Ur. 207. Hbsnnementz-kecklNMgM: Abonnements> Preis bränumerandoi Bi-rleijährl. 3,30 2Rf, monaü. 1,10 Mb, wöchenilich 23 Pfg. frei inS Hau». Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags» nummer mit illustrierter Sonntags- Vellage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- WonnemenU 1,10 Mark pro Monat, Eingetragen in die Post-ZeitungS»' Preisliste. Unter Kreuzband für Dculschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Mark pro Monat. PostabonnemenIS nehmen an: Belgien. Dänemark, tolland. Italien, Luxemburg. Portugal. umänien, Schweden und die Schweiz. 29. Jahrg. Die TnTertlonS'Gebttljr betrügt für die fechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum M Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und VcrsammlungS-Anzeigen S0 Pfg. „Klein- Hn«ig-n". das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jede» weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellcnan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Worts Pfg. Worte über IS Buch- ftaben zählen für zwei Worte. Inserate 'ür die nächste Nummer niüssen bis I" i efötlDt UgNch auBtr montags. Berliner Volksblnkk. Zentralorgan der roziatdemokratifchen Partei Deutfeblands. & Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „Sozlaldtmoiint Berlin", Redaktion: 831. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. IS8S. Donnerstag, den 3. September 191Ä. Expedition: 8M. 68, Lindenstraaac 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1984. Zur Candtagsutafyl'CalUik.*) Von Paul Hirsch. I. In den„Sozialistischen Monatsheften" äußert sich » u a r d Bernstein zu der Taktik, die wir bei den be� Pluralwahlrechtspläne der Nationalliberalen,„die zwar selbst aussichtslos sind, aber tu praxi dazu dienten, dem Zentrum Ausreden für allerhand Halbheiten und Rechnungs- trägereien zu liefern." Nicht mit Unrecht charakterisiert er die von den Nationalliberalen geübte Diplomatie als eine Diplomatie, die in ihrem Effekt den erbittertsten Feinden einer leidlichen Reform Trümpfe in die Hand spielte, und be- sonders scharf tadelt er es, daß ein Teil unserer Presse der vorstehenden Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhause � Zentrumspartei heftige Vorwürfe daraus machen konnte, daß einschlagen sollen� Er stellt sich im großen ganzen auf den; sie einem nationalliberalen Antrage auf Aenderung der Standpunkt von Eisner, in zwei nicht unwesentlichen Punkten aber weicht er von ihm ab. Während Eisner vorschlägt, nur in den paar Kreisen, wo wir die Möglichkeit haben, aus eigener Kraft Mandatserfolge zu erzielen, wie bisher selb- ständig vorzugehen, im übrigen aber schon bei den Urwahlen jeden Wahlmann zu wählen, der nicht blau und nicht schwarz ist, gleichviel, ob es ein freisinniger, ein Hansa-Bündler oder selbst ein Nationalliberaler ist, hält Bernstein es für unum- gänglich, nicht unbesehen für jeden nationalliberalen Kan- didaten zu stimmen. Er will vielmehr notorischen Scharf- machern die Unterstützung versagen. Zweitens erklärt Eisner irgendein Gegenseitigkeitskompromiß mit der bürgerlichen Linken für gänzlich unnütz. Bernstein dagegen will auch hier Ausnahmen zulassen, er will, daß in den städtischen Wahl- kreisen, wo die Sozialdemokratie heute so viel Wahlmänner aus eigener Kraft durchbringt, daß von fetten der Liberalen nur wenig guter Wille dazu gehört, den Sieg des sozialdemo- kratischen Kandidaten herbeizuführen, den Genossen am Ort in Verbindung mit dem Zentralwahlkomitee die Freiheit ge- lassen wird, den guten Willen der Liberalen auf die Probe zu stellen.„Diese Orte schlechthin in den generellen Verzicht ein- zubeziehen, ist für den Erfolg der in Frage kommenden Taktik durchaus nicht nötig und schon darum nicht emp- fehlenswert." Sowohl Eisner als Bernstein versprechen sich von der Befolgung ihrer Taktik eine andere Parteikonstellation im preußischen Abgeordnetenhause, eine andere Stellung der Parteien im Laude zueinander und die sich daraus ergebende Rückwirkung auf das politische Leben und Denken im allge- meinen. Beide sind der Ansicht, daß, wenn die Sozialdemo- kratie die Nationalliberalen bei der Wahl gegen Zentrum und Konservative mit ihrer ganzen Kraft unterstützt, dies� von selbst die Haltung der ersteren im Sinne einer kräftigeren Verfechtung liberaler Grundsätze beeinflussen und so eine Ge- fundung des politischen Lebens in Preußen zur Folge haben muß. Wäre dem so, so ließe sich allenfalls ein Versuch im Sinne Bernsteins rechtfertigen, aber wer die preußischen Nationalliberalen kennt, wer ihr Verhalten im Landtage bei Beratung der Wahlrechtsvorlage im Jahre 1910 und auch sonst verfolgt hat, der wird sich kaum zu der Hoffnung aus- schwingen können, daß sie sich durch unser Eintreten für sie zu einer wirklich liberalen Politik aufraffen werden. Das Beispiel von Bayern ist nicht beweiskräftig, in Preußen hoben wir es eben mit den preußischen Nationalliberalen zu tun. die, von wenigen Ausnahmen abgesehen, Sachwalter des Großkapitals und ausgesprochene Scharfmacher sind, und die den Freikonservativen und selbst den Konservativen weit näher stehen als den Fortschrittlern. Haben wir es doch erst kürzlich erlebt, daß der Provinzialvorstand der National- liberalen in Schleswig-Holstein— und das ist noch lange nicht die schlimmste Spielart der Nationalliberalen— es abgelehnt hat, seinem Parteitage die Annahme eines von den Fortschrittlern angebotenen Wahlbündnisses über die ganze Provinz zu empfehlen, obwohl dadurch die Möglichkeit ge- geben wäre, nicht weniger als neun Konservative und Frei- konservative zu verdrängen, und obwohl die Fortschrittler selbstlos die überwiegende Mehrzahl der Wahlkreise den Na- tionalliberalen überlassen wollten. Unsere Unterstützung werden sich die Nationalliberalen natürlich gern gefallen lassen, aber daß sie als Entgelt dafür auf ihre bisherige antiliberale und icharfmacherische Politik verzichten, daran glaube ich nicht. Selbst auf die Gefahr hin, daß mir Mangel an Phan- tasie vorgeworfen wird, kann ich mich doch nicht zu der Vor- stellung von Bernstein versteigen, daß die Nationalliberalen das jetzige Klassenwahlrecht durch ein Pluralwahlrecht er- �ehen toerbßn, baö unfere je�lge Vertretung im Landtage vor- aussichtlich etwa verzehnfachen würde. Gewiß fordern die Nationalliberalen ein Pluralwahlrecht, aber dieser Begriff> ist sehr dehnbar, man kann darunter ebensogut ein Wahlrecht verstehen, das der Arbeiterklasse überhaupt keine Vertretung einräumt, wie ein Wahlrecht, das ihr 60 Vertreter verschafft. und nach' den bisherigen Taten der Nationalliberalen zu urteilen, ist das letztere weit weniger wahrscheinlich als das erstere. Als Kronzeugen für die Richtigkeit meiner Ver- mutung führe ich B e r n st e i n selbst an. der in einem Ar- tikel„Straße und Parlament im Wahlrechtskampf" in den �Sozialistischeri Monatsheften" 1910. Nr. 5, die Taktik der Klasseneinteilung ihre Zustimmung versagte, einem Antrage, der nach dem ganz richtigen Urteil von Bernstein an der jetzigen Entrechtung der Arbeiterklasse gar nichts geändert haben würde. Allerdings gibt Bernstein selbst zu, daß er seine Ansichten in dieser Beziehung geändert hat. Bis vor noch gar nicht langer Zeit, sagt er, wäre ihm der Eintausch eines National- liberalen gegen einen Zentrumsmann als ein sehr zweifel- Haftes politisches Geschäft erschienen, aber nach der Art, wie das Zentrum im Jahre 1910 die von der preußischen Regie- rung vorgeschlagene direkte Wahl preisgab und in die öffent- liche Wahl der Abgeordneten willigte, müsse man auch in Zu- kunft von ihm Mitwirkung bei der Hintertreibung der Re- form des Wahlrechts gewärtigen. Ganz meine Meinung. Das verräterische Verhalten des Zentrums kann gar nicht sckjarf genug gebrandmarkt werden, aber folgt daraus, daß die Nationalliberalen zuverlässigere Kantonisten sind?. Mit nichten. Gerade der von Bernstein in seinem früheren Ar- tikel erwähnte Antrag der Nationalliberalen beweist doch, daß sich die wirklichen Wghlrechtsfreunde von dieser Partei nichts versprechen dürfen. Sehen wir doch den Tatsachen nüchtern und ruhig ins Gesicht! Die Taktik von Eisner und Bernstein würde zweifellos das Zentrum und die Konservativen, die heute schon in so vielen Fragen zusammenhalten, auch in der Wahl- rechtsfrage mehr und mehr zusammenschweißen, sie würde das Zentrum an die Konservativen herandrängen, und ge- rade das hat Bernstein selbst im Jahre 1910 als eine falsche Taktik bezeichnet. War diese Taktik 1910 falsch, so liegt kein Grund zü der Annahme vor, daß sie heute richtig ist, denn heute und auf absehbare Zeit gilt ebensogut wie im Jahre 1910 der Satz Bernsteins, daß ohne das Zentrum weder in diesem Landtage noch in irgendeinem Landtage, der nach dem jetzigen Wahlsystem in Preußen gewählt wird, eine Mehrheit für eine Wahlreform zustande zu bringen ist, die auf diesen Namen Anspruch hat. Wir sollten uns hüten, von einem Extrem ins andere zu verfallen und heute eine Wahlrechts- reform mit dem Zentrum gegen die Nationalliberalen zu empfehlen, um morgen umgekehrt für eine Wahlreform mit den Nationalliberalen gegen das Zentrum zu plädieren. Die Nationalliberalen fordern zwar das geheime und direkte. aber nicht das gleiche Wahlrecht, sie haben ihrer Gegnerschaft gegen ein gleiches Wahlrecht bei jeder Gelegenheit offen Aus- druck verliehen, während das Zentrum trotz seiner program- matischen Forderung der Uebertragung des Rcichstagswahl- rechtes auf Preußen in der Praxis bisher nicht nur nichts getan hat, um diese programmatische Forderung ihrer Ver- wirklichung näher zu bringen, sondern im Gegenteil den Feindeu jeder Wahlrechtsreform Helfershelferdienste zu leisten sich nicht entblödet hat. Ist auf das Zentrum wegen seiner fortgesetzten Verrätereien kein Verlaß, so können wir mit den Nationalliberalen und mit dem Zentrum— soweit ihre Mannen nicht abkommandiert werden— für die geheime und direkte Stimmabgabe votieren, fo ist damit noch lange nicht gesagt, daß wir einer Reform des preußischen Drei- klassenwahlsystems, die sich auf diese beiden Punkte beschränkt, zustimmen müssen. Auch die Bethmannsche Vorlage vom Jahre 1910 sah ja die Einführung der direkten Wahl vor, aber in einer Form, daß man zweifelhaft sein kann, ob nicht die heutige indirekte Wahl den Vorzug verdient vor einer so- genannten direkten Wahl, bei der für jede Abteilung ge- sondert die Zahl der gültigen Stimmen ermittelt und der auf jeden Kandidaten entfallende Stimmenanteil nach Pro- zenten der Stimmen berechnet wird. Dem Namen nach ist das eine direkte Wahl, aber in ihrer Wirkung läuft sie auf eine völlige Mundtotmachung der Wähler der dritten Ab- teilung hinaus. Es ist leicht gesagt,„das Glück der Herrschenden ist der Phantasiemangel bei den Unterdrückten". Aber ist es nicht besser, man betrachtet die Dinge wie sie sind, als daß man seiner Phantasie die Zügel schießen läßt, um hinterher beim Erwachen aus den schönen Träumen zu sehen, wie die nackte Wirklichkeit denn doch so ganz anders ist. Die Dinge liegen nun einmal so, daß auf absehbare Zeit weder durch ein tak- tisches Zusammengehen der Sozialdemokraten mit dem Zen- trum noch durch eine Koalition der gesamten Linken eine Mehrheit für eine auch nur einigermaßen annehmbare Wahl- rechtsreform im preußischen Landtage zu haben ist. Deshalb Nationalliberalen in der Wahlrechtsfrage meines Erachtens ist es auch ganz falsch, wenn die Chemnitzer Volksstimme vom durchaus treffend beurteilt hat. In diesem Artikel, der' 10. August die Taktik von Eisner als eine Taktik der Aktivi- heute besonders lesenswert ist wendet sich Bernstein gegen die tät, der Ungeduld, die Taktik, die Ströbel und ich im wesent- --' lichen in Uebereinstimmung mit unserer bisherigen Haltung *) Wir geben die Ausfübriingen des Genossen Hirsch wieder. ohne in allen Einzelpunkien wie ja unsere frühereix.Auslassuiigen r n v» P•. cm' y-- X. r\ empfehlen, dagegen als eine Taktik des geduldigen Beharrens, des zähen Aushaltens bezeichnet. Nein auch die Gegner von Taktik zu folgen, die uns dem Ziele näher bringt, sie wenden sich gegen die Vorschläge von Eisner und Bernstein nicht, weil. sie weniger als diese Genossen von dem Drange beseelt sind. dem Dreiklassenwahlsystem den Todesstoß zu versetzen, sondern weil sie darin keinen gangbaren Weg zur Befreiung Preußens erblicken._ Der„Kern" der fleiichfrsge. * In einem Artikel, der mit den bekannten Asphaltkapuzlnaden Oertels auf einer Stufe steht, findet die„Kreuz-Zeitung" den„Kern" der Fleischnot in„der Erkenntnis, daß die großen Menschen» anhäufungen in den Großstädten und einzelnen Landesteilen den Ausgangspunkt des ungesunden Teiles der ganzen Preisbewegung bilden".„Das Ergebnis der Betrachtungen ist also das, daß die Wurzeln des Uebels auf städtischem, nicht aber auf ländlichem Boden und ebensowenig in unserer Wirtschaftsordnung ruhen". Bravo! Hat schon die„Nordd. Allgemeine Zeisung".fest» gestellt", daß die Konsumenten an der Teuerung schuld seien, so vermag die„Kreuz-Zeitung" sogar so tief in die Erkenntnis ein» zudringen, daß speziell die Städter ihre Hungersnot selb st verursacht hätten. Weiter kann konservative Frechheit die Berhöhnung des Volkes nicht treiben I Auf Fälschung der Tat- fachen kommt es der edlen Kreuz-Lügnerin natürlich nicht an, um zu ihrer Erkenntnis zu gelangen. Neben den bekannten Dingen, daß die Ladenmieten und Ladeneinrichtungen teurer geworden sind und daß wie bei jeder Ware in der modern-kapitalistischen Wirtschaftsordnung zwischen Produzent und Konsument der Handel tritt, bringt sie keine weiteren Ursachen vor. Sie wagt eS sogar, unsere Mit- teilungen über die viel niedrigeren Fleischpreise mehrerer Orte in Holland und der Schweiz als bloßen Trick abzutun. Dabei unter- schlägt sie natürlich ihren Lesern, daß wir in e r st e r Linie auf Englands niedrige Preise für Kühl- und Gestierfleisch hinwiesen, die durchaus nicht zufällig und lokal beschränkt, sondern dauernd und allgemein gelten. Da nun das Blatt doch die Klagen der.Fleischnotfanatiker nicht für ungerechtfertigt erklären kann, vielmehr selbst die„brutale Tatsache ciuss augenblicklichen UebelstandeS" zugeben muß, sieht eS sich auch ängst- lich nach Abhilfemaßregeln um, die ja nicht den Junkern und Agrariern wehe tun könnten..Die ständigen Petitionen um Aen- derung des Einfuhrwesens, die Verbreitung von allen möglichen(!) mit Diagrammen versehenen Tabellen führt zu weiter nichts, als zu einer Erhöhung der ohnehin großen Erbitterung, ja es verschärft das Uebel, indem eS den Handel ermuntert, bei seinen vielfach tadelnswerten Gewohnheiten zu bleiben, und dadurch indirekt eine Erhöhung der Viehbestände durch die Landwirtschaft verlangsamt." Die bösen Städter siyd nun sogar verdächtig und schuldig, die Ausdehnung der Viehzucht gehindert zu haben. Die Landwirtschaft habe sich sonst der neuen Lage(der vermehrten Nachfrage).in f a st wunderbarer Weise" angepaßt. Gewiß l der Zollschutz gefällt den Großgrundbesitzern so gut. daß sie ihn um alles in der Welt nicht missen wollen. Aber die verhöhnten, hungernden Massen werden das Petitionieren neb st den andern Mitteln nicht lassen, um die Junker zur Aufgabe zu zwingen. Sie werden sich nicht mit den freundlichen Belehrungen begnkgen, die ihnen die.Kreuz-Ztg." erteilt: Benutzt Surrogate(Fleischextrakt) zur Suppenbereitung, eßt wenigstens einmal in der Woche nicht Fleisch! Während Hunderttausende sich den Fleischgenuß längst völlig abgewöhnt haben und Hunderte zu Pferde- und Hundefleisch greifen, provoziert das dreiste Junkerblatt noch die Notleidenden. Dazu erwartet es Abhilfe von der Ueberwachung, Beratung und Warnung des Handels; allein eine regelmäßige stadtamtliche Bekanntgabe der Vieh- und Fleischpreise würde„Wunder wirken". Als ob die Ziffern nicht heute schon allgemein bekannt wären und die Haus» stauen seufzend die Zahlen studierten. In diesen Tagen protestieren Millionen Männer und Frauen gegen die Profitgier der Agrarier und die Untätigkeit der Regie- rung. Die Worte der„Kreuz-Zeitung" bedeuten Salz in die Wunden der Hungernden. Wenn es den Junkern daran liegt, die Massen auch noch durch Worte aufzupeitschen, was die Tatsachen schon zur Genüge taten— ihnen soll die gebührende Autwort zuteil werden. Getreidepreise im Ausland. Der amtliche„Reichsanzeiger' veröffentlicht seine regelmäßigen Angaben über Großhandelspreise von Getreide an deutsche» und fremden Börsenplätzen für die letzte Augustwoche. Der Regierung und den agrarischen Blättern, die immer noch von der Teuerung als einer gleichmäßig internationalen Erscheinung schwätzen, empfehlen wir diese neuesten Zahlen aufs nachdrücklichste zum Studium. Man zahlte für 1000 Kilo in Mark: Roggen 171 I»« zu erkennen gaben, seine Ansichten zu teilen. Wir behalten uns � Eisner und Bernstein denken gar nicht daran," geduldig die vor. den Standpunkt der Redaktion zu geeigneter Zeit nochmals ein- Dreiklassenschmach zu ertragen ünd auszuharren, bis das gehend darzulegen. j Heils � sfMsnt. Auch sie sind freudig Hewt, einer Berlin.. Mannheim Wien.. Budapest. Odessa.. Riga.. Paris.. Amsterdam England. New Dork 173 162 122 136 170 136 Weizen 211 234 209 193 162 164 225 176 164 165 Kein Land weist so hohe Roggen- und Weizenpreise auf wie Deutschland(Mannheim). Selbst die Staaten mit Getreideeinfuhr- zöllen zeigen niedrigere Preise, weil Deutschland allein das famose Einfuhrscheinsystem kennt. In Rußland bezw. England zahlt man pro 1000 Kilo für Roggen 62 Mark, für Weizen 72 Mark «veniger als in Deutschland l Solchen Brotwucher nennt ein bürgerliches Blatt mit Recht einen Politischen Skandal für die Regierung. Nachfrage nach Schlachtpferden. Ein Frankfurter Pferdemetzger klagt in einer Einsendung an die bürgerliche Presse, datz es ihm infolge der Teuerung kaum noch Möglich sei, ein Geschäft zu machen; von weither kommen aus- wärtige Pferdemetzger und schnappen ihm die ,.b e st e n G ä u l e' vor der Nase weg. Die meisten Pferdemetzger könnten nur mehr an zwei bis drei Tagen ihre Läden offen halten, so stark ist die Nachfrage nach Pferdefleisch. Wenn das so fortgehe, werde 1 Pferdefleisch bald so teuer werden, wie das Ochsenfleisch. Nur die „Oeffnung der Grenzen für das Schlachtroß" könne da helfen. Die Tenerungsdebatte im bayerischen Landtage. In der Fortsetzung der Teuerungsdcbatte in der Abgeordneten- kammcr, in der das Zentrum nur Hochagrarier reden ließ, gab der liberale Bauer Scheu unumwunden Teuerung und Unterernährung zu. Er sprach sich gegen sede Erhöhung der Zölle aus und für einen sehr vorsichtigen Abbau des jetzigen Systems. Die einheimische Viehproduktion könne nicht Schritt halten mit der Bsvölkerungs- zunähme, deswegen sei die Einfuhr von Fleisch notwendig und Aufhebung der Futtermittelzölle zu erwägen.— Der Bauernbündler Lutz glaubt ein Abflauen der Teuerung zu erkennen. Er ist für die Aufrechterhaltung der heutigen Zollpolitik, sympathisiert aber mit der freien Einfuhr von Futtermitteln. Maßnahmen gegen die Teuerung. Die Stadtverordnetenversammlung Frankfurt a. M. richtete Vor einiger Zeit an das preußische Landwirtschaftsministerium und an den Reichskanzler eine Eingabe, in der die Oeffnung der Gren- zen und die Herabsetzung der Zölle auf Vieh und Fleisch verlangt wurde. Diese Forderungen wurden nun gleichzeitig einer schon bestehenden Deputation überwiesen, damit diese die Fleischver- sorgung für die Stadt Frankfurt in die Hand nehme. Ferner wurde ein Antrag angenommen, der 30000 M. zu Studienzwecken für Linderung der Fleischnot verlangt, und auf sozialdemokratischen Antrag beschlossen, die sofortige Einberufung des Reichstages zu fordern.