Nr. 209. BbonnementS'BcdlngungiOs Abonnements> Preis vränumerandoi »ierteljährl. ZM Mb. monatl. l.lv srei ins Haus. Einzelne Nummer K Psg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Well' 10 Psa Post- Abonnement: 1.10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Prelsliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland S Mark pro Monat. Postabonnements nehmen um Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. Cridxtot»glich außer Montag». Vevlinev Volksblnkk. Die Insertion»»Ledohr beträgt für die sechsgespaltene Kolon ei« zelle oder deren Raum so Pfg., für politische und gewerkschafUichc Vereins- und Versmnmlungs-Anzcigcii 30 Pfg. „Uleine Mnxefgcn", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. tzulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Bort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- f iben zählen für zwei Worte. Inserate r die nächste Nummer müsien bis Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm, Adreffe: ,,S»aiaIilelll»Iiral Rcrli»", S Zentralorgan der fozialdemoltratifcben Partei Deutfchlande. Rcdahtion: 853. 68, Lindcnstrasac 69. Fernsprecher: Amt Moristplay, Nr. 1083. Sonnabend, den 7. September 19 Gxpedltiom 853. 68, Lindcnstrassc 69» Fernsprecher: Amt Moristplatz, Nr. 1984. Der Kampf an der freibanh. ElendZbilder aus Berlin.— Der Sturm auf minderwertiges Fleisch. Ihr glaubt nicht an die Lebensmittelnot! Wollt daran nicht glauben, ihr da oben! Ihr meint, daß wir zufrieden sein können und jeder Arbeiter im herrlichen deutschen Reiche seinen guten Lohn erhält? Kommt mit uns, seht euch die Fleischnot an der Quelle an! Und verantwortet euch, wenn ihr könnt! Aber früh müßt ihr aufstehen. Die Not geht nicht nach Mitternacht schlafen mit Austern und Sekt. Sie ist, vom Hunger ge- trieben, mit der Sonne auf der Suche nach billiger Nahrung. �lnd wo in Nährmitteln das Billigste, Schlechteste massenhaft gehandelt wird, da sttzht der Gradmesser für des Volkes Not. Die sogenannte Freibank, der Schlächterladen der Groß- stadtarmut, hat immer ihre Gäste. Heuer ist die sonst lang- samer herankommende Kundschaft zu stürmisch andrängenden Menschenstrom angewachsen. Niemand geht gern hin, auch in besseren Zeiten nicht. Der Stempel der Armut ist schon den Glasscheiben über der Ladentür aufgedrückt:„Ver- kaufs stelle für minderwertiges Fleis ch." Zu gut für den Hund und gerade noch tauglich für den Hungern» den, der auch einmal nach Fleischnahrung verlangt. Eine Ordnungsstlltze war es, der uns gestern in aller Frühe auf dem städtischen Viehhof den Weg wies zur Frei- dank in der Thaerstraße:„Da stehen schon Tausende, schon seit gestern abend!" Ungläubig sahen wir den behelmten Staats- diener an. Aber die Wirklichkeit sah ja noch viel trostloser .us. Die Ersten, zu denen uns ein anderer Schutzmann führte, standen hier schon seit Donnerstag abend 6 U h r. Sie standen volle 14 Stunden, um im Höchstfall sechs Pfund minderwertiges Fleisch zu ergattern. Ueber zwölf Stunden hatten sie die ganze Nacht über in Wind und Wetter usgeharrt. Denn erst um �7 Uhr werden die Vordersten in Me Vorhalle hineingelassen, bei dem beschränkten Räume auch .r einige Hundert, und um 8 Uhr beginnt hier der Verkauf. U 1 Mitternacht war die wartende Menge nach amtlicher Angabe schon ausüberZllllPersonen angewachsen. In der Vorhalle standen um 7 Uhr morgens etwa ZW Menschen, draußen im Freien an der langen Viehhofsmauer entlang weit über Tausend, und mit Beginn des Verkaufs warteten bloß an dieser einen Freibankstelle reichlich 2000 arme Leute! Zum großen Teil kommen die Bedürftigen aus ent- legenen Vororten. Die Frauen, dicht in Tücher eingehüllt, haben sich Bänke, Stühle. Klappsitze mitgebracht. Mit klammen Fingern stricken und nähen sie. um die kostbare Zeit nicht ungenutzt vergehen zu lassen. Wieder war es der Staats- hiiter, der als Zeuge bestätigte, daß Kinder schon um SUHrmorgenssichin Reih und Glied stellen. Sie werden energisch nach Hause geschickt. Wir bemerkten leider auch nicht- schulpflichtige Kinder bei den Müttern, was andere Frauen mit Recht hart tadelten. Ist es aber nicht erklärlich aus der furchtbaren Not, aus der Sorge, die hungrigen Kindermäuler nicht mit Sand und Kieselsteinen stopfen zu können? Und trotzalledem stehen Hunderte hier ganz ver» gebens! An allen Freibankstellen wurde geklagt, daß die Vorräte der Nachfrage nicht genügen. Hunderte, die in der Thaerstraße viele Stunden und Stunden gestanden haben, bekommen nichts. Aufmucken und Aussuchen gibts erst recht nicht. Man muß nehmen, was hingeschoben wird, auch einen Haufen Knochen. Täglich, außer Tonnerstags und Sonntags. wo die Freibanken geschlossen halten, ist der Andrang gleich enorm, am Freitag und Sonnabend am stärksten. Vor der Freibank Manteuffelstr. 74 standen um 8 Uhr etwa 300 Per- sonen, die sich bis zur Eröffnung um 9 Uhr verdoppelten. Erheblich größer war der Verkehr in der Grünthalerstraße. Hier brach ein alter Mann, der in der vorderen Reihe seit b Uhr wartete, gleich nach der Eröffnung ohnmächtig zu- sammen. Die vierte Freibank befindet sich in Moabit, in der Waldenscrstraße. „Wird es bald besser werden?", jammerten Fronen und Männer. Welch furchtbare Anklage, welche Schande für dieses Reich der Neichen ist dieser Kampf um minderwertiges Fleisch! Einberufung des Reichstags! Immer stürmischer entwickelt sich im ganzen Reich die Protest- bcwegung gegen die Herrschaft der Aushungerungspolitik. Es ist eine Bewegung, die sich ganz spontan entwickelt und immer weitere Kreise zieht. Die Sozialdemokratie ist hierbei die Wortführerin nicht nur der Arbeiterklasse, sondern aller Schichten, die unter � der herrschenden Teuerung leiden und diese bilden die ü b e r- wältigende Majorität des deutschen Volkes. Einen gewissen Erfolg hat unsere Bewegung auch bereits insofern zu verzeichnen, als die Gemeindeverwaltungen sich anschicken, endlich lang Versäumtes nachzuholen und dem städtischen Lebensmittelmarkt die längst nötige Aufmerksamkeit zu widmen. Auch hier erweisen sich die Grundsätze s 0 z i a- l i st i s ch e r Gemeindepolitik als die allein dem Interesse der Massen entsprechenden. Dazu ist an einzelnen Orten, wo ein unreeller Zwischenhandel es nötig machte. die Selbsthilfe der Bevölkerung getreten und der Fleischboykott belehrt die Betroffenen, daß der Kampf gegen die großen Monopolisten durchaus nicht dazu zwingt, die kleinen laufen zu lassen. Natürlich sind diese Hilfsmittel nur unter- geordneter Natur und auf einzelne Oertlichkeiten beschränkt, wo besondere Auswüchse die Abwehr herausfordern. Die Hoffnung der Agrarier, durch ihre verlogene Hetze gegen die Fleischer die Aufmerksamkeit von den Haupt schuldigen ablenken, die Angriffskraft der Massen zersplittern und ihre Energie in wenig aussichtsreichen Einzelkänipfcn ermüden zu können, diese Hoffnung wird sich sicher nicht erfüllen. Die Massen wissen, daß es die herrschende Wirtschafts- Politik ist. die die Teuerung bewußt und gewollt im Interesse der Großgrundbesitzer herausgeführt hat: sie ver- langen radikale Abhilfe, sie fordern den Abbruch dieser volksfeindlichen Politik. Deshalb verlangen wir die Einberufung des Reichstages. Und das ist nicht mehr unsere Forderung allein. Neben manchen anderen haben die Kommunal- Vertretungen von Frankfurt a. M.. Nürnberg, Bamberg. München sich unserer Forderung einmütig angeschlossen. Und es wäre nur zu wünschen, daß auch das Bürgertum und seine politischen Vertretungen im Reichstage etwas mehr Energie aufwendeten und nicht von vornherein sich schwachmütig dem Widerstand der Regierung beugten. Die Regiernng freilich schweigt beharrlich, obwohl die Erfüllung dieser Forderung in jedem konstitutionellen Lande nur selbstverständlich wäre. Und wieder zeigt es sich, wie recht die sozialdeniokratische Fraktion hatte, als sie mit allem Nachdruck gegen die überlange Vertagung des Reichs- tags protestierte. Es ist aber nun wirklich Zeit, daß die Re- gierung endlich den Mund öffnet, und deshalb ist es sehr zu begrüßen, daß die sozialdemokratische Fraktion sie klipp und klar vor die Beantwortung der Frage gestellt hat. Die stärkste Fraktion des Reichstags hat sich nämlich mit folgender Ein- gäbe an denReichskanzlcr gewendet: Berlin, S. September 1012. An den Kanzler de» Deulschen Reichs, Herrn v. Bethmann Hollweg. Exzellenz I Die unterzeichneten Reichstagsabgeordneten verfehlen nicht. Euere Exzellenz zu ersuchen, datz unverzüglich Maßregeln ergriffen werden. um die herrschende Teuerung zu mildern. Der Notstand hat— das wird allgemein anerkannt— einen Grad erreicht, wie nie zuvor. In den Kreisen der Arbeiter und des Mittelstandes bis tief in die Reihen der Beamten herrscht eine Erregung, eine Erbitterung, an der die gesetzgebenden Faktoten nicht achtlos vorübergehen können. Da die exorbitante Teuerung seit einer Reihe von Jahren nicht nur immer wieder- kehrt, sondern sich auch verschärft, so kann man von ihr jetzt nicht mehr als von einer vorübergehenden Erscheinung sprechen. Immer dringender wird deshalb die Forderung nach Beseitigung der gesetzlichen Bestimmungen, unter deren Wirkung die weitesten Schichten deS Volkes leiden und an ihrer Gesundheit geschädigt werden.