Nr. 208. H bonnc men ts-Bcdinsungen- Slbonncments> Preis vrSnumerando! Bierteljährl. 3,30 Mk, monafl. 1,10 SKt, wöchenlli» 28 Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer k Pfg. EonntagS- � Nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- »lbonnemcnt: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- ZeitunaS. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, sür das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, nänien, Schweden und die Schweiz. Crichctot täglich inBtr montags. Verlinev Volksblatk. 29. Jahrg." Die Tnfertions-GcMifjr betrügt für die sechsgespaltene llolonek- zeile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versanuniungs-Anzeigen 30 Pfg. „Aleine Xnztigcn", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 scttgcdruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. 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Wermuths Rede wirkt sympathisch und ist an Ver hcißungen nicht arm. An die Spitze seiner Ausführungen stellte der neue Herr das Versprechen, das kostbare Gut der .Selbstverwaltung nicht schmälern zu lassen. Es ist ivenig genug, was den preußischen Städten und der Reichshauptstadt on Selbstverwaltung geblieben ist, selbst in dem beschränkten Sinne, in dem man dort von Selbstverwaltung reden kann Ivo ein enipörendes Klassenwahlrccht sie von vornherein für die große Mehrzahl verkürzt. Aber ininierhin: gegenüber den nie aufhörenden Bedrohungen der städtischen Autonomie ist ständige Wachsamkeit dringend not und wir wollen nur hoffen, daß Herr Mermuth stets die nötige Energie und Unbengsamkeit finden Wird, um Berlin Rechte zu wahren. Aber die gleiche Energie wird notivendig sein, wenn eine wirklich moderne Verwaltung und großzügige Kommunal- Politik die vielen Sünden und Versäumnisse des Kommunal- frcisinns gut machen soll. Herr Mermuth hat die wichtigen Probleme der Wohnungsfrage und der V e r s 0 r g u n g der Stadt mit Elektrizität erwähnt und geradeaus diesen Gebieten hat der Freisinn bisher vollkommen versagt. Wird Herr Mermuth solche Widerstände zu überwinden wissen? Wir Sozialdemokraten werden gewiß nichts unver- sucht lassen, um hier auch in Zukunft vorwärts zu drängen. Hoffentlich wird die Arbeit, die Herr Mermuth in Angriff zu nehmen verspricht, von der Art sein, daß wir, die Vertreter der überwältigenden Majorität der Riesenstadt, sie unterstützen können. Die Zukunft wird es ja zeigen. Indem Herr Werinuth die Wichtigkeit einer N e 11 r e g e- lung der N a h r u n gsmittelvcrsorgung B e r- lins nachdrücklichst betonte, lenkte er die Aufmerksamkeit auf die augenblicklich dringendste Aukgabe der Gemeindever- waltung. Die Frage wurde auch als erster Punkt der Tages- ordnung behandelt. Die sozialdemokratischeFrak- t i 0 n hatte die Frage in Fluß gebracht, indem sie am 28. Anglist den folgenden Antrag gestellt hatte: Tic Bcrsaiiimliing ersucht den Magistrat, zur Abwehr der sich� stetig steigernden NahrungS mittelteuerung. welche Gesundheit und Leben der Bevölkerung Berlins auf daS ärgste bedroht, 1• an den Bundesrat und Reichstag eine Eingabe zu richten, in der unter Tarlegung der herrschenden Notlage ge» fordert wird die sofortige Aufhebung der Zölle auf Vieh, Fleisch, Getreide und Futtermittel, der Grenzsperre für die Einfuhr von Schlachtvieh, dcS Z 12 des FleischbeschaugesetzeS. der E i n f» h r s ch e i n c; 2 städtische Einrichtungen zur Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln zu schaffen und die vorhandenen auszubauen. Tie bürgerlichen Fraktionen haben dann am 80. August folgenden Antrag Cassel-Körte-Rosenow ein- gereicht:„,, Tie Versammlung wolle beschließen, den Magistrat zu er- suchen, schleunigst die gemischte Deputation zur Beratung von Maßregeln zur Milderung der bestehenden Fleisckuenerung einziibmiten zwecks Vorberatung über die angesichts der dauernd steigenden Vcrieucrung des Fleisches und der sonstigen Lebensmittel durch dringende Vorstellungen bei den zuständigen Instanzen und anderweitig zu treffende Maßnahmen.— Ter Magistrat wird ferner ersucht, die Sitzungen der Deputation zu beschleunige» und baldigst der Versammlung entsprechende Vorlagen zur Beschlußfassung zu übermitteln. Die Debatte war eine e i n m ü t i g e V e r u r t e i l u n g agrarischen Raub- und Aushungerungspolitik, sowie der provozierenden Untätigkeit der R e g i e r u n g. Als Vertreter der Sozialdemokraten sprach�lenosse Wurm. Der erste Teil seiner Rede war eine scharfe und wirksame Abrechnung mit der Zollwucherpolitik. Mit besonderem Nachdruck hob unser Redner hervor, daß zur Linderung der Fleischnot nur vor- übergehende Maßnahmen, wozu auch eine zeit- weiligc Erleichterung der Einfuhr von Gefrierfleisch ge- hören würde, gänzlich unzureichend wären. Dauernde Maßregeln seien zu treffen, soll wirklickje Abhilfe und nicht nur Förderung eines uiireellen Zwischenhandels erzielt »Verden. Tann wies Wurm im zweiten Teil seiner Aus- führungen in interessanter und treffender Weise auf die Pflicht der Kommunen hin. Der Freihandel allein sei ungenügend, die verteuernden Wirkungen des Zwischen- Handels und der Ringbildung auszuheben. Das Prinzip der freien Konkurrenz versage da vollkommen. Hier könne nur der K 0 m m u n a l s 0 z i a I i s in u s Abhilfe schaffen. Mit der Aufzählung der nächsten und dringendsten Maßnahmen und der Aufforderuitg, den Kampf gegen die Agrarierherr- schaft mit aller Schärfe fortzuführen, schloß unser Redner. Tie liberalen Stadtverordiicten Cassel. Moinmscn und N 0 s e n 0 w stimmten in ihrer Kritik der herrschenden Wirtschaftspolitik unserem Redner im tvefcntiichen zu. So- weit es sich aber um die eigenen Maßnahmen der Gemeinde handelt, zeigten sie eine außerordentliche Zurückhaltung, die der Bevölkerung nicht viel gutes verheißen würde, wenn es bloß auf die Herren und ihre Bereitwilligkeit allein ankäme. Denn diese Vertreter der ersten und zweiten Klasse-schrecken nur allzu leicht zurück, wenn es gilt, Maßnahmen zu treffen, die zwar im Interesse der überwältigenden Majorität der Berliner Bevölkerung liegen, aber manchen einflußreichen Wähler vielleicht verletzen könnten. Auch Herr Bürgernicister R e i ck c versprach zwar im Namen des Magistrats alle Anregungen sorgsam erwägen zu wollen, zeigte sich aber iip übrigen auch reservierter als wünschenswert gewesen wäre. Die Herren von der Verwaltung sollen nur etwas m e h r M u t fassen. Es wird schon gehen, ja es m u ß gehen. Denn die Herren haben hier eine iitterläßlick)e Pflicht gegen ihre Auftraggeber,-die Berliner Bevokkerung, zu erfüllen. Und das kann ihnen ja diesmal um so leichter fallen, als sie damit zugleich Gelegenheit haben, sich als loyale Bürger zu erweisen. Hat doch ein Erlaß der preußischen Regierung ausdrücklich den Kommunen ihre Pflicht eingeschärft, für die Beschaffung von Nahrungsmitteln zu sorgen. Die Debatte endete init der Ueberweisung der Anträge an die gentischte Deputation, die rm Vorjahre bereits ein- gesetzt worden war. Man muß dringend wünschen, daß diese Deputation rasche Arbeit kut. Denn es ist keine Zeit zu verlieren. Die Bevölkerung von Berlin wird mit gespannter Auf- nierksamkeit darauf zu achten, daß die Gemeinde ihre Pflicht er- füllt, daß es sticht bei bloßen Erwägungen bleibt, sondern alle Maßnahmen getroffen werden, die die herrschende Not lindern können. Ganze Arbeit freilich können die Gemeinden nicht leisten, das kann nur das Reich. Und hier muß mit allein Nachdruck der Kampf fortgeführt werden, allem Re- gierungswiderstand und Agrarierhochmut zum Trotz. Der Reichstag muß einberufen, die Grenzen ge- öffnet werden! Und wenn die Regierung nicht will, so muß eine immer mehr anschwellende Volksbewegung sie dazu zwingen! Die Sitzung. Die heutige erste Sitzung der Stadtverordneten nach der zwei- monatigen Sommerpause ist zunächst der Einführung des am 19. Inns vom Könige bestätigten Oberbürgermeisters Staatssekretärs a. D. Exzellenz Mermuth in sein neues Amt gewidmet. Die Mitglieder der Versammlung und des Magistrats sind in Amtstracht mit der Kette erschienen. Der Zudrang zu den Tribünen ist enorm. Vorsteher M i ch e l e t eröffnet die Sitzung kurz nach 6 Uhr. Durch ein Geleit von acht Stadtverordneten, zu denen auch Stadtv. Stadthogene sozialdemokratische Fraktion wird dafür sorgen, daß die Sache Nicht aus die lang« Bank geschoben w>rd. In der Leipziger Stadtverordnetenstbung vom 4. September wurde von der sozialdemokratisch«» Fraktion die herrschende Teue- rung zur Sprach« gebracht und beantragt, einen gemischten Aus- sckjuß einzusetzen, um Maßregeln zu sofortiger Abhilfe zu beraten. Der Oberbürgermeister erklärte, daß der Rat fortdauernd„Er- wagungen anstellt, aber noch zu keinem Abschluß gekommen sei. an die Regierung wenden, um die Wünsche des Deutschen �-tadtetages zu unterstützen. Di« Redner aus dem bürgerlichen Lager erkannten den Notstand ebenfalls an. Schließ- NehMt bc3 gc-nischten Ausschusses mit erheblicher politifcbe CTeberncbt. Berlin, den 5. September 1912. Knittel zum Duell gefordert! Der Ehrenkodex des vornehmsten Rockes ist ein eigentümliches Ding. Weil der auf die Denunziation seiiieZ OsfizierSkollegen Hauptmann Kammler hin gemaßregelte Amtsrichter Knittel sein Recht wahrte, und seinen Ankläger als bösartigen Geistesschwachen bezeichnete.— aber nur der Wahr- heit gemäß, wie die Strafkammer von Ratibor feststellte- so« er sich jetzt mit feinem Demmzianten schießen. Der nach Gerichtsurteil bösartige Geistes- schwache hat nämlich dem Amtsrichter Knittel eine Duellsorderung geschickt, und zwar nach einem Beschlüsse deS Ehrenrats. Der Ehren- rat hat sich demnach mit dem vom Gericht wie erwähnt qualifizierten Hauptmann Kammler gewissermaßen solidarisch erklärt und ihm das Recht zugesprochen, von Knittel„Satisfaktion" zu verlangen. Knittel ist selbst Amtsrichter, berufsmäßiger H ü t e r des Gesetzes. DaS Gesetz verbietet den Rauftomment und stellt ihn unter Strafe. Trotzdem mutet das militärische Ehrengericht Knittel zu. daß er. um seine Offiziersehre zu wahren, die Ehrlosigkeit begeht, als Richter selbst zum Gesetzesverächter zu werden, und obendrein eines gerichtsnotorischen bösartigen Geistes- schwachen wegen. Aber mehr noch: Knittel wurde als Offizier der Reserve grundlos gemahregelt. Durch die Gerichtsverhandlung und die gerichtliche Entlarvung seines Denunzianten hat er das festgestellt. Dafür soll er sich nun in eine Ducllholzerei mit seinem Denunzianten einlassen. Lehnt er das ab, so verstößt er gegen die besondere Ehre des vornehmsten Rockes und macht sich seines Ofsiziercharakters unwürdig. Weil er sich sein geietz- liches Recht zu verschaffen suchte und weil er vom Boden des Ge- setzes auch der Duellforderung gegenüber nicht abweichen will, würde er als Offizier vollends kassiert werden! Eine wahrhaft tolle Komödie. Ob Knittel das tun wird, wozu er als Amtsrichter und christgläubiger Zentrumsmann doppelt der- pflichtet wäre: ob er die Duellforderung mit einem auch seiner festen Ueberzeugung nach Geistesschwachen ablehnen wird? Wir sind ge- spannt darauf!_ Der Kampf gegen die Bachemiten wird von der Koppschen Richtung eifrigst fortgesetzt: Die OpPerS« dörfische Zeitschrift„Wahrheit und Klarheit" quittiert den Empfang von neuem wichtigen Material gegen die Kölner Richtung. Herrn Bachem und seinen„Grünschnäbeln" sollen noch die Leviten gründlich gelesen werden. Zugleich fängt in der Zeitschrift„Das katholische Deutschland" ein bis jetzt»och unbekannter Einsender eine Artikelserie an, die gleichfalls recht verheißungsvoll für die Bachemiten ist.„Und es muß gesagt werden I" so lautet die Ueberschrift der angefangenen Artikel. Dann heißt eS: „Heiß tritt es mir in die Augen und die Feder zittert, wie ich sie ergreife— abir. was kein deutscher Katholik wagte— ich wage es— um der Wahrheit, um der Bewahrung des katholischen Glaubens willen— und ich richte den Katholikentag von Aachen— ich wage es— und ich klage ihn an. daß er— als der erste, dem Gefühl des gläubig katholischen Volkes im deutschen Vaterlande nicht entsprochen hat, daß er ein politischer, daß er ein Demonftralions-Katholikeiiiag war.— Ein Katholikentag, der sich gegen den Papst und gegen seine Meinung ausspricht— eine furchtbare Anklage I— Er bat böse Vorspiele gehabt— der Katbolikentag in Augs- bürg 1903 brachie das erste Symptom der inneren Krankheit, mit der die„Kölner Richtung" auch die Katholikentage zu vergiften begann— die preußische» Bischöfe mußten öffeinlich gegen eine Reiolution die Stimme erheben, welche die Jiiterkonfessionalisierung der kaihvlischen Kaufmannsvereine bezweckte. DaS katholische Volk. welideS teilnahm in Aachen, hat eS meistens nicbt gemerkt, daß die Tagung den Zweck hatte, dem Statt- Halter Christi vorzuspiegeln/ wie fest, wie allgemein das katho- liiche Volk Deuticdlands auf dem Standpunkt der christlichen Gewerlichaslen stehe. Es hat Beisall geklatscht, wo— auSnahms- weise— prononziert kalhoUicke Töne angeschlagen wurden, wie beim Jesuitenomrag. aber auch da— wo die hochmögcnde Leitzing es zu DemonstratiouSzwccken»ach Rom hin verlangie, z. B. dort, wo GieSberks— ausgerechnet der„christlicve"— GiesbertS die deutschen Kalholilen belehrte, welche religiösen Ansgaben die Binilenwanverimg der Bevölkerung stelle, und dort, wo Hdrr Weber der GieSbertsschcn Bescheidenheit nachhalf durch eine schallende Demoiistraiion für die„Christlichen", wobei auch das Präsidium mitklatschle und demonslriette. Wir kommen noch darauf zurück. Es war kein d e u t s ch e r Katholikentag, sondern ein „Kölner" Katholikemag. Die Sünde gegen den heiligen Geist, welche die Lenker dieses Tages begingen, be- steht darin, daß sie das katholische Glaubensbewiißtsein zu einer Demonstration im„chrisllich-kölnische»" Sinne benützien l Möge Gott der Herr sie ihnen verzeihen, aber unser Blatt will nicht stunim bleiben dabei— auch die ZeitungSlenkcr werden von Gott nickt mir über ihre Reden, sondern auch über ihr Schweigen ge- richtet. Deswegen— ob es auch weh tut— um ähnliche Fälle zu verhüten, muß es gesagt werden." Ebenso wie die genannten Zeitschriften nimmt fich die „Ständeordnung" die Kölner Richiung vor. Deren Kampfcsweise sei die der Modernisten und Freimaurer, man gehe offenen Auseinandersetzungen aus dem Wege, wühle und hetze nur im geheimen usw. Also der glänzend überfirniste Aachener Katholikentag hat den Bachemiten keine Ruhe gebracht. Wie es scheint, hat vielmehr die Aachener Tagung das Feuer im katholischen Bruderstreit erst recht geschürt. Achtzehnhundertsicbcnundsechziger Illusionen. Erneuerung des NationalliberaliSmuS predigte kürzlich der preußische Laudtagsmann Dr. Maurer in der„Nationoll- zeitung". Ob ihm seine Leute zustimmen? Wir glauben es kaum, schon aus dem besonderen Grunde nicht, weil er die nationalliberalen Parteikollegen aufforderte, sich an daS grundlegende Programm der nationalliberalen Partei aus dem Jahre 1867 zu halten.„Man lese eS und handele danach im kommenden Jahre!" Das grundlegende Programm ist als Wahlaufruf des geschäftöführenden Ausschusses der nationalliberalen Partei im Oklober 1367 erschienen. In seinem wichtigsten Teile lautet es: „Preußens Geschicke sind enger als jemals mit den Leben»- Bedingungen des veuischen Volksgeistes verknüpft. Sie werden sich um iv scyleuniger und glorreicher erfüllen, je weiter und breiter die Beteiligung aller Klassen bcrangezogen wird. Das beschränkte K l a s s e n w a h lr e ch t hat sich überlebt und der nächste Landtag wird zu prüfen haben, i n welcherWeise und u n t e r w a S s ü r Voraussetzungen der Ueder gang zum allgemeinen Stimmrecht zu bereiten ist. Allein das allgemeine Stimmrecht kann keine vereinzelte Erscheinung bleiben, es bedarf einer Reihe auf Selb st Verwaltung und Volksbildung gerichteter Gesetze, ohne welche der Staat, der sich auf das allgemeine Stimmrecht stützt. den gefährlichsten Schwankungen preisgegeben w ii r d e." Und Dr. Maurer glaubt, daß seine preußisch- national- liberalen Gesinnungsgenossen sich wieder an dieses Programm erinnern werden? Noch in der Programmerklärung der nationalliberalen Partei vom 21. Mai 1831 werden„alle Bestrebungen, gleichviel von welcher Seite sie kommen, welche auf die Schmälerung der verfassungsmäßigen Rechte der Volksvertretung und auf die Rückkehr zu ab- gestorbenen unseres wirtschaftlichen Lebens gerichtet sind, entschieden bekämpft". Würbe auch dieser Punkt noch festgehakten, die National- liberalen müßten mit aller Kraft, der sie fähig sind, s i ch selb st bekämpfen! Herr Dr. Maurer wird seine Kollegen vergeblich rufen Teuerungsdebatte im bayerischen Landtag. Aus München wird unS berichtet: Die Teuerungsdebatten im bayerischen Landtage erreichten am Mittwoch ihr Ende und am Schluß zugleich ihre Höhe, als Auer in einer durch die Kraft ihrer Beweisführung stark wirkenden An- klagerede die Antwort auf das„Nichts" des Ministers gab. Auer wies die statistischen Spielereien des Ministers zurück. Soden habe auf die Begründung der sozialdemokratischen Jnter- pellation überhaupt nicht geantwortet, sondern eine ihm vorher von seinen Referenten aufgeschriebene Abhandlung verlesen, die ihn außerdem mit lauter falschen Zahlen und Angaben bedient hätten. Die Antwort des Ministers habe den Eindruck gemacht, als ob ein adeliger Großgrundbesitzer in einem Vortrage in rücksichtslosester Weise seine persönlichen Interessen vertreten habe, nicht als ob ein Regierungsvertreter gesprochen, dem das Volkswohl am Herzen liegt. Präsident v. Orterer untersagte diese„schwere Person- liche Beleidigung". Auer beharrte unter lebhafter Zustimmung auf seiner Meinung. „Sie leugnen, Herr Minister," sagte er,„die amtlichen SanitätS- berichte ab, die Ihrer Verwaltung unterstehen. Sie sprechen von gelegentlichen Notständen in einzelnen Bezirken, obwohl jene Berichte aus allen Teilen Bayerns Rückgang der Lebenshaltung infolge der Teuerung feststellen und die Berichte der Gewerbeinspektorate diese Angaben bestätigen." Weinerlich beklagte sich Herr v. Soden über den Ton Auers, und da man ihm in der Eile keine Antwort aufschreiben konnte, hielt cr alle seine Behauptungen aufrecht. Schließlich verlangte er Achtung für seine persönliche Ueberzeugung. Auer erwiderte: Sie beanspruchen Achtung Ihrer persönlichen Ueberzeugung und wollen doch den größten Teil der bayerischen Be- völserung wegen seiner Ueberzeugung rechtlos machen. Orterer erteilte Auer wegen dieser Behauptung einen Ordnungsruf. Auer: Das ist keine Behauptung, das ist eine Tatsache. Der Minister soll erst in der Achtung fremder Ueberzeugungen mit gutem Beispiel vorangehen. Der Minister kann nicht aus seiner Haut. Er ist Großgrundbesitzer und treibt Grobgrundbesitzerpolitik. Die Interpellation verlief ohne Ergebnis. Aber das Volk weiß nach diesem Vorspiel, was es von der Reichsregierung zu erwarten hat— den Nachweis, daß es nicht hungert. Sonst nichls! Welche Bundesstaatsregierungen stellen sich in den Dienst der Scharfmacher? Wie die„Landeszeitung für beide Mecklenburg" aus zu- verlässiger Quelle erfährt, liegen beim Bundesrat von sechs Bundesregierungen, darunter einer süddeutschen, Anträge auf Verschärfung der Schutzbestimmungen für Ar- beitswillige vor. Die württembergische Regierung hat jüngst erklärt, daß sie einen solchen Autrag nicht gestellt habe. Baden kommt Wohl auch kaum in Betracht, so daß von süddeutschen Rc- gicrungen eigentlich nur Bayern übrig bleibt. Von Hamburg und Sachsen ist bekannt, daß sie ein Zucht- Hausgesetz erstreben. Bleiben also noch drei Regierungen, die es für geboten halten, von ihrer Zuchthausbcgeisterung der Ocffcntlichkeit vorläufig nichts wissen zu lassen. Zwei davon dürsten die beiden Junkerstaatcn. Mecklenburg- Schwerin und Mecklenburg-Strelitz stellen. Wer aber ist der dritte Staat, der den Befehlen der industriellen und großagrarischen Scharfmacher folgt? Konservative Mahltcrroristcn vor Gericht. Ein an ostelbische Wahlpraktikcn erinnernder skandalöser Vor- fall, der sich am Slichwabltage in Markröhlitz, Kreis Merse- bürg, ereignete, fand dieser Tage vor dem Naumburger Landgericht sein gerichtliches Nachspiel. Der als Wahlvorsteher fungierende Rittergutsbesitzer und Rittmeister a. D. Bode verweigerte den� sozialdemokratischen Vertrauensmann, Gen. Brett schneidcr- Großlehna die Teilnahme an der Wahlhandlung, obwohl Brett- schneider seine vom Ortsvorsicher aus Großlehna ausgestellte Wählerlegitimation vorzeigte. Als Brettschneidcr dann zum Ucbcr- fluß sich noch mit seiner vom Amtsvorsteher ausgestellten Radfahrer- karte legitimieren wollte, erklärte der Rittmeister a. D.: Tie könne er gestohlen haben. Brcttschneider ließ sich nicht einschüchtern, er erklärte vielmehr, cr habe sich doppelt legitimiert und bleibe sitzen; cr werde nur der Gewalt weichen. Daraufhin packten der Wahlvor- iteher Rittmeister Bode und der Beisitzer Ritterguts- bcsitzer Albrecht den Geitosscn Brettschneider bei den Armen, um ihn herauszudrängen. Da das nickt gelang, winkte der Rittmeister seine Gutslcutc heran, die nun auf Befehl Brcttschneider brutal zur Tür hinaus- w a rfen.so daß unser Genosse bewußtlos und mit einer klaffenden Wunde am Kopf liegen blieb. Die erhebliche Verletzung machte unseren Genossen für mehrere Tage arbeitsunfähig. Für dieses rohe Treiben hatte das Schöffengericht Freyburg nur den Rittergutsbesitzer A l b r e ch t zu ganzen— drei Mark Geld st rase verurteilt. Den Wahlvorsteher und Rittmeister a. D. Bode hatten die Schöffenrichter freigesprochen, weil cS nach landrätlichcr Anweisung ihm anheimgestellt war, im Wahl- lokal nur zu dulden, wen cr wollte.