* Kundgebungen. Frankfurt o. M. wurde am Montagabend in fünf, von der sozialdemokratischen Partei einberufenen, stark besuchten Volksversammlungen energischer Protest gegen die ungeheure Fleischnot erhoben. Die Versammelten forderten einmütig: die sofortige Einberufung des Reichstages; die Aufhebung der Zölle auf Lebens- und Futtermittel; die Oeffnung der Grenzen zur Ein- führung von Schlachtvieh; Beseitigung der Bestimmungen deS Schlachtvieh- und Fleischbeschaugesetzes. Der Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung von Frankfurt a. M. wurden auf- gefordert, auch ihrerseits Mittel zur Milderung der augenblicklichen Notlage zu ergreifen. Als solche werden angesehen: Die Beschaffung von billigem Fleisch aus dem Auslande und Verkauf in städtischer Regie an die minderbemittelte Bevölkerung; die Einrichtung von Skesischmärften in eigener Regie. In der flnnenliche Ctlde». Wieder berichtet der Telegraph von Mordtaten in Armenien. Im Wilajet Wan sind 14 Männer getötet, 8 Frauen fortgeschleppt und zwei Dörfer eingeäschert worden. In der alten Türkei wurden die Armenier bekanntlich als die «inneren Feinde" betrachtet und man erinnert sich noch der schrecklichen Metzeleien in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts und deS schauderhaften Blutbads von Adana im ersten Jahre der konstitutionellen Türkei......... ,,v Unter dem neuen Regime änderte sich die Lage voll- ständig. Die neue Türkei war zu sehr mit ihren inneren und äußeren Schwierigkeiten beschäftigt, um sich um die asiatischen Provinzen kümmern zu können. Die Massenmetzeleien hörten auf, aber vereinzelte Mordtaten wiederholten sich beständig. Ja, psychologisch wurde die Lage unter dem neuen Regime noch schlimmer. Unter Hamid stand die christliche Bevölkerung, »venigstens formell, unter dem Protektorat der Großmächte und nährte ständig die Hoffnung, daß diese Mächte sie aus unerträglicher Lage befreien werden. Jetzt fehlte aber diese Kontrolle der Mächte, und die Bevölkerung, die auf diese Weise der„Obhut" der türkischen Beamten über- lassen war, verfiel in vollständige Verzweiflung. Es ist un- möglich, alle Fälle von Gewalttaten aufzuzählen, die sich auch nur im Laufe der letzten Monate in den sechs armenischen Wilajets ereignet haben. Allein im Wilajet Wan wurden in drei Monaten etwa 50 Ueberfälle und Mordtaten verübt. Zwei- oder dreimal wurden Gruppen von 4—8 Per- sonen niedergemetzelt, und täglich fast finden Raubzüge und andere Gewalttaten statt. Die türkische Regierung hat zwar Abhilfe versprochen, in Wirklichkeit aber nicht das geringste getan. Die Geißel der Armenier sind die K u r d e n, ein halb- wildes Volk, dessen Hauptbeschäftigung neben der Schafzucht die Plünderung der ansässigen Bevölkerung ist. Da Hamid sich vor der armenischen Revolution fürchtete, entwaffnete er die Armenier bis zum letzten Messer, erlaubte dagegen den Kurden, Waffen zu tragen und die Armenier ungehindert zu berauben. Dort, wo die Armenier sich noch Waffen sichern konnten, konnten sie den Räubern erfolgreichen Widerstand leisten, aber im allgemeinen geriet die wehrlose Bevölkerung unter die Gewalt der Kurdenhäuptlinge, die sich mit der Zeit auch des Landes der Armenier bemächtigten und große Feudalherren wurden. Und nicht nur die Armenier, sondern auch die türkischen Behörden waren von diesen Räubern ab- hängig, teils weil sie sich vor ihnen fürchteten, teils weil sie deren Freigebigkeit genossen. Und die kurdischen Feudalen plünderten, notzüchtigten, töteten und blieben trotzdem immer straflos. Unter dem neuen Regime änderten sich diese Verhältnisse wenig, da die konstitutionelle Regierung die alten Beamten auf ihren Posten ließ. Diese, aufgewachsen in der Atmosphäre der Gewalttaten, der Bestechlichkeit und der Korruption, und nicht gewöhnt, jemandem Rechenschaft über ihre Handlungen zu geben, haben die alte„Ordnung" bis zum heutigen Tage aufrechterhalten. Dazu kam noch ein politisches Moment. das Mißtraue» der chauvinistischen Jungtürken gegew die «revolutionären Nationalitäten" und besonders gegen die Mazedonier und Armenier. Gegen die Mazedonier ließen die Jungtürken mohammedanische Answanderer aus Bulgarien, Bosnien, Rußland und sogar Afghanistan kommen und gegen »die Armenier hielten sie die bewaffneten Kurdenbanden als eine ständige Drohung bereit. Es ist wahr, daß man jetzt den Kurden nicht erlaubt, zu weit zu gehen, aber man verbietet ihnen ihre„kleineren" Ausschreitungen nicht. Hier spielt die Nähe der russischen Grenze gleichfalls eine gewisse Rolle. Die Türken sind noch nicht imstande, sich von dem alten Vorurteile loszulösen, daß im Falle eines Konflikts mit Rußland die Armenier, als christliches Element, den Russen helfen werden. Und zieht man in Betracht, daß im letzten Jahre unter den Grenzkurden eine heftige Propaganda zugunsten! Rußlands geführt wird, so versteht man die Beunruhigung der! Türken und ihre Nachsicht gegen die Kurden. Hier findet man 1 die Arbeiter am Sonntag in einer Massenversammlung gegen die auch den Schlüssel des wunderlichen Rätsels, daß Räuber, wie z. B. Mussa und Kassum in Müsch oder Keor Hussein und Said in Wan, trotzdenr sie eine lange Reihe von Mordtaten verübt und öfters auch die Regierungstruppen und einst sogar den Generalgouverneur angegriffen hatten, bis heute nicht nur auf freiem Fuße bleiben, sondern auch Be lohnungen von der Regierung erhalten. Die Armenier haben öfters die Regierung um Hilfe gegen die Räuber und Mörder gebeten, aber alle ihre Schritte blieben erfolglos. Es ist selbstverständlich, daß es nicht weiter so gehen kann. Und wenn die neue Regierung, sich nicht beeilt, Maßregeln gegen den Unfug der Kurden und die Nach ficht der Beamten zu ergreifen und Sicherheit in den armenischen Provinzen zu schaffen, so kann sich dort die arabische oder albanische Geschichte wiederholen. Daß die Armenier fähig sind, zur Selbsthilfe zu greifen, geht daraus hervor, daß sie sich nicht fürchteten, sogar gegen die eiserne Despotie Hamids zu kämpfen und dies in Zeiten, wo noch keines der anderen Elemente des türkischen Reiches wagte, die Stimme des Protestes gegen die unerträglichen Zustände zu erheben. Albanische Autonomie. Wien, 4. September. Dem Wiener K. K. Telegr.-Korrespond.« Bureau geht eine Depesche aus Konstantinopel zu, wonach dort authentische Meldungen vorliegen, daß die Behörden in Mitro- witza nur noch nominell funktionieren. Die Verwaltung werde ebenso wie die Gerichtsbarkeit von einem Wohlfahrts- a u s s ch u ß ausgeübt, dessen Entscheidungen von der Gendarmerie vollstreckt werden. Jssa Boletinatz zeigte dem Mali von Kosiowo die Konstituierung des Ausschusses an, indem er mitteilte, die Nation wolle über ihre Angelegenheiten selbst entscheiden. Neue Zngeständniffe. Saloniki, 4. September. Die Regierung hat Ibrahim Pascha beauftragt, in Uesküb den Arnautenführern mitzuteilen, der Ministerrat habe ihre vierzehn Forderungen an- genommen, die Regierung sei bereit, die Gymnasien in Uesküb, Monastir, Skutari und Janina in Hochschulen umzuwandeln, neue Gymnasien zu errichten und die Lehranstalten für Religion zu ver- niehren. Die Arnautenführer sollen angeben, welche Straßen und Bahnen sie zunächst gebaut zu haben wünschen. Die Regierung überläßt es der Kammer, die Forderung zu stellen, daß die Kabi- nette H a k k i und Said vor Gericht gestellt werden. Die Regierung verweigert unter Hinweis aus das Ansehen des Sultans sowie unter Hinweis auf die Interessen des Reiches, auf die Frage deS regionalen Militärdienstes einzugehen. politiscbe CUberficbt. Berlin, den 4. September 1912. Juristentag und Todesstrafe. Auf dem zurzeit tagenden 31. deutschen Juristentag wird auch das Thema der Todesstrafe behandelt. Bereits vor 60 Jahren hat sich der erste deutsche Juristentag, der im Jahre 1862 statffand, mit dieser Frage beschäftigt und mit großer Mehrheit für die Ab- s ch a ff u n g der Todesstrafe ausgesprochen. Ob der 81. deutsche Juristentag nach einem weiteren halben Jahrhundert moderner Kulturentwickelung gleichfalls gegen die Todesstrafe Stellung nehmen wird, bleibt abzuwarten. Denn auch unsere juristischen Auffassungen hängen ja immer innigst zusammen mit den all- gemeinen und sozialen Anschauungen. Als der deutsche Juristentag vor 60 Jahren zum ersten Mal« stattfand, hotte das deutsche Bürgertum seine humanitären und kulturellen Ideale noch nicht in einem solchen Matze preisgegeben, als gegenwärtig. Allgemeine philosophische und soziale Erwägungen bestimmten damals die Mehrheit der zusammengekommenen Juristen. Heute dagegen wo das Bürgertum nicht nur zur herrschenden Schicht geworden ist, sondern auch in den schärfsten Gegen- satz zu den nichtbesitzenden Schichten getreten ist, sind die alten Ideale der Humanität stark verblaßt. Zwar schlägt einer der beiden Gutachter, Professor Dr. Liepmann- Kiel, vor. für die B e- s e i t i g u n g der Todesstrafe zu resolvieren. Er weist darauf hin, daß eS hoffnungslos sei, die Todesstrafe absolut recht- fertigen zu wollen. Gegen die Todesstrafe sprächen drei Momente, von denen zwei besonders wichtig sind. Erstens die Möglichkeit des Justizirrtums, und dann vor allem der Umstand, daß die Todesstrafe insofern eine ge- f ä h r l i ch e und unzulängliche Waffe sei, als sie die Auf- merlfamkeit deS Volkes und die Gesetzgebung von den wichtigsten Maßregeln zur Verhütung der allgemeinen Ursachen des Ver- brechens ablenkt. Demgegenüber vertritt der Justizrat Professor Dr. Finger in Halle den entgegengesetzten Standpunkt. Daß die Todesstrafe nicht abzuschrecken vermag, ist längst be- wiesen. Bewiesen dadurch, daß die schweren Verbrechen abgenommen haben, trotzdem die Strafen unendlich viel milder geworden sind. Denn wenn man bedenkt, wie noch vor hundert und erst recht noch vor mehreren Hundert Jahren die Verbrecher nicht nur mit dem Tode bestraft, sondern in der scheußlichsten Weise durch Pfählen. Vierteilen, Rädern, Verbrennen und dergl. zu Tode gemartert wurden, so wird man zu- gestehen müssen, daß die Abnahme der Verbrechen auf ver- änderte soziale Zustände zurückzuführen ist. Wollte man heute die alte AbschreckungSiheorie wirklich auftecht erhalten, so müßten die Hinrichtungen wieder genau in dem Maße zu öffent- lichen Exekutionen gemacht werden, wie ehemals. Außerdem aber weist Professor Dr. Liepmann ganz mit Recht darauf hin. daß beispielsweise auch für politische Verbrechen die Todesstrafe wie überhaupt jedes Martyrium keineswegs ein Abschreckungsmittel be- deutet. Der einzige w ir kli ch e Grund, weshalb man in den Kreisen der reaktionär gerichteten Juristen und Politiker an der Todesstrafe festhält, ist der, daß man eben nicht die Ursachen des Verbrechens, daS soziale Elend und die daraus ent- springende körperliche, geistige und moralische Degeneration beseitigen, sondern lediglich an d?n Symptomen herumpfuschen will. Außerdem ist die lebenSlängHÄe Verpflegung eines schweren Verbrechers, gegen den sich die Gesellschaft zu schützen genötigt ist, viel kostspieliger als die Vollstreckung des Todesurteils. Man will sich eben in höchst einfacher Weise der Verbrecher, der Opfer des heutigen Gesellschaftssystems, entledigen und hält dazu die Todes- strafe für daS bequemste Miltel. Natürlich drückt man das nicht brutal aus. sondern verkleidet seinen Standpunkt mit allen möglichen Ausflüchten. Charakteristisch ist es übrigens, daß selbst der Gegner der TodeS- strafe, Professor Dr. Liepmann, die Todesstrafe für die SuS- nahmezustände der Revolution, des KriegSrechts und kolonialer Verhältnisse für unentbehrlich hält. Hier verlasse» also die rein rechtlichen und humanitären Gesichts- punkte selbst diesen fortgeschrittenen Juristen, obwohl es sich doch gerade hier keineswegs um gemeine Verbrechen, sondern um Vergehen handelt, die vielfach auf die i d e a l st e n Motive zurückgeführt werden können I_ Gummiknüppel füjc das hungernde Volk. In B r a u n s ch w e i g protestierten, wie wir schon berichteten, solche I Fleischberteuerungspolitik der Regierung. Obgleich sich die Ver- ' sammlungsteilnehmer nach Schluß der Versammlung nach allen Richtungen der Stadt in Trupps zerstreuten, kam es durch die Maßnahmen der Polizei zu zwei ernsthaften Zusammenstößen Die Polizei hatte förmlich mobil gemacht, wie der nachstehende polizeiliche Dienstbefehl zeigt: Befehl vom 30. August ISIS. Am Sonntag, den 1. September d. I., vormittags ll'/a Uhr, findet im Konzerthaus eine große öffentliche Protest Versammlung statt. Alle Beamte, em- schließlich die der Spezialabteilung, versammeln sich UVa Uhr vormittags in der Herzog!. Polizeidrrektion. Die Bezirksbureaus bleiben mit einem Beamten besetzt. Die Wächter der Bezirke 3 und 4 versammeln sich zur selbigen Zeit im Bureau des 4. Polizeibezirks, die Bezirke 8 und 9 in der Herzog!. Polizeidireklion. Außerdem kommandieren die Bezirke 1 und 2 und 6 und 6 und 7 je vier Wächter, die sich ebenfalls UVa Uhr in Herzog!. Polizei zu melden haben. Dem Polizei-Oberwachtmeister Schulze stehen 4 vom Polizei- Oberwachtmeister Gerecke näher zu bezeichnende Kriminal- P o l i z e i s e r g e a n t e n zur Verfügung. Polizeisergeant Conrad benachrichtigt bei einem eventuellen Ausrücken die Schloßwache in üblicher Weise. Die Besetzung der Straßen wie immer. In Herzog!. Polizei- direktion bleibt zur Entgegennahme von Anzeigen Kriminalpolizei- Oberwachtmeistcr Gerecke. Bei einem Ausrücken vertritt der Polizei-Oberwachtmeister Müller den beurlaubten Polizei-Oberwachtmeister Giesecke. Polizei- Wachtmeister Bode übernimmt die Reserveabteilung am Herzog- Wilhelm-Denkmal. Die R a d f a h r e r der Bezirke 8 und 9 stehen in Herzogl. Polizeidirektion bereit. Der Radfahrer des 3. Polizeibezirks be- fährt die Bezirke 3 und 4. der des 6. Polizeibezirks die Bezirke 6 und 6, der des 7. Polizeibezirks den Polizeibezirk 7. Polizei-Oberwachtmeister Erdmann bleibt im Bureau des 4. Polizeibezirks und regelt den Dienst mit dem Wächter dort wie üblich." Die Polizei sperrte die am Schloß vorbeiziehende Straße, den Bohlweg, gegen die aus der Versammlung kommenden Arbeiter ab. während die Angehörigen der besseren Gesellschaft zu Hunderten un- gehindert die Straße benutzen durften. Auf eine Gruppe von einigen Hundert Arbeitern, die durch das Massenaufgebot von Polizisten zusammengedrängt wurde, schlug die Polizei sofort mit ihren neu« eingeführten Gummiknüppeln los und verhaftete auch einige Per- sonen. Selbst Frauen wurden mit dem Polizeilnüppel bedroht, und auch aus manchen Häusern wurden die fliehenden Menschen von den.Kämpfern für die Ordnung" herausgeprügelt. Die Polizei wird vielleicht ihr völlig unmotiviertes Vorgehen mit dem Einwand begründen, daß sie eine Verkehrsstörung durch die Ver- sammlungSbesucher habe verhindern müssen; die Verkehrsstörung entstand aber erst durch die Absperrungen der Polizei. Ucbcrdics vermag die Polizei, wenn eS ihr paßt, auch wirklicher Verkehrs- störung ruhig zuzusehen. Zum SedanSrummel waren am Sonnabend» abend auf dem Altstadtmarkte Tausende von Hurrapatrioten ver- ämmelt, um die Rede eines Geistlichen anzuhören. Stunden« lang wurde der Verkehr auf einer der verkehrreichstcn Stellen der Stadt gehemmt. Jeglicher Wagenverkehr war unmöglich, und die Fußgänger mußten größere Umwege machen, um zu ihrem Ziele zu gelangen. Auch am Sonntag fanden mehrere Umzüge der Hurrapatrioten statt. Alles war den Herren erlaubt. Den in völliger Ruhe ihren Wohnungen zustrebenden Arbeitern aber trat man mit dem Gummilnüppel entgegen, obgleich sie, wie die übrigen Straßenpasianten. plaudernd in regellosen Gruppen, nur das Recht für sich in Anspruch nahmen, den Weg zu wählen, der a>» Schloß vorbeiführt._ Ein verfehlter Beschluh. Auf dem Bczirksparteitag für das östliche Westfalen und die Fürstentümer Lippe wurde nach einem Referat des Ge- nossen Dr. A. Müller- Hamburg über„Sozialdemokratie und Genossenschaften" folgende Resolution angenommen: Der Parteitag ist der Ansicht, daß angesichts 1. der Fleischteuerung in Deulichland, die durch die Hoch- schutzzoll» und Absperrungspolitik der reaktionären Parteien und der von diesen abhängigen Regierungen verursacht ivird, wogegen die politische Vertretung der Arbeiterschaft vorläufig noch machtlos ist, 2. deS schon seit geraumer Zeit stetig wachsenden Konsums von Seefischen in Deutschland, der sich trotz aller Schwierig- leiten und Hemmnisse immer weiter entwickelt hat, als einzige Möglichkeit, sofort Abhilfe für die Fleischteuerung und Fleischnot zu schaffen, die Versorgung deS Proletariats mir See- fischen besteht und daß es die Aufgabe in erster Linie der Konsumgenossenschaften ist, den Fischkonsum zu organisieren da- durch, daß sie die Regelung des Versande« der gewaltigen Mengen der gefangenen Seefische an die Orte der Konsumtion' in die Hand nehme». Der Parteitag fordert die Vorstände der Konsumvereine auf, die nötigen Matzregeln auf breitester Grundlage ungesäumt zu ergreifen. Die Möglichkeiten, sofort Abhilfe für die Fleischteuerung zu schaffen, sind in dieser Resolution merkwürdig eng gefaßt. Neben der„einzigen", der Versorgung des Proletariats mit Seefischen durch die Konsumvereine, gibt es eine ganze Reihe, um den notleidenden Massen schnellstens zu helfen. die Regierung muß nur dazu gezwungen werden. Auch die Beschaffung jeglicher Nahrungsmittel(darunter vor allem von Fleisch) durch die Kommunen gehört in erster Linie dazu. Die Konsumvereine konnten auch schon längst, ehe die Teuerung den jetzigen hohen Grad erreichte, Vorsorge treffen; einer besonderen Aufforderung eines Parteitages hätte es dazu überhaupt nicht bedurft. Aber schon auf dem letzten Genossenschaftstag in Berlin ist mit Recht gerügt worden, daß die Konsumvereine es völlig unterlassen haben, an der herrschenden Wirtschaftspolitik die notwendige Kritik zu üben. Umso notwendiger ist es, daß die politische Vertretung der Arbeiterklasse, die ja auch den Kern der Konsumvereine bildet, den Kampf gegen die Lebens- mittelwucherpolitik mit allem Nachdruck führt. Daß Genosse Dr. Müller, als Vertreter der Hamburger Ueberneutralität, dafür kein Verständnis zu besitzen scheint, ist bedenklich genug. Daß aber mitten im Kampfe ein Parteitag einer Rcso- lution zustimmt, die die Arbeiterklasse als machtlos erklärt, ist schon gar merkwürdig. Der Kampf um Beseitigung der Einsuhrscheine und Oeffnung der Grenzen für Fleisch und Vieh ivird geführt im Interesse und unterstützt von der über- wiegenden Mehrheit des deutschen Volkes. Und es wird sich doch wohl erst zeigen müssen, ob die Regierung in der Tat imstande sein wird. diesem Ansturm auf die Dauer zu widerstehen. Der Einfall, die Arbeiter voni p olitischen Kampf abzuziehen, um so— auf frei- lich ganz ungeeignete Weise— für die Konsumvereine Propaganda zu machen, kann nur einem unpolitischen Nur- genossenschaftler kommen, aber keinem wirklichen Sozialdemo- kraten. Abgesehen davon, daß die deutsche Arbeiterklasse kaum auf die Dauer auf den Fleischgenuß wird verzichten wollen. Soweit sind wir in der verdammten Bedürfnislosigkeit doch noch nicht gekommen. Kurz abgefertigt. In gestriger Nummer berichteten wir über verschiedene perfide Anschuldigungen der.Germania� gegen einige frühere bayerische Minister und Mitglieder deS HoflagerS. Der allzu täppische Artikel des ultramontanen Blattes scheint am bayerischen Hoflager das Gegenteil von dem bewirkt zu haben. was er sollte, denn die Münchener offiziöse„Korrespondenz Hoffmann" erteilt darauf fol- gende Antwort: „Ein Berliner Blatt bezieht in Betrachtungen, die eS der politischen Lage in Bayern widmet, auch Versuche.un- verantwortlicher Beeinflufiung" ein, die sich angeblich am königlichen Hoflager in Hohenschwangau geltend machen und nennt in diesem Zusammenhange zweimal den Namen des königlichen Generaladjntanten Generals der Artillerie Freiherrn v. Wiedenmann, des Chefs der Gcheimkanzlei. Demgegenüber ist festzustellen, dafi die Haltung des ChefS der Geheimkanzlei gegen- über dem derzeitigen Ministerium vom ersten Tage der Geschäfts- Übernahme an von unantastbarer Loyalität gewesen ist. Die in Betracht kommenden Presseäußerungen stellen sich sonach als deweislose Behauptungen dar." Die Angestellten und die Parteien. Der„Verein für Handlungskommis von 18S8" fühlt sich— mit Reckt!