— Zu diesem Zwecke erscheint ersorderlich die Aushebung der Einfuhrzölle auf Lebensmittel, insbesondere auf Lieh und Fleisch, die Oeffnuiig der Grenzen für die Einfuhr von Vieh unter Aufrechterhaltung unerläßlicher Sicherheitsmaßnahmen gegen die Einschlrppung von Seuchen, die Aushebung der Futtrrmittelzölle. die Beseitigung der Einsuhrscheine, und vor allem die sofortige Oeffnung der Grenzen für die Einfuhr von frischem und zubereitetem Fleisch, da dadurch am wirksamsten in kürzester Fxist eine Milderung der Not erreicht werden kann. Zur Herbeiführung der gebotenen gesetzlichen Maßnahmen ersuchen wir Ew. Exzellenz die schleunigste Einbrrufnng deS Reichstages zu veranlassen. Hochachtungsvoll Im Auftrage der 110 Mitglieder der sozialdemokratischen Fraktion des Deutschen Reichstages: Bebel, David, Ebert. Fischer, Haase, Kaden, Molkenbuhr. Wenn Herr v. Bethmann Hollweg halbwegS ver- nünftig ist, wird er das Verlangen der sozialdemokratischen Fraktion erfüllen. Das deutsche Volk hat ein Recht darauf, daß seine Vertretung nicht durch absolutistische Biireaukraten- Willkür lahmgelegt werde, wenn es des gesetzgebenden Apparates am dringendsten bedarf. Und Herr v. Bethmann wäre recht übel beraten, wenn er bei seiner bisherigen Weigerung bliebe, die ihn als willenloses Werkzeug junker- sicher Habgier erscheinen ließe. Freilich, was man bisher von den Bundesstaatsregierungcn zu hören bekommen hat, rechtfertigt die schlimmsten Erwartungen. In Bayern hat es der Minister des Innern, Herr v. Soden, gewagt, die Teuerungsinterpellation unserer Genossen mit einer Rede zu beantworten, die das traurige Gewäsch der„Nordd. Allg. Ztg." von der gestiegenen Kauf- kraft der Massen, die die Ursache der Fleischteuerung sei, und von der bewährten Wirtschaftspolitik womöglich noch überbot. Man braucht auf dieses Gestammel eines schlechten Gewissens, das nur ein Beweis dafür ist, welch geistigen Tiefstand und Volks- feindliche Gesinnung ein Zentrumsministerium erreichen kann, nicht weiter einzugehen. Aber selbst dieser Mensch, der eS wagen konnte, von einem„ F l e i s ch n 0 t g e s ch r e i" zu sprechen, das an der Teuerung mitschuldig sei(!), selbst der mußte schließlich zugeben, daß etwas geschehen müsse, und er will einen Versuch mit der Einfuhr von gefrorenem Fleisch vertreten. Das wäre also ein grundsätzliches Zugestand» n i s, es könnte aber auch eine perfide Täuschung sein. Denn ein„Versuch", eine nur vorübergehende Erlaubnis wäre absolut wirkungslos. Die Importeure müssen die Gewähr haben, daß es sich uin eine bleibende und dauernde Maßnahme handelt, sollen sie das Kapital aufwenden, das zum Transport in ge- eigneten Schiffen und zur Errichtung der nötigen Kühlräume erforderlich ist. Sonst ist der„Versuch" von vornherein zum Scheitern verurteilt, da er keine preissenkende Wirkung ausüben könnte. Zudem kann das billige australische und argentinische Fleisch den hohen Fleischzoll von 45 Pfennig für das Kilogramm(35 Pf. für die Vertragsstaaten) nicht vertragen. Die Beseitigung des Fleischzolls ist also die ziveite unerläßlicheBedingung für eine wirk- s a m e Abhilfe. Davon will der Minister, der in dieser Frage nur Sprachrohr der Reichsregierung ist, aber überhaupt nichts wissen, und das läßt den Verdacht fast zur Gewißheit werden, daß die Regierung beabsichttgt, durch ein Schein- Zugeständnis das Volk momentan zu beruhigen, um es den Agrariern zuliebe irrezuführen und das Gefrier- fleisch zu diskreditieren. Daß nur eine dauernde Zulassung des Gefrierfleisches Ab- Hilfe schaffen kann, ist keineswegs nur unsere Ansicht. Das Haupt- organ der Nationalliberalen bringt einen Leitartikel, in dem sich die ganze Angst des Großkapitals vor der zum Durchbruch kommenden Volksbewegung spiegelt.„Was heute für die Viehzölle verlangt wird, kann morgen für die Getreide- oder E i s e n z ö l l e gewünscht werden." Ja, die Eisenzölle! Die Kartellmagnaten helfen den Großgrundbesitzern beim Brot- Wucher, daniit ihr Eisenwucher keinen Schaden leide. Aber weit- sichtiger in diesem Falle als die Agrarier, sehen sie ein, daß doch etwas Wesentlicheres getan werden müsse als Statistik fälschen und gegen die Fleischer hetzen. Und so verlangt die „Kölnische Zeitung" wenigstens„kleine Mittel" und befürwortet die folgenden: „Das sind vor allem die Mittel, die der Stärkung der heimischen Produktion zugute kommen und damit auch über die jetzigen Not» monate hinaus von Segen für unsere Mehwirtschaft sein können. Dazu rechnen wir einmal die Aufhebung der Futtermittelzölle, die doch nur aus der Tasche des kleinen Landwirtes in die des großen gezahlt werden, dazu rechnen wir ferner eine weitherzige T a r i f p 0 l i t i k der deutschen Eisenbahn- Verwaltungen, so daß wenigstens das gesunde ausländische Vieh auch den Weg bis inS innerste Deutschland finden kann. Auch gegen die vorübergehende Aufhebung der Viehzölle ließe sich grundsätzlich kaum etwas einwenden. Aber die Hoffnungen derer, die glauben, daß� solche Mittel die Flcischteuerung bannen könnten, würden bald getäuscht sein. Zur Befriedrigung des Volkes mit Fleisch müssen andere Mittel ergriffen werden, und hier setzt der Punkt ein, der von der Reichsregierung bisher nicht mit der Sorgsalt behandelt worden ist. die er verdient. Wenn die Regierung sich der Oeff- nuiig der Grenzen entgegenstemmt und wenn sie die deutsche Landwirtschaft ihres Schutzes nicht entblößen will, so stehen ihr gewichtige volkswirtschaftliche und nationale Beweggründe zur Seite. Wenn sie aber dauernd sich der Versorgung des deutschen Volkes mit wohlfeilem überseeischen Gefrierfleisch widersetzt, so begeht sie einen Fehler. Noch stehen jader praktischen Zulassung dieses Ersatzmittels gesetzliche Be- st i m m u n g e n entgegen. Vor allein gilt das von dem Z 12 deS Fleischbeichangesetzes, der die Einsuhr von Gefrierfleisch tatsächlich zu einer Unmöglichkeit macht, weil er �vorschreibt, daß daS Fleisch zusammen mit den Eingeiveiden der Tiere herüberkomme. An und für sich ist ja die Frage der GesinidhcitSunschädlichkeit des ge» frorenen Fleisches längst, und zwar im bejahenden Sinne entschieden. Dasselbe gilt von dem Nährwert und dem Nutzung?- wert und den Verdaulichkeitseigenschaften des Fleisches, die durch den Gefrier» und Auftauungsprozeß in leiner Weise beeinträchtigt werden. Da siS aber gegen diese wissenschaftlich hinIZnglidj fest- gestellten Momente auf a'nderm als wissenschaftlichem Wege nicht gut arbeiten lSßt, so richtet sich der hartnäckige Kampf gegen das ge« frorene Fleisch, der in der Regierung einen stummen Bundesgenossen hat, vorzugsweise gegen die Genusteigenschaft. wobei dem Gegner die Imponderabilien deS Geschmacks und der Gewöhnung zugute kommen. Nun sollte auch hier der einfache Hinweis auf das Bei- spiel Englands genügen, wo eine dem Fleischgenust im besonders hohen Mahe und mit besonderen Ansprüchen an die Beschaffenheit frönende Bevölkerung seit über 30 Jahren daS gefrorene Fleisch in stetig steigendem Mäste, zurzeit SV Prozent des gesamten Fleischkonsums, aufgenommen hat. Dah dabei mit der Zeit auch die erforderlichen Erfahrungen in der richtige» Behandlung und Zubereitung gemacht werden konnten, das sollte uns gerade das englische als das zweckmästigste Lehrbeispiel zeigen im Gegensatz zu de» nach jeder Richtung hin unzulänglichen Versuchen, welche auf Grund mangeln'der Vorbereitung in Oesterreich und in der Schwei z unternommen worden sind. Auch die deutschen Versuche, die, soviel wir wissen, auf Chemnitz beschränkt blieben, haben keinerlei Beweiskraft für oder gegen sich. Die dringendste Voraussetzung ist, dast die Einfuhr von ge- frorenem Fleisch auf eine breite Grundlage gelegt wird und die Gewähr der Dauer für sich hat. Nur dann wird sich der Handel auf die kostspieligen E i n r i ch't u n g e n einlassen, die er- forderlich sind, und nur dann wird man einwandfreie Erfahrungen nach der Art der englischen machen können. Zu ihrer eigenen Beruhigung und der der argwöhnischen Bevölkerung wird die deutsche Regierung in den überseeischen Ländern selbst Tierärzte anstellen müssen, die für die Beförderung nur einwandfreien Fleisches hastbar sind. Dast ihnen diese Sorge leicht gemacht wird, dafür sorgt die überaus entwickelte Fleischindustie. Jedenfall must gesagt werden, dah keinerlei durchschlagende Gründe gegen die Möglichkeit sprechen, Deutschland mit wohlfeilem überseeischen Gefrierfleisch zu versorgen und damit den Fleischmarkt von dem Drucke zu entlasten, der nicht nur gegenwärtig, sondern dauernd auf ihm liegt. Und mit aller Schärfe must den Quertreibern entgegengehalten werden. dast der Staat nicht dazu da ist, die Gaumen der Fein- schmecker zu kitzeln, sondern dast er für eine aus- reichende Ernährung der breiten Volkskreise mit ? fleisch zu erschwinglichen Preisen zu sorgen hat. Ver- agt sich die Regierung auch diesmal wieder einer gründlichen Ab- Hilfe— und die liegt nach unserer Meinung nur in einer plan- mähigen Versorgung mit Gefrierfleisch von Reichs wegen— so tragen die Herren, die heute an der Spitze der Verwaltung stehen, die V e r- antwortung dafür, wenn vielleicht im nächsten oder übernächsten Jahre die Unzufriedenheit des Volkes die Däinme wegschwemmt, die unsere Volks- und unsere Biehwirtschaft so dringend nötig haben." Man sieht, unsere Betvegung trägt ihre Früchte. Die Reihen der Volksfeinde geraten ins Wanken. Aber wir haben keine Zeit mehr z« verlieren und haben lange genug gewartet. Zur Abhilfe der Not sind gesetzgeberische Maßregeln unerläßlich. Der Reichstag hat schon am 20. März die sozialdemokratische Fleischresolution angenommen, die auch die Beseitigung des Z 12 des Fleisch- beschaugesetzes fordert. Die Regierung hat die Pflicht, dem Willen des Volkes und setner Vertretung endlich nachzu- kommen. Der Reichstag muß schleunigst ein- berufen werden! ?iii' Ccuerung. Teuerung und Industrie. Die Schwächung der Kaufkraft durch die Teuerung Eirkt schädigend auch auf die Industrie zurück. Besonders die Gewerbe, �ie Güter für den Massenkonsum herstellen, werden dadurch be- ''troffen. So veröffentlicht die„Textilwoche" drei Berichte von Firmen, die sich bitter über die Schwächung der Nachfrage im Bekleidungsgewerbe aussprechen. Eine Aachener Firma z. B. schreibt: „Die einfachen, die guten und besseren bürgerlichen und die meisten, Beamtensamilien müssen sich schon seit Jahr und Tag die denkbar größte Einschränkung auferlegen, um den Ansprüchen des täglichen Lebens einigermahen gerecht werden zu können. Da Mieten, Nahrungsmittel und sonstiger Unter- halt a n d a ue r n d k o st s p i e l i g e r werden, greift die praktische Hausfrau zu dem Hilfsmittel, billigere Kleidungsstücke zu kaufen. Die Preislagcnverschiebensichzusehends mehr und mehr nach unten. Eine neue, nicht leicht«, große Aufgabe ist dadurch für solide Geschäfte entstanden: dast wir moderne, gute, haltbare Waren in Stoffen und Konfektion für wenig Geld liefern sollen. Man verlangt natürlich obendrein, dast diese billigen Artikel genau so viel vorstellen und ebenso lange halten sollen, wie die früher zu zweimal und dreimal so hohen Preisen gekauften Gegenstände. Es wäre eine unendliche Wohltat für alle Bcvölkerungsklassen sausgenommen die oberen Zehntausend, die nicht zu rechnen brauchens, wenn etwas geschehen könnte, was dem glänzenden Elend zahlloser braver Leute wirksam Abhilfe schaffte." �.. Regierungsweisheit wird wahrscheinlich auch dieses Zeichen ,n ein sehr erfreuliches Ergebnis unserer Wirtschaftspolitik um— deuten. Eine vorübergehende Erscheinung? Gegenüber den amtlichen und halbamtlichen irreführenden Aus- lassungen über den Charakter der herrschenden Teuerung kann nicht nachhaltig genug darauf hingewiesen werden, dast die Verteuerung der wichtigsten NahrungS- und Genustmittel schon seit nahezu zwei Jahrzehnten in flottem Tempo fortgeschritten ist und dast eS sich unmöglich um eine.vorübergehendeErscheinung" handeln kann. Dast die Preissteigerungen infolge der teilweise ungünstigen Ernteergebnisse des JahreS 1911 schärfer hervortreten, soll natürlich ebensowenig bestritten werden, wie der schädigende Einfluß der ein- seitigen Zollpolitik und die überaus verteuernd wirkende lieber- setztheit im Handel geleugnet werden kann. Die Bewegung der Lebens- mittelpreise, die sich ftir einen ziemlich großen Kreis deutscher Städte bis zum Jahre 1396 zurück mit Sicherheit verfolgen läßt, spricht deutlich dafür, dast wir es in Deutschland mit einer chronischen Teuerung zu tun haben. Die Kosten des wöchentlichen Nahrungsmittelaufwands einer vier- köpfigen Familie berechneten sich im Jahre 1896 auf 18,99 M. In der Zeit von 1896 bis 1912 erhöhten sich die Haushalts- kosten im Deutschen Reiche.durchschnittlich von 18,99 auf 25,23 M. oder um 33,1 Proz. In den einzelnen Teilen Deutschlands vollzog sich diese Verteuerung nicht ganz gleichmäßig. Für die östlich der Elbe gelegenen Provinzen Preußens berechneten sich die Kosten' des wöchentlichen NahrungsmittelanfwandeZ in Mark auf: 1896 1900 1905 1911 1913 n«D«itfccn.. 