Ur. 205. HbonuemcntS'ßcdttldOftSen: Abonnements> Preis drinumeranda! BieneljSbrl. SMZ M!.. monatl. 1,10 Mb. wöchentUcki 23 Pfg- trci WS HauS. Einzelne Nummer S Psg, Sonntags. »ummer mit illuwierter Sonntags. Beilage»Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeiwngS. Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, sür das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostabonnenientS nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. Vlchtint täglich auDcr montags. � f' Verlinev Volksblctkk. Die InlertionS' Gebüfjr beträgt für die scchsgespaltenc Kolonelzeile oder dcreti Raum so Pfg., für politische und gewerlschasMche Vereins- und VersammlungS-Anzeigen 30 Pia. „Kleine Knieigen", das scttgcdruöie Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellcnan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über IS Buch- Ilaben zählen für zwei Worte. Jnfcraie ür die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresf« „Sozialddnokrat RcriiD". Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: SM. 68, Llndcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1983. Dienstag, den 3. September 1912, Gxpcdltlon; SM. 68, Llndenatcassc 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Miimer lliid Frantn Derlilis! Heute abend gilt es, unsere Versammlungen zu einem wuchtigen Protest gegen die Volks- verhöhnende Untätigkeit der Agrarierregierung zu gestalten. Es gilt zu demonstrieren für: Sofortige Einberufung des Keicbstags! Oeffnung der Grenzen fiir Vieb und fldfcb I Sefeitigung der Getreideausf uhrprämien 1 Abschaffung der Lebensmittelzölle I Nieder mit der agrarischen Wirtschafts- Politik! Sie folgen der Grenzenöffnung. Da es in diesem Jahre durchaus nicht angeht, die Tat- fache der Teuerung wegzudisputieren, verlegt sich die agrarische und die Zentrumspresse darauf, die Wirkungen der vom Volke geforderten Zollschutzaufhebung zn-diskrcditicren. Irgendwelche Logik sucht man allerdings vergeblich in den Einwänden gegen die Grenzenöffnung. Denn bald wird behauptet, die freie Einfuhr von Vieh und Fleisch würde nichts nützen, da auch die übrigen Länder an Viehknappheit litten, bald auch, die Oeffnung der Grenzen würde sogar eine Verteuerung herbeiführen, und schließlich. sie bedeute den Ruin der wirtschaftlichen und nationalen Selbständigkeit Deutschlands. So wechseln, einander widersprechend, die Bilder von den Folgen der Auf- Hebung der Grenzsperre. Mit dem Einwand, daß durch eine Oeffnung der Grenzen das Fleisch noch teurer werde, brauchen wir uns hier nicht mehr auseinanderzusetzen. Durch bloße. Vermehrung des An- gcbots kann bei gleichbleibendem Konsum nicht eine Erhöhung der Preise stattfinden. Aber kein einfältiger Einwand ist dumm genug, daß ihn nicht die reaktionäre Presse ihren Lesern vorsetzte. Selbst eine Erhöhung der Zwischengewinne des Handels, der die Einfuhr in seinen Händen hätte, käme nicht dem Profit gleich, den jetzt die Agrarier einstecken. Statt zwei Plünderern gäbe es dann immerhin nur einen. Etwas stichhaltiger erscheint zunächst der Einwand, daß die Oeffnung unserer Grenzen die Vieheinfuhr nicht bedeutend vergrößern und damit eine Preisermäßigung kann: hervor- rufen könne. Hat doch die Regierung in ihren Veröffent- lichungen über die Teuerung sogar darauf verwiesen, auch ausländisches Vieh sei so knapp, daß nicht einmal die Ginfuhr- erlaubnis aus Rußland voll ausgenutzt worden sei. Daran sind aber nur die Einfuhrerschwerungen schuld, die ein Schwanken in den Einfuhrmengen hervorrufen, dem durchaus keine Bedeutung zukommt. Auch eine Erhöhung dieses Ein- fnhrkontingents, selbst eine Oeffnung der Grenzen würde nicht den gewünschten vollen Erfolg haben, wenn nicht die preissteigernden Grenzkontrollen auf das veterinärpolizeilich not- wendige Maß beschränkt iverden. So sind im Jahre 1910 mit Erlaubnis des Reichskanzlers Schlachtrinder und Schlachtschweine aus Frankreich vorüber- gehend in beschränkter Anzahl in Bayern/ Baden. Württem- berg und Hessen eingeführt worden, ohne daß daraus eine irgcndivie bemerkenswerte Preisermäßigung folgte und folgen konnte. Denn unsere Nachbarländer, die für einen Fleischexport nach Deutschland in Betracht kommen, sind natürlich auf den neuen Absatz gar nicht vorbereitet. Ihre Viehzucht ist nur für deu eigenen Bedarf eingerichtet. Einer plötzlichen Erweiterung der Nachfrage könnten sie gar nicht gerecht� werden. Die Viehzüchter Rußlands, Oesterreichs. Hollands und Frankreichs konnten auch nicht zu einer Vermehrung der Vieh- bestände schreiten, da die Oeffnung unserer Grenzen, zu der sich die von den Agrariern beherrschte Regierung allenfalls verstand, ja nur vorübergehend war. Auf die bloße Möglichkeit hin, daß im Laufe vieler Jahre für wenige Wochen die Grenzen Deutschlands für Vieh geöffnet sein werden, können die ausländischen Viehzüchter nicht dauernd Ihr Vieh vermehren. Auch die Viehknappheit des Auslandes beruht nicht auf der natürlichen Unmöglichkeit größerer Vieh- Produktion, sondern auf der künstlichen Absperrung Deutsch- lands. Von weit größerem Einfluß würde die dauernde Auf» Hebung der Bestimmungen des Fleischbeschaugesetzcs sein, die jetzt die Einfuhr gekühlten und gefrorenen Fleisches völlig hindern. Für den Transport, die Aufbewahrung und das Austauen des überseeischen Fleisches bedarf es zwar auch besonderer Kühlwagen, Kühlräume usw. Zum Teil sind diese Einrichtungen aber schon vorhanden oder lassen sich so leicht schaffen, daß eine sofortige Einfuhr in mäßigem Umfange möglich wäre. Die Flcischpreise loürden damit sofort fallen, zumal die Aussicht späterer vermehrter 'und dauernder Vieheinfuhr im voraus zu Preisermäßigungen zwingen würde. Die bloße Oeffnung der Grenzen für die Einfuhr von Vieh und Fleisch durch Aufhebung der auf dieser ruhenden Zölle und veterinärpolizeilichen Erschwerungen würde aber auf die Dauer noch nicht genügend Abhilfe schaffen. Auch auf dem Weltmarkt steigen die Viehpreise, da der Bedarf an Fleisch schneller fortgeschritten ist als die Viehproduktion. Zu- dem werden in Nord- und auch Südamerika weite Strecken, auf denen bisher gewaltige Viehherden weiteten, dem Ge- treidebau zugeführt. Dieser Prozeß wird sich fortsetzen und weitere Erhöhungen der Weltmarktpreise hervorrufen. Von der Oeffnung der Grenzen ist daher auch nicht ein dauernder Rückgang der inländischen Viehzucht zu erwarten, wie die Agrarier behaupten. Die Viehzucht wird in Deutschland ebenso rentabel sein, wie sie es auch in England trotz starker Einfuhr von überseeischem Fleisch geblieben ist. Es gibt sogar ein unfehlbares Mittel, die Ausdehnung der inländischen Vieh- Produktion wesentlich zu steigern: die Aufhebung der Futtermittel- und G e t r e i d e z ö ll e. Heute liegt noch der Schwerpunkt der deutschen Viehzucht in dem Mittel- und Klein- besitz. Die kleinen Betriebe aber müssen selbst in normalen Erntejahrcn um den Zoll verteuertes Getreide und Futtermittel hinzukaufen. Da sie drciViertel aller landwirtschaftlichen Betriebe ausmachen, ist die Mehrzahl der deutschen Landwirte nicht an den Einfuhrzöllen auf Getreide interessiert. In Jahren ungünstiger Ernte und des Futtermangels werden die Zölle zu einer Not für den Viehzüchter, der nun die Auf- zucht von Vieh einschränkt. Nur der Großgrundbesitzer vcr- mag diese Zeiten auszuhalten» Während der kleine Landwirt schon sein Vieh zu billigem Preise hat losschlagen müssen, wartet der Großgrundbesitzer in Ruhe die infolge von Verringerung der Viehbestände eintretenden Zeiten hoher Vieh- preise ab und dann erst verkauft er mit großem Profit. Gerade durch die Getreide- und Futtermittelzölle gehört die Viehzucht heute zu den weniger rentablen Zweigen der Landwirtschaft. Der Getreidezollschutz fördert durch alleinige Begünstigung des Großgrundbesitzes einseitig den Getreidebau auf Kosten der Viehzucht. Die Profite aus dem Getreide verkauf sind für die Junker so groß, daß sie die schwierigere Aufzucht von Vieh den kleinen Bauern überlassen. Aber in Zeiten hoher Viehpreise trägt der Großgrundbesitzer den Ge winn davon, für den die Bauern jahrelang durch teuere Futterpreise beisteuerten. Eine Aufhebung der Getreidezölle würde allerdings die Folge haben, daß der Getreidebau etwas zurückginge. Seit Schaffung der Zölle ist aber die Anbaufläche noch ge stiegen unter Hinzuziehung auch der ungünstigeren Böden. Bei der fortschreitenden Industrialisierung Deutschlands würde ein Rückgang des Getreidebaus auf Böden, die unter rein wirb sckaftlichen Bedingungen unrentabel erscheinen, nichts schaden. Muß doch Deutschland schon heute Weizen und Gerste zur Deckung des notwendigen Bedarfes einführen. Die Flächen, die sich für den Körnerbau nicht mehr rentieren, würden dann zum Anbau anderer landwirtschaftlicher Produkte, ins besondere von Futtermitteln für die Viehzucht dienen. Deutsch land würde dabei zwar noch weniger als heute seinen Gctreido bedarf selbst decken, aber es könnte seine Fleischproduktion so steigern, daß sie der Nachfrage genügte. Nicht nur der Konsum würde davon durch niedrigere Preise ohne dauernde Steigerungen profitieren, auch die Landwirtschaft wäre durchaus nicht dem Ruin ausgeliefert, den uns die Agrarier in den schwärzesten Farben an die Wand malen. Den bäuerlichen Betrieben würde vielmehr der Existenzkampf er- leichtert. Und wollen uns nicht immer die Agrarier glauben machen, sie beabsichtigten die Befestigung der„bodenständigen" Elemente unseres Volkes? Gerade die hohen Getreidepreise haben das Bauernlegen gefördert, der kleine Besitz ist verschuldeter denn je. Wäre es den Agrariern wirklich um eine Gesundung der bäuerlichen Verhältnisse zu tun. die Aufhebung des Zollschutzes wäre das beste Mittel dazu. Gefrierfleisch gesundheitsschädlich? Die Frage der Gesund h e its unsch ä d lich keit des gefrorenen Fleisches ist längst und zwar im bejahenden Sinne entschieden. Das- selbe gilt von dem Nährwert und dem Nutzungswert oder den Ver- danlichkeitseigenschasten des Fleisches, die durch den Gefrier» und Auftnuprozetz in keiner Weise beeinträchtigt werden. Da sich gegen diese wissenschaftlich hinlänglich festgestelllen Momente auf anderem als wissenschaftlichem Wege nicht gul operieren läßt, so richtet sich dieser mißverständliche, aber darum um so hartnäckigere Kampf gegen das gefrorene Fleisch vorzugsweise gegen die G e- nußeigenschaften desselben, wobei dem Gegne« die Imponderabilien des Geschniackes und der Gewöhnung zu- gute kommen. Nun sollte auch hier der einfache Hinweis auf das Beispiel Englands genügen, wo eine an den Fleischgenuß im besonders hohen Maße und mit besonderen Ansprüchen an die Oualität desselben gewöhnte Bevölkerung seit über 30 Jahren das gefrorene Fleisch in stetig steigendem, zurzeit SO Proz. des gesamten Fleischkonsunis erreichendem Maße aufgenommen hat. Daß dabei mit der Zeil auch die erforderlichen Ersahrungen in der richtigen Behandlung und Zubereitung gemacht werden konnten, das zeigt gerade das englische als das zweckmäßige Lehrbeispiel im Gegensatz zu den nach jeder Richtung unzulänglichen Versuchen, die auf Grund mangelnder Borbereitungen in Oesterreich und in der Schweiz unter- nommen worden sind. Eine Probe auf die Genußfähigkeit des gefrorenen Fleisches ist in Deutschland übrigens neuerdings mit aller Gewisscnhaftig- keit und Gründlichkeit gemacht worden. Tie Markt- und Kühlhallen-Gesellschaft in Berlin veranstaltete in dem Restaurant Kaiser-Keller eine Kostprobe von gefrorenem inländischem Ochsenfleisch, wobei namentlich die Verwendbarkeit des gefrorenen Fleisches als Kochfleisch unzweifelhaft nackgewiesen wurde. Die Zeuge» dieses Vorganges, zu denen unter anderen Vertretern interessierter Behörden auch ein Mitglied des Reichsgesundheitsamtes zählte, haben damals einstimmig den von jedem Beigeschmack freien Wohl- geschmack des Fleisches in den verschiedensten Znbereitungsformen und das gute, jeder ungewohnten Färbung entbehrende Aussehen des Fleisches bei offenbarer Vermeidung jeder besonderen Würze an- erkannt. Mit diesem Nachweis, der in einer kurzen Sachdarstellung der Oeffentlichkeit übergeben worden ist, hätte eigentlich die Frage der Genußfähigkeit des gefrorenen Fleisches erledigt sein sollen. Indessen hat es nicht lange gewährt, daß man in den Kreisen der agrarischen Gegner versuchte, dieses unbequeme Beweismittel zu erschüttern. Es wurde das Gelingen der ganzen Probe aus die Umständlichkeit der Behandlung des Fleisches, namentlich in der besonderen Borsicht bei der Vornahme des Austauprozesses, wie sie eben nur für wissenschaftliche Versuchszwecke möglich, in der Praxis aber gänzlich ausgeschlossen sei, zurückgeführt. Durch» aus unberechtigterweise; denn auch eine) Beschleunigung deS Tauverfahrens, das am zweckmäßigsten durch einfache Ueberführung des in Gebrauch zu nehmenden Fleisches aus der Gefrierkammcr in den Kühlraum auf zirka 24 Stunden geschieht, würde dasselbe Resultat gehabt haben. Mit diesem Berliner Experiment ist zu- nächst nur die Unschädlichkeit und Tauglichkeit der Gefrierverfahrens zur Haltbarmachung von Fleisch außer Zweifel gestellt worden. Durch den Umstand, daß die Daner der Einlagerung des Versuchs» objektes zirka zehn Monats betrug, konnte auch die Transportfähig» keit des gefrorenen Fleisches auf langen Reise» nachgewiesen werden. Ursachen der Fleischtenening. In der„Königsberger Hartungschen Zeitung" nimmt ein freisinniger Großgrundbesitzer zur Fleischteuerung das Wort und weist nach, daß nicht nur die Vichzölle, sondern auch die hohen Getrcidezölle Ursache der Flcischnot sind. Die hohen Getreide» zölle hätten eben die hohen Getreidcpreise gebracht und die Grund- besitzer zu möglichst umfangreichem Getreidebau und Getreidcverkauf verleitet. Das geschähe auf Kosten der Viehzucht. Die Besitzer vcr- kloppten so viel Getreide als irgend gehe, der momentane Erlös passe ihnen ausgezeichnet zur Bestreitung der großen Ausgaben. Der Getreideverkauf fülle ihnen sofort die Taschen mit Geld, die Viehzucht erst in zwei bis drei Jahren.... Soll geholfen werden, so müßten sowohl Getreide- wie Vieh zölle herab« gesetzt werden.„Der Kerl ist verrückt, hör' ich", so schreibt der Großgrundbesitzer,«die Getrcide-Plantagenbesitzer beim Lesen sagen; wir müßten dann ja alle Pleite gehen! Antwort: Alle nicht I höchstens die, die mit ungenügenden Mitteln große Objekte zu teuer gekauft haben und denen überhaupt nicht zu helfen ist. Deutschland befindet sich in schwerer Notlage, ans der können nur ernste Mittel heraushelfen. Wie der Arzt manchmal mit schmerzhaftem, kräftigem Schnitt den Kranken rettet, so mutz auch in der Volkswirtschaft das, Radikalmittel angewendet werden. Es tut weh, aber es hilft. Es heißt: Allmähliche Herabminderung der Zolltarife." Der Gutsbesitzer, bet_ diese ketzerischen Ansichten gegen die Agrarier verttitt, heißt Bräsicke und hat früher für den Freisinn zum Reichstag kandidiert. Maßnahmen gegen die Flcischtcucruug. Der Stadtmagistrat Augsburg beschloß auf sozialdemokratt» schen Antrag die sofortige Einberufung der LcbensmittelversorgungS- kommiffion; die Kommission soll unverzüglich Borschläge zur Be- kämpfnng der Teuerung niachen und die Vorschläge den städtischen Kollegien nnterbreiten. Zur Versorgung des Marktes mit Schweinen beabsichtigt der Magistrat Augsburg die Schweinezüchtnng nuf städtischen Grundstücken in die Wege zu leiten. Nach dem Muster von Ulm-Neuulm sollen diese Schweine unter Ausschaltung des Zwischenhandels städtischerseits geschlachtet und daS Fleisch zu billigem Preise an die Konsumenten abgegeben werden. Kundgebungen gegen die Teuerung. Die Leipziger Arbeiterschaft hielt am Sonntag fünf große zum Teil überfüllte Versammlungen gegen die Teuerung ab. Es mögen ungefähr 8000 Personen in den Versammlungen gewesen sein. In einer überall einstimmig angenommenen Resolution wurde die Aushebung der Zölle auf Lebensmittel und die Oeffnung der Grenzen verlangt. Die Einfuhrscheine wurden als eine frivole Methode gekennzeichnet, deutsches Getreide auf Kosten der Steuer- zahler zu einem Spottpreise an daS Ausland zu verkaufen, während die deutsche Bevölkerung Hungersnoipreise für das Brot be- zahle» muß. Die Braunschweiger Arbeiterschaft protestierte in einer gewaltigen Versammlung am Sonntagvormittag gegen die Teuerung. Es wurde eine Resolution angenommen, in der von der Reichs» regicrung Aufhebung der Zölle aus Nahrungsmittel. Oeffnung der Grenzen und Beseitigung der Einfuhrscheine verlangt wird. Der Reichstag soll sofort einberufen werden. Von den Gemeinden wird Organisation des Massenbezugs von Lebens- Mitteln verlangt.— Die Polizei hatte die großen Ver« kehrsstraßen der Stadt für die aus der Versammlung heimkehrenden Männer und Frauen abgesperrt. Das ganze Tag- und Nachtpolizeipersonal war ausgeboten gegen die protestierende,, Arbeiter. Mehrfach schlugen Polizisten mit dem Gummiknüppel auf die Arbeiter los und zerrissen ihnen die Kleidung. Die flüchtenden Arbeiter wurden von den Polizisten selbst aus den Häusern heraus- getrieben, auch Frauen wurden von den tapferen Helden mit dem Gummiknüppel bedroht. In Mannheim tagte am Sonntag eine von ca. 3000 Personen besuchte Versanimlung, die sich auch mit der Lebeilsmittelteuerung beschäftigte. Die Resolution � fordert von der Reichsregicrung diie Oeffnung der Grenzen,' von der Landesregierung Aufhebung der staatlichen Fleischakzise und vom Stadtrat in Mannheim die Einfuhr ausländischen Fleisches. Die Teuerung in Landtag und Gemeindevertretungen. Die sozialdemokratische Fraktion der Lübecker Bürgerschaft hat folgenden Antrag gestellt:„Die Bürgerschaft ersucht den Senat, seinen Vertreter im Bnndesrat zu beaustragen, bei der Reichs- regierung dahin vorstellig zu werden, das; 1. die Zolle auf Lebens- und Futtermittel suspensiert und 2. die Grenze» für die Einfuhr von Schlachtvieh imd Fleisch geöffnet werden." Die sozialdeniotratische Stadtratsfraktion in Elberfeld hat folgende» Antrag eingebracht:„Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen, zur Abwehr der sich stetig steigernden Lebensmittel- teuernng, welche Gesundheit und Leben der Bevölkerung Elberfelds schwer bedroht, 1. an den Bundesrat und Reichstag eine Eingabe zu richten, in der unter Darlegung der herrschenden Notlage gefordert wird: die sofortige Aufhebung der Zölle auf Vieh, Fleisch, Getreide und Futtermittel, der Grenzsperre für Einfuhr von Schlachtvieh, des § 12 des Fleischbeschaugesetzes und der Einfnhrscheine; 2. städtische Einrichtungen zur Versorgung der Bevölkerung Elberfelds mit Lebensmittel zu schaffen." Die sozialdeniotratische Fraktion der Mainzer Stadt- verordnetenversammlung brachte den Antrag ein,„den Oberbürger- meister im Hinblick auf die Teuerung der Nahrungsmittel, ins besondere die immer noch steigenden Fleischpreise, zu ersuchen, 1. bei der hessischen Regierung erneut zu beantragen, sie möge im Bunderat dahin wirken, daß dem alsbald zusammenzuberufenden Reichstag eine Vorlage unterbreitet werde, in der die wenigstens zeitweise Aufhebung der Zölle auf Lebens- und Futtermittel, die Oeffnung der Grenzen(unter Beibehaltung wirklich notwendiger Schutz- bestimmungen gegen Seuchenverschleppung). für die Einfuhr von Schlachtvieh und die Beseitigung oder Milderung des Schlachtvieh- und FleischbeschaugesetzeS verfügt wird; 2. eventuell gemeinsam mit anderen Gemeinden kommunale Maßnahmen zu erwägen, die ge- eignet sind, der Fleischteuerung entgegenzuwirken; 3. stir den kommenden Winter eine Arbeitslosenfürsorge in ähnlicher Weise ein- treten zu lassen, wie vor zwei Jahren." Der sozialdemokratische Verein für den Wahlkreis Düffel d o r f richtet an die Stadtverwaltung folgenden Antrag:„In An betracht der drückenden Verteueruug fast aller notwendigen Lebens mittel, insbesondere deS Fleisches, möge die Stadlverwaltung geeignete Maßnahmen treffen, die diesem verderblichen Uebelstand entgegenivirken. Als solche Maßnahmen find zu nennen: Bezug Von Fleisch und Lebensmitteln im großen, soweit es die bestehenden Zoll- und Sperrvorschriflen gestalten, auch aus dem Auslände, und Abgabe dieser Lebensmittel zum Selbstkostenpreise an die minder- bemittelte Bevölkerung durch städtische Verkaufsstellen. Ferner Inangriffnahme von Viehmästerei im großen durch die städtische Verwaltung und Verkauf des gewonnenen Fleisches zum Selbstkosten- preise. Endlich soll die Stadlverwaltung bei der Reichsregierung vorstellig werden, zum Zweck der Aufhebung der Zölle auf Lebens- und Futtermittel und Beseitigung aller nicht durch gesundheitliche Rücksichten gebotenen Beschränkung der Einfuhr für Vieh und Fleisch aus dem Auslande." Der Stadtrat von Mannheim hat an die- Landesregierung eine Eingabe gerichtet, in der die Meinung vertreten wird, daß der Fleischteuerung nur durch eine generelle Erleichterung der Vieheinfuhr begegnet werden kann. Er hat auch bereits einen Probeversuch mit Gesrierfleisch gemacht und würde, falls der Bundesrat die Möglich- keilen zur Einfuhr schafft, solches vom Hamburger Hafen beziehen und es von durch die Metzgerimiung bestellten Fleischern zum Ver- kauf bringen' lassen. Schiveinefleisch könnte für 60—65 Pf. das Pfund verkaust werde». Sehr billiger würde sich der Verkauf von in ge- froreneiu Zustaiide aus China eingeführtem Wild und Geflügel stellen. Der Verkauf könnte nach Mitteilnngen der Lieferanten allerdings erst von November bis März betätigt werden, wenn bis dahin die Einfuhr überhaupt schon möglich wäoe. In Zeitz protestierte eine von zirka 1000 Männern und Frauen besuchte Versammlung gegen die Teuerung und nahm eine Resolution an, die die üblichen Forderungen, Aufhebung der Zölle und Oeffnung der Grenzen, stellt. Die Landesversammlung der hessischen Sozialdemokratie erhob am Sonntag ebenfalls Protest gegen die Tenerungspolitik und forderte Suspendierung der Lebensmittelzölle, Oeffnung der Grenzen für Schlachtvieh und frisches Fleisch. Weiter aber die als- baldige Emberufung des Reichstages, damit von dieser Seite dauernde Abhilfsmaßnahmen getroffen werden können. Der Magistrat der Stadt Frankfurt a. M. hat, wie schon kurz berichtet, erneut eine Eingabe an die Regierung gerichtet, in der um Oeffnung der Grenzen für die Einfuhr von Schlacht- vich und Fleisch ersucht wird. Die Begründung hierfür ist so treffend, daß wir sie hier auszugsweise wiedergeben. ES heißt in dem Schreiben: „In unserer letzten Eingabe vom 10. September v. I. hatten wir der Befürchtung Ausdruck gegeben, infolge der Dürre und Seuchen werde eine derartige sknappheit an Schlachtvieh eintreten, daß die Vieh- und demgemäß auch die Flcischpreise trotz ihrer ohnehin schon außerordentlichen Höhe eine weitere Steigerung er- fahren müßten. Diese Befürchtungen sind leider in vollem Umfange ein- getroffen. Die Preise samtlicher Viehgattungen haben inzwischen eine nie dagewesene Höhe er- reicht, und demgemäß sind auch die Fleischpreise gestlegen. Auf dem hiesigen Marli betrug der Preis für das Pfund � Schlachtgewicht: Im Durchschnitt der Monate rw».- Kälber und Mai bis Juli Schweine Ochsen mnbn 1011 60,8 Pf. 89,2 Pf. 81,8 Pf. 1912 75,7. 93,8„ 87,8. Die zwei ersten Märkte im August 1912 85.2. 99.7. 89.4„ Nach Veröffentlichungen der hiesigen Fleischerinnung betrugen die Ladenfleischpreise für da? Pfund Fleisch mit Beilage: Schweinefleisch Ochsenfleisch Rindfleisch am 1. Juli 1911.. 80 Pf. 05 Pf. 85 Pf. ain 1. Juli 1012.. 80. 100„ 90„ ab 6. August 1012.. 05„ 100„ 90„ Nach der gegenwärtigen Marktlage muß mit einer weiteren Steigerung der Fleischpreise gerechnet werden. War die Erregung der Bevölkerung, wie wir in unserer letzten Eingabe hervorheben mußten, seither schon eine überaus große� so wird nach der erneut eingetretenen Ver- schärfung der Verhältnisse bei aller Rücksicht auf die Landwirtschaft nicht mehr verstanden werden, weö- halb den nicht minder berechtigten Interesse» der nicht Landwirtschast treibenden Bcvölkernng jedes Entgegenkommen versagt bleibt. Mit weiten Kreisen der Bevölkerung sind wir der Ansicht, daß. ohne Schädigung der Land- Wirtschaft, de» Verhältnissen in der Weise Rechnung getragen werden könnte, wie dies vom Deutschen Städtetag in einer Ein- gäbe an den Herrn iiieichskanzler vom 19. September 1911, sowie in unseren wiederholten Eingaben an Ew. Exzellenz, namentlich in denen vom 2. September und 23. November 1010 und vom 10. September v. I. vorgeschlagen worden ist. Wiederholt müssen wir für besonders dringend erklären, daß. wenigstens so lange, bis der Mangel an einheimischem Schlachtvieh überwunden ist, die Grenzen für lebendes Schlachtvieh geöffnet werden, selbst- verständlich unter Wahrung des notwendigen Schutzes sür den einheimischen Viehbestand, daß ferner die Erschwerungen für die Einfuhr von frischem Fleisch, besonders durch Aenderung des z 12 des Reichsfleischbcschau-Gesetzes vom 3. Juni 1000, beseiligt und die Einfuhr von gefrorenem Fleisch ermöglicht wird, daß endlich die Zölle auf Vieh und Fleisch ermäßigt oder vorübergehend auf- gehoben werden. Nach alledem gestatten wir unS, in vollständiger lieber« einstimmling mit der hiesigen Handelskammer, bei Ew. Exzellenz erneut vorstellig zu werden, dem aufs schwerste empfundenen Rot- stand in der Fleischversorgung der Bevölkerung mit allen zu Gebote stehenden Mitteln abzuhelfen." Unterzeichnet ist diese Eingabe vom Oberbürgermeister A dickes. Es ist besonders bemerkenswert, daß gerade dieses Mitglied des Herrenhauses, das sicher ei» warmes Herz sür die Agrarier bat, so treffende Worte gegen die Landwirtsckast und gegen die Regierung findet. Es kann in der Tat nicht verstanden werden,„weshalb dein nicht niinder berechtigten Interesse der nicht Landwirtschaft treibenden Bevölkerung jedes Entgegenkommen versagt bleibt." Wenn dies schon von solcher Seite gesagt wird, dann muß die Not schon groß sein! Und kein Ruf von seilen der Bedrückten kann scharf und laut genug sein, um der Regierung zu sagen: Bis hierher und nicht wetter I Die Grenzen aufl Kermulh über die fleichzschulden- wirtstbatt. Der gegenwärtige Oberbürgermeister von Berlin und ehemalige Reichsschatzsekretär Mermuth hat einem Redakteur der„Vossischen Zeitung" gegenüber Aeußerungen über die Lage der Reichsfinanzen gemacht, die die öffentliche Beachtung verdienen. Wie schon früher, vertritt Herr Wermuth die Meinung, daß unsere Reichsfinanzen nicht so günstig seien, daß ohne neue Steuern, nämlich eine Erbschaftssteuer, der Etat balanciert und womöglich auch eine Schuldentilgung vorgenommen werden könne, wie es doch durch die Reichsfinanzreform von 1909 b e- schlössen war. Herr Wermuth sagte: Es fragt sich jetzt, ob es dem Reichskanzler und dem Bundes- rat gelingen wird, den nächstjährigen Etat so zu balancieren, daß er in sich eine geschlossene wirtschaftliche Einheit bildet, also nicht ans die Ergebnisse früherer Jahre sich stützt und damit zwar über augenblickliche Verlegenheiten hinweghilft, die Schwierigkeiten der Zukunft aber immer noch vergrößert. Ich denke hier an die Verwendung der Ueberschüsse des Jahres 1011. Das Etatsgesetz von 1012 gestattet die Verwendung dieser Ueber- schüffe— von insgesamt etwa 250 Millionen Mark— für die kommenden einmaligen Ausgaben aus Anlaß der Heeres- und Flottenverstärkung und stellt den dafür nicht verwendbaren Teil in Reserve mit der Begründung, daß der Etat für 1013 über sein Schicksal weitere Entscheidungen treffen soll. Es liegt also die Gefahr ungemein nahe, daß man zur Herstellung des Gleich gewichts im ordentlichen Etat große Beträge aus diesem Ueber schutzfonds abschöpft, einem Fonds, der in Wirklich keil gar nicht vorhanden ist. Denn die Ueberschüsse des Jahres 1911 haben bereits dazu gedient, die Anleihen der vergangenen Jahre, zu denen das Gesetz die Er- mächtigung erteilte, entbehrlich zu machen und darüber hinaus Schulden zu tilgen. Wenn also jetzt die Ueberschüsse zu anderen Zwecken verwendet werden, so würde man die frühere Verwendung, mit der eine heilsame Entwicke- lung für die Zukunft