empfohlen mit der Begründung, dem Vorstande, der durch das Vertrauen der Mitglieder gewählt sei, könne man doch die Regelung einer solchen Angelegenheit überlassen. Wenn er be- willigt habe, was notwendig sei, so habe er damit auch im Jnter- esse der Mitglieder gehandelt. Von einer Kompetenzüberschrciwng könne keine Rede sein, denn nach dem Statut seien die Beschlüsse des Zentralvorftandes bindend für die Kreise. Wenn gegen die Teuerungszulage Widerspruch erhoben worden wäre, dann würde die Angelegenheit den Kreisen überwiesen«norden sein. Angenommen wird der Antrag: „Gehaltserhöhungen der Angestellten der Berliner PaRei- Organisation bedürfen ebenso wie einmalige Extrazuwendungen an dieselben der Zustimmung der Verbandsgeneralversammlung. Dem Zentralvorstand von Grotz-Berlin soll die Kompetenz abgesprochen werden, den Verbandssekretären Teuerungszulagen zu verabfolgen ohne vorherige Zustimrgung der Parteigenossen." Zur Bezahlung der Referentc» liegen drei Anträge vor. welche verlangen, datz die Referenten in Deinonstrations- und Protestversammlungen nicht honoriert wer- den.— Für die Anträge wird geltend gemacht, man könne mit Recht von den rednerisch tätigen Parteigenossen verlangen, datz sie bei solchen Gelegenheiten ohne Bezahlung referieren. Wenn gesagt werde, ohne Bezahlung sei es nicht möglich, bei Massenversamm- lungen genug Referenten zu finden, so werfe das ein schlechtes Licht auf den Idealismus der betreffenden Genossen. Vom ZentralvorstanÄ wird darauf hingewiesen, daß früher für Referate in Protest- und Demonstra ti on sve rsa m mlungen keine Be- zahlung erfolgte. Ter Beschluß, auch solche Referate zu bezahlen. ei gefaßt worden,»veil es nicht mehr möglich gewesen» sei. bei olchen Gelegenheiten für alle Versammlungen Referenten zu be- kommen. Es gebe gut« Redner» die wirtschaftlich so gestellt seien, daß sie auf Bezahlung angewiesen seien. Die Referenten seien nicht so zahlreich, daß der Bar stand bei Massenversammlungen genügend Redner ohne Bezahlung finden könne. Vertreter von Teltaw-Beesfcnv und Nieder-Barnim erklären, sie können dem Antrage nicht zuistimmen. Sie würden ihre Repe- renten nach wie vor bezahlen, denn es gehe nicht anders. Ein An/trag, wonach nur Angestellte als Referenten nicht be- zahlt werden sollen, wird abgelehnt und folgender Antrag an- genommen: Der Beschluß des Zentralvorstandes:„Daß Rcßerenten bei Demonstrations- oder Protestversanrmlungcn in Zukunft bezahlt «verden sollen", ist auszuhebern Die Errichtung einer Kinberschutzzentral« wird ohne Debatte durch Auma hm e dieses Antrages beschlossen»: Die VerbandSgeneralversaminlung von Grotz-Berlin be austragt den ZMrdporstqnd, so bald wie«löslich Schritte in die Wege zu leiten- M Gründ'uNg einer KinderschuHzeNtraie, deren Kosten gemeinsam vom Verband sozialdemokratischer Wahl- vereine Grost-Berlins zu- tragen sind. Ein Antrag des Kreises Teltow-Beeslolw, den Ausbau der iZahlabende betreffend, wird als erledigt erachtet durch die An- nähme des Antrages Grurtwald beim ersten Punkt der Tages- vrdnung. Eine längere Debatte entsteht über die Frage der Einsetzung eines Bezirksbildungsausschusses. Hierzu wird beantragt: Die Generalversammlung erwartet, daff der Zentralvorstand in Verbindung mit der Gewerkschaftskommission die Einsetzung des Bezirksbildungsausschusses so beschleunigt, dah er noch für die Bildungsarbeit des kommenden� Winters tatig fein kann. Ernst bemerkt, der Zentralvorstand habe mit der GeWerk- Ichaftskommission verhandelt, sie werde zu der Angelegenheit Stellung nehmen, es werde zur Einsetzung des Bezirksbildungs- ansschusses kommen. Heinrich Schulz führt aus, wir wissen, daß der Zentral- vorstand gern einen Vildungsausschuß einsetzen möchte, der Zentral- vorstand könne aber nicht vorwärts kommen, weil die Gewerkschafts- komm-ission noch nicht so weit sei, daß der Ausschuß eingesetzt werden könne. Deshalb sei der Antrag in der vorliegenden Form gestellt. ttrboit5nse>i«el»: Hos I. Amt Norden, Nr. I2Z9. VervaltuDgsstelle Berlin CharitSstratze 3. Hauptbureau: öos in. Amt Norden, Nr, 1987, Mittwoch, den 88. August 1912, abends s'/z Uhr: JrsnvUen- Versammlung aller in der LiseiinioK>oI»BnsncKv beschäftigte» Kollegen und Kolleginnen im Saal 5 des Gcwerkschaftshauses, Engelufer 15. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen EVit« Carl. 2. Bericht über daS Er- gebnis der Statistit. 3. Branchenangelcgenheiten. 4. Verschiedenes, Die Kollegen der Firmen Karl Schulz, Paul Neye. Hermann Reinhold, Gustav Liepe, Groth«. Brandt, Jean Schöuarasf, Kunze, Auierikanilche Metallbettenfadrik, Ernst Lenz, SN. Pech, Ruhnau-Biohts, Lüdtke«. Zander, Förster u, Schulz und Caöpari- Mariensclde sind ganz besonders eingeladen. Mittwoch, den 88. August 1918, abends«'/a Uhr: Uersammlung= der MetaiBschleifer, Galvaniseure, Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen in den Arminhallen, Kommandantenstr. 58/59(großer Saal). Tagesordnung: 1. Vortrag dcS Kollegen Paul Pawlonltsch über:„Klassenjustiz und Vieineid". 2. Verbandsangelegcnhciten, 3. Verschiedenes, Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. - Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt.-------- Mittwoch, de» 88. August 1918, abends« Uhr: Versammlung der in den Betrieben der Kunstverglasung beschäftigten Metallarbeiter im Gewerkschaftshaus, Engelufer 13. Saal Z. Tagesordnung: 1. Tie Situation in obigen Betrieben. 2. Diskussion, 3. Ver- schlcdencS, Es wird erwartet, dah in dieser Versammlung niemand fehlt, besonders die im Denischcn Mctallarbciter-Verband organisierten Kollegen müssen anwesend sein._ 123/6 Mittwoch, den 88. August 1918, abends 6 Uhr: Kranchen-Nersammlung der chirurgEschen Brauche im Roscnthalcr Hof, Rosenthaler Straße 11/12. Tagesordnung: I. Neuwahl von zwei Mitgliedern der Branchen-Agitalionskommission. L. Branchenbcrtcht. 3. Verschiedenes. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Mittwoch, den 88. August 1918, abends 8'/, Uhr: ass Versammlung« der Graveure und Ziseleure in den Corona-Prachtsälen, Kommandantenstr. 72. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Ciraxer. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. OV Tie Statistik der Graveure und Ziseleure wird in dieser Versa zersammlung ausgegeben. Um rege Beteiligung wird ersucht. Mittwoch, den 88. August 1918, abends 8'/, Uhr: Mitglieder-Versammlnng der Gelil» und Silberarbeiter und verwandter Berufsgenofle» im Dresdener Garten, Dresdener Straße 45. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Or. I>avl,, Uhr, bei Merkowski. Andreasstr. 25. Tagesordnung: 1. Beratung der Anträge zur Generalversaminluug. 2. Bericht vom Vcrbandstag. 3. Branchenangelegenheiten. Die Kollegen aus den Vororten werden ganz besonders ersucht, w der Versammlung zu erscheinen. vasslonlaitai» abend» 8 Uhr. im GewerkschaftshauS, Engel- tttllivUtvgvl User 14/t5, Saal 3. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Anträge zur General- Versammlung. Perlmutt-, Horn- unö Steinnaß- Knoptorbeiter abends 6 Uhr, im Gewcrkschaftshans, Engelufer 14/15, Saal 5. Tagesordnung: 1. Forlsetzung der letzten Branchenveriammlung. 2. Beiicht vom Verbandstag. 3. Anträge zur Generalversammlung. 4. Ersatzwahl zur Kommission. Donnerstag, den 89. August: Bezirk Cliarlottenburg ää U|c*. Aero-Klub.lO- Ci garette Stück 4 Pfennig. Möbel Gustav Rentel, kauft man reell u. am besten beim OrftOte Auswahl in allen Holz- und Stilarten. iSlE Tischlep- meiste, r;LaniIslierprStr.6,�LearnTo; Ii.& P. Uder, Berlin SO. 16, Sngcl-Ufer 5. Tabak-Qroßhandlung und Tahakiabrik. Spezialität: Nordhäuser Kautabak von G» A. Kanewacker, Grimm 5 Triepel 11 Stets frisch zu den äußersten Engrospreisen. r Amt IV, 3014.- Stoffe für elegante Maßanzüge, Paletots, Ulster etc., Mtr. 4.—, S. 6.— M. Damen• Kostlimstoffe, Damentuche „Neuheiten" Mtr. 2—, 3.—, 4— M., Loden f. Pelerinen Mtr. 1.50, 2.50 M. Schneidermeister, welche unsere Stoffe tadellos verarbeiten, weisen wir nach. Arbeitslohn nebst Zutaten ca. 20 bis 30 M. Tuchlager Koch& Seeland G.m. b. H. Gertrausltenstr. 20/21 vis-4-¥isder Petrikirche. 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KtW des Amilrls" Knlim WlllsM Dieosla� 27. Aug«? lSl2. Nittichsttlicher Nocheitbericht. Bolksversicherung. Oeffentliche und private Lebensversicherung. Die von den Gewerkschaften gemeinsam mit den Konsumvereinen geplante Volksversicherung hat das Interesse weitester Kreise erregt. Von der einen Seite, den Reaktionären und Scharfmachern, wurde die Hilfe der Regierung und Gesetzgebung gegen diese neue „sozialdemokratische" Gründung aufgeboten. Man solle es nicht dulden, daß jene Klassenpartei sich auch auf wirtschaftlichem Gebiete immer mehr absondere und konsolidiere und damit zu einem Staate innerhalb des Staates werde. Während aus diesen Klagen nur der Haß gegen jede Regung der Arbeiter- schaft— die schließlich wie jeder andere Berufsstand auch das Recht wirtschaftlichen Zusammenschlusses besitzt— und die Sorge vor einem Profitverlust der bisherigen privaten Versicherungsgesell- schaften spricht, hat die deutsche Arbeiterschaft den Plan mit Freuden begrüßt. Gerade der Zweig der Versicherung, der jetzt unter dem Namen„Bolksversicherung" besteht, wird so sehr im eigenen Interesse der Erwerbsgesellschasten und entgegen den Be dürfnissen des Volkes betrieben, daß dauernd von den Versicherungs� nehmern Klagen und Proteste erhoben werden. Man braucht gar nicht die horrend hohen Tantiemen der Direktoren und Aufsichtsrats- Mitglieder einzelner Versicherungsgesellschaften zu nennen, um die Berechtigung der Vorwürfe einzusehen. Eine Würdigung des Geschäfts- gebaren« dieses Erwerbszweiges in Deutschland überhaupt kennzeichnet die Politik der Gesellschaften, die erst in letzter Linie die Versicherten berücksichtigt. Der vor kurzem erschienene Geschäftsbericht für das Jahr 1911 des Kaiserlichen Aufsichtsamtes für Privatversicherung liefert dazu reichliches Material. Die Nervosität der bürgerlichen Presse, soweit sie gegen die Volksversicherung der Konsumvereine und Gewerkschaften Stellung nimmt, ist allerdings recht erklärlich. Den privaten Gesellschaften drohen noch weitere„Gefahren". In Deutschland setzte besonders das 1911 beschlossene Versicherungsgesetz für An� gestellte die Privalversicherung in Unruhe. Der offen oder ver> steckt betriebenen Agitation der Gesellschaften ist es ja leider auch gelungen, daß Angestellte von der staatlichen Versicherungspflicht befreit werden, wenn sie eine entsprechende Lebensversicherung ab- geschlossen hatten. Gerade diese Bestimmung des Gesetzes ist von den Gesellschaften benutzt worden, um noch möglichst viele An- gestellten durch eindringliche Schilderung der angeblichen oder tat- fächlichen Vorteile der privaten Versicherung der gesetzlichen Ber- sicherungseinrichtung zu entziehen. Da die Zahl der Versicherten nicht bekannt ist, kann man die Tatsache, daß die lebhaste Agitation der Gesellschaften unter den Angestellten wirklich Erfolge ge- habt hat, nur indirekt erschließen. Die durchschnittliche Ver- sicherungssumme bei Neuaufnahmen in die Todesfallversicherung sank von 6115 M. int Jahre 1910 auf 4926 M. im Jahre 1911. Gerade„kleinere Leute" mit geringen Versicherungssummen müssen demnach in großer Zahl eingetreten sein. Durch die Erörterungen in der Presse über das Angestelltengesetz und die persönliche Ein- Wirkung der Agenten auf das Publikum wurde die Aufmerksamkeit erhöht auf die private Versicherung gelenkt und die> Gesellschaften hoffen, für sich daraus neue Anhänger zu gewinnen. Erleichtert wird ihnen das werden durch den Hinweis darauf, daß das Gesetz eine mehrjährige Frist bis zum persönlichen Genuß der Versicherungssumme vorsieht. Um doch während dieser Karenzzeit die Familie vor Not im Todesfall des Er- nährcrs zu sichern, empfehlen sie ihre Todesfallversicherung, die sofort oder nach einem Jahre in Kraft tritt, wobei die Versicherungs- summe in voller Höhe ausgezahlt wird. Die genannten Zahlen be- weisen denn auch eiu Anschwellen gerade dieser Todesfallversicherungsnehmer. Neben dem«staatlichen Versicherungsgesetz ist den privaten Ge- sellschafteneine dauernde Konkurrenz in der sogenannten„öffentlich- rechtlichen Lebensversicherung" entstanden. Die öffent- liche Lebensversicherung in der jetzt in Deutschland bestehenden Form bedeutet eine eigentümliche Verbindung von Versicherungsgeschäft und landwirtschaftlichem Entfchuldungsinstitut. Sie ist zum ersten Male Ende 1910 in der„Lebensversicherungsanstalt der Ost- preußischen Landschaft" verwirklicht worden.