17,98 19,12 20,44 22,65 23,68 W-stvreusten. 17,59 19.13 21,13 22,31 22.90 Be n. 1803 19.11 21.96 23.75 24.70 Brandenbnra 18.53 19,27 22.22 23,85 26.81 «nmm,rn 19 26 20,35 21,11 22.21 24,62 lommern..- � 18;79 20.46 24,11 26�03 1�"«.,:''* 18 86 20,00 21,82 24,22 25,03 Sch!-sw".Holst°in 18M 10,91 20,94 24 09 25,43 Demnach sind die Haushaltskosten fett 1896 m Pommern um 27 3 Pro, in Ostpreußen»m 31.1 Proz. und in Westpreusten um 3U Pro!'g!sti-g!m In Schlesien erhöhten sie sich um 32,7 Proz. Für Brandenburg ergab sich eure Verteuerung um �3-0 Proz. Jn Berlin stiegen die Kosten des NahrungSmittelaufwandeS um 37,0 Proz: In der Provinz Posen betrug die Steigerung sogar 40,3 Proz. Von 1906 bis 1912 erhöhten sich die HauShaltSkosten in den genannten Provinzen um 8,4 bis 25,0 Proz. Die Bewegung der Kosten des Nahrungsmittelaufwaudes in den westlich der Elbe gelegenen Teilen Preußens gestaltete sich in Marl wie folgt: Von 1896 bis 19l2 stiegen die HauShaltSkosten in Sachsen um 37,1 Proz., in Hessen-Nassau um 27,4 Proz., in Rheinland um 32,1 Proz., in Westfalen um 33.3 Proz. und in der Provinz Hannover um 33,2 Proz. Von besonderem Interesse ist die Eni- Wickelung der Houshaltskosten in einigen preußischen Groß- städten. Der Nahrungsmiltelaufwand einer vierköpfigen Familie kostete nämlich bei bescheidenen Ansprüchen durchschnittlich in Mark: Nicht weniger scharf als in Preußen sind die Haushaltskosten in den übrigen Teilen des Deutschen Reiches gestiegen. Sie stellten sich in Mark auf: Mithin find die Kosten des wöchentlichen NahrungSmittelauf- wands feit 1896 gestiegen in Bayern um 24,6 Proz., in Sachsen um 26,5, in Württemberg um 30,3 Proz., in Baden um 33,5 Proz., in Hessen um 23,4 Proz.. in Anhalt um 86,1 Proz, in den thüringischen Staaten um 41,2 Proz. und in Oldenburg um 48,6 Proz. Für Hamburg berechneten sich die HauShaltslosten im laufenden Jahre auf 24,70 M, daS bedeutet gegen das Jahr 1896 eine Steigerung um 7,27 M. oder 41,7 Proz. In Bremen ergab sich eine Verteue- rung de» NahrungSmittelaufwandeS von 18,87 auf 25,65 M. oder um 35,9 Proz. WaS sagen die amtlichen Märchenerzähler zu dieser eigenartigen.vorübergehenden Erscheinung"? Tenerungstumulte. Die TeuerungStumulte in Schlesien pflanzen sich von Ort zu Ort fort. Auster in Liegnitz. Glogau und Jauer erfolgten dieser Tage scharfe Zusammenftöste in Hirschberg, Neumarkt, Haynau, Goldberg, Parchwitz, Maltsch und Rawitsch. Die Polizei erlästt vor den Markttagen öffentliche Warnungen und erscheint in großer Stärke auf den Märkten. In Hirschberg wurden den Bauern die Eierkörbe umgeworfen und ihr Inhalt zertreten. In Neumarkt wurden Kämpfe mit Markttaschen und Butterkorben ausgefochten. In Parchwitz drohten.bei den Zusammenstößen die Händler die Oberhand zu behalten. Da liefen die Frauen in die benachbarten Fabriken und holten ihre Männer heraus, worauf sich die Händler aus dem Staube machten. In Haynau suchten Agrarier das zwischen Käufern und Händlern geschlossene Kompromist zu ver- eiteln. Einer von ihnen wurde in den Eierkorb gestürzt, ein anderer schwebend vom Markte getragen. In Liegnitz verbot die Polizei die weitere Ausgabe von Teuerungsflugblättern und stellte neben jeden Marktstano einen Schutzmann auf. Die Händler, welche mit dem Preise für Butter schon auf ILO M. zurück- gegangen waren, benutzten den polizeilichen Schutz zu neuen Preistreibereien. Kundgebungen gegen die Teuerung. In Elberfeld und Barmen fanden am 2. und 4. September zwei austerordentlich stark desuchte Protestversammlungen statt. Der Reichstagsabgeordnete Ferdinand Bender sprach über das Thema:„Des Volles Not und die Hungerpolitik der Regierung". Eine entsprechende Resolution fand einstimmige Annahme. Im Wahlkreise Hagen. Schwelm werden am Sonnabend und Sonntag 12 Versammlungen abgehalten, die sich mit der Teuerung beschäftigen werden. Zahlreiche Versammlungen gleicher Art sind auch im Kreise Lennep-Mettmann anberaumt.- In Halle demonstrierte die Arbeiderschaft am Donnerstag- abend in zwei von taufenden Personen besuchten Versammlungen gegen die Teuerung. Eine scharfe Resolution, die Grenzöffnung, Aufhebung der Lebensmittelzölle und sofortige Einberufung des Reichstags fordert, wurde angenommei,. Die Berliner Gastwirte und die FIcischteuerung. Die Gastwirte Grotz-Berlinz waren am Mittwoch versammelt, um sich mit der Frage der Fleischteuerung, an der sie ganz be- sonders interessiert sind, zu befassen. Eine Resolution, die ein- stimmig angenommen wurde, drückt zunächst aus, dast in dem an- dauernden Steigen der Fleischpreise und der damit notwendig verbundenen Einschränkung des Fleischgenusses in weiten Volks- schichten eine schwere Gefährdung der Volksgesundheit zu be- fürchten sei. Zur Linderung der gegenwärtigen Teuerung und zur Verhütung ihrer Wiederkehr stellt die Versammlung hiermit folgende Forderungen auf: 1. Die Einfuhrzölle auf Vieh und Fleisch— auch Büchsenfleisch— müssen, mindestens vorübergehend, aufgehoben oder er- mästigt werden. 2. Das Viehseuchen- und daS Fleischbeschaugesetz sind unter vollster Wahrung der Interessen der öffentlichen Gesundheits- pflege und der deutschen Viehzucht so abzuändern, daß in größerem Umfange als bisher Vieh und Fleisch aus detn Aus- lande eingeführt werden kann. 3. Die Zölle auf Futtermittel müssen aufgehoben werden, um dem Bauern eine reichlichere Viehhaltung zu ermöglichen. 4. Die Bahnverwaltungen müssen durch eine Ermäßigung der Eisenbahntarife für Vieh und Fleisch und durch aus- reichende Gestellung von Kühlwagen die Fleischversorgung namentlich der Großstädte erleichtern. Maßnahmen gegen die Teuerung. Eine zweite, besonders auch von Frauen stark besucht« Protest- Versammlung gegen die Teuerung fand am Donnerstagabend in Magdeburg statt. Nach einem Referat der Gnossin Zietz-Berlin erstattete die in der ersten Versammlung gewählte Deputation Bericht über ihre Verhandlungen mit den Fleischern und dem Magi- strat. Die Fleischer hätten sich dem Antrag auf Oesfnung der Grenzen und Aufhebung der Futtermittelzölle angeschlossen, seien auch bereit, den Verkauf von gekühltem und gefrorenem Fleisch zu übernehmen, wenn die Stadt es einführe. Sie hätten sich jedoch dagegen erklärt, daß die Stadt Viehzucht und Schweinemarkt be- treibe. Ein Ausschalten der Zwischenhändler hätten die Fleischer für ausgeschlossen erachtet, und sie hätten betont, daß eine weitere erhebliche Steigerung der Fleijchpreife zu befürchten sei, wenn das Reich nicht bald Abhilfe schaffe. Der Vertretet SeS Magistrais habe bei den Verhandlungen die Einfuhr von Fleisch als das nächstliegenidste erklärt. Darüber, ob die Stadt diese Einfuhr über- nehmen könne, werde der Magistrat Erwägungen anstellen.' Die Stadt werde wieder, wie im vorigen Jahre, den Verkauf von See- fischen vermitteln, und zwar in erweitertem Maße und wieder unter Preiskontrolle der Stadt. Der Magistratsvertreter habe den Flei- schein den Rat gegeben, durch genossenschaftlichen Einkauf den Preis zu drücken.— Diese Berichterstattung rief eine ausgedehnte Diskussion hervor. Ein Antrag, der die Regierung ersucht, dahin zu wirken, dast auf den Domänen mehr Vieh gehalten wird, soll der Regierung übermittelt werden. Auch in verschiedenen anderen Städten des Regierungsbezirks Magdeburg haben bereits Protestversammlungen stattgefunden, die alle einen starken Besuch aufwiesen. Die Handelskammern in Sonneberg und Saalselt»(Sachsen- Meiningen) beschlossen, angesichts der herrschenden Fleischteuerung bei der Staatsregierung die zeitweise Herabsetzung der Futter- mittclzölle, die Beschränkung der Einfuhrscheine, die Ocfsnung der Grenzen und die Aenderung des Viehseuchengesetzes zu verlangen. Ebenso beschloß der Gemeinderat in Meiningcn, das Ministerium um Mastnahmen gegen die Teuerung zu ersuchen und, falls dort nichts geschehen sollte, die Einfuhr von fremdem Fleisch zu bemerk- stelligen. Die städtischen Körperschaften Posens stimmten einer Vorlag? des Magistrats zu, wonach zwecks Linderung der Fleischteuerung unverzüglich Petitionen an den Reichskanzler und an den prcusti- schen Landwirtschaftsminister gerichtet werden, in denen die Oess- nung der Grenzen für die Einfuhr von Schweinen. Rindern und Schafen aus Oesterreich-Ungarn sowie von frischem Rindfleisch und Hammelfleisch aus Rußland verlangt wird. Eine Deputation der Mainzer Stadtverordnetenversammlung beschlost am Mittwoch einstimmig, der Stadtverordnetenverfamm- lung vorzuschlagen, nicht nur an die hessische Regierung, sondern auch direkt an den Bundesrat das Ersuchen zu richten, um wenigstens zeitweise Aufhebung der Zölle auf Lebens- und Futter- mittel, die Oesfnung der Grenzen für Schlachtvieh und Milderung der Bestimmungen, die der Einfuhr von frischem, zubereitetem und gefrorenem Fleisch entgegenstehen.— Eine Anregung des Genossen Adlung, die Schlachthofgebühren zeitweise aufzuheben oder zu er- mäßigen, wurde abgelehnt. In Verbindung mit der Metzgerinnung soll neben den ermittelten Preisen für Lebend- und Schlachtgewicht auch eine Festsetzung des Verkaufspreises erfolgen. Ferner wurde der Bürgermeister ermächtigt, Ermittelungen über die Frage anzu- stellen, ob und wie es sich ermöglichen liehe, in Zukunft vielleicht auf genossenschaftlichem Wege, eine rationelle Beschaffung von Schweinen in die Wege zu leiten. Die Stadt Ulm hat in dieser Beziehung praktische Versuche gemacht.