Ur. 201. ntionnementS'Bedinglitigen: Abonnements. Preis Mänumeranda: Pierteljährl. Z�o Mb, monatl. l.lv Mb. wöchentlich 2s Pfg, frei ins H-us. Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntags- nvmmer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeiwnaS- Preisliste. Unter Kreuzband siir Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für daS übrige Auslani» 3 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz, 29. Jahrg. eUchtllll täglich auStr lücntagi. Verlinev Volksblstt. Die Infertlons-GeCüffr Ketrlgt für die fechsgespaltene Kolonel» zetle oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschasMche Vereins- und Versammlungs-Anzeigen 30 Pfg. „Klein- Hnidgcn", daS fettgedruckte Wort 20 Pfg, lzuläfstg 2 fettgedruckte Worte), ledcs weitere Wort 10 Pfg Stellengesuche und Schlafstellenan- zeiyen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über IS Buch- i laben zählen für zwei Worte, Inserate ür die nächste ftnifw. müsten bis i Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition iit bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: «SsÄsIitiinoHköt Kikllö", Zentralorgan der rozialdernokrati fchen Partei Deutfchtands. Rcdahtton: SM. 68, Lindenatraase 69, Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. IS8Z. Donnerstag, den 29. Angnft 1912. Sxpedttiom SM. 68, Lxndenstraaöc 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 198�. Die ssflicht der Gemeinden! Kein noch so blinder Verteidiger der herrschenden Wirt- schaftspolitik wagt es zu leugnen, daß die augenblickliche Teuerung eine ungewöhnliche Schärfe angenommen hat. Mehr oder minder wird jeder Deutsche von �er Preissteigerung der wichtigsten Lebensmittel betroffen. Ani meisten die arbeitenden Massen, die hungern müssen, wo sich der wohlsituierte Bourgeois nur Be- schränkungen auferlegt und besondere Genüsse versagt. In solchen Zeiten der Not darf nicht mit Fragen nach den Ursachen Zeit vertrödelt werden, soll man sich nicht erst auf die Suche nach dem Schuldigen begeben, sondern es heißt rasch helfen. Sofortige Hilfe verlangt der in Gefahr Schwebende von jedem, der seine Lage erkennt. So richtet sich der Schrei des Volkes um Brot und Fleisch nicht allein gegen die Regierung und die Mehrheits Parteien, sondern an alle, die fähig sind, Abhilfe zu schaffen. Auch an die G e m e i n d e n und Stadtverwal t u n g e n geht der Ruf, nach ihren Kräften der Not des Volkes zu steuern. Und er wird in diesem Jahre noch stärker er- schallen als im vergangenen Winter. Viel Zeit ist damals vergeudet worden mit der Erörterung, ob die Kommunen be- fugt und befähigt seien, die Schäden zu lindern, während man die Darbenden weiter hungern ließ. Und das geschah, trotzdem die Regierung selbst in einer Kund- gebung die Gemeinden aufgefordert hatte, helfend einzugreifen. In diesem Jahre hörte man nichts davon, daß die Regierung die säumigen Gemeinden an ihre Pflicht erinnern wolle. Aber die notleidenden Massen werden selbst ihre Forderungen den Kommunen kundtun, in den Stadtverordnetensitzungssälen durch die sozialdemo- kratischen Vertreter und auf besonderen Zusammenkünsten in eigener Sprache, so laut und dringend, daß auch die dicksten Mauern der durch das Dreiklassenwahlrecht geschützten roten Häuser sie nicht dämpfen können. Auch die Gemeinden, in denen nicht die Sozialdemokratie bestimmenden Einfluß hatte, suchten sich erst durch statistische Erhebungen über den Umfang und der Stärke der Teuerung vor wirklicher Hilfe zu drücken. Wir können es nur begrüßen, wenn die kommunalen stattstischen Aemter sich eingehend mit der sozialen Lage der Bürger beschäftigten, und dafür weniger Vertoaltungsarbeit leisteten, die sie so oft fast völlig in Anspruch nimmt. Aber dazu sollte es keiner besonderen Erhebung bedürfen, sondern laufend müßte eine Stadtverwaltung über die sozialen Verhältnisse ihrer Einwohner unterrichtet sein. Heute stellen viele Städte noch nicht einmal dauernde eigene Unter- suchungen über die Lebensmittelpreise an, sondern verlassen sich auf die ganz unzuverlässigen polizeilichen Ermittelungen. Einzelne Städte, die glücklich über ihre stattstische Erhebung hinausgekommen sind, haben sich mit einer Eingabe an den Bundesrat und den Reichs- tag um Aufhebung oder Ermäßigung der Einfuhrzölle begnügt. Die Petitionen begrüßen auch>vir; wurden sie doch fast immer zuerst von den sozialdemokratischen Fraktionen beantragt, um die Regierung auch auf diesem Wege von dem Willen des Volkes zu unter- richten. Aber der bloße Protest in Worten genügt nicht. Die Gemeinden müssen eigene positive Maßnahmen er- greifen. Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten für sie. die Teuerung abzuschwächen und die Not zu lindern. Es ist unbestrittene Erkenntnis, daß der Zwischenhandel bei dem Nahrungsmittelgewerbe die Teuerung mit verschuldet hat. Die Stadt hat es nun in der Hand, durch Errichtung eigener Lebensmittelverkäufe den Preisstand zu drücken. Die Händler und Krämer, die dank dem Klassenwahlrecht der Gemeindeordnungen meist ein großes Gewicht in den Stadt- Parlamenten besitzen, schreien wohl Zeter und Mordio über die„Vernichtung" ihres staatserhaltenden Gewerbes. Aber in Orten, wo man kommunale Fleischverkäufe gebildet hat, besteht daneben noch ein privates Gewerbe, dessen Mitglieder sich sehr bald über den„Kommunalsozialismus" beruhigen, da ja ihr Profit nicht so sehr leidet. Auch die Warenhäuser vertreiben Lebensmittel zu recht billigen Preisen; dennoch be- steht der Kleinhandel weiter. Auch die agrarische Presse. die doch wenigstens nach außen mittelständlerisch erscheint. tritt für Lebensmittelversorgung in kommunaler Regie ein. Die Anhänger der konservativen Partei in den Stadt- verordnetenfraktionen haben wir allerdings fast immer gegen solche Anträge stinimen sehen. Für die Versorgung mit Fleisch durch Gemeinden sind bereits einiae Methoden meist mit Erfolg angewandt worden. In einzelnen Orten schloß der Magistrat langfristige Verträge mit Viehzüchtergenossenschasten ab. in denen die Landwirte sich zu billigen Lieferungen verpflichteten, wofür die Stadt gewisse Vergünstigungen gewährte. In anderen Orten nahm die Stadt den Bezug von ausländischem Vieh und Fleisch in die Hand. Abgesehen davon, daß der städtische Beamtenapparat ohne Entschädigung arbeitete, erwuchsen den Verwaltungen daraus kaum Mehrkosten. Zum Teil erzielten die Gemeinden noch Ueberschüfse, ob- gleich sie das Fleisch wesentlich billiger als die ein- heimischen Metzger verkauften. Wieder andere Gemeinden haben selbst Viehzuchtanstaltcn(meist Schweinemastbetriebe) errichtet oder schon bestehende nicht nur für den eigenen Konsum(Krankenhäuser, Asyle usw.) verwandt, sondern für den allgemeinen Konsum verwertet. Der Erfolg war immer der gewünschte: der billige Bezug aus der Halle nötigte die Fleischer ebenfalls zu Preisermäßigungen. In diesem Jahre der Viehknappheit im Inland werden die Städte vor allem die Einfuhr von ausländischem Vieh übernehmen müssen. Auch eine, wenigstens vorübergehende Ermäßigung der zum Teil recht hohen städtischen Schlachthof-, Viehbeschau- und ähnlicher Gebühren wäre recht angebracht. Mehr als der Verkauf von Fleisch ist der von See- fischen durch Gemeinden übernommen worden. Diese Bestrebungen sind natürlich fortzusetzen bezw. wieder auf- zunehmen, um den Massen wenigstens einigermaßen Ersatz für Fleisch zu schaffen. Wenn einzelne Gemeinden dazu übergegangen sind, städtische K 0 ch k u r s e für Erwachsene und Jugendliche ein- zurichten, so wollen tvir auch das nicht zurückweisen. Noch nötiger als ein Kochunterricht, der nur in der Schulzeit von den Behörden Versäumtes nachholt, ist aber für Proletarierinnen die Beschaffung billiger Nahrungsmittel und der zum Zubereiten nötigen Zeit. Man schaffe wenigstens innerhalb der den Städten zustehenden Befugnisse durch Orts- statut überall den Achtuhrladenschluß und die völlige Sonn- tagsruhe l Daß ein Teil der Beamten und alle städtischen Arbeiter dringend der Gehalts- und Lohnerhöhung sowie einmaliger Teuerungszulagen bedürfen, sollte ebenfalls den Kommunen nicht entgehen. Auch hier würde sich die kommunale Statistik verdient machen, wenn sie regelmäßig die Lohnbezüge der ständigen und vor allem der vorübergehend beschäf- tigten Arbeiter veröffentlichte. Auch die Erhöhung der Armenunterstützungen wird in Zeiten der Teuerung ein doppelt dringendes Bedürfnis. So ergibt sich für die Gemeinden ein reiches Feld der Tätigkeit, innerhalb ihrer engbegrenzten Selbstverwgltung vorbeugend und lindernd zu wirken. Großes Vertrauen hat daS Proletariat allerdings nicht zu den Stadtparlamenten, in denen der Einfluß der Hausagrarier und Besitzenden künstlich geschützt ist. Auch hier hat das Volk zu oft Widerstand gegen seine Forderungen gesunden, der zum Teil in noch viel ungeschminkteren und brutaleren Worten des Hasses und Unverständnisses ausgesprochen wurde als in den Landesparlamenten. Gerade die Liberalen haben in den Kommunen immer wieder gezeigt, wie wenig Ernst es ihnen mit ihren Versprechungen und Programmparagraphen ist, wenn sie die Möglichkeit haben, sie in die Wirklichkeit umzusetzen. Die nächsten Zeiten werden lehren, ob ihr Protest gegen.die Haupt- schuldigen, die agrarische Reaktion, durch den ernsten Willen eigener Hilfeleistung Nachdruck erhält. ?iii' Ccucrung. Wieviel Fleisch solle« wir effen? Es unterliegt keinem Zweifel mehr, daß die gegenwärtig herrschende Fleischteuerung weite Kreise des deutschen Volkes zu einer Einschränkung des Fleischkonsums zwingt. Bei mancher armen Familie kommt in dieser Zeit überhaupt kein Fleisch mehr auf den Tisch. Die Zahl derer, die sich mit Rücksicht auf die hohen Preise nicht mehr soviel Fleisch kaufen können, wie dem menschlichen Körper normalerweise zugeführt werden muß, um ihn le istung s- fähig und gesund zu erhalten, dürste aber weit größer sein, als man gewöhnlich zugeben will. Daß die zweckmäßigste und bekömm- lichste Ernährungsform die„gemischte Kost" ist, wird von allen medizinischen Autoritäten anerkannt, ileber die Menge des unbedingt notwendigen Fleischgenusses gehen jedoch die Meinungen der Ernährungsphysiologen weit auseinander. Will man das Mindestmaß der für eine normale Ernährung nötigen Fleischzufuhr ziffernmäßig bestimmen, so muß man zunächst berück- sichtigen, daß die verschiedenen Fleischsortelt hinsichtlich ihres Nähr- wertes, insbesondere betreffs des Eiweißgehaltes, durch- aus nicht gleichwertig find. Nach Dr. I. U. Müller(Betrachtungen über die Fleischversorgung Deutschlands) ist bezüglich des Eiweiß- geholtes im Durchschnitt 1 Kilogramm Schweinefleisch nur gleich 820 Gramm Rindfleisch, also im Nährgehalt um 18 Prozent dem letzteren unterlegen. Nach der Ansicht der bedeutendsten Ernährungs- Physiologen müssen ungefähr 35 Prozent der Eiweißstoffe in Gestalt von Fleisch genossen werden. Auf Grund dieser Annahme berechnen von Boit und Rubner den notwendigen Jahres- verbrauch an Fleisch auf 62 Kilogramm reinen Rind- fleisches pro Kopf der Bevölkerung. Nach einer Ermittelung des kaiserlichen Gesundheitsamtes sollen 65 Kilogramm pro Kopf ausreichend sein. Da bekanntlich der Anteil des Rindfleisches am Fleischverbrauch immer mehr zugunsten des Schweine- fleisches zurückgeht, muß natürlich die Menge des genosienen Fleisches noch wissentlich größer fein. Wie ist es aber mit dem Fleischverbrauch des deutschen Volkes bestellt? Darüber mögen die nachstehenden Ziffern Auskunft geben. In den Jahren 1905 bis 1912 betrug nach den Ergebnissen der Schlachtvieh- und Fleischbeschau, unter Berücksichtigung der Mehreinfuhr, der Fleischkonsum pro Kopf der Bevölkerung in Kilogramm: 1805 1906 1907 1908 1909 1910 1911 37,94 36,98 39,42 40.41 40,20 40,08 41,02 Demnach blieb der Fleischkonsum in Deutschland schon in früheren Jahren ganz bedeutend hinter dem vom kaiserlichen Gesundheits- amte aufgestellten Mindestmaß zurück. Berücksichtigt man, daß eine dünne Oberschicht unserer Bevölkerung ganz bedeutend größere Mengen Fleisch genießt, so ergibt sich daraus mit Notwendigkeit eine dauernde Unterernährung der weniger bemittelten Volks- klaffen. Jede Schwankung in der Fleischversorgung trifft die unteren Volksschichten am frühesten und am schwersten. Inwieweit die gegen- wältige Teuerung auf den Fleischverbrauch einwirkt, läßt sich statistisch noch nicht genau festlegen. Im ersten Halbjahr 1912 hat die vor- übergehende Zunahme des Auftriebs an den Schweinemärkten zu einer ganz geringen Steigerung des Schweinefleischkonsums gegen das Vorjahr beigetragen. Indes dürfen hieraus keine optimistischen Schlüsse gezogen werden. Die Verschleuderung der Viehbestände hat gerade die jetzige Teuerung veranlaßt, und schon im zweiten Quartal 1912 ist eine verhältnismäßig bedeutende Abnahme des Fleischkonsums gegenüber dem ersten Quartal dieses Jahres eingetreten. Der Verbrauch an Fleisch stellte sich nämlich auf 9,80 Kilogramm pro Kopf im zweiten Quartal 1912 gegen 10,50 Kilogramm im ersten Quartal. Das Ergebnis des dritten Vierteljahres wird jedenfalls eine ganz bedeutende Verringerung des Fleischkonsums sein. Wie aber soll es im Winter werden, wenn ein erheblicher Teil der im Baugewerbe, in der Baustoffindustrie usw. beschäftigten Arbeiter arbeitslos sind I Viehknappheit in Ostelbieu. In Königsberg i. Pr., der Hauptstadt einer der Vieh« r e i S st e n Provinzen, ist eine derartige Fleischknappheit und damit Hand in Hand gehend ein entsprechendes Steigen der Preist für Schlachtvieh eingetreten, daß eine Anzahl in weniger kaufkräftigen Stadtteilen wohnhafter Ladenfleischer ihren Betrieb einstellen und das Geschäft schließen mußten. DaS berichtet die nationalliberale„Allgemeine Zeitung" und von fach- kundiger Seite wird ihr geschrieben, daß den bereits geschlossenen kleineren Geschäften noch eine Anzahl der größeren folgen, wenn die gegenwärtig bestehende Fleischteuerung anhält. Es gibt zurzeit etwa 300 Laden Fleischer, die jedoch mangels genügenden Angebotes nicht alle imstande sind, ihren Bedarf an Fleisch auf dem Schlachthof zu decken. So wurden am Montag nur 218 Schweine geschlachtet; im Verhältnis zu der Zahl der Laden- fleischer eine verschwindend geringe Zahl. Noch schlimmer steht eS mit Kalbfleisch; hier ist die Zufuhr zurzeit eine so ge- ringe, daß, wollte man den ganzen am Markt befindlichen Vorrat unter den Fleischern gleichmäßig verteilen, jeder Fleischer kaum ein Kalbsviertel erhalten könnte. Auch die Rindviehschlachtungen stehen in keinem Berhälwis zum Bedarf. Ständig zugenommen hat. wie in Berlin so auch in Königsberg, die Zahl der Pferde« schlachtungen. Eine Besserung der gegenwärtigen unhaltbaren Zustände ist nach der Meinung Königsberger Sachverständiger des Fleischergewerbes für Ostpreußen nur von der Oeffnung der rufifchen Grenze zu erwarten, da die Preise für tadelloses Vieh in Rußland, wenige Meilen von der Grenze entfernt, kaum halb so hohe wie in Ostpreußen oder gar auf dem Königsberger Schlachthofe sind. Das schreibt die stramm schutzzöllnerische nationalliberale „Königsberger Allgemeine Zeitung". Was hat darauf die„Nord- deutsche Allgemeine Zeitung" zu sagen, die behauptete, die Schlacht- vieh- und Fleischteuerung sei eine gleichmäßig internationale Er« scheinung? Millionendefizit beim deutschen Roggenzell. Die agrarischen Zeitungen und die Zentrumspresse behaupten immer wieder, die Einfuhrscheine hätten nur den einen harmlosen und korrekten Zweck, die Getreide durchfuhr zu erleichtern. Trotz« dem sind die Blätter dieses Schlages gegen eine Wiedereinführung des Identitätsnachweises, durch den wirklich kontrollierbar wäre, wieviel Getreide Durchfuhrware ist. Die„Deutsche Tageszeitung" allein ist es, die immer ungeniert die Dinge bei dem rechten Namen nennt. Deswegen schrieb sie auch vor einiger Zeit, es sei für ihre Leute rentabler, das Getreide nach dem ausländischen Osten zu verkaufen, als es an den nordischen Ländern „vorbei spazieren zu fahren." Tatsächlich sind im vergangenen Erntejahre, wie seit einigen Jahren nahezu regelmäßig, ganz ungeheure Roggen« mengen nach dem Auslände, im besonderen nach Dänemark Schweden, Norwegen, Rußland und den Niederlanden gegangen. Ja, was noch wichtiger ist. das Deutsche Reich hat dadurch, daß jede Tonne Ausfuhrroggen einen Einfuhrschein im Werte von 50 M. bekommt, der als bares Zollgeld bei der Einfuhr von anderem Gc» treibe in die Grenzkasien zurückläuft, auch 1911/12— 1. August bis 31. Juli— nicht nur keinen Pfennig Roggenzoll ein- genommen, sondern noch Millionen über Millionen von anderen Einnahmen zulegen müssen! Die Einfuhr und Ausfuhr von Roggen hat sich innerhalb der letztvergangenen drei Jahre ganz planmäßig so entwickelt, daß dst Ausfuhr immer größer geworden ist. Sie übersteigt jetzt rege».' mäßig die Einfuhr an Roggen. Wenn wir bei den Ein- suhrscheinen zum mindesten die Bestimmung hätten, daß sie. wenn sie für Roggen ausfuhr ausgestellt sind, auch nur bei Roggen- einsiihr in Zahlung gegeben werden können. Dann wäre doch wenigstens vermieden, daß der Roggenzoll auch noch Ausgaben er- zeugt, statt Einnahmen. Der Ausfuhrüberschuß würde ohne Einfuhr- schein hinaus gehen, er würde sehr bald völlig verschwinden, denn das einzige Ansfuhrintercsse der Agrarier ist ja der Einfuhrschein resp. die 60 M. Vergütung pro Tonne ausgeführten Roggen! Stellen wir in Nachfolgendem zusammen, wie sich Einfuhr und Ausfuhr von Roggen, Ein- und Ausfuhrüberschuß und Zollplus- oder Minusertrag entwickelt haben. Es ergibt sich ein Bild, das die methodische Staatsbetrügerei klar und einwandfrei aufweist. Erntejahr August— Juli 1911/12 1910/11 1909/10 Roggen: Einfuhr Ausfuhr Tonnen 376 774«S3 S83 706 749 734 338 824 496 679 142 Mehr-(+) Ausfuhr in Tonnen Zollwert --476 811 23 840 330 M> -- 47 809 2 390 430„ --384 646 17 732 300.. DaS Erntejahr 1911/12 hat dem Staate an Roggenzoll nicht uur nichts eingebracht, denn die Ausfuhr war ja gröster als die Einfuhr— und die Ausfuhr geht nahezu restlos mittels Einfuhr- schein vor sich I—; da die Ausfuhr um 476811 Tonnen Roggen großer war kostete dies dem Staate sogar noch 23,8 Millionen Marl extrall Im borigen Erntejahre war die Roggeneinfuhr aus den be- kannten Gründen abnorm groß, trotzdem haben die Agrarier es fertiggebracht, dem deutschen Reichssäckel keinen Pfennig Roggenzoll zugute kommen zu lassen, sie haben es sogar verstanden, noch 2,4 Millionen Mark herauszuholen I DaS Volk hat alle Ursache, wenn es von Fleischteuerung spricht, den B r o t w u ch e r nicht zu vergessen, hängt er doch in seiner Methode des Mißbrauches der Zölle zu agrarischen Privatzweckcn innig damit zusainmen.? Teue?? Heringe. Die Ausbeute der deutschen Seefischer an Heringen ging im Ostseegebiet erheblich über das vorjährige Fangcrgebnis hinaus blieb aber in der Nordsee in noch stärkerem Maße hinter dem vor- jährigen Ertrage zurück. In den Monaten Januar bis Juli 1912 wurden von deutschen Fischern in der Nord- und Ostsee insgesamt nur 1840 Doppelzentner Heringe mehr aufgeholt als im Vorjahre. In der nämlichen Periode ist die Einfuhr von Heringen aber um 38160 Doppelzentner gesunken. Teilweise infolge dieses Minder- angebots, noch mehr im Gefolge der allgemeinen Teuerung, stehen die Heringspreise beträchtlich höher als im Vorjahre. 130 Kilogramm norwegische fette Heringe wurden in Hamburg im Juli 1912 mit 32 M. bezahlt. Im entsprechenden Monat des Vorjahres stand der Preis auf 24,30, also um 7,30 M. niedriger. Vom Januar bis Juli des Jahres 1911 war der Preis für die genannte Sorte un, 3,30 M. pro 130 Kilogramm gesunken, diesmal blieben die Preise Monat für Monat unverändert. Aehnlich steht es auf den anderen Märkten. Die Kohlen werden noch teurer. Die fiskalischen Kohlengruben in Oberscklefien erhöhen ihre Preise für Stück-, Würfel- und Nußkohle um 50 Pf. pro Tonne ab 1. September. Wenn auch in jedem Winter ein Preisaufschlag vor- genommen wird, so trifft er in diesem Jahr den Konsu», doppelt schwer, da schon den ganzen Sommer hindurch die Preise des ver- gangenen Winlers galten. Heuer muß der Großhandel also 50 Pf. mehr als im Winter 1911/12 zahlen; für den Detailhandel bedeutet dies noch größere Steigerungen. Tenerungs-Jntcrpellation. Die sozialdemokratische Fraktion deS bayerischen Landtages hat dort folgende Interpellation eingebracht: Eine Ueberteuerung fast aller unentbehrlichen Nahrungsmittel hat, wie im übrigen Deutschland, so auch in Bayern Platz ge- griffen. Für die GesundheilSvcrhältnisie der Bevölkerung sind an- gesichtS der in manchen Volksteilen bereits bestehenden und amt- lich nachgewiesenen Unterernährung die schlimmsten Folgen zu be- fürchten. WaS gedenkt die Staatsregierung zu tun, um Abhilse zu schaffen?_ Die Greuel im IPutumayo. London, 26. August.