— getroffen. Durch einen Absatz in unserem Leitartikel über „Die Angestellten und die Parteien" in Nr. 189 des„Vorwärts" (vom 27. August), in dem die Rede eines seiner Führer vor den Giögen des Hansabundes kurz glossiert war. Er sendet uns einen „authentischen Bericht" dieser Rede, die ebeit das bestätigt, was wir geschrieben hatten: nur entnehmen wir ihm. dah der betreffende Herr nicht ausdrücklich eine Beschränkung der Ueberstunden aus drei Tage in der Woche, sondern auf„eine gewiffe Höchstzahl von Tagen"(unter der sich jeder vorstellen kann, waS er mag) gewünscht hat.„Eine bestimmte Stunde des Arbeitsschlusses festzulegen, scheint mir nicht nötig", heitzt es dann weiter, und es folgt jene Stelle, wo die Beschränkung der r e g e l m ä h i g e n(aber durch unbezahlte Ucber- stunden gern überschreitbaren) Arbeitszeit auf neun Stunden als„be- rcchtigter Wunsch" erklärt wird. Die Zuschrift glaubt das Klägliche dieses „berechtigten Wunsches" damit entschuldigen zu können, daß sie daralif hinweist, der Redner habe nur die„geteilte" Arbeits- zeit im Auge gehabt.„Bei durchgehender Arbeitszeit verlangen wir eine Höchstbegrenzung der Arbeitszeit auf acht Stunden."„Alle grotzen Angestelltenverbände" sollen dieselben Ansichten haben. Möglich; aber alle fortgeschrittenen Angestelllenverbände verlangen mit dem Gros der Arbeiterschaft längst den acht- stündigcn Arbeitstag auch bei Tischzeit, bei ungeteilter Arbeitszeit einen Achtstundentag, in dem bereits eine halbstündige Frühstücks- pause eingerechnet ist.— Der S9er Verein hätte wirklich allen Grund, mit dieser Rede seines Führers nicht weiter hausieren zu gehen. Der Mann, der durch das Angebot unbezahlter Ueberstunden„feste Brücken zur Arbeilgcberschaft" schlagen und die„abschüssigen Wege" zu den Arbeitermassen verbauen will, ist wirklich alles andere eher als eine Zierde der Angestelltenbewegung. Ter Parteitag der Fortschrittlichen Volkspartei. Die Fortschrittliche Volksportei hält vom bis 7. Oktober in Mannheim einen allgemeinen Parteitag ab. Die Tagesordnung ist ziemlich reichhaltig. Abg. F i s ch b e ck gibt den Geschäftsbericht. Abg v. Payer den Bericht der Reichstagsfraktion, Gothein spricht über wirtschaftliche Fragen, Zollfragen, Teuerung usw. So- dann sollen Referate erstattet werden über die Fortschrittliche Volks- Partei und die Landwirtschaft, über die Volkspartei und der Mittel- stand und über die Arbeiterfrage. Außerdem wird Abg. M o m m s e n noch die Frauenfrage behandeln und Abg. Wiemer die staats- ärgerliche Gleichberechtigung. Endlich wird der Abg. Kopsch noch über die Organisationsfragen reden. Wenn alle diese wichtigen Fragen nicht nach Art der Katholikentage durch einfache Vorträge erledigt werden sollen, müßte der Parteitag mindestens acht Tage zusammenbleiben, nicht aber, wie vorgesehen, etwa drei halbe Tage. Die„Freisinnige Zeitung" veröffentlicht die Anträge zum Parteitag. Zur Arbeiterfrage liegt nur ein Antrag von Dr. Ablaß, Dr. Flesch und Genossen vor. der über allgemeine Redensarten kaum hinauskommt. Die tatsächliche Ungleichheit zwischen Unter- nehmer und Arbeiter will der Antrag beseitigen„durch Ausfüllung der Lücken des ArbeiterrechtS, durch Gesetze und staatlich getragene Einrichtungen, die den besonderen Bedürfniffcn der Schwachen, der Unvermögenden entgegenkommen, ohne der Entwickelung des Handels und der Industrie und der Ausdehnung des Warenmarktes im Welt- verkehr zu schaden". Pfarrer Naumann scheint uns durchaus der rechte Mann zu sein, der über die Lösung der Arbeiterfrage auf der Gniudlage eines solchen Antrages reden kann. Zur Frnuenfrage liegen eine große Reihe Anträge vor. die alle auf die Anerkennung der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung der Frauen hinauslaufen. Weitere Anträge zum Programm fordern ein Koinmunalprogramm und ein Agrarprogramm. Eine große Menge Anträge wollen die Organisation im Sinne einer schärferen Zentralisation ausbauen. Auch die Beitragsfrage wird durch ver- schiedene Anträge berührt; einige wollen Jahresbeiträge von 3 und i M. und eine Abführung an die Zentralkasse von 10—35 Prozent, andere Anträge wünschen eine proportionale Besteuerung der Mit- glicdcr. Zur Frage der Wahltaktik fordern mehrere Anträge, daß vor dem Abschluß von Kompromissen die WahlkreiSvertrauensmänner zu hören sind. Ein anderer Antrag wünscht in daS Parteiprogramm die grundsätzliche Bestimmung aufgenommen, daß für die Zukunft jedes Wahlkompromiß mit dem Zentrum und Konservativen, als mit den fortschrittlichen Grundsätzen unvereinbar, abzulehnen sei. Landtagseröffnnng in Rudolstadt. StaatSminister v. d. Recke eröffnete am Mittwoch den Landtag deS Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt. in dem unsere Genossen die Mehrheit haben. Die Thronrede kündigt die Vorlage des Staats- Haushallsetats für die Finanzperiode 1812/14 an. Ferner wird die nachträgliche Genehmigung von vier bereits erlasseneu Gesetzen. darunter die bekannte Teuerungszulage, erbeten. Donnerstag finden >crtrauliche Besprechungen statt, am Freitag wird dann das Prä- �dium gewählt. Die Wiederwahl deS Genossen Winter zum Präsidenten ist natürlich sicher, wegen des Vizepräsidenten finden Verhandlungen mit den Bürgerlichen statt. Sollten diese VerHand- lungen zu keinem Resultat führen, dann wird Genosse Hartmann Vizepräsident werden._ Der achte fhatidinavifche Hrbelterhongreß. Stockholm, 2. September.(Eig. Ber.) Montag morgen erfolgte die Eröffnung durch den Vor- sitzenden der schwedischen Gewerkschaftszentrale Lindquist- Stockholm. In seiner Begrüßungsansprache wandte er sich besonders an den dänischen Genossen � e n s e n, der vor 26 Jahren den ersten skandinavischen Arbeiterkongreß in Gothcnburg präsidierte und dessen Eingreifen es zu verdanken ist. daß die schwedischen Gewerkschaften von damals der liberalen Bewegung entrissen wurden.— Zu Vorsitzenden mit gleichen Rechten werden Lindquist-Stockholm, Nygaard-Kopen- Hagen und Jeppesen-Christiania gewählt. Ferner wurden fünf Kommissionen eingesetzt, die die zu den verschiedenen Ver- Handlungsgegenständen gestellten Anträge vorberaten und dem Kongreß definitive Vorschläge ausarbeiten sollen. Aus dem Auslande sind als Gäste anwesend: Vander- velde-Brüssel, Cohen- und Jansson-Berlin. Vandervelde schilderte in einer langen Ansprache an den Kongreß die politische Situation in Belgien, die es eventuell notwendig machen wird, daß die Arbeiterschaft zum Generalstreik greife, um das allgemeine Wahlrecht zu erobern. Er blicke mit Un- ruhe auf die intensiven Vorbereitung»» zu diesem Kampfe, weil die Ergebnisse sich nicht vorausberechnen lassen. Der Kampf könne geivonnen, aber auch verloren werden und die Folgen eines verlorenen Riesenkampfes für die Organisationen in Schweden hätten ihm gezeigt, welche Gefahren ein der- artiger Kampf in sich trage. Vermieden könne der Kampf in Belgien jedoch nur werden, wenn in der Wahlrechtsfrage Zugeständnisse gemacht würden. Die Grüße der deutschen Gewerkschaften überbrachte I a n s s o n- Berlin, worauf Jensen- Kopenhagen seinen Vortrag über die Bedeutung der skandinavischen Arbeiter- kongresse hielt. Redner besprach die bisherigen Kongresse, dabei besonders bei dem ersten Gothenburger Kongreß ver- weilend. Er feiert die große gewerkschaftliche Bedeutung dieser skandinavischen Arbeiterzusammenkünfte, die ein festes Band um die Arbeiter des Nordens geschlungen haben. Wenn er heute zurückblicke auf die Gothenburger Tagung von 1886, so werde es ihm schwer, zu glauben, daß die enormen Fortschritte der skandinavischen Arbeiter- bewegung in 26 Jahren gemacht seien. In Gothenburg habe man sich sogar herumstreiten müssen, ob die Gewerkschaften von liberaler oder sozialistischer Weltanschauung getragen sein sollen, ja, die Stockholmer Fachvereine hatten gar die Ein- berufung des Kongresses abgelehnt, weil sie befürchteten, daß die dänischen Sozialisten ihre Organisationen mit Beschlag be- legen würden l In Gothenburg sei es jedoch nach heftigen Debatten gelungen, eine schüchterne Erklärung für den Sozia- lismus durchzusetzen und er müsse feststellen, daß viele der da- nmligen Gegner eine große Arbeit für die sozialdemokratische Bewegung inzwischen geleistet haben. Redner besprach sodann die wachsende politische Bedeutung der Kongresse und erntete für seine Ausführungen stürmischen Beifall. Eine Diskussion fand nicht statt. In der Nachmittagssitzung hielt L i a n- Kristiania ein großzügiges Referat über Organisationsformen und Taktik der Arbeiterbewegung. Er schilderte die Entstehung der gewerk- schaftlichen Arbeiterorganisation Skandinaviens. ihre Ent- Wickelung von kleinen Wcrkstättenllubs zu lokalen Fachvereinen, zentralen Landesverbänden und darüber hinaus zu Landes- organisationen, die alle Verbände ihres Landes umfassen und weitgehende Aufgaben im Lohnkampfe zu erfüllen haben. Bis zur Errichtung der Landesorganisationen haben lokale Gewerkschaftskartelle eine große Rolle auf dem Gebiete des Lohnkampfes gespielt. Redner schildert dann die Unternehmer- organisationen Skandinaviens und ihre Taktik sowie die Störungen, die infolge dieser Taktik im gewerkschaftlichen Lager der Arbeiter entstanden sind. Im wesentlichen liefen diese Störungen auf eine Schwächung der Landes- organisation hinaus, gleichgültig, ob die Verfechter anarchistische Syndikalisten oder gute Gewerkschafter seien. Vor diesen Be- strebungen müsse gewarnt werden, vielmehr solle man auf systematisches Zusammenwirken der skandinavischen Landes- organisation untereinander sowohl als mit denen des Aus- landes bedacht sein.(Stürmischer Beifall.)— Zwei weitere Referate zum gleichen Punkt wurden zunächst abgesetzt, bis die Komniissionen ihre formulierten Vorschläge für das Zu- sammenwirken der skandinavischen Arbeiterorganisation nmcht. Dienstag vormittag fällt die Sitzung aus.— Abends fand Festvorstellung für die Delegierten im Kgl. Theater statt. fratikreich. Ein Lockspitzelstreich. Paris, 4. September. Hervss Blatt„Guerre sociale" hatte gestern die Presse zu einer Versammlung eingeladen, während welcher der Sekretär des Blattes seinen Kollegen die Mitteilung machte, er habe den' Besuch eines gewissen Ver- neuil erhalten, der erklärte, er sei vom P o l?z e i k o m- m i s s a r Vrode beauftragt worden. den Ankauf zahlreich erBrowningrevolver und anderer Schuß- Waffen mit dem Blatte zu besprechen. Der Polizeikommissar habe damit den geheimen Zweck verfolgt, sich bei seinen Vor- gesetzten beliebt zu machen und dadurch seine baldige Be- förderung herbeizuführen. Durch die Weigerung seiner Re- daktion sei jedoch das Komplott zunichte geworden. Rußland. Die Wahlen. Petersburg, 3. September. In Petersburg, Moskau, Kiew, Odefia und Riga werden die D u m a w a h l e» nicht vor dem 28. Oktober stattfinden. Für die übrigen Orte sind ver- ichiedene Termine angesetzt, jedoch unter Berücksichtigung des Um- standeS, daß die Duma nicht später als am 28. November eröffnet wird._ Gegen die Preßknebelung. Petersburg, 4. September. Die Oktobristen haben in einer gestern abgehaltenen Sitzung eine Resolution angenommen, in der gesagt wird, daS Verhalten der Verwaltungsbehörden der Presse gegenüber sei ganz unhaltbar. Die geplanten Beschränkungen der Presse hinsichtlich der Meldungen über die Landesverteidigung und der Kritik der leitenden hohen militälischen Befehlshaber würden die Lage der Presse noch mehr- verschlimmern. Eine gesetzliche Rege- lung deS Pressewesens sei durchaus erforderlich. Die Fraktion ver« lange, daß ihre Petersburger Kandidaten in der Rcichsduma sofort nach Eröffnung der Duma dies» Frage auswerfen. Marokko. Die gefangene» Franzosen. Mazagan, 3. September. Der Sckjcris Omrani erklärt, er habe von El Glaui einen Brief erhalten mit der Versicherung, daß die französischen Gefangenen in Marrakcsch gesund und wohlbehalten seien. Sie würden guh behandelt und be- fänden sich in einem von Soldaten El GlauiS bewohnten Haufe. Doppelter Sold. Paris, 4. September. Nach einer amtlichen Mitteilung hat die vom Kriegsminister M i l l e r a n d für die Prüfung der Frage des Soldes des Besatzungskorps in Marokko eingesetzte Kommission beschlossen, daß vom 1. September ab sämtliche in Marokko stehenden Truppen doppelten Sold erhalten sollen. Die Kosten für das Besatzungskorps werden durch diese Maßnahme um ö Mikhisnen Frank jährlich erhöht wechev. Aegypten. Eine abenteuerliche Geschichte. Konstantinopel, 3. September. Auf einen Wink der ägyp- tischen Polizei, die zwei Agenten hierher entsandte, hat die Polizei in Stambul den Chefredakteur des türkisch-arabi- schen Blattes„El Hilali Osinani" Scheik Abdul Azia Tscha- wisch, der ein Acgypter ist, unter dem Verdachte verhastet, daß er an den nationalistischen Umtrieben in Aegypten und an dem Komplott gegen den Khediven, gegen Lord Kitchener und den Premierminister beteiligt gewesen sei. Tschawisch wurde sofort nach Aegypten abgeschoben. Die Durchsuchung der Redaktion so- wohl wie der Privatwohnnng Tschawischs führte zur Beschlag- nähme verschiedener Dokumente. DasBlatt warvom jung- türkischen Komitee subventioniert. Man behauptet, daß die Aufrufe des ägyptischen revolutionären Komitees, die in der letzten Zeit in Kairo angeschlagen wurden, bei dem genannten Matte gedruckt, worden seien. Aegyptische Blätter behaupten, das jungtürkische Komitee sei in diese Affäre ver- wickelt. Die Korrespondenz des Salonikier Komitees mit dem ägyptischen Komitee sei bei einem Hörer der medizinischen Fakultät in Konstantinopel, der jüngst in Kairo eintraf, konfisziert worden. Das Komitee von Saloniki habe das ägyptische Komitee aufgefordert, Anschläge gegen Staatsmänner zu verüben Md sodann daS Volk aufzuwiegeln. Amerika. Demokratische Wahlerfolge. New Fori, 4. September. Die Wahlen im Staate Vermont, welche als politische Barometer des Landes angesehen werden können, zeigen ein starkes Anwachsen der demokratischen Stimmen. Infolge der starken Stimmenabgabe der Demokraten und der Rooseveltpartei haben die Republikaner bei der Wahl des Gouverneurs nicht die Mehrheit erlangt, was seit Jahren nicht vor- gekommen ist._ Standrecht! Charlcston(Westbirginia), 4. September. Wegen Gewakttätigkeiten der K o h l e n a r b e i t e r, die sich im Streik befinden, ist gestern das Standrecht verhängt worden. Während der ersten zwölf Stunden beschlagnahmte die Miliz 280 008 Patronen, sieben Maschinengewehre, 1500 Flinten und eine Menge Revolver. Soziales. Landarbeiter, die für die Landwirtschaft invalide find, werde» ver» pflichtet sich im Industriegebiet nach Arbeit umzusehen. Diesen Grundsatz, der eine weitere Dehnung der gesetzlichen Bestimmungen zuungunsten der Arbeiterschaft bedeutet, hat kürzlich das Reichsversicherungsamt aufgestellt. Nach dem Gesetz gilt als invalide, wer nicht mehr imstande ist, ein Drittel dessen zu erwerben. was gesunde Personen derselben Art mit ähnlicher Ausbildung in derselben Gegend zu verdienen pflegen. In der Be- gründung der Regierung zum alten Jnvalidengesetz heißt eS, daß der Versicherte nicht auf eine Erwerbsgelegenheit verwiesen werden kann, die sich möglicherweise an einer von dem bisherigen Be- schäftigungsorte weit entfernten Stelle bieten könnte. Außer- dem ist in der Begründung ausgesprochen worden, lag Versicherte nicht auf den Erwerb durch eine für sie völlig fremde, körperlich oder geistig ungeeignete Arbeit verwiesen werden dürfen. Für da« Gebiet der Unfallversicherung hat sogar das Reichsversicherungsamt im Jahre 1880 entschieden, daß bei Beurteilung des Grades der ErwerbSbeschränklheit latpdjpirt« ichaftlicher Arbeiter auch auf deren Seßhaftigkeit, wodurch die Konkurrenzfähigkeit auf dem allgemeine« Arbeitsmarkt beeinträchtigt werde. Rücksicht zu nehmen sei. Aus diesem Grunde müssen bei Landarbeitern auch die örtlichen Verhältnisse berücksichtigt werden. Soeben veröffentlichen die„Amtlichen Nachrichten" jedoch eine Ent- scheidung deS Reichsversicherungsamts für da« Gebiet der Invaliden- Versicherung, welche diesen Grundsatz über den Haufen wirft und einen strikten Gegensatz zu den von dem Gesetzgeber gewollten Grundsätzen bildet. ES handelt sich,in dem vorliegenden Falle um die Entziehung einer Invalidenrente. Der Sachverhalt ist folgender: Ein jetzt 31 Jahre alter'Mann war Ackerknecht von Beruf gewesen und hatte wegen einer chronischen Entzündung deS rechten Kniegelenks mehrere Jahre Invalidenrente bezogen. Im vergangenen Jahre wurde ihm die Rente von der Versicherungsanstalt entzogen. Das Schiedsgericht für Arbeiterversicherung verurteilte dieselbe jedoch zur Weiterzahlung der Rente. Es stützte sich dabei ans das Gut- achten eines ArzteS, in dem eS heißt:„Der Kläger sei in seiner früheren Beschäftigung Ackerknecht und in keiner sitzenden Arbeit ausgebildet. Wenn nun auch das Gesetz keine Berufsinvalidität gelten lasse, sondern eine solche auf dem allgemeinen ArbeitSmarkle verlange, so könne man doch nur eine Betätigung in einem solchen Arbeitszweige verlangen, der dem Arbeiter nach seinen Kenntnisstn und Fähigkeiten zu ergreifen möglich sei. Und da sei denn doch die Auswahl für einen als Ackerkneckt tätig gewesenen Mann nur sehr beschränkt. Aus diesen Gründen sei der Kläger nach wie vor auf dem allgemeinen ArbeitSmarkt als invalide im gesetzlichen Sinne anzusehen."— Das Reichsversicherungsamt h o b jedoch die Ent« scheidung des Schiedsgerichts auf. In der Begründung heißt es: «Nach dem Gutachten deS Dr. I. ist der Kläger für fähig zu erachten, alle Arbeiten im Sitzen zu leisten. Damit aber muß e»r erst 31 Jahre alter, nur in der Gebrauchsfähigkeit des rechten Beines wesentlich beschränkter, sonst aber gesunder und rüstiger Mann die gesetzliche Mindestverdienstgrenze erreichen können. Der Umstand. daß der Kläger nur Ackerknccht geweseit ist und eine Tätigkeit nicht gelernt hat, wie sie zahlreiche Arbeiter ausschließlich in sitzender Stellung ausüben, bildet kein Hindernis für diese Annahme. Wäre der Kläger ein berussmäßiger Lohnarbeiter dieser Art gewesen. so würde er voraussichtlich in dieser Erwerbssähigkeit überhaupt nicht beschränkt sein. ES gibt aber auch für einen ungelernten Ar- beiter auf dem allgemeinen Arbeitsmarkte teils rein mechanische, teils leicht zu erlernende Beschästigungen, die in sitzender Stellung ausgeübt � werden können und dem Kläger fein Lohndrittel sichern würden, wenn sich der Kläger in der Auswahl nur nicht auf die Landwirtschaft und auf die engere Heimat beschränkt. Den Ver« sicherten muß aber im ösfentlichnr und im eigenen Interesse zugemutet werden, daß sie sich nicht nur an ihren, Wohnsitz und in dessen nächster Umgebung, sondern in einem weiteren Kreise um Arbeit abmühen. Im Industriegebiet aber würde er man ni g fach e Gelege nheitzu leichler Arbeit imSitzen finden; insbesondere kommt hier nach den örtlichen Verhältnissen die Z i g ar r en i n d u st r i e in Betracht." Wundern braucht man sich über vorstehende Entscheidung nicht. Ist doch z, B. auch eine Frau nicht für invalide erklärt worden, welche an beiden Beinen gelähmt war, sich aber noch mit Hilfe der Hände fortbewegen und stricken konnte. Es ist sicher, daß die Lande«- Versicherungsanstalten die neue Entscheidung als Anlaß benutzen, sich gerade die Akten der invaliden Landarbeiter genauer anzusehen, um diejenigen Rentenempfänger, die noch sitzen können, in die Industrie abzuschieben. Wo all die Arbeit für die Zigarrenarbciter berkommcn soll, darüber zerbricht man sich nicht den Kopf. Die Regierung und die Mchrheitsparteien deS Reichstags find sogar skrupellos genug, durch fortgesetzte Besteuerung des Tabaks in gewissen Abständen tansende und abertausende arme verkrüppelte Tabakarbeiter brotlos zu machen. Die furchtbare Arbeitslosigkeit, welche die Besteuerung des Tabaks im Jahre 1908 für die Tabakarbeiter zur Folge hatte, ist noch in aller Erinnerung. Die Zahl der bewilligten Invalidenrenten ist von 152 882 im tahre 1803 allmählich gesunken bis auf 114 SSI im Jahre 1810. >abei wuchs das Vermögen der Versicherungsanstalten im Jahre 1810 allein um über 83 Millionen Mark. Den Versicherten ist jedoch mit einrr Anfspeichening riesiger Vermögen nicht gedient. GewerfefchaftUches. Die Rintzcgardc in Hdlerebof. Bei der Berliner Metallwarenfabrik H. A. Jürst u. Comp. A.