— Ueber einen zweckmäßigen Bezug von billigen Seefischen will der Bürgermeister der Stadsp verordnetenversammlung Vorschläge unterbreiten. Das Chemnitzer Stadtkollegium hat einstimmig einen Antrag der sozialdemokratischen Stadtverordnctenfraktion angenommen, der folgenden Wortlaut hat:.Die Stadtverordnetenversammlung ersucht den Rat. 1. mit größter Beschleunigung an den Bundesrat sowie an die sächsische Staatsregierung mit dem Gesuch heranzutreten, ohne Verzug diejenigen Matzregeln zu ergreifen und Verfügungen zu treffen, die erforderlich sind, um die Einführung von Vieh, Fleisch und Futtermitteln w-irksam zu erleichtern, alle nicht unbedingt gegen Verseuchung nötigen Erschwerungen der Einfuhr aufzuheben und die Einfuhr von Gefrierfleisch in großen Mengen zu fördern; 2. sich an etwaigen Kollcktivschritten kommunaler Körperschaften zu beteiligen, die auf dasselbe Ziel gerichtet sind; 3. der Stadtverordnetenversammlung möglichst schon zur nächsten Sitzung eine Vorlage für die Beschaffung von inländischem und ausländischem Fletsch durch die Stadt zugehen zu lassen. Die Stadtverordnetenversammlung von Breslau stimmte am Donnerstag einem sozialdemokratischen Antrage zu, von der Re- gierung die Einfuhr von ausländischem Vieh und Fleisch zu ver- langen und eine Kommission für städtische Maßnahmen gegen die Teuerung einzusetzen.— Die städtische Kommission wurde ein- stimmig beschlossen, gegen die Einfuhrerleichterungen stimmten die Konservativen und die Klerikalen. Die Stadtverordnetenversammlung in Hanau a. M. beschloß auf Antrag der sozialdemokratischen Stadtverordneten in ihrer Sitzung vom 5. d. M., den Magistrat aufzufordern, an die Reichs- regierung sowie den Reichstag eine Eingab« zu richten, in welckrr verlangt wird: Herabsetzung der Zölle auf Lebens- und Futtermittel (unsere Fraktion hatte Aufhebung der Zölle beantragt), Oesfnung der Grenzen für Einfuhr von Schlachtvieh(unter Beibehaltung wirklich unerläßlicher Schutzbestimmungen gegen Seuchenverschlep- pung), Beseitigung der Einfuhrschein« und alsbaldige Einberufung des Reichstages, um die obigen Maßnahmen sofort durchzuführen. Ferner wurde der Magistrat beauftragt, mit anderen Gemeinden Maßnahmen zu erwägen, welche geeignet sind, der Fleischteucrung entgegenzuwirken. Die Fleischnot bei de« Agrariern. Auf dem Gute Koczie bei Kirschewo, KreiS Obornik in Posen, wurde dieser Tage eine Hochzeit gefeiert, bei der es mit Speise und Trank nicht knapp herging. ES wurden vertilgt: 3 Rinder. 9 Schweine. 19 Hammel. 75 Gänse. 120 Enten. 280 Hühnchen. 13 Faß Bier, 430 Flaschen Mein und 1800 Flaschen Limonade. In Zeiten der Hungersnot verstehen es die Großgrundbesitzer vor- züglich, dem Volke zu zeigen, daß sie ein Jammerdasein führen müssen, Zum fall Craub. Von einem Berliner Lehrer wird uns geschrieben: Traub! Wer folgt nun? In der protcstan- tischen Landeskirche scheint wie in Rom ein Kollegium für die Kanonisientng heiliger Männer zu bestehen. Noch unlängst orakelte ein Pastor in einer freisinnigen Morgenzeitung, die Entscheidung des Oberkirchenrates bleibe so lange aus, weil man dort nicht wisse, was man mit diesem Manne anfangen solle. Nachdem der anscheinend freisinnige Lahusen General- superintendent geworden sei, würde wohl überhaupt ein anderer Wind wehen und Traub wahrscheinlich freigesprochen werde?,. Kennt der Mann den Polizeisinn unserer ganzen Bureau- kratiel Im Gegenteil, der Fall Traub bedeutet eine Macht- probe, die die Reaktion mit jeder von der Orthodoxie ab- weichenden Meinung zu machen gedenkt. Man fühlt sich gegen- über der schwankenden Gesellschaft, die sich als sogenannter Liberalismus in der Kirche breit macht, vollkommen in der Macht und will auch diese Macht gegen jede abweichende Met- nung gebrauchen. Was will denn Traub? Wenn sich seine Anschauungen nicht mehr mit den Lehren der Kirche vertrugen— und daß sie von ihr abgewichen sind, ist doch eine Tatsache—_ warum legte er denn nicht sein Amt nieder und wurde ein freier Mann? Zur Betätigung der menschenfreundlichen Seite seines Wesens, wie sie ihm ja selbst von seiner Behörde bc- stätigt wird, fand er Gelegenheit genug, und für seine mate- rielle Versorgung braucht doch in heutiger Zeit ein Mann wie Traub sich nicht allzu große Sorgen zu machen. Es ist also seine Unentschiedenheit, die Traub zu Fall gebracht hat. Was da Traub von einer Volkskirche träumt, die vielleicht wie die frühere die Glieder eines Volkes fest zusammenschließen könnte, ist eine Sache, die sich nicht mehr verwirk- lichen kann. Die Kirche ist aufgebaut auf jenseitigen Hoff- nungen. Sic 5er beutige 5en!euFe Men?Z. ausgerüstet mit 5en Ergebnissen moderner Wissenschaften, nicht mehr besitzt oder doch nur als etwas sehr Unsicheres ansieht. Was wir noch äußerlich als Kirche sehen, sind Erscheinungsformen, mit denen unser Gefühlsleben nichts mehr zu tun hat. Daher verstehen wir auch nicht den kirchlichen Liberalismus. Schon die Frage, ob überhaupt der Mann gelebt hat, nach dessen Er- lebnissen sich die Kirche gebildet hat. oder ob die Berichte darüber nur Niederschläge bestimmter Geistesprägungen seiner Zeit sind, ist noch unentschieden. Jedenfalls reichen alle diese uns so fernliegenden Formen gegenüber den Ergebnissen unserer Wissenschaft nicht mehr aus, um nach ihnen ein großes Volk alten Stils, geschweige die moderne Arbeiterklasse zu regieren. Deshalb tritt auch die Forderung der Trennung von Kirche und Staat nach dem Fall Traub mit noch größerer Entschiedenheit als früher in den Vordergrund der ösfent- lichen Erörterung. Die organisierte Arbeiterschaft hat sich von dem Streit um die ganzen Kirchenfragen ferngehalten. Sie hat auch jetzt bei dem Fall Traub als eine reine kirchliche Angelegen- heit kaum irgendwelche Veranlassung, dazu Stellung zu nehmen. Die ganze Kirchenfrage berührt sie nicht mehr als Kultfrage. Die Kultfrage ist eine Sache, in der sie ihren Mitgliedern freie Hand läßt, wenn sie auch stets darauf hin- weisen muß, daß die Zugehörigkeit zu einer Kirchengemein- schaft nie dazu beiträgt, die mit der Kirche verbundenen re- aktionären Kräfte, wie wir das auch im Fall Traub sehen, zu stärken, und daß es darum Ehrenpflicht sein muß für jeden organisierten Arbeiter, der innerlich mit der Kirche gebrochen hat, ibr auch äußerlich den Rücken zu kehren. Wohl aber hat die organisierte Arbeiterschaft ein großes Interesse daran, daß der Kirche endlich der E i n f l u tz a u f d i e S ch u l e genommen wird. In der Schule hat die Kirche nichts mehr zu tun. Hier soll ganz allein eine voraussetzungs- lose Wissenschaft herrschen, und es muß das Gewissen jedes ernstdenkenden Menschen in Empörung bringen, wenn er ge- zwungen wird, sein Kind in Anschauungen und Formen unter- richten zu lassen, die nicht mehr sein Innenleben berühren. Diesen Gewissenszwang übt aber der Staat in einer ganz brutalen Weise aus, und es ist letzten Endes auch ein ganz schlau angelegter Trick der herrschenden Kreise, die Schule politisch als eins der vielen Mittel zu gebrauchen, um die auf- strebenden Kräfte der Arbeiterschaft zu unterdrücken. Daher ist die Umwandlung unseres ganzen Schulwesens eine Sache, deren sich die organisierte Arbeiterschaft mit allen Mitteln an- nehmen muß. Nicht Worte, sondern Werte soll das Kind kennen lernen. Nicht blind gehorchen, sondern erkennen soll das Kind lernen. Nicht das Leid, sondern die Lebensfreude soll ibm zuteil werden.v Wenn dann wieder Uin liberaler Pastor von seiner vorge- setzten Behörde seines Amtes entsetzt wenden wird, dann werden wir wissen, daß die Kirche noch lebt, daß sie uns aber weiter nichts mehr ist als ein altes Kleid, das wir abgeworfen haben. » 4- * Wir stimmen im wesentlichen den Ausführungen des Ein- senders zu. Unsere eigne Ansicht über das heutige Staats- kirchentum und die kirchlich-liberale Richtung haben wir aus- jährlich im vorigen Jahr in den beiden Artikeln„D e r F a l l Jatho und die kirchlich-liberale Richtung" (vom?. und 6. Juli 1911), sowie in dem Artikel„Ein zweiter Jatho"(vom 28. September 1911) dargelegt und halten nicht für nötig, nochmals darauf zurückzukommen. politilcbe dcberHcbt* Berlin, den 6. September 1912. Der Juristentag für die Todesstrafe! Mit einer Stimme Mehrheit, nämlich mit 169 gegen 168 Stimmen. hat der in Wien tagende deutsche Juristentag die These des für die Beibehaltung der Todes st rafe plädierenden Referenten de? Professors Dr. Kahl-Berlin angenommen, in der es heißt: „Die Beibehaltung der Todesstrafe im künstigen deutschen und österreichischen Strafgesetzbuch entspricht einer v o l k S t ü m- lichen P o l ks ü b e rz e u g ung, die der Gesetzgeber achten mutz." Im weiteren hietz«S in der These, datz die gesetzliche Ab- schaffung der Todesstrafe für den Zeitpunkt vorzubehalten sei, in dem sich„die zweifelsfrcie und allgemeine Rechtsüberzeugung von ihrer Enibehrlichkeit" gebildet haben werde. Seltsam I Unsere Juristerei enthält so unendlich diel, was der allgemeinen Rechlsüberzeugung der überwiegenden Volks- massen widerspricht. Trotzdem wird darauf nicht die g«- ring st e Rücksicht genommen. Nur wenn es sich um die Todesstrafe handelt, mutz auf einmal das»volkstümliche Rechtsempfinden' herhalten I Dabei geht Prof. Kahl so gar nicht von den Gesichtspunkten aus, die für manche Laien bei der Beurteilung der Strasjustiz aus- schlaggebend sind. Die primitive und brutale Nachetheorie spielte für ihn nicht die geringste Rolle, und auch die Ab- schreckungs- und Sich erungs frage war für ihn.von untergeordnetem Gewicht". Dabei ist es doch gerade der Grund- satz„Auge um Auge, Zahn um Zahn", und die Illusion, daß durch drakonische Strafen vom Verbrechen abgeschreckt werden könne, wa» gerade das.volkstümliche" Verlangen nach der Todesstrafe bestimmt. Professor Dr. Kahl teilt also zwar keines- Wegs die Motive der Befürworter der Todesstrafe, aber er beugt sich gleichwohl ihrem angebliche» Volum I Dabei hatte der Korreferent, Professor Dr. L i e p m a n n-Kiel, durchaus Recht, wenn er bezweifelte, datz wirklich eine Voltsstimmung für die Beibehaltung der Todesstrafe vorhanden sei. Die von der„Deutschen Juristenzeitung' veranstaltete Umfrage unter gebildete» Männern sei in sehr tendenziöser Weise vor» genommen worden. Viele Laien forderten ja auch die Prügel- st r a f e und die