„Landschaften" sind be- kanntlich Kreditgenossenschaften des landwirtschaftlichen sGroß-) Grundbesitzes. Die Ostpreußische Landschaft läßt nun bei Ge- Währung von Kredit neben der Zwangstilgung(Rückzahlung in be- stimmten Raten) auch die Rückzahlung durch die Lebensversicherung bei der Lebensversicherungsanstalt der Ostpreußischen Landschaft zu. Aitstatt in festgesetzten Raten und Zinsen der Landschaft die Schuld zurückzuerstatten, zahlt der Versicherte nur die Prämien seiner Lebeitsversicherungspolice. Die Lebensversicherungssumme entspricht dabei der Schuldsumme. Bei seinem Todesfall gilt die Rückzahlung vollendet. Seine Erben haben auch dann nichts mehr I zu zahlen, wenn bei einem frühzeitigen Tod die tatsächliche Prämien- summe die Schuld noch längst nicht erreicht. Die lange Lebenden tragen Z also die Versicherungssummen der frühzeitig Sterbenden. Die Versicherungsprämien müssen dementsprechend höher als die Tilgungs- raten der früheren Entschuldungsart sein. Die Landschaft hat dabei den Vorteil, daß die Prämien auch wirklich regelmäßig einlaufen, während die Tilgungsguthaben unter bestimmten Umständen unter- krochen oder gar wieder zurückgezahlt werden können. Ein Verfall der Versicherung für den Versicherten kommt fast einem Verlust der eingezahlten Prämien gleich; die Schuld an die Landschaft lastet dann trotzdem auf ihm. Dagegen hat er bei dieser Art der Tilgung dafür den Vorteil regelmäßigen Zwanges kleiner Teilzahlungen und der sicheren Entschuldung bei Todesfall im Interesse seiner Erben. Natürlich wäre eine solche Versicherungsanstalt unmöglich, wenn nur die Herren Großgrundbesitzer, in deren Interesse sie errichtet worden ist, ihr angehörten. Sie mutz ihre Kunden unter allen Bevölkerungskreisen suchen. Bauern, Arbeiter, Kaufleute und In- dustrielle sind der Anstalt gleich willkommen. Sie alle zusammen tragen, soweit sie sich der öffentlichen Lebensversicherung anschließen, gegenseitig das Risiko, also auch für den verschuldeten Großgrund- besitzer. Damit findet für die Versicherten keine Uebervorteilung zü- gunsten der einen Gruppe der Grundbesitzer statt. Aber jedes Kapitalinstttut bedeutet eine wirtschaftliche Macht und übt damit auch eine politische aus. Während die privaten Versicherungs- gesellschaften mit ihren ungeheuren Kapitalien reichlich Direktoren und Aufsichtsräte speisen und vor allem durch Hergabe von Hypotheken- geldern(mit 83 Prozent ihres Gesamtvermögens) die städtischen Hansbesitzer finanzieren, dient das Vermögen der„öffentlichen" Versicherungsanstalten dem Großgrundbesitz. Es ist möglich, daß bei weiterer Ausdehnung der öffentlich-rechtlichen Versicherung ein Kampf zwischen ihnen und den privaten Gesellfchaftet entsteht, wie er ähnlich zwischen der Preußenkasse und der Raiffeisenkasse ge- führt wird, von denen sich die elftere bewußt in den Dienst großagrarischer Interessen stellt und dementsprechend auch von den Organen der Regierung unterstützt wird, wäh- rend die zweite allgemeinere Kreditbedürfniffe zu befriedigen sucht. Jedenfalls betrachten die Privatgesellschaften die Eniwickelung der öffentlich-rechtlichen Lebensversicherung mit wachsender Besorgnis. Ist es doch dem unermüdlichen Eifer des Generallandschaftsdirektors Kapp-Königsberg i. Pr., dem Begründer der ostpreußischen Ver- sicherungsanstalt und lebhaften Vertreter dieser Idee der Versicherung, gelungen, gleiche Anstalten in Westpreußen, Posen, Pommern, Schlesien und Brandenburg ins Leben zu rufen. Gegenüber den vorwürfen, daß die öffentliche Lebensversicherung nur großagrarische Interessen verfolge, wenden ihre Verteidiger ein, daß sie gerade den Bedürfnisien der kleineren Grundbesitzer und der einzelnen Versicherungsnehmer entgegenkomme. Zunächst besitze sie den Vorzug, überhaupt billiger zu arbeiten. Ob das tatsächlich der Fall sein wird, läßt sich noch nicht feststellen, da die Ostpreußische Lebensversicherungsanstalt erst ein Geschäftsjahr vollendet hat, dessen Ergebnisse in keiner Weise für die zukünftige EntWickelung ent- scheidend sein können. Obgleich Geschäftsränme und höhere Beamte im Dienste der Ostpreußiichen Landschaft— die durch Steuern unter- halten wird— unentgeltlich der Versicherungsanstalt zur Verfügung standen, erreichten die Verwaltungskosten des ersten Geschäftsjahres eine auffallende Höhe. Der minimale Geschäftsüberschuß wurde außer- dem nur durch eine Bilanzausstellung erzielt, die bei privaten Gesell- schaften nicht üblich ist. Was es bei der' Kreditgewährung mit dem Versprechen der Berücksichtigung von Gemeinden, Bauerngenossen- schaften und Grundbesitzern kleiner und kleinster Betriebsgrößen auf sich hat, geht aus dem Zweck der Gründung zur Genüge hervor. Es wird nicht viel anders zu werten sein als die Beteuerung ostelbischer Agrarier, sie seien Freunde der inneren Kolonisation. Ursprünglich hat man auch die Furcht gehegt, die öffentlich- rechtlichen Jnstimte sollten nur den Uebergang zur Verstaatlichung der Lebensversicherung erleichtern. Im ersten Geschäftsbericht der Ostpreußischen Anstalt, versichert aber Kapp, der Charakter des Instituts stände im schroffen Gegensatz zu dem eines Staatsmonopols und bietegerade eineGewährgegen die Verstaatlichung. Bisher ist ein solcher Weg nur in I t a l i e n beschritten worden, das im März d. I. ein Lebensversicherungsmonopol beschloß. Der Aus- führung haben sich Schwierigkeiten entgegengestellt, weil die aus- ländischen Gesellschaften Entschädigungen' für die Aufgabe ihres Ge- schäfts verlangen. In Frankreich bestehen zwar auch staatliche Lebensversicherungsanstalten ohne Monopol; doch haben sie keine Bedeutung erlangt. Auch in Deutschland würde eine Verstaatlichung der Lebens- Versicherung starkem Widerstande dem mit Milliarden von Kapital ausgestatteten Versicherungsgewerbe begegnen. Eine Gesellschaft betreibt gewöhnlich nicht allein die Lebensversicherung, sondern auch mehrere der anderen zahlreichen Arten der Versicherung. kleines fcialleton. Wagnerisches. Man hört, Hermann Bahr, der sich nun glücklich vom nicht ganz arischen Wiener Feuilletonisten zum urchrist- lichen langbäriigen Bayreuth-Propheten hinaufcntwickelt hat, der außerdem zufällig mit der in Bayreuth bestens akkreditierten Wagner- tragödin Anna B a h r- M i l d e n b ur g verheiratet ist, will im Herbst eine deutsche Tournee als Wanderredner der Parsifal-Schutz- truppc antreten und für eine lox Parsisal, ein künstlerisches Ausnahmegesetz zugunsten eineS Familienmonopols, agitieren. Man fragt sick, aar« tiefste überzeugt, daß ein großes Kunstwerk der ganzen Nation und nicht einem kleinen Kreise Privilegierter gehört — nämltch mammonistisch Belasteter, die zirka 100 M. für den Genuß des Werkes an der„geweihten Stätte" zahlen können-r erstaunt, ob sich»icht ieit 1876 die Verhältnisse gründlich geändert haben. Damals wollte Wagner sein„Bühnen- Weihfest- spiel", in dem der schon senil gewordene, abtrünnige Heide die tiefsten Mysterien des christlich-protestantischen Glaubens ftir orthodoxe Opernzwecke entdeckt hatte, vor dem„tief unsittlichen Publikum' mit Fug und Recht geschützt wissen. Er wollte es nicht den Zufälligkeiten des Alltagsrepertoirebetriebs minderwertiger Bühnen ausgeliefert sehen. Das„tief unsittliche Publikum" ist vielleicht heule etwas minder ichlecht. Es ist heute gewohnt und erzogen, in R. Wagner einen der tiessinnigsten Kunstdenker Mittel- europaS, daneben einen recht begabten Tondichter und Tonmaler zu erblicken und es nähert sich von Paris bis Petersburg mit einer gewissen Andacht und Itlerarisch-munkaltichen Vorbereitung seinen Werken. Dieses internattonale Publikum gibt heute nicht mehr allzuviel auf Weihe und Tradition des Raumes. Es hört die erhabensten Dichtungen und Musikwerke, wie.Tristan", den„Ring",„Faust". Shakespeares Ideendramen auch m künstlerisch gut fundierten Stadt- Theatern mit der gleichen Andacht an, wie die mit dem allein echten Grals. Oel gesalbte Neubayreuther Gemeinde unter Herrn Sieg- fried Wagners kaum ernst zu nehmender Führung und Auf- ficht„ihrem Meister" an Ort und Stelle dient. Ja das unsittliche Publikum läßt sich sogar nicht stören, wenn Max Reinhardt und Ferdinand Bonn ihm Shakespeare und Aeschylos in der Manege vorreiten und vortanzen und den Uebergang vom Drama zum Film schmerzloser vorzubereiten sich bemühen. Spaß beiseite, ich glaube, da« gebildete Publikum aller sozialen Schichten ist sachlicher und konzentrierter geworden Es beginnt allmählich, vom Rahmen, von der Tradition' von den Mysterien(in München sagt man neuerdings laut Verfügung der Hostheatcrintendanz: Mistcrien) ab— und auf das Werk und sein innerstes Wesen selbst zu sehen. ES wünschl weiter nichts als möglichst gute und künst- lerisch fehlerlose Aufführungen durch ein in dem Stil des be- treffenden Werkes geschultes und sorgfältig einstudiertes Ensemble. Pas demokratische Zeitalter bekämpft auch im Kunstverschleitz Sonderinteressen und Monopolwirtschast. Parole: Kein Schutzzoll, sondern Freihandel in der Kunst! Im Jahre 1870 zerschellte noch vielfach die Größe der Musik Wagners, die Macht des so neuartigen dramatischen Gedankens, die Feinheit der Struktur seines Kunst- organismus an der Kleinheit und Erbärmlichkeit der DarstellungS- mittel an Theatern, die ganz auf Meyerbeer, Flötow und Neßler gerichtet waren. Da war Bayreuth eine sittliche Not- wendigkeit. Heute aber ist Wagner, der Wagnerstil, der Wagner- gesang den Künstlern, den Regisseuren, den Dirigenten, den Musikern, dem Publikum, den Kritikern in Fleisch und Blut übergegangen. Andere Zeiten, andere Bedingungen, andere Wirkungen. So kann es kaum einen Zweifel geben, daß der befreite„Parsifal" ab 1913 an ernsten und leistungsfähigen deutschen Bühnen, genau so wie der „Tristan", der„Ring" und die„Meistersinger", die um kein Haar stilisiiidö oder musikalisch schwieriger sind wie das mit küitstlichen urchristlich-nazarenischen Nebeln umflorte geweihte Bühnenfestspiel, zu künstlerischem Genuß und Erbauung geführt werden kann. Ge- nau so wenn nicht besser wie 1912 in Neu-Bayreuth unter Siegfried Wagners in mehr wie einem Punkte anfechtbarer Leitung. Ingeniöse Erfinder. Obwohl auch in Amerika der Sommer diesmal außergewöhnlich niedrige Temperaturen aufwies, haben doch in den Zeitungen jene Erscheinungen nicht gefehlt, die sonst ge- wöhnlich auf einen hohen Hitzegrad der Luft und der Phantasie schließen lassen. Unter den Aufsehen erregenden Neuigkeiten, die die Spalten füllen, ragen einige ingeniöse Erfindungen hervor, die die Geisteskraft der Aankees weniger von der praktischen als von der phantastUchen Seile zeigen. So hat der Professor an der physi- kalischen Abteilung der Harvard-Universität Dr. Peory Bridgman die staunende Welt mit der großen Nachricht beglückt, daß es ihm gelungen sei,„heißes Eis" herzustellen. Nach den auSführ- lichen Telegrammen aus Boston, die diese Entdeckung gebührend seiern, ist eS dem Gelehrten nicht ganz leicht geworden, dies Refill- tat zu erzielen. Heißes Eis ivird fabriziert, indem man Wasser unter einen außerordentlich starken Druck bringt und zu gleicher Zeit die Temperatur reguliert. Der dabei benutzte Apparat besteht aus einer hydraulischen Presse und einer sehr dicken Stahlröhre, die das Wasser enthält. Es mußte ein Druck von 20 000 Aimosphären, d. h. über 300 000 Pfund auf einen Ouadratzoll, und eine Temperatur von nicht weniger als 173 Grad Fahrenheit hervorgebracht werden, bis das„heiße Eis' glücklich da war. Eine andere Geschichte, die die Erfinderleidenschaft der Amerikaner illustriert, beginnt mit der Annonce des Magistrats einer Stadt, durch die eine gute Rattenfalle gesucht wurde. Das Rathaus wurde näm- nich von diesen Nagetieren arg belästigt, und ein Beamter hatte sich die Aufgabe gestellt, ihrem Treiben ein Ende zu machen. Das Resultat der Annonce war furchtbar: aus allen Teilen der Ver- einigten Staaten trafen Rattenfallen der verschiedensten Art und Konstruktion ein, jede mit Gebrauchsanweisung und den leidenschaft« Durch Tochter- und Zweiggesellschaften sind sie dann wieder mit anderen Versicherungsunternehmungen verbunden, und die größten Institute übernehmen schließlich die Versicherung der Untergesellschaften. So gibt es eine Reihe von Versicherungs- konzernen. Auch das Versicherungsgewerbe ist von der allgemeinen Konzentrations bewegung nicht unberührt geblieben. Ende der neunziger Jahre bis zu Ende des ersten Jahrzehnts in diesem Jahrhundert sank die Zahl der Versicherungsinstitute auch absolut. Seit 1907 ist eine allmähliche Zunahme der Gesellschaften zu konstatieren. Aber die großen Gesellschaften nehmen rascher an Kapital und Bedeutung zu, so daß ihr Anteil am Versicherungs- gewerbe gegenüber den kleineren steigt. Fusionen und Interessen- gemeitzschafien gehen Jahr für Jahr vor sich. Was man auch jetzt noch durch Verteilung der Versicherung eines Objekts und damit des Risikos auf mehrere Gesellschaften erreicht, vermag ein großes Unternehmen allein zu leisten. Es besteht ferner eine Tendenz zur Herstellung von gemischten Betrieben, so daß eine Gesell- schaft oder ein Konzern alle Arten der Versicherung umfaßt. Auch dadurch wird eine Aufteilung des Risikos auf viele Schultern erzielt. Am ausgeprägtesten besteht die Konzentrationstendenz bei den Feuerversicherungs- und bei den Lebensversicherungsgesellschaften. Alle anderen Zweige der Versicherung rechnen doch mit einem immerhin begrenzten und daher auch festen Kundenkreis. Die Transport-, die Hagelversicherung wird von so gut wie allen Grundbesitzern beziehungsweise von den großen Transportunter- nehmungen in Anspruch genommen. Das Erwerben von neuen Versicherungsnehmern für die Lebensversicherung dagegen bedarf ein viel intensiveres und extensiveres Bearbeiten der in Betracht kommenden Kreise, und das sind in diesem Falle alle Personen. Wird doch der Vater