angebahnt werden sollte, rückgängig machen. Zudem würde man in die Spalten des Etats Ziffern als Einnahme einsetzen, die in diesem Sinne bloß formelle Bedeutung haben, die beliebig hochgestellt werden können, und die in den späteren Etats überkurz oder lang wieder wegsallen müßten. Das ist für mich der Gegenstand der größten Besorgnis. Ick glaubte, ohne dabei die Grund- sätze der Verfassung irgendwie berühren zu wollen, stets daran festhalten zu müssen, daß die Finanzbehörde einer festen Grund- läge bedarf, von der aus sie das Gleichgewicht des Etats per- teidigen kann. Sonst ist fit den mächtigen Ansprüchen der Reichsressorts wehrlos preisgegeben. Wenn bei der Aufstellung des kommenden Etats jedermann sich darauf berufen darf, daß die große Reserve der Ueberschüsse von 1911 im Hintergrunde stehe, wie soll es da vermieden werden, daß der Etat für 1913 wiederum der Auf am g einer gleichverhäng- nisvollen Entwickelung wird, wie wir sie in den Jahren 1900—1908 schaudernd erlebt haben?. Die Position des Schuldentilgens ist leider schon durch die Vorgänge bei Aufstellung des Etats von 1912 geräumt worden. Selbstverständlich werden nach wie vor die im Gesetze vorgeschriebenen Beträge auf die Ausgabeseite des Etats gestellt. Aber darum handelt es sich nicht. Der Wirkung nach hat man sich dafür entschieden, die Anleihen deS Reichs für die nächsten Jahre nicht zu vermindern, wie es die Einnahmen von 1910 und 1911 ermöglicht hätten, sondern sie zu vermehren. Für die nächsten Jahre werden die Etats zweifellos noch mit einem Minus, d. h. mit einem Ueberragen der neuen Anleihen über die Beträge der Schuldentilgung hinaus zu rechnen haben, selbst wenn man eine gün- st i g e Gestaltung der tatsächlichen Einnahmen gegenüber den Ansätzen des Einnahmeetats als möglich voraussetzen wollte. DeS- halb sehe ich auch nicht recht, auf welche Weise auS ordentlichen Mitteln des Etats ein Ausgleichfonds sollte angesammelt werden können.... Diesen beiden Momenten gegenüber, der Verwendung der Ueberschüsse und der Schuldentilgung, die von prinzipieller Ve- deutung für die ganze zukünftige Finanzgebarung sind, ist es von minderer Wichtigkeit, wie die Einnahmen des laufen- den Jahres sich entwickeln. Daß die Reichseinnahmen im Jahre 1011 durch die Ungunst der Ernte eine unnatürliche Höhe erreicht hatten, ist allgemein anerkannt. Im laufenden Jahre zeigen die Zollein nahmen bereits den beträcht- lichcn Abfall von 30 Millionen. Wie sich die Einfuhr von Getreide weiterhin stellen wird, ist angesichts des unsicheren ErntewetterS nicht vorauszusehen. Sollte aber die Ernte einiger- maßen den Erwartungen entsprechen, zu denen sie im Früh- sommer berechtigte, dann würde nicht nur der Abfall bei den Einfuhrzöllen bestehen bleiben, vielleicht noch vermehrt werden. sondern es träte dann auch im Herbst wieder die Wirkung der E i n f u h r s ch e i n e in den Vordergrunds Wie sehr die Reichs- kasse durch die Mehrausfuhr' von Roggen in Mitleidenschaft ge- zogen wird, hat das letzte Erntejahr von neuem in die Erschei- nung treten lassen und wird sich im Herbste wohl mindestens in gleichem Maße zeigen. Sollte aber auch die Haferernte schließ- lich doch noch einigermaßen günstig ausfallen und demgemäß die HaferauSfuhr sich verstärken, dann müßten wir auch von dieser Seite aus einen empfindlichen Rückschlag der Einnahmen befürchten. Herrn Mermuths Befürchtungen find nur zu berechtigt; denn die Mehrausgaben für Heeres- und Flottenvermehrung find ja außerordentlich hohe. Sie betragen für das Jahr 1012 04.5 Mil- lionen. für das Jahr 1913 130 Millionen Mark. Rechnen wir aber dazu die M e h r ausgaben, die schon auf Grund der bisherigen Flotten- und Hceresgesctze dem Reiche erwachsen, nämlich für das Jahr 1012 35.2 Millionen und für daS Jahr 1013 48,5 Millionen, o steigern sich damit unsere militärischen Mehrausgaben für das Jahr 1012 um 120,7 und für 1013 gar um 178,5 Millionen. Im ganzen kosten uns die Mehrausgaben für Heer und Flotte inner- halb der nächsten sechs Jahre 1005 Millionen Mark. Diesen Mehr- ausgaben steht aber eine Mehr einnähme aus der verstaat- lichten Liebesgabe von noch nicht 200 Millionen Mark gegenüber. Der Rest der Mehrausgaben sollte also nach den Kalkulationen der Regierung seine Deckung aus den zu erwartenden Mehrein- nahmen aus den bestehenden Zöllen und Steuern finden. Schon wiederholt haben wir aber darauf hingewiesen, daß die ganze Rech- nung in dem Augenblick rettungslos zusammenstürzt. wo ein Nachlassen der wirtschaftlichen Konjunktur nicht etwa Mehr- einnahmen, sondern womöglich Mindereinnahmen bringen würde!. Herr Wermuth führt nun Klage über den ungkaublichen Leichk- sinn, mit dem man den Ueberschutz aus dem Jahre 1011 in Höhe von 250 Millionen Mark einfach in erster Linie für die Deckung der militärischen Mehrausgaben des Jahres 1913 heranziehen will. Er sagt:„Dieser Ueberschuß ist ja nicht mehr vorhanden; denn er hat bereits dazu gedient, die Anleihen entbehrlich zu machen und darüber hinaus Schulden zu decken." Damit kommen wir wiederum zu der Schuldentilgungsfarce, die in den letzten Jahren durch den Etat versucht worden ist. Denn wäre nicht der Ueberschutz des Jahres 1911 ein selbst für die Väter der Reichsfinanzreform so unerwartet hoher gewesen, so wäre an eine Schuldentilgung auch nur im minimalsten Maßstabe auch dann nicht zu denken gewesen, wenn uns die neuen Marine- und HeereL- vorlagen erspart geblieben wären. Stand diese gesetzliche Schulden- tilgung doch nur auf dem Papier. Im Etat des Jahres 1910 be- reits war unter den Ausgaben des ordentlichen Etats der Betrag von 31,9 Millionen Mark für Schuldentilgung angesetzt. Diese fingierte Schuldentilgung konnte aber gar nicht durch- geführt werden, weil derselbe Betrag nachher wieder als Ein- nähme im außerordentlichen Etat gebucht war, wo er n i ch t zur Schuldentilgung, sondern zur Deckung ganzanderer Bedürfnisse diente. Diese wundersame Buchführung fand in dem Etat von 1010 keine Erläuterung� sondern erst im Etat des Jahres 1911, wo nicht weniger als 89,6 Millionen für„Tilgung der Reichs- schuld" angesetzt, dann aber wiederum unter den Einnahmen des außerordentlichen Etats gebucht worden waren, fand sich im Z 2 der Vermerk: „Werden die zur Tilgung der Reichsschulden bestimmten Mittel ganz oder teilweise zum Ankauf der Sckiuldverschrcibungen verwandt, so erhöht sich die... Kreditsumme um den entsprechenden Betrag." Das gleiche gilt für die nach dem Etat und dem Ergebnisse des Rechnungsjahres 1010 zur Tilgung der Reicksschuld dienenden Beträge. Also nicht zur Minderung der Schuld dienten die betreffenden Beträge, sondern nur zur Absckreibung von dem Schuldenbedarf! Kein Pfennig wirklicher Schulden wurde getilgt, sondern es sollten im Jahre 1011„nur" noch 133 Millionen gepumpt werden, wobei aber die zur Tilgung der Schulde» bestimmten 80,6 Millionen Mari vom Anleihe bedarf bereits in Ab- zug gebracht waren! Nun hat im Jahre 1911 der Ueberschuß 250 Millionen be- tragen. DaS war aber, wie Herr Wermuth schon bei früherer Gelegenheit ausgeführt hat, kein reiner Ueberschuß, son- dern diesem Ueberschuß stand noch eine Anleihe von 183 Mit« lionen Mark für nichtwerbende Zwecke gegen- über! Wurde also der Ueberschuß zur Verminderung der An- leihe verwandt, so blieb nur ein wirklicher Ueberschuß von 67 Mil- lionen Mark für Schuldentilgung übrig. Aber au solche Schul- dentilgung soll ja gar nicht gedacht werden! In Wirk- lichkeit soll ke i n Pfennig Schulden getilgt werden. Im Gegen- teil, die 183 Millionen Mark-Anleihe soll notwendig sein, weil man den Ueberschuß des Jahres 1911 zur Deckung der militärischen Mehrforderungen für das Jahr 1913 verwenden will! Aber auch für das Jahr 1912 war noch eine Anleihe von 103 Millionen für nichtwerbende Zwecke notwendig. Also auch in diesem Jahre mutzte noch ein ganz erheblicher Ueberschutz über das veranschlagte Eitikommen ein- treten, um allein diesen Anleihebedarf zu decken. Da aber vom schwarzblauen Block die Einnahmeposten der Etats ganz deträcht- lich erhöht worden sind, ist ein erheblicher Ueberschuß durchaus nicht zu erwarten. Auch schon auS den Gründen nicht, die Herr Wermuth selbst in der oben wiedergegebenen Darstellung geltend gemacht hat. Die Enorechnung de? Herrn Wermuth stimmt also durchaus. Von einer reellen Schuldentilgung kann keine Rede sein, wenn nicht neue Einnahmequellen durch neue Steuern erschlossen werden. Das ist aber um so notwendiger, als ja bereits in Erwägung gezogen ist, auch für die Luft» flotte ein langfristiges Flottengesetz festzulegen! Dieses Jahr schon kostet uns die Luftflotte 17 Millionen Mark. Ein..Luftflottengesetz" würde die Ausgaben verdoppeln oder ver- dreifachen und in absehbarer Zeit schon vervielfachen. Wie wäre es da möglich, den Bestimmungen der Reichsfinanzreform gemäß an eine Schuldentilgung zu denken! Schpu in den gegen- wältigen Zeiten der günstigen wirtschaftlichen Konjunktur geht das Schuldcnmachen weiter; bei einer Krise aber, wie wir sie im Jahre 1008 erlebten, würden wir sofort wieder mit den gleichen finanziellen Kalamitäten zu rechnen haben wie damals!— Im übrigen aber trägt Herr Mermuth selbst eine erhebliche Schuld daran, daß der schwarzblaue Block mit dem Popanz der rein formalen Schuldentilgung solchen Unfug verüben konnte. Als der„Vorwärts" seinerzeit die haarsträubende doppelte Buch- führung des Etats mit ihren BemogelungStendenzcn zuerst entlarvte, blieben die offiziöse(und die liberale) Presse gänzlich stumm. Herr Mermuth hat also als Reichsschatzsckrctär selbst durch daS System der Reichsschwindelbilanzen mit dazu beige tragen, daß gegenwärtig von den Blau- schwarzen, den Steuerscheuen und militärischen Bewilligung s- fanattkcrn ein unerhörter Unfug getrieben werden kanul politiscke(leberliebt. Berlin, den 2. September 1912. Blut zur Belebung des nationalen Ideals! Die sogenannte Sedanfeier pflegt regelmäßig in ge- wissen„vaterländischen" Kreisen brutale Instinkte und blut- lüsterne Kriegsschwärmereien auszulösen. Die ehrsame „Kreuz-Zeitung", die an nationaler Gesinnung das Oertelsche Vundes-Jntelligenzblatt noch zu überbieten sucht, verlangt sogar allen Ernstes zur Belebung des„nationale n Ideals" die Entfachung der Kriegsfurie, damit endlich in das innere politische Leben der übersättigten blasierten staats- erhaltenden Kreise wieder„Begeisterung" einziehe. DaS Blatt schreibt in seinem Wochenrllckblick: „An der positiven Arbeit für nationale Kultur darf eS am wenigsten fehlen, wo internationale Mächte Positives leisten u>nd das Interesse der Bevölkerung an ihrer deutschen Eigenart ab- lenken auf Fremdes. Sozialdemokratie und Juden- tum. die sich immer enger zusammenfinden, müssen auf keiner- lei Konzessionen mehr rechnen dürfen, wenn sie Monarchie, Christentum und Deutschtum öffentlich und heimlich unter« minieren, und eine wirklich nationaldenkende Regierung kann sich der größten Erfolge versichert halten, wenn sie offen gegen den Internationalismus in jeder Gestalt, der allemal demokratisch ist. zum Angriff vorgeht. In feiner äußeren Politik braucht das deutsche Volk, das nicht aggressiv ist, keine immerwährende Be- geisterung. Das inner e'polikis che Leben der staats- erhaltenden Kreise abererlischt, wenn es der Begeisterung entbehrt. Die Ziele der Sozialdemokratie sind zwar verderblich, aber sie wecken Enthusiasmus und halten ihn wach. T«s Freiheitsideal der Demokraten ist zwar ein blasser Schemen, adereshält doch noch Tau» ffeftSe tft feinem Banne. Das Kirchenid'cal LeS ZenfmimZ bereinigt viele rmd gute Christen und Patrioten um sich. Wer- benter noch und siegimcher wirkte in den Not- und Kriegsjahren dasnationale Ideal. Wo liegt eS begraben und wer holt es hervor, trägt es dem Volke voran gegen seine inneren Feinde? Ist nicht der politische Führer des Reichs dazu berufen? Die Zeit ruft ihn und die Bedrängnis des Deutschtums in den eigenen Grenzen zwingt ihm die Fahne in die Hand. Alle Schmie- rigkeiten in den Parlamenten und in der Verwaltung werden leicht zu überwinden sein, wenn die Deutschen zu deutschen Da t e n geführt werden." Die„Kreuz-Zeitung" hält also selbst das politische Leben der„st a a t s e r h a l t e n d e n K r e i s e" für b e g e i st e» rungsleer. Des stimmtl Aber die Forderung, dasi diese wertlosen Leichname durch das rote Blut des Arbeiter- Volks galvanisiert und in ihrem geistigen Verwesungsprozeß aufgehalten werden sollen, zeugt von einer solchen beispiel- losen Verkommenheit und einer solchen Verachtung der so- genannten unteren Volksklassen, daß'die Bezeichnung bestia- lisch dafür noch viel zu milde ist. Weit vernünftiger wäre es, wenn den auf Volkskostcn künstlich ernährten und über- sütterten..staatserhaltenden Kreisen" der„Kreuz-Zeitung" die ihnen durch Aölle, Staatssubventionen und Liebesgaben angezüchtete Fettfülle entzogen und sie zu intensiver Arbeit gezwungen würden, dann würde sich die Inhaltslosigkeit und Begeisterungsleere ihres Lebens schon geben. Die Einfuhrschein-Lievesgabe. Hungersnot auf der einen, skandalöse Begünstigung der Agrarier auf der anderen Seite— das ist die Luintesienz unserer deutschen Wirtschaftspolitik. Der Skandal der Einfuhrscheine bleibt bestehen und wenn die Not des Volkes noch so groß ist. Im vorigen Jahre versuchte die Regierung, die Entrüstung des Volke« mit einem Scheinmanöver abzuleiten. Die Verwertungsfrist der Einfuhrscheine wurde von sechs ans drei Monate herabgesetzt, die Anrechnungs- Möglichkeit für die Einfuhr von Petroleum und rohen Kaffee auf- gehoben. ES ist damals sofort gesagt worden, daß eS sich um ein plumpes Täuschungsmanöver handelt, das praktisch ohne jede Be- deulung bleibt. Jetzt stellt sich zahleiimäßig heraus, daß nach der sogenannten Reform nicht nur kein Rückgang in der Verwertung der Einsuhrscheine eingetreten ist, die Zollsummen, die durch Ein- fuhrscheine beglichen wurden, sind im Gegenteil ganz außerordentlich gestiegen. In den sieben Monaten, vom Januar bis Juli dieses Jahres. ist ein Zoll von 77,68 Millionen Mark mittels Einsuhrscheins beglichen worden gegen öS, 28 Millionen im gleichen Zeitraum des JahreS 1911 und 64,49 Millionen in dem des Jahres 1910. Gegen- über dem Vorjahr ergibt sich also eine Zunahme um 22,40 Millionen Mark und auch das Jahr 1910, das bisher die höchste Ziffer gehabt hatte, wird noch um 13,19 Millionen Mark übertroffen. Die Steigerung ist eingetreten, trotzdem im Jahre 1910 über 10 Millionen Mark und im Jahre 1911 über 19 Millionen Mark Zoll aus Kaffee und Petroleum mittels Einsuhrscheins beglichen worden waren, was jetzt nicht mehr möglich ist. 47,61(im Vorjahr nur 30,33) Millionen Mark Zoll auf Weizen wurden mit Einfuhrscheinen bezahlt, 9,29(6,96) Millionen Mark Zoll ans Hafer, 8.13(7,99) Millionen Mark Zoll auf Roggen, 4,64(4,S2> Millionen Mark Zoll auf Gerste und 1,71(0,89) Millionen Mark Zoll auf Hülseiifrüchte und Buchweizen. Da in den ersten sieben Moitaten 11, V4 Millionen Doppelzentner Weizen eingeführt sind, die einen Zoll von 63,45 Millionen Mark einbrachten, wovon 47,61 Millionen durch Einfuhrscheine beglichen sind, ergibt sich, daß drei Viertel der gesamten Zolleinnahmen aus der Weizeneinfuhr dem Reiche nicht in bar zugeflossen, sondern durch das Einfuhrscheinsystem aufgesogen worden sind. Achnlich verbält es sich mit dem Roggen. Der Roggcnzoll hat 9.63 Millionen Mark eingebracht, wovon 8,13 Millionen durch Einfuhrscheine beglichen sind. Auch der Haferzoll (16,79 Millionen Mark) ist zu mehr als der Hälfte(9,29 Millionen) durch die Anrechnung von Einfuhrscheinen berichtigt worden. Die angerechneten Einfuhrscheine lauteten über 6,20 Millionen Doppel- zentncr Roggen---- 34,1 Millionen Mark, 4,36 Millionen Doppel- zentner W-t»«»,=- 24,3 Mill-�nen Mark und 2.63 Millionen Doppel- zentiier Hafer— 13,15 Millionen Mark, während die übrigen Waren nur mit geringen Beträgen in Betracht kommen. Mehr als 11 Millionen Doppelzentner Brotgetreide konnten also im Ausland bei dem Profit, den die über S8,4 Millionen Marl lautenden Einfuhrscheine gewähren, billiger verwertet werden, als dies im Jnlande möglich war. Das deutsche Volk steht vor der Hungersnot und muß zähneknirschend zusehen, wie sich die Agrarier und die großen Getreidehändler aus seine Kosten bereichern. Wie lange wird eS diesen Skandal noch dulden? Für den Vegetarismus. Die„Kreuzztg." hat in ihrer tiefen Weisheit ein Mittel gegen die Fleischnot entdeckt. In ihrer Wochenübersicht empfiehlt sie den An- gehörigen der ärmeren Volksschichten: Werdet Vegetarier. DaS Blatt der Strauchritler-Epigonen leistet sich folgende schöne Empfehlung: „Bewährte ärztliche Autoxitate» warnen seit Jabren vor der in Deutschland das gesunde Maß überschreitenden Zunahme des Fleischgenusses und weisen darauf hin, daß eS der Bolksgesundheit und dem Volkswoblstande zuträglicher sei, wenn man allgemein wieder mehr zur Pflanzennahrung übergehe." Vielleicht wendet sich das Blatt an den bekanntlich an chronischer Ueberernährnng leidenden Chefredakteur der.Deutschen TageSztg.*, damit diese gewichtige Persönlichkeit den Anfang macht. Zwiespalt im bayerischen Zentrumslager. Im bayerischen Zentrnmslager brennt eS. Der alte Zwist zwischen der Adelsclique und demokratischen Richtung Heimscher Observanz, der mit der HinauSgraulung des Dr. Heim eine Zeit lang beseitigt schien, ist von neuem ausgebrochen und tritt bereits in der Parteipreffe unverhohlen in die Erscheinung. Unter der Neberschrift.Zentrum und Ministerium Hertling' ber- öffentlichte am Sonyabend der. B a y e r. K u r i e r" an leitender Stelle einen Artikel der bayerischen Zentrums-Parlamentskorrespon- denz, dessen Kern in dem Satze gipfelte: .Die Stellung deS Zentrums zum Ministerium Hertling ist eine klare und sclbstverstSndliche. E s vertritt die konservative Staatspolitik und muß darum in allem, was eS vor seinen Wählern verantworten kann, das konservative Konzentrationsministerium Hertling, das in den konservativen Kreisen der NeiÄSratSkammerwurzelt. unterstützen.' Das zweite Münchener Zentrumsorgan, das.N. Münchener Tageblatt", hat diesen parteioffiziösen Arttkel nicht abgedruckt. Dafür veröffentlicht es in seiner SonntagSmimmer die Zu- schritt eines Zentrumsabgeordneten, in der gegen jenen Artikel.ernstlicher Widerspruch" erhoben wird. Diese oben zitierten Borte, sogt der Zentrumsabgeordnete, .verlegen klipp und klar den Schwerpunkt der baye- tztschen Politik, die bestimmende Leitung in die Kammer der Reichsräte und weisen der Mehrheitspartei nur die Rolle des untergeordneten Dieners, des Arbeits- tieres, zu. So einfach liegen die Dinge denn doch nicht." Eine, konservative Politik, die Bestand haben wolle, müffe sich auf„die breiten Schichten jener konservativ gesinnten, staats- und königstreuen Bevölkerung stützen, die vermöge ihrer Bildung und Weltanschauung das größte Interesse hat am Fortbestand der vorhandenen Staats- und Wirtichaflsordnung", nicht aber .aus die mehr exklusiven Kreise der im Reichs- rat konzentrierten Geburts- und Geldaristokratie, deren Fühlen und Denken manchmal volkösremd ist und deren wirtschaftliche Anschauungen den Jntereffen des g e w e r b- lichen und bäuerlichen Mittelstandes nicht immer glcichlaufen." Der Verfasser will nur erinnern an die„unfreundliche Ab- Weisung" der letzten Anträge deS Zentrums zum Schutze des Hand- Werks und ortsansässigen Gewerbes gegen die Auswüchse des Hausierhandels und der Wanderauktionen, ferner an das„bisherige stille Gewährenlassen des ruinösen, ganze Existenzen untergrabenden Bauernlegens im bayerischen Oberlande." „Wenn die Reise in der bezeichneten Richtung ginge, würden die Wählermafsen sicherlich nicht mittun. Auch in den Reihen der Abgeordneten würde ein solcher Weg den lebhafte st en Bedenken und Besorgnissen begegnen. DaS Zentrum muß eine Volkspartei sein und bleiben, wenn es sich in seiner alten Kraft und Stärke be- haupten will." Der ungenannte ZentrumSabgeordnete schließt seinen Artikel mit der Bemerkung, daß die Ausführungen der„ZentrumS-Preß-Kor- respondenz" nicht geeignet seien, den Charakter desZentrums als Volkspartei vor Verdächtigungen zu schützen, daß sie vielmehr den Gegnern, die das Zentrum der„Knechtselig- keit" gegenüber der Regierung beschuldigten, direkt in die Hände arbeiteten. Von den letzten Gcmeindewahlen in Bayern. Das königl. Bayerische Statistische LandeSamt veröffentlicht unter dem Titel„Die Gemeindewahlen in Bayern im Jahre 1911" die statistischen Resultate der letzten Gcmeindewahlen in Bayern. In sämtlichen städtischen Gemeinden mit mehr als 4000 Einwohnern, in denen bekaimllich nach dem BerhältniSwahlsystem gewählt wird, er- hielten Stimmen: Zentrum.,... 621 065--- 18,74 Proz. Liberale..... 1 170 403— 35,32. Sozialdemokraten.. 1 066 090— 32,17, Sonstige Parten usw. 456 373— 13,77. Zusammen.. 3 313 931= 100 Proz. Die Lage in Marokko. PnnZ, 2. September. General L Y a u t e y erNärle im Gespräch mit Korrespondenten hiesiger Blätter die Lage in Marokko für e r n st und sprach die Befürchtung aus, sie werde sich in den nächsten Tagen noch verschlimmern, er erwarte jedoch die von der Regierung zugesagten Verstär- kungen. Es würde für ihn. sagte er, von Nutzen sein, noch zwei Bataillone Alpenjäger zu erhalten, da die Truppen zwischen Fes und Mekines einen sehr anstrengenden Dienst hätten und es erwünscht wäre. Streitkräfte zur Ablösung zu haben........... �..... Die MannesmanuS. London, 2. September.„Dailh Telegraph" berichtet aus San Sebastian: Der älteste der Gebrüder ManneSmann ist hier eingetroffen, um sich mit Gandarias, Borsitzender deS VerwaltungS- rats für das Riffgebiet, zu unterhalten. Mannesmann erhebt An- spruch auf einen Teil der Gruben des Riffgebietes, und zwar auf Grund einer ihm von Abdul A s i S erteilten Konzesston. Es wäre möglich, daß hierüber ein K o m- promiß abgeschlossen wird. ManneSmann ist ein Kom- pagnon des Herzogs von Towar und anderer Spanier, die bei den Riffminen stark interessiert sind. Erbe- absichtigt wie verlautet, sofort nach Unterzeichnung des franko- spanischen Abkommens die GrubenauSbeuttmg in der Gegend von AlhuzemaS in die Wege zu leiten. Aegypten. Englische Freiheit. Kairo, 2. September.(W. T. B.) Die Regierung hat das nationalistische Blatt„E t t e w a", das im Jahre 1898 von Mustafa Hamel gegründet wurde, verboten.— Vier Ein- geborene wurden gestern unter dem Verdacht verhaftet, aufrührerische Flugblätter verbreitet zu hahen. China. Die politischen Parteien. In der„Humanitö" gibt Genosse Fabra Ribas Mit- teilungen eines chinesischen Politikers über das Parteiwesen in der jungen Republik wieder. In der konstituierenden Ver- sammlung gibt es drei große Parteien: die republikanische Allianz, die republikanische Partei und die republi- kanischc Union. Ein einziger Deputierter. Kiang, bekennt sich zu den Ideen des internationalen Sozialismus. Die stärkste Gruppe ist die von Dr. S u n j a t s e n geführte„Allianz", die ein radikal- demokratisches Programm vertritt, das u. a. die all- gemeine Schulpflicht, die Gleichstellung der Geschlechter und weitgehende Sozialrcformen enthält. Die von Juanschikai geleitete„republikanische Partei" hat reaktionär� Tendenzen und tritt vor allem für die zentralistische Organisation des Reiches ein. Die„Union" steht zwischen diesen beiden Gruppen als gemäßigte Refornipartei. Der Sozialisnius hat, nach den Erklärungen von Fabra Ribas Gewährsmann bei vielen Mitgliedern der konstituierenden Versammlung„Sympathien". Sozialistische Organi- sationen sind in Schanghai, Wutschung und Petschili in Entstehung begriffen und die offizielle Konstituierung der sozialistischen Partei Chinas wird voraussichtlich nicht lange auf sich warten lassen. Den Charakter der jetzigen Regierung bezeichnet der Ge- währsmann als reaktionär. Der Ministerpräsident und Minister des Aeußeren L ü- t s e n- t s i a n und der Finanz- minister gehören keiner Partei an, aber sie waren schon unter dem Kaiserreiche Minister. Desgleichen ist der größte Teil der 21 Provinzgouverneure im Amt geblieben, was in manchen Kreisen beunruhigt. Uebcr die Hinrichtung der zwei Generale Teng-Wei und Tschan-Tscheng-Wu hat Fabra Ribas folgendes mitzuteilen: Die beiden Offiziere wollten die revolutionäre Bewegung er- neuern und die Regierung Juanschikais stürzen.-Sie wurden vom Vizepräsidenten der Republik Li-Jaen-Hung — demselben, der die Revolutionsarmee gegen die Mandschu kommandiert hat— denunziert und auf Befehl Juanschikais hingerichtet. Die Hinrichtung hat im Land und besonders bei der republikanischen Allianz, zu der die beiden gehörten, zuerst eine große Erregung hervorgerufen. Indes lagen die Beweise für die Aufstandsunternehmung so klar zutage, daß auch die politischen Freunde der Hingerichteten der Protest- belvegung keine weitere Folge geben mochten. Die innere Situation charakterisiert der Gewährs- mann folgendermaßen: Das Geschäftsleben nimmt wieder einen Aufschwung. Die Bevölkerung ist ruhig. Nach dem Scheitern des internationalen Konsortium? sollen lokale An- leihen mit den ausländischen Banken abgeschlossen werden. Zur Garantie werden neue Steuern besonders auf Verbrauchs- artikel dienen. Die Salz- und die Grundsteuer sollen reformiert werden, um den früheren Mißbräuchey vorzu- beugen. Die auswärtige Lage ist bedeutend gebeffert, vor allem durch den Tod des Kaisers von Japan, der die Politik dieses Landes ein wenig in Verwirrung gebracht hat. und durch die geschickte Eindämmung der russischen Aktion in der Mongolei. Bei ihrem Widerstand gegen die japanischen Absichten auf die Mandschurei darf die chinesische Nc- publik auf die Unterstützung der Vereinigten Staaten rechnen, die Japan im Stillen Ozean nicht zu mächtig werden lassen wollen, in der Abwehr der russischen Vorstöße in der Mongolei auf das Interesse Englands, seinen indischen Besitz zu schützen. Indes wird auch die eigene Kraft Chinas wachsen. Für die Zukunft des Landes darf man die besten Erwartungen hegen. Die jetzige reaktionäre Strömung wird vorübergehen. Keine Anklage gegen Auanschikai. Peking, 2. September.(P.-C.) Die Nationalber- sammlung hat mit starker Stimmenmehrheit die gegen den Präsidenten der Republik wegen der Hinrichtung der Generäle Changtsongou und Fangwei neuerdings erhobenen Anklagen niedergeschlagen. Einige Abgeordnete hatten kürzlich ver- sucht, wegen der Angelegenheit gegen guanschikai zu agitieren. Durch den Beschluß der Nationalversammlung ist der peinliche Zwischenfall endgültig erledigt. England und Tibet. London, 2. September. Dem Dailh Telegraph wird aus P e- k i n g vom 1. September gemeldet: Der Stellvertreter deS Ministers des Aeußern überreichte gestern auf der britischen Gesandtschaft eine Note, in der die Forderungen GrotzbrijggAjens in ibezug auf Tibet zurückgewiesen w.erdeg» Amerika. Kämpfe i« Mexiko. London, 2. September. Nach einer BlättermeldlMg aus Washington hat das Staatsdepartement von dem Gesandten der Vereinigten Staaten in Mexiko Wilson ein Telegramm erhalten, in dem gemeldet wird, daß 2000 Amerikaner in Eananea von den Nebellen eingeschlossen seien. Die Einnahme der Stadt sei bc- vorstehend und ein G e m e tz e l zu befürchten. Wilson drängt das Staatsdepartement, von der mexikanischen Regierung die schleunige Entsendung von Truppen zur Befreiung der Amerikaner zu verlangen._ Der Panamakanal. Lo« Angeles, 1. September. Der Chefingenieur des Panama» kanals GoethalS hat in einem Schreiben an das Hafenqytt erklärt, ber Kanal werde noch im Jahre 1913 ferttgge stellt werden. Em der Partei. Aus den Organisationen. Die Generalversammlung de« Sozialdemokratischen verein» für den Wahlkreis Bochum-Gelsenkirchen tagte am Sonntag in Harpe. Die Versammlung beschloß die Anstellung eine? zweiten Parteisekretärs. In einem Antrage sprach die Versamm- lung sich einstimmig gegen die von einzelnen Partei- genossen abgehaltenen Sonderkonferenzen au». Vom Parteitage in Chemnitz erwartet sie Maßnahmen, die ge- eignet sind, die Sonderkonferenzen in Zukunft zu unterbinden. In einer gleichfalls einstimmig angenommenen Resolution verlangt die Generalversammlung angesichts der traurigen Massenkatastrophen in dem Bergbau, daß endlich ein Reichsgesetz geschaffen wird, das eine verschärfte Grubenkontrolle durch freigestellte und vom Staat bezahlte Arbeiterkontrolleure vorsieht. ** « Zum Chemnitzer Parteitag nahm eine Parteivtrsammluktg des 6. sächsischen RcichstagswahlkrciseS, Dresden-Land, EtellunH. Da» Referat erstattete Genosse F l e i ß n e r. Er sprach sich gegen die AuSlassumgen der Genossen. Lensch und Luxemburg über den Imperialismus aus. Das Stichwahlabkommen bedauert er mit Be- zug auf die Dämpfung, dadurch sei Verwirrung in die Reihen der Parteigenossen gebracht worden. Er kritisierte auch die Geheim» Haltung des Abkommens. Zum Organisatiousstatut sprach Genosse Sindermann, der sich für den Entwurf der Kommission, insbesondere für den Partei. ausschuß erklärt. Eine lebhafte Debatte entwickelte sich über das StichevaHlabkvmimen. Die Genossen Gradnauer und Riem traten für das Abkommen ein; man müsse das Abkommen als ein Ganzes betrachten, es habe zweffellos eine gute Wirkung auf die Zu» sammensetznng des Reichstages gehabt. Bei der Slbstimmung über die vorliegende Rcsolukion, die das Stichwahlabkommen bedauert, wurde dieselbe bei wiederholter Ab- stimmung mit knapper Majorität für angenommen erklärt.