Verstümmelung. Wolle man stets mit dem Einp finden gewisser Volkskreise rechnen, so würde ja manche Barbarei der Strasjustiz noch bestehen. Die Todesstrafe wirke nicht einmal abschreckend. Und wenn Profesior Kahl die Möglichkeit eines Justiz. mordes bestreite, so erkläre er, datz die Justizirrtümer niemals aufhören werden. Er bitte deshalb, sich gegen die Todesstrafe zu erklären. Datz der Juristentag sich, wenn auch nur mit einer Stimme Majorität, für die Beibehaltung der Todesstrafe ausgesprochen hat. also wenigerpsychalogischeEinficht und juristisches wie soziales Gewissen bewiesen hat. als der erste deutsche Juristentag, der vor 60 Jahren tagte, macht ihm wahrhaftig keine Ehre. Wir hatten freilich diese Entscheidung schon voraus geahnt. Nicht die Rücksicht aus das Volksempfinden, auf das unsere Herren Juristen sonst so verteufelt wenig geben, hat den Entscheid verschuldet, sondern die Beeiiiflnsstiiig durch soziale und politische Strömungen, die unsere herrschende Klaste unempfindlich machen gegen humanitäre Erwägungen. Wie könnte sich auch ein Zeitalter, das durch seine imperialistische Ideen die Politik der brutalen Gewalt zum obersten Gesetz erhebt, zu Anschauungen bekennen, die das Verbrechen durch soziale VorbeugungSmittel statt mit Feuer und Schwert aus- rotten will! Scharfmacher und Hanfabündler. Der große Ausschutz deS Verbandes sächsischer Industrieller hat in einer am Freitag in Dresden stattgefundenen Sitzung einstimmig eine Resolution bezüglich des Schutzes der Arbeitswilligen angenommen. Die verantwortlichen Verwaltungsorgane werden darin aufgefordert, durch entschiedene Anwendung der bestehenden Gesetze die Achtung vor der öffentlichen Ordnung und das Vertrauen zu den Machtmitteln deS Staate« wiederherzustellen. Bei Slreikexzesien müsse eine schleunige Aburteilung erfolge», wenn eine Ermittelung der Täter bewirkt werden und eine erzieherische Wirkung eintreten solle. Namentlich gegen- über Ausschreitungen der Streikposten sei tatkräftige Anwendung der bestehenden gesetzlichen Bestimmungen dringend zu fordern. Außer- dem sei eink weitere Fassung des Nötigungsparagraphen, sowie die Schaffung der Möglichkeit, bei Vergehen gegen die öffentliche Ordnung ein beschleunigtes Strafverfahren anwenden zu können, dringend erforde»lich. An der Spitze der sächsischen Scharfmacher steht Herr. Dr. St rese- mann, gleichzeitig eine maßgebende Persönlichkeit im Hansabnnd. Ueberhaupt wird die Scharfinacherei in Sachsen fast aus- schließlich von Hansabündlern betrieben, so datz dort fast die Begriffe Hanfabündler und Scharf- macher sich decken. Dabei find gerade in Sachsen seit Jahren Streitausschreitungen gar nicht zu verzeichnen gewesen, wie ja auch der Kamps der Bergarbeiter in den sächsischen Bergrevieren ohne jede sogenannte Störung der bürgerlichen Ordnung verlief. Aber die sächsischen Scharfmacher wissen, datz die Verteuerung der Lebens- Haltung der breiten Massen Lobnkämpfe zeiligen wird, und für diese Eventualität wollen die Sirescmännner vorbauen. Pfäffische Geschichtssälschung. In einer Polemik gegen einen nationalliberalen AulSr suchen die„Germania" und„Märkische V o l k s z e i t u n g" in Leitartikeln aufs eifrigste in Abrede zu stelle», datz die katholische Kirche irgend ein Verschulden an der unsäglichen Bestialität der Hexenverbrennungen treffe. Namentlich legen die ultra- montanen Blätter grotzes Gewicht auf den Nachweis, datz der Protestantismus im Hexenverbrennen ebenso eifrig betätigt gewesen sei wie der Katholizismus. Auch Luther und Calvin hätten dem Hexenglauben gehuldigt. Das ist durchaus richtig, Auch der Genfer Reformator hat Hexen und Hexexiche verbrennen lassen, und gar bei Luther spielte der Satan eine überwältigend- Rolle. Als Oekolonpad in Basel an der Pest gestorben war, be- hauptete Luther, datz ihm der Teufel selbst den Hals umgedreht habe. Und als der Züricher Reformator Zwingli in der Schlacht bei Cappel gefallen war, versicherte Luther allen Ernstes, datz der Satan selbst den Ketzer auf dem Schlachtfeld umgebracht habe. Luther hielt die Kretine für AJechselbälge, die der Teufel selbst mit den Hexen erzeugt habe. ES ist also richtig, datz Katholizismus und Protestantismus dem Punkte des Hexenglaubens und der Hexenverbrennung nichts voreinander voraus) haben. Wenn aber die„Germania" und „Märkische Volkszeitung" behaupten, die Kirche trage eigentlich keine Verantwortung für die Hexenverbrennungen, sondern sie sei nur durch den Zeitgeist gezwungen worden, dem Volks- wahn zuliebe die unzähligen Opfer auf den Holzstotz zu bringen, so ist daS Schwindel! Denn datz die Kirche den Hexenwahn, der ursprünglich gar keinen bl utdürstigem Charakter hatte, selbst zur Ketzerei und zum todeswürdigen Ver- brechen stempelte, beweisen schon die Ketzerverfolgungen gegen die S t e d i n g e r, jenem oldenburgischen Bauernstamm, der sich dem Joch deS Erzbischofs von Bremen nicht beugen wollte. Kein Geringerer als Papst Gregor IX. rief zu einem förmlichen Kreuzzug gegen die Stedinger als verruchte Teufelsanbeter auf. In einem Brev«, das in den Kirchen angeschlagen wurde, wurde die Teufelsa nbeterci mit geradezu ekelhafter geschlechtlicher Phan- taste geschildert. DaS widerliche Pfaffenmärchen brachte denn auch ein gewaltiges Kreuzheer zusammen, das«MV Bauern erschlug und den Rest dem Erzbischof unterwarf. DaS geschah aber bereits im Jahre 1234! Für die pfäffische Urheberschaft an den Hexenberfolgungen zeugt auch die Tatsache, datz bereits im Jahre 1276 die von Gregor IX. eingesetzte Inquisition Ketzer bezichtigte, mit dem Teufel Buhlschaft getrieben zu haben. Bereits in den Jahren von 1329—1369 wurden in Frankreich durch die Inquisition nament- lich durch die Dominikaner viele Hundert Hexen ver- b r a n n t. Und da behauptet die„Germania", datz die katholische Kirche sich so lange als möglich gegen die Hexenverfolgungen g e- sträubt habe! Und wenn auch der Protestantismus im Ketzer- verbrennen hinter dem Katholizismus nicht zurücksteht, so muh doch festgestellt werden, datz die Ketzerverbrennungen grotzen Stils in Deutschland erst begannen, als Papst I n n o c e n s VI II. im Jahre 1484 durch eine Bulle die deutsck)«» Inquisitoren ausdrücklich zur Hexenversolgung bevollmächtigt hatte. Gewitz ist es richtig, datz nicht nur theologische Verfolgungs- sucht die Hcxenprozesse verursachte, sondern auch der allgemeine Aberglauben, und datz auch weltliche Mvtive, Nachsucht, Hab- sucht usw. die Hexenprozdsse begünstigten. Das Pemerkenswcrte ai�dcm Reinwaschungsversuch der„Germania" und„Märkischen VolkSzeitung" ist aber, datz sie alle Schuld dem übermächtigen „Zeitgeist" in die Schuhe schieben. Selbst wenn das so richtig wäre, wie eS unrichtig ist, wäre es für die theologische Auffassung geradezu vernichtendl Denn wenn die Kirche behauptet, datz gerade durch die Lehren des Christentums eine sittliche Veredelung der Menschheit eingetreten sei. so bewiese ja die abso lute W i de r sta nd S u n f äh i g k c it der Kirche zur Zeit gerade ihrer grötzten Macht- entfaltung nichts Geringeres als ihre absolute Ohnmacht den Zeitströmungen gegenüber! Die Kirche gäbe damit gerade zu, datz nicht das Christentum die Bar- barei der früheren Unkultur überwunden hat, sondern erst die gesellschaftliche EntWickelung und der mit i h r zusammenfallende wissenschaftliche Fortschritt! Heilig ist der Profit! Die„Deutsche Tageszeitung" stötzt angesichts der Teuerung«- Protestbewegung, die sich auch gegen die Einfuhrscheine richtet, folgenden Angstschrei aus: „Unter den Mitteln, die von liberaler und sozialdemokratischer Seite zur Linderung der Fleischteuerung empfohlen werden, be- findet sich auch die Abschaffung der Getreide- E i n s u h r s ch e i n'e oder doch eine stärkere Abänderung des Systems. Man hegt hie und da die Befürchtung, datz unsere Regierung diesem Geschrei gegenüber nicht standhalten werde; und diese Besürch- tung findet in manchem Vorgange der letzten Zeil ihre Bestätigung._ Demgegenüber möchten wir m i t aller Deutlichkeit und Entschiedenheit fest- stellen, datz selbst eine au sich geringfügig scheinende Aenderung deS EinfuhrscheinshstemS einerseits die Landwirtschaft aufs stärkste beunruhigen, andererseits die Schreier in keiner Weise befriedigen würde. Selbst der geringste Erfolg würde sie nur zu weiterem Anstürme anspornen. Das Eins u h r s ch ei n s y st em ist zu einer Lebensfrage für die östliche Land wirtschaf ige« worden. Wird es geändert und werden dadurch die östlichen Provinzen gezwungen, vorn Roggenbau nach Möglichkeit zum An- bauen von Weizen überzugehen, so wird auch der Süden und Westen dann durch den stärkeren Wettbewerb des Ostens geschädigt. Darin sind sich nicht nur die Landwirte des O st e n s, sondern auch die Vertreter deS Handels an den See- Plätzen volllommen einig, wie das beispielsweise durch die von uns jüngst mitgeteilte Erklärung der Altonaer Handelskammer be- wiesen wird. Wir möchten die Regierung dringend davor warnen, an dem Systeme etwas zu ändern." Die»Deutsche Tageszeitung" scheint der Macht der Agrarier nicht mehr ganz zu trauen, weil sie jetzt auch die Vertreter deS Handels zum Kamps mobil macht,. die, wenigstens soweit der Ausland- getreidehandel in Frage kommt, natürlich auch an den Einfuhr- scheinen interessiert sind. Aber gerade die Angst, daß die Position der Agrarier endlich erschüttert sein könnte, mutz anspornen, mit unablässiger Energie dahin zu wirken, datz diese agrarische Liebes- gnbe fällt._ Fortsetzung folgt. Dem Reichstage wird das Reichskolonialamt einen Nachtrags» etat zugehen lasten, in dem 699 999 M. zur Bestreitung der Kosten der Expedition nach den neuen deutschen Kongogebieten verlangt werden.