(Eig. Ber.) Die Putumayo-Affäre ist in eine neue Phase getreten. Es Handelt sich um die Verautloortlichkeit der Direktoren der „Peruvian Amazon Company", deren Agenten die zahllosen Verbrechen verübt haben, die der englische Generalkonsul Sir Roger Casement ans Licht gezerrt hat. Bekanntlich ist die Gesellschaft, die sich jetzt in Liquidatton befindet, eine englische Gesellschaft, die im Jahre 1963 das Geschäft von den Gründern, Gebrüdern Arana, übernahm. Drei ihrer Direktoren sind Engländer. Am 4. August hielt nun Canon Hensley Henson in der Westminister-Abtei eine geharnischte Predigt über die Pntumayogreuel, in der er unter anderem ausführte, daß die, die die Verbrechen ver- übt. nicht in der Gewalt des englischen Staates stünden. „Aber," so fuhr er fort,„ihre Arbeitgeber, mit deren strafbarer, selbst wenn unwissender Mitwirkung ihrer Ver- brechen verübt wurden und die die blutbefleckten Gewinne austeilten, die jene übersandten, sind hier unter uns. Ist es nicht die geringste Forderung der Gerechtigkeit, daß diese Leute, und namentlich ihr Führer, der Erzorganisator der ganzen Tragödie, Arana, verhaftet und öffentlich vor Gericht gestellt werden sollten?" Diese freimütigen Aeußerungen des Geistlichen trugen ihn einen in beleidigenden Worten gehaltenen Drohbrief von dem Rechtsanwalt der englischen Direktoren der Gesellschaft ein, in dem zu zeigen versucht wurde, daß diese Herren die Methode der Gesellschaft, die sie leiteten, nicht kannten und daß sie, als sie von den Verbrechen ersuhren, alles getan hätten, den Greueltaten Einhalt zu gebieten. In dem Briefe wurde ver- langt, der Canon sollte seine unbegründeten Anschuldigungen zurückziehen. Canon Henson ließ sich jedoch nicht einschüchtern, noch ließ er sich durch Nebensächlichkeiten von dem Kern- Punkt der Sache ablenken. In seinem Antwortschreiben heißt es: „Ihre Klienten behaupten, daß sie die Tatsachen nicht gekannt hätten. Ich erwidere, daß eine derartige Unwissenheit strafbar ist. Es ist meine Sache, der Ocffentlichkeit einzuprägen, daß die Entschuldigung der Unwissenheit nicht annehmbar ist bei Leuten, deren Geschäft es ist, die Tatsachen zu kennen. Wollen denn Ihre Klienten behaupten, daß sie berechtigt waren, dem Publikum als eine sichere Anlage ein Geschäft zu empfehlen, von dessen Charakter und Methoden sie nichts wußten? Ich glaube nicht, daß die ehrenhaften Traditionen des britischen Handels ihre Be- hauptnng unterstützen werden. Wenn Direktoren Unwissenheit be- kennen, so geben sie Vernachlässigung der Pflicht zu und in diesem Falle eine sehr grobe Vernachlässigung; denn die in Frage kommende Industrie(der Handel mit Gummi, das von ein- geborenen Arbeitern in tropischen Wäldern eingesammelt wird) war mit schrecklichen Skandalen von neuestem Datum verbunden, die die Direktoren gebieterisch an die Pflicht mahnen mußten, mehr als gewöhnlich Sorge zu tragen, volle und genaue Jnfor- mation zu erhallen, ehe sie ihre Namen als Sicherheit für die Redlichkeit des Geschäfts boten, welches sie von den Gebrüdern Arana übernommen hatten und in derselben Weise und mit den- selben Agenten weiter betrieben." Als Abschiedsgruß gab der Canon seinen Widersachern noch eine» ivohlgezielten Schuß. Er schreibt: .Sie schließen Ihren Brief, indem Sie mich fragen, was ich zu tun gedenke, um für eine Aufführung Genugtuung zu geben, die von Ihren Klienten gerechtfertigterweise als eines Geistlichen der englischen Kirche, eines Gentleman und eines Mannes un- würdig bezeichnet wird. Meine Ansichten weichen so vollständig von denen Ihrer Klienten über das, was einem Geistlichen, einem Gentleman und einem Manne geziemt, ab, daß es Sie nicht überraschen wird, zu erfahren, daß ich glaube, daß von mir in irgendeinem jener Charaktere nichts verlangt werden kann, was in irgendeiner Weise die Schärfe der Verurteilung der Direttoren der Peruvian Amazon Company mildern könnte, zu der ich mich am 4. August in der Abtei gehaltenen Predigt berufen fühlte." Die Angelegenheit rollt ein interessantes und aktuelles Problem auf. Was muß die Horde der Direktoren und Auf- sichtsräte, der Meerschweinchen, wie sie in England mit rich- tiger Erkenntnis ihres ornamentalen Charakters genannt tverden, von dem Geschäft wissen, als dessen Spitze sie er- scheint? Kann von den Direktoren und Aussichtsräten, die in den Fabeln der kapitalistischen Klopffechter bei der Produktion eine so wichtige Rolle spielen, verlangt werden, daß sie das Geschäft, das sie zu dirigieren und beaufsichttgen vorgeben, ver- stehen oder wenigstens oberflächlich kennen? Kann z. B. ein Mensch Direktor einer Hotelgesellschaft sein, die hinter seinem Rücken ihre hohen Gewinne aus Bordellen zieht? Sind solche Fälle überhaupt möglich? In dem vorliegenden konkreten Fall entschuldigen sich die Direktoren der Peruvian Amazon Company, indem sie vorgeben, daß sie von der Natur ihres Geschäfts nichts gewußt hätten. Canon Henson hat diese Ent- schuldigung schon zur Genüge zerpflückt. Doch selbst wenn man diese Entschuldigung als mildernden Umstand gelten lassen ivill, bleibt noch die Frage, ob denn die Direktoren von der Betriebsniethode der Gesellschaft nichts wußten. Es wird ihnen schwer fallen, die Welt davon zu überzeugen. Sir Roger Casement sagt in seinem Bericht auf Seite 46, wo er von den Agenten der Gesellschaft spricht:„Jeder Sektionschef ist sein eigenes Gesetz, und viele der Hauptagenten dieser britischen Gesellschaft wurden von den mit der Vollmacht ausgerüsteten Vertretern jener Gesellschaft in der Unterredung mit mir als Mörder, Piraten und Banditen be- zeichnet." Sollten diese Vertreter der Gesellschaft den Direktoren gegenüber wirklich nie etwas über den wahren Stand der Dinge im Putumayo haben verlauten lassen? Ferner muß man doch wohl annehmen, daß die Direktoren die rechtliche Grundlage ihrer Gesellschaft kannten. Man steckt doch kein Geld in ein Unternehmen, das in der Lust schwebt. Zu diesem Punkt niuß man die Ausführungen des englischen Generalkonsuls lesen, der auf Seite 44 seines Berichts über die Agenten der Gesellschaft schreibt:„Diese Leute waren Mörder und Folterknechte von Beruf; wie die Zahl ihrer Verbrechen wuchs, so sollte ihr Reichtum wachsen. Ganze Stämme wurden ihnen von einem ungesetzlichen Syndikat ausgehändigt, das keinerlei Rechtstitel auf einen Quadrat- meter Land oder einem Gummibäum chen besaß; sie wurden mit den nötigen Waffen versorgt, um dieses Volk durch Schrecken zum Gehorsam zu zwingen und man gab ihnen das größte Interesse an der Ausübung dieses Schreckens." Man muß nun abwarten, welchen Eindruck die Entschuldigungen der Direktoren auf die Mitglieder des parlamentarischen Uutersuchungskomitees machen werden, das die Regierung eingesetzt hat. politiscbe(leberlicbt. Berlin, den 28. August 1912. Ultramontane Regiekunst. In gestriger Rummer berichteten wir darüber, daß in dem Bericht der Zentrumspreffe über das von einem Rektor Görgen auf dem letzten Katholikentag gehaltene die Schulorganisation und Schulaufsicht betreffende Referat sich verschiedene Ausführungen befinden, die der Redner gar nicht gemacht hat, und daß obendrein hinter einem solchen gar nicht gesprochenen Satz in Klammern die Bemerkung steht:.Lebhafter BeifallI' Die Zentrumsblätter vermögen diese Tatsache nicht zu bestreiten, aber, meinen sie, recht naiv, das sei doch nicht so schlimm: Herr Görgen hätte eben anfangs feine Rede so halten wollen, wie lie in den Zentrumsblättern steht; aus.Zeitmangel" hohe er aber dann seine Rede, ein wenig abgekürzt. Auf diese den Wert der ultramontanen Berichterstattung prächtig illustrierende Ausrede ant- wortet die„Köln. Ztg." mit folgender höhnischen Glossierung der klerikalen Bühnen-Regiekunst: „Die Leser ultramontaner Blätter haben, eS gut. Ein gütiges Geschick wacht über ihnen, daß sie dett ultramontanen Himmel nur voller Geigen sehen, daß Meinungsverschiedenheiten in der Gegen- wart oder unbequeme Tatsachen aus der Vergangenheit nicht den lieblichen Eindruck vollkommener Harmonie und Einigkeit stören. den sie von der ultramontanen Welt empfangen sollen. Manchmal dllte man meinen» es wäre eine kluge Regie, die ihnen, solch ein er- ireuliches Szenarium ausbaut. Aber da die Regisseure selber ver- ichern, daß es nur Zufall sei, muß man eS ihnen, wohl glauben. So hatte der Rektor Görgen in feine Schulrede für den Aachener Katholikentag eine Auseinandersetzung mit den Gegnern der geist- lichen Schulaussicht hineingearbeitet. Seine Ausführungen trafen natürlich ins Schwarze, kein rechter kathol-ifcher Lehrer durste nun- mehr an die Fachaussicht, dieses Kind des E rzi ehun gÄiberalismus, länger noch glauben. Die mitadelige Rede gefiel dann auch den Regisseuren, sie wurde gedruckt und zur Veröffentlichung abgeliefert. Sie>ourde freilich in eben jenem Teile, der wider die Fachaußsicht kämpft, garnichtgeh.alten.so daß ein katholischer Lehrer, der etwa im Publikum saß und doch nicht für die geistliche Schulaus- icht schlvärmte, gar keine Möglichkeit fand, einen Widerspruch kund- zutun. Dabei war es gar nicht ausgeschlossen, daß solche Lehrer unter den Zuhörern saßen; denn in der katholischen Lehrerpresfe hat man durchaus nichts von einmütiger Zustimmung zu dem Ideal der geistlichen Schulaufficht gemerkt. Wie kam es nun, daß der Katholikentag gar nicht in die Lage kam. einen Widerspruch gegen die Ausführungen des Herrn Görgen laut werden zu lassen? Daß aber trotzdem sein« Ausführungen als widerspruchslos hingenommen und darum glatt angenommen durch die katholische Presse gingen? Warum hat Herr Gorgen gerade den wichtigsten Teil seiner Rede nicht gehalten,? Takttk, denkt der böse Liberale. O nein, n ur— Zeitmangel, antworten die Regisseure, antwortet nämlich Herr Oberlandesgerichtsrat Marx jetzt in der„Kölnischen Volkszeitung" (Nr. 752), nachdem er sich die Sache vierzehn Tage lang, überlegt bat. Welch gütiges Geschick hat wiederum gewaltet! Eine Rede über die oeistlichc Schulaufsicht, gegen- die notorisch noch starker Widerspruch in den Kreisen der katholischen Lehrer besteht, wird auf dem Katholikentag gar nicht gehalten, trotzdem aber, gleich- am als eine Kundgebung des K athorikentag.s. n die WelthinauSgesandt..Der Rm nach Fachaufpcht führt in die Irre," läßt die ultramontane Presse den Redner agen, und die„Kölnische VolkSzeitung" fügy dem noch einen „Lebhaften Beifall" des Katholikentags hinzu. In Wirklichkeit hat man in Aachen nichts derartiges vernommen. Es geht doch nichts über die Hilfe, die zuweilen ein Zeitmangel oder etwas ähnliches den ultramontanen Regisseuren leistet." Herr» van der Borghts statistische Leistungen. Als ErgänzungSheft der vom Kaiserlich Statistischen Amt heraus- gegebenen.Gewerblichen Betriebsstatistik"(Ve- arbeitung der Zählung vom Juni 1907) erschien im vergangenen Winter Bd. 222.Verzeichnis der in der gewerblichen Betriebs- Zählung vorgekommenen Gewerbebenennungen". Kaum war der Band an die Oeffentlichkeit gelangt, als er ganz plötzlich zurück- gezogen wurde und a» lue mit Exemplaren wohl zuerst versehenen amtlichen Stellen ein Rundschreiben deS Kaiserlich Statistischen Amtes erging, den Inhalt des Bandes nicht der Oeffentlichkeit zu übergeben, da er nur zum inneren dienstlichen Gebrauch bestimmt sei. Schon damals tauchte das Gerücht auf, das Heft sei nur zurückgezogen worden, weil sein Inhalt Fehler enthalte. Vor einiger Zeit ist nun eine Neubearbeitung als Band 222" erschienen, der in einer Vorbemerkung Kundigen den wahren Sach» verhalt verrät. Es wird darin kurz berichtet, in welcher Weise die Zusammenstellung des Verzeichnisses erfolgte. Den Gewerbebennungen wurden auch Zahlen beigefügt,„es ergab sich aber, daß wegen der verschiedenen Benennungen... Irrtümer bei Benutzung der Zahlen nicht ausgeschlossen waren... Aus diesem Grunde ist der Band 222 nur für den inneren Gebrauch der statistischen Behörden bestimmt worden." Die ganze Vorbemerkung enthält aber noch so viele Unklarheiten und offenbare Verschiebungen der Geschichte dieser statistischen Arbeit, daß die Tatsache unleugbar bleibt:- Das ursprüngliche Heft ist ohne genügende Sorgfalt bearbeitet und unter der Verantwortung van derBorghtS den» noch gedruckt und veröffentlicht worden. Erst nach- träglich entdeckte man die Fehler, zog das Heft zurück und er« fand den Vorwand, es sei nur für den Dienstgebrauch bestimmt. Dieser„Irrtum" und Täuschungsversuch wird jetzt in den statisti« schen Universitätsseminaren reichlich belacht. Herr van der Borght hat ja inzwischen seine Stelle als wissenschaftlicher Leiter aus» gegeben und ist in den Dienst der Hausagrarier getreten. Die statistische Wissenschaft bedauert diesen Wechsel durchaus nicht. Für die Steuerzahler hat die Affäre noch eine andere, ernstere Seite. Auf wessen Kosten ist die Neubearbeitung erfolgt? Vielleicht erkundigt sich die Budgetkommission einmal danach, ob die Fahrlässigkeit van der Borghts und des zuständigen Referenten im Kaiserlich Stattstischen Amt den Steuerzahlern zur Last gefallen ist! fortschrittliche Volkspartei«nd Landtagswahlen. Im roten„Tag" nimmt Herr Dr. Schepp, Mitglied der Fort» schrittlichen Landtagsfraktion, das Wort, um sich über die von der Fortschrittlichen Volkspartei einzuschlagende Taktik bei den preußischen Landtagswahlen auszusprechen. Herr Schepp ist der Meinung, daß die LandtagSwahlen nicht wie die Reichstagswahlen von Sozialdemokraten und Freisinn gemeinsam zu führen seien, sondern daß bei den LandtagSwahlen eine Rechtsorientierung stattfinden müsse. Ein Bündnis mit der Sozialdemokratie fei seiner Ansicht nach ausgeschlossen. Die öffentliche Stimmabgabe mache es einer großen Anzahl freisinniger Wähler unmöglich, einen Sozialdemokraten zu wählen. DaS ist natürlich ein Unsinn; denn die Urwähler brauchten ja gar nicht für die Sozialdemokratie zu stimmen, sondern lediglich die W a h l m ä n n e r, diese aus den Reihen der Beamten und sonstiger abhängiger Existenzen auszuwählen, läge ja für den Freisinn nicht die geringste Veranlassung vor. Er könnte solche Wahlmänner aufstellen, die, ohne eine Gefährdung ihrer Existenz oder eine Maßregelung fürchten zu müssen, sehr wohl für den sozialdemokratischen Abgeordneten stimmen könnten. Aber Herr Schepp will eben- von einem Zu» sammengehen mit der Sozialdemokratie nichts wissen. Er behauptet; daß das wüste Austreten der Herren Borchard, Liebknecht und Ströbel im preußischen Abgeordnetenhause auch gar nicht dazu an» getan gewesen sei, irgend welche Sympathien für die Sozialdemo» kratie zu wecken. Die Fortschrittliche Volkspartei müsse deshalb den Kampf nach beiden Fronten führen, nach rechts und nach links, und zwar mit gleicher Energie. So sei das Natürliche für die Fortschrittliche Volkspartei, Anschluß bei den Nationalliberalen zu suchen. Die Nationalliberalen seien ja auch die natürlichen Ver» bündeten der Fortschrittlichen Volkspartei, weil— man höre— nur in der Frage der Ostmarkenpolitik eine wesentliche Divergenz zwischen den beiden liberalen Parteien in Preußen vorhanden sei. Die preußischen Nationalliberalen haben nicht nur die Volks- schulen der Kirche ausgeliefert, haben nicht nur die Simultanschule auf den Aussterbeetat setzen helfen, sondern haben sich auf alle Zeit als skrupellose Scharfmacher bewiesen. Sie haben gegen die Forde- rung der Arbeiterschaft in jeder Frage gestimmt, sie haben sich die grüßte Mühe gegeben, die Regierung gegen die Arbeiterklasse. sowohl gegen die politischen und gewerkschaftlichen Organisationen, aufzuputschen. Sie sind die entschiedenen Anhänger des skandalösen preußischen PrivilegiertenwahlrechtS gewesen. Daß sie Herr Schepp trotzdem als die natürlichen Verbündeten des Frei« sinsss betrachtet, während er ein Zusammengehen mit der Sozial- demokratie entrüstet von sich weist, ist kennzeichnend für die Sorte von Freisinn, die die Mehrheit der fortschrittlichen Landtagsfraktion bildet. Denn wenn Herr Schepp selbst auch im Kreise Oberbarnim durch ein konservativ-freisinniges Kompromiß gewählt worden ist, und wenn dieser Herr aus Wuhlgarten auch den un- sympathischsten Typ fortschrittlicher„Volksvertreter" in der preußi- schen Duma verkörpert, so darf doch nicht verkannt werden, daß Herr Schepp mit seinen Slnsichten keineswegs allein dasteht, sondern bei einer beträchtlichen Anzahl seiner Mit„Volksvertreter" auf Zu st im, mung. rechnen darf. Wir nehmen von den Bekenntnissen einer schönen freisinnigen Seele einstweilen nur Notiz und überlassen es der Fortschritt» lichcm Volkspartei selbst, zu den Auslassungen ibreS Abgeordneten Stellung zu nehmenl Aufhebung der Verfaffnng in Bayern. Die Eskamotierung der Verfassungsrechte wird in Bayern unter der jetzigen glorreichen Zentrumsregierung immer unverschämter be- trieben. So kommt aus Oberfrauken wieder die Nachricht von einem Gewaltakt. In der Gemeinde AlienploS bei Bayreuth ist bekanntlich im Herbst 1911 der Schreiner Hübner zum Beigeordneten(1. Bürger« meister) gewählt worden; aber das Bezirksamt, wie auch die Beschwerdeinstanzen versagten die Bestätigung dieser Wahl mit der Begründung: Hübner biete nicht die Gewähr, daß er sein Amt entsprechend führen werde, weil er ein zielbewußter, tätiger Sozialdemokrat sei. Die Bürger von AlienploS antworteten auf diesen Gewaltstreich damit, daß sie Hübner bei der Ersatzwahl abermals wählten, aber die Wahl wurde nach der Gemeindeordnung für ungesetzlich erklärt. Es mußte daher zu einer dritten Wahl geschritten werden, auS der der Maurerpolier Echnauer hervorging. Nach vollzogener Wahl wurde der Gewählte vor das Bezirksamt zitiert und gefragt, welcher politischen Gesinnung er huldige. Mit Recht verweigerte er die Antwort. Dieser Tage erhielt er nun vom Bezirksamt ein Schreiben, worin ihm mitgeteilt wird, daß seiner Wahl die Be- ftätigung nicht erteilt werden könne, weil er nach den gepflogenen Erhebungen im Jahre 1993(also vor zehn Jahren) bei der Gründung eines sozialdemokratischen Vereins in Heinersreuth mitgewirkt und auch vis 1904 den Posten eines ersten Schriftführers im genannten Verein versehen habe, ferner habe er 1904 in Altenplos selbst einen sozialdemokratischen Verein inS Leben gerufen und diesen mehrere Jahre als erster Vorsitzender geleitet. Wörtlich heißt es in dem Schriftstück: „Aus Ihrer Betätigung hinsichtlich der Gründung der ge- nannten beiden Vereine und aus der Uebernahme und mehr-- jährigen Versehung von Vertrauensposten in diesen Vereinen erhellt, daß Sie ausgesprochener und zielbewußter Anhänger der sozialdemokratischen Lehre sind, was Sie wohl selbst am wenigsten bestreiten werden. Der Wahl zielbewußter An- Hänger der sozialdemokratischen Partei zu Bürgermeistern oder Beigeordneten kann aber mit Rücksicht aus die mit diesen Aemtern verbundenen staatlichen Funktionen bei der grund- setzlichen Stellung dieser Partei zu der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung nicht die Bestätigung erleilt worden." Auch dieser neue Akt der Sozialistenvernichtung im Bahernlande wird seine guten Früchte tragen. Weiher Terrorismus. Während die Konservativen und Klerikalen sofort in höchster moralischer Entrüstung über„roten TerrorisVnus" schreien, wenn die Sozialdemokratie irgendeines Ortes die Gastwirte boykottiert, die ihr ihre Säle zur Abhaltung von Versammlungen verweigern, oder die Geschäftsleute, die öffentlich auf die„rote Bande" schimpfen, genieren sie sich selbst nicht im geringsten, den von ihnen abhängigen Geschäftsinhabern patriotische Gesinnung vorzuschreiben und diesen mit Entzug ihrer Kundschaft zu drohen, falls sie nicht genügend „nationale" und„monarchische" Gesinnungstüchtigkeit beweisen sollten. So haben nach einer Meldung der„Rheim-Westf. Ztg." verschiedene Vereine der Stadt Lünen(militärische Vereine, Beamtenvereine, evangelische und katholische Vereine) eine öffentliche Kundgebung erlassen, in der es heißt: „Nachdein verschiedentlich in früheren Jahren, zuletzt am 12. August 1912, eine größere Anzahl von Geschäftsleuten unserer Stadl beim Festzuge der sogenannten Freien Gewerlschaften geflaggt und ihre Häuser zum Teil reichlich mit Grün geschmückt haben, er- heben die unterzeichneten Vereine öffentlichen Protest gegen ein der- artiges Verhalten. Eine Huldigung vor diesem Zuge bedeutet eine Förderung der Sozialdemokratie und muß als Verleugnung der vaterländischen und monarchischen Treue erscheinen. Sie ist um so mehr zu verurteilen, wenn sie seitens solcher geschieht, die sonst als national und königstreu gesinnte Bürger gelten wollen. Nach dem ganzen bisherigen Verhalten der Sozialdemokratie ist unbedingte Zurückhaltung gegenüber den Demonstrationen dieser Partei selbstverständlich Pflicht jedes vaterlän- disch Gesinnten. Deshalb empfinden wir jene Huldigung vor dem offenbar als Propagandamittel eingerichteten Massenzug als einen Schlag gegen die nationale und monarchische Ehre unserer Bürgerschaft. Wir ersuchen dringend sämtliche Bürger der Stadt, sich durch keinerlei Rücksichten und Beeinflussungen bestinimen zu lassen, an diesem Verhalten fernerhin teilzunehmen, und sichern den in dieser Gesinnung mit uns verbundenen Geschäftsleuten die umfangreichste Unter- st ü tz u n g zu."_ Veterancnfiirsorge. Das„Berliner Tageblatt" berichtet über einen Fall von „Veteranenfürsorge", der, wenn die Schilderung dieses Blattes zutrifft,„unseren" RegierungSbureaukratismus im schönsten Lichte zeigt. Ein in Liegnitz lebender Güterexpedient a. D., ein 70 Jahre alter Kriegsveteran, der drei Feldzüge mitgemacht hat, und der seit dem 1. April 1907 infolge seiner Vedürfligkeit zu einer mageren Pension einen jährlichen Zuschuß von b? M. erhielt, wurde im Frühjahr dieses Jahres durch folgendes anitliche Schreiben überrascht: „Der Reichskanzler. Berlin W., Wilhelmplatz 1. (Reichsschatzami) den 20. Mai 1912, I. 4357. Seine Majestät der Kaiser haben AllergnSdigst geruht, Ihnen an Stelle deS bisherigen PensionszuschusseS von 57 M. voni 1. April 1907 ab einen solchen von 27 M. zu bewilligen. Die Auszahlung wird in der bisherigen Weise erfolgen. Im Austrage: (Uuterschrifr unleserlich)." Der beschränkte Untertanenverstand wird es wohl nicht zu fasten vermögen, daß es eine besondere Gnade sein soll, wenn der einmal gewährte Pensionszuschuß um mehr als die Hälfte jährlich und dazu noch rückwirkend auf fünf Jahre gekürzt werden soll. Der Mann ist nämlich aufgefordert worden, 150 M. des ihm bisher gewährten Zu- schusieS zurückzuzahlen!! Der Vorgang wäre einigermaßen unver- ständlich, wenn man nicht bei unserer Bureaukratie alle Dinge für möglich halten müßte. Daß man im Reichsschatzamt einen mageren Pensionär vor fünf Jahren für unterstützungsbedürftig hielt, ihn heute bei den enorm gesteigerten Preisen aller Lebensbedürfnisse aber für vielleicht„wohlhabend" ansieht, obwohl sich die Verhält niste des Mannes seitdem nicht geändert haben, ist immerhin eine Leistung._ Aus dem bayerischen Landtage. Das parlamentarische Interesse des Münchener Publikums ist durch die letzten Zwischenfälle in der Abgeordnetenkammer gewaltig gesteigert worden. Dienstagnachmittag stauten sich die Tribünen- auwärter vor dem Landtag und nur ein geringer Teil konnte Be- friedigung finden. Die Tribünen kamen aber nicht auf ihre Rechnung: es ging recht friedlich zu. Die Erörterung der M i li t ä r j u st i z v er w a l t u n g gab den Genossen Franz Schmitt und Rollwagen Anlaß, einige Fälle bedenklicher Militärjustiz vorzutragen. Rollwagen kam noch einmal auf den Franckensteinschen Vorwurf sozialdemo« kratischer Kasernenagitation zurück. Er fragte den Minister, ob und wieviel Verurteilungen wegen solcher Agitation erfolgt seien. Zugleich forderte er den Baron v. Franckenstein auf, Belveise zu bringen. � Der K r i e g s m r n t st e r glaubte wohl durch seine früheren abweisenden Erklärungen die Frage bereits verneint zu haben und nahm nicht mehr das Wort. Herr v. Francke»stein aber schwieg und lud damit den Vorwurf der Verleumdung auf sich. Oie 6mgmlTe in der Cürhet. Es wird unaufhörlich gekämpft und gemordet. Die von Mohammedanern bewohnte Ortschaft Zovice bei Kolasin ist von Montenegrinern eingeäschert und aus- geplündert worden. In der Gegend von Elbassar hat ein heftiger Kampf zwischen türkischen Truppen und Malis.soren statt- gefunden. Die Truppen hatten drei Tote und mehrere Ver- mundete; die Malissoren zogen sich zurück, nachdem sie 19 Mann verloren hatten. Eine bulgarische Bande, die aus 20 Mann be- stand, drang in die Ortschaft Lenischte bei Perlepc ein und warf eine Bombe in das Amtslokal, das durch Explosion zerstört wurde. Die Bande entkam.