des Neugeborenen sofort von Dutzenden von Agenten überlaufen, die ihm eine Versicherung für die Militär- dienstzeit oder die Aussteuer eines Kindes aufdrängen. Der Ab- schluß der Versicherung macht für die Gesellschaft gerade die er- heblichsten Kosten, die sich bei einer neuen Gesellschaft noch be- sonders steigern. Die Gründung von Lebensversicherungsgesellschaften sind daher ebenso selten, wie Fusionen unter ihnen häufig sind. Unter den verschiedenen Gesellschaften dehnen sich am meisten wiederum die großen alten aus, da sie beim Publikum bekannt sind und am vertrauenswürdigsten erscheinen. Von 44 in deutschen Lebensversicherungsinstituten mit einem Gesamt-Neuzugang von 1436 Millionen Mark Policen erhielten im Jahre 1911 allein die zehn größten Gesellschaften 800,3 Millionen oder 66,8 Prozent. (Diese und alle folgenden Zahlen entnehmen wir der„Franks. Ztg.") Diesem Zugang steht neben dem normalen Abgang durch Tod oder verabredete Fälligkeit zu Lebzeiten ein solcher durch vorzeitige Auf- gäbe der Versicherung von 318,4 Millionen Mark gegenüber. Wenn auch viele Verträge in den ersten Jahren nach Abschluß der Ver- sicherung gelöst werden, so bedeutet diese Summe doch einen un- geheueren Verlust der Versicherten, die fast immer durch die Un- fähigkeit zur weiteren Prämienzahlung die Versicherung verfallen lassen. Gerade wenig bemittelte Personen gehen so eines Teils ihrer früher gezahlten Ersparnisse verlustig. Unter den acht größte» Lebensversicherungsinstituten zeigen„Concordia"-Köln,„Nordstern"- Berlin und die Viktoria"-Berlin die höchsten Ziffern für vorzeitige Auflösung des Versicherungsverhältnisses. Die Aktionäre erhielten Zuweisungen in Höhe von 8,7 Millionen, das heißt 21,8 Proz. des Aktienkapitals. Die „Viktoria" verteilte allein 780 000 M. oder 66 Proz. des ursprünglich eingezahlten Aktienkapitals und weitere 400 000 M. in die„Aktienwechsel-Tilgungsreserve" gleich weiteren 33�/g Proz. Die„Aktienwechsel-Tilgungsreserve" dient zur Auffüllung des Aktienkapitals, so daß den einzelnen Aktionären die Barnachzahlung erspart bleibt. Der„Viktoria" mit 93l/z Proz. Dividende folgen die „Thuringia"-Erfurt mit„nur" 62�/2, die„Providentia"- Frankfurt mit 40,8, die„Wilhelma"-Magdebtirg mit die(alte) Berlinische mit 32,4, die Frankfurter mit 29,2, die„Nordsterit"-Berlin mit 26 Proz. Dividende u. s. f. An Prämien nahmen im Jahre 1911 die 44 Gesellschaften 624 Millionen ein. An die Versicherten zahlten sie 292 Millionen. Die Verwaltungskosten betrugen 74 Millionen. Darin stecken neben den Provisionen für die Agenten, die wirklich das Publikum anwerben, auch die viel höheren Abgaben der Direktoren und Filialleiter. An jedem Versicherungsabschluß sind diese Beamten durch eine Provision be- teiligt, obgleich sie dabei nichts anderes tun, als durch eine Namens- Unterschrift ihre Einwilligung zu erteilen. Trotz der Gesamtausgaben von 591 Millionen Mark verblieb den Gesellschaften noch ein Ueber- schuß von 127 Millionen. 8,7 Millionen erhielten davon, wie er- wähnt, die Aktionäre und 119 wurden den Fonds zur späteren Dividendenverteilung an die Versicherten überwiesen. Das Gesamt- barvermögen der Gesellschaften betrug 6381 Millionen Mark. An- gelegt sind davon 83,2 Prozent in Hypotheken. An lichsten Anpreisungen versehen. Ein gcknzes Zimmer wurde mit diesen Mordinstrumenten angefüllt, unter denen alle Arten der Tötung ver- treten sind, die die Menschheit kennt. Die Ratten werden durch Elektrizität hingerichtet; sie werden guillotiniert, erträitkt,">»ftickt und zunt Selbstmord gezwungen. Die Idee eines ingeniösen Er- finders, daß er die Raiten zwingen kann, sich selbst zu töten, besteht darin, daß er empfiehlt, vor die Rattenlöcher Lauge zu streuen. Die Ratten werden dann Lauge an ihre Füße bekommen, und das wird sie nach seiner Ansicht so brennen, daß sie sie schnell ablecken und damit sich selbst vergiften werden. Eine andere Falle ist so ein- gerichtet, daß sie die Natten mit einem furchtbaren Griff packt und mit großer Gewalt automatisch gegen eine 16 Fuß entfernte Mauer schleudert. Der Rattentöter des Magistrats ist in größter Ver- lcgcnheit, denn er weiß nicht, welcher Methode er sich bedienen soll, um die Tiere aus den heiligen Hallen des Stadthauses auszu- rotten._ Notizen. — Herr Wilhelm Bode, der große Berliner Kunstgelahrte hat wieder Pech. Da hat er ein Bild„Christus und die Ehe- brecherin", das unlängst aus der Hamburger Sammlung Weber um fast eine Million Mark von einem amerikanischen Geldprotz erworben wurde, für einen echten Rentbrandt erklärt. Und jetzt beweist ihm der bekannte Nembraudtforscher BrediuS ziemlich authentisch, daß besagte Ehebrecherin nichts weiter als eine— noch dazu ausdrucks- lose Fälschung sei....£), Bode I — Der Schutzverband konzertierender Künstler, der erst fett April existiert, aber bereits gegen 300 Mitglieder besitzt. hält am 5. September in Düsseldorf eine außerordentliche Haupt- Versammlung ab. ~ A u ch die Dramaturgen fühlten das Bedürfnis zur Bildung einer fachmännischen Zentralstelle— allerdings nur für die Prüfling von Dramenmamlskripteit. Neuerdings haben sie sogar ein „Lektorat" gegründet. Ob das was nützen wird? Es ist doch gebraiichlich, daß der„Dramaturg" d i e Stücke, die der Direktor wirklich ailfführen will, gar nicht zur„Prüfung" in die Hand kriegt. — Die erste Gartenaus st ellung in Berlin soll vorn 15. September bis 13. Oktober im Kunstgewerbemuseum ver- anstaltet werden. Während ihrer Dauer finden drei Vortragsabende mtt Lichtbildern an gleicher Stelle statt. � Das Ehepaar Toselli. zwar leiblich von Tisch und Bett geschieden, hat sich doch wieder in der Kunst zusammengesunden. Es arbeitet an einer Operette. Die Musik macht„er", das Libretto „sie". Wer jemals die schauderhaft schöne Lyrik der Exprinzessin von Sachsen kennen gelernt hat. kann im voraus schon einen„durch- schlagenden" Erfolg prophezeien. Frau Luise vermag eben die Feder nicht trocken zu halten und die Reklame für ihre Person nicht schlafen zu lasse». Zinsen und ähnlichen Einnahmen erzielte das Verniögen 1S4 Millionen Mark. Das Kapital verzinste sich also mit mehr als 4 Proz. Man wird den Widerstand der Gesellschaften gegen den gesetzlickien Zwang der Bermögensanlage in Staats reuten verstehen. Durch die Kurssenkungc» der Staatsrenten sowie durch die niedrigere effektive Verzinsung dieser Papiere würden sich die Einnahmen bedeutend verringern. Trotz der ungeheuren Kapitalansammlungen schröpfen die Ge sellichaften die Versicherten auf jede Weise, und noch heute verwenden sie die durch die günstigeren Sterblichkeitsverhältnisse längst über- holten Sterbetafeln zur Berechnung des Risikos und der Prämien und verteuern dadurch die Versicherung. Die im nächsten Jahr ins �ebcit tretende Volks versicher usng der Arbeiterschaft wird es wenigstens möglich machen, sich jenen Instituten zu entziehen und vre Vorteile einer in gemeinnützigem Geiste geleiteten Lebens Versicherung zu genieben._ Hus der partei. Der Parteitag der badischeu Sozialdemokratie. Der badische Parteitag, der am Sonnabend und Sonntag in Offen bürg stattfand, war von 185 Delegierten und sonstigen Teilnehmern besucht. Der Parteivorstand war durch Genossen Otto Braun vertreten. Zum Borstandsbericht wurde beschlossen, einen sicsoldeten Sekretär beim Landesvorstand auzustellen und die bis --erigen Bezirkssekretariate trotzdem weiter bestehen zu lassen. Eine Vertranensmännerkonferenz halte vor kurzem beschlossen, bei An- stcllung eines Landessekretärs die Bezirkssekretariate eingehen zu lassen. Die Zahl der Beisitzer des Landesvorstandes wird von drei auf fünf erhöht. Unter den Beisitzern soll eine Genossin sein. Zu den Vorschlagen auf Aendcrung des ParteiorganisationS statuis beschloß der Landesparteitag, der Errichtung eines Partei auSschuffes zuzustimmen; falls der Chemnitzer Parteitag einen solchen Ausschutz einsetzt, soll Dr. Frank für Baden hierzu delegiert werden. Der Landesparteitag sprach sich ferner für die Teilnahme der ganzen ReichstagSfraktion an den Parteitagen aus. —_ In seinem Referat über das badische Ausführungsgesetz zur Reichsversicherungsordnung erklärte Genosse Böttcher, Arbeiter sekretär in Mannheim, daß es dem Landtage gelungen sei, die größten Gefahren der Versicherungsordnung zu beseitigen und die Errichtung von Landkrankenkassen unmöglich zu machen. Die Tätig- ieit der Landtagsfraklion, über die dann Genosse Frank berichtet, fand fast durchgängig Zustimmung. Zur Besprechung der Taktik für die nächstjährigen Landtagswahlen soll ein außerordentlicher Partei-tag einberufen werden. Eine Resolution verpflichtet die sozial- demokratischen Landtagsabgeordneten noch, für weitere Erhöhung der Löhne der Eisenbahner einzutreten. Zur Flcischteuerung wird eine Resolution angenommen, in der die bndische Regierung aufgefordert wird, die Fleischakzise auf- zuHeben und im Bundesrat für Oeffnung der Grenzen einzutreten. — Der Parteitag nahm ferner Referate über die KreistagSwahlen und über die Gemeindepolitik entgegen. Für die KreistagSwahlen wurde schleunige Aendcrung deS Wahlverfahrens verlangt, die Ge- meindevertreter sollen öfter Konserenzen zur Besprechung der Ge- mcindepolitik abhalten.— In den Landesvorstand wurden gewählt die Genoffen Frank, Geiß, Hahn, Linz, Strobel und die Genossin Blase. Der nächste Parteitag findet in Freiburg statt. Der Landespartcitag der Sozialdemokratie BraunschwcigS tagte am 25. August in Schlewecke im Harz. Zu der geplanten Aenderung des Organisationsstatuts wurde beschlossen, die Erhöhung der Beiträge auf 4V Pf. pro Monat abzulehnen. Angenommen wurde ein Antrag, wonach für den Fall, daß der Reichsparteitag in Chemnitz den Monatsbeikrag auf 40 Pf. erhöht, der Partei- und Landesvorstand je 20 vom Hundert, die Kreis- und Ortsvorstände je 30 vom Hundert der gezahlten Beiträge erhallen sollen. Ferner ».beschloß der Parteitag, daß kein Rsichstagsahgeordnetec«in. Land- tagsmandat annehmen soll, und umgekehrt. Zur Regelung der Maifeierfrage soll eine aus Partei- und Gewerkschaftsmitgliedern �zusammengesetzte Kommission eine Resolution ausarbeiten, die der Urabstimmung unterbreitet wird. Nach einem Vortrage des Genossen Wagner beschloß der Parteitag dies ch ä rfste Fortführung des Kampfes um das gleiche Landtagswahlrecht. Zum Vorsitzenden wurde wieder Genosse Heinrich R i e k e ge- wählr. Als Mitglied des eventuell zu bildenden Parteiausschusses wurde Genosse August Wesemeier bestimmt. Der Parteitag der pfälzischen Sozialdemokratie. Am Sonnabend und Sonntag tagten in E d e n k o b e n die Vertreter der pfälzischen Sozialdemokratie. Wie überall, so zeigte auch die Pfalz ein mächtiges Vorwärtsschreiten unserer Bewegung. Nach dem Tätigkeitsbericht des Gauvorstandes hat sich die Zahl der Ortsgruppen von 123 auf 137 und die Zahl der Mitglieder um über 2200 vermehrt; sie beträgt jetzt 11013. Einen erfreulichen Aufschwung hat die Frauenbewegung genommen. Hier zählen wir 1180 organisierte Parteigenossinnen gegen 419 im Vorjahre. Die ReichStagswahlen und die Wahlen zum bayerischen Landtage stellten an die Parteigenossen hohe> Anforderungen. Nicht weniger wie 1 503 000 Flugblätter wurden während der Wahlkämpfe verteilt und rund 300 öffentliche Versammlungen abgehalten. Besondere Er- wähiumg vcrdienr, daß wir hierbei iii Gegenden eindrangen, die uns bisher verschlossen waren. Neben Kaiserslautern, das wir bei den Neichstagswahlen dem Bundeshäuptling Roesicke entrissen, brachten uns die Landtagswahlen zwei weitere Mandate, so daß die Pfalz jetzt sechs Genossen als Abgeordnete in den Landtag entsendet. Mit 50 474 Stimmen— 32 Proz. der abgegebenen Stimmen bei der Reichstagswahl ist jetzt die Sozial- demokratie die stärkste Partei in der Pfalz. Der bayerische Bolks- kalender.Der arme Konrad" wurde in 20000 Exeinplareu abgesetzt; das Parteiorgan, die„Pfälzische Post", gewann 2000 Abonnenien und zählt jetzt rund 20 000. Die Verhandlungen des Parteitages nahmen einen guten Ver- lauf. Nach Entgegennahnie der Berichte des Gauvorstaiides und der Presse referierte Genosse Kleefoot über den Entwurf des Partei- statuts. Der Parteitag erklärte sich gegen die Beilragserhöhung, die nur geeignet sei, die Agitation aus dem Lande zu erschweren; er be- fürwortet den Parteiansschuß und ist derAnsicht, daß die Reichstags- fraktion wie bisher ungeschmälert ihr Vertretungsrecht auf dem Parteitage erhält. Ein Referat des Genossen Binder über die politische Lage im Reiche und Bayern schloß die Verhandlungen des Parteitages._ Kouserenz der Biltmugs- niid Jugendansschiisse in der Pfalz. Gelegentlich des pfälzischen Parteitages tagte» am Sonnabend die Bildungsausschüffe der Pfalz und nach diesen die Jugend« ausschüsse. Das Ergebnis der Verhandlungen war die Schaffung eines Bezirksjugendausschusses und Bezirks- b i l d u n g s a u s s ch u s s e s, die beide ihren Sitz in Ludwigs- Hafen haben. Den BildungSbestrebungen wie auch der Jugend« bewegung soll in Zukunft größere Beachtung geschenkt und hierfür in den Parteiorganisationen»md den Gewerkschaften lebhaftere Pro- paganda getrieben werden. Mit den Vorarbeiten wurde ein engerer Ausschuß betraut._ Richtigstellung. In der Zusammenstellung der