— Gegen den Entwurf zum Organisattonsstatut wandte sich kein Red- ner. � Die Anträge des Freidenker-Verbandes wurden von den Genossen Gradnaner, Riem und Flcißner bekämpft. Der Partei- tag könne diese Anträge unmöglich annehmen. Genosse Menke, der Vorsitzende des Verbandes der proletarischen Freidenker, ver- teidigte eifrig das Vorgehen des Verbandes. Die Mehrheit der Versammlung war aber zweifellos gegen die Anträge. Karl Radek sendek uns zur Notiz, die seiner» Ausschluß aus der Sozialdemokratie Polens mitteilt, eine längere Erklärung, in der er unter heftigen Angriffen auf den Parteivorstand der Sozial- demokratie Polens und Littauens behauptet, daß das Schiedsgericht nicht ordnungsmäßig zusammengesetzt gewesen sei. Demgegenüber erklärte der polnische Parteivorstand in einem uns zugleich mit dem Urteil zugegangenen Dokument, daß das Gericht von einer Kon« fcrenz der polnischen Partei, deren Beschlüssen dieselbe Bedeutung zukomme, wie denen eines Parteitages, ordnungsmäßig eingesetzt worden sei. Wir selbst haben keinen Grund, auf diese Ange- legenheit näher einzugehen. Es handelt sich um einen Ausschluß aus nichtpolitischen Gründen und es müß Radek überlassen bleiben, den Instanzenweg gemäß dem Statut der polnischen Partei zu er- schöpfen. Gcwerkrchaftlicbeo. Berlin und Qmgegcnd. Lohnbewegung der städtischen Arbeiter. Die fortgesetzt' steigenden Lebensmittelpreise, der stetig zifc Nehmende Druck der Teuerung veranlagten die in den Betrieben der Stadt Berlin beschäftigten Arbeiter, Handwerker und Ange- stellten, mit der Forderung einer Lohnausbesserung an die Stadtver- waltung heranzutreten. Gleichzeitig wird auch der Abschluß eines Tarifvertrags gefordert, um das Arbeitsverhältnis vor Willkür- lichen Eingriffen von Vorgesetzten der Arbeiter zu schützem Ein demenffprechender Tariftntwurf ist von den Vertrauensmännern der städtischen Arbeiter aufgestellt und in Betriebsversammlungen beraten worden. Die letzteren haben hauptsächlich die für die be- treffenden Betriebe zu stellenden besonderen Forderungen beraten. Gestern f Man tag) abend nahm eine öffentliche Versammlung aller städtischen Arbeiter, Handwerker und Angestellten zu der beab- sichtigten Lohn- und Tarifbewegung Stellung. Dah die städtischen Arbeiter mit lebhaftem Interesse an dieser Bewegung teilnehmen, bewies der außerordentlich starke Besuch der Versammlung.' Der Eoncordiasaal in der Andreasstraße war von einer dichtgedrängten Menge gefüllt. Der Referent Wutzki verwies darauf, daß die letzte Lohnregulierung der städtischen Arbeiter im Jahre 1909 eine durchschnittliche Lohnaufbesserung von 5 Proz. brachte. Seitdem ist aber eine Steigerung der Lebensmittelpreise um 15 bis 22 Proz. eingetreten. Eine Aufbesserung der Löhne ist deshalb durchaus notwendig und gerechtfertigt. Aber auch die sonstigen Arbeitsbedingungen bedürfen der Rege- lung und der Festlegung, damit es nicht mehr von der Willkür der Betriebsleiter und Beamten abhängt, ob das, was den Arbeitern durch die Stadtverwaltung zugestanden wird, auch unbedingte Be- achtung und Durchführung findet. Der Magistrat soll deshalb ersucht werden, einen Tarifvertrag mit der zuständigen Or- ganisation, dem Verbände der Gemeinde- und Staatsarbeiter abzu- schließen. Der Tarif soll für drei Jahre, vom 1. April 1913 bis 31. März 1916 gelten und in der Hauptsache folgende Punkte um- fassen: Die Arbeitszeit soll 9 Stunden betragen, an den Tagen vor den hohen Festen zwei Stunden, an den Sonnabenden und söge- nannten dritten Feiertagen eine Stunde kürzer sein. In den konti- nuierlichen Betrieben soll statt der jetzigen Zwölfstundenschicht die Achtstundenschicht eingeführt werden. Die Bezahlung soll. nach Wochenlöhnen— die Woche zu 6 Tagen— berechnet und Sonntagsarbeit höher bezahlt werden. Die Lohnskala soll so geändert werden, daß der Höchstlohn, der jetzt erst nach 18— 24 Jahren eintritt, schon nach 5 Jahren erreicht wird. Die Ueberstundenarbeit soll geregelt werden, namentlich auch in der Hinsicht, daß regelmäßige Ueberzeit- arbeit gleichmäßig verteilt wird. Gesetzliche Feiertage in der Woche sollen bezahlt werden. Ferner wird eine bessere Regelung des Urlaubes gefordert sowie die generelle Benutzung des vom Magistrat eingerichteten Zentralarbeitsnachweises für stätdische Arbeiter. Eine weitere Forderung betrifft den Erlaß von Arbeitsordnungen, welche alle städtischen Arbeiter unter die Reichs-Gewerbeordnung stellen. Hinsichtlich der Löhne wird eine Erhöhung von 19 bis 18 Proz. gfordert. Der Referent sowie die Diskussionsredner gaben der Erwar- tung Ausdruck, daß es dem geschlossenen Vorgehen der städtischen Arbeiter gelingen werde, diese Forderungen durchzusetzen. Ein- stimmig wurde die nachstehende Resolution angenommen: „Die von 3999 Kollegen besuchte Versammlung der städtischen Arbeiter, Handwerker und Angestellten erklärt, daß die in den Gemeindebetrieben der Stadt Berlin bestehenden Löhne nicht ent- fernt ausreichen, um gegenüber der fortgesetzt steigenden Teue- rung und in der dadurch hervorgerufenen Notlage irgendwie be- stehen zu können. Die Versammelten beschließen daher, den städtischen Körper- schaften unverzüglich Anträge auf Erhöhung der Löhne zu unterbreiten. Da ferner jahrelange Erfahrungen bewiesen haben, daß die bestehenden Arbeiterausschüsse keineswegs als brauchbare Ver- tretungen der Arbeiterschaft angesehen werden können, anderer- seits aber die Ausgestaltung der Arbeitsbedingungen zu einem Rechtsverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer eine soziale Notwendigkeit ist, sind gleichzeitig Schritte zu unter- nehmen, um den Abschluß eines Tarifvertrages zwischen dem Magistrat und der gewerkschaftlichen Organisation der Arbeiter in die Wege zu leiten. Um diese Forderungen zur Durchführung zu bringen, bedarf eS des entschlossenen Zusammenwirkens der Gesamtkollegenschaft. Die Versammelten appellieren deshalb an das Solidaritätsgefühl aller Kollegen und rufen sie auf, durch Anschluß an die gewcrk- schaftliche Organisation ihre unabweisbare Pflicht als moderne, denkende Arbeiter zu erfüllen." Achtung, Fensterputzer! Wegen Maßregelung befinden sich die Kollegen der Firma Maximilian Oniel. Potsdamer Str. 27b, im Streik und ist deshalb Zuzug der Fensterputzer streng fernzuhalten. Deutscher Transportarbeiter-Verband. sBezirk Groß-Berlin). veuvlcbes Reich. Aus der Schuhmacherbewegung. Die Arbeiterschaft der Tuchschuhindustrie in Heilbronn a. N. (Württemberg) ist am 31. August in den Ausstand getreten, nachdem seitens der Fabrikanten keinerlei Zugeständnisse gemacht wurden. Die Zeitlohnarbeiter sollen überhaupt keine Zulage erhalten, obwohl für erwachsene männliche Arbeiter Löhne von 18 M. pro Woche zu verzeichnen sind. Die Fabrikanten muteten den Arbeitern sogar zu. neben einer teilweisen Verschlechterung der Akkordsätze eine Arbeits- Zeitverlängerung bis zu drei Stunden pro Woche hinzunehmen. Zuzug ist streng fernzuhalten. In der Schuhfabrik Greve-Sauer in Würzen sind infolge Aufstellung neuer Maschinen in der Zwickerei Differenzen ausgebrochen, welche zur Kündigung der gesamten Arbeiterschaft geführt haben. Der Arbeiterausschuß, sowie der Vertreter des Zentralverbandes der Schuh- macher, welche versuchten, durch Verhandlungen mit der Betriebs- leitung die Differenzen zu beseitigen, mußten diese Bemühungen aufgeben, da keinerlei Entgegenkommen seitens der Betriebsleitung zu erreichen war. Die Arbeitsniederlegung in der Abteilung Zwickerei erfolgt bereits Sonnabend, den 7. September. Wir ersuchen des- halb. Arbeitsangebote dieser Firma, insbesondere Zwicker, Zuschneider, Stepperinnen und Maschinenarbeiter betreffend, abzulehnen. Zu den Differenzen bei Heine u. Co., Spezialfabrik Halberstädter Würstchen, teilt der Zentralverband der Fleischer auf die vielen An- fragen, die bei ihm erfolgen, mit, daß die Differenzen noch nicht erledigt sind. Die Firma Heine hat auch die Vermittelung des Generalsekretärs des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine ab- schlägig beschicde». Die Firma will die unzureichenden Löhne bei- behalten, weil dadurch ihr Profit ins Riesenhafte wächst. Soll doch die Firma Heine im letzten Jahre einen Reingewinn von 360 999 Mark erzielt haben. Für eine Firma, dre einen Weltruf genießen . will ist es kein besonderer Ruhm, wenn sie verheiratete ' Arbeiter mit 27'/z Pfennig pro Stunde entlohnt und der Organisation, die nur in bescheidenem Maße drese Verhaltnisse ver- bessern will einfach jede Verhandlung abschlägt. Es wird von dritter Seite nochmals ein Vermittelungsversuch bei der Firma unter- nommen werden._ Streik in den Tilsiter Schneidemühlen. Wie die.Tilsiter Zeitung" meldet, sind die im Transportarbeiter- Verband organisierten Arbeiter auf sämtllchen Tchrter Schnelde- Mühlen in den Ausstand getreten. Der Streik hat sich auch auf die v-rantw. Redakst! Alfred Wielepp, NeuköLn. Jnferafenteil vergstw.: Maschinisten und Heizer sowie die Schncidemüller ausgedehnt. Die Zahl der Ausständigen beträgt etwa 990. Die Betriebe liegen still. Husland. Der englische Gewerkschaftskongreh. Newport(Monmouthshire), 1. September. Der hier abgehaltene Kongreß der Trade-Unions wurde von einem Gottesdienst eingeleitet, bei dem der Bischof W e l l d o n in seiner Predigt den Delegierten empfahl, den Trade-Unionismus nickt mit halbverdauten sozialistischen Theorien zu verwechseln. Das Mitglied des Unter- Hauses T h o r n e trat in einer folgenden Volksversammlung dem Bischof scharf entgegen und erklärte, Sozialismus und Trade-Unionismus seien in wirtschaftlicher Be- ziehung untrennbar._ Die Gewerkschaften in Finnland. Dem Jahresbericht der finnischen Gewerkschaftszenirale zu- folge ist die Zahl der dem Gewerkschaftsverbande angehörigen Personen End: 1911 auf 19 649 gegen 15 346 im Vorjahre gestiegen. Der Zuwachs ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß der Ver- band der Hafen- und Wasserverkehrsarbeiter im Jahre 1911 wieder zu dem Gewerkschaftsverband zurückgekehrt ist. Das Berichtsjahr war reich an harten Kämpfen. Es begann mit dem allgemeinen Streik der Buchdrucker, der vom 1. Januar bis zum 5. April anhielt. Um dieselbe Zeit wurden die Buchbinder ausgesperrt, und erst am 26. April konnte dieser Konflikt beigelegt werden. Beide Kämpft kosteten dem Gewerlschaftsverbande 129 598 finnische Mark. T«r schwedische Gewerkschaftsverband hat diese Kämpfe mit 4999, die Gewerkschaftsverbände von Dänemark und Norwegen haben sie mit je 1999 Kronen unterstützt. Das Resultat der Kämpfe war sür die Arbeiter insofern günstig, als die Kollektivverträge, die von den Unternehmern beseitigt werden sollten, beibehalten und dazu noch einige kleine Verbesserungen erzielt wurden. Die übrigen Kämpfe des Jahres waren kleiner an Umfang. Nur zum Jahresschluß wurde der Vertrag der Bauarbeiter von den Unternehmern in Helsingfors gekündigt.(Gegenwärtig be- finden sich hier die Bauarbeiter und die verwandten Berufe im Ausstande.) Der Bericht der Gewsrkschaftszentrale betont, daß die kleineren Verbände sich weiter in größere zusammenschließen, und daß man allgemein einen wenn auch langsamen Fortschritt sieht. Die innere Arbeit in den lokalen Organisationen wird intensiver, man beginnt sich von den Schlägen der russischen Gewaltpolitik zu erholen und setzt allen Terrorisierungsversuchen zum Trotz die Organisationsarbeit zuversichtlich fort. Im Jahre 1911 beschloß der Gewcrkschaftsausschuß, am 27. August ein„Arbeitsfest" im ganzen Lande zu veranstalten. Das Fest gelang gut und trug viel dazu bei, den Organisationsgedanken in immer weitere Kreise zu tragen. Die aus diesem Anlaß her- ausgegebenen Flugblätter und Festschriften fanden einen guten Absatz. Auch in diesem Jahre sand am 25. August ein ebensolches Fest im ganzen Lande statt. Der barbarische Kurs der Peters- burgcr Regierung, der sich im letzten Jahre mit besonderer Schärfe gegen die Arbeiterorganisationen gewendet hat, hatte nur den Erfolg, daß die Beteiligung an dem diesjährigen Arbeitsfeste noch lebhafter war als im Vorjahre. Vielerorts nahm das Fest den Charakter von Protestveranstaltungen gegen die Attentate der Polizei und der Verwaltung an. Soziales. Weiterer Rückgang der Tuberkiilosesterblichkeit. Unsere moderne» hygienischen Einrichtungen haben ihre Wir- kung nicht versagt und die Sterblichkeit ist im allgemeinen im Ab- nehmen begriffen. Besonders auch die an der Volksseuche Tubcr- kulose. Im Jahre 1875 verstarben von 19 990 Lebenden insgesamt 269, davon 32 a» Tuberkulose. Im Jahre 1919 entfielen bei einer Gesamlsterblichleit von 169 aus 19 999 Lebenden nur noch 15 auf die Tuberkulose. Inzwischen ist also die Gesamtsterblichkeit ungefähr um ein Drittel, die Zahl der Todesfälle infolge der Tuberkulose aber um über die Hälfte vermindert worden. In den Städten ist die Sterblichkeit an Tubei kulose größer als am dem Lande. Bei den 359 Orten des Deutschen Reiches mit 15 999 und mehr Ein- wohnern verstarben 1995 an der Tuberkulose überhaupt 22,3 Personen. Aber auch hier besserte sich die Situation! im Jahre 1919 starben nur noch 17,8 Personen an der Tuberkulose. In den einzelnen Gebieten des Deutschen Reiches ist die Tuberkulosesterblichkeit nicht gleich groß. Sie ist zum Beispiel in Preußen größer als in Süddeutschland. In Preußen starben von je 19 090 lebenden Einioohncrn im Jahre 1997 durch- schnittlich 17,16 Personen an der Tuberkulose, im Jahre 1911 ober nur noch 15,17. Absolut genommen ergab dies, im Jahre 1911 noch die Zahl von 69 995 Einwohnern Preußens, die an der Tuberkulose verstarben. Stadtschulrat Wimencner in Mannheim will neuerdings durch Untersuchung der Schulkinder festgestellt haben, daß 47 Proz. der Knaben und 61 Proz. der Mädchen von der Tuberkulose befallen werden. Von den meisten wird sie natürlich überstanden, ohne daß sich später Folgen zeigen. Die Besserung der sozialen Verhältnisse, wie sie von der Arbeiterbewegung angestrebt wird, wird ein noch weiteres Zurück- gehen der Sterblichkeit, insbesondere an Tuberkulose bringen. Kindersegen und Wohnungsnot in katholischen Bezirken. Als jüngst das Kapitel vom Geburtenrückgang von unter- nehmerlich und ausbeutungsbesorgten Leuten angeschnitten wurde, suchte das Zentrum auch wieder seine Unentbehrlichkeit darzutun. Die Zentrumspresse wies besonders darauf hin, daß in Ortschaften, wo Missionen abgehalten worden waren und die Patres„gearbeitet" hatten, sofort danach eine auffallende Steigerung der Geburtenzahl zu beobachten gewesen sei. Der„Dortmunder Arbeiter-Zeilung" schreibt nun jemand aus dem frommen Castrop etwas über die Kehrseite der Medaille. Es heißt da, daß Familien, die jahrelang eine Wohnung inne hatten, die Kündigung bekommen hätten wegen zu großen Kinder.segens". Die Erlangung einer anderen Wohnung sei mit den größten Muhen verbunden. Die erste Frage des Hausbesitzers an die Wohnungsuchenden sei in der Regel:„Wieviel Kinder haben Sie?" Meistens werde dieser Frage sofort hingesetzt:„Ich habe nicht gern viel Kinder im Hause." Höre der Hausbesitzer nun. daß mehr wie zwei Kinder— soweit gehe es noch— vorhanden seien, dann habe er die Wohnung einem„anderen versprochen" und könne erst nach einigen Tagen Auskunft geben. Käme der Wohnungsuchende wieder, dann heiße es kurz, daß die Wohnung vermietet sei. Wenn der Suchende Obacht gebe, finde er oftmals, daß ihn der Hauseigentümer ganz gründlich angelogen habe. Denn Wochen hindurch würden in den Lokalblättern oder durch Zettel die„vermieteten" Wohnungen noch angezeigt. Der Einsender schreibt, daß er in der Lage sei, recht viele fromme katholische Hausbesitzer namhaft zu machen, die wie vorstehend verfahren. Also sind die frommen katholischen Christen auch noch zu feige, den armen Leuten mit vielen Kindern den ivahren Grund ihrer Ab- Weisung mitzuteilen I Lieber lügt man sich nach bekanntem Beispiel „mit Gottes Hilfe" tüchtig durch. Der Einsender aus dem fromm- katholischen Castrop sagt mit Recht: „Wenn die Geistlichen die Verpflichtung in sich fühlen, dem Ge- burtenrückgang entgegenzuwirken, dann mögen sie doch mal erst den Hausbesitzern wegen ihres brutalen Verhaltens gegen kinderreiche Familien aufs Dach steigen, ebenso mögen sie de» Kreisen, die die- selben Anschauungen haben, wie sie von der Frau Vopelius seiner- zeit geäußert wurden,„das Unmoralische ihres Verhaltens vor Augen führen. Man gibt an, mit Hilfe der Religion den Geburtenrückgang bekämpfen zu wollen. Aber davon hat man noch nichts gehört, daß man auch mit Hilfe der Religion die Kapitalisten zwingen will, dem Arbeiter das zu gebeix was ihm gebührt, damit er sich und seine familie anständig ernähren' und eine geräumige, gesunde Wohnung -ziehen kann."_ rb-Glscke.Ltt�«. Druck u. Verlag! Borwärtö LuAr. U. ökclagsgjißaljT Eue der Frauenbewegung. Frauenstimmrecht in Nordamerika. Eines der charakteristischen Merkmale der gegenwärtigen Wahl- bewegung in den Vereinigten Staaten ist die auffallend rege und viel allgemeinere Betätigung der Frauen. Auf den die Prafident- schaftskandidaten ernennenden Parteikongressen erschienen sie tn er- höhler Zahl als Delegierte oder stellten sich massenhaft als mter- essierte Zuschauer auf der Galerie ein, um von dort für thre Forde- rungen und für die Leute ihres Vertrauens Stimmung zu machen. Je näher der große Wahltag heranrückt, je zahlreicher werden dts Frauen in Versammlungen und auf den Rednertribünen, und um so breiteren Raum nimmt die politische Gleichberechtigung der Ge- schlechter auf der Tagesordnung der breiten Oeffentlichkelt cm. Dank der tiefgehenden Zwistigkeiten im bürgerlichen Lager, insonderheit durch die Spaltung der Republikaner ist es höchst ungewiß geworden, wer als Sieger aus dem Rennen um die vielbegehrte und klingende Vorteile bringende Präsidentschaft hervorgeht. Diese Ilnsicherheit oder die Furcht vor der Niederlage zwingt alle Richtungen der bürgerlichen Parteien zu Konzessionen. Die Verlegenheit der Reaktionäre ist die Gelegenheit der Freunde des Frauenstimmrechts. Vielen der Kandidaten wird zum ersten Male eine unzweideutige Antwort auf die Frage abgefordert, wie er sich zum Frauenstimmreckt stelle. Und der Wahlsieg einer großen Anzahl Bewerber wird von der Art dieser Antwort ab- hängen. Denn in sechs Staaten der Union haben die Frauen die gleichen politischen Rechte wie d i e M ä n n e r. In den Staaten Wyoming, Kolorado, Kalifornien. Idaho, Uiah und Washington sind alle über 21 Jahre alten Bürgerinnen bei allen Wahlen stimmberechtigt. In diesen Gebieten hatten im Jahre 1919 1 346 925 Frauen das Recht zu wählen. Davon waren 48.6 Prozent weiße, von eingeborenen Ellern abstammende Amerikane- rinnen, 24,7 Proz. waren von im Ausland geborenen Eltern ab- stammende, aber in Amerika geborene Weiße; 24.3 Proz. waren ein- gewanderte Weiße: Die Negerinnen stellten 1 Proz. und die india- irischen und asiatischen Frauen 1,3 Proz. In anderen Staaten haben die Frauen, wenn auch noch nicht alle, so doch nicht unwichtige politische Rechte. Im Staat Kansas wählen die Frauen die Schulbehördcn und Gemeindeverwaltung mit. DerAntrag auf volle politische Gleichbereckti- gung wurde von der Kansaser Legislative(1999) verworfen. Das nämliche Verlangen wurde im Parlament des Staates MassachusetS vor zwei Jahren gestellt, aber mit 148 gegen 47 Stimmen verworfem I» etwa 39 Slaaren nehmen die Frauen an den Wahlen der Schul- behörden teil, dann sind in einigen Staaten, wie beispielsweise in Montana seil 1887 und in Louisiana seit 1898, die Steuerzahlerinnen berechtigt, bei allen Steuerfragen mitzustiunnen. Wie man sieht, sind die amerikanischen Frauen nicht ganz so rechtlos, wie ihre Schwestern in Europa, und nach Lage der Dinge wird in der Union die politische Gleichberechtigung des weiblickcn Geschlechtes die nächste Zeit große Fortschritte machen. Der Sieg des Frauenstimmrechts in Kalifornien(1912) hat die Anhänger der Gleichberechtigung mächtig angespornt und sie mit Siegeszuversicht erfüllt. Inder gegenwärtigen Wahlbewegung hoffen sie ihre Sache kräftig zu fördern. Alle Parteien werben eifrig um die Gunst und tätige Mithilfe der Frauen, und diese sind nicht selten ungalant genug, diese Werbungen mit der Ueberreichung ihrer Forderungen zu beantworten und die Mandatesucher darauf zu verpflichten. An Versprechungen und Ent« gegenkommen lassen es jetzt— vor der Wahl— weder die Re- publikaner noch Demokraten fehlen. Um zu zeigen, wie ernst und ehrlich sie es damit meinen(oder um den Stimmenfang rationeller zu gestalten), habe» alle drei bürgerlichen Präsidentschaftskandidaten Frauen zu Mitgliedern ihrer Wahlkomitees ernannt. Daß die so- zialistische Partei Nordamerikas jetzt wie immer rückhaltlos für die Einführung des aktiven und passiven Frauenwahlrechts eintritt, ist selbstverständlich._ Frauenarbeit in Japan. Nach den Berichten des Jndustriedepartements nimmt die Frauenarbeit auch in Japan rapide zu, besonders in der Seide- und Textilindustrie. Insgesamt machen die Frauen 66 P r o z. aller i n den Industrien beschäftigten Personen aus.' so daß nur halb so viel männliche wie weibliche Arbeiter be- schäftigt sind. Die Arbeitszeit für Frauen soll im allgemeinen 12 Stunden pro Tag nicht übersteigen, doch wird darüber keine scharfe Kontrolle geführt. Ende 1908 waren mit dem Spinnen roher Seide, Verarbeitung der Baumwolle, mit Weben usw. 373 284 Personen beschäftigt, davon 40 787 männliche Arbeiter über 14 Jahre, 2475 Knaben unter 14 Jahren, dagegen 296 424 Arbeite- rinnen über 14 und 33 596 Arbeiterinnen unter 14 Jahren. Der Lohn der erwachsenen Arbeiter betrug 30—51 Sen(1 Sen— 2,1 Ps.) im Maximum pro Tag, bei den Knaben 12— 20 Sc». Erwachsene Arbeiterinnen erhielten 29—28 Sen, Mädchen 10 bis 16 Sen. Bei diesen Löhnen ist es nicht verwunderlich, daß die Aus- fuhr dieses stark bevölkerten Landes sich von 1891 bis 1910 von 70 aus 450 Millionen Dollar gehoben hat, und daß besonders amcrika- nische Fabrikanten Niederlassungen in Japan errichten, um auch an dieser billigen Arbeitskraft zu profitieren. Bei vielen Artikeln ist der-dadurch erzielte Gewinn so groß, daß die Fabrikanten Rohstoffe aus Amerika nach Japan schassen, dasiir dort Einfuhrzoll zahlen. sie dort verarbeiten lasten mid mit neuen Zöllen wieder nach Amerika schassen, um sie dort auf den Markt zu bringen, immer noch billiger, als wenn sie am Orte, wo die Rohstoffe gewonnen werden, mit Hilfe der modernsten Maschinen von einheimischen. aber anspruchsvolleren Arbeitern hergestellt werden. L,ctztc Neue Unruhen an der türkischen Grenze. Konstantinopel, 2. September.(W. T. B.) Wie die Blatter melden, kam eo an der türkisch-griechischen Grenze bei Tirnovo zu neuen Grenzzwischenfällen, wobei es auf beiden Seiten fünfzehn Schwervcrwundete gab._ Eine Niederlage der Marokkaner. Tanger, 2. September.(W. T. B.) lieber den Kampf der Kolonne Mangin am 29. August aus der Höhe des MarabutS Ouled- sibaili, zehn Kilometer südlich von Suk-el-Arba wird aus Mazagan gemeldet, daß nur ein Teil der Mahalla El-Hiba in vollkommener Auflösung nach Marrakcsch zurückgelangen konnte. Zahlreiche Feinde wurden von der verfolgenden Kavallerie mit der blanken Waffe, viele auch durch das Artilleriefeuer getötet. Die Kolonne Mangin ist am 30. August früh in Ouhai eingetroffen. Sie hatte nur 9 Verwundete und keinen Toten. Schwere Unwetterkatastrophe in Pennshlvanlen. Pittsburg, 2. September.(W. T. B.) Schwere Unwetter sind heute morgen über das westliche Pennsylvanien und das nördliche West-Virginicn niedergegangen. Dreizehn Personen sind ertrunken, mehrere werden vermißt. Auch wurde großer Sach- schaden angerichtet. Pittsburg, 2. September.(W. T. B.f Dem Unwetter find ver- mutlich zwanzig Kohlenarbeiter in West-Virginia zum Opfer ge- fallen. In Cherrvalley sind neun, in Baltimore(Ohio) sind sechs Personen ertrunken. Die Eisciibahnlinren sind unterwaschen und auf eine Entfernung von vierzehn Meilen zerstört. Erdbeben in Mexiko. New Uork, 2. September.(W. T. B.) In Guadaljara im mexikanischen Staat Jalosco erfolgte heute ein überaus heftiger Erdstoß. Zahlreiche Wohnhäuser sind zerstört. Gebäude in allen Stadtteilen wurden beschädigt.______ KaulSinger& Co.. Berlin SWT Hierzu 3 Leilagca«. Untcrtzaltungslil. 5t. W. R. ZahtgKz. V 1. f(ilaje des LseMs" Kerlim NcksdlM. Liitteilelte Appetite. Aus Konstantinopel schreibt unS Genosse P a r v u s: Der Kamszf um die Macht, der früher ein Kampf für oder wider das Komitee war und die breite Oeffentlichkeir erfüllte, vollzieht sich jetzt in echt hamidischer Weise außerhalb der Oeffentlichkeit, und alle Mittel der byzantinischen In- trige sind entfesselt. Von den Spitzen der Regierung bis zu den dunklen Cafös von Stambul bilden sich Gruppen und Koterien, die keinen anderen Zweck haben, als„ihr" Ministerium zur Macht gelangen zu lassen. Und jede solche Koterie, die sich um eine Ministerliste gruppiert, ist eine Ver- schlvörung, die rücksichtslos und schonungslos mit allen Mitteln, die sie nur auftreiben kann, arbeitet— denn es handelt sich um ihr nacktes Banditeninteresse. Dieselben Leute, die den Staatsmännern des Komitees nachsagten, daß diese ihren Ehrgeiz oder ihr sonstiges persönliches Interesse dem Wohl des Vaterlandes vorangehen lassen, sie betreiben jetzt selbst offen und schamlos den Kampf um den Futtertrog und machen auch gar kein Hehl daraus. Da läßt sich ver- muten, daß oft genug die Vorwürfe der Korruption, die den Männern des Komitees gemacht wurden, nur die eigenen unerfüllten Wünsche der Verleumder verrieten. Alle zurück- gesetzten, anrüchigen Elemente haben jetzt den Kopf erhoben und den Mund aufgetan.