„ Die türkische Regierung behauptet, daß die Nachrichten über das Blutbad, das Arnauten unter Serben angerichtet haben sollen, unwahr seien. Trotzdem dauert in Serbien die K r i e g s a g i t a t i o n fort. In dem zur Türkei ge- hörigen Alt-Serbien soll völliger Aufruhr herrschen. Italienische Blätter bestätigen nunmehr offiziös.' daß Friedensunterhandlungen in der Schweiz ge- führt werden. Kriegsschiffe vor Jaffa. Jaffa, 27. August. Sechs italie n i sch e Krieg S schi ffe sind vor Jaffa eingetroffen. Während drei nordwärts weiterdampften, gingen die Panzerkreuzer„Francesco Feruccio" und„Giuseppe Gari- baldi" sowie der geschützte Kreuzer„Coatit" vor Anker. Der Levantedampfer„Leros" wurde vom„Coatit" einer Durchsuchung unterzogen. Die griechischen Anuexionsgelüste. London, 27. Äugust. Wie das Reutersche Bureau erfährt, sind ein englische? und ein französisches Kriegsschiff in die Gewässer von SamoS abgesandt worden mit dem Auftrage, die gegenwärtig in Kreta organisierte Freibeuterexpedition, die zur Annexion der Insel Samos durch Griechenland führen soll, nötigenfalls mitGewalt anderLandung zuver- hindern. Die Türkei gegen Interventionen. Konstantiiiopel, 28. August. Aus Regierungskreisen verlautet bestimmt, daß das Kabinett entschlossen sei, den Vorschlag Berchtolds einmütig abzulehnen und etwaige Vorschläge der Mächte mit der Begründung zurückzuweisen, daß es sich hier um eine Einmischung in innertürkische Angelegenheiten handele. Marokko. Das Schicksal der gefangenen Franzosen. Paris, 28. August. Die Agence Havas veröffentlicht folgende Note: Generalresident Lyautey telegraphiert, er wisse immer noch nichts über das Schicksal der neun Franzosen, die vom Prätendenten El H i b a gefangen genommen worden sind. Lyautey hat das Anerbieten von Freiwilligen angenommen, als Emissäre nach Marrakesch zum Prätendenten zu gehen, um Erkundigungen einzuziehen. Die bei Mechra Suk ei Arba lagernde KolonneMangin ist imstande, allen Eventualitäten zu begegnen und bei den Eingeborenen den Eindruck großer Stärke hervorzurufen. Sie verhindert gegenwärtig die Aufständischen mit Erfolg daran, nach Fez in das Schaujagebiet oder nach Mazagan zu ziehen._ Pessimistische Meldungen. Paris, 28. August. Meldungen aus Maroklo besagen, daß das Erscheinen des Thronprätendanten E l H i b a im ganzen Süden eine ungeheure Begeisterung hervorgerufen hat. El Hiba hat sich einen großen Namen als Wunderdoktor gemacht, und seine Hei- lungen haben ihm zahlreiche Anhänger zugeführt. Er wird im Süden auch als großer Kriegsmann gefeiert. Aus allen Teilen des Landes strömen ihm Anhänger zu. Seine Leibgarde besteht aus 3000 Mann„blauer Truppen". Es sind dies Männer aus dem äußersten Süden, vom hohen Atlas aus dem Susgebiet und dem Draabezirk, die sich durch ihren Mut und Verwegenheit aus» zeichnen, ähnlich wie es bei den berüchtigten algerischen Tuaregs der Fall ist. Sie still» mit einem schwarzen und blauen Burnus bekleidet und gelten als die tüchtigsten Krieger des Südens. Ihre Waffen sind von vorzüglicher Qualität, auch befinden sie sich im Besitz von mehreren modernen Schnellseuergeschützen und verfügen über zahlreiche Munition. Gefechte. Casablanca, 27. August. Das Lager vonSuk e l Arba wurde am 25. Augpst um 6 Uhr früh von einer starlen Harka des Kalifen El Hiba angegriffen. Der Angrisf dauerte bis gegen Mittag: der Feind wurde energisch zurückgewiesen und hatte beträchtliche Verluste. Vier Franzosen wurden leicht verletzt, die Harka zog sich schließlich 15 Kilometer weit nach Süden zurück. CHna. Snnyatsen in Peking. Am vergangenen Sonnabend ist endlich der von den Pekinger Fortschrittlern längst erwartete Snnyatsen in der chinesischen Hauptstadt eingetroffen. Nachdem er mit dem Präsidenten Iuanschikai die politische Situation besprochen hatte, präsidierte er eine Versammlung, woran die Mitglieder des Tungmenghui und die Vertreter von vier anderen politi- schen Organisationen teilnahmen. Diese Körperschaften haben beschlossen, sich zu verschmelzen. Die neue Organisation ist Kuoniengtang, die Nationale Partei, getaust worden. In ihr befinden sich zwei Drittel der Mitglieder der beratenden Versammlung und eine gleiche Anzahl Parlamentarier. Der Kuomengtang wird im Laufe des kommenden Dezembers seine Delegierten zusammenrufen. Ein Programni ist schon entworfen und dieses soll hinfüro der gesamten Tätigkeit der Nationalen Partei als Richtschnur dienen. Es fordert unter anderem, daß die zukünftigen Minister aus der Mitte der neuen Partei genommen werden. Man hofft, daß es dadurch leicht möglich sei, die Diktatur Auanschikais, wenn gewünscht, zu beendigen. Wie bei früheren Gelegenheiten, so hat Sunyatsen auch bei seiner gegenwärtigen Anwesenheit in Peking sofort die Wichtigkeit der ökonomischen Entwickelung Chinas für den Bestand der Republik betont. Er sagte, in zehn Jahren müsse das Land mit einem Eisenbahnnetz versehen sein, denn die Schaffung neuer Verkehrsmöglichkeiten sei unerläßlich für den Ausbau der republikanischen Institutionen. Uebrigens soll Sunyatsen auf seiner Reise nach Peking von mehreren amerikanischen Eisenbahnfachleuten begleitet sein, die schon einen großzügigen Plan für ein Eisenbahnnetz ausgearbeitet hätten. BtoierUu. Protest Englands gegen das Panamakanälgesetz. London, 23. August. Die„Times" meldet aus Washington unter dem gestrigen Datum: Der britische Geschäfts- träger hat von neuem Vorstellungen wegen der Panama- kanalgebühren gemacht und dem Staatsdepartement ange- zeigt, daß England an seiner bereits mitgeteilten Ansicht festhalte. Voraussichtlich erfolgt auf diese Vorstellungen hin ein motivier- ter Protest, sobald der Text des Gesetzes in London geprüft sein wird- Falls die Meinungsverschiedenheiten zwischen beiden Re- gierungen nicht durch diplomatische Verhandlungen beigelegt wer- den können, fordert-England die Einberufung eines Schi e dS- g e r i ch t s.__ Ein politisches Attentat auf Kuba. New A-rk, 23. August. Nach einer Depesche aus Havana hat ein kubanischer Journalist den amerikanischen Geschäfts- träger Gibson in dem Augenblick, als dieser seine Wohnung betreten wollte, tätlich angegriffen und schwer verletzt/ Der Angriff dürfte ein Ausfluß der seit einiger Zeit herrschenden Miß- stimmung gegen Gibson sein, der sich durch seine energische Ver- tretung der amerikanischen Ansprüche gegen Kuba unbeliebt(je- macht hat. Hus der Partei. Aus den Organisationen. Der Sozialdemokratische Verein für den Wahlkreis Dortmund- Hörde hielt Sonntag, seine Generalversammlung ab. Die General- Versammlung genehmigte einen Antrag, daß-der Mbliotheksbeitrag pro Mitglied von 5 Pf. auf 10 Pf. erhöht wird. Vom Parteitag wurde Förderung des B ib I i o the k we se n s erwartet. Ferner wurde beschlossen, daß zu Vorstandsmitgliedern der Kreisorganisation nur Genossen gewählt werden können, die min- destens 5 Jahre der Partei angehören. Die Generalver- sammlung sprach sich für den eventuell zu bildenden Parteiausfchuß aus. In einer Resolution, die dem Parteitag in Chemnitz unter- breitet werden soll, wird der Beschluß/des Branntweinboy ko t t s bekräftigt und Ausdehnung des Boykotts auf S p irituosen aller Art gefordert. Die General- Versammlung will, daß � die Reichstagsfraktion auf den Parteitagen nur beratende Stimme haben soll. Die S o n» dersitzungen, von denen in der letzten Zeit vielfach die Rede war, soll der Parteitag strikte untersagen. Die Grübenkalaflrophe von„Lothringen" war Anlaß zu einer scharfen Resolution, die«in einheitliches Berggesetz für das ganze Deutsche Nieich fordert. Die Agitation für die nächst» lährige Landtagswahl soll sofort und eifrig betrieben werden. Als Kandidaten für die drei Wahlkreise Stadt Dortmund, Dortmund-Land und Hörde Stadt und Land wurden aufgestellt die Genossen Kahl. Hue und Hans mann. Zum Chemnitzer Parteitag wurden vier Delegierten entsandt. *• • Auf der Generalversammlung deS Kreiswahlverein'S Zauch- Belzig-Jüterbog-Luckenwalde, die am Sonntag in Treuen» b r i e tz e n stattfand, erstattete der Vorsitzende zunächst den Jahresbericht. Die Tätigkeit der Organisation war auch in diesem Kreise im abgelaufenen Jahre vornehmlich der Reichsiagswahl ge- widmet. Außerdem fanden mehrere Stadtverordneten- und Ge- meindevertreterwahlen statt, die uns schöne Erfolge brachten. Die Organisation hatte am 30. Juni 1912 23 Ortsgruppen gegen 19 im Vorjahre. Die Mitgliederzahl stieg von 2889 auf 3113. Der Ver- ein hatte eine Einnahme von 10 582,00 Mk. und eine Ausgabe von 10 047,78 Mk. Für die„Brandenburger Zeitung" wurden 403 neue Abonnenten gewonnen. Insgesamt werden im Kreise gelesen: die „Brandenburger Zeitung" in 2005, der„Vorwärts" in 137, die „Gleichheit" in 03 Exemplaren. Eine Reihe von Verstößen gegen das Wahlreglement hat zu einem Protest gegen die Wahl des Herrn von Oertzen zum Reichstagsabgeordneten geführt. Es ist auch mit Bestimmtheit auf eine Nachwahl zu rechnen. In Stadtverordneten- lollegien sitzen 27 Genoffen. Als Gemeindevertrcter fungieren 57 Genossen in 20 Ortschaften. Neben der mündlichen Agitation durch eine große Reihe von Versammlungen wurde die Agitation durch Flugblätter sehr rege betrieben. In einer einstimmig ange- nommenen Resolution verurteilte die Generalversammlung auf das entschiedenste die Sonderkonferenzen. Die Parteigenossen hätten allerorts die Pflicht, gemeinsam das Rechte zu suchen. Als Delegierte zum Parteitag wurde der Kandidat deS Kreise?, Genosse Ewald- Berlin, und Genosse S a i l e r- Luckenwalde ge» wählt, als Vertreter auf dem Preußentag wurden die Genossen Jahn- Luckenwalde, Lehmann- Treuenbrietzen und I i e d- ler- Beelitz gewählt. 1-» * Der Sozialdemokratische Verein für den Wahlkreis Aachen- Stadt beschäftigte sich in einer Generalversammlung mit dem Parteitags in Chemnitz. Ein Antrags der vom Parteitag verlangt, die durch die jetzige Art der Maifeier entstandenen Unzuträg- lichkeiten auf dem nächsten internationalen Kongresse zur Sprache zu bringen, wurde einstimmig angenommen. Ebenfalls einstimmig angenommen würde ein Antrag/ der veiclangt, daß die vom Partei- vorstand jährlich versandten Fragebogen über die Organisations- tätigkcit mehr spezialisiert werden, da die Buchführung in den ein- zelnen Vereinen sehr verschiedenartig sei. Große Mehrheit fand ein Antrag, der die Sonderkonferenzen verurteilt. Der Antrag verlangii daß der Parteitag sämtliche Sonderkonferenzen zu verbieten habe.' Als Delegierier zum Parteitag wurde der Ge- nosse Bartels gewählt. Em Industrie und Kandel. Das Petroleumtrusturtell und seine Folgen. Im Mai vorigen Jahres wurde das Urteil des obersten Ge- richtshofes der Vereinigten- Staate»! gegen die Standard Oil Company gefällt. Aeußerlich stellte dieses Urteil eine Bestätigung der Entscheidung der Vorinstanz dar. Während jedoch das erste Urteil, wenn es seinem Jnihalle nach rechtskräftig geworden wäre. die Existenz des Trustes wirklich gefährdet hätte, verfuhr das zweite Urteil, das des obersten Bundesgerichtes, sehr gnädig mit dem Riescnwnternehmen John D. Rockefellers. Zwar wurde in dem Urteil die Auflösung des Trustes verlangt, jedoch in einer Art, die eine Anwendung deS Shermanugesetzes nicht darstellte,, die vielmehr dem Trust das Leben ließ, wenn er sich nur ein wenig anders ein- richtete. Die Form ist denn auch geändert worden, das Wiesen der Standard Oil Company jedoch ist- das gleiche geblieben. Im Gegen-- teil, der Petroleumhervscher befindet sich bei dem neuen Zustande viel wohler als bei dem altem Als das Urtei-l bekannt wurde, war man schon allgemein der Ansicht, daß der Trust jetzt erst recht einen Anlauf nach oben nehmen würde, und. die Kursbewegung an der New Dorker Börse, die eine regelrechte Haussebewegung war, be- wies, daß man das Urteil außerordentlich freudig begrüßte. Diese Freude hat sich inzwischen noch gesteigert, denn der Kurs der Stan- dard Oil ShareS ist von Monat zu Monat erheblich gestiegen. Als man. begann, gegen den Trust vorzugehen, standen- die Aktien in New Dork auf ungefähr 300 Proz. Sie konnten sich bis zur Durch- führuing des Prozesses so recht nicht erholen,. Seitdem jedoch sind sie unaufhörlich nach oben geklettert. In einem halben Jahre ging der Kurs um ungefähr 300 Proz. herauf, um im März dieses Jahres schon auf 900 Proz. anzulangen. Einen solchen. Kurs hatten die Aktien bisher überhanpi nicht erreicht, ein Beweis dafün wie günstig das Urteil des obersten Gerichtshofes für den Trust war. Denn wenn, man auch alle möglichen günstigen Momente in der Petroleumindustrie in Betracht zieht, so hätten die Aktien, eine solch starke Austoärtsbewegung doch nicht durchgemacht, wenn, das Urteil ungünstiger gewesen wäre. Seit dem März dieses Jahres ist zwar die Steigerung etwas langsamer vor sich gegangen, doch immer noch in einem solchen Maße, daß man von einer Hausse in Standard Oll ShareS sprechen konnte. Schon ist der Stand von, 1000 Proz. er- heblich überklettert, schon hat man 1100 Proz. erreicht. Allerdings haben fast alle Petroleumaltien in der letzten Zeit Kurs- erhöhungen erfahren, eine solche schnelle AufwärtÄewegung steht jedoch am Markte der Petroleumaktien ziemlich einzig da. Kein Wunder, daß Rockefeller auch in Europa macht, was er will. Zwar hat kürzlich das Hamburger Landgericht ein Urteil gegen die Deutsch-Amerikanische Petroleumgesellschaft, das deutsche Tochter» unternehmen der Standard. Oil Company, gefällt, auf Grund dessen man eine Un-terbiiiduugen der Monopolbestrebumgen Rockefellers in Deutschland erhoffen könnte. Man muß jedoch nach allen bisherigen Erfahrungen annehmen, daß der Petroleumkönig der Vereinigten Staaten es unter allen Umsiäden verstehen wird, Petroleumkaiser der Welt zu bleiben, GewerkfchaftUchee. Ein unvcrftändUchcs Qrtcil. Wegen gemeinschaftlich verübten Vergehens gegen Z 163 der Gewerbeordnung hatten sich 38 Bauarbeiter vor dem Amtsgericht in Nürnberg zu verantworten. Als Kläger traten drei christlich organisierte Bauarbeiter auf. Am 18. April d. I. hielten die Angeklagten nach Arbeitsschluß eine Besprechung unter sich ab, um aus ihren Reihen einen Baudelcgierten zu bestimmen. Bei dieser Gelegenheit wurde auch betont, es sei notwendig, daß auf allen Baustellen danach getrachtet werde, daß alle am Bau beschäftigten Arbeiter, soweit sie anderen freien Gewerkschaften angehören, sich auf Grund der mit den verschiedenen Verbänden abgeschlossenen Kartellverträge nach 6 Wochen(diejenigen, mit deren Gewerk- schaften Kartellverträge nicht bestehen, auf Grund der Bestim- mungen des Hamburger Gewerkschaftskongresses nach 13 Wochen) in den Deutschen Bauarbeiterverband überschreiben lassen. Des- gleichen müsse auch danach getrachtet werden, Indifferente oder Mitglieder anderer Gewerkschaften dem Bauarbeiterverband zuzu- führen. Von den drei Mitgliedern des christlichen Bauarbeiter- Verbandes wurde ebenfalls verlangt, sich in ihrer Organisation ab- und beim Bauarbeiterverband anzumelden, was die drei jedoch verweigerten. Am Montag, den 22. April, nahmen die Beklagten die Arbeit nicht mehr auf und der Baudelegierte soll dem Bau- führer auf sein« Frage erklärt haben:„Wir haben drei Christliche unter uns, mit denen wollen wir nicht arbeiten." Auch die größere Anzahl der Mitbeschuldigten soll gerufen haben:„Wir machen blau, wenn die nicht aufhören." Auf dieses hin wurden die drei Mann entlassen und nahmen die Angeklagten die Arbeit wieder auf. Die Angeklagten machten geltend, daß es ihnen ferne gelegen hat, die Entlassung der drei zu erzwingen, da sie ja doch selbst das Feld räumen wallten, denn sie mußten ja auch damit rechnen, daß der Bauführer die drei weiterarbeiten lasse und den Angeklagten die Entlassung gebe, übrigens sei ein Beauftragter des christlichen Verbandes sofort erschienen und habe erklärt, er stelle dem Bau- führer sofort 30 Mann zur Verfügung. Er hätte die drei wegen der Angeklagten nicht zu entlassen brauchen. Ferner sei den Christ- lichen an ihrer Entlassung auch gar nichts gelegen gewesen. Uebrigens machen es die Christlichen auf den Bauten, wo sie in der Mehrzahl sind, ebenfalls so, daß sie mit Freiorganisierten nicht zusammen arbeiten, oder aber es wird letzteren so gemacht, daß sie selbst gehen, wie dieses einem der Angeklagten schon des öfteren passierte. Der als Zeuge vernommene Bauführer gab an, daß er auf seine alten Leute, besonders auf seine Einschaler, die sich unter den Angeklagten befanden, sehen mußte, damit die ihm nicht ent- laufen, zumal er ja gar nicht wußte, ob ihm gleich 30 andere zur Verfügung stehen; damit Ruhe auf der Baustelle sei, habe er die drei entlassen.— Der Amtsanwalt beantragte für alle An- geklagten, mit Ausnahme von vier, welche in der fraglichen Zeit gar nicht an der Baustelle waren, eine Gefängnisstraf« von je drei Tagen und Tragung der Kosten. Der Verteidiger führte aus: Es ist eine sehr naive Auffassung, wenn man aus dem Vorgehen der Angeklagten eine Verrufserklärung herausliest, und auch der als Zeuge vernommene Bauführer hatte nicht die- Auffassung, daß die Beklogtert die drei in Verruf bringen wollten. Auch das Amts- gericht Nürnberg hat sich bereits auf den Boden gestellt, daß es den Arbeitern freisteht, mit wem sie zusammenarbeiten wollen, und daß es erlaubt ist, die Arbeit einzustellen, wenn man mit jemanden nicht zusammenarbeiten will, wie das in einer ganz ähnlichen Sache im Dezember v. I. gefällte Urteil beweist, dem sich auch das Land- gericht anschloß dadurch, daß es die Berufung der Christlichen ver» warf. Von einer Bedrohung im Sinne des K 153 könnte nur dann die Rede sein, wenn sie von Arbeitern gegen Arbeiter gebraucht werde, hier aber liege höchstens eine Willensbestimmung des Unter- nehmers, nicht aber der Arbeiter vor. Nach langer Beratung wurde das Urteil verkündet, das für 28 Angeklagte auf je einen Tag Gefängnis und Tragung der Kosten lautete, mit der Begründung, daß ein Miß- brauch der Koalitionsfreiheit vorliege, da der 8 162 R.G.O. nur gegeben sei, um die Erlangung besserer Lohn- und Arbeitsbedin- gungen zu ermöglichen, nicht aber, um die Organisation zu stärken. Vier der Angeklagten wurden freigesprochen. Die Begründung des Urteils ist so unhaltbar wie da? Urt«il selbst. Es dürfte in der Berufungsinstanz wohl nicht aufrecht- erhalten werden. Ein Zwang zum Uebertritt in die freie Gewerk- schaft ist auf die Christlichen nicht ausgeübt worden. Man mag es mißbilligen, wenn freiorganisierte Arbeiter mit Christlichen nicht zusammenarbeiten wollen, aber eine strafbare Handlung ist das nicht. Berlin und CXmgegcnd. Zum Kutscherstreik bei Wilske wird uns geschrieben: Die Firma Wilske, Fuhrwesen, Karlstraße 42 und Alt-Moabit 19, ist für jeden organisierten Kutscher und Arbeiter gesperrt. Keiner der Streikenden hat sich bis jetzt herbeigelassen, einen Wagen der Firma Tietz, für welche die Firma Wilske die Wagen stellt, zu be- steigen. Eine beweislose Behauptung der Firma ist es. wenn den Streikenden nachgesagt wird, daß sie die Arbeitswilligen belästigen. Daß dies nicht geschieht, dafür sorgt die uniformierte und geheime Polizei, die überall auf dem Posten ist, wo sich nur streikende Kutscher bemerkbar machen. In der Karlstraße ist das Sperrgebiet für Streikende von der Polizei erweitert worden. Wenn trotzdem die Arbeitswilligen bei der Firma Wilske nicht aushalten, sondern den Wagen auf der Tour stehen lassen oder am Abend ihre Papiere zurückverlangen, so liegt es«eben daran, daß die Firma auch bei diesen Arbeitswilligen alle Sympathie verloren hat. Wir bitten die Arbeiterschaft, den Streikenden die vollste Soli- darität zu bewahren. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Branche der Geschäftskutscher usw. Deutkches Reich. „Lohnaufbesserung" durch Verlängerung der Arbeitszeit. Nicht ein Unternehmer ist es, der den mik ihrem Lohn unzu- friedenen Arbeitern durch Verlängerung der Arbeitszeit aufhelfen wollte, sondern es sind Arbeiter— gelbe allerdings— die auf diesen famosen Gedanken gekommen sind.— Hören wir, was dar- über berichtet wird. In der Formerei der Gummiwarenfabrik„Continental" in Hannover besteht seit Jahresfrist die 8� stündige Arbeitszeit. Die Arbeitern werden in Akkord ausgeführt. Da in letzter Zeit die Akkordsätze reduziert wurden, so minderte sich natürlich der Ver- dienst der Arbeiter, und zwar so, daß er für den Lebensunterhalt nicht mehr ausreichte. Selbst die Gelben, die in dieser Abteilung des Betriebes stark vertreten sind, mußten einsehen, daß der Ver- dienst, den die gekürzten Akkordsätze brachten, nicht ausreichend sei. Aber„wirtschaftsftiedlich" wie die Gelben nun einmal sind, waren sie für ein Vorgehen zum Zweck der Lohnerhöhung nicht zu haben., Aber sie fanden einen Ausweg, der ihnen die Möglichkeit geben � sollte, mehr zu verdienen, ohne daß die„Harmonie zwischen Unter- nehmer und Arbeiter" gestört werde. Die gelben Schlauköpfe sam- � mclten Unterschriften zu einer Eingabe an die Betriebsleitung. worin diese ersucht wird, die Arbeitszeitzu verl an g e r n, damit die Akkordarbeiter mehr verdienen konnten. Von M,t- arbeitern, die der Gelbsucht nicht verfallen sind, wurde darauf auf merksam gemacht, daß die Verwirklichung dieses Verlangens Eni» lassungen von Arbeitern zur Folge haben müsse. Doch dieser Ein- wand zog nicht bei den Gelben. Sie taten ihn einfach ab mit den Worten:„Na, dann werden die Ueber flüssigen eben entlassen!" Daß sie selbst bei den notwendig werdenden Entlassungen verschont bleiben würden, das konnten die gelben Unternehmerschützlinge wohl annehmen und sie hatten sich dabei nicht verrechnet. Die Direktion kam dem Verlangen der Gelben bereitwilligst nach. Sie verlängerte die Arbeitszeit auf neun Stunden. Die unmittelbare Folge davon war, daß von 160 beschäftigten Arbeitern 60 entlassen wurden. Allerdings nur solche, die nicht gelb waren. — Eine Versammlung der in der„Continental" beschäftigten Gummiarbeiter protestierte gegen die Mache der Gelben, die sich durch ihr Schelmenstück wieder einmal ins rechte Licht gesetzt haben. Während jeder einsichtige Arbeiter bestrebt ist, die Arbeitszeit zu verkürzen, noch dazu in einem so gesundheitsschädlichen Beruf, wie es die Gummisabrikation ist, bringt diese gelbe Garde es fertig, eine Verlängerung der Arbeitszeit durchzusetzen, anstatt eine Auf- besserung der Akkordlöhne zu verlangen. Aber nach dem gelben Rezept darf ja der„Wirtschaftsfriede" nicht gestört werden, damit die Aktionäre der Gummifabrik„Continental" nicht im Genuß ihrer 46 Proz. betragenden Dividende gestört werden. Zigarettenarbeiter-Aussperrung. Die Firma Nestor Ginaclis, Zigarettenfabrik in Frankfurt am Main, hat am Mittwoch ihre sämtlichen Zigarettenarbeiter, orga- nifierte und Nichtorganisierte, ausgesperrt. Vor Zuzug wird dringend gewarnt! Deutscher Tabakarbeiterverband. Nicht„Teutonia", sondern„Titania" heißt die Maschinenfabrik in Frankfurt a. O., wo, wie wir am 27. d. M. berichteten, die Balancierer streiken. Ausland. Die Textilarbeiterbewegung i« Brünn. Bekanntlich ist den separatistischen Gewerkschaftszersplitterern, die zuerst während der Verhandlungen die Arbeiter aus einigen Fabriken herauszogen, vor der Aussperrungsdrohung der Unternehmer bange geworden und sie gaben alsbald die Parole aus: Wieder in die Fabriken! Die Arbeiter aber hatten inzwischen, wohl auch durch Scharfmachereien im Unternehmerlager erbittert, in immer mehr Fabriken die Arbeit eingestellt, und wer die Arbeit nicht einstellte, wurde ausgesperrt, so daß alle Betriebe stillstehen und Zehntausende Arbeiter feiern. Die Vorrichter in den Webereien und Färbereien beschlossen, keine Streikbrecherarbeit mehr zu leisten. Gegen einige von ihnen, die sich daran nicht kehrten, wurde auf den Straßen stürmisch demonstriert. Bezeichnend für die unseligen Zustände in der Arbeiterbewegung des tschechischen Gebiets in Oesterreich(die Weber des„deutschen" Brünn sind großenteils Tschechen) ist, daß die Separatisten mit den Christlichen und