Ur. 206. H 6on nementS'Bedingungcn: Abonnements• Preis dränumeranbo: Vierteljährl. 3.30 Ml., monotl. 1,10 Mb, wöchentlich 28 Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs- Prelsiiste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland L Mari pro Mona». Poslabonnements nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 29. Jahrg. crlchiln! täsllst außer montags. Berliner VolksblnK. Die Tnfertions'GebllQr beträgt für die techsgespaltene Kolonel. l�Mischd�r k"6" 60 Pfß- für «nb Vers „Klclne Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über IS Buch. stoben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis t> Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm. Adresse: „Sozialdeinohrat ßerlirt Zentralorgan der fozlaldeniokratifchen Partei Deutfcblands. Redaktion: SM. 68, Luidenstrasec 69. Fernsprecher: Amt Moriyplak, Nr. 198Z. Mittwoch, den 4. September 1912. Expedition: 8Äl. 68, �.indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morissplatz, Nr. tS8t. Die Lrüroiielung pesiien;.'' Spannend wie kaum ein anderes Buch, das in den letzten Jahren über auswärtige Politik geschrieben worden ist, ist die Lektüre des Bandes, den Herr W. Morgan S h u st e r, der frühere Generalschatzmeister Persiens, über die Tragödie des Jahres 1911 veröffentlicht hat, in der er als ein mutiger Verteidiger der Interessen des Volkes, das ihm unbedingtes Vertrauen schenkte, eine so wichtige und ehrenvolle Rolle spielte. Was das Buch besonders anziehend macht, ist die Sprache. In klaren und beredten Worten und mit er schöpfenden dokumentarischen Beweisen schildert Herr Shuster das jüngste Kapitel in der langen Leidensgeschichte eines Volkes, das im Begriff war, das Elend einer jahrhundert langen Despotie zu überwinden, um sofor� von seinem mäch tigen Nackbarn wieder brutal in den Sümpf zuiückgestotzen zu werden. Der amerikanische Generalschatzmeister Persiens ist zweifellos nicht in der Schule der modernen Diplomatie aufgewachsen. Er beweist eine gesunde und erfrischende Ver- achtung nicht nur in bezug auf die„Moral" der Diplomatie, sondern auch in bezug auf die stilistischen Klischees und Unaufrichtigkeiten des diplomatischen Jargons.' So schreibt er an einer Stelle:„Bloßer„oant"(heuchlerische Rede weise), so ernsthaft er auch in offiziellen Erklärungen vor gebracht werden mag, leitet die gebildete öffentliche Meinung in bezug auf die Tatsachen bei diesen internationalen Räubertaten nicht mehr irre." Man kann sich nicht wundern, daß ein Mann mit solchen Ansichten, ein persischer General- schatzmeister, der zudem tüchtig und ehrlich war, der russischen Regierung ein Greuel war und daß er im Mittelpunkt der Krise stand, die mit der Erwürgung Persiens ihren traurigen Abschluß fand. Es ist jedoch sehr leicht, diesen persönlichen Jaktor zu überschätzen. Herr Shuster hat der russischen Despotie nur einige Schwierigkeiten gemacht. Hätte zur Zeit der marokkanischen Wirren die Macht, die die persische National- Versammlung dem Generalschatzmeister anvertraut hatte, in den Händen einer jener Werkzeuge des Zarismus gelegen, unter" denen Pcrsien so viel gelitten, so hätten die Peters- burger Diplomaten die günsttge Situation ohne Zweifel schneller ausnützen können. „Persiens einzige Hoffnung auf Selbsterlösung", so schreibt Shuster am Ende seines Werkes,„war die Reform seiner zer- rüttetcn Finanzen.... Die Perser selbst waren sich dessen bewußt und mit Ausnahme der korrupten Magnaten und un- ehrlichen Beamten wünschten alle, daß wir(die amerikanischen Finanzbcamten, an deren Spitze Herr Shuster stand) Erfolg haben sollten. Rußland wurde auf dieses Gefühl aufmerksam und machte uns, ohne es zu wissen, das Kompliment, daß es fürchtete, wir würden unsere Auf- abe lösen. Das wollte sie auf keinen Fall erlauben; der est der Kontroverse besteht nur aus Einzelheiten." Aber gerade diese Einzelheiten sind es, die die Völker interessieren sollten, deren Teilnahmslosigkeit am meisten daran schuld ist, daß die Regierungen mit ihrer Ehre und ihren Interessen Mißbrauch treiben können. Es sind diese Einzelheiten, von denen der Verfasser in seinem Vorwort schreibt: „Nur die Feder eines Macäulah oder der Pinsel eines Wcreschtschagin könnten die sich schnell verändernden Szenen schildern, die den Untergang dieser alten Nation begleiteten, Szenen, in denen zwei mächtige und angeblich christliche Länder mit der Wahrheit, der Ehre, dem Anstand und dem Gesetz ein treuloses Spiel trieben und nicht einmal vor den barbarischsten Grausamkeiten zurückschreckten, um ihre politischen Zwecke zu erreichen und Persien der Hoffnung auf Wiedergeburt zu be- rauben." Es war im Mai 1911, als Herr Shuster und einige seiner amerikanischen Gehilfen in Teheran eintrafen und sich sofort an das Werk des Aufbaues eines gesunden Finanzwesens machten. Die russische Diplomatie glaubte anfänglich, sie werde den Amerikaner bald in der Tasche haben. Durch soziale Verpflichtungen aller Art wollte man ihn bald lahm .legen, wie man es mit seinen Vorgängern getan hatte. Es ist sehr lustig zu lesen, wie die Vertreter Rußlands und Englands einen Monat lang auf heißen Kohlen saßen, weil Herr Shuster diesen Ministern nicht seine Aufwartung machte, wozu er nach persischer Etikette auch gar nicht verpflichtet war. Als man dann sah, daß die Amerikaner wirklich arbeiten wollten und nicht daran dachten, ihre Zeit beim Kartenspiel und Teeklatsch totzuschlagen. setzte man sich über diese ungewöhnliche Erscheinung mit öden Witzen über den„amerikanischen Finanzdoktor" hinweg. Gleich darauf ging die Hetze gegen die Amerikaner an, deren Pläne man aus Schritt und Tritt durchkreuzte. Das von der Nationalversammlung am 13. Juni angenommene fundamen- tale Finanzgesetz, der. erste und wichtigste Schritt, um den Schwindlern, die sich von dem Schweiße der zwölf Millionen persischen Bauern mästeten, und den Agenten Rußlands das Handwerk zu legen, wurde von den Vertretern Rußlands aufs heftigste bekämpft. Man kann begreifen, weshalb Rußland seine„Interessen" gefährdet glaubte t aber weshalb mußten die Vertreter Deutschlands, Oesterreichs und Italiens den russischen Protest unterstützen? Das Verhalten *) The Strangling of Persia, von W. Morgan Shuster. Wer- leger: T. Fisher Unwin, London. IL'/z Schilling. R Zi' P des deutschen Vertreters, des Grafen O u a d t, ist für Deutschland tief beschämend. Herr Shuster schreibt darüber:„Nach einer Untersuchung fand ich, daß diese deutschen„Interessen" aus zwei Zuschüssen in der Höhe von 6000 Tumans(5400 Dollar) be� standen, die zwei deutschen Untertanen jährlich bezahlt wurden, die der sogenannten deutschen Schule und dem deutschen Hospital vorstanden, das in Teheran mit dem Zuschuß er richtet worden ist, der von einer der reichsten und mächtigsten Nationen Europas von der verarmten persischen Regierung gefordert und erhalten worden ist. Graf Ouadt sprach in seinem offiziellen Schreiben von dem Generalschatzmeister Persiens mit feinem Sarkasmus als„einem gewissen Herrn Shuster". Nun weiß man endlich, warum Deutschland im Auslande so beliebt ist. Der einzige Trost ist, daß der weniger brillante Sekundant, der Vertreter Italiens, noch geistreicher war; er schrieb in seinem Protest von dem„sogenannten Generalschatz meister." Dann kam der Zwischenfall mit dem englischen Major Stokes, der die zur wirksamen Einsammlung der Steuern nötige Gendarmerie des Schatzamtes organisieren sollte; das ängstliche Zurückweichen Sir Edward Greys vor dem russischen Bären, der es nicht zugeben wollte, daß sich sein Opfer aus dem Netze der Korruption befreie; der Einfall des verbannten Schahs in Persien, der nach dem Geständnis seines Generals Arschadu'd-Dawla, das dieser vor seiner Er schießung ablegte, von Rußland begünstigt wurde; die Korn fiskation des Eigentums des Hochverräters Prinz Schnait'� Sultana, die damit zusammenhängenden Ansprüche Rußlands auf Grund gefälschter Dokumente, die beiden russischen Ultiniata, der Einfall der russischen Truppen in Persien, die Nieder metzelung der Bevölkerung von Täbris, Rescht und Enseli und schließlich der Staatsstreich vom 24. Dezember, der der per fischen Volksvertretung den Garaus machte. Das endete die Laufbahn des amerikanischen General schatzmeistcrs Persiens, nachdem russische Agenten und persische Reaktionäre mehrere Male erfolglos versucht hatten, ihn durch Ermordung aus dem Wege zu schaffen. Die per fischen Magnaten hatten auch alle Ursache, mit Herrn Shuster unzufrieden zu sein. Hier war ein Mann, der tatsächlich verlangte, sie sollten Steuern zahlen, und zwar nicht allein die Steuern des laufenden Jahres, sondern auch die Hinter iehungen der Vergangenheit, und der mit ihnen kurzen rozcß machte. Charakteristisch in mehr als einer Beziehung ist der Fall des Prinzen Farman Farma, der auch zahlen sollte.„Als Prinz Farman Farma schließlich sah," schreibt Herr Shuster,„daß es mit dem Steuerzahlen Ernst war, ging er vor den Rat der Minister, erzählte von seinen tapferen Taten im Dienste der konstitutionellen Regierung als General der Armee und als Kriegsminister und fiel schließlich dem Premierminister schluchzend um den Hals. Die Mitglieder des Rates waren so gerührt, daß sie mir einen höflichen Brief schrieben, in dem sie erklärten, daß der Prinz keine Steuern zu zahlen habe, bis sie die Frage untersucht hätten. Farman Farma überreichte mir den Brief persönlich und ich erklärte ihm, daß er zwischen zwei. Dingen wählen könne: entweder müsse er mit seinen tapferen Taten im Dienste der Konstitution fortfahren, indem er am nächsten Tage alle seine Überfälligen Steuern zahle, oder ich würde von seinen Kornkammern Besitz ergreifen und ihm die Mühe sparen. Ich schrieb dem Rate, daß, wenn er sich freundlichst mit den übrigen Regierungsangclegenheiten beschäftigen wolle, ich mich bemühen würde, das Einsammeln der Steuern zu überwachen. Der Prinz bezahlte die meisten seiner Steuern am folgenden Tage, doch mußten wir noch aus einem seiner Güter einen Teil seines Weizens beschlagnahmen. Er hatte während seiner offiziellen Tätigkeit als Statthalter einer Provinz, General und Kabinettsminister einige Millionen Dollar„gespart". An Fähigkeit, Energie und Mut fehlte es dem Amerikaner wahrlich nicht. Er war der rechte Mann am rechten Platz. Man lese nur die Konflikte, die er mit den zahlreichen per- fischen Generalen auszukämpfen hatte. Diese Helden konnten es nicht verstehen, warum ihnen die Kassen des undankbares Staates auf einmal verschlossen sein sollten. Wie wandelnde Arsenale erschienen sie im Schatzamt, machten aber nicht den geringsten Eindruck. Dann fingen sie an, mit der Revolte des Heeres zu drohen. Das Schatzamt kam ihnen zuvor. Es bezahlte die Soldaten selbst und zwar den vollen Lohn. Und die Soldaten, die zum erstenmal in ihrem Leben den Sold regelmäßig und ohne Abzug bekamen verspürten keine Lust, gegen ihren Wohltäter zu revoltieren. Mit der inneren Opposition gegen die Reform des persi- schen Staatswesens wäre der Generalschatzmeister und die Nationalversammlung, die ihn aufs loyalste unterstützte, bald fertig geworden; die versumpften reaktionären Elemente waren kaum eines ernstlichen Widerstandes fähig. Es war das Auf- treten der russischen Agenten, die schon im Jahre 1911 in Persien mit einer kaum zu beschreibenden Unverschämtheit schalteten und walteten, was Shusters Aufgabe so schwer machte. Ueber die Mitglieder der National- Versammlung hat Herr Shuster nur Gutes zu sagen. Diese von der russischen und englischen Presse ver- unglimpften Volksvertreter bewiesen sich an dem Eni- scheidungstage als Männer von Mut und Ehre. Gewiß ver- traten sie nur einen Teil des persischen Volkes, aber alles, was in Persien politisch denken konnte, blickte zu ihnen als dem einzigen Bollwerk der Freiheit und Selbständigkeit des Landes hinauf. Herr Shuster zollt ihnen in der Beschreibung der durch das zweite russische Ultimatum geschaffenen Situation, als sie sich weigerten, ihr Land zu verraten, folgende Anerkennung: „Man hat mich oft gefragt, ob denn die Perser wirk« lich sähig seien, ihre Regierung zu reformieren, ob sie nicht ein entartetes Volk seien und ob es einen nationalen Geist in Persien gebe. Wir alle wissen, wie leicht es ist, patriotische Reden zu halten in den sonnigen Zeiten des Friedens im Herzen einer konventionellen und geordneten Gesellschaft, wenn die feurigste Herausforderung der Mächte des Bösen keinerlei Gefahr mit sich bringt. Aber wenn eine Körperschaft von siebzig mohammeda- nischen Vertretern, die jeden Augenblick der Gefahr ausgesetzt sind, daß sie ins Gefängnis geworfen werden oder daß ihnen von einer überwältigend stärkeren Macht ein schlimmeres Schicksal er« reicht, tagein tagaus den Intrigen, Bestechungsversuchen und Drohungen standhält, die die Agenten einer mächtigen Nation in großem Maßstabe anwendeten, und wenn diese siebzig Männer in die Vergessenheit und die zu gewärtigenden Schrecken des Privat- leben« gehen und sich noch immer weigern, die Ehre und die Selbständigkeit ihrer Nation hinwegzuzeichnen, dann glaube ich, daß die Frage nach dem nationalen Geist genügend klar be- antwortet worden ist. Niemand, der die Vertreter eines ver« gewaltigten Volkes in jenen dunklen Tagen kannte, konnte umhin, das persische Volk lieb zu gewinnen oder mit seinen gerechten Bestrebungen zu syinpathisieren. Seine Fehler sind wohl- bekannt; sie entspringen hauptsächlich der Umgebung und der Tradition." Zum Schluß möge noch die Rolle erwähnt werden, diö die persischen Frauen in jener entscheidenden Krise ihres Volkes gespielt haben. Als die National- Versammlung darüber beriet. ob man die unver- schämten Forderungen der russischen Regierung annehmen sollte, tauchten Gerüchte auf, daß die Deputierten schwankten. Darauf marschierten 300 Frauen und Töchter der Abgeordneten bewaffnet nach dem Medjlis und erklärten dem Präsidenten, daß sie ihre Gatten, Söhne und Väter erschießen würden, sollten diese es wagen, die Freiheit und Selbständigkeit des Volkes der russischen Despotie preiszugeben. Ueberhaupt er- hält man von den mohammedanischen Frauen einen sehr günstigen Eindruck. Mehr als einmal haben sie dem General- schatzmeister sehr wertvolle Ratschläge erteilt. So war es die Frau des Bruders des verbannten Schahs, die Herrn Shuster den dokumentarischen Beweis gab, daß die Ansprüche Rußlands auf das konfiszierte Eigentum Schuau's-Sultanas aus gefälschten Dokumenten hergeleitet wurden. Es wäre zu wünschen, daß das Buch bald ins Deutsche übersetzt würde. Es ist selten, daß ein Mann, der den Frei- mut und die Ehrlichkeit des Verfassers besitzt, in der heutigen Gesellschaft auf einen Posten kommt, von dem aus er das gewissenlose Treiben der Diplomatie genau verfolgen kann. Das Shustersche Buch wird manchem, der noch glaubt, daß in der imperialistischen Politik noch Treue und Redlichkeit geübt wird, die Augen sehr weit öffnen. Es ist auch ohne große Vorkenntnisse nicht schwer zu lesen und seine frische. lebendige Moral ist die, die der einfache Mann versteht und die dem Diplomaten die Waffe aus der Hand schlägt. Die veimchlMIgimg des Oedlandes und die fleilchnot. gh. Je eingehender wir uns mit der Fleischnot be- schäftigen, um so mehr Anklagen müssen wir gegen die jetzige unverantwortliche Wirtschaft erheben; und jeder Versuch der Rechtfertigung deckt weitere Unterlassungssünden der herrschen- den Kreise auf. Die Regierungsblätter berufen sich auf die angeblich so großen Erfolge der Bestrebungen, die einheimische Landwirtschaft immer leistungsfähiger in der Aufzucht von Schlachtvieh zu machen. Hierauf ist bereits mit Recht geantwortet worden: diese Erfolge haben doch tatsächlich die Fleischnot nicht von uns fernhalten können und rechtfertigen daher in keiner Weise die gegenwärtige Erschwerung der Vieh- und Fleicheinfuhr aus dem Auslände. Dazu kommt aber noch die Vernachlässigung des Oedlandes. Nach der Berufs- und Betriebszählung vom 12. Juni 1907 betrug im ganzen Reich: Ackerland....... 24 432 354 ha Gartenland(ohne Ziergärten) 481 716„ Wiese........ 5 951 680„ reiche Weide...... 858 806„ Weingärten und Weinberge. 115 368„ Zusammen: landwirtschaftliche Fläche...31834 874 ha » forstwirtschaftlich benutzte Fläche 7 679 754„ „ geringe Weide und Hutung.. 1 061 292„ „ Oed- und Unland..... 1471357, Es gibt also in unserem Vaterlande noch immer weite Strecken, die ganz oder fast nutzlos daliegen. Sie könnten aber durch planmäßige Verbesserungen nutzbar gemacht werden. An Anregungen hierzu hat es seit langem nicht gefehlt. Am bekanntesten sind wohl die Ausführungen Bebels hierüber in seinem Buche über die Frau und den Sozialismus. Dort heißt es: Weite Landstrecken, die bis jetzt fast ganz unfruchtbar oder wenig fruchtbar sind, ließen sich durch diese künstlichen Bewässerungs- anlagen in fruchtbare Gegenden verwandeln. Wo jetzt kaum die Schafe dürftige Nahrung finden und günstigenfalls schwind- süchtige Föhren die mageren Aeste gen Himmel recken, kötinten üppige Ernte» gedeihen, eine dichte Bevölkernng reichlich Nahrung und Genug finden... Andererseits würden durch Kanalisationen weite Smnpfstrccken. Moore and Moorland- entwässert und der Kultur gewonnen. Freilich haben tvir nie einen Ziveifel darüber gelassen, daß diese große Ausgabe nur mit großen Mitteln zu lösen ist. Der Staat aber, der fast alle seine Mittel für den Militarismus, den Marinismus und die Weltpolitik der- wendet, ist unfähig, den Pflichten gerecht zu werden, die ihm die Rücksicht auf eine möglichst gute Ernährung der Bevolke- rung auferlegt. Bürgerliche Sozialpolitiker sind ebenfalls— wenn auch zum Teil aus anderen Gründen— dafür eingetreten, daß planmäßig das Oedland nutzbar gemacht werde. So hat es sich der Verein für soziale innere Kolonisation zur Aufgabe gemacht, den vorübergehend arbeitslosen Arbeitern Arbeit bei der Nutz- barmachung von Oedland zu sichern. Dem Verein fehlen aber die Mittel, um so zu wirken, wie es beabsichtigt ist. Daher be- antragte im vorigen Jahre der konservative Abgeordnete v. K a p h e n g st im Reichstage, den Reichskanzler zu ersuchen, bei den Landesregierungen dahin zu wirken, daß sie dem Verein nachhaltige Förderung und Unterstützung zuteil werden lassen. Der gute Mann wagte also gar nicht den Wunsch, daß das Reich, das soviel Geld für die Kolonien ausgibt, Mittel zur Nutzbarmachung des Oedlandes hier in Deutschland in Verbindung mit den Maßnahmen zur Beschäftigung der Arbeitslosen gewähre. Wichtig sind aber einige Angaben seiner Begründungs- rede. Er führte u. a. an: Er habe persönlich nut arbeits- losen Arbeitern in den von ihm im Ehrenamt geleiteten An- stalten Friedrichswille bei Reppcn aus sumpfigem Unland klee- fähige Wiesen geschaffen. Dort, wo wir noch vor fünf Jahren in Wasserstiefeln gingen, weidet jetzt eine 6l) Haupt starke Herde friesischen Viehs. Dann sagte er: .Wenn das Reich, die Einzelftaaten und die Gemeinde» sich in richtiger und wahrhaft patriotischer Weise die Hand reichend hier zusammenarbeiten, dann würde ein Neuland un- begrenzter Möglichkeiten in Deutschland entstehen. Ich meine, es ist um ein beträchtliches wichtiger, deutschen Boden zu Pflügen, als nach dem Nordpol zu fliegen. Dort oben ist verteufelt wenig zu holen, aber hier können 72 000 Siedlerfamilien an- gesiedelt werden, und könnten acht Millionen Doppelzentner Fleisch produziert werden. Alle bürgerlichen Parteien und nicht weniger die Re- gierungen ließen ausdrücklich erklären, sie stimmen dem Redner zu— daß aber das Reich hier mit den nötigen Mitteln eingreife, davon war überhaupt nicht die Rede. Der Reichstag nahm zwar den Antrag an; damit ist jedoch in Wahrheit gar nichts getan. Der Verein gibt sich auch jetzt wieder die größte Mühe, mehr Mittel aufzubringen. In einem Berichte über die bis- herigen, günstig verlaufenen Versuche des Vereins, das Oedland nutzbar zu machen, wird das Zeugnis des Dr. M. Fleischer,„eines der ersten Fachmänner auf diesem Gebiete", hervorgehoben, wonach das Oedland Fleisch für 15 Millionen Menschen liefewn. könnte» wenn es als Weide nutzbar gemacht werde. Wieviel hat also die herrschende Klasse dadurch versäumt, daß sie noch so viel Oedland bestehen Kßt l Sie kann sich auch aus diesem Grunde nicht vön