-G. in A d l e r s h o f befinden sich die Arbeiter schon in der dritten Woche im Streik. In dem Betrieb hat der berüchtigte gelbe Streikbrecheragent Kaczmareck eine Anzahl Hintzebrüder untergebracht, die nachgerade der Schrecken des Orts geworden sind. Besonders am Dienstagabend haben sie in einer Weise gewütet, daß es dem Unternehmer selbst bald bange werden dürfte ob dieser„Stützen". Die Opfer dieser Roheitsakte waren aber nicht etwa„Streiksünder", wie man vielleicht vermuten könnte, sondern zwei am Streik völlig unbeteiligte Personen. An dem genannten Abend standen der Schuhmacher Otto Gundel ach aus Adlershof und der Wächter eines gegenüber der Fabrik von Jürst liegenden Neubaues vor der Baustelle und plauderten, als mit einem Male erst drei und nachher etwa zehn(nach einer anderen Version sollen es sogar noch weit mehr gewesen sein) dieser Hintzebrüder über den Schuhmacher herfielen und ihn mit Schlagringen und Fuß- tritten auf bestialische Weise zurichteten. Der lange spitze Dorn eines Schlagringes drang dem Ueberfallenen von oben herab durch die Stirn ins linke Auge, das nach Ansicht des behandelnden Arztes höchstwahrscheinlich für immer zerstört sein dürfte. Dann drang die Bande auf das Baugrund st ück, wo- hin der Wächter sich zurückgezogen hatte und miß- handelte den Mann auf das schlimmste. Außerdem schössen die Arbeits willigen mit Revolvorn auf samt- liche Personen, deren sie ansichtig wurden, so daß diese flüchten mußten, wollten sie nicht ihr Leben oder chte gesunden Glieder einbüßen. Am Tage nachher warfen die Streikbrecher ebenfalls auf unbeteiligte Personen mit vollen Bierflaschen. In A d l e r s h o f herrscht infolge dieser Zustände große Aufregung, und die Einwohnerschaft wünscht nichts sehnlicher, als von der Schreckensherrschaft dieser Hintzegarde so schnell wie möglich befreit zu werden. Die Firma, die ihren anständigen, eingearbeiteten, zum Teil langjährig beschäftigten Arbeitern eine Lohnzulage von zwei Pfennigen die Stunde verweigert, zahlt den Streikbrechern eine Mark die Stunde. Daß sie mehrere Dutzend Menschen in einen engen' Raum gepfercht beherbergt, sei noch nebenbei erwähnt. Es wäre Sache der Gesundheitspolizei, hier einmal nach dem Rechten zu sehen. Der Streikbrechergeneral Kaczmareck fühlt sich ganz besonders. Das geht schon daraus hervor, daß er am Sonn- abend einem Streikposten, der vor seiner Wohnung, Orth- straßc 7, 1. Etage, stand, ins Gesicht schlug, so daß der Geschlagene zu Boden stürzte. Auch drohte er dem Posten, wenn dieser nicht fortginge, würde er ihn in die Panke werfen. In Adlershof drohte Herr Kaczmareck zum Auto heraus mit dem Revolver. Viel nützen dürste angesichts der geschilderten Vorgänge die Hilfe der Streikbrecher nicht, zumal die Oeffentlichkeit immer mehr von dem Wesen und Charakter dieser zweifel- haften Gentlemen unterrichtet wird. Mit solchen Elementen wird das Unternehmertum die berechtigten Forderungen der ehrlichen und anständigen Arbeiterschaft auf die Dauer nicht abschlagen können._ Berlin und Qmgcgcnd, Unternehmerterrorismus und kein Ende! Die gastwirtschaftlichen Unternebmer haben bekanntlich einen sogenannten.Interessenverband" zu dem ausgesprochenen Zweck, das Bestreben der Gaslwirtsgehilfen.auf Verbesserung ihrer Lage nieder- zuHallen. Wir haben von dem Plakat berichtet, das vor den Pfingst- feiertagen in den Berliner Großbetrieben ausgehängt war und durch das angekündigt wurde, kein Angestellter, der in einem der au- geschlossenen Betriebe an einem Streik beteiligt sei, je wieder Be- schästigung finden werde. Auf Einspruch der Vertreter der Berliner Arbeiterschaft, die den GastwirtSgehilsen nicht das Koalitionsrecht so ohne weiteres rauben lassen wollten, wurde das Plakat zurück- gezogen, dafür der Beschlutz gefaßt, daß in Zukunft nur die „Kontraktbrüchigen" von der oben angedrohten Strafe be- troffen werden sollten. Gegen die Organisationszugehörigkeit selbst habe man nichts— so wurde versichert. Was seitdem bekannt geworden, läßt aber deutlich erkennen, daß die Herren Scharfmacher anstelle der offenbrutalen und täppische» Niederknüppelung nur die schleichende geheime Kampfesweise durch schwarze Listen gesetzt haben. Aber nicht nur das. Räch einem, streng vertraulichen" Rundschreiben, das dem „Verband der GastwirtSgehilfen" in die Hände gefallen ist, soll nach den Intentionen des Scharfmacher-Berbandes jeder Angestellte dem Hunger überantwortet werden, der sich irgendwie mißliebig gemacht hat, den sein Prinzipal dem„Schwarzen Kabinett" im ?sentralhotel als entlasten meldet. Das famose Zirkular ficht o aus: Jntereffen-Berband des Gastwirtsgewerbes und verwandter Betriebe, E. B. Streng vertraulich. Berlin IW. 7., den 17. Aug. 12. Dorolheenstratze 16(Zentralbotel) Fernsprecher Amt Zentrum 2264. Rundschreiben an unsere Mitglieder. Unser Mitglied, Herr Hans von Fürich, Zum Schultheitz, Potsdamer Platz, teilt uns heute mit, daß er den Kellner (Vor- und Zuname, Tag und Ort der Geburt) wegen wiederholter Beschwerden seitens der Gäste entlassen mutzte! .............. hat auch, wie Herr von Fürich weiter berichtet, Unregelmäßigkeiten in seinen Abrechnungen versucht. Ferner teilt uns unser Mitglied, Herr HeinrichFalken- b e r g, Ratskeller Berlin, mit, daß die Kellner (Vor- und Zuname. Tag und Ort der Geburt) (Vor- und Zuname, Tag und Ort' der Geburt)....... (Vor- und Zuname, Tag und Ort der Geburt) die er wegen höchst unanständigen Betragens beim Abrechnen ent- ließ, ungefähr nach einer Stunde in das Lokal zurückkamen und sich wiederum sehr ungehörig, benahmen. Nachdem Herr Falken« berg sie aus dem Lokal verwiesen hatte, trieben sie durchs Tele- phon allerlei Unfug, indem sie ihn am Tage vier- bis fünfmal anklingelten. � Hochachtungsvoll Jnterestenverband des GastwirtSgewerbes und verwandter Betriebe. gez. Elkan, Vorsitzender. Wir können's nicht nachprüfen, aber eS ist möglich, daß die Be- schwerden und damit auch die Entlassung im Schultheiß berechtigt waren. Mutz deswegen aber eine dauernde Aushungerung des Betreffenden erfolgen? Und daS schlimmste, der von der ge- Heimen Feme Betroffene weiß davon nichts, kann sich nicht ver- leidigen. Die anderen drei Kellner wurden auf die schwarze Liste «erantw. Redakt.: Alfred Wiesepp, Neukölln. Inseratenteil verantw,: gesetzt, weil sie. wie es scheint, allerlei Allotria getrieben haben. Man braucht die« Benehmen durchaus nicht zu billigen, aber auch hier ist die Frage berechtigt: Müssen diese allem Anschein nach jungen Leute, die zu Dummenjungenstreichen aufgelegt waren, in dieser Weise bestraft werden? Hier in letzterem Falle handelt es sich um ein städtisches Lokal, den Berliner Ratskeller. Städtische Betriebe sollten Musterbetriebe sein; über Herrn Falkenberg sind von den Gastwirtsgehilfen schon recht oft Klagen erhoben worden. Im übrigen kann das Vorgehen des JnteressenverbandeS in letzter Linie nur dazu führen, die gastwirtschastlichen Angestellten immer mehr aufzurütteln und sie in die Organisation hineinzu- treiben. Der von Herrn Elkan mißleitete Verband streut hier eine Saat aus, die den Gastwirten noch böse Früchte zeitigen wird. Der Kampf mutz dadurch immer erbitterter, die Gegensätze immer schärfere werden._ Die Hausdiener und Packer der Firma K na u th u. So., Teppich- und Linoleumlager, die sämtlich organisiert sind, haben mit Rückficht auf die Teuerung Lohnerhöhungen beantragt, die jedoch von den Inhabern als„unberechtigt" rundweg abgelehnt worden sind. Die Folge davon war, daß nunmehr die Hausdiener und Packer geschlossen die durchaus nicht leichte Arbeit eingestellt haben. Eine Verständiguig, welche von Vertretern der Organisa- tion versucht wurde, wurde ebenfalls abgelehnt mit dem Be- merken, daß die in Betracht Kommenden jederzeit ein williges Ohr bei ihren Arbeitgebern finden würden. Eine Kommission der Arbeiter, welche nun versuchte, den Unternehmern klarzumachen, daß eine Lohnerhöhung durchaus nicht unberechtigt sei, erhielt den Bescheid, daß hiervon keine Rede sein könne. Der Betrieb ist somit für organisierte Hausdiener und Packer gesperrt. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Achtung, Fenster- und Mcssingputzer! Der Streik bei der Firma M. Ouiel, Potsdamer Str. 27b, ist beendet. Die Firma hat die Entlassenen wieder eingestellt und den Einheitstarif anerkannt; somit gilt der Betrieb als geregelt. Deutscher Transportarbeiterverband. Bezirk Grotz-Berlin. Maßregelung der Cafäkellner im Cafe Abbazia, Charlottcnburg, Am Knie. Die Handlungsweise des Unternehmers Mandl, der trotz ehren- wörtlicher Versicherung seine Kellner auf die Straße setzte, weil sie ihre Lage zu verbessern suchten und ihn durch die Organisation ge« zwungen haben, die täglichen Abgaben von 30 Pf. abzuschaffen und einen Monatslohn von ganzen 10 M. einzuführen, der aber bis heute noch nicht bezahlt wird, hat beim Publikum fast ausnahmslos strenge Verurteilung gefunden. Die meisten Gäste machten auf der großen Freitreppe deS Lokals nock kehrt. Heransaufende Autos, deren Insassen die„Gaudi- buam" hören wollten, lenkten schleunigst um, als sie die Ursache der Matzregelung eriubren. Und so bot das sonst gut besuchte Lokal einen einsamen Anblick, der durch die zwei Schutzmannsposten und durch die Gruppenbildtnig der für die entlassenen Kellner Partei nehmenden Gäste um lo drastischer wirkte. Bei einer Flugblatt- Verbreitung im Lokal wurde ein junger Mann von dem ehemaligen Biersahrer jetzigen„Kellner" K r o t k e die Treppe dermaßen hinunter- gestoßen, daß es nur dem Zufall zu verdanken ist, wenn sich der Be- treffende nickt das Geitick gebrochen hat. Diese Handlungsweise des bisher bei allen Streiks als Herausreitzer der Gelben fungierenden „Kellner" K. rief bei dem drautzenstehenden Publikum berechtigte Entrüstung hervor, so daß der Arbeitswillige nur durch schleunigste Flucht ins Lokal einer Züchtigung emging. Die Organisation verlangt Wiedereinstellung der gematzregelten Kellner, Zahlung eines MonatSlohnes von 10 M. sowie Anerkennung der Organisation und des ArbeilsnachweiseS. Bis dahin bleibt der Betrieb für organisierte Gehilfen ge'perrt. Verband der Gastwirtsgehilfen. Zweigverein Cafs-Angestellte. veuttcbes Reich. Die Treppengeländertischler in Breslau haben am Montag den Streik proklamiert und die Arbeit niedergelegt. Der bis zum 31. August d. I. laufende Tarif war von den Arbeitern gekündigt worden. Zu einer jährlichen Lohnzulage von 3 Pf. pro Stunde konnten sich die Unternehmer trotz mehrfacher Verhandlungen und größtem Entgegenkommen der Arbeitnehmer nicht bereit er- klären. Der neue Tarif sollte eine dreijährig« Gültigkeit haben, so daß im letzten Jahre der Vertragsdauer die Stundenlöhne 59 Pf. und für bessere Kräfte 71 Pf. betragen sollen. Außerdem wurde an Stelle der jetzigen Arbeitszeit von wöchentlich 53 Stunden eine Verkürzung um eine Stunde gefordert. Tie Differenzen bei der Firma Hangen u. Rinau, Bremen, sind beigelegt. Es wurden Vereinbarungen getroffen, um künftig solche unliebsamen Vorkommnisse zu vermeiden. Die Arbeit wurde am Dienstag wieder aufgenommen. Deutscher Metallarb'eiterverband. Zahlstelle Bremen. * HusUnd. Streiks in der Papierindustrie und im Baugewerbe Finnlands. Man schreibt uns aus Finnland: Der Kampf in den Papier- fabriken von K h m i A.-G. und im Baugewerbe von Heising- fors dauert unverändert fort. Die deutschen Arbeiter werden ge- warnt, sich für die Streikgebiete anwerben zu lassen. Verlammlungen. Die Asphaltarbciter hielten am Donnerstag im„Englischen Garten" eine gutbesuchte Agitationsversammlung ab. Der Refe- rent Gnosse Link sprach über das Thema:„Arbeitszeit, Arbeits- löhne der Arbeiter und Unternehmergewinn in der Asphalt- industrie." Die Unternehmer üben durch ihren„R i n g" einen un- erhörten Druck auf die Arbeiter aus. Das Koalitionsrecht steht nur auf dem Papier. Sowie die Unternehmer erfahren, daß die Ar- beiter dem Zentralverband der Asphalteure angehören, ist ihres Bleibens nicht länger im Betriebe. In dieser Beziehung leisten die Meister, Vorarbeiter usw. einen kaum glaublichen Terrorismus. Indessen, die Unternehmer verstehen durch ihren Ring auch ihre Austraggeber zu drücken bezw. die Konkurrenz auszuschließen. Wie der folgende Fall der Ringfirmen zeigt: Das Münchener Asphalt- werk Kopp u. Sie. hatte sich mit neun anderen Firmen der Asphalt- branche zu einem Ring vereinigt; dieser hatte mit der Tiefbau- kommifsion der Stadt Berlin einen Vertrag dahin abgeschlossen, daß die Stadt während der Zeit vom 31. März 1905 bis 31. März 1911 alle Asphaltarbeiten innerhalb des Berliner Weichbildes nur den Ringfirmen übertragen sollte. Der 8 4 des Vertrages bestimmte, daß die Firmen, falls sie in Berlin oder Vororten Asphaltarbeiten billiger herstellen würden, der Stadt, die Ermäßigung zukommen lassen müssen, anderenfalls die zuwiderhandelnden Firmen ausge- schlössen werden können. Diese Vertragsbestimmung sollte indessen auf vor dem 26. Juli 1903 abgeschlossene Verträge keine Anwendung finden. Um die Sache ganz fest zu gestalten, schlössen die Firmen noch einen Vertrag am 8. März 1906, durch den sie sich wechselseitig verpflichteten, während der Dauer des Vertrages Stampfasphalt in Berlin und 27 Vororten nicht billiger als in Berlin selbst auszu- führen. Jede Zuwiderhandlung sollte mit einer Vertragsstrafe von 5 M. pro Quadratmeter Stampfasphalt geahndet werden. Zur Sicherung hinterlegt jede der 10 Firmen einen Solawechsel in Höhe von 50 000 M. bei der Deutschen Bank. Nun hatte die Firma K. u. Cie. im Jahre 1902 auch einen Vertrag mit der Stadt Schöneberg geschlossen, durch den die Stadt Sch. verpflichtet wurde, bis zum 28. Februar 1906 ihre Aufträge ausschließlich der Firma K. u. Cie. zu übergeben. Diesen Vertrag verlängerte die Firma 1906 auf weitere fünf Jahre zu besonders günstigen Preisen. Die Stadt Berlin erfuhr das und war damit nicht einverstanden. Die Gesell- schaft K. u. Cie. strengte darauf die Klage auf Feststellung gegen r�GIecke. Bevl'ü. Druck u. Pcrlgg: Vorwärts Buchdr. u. Verlggsärsstals die Stadt Berlin, daß sie an dem Vertrag mit letzterer nicht ge- bunden sei. In der ersten Instanz erhielt die Firma K. u. Sie. recht. Indessen die Stadt Berlin legte Berufung ein. und dieser schloffen sich die anderen neun Firmen an. Im Berufungsver- fahren wurde die Klage der Firma abgewiesen; ebenso erfolglos war die Revision der Firma K. u. Sie. beim Reichsgericht. Nun kamen die neun Firmen und verlangten Zahlung der verwirkten Konventionalstrafe. Die Firma K. u. Sie. machte durch Klage geltend, daß die neun Firmen anerkennen sollten, daß sie— die Klägerin— von ihrer Konventionalstrafe zurückgetreten sei und die hinterlegten fünf Wechsel herausgegeben sind. Die Firma Kopp u. Sie.«wurde mit ihrer Klage abgewiesen;" dagegen wurde der Widerklage der neun Firmen, die Konventionalstrafe für ver- wirkt zu erklären, stattgegeben. Die Revision der Firma K. u. Sie. wurde vorn Reichsgerichst gegen beide Urteile zurückgewiesen; das heißt: die Firma K. u. Sie. muß die Strafe zahlen. In einem anderen Falle ist die Firma bei einer Terraingesell- schaft in einem Vorort mit mehr als einer Viertel Million Mark hineingefallen. Trotzdem geht das Geschäft weiter. Ein Zeichen, daß die Gewinne in der Asphaltindustrie außerordentlich hohe sind. All diese Summen werden indessen aus den Knochen der Arbeiter herausgeschunden. Nun ist es an der Zeit, daß hier andere Verhältnisse geschaffen werden. Sie können sich menschenwürdige Verhältnisse schaffen durch die Organisation. Mehr denn je ist es ihre Pflicht. Denn auf der einen Seite niedrige Löhne, dabei eine ständige Steigerung der Nahrungsmittel, insbesondere die unerhörten Fleischpreise, die die Lebenshaltung der Ar- beiter immer schlechter gestalten. Sich dem Zentralverbande der Asphalteure anzuschließen, ist dringende Pflicht, damit endlich menschenwürdige Zustände geschaffen werden. In der Diskussion sprachen mehrere Redner im Sinne des Referenten. Auch ein Vorarbeiter nahm das Wort. Er versuchte, die Vorarbeiter in Schutz zu nehmen, mußte indessen zugeben, daß die Schilderungen des Referenten den Tatsachen entsprechen.— Mit dem Versprechen, im Sinne des Referats für den Verband zu wirken, gingen die Versammelten auseinander. Hetzte Nachrichten. Wieder ein spanisch-französischer Grenzzwischenfall in Marokko. Paris, 4. September.(P.-S.) Die hiesigen Abendblätter melden aus Elksar einen neuen französisch-spanischen Grenzzwischenfall, der ein diplomatisches Nachspiel haben wird. Ein unter französischem Protektorat stehender Scheich Laitur wollte einen Kameldieb ver- haften, der sich jedoch unter spanischem Schutz stellte. Es kam darauf zwischen der spanischen Polizei und den Leuten des Scheichs zu einem Kamp'f, in dessen Verlauf die Spanier die Grenze überschritten. Der Scheich selbst ist im Verlaufe dieses Kampfes verletzt worden und geflohen, einer seiner Neffen von einem spanischen Soldaten getötet worden. Das Wohn- haus des Scheichs wurde geplündert und verbrannt. Keine Unterbrechung der Friedensverhandlungen. Rom, 4. September.(P.-S.) Die Regierung dement i'ert die heute an der Börse und in polifischen Kreisen verbreitete Nachricht, daß die Friedensverhandlungen endgültig abge- krochen seien. Sie erklärt, daß nach wie vor die Vor- schlüge der beiden Regierungen und der auswärtigen Mächte ein- gehend prüfen werden und daß ein stärkerer Notenaustausch zwischen den Interessenten stattfindet. Wahr sei nur, daß von feiten der Türkei bisher die meisten gemachten Vorschläge ab- lehnend beantwortet seien. Doch hoffe man, eine Basis zu finden, auf der die Verhandlungen zu einem Friedensschluß kommen werden. Kerne Zollkontrolle in Marokko. Köln, 4. September.(W. T. B.) Die„Kölnische Zeitung" meldet aus Paris: Wie hier verlautet, verzichtet die französische Regierung auf die Einführung einev" Zollkontrolle im Innern Ma- rokkos zwischen der französischen und spanischen Zone, gegen die Deutschland Einspruch erhoben hatte. Neue Torheiten der Suffragettes. London, 4. September.(W. T. B.) Vierzehn Telegraphen- drähte wurden in einer der letzten Nächte in der Nähe von Rotters- bar, unweit von London, durchgeschnitten. An den Telegraphen- stangen wurde ein Zettel angeheftet gefunden deS Inhalts, daß die Tat wegen der Haltung der liberalen Regie- r u n g gegenüber den Anhängerinnen deS Frauen- st i m m r e ch t s verübt worden sei. Der Streik in der Textilindustrie. Mühlhausen, 4. September.(P.-S.) Der Streik der Textil- arbeiter dauert unverändert fort. Alle EinigungS- Verhandlungen sind Fisher gescheitert. Zu den Firmen K u l l m a n n und K ö ch l i n sind in der letzten Woche die Firmen Kuneil, Glück, Engel, Lüderich und L a n tz hinzuge- kommen. Gestern mittag kam es zu einem Zusammen st oß zwischen Streikenden und Schutzleuten, in dessen Verlauf letztere blank zogen. In dem nun folgenden Handgemenge wurden einem Arbeiter mehrere Finger durchgeschlagen, so daß er ins Krankenhaus übergeführt werden mußte. Zu dem Grubenunglück bei Lens. Paris, 4. September.(H. B.) Nach den neuesten Meldungen sind bisher im Laufe des Vormittags von den Rettungsmannschaften fünf weitere Leichen zu Tage gefördert worden. Es befinden sick noch ungefähr 35 Bergleute in der Slarence-Grube, die aber wahr- scheinlich ebenfalls getötet worden sind Bethune, 4. September.(W. T. B.) Die aus der Grube „S l a r e n c e" ans Tageslicht beförderten Leichname sind unkenntlich. Die Verletzten sind schrecklich ver- brannt und verstümmelt. Am Schachteingang spielten sich herzzerreißende Szenen ab. Die Gesamtzahl der bei der Schlag- wetterexplosion von Bethune Getöteten dürfte nach den bisher vor- liegenden Meldungen sechzig betragen. Bis Heute abend waren 25 Leichen geborgen; unter ihnen befindet sich auch einer der zur Rettung Eingefahrenen. Fünf Verwundete sind im Hospital gestorben. Ein Raubmordversuch. Hamburg, 4. September.(P.