— Das ist der Anfang, das dicke Ende kommt nach. Fortschrittler und Kriegervereine. Die fortschrittliche.Wormser Volkszeitung" führt einen scharfen Kampf gegen die„HeylSarmee", den aus der nationalliberalen Reiwstagssraklion ausgeschiedenen, hessiitb-nationalliberalen Wormser Freiherrn v. Hehl und seinen mächtigen Einflutz. Dadurch hat sich das Blart den Zorn der„unpolitischen" Kr i e g e r v e r e i n e zu- gezogen. Der Vorstand der„Hassia". des Verbandes der hessische» Mililärvereine, hat offen den Boykott über die Zeitung verhängt. Die.Wonnser VolkSzeitung" fordert nunmehr ihre Parteigenosien auf, aus den Kriegervercinen auszutreten, da der Boykott- beschlutz gezeigt habe, datz es„unpolitische" Kriegerverewe in Wirklichkeit nicht gebe. Die Situation sei somit erfreulich geklärt. Ob die Freisinnigen der Aufforderung ihres Organs noch» kommen werden, bleibt abzuwarten; bisher nahmen viele Frei- sinnige in den Kriegervereinen führende Stellungen ein. Jeden- falls beweist aber der Vorgang a»fs neue, datz die Krieger- vereine in Wirllichkeit die gefügige Schutztruppe der schlimmsten Reaktion sind._ Ans dem Rudolstädter Landtag. Zum Präsidenten des neueröffneten Landtages wurde der Genoste Winter mit 16 von 16 Stimmen gewählt, zum Vizepräsidenten der bürgerliche Abg. Krieger, ebenfalls mit 16 Slimmen. lieber die Wahl des Abgeordneten von Stadtilm, der mit einer Stimme Mehrheit über den sozialdemokratischen Kandidaten siegte, wurde Beweiserhebung beschlossen. Der Minister schildert die Finanzverhältniste des Landes al» autzerordentlick gute. Von den bürgerlichen Abgeordneten wurde ein Wahlrechtsvorschlag eingereicht, der daS bestehende Wahlrecht durch ein Ständewahlrecht ersetzen möchte. Die Zahl der Abgeordneten soll von 16 aus 13 erhöht werden, davon sollen 6 aus allgemeinen Wahlen hervorgehen, die anderen durch Berusöstände gewähll werden. Zur Recktfertigung ihres Verfassungsbruches hat sich die Regie« rung ein Rechtsgulachten von"dein StaatSrechlSlehrer Laband-Stratz- burg ausarbeiten lassen._ Bürgermeister Dr. Vurchnrd-Hamburg gestorben. Der präsidierende Bürgermeister der freien und Hansestadt Hamburg. Dr. jur. Burchard, ist heute morgen gegen 4 Uhr im Alter von 69 Jahren an den Folgen eines Schlagansalls gestorben Dr. jur. Johann Heinrich Burchard wurde geboren am 26. Juli 1862 zu Bremen als Sohn des GrotzkaufmonnS Friedrich Wilhelm Burchard, der 1863 nach Hamburg übersiedelte und herzoglich an- haltischer Konsul war. Der verstorbene präsidierende Bürgermeister studierte, nachdem er das Johanneum in Hamburg absolviert hatte, Rechtswissenschaft an den Universitäten Heidelberg. Leipzig und Göttingen. Er übte zuerst eine umfangreiche Praxis als Rechts- anwalt in Hamburg aus und war daneben in den Jahren 1376 bis 1877 stellvertretender Staatsanwalt. Im Jahre 1884 wurde er Mitglied der Bürgerschaft, 1836 deS Senats; 1887 und 1899 war er erster Bevollmächtigter zum Bundesrat. Dr. Burchard wurde 1901 zum Bürgermeister gewählt. Das Amt des regierenden Bürger» meisterS bekleidete er in den Jahren 1993, 1996, 1998 und 1012. franfcmcb. Der Kampf der Lehrer. Marseille. 8. September. Der Ausschutz des LehrersyndikaiS des Departements der Rhonemündung bcschlotz in der Voll- Versammlung, die Ausschlietzung dreier Lehrer zu verlangen, die erklärt hatten, datz sie der vom Untcrrichtsminister geforderten Auflösung des Syndikats zustimmten. Im Ministerrat machte Unterrichtsminister Guisthau von der erfolgten Auflösung des LehrersyndikaiS in Morbihan Mitteilung. Cürfccu Beamtcnmaßregclungen. Konstantinopel, 6. September. Die Regierung be» ginnt im Beamten st andegroßeVerän der ungen vorzunehmen. Die Absetzungen von Malis dauern fort; nun- mehr werden aber auch Gouverneure und Vizegouverneure abgesetzt. Die liberale Partei verlangt die Absetzung, weil ihr von den bisherigen Beamten Gefahr für die Wahlen droht. Das Ministerium des Innern ordnete die rasche Ausarbeitung von neuen Wahllisten und die An- nulierung der durch die jungtürkische Regierung vorgenomme- nen willkürlichen Wahlkreiseinteilung an. Schutz für Armenien! Konstantinopel, 6. September. Der armenische P a t r l a rch forderte gestern in einer Unterredung mit dem Großwesir wirksameren Schutz für die Armenier und drohte mit der Schließung des Patriarchats, wenn die Lage der Armenier nicht verbessert würde. Kämpfe in Arabien. K-nstantinopel, 6. September. Das Kriegsministcrium gibt bekannt: Am 22. August fand nördlich von Hadje, nordwestlich von Sanaa im Jemen ein zehnstündiger Kampf mit den Rebellen statt. Die Aufständischen hatten 169 Tote und 399 Verwundete; von den Truppen sind zwei Offiziere und 51 Mann gefallen und drei Offiziere und 89 Mann verwundet. Die* Strategie der Rebellen deutet auf die Anwesenheit italießi}$ct Ssfiziexe in iZrem Lager hin. Gcwerhrcbaftlicbea. Die Berliner JMaurer und die Hhkordarbeitl Die Sektion der Maurer des Zweigvereins Berlin des Deutschen Bauarbeitervcrbandes beschäftigte sich in einer Mitgliederversammlung mit der Frage: «Welche Stellung gedenken d'e Berliner Maurer im Jahre 1913 zur Akkordarbeit einzunehmen?" Der Vorsitzende Hanke gab einleitend einen historischen Ueberblick über das Verhalten der Berliner organisierten Maurer zur Akkordarbeit und wies nach, datz jene seit jeher dieser Arbeitsmethode feindlich gegenüber gestanden und die- selbe scharf bekämpft haben. In Akkord arbeiten wurde von der Organisation verboten und ZuwiderhandelndS mit dem Ausschluß bestraft. Der Kampf richtete sich aber nicht gegen das System selbst, sondern fand seinen Nährboden in den Schäden und Auswüchsen, welche das Akkordsystem gerade im Maurergewrbe im Gefolge hat. Dieser Umstand hat auch dazu beigetragen, daß diese Lohnform nicht— wie in vielen anderen Gewerben— die vorherrschende geworden ist, sondern daß die meisten Bauten in Zeitlohn hochgemauert werden. Die prinzipielle Frage, ob Zeit- oder Akkordlohn das bessere sei, war nicht der treibende Faktor in unserem Verhalten. Das Nebeneinanderbestehen der beiden Lohnformen führte zu unerquicklichen Situationen, welche verschärft wurden durch die Tatsache, daß die Aktordmaurer in starrem Gegensatz zur Organisation standen und von den Unter- nehmern gegen diese ausgespielt wurden, was heute auch noch geschieht zum Schaden der Organisation und des gesamten Berufes. Gesperrte Bauten wurden mit Akkordmaurern be- setzt, und bei der großen Lohnbetvegung im Jahre 1907 artete dieses Vorgehen in eine Gefahr aus, welche die Berliner Maurer auch bei künftigen Kämpfen schwer treffen dürfte. Um nun Einfluß auf die Akkordarbeit zu gewinnen und diese Waffe in den Händen der Unternehmer schartig zu machen, beschloß der Zweigverein im Frühjahr 1998, Kollegen, welche Maurerarbeit in Akkord ausführen, nicht mehr auszuschließen. Der Zweck wurde nicht erreicht und es haben sich statt dessen. gefördert durch die immer mehr und mehr abflauende Bau- tätigkeit. Zustände herausgebildet, welche unerträglich seien und unter welchen auch die Akkordmaurer schwer zu leiden haben. Die Stundenlöhne sind sukzessive gestiegen, die Akkord- löhne aber seit 1997 um ein Drittel und mehr gefallen, so daß die Akkordmaurer die schwer erkämpfte neunstündige Ar- bcitszeit schon längst nicht mehr innehalten und auch andere Errungenschaften negieren. Diese schlechten Beispiele färben auf die Lohnbauten ab, so daß jetzt im Berliner Maurer- gewerbe Zustände bestehen, mit welchen nur die Unternehmer zufrieden sein können. Es muß nun versucht werden, an eine Regelung der Akkordarbeit heranzugehen, um Einfluß auf sie zu gewinnen. Die Vereinbarung der Preise soll nicht mehr vom Unter- nehmer zum„Schieber" vor sich gehen, sondern die O r- g a n i s a t i o n müsse erstreben, grundlegende Preise tariflich festzulegen und ein Kontrollrecht darüber zu erhalten. Es wird dies nicht so leicht sein, da der Verband der Baugeschäfte nicht dafür zu haben ist. Die Anarchie scheint ihm hier ein idealer Zustand zu sein. Es werden schwere Kämpfe um die Lösung dieses Problems entbrennen. Trotzdem aber emp fiehlt der Zweigvereinsvorstand, daß die Versammlung dem Vorstand die Ermächtigung gibt, nach dieser Richtung hin Anträge bei den kommenden Tarifvertragsverhandlungen zu stellen,— Die Diskussion war äußerst rege. Vereinzelt nur kamen Stimmen zum Ausdruck, welck)e sich gegen den Vorschlag des Vorstandes wandten, da der Zeitpunkt zur Verwirklichung desselben noch nicht gegeben erscheine. Die überwältigende Mehrheit der Redner empfahl die Annahme des Vorschlages. Nicht um dadurch zu dokumentieren, daß man das Akkord- system für das bessere halte, sondern aus taktischen Rück- sichten, um den Schäden und Auswüchsen dieses Systems bei- zukommen. Erwähnenswert ist einiges aus den Ausführungen S i l b er s ch m i d t s. Er meinte, daß mit der bloßen Frei- gäbe der Akkordarbeit im Jahre 1998 die besten Absichten verbunden waren, aber die wesentlichsten Aufgaben unbe- rücksichtigt geblieben sind: Nach wie vor seien die in Akkord arbeitenden Kollegen den Unter- nehme rn schütz- und hilflos preisgegeben, was eine ungeheure Senkung des Wertes der Arbeitskraft im Gefolge gehabt habe. Es muß daher einen Schritt weitergegangen werden und der Deutsche Bauarbeiterverband müsse in seinem Programm neben der Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen der im Zeitlohn arbeitenden Mitglieder auch die Verbesserung der Bedingungen für im Akkord Arbeitende aufnehmen. Die Erziehungsarbeit der Organisation müsse dann das ihrige tun, um die Schäden der Akkordarbeit zu mildern und zu be- seitigen. Regeln wir die Akkordarbeit, dann werden wir sie und die Akkordmaurer unserem Einfluß unterstellen und erreichen, daß wieder bessere Verhältnisse im Beruf platz- greifen.— � Der Vorschlag des Vorstandes wurde gegen einige Stimmen angenommen und somit ein für die kommende Lohnbewegung bedeutungsvoller Beschluß gefaßt. Die Wahlen zum Sektionsvorstand zeitigten folgendes Re- sultat: Zum 1. Vorsitzenden wurde O. Hanke, zum 2. Vorsitzenden G. Wolf, zum Schriftführer M. Dahlenburg und zu Beisitzern (0. Lehmann und M. Leinert gewählt. Berlin und □mgegmd. Die Lohn- und Ardeilsverhältnissr der Zink-, Zinn- und Blei- giefstr sind kürzlich durch eine Erhebung des Deulschen Melall- arbeilerverbandes sestgeslelli und wurden am Donnerstag i» einer Versammlung der genannten Branche besprochen. In Betracht koininen 24 Betriebe nnt 105 Beschästiqlen, von denen 31 organisiert sind. Von 41 Zinkgietzern gehören 2« dem Metallarbeiterverband und 11 dem Lokalverein an. Von 47 Bleigietzern find 23 im Metall- arbeiterverband und 13 im Lokalverein. Der einzige Zinngietzer, welcher festgestellt wurde, gehört dem Metallarbeilerverband an. Von 4 Gießerinnen ist eine, von 12 Hilfsarbeiten, find 7 im Metall- arbeiierverband,— Die Arbeitszeit beträgt in 17 Betrieben acht Stunden i» je einem Betriebe 7, 73U. 8l/o Stunden, und in 4 Betrieben wird 9 Stunden gearbeitet. Die Äießzei« schwankt in den verschiedenen Betrieben von 6—9 Stunde». Die Gießer arbeiten meist in Akkord und verdienen dabei wöchentlich in einem Betrieb 36-50 M„ in 3 Betrieben 36—42 M., in 20 Betrieben 40—60 M,. ein Blei- aießer verdient 60— 70 M, In einem Betriebe, wo in Lohn ge- arbeitet wird, werden 50 Pf,, in anderen Betriebe» 60-87>/z Pf, Stundenlohn gezahlt. Die Hilfsarbeiter erhalten«tundenlohne von 85— 62'/. Pf die Gießerinnen werden mit 20— 2o Pf. pro«tunde entlohnt. Ueberftunden werden in 5 Betrieben gemacht, abe? nur in 3 Betrieben mit Aufschlag bezahlt. Die VentilaNon. Wasch- gelegenhett usw. ist in manchen Betrieben recht mangelhaft.