der Verantwortung für die Fleischnot frei machen. Sie muß soivohl die Grenzen für die Fleischzufuhr öffnen und die sonstigen Maß- nahmen zur Linderung der augenblicklichen Not treffen, als auch mit den Arbeiten beginnen, das Oedland möglichst bald nutzbar zu machen und so im Laufe der Zeit eine größere Aufzucht von Schlachtvieh zu ermöglichen. Das müßte ge- schchen, wenn— die jetzige Wirtschast nicht in erster Linie der Ausbeutung des arbeitenden Volkes, sondern dem Wohle der Gesamtheit dienen würde. *« * Hilfe des Auslandes? Das Zoll- und Einfuhrscheinsystem, das in so erheblicher Weise den Konsumenten das Brot verteuert, verstimmt auch die mit Deutschland auf dem Getreidemarkt konkurrierenden Staaten. Ihnen gegenüber bedeuten die deutschen Getreide- einfuhrscheine nichts anderes als eine Ausfuhrprämie, durch die man deutsches Getreide im Ausland um den Zollbetrag billiger kaufen kann. Daß sie gegen den Schmutzkonkurrenten endlich Front machen, kann kein Wunder nehmen. Kürzlich wurde berichtet, daß Nordamerika einen Zoll auf Roggen- und Weizenmehl und Spließerbsen plant. Jetzt kommt die Meldung, daß auch Rußland Gegenmaßregeln ergreifen will. Zwar beabsichtigt es nicht ein vollständiges Einfuhrverbot für ausländisches Getreide nach Rußland, wie die„Deutsche Tageszeitung" im ersten Schrecken meldete. Dagegen bestätigt das osstziöse Telegraphcnbnreau, daß auf Beschluß des russischen Ministerrats beinr Handelsministerium eine besondere Koinmission eingesetzt worden ist, die Maßnahmen ausarbeiten soll, um der Einfuhr ausländischen Getreides nach Rußland zu steuern. Die Kommission wird sich zunächst mit der Frage der eventuellen Einführung eines Zolles be- schäftigen. Bisher wurde die Einfuhr zollfrei gestattet. Jährlich gelangen infolge der Einfuhrscheine fast IVz Millionen Doppelzentner Roggen über die russische Grenze. Da in in diesein Jahre die russische Ernte die vorjährige bedeutend (um Uli Millionen Pud) übertreffen wird, will sich die Re- gienmg die Preise nicht noch durch das deutsche Prämien- getreide drücken laffen. Im Interesse der deutschen Konsumenten kann diese Maßnahme nur begrüßt werden. Hoffentlich wehren sich auch die übrigen Staaten energisch zugunsten des deutschen Volkes gegen diesen agrarischen Aussauger. Aber es ist wirklich weit gekommen, wenn fremde Regierungen noch immer eher im Interesse des d e ü t1 ch e ir Volkes handeln, als dessen eigene„nationale" Regierung l Noch immer steigen die Preise. Im Auftrage des Magistrats von Berlin-Schöneberg ist vom dortigen Statistischen Amt eine Zusammenstellung über das Stei- . gen der Fleischpreife in der letzten Zeit gemacht worden. Die Preiscrmittelungen sind vom Polizeipräsidium an jedem einzelnen Markttage auf den Schöneberger Märkten angestellt worden. Nach dieser amtlichen Zusammenstellung ergeben sich folgende Preise: Rindfleisch von der Keule. Der Mindestpreis für 1 Kilo- gramm betrug im Sommer 1908— 1911 in der Regel 1,40— 1,70 M., mitunter nur 1,30 M. und erreichte lediglich an drei Tagen ftm Juli 1910 bczw. 1911) die Höhe von 1,80 M. In diesem Jahre wird seit dem 11. Juni Rindfleisch von der Keule nie zu wemget als 1,80 M. und seit dem 6. Juli nie zu weniger als 2 M. feil- geboten. Vom 8. bis 21. August war eS überhaupt nicht zu weniger als 2,80 M. erhältlich. Rindfleisch vom Bauch. Der Mindestpreis für 1 Kilo- gramm ginn 1903 und 1909 nie über 1,30 M., 1910 und 1911 nie über 1,50 M. hinaus, und in allen'diesen Jahren ging er an ein- zelnen Markttagen auf 1,20 M. oder weniger herunter. In diesem Sommer betrug er nie weniger als 1,50 M., seit dem 8. August nie weniger als 1,70 M. und seit dem 12. August durchweg 1,80 M. Schweinefleisch. Der Mindestpreis für 1 Kilogramm war 1908 und 1910 nie höher als 1,40 M., 1909 nie höher als 1,00 M. 1911 stand er vom 1. bis 10. Juli auf 1,70 M. und betrug im übrigen nur 1,10—1,30 M. Diesmal schwankte er bis zum 7. August zwischen 1,40 und 1,80 M., seitdem beträgt er stets 2 M. Kalbfleisch. Ter Mindestpreis für 1 Kilogramm war 1908—1911 selten höher als 1.50 M., nämlich nur an 14 Markt- tagen im Sommer 1911 mit 1.00— 1,80 M. In diesem Jahre betrug er seit dem 15. Juli stets mindestens 1,00 M., seit dem 25. Juli stets mindestens 1,30. M. und an einzelnen. Tagen sogar 1.90-2 M. Hammelfleisch. Der Mindestpreis für 1 Kilogramm war 1908— 1911 nie höher als 1,80 M., 1909 sogar nie höher als 1,00 M., und ian allen diesen Jahren ging er auch auf 1,40 nder 1,00 M., und in allen diesen Jahren ging er auch auf 1,40 oder als 1,00 M. und beträgt seit dem 23. Juli meist 2 M. Geräucherter« p e ck. Der Mindestpreis für 1 Kilo- gramm war 1911 nie höher als 1,50 M., 1908 nie höher als 1,00 M. und auch 1909 und 1910 nur selten, nämlich an 8 bezw. 2 Tagen (mit 1,80 M.) höher als 1.70 M. In diesem Jahre betrug er fast während des ganzen Juni und vom 12. bis 27. August 1,80 M., seitdem sogar 1,90 M. Der Protest der Unternehmer. Die„Bergwerks-Zeitung", das Blatt der Zechen» und Hütten- kapitalisten, nimmt in ihrer Nummer vom 1. September d. I. in ihrer. Wochenrundschau Stellung zur Fleischtcuerung. Wir finden da folgende interessante Ausführungen: „Es geht so auf die Dauer nicht weiter. Selbst aus den Kreisen, die früher nicht gewillt waren, wird jetzt die Mahnung erhoben, die Regierung müsse die Grenzen weit öffnen, wenigstens für geschlachtetes, insbesondere für ge, frorenes Fleisch aus Australien und Südamerika. Dieser Forde- rung gegenüber kann das beliebte Argument gegen die Ein- führung von lebendem Vieh, daß dadurch der Viehbestand des deutschen Bauern verseucht werde, nicht geltend gemacht werden, denn ein gefrorenes Hammclsviertcl kann dem deutschen Rindvieh unmöglich die Mvul- und Klauenseuche übertragen. Die Er- fahrung in England hat aber gezeigt, daß durch die sorgsam or- ganisierte und gepflegte Einfuhr von australischem Fleisch weiten Volkskreisen ein billiges, zusagendes undgesundesNahrungsmittelbeschafftwerden kann. Gegen diese bescheidene Forderung zur Zeit der Fleisch- not kann die Regierung unter keinen Umständen irgendein stich- haltiges Argument geltend machen, und wenn sie auch diese Forde- rung ablehnt, so kann sie sich gegen den von extremer Seite er- hobenen Vorwurf, ihre Politik sei nür darauf gerichtet, den Agrariern die hohen Viehpreise unter allen Umständen zu garan- tieren, nicht verteidigen. Selbst die„Norddeutsche' Allgemeine Zeitung" hat zugegeben, daß eine Fleischteuerung vorhanden ist. Der von ihr angegebene Trost, es handele sich nur um eine vor- übergehende Erscheinung, kann nicht mehr ernst genommen werden, da er schon zu oft gespendet worden ist und sich niemals bewahrheitet hat. Wenn das offiziöse Blatt jetzt von neuem mit dieser windigen Ausflucht kommt, so darf es sich nicht, darüber wundern, daß ihm mit Hohn begegnet wird. Im ganzen kommt. ja diese regierungsseitige Be- gründung darauf hinaus, das deutsche Volk werde sich an diese ewig wiederkehrende Fleischteuerung„gewöhnen". Dieses Argument ist aber um nicht?..human.er als die A n s ch a u u n g d e r Heute, die dem A a l ttiirH a ut bei lebendigem Leibe abziehen,, und die jeden Ein« wand gegen diese Grausamkeit mit per Au? rede begegne'», dsie Aale sridür da S'gewöh-ü't."Natur- lich find nicht die Aale an diese Grausamkeit' ge- wohnt, sondern ihre Schinder." Teuerungsinterpellation im bayerischen Landtage. Unter großem Andrang des Publikums begann Dienstag nach- mittag in der bayerischen Abgeordnetenkammer die Beratung der sozialdemokratischen Interpellation über die Teuerung. Nach einer das ganze Material eingehend würdigenden Begründung durch den Genossen Auer, der u. a. auch auf die die ungeheuere Futternot des vorigen Jahres verschärfenden Spekulationen der Heimfchen RegenSburger Genossenschaft hinwies, verlas Minister v. Soden eine sehr lange Erklärung, die an feudaler Schamlosigkeit alles übertrifft, was bisher von Ministern w dieser. Frage geleistet worden ist. Die Teuerung sei international, könne also auch nicht durch nationale Maßnahmen behoben werden. Die Teuerung führt der Minister auf die ungünstigen Erntcverhältnissc, Ucbertreibungen der Agitation, hohe Löhne und den Zwischenhandel zurück. Von einer Fleischnot könne in Bayern überhaupt nicht gesprochen wer- den. Die amtlichen sanitären Berichte, die die Unterernährung weiter Kreise der bayerischen Bevölkerung schon für 1907 feststellen, werden von dem Minister einfach als falsch beiseite geschoben. Jede Aenderung des heutigen Zollsystems erklärt er für undiskutabel; auch vorübergehend sei eine solche ausgeschlossen. Der Fleischver- brauch in Deutschland sei so groß, daß er höchstens von England übertroffen werde. Alles, was der Minister vertreten will, sei, die Einführung des Gefrierfleisches durch Aenderung der Bestimmun- gen deS Fleischbeschaugesetzcs zu ermöglichen. Darüber habe sich die bayerische Regierung mit der Reichsregierung ins Benehmen gesetzt. Während das Zentrum bei Schilderung der Volksnot durch unseren Redner in ein rohes Gelächter verfiel, munterte es den Minister wiederholt durch Beifall auf. Es ist anzunehmen, daß die von dem Minister v. Soden verübte Verhöhnung des Volkes zu- gleich die Antwort der Berliner Regierung darstellt und mit ihr vereinbart worden ist'.' Aus diesem Grunde ist die Interpellation nicht schon am vorigen Sonnabend beantwortet worden» weil erst die Verhandlungen mit Berlin stattfanden. Maßnahmen siegen die Fleischteuerung. Die„Frankfurter Zeitung" meldet aus Bingen: Die Stadt- verordnetenvcrsammlung vom Montag beschloß nach längerer Aus- spräche einstimmig, in einer Eingabe an das Ministerium die Be- werkstelligung einer ungehinderten Einfuhr von aus- ländischcm Schlachtvieh zu fordern. Oberbürgermeister Feldmann von Aachen gab bei Eröffnung der letzten Stadtverordnetenversammlung die Erklärung ab, daß die Fleischteuerung in Aachen eine Höhe erreicht habe, wie seit 100 Jahren nicht mehr. Daraus ergebe sich eine Notlage, die nicht mehr zu ertragen sei und der nur durch Einführung ausländi- schen Fleisches abgeholfen werden könne. Der Magistrat der Stadt Dortmund hat eine Eingabe an die Staatsregierung beschlossen, zum Zwecke schleuniger Maßnahmen gegen die Teuerung. Die Stadt, wird selbst den Verkauf von See- fischen wieder aufnehmen, außerdem eine neue Berkaufsstelle er- richten, die sich in einem Fabrikviertel befinden soll. Der Sozialdemokratische Verein der Stadt Dortmund hatte eine Eingabe in diesem Sinne gemacht. Die städtischen Kollegien in Halle a. S. haben beschlossen, nach dem Beispiele Magdeburgs billiges Fleisch zu beschaffen. Von der Teuerungskommission jst: der Antrag vorgelegt worden. 200 000 Mark bereitzustellen, um den Einwohnern, die weniger als 2400 M. jährlich Einkommen haben, billiges Fleisch zu liefern. Kundgebungen gegen die Teuerung. Zur Vichnot und Fleischteuerung hat die Berliner Flei scher innung, wie die„Allgemeine Fleischer-Zeitung" mitteilt, in ihrer gestern abend stattgefundenen Generalversamm- lung folgende Erklärung eiystimmig angenommen: „Die ungenügende Beschickung der deutschen Schlachtvieh- Märkte hat zu einer Viehteuerung und naturgemäß zu einer Fleischteuerung,»m« solche noch nicht dagewesen ist> geführt. Aus Re- gierungskreisen werden Artikel veröffentlicht, welche zwar die Viehknappheit und Viehteuerung anerkennen, aber gleichwohl zu beweisen suchen, daß die deutsche Landwirtschaft an. der Notlage keine Schuld trägt. Gegenüber diesen Aeußerungen vom grünen Tisch stellt die Berliner Fleischerinnung aus der Praxis des geschäftlichen Lebens die Tatsache fest, daß die deutsche Viehzucht. wenn auch ihr Aufschwung nicht verkannt und mit Freuden be- grüßt wird, die gestiegenen Anforderungen der Fleischernährung des deutschen Volkes nicht befriedigen, kann. Die Berliner Fleischer- innung kann nach den bisherigen Erfahrungen auch der V er- t röstung, daß die deutsche Landwirtschaft in Zukunft aus- reichend Schlachtvieh zu liefern stark sein werde, nicht den geringsten Wert beimessen. Die Berliner Fleischerinnung fordert daher vtm neuem als einziges Mittel zur Abhilfe des Notstandes Oeffnung der Grenzen für die Einfuhr von lebendem Schlachtvieh." Ebenso fand am Montagabend in Hanau eine von vielen Tausenden besuchte Versammlung statt. Montag fanden in Köln 5 Protestversammlungen gegen die F heischteüerung statt. Die Versammlungen waren sämtlich sehr stark besucht. Es würde eine Resolution angenommen, worin Grenzöffnung und Einfuhr argentinischen Fleisches verlangt und die Stadt ersucht wird, stadtisch- Fleischverkaufsstellen einzurichten und städtische Kommissionen zur Festsetzung der Lebensmittelpreise einzurichten. In München fanden Montag abend neun von der sozial- demokratischen Partei einberufene Protestversammlungen gegen die Teuerung statt. Es wurde eine in allen Versammlungen gleich- lautende Resolution angenommen, in der verlangt wird, daß der Reichstag baldigst cinberüfen. der Zoll auf Getreide. Butter und Schlachtvieh aufgehoben und die zollfreie Einfuhr überseeischen Gefrierfleisches ermöglicht werde. Dagegen solle die Ausfuhr deut- scher landwirtschaftlicher Produkte verboten werden. Die Versamm- lung forderte die Gemeindeverwaltungen auf, durch kommunale Lebensmittelversorgung der Teuerung entgegenzuvirl?«- � politische(Icbcrlicht Berlin, den 3. September 1312. Unterernährung und Tuberkulose. Auf dem Festmahl im Weißen Saale seines Schlosses in Berlin hat der Kaiser die bestehenden Verhältnisse in Deutschland als recht befriedigend bezeichnet, und kurz vorher hat er in Essen bei dem Festmahl der Jubiläumsfirma Krupp sich besonders günstig über das Dasein der rheinisch-westsälischen Arbeiter ausgelassen. Wer etwas näher mit dem Volke in Berührung gekommen ist, als es Wilhelm H bei seinem raschen Fahrplan durchs Land möglich war, der weiß, daß zu dieser günstigen Beurteilung der Lage des Volkes nicht der mindeste Anlaß vorliegt. Auch im Schatten der Kruppschen Schlote, die dem Kaiser als Zeichen des Reichtums und Wohlstandes erschienen, haust das Elend, wie man in dem jüngst erschienenen Bericht über die Tätigkeit des Instituts für Hygiene und Bakteriologie in Gelsen kirchen nachlesen kann, mit dem auch der Bericht über die Lungenkrankenfürsorge» stelle in Essen verbunden ist. Ueber diese teilt der leitende Arzt mit, daß im verflossenen Jahre besondere Aufmerksamkeit den Kindern zugewendet worden sei, die aus tuberkulösen Familien stammten. In allen Fällen, wo der Mann wegen TMerfylysx.einer Heilstätte zugeführt wurde, sei die Familie unter- sucht und jedes Kind, bei dem auch nur der verdacht einet tuber- julösen' Infektion vorliege, der besonderen Untersuchung zugeführt wurden. Durch Gewährung von StälkuugSmitteln, von Lebertran und Badesalz, besonders aber durch den Aufenthalt in einem Sool- bade werde dann eingegriffen. Dann heißt es: Besonderes Augenmerk haben wir auf die Kinder gerichtet, die zu Ostern aus der Schule entlassen werden, um dieje durch mehrwöchigen Aufenthalt in einem Bade wider- standsfähiger zu machen für ihren kommenden Beruf. Wir haben sodann die Erfahrung gemacht, daß mangelnde Ernährung in außerordentlich vielen Fällen einen Hauptgrund der Erkrankung bildet, indem auf die Ernährung d e S Mannes in der Familie der Hauptwert gelegt wird. während besonders den Kindern eine ganz unzureichende Nahrung geboten wird. Wir haben die Stadtverwaltung hierauf besonders aufmerksam gemacht und vorgeschlagen, daß hier dadurch viel Gutes getan werden könnte, wenn auf einen Aufrus in den Lokalzeitungen sich Familien meldeten, die bereit sind, solche unterernährten Kinder von dem Ueberfluß ihres MittagStischeS zu beköstigen. Dieser Schilderung eines die Masse des Volkes verzehrenden Elends noch eine Erläuterung anfügen, hieße die Farben des BildeS verwischen. Nur die eine Bemerkung erlauben wir unS. daß das arbeitende Volk nicht geneigt ist. sich über derartige Zustände mit dem kaiserlichen Hinweis auf die.UnVollkommenheiten. dienuneinmalallemJrdischen anhaften", hinweg- trösttn zu lassen.'__ Klerikale Anschuldigungen gegen frühere bayerische Minister. � Die»Germania" bringt an der Spitze ihrer heutigen Nummer einen Munchener parteioffiziösen Artikel, in welchem sie zu erweisen sucht, daß die Stellung des Frhrn. v. Hertling keineswegs erschüttert ist und die Angriffe auf das klerikale Ministerium nur den Zweck haben,„die Person des künstigen bayerischen Thronfolgers in den Dienst der parteipolitischen und taktischen Ziele des Großblocks", d. h. der Liberalen und Sozialdemokraten zu stellen. Als Beleg für diese Behauptungen ttscht die ulttamontane„Germania" allerlei Mitteilungen über angebliche Jnttigcn am Hoflager und über schauderhafte„liberal- sozialistische" Pläne der früheren Minister v. Pfaff und v. Miltner auf. So schreibt sie: .Im übrigen ist an all diesen vorgeblich aus dem K. Hof- lagcr stammenden Erzählungen nur dies richtig, daß es am K. HoflagerPersonengibt. die aneinerAende- rung der Gestaltung der Dinge ein politisches Interesse haben, ebenso wie sie an der Nichtberufung des Ministers Frbrn. v. Hertling ein politisches Interesse gehabt hatten. Die politischen Anschauungen vor allem deS General- adjutanten Frhrn. v. Wiedcnmann sind ja genügend bekannt. Unter diesen Umständen ist eS natürlich, daß es am Hoffo�r nicht an Versuchen„unverantwortlicher" Beeinflussung fehlt. Daß es aber sehr töricht ist. die Wünsche dieser Herren voreilig mit den Anschauungen des Regenten zu identifizieren, das sollte schon die Geschichte der Berufung des Ministeriums Hertling lehren- Bei der Auswahl der Personen, die zur Hoffagdgesellschaft hinzu- gezogen werden, ebenso wie bei der allgemeinen Gestaltung seines persönlichen Verkehrs sind für den Regenten nichts weniger denn politische Gesichtspunkte maßgebend, und sehr irrig wäre es. die vielgerühmte persönliche Anhänglichkeit, die der Regent den seines näheren Verkehrs Gewürdigten zeigt, als poli- tische Abhängigkeit zu deuten... Die- relativ öftere Anwesenheit der übrigens in der Nähe des Koffagdlagers sich aufhaltenden früheren Minister ist also selbstverständlich— zumal ja auch Freiherr b. Hertling als Nichtjäger der Hofjagdgescllschaft gar nicht angehört—. der Schluß auf eine Lockerung der Beziehungen zwischen dem Regenten und dem Ministerpräsidenten absolut finnlos. An BeeinflussungZversuchcn, wie sie sich zweifellos auch jetzt wieder am K. Hoflager zeigen, hat es nie gefehlt, am wenigsten zur Zeit der schweren KrisiS, die Bayern vor und nach der Land- tagsauflösung durchmachen mußte. Es steht fest, daß einige Mit- glieder der früheren Staatsregierung(in erster Linie Herr von Pfaff, dann auch Herr von Miltner) den Konflikt mit dem Zentrum dazu benutzen wollten, den Boden für eine das Zentrum und die Konservativen ausschaltende liberal- sozialistische Politik zu bereiten; die angebliche Wer- fassungsverletzung des Zentrums war der Vorwand, die parla- mentarischen Bedingungen des Großblocks zu schaffen." Auf Richtigkeit kann diese Darstellung zwar keinen An- spruch machen: aber sie zeigt deutlich, in welchem eigen- artigen Licht der bayerische Ultramontanismus die Vorgänge sieht._ Die Arbeiterentlafsungen auf der Kieler Werft haben seltsamerweise gerade den Blättern, die sonst beständig über die Begehrlichkeit und Faulheit der Arbeiter schimpfen, Tränen der Nührseligkeit entlockt. In heuchlerischer Weise haben sie die Arbeiter bedauert, die durch diese Emlassungen brotlos würden—, um dann daran anknüpfend über die übertriebene Sparsamkeit des Reichs- tage» zu jammern und reichere Mittel für den Ausbau der Kriegs- flotte zu fordern. Dieselben Blätter, die es sonst für ganz selbst- verständlich finden, daß reiche Großindustrielle, sobald eine Krise eintritt, ihre Arbeiter rücksichtslos aufs Straßenpflaster setzen und Lohnredukrioncn vornehmen, trieften diesmal von Mitleid mit der Not der arbeitslosen Werftarbeiter. In Wirklichkeit war eS ihnen natürlich nicht um dauernde Beschäftigung für die Arbeiter zu tun, denn dann mußten sie eine bessere Einteilung und Regulierung der Betriebsarbeiten fordern, sondern die Entlassungen erscheinen ihnen lediglich als ein paffender Anlaß, eine Vermehrung der Flotten» bauten und der für diese bewilligten Geldmittel zu verlangen. Dem NeichSschatzamt müssen jedoch diese neuen Flottcnsorderungen zurzeit recht unbequem sein, denn die offiziösen.Berliner Politische» Nachrichten" antworten auf diese Agitationen mit folgendem kalten Wasserguß: .An diese Nachrichten baben verschiedene Preßäußenmgen Betrachtungen angeknüpft, daß die Arbeiterentlassungen eine Folge der bei Bewilligung der Heeres- und Flottenvorlagen geübten Finanzpolitik sei, die allerorts eine übertriebene Spar- s a m t e i t nötig gemacht habe. Wir sind in der Lage, festzu- stellen, daß die Dotierung des Werftwirtschafts» s o n d s durch die gewiß gerechtfertigten Spart amkeits- befirebungen in keiner Weise berührt worden ist. Die vom Reichsmarineamt für 1912 gesorderte Verstärkung des WerftwirtschaftSfonds ist von der ReichSfinanzverwaltnng ohne Abstrich bewilligt worden. Ganz verfehlt ist es auch, hier Abweichungen in der Finanzleitnng des Schatzsckretärs Mermuth und seines Nachfolgers konstatieren zu wollen. Auch bei Durchführung des Finanzprogramms des früheren Reichsschatz- sekretärS wäre eine Erhöhung des Fonds durch den Ergänzungselat sür 1912 nicht in Frage gekommen, da die Flottengesetznovelle 1912 eine stärkere Inanspruchnahme deS WerftwirtschaftSfonds im laufenden Jahre noch nicht bedingt," -- Die-Blätter vom Schlage der.Post",-'„ Verl. Reuest, Nachrichten und der.Rhein.