Anträge an den Parteitag sind unter Nr. 142 zwei Anträge. d,e Beiträge und die Diäten betreffend, als von„Solingen" gestellt aufgeführt worden, die in Wirklichkeit nur von vier Genoffen und zwei Genossinnen ge- stellt worden sind. Die Generalversammlung der Kreisorganifation hatte es wie uns der Vorstand dieser Orgamsatlon mitteilt/ mit großer Mehrheit durch Uebergang znr Tagesordnung abgelehnt. sich mit den Anträgen zu identifizieren. Die rrrtumliche Ausführung als„Anträge Solingen" ist. wie uns auf dem Parteibureau Mit- geteilt tvird, darauf zurückzuführen, daß sie auf ernen, Bnefbogen der Solinger Kreisorganifation geschrieben �"�außerdem mit dem Stempel der Organisation �Sozialdemokratischer Poltsverem Solingen") versehen waren. Aus den Organisationen. Die Generalbersaiiimlung des Kreiswahlvereins Zttllichau Schwiedus-Krossen-Sommcrfeld fand am Sonntag in Schwiebus statt. Die Tagnng war von 17 Delegierten der sechs Ortsvereine, dem KreiSvorstande und dem Kandidaten des Kreises, Genossen Oswald G r a u er- Lichtenberg, besucht. Aus dem Bericht des Vorsitzenden ist zu entnehmen, daß die Mitgliederzahl auf 029 gestiegen ist. Darunter befinden sich 90 weibliche Mitglieder. Die Einnahmen der Kreiskasse betrugen 5341,07 M., die Ausgaben 4853,19 M. Die Einführung des Wochen beitrages von 10 und 5 Pf. hat sich gut bewährt, trotzdem die Lohnverhältnisse der Arbeiterschaft des Kreises ganz erbärmliche sind. So beträgt der Durchschnittslohn für männliche Textilarbeiter in Züllichau etwa 10 M. pro Woche. Weibliche Arbeiter erhalten 4—0 M. W o ch e n l o h n. 10 Pf. Stundenlohn an männliche, 4Vz bis 6 Pf. Stundenlohn an weibliche erwachsene Arbeiter werden in der Militärtuchbranche in GünterSöerg bei Crossen a. O. gezahlt. Einen noch größeren Tief- stand zeigen die Tagelöhne auf den Gütern der märkische» Granden an der polnisch-schlesischen Grenze. Trotz aller dieser Schwierigkeiten zeigte die Organisation ein stetiges Wachstum. Die„Märkische Volksstimme" wird in 509 Exemplaren, der„Vorwärts" in 10 und die„Gleichheit" in III Exemplaren ge- lesen. Bei der Reichstagswahl brachten wir es bei einem Zuwachs von 1497 Stimmen auf 5311 Stimmen. 93 Versammlungen dienten neben der Verteilung von mehr als 100 000 Druckschriften der Agitation und Organisation. In den mehr als 190 Orten deS Kreises stehen der Sozialdemokratie nur vier Säle zur Verfügung. Zum Parteitag delegierte die Versammlung einstimmig den Genossen Grauer und beauftragte ihn auch mit der Vertretung des Kreises auf dem Preußentage. Zur Tagesordnung des Parteitages wünscht die Versammlung den Wochenbeitrag im allgemeinen und als Mindestsatz den Zchnpfennigbeitrag, ebenso die Ver- mehrung des Parteivorstandes um fünf Beisitzer. An der Beteiligung der Reichstagsfraktion wurde eine Aenderung nicht erwünscht. Zur Frage des Stichwahlabkommens stellt sich die Versammlung auf Seite des Parteivorstandes, möchte aber nie- malS das Abkommen über eine Dämpfung sich wiederholen sehen. Um eine noch weitere Verelendung der Massen zu hindern, verlangt die Versammlung Massenproteste gegen die Lebensmittelteuerung. i-» * Im 7. schleswig- holsteinischen Wahlkreise(Kiel- Neumünster- Rendsburg) stieg die Zahl der Mitglieder der Parteiorganisation im letzten Jahre von 13 027 auf 15 108, darunter sind 3050 weibliche. Die Zahl der Leser der„Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung" stieg im Kreise von 17 231 auf 18 427. Bei der Reichstagswahl, in der der Kreis mit 4000 Stimmen Mehrheit wieder geholt wurde, wurden rund 1 Million Wahlzeitungen. Flugblätter. Broschüren, besondere Zirkulare an Beamte usw. verteilt, nnd 54 Wahlversammlungen ab- gehalten. Außerhalb der Reichstagswahlagitation wurden noch ver- teilt 050 000 Agitationsschriften, darunter die Landagiiationszeitung Schleswig-Holsteinischc Landpost". Die Kasse der Kreisorganisation vereinnahmte 88 059,05 M. und verausgabte 70 533,03 M. Für den Maifonds wurden 9001,72 M. vereinnahmt. Sozialdemokratische Stadtverordnete gibt es im Kreise 17, sozialdemokratische Gemeinde- verireter 28. In Kiel brachte es unsere Partei bei den letzten Sladtverordnetenwahlen auf 11 908 Stimmen, während die Bürger- lichen nur 9850 erhielten. Einzig und allein eine ungerechte Wahl- bezirkseinteilung verhinderte es. daß die Partei sämtliche zu besetzende Mandate erhielt; sie mußte sich mit drei begnügen, während die Bürgerlichen fünf erhielten._ Ein sozialistischer Offizier. Rom» 24. August.(Eig. Ber.) Ein Leutnant A g n e l l i in L o d i, der dort als Jntendanturbeamter der Heeresvertvaltung angestellt war und als. solcher in Italien Offiziersrang besitzt und Offiziersuniform trägt, hatte sich zu Beginn des Krieges geweigert, Geld für die Sammlung zugunsten der Opfer des Krieges zu geben. Das Tenuuziantevblut eines konservativen Lokalblättchens wurde durch diese allgemein unbeachtet gebliebene Tatsache in Wallung versetzt. Das Wurstblättchen brachte die Weigerung zur Sprache und forderte pathetisch den Kriegsminister auf. Maßnahmen zu ergreifen. So wurde ein Disziplinarverfahren gegen den Leutnant Agnelli angestrengt, und dieser erklärte der dieses Verfahren lei- tenden Militärkommission, daß er Sozialist sei und organisierter Parteigenosse. Als solcher hätte er es für seine Pflicht gehalten, 'ich an der Sammlung nicht zu beteiligen, um dadurch seinen Wi- derwillen gegen jeden Eroberungskrieg im allgemeinen und den italienisch-türkischen Krieg im besonderen an den Tag zü legen. Das Disziplinargericht gab sein Urteil' schriftlich ab und überstellte es dem Kriegsminister zur endgültigen Entscheidung. Diese ist nun am 21. dieses Monats dem Genoffen Agnelli zugegangen, und es heißt darin, daß das Ministerium beschloffen hat, keinerlei Disziplinarmaßregeln gegen ihn zu ergreifen. Diese Entscheidung gereicht zweifellos dem Ministerium zur Ehre. Wir halten es gewiß nicht für einen glücklichen und wünschenS- werten Kompromiß zwischen innerer Ueberzeugung und der harten Notwendigkeit des Daseinskampfes, wenn ein Mensch, der als So- zialist denkt und fühlt. Berufsoffizier in einem bürgerlichen Staate bleibt, aber diesen Gewissenskonflikt hat offenbar der einzelne mit Ich selber auszukämpfen. Das Kriegsministerium ficht— wenig- tens in Italien— keinen Grund darin, gegen den Betreffenden Diszipliikarmaßregeln zu ergreifen! GericKts- Zeitung. Der ReichSverbändler als Kläger. Der Generalsekretär vom Reichsverband gegen die Sozialdemo- kratie.Karl Komoll in Hannover, hatte eine Beleidigungsklage gegen die Redakteure Richard Barth vom„Vorwärts", Andrer vom „Volkswille" in Hannover und Prager von der Tribüne" in Er- furt angestrengt, die das Landgericht Hannover als Berufungs- instanz beschäftigte. In der„Bremer Bürgerzcitung" erschien ein Artikel gegen den Reichsverband, in dem u. a. von„Reichsver- bandskloake" sowie von„schamloser und lügenhafter Frechheit" ge- redet wurde. Die van Komoll zunächst gegen den verantwortlichen Redakteur der„Bremer Bürgerzeitung" angestrengte Beleidigung«- klage endigte mit der Freisprechung des Redakteurs, und zwar aus dem Gesichtspunkt des§ 193 des Strafgesetzbuchs'(Währ- nehmung berechtigter Interessen). Der Angeklagte habe in berech- tigter Abwehrkampfesstellung gegen den Reichsverbgnd gehandelt, eine, solche Kampfestätigkeit sei unvermeidlich, und trotz der Schärfe deS Kampfes habe der Angeklagte bei der Veröffentlichung in straflosem Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt. Diese Freisprechung haben die drei angeklagten Redakteure in den von ihnen verantwortlich gezeichneten Zeitungen wiedergegeben; der „Vorwärts" mit der Ueberschrift„Der abgeblitzte Reichsverbändler" und dem Schlußsatzr„Wir gratulieren Herrn Komoll zu diesem Reinfall." Diese Wiedergabe des freisprechenden Erkenntnisses bildete den Gegenstand der Anklage. Das Schöffengericht hatte gegen die Angeklagten auf Freisprechung erkannt, und zwar eben- falls mit der Begründung, daß ihnen die Wahrnehmung berechtigter Interessen im Sinne des§ 193 des Strafgesetzbuchs zuzusprechen jei und den Angeklagten bei der Wiedergabe der Gerichtsverhand- luNg das Bewußtsein der Beleidigung gefehlt habe. Die Ueber- schrift sowie das Schlußwort sei mehr als ein humoristisches Tri- umphieren über den Gegner als eine Beleidigung aufzufassen« Das Gericht kam den Anträgen des Vertreters deS Klägers entsprechend zur Verurteilung der sämtlichen Angeklagten, da es eine strafbare Beleidigung des Klägers aus'den Notizen herauslas. Unser Geuosse Barth.wurde zu.150 M, Prager van der„Tribüne" und Andres vom„Volkswillen" zu je 100 M. Geldstrafe verurteilt. Durch dies unverständliche Urteil werden die preußischen Rechtsverhältnisse wieder einmal treffend illustriert. Die Ange- klagten haben nichts anderes getan, als ein freisprechendes Er- kenntnis des Gerichts veröffentlicht, daS dem Angeklagten die Wahrung berechtigter Interessen zuspricht. Das Amtsgericht Hau- nover wies zunächst die eingereichte Privatklage ab. Auf Anord- nung des Landgerichts, an das sich der Kläger beschwerdeführend wandte, mußte es jedoch verhandeln und kam zu dem ganz selbst- verständlichen Urteil, das aus Freisprechung lautete. Jetzt kommt nun das Landgericht und stößt die bisherige Gerichtspraxis einfach um.— Die gleiche Sache, aber zwei diametral gegenüberstehende Urteile.— Das Oberlandesgericht Celle wird sich noch mit der Sache zu beschäftigen haben und ist wohl kaum anzunehmen, daß es dem Landgericht auf der schiefen Bahn folgt. Die Fleischnot. Weil sie sich wegen der hohen Fleischpreise kein anderes Fleisch kaufen konnten, sind zwei Angeklagte, die sich vor der 3. Ferien- strafkammer des Landgerichts I zu verantworten hatten, zu Wik- derern geworden. Es waren dies die Bauarbeiter August Helm und August Stegemann aus Tegel, die wegen Wilderns angeklagt waren.— In den Monaten Mai und Juni d. I. wurde wiederholt in der Wittenauer Feldmark der frische Aufbruch von Reh- und anderem Wild aufgefunden. Da man auch häufig in den frühen Morgenstünden Schüsse fallen hörte, die nur von Wilddieben her- rühren konnten, wurde die fragliche Gegend von den zuständigen Polizeiorganen scharf beobachtet. Eines Morgens wurden die Wil- derer auf frischer Tat ertappt. Es waren dies die jetzigen beiden Angeklagten, die trotz der Schonzeit gerade zwei Hasen geschossen hatten.— Vor Gericht erklärte der AngeNagte Helm, daß er nur deshalb gewildert habe, um wenigstens einmal wieder ein ordent- liches Stück Fleisch essen zu können; dies habe er bei den teuren Fleischpreisen sich seit langer Zeit nicht leisten können.— Der Staatsanwalt beantragte je 5 Monate Gefängnis. Das Gericht sah die Sache jedoch milder an, da die Angeklagten, wie nicht zn widerlegen sei, in der Not gehandelt hätten. Das Urteil lautete gegen Helm auf 2 Monate und gegen Stegcmann auf I Monat Gefängnis._ Ein Urteil von prinzipieller Bedeutung für die Presse gab die Berufungskammer des Chemnitzer Landgerichts in einer Verhandlung gegen den Verantwortlichen der„Bolksstimme", Ge- nossen Max Müller. Am 31. Mai hatte das Schöffengericht den Genossen Müller wegen Vergehens gegen die§§ 17 und 18 Abs. 1 des Preßgesetzes mit 30 M. Geldstrafe belegt. Gegen die Gesetzes- bestimmungen sollte M. dadurch gefehlt haben, daß er Teile eines schriftlichen Urteils, also eines amtlichen Schriftstückes eines Straf- Prozesses veröffentlicht hatte, bevor das Verfahren beendet war. Gegen das in Betracht kommende Urteil war Revision eingelegt worden. Es war also nicht rechtskräftig, als die Veröffentlichung geschah. Hier hatte die Staatsanwaltschaft eingehakt und durch den Abdruck glaubte sie, das Vergehen nach den angezogenen Para- graphen des Preßgesetzes für gedeckt und auch das Schöffengericht war zu einer Verurteilung in diesem Sinne gelangt. Dagegen hatte Genosse Müller Berufung erhoben, weil er der Meinung war, daß er zum Abdruck berechtigt gewesen sei. weil die schriftliche Begründung des Urteils im wesentlichen übereinstimmte mit der mündlich gegebenen. Auch die Staatsanwaltschaft hatte das schöffengerichtliche Urteil mit der Berufung angefochten, da die Strafe im Hinblick auf die vielfachen Beleidigungsstrafen, die der Angeklagte schon verbüßt habe, zu niedrig(I) sei. Nach Abschluß der Beweisaufnahme ging der Verteidiger. Genosse Dr. Harnisch auf die rechtliche Seite der Anklage ein. und bemerkte, daß die 17 und 18 des Preßgesetzes mit Strafe bedrohen, wenn die An- klageschrift oder andere amtliche Schriftstücke eines Strafprozesses durch die Presse eher veröffentlicht werden, als dieselben in öffentlicher Verhandlung kundgegeben worden sind oder das Ver- fahren sein Ende erreicht hat. Durch diese gesetzliche Bestimmung sollen das schwebende Verfahren und die in Betracht kommenden Personen geschützt werden. Dieser Schutz höre auf, wenn das Verfahren beendet sei. Das Ende des Verfahrens falle aber zu- sammen mit der Verkündung deS Urteils. Das Urteil fei aber drei Wochen vor der hier in Frage stehenden Veröffentlichung mündlich verkündet worden. Der s 17 wolle aber nur die Beweis- mittel schützen, nicht das Urteil, denn das Urteil sei der Zweck und das Ende des Verfahrens. AuS alledem beantragte der Verteidiger