— Vcrnünstigerweise, kehrte sich das Landgericht Naumburg nicht an dieser albernen Aus- rede, sondern hob das freisprechende Urteil auf und erklärte dazu in der Begründung u. a.: Ob dem Wahlvorsteher die Papiere formell ausreichend erscheinen konnten, bleibe dahingestellt. Es hätte dem Vorsteher aber nicht der geringste Zweifel darüber kommen dürfen, daß ein so a n st ändiger Mann, wie der Privatkläger Brettschneidcr, die Legitima- tion sich von einem anderen verschafft hab>en könnte. Eine ganz besondere Härte liege darin, daß er seine Leute zum Hinauswerfen herangeholt habe. Darin zeige sich ein ganz willkürliches Handeln. Auch die Beleidigungen seien nur ausgesprochen, um den Privatklägcr und seine Partei herabzusetzen. Trotz aller Gereiztheit des Wahlkampfes hätte sich ein Mann von der Bildung des Angeklagten nicht soweit hinreißen lassen dürfen. Die Strafe habe seiner Wohlhabenheit angepaßt werden müssen. Deshalb sei wegen Körperverletzung und Be- leidigung auf 100 Mark Geld st rase oder 10 Tage Haft cr- kannt worden. Außerdem wurde Brettschneider die P u b l i k a t i o n s h e- f u g n i s für das Krcisblatt zugesprochen. „Erfolge" der behördlichen Jugendpflege. Der preußische Staat hat im vergangenen Jahre eine Million in diesem Jahre l'/e Millionen Mark für die Zwecke der„nationalen Jugendpflege" zur Verfügung gestellt. Ein erheblicher Teil dieser Millionenspende fließt in die Kassen der religiösen Vereine, die selbstverständlich glauben, in erster Linie zur„nationalen Jugend- pflege" berufen zu sein. Natürlich wollen auch die behördlichen Organe in der„Fürsokge" um die schulentlassene Jugend nicht zurückstehen. Im Gegenteil, sie haben sich sogar, da ihnen ja reich- liche Mittel zur Verfügung stehen,„recht energisch" dieser hohen „nationalen Aufgabe" angenommen. Wie eS da zugeht, Verantw. RedaktI?Alfrcd Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw. wo die Behörden„energisch eingegriffen' haben, wird in einer Broschüre:„Ländliche WohlfahrtS- und Heimatspflege mit besonderer Berücksichtigung der Jugendpflege", die Schulrat Fritz Kempff, königlicher Kreisschulinspektor in Kempen- Posen verfaßt hat, ge« schildert. Es heißt da:„In einem Nachbarkreise find fröhliche von den Lehrern ins Leben gerufene Veranstaltungen eingeschlafen, weil der Ortsgei st liche gleichsam als Ortsschulinspektor in die Sache eingriff." Weiter teilt der Verfasser mit: „Ich bat vor einiger Zeit einen mir befreundeten Kreisschul- inspektor um einen Bericht über die Jugendpflege in£., ich wußte nämlich, daß dort der evangelische Geistliche und mehrere Lehrer geradezu Mustergültiges auf diesem Gebiete geleistet hatten.... Zu meinem Bedauern erfuhr ich aber, daß die Jugendpflege in einen tiefen Schlaf verfallen sei und daß es fraglich erscheine, ob noch einmal ein fröhliches Erwachen folgen werde. Man hat so lange organisiert, Ausschüsse gebildet, Sitzungen ab- gehalten, bis von der Jugenbpflege nichts mehr zu merken war. So lange sie in der Stille wirken und wachsen konnte, gedieh alles prächtig! seit man aber behördlicherseits sich energisch der Sache annahm, konnte von einem Fort- schritt nicht mehr die Rede sein. Die eigentlichen Jugendpfleger wurden sachte beiseite geschoben, ein Komitee wurde gebildet, eine höhere Polizeiperson trat an die Spitze, alles war vor- handen, bloß keine Jungens; die bekamen's mit der Angst und blieben fortl'_ Ein verfehlter Beschlust. Zu dieser Notiz teilt uns unser Berichterstatter mit, daß die ge- rügte Resolution nicht vom Genoffen Dr. August Müller-Hamburg eingebracht wurde, der sich vielmehr auf eine Besprechung des Genossen- schaflswesens beschränkte, sondern vom Genoffen Karl Hoffmann- Bielefeld. Sachlich wird dadurch an unserer Kritik natürlich nichts geändert._ Einen Reinfall erlitt der Reichsverband gegen die Sozialdemokratie vor der Berufungskammer des Landgerichts zu Hildesheim. In der ür den Wahlkreis Celle-Gifhorn herausgegebenen Wahlzeitung„Die Fackel" hatte ein längerer Artikel mit dem Reichsverband gründlich abgerechnet. Wegen der darin enthaltenen Kennzeichnung der Agenten des Reichsverbandes fühlten sich der Generalsekretär K omo ll in Hannover und noch zwei gänzlich unbekannte Sekretäre des Rcichsverbandes beleidigt und erhoben gegen den Verleger der „Fackel", Genossen H o s s m a n» in Celle, die Privatbeleidigungs- klage. Genosse Hoffmann wurde auch aus§ 21 des Preßgesetzes wegen Beleidigung zu 20 M. Geldstrafe verurteilt. Der Antrag auf ßndlikation des Urteils in den Kreisblättern wurde dagegen ab- gelehnt. Hoffmann wurde nicht als Verfasser, sondern als Verleger bestraft. Ten Reichsverbändlcrn war die Strafe zu niedrig; sie legten Berufung ein. Hoffmann hatte sich bei dem Urteil des Amtsgerichts beruhigt und daher stand nur die eine höhere Strafe verlangende Berufung des Reichsverbandes zur Verhandlung. Der Vertreter Hoffmanns, Rechtsanwalt Dr. Müller II aus Hannover, machte nun darauf aufmerksam, daß eine P-rivat klage nach Stenglein und anderen Kommentatoren nicht auf Grund des ß 21 des Preßgesetzes erhoben werden könne. Danach sei gegen einen Verleger nur die Osfizialklage möglich. Das Gericht schloß sich diesen Auslegungen auch an und stellte auf die verschiedenen Einwendungen folgen- des fest: Ter Artikel enthält Beleidigungen gegen den Reichsverband; die Kläger sind zur Klage legitimiert, da sie als Mit- glieder des Reichsverbandes sich beleidigt fühlen können; daß aber der Angeklagte Hosfmann den Artikei verfaßt oder vor der Verbreitung gekannt hat, ist nicht erwieset; oa der 8 21 des Preß- gesctzes für Privatklagen keine Anwendung finden kann, war eine Bestrafung Hoffmanus als Verleger nicht möglich. Eine vom Kläger eingelegte Berufung wirkt auch zugunsten des An- geklagten; das Gericht hebt deshalb das Urteil der Vorinstanz auf und stellt das Verfahren ein! In seiner Rachsucht konnte der Reichsverband sich nicht zügeln, und nun hat cr durch seine Berufung unseren Genossen von der Strafe befreit und noch die sehr erheblichen Kosten zu tragen. Ter preustisch-bayerische Lotterievertrag. Obgleich der bayerische Ministerpräsideitt Freiherr v. Hcrtling gestern in der bayerischen Kammer der Abgeordneten eine große staatsmännische Rede über die Nützlichkeit einer Verständigung Bayerns mit Preußen über die sogenannte Lotteriefrage gehalten bat, verwies die Kammer heute den Staatsvertrag mit Preußen über die Klassenlotterie zu neuerlicher Beratung an den Finanz- ausschuß zurück._ Ein Soldatenschinder. Aus T b o r n wird uns geschrieben: Wegen Mißhandlung Untergebener in sechs Fällen, vorschrifts- widriger Behandlung Untergebener in zehn Fällen, Beleidigung von Untergebenen in Verbindung mit Mißbrauch der Dienstgewalt in zwei Fällen und Verleitung von Untergebenen zur Begebung von Straftaten durch Mißbrauch der Dienstgewalr in zwei Fällen hatte sich der Unteroffizier Erich Meiner von der 8. Batterie 11 Fuß-Art.» Regim. zu verantworten. Weiner bildete im Winter 1910 Rekruten aus. Während der Jnstruktionsstunde ließ A die Kanoniere Schulze III und Herold einen Kohlenkasten strecken, bis die Arme herunterfielen. Eines Abends nach Zapfenstreich mußte Schulze III ungefähr 20 Mal ausstehen und sich wieder ins Bett legen. Als Herold und Schulze III einmal schmutzige Füße hatten, mußten diese auf einen Schemel steigen, während er den übrigen Kameraden der Stube befahl, den beiden auf die Füße zu spucken. Nach einem Rapport ließ Weiner den Kanonier Schulze mehreremale eine Böschung hinauf- und hinablaufen. An einem anderen Tage mußte Schulze mit ge- streckten! Schemel in liefer Kniebeuge bis zur Erschöpfung in der Stube herumhüpfen. In vier Fällen ließ er Herold und Schulze, welche unsauber waren, von ihren Kameraden am bloßen Ober- körper mit kaltem Wasser. Seife und Bürste bearbeiten, so daß Schulze blutete. Endlich inachte Meiner zu den anderen Kanonieren Aeußerungen, in denen er ihnen Herold und Schulze der„kamerad- schaftlichen Liebe" anempfahl. Das Kriegsgericht ließ gegen Weiner, da ihm von seinen Vor- gesetzten gute Zeugnisse ausgestellt wurden, große Milde walten; es verurteilte ihn wegen vorschriftswidriger Behandlung in zwölf Fällen, davon in vier Fällen in Verbindung mit Beleidigung, sowie wegen Aufforderung Untergebener zur Begehung von Straftaten in vier Fällen zu ganzen vier Wochen Mittelarrest. So bekämpft man in Preußen Militärmißhandlungen. OrKei. Der jungtürkischc Kongreß. Konstantinopel, 4. September. In Anwesenheit von 55 riihereil Abgeordneten, 4 Senatoren und 24 Delegierten beriet heute der j u n g t ü r k i s ch e K o n g r e ß über die B e t c i I i- g u n g an den P a r l a m e n t s w a h l e n. Die Debatte ver- lief sehr stürmisch. Unter anhaltendem Lärm sprach sich der Kongreß durch Aufheben der Hände gegen die Teilnahme an den Wahlen aus. Tarauf wurde die Sitzung unterbrochen. Nach Wiederaufnahme der Verhandlungen wurde die Abstim- mung wiederholt und in namentlicher Abstimmung mit 6L gegen 13 Stimmen eine Resolution angenommen, in der es heißt: Das Komitee für Einheit und Fortschritt, das die Kammerschließung als einen Angriff auf die Verfassung be- trachtet, hat beschlossen, an d e r W a h l teilzunehmen, um durch gesetzliche Mittel der Nation ihre Rechte zurückzu- Ttz. Glocke, Berti«. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u Verlagsanstalt geben. In der nächsten Sitzung, die am Sonnabend statt- findet, soll die N e u o r g a n i s a t i o n des Komitees beraten werden._ Die Friedensverhandlungen. Konstantinopcl, 5. Septencher. Blättermeldungen zufolge beriet gestern der Ministerrat den Bericht der türkischen Delegierten über die Friedensverhandlungen. Nach dem Studium des Berichts werde die Pforte den Tele- gierten neue Instruktionen für die Wiederauf- nähme der Verhandlungen erteilen. Der Wechsel im italienischen Kommando. Rom, 5. September. Die„Agenzia Stefani" veröffentlicht folgende Note: Nachdem die erste Phase der militaristischen Opera- tionen in Libyen durch die tatsächliche Besetzung der Küste von Kap Macabez bis Tobruk erfolgreich beendet ist, hat sich die Regierung. um eine weitere Ausdehnung der Operationen nach dem Innern zu erleichtern, entschlossen, die beiden Kommandos über die Truppen in Tripolitanien und in der Cyreuaika voneinander un- abhängig zu machen. Daher ist General Caneva, nachdem ihm das für sein Werk gebührende Lob ausgesprochen war, durch könig- lichen Erlaß vom 2. September seines Kommandos ent- hoben und in Tripolitanien durch Generalleutnant Ragni und in der Cyrenaika durch Generalleutnant B r i c c o l a ersetzt worden. Beide Generale erhalten die gleichen militärischen und zivilen Befugnisse, wie sie bisher das einheitliche Oberkommando in Tripolis inne hatte. Marokko. Vormarsch gegen El Hiba Paris, 5. September. Wie die„Agence Havas" aus Rabat vom 3. September meldet, hat General L Y a u t e y ein sofortiges Vorgehen der Abteilung des Oberst M a n g i n gegen den Prätendenten E l H i b a beschlossen, um die in Marralesch gefangen gehaltenen Franzosen zu befreien und da die Untätigkeit dem Prestige im Süden schädlich er- scheint. Der Aufbruch des Oberst Mangin soll binnen drei Tagen erfolgen. Wie aus Casablanca berichtet wird, ist gestern ein Zuaven- bataillon abmarschiert, um S a f f i und M o g a d o r zu besetzen._ letzte Nachrichten« Mastnahmen gegen die Teuerung. Kassel, S. September. lPrivattelegramm des„Vorwärts".) Der Magistrat von Kassel hat der Stadtverordnetenver- sammlung soeben von folgendem Beschluß Kenntnis gegeben: 1. Zur Behebung ver Fleischtcuerung alsbald eine Eingabe an den Bundesrat und Reichstag zu richten, in der die O e f s- n u n g d e r G r e n z e n für die Einfuhr von Vieh, frischem Fleisch und sonstigen Lebensmitteln unter den veterinärpolizci- lich erforderlichen Vorsichtsmaßregeln verlangt wird; 2. sich dem Antrage der Stadt Magdeburg anzuschließen, dahingehend, den in Düsseldorf zusammentretenden Städte» tag um ein energisches Eintreten für die Leffnung der Grenzen Bundesrat und Reichstag zu ersuchen; 3. eine gemischte Kommission von Stadtverordneten und Magistratsmitgliedern zur Prüfung der Frage einzusetzen, in welcher Weise durch örtliche Maßnahmen der Fleisch- teuerung etwa Entgegengewirkt werden kann. Diese Maßnahmen cntsprrchen teilweise den Forderungen zweier Versammlungen, die von der sozialdemokratischen Partei einberufen und von mehr als 2000 Personen besucht waren. * Braunschweig, 5. September. sP.-C.) Der Magistrat der Stadt Braunschweig richtete, den„Braunschweiger Neuest-n Nachrichten" zufolge, an das herzogliche Staatsministerium das Er- suchen, beim Bundesrat dahin zu wirken, daß ge- eignete Maßnahmen ergriffen werden, um der Herr- schenken Fleischnot und Teuerung abzuhelfen. Ferner nahmen die Stadtverordneten einen Antrag an, der den Magistrat ersucht, Mittel und Wege ausfindig zu machen, daß auch seitens der Stadt der Teuerung gesteuert werde. Streik in der Bismarckhüttc. Breslau, S. September. lP.-C.) Ter„KönigShütter Zeitung" zufolge sind 150 Mann von der Belegschaft des Hochofenbetriebes der zur Bismarckhütte gehörenden Falvahütte nicht zur Arbeit er» schienen. Sie fordern eine zehnprozentige Lohn- crhöhung und andere Vergünstigungen. Ein Hoffnungsstrahl Bethune, 5. September.(W. T. B.) Während eines neuen Rettungsversuches in Clarencc wurde in der Tiefe von 1000 Metern ein lebendes Pferd gefunden. Dadurch ist die Hoffnung, die ver- unglückten Bergleute noch lebend aufzufinden, wieder wach geworden. / Zwei weitere Grubenunglücke. Waldenburg, 5. September., den Parsifal gleich im Jahre 1914 aufzuführen, sonst käme ihr ein anderes Pariser Unternehmen damit zuvor. — Henrik Ibsens Wohn- und SterbehauS in Christiania, ein an der Ecke des Drammenvey und der Arbinsgate gelegener Bau,-wird, anstatt eines früher geplante» JbsemiiuseiimS, jetzt in ein— Hotel mit Cafe verwandelt.... Sic trausit gloria mundi I — R iefen-Rekordpreife für Kunstwerke. Auf der Auktion Taylor in London wurden für 3ö Zeichnungen von Turner zwei Millionen Mark bezahlt. Bei Christie ging eine chinesische Base, die vor 17 Jahren 0500 M. gebracht hatte, für 188 000 lvt. weg. Am selben Ort erzielten 18 angeblich echte Gemälde Eorots in 4ö Minuten 1 SSV 000 M.., Seit Nationalliberalen zufallen würden. Dazu kommt, daß ein taktisches Zusammengehen in den Kreisen mit mehr als einem Abgeordneten naturgemäß nicht ohne Rückwirkung auf die Kreise mit einem Abgeordneten bleiben würde, wo wir selbst keine Aussicht auf Gewinnung des Mandats haben, wo wir aber die Wahl des Fortschrittlers herbeiführen könnten. Genaue Berechnungen lassen sich nicht anstellen, aber immer hin wäre eine Schwächung der Reaktion um 20 bis 30 Mam date das mindeste. Gewiß genügt das nicht, um die Mehrheitsverhältnisse im Landtage wesentlich zu verschieben, oder gar um eine Mehrheit für eine vernünftige Wahlreform zu sichern. Aber es niacht doch einen gewaltigen Unterschied, ob 60 oder ob 80 bis 90 Anhänger des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts im Landtage sitzen. Mit einem solchen Heere läßt sich der Wahlrechtskampf von der Tribüne des Abgeordnetenhauses, unterstützt durch den Reichstag und ge� tragen von dem Willen des Volkes, das seine Demonstrationen stärker und stärker gestalten muß, schon leichter führen als heute. Wie es erst des Ansturms der Massen bedurft hat, um die Regierung überhaupt zur Einbringung einer Wahlrechts Vorlage zu zwingen, so wird vor dem Willen des Volkes, gleichviel ob es seinen Willen bei den Landtagswahlen, bei den Reichstagswahlen oder wo immer zum Ausdruck bringt, schließlich auch die konservativ-klerikale Mehrheit des Preußenparlaments kapitulieren müssen. * .In dem Artikel„Zur Landtagswahl-Taktik" in Nr. 207 ist infolge des Ausfalls einer Zeile ein Satz in Spalte 2, zweiter Absatz, unverständlich geworden. Der Satz muß heißen: „Ist auf das Zentrum wegen seiner fortgesetzten Ver- rötereien kein Verlaß, so können wir mit den Nationallibe- ralen wegen ihrer Gegnersckiaft gegen ein gleiches Wahlrecht nicht zusammengehen.» Selbst wenn wir mit den National- liberalen und mit dem Zentrum— soweit ihre Mannen nicht abkommandiert werden— für die geheime und direkte Stimm- abgäbe votieren, so ist damit noch lange nicht gesagt, daß wir einer Reform des preußischen Dreiklassenwahlsystems, die sich auf diese beiden Punkte beschränkt, zustimmen müssen." Der 45. britische Gcwerisfcljaftsftongreß. Newp ort, 3. September 1912.(®ig.©er.) Nach der Wahl der Kongreßbeamten und Ausschüsse schritt man zur Beratung der Frage des Zusammenschlusses der Gewerkschaften- Zu diesem Punkte hatten die Maurer eine Resolution gestellt, die die Beschlüsse des Kongresses der letzten zwei Jahre in dieser Frage bekräftigte. Man glaubte allgemein, daß diese Resolution zu einer der wichtigsten Debatten Anlaß geben würde. Denn die Nationale Gewerkschaft der Dockarbeiter hatte ein Amendement folgenden In» Halts gestellt: sDer Kongreß)„beauftragt das Parlamentarische Komitee, zu versuchen, die Verschmelzung der verschiedenen GeWerk» schaften desselben Berufs herbeizuführen, so daß in jedem einzelnen Berufe nur eine Gewerkschaft besteht oder andernfalls die Föde» ration aller Gewerkschaften in derselben Industrie herbei- zuführen, so daß in bezug auf Taktik und Vertrags- termine Einheitlichkeit erzielt wird. Dieser Kongreß Weist auch die Propaganda de« Syndikalis- mus zurück." Dieser letzte Satz wurde auf Vorschlag des Parlamentarischen Komitees als nicht zum Thema gehörig gestrichen. Da dieser Satz aber gerade das interessanteste Thema anschnitt, gestaltete sich die Debatte nur zu einer Widerholung der so oft gehörten Argumente für die Verschmelzung der einzelnen Ge- werkschaften eines Berufs. K e s s a ck �Dockarbeiter), der zu dem Amendement sprach, bemerkte, daß die Zeit der teilweisen Streiks noch lange nicht vorüber fei. Die Wirksamkeit eines nattonalen Streiks in einer Industrie sei manchmal sehr problematisch. Wäre während des letzten Londoner Streiks ein nationaler Ausstand zuftandegekommen, so wäre der Kampf sicher zuungunsten der Arbeiter ausgefallen. Nach kurzer Diskussion wurde das Amendement an Stelle der Resolution als Resolution angenommen. Am Schluß der Sitzung des ersten Tages ereignete sich noch ein amüsanter Vorfall. Die Kongreßdelegierten waren, wie ein von dem Präsideuten verlesener Brief mitteilte, von dem Konstitutionellen Arbeiterklub NewportS zu Ehrenmitgliedern ernannt worden. Die unerwartete Höflichkeit seitens eines der konservariven Bereine, deren Haupttätigkeit darin besteht, bei Wahlen und ähnlichen Angelegen- heiten das nötige Agitationsbier anfahren zu lassen, verursackite zuerst ein beklommenes Schweigen, das der Präsident mit der Er- Ilärung brach, daß der Konstitutionelle Arbeiterklub jedenfalls die löbliche Absicht hege, die Delegierten während der Kongreßwoche in Getränken freizuhalten. Zweiter Tag. Zur Anfang der Sitzung wurde der Bericht des Parlamentarischen Komitees besprochen. Short(Kesselschmiede) beklagte sich über die Haltung deS Komitees in bezug auf den„Daily Citizen", das neue Arbeiterblatt, das nächsten Monat in Manchester erscheinen soll. Bowerman(Sekretär des Komitees) erklärte die Handlungs- Weise des Komitees. Als der„Daily Herald", das schon bestehende Arbeiterblatt, herauskam, wendeten sich die Gründer an das Paria- mentarische Komitee und räumten ihm zwei Sitze im Verwaltungs- rat ein. Der Vorschlag wurde angenommen. Bald darauf empfing das Komitee eine Deputation der Gründer des„Daily Citizen", die eine ähnliche Einladung überbrachte. Da die Einladung jedoch nicht schriftlich bestätigt wurde, entstand ein Mißverständis und das Komitee unternahm keine weiteren Schritte in der Angelegenheit. Die Gründer des„Daily Citizen" glaubten, das Pqplcimentarische Komitee stehe ihrem Unternehmen interesselos oder gar feindlich gegenüber. Das ist aber keineswegs der Fall. Wir werden den „Daily Citizen" mit allen Kräften unterstützen. Die Streitigkeiten. die zwischen dem„Daily Herald" und dem„Daily Citizen" aus gebrochen, haben absolut keinen Sinn. Ist England nicht groß ge� nug für zwei Arbeiterblätter? In Deutschland haben unsere Freunde 80 Tageblätter, und keinem einzigen derselben wird eS einfallen. seinem Nochbar da« Leben zu mißgönnen. Parlamentsmitglied Ward(Erdarbeiter): Die veröffentlichte Korrespondenz beweist, daß die Unduldsamkeit nicht bei dem Parlamentarischen Komitee, fondern bei den Leuten vom„Daily Citizen" zu suchen ist,, die alles getan haben, um den Bestand des „Daily Herald" in Frage zu stellen. Wenn dieser intolerante Geist den„Daily Citizen" beherrschen wird, wird das Blatt kein langes »Leben haben. Parlamentsmitglied Roberts(Buchdrucker): Nachdem das Par lamentarifche Komitee die Deputation vom„Daily Cittzen" emp fangen, versprach es, eine Antwort auf die Einladung zu geben- Diese Antwort ist ausgeblieben. Es hat es vorgezogen, ein Blatt zu unterstützen, das sich jetzt an die Feinde der Arbeiter mit der Bitte wendet, es finanziell zu unterstützen. Das ist mir auS guter Quelle mitgeteilt worden, und wenn es nicht wahr ish werden wir ja die Antwort gleich hören. Dent(Buchdrucker) verteidigt daS Parlamentarische Komitee. daS recht getan habe, das einzige Arbeiterblatt zu unterstützen, das augenblicklich in Großbritannien erscheine. Rowlerson(Schneider) kritisiert den„Daily Herald", weil dieser die Londoner Schneider in ihrem Kampfe unterstützt und die Mitglieder seiner Organisation, die sich nicht am Kampfe beteiligt hätten, Streikbrecher genannt habe. Evans(Druckereihilfsarbeiter, Vorsitzender deS Verwaltungs- ausschusses des„Daily Herald"): Das Parlamentarische Komitee konnte nicht anders. alS den„Daily Herald", das einzige Arbeiter- blatt, zu unterstützen. Es sind die Gründer des„Daily Cittzen", die den Streit angefangen, die stets erklärt haben, der„Daily Herald" sei nicht lebensfähig und sei deshalb auch nicht zu unter- stützen. In dem Kampf der Londoner Schneider und Hafenarbeiter hat der„Daily Herald' der Arbeiterschaft nützliche Dienste erwiesen. Es ist wahr, daß wir einen sogenannten Feind der Arbeiterklasse um Unterstützung gebeten haben. Es ist derselbe Feind, der während des Hafenarbeiterstreiks in London jede Woche 2090 Kinder der Streikenden mit Nahrung versorgte. Dürfen wir von diesem Manne Nahrung aber kein Geld annehmen? Der„Daily Herald" hofft, eine Million Anteilscheine von je 1 Schilling