— Au» dem Ergebnis der Statistik zogen die Versammellen die Nutz- anwendung, daß da, wo die niedrigsten Löhne herrschen, für eine angemessene Aufbesserung der Löhne gewirkt werden muß. Eben- falls soll aus die Durchführung der erforderlichen hygienischen Ein- richtungen gesehen werden._ Ueber„Exzesse streikender Cafckkellncr" wissen die Berliner Morgenblätter wahre Schauergeschichten zu be- richten. Danach soll es am Donnerstag gegen Mitternacht im Cafe Abbazia zu Charlottenburg zu„wüsten Ausschreitungen" gekom- men sein. Dort waren, so heißt es in der zweifellos von inter- essierter Seite inspirierten Notiz, mehrere Kellner wegen Diffe- renzen entlassen worden.„Donnerstagabend versuchten nun Kol- legen der Entlassenen Flugblätter des sozialdemokratischen Kellner- Verbandes in dem Lokal zu verteilen und gingen, als ihnen dies untersagt wurde, gegen Wirt und Angestellte gewalttätig vor. Sie zertrümmerten mehrere große Scheiben und gaben Revolverschüsse auf die Gäste ab, die sich rasch in Sicherheit bringen mußten. Mit Mühe gelang es der herbeigerufenen Polizei, die Ruhe wieder her- zustellen und die Namen der Hauptbeteiligten festzustellen." Richtig ist, daß in dem genannten Cafe Differenzen zwischen Unternehmer und den Kellnern bestanden. Herr Mandl, der In- haber des genannten Lokals, hatte mit dem Verbände der Gast- wirtsgehilfen einen Vertrag abgeschlossen, den er noch einigen Tagen zu brechen versuchte. Es kam zu Differenzen, worauf die Verbandskellner die Arbeit niederlegten. Richtig ist auch, daß in der Donnerstagnacht Flugblätter an die Gäste verbreitet wurden, worin die Ursachen der Differenzen dargelegt waren. Eigentlich kam es nur zu einem Versuch, denn die zahlreichen Mitglieder des von den Cafehausinhabern aufgepäppelten gelben Cafekellner- Vereins, die mit Wissen und Willen des Unternehmers im Lokal verteilt saßen, stürzten sich auf die Flugblattverbreiter, schlugen diese mit Gummiknüppeln, so daß einige schwer mißhandelt nach der Unfallstation gebracht werden mutzten. Bor dem Lokal sam- melten sich nunmehr große Menschenmengen an, worunter, wie bei solchen Gelegenheiten immer, sich auch Rowdys befanden, von denen die Fensterscheiben eingeschlagen worden sind. Die Flug- blattverbreiter hatten sich sofort zurückgezogen, von ihnen ist auch niemand verhaftet worden. Schüsse sind nicht gefallen. Die Mit- glieder der Organisation hatten selbstverständlich keine Waffen; sie haben aber in einem Falle einem der Gelben den Gummischlauch abgenommen, der nun im Verbandsbureau aufbewahrt wird.— Es sei noch bemerkt, daß im Verband der Gastwirtsgehilfen zirka 1600 Cafekellner organisiert sind. Der gelbe Verein, dessen Mit- glieder sich überall zu Arbeitswilligendiensten hergeben, umsaßt kaum 130 Mann. Die Unternehmer, die natürlich gern mit diesen Gelben auskommen möchten, sehen sich immer wieder veranlaßt, ihr Personal doch von dem bitter gehaßten„sozialdemokratischen Verbände zu beziehen. DeutTesie» Reich. Der Holzarbeiterstreik in Ragnit hat mit einem glänzenden Sieg« der Arbeiter geendet. Diele er- treuliche Tatsache ist nm so höher anzuschlagen, als die in Frage kommende Millionenfirma I. Brüning u. Sohn A.-G. keine Opfer und Kosten scheute, um der Arbeiterschaft ihre kapitalistische Ueber macht abermals recht deutlich vor Augen zu führen und das ihnen durch Anschluß an die Organisation erwachte Selbstvertrauen ein für allemal auszutreiben. Der Deutsche Holzarbeiterverbaud hat sich letzten Endes aber doch als stärker erwiesen. Die Firma besitzt drei Betriebe und zwar je einen in Ragnit, Frankenberg i. S. und Langendiebach bei Hanau a. M. In Hanau ist der Stammsitz der Firma. Während in Ragnit neben einer Kistenlabrik in der Hauptsache die Bearbeitung des Rohmaterials, wie Holzsägerei usw. betrieben wird, sind die anderen Betriebe mehr aus die Fertigverarbeitung von Zigarrenkisten, Wickelsormcn. Fässern»sw. eingerichtet. In allen drei Beirieben zusammen sind zirka 600 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt. Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse standen bisher so ziemlich aus dem siessten Niveau In Ragnit bestand bis vor kurzem noch die 63st!iiid>ge wöchent- liche Arbeitszeit und ebenso, zeitgemäß" waren die Löhne. Trotzdem war es nicht möglich, mit der Firma über eine angemessene Ver besserung der Arbeitsbedingungen, die zunächst für den Ragniter Betrieb allein angestrebt wurde, einig zu werden. Die Zahlstelle Tilsit des Deutschen Holzarbeiterverbandes, welcher die Führung der Sache übertragen war. beschränkte die materiellen Forderungen bis aufs äußerste, während die Firma ihrerseits mit dem ganz unannehmbaren Bei langen herausrückte, daß der Holzarbeilerverband sich mit seiner Kasse zum Eriatz jeglichen Schadens verpflichte» solle, der durch seine Muglieder etwa im Betriebe angerichtet werde. Aus dieser Grundlage war eine Verständigung ausgeschlossen, eS kam am sirma ließ sich alsbald durch eranschleppen, die aber viel Verantw. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw.: 8. Juli in Ragnit zum Sireik. Die Streikbrecheragenten Arbeitswillige besser mit Dolch und Revolver als mit Hobel und Säge umzugehen wußten. Jnnetbalb kurzer Zeit stand Ragnit unter dem Zeichen sorigesetzler Skandale i»id Exzesse; vor den Anrempelungen der Streikbrecher war kein Bürger mehr seines Lebens sicher. Man hat versucht, den Streitenden die Schuld an diesen Vorgängen und ins- besondere an der aus einem solchen Anlaß erfolgten Erschießung eines braven Arbeiters an die Rockschöße zu hängen, doch ist die Haltlosigkeit dei Verleumdunge» längst erwiesen. Als gar keine Aussicht auf Einigung war. mußte der Holz» arbeiterverband schließlich daran gehen, auch die Arbeiter in den beiden anderen Fabriken herauszuholen. Nu» änderte sich die Sachlage; durch Vermittelung des Herrn Oberbürgermeislers von Hanau kamen Verhandlungen zustande, die sich sofort aus den Ab- ichluß eines Tarifvertrages zwischen der Firma und dem Deutschen Holzarbeilerverbande für alle drei Betriebe erstreckten und mit einem stir die Arbeiter hochbefriedigenden Ergebnis endeten. Die Arbeitszeit wird danach verkürzt für Ragnit auf 57 Stunden, für Frankenberg und Langendiebach auf 56 Stunden pro Woche. Die Löhne und Akkordpreise erfahren eine 14prozentige Erhöhung. Ferner sind geregelt die Aufschläge für Ueberstunden, Nacht- und Sonntagsarbeit, die allgemeine» Bestiminnngen über Akkordarbeit, Lohnzahlung und viele« andere. Die Rechte des Arbeiterausschssstes sind festgelegt, bei Verhandlungen über Differenzen bat ein Ver- lreter des Holzarbeiterverbandes mitzuwirken, während als letzte Instanz das Einigungsamt des Hanauer Gewerbegerichts eiiigesetzl ist. Der Vertrag hat Gültigkeit bis 1. Ollober 1916. Dieses Resultat wurde von der Arbeiterschast mit Genugtuung begrüßt. Es zeigt sich darin am deutlichsten, was eine gute Organi- satio» auszurichle» imstande ist, wenn die Arbeiter selber die nötige Geschlossenheit und Einigkeit betunden. Erwähnt sei noch, daß die radamüchtigen Stteikbrecher nnver- züglich abgeichoben worden sind. Ebenio unrühmlich wie der Einzug und das ganze Verhallen dieser Gesellschaft während des Streiks war auch ihr Verschwinden_ Drohender Schnhmacherstreik. Die Arbeiter der Firma I. I. Schläger, Schuhfabrik in Reutlingen iWürt.) stehen in einer Lohnbewegung. Die eingereichten, ganz minimalen Forderungen, wurden ausnahmslos abgelehnt, ebenso versuchte Unterhandlun- gen. Die Arbeiter reichten infolgedessen die Kündigung ein. Zu- zug ist streng fernzuhalten. Buq der fraucnbcwcgimg, Beabsichtigte Lohnreduktion für Textilarbeiterinnen vereitelt. Die Unternehmer in der Textilindustrie können sich trotz des ständigen Anwachsens der Zahlen weiblicher Mitglieder im Deut- scheu Textilarbcitcrverband anscheiucns noch immer nicht daran gewöhnen, daß ihre Arbeiterinnen die mit Hilfe ihrer Organi- sation erreichten Aufbesserungen auch festhalten wollen. Die Ver- fuche der Unternehmer, die Arbeiterinnen mit Lohnreduktionen zu überrumpeln, um ihnen wieder zu nehmen, was man einige Th. Glocke. Berl'N. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u üettogiäujiöll Monate vorher zugestand, sprechen wenigstens dafür, baß man die Arbeiterinnen für unselbständige und urteilslose Menschen zu halten scheint. Im sächsisch-thüringische n JW ebereibezirk sind seit einigen Monaten die Putzevinnen(Stopferinnen) unausgesetzt am Werk, ihre Löhne zu verbessern. Die Putzerei ist eine nerven- tötende Arbeit und besteht darin, daß die an den Webstühlen in- folge schlechten Materials bei der allgemein üblichen Zweistuhl- bedienung entstandenen Webfehler(wie Faoenbrüche, Schuß- brüche, Nester, dünne und starke Faden) ausgebessert werden, da- mit die Ware fehlerfrei verkauft werden kann. Die Arbeit er- fordert große Fertigkeit und Genauigkeit. Die Löhne für diese nervenaufreibeickie Arbeit waren nicht nur niedrig, sondern auch unterschiedlich, was zur Folge hatte, daß die Putzerinnen allmählich in die Webereien übergingen. Dadurch verringerte sich die Zahl der geübten Putzerinnen merklich. Dem Mangel abzuhelfen, ent- schlössen sich die Webwarenfabrikanten, für das Anlernen von Putzerinnen dem Lehrling sowohl wie der Lehrmeisterin für eine gewisse Zeit eine bestimmte Entschädigung zu zahlen. Tie dortige Organisationsleitung benutzte die Gelegenheit, oen Arbeiterinnen, die dem Bestreben der Leitung, sie für einen einheitlichen Lohn- tarif für den Bezirk zu interessieren, längere Zeit gleichgültig gegenüberstanden, Mut zur Forderung höherer Löhne zu machen. Die gestellten Forderungen wurden überraschend schnell bewilligt, so daß dadurch den Putzerinnen, die 15 Pf. Stundenlohn hatten, der Lohn in den meisten Betrieben auf 25 Pf. pro Stunde erhöht wurde. Die Akkordlöhne wurden um 10 Proz. erhöht. Die Ar- beiterinnen haben zur Erreichung ihrer Forderungen zwar nicht den Betrieb verlassen, aber sie verweigerten die Arbeit so lange, bis ihre Forderungen bewilligt waren, d. h. während des Vorstellig- Werdens der Lohnkommissionen, die sie sich zu dem Zweck erst ge» wählt