„Vier Jahre lang"— sagte mir einer, der unter Hamid höherer Beamter war—,„vier Jahre lang habe ich nichts gekriegt. Nicht für einen hohlen Zahn! Gehört sich das? Aber jetzt!" Aber jetzt! Sie sind ausgehungert. Ausgehungert nach Macht und nach Reichtum. Tausende gieriger Raben, tausende greifender Hände sind zur Regierung erhoben, und die Klientel schiebt ihre Patrone empor. Es ist völlig aus- geschlossen, daß dieses byzantinische Wurmgezücht je satt ge- macht werden könnte. Ueberdies fehlen dazu auch die Mittel. Me Staats- kassen sind leer. Um den dringendsten Bedürfnissen abzu- helfen, wurde soeben mit der Banqux Ottomane ein Ab- kommen getroffen, wonach diese der Regierung auf die noch ausstehenden 4 Millionen der von der Gruppe der„Deutschen Bank" vermittelten Millionenanleihe einen Vorschuß von 1% Millionen Pfund gewährt. Es ist bekanntlich der Krieg, der die Emission dieses Rostbetrages der Anleihe verhindert hat. Der Vorschuß der Banque Ottomane soll nun mit sieben Prozent verzinst werden! Man glaube nicht, daß dieser hohe Zinsfuß etwa durch das mit dem Geschäft verbundene Risiko geboten erscheine. Auch nicht im ge- ringsten! Es ist gar kein Risiko dabei. Denn selbst für den — kaum denkbaren— Fall, daß die Deutsche Bank den Rest der Anleihe nicht unterbringen sollte, ist vorgesehen, daß dann die Zolleinnahmen, der Tabakzehnt und noch andere Staats- einnahmen als Garantie für den Vorschuß dienen. Das sind Sicherheiten, die den Schuldbetrag um das Mehrfache über- steigen. Der hohe Zinsfuß ist durch nichts bedingt, als durch die Notlage des Reiches, die von der Banque Ottomane aus- genutzt wird. Es ist reiner Wucher. Das sind die neuen kapitalistischen Methoden der Ausbeutung des Reiches, die mit den Schmarotzermethoden des türNschen Beamtentums vorzüglich zusammenarbeiten, diese aber an Tragweite weit- aus übertreffen. In den Komiteekreisen macht sich indessen eine größere taktische Besonnenheit geltend. Die Idee des Boykotts der Wahlen tritt immer mehr zurück. Man wird sich an den Wahlen beteiligen. Leider ist nicht viel davon zu merken. daß die begangenen politischen Fehler eingesehen werden. So veröffentlicht jetzt der„Tanin" über die albanische Frage kleines feuilleton- Der Araber als Tourist. Der von dcx ganzen Bürgerlichen Prelle mit tönenden Worten gefeierte Bestich eines hohen Arabers in Rom gibt dem.Avanti" Gelegenheit, die folgende gut erfundene Lneldote zu veröffentlichen: „Als erckimt gät�(Schoßkind) Italiens muß der Araber natürlich alles zu sehen bekommen, und so hat man ihn auch vor die Tore RomS geführt, in den Agro Romano. Das war ein Tag unsag- barer Erschütterung für unseren Mustapha. Er glaubte, wieder in seiner Heimat zu sein. Also hier gibt es auch TukulS? Nein, das sind die Strohhütten der„Guitti". Ah. Guitti... das sind wohl die Beduinen in Italien? Nein, das sind italienische Arbeiter, die von auswärts kommen, um den Boden zu bestellen und sich die Malaria zu holen. Sehr gut, ausgezeichnet! Und dies alles hier, das ist wohl die italienische Wüste? Nein, Herr Mustapha, das ist der Agrvv Romano. Ach, entschuldigen Sie, Herr Kulturträger, warum hat man denn nicht hierher die Kolonnen gebracht und die Eisenbahnen, die Hospitäler, die Schulen, die Ihr zu uns rübergeschickt habt? Ja... wissen Sie, wir haben doch die Aufgabe, die Kultur nach Afrika zu bringen. Ah, ich verstehe, sehr gut, ausgezeichnet I Aber wer hat denn die Aufgabe, die Kultur in den Agro Romano zu bringen? Herr Mustapha, ich muß doch sehr bitten.... Sie werden sich doch hier nicht auf den Sozialisten herausspielen I Bitte mein Herr, verzeihen Sie; ich rede dummes Zeug, ich bin ja schließlich nur ein Wilder. Auf solche Gedanken, daß man erst im eigenen Vaterlande Kultur verbreiten müßte, und dann bei den anderen, darauf kann wirklich nur ein Wilder kommen.... Theater. Das neue Spieljahr der Freien Volksbühne hat am letzten Sonntag begonnen. Es durch eine UrPremiere ei» zuleiten, durch ein Stück von eigener Art, wie Rofenows zur Erst- aufführung in Berlin und Deutschland bestimmtes Bergarbeiter» drama.Die im Schatten leben", war infolge polizeilichen Verbots einfach unmöglich. Deffen ungeachtet rückte der Verein in beträcht« l'ch verstärkter Zahl seiner Mitglieder heran und erweist so aufs neue die Tatsache, daß der SehnsuchtSzug der Arbeiterschaft nach edler Kunst durch keinerlei noch so brutale Gewaltmittel polizeilicher Willküchenschast niederzuzwingen ist. Mangelte dem Beginnen auch eine ereignisvolle Tat. so suchte sie die Vereinslettung doch durch eine andere gleich ehrenvolle wettzumachen. Es galt August S t r i n d- Berg zu feiern! Ob man ein Drama aus einer seiner späteren Schaffensperioden nicht doch lieber gesehen hätte als die peinvolle Tragödie.Der Vater", bleibe un- erörtert. Jedenfalls wird dies kühne Unterfangen dennoch nach seiner literarischen Bedeutsamkeit gewürdigt werden. Vor allem verdient die von Direktor W i t t e- W i l d unter recht schwierigen Begleitumständen vollbrachte Leistung vollste Anerkennung. Seine Regielunst blieb dem Dichter nichts schuldig. Man stelle sich nur Artikel, die im vollen Umfange den beschränkten, stupiden Zentralisationsstandpunkt des Komitees aufrechterhalten. Der Plan des Komitees scheint zu sein, durch patriotische Opposition zur Macht zu gelangen. Zu diesem Zwecke dürste es sich besonders bemühen, den bevorstehenden Friedensschluß agitatorisch auszunutzen. Auf diese Weise hofft man. die Armee wieder zu gewinnen. Dieser Weg zur Macht führt über eine neue Offiziersrevolte. Die Boykottisten, die das Parlament beiseite lassen, scheinen überhaupt keine anderen Möglichkeiten zuzulassen. Daß die Komiteeorganisationen auch jetzt noch bei den Wahlen eine hervorragende Rolle spielen können, das ersieht man jetzt unter anderem aus den steigenden Befürchtungen, die man in den Reihen der frühern Opposition, der„Libe- ralen Vereinigung", hegt. Der Führer der letzteren, Lutfi F i k r i, sucht in seiner Zeitung Tag für Tag die Regierung zu überzeugen, daß es notwendig sei. die gesamte Beamten- schaft so ziemlich bis auf den letzten Polizeiposten auszu- wechseln, denn sonst würden die Beamten noch immer eine Pression zugunsten des Komitees ausüben. Das bedeutet in Wirklichkeit: Lutfi Fikri braucht selbst den Beamtenapparat, um die Wahlgeschäste der Liberalen Vereinigung zu besorgen, und hat nur geringe Hoffnung, auf andere Weise eine Majorität zu erlangen. Im übrigen treten die Divergenzen innerhalb der Liberalen Vereinigung selbst immer schärfer hervor. Mit dem Austritt Hussein H i l m i s hat die Re- gierung einen Ruck nach rechts bekommen. Dabei ist in ihm als politische Persönlichkeit von ausgeprägtem Charakter nur noch K i a m i l Pascha verblieben. Dieser Zustand ist un- haltbar. Entweder Kiamil Pascha wird Großwesir, oder es wird ein anderes Ministerium gebildet. Es wird eifrig daran gearbeitet, ein Koälitionsministerium zustande zu bringen, an dem auch Komiteeleute beteiligt sein sollen. Ob mit Er- folg, das muß sich sehr bald zeigen. Die Kabinettsänderung verschoben? Konstantinopel, 2. September. Nach anscheinend zuverlässigen Informationen sind die Gerüchte über nahe bevor- stehend» Aenderungen im Kabinett unrichtig. In- folge der Einwirkung der Militärliga hatKiamilPascha vorläufig seine Absicht, zu demissionieren, aufgegeben und wird voraussichtlich bis zum Beiramfeste Mitte S e p- t e m b e r im Amte bleiben. Inzwischen werden Bemühungen angestellt, die zwischen Kiamil Pascha und dem Marine- minister bestehenden Differenzen auszugleichen. KriegSagitatiou in Serbien. Belgrad, 1. September. Heute vormittag fand hier eine vom patriotischen Verein„Nationale Verteidigung" einberufene Volks- Versammlung statt, an der mehr als 3000 Bürger und viele Offiziere teilnahmen. Nachdem mehrere kriegerischeReden gehalten worden waren, nahm die Versammlung eine Resolution an, w der die Regierung zu den energischsten Schritten gegen eine weitere Ausrottung des serbischen Volkes und zur Erwirkung einer Genugtuung für die Opfer von Sienitza und Bielopolje aufgefordert wird. Unter den Rufen»Krieg der Türkei" zerstreute sich die Versammlung._ Der wistttembergikche Eandcspartcitag. Am Sonnabend nachmittag wurde in Heilbronn der tvürttambergische Landesparteitag in Heilbronn durch den Vor- sitzenden des Landesvorstandes Hilde nbrand eröffnet. Vom Parteworstand sind Ebert und Braun erschienen, von der bayerischen Organisation Genosse Körner und von der badischen S t r o b e l. Zum Leiter der Verhandlungen wurde Genosse D i e tz bestimmt. einmal vor, wieviel Mühe und Geduld aufzuwenden war, um bei- spielsweise die Szene mit der Zwangsjacke täuschend naturgetreu herauszubringen! Rudolf Lettinger erWied sich aber auch in der Hauptrolle des Rittmeisters als ein ungewöhnlich glänzender Darsteller. Seine Verkörperung dieser tragischen Gestalt war einfach bewundernswert. Martha Altenberg hätte man gern anders gesehen. Nicht, als ob sie nicht abermals bemerkliche Proben ihrer zweifelsohne starken künstlerischen Kraft gegeben hätte; aber sie ver- gaß zuweilen, daß sie statt einer abgerackerten Proletarierin die sehr willensstarke, dennoch in feineren Umgangsformen erzogene und sich natürlich auch so bewegende Frau eines Offiziers zn vertreten hat. Auch würde ihre schauspielerische Darbietung nur gewinnen, wenn sie weniger ihre Worte und Handlungen unterstriche, als es leider der Fall war. Klara B e r g e r als Amme übergipfelte den Gehalt dieser Rolle bei weitem. Alle? war Wärme, Innerlichkeit an ihr. Der Doktor Oestermark bietet dem Darsteller durch das Maß der ihm vom Dichter zugeteilten Unsicherheit ohnedies Schwierig leiten. Max Eisfeld vermochte doch nicht, sie ganz zu besiegen, so achtenswert seine schauspielerische Leistung an sich erschien. Gustav Meyerhofer konnte wohl ein alter Pastor sein. Recht frisch und sicher war Steffi Exner als Berta. Das Drama packte die Zu- schauer gewaltig. Alles in allem trat wieder zutage, daß Auf- führungen in eigener Regie qualitativ schwerer wiegen, chls ander- weite, auf deren Zustandekommen die künstlerische Leitung des Vereins keinerlei Anloritätsrechte ausüben kann. Im Deutschen Schauspielhaus gab e» einen „Eg m ont." Von dieser Aufmachung ist nichts RühnilicheS zu sagen. Diese neue Theaterei, für deren Geldgeber Herr Lantz firmiert, erlaubte sich gleich bei Beginn eine Ar't zu offenbaren, die mit den Kunstprinzipien der Freien Volksbühne im schreiendsten Mißverhältnis steht. Hatte Herr Lantz für die öffentliche oder allgemeine Aufführung des Goethedramas noch wenigstens einige Schauspieler von zum Teil verdientem Ruf als Houpirollenträger präsentiert, so glaubte er wohl, daß man dem Verein Freie Volksbühne die aufgelegte Minder- Wenigkeit kredenzen dürfe. Und ferner vermeinte man sich an Beethovens Egmontmusik, die vorher von dem Philharmonischen Orchester gespielt wurde, ungestraft versündigen zu können, indem man sie durch eine ärmlich winzige Kapelle verarbeiten ließ. ES sollte, meinen wir, unnötig sein, die Leitung dieses neuen Kunst- tempels daran zu erinnern, daß fie der Freien Volksbühne gegenüber ernst-künstlerische Pflichten übernommen hat! e. k. Residenz-Theater:»D e r H e r r von Nr. IS", Schwank von Henri Köroul und Albert Barrö. Ferry S i k l a, der nach dem Ausscheiden Alexanders die Direktion übernommen, erzielte mit dem neuen Fabrikat der Firma Köroul und Barre den bei Aufführungen des Residenz- Theaters üblichen Heiterkeilserfolg. Ein in die Jahre gekommener Medizinprofessor, der hinter Zutrauen erweckender Beleibtheit eine zornig cholerische GemülSyrt und tückischen Sinn verbirgt, jagt als der Rächer seiner angeblich gekränkten Gattenehre hinter dem unbekannten Titelhelden, dem Herrn von Nr. 19, her. Daß dieser, der nächtlicher Weile im Nachbarzimmer Nr. 18 die schlummernde Frau Dottorin erschreckte, sich einfach in der Tür geirrt hat, macht ihn in den Augen des eifersüchtigen Ehemannes nicht weniger strafwürdig. Der Wirrwarr, nach bekannten Rezepten durch eine Reihe lreuzweis verschlungener Eheirrungen noch weiter Nach den Begrüßungsreden sehte die Debatte gjleich sehr leb- hast ein. Es handelt sich um folgendes: Das jetzige Delegations- system entrechtet die größeren Organisationen. Zurzeit wählen nämlich Ortsvereine bis zu 199 Mitgliedern einen Delegisrien, mit 109 bis 300 Mitgliedern zwei Delegierte, mit über 300� Mitgliedern auf je weitere volle 200 Mitglieder je einen weiteren Delegierten. Die Mitgliederzahl wird nach der J8ahl der adgc- lieferten Beiträge berechnet, wobei 44 Wochenbeiträge ziugrundc zu legen sind. Letztere Bestimmung trifft nur die größeren Organi- sationen, denn ob der kleine Verein ö ober 10 Mitglieder zählt, ändert an seinem Recht zur Entsendung eines Delegierten zur Landesversammlung gar nichts, während andererseits zum Beispiel Stuttgart, das im letzten Halbjahr rund 2000 neue Mitglieder ge- wann, die selbstverständlich noch keine 44 Beiträge abliefern konnten, nur für 8123 Mitglieder Delegierte enifenden kann, obgleich die wirkliche Mitgliederzahl 9157 ist. Die vorläufige Präsenzliste für die bevorstehende Landesversammlung bekundet denn auch, daß l Verein mit 5 Mitgliedern einen Delegierten entsendet, b Ver- eine mit je 7 Mitgliedern, 3 Vereine mit je 8 Mitgliedern, 1 mit 9, 5 mit je 10, 5 mit je 11, 6 mit je 12, 2 mit je 13, 2 mit je 14, 7 mit je 15 und 7 mit je 16 Mitgliedern. Das sind 44 Vereine mit insgesamt 521 Mitgliedern, die 44 Delegierten enifenden; auf jeden Delegierten entfallen noch nicht 12 Mitglieder. Stuttgart mit 8123 Mitgliedern kann nur 42 Delegierte senden, für je 189 Mitglieder einen Delegierten. ILO Stuttgarter Parteigenossen haben erst soviel Recht wie nicht 12 Mitglieder der kleinen Orts- vereine. 42 Vereine mit je 17 bis 22 Mitgliedern(insgesamt 801 Mitgliedern) stellen weitere 42 Delegierte. Die insgesamt 1322 Mit- glieder der 86 Vereine stellen 86 Delegierte. Stuttgart mit 8123 Mitgliedern(in Wrkllchkeit 9157 Mitglieder) nur 42 Delegierte. Einige größere Organisationen haben nun beantragt, bei wichtigen Abstimmungen auf Antrag von 15 Delegierten eine namentliche Abstimmung vorzunehmen, bei der dann die Zahl der wirklich vertretenen! Mitglieder maßgebend sein soll. Zur Gültig- keit eines Beschlusses müsse dann die Hälfte der Mitglieder er- forderlich sein. Wcstmeyer kritisiert bei der Begründung dieses Antrages, daß der Genosse Hüglin in einem Rundschreiben an die ländlichen Ortsvereine um die Uebertragung eines Mandats an einen Ge» noffen ersuchte, damit die ländlichen Orte vertreten seien; dem Landesvorstand wurde zugemutet, für dieses Mandat die Kosten zu tragen. Hildenbrand antwortete, daß der Landesvorstand''für das Rundschreiben nicht verantwortlich gemacht werden könne, er trage die Kosten für das Mandat nicht und vertrat die Anficht, daß die Delegation nur von der Mitgliedschaft ausgeübt werden könne. Als der Genosse Lachemeher-Gmünd in der Disliufsion. sich korrigierend, den Genoffen Hildenbrand als Vorsitzenden des Landesvorstandes, unter Weglaffumg dcS Wortes Genosse an- redet, bemächtigt sich der Landesversammluug große Erregung; der Redner wird durch Schlußrufe am Weiterreden verhindert und kann sich erst nach längerer Zeit wieder Gehör verschaffen._ Die Debatte wird unter großer Lebhaftigkeit fortgeführt; die Differenzen zwi- schen beiden Richtungen in der württembergischen Partei kommen fortwährend zum Ausdruck. Schließlich werden sämtliche Anträge auf Aenderung des Abstimmungsmodus auf der Landesverfamm- lung abgelehnt, Hüglin hatte vorher noch erklärt, daß er im Auftrage einer größeren Zahl ländlicher Ortsvereine gehandelt habe. Vor Eintritt in die Tagesordnung übermittelt nunmehr Gcnqffe Braun die Grüße des Parteivorftandes. Er ermahnt im Hin- blick auf die politische Situation und auf die LandtagSwahl in Württemberg zur Einigkeit, damit nicht die württemhergische Partei und die Gesamtpartei Schaden erleide. Hierauf teilt Hildenbrand mit, daß die LandtagSfraktion am Freitag eine Delegation an den Minister des Innern entsandt Hobe, um für Maßnahmen zur Linderung der Fleischnot zu wirken. Der Minister habe es für eine Pflicht der württembcrgischen Regie- rung erklärt, etwas zu tun, einschneidend könne aber das nicht sein, die Hauptenischeidung liege bei der Reichsregierumg. Es wird einstimmig einer Kundgebung gegen die Fleischnot zugestimmt und die Einberufung des Reichstages gefordert. Den Geschäftsbericht des LandeSvorsliandeS erstattet Hilden- brand; der Bericht'liegt gedruckt bor. Die Besprechung der Zwistigkeiten nimmt darin einen größeren Raum ein. Hildenbrand bespricht diese Fragen ebenfalls ausführlich. Er schildert die kompliziert, kulminiert in einem Trick von drastischer Poffenkomik. Der Schuldige, vom Doktor hypnotisiert, führt ihm da« ganze Aben- teuer mimisch vor, und der teuflich ausspekulierte Plan deS pro» fessoralen Othello, der dem Entlarvten im Znstand der Hypnose zu Hörnern zu verhelfen sucht, Niendet sich gegen den galligen Intriganten selbst. Die beiden Hauptfiguren wurden von Ferrh 6111a nnd Otto Treptow mit flottem Temperament durchgeführt. Die Damenrollen waren durch Maria Reisenhoser und Frau Cerigioli-Marx gut vertreten. de. Humor und Satire. Baisse. Der stellungslosen Könige Gibt es mm schon nicht wenige. Herr Manuel in London schreit Nach manueller Tättgkeit. Ach, selbst im Afrikanischen Fehlt's schon am Untertanischen— Um Gott, um Gott, was soll das wer'» Auf diesem aufgeregten Stern! Wie sich das Zivil-Listtfch« Verwirrt in§ Zivilistische I Bald wirft der Bürger etwa« auS Für ein MonarchcnarbeitShauS. Wo immer Manuelichen Das treue Volk befehlichen, Do setzt der angestammte Rex Auf jedes Pröstchen gleich ein ex. Peter Sch�r sSimpl.) L u r i st i s ch e«. Zeugen sind diejenigen Personen, die einen vorsang gefthen haben, aber nichts davon verstehen. Sachv e r st ändige sind diejenigen Personen, fcb eine» Bat- gang rncht gesehen haben, aber etwa» davon»ersteh«». Richter fiyd diejenigen Personen, die eium iriiriwm tMdtt gesehen haben, noch etwa« davon verstehen. Nottze». — von Arno Holz ist ein Riesenstück„verlin. Die Wende einer Zeit in Dramen", das drei Spielabende umfassen soll, zu er- warten. Hoffentlich wird jedem Zuschauer auch gleich ein Schlafseffel reserviert. — Der Intendant des Münchner Hoftheaters Freiherr von Speidel ist vorgestern an den Folgen einer Gallensteinoperatton im Alter von 59 Jahren gestorben. Nicht bloß die Bühnenkünstler werden diesem Hofkunstgeneral keine Träne nach- weinen. Das interessanteste aber ist wohl, daß als Speidels Nach- folger der zentrümliche ReichStagSgbgeordnete Maximilian Pfeiffer genannt wird, der sich für die Besserung der sozialen Lage der Schauspieler durch Broschüren und Reden auffällig ins Zeug gelegt hat. >schMerig?«s!cff, Fie Lan?eWorst<>n? bei?er?e sctzong der To ßtt od); c ebart i or. Der Lcindesvorsiond wollte nicht sofort im Sinne der letzten LondesversanMilung handeln und die Redakteure kündigen. Da die Zwistigkeiten in der Redaktion aber nicht aufhörten, beschloh der Landesvorstand die Kündigung um vor der Reichstagswahl ein kampfesjähiges Parteiblatt zu schaffen. Redner erklärte den von Westmeyer auf dem Jenaer Parteitag gestellten Antrag: der Parteivorftand solle dafür sorgen, dah die Stuttgarter ein Organ bekommen, dah im Sinne und im Geiste der Gesamtpartei geleitet wird, für eine Beschimpfung der württem- bergischen Partei, die leider auf dem Parteitag nicht gleich zurück- gewiesen werden konnte. Besonders erfreulich für den Landes- Vorstand sei die Anerkennung der Prehkommission, dah der Landes- vorstand alles getan habe, um die Zwistfgkeitcn zu schlichten. Später, als detaillierte Berichte über die Verhandlungen in Ver- sammlungen und der Presse erschienen, sei der Landesvorstand an- gegriffen worden. Hildenbrand verwahrt sich entschieden dagegen, daß der Landcevorstand die Auswahl des leitenden Redakteurs nach dessen parteipolitischer Richtung getroffen habe. Dem Landes- vorstand lag daran, das Blatt über den Zwistigkeiten zu halten; er habe nie einoBgriffen, um die Richtung der„Tagwacht" zu de- stimmen. Zur Göppingcr Angelegenheit bemerkt Redner, dah das Göppinger Blatt do»n ersten Tage an ein überaus aufmerksames Auge auf den Landesvorstand gerichtet und den Zwist in der Partei trotz aller Ermahnungen geschürt habe. Es wurde gegen den Willen des Landcsvorstandes gegründet, da im Bezirke kein ausreichendes Verbreitungsgebiet vorhanden war. So war es nicht ver- wunderlich, daß das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten gc- riet. Der Landesvorstand hat der Sanierung zugestimmt, um die daran beteiligten kleinen Geldgeber nicht zu schädigen. Nach der Sanierung in Göppingen erschienen die tendenziösen Berichte in der Presse, die ganze Parteipresse sei einseitig informiert worden und der Landesvorstand bedauere es besonders, dah das Zentral- organ, der„Vorwärts", wie auch ein neuerlicher Bericht wieder zeige, sich noch immer keinen objektiven Berichterstatter aus Würt- tcmberg anschaffe. Besondere Erregung machte sich kimid bei der Bemerkung, bah das Göppinger Blatt von einem Genossen, redigiert würde, der zu der Zeit gar nicht Parteimitglied war. Der Landes- vorstand hoffe nun. dah in Göppingen Ruhe einziehe. Nach der Erledigung dieser Sache kam eine neue Differenz. In der bürger- tichen Presse erschien ein Bericht unter der Ucberschriit: Geld stinkt nicht!, als dessen Verfasser der Redner den Genossen Westmeyer an spricht. In dieser Notiz wird einigen leitenden Genossen der Vor wurf gemacht, dah sie Berichte aus Parlamentskommtssioinen für die bürgerliche Presse schreiben. In einer Konstrenz wurde die Angc- legenheit beraten und anerkannt, dah diesen Genossen, die ver- sprachen, solche Berichte nicht mehr zu schreiben, ehrenrührige Vorwürfe nicht gemacht werden können. Redner kommrt nunmehr auf die bekannten Vorkommnisse bei der Stuttgarter Gemeinderatswahl zu sprechen. Der Landesvorstand konnte Ausschlüsse nicht vornehmen gegen jene Genossen, die dem Beschluß der Parteiversammlung entgegen den Wahlzettel änderten, er konnte nur eine Rüge aussprechen; wie es denn der Landcsvorstand mehr als seine Aufgabe betrachtet, zu schlichten, denn den vielfachen SluSschlutzanträgen stattzugeben. — Ein erfreuliches Bild kann Hildenbrand geben vom Reichstags- Wahlkampf und der in dieser Zeit geleisteten Arbeit der Genossen. Der Erfolg war denn auch ein für die württembergische Partei befriedigender.— Mit dem Stichwahlabkommen des Partei- Vorstandes erklärte sich der Lanbcsvorstand einverstanden und empfahl es den Genossen, wenn auch er nicht völlig davon be- friedigt war; er hat es bedauert, daß auf Württemberg nicht be- sondere Rücksicht genommen werden konnte, aber es hätte geheißen, den Parteivorstand desavouieren, wenn man den praktischen Vor- schlag abgelehnt l>ätte. Die Genossen im Lande seien der Auf- forderung des Landcsvorstandes gefolgt. Das Abkommen habe eine Schwächung der Konservativen gewollt, was auch gelungen sei. Redner ersucht die Landesversammlung, sich mit dem Vorgehen des Parteivorstandes und des Landesvorjtandcs einverstanden zu erklären. Die zweistündige Verichstrstattung Hildenbrands wurde mit großer Aufmerksamkeit und Ruhe entgegengenommen. Nach der Erstattung des Kassenberichtes, des Berichtes über den Maifonds und die Parteidruckerei gab Genossin Zetkin den Bericht der Preßkommission. Sie bestreitet, daß der Landesvorstand bei der Anstellung ohne jede Rücksicht auf die Parteirichtung der Redakteure entscheiden wollte; es sei von beiden Seiten hierbei bielleicht gesündigt worden. Die Preßkommission habe es für ihre Pflicht und ihr Recht gehalten, ihre Entscheidung nach der Partei- taktischen Richtung des Redakteurs zu treffen; sie habe sich aber durchaus von sachlichen Gesichtspunkten leiten lassen. Nicht der Landesvorftand habe ein besonderes Entgegenkommen damit ge- zeigt, daß die Preßkommission bei der Anstellung der Redakteure zugezogen worden ist; das war ein Beschluß der Landesversamm- lung. Auch die Preßkommission habe ausgleichend gewirkt, nicht im Sinne der Vertuschung, sondern in richtiger Würdigung der vorhandenen Kräfte. So konnte die Redaktion der„Tagwacht" eine Besetzung erfahren, die jetzt die Genossen befriedigt. Auf- gäbe der Presse und der Parteileitung müsse es sein, für die politische Schulung und grundsätzliche Vertiefung der Genossen Sorge zu tragen. Bei Eröffnung der Debatte zum Bericht des Landcsvorstandes sind bereits 37 Redner zum Wort gemeldet. Ein Antrag der Stutt- garter Delegierten, We st meyer unbeschränkte Redezeit zu ge- währen, wird nach einer Befürwortung durch Keil mit großer Mehrheit angenommen. We st meyer bezeichnet die Rebe Hildenbrands als Kampf- rede, die nicht geeignet sei, den Frieden in der Partei zu fördern. Redner verteidigt Radek gegen den Vorwurf Hildenbrands, daß er als Redakteur noch nicht Parteigenosse gewesen sei; er war lange Zeit vorher schon Mitglied der polnischen Partei. Für die raffinierten Fälschungen— wie Genosse Müller vom Partei- vorstand sie bezeichnet hatte—, die bei den Gemcinderatswahstn vorkamen, habe Hildenbrand viel Entschuldigung gehabt. Redner zitiert Bebels Worte gegen das parteischädigende Treiben bei der Gemeinderaiswahl. Damit sei die Entschuldigung Hildenbrands abgetan. Wenn das Usus in der Partei werden sollte, dann könnten ähnliche Zustände bei der bevorstehenden LandtagSwahl eintreten.— Wenn in der Stuttgarter Parteiversammlung gegen die Beschlüsse der letzten Landesoersammlung votiert wurde, so sei das das gute Recht der Genossen gewesen, das doch Hildeubrand für sich ebenfalls in Anspruch nehme.— Ter Antrag auf dem Jenaer Parteitag war von 105 Delegierten unterschrieben; die Zustände in Württemberg bleiben doch kein Geheimnis in Württem- berg; es tat sich also darin der Wille einer großen Anzahl Ge- nassen kund. Nicht persönliche, sondern tiefe taktische und sachliche Differenzen über programmatische Punkte lagen den Streitigkeiten zugrunde, was vom Parteivorstand und auch von Hildenbrand an- erkannt worden ist.— Zu den Göppingcr Differenzen wolle er nichts sagen, das überlasse er den berufenen Personen; was er in der Sache getan und geschrieben habe, davon nehme er nichts zurück; die Angelegenheit werde ja noch den Parteitag beschäftigen. Radek ist nicht anwesend; dagegen nimmt Thal- heimer an der Landcsversammlung teil. Redner will schließen, auf Zurufe: Hungerbrsts! ging er auf den bekannten Brief ein. Seine Entlassung, vom Parteivorstand mißbilligt, war ungerecht und eine Erschütterung seiner Existenz. Keil habe den Landes- Vorstand veranlaßt, ihm L400 M. als Mitarbeiter zu bieten; als ivorsitzender der Stuttgarter Organisation habe er dies An- erbieten nicht annehmen können. Er hätte den Kampf der Stutt- garter damit illusorisch gemacht und wäre für 2400 M. zum HundSfott geworden. Durch die Stuttgarter Wahlschwindeleien sollte er aus Stuttgart verdrängt werden. Er schäme sich nicht. daß Arbeiter in den Fabriken ihre Pfennige zusammengelegt thaben, damit er für Frau und Kinder Brot kaufen konnte.(Große Bewegung.) Die Genossen, die ihm vertrauten, seien nicht wenige. und auf dieses Vertrauen itt einfachen Genossen sei er stolz. �Lebhafter Beifall.) N o ß rii a n n- Ulm will, daß die Genossen im Lande jirien Einfluß auf die Haltung der„TaMvacht" ausüben, nicht die Stutt- garter allein; die„Tagwacht" sei LandeSorgan. Ein Antrag Ulm ist im Sinne Roßmanns gehalten. Die größere Schuld am Göppinger Zusammenbruch treffe nicht die dortigen Partei genossen, sondern die unverantwortlichen Ratgeber in Stuttgart. (Beifall.) Der Sonntagssitzung lag eine Resolution bor, die dem Landes- vorstand ihr Vertrauen ausspricht und ihn in Schutz nimmt gegen die erhobenen Amvürfe. Ein Antrag wünscht, die Landesversamm- lung möge erklären, daß Wcstmeyer infolge seiner fortgesetzt parteischädigenden Tätigkeit Ehrenämter in der Partei nicht mehr bekleiden könne und daß die Partei es ablehne, die Verantwortung dafür zu übernehmen.