-S.) Heute spielte sich hier in der Wohnung eines praktischen Arztes ein Raubmordversuch ab. Bei dem praktischen Arzt Dr. Paulsen erschien heute nachmittag gegen 6 Uhr ein junger Mann, der sich Paul Schröder nannte und angab, Kaufmann zu sein. Er bat den Arzt, festzustellen, ob er lungenleidend sei. Der Arzt kam dieser Aufforderung nach und verlangte für die Untersuchung ein Honorar von 6 M. Ter Patient griff in die Hosentaiche. holte aber statt des Portemonnaies einen Revolver hervor, den er auf den A r z t r i ch t e t e. Er hatte jedoch in der Aufregung vergessen, die Sicherung zu entfernen und es entspann ,ich daher zwischen dem Arzt und ihm ein Kampf, wobei der Arzt zw Boden fiel. Der angebliche Schröder benutzte diesen Augenblick zur Flucht imd entkam. Die sofort benachrichtigte Polizei hat alle Mafe- regeln getroffen, um des Verbrechers habhaft zu werden. Fcuersbrunst. Budapest, 4. September. � agdarovar brach heute nachmittag eine große Feuersbrunst aus. ig Häuser wurden durch das Feuer z e r st o r t. Biel V i e h ist verbrannt. Eine Nachbarge m cinde wurde zu gleicher Zeit vom Feuer heimgesucht. 2 6 H ä u s e r nebst Stallungen und Wirtschaftsge- bänden wurden eingeäschert. Ein Mann wurde durch eine einstürzende Mauer getötet._ Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilage»«. Unterhaltungbbl. it. 207. 29. WM 1. KtilW des JnKirls" Kerlim NcksdIM. initwliij, 5. Septmw 1912. Zur frage der Berliner Partei* organilation. Von Gustav L a u k a n t. Genosse Grunwald eröffnet eine Dislusfion über die Berliner Parteiorganisation. Er ist der Meinung, daß an der Mißstimmung unter den Parteigenossen Verlins die jetzige Organisationsform schuld sei, und namentlich der Zahlabend das Hindernis ist, das ein geistiges Zusammenarbeiten der Parteigenossen erschwere. Grun- Wald erhofft nur von der Aufhebung des Zahlabends eine Besserung der jetzigen Misere. Gleich vielen anderen Parleigenossen stehe ich auf dem Standpunkt, daß die Arbeiten in der Organisation geändert werden müssen, ich kann mich aber mit dem Vorschlage, den Zahl abend aufzuheben, nicht einverstaiBen erklären. Unsere Krcisorganisation baut sich auf den Kommunalwahlbezirk und den Reichstagswahlbezirl auf. Letzterer ist in den allermeisten Fällen mit dem Zahlabend identisch. Abweichungen finden nur dort statt, wo entweder sehr wenige Mitglieder vorhanden sind und daher mehrere Bezirke zu einem Zahlabend zusammengelegt werden oder wo die Milgliederzahl des Bezirkes eine sehr große ist und sich eine Teilung empfiehlt. In der Regel soll der Zahlabend nicht über 100 Mitglieder haben, weil sonst die geschäftlichen Arbeiten vom Bezirkssührer nicht mehr ordnungsmäßig erledigt werden können. Nach»reiner Ansicht übersieht Genosse Grunwald den organisa- torischen Aufbau der Organisation. Grunwald glaubt, daß, wenn das Kassieren durch Hauskassierer erledigt wird, das„Mitteilungsblatt" jedem Mitgliede zugestellt wird und die ge- schäftlichen Angelegenheiten in den Abteilungsversammlungen bis- kutiert werden, der Zahlabend sich erübrigt. Aber in der Organi- sation ist doch noch mehr zu tun, als Beiträge zn sammeln und Vorträge anzuhören. Wie sollen wir die Agitation für unser Partei- blatt vornehmen? Wie die Agitation für den Wahlverein? Dann die Flugblattverbreirung I In diesem Jahre haben wir zum Bei- spiel drei Sonntage hintereinander je ein Flugblatt verbreitet. Wie soll die Arbeit zu den Reichstag-, Landtags- und Stadtverordneten- Wahlen erledigt werden? Die Genossen, die die Arbeiten in den Bezirken verrichten, werden mir zugeben, daß eine solche Arbeit ohne die Bezirksorganisation nicht richtig ausgeführt'werden kann. Wohl aber muß für den inneren.Ausbau der Organisation noch Viel mehr geschehen. Die Fluktuation in der Organisation ist eine außerordentlich große. Das liegt zum Teil daran, daß nur auf dem Zahlabend kassiert wird, dann aber haupsächlich an den vielen Um- zügen in Berlin. Im 6. Kreise haben wir ungefähr 32000 organisierte Parteigenossen. Im letzten Geschäftsjahr— 1. Juli 1911 bis 1. Juli 1912— sind wegen rückständiger Beiträge 7160 Mitglieder gestrichen worden, 2320 Mitglieder sind nach anderen Kreisen verzogen. Nun ist von den 7100 Mitgliedern, die wegen rückständiger Beiträge gestrichen wurden, unzweifelhaft ein großer Teil zu den nach anderen Kreisen verzogenen hinzuzurechnen, oder die Mitglieder sind im Kreise selbst umgezogen. nur ist der Organisation nichts davon bekannt geworden, weil die Organisation nicht genügend ausgebaut ist. Wir haben wohl die „Uinzugszettel", die verziehende Genossen ausfüllen und dem Bezirks- führer übergeben sollen, leider geschieht das aber in den wenigsten Fällen. Ich empfehle deshalb folgenden Vorschlag: In jedem Zahlabend muß eine Hausagitationskommission gewählt werden. Diese hat die Aufgabe, eine vollständige Liste der über 18 Jahre alten Einwohner zu führen. Die Liste muß alle drei Monate ergänzt werden, so daß wir beständig auf dem laufenden sind, wer im Bezirk wohnt, wer zu- oder fortzieht. Wir müsse» wissen, wer gewerkschaftlich oder genossenschaftlich organisiert ist, wer den„Vorwärts" liest, wer Abonnent einer bürgerlichen Zeitung ist und welcher. Die ganze Frage ist nicht so schwierig, wie sie auf den ersten Augenblick erscheint. Ich habe einen entsprechenden Entwurf ausgearbeitet und werde ihn in nächster Zeit meiner Abteilung unterbreiten, wo er geprüft werden kann. Weiter ist es notwendig, mit dem Kassieren eine Aenderung vor- zunehmen. Bereits vor zwei Jahren hatte ich in ineiner Organi- sation den Vorschlag gemacht, daß außer auf dem Zahlabend der Bezirksführer oder ein von ihm beauftragter Genosse auch in den Wohnungen der Mitglieder kassieren solle. Dieser Vorschlag wurde von der Kreiskonferenz des 6. Kreises mit ganz geringer Majorität abgelehnt. Zu dem Vorschlage kam ich, weil in den Jahren 1900—1910 39 589 Mitglieder aufgenommen wurden, 24102 aber wieder ge- strichen werden mußten. Auch jetzt noch bin ich der Aitsfassung, daß kleines feuilleton- Also sprach Richard Strauß. Im„Prager Tageblatt" lesen wir: Das allgemeine Wahlrecht hat neben Herrn Tisza momentan keinen wütenderen Feind afs den Komponisten der„Salome" und des„Roseukavaliers", Richard Strauß. Dieser hat in den Streit um Wagners„Parsifal mit einem sehr temperamentvollen Brief eingegriffen, der sich weniger mit dem Kern der Frage, als mit dem nun allmählich in ganz Europa gelteziden allgemeinen Wahl- recht befaßt. Nach Straußcns Meinung soll nämlich das, wie der Komponist sich ausdrückt,„blöde" allgemeine Wahlrecht allein an der prekären Situation des Genies schuld sein, jenes Wahlrecht, das„die Stimmen zählt und nicht wägt" und„ungefähr zehn- tausend Hausknechten zusammen mehr Rechte einräumt, als der Stimme eines einzigen Richard Wagner". Dieses„blöde" allge- meine Wahlrecht ermöglicht, wie Richard Strauß höhnend sagt,„daß die deutsche Nation das Genie, welches sie bei Lebzeiten verbannt und verhöhnt hatte, noch dreißig Jahre nach seinem Tode aus- Plündern und sein Werk in den kleinsten Provinzbühnen prosti- kuieren darf".„Wir Wenigen aber," schreit Richard Strauß mit wehmutgestopfter stimme aus,„werden vergebens protestieren; der deutsche Spießbürger wird in zwei Jahren am Sonntagnach- mittag zwischen Mittagessen und Abendschoppen, statt fortwährend in den Kicntopp und in Operetten zu gehen, auch für fünfzig Pfennig den„Parsifal hören." An diesem Kratzen erkennt man gleich die ganze Katze.„Blöde" Wahlrecht,„Spießbürger,„Pobel",..Abendschoppen",„Kientopp- Menge",„Wir wenigen— das ist die typische Terminologie der Kleinen, die gern ganz grofe schr> mochten, die Sprache subalterner Naturen, deren technische Fohigkeit auf diesem oder jenem Gebiet das MtßverständniS nährt, ww als ob Talent schon Genie wäre. Dies allein ist fast untrügliche niemals hat ein Genie die Firma- lafel„Genie" ausgehängt: niemals ein Genie diese Unterstreichun- «en des ungeheuren Abstandes nötig gehabt; nie ein Genie an so banaler Distanzicrung Gefallen gefunden. Stets sind es Sonntags- Genies und Eintagsgrößen, die zu diesen fatalen Mitteln greifen. b'eü sie anders als durch so äußerliche Betonung ihrer Größe zu keiner rechten Freude an sich selbst koinmen. Denn ganz unten schlummert in ihnen ja doch dieser Kummer, daß'es mit dem Genie seine Zweifel lwbe Richard Strauß braucht Finaiizfragen der Partei. Statutenrevision. Hua Industrie und Handel Filmkonvention. Im Frühjahr konnte ein Filmtrust, zu dessen Gründern der Abgeordnete Paaschs gehörte, nicht zustande kommen. Jetzt hat sich nach einer Mitteilung der Fachpresse eine i.Freie Vereinigung der Filmfabrikanten" gebildet, die mit dem„Fachverband der Film- Verleiher" eine Konvention abgeschlossen hat. 26 Filmfabrikanten sollen sich ihr angeschlossen haben. Sie verpflichten sich, nicht unter einem Mindestsatz FilmS zu verkaufen oder zu verleihet. Die Films dürfen nur in Teutschland und in der Schweiz verliehen werden; Export nach dem Auslande und Import von dem Aus- lande sind verboten. Nur Films von Fabrikanten der Freien Vcr- einigung dürfen bezogen werden, solche anderer Herkunft sind aus- geschlossen. Auch der Verkauf und das Verleihen ist nur an solche Personen und Etablissements gestattet, die ausschließlich Films der Freien Vereinigung benutzen. Ob sich die Konvention tatsächlich die alleinige Herrschaft wird sichern können, die sie mit diesen Bedingungen erstrebt, steht noch dahin. Die größte Filmfabrik Pathe freres hat sich ihr nicht an- geschlossen. Die im„Schutzverband deutscher Lichtbildtheatcr" ver- einigten Theaberbesitzer haben bereits gegen, den Trust Stellung genommen und bereiten weitere Protestaktionen vor Versammlungen. Deutscher Holzarbeiterverband. Die M u s i k i n st r u M« n k e n- arbeiter hielten am Montag eine außerordentliche Branchen� Versammlung ab. Auf Antraa wurde der dritte Punkt der Tages-. ordnung: Bericht von der(Mneralversammlung, zuerst erledigt. Den Bericht erstattete Grabe. Derselbe ist an dieser Stelle schon erschienen. Die nachfolgende Diskussion drehte sich in der Haupt- fache um den von der Generalversammlung an die Vertrauens- männerkonferenz überwiesenen Antrag der Erhöhung des Lokal- beitrage? auf 1,26 M. die Woche. Die Versammlung nahm mit großer Mehrheit eine Resolution an, die besagt, daß die Frage der Beitragserhöhung nur durch Urabstimmvng erledigt werden soll und die des weiteren den Vertrauensmännern die Pflicht auferlegt, in diesem Sinne auf der Gesamt-Vertrauensmänncrkonferenz zu wirken. Sodann referierte F. Leopold über: Die gegenwärtige Lage in der Musikinstrumentenindustrie. Diese Branche ist hauptsächlich auf den Export angewiesen. Die Ausfuhr hat, nachdem sie schon in den letzten Jahren enorm gestiegen ist, in der ersten Hälfte dieses Jahres eine weitere Steigerung erfahren. Die Geschäftslage ist zurzeit sehr günstig. Eine kleine Steigerung deS Verdienstes der Arbeiter aus der Branche kann verzeichnet werden, wie Redner an statistischem Material nachweist, doch habe dieselbe mit der Steige- rung der Lebensbedingungen bei weitem nicht gleichen Schritt ge- halten. Nach der letzten statistischen Erhebung betrug der Durch- schnittslohn der Klavierarbeiter in Berlin etwas über 32 M. die Woche. Die Existenzbedingungen drängen deshalb geradezu auf eine Lohnaufbesserung hin. Doch nicht nur bezüglich des Lohnes, son- dern auch in mancher anderen Hinsicht bedürfen die bestehenden Arbeitsverhältnisse einer neuen Regelung. In diesem Sinne müssa jede? Mitglied wirken. Die Versammlung stimmte den Aus- führungen des Referenten einstimmig zu. Kus der frauenbewegung. Ei«„Frauenwahlrecht". Seit Wochen wird davon gesprochen und geschrieben, daß dke ungarische Regierung das Frauenwahlrecht einführen werde. Die übertriebensten Hoffnungen wurden an diese Gerüchte geknüpft, und es gab Optimisten beiderlei Geschlechts, die schon jede Frau mit dem Stimmzettel ausgerüstet sahen. Herr v. L u k a c s. der ungarische Premierminister, hat nun der Welt enthüllt, welch umstürzlerisches Wahlrecht er den Frauen Ungarns geben will. Eine Deputation von Feministinnen hat ihm nämlich eine Denkschrift überreicht, wie sie sich ein gerechte? Wahlrecht vorstellt und hat folgende Forderungen überreicht, nach welchen folgende Kategorien von Frauen, die das 30. Lebensjahr vollendet haben, da? aktive und passive Wahlrecht n* halten sollen:, 1. Kindergärtnerinnen, Lehrerinnen und graduierte Frauen; 2. leitende Mitglieder der sozialen Frauenvereine; S. wirtschaftlich selbständige grauen, ferner öffentliche oder Privatbeamtinnen. die mindestens vier Volksfchul- und vier Bürger- schulklassen absolviert haben. 4. jede Familienmutter, die mindestens vier VolkSfchulklaffen oder entsprechende Klaffen einer anderen Unterrichtsanstalt besucht hat. Nach Berichten ungarischer Zeitungen soll nun Herr v. Lukacs die Denkschrift beantwortet und tatsächlich erklärt haben, daß er den unter 1 bis 3 aufgezählten Frauen daS Wahlrecht zu geben geneigt fei. Für die selbständig ein Gewerbe ausübenden Frauen würde ein BermögenSzenfuS vorgesehen werden. Die wichtigste Forderung der Feministinnen, jeder Familienmutter daS Wahlrecht zu geben, was auch viele Arbeiterinnen Wahl- berechtigt machen würde, scheint Herr v. LukacS nicht erfüllen zu wollen. Man kann nun wirklich gespannt sein. wie sich die ungarischen Feministinnen, deren Fübrerin, daS auch in Deutschland bekannte Fräulein Rosika Schwimmer ist, zu den Absichten der ungarischen Regierung stellen werden. Fräulein Schwimmer liebt eö bekanntlich, die ungarischen Sozial- demokraten zu beschuldigen, daß sie Gegner dts Frauenstimmrechts feien. Gegen das von Herrn v. Lukvcs beabsichtigte Damenwahl« recht zu sein, erscheint uns einfach al» Pflicht jedes Sozialdemo« kraten. Denn wo» bedeutet das Wahlrecht der Erzieherinnen, Kinder- gärtnerinnen, Beamtinnen usw. anders, als eine Stärkung der je- weiligen Regierung? Das Stimmrecht soll öffentlich ausgeübt werden, würde da auch nur eine Eisenbahn-, Post» oder Telegraphen- beamtin wagen, für einen der Regierung mißliebigen Kandidaten zu stimmen? Begreiflicherweise. Werden die Kindergärtnerinnen usw. wagen, gegen den Willen ihrer Herrschaften das Wahlrecht auszu- üben? Meinen es die ungarischen Feministinnen wirklich ernst mit dem Frauenwahlrecht, ist eS ihnen um mehr zu wn, als einigen Führerinnen zu einflußreichen Positionen zu verhelfen, dann müssen sie selbst die schärfsten Gegnerinnen der Absichten des Herrn v. LukacS sein. Und darum kann man gespannt sein, wie sich in diesem Fall die Gerechtigkeit der bürgerlichen„Schwestern" erweisen wird. Kein Frauenstimmrecht in Ohio. Wie«in Telegramm aus Columbus lOhio) meldet, sind die Versuche, das Frauenstimmrecht in die Verfassssung des Staates aufzunehmen, bei den StaatSwahle» mit großer Mehrheit abgelehnt worden. «Versammlungen—«Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Sonntag, den 8. September, vormittags IT Ubr, Besichligung des neuen Stadthauses unter Führung de» Herrn Architekten Gerecke. Ein- gang Jüdenstraße. Nur für Milglieder und deren Angehörige. — Billett» für das 1. Schubert-Konzert sind jetzt an den Zahl- stellen zu haben. W IREI'S* msm i MAGGI5 Suppen Mehr als 35 Serien. 1 Würfel für2-3Teller ICH die besten!• Ortskrankenkasse der Achtung! Arbeitgeber! Montag, den 9. September 1912, abends von 8—9 Uhr in Stemim«!» Festsftlen, Linlenstr. 8 Große Vahlfersammlung der Herren irbeitgeber, welche Britrilge aus«tgrue« Mitteln zahlen. Tagesordnung: Wahl von GS Delegierten bis Ende 191Z. Achtung! Arbeitnehmer! Mittwoch, 18. September 1912, abends von 7ll2-S1liVL�t in den IBiialker-S&len, Kaiser-Wilhelm-Slr. 18m: Große Vablversanunlung der großjährigen Kassenmitglieder. Tagesordnung: Wahl von 139 Delegierten bis Ende 1913. Wahlberechtigt und wählbar sind nur diejenigen Kassemnitglieder, welche großjährig und im Befitze der bürgerlichen Ehrenrechte find. - Mitgliedsbuch oder Mitgliedskarte legitimiert. Die Wahlen finden gemäß den Bestimmungen der 49 und 50 des Statuts statt. Der Wahlakt beginnt in beiden Versammlungen pünktlich und wird pünktlich geschlossen. Rechtzeitiges Erscheinen aller Wahlberechtigten ist dringend notwendig 278/11. Der Borstand. C. Fritze, Vorsitzender Arbeltsnachweis: ßof l klmt Norden, Nr. 1239. CharitHftrafte 3. Hauptbiireaii: Hos III. Amt Norden. Nr. 1987. Sonnabend, de« 7. September, nachts präzise 12 Uhr: Mitglieder-Versammlung der Kino-Operateure Grotz- Berlins in Klara AugnstinS Festsäle«, Oranienstr. 103. Tagesordnung: 127/7 1 Bericht der Kommission. 2. Verbands- und Branchenangelegenheiten. 9. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert k Zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird erwartet. vi« Qrt»v«rvs»Its>NA. KrankenunterstQtzungs- und BegräbniSYerein für fiuehbinder und verv. Geverbe zu Berlin. deneral-Tersammluug «onutag, de« 8. d. MtS., vormittags 10 Uhr. Melchiorstr. RS. TageS-Ordnung: 1. Verlesung der Protokolle. 2. Wahl von vier Vorstandsmitgliedern. 3. Verschiedene Vereinsangelegenheiten. 12bb__ H. Rhaod», Vorsitzender. Deutscher Bauarbeiter-Verband. Zweigvercin Berlin. Sektion der Qips« und Zementbanche. Gipsbaubranche:" Freitag, de« S. September ISIS, abends 8 Uhr. bei.r»»n»»cl»k, Jnsclstr. 10: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: Aortsetzung der DiSlussion über den Bericht von der Bautenkontrolle. Zahlreichen Besuch aller in der Gipsbaubranche beschästigten Kollegen erwartet 141/20 Der f4ektIon«vor»tand._ Verband der Maler, Saekierer, Anstreicher ete. Bureau: Melchiorstr. 28, pari. I?!li,l>> llnpll» Arbeitsnachweis: Rückerstr. 9 Fernspr.: Ami Moritzplatz. 4787. llllalv lllil llll. Fernspr.: Amt Norden. 8708 Heute Donnerstag, S. September, abends 8l/3 Uhr: Sektions-Versammlung der Lackierer im Gewertschaftshause, Engeluser IS. Tagesordnung: 1. Bortrag des Genossin schütte über:„Rousseau'. 2. DiSlussion. 8. VerbandSangelegenheiten. 130/6 Zahlreiches Erscheinen erwartet_ Die Settionsleituug. -Hngcbot. Solide« zewe monatlichen kein E�aklinigsgescbaft. 38512* Warum fordert und raucht man Tag-Zigaretten? 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Bericht der Revisoren pro 1911 und '~''~*— der deS toenti Antrag aul Erteilung Dccharge deS Vorstandes wt Rendanten. 3. Antrag der Beamten betr. Neu- regulierung der Gehälter. 4. Antrag aus Anstellung von Be. amten. S. Antrag aus Abänderung des 8 12 Mer 3 de» Statut«.(Fortsall deS Karenztages). S. Beschluhsassung über die Zentrali- sation der Krankenkassen. 7. Verschiedenes. 122b tHf- Eintritt nur gegen Vorzeigung der Einladung gestattet. Zahlreiche» Erscheinen erwünscht Der Vorstand. ©. Dannheuser, Vorsitzender, Alte Jakobstr. 21/22. �pezSaT ttu.wtyiuuujt, ,,«.111 nuii Dr.Homeyer' arzt s. Haut- und Harnleiden, nero.Schwäche,„Ehrlich BOB« usw. u. So. konz. Laborai. f. Blut. Untersuchung., Faden i. Harn usw. flisdsiebstl. 81, iÖÄ«, Spr. 10—2, 5—8, Sannt. 11—2. Honorar mästig. auch Tcilzahl. 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Ges. 3BEKL1X, Leipziger Straße 98. p- Läden in den verschiedenen Stadtteilen.| ♦ □ □□ Theater und Vergnügungen Donnerstag, S. Sept. 1012. Anfang VI, Uhr. Jtfll. Opernhaus. Carmen. Sgl. SchaufPielhanS. Die Welt, in der man sich langweilt. Deutsches. Penthesilea. DeutschesSchauspiclhaus.Egmont. Prater. O diese Berliner. Aniang 8 Udr. Urania. Daubenftrafte 18119. Von Meran zum Oriler. Lessiug. Gudrun. ztaniuierspirle. Mein Freund Teddy. Berliner. Eiosie Rosinen. Uöniggräher Strafte. Die süns Franfsurter. UlciucS. Der Unverschämte. Der Arzt seiner Ehre. LottchenS Geburtstag. Montis Operetten. Der liebe Augultin. Schiller O. Nachruhm. Sctrlli>•(fbarlotteubuta. Die Lofalbahn. Die Medaille. Siefidenz. Der Herr von Nr. 10. Thalia. Auloliebchen. Luisen. Alpenfönig und Menschen- seind. Herrnfeld. Wie man Männer bessert. Die Original-KIabrias- Partie. Trianon. Die Briestasche. Ein peinlicher Zwischensall. Der Dieb. Metropoi. Schwindelmeier u. Co. Wintergarten. Spezialitäten. Apollo. SvezialitSteir Passage. Spezialitäten. Eafino. Der Grosisürst. Reichshallen. Stetliner Sänger. Die Macht der Töne. Anfang 8'/, Uhr. Luftspielhaus. Ein Königreich m. b. tz. Friedr.