herauszugeben- Wir vom«Herald" wünschen dem„Cittzen" allen Erfolg. Das Feld ist groß genug für beide. Folgen wir dem Beispiel unserer deutschen Freunde. Damit endete die Diskussion; ein Beschluß wurde nicht gefaßt. Wie man erfährt, ist der Mann, der dem„Daily Herald" Geld vorstrecken will, das linksliberale Parlamentsmitglied Baron de F o r e st. Es entspann sich darauf über die Schlußsätze des Bericht? des Parlamentarischen Komitees eine längere Diskussion über die Osbornevorlage, in der das fliberale) Parlamentsmitglied Ward(Erdarbeiter) und Havelock Wilson(Seeleute) darzutun suchten, daß das Osborne- urteil die Arbeiterschaft ganz kalt ließe. Die Debatte wiederholte sich in ihren Hauptzügen später bei der Berawng einer Resolution über diesen Gegenstand. Die Resolution, die von den Bureau- angestellten der Eisenbahnen eingebracht wurde, lautete: „Da die von der Regierung eingebrachte Gewerkschaftsvorlage Nr. 2 den Gewerkschaften daS Recht der Ausübung der elementaren Funktion der Selbstverwaltung vorenthält, betrachtet dieser Kongreß die Vorlage als nicht zufriedenstellend, bekräftigt seine früheren Beschlüsse, in denen er die Freiheit der politischen Aktion fordert, und beauftragt das Parlamentarische Komitee,„gegen die Vorlage energisch zu opponieren, es sei denn, daß sie derart abgeändert wird, daß sie den Gewerkschaften vollständig die politische Freiheit zurückgibt, die diese 40 Jahre lang vor dem Osborneentscheid besaßen, wie in der vorher von der Arbeiterpartei eingebrachten Vorlage verlangt wurde". C h a n d l e r(Eisenbahner, Bureauangestellten): Unsere Gegner haben auf einmal ihr warmes Herz für die Rechte der Minderheit entdeckt. Sie wollen eS der Minderheit erlauben, die parlamen- tarischen Beittäge für die Wahrnehmung ihrer gewerkschaftlichen Interessen in der Volksvertretung nicht zu bezahlen. Das ist gerade so, als wollten sie einem Bürger gestatten, der Gemeinde die Steuern vorzuenthalten, weil er sich mit dem Beschluß der Mehrheit des Gemeinderats nicht einverstanden erklären kann. Leider hat die Agitation für die Umstoßung des Osborneurteil�. kn unseren Reihen seit dem Sheffielder Kongreß sehr nachgelassen. In Sheffield erklärten vor zwei Jahren alte Gewerkschaftsführer, daß sie bereit seien, daS ungerechte Gesetz zu brechen und ins Gefängnis zu wandern. Seitdem unsere Parlamentsmitglieder vom Staate be- soldet werden, hat ihr Enthusiasmus in dieser Frage merklich nach- gelassen. Parlamentsmitglied H a r v e h(Bergarbeiter): Wenn mein Bor- redner die offiziellen Parlamentsberichte studierte, würde er sehen. daß unser Eifer keineswegs nachgelassen hat. DaS Osborneurteil ist hauptsächlich deshalb erlassen worden, weil die Vertreter der Arbeiter die Interessen ihrer Klienten so eiftig verfochten haben. Schon vor 30 Jahren gebrauchten die Gewerkschaften ihre Gelder. um Vertteter wie Broadhurst, Burt, Wilson und Fenwick ins Parlament zu schicken. Erst als die Arbeiterschaft in geschlossenen Reihen auf dem polftischen Felde erschien, kam man dahinter, daß diese Tättgkeit un- gesetzlich sei. Wir können uns nur mit der vollständigen Wiederher- stellung des vor dem Osborneurteil bestehenden Zustandes zufrieden geben. Havelock Wilson(Seeleute): Was führte zum OSborne- urteil? Es war die Tatsache, daß viele Gewerkschaften von ihren Mitgliedern, die die Politik der Arbeiterpartei nicht billigen, obli- gatorische politische Beiträge erhoben. Diese Mitglieder traten ihren Organisationen nicht auS politischen Gründen bei, sondern lediglich, um eine Vertretung ihrer beruflichen Interessen zu finden. Nichteiii organisierter Arbeiter von zehn kümmert sich einen Pfifferling um das Osborneurteil. Wenn wir von dieser Frage soviel Wesens machen, wird eS den Anschein erwecken, alS läge uns nur daran, ins Parlament zu kommen. Sexton(Dockarbeiter): UnS interessiert weniger die Frage. waS zu dem Urteil geführt hat; uns interessiert vielmehr, daß das Osborneurteil ein unhaltbares, ein monströses Urteil ist. Wilson war selbst einmal Parlamentsmitglied; die Gelder seiner Gewerk- schaft ermöglichten eS ihm. ins Parlament zu kommen. Er sollte doch wahrlich der letzte sein, der die politische Tättgkeit der GeWerk- schaften kritisierte. Die Kapitalisten benützen das Parlament, um die Entwicklung der Gewerkschaften zu hemmen und die Macht unserer Organisationen zu zerstören. Kann eS den Gewerkschaften verboten werden, sich gegen diese Angriffe zur Wehr zu setzen und ihre eigenen Vertreter ins Unterhaus zu schicken? Shaw(Textilarbeiter): Unsere Gegner beschuldigen uns, daß wir die politische Tättgkeit auf Schleichwegen in die Zwecke unserer Organisationen eingeschmuggelt hätten. DaS ist nicht wahr. Wir Textilarbeiter haben die politischen Beiträge erst erhoben, nachdem nach offener Diskussion die Erhebung dieser Beiträge mit großer Mehrheit beschlossen worden war. ES sind unsere Gegner, die im Dunkeln arbeiten. Sie machen sich an unzufriedene Mitglieder der Gewerkschaften heran und bewegen diese durch Geldgeschenke, einen richterlichen Einhaltsbefehl gegen die Gewerkschaft zu erhalten. Die Kosten dieses Prozesse werden aus einem geheimen Fonds gedeckt. Und diese Leute, die sich zu solchen Zwecken gebrauchen lassen, das sind die Ehrenmänner, denen die politische Aktton der Gewerk- schaften Gewissensbisse bereitet. Der Vorsitzende tat wohl daran, eine genaue Abstimmung über diesen Punkt vornehmen zu lassen. 1 868 000 Stimmen wurden für und nur 89 000 Stimmen gegen die Resolution abgegeben. Interessant war noch die Debatte über die Anträge der Landarbeiter. die in Ostengland wieder anfangen, sich zu organisieren. In einem Antrag forderten sie für die Landarbeiter, die im Durchschnitt in England nur 13 Schilling verdienen, daß diese in die Liste der Berufe aufgenommen werden, in denen das Schwitzsystem vorherrscht und für die Lohnämter errichtet werden müssen laut dem Gesetz des Jahres 1909. In einem anderen Anttag verlangten sie ein Gesetz, das die Bebauung landwi-tschaft- lichen Bodens obligatorisch mache. Ihre Vertteter Edward« und Hu weit schilderten in beredten Worten die Not ihrer Kollegen, wiesen darauf hin, vi« alle die besten«md tüchtigste» das Land verließen, um in den Städten die Löhn« herabzsdiScken'. wie dadurch das Volk entkräftet wird, wie die Eifenbahnen und andere große Gesellschaften bei der Enlöhnung ihrer Arbeite, die Landarbeiterlöhne als Grundlage nähmen, wie es daher im Interesse der Industriearbeiter liege, ihren Brüdern auf dem Lande im Kampfe um bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen zu helfen, und wie die englische Landbevölkerung recht gut die ge« walttgen Massen importierter Lebensmittel selbst produziere» könne, wenn ihr nur der Boden, der jetzt brach daliege oder dem Vergnügen der Reichen diene, zugänglich gemacht werde. Das Parlamentsmitglied Roberts(Buchdrucker) teilte mit, daß die Arbeiterpartei ein Komitee zum Studium der Landfrage eingesetzt habe, das bald einen Bericht herausgeben werde. In warmen Worten forderte er die Gewerkschaften auf. in ihrem eigenen Interesse die Landarbeiterorganisationen mit allen Kräften zu unter- stützen. Die beiden Resoluttonen wurden einstimmig angenommen, vor der Abstimmung wies der Vorsitzende Thorne noch darauf hin, daß eine Vorlage zur obligatorischen Bebauung deS landwirtschaft- lichen Bodens schon in den achtziger Jahren von dem bekannten und fteigeisterischen Abgeordneten Bradlaugh im Unterhause ein- gebracht worden sei._ Hus der parte!« Zum Fall Radek. Der Vorstand deS sozialdemokratischen Wahlvereins Teltow« BeeSkow-Charlottenburg teilt uns mit, daß der Kreis- vorstand, der endgültig über die Aufnahme von Mitgliedern zu ent- scheiden hat, mit Zustimmung des Vorstandes für den Bezirk Wilmersdorf die von R a d e k im Juli nachgesuchte Ausnahme in den Wahlverein verweigert hat. Aus den Organisationen. Die Generalversammlung des sozialdemokrattfchen WahIvereinS für den 8. Hannoverschen Wahlkreis(Hannover-Linden) fand am Sonntag statt. Neben der Erledigung der geschäftlichen Angelegen- heiten befaßte sich die Generalversammlung mit dem Parteitage. Abg. Genosse L e i n e r t verteidigte das Stichwahlabkommen und sprach ausführlich über den geplanten Parteiausschuß, den er empfahl als Mittel, die Maßnahmen und Beschlüsse des Partei- Vorstandes in engere Fühlung zu bringen mit den Organisationen im Lande, im übrigen anerkennend, daß der Parteivorstand seine Schuldigkeit getan habe. Leinert wandte sich scharf gegen die Absicht einer Verstärkung des Vorstandes mit dem Zwecke, einer be- stimmten„Richtung" entscheidenden Einfluß im Parteivorstande zu verschaffen, gegen die Eisenacher Sonderkonferenz und die Treibereien Rädels, der, ohne Mitglied der Parter zu sein, deren Institutionen heruntersetze. Das seien unhaltbare Zustände. Weiter trat Genosse Leinert für die Aufhebung des Nürnberger Be- schlusseS betreffend die Abgabe des Tagesverdienstes am 1. Mai der in Parleibetrieben Angestellten und für die Behandlung der Steuer- frage auf dem Parteitage ein.— Angenommen wurden die An» träge: 1. die ReichslagSfraktion soll vollzählig mit beratender Stimme am Parteitage teilnehmen, 2. der Parteivorstand soll eine aus Theoretikern und Praktikern zusammengesetzte Kommission er- nennen, die Vorschläge für ein Agrarprogramm machen soll; 3. auf dem Parteitage in Chemnitz die Stcuerfrage zu behandeln; 4. den Beschluß, Abgabe des Tagesverdienstes am 1. Mai, aufzuheben. Die Sonderkonferenz in Eisenach wurde verurteilt. Abgelehnt wurde ein Antrag, den Parteiausschuß abzulehnen und statt dessen den Parteivorstand zu vermehren.— Weiter besprach die General» Versammlung den preußischen Parteitag und die nächstjährigen LandtagSwahlen und erklärte sich gegen ein Wahlbündnis mit den Liberalen schon bei den Urwahlen. /Zug Industrie und Handel. Di« Syndizierungsbestrebungen in der russischen Roheisen- industrie. Seit einiger Zeit verlautet von Bestrebungen, die russische Roheisenindustrie in ein Syndikat zw überführen. Begrüadet wird diese Absicht damit, daß die Roheisenerzeugung Rußlands in letzter Zeit derart gestiegen sei, daß die„Gefahr" einer Preistabschwächung vorliege. Das Syndikail soll daher hauptsächlich der Hochhaltung der russischen Rohe isenpreise dienen. Diese Vorgänge in der russi- sehen Roheisenindustrie sind außerordentlich bcinerkenkwert. Sic zeigen, mit welcher Schnelligkeit die Eisenindustrie Rußlands vor- wärts zu kommen sticht, nachdem sie vor fünf bis sechs Fahren noch sehr daniedergelegen hatte. Im Jahre 1907 kamen aus Ruß- land laute Klagen über den Rückgang des inländischen Verbrauchs. Als sich der Eisenverbrauch in Rußland hob, da fehlte es an Roh- eisen» und Gußeisen, und man sprach direkt von einer russischen Roheisen- und Gußeiscnnot. Die Weiterfabrikatlion des Eisens war so schnell vorwärts geeilt, daß die Roheisenproduktton nickst Schritt nnt ihr halten konnte. Während die Produktion von Fertigware von 1904 aus 1910 um Ungefähr 32 Millionen Pud flieg, war die Gußcisenproduktiion nur um rund 6 Millionen Pud angewachsen. Das Jahr 1904 war für die russische Eisenindustrie ein- außer- ordentlich günsttgeS Jahr gewesem Die Beschäftigung dieses Jahres war lange Zeit hindurch nicht mehr erreicht worden. Das Jahr 1910 hatte jedoch eine noch viel günstigere Lage der russischen Eisenindustrie gebracht und die weiterverarbeitenden, Werke kann- ten der Nachfrage kaum genügen. Diese Nachfrage wurde so stark, daß die Eisenindustriellen> sich an die russische Regierung wandten und beantragten, die Einfuhr von Gußeisen erheblich zu erleich- lern. Schließlich wurde ein Gesetz erlassen, wonach 10 Millionen Pud Gußeisen unter herabgesetzten Zöllen eingeführt werden konnten. Seit der Einführung der Zollermäßigung muß die Pro- duktion außerordentlich gesteigert worden sein, sonst wären die jetzigen Bestrebungen, ein russisches Roheisensyndikat zu- gründen, nicht-zu verstehen. Zu vermuten sst. daß dieses Syndikat darauf hinarbeiten wird, daß die Zollermäßigungen kür ausländisches Gußeisen wieder aufgehoben werden. Würde das geschehen, so 'läge ein neues Beispiel für die sch utzz öl l ne ri sch e T e n-d e n z R iiißlands gegenüber der deutschen Industrie vor. Seit einigen Jahren schon wird in Rußland niit Heftigkeit darauf hingearbeitet, die Jndustriczölle weiter zw erhöhen. Teutschlands Hochschutzzoll- system würde dadurch einen Stoß erhalten, der im Interesse der deutschen Konsumenten ebenso zw begrüßen wäre� wie die geplanten russischen Getreideeinfwhrzölle. Wasserstands-Nachrichte» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom verktner Wetterbureau Wasserstand M e m e I, Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel. Thorn Oder, Rattbor , Krosseu , Franksurt Warthe. Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz . Dresden „ Barby . Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel. Spandaus , Rathenow') Spree, Sprembergft , Beeskow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximilianSan . Kaub . Köln Neckar, Heilbronn Main, Hanau Mosel. Trier *) Uuterpegel. Trinken Sie„KornfrancK" mit»»Aecht Fränck"! Gibt ein intensiv dunkles Käffeegetr&nk ypn sehr feinem und Kräftigein Geschmack.- Todes-Anzeigen SozialdemokratiscberWalilvereiD 1.1 4. Herl Heiclistags- Wahlkreis. Köpenicker Viertel. Bez. 187 II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse �uxust Ulrich Görlitzer Str. 42, gestorben ist. Ehre seinein Andenke«! Die Beerdigung sindet heute Freitag, den K. September, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Zentral-Friedhoses in Friedrichsseide aus statt. Um rege Beteiligung ersucht !21g/l8!>«>- VorBtan«!. Sozialdemokratischer Wahlverein LI 4. ßerl. Reichstags- Wahlkreis. Landsberger Viertel. Bez. 391 II. Den Mitgliedern zur Nadfricht, daß unser Genosse, der Tischler •Joset Wroz Tilsiter Str. 26, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, den 6. September, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Zcntral-Fricdhose» w Friedrichs- i selde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht LlSslg»ei- vai-ntand. Sozialdemokratischer Wahlverein I. d. 6. ßerl. Reichstagswahlkreis Nachruf. Am 28. August verstarb unser Genosse, der Friseur »elnried 8edmil!t Christinenstr. 35, Bez. 484. Ehre seine« Andenken! Die Beerdigung fand bereits am 2. September m Schwarzen- beck statt. 232/3 Der Norftand. Yerhaod der Maler, Lackierer etc. Kiichenmobeibranche. Den Mitgliedern dah unser Kollege, zur Nachricht, der Maler Hermann Sebvenn gestorben ist. Ehre seine« Andenke«! Die Beerdigung findet heute Freitag, den 6. September, nach- mittags V.S Uhr, von der Halle des ZentralsriedhoseS in Friedrichs- jelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Verband der Gemeinde- u. Staatsarbeiter. gÄ1?,«. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, dah der pensionierte Kollege kriedricb Reichardt welcher früher in den Verl. Waffer- werken beschäjiigt war. verstorben ist. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung findet Freitag, den 6. September, nachm. 3 Uhr, vom Krankenhaus Friedrichihain. Landsberger Allee aus aus dem städtischen Friedhof in Friedrichs- selbe statt. 35/11 Die Ortsverwaltnng. Allen Freunden und Bekannten zur NachAcht, daß meine liebe Frau Maria Schuster geb. m»»«. am Dtittwoch. früh>/43 Uhr. nach langen, schweren Leiden verstorben ist.— Die Beerdigung sindet am Sonnabend, den?, d. Mts., nachm. 4 Uhr, auf dem Zwölf-Apostel. Kirchhos, Tempelhsser Weg. statt. Der trauernde Gatte G liste» Schuster. Slsiholzstr. 16. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes 6A Karl Karbe sage ich den werten Kollegen von den Firmen Hugo Härtung und Sie- mens u.Halske meinen innigsten Dank. Ckarlotte Karbe und Kinder. Ärbeiter-Radlahrer- Buad Solidarität. Ortsgruppe Berlin. Touren zum Sonntag, d. 8. September: 1. Abt.: 6 Uhr: Freienwalde(Rad datz). 12 Uhr: Werneuchen(Schlottke). Start: Bülowstrasie 58. 2. klbt.: 6 Uhr: Zescher-See(Ab kochen). 1 Uhr: Neu- Dabendors (Haaker). Start: Schönletnstr. 6. 3. Abk.: 5 Uhr: Luckenwalde. 12 Uhr: Grosibeeren. Start: Lausitzer Platz 11. 4. Abt.: 8 Uhr: Hakenselde(kein Lokal srei)., 1'/, Uhr: PichelSwerder (Alter Freund). Start: Küstriner Platz. 5. Abt.: 10 Uhr: Neu-Dabendotf. 1 Uhr: MierSdorf(Zur Mühle). Start: Elysium. 6. Abt.: 8'/, Uhr: Zehdenick. 1 Uhr: Mllhlenbeck(Baersch). Start: Oder- berger strasie 28. 7. Abt.: 5 Uhr: Freienwalde(Rad- datz). 12 Uhr: Werneuchen. Start: Schulstrasi« 29. 8. Abt.: 8 Uhr: Reu-Dabendors. Start: Levetzowstrasie 21. 11 Uhr: Neu-Tabendors(Seeschlosi). Start: Huttenstr. 5. 9. Abt.: VI, Uhr: AdlerShos. Start: •. 22. M 2 III Große Fra 11. Abt.: Am 11. Sept., 9 Uhr: Beelitz. 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Der Redaltion der„Düsseldorfer Vollszeiwng" flog nach- stehendes, noch nicht an die betreffenden Arbeiter ausgegebene ge- druckte Zirkular zu: Wohlfahrtseinrichtung für Lithographen und Steindrucker der Hermann Schött-Aktiengesellschast Rheydt. Die Hermann Schött-Aktiengesellschaft will ihren Lithographen und Steindruckern eine Unterstützung gewähren, ohne daß sie Beiträge zu leisten haben. Die Unterstützung sollen erhalten alle Lithographen und Stein- drucker, welche wenigstens ein Jahr bei der Firma besckiäftigt sind. Sie dürfen keiner anderen Unterstlltzungskasse angehören und müssen sich diese verpflichten, an keinem Streik teilzunehmen. Die Erklärung, daß man keiner anderen Unterstützungs- lasse angehört und sich verpflichtet, an keinem Streik teilzunehmen, wird durch eigenhändige Namensunterschrift abgegeben. Rheydt. 12. Juni 1312. Es folgen dann noch Bestimmungen über die Art der Kranken-- Dodesfall-, Alters- und Militärunterstützung und über Urlaub. Die Verteilung des Zirkulars an die Arbeiter hat man wohl deshalb noch nicht vorgenommen, weil man noch am Ucberlegen ist, ob man wirklich wagen dark, den Arbeitern den Verzicht auf ihre Rechte für einige Wohlfahrtsbrocken zuzumuten. Mit den„anderen" Unter« stützungskassen sind die Gewerkschaften gemeint, aus denen man auf diese Weise die Arbeiter zu reißen gedenkt. Wenn die Firma die Arbeiter zum Verzicht auf Organisation und Streik verleiten könnte, dann wäre sie vor Lohnerhöhungen und sonstigen unbeaueme» Dingen sicher. Das ersparte Geld würde zweifellos mehr ausmachen, als ihr die„Wohlfahrt" kosten würde. Selbst die Gewährung von drei Tagen Urlaub für Leute, die mindeftns fünf Jahre bei der Firma beschäftigt sind, ist unter diesen Umständen nur ein zurück- zuweisender Köder. Hoffentlich werden die Arbeiter, wenn die Firma an sie herantritt, es ablehnen, ihr wirtschaftliches Todesurteil„eigen- händig" zu unterschreiben._ Berlin und Umgegend. Zum Streik i« den Buchdruck- Maschinenfabriken ist mitzuteilen, daß die Arbeitgeber sich bereit erklärt haben, eine allgemeine Zulage von 3 und S Pf. zu gewähren, soweit eine solche im letzten Vierteljahre nicht erfolgt ist. Jedoch wollen sie bei den jungauSgelernten Schlossern und Drehern über ihr bisheriges An- gebot nicht hinausgehen. Auch wollen sie für Arbeiten außerhalb der Werkstatt keinen Zuschlag geben. Eine am Donnerstag abgehaltene Streikversammlung beschloß einstimmig, daß auf Grund dieses Angebots der Streik nicht auß. gehoben werden soll, jedoch beauftragt sie ihre Kommission, falls die Arbeitgeber zu Verhandlungen weiter bereit sind, mit ihnen zu verhandeln. In Nr. 71 der„ B u ch d r u ck e r- W o ch e' ist eine Notiz ent- balten, die die Tatsachen aus den Kopf stellt und ein falsches Bild von der Bewegung und ihren Ursachen gibt. Es wird darin gesagt, die� Arbeitgeber hätleu größtenteils die Forderungen der Arbeiter erfüllt und ztvar sei dies seitens der Unternehnier„auch stets und gern geschehen, soweit die Forderungen als berechtigt hätten anerkannt werden können". Dieser Passus hat bei der Versammlung die größte Heiterkeit ausgelöst. Mit Ent- tüftung wurde aber von der Sielle Kenntnis genommen, die besagt: die Arbeitsniederlegung entspringe nur der sich„geltend rnachenden Streiklult" der Arbeiter,„denn ein zwingender Grund hierzu hätte nicht vorgelegen". Die Ergebnisse der bisherigen Ver- Handlungen bringen den Gegenbeweis zu dieser Behauptung. „Weitere Verhandlungen", sagt die Notiz weiter,„hätten sicher auch die letzten Differenzpunkte ausgeglichen." Warum war es denn nicht schon am ersten Tage der Ver- Handlungen möglich, die Differenzpunkte„auszugleichen", wenn es den Arbeitgebern angeblich so bitter ernst damit war? Die Stimniung der Versammelten zeigte denn auch, daß sie sich in ihren Maßnahmen auch durch solche Ausstreuungen nicht beirren lassen werden, sondern nach wie vor geschlossen und ein« mülig für ihre nur allzu berechtigten Wünsche einzutreten ge- willt sind. Streik in der chirurgischen Branche. � Die Arbeiter der chirurgischen Branche befinden sich in einer Tarisbeivegung. Bisher standen in dieser Branche nur einzelne Be- triebe im Tarisvcrbältnis mit dem Deutschen Metollarbeiter-Verband. Die wesentlichsten Forderungen der Tarifvorlage sind: Neunstündige Ärbeilszeir, ein Mindestlohn für Klempner, Drücker, Schleifer, Dreher, Mechaniker. Gürtler, Schlosser, Lackierer von 70 Pf. pro Stuiide. Nach 14 Tagen sollen 7ö Pf. pro Stunde gezahlt werden. Für Schwabler rcsp. Schleiserei-Hilfsarbeiter unter 23 Jahre» 53 Pf., über 23 Jahre 65 Pf. pro Stunde. Für Jungausgelernte im ersten Jahre noch beendeter Lehrzeit 13 Pf. weniger pro Stunde. Der jeweilige Stundenlohn soll bei der Akkordarbeit garantiert werden. Diejenigen, die in Akkord 83 Pf. pro Stunde und darüber verdienen, erhalten, wenn sie im Lohn beschäftigt werden, den Durchschnittsverdienst der letzten 4 Wochen. Neue Akkorde werden auf Grund des festgesetzten Stundenlohnes kalkuliert. Die alten Akkoide werden um 13— 15 Prozent erhöht. Der Tarif soll bis 1314 gelten. In einer am Mittwoch abgehaltenen Unternchmerversanimlung lehnten diese eS strikte ab, mit dem Deutschen Metallarbeiter-Verbande zu verhandeln. Eine Ausnahme macht nur die Firma K ü st e r in der Kroutstraße, die sich erboten hat. mit der Tarif- iommisfion in Verhandlungen zu treten. Bei der Tarisbewegung lammen etwa 153 Personen in Betracht; beteiligt daran ist außer dem Deutschen Metallarbeiterverband noch der Hirsch-Dunckersche Geiverkverei» dessen Vertreter der ain Donnerstag abgehaltenen Versammlung beiwohnte und auch in die Diskussion eingr.ff Die Versammlung stimmte mit 81 gegen 6 Stimmen für den �'"Die Arbeiter einer Firma hatten sich schon morgen« für den Streik erklärt die Arbeiter der Firma K ü st e r bleiben vorläufig im Betriede.'