(Zurufe: Ausschließen! Große Unruhe.) H e h m a n n gibt zur Begründung eine Schilderung des Ver- Haltens Wcstmehers. Als Hehmann u. a. erklärt, Westmeyer habe mit höhnischer Miene zugesehen, wie ein Genosse mit Fäusten be- arbeitet worden ist, Ivar auf Minuten hinaus die Ruhe nicht wieder herzustellen. Erregte Zwischenrufe wurden laut und Hey- mann wird unter anderem wiederholt der Lüge bezichtigt. Heymann erklärt nach Wiederherstellung der Ruhe, das von ihm Gesagte mit seinem Eide decken zu können. Weiter erklärt Redner, die Stuttgarter Streitigkeiten hätten verschuldet, daß bei der Reichstagswahl nicht mehr Stimmen erobert worden seien. Es gäbe Genossen, die die Streitigkeiten auf das Land übertragen wollen. Redner sagt weiter, daß den Streitigkeiten weniger fach- liche Momente zugrunde liegen; es sei ein Kampf um den Futter trog. Er verlangt, daß die Landesvcrsammlung gegen die Ab sägung des Genossen Lindemann in Göppingen Einspruch erhebe. E b e r t vom Parreivorstand: Gen. Braun habe schon gesagt, daß der Parteivorstand in recht lebhaftem Meinungsausrausch mit den württembergischen Genossen gestanden habe; leider sei er recht unliebsanier Natur gewesen. Nach dem Tätigkeitsbericht des Landes- Vorstandes bestand jedoch Hoffnung, daß die mühevolle Arbeit des letzten Jahres wenigstens zu einer Besserung geführt habe. Die Verhandlungen der Landesversammlung zeigen aber, daß das leider nicht der Fall ist. Die Zwistigkeilen seien jetzt schlinmrer als je. Das sei mit Rücksicht auf die bevorstehende LandtagSwahl und nach den Erfahrungen der Reichstagswahl zu bedauern. Parteivorstand und Landesvorstand haben in Gemeinschaft mit den Leitern der Organisationen in einer Reihe Streitfragen eine Verständigung erzielen können; damit sollten die Differenzen zum Abschluß ge bracht werden. Einzelheiten dieser Verhandlung von neuem aust rollen, hieße alte Wunden wieder aufreißen, und die Verhandlungen ergäben sich damit als zwecklas. Hildenbrand sei in der Beurteilung des Jenaer ParteitagsbeschlusseS über das Ziel hinausgeschossen. das war keine grabe Beschimpfung württembergischer Genossen, Nach Abgabe der Erklärung dagegen auf dem Parteitag hätten die Ge- »offen sich beruhigen können. Der Parteitag wollte keine Stellung zu den Streitigkeilen nehmen, er wollte nur, daß Verhältnisse ge schaffen würden, die ein Zusammenarbeiten ermöglichen. Die Kün digung und Entlassung der Redalleure hätten vor Aufnahme der Ber Handlungen nicht erfolgen dürfen. Preßkommission, Landesvorstand und Parteivorstand haben eine Verständigung über die Haltung der„Tag- wacht" herbeigeführt. Redner bedauert, daß die Preßkammission in ihrem Bericht vor aller Oeffentlichkeit sich über die persönlichen Berhältniffe der bewerbeliden Redakteure ausgesprochen habe. Das eien dach sehr delikate Dinge und jeder in der Partei sei sich darüber einig, daß sie vertraulich behandelt werden müßten. Er- freulich sei es, daß jetzt die„Tagwacht" über die Streitigkeiten hinausgehaben ist. Alle Anträge, die eine Abschaffung oder Aende- rung der Zusammensetzung der Preßkainmissian wollen, müßten ab- gelehnt werden, um eine neue Verschäifung des Slreits zu vermeiden. Die Preßkommission und der Landesvorftand entscheiden doch gemein- am über die Haltung der Presse. Den kleinen Blättern ein weiteres Recht einzuräumen, sei zu viel verlangt. UeberdieGöppingerAffäre walle er sich nicht verbreiten, darüber würde wohl aus dem Parteitag nach ein ernstes Wörtchen zu reden sein. Verwundern aber müsse er sich, daß Thalheimer noch nicht Veranlassung genommen habe, zu reden, eS seien doch von ihm Vorwürfe gegen den Landes- vorstand erhoben worden. Wo bleibe Thalheimer? In der Göppinger Sache sei van einigen Genossen in parteischädigender Weise gehandelt worden. Doch ist, wie Hildenbrand sagte, nicht die ganze nard- deutsche Parteipresse einseitig berichtet worden, sondern nur wenige Blätter. Objektive Berichte aus Württemberg zu erhalten, sei eben ungemein schwer, es gebe ja niemand mehr, der objektiv berichten könne. Wenn die Württembcrger Genossen ernstlich bei sich Einkehr holten würden, müßten sie diesen Kampf gegen sich selbst aufgeben und versuchen, kameradschaftlich zusammenzuarbeiten. Die sachlichen Gegensätze sind da. find aber nicht so groß, daß das nicht möglich ist. Mögen die Genossen dafür sorgen, daß die Landesversammlung einen Verlauf nehme, der der Partei würdig ist.(Lebhafter Beifall.) Genasse Thalheimer beschränkt sich aus die Verlesung einer trockenen protokollarischen Erklärung, in der er betont, daß die Ulmer Genossen seinen Rücktritt von der Redaktion bei der Sanierung in Göppingen erzwingen wollten. Die Auslassungen des Landes- Vorstandes wolle er übergehen, es genüge ihm, wenn er baS Ver- trauen vieler Genossen habe. C r i s p i e n, der leitende Redafteur der„Tagwacht", erklärt, daß er sich der größten Zurückhaltung befleißigt habe an dem Württemberger Streit, daß aber von anderen Genossen das Gleiche gegen ihn nicht geübt worden ist. Er ver« wahrt sich dagegen, daß die württembergischen Blätter alles nehmen müßten, was die.Tagwacht" berichtet. Er nehme nicht, wie Naßmann behauptet hatte, nur von Pannekoek, sondern er habe auch Stampfersche Artikel, auch solche von Keil, Hildenbrand und Roßmann aufgenommen, von Radek bisher nicht, weil die»Tag- wacht" ohne ihn auskomme. Die Kollegen der in.Tagwacht" lehnen es ab. sick von Roßmann die Richtung vorschreiben zu lassen. Sie hätten bisher kameradschaftlich zusammengearbeitet und wären stets zu einer Einigung gekommen. Die Diskussion wird geschlossen und eZ entspinnt sich zwischen Keil und Westmeyer eine große Kontroverse. Keil erklärt m einer persönlichen Bemerkung, daß die Lieferung von Kommissions- berichten aus dem Landtag seit langer Zeit erfolgt ist. Der Artikel Westmcyers im Göppinger Blatt machte ihm zum besonderen Vorwurf, daß er Berichte für ein bürgerliches Pressebureau geliefert habe. Mit diesem bürgerlichen Bureau stehe die.Tagwacht" seit 20 Jahren in engster Beziehung und Westmeyer wußte das. West- meyer widerspricht dem. nur auf Anfrage bei dem bürgerlichen Bureau habe man aus Gefälligkeiisgründen Antwort gegeben. Gegen Lieferung von Berichlen an die bürgerlichen Bureaus durch Land- tagsabgeordncte hätte er sich entschieden gewandt, da er das für unvereinbar halte mit der Stellung eines Landtagsabgeordneten. Keil erklärt demgegenüber, daß Westmeyer bei einer Konferenz habe zugeben müssen, daß er davon gewußt habe. Hierauf nahm Hildenbrand das Schlußwort. Er betonte, daß der Landesvorstand sich redliche Mühe gegeben habe, diese Dissonanzen z» beheben. Er spreche die Meinung weiter Kreise aus, wenn er sage, daß sie diese Streitigkeiten endlich satt haben. Derjenige Genosse, der jetzt noch fortfahre zu stören, würde mit Recht vom LandeSvorstand zur Ordnung gerufen und eventuell aus- geschloffen werden.(Lebhaftes Händellatschen.) Der Landes- vorstand wird dafür sorgen, daß die Parteivergiftung ein Ende nimmt. Er ersuche, alle Anträge abziilehnen, die geeignet erscheinen, die Verbitterung in Stuttgart weiter zu führen. Hildenbrand bespricht dann noch einmal den Fall Radek, wobei große Unruhe entsteht. Er fährt fort: Dieser Mann, der sei. wie jetzt dem Parteivorstand mitgeteilt worden ist. von der polnischen Parteiorganisalion ausgeschlossen worden.(Händeklatschen und minutenlange Unruhe.) Der Landesvorstand ist der Meinung geivesen, daß, wenn es sich um Geld der Partei handelt, polnische Nichtgenossen nicht dazivischen reden dürften. Westmeyer bemerlt dazu, daß erst untersnchl werden müsse, ob Radek zu Recht ausgeschlossen ist; dann sei Radek für unS erledigt. Zur Zeit aber, als Radek in Göppingen Redakteur war, war er Mitglied der pol- nischen Organisation. Es kommt nun zur Abstimmung. Eine Resolution, in der die Landesbersammlung mit Bedauern Kenntnis nimmt von den vor« gängen der letzten Krcisgeneralversammlung und die den Landes« vorstand und den Parteivorstand beauftragt, die EntWickelung der Parteiorganisation im ersten württembergischen Kreise im Sinne der Gesamtpartei zu sichern, wird angenommen. Eine Resolutton. die dem Landesvorstand»hr Vertrauen auS« spricht und verurreilk, daß in der Göppinger Affäre wahrheitswidrige Berichte in die Presse gesandt worden sind, wurde ebenfalls an« genommen....,,„ Der Antrag', daß Westmeyer Ehrenamter nicht mehr bekleiden könne, wird zurückgezogen... �- Die Resolutton. die eine Aenderung in der Besetzung der Preß- kommission wünscht, wird auch zurückgezogen. Nunmehr gibt Genosse Keil den Bericht über die Landtags« tätigkeit. Es betont, daß die Landtagsftaktton prakttschs Polilik gettieben habe und jede Verkleinerung deS Parla- mentarismus und dafür Einführung der Pannekoekschen Taktik ablehne. Redner bespricht in längeren Aussührungen die bürgerlichen Parteien Württembergs und die Stellung unserer Partei zu ihnen. Im Reichstag sei die Mehrheit deS schwarzblauen Blockes gebrochen. es müsse dafür gesorgt werden, daß im württembergischen Landtag der schwarzblaue Block nicht erst aufkomme. Das Beispiel in Bayern wirke abschreckend. In Württemberg habe man Aussichten, daß Politiker k la Hertling Einfluß auf die Regierung gewinnen. Die Sozialdemokratie steht unabhängig in dem Wahlkampf und führe ihn grundsätzlich, sie werde keine Milde walten lassen, weder gegen die Volkspartei noch gegen die Nattonalliberalen. Nachdem die Kräfte sich im ersten Wahlgang gemessen, werde zu entscheiden sein, wie im zweiten Wahlgang unsere Kräfte zu verwerten seien. Wenn aber die bürgerliche Linke keine scharfe Grenze zieht zwischen sich und der Reaktion, kann sie nicht auf Unterstützung durch die Sozial- demokratte rechnen. Zu fordern sei der Landespraporz. nachdem der Teilproporz sich bewährt habe. Mehrere Anträge verlangen, die Rede Keils als Broschüre herauszugeben. In der Diskussion er« klärten sich die Redner einverstanden mit den Ausführungen Keils. ES wird ein Antrag angenommen, der dem Landesvorstand, Landtagsfraktion und Redaktton der Parreipresse den Auftrag erteilt,� ein Wahlprogramm auszuarbeiten. Ein Antrag Roßmann, der die parlamen« tarische Tätigkeit der Landtagsfraktion gutheißt, wird angenommen. Hildeubrand spricht noch über da« neue OrganisationSstatut und ver- langt Ergänzung des Parteivorstandes durch einen Parteiausschuß. Die Landesversammlung stimmt dem zu und Hildenbrand wird als Ausschußmitglied bestimmt. Als Vorsitzender des LandeSvorstandeS wird Hildeubrand wieder« gewählt. Die nächste Landesversammlung soll in Stuttgart stattfinden. Eue der parte!* Die diesjährige Landesversammlung der sozialbemokratischcl» Parkei Elsaß-Lothringcns trat am Sonnabendabend in Straßburg zunächst zu eitler g'öH schlossenen Sitzung zusammen, in der der Vorstands- und Kassen« bericht und die Berichte der Kontrollkommission erstattet wurden,— die ersteren zwei Berichte von Parteisekretär Eh. H u e be r und Landeskassierer G. Schmitt, das dritte Referat von dem Ge« Nossen L. E m m e l. Die Mängel der Organisation bei den Land- und Reichstagswahlen erfuhren im Berichte der Kontrollkommission eine scharfe Kritik, die die Versammlung auch in der Diskussion ein« gehend beschäftigte.— Die Verhandlungen am Sonntag waren öffentlich. Zu ihnen waren 73 Delegierte erschienen, mit den Vor« standsmitgliedern und auswärtigen Gästen 32 Teilnehmer, die stärkste Beteiligung, die noch je ein Landesparteitag in Elsaß- Lothringen aufgewiesen. Als Vertreter des Parteivorstandes war Genosse P f a n n k u ch erschienen, der den ablehnenden Standpunkt der Parteileitung gegenüber dem Antrag der lothringische» Gc- nassen auf Errichtung eines P a r t e i s e k v e ta r i a t S in« Lothringen begründete und sich auch gegen die Anregung wandte, Rednern aus Elsaß-Lothringen behufs Erlernung der fron- zäsischcn Sprache durch zeitweilige Zuschüsse den Aufenthalt iw Frankreich zu erleichtern. Der Antrag auf Errichtung eines Parteisekretariates in Lothringen fand gleichwohl nach langer Dis« kussion einstimmige Annahme, da man sich von dieser Neuerung einen günstigen Einfluß aus die ziemlich zerfährenew lothringischen Parteiverhältniffe verspricht. Angenommen wurde auch der Antrag, der Landesvorstand möge auch die„Feuillcs dÄlsace-Lorraine", dieser schon seit ein bis zwei Jahren zwanglos herausgegebenen Propagandablättcr in französischer Sprache, in ge« eigneten Zeitabschnitten wieder an die Kreise mit französisch sprechender Bevölkerung zur Verbreitung geben; ferner eine Reso- lution, die sich für die baldige Herausgabe eines fran« zösischen Wochenblattes ausspricht. Beim Punkte Or- ganisation gelangte noch ein Antrag des KreiSvercins Mülhausett zur Annahme, der die Tragung der Del'egiertenkosten den Landesversammlungen durch die elsaß-lothringische Ge« samtpartci anstrebt. In den beiden öffentlichen Sitzungen am Sonntag, in welchem die Genossen Linz. Baden und K l e e f o o th-Pfalz die Grütze der nachbarlichen Parteiorganisationen überbrachten, wurden Refe« rate der Genossen L. E m m e l über die Land- und Reichstags« wählen, R. Fuchs über die Tätigkeit der Landtagsfraktion« A. W i ck y über die unmittelbar bevorstehenden BezirkstagSwahlen und B. B ö h l e über die Reorganisation der Gesamtpartei ent« gegengenommen. In den Abstimmungen nach dem letzten Referat, denen eine längere Diskussion vorausging, sprach sich die Landes« Versammlung für die vorgeschlagene Erhöhung der Mit« gliederbeiträge(§ 5 des OrganisationsstatutS) aus, des« gleichen dafür, daß der Parteitag hierfür eine Uebergangszeif von zwei Jahren festsetzen möge. Die Versammlung sprach ich ferner dafür aus, daß die ReichstagSfraktion auf dem Parteitag wie bisher vertreten fein könne. Endlich sprach sich dis Landesversammlung für die Einführung eine» Partei« auSschusseS in der von der OrganisationSkommission vorge« schlagenen Form aus. Als Mitglied zur Verttetung Elsaß« Lothringens in diesem Ausschuß bestimmte die Versammlung in ge« heimer Wahl den Genossen L. E m m e l mit 42 Stimmen, während 43 Stimmen auf den Genossen B. Böhle fielen. Der Lande?« vorstand wurde, nachdem einstimmig Straßburg als Vorort wieder bestimmt war, in der bisherigen Zusammensetzung wieder« gewählt, desgleichen die Kontrollkommission bis auf denl Ersatz des lothringischen Vertreters» Mischle durch Dr. Weill, während für das Unterelsaß an Stelle des Genossen Weill Genosse Ziegler-Bischheim gewählt wurde. Vorsitzender des Landesvorstandes ist wie bisher Peirotes, Vorsitzender der Kontrollkommission Emmel. Die Festsetzung des Orts der nächsten Landespersamimlung ist dem Vorstand und der Kontrollkommission überlassen. Am Grabe Ferdinand Lassalle». Trotz aller Kränzejagden und Beschlagnahme roter Schleifen er« hielt auch in diese,» Jahre der Borkämpfer der deutschen Arbeiter« klaffe Zeichen der Liebe und Verehrung auf daS Grab gelegt. Arn Todeslage selbst, am 31. August, hielten starke Polizeiposten den israelitischen Friedhof von früh bis abends besetzt. Die Genossen hatten sicb in diesem Jahre die Kranzniederlegung jedoch anders ein« gerichtet, sie erfolgte erst am Sonntag morgen, und als die Polizei hoch zu Roß und zu Fuß unter Führung von Kommissaren Aufstellung nahm, war die Ehrung zum größten Teil schon vorüber. Man ließ auch die anderen Kränze anstandslos passieren. Weithin leuchten nun wieder über den Friedhof die roten Kränze, die die sozialdemokratischen Vereine Breslau- Stadt, BreSlau-Land, das Gewerkschaftskartell und die Fabriken ge« tiftet haben. Viele Hunderte von Proletariern fanden sich am Grabe ein. Der Gedenktag wurde aber noch einer zweiten Demonstration. Vor einer Woche mußte da» Landgericht Breslau die vier seinerzeit konfizierteo Kranzschleifea herausgeben, die die Polizei Garbai Garanfieri Handarbeil Cigaretten am 14. Juli 1911 aus dem Leichenzuge für den Parteiveteran Louis Cohn gewaltsam entfernt hatte. Alle vier Schleifen wurden an einem Lorberkranz befestigt und schmückten nun 14 Monate nach der Beerdigung des alten Millämpfers sein Grab. Später sollen diese Liebeszeichen unter Glas und Rahmen im neuen Gewerkschaftshause untergebracht werden und den kommenden Geschlechtern von den Ruhmestaten der Breslauer Polizei erzählen. Hua aller(Sdelt. Vom Vergnügen in den Tod. Auf der Werdener Kirmes ereignete sich am Sonntag ein Unglück, dessen ganze Größe durch einen glück- lichen Zufall gemindert wurde. Beim Rangieren der elektrischen Wagen der Velbert— Werdener Eisenbahn an der Haltestelle in der Nähe des Kirmesplatzes löste sich ein An- Hängewagen und sauste die ziemlich steile Straße hinab direkt in den Kirmestrubel hinein. Durch einen starken Mast, der von dem Wagen umgerannt wurde, wurde die Schnelligkeit der Fahrt vermindert und somit viel größeres Unglück verhütet. Die Zahl der Verletzten beträgt neun, darunter vier Schwerverletzte.— Von den Verletzten sind zwei Knaben im Alter von 9 und 13 Jahren nachts im Krankenhause gestorben. Von den anderen Verletzten be- findet sich noch einer in Lebensgefahr. Tas Messer. In einer ganzen Reihe von Fällen hat am Sonntag das Mesier seine unheilvolle Rolle gespielt. In Dreenkrögen in Mecklen- bürg geriet der dem Trünke ergebene Erbpächter Kruse mit seiner Familie in Streit. Der 63 Jahre alte Nachwächter Kaiser wurde zu Hilfe gerufen. Mit diesem geriet Kruse in heftigen Wortwechsel und zog zuletzt sein Messer, mit dem er den Nachtwächter er st ach.— Ju Marienburg erstach der 21 jährige Franz Wiegand seinen Vater, den Speicherarbeiter Wiegand, nach» dem er kurz zuvor einen Wortwechsel mit ihm gehabt hatte. Der Vater ist den Verletzungen erlegen, der Mörder wurde verhastet.— AuS einem geringfügigen Anlaß gerieten in M ü l h e i m a. Rh. mehrere junge Burschen in Streit, in dessen Verlauf einer durch einen Messer st ich getötet und ein anderer schwer verletzt wurde. Der Täter wurde verhaftet.— In Metz wurde in einem Straßengraben der 27 jährige Schlosser Lucien Thomas aus Montigni er stachen aufgefunden. Der mutmaßliche Mörder wurde in der Person des 24 jährigen Italieners Cervasi verhastet, der durch Augenzeugen der Tat überführt sein soll. Der Grund der Tat soll Eifersucht gewesen sein. Automobilkatastrophe. Ein folgenschwerer Automobllunfall hat sich am Sonntag in der Nähe der italienischen Stadt Lucca zugetragen. Ein Auto- mobilomnibuS, der zwischen der Stadt und den Bädern von Lucca verkehrt, stuß, mit 24 Personen besetzt, auf der Landstraße mit einem Dampstramzug zusammen. Drei Personen wurden getötet, mehrere! andere Personen sind verletzt, darunter Vitt Deutsche. Einer der Deutschen soll im Sterben liegen. Die gerettete Sittlichkeit. Seit einigen Tagen hat sich in Bochum ein sog. Belustigungs- Palast niedergelassen, dessen Frontseiten ein Gemälde enthalten, das Nixen raubende Faune darstellt. In allen Städten Deutschlands, wo das Unternehmen bisher gewesen ist, hat niemand etwas gegen die nackten Figuren einzuwenden gehabt,— bis in Bochum ein katholischer Geistlicher bei der Polizei Be- schwerde einlegte, die dann verfügte, daß die Nixen mit einem Leinentuch überhangen werden mußten. Nun sieht man die Faune und die Köpfe der Nixen. Das Gemälde ist von Professor Naumann, Leiter der Dresdener Kunst- akademie, entworfen und von den Kunstmalern Reh und v. Ninatzky in München ausgefihrt._ Das Näuberun Wesen in Nnstland. In Moskau wurde eine Bande von Verbrechern dingfest ge- macht, die in kurzer Zeit nicht weniger als 36 Verbrechen, darunter 18 Mordtaten, begangen hat. An der Spitze dieser Bande stand ein 24 Jahre alter Rusie namens Samyschkin. Um den Nachforschungen der Polizei besser entgehen zu können, hatte der Chef der Verbrecher eine äußerst geschickte Organisation ein- geführt. Die Banditen kannten sich nicht bei Namen, ein jeder war dem anderen nur unter seinem Spitznamen bekannt, ebenso wußten sie die gegenseitigen Wohnungen nicht. Zu ihren vorsichtigen Gepflogen- heiten gehörte auch noch, daß sie sich sofort nach der Ausführung eines Verbrechens trennten und Hunderte von Kilometern weit vom Tatorte entfernten. Nach einem Verbrechen hatten sie sich eines Automobils bemächtigt, nachdem sie vorher den Chauffeur und seine Freunde kurzerhand getötet hatten. Da sie aber mit der Führung des Automobils nicht vertraut waren, gaben sie die Fahrt mitten auf der Straße wieder auf. Der Bandenchef wurde in dem Augenblick verhaftet, als er versuchte, Kupons einzulösen, die von einem Einbruchsdiebstahl herstammten. Bei seinem Verhör be- nutzte er den Moment, in dem der Polizeikommissar seinen Kopf neigte, um diesem mit seinen Handschellen einen wuchtigen Schlag zu versetzen. Die Untersuchung bringt immer neue Verbrechen an den Tag, die von der Bande ausgeführt worden sind. Aristokraten. AuS Rom wird uns geschrieben: Große Verwunderung erregt in R o m die am 36. August vorgenommene Verhaftung zweier römischer Patrizier, der Grafen Falzacappa und B a r b i a l i n i, sowie mehrerer Geschäftsleute. Für alle hat die Polizei den Beweis in Händen, daß sie falsches Papiergeld, falsche Staatsrentenpapiere, industrielle Aktien und Billette des Staatslotto herstellten. Weiter schwebt der Verdacht gegen sie, daß sie sich auch der Organisation von Kirchendiebstählen widmeten. Um die Verbrechen aufzuspüren, wurde ein in Rom unbekannter Polizeibeamter vor Wochen beauf- tragt, mit dem Grafen Falzacappa Beziehungen anzuknüpfen. Er stellte sich ihm als Ingenieur und Angestellter der staatlichen Papier- fabrik von Fabriano vor. Als das Beweismaterial hinreichend war, erfolgte die gleichzeitige Verhaftung der sieben an den Fälschungen beteiligten Personen. Falzacappa galt in Rom als ein tadelloser Ehrenmann, der in durchaus geordneten Verhältnissen lebte. Gegen die anderen waren schon gelegentlich Verdächtigungen laut geworden. Ein eigenartiges Unglück. Nach einer aus F l i n t im Staate Michigan eingetroffenen Meldung ist dort einem 6jährigen Knaben namens Ehester B e i t S ein eigenartiger Unglücksfall zugestoßen. Das Kind wurde von dem Anker eines wissenschaftlichen Ballons er-- faßt und in die Höhe gehoben. Als der Ballon mit dem Knaben die Höhe von 600 Metern erreicht hatte, riß Plötz- l i ch das Seil und das bedauernswerte Kind fiel auf das Dach eines Hauses, wo es mit bis zur Unkenntlichkeit zerschmetterten Gliedern liegen blieb._ Verschollener Dampfer. Die Vereinigte Dampfschiffahrtsgesellschaft Kopenhagen hegt Besorgnis über das Schicksal ihres Dampfers.KurSk", der am Montag, den 26. August, von Antwerpen nach Petersburg abging. und bereits am vergangenen Mittwoch den Kaiser-Wilhelm-Kanal passieren sollte. Seit der Abfahrt von Antwerpen hat man nichts mehr von dem Dampfer gehört. Der Dampfer hatte außer dem Kapitän eine Besatzung von 19 Mann. Bei Brouvers- Häven und Ouddorp sind ein Boot und mehrere Rettungsgürtel mit dem Namen der Gesellschaft, W r a ck st ü ck e und Teile der Ladung an Land getrieben worden. Luch der Lotse, der den Dampfer in See führte, ist nicht nach Vlissingen zurück- gekehrt._ Kleine Notizen. Selbstmord' eines Dreizehniahrigen. Der 13jShrig« Sohlt Eduard des Gastwirtes Prautzsch aus Plauen i. Vogtl. hat sich, weil er 5 Mark veruntreut hatte, am Sonntagabend aus dem Gleis des unteren Bahnhofes von einem Zuge überfahren lassen. Dem Knaben wurde der Kopf überfahren, so daß er auf der Stelle tot war. Wenn der Browning knallt. In der Nacht zum Montag wurde in A l t e n e s s e n ein Schutzmann von mehreren Personen angc- griffen und seines Säbels beraubt. Er machte von seiner Schußwaffe Gebrauch und erschoß den Arbeiter Karl H e n t e l. Doppclinord. Am Sonniagnachmittag sind auf der Grube Wachtberg l in Frechen(RHId.) zwei Kroaten ermordet worden. Die Mörder, die einen Geldbetrag von 570 Mark erbeutetz haben, sind entkommen. Unwetter in, Nordamerika. Eine Reihe von Unwettern brach am Montagmorgen über das westliche Pennsylvanien und das nördliche Westvirginien herein. Dreizehn Per- sonen sind ertrunken und verschiedene werden v e r m i tz h, auch wurde großer Sachschaden angerichtet. Ein argentinischer Dampfer gesunken. In der Nähe von R i o Grande ist der argentinische Dampfer.C o l a r t i ne" untergegangen. D i e gesamte Mannschaft ist ertrunken. Zwei Leichen sowie Trümmer des Schiffes sind aufgefunden worden. Ein verwegener Einbruch. Maskierte Diebe drangen in der Sonntagnacht in das Londoner Barietetheater„Hippodrom" ein, betäubten den Nachtwächter und die Feuerwache mit Chloroform und sprengten sodann mit Dynamit einen großen Geldschrank, aus dem sie ungefähr tausend Pfund. Sterling raubten. Die Diebe sind entkommen. mlMh, NDjenwerstlniniinfi Ssntsi CncUi und Delikatessen-Geschäften. Kurprinz 3 Pfg Fürsten.» Wetr-Macht, 5- Auto-Klub 6- Aero-Kiub.10« Buchhandlung Vorwärts Llndenstr.<9. :: Neue Gesamtausgabe.:::::: Herausgegeben im Auftrage des Vorstandes der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands von Eduard Bernstein ■ Vollständig In drei Bänden in Halbiranz gebunden 14,50 M.-<■ Einzelausgaben von Lassalles Schriften: Uebep TcrfaHHangHweHen. Ein Vortrag, gehalten in einem Berliner Bezirksverein.— Was nnn? Zweiter Vortrag über Verfassungswesen.— Wacht und Recht. Ein offenes Sendschreiben. Neue Auflage. M. 1,—(Vereinsausgabe M. 0,50) Die Wlssenschalt und die Arbeiter. Eine Verteidigungsrede vor dem Berliner Kriminalgerioht gegen die Anklage: die besitzlosen Klassen zum Haß und zur Verachtung gegen die Besitzenden öffentlich angereizt zu haben. M. 1,—(Voreinsausgabe M. 0,40) Meine AMgisen-Rede, gehalten vor den Geschworenen zu Düsseldorf am 3. Mai 1849 die Anklage, die Bürger zur Bewaffnung gegen die königl. Gewalt aufgereizt zu haben. Arbeltcrprojfrnnini. lieber den Zusammenhang der gegenwärtigen Gesohichtsperiodo mit der Idee des Arbeiterstandes. M. 0,75(Vereinsausgabe M. 0,30) Die Indirekte Steuer und die Lage der arbeitenden Klassen. Eine Verteidi- gungsrede vor dem Königlichen Kammergericht zu Berlin gegen die Anklage: die besitzlosen Klassen zum Haß und zur Verachtung gegen die Besitzenden öffentlich angereizt zu haben. M. 1,50(Vereinsausgabe M. 0,60) Offenes Antwortschreiben an das Zentralkomitee zur Berufung eines Allgemeinen deutschen Arbeiter-Kongresses zu I-eipzlg. Neue Auflage. M. 1,—(Veroinsausgabe M. 0,40) Herr Bastiat Schulze v. Delitzsch, der ttkonomischo Julian, oder Kapital und Arbelt. Mit einem kritischen Vorwort von Ed. Bernstein. M. 1,— :: i Ferdinand Ilassalle und seine Bedeutung für die Arbeiterklasse. Zu seinem vierzigsten!» Todestag. Von E duar d Bernstein. Mit einem Lichtdruckbild Lassalles. M. 1,—(Vereinsausgabe M. 0,60)!! Intime Briefe an Eltern und Schwester. Herausgegeben von Eduard Bernstein. SS Nebst einem Anhang: Zwei Briefe Lassalles über Liebe und eheliche Treue. Zwei Briefe»» Soplüe v. Hatzfoldts an Angehörige Lassalles. M. 3,—;; H.Pfau, b* Dircksenstraße 20 zwischen Bahnhos Alexanderplatz und Polizeipräsidium.—Amt Kst. 3208. Für Dämon Frauen-Bedienung.* Lieferant für alle Krankenkasse». Or. SimmeE Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41,«Äz 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. 2— 4 H.& P. Uder, Tabak-Kroßhandlnng und Tabakfabrik. SV* Rauch-, Kau-, Schnupftabake, Zigarren, Zigaretten."VIS Vorteilhafteste Bezugsquelle für Wiederverkäufer. 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Union-Festsäle, Greifswalder Str. 222. G. Kreis: Mila-Säle, Schönhauser Allee 130. Prater-Theater, Kastanien-Allee 7/9. Obiglos Festsäle, Schwedter Str. 23/24.' Swinemünder Gesellschastshaus, Swinemünder Str. 42. Borussia-Säle, Ackerstr. 6/7. Frankes Festsäle, Badstr. 19. Voigt-Theater, Badstr. 68. Kösliner Hof, Kösliner Str. 8. Pharns-Säle, Müllerstr. 142.(Zwei Versammlungen.) Bock-Branerei, Abt. II, Ehai;sseestr. 64. Moabiter Stadttheater, Alt-Moabit 47/49. Artushos, Perleberger Str. 26. ~ hrea» artia Im Reichstagswahlkreise Teitow-Beeskow in folgenden Orten: Adlershof. Lehmgnibner, Bismarckstt. 60. Alt-Glienicke. Terrassen-Nestaurant, Rudower Str. 64. Baumschulenweg. Serpentins Festsäle, Baumschulenstr. 78. Bohnsdorf. Villa Kahl, Restaurant Falkenruh. Britz. Raddatz Festsäle< Chausseestr. 39. Charlottenbnrg. Volkshaus, Rosinenstr. 3. Grotz-Lichterfelde-Ost. Hohenzollerngarten, Berliner Str. 131. Grünau. Duchaufour, Köpenicker Str. 79. Johannisthal. Lindenhof, Friedrichstr. 61. Köpenick. Stadttheater. Königs-Wusterhanfen, Niederlehme, Senzig, Zernsdorf. Schützenhaus, Wwe. Wedhorn. Lankwitz. Dohn, Kais er-Wilhelm-Str. 34. Lichtenrade. Wirtshaus Lichtenrade, am Bahnhof. Mariendorf. Restaurant Graßl, Chausseestraße. Mittenwalde. E. Neumann, Gasthof zum Kronprinzen. Neukölln. Hohenstaufensäle, Kottbuser Damm 76; Bartsch Fest- säle, Hermannstr. 