- Wilh. Schauspielhaus. Die teusche Susanne. Rose. Die goldene Eva. Walhalla. Nur nicht drängeln. Folie« Caprice. Der le'usche Joseph. Der Rehbock. Ansang 10 Uhr. «dwiralspalaft. Eisballett: Yvonne. »* Sternwarte. Jnvalidenftr. 57—62. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Große Rosinep. sdMiliiiesliWMmMe Abends 8 Uhr: vis 8 Frankfurier. Schiller-Theater OÄr: Donnerstag, abends 8 Uhr: Kachrnhm. Freitag, abends 8 Uhr: Die Haubenlerche. Sonnabend, abend» 8 Uhr: Die Gefährtin— Paracelsus. _ Der grüne Kakadu._ Schiller-Theater"VC" Donnerstag, abends 8 Ubr: Die Lokalbahn.— Die Medaille. Freitag, abends 8 Uhr: Die Gefährtin— Paracelsus. Der grüne Kakadu. Sonnabend, abends 8 Uhr: Vachrnhni. Rtsldcilj-Theüln. 8 Uhr: Der Herr von Ur. 19. Schwank in 3 Akten von Keroul und Barr». Morgen und solgeude Tage: Der Herr von Nr. 19. Montis Operetten-Theater (früher Kienes Theater) 8 Uhr: Der liebe Augustm. Operette von Leo Fall. Luisen-Theater. Abends 3 Uhr: Der Alpenköing und der Menschenfeind. Freilag: Der WalzerkSnig. Sonnabend: Der Alpenkönig und der Menschenfeind. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Anua-Lise. Oeutsches Schauspielhaus (Komische Oper). yg Egmont- OSE=THEATE| Große Frankfurter Str. 132. Die goldne Eva. Ansang 8'/, Uhr. Aus der Gartenbühue: Juhul ES ist erreicht: Gr. Revue Ah 8 Uhr Euchen Ist die Parole k 4 Schwestern Baby Humorist, akrob. Potpourri. M. Vega Trio der Gipfel der Komik. Wunderpapagei Eore und 8 weitere Novitäten. £essing-Theater Schönherr: Glaube u. Heimat. Die Tragödie eines Volkes. Thalia-Theater Dreyer: Des Pfarrers Tochter von Streladorf. Schauspiel in 3 Aufzügen. Abendahteilungen Deutsches Schauspielbaus. 71/, Uhr; Goethe: Egmont. Oeutsehes Schauspielhaus Goethe: 21;, Uhr; Egmont. Residenz-Theater Dumas: Francillon. Schauspiel in 3 Aufzügen. Kermfeld-Theater Strindberg: Der Vater. Trauerspiel in 3 Aufzügen. Die Verstellungen, die bisher im Neuen Schau- spielhause gegeben wurden, linden bis auf weiter es im Dentschen Schanwpiclhause, Friedrich- Straße 104(an der Weidendammer Brücke) statt. Anlang der Vorstellung im Deutschen Schauspielhause Uhr Der Abendvorstellungen 7V2 Uhr. Die Mitgliedskarten müssen aus den Zahlstellen ah- feholt werden. Neue Mitglieder können sich in allen ahlstellen melden. 213/10 Der Torstand. I.V.: G. Winkler. -•OCISCHER garten Täglich: Großes Militär- Doppel-Konzert. Eintritt 1 Bark, von abends 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter ,10 Jahren die Hälfte. Casino-Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr Ein lustiges Stück a. d. Berl. Leben Der Großfürst. Vorher ein auserwählter Spezialitätenteil, nur Künstler ersten Ranges. Vorverfaus an der Theaterkasse von 11—2 Uhr. Sonntag 3'/, Uhr: Der stille See. G. m. b. H. Koppcnstr. 30. Eröffiiuiig Sonnabend, T, September. Anfang 6 Ehr. Entree 30, 50, 80 Pf. Trianon-Theater. Ansang 8 Uhr.„Die Brieftasche". „Ein peinlicher Zwischenfall-. »Der Dieb*. Metropol-Tlieater. et Phant.-mustk. Komödie in 3 Alt. aus d. Engl, völlig frei bearb. von I. Freund. Musik von R. Nelson, u. a. Tänze von W. Bsihop. In Szene ges. v. Dir.Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestaltet. MM» tfie man Männer bessert! Die Original- Klabrias-Partie Beide Stücke mit Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf 11—2(Theaterkasse.) Passage-Thealer. Gastpiel der Sieben Spaltnincher „Da tut sich was." Große Meiroparodie-Revue nach dem Englischen aus dem Französischen ins Dämliche übersetzt von Schmolius Feind, Musik von Victus Limburger, in Szene gesetzt von Direktor Ricardo Shoullscz. Jean Pedro, Fratzi Massievy, Laatsoh Messing, pepi Pepipi, Kehn Erzbishop, Luide Quietscher. Pfeifen überall gestattet! Reicbsbaiien-Theater Stettiner Sänger. Mi* � eu' Die Maebl MM der Töne. SkXTl Burleske ÄW,"■ Meysel. Anfang 8 Uhr, Sonntags Tl, Uhr. 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Zweieinhalb Stunden südlich von dem am herrlich romantischen Schwielow-See in idyllisckier Schönheit gelegenen Dörfchen Ferch, das besonders den Ausslüglern und Wanderen der Großstadt bekannt ist, liegt hart am Saume des sich bis hier hin erstreckenden schönen Kiefernwaldes das bis vor zehn Jahren völlig unbedeutende und daher auch dem Berliner nur wenig bekannte Städtchen Beelitz. Erst als die Landesversicherungsanstalt Berlin einen großen Komplex inmitten dieses Waldbestandes angekauft hatte, um eigene Heilstätten für ihre Versicherten zu bauen, wurde dieses Blümchen der Mark aus dem Verborgenen gezogen. Dieses, durchs die Berlin— Nordhausener Bahnstrecke einer, und der Landstraße Ferch— Beelitz anderer Richtung in vier Teile ge- teilte, mit zahlreichen Gebäuden bebaute Terrain bildet eine Stadt für sich. Die von meisterhafter Hand angelegten und gut gepflegten Parkanlagen, die sorgfältig ausgeivählten Sträucher und Blumenarten, deren eine die andere vom frühesten Frühling bis in den spätesten Herbst hinein mit ihrer Blütenpracht ab- lösen, geben dem Ganzen ein schönes idyllisches Aussehen und erweckt von draußen den Anschein, als sei dies eine Villen- kolonie für vornehme Herrschaften. Als vor zehn Jahren, am 15. Juli 1902, die Lungenheilstätten eröffnet wurden(die Sanatorien waren bereits schon im Mai eröffnet worden), konnte der Vorstand der Landes- Versicherungsanstalt Berlin wohl mit einem gewissen Stolz das Werk betrachten und unzählige Vertretungen der vcr- schiedeusten Körperschaften bis hinauf ins Ministerium waren zur Besichtigung eingeladen und auch erschienen. Allseitig wurde anerkannt, daß hier allen Ansprüchen, die an eine Heil- stätte gestellt iverden können, in der vollkommensten Weise Rechnung getragen sei. In kurzer Zeit wurden sämtliche Betten belegt und weitere 300 Personen, 200 männliche und 100 weibliche, freuten sich des„Glücks", nach monatelangem Warten endlich hinausgekommen zu sein. Obwohl die Aufenthaltsdauer in den Lungenheilstätten nicht über 13 und in den Sanatorien nicht über acht Wochen ausgedehnt wurde, so daß nach Ablauf dieser Frist immer wieder neue Patienten hinausgeschickt wurden, konnte doch immer noch nicht allen Antragstellern in genügender Weise Rechnung getragen werden. Es wurde als- bald für die Lungenkranken mit dem Neubau von weiteren Pavillons begonnen. Im Herbst 1907 wurden L III mit 300 männlichen und K IV mit 280 weiblichen Pfleglingen belegt, so daß seit dieser Zeit nicht weniger als 1200 kranke Menschen dauernd die gesamten Heilstätten bevölkern.> Da außer der ärztlichen Behandlung und gesamten Ver- pflcguug allen Kranken auch Kleidung und Schuhzeug ge- währt wird, so sind außer dem notwendigen Pflege- und Hauspersonal auch eine Anzahl Handwerker in eigens dazu hergerichteten Werkstätten tätig,, wie Maschinisten, Heizer, Maurer, Maler, Schlosser, Tischler, Schuhmacher und Schneider, uni alle in ihr Fach schlagenden Arbeiten auszuführen. Zwei Barbiere haben überniäßig zu tun. um nur den an sie ge- stellten Ansprüchen zu genügen. Als ganz besonders notwendig aber stellte es sich heraus, zur besseren und billigeren Beschaffung der Mundvorrätc eine eigene Bäckerei und Schlächterei zu schaffen, welche ebenfalls seit 1907 in Betrieb sind. und mancher Mißstand auf diesem Gebiete dadurch als beseitigt gelten kann. Eine gut angelegte Kanalisation, welche mit 20 Meter natürlichem Gefälle auf einem von der Stadt Beelitz zum Zwecke>er Berieselung kostenlos hergegebenen, rechts an der Ehausste zwischen Beelitz und Räsdorf liegenden Gelände mündet, ist deshalb der be- sonderen Beachtung wert, weil die Abflußgewässer darin noch zirka 15 Grad haben und somit zum Gedeihen des so früh- zeitig auf dem Berliner Markt erscheinenden, sattsam bekannten „Beelitzer Spargels" beitragen. Auch ein eigenes Postamt «lachte sich notwendig, das gleichsam, wie auch die gut an- gelegte Restauration(deren ausgedehnte Räumlichkeiten.der Arbeiterschaft leider nicht zu Versammlungen hergegeben werden), sind den Bedürfnissen zeitgemäß errichtet worden. Das letztere läßt sich aber von der nur sehr wenig besuchten Kirche nicht sagen; dieselbe war zivar sehr früh fertig, steht wohl aber mehr zum Vergnügen der Einwohner da. Eine stattliche, dicht am Bahnhof gelegene Gärtnerei sorgt für die sich immer wiederholende Auswechselung der innerhalb der schönen Parkanlagen sich zahlreich befindlichen Blumen- bcete, so daß dieselben fast ununterbrochen in voller Blüte prangen. Ferner bietet die aus Angestellten der Anstalt sich zusamniensetzende und mit moderneu Lösch- und Rcttungs- gcrätcn ausgerüstete Feuerwehr genügenden Schutz. Auch der Eisenbahnfiskus dürfte trotz der Fahrpreisermäßigung für Heilstättcnpfleglinge die ihnen für die Hin- und Rückfahrt ge- währt werden, sehr gut dabei abschneiden, denn der starke Verkehr an den Besuchstagen sichert ihm eine gewiß nicht un- willkommene Einnahme. So haben sich denn die Heilstätten-Beelitz in den zehn Jahren zu einer richtigen, wenn man sagen darf, Schwester- ftadt, der eine gute Stunde südlich gelegenen kleinen Land- stadt entlvickelt und dadurch nicht nur deren Namen zu einer öffeiltlichen Berühmtheit erhoben, sondern auch deren Wirt- schastliche Lage günstig beeinflußt. Ein großer Prozentsatz der vielen Angestellten hat dauernden Wohnsitz dort ge- nommen und auch die in den Heilstätten selbst wohnenden Angestellten und Aerzte, wie die ganzen Anstalten überhaupt, sind ja ihrer Kommunalverwaltung einverleibt und iverden von dieser auch, wie selbst von hochstehenden Angestellten be- hauptet wird, als eine melkende Kuh betrachtet. Denn wie sie sagen, beträgt der Kommunalsteuerzuschlag nicht weniger als 160 Prvz., und da ihr Einkommen ru barem Gelde be- steht, müssen sie ganz anständig berappen, während jene Herren mit ihren zum Teil ländlichen Besitzungen erst das versteuern, was sie auf die Sparkasse tragen. Doch hoffen sie durch einen kräftigen Vorstoß bei den nächsten Neuwahlen einigen Einfluß auf die Verwaltung zu gewinnen. Von außen betrachtet sehen wir also nicht nur eine gedeihliche Entwicklung der Anstalten selbst zum Wohle der versicherten Kranken, sondern wir sehen auch zugleich eine günstige BcciUflusjuug der wirt- schaftlichen Verhältnisse in der näheren Umgebung, zu ivelcher auch die etwa aU Stunde nördlich gelegene, in Ausdehnung begriffene Kplyme„Fichtenwgldc" gehört, So oder ähnlich können und werden auch viele urteilen, die gewohnt sind, jede, insbesondere zugunsten der Arbeiter- schaft geschaffene Einrichtung nur Von der besten Seite zu sehen. Und mancher Angehörige der besitzenden Klassen, der Gelegenheit gehabt hat, persönlich dieses alles in Augenschein zu nehnien, wird leicht bereit sein, in eine Lobeshymne ein- zustimmen über die großen Wohltaten, die hier der Arbeiter- klaffe durch die Reichsversicherungsordnung gewährt werden. Mancher wird wohl gerne geneigt sein, diejenigen zu beneiden, die das„Glück" haben, sich hier zu ergehen, und der Be- fürchtung Raum geben, sie könnten sich dadurch der „Arbeit entwöhnen". Begnügen wir uns aber nicht mit ober- flächlichen Betrachtungen, sondern nehmen wir fieseren Einblick in das Innere dieser an und für sich gewiß lobenswerten Einrichtungen auf dem Gebiete der Sozialgesetzgebung, dann finden wir auf den ersten Blick, daß die vielen hunderte darin befindlichen Pfleglinge, trotz allem Komfort, trotz aller noch so schönen Einrichtungen sich verdammt wenig glücklich fühlen. Nur zu gut wissen sie, daß ihnen hier von irgendeiner Seite eine Wohltat nicht erwiesen wird, sondern daß sie selbst die Grundlage hierzu geschaffen haben. Sie befinden sich hier auf Grund eines Rechts, das sie sich erst durch jahrelanges Zahlen von Beiträgen erworben haben. Sie wissen, daß ein gewisser Prozentsatz des verdienten Lohnes der gesamten Arbeiterschaft Berlins dieses Werk nicht nur geschaffen hat, sondern auch lebensfähig erhält. Was sie aber ferner wissen und was sie am meisten bedrückt, ist, daß sie nicht mehr vollwertige Mitglieder der Gesellschaft sind und sich nur noch auf die Hoffnung stützen, es wieder werden zu können. Die zweifellose Gewißheit, an der Proletarierkrankheit(um die es sich hier zum überwiegenden Teil doch handelt) zu leiden. verfehlt ihre Wirkung nicht und löst mit klarster Deutlichkeit alle Empfindungen aus, die Professor Dr. Ernst von Lehden in folgenden Satz hierüber zusammenfaßt:„Wieviel Schmerz und Elend ist hier zu lindern, wieviel Arbeit, wieviel National- vermögen geht niit dieser Krankheit zu Grunde, wieviel Hoff- iiirng. wieviel Liebe, wieviel Elend, wieviel Schmerz und Ver- zwciflnng liegt in dieser Krankheit I" Und wenn sie dann unter dem Eindruck dieser qualvollen Empfindungen der Ursache dieser Volkssenche nachforschen, dann finden sie dieselbe in den elenden Wohnungs- Verhältnissen, ungesunden Arbeits st ätten und vor allem in der Unterernährung begründet. Ueberall und von niemand bezweifelt finden sie in Fettdruck folgendes zu lesen:„DcrMaugcl an Luft, Licht und ungenügender Ernährung sind die Hauptursacheu, denen wir die schreckliche Ver- breitung dieser Volksseuche verdanken." Und in klarer Erkenntnis der Dinge richtet sich dann eine furchtbar schwere Anklage gegen die heutige kapitalistische Gesellschaftsordnung; denn nur s i e ist einzig und allein schuldig, indem sie ihnen alles das vor- entbält. So lüftet sich denn immer mehr der heilige Nimbus in Gestalt einer Wohltat von dem stolzen Bau,, und übrig bleibt— ein Sühne-Altar, dey die kapitalistische Gesellschaft errichtet hat, um wenigstens zu einem geringen Teil die von ihr an der Arbeiterschaft begangenen Verbrechen zu sühnen. Und stehen denn auch die„Heilstätten Beelitz" trotz der guten und gewiß erfreulichen Erfolge, trotz des gelinderten mannigfachen Elends und Schmerzes, mit der erschrecklich hohen Freqnenzziffer ihrer Kranken, die doch leider nur immer erst einen Bruchteil der in Berlin vorhandenen darstellen, als ein lebendiger Zeuge für die von der kapitalistischen Gesellschaftsordnung an der Menschheit begangenen Sünde dar. Dieser Bau, aus dessen Innern Stöhnen und Seufzen laut und vernehmlich hervordringt, ist ein Denkmal, welches als Sammelpunkt für die Opfer der Unkultur gilt und an die heutige gottgewollte Gesellschaftsordnung die dringende Mahnung richtet, einer anderen— einer besseren—. der sozialistischen Platz zu machen. Das Betrete» städtischer Waldungen verboten. Die„National- Zeitung" berichtet:„Die Berliner Verwaltung der Stadtgüter hat das Betreten ihrer Forsten bei Bernau verboten. Die Forsten bei Sckönivalde, Rüdnitz, Scköiww, Ladeburg usw. dürfen von Un- befugten, d. h. Berliner Ansflüglern, nickt besteten werden. Da das Betreten der angrenzenden Bernauer Stadlforsten, die übrigens ganz bedeutend schöner und wertvoller sind, trotz der mehr- sacken Waldbrände erlaubt ist, kommen die Berliner beim Ueber- schreiten der Waldgrenzen, die nicht markiert sind, oft in un- angeiichme Lagen. Man darf in den Berliner Waldungen auch keine Pilze sammeln. Waldwärter schreiben jeden auf, der sich dort auf den Rieselfeldern verläuft. Andere als verlaufene Berliner kommen nämiick wegen der zahlreichen Warnungstafeln nicht mehr dorthin. Zwischen diesem Verbot und dem Bestreben, einen Wald- und Wiesengürtel um Berlin für die Grotz-Bcrliner zu schaffen, be- steht ein kaum zu überbrückender Zwiesyalt." Der Magistrat hat die dringende Pflicht, sich zu der Sache zu äußern und, wenn die Behauptungen zutreffen, sofort Remedur ein- treten zu lassen. Zum 7. Preußische« Städtctag, der am 8. und 9. Oktober in Düsseldorf stattfindet, hat die Stadt Berlin neun Vertreter zu stellen. Der Magisttat will vier seiner Mitglieder ent- senden und ersucht die Stadtverordnetenversammlung, die übrigen fünf Vertreter aus ihrer Mitte zu wählen. Die Tagesordnung des Städtetages ist folgende: 1. Wasser- gesetz(Berichterstatter: Senator Dr. Weber-Hannover, Stadt- rat Dr. Luther-Magdeburg, Erster Bürgermeister Dr. Becker- Minden); 2. Statuten und Anstellung eines Geschäftsführers im Hauptamt(Berichterstatter: Oberbürgermeister Körte- Königsberg); 3. Vcrwaltungsreform und kreisangehörige Städte(Berichterstatter: Oberbürgermeister Dr. Wilms-Posen, Bürgermeister Plaßmann-Paderborn, Bürgermeister Pieper- Rastenburg). Berliner Asylvcrein für Obdachlose. Im Monat August nächtigten im Mämierasyl 15 128 Personen, wovon 8000 badeten, im Frauenasyl 2296 Personen, wovon 483 badeten. Arbeitsnachweis wird erbeten für Männer: Wiesenstraße 55/59; für Frauen: Kolberger Straße 32. Ein sünfundzwanzigstes Kind wurde in Berlin im Juli dieses Jahres, wie das Berliner Statistische Amt in den jetzt veröffent- lichten Julitabellen mitteilt, von einer noch nicht vierzigjährigen Frau zur Welt gebracht. So reicher Kindersegen ist sehr selten, doch steht selbst diese Zahl noch keineswegs als die höchste da, die in Berlin erreicht worden ist. Aus neuerer Zeit ist bekannt, daß hier im Jahre 1899 eine Frau ein 26. Kind und im Jahre 1901 eine Frau sogar ein 28. Kind zur Welt brachte. Gezählt werden bei diesen vom Berliner Statistischen Amt zusammengestellten Geburtenfolge- Slatistiken nur die ehelich geborenen Kinder, mitgezählt werden aber pnch die tot geborenen. Druckfehlcrberichtigung. In der Notiz über die einem Teil des Krankenhauspersonals der Stadt Berlrn zugedachte Lohnerhöhung ist statt„Licht. Logis und Arbeitskleidung" zu lesen: „ K o st. Logis und Arbeitskleidung". Da« Bureau des 4. Wahlkreises bittet uns mitzuteilen, daß die Billetts zu den Philharmonischen Konzerten vollständig aus- verlaust sind. Ein erschütterndes Drama hat sich vorgestern im Norden der Stadt: abgespielt. In dem Hause Graunstr. 