Nationalsozialen ein Streikkomitee bilden, und daß sie sogar, nach einer Meldung der Wiener„Arbeiterzeitung", die Behörden im Widerspruch mit der Wahrheit dahin informieren, daß die Zentralisten an der Aussperrung schuld seien. Soziales. Wichtig für Gastwirtsgehilfen und Gastwirte. Die wichtige Frage, ob G a st w i r t§ g e h i l f e n, die weder Lohn noch Gebalt oder Kost erhalten, sondern nur auf die Trink- gelder angewiesen sind, verpflichtet sind, die Beiträge zur Krankenkasse selb st zu bezahlen, entschied das Breslauer Gewerbegericht. Ein Kellner war in einem Cafö beschäftigt, wo er keinerlei Entschädigung noch Kost erhielt; tagtäglich mußte er dagegen 26 Pf. Bruchgeld und zwei Drittel der Krankenkassenbeiträge bezahlen. Insgesamt betrug die Summe, die der Kellner während der Dauer seiner Beschäftigung dem Cafötier zahlen mußte, 91 M. Er verlangte das Geld von dem Cafötier bei seinem Abgange zurück, waS dieser verweigerte. Der Verband der GastwirtSgehilfen, dem daran lag, eine prinzipielle Entscheidung in dieser für alle CaföhauSkellner sehr wichtigen Frage zu bekommen, gewährte dem betreffenden Kellner Rechtsschutz und stützte sich dabei bezüglich der Krankenkossenbeiträge auf den§ 63 des alten Kranken- kassen-VersicherungSgesetzes und auf§ 394 der ReichsversicherungS- ordnung, wonach Arbeiter, Gesellen, Gehilfen usw. nur verpflichtet sind, sich die Eintrittsgelder, Krankenkassenbeiträge einbehalten zu lassen, wenn sie in einem Lohn- oder Gehaltsverhältnis stehen. DaS Gewerbegericht schloß sich diesen Ausführungen an. Entschieden unzulässig sei der Zwang, für Bruch, Zeitungen usw. Zahlungen von Personen zu verlangen, die keinen Lohn erhalten. Die Beiträge für Krankenkassen kann sowohl nach dem alten wie nach dem neuen Krankenkassen-Versicherungs- gesetz der Arbeitgeber nur dann in Abzug bringen, wenn der Ver- sicherte in einem Lohn« oder GehaltSverhältnis zu ihm stehe. Der beklagte Cafstier wurde zur Zahlung der ge- forderten 91 M. verurteilt. Jetzt wollen noch 30 andere Cafohaus- kellner auf demselben Wege die von ihnen zu Unrecht erhobenen Bei- träge einklagen._ Verdienter Lohn darf wegen sofortiger Entlassung nicht abgezogen werden. Eine Bremer Firma hatte in ihre Arbeitsordnung folgenden Passus aufgenommen: „Wer ohne genügende Entschuldigung mehr als drei Tage aus- bleibt, verliert das Recht aus Weiterbeschäftigung und gilt als wider« rechtlich aus dem Arbeitsverhältnis ausgeschieden. In diesem Falle wie überhaupt in jedem Falle der rechts- widrigen Auflösung ohne Einhaltung der Kündigungszeit durch den Arbeiter verwirkt letzterer den rückständigen Lohn bis zum Betrage eines durchschnittlichen Wochenlohnes zugunsten der Krankenkasse des Werkes." Auf Grund dieser Bestimmung behielt die Firma den verdienten Lohn der letzten Woche ein, weil der betreffende Arbeiter wegen an- geblicher Gehorsamsverweigerung entlassen worden war. Das Ge- Werbegericht Bremen hielt aber die Einbehaltung des Lohnes für unstatthaft und verurteilte die Firma zur Herauszahlung des Be- träges. In der Begründung heißt es: Die betreffende Bestimmung der Arbeitsordnung, die sich dem§ 134 der Gewerbeordnung an- schließt, betrifft nur die Fälle, in denen der Arbeiter selbst rechts- widrig vorzeitig seinen Vertrag löst, nicht aber solche, in denen der Arbeiter durch sein Verhalten dem Arbeitgeber ein Recht zur ftistlosen Kündigung gibt. Wenn also Kläger wirklich einen Grund zur Ent- lassung gegeben haben sollte, so wird dieser Fall nicht durch Z 134 und die Arbeitsordnung getroffen. Die Völkerwanderungen ins Ruhrgebiet. Sämtliche Steinkohlenzechen des Ruhrbeckens, welche in den Regierungsbezirken Münster, Arnsberg und Düsseldorf liegen, be- schäftigten zu Anfang dieses Jahres 366 714 Personen. Davon stammten aus Ost- und Westpreußen 71990, aus Posen 63 946, aus Oberschlesien 9861, während sich 30 610 Personen aus allen halb und ganz zivilisierten Ländern der Welt zusammen gefunden haben. Es gibt kaum eine Kultursprache, die hier nicht gesprochen wird. Aus den vier östlichen Provinzen stammen rund 135 000 Mann der Belegschaften, was für das Junkertum gewiß sehr schmeichelhaft ist, wenn es über Leuienok redet. Diese Massen verteile«! stch auf di4 einzelnen Regierungsbezirke: Gesamtbelegschaft 188 932 95 342 82 410 Bezirk Arnsberg Düsseldorf Münster davon aus Osten 67 924 41003 36 702 Auslände» 9 622 12 613 8 273 Danach sind also im Regierungsbezirk Münster rund 60 Proz., in Düsseldorf fast 60 Proz. Bergarbeiter aus dem Osten Deutsch« lands und dem Auslande. Davon entfallen wieder auf die Gruben des Landkreises Ruhrort-Dinslaken 28 Proz. Ausländer, auf Reck- linghausen 10,2 Proz. Mit welchen Schwierigkeiten dort die Orga- nisation zu kämpfen hat, läßt sich demnach ermessen, selbst wenn man das arbeiterschädigende Verhalten des größten Streikbruch- Vereins der Welt, des christlichen Gewerkvereins, der hauptsächlich seine Mitglieder im Ruhrgebiet hat, nicht mit in Rechnung stellt. Auch für die Parteibewegung bietet diese Zusammenwürfelung den Schlüssel zur Lösung manchen Rätsels für den Nichteingeweih- ten. Die einzelnen Wahlkreise stellen sich so: Reichstags- Gesamt- davon aus Wahlkreis belegschast dem Osten Bochum.... 106 333 43 000= 40,03 Proz. Dortmund... 68 747 24 940= 37,15. Recklinghausen.. 75 121 36 163= 46,78, Essen..... 55 087 17 051= 30,10. Duisburg... 40 255 12 058— 29,73„ Hamm-Soest.. 11112 2 121= 19,00„ Interessant ist ein Vergleich der sozialdemokratischen Wahl« ziffern hierzu. Es wurden für die Partei abgegeben im Kreise Bochum: 53 333, Dortmund 48 838, Recklinghausen 21 245, Essen 40 503, Duisburg 34 137, Hamm 9023 sozialdemokratische Stimmen. Je mehr in einem Kreise das fremde Element vorherrscht, desto niedriger steht prozentual unsere Stimmenziffer und die Zahl der Organisierten.— Darin findet auch der unglückliche Ausgang des Bergarbeiter st reiks zu einem Teile seine Erklärung. Jetzt liegen vom Oberbergamt Dortmund ein paar interessante Zahlen über den Streik vor, in denen die Lügenhaftigkeit der bür- gerlichen und Streikbruchpresse bewiesen wird. Es ist bekannt, daß alle Bergleute, die am 6. Streiktage die Arbeit nicht aufgenommen haben, mit 6 Schichten bestrast wurden. Das sind insgesamt 155 852 Mann, meistens unter Tage Tätige von zirka 200 000. An Lohn- ausfall sind 8 438 804 M. entstanden. Für Kontraktbruch sind 4 752 726 M. vom Lohn einbehalten oder pro Mann 30,50 M. Diese Summe von 13,2 Millionen Mark ist den Arbeitern größtenteils durch die Verräterei der Christen verloren gegangen, die sich be- kanntlich auf die angeblichen Versprechungen der Unternehmer stützten, den Lohn freiwillig nach der Verteuerung der Kohle zu erhohen. Daraus ist nichts geworden. Der Durchschnittslohn ist im 2. Quartal gegenüber dem 1. um ganze 17 Pf., der der Hauer um 23 Pf. gestiegen. Dafür kosten aber den Opfern der Streik- justiz am Landgericht Bochum allein die Gebühren gegen 45 000 Mark— ohne die Verluste durch Strafen. Die Lammesgeduld der Bergleute wird damit genügend illustriert, Verantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw-j Ih. Glocke. Berl'n. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Verlagsanstalt Huö der Frauenbewegung. Ein Beitrag zur Bevölkerungsfrage. Der bekannte Berliner Augenarzt Professor Dr. S i l e x schreibt in der„Zeitschrift für ärztliche Fortbildung" folgendes:„Die so« genannten skrofulösen Augenentzündungen, die un- gemein häufig sind und einen sehr hohen Bruchteil von Sehvermögen dauernd vernichten, kommen bei Säuglingen selten vor. Sie sind eine gefährliche Krankheit de§ zweiten und der folgenden Lebensjahre und sind sowohl durch die Krankheit an sich als auch durch die un- gezählten Rückfälle ein schweres Kreuz für die Eltern und die Kinder. Solch ein Kind bleibt trotz aller Behandlung viele Jahre ein regel« mäßig wiederkehrender Gast des Arztes. Hier heißt es vorbeugen, das heißt schon im Säuglingsalter durch eine zweckmäßige Ernährung, durch Luft und Licht darauf hinarbeiten, daß es möglichst nicht zum Ausbruch der Skrofulöse kommt. Doch das sind schöne Worte, die sich schwer in die Tat umsetzen lasseu. Für den Säugling läßt sich die Milch noch beschaffen, aber dann kommt da? zweite und dritte Jahr und mit ihm der zweite und dritte Säugling, und der erste wird zu einem großen Teil mit Kartoffeln und Brot genährt werden müssen, und nun ist die Krank« heit da. Je weniger Kinder demnach die von der Hand in den Mund lebende Familie hat, desto besser wird, eine gleiche Oekonomie natürlich vorausgesetzt, d i e Ernährung sein, und damit wird die Z.ahl der Er- krankungen im allgemeinen wie auch der der Augen sinken. Der in auskömmlichen Verhältnissen Lebende, der Wohlhabende und gar der Reiche hat von den Sorgen der Eltern und dem Elend dieser Kinder nicht die Vorstellung wie wir Aerzte, die wir mit ihnen in engster Fühlung stehen." Versammlungen— Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 2. September, abends 8>/z Uhr, in Kellers Neuer Philharmonie, Köpenicker Straße 96/97: 1. Vortrag:„Stunr und Drang." Eine deutsche Literaturepoche. Referent: Dr. N e st r i e p k e. Gäste(Männer und Frauen) willkommen. Am Sonntag, den 1. September, vormittags Vz9 Uhr, findet auf dem Zentralfriedhof zu Friedrichsfclde die Einweihung des Denkmals für die Genossin Ihrer statt. Unsere Mitglieder werden gebeten, pünktlich und vollzählig zur Stelle zu sein. letzte Nachrichten. Unwetter in Westdeutschland. Cleve, 28. August.(H. B.) Gestern in früher Morgenstunde brach plötzlich ein schweres Unwetter aus, das großen Schaden an. gerichtet hat. In den Wäldern und Parkanlagen sind zahlreiche Bäume gestürzt. Der Telegraphen- und Fernsprechverkehr ist empfindlich gestört. Die Ernte an Aepfeln und Birnen, die nach mehreren Mißernten endlich wieder gute Aussichten bot, ist zum größten Teil vernichtet. Bocholt, 28. August.(H. B.) Nachdem es hier seit einer Woche ununtekbrochen geregnet hatte, entstand in der vergangenen Nacht ein Sturm, der von furchtbarem Regenwetter begleitet war und an Dächern, Fensterscheiben und Bäumen großen Schaden anrichtete. Hunderte von Bäumen, darunter auch viele Obstbäume. sind in der ganzen Umgegend entwurzelt worden. Das Obst ist allenthalben abgeweht. Die Chausseen in der Umgebung sind mit abgeschlagenen Baumzweigen übersät. Worms, 28. August.(P.-E.) Ein orkanartiger Sturm, der heute nachmitwg während mehrerer Swnden anhielt, hat im süd- lichen Teile Rheinhessens die Obsternte fast völlig ver» n i ch t e t. Hunderte von Bäumen sind wie Strohhalme geknickt oder entwurzelt worden. Fast von allen Bäumen ist das Obst verschwunden. Ein„schwerer" Diebstahl. Bukarest, 28. August.(P.-C.) In der Gemeinde Colendina wurden die historischen und wertvollen Kirchenglocken des seit etwa 1000 Jahren bestehenden Klosters gestohlen. Von den Dieben, wahrscheinlich Zigeunern, hat man bisher keine Spur. KaulSinger Jb Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u. Unterhaltungsbl. Nr. 201. 29. Iahrgavg. 1. DeilM des Jormätts" f nlinet ftlbM DoNerstss. 29. AllgllS 1912. Sie Berltoer Gcnofien und der Parteitag. In den am Dienstag abgehaltenen Generalversammlungen der sechs Berliner ReichstagSwahlkreise nahmen die Genossen Stellung zum Parteitag. Eingehend wurden die Fragen besprochen, welche auf unserem Parlament in Chemnitz behandelr werden sollen. Im Vordergrund der Erörterungen standen die Vorschläge, welche die vom vorigen Parteitag eingesetzte Kommission hinsichtlich der Reorganisation der Parteileitung gemacht. Wenn auch verschiedene Meinungen hierüber zutage traten, so waren die Diskussionen doch durchaus sachlich und von dem Bestreben getragen, die Organisation so zu gestalten, wie es im Interesse der Schlagfertigkeit unserer Partei als erforderlich erachtet wird. Die nachstehenden Berichte informieren über den Verlauf der einzelnen Versammlungen. Erster Wahlkreis. Genosse Ströbel referierte in den Corona-Prachtsälen. Er führte ungefähr aus: Auf der Tagesordnung des Parteitages stehen sensationelle Fragen nicht, sondern nur solche, die auch schon frühere Parteitage beschäftigt haben. Eines dieser Schmerzenskinder ist die Maifeier. Sie ist leider nicht das geworden, was die Stifter auf dem Kongreß zu Paris im Jahre 1889 gewollt hatten. Bei uns in Teutschland ist der Prozentsatz der Arbeiter, die die Maifeier durch Arbeitsruhe begehen, ein bescheidener. Aus diesen Verhält- nissen heraus sind die Anregungen und Anträge geboren� die dar- auf hinauslanseni, die Maifeier ganz zw beseitigen oder doch auf den nächstliegenden Sonntag zu verlegen. Redner steht jedoch auf dem Standpunkt, wenn auch eine allgemeine Arbeitsruhe für die nächste Zeit nicht durchzuführen sei, so sollte man die Maifeier doch in den bescheidenen Grenzen bestehen lassen, in denen sie sich heute abspielt. Es sind doch Hunderttausende, die am ersten Mai für die Ziele der Sozialdemokratie demonstrieren. Deshalb darf auch grundsätzlich an der Maifeier in ihrer heutigen Form nichts ge- ändert werden. Die Dinge liegen nun einmal so� dast die. Gewerk- schalten nicht veranlaßt werden können, sich der Maifeierfrage wegen irt große wirtschaftliche Kämpfe hineinzustürzen. Es wird schon da- bei bleiben, daß dort, wo es möglich ist, ohne allzw schwere Schädi- gung zu feiern, der Tag durch ArbeitSruhe begangen wird. Jene aber, die durch irgendwelche Umstände gezwungen sind, zu arbeiten, haben ihr Scherflein zu den Kosten, die die Maifeier nach sich zieht, beizusteuern. An uns liegt es, daß das, was jetzt besteht, bestehen bleibt und keine Verringerung eintritt, und daß das, was zw be- zahlen ist, auch gezahlt wird. Vielleicht kommen einmal Zeiten,>vo noch mehr verlangt wird an Opfern von dem einzelnen, als ein Tagelohn. Die alten Parteikämpfer haben ungeheure Opfer bringen müssen, haben freudig alles hingegeben, für ihre Ueber- zcugwng. Ein eventueller Massenstreik wird ebenfalls große An- Forderungen an den Opfermut der Genossen stellen. Das Stichwahlabkommen hat große Verstimmung aus- «gelöst, und von vielen Seiten ist die Tämpfungsparole scharf kritisiert worden. Der Parteivorstand befand sich aber in einer sehr unangenehmen Lage, als der Freisinn mit dem Anerbieten an ihn herantrat. Der Freisinn tat es nicht der Schwarz-Blawen wegen, scndem weil die Mandate seiner Führer gefährdet waren. Redner oibt eine eingehende Schilderung der Vorgänge. Hätte er, Redner, jener Sitzung beigewohnt, die darüber Beschlstß faßte, so hätte er jedenfalls ebenso gehandelt wie der Parteivorstand. Die Zugestand- nisse an den Freisinn waren keine übermäßigen. Wir haben nicht sehr viel geopfert, dafür aber eine Anzahl Mandate gewonnen. Diese Dämpfung war allerdings etwas Neues in umferer Partei, doch kann nicht bestritten werden, daß wir durch diese Taktik Nutzen hatten. Sollte sich äber die Meinung einbürgern, daß diese Taktik bei jedweder Gelegenheit eingeschlagen werden soll, dann wäre er, Redner, der erste, der dagegen auftreten würde. Nun zur Reorganisation des Par t e i vorstände S. Der„Vorwärts" hat sich schon gegen die Schaffung eines Ans- schusses gewendet, und War deshalb, weil die wirklichen oder ver- ineintlichen Uebelstände, die jetzt bestehen, dadurch nicht behoben würden. Man soll nicht glauben, daß Augenblicksfragen, wie seinerzeit bei der Marocco-Affäre, von 32 Personen, schneller gelöst werden könnten. Wenn man weiter sage, die Einigkeit würde durch einen solchen Ausschuß gestärkt werden, so trifft dies wohl auch mcht zu. Sind doch ohnehin schon in der letzten Zeit große Meinungs- kämpfe zwischen Nord und Süd nicht auSgefochten worden. Wir leiden vor allen Dingen daran, daß die Massen von theoretischen Streitfragen nicht genug unterrichtet werden. Hätten wir erst einen Ausschuß, dann würden wir Dämpfungen erleben in bezaig auf Parteidiskussionem Es ist ober zu, wünschen, daß der frisch-fföhliche Meinungskampf nicht unterbunden wird. Der Parteivorstand ist zurzeit so zusammengesetzt, daß er allen seineu Pflichten gewachsen ist. Unterstützung findet er hierbei durch die verschiedensten Konfe- renzen, an denen sich der Parteivorstand, oder doch einzelne seiner Mitglieder, beteiligen. Die Vertretung der Reichstagsfraktion auf den Parteitagen hat ebenfalls lebhafte Diskussionen hervorgerufen. Redner ist der Ansicht, daß man es bei dem jetzigen Zustand be- lassen soll. Bezüglich der Sonderkonferenzen haben die Anträge übers Ziel hinausgeschossen. Wenn eine Anzahl Abgeord- ncter sich in Eisenach zusammengefunden, haben, so ist dies nur geschehen, um Beratungen, zu pflegen. Wollen wir Gedanken, aus- tauschen, dann müssen wir uns schon irgendwo zusammenfinden. Es ist das gute Recht der Abgeordneten, wenn sie solche Besprechungen pflegen, zumal dort Beschlüsse ja nicht gefaßt werden. Doch auch gegen Gruppe nbildun gen auf Parteitagen wende sich die Kritik. Diese Gruppenbildungen sind aber nichts Neues. Selbst solche Genossen, die jetzt dagegen reden, haben daran teilgenommen. Wenn es auch nicht aus jedem Parteitag vorkommen soll, so aber doch bei besonderen Fragen. In Magdeburg hätte die Linke, welche den traditionellen Geist in der Partei hochhält, nicht diese imponie- rcnde Geschlossenheit gezeigt, wenn nicht diese Gruppenbesprechuu- gen vorausgegangen wären. Jede künstliche Verkleisterung verschlimmert nur die Sache. Durch solche Gruppenbildungen kann man Heißsporne zügeln und Angsthasen Mut beibringen. Wir wollen die Einigkeit in der Partei, und sie ist zu erzielen dadurch, daß eine Klärung der Meinungen in der großen Masse stattfindet. In diesem Sinne wünscht und hofft der Referent, daß der Parteitag in Chemnitz zum Nutzen und Gedeihen der Partei arbeiten wird. (Lebhafter Beifall.) Als erster Diskussionsredner begründet A. Bloch einen von ihm eingebrachten Antrag, der besagt,„der Parteitag möge die Herausgabe eines monatlich erscheinenden Blattes beschließen, welches besonders krasse Gerichtsurteile des verflossenen Monats wiedergibt. Das Blatte soll in zwei Rubriken geteilt sein, in denen die verschiedenen Klassenurteile bei denselben Vergehen in bezug auf die besitzenden und besitzlosen Klassen gegenübergestellt werden. Ebenso soll auch darin die Klassenjustiz der Polizei und der Ver- waltungsbehörden gekennzeichnet werden. Das Blatt soll überall unentgeltlich als Flugblatt verteilt werden." Des weiteren ersucht der Redner um Ablehnung des Antrages gegen Souderkonferenzen. Redner ist dafür, daß die Fraktion an Parteitagen teilnimmt, jedoch ohne Stimmrecht. Eventuell könnten auch, wie es teils auch in anderen Ländern geschehe, die Stimmen der Abgeordneten gesondert gezählt werden, so daß sie aus das Ab- stimmungsresultat keine Einwirkung ausüben. Der Parteivorstand müsse so viele unbesoldete Beisitzer erhalten, daß die besoldeten Mitglieder nicht die Mehrheit haben. Das Stichwahlabkvmmen kritisiert Redner in längeren Ausführungen'. Hätten die Frei- sinnigen für die Konservativen gestimmt, so hätten wir hier in Berlin den ersten Kreis gewonnen. Hegewald: Wenn im ersten Kreis noch so zwei Genossen wären, wie der Genosse Bloch, dann wären noch mehr leere Stühle da wie an diesem Abend. Des weiteren erklärt Redner, es wäre ein großer Unterschied, ob 80 oder 110 Abgeordnete im Reichstag sitzen. Dieses sehe man am besten bei der Frage der Rcichsversiche- rungsordnung. Hätten wir da schon 110 Mann im Reichstag sitzen gehabt, so wäre dieselbe anders ausgefallen. Es müsse endlich eiw mal, wie der Kandidat des Kreises, Düwell, auf dem letzten Partei- tag in ausgezeichneter Weise ausgeführt habe, gegen eine Partei vorgegangen werden. Die Parole müsse lauten: gegen das Zentrum. Bublttz begründet einen Antrag, wonach die sozialdemokra- tische Agitation mit Rücksicht daraust daß die demokratische Ver- einigung bestrebt ist, aus die technischen Angestellten immer mehr Einfluß zu gewännen, in den Kreisen der Angestellten nach Mög- lichkeit zu fördern ist. Bei dieser Agitation ist insbesondere der von der demokratischen Vereinigung und dem Bund der Technisch- industriellen Beamten propagierte Gedanke abzuwehren, daß die Handlungsgehiffen, Techniker usw. eine besondere Angestellten- bewegung neben der der Arbeiterbewegung bilden sollen. Aus Hegewalds Ausführungen habe der Geist des_ Zahlabends gesprochen und es zeige sich, wie notwendig eine Revision der Organi- sationsverhältnisse sei. Ferner ist Redner gegen idas Stichwahl- abkommen. Der Schaden, der allerdings nicht nachweisbar wäre, sei größer als der Nutzen dabei. Gegen Sonderkonferenzen! hat Redner nichts einzuwenden, doch ist er nicht dafür, daß die Reichs- tagssraktion vollzählig an den Parteitagen teilnimmt. Das Beamtenelement im Parteivorstand könnte etwas zurückgedrängt werden. An der Reichsversicherungsordnung wäre auch nichts ge- ändert worden, wenn wir 110 Mann im Reichstag gehabt hätten. Genossin Bloch: Durch Ausführungen, wie die von Hege- walld, werde die Freiheit der Kritik nicht gefördert. Schwabe da hl: Ströbel habe die Maiseier sehr objektiv be» handelt und er teile dessen Standpunkt voll und ganz. Auch be» züglich der übrigen Punkte ist Redner mit dem Referenten einig. Er sei nicht der Ansicht wie Bublitz, daß der Parteivorstand so sehr bureaukratisiert sei. Es wären doch nur Männer darin, die in der Partei groß geworden und mit ihr verwachsen sind. Bei der Abstimmung über die Anträge wurde der Antrag Schwabedahl angenommen, der besagt, daß es bezüglich der Zulassung der Reichstagssraktion aus Parteitagen so bleiben soll, wie es jetzt ist. Des weitereu stimmt die Versammlung den An» trägen Bloch und Bublitz zu. Ebenso dem Antrag, wonach der vorgeschlagene Parteiausfchuß abzulehnen, istz und der die Ver- mehrung des Parteivorstandes durch unbesoldete Beisitzer bis zu der Zahl 9 in Vorschlag bringt, und Ausdehnung der Rechte der Kontrollkommission und Beibehaltung der in§ 19 des Organisa- tionsstatuts vorgeseheneu Konferenzeu verlangt. Ferner wurden folgende Anträge angenommen:§ 5._ Die Festsetzung der Mitgliederbeiiräge ist den Bezirksverbänden und Landesorganisationeu überlassen. Der Mindestbeitrag beträgt für männliche Mitglieder monatlich 40 Pf. oder wöchentlich 10 Pf. und für weibliche Mitglieder monatlich 20 Pf. oder wöchentlich S Pf. In Kreisen, wo sehr niedrige Löhne gezahlt werden, sind zunächst Ausnahmen zulässig, doch dürfeu die Beiträge nicht geringer sein, als im bisherigen Organifationsstatut angegeben. Mindestens 20 Proz. der erhobenen regelmäßigen Mitgliederbeiträge sind an die Zentralkasse abzuführen. § 26 Absatz 2, früher 8 23. Ueber die Zugehörigkeit zur Partei entscheidet der Vorstand der zuständigen Bezirks- oder Landes- organisation, oder eine vom diesen eingesetzte Schiedsgerichts- kommission usw. Neu soll der Absatz 4 eingeschaltet werden:„Entzieht sich ein Angeschuldigter einem gegen ihn einzuleitenden Schiedsgerichtsverfahren durch seinen Austritt aus der Partei- organisation. so kann gegen den Austretenden das Nichtwieder- aufnahmcverfahren eingeleitet werden." Zu den. Anträgen 100— 10S. Die