Aufhebung des erstinstanzlichen Urteils und Freisprechung deS An- geklagten. Der Staatsanwalt, der seine Berufung schon vor Abschluß der Beweisaufnahme zurückgezogen hatte, bemerkte, daß der Ange- klagte durch die Veröffentlichung sich strafbar gemacht habe, denn das Verfahren sei noch nicht zu Ende gewesen, da gegen das Urteil Revision beim Reichsgericht angemeldet war. ES sei nicht richtig, daß die mündliche Begründung alles enthalten habe, was in der schriftlichen niedergelegt und durch den Angeklagten zum Abdruck gekommen sei. Nach kurzer Beratung erkannte das Gericht dahin: DaS schöffengerichtliche Urteil wird aufgehoben, der Angeklagte wird freigesprochen. Das Gericht hatte sich im wesentliche» den Ausführungen des Verteidigers angeschlossen. Dämon Alkohol. Ein Ehedrama, an dem die Schuld dem Dämon Alkohol zu- zuweisen ist, hatte gestern vor der 11. Ferienstraftammer des Land- gerichts I sein Nachspiel. Der Bäckergeselle Johann Warcztznsli ist ein solcher Verehrer des Branntweins, daß er diesem oft völlig zum Opfer fällt und sowohl seine Arbeit, als auch die Fürsorge für Frau und.Kind ganz und gar vernachlässigt. Seine ordentliche nnd arbeitsame Frau, die mit ihrer Hände Arbeit für des Lebens Notdurft und Nahrung der Familie zu sorgen sich redlich bemüht, war oft der Verzweiflung nahe und suchte immer wieder teils durch gütliches Zureden, teils durch ernsthafte Vorwürfe, den Mann zur Rückkehr zur Pflicht zu bewegen. Es gelang ihr nicht, vielmehr entstand ihr dadurch Gefahr für Leib und Leben, wie der Borsall beweist, der nun den Angeklagten unter der Anklage der gefahr- lichen Körperverletzung vor die Strafkammer führte. Als ihm die Fr/, Million geleistet haben, erleidet Schlag auf Schlag. War schon an und für sich, im Hinblick darauf, daß auch die Stadt Gelsenkirchen in unmittelbarer Nähe ein Konkurrenzunternehmen gründete, die Rentabilität in Frage gestellt, so hat man auch noch sonst riesiges Pech. DaS erworbene Parseval- Lustschiff„Charlotte" ist nach einigen Wochen unbrauchbar geworden. Die Flugplatz- gesellschaft will den Kaufpreis zurückerstattet haben, die Fabrik weigert sich— und nun kommt's natürlich zum Prozeß, bei dem die Gesellschaft vielleicht am Ende noch den Beutel zu ziehen hat. Da- für haben aber auch die Herrschaften das Vergnügen, eine leibhaftige Hohenzollernprinzeß als Protektorin zu besitzen, die huldvoll geneigt gewesen ist, an den Eröffnungsfeierlichkeiten höchstselbst teilzunehmen. Wie sich die Honoratioren dabei blamiert haben, indem nur die- jenigen zugelassen wurden, die im Bratenrock erschienen waren, ist noch in Erinnerung._ Ein teurer Knst. Ein recht hartes Urteil verhängte am Sonnabend das Gericht von Marylebone(Englandl über einen Kußräuber. Ein junger stellungsloser Kellner namens George Reib, der Uebeltäter, war bei seiner Suche nach Arbeit als Diener auch in ein herrschaftliches Haus gekommen, wo ihm von einem jungen hübschen Dien st- mädchen geöffnet wurde. Nach einer kurzen Unterhaltung ließ er sich dazu verleiten, der Schönen einen Kuß zu rauben. Diese war aber für solche Zärtlichkeiten wenig empfänglich und ließ den jungen Mann sofort festnehmen. Das Gericht verurteilte ihn gestern zuöWochenGefängnis. Die Richter müssen offenbar eifrige Anhänger der Antikutzliga sein J Kleine Notizen. Eingebrochene Landungsbrückc. Sonntag nachmittag brach in der Nähe von Malchow sMecklenburg) eine Landungsbrücke ein, als ein Dampfer anlegen wollte. Mehr als 12 Personen fielen ins Wasser, wurden aber alle gerettet. Mord ans Eifersucht. In der Nacht zum Sonntag wurde in O f f e n b a ch a. M. die 42jährige Ehefrau Glasten von ihrem Ge- liebten, dem 38jährigen Gelegenheitsarbeiter Eugen Husser aus Eifersucht e r st o ch e n. Den Tod der Frau hatte ein Stich in die linke Schlagader herbeigeführt. Außerdem hatte sie noch mehrere schwere Messerstiche in die Brust und in den Rücken erhalten. Die Verletzungen der Frau waren so schwerer Art, daß sie bereits auf dem Transport zum Krankenhause starb. Der Mörder flüchtete nach der Tat. konnte jedoch im Laufe des Sonntagnachmittag ergriffen werden. Selbstmord einer ganzen Familie. Aus Macon(Frankreich) wird gemeldet: Das Ehepaar Bouilloud ist mit dem einzigen sechs Jahre alten Kinde in einem Brunnen ertrunken auf- gefunden worden. Die beiden Eheleute hatten bereits in letzter Zeit die Absicht kundgegeben, sich gemeinschaftlich das Leben nehmen zu wollen. Vandalen im Louvremusenm. Einer Meldung des„Matin* zufolge soll Sonntag im Louvremuseum in Paris ein neuer Akt von Vandalismus entdeckt worden sein. Danach soll aus einem alten wertvollen Frauenporträt eines berühmten alten Meisters ein Stück in Größe eines Fünffrank st ückes heraus- geschnitten worden sein. Noch ein Mörder RosenthalS verhaftet. Wie hierher gemeldet wird, steht es nunmehr fest, daß es gelungen ist, einen der Mörder des Spielsaalbesitzers Rosenthals, nämlich den„blutigen Gt)P* ir Lackawaxen im Staate Pensylvania zu verhaften. w o 'Ä V KSEEEH«««SSsSAItz Unserem treuen Fremide und Genossen »gsingnn 8etigstg N senden zur silbernen Hochzeit die besten Glückwünsche. vi«g/5 Die Ortsverwaltung. Am 25. d. M. enlschlies sanst im 3«. Lebensjahre meine liebe Frau, unsere herzensgute Icutter krauifeka Bernitzky geb. Groß. Die« zeigt tiefbetrübt an der »esunglückliche Gatte ' lr»ui Bernttzky 8& nebst Kindern. STD.�C Beerdigung findet am Mlttivoch, de,, Zg August, nach- 3''> Uhr, von der Leichen- b?unner�''°"��b°ts. Fürsten. qua n at j .mh im« �en Kranzspenden und rege Beteiligung bei der Beerdl- gung meines lieben Mannes sage ich 2. sSrr,-if""JJ?«ctannlen, dem Ch-s d-r Firma Wagner... Co. sowie den Kolleginnen und Kollegen und den Genossen d-s 2. Kreises meinen herzlichsten Dank. ogggb Witwe Teiapelmaiin Nach kurzen Leiden verstarb am Sonnabend unser einzig ge- liebtes Kind. Htervvrt im Alter von i'l, Jahren. Die betrübten Elten. Gatitav Zliuniermann und Frau, geb. Krüger. Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den 23. August, nachmittag» llti Uhr. von der Halle de» 2. Städtischen Friedhofes(Blanke Hölle) aus statt_ 4831 Am 23. August starb unser Heber Kollege und iängjähttger Mitarbeiter, der Schriftsetzer Otto TcKvvI im 40. Lebensjahre.— Ein treues Andenken bewahrt ihm Das personal cler Pinna Otto v. Holten. Beerdigung: Dienstag, 27. August, nachm. VI, Uhr, von der Halle des städtisch. Friedhofe», Friednchsselde. Berlin, den 26. August 1912. Nach langem, schwerem Leiden entschlief am Sonntag, den 25. d. M., um 12'/, Uhr, meine inniggeliebte Frau, unsere liebe Schwester, Schwägerin und Tante Herminö Schiinemann geb. Ebermann Wrangelflr. 1 10, Tegelort, Birlen- straße 16/17. Die? zeigen tiesbetrllbt an .AuxiiNt Schiinemann nebst Verwandten. Die Beerdigung findet am Donnerstag, 29. August, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Georgen-KIrchhose», Landsberger Allee, au« statt._ 229/1 Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage ich alle» Freunden und Bekannten so-. wie dem Vertreter und Kolleginnen der Firma C. Lorenz meinen herzlichen Dank. ib Frltr. Brüder. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise mit- suhlender Teilnahme anläßlich der Beerdigung unseres teuren Eni- schlasenen sagen wir allen, insbeson- dere den Kollegen von Soiwintzer & Graeff und Hirschhorn, dem Metallarbeiter- Verband und dem Wahlnerein des 4. Kreises unseren herzlichsten Dank. Zla Im Namen der Hinterbliebenen: flitve K. Zwirner. Dr.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, ÄS. 10—2. 5—7. Sonntags 10—12. 2—4 Kiinuen- iilid fifati;liiiibrrri von Robert Meyer,' Jnh.: P. Gollctz nur MlirillMltll-Atroßt 2. Telephon; Morihplah 840. Oskar Wollburg Trauer- Magazin Berlin N., BrunnenstraBe 56. OroOe Auswahl in schwarzer Konfektion; auch elnz. Röcke, Bluten, Hüte etc. Anfertigung nach Maß in 12 Stunden. Aenderungen sofort.* Ohne Anzahlung Wäsche, Gardinen, Stores, Portieren, Teppiche u. Decken. Kleine Raten I Billige Preise I Keine Kassierer I Osterten, mit Angabe der Besuchszeit, unter C. 8 tzauptexpedition des .Vorwärts'. 2975b* Von der Reise zurück touenarct Dr. A. Pinkoss W. Kleiststr. 3. 132/10 rr pollmantiö Sandagen- 6ercbäft, neblt Hrtihel zur Gesundheits- u. Krankenpflege, Verbandstoffe, Gummiwaren etc. Berlin BT., Lothringer Str. 60. Lielerant!ür Krankenkassen Eigene Werkstatt. Achtung! 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Das Feuer entstand kurz vor zwölf Uhr mittags im Bühnenhaus und zerstörte es v o-l l st ä n d i g. Auch im Zuschauer- räum ist erheblicher Schaden angerichtet worden. Die Feuerwehr von Charlottenburg war in ganzer Stärke zur Stelle und hatte mit den Löscharbeiten stundenlang zu tun. Voraussichtlich wird das Theater, das genau vor einem Jahre, auch im August, schon einmal der Schauplatz eines Großfeuers war— damals wurde das Kulissenhaus zerstört— auf mindestens drei Monate geschlossen bleiben müssen, da umfangreiche Neubauten notwendig sind. Im einzelnen gehen uns über das Großfeuer folgende Mitteilungen zu: Kurz vor 12 Uhr bemerkte ein Portier des Grundstücks, daß aus dem Dach des Bühnenhauses Qualm hervordrang. Die Rauch- entwickelung wurde von Sekunde zu Sekunde größer, und ehe noch die Feuerwehr eintraf, brannte das Innere des Bühnenhauses schon lichterloh. Plötzlich erfolgte eine heftige Detonation, die man auf eine Explosion zurückführte. In Wirklichkeit war eine Wand, die das Bühnenhaus oberhalb des eisernen Vorhanges vom Zu- schauervaum trennte, eingestürzt und in den Zuschauerraum ge- schleudert worden. Ter eiserne Vorhang selbst war zum Glück her- untergelassen; ebenso waren alle Verbindungstüren nach dem Zu- schauerraum geschloffen. Durch das Einstürzen der oben bezeich- neten Wand fand das Feuer aber doch einen Weg nach dem Zu- schauerraum und erfaßte dort die ersten Logen in der Nähe des Orchesters und einige Dekorationsstücke. Die Feuerwehr fand sich bei ihrem Eintreffen, vor einer schwierigen Aufgabe. Aus allen nur vorhandenen Oeffnungen quollen Rauchwolken hervor. Brand- dttektor Bahrdt richtete sein Hauptaugenmerk von vornherein dar- auf, den Zuschauerraum zu halten. Eine Löschabteilung, nahm da- her sofort im Innern des Theaters Aufstellung und gab mit einem Dampfspritzenrohr Wasser, um die Flammen nach dem Bühnen- räum zurückzudrängen. Gleichzeitig ging eine andere Abteilung mit mehreren Rohren vom hinteren Ausgang des Bühnenhauses aus vor. Eine dritte Mannschaft gab» von der Seite Wasser, so daß das Feuer bald vollständig eingekreist war. Im ganzen waren fünfzehn Schlauchleitungen ausgelegt, die von drei Dampfspritzen »:nd mehreren Hydranten, gespeist wurden. Die Löschmannschaften mußten aber mit, der größten, Vorsicht zu Werke gehen, da fort- während Teile des Hauses einstürzten un� krachend herunterprasselten. Auch nach dem angrenzenden Thcatergarten fielen Trümmer des Mauerwerks herunter. Zwei große Figuren aus Zink, die vorn an der Bühne als Zierde an- gebracht waren, stürzten polternd in den Zuschauerraum. Unfälle waren aber nicht zu verzeichnen,. Von dem Bühnenhaus war nichts mehr zu reiten. Es brannte bis auf die Umsaffuugsmauern aus, und auch die Kulissen zu der Operette„Die schöne Helena", sowie einzelne Tckorationsstücke zu den Operetten„Wiener Blut". ..Walzcrtraum" und„Geschiedene Frau" wurden ein Raub der Flammen. Das Innere des Bühnenhauses bildete einen einzigen Trümmerhaufen� Die Schnürböden und die Belcuchtungsrampen sind zerstört und die Galerien auf der Bühne sind sämtlich einge- stürzt. Uebcr drei Stunden wiÄ,e von der Feuerwehr Waffer ge- geben, um die Trümmermaffen vollständig abzulöschen. Hin und wieder entzündeten sich immer noch einzelne Teile der verkohlten Holzkonstrnktion. Kurze Zeit vor Ausbruch des Brandes hatte der Inspektor des Theaters auf der Bühne noch eine kleine Gesangs- probe abgehalten. Niemand hat aber irgend etwas Verdächtiges bemerkt. Ter Theaterwächter ließ vorschriftsmäßig den eisernen Vorhang nach der Probe herunter und wenige Minuten später, als er das Gebäude kaum verlassen hatte, wurden die Feuerruse laut. Der Schechen ist ganz bcdciend, läßt sich vorläufig aber zisscrn- mäßig noch nicht angeben. Das ganze Personal des Theaters ist durch den Brand brotlos geworden, denn eS dürfte über ein Viertel- jähr vergehen, che die Renovierungsorbeitcn beendet sind. Gegen den Erbauer und Besitzer des Thcatcrgcbäudes wurden scharfe An- klagn laut, da die eingestürzte Wand nicht massiv und feuersicher war, wie es vorgeschrieben ist, sondern auS Rabitz hergestellt worden, ist. Ihre Ticke betrug nur sechs Zentimeter. Die Feuer- Ivehrsahrzcuge rückten abends ab und nur eine Brandwache, bestehend ans einem Lbcrfcurrwchrmann und zwei Feuerwehrmännern. blieb über Nacht im Theater zurück. Woher eigentlich die Detona- tion stammte, ist noch immer rätselhaft. Irgendwelche explosiblen Stoffe haben sich nach Aussage aller Angestellten des Theaters in dem Bühnenraum mcht befunden. Ein eigentlicher Brandherd war nicht mehr festzustellen, es scheint jedoch, wenw man aus der Hitze- entwickelung etwa.? schließen kann, daß das Feuer auf der Hinterbühne in der Nähe des. Fahrstuhles zum Möbclmagazin ausgekommen ist. Bei der �Abwesenheit jeder anderen Eni- zündungsmöglichkcit kann das Feuer wohl nur durch Brandstiftung entstanden sein. Dieser Verdacht wird noch dadurch bestärkt, daß das Baubureau des Architekten Sehring vor etwa fünf Wochen einen anonymen Drohbrief erhielt. Bei der Äblöschung des Brandes leistete übrigens auch die Regenvorrichtung auf der Bühne gute Dienste, die sofort von der Feuerwehr in Tätigkeit gesetzt worden war.' Während deS Brandes war auch ein Krankcnarfto- mobil des Verbandes iür erste Hilfe zur Stelle und außerdem hatte sich von der näcksten Unfallsration ein Arzt auf der Brandstelle eingefnndcn Während Nacht stürz, e plötzlich die Decke der Hinterbühne in ganzer Ausdehnung ein, doch k<,m elniklicherweise niemand dabei'.u Schaden. Gestern vormittag Montag) erschienen, zwei Fcuenvehroffiziere nochmals auf. der Brandstelle, um pholographischc Ausnahmen zu machen. Gedächtnisfeier für Emma Ihrer. Am Sonntag, den 1. Septeniber. vormittags yfi Uhr, findet auf dem Friedhofe der Stadt Berlin in Friedrichsfelde die Ein- weihung des Denkmals und eine Gedenkfeier für die verstorbene Genossin Emma Ihrer statt. Die Feier wird bei gutem Wetter Jbor der Leichenhalle und bei ungünstiger Witterung in der Halle j veranstaltet. Hierauf ordnen sich die Teilnehmer zu einem ge- fchlossenen Zuge, um das Denkmal zu besichtigen. Bei dieser Ge- legenheit oder bei Niederlegung von Blumen dürfen Reden nicht gehalten werden. Die Genossen und Genossinnen werden gebeten, sich pünktlich zur angegebenen Zeit vor der Leichenhalle zu versammeln und den Anordnungen der von der Friedhofsverwaltung gestellten Ordner Folge zu leisten. Genossin Ihrer hat 30 Jahre ihres Lebens der gewerkschaftlichen und politischen Arbeiterbewegung gewidmet und sich besonders um die Organisierung der Frauen verdient gemacht. In Rücksicht hierauf, sowie auf ihr sonstiges Wirken, darf eine rege Beteiligung bei der Einweihung ihres Denksteins wohl erwartet werden. Kinematographie im Dienste des Anschauungsunterrichts. Die Reform des„Kintops" wird im Interesse der Jugend immer lauter gefordert. Ein Beitrag dazu will das Unternehmen sein, das unter der Firma„Zentrale für Wissenschaft- liche und Schul-Kinematographie" sich den Sckul- behörden empfiehlt. Der Schuljugend sollen kinematographische Vorführungen zugänglich gemacht werden, die als ein Mittel des Anschauungsunterrichts gedacht sind. Die„Zentrale für wissenschastliche und Schul-Kinematographie" will die erforder- lichen Films samt Text zusainmenstellen, um sie nach Prüfung durch die Schulbehörden den Schulen zu liefern. Als Begründer des Systems wird Offried von Hanstein, der Direktor der „Kammer-Lichtspiele" in Berlin, genannt. Leiter der„Zentrale" ist ein Dr. jur. Hugo Russak. Eine Probevorführung fand am Montag im„Admirals-Theater" statt. Unter dein geladenen Publikum, das mit dem Unternehmen der„Zentrale" bekannt gemacht werden sollte, waren viele Schul- mäniier. Offried von Hanstein betonte in der Einleitung, seines er- läuternden Vortrages, daß ein Erfolg nur möglich sei, wenn man bei den Schulbehörden Unterstützung finde. Die Vorführung zeigte den„Rhein von der Quelle bis zur Mündung", wo- bei in zusammenhängender Darstellung die Geographie, Völkerkunde, Zoologie, Botanik und Industrie des Rheingebietes behandelt wurde. Fesselnd wirkten die Alpenlandschaften mit ihren auf Gletschern umherkraxelnden Hochtouristen, ihren über Felsklippen hüpfenden Gemse» und Steinböcken, nicht minder der Rheinfall bei Swaffhausen mit seinen wirbelnden Wässern. In eiliem Zeppclin- Lustjchiff wurde ein großes Teil des Rheingebietes überflogen, wobei keine lange Reihe von Städten und Flußlandschafte» mit ihren, Gewimmel von Menschen und Schiffen, von der Vogelperspektive aus gesehe», sich dem Auge bot. Der Belehrung dienten u. a. die Bilder von der Weinlese, vom Leben auf einem Gutshof. von der Heimindustrie im Schwarzwald usw. Auch an militärisch-dynastischen Zutaten fehlte es nicht; sie bestanden in Bildern vom Rhein- Übergang eines Pionier-Regiments und von einer Rheinbrllcken- weihe durch das Kaiserpaar. Die Wanderung führte schließlich durch Holland zur Mündung des Stromes und hinaus auf die See, wo ein Flottenmanöver den patriotischen Schluß machte. Die«Zentrale für wissenschaftliche und Schul-Kinematographie" versichert, sie wolle diesen„Anschauungsunterricht" in„pädagogisch einwandfreier Weise" allen Schulen Deutschlands zugänglich machen. Vielleicht wird mancher Schulmann zweifeln, ob kinematographische Vorführungen, auch wenn sie Stoffe dieser Art behandeln, überhaupt „pädagogisch einwandfrei" sein können. Die Technil der kinematographischen Borführungen bringt es leider mit sich, daß solcher„Anschauungsunterricht" sich meist in einem Hetztempo voll- zieht, bei dem ein ruhiges Betrachten nicht möglich ist.„Sachgemäß" >var dieses Tempo z. B. in den Bildern des zur Fiilierung eilenden Wildes, des.aufregenden Kampfes eine« Siebenschläfers mit einer Viper und in ähnlich bewegten Darstellungen. Aber die kinemato- graphische Zappelei wirkt störend z. B. in den Darstellungen aus der Industrie, die ernst und lange betrachtet werden wollen. Vollends in den Laiidschaftsbildern lenkt die sich bewegende Staffage der Menschen so sehr die Aufmerksamkeit des Kindes auf sich, daß hier kaum ein Gewinn aus solchem„Anschauungsunterricht" zu erwarten ist.__ Eine neue Synagoge ist gestern von der hiesigen jüdischen Ge- meinde in Charlottenburg, Fasanenstr. 79/80, im Beisein städtischer und staatlicher Behörden eröffnet werden. Die Synagoge ist mit einem Kostenaufwande von 2 Millionen Mark hergestellt und enthält 2000 Plätze. Umlcnkung von 14 Straßenbahnlinien. Die Straßenbahn ist genötigt, wegen Auswechselung der KreuzungSanlage der Leipziger und Jerusalemer Straße verschiedene Linien in den Nächten vom 28. aus den 29. August und vom 4. auf den 6. September von 1.00 an bis zum Wiederbeginn des Betriebes umzuleiten. Die Linien 38, 64. 66, 67, 69, 71, 74. 77, 78 und 79 fahren dann durch die Jerusalemer und Obcrwallstraße. den Wcrderschen Markt, den Schloßplatz und die Breite Straße, die Linien 6. 87, 88 und 91 über die Jerusalcmer und Oberwallstratze, den Wcrderschen Markt, den Schloßplatz, die Breite Straße, den Mühlendamm, die Stralauer und Neue Friedrichstraße, die Stralauer Brücke und Brückenstraße._ Krankenhaus und Bcthaus. Wenn ein Kranker in eine konfessionelle Krankenanstalt hinein- gerät, dann braucht ihm um sein Seelenheil— sofern ihm etwas daran liegt— kaum bange zu sein. Die Pfleacschwestern, die helfen sollen, seinen kranken Leib zu kurieren, sind oft mit demselben Eifer bemüht, auch seine Seele zu retten. Eine Probe davon erfahren wir aus dem Maria-Viktoria-Krankenhause(Berlin. Karlstraße), einer privaten Anstalt, in der die leitenden Persönlich- keilen und anscheinend auch sämtliche Angestellten katholisch und streng religiös sind. Aus Reinickendorf war dorthin ein Schlosser H., der ein chronisches Ohrenleiden hatte, durch einen Kassenarzt überwiesen worden. Nachdem eine Operation ausgeführt worden war, wurde nach einigen Tagen die Ehefrau des Kranken plötzlich von einer der Pflege- schwestern durch eine am Abend nach 9 Uhr eintreffende Rohrpost- karte aufgefordert, möglichst bald nach dein Krankenhaus zu kommen, da die Oberin sie zu sprechen wünsche. Die erschrockene Frau dachte im ersten Augenblick, ihr Gatte sei verstorben, doch erfuhr sie auf sofortige telephonische Anfrage, daß diese Befürchtung nicht zutraf. Man stellte ihr anHeim, den Besuch erst am anderen Tage zu machen. Frau H. fand sich aber noch an demselben Abend etwa um 11 Uhr in der Anstalt ein. Hier ergab sich nun, daß Sorge um das Seelenheil des Kranken die Oberin bedrückte. Die fromme Dame erzählte zunächst der Frau H.. daß H. bereits einen Selbstmordversuch gemacht habe. Das war richtig; H. halte, durch Schmerzen gepeinigt, sich aus dem Fenster stürzen wollen. Im Anschluß an diese Mitteilung richtete dann die Oberin an Frau H. die Frage:„ E r h a t w o h l k ei n e Religion?"„Nein!" annvortelc Frau H., und sie fügte auf neueres Befragen binzu. daßH. Jder schon vor Jahren aus der Küche ausgeschieden ist) früher evangelisch gewesen sei. Ein Schwager der Frau H., der sie nach dem Kranken- Haus begleitet ba:te, Wehm ab:„Wenn er wieder besser ist. könne» Sie ja mit ihm selber darüber sprechen". Am folgenden Tage erzählte H. seiner ihn besuchenden Frau, daß bereits einige. Krankenschwestern mit ihm über die Glaubensfrage gesprochen hatten. Ihrer drei hätten, an seinem Bett sitzend, auf ihn eingeredet, er aber habe erklärt, sie sollten ihm seine Meinung lassen, wie ja auch er ihnen ihren Glauben nicht nehmen wolle. Trotz der Eefolglosigkeit dieser Bemühungen, die der Oberin und den Schwestern gewiß als heiltge Pflicht gelten, wurde der Versuch, den Kranken dem„lieben Gott näher zu bringen, nach einigen Tagen wiederholt. Diesmal war eS der in der Anstalt tätige Arzt Dr. Beckmann, der die Frau des Kranken vor sich laden ließ, um auf sie einzureden. Der Zustand ihres Mannes sei, sagte er ihr, recht ungünstig, so daß es vielleicht doch besser wäre, einen Pfarrer zu holen. Frau H. erklärte, daß sie ihrem Manne hiermit keinen Gefallen erweisen würde und auch sie selber nicht an Gott glaube. Der gottgläubige Arzt meinte, eS könnte aber doch sein, daß es ein Jenseits gäbe. Als Frau H. bei der Ablehnung verharrte, entließ er sie mit der nochmaligen Mahnung, einen Pfarrer zu holen. Frau H. blieb fest— und kein Geistlicher fand Gelegenheit, an dem Kranken seine Bekehrungsversuche zu unternehmen. Das Maria- Viktoria-Krankenhaus behielt dann den Ungläubigen nicht mehr lange. Ein paar Tage später teilte Dr. Beckmann der wieder zu Besuch kommenden Frau H. mit, ihr Mann sei sehr unruhig und rede irre, darum werde man ihn nach einer Irren- anstatt bringen müssen. Frau H. widersprach, aber H. wurde tat- sächlich nach Dalldorf überwiesen, vermutlich auf Grund des Gutachtens zweier Aerzte. Jetzt wandte Frau H. sich an die Krankenkaffe, und mit Hilfe eines ihr dort eingehändigten Schreibens an die Direktion der Anstalt Dalldorf erreichte sie, da? der Kranke ohne Verzug wieder entlassen wurde. In der Anstatt Dall- darf gewann Frau H. den Eindruck, daß man hier die Verwahrung des Kranken in einem Irrenhaus nicht für nötig hielt; andern- falls würde man ja wohl auch nicht so schnell auf den Entlaffungs- antrag eingegangen sein. H. wurde darauf im Reinickendorfer Krankenhaus untergebracht und erlag nach einer Woche seinem Ohren- leiden. für sie ein Ansporn sein, nur um so eifriger mit dem Teufel um die Seeleu der Gottlosen zu ringen. Es gibt allerdings Kranke, die von einer Verquickung der Krankenpflege mit Seelenrettung ganz und gar nicht erbaut sind. Auch H. hat bei seiner Frau sowie bei einem Freunde sich darüber beklagt, daß mau im Krankenhause ihm mit diesen Dingen gekommen sei. Den fronimen Schwestern eine gebührend kräftige Antwort zu geben, dazu war er wohl schon zu schwach. Kein Kranker braucht sich gefallen zu lassen, daß in einem Krankenhause an ihm Be- kehrungsversuche gemacht werden. Nach solchen Er- fahruugen wird mancher Kranke sich weigern, noch in ein Kranken- Haus zu gehen, das zugleich ein Bethaus ist. Bon einem Schutzmann niedergeschossen wurde bei einem wüsten Auftritt in der Nacht zum Sonntag ein noch unbekannter Mann. An der Ecke der Münz- und Dragonerstraße wollte nach einer poli- zeilichen Korrespondenz ein Beamter des 15. Reviers einen Haus- diener Max S. wegen groben Unfugs zur Feststellung seiner Per- sönlichkeit mit zur Wache nehmen. Dieser Vorfall, der sich um 1 Uhr abspielte, hatte in kurzer Zeit die Ansammlung einer großen Menschenmenge, unter denen sich zahlreiche lichtscheue Elemente be- fanden, zur Folge. Letztere sollen nun für den Arrestanten Partei ergriffen und gejohlt und gepfiffen haben. Einen zweiten Schutz- mann vom selben Revier habe die Menschenmenge fest umringt. Plötzlich sei ein ungefähr 25 Jahre alter, mit einer braunen Pelerine bekleideter Bursche von hinten über den Beamten hergefallen und habe ihm einen solch heftigen Stoß gegeben, daß er zu Boden ge- fallen sei. Nachdem der Beamte sich erhoben und versucht habe, sich mit seinem Säbel des AngrMirs und der übrigen Burschen zu er- wehren, sei der Mann mit der Pelerine wieder auf den Beamten gestürzt, um ihn zu Boden zu reißen. Jetzt habe der bedrängte Schutzmann die Dienstpistole ergriffen und auf den Burschen ge« schössen. Hierauf sei die Menge auseinandergegangen, auch der Ge- troffene habe versucht, davonzulaufen; nach wenigen Schritten brach derselbe jedoch in der Dragonerstraße zusammen. Auf der Hilfs- wache, wohin der Verletzte gebracht worden war. konnte der Arzt nur noch den Tod feststellen. Die Kugel war ihm in die Lunge eingedrungen. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Zu schweren Ausschreitungen kam eS ferner in einem Lokal in der Koppenstraße, wo eine Anzahl junger randalierender Burschen von dem Lokalinhaber zunächst aus dem Lokal entfernt wurden. Als der Wirt das Lokal schließen wollte, wurde er plötzlich durch eine Kugel getroffen, so daß er bewußtlos zu Boden sank. Ein noch in dem Lokal anwesender Gast zog nun gleichfalls gegen die in das Lokal Stürmenden den Revolver und schoß einen der Beteiligten in die linke Bauchseite; der Schwerverletzte wurde in das Krankenhaus am Friedrichshain eingeliefert. Außer diesen erhielten noch zwei andere Beteiligte Schußverletzungen. Ein großer Brand auf offener Straße alarmierte die Feuerwehr nach der Mirbachstraße, wo an der Ecke der Liebigstraße ein hoch- beladener Wagen mit Stroh in Flammen stand. Um diese zu löschen, mußte der 7. Zug mit drei Rohren Waffer geben. Von der Ladung war nichts zu retten. Die Pferde konnten in Sicherheit ge- bracht werden. Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be- Nutzung für jedermann, SO., Adalbertstr. 41. Geöffnet werk- täglich von 5%— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9—1 Uhr und 3— 6 Uhr. In dem Lesesaal liegen zurzeit 541 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. Auf Anfragen teilen wir mit, daß zur Benutzung der Bibliothek jede Person berechtigt ist, die das 14. Lebensjahr überschritten und ihren Wohnsitz oder ihre Beschäftigung in Groß-Berlin hat. Wer sich über Wohnung und Berus durch Vorzeigung des Verbands- buches, Wahlvereinsbuches. Krankenkassenbuches, MietsvertragcS oder ähnliche Papiere ausweisen kann, erhält eine Lesekarte unentgeltlicy ausgestellt. Diese Lesekarte gilt zunächst für ein Jahr; sie wird nach Ablauf nach Kontrolle etwaigen Wohnungswechsels ohne weiteres von Jahr zu Jahr verlängert. Der in Haft befindliche Bankdefraudant Friedrich Klopsch wurde gestern aus dem Untersuchungsgefängnis dem Vernehmungsrichter zugeführt. In einer längeren Vernehmung gab Klopsch zu, bis zum Tage seiner Verhaftung insgesamt 68 000 M. unterschlagen zu haben. An diesem Tage habe er weitere 71000 M. KonsolS sich angeeignet, jedoch nicht um die Papiere für sich zu verwenden, sondern nur um damit die vorher begangenen Unterschlagungen zu verdecken, die sonst infolge des Fälligwerdens der Coupons von selbst zutage ge- kommen wären. Er gab serner an. daß er mit einem ganz kleinen Betrage angefangen, nachdem er vorher sein eigenes Geld auf der Rennbahn verloren habe. Er habe gehofft, damit nicht nur sein eigenes Geld wieder zu gewinnen, sondern auch den kleinen unter- schlagenen Betrag wieder zurückzahlen zu können. Der„todsichere Typ" sei jedoch ein Fehlschlag gewesen, und so sei er in die Ver- »mtreuungen hineingekommen. Radrennen aus der Olympia-Park-Bahn. Bei zwar trübem, doch trockenem Wetter und sehr gutem Besuch konnten die Rennen ohne Unfall erledigt werden. Die Hauptnummer bildete das über 100 Kilo- meter führende Theile-Erinnerungs-Rennen, das von Eberl, Gnilka. Janke. Guignard und Walthour bestritten und von letzterem gewonnen wurde, während Janke, der Sieger des Goldenen RadeS, versagte und als letzter endete. Sehr interessant gestaltete sich auch das D r e i- L ä n d e r- M a t ch. in dem Ruit(Deutsch- land), Jacquelin(Frankreich) und Stol(Holland) ihre Kräfte in drei Läufen maßen. Als ein weiteres Zugstück erwies sich d,e Ankunft der Sieger der am Vormittag stattgefundenen Fernfahrt„Rund um Berlin": Aberger(Berlin). Kotsch(Kyritz). Fr. Suter(Zürich). Siewert(Berlin), G. Schulze(Trebbin). K. Zander(Berlin), I. Mcck lDllsseldorf) als Geldpreisfabrer, fe.ner Brenne(Schönefeld bei Leipzig), Lenz(Kyritz), Julitz(Schönererg), Fun!(Berlin) und Nörenberg(Berlin) als Wertpreisfahrer. Unter dem Jubel der An- wesenden fuhren sie einige Ehrenrunden und bestritten dann jede Klasse für sich je ein Rennen. Ergebnisse: Dauerrennen für Klasse B. dOkm in zwei Läufen von je 20 km. 500, 400, 300, 200 M. 1. Lauf: 1. Pawle in 16 Min. 522/5 Sek.; 2. Nettelbeck, 240 m; 3. Riesner, 870 m; 4. ArenS, 1110 m zurück.— 2. Lauf: 1. Riesner in 16 Min. 214/5 Sek.; 2. Nettelbe ck, 80 m; 8. Pawke, 190 m, 4. Arens, 2570 m zurück. Gesamtklassement: 1. Pawke(weil schnellster Lauf), 2. Riesner, 3. Nettelbeck. 4. Arens. Drei-Länder-Match. 300, 600, 400 M. Drei Fahrer begegnen sich in drei Läufen. 1. Lauf(25 km mit Tandemführung): 1. Statt in 81 Min. l4/® Sek.; 2. Stol, 405 m; 3. Jacquelin, 470 m zurück.— 2. Lauf(5 km mit Motorführung): 1. Stol in 4 Min. 2'/» Sek.; 2. Jacquelin, 40 m; 3. Rütt, 200 m zurück.— 3. Lauf (2 km ohne Führung): 1. Rütt in 2 Min. 85 Sek.; 2. Stol; 3. Jacquelin.— Gesamtklassement nach Punkllvertung: 1. R ü t t 10 Punkte, 2. Stol 10 Punkte, 3. Jacquelin 16 Punkte.(Rütt wird als erster placiert, da er in zwei Läufen erster wurde.) Rund um Berlin. 1. Lauf(für die Geldpreisfahrer): 30, 20. 10. 10, 10 M. 1. K o t s ch in 3 Min. 56 Sek.: 2. Aberger, 3. Franz Snter, 4. Meck, 5. Siewert.— 2. Lauf(für die Werlpreis- fahrer). 2 Ehrenpreise. 1. B r e n n e in 4 Min. 16 Sek., 2. Funk, 3. Lenz, 4. Nörenberg, 5. Julitz. Theile-Erinnerungs-Nennen. 100 km mit Motor- führung 1800, 1200. 1000, 800, 700 M. 1. R. W a l t h o u r in 1 St. 13 Min. 16«/, Sek.; 2. M. Gnilka, 1740 m: dritter P.' Gnignard, 2430 m; 4. W. Ebert, 7010 m; 5. G. Janke, 10 490 m zurück. Walthour nimmt sofort die Spitze, Janke folgt ihm als zweiter; durch einen Motorschaden büßt er»ach dem 20. km drei Rundeu ein und kommt auf den letzten Platz. Guignard folgt dem Amerikaner als zweiter mit geringem Abstände bis nach dem 70. km, wo er, durch Radschaden gezwungen, Gnilka passieren lassen mutzte. Der Leipziger Ebert endete weit zurück als vierter vor Janke, der immer mehr zurückblieb. Walthour konnte vom 60. km die bestehenden Rekorde drücken. Mit einem Lorbeerkranz geschmückt, fährt er eine Ehrenrunde, auf der ihm Gnilka begleitet. Tandem-Prämien fahren. 4000 m. 60, 40, 20, 10 M. 1. Rudel-Pawke in 4 Min. 56 Sek.; 2. Schmittchen Thcis; 3. F. Stellbrink-Kops; 4. Freiwald-Abraham. 13 Paare im Nennen. Ein tödlicher Straßenunfall ereignete sich gestern mittag in der Beusselstratze. Als ein mit Stroh hochbeladener Wagen der Firma Bolle aus der Waldenserstratze 2—4 durch die Stratze fuhr, ver- gnügten sich mehrere Kinder damit, Strohhalme ans der Ladung herauszuziehen. So auch das vier Jahre alte Söhnchen Paul des Werkzeugschlossers Buhs aus der Beusselsw. 26. Als der Wagen an der Ecke der Waldenserstratze angekommen war, glitt der kleine Junge plötzlich ans und fiel so unglücklich hin, datz er mit dem Kopf unter das rechte Hinlerrad geriet. Der Schädel wurde ihm durch den schweren Wagen vollständig zermalmt, so datz sein Tod auf der Stelle eintrat. Die Leiche des Knaben wurde nach dem Schauhause gebracht. Der Gesangsverein„Neu erwacht"(Chormeister Heinz Bleil) veranstaltet am Sonntag, den 1. September, in den Gesamträumen der Brauerei Friedrichshain ein Doppelkonzert unter Mitwirkung des Translateurorchesters. Der Eintrittspreis beträgt 25 Pf. inkl. Pro- granim im Vorverkauf. «Ursachen und Folgen der EiSzeit" lautet das Thema des Vor- träges, den Dozent JenS Lützen am Mittwoch, den 28. August, abendS 8 Uhr, im«Verein von Freunden der Treptow-Stemwarte" hält. Der Vortrag ist mit zahlreichen Lichtbildern ausgestattet und erwähnen wir aus dem interessanten Programm: Beziehungen zwischen Gletschern und EiSzeit!— Länge der Gletscher— Bewegung der- selben— Zeugen der EiSzeit—!Findlingsblöcke— das Strotzen- Pflaster Neiner märkischer Städte— Ursachen der Eiszeit— Mär- kische Landschaften.— Mit dem grotzen Fernrohr wird der Jupiter. ein Fixstern oder ein Sternhaufen beobachtet, autzerdem stehen den Besuchern kleinere Fernrohre kostenlos zur Verfügung, mit welchen beliebige Objekte aufgesucht werden können. Die ermätzigten Ver- einskarten haben ebenfalls Gültigkeit. Gäste sind bestens will- kommen. Das Berschwinden der 15 Jahre alten Tochter der Christburger Strohe 17 wohnhaften Giersemehlschen Eheleute beschäftigt seit einiger Zeit die Krin-malpolizei. Das stark entwickelte Mädchen ist am 12. August nach dem Geschäft gegangen, von dort aber in die elter- liche Wohnung nicht wieder zurückgekehrt. Das Mädchen trug bei seinem Fortgang einen weihen Strohhut mit blaner Schleife, Heller Mousselinbluse, ickwarzen Rock mit weihen Streifen, schwarze Schnür- stiefeln mit Lackspitzen und goldene Uhr mit Kette. Sie ist etwa 1,60 Meter grotz. hat schwarzes Haar und braune Augen. Es wird angenommen, datz das Mädchen verschleppt worden ist, denn in letzter Zell hat ein in Weihensee wohnhafter 20 Jahre aller Mensch, der das Mädchen im Kino kennen gelernt hatte, dasselbe wiederholt an sich locken wollen. Personen, die irgend welche Angaben über das- Mädchen. machen können, werden gebeten, dies bei Gottlieb Gierscmehl. Chrislburger Strohe 17, Ouergebäude II, oder auf dem Polizei- revier zu melden._ Vorort- Nach richten. Schöneberg. Ein schwerer Unfall ereignete sich gestern nachmittag vor dem Hause Habsburgerstr. 12. Als dort der 20iährige Depeschenbote Bruno B., Habsburgerstr. 12 wohnhaft, mit seinem Zweirad einem Kraftwagen ausweichen wollte, kam er zu Fall und stürzte so un- glücklich, datz die Vorderräder des nachfolgenden Automobils ihm über den linken Unterschenkel hinweggingen. B. erlitt einen doppelten Bruch des linken Uuterschenkels. sowie doppelten Rippen- bruch und mutzte nach dem Krankenhaus übergestihrt werden. Wilmersdorf. Einen Dachstuhlbrand hatte die Feuerwehr am Sonntag in der Berliner Str. 54 zu löschen. Mit zwei Stohren muhte längere Zeit Wasser gegebe» tvcrden, um eine weitere Ausdehnung zu verhüten. SIls Ursache wird auch hier Brandstiftung angenommen. Neukölln. Die städtische Bolksbibliothek soll nach einem Beschlutz der Deputation für die Vollsbibliothek wegen des zeitweise.in der Bibliothek herrschenden Andranges vom 1. Oktober d. I. ab Versuchs- weise in der Zeit von abendS 6—9 Uhr für die Bücherausgabe geöffnet sein. Der Voranschlag der Bolksbibliothek und Lesehalle für 1912 wurde in Einnahme auf 300 M. und in Ausgabe auf 5800 M. festgestellt.— Für die Ausgabe der Ouittungsformulare soll von den Lesern vom 1. April 1913 ab eine Gebühr von 5 Pf. für zehn Zettel erhoben werden. Die Feuerwehr hatte am Sonntag einen grotzen Dachst» hl- r a n d in der S a a l e st r a tz e zu löschen Dort stand das Eck- vans an der Kannerftratze in Flammen. Diese batien an dem «dausrat der Mieter und an der Dachkonslruktion iv reiche Nahrung aeinndcn datz sofort mit drei Schlauckitcrtungin Wasser gegeben m-rven.nutzte Ueber eine mechamiche Leiter mutzten«oappeure das Dach ersteigen� dieses einhanen. damit die Rohrführer Luft erhielten. M-brere Male mutzten sie vor den Sttchfla.nmen zurückweichen. K- aclana die Gewalt des entfesselten Elements zu brechen. Die Entstehung dieses BrandeS ist nicht ermittelt. Di- Haus- bewohner vermuten Brandstiftung. Treptow-Baumschulenweg. Eine Aufnahme über die vorhandenen Wohnungen nach dem stände vom 15 Mai d. J�hat»g°ben�� ..-- �ur den tue vvm xc». wtu» V. vi■ u___—--—-— t.- 'Verantwortlicher Redakteur: Albert Wachs. Berlin. gesamt 2006 Ein- und 3570 Zweizimmerwohnungen vorhanden waren. 1104 Wohnungen bestanden aus je 3. 596 aus je 4 und mehr Zimmern. Badegelegenheit war fast bei allen Wohnungen mit drei und mehr Zimmern vorhanden, während nur zwei Fünftel der Zwei- und ein Zwanzigstel der Einzimmerwohnungen über Bade- gelegenheiten verfügten. Gastwirtschaften befinden sich 101, Läden 435 am Orte, von denen stets mehrere leer stehen. Es wäre zweifellos zweckmäßiger, an Stelle der vielen neuen Läden Wohnräume einzurichten. Lichtenberg. Ein schwerer Swaßenbahmlnfall, bei dem ein fünfjähriger Knabe zu Schaden kam, ereignete sich im Ortsteil Rummelsburg. Dort lief der fünfjährige Heinz Conrad, Schillerstvatze 31 bei den Eltern ivohnhaft. kurz vor einem herannahenden Stratzenbahnwagen der Linie 79 in der Türrschmidtstratze auf das Gleis. Das Kind wurde umgestoßen und kam unter den Vorderperron mit dem linken Arm unter den Schutzrahmen zu liege». Der Kleine erlitt einen Bruch des linken Schultergelenks sowie mehrere Wunden am Kopf und wurde nach dem Krankenhause geschafft. Weiftensee. Aus der Gemeindevertretung. Ein in Birkholz angekauftes Banerngehöst soll von der Gutsverwaltung zu Arbeiter- Wohnungen, bestehend aus je zwei Stuben und Küche, um- gebaut werden. Für den Umbau sind 7000 M. erforderlich. Auf der 1913 in Leipzig stattfindenden Bauaus st ellung sollen die Modelle des Säuglingskrankenhauses, des Munizipalviertels mit den noch zu errichtenden Gebäuden des Ledigenheims und der Feuer- wache, sowie einfarbiges Bild, den Lageplan zwischen Schwanenteich und dem Weißen See darstellend, ausgestellt werden. Zur Ver- größerung einiger Modelle usw. wurden für diesen Zweck 6000 M. bewilligt. Für den nach Berlin verzogenen Rechtsanwalt Cramer wurde zum stellvertretenden Vorsitzenden des Kaufmannsgerichts und Gewerbegerichts Asseffor Dr. Koschel gewählt. Zum dritten Ver- treter des Vorsitzenden des Versicherungsamtes wurde der National- ökonom Dr. Brandt bestellt. Dem Augustahaus in Charlottenburg wurde eine jährliche Beihilfe von 30 M. gewährt. Die Anregung, auf dein Schwanenteich eine Fontäne mir elektrischer Beleuchtung zu errichten, gab Anlaß zu einer regen Diskussion, weil man teilweise der Meinung war, datz für den Ort wichtigere Dinge der Erledigung harren, als solche Luxuseinrichtungen. Die geforderten 5000 M. wurden nach längerem für und wider jedoch einstimmig bewilligt. Die