-Westf. Ztg." werden sich mit dieser Abfertigung schwerlich zufrieden geben. Teuerungskrawalle in Schlesien. Seit einer Woche fanden aus vielen Märkten in schlesischen Mittelstädten scharfe Zusammenstöße zwischen Händlern und Käufern statt, die am DienSlag in L i e g n i tz zu förmlichen Krawallen führten, TagS zuvor hatte eine riesige Versammlung beschlossen, nicht mehr als 1,20 M. für das Pfund Bulter zu bezahlen. Am Morgen wurde der Beschluß in Tausenden Flugblättern verbreitet. Bald kam es zu Tätlichkeiten zwischen Händlern und Hausfrauen. Die von den Konservativen aufgehetzten Landleute riefen:„Freßt Wagew schmiere oder Kuhdreckl" Nach diesen Provokationen rissen die Käufer den Händlern die Buden ein. warfen Sand in die Butter und jagten sie zum Teil mit Markttaschen und Butterbrettern zur Stadt hinaus. Ein Teil der Händler verstand sich dazu, die Butter zum Preise von 1,20 M. das Pfund abzulassen. Amtsentsetzung des Pfarrers Traub. Die.Dortmunder Zeitung" veröffentlicht das Urteil des evangc lischen OberkirchenratS in dem Disziplinarverfahren gegen den liberalen Pfarrer Traub. DaS Urteil lautet auf Aintsentfetzung ohne Pension. Pfarrer Traub hatte in der von ihm redigierten Zeitschrift„Christliche Freiheit" Kritik an der evangelischen Kirche geübt. Das Konsistorium in Münster fühlte sich dadurch be< leidigt und wollte als anklagende Behörde auch gleich die Ber- urteilung des Pfarrers Traub übernehmen. Dem energischen Ein- greifen deS Pfarrers gelang es, seine Sache dann vor das Kon« fistorium in Breslau zu bringen, das auf Versetzung in ein anderes Amt erkannte. Dagegen wurde sowohl von Pfarrer Traub als auch von der Anklagebehörde Berufung eingelegt. Die Sache kam vor den Oberkirchenrat, der das Urteil aufhob und die Amtsentsetzung verfügte. Ein Rechtsmittel gegen dieses Urteil des OberkirchenratS gibt eS nicht._ Schwere Soldatenmihhandlung und vorschriftswidrige Behandlung! Der Unteroffizier Alfred Braun vom Grenadierregiment 11 in Breslau stand vor dem Kriegsgericht, angeklagt der Miübandluna eines Untergebenen. Aus Antrag des Vertreters der Anklaae KneasaerichtSratS Drzodell. fand die Verhandlung unter A u S f ch l u ß der Oeffentlichkeit statt- angeblich weaen Gesäbrduna der Disziplin. Als Zeugen waren 6 Grenadiere geladen Der Angeklagte ist 22 Jahre alt. 1909 als Freiwilliger -'»getreten und bereits wegen vonchr. tSw.dr.ger Behandlung und Beleidigung eines Untergebenen vorbeftrafl. Das Urterl lautete wegen Mißhandlung und vorschriflswidnger Behandlung aus 44 Tage Gefängnis. Der Angeklagte habe, heißt es ,m Urterl. den Grenadier M a d e l l a beim App-ll dessen Drrllichhosen. Werl et[iß iiidjt oeroQt borisiotc unt lye schlagen unb, da et fith darum die Hände vor das Geficht hielt, den anderen Grenadieren befohlen ibmdieHändefe st zu halten. Ferner befahl! er Madella sicb den Tornister zu packen mit dre. Paar Schnürschuhen. ließ den Mann h i n u n d h e r l o u f en m den Stuben unb auf bem Korribor unb behau belte ihn mit ber Echrubberbürste.__ Der acht« nunduiavifche Hrbeiterhongreß. Stockholm, 1. September.(Eig. Ber.) Der Konareß wurde mit einem proßen Sportfest im Stadion eingeleitet. In feiner Eröffnungsrede erinnerte der Vorsitzende der fchwe- disch'en Landeszentrale, Lindquist, aiz�en ersten Kongreß 1886 und die Anfänge der Bewegung in Schweden. Danach habe niemand ahnen können, daß man bereits 26 Jahre später die Gleichberechtigung mit den bürgerlichen Parteien erobert haben würde; die Eröffnung des neuerbauten Stadions sür ein Fest der Sozialdemokratie(das Sportfest) beweise den inzwischen gewonnenen Einfluß. Der eigentliche Festredner des Tages war Genosse Vandervelde- Brüssel, der Vorsitzende des Jnternatio- nalen Sozialistischen Bureaus. Er knüpfte an die sportlichen Leistungeji des Tages an, darauf hinweisend, daß der Weg der Arbeiterklasse zur körperlichen Kultur von schweren Kämpfen mit dem Kapitalismus erfüllt ist. In Skandinavien habe man ein gutes Stück Weges bereits zurückgelegt, das Maß individueller Freiheit sei hier größer als in anderen Ländern. Und wenngleich eine staatliche Trennung der Nationen hier vorhanden sei. so habe doch der sozialistische Gedanke die skandinavischen Völker vereinigt. Im weiteren gab der Redner, ein plastisches Bild der Weltlage und der kriegerischen Gefahren, die der Kapitalismus heraufbeschwört. Der Hort des Friedens sei die Internationale der Arbeiter- klaffe, die sich gegen die Kriege provozierende Politik des Kapitalismus erhebe. Stauning- Dänemark sprach für die Einheit der Arbeiterbewegung und überbrachte die Grüße seiner Lands- leute. Es sprachen noch Vertreter der Norweger und der Finnländer, sowie B r a n t i n g für Schweden. Die Bran- tingsche Rede war der Glanzpunkt des Tages und nicht enden- wollender Jubel der Massen folgte seinen Ausführungen. Er gab in großen Zügen ein Bild der kapitalistischen und poli- tischen Entwickelung Schwedens und der gewaltigen Kämpfe, die auf politischem und gewerkschaftlichem Gebiet von der Arbeiterklasse geführt werden mußten. Marx habe, wie in so vielen andern Punkten, auch darin Recht behalten, daß der Widerstand der herrschenden Klassen gegen die vorwärtsdrängende Arbeiters ch-aft wachse und daß die Kämpfe daher im m'e r größer und erbitterter werden. Aber es sei doch in Schweden gelungen, die Gleichberechtigung der Arbeiter bei der Bestimmung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse wie im politischen Leben zu erringen. Jetzt käme es darauf an. daß die Arbeiterklasse von ihrer Macht Gebrauch mache, aber die große Mehrheit stände noch interesselos außerhalb der Organisationen: der müsse klar gemacht werden, daß sie ihre Kraft im gewerkschaftlichen und politischen Kampf einsetzen müsse: die gewerkschaftliche Aktion muß durch die politische ergänzt sein. Der Staat ist nichts Unabänderliches, sondern er kann und muß den Charakter wechseln, je größer der poli- tische Druck der Arbeiterklasse wird. Im Stadion, der Bahn körperlicher Weltkämpfe, versammeln sich heute die Ver- treter des Emanzipationskampfes der skandinavischen Ar- heiter, die Bewegung habe manches Stadion passiert, bevor sie die Gleichberechtigung erlangt habe, die sie in den stolzen Tempel geführt habe, den die Nation instinktiv gegen die rasseverheerendcn Wirkungen des Kapitalismus errichtet hat. Nach der Rede Brantings sang ein Männerchor einen Hymnus auf Schweden, wie vorher die Nationallieder der drei Nationen(Finnland, Dänemark und Norwegen) nach dem Redner der betreffenden Nation gesungen wurden. Die unb itfilDohrirfir{rOtni-n I von der ganzen Versammlung gesungen. ' Clirbei. Die Juugtürkcn. Konstantinopel, 3. September. Der jungtürkische Kongreß wurde gestern nachmittag im Zentralklub in S t a m b u l eröffnet. Anwesend waren 27 ehemalige De putierte als Vertreter des Klubs sür Einheit und Fortschritt, alle früheren dem jungtürkischen Komitee angehörenden Minister und etwa 166 Provinzdelegierte. Die Verhandlung wurde sür geheim erklärt. Der von der Regierung entz sandte Vertreter wurde nicht zugelassen. Zunächst nahm der Kongreß den Bericht entgegen, der die Ereignisse dieses Jahres schildert und dem Entschlüsse des Komitees Ausdruck gibt, alle Waffen zu nützen, die das Gesetz bietet. Der Kongreß beschloß, daß alle gewesenen Deputierten der jungtürkischcn Partei an der Sitzung teilzunehmen haben, die über die Beteiligung an den Wahlen entscheiden soll. Der Bericht tadelt die a l b a n e s i s ch e P o l i t i k der Regierung. In der Friedensfrage gibt er zu, daß das letzte Kabinett auf Ersuchen Italiens in Besprechungen eingetreten sei: aber aus der Ausrechterhaltung der otto manischen Souveränität über Tripolis und Benghasi be standen habe. Das Komitee wünsche, daß die gegenwärtige Regierung an dem gleichen Prinzip festhalte. Es werde sich mit allen Kräften gegen die Durchführung eines Friedens- schlusses auf Grund einer Zerstückelung oder eines Verkaufs türkischen Gebietes widersetzen. Der Kongreß wählte den früheren Minister des Innern H a d s ch i A l i l zum Prw sidentcn und vertagte sich sodann auf Mittwoch. Die Friedensverhandlungen. Konstantinopel, 3. September. Nach Mitteilungen aus anschei nend informierten Kreisen dauern die FriedcnSverhand- lungen in der Schweiz fort. Alemdar erklärt, die leitenden Kreise Italiens hätten den Wunsch geäußert, daß ein Müsclmane das türkische Ministerium des Aeußern übernehme, damit die Tripolitancr mehr Vertrauen gewännen, daß ihre Rechte gewahrt würden,„: Der Konstantinopeler Berichterstatter des„Matin" meldet: Kiamil Pascha habe ihm erklärt, der Sultan könnte, selbst wenn die türkische Regierung zu Zugeständnissen bereit wäre, die Araber nicht verhindern, den Krieg fortzusetzen. Die türkischen Truppen in Tripolis seien auf zwei- bis dreitausend Mann zusammengeschmolzen, die Italiener seien zahlreich. „Mögen die Italiener," habe Kiamil erklärt,„die tatsächliche Er- obcrung des Landes vollziehen, dann werden wir uns beugen." Der Bandcnkrieg. Konstantinopel, 3. September. Türkische Banden töteten im Wilajet Wan 14 Armenier, schleppten 8 Frauen, fort, plünderten ein Dorf und steckten ein anderes in Brand. Auf Jnter- vention deS armenischen Bischofs wandte sich der Wali telegraphisch an die Pforte mit dem Ersuchen, den Belagerungszustand zu proklamieren, weil sonst Gefahr von Metzeleien bestünde. Marokko. Krieg zu Rabattpreisen. Paris, 3. September. General Lyautcy hat. wie die Blätter melden, entschieden die Zurückziehung eines vom KriegSministerium am 14. Mai dieses Jahres erlassenen Dekretes verlangt, durch das den in„pazifizierten" Teilen Marokkos stehen. den Truppen die KriegSzukage entzogev WUÄe, Tis Wirkung dieses Dekretes hätte sich unter andsrM darin geäußert, daß die Fremdenlegionäre dutzendweise desertierten, und daß die Offiziere und Unteroffiziere, die vor einigen Monaten nach Marokko gehen wollten, diese Absicht aufgegeben hätten. Man habe kürzlich in den einzelnen Regimentern von Amts wegen die Offiziere bestimmen müssen, die im Besatzungslsrps dienen sollest, Amerika. Der Panamakanal. London, 3. September. Wie aus Washington gemeldet wird, dürfte eine Entscheidung über die Forderung Englands, den Panamakanal st reit einem Schiedsgericht zu unter- breiten, erst im Oktober nach der Rückkehr des Staatssekretärs Knox von den Beisetzungsfeierlichkeiten in Japan getroffen werden. Hua der Partei. Die Landeskonferenz der Sozialdemokraten des Großherzogtums Hesse» fand am Sonnabend und Sonntag in Erbach im Odenwald statt. Die Konferenz war von 137 Delegierten aus 86 Orten besucht, ferner waren sämtliche acht Landtagsabgeordnete und die Reichstags» abgeordneten Dr. David, Hasenzahl- Erbach und Ulrich anwesend. Vom Parteivorsiand war Genossin Luise Zietz er- schienen. Der LandeSsekretäc Genosse Neumann ergänzte den gedruckt vorliegenden, von uns bereits im AuSzuge wiedergegebenen Jahresbericht. Die Debatte bewegte sich iin allgemeinen in zustimmendem Sinne. Gewünscht wurde eine energische Betätigung des Landes- Vorstandes in der Frage der Jugendorganisatwn. Der Besuch gegnerischer Versammlungen sei von Fall zu Fall zu bestimmen.— Angenommen wurde unter anderem ein Antrag, vom nächsten Jahre ab nach Bedarf von Zeit zu Zeit eine Agitationsschrift (Zeitung) zur Verbreitung zu bringen. Angenommen wurde ferner ein Antrag Neu-Vsenbnrg, der den Landesvorstand beauftragt, die Gründung eines Jugend- Agitationsbezirks Hessen in die Wege zu leiten, ebenso ein Antrag der Frau Zietz-Berlin, der bestimmt: In allen Ortsvereinen mit weiblichen Mitgliedern ist eine Frau in den Vorstand zu wählen. Die weiblichen Vorstands- Mitglieder der einzelnen Orte bilden gemeinsam mit dem Kreis- vorstand eine Agitationskommiffion, die nach Bedarf zusammentritt, um über Maßnahmen zur Agitation unter dem weiblichen Proletariat zu beraten. Die weiblichen Mitglieder der Kreisvorstände bilden gemeinsam mit dem Landesvorstand die Agitationskommission für das Großherzogtum. Den Bericht der Landtagsfraktion erstattete Landtags- abgeordneter Genosse E t ß n e r t- Offenbach. In der Diskussion kommt eS zu stürmischen Auseinandcrseßun- gen zwischen den Delegierten hauptsächlich des Kreises Offenbach- Dieburg, den Anhängern Dr. Fuldas, und den einzelnen Landtags- abgeordneten.'Bundschuh k�nd W i n t e r f'Ofsenbach» sowie Genosse A n t h e s- Sprendlingen polemisieren scharf gegen die Bewilligung der 15 000 M. zur Förderung der Jugendpflege, Die Begründung sei an den Haaren herbeigezogen und im Bericht der Landtagsfraktion gar nicht erwähnt. Vorher hätte man die Regierung zu einer Antwort zwingen müssen, ob die proletarische Jugend aus diesem Fonds ebenfalls eine Unterstützung erwarten könne. Wöre dies verneint worden, dann wäre Grund genug vor- handen gewesen, gegen diesen Titel zu stimmen. Die jetzige Zustimmung würde im Lande nicht verstanden. Besonders Anthes wirst der Fraktion im Falle Dr. Fulda Mangel an Mut vor; man hätte dem Beispiel der preußischen Genossen an- "ber-—'$3otd)ctrbt folflon{dHctu bit� bis C�cnojycrE mit Freuden begrüßt. Adelung- Mainz wendet sich in scharfen Worten gegen Rink-Offenbach und bemerkt weiter, wenn man ihm Mangel an Mut vorwerfe, stelle st den Genossen sein Röandat zur Verfügung. Dr. Fulda findet, daß die Erklärung Ulrichs in seiner Sache etwas kurz und dürftig war; er habe das Gefühl ge- habt, daß seine scharfen Worte der Fraktion peinlich gewesen seien. In Zukunft müsse jedenfalls ein anderer Ton im Parlament an- geschlagen werden. In persönlich verletzender Weise polemisiert nun Ulrich- Offenbach gegen seine Kritiker. Der Vonvurf, die Landtagsfraktion habe es an Mut fehlen lassen, sei eine Versündi- gung an der Partei. Seine weiteren Ausführungen richten sich gegen die Angriffe auf ihn in einer Offenbacher Parteiversannn- lung, die durch Zuträgereien in scheinbar irreführender Form dem Genossen Ulrich hinterbracht worden sind. Man habe ihm zum Vorwurf gemacht, er sei ein Mandatjäger. Das sei un- erhört, und er mache nicht mehr mit. Scheinbar warten einige Genossen nur auf seinen Abgang; deshalb habe er dem Kreisvor- stand seine vier Mandate zur Verfügung gestellt. B u s o l d- Friedberg wendet sich gegen Dr. Fulda, der die Fraktion beleidigt! habe, als er ausführte, Ulrich wäre in dieser Angelegenheit ganz anders vorgegangen, wenn es sich um seine Person gedreht hätte. Davon könne keine Rede sein. Das Vorgehen Dr. Fuldas gegen den Minister des Innern sei eben leider mit seinem sonstigen Ver- halten der Regierung gegenüber nicht in Einklang zu bringen ge- wesen. Gerade Fulda stehe es am wenigsten an. einen schärferen Ton zu predigen; habe er doch, kaum einige Tage nach dem Zu- sammenstoß mit dem Minister Homberg!, dem Jultizminister ein Vertrauensvotum ausgestellt, daß es ihm und den anderen Fraktionsgenossen dabei himmelangst geworden ist. Dr. David bedauert, daß sich Ulrich zu den persönlich verletzenden Aeußerunigcn habe hinreißen lassen; das sei zu' entschuldigen in Anbetracht der großen und vielseitigen Tätigkeit, die Ulrich verrichte und die einen Menschen vorzeitig aufreiben müsse. Jedenfalls sei man sich wohl darin einig, daß Ulrich, solange er lebe, auf seinem Platz bleiben müsse. Mit allen gegen drei Stimmen wurde schließlich folgende Resolution an- genommen:.Die Landeskonferenz ist mit der Tätigkeit der Land- tagsfraktion einverstanden. Insbesondere billigt sie die Haltung unserer Vertreter anläßlich des ZustammenstoßeS des Genossen Dr. Fulda mit dem Minister v. Homberg! und bringt hiermit der Fraktion das voll st e Vertrauen entgegen." Weiter wurde beschlossen, die Fraktion möge dahin wirken, daß die Gebühren bei dem Austritt aus der Landeskirche beseitigt werden — Protestaktionen irgendwelcher Art sollen in Zukunft nur auf Ver� anlassung des Landesvorstandes erfolgen. Ueber den Parteitag in Chemnitz referierte Genosse Ulrich. der sich m der Frage des Organisationsstatuts voll auf den Boden des Vorschlages der Organisationskommission stellte. Nach kurzer Debatte würbe folgenbe Resolution angenommen:„Die Lanbeskonferenz ber hessischen Sozialbemokratie erklärt sich mit ber Schaffung eines Partei- auSschusseS nach dem Vorschlag der OrganisationSkommission ein- verstanden. Sie erwartet von der Heranziehung der Vertrauens- manner aus den verschiedenen Reichsstellen zur Vorentscheidung wichtiger Angelegenheiten eine Förderung der inneren Einheit der Partei. Als Vertreter sür das Großherzogtum Hessen in dem zu schaffenden Ausschuß schlägt die Konferenz den Genossen Karl Ulnch vor." Ferner wird angenommen ein Antrag Worms, sich gegen die vorgeschlagene Beitragserhöhung auszusprechen und die seitherige Hohe der Beiträge beizubehalten. Außerdem wurde beschlossen, den andeSsekretär stets zum Parteitag zu entsenden, weil dies in in- formatorischer Beziehung ersprießlich sei. Zur Fleischteuerung nahm die Landeskonferenz einstimmig eine Resolution an. Der Landesvorstand besteht in Zukunft aus acht Mitgliedern, von denen der Vorsitzende und Sekretär am Sitz des Landes- Vorstandes(Offenbachj wohnen müssen. Mindestens ein Mitglied muß aus den weiblichen Mitgliedern gewonnen werden.— Die nächste Landeskonferenz soll in Zukunft in einem möglichst zentral gelegenen Orte stattfinden,-g Der alte Landesvorstand wurde ein- stimmig wiedergewählt. Bolksprotest gegen de Teuerung und Hungersnot waren in früheren Zeiten die Folge unabwendbarer Naturgewalten. Das gläubige Volk sah den Notstand auch Wohl als eine Prüfung an, die der Herrgott über die sündige Menschheit verhängt hatte. Deshalb suchte man durch Gebet, Wallfahrten und Büß- Übungen den erzürnten Gott zu versöhnen und ihn zur Ab- Wendung der Plage zu veranlassen. Wenn heut das Volk unter dem schweren Druck einer ungeheuren Teuerung seufzt, wenn die minderbemittelten Volksschichten das bleiche Gespenst des Hungers in greifbarer Nähe sehen, so wissen wir: Das ist keine Folge unbesiegbarer Naturgewalteii. Wir wissen, daß hienieden Brot genug wächst für alle Menschenkinder. Aber diejenigen, die des Brotes und Fleisches am dringendsten bedürfen, bekommen es nicht, weil sie es nicht bezahlen können und sie können es nicht be- zahlen, weil eine einseitige Jnteressenpolitik dem Volke die notwendigsten Nahrungsmittel in unverantwortlicher Weise verteuert. Das ist die Ursache der schweren Not des Volkes: Tie Erzeuger der Lebensmittel, jene kleine Schicht nimmer- satter Agrarier, jene schwerreichen Großgrundbesitzer wollen durch den Verkauf ihrer Produkte muhelos Gewinn auf Ge- winn häufen. Ihnen zu Gefallen hat die Regierung, unter- stützt durch die Mehrheit des Reichstages, hohe Lebensmittel- zölle geschaffen und die Grenzen für die Einfuhr vom Aus- lande gesperrt. Gegen diese Art der Lebensmittelverteue- rung, gegen diese Ursachen der Hungersnot helfen nicht Bitt- gänge und Wallfahrten. Hier kann nur eine grundsätzliche Wandlung der das Volk aussaugenden Zollpolitik helfen. Der Reichstag, dessen schwarzblaue Mehrheit das deutsche Volk mit Hungerzöllcn belastet hat, muß seine verderblichen Maßnahmen wieder gutzumachen suchen. Die Zölle auf Lebens- und Futtermittel müssen aufgehoben, die Grenzen müssen der Einfuhr von Vieh und Fleisch geöffnet werden. Das sind die Forderungen, welche das darbende Volk in allen Gauen Teutschlands stellt. Dem Rufe der Leitung der sozialdeinokratischen Partei folgend, hatten sich gestern abend die notleidenden Massen der Bevölkerung Groß-Berlins in zahlreichen Versammlungen zusammengefunden, um den Ruf nach gesetzgeberischen Maß- nahmen zur Abwendung der drückenden Teuerung laut und vernehmlich erschallen zu lassen.