Parteigenossen, des ersten sowie der anderen Groß-Berliner Reichstogswahlkreise haben ihre Stellungen zum! Stichwahlabkommen nach reichlicher Aussprache mit dem Parteivorstand im der Berbands-Generalversammlung ab» gegeben usw. Ein Antrags der die Scmderlonserenzen mißbilligt, wird ab» gelehnt. Zum Parteitag wurde einstimmig PetermanN delegiert: Zweiter Wahlkreis. Die Versammlung wird vom Vorsitzenden Schröder eröffnet. Das Referat über die Stellungnahme zum ParteitaL hat der Abgeordnete des Kreises, Richard Fischer, über- nommen, der ungefähr folgendes ausführt: Während bei allen anderen Parteien die Parteitage nur nach außen wirken sollen, eigentlich politische Paraden sind, ist die Wirkung unserer Partei- tage nach innen. Die anderen Parteien— in denen die Gegensätze meistens viel schärfer wie in unserer Partei sind— vertuschen diese. Die Sozialdemokratie will und kann solche Vertuschungspolitik nicht mitmachen, das widerspricht dem Geiste der Arbeiterbewegung und der Demokratie. Die Frage ist nur, ob die Gegensätze in der schroffen Form ausgetragen werden müssen, wie dies häusig der Fall ist. Wir sollten uns daran gewöhnen, unsere Streitigkeiten als Familienstreitigkeiten zu betrachten und dieselben in einer brüder- lichen Form zum Ausdruck bringen. Wir dürfen nie vergessen. daß auch diejenigen, die eine andere Auffassung über Partcifragen kleines feuilleton., Maurice Maeterlinck. Der Jahrgang von 1862, der einige der besten Köpfe der deutschen Literatur hervorgebracht hat, schenkte auch Belgien einen Dichter, auf den Europa hört: Am 29. August wurde Maurice Maeterlinck in Gent geboren. Wie die beiden anderen großen Männer des gegenwärtigen Belgien: Emile Verhaeren »nd Camille Lemonnier, ist auch Maeterlinck flämischer Ab- stammung: er schreibt jedoch französisch, und so ist sein Werk durch die Vermählung des germanischen Tiessinns mit der Formenliebe des Franzosen charakterisiert. Ueberhaupt ist Maeterlinck der Mann der Gegensätze; auf der einen Seite der Schöpfer der jenseitigsten und innerlichsten Szenen des modernen Dramas, der Kenner der „Sprache der Seelen" und der Vater des Symbolismus; und auf der anderen Seite der Amateurboxer und der Urheber des Sensations- films von der„Monna Vanna". Maeterlinck war Zögling der Genter Jesuiten und studierte dann an der Universität seiner Vaterstadt Juristerei und Philosophie. Seine Eltern wünschten, daß er einen praktischen Beruf ergreife, und so wurde er im Jahre 1837 Rechtsanwalt in Gent, wo er bis 1896 praktiziert hat. Aber schon im zweiten Jahre, nachdem er sich als Advolat niedergelassen, debütierte er auch in der Literatur mit einem Gedichlbändchen, daS den bezeichnenden Titel„Treibhäuser"(„Lsrrss chaudes") sührte. Diese Verse in der Art Verlaines und Baude- laires erregten kein sonderliches Aufsehen; aber kurze Zeit danach veröffentlichte Maeterlinck sein erstes Drama, die„Prinzessin Maleine", das ihn mit einem Schlage berühmt mochte. Octave Mirbeau, Frankreichs erster Kritiker, schrieb über das Werl einen aufsehen erregenden Artikel im„F'garo", in dem er erklärte, daß Maeterlincks Werk„alles Schöne in Shakespeare bei weitem übertreffe".e gewiß auf dem Parteitag eine Rolle spielen, doch sei er anderer Ansicht wie Genosse Buchner. T)er Vorstand habe dabei in einer Zwangslage und in der festen zusticht gehandelt die Zerschmetterung des schwarzblauen Blocks M der(Stichwahl zu vervollständigen. Redner erläutert die politische Situation, wie sie damals gelegen habe und die darauf hinwies, die �-inke gegen die Rechte soviel wie möglich zu stärken. Daß von den fraglichen Kreisen welche ohne die Dämpfung gewonnen worden waren, sei unwahrscheinlich. Nord- Hausen habe man nur geholt, weil die konservativen Älockbrüder in ihrer Verärgerung die Freisinnigen im Stiche gelassen hatten. Zur Aenderung in der Zusammensetzung des Parteivorstandes hatte bekanntlich die Marokkoangelegenheit den Anlaß gegeben. Redner teilt hierzu die Ansicht seines Vorredners und meint, eine Körperschaft werde um so aktionsfähiger, je kleiner sie fei. Der Fraktion will Redner das Recht der vollen Vertretung einräumen. der bisherige Zustand habe zu keinerlei Differenzen geführt, und außerdem sei die Fraktion aus keinem Parteitage in ganzer Stärke anweiend gewesen. Glaß befürwortet einen Antrag, der sich gegen die Absicht des PartelvorfwndeS wendet, das polnische Parteiorgan nicht mehr so oft wie bisher erscheinen zu lassen. Das Blatt habe nun 23 Jahre bestanden, wenn die Bewegung unter der polnisch sprechenden Be- völkerung keine größeren Erfolge aufweise, so bedürfe es eben der Unterstützung der Gesamtpartei, solche zu erzielen. P o e tz s ch hält es trotz der AuSfichtslofigkeit, die für die Schaf- fung eines Parteiausschusses bestehe, als eine Pflicht der Ehrlichkeit, sich als ein Anhänger desselben zu bekennen. Eine gewisse Schwer- fälligkeit sei ja nicht zu verkennen, aber der Zweck des Ausschusses soll es doch u, a. auch sein, einen gewissen Kontakt in der Partei herzustellen. Von der Eisenacher Konferenz habe Büchner gesagt, es habe sich nur um eine Besprechung gehandelt, er könne aber nicht finden, was denn eigentlich für ein Unterschied zwischen einer solchen und einer Konferenz bestehe. Im Interesse der Partei- einheit und-geschlossenheit sollten solche Veranstaltungen von keiner Seite stattfinden; eine Bindung führe das für die Teilnehmer immer mit sich, denn sonst hätten die Zusammenkünfte ja gar keinen Zweck. Sassen meint, zum Stichwahlabkommen habe Berlin bereits unzweideutig sein Urteil abgegeben, man sollte darüber nun nicht mehr viel Worte verlieren. Redner tritt für volle Teilnahme der Fraktion auf dem Parteitag mit beratender Stimme und für den erhöhten Wochenbeitrag ein. Langhammer befürwortet, die Steuerfrage auf die TageS- ordnung des Parteitages zu setzen, er ist dafür, daß die Fraktion für die Erbanfallsteuer bei der Deckungssrage zur Militärvorlage eintritt. Melle: Mit dem alten Satz:»Diesem System keinen Mann uud keinen Groschen" dürfe nicht gebrochen werden, aber man verstehe es im Lande nicht, wenn wir die Erbschaftssteuer ablehnen, die doch geeignet ist. den besitzenden Klassen einen Teil der Kosten für den Militarismus aufzuerlegen. Der zur Frage des Jmperia- lismus von unserer Fraktion gestellte Abrüstungsantrag ist dem Redner äußerst unsympathisch, kein Mensch glaube, daß es möglich sein werde, ihn in der bürgerlichen Gesellschaft verwirklichen zu können. Büchner führt in seinem Schlußwort, gegen Glaß gewendet, aus, daß eS nicht heiße, das polnische Blatt zu begraben, wenn es in Anbetracht der Kosten von nun an wöchentlich erscheine. Zur Erbschaftssteuer habe der Genosse Wurm in der Kommission des Reichstages den Standpunkt der Soziavdemokrafte unzweideutig dahin erläutert, daß unsere Partei für eine solche eintreten werde zu dem Zweck, andere, das arbeitende Volk belastende indirekte Steuern auszuheben. Die Notwendigkeit, die Steuerftage aus die Tagesordnung des Parteitages zu stellen, erkennt Redner nicht an. Es gelte heute noch für die Partei der Grundsatz,»diesem System keinen Mann und keinen Groschen", und wehe dem, der dem Herr- schenden Regime, das seine Soldaten und Maschinengewehre vor den streikenden Bergarbeitern ausmarschieren ließ, auch nur einen Mann und einen Groschen bewilligen wollte, für ihn wäre in der Partei kein Platz.(Lebhafter Beifall.) In der nun folgenden Spezialdiskussion spricht sich Adolf Hoffmann zur Reorganisation des Parteivorstandes dahingehend aus, daß es ihm am zweckmäßigsten erscheine, wenn der Parteitag alle darauf hinauslausenden Anträge an die Sta- tutenberatungskommission zurückverweise. Der Parteiausschuß in der vorgeschlagenen Form erscheint auch ihm als zu schwerfällig.— Eine lebhaftere Aussprache leitete Genosse I. Borchardt durch seine Stellungnahme zu den auf das Verbot der Sonderkonferenzen hinauslaufenden Anträgen ein. Man müsse dem Kind« den rechten Namen geben und sagen, daß die Revisionisten solche Konferenzen immer schon abh�ten, in welcher Fonm sei Nebensache. Es sei Spiegelfechterei, wenn man jetzt, weil die Radikalen einmal zu- sammenkamen, mit Verboten vorgehen wolle. In der Partei sollte man kein besonderes Vereinsgesetz schaffen, sonst würde es so kommen, wie beim alten preußischen Vereinsgesetz, daß auf Mittel und Wege gesonnen wird, dasselbe zu umgehen.— R i n t o r f und Siegle sprechen ftir das Verbot und ebenso P o e tz s ch, der dem Genossen Borchardt entgegnet, daß, wenn die Revisionisten im»Cas« Westen" zusammenkämen, man sagen könne, die Radikalen hielten ihre Zusammenkünfte im»Cafe Fürstenhos" ab.■— ES erfolgen Abstimmungen. Von den 29 gedruckt vorliegenden Anträgen werden zunächst diejenigen angenommen, die sich gegen die Beitrags- erhöhung auf 29 bezw. 49 Pf. und gegen die wöchentliche Er- Hebung wenden. Angenommen wird die Aushebung des Frauenbureaus, die RechtSerweiterung für die Kontrollkommission und serner ein Antrag, der jede Aenderung in der Zu- sammensetzung des Parteivorstandes ablehnt. Eins Ablehnung erfährt ebenfalls der auf das Verbot der Konferenzen hinzielende Antrag. Ein Antrag, die Lebens- mittelteuerung und die Steuerftage auf die Tagesordnung des Parteitages zu setzen und den nächsten Parteitag in Berlin ab- zuhalten, wird angenommen. Zur Resolution, das Stichwahlabkommen befteffend, ergreift Adolf Soffmann, wie er sagt, lediglich deshalb das Wort, um zu konstatieren, daß Eugen Brückner mit seiner Ansicht in dieser Angelegenheit im 4. Kreise wohl allein dastehe. Die mit großer Mehrheit angenommene Resolution verurteilt das Ab- kommen und spricht aus, die angeordnete Rücksicht aus die Gegner hätte auf die Genossen in den betreffenden Kreisen in puncto Arbeitsfreudigkeit, Agitation und Organisation deprimierend wirken müssen. Zur proletarischen Jugendbewegung wird beschlossen, den Parteivorswnd durch die Partei beauftragen zu lassen, in Anbetracht der eVrsolgungen, welche die Bewegung seitens der Behörden ausgesetzt ist, Maßnahmen zu treffen, um die jugend- lichen Arbeiter im Alter von 18 bis 20 Jahren noch gründlicher über die Bestrebungen der Sozialdemokratie aufzuklären. Dann gelangt noch die Resolution des Genossen Glaß aus bessere Unterstützung der Ausklärungsarbeit unter der polnischen Bevölkerung, ein An- trag aus Beseitigung d«S Sprachenparagraph aus dem Reichs- Vereinsgesetz und schließlich ein solcher, der eine bessere Propaganda der Partei für die Arbeiter-Samariter-Kolonne wünscht, zur Annahme. Mit der Bestätigung der Vorschlagslisten: für die Urwahlen zur Beschickung des Parteitages und derjenigen für die Wahl deS Schiedsgerichtes sindet die Versammlung ihr End«; die Bestätigung der Viertelsführer und diejenige der Wahl des Genossen Paul Hoffmann in den Aktionsausschuß wurde ohne Diskussion erledigt. Fünfter Wahlkreis. Di« Versammlung tagte in den Mustkersälenl in der Kaiser- Mlbelm-Straße. Zum Parteitag wurden folgende Anträge zur Diskussion gestellt: 1.„Für die Jugendaufklärung mehr wie bisher zu tun, vor allem keine Opfer zu scheuen, die jungen Leute zwischen 18 und 29 Jahren für die politischen Organisationen zu gewinnen und der Parteivorstand solle regelmäßig großzügige Agitationen zu dieser Sache einleiten." 2.„Die Parteipresse zu verpflichten, keinerlei Anzeigen über Spirituosen aufzunehmen und Volkshäusern und dergleichen zu untersagen, Spirituosen zu führen, im übrigen den Schnapsbohkott zu erneuern und zu bekräftigen und die Parteivertrauenspersonen zu vcrvflichten, für strikte Durchführung des Schnapsboykotts zu sorgen." Ferner standen zur Beratung Anftäge für und wider die Einsetzung eines Parteiausschusses. Wels weist darauf hin, daß allen Anzeichen nach der Partei- tag der heftigen Zusammenstöße nicht entbehren wird. JnSbeson- dere wird das bei Beratung des Entwurfs der ReorganisationS- kommission der Fall sein. Die Aenderungen, welche derselbe vor- sieht, sind nach Ansicht des Redners durchaus notwendig. Die Er- Höhung der Beiträge erfolge entsprechend einem Beschlüsse des Leip- ziger Parteitages, der den Organisationen die Pflicht auferlegte, für baldige Einführung des 19 Pfennig-Wvchcnbeitrags Sorge zu tragen. Sie sei aber auch dringend notwendig, um den steigenden Anforderungen an die Partei auf den verschiedensten Gebieten ge- recht zu werden. Insbesondere sei die Erziehung der proletarischen Jugend von großer Bedeutung, doch solle man hierüber lieber in der Oeffentlichkeit nicht soviel reden, um desto intensiver zu handeln.— Wichtig sei die Frage der Einsetzung eines Parteiausschusses.— Auf dem Parteitag in Jena sei dem Parteivorstand der Vorwurf mangelnder Initiative gemacht worden. Gewiß. Aber nur von einzelnen Personen. Die überwältigende Mehrheii deS ParieitageS aber habe die Haltung des Vorstandes gutgeheißen. Wenn nun trotzdem jene Kommission eingesetzt wurde, so geschah eS, um den vielen vorliegenden Anträgen eine Verhandlungsstätte zu sichern und sie nicht einfach unter den Tisch fallen zu lassen. Die Berlin- Brandenburger Delegation, die den Antrag Quarck-Auer unter- stützte, ließ sich sicher von diesen Gedanken leiten. Andere mögen andere Absichten gehabt haben. Er empfehle warm die Einsetzung eines Parteiausschusies, in dem mannigfache Gegensätze ihren Aus- gleich finden könnten, wenn er eine größere Personenzahl aus dem ganzen Reiche umfasse. Ganz entschieden wendet sich der Redner gegen den sogenannten politischen Beirat, der zuerst von Ledebour in seinen Artikeln im»Halleschen Volksblatt" empfohlen sei, jetzt aber— offenbar als Frucht der Konferenz in Eisenach— mit größtem Nachdruck propagiert würde. Wer die Verhältnisse kenne, könne die Namen der fünf oder sieben Genossen an den Fingern aufzählen, die es für das dringendste Erfordernis halten, daß sie jetzt die Führung der Partei übernehmen. Nichts könne der Partei so schädlich werden, wie die Sonderkonferenzen der verschiedenen Richtungen in der Partei, die offenbar ihren Weg aus der Reichs- tagsfraktion, wo sie seit längerer Zeit im Gange seien, auf die Parteitage gefunden haben werden. Dies sei auch ein Grund, der mit dafür spräche, der Fraktion nicht mehr das volle Vertretungs- recht auf den Parteitagen zu gewähren, abgesehen davon, daß der Einfluß der Parlamentarier den der Organisationsvertreter emp- findlich zu beeinträchtigen geeignet sei. ES schade nichts, wenn die Fraktion in dieser Beziehung unter ein gewisses Kuratel der Parteigenossen gestellt würde. Zum Streit über das Stichwahl- abkommen habe sich der fünfte Kreis bereits geäußert, indem er die Taktik des Parteivorstandes gebilligt hat. Es sei inzwischen nichts Neues zutage getreten, was diese Meinung der Genossen deZ fünften Kreises ändern könnte. Willi Scholz begründet den Antrag betreffs der Jugendz organisation. Dr. Wehl rügt die späte Einberufung der Groß-Berliner Generalversammlungen. Im übrigen äußert Redner sein Erstau» neu über die Mitteilungen des Genossen Wels über die Reichstags» fraktion; er glaube aber, da müsse mehr getan werden, als die Fraktion in der Zulassung zum Parteitag zu beschränken, sondern es müsse heißen: Bis hierher und nicht weiter. Die Genossen in den einzelnen Kreisen müssen ihren Abgeordneten sagen, man habe sie nicht als Radikale oder Revisionisten, sondern als Sozialdemo- traten in den Reichstag gewählt. Zur Frage des Stichwahlabkom- mens erklärt Redner, daß zwar eine Versammlung deS fünften Kreises für die Parteivorstandstaktik gestimmt habe, daß aber auf dem Vcrbandstag von Groß-Berlin die Delegierten des ftinften KreiseS das Stichwahlabkommen abgelehnt haben.(Widerspruch.) Im allgemeinen habe Redner die Auffassung, daß der Parteivor- stand genügend stark zusammengesetzt ist. Ist er aus den Besten zusammengesetzt, dann ist alles andere Beiwerk zum mindesten nicht notwendig. Allenfalls könnte man die Rechte der Kontroll- kommission nach der politischen Seite hin erweitern. Zur bean- tragten Verschärfung des Schnapsboykotts mutz und wird der Par» �steitag den Anträgen entgegenkommen. Im übrigen ersucht Redner, von Abstimmungen über die Anträge zum Organisationsentwurf abzusehen, sondern den Delegierten das freie Entschließungsrecht zu überlassen. Robert Schmidt schließt sich dem letzten Wunsche deS Vorredners unbedingt an; speziell sei das auch zweckmäßig in der Frage des Stichwahlabkommens. Seinen Standpunkt zu dieser Sache präzisierend, erklärt Redner: zum Sturz der schwarzblauen Mehrheit mußte jedes Mittel recht sein. Es werde für das Prole- tariat nichts gewonnen, wenn wir nur immer geradeaus zu stürmen versuchen. Im Parlament müsse jede Situation ausgenützt werden und unser« 119 Mandate nützten uns nichts, wenn nicht eine bürgere liche Opposition in bestimmten Fragen mit uns zusammenzugehen gezwungen würde. Der beste Beweis für die Richtigkeit der dies- maligen Stichwahltaktik sei das Wutgeheul der Konservativen, die kategorisch erklärten, daß eS von nun ab ausgeschlossen sei, daß sie noch einmal für die Fortschrittler in der Stichwahl eintreten wür- den. Wenn der Parteiausschuß vom Parteitag abgelehnt werde, dann müßten auch alle anderen Anträge fallen, die auf Verstärk kung des Parteivorstandes abzielen. Aber aus verschiedenen wich- tigen Gründen sei die Schaffung des Parteiausschusses zweckmäßig. Sollte beispielsweise eine große politische Massenaktion, die über das ganze Reich von weittragender Bedeutung sei, notwendig werden, so möchte er die Verantwortung nicht dem Dutzend Genossen im Parteivorstand aufhalsen. Dieser Ausschuß wäre also zweifellos ein gesundes Rückgrat für den immer größer werdenden Partei- körper.— Daß nun immer 119 Mann der ReichstagSfraktion zu den Parteitagen kommen, ist nicht haltbar. Schon aus rein tcch- nischen Gründen dürfe der Parteitag nicht unnötig durch die Fraktion so verstärkt werden. Daß die Fraktion nicht in allen Dingen einig sei, sei schließlich zu verstehen, solange auch draußen in der Partei über diese und jene Dinge Meinungsverschieden- heften bestehen. Betreffs der besonderen Konferenzen sehe Wels wohl etwa? zu schwarz. Er sei nach Eisenach allerdings nicht ein- geladen worden(Heiterkeit) und wisse nur von zwei oder drei Besprechungen, die im Laufe der letzten Session stattgefunden hätten. Wenn die Zusammenkünfte verboten würden, habe er nichts dagegen, dann aber beiden Richtungen. Redner gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Chemnitzer Parteitag sich nicht wieder um Fragen streite, die zu unschönen Differenzen führen, sondern daß er sich tragen lasse von dem großen Erfolg unserer Reichs- tagswahlen. Nach weiteren kurzen Bemerkungen von W e l S und Dr. Wehl wird die Diskussion geschlossen. Die Anträge 1 und 2 werden angenommen, der Passus be- treffend Verbot des Schnapsausschankes durch Gewerkschaftshäuser nur mit geringer Majorität. Alle übrigen Anträge zum Partei- tag betreffend Einsetzung oder Ablehnung eines Parteiausschusses und dergleichen kommen nicht zur Abstimmung. Die Versammlung war darin einig, daß die Parteitagsdelegierten sich auf dem Partei- tag das Für und Wider anhören und dann nach Ueberzeugung abstimmen sollten. Als Delegierte zum Parteitag werden gewählt: Fritz Kasten und Karl Klein. Sechster Wahlkreis. Der S. Kreis hielt seine von 696 Delegierten und 46 Vorstands- Mitgliedern besuchte Generalversammlung in den.Germaniasälcn" ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde ein geschäftS- ordnungsmäßiger Antrag eingebracht, daß die erschienenen Mit- glieder des erweiterten Vorstandes— Abteilungsführer und -kassierer, Vertreterinnen der Frauen und die Kominisstons- Mitglieder für Groß-Berlin— und die Stadtverordneten sich in den Zuhörerraum oder auf die Bühne zu begeben haben, da sie laut Beschluß einer ftüheren Generalversammlung nicht stimmberechtigte Mitglieder der Generalversammlung sein können. Dieser Antrag wurde vom Vorsitzenden Hettschel in längeren Ausführungen bekämpft, dann aber mit 381 gegen 242 Stimmen angenommen. Die Betreffenden und mehrere Delegierte verließen darauf die Versammlung. Der zweite Punckt der Tagesordnung, Wahl der Dele- gierten, wurde an die erste Stelle gerückt. Hierzu lag ein An- trag der 19. Abteilung vor, der verlangte, die Vorschläge in den Abteilungen nochmals machen zu lassen, da die jetzigen Vorschläge unter Abmachungen einzelner Abteilungen zustande gekommen seien, die gegen einen ftüher gefaßten Beschluß verstoßen. Dieser Antrag rief eine lebhafte Debatte hervor, in der verschiedene Redner der' Kreiskonferenz das Vorschlagsrecht streitig machen wollten und es insbesondere ftitisierten. daß einzelne Abteilungen ihre Kandi- baten durch gegenseitige Unterstützung durchzubringen versuchen. Durch ein solches Verhalten werde das der Generalversammlung übertragene Recht, die Delegierten zu wählen, illusorisch gemacht. Von den beiden Vorsitzenden wurde diese Auffassung bestritten. Es sei keiner Abteilung das Recht versagt gewesen, nachträglich noch Vorschläge zu machen, und sei dies ja auch in der 18. unid 22. Ab- teiltmg geschehen; das Vorschlagsrecht müsse aber der KreiÄonse- reng gewahrt bleiben, da diese am besten beurteilen könne, ft'er cl? geeigneter Kandidat zu gelten habe. Auf diese Weise werde es auch verhindert, dajj Personen- sich in den Vordergrund drängen, die keinerlei Verdienste um die Partei haben. Der Antrag wu-rde daraufhin mit 311 gegen 28S Stimmen abgelehnt. In geheimer Abstimmung erhielten Stimmen als Delegierte: Hermann Heyse 577, Richard Henschel SKL. Heinrich Umlauf 549, Frau Lungwitz 529, Frau Pohl 495, Karl Fahrow 484, Karl Leid 369 und Paul Schacht 271. Mithin sind die sechs Erst- genannten, die von der Kreiskcmferenz vorgeschlagen wurden, gewählt. In einem kurz gefaßten Referat ging nun der Vorsitzende Henschel auf die Tagesordnung des Parteitages und die dazu vorliegenden Anträge ein. Dem in Nürnberg zur Frage der Maifeier gefaßten Beschluß, der die Abführung eines Tagesverdienstes verlangt, müsse mehr Geltung verschafft werden. In Berlin seien zwar nennenswerte Verstöße dagegen nicht vor- gekommen, anders läge es aber im Reiche. Tie Delegierten hätten für eine bessere Durchführung der Maifeier einzutreten und die Herbeiführung der nötigen Mittel vorzuschlagen. Au eine Ab- schaffung der Maifeier könne nicht gedacht werden. Beim Fraktions- bericht müsse dem Verhalten des Reichstagsabgeordneten Dr. Landsberg ein scharfer Tadel erteilt werden. Bei) dem Punkt„Reichs- tagswahl" werde das S t i chw a h l a bk o m m»n mit den Frei- sinnigen einer Kritik unterzogen werden, und sei ja die Stellung- nähme auch des 6. Kreises durch den Beschlu-ß der Verbands- generaldersammlung schon bekannt. Der Redner bespricht nun den Entwurf des Organifationsstatuts und empfiehlt betreffs der Bei- t r ä g e einen Antrag der 4. Abteilung. In einzelnen� besonders ländlichen Bezirken dürste es schwer sein, die im Entwurf vor- gesehenen hohen Beiträge zu erheben; ein solcher Zwang wäre eher zum Schaden als zum Nutzen der Partei. Was die Vertretung der Reichst agsfraktiion auf dem Parteitage