41 vergiftete die Näherin Ida- Otkenga ihren achtjährigen Sohn Kurt und sich selbst mit Gas.. Während der Knabe den Wirkungen der giftigen Gase erliegen sollre, wurde die Mutter in fast hoffnungslosem Zustand nach der Chariw gebracht. Kranlheit und Entbehrungen haben Frau O. zu dem un- seligen Schritt getrieben. In der M-rdsachc Stein, jener mysteriösen Mordaffäre, die sich jenseits der deutfchen Grenze in dem sranzösischen Dorfe A r n o u-- ville abgespielt hatte, dürfte sich die bei dem Berliner Land-- gericht III schwebende Voruntersuchung noch längere Zeit hinziehen.. Diese Mordaffäre ist eine der mysteriösesten, welche die Krimmal-- geschichte auszuweisen hat. Wie seinerzeit mitgeteilt, steht der. 42jnhrige Dreher Stein aus Borsigwalde in dem Verdacht, leine 25jährige Nichte, mit der er angeblich ein Liebesverhältnis unter- hielt, in dem Walde von Arnouville durch Messerstiche ermordet zu habe». Stein selbst bestreitet mit aller Entschiedenheit, einen Mord begangen zu haben, und gibt folgende Darstellung der Tat. Seine Nichte habe zwei Liebesverhältniffe gehabt, und zivar mit einem Offizier und mit einem Kaufmann. Da sie den Offizier liebte und sich der Heirat mit dem Kaufmann große Schwierigkeiten entgegenstellten, so hätte sie schon seit längerer Zeit an Melancholie geliiten. Als er im Juli d. I. nach Metz fuhr, um: die Nichte und deren Verwandte zu besuchen, habe er eines Tages, einen Ausflug nach Arnouville, einem kleinen sranzösischen Dorfe,. gemachl und dort mehrere Flaschen Sekt getrunken. Auf dem Heim- wege hätte sich das junge Mädchen wegen ihres Liebeskummers wie wahnsinnig gebährdel und ihn unter Tränen gebeten, sie zu toten, da sie selbst nicht de» Mut habe, sich das Leben zu nehmen. Er habe sckließlich den Bitten des Mädchens nicht widerstehen können und unter dem Einfluß des genosfenen Champagners die Tat verübt. Im direkten Gegensatz hierzu stehen die bisherigen Ermittelungen der Behörde. Diese haben ergeben, dah Steil! das Mädchen schon � seld. längerer Zeit mit Liebesanträgen verfolgte, die aber zurückgewieicir wurden. Als er erfuhr, daß ieine Nichte die besten Aussichten hatte,. sich zu verheiraten, soll er sofort von Borsigwalde nach Metz ge- fahren sei» und seiner Nichte eine furchtbare Eisersuchtsszene gemacht haben. Er soll da»» das Mädchen unter dem Vorwande, einen Aus- flug zu machen, über die deutsche Grenze gelockt und dcmn im Walde das Mädchen kaltblütig niedergestochen haben. Es ist deshalb An- klage wegen Mordes gegen ihn erhoben worden, die bor dem Schwurgericht des Landgerichts III zur Verhandlung kommen wird. Für Stein, der sick in dem Moabiler Untersuchungsgefängnis in Haft befindet, ist vom Rechtsanwalt Bahn der Antrag gestellt worden, ihn in ein Krankenhaus zu überführen, da St. schwer lungenkrank und deshalb nicht haflfähig ist._ Zugentgleisung a»f dem Kleinbahnhof Spandan-West. Durch falsche Weichenstellung ist Dienstagabend der Personenzug der Kleinbahn dicht vor der Station Spandan-West am Schlachthos der Stadt Spandau zun, Entgleisen gebracht worden. Zwei Per- soncuwagen sowie die Maschine sprangen aus den Schienen. Glück-- lichcrweise waren nur wenige Passagiere in dem Zuge, sodaß vorr diesen«fit' sine Fvan VürN MaNpli tieLj vetletzt wurde. Dägegeir erlitte» vom Zugpersonal der Lokomotivführer Rath und der Heizer Kruscmark erheblichere Verletzungen, sodaß sie in das Spandauer Krankenhaus geschafft werden mußten. Ihr Befinden ist jedoch keineswegs bedenllich. Die Maschine ist bereits wieder von der Unfallstelle beseitigt imd die Strecke frei. Der Staatsanwalt weilte gestern vorinntag mit einer Gerichtskommission an Ort und Stelle, um den Tatbestand aufzunehmen. Eine schreckliche Ueberraschung wurde vorgestern einem jungen Manne bereitet als er von der Arbeit nach seiner Schlafstelle in der Zossener Straße 30 heimkehrte. Der Mann wohnte dort bei einer 73 Jahre alten Witwe Luise Mathesius geborene Schröder und deren 40 Jahre alten Sohne Otto, einem Arbeiter. Dieser lag. als der Schlafbursche die Wohnung betrat, tot auf dem Sofa, seme Mutter sckwer röckelnd in ihrem Bette. Ein Arzt konnte bei Otto Mathesius nur noch den Tod durch Lyiolvergiftung feststellen, die Mutter ließ er nach dem Krankenhause bringen, wo sie noch bewußtlos daniederliegt. Den Tod im Wasser suchte gestern abend um 8Vz Uhr ein unbekanntes Mädchen, das am Tegeler Weg vor dem Hause Nr. 17 irr die Spree fiprang. Die Lebensmüde wurde von vorübergehendetr Leuten gerettet und nach dem Krankenhaus Westend gebracht. Dort liegt sie noch besinnungslos darnieder. Die Unbekannte ist ungefähr 20 Jahre all. 1,68 Meter groß, hat blondes Haar und trug einen schwarzen Rock, eine weiße Bluse, schwarze Strümpfe und ebensolche Knopfstiefel mit Lackspitzen. Als Leichen wurden gestern zwei unbekannte Männer aus dem Landwehrkanal gelandet, der eine an der Potsdamer Brücke, der andere vor der Königin-Augusta-Straße. Ob Selbstmord oder Unglücksfälle vorliegen, weiß' man nicht. Der Tote, dessen Leiche man an der Königin-Augusta-Straße landete, scheint dem Arbeiter» stände angehört zu haben. Er ist ungefähr 20 Jahre alt und 1,70 Meter groß, hat blondes Haar und ein bartloses Gesicht und trug einen graugestretsten Jackeltanzug und schwarze Lederschuhe. Die Leiche des unbekannten Mannes, die zwei Schutzleute mit Boots» hacken an der Potsdamer Brücke aus dem Landwehrkanal landeten, hat schon längere Zeit im Wasser gelegen. Der Tote scheint früher Schiffer geweien zu sein. Er ist ungefähr 25—30 Jahre alt, hat langes, blonde« Kopfhaar und trug einen graugeftreisten Jackett- anzug und ein fchwarzwciß gestreiftes Hemd. Arbeiter-BildungSschule Berlin. Lehrpläne sind von heute abend an in der Bibliothek zu haben. Sonntag, den 8. September: Ausflug»ach Zehlendorf nebst Partie nach der Krummen Lanke. Abfahrt des Zuges nach Bahnhof Zehlendorf-Mitte(Wannseebahn» Hof) 8.20 Treffpunkt für Nachzügler bis 10 Uhr Restaurant„Waldes- lust"(Jnh. B. Micklei), Potsdamer Str. 25. Von 1 Uhr mittags ab: Wilhelm Micks Gejellschaflshaus, Karlstr. 12 in Zehlendorf. Präzise 3 Uhr findet eine Besichtigung des Erziehungsheims„Am Urban" statt, und ersuchen wir die Teilnehmer, sich bis spätestcuS 2Vz Uhr in zuletzt angegebenem Lokal einzufinden. Ein Dachstuhlbraud wurde gestern früh um 6 Uhr von der Pappelallee 47 gemeldet. Dort stand der Dachstuhl eines größeren Wohnhauses, eines von vielen kleinen Mietern bewohnten Ouer- gebändcs in Flammen. Der Feuerwehr gelang es, den Brand auf den Dachstuhl zu beschränken. Von dem Hausrat der Mieter ist viel vernichtet. Die Entstehung des Feuers wird auf Brand» stiftung zurückgeführt. In einem zweiten Fall, Liebenwalder Stt. 56, gelang eS dem 23. Löschzuge durch sein schnelles Eingreifen, die Brand- stiftung festzustellen. Als Brandmeister Thomsen auf der Brand- stelle ankam, brannten auf dem Boden mehrere Bodenverschläge mit altem Hausrat und Brennmaterialien an mehreren Stellen, die nicht miteinander in Bcrbindiuig standen. Es gelang somit, die Brand- stiftung mit Sicherheit zu ermitteln. Durch andere Momente wurde dieser Verdacht noch bestätigt. Von dem Täter fehlt aber noch jede Spur, obgleich die Polizei sofort Ennittelungen augestellt hat. Drei Häuser weiter, in der Liebenwalder Str. öS mutzte fast gleichzeitig ein WohnungSkrttttd gelöscht werden. Kohlen, SpinKn, der Jubbode» u. a. brannten dort.— Ferner hatte dk Wehr Unter den Linden 16 zu tu», wo i» einer Wohnung Kleider u. a. brannten. In der Meineler Str. 23 brannte die Trevve und in der MüLenhoff- strasze 10 Matratzen. Wäsche u. a. in einer Wohnung. Das Bpollotheater hat sein Septcmberprogramin nm einige gute Barietsnummern bereichert. Besonder» reich ist diesmal die Akra- batik und Gymnastik vertreten. Als Minialursoubrette debütiert wieder Lilli Schreiber. Staunenswerte Klelterleistungen vollfiihrt das Nathel-Trio. Wiltens-Scbulhaff erweisen s.ch in zwei lleineren Pieren als nichtige Dnettisten. und das deutsch-amerikouische Männer- quartett verfügt über gutes Stimmateriak. Zengen gesucht. Diejenigen Personen, die am 30. August, abends O'/i Uhr, vor dem Hause JoachimSthaler Str. 1, am Bahnhos Zoologischer Garten, die Karambolage eines Siadsahrers mit einem Privatauto beobachtet haben, werden dringend gebeten, ihre Adresse an Hugo Schelcr, Zimmerer, Beclin-Lankwitz, Frobcnstr. 20, ein- zusenden. Verloren hat am Sonnabend, den 3l. August, abends zwischen 7 und 8 Uhr. aus dem Wege von der Schönwalder Straße nach der Plantagcnstraße eine arme Frau ein Portemonnaie mit 7,80 Mark. Der Finder wird gebeten, dasselbe bei Schwierz, Reinickendorf, Pankower Allee 64, abzugeben. Vorort- Nadmcbten« Die proteftverlammlungen gegen den Lebensmittelwuchcr. In einet Anzahl Vorq-rde fanden am Dienstag abend impo- sante Pratestversamockingen gegen die hcvrschenjde Teuerung statt, über die in der gestirigen Nwuuner des.Bortvärto" nicht mehr be- richtet werden konnte. Im folgenden tragen wir dieselben nach: Stralau. In den Markgrafen sälen referierte Genosse Dupont vor 80V Personell. Reben der vorgeschlagenen Resolu- tion wurde noch folgende Resolution einstimmig angenommen: „Der Gemeindevorsteher wird aufgefordert: 4. An den Bundesrat und Reichstag eine Eingabe zu richten, in der unter Darlegung der herrschenden Rotlage gefordert wird: die sofortige Aufhebung der Zölle auf Bieh, Fleisch, Getreide und Futtermittel, der Grenz- sperve für die Einfuhr von Schlachtvieh, des 8 12 des Fleisch- beschaugesetzes, der Einftihrscheinc; 2. gemeindliche Einrichtung— eventuell in Verbindung mit anderen Gemeinden— zur Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln zu schaffen." In Reinickendorf- Oft betrug die Besucherzahl 1000 Personen. Referent war Genosse Karl Jahn, der starken Beifall fand. Rrinickendorf-Weft. Die Versammlung war von 800 Personen besucht, darunter die Hälfte Frauew. Die Anwesenden folgten mit regem Interesse den trefflichen Ausführungen des Reichstagsabge- ordneten Hermann I a e ck e l und zollten am Schlüsse lebhaften Beifall. In Tegel war die Versammlmlg von über 1000 Personen besucht. Ter Referent Genosse Mermuth legte seinem Portrage die Auffassung, des Aristoteles, vom Staat zugrunde:„Der Staat ist ein Rerein V o n G l e i che n, zum Zweck des besten Lebens." Die Tatsache, daß sich die angebliche Kulturnation Deutschland an dem Motto des griechischen Geisteshelden versündig«, entfesselte unter den Versammelten zuweilen lebhafte Protestkundgebungen. Frledrichsfelde. Seit langer Zeit hat keine so gut besuchte Versammlung hier stattgefunden. Ter große Saal von Bürger ivar überfüllt. Mehr als 600 Personen waren anwesend. Nach einem vom Gesangverein„Vorwärts" vorgetragenen Liede refe- rierte Genossin L u n g w i tz unter lebhaftem Beifall der Ver- sammelten. NosentHal. Die Versammlung bei C. Deutschmann, Wilhelmsruh, Hauptstr. 1. wies eine Besucherzahl von S00 Personen auf. Referent war Adolf Buhl. Borsigwalde. Der Besuch der Versammlung betrug etwa 400 Prsonen, Referentin war Genossin Martha D e m N i n g, die starken Beifall fand. 'Vor 3S0 Personen sprach Genosse Jäck in Bernau. In Oranienburg protestierten 500 VersammlumgSbesucher. Das Referat hielt Genosse S i l l i e r. Johannisthal. Die Versammlung im Lindcnhof war von zirka 250 Personen besucht. Referent war der Genosse Wilhelm abel, der großen Beifall fand. Die Anwesenheit zahlreicher rauen drückte der Versammlung ein besonderes Gepräge auf. Zu einer imposanten Kundgebung gestaltete sich die Bersamm- lung in Niederschöncwctde. Der geräumige Saal des Wirtshauses „Loreley" war gedrängt voll. Das Referat des Genossen Fvanz Thurow wurde mit lebhaftem Beifall! ausgenommen. Hieraus wurden eine Anzahl Ausnahmen in die politische Organisation voll- zogen. In Alt-Glicnicke, wo Genosse C l a j u, S referierte, wav die Versammlung von 260 Personen besucht. Die Stimmung der Ver- sammelten, den Kampf gegen die volksfeindliche Wirtschaftspolitik mit größerer Energie zu führen, wurde durch zwei GesangSvor- träge des„Freien Männcrchor" noch erhöht. Die Versammlung in Grünau war gleichfalls über, füllt; Refe- rent war hier Genosse Melle. In Lankwitz war der Dohnschc Saal bis aus den letzten Platz besetzt. Die treftlichen Ausführungen des Genossen W u s ch i ck wurden von den Versammelten, unier denen besonders die Frauen zahlreich vertreirn waren, mit lebhaftem Beifall aufgenommen. In Schmargendorf sprach Genosse Fritz Carl. Nach Schluß der Versammlung meldeten sich mehrere Besucher zur Aufnahme in den Wahlverein. Copenick. Die Versammlung im Stadttheater war von zirka 2000 Personen gefüllt, besonders siel die starke Beteiligung der Frauen auf. Das Referat des Genossen Mirus wurde mit starkem Beifall ausgenommen. Eingeleitet und geschlossen wurde die Versammlung durch Gesang des„Cöpcnicker Männerchor". Etwa S0v Versammlungsteilnehmer hatten sich in Adlershof eingesunden, wo Genosse Dietrich das Referat hielt. Der Männer- gcsangverein„Frohsinn" eröffnete die Versammlung durch einen stimmungsvollen Gesangsvortrag. In Mittcnwalde sprach vor gleichfalls gut, besuchter Vcrsamm- lung Genosse Alfred S ch o l z- Neukölln. Vor etwa 1000 Versammelten sprach in Baumschulcnwcg Ge- nosse Adolf. Ritter. Der Arbeitergesangverein leitete die Ver- sammlung mit dem Liede„Sturm" ein. In Trebbin war die Versammlung von 250 Personen besucht. » Treptow. � In dem gestrigen Bericht über den Verlauf der Protestversammlung ist irrtümlicherweise als Referent Genosse Lemm angegeben. Me man uns mitteilt, war jedoch Genosse Georg Exn er Referent der Versammlung. Die Patienten der Lungenheilstätte Beelitz gaben am Dien«. tag gleichfalls ihrem Unwillen über die künstliche Lebensmittel- Verteuerung Ausdruck. Und gerade unter ihnen befinden sich eine Anzahl Arbeiter, die. wenn sie wieder die Anstalt verlassen, durch längere Arbeitslosigkeit die Teuerung empfindlich zu spuren bc- lammen. Auch die Patienten aus der Heilstätte tIransee hei Friedrichs- fhal protestierten gegen die Teuerung Charlottenburg. Elternoerein für freie Erziehimg. Sonntag, den 8. d. M., findet ein Familienausflug nach dem Grunewald statt. Treffpunkt nachmittags 2 Uhr pünktlich vor dem Bahnhof Eichkamp. Für Nach- zügler zur Kaffeepnuse in der Kantine. Auch Nichtmitglieder und deren Kinder könneil an den Ausflügen teilnehmen. Der Borstand. Stralau. Ei» schwerer Automobilinifall hat sich am Dienstagnachmitiag am Markgraseiidanim ereignet. Als gegen Vzb Uhr die 7jährige Schülerin Ida Höfft, die mit anderen Kindern auf der Straße spielte, den Fahrdamm des genannten Straßenznges überschreiten wollte, überhörte sie das Herannahen des Privatautos I ID 3210 und geriet gegen den Kraftwagen. Das Mädchen wurde umgerissen und überfahren. Die Verunglückte erlitt einen Schädelbruch, eine Gehirn- erschütterung, Bruch des Unterkiefers und innere Berietzungen. Ein in der Nähe wohnender Arzt legte der Kleinen Notverbände an. und veranlaßte ihre Ueberfnhrung nach der Charitö. Hier liegt das bedauernswerte Kind in hoffnungslosem Znstande danieder. Dabendorf bei Zossen. Die letzte Gemeindevertreterfitzung stimmte dem vom hiesigen Baumeister entworfenen Projekt des Spritzenhauses z». Dasselbe muß nuimiehr erst noch dem Kreisbamneister zur Nachprüfung überwiesen werden.— Ein vorliegendes Gesuch um Bauerlaubuis in der Trebbiner Straße wurde mit dem Hinweise abgelehnt, daß das Straßengelände noch nicht ganz abgetreten und an die Gemeinde aufgelasien ist.— Unter anderem wurde die Einzäunung des neuen Friedhofs und die Regulierung der Hälfte desselben beschlossen.— Ebenfalls wurde die Einteilung und Ausstellung der Straßenlainpeii vollzogen. Nowawes. Der Verkauf von Speiseeis, dessen Gennß schon zu Gesundheits- schädiguugen geführt hat, ist durch eine vor kurzem erlassene Polizei- verorduuiig wesentlich eingeschränkt worden. Es dürftn denmach Speiseeis sowie durch Eis gekühlte Getränke(z. B. Bier, Limonade», Setter und andere Mineralwässer) an Kinder uilter 14 Jahren auf öffentlichen Wegen, Slrahen und Plätzen zum Genuß auf der Stelle nicht mehr verlauft werden. Ebenso dürfen Personen, welche diese Geiiußmittcl feilhalten, zur Ausübung ihres Gewerbes Spielplätze während der Dauer von Bewegungsspielen weder betreten noch sich ihnen auf weniger als 200 Meier nähern. Es ist ihiie» ferner ver- boten, sich zu diesem Zweck den Schulgrundstücken während der Zeit von einer halbe» Slunde vor Beginn des Unterrichts bis eine halbe Stunde nach dessen Schluß auf weniger als 100 Meter zu nähern. Spatldau. In Harnisch gebracht hat die„Spandauer Zeitung' die in der am Sonntag stattgefniidenen öffentlichen Mililärwerkstäitenarbeiter- Versammlung vom Genossen Richter oussiestellte Behauptung. daß sie in dieser ganzen Affäre eine arbeiterfeindliche, ja zum Teil sogar denunziatorische Haltung eingenommen habe. Das Blatt schreibt: „Wenn Herr Richter sich erlaubt, mit Bezug auf die.Spandauer Zeitung", von Denunziationen zu sprechen, so kann uns das, an- gesickts der besonderen Charaktereigenschaften dieses.edlen" Herrn wirklich wenig berühren. Nur müssen wir eine solche infame Unter- stellung als eine dreiste Lüge und Unverschämtheit bezeichnen. Denunzianten und ähnliche unsailbere Elemente mögen Leuten vom Schlage des Herrn Richter sehr wcsenSvcrwandt sein und deshalb ist es ihm �wohl auch nicht möglich, bei anderen anständige Ge- sinnmig vorauszusetzen." Die.Spandauer Zeitung' hatte in Nr. 203 eine Notiz über den Erlaß gegen den Militärarbeiterverband gebracht und im An- schlug daran geschrieben: daß das Belleidungsamt in Straßburg durch den Vorsteher habe erkläre» fassen, daß Mitglieder des Vor- standes der dortigen Orlssektion, die sich im Sinne des Verbandes betätigeii, im Staatsbetriebe nicht geduldet würden. Trotzdem nun in den hiesigen königl. Jiistitntcn eine derartige Erklärung nicht ab- gegeben wurde, betonte das Blatt:.Die gleiche Tendenz dürften wohl auch die Borstände der hiesigen Militärwerk st ätten angesichts des erwähnten Er« lasses des Kriegs mini st eriums einnehmen.' Zum Ueberfluß teilte doS Blatt mit, daß der hiesige Ortsleiter des Mililärarbeiterverbandcs als Beitragskassierer für die hiesigen ver- einigten OrtSkraiikenkasscn gewählt worden sei. DaS sieht doch einer Denunziation recht ähnlich. Was die„Spandauer Zeitung' mit den besonderen Charakter- eigenschaften Richters meint, ist recht unklar. Verfügt jemand vielleicht schon über.besondere Eharaktereigenschaften", wenn er das Gebaren eines nur Unterneh m.e tintereifen dienenden Blattes, das auch in diesem Fall lein Wort der Empörung über die Knebelung der SiaaiSwertjläitcnarbeiter durch die Militätbehörde gesunden hat, richtig� lennzeichnet i lieber Rrchtr und Pflichten der heutigen Staatsbürger referierte in der außerordentlichen Generalversammlung des Wahlvereins Ge- nosse A. Fu h r m a nn. Am Schluß seines Vortrages ersuchte der Referent die Parteigenossen, dahin zu agitieren, daß jeder Arbeiter sich in den preußischen Staatsverband ausiiehnien lasse, um dadurch sein Wahlrecht ausüben zu können. Genosse Köppcn, Breite- straße 64, erteilt jedem über die Erwerbung der preußischen Staats- angehörigkeit Auskunft.— Hieraus erstattete Genosse K ö r st e n den Bericht über die KreiSgeneralversaminlung am 18. August, welcher vom Genossen Ganzer ergänzt wurde. ES setzte hierauf eine leb- hafte Diskussion ein. Mehrere Redner kritisierten daS Verhalten der Spandauer Delegierten bei der Kreisvorstaudswahl, während mehrere andere das Verhalten derselben billigten; ebenso verteidigten die Delegierten ihre Abstimmung. Genosse Scior bemängelte, daß die Kreisgeneralversammlung das Proportionalwahlshstem abgelehnt habe, trotzdem eine VertrauenSiiiännerversaininlung Spandau gewisse Ber- sprechungen gemacht habe. Weiter hätte die Konferenz den Obmann der Lokalkommission für den Kreis der hiesigen Lokalkommission übertragen müssen, weil die Arbeit ftir den Kreisvorsitzenden zu groß ist. Es werde immer geklagt, Spandau tue zu wenig für BildungS« bestrebungeii, der Kreis müsse aber mehr Geld dafür zur Verfügung stellen. Genosse K o n i tz e r ist der Meinung, daß der Antrag, den 13. Wocheubeiirag dem BildungSauSschuß zu übe» weisen, noch nicht spruchreif sei. Spandau liefere alles an die Kreislasse ab, während andere Orte mehr Geld für BilduilgSbestrebunfleil usiv. zurück- behielten. Genosse T r o m p l e r betonte, daß es nölig sei, den Ob- mann der Lokalkommission extra zu wählen, weil Spandau dadurch ein Mandat mehr erhalte. Spandau habe im übrigen ganz andere Verhältnisse und Ansprüche wie die übrigen Orte des Kreise», welche zum Teil einen ländlichen Charakter baben. Die Wahl eines zweiten Kreisvorsitzendcn muhte bis zlim 15. Oktober vertagt werden.— Es wurde noch ersucht, den vom Gcwerkschaflskartell herausgegebenen Fragebogen gewissenhaft alisznsüllen,— Nächste Woche findet Flugblatt- Verbreitung und Freiwa, de» 13. September, eine Proiestveriammlung gegen den LebenSmittelwncher tn der Brauerei Pichelsdorf statt.— Mittwoch, den 25. Septcniber, begiiint ein neuer Kursus der Samariter. Die Ortskrankenkasse der Handwerker und die Ortskrailkenkasse der Tischler planen die Zusanuiienschmelzung der Kassen mit der Allgemeinen Ortskrankeukasse. Die erstgeuaunte Kasse hält zu diesem Zweck heute Donnerstag abend im Hotel zum Stern, die OrtS- krankenkasse der Tischler am Montag abend bei Schubert eine außer- ordentliche Geiieralversammlimg ab. Mehrere kleinere Krankenkassen werden von der AillsichiSbehörde gezwungen werden, sich gleichfalls der Allgemeinen Oriskrankeukasje anzuschließen. Arbeiter-Wanderbund„Die Naturfreunde". Wanderfahrten am Sonntag, den 8. September. I. Spreewaldsahrt.(Stehe Inserat vom 1. d. M,). II. Königs-Wilsterhaiistn-Glissow(Nachtquartier)— durch die Duberow— Grotz-Beften, Abf. Görl. Bahnh, Sonnabend abends 8,40 U5t. III. Grünau— Krostinste—Fh. Krummenluch— Königs-Wilsterhausen, Abf. Görl, Bahnh, 6,40 Uhr vorm, IV. Fmkenkrug— Schwanenkrua— Spandan, Abf. Lehrter Fernbahnh, 6,30 Uhr vorm, V. Erlner— Ulleysee— Königs- Wusterhauien. Abi, Schltj. Bahnb. 6.23 Uhr vorm, VI. Sadowa— Ravenstein er Mühle— Hirschgarten, Abs, Schief. Bahnh. 1.23 Uhr nachm. VII.(Kinderwanderung) Sadowa— Friedrichshagen. Treffp. I. Bahnh. Wedding(Eing. Neltclbeckpiatz) st ,8 Uhr. II. Schles. Bahnh.