— Nach Zchntansenden zahlen die Männer und Frauen des Proletariats, die ge- kommen waren, um Protest einzulegen gegen die gierigen Lebensmittelwucherer und die sie begünstigende Regierung. Eine �nahrhaft erdrückende Fülle herrschte überall. Da war kein saal groß genug, um die Massen der Besucher aufzu- nehmen. In den Lokalen, wo mehrere Säle zur Verfügung standen, wurde in jedem derselben eine Versammlung abge- halten. An anderen Stellen verlegte man die Versammlung aus dem Äaale nach dem Garten, um den andrängenden Massen Raum zu bieten. Zahlreich waren die Frauen erschienen. Sie, die trotz aller Rechenkünste schon lange nicht inehr inistande sind, mit dem Wirtschaftsgelde den Lebensunterhalt der Familie in ausreichendem Maße zu bestreiten, fühlen ja doppelt den Druck der Teuerung und hattcii deshalb ganz besonders An- laß, bei dieser Gelegenheit, vereinl mit ihren männlichen Gefährten und Klassengcnossen, Anklage zu erheben gegen alle, welche mitschuldig sind an der Teuerung, an der bitteren Not des Volkes. Hiet, vor diese?' Massen, welche die der- dcrblichen Folgen des schändlichen Lebensmittelwuchers täg- lich und stündlich am eigenen Leibe fühlen, fanden die Dar- legungen der Referenten und Referentinnen volles Verständ- Iiis. Einig waren die Zehntansende, die in den Sälen vcr- sammelt waren, mit denen, die der Ueberfiillung wegen! keinen Einlaß mehr gefunden hatteii, in der entschiedensten Verurteilung der Politik, welche die Agrarier auf Kosten des Volkes mästet. Einig waren sie in der Forderung, daß es die höchste Zeit ist, Maßnahmen zur Beseitigung der drücken- den Not zu treffen, wenn man nicht will, daß das Volk an den Folgen einer unheilvollen Wirtschaftspolitik zugrunde gehen soll.. Was die unter dem Lebcnsmittelwucher leidenden Volksmassen denken und fordern, das kam zum Ausdruck durch die nachstehende Resolution, die in allen Versamm- lungen einstimmig angenommen wurde:' Die Versammlung konstatiert, daß der Kapitalismus zu einer Teuerung aller notwendigen Lebensmittel geführt hat. Sie erkennt darin sein Unvermögen, die stetig wachsenden Produktiv- kräfte in den Dienst der Wohlfahrt der Gesamtheit zu stellen, und zugleich den stärksten Beweis für die.Notwendigkeit sozialistischer Regelung der Produktion. Sic konstatiert ferner, daß die Teuerung durch die Zollwuchcrpolitik und die Absperrung der Grenzen für Deutschland über jedes erträgliche Maß hinaus der- schärft worden ist. Deshalb fordert die Versammlung zur Linderung der Not die Zlbschaffung der Lebens- und Futtermittelzölle, die B e s e i t i- g u n g der auf den Verbrauchsartikeln der breiten Masse ruhenden indirekten Steuern, die Oeffnung der Grenzen für die Einfuhr von Vieh und Fleisch. Zur Durchführung der uncrlätz- lich gewordenen Aenderung der Wirtschaftspolitik wird die Re- gierung aufgefordert, sofort den Reichstag einzuberufen. Sie fordert ferner die kommunalen Vertretungen auf, unverzüglich Maßregeln zur besseren Versorgung des Lcbensmittelmarktes zu treffen. Die Versammelten erkennen die Stärkung der sozial- demokratischen, gewerkschaftlichen und konsumgenossenschaftlichen Organisation sowie die Verbreitung des„Vorwärts" als drin- gendste Pflicht jedes Arbeiters und Angestellten und sind ent- schlössen, den Kampf für ihre schwer bedrohte Lebenshaltung mit aller Energie bis zum siegreichen Ende durchzuführen. Erster Wahlkreis. Die Protestoersammlung in den C o r o n a- S ä l e n in der Kommandantenstraße war bis auf das letzte Plätzchen von Pro- teftlern beiderlei Geschlechts gefüllt. Man zählte zirka 450 Per- sonen. Genossin Wurm beleuchtete in überzeugender Weise die Ursachen der besonders in Arbeiterfamilien sich fühlbar machenden Teuerung. Kräftiger Beifall belohnte ihre Ausführungen. Zweiter Wahlkreis. Im Westen bei N i ß l e referierte der Genosse Becker vor einer derartig überfüllten Versammlung, wie man sie im Westen i lange nicht gesehen hat. Die Frauen waren sehr stark vertreten. Der Referent erntete am Schlüsse seines Referats lebhaften Beifall. In der B o ck b r a u e r e i am Tempelhofer Berg waren zirka 3000 Personen anwesend. Vor der überfüllten Versammlung refe- rierte Genossin K ä h l e r. Sie fand reichen Beifall zu ihren Aus- führungen. Zahlreiche Aufnahmen wurden gemacht. Dritter Wahlkreis. Im Gewerkschaftshaus waren Saal und Galerien überfüllt. Die Zahl der Erschienenen betrug lölXZ Personen. Referent war Genosse Alfred B e r n st e i n.__ Bcrantw. Redakt.: Alfred Wielrpp. Ncukölln. Inseratenteil verantw. n Lebensmittelwucher. Die Versammlung in den Arminhallen war überfüllt. Es referierte in derselben Reichstagsabgeordneter Fritz Zubeil. Sein Referat wurde mit großem Beifall aufgenommen. Die Be- sucherzahl betrug etwa 1200. Vierter Wahlkreis. Bei G r a u m a nn in der Naunynstratze referierte Reichs- tagsabgeordneter Otto Büchner. Die Versammlung war über- füllt; zirka 1000 Personen, hauptsächlich Frauen, befanden sich im Saal. Die Männer bewegten sich zu Hunderten auf der Straße. In großen Zügen entwickelt der Referent die Schäden der Agrar- zölle. Lebhafte Pfuirufe begleiten seine Ausführungen, die am Schlüsse starker Beifall lohnte. Die Versammlung im Lokale S ü d- O st in der Waldemar- straße war derart überfüllt, daß im Tunnel noch eine zweite Ver- sammlung abgehalten werden mußte. Im Saal referierte Genosse Robert Bahn und im Tunnel Oskar I e n s ch. Hunderte fanden keinen Einlaß. Boekers Gesellschaftshaus in der Weberstraße war überfüllt. Die Genossin Fahrenwald referierte unter großem Beifall. In den A n d r e a s- F e st s ä l e n referierte Genosse Meyer. Der Saal und die Galerie waren überfüllt. Der Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen. Im E l h s i u m, Landsberger Allee 41, referierte Genosse Emil Eichhorn. Wegen Ucberfüllung des Saales waren zwei Ver- sammlungen notwendig. Die zweite tagte im Garten. Die Zahl der Anwesenden wurde auf 5000 geschätzt. Die Versammlung in den C o m e n i u s- S ä l e n in der Me- meler Straße, in welcher Genosse Handle referierte, war über- füllt. Es mußten sämtliche Stühle aus dem Saale entfernt wer- den. Viele von den männlichen Versammlungsbesuchern verließen den Saal, um den weiblichen Besuchern, welche so zahlreich er- schienen waren, Platz zu machen. Das vortreffliche Referat des Genossen Handle wurde von den Versammelten mit großem Beifall aufgenommen. In der Löwenbrauerei, Frankfurter Allee 53, waren 2500—3000 Personen anwesend. Wegen Ueberfiillung mußten zwei Versammlungen abgehalten werden. Referent war Genosse Fr. Käming. Um 7% Uhr war der Saal bereits vollständig über- füllt. Fünfter Wahlkreis. Die Versammlung in den Sophien sälen war von 1000 Personen besucht, die den Ausführungen der Genossin Luise Z i e tz andachtig lauschten. Die Union s-S ä l e in der Greifswalder Straße waren über- füllt. All« Tische mußten entfernt werden. Namentlich die Frauen waren zahlreich vertreten. Wilh. Schenk referierte. Dem Refe- renten lohnte reicher Beifall. Mehrere Diskussionsredner sprachen im Sinne des Referenten. Sechster Wahlkreis. In den M i l a s ä l c n, Schönhauser Allee 130, referierte Genosse Dr. Wehl. Die Zahl der Versammlungsbesucher betrug zirka 1200. Unzählige mutzten umkehren, da das Lokal völlig über- füllt war. Der Redner fand wiederholt großen Applaus. Im Berliner Prater war der Saal frühzeitig über- füllt. Taufende mußten im Garten Platz nehmen. Das Referat hielt Genossin Frau F r i e d l ä n d c r. In ihrer Rede geißelte sie das Verhalten der preußischen Regierung und der Junker. Bei- fallskundgebungen der Versammlung, die meistens aus Frauen bestand, folgten den Worten der Rednerin. Eine Pause am Schluß des Referats wurde zur Aufnahme für den Wahlvcrein benutzt. Die Versammlung bei P a u l O b i g l o in der Schwcdter Straße mußte wegen Ueberfüllung des Saales in den Garten verlegt wer- den. Anwesend waren über 1200 Personen. Referent war Genosse Joseph Hartmann. Dem Redner wurde großer Beifall gezollt. Im Swinemünder Gesellschaftshaus, wo Ge- nosse Haß über Teuerung und Junkerrcgierung referierte, waren zirka 1000 Personen anwesend. Es mußte aus Sicherheitsgründen von den Genossen selbst abgesperrt werden. Der Referent entledigte sich siner Aufgabe zur Zufriedenheit. Hunderte, welche keinen Ein- laß fanden, harrten auf der Straße bis zum Schluß der Versamm- lung, um sich in ruhiger Weise dem Protest anzuschließen. Die Polizei blieb arbeitslos. Die Versammlung in den Borussia-Sälen war von 1000 Personen besucht. Genosse K u b i g- Pankow besprach das Thema des Abends in Ilb stündigem Vortrag. Redner fand vielen Beifall. Die Versammlung in Frankes Fe st sälen war vollständig überfüllt. Ter Reichstagsabgcordnete Genosse Fritz K u n e r t verstand es, in seinem fesselnden Vortrag den Anwesenden die Ursachen der künstlichen FIcischteuerung greifbar klar vor Augen zu fühven. Seine Kritik der agrarischen Wucherpolitik wurde oft von lebhaftem Beifall unterbrochen. Die Versammlung im Voigt-Theater wurde wegen Ueberfüllung um 8 Uhr nach dem Garten verlegt. Genosse Emil Dittmer geißelte in scharfen Worten die Schutzzollpolitik und die Ursachen der Teuerung. Anwesend waren etwa 4000 Genossen, unter ihnen viele Frauen. In der Diskussion sprachen zwei Genossen und eine Genossin, die den Ausführungen des Referenten zu- stimmten. Im Kösliner Hof nahm die stark überfüllte Versamm- lung von zirka 900 Personen, die in großer Zahl von Frauen besucht war, mit großem Interesse den Vortrag des Genossen L i t f i n entgegen. In einer eingeschalteten Pause wurde eine Reihe von Aufnahmen in den Wahlverein vollzogen. Die P h a r u s s ä l e in der Müllerstraße boten das dort schon gewohnte Bild der Ueberfüllung. Um IVt Uhr wurde der große Saal polizeilich abgesperrt, um 7sh Uhr dann der kleine. Dann sammelte sich die Menge im Garten und auf der Straße. Die un- gefähre Besucherzahl betrug 4000 bis 5000 Personen. Im großen Saale, wo Robert Schmidt referierte, waren allein 2000 Per- sonen anwesend. In der Sentkerschen Fabrik war ein kolossales Polizeiaufgebot stationiert. In der Bockbrauerei. Abt. II. Chausseestraße, referierte vor überfüllter Versammlung, in der die Frauen sehr zahlreich vertreten waren, Genosse Sassen. Seine Ausführungen wurden von den Versammelten zustimmend aufgenommen. Zahlreiche Besucher mußten wegen' Ueberfüllung des Saales umkehren, so daß auch der Garten das Bild einer äußerst gut besuchten Protest- Versammlung bot. Die Versammlung im Stadttheater Moabit war schon vor 8 Uhr von der Polizei abgesperrt. Es waren 3000 Personen, in der Mehrzahl Frauen, im Saal anwesend, die dem Referat des Genossen Hellmuth Lehmann mit Spannung lauschten. Nahezu 1000 Personen zogen, da sie keinen Einlaß erhielten, nach der nächsten Versammlung, dem Artushof. Trotzdem waren noch an 1000 Genossen und Genossinnen im Garten und auf der Straße, so daß 5000 bis 6000 gegen die Teuerung demonstriert haben. In der Diskussion sprach Genossin Reichert, welche die Frauen auf- munterte zur Organisation. Genosse Moses sprach außerdem gegen den Militarismus und seine Folgen. Genosse Liese lenkte die Aufmerksamkeit auf die Genossenschaftsbewegung. Die Polizei war sehr zurückhaltend. Die Volksversammlung im A r t u s h o f in Moabit war überfüllt und mußte abgesperrt werden. Ter Gesangverein„Freier Männer-Chor Moabit" leitete die Versammlung durch Gesang des Liedes Das heilige Feuer«in. Der Referent Emil U n g e r schilderte in 1 s4stündiger Rede die Zustände, die zur heuti- rh. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanjtäit gen Teuerung geführt haben. Das Referat wurde durch lebhaften Beifall und Zustimmung häufig unterbrochen. Nach dem Referat ließ der Leiter der Versammlung eine Pause eintreten, um Neu- aufnahmen von Mitgliedern für den Wahlverein entgegenzunehmen. Der Gesangverein kürzte die Zeit der Pause durch den Vortrag des Liedes Sturm. In der Diskussion sprachen zwei Redner im Sinne des Referenten. Teltow-Beeskow. In Charlottenburg strömten die Arbeiter in hellen Scharen zu der im Volkshause einberufenen Versammlung. Der große fcaal mutzte schon um'AS Uhr abgesperrt werden. Eine zweite Versammlung im unteren Saale war gleichfalls überfüllt, sie wurde daher in den Garten verlegt. Der Referent des oberen Saales, Genosse U ck o, geißelte mit scharfen Worten die schmach- vollen Zustände, unter denen das deutsche Proletariat zu leiden hat. Tausende Arbeiterfamilien müssen darben, damit eine Hand- voll privilegierter Großagrarier sich die Taschen füllen können. Die Ausführungen des Referenten wurden von häufigem Jubel unterbrochen.— Auch im Garten herrschte eine begeisterte Stim- n.ung. Hier referierte Genosse Schulz. Die Polizei schien diesmal ziemlich nervös zu sein. Trutziglich standen mit Revolvern bewehrten Hüter des Staates aus der Straße und achteten genau darauf, daß die heilige Ordnung nicht gestört wurde. Ein Mann, der es gewagt haben soll, Hoch zu rufen, als er schon außerhalb des Volkshauses war, wurde sofort verhaftet. Glaubt man wirk- lich, mit scharfen Polizeimaßregeln das Volk von der bösen Sozialdemokratie fernzuhalten? Neukölln. In den Hohen st aufen-Sälen, Hermann- straße 49, waren 2500 Personen anwesend. Referent war Max Barth. In Hoppes Fe st sälen(Bartsch) sprach Genosse H. Grünzel vor 1200 Personen. Auf Aufforderung verließen die Männer den Saal, damit die vielen Frauen Platz erhalten konnten. Hof und Straße sind dicht besetzt. Unter stürmischem Beifall ent- ledigte sich der Referent seiner Aufgabe. JmDeutschenWirtshaus, Bergstr. 136/37, waren zirka 1300 Personen anwesend. Der Saal mußte wegen Ueberfüllung ge- sperrt werden. Referent war Genosse Karl W ü ck e. In P e t r i s F e st s ä l e n in der Knesebeckstr. 113 hielt mit zündenden Horten die Genossin Frieda Wolf das Referat über den Fleischwucher. Im Garten desselben Lokals sprach der Ge- nosse Heitmann, Neukölln. Stürmischen Beifall zollten die Versammelten den Rednern. Die Zahl der Erschienenen betrug 1100. Schöneberg. In den Räumen der neuen RathauSsäle fanden überfüllte Versammlungen statt. Im großen Saal referierte Genosse P o e tz s ch, im Tunnel Genoffen Schenk und Mo h S wie Genossin Böhm. Eingeleitet wurde die Versammlung im großen Saal durch Gesang des Schöneberger Männerchors. Die Ver- sammelten nahmen die Ausführungen mit stürmischem Beifall auf. Lichtenberg. Die heutige Protestbersammlung fand im Garten des Cafe Bellevue statt. Referent war Genosse Händel. Zirka 3000 Personen waren erschienen. Der Gesangverein Rummelsburger Männerchor eröffnete und schloß mit einem Gesang. Der Garten bei Arnhold im„Schwarzen Adler", Frankfurter Chaussee, war bis aus den kleinsten Winkel dicht gedrängt besetzt. Wohl an 3500 Personen, darunter sehr viele Frauen, lauschten den Ausführungen des Genossen Käppler. Laute Entrüstungs- und Beifallsstürme unterbrachen oft den Referenten. In Bohnsdorf war die Versammlung außerordentlich stark besucht. Referent war Genosse Schwenk. Britz. Genosse Langhammer oeferierte vor sehr gut be- suchter Versammlung. Gegen 700 Anwesende, darunter viele Frauen, wurden gezählt. ,1. a Groß-Lichtcrfelbe. Die Versammlung im Hohenzollern.*' garten war von zirka 400 Personen besucht. Der Referent Julius K a l i s k i fand lebhaften Beifall. Mariendorf. Im Restaurant G r a ß l in der Chausseestraße' waren 600 Personen anwesend. Referent war Genosse H. Spickermann. Nieder-Schönhauscn. In der von zirka 600 Personen besuchten Versammlung referierte Genosse H ä n l e i n. Es wurde beschlossen, die Resolution mit einer kleinen Aenderung der hiesigen Gemeinde» Vertretung zu übermitteln. Schmargendorf. Der Saal des Waldkater war von einer viclhundertköpfigen Menge gefüllt. Der Vortrag de? Genossen G e h r k e fand großen Beifall. Gegner waren anwesend, meldeten sich aber nicht zum Wort. Die Stimmung war gut. Tempelhof. In der nach dem„W il Helmsgarten" einberufenen, außerordentlich gut besuchten Versammlung referierte unter großem Beifall Genosse Ernst Klar. Treptow. Im Neuen Gesellschaftsbaus am Bahnhof waren etwa 1000 Personen anwesend. Referent war Wilhelm L e m m. Wilmersdorf. Die von zirka 800 Personen besuchte Protest. Versammlung nahm nach einem eingehenden Referat des Genossen P ä tz e l einstimmig die vorgeschlagene Resolution an. Niedcrbarnim. Friedrichshagen. Im G is k eller waren 900 Personen an- wesend. Referentin war Genossin Elisabeth Röhl. Oberschöneweide. Die Versammlung im Wilhelminen- Hof war von zirka 1800 Personen besucht. Referent war Genosse Brühl, der starken Beifall fand. Pankow. Im Lokale„Zum Kurfürsten" waren über 1500 Personen anwesend. Namentlich die Frauen nahmen zahl-- reich teil. Wegen Ueberfüllung mutzte die Versammlung in den Garten verlegt werden. Referent war Genosse W. Zimmer- mann. Der Gesangverein.Liederfreund" leitete die Versamm- lung ein und schloß sie. In Weißensee fanden zwei Versammlungen in der Berg- b r a u e r e i statt, die von über 1200 Personen besucht waren. Ge- nosse Franz Schlemminger referierte nacheinander in beiden Sälen. Die Anwesenden gelobten, nicht eher zu ruhen, bis die Grenzen geöffnet und der Uebermut der Fleisch, und Brotver- teuerer gebrochen ist. Die Patienten der Heilstätte Gütergotz senden uns folgendes Telegramm- Gütergotz, 3. September. Dem Protest gegen die allge. meine Fleischteucrung schließen sich an die Patienten der Heilstätte Gütergotz. Hetzte Nachrfebten. Schlagwetterkatastrophe in Nordfrankreich Paris, 3. September. lP.-C.) Aus Lens im Departement Pas de Calais kommt die Schreckensnachricht� da� in der nahe- gelegenen Kohlengrube„Clarens" sich ein« Schlagwetter. k a t a st r o p h e ereignet hat. Fünfzehn Schwerverletzte find bisher zutage gefördert worden. In der ganzen Umgegend herrscht furcht- bare Aufregung, da eine Belegschaft in Starke von sechzig Mann in der Grube eingeschlossen ist. Die Re.tungsarbeiteu sind im Gange, doch hat man wenig Hoffnung, die verunglückten Bergleute lebend zutage zu fördern. Paris, 3. September.(P.-T.) Räch den bisher vorliegenden Meldungen sind aus der Unglücksgrube„Clarens" 37 und 23 Schwerverletzte zutage gefördert worden. Auf der Sohle der Grube liegen noch eine große Anzahl von Toten. Man fürchtet, daß noch weitere Bergleute, die sich bisher noch nicht beim Appell gemeldet haben, bei dem Unglück ihr Leben eingebüßt haben. Einer der Schwerverletzten ist den furchtbaren Brandwunden bereits er- leg«i. Auch die übrigen Verletzten haben so schwere Brandwunden an den Händen und im Gesicht davongetragen, daß an ihrem Auf- kommen gezweifelt wird.__ PäulSinger& Co.. Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen 0. Unterhaltung»«. Kr. M. 29.Zahtgltas. l KeilU des Joraitts" Iniinn loHInlt Mittmlh, 4.Zeptmbtt1912. GewerhrcbaftUchee. Tomebtnc Kampf csmethodcn 1 Der vornehme„Dresdner Anzeiger", Amtsblatt diverser königlicher und städtischer Behörden, sinkt immer mehr und mehr zum Reichsverbandssihimpfblatt herab. So leistet er sich in zwei Leitartikeln(Ztr. 238, 239) eine besonders nieder- trächtige Verleumdung der freien Gewerkschaften. In diesen Leitartikeln gräbt das Amtsblatt die vierte Tagung des Hauptausschusses der vaterländischen Arbeitervereine wieder aus. die bereits Ende Juni in Essen stattfand. Das dort von dem vaterländischen Arbeitersekrctär Fichtner aus Walden- bürg(Schlesien) gehaltene Referat über:„Die Notwendigkeit der vaterländischen Arbeitervereine" findet den besonderen Beifall des„Anzeigers". Obschon Fichtner selbst Gift und Galle speit gegen die freien Gewerkschaften, hält es trotzdem das Amtsblatt für notwendig, folgende mehr als kühne Be- hauptung aufzustellen: „Wie aber sieht es in den freien Gewerkschaften aus? Die systematische Verhetzung der roten Presse hat dahin geführt, und mutzie nalurnotwendig dahin führen, daß der Arbeiter seine Arbeit als einen Zwang empfindet und sie deshalb auch nur widerwillig verrichtet. Denn wie kann ein Mensch, dem tagtäglich in die Ohren geblasen wird, er werde von seinem Arbeitgeber nur aus- gebeutet und ausgesaugt, noch freudig und gern seine Arbeit der- richten? Daß aber widerwillig verrichtete Arbeil auch gleich» bedeutend ist mit mangelhafter, das liegt schon in der Natur der Sache selbst. Daraus aber resultiert die Frage: Wie kann einem Arbeilgeber, der fortgesetzt durch eben diese mangelhafte Arbeit aufs empfindlichste geschädigt wird, noch zugemutet werden, gute Löhne zu zahlen? Wenn er selbst wollte, er könnte es auf die Dauer nicht, falls er nicht mit Unterbilanz arbeiten will." Ganz unverfroren sagt also hier das Amtsblatt, die freien Gewerkschaften erziehen ihre Mitglieder zu minderwertigen Arbeitern, die zum Schaden des Unternehmers mangelhaste Arbeit lieferten. Diese unverschämte Verleumdung wird schon durch die Tatsachen Lügen gestraft. Es hat sich noch bei jedem Streik und bei Aussperrungen gezeigt, daß die arbeitswilligen Elemente die unbrauchbarsten Kerle sind. Wäre dem nicht so, danil würden die Unternehmer nicht nach Beendigung der Be- weguug diese„nützlichsten Elemente" so rasch als möglich wieder aus ihren Betrieben hinauskomplimentieren. Anderer- scits liegen genug Urteile einsichtiger Unternehmer vor. die sage», daß die freigewerkschaftlich organisierten Arbeiter nicht nur in der Quantität, sondern vor allem auch in der Qualität ihrer Arbeitsleistung anderen bei weitem vorzuziehen sind. Also gerade umgekehrt liegen die Dinge. Das weiß natürlich auch der„Dresdner Anzeiger", oder er sollte es wenigstens wissen. Aber anstatt dies zuzugeben, entblödet sich das Blatt nicht, eine weitere Verleumdung, die sich Fichtner geleistet hat, zu zitieren: „Es gehört heute Mut dazu, sich sein Selbstbestimmungsrecht zu wahren. In Berlin find es unsere roten Freunde, welche unter Kommando ihrer Verbandsbeamten unsere Versammlungen sprengen und die den Heimweg Antretenden überfallen unterstützt von notorischen Verbrechern. Wäre es nicht ganz müßig, an daS Ehr» gesiihl der Sozialdemokraten zu appellieren, so müßte man stagen: Schämt sich denn die rote Partei nicht solcher Elemente?" Ohne jeden Kommentar bringt der„Dresdner Anzeiger" diese ungeheuerliche Anschuldigung des vaterländischen Arbeiter- sekretärs. Er ist. demnach damit einverstanden! Es dürfte dem sehr ehrenwerten Herrn Fichtner schwer fallen, auch nur den Schatten des Beweises für seine Anschuldigung zu er- bringen. Das dürfte auch der Redaktion des„Dresdner An- zeigers", der ein Professor als Chefredakteur vorsteht, nicht unbekannt sein. Und da man solch krasse Unwissenheit doch einem solchen vornehmen Amtsblatte nicht zutrauen kann, so kann es sich eben nur um eine Verleumdung der freien Ge- wcrkschaften und ihrer Beamten handeln. Nun, das werden diese noch zu ertragen wissen. Dem Reichsverband zur Be- kleines feuiUeton Bornum II und die„Welt am Montag". Kaum hat sich die frühere komische Oper als Deutsches Schauspielhaus aufgetan, so beschäftigt letzteres auch schon in recht bedenklicher Weise die Oeffentlichkeit. Herr Adolf Lantz, der offizielle Direktor von mehreren anderen, die hinter den Kulissen mitdirigieren sollen, hat sich nämlich schon mit Siegfried Jakobsohn, dem kritischen Herausgeber der.Schaubühne" zerkriegt und diesen sozusagen moralisch zum Theater hinauSgew— ünschtl Außerdem soll Monsieur Lantz den Verleger der.Schaubühne" zu bestimmen versucht haben, etwaigen Angriffen JakobsohnS gegen ihn die Aufnahme zu versagen. Darob jetzt natürlich ein ferchterlicheS Äe- feireS von feiten des Direktors. daS er noch mit Telegrammen ver- stärkt, wonach sich die Geschichte wesentlich nobler begeben hätt». Sei dem wie ihm wolle. Fest steht schon allein an der dilettantischen Egmont-Vorführung, die mai» der Freien Volksbühne für schweres Geld zu bieten wagt«, daß Herr Lantz mehr verspricht als her- nach gehalten wurde. Ja er arbeitet sogar mit Trompeten- stoßen, deren sich selbst ein Bornum nicht zu schämen gehabt hätte. Da ein Theater schließlich nach kapitalistischer Auf- fafiuna auch nur ä Handelsgeschäft ist, wundert es kaum noch iemand wenn ein Geschäftsinhab« mit bezahlten Reklame- Kritiken.arbeitet". Die letzte Nummer SS der„Welt am Montag" bringt einen dreispaltigen Jnseratartikel:.Eginont im Deutschen Schauspielhaus", unterzeichnet von einem gewissen Willibald Frank. Man aebt wohl nicht fehl mit der Vermutung, daß Willibald und Adolf Zwillingsbrüder seien. In dieser bezahlten ReName(Anzeigen- nummer 485 in Klammerl) laßt sich Herr Lantz über den Schellen- wwg beweihräuchern..- Zwar lehnt die Redaktion des Blattes m. anderer Stelle in einem leicht zu übersehenden siebenzeiligen Notizchen die Verantwortung für die Barnumreklame ab— aber der Verlag bat sie doch für Geld abgedruckt. Em schmutziges Manöver bleibt das auf alle Fälle. Und eme Irreführung der Leser obendrein. Wenn solches am dürren Holz der.Welt am Montag" Seschiehr. wieviel mehr erst an den Deutschen Schauspielhaus- Männlein, da sie doch für ein Weilchen ihren Spaß haben wollen. Londoner Ttehl-Damen. Die großen Volksbibliotheken der Themsestadt haben beschloffen, die bis jetzt für die Frauen reserviert gewesenen Säle zu schließen Zu diesem auffehenerregenden Eni- schluß sind die Leiter verschiedener Bibliotheken gelangt, nachdem sich herausgestellt hat daß die Leserinnen fremdes Eigentum wie ihr eigenes behandeln und in den Lesezimmern Dinge treiben, die sonst nur ,n verschloffenen«nkleidezimmern vorgenommen zu werden Pflegen. Ein Bibliothekar berichtet, daß viele Damen nicht bloß die Bücher, die sie zu lesen wünschen in einer bei Männern nie vor- kommenden Weise verderben, sondern auch ganze sie besonders interessierende Buchkapitel und Bilder einfach herausschneiden und die wertvollsten Äunstzeitschristen und Modeblätter mitgehen heißen. Der Direktor der Bolttbibliothek von Westminster hat dies« An- kämpfung der Sozialdemokratie aber gönnen wir den „Dresdner Anzeiger", er hat sich seiner würdig erwiesen. Berlin und dmgegend. Zum Streik in den Buchdruckmaschinenfabriken ist zu berichten, daß die Firma Rockstrob u. Schneider, bei der schon immer bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen vorhanden waren als in den anderen einschlägigen Betrieben, sich mit den Ar- beitern geeinigt hat. Eine am Dienstag abgehaltene Streikversamm- lung billigte e i n st i m m i g die Wiederaufnahme der Arbeit in diesem Betriebe. Es ist nun auch von einzelnen anderen Unternehmern eine Ver- einbarung angeboten worden, welche jedoch nicht eine solche Regelung der Lohn- und ArbeitSbedinrungen vorsieht, daß die Arbeiter darauf eingehen könnten. Die Versammlung lehnte insolgedessen dieses An- gebot e i n st i m m i g ab, um so mehr, als der Geist unter den Streikenden ein ganz vorzüglicher ist und diese dem Gang der Dinge mit Zuversicht zusehen._ Lohnbewegung der Müllkutscher und Schaffner. Der bestehende Tarif mit der Wirtschaftsgenossenschaft Berliner Grundbesitzer ist zum 1. Oktober d. I. gekündigt worden. Die Forde- rungcn der Arbeiterschaft sind der Firma in Gestalt einer neuen Tarifvorlage rechtzeitig zugestellt worden. Die Hauptforderungen sind: Erhöhung des Lohnes um 1 M. pro Tag, Bezahlung der Ueberstunden für Verladearbeiter, Herabsetzung der täglich abzu- fahrenden Kastenzahl um 5 Kasten pro Fuhre. Gewährung eines Sommerurlaubs unter Fortzahlung des Lohnes und Lieferung von 4 Blusen gegen jetzt 2. Es hat bereits eine Verhandlung des Arbeiter- ausschusscs unter Hinzuziehung von Vertretern des Transportarbeiter- Verbandes mit der Direktion stattgefunden, über deren Er- gebniS der Bezirksleiter Werner am Montag in einer Versammlung der Schaffner, Kutscher und Verladearbeiter im Namen der Lohnkommission Bericht erstattete. Demnach hat die Direktion in der Lohnfrage folgendes zugestanden: Ab 1. Oktober d. I. erhält jeder der in Betracht kommenden Angestellten eine Zulage von 1 M. pro Woche mit der Maßgabe, daß während der Tarifdauer am 1. Oktober 1913 sowohl als auch am 1. Oktober 1914 der Lohn ebenfalls um je 1 M. pro Woche erhöht werden soll. Die Herabsetzung der Kastenzahl wurde abgelehnt. Der Urlaub soll wie bisher bestehen bleiben, das heißt nach einer Dienstdauer von fünf Jahren eine Woche betragen. Dagegen erklärte sich die Direktion bereit, eine Kasie zu schaffen, die ans den Zinsen von durch die Direktion zur Verfügung gestelllen Summen gebildet wird. Auß dieser Kasse soll dann den bedürftigen Angestellten Unter- slützungen oder Urlaub gewährt werden. An Blusen soll eine mehr geliefert werden als bisher. In der Diskussion bezeichneten sämtliche Redner die gemachten Zugeständnisse als zu minimal. Die geplante WohlfahrtScinrichtung fand keinen Beifall, weil man der Meinung war, daß dadurch nur Uneinigkeit und Streit zwischen den Angestellten geschaffen werde. In Rücksicht darauf, daß seit sechs Jahren eine Lohnerhöhung nicht gegeben und inzwischen eine Verteuerung des gesamten Lebens- Unterhalts eingetreten sei, wurde das Lohnziigeständnis von 1 Mark als zu gering und ungenügend bezeichnet. Eine Abstimmung ergab die Ablehnung der Zugeständnisse. Die Lohnkommission wurde ein- stimmig beauftragt, die Verhandlungen weiter zu führen und zu versuchen, annehmbarere Zugeständnisse zu erzielen. Die Müllkutscher und Schaffner aus 20—22 kleinen Abfuhr- betrieben haben ebenfalls beschlossen, die bestehenden Tarife zu kündigen und sollen die in Aussicht genommenen Forderungen den in Frage kommenden Unternehmern am Ende dieser Woche zugestellt werden._ Maßregelung der Caf�kellner im„Caf6 Abbazia", Charlottenburg. Am Knie. Der Inhaber dieses Betriebes, Herr Leopold Mandl, hat eS schon von jeher versucht, die organisierten Gehilfen auszuschalten. um den Gelben, zu deren Protektoren er gehört, eine Arbeits- stälte zu verschaffen. Vor 14 Tagen wurden sämtliche organisierte Gehilfen ohne Grund entlassen, jedoch auf das Eingreifen der Orga nisation hin wieder eingestellt. Bei dieser Gelegenheit kamen Manipulationen des Unternehmers zur Sprache, die auf das Geschäftsgebaren des Herrn Mandl ein mehr als eigentümliches Licht werfen. Diese unbequeme Tatsache war für den Herrn ein fort- gesetzter Stein des Anstoßes. Da jedoch die dort arbeitenden Kellner keinerlei Handhabe boten, die zu einer Entlassung hätten führen schuldigungen seines Kollegen vollauf bestätigt und noch hinzugefügt, daß die Frauen— und zwar Frauen aller Stände— nicht selten in den Lesesälen allerintimste Toilette machen und sich in Gegenwart fremder Personen an- und ausziehen. An den Türen einiger Bibliotheken, die noch nicht geschlossen sind, stehen jetzt Wäckterinnen, die jede Frau, die im Lesesaal war, beim Verlasse» der Bibliothek genau mustern und nach Umständen auch untersuchen, um festzustellen, ob sie nicht Bücher gestohlen hat. Kleine Diebstähle dieser Art scheinen bei den Londoner Damen zu einer wahren Manie geworden zu sein: man stiehlt nicht nur in Bibliotheken, sondern auch an anderen öffentlichen Orten und vor allem in den großen Waren- Häusern. Der Sekretär eines sehr bekannten Frauenklubs erklärte einem Mitarbeiter der„Daily News", daß die Klubleiterinnen nicht mehr wüßten, wie sie die fast jeden Tag vorkommenden Diebstähle in den Garderoben verhindern sollten. Jeden Tag verschwinden Kleidungsstücke und aus den Toiletten Päckchen mit Seifen. Hut- und Kleiderbürsten, Handtücher und anderes. Man sollte es nicht für möglich halten, daß ein Stückchen Seife zum Stehlen anreizen kann, und doch ist es so: der Seifenverbrauch des Klubs ist daher geradezu ungeheuerlich groß. Der Direktor eines großen Warenhauses sagte, daß die Diebstähle. die im Laufe eines Jahres von Frauen ausgeführt werden, an's Fabelhaste grenzen: so seien in den letzten sechs Wochen dort nicht weniger als zwanzig kostbare Toilettennecessaires entwendet worden. Wenn man die Damen bei ihren Diebereien packe und verhaften lasse, führen sie als Milderungsgrund regelmäßig die so beliebte Kleptomanie an; in den meisten Fällen aber handelt es sich um wirklichen Diebstahl, der klug vorbereitet und in einem bestimmten Interesse kalten Blutes ausgeführt wurde. Ein Polizeiinspektor behauptet dagegen, daß der von Frauen be- gangene Diebstahl, selbst wenn eS sich nicht um Kleptomanie handle, fast immer auf einen Impuls zurückzuführen sei: die Frau fühle plötzlich da» Bedürfnis, sich irgend eines Gegenstandes, der in den meisten Fällen ziemlich wertlos ist, zu bemächiigen; wenn sie ihn dann in den Händen habe, bedauere und bereue sie auch schon ihre Tat, aber sie habe nicht mehr den Mut, den Gegenstand wieder hin- zulegen oder dem Eigentümer zurückzugeben. Ein Arzt endlich ist der Ansicht, daß die meisten Frauen stehlen, weil ihnen der sittliche Halt fehlt; schuld habe die Erziehung, die ihnen in den Schulen und in der Familie gegeben werde, und die nicht geeignet sei, sie für daS Leben zu festigen.... Die Pensionierten. Nur mit milder Rührung siehst du den alten, etwas ergrauten Herrn jeden Morgen auf seinen Gichtbeinen die Promenade entlang wandeln.... Sein Scheitel ist aus eine unmögliche Art noch hinten gezogen, bis zum Kragen herunter, feine Schultern sind eckig, aber noch erinnert eine hölzerne Haltung daran, daß dieser Mann jahrelang der Schrecken Hunderter junger, m eine bunte Uniform gesteckter Leute war.— Dies zu denken: einst marschierte er starken Schritts durch die muffigen Korridore der Kaserne, und wo seine machtvollen Schnurr» bartspitzen erschienen, setzte«S Bestürzung und Arrest. Seinetwegen können, setzte er dieselben am Montag früh ohne Grund auf die Straße, obgleich er vorher die Organisation �und deren Arbeitsnachweis anerkannt und sich chrenwörtlich verpflichtet hatte, in Zukunft nur organisierte Kollegen zu beschäftigen. Das Solidaritätsgefühl der Berliner Cafs-Angestellten wird dafür Sorge tragen, daß dieser Herr sich mit der Tatsache abzu- finden hat(mit oder ohne Ehrenwort), daß er organisierte Gehilfen beschäftigt. Der Betrieb ist bis auf weiteres für organisierte Cais- Angestellte gesperrt. Verband der Gastwirtsgehilfen, Zweigverein Eafs-Angestellte. Oeutlcbes Reich. Die Maschinisten und Heizer sämtlicher Betriebe von Neu- dämm haben den Unternehmern Forderungen unterbreitet. Sie fordern 10—16 Prozent Lohnerhöhung, Bezahlung der Ueberstunden und der Ansteckstunden. Die Maschinisten haben bisher Löhne von 16 bis 21 Mark die Woche zu verzeichnen. Diesen„horrenden" Lohn verdienen sie bei einer täglich 13 bis 14 stündigen Arbeitszeit. Zu- zug von Maschinisten und Heizern nach Neudamm ist strengstens fernzuhalten. Der Streik in Tilsit umfaßt nicht'nur die Arbeiter in den Schneidemühlen, sondern alle auf den Holzplätzen Beschäftigten. Er dürfte geraume Zeit dauern. Zuzug ist unbedingt fernzuhalten, bis das Ende der Bewegung gemeldet wird. Ucber die Lohnbewegung der Papierarbeiter in Ascherslebcn ist zu melden, daß die drei in Betracht kommenden Firmen B e st e- Horn, Gerson und Hopf u. U n g e r auf den eingereichten Tarifentwurf und das sehr höflich gehaltene Begleitschreiben des Buchbinderverbandes, worin um Unterhandlpngen ersucht wurde, mit der Kündigung einer Anzahl Arbeiter und Arbeiterinnen ge- antwortet haben. Wenn die Firmen denken, durch solche echt scharf- macherischen Maßnahmen ihre Arbeiter einschüchtern zu können, so dürften sie sich gründlich verrechnet haben, denn gerade das Gegen- teil davon wird eintreten. Das hat auch schon der Kommerzienrat Richard Bestehorn erfahren müssen, als er seine Arbeiterinnen vor dem Buchbinderverband graulich zu machen suchte. Alle Arbeiter werden ersucht, die Kämpfenden zu unterstützen. Kartonnagenarbeiterbewegung. In Hainichen i. S. stehen die Kartonnagenarbeiter und -Arbeiterinnen in Lohnbewegung. Die Firma Anders u. Co. hatte 10 Proz. Lohnerhöhung und Verkürzung der Arbeitszeit bereits bewilligt, machte diese Zugeständ- nisse aber dann davon abhängig, daß die Arbeiter ihren Austritt aus dem Verbände erklären. Die Verbandsbrüder müssen raus, meinte die Firma. Ferner betrachtete die Firma einen wohl- gemeinten Vorschlag, die Zeit zum Kehren und Reinigen anstatt 10 Minuten vor 6 Uhr, dreiviertel vor 6 Uhr beginnen zu lassen, dafür aber die Frühstück- und Vesperpause von 30 Minuten auf 25 Minuten zu kürzen, als eine neue Forderung und benutzte das als zweiten Grund, die Zugeständnisse zurückzuziehen. Die dortigen Kartonnagenarbeiter und-Arbeiterinnen stehen in Kündigung und wird deshalb gebeten, Arbeitsangebote der Firma Anders u. Co. abzulehnen._ Der Bund der technisch-industriellen Beamten hielt am Sonntag in Essen seine vierte Tagung für den Gau Rheinland- Westfalen ab. In dem Bericht der Gauleitung wird ein befriedigendes Vorwärts- schreiten der Organisation festgestellt. Troß allen Maßregelungen und Schikanierungen durch die Scharfmacher der Schwerindustrie, die in dem Skandal bei der Gutehoffnungshütte ihren schärfsten Aus- druck fanden, stieg die Mitgliederzahl von 3272 auf 3716. Es wurden 200 öffentliche Versammlungen abgehalten; die Einnahmen der Gau- kaffe stiegen von 8300 auf 10 800 M.! das Gauorgan erscheint jetzt vierzehntägig; der Bund hat eine Sparkasse für seine Mitglieder errichtet. Die Fortschritte sind namentlich infolge der an die Massenmatzregelung in Sterkerade geknüpften Protestbewegung erzielt worden. Auf der Tagung wurden sehr scharf die gewerkschaftlichen Ten- denzen des Bundes sowie seine politische Neutralität betont. Viele seiner Mitglieder seien in den verschiedensten politischen Parteien tätig. Gegen die ungleichen Kündigungsfristen, die Konkurrenz- klausel, sowie zur Erringung des Achtstundentages für die Privatbeamten soll die gewerkschaftliche Aktion des Bundes ein- setzen. Bei Arbeiterkämpsen haben die Angestellten jede Streik- arbeit zu verweigern, werden sie deshalb gemaßregelt, so erhalten sie die Gemaßregeltenunterstützung. Für die Wahlen zur Angestellten- mußten viele tagelang in schlecht gelüfteten Zimmern auf einem niedrigen Bett hocken(den Rock bis oben hin zugeknöpft), feinet- wegen litten hundert, zweihundert Mann brennenden, wütenden Durst, weil er, der Gott, der sich satt getrunken hatte, es so wollte. Und nun... Es gibt nichts Kläglicheres, als die alten pensionierten Soldaten. Ihrer Abzeichen und damit ihrer Macht entkleidet, gehen sie herum, meist sind sie leberleidend, denn sie haben früher gern ein bischen getrunken, was kann ihnen das Leben noch bieten, da es ihnen nun nicht mehr gestattet ist, ihre Mitmenschen anzubrüllen und ein wenig zu quälen, durch einen Gewaltmarsch etwa.. ,? Schreien sie nun- niehr einen an, einen jungen kräftigen Mann zum Beispiel, sie könnten ihre Knochen aufsammeln. Denn sie haben ja nie durch die Macht ihrer Persönlichkeit gewirkt, da war ja keiner, der sich nicht getraut hätte, wenn eben nicht das Kriegsgericht gewesen wäre. Solche Kerle waren es nicht. Es waren Militärbeamte. Und das drückt sich nun herum, in Tölz oder in Aachen oder zu Oeynhausen, badet den alten Körper in heilkräftigen Quellen— und hier, im Zivil, wenn alle anderen arbeiten, oder mit frischen Augen ivenigstenS von einem Leben zu erzählen wissen, daS auf- gebaut hat und geschafft und gewirkt.