anbelangt, so müsse es den Delegierten überlassen bleiben, nach ihrer freien Ueberzeugung, die sie auf dem Parteitag erlangen, zu- handeln. In der Frage des ParteiausschusseS ständen die �Funktionäre des 6. Kreises ebenfalls auf dem Standpunkt, daß dieser die Aktion nur erschweren würde. Der Parteivorstand könne ja auch jetzt schon die Vorstände der Landesorganisationen zufammenberufen, der Unterschied solle nur sein, daß der vorgeschlagene Parteiausschutz das Stimmrecht haben solle. Damit würoe aber der Parteivorstand seiner Verantwortung entzogen werden. Der Vorschlag, einen Bei- rat zu bilden, bedeute aber auch nichts anderes als einen kleineren Parteiausschuß. Ein solcher Beirat könne auch nicht aus den Reihen der Genossen Groß-Berlins gestellt werden� da diese ja mit den Verhältnissen im Reiche wenig vertraut seien. Es müsse nun den Delegierten überlassen bleiben, auf dem Parteitag den Vorschlägen zuzustimmen, die sie im Interesse der Partei liegend erachten. Die Sonderkonferenzen müßten streng verboten werden, da sie die Partei zu schädigen geeignet sind. Mit einem solchen Ver- bot würden die Abgeordneten durchaus in keine Ausnahmestellung gebracht werden. Wenn die Abgeordneten irgendwelche Fragen zu erörtern haben, die auf Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Fraktion gestoßen sind, dann sollen sie in ihre Organisation gehe»? u-nd ihre Meinung dort zum Durchbruch verhelfen. In der hierauf folgenden Diskussion ergriff als erster Redner das Wort Genosse Ledebour. Was das Organisa- tionsstatut anbelange, so stimme er mit dem Genossen Henschel -insofern überein, als er ebenfalls den geplanten Parteiausschuß für unzweckmäßig halte. Dieser würde nur selten mit dem Vor- stand zusammen beraten und beschließen und deshalb nur mangel- Haft über die im Vorstand beratenen politischen und geschäftlichen Angelegenheiten vertraut sein. Der Ausschuß wäre dann weiter nichts als eine Dekoration. Man solle statt dessen lieber die Zahl der Beisitzer auf etwa neun vermehren. Diese könnten dann.regel-- mäßig, besonders an den Sitzungen, die sich mit politischen fragen beschäftigen, teilnehmen. Die gegen den Ausschuß vorgebrachten Bedenken können aber gegen die Beisitzer nicht vorgebracht werden. Diese Beisitzer sollten aber ebenso wie die übrigen Vorstands- Mitglieder und die Kontrollkommission auf dem Parteitag gewählt werden. Ebenso empfehle sich aus verschiedenen Gründen nicht eine Aufhebung, sondern eine Verstärkung der Kontrollkommission. In der Anwesenheit der gesamten Reichstagsfraktion auf d e m P a r t e i t a g sei insofern ein Uebelstand zu erblicken, als im folge der starken Anzahl derselben auf den künftigen Parteitagen ein größerer Einfluß von ihnen ausgeübt werden könne als früher. Dieser Uebelstand werde allerdings dadurch gemildert, daß in den meisten Fragen die Fraktion keine einheitliche Meinung besitze. Wenn nun der Parteivorstand eine Vertretung von drei Personen vorgeschlagen habe, so sei dies doch eine Farce. Es liege vielmehr im Interesse der Partei, wenn die gesamte Fraktion am Parteitag teilnimmt, da diese doch dort zur Rcchenscha-st gezogen werden solle. Das Aushilfsmittel, nur ein Drittel der Fraktion zuzu-lassen, sei auch unglücklich gewählt. Die Fraktion müßte doch dieses Drittel unter sich wählen. Wenn dann die einfache Mehrheit entscheidend wäre, kämen nur Vertreter der einen Richtung auf den Parteitag. Darunter würden sich schließlich nicht mal diejenigen befinden, welche zur Rechenschaft gezogen werden sollen, denn Redner glaubt nicht, daß diesmal z. B. Dr. Landsjberg mit der Vertretung der Fraktion beauftragt worden wäre. Die Vertretung der Fraktion durch eine Minderzahl widerspreche aber auch den Austrägen, welche die Partei den Fraktionsmitgliedern erteilst im Reichstag im Sinn« der Partei zu wirken. Das Richtige wäre, wenn die ganze Fraktion mit nur beratender Stimme zugelassen würde. Es wäre dann jedes Fraktionsmitglied wenigstens moralisch gezwungen, über sein Tun und Lassen dem Parteitag Rechenschaft zu geben. Dann aber soll- ten auch Vorstand und Kontrollkommission kein Stimmrecht mehr besitzen, sondern einfach nur diejenigen Genossen, welche Delegierte sind. Redner geht nun auf die Sonderkonferenzen ein und ersucht um Ablehnung des vorliegenden Antrages. Die Besprechun- gen unter den Frafticmsgenossen seien- unter den Verhältnissen, wie sie sich entwickelt haben, unvermeidlich geworden. Die einzel- neu Richtungen innerhalb der Fraktion besprechen sich immer unter- einander über einzelne Fragen. Die sogenannte radikale Richtung sei erst spät und widerwillig zu diesen Besprechungen gekommen; es blieb ihr aber nichts anderes übrig, da der revisionistische Flügel HA KoMttr-VM. r== Verwaltung Berlin.-- Freitag, den 30. August 1912, abends 8 Uhr, im.Gewerkfchaftshaus", Engcluser IS, Saal 4: Geueral-Versammluug. Tagesordnung: 1. Bericht der Ortsverwaltimg. 2. Kassenbericht. Z. Stichwahl von zwei Mitgliedern zum Hauptoorstand. 4. Ersatzwahl der OrtSvcrwaltung und der Angestelllen. 5. Anirägc. nidifti nstru rncntcnarbcitcr! Montag, den 2. September, abends 8 Uhr, Im.Gewertschaftshaus-, Engelnfer 12(grosser Saal): Außerordentliche Krunchen-Nersammlung. Tagesordnung: I Die aeaenwärtigr Lage in der Miisikinstrnmententnduftrie«. R-serent- Kollege F. Leopold 2. Diskussion, 3. Bericht von der vieneral- �CÄr t3®ammL"Ä st-h-nd-n Angelegenheiten sind ,Üt«»bands. Mitglied muss deshalb erscheinen..... 88,5 nitgUedabach legitimiert. "(Betant»nrtTirfi(>r Rebakteur: Albert Wach?» Berlin. Für der diese Methode schon jahrelang bo-rher ausübte. Wenn man dies in der Partei nicht wollte, dann hätte man schon viel früher eingreifen müssen, aber nicht durch ein Verbot, sondern indem mau dafür ge- sorgt hätte, daß überall nur solche Reichstagskandidaten auf-gestellt werden� die voll und ganz auf, dem Baden der Parteibeschlüsse stehen. Auf allen Parteitagen haben die Ansckwuungen der radikalen Richtung in der Fraktion gesiegt. Dies habe aber nicht verhindert, daß einzelne Whhlkreise Vertreter in den Reichstag geschickt haben, die nicht diese Anschauungen vertreten. Und zwar befänden sich darunter auch Wahlkreise, wv die überwiegende Mehrzahl der Parteigenossen hinter den Parteitagsbeschlüssen ständen. Redner führt als Beispiel Magdeburg an, wo der frühere Kandidat Genosse Pfann-kuch durch den Genossen Dr. Landsberg verdrängt worden sei. Dies sei zmn großen Teil auf die Gleichgültigfeit zurückzuführen, mit der die große Mehrzahl der Parteigenossen die Vorgänge in der Partei betrachte. Die Reichstagsfraktion sei deshalb heute nicht so zusammengesetzt, wie die Mehrheit der Parteigenossen es wünscht, und aus diesem Uebelstand resultieren die Besprechungen der ver- schiedenen Richtungen. Diese lassen sich du-vch Dekrete nicht ver- hindern, denn man müsse sich doch fragen, wo hört die Grenze einer verbotenen- Besprechung auf und wo fängt sie an. Die Abgeord- ncten im Reichstag besprächen sich doch fortwährend, da sie ja dort ständig zusammntreffen. Und wenn man die gemeinsamen Be- sprechungen verhindern wolle, so könne man doch niemand verbieten, seine Meinung in der Presse zum Ausdruck zu bringen. Damit könne sich jeder an einen noch größeren Kreis wenden und diesen zu beeinflussen versuchen. Es gibt eben leider zu viele Fragen, so z. B. die Budgetfrage, die Kolonialfrage, wv die Meinungen inner- halb der Fraktion auseinandergehen. Würde man den Reichstags- abgeordneten verbieten, sich außerhalb des Reichstags über diese Fragen zu unterhalten, dann würde man sie in eine ganz mt- würdige' Stellung hineinbringen und ihre ganze Tätigfeit lahm- legen. Schiemann trat den Ausführungen Ledebonrs entgegen. Dieser Redner ist nicht der Ansicht, daß die Zusammenkünfte etwas Zweckmäßiges seien, daß sie Usance geworden- u-nd nicht mehr aus der Welt zu schassen sind. Es müsse der Standpunkt vertreten werden, daß jeder Abgeordnete sich an seine Organisation zu wen- den und dort die Zustände zu schildern habe, die in cher Reichstags- fraktion herrschen. Das sei bis jetzt aber nicht geschehen. So oft Ledebour seinen- parlamentarischen Bericht erstattet habe, sei er auf diese Dinge niemals eingegangen. Es sei aber selbstverständlich, daß bei allen Beschlüssen im Parlament die Beschlüsse der Partei- tage zum Dnrchbruch ko-mmen müssen. Es sei gar nicht nötig, daß be« jeder Gelegenheit im Reichstag erklärt werde, die sozialdemo- kratische Fraktion wolle positiv praktisch mitarbeiten, denn unsere Politik sei immer praktisch gewesen. Die Partei kann sich nicht festlegen auf radikal oder- revisionistisch, sie will aber auch keine Zerstörungspolitik in ihren Reihen haben. Lange betonte, es sei eine Genugtuung gewesen, als die süddeutschen Genossen erklärten, sie wollten den Wahlrechtskampf in Preußen nach Kräften unterstützen. Damals habe man ange- nomnten, die Gegensätze seien verschwunden. Nun komme aber der Genosse Ledebour und erkläre, daß derartige Sonderkonferenzen schon seit dem Jahre 1908 bestehen. Die Reichstagsabgeordneten seien aber die Beauftragten der Parteigenossen und hätten deren Wünsche zur Durchführung zu bringen. Derartige Sonderkonfe- renzen wollen die Parteigenossen aber nicht dulden, und es sei nur zu bedauern, daß der Genosse Ledebour nicht schon früher davon Mitteilung gemacht hat. Schröder sprach ebenfalls seine Verwunderung darüber aus, daß solche Zusammenkünfte schon so lange bestehen. Diese Dinge gehen die ganze Partei an. und es sei Pflicht der einzelnen Abgeordneten, in ihren Organisationen davon Mitteilung zu machen. Ueber Reichstagsabgeordnete, die nicht die Beschlüsse der Partei im Parlament hochhalten, sollte die Oefsentlichkeit aufgeklärt werden. Im übrigen sei es richtiger, auftretende Meinungsver- schiedenheiten in eigens dazu einberufenen Fraktionssitzungen zu klären. Halfter zweifelte es an, daß ein Verbot der Konferenzen sich praktisch durchführen lasse. Die Revisionisten würden sich nicht danach richten, zum Nachteil der Radikalen. Etwas ließe sich er- reichen, wenn den Mitgliedern der Fraktion auf dem Parteitag das Stimmrecht genommen würde, auch wenn sie als Delegierte dort erscheinen. Ledebour ergriff nun noch einmal das Wort und führte aus: Es sei nicht wahr, daß er niemals in den Versammlungen des Kreises über die jetzt zur Debatte stehenden Dinge gesprochen habe. Er habe im Gegenteil seinerzeit auch darauf verwiesen, daß die Revisionisten in Wlürzburg zusammengetreten seien, um zur Budgetfrage Stellung zu nehmen. Damals sei aber kein Kritiker aufgetreten und habe die Sonderkonferenzen verurteilt. Es trat wohl ein Unwille darüber zutage, es ist aber kein Beschluß dagegen weder gefaßt, noch angeregt worden. Nun auf einmal, wo auch die Radikalen von diesem Mittel Gebrauch machen, schlagen jene Leute einen Entrüstungston an und die Parteigenossen fallen darauf hinein. Liebknecht sagte, er gebe zu, daß in dem vorliegenden Antrag des Genossen Schiemann ein gesunder Gedanke liege. Man wolle nicht Parteigenossen verschiedenen Grades haben, es sollen sich auch unter keinen Umständen irgendwelche Sonderbestrebungen geltend machen können, die gefährlich für die Partei werden könnten. Es sei also an und für sich für den Gedanken der Zusammen- geHörigkeit der Partei notwendig, daß der vorliegende Antrag ge- stellt worden sei. Es gebe auch keinen, der dieses Gefühl mehr besähe als der Genosse Ledebour und er, Redner, wie auch die übrigen Parteigenossen, die an der Eisenacher Konferenz teil- genommen haben. Redner erklärt, daß er nicht daran teilgenommen habe, aber nicht, weil er sich davor scheute, sondern weil er durch eine unaufschiebbare Sitzung in seinem Wahlkreis daran verhindert gewesen sei. Die Eisenacher Konferenz habe auch keinen geheimen Charakter getragen, der Vorsitzende seines Wahlkreises z. B. sei davon unterrichtet gewesen. Die Bezeichnung der Konferenz als eine geheime beruhe auf Stimmungsmache und sei eine Legende. die beseitigt werden müsse. Richtig sei allerdings, daß mit den Parteigenossen in den einzelnen Kreisen vorher darüber nicht ge- Zcnillilmdliiid der Mlstdiiiiilleil Mi) Hcher sowie Serufsgenoffen Deutschlouds. Verwaltungsstelle Groß=Berlin.= Freitag, den 30. August 1912, pünktlich abends 8 Uhr in den ckLrinlnh»Ilen, Kommandantenstr. 58/59: Allgemeine Versammlung aller in den KkiriebtN der K. E.-M.-Itutralell beschäftigten Berufskollegen. Tagesordnung: 1.„Wie denken die Kollegen über eine Bcrbesseruug des LohnverhältntsseS?" Rssercnt: Kollege«ax Galle. 2. Diskussion. 146/6 Ehrenpsticht cineS jeden dort beschäftiglen Kollegen ist eS, diese Ver- sammlung zu besuchen. Die OrtSverwaltnng. t yLwerKseKaftsKSUS, Engelufer 15. Jeden Sonntag von 3— 6 Uhr Jeden Dienstag von 8— 11 Uhr Aufnahme neuer Jlltglieder.. 3894L Hochachtungsvoll Telephon: Richard Heinrich __ Neukölln 406. Welcheeletr. 8, Torn III. Lnjeratenteil verantw.: Tb. Gleck». Berlin. Druck u. Verlag: Lorwac:» sprochsii tvord'en ist, und es fei auch zuzugeben, daß dies ein Fehler war. Aber die Vorgänge müßten aus dem ganzen Zusammen-« hange verstanden werden. Wenn man sah, daß die Zusammen- künfte unter Billigung der gesamten Fraktion und auch des Partei- Vorstandes vor sich gingen, dann mußten dieselben von den Beteiligten als etwas Selbstverständliches empfunden werden. Die Eisenacher Konferenz war nichts weiter als die Fortsetzung der Besprechung eines Teils der Fraktion, wie sie bisher immer ge- duldet waren, von denen auch die revisionistisch gesinnten Genossen immer Kenntnis hatten, und die nur durch den schnellen Schluß des Reichstags unterbrochen worden war. Bevor di-i- Konferenz stattgefunden habe, sei durch die Presse die Nachricht gegangen. daß Genosse Dr. Frank eine Konferenz von süddeutschen, öfter- reichischen und Schweizer Genossen znsammenberufen habe. Dar- über regte sich niemand auf. Als aber die Eisenacher Konferenz bekannt wurde, sei durch die ganze Parteipresse ein Tamtam ge- gangen. Dies sei ein demagogischer Kniff, wie er dem ganzen Kampf der revisionistischen Seite zugrunde liege. Man habe ein- fach den Spieß umgekehrt und die Radikalen als die Sündenböcke hingestellt. Es seien in der Tat innerhalb der Partei verschiedene Anschauungen vertreten, man mag dies nun als ein Glück odee ein Unglück ansehen. Diese verschiedenen Anschauungen versuchen sich nun geltend zu machen. Es ist das Bedürfnis unter den Gleichgesinnten vorhanden, sich zusammenzutuii. Wenn man nun solche Sonderkonferenzen als einen Krebsschaden betrachte, dann seien die, welche an besonderen Organen und Zeitschriften mit- wirken, zehnmal schärfer zu verurteilen. Da empfehle es sich erst einmal reinen Tisch zu machen mit den„Sozialistischen Monats- heften". Redner erklärt, zwar nicht dafür zu sein, daß man jemand die Feder ans der Hand schlage, aber in der einseitigen Verurteilung der Konferenzen liege eine gewisse Inkonsequenz. Solange aber verschiedene Richtungen bestehen, werde es nicht anders sein, als daß diese sich untereinander verständigen. Man könne nicht die Sonderkonferenzen beseitigen, solange man nicht die verschiedenen Richtungen beseitigt habe. Der Kampf gegen Auswüchse habe also an einer ganz anderen Stelle einzusetzen. Wenn der Parteitag einen Beschluß in dieser Hinsicht faßt, dann wird die andere Seite die Konferenzen ruhig weiter betreiben, es werden dann eben Zu- sammenkünfte der süddeutschen Genossen werden, welche dort süd- deutsche Angelegenheiten besprechen. Den Radikalen würde dann aber die Abwehrwaffe aus der Hand geschlagen werden. Es sei aber doch wünschenswert, daß sich der diesjährige Parteitag mit den Fragen der inneren Schwierigkeiten in der Partei befasse. Er solle Mittel und Wege suchen, um die Unsitte der Sonderkonferenzen zu beseitigen, er dürfe aber keine Eisenbart-Kur vornehmen. Damit war diese Debatte erledigt. Ueber den Punkt.Mai« feier" entspann sich dann noch eine längere Diskussion, in welcher die Genossen K l ü h s und Winkelm ann dafür eintraten, daß die Maifeier aufgehoben resp. auf den ersten Sonntag verlegt werde, da unter den jetzigen Umständen ein Fortschritt nicht erzielt werden könne und nur immer wieder neue Opfer gefordert werden. Die Genossen Bossack, Schubert und H e n s che! traten diesen Ausführungen entgegen und betonten, daß die augenblick« lichen wirtschaftlichen Verbältnisse ein schnelles Anwachsen der Mai- feier zwar verhindern, es habe aber auch niemand angenommen, daß der Gedanke der Maifeier in dem Zeitraum eines Jahrzehnts voll und ganz zum Ausdruck komme. Ueber die Beitragsfrage ließen sich dann noch die Genosien Jahn und R o cki h a u s aus. Während der erstere einen Antrag begründete, der sich.an den Entwurf des Organisaiioiisstatuts an- schließt und den Parteivorstand beauftragen will, in Wahlkreisen mit ungünstigen Lohnverhältnissen einen niedrigeren Beitrag zu gestatten, vertrat der andere Redner den Standpunkt, daß eS besser sei, wenn die Festsetzung des Beitrages jeder Landesorganisation überlassen bleibe; der Mindestbeitrag solle aber 39 resp. 15 Pf. sein. Pattloch begründete dann noch einen Antrag, der den Parteivorstand ersucht, in erhöhtem Maße Material für die Agitation unter den Privatangestellten den Funktionären zur Verfügung zu stellen und die Privatangestclltenfrage auf die Tagesordnung deck nächsten Parteitages zu setzen.— Henschel empfahl die Ab- lehnung dieses Antrages. Die Gründe, die dafür von dem Genossen Lehmann in der„Neuen Zeit" angeführt worden seien, hätten die Funktionäre von der Notwendigkeit einer derartigen Agitation, die nur die ohnehin schwer belasteten Funktionäre noch mehr mit Arbeit überhäufen würde, nicht überzeugt. Auch müsse erst die Stellungnahme der übrigen Gewerkschaften dazu abgewartet werden. Damit war die Diskussion erschöpft, und die Anträge kamen zur Abstimnmng. Angenommen wurden folgende Anträge: 1.„Den 8 5 des Organisationsstatnts in der alten Fassung bestehen zu lassen. Diese lautet:„Die Festsetzung der Mitglieder- beiträge ist den Bezirksverbänden und LandeSorganisalionen über« lassen. Der monatliche Mindestbeitrag muß jedoch für mann- liche Mitglieder 80 Pf., für weibliche Mitglieder 15 Pf. be- tragen usw." 2.„Mit Rücksicht auf die Verfolgungen der proletarischen Jugendbewegung durch die Behörden und mit Rücksicht auf die Bemühungen aller bürgerlichen Parteien, die Arbeiterjugend von der Arbeiterbewegung fernzuhalten, wolle der Parteitag beschließen. den Parteivorstand zu ersuchen, besondere Maßnahmen zu treffen, um die den Ausnahmebestimmungen des VereinSgesctzes nicht mehr unterliegenden Jugendlichen in der Zeit vom 18. bis 21. Lebens- jähre für die Sozialdemokratie zu gewinnen." 3.„Die Genossen des 6. KresteS protestieren ganz energisch gegen das Verhalten des Abg. Dr. Landsberg betreffs seines Verbleibens im Saale während des KaiserhochS in der letzten Sitzung des Reichstages." Abgelehnt wurden die Anträge, die Sonderkonserenzen zu ver- urteilen und die Privatangestelltenfrage auf die Tagesordnung des nächsten Parteitages zu setzen. Nach Schluß der Tagesordnung wurde noch ein Geschäfts- ordnungsantrag debattiert, der besagte, daß der am Beginn d« Versammlung gefaßte Beschluß, wonach die Mitglieder des er- weiterteu Vorstandes den Saal verlassen sollten wieder aufzuheben sei. Die Versammlung verharrte aber bei ihrem gefaßten Beschluß. ESRUmi MEttE AUWrEUUNGJHALLEN AM ZOO BERIIN1912-VoM17,AU6UST-1.J�TEMBER EINTRITT FREI GEÖFFNET v-IO SUHR ; wmwmwmoi»> II VeibandilEiLaubenkolOniSten Berlins ii.llnigegenil! i <» Geschäftsstelle; SenköHn, Reuterstp. 34.!! «»— J[ ][ Sonntag, den und Montag, den 9. September 1912:'' j-X. Allgemeine Ausstellung|| von selbstgezogenen Blumen, Gemüsen,•» Früchten, Hühnern, Tauben, Kaninchen 1! im Central-Theater, Alte Jakobstraße 30. 1! j[== Eröffnung: mittags 12 Uhr._ J| i i Eintritt; Vorverkauf 25 Pf., Kasnte 80 Pf. i i j'•••••••••••••••••••••»aaawaaaaaaoooMi> »vuchdruckerei u. Vertag»anstalt Paul Sinaer u. Berlin SW» -'M. 29.W.1«». 