«.Ecke Frucht- und Madaistraxe) 8 Uhr vorm. Gäste willkommen. Verband der Frtseurgebilfcu Deutschlands. Heute, Donners- tag, den 5. d. M., abends 9st, Uhr, Rolcnthaler Str. 11/12: Versammluilg. Boetrug des Genossen lAinger. Lese- und Tiekutterklub„Paul Singer". Sitzung jeden t. und 3. Freitag im Monat, abends 8'/, Uhr. im Lokal des Genossen Karl Beck, Samariterftraße 17. Nächst» Sitzung: Freitag, den 6. September. Vortrag. Gäste willkommen._ Gerichts-Zeitung. Mitleidige Menschen auch noch bestraft. Der Schneidermeister Albert Seysenfeld und dessen Ehe- frau Margarete S. standen gestern unter Anklage wegen Vergehens gegen das Fnri'orgeerziehungsgesetz.— Am 3. August d. I. entwichen zwei in der Erziebnngsanstalt Kleinbceren untergebrachte Mädchen iiameiiS Sch. und I. und wanderleii zu Fuß nach Berlin. Sie kamen hier»nitten in der Nacht an und suchten die ihnen von ftüher her bckaniilen Angellagten Seysenfeld auf. Wie S. behauptet, habe er es erst abgelehnt, die beiden Mädchen aiifznnehmen. Erst als diese ihm erklärten, daß sie dann sich in der Fricdrichstraße jemand suchen würden, der ihnen Aufnahme gewähre, Hobe er sie auf- geiioninien. Er habe es dann nicht über das Herz bringen können. zur Polizei zu gehen und die Mädchen anzuzeigen, weil diese ihm die schlinimsten Dinge über das Leben in der Erziehungsanstalt erzählt hätten. Am nächste» Tage verließen die beiden Mädchen die Wohnung der Angeklagten und trieben sich umher, bis sie in völlig verwahrlostem Zustande von der Polizei wieder aufgegrissen wurden. Für den AngeUagteii hatte ihr Mitleid mit den Mädchen sehr üble Folgen, denn der Staatsanwalt beantragte gegen sie je zwei Wochen Gefängilis. Rechtsanwalt Dr. Schwindt beantragte, die Angeklagten noch mit einer Geldstrafe davoilkommeu zu lassen, da sie lediglich durch ein vielleicht unangebrachles Mitleid auf die Anklagebank gc- kommen wären. Das Gericht erkannte dementsprechend auch nur aus je 3V Mark Geld st rase. Dem gesunden Sinn jede» rechtlich denkenden Menschen wird es nicht einleuchlen können, daß im vorliegenden Falle eine Bestrafung erfolgen konnte._ Ei» fingierter Einbruchsdiebstahl, durch den eine VersicherliilgSgeiellschaft betrogen werden sollte, be« schäsiigte gestern die 1. Fericustraftammer des Landgerichts l. An- geklagt wegen Diebstahls und Betruges waren die Handlungs« gehilfen Hermann und Alfred B. und der Trödler H. Der An- geklagte H. betreibt in der Lilguststraße einen Trödelladen, i» welchem die beiden Aiigeklagteii B. als.Anreißer" tätig waren. Am 5. Juli d. I. erschien H. auf dem zuständigen Polizeirevier und er- stattete Anzeige, daß in der voraufgegangenen Nacht in seinen Geschäftsräumen ein Einbruch verübt worden sei. Gestohlen wären ihm 835 M. bareS Geld und außerdem Sachen im Werte von 250 M. Ein Polizeibeamter, der eine Besichtigung des.Tatortes" vornahm, kam durch verschiedene Anhaltspunkte zu einem bestimmten Verdacht. In niehreren Vernehmungen verwickelten sich H. und die bei ihm beschäftigten Brüder B. in Widersprüche. LlS ihnen schließlich gesagt wurde, daß es sich um eineu fingierten Diebstahl handle, um die Fsailkfurter Versicherungsgesellschaft, bei der H, versichert war, zu betrügen, legten alle drei ein umfassendes Geständnis ab,— Tie beiden Angeklagten B. waren außerdem»och eines Diebstahls bei einem Sisenbahnaisistenten T. angeklagt, der sie deö Nachts mit in seine Wohnung genommen hatte. Das Gericht erkannte gegen Her- mann B. auf acht Monate, gegen Alfred B. und H. auf je vier Monate Gefängnis._ Der Reich Zvcrbändlcr als Kläger. Unter dieser Uebcrschrift nahmen wir in der Nummer vom 27. Augiist Noliz vom Ausgaug einer Klage gegen die Redakteure dreier Parteiblälter und erwähnten dabei, daß eine vom General- sekrelär des gieichsverbaudes, Koni oll, gegen den verantwortlichen Redakteur der.Bremer Bürgerzeitung" gerichtete Klage mit Frei- sprechung geendet habe. Hierzu teilt uns Herr Komoll mit: „Es isi nicht wahr, daß die von mir gegen den Verantwortlichen Redakteur der.Bremer Bürgerzeitung" angestrengte BeleidigungS- klage mit der Freisprechung des Redakteurs geendet habe. Vielmehr hat das Oberlaudesgericht Hamburg auf meine Revision daS frei« svrechende Erlennlnis der Bremer Strafkammer aufgehoben und die Sache nach Bremen zurückverwiesen. Dort ist der Redakteur zu einer Geldstrafe in Höhe von 150 M. verurteilt. Die dagegen von ihm eingelegte Nevision ist inzwischen, nämlich am 28. August d. I., vom Oberlandesgeticht Hamburg verworfen." Euq aller Melt. Die Grubcnhataftrophe bei ßetbune. Die furchtbare Schlagwetterexplosion auf der Grube Clarence bei Bethuiie hat nach den letzten Meldungen 40 Bergleuten das Leben gekostet; außerdem erlitten 25 Bergarbeiter so schwere Verletzungen durch Brandwunden, daß die wenigsten von ihnen mit dem Leben davonkommen dürften. Einer der verletzten Bergleute wurde geistesgestört und schrie unaufhörlich: Zu Hilfe I Mörder I Die Explosion ereignete sich kurz nach 2 Uhr, in dem Augen« blick, als die Morgenschicht in Stärke von 350 Mann wieder zu Tage gefahren war und sich die NachmittagSschicht in Höhe von 75—80 Mann anschickte, in den Schacht hinabzufahren. Die Katastrophe erfolgte in einer Tiefe von 930 Meter, doch war ihre Wirkung bei Tage noch so enorm, daß man im ersten Augenblick an ein Erdbeben glaubte. Eine Mauer stürzte ein, sämtliche Gebäude der Zechenverwaltung lmirden scbwer beschädigt. Bon allen Seiten eilten sofort HilfSmaunschaften nach dem Eingang dcS Schachtes. Kurz daraus kamen mit allen Zeichen des Entsetzens 10 Bergleute an das Tageslicht, die unfähig waren, ein Wort hervor» zubringen und in wilder Panik nach allen Richtungen davoneilten. Die ReltungSarbeiten wurde» sofort aufgenommen. Mit großer Mühe gelang eS den ersten ReltungSmaimichasteit, mit Sauerstoff- apparaten ausgerüstet in die Grube hinabzusteigen. Scbon„ach wenigen Schritten stießen sie auf zwei Leichen, von denen die eine buchstäblich enthauptet war. Der Unglückliche muß durch die Gewalt der Erplosion gegen eine scharfe FelSkante geschleudert worden sein, die ihm sofort den Kopf gleich vom Rumpf getrennt hat. In kurzer Zeit waren noch best weitere Leichen geborgen. Nun drangen die Retter Schritt für Schritt vorwärts, und es gelang ihnen, mit vieler Mühe 24 Schwerverletzte zu Tage zu fordern, die alle mit schweren Brandwunden bedeckt waren und sofort mittels Rettungswagen in das Hospital geschafft wurden. Nachdem man geglaubt hatte, daß alle in der Grube Eingeschlossenen an daS Tageslicht ge« bracht worden wären, stellte eS sich zum Entsetzen aller heraus, daß sich noch wenigstens 85 Mann in dem Un« glücksschaft befinden müßten. Anfänglich hofften die Rettung?« mamischasten, die Eingeschlossenen»och lebend bergen zu köniicn, doch erwie» sich ihre Hoffnung sehr bald als trügerisch, denn als sie zu der Unglücksstätte vorgedrungen waren, fanden sie nur noch die Leichen ihrer Kameraden vor. Die BergungS» arbeiten wurden bis spät in die Nacht hinein fortgesetzt. Vor dem Unglücksschachts spielten sich Herzzerreitz ende Szenen ab. Frauen, die ihren einzigen Ernährer verloren hatten, Kinder, die ihren Vater vermitzten, brachen in Wehllagen aus. Die Ursachen der Katastrophe sind noch nicht bekannt. Die Grube Clarence ist schon einmal zu Beginn dieses JahreZ von einer verheerenden Feuersbrun st heimgesucht worden, die be* sonders in dem jetzt betroffenen Schacht großen Schaden anrichtete und mehreren Bergleuten da? Leben kostete. Seit dieser Zeit wurde der Unglücksschacht ganz besonders isoliert, und es haben sich auch bis heute keinerlei Unfälle in ihm mehr zugetragen. Trotzdem aber galt in fachmännischen Kreisen gerade dieser Schacht als b e- sonders schlagwettergefährlich. Man nimmt an, daß die Explosion durch Selbstentzündung von Gasen hervorgerufen worden ist. Die Untersuchung in dieser Richtung dauert noch fort. Ein Brudermörder. In Pischkowitz bei Glatz erschoß der einarmige Invalide Paul Herrmann, ein gewalttätiger Mensch, der früher schon seine inzwischen verstorbenen Eltern mit seiner hölzernen Hand schwer mißhandelt hatte, im Streit seinen Bruder. Als der Gendarm mit dem Gemeindevorsteher sich in die Wohnung des Verbrechers begab, verbarrikadierte sich dieser, schoß aus die U m st e h e n d e n und verletzte den Gendarmen und den Gemeinde- Vorsteher. Schließlich wurde das HauS gestürmt und der Mörder verhaftet. Schwere Ballonkatastrophe. Im Militärlager von Oerkbny in Ungarn, wo gegen- wärtig Artillerieübungen stattfinden, ereignete sich bei dem Aufstieg eines Drachenballons ein schwerer Unfall. Während der Vorbereitungen zum Aufstieg wurden die Sichcrheitsstricke des Ballons des starken Windes wegen von mehr als hundert Artilleristen gehalten. Nachdem Oberleutnant Nietschdörfcr den Korb bestiegen hatte, entriß ein Windstoß den Ballon. Die Soldaten ließen in einem Meter Höhe die Stricke loS, drei Artilleristen jedoch, die dazu nicht mehr imstande waren, wurden mit emporgcrissen und stürzten aus einer Höhe von über hundert Meter ab. Sie waren sofort t o t. Oberleutnant Nietschdörfcr landete glatt und unverletzt bei Lajos-Mizse. Ein Erstnderschicksal. Aus Rom wird uns geschrieben: Italienische Blätter bringen die Nachricht, daß der Marquis Robert Imperiale, der Direktor einer Sprengstoffabrik unweit BreScia war, mit seinem Laboratorium in die Luft geflogen ist. Imperiale war Chemiker und hatte einen neuen Sprengstoff erfunden, der den Name»„Jinperialit* trug, und zu dcsien Herstellung er eine Aktien- gesellschaft gegründet hatte, nachdem er einen Teil feines nicht un- bedeutenden Vermögens für seine Experimente verbraucht hatte. Kaum war die Fabrik fertig, so wurde sie durch eine Explosion zerstört. Ivobei fünf Arbeiter den Tod fanden. Der Erfinder selbst wurde mit schwerer Gehirnerschütterung aus den Trümmern hervorgezogen. Dies geschah im September vorigen Jahres. Seitdem pflegte der Marquis die gefährlichste Arbeit, die Mischung der verschiedenen Substanzen, allein in einem isolierten Laboratorium auszuführen, wobei er immer bemüht war, den Sprengstoff zu verbessern. Er pflegte sich so sehr in seine Arbeit zu vertiefen, daß er buchstäblich Essen und Trinken Vergaß. Am 30. August machte ihn der Wachtmeister des Zollamts, der aus fiska« lischen Gründen zur Fabrik Zutritt hatte, darauf aufmerksam, daß der Chemiker seit zwei Tagen nichts gegessen hatte als ein Stück Brot, das ihm einer der Arbeiter angeboten hatte. Imperiale erwiderte, daß er die Arbeit nicht unterbrechen könne, worauf der Wachtmeister in ein nahegelegenes WirtShauS ging, um dem Arbeitenden Esten schicken zu lasten. Während er noch die Be- stellung machte, hörte er einen dumpfen Knall. DaS Labora» torium war ganz in die Luft geflogen. Der Körper deS Chemikers war fürchterlich entstellt. Der Tod des 34jährigen Mannes, der fünf kleine Kinder hinterläßt, ist äugen- blicklich eingetreten._ Böse folgen eines Redaktionsstreits. Ein erschülterndeS Drama hat sich am Dienstag in der Re- daktion des.Petit Journal" in Paris abgespielt. Einer der leitenden Redalleure namens V a l i n ließ einen jungen Redakteur namens FrancoiS M i r o n zu sich kommen und inachte ihm wegen eines begangenen Fehlers heftige Vorwürfe. Plötzlich er- blaßte Herr Miron und fiel ohnmächtig zu Boden. Er hatte infolge der Erregung plötzlich einen Herzschlag erlitten. Alle Bemühungen, ihn wieder ins Leben zurückzurufen, blieben vergeblich. Herr Vaktn war über diesen Vorfall so erschüttert, daß er sein Arbeitszimmer plötzlich verließ, eine Zeitlang im Gebäude deS »Petit Journal" umherirrte, schließlich einen Revolver aus der Tasche zog und sich, noch bevor er daran verhindert werden konnte, eine Kugel in den Kopf jagte. Er wurde in§ Hospital gebracht, wo er in hoffnungslosem Zustande daniederliegt. Kleine Rotizen. Selbstmordversuch im D- Zuge. Auf dem Nordbahnhofe in Paris fand man kurz nach Ankunft de? Kölner Zuges, der um 4 Uhr 10 Minuten in Paris eintrifft, beim Reinigen der Abteile auf dem Berte eines Schlafwagens eine Frau im Alter von ungefähr 30 Jahren, die beinahe vollständig entkleidet und von Blumen unr- geben war, In ihrer Nähe stand ein Glas und eine Pillen- s ch a ch t e l. Die Unbekannte wurde schnell nach dem Spital gebracht. Ihr Zustand soll sehr besorgniserregend sein. Ein Ehcdrama. In P l a u e n i. V. erschoß der Ziegelträger H ä h ii e l auf der Straße seine von ihm getrennt lebende Ehefrau, als diese sich zu ihrer Arbcitsstätle begeben wollte. Darauf verletzte er sich selber so schwer, daß er kaum mit dem Leben davon k o ni m e ii dürste. Absturz in den Dolomiten. Ingenieur Krieger ans Nürnberg ist in den Dolomiten abgestürzt. Die zerschmetterte L e i cb e ist geborgen worden und wird nach Nürnberg übergeführt. Eiscnbah'nunfall. In der letzten Nacht sind in Rositz a./Elbe zwei Güterzüge zusammengestoßen. Sechs Wagen wurden zer- trümmert. Zwei Zugführer wurden schwer und ein Lokomotivführer leicht verletzt. Die Ursache deS Unfalls ist falsche Aeichenstellung. Brnfkaften der Redaktion. Tie iuristische Sprechstunde siudrt Linden st ratze KS, dorn dlrr Treppe» Aatzrstntzl—, niochcntä glich von S>z>»is 1% Utzr adendS, Sonnabend?, von IVi bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den vrirflaften bestimmten Anfrage ist ein Buchiiabc und eine Zahl als Merlzrichen betzafügrn. Lricflichc Antwort wird nicht crteUt. Anfrage«, denen leine Abonncmrntsanitwng beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Lrage»«rage man in der Sprechstunde vor. H. I. 12. So weit uns bekannt, am Lranieniurqer Tor.— W. 101. Uns sind die«ätze nicht bekannt.— Th. O. 1908. Charlottenburg, Krummeitr. 27.— Erlz. 100. Meldeämter sind Einrichtungen der Polizei oder der Kommunen. Ein solches Amt besteht. Tausjcheine sind von der Pfarre des GeburtsorlcS zu sordern.— Tausend. Nein. - E. D. 21. 1. Nein. 2. 150 Proz.— F. I. 10. Nein.— P. H. 5. Tie Betriebsbeamlen können zur Beitragsletstung nicht gezwungen werden. Tie Strasgelder müßten alsdann gesondert verwaltet werden.— E. B. 100. In drei Monaten, vom Tage der Tat an gerechnet.— Behrndt 333. Sie haben gegen die drei Mieter Anspruch aus MictSzahlung für je eine Woche. Der Anspruch kann noch beim Amtsgericht cingcilagt werden: es empsiehll sich vorherige Aufforderung zur Zahlung.— A. P. 100. Für die Zeit bis Ende Kalenderjahr 1913.— G. B. IS. Es kann gemäß §230? Bürgerlichen Gesetzbuchs Pflichtteil gesordert werden.—<55. BS. 79. DaS ist alles begreistich dasselbe. Wegen privatrcchtlicher Ansprüche ist die Lohnsordcrung, die 28,85 M. wöchentlich übersteigt, beschlagnabmesähig.— E. B.<59. 1., 2. u. 4. Die Kosten eincS Anwalts bclausen sich aus etwa 80 M.. die Gerichtsiosten aus ungesäbr ebensoviel. 3. Die Sache ist recht zweiselhast.— H. Te. 00. 1. Nicht notwendig. 2. u. 3. Rein.— O. B. 25. Leider ja._ -Marktbericht von Berlin am 3. September 191«, nach Ermittelung deS königl. Polizeipräsidiums. M a r k t h a l l e n p r e i s e. iKIeinhandrl) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00— 50,00. speisebohnen, weiße, 30.00— 50,00. Linsen 35.00—70,00. Karioffeln(Klemhdl.)«,00-12,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,80—2,40. Rindfleisch, Bauchfieisch 1 ,50— 1,90. Schweinefleisch 1,60—2,40. Kalbfleisch 1,50—2,40. Hammelfleisch 1 ,70—2,40. Butler 2,20—3,00. 60 Stück Eier 3,60-6,00. 1 Kilogramm Karoten 1,40—2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,40-3,60. Hechte 1,40—3,00. Baifche 1,00—2,40. Schiele 1,60-3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Kreb-e 3,00—45,00._ WassrrftandS-Nachrtchten der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau Wasserstand Mcmel, Tilflt P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krassen , Franksurt Warthe, Schrimm , LandSbcrg Netze, Vordamm Elbe, Leitmerttz , Dresden , Barbh , Magdeburg -si bedeutet Wuchs,— Fall.—') Unterpegel. «Setterprognose für DoniierStag, den 5. September 191«. Vorherrschend wolkig mit Reaensällen, lebhasten südwestlichen Winden, wärmerer Nacht und etwas niedrigerer Tagestemperatur. Berlin er Wetterbureau. WitteruugSLbersicht vom 4. September 191«. Stationen If I 1= ja Swinemde. tamburg erlin Franks.a.M. München Wien 763'W 762 3 765 W 768 770 763 SW K Welter 2 heiter 2bedeckt 2 heiter 2Dunst 4wolkig WNW! 4bedeckt ti* Ii Wio Stationen is II M cH ""■C Haparanda 766N Petersburg Scilly Aberdeen Paris 765 W 748 SW 768 SeU er 2 heiter 5 bedeckt 2 wollig 2 bedeckt es« ftü Wo 13 10 14 Unserem alten Genossen llcrnmmi Schmitz Plantagenstr. 6 die besten Glückwünsche zum 60. Geburislage. 6a Die Genossen u. Genossinnen des Bezirks 796. Todes-Anzeigen Sozialdemokratischer Wablvereln Iii. 4. Berl. Reichstags-Wahlkreis Petersburger Viertel. Bez. 363. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse iiel-msnn Ldiwenn Rigaer Str. 25, gestorben ist. Thrc seinem«lndenken! Die Beerdigung sindet am Freitag, den 6. September, nach- mittags V,5 Ubr, von der Halle des ZcntralfriedhoseS in FvieduchZ- selbe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Idci» Toratand. Sozialdemokratischer Wahlyerein I. d. 6. Berl. Reichstagswahlkreis Todes- Aaseise. Am 2. d. M. verstarb unser Genosse, der Produktenhändlcr Voigt Papprlallee 14. Shre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 6. o. M., nachmitiagS 3'/. Uhr, vom Trnuerhaus Pappel- Allee 14 aus nach dem Gethsemane- Kirchhos, Nordend, siaik. Uni rege Beteiligung ersucht Der Borstand. l.d. 6. Berl. Reichstags-Wahlkreis Am Montag verstarb unser Ge- nossc, der Händler Hemridi Saar Stralsundcr Slr. 21(Bezirk 615). Ghrc seinem Andenken! Die Beerdigung findet heut« Donnerstag, nachmittags 4>/. Uhr, von der Halle des Elisabcth-Fried- hoses tn der Prinzenallcc aus statt. 232/2 Um rege Beteiligung ersucht Hoc Vorntand. Dlintsaguna. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung mci- neS lieben Mannes Ziacl Hesse sage ich allen Freunden und Be- kannten herzliche« Dank. 133b Frau Harle Hesse und Kinder. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Gcschästs- kutscher Paml Oroße am 2. September im Aller von 26 Jahren verstorben ist. Vhre seinem Andenke«! Die Beerdigung sindet am Donnerstag, den 5. d. Mts., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Auserstehungs- Kirch- Hofes in Wcisicnscc, Lichtcnbcrger Slrasie, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 66/13 vi« Bezirksverwattung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwattongsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Metallarbeiter Ksi'I Glaser (Frledrichsseldcr Straße 29) am 3. Septbr. an Lnngenlcidcn gc- sterben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 6. September, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle deS St. Andrcas-Kicchhoses in Wilhelnisberg aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Oeutscber Holzarheiler-Verbanrt. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Maschinen- arbeiter /Vuxust Ulrick Görlitzer Str. 42, im Alter von 32 Jahren gestorben ist. Vhre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Freitag, den 6. September, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des ZentralsiicdhoseS in Friedrichs- seide anS stait. Um rege Beteiligung ersucht 88/2 Die Ortsverwaltung. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. PrinzenslF. 41, ZtZ* 10— 2. 5— 7. Sonntagn 10— 12. 2— 4 Erfinder fordern vor Patentanmeldung| das berat. Nachschlagebuch:| „Wenn ist ein© Erfind.verwertbar" gratiS u. franko l v.Civ.-lng. Jaeger.Dr.Breslauer, 1 Berlin SW.61 n.d. Kalt. Patentamt. Jedes Wort 10 Pfennig. Da® fettgedruckte Wort 20 Plg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte). Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. ) Kleine Anzeigen( ANZEIGEN für die nächste Nummer werden In den Annahmestellen fOr Berlin bis I Uhr, tür die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt-Expedition, Lindenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. Hermniinvlatz e. PsandlcihhauS. Extrabillige Jackettanzüge. Äebrod. anzüge. SommervalelotZ. Serren- boien. Damenmäntel. 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