49; Deutsches Wirtshaus, Bergstr. 136/137; Petris Festsäle, Knesebeckstr. 113. Nieder-Schöneweide. Wirtshaus Loreley, Berliner Str. 101. Schmargendorf. Waldkater, Warnemünder Str. 14/16. Schöneberg. Neue Nathaussäle, Meininger Str. 8. Tempelhof. Wilhelmsgarten, Berliner Str. 9. Trebbin. Schützenhaus. Treptow. Neues Gesellschastshaus, am Bahnhof. Wilmersdorf. Stadtpark, Kaiserallee 51/52. Zossen. Kurzner, Baruther Straße. Am 4. September finden Versammlungen statt in: Friedenau, Kaiser-Wilhelm-Garten, Rheinstraße 65; Nowawes, Singers Volksgarten, Priesterstraße 31; Steglitz, Virkenwäldchen, Schützenstraße. Referenten: Max Barth, Fritz Carl, Hermann Clajus, August Dietrich, Georg Exner, Ernst Gehrke, Max Groger, H. Grünzel, Marie Juchae», Ernst Klaar, Emil Kloth, Julius Kaliski, Fritz Kunert, H. Langhammer, Karl Melle, Albin Mohs, Wilhelm Paetzcl, Hugo Poetzsch, O. Riedel, Adolf Ritter, Adolf Scholz, Paul Schwenk, H. Spieckermann, Franz Thurow, Georg Ucko, Adolf Wuschick, Karl Würfe, Frida Wulf, Wilhelm Zabel, Adolf Zeuner. Im Reichstagswahlkreise Nlv(lS]*tmi*uiu» in folgenden Lokalen: Bernau. Restaurant Vellevue, Jnh. Franz Salzmann. Borsigwalde. Borsigwalder Festsäle, Jnh. Hohn. Friedrichsfelde, Nen-Lichtenberg. Restaurant Bürger, Prinzenallee 30. Friedrichshagen. Eiskeller, Friedrichstr. 96/97. Lichtenberg. Arnold, Frankfurter Chaussee 5. Cafe Vellevue, Hauptstr. 2. Nieder-Schönhansen. Lidemit, Jnh. Ferschke, am Kirchplatz. Ober-Schöneweide. Wilhelminenhof. Oranienburg. Waldhaus Sandhausen, Inhaber Frahm. Pankow. Zum Kurfürsten, Berliner Str. 102. Reinickendorf-Ost. Schützenhaus, Residenzstr. 1/2. Reinickendorf-Weft. Eichbornsäle, Eichbornstr. 60. Nosenthal. O. Deutschmann, Wilhelmsruh, Hauptstr. 1. Stralau. Markgrafensäle, Markgrafendamm 34. Tegel. Trapps Festsäle, Inhaber Gamm, Bahnhofstr. 1. Weihensee. Bergbrauerei, Berliner Allee 211. Referenten: Paul Barthel, Paul Brühl, Adolf Buhl, Martha Demning, Paul Dupont, Robert Fendel, Kourad Hönisch, Karl Iah», Her««» Jged. H. Jaeckel, H. Kappler, Berta Lungwltz, Elisabeth Röhl, Otto Sillur, Karl Mermuth, Walter Zimmermann. Tagesordnung in allen Versammlungen: Der Kampf gegen die Tenernng. Diskussion.' SNMkkiee nnd Jeanen! IN �Jaffctl! Für die Eiuberufer: Eugen Ernst. Berlin. Liesenstr. l6. "Tb; rantinprtlic&pr Redakteur: Alfred Wiclcpp, Nculölln. Für den Lnferatenteil verantw.: Tl,.Gliile.Berlm. Drucku-Äerias:«orwärt,«uckdruckere. u. LerwaSantMtt ittamfetnflM. ��4, s«,' Dr. 303. 29. IahlMg. 2. Stilagc ko Jmiätts" Setliittt WKMM ptustaj, 3. Zeplmdn 1912. Zur srage der Berliner Parteiorganlfatlon. Von Hugo Poetzsch. Die Kritik, die von den Genossen G r u n w a l d und Pieck an den Zahlabeuden geübt wurde, dürfte bei den Parteigenossen im allgemeinen auf Zustimmung gestoben sein. Auch ich bin im wesent lichen mit ihr einverstanden und will Gesagtes nicht wiederholen. Werden die Zahlabende in ihrer jetzigen Form aufgehoben, d. h. findet das Entgegennehmen der Beiträge an diesen Bezirksabenden nicht mehr statt, so bleibt als Ersatz nur die Einführung der Hauskassierung. Beide Fragen gehören also zusammen. In einer ganzen Reihe von Großstädten, wie Hamburg, Hannover, Dortmund, Magdeburg, Breslau und andere mehr, ist das System des Abholens der Beiträge bereits durchgeführt, überall mit dem Resultat, daß die Parteiorganisation einen großen Aufschwung an Mitgliedern nimmt, der Prozentsatz der organisierten Parteigenossen zu den sozialistischen Wählerstimmen steigt. DaS wird auch von keiner Seite mehr bestritten. Für die weitere Diskussion über, die zukünftige Gestaltung der Parteiorganisatioa in Berlin dürfte es nicht ohne Interesse sein, einmal diejenigen Einwände zu erörtern, die in den Kreisen der Ber liner Parteigenossen gegen die oben angeführten Neuerungen erhoben werden. Gegen das Kassieren im Hause wird gesagt: Berlin sei nicht mit der Provinz zu vergleichen und die Partei nicht mit den Gewerk- schaften; es würden sich nicht Leute genug finden, die bereit sind, das beschwerliche Amt eines Einkassierers zu übernehmen; die Ge- Nossen seien allgemein der Auffassung, daß so schon zu viel Beamte in der Partei seien; die Zahlabende würden dann noch schlechter besucht werden als bisher. Zuzugeben ist ohne weiteres, daß mit der Hauskassierung unsere Funktionäre, die heute schon in täglicher Kleinarbeit unter großen Mühen und auch unter oft nicht unerheblichen Opfern an Geld für die Partei tälig sind, eine weitere Last aufgebürdet bekämen. Ein entsprechender Prozentsatz von den einkassierten Beiträgen müßte deswegen den Betreffenden als Entschädigung für die Mühewaltung zugesprochen werden. Dagegen kann ich nicht einsehen, wieso in Berlin nicht durchgeführt werden könnte, was in anderen Großstädten zum Borteil unserer Partei so gut funktioniert. Gerade die Dichtigkeit der Bewohner, die Häufung der proletarischen Bevölkerung in den Riesenhäusern mit 2 und 3 Höfen muß hier zu einem Vorteil gereichen. Die Bezirksabende würden des wegen nicht schlechter besucht sein, weil die Mehrheit der Parreigenossen mit ihren Beiträgen auf dem Laufenden ist, sondern besser. Nicht die guten. die rückständigen Bezahlerbleiben ihm heute fern. Viele bleiben ganz fern, gehen schließlich der Partei überhaupt wieder verloren, weil ihnen das Nachzahlen der Beiträge zu schwer fällt. Sie ziehen fort aus dem Bezirk und werden, wenn überhaupt, so doch erst gelegentlich wieder einmal„erwischt" und— vielleicht der Partei wieder zn geführt. Lernt aber der Bezirksführer, denn dieser müßte mit seinem Gehilfen(2. Bezirksführerj das Einkassieren übernehmen, alle seine Bezirksgenosse» kennen, kann er sie aus den kommenden Bezirks- abend aufmerksam machen, dann wird der Besuch dieser Zusammen- künfte nicht schlechter sondern besser sein. Aus dem soeben Gesagten ist schon ersichtlich, daß ich nicht für eine Aufhebung der Bezirke bin. Diese müssen als die unterste �-Zelle des Parteiorganismus bestehen bleiben. Die Abteilung wäre für die Einrichtung des HauSkassierens auch schon zu groß. Aber hiervon abgesehen: Der Bezirk ist der Wahl- bezirk bei den Reichstagswahlen, er muß bei diesen, wie bei den Landtags- und Stadlverordnetenwahlen eine intenfive Wahlarbeit entfalten. Die Flugblätter und das sonstige zu ver« breitende Material kann nicht ableilungs-, sondern muß bezirksweise verteilt wezden. Im kleineren Bezirk kann die Gewinnung von Miigliedern zum Wahlverein und das Sammeln von Abonnenten aus den„Vorwärts" intensiver betrieben werden. Die Schlag fertigkeit der Partei wird erhöht, je mehr verästelt die Organi sation ist. Es entsteht nun die weitere Frage: Nachdem das Kassieren der Beiträge in den Sitzungen wegfällt, müssen die Zahl ahende(die in Zukunft etwa Bezirks abende genannt werden könnten) noch aufrecht erhalten werden; wenn ja, wie sind sie auszubauen? Da geht meine Ansicht dahin: Die Bezirksabende sind ab zuhalten zur Erledigung der oben angeführten Zwecke sVer teilung von Material, Flugblättern usw.). Während der Zeit' der Wahlen. um eine intensive Agitation durch führen zu können, jedes Haus, jeden einzelnen Wähler mit dem nöiigen Wahlmaterial zu versehen, die Wahlarbeiten unler den Ge- nossen zu verleilen. In politisch bewegten Zeiten werden die Bezirke eben häufiger zusammentreten. Anders, wenn und soweit in ruhigen Zeiten die AufklärungS- arbeit, das Bildungsweseu in Betracht kommt. Hier scheint mir die Abteilung, wo doch wenigstens mit einer Teilnehmerzahl von etwa 150 zu rechnen ist. das Richtige zu sein. Die jetzige Einrichtung. wonach in allen Zahlabenden ein Referat gehalten wird soder doch gehalten werden soll), bedeutet eine geradezu ungeheure Vergeudung der Kräfte. Meist wird vor 15—20 Personen gesprochen; zu einer regeren Diskussion kommt es nur selten. In der zahlreicher be- suchten Abteilungsversammlung findet der Referent einen besseren Resonanzboden, andererseits ist der Kreis der Teilnehmer nicht so groß, als daß nicht auch ein wenig geschulter Genosse seine Scheu überwinden und es wagen tonnte, sich an der Diskussion zu beteiligen. Im Anschluß an das Referat könnten hier auch die notwendigen Mitteilungen ge- macht werden, falls der Bezirksabend in dem betreffenden Monat ausfällt. Denn auf die politischen Zeitläufte kommt es an, ob Wahl- und Werbearbeit oder ob AufklärungS- und Bildungsarbeit, ob demnach Bezirks- oder Abteilungssiyung zurzeit das nötigere ist. Darüber werden Ableilungs- und Bezirksführer sich leicht verständigen können. Ein Mittelioeg, der schon heute vielfach begangen wird, ist der, daß zwei Nachbarbezirke zusammen eine Versammlung ab- halten, um sich gemeinsam ein Referat halten zu lassen. Die immense Größe unserer Berliner Wahlkreise hat eS mit sich gebracht, daß die große Masse der Parteigenossen vielfach von der eigentlichen Parteiarbeit ausgeschlossen bleibt. Immer wieder hört man klagen darüber, daß ja doch schon alles von den oberen In- stanzen beschlossen sei, m den Zahlabenden werde man nur informiert über das, waS„fertig", was geschehen sei. Diese Klagen sind nicht ganz unberechtigt, sie liegen begründet in den: großen straff zentralisierten Apparat. Die politische Organisation darf nicht bloß eine gut funktionierende Maschine zur Flugblatt- Verbreitung sein. DaS Schwergewicht muß in Zukunft in die Ab- teilungen beziehungsweise in den größeren Kreisen in die Viertel gelegt werden Hier sind die Parteigenossen an allen auflaucheiiden wichtigen parteipolifischen Fragen, an denen der Taktik und der Organisation zu beteiligen. Durch die Vertreter, die von hier in die Generalversammlung und die Zentralinstanzen entsandt werden, er- hält dann jeder Genosse den ihm gebührenden Einfluß. Anders als indirekt durch Delegierte wird dies bei der Ausdehnung unserer Groß-Berliner Kreise eben kaum noch geschehen können. Wo die Gcnerulversammliina durch Delegierte gebildet wird. dürfte sich mit der Zeit eine Instanz als überflüssig erwe„en: die Kreis ko n fer enz. ,vo in der Regel nur alles das den Funktionären mitgeteilt wird was in der engeren, was in der erweiterten Vorstandssitzung sAbteilungsführersitzung) be- raten und beschlossen-worden ist. und was das„Mitteilungsblatt" gebracht hat. Die von Grunwald vorgeschlagene Verteilung des .Mitteilungsblatts" an sämtliche Parteimitglieder erscheint mir nicht angebracht; der damit verbundene Zweck und Nutzen steht in keinem Verhältnis zu den großen Kosten. Ich resümiere also: Einführung der Hauskassierung. Aufrcchterhaltung der Bezirke. Beibehaltung der Bezirksabende zur Erledigung der praktischen Parteiarbeiten. Ausbau der Abteilungsversammlungen. Der„sali yaaie" vor Bericht. Bredercchs Entlarvung. Der Kassenbote Max Haase, der die Aera der großen Kassen- botenunterschlagumgen eingeleitet hat, stand gestern vor der dritten Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsrats Neumann: Außer dem 22jährigen Haase. der beschuldigt ist, der American Expreß Company den Betrag von 100 000 M. unter- schlagen zu haben, sind der 32 Jahre alte, vielfach vorbestrafte Alex Thomas, wegen Anstiftung und Hehlerei, und der 34jährige Schuh- machergeselle Paul Foerstcr wegen Beihilfe angeklagt. Die Anklage vertrat Staatsanwaltschafts-Ässeffor Settegast, die Angeklagten wurden von den Rechtsanwälten Dr. Davidsohn und Dr. Jafte ver- teidigt. Der homosexuell veranlagte Haase, der bei der American Expreß Company als Kassenbote angestellt war, trat Ende Januar 1912 mit Thomas in Verkehr und opferte diesem viel Geld. Bei einem Zusammentreffen kam die Rede auf eine kurz vorher begangene Unterschlagung, und seitdem soll Thomas, nach der Behauptung des Haase, diesem fortwährend in den Ohren gelegen haben, daß er seiner Firma ein'e erhebliche Summe unterschlagen solle, die sie dann auf dem Tempelhofer Feld vergraben und für spatere Zeiten, wenn'Haase die ihm in Aufsicht stehende Gefängnisstrafe verbüßt haben würde, reservieren wollten. Am 20. Mai 1912 unterlag Haase den Ueberredungskünsten des Thomas. Am Nachmittage dieses Tages erhielt er von seiner Gesellschaft den Auftrag, in Be- gleitung des Kassenboten Storch 100 000 M. gegen einen auf Haase ausgestellten Scheck von der Dresdner Bank abzuheben. Nach Empfang des Geldes begaben sich beide Kassenboten nach dem Ge- bände der Reichsbank. Hier blieb Haase auf der Eingangstreppe plötzlich stehen und sagte zu Storch, er müsse austreten und werde sogleich wiederkommen. Er verließ aber das Bankgebäude und eilte mit dem Gelde nach der mit Thomas vorher verabredeten Stelle vor dem Postamt in der Oranienburger Straße. Hier er- hielt Thomas von ihm ebenfalls nach vorheriger Verabredung 5000 M. und Thomas gab ihm weitere bestimmte Verhaltungsrat- schlüge. Beide suchten dann eine Kneipe auf, und hier wartete Haase, bis Thomas, der Wachslcinwand und eine Kassette und zwei kleine Spaten besorgt hatte, zurückkehrte. Thomas beauftragte dann den Haase, den Rest des Geldes auf dem Tempelhofer Felde zu vergrabe» und am Abend mit ihm wieder zusammenzutreffen. Haase traf ihn aber nicht mehr, weil er sich mit dem Vergraben auf dem noch recht belebten Tempelhofer Felde verspätet hatte. Thomas hatte inzwischen den ihm bekannten Foerster aufgesucht. Diesem mußte es auffallen, daß der von Kopf bis zu Fuß neu eingekleidete Thomas, der ihn mit in eine Kneipe nahm, nicht nur seine Zeche mit bezahlt«, sondern ihm auch noch 20 M. schenkte. Am nächsten Tage erhielt Foerster wieder den Besuch des Thomas, der ihm 3800 Vi. übergab, mit der Bitte, das Geld für ihn aufzuheben. Foerster versteckte das Geld zwischen alten Stiefeln. Dann be- suchten beide mehrere Gastwirtschaften, wo Thomas ftir Foerster, dem er einen neuen Anzug gekauft hatte, bezahlte. Äm nächsten Tage hob Thomas bei Foerster von dem aufbewahrten Gelde 200 M. ab. Bald darauf erschienen bei Foerster Kriminalbeamte und fragten diesen nach Thomas. Foerster tat, als ob er von nichts wüßte, und benutzte die erste Gelegenheit, um Thomas von der ihm drohenden Gvfahr zu benachrichtigen. Thomas ersuchte infolge- dessen den Foerster, ihm schleunigst das Geld nach der Ecke der Jablonskistraße und Prenzlauer Allee zu bringen. Als Foerster mit dem Geld« an-dem bezeichneten Treffpunkt erschien, fand er den Thomas nicht vor. Nun wurde er ängstlich und brachte das Geld nach der Polizei, die bald darauf Thomas festnahm. Haase gelang es, sich noch bis zum 6. Juli den Nachforschungen der Polizei zu entziehen; an diesem Tage stellte er sich freiwillig und gab das Per- steck des Geldes an. Zum gestrigen Termin waren nur wenige Zeugen geladen. Als Sachverständige sind vom Gericht der Ge- richtsarzt Dr. Marx und der bekannte Dr. Magnus Hirschfcld ge- laden worden. Haase gibt seine Widernatürliche Veranlagung zu. Er ver- kehrte in einem sogenannten..Kasino", welches der Sammelpunkt solcher pervers veranlagter Menschen ist. Im Anschluß an diesen Verkehr hat er den Angeklagten Thomas kennen gelernt. Da diese Dinge des näheren erörtert werden müssen, boantvagt-der Staats- anwalt für diesen Teil der Verhandlung den Ausschluß der Oeffrnt- lichkeit. Der Gerichtshof beschließt nach diesem Antrage, gestattet jedoch den Vertretern der Presse die Anwesenheit. Der Verführer Thomas. «lngekl. Haase ist im allgemeinen geständig. Er hat ein Gehalt von 95 M. bezogen und seiner Mutter, bei der er wohnte, 50 M, monatlich abgegeben. Er behauptet, daß der ganze Plan zu der Unterschlagung von Thomas ausgegangen und von diesem auch emsig betrieben worden sei. Er selbst�sei das Opfer der Ucber- red-ungskünste bfs Thomas geworden, der fort u-nd fort ihm nahe- gelegt habe, doch einen großen Coup zu machen.„Wenn ich in Deiner Stelle wäre, dann wüßte ich, was ich zu tun habe." Dies habe Thomas so oft wiederholt, bis er ihn schließlich willig gemacht .habe. Um ihn los zu werden, habe er zu Thomas gesagt:„Wenn ich einmal 100 000 M. in die Finger bekäme, dann würde ich es tun." Thomas habe sich aber nicht von dem-Plane abbringen lassen und ihm immer wieder vorgehalten: er könne höchstens ein halbes Jahr bekommen; er müsse die Sache so deichseln, daß er angeblich in die Netze eines liederlichen Mädchens geraten sei und dieses ihm das Geld gestohlen habe. Dann sei der Verhängnis- voll�Tag gekommen, wo er die 100 000 M. in die Finger bekam. Sein Kollege Storch, der ihm das größte Vertrauen entgegen- c-bracht. habe keinen Verdacht geschöpft, als er angeblich austrat. Im Reichsbankgebäude sei ihm � blitzartig der Gedanke gekommen, den Thomasschen Plan auszuführen. Als er mit dem Gelde mit Thomas in der Oranienburger Straße zusammentraf, habe er Gewissensbisse bekommen und das Geld wieder zurückbringen wollen. Thomas habe aber gesagt:„Es gibt jetzt kein Zurück, jetzt heißt es nur vorwärts!" Dann haben sich die Dinge, wie bereits geschildert abgespielt. Nachdem er das Geld auf dem Tempelhofer Felde vergraben, habe er tatsächlich, dem Rate des Thomas fol- gend, sich mit einem Mädchen eingelassen, nachdem er seine Aufregung durch größere Mengen von Spirituosen zu besiegen versucht hatte. Als er des Morgens um 6 Uhr etwa wieder auf die Straße gekommen, habe er sich bald eine Zeitung besorgt und daraus ge- sehen, daß seine ganze Tat schon veröffentlicht war. Er sei dann nach dem Tempelhofer Feld gegangen und habe das Geld wieder ausgegraben und an zwei anderen Stellen vergraben, da ihm der Gedanke kam, daß ihn Thomas etwa bei der ersten Vexgrabung belauscht haben und sich selbst das Geld ancignen- könnte. Dann trat er eine Kreuz- und Oucrsahrt durch verschiedene Orte Deutsch- lands an, die ihn u. a. auch nach Frankfurt a. O., Teupitz, schließ- lich nach Cöln führte. Er hatte von dem unterschlagenen Gelde 1000 M. mitgenommen, die in Cöln ziemlich aufgebraucht waren. In der Zwischenzeit ist er auch mehrmals wieder in Berlin ge- Wesen, da, wie er sich ausdrückt, er immer wieder in die Nähe des Ortes hingezogen wurde, wo das Geld verborgen lag. Als er ziemlich dem Nichts gegenüberstand, ist er über Braimschweig, Hannover, Magdeburg, Potsdam nach Berlin zurückgekehrt, um sich hier der Polizei zu stellen. Er hotte noch 2 Mark im Besitz und nahm sich ein Auto. Um sich selbst davor zu schützen, daß er wieder wankelmütig werden könnte, habe er sich dem Chauffeur entdecken wollen. Er habe diesem unterwegs gesagt, daß er nicht genügend Geld zur Bezahlung habe» und als der Chauffeur darüber ausgebracht wurde, habe er ihm gesagt:„Wissen Sie denn, wer ich bin?, Ich bin der Kasscnbote Haase!" Er habe das Auto in der Kaiserstraße halten lassen, um nicht so großes Aufsehen z-w erregen; der Chauffeur habe dabei einem Droschkenkutscher zugerufen:„Du sieh mal: weißt D-u, wer das ist? Das ist der Kassenbote Haase!" Darauf sei er(Haafe) ins Polizei- Präsidium gegangen und habe sich gestellt. Wie Brcdercck geschwindelt hat. Er habe zunächst den Thomas weiß waschen wollen und die ganze Schuld auf sich genommen. In schlaflosen, qualvollen Nächten sei er aber dann zu dem Entschluß gekommen, dem Richter die volle Wahrheit zu sagen. Das habe er aus eigenem Antriebe getan und es sei nicht richtig, daß der Rechtsanwalt Bredereck ihn dazu über- redet habe. Er habe aus eigenem Willen ein schriftliches Gestand- nis aufgesetzt und dies Herrn Rechtsanwalt Brcdereck übergeben.— Rechtsanwalt Dr. Davidsohn erklärt hierzu: Das vom 12. Juli da- tierte Geständnis habe er jn den Bredercckschrn Akten vorgefunden: der Nntersuchungsrichter habe es gar nicht erhalten. Zu bemerken sei noch, daß Haase von der ganzen Sache einen Vermögensvorteil von 1000 M. gehabt habe. Es sei nicht richtig, daß die Mutter des Haase die Belohnung von 4000 M. erhalten habe. Die Mutter habe von Bredereck nur 1999 M. erhalten, 1999 M. habe Bredercck behalten und 2999 M. habe er der Mutter in— Wechseln auf seine Person gegeben. Der Angeklagte Thomas bestritt fast in jedem Punkte die Aus- sage des Haase. Nach seiner im sprudelnden Wortschwall vorgc- tragenen Darstellung sei der ganze Plan von Haase selbst ausge- gangen und ohne seine Zustimmung ausgeführt worden; er will so- gar den Haase, der ihm den Plan verschiedene Male vorgetragen, mehrmals gewarnt haben, nicht eine so große Summe zu unter- schlagen. Haase habe aber davon nicht abgehen wollen und ihm erwidert:„Entweder— oder." Aus welchem Grunde er von Haase die 5099 M. erhalten und angenommen, geht aus seinen Er- Zählungen nicht klar hervor. Dem Foerster will er das Geld aus Gutmütigkeit gegeben haben, weil ihm dieser als Krüppel leid ge- tan. Er habe dem Foerster gesagt: er habe sein väterliches Erbe ausgezahlt bekommen und möchte es sicher aufbewahrt sehen. Angeklagter Foerster will keine Ahnung davon gehabt haben, daß es sich um veruntreutes Geld handelte, sondern tatsächlich ge- glaubt habe, daß Thomas geerbt habe. Wen» er bei dem Er- scheinen der Polizei nicht gleich Auskunft über den Verbleib des Thomas gegeben habe, so sei das wohl nur darauf zurückzuführen, daß er sehr erschrocken und verwirrt war. Sachverständiger Gerichtsarzt Dr. Marx wurde über den Geisteszustand des Thomas vernommen. Er hat nichts gefunden. was auch nur im entferntesten auf einen geistigen Defekt des Thomas hindeuten könnte. Dieser habe ein bewegtes Leben hinter sich, sei seinerzeit Matrose gewesen und will als solcher die Malaria durchgemacht haben. Der Sachverständige Dr. Magnus Hirschfcld führte m seinem Gutachten aus, daß hier einer der Fälle vorliege, die zuerst von Krafft- Ebing in der Fachliteratur als sexuelle Hörigkeit be- schrieben sind. Es gerät hierbei ein Individuum in eine ganz un- gewöhnliche Abhängigkeit von eigsm anderen Individuum bis zum Verlust jedes selbständigen Willens, eine Whängigkeit, welche den beherrschten Teil zu Handlungen und Duldungen zwingt, die schwere Opfer am eigenen Interesse bedeuten und oft genug gegen Sitte und Gesetz verstoßen. Die daraus hervorgehenden Verhältnisse tragen den Charakter der Unfreiheit. Haase wurde schließlich zu einem mechanischen Werkzeug in der Hand des Thomas. Trotzdem sei ß 51 auf Haase nicht anwendbar, doch sei sein freier Wille als erheblich vermindert anzusehen.— Kriminalwachtmeister Faber bestätigte u. a. auf Befragen, daß in der vergrabenen Kassette außer dem unterschlagenen Gelde sich auch eine Photographie des Thomas befand, die Haase dort hineingelegt hatte. Der Staatsanwalt beantragte gegen Haase vier Jahre Gesang- nis, gegen Thomas fünf Jahre, Gefängnis, gegen Foerster drei Monate Gefängnis. Der Gerichtshof verurteilte Haase zu zwei Jahren Gefängnis, unter Anrechnung von einem Monat Untersuchungshaft, Thomas zu fünf Jahren Gefängnis und fünf Jahren Ehrverlust, Foerster zu sechs Wochen Gefängnis._ Hus Induftrie und Handel. Deutschlands Außenhandel mit Vieh und Fleisch. Das erste Halbjahr 1912 des deutschen Außenhandels mit Vieh und Fleisch läßt sich nunmehr überblicken. Die Ziffern sind gerade von besonderem Werte, weil die Versorgung Deutschlands mit Fleisch im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses steht. An Rind- Vieh wurden im ersten Halbjahr 1912 97 301 Stück in das deutsche Zollgebiet eingeführt. Gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres lieferte das Ausland 23 145 Stück Rindvieh weniger sallein an Kühen von üher 2l/jl Jahren 19 430, an Bullen und Ochsen 3249 weniger). Die Mindereinfuhr entfällt jedoch ganz auf das erste Vierteljahr, während im zweiten sApril bis Juni) eine um 6922 Stück größere Einfuhr als in der entsprechenden Zeit des Vorjahres zu verzeichnen war. Aus dem deutschen Zollgebiet ausgeführt wurden in den sechs Monaten Januar bis Juni nur noch 798 Stück Rindvieh das find 590 Stück weniger als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Die deutsche Ausfuhr von Rindvieh hat sich von Jahr zu Jahr ver- mindert und ist nunmehr- ganz unbedeutend. Der Ueberschuß des Einfuhrwertes über den Ausfuhrwert beträgt demnach 30 837 000 M. Bei Lämmern. Schafen und Ziegen übersteigt der Aus- fuhrwert den Einfuhrwert um 294 000 M. Doch ist zu bemerken, daß die Ausfuhr gegenüber dem ersten Halbjahre 1911 nicht un- erheblich zurückgegangen ist. Von besonderem Interesse ist der Außenhandel mit Schweinen, hier hat die Einfuhr eine nicht unerhebliche Zunahme erfahren. Es wurden insgesamt 63 331 Schweine(das sind 17 457 mehr als im ersten Halbjahre 1911 und — Qusfchlteßltch aus den badischen Zollausschlüffen— 423 Spanferkel (166 mehr) tn das deutsche Zollgebiet eingeführt. Sie hatten nach vorläufiger Berechnung einen Gesamtwert von 9 505 000 Mark(das sind 2 621 000 M. mehr, als der endgültig festgestellte Wert der Schweineeinfuhr im ersten Halbjahre 1911 betrug). * v rufPfäen Halbjahrskontingent, dessen Einfuhr nach dem Hfifidelsvertrag mit Rußland gestattet ist, fehlen nur noch annähernd 1000 Stück; aus Oesterreich-Ungarn kamen, und zwar bereits im ersten Vierteljahre, überhaupt nur 67 Schweine.— Die deutsche Jus fuhr von Schweinen, die seit dem ersten Vierteljahr 1911 in standigem Steigen begriffen war, hat im zweiten Vierteljahr 1912 wieder bedeutend abgenommen. Insgesamt wurden in den ersten lechs Monaten des laufenden Jahres nur noch 5641 Schweine (das sind 25 499 weniger als in der gleichen Zeit des Vorjahres) und 214 Spanferkel(413 weniger) aus dem deutschen Zollgebiet aus- geführt. Der Wert der Ausfuhr in den ersten sechs Monaten be- trägt nach der vorläufigen Berechnung nur noch 558 000 M. und ist damit um 2 329 000 M. niedriger als der endgültig ermittelte Ausfuhrwert im ersten Halbjahr 1911. Es ergibt sich hier- nach ein Ueberschuß des Einfuhrwertes über den Ausfuhrwert in Höhe von 8 847 000 M. Auch die Geflügel« einfuhr übersteigt die Ausfuhr und zwar um 8,8 MiCL Mark. An Fleisch und Flcischwaren wurden im ersten Halbjahr 1912 für 22,2 Mill. Mark eingeführt, während für 2,7 Mill. Mark ausgeführt wurden. Es bleibt also ei» Ueberschust des Einfuhrwertes über den Ausfuhrwert von 19,4 Mill. Mark. Das stärkste Plus der Einfuhr über die Ausfuhr ist beim Aufzenhaudel mit Pferden zu ver- zeichnen, nämlich 54,5 Mill. Mmk. Wenn im allgemeinen auch mehr Bieh und Fleisch als im ersten Halbjahr 1911 eingeführt ist, so hat doch diese vermehrte Einfuhr nicht genügt, um die Preise auf ein normales Mast herunter- zubringen. In jedem Jahr steigt infolge der Bevölkerungs- Vermehrung in Deutschland die Bieh- und Fleischnachfrage, der lein wesentlich vermehrtes inländisches Angebot gegenübersteht. Sericbts- Leitung. Umfangreiche Betrügereien und Diebstähle eines ehemaligen Leutnants lagen einer Anklage zugrunde, welche gestern unter Vorsitz des Land- gerichtSdirektors Dr. Karsten die 11. Ferienstrafkammer des Land« geriwts I beschäftigte. AuS der Unlerfuchniigshaft wurde der 22jährige Leutnant a. D. Ludwig von Zander vorgeführt, um sich wegen Diebstahls, Betruges und schwerer Urkundensälschung zu ver- antworten.— Der Angeklagte stammt aus einer sehr angesehenen Familie, der zahlreiche hohe Militärs angehören. In rechi jugend« lichem Alter geriet er. von reicheren Kameraden verführt, in leicht« sinnige Gesellschaft, so dast er mit dem geringen Zuschuß, den er von seinem Bater, der selbst Regimentskommandeur ist, nicht aus- kommen konnte. Der junge Mensch beging verschiedene Dinge, die ihn zwangen, den Offiziersrock auszuziehen. Um sich Geld zu beschaffen, sank der ehemalige Offizier zUw gewöhnlichen Paletot- marder herab. Er entwendete in den Garderobengängen der hiesigen Universität mehrere Ueberzieher, die er dann für einige Mark bei verschiedenen Pfandleihern versetzte und zwar auf seinen richtigen Namen. Einen recht dreisten Diebstahl verübte der Angeklagte am 6. Mai d. I. auf dem Bahnhof Friedrichstratze, von dem er angeblich seinen Bater abholen wollte. Während des kurzen Aufenthalts des von Warschau kommenden D-ZugeS ging v. Zander durch die einzelnen Wagen hindurch und entwendete einen Paletot, der einem russischen Studenten Jablowski gehörte, welcher einen Augen- blick aus dem Fenster heraussah. Um sich mit einem Male in den Besitz einer größeren Summe zu setzen, verübte der An- geklagte folgenden recht raffiniert angelegten Betrug. Durch einen Zufall hatte der Angeklagte von dem LeuMant B. deffen Mitglieds- nnmmer in dem Deutschen Osfiziersverein erfahren. Unter Fälschung des Namens dieses Offiziers bestellte er bei dem Waren- Hause für deutsche Offiziere und Beamte eine Auswahlsendung von wertvollen Glashütter Uhren, die er an ein Pensionat in Wiesbaden senden ließ. Zu gleicher Zeit richtete er unter dem Namen des Leutnants B. an die Pensionsinbaberin ein Schreiben, in welchem er um Nachsendung der Sachen nach Berlin ersuchte. Hier hatte sich der Angeklagte als.Leutnant B." ein möbliertes Zimmer gemietet, um das Paket in Empfang nehmen zu können. Er erhielt auch die Uhren, die einen Wert vcM ca. 2000 M. hatten, ausgehändigt und versetzte sie für 500 M.