__ Lohusiewegung im Möbelspeditionsgewerbe. Die Parker Kutscher und Transvortarbeirer in den Groß-Be-.-tmer MöbelspediNonsbetrieben befinden sich ,n einer Lohnbewegung. Die Vorberetwngen zur Durchfuhrung dieser Be- wegung habe» die Arbeiter seil mehreren Wochen bereits getroffen. Vor einigen Tagen hielten die Möbellransporlarbeiter cme sehr stark besuchte Versammluna ab in welcher von der Lohnkommission über die den Unternehmern zu stellenden Forderungen berichtet wurde. Wie in der Versammlung ausgeführt wurde,, bestehen in den „leisten MobeliranSporiacichästen nock lmwer die alten Lohnsätze, welche die llulernchnier bei der letzten Lohn- bewegnug im Jahre iv37 durch ihre Organlsation ein- seitig ohne Mitwirkung der Arbeilccorganiialion, des Transport- arbeilerverbandeS. festsetzten Es war den Möbeltransponarbeitern damals nicht gelungen, die Unternehmer dazu zu bringen, die Forde- rungen der Arbeiter auf tarifliche Regelung der Löhne anzuerkennen. Danach bezahlen die Unternehmer heute noch Löhne für Packer 24—27 M. und für Kutscher 25—23 M. pro Woche. Die nicht ständigen Arbeiter(Möbelträgers werden in der stillen Zeit mit 4—4,53 M. und in der Umzugszeit mit 5— 5,53 M. pro Tag bei oftmals 15— 18stüiidiger Arbeitszeit meistens ohne Bezahlung von lleberstund-il entlohnt. Die Unternehmer rechnen gemeinhin den Arbeitern die Trinkgelder als Vergütung für die Ueberslunden an. Die Trinkgeldfrage gibt oftmals nicht nur zu Differenzen mit der Kundschaft der Unlernehmer Veranlassiing, sondern es entstehen so- gar in gewissen Fällen noch Streitigkeilen zwischen den Unternehmern und ihren Arbeitern selbst, weil bei größeren Transporten die Spediteure das Trinkgeld den Auftraggebern von Umzügen mit auf Rechnung setzen und hernach den Arbeitern ein An- recht auf das Trinkgeld streitig gemacht wurde(I), so daß sich die Gewerbe- und ordentlichen Gerichte mit solchen Streitigkeiten befassen mußten. Es wurde denn auch besonders darauf hingewiesen, daß diese Entlohnung in Anbetracht der jetzigen Teuerung und der zu leistenden Arbeiten nicht mehr zeitgemäß sei. Seitens der Lohnkommission wurde den Versammelten ein Lohn- tarifentwurf zur Annahme vorgelegt, der folgende Forderungen an die Unternehmer enthält: Arbeitszeit für Packer und Arbeiter von 6 Uhr früh bis 6 Uhr abends. Für Kutscher 5Va Uhr früh bis 7 Uhr abends mit zweistündigen Pausen zur Einnahme von Mahl- zeiten. Ueberstunden nach 6 bezw. 7 Uhr sollen mit 75 Pf. bezahlt werden; nach 13 Uhr abends mit 1 M. pro Stunde. Als Lohn wird gefordert: für Kutscher 31 M., für Packer 33 M. pro Woche, für die Arbeiter in der stillen Zeit 6 M. und in der Umzugszeit 7,53 M. pro Tag. Für die Pocker wird beim Verpacken von Glas und Porzellangejchirr außer dem Betrieb pro Tag ein Zuschlag zum Lohn von 3 M. gefordert. Für Geldschränke, welche in Gurten getragen werden können, werden 5 M., für Flügel« Instrumente 2 M. bezw. 4 M. Extraentschädigung an die Transport« kolonne gefordert. Für Nachttransporte nach außerhalb werden für jeden Bedienungsmann pro Nacht 4 M. Spesengeld und bei Eisenbahntransporten im Jnlande 5 M. bezw. 6 M., nach dem Aus- lande nicht unter 12 M. pro Tag Spesengeld neben Eisenbahnfahr- geld 3. Klaffe gefordert. Außerdem enthält der Tarifentwurf noch eine Reihe von Bestimmungen bezüglich der Regelung von Sonntags- arbeiten, Sommerurlaub und die Auslegung des§ 616 des Bürger- lichen Gesetzbuches. Der ausgearbeitete Tarifentwurf wurde ohne wesentliche Aenderungen seitens der Versammlung angenommen und die Leitung.des TranSportarbeiterverbandes beauftragt, den Tarif- entwurf dem Vorstand des Vereins Berliner Möbeltransporteure umgehend einzureichen und um gegenseitige Verhandlungen darüber nachzusuchen. Die Forderungen sind dem Unternehmerverein bereits überreicht worden und wird abzuwarten sein, ob die Unternehmer den Wünschen ihrer Arbeiter Entgegenkommen zeigen werden, so daß dadurch eine friedliche Beilegung der Lohnbewegung herbeigeführt werden könnte. Achtung, Steinmetzen! Die Firma Gebr. Friesecke, Kunst- steinwerke, weigert sich, das Fahrgeld nach dem Bau Deutsche Oper in Charlottenburg zu zahlen. Der Bau ist so lange gesperrt, bis die Firma das tarifliche Fahrgeld bewilligt hat. Zentralverband der Steinarbeiler. Ortsverwaltung Berlin. Die Bildhauer der Modellbranche im Baufach haben ihren Tarifvertrog gekündigt und von den Arbeit- gebern eine Erhöhung der Minimollöhne gefordert. Außerdem wurden noch einige weniger wesentliche Forderungen aufgestellt. Die zuständige Unternehmerorganisation hat alle Forderungen abgelehnt und will nur einer unveränderten Verlängerung des alten Vertrages zustimmen. Vor etwa Hier Wochen hat eine Versainmlung der Modellbranche beschlossen, sich bei dieser Erklärung der Arbeitgeber nicht zu beruhigen, sondern an ihren Forderungen festzuhalten. Die Kommission wurde beaustragt, Verhandlungen in diesem Sinne mit den Arbeitgebern anzubahnen. Darauf hat die Kommission bei dem zuständigen Gewerberichter die Einberufung der Schlichtungskommission beantragt, denn der alte Vertrag schreibt vor, daß, wenn sich die Parteien über den Inhalt eines neuen Vertrages nicht einigen können, die Schlichtungskommission und in letzter Instanz das Eini- gungsamt des Gewerbegerichts zu entscheiden hat. Die Unternehmer haben aber erklärt, sie würden nur unter der Voraussetzung in der Schlichtungskommission verhandeln, wenn der alte Vertrag verlängert werde. Ueber neue Forderungen würden sie nicht verhandeln. In- zwischen ist nun der Mite Vertrag mit dem 1. September ab- gelaufen. Das ist der Stand der Dinge, den W ö l k e r als Referent in der am Mittwoch abgehaltenen Versammlung der Modelleure vor- trug. Er betonte, daß die Arbeitgeber sich des Vertragsbruchs schuldig gemacht haben, indein sie der Verlragsbestimmung, die sie zu Verhandlungen in der Schlichtungskommission verpflichtet, nicht nachgekommen sind. Es sei jetzt Sache der Kollegen, die Antwort aus die Haltung der Arbeitgeber zu erteilen. Es empfehle sich nicht, wegen der aufgestellten Forderungen in einen allgemeinen Streik einzutreten. Da aber der Tarif seit dem 1. Septeniber nicht mehr besteht, so hätten die Kollegen in der tariflosen Zeit die Möglichkeit, in den Betrieben, wo es ihnen angebracht erscheint, Forde- rungen zu erkämpfen, die dann allerdings höher sein würden als die für den neuen Tarifabschluß aufgestellten. Die Geschäfts- läge sei derart, daß die Arbeitgeber eine Lohnerhöhung ohne Nach- teil bewilligen könnten. Aus der anderen Seite sei auch die Orga- nisation der Modellbranche so günstig, daß ein partieller Streik gute Aussichten auf Erfolg biete. Nach eingehender Diskussion beschloß die Versammlung, mit W e r k st a t t st r e i k s vorzugehen. In denjenigen Werlstärten, wo die Gipsbildhauer die Minimallöhne der Stukkateure nicht erreichen, sollen Forderungen gestellt werden, die von der Kommission zu sormulieren sind. Die Kominission ist deshalb in jedem Falle von dem beabsichtigten Vorgehen zu benachrichtigen. Zur Aussperrung im Tachdcckergewerbe. Zu den Firmen, welche bewilligt haben, sind in den letzten Tagen fünf Firmen hinzugekoinmcn, welche die Lohn- und Arbeits- bedingungen unterschrifklich anerkannten. Es hoben bis jetzt ins- gesamt 32 Firmen unterschrieben. Die Zahl der Ausständigen geht dadurch natürlich zurück. Im Ausstand befinden sich noch die Arbeiter von 43 Betrieben. Die Gesamtzahl der Ausständigen beträgt 375. Der Kampf ist belannilich durch die Diktatur der Scharfmacher im Baugewerbe entstanden, weil diese forderten: der Tarifvertrag darf nicht länger als bis zum 31. März 1913 abgeschlossen werden. Die Dachdeckerrneister waren kurzsichtig genug und gehorchten. Jetzr sitzen sie in der Klemme und mögen nun sehen, wie sie sich heraus- winden. Von den Arbeitern wird der Kampf mit derselben Schärfe geführt»"ie von Anfang an. Die Erbitterung ist auf beiden Seiten aufs höchste gestiegen. Die Unternehmer machen fortgesctzl die ver- zweiseltsie» Anstrengungen. Arbeitswillige zu bekoirnneu. In ihrem Organ weisen sie ständig auf ihren Meisterarbcitsnachweis hin. Wenn sie nur in der Lage wären, ihren Bedarf einigermaßen be- friedigen zu können. Die Aussprüche der Arbeitgeber beweisen dieses selbst. Hat irgendwo ein Arbeitswilliger angefäiigen und die Aus- ständige» holen diesen weg, dann erklären die Herren ganz weh- mutig: nun haben sie mir auch noch diesen einen Mann iveggeholt; den hätten sie mir doch wenigstens lassen sollen. ,Die Oualität der Leute ist aber oft derart, daß die Ausständigen sich gar keine Mühe geben, diese ans den Betrieben herauszuholen. Als Arbeitswilliger sucht sich besonders der Dachdecker Heinrich Alt- haus hervorzutun. Er zieht von einer Werkstellc zur anderen, um den Arbeitgebern aus der Patsche zu helfen. Ihm ebenbürtig ist der Dachdecker Ernst Seifert aus Steglitz, Bcrgstr. St. Der- selbe betreibt ein Zigarrengeschäft; obgleich er eS also nicht not- wendig hätte, spielt er den Arbeitswilligen bei der Firma V e n tz. in Friedenau. Ihre letzte Hoffnung hatten die Arbeitgeber jetzt auf den Monatserstem gesetzt. Sie hatten bestimmt darauf gereckuet, daß ein Teil der Ausständigen wieder in die Werkstellen zurückkehren werde. Ihre Rechnung stimmte jedoch nicht. In der letzten Woche wurde den Ausständigen von der Organisation ein Zuschlag aus dein Reservefonds zur Streikunterstützung gezahlt. Das mag den Arbeit- gebern auch zeigen, daß, wenn sie glauben, die Kasse der Orgam- sation zu plündern, um hierdurch die Unterstützung zu umerbmorn,, sie darauf noch sehr lange warten können. Die Ausständigen haben Vertrauen zur Organisation, so daß es ihnen unter allen Umstände» gelingen muß, den Kamps zu einem siegreichen Ende zu führen. Tarisbewegung der in der Postbranche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Die im Deutschen Buchbinderverband organisierten Nieter, Zu- schneider, Arbeiterinnen und Hilfsarbeiter befinden sich in einer Tarif» bewegung. Die Arbeiter halten den Arbeitgebern eine Tarifvorlage eingereicht, worauf die Unternehmer eine Gegenvorlage unterbreiteten. Nachdem nun 4 Sitzungen zwischen beiden Parteien stattgefunden hatten, scheiterten die Verhandlungen an der starren Haltung der Arbeitgeber. In der Sitzung, die am 33. August statt» fand, schlugen die Arbeitgeber vor, bezüglich der Wochenlöhne die Tarifbedinaungen der Bezugbranche bewilligen zu wollen. Zu. den Akkordpreisen wollten sie in der ersten Sitzung eine Zulage bis 13 Proz. geben, in der zweiten gar nichts, wäbrend sie die Frage der Arbeitszeit ebenfalls nach dem Bezugtarif geregelt wissen wollten. Dadurch aber würden die Arbeiter der Postbranche, deren Arbeit eine äußerst schwere ist, ungünstiger gestellt werden. Unter diesen Umständen mußten die Verhandlungen als gescheitert gelten. Seitens der Arbeilervertreter ist bei den Besprechungen das denkbar weiteste Entgegenkommen gezeigt worden, so daß eS nicht ihre Schuld ist, wenn die Verhandlungen resultatlos verlaufen mußten. Eine stark besuchte Versammlung der Postbranche billigte da? Verhalten der Tarifkommisston ausdrücklich und nahm ein-- stimmig eine Resolution an, die besagt, daß die Versammelten. beschließen, nach den gemachten Zugeständnissen der Unternehmer weitere Verhandlungen nicht zu führen, da bei der Haltung der Arbeilgeber eine friedliche Einigung nicht zu erwarten ist. Den Wünschen der Arbeitgeber, nunmehr das Einigungsamt des Berliner Gewerbegerichts anzurusen, vermag die Versammlung nicht zuzu- stimmen. Die Versammelten beauftragen die Tarifkommission, mit je einem Vertreter aus jeder Werkstatt die reduzierte Vorlage nach der letzteren Verhandlung zusammenzustellen und dieselbe zur Unter- schrift vorzulegen. Eine weitere Versammlung wird dann über die weiteren Maßnahmen zu beschließen haben. In Anbetracht der Situation verpflichten sich alle Anwesenden, für die Ausbreitung der Organisation Sorge zu tragen, um am 1. Oktober eine geschloffene Macht zu bilden. Achtung! Tapezierer(Kleber)! Die Sperre über die Firma B a g g e, Innsbruck« Str. 19(Bauten: Jnnsbrucker Str. 25 und am Park, Ecke Nymphenburger Straße) ist hiermit aufgehoben. Die Schlichtungskommission. Die ausständigen Färber der Färberei und chemischen Wasch- anstatt von Kalläne u. Meiling, Blumenstr. 83, haben zum großen Teil Arbeit in anderen Betrieben angenommen, da Herr Kalläne sich zu leiner Verhandlung bereit erklärte. Den Schaden trägt »alürlich die Firma, die rhre alten, eingeübten Arbeiter verloren hat. Der Streit ist aufgehoben. Die Firma, welche keine, organi-- sierten Arbeiter und Arbeiterinnen in ihrem Betriebe dulden will, zählt dennoch offenbar gern die organisierte Arbeiterschaft zu ihrer Kundschaft. ES ist uns wenigstens nicht bekannt, daß die Kundschaft in den vielen Annahmestellen gefragt wird, ob der Eigentümer des zu reinigenden oder zu färbenden Kleidungsstückes etwa organisiert ist. Wer ein Gegner der Organisation ist, sollte auch konsequent sein und das auf der ganzen Linie durchführen. In Verlegenheit geriete die organisierte Kundschaft deswegen allerdings kaum. Es gibt in Berlin größere Färbereien und chemische Wäschereien genug, die ihrer Arbeiterschaft gegenüber nicht den krassen Unternehmer» standpunkt herausgekehrt haben, wie die Firma Kalläne u. Meiling. Oeutfeffea Reich. Achtung, Schuhmacherl. Bei der Firma Goldschmid u. Löwenick, Frankfurt a. M.. haben die Arbeiter die Arbeit niedergelegt, weil die Firma den bestehenden Akkordtarif um 53 Proz. gekürzt hat. Der Durchschnittslohn im letzten Jahre betrug bei 133 Ueberstunden und neunstündiger Arbeitszeil 28,54 M., in den letzten neun Wochen mit Ueberstunden 33 M. Angesichts der teuren Lebensverhältnisse hat es der Inhaber der Firma, ein steinreicher Mann, fertig ge- bracht, die Akkordsätze fast um die Hälfte zu kürzen, so daß es den Arbeitern höchstens möglich wäre, bei Ausnutzung oller Kräfte auf einen Lohn von 17—13 M, zu komme». Verhandlungen mit dem Fabrikantenverband haben sich zerschlagen, die Fabrikanten» organisation scheint aber von einer Aussperrung absehen zu wollen, so daß der Konflikt auf die eine Firma beschränkt bleibt. Die Firma fertigt lediglich Reiseschuhe und Kamelhaarartikel. Die Arbeiter dieser Branchen werden gebeten, den Zuzug von Frankfurt fernzuhalten._ Glasarbeiterstreit. In Münder am Deister streiken seit 8l. August sämtliche GlaS» arbeiter. Die Ursache liegt in Differenzen über Bezahlung der Feierschichten. Die Firma sorgt nicht für die Beschaffung der Roh- inatericilien, so daß das Glas nichi fertig geschmolzen werden kann. Die Arbeiter müssen deshalb zwei bis drei Tage in der Woche aus- setzen und verlangen dafür Bezahlung. Da die Bummelei der Firma sehr oft eintritt, weigern sich die Arbeiter weiterzuarbeiten, wenn sich die Firma nicht zur Bezahlung der Feierschichten bereit erklärt. Alle Glasarbeiter werden ersucht, Münder am Deister streng zu meiden._ Einen schönen Sieg erfocht der freie Bergarbeiterverband bei den Sicher» heitsmännerwahlen im Wurmrevier, die jetzt ab» geschlossen worden sind. Im allgemeinen ist die Begeisterung der Arbeiter für diese Wahlen nicht groß. Das Wahlreglement ist so beschaffen, daß es gerade dem Bergarbeiterverband außerordentlich schwer gemacht ist, Erfolge zu erringen. Wahlberechtigt ist nur, wer ein Jahr ununterbrochen ans der Zeche tätig ist, wählbar ist nur, wer zwei Jahre in dem Bezirke gearbeitet hat und ebenfalls ei» Jahr auf der Grube arbeitet. Es ist den Zechen ol>n sehr leickt gemacht, mißliebigen Leuten die Oualitäten zu nehmen, die sie haben muffen, um als Kandidaten aufgehellt zu lv-rsen. Nichts» destowcniger war es öiesmal für den freien Verband sehr verlockend, sich an den Wahlen zu beteiligen. Die Wahl sollte einen Gradmesser dafür bieten, wie bei den Bergleuten des Wurmreviers der Streikbruch des christlichen Gewerkvereins bei dem letzten Bergarbeiterstrcik im Rubrrevier gewirkt hat. Da ist denn bei der Wahl dem Deutschen Berg- arbeiterverband ein Vertrauensvotum ausgestellt worden, das sich dieser nicht bester wünschen könnte. Fast ans allen Zechen hat der freie Verband beträchtliche Erhöhungen seiner Slinimenzahlen zu verzeichnen. An der Zahl der Mandate ist er dem christlichen Gewerkverein, der bis jetzt im Wurmrevier dominierte, gleich ge- kommen. Auf mehreren Zechen, auf denen er bisher noch keine Vertretung hatte, hat er Mandate erobert. Nach her Zahl der für ihn abgegebenen Stimmen ist er an die erste Stelle gerückt. Er er» hielt 976 Stimmen(die Zahl der abgegebenen Stimmen ist bei dieser Wahl wegen der rigorosen Bestimmungen deS Wahlreglements immer niedrig), während es der christliche Gewerlverein diesinal nur auf 761 und die Zechenpartei nur auf S2ö Stimmen brachte. Mandate erhielten der freie Verband 26, der Gewerkverein 26 und die Zechcnpartei 17. Auf den Zechen Anna und Wilhelinschacht, die bisher als unbestrittener Besitz des christlichen Gewerkvereins galten, wurden 2 Verbändler gewählt. Einen grobartigen Erfolg hatte der Verband aus Zedje Nordstern bei Herzogenrath. Sämtliche acht Mandate die auf dieser steche zu vergeben waren, halten die Christen in Händen. Bei der diesmaligen Wahl eroberte der freie Verband fünf Mandate. Im ganzen hat der freie Verband seine Mandate von 11 auf 26 vermehrt, wobei zu bemerken ist, daß dieser Erfolg in der Hochburg der Schwarzen eireicht ist l Was von den Zechen diesmal wieder an Wahlterrorismus Seleistet worden ist, geht auf keine Kuhhaut. Auf der eche Maria I und II bei Mariadorf waren die Stimm« zettel sdie laut Wahlreglement von der Zechenverwaltung entnommen werden müssen) mit den Namen der Zechen- kaudidaten versehen. Die Arbeiter, die wählen kamen, wurden ge- fragt, ob sie„einen Zettel mit oder einen ohne Namen" wünschten. Durch dieses Vorgehen ist mancher Arbeiter eingeschüchtert wurden. Auf Eschweiler Reserve wurde am Tage der Wahl einem Sicher- hcitSmann, der wieder kandidierte, eröffnet, dast er nach einer anderen Abteilung verlegt sei, als für die er auf der Kandidatenliste stehe. Nach beendeter Wahl wurde unser Genosse, der ge- wählt gewesen wäre, für nicht gewählt erklärt. Der für gewählt erklärte Zechenkandidat hatte— eine einzige Stimme erhalten! Selbstverständlich wird gegen diese und eine Reihe anderer Wahlen Protest erhoben werden. In der Presse der Christen herrscht über den Ausgang der Wahl beredtes Schweigen! �Die gelben Fleischcrgesellen hielten, in der Zeit vom 1. bis 8. September in Haneburg ihren Bundestag ab. Au-ber den zirka 66 Delegierten nahmen noch etwa 26„Ehrengäste" an ihm teil, namentlich JnrnliiMneister, auch Vertreter der Gcwerbekammer und ein Vertreter des Hamburgischen Verbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie. Daß diese Ehrengäste nichts anderes als die Drahtzieher waren, zeigte sich recht deutlich, denn sie waren stets hurtig bei der Hand, wenn eS einmal den Anschein hatte, als sollten die Meisterintercssen im mindesten berührt werden. Hatte dann dieser oder jener Obermeister gesprochen� dann setzte programmgemäß der Beifall ein. Die Verhrmdlungen waren er, süllt von einem wütenden Gekläff gegen den„sozialdemotratischen' Zentralverband, durch das jede Sachlichkeit erstickt Itxurde. So kam es, daß im Bericht über das erste Geschäftsjahr kaum eine tat sächliche Mitteilung gemacht wurde. Erst später wurde gelegentlich von einzelnen Delegierten behauptet, die Mitgliederzah-l betrage 6666 oder 6666. Traurig steht ose Bundeskasse. Sie hatte im ersten Halbjahr eine Einnahme von 7366,86 M. und eine Ausgabe von 6162,42 M. Aus der Tagesordnung standen einige Punkte, nach denen es schien, als sollten Geselleninteressen vertreten werden. Man war offen genug, zu betonen» daß es hier nur gelte, angesichts der?lrbeit de« Zentralverbandes zu zeigen, daß man auch etwas für die Gesellen tun wollte. So wünschte man eine neue Regelung der Sonntagsruhe. In den Geschäften, wo mehrere Gesellen be- fthäftigt werden, müßte wenigstens alle zwei oder drei Wochen ein freier Sonntag gewährt werden. Aber man dürfe natürlich nicht weitergehen, als das Handwerk vertragen könne. Von Berlin war der Antrag gestellt worden, im Fleischergewerbe die 72 stündige Arbeitszeit pro Woche einzuführen. Gerkes-Rixdorf erklärte dazu, das sei geschehen, weil im Berliner Gesellenausschuß drei Zentral- verbändlcr sitzen. Da brauche man einen solchen Beschluß zur Agitation. Bei dieser Frage traten die Meister besonders in Aftion. Daß in den Fabriken eine feste Arbeitszeit gelte, wünschten sie auch, aber im Handwerk sei mit einer bestimmten Arbeitszeit von 12 Stunden nicht auszukommen. Der Vorsitzende des Arbeitgeber- schuhverbandes im Fleischergewerbe, Schmidt-Hannover, erklärte den Gesellen, sie dürften nicht für eine solche Arbeitszeit eintreten, denn damit arbeite ja gerade ihr Gegner, der Zentralverband. Nein, so fuhr er fort, sagen Sie: Wir wollen freie Gesellen sein und über unsere Arbeit verfügen, wie wir wollen, nicht nach den Vorsthriftcn eines Verbandes. Und wenn die Meister noch eine Arbeit, von uns wünschen, dann kommen wir dem gern nach. (Brausender Beifall!) Obermeister Paschke-Charlotienburg meinte: In Ihrem Interesse kann ich nicht für diese Arbeitszeit sein. Wenn Sie ins nächsten Jahre selbständig werden, dann werden Sie daS ebensogut bezahlen müssen, wie wir. Also machen Sie sich nicht unglücklich! Die Haltung der Gesellen war erbärmlich. Opitz- Leipzig weinte, cS dürste wenigstens nicht länger als 14 Stunden gearbeitet werden. Andere erklärten, daß man nicht für eine Rege- lung der"Arbeitszeft eintreten könne, da doch der Deutsch-nationale Fleischergesellenbund den Zweck habe, den Kleinbetrieb zu fördern. Zscherper-Hamburg meint, eine solche Regelung könne nicht durch einen Jnnungsbcschluß, sondern nur durch einen Tarifvertrag er- reicht werden. Aber der Tarifvertrag sei ein« Schraube, an dem die Bundesgesellen und gar auch der Zentralverband drehen können. Er glaube deshalb nicht, daß der Tarifvertrag im Fleischer- gewerbe zweckmäßig sei.