— sitzen sie trübe herum. erinnern sich an alte Reglements und zeigen so recht, was hinter den schnauzbärtigen Majors und den gefürchteten Hauptleuten steckte: eine helle Stimme und ein halbes Hirn. tu. Notizen. — BerlagS-Theater, das heißt Theater, die an Stelle von Direktoren irgendwelchen Bühnenliteraturverlegern gehören, gibt es zurzeit m Berlin sechs. Es sind folgende: Neues Schauspielhaus (Münchener DreimaSkcnverlag), Theater des Westens, Neues(jetzt MontiS Operetten-) Theater und Trianon-Theater(Verlag Felix Bloch Erben); Lu,t,pielhaus und Residenz-Theater(Verlag Albert Ahn). Außerdem das Friedrich- Wilhelmstädtische Schauspielhaus, nur daß es in besonders intimer Fühlung mit der Vertriebsstelle deutscher Buhnen, chriftsteller steht. Da— wie der Fall„Welt am Montag" und Deutsches Schauspielhaus lehrt, die Reklamekritik bereits vor- Händen ist, kann sich die literarische Fachkritik anschicken, in die Wälder zu gehen, um, wenn nicht feiste Hasen, wenigstens— böse Grillen zu fangen. — Märchenaufführungen für die Jugend will Direktor Nordau während des Winters im Friedrich-Wilhelmstädti- schen Schauspielhause veranstalten. Die bekanntesten deutschen Märchen sollen in„splendider Ausstattung" durch erste Kräfte sowie unter Mitwirkung von Chor und Orchester aufgeführt werden. —„Goldner Leichtsinn", eine Operette von Josef v. Koblinski, Musik von Charles Alfredy, die als erste Novität für has Theater des Westens ausersehen war, gelangt am 14. d. Mts. in MontiS Operetten-Theater(Neues Theater) zur Erstaufführung. — GustavMahlerS AchteSinfonie(die„Sinfonie der Tausend" genannt) wird nun auch in Hamburg am 30. September und 1. Oktober aufgeführt vuflcherunA ist stavl gerüstet worden. Der Bund tvird in 00 Wahlkreisen kräftig agitieren, Kandidaten aber auch in den übrigen Kreisen in Gemeinschaft mit den der freien Bereinigung an- geschlossenen Organisationen aufstellen. Erklärt wurde, dost die Mache des sogenannten HauptauSschnsicS, worin der Dcntschnationale Handlungsgchilsenvcrband die erste Geige spielt, mit dem.roten Schrecken* auf die Mitglieder des Bundes keinen Eindruck machen würde. Im Gegcnieil sei die Mitarbeit der gewerkschaftlich ge- schulten Mitglieder der UiiterstütznngSvereinigung nur zu bcgrüsten. 8o2iales. Die Bolksfiirsorge und die Arüciter. So betitelt sich ein Flugblatt, welches durch die Agenten einer großen kapitalistischen Versicherungsgesellschaft jetzt perbreitet werden soll. Angst und Dummheit sprechen aus jeder Zeile dieses Machwerks. Es ist bezeichnend, daß, obgleich bis heute die Vorarbeiten für die Betriebseinrichtungen und die Tarife der Bolkssürsorge noch nicht einmal beendet sind und ihre Kon- zessionierung durch das Kaiserliche Aufsichtsamt noch nicht erfolgt ist, die kapitalistischen Versicherungsgesellschaften dennoch schon einen Bcrleumdungsfeldzug gegen sie eröffnen, der nur beweist, welch heillose Angst in den Kreisen derjenigen, für welche die Volks- Versicherung bisher ein so glänzendes Geschäft war, davor herrschen muß, daß die Versicherten ihre Sache selbst in die Hand nehmen und sich nicht inehr wie geduldige Lämmer von ihnen scheren lassen. Wider besseres Wissen werden in dem Flugblatt zunächst die längst widerlegten Lügen wiederholt, die.Volksfürsorge* solle.von der fozialdeinolrarischeii Partei" nur deshalb gegründet werden,.um ihre Machtmittel zu verstärken"; ein.neuer sozialdemokratischer Beamtenapparat" soll installiert werden; bei der Vergebung von Htipotheken werde man die sozialdemokratischen Parteiiiiteressen fördern usw. usw. Und dann wirft sich der Verfaffer die Toga des Arbeiterfcenndes um die Schultern und fagt: „Für parteipolitische Eingriffe, zur Wahrnehmung sozialdemo- kratischer Interessen, sind die sauer verdienten und noch saurer ersparte» Notgroschen unserer deutschen Arbeiter nicht da." Wozu sie aber dienen sollen, erzählt der Arbeiterfrennd gleich darauf, indem er den deutschen ArbeiternallllX- Kaaaenlieferant. [entral-Bail MQndienerBadMoncbene�r.M. Haasa-Bad, Clilllbg.WllBarijiirferit.6Q 61 Erstes Lohtannin-Bad ligl. fr. Abkochiiag, lein Extrakt Wall- »lr.7ll;71.l.lef.t.Ka8a.N»a-Cällat.ff.6i8 Bad Frankfurt, Gr.Frkft.Str. 136. Lieferant a&mtl. Krankenkassen 3adFriedridiBhaln,LsndibAileelSI Badeanstalt, Hasenheide 18. Jungbrunnen-Bad Banmachulenweg.Kienieltatr. 177/78 K U p-A,l8taltj) Löser" _____ Bosentaleratr. 70. A. Landre Weissbier StraUuer8tr.36/S7 Tel Ztr.4004i.7S85 Löwen-Branerei Aktiengesellschaft Abt. l. Hohenschönhausen „ II. N. 20, Hoehstr. 21-24 ROland F'��cnb.erveraand SrhaHp Grüner Wog lil. oLlldUC, weiß- n. Malabier. Schulz, Herrn., Scbönleinstr. 23. ferelni-BfanerelTeBtoiiia.llWB?. Victoria-Brauerei Weissbier, Rreitliaupt, Paliaadenstr. 97. Tol.-A.VTI, 2634. Blumen und Kränze J Oskar Albcrtu», �TSllcrstr. 41. Fr.Ahrendt.lioxhg.,St»« Bslinliofstr.ll Blumen-Becker, 0. Frsnkfartsr Alleo 3. Caaper. Charl., Krummestr. 30. E.D«gtr,Kiid.,Ksii.Friedr.8t.50,B«rg»t.58 Bichard Falsch, Prinzen-Allee 80 Paul Gross, Linaenit.69(renrirtikui) R. Graner, Kopenhagenerstr. 9. S. Grossmann, LsndsWgerflr. 34. Henkes Blnmeiibsii, Msnteiiffelstr. 94. O. Hahn, Neukölln, HermannBt.70 Otto Hinz. Graunatr&ße 6. Janlazewski, Felix, Eisenbshnstr.T. Alb.Keil,Cliaribg.,Kal8«r-Priedrieli«t20 CT annont Brunnenatr. 16 . IiaUIüUl Peteribnrgerstr. 13 Gustav Mai, Schönbaus. Allee 177 M.StcutzkeN'eiiköIln,Uernaimitr.l24. F. Müller, Danzigeratr. 27. Gärtaerei A.&F.MeKzncr.Kkll.Elngbht. H.Penski, Schwedenstr. 19, Eck.Bsdstr. Ww.RutachkeMtlln. Hermannst. 62 Tb. Schlrbel, N. Stettineratr. 8. C.Sommer. Wrsageliidd�mtlT 12066 Topfpffanzen allor Art Brl|),Rudoweratr. 9ä,9:iTtl.Senk.l34 Aug. Trothe, Wrangelstr. 11. Aug. Wandelt, Nklln., Bergatr. 96. H�lnkOfowawesPrisdr� f �Butter, Fl�r, Jlf üutterliandlnng J. F. Assmann 20 Filialen in Berlin G._ OskarBeck Qe.chim. Dresdeners!, 97, Blüeherstr. 11 Reichenbergeratr. 18 u. westl, Vororte. Vorzugs/' ngsprelse. Buntrock, W. Sins� 3. 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Die verschiedenen Sorten sind untereinander gleichwertig und unterscheiden sich, wie die deutschen Edelweine, nur durch ihr Aroma. C. Voigt, Gräfesl 27, EckePrbanat. Fordern Sie Wesenberg Clparrenhandlungen Fr.Behrend,Nf.,Frsst(nrlfr A4ice27. Brager, J., Neskells, Bergatr. 67, iP.Hoefer, Kottbuaer-Damm 79 1 iKltlsr»!. 77,Adalralst3, Bresdsssnt 1 6.1 Klein, Wilh.&'nm'L' A.Kiinatmann,No wsve.i, PricsUrsi. 67 Llngei, Fritz, Eisonbahnatr. 5. A. R. MeyerNchi., Eehltsisdisstr. 14, Willy Münstermann.Glsditsehstr.dS. O AS. Peterke, ED.Kottbaseritr.M. Fritz Schneider, Undunatr. 29. W�AnsterNL�Jeanderstr�S. � Damenkonfektion V Cohn, Geachw., Bargmannstr. 9. Neukölln, itergstr. 133.1 Gelegenheitskäufe�! Dombrowskyart",t>siia L MYmlm 5< Kleider Danzigeratr. 24 5°ti GinowjCo. Schöneberg HanptBt.26, Toblas Lewin, Schneidermeister Badstr. 44, 1. Sps. Maßanfertigung Lsgcr Ii Msnltla a. E-stsmsn aller Art Damen-Roniektion Moabit Gebr. Neumann e'b»Lsi3 Westmann 1. Geaehlft: Mohrenatr. 17s. 2. 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Branneke, Sckonk-Iliea 154. G. Brucklacher, B0trÄ F.Beutel, Nklln.Kalier-Frledritt.77 WUly Erpel, Turmatr. 29. Einck, K., Spin Jan, Sehonewslderitr. 14. LUillnr Wilmersdorf eratr. 102 3 Ulllcl Haus- u. Küchengeräte Rich.Ilm, Neukölln, Rnkmisnliaslr.46 Carl Jung, Stromatr. 31. üiingblutti, Hmonstr. 172. Kantner Nf.,0.Schöneweide, Bdiionitr. 1 0 Ad. Kunze, NkilD.lKai8erFriedrieh8lr.l78 H. Rockstroh, Lincke» Neukölln, Friedolstr. 9. B.Lflbdke Nf.E. Sturm. SamaritentlS PöDl lOCMÄÄhe�er. E. Hentzei Nchf.. Enpenbagniierstr. 4. FranzPfeifer,O.Frankf. Allee 139. Rummelsburg , Schilleratr. 35 Rahlniaan,P.,MüIler8t.40b,E.Seeet. [. Schröder 6r.Fra!k[?rtentr.l09. Max Mriflo �.Ä'3 Seilach, Th., Nklln..Hormannstr. 48 E.Timm» Schleif., Waldemar8tr.73 Hann. Warsdiaie Ä" 79. Wesch,Charltbg.,EDobeIidorffati.lS. Arthur Welgel�rÄ Äln» lUnimor Alexandrinenatr, 14 HIKa nClulul Reiebenbergerst.lOO _(Inh, Otto Janhe). �FobraH�HäbniM�b. j Baum, Emil, Schöneb.jHerhertst.l Falirrai-Lßititiaus Lotimann Neue Schönhauser-Str. 11. Fahrrad-Haus, Frischauf Brunnenatr. 35. Gründung und Eigentum der radfahrenden Arbeltendiaft. FahrradhsnsSüd-Ost Reich.nkergsntlll FahiTd.,SdiaIIpItt.WeiBeBbnrgiL47l Otto Hei nzest't611- W. Hoffmann, Schönh. Alle« 160. Ernst Machnow Weinmeiateratr. 14 Jahresumsatz 20000 Räder W.Malloschky.Oberbaumst.a, Rep r«.| ISillln. Reinickend.-Str. 106, Idll ItlUlllT Chauaaeestr. 81. Rüper, Carl, Fetersbg.-El 2• d.Ftkf. Alisa Richard Schädel, Inselstr. 13. A.Tecbow.N'klln.,6rklll�rpromsc.ilelg Emil Walter, Neuklln., Riemettilr. 6 �Färh�rnDsn�äfäsoItnr�l H. BERQMAIIH Birkenatr. 53 über 40 Filialen in Groß-Beriin flIlenvoraoNeTk«Jep0hozn'ti26Lt'6 Dampfw Weiß. Stern, Kl Bergal. 132 Dampf w&acherel HERKUR A. Bachmann, Fraakfariar-AllM 47. nampfw, Sirius, Orunewaldatr. 88 ü ToL Kurfat. 854. 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Rob.Oleue�VaiCeaam.Giit. tdolistr. 1 3 PaulGnüdlg, Britz, Rudowers tr 14 Gottlleb, Koinickdf., Anendeit. 109 Otto€}rub©Ho?h8Ute37. Qnsinde.Rich.ÄTL Oehrtinann�eÄkÄ O, Gleich, Nsakölla, HokantoUertpI. 7 R. Grieger, Charl., Cauerstr. 19. F. Gutschmtedt, Koloniestr. 82. Heinrich Höhne, Skalitzerstr. 97. Georg Heinold, Harieaborgtrair. 5. Erna» Höne, Schwedenstr. 12. W. Hoppe Friearleksksgta,Priedriekst.68 Emst Ibacher, Wiesenser. 11. Jakobik,8eliDirgsadorf, Brelteatr. 24. Albert Jähncrt Ä*«: Janik, C. K8p6?rnter" Fr.]snt8c1i,Kettbi.'DiaaS6,neUeh, Warst Bimmln ff- Fleisch- n. Wurstw. . llllllliy Mantenffelstr. 102. Heinr. Jochmann, Ziethenstr. 41. l.Iraier,Plnstr.,AdlerBb«(,BitaarekitS9t Max Kaller, Ziethenstr. 27. Wilhelm Kitz, Kniprodestr. 118. Jul. Rcmpe, BoyÄ0eS Fritz Klein, Kottbuserdamm 12. Bruno Keller huhÄi. Otto Koch, Alte Jaoobatr. 17. Fritz Koebke, Kl. Andreasstr. 11, W.Korte,(ieBk.WildsBbraelist.54,T.748 Bruno Knacke, Fruchtatr. 28. Max Knaut, Alt-Boxhagen 60. 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Morgen und solgende Tage: Der Herr von Nr. IS. Metropol-Theater. WWM 4 Montis Operetten-Theater (früher Neues Theater) 8 Uhr: Der liebe Operette von Leo Fat. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Die Anna-Lise. Donnerstag: Der Alpeukönig und der Meuschenfeind. Freitag: Der Walzerkönig. OSE=THEATE ®rüBt Frankfurt et Str. 132. 1 Zapsenstreich. '--J Ansang 81/, Uhr. Aus der Kartenbühne: Juhu! Es ist erreicht' Gr. Revue Phant.-musik. Komödie in 3 Akt. aus d. Engl, völlig frei bearb. von I. Freund. Musik von R. Nelson, u. a. Tänze von SB. Bishop. In Szeneaes. v. DIr.Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet " Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Fürten gnseratenteil verantw.: Dh. wlacke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwart» ii Teeeege-Ttieetes. k-astplel der Illeben hipaLZnaober „He tat eieti«gz, Grolle Metroparedie-sterve nnolt dem binglisaben aus dein Französischen ins Dämliche übersetzt von Schmolius Feind, Musik von Victua Limburger, in Szene gesetzt von Direktor Ricardo Shoultscz. Jean Pedro, Fratzi Massievy, Laataeh Messing, Pepi Pepipi, Kehn Erzbishop, Luide Quietscher. Pfeiken überall gestattet! Täglich: Großes Militär- Doppel-Konzert. eintritt 1 Warb, von abends 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Folies Saalich Die Novitäten: Capriee. > 8'/. Uhr: Der keusche Joseph Der Rchbock.• Der Einbrecher. Prinz 1T0M Das kleinste mensch- ' liehe Lebewesen. { Das Wunder aller Wander.| Lebenil! Ohne Extra- Entree! Gentiania-frachtsäle* Ctaanssecstr. HO. Jnh. Karl Richter. An!ang8 Uhr.— Eintritt 30 Ps:— Vorzugl karten gelten.— Nachdem Frei-Danz.—.�rn Konzertparl deS Friedrich-Wilhelmstädtischen Schauspielhauses: Letztes Gr. MiliiSr-Kenzert der Kapelle des 2. Garde-Regiments zu Futz ---"ras. �bermu��estte�� Ab 8 Uhr Lachen int die Parole! 4 Schwestern Rnby Humorist, akrob. Potpourri. A. Vcga Trio der Gipfel der Komik. Wunderpapagei Lore und 8 weitere Novitäten. mspiii Vie man Männer bessert! Die Original- Klabrias-Partie Beide Stücke mit Anton nnd Donat Hcrrnfeld in den Hauptrollen. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf 11—2(Theaterkasse.) UNA □ARK Größter Vergnügungspark des Kontinents!!! 80 Attraktionen 30 Entrec 50 Pf. Kinder und Zwergstadt bis 6 Uhr frei. Trianon-Theater. Ansang 8 Uhr.»Die Brieftasche-. »Ein peinlicher Zwischenfall». »Der Dieb». Boigt-Theater. Gesundbrunnen Badstratze SS Normeige! Sonnabend, den 7. September 1912 Zum Benefiz s. d. technische Personal und die Hauslellner: Robert und Bertram. Reiehshallen-Theater Stettiner Sänger. Ken! Die Haeht der Töne. Burlesfe v. Mehsel. Ansang 8 Uhr, Sonntags 7'/, Uhr. vasina f kaa Aai» Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr Ein lustiges Stück a. d. Berl. Leben Der Großfürst. Borher ein auSerwählter Spezialitä. tentell, nur Künstler ersten Ranges Borverlaus an der Theaterfasse von 11—2 Uhr. Sonntag 3'/, Uhr: Der stille See. r«SLÜL Berliner"*•»— umor-ftuBrlett i 6j. Trener ttcKistaDieniiiecio Sur den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion de« Publikum gegeuüb« keiuerlet Berautwortmu«. iZ..r or,__ Hr. 206. 29. Jahrgang. 2. Keilalle des„Nomärts- Keelim Msdliili. Mittlvoch. 4. September 1912. Partei- Hngelegenbeiten* Neukölln. Den Mitgliedern des Wahlvereins zur Kenntnisnahme, daß die für heute Mittwoch angesetzte Generalversammlung nicht stattfindet._ Berliner Nachrichten. Die diesjährige Gemeindewählerliste, die in der zweiten Hälfte des Juli öffentlich ausgelegt war, ist nur von einer sehr geringen Anzahl Personen eingesehen worden. Nur 1281 Personen haben es diesmal für nötig ge- halten, sich darum zu kümmern, ob sie in die Wählerliste auf- genommen waren. In Jahren, die uns keine allgemeinen Ergänzungswahlen zur Stadtverordnetenversammlung bringen, wird allerdings regelmäßig von dem Recht, die Wähler- liste zu prüfen, nur wenig Gebrauch gemacht. Auch die Zahl der Einsprüche ist dementsprechend in solchen Jahren gering. Diesmal sind nur 23 Einsprüche erhoben worden, über die nun die Stadtverordneten-Versamm- lung zu entscheiden haben wird. Die Einsprucherheber waren in die Liste nicht aufgenommen, weil— wie das Wahlbureau des Magistrats meint— sie als Schlafstclleninhaber gemeldet waren, zu den Steuerrestanten gehörten. Krankenhauskosten nicht erstattet hatten usw. In einem Fall wird zugegeben. daß die Eintragung irrtümlich unterblieben war. Hätten, wie in Wahljahren, 75000 Personen die Liste geprüft, so würde wahrscheinlich auch diesnial die Zahl der Einsprüche wieder mehrere Tausend betragen haben. Statistik des Elends. Am 1. September 1912 befanden sich im städtischen Familienobdach 155 Personen, und zwar 30 Familien mit zusammen 100 Köpfen(darunter 26 Kinder und 29 Säuglinge) und 55 Einzelpersonen. Der Gesamt- bestand betrug am 1. August 7 Personen mehr. Das nächt- liche Obdach wurde während des August von 63 399 Männern und 825 Frauen besucht. Der Tag des geringsten Besuches war der 1. August mit 1634 Personen, der des stärksten Be- suches der 28. August mit 2447 Personen. Gebadet haben in den Brausebädern täglich durchschnittlich 559 Personen. Wannenbäder wurden während des ganzen Monats an 483 Männer und 489 Frauen verabreicht. Der Patriotismus unserer Patrioten ist, wie wir schon in unserer Sonntagsnummer dargelegten, durck das Verhalten einer gröberen Anzahl von Haus- und Grund- besitzern des Villenortes S ü d e n d e anläßlich der am Freitag er- folgten Einquartierung von Soldaten in ein recht helles Licht ge- rückt worden. Schwerreiche Leute hatten sich in ihrem Patriotismus dazu.aufgeschwungen", unter allen Uinständen die Einquartierung abzuwimmeln. Und weil nicht schnell genug für anderweitige Unter- bringung der inzwischen in Südende eingetroffenen total erschöpften Soldaten gesorgt werden konnte, kampierten die ermatteten Mannschaften teilweise unter freiem Himmel, obwohl eine ganze Anzahl Mieter, die keine Verpflichtung zur Aufnahme von Militär hatten, freiwillig den Hausbesitzern, die einfache Sol- dateu in ihren Villen nicht dulden wollten, ihre Pflichten abnahmen. UnS wird heute berichtet, daß ein Besitzer von vier Häusern strenge Anweisung gegeben hatte, keine Soldaten in das Haus aufzunehmen. Wegen dieser Angelegenheit dürfte eS in der Gemeinde noch zu leb- haften Erörterungen kommen. Auch die Zahlung der Ouartiergelder dürste dabei«ine Rolle spielen, da Mieter Soldaten beherbergten, die keine Verpflichtung zur Einquartierung hatten, aber in der lobenswerten Absicht, den erschöpften, ausgesperrten Mann- schaffen das Los so schnell wie möglich zu erleichtern, Mannschaften bei sich unterbrachten. Unsere Mitteilungen am Sonntag haben uns auch eine Zu- schritt des Chefredakteurs der.Deutschen Tageszeitung' Herrn Dr. Oertel eingetragen. Herr Oertel schreibt»nS: In der Sonntagsnummer Ihres Blattes finden sich folgende Bemerkungen über mich: .Der Besitzer des Hause? Bahnstr. 16 gehörte ebenfalls zu denjenigen Eigentümern, die Soldaten nicht im Hauie haben wollten. Man konnte die abgematteten Menschen am Gitter des Gartens vor dem Hause hocken sehen, ohne daß ihnen eine Er- frischung gereicht worden wäre. Man will beobachtet haben, daß just zu der Zeit, in der die armen Teufel auf Nachricht für ihren weiteren Verbleib warteten, der in diesem Hause als Mieter wohnende Chefredakteur der.Deutschen Tageszeitung', Herr Dr. Oertel, im Garten promeniert habe, ohne das zu tun, was viele andere Mieter an dem Tage getan haben, nämlich auch seinerseits für Unterbringung der Soldaten etwas zu tun. Wohl bestand hierzu für ihn keine zwingende Verpflichtung: wer aber sonst so sehr von Patriotismus trieft, wie Herr Oertel, hat doch auch moralische Pflichten.' Ich möchte dazu folgendes bemerken: Es ist niemand an mich wegen Aufnahme von Einquartierung herangetreten. Wäre das geschehen, so würde ich gern, obgleich ich als Mieter dazu nicht verpflichtet bin. soweit möglich. Einquartierung angenominen und untergebracht haben. Von den ermatteten Soldaten habe ich nichts gesehen und nichts sehen können, weil ich bei ihrer Ankunft nicht tn Südende, sondern aus meinem Bureau in Berlin war. Wer mich im Garten promenieren hat sehen wollen, hat sich getäuscht. Ich bin seit geraumer Zeit in dem Garten, der zu meiner Woh- nung gehört, nicht spazieren gegangen. Hätte ich Soldaten ge- sehen, die der Erfrischung bedurften, so hätte ich selbstverständlich ihnen Erfrischung reichen lassen.' Hierzu haben wir zu bemerken, daß unser Gewährsmann der festen Ueberzengung war, in dem Ehepaar, welches am Freitag gegen Abend im Garten des genannten Hauses promenierte. Herrn Dr. Oertel mit erkannt zu haben. Wenn Herr Oertel diese Angabe bestreitet, so bleibt nur übrig, daß an demselben Abend ein anderes Ehepaar, das dem Oertelschen an Umfang und Gestalt sehr ähnelt, im Garten promenierte. Fällt auch durch die Zuschrift des Herrn Dr. Oertel ein in unseren Mitteilungen gegen ihn etwa enthaltener Vorwurf, so wird natürlich an der Sache selbst, soweit die HauS- und Grundbesitzer in Südende in Betracht kommen, nicht das mindeste geändert. Wie uns--och berichtet wird, ist noch ein zweiter Soldat ge- Porben. Und es ist jetzt auch an der Militärbehörde, sich über die große Marschleistung der Mannschaften zu äußern, die zu der außerordent- lichen Erschöpfung und zum Tode zweier Soldaten geführt hat. Der gestern morgen wieder aufgenommene städtische See- fischverkauf gestaltete sich so lebhaft. daß die Vorräte in Stunden geräumt wurden. Es gelangten 16 000 Pfund Äisdie in den bekannten Sorten zum Verkauf. Für die nächsten Verkaufstage wird die Fischzufuhr noch verstärkt werden, Der Magistrat wird„freigebig"!' Die Angestellten der Krankenhäuser der Stadt Berlin hatten seit einer langen Reihe von Jahren vergeblich ge- fordert, daß ihnen ein wirklich auskömmlicher Lohn gezahlt würde. Um so mehr wird es sie überraschen, daß der Magistrat plötzlich so« gar mitten im Etatsjahr der Stadtverordnetenversammlung den An- trag vorlegt, für einen Teil des KrankenhauspersonalS eine Lohn- erhöhung zu bewilligen. Die Stations-, HauS-, Küchen- und Wasch- mädchen sind es, denen wenigstens für die Anfangsstufen etwas zugelegt werden soll. Nach der seit 1909 geltenden Lohnordnung, die dem Etat für 1912 zugrunde gelegt wurde, erhielten sie außer Licht, Logis und Arbeitskleidung an barem Lohn pro Monat 20 M. zu Anfang, 22 M. nach einem halben Jahr, 24 M. nach einem Jahr, 26 M. nach anderthalb Jahren, 2s nach zwei Jahren und 31 M., 33 M., 3S M., 37 M., 39 M. nach drei, vier, fünf, sechs, sieben Jahren. In der neuen Lohnordnung, die der Magistrat in Ueber- einslimmung mit der KrankenhauSdeputation jetzt vorschlägt, stehen an barem Lohn pro Monat 24 M. zu Anfang, 26 M. nach einem halben Jahr, 27 M. nach einem Jahr. 28 M. nach anderthalb Jahren, 29 M. nach zwei Jahren und 31 M.. 33 M.. 3ö M., 37 M.. 39 M. nach drei, vier, fünf, sechs, sieben Jahren. Zu dem so plötzlich gefaßten Entschluß, diese Lohnaufbesserung zu ge- währen, ist der Magistrat nicht freiwillig gelangt. Aus der Be- gründung seines Antrages geht hervor, daß er nur.der Not ge- horchend, nicht dem eigenen Trieb', ein bißchen tiefer in den Beutel greifen will. Es hatten sich nämlich, so lesen wir da,.seit einiger Zeit, und je länger desto fühlbarer, in mehreren Krankenhäusern, namentlich im Krankenhause Moabit und dem Kaiser- und Kaiserin- Friedrich- Kinderkrankenhause Schwierigkeiten ergeben, die frei werdenden Stellen mit leistungsfähigen Mädchen zu besetzen.' Die Ber- waltungen der Krankenhäuser fürchteten, daß.durch längere Dauer dieser mißliche» Verhältnisse die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit des Krankenhausdienstes gefährdet" werden könnte..Mit Rücksicht aus die Dringlichkeit' hat der Magistrat nicht gewartet, bis die Stadtverordneten nach ihren Sommerferien zusammentreten würden, sondern die neue Lohnordnung schon vom 1. August ab eingeführt. Er ersucht jetzt die Stadtverordnetenversammlung, die Aenderungen nachträglich zu genehmigen. Die Eile, die der Magistrat für nötig gehalten hat, gibt zu denken. Die infolge unzulänglicher Entlohnung des Personals ent- standenen Schwierigkeiten, die Stellen neu zu besetzen, müssen in der Tat arg gewesen sein, wenn selbst der Magistrat diese Zustände nicht länger mitansehen zu können meinte. Wird er daraus eine Lehre ziehen und künftig einer Wiederholung solcher Vorkommnisse durch rechtzeitige Lohnerhöhungen vorzubeugen suchen? Dir Leitung der KindercrholungSstätten vom Roten Kreuz in E i ch k a m p und in S ch ö n h o l z teilt uns mit, daß sie ihren Be- trieb im Gegensatz zu den Ferienkolonien, wie alljährlich, bis zum 1. Oktober ausrecht erhält und daß noch eine größere Anzahl von Plätzen vorhanden sind. Bei dem klaren und warmen Wetter dürften diese Kuren ganz besonders für skrophulöse und lungenschwache Kinder geeignet erscheinen. Im Bureau des Wahlvereinö des vierten Wahlkreises, Stralaucr Platz 1/2, find»och für folgende Konzerte des Philhar- manischen O r ch e st e r S Billetts zu haben., Zum 10. September in der Brauerei Friedrichshain. .19...