— Zu der gestrigen Verhandlung waren mehrere Sachverständige geladen, da von dem Angeklagten der Einwand erhoben war, daß er die ein- zelnen Taten in einer Geistesstörung begangen habe. Da die Gut- achler zu einem abschließenden Urteil nicht kommen konnten, wurde der Angeklagte gemäß§ 81 Str.-P.-O. aus die Dauer von sechs Wochen einer öffentlichen Irrenanstalt zur Beobachtung überwiesen. Zechen-Mcnageverwalter und Branntwelnverordnung. Herr D. verwaltet die Menage der Zech« Nenmühlen. in der etwa 250 Bergleute wohnen. Er besitzt zugleich die beschränkte Schankerlaubnis, indem er befugt ist, an die Arbeiter der Zeche auszuschänken. Eines Tages hatte er an einen der in der Menage wohnenden Arbeiter vor 8 Uhr morgens Branntwein verkauft. Da- durch sollte er die Regierungspolizeiverordnung übertreten haben, welche es verbietet, vor 8 Uhr früh Branntwein zu verkaufen. Der Angeklagte machte geltend, daß für ihn die Ausnahmebestimmung der Verordnung gelten müsse, wonach jene BerbotSbestimmung nicht Anwendung finde im Berhältniffe des Gastwirt? zu seinen LogiS- gasten. Denn der fragliche Bergmann sei sein Logisgast. Die Strafkammer als Berufungsinstanz verurteilte jedoch den Angeklagten mit folgender Begründung: Die Ausnahmebestimmung finde hier nicht Anwendung. Unter Logisgästen seien nur solche zu verstehen, die lediglich vorübergehend zum Nächtigen bei einem Gaslhausbefltzer Aufenthalt nähmen. Da? sei bei den Bergarbeitern, die in der Menage wohnten, ganz etwas anderes. Angeklagter als Menagebesitzer könne über- Haupt nicht als Gastwirt im Sinne der Bestimmung angesehen werden. Er sei nicht Gastwirt, sondern Menageverwalter und da« neben nur Schankwirt. DaS Verbot, vor 8 Uhr morgens keine» Branntwein abzugeben, finde auch für ihn Anwendung mit Bezug auf die Bewohner der Zechenmenage. Das Kammergericht verwarf die vom Angeklagten gegen daS Urteil eingelegte Revision mit folgender Begründung: Das Land- gericht habe den Begriff der Gastwirtschaft richtig gewürdigt, wenn eS annahm, dast Angeklagter nur Menageverwalter und daneben Schankwirt, aber nicht Gastwirt sei. Ein Gastwirt lei eine Person, deren Betrieb aus vorübergehende Beherbergung von Fremden ein- gerichtet sei. Darum handele es sich bei einer Zechenmenage nicht. Mit Recht sei Angeklagter verurteilt worden. Marktbericht von Berlin am 31. August 1912, nach Ermlitelung deS königl. Polizeipräsidiums. Marktballenpreise.(Kleinhandel) t(X> Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.00— 50,00. Speisebohnen, roeige, 30,00— 50,00. Linien 35,00—80,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) ö.00— 11,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,80—2,40. Rwdsleisch, Bauchflcisch 1,50— 1,90. Schweinefleisch 1,60—2,40. Kalbfleisch 1,50— 2.40. Hammelfleisch 1,70—2,40. Butter 2,20—3,00. 60 Stück Eier 3.60—6,00. f Kilogramm Karpsen 1,40-2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,40-3,60. Hechte 1,40—3,00. Barsche 1,00—2,40. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 4,00-40,00._ Witierungsübcrslcht vom 2. September 1913. etaftonai Swinemde. Hamburg Berlin Franks.a.M. München Wien = 3 if 758 SO 758;®0 758'SO 759 ZW 758NW Wetter 4heiter 3 Regen 2 bedeckt LiReoen Awolkig Awoltenl tar. «H |«4 Hlc «tatlonen Haparanda PeierSburg Zcilly Aberdeen Paris |l g j? 755« 758 SO 761,'S 757« RW 7S9WNW Setter chwolkenl ÜNebel Abedeckt ?wolkenl 2bid-ckt c-w eil fsi 10 16. 13 6 13 Wetterprognose für DienStag. de« 3. September 1913. Kühl und zunächst vorwiegend trübe mit Regcnsällen und ziemlich frischen westlichen Winden; nachher langsam austlarend. Todes-Anzeigen Sozialdemokrat. Wahlverein des i Berlin. Reichstags- Wahlkreises, j Stralauer Viertel. Bez. 310. Den Milgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Tischler| Hermaim Hofmeister Küstriner Platz 2, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sinket beute Dienstag, nachmittags 5 Uhr. von der Halle deö Zentralsriedhoscs In FnedrichSselde auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 2l9/l3 vor» Vai»»!«»»«!. Deuisctier Holzarbeiter-Verband Zahlstelle Berlin. Den Mflglirdern zur Nachricht, dast unser Kollege, der Tischler Hermann Hofmeister Küstriner Platz 2, im Alter von 45 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute DienStag, den 3. September, nach- mittags 5 Uhr, von der Halle de« Zentralsriedhoses in Friedrich«. selbe auS statt. UM rege Vetelllaung ersucht >23/13 vis Orl,vorwa>tiin Sozialdemokral Wahlverein des| 4. Bert. Refchslags-Wahlkreises. Landsberger Viertel. Bez. 412 II. Den Mitgliedern zur Nachricht, dast unser Genosse, der Tischler Ferdinand Krüger Heidenseldstr. 4, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mitiwoch, 4. September, nachm. 4'/, Uhr, von der Leichenhalle des Georgen-KkirchhoseS, Landsberger Allee, aus statt. Um rege Beteiligung bittet vv!« Voi-attuick. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlln. Den M!tgll«dern zur Nachricht, dast unser Kollege, der Droschken- sührer Adolf Böttcher am 30. August im Atter von 33 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 3. September, nach. mittag» 4 Uhr. von der Leichen. balle des Krankenhauses Moabit, Birtenslraste, aus nach dem St. JohanniS-Kirchhos statt. NavkriHe. Den Mitgliedern zur Nachricht, dast unser Kollege, der Rollkutscher Wilhelm Konieczny_ am 24. d. Mts.. im Alter von j 32 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Zlnbenken! SS/lZ Bis Btzlrksverwaltung. Danksagung Für die ausrichtiae Teilnahme und reiche Kranzspende bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes Eflch TetssIaflT sagen wir allen Beteiligten «Mjerea herzlichsten Dank. 115b «Hie trauernden Elter« fiutfev Totzlaff und Frau, Anderer Unternehmungen halber beabsichtige ich daS Lager aus der irma Philipp Schmulewicz, bc lehcnd aus Bürftenwaren, Scheue r- tüchcrn, Fustdecke«, Klopieru it., im ganzen billig zu verkausen. Bc> fichligung Mittwoch. 4. September, vormttlags lO— 1 Uhr. 136/15 Kobert Uere»«, Rathenower Straste 56. Danksagung. Für die überaus zahlreichen Be. Werse herzliche Teilnahme und die reichen Kranzspenden bei der Be- erdigung meines Mannes lPranw. Ilartmann sage ich allen Verwandten, Freunden, Bekannien und Kollegen meinen innigsten Dank. 113b IN» II»,'tm»ni> nebst Kinder. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines wniggelieblen Mannes, lieben Bruders. Schwagers und Onkels sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesonder e dem Ches, Kontor- und Lager- personal, den Arbeitern und Arbeite- rinnen der Firma Samuel Meyer, dem Wahlocrein Lichtenberg Bezirk 63, dem Handlungsgehilsenverband, den Sängern, dem Lotterieoercin.Glück aus', sowie dem Herrn Harndt für die trostreichen Worte herzlichen Dank. 9!« trauernden ttinterbliedenen. St. Borohardt. 56 S! teppdecken Spezialhaus Emil Lefevre 0e£In Oranienstr. 158. Steppdecken 8.«,?°°« WM Daunendeckei! tieblaldeeken 00 in den r25 m Farben 3 bis ZI bord.... bl»u> 6 bis 27 oliv 2500 'bisl2500 l85 bis Snezial- Katalog ÄntJÜ gratis»■(raako, Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung unterer lieben Tochter L-ilienthal sagen wir allen Beteiligten, in». besondere den Arbeitskollegen der Firma A. S.-G., Bruimenswaste, Abt. Rowe, unseren ticlgesühlten Dank. 106b_ A. Lllienlhal nebst Frau ggr* Von Job. Schulze, Greiz I. V. kauf. 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SrhUnhniiMer Voi-ntudt: Karl Mar», Sreifenhagen« Str. 27 /»«norsboF: Karl Schwarz. los«. Hoffinannftr. 9.. Alt-<>lirniol Ehausseestratze 74. 136,1 straste 9. f4L ii In Hat tott Tcrwaltnng Berlin. Mittwoch, den 4. September 1912. abends 8 Uhr: Versammlung der Kodellbranche in den Judnstriefeftsälen, Beuthstrahe 19/20. Tagesordnung: Ter Stand unserer Lohnbewegung und unser weiteres Verhalten. 20/12 Das Erscheinen aller Kollegen erwartet Die Kommission. Deutscher Buchbinder-Verband. Engeluscr 15 IL Zahlstelle Berlin. Zimmer 39/40. Mittwoch, den 4. September 1912. abends 8'/z Uhr: Uersammlung der in der Postbranche beschäftigten Nieter, Zuschneider, Arbeiterinnen und Hilfsarbeiter im Gewerkschaftshause, Engelufer IS. Tagesordnung: 25/7 Unsere 7arifverhandlmigen mit den Unternehmern.— Diskussion. Kollegen und Kolleginnen! Schließt Eure Reihe«! Organi- siert Euch! Tretet dem Buchbinderverband bei und kommt Mann für Mann in die Bersammlung! Mitgliedskarte oder-buch legitimiert am Eingang! vis Tarif kommigKion. Die Orts Verwaltung. I. ii.: Karl Klappenbach. dei seh' ick jetzt jani klar, In Dotcn überall erhältlich PäBrnc Urban 21 Lctnm/ Charloticnbarg Dentseher Holzarbeiter-Terband. Verwaltung Berlin. Morgen Mittwoch, den 4. September 1912, abends 8� Uhr: Uertranensmänner Uerjammlnngen der Kesirke und Drancheu. . Tagesordnung: 1. Bericht des Obmannes. 2. Bericht der Werkstatt-Vertrauensleute. 3. Verbandsangelegenheiten. Ofcbler. Südwesten: bei Fröhlich. Fontanepromenade 18. Süden: bei Gliesing, Wassertorstr. SS. Südosten I u. II: in den Nannyn-Festsalen, Nannhnstr. S. Osten I: bei Kluge. Langestr. 53. Osten II: bei Zieh. Warschauer Sir. Sl. Osten III: bei Bergmann, Boxhagener Str. 26. Oestlielie Vororte: bei W. Schul», Lichtenberg. Kronprinzen- strahe 47, Ecke Scharnweberstratze. Vordosten: bei, Merkmann, Gr. Frankfurter Str. IS. Jede Sargtischlerei muh einen Vertrauensmann nach dieser Ber- sammlung senden. jBnsentlmler und Schönhanser Vorstadt: Sei Obiglo, Schwedter(Strohe 23. Wedding und Moabit: bei Kaczarowski, Ravenästr. S. WeiSensee im Prälaten. Lehdcrstr. 122. Abends E/, Uhr. VenkSUn: im Jdral-Kasino, Weichsclstr. 8. SebSneberg: um 5'/, Uhr bei Kuschte. Melntuger Str. 8. Ladcncinnchtunga- und Kontormöbel-Branche im Englische» Garte», LUexanderstr. 27 o. Btldienmöhelbrandie bei Lehmann, An der Stralauer Brücke 3. sVlöbel- u. ötuhlpoliercr fowie JMagazuiarbeiter Osten: bei Boeker. Weberstr. 17. Südosten: im Märkischen Hof, Abmiralstr. 18o. Vörden: bei Günther, Brunnenstr. SS. BautilÄiler. Besirk I: Südwesten» Süden, Südosten bei Graßhoff, Admiralfirahe 18 o. Besirk 2: Osten bei Bratner. WeidenwegSS. Besirk S: Vörden und nürdlieke Vororte bei Glieschc, Kopenhagener Str. 74. Besirk 4: Oesnndbrnnnen, Wedding und Moabit bei Sachse. Lindower Strohe 2S. Besirk S: Vonkülln: bei Schenk, Rosenstr. 24. Jede Werkstatt mutz vertreten sein. Mitgnedsbuch und Vertraneusmannerkarte legitimiert, Versammlungslokale: 123/12 silascbinenarbeiter«Zr im. Englischen Garte«-. Alexander. Vre cd kl er, Treppengeländer- und L-uxusmöbel- brancbe. Vörden bei Döhling, Brimuenstc. 7S. Osten: bei Heßler, Friedensir. 67. Südosten und Südwesten bei Perstke. Ritierstr. 123. Mrtdrllt-l fchler abends 8 Uhr bei Waldt, Pslngstr. 5. AilZgabe srivuetttticutcr hcc gtagt6ogen jUV Jahres, iattstit. Bodenleger im Gewerkschaftshause, Saal 2. BteUmacber bei Hummel, Sophienstr. 5. �alousiearbeiter bei Walter, Adalberistr. 62. Vergolder im äSewerkschaftshanse, Engeluscr 14/15, Saal 5. Bllten- u. Kofferniacbcr sei emti Mödfch, strautsu. 24. Borbmacber Bei Krause. Muskauer Str. 20. Bürftenmacbci* bei Prenß. Holzmarltstr. 65. Bammacber bei Prenß, Holzmarltstr. 65. Ktatharheitev abends 6 Uhr im Lokal„Zum Sorgenbrecher«, Otvcitart euer Holzmarltstr. 21. Perlmutt-, vorn- u. 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Stellmacher- innung und der Wagenfabri» kauten, Kaiser-Franz-Grenndicr» Zuzug ist streng fernzuhalten. vie VrtsvervaltunL verlln des DeiitscHell Holzarbeiterverbandes. Lnsergtenteil verantw.: Th. Giplh« VerUfi. Druck». Vertag) Vorwärts Buchdruckersl u. VertagSaustatt Baut Stpgs,»Co, SstltnSWii Hr. 205. 39. Iahrgakg. 3. Öriliijt des Jmiuätls" Sttlintt WksM Vievstag. 3. ZrpitUdrr 1912. parte!- Hngelegcnbeitcn. Achtung, Protestversammlunge»! Die Leiter der heutigen Bersammlllngcn werden gebeten, sofort uach Schluß derselben der Redaktion des„Vorlvärtö" durch besoudere« Boten einen furzen Bericht über Verlauf der Versammlung, Person des Referenten, Besucherzahl und etwaige Zwischeirfälle ein zusenden. » i.®'csler Wahlkreis. Ergebnis der Urwahl im vierten Wahlkreis. An der Wahl beleiligten sich S4l1 Milglieder. Als Delegierte �"�den gewählt: P. Hoffmann<3306 Stimmen), Agnes Fahren- wald(2692). H. Poetzsch(1668), Frida Wulf(1509). D. Jensch(1479), Martha Demmning<1329 Stimmen). Als Mitglied zum Schieds- g e r i ch t wurde C. Melle mit 1432 Stimmen gewählt. Der Vorstand. Karlshorst. Treffpunkt?>/? Uhr zum gemeinsamen Besuch der Protestvcriammluug in Obcr-Schöneweide(Wilbelminenhof) in den Zahlabendlokalcn. Die Bezirksleitung. Verliner Nacbricbten» Im neuen Botanischen. Wir schreiben September, aber dessen Rolle hat schon der August gespielt. Es ist mehr Herbst als Hochsommer, was uns im Botanischen Garten bei Steglitz begrüßt. Auf den Blumenbeeten beim Eingang entfalten Georginen und Chrysanthemen ihren schönen, aber kalten Pomp: dazwischen stehen gelbbliihende Verwandte unserer Sonnenblume und Asternbüsche. Ter Spiegel der Teiche ist gesunken: die See rosen glitzern nicht mehr daraus, hlarpfen und Goldfische tummeln sich an den Stellen, die zwis6)en Laichkräutern einen Blick in das dunkle Wasser gestatten. Aber es fehlt dennoch noch immer nicht an Tausenden von Blüten in allen Teilen des Gartens. Wo im Freien zwischen Steinmassen Kakteen und ähnliche Fettgcwächse ihren Sommerstandplatz haben, ragt auch in diesm Jahre der mehrere Meter hohe Blütenschaft einer amerikanischen Agave in die Höhe, oben wie ein Armleuchter in gelbliche Vlütenbüschel zerteilt. Weiter an den Gewächshäusern entlang gehend treffen wir vor dem großen Kuppelbau das Seerosenbassin, rings von hochgestellten. üppig blühenden Hortensienbüschen umrahmt. Der Blick schweift über eine malerische Terrasse hinab, bis die Anhöhen der künstlichen Alpenankagen ihn hemmen. Hier und da schaut einer der Stcingipsel über die Baumwipfel. Wir inachen einen Rundgang. Uebcrall noch Blumen, aber überall auch herbstliche Reife. Verblühte Rosensträucher, die von prallrotcn Hagebutten strotzen. Kletternde Waldreben mu Fruchtbüscheln, die wie sedrige Perücken im Laube sitzen. Ticke, braune, samenstrotzende Fruchtsträuße, die aus ver- gilbenden Stränchern' sich herabneigen. Hier ein kleiner Teich, ein richtiger märkischer Tümpel, mit einer Trauer- weide, die ihre schlanken Peitschenäste senkrecht aus der ' Krone gleiten läßt. Ringsum dichtes Schilf und die braunen Zylinder des Rohrkolbens. Daneben am Wege fußhohes '' Staudengestriipp, in dem prächtig amethystblaue Gewächse auffallen. Sie sind stachelig wie Disteln, doch rechnet der Botaniker sie zu den Doldenpflanzen. Jtn Herbst läuft der ganze obere Teil der Pflanze blau an. Wild ist sie zunächst im Odergelnet. Eine nahe Verwandte besitzt sie in der Stranddistel, die jedem Besucher der Ostsee bekannt ist. Infolge der zahlreichen außereuropäischen, besonders auch nordamerikanischcn Holzgewächse, die im Garten ange- pflanzt sind, ist die Herbstfärbung hier auch viel auffälliger zu beobachten, als in unteren heimischen Gehölzen. Darin liegt zurzeit ein Hauptreiz des Gartens. Sein Bestand ist in den letzten Jahren kräftig in die Höhe gewachsen, und der Zug des Unreifen, der der jungen Schöpfung lange anhaftete, ist verschwunden. Ein Rundgang durch die Anlagen ist jetzt zu jeder Jahreszeit ein lohnendes Unternehmen. Ter Berliner Wohnnngsmarkt hat im letzten Jahr einen Anfang zur B e s s e ru n g gezeigt � wenn man das Wort„Besserung" im Sinne der Haus- vesttzer nimmt. Seit einer Reihe von Jahren lamentierten sie, weil in Berlin das Angebot von Wohnungen die Nach- frage soweit überstieg, daß sie ihre Mietesteigerungsgelüste denn doch ein wenig zügeln mußten. Jede der alljährlichen Zahlungen der unvermietet gebliebenen Wohnungen ergab immer wieder, daß es nicht weniger, sondern mehr geworden waren. Jetzt aber kann den Hausbesitzern—„endlich!" tverden sie vergnügt ausrufen— das Berliner Statistische Amt die frohe Botschaft verkünden, daß i m I a h r e 1911 die Zahl der unvermietet gebliebenen Woh- Hungen zurückgegangen ist. Die Zählung, bei der dieser den Hausbesitzern will- kommenc Umschwung festgestellt wurde, hat zu Beginn des Jahres 1912 stattgesunden, das Statistische Amt veröffentlicht aber erst �.tzt aus dem Ergebnis einige Hauptzahlen. Tie Vergleichnng mit der vorhergehenden Zählung wird dadurch etwas erschwert, daß diese nicht zu Beginn des Jahres 1911, sondern schon im Oktober 1919, also in einer anderen Jahres- zeit, ausgeführt worden war. Als unvermietet wurden im Jahre 1912 gezählt: 22 3.2 Wohnungen,� die nicht mit Ge- Werberäumen verbunden waren, und 1954 Wohnungen, die mit Gcwerbcränmen verbunden waren, zusammen 24 326 Wohnungen. Im Oktober 1910 waren als unvermietet ge- zählt worden' 26 995 Wohnungen ohne Gewerberäume und 2982 Wohnungen mit Gewerberänmen. zusammen 28 987 Wohnungen Hiernach haben die unvermieteten Wohnungen sich vermin d e r t bei den Wohnungen ohne Gewerberäume um 4533, bei den Wohnungen mit Ge- werberäum-"' um 128, zusammen um 4 6 61. Die Freude über diese Slenderung des Verhältnisses zwischen Wohnungs- angebot unv Wohnungsnachsrage wird allerdings manchen Hausbesitzern arg getrübt werden. Für die Gewerbe- räume ohne Wohnung hat sich nämlich gezeigt, daß sich d i e unvermieteten vermehrt haben. Diesmal wurden 6351 unvermietete gezählt um 2256 mehr als bei der vor- hergehenden Zählung die' nur 4995 ergeben hatte. Der „Ucberfluß" an unvermieteten Mietsobjekten, über den die betroffenen Hausbesitzer jammern, ist in den verschiedenen Stadtteilen sehr verschieden An den unvermieteten Woh- nungen waren besonders' die äußersten Stadt- Viertel beteiligt, in denen ja die Bebauung noch nicht ab- geschlossen ist und das Wohnimgsangebot noch durch Neu- bauten vermehrt werden kann. Doch ist auch dort fast überall diesmal eine geringere Zahl unvermieteter Wohnungen als bei der vorhergehenden Zählung ermittelt worden. Von den unvermietete» Gewerberäumen fanden sich besonders viele in der Innenstadt, was bei der dort seit langem getriebenen Ueberproduktion an Ladenbauten nicht ver- wunderlich ist. Vor einer Wiederkehr der Wohnungsknappheit, wie die Hausbesitzer sie sich wünschen, bleiben wir hoffentlich für immer bewahrt. Mehr als 24 999 unvermietete Wohnungen — das wird den meisten von ihnen noch immer als ein Zu- stand gelten, der unhaltbar sei. Mit Hinweisen auf solche Zahlen suchen die Hausaararier zu beweisen, daß die Mieter keinen Grund mehr hätten, über„W o h n u n g s n o t" zu klagen. Gewiß, man kann nicht sagen, daß gegenwärtig in Berlin ein Mangel an Wohnungen überhaupt bestände. Wer aber menschenwürdige Wohnungen zu billigem Preise sucht, der merkt nur zu bald, daß die Woh- nungsnot in diesem Sinne noch immer besteht und nichts von ihrer Schärfe verloren hat. Der Sccfischverkauf der Stadt Berlin, welcher in den Monaten Juli und August eingestellt war, wird mit dem 3. September wieder eröffnet. Der Verkauf findet wieder in denselben Hallen statt wie früher; hinzutreten soll noch die Zentral- Markthalle, in der zu diesem Zweck ein besonderer Stadtbahnbogen e»gerichtet werden soll. Zum Verkauf werden gelangen: Schell- fisch, Kabeljau, Seelachs, GoldbarS, Schollen(Flundern), Rotzungen, Dorsch und grüne Heringe; letztere sollen ebenfalls pfundweise ver- kauft werden. Der Einfauf geschieht durch den Einkäufer der Stadt Berlin in Geestemünde; derselbe darf nur ganz frische Ware und zwar zu einem Preise kaufen, welcher gestattet, den Verkaufspreis im Durchschnitt nicht über 39 Pf. pro Pfund zu bemessen. Die Verteilung an die Fischhändler geschieht in Berlin durch den städtischen Verkaufsvermittler Melzer. Als Verkaufstage sind wieder Dienstag und Donnerstag in jeder Woche festgesetzt. Ueber den bisherigen Verlauf deS städtischen Secfischverkaufs macht die Markthallenverwaltung folgende statistische Mitteilungen: In der Zeit vom 19. Oktober bis 2. Juli wurden an 68 Verkaufs- tagen rund 8999 Zentner Fische verkauft oder im Durchschnitt pro Tag 117 Zentner; unverkauft blieben hiervon 629 Zentner oder pro Tag 9 Zentner. Bei der Eröffnung im Oktober war der Andrang zu den Verkaufsstellen recht bedeutend: an den sechs Verkaufstagcn im Oktober wurden rund 1899 Zentner auf den Markt gebracht und bis ans einen kleinen Rest verkauft. Namentlich in den Hallen 8 Andreasstratze. 9 Eisenbahnstratze, 19 ArmimuSplatz 13 Trcsckowstratze und 14 Reinickendorfer Straße wurden Partien bis zu 59 Zentner an einem Tage verkauft. Nach und nach aber flaute der Verkauf ab, da die Neugierde befriedigt war, so daß in den Monaten Februar bis Juni nur im Durchschnitt 799 bis 399 Zentner oder pro VerkausStag 99 bis 199 Zentner verkaust wurden. Auch die Zahl der Fischhändler, welche sich um den Verkauf be warben, ging von 79 auf 39 zurück. Immerhin kann festgestellt werden, daß ein kleinerer Teil der mittleren und ärmeren Be völkcrung dauernd als Käufer von Seefischen gewonnen wurde. Auch der llmiatz der ständigen Fischhändler hat durch das Vorgehen der Stadt eine merkliche Zunahme erfahren. Von den Vororten beteiligten sich aus längere Zeit nur Neukölln an 39 VcrkausStagen mit 299 Zentner Friedenau.11.» 67. Reinickendorf.21„„ 76„ FricdrichSfelde„16„ 32 Treptow.13„ 47 Karlshorst.8,. 32„ Pankow und Velten mit noch kleineren Umsätzen. Der gesamte Erfolg ist jedenfalls nur ein ganz minimaler; bei der Viermillioncnbevölkerung sind diese Umsätze keine sehr erheb- lichen, wenn, auch eine preisdrückendc Tendenz auf die Fleischpreise nicht von der Hand gewiesen werden kann. Die große Masse der Bevölkerung kann eben auf die Dauer dem Genutz von Seefischen leinen Geschmack abgewinnen, sie bedarf der Fleischnahrung. Hier aber helfend einzugreifen, haben auch die Städte völlig versagt. An den Stadt- und Gemeindevertretcrn wird es sein, auch hier Rcmcdur zu schaffen. Nichts für Arme. In der städtischen Markthalle in der Wörther Stratze fand vor einigen Tagen große Auktion statt. Es wurden bedeutende Posten aller möglichen Einrichtungsgegenstände. KUidung* stücke, Schmucksachen usw. mcistbietend versteigert. Fast durchweg stammten die Versteigerungsobjekte aus Nachlatzbeständen. Leute, die laufende Armenunterstützung bezichen, müssen ja ihre gesamte Habe dem Geber, also der Stadt Berlin, verschreiben. Zur Ver steigenmg kommen aber auch solche Wcrtgegenstände, die Irren- anstaltSiusassen abgenommen worden sind, unter Umständen also ganze Wirtschaften, wenn die Betreffenden alleinstehende Leute waren. Es hat auf diese Weise schon mancher alles verloren, er fand nach der Entlassung auch nicht ein Stück mehr vor und stand bettet arm da. Die Stadtverwaltung macht derartige Wertbestände nach gewisser Zeit, wenn die Verpflegungskosten nicht gedeckt sind, zu Geld. Auch abgenommene Uhren und Ringe sind von diesem Schicksal nicht ausgeschlossen. Neben gut erhaltenen Gegen ständen sah man viel altes Gerümpel, das in Bausch und Bogen lollektionSweise an den auch hier Hausrechte genießenden Händler- ring für Spoitprcise fortging. Ausfallend ist, daß so sehr viele ab- getragene Kleider bündelweis verauktioniert wurden. Der Erlös ist so gering, daß man sich fragen mutz, ob da nicht eine bessere. praktischere Verwertung möglich ist. Wir stehen vor dem Winter- Bald wird das Obdach wieder mit Frierenden überfüllt sein- Sie gehen in Lumpen, können oft kaum die Blöße decken und da drüben ein paar Straßen weiter kommen zu Hunderten Kleidungsstücke unter den Hammer, die für viele Obdachlose eine Wohltat bedeuten würden. ES mag sein, daß gewisse Nachlaßsachen mit Rücksicht aus mögliche Ansprüche dürftiger Personen versteigert werden müssen. Aber die Stadt könnte ja diese Sachen erwerben ugd sie für Obdachlose oder sonstige Arme verwenden. Soviel uns bekannt ist, werden jetzt an Obdachlose nur solche Kleider gegeben, die von Berliner Einwohnern zu diesem ausdrücklichen Zweck der Obdachlosenverwaltung geschenkt worden sind. Solche Geschenke sind hier nichts allzu Seltenes. Sie genügen aber natürlich nicht entfernt, um das grauenhafte Elend der Obdachlosen wenigstens nach dieser Richtung hin etwas zu lindern. Etwas weniger Bureaukratismus und mehr praktischer Sinn wären hier wohl angebrachter. Auf die alte Einrede, daß die Obdachlosen die geschenkten Sachen sofort wieder verkaufen und diesen Erlös in Schnaps umsetzen, ist nicht viel zu geben. Man muß sich nur der Mühe unterziehen, die not- leidendsten Obdachlosen herauszufinden, anstatt in alter Gewohnheit von unverbesserlichem, obdachlosem Gesindel zu sprechen. Die Stadtverorductenversammlultz tritt am Donnerstag dieser Woche zum ersten Male nach den Ferien zusammen. Die Tagesordnung ist eine sehr reichhaltige. Zunächst wird die Einführung des Herrn Mermuth in sein Amt als Ober- bürgermeister von Berlin durch den Oberpräfidenten erfolgen. Das Amt hat Herr Mermuth mit dem 1. September übernommen. Unter anderem stehen auch die Anträge der verschiedenen Fraktionen wegen Maßnahmen gegen die Teuerung auf der TageS- ordnuLg.