(Rufe: Nein, neinl) Eine Resolution wurde dann gefaßt, wonach eine Regelung der Arbeitszeit einzig und allein nach örtlichen Verhältnissen vorzunehmen ist. Versagt so der Bund, wo es sich um die Interessen der Gesellen handelt, so vergißt er doch nicht, daß er verlangen kann, von den Meistern gehätschelt zu werden. Die JnnungSunterstützungen, die bisher allen Gesellen aus der Reise gegeben wurden, sollten künftig nur den gelben zugute Wommen und deshalb von den Innungen pauschal in eine IlntcrsiüAungkckosse gezahlt werden. Die Meister wollen aber die VerfT uing darüber nicht verlieren. Nun soll der Zweck dadurch erreicht werden, daß den Bündlern Legitimationskarten gegeben werden, die allein zum Empfang des JnnungSgeschenkes berechtigen sollen� Eine Krankenunterstützung einzusühreu glückte nicht wegen mangelnder Finanzen, ein Arbeitsnachweis zum Ausschluß der Roten nicht wegen mangelnder Organisation. Sonst wurde natürlich über den„Streik- und Boykottunsug der sozial- demokratischen Gewerkschaften" gezetert und für die nationale Jugendbewegung Propaganda gemacht. Der praktische Erfolg der Tagung war gleich Null. Lohnrednzierung in bremischen Staatsbetriebes.. In der vorigen Wockie stimmte die Bremische Bürgerschaft zivei Anträgen zu, wonach sowohl von der Stadt als auch von der Re- gierung Maßnadmen gegen die hcrischende Fleikchteuerung gefordert wurden. Damit hat das Bremische Parlament anerkannt, daß eine Teuerung besieht. Trotzdem haben noch bremische VerivallirngS« deputatioii'en den Mut, den Slaalsarbeilern die Löhne zu kürzen. Bor kurzer Zeit wurden den Wasierbauarbeitern die AufaugSlöbne, die 4 M. pro Tag betrugen, auf 3.86 M. pro Tag reduziert. Im Februar d. I. hatten die der Deputation für Häfen und EiieubaHuen unterstellten Arbeiter Forderunge» gestellt. Bis zum 21. Aug»« lsttttcn die Arbeiter darauf»och keine Äntwork erhallen, sie hatten aber bereits vernommen, daß die Deputation mit der Absicht umgehe, die Löhne zu verschlechtern! Die Staats- arbeitcr veriuchten dielen H-eb mit neuen Forderungen zu posieren und baten die Deputation, iimerhalb acht Tagen darauf zu' ant- Worte». Die Autwort kam. aber nicht aus die letzten Forderungen, soiidcru auf die am 21..Februar gestellten. Sie ist auch tatsächlich so aiisaefnlleir. wie die Arbeiter vermuteten. Die Löhne, die jetzt kür uuaelernie Arbeiter 3.S6 M. und dann � nach zwei Jahren der «usb'loung 4.40 M pro Tag betrugen sollen ab Oktober d. I. noch der neuen Veiordnung wie folgt sestgesetzl werden: für un- oelernte Arbeiter 3.86 M. nach einem Jahre der Ausbildung 3.S6 M.. nach Jioei Iatiren 4,20 M.. nach vier Jahren 4.46 M. und»ach sechs Jahren 4.66 M. pro Tag. Danach tritt sowohl be, den Anfangs- lohnen als auch bei den Lobnsteigerungen eine Verschlechterung e.n. »ei einer Unterredung des Vertreters des Gemeinde- und Staats- ärbeil- Verbandes mit dem Vertreter der Depu.at.on stellte ,.ch Hera..« daß die Mitglieder der Deputation von der neuen Eingabe der Arbeiter noch gar nickt in Keiuttnis geletzt worden Md. Die Arbeiter bestimmten deshalb den 5. September als den letzten Tag, an dem sie die Antwort auf ihre neue Emgabe entgegennehine»� Lammesgeduld haben die bremischen StaatSarbeiter jetzt geniig be wiesen, ihre OrganisationSverlreter haben auch alles versucht, um den Frieden zu erhalten. Ob daS nach dem 6. September noch möglich sein wird, wird ganz von der Stellung abhängen, die die maßgebenden Behörden zu de» Forderungen der Arbeiter einnehmen. Erfolgreiche Streikbewegung. In Gengenbach(Baden) wurden die Arbeiter der Alb. Köhlerscken Pappendeckelsabrik von der Fabrikleitung seit einiger Zeit ungehörig behandelt und durch Androhung oder direkte Entlassung gemaßregelt. Am Sonntag traten die Arbeiter, über 166 an der Zahl, zusammen, um einen Abwehrstreik zu beraten. Die Leiter der freigewerkschaft lichen und christlichen Organisation sprachen sich beide für ein gemeiw sameS Vorgehen, eventuell durck Arbeitseinstellung, aus, wenn am Montag der zu entsendenden Deputation keine Garantien für die Abstellung der Uebelstände gegeben würden. Als der Fabrikant dieser niierivarteten Einigkeit seiner Arbeiter gegenüberstand, einigte er sich mit denselben. Dieser Erfolg hat in dem kleinen katholischen Städtchen die Macht der Organisation wirkungsvoll veranschaulicht. 8o2iales. Teuerung und Standesamt, Der Glaube, daß die neuerdings besonders scharf hervortretende Teuerung eine„vorübergehende Erscheinung" sei, will im deuffchen Volke trotz allen offiziellen und offiziösen Geredes nicht recht Wurzel schlagen. Jeder Hausvater, der sein Ausgabenkonto einige Jahre zurückverfolgt, sieht, daß die Kosten deS Nahrungsmittelaufwandes, die Mietpreise, die Kosten für Bekleidung, Heizung, Beleuchtung sowie die Steuerlasten ununterbrochen gestiegen find. Die Lebend Haltung der breiten Schichten des Volkes hat sich nicht gebessert, sondern eher noch verschlechtert, da die Löhne und Gehälter meist nur geringfügige Steigerungen erfahren haben. Daß solche un- gesunde Zustände auf die Dauer unserer Bolkskraft schweren Schaden zufügen müssen, liegt auf der Hand. Wertvoll ist es jedoch, daß die neuesten Ergebnisse der amtlichen Statistik die schon früher oft genug ausgesprochenen Befürchtungen bestäftgen. Die unmittel- bare Folge der wachsenden Teuerung ist ein Sinken der Heiratslust und in Verbindung damit ein Rückgang der Geburtenziffer. Die Eingehung der Ehe bedeutet unter den heutigen ungünstigen Wirt schaftlichen Verhältnissen ein gefährliches Wvgnis. In den meisten Gewerbe zweigen entsprechen gegenwärtig die Löhne auch nicht im entferntesten den Kosten der Lebenshaltung. Auch der kleine Be- antte ist bei größter Beschränkung meist nicht mehr in der Lage, seine Familie auskömmlich zu ernähren und seinen Kindern eine angemessene Ausbildung zu geben. Es ist daher kein Wunder, daß die Zahl der Eheschließungen von Jahr zu Jahr scharf zurück- geht. Das Sinken der Heiratslust und das Nachlassen der Volks- Vermehrung im Deutschen Reich in den Jahren 1ö6ö bis 1910 ergibt sich aus nachstehender tabellarischer Uebersicht: Auf 1666 Einwohner kamen: Eheschließungen Geborene Eheschließungen Geborene 1365: 486 966 2 648 463 8.1 34.6 1966: 498 996 2 684 739 8.2 34.1 1967: 663 964 2 666 973 8,1 33.2 1968: 566 620 2 676 666 8.0 33,6 1969: 494 127 2 638 357 7.8 32.6 1916: 496 396 1 982 836 7.7 36,7 Eine besonders ungünstige Bewegung der Eheschließungen und Geburten setzte seit dem Jahre 1896 ein. Die Zahl der Heiraten hat sich von 1896 auf 1916 um 2694 oder um 6,5 pro Tausend der Bevölkerung vermindert. Die Geburtenziffer ist gleichzeitig um 161 963 oder um 3,4 pro Tausend gesunken. Um diese auffallende Erscheinung zu verstehen, muß man sich vergegenwärtigen, daß im ganzen Deutschen Reiche die Kosten des Nahrungsmittelaufwands für eine vierköpfige Familie seit 1965 durchschnittlich um 11 Proz. und seit 1896 um 33,1 Proz. gestiegen sind. Die Erhöhung der Mietpreise für Kleinwohnungen vollzog sich ungefähr in dem gleichen Tempo. In den meisten Großstädten sind die Haushaltskosten weit rascher gestiegen als im Reichsdurchschnitt. Sie erhöhten sich wäh- rend der Jahre 1966 bis 1912 in Berlin um 12,6 Proz., in München um 16,6 Proz., in Köln um 16,6 Proz., in Breslau um 14,6 Proz., in Magdeburg um 26,2 Proz., in Leipzig um 12,9 Proz., in Düffel- darf um 27 Proz. und in Halle a. S. sogar um 36,8 Proz. Seit dem Jahre 1896 stiegen die Kosten des Nahrungsmittelaufwandes einer vierköpfigen Familie in Berlin um 37 Proz., in Hamburg um 41,7 Proz., in München um 26,5 Proz., in Köln um 34,1 Proz., in Breslau um 36 Proz., in Hannover um 46 Proz. und in Magde- bürg um 44 Proz. Daß diese gewaltige Verteuerung der wichtigsten Lebensbedürfnisse die jungen Leute von der Eingehung der Ehe abhält, kann gar nicht mehr bestritten werden. Eine Folge dieser anormalen Zustände ist auch der steigende Prozentsatz der unehe. lichen Geburten. Im Jahre 1966 waren unter 166 Geborenen durchschnittlich 8,1 Uneheliche. Der Anteil der Unehelichen stieg im Jahre 1969 auf 9 Proz. und im Jahre 1916 auf 9,1 Proz. Ein geradezu vernichtendes Urteil über unsere schädliche, einseitige Wirt- schaftspolitik werden voraussichtlich die entsprechenden statisttschen Angaben für die Jahre 1911 und 1912 bilden. Ob man dann wohl an den leitenden Stellen einsehen wird, daß die Teuerung keine „vorübergehende Erscheinung" war? Oder will man warten, bis die dauernde Schädigung unserer Volkskraft es dahin gebracht hat, daß man auch vom deutschen Volke als von einer„vorübergehenden Erscheinung" sprechen kann? Kann der Gehilfe noch nicht fälliges Gehalt einklagen? Die Erste Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts bejahte diese Rechtsfrage, indem sie einer Klage auf Zahlung des rückstän- digen Gehalts und der an den folgenden Monatsletzten bis zum Ablauf des Quartals fälligen Monatsraten statt gab. Allerdings erfolgte die Verurteilung nur in der Weise, daß nur das fällige Gehalt sofort, die anderen Raten sofort nach Fälligkeit zu zahlen seien. In frühTen Entscheidungen wurden Klagen auf Zahlung später fällig werdenden Gehalts darum abgewiesen, weil die Ge- richte sich auf den Standpunkt stellten, der Gehilfe müsse erst ab- warten, ob er nicht inzwischen anderweitig Stellung finde. Da dies jedoch in den meisten Fällen nicht eintrat, so war die Folge eine Anhäufung von„Monatsklagen" und damit verbunden eine unnütze Beschwerung des Kaufmanusgerichts. Nach dem von der Ersten Kammer des Berliner Kaufmannsgcrichts jetzt eingenom- mcnen Standpunkt wird der ganze Rcckstsfall in eine Entscheidung gefaßt. In seinen Rechten wird dadurch der Prinzipal keineswegs gekürzt, denn er kann, wenn er den Kläger im Verdacht ander- weitiger Tätigkeit hat, sofort Klage beim Kaufmannsgcricht er- heben und die Auszahlung der fälligen Rate eventuell durch schleu- nige Verfügung inhibieren. In den weitaus meisten Fällen wird übrigens der Gehilfe nach Erlangung einer anderen Stellung von dem rechtskräftigen Urteil gegen seinen früheren Prinzipal erst gar keinen Gebrauch machen. DaS„Finanzierungsinstitut" für Lehrlinge, Die Spekulation auf die Dummheit und Unerfahrenheit junger Leute, die es schnell zu etwas bringen möchten, findet immer noch ihre Opfer. Das zeigte sich wieder einmal in einer gestern statt- gehabten Verhandlung vor der 6. Kammer des Berliner Kvuf- mannsgerichtS. Verklagt war das Finanzierungsinstitut von Straube u. Co.. das früher„Institut UnitaS"(Inhaber Heinicke u. Moll) firmierte. Schon unter dieser alten Firma destanden die Finanzgeschäste, die bei dem Unternehmen vekrieben Wurden, in der Hauptsache darin, junge Leute als„Lehrlinge" einzustellen und ihnen dafür ein Lehrgeld abzunehmen, das, je nach der Zahlungs- fähigkeit der„Kandidaten", zwischen 366 M. und 1666 M. variierte. Dafür sollte dann auch der„Herr Volontär" in einem Jahre in die Geheimnisse der Finanz- und Börsenkunde eingeweiht werden. Als die alte Firma wegen der Massenklagen von Volontären, die ihr„Lehrgeld" heraushaben wollten, bei den Gerichten und in der Oeffentlichkeit zu bekannt wurde, verwandelte sie sich in das oben genannte beklagte Unternehmen. Die alte, sehr rentable Geschäfts- Praxis, Leute mit Lehrgeld heranzuziehen, wurde natürlich in be- währter Weise fortgesetzt. In dem zur Verhandlung gekommenen Falle sollte der junge Mann 366 M. Lehrgeld in einem Jahre zahlen, wovon 156 M. anzuzahlen waren. Von dem Vormund, der die Klage auf Herausgabe der Anzahlung einleiten ließ, wurde der Einwand der Unzurechnungsfähigkeit des Klägers erhoben. Obgleich der Einwand im Interesse ihres Sohnes lag, focht die Mutter— wahrscheinlich aus dem Gefühl der Mutter- liebe heraus— die Unmündigkeitserklärung ihres Sohnes an und hatte damit auch Erfolg. Nach den dem Kaufmannsgericht vor- lisgenden Akten des zuständigen Amtsgerichts ist der Kläger G. im Vollbesitz seiner Geisteskräfte. Da die Leiter des merkwürdigen FinanzierungSinstiwts es aber vorzogen, zur Verhandlung nicht zu erscheinen und sich auch nicht vertreten zu lassen, so entging die Firma doch nicht der antragsgemäßen Verurteilung. Hiiö der fraiicnbewccjung. Tirnstbotenlos und Dicustbotenpflicht. (Em Mahnwort an die proletarischen Eltern.) Die proletarischen Eltern können ihren Kindern keine matcri- ellen Güter hinterlassen, sie sind nicht einmal imstande, ihnen die Existenzmöglichkeit einigermaßen zu sichern. Kaum der Schule entwachsen müssen die jungen Menschen hinaus ins feindliche Leben, in das Getriebe von toller Hetzerei und skrupellosester Aus- beutung,-das dem Kapitalismus eigen ist. Handelt es sich um Mädchen, dann denkt wohff mancher Vater, manche Mutter: Es ist besser, das Kino geht nicht in eine Fabrik, sondern in Dienst. Da hat es sein gutes Essen, da kann es manches -lernen, was ihm später als Frau zugute kommt, und ist im Schutze des Hauses weniger den Gefahren ausgesetzt, die ein junges Mädchen umlauern. Im einzelnen Falle mag manches an dieser Rechnung richtig sein, aber im ganzen ist sie doch falsch. Die Dienstboten sind schlechter gestellt als die gewerblichen und Jndustriearbeiterinnen. Jhve Arbeitszeit ist ungeregelt. Es bleibt der Einsicht der Herrschaften überlassen, ob sie die tägliche Leistung der Hausangestellten auf ein erträgliches Maß einstellen wollen. Und um diese Einsicht ist es sehr miserabel bestellt. 14 bis 16 Stunden am Tage haben die Mädchen noch immer in den meisten Häusern zu arbeiten. Und die K o st ist gewöhnlich bei weitem nicht so gut und so reichlich, daß sie den Kräfteverbrauch voll ersetzen könnte. Die Teuerung aller Lebensmittel wirkt auch auf die bürgerlichen Haushaltungen ein, und auch dort sind es die Proletarier— die Hausangestellten—, die zuerst darunter leiden müssen. Die Herrschaft selbst entbehrt nicht gern,'da wird eben soviel wie möglich den Dienstboten abgezwackt. Dazu kommt, daß dem Mädchen in der Regel keine bestimmten Pausen für die Mahl- zeiten eingeräumt werden, und daß es infolgedessen das Essen meistens nur so nebenher bei der Arbeit hinunterschlucken muß. Wie die Essenspauscn, so ist auch die Zeit für die Nachtruhe auf das kärgste bemessen. Oft genug muß das Mädchen des Nachts die Sorge für kleine Kinder oder sonstige Verpflichtungen über« nehmen, weil die gnädige Frau zu bequem ist, selbst zu tun, ivas ihres Amtes wäre.— Besonders traurig ist es um die Sch la f» räume der Mädchen bestellt. Em heizbarer und verschließbarer Raum steht ihnen in den seltensten Fällen zur Verfügung. Meistens werden sie in der Küche, auf dem Hängeboden, im Keller oder in einem Mansardenstübchen untergebracht, oft genug in einem elenden, unsauberen Bett. Darüber gibt eine Statistik klare Auskunft, die der Verband der Hausangestellten aufgenommen hat und die 15 Städte umfaßt. Von 966 Schlafräumen waren 546 nicht heizbar. 24 lagen auf dem Hängeboden, 65 im Keller. 13 in der Küche, IL in der Badeftube, 5 auf dem Korridor und 133 waren Mansarden- räume. 13 Räume besaßen überhaupt kein Fenster, in 53 konnte das Fenster nicht nach außen geöffnet werden, sondern nur nach einem Jnnenraume. Von einer genügenden Ventilafton kann dabei natürlich nicht die Rede sein. Auch die Reinlichkeit ließ in den meisten Fällen viel zu wünschen übrig, weil ben Mädchen nicht die nötige Zeit für die Reinigung zur Verfügung gestellt wird. Das Angeführte umfaßt nur einen kleinen Teil der Mißstände. unter denen die Hausangestellten zu leiden haben. Es sollte trotz- dem genügen, um die Arbeitereltcrn zum Nachdenken darüber zu veranlassen, ob sie unter solchen Umständen noch länger beiseite stehen wollen. Um so mehr, als bekanntlich auch in rechtlicher Be» ziehung die Dienstboten ganz besonders schlecht gestellt sind. Noch immer gelten für sie die A.u Snahmegesetze der Gesindeordnungen. Nach verschiedenen davon haben die Mädchen nicht einmal daS Recht, den Dienst zu verlassen, wenn sie tätlich mißhandelt worden sind. Von sonstigen Beschimpfungen ganz zu schweigen. Sie müssen cS sich gefallen lassen, daß ihnen im Dienst- buch ein Zeugnis mitgegeben wird, das oftmals lediglich von der Niedertracht und Rachsucht der„Herrschast" diktiert ist und das Mädchen beim Suchen einer neuen Stellung schwer schädigt. Auch jene Arbeiterfrauen, die, von der steigenden Not ge- trieben, als Aufwärterinnen. Wasch, und Rein- machfrauen usw. tätig sein müssen, um so das kärgliche Einkommen der Familie zu erhöhen, sind ähnlichen Schädigungen und Bedrückungen im Arbeitsverhältnis ausgesetzt wie die Dienstboten. Auch sie werden in der Regel für schwere, überlange Arbeit mise- rabel entlohnt und beköstigt. Aber es gibt auch für die im Haus- halt tätigen Proletarierinnen eine Möglichkeit, ihr trauriges Los zu verbessern. Die Arbeitereltern können ihren Kindern keine materiellen Güter vererben. Aber sie können ihnen daS beste Erbteil des Proletariers übermitteln: Die Erkenntnis von der Notwendigkeit der Organisation und deS gemeinsamen Kampfes! Auch für die Hausangestellten besteht eine Organisation, die auf dem Boden der freien Gewerkschaftsbewegung steht:-Der Zrntralverband der Hausangestellten Deutschlands, der bereits 6666 Mitglieder umfaßt und im stillen, zähen Ringen schon manchen Vorteil herausgeholt hat. Der Verband gewährt kostenlos Rechtsschutz, Rat und Auskunftserteilung bei Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnis; kostenlose Lieferung der Verbandszeitung, die zu allen wichtigen Fragen Stellung nimmt, Aufklärung und Unterhaltung bringt. Der Verband bietet: Gesellige Zusammenkünste und aufklärende Vorträge. Er nimmt sich auch im Krankheitsfalle seiner Mit» glieder an und gelvährt eine Krankenunter st ützung. Besonders di< Gewährung von Rechtsschutz ist für die Haus» angestellten von größter Wichtigkeit. Infolge der Unkenntnis seiner Rechtslage mußte schon gar manches Mädchen im Streit- falle in der unverschämtesten Weise sich übervorteilen lassen. Ge- hört es dem Verbände an, dann steht ihm dieser tn allen solchen Fällen schützend zur Seit«, Arbeiterclterni SdtWft La für. daß Eure Töchter, die als Hausangestellte tätig sind, ihrer Organisation beitreten. Seid nicht lau und lässig, benit daran, daß nur durch die Organisation das Dienstbotenelend gelindert werden kann und daß darum Eure Kinder für Eure Unterlassungssünden büßen müssen. Und Ihr Arbeiterfrauen, die Ihr selbst als Reinmachfrauen, Aufwärte- rinnen usw. Euer saures LZrot verdienen müßt, erinnert Euch, daß auch Ihr hincingehört in den Verband der Hausange. st e l l t e n. Sitz Berlin SO. 16, Michaelkirchplatz 1(ab 1. Oktober Engelujer 21). kommunales. Die Stadtverordnetenversammlung trat gestern zu ihrer ersten Sitzung nach den Sommerferien zusammen. Das Ereignis des Tages, das ein Heer von Schau- lustigen nach dem Rathause gelockt hatte, war die Ein- führung des neuen Oberbürgermeisters, des Staatssekretärs a. D. Mermuth. Lange vor Beginn der Sitzung hatte die Tribüne rasch sich gefüllt, so daß der Zugang gesperrt werden und Hunderte umkehren mußten. Im Saal sah man ein ungewohntes Bild. Die Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung und des Magistrats- kolleginms hatten sämtlich ihre Amtskette angelegt, überdies präsentierten viele sich im Schmuck ihrer Orden, so daß man mit Staunen bemerkte, eine wie große Zahl offenbar hoch- verdienter Leute es im Rathause gibt. Die Einführungs- feierlichkeit machte auf die Männer des Stadtfreisinns offenbar einen tiefen Eindruck, wir aber konnten das Schauspiel, das sich da bot, nur mit stiller Heiterkeit genießen. Die S e l b st- Verwaltung der Gemeinden wurde, wie's bei solchen und ähnlichen Gelegenheiten herkömmlich ist, in mehr oder minder schönen Reden gepriesen. Aber wie ein Hohn auf diese„Selbstverwaltung" wirkte der in Person anwesende Vertreter der„A u f s i ch t s b e h ö r d e", der O b e r p r ä s i- d e n t v. C o n r a d, der diesmal selber die Einführung des obersten Beamten der Stadt zu vollziehen hatte. Ober- bürgermeister Mermuth antwortete mit einer Rede, die einige Hauptpunkte seines Programms andeutete.(Sie ist an anderer Stelle unseres Blattes im Wortlaut wieder- gegeben.) Schließlich hielt noch Stodtverordnetenvorsteher M i ch e l e t eine Begrüßungsansprache, in der er betonen zu sollen glaubte, daß die Berliner Stadtverordnetenversamm- lung mal keinen Liberalen zum Oberbürgermeister ge- wählt habe. Dies� ungewollte Selbstverspottung des Stadt- freisinns inachte sich nicht übel. Der neue Oberbürgermeister Mermuth vollzog dann sogleich seine erste Amtshandlung, in- dem er den neugewählten Stadtrat Berndt m sein Amt einführte. Das sehr reichliche Arbeitspensum, das den Stadtver- ordneten in einer langen Tagesordnung vorgelegt wurde, beschäftigte sie bis in die zehnte Stunde hinein. Den größten Teil der Sitzung nahm die Teuerungsdebatte in An- spruch, die sich an den Antrag der s o z i a l d e m o k r a> tischen Fraktion sowie an einen von den Freisinnigen eingebrachten Antrag knüpfte.