„.. . 27., den Konkordia-Festsälen. Die Exmission einer armen Frau mit vier kleinen Kindern rief am Montagabend in der Samarilcrstraße große Empörung hervor. Die Eigentümerin des Hauses Sanrariterstraße ü hatte die Frau mit ihren Kindern vor die Tür gesetzt, weil sie die Miete nicht be> zahlen konnte. Einen Teil des Hausrats hielt die Besitzerin für rückständige Miete zurück, während der andere Teil auf dre Straße gestellt wurde. Die arme Frau konnte sich keine andere Wohnung verschaffen und suchte deshalb mit ihren vier Kindern Schutz vor den Unbilden der Witterung in einem in demselben Hause belegenen Lokal. Um die Möbelstücke, die nun herrenlos auf der Straße standen, sammelte sich bald eine große Menschenmenge. Als diese von dem Schicksal der Frau und dem Vorgehen der Wirtin erfuhr, machte sich nicht nur großes Mitleid mit der Ausgesetzten, sondern auch starke Erbitterung gegen die Hauseigentümerin bemerkbar. Die Leute brachten durch eine Sammlung die Mittel auf, um der Frau Gelegenheit zu geben, sich eine neue Wohnung in der Schreiner- ftraße zu suchen. Schnell fanden sich hilfsbereite Hände, die die auf der Straße stehenden Möbelstücke in die neue Wohnung brachten. Als das Publikum hörte, daß noch Möbelstücke zurückbehalten sind, holte eS die zurückgehaltenen Möbel aus der Wohnung heraus. Eine KindcsauSsetzung beschäftigt die Kriminalpolizei. Als die Pförtnerfrau des HauscS Alsenstraße 3a gestern abend gegen 8 Uhr ihre Wohnung aufsuchen wollte, fand sie vor der Haustür einen un- gefähr 30 Zentimeter langen weißen Karton, der mit Bindfaden fest verschnürt war. Sie nahm an. daß ein Laufbursche ihn habe stehen lassen und nahm ihn mit in die Wohnung, um ihn zu öffnen und aus dem Inhalt da« Geschäft sestzustellen, von dem er herrührt. Ihr Mann veranlaßte sie aber, den Karton wieder ungeöffnet vor die Haustür zu stellen. Dort blieb er noch eine gange Weile stehen, bis ein in dem Hause angestelltes Dienstmädchen den Karton fand. Es nahm ihn mit aus sein Zimmer und öffnete ihn hier. Die Finderin war nicht wenig erstaunt, als, nachdem sie die Umschnürung gelöst und den Deckel abgehoben hatte, ein kleines, ungefähr zwei bis drei Wochen altes Knäblein zum Vorschein kam. Das blau an- gelaufene, dem Ersticken nahe Kind, war fein säuberlich angezogen. Es trug ein weißeS Hemdchen und ein weißes, mit roten Schleifen besetztes Jäckchen. DaS Dienstmädchen übergab das ausgesetzte Kind einem Schutzmann, der es nach der Charit« bringen ließ. Die Suche nach der Mutter war bisher ohne Erfolg. DaS Passage- Theater bringt im neuen Monatsprogramm recht treffliche Darbietungen. Bekannt sind die staunenswerten Leistungen des Rechenkünstlers Steiner, der blitzschnell die schwierigsten Zahlen- ausgaben löst. Auf dem Gebiete der Musik erweist sich Odette Myrtil als vorzügliche Violinvirtuosin und Claire Waldoff sorgt durch ihre im Berliner Jargon vorgetragenen Gassenhauer für die Lachlust des Publikums. Etwas_ Besonderes sollte nach Ankündigung der Direktion das„Gastspiel der Sieben Spaßmacher' den Besuchern bieten. das eine Parodie auf die Revuen des Metropol- Theaters darstellen sollte. Wenn es auch Frau Gusty Holl gelang, zwei markante Persönlichkeiten de« benachbarten Variöte-Theaters gut zu parodieren, so erfüllte doch der Inhalt der„Metroparodierevne' auch nicht im entferntesten die gehegten Erwartungen. Etwas mehr Geist und Witz muß schon verlangt werden, wenn man spotten will. Im Theater FolirS Eapricr gab es bei der Eröffnung der neuen Saison am Montagabend wieder tüchtig zu lachen. Drei Schwänke, in der für diese Bühne gearbeiteten typischen Art, bildeten das zua- kräftige Programm.«Der keusche Josef' von LouiS Tauf- stein,„Der Rehbock' von Jbeo Halton(Musik von Artur Steinke) und„Der Einbrecher' von Glinzer und Taussig be- titeln sich die Novitäten, deren Pointen und Anzüglichkeiten vielfach anhaltende Heiterkeit bei offener Szene herausforderten. Gespielt wurde wie immer mit jener drastischen Komik, die beim Folies- Capricc-Publikum niemals versagt. Besonders verdient um den schönen Erfolg deS Abends machten sich die Damen B a r r ä und Lederer sowie die Herren Beckmann, Horowitz und B a t r i s ch; namentlich im.Nehhock' feierte der letztere als Jägers- mann Naftali Galitzenstein einen vollen Triumph. Deutscher Arbeiter-Sängerbund, Gau Berlin und Umgegend. In der letzten AuSschutzsitzung wurde der Gesangverein»Freier Männer- chor', Wilhelmsruh, aufgenommen. Fenier wurden die Vereine er- sucht, die Billetts vom Sängerfest umgehend abzurechnen.»Am Sonntag, den Ib. September, findet im„Deutschen Hof', Luckauer Straße, eine außerordentliche Ausschußsitzung statt, in welcher der Bundesdirigent, Herr van den Dries, einen Vortrag über„Zwecke und Ziele einer Chorführerschule" halte» wird. Um auch das dies- jährige Stiftungsfest in jeder Hinsicht künstlerisch zu gestalten, werden die größeren Vereine, besonders diejenigen, welche unter einem Dirigenten üben und gewillt sind, mitzuwirken, aufgefordert, sich beim Vorsitzenden zu melden. Zum Schluß wurden dem Arbeiter- Samariterbund 150 M. und dem Arbeiter-Schwimmerbund 7b M. für ihre Mitwirkung beim Sängerfest bewilligt. Vorort- N adm chtem Schöneberg. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Der Stadtverordneten- Vorsteher Graf v. Matuschka begrüßt die zahlreich erschienenen Stadtverordneten nach zweimonatlicher Pause während der Sommer- ferien. Dann fand die Einführung des vor dreiviertel Jahres gewählten Stadtverordneten Kubig statt, welcher durch Kranit» am Erscheinen in der Stadtverordnetensitzung bis jetzt verhindere war. Die Versammlung stimmte dem Projekt und Kostenanschlag für Herstellung eines Rohrkanals in der Rathausstraße von 7200 M. zu. Zu dem vom 8. bis 10. September d. I. in Fürstenwalde statt- sindenden Städtetag wird Genosse Rottländer mit 43 Stimmen und Zobel(Liberale Fraktion) mit 38 von S3 abgegebenen Stimmen gewählt. Um 7 Uhr fand eine gemeinsame Sitzung des Magistrats und der Stadtverordneten statt zwecks Vornahme der Ersatzwahl für den ausgeschiedenen Stadtrat Böß als dritten Vertreter der Stadtgemeinde Schöneberg im Zweckverband Grotz-Berlin. Die Liberale Fraktion, die größte, welche die Macht besitzt, schaltete auch diesmal die Sozialdemokratische Fraktion als zweitgrößte Gruppe, wie bei der ersten Wahl aus und wählte einen in Schöneberg nicht Wohnhaften, vielleicht in Ermangelung einer geeigneten Person aus ihren Reihen, den früheren Staats- sekretär v. Dernburg. Von 68 abgegebenen Stimmen er- hielt Genosse Eduard Bernstein 11, Stadtbaurat Römer 17, Staats- sekretär a. D. v. Dernburg 39 Stimmen. Für die Wahl zum Preußischen Städtetag in Düsseldorf empfiehlt der Magistrat für dieses Jahr nur zwei Vertreter, ein Magistratsmitglied und einen Stadtverordneten zu senden. Gewählt wird der Stadtverordnete Bamberg. Die Amtsdauer der Stadträte Katz, Bartelt, Jsberner, Rosenberg, Waßmannsdorf und Wiekander läuft am 31. März 1913 ab; der Magistrat ersucht um Vornahme der Ergänzungswahlen. Die Versammlung beschließt, die Wahlen einem Dreizehnerausschuß u überweisen, dem die Genossen Molkenbuhr, Obst und Küter ange- ören. In vorgerückter Zeit trat die Versammlung in die Besprechung zweier wichtiger Anträge ein, welche sich mit der herrschenden Lebensmittelverteuerung befassen. Die Liberale Fraktion hat folgenden Ankrag eingebracht: „Die Stadtverordnetenversammlung ersucht den Magistrat, selbständig oder gemeinsam mit andereni Gemeinden Groß» Berlins bei den gesetzgebenden Körperschaften geeignete Schritte zur Beseitigung der herrschenden Lebensmittelteuerung zu unter- nehmen." . Der Sozialdemokratischen Fraktion ging der An- trag der Liberalen nicht weit genug und sie legte folgenden An, trag der Versammlung vor: „Die Stadtverordnetenversammlung ersucht den Magistrat angesichts der allseitig festgestellten Teuerung von Fleisch und anderen Nahrungsmitteln: 1. schon in den nächsten Tagen an die zuständigen Instanzen von Reich und Staat mit dem Gesuch heranzutreten, ohne Verzug diejenigen Schritte zu ergreifen und Verfügungen zu treffen, die erforderlich sind, die Einfuhr von Vieh, Fleisch und Futtermitteln von allen Zöllen und nicht unbedingt gegen Verseuchung nötigen Erschwerungen, darunter namentlich Z 12 des Fleischbeschauge- setzcs, zu befreien und die Einfuhr von Gefrierfleisch in großen Mengen zu fördern; 2. sich an den Kollektivschritten kommunaler Körperschaften zu beteiligen, die auf dasselbe Ziel gerichtet sind; 3. der Stadtverordnetenversammlung zur nächsten Sitzung eine Vorlage für die kommunale Beschaffung von inländischem und überseeischem Fleisch zugehen zu lassen." Den Antrag der Liberalen Fraktion begründete Stadtverord- neter Starke. Er meinte, trotz wiederholter Beschlüsse verschiedener städtischer Körperschaften in Deutschland stehe die Regierung mit philosophischem Gleichmut der immensen Teuerung gegenüber, ohne irgend etwas zu tun. Genosse B e r n st e i n begründete den von der Sozialdemokrati. schen Fraktion eingebrachten Antrag. Er bekämpft den liberalen Antrag als nicht weit genug gehend. Zölle, Verbot der Einfuhr von Fleisch seien Fragen der Reichsgesetzgebung und könnten nur vom Reichstag aufgehoben werden. Der Reichstag sei aber bis zum 26. November vertagt. Er fordert, daß der Magistrat die Be- schaffung von Lebensmitteln übernehme. In scharfen Worten übt Genosse Bernstein Kritik an der heutigen Regierung und der agra- rischen Reichstagsmehrheit. Die Landwirtschaft käme bei den hcuti- gen Preisen auch ohne Zölle auf ihre Kosten. Der§ 12 deS Fleisch- beschaugesehes müsse aufgehoben werden und eine Ermäßigung der Eisenbahntarife eintreten. Stadtverordneter Heppner erklärt feine Zustimmung zu dem liberalen Antrag, wendet sich aber gegen die Beschaffung von Lebensmitteln durch die Kommune. Alsdann teilt der Oberbürgermeister DominicuS mit: Der Magistrat habe sich mit der Lebensmittelteuerung schon beschäftigt und sich mit dem Magistrat in Berlin in Verbindung gesetzt. Er schlägt vor, eine gemischte Deputation noch in der heutigen Sitzung zu wählen. ,' Stadtverordneter G o t t s ch a l k wendete sich gegen Heppner und meint, der Oberbürgermeister Mermuth von Berlin habe schon zugesagt, gemeinsame Schritte mit anderen Kommunen zur Be- schaffung von billigen Lebensmitteln zu unternehmen. Genosse Molkenbuhr erklärt sein Einverständnis mit der Einsetzung einer gemischten Deputation, welche sofort gewählt wer- den müsse, um schnell zu arbeiten, warnt aber den liberalen Stadt- verordneten Gottschalk, seine Hoffnungen allzu sehr auf den jetzigen Oberbürgermeister von Berlin zu setzen. Er habe denselben von einer anderen Seite kennen gelernt, als Staatssekretär bei Beratung des Zolltarifs im Jahre 1902. Stadtverordneter Friedemann spricht als Arzt über die jetzige Lebensmittelteuerung und beweist, daß die Teuerung in ge- wissem Zusammenhange mit jetzt auftretenden Krankheitsepidemien stände. Beide Anträge, der sozialdemokratische sowie der liberale, wer- den der gewählten, aus 10 Stadtverordneten und 5 Magistratsmit- gliedern bestehenden gemischten Deputation überwiesen, der Genosse Molkenbuhr und Obst angehören. Im Anschluß an die Teuerungsdebatte kündigt der Genosse Mohs folgenden sozialdemokratischen Antrag für die nächste Sitzung der Stadtverordnetenversammlung an: „In Anbetracht der auch von der heutigen Stadtverordneten- Versammlung anerkannten Teuerung der wichtigsten Nahrungs- mittel, beantragen die Unterzeichneten eine Erhöhung der Löhne bezw. Gehälter für alle diejenigen städtischen Arbeiter und Ange» stellten mit einem Jahreslohu oder Gehalt von unter 2500 M." Der zwischen der Stadtgemeinde SchZuekerg und der Firma Siemens u. Halste schwebende Rechtsstreit über die Dauer dcS Nach- lieferungsrechls für die Schöneberger Untergrundbahn ist jetzt, noch bevor das Reichsgericht gesprochen hat, durch Vergleich beigelegt worden. Während das Landgericht die Klage der Firma Siemens u. Halste auf Feststellung des Nachlieferungsrechts abgewiesen hatte, hat das Kammergericht dieses Recht bis zum 1. Dezember 192S als begründet erklärt. Nunmehr ist durch den Vergleich festgestellt worden, dafc das Recht nur bis zum 31. Mai 1913 in Anspruch genommen werden soll. Neukölln. Auf seinen Bater geschossen hat vorgestern abend der 17 Jahre alte Arbeitsbursche Wilhelm Belitz aus der Rosenstr. 4. Der Sohn bereitete seinem Vater, einem fünfzigjährigen Manne, der Invaliden- rente bezieht, stets große Sorgen. Wiederholt machte der Vater � seinem Sohn wegen seines leichtsinnigen Lebenswandels Vorwürfe, so-auch vorgestern abend gegen 10 Uhr. Der Sohn hörte seinen Vater zunächst ruhig an, dann aber lief er zum Schrank, holte daraus einen dort versteckt gehaltenen Revolver hervor und gab einen Schuß aus seinen Vater ab. Von der Kugel in den Magen getroffen, sank der Vater bewußtlos zu Boden. Der Schuß hatte jedoch die Haus- bewohner aufmerksam gemacht; sie eilten in die Wohnung, sorgten für die Festnahme des Sohnes und für die Ueberführung des V'er- letzten nach der nächsten Hilfswache. Belitz liegt jetzt schwer danieder. Der. ungeratene Sohn wurde zum Polizeipräsidium gebracht und von dort nach eingehendem Verhör dem Untersuchungsrichter vor- geführt. Wiluiersdorf-Haleusee. Ucber die Tätigkeit der Schulärzte im Schuljahre 1911/12 er- stattet der Magistrat jetzt Bericht. Von den 1084 Kindern, die an den sechs Volksschulen der Stadt eingeschult wurden, stellten die beiden Aerzte- 10 Kinder auf ein halbes Jahr und zwei Kinder auf ein ganzes Jahr zurück, weil es ihnen an genügender geistiger oder körperlicher Entwickeluiig fehlte. Das Ergehnis eingehender Einzel- ■ Untersuchungen bei den nachbleibenden'1072 Kindern waren 256 Schulcckruten, also 24Proz., mits ch l e ch t e m, 601 Kinder oder SSProz. mit mittlerem und 215 Kinder oder 20 Proz. mit gutem Ge- sundheitszustand. Wir haben im vornehmen Wilmersdorf also dasselbe Elend vor Augen wie in den Arbeitervororten im Norden und Osten und in Berlin selbst. Allein 128 Fälle von Lungentuberkulose wurden festgestellt, ein Beweis dafür,' wie notivendig die städtische Fürsorgestclle und die Heilstättenbehaiidlung ist. Nach dem Bericht über die Schulen III und VI waren, schwächliche Kinder mit starker Blutarmut nicht selten; desgleichen wurden infolge mißlicher häuslicher Verhältnisse schlecht genährte Kinder vielfach a n g e t.r o f f e n. Als recht günstig bezeichnet der schulärztliche Bericht die Ergebnisse der für stotternde Knaben und Mädchen abgehaltenen Stoltcrerkurse. DaS gleiche wird von dem der besonderen Aufsicht des Schularztes Dr. Wille unterstellten orthopädischen Turnunterricht be richtet, der an sämtliche seiner bedürftigen Volksschüler»rw Schülerinnen in Wilmersdorf in je drei Kursen in der Turnhalle der Gemeindeschule III von entsprechend ausgebildeten Lehrerinnen er- teilt wird. Der Besuch dieser Kurse, für welche an je zwei Wochen Nachmittagen je 1?/� Uilterrichtssttlnden vorgesehen sind, war im all-, .gemeinen sehr gut. Nur gegen Enhe des Schulhalbjahres ließ das Interesse am Unterricht meist etwas nach, was von dem Berichterstatter zum Teil auf besondere häusliche Verhältnisse zurückgeführt. wird. An anderer Stelle des Schularztberichtes heißt«S noch allgemein,■ daß den gelegentlich der Klassenbcsuche erteilten Rat- schlägen im großen und. ganzen willig Gehör geschenkt wurde. Im besonderen wurde die Weisung, tuberkulöse oder tuberkulöse- verdächtige Kinder der städtischen Tuberkulosefürsocgestelle zur Beob- achlung zuzuführen, von den Eltern stets befolgt. Auch in den Fällen, wo es sich um eine Störung der Nasenrachcnatmung handelte, die, gleichviel ob durch Sprachfehler, Ohreneiterungen oder GehörS- störungen verursacht, die geistige EntWickelung der Kinder zu beein- trächtigen geeignet ist. zeigten die Eltern nach dem Bericht volles Verständnis für die Notwendigkeit einer entsprechenden Behandlung der Kinder. Die in bürgerlichen Kreisen zuweilen beliebte Wendung. daß die elterliche Nachlässigkeit au dem schlechten Gesundheitszustand der Kinder schuld sei, scheint also nach dem Bericht der Schulärzte eine haltlose Floskel zu sein. Die Auslegung der Wählerliste der zu den bevorstehenden Etadtverordnetenwähken berechtigten Personen erfolgt in der Zeit vom 1. bis einschließlich 15. September im Wahl- bureau, Gasteiner Str. 11, und zwar werktäglich von vormittags 8 Uhr bis nachmittags 2 Uhr, an den Sonntagen von 9 bis 12 Uhr. Nur derjenige kann das Wahlrecht ausüben, der in der Wählerkiste steht. Versäume also niemand die rechtzeitige Einsichtnahme. Etwaige Reklamationen zwecks Aufnahme in die Wählerliste sind in der vor- genannten Zeit beim Magistrat einzureichen. Für solche Wähler, die verhindert sind, selber Einsicht zu nehmen, haben sich nach, stehende Personer, zur Einsichtnahme bereit erklärt: Piche, Halen- .see, Paulsborner Str. 25; B d a m � Pfalzburger Str. 27; Seile, Brandenburgischestr. 