2. Keilte des JoriDirtf Kerliller iolblildtt Partei- Angelegenheiten. Dritter Wahlkreis. Sonntag, den 1. September, findet ein Ausflug mit Familie nach Hirschgarten statt, Treffpunkt daselbst von nachmittags 2 Uhr an im Lokal zum Aussichtsturm. Bez. Stralau. Sonntag, den 1. September, vormittags 8 Uhr, findet eine Flug blattverbreitung von den Bezirkslokalen aus statt. Die Bezirksleitung. Halbe. Sonnabend, den 31. August, abends 8'/z Uhr: Oeffent- lickie Versammlung im Lokal von Karl Schulze. Vortrag der Ge- nossin Frau Marie Juchacz über:.Der politische Kampf und die Arbeiterklasse'. Sonntag, den 1. September: Sommerfest des Wahlvereins. _ Der Vorstand. Berliner JVacbricbten. Echt„christlich". Oft schon hat jener dicke Herr mit der weißen Weste im Organ der Brotwucherer und Volksausplünderer, der„Deutschen Tageszeitung", geplaudert über die Liebe des großen Nazareners. Immer, wenn wieder einer der großen Festtage der christlichen Kirche naht, schreibt er von dem großen Dulder, der die Menschheit erfülle mit seiner strömenden Liebe. Warum auch nicht; der uns überlieferte Christus erblickte seine Mission im Vollbringen guter Taten, er wußte sich frei von Selbstsucht. Bettelarm, nicht wissend, wo er sein Haupt hinlegen sollte. zog er umher, um die Menschheit zu erfüllen mit der Liebe seines Herzens. Insbesondere nimmt er die Armen in Schutz gegen den Hochmut und die Selbstsucht der Neichen und der Pharisäer. Gewitterbächen gleich fallen seine Strafpredigten hernieder auf die Häupter derjenigen, deren Frömmigkeit elende Heuchelei ist. Er kennt nur eine Lösung und Erfüllung seiner Lehre: Liebe, Selbstlosigkeit, Ausrottung der Wurzel alles Uebels: des Geizes. Das war der Christus der Elenden, die zu- meist nicht wußten, wo sie ihr Haupt hinlegen konnten. Und die Heilslehre jenes Nazareners interpretiert von Zeit zu Zeit in Stunden frommer Anwandlung der Chef- redakteur des Junkerblattes, Herr Dr. Oertel. In der gestrigen Morgennummer tut er dies in folgender Weise: Mutter Grün hat zugemacht. Infolge des anhaltenden Regens ist der Andrang zu den Asylen wieder bedeutend ge- stiegen. Regelmäßig melden sich jetzt des Abends mehr als 3000 Obdachlose. Die Destillen in der Umgegend machen das beste Geschäft, sobald die„Saison" im Obdach beginnt. Die Lokale sind dann nicht ausreichend. Vor den Läden und in der Nähe kreisen die Schnapspullen, mit Korn gefüllte Konserven- büchsen und dergl. Literweise wird der Fusel vertilgt, bis der letzte Groschen in den Nasten des Budikers springt, und dieser die Betrunkenen an die frische Luft befördert. Die Polizei bringt dann die betrunkenen Gestalten im Obdach unter. Jene von dem Tische des Lebens ausgestoßenen, infolge unserer heutigen Gesellschaftsordnung in namenloses Elend gesunkenen Obdachlosen noch mit Hohn und Spott zu über- schütten, ist echte Junkcrart. Wie würde der von Herrn Oertel von Zest zu Zeit gefeierte Christus seine Geisel schwingen über die von diesem Junkerhäuptling geübte Fratzen- und Straßen- Frömmigkeit, wie würde er die elende Habgier und freche An- maßnng gegenüber der Armut und dem Elend kennzeichnen? Mit der ungestümen Kraft, mit der er einen ganzen Schwärm frecher,' feilschender Krämer zum Tempel hinaus- peitschte, würde er ihm die Worte Schlangen». Ottern- brut! entgegenrufen._ Maßnahme» gegen die Lebensmitteltenerung. Die sozialdemokratis che Fraktion der Stadt- verordnctenvcrsammlung hat für die am 5. September statt- findende Sitzung folgenden Antrag eingebracht: Die Stadtverordnetenversammlung ersucht den Magistrat, zur Abwehr der sich stetig steigernden Nahrungsmittelteuerung, welche Gesundheit und Leben der Bevölkerung Berlins auf das ärgste bedroht, 1. an den Bundesrat und Reichstag eine Ein- gäbe zu richten, in der unter Darlegung der herrschenden Notlage gefordert wird: die sofortige Aufhebung der Zölle auf Vieh. Fleisch. Getreide und Futtermittel, der Grenzsperre für die Ein- fuhr von Schlachtvieh, des 8 12 des Fleischbeschau- gesetzes, der Einfuhrscheine, 2. städtische Einrichtungen zur Versor- gung der Bevölkerung Berlins mit Lebensmitteln zu schaffen und die vorhandenen auszubauen. An der Brandstätte im Theater des Westens fand gestern vor- mittag eine amtliche Besichtigung statt. Es hatten sich dazu u. a. ein- gefunden: der Charlottenburger Polizeipräsident v. Hertzberg, der Dirigent der Theaterabteilung vom Berliner Polizeipräsidium v. Glasenapp. Regierungs- und Baurat Graßmann, der Charlotten- burger Branddirektor Bahrdt, Kriminalkommifiar Otto und Bau- meister Sehring. Die Besichtigung begann um Uhr und dauerte i fqst zwei Stunden. Es wurde zunächst die Bühne, dann der Schnür- boden, der Zuschauerraum, der dritte Rang und schließlich die Küche des Theaterrestaurants genau besichtigt. Branddirektor Bahrdt gab die nötigen Aufklärungen. Hinsichtlich der Entstehungsursache des Feuers wurde eine neue Annahme erörtert. Es hat sich näm- lich herausgestellt, daß von der Küche des Theaterrestaurants aus, die unter der Hinterbühne liegt, ein Entlüftungsrohr direkt auf die Bühne führt. Man vermutet nun, daß der Brand durch irgendeine Unvorsichtigkeit in der Nähe dieses �Entlüftungsrohres auf der Hinterbühne entstanden ist. Genaue Feststellungen ließen sich aber noch nicht machen. Ferner wurde im Verlauf der Besichtigung be- kannt. daß vor etwa dreiviertel Jahren auf der Bühne des Theaters des Westens schon einmal ein kleiner Brand geherrscht hat, der der Feuerwehr und der Polizei gar nicht mitgeteilt worden ist. Da bei einer Mauer über der Hinterbühne noch Einsturzgefahr besteht, so wurde ein Teil der Küche vom Theaterreftaurant Polizei- Uch gesperrt. Ebenso ordnete der Polizeipräsident v. Hertzberg die Schließung des Garteneinganges zum Theaterrestaurant an. da hier von den Maucrtürmen des Bühnenhauses noch Mauerstücke herunterfallen können. Mehrere Risse in den Mauern haben sich seit gestern nicht unwesentlich vergrößert. Mit den Renovierungs- arbeiten wird noch in dieser Woche begonnen werden. Ein Doppelsclbstmord beschäftigte gestern vormittag die Behörden von Gruncwald-Forst �»nd Tempelhof. Am Bahndamm der Strecke Grunewald— Potsdam, zwischen den Wärierbudeu 4 und ö. fanden Arbeiter gestern früh die Leichen zweier Frauen, die sich von einem Vorortzug hatten überfahren lasten. Nach längeren behördlichen Be- mühnngen gelang es. die Personalien der beiden Frauen festzustellen. ES handelt sich um die 04 Jahre alte Prokuristenwitwe Marie Philipp auS der Kaiferin-Augusta-Straße 34 zu Tempelhof und deren gleichfalls in Tempelhof wohnende an einen Bankbeamten ber- heiratete 27 Jahre alte Tochter Gertrud Kroepsch. Schwermut soll die Ursache zu dem Doppelselbstmord sein. Wie festgestellt wurde, haben sich die beiden Damen vorgestern nachmittag nach dem Grüne- wald begeben, um ihren gemeinsam gefaßten Entschluß zur Aus- führung zu bringen. Zu später Abendstunde vollbrachten sie dann die Tat, indem sie sich vor einen Potsdamer Vorortzug warfen. Von dem Zugpersonal hatte niemand etwas bemerkt. Erst gestern früh fanden Streckenarbeiter die furchtbar verstümmelten Leichen der beiden Frauen. Sie benachrichtigten die Amtsverwaltung Grüne- wald-Forst, von der die Leichen nach der Leichenhalle des Selbst- Mörderfriedhofs in Schildhorn gebracht wurden. Frau Philipp galt schon seit längerer Zeit als als schwer gemütskrank und hat ihre Tochter, die sie in letzter Zeit fast täglich besuchte und die ebenfalls zur Schwermut neigte, zu dem Selbstmord zu überreden gewußt. Ein Sommerlokal ausgebrannt. Am Tegeler Weg kam gestern früh kurz nach 3 Uhr hinter dem„Vergnügungspark Jungferuheide" in dem Sommerlokal von Ziethmann ein großer Brand aus. Die Charlottenburger Feuerwehr wurde von der Scheringichen Fabrik aus alarmiert und infolgedessen rückten sofort zwei Löschzüge an. Bei ihrer Ankunft stand das Lokal schon vollständig in Flammen. Nach fast einstündiger Löscharbeit war der Brand erstickt. Das Lokal ist total ausgebrannt. Die Aufräumungsarbeiten zogen sich bis 6 Uhr morgens hin. Ueber die Ursache des Feuers ist nichts er- mittelt, doch vermutet man Brandstiftung. Der Kleidcrfund im Spandauer Stadtwald, der mit dem Attentat im Nauener Vorortzug in Zusammenhang gebracht wurde, steht, wie sich jetzt herausstellt, zu dem Ueberfall in keiner Beziehung. Die graue Hose und die dunkelblaue Litewka sind zahlreichen Personen vorgelegt worden, die den Täter geseheil haben, und diese bekundelen übereinstimmend, daß der Täter anders gekleidet gewesen sei. Sie hielten an ihrer bisherigen Aussage fest, daß der Messerstecher einen dunklen, guterhallenen Jackettanzug getragen habe. Am ganzen Körper total verbrannt aufgefunden wurde gestern vormittag der 67 Jahre alte Kanzleidiener a. D. August Simon aus der Dcnnewitzstr. 26. Der alte Mann, ein Junggeselle, beivohnte für sich allein eine Stube und Küche. Seine Nickte machte ihn» die Auswartearbeiten. Als diese vormittags zur gewohnten Zeit kam, fand sie das Zimmer ihres Onkels ganz mit Rauch gefüllt. Dieser selbst lag tot auf dem Bette und war über und über mit Brand- wunden bedeckt. Wie der Befund ergab, hat der Mann beim Schlafengehen ein kleines Talglicht, das auf dem Nachttisch stand, umgestoßen, hierdurch hat das Hemd des Mannes Feuer gefangen. Seine Bemühungen, die Flammen mit der Bettdecke zu ersticken, hatten keinen Erfolg. S. ist an den schweren erlittenen Brand- wunden hilflos und allein gestorben. Die Leiche wurde beschlag- nahmt und nach dem Schauhause gebracht. Drei jugendliche Durchbrenner werden von der Kriminalpolizei gesucht. In der Kartoffel- und Getreide-Großhandlung von Neu- mann, Wallner-Theater-Straße erhielt mittags der 17 Jahre alte Kurt Giesener den Auftrag, 800 M. hartes Geld in Papiergeld um- zuWechseln, er lies jedoch unter Mitnahme des Geldes davon. Mit der Tageskasse in Höhe von 600 M. durchgegangen ist der 23 Jahre alte Kontorist Willi Gladysch, der bei einer Annoncenexpedition in der Potsdamer' Straße beschäftigt war. Mit ungefähr 300 M. flüchtig geworden ist der 16 Jahre alte Hausdiener Erich Dehner, der in einem Zigarrengeschäft am Alexanderplatz angestellt war. Einen ungewöhnlichen Transport, so wird berichtet, konnte man vor einigen Tagen auf der Havel loahrnehmen. Im Schleppseil eines Dampfers der Strombauverwaltung passierte eine schwimmende Insel die Wasiersträße von Spandau»ach Koputh. Das seltsame Gebilde wurde aus der Sckildhornbucht abgestochen und hatte sich dort vor vielen Jahren aus den Ablagerungen gebildet. Bald war die Ansammlung bewachsen und jetzt trägt der schwimmende„Erd- teil" einen stattlichen Schilfbestand. Das Eiland ist ungefähr einen halben Morgen groß. An Lcuchtgasvergiftung gestorben ist das 62 Jahre alte Fräulein Flora Weitz aus der Landsberger Allee 139, daS zusammen mit ihrer Schwester ein Putzgeschäft betrieb. Gestern vormittag ging sie in die Wohuung, um das Mittagessen zuzubereiten, während ihre Schwester im Laden blieb. Dieser fiel es auf, daß sie solange blieb. Als man daraufhin nachsah, fand man Fräulein Weitz tot in der mit Gas angefüllten Küche auf dem Fußboden liegen. Der Schlauch des Gaskochers war gerissen und aus der Oeffnung entströmte das Gas, das, da Türen und Fenster verschlossen waren, bald den Raum dicht angefüllt halte. Jedenfalls hat das Fräulein gleich die Besinnung verloren und hat nicht mehr rechtzeitig den Schlauch befestigen können. Wer find die Toten? Aus der Spree gelandet wurde vor dem Hause Charlottenburger Ufer 69 eine ungefähr 50 Jahre alte Frauens- person, deren Persönlichkeit sich nicht feststellen ließ. Die Tote hat graumeliertes Haar und trug einen schwarzen Schulterkragcn, einen schioarzen Rock, schwarze Strümpfe, schwarze Halbschuhe und ein weißleinenes Hemd mit dem Zeichen A. K. Die Leiche eines unbekannten Mannes wurde aus dem Spandauer Schiffahrtskanal gelandet und nach der Friedhofs- Halle in Plötzensee gebracht. Es handelt sich um einen Manu von etwa 40—45 Jahren, der 1,72 Meter groß und kräftig ist und einen dunkelblonden kurzgeschnittenen Schnurrbart hat. Bekleidet war dje Leiche mit einer dnnlelgestreiften Hose und Weste, einem blauen Sommerüberzicher, schwarzen Halbschuhen, grauen Strümpfen und einem weißen, grüngestreiften Hemd. Nicht festgestellt werden konnte bisher die Persönlichkeit eines Mannes, der inr Plänterwald bei Treptow erhängt aufgefunden wurde. Der Selbstmörder ist etwa 45 Jahre alt und 1,55 Meter groß, hat dunkles Haar, einen blonden Schnurrbart, blonde Augen- brauen, ein breites Gesicht, ein rundes Kinn und hohe Stirn und trug ein braunkariertes Jackett und Weste, eine dunkelgestreifte Hose, eine schwarze, breite Krawatte, schwarze Schnallenschuhe, eine graue Mütze und ein Normalhemd mit dem Zeichen JT. H. Nachrichten über die Persönlichkeit wolle man an den Amtsoorstcher in Treptow richten. Gefunden wurden beim Stiftungsfest des Deutschen Basdrbeiter- Verbandes ein Paar Damenhandschuhe und eine Kinder- Pelerine. Die Sachen können im Verbandsbureau, Engclufer 15, Zimmer 63, entgegengenommen werden. Vorort- l�acb ricbtem Lichtenberg. Stadtverordnetenwahl 1912! Im November d. I. werden Rummelsburg und Lichtenberg zum ersten Male gemeinsam anstelle der aufgelösten Gemeindevertretung bezw. Stadtverordneten- Versammlung eine Neuwahl der durch Ortsstatut auf 66 Mitglieder festgesetzten Stadtverordnetenversammlung vornehmen. Durch Orls- statut ist weiter festgesetzt, daß die L i st e der Wahl- berechtigten Bürger vom 15. bis einschließlich 30. Scp- tcmbcr öffentlich ausliegt. Wer nichr in die Wählerliste eingetragen ist. geht seines Wahlrechts verlustig! In die Wählerliste eingetragen werden aber nur die Bürger, die neben den sonstigen Erfordernissen seit einem Jahr« Einwohner des Stadtbezirks sind. Wer also kein volles Jahr in der Stadt Lichtenberg wohnt, findet keine Aufnahme in der Wählerliste. Die nächste Stadtverordnetenversammlung wird Beschluß fassen über die Sicherung des Wahlrechts derjenigen, die im letzten Jahre ihren Wohnsitz zwischen Rummelsburg und Lichtenberg gewechselt haben. Der 8 6 der Städteordnung besagt nun aber außerdeni:„Wer- legt ein Bürger seinen Wohnsitz nach einer anderen Stadt auch aus einer Landgemeinde oder einem Gutsbezirk, so kann ihm das Bürgerrecht in seinem neuen Wohnort, wenn sonst die Erfordernisse zur Erlangung desselben vorhanden sind, von dem Magistrat im Einverständnis mit der Stadtverordnetenversammlung schon vor Ablauf eines Jahres verliehen werden." Wer also, ohne am 15. September ein Jahr am Orte zu wohnen, Wert auf die Ausübung des Wahlrechtes legt, muß sofort an den Magistrat den Antrag um Verleihung des Bürgerrechts stellen. Sichere sich jeder sein Wahlrecht! Die Leiche des Malermeisters Oskar Weiß von hier wurde gestern früh bei Johannisthal im Gehölz aufgefunden. W. hat seinem Leben aus noch unbekannten Gründen durch Erschießen ein Ende gemacht. Charlottenburg. Ein schwerer Unfall ereignete sich gestem nachmittag in der Marchstraße. Der 24 jährige Arbeiter Franz König kam beim Ueberschreiten des Fahrdamms zu Fall und wurde von einem in schnellem Tempo herannahenden Eiswagen überfahren. K. wurde nach der Unfallstation in der Berliner Straße gebracht, wo der Arzt eine Verletzung beider Lungen, Quetschung des Brustkorbes, sowie innere Blutungen feststellte. Da das Befinden des Verletzten sich zusehends verschlimmerte, wurde K. nach dem Krankenhaus Moabit übergeführt, wo er in hoffnungslosem Zustande daniederliegt. Schöneberg. Hilflos aufgefunden wurde vorgestern vor d?m Hause Martin» Luther-Straße 51 eine unbekannte, ungefähr 30 Jahre alte Frau. Ein Schutzmann brachte die Besinnungslose nach dem Augusta» Viktoria-Krankenhaus, wo sie noch schwer daniederliegt. Die Un- bekannte ist ungefähr 1,60—1,65 Meter groß, hat dunkelblondes Haar und trug eine hcllkarierte Bluse mit blauem Einsatz und weißen Spitzen, einen blauen Rock, braune Strümpfe, schwarze Schuhe und und H. W. gezeichnete Wäsche. Sie halte eine hellblaue Stoffhand» tasche mit gelbem Beschlag bei sich und trägt Türkisohrringe. Die Untergrundbahn hat nr diesem Jahre eine stärkere In» a n s p r u ch n a h m e aufzuweisen, die durch die Verdichtung der Zug» folge und infolge der fortschreitenden Bebauung herbeigeführt ist. Während in den Monaten Januar bis einschließlich April des Vor- jahres unter Einschluß des Ortsverkehrs rund 683 000, 640 000, 719 000 und 673 000 Personen befördert wurden, sind jetzt für die gleichen Monate des laufenden Jahres 861 000, 795 000, 803 000 und 733 000 beförderte Personen festgestellt worden. Das Spiele» mit einer geladenen Schußwaffe hat wiederum einen bedauerlichen Unglücksfall herbeigeführt. Der 20 Jahre alte Kutscher Richard Settin aus der Großgörschenstr. 36 hatte sich einen Revolver gekauft, den er sofort lud. Als er sich vorgestern an der Waffe zu schaffen machte, kam er infolge einer unvorsichtigen Be» wegung dem Hahn zu nahe. Der Revolver entlud sich und die Kugel drang ihm in die linke Hand, die glatt durchschlagen wurde. Der Verletzte wurde in besinnungslosem Zustande zunächst nach der Un» fallstation in der Vorbergstraße und dann nach dem Krankenhause gebracht. Johannistbal. Die Eröffnung des Wochcnmarktes auf dem Straßendamm der Kaiser-Wilhelm-Straße zwischen dem Königsplatz und der Lindhorst» straße erfolgt am 5. Oktober. Standgeld wird nicht erhoben. Die Kosten für tierärztliche Ueberwachung und das Gehalt des Markt» meisters trägt die Gemeinde: Ober-Schöneweide. Das Gerücht von einem Giftmorde war gestern hier verbreitet. Vorgestern abend war der in der Rathausstraße 52 wohnende 42jährige Gastwirt Georg G ö sch e verstorben. G. lebte seit längerer Zeit von seiner Ehefrau, die in Treptow eine Restauration betreibt, getrennt. In den nächsten Tagen stand in seiner Ehescheidungssache Termin an, zu dem der Gastwirt vorgeladen war. G. hatte aber dem Gericht mitgeteilt, daß er infolge Krankheit nicht erscheinen könne und um Vertagung der Verhandlung gebeten. Vorgestern abend ist nun Gösche nach dem ärztlichen Gutachten an einem Herz- schlage verstorben. Die Vorbereilungen zur Beerdigung waren be» reits getroffen, als plötzlich das Gerücht auftauchte, der Gastwirt sei nicht eines natürlichen Todes gestorben. Auf eine der Polizei zu- gegangene Anzeige hin wurde die Leiche beschlagnahmt. Köpenick. Beim Volksfest im Müggelfchloß sind ein Schirm, eine Hand» tasche, ein Gürtel und ein Kinderportemonnaie gefunden worden. Diese Gegenstände sind in der«Vor>väAs"-Spedition, Kietzerstr. 6, abzuholen. Fricdrichshagen. Verhaftung einer WohiiuiigSdiebin. Von der hiesigen Polizei wurde gestern die 19iährige Frida K. festgenommen, die in dem dringenden Verdachte steht, in verschiedenen Orten zahlreiche Woh- nungsdiebstähle verübt zu haben. Die K. war in einer Fürsorge- anstatt umergebracht, aus der sie aber vor mehreren Monaten entwichen war. Seitdem verschaffte sich das Mädchen den Lebens- unterhalt durch Diebstähle. Gestern wurde sie hier in der Seestraße entdeckt und von einem Polizeibeamten festgenoinmen. Tegel. Der Bildungsausschuß plant für das Winterhalbjahr einen Unterrichtskursus in der englischen Sprache. Parteigenossen und Genossinnen sowie deren erwachsene Töchter und Söhne, die gewillt sind, an dem Kursus ständig teilzunehmen, wollen sich schon jetzt bei Genossin Pollach, Schöneberger Str. 6, melden. Spandau. Selbstmord. Auf seiner Arbeitsstätte im Feuerwerks» Laboratorium hat der Werkzeugmacher T. seinem Lebe» gewaltsam ein Ende gemacht. Gegen 10 Uhr vorniittags entfernte er sich aus dem Arbeitssaal und bald darauf fand man ihn auf dem Kohlenhof hinter einem Haufen Kohlen liegend tot auf. Mit einem Revolver hatte er sich einen Schuß in der Herzgegend beigebracht. Der Ver- storbene stand im 42. Lebensjahr und war seit einem halben Jahre verheiratet. In den königlichen Institute» wurde gestern durch Anschlag am schtvarzen Brett und anderweitige Bekanntmachungen eine..Warnungan die Arbeiter erlassen. Der Militärarbeiterverband soll sozial» demokratischer Tendenzen verdächtig sein, alle seine Mitglieder sollen deshalb dem Hungertode überliefert werden. Nach der Bekannt- machung soll jeder Arbeiter, der in Worten oder schrifllich für den Verband eintritt, sofort entlassen werden. Unter den Arbeitern herrscht natürlich wegen dieser ganz unberechtigten Maßnahme ein« große Eiichvrung. v Gerichts-Zeitung Der Streik im Paradiesgartc» in Treptow hatte etwa 30 gegen Zettelverteiler gerichtete Strafmandate von je 6 Wt. wegen angeblicher Uebertretung des preußischen Preßgesetzes zur Folge. In allen Fällen wurde richterliche Emicheidung beantragt. Mit 5 Berufungsfällen hatte sich gestern das Schöffengericht in Neu lölln zu beschäftigen. Als Vertreter der Angeklagten wurde der Angestellte des Gastwirtsgehilfen- Verbandes B e h r zw gelassen. Er wies darauf hin, daß nach einem Urteil des Kammergerichts vom 7. März 1312 die Verteilung von Flug blättern in einem Wirtschaftsgarten erlaubt sei, also keiner poli- zeilichen Erlaubnis bedürfe. Der Restaurateur H i l l e r hatte am Sonnabend, den 15. Juni, die bei ihm angestellten 26 Kellner aus- gesperrt, weil sie angeblich streiken wollten. Dies war der Grund. weshalb an verschiedenen Tagen seitens der gewerkschaftlichen Or- ganisation der Kellner Flugblätter unter den Gästen verteilt wurden. Der brntscheidung des Kammergerichts lag der Streik im Branereiansschonk Happoldt, Hasenheide, zugrunde. Genau dieselben Umstände kamen auch beim Streik im ParadieSgarten in.Frage. Auch hier handelte es sich um einen eingefriedigten Wirtschafts garten, den die Zettelverteiler, wie. alle übrigen Gäste, nur gegen Zahlung eines EntreeS betreten konnten. Das Kammergericht war einem Urteil der Strafkamnier in Sachen Happoldt beigetreten, welches besagt, daß als geschlossener Raum im Sinne des Z 43 Abs. 6 der Gewerbeorduung nicht bloß derjenige angesehen werden könne, der sich unter Dach befindet. Unter diesen Begriff falle vielmehr jeder von der Straße durch Zaun, Gitter oder dergleichen ab- geschiedene Platz, weil nicht einzusehen wäre, warum in einem Tanz- saale oder einer offenen Halle das Verteilen von Zetteln erlaubt, in einem daranstoßenden nmwchrten Garten abet verboten sein sollte. Das Schöffengericht kam jedoch gestern entgegen der Auffaffnng des Kammergerichts zu einer Bestätigung der Strafmandate. In der Begründung wurde gesagt, daß das Gericht allerdings auch der Meinung sei, der Wirtschaftsgarten wäre ein abgeschlossener Raum, trotzdeni finde aber hier ein öffentliches Verteilen statt, da jedermann gegen.Zahlung von Entree diesen Raum betreten könne. Damit sei die Oeffentlichkett erwiesen. Nach dieser Definition würde also auch jedes Restaurationslokal ein öffentiicher Raum sein, in dem man zur Verteilung von Druck« schriften der polizeilichen Erlaubnis bedarf. Der Wirt selbst müßte in Konsequenz dieser Auffassung natürlich auch, falls er beabsichtigt, irgend welche Druckschriften zu verteilen, einen Erlaubnisschein haben. Gegen das im vollen Widerspruch zur Rechtspraxis des Kanimer- gerichtS stehende Urteil wird selbstverständlich Berufung eingelegt. Bon der kapitalistischen Presse. Vor dem Schöffengericht Charlotten bürg hatte fich gestern der Schriftsteller A. O. Weber auf die Anklage der ver- lenmderischen Beleidigung zu verantworten. Als Nebenkläger hatte sich der Redakleur der„Alleusteiner Zeitung", Hugo©er lach, der öffentlichen Klage angeschlossen. Diese ist indirekt noch eine Folge des Alleusteiner Schönebeck-Prozesses.. Bekanntlich erregte eS seiner- zeit Aufsehen, daß der Schriftsteller Weber in öffentlichen Er- Ilärungcn Wendungen gebraucht hatte, aus denen man den Bor- wurf der Bestechlichkeit gegen die Presse herauslesen konnte. Ins- besondere hatte er in einer Verhandlung vor dem Charlottenburger Schöffengericht am 23. Januar vorigen Jahreö den jetzigen Nebenkläger der Bestechlichkeit verdächtigt. Auf Grund seiner damals gegen Weber bei der Staats- anwaltschaft erstatteten Strafanzeige ist öffentlich Klage er- hoben worden. Bei der heutigen Verhandlung wurde der Angeklagte durch RechtSanlvalt Walter Bahn, der Nebenkläger durch Recht' anwalt Walter Braun vertreten. Zur Anklage stand die angeblich am 25. Januar 1911 vom Angeklagten gemachte Bemerkung: Der Privatkläger habe sich seinerzeit durch 390 Mark bestechen lassen und die„ A l l e n st e i n e r Z e i t u n g" sei von ihm(dem Angeklagte») mit Annoncen gefüttert worden, um Schmäh artikel zu verhindern. Ferner ist inkriminiert die Wendung in einem Brief des Angeklagten vom September 1910 an den leitenden Redakteur der.Alleusteiner Ztg.", die dahin ging, daß der Privatkläger Bestechungsgelder genommen habe.— Der Angeklagte behauptet, daß er das Wort.Bestechlich- lichkeit" überhaupt nicht gebraucht habe, dieses Wort vielmehr erst durch die Presse in Anwendung gebracht sei. Er habe lediglich ge- sagt, daß der Redakteur Gerlach einmal 300 M. bekommen, und ein zweites Mal die ihm angebotene gleiche Summe abgelehnt habe. Dahin sei er von dem Hauptmann Lüders unterrichtet wbrden.— Vors.; Wenn ein Vertreter eines anständigen Blattes— die gibt es ja doch auch— sich 300 M. geben läßt, was denken Sie sich dabei?— A n g e k l.: Hauptmann Lüders hat selbst ausgesagt, daß ich bis zu einer bestimmten Zeit der Meinung sejn konnte, daß Gerlach einmal 300 M. angenommen und ein zweites Mal 300 M. abgelehnt habe. Rechtsanwalt Bahn hielt zur Aufklärung des objektiven Sachverhalts noch weitere Beweise für nötig. Nach längerer Verhandlung kam das Gericht zu einer Ver- tagung der Sache.' Zum nächsten Termin- sollen außer dem Privat- kläger der Assessor Schmidt und der Rechtsanwalt Goldbaum geladen werden._ Die Leidensgeschichte eines Kindes bildete wieder einmal den Gegenstand einer Anklage, die gestern unter Vorsitz des LandgerichtSdirektorS S e h m e r die dritte Ferien, strafkamnier des Landgerichts Hl beschäftigte. Angeklagt wegen Körperverletzung mittel« gesährlichen Werkzeugs und einer das Leben gefährdenden Behandlung war die Mechanikerfrau Rosa Schmidt geb. Zimmermann.