(Eine Würdigung dieser De- hatte finden unsere Leser an anderer Stelle unseres Blattes.) Beide Anträge wurden der gemischten Deputation überwiesen, die zur Beratung der gegen die Teuerung zu er- greifenden Maßregeln schon im vorigen Jahre eingesetzt worden ist. Sericdrs- Leitung. Ein Polizcistandal beschäftigte vor einigen Tagen die Offenburger Strafkammer. In dem badischcn Judlistriestädtchen Lahr wurde am Fastnachtin ontag der Arbeiter O. Erhard, ein Drechsler und unbescholtener Bürger, nachts auf dem Heimwege von mehreren Schutzleuten fest- genommen, geschlagen und beschimpft, so daß er das Arrestlokal als ein schwerverwundeter Mann verließ. Die Staatsanwaltschaft brachte am Dienstag die vier städtischen Schutzleute Wußler, Wiegert, Hohl und K n ö f l e r wegen Körperverletzung vor die Offenburger Straf- kamnicr-. Das ausgedehnte Zeugenverhör stellte fest, daß Erhard i» jener Faschiugsnacht in Begleitung seiner Frau und mehrerer Ver- wandten auf dem Heimwege war, als ihnen zwei von männlichen Maske» begleitete Schutzleute in Uniform begegneten und ihnen das Singen eines bekannten KarnevalSliedcS verboten. Auf die Er- widerung, daß sich die Schutzleute durch ihr MaSkenvergnügen dann auch strafbar machen würden, wurde Erhard von den Uniformierten ergriffen, fortgerissen, mit Fanstschlägen traktiert und trotz der Vermittlung seiner Frau und anderer unbeteiligter Personen nach der Polizeiwache gebracht. Unterwegs wurde auch seine Schivägerin von einem Schutzmann zu Boden geschlagen. Letztere wollte nämlich dagegen Einspruch erheben, daß ihr auf dem Boden liegender Schwager vom Schutzmnun Hohl gewürgt werde. Auk der Wachtstube wurde Erhard rasch in ein duntlcS Arrestlokal geschoben und dort bald daraus unversehens mit einem schweren Schlag auf den Schädel betäubt. Sein Bruder und seine Frau, welche um Aushändigung des Hausschlüssels baten, wurden zur Wachtstube hinaus- geworfen. Der als Sachverständiger geladene Arzt stellt fest, daß der Schädel Erhards durch Schläge blutunterlaufen war und daß eine dreikantige, bis auf die Knochenhaut dringende Wunde eine große Blutung herbeigeführt hat. Bor Gericht belasteten die persönlich unbeteiligten Zeugen die angeklagten Schutzleute schwer durch über« einstimmende Aussagen; während die Angeklagten jede Schuld leugnet» und angaben, angegriffen zu v sein. Der Staatsanwalt fordert die Bestrafung der vier Schutz- leute, jedoch mir mit Geisbußen! DaZ Gericht sprach zwei Schutzleute frei und verurteilte die beide» andere» zu 2ö Mark Geldstrafe; außerdem zu einer Buße (keiu Schmerzensgeld) von 20 Mark wegen Dienstvcrletzung in fort- gesetzter Tat. Der Staatsanwalt machte ein etwas verdutztes Gesicht, das Publikum brummte vor Entsetzen.?iat justitial Jetzt können wieder wie bisher in Lahr neue Zivilisten den Gummischlauch und den eljcriien Dreikant über den Schädel bekommen. Ruhcstörrnd-'r B-ikbiertrubei. Auf Bockbierfesten pflegt es keineswegs ruyig herzugehen. Wenn der Bock die fröhlichen Zecher stößt, dann erreicht der Jubel und Trubel oft ciiien solchen Höhegrad, daß sich die Nachbai schaff des Festlokals davon uuauaenehm berührt fühlt. So ist durch das fröhlich- Treiben eines Bockbierfestes, welches ein Verein im Lokale des Schankwirts Schul,. Eckertstr. 13 seierte. von einigen Haus- bewohncrn als niheslömider Lärm empfunden worden. Schulz wurde angeklagt, vom Schöffengericht aber freigesprochen. weil er für den Lärm, den seine Gäste machten, nicht bcstratt werden könne.— Gestern hatte die von der Staats- anwaltschaff angerufene B-rufungSkammer die näheren Umstände de» Bvckbierfestes zu untersuchen. Hier zeigte sich, daß lediglich zwei grauen, deren Wohnungen numittekbar über dem Schülzschen Lokal üegen, durch den Bockbierjubel in ihrer Nachtruhe gestört wurden, während die Männer dieser Frauen von einem ruhestörenden Lärm nichts wissen. Auch andere in demselben Hause wohnende Mieter konnten sich während des Bockbiersestes ungestört dem sanften Schlummer hingebe». Das Gericht stellte sich auf den Standpunkt, daß sich des ruhe- störenden Lärms nicht nur der schuldig macht, welcher ihn verursacht, sondern auch der, welcher ihn in seinen Räumen duldet. Schulz wurde deshalb zu einer Geldstrafe von 3 Mark verurteilt.— Er will noch das Kammergericht anrufen und hofft, dort mehr Ver- ständnis zu finden für die Lage eines Gastwirts, der die fröhliche Stimmung seiner Gäste beim besten Willen nicht eindämmen kann. Gegen das alte preußische Plakatgesetz I Immer wieder muß der Protestruf gegen den Fortbestand der von der Judikatur noch für gültig erachteten Plakalbestiiuuiuugen des alten preußischen Pretzgesetzes erhoben werden. Namentlich aber auch gegen ihre durchaus einseitige Anwendung. Von großem Interesse in dieser Hinsicht ist auch ein Prozeß, der das Kammer- gericht dieser Tage beschäsligte. In einer der vielen Filialen der Bäckereifirma Hanke zu Berlin hing das Plakat aus, worauf die Firma ihren Kunden mitteilte, daß sie die Forderungen de» Verbandes der Bäcker und Konditoren be- willig: habe. Die Behörde ging davon aus, daß das Plakat von der Straße aus sichtbar sei. Die Filialverwalterin H. und der G<- schäftsfühccr Bratzke wurden in zweiter Instanz vom Landgericht wegen Uebcrtretuug des§ l) deS preußischen Preßgesetzes verurteilt, welcher lautet: „Anschlagzettel und Plakate, welche einen anderen Inhalt haben als Anlündigungen über gesetzlich nicht verbotene Versammlungen, über öffentliche Vergnügungen, über gestohlene, verlorene und ge- fundene Sachen, über Verkäufe oder andere Nachrichten für den gewerblichen Verkehr dürfen nicht angeschlagen, angeheftet oder in sonstiger Weise öffentlich ausgestellt werden." Das Landgericht»ahm an, daß das Plakat hier nicht ledig- lich den gewerblichen Verkehr betreffe und deshalb überhaupt nicht öffentlich hätte angeheftet oder ausgestellt werden dürfen. Die Angellagtcn legten Revision ein und Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht machte vor dem Kammergericht unter anderem folgendes geltend: Selbst ein SenatSpräsident am Kammergericht und ein Vertreter der Oberstoatsanwalischaft hätten seinerzeit anerkannt, daß die alten preußischen Plakatbestimmungen in unsere Zeit absolut nicht mehr bineinpaßlen. Tatsächlich würde ihre allgemeine Anwendung auch den heutigen Verkehr unmöglich machen. Danach wären z. B. unzulässig viele der Plakate, die an und in den Bahnhöfen mit Duldung und mit Genehmigung der Behörden angebracht seien. Er erinnere nur an die Plakate deS Bundes für Mutterschutz, über Säuglingsheime, über Fürsorgestellen für Kranke und über alle mögliche andere soziale Fürsorge. Man gehe ganz richtig davon ans, daß es eine Stilwidrigkeit. eine llinnöglichleit den Bedürfnissen der neuen Zeit gegenüber wäre, wenn man diese Plakate Verbindern wollte. AnS- schließlich nicht gern gesehenm politischen, sozialen und religiösen Bestrebungen gegenüber würden die längst veralteten Bestimninngen hervorgeholt. Es sei so weit gekommen, daß sie ausschließlich als politisches Kampfgesetz betrachtet würden, nicht n»r von de» Be- troffcnen. sondern auch von ihren Gegnern. So hätten, als ein An- trag des Anwalt» im Parlament auf Aendernng der fragliche» Gesetzes- Vorlage der Justizkominission übcrlviesen wurde, die Bäckermeister pelirio- »iert, s i e brauchten das preußische Preßgesetz, um der Arbeiterklasse bei Lohnbewegungen ihrer Gesellen entgegentreten zu können: An» alledem ergebe sich, daß eine extensive Auslegung des Gesetzes z» vermeiden wäre. Zu einer solchen nötige übrigens das Gesetz durchaus nicht. Der Anwalt legte eingehend dar, daß auch das hier vorliegende Plakat als eine Nachricht für den gewerblichen Verkehr anzusprechen sei. weil die Mitteilung an die Knndichaft, unter welchen Bedingungen die Ware hergestellt werde, einen Einfluß auf das Verhältnis zwischen Verkäufer und Kunde» ausübe, sowie überhaupt eine Reklame für den Berkänfer sei. Daß die Mitteilung auch irgend welche soziale Gefühle auslösen könne, müsse demgegeiinber gleichgültig sein. Der Anwalt zog noch die Auslegung deS Gesetzes über den un- lauteren Wettbewerb Hera», die im Gegensatz zu der angegriffenen Auslegung deS preußischen Preßgesetzcs de» Begriff deS geschäftlichen Verkehrs möglichst weil fasse. Das Kannnergericht verwarf aber die Revision und führte a»S: Der Begriff der Nachrichten für den gewerblichen Verkehr im Sinne des preußische» Preßgeietzcs sei so auszulegen, wie es damals das Gesetz wollte. Da habe man aber Nachrichten genieint, die ledig- lich, ohne jede Nebenabsicht, den gewerblichen Verkehr beträfen. Wenn das Landgericht dies bezüglich des fragliche» Plakats verneine, weil der Inhalt, zugleich auf die Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer Bezug nehme, dann sei daö kein NechlSirrlum. Das WcltbcwerbSgesctz sei zur Auslegung nicht heranzuziehen. Zn große Schamhaftigkeit beim Aufsuchen der Damentoilette. Am 30. Oktober 1S16, abends gegen 7 Uhr, verunglückte die Klavierlehrerin B. auS Hannover in dem„Kurhaus Richmond" in Braunschweig dadurch, daß sie beim Aufsuchen der Damentoilctle eine Kcllertür öffnete und die Kellertreppe hinabstürzte. Die Ursache der Verwechselung der Türen läßt sich folgendermaßen er- klären: Die B. kam aus dem Rcstaurationssaal und ging zunächst an der Herrentoilette vorüber. Sie schritt nun den Korridor ent- lang bis zu der Stelle, die der Herrentoilette des anderen Korridors entsprach. Hier befindet sich eine zweiflügelige Kcllertür. Daneben ist die Ausschrift„Damcntoilette" und ein um die Ecke weisender Pfeil angebracht. Wegen einigen auf dem Korridor im Gespräch stehenden Herren und Damen ließ"sich die durchaus nicht mehr junge Dame von einem falschen Schamgefühl leiten. Sie wollte nicht merken lassen, nach was sie suchte und begnügte sich mit der Silbe«Da—", aus der sie das Wort„Damen" schloß und dieses dann auf die Kcllertür bezog. Anstatt die Aufschrift genau anzu- sehen, sah sie sich um, ob nian nach ihr sehe und schritt dann ge- schwind durch die Kellertür. Infolge der durch den Sturz erlit- tcnen Kontusionen Hatto sie gegen den Rcstaurateur I. Ansprüche auf Schadloshaltung in Höhe von 1113 Mark erhoben, sich aber die Geltendmachung des weiteren Schadens vorbehalten. Das Landgericht Braunschwcig erkannte die Klage für gerecht- fertigt an. Es hielt die Anlage der offenen Kcllertür für eine sehr gefährliche Einrichtung. Dagegen hat das ObcrlandeSgericht Braun- schweig die Klage abgewiesen. In den Entschcidungsgründen des oberlandcsgerichtlichen Urteils heißt es u. a.: Da das Schild znit der Aufschrift von der Kellcrtür wegwcist, kann vernünftigerweise niemand auf den Gedanken kommen, daß hinter der Kcllertür die Damentoiletten sind. Wer die Tür sucht, mutz auch das Schild sehen. Deshalb konnte der Wirt auch nicht damit rechnen, daß die Kellertür für die Tamentoilettc gehalten werden konnte. Wollte man auch eine geringe Fahrlässigkeit des Beklagten darin finden, daß die Kellertür nicht mit der warnenden Aufschrift„Vorsichtl Kellertreppe!" versehen war, so kommt doch darauf nicht« an, da ausschließlich das eigene Verschulden der Klägerin den Unfall herbei- geführt hat. Sie hätte bei der erforderlichen Sorgfalt bemerken müssen, daß es sich um eine andere Tür handelte, die de, Tür der Hecrentoilc(ten ganz unähnlich war. Auch beim Oeffnen der Kellertür, die nach außen hin zu öffnen ish hätte die Kläaerin sofort erkennen können, datz cine Treppe abwärts geht. Das übertriebene Schamgefühl kann mcmanden berechtigen, unvernünftig zu handeln. Wenn man auf ein übertriebenes Schamgefühl Rücksicht nehmen wollte, so müßte man damit rechnen, datz Damen in öffentlichen Lokalen bei manchen Handlungen überhaupt unzurechnungsfähig wären. Gegen das Urteil des OberlandesgcrichtS Braunschweig hatte die Klägerin Revision beim Reichsgericht eingelegt, zedoch ohne Erfolg. Das Reichsgericht hat das Urteil pes Obcrlandcsgcrichts bestätigt und die Revision zurückgewiesen. Hus aller Welt. Die Grubenkatastrophe bei Bethune. Die Schlagwetterkatastrophe auf der Grube Clarence hat entgegen den ersten vertuschenden Meldungen weit mehr Opfer ge- fordert. Wie jetzt berichtet wird, sind 71 Tote und 13 Ver- wundete geborgen worden. Es steht noch nicht fest, ob mit diesen Opfern der ganze Umfang des Massenungliicks erschöpft ist. Nachdem ein Oberingenieur die Grube Clarence in einer Tiefe voir 1000 Meter noch einmal nach allen Richtungen durchforscht, aber kein Lebenszeichen mehr gefunden hatte. stellten die Jngemeur«, um nicht Menschenleben unnötig auf« Spree zu setzen, dir Einfahrten ein. Mehrere neue Explosionen lvurdcn gehört._ Ruch ein Zeichen der Zeit. Den„Bremer Nachrichten" zufolge ist auf der Land- st r a h c von Schwaneivede nach Sankt Magnus in einem Graben eine Leiche gefunden worden, die als diejenige deL Oberlehrers Dr. Ernst Spieder, zuletzt in Itzehoe in Holstein tätig, rekognosziert wurde. Dr. SP. hat nach den vorgefundenen Papieren in Königsberg studiert und erlvarb die Lehrberechtigung für Deutsch, Latein, Griechisch, Englisch und Französisch. Die Papiere waren in Ordnung. In dem Portemonnaie befanden sich fünf Pfennig. Alle An- zeichen weisen darauf hin, daß Dr. Sp. HungerS ge- st o r b e n ist.'_ Apachenkampf in Genua. In der Via Venti Settembre in Genua gerieten am Mittwoch abend auf einem Straßenbahnwagen drei Fahrgäste mit dem Schaffner in Streit. Als sie den Wagen verließen und der Schaffner ihnen wegen des Fahrgeldes nachlief, wurde er durch Revolver- schüsse niedergc st reckt. Polizeibeamte verfolgten die Mörder. wobei auf beiden Seiten mindestens vierzig Schusse abgegeben wurden. Einer der Mörder und zwei Polizeibeamte wurden getötet, zwei Karabiniere und drei Po- lizeibeamte verletzt. Die beiden anderen Mörder entkamen zunächst, wurden aber noch in der Nacht verhaftet. Einer von ihnen gab sich als Gipsarbeiter Battista F er reri o aus Marseille auS und erklärte, erst vor zwei Tagen»ach Genna gekommen zu sein. Bei seiner Verhaftung versuchte er. zum Revolver zu greifen, wurde aber unschädlich gemacht. Die Polizeibeamten mußten den Ler- hafteten vor der Menge, die ihn l hu che» wollte, schützen. Diebstahl eines Mobilisatiousplanes. Eine merkwürdige Meldung kommt aus Loudeac im franzö- fischen Departement Cötes du Nord. Dort bemerkte der Bahnhofs- Vorsteher Salzne, daß wäbrend seines Urlaubs sein Privatschreibtisch erbrochen worden war. Der in dem Schreibtisch aufbewahrte Geld- betrag war indessen unangetastet geblieben. Entfernt war nur ein Mobilisationsplan für die dem Bahnhofschef unter st ehende Eisenbahn st recke. Eine strenge Unter» suchung ist eingeleitet worden. Selbstverständlich gilt bei der Regierung, für die der MobilisationS- plan gestohlen wurde, in diesem Falle Diebstahl als eine ehren- volle Tat._ Die Sedanfeier der Jdiote«. Im„Liegnitzer Tageblatt" lesen wir: „Gestern wurde in der Idioten an st alt Wilhelm- und A u g u st a« S t i f t u n g der Sedantag in schliähter Weise gefeiert. An dem schönen sonnigen Nachmittag vergnügten sich alte und junge Zöglinge mit allerlei Spielen und abends bewegte sich ein langer Zug von männlichen und weiblichen Anstalts- angehörigen durch die mit bunten Lampion« gezierten Wege. Viele trugen stolz ein Lampion, andere sangen eifrig patriotische und g c i st l i ch e Volkslieder. Alle wurden durch das Abbrennen von Feuerwerkslörpern erfreut. Von den weiblichen Zöglingen hatte sich eine Anzahl sinnig maskiert. An einem Hoch auf den Kaiser und die AnstaltSleitung fehlte es nicht. Jedenfalls brachte die Sedanfeier einen Freudenstrahl in das gleichmäßige Anstaltsleben der mehr als BOO I d i o t e n." Wirkungsvoller kann der ganze Sedanruminel wahrlich nicht charakterisiert werden._ Kleine Notizen. Gattenmord in Hamburg. Seine Frau erstochen hat gestern Nacht nach einein kurzen Wortwechsel der in der Koldingstraße wohnende Mechaniker Mün st erber g. Der Mörder ging nach vollbrachter Tat nach einem benachbarten Restaurant und er- zählte dort, daß er seine Frau ermordet habe, worauf er zusammen- brach. Er erholte sich jedoch bald wieder und wurde von der sofort benachrichtigten Polizei verhaftet. Schreckliches Briuidungliick. Am Ufer der Newa in der Nähe einer im Bau begriffenen Brücke der finnisch-russischen Verbindungs- bahn ist in der letzten Nacht ein großer Heuschober niedergebrannt, in welchem Arbeiter übernachteten. Bisher sind 17 verkohlte Leichen geborgen woroe». Krieg im Frieden. Bei einer militärischen Hebung in der Nähe de? Forts Bossegat zerbrach ein mit Soldaten bemanntes Floß. 13 Mann fielen ins Wasser, von denen 6 ertranken. Von MoSkitoS getötet. In Camden im Staate New Jersey wurde ein sechsjähriges Mädchen von Moskitos auf so grausanie Weise gestochen, daß eS nach kurzer Zeit an den Folgen starb. Als Nachbarn zur Hilfeleistung herbeieilten, fanden sie den Körper des Mädchens über und über mit NoSlito» be- deckt.'__ Wcttervrognose für Freitag, den S. September 1912. Zeitweise heiter, jedoch unbeständig, mit einzelnen Regenschauem Uvd srischen südwestlichen Winden; Temperatur wenig verändert. Berliner Wetterbureau. ==—======= Verwaltung Berlin.■—:— Heute» Freitag, abends 8V„ Uhr» im Gewerkschaftshause, Engelufcr 14/15» Saal lV(ArdeitSloscnsaal): Sitzung der Orftsverwaltung. Montag, den 9. September: Mitglieder Versammlungen der Bezirke und Branchen. Die Versammlungslokale werden am Sonntag bekannt gegeben. 88/11 vsußsllä verller- Krankenkasse für Berlin und Umgegend. E. H. No. 118. Laut Generalversammlungsbeschluß vom 11. August 1912 ist die Zahlstelle Westen aufgehoben, weil sich für diese Zahlstelle kein HilfS» kassterer fand. Die Mitglieder müssen von jetzt an ihre Beiträge im Bureau Mnlackstr. LS in den Bureaustunden von 9—5 Uhr entrichten. 38/4 Der Borstand. e. Q. m. b. H. Zentrale: Lichtenberg, Rittergutstraße 22—26. Unseren Mitgliedern, Freunden und Gönnern zur gefälligen Kenntnisnahme, daß wir unsere eigene Konditorei in Betrieb genommen und von heute ab in unseren sämtlichen Verkaufsstellen Konditoreiwaren Der Vorstand« zum Verkauf bringen. MobelUngebot. Solides Möbelgeschäft liefert bürgerliche Wohnungseinrichtungen sowie ein- zctnc Möbel gegen mäszigc Zinsvergütung bei kleiner Anzahlung u. geringen monatlichen Tcilzahlungeir Anfragen unter Postlqjzcrlarte 73, Pollamt 28. Kein)Zb2ablungsgetckäft. 38sil' Kinderwagen, Teilzahlung, Woche 1,—, Klappwagen, Kiuderbettstcllen, Riescnausivahl, spottbillig. Mciscls Nachfl., Wa'.schaucrstrasze 80. 2088K Verkäufe. Tcppiche, unbedeutende Karben- fehler, sür die Halste des Wertes. Eelegenheitskäuse. Portieren. Gar- dinen, Steppdecken, Tischdecken, Schlasdcckcu zu Schleuderpreisen. Tcppichhaus Adler, Königstrahe 50, gegenüber Rathaus. l357K' Drehrollen, Mollereiartikel, Butter- Maschinen, Wiegeschale». Krigar u. 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Hr. 208. 29. ZahtMz. 3. KeilM M„öomiirts" Klllim WWM. Frettas. 6. September l9l2. Partei- Hngclegenbeiten. Adlershof. Heute Freitag, abends 8'/z Uhr, findet im Lokale don Wöllstein, Bismarckstr. 24, eine öffentliche Versammlung statt, welche sich mit den unerhörten Uebersällen der Jürstschen Streik- brecher auf friedliche Einwohner unseres Ortes besänftigen wird. Genossen und Genossinnen I Sorgt für Massenbesuch. Zcrnsdork. Am Sonntag, den 8. September, nachmittags 3 Uhr. im Lokale von I. Knorr: Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben. Der Vorstand. Staaken. Sonntag, den 8. September, nachmittags s'/z Uhr, grohe öffentliche Protestversammlung in Gnädigs Gasthof. Tages- ordnung: Der Kampf gegen die Teuerung. Referent wird in der Versannnlung bekannt gegeben. Diskussion. Parteigenossen! Sorgt für Massenbesuch dieser wichtigen Versammlung. Sonntag früh 7 Uhr: Flugblativerbreitung von Gnädigs aus._ Berliner Nachrichten. Die verkehrte WohnungSpolitik. Der Magistrat von Wilmersdorf veranstaltet seit 1905 halbjährlich Aufnahmen über die unvermieteten Wohnungen im Stadtbezirk. In diesen Tagen ist das Ergebnis der letzten, am 20. Mai veranstalteten Erhebung veröffentlicht worden. Danach standen an dem genannten Tage 2620 nur für Wohn- zwecke bestimmte und 395 untrennbar mit Gewerberäumen verbundene Wohnungen leer. Von allen am Orte vor- handenen Wohnungen sind dies 7,62 Proz. der ersteren Gattung und 13,82 Proz. der Läden, im ganzen 8,10 Proz. aller überhaupt vorhandenen Gelasse. Das bedeutet im Sinne der Hausbesitzer eine geringe Verbesserung, da am 20. Mai 1911 noch 8,38 Proz., am 15. Oktober noch 8,89 Proz. aller Wohnungen unvermietet lvaren. Hält man an der bekannten Annahme fest, daß drei Prozent der Normalsatz leerstehender Wohnungen sei, so ist das Angebot immer noch recht groß. Wir kennen denn auch die Klagen der Hausbesitzer und der Grundstückshändler; doch wissen>vir, daß sie selber ihr wohlgemessen Teil Schuld an der Tatsache tragen, daß ein Neubau ohne ein- oder mehr- malige Subhastation ein Weltwunder in Wilmers- darf ist. Es darf besonders nicht unbeachtet bleiben, daß die Herren den Wohnungsüberflutz durch eine kurzsichtige Politik zu ihrem und der gesamten Einwohnerschaft Schaden haben herbeiführen helfen. Die Haus- besitzer sind in der Stadtverordneten-Versamm- l u n g allmächtig; hier lassen sie sich aber gleich dem Magistrat nicht von der Meinung abbringen, daß einzig in dem Bau möglichst großer Wohnungen das Heil des Vorortes beruht. Große Wohnungen, das sind solche von fünf und mehr Zimmern, standen denn auch am 20. Mai d. I. 11,66 Proz. leer gegen 13,95 Proz. am 15. Oktober v. I. Fast unverändert blieb das Angebot mittlerer Wohnungen es verringerte sich von 8,70 auf 8,35 Proz. Sehr erheblich ließ aber das Angebot von Wohnungen mit 1 oder 2 Zimmern nach; es waren hiervon am 20. Mai 3,95 Proz. gegen 5,33 Proz. am 15. Oktober 1911 unvermietet. Wohnungen von nur einem Zimmer sind überhaupt kaum zu haben; in der ganzen Stadt standen nur 57 gegen 60 im Oktober vorigen Jahres leer. Diese Zahlen zeigen, daß die viel- bejammerte Lage auf dem Grundstücksmarkt lange nicht so schlimm wäre, wenn im Wilmersdorfer Rathause eine andere Wohnungspolitik Platz gegriffen, wenn man den Bau von Häusern mit kleinen Wohnungen begünstigt statt erschwert hätte. Die Grundstücksiuteressenten mögen sich bei ihren Sachwaltern in der Stadtverordnetenversamm- lung bedanken, wenn weiter ein 5trach nach dem andern folgt; es wäre nicht so arg geworden, wenn man auch der Arbeiter- bevölkerung