69; Fischer, Durlacher Str. 8; Bauer.. Aachener Str. 27; F.Pieper, Berliner Str. 46; Kreschke�, Kaiserallee 209; �S.ch illiug» Lauenbtirger Str. 20; P o t s ch i e ß, Paretzer Str. 2. töroft-Lichterfelde. Verhängnisvolle Folgen hat wieder einmal das leichtsinnige Umgehen niit der Schußwaffe gehabt. Der in der Marschnerstraße in Groß-Lichterfelde wohnhafte ArbeitSbursche Anders hatte vom Küchcnfenster aus mit eitlem Tesching auf Spatzen geschossen. Als er auch auf einen votübereilenden Hund ein Geschoß abfeuerte, traf er unglücklicherweise deck zehnjährigen Schüler Artur Pflug ins .Gesicht. Dem bedauernswerten Knaben wurde das rechte Auge vollständig vernichtet, so daß im Kreiskrankenhäuse, wo der Schwer- verletzte Aufnahme fand, stichtS mehr gerettet werden konnte. Laitkwitz. Der PildungSauSschiiß teilt mit: Am Mittwoch nachmittag von 6 bis l/z8 Uhr finde» bei Schulz. Kurfürstenstraße, die ersten Märchen- Vorlesungen für Kinder von zirka 12 Jahren und darüber statt. Die Eltern werden gebeten, dic.Kiuder. zu schicke» beziehungslveise mitzu- bringen. Der Stenographiekursus beginnt Montag, den 9. September, abends 8Vz Uhr, ebenfalls bei Schulz, Kurfürstenstraße. Tie Teil- .nehmer werden gebeten, sich sofort bei einem Mitglieds des Bildungs- ansschusses anzuinelde», damit die nötigen Lehrbücher rechtzeitig an- geschafft werden können. Klein-Tchönebeck-Fichtenau. Oberrcalschnle statt Bolksschnle? Wie wir schon in unserer Nummer 160 andeuteten, ist der Bau einer modernen Volksschule deshalb, abgelehnt worden, weil sich einige bürgerliche Mitglieder der Geilieindevertrclung bereits mit den, Plan der Errichtung einer höheren Schule trugen. Wurde dadurch auch einigen hundert Arbeiterkindern ein Vierklasiensystem aufgezwungen, was scherte es Herrn Betac nebst Freunden,, wenn neun Kinder», der Begüterten eine höhere Schule geschaffen werden konnte. Schneller, wie man 4S mit der Anstellung eines dritten Volksschullehrers hatte(dazu be- durfte es erst eines DtuckeS von oben», scheint der Plan einer Hand- voll Bürgerlicher verwirkliche zu werde». In den letzten Tagen fand nämlich bereits eine Besprechung von Vertretern unserer und der Gemeinden WolterSdorf. und Rahnsdorf statt zur Gründung eines. Zweckverbandes mit ber Aufgabe, Errichtung einer Oberrkai» schule(Waldschule) am Bahnhof Rahnsdorf. Das Projekt »st soweit gediehen, daß es' in kurzer Zeit. den Ge- meindevertretungen vorgelegt werden kann; die bürgerlichen Gemeindevertretcr sind auch anscheinend in aller, Stille soweit bearbeitet worden', daß eine Mehrheit dafür Vvrhanden ist. Für die Leitung der Schule ist Prof. Ludwig Gurlitt' gewonnen worden. Die Baukosten werden auf 100 000 M. der- anschlagt, an denen jede Gemeinde zu einem Drittel beteiligt sein soll. Gemeinsam sollen auch die Unterhaltungskosten getragen werden. mit der Maßgabe, daß diejenige Gemeinde den größten Zuschuß leisten muß, die die wenigsten Schüler aufweist. Gerechnet wird mit etwa 20 000 M. Unterhaltungskosten, die bei 50 Schülern auf zirka 15 000' M. jährlich sinken würden. Also um den vom Bürgerverein ermittelten neun Schülern eine bequem erreichbare höhere Schule schaffen zu können, soll die Einwohnersckiaft 35 000 M. zum Bau hergeben und wegen der geringen Schülerzahl 3—9000 M. jährlich für die Unterhaltung der Oberrealschule aufbringen. Gegen einen derartigen Mißbrauch der den Begüterten durch das elende Dreiklasseuwahlsystcm gewährleisteten Mächt kann Nicht entschieden genug protestiert werden. Erst errichte man eine ausreichende, den Forderungen unserer modernen Päda- gogen entsprechende Volksschule, dann ist noch immer Zeit, an den Bau einer höheren Schule zu denken. Kalkberge- Rüdersdorf. Einen verhängnisvollen Ausgang nahm eine Kinoaufnahme, die in den Kalkbergen stattfand. ES sollte eine Schlagwetterkatastrophe in den Kalkwerken inszeniert werden und dabei war im Programm «ine Explosion vorgesehen, die aber leider zu früh erfolgte. Die Sprengstoffe wurden zu zeitig angezündet und ehe sich der Unter- nehmer, der Kaufmann Zimmermann au? Berlin sowie die beiden Darsteller, zwei Einwohner aus Kalkberge in Sicherheit bringen konnten, erfolgte die Delonation. Durch die umherfliegenden Felsen- stücke wurden die drei Personen getroffen und verletzt. Am schlimmsten war Z. selbst zugerichtet worden; er erlitt eine schwere Kopf- Verletzung sowie eine Gehirnerschütterung, so daß er das Bewußtsein verlor. Die beiden Akteure kamen mit Verletzungen leichterer Art davon. Z. wurde mittels Krankenautomobils nach Berlin trans- portiert. Spandau. Ein felgenschwerer Automobilunfall hat sich vorgestern abend auf der Döberitzer Heerstraße zugetragen. Ein Automohil der Firma Arvin u. Lehnert in Schöueberg fuhr gegen 10 Uhr in schnellem Tempo in der Richtung nach Spandau. Der Chauffeur muß nun wohl in der Dunkelheit die in gleicher Richtung vor ihm fahrende Droschke des Fuhrunternehmers Breitkreuz aus Spandau nicht recht- zeitig bemerkt oder aber seinen Kraftwagen nicht mehr schnell genug zum Stehen haben bringen können, den» das Auto fuhr mit voller Kraft in die Kutsche hinein, die umgeworfen wurde. Dabei wurde der Fuhrunternehmer Breitkrcuz. der daS Gefährt lenkte, unter den Trümmern der Droschke begraben und erlitt schwere innere und äußere Verletzungen. Auch das eine Pferd wurde erheblich ver- wundet. Das Auto, daS gleichfalls demoliert wurde, konnte seine Fahrt nicht fortsetzen. Der Insasse deS Kraftwagens blieb unverletzt, der Chauffeur kam mit leichten Kontusionen davon. Breitkreuz wurde mittels telephonisch requirierten Krankenwagens nach dem Spaudauer Krankenhanse geschafft._ Hus aller Alelr. Mir können zufrieden lein 1 Diese? geflügelte Wort der letzten Tage kam uns unwillkürlich in den Sinn, als wir die Speisekarte zu dem Diner lasen, das gestern nach der Ankunft Wilhelms II. in Zürich vom schweizerischen Bundesrat zu Ehren des Gastes gegeben wurde. Das in bescheidenen Grenzen sich haltende Menu sieht so aus: Vorgerichte. Kanzler-Kraftbrühe. Feines Forellengericht ä la Caecilia. Kaiserrindfleisch. SchinkemnuS in Gelee. Selleriekerne nach Züricher Art. Fasan in Schmorpfanne mit Grande Champagne Meukow. Salat.nach der schönen Gärtnerin". Kompott. Auflauf nach Figaro. Eis. Leckerbissen. Früchte. Weine: Alter Clicquol-Pousardin(blaßrot, süß). Clos des Renauds 1906. Chateau Mouton Rotschild 1906. G. H. Mumm Cordon Rouge 1904. Und das Frühstück, das heute nach dem ersten Manövertage den Hünger stillen soll, hat folgende Gänge: Mercedes-Creme. Langusten nach norwegischer Art. Schinken in Madeira. Grüne Bohnen und Thronfolger-Kartoffel»». Poularden ä la Karthause. Bredow-Salat und Kompott. Richelieu-Creme. Gefrorene Wein-Creme. Käsestangen. Früchte. Getränke in Karaffen: Karthäuser, weiß, 1911. c Karthäuser, rot. 1911. Karthäuser, rot, 1908. Rheinwein. j. Pasuger Mineralwasser. Fürstenbergbräu. Die Tafelnden können zufrieden sein l Weniger angenehme Zu- stände herrschen zurzeit in D e u t s ch I a n d, wo ja der Arbeiter seines wohlverdienten Lohnes gewiß ist und alle sich der Früchte ihrer Arbeit und der Gaben unserer K l» l t u r erfreuen können. Zu dieser Kultur gehört z. B.. daß der Dresdener Tierschutzverein 20 Mark Belohnung dem zusichert, der zur Entdeckung der Diebe beihilft, die in der letzten Zeit größere Hu»de, wahr scheinlich zu Schlacht- zwecken, weggefangvn habenl Eine leckere Tagesordnung. Ein vorzügliches Mittel, um gutgesüllte Versammlungssäle zu erhalten, wendet man in der Düsseldorfer Zentrumspartei an. Die Tagesordnung erscheint vielleicht in den rqinen geschäftsmäßigen Dingen etwas trocken, und, um die bei Zentrumsverjammlungen unumgänglich notwendige Begeisterung zu wecken, speirdet die Leitung Wurstbrötchen und Freibier. Unser Düsseldorfer Parteiblatt ist im Besitz eines EinladungS- zettelS deS»VolksvereinS für das kath. Deuttchland", in dem die Vertrauensleute der Marxpfarre zu einer Versammlung eingeladen werden. Der Einladungszettel ist hektographiert und sieht so aus: Volksverein für das kath. Deutschland. Et. Marx-Vfarre. Düsseldorf, den 20. August 1912. Sehr geehrter Herr! Am Mittwoch, den 21. August, findet abends'/«O Uhr bei Krcuder. Zitadellstrahe, eine BertraneiiSmännerversammlung statt, zu welcher Sie hierdurch freundlichst eingeladen werden. Tagesordnung: 1. Beiträge. 2. Winlerprogramm. 8. Versammlung im Wpollotheater. 4. Aaitation. 5. Wu rstbrötchen und Freibier. Aste Maust an Bord. Mit VereinSgruß Joseph Laumen, Kaplan, Geschäftsführer. Die Punkte 3 und 5 stehen insofern in einem engeren Zu- sammenhang, da am Sonntag, den 25. August, unsere Genossen nach dem Apollolheater eine Versammlung einberufen hatten. Vielleicht wollte man bei Wurstbrötchen und Freibier ausknobeln, üb man nicht die Versammlung»besuchen" könne. Kain und Abel. Aus den schmutzigsten und erbärmlichsten Motiven heran? hat in B e l l h e i m in der Pfalz der achtzehnjährige Sohn Franz des AckererS Heinlein seinen zehnjährigen Bruder erschlagen. Um sich in den künftigen Alleinbesitz des väterlichen Erbes zu setzen, schlug er seinen Bruder mit einem Prügel tot und versteckte den Leichnam in einem Abfuhr- graben im Walde. Der Mord ist schon vor Wochen begangen worden und erst jetzt ist der Leichnam durch einen Zufall aufgefunden worden. Der.Brudermörder hat bereits ein Geständnis abgelegt, daß er den Totschlag aus den oben angeführten Gründen be- gangen hat._ Kleine Notizen. Schwere Eisenbahnunfälle. Ein von Florenz kommender Schnellzug stieß ani Diensiag auf dem Bahnhof von R i o l a mit einem Güterzug zusammen. Drei Personen wurden ge- tötet und' zwölf verletzt. Ausländer sind nicht zu Schaden gekommen.— Auch auf der österreichischen Station Klein- schwachät stieß ein Personenzug mit einem Güterzuge zusammen. Zwölf Personen, sämtlich Wiener, wurden dabei mehr oder minder scbwer verletzt. Ucberfall auf eine Karawane. Nach einer von mehreren Pariser Blättern veröffentlichten Meldung aus Fez vom 31. August wurde eine Karawane auf der Straße nach Sefru überfallen. Zwölf Juden sollen dabei getötet loorden sein. Soldatenfraß. Fast die gesamte Besatzung des französischen Kreuzers.Dsmokratie" ist unter ziemlich schweren VergrftungS- erscheinnngen erkrankt. Die ersten Anzeichen der Erkrankung machten sich bei den Mannschaften nach dem Genutz von anscheinend verdorbenen Heringen und grünen Bohnen bemerk- uar. Der Konimandant des Schiffes, Jäurais, hat sofort' eine strenge Untersuchung eingeleitet. Bei verschiedenen Matrosen hat die Erkrankung einen so bösartigen Charakter angenommen, daß sie inS Hospital geschafft werden mußten, doch scheint eine unmittelbare Lebensgefahr in keinem Falle vorzuliegen. Eingegangene DrucKIcbrifren. »Der Kampf-. Sozialdemokratische Monatsschrist. Jahrg. V. Hest 12. Aus dem Inhalt erwähnen wir: A. Erdmann-Köln: Der Internationale Eucharistische Kongreß. Karl Renner: Das Rendezvous der Gewesenen. Heinrich Lausenberg-Hamburg: Die Dogmatil des Kapitals. Jurai Deme- trovic-Aaram: Die Entwictelung der südslawischen Frage. Valentini Pittoni-Triest: Die Spaltung der italienischen sozialtslischen Partei. Herm. Wendel-Franksurt a. M.: Glück und Ende deS Jungtür kischen Komitees. Wilhelm Ellenbogen: Die Wiener Stadtbahnsrage. Joses Seliger-Teplitz: Ein neues Organisationsstatut der Partei. Joses Luitpold Stern- Ein Kamps.umS Licht.__ Lese- und DiSkutierklub»Sudost«. Heule Mttwoch, abends .8tz, Uhr, Sitzung bei Neidhmdt, Görlitzer Str. 58: Vortrag. Gäste will» komme»_ Bnefkarten der Kedafctfon. Xie JutlftiMc Epreihftuude findet Linden st rade KS, vor» vier Trepvea — Fahrstuhl—, wochentaaltch vo» tlh biS IV: Uhr abendS, SoanadeadS, von iV: bis 6 Uhr abends statt. Jeder ftir den Briefkasten bestimmten Anfrage ist ein Buchstade und eine Zahl als Merkzeichen betzusllgcn.«riefliche Antwort wird nicht erteilt. Ani'ragen, denen keine«boiincmentsgulttung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen«rage mau in der EPrcchstnndc vor. G. D. 22. Amtsgericht Neukölln.— F. B.. Südende. 1. Ja. 2. Fragen Sie bei der Verwaltung direkt an.— A. L., Teltow. Be- strafung ist u. E. nicht zu erlangen. Dagegen ist der Hundebcsitzer schaden- ersatzpftichitg. Der Anspruch ist, salls aus Aufforderung bin Zahlung nicht erfolgt, durch Klage beim Amtsgericht gellend zu machen.— A.£.. Spandau. 1. und 2. Unseres ErachtcnS ja. Die Rechtsprechung ist jedoch Ichwankend, inSbeionderc, soweit die Frage 2— militärische Ueoung— in Betracht kommt.— L. 27. Sie können einen Antrag aus Entziehung deS SorgerechlS an das BormundschastSgericht richten.— 3t. O. 5555. Wenn Ihre Behauptung nachweisbar ist und der Bermteter nicht unverzüglich Abhilfe schasst, können Sie den Vertrag per sofort lösen.— A- L. 18. Nach Ihrer Darstellung sind Ihre Rechte erloschen. Ein Wiederaufleben tritt erst ein, wenn Sie als Selbstversicherer mindestens 500 Beitragswochen geleistet haben.— B. 63. Aus die �riieurgefchSste beziehen sich die Bor- schriste». über Ladenschluß nicht. Sie sind nur verpflichtet, Sonntags um 2 Uhr nachmittags zu schließen.— B. M. 1874.§ 1420 ReichSverfiche» rungSordnung schreibt vor: Die Karte: soll binnen zwei Jahren nach dem Tage der Ausstellung zum Umtausch eingereicht werden. Ist dies versäumt, so muß lurSlreitsall der Versicherte beweisen, daß die Anwartschast erhalten ist. H. L. 166. Beim �Objekt von 450- M. ja. Die Strafe könnte bis zu 10 M. ausmachen.— Zilnmer-Nciiköltn. 1. Ja, soweit eS sich um Ersatz- anschassunge» oder Reparatur handelt. 2.§ 8(WerbungSkoslen). 6. Dazu reicht der Raum des Briefkastens nicht auS.— Z. 20. Beschwerde ist aussichtslos.— Wiiwen- und Invalidenrente. ES besteht Anspruch aus beide Renten.—§ 2 d. L.-B.-G. Beide Abmachungen siud wechtsunwirk- sam, sosern der Arbeiter nicht mehr alS 28,85 M. wöchentlich verdient. Außer 8 2 Lohnbeschlagnahmegesetz kommen§ 850 Zivilprozeßordnung und § 394 Bürgerliches Gesetzbuch zur Anwendung.— L. T. 7385. Nein. Marttbertcht von Berlin am 2. September 1612, nach Ermittelung deS tönigl. Polizeipräsidiums. M a rtthallenpreise. kKIesiihandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00— 50.00. Speifebohncn, weiße. 30,00—60,00. Linsen 35,00—80,00. Kartosseln(KIcinhdl.) 6,00—11,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,80—2,40. Rindsleisch, Bauchfleisch 1,50—1,90. Schweinefleisch 1,60—2,40. Kalbfleisch 1,50—2,40. Hammelfleisch 1,70—2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 3,60— 6,00. 1 Kilogramm Karpfen 1,40—2,40. Aale 1,60-3,20. Zander 1,40—3,60. Hechte 1,40—3,00. Barsche 1,00-2,40. Schleie 1,60-3,20. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 4,00—40,00._ WttterungSüberstcht vom 3. September 1912. ÖK c* u Sä 5 17 14 5 s Wetterprognose für Mittwoch, de» 4. September 1612. Zunächst vielfach heiter, nachts aber kühl, am Tage etwa» wärmer bei mäßigen südwestlichen Winden; nachher wieder zunehmende Bcwöllung ohne erhebliche Niederschläge. Berliner Wette r b'u r e a u. WasserstandS-Nachrtchten der Landesanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau Wasserstand Memel, Tilsit Pregel, Jnsterburg Weichsel, Thorn O d e.r, Rntibor , Krassen '» Franliurt. Warthe. Schrimm , LaudSberg Netze, Bordqmm E I b e, Leilmcrrtz , DreSdm. ,- Barth » Magdeburg j)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpegel. August Hahn (j Unserem langjährigen Mitgliede» « und Vcrbandswirt < zu seinem KS. Geburtstage die herzlichsten Glüllwünjche! Zlentralmbsnii der Schmiede. Ortsverwaltung Berlin.» | Todes-Anzeigen| SozialdeniokratisclierWalilYerein 1.1 4. Berl. Reichstags-Wahlkpeis Petersburger Viertel. Bez. 346 I. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Genosse, der Tapezierer Frani Neuinann Hübncrstr. 6, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag. 5. September, nachmittags lltb Uhr, von der Halle des Zentralsriedhoses in Friedrichs- selde aus statt. 213/15 Um rege Beteiligung ersucht Ner Vorstand- (Filiale Berlin.) Am Sonntag, den 1. Septbr.. verstarb nach langer Krankheit unser langjähr. Mitglied, Kollege Franz Neumann Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 5. September, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Fried- hoss in Friedrichsselde aus fiatt. Rege Beteiligung erwartet 178/11 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, das) unser Mitglied, der Masch.-Former ICao*l BCarbe (Malplaquetstr. 39) am 1. Septbr. an Lungenleiden gestorben ist. Ehre setnein Andenkeul Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 4. September, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- balle des Nazareth-KicchhoseS in Reinickendorf aus statt. 123/15 Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Ifetiiaiiil tief Biicli- irnil Steinilriieitepei-Hiifsai'lieiter u. Irteiteriraeii ßeuüelilamis. Ortsverwaltung Berlin. Am 31. August starb nach langem, schwerem Leiden in Beelitz unser Kollege Hermann HaMe im Alter von 40 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 4. Septbr., nachm. 41/, Uhr, aus dem Christus-Kirch- hos in Mariendorf statt. 28/8 Die Ortsverwaltung. Verband 1 Brauerei- u. Milhlen- arbeiteru.verw.BeruIspossen. Ortsverwaltung Berlin. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, daß am 1. Sept. der Kollege kerllloWil Krüger (Handwerker, Patzcnhoser lTO.) nach schweren Leiden an Herz- schwäche verstorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 4. September er., nachmittags 4'/, Uhr, von der Leichenhalle des Georgen- Kirch- Hofes in der Landsberger Allee au« statt. Rege Beteiligung erwartet Ter Aorftand. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau und gute Mutter Auguste Brunos geb. WollT am 1. September gestorben ist Dies zeigt an 31,A Knelolf Brnnow, Putzer. Die Beerdigung findet am L. d. M., nachm. 4 Uhr. von der Leichenhalle des Gethsemane-Kirch- hoseS, Nordend, auS statt. vBnksaxunxi Für die aufrichtige Teilnahme bei der Beerdigung meines tnniggcliebten Mannes und Vaters sagen wir allen Beteiligten, insbesondere der Firma Kantorowic, u. Wuthe, dem Metall- arbeitcr» Verband, Wahlverein und dem Gesangverein zu Britz unseren herzlichsten Tank. 118b Wtwe Auguste Ocker n. Kinder. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, dag mein lieber Mann und guten Valer, Onkel und Schwager, der Händler ESmst Kube am Montag, den 2. d. M., im Alter von 48 Jahren nach kurzem schwerem Krankenlager verstorben ist. ka Dies zeigt mit der Bitte um stilles Beileid an fVltwe Charlotte Knbc geb. Weiland nnd Kinder Schererslr. 9. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 5. September, nachmittags 5'/, Uhr, von der Halle des städtischen Friedhoses, Müllerstraße Ecke Seestr. aus statt. Allgem. Ortskraukelldasse Spandau. Am Donnerstag, 12. Septbr., abends 8'/z Uhr, im Lokale des Herrn Krause. Schönwalderstr. 2: AnOcrordentllche General-Versammlung. Tagesordnun g: Beschlutzsassung aus Zulassung und Ausgestaliung zur Allgemeinen Orts- krankenkasse. 278/10 Der Borstand. R. A p p o l d t, Vorsitzender. Dn. Simmel für Spezial-Arzt Haut- uud Harnleiden. Prinzenslr. 41, Mdi"z 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. 2— 4 Von der Reise zurück Di*. J. lidirs HeimholtzstraOe 20. t iWestmannsTrauermaiaziiil Extra- Abteilung 1 1. Gesch.: Berlin W.. Kohren- StraSe37a(2. Haus von der( ierusalemer Straße). | II. Gesch.: Berlin NO.. Große] Prankfurt. 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Jeder Betrieb muß vertreten sein, insbesondere diejenigen Betriebe, wo kein Vertrauensmann vorhanden ist Donnerstag, den 5. September, abends 6 Uhr, im Lokal von Gliesing, Wassertorstr. 68: — Versammlung= aller Jtnb-, Zinn-, Kleigiester«. Giesterinnen Tagesordnung: 1. Die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Zink-, Zinn-, Bleigießer und Gießcrinnen nach der ausgenommenen Slattsttk. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Die Mitglieder des Vereins der Zink-, Zinn- und Bleigießer sind hier- mit zu dieser Versammlung eingeladen. 123/14 vi« OrtsTerwaltnng. Verband der Lederarbeiter Filiale Berlin I. Tonnerstag, den 5. September, abends 8 Uhr, Prinzenaklcc 33: Versammlung. Tagesordnung: Verbandsangelegenheitcn.— Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 143,16 Der Borstand. Deutscher Bauarbeiter-Verband. Zweigverein Berlin. ttr Iii Verwaltung Berlin. Bezirk Südwesten! Die Bertrauensmiinncr- Versammlung findet heute, Mittwoch, abends 8>/z Uhr, nicht bei Fröhlich, Fontanepromenade 18, statt, sondern in KtrgMNllstr. 5/7. Rosenthaler Hof Rasenthaler Str. 11/12. Jnh. Otto Schilling. Telephon; Amt N. 2438. Sämtliche Räume renoviert. s Bereinszimmer, Kegelbahn, 3 Säle mit Bühne bis 400 Personen, noch einige Sonnabende und Sonntage frei. 377SL eins dswöstirsts Krankenkost 'für Erwachsene bei Störungen der Verdauung, bei Schwäche u. Appetitlosigkeit. Mohrensirasse 37a(ntii. jaruasamtr str.) Gr. Frankfurter Str.115(nahs Anur.asstr.) Mein«eit vielen Jahren hier bsgrUndetes Renommee bürgt für tadellose Ausführung und Solidität. 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T> ruck u.«erlag: Vorwärts vuchdruckere, u. VerlogSanstalt Paul Singer u. Co, Serti« SW»