__ Eine Gedenkfeier für Emma Ihrer. Die Enthüllung des Denksteins für unsere verstorbene Ge- nossin Emma Ihrer vereinigte am Sonntagmorgcn auf dem Zentralfriedhof in Friedrichsfelde eine zahlreiche Gemeinde. Stark vertreten waren vor allem die älteren Parteigenossinnen, mit denen die Verstorbene jahrzehntelang Schulter an Schulter für. die Verwirklichuwg unserer Ideale gestrebt und gekämpft hat. Blumenspenden in reicher Fülle zeugten von der Liebe und Ver- ehrung, die Emma Ihrer in der Arbeiievbewegung genoß. Ge- nossin Hanna zeichnete in ihrer Ansprache in großen Zügen ein Bild der allzeit hilfsbereiten und vorurteilsfreien Mitkämpfer, n. Eingeleitet und geschlossen wurde die schlichte Feier durch Männer- gesang. Im Anschluß an die Feier, die vor der Halle des Fried- Hofes stattfand, besichtigten die Erschienenen den über dem Grabe sich wölbenden Denkstein. In voller Treue und LebenStvahrheit leuchten aus einem in einen Sandsteinobelisk eingelassenen Marmorrelief die vertrauten unld lieben Züge der Verstorbenen dem Beschauer entgegen._ Eine Hochflut von Orden und Titeln ist anläßlich der Parade und der brandenburgischen Herbstmanöver auf die Brandenburger. besonders auf die Groß-Berliner herabgeregnet. Die Dekorierten und Betitelten haben Ursache, eS mit dem kaiserlichen Wahrspruch zu halten:„Hie guet Brandenburg allewege 1" Unter ihnen befinden sich Namen, denen man bei solchen Gelegenheiten fast immer begegnet, und diesmal auch viele Ocdensrekruten. Herr v. Jagow mit seinem Beamtentroß darf ebensowenig fehlen wie andere«märkische Eichen". Unseres autoritälsstärkenden Polizeipräsidenten Verdienste sind ja so groß, daß der rote Adler dritter Güte mit'ner Schleife sicher nur eine kleine Abschlagszahlung ist. Besser kam Herr Kirschner fort, der den erstklassigen Kronenorden erhielt. Bemerkenswert ist überhaupt die im Vergleich zu anderen Zeiten erhebliche Zahl von Orden und Titeln für Berliner städtische Oberbeamte. Die Rechnung kommt vielleicht noch nach. Bürgermeister Reicke erhielt dasselbe Bändchen wie Jagow, der Unvergleichliche, wahrscheinlich für seine dichterische Wirksamkeit, denn auch Dichter und Schrift- steller sind diesmal äußerst splendid berücksichtigt, natürlich auch Axel Delmar als Freilichtbühnen-Hofpoet und selbst der einst bei Hofe boykottierte Sudermann. Parlamentarismus, Kirche, Schule, Kunst. Jurisprudenz, Aerztestand— olles hat sein Auf- munteruiigszcichcn weggeschnappt. Wer«am dransten" war, dem leuchtete der brandenburgische Paradcstern. Auf Verdienst kommt's ja weniger an als auf Dienstalter, Katzbuckelei und eine gute Nummer oben. Sehr geringschätzig wurden Handel, Industrie und Gewerbe bedacht. Den Vogel hat aber doch der dicke Herr mit der weißen Weste und der Kognakmarke aus der Dcssauer Straße abgeschossen. Wer so sehr um die Gnaden- sonne herumscharwenzelt, wie der Chcfredalteur Dr. Oertel, und gelegentlich— wie's trefft— auch mal mit Lehm nach dem Spree- schloß schmeißt, dem mußte man doch endlich mal einen Trinkgeld- brocken hinwerfen. Und just im selben Augenblick, wo die .märkischen Eichen' sich im Schloßsaal mit Kapaunen vollstopfen und hungernde Märker sich den Magen mit dem«nie alle werdenden märkischen Sande" füllen können, wird einer der größten Schreier und Hetzer der agrarischen Fleischverteuersekte mit einem Orden belohnt. Volkskonzerte deS Philharmonischen Orchesters! Die Berliner Gewerkschaftskommission bittet uns, mitzuteilen, daß die Eintritts- karten zu allen Konzerten des Philharmonischen Orchesters— bis zum 27. September— ausverkauft sind. Auch Nachbestellungen können daber nicht mehr angenommen werden. Insgesamt hat die Berliner GewerlschaflSkoinnnssion im Verein mit den sozialdemo- kratischcn Wahlkreisorganisationen 22 929 Eintrittskarten verkauft. Dabei konnte, wie ans dem frühen Ausverkauf zu schließen ist, bei weitem nicht die Nachfrage gedeckt werden, ein Beweis, wie starl der Sinn für gute Musik in den unteren Volksklassen vorhanden ist. Es wäre deshalb dringend zu wünschen, daß die Leitung deS Orchesters in Zukunft der Gewerkichaftskommission eine«rhöhtere Anzahl Eintritlskarten zur Verfügung stellen würde. Teure Wochenkarten. Von Arbeitern, die morgen» und abends die Havelfähre bei Sakrow benutzen müssen, wird über die hohen Ueberfahrtskosten Klage geführt. Jede Ueberfahrt kostet 19 Pf. pro Person, das macht also pro Woche 1,29 M.; dieser Betrag er- höhl sich um das Doppelte, wenn die Betreffenden ein Fahrrad bei sich führen. Die vom Besitzer der Fähre, dem Inhaber des bekannten „Wirtshauses zum Dr. Faust", ausgebenen Wochenkarten sind auch nicht viel billiger, sie kosten pro Person 1 M., mit Fahrrad sogar 1,79 M. Einzelne Arbeiter ziehen es daher vor, jede Fahrt einzeln zu bezahlen, statt sich sine Wochenkarte zu lösen und dabei im Lokal deS Besitzers der Fähre den Differenzbetrag zu verzehren. Auf de« Tempclhofer Felde fand am Sonntag ein Feldgottes- dienst statt, an welchem auch die Kriegervereine und SanitätS- kolonnen teilnahmen. Die hungernden Veteranen fehlten. In Gegenwart des Kaisers hielt der Feldprobst der Armee. Wölfing, eine Rede, von der wir folgende bezeichnende Wendungen wieder- geben wollen. Er sagte u. a.:.Es fehlt an Opfersinn. Nicht den Opsersinn meine ich. der Leib und Leben einsetzt und hingibt, wenn das Vaterland in Gefahr ist. Wenn es morgen zum Kriege käme, kein deutscher Mann würde sich besinnen, solchen Opsersinn zu be- tätigen. Dagegen wenn es gilt, die eigenen politischen Meinungen und Wunsche, die man als Privatmann hat und hegt, dranzugehen und staatsniännischer Weisheit sich zu fügen, da fehlt'S, an solchen Opfern gebricht's. Man murrt, man mäkelt, und denkt nicht an das Wort: Gehorsam ist des Christen Schmuck. ES find nicht alle Verheißungen der Zeit vor 42 Jahren in Erfüllung gegangen neben den Lorbeeren sind, wie man gesagt hat, auch die Dornen gewachsen. Und manchem will eS scheinen, als waren wir jetzt nicht glücklicher denn ehedem. Ein preußischer Komg hat gesagt:«Die Wege der Könige sind tränenreich und tranenwert, wenn Herz und Geist des Volkes ihnen nicht zur Hand Für einen Monarchen, der alles dransetzt, sein Volk zu be- glucken, wäre es da» schmerzlichste, was ihm widerfahren könnte, wenn er sich verkannt sähe oder nicht verstand in würde in seinem wohlmeinenden Wollen und Tun." Hier zeigt sich wieder wie das Christentum den Jntereffen deS Staates dienstbar gemacht wird. Die Kriegervereinler waren hoch- beglückt, weil der Kaiser anwesend war und kehrten nach Schluß mir ibrcn Fahnen in ihre Vereinslokale zurück. Der gestrige 2. Sepientber brachte die Herbstparade mit ihren Absperrungen, die viele Leute empfindlich schädigen. Bemerkenswert war diesmal die Borführung von sieben Flugmaschinen, die von Döberitz nach dem Tempelhofcr Felde gebracht worden waren. Drei Personen bei einem BootSunglück auf dem Rumuiclöburgr, See ertrunken. Ein schweres Bootsunglück, bei dem drei Personen ihren Tod fanden, ereignete sich in der Nacht zum Sonntag auf dem Nummelsburger See in der Nahe des Bootshauses des Märkischen Nudervereins. Ein mit acht Personen be- setztes Boot— es waren sieben Mitglieder jene? RudcrverrinS und ein Gast— kenterte vermutlich infolge Ueberlastung, und alle Insassen stürzten ins Wasser. Obgleich sofort mehrere Schiffer zu Hilfe eilten, konnten von den Verunglückten doch nur fünf gc- rettet werden. Die andere» drei gingen bald unter und kamen nicht wieder zum Vorschein. Auch ihre Leichen konnten bisher noch nicht geborgen werden. Die Ertrunkenen sind die 22 bis 25 Jahre alten Herren Wilhelm H 2 h u e l t aus der Neuen Grün- straffe in Berlin, Oswin Hüttner aus der Luckauer Straffe in Berlin und Oswin G r u n e r t aus Neukölln. Die beiden letzteren waren Mitglieder des Märlischcn Rudervereins, während Hähnelt als Gast mitgefahren war. Das verunglückte Boot war lein Vereins boot, sondern gehört einem anderen Besitzer. Die fünf geretteten Personen waren anfangs infolge deS ansgestandenen Schreckens sehr mitgenommen, erholten sich aber nach einiger Zeit wieder, so daff bei ihnen keine Lebensgefahr mehr besteht. Ein gerichtliches Nachspiel wird der Unfall erleben, der sich tu der Nacht von, 22. Juni gegen 11 Uhr an der Pfaueninsel ereignete, wobei zwei Personen, die das Motorboot„Hans" zu einer Fahrt gc mietet hatten, den Tod fanden. Bekanntlich ertranken Lehrer Lcpcnis aus Wilmersdorf und die Frau Apotheker Kümmel. Das Unglück ereignete sich dadurch, daff der Führer des Motorbootes„HanS", Paul Wegener aus Nowawes, die Warnuiigssignale des Slerndoinpffrö „Wannsee" falsch auffaffte, den Kurs beibehielt und dabei von der „Waniisee" gerammt wurde. Die Staalsanwaktschaft hat nach um- fangreicher Voruntersuchung nunmehr gegen Wegener wegen fahr- lässiger Tötung und Transportgefährdung Anklage erhoben und die Eröffnung des HauplverfahrenS beantragt. Bon Strolchen überfallen und durch Messerstiche schwer'verletzt wurden in der Nacht zum Sonntag der 22 Jahre alte Füsilier Robert Baum und sein Bruder Map o»S der Beufselstr. 27. Robert Baniu km» mjf 17» Füsilicrregi»: irt ouS Brandenburg an der Harn! zur gu t. i- H.ui'srparade hierher und erhielt Urlaub zu seinem Biuder Max, einen. 2» Jahr« alten verheirateten Maschinenarbciter. Am Semiial'cudabciid ging e> mit seinem Bruder in bürgerlicher Kleidung aus und beiucht? mit ihm mehrere Schankwirtschaften. Nachdem sie zuletzt in der Wiclesstraffe eingekehrt waren, traten die beiden Brüder von>ort aus den Heimweg au. Krirz nach Verlassen der Wirtschaft sahen wie scchs bis acht halbwüchsige Burschen ein junges Mädchen aa. herholt mit den! Kopf in das gestillte Becken eines Straffciibumnci!.ambten und mrierfagten ihnen diese Miffhandlung. Die Burffhea lieffdn nur««uch von dem Mädchen ab taten, als ob sie ruhig weitergegangen wären. Heimlich jedoch der- abredeten sie sich rasch, schlichen dann de» beider» Brüdern nach und überfielen sie plötzlich heimtückisch mit ihren Messern und Schlag- ringen. Nachdem sie Robert Baum nicht weniger als acht Stiche und seinem Bruder Max drei Stiche und mehrere Schläge versetzt hatten, ergriffe» die Strolche die Flucht. Max Baum verfolgte sie trotz seiner erheblichen Kopf- Verletzung, konnte sie aber nicht festnehmen lassen, weil kein Schutzmann in der Nähe war. Unterdeffen brach der Füsilier blutüberströmt zusammen und blieb besinnungslos liegen. Als sein Bruder von der Verfolgung zurückkehrte und ihn abholen wollte, hatten unbekannte Leute, die dazu gekommen waren, den Schwerverwundetcn bereits nach dem Krankenhaus in Mvabit gebracht. Dort verbanden ihn die Aerzte und ließen ihn dann nach dem Garnisonlazarett in der Scharnhorststratze bringen. Max Baum konnte, nachdem er im Kronleuhause einen Verband erhalten hatte, auf seinen Wunsch nach seiner Wohnung gebracht werden. Der Füsilier liegt noch besinnungslos danieder und es besteht wenig Hoffnung, ihn am Leben zu erhalten. Auch sein Bruder ist schwer, wenn auch nicht lebensgefährlich verletzt. Beiden Brüdern ist der Kopf förmlich zerfleischt. Der Füsilier hat außerdem Stiche in den Hals erhalten. Die Täter sind noch nicht ermittelt. Der Borfall gibt Veranlassung, darauf hinzuweisen, daff die Fälle, in denen Rowdys ruhig deS Weges gehende Paffanten über« fallen und mit Messern und Schlagringen bearbeiten, in den letzten Wochen in der oben angegebenen Gegend sich außerordentlich hänfen. Am Sonnabend vor 1s Tagen haben in der Gegend der Wiclefstraffe nicht weniger denn fünf solcher Uebcrsälle statt- gefunden, wobei in einem Falle ein Gastwirt bald tot- geschlagen ivnrde. Es scheint sich dort eine Bande herumzutreiben, die der Schrecken jener Gegend ist. Und was das Auffällige ist, iu allen den die Ueberfälle stattfanden. war von nichts zu sehen. Es hat sich schon die Meinung gebildet, als ob die Schutzleute die bei anderen harmlosen Gelegenheiten sofort da sind, jenen Elementen auS dem Wege gingen. Nun mag es richtig fein, daff ein einzelner Beamter einer llebermacht von Rowdys gegenüber nicht ausrichten kann. Dann müssen eben entsprechende Maßnahmen getroffen werden, uin daS Publikum zu schützen. Wir gehören nicht zu denen, die nach mehr Polizei rufen, meinen aber, daß die Beamten von anderen Aufgaben befreit und wirklich zum Schutze des Publikums verwendet tverdcn sollten._ Antvnwbilunfall des Prinzen August Wilhelm. An der Ecke der Schloff« und Kurfürstenstraffe zu Steglitz fuhr Sonntag vormittag 11 Uhr das Antomobil de» Prinzen August Wilhelin, in dem der Prinz selbst saß, gegen einen Straßenbahnwagen der Linie IT, der an der Scroffenkreuzung hielt. Infolge starte» SchleudcrnS hatte das prinzliche Automobil auch einen dort stehenden kleinen Brunnen umgerissen. Der Prinz blieb unverletzt und auch von den Fahr- gasten des StraffenbahntvagenS wurde niemand verletzt. Das Prinz- liche Automobil konnte nach kurzem Aufenthalt die Fahrt nach Berlin fortsetzen.— Am Potsdamer Platz wurde fast gleichzeitig der 23 Jahre alte Kellner Anton B e r g e r aus der Elsaffer Siraffe von einer Automobjldroschke überfahren. Der Verunglückte erlitt schwere Kopfverletzungen und eine Gehirnerschütterung, so daff er von der Unfallstation in der Eichharnstraffe. wo er die ersten Verbände er- hielt, nach dem Krankenhaus Moabit gebracht werden muffte. Auf der Straße gcstvrSe« ist der 43 Jahre alte Maler Reinhard Bauze, der sich ohne Wohnung in Berlin aulhiell. Der Maiin wurde Sonntagvormittag vor dem Haufe Kösliner Straffe 3 be- sinnungSloS auf dem Bürgersteig liegend aufgesunden. Ein Schutz- mann brachte den Bewußtlosen nach dem Virchow-Krankenhause. Als er dort mit ihm ankam, war der Mann schon tot. Die Leiche wurde darauf nach dein Schauhause gebracht. Die Straßenbahnlinie 18 wird eine Umleitung erfahren. Um wiederholt geäußerten Wünschen deS interessierten Publikums ent» gsgenzukoimnen. die eine Straffenbahnverbindung im Zuge der Straffe Alt-Moabit nach der Friedrichstraffe und Döiihosfpiatz sOrauienstraffe) bezweckten, soll oben genannte Linie versuchsweise auf 1 Jahr anstatt durch die Beusfel- und Turmstraffe von der Kaiserin-Augutta-Allee an im Anschluffbetrieb mit der Berlin-Ehar» �ottenburger Straffenbahn durch die Straffe Alt-Moabit bis zum Kriminalgerickt und weiter wie bisher gefuhrt werden Der «erkehr durch die Turinstraffe wird durch die Lmien 12 und 20 mit einem 7l/2 Minutenbetrieb aufrechterhalten. Vorort- J�acb richten« Neukölln. Um die Arbeiten für die Herstellung des KornerParkS zu be- schleunigen, erklärte sich der Magistrat in feinet letzten Sitzung damit Peranvvortlicher Rcdatieur: Alfred Wiclcpp, Neukölln. Für den Fällen, in denen einem Schutzmann in jener Gegend einverstanden, daß die Gebäude an der Westseite de» Parkes nach dem Projekt des HochbauamteS schon jetzt in Angriff genommen werden.— Als Ersatz für die im Abbruch befindliche Turnhalle an der Erlstraffe soll die Fertigstellung der Turnhalle auf dem Schulgrundstück Richardplatz so gefördert werden, daff diese möglichst bereits mit dem Winterhalbjahr 1S12 in Benutzung genommen werden kann. Die Wahl der Vertrauensmänner und Ersatzmänner für die A» g e st e I l t e n- V e r s i ch e r u n g soll bezüglich der An- gestellten in sechs Wahlstellen am Sonntag, den 20. Oktober tS12, von 12 Uhr mittags bis 4 Uhr nachmittags, die der Kaufleute in zwei Wahlslellen am Montag, den 21. Oktober 1912, von 1— 7 Uhr nachmittags erfolgen. AIS Wahllokal sollen für die an, Sonntag stallfindende Wahl Turnhallen und für die Wahl der Kauf- leute der Ausschank der Berliner Kindlbrauerei und der Sitzungssaal im alten Rathause genommen werden. Die in diesem Jahre erforderlichen Stadtverordneten- Ergänzungswahlen wurden für die dritte Wählerabteilung auf Sonntag, den Z.November d. I.. von 19 Uhr vor- mittags bis ü Uhr nachmittags, für die zweite Wählerabteilung auf DienStag, den 6. November d. I.. von 11 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends, und für die erste Wählerabteilung auf Freitag, den 8. November d. I., von 1 Uhr nachmittags bis 7 Uhr abends, festgesetzt. Das Projekt des Hochbauamts über die Ausführung eines monumentalen Kandelabers auf dein Platz vor dem Bahnhof Kaiser-Friedrich-Straffe wurde genehmigt. Schöneberg. Schließung einer Gemeindeschule. Auf Antrag der Schöneverger Schuldeputation ist am Sonnabend die �11. Gemeindeschule in der Feurigstraffe geschloffen worden. In den letzten Wochen sind mehrere Schüler der Anstalt an Diphtherie erkrankt, doch sind Todesfälle glücklicherweise bisher nicht zu verzeichnen. Um der Gefahr einer Verbreitung der tückischen Krankheit vorzubeugen, ist nun in Gemäß- heit eineS nach Uebereinkunft mit dem Schöneberger Polizeipräst- deuten und dem zuständigen Kreisarzt von der Gesundheitskommission im Herbst vorigen Jahres gefaßten BefchlusteS die Schließung der 11. Gemeindeschule angeordnet worden. Zu besonderen Bcfürch- tungen bietet, so wird berichtet, diese Vorsichtsmaßregel keinen Anlaß. Charlottenburg. Gegen die Lcdcnsmittelteuerung. Die sozialdemokratische Fraktion hat für die Sitzung am Mitt- wach der hiesigen Stadtverordnetenversammluag einen Antrag«in- gebracht, worin der Magistrat ersucht wird: 1. an den Bundesrat und Reichstag eine Eingabe zu richten, in der unter Darlegung der herrschenden Notlage gefordert wird: die sofortige Aufhebung der Zölle auf Vieh, Fleisch, Getreide und Futter- mittel, der Grenzsperre für die Einfuhr von Schlachtvieh, des§ 12 des FleichbeschaugesetzeS, der Einfuhrscheine; 2. gemeindliche Einrichtungen— eventuell in Verbindung mit anderen Gemeinden— zur Versorgung der Bevölkerung mit LebenS- mittel» zu schaffen._ Die Kochkurse in Charlottenburg haben bisher eine recht rege Teilnahme aufzuweisen. Sie wurden im ganzen von b4S Personen besucht,- die Kosten der vier Kurse beltefen sich auf rund 2000 M. Da sich die Kurse einer allgemeinen, immer niehr wachsenden Beliebtheit erfreuen, findet am 10. Oktober d. I.«ine Forlsetzung statt. Ein« Erhöhung des Kvkc-prciscs hat für den Einzelverkauf statt- gefunden. Di« Erhöhung ist wie folgt festgesetzt: Es kostet grober Koks vom Gaswerk l 1 Hektoliter 1,20 M„ zerkleinerter Koks 1 Hektoliter 1.25 M.; grober oder zerkleinerter Koks vom Gas- werk II einheitlich 1 Hektoliter 1,20 M. Der bisherige Preis betrug 10 Pf. für 1 Hektoliter weniger. Für Aufuhr(bis 5 Hektoliter 75 Pf.) und Abtragen werden besondere Gebühren berechnet. WilmerSdorf-Halcnsee. WaS aus der städtischen Volkskllcht werden soll. Ein Schmer- zenskind der Stadt Wilmersdorf ist die bereits am 1. Novem- der vorigen Jahres beschlossene Volksküche. Die Errichtung dieser Anstalt tvar geplant, nachdem in den Erörterungen über die Be- kämpfung der Lebcnsmittelteuerung alle nennenswerten Vorschläge abgelehnt waren. Um die Tatsache zu verschleiern, daff die Stadt- vcrordnetcuversanimlung auch hier völlig versagt hatte, pries da- malS das konservative Organ deS Wilmersdorfer Magistrats den wegen Errichtung der Volksküche gefafften Beschluß alS den Gipfel sozialpolitischer Weisheit. Als es aber an die Erweiterung von Räumen gehen sollte, stellte sich heraus, daff die Wilmersdorfer Hausbesitzer nicht im geringsten von der Sozialpolitik der Stadtvcrordnetcnvcrsalnmkung erbaut waren, denn wie auf Kom- mando sträubte sich einer der Herren nach dem anderen, für die Volksküche Räumlichkeiten herzugeben. Trotzdem etwa der siebente Teil aller Läden in Wilmersdorf leer steht, konnte der Magistrat für noch so schweres Geld nirgendwo Mtctsräume erlangen. Jetzt ist endlich ein'Mittel gefunden worden, um der blamablen Not ein Ende zu bereiten. Die städtische WohlfabrtSdeputation hat näm- lich mit der Bolks-Kaffee- und Spei schallen- Gesellschaft zu Berlin einen Vertrag vorbereitet, der die Errichtung und den Betrieb einer Volksküche in einer angeblich für die Stadtgemcinde günstigen Weise löst. Nach dem Vertrage mietet die Bolks-Kaffee- und Speisehallen-Gcsellschaft die in dem Hanse Psalzburger Straffe 39. Ecke der Lauenburget Straffe be- legcnen Partcrrcrällme vom 1. Oktober dieses JahreS üb zunächst ans v Jahre; die Gesellschaft verpflichtet sich, von dem genannten Tage ab in diesen Räumen auf eigene Rechnung und Gc- fahr eine S p e i s e h a l l e zu betreiben. Der Betrieb gebt wie in den Berliner und Charlottenburger Hallen der Gesellschaft vor sich; die Gesellschaft sichert dem Magistrat eine Kontrolle zu und verpflichtet sich in einer besonderen Bestimmung des Vertrages, die Räume innen und auffcn geschmackvoll wie ein bürgerliches Restaurant auszustatten. Der Magistrat zahlt der Gesellschaft am 1. Oktober 1912 einen einmaligen Zusdjuff von 2500 M. zu den von der Gesellschaft aufzuwendenden EintichtungSkosten, die auf rund 20 000 M. veranschlagt sind. Feener zahlt der Magistrat an die Gesellsckmft für die Zeit vom 1. Oktober 1912 biS zum 30. Scp- tembcr 1915 einen jährlichen Zuschutz von 5000 M.; die Gesell- schaft verpstichtct sich hingegen, dem Magistrat nach Bedarf und nach Abruf während der Vertragsdaucr Speise marken im Werte von 2500 M. jährlich unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Diese Marken sollen zur Einnahme von Speisen im Lokal der Gesellschaft und zur Entnahme für den Verbrauch auffer dem Hause berechtigen. Für Schülcrpoctionen wird hierbei der Preis auf 1b Pf. festgesetzt; die Preise der übrigen Portionen richten sich nach dem allgemein gültigen Preisverzeichnis der Gesellschaft. Der Magistrat beabsichtigt, die Speisemarken der LtohlfahrtSdeputation zur Speisung unterernährtcr bedürftiger S ch u l k i n d c x und der AuSkunfts- und Fürsorgcstelle zur Bekämpfung der Tuberkulöse zur Verfügung zu stellen. Mit der Armcnberwaltung hat dieses Abkommen nichts zu tun; die von dieser Verwaltung zu ent- nehmende» Spciscuiarken werden besonders berechnet und bezahlt. Die Gesellschaft ist verpflichtet, den Betrieb bis zum Ablauf des Mietsvertrages auch über den 1. Oktober 191S hinaus auch ohne städtischen Zuschuh fortzuführen; sie darf den Betrieb nur dann einstellen, wenn er die erwachsenen Unkosten einschließlich einer zehnvrozentigen Amortisation auf die Einrichtung von 4 Proz. de» investierten Kapitals nicht mehr deckt. Magistrat und Stadtverordnetenmchrheit in Wilmersdorf sind sich gemeinbin immer darin einig, daß in städtischer Perwal- tung nach Möglichkeit kein dem öffentlichen Nutzen dienender Betrieb geführt tverden sollte. So wird man denn auch den Ver- trag mit der Spcisehallengesellschaft wahrscheinlich als glückliche Lösung begrüßen und froh sein, daß diese Gesellschaft bei der Mictung von Räumen anscheinend weniger Pech hat als der Ma° gistrat. Inseratenteil oerantw.: Th. Blocke.Berl'.n. Druck».Verlag; vorwärt» Tempelhof. Ein schwerer Straßenvahnunfall ereignete sich am Sonnkagnach-' mittag gegen'/o3 Uhr in der Dreibundstraffe. Dort wollte� der 45 jährige obdachlose Arbeiter Hermann Kliers den Fahrdamm über- schreiten, beachtete jedoch nicht, daß ein Straßenbahnwagen derLinie 9915 herannahte. K. wurde umgestoßen und geriet unter den Schutz- rahmen. Der Verunglückte erlitt eine Gehirnerschütterung, Bruch beider Arme, sowie einen solchen des linken Beins. KlierS wurde nach der nächsten Unfallstation und von dort nach Anlegung eines Notverbandes nach dem Krankenhaus am Urban gebracht. Weitzensee. Ein Kommunalkonflikt von weittragender Bedeutung hat die Affäre Allers-Sonnenfeld herbeigeführt. In der Gemeindevertretung ist der Fall bereits aufgeklärt und iin Beisein der alten Fraktion da» Verhalten einzelner Zeitungen, die das rein private Verhältnis der beiden Kontrahenten in Verbindmig mit der Gemeindeverwallung brachten, verurteilt worden. Trotzdem der Sprecher der alten Fraktion, Herr Fechner, niit großem Wortschwall versprach, der„Bürgerschaft" in „möglichst objektiver' Weise Aufklärung zu geben, haben neben einigen Schafen in Wolfskleidern mehrere Berliner Zeitungen die Privatinteressen deS Sonnenfeld in Schutz genommen und der Ge- meindeverwaltung die Verantwortung des Konfliktes zugesprochen. Daff der alten Fraktion an einer wirklichen Aufklärung der Bürger- schaft gar nichts gelegen ist, beloies, daff nur auf bürgerlichem Bode» stehende Einwohner Zutritt zu der Versammlung erhielten. Herr Feckner sagte auch, man wolle sich von den Sozialdemokraten nicht immer lange Reden halten lassen, deshalb seien dieselben von der Versammlung ausgeschlossen. Ebenso wurde der Berichterstatter der„Weiffenseer Zeitung" aus dem Saale entfernt. Als nun so reiner Tisch gemacht war, wurden der.Bürgerschaft' die haarsträubendsten Dinge aufgetischt, die mit der Wahrheit in starkem Widerspruch standen. Herr Fechner bewies nur, daff er der ungeeignetste Mann für das Amt eines Gemeindevertreters ist. Wie objektiv die Bürgerschaft aufgeklärt wurde, bewies weiter, daß man einen Vertreter des RcgicrlmgSbaumeisterS Sonnenfeld eingeladen hatte, der sich folgenden sonderbaren Ausspruch erlaubte:„Nach Lage der Dinge habe man es hier mit einer Gesellschaft mit beschränkter Haftpflicht der Gc- ineinde zu tun, deren Geschäftsführer Allers sei. Die heute. DienStag, stattfindende Gemeindevertretersitzung wird daher noch- mals zu der Sache Stellung nehmen; die Herren der alten Fraktion Iverdcn abermals die Verantwortung der Pcesieartiiel ablehnen. Von unterrichteter Seite verlautet, daff die alte Fraktion allen Grund hat, die Aufmerksamkeit auf ein anderes Gebiet zu lenken, denn ihre Be« wegung, die BeitragSöldnung zur Kanalisation zu Fall zu bringen, scheint erfolglos zu verlaufen. Die deshalb notwendig gewordene Erhöhung der Kanalisationsgebühren von 2�/, auf 4'/z und jetzt 0,3 Proz. des NutzertrageS belastet die Hausbesitzer so kolossal, daß schon Stimmen laut werden, der alten Fraktion die Gefolgschaft zu versagen, denn bei dem Gebührenzahlen ftt das Geld für immer ver- koren, eine Anrechnung auf die unbedingt kommenden Beiträge findet nicht statt. Spandirn. Gegen das Koallti-nsverb-t der MilitärwerkstSttenardetter. Die Militärwerkstättenarbeiter-Bersammlung, welche am Sonntagmittag in der Brauerei Pichelsdorf stattfand, war von 500 Personen besucht. Genosse Richter eröffnete die Versammlung mit der Bemerkung, daff dieselbe vom Deutschen Metallarbeiterverband einberufen worden sei, um gegen die Unterdrückung des Koalitionsrechts auf den könig« lichen Instituten zu protestieren,«l» erster Redner erhielt Reichstags« abgeordneter Büchner da» Wort. Er kritisierte scharf daS Ver« halten der Militärverwaltung, die deshalb den Militärarbeiterverband auflösen wolle, weil er die wirtschaftlichen Interessen seiner Mitglieder vertrete. Derselbe stehe auf konservativer Grundlage und werde von dem Metallarbeiterverband auf da» heftigst« bekämpft. Dem ver- flostenen Abg. Pauli gebühr« da».Verdienst', im Reichstage den Militärarbeiterverband sozialdemokratischer Umtriebe verdächtigt und dadurch die Hetze gegen den Verband hervorgerufen zu haben. Er beleuchtete dann die Mitzstände in den staatlichen Musterwerkstätten. In der Geschützgiefferei werde geklagt, daß seit Jahren ein Antreibersystem herrsche. Die Unfallziffer habe zugenommen. Leute, die einen Unfall erleiden, würden außerdem noch bestraft. In der Geschofffabrik feien im vorigen Jahre durchschnittlich täglich zwei Ueberstunden gemacht worden. Als der ArbctterauSschuff vorstellig geworden, soll der Betriebsleiter erklärt haben, da» ginge den ArbeiterauSfchuff garnichts an. Der Referent kam bann auf die berechtigte Kritik im.Militärarbeiter' zu sprechen, wonach in der hiesigen Garnisonwaschanstalt unhygicnische Zustände herrschen. 12 Frauen hätten zum Waschen«ine Waschschüssel, S bis 0 Frauen könnten sich in der Flickstube umziehen, die übrigen müßten zum Teil den Trockenraum hierzu benutzen, wo der Inspektor, Maschinist und Wärter frei umhergehen. Ein anderer Teil kleidet sich in einer Kammer um, in der schmutzige Wäsche aufbewahrt werde. Es sei in solchen Fällen erklärlich, wenn Frauen in ihren Kleidern Ungeziefer mit nach Hause gebracht hätten. Büchner schloff sein Referat mit dem Appell an die StaatSarbeiter, dem Verbände treu zu bleiben oder sich dem Metallarbeilerverband anzuschließen. Dann nahm ReichstagSabgeordncter Liebknecht zu einer längeren Ansprache daö Wort, um mit Generalmajor Mandel Abrechnung zu halten. Im Reichstag würden die kritisierten Mißstände vom.General- major Mandel bei jeder Gelegenheit abgestritten und erklärt, die Militärwerkstätten seien Musterbetriebe. In Wirklichkeit würden die Arbeiter nirgends so niedrig entlohnt, wie die StaatSwerkstätten- arbeiter. Jeder Arbeiter könnte sich organisieren, nur die Staats- arbeiter nicht; niemand werde so bespitzelt wie die StaatSarbeiter. wa» ja auch die heutige Versammlung beweise. ES könne nur anders werden, wenn die Staatswcrlstättenarbeiler wie die Reichs- Werftarbeiter in Kiel sich das Recht zur Organisierung erkämpftem Genosse Liebknecht schloff seine mit großem Beifall aufgenommene Rede mit der Zusicherung, daß die sozialdemokratische Reichstags- fraktion noch wie vor die Staatswerkstättenarbeiter mit allen Kräften vertreten werde.— Der Leiter der Versammlung richtete noch an die an- wesenden bürgerlichen Pressevertreter, hauptsächlich an die.Spandaner Zeitung', die Aufforderung, in Zukunft objektivere Berichte zu bringen und schloff darauf die imposant verlaufene Versammlung. Ltnefkafon der Redahtfon. 8. 33. 1. Ihre Frau ist iahlnngsplllchtig. 2.«. 3. Nein�— � A. B. 74. Nur beim Vorliegen eine» PsändungS- und UeberwelsungSdeschlusseS. WasserstandS-Nachrichte« der LandeSanfialt für GewSsserkunde, mitgctellt vom vcrllner Wettervure«» Wasserstand Memel, Tilsit P r e g e l, Jnllerburg Weichsel, Thor» Oder. Ratibor » Krassen . Franksurt Warthe, Schrlmm . Landsberg Netze, Vordamm Elb«, Leltmeritz . Dresden . Larbh , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree, Sprembera»! . Beeskow Weser, Münden » Minden Rhein, MarimilianSa» » Kaub » Köln Neckar, Heilbronn ?.'l a I n. Hanau Mosel. Trier ')+ bedeutet Wut».— Fall.—*) Unterveael. öuchdruckerei u. Lerlagtanstalt Paul Singer u. E», tteOa SWkT