den Ausenthalt am Orte möglich gemacht hätte. Eine totale Umwälzung erfährt jetzt Alt- Berlin. Die Walljtraße ist schon zum größten Teil mit neuen modernen Ge- schäftShäusern seit ihrer Verbreiterung besetzt. Die noch vorhan- denen alten Miethäuser verschwinden. Einige sind schon abgebrochen, um Neubauten Platz zu machen. Die alte hölzerne Jnsclbrücke ist verschwunden. Eine neue prächtige Brücke wird an deren Stelle errichtet. Die alte Ruine des Jnsclspeichers gehört jetzt der Ver- gangenhcit an. Nur Spatzen, Mäuse und Ratten gedenken noch der schönen Zeiten und des gefüllten Speichers. Neues Leben wird aus den Ruinen erstehen. Ein Gebäude für städtische Zwecke dürfte dort zunächst erstehen, umgeben von hübschen Anlagen. Alt-Berlin, um eine hübsche Anlage reicher, wird dadurch weiter an Anziehung gewinnen. Die Straße an der Fischerbrücke mit Neukölln a. Wasser, der Friedrichsqracht tvcrden dann gewiß der Spitzhacke zum Opfer fallen. Das Rolandufer zwischen Mühlcndamm und Waisenbrücke, als ganz neue prächtige Uferstraße, wird mit dazu beitragen, diese Umwälzung zu beschleunigen. Am Molkenmarkt werden die Haus- Voigtei mit dem Kröge! verschwinden und an der Stralauer Straße schließlich nur noch einige altere Gebäude an den früheren Zustand erinnern. Die Parochialstratze soll verbreitert werden. Mit der Verjüngung der Wvisenstraße ist begonnen worden. Der Durch- bruch der Parechialstraße nach der Neuen Frievrichstratze und eine Verbindung dieser Straße ipitz der Voltairestratze ist schon in der Ausführung begriffen. Abholzung eines fiskalischen Wäldchens. Bei Blankenburg sollen jetzt auf einem Gelände des Eisenbahnfiskuö annähernd 4000 Kiefern, Tannen, Fichten, Lärchen, Birken, Erlen usw. abgeholzt werden. Das Wäldchen soll verschwinden. Wenn man erwägt, daß der Norden und Nordosten sReinickendorf, Pankow, Weißensee usw.) weit stiefmütterlicher als der Westen bedacht ist. und die wenigen Wald- und Wiesenflächen im Norden zum größten Teil dem Publi- kum verboten worden sind, dann kann man nicht umhin, das Ver- schwinden dieses Wäldchens bei Blankenburg lebhaft zu bedauern. Drei junge Mädchen vermißt. Aus Ober-Schöneweide sind drei junge Mädchen verschwunden, ohne daß es bisher gelungen ist, eine Spur von ihnen aufzufinden. Die näheren Umstände der Flucht lasten es nicht ausgeschlossen erscheinen, daß die Mädchen Mädchen- Händlern in die Hände gefallen sind. Es handelt sich um die in der Westendstroße wohnhafte 17jährige Emilie W. und deren Illjährigen Schwester Marie sowie deren llljährigen Freundin Dora B. aus der Westendstraße. Die beiden erneu Mädchen waren im Bureau einer Obcr-Schöneweider Fabrik beschäftigt, während die B. die Wirt- schaff ihrer Mutter, die im Theater in der Äöniggrätzer Straße an- gestellt ist. führte. Alle drei wurden in der letzten Zeit wiederholt m der Begleitung eines jungen Mannes gesehen, der sich v. d. Osten nannte. Dora B. hat häufig Briefe aus Bremen bekommen, die angeblich von einer Freundin stammen sollten. Die Mädchen hatten bei ihrer Abreise nur eine geringe Geldsumnie bei sich. Die Kriminal- Polizei hat alle zuständigen Behörden daS Signalement der Mädchen und des angeblichen v. d. Osten übermittelt. Dieser ist dem Ber- liner Polizeipräsidium als Mädchenhändler bekannt. Ein Unglücksfall ereignete sich gestern nachmittag gegen'/ah Uhr auf dem Grundstück der Firma Rudolf Moste, Schützenftraße. Einem Druckereiarbeiter fiel eine schwere Kiste auf den Leib, so daß derselbe mittels Automobils nach der Unfallstation gebracht werden mußte. Als Offizier der Schutztruppe trat ein Schwindler auf, der jetzt von der Kriminalpolizei unschädlich gemacht wurde. Er entpuppte sich als ein Handlungsgehilfe Emil Gudrran, der wegen ähnlicher Gaunereien schon früher mit den Strafbehörden zu tun gehabt hat. Gudrian hatte es besonders auf höhere Postbeamten abgesehen. Er kundschaftete bei den Unterbeamten aus, ui» ihre Vorgesetzren, Vorsteher, Inspektoren usw., Offiziere waren. War das der Fall, so suchte er die Herren auf, stellte sich ihnen unter irgend einem bekannten Namen als Offizier der südafrikanischen Schutztrnppe vor, erzählte von seinen kriegerischen Erlebnissen und klagte endlich, daß ihm auf der Heimreise das Geld ausgegangen oder auch, daß es ihm gestohlen worden sei. In der Regel nannte er diesen oder jenen Offizier als seinen Vater oder seinen Onkel. Einmal tele- graphierte er sogar, um sein Opfer sicher zu machen, vor dessen Augen an seinen angeblichen Vater, um Reisegeld. Dieser Streich führte aber endlich zu seiner Entlarvung. Der Empfänger des Telegramms hatte mit dem Absender auch nicht das geringste zu tun und veranlaßte eine Untersuchung der ihm räffelhaftsn An- gelegenheit. So kamen die Schwindeleien zur Kenntnis der Kriminalpolizei, die dann auf den Gauner fahndete und ihn jetzt in seiner Wohnung in der Camphausenstraße ermittelte und fest- nahm. Der Verhaftete hatte überall, wo er vorsprach, Erfolg gehabt. Er verstand es, so geschickt zu erzählen, daß man ihm überall glaubte und gern auszuhelfen bereit war. Der„Tür- und Fensterrevisor", der, ebenso wie der„Töpfer", sich regelmäßig vor Eintritt der kälteren Witterung zu melden pflegt, ist auch diesmal nicht ausgeblieben. Schon diele dieser Schwindler wurden im Laufe der Zeit unschädlich gemacht, aber stets finden sich wieder andere, die den alten Kniff aufgreifen, und immer finden sich auch wieder Leute, die ihnen auf den Leim gehen. Jetzt sucht wieder so ein biederer„Handwerker" den Westen heim. In Arbeitskleidung und Hemdsärmeln, eine kleine Oelkanne und eine Tasche mit Handwerkszeug in der Hand, als ob er geraden Weges aus der Werkstatt komme, spricht er bei den Hausbewohnern vor und sagt, daß der Wirt ihn schicke, damit er einmal nachsehe, ob auch die Türen und Fenster noch in Ordnung seien und gut schließen. Das leuchtet ein. Wienn auch nicht alle Hauswirte so aufmerksam sind, ohne vorhergehende Mahnung, nach dem Rechten sehen zu lassen, so freuen sich doch die Mieter um so mehr, wenn es wider ihr Erwarten geschieht. Wenn es irgendwo wirklich fehlt. so verspricht der„Revisor", daß er sofort abhelfen werde; klopft dann hier und da etwas herum, ölt auch die Klinken und was sonst nötig ist, und tritt so vertrauenerweckend auf, daß man ihn gern gewähren läßt. Erst hinterher entdeckt man, daß der Revisor nicht ein vom Wirt abgesandter Handwerker, sondern ein Dieb war, der sich durch seine Vorspiegelungen Zutritt zu allen Räumen verschafft, und stiehlt, was er nur bekommen kanu. Erst gestern bestahl der Gauner wieder am Kurfürstendamm eine Familie sehr empfindlich. Er ist etwa 24 bis 27 Jahre alt und mittelgroß, hat schlanke, schwächliche Figur; dunkelblondes Haar, einen kleinen dunklen Schnurrbart und ein schmales Gesicht. Arbeiter, die wirklich der- artige Arbeiten zu verrichten haben, kommen durch das Gebaren des Schwindlers in die unangenehmste Situation. Eine traurige Aufklärung hat das Verschwinden des 22 Jahre alten Kaufmannes Artur Becker aus der Philippstraße 5 gesunden. Der junge Mann, der bei seiner Mutter, einer Witwe, wohnte, war schon seit längerer Zeit nervenleidend. Erst Anfang voriger Woche wurde er aus einer Heilanstalt entlassen, die er seiner Krankheit wegen hatte aufsuchen müssen. Am Mittwoch vergangener Woche verließ er plötzlich seine Arbeitsstelle und kehrte weder auf dieser noch in seine Wohnung zurück. Gestern landete man ihn nun als Leiche am Großen Fenster aus dem Wannsee. Nach dem Aussehen der Leiche zu urteilen, ist er wohl in einem Anfalle seines Leidens gleich von seiner Arbeitsstelle aus ins Wasser gegangen. Ein schwerer Straßenbahnunfall ereignete sich am Mittwoch- nachmittag auf dem Gesundbrunnen. Vor dem Hause Badstr. 54 wollte der Arbeiter Albert Kullat den Hinterperron eines in der Fahrt befindlichen Straßenbahnwagens der Linie 35 besteigen, kam dabei zu Fall und geriet mit beiden Beinen unter den Schutz- rahmen des Beiwagens. Mit Hilfe von Passanten wurde ber Waggon angehoben und der Verunglückte befreit. K. wurde in be- sinnungslosem Zustande nach der nahen Unfallstation gebracht, wo schwere innere Verletzungen festgestellt wurden. Er wurde dann nach dem Rudolf-Virchow-Krankenhause geschafft, wo er in fast hoffnungslosem Zustande darniederliegt. Selbstmord eines Oberrealschülers. Auf der Chaussee zwischen Zehlendorf und Teltow wurde gestern früh ein Schüler mit einer schweren Schußwunde in der Schläfe aufgefunden. Polizeibeamte schafften den Knaben sofort nach dem Kreiskrankenhause in Groß- Lichterfelde, wo er aber im Laufe des Vormittags starb. Es handelt sich um den 12 Jahre alten Sohn Franz des Gastwirts und Haus- eigentümers W. in Zehlendorf. Der Knabe besuchte die Ober- realschule in Zehlendorf und soll den Selbstmord begangen haben, weil er von dem Klassenlehrer eine Rüge erhalten hatte. Ein Dachstuhlbrand brach gestern früh kurz vor 3 Uhr in der Lehrter Str. 22 aus und beschäftigte die Feuerwehr anderthalb Stunden. Allem Anschein nach liegt auch in diesem Falle wieder böswillige Brandstiftung vor, doch konnten bestimmte Feststellungen noch nicht gemacht werden.— Vormittags gegen 10 Uhr wurde die Feuerwehr nach der Jerusalemcr Str. 14, Ecke Leipziger Straße. gerufen, wo in einem Kontor ein Holzverschlag Feuer gefangen hatte. Die Gefahr konnte schnell beseitigt werden. Zeugen gesucht. Am Sonntagabend zwischen 8 und llild Uhr wurde auf der Grunewaldchaussee am Bahnhof Grunewald der 16 Jahre alte Kaufmanns, rhrling Bruno Stillich aus Cyarlotten- bürg, der gemeinsam mit seiner Schwester per Rad auf einem Ausflug»ach Wannsee begriffen war, von einem Auto überfahren und schwer verletzt. Es wird aiigenoinmen. daß der Chauffeur des Autos, der schnell davonfuhr, den Unglücksfall bemerkt hat. Der verletzte junge Mann wurde in besinnungslosem Zustande nach de»» Krankenhause Westend gebracht. Personei», die von diesem Vorfall etlvas bemerkt haben oder zur Ermittelung des Chauffeurs beitragen können, werden gebeten, sich bei den Eltern des Schwerverunglückteil, Charlottenburg. Guerickestr. 12, zu melden. Vorort- Nachrichten. Die Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich in ihrer ersten Sitzung nach den Ferien mit der Frage der Teuerung. Anlaß dazu gaben zwei Anträge, ein Antrag der Sozialdemokraten und ein Antrag der Liberalen. In der Erkenntnis, daß eine Deinonstration um so»vuchtiger ist, je ein» mütiger sie erfolgt, ein'.gren sich die Änwagsteller schon vor der Eröffnung der Diskussion auf folgenden geineinschafllichen Antrag: Wir beantragen, die Stadtverordnetenversammlung möge in Anbetracht der andauernden Steigerung der Lebensmittelpreise, welche Gesundheit und Leben der Bevölkerung aufs ernste bedroht, A. den Magistrat ersuche»: 1. bei dein Bundesrat und Reichstag vorstellig zu werden wegen sofortiger Aufhebung der Zölle auf Fleisch- und Futtermittel, der Aufhebung aller die Einfuhr beschränkenden oder ver- bietenden Bestimmungen für Vieh, das von der Grenze direkt den Schlachthöfen zugeführt wird, des s 12 des Fleischbeschau- gesetzes, sowie endlich wegen einer Ermäßigung und eines allmählichen Abbaues der Getreidezölle; 2. die Frage der Lebensmittelteuerung zur Beratung auf den bevorstehenden Tagungen des Brandenburgischen und des Preußischen Städtetages anzumelden; B. die gemischte Deputation zur Beratung der Frage der Lebens- mittelteuerung mit der Prüfuno der Frage zu beauftragen, ob und welche städtischen Einrichtungen zur Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln zu schaffen und wie die vor- bandenen auszubauen sind. Dieser Antrag gelangte dann auch nach Begründung durch die Stadtvv. Dr. F r e n tz e l slib.) und Dr. B orchardt(Soz.) fast einstimmig zur Annahme, nachdem ein Versuch von nationalliberaler Seite, die Forderungen abzuschwächen, mit großer Mehrheit zurück- gewiesen war. Für den neu zu wählenden zweiten Bürgermeister wurde das Anfangsgehalt von 16 000 auf 18 000 M. erhöht. Die Sozialdemo- kraten stiinmten gegen die Gehaltserhöhung, schloffen sich aber den anerkennenden Worten, die die beiden Vorsteher dem scheidenden Bürgermeister Matting zollten, an und erklärten sich auch damit ein- verstanden, daß die Stelle öffentlich ausgeschrieben wird. Nach einein früheren Gemeindebeschluß muß der zu Wählende die Befähigung für den höheren Justiz- oder den höheren Verwaltungsdienst be- sitzen. Zum Brandenburgischen Städtetag am S. und 10. September zu Fllrstenwalde delegierte die Versammlung die Stadtverordneten Dr. Hubatsch, Jolenberg und Gebert sSoz.), zum Preußi- scheu Siädtetag am 8. und g. Oktober in Düsseldorf die beiden Vor- steher und den Genossen Hirsch. Mit der Verlegung der Wärmehalle nach dem städti- schen Grundstück Charlottenburger Ufer 49 sowie mit einer Reihe kleinerer Vorlagen erklärte die Versammlung sich einverstanden, da- gegen lehnte sie die vom Magistrat beantragte Stiftung eines Preises für den Reichsverband ffh deutsches Halbblut mit großer Mehrheit ab. Die von Frau Oberbergrat Wachler der Stadt- gqineinde gemachte Schenkung von 20 000 M. wurde dankend an- genommen und beschlossen. daS Kapital anzulegen und die Zinsen zu Unterstützungen zu verwenden._ Schöneberg. Ein Revolverattentat auf einen Güterzug, wobei ein Bahnbeamter schwer verletzt wurde, ist am Mittwoch zwischen den Stationen Ebers- slraße und Papestraße verübt worden. Als gegen 1 Uhr ein Güter- zug die Gleise der Ringbahn passierte, wurde aus der Nähe ein Schuß abgegeben, und der auf�einem Güterwagen stehende 29jährige Rangierer Friedrich Thorp aus der Schürstr. 3 in Spandau, brach von einer Kugel in den rechten Oberschenkel getroffen, besinnungslos zusammen. Der Zug wurde sofort zum Stehen gebracht und von den Babnbeamten und anderen Personen die Suche nach dem Atteu- täter aufgenommen, doch gelang eS leider nicht, den Frevler zu fassen. Der verletzte Bahnbeamte wurde nach der Unfallstation m der Vorbergstraße gebracht, wo ihm Notverbände angelegt wurden und dann nach dem Schöneberger städtischen Krankenhause geschahst. Wilmersdorf-Halensee» Notstand, Tischgebet und Ordensschwester». In der Wilmersdorfer Stadtverordnetenversammlung spielte am Mittwoch die Lebensmittelteuerung der Gegenwart eine hervorragende Rolle, wenn auch die Tagesordnung noch nichts von dieser Angelegenheit enthielt. Doch ergab sich aus der Beratung der Magistratsvorlage über den Vertrag mit der V o l k S k a f s e e- und SpeiseHallen-Gesellschast zu Berlin von selbst eine Erörterung des Notstandes. Wie wir am Dienstag mitgeteilt haben, will diese Gesellschaft mit städtischer Beihilfe im Hause Pfalzburger Str. 39 eine Volksküche einrichten.. Der fortschrittliche Stadtverordnete Cohn wies als erster Retmer zu diesem Gegenstand auf die Fleischteuerung hin; weiter bemängelte er eine Bestimmung im Vertragsentwurf, wonach der Magistrat sich damit einverstanden erklärt, daß der Vaterländische Frawenverein unter seiner, des Vereins, Verantwortung die Schülerbewirlung in der Volksküche übernimmt. Diesen Teil des VerttageS verteidigte der sozialpolitische Dezernent des Magistrats. Stadtrat Steinborn in der denkbar unglücklichsten Weise. Er meinte, daß die Kinder bei Tische doch beten müßten und daß es am besten wäre, wenn die Aufsicht in dem für sie reservierten Raum durch Schwestern in Ordenstracht aus- geübt werde. Gegen diese Berquickung von Religion»otd sozialer Pflichterfüllung wandte Genosse Riedel sich mit aller Entschieden- heit. Er legte dar, wie erniedrigend es für die StadN ist, ivenn die schuldlosen Opfer unserer sozialen Ordnung sich etwa im Wider« spruch mit den Anschauungen der Eltern das bißchen MittagSbrot erst durch Religionsübungen erkaufen müßten. Der auf offizielle Frömmigkeit eingeschworene Vaterländische Frauenverein habe überhaupt in der Volksküche nichts zu suchen; einzig die Stadt habe hier da? Mitwirkungsrecht, wem» man ein- mal auf die Leitung des Unternehmens in städtischer Regie sich nicht einlaffen wollte. Weiter trat Riedel einem Verlangen deS Stadtverordneten Dr. Leidig entgegen, der die Speisehalle nicht als unter städtischer Aufsicht stäjend bezeichnet wissen wollte, weil der Hinweis auf das Walten der Behörden manchen vom Besuch der Anstalt abschrecken könne. Im Gegensatz zu dieser Anschauung betonte Riedel, daß das He.vorheben der städtischen Kontrolle der Anstalt nur förderlich sein könne. Wenn Riedels Protest gegen die VerfrommungSbestrebungen des Stadtrats Steinborn auch von lebhafter Unruhe begleitet war, so erfüllten die Zurückweisungen unseres Parteigenossen doch ihren Zweck. Denn auch bürgerliche Stadtverordnete fanden ein Haar in dem Walten des Vaterländischen Frauenvereins, dessen geschästiae Be- strebungen nach dem Stadtverordneten Dr. Wolfs wie Pilze aus der Erde schießen, Stadtverordneter Dr. Leidig waiff dem Magistrat vor, daß er die beanstandete Bestimmung hinter de in Rücken der Wohlfahrtsdeputation, also ohne deren Wissen und Zustimmung in den Vertrag hineingebracht'nbe, und der Demokral Moll betonte, daß es nicht angängig sei, daß der Magistrat die Verantwortung für die Schülerspeisung von sich weise. Vielmehr müßten die angekündigten Religionsübungen den Stadt- verordneten Anlaß geben, sich den Betrieb in der Speisehalle recht genau anzusehen und den Magistrat erforderlichenfalls zur Rechenschaft zu ziehen. Verschiedene Hinweise auf den N o t st a n d veranlaßte» den Stadtrat Steinborn noch zu der Erklärung, daß der Magistrat einen besonderen Ausschuß eingesetzt hat, der darüber beraten soll, wie etwa in Gemeinschaft mit anderen Groß-Berliner Kommunalbehörden der Teuerung entgegengetreten werden kann. Außer den Sozialdemokraten wird auch der Stadt- verordnete Cohn in einem besonderen Antrage zur Lebens- mittelteuerung Stellung nehmen. Der Vertrag mit der Volkskaffee- und Speisehallengesellschaft fand schließlich die Zustimmung der Versammlung, nachdem auf Anraten des Magistrats der Stadtv. Rosenbaum eine Aenderung des beanstandeten Paragraphen dahin erfolgreich bsa-.rtragt hatte, daß die Schülerspeisung unter Verantwortung des M a g i st r a t s durch Ehrendamen erfolgen soll. Ein Antrag> des Stadlv. Dr. Leidig, wonach die ganze Bestimmung wegen der Schülerspeisung im Vertrage zu streichen sei, war vorher gegen eine große Minderheit abgelehnt worden. Zugunsten des Leidigschen Antrages halten Demokraten und Sozialdemokraten einen von ihnen gestellten Abänderungsantrag zurückgezogen. Friedenau. Verrat a» den Interessen der im Handelsgewerbe tätigen Per- sonen übt der am Ort vegetierende evangelische Arbeiterverein. Bekanntlich wurde kurz vor den Ferien in der Gemeindevertretung die Erweiterung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe beschlossen. Der Landrat hat damals, weil dieser Beschluß von einem Dutzend rückständiger Spießbürger angefochten wurde, die Bestätigung dieser Maßnahme für vorläufig— wie eS in dem Bescheid heißt— aus gesetzt. Der nächsten Sitzung der Gemeindevertretung liegt nun von verschiedenen Vereinchen ein Antrag vor, den gefaßten Beschluß wieder aufzuheben und es bei dem bisherigen unwürdigen Zustand zu belasten. Wäre dieser Antrag von einigen Krämern und JnnungSkrautern gestellt, so fände man dies nicht weiter verwundere lich. Hier in diesem Falle sind es aber mit an erster Stelle Arbeiter, die gegen das Interesse ihrer Klasse wüten. Der am Orte vegetierende evangelische Arbeiterverein protestiert.im Interesse der Arbeiterschaft" gegen eine sozialpolitische Maßnahme, die von den nieisten Kommunen um Berlin als unumgänglich notwendig an erkannt und beschlostcn ist. Hoffentlich weist die Gemeindevertretung das rückständige und verräterische Ansinnen unzweideutig zurück. Groh-Lichterfelde. Bor einigen Jahren bereits hatte die Gemeindevertretung einer Vorlage des Gemeindevorstandes zugestimmt, nach welcher längs der früheren Baeke und der Steglitzer Grenze ein öffentlicher Park ge nieinsam mit der Nachbargenieinde angelegt werden sollte. Leider hat man bisher von einer Verwirklichung dieses Planes nichts mehr gehört und bei dem hier wie in anderen Gemeinden be> stehenden chronischen Geldmangel wäre es nicht verwunderlich, wenn die Gemeindeverwaltung auf den Gedanken käme, diesen projektierten Gemeindepark überhaupt nicht ausführen zu lasten. Das wäre im Interesse der Erholung der besonders in der Chaussee- straße und in der Gegend des Händelplatzes ansässigen Bevölkerung, die dort dicht zusammenwohnt, sehr zu bedauern. Die Gemeinde ist trotz der weitläufigen Bauweise verhältnismäßig arm an größeren öffentlichen Parkanlagchi. Wohl befinden sich solche längs des Teltowkanals; aber sie kommen am meisten jenen zugute, die eS am wenigsten brauchen: den reichen Leuten und Villenbefitzern, die fast unmittelbar an diesen Anlagen wohnen. Für die im nördlichen und südlichen Teil der Gemeinde wohnende ärmere Bevölkerungsschicht kommen die genannten Anlogen fast kaum in Bewacht. Diese Bc zirke erfreuen sich geradezu einer außergewöhnlichen stiefmütterlichen Behandlung durch die Gemeindeverwaltung; besonders der Süden ist fast auf allen Gebieten, man möchte beinahe sagen, verwahrlost. Die Einwohner dieses Ortsteils wüßten eigentlich aar nicht, daß sie zu dem vornehmen Villenorte Lichterfelde ge hören, wenn nicht in regelmäßigen Zwischenräumen der Steuerbote sie an diese Zugehörigkeit unliebsam erinnerte. Es wäre daher nicht nur wünschenswert, sondern auch recht und billig, wenn die Gemeindevertretung dafür sorgen wollte, daß endlich mit den Parkanlagen an der Lichterfelde-Steglitzer Grenze der Am fang gemacht und daß ferner im südlichen Ortsteil ebenfalls die Anlage öffentlicher Parks ins Auge gefaßt würde. Dies erscheint uinsomehr gerechtfertigt, als nach Fertigstellung des Fern- und Vorortbahnhofes Ost und der weiteren Hinausverlegung des Borortverkehrs nach Süd eine erhebliche Bevölkerungszunahme zu verzeichnen sein wird. Die Eisenbahnverwaltung hat bei der Ge- meindevcrwaltung die Pläne für das projektierte Bahnhofsgebäude bereits eingereicht; soviel