Vertretung nahm dann einen Vortrag eines Verkehrs- iugenieurs entgegen, der beauftragt wurde, das Projekt einer Stratzen- bahn nach Hohenschönhausen auszuarbeiten. Ferner wurden zwei Grundstücke angekauft, die es endlich ermöglichen, eine geregelte VerkehrSstratze nach Hohenschönhausen zu schaffen. Datz autzerdem noch die unerquicklichen Pretzergllffe über den«Fall Allers' besprochen wurden, versteht sich von selbst. Allgemein war man der Ansicht, datz hierdurch der Ort in einen Ruf gekommen sei, der auf wirtschaftlichem Gebiete ungünstige Folgen haben werde. Die Vev tretung entschloh sich, in einzelnen Fällen die Gerichte entscheiden zu lassen,' da manche Handlungen Erpressungen gleichen. Die alte Fraktion ist Willens, in ihren Kreisen eine Versammlung zu veran- stalte», wo die ganze Angelegenheit«möglichst objektiv' behandelt lverden soll. Wenigstens drückt' sich Herr Fechner so aus. Wilhelmsruh-Nosenthal. In der letzte» Sitzung der Gemeindevertretung führte Genosse Milb r o d t Beschwerde, weil der bereits in zwei Sitzungen ge- stellte Antrag, der Arbeiter-Samariterkolonne eine Beihilfe von 100 M. zu bewilligen, nicht auf die Tagesordnung gesetzt sei. Man glaubte anscheinend, den Antrag stillschweigend zu versenken. Weiter protestierten unsere Genossen gegen die bereits im.Vorwärts' kritisierten Aeutzerungen des Rektors Schulz, der den Schulkindern verbieten möchte,«sozialdemokratische Feste' zu besuchen. In einem Antrage, der von den bürgerlichen Vertretern lebhafte Unterstützung fand, wurden 20 M. zur Unterstützung des Lustflotteiirummels ge- fordert. Die Genossen W e tz e l und H a s ch e tz sprachen sich ent- schieden gegen die Bewilligung der Summe auS; man solle die Gelder der Gemeinde nicht zur Unterstützung des Militarismus, sondern zu kulturellen Zwecken und zur Armenpflege verwenden. Für den Antrag, der in einer stüheren Sitzung abgelehnt wurde, stimmten sämtliche bürgerlichen Vertreter; er gelangte also gegen die drei Stimmen unserer Genossen zur Annahme. Ein Antrag der Gemeindebeamten auf Erhöhung der Gehälter wurde auf Antrag unserer Genoffen einer Kommission überwiesen; dort soll über die Gehaltsverhältnisse der Beamten und Arbeiter eingehend beraten werden. Nieder- Schönhausen. Die letzte Gemeindcvertretersihung hatte sich nochmals mit der Wahl des Genossen H i e g e zu beschäftigen. Bürgermeister Abraham verlas zunächst den Protest des Lehrers Kränzen, in dem angeführt wurde, datz Hiege kein Angesessener im Sinne der Landgemeinde- ordnung sei. Auf einem anderen Standpunkt stellte sich der Bürger- meister, der ausführte, datz er aus den Vernehmungen des Herrn Hiege den Eindruck gewonnen habe, datz dieser die gesetzlich ge- forderte Hausbesitzerqualität besitze. Nach seiner Ueberzeugung werde selbst bei einer Klage das Oberverwaltungsgericht die Wahl für gültig erklären: er bitte deshalb der Gültigkeitserklärung znzu- stimmen. In der Debatte ließen sich die bürgerlichen Redner, mit Ausnahme des Herrn A. Kuhlmann, der sich für die Gültigkeit er- klärte, von dem Gedanken leiten, weil der Gewählte Sozialdemokrat sei, müsse die Wahl für unaültig erklärt werden. Herr Dr. Pratsch beklagte es tief, datz ein bürgerlicher Vertreter sich für die Gültig- kcit erklären könne; für ihn seien selbst die Entscheidungen des Ober- verlvaltungsgerichts nicht mastgebend. Er lasse sich nur von dem Gefühl leiten, datz eine ungesetzliche Handlung begangen worden sei; deshalb müsse die Wahl für ungültig erklart werden. Unsere Genossen Breit mann und H e l l r i ch wiesen nach, datz viele Hausbesitzer aus dem bürgerlichen Lager in Wirklichkeit nur Verwalter fremder Hypotheken seien; autzerdem sei eS falsch, wenn immer darauf herumgeritten werde, Hiege sei nur aus Parteirücksichten Hausbesitzer� geworden. Besonders gegen den Vorwurf, datz die sozialdemokratische Partei etwa? Ungesetzliches begangen babe. legten unsere Vertreter Verwahrung ein. Hierauf wurde die Wahl, wie bereits kurz gemeldet, für gültig erklärt, und zwar mit 3 gegen 5 Stimmen. Die Festsetzung einer Geschäflsanweisung für die Verwaltung der offenen Armenpflege wurde nach kurzer Debatte einstimmig an- genommen. Als Armenvorsteher für den siebenten Bezirk wurde Lehrer Engelhardt, Blankenburger Strotze 63, gewählt. Unter Mit- teilnngen wurde zunächst bekanntgegeben, daß die Siegierung die vom Gemeindevorstaud beantragte Sparkasse abgelehnt habe. Von dem Kartoffelverkauf stehen noch 52,80 M. aus; diese Summe wurde niedergeschlagen. Bon der Grotzen Berliner Siratzenbahn wurde mitgeteilt, datz sie die Einführung des Zehn- Minutenverkehrs für die Linie 57 ablehne. Ober-Tchönelveide. Die Geiiieindcvcrtretcrcrsatzwahlen, die am Freitag vorgenommen wurden, hatten das Ergebnis, datz in der 1. Klasse die Fabrik- direkioren Baron von der Ropp und Wolf f. in der 2. Klasse die Hausbesitzer Noack und Trautmann gewählt wurden. Beim Bolksfest ist noch eine Handtasche gefunden worden; sie ist in der«Vorwärts'-Spedition, Wilhelminenhofftr. 17 El, abzuholen. Die SlnSstclliing, die vom«Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke" vom 25. August bis 1. September im Realgymnasium veranstaltet wird, ist geöffnet von 11—1 Uhr vonnittags und 5 bis 7 Uhr nachmittags, Sonntags von 11—4 Uhr; der Eintritr ist un- entgeltlich. Zwecks Uebernahme der Führung von Korporationen durch die Ausstellung ist der Leiter dort täglich von 9 Uhr vor- mittags ab zu sprechen.________ Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck». Verlag: Borwärt» Gruna«. Ein schwerer BootSunfall. der einem jungen Mädchen das Leben kostete, ereignete sich hier auf der Dahme. In einem Boot hatte der Kaufmann Stein mit einem jungen, etwa 20 Jahre alten Mädchen Meinhard eine Spazierfahrt unternommen. Als das Boot sich auf der Heimfahrt befand, kam aus entgegengesetzter Rich- tung der Schlepper„Paul". Aus Angst gab nun das junge Mädchen das Studern auf, und in: nächsten Augenblick kenterte der Skuller. Herr Stein vermochte sich noch an dem Boot festzuhalten, während das Mädchen sofort unterging. Alle Rettungsversuche waren vergeblich. Das Mädchen kam nicht wieder zum Vorschein, auch die Leiche konnte noch nicht geborgen werden. Potsdam. Aus der Stadtverordnetensitzung. Die letzte Sitzung hatte sich mit der Ausarbeitung eines Urkundenbuches zu befassen. Da die Darstellung der Anfänge und früheren Perioden der Potsdamer Sladtgeschichte in ihren Quellenangaben so unbestimmt und zerstreut sind, sollen sie gesammelt und geordnet werden. Zu diesem Zwecke sollen die Staats- und königlichen Archive von Berlin, Potsdam, Magdeburg'und anderen Städte eingesehen werden. Die Stadtgeschichte soll vom Jahre 1722 ab behandelt werden. Oberlehrer Dr. B o s ch a n vom Realgymnasium hat sich erboten, diese Arbeit unentgeltlich zu verrichten, verlangt jedoch Ersatz der Auslagen für Fahrkostcn in Höhe von 400 M., die bewilligt wurden. — Für die Renovierung der Krankenzimmer der Prostituierten im städtischen Krankenhause wurden 1100 M. bewilligt; ferner 325 M. zur Anbringung von 50 Steckdosen zur Erleichterung der Ver- abreichung der elektrischen Bäder.— Zum Ankauf des Palastes Barbarini wurden 860 000 M. bewilligt.— Die Erneuerung des Bollwerks auf der Freundschaftsinsel erforderte den Betrag von 600 M.. die bewilligt wurden.— Eine Ausstellung von Lehrlingsarbeiten wird im September in Potsdam statt- finden; dafür sind seitens der Stadt 500 M. bewilligt worden. Die Stadtverordneten bewilligten abermalsß200 M. zur Beschaffung von Auszeichnungen für die Aussteller.— In einer Eingabe beschwerte sich die Vereinigung elektrotechnischer Privalfabriken über die Kon- kurrenz des städtischen Elektrizitärswerkes und ersuchte, auf die Interessen der Mitglieder der Vereinigung Rücksicht zu nehmen. Smgegangene Druck IcKnften. «In Freien Stunden-'. Hest 32—34. Jede Woche ein Heft zum Pielse von 10 Pf. Wer die Zeitschrift«In Freien Stunden' noch nicht kennt, bestelle vom Verlag Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. in. b. tz., Berlin SW. 68, kostenlose Uebersendung einer Prode- nummer. Adonnenieiitsbestellungen nehmen alle Buchhandlungen, Spe- ditcure und Kolporteure entgegen. Die«Kommunale Praxis". Nr. 33—34. Die«Kommunale Praxis' kostet pro.Quartal 3 M. und ist durch alle Buchhandlungen, Speditionen und Postanstalten zu beziehen. Einzelnummern kosten 3v Ps. Probehefte liescrt der Verlag Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. m. b. H., Berlin SW. 68, kostenlos. Als Hest 31 der Arbeitergesundheitsbibliothek erschien im Berlage der Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. m. b. H. Berlin: Dr. Silberstein: Die Berufskrankheiten der Buchdrucker. Das vorliegende Hest eröffnet die Reihe der gewerblichen Einzelberufe, welche die Arbeitergesundheitsbibliotbek in ihrer Eigenart und gesundheit- lichcn Bedeuiuug sür die Arbeiter schildern will, und behandelt daS Th«ia mit großer Sachkenntnis und Oleschick. Preis 50 Ps., Vercinsausgabe 20 Pf. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Kolporteure. Tie Wohnungsnot in Frankfurt a. M., ihre Ursache und ihre Abhilfe. 44 S. Herausgegeben vom Institut für Gemeinwohl. Das OrgauUationSrecht der Arbeitnehmer. Von Rechtsanwalt Dr. Halpert. 15 Pj. Demokratische Vereinigung, Schöneberg, Kolonnen- stratze 54._ BrUfkaften der Redaktion. Die juristische e»rechstnnde findet Linden st raste 69, vorn vier Trcvprn — Fahrstustl—, wochentäglich von tss, bis?>/.. Uhr abends, Sonnabends, von AM bis 0 Uhr abends statt. Jeder sstr brn Brirstastrn bestimmten Anfrage ist ein Buchstade und eine Zahl als Merkzeichen deizufstgen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen trine Abonnementsguittung brigrsüg» ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man tu der SPrechstundc vor. — A. W. 13. 1. 31. August und 3. September. 2. Die Dienstpflicht reicht bis dahin. 3. Ja, bis zu 15 M. Geldstrafe. 4. Ja.— W. M. 89. Die wirklich entstandenen Kosten ja.—<8. K. 99. 1 und 2. Ihre Frau ist zur Bezahlung der 2,10 M. verpflichtet. Sie persönlich hasten nicht.— A. R. 8. l. Das Urteil wird Jbr Anwalt im Besitz haben. Gegen Be- zahlung der Schrc>bgebührcn— 20 Ps. pro Seite— erhalten Sie aus A»- trag vom Gericht eine weitere Ausfertigung. 2. Möglich. Der Antrag hat aber erst nach Jahresfrist, von Rcchtskrast des Urteils gerechnet, Aussicht aus Ersoig. Der Antrag ist beim Landgericht Anzureichen.— 3)1. S. 50. Sie sind zahlungspflichiig, da Britz zur Neuköllner Kircheugemeinde gehört. — H. R. 100. 1. Ja. 2. Nein. 3. Die Beantwortung der Frage müssen wir ablehnen. 4. Klage, die Ersoig verspricht, beim Amtsgericht Neukölln. — 91. F. 41. Nein.— Ch. 35. 1. Leider ja. 2. Berlin, Michaetkirch. platz 1. 3. Für ehelich erklären laMi. Die Erklärung ist zu notariellem oder gerichtlichem Protokoll abzugeben. Vormund und KindcSmutter, sowie Ihre Frau müssen zustimmen.— F. M., Friedenau. Die Firma kann Zahlung verlangen._ Marktbericht von Berlin am 24. August 1912, nach Ermittelung dcS lönigl. Polizeipräsidiums. M a r k t h a l l e n p r e i s e.(Kleinhandell 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—50.00. Speilcbobncn weitze, 30,00— 50,00. Lwsen 40,00— 80,00. Kartoffeln lKIcinhdl.) 6 00— 1200' 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,80—2,40. Rindfleisch Baucktleiicki 1,50— 1,90. Schweinefleisch 1,60—2,40. Kalbfleisch 1.50—2,40. ßamnulflcifi 1,70-2,40. Butler 2,40-3,00. 60 Stück Eier 3,66-6,00. f Kiloaramm Karpfen 1,60—2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,40—3,60. fechte 160—3 00 Barsch- 1,00-2,40. Schlei- 1,60-3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebsi 4,00—40,00. WitterungSüberficht vom 26. August 1912. 6tattonen o C Swinemde. Hamburg Berlin Franks.a.M. München Wien ll ef 7 52; SD 750,060 752;® 749 SO 752,5® 753 NO| Detter u« cS. *11 hSj Stationen ö= H5 *'-c Haparanda 748 D Petersburg 754 WSW �cilly 747.WSW 3 wolkig 15 4 Nebel IZ 2halbbd. 15 2 Regen 16 Aberdcen 752 WNW 2 dedeckt 15 Paris 747 WSW — Iwoikig 15 I i Wetterprognose für Dienstag, den 27. August 1912. iffflich wolkig oder trübe mit einzelnen geringen Regensällen, Wetter 2 Regen p Nebel »bedeckt 2 bedeckt 3 bedeckt c< A» Z-s 11 » 13 9 17 i9 c trübe mit einzelnen geringen Tage S'emlich mild bei Ichwachen südlichen Winden... Berliner W-tt-rbureau. WafferftandS-Rachrtchte» der LandeSaustalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburea Wassersland Memet. Tilfit Pregel. Jnsterburg Weichsel, Thor» Oder, Ratibor . Krassen . Frankfurt Warthe, Schrimm . Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz . Dresden . Barby Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel. Spandau») , Rathenow») Spree, Spremberg») , Beeskow Weser, Münden , Minden Rhein. Maximilian? au » Kaub . Köln Neckar, H-ilbronn Main, Hanau Mosel, Trier am 25. 8. ein 58 12 11 72 78 180 240 535 305 307 111 130 seit 24.8. cm') —1 —9 +9 0 +1 +28 +46 +3 —3 +10 —12 +9 »)+ bedeutet Wucks,— Fall— Unterpegel. Nach Mitteilung der Landesanstalt haben Oker, Innerste und Leine Hochwasser, da« jedoch bis« her nurzvon mittlerer Söhe und zum Teil schon wieder im Rückgang ist. Buchdruckeret u, Verlagsanstalt Pauk Singer u. Co., Berlin SW*