— Die 3Sjährige Angeklagte nahm im No- vember 1911 die damals 15jährige Erna Tornow auf Grund eines mit dem Vormunde des Mädchens getroffenen Abkoinniens gegen eine monatliche Entschädigung von 25 M. in Pflege. Wie die Anklage behauptet, soll die Angeklagte von Anfang an das etwas geistcSschivache Mädchen in der unerhörtesten Weise gequält und gepeinigt haben. Wiederholt hörten Nachbarn. wie das Mädchen unrer allerlei Schimpfereien von der Angeklagten geschlagen wurde. Auf Veranlassung des Gemeindevorstehers in Zchle ndorf erschien am 1. Februar d. I. der Arzt Dr. Holz- hausen aus Licbenwalde in der Wohnung der Angeklagten, um ein Gutachten über den Gesnndheitszustand des Mädchens abzugeben. Der Arzt fand das Mädchen bei der großen Kälte, die damals herrschte, splitternackt und mil Kot besudelt in einem ungeheizten Baume in einem mit Wasser gefüllten Bottich sitzend, dessen Rand mit Eis- krnsten überzogen waren. Die körperliche Untersuchung des Mädchens ergab, daß der ganze Körper von oben bis unten mit blutrünstigen Striemen und aufgeschlagenen Stellen �-deckt war. Beide Augen wiesen starke Blut- ergüsse tu die Augäpfel und die Augenhöhlen auf. Da die Wunden selbst in der unglaublichsten Weise vernachlässigt waren. war an einzelnen Stellen, insbesondere an den unteren Extremitäten. bereits der Brand eingetreten. Das bedauernswerte Geschöpf, welches so entkräftet war. daß es sich nicht von selbst erheben konnte. wurde sofort in das Liebenwalder Krankenhaus geschafft, aus dem es erst nach 128 Tagen als geheilt entlassen werden konnte. Gegen die unmenschliche Pflegemutter wurde Anklage erhoben. DaS Schöffengericht Oranienburg verurteilte fie mit Rücksicht auf die ganz unerhörten Roheiten gegenüber einer geistesichwachen und deshalb'gerade einer erhöhten Pflege bedürftigen Person zu n e u n M o na t e n G e f ä n g n i S. Gegen die, es Urteil legte die Angeklagte Berufung ein. Vor der Strafkammer beantragten dle Rechtsanwälte B a h n und Dr. W i e g e r t noch den behandelnden Arzt der Angeklagten zu laden, zum Beweise dafür, daß die An- geklagte eine schwer hysterische und leicht erregbare Person sei, deren Handlungen milder beurteilt werden müßten, wie bei einem geistig vollwertigen Menschen. Da der betreffende Arzr weder telephonisch noch auf eine andere Weise erreichbar war, fiel die Sache nach mehr- stüudiger Verhandlung der Vertagung anheim. Hue aller Alelt. Das Unwetter in England. Infolge eines ununterbrochenen Regens in der Grafschaft Norfolk sind große Gebiete unter Wasser gesetzt. Die Hauptstadt Norwich gleicht einer Insel. In den Straßen steht das Wasser bis 13 Fuß hoch. Zahlreiche Personen sind durch die Fluten in ihren Häusern eingeschlossen und befinden sich in Lebensgefahr. Polizei und Militär sind unablässig be- müht, die Bedrohten aus ihren Wohnungen zu retten. 8000 Personen sind obdachlos, zahlreiche Pferde und andere Haus- tiere find ertrunken, die Wasserleitung der Stadt ist stark beschädigt, der vorhandene Vorrat an Trinkwasser reicht nur noch für einen Tag. Auch die Lichtanlagen der ElektrizitätS- werke haben schweren Schaden gelitten, so daß die Beleuchtung unterbrochen ist. Die Bahndämme sind durch die Fluten unter- waschen und aufgerissen, so daß Norwich von der Außenwelt vollständig abgeschnitten ist. Viele Brücken sind ein- gestürzt und meilenweit weggeschwemmt worden. Ein Viadukt der Gülereisenbahn ist gleichfalls in sich zusammengestürzt. Die Nordsee-Badeorte an der Ostküste sind vom Verkehr mit Norwich abgeschnitten,, so daß es zahlreichen Touristen unmöglich ist, nach Hause zu gelangen. Ein neues Telegramm aus Norwich meldet, daß die Fluten schnell zurückgegangen find. Ein Gebäude ist teilweise eingestürzt, jedoch wurde niemand verletzt. Während der Rettungsarbeiten in der Stadt ist ein Kind ertrunken, im Flusse wurde die Leiche eines Mannes aufgefunden._ Blutiger Kampf am Grabe. Nach Blättermeldungen aus Aldeia de Obispo, Bezirk Guarda(Portugal) kam es dort bei einer Beerdigung zu einem Streit zwischen dem Pfarrer und dem Vertreter der Ortsbehörde, auf dessen Seite sich die Bevölkerung stellte. Als der Pfarrer, dem sein Chorhemd zerrissen wurde, einen alten Mann mißhandelte, wurde er von dem Vertreter der Behörde festgenommen, kehrte jedoch unter dem Vorwand, sein Chorhenld wechseln zu wollen, in die Pfarre zurück, b e- waffnete sich mit einer Browningpistole, be- gab sich wieder zur Kirche und erschoß den Vertreter der Behörde. Die Bevölkerung mißhandelte darauf den Pfarrer zu Tode>-verstümmelte seine Leiche auf das ent sechlich sie und widersetzte sich schließlich auch der Beerdigung des Pfarrers auf dem Kirchhof. Ein unfreiwilliger Agitator für Kirchenaustritt. Ueber einest eigenartigen Zwischenfall bei einer Trauung, der sich in P u s ch k a u(Kreis Schweidnitz) zugetragen hat, weiß der Mittelschlesifche VolkSfreund" folgendes zu berichten:.Ein aufsehen« erregender Vorfall ereignete sich am vorigen Sonntag in der evan« gelischen Kirche zu Puschkau(Kreis Schweidnitz)! Wie uns berichtet wird, fand dort die Trauung des Bahnarbeiters K. und dessen Braut statt. Da diese von ihrem Verlobten bereits zwei inzwischen ver- storbene Kinder gehabt hatte und man wußte, daß der an der Kirche amtierende Pastor Klemm sehr orthodoxenAnschauungen huldigt, nahm man der Braut den Kranz, der ihr Haupt schmückte, in der Kirche ab, bevor der Geistliche erschien. Nach Beendigung des Trauaktes wurde der Braut, die noch vor dem Altar stand, der Kranz wieder aufgesetzt. Das sah der Pastor, der schon im Begriffe war, die Kirche zu ver« lassen, zufällig. Er kehrte um, eilte herzu, riß der jungen Frau das Gewinde v-omKopfe und warf e s durch die Kirche. Darauf bemerkte er:„Es sei-eine Gemeinheit. daß das Mädchen, das schon zwei Kinder gehabt habe, einen Kranz trüge." Dann drohte er der Frau, die der Braut den Kranz wieder ausgesetzt hatte, mit der Polizei. Leute, die sich von Geistlichen derart behandeln lassen, ohne die Konsequenzen zu ziehen, verdienen es nicht besser. Kleine Notizen. Folgenschwere Explosion. In der Nähe deS Ortes Wallhausen bei Nordhausen explodierte gestern morgen der Kessel eines Dampfpfluges. Die Explosion war so stark, daß die Hinter- räder der Lokomobile ungesähr 100 Meter weit- geschleudert wurden. Drei Personen wurden schwer verletzt.. Drei Personen an Pilzvergiftung gestorben. Drei polnische Ar- beiierinnen im Alter von 15 bis 19 Jahren, die auf dem Rittergut Holzhausen im Rheinland beschäftigt waren, erkrankten nach dem Genuß von selbst gesuchten und' zubereiteten Pilzen sehr schwer. Innerhalb 24 Stunden starben alle drei unter großen Qualen. Eine vierte Person, auch eine. Polin, liegt sehr schwer krank im Krankenhause. Todessturz eines Fliegers. Der französische Flieger Leutnant C h a n d e n i e r, der mir einem Doppeldecker von Douai nach Chalons fliegen wollte, stürzte bei Crecy sur Serre ab. Der � Apparat ging in Flammen auf und der Flieger-Leutnant verbrannte. Ermordung eines Deutschen in Nicaragua. Jn Matagalpa ist der deutsche Reichsangehörige Albert Nielsen ermordet worden. Da der Täter ermittelt ist, hat der deutsche Vertreter die Fest- nähme und Bestrafung des Mörders bei der Negierung beantragt. Arbeiter-Wanderbuud»Die Naturfreunde". Wanderfahrten am Sonntag, den 1. September: I. lHeidewanderung durch den Fläming.) Bklzig— Brautrummel— Burg— Rabenftein— Neuendorser Rummel— Nicmegl. Absahrt: Schlcs. Bahnh. Sonnabendabend 11.25 Uhr, Bahnh. Friedrichstroße 11.38 Uhr. II. Biesentbal— Prenden— Lottschlee—Zerpenschleuse. Absahrt: Stctliner Fcrnbahnh. b.bS Uhr vormittags. III. Strausberg— Blmnenihal — Tiescusee. Absahrt: Echles. Bahnh. 5.3t Uhr vormittags. IV. Frohnau —Hohenschöpping-BorgSdors. Absahrt: Stetttner Borortbahnh. 7.4? Uhr vormittags. V. Birkenwerdcr— Briese— Summt— Birkenwerder. Abfahrt: Slettiner Borortbahnh. 6.46 Uhr vormittag«. VI. Tegel— Stolpe. Treff. puntt: Endstation der Sttaßenbahn in Tegel 2 Uhr nachmittags.— Gäste willkommen._ ßmfkartcn der Redahtton. — B. B. 3. Ad-eßbuch.— Kolonie 32. Sprechen Sie mit einem zgchltr.— P. P- 10. Das können wir nicht wissen, aber Fachzeitnngen sind in jedem Zcitungskatalog ausgeführt.— Turbine. Schreiben Sie an den Ingenieur Genossen Richai d Woldt, KarlShorst, Hentingstraße.— Zahl. abend 1234. ad 1. An fich ja. ad 2.-Beschlüsse der Organisationen sind zu bcsolgen.— H. L. 6». DaS Leiden kann verschiedene Ursachen haben, sprechen Sie hierüber mit einem Vogelhändler.— K. K.. Neukölln. Sic wollen sich gefl. an den Borsland des Wahwereint Neukölln wenden. Marttbertcht von»erlin am 27. August 1S12, nach Ermittelung deS königl Polizeipräsidiums. Markthalle»preise.(Kleinhandel) l Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.00— 50,00. Spciscbohnen, weiße, 30.06— 60,00. Linsen 40,00— 80,00. 5!ariosielrr Meinhdl.) 6,00—11,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,80—2.40. Rindfleisch. Bauchfleisch 1,50—1,30. Schweinefleisch 1,60—2,40. Kalbfleisch 1,50—2,40, Hammelfleisch 1,76—2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 3,60—6,00. 1 Kilogramm Karpsen 1,60—2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,40-3,60. Hechte 1,60—3,00. Barsch« 1,00-2,40. Schleie 1,60-3,20. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 4,00-40,00. WitterungSübersicht vom 28. Augstst 1912. 6tattonen Swinemde. tamburg. erlin Franks.a.M München Wien T 1 a «�i g 5 746 WSW 751WNW 750 NW 757!SW 758SW 75633 Wetter 4Regen 5 halb bd. 4 wollig 2Dunst 5, Regen 3Ziegen eos e* t* eeZ, «tattonen Haparanda Petersburg Scilly Aberdeen Paris Wetterprognose für Donnerstag, den 20. August 1012. Ziemlich fühl, nur um mitlag mild, zeitweise heiler, aber noch recht veränderlich ohne erhebliche Niederschläge; mäßige nordwestlichen Winde. Berliner Wetterbureau. WasserstandS-Nachrichten der LandeSanflalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau Wasserstand Memel, Tilsit P r e g e I, Jnstcrburg Weichsel. Thorn Oder, Ratibor » Krossen , Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barbq , Magdeburg >)-f bedeutet Wuchs,— Fall.—*) llnterpegel. Die Anschwellungen im Gebiet der Werra und' Fulda sowie an der Ziller, Oker und Leine haben weiter zugenommen, Überschreiten aber vorläufig nicht Mittelhochwasser. ««■■■■■■■■BMWWWMMMMB— 6. Wahlkreis. 8., 9., 17., 18. und 19. Abteilung. Sonnabend, den 31. August im Voigt-Theater, Badstr. 58: Sommerfest bestehend aus: Konzert- Spezialitäten Theater* Ball. Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Anfang 4 ühr. a Eintrittspreis im Vorverkauf 20 Pt, an der Kasse 25 Pt Jedes Kind erhält am Eingang einen Bon, der gegen eine Stocklaterne umgetauscht wird. Schutz gegen Regen, da der Garten, durch Zelt überdeckt ist Das Komitee. Orts- Krankenkasse der Handwerker zu Spandau. Donnerstag, d. s. September er., ahends 8 Uhr, im Hotel zum Stern, Potsdamer Slr. 35: ./luBerordentllelie General-Versammlong. Tagesordnung: Stellungnahme zur Auflösung der Kasse. Her» Vorstand. A. L u d c w i g. Vorsitzender. Oris-ßranktnlillsse fm das Cöpftr-Gtwtrbe;u Kerliv. - Wir- bringen hiermit zur Kenntnis der Mitglieder, daß die 10. Abände- rung des Statuts(betrifft Erhöhung des Krantengeides) vom Bezirksaus- schuß genehmigt ist und am Montag. den 2. September d. IS. in Krast tritt. Der Norftand. s. Kant- und Harnleiden, nerv Schwäche,„llbrliob 605" usw Jr.Hflmeyer§||nt Untersuchung., Fäden i Harn usw Friedriclistr. 81, CÄ. Lpr. 10— 2, 5— 8, Sonnt. 11— 2 Honorar mäßig, auch Teilzahü Bucliliznllluiig Vorwärts lindenttr. 69(Laden) Wie wird die Staatsangebörigkelt erworben? Ein FDhrer durch das Recht der Staats- und ReichsangehSrigkeiL Von H. Belms. Preis 25 Pf. 247119 Den„VopwtlrtH"-I.escrn getvHhrc Rabatt. Riesenlager säiä PerserTeppiciie Stni! Lestvre Berlin, Oranienstr. 158 AbgepaUtc Fenster, weiß and creme p. Fenster 235, 8, 4-60 m. Imlt. Polnt-Iace-KB"»"«"'- ckj 6 Gardinen, p. Fenster m. Elegante Sezeislons-Tflll-|85 Stores......... Gestickte echte Spachtel- J15 Stores....."■ Goldfarbig» relchgestlckle-JSS Band-Store»... M.** TQIIbeftdecken, Größe-*50 160/220 cm... M.« Reichgest. ErbstUII-Bett- /C75 decken..... M" Elegante TBII-Bettrttck- /cts wände...... m. O'0 Brise-Bisa(Scheibenschleier) 26, 35, 40, 50 Pfennig. Nach auswärts p. Nachnahme. Spezial- Katalog mit zirka 650__... Abbildungen gMlS Dill] fPanKO. Picheiswerder. Am Sonntag, den 1- September:_ Frische Wurst und Eisbemessen."W« �Es�Iadetergebenft�ii���������er�Atte�reund. Todes-Anzeigen Sozialdemokrat Mlvereiü für den i. Bert ßeielistagsväiilkreis. Görlitzer Viertel. Bezirk 2lZS II. Den Mitgliedern zur Nachricht. datz unser Genosse, der Invalide Adolf Schulz Liegnitzer Str. 11, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, nachm.'1,4 Uhr, von der Halle des Thomas-Üirch- hoss, Neukölln, Hennannstrafie, aus statt. 213/11_ Der Borstand. Verband der Steinsetzer, PIiastererD.Benilsg. Deutschlands Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege perämanä Maaß im Wer von 66 Jahren verstorben ist. Ehre seine« Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 23. d. Mts., nachmittags 31/, Uhr, von der Halle des Lazarus-Kirchhofes bei Ährensselde aus statt. Die Kollegen sahren um 1 Uhr mittags vom Schlesischen Bahn- Hof bis Statten Friedhof Ahrcns- selbe. Rege Beteiligung erwartet Der Vorstand. Sozialdemokrat WaWverem Neukölln. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Parteigenossin krsuAnMZeveviezft Warthestr. 14(16. Bezirk) verstorben ist und bereits zur letzten Ruhe bestattet wurde. Ehre ihrem Andenke»! 238/7 Der Vorstand. Sozialdemokrat. Mverein Britz. Am 27. August verstarb unser Genosse Kar! OcKert Die Beerdigung findet am Freitag, den 30. August, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Gemeinde- Friedhofes Britz aus statt. Um rege Betelligung bittet Der Torstand. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Rollkutscher Robert Dickel am 26. d. MtS., im Aller von 63 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 23. d. Mts., nach. mittags 4'!, Uhr, von der Leichen- Halle des Friedens- Kirchhofes in Nieder-Schönhausen-Nordend aus statt. 66/11 Die Bezirksverwaltung. IS jo !□ Donnerstag, 23. August 1312. Ansang 7 Uhr. Kgk. Opernhaus. Lohengrin. Ansang 71/, Uhr. Kgl. Schauspielhaus. Prinz von Homburg. Prater. O diese Berliner. Reichshallen. Stettiner Sänger. Die Macht der Töne. Ansang 8 Uhr. Urania. Von der Zugspche zum Watzmann. Deutsches. Judllh. Lcssing. Gudrun. Königgrätzrr Strafte. Die füns Frankfurter. Reue». Der liebe Augustin. Berliner. Große Rosinen. Schiller D. Die Haubenlerche. Sttjca. Etiarloltenvurq. Die Gesährtin.— ParacelsuS.— Der grüne Kakadu. Friedr.. Wild. Schauspielhaus. Die keusche Susanne. Thalia. Autoliebchen. Herrnfeld. Wie man Männer bessert. Die Origwal-Klabrias. vartte. Triano». Die Brieftasche. Ein peinlicher Zwischenfall. Der Dieb. Merroi o schwmdelmeier n. Co. Lustspielhaus. Ein Königreich »l eines. Der Unverschämte. Der Slrzt seiner Ehre. Lottchcns Geburtstag.. Wiinergarie«. Spezialitäten. Apollo. Spezialitäten. Passage, spezuilitateu. Ansang 8'/« Uhr. Reue? 2«auivi etvaus. Shlvester Schäfier. Der erkaufte Gatte. Ein wenig Mufik.. Rose. Di- Jüdin von Toledo. Folie» Eaprice. Parifiana- Ensemble. t.. Walhalla. Nur nicht drangein. Ansang 8.26 Uhr. Luisen. Der verflossene Reßdors. � Ansang 8'/, Uhr. �TelÄ'1, a3!aDai!1C U"b Ansang 10 Uhr. Admiralspalaft. Eisballett: Ivonne. Sternwarte, Jnvalidenstr. 67—62. 9!eues Theater. Abends 8 Uhr: Der liebe Augustin. j Operette von Leo Fall. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der«chleiser Karl Ockcrt Britz, CHausseestr. 32 am 27. d. Mts. an Magenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Freitag, den 30. August, nach. mittags 6 Uhr, von der Leichen- Halle des Gemeinde-Friedhoses in Britz aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Deerdioungsverein der Zimmerieute Groß-Berlins. Am 26. August starb unser Mtglied 235/10 Gottiieb Bergemann im 77. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am Freitag, nachmittags 3 Uhr. von derLeichenhalle deSAndreas-Kirch- Hofes in Wilhelmsberg aus statt. Der Borstand. Derbaud der Maler, Lackierer, Anstreicher nsw. Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege l�kkard Schröter am 26. August verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 23. d. M., nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Neuköllner Gemeinde-FriedhosöS, Mariendorfer Weg, aus statt. 130/6 Die Ortsverwaltunx. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme sowie zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau und Mutter sagen wir allen Freunden und Bekannten sowie den anwesen- den Sportsgenossen des Arbeiter- Radsahrerbundes»Solidarität- unse- ren herzlichsten Dank. Spandau, 28. August 1312. TranAott Büttner 8a und Tochter. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines geliebten Mannes, unseres Herzens- guten VaterS und Großvaters, des Porzellandrehers Wohner sagen wir allen Freunden und Be» kannten unseren innigsten Dank. Icla Wohner 46A nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau und unserer guten Mutter 50A Anna Schewzeyk sagen wir allen Bekannten, Freunden sowie den Sangesbrüdern der»Kreuz- berger Harmonie, Genossen und Ge- nossinnen deS 16. Bezirks, Warthe- straße, sowie dem Meister Müller und Kollegen der»Kriorbremse» unseren herzlichsten Dank. Bnnl Schewzeyk nebst Kindern. Klnmkn- und Krauchindem von Boberl Mexer,' Jnh.: P. Golletz nur Mammteu-Straße 2. Telephon: Moritzplatz 846. --------------------------------"--------------------------- '•>VyV; ÄM W von mm •; Garantiert Handarbeit •.......-.■...................................V.'.>..-.«-- □ □□ Theater und Vergnügungen nun 000 □□□ Scl)iIIer-CI)eatcr 0. Wallner-Theater. Donnerstag, abends 8 Uhr: IMe Haubenlerche. Freitag, abends 8 Uhr: Der Kompagnon. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Haubenlerche. Schiller-Cheater Eharlottenburg. Donnerstag, abends 8 Uhr: Ole Oetötirtln— Baraoeleus. Oer grüne Kakadu. Freitag, abends 8 Uhr: Die Lokalbahn.— Die Medaille. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Gefahrtin— Paracelsus. _ Der grüne Kakadu._ Berliner Theater. Abend? 8 Uhr: Grotze Rosinen. fhMiodei'WMzei'Stt'sde � Abends 8 Uhr: Die 5 Frankfurter. Resideiiz-Thküttt. Wiedereröffnung Sonnabend, den 31. August, 8 Uhr: Der Herr' von Ür. 19. Schwank in 3 Akten von Keroul und _ Barrö. Deutsches Schauspielhaus (Komische Oper). Sonnabend, 31. Aug. u. folg. Tage: EJzmont. Metropoi- Theater. 'Uelmeier& Phant.-musik. Komödie in 3 Att. aus d. Engl, völlig sret bearb. von I. Freund. Musik von R. Nelson, u. a. Tänze von W.Bishop. In Szeneges. v. Dir.Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Königstadt-Kasino. Este Holzmarkt- u. Alexanderstr. Täglich: Bariete u. Theater im herrlichen Naturgarten. 8 Glanznummern und„So leben wir". GejangsburleSke in 2 Bildern. Tägl. Kaffeeküche bis S Uhr. MM® Sebanspieitiaiis Weidendammer Brücke. Goethe: Egmont Residenz-Theater seS Dumas: Franclllon. Schanspiel in 3 Aufzügen. ifemifeld-Theater Strindberg: Der Vater. Trauerspiel in 3 Aufzügen. Die VorsteUungen, die bisher im Neuen Schau- spielhause gegeben wurden, finden bis auf weitere s im Deutschen Schauspiel hause, Friedrich- straBe 104(an der Weidendammer Brücke) statt. Anfang der Vorstellung im Deutschen Schauspielhause Z�oUhr Am 1. September nachm. 21/,Uhr: Egmont. I.Abteilung. „ 1. September nachm. 3 Uhr: Der Vater. 7./8. Abt. Die Mitgliedskarten müssen aus den ZahlsteUen ab- feholt werden. Neue Mitglieder können sich in allen ahlstellen melden. 243/10 Der Vorstand. I.V.: G. Winkler. Desslng-Theater Schönherr: Glaube und Heimat. Die Tragödie eines Volkes. Thalia-Theater a sept. Dreyer; Des Pfarrers Tochter von Streladorf. Schauspiel in 3 Aufzügen. Deutsches Schauspielhaus. 8 Uhr: Goethe: Egmont. Vie man Männer bessert! Die Original- Klabpias-Pa�tie Beide Stücke mit Anton und Könnt Herrnfcld In den Hauptrollen. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf 11—2(Theaterkasse.) 0SE=THEATE Große Frankfurter Str. 132. Die goldne Eva.! — 1 Ansang S'U Uhr. Aus der Gartenbohne: Juh»! ES ist erreicht! Gr. Revue. PsssaP-fliMiss. Wi»dererölfnung Sonnabend, den 31« August. Gastspiel �r sieben Spaßmacher in ihrer Revue „Da tut sich was." Passage-Panopttai Prinz 1T0M Das kleinste menschliche Lebewesen. | Das Wunder aller Wunder. Leheml! Ohne Extra- Entree! r � iocischer GARTEN Täglich: Großes Militär- Doppel-Konzert. 'J Eintritt 1 Hark, von abends 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte, Trianon-Theater. Ansang 8 Uhr.„Die Brieftasche-. „Ein peinlicher Zmischenfall». „Der Dieb�. vasino-Theater Lothringer Str. 37, Täglich 8 Uhr Gn lustiges Stück a. d. Berl. Lebe» Der Großfürst. Vorher ein auserwählter Spezialitä» tenteil, nur Künstler ersten Ranges. Vorverkauf an der Theaterkasse von 11—2 Uhr. Sonntag 3>/z Uhr: Der stille See. Reichshanen- Theater Stettiner Sänger, .Ven! Die Mactit iler Töne. Burleske v. Meysel. Anfang 8 Uhr, s-onntags l'l, Uhr. Voigt-Theater. Gesundbrunnen Badstraße 68 Heute: Der rechte Weg. Volksstück mit Ges. u.Tanz in 3 Akten. Kasseneröfsn. 10 Uhr. Ans. 4 Uhr. Voranzeige! Sonnabend, 7. Sept.- Zum Benefiz f. d. technische Personal und die Hauskellner: Robert und Bertram. hetmte Tage des grandiosen Programms Tanzphänomen Pertlna Der populäre Kunstsohütze Hordcverry. Der Wunderpapagel Xiora i und 8 weitere groBe Attraktionen. 1»m, m, Berliner"»»M» Inmor-ijuBrtett 63. Ireuet �KsstanicnalleHÖ liUua-Park, Halensee. Donnerstag, den 29. d. M. v Zllffl EeSlIÜlfiS WMlIllM.' Großes liiiitärkoözert uttd Mrf'e-AuflrüDg �m�L� sowie der Spielleute des III. Arn, B rps, ca. 500 Musiker. Leitung: 1. Armee-Musikinspizient: Heri rofosso'r Grawerf. Zum Schluß; Großer Zapfenstreich der Infanterie, Kavallerie und Artillerie. Eintrittskarten im Vorverkauf: 75 Pf. beim Invalidendank, Unter den Linden 24, Potsdamer Str. 20, bei Ä. Werfchoim und bei Loeser u. Wolff.— An der Abendkasse 1 M, Eeservierte Vordertisohe auf beiden Terrassen für 4—8 Personen pro Billott 1,50 M. nur beim Invalidendank.— Sämtliche Freibilletts Passepartouts haben keine Gültigkeit. Warnung vor Nachahmung des echten gesetzl. gesch. Kapitän= Kautabaks dringend geboten, f Jedes einzelne Stück wird nnr verpackt und mit Anlsclixift: „Kupitän-Kantabak" geliefert. Carl Röcker, Berlin, Grüner Weg 119. Amt KSnigstadt 3861 ist der schönste Ausflugsort? Immer noch Pichelswerder, beim Alten Freund. an der neuen Heerstrafte äiesem Ldiild sind die Läden erkennbar, in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. Rnstergültig in Konstrnktion und Ansführnng, gleich vorzüglich für Hansgebranch n. Industrie. ä Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges. BERliIST, leipziger Straße Oä. Läden in den verschiedenen Stadtteilen. Die reellsten und billigsten Möbel nnd Polsterwaren erhält man zu Kassapreisen in der seit 33 Jahren bestehenden Möbelfabrik von A. Scholz, Reichenberger Straße S. 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