wir erfahren, sollen sich die zuständigen Kommissionen nicht besonders günstig über die vorgelegten Pläne ausgesprochen haben und beantragen verschiedene Abänderungen. Hoffentlich kommt die Einigung so rechtzeitig zu stände, daß die jetzige Generation die Vollendung des Bahnhofumbaues auch noch erlebt. Marienfelde. lieber einen Fall krassen Aberglaubens wird uns folgendes mit- geteilt: Unter den Schweinen des Landwirts G., Berliner Straße, war die Seuche ausgebrochen. Der Landwirt ist nun der Meinung, daß die Frau des Arbeiters K., welche bei dem Nachbarbesitzer eine Giebelwohnung inne hat, seine Schweine behext hat. Der Hof des G. ist nämlich von der- Wohnung aus zu übersehen. Jetzt hat der Bauer vor den Fenstern der betreffenden Wohnung einen zirka 6 Meter hohen Zaun aufrichten lassen, damit die Schweine vor dem behext werden bewahrt bleiben. G. ist nun von der Polizei auf» gefordert worden, den Zaun innerhalb 8 Tagen abzureißen, widrigen- falls derselbe auf seine Kosten entfernt wird. Noch kann dieses Denkmal bäuerlicher Dummheit in Augenschein genommen werden. Marienselde ist bekanntlich vom Potsdamer Bahnhof mit dem Vor- ortzug nach Zossen in 13 Minuten zu erreichen. Friedrichsfelde. Der Kampf um die Gemeindegasanstalt. Vor kurzer Zeit hatte die Gemeindevertretung mit allen gegen zwei Stimmen die Er- richtung einer Gemeindegasanstalt beschlossen. Somit hört mit dem 31. Dezember 1S13 die GaSlieferung durch die ftagliche Gasanstalt bezw. der Tochtergesellschaft.Gasanstalt Oberspree" auf. Seit netto sechs Jahren schweben die Verhandlungen und auch der Streit, ob die Gemeinde den Vertrag auf SO Jahre mit dieser Privatgesellschaft verlängern oder sich den völligen Reingewinn durch Uebernahme der Gaserzeugung in eigener Regie sichern will. Im Sommer 1306 kam der frühere Gemeindevorsteher Löschert mit dem Plan, den bestehenden Vertrag mit der Gesellschaft bis 1018 zu verlängern. Im Falle der Vertragsvcrlängerung bot die Gesellschast.bedeutende" finanzielle Vorteile. Die Ab- gäbe von der Bruttoeinnahme für das Gas innerhalb des Gemeinde- bezirks sollte von 5 Proz. auf 8 Proz. erhöht werden. Der Ge- rneindevorsteher, welcher der Vertragsverlängerung durch die Ge- meindevertrctung sicher zu sein glaubte, hatte nicht mit der Gegen- strömung gerechnet. Den Gegnern der Vertragsverlängerung kam noch zu gute, daß bekannt wurde, daß der Sohn des Gemeinde- Vorstehers bei der GaSgesellschaft angestellt sei. In der Sitzung der Gemeindevertretung wurde dann die Vertragsverlängerung mit einer Stimme Majorität abgelehnt, trotzdem die Freunde der Ge- sellschafi erklärten, es sei ein Verbrechen an den Gcmeindeinteresfen, wenn der Vertrag nicht angenommen würde. Die sozialdemo- kratischcn Vertreter erklärten damals, die Verantwortung für dieses Verbrechen gern nnt tragen zu wollen. Die Gas- gesellschast gab die Schlacht aber noch nicht für verloren Wohl bedeutete eS einen harten Schlag für die Gesellschaft, als ihr bester Freund, der Gemeindevorsteher Löchert,.freiwillig" sich Pen sionieren ließ. Doch eS zeigte sich, daß auch der neue Gemeindet Vorsteher Gegner einer Gemeindegasanstalt war, indem er die Ver- bindung mit der Gesellschaft wieder aufnahm. In unzähligen Kommissionssitzungen wurde über die Angelegenheit nochmals ver- handelt. Die Gesellschaft bot jetzt bereits eine Abgabe von 0,46 Proz, wenn der Bertrag bis 1033 verlängert würde. Ein anderer Entwurf sah 7 Proz. und freie Straßenbeleuchtung bis zu einer gewissen Höchstgrenze vor. Dieser Vertrag sollte 1913 enden, ober die Gesellschaft behielt dann das Recht, auf ewige Zeiten Gas innerhalb der Gemeinde abzugeben. Durch den Vertrauensbruch eines Kommissionsmitgliedes wurden später dem Gegner alle Maßnahmen der Kommission betreffs Grundstückankauss für die Gasanstalt offengelegt. Obwohl eine nennenswerte Schädigung nicht mehr eintreten konnte, wurden einige geeignete Projekre durchkreuzt Die Gasanstalt soll uunmehr an der äußersten Nordwestspitze des Ortsteile? Karlshorst, am Rangierbahnhof Rnmmelsburg, un- weit der Spree erbaut werden. Für Bahnkohle ist Gleisanschluß vorhanden, für Wasserkohle wird später eine direkte Förderanlage erbaut. Da das betreffende Grundstück in Bauklaste L liegt, dürfe» Fabrikanlagen dort nicht errichtet werden. Für Gemeiiideanlagen wird durch die Regierung fast ausnahmslos Dispens erteilt. Jetzt . ging ein geharnischter Protest gegen den Bau einer Gemeindegas- anstatt aus diesem Grundstück bei der Regierung ein. Sonderbarer- weise ahnte der Bürgermeister diesen Protest und die Prolestgründe bereits vor einem Jahr! Der Protest trägt nur 19 Unterschriften. darunter Prof. Dr. E. Trampe. Wirklicher Geheimer Rat Girth, Sanitätsrat Dr. Settegast, Pfarrer emer. Kramm u. a. m. Die ongejührten Protestgründe sind jedoch geeignet, das Wesen dieser Herren zu beleuchten. In dem Protest heißt es u. a.:___________ Wir unterzeichneten fühlen uns deshalb schon jetzt veranlaßt,— Sodann hatte sich die Vertretung mit einer Erweiterung Unsere stark bedrohten Interessen beider zuständigen Behörde wahr-'deS Kabelnetzes für das Elektrizit ätSw erk zu be> zunehmen. Die Gasanstalt würde nur 130 Meter bom WestauSgang der Augusta-Viktoria-Straße slies IM Meter vom unbebaubaren Moorboden) liegen; bei den vorherrschenden Westwinden würde gerade das Villenviertel von Karlshorst durch die unvermeidliche Ausdünstung, Rauchentwickelung, den Kohlenstaub usw. in gröblichster Weise be� lästigt werden. Unsere Hauptstraße würde durch den Transport von Kohlen und Koks auf lärmenden Lastwagen ihres vornehm ruhigen Charakters beraubt, unsere Grundstücke entwertet usw. Es heißt dann weiter: Die Gasanstalt zieht zweifellos Mietskasernen hinter sich her und an Stelle steuerkrästiger Ansiedler erhalten wir eine A r b e i t er b e v ö lk e r u n g, die nichts an Steuern leistet und nur kostet. Aus all diesen Gründen bitten wir den Kreis- ausschuß, unsere fast zwanzigjährigen Rechte wahren und die üblen Folgen einer kurzsichtigen und einseitigen Ge- meindepolitik von uns abzuwehren usw." Auch die Regierung wird hoffentlich diesen Protest richtig zu würdigen wissen. Die Gemeinde dürfte bereits im Jahre 1911 aus diesem Gaswerk eventuell 80 000 M. Gewinn erzielen, die andern falls der Privatgesellschaft zufallen würden. Weiszensee. In der letzten Gemeindeveriretersitziing kam der Fall A l l e r s- Sonnenfeld nochmals zur Sprache. Die Auseinandersetzung erstreckte sich in der Hauptsache auf die in der stattgefundenen Bürger'Versammlung gemachten falschen Darstellungen. Bürger meister Dr. W o e l ck gab in einstündigem Vortrage nochmals völlige Klarheit über den Stand der Sache und bedauerte, daß sich Gemeindevertreter im Saale befänden, die nicht imstande gewesen seien, der Bürgerschaft über die Angelegenheit Aufllärun zu geben. Statt besten hätten sie es zugelassen, da ganz fernstehende Personen Dinge über den Gemeinde vorstand verbreiteten, die sie mit Leichtigkeit hätten widerlegen können. Langjährige Vertreter, die den abgeschlossenen Verträgen mit Allers ihre Zustimmung gegeben, hätten den Verdrehungen nicht wider- sprachen und dadurch den Ort auf Jahre hinaus geschädigt. Bei geordneter Dr. Klamroth bedauerte die alte Fraktion, die den Frieden nicht halten wolle. Auch Schöffe MeweS wandte sich gegen die alte Fraktion mit dem Vorwurf, daß sie die Bevölkerung in fortwährender Aufregung erhalte, weil sie dadurch ihre Position zu stärken glaube. Genosse Schlcmminger bemerkte, daß es der Sozialdemokratie gleich- gültig sein könne, wenn die Herren sich in den Haaren lägen; nicht gleichgültig sei es aber, daß durch solchen Stank der Ort auf Jahre hinaus in seinem Fortschritt lahmgelegt werde. Wie Herr Fechner sein Versprechen,.möglichst objektiv" zu sein, gehalten hat, beweisen die jetzigen Vorwürfe. Gemeindevertreter Fechner versicherte, er habe in der Versammlung nur das ausgesprochen, was er wisse und was ihm von anderer Seite berichtet worden sei. Wenn man der«lten Fraktion nicht mehr Entgegenkoirnnen beweise, dann werde der Frieden überhaupt nicht einkehren. Weiter ver- langt er, daß man die Verleumder verklagen solle, da? Gericht werde schon Klarheit schaffen. Genosse Fuhrmann schilderte, wie der Baumeister Sonnenfeld sich an unsere Fraktion gewandt habe und als er hier kein Entgegenkommen gefunden, sei er zur neuen Fraktion gegangen, wo er sich mit den Worten eingeführt habe: „Mit den Oualschköppen von Genossen ist ja nichts an- zufangen." Als er aber auch von der neuen Fraktion unverrichteter Sache habe abziehen müssen, sei ihm nur noch die alte Fraktion übriggeblieben. Hier habe er Entgegenkommen ge« unden. Sonnenfeld habe vom Leihamt ein Darlehen von 80 000 M. aufnehmen wollen. 2SOOO M. habe er bekommen und dafür einen Teilbetrag der ersten Hypothek von 100 000 M. verpfändet. Dann habe er weitere 30 000 M. als zweite Hypothek aufnehmen wollen, das habe jedoch abgelehnt werden müffen, weil er nicht Eigentümer der Grundstücke sei. Als weiter die Hypothekenregulierung nicht gelungen, sei die ganze Schuld aus den Gemeinde- vorstand geladen worden; nunmehr habe der Stank begonnen. Einzelne Herren der alten Fraktion sind als Mitglieder der betreffen- den Kommissionen hiervon unterrichtet gewesen, sie hätten aber Auf- kläimng in der Versammlung nicht geben wollen. Die Vertreter der Sozialdemokratie habe man einfach von der Versammlung aus- geschloffen, weil man fürchtete das Konzept könnte verdorben werden, zenn diese hätten sich solche tatsächlichen Verdrehungen nicht gefallen lassen. Schöffe Severin gab seiner Verwunderung Ausdruck, daß der Führer der alten Fraktion, Herr Könitz, heute den Verhandlungen ferngeblieben sei, trotzdem er wisse, daß man über das Vergangene sprechen würde. Der Kirchenratssitzung die zu gleicher Zeit stattfinde, brauchte er doch nicht beizuwohnen. Es sehe so aus. als ob er kneife. Genosse Taubmann gab bekannt, daß die große Maffe der Bevölkerung das Gefühl habe, in dem Ver- hallen der alten Fraktion liege System. Die Ausführungen des Herrn Fechner bestätigten das, denn wenn man selbst von einer ache nicht unterrichtet sei, könne man doch nicht Aufklärung geben. Ein wetterer Beweis sei, daß man die große Masse der Bürger, die Arbeiterschaft, von solchen Aktionen ausschließt. Die' alte Fraktion sei zu neuen Sensationen gezwungen, weil sich die Folgen ihrer Bewegung gegen die Beitragsordnung bemerkbar machten. Das Mitglied der alten Fraktion, Gemeinde- Vertreter Liesen, gab die Erklärung ab, daß er nach all' dem Ge- hörten vor einem Rätsel stehe. Genosse Frentz besprach nochmals die gehässigen Angriffe gegen unsere Genossen in den Zeitungen und machte hierfür ebenfalls die alte Fraktion verantwortlich. Gemeinde- Vertreter Teichert, alte Fraktion, sprach sich wiederum dafür aus, daß die Kanalisationsbeiträge und Gebühren auf die Allgemeinheit verteilt werden müßten, denn diese habe den Vorteil und nicht der Hausbesitzer. Im übrigen sei die Mehrheit an den jetzigen Zustand der Unzufriedenheit schuld. DaS Tempo der soziale» Fürsorge habe der Hausbesitz nicht mehr mitmachen können, wenn er sich nicht selbst zugrunde richten wolle. Seine altbekannte Spießbürger- rede fand jedoch leinen Anklang. Wiederholt kam es in der De- hatte zu Zusammenstößen zwischen dem Gemeindevertreter Fechner und dem Beigeordneten Dr. Klamroth. Herr Fechner verlangte, daß der bezahlte Beamte sich m seinen Aeußerungen„mehr Reserve" auferlege. Reinickendorf. Wegen unzüchtiger Handlungen an einem zehnjährigen Mädchen ist vorgestern ein Barbiergehilfe verhaftet worden. In dem Barbier- geschält von P. in der Scharnweberstraße erschien vormittags ein zehnjähriges Mädchen mit ihrem dreijährigen Bruder, um dem Knaben die Haare schneiden zu lassen. Nachdem der allein anwesende Gehilfe Eichzinn die Arbeit ausgeführt harte, schickte er den Kleinen unter irgend einem Vorwande hinaus und nahm dann mit dem Mädchen unzüchtige Handlungen vor. Als die Schülerin nach Hause kam, erzählte sie den Vorfall ihren Eltern. Auf deren Anzeige hin wurde der Friseurgehilfe verhaftet. Pankow. In der Gemeindevcrtretersitzung am Dienstag, der ersten nach längerer Sommerpause, widmete vor Eintritt in die Tagesordiumg der Bürgermeister dem vor kurzem plötzlich verstorbenen Gemeinde- schöffen P r a d e l einen Nachruf. Eine lange lyid lebhafte Debatte zeitigte dann zunächst das Projekt einer Ne uregulierung der K r e u z st r a ß e zwischen Spandauer und iWollaiitstraße. Zu einem positiven Resultat kam es jedoch noch nicht. Ein großer Teil der hier in Frage kommenden Anlieger hat sich geweigert, in die zur Herstellung einer breiten und schönen Verkehrsstraße notwendige Ab- trerung von einsprechendem Voigarlcngelände an die Gemeinde zu willigen. In Rücksicht hieraus suchte daS vorliegende Projekt ohne Inanspruchnahme von Vorgartengelände die Frage zu lösen. Da das Projekt aber nicht viel Beifall fand und erneut mit den An- liegern in Verhandlungen zu treten gewünscht wurde, verwies die Vertretung die Angelegenheit nochmals in die Kommissionen zurück. Die bessere Instandhaltung des umfangreichen und wertvollen Obstbaumbestaudes auf dem Rieselgute Mühlenlieck macht die Anstellung eines hierzu besonders geeigneten Gärtners notwendig; die Vertretung bewilligte die hierzu erforderlichen Mittel. schäftigen. Für die Verstärkung de? Kabels in der Schloßstraße wurden 11 SOO M., für ein Anschlußkabel in der Heynstraße 1700 M. bewilligt, welche Summen durch Anleihe gedeckt werden sollen.— Eine längere Debatte entspann sich bei einer scheinbar unbedeutenden Vorlage, welche die Erneuerung der Einfriedigung der Pumpstation in der Spandauer Straße betraf. Dieser Vorlage lag eine merkwürdige Veranlassung zugrunde. Der im Frühjahr dieses Jahres neuge'wählte bürgeriiche'Gemeindevertreter M a a tz hatte an der besagten bisherigen Einfriedigung Anstoß genommen, da diese sich nach seiner Meinung in einem so verwabrlosten Zu- stände befindet, daß eS sein und der Mitanlieger jener Gegend ästhetisches Gefühl gröblich verletze. Da Herr Maaß offenbar zum Gemeindevorstand nicht das genügende Vertrauen hegte, daß seinen äthetischen Beschwernissen von dieser Seite abgeholsen werden würde, zog er es vor, sich in der Sache ohne viele Umstände beschwerde- führend an den Landrat zu wenden, durch den dann der Gemeindevorstand erst Kenntnis von jenem Schandfleck Pankows erhielt. Was Herrn Maaß eigentlich veranlaßt hat, diesen seltsamen Weg zu wählen, ist zunächst noch sein Geheim- nis, da er in der Sitzung leider nicht anwesend war. Der Gemeindevorstand fand mit seiner auf so eigenartige Weise ent- standenen Borlage zunächst wenig Gegenliebe. Ihre Erledigung wurde noch zurückgestellt, bis eine in nächster Zeit durch die Gesamt- Vertretung vorzunehmende Lokalinspektion stattgefunden hat.— Zur Teilnahme am nächsten Brandenburgischen Städtetage, der am 9. und 10. September in Fürstenwalde stattfindet, wurden außer Herrn Stadtrat S t a w i tz noch Herr B a a ck und Genosse K u b i g ge- wählt.— Einem Gesuch des hiesigen Mutter schutzhauses wurde durch Bewilligung eines laufenden jährlichen Beitrages von 300 M. stattgegeben, wofür der Gemeinde zwei Betten für Mutter und Kind dauernd zur Verfügung gestellt werden.— Dann gab der Bürgermeister noch bekannt, daß die Regierung für die gewerbliche Fortbildungsschule für das Jahr 1911 einen Beitrag von 5180 M., ferner auch bereits für 1912 einen solchen von 2123 M. bewilligt hat. — Hierauf geheime Sitzung. Kalkberge- Rüdersdorf. Die Gemeindevertretung bewilligte in ihrer letzten Sitzung die Kosten für Umpflasterung eines Teiles der Friedrichstraße sowie eines Teiles der Bergstraße im Betrage von 8500 M. und beschloß, die Umpflasterung baldigst vornehmen zu lassen.— Der Antrag des Lchrervereins betr. Schaffung eines Lehrerzimmer? wurde der Bau- kommission übertragen, die die Sache regeln soll.— Durch den Einsturz des alten Feuerwehr-SteigerturmeS, der seinerzeit infolge eines Bergsturzes auf dem Arminiusberg erfolgte, ist die Errichtung eines neuen Steigerturms notwendig geworden. Die Kosten hierzu werden bewilligt. Zunächst sollen jedoch noch wegen des Platzes, auf dem der Turm erbaut werden soll, mit dem Vorstande der Freiwilligen Feuerwehr Verhandlungen gepflogen werden.— In der Straßenbahnsache wurde vom Schöffen Hermann Koepisch mitgeteilt, daß der Betrieb der Bahn voraussichtlich schon mit dem 1. Oktober d. I. eröffnet werden wird. Die neuen Wagen werden allerdings erst im Dezember geliefert, bis dahin werden zwei schon im Gebrauch ge- wesene, aus Halle a. S. billig gekaufte Wagen Verwendung finden. Der erste Zug soll 5.30 Uhr fahren, damit hiesige Arbeiter, die aus- wärts beschäftigt sind, ihre Arbeitsstelle rechtzeitig erreichen können. Der volle Tarif von Kalkberge bis Friedrichshagen ist auf 10 Pf. festgesetzt, auf Kallberge entfallen davon 25 Pf. und auf Schöneiche 15 Ps.. Monatskarten bis Schöneiche 7 M. und bis Friedrichshagen 12 M._ Protestversammlungen gegen die Tenernng. In Friedenau, wo die Protestversammlung am Mittwoch statt« 'and, hatten sich trotz des regnerischen Wetters zahlreiche Ver- ammlungsteilnehmer eingefunden. Die scharfe Kritik des Genossen Barth gegen die volksfeindliche Agrar- und Schutzzollpolitik and lebhaften Beifall. Die Diskussion bewegte sich im Sinne des Referats. Die Steglitzer Versammlung war von über 500 Personen, barunter zahlreichen Frauen, besucht. Das Referat des Genossen Albin M o h S wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. In Königswusterhausea hatten sich 800 Personen eingefunden. Leider blieb die Versammlung ohne Referenteu. Nach langem ver- geblichen Warten stimmten die Versammelten einstimmig der vor« gelegten Resolution zu._ Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 8. September, vormittags 9 Uhr, Pappel-Allee 15/17, und Rixdorf,.Jdcal-Passage": Freireligiöse Vorlesung. Vormittags 11 Uhr, Kleine Fianksurier Str. 3: Vortrag von Fiau I. Altmann-Bronn, Nombach:„Freidenkerwm als ethischer und Kulturfaktor-.— Damen und Herren als Gäste sehr willkommen.— Montagabend 8 Uhr:„Bcschlietzende Versammlung-. Arbcitertouristcnverein„Tie Naturfreunde», Ortsgruppe verltn. Sonntag, den 8. September: Wanderung von KönigS-Wusterhaufen nach Senzig, Gusow, Dolgen« und Wolziger See nach Königs-Wusterhausen. Abfahrt vom Görl. Bahnh. früh ö Uhr nach Königs-Wusterhausen. Gäste willkommen. Arbeiter- Wanderverein„Berlin«. Wanderfahrt am Sonntag. den 8. September, zum Schwielowsee. Michendorf, Lienewitzsee, Forsthaus Schmerberg, schwielowsee, Flottstclle, Krähenberg, Kaputh, Baumgarten- brück, Pirschheide, Wildpark, Absahrt 3 Uhr Bahnhos Charlottenburg und 3,19 Uhr Bahnhos in Wannsee. Sonntag, den 15. September: Spree- waldsahrt._ Singegangene Dmdifcbnftcti. Von der„Neuen Zeit« ist soeben das 19, Heft des 30. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Hefte» heben wir hervor: Nochmals die Abrüstung, Von K. KautSky.— DaS Delegationsrecht zum Parteitag. Von Richard LipinSti.— Verbrechen und Sozialismus.(Zugleich ein Bei- trag zum Studium der Kriminalität in Deutschland.) Von Dr. W, A. Bongcr.(Schluß.)— Stall stische Nachklänge zu den RetchStagSwahlen. Von AkademiluS,(Schluß.)— Die Teuerung und die Berliner Arbeiter. Von Emanuel Wurm, Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- bandlungen, Postanstalten und Kolporlcure zum Preise von 3,2» M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pr« Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Pf. Probcmiminern stehen jederzeit zur Verfügung, Von der„Gleichheit«, Zeitschrift für die Interessen der Arveiterinnen, ist uns soeben Nr, 25 des 22. Jahrgangs zugegangen. AuS dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Genossinnen, aus zum Kample gegen Teuerung und Hungersnot I I. A,: Luise Zictz,— Die Frauenerwerbsarbcit im Denischcn Reiche, IV.— Ein staatlicher„Musterbetrieb- in Straßburg. Bon Luise Zietz,— Die Frau in der Industrie und Landwirtschast Württem- bexgs, VI, Bon m.— Gegen die.Schwestern"-Ausbeutung. Von P. M. Grempe.— Aus der Bewegung: 130 371 weibliche Mitglieder aus insgesamt 970 000 Organisiei le zählte die deutsche Sozialdemokratie am 30. Juni 1912. — Von der Agitation.— An» den Organisationen,— Die sozialdemokratische Frauenbewegung in den Unterweserorten.— Jahresberichte der Genossinnen in Sietlin und Lübeck.— Mit den Bellagen:„Für unsere Mütter und Haussrauen- und.Für unsere Kinder-. Die.Glcichbett- erschemt alle 11 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pf, durch die Post bezogen beträgt der Abonnementsprcis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Ps.; unter Kreuzband 85 Ps. Jahresabonnement 2.30 M. Dom„Wahren Jacob« ist soeben ose 19. Nummer oeS 29. Jahr- ganges eischienen, die in einer größeren Zahl von Beiträgen dem Chemnitzer Parteitag der deutschen Sozialdemokratie gewidmet ist. Der Preis der 13 Seiten starken Nummer ist 10 Pf." Probenummern find jederzeit durch den Verlag I. H. W. Dich Nachs. G. m. b. H. in Stuttgart sowie von allen Buchhandlungen und Kolporteuren zu beziehen. Marktbertch« von Berlin am 1. September 1912, nach Ermittelung des königl. Polizeipräsidiums. M a r k t h a l l e n v r e i s e.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.00—50,00. Speisebobnen, weiße. 30.00— 50.00. Linsen 35.00— 70.00. Kaitosseln(Kleinhdi.) 3.00— t 2.00. 1 Kilogramm Ziindsteisch von der Keule 1,80—2,10. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,50—1,90. Schwemefleisch 1,30—2,40. Kalbfleisch 1,50— 2,40. Hamincisicisch 1,70— 210. Butter 2,20—3,00. 60 Stück Eier 3,60—3,00. 1 Kilogramm Karpsen 1,40—2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,40-3,60. Hechte 1,40-2,80. Baifch« 1,00-2,40, Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 3,00—45,00. Keranfwvrtlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Tb. Glvcke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt, Vuchdruckeret u. Verlagsaustalt Lauk Singer u. Sa. Verltn SW,