hatten. Wo Kündigungen bestanden, würben die Forde- rungen unter Berücksichtigung der Kündigungsfristen gestellt. Ilm Störungen des Geschäftsganges durch etwaige Arbeitseinstellung dieser wichtigen Arbeiterinnengruppe zu verhüten, versprach der Verband der Webwarenfabrikanten, nach Prüfung der Akkordlohn- berechnung durch seine Lohnkommission einen einheitlichen Lohn- tarif für Putzerinnen für den Gesamtbezirk bekanntzugeben. Der einheitliche Tarif läßt aber immer noch auf sich warten. Zuerst hieß es,„in einigen Wochen". Bei weiterem Vorstelligwerden hieß es immer wieder,„in einigen Wochen". Verschiedentjich ver- weigerten auch die Arbeiterinnen das Stücketragen. Bisher mußten sie die sehr schweren Stücke, die sie zu bearbeiten haben, vom Web- saal nach dem Putzsaal und zurück selbst tragen, eine den Weib» lichen Organismus schwer schädigende Arbeit. Sie kommen nun dazu, zu verlangen, daß die Arbeit des Stücketragcns Männern übertragen oder daß der Transport der Stücke durch Fahrstühle vorgenommen werde. Der versprochene Tarif ist immer noch nicht bekanntgegeben. Statt dessen wurde am 22. August von einer Firma der Versuch gemacht, den Arbeiterinnen für einige Artikel die Löhne zu kürzen. Der Abzug sollte am nächsten Zahltag in Kraft treten. Die Arbeiterinnen schickten aber ihre Kommission vor und ließen erklären, wenn die Reduktion nicht zurückgenommen werde, würden sie ihre Kündigung einreichen. Während des Vorstellig- Werdens der Kommission ließen sie die Flrbeit ruhen. Der ange- kündigte Abzug wurde zurückgenommen �>ie Arbeiterinnen nahmen ihre Arbeit wieder auf. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß das Vorgehen der einen Firma ein Versuch war, der, wenn er gelungen wäre, auch von den andern, dem Verband der Webwarenfabrikanten an- gehörenden Firmen angeivendet worden wäre, um die von den Arbeiterinnen errungenen Löhne wieder auf das frühere Niveau herabzudrücken. So sehen Versprechungen der Unternehmer aus. Der Versuch scheiterte an dem einmütigen Willen der Arbeite- rinnen, die, gestärkt durch ihre Organisation, entschlossen waren, das Errungene eventuell auch durch Arbeitsniederlegung zu be- haupten und festzuhalten. Mögen aus diesem Beispiel alle Arbeiterinnen, welcher Branche oder Industrie sie auch angehören, lernen. Die Ar- beiterin ist heute ein überaus wichtiger Faktor im Produktions- prozeß. Und doch müssen bei vielen Lohnbewegungen in der Tex- tilindustrie wie auch m andern Industrien die berechtigten Forde- rungen der Arbeiterinnen sehr oft zurückgestellt werden, weil das Organisationsverhältnis mangechaft ist. Mögen alle Arbeite- rinnen von der Gruppe der Putzerinnen lernen, daß eine starke, feste Organisation für die Arbeiterinnen notwendig ist, weil nur durch die Organisation höhere Löhne und bessere Arbeitsbcdin- gungen errungen werden können, und es nur mit und durch die Organisation möglich ist, Errungenes festzuhalten. Mögen alle den gewerkschaftlichen Organisationen noch fernstehenden Arbeite- rinnen sich den für sie zuständigen Verbänden anschließen. Hetzte Nachrichteti. Die politische Situation in Ungarn. Budapest, 6. September.(P.-C.) Die Versuche, eine Eni» wirrung der politischen Situation herbeizuführen, können als vor» läufig gescheitert betrachtet werden, da die gesamte Opposition Verhandlungen mit Lukacs und Tisza ablehnt. Die Wahlen in China. Peking, 6. September.(W. T. B.) Ein Erlaß des Präsidenten Juanschikai setzt die Primärwahlen fürdas Repräsen» tantenhaus auf den 10. Dezember, die endgültigen Wahlen auf den 10. Januar nächsten Jahres fest. Chinesische Krise. Simla, 6. September.(W. T. B.) Die Lage in Südwest- Duennan ist nach der. vorliegenden Berichten kritisch. Die chinesischen Truppen sollen gemeutert haben. Der Militär- gouverneur ist spurlos verschwunden. Hochwasser an der holländischen Küste. Köln a. Rh., 6. September.(P.-C.) Von der holländischen Küste werden große Ueberschwemmungen gemeloet. Die Wiesen sind überflutet, so daß das Vieh in die Ställe getrieben werden mußte. In Westland, das durch seine Gartenkultur bekannt ist. stehen die G a r t e n l ä n d e r e i e n meilenweit unter Wasser. Auch einige Ortschaften sind über. schwemmt. Die Bestattung der Perunglückten in Bsthune. Bethune, 6. September.(W. T. B.) Heute morgen fand das feierliche Leichenbegängnis von 17 bei der Grubcnkatastrophe in Clarence verunglückten Bergleuten statt. An dem Leichenhegäng. ms nahmen der Minister der öffcntliche» Arbeiten Dupuy. ein Vertreter des Arbvitsministers, der Präfekt. Deputierte uno eine ungeheure Menschenmenge teil Der Bischof las in der Kapelle. in der die Leichen aufgebahrt waren, die Messe und hielt darauf die Trauerrede. Dann rief der Minister den Opfern einen Ab- schiedsgruß nach, wobei er sie ihren Kameraden als leuchtendes Beispiel von Heldenmut hinstellte. Ränbcrcien auf dem Buifau. Uesküb, 6. September. allen Teilen des Landes laufen Nachrichten ein, die von Greueltaten der Albanesen gegen die serbische Bevölkerung berichten. Das Dorf Krajnitza wurde während der Nacht von Albanesen aus Kalkandeli überfallen, die den Serben Dima Krstitch er. mordeten und dessen Landsmann Ante Pctrovitsch so übel mit. spielten, daß dieser kaum mit dem Leben davonkommen dürfte. Der Schwerverletzte wurde in das Hospital in Uesküb geschafft, wo er hoffnungslos daniederliegt, �.ie Albanesen führten auch über hundert Schafe des Petrovitsch davon. Die türkischen B e» a m t e ii weigern sich, sich aus die ihnen von der Regierung überwiesenen Posten zu begeben, da sie durch die dort wohnenden , Albanesen für ihr Leb e n für ch t e n. Paul Singer& Co�Berlin SW. Hierzu 4 Beilagen u.Untcryairungsvl. Dr. 209. 29. AahrgaT 1. KcilW des.Fmiirls" Snlim NslksM SmiM, 7. ZtpIelSdn 1913. Der 45. britische GmerkfchaftsItotigrcB. Dritter Tag. Ncwport, 4. September 1S12.(Eig. Ber.) Heute(Mittwoch) fand nur eine Morgensitzung statt, in der sich der Nongreh mit der Frage der weltlichen Erziehung und den obligatorischen Schiedsgerichten beschäftigte. Die Frage der weltlichen Erziehung wurde von der Bergarbeiterföderation in folgender Resolution an- geschnitten: .Tie Frage der weltlichen Erziehung ist aus der Reihe der zur Debatte stehenden Fragen auf künftigen Gewerkschaftskongressen zu streichend Vor der Debatte macht der Präsident(T h o r n e) auf den sonderbaren Charakter der Resolution aufmerksam, die dem Kongreß bei der Wahl der zu beratenden Gegenstände die Hände binden wolle. Mache man mit dieser Praxis erst einmal einen Anfang, so komme man nickt zu Ende; die Textilarbeiter könnten zum Beispiel verlangen, die Frage der Kinderarbeit von der Tagesordnung des Kongresses dauernd abzusetzen. Er hoffe, der Kongreß werde die Resolution ablehnen. Butler(Bergarbeiter) führte aus: Die Bergarbeiter haben auf ihrer letzten Konferenz beschlossen, dem Gewerkschaftskongreß diese Resolution vorzuschlagen, weil sie gefunden haben, daß die Frage der weltlichen Erziehung Zank und Streit in ihre Reihen ge- tragen hat. Auch auf den Gewerkschaftskongressen hat in der Ver- gangenheit dieser Punkt immer böses Blut gemacht. Es würde für die Einigkeit der Bewegung weit besser sei», wenn dieser Punkt von der Tagesordnung verschwände, bis wir eine Lösung der Frage ge- funden, der alle zustimmen können. Dunau(Bergarbeiter): Der Streit über die weltliche Er- ziehung wird unsere Reihen spalten. Er hat in unsere lokalen Organisationen viel Uneinigkeit gebracht. Mit 9g Proz. der hier behandelten Fragen können sich alle Gewerkschaften einverstanden er- klären, aber der vorliegende Punkt ist für viele unserer Kollegen eine Gewisscnsfrage, die nicht auf der Tagesordnung eines Gewerlschafts- kongresses erscheinen sollte. Parlamentsinitglied Roberts'(Buchdrucker): Ich hoffe, ber Kongreß wird diese Resolution ablehnen. Würde sie ange- nommen werden, so würde das Land glauben, wir hätten einen unserer fundamentalen Grundsätze aufgegeben. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß die weltliche Obrigkeit kein Recht hat, uns in Glaubensangelegenheiten Vorschriften zu machen oder unseren Kindern eine Religion aufzuzwingen. Die religiösen Streitereien sind stets ein Hindernis im Wege deS Fortschritts im Erziehungswesen gewesen. Diese Resolution ist Teil eines Anschlags der Sektierer, einen Keil in unsere Bewegung zu treiben. Aber nicht nur unser eigenes Interesse, sondern auch die Interessen der Lehrer- schaff müssen uns maßgebend sein, deren Gewissen durch die religiöse Erziehung Zwang angetan wird. Ich bin ein Christ und fürchte mich nicht, öffentlich meinen Glauben zu bekennen. Ich ver- lange Achtung vor meinem Glauben. Aber gerade weil ich das verlange, fordere ich auch Achtung vor dem Glauben anderer. Der Religionsunterricht ist nicht eine Angelegenheit der öffentlichen Schulen, sondern eine Sache der religiösen Gemeinschaften. Parlamentsmitglied Ward(Erdarbeiter): Die Rede Roberts war in Wirklichkeit eine Rede zugunsten der Resolution. Eben weil diese Frage auf dem Gewerkschaftskongreß berate» wird, wird der Streik der Sektierer geschürt. Wenn wir in der alten Weise fort- t-rhren, werden wir schließlich dieselben Zustände bekommen loie in zceutschland, wo sich die Arbeiter auf Grund ihrer religiösen Gegen- sähe und nicht auf Grund ihrer wirtschaftlichen Zusammengehörigkeit organisiert haben. In Lancashire spielt die religiöse Frage in der Gewerkschaftsbewegung schon eine große Rolle, weil dort die Textil- arbeiter den Gedanken der weltlichen Erziehung eifrig propagiert haben. Tum er(Ladengehilse): Die Frage, die wir jetzt zu erledigen haben, heißt nicht: treten wir für die iveltliche Erziehung ein oder nicht? Wir haben zu entscheiden, ob wir die Frage der weltlichen Erziehung überhaupt beraten wollen. Als ich den Antrag las, war ich höchst erstaunt. Seit vielen Jahren hat sich der Kongreß fast einstimmig stets für die weltliche Erziehung ausgesprochen und ich sehe nicht ein, weshalb wir uns durch opportunistische Gründe be- wegen lassen sollten, von unserer gerechten Forderung abzutasten und sie zu diskutieren. Die weltliche Erziehung bedeutet Freiheit in der Schule, sie ruft den Reaktionären zu: die Hände von den Schulen I und es ist eine absichtliche Verdrehung des Sinnes der Worte, wenn man behauptet, daß die weltliche Erziehung die Ge- Wissensfreiheit irgend eines Menschen beeinträchtigen würde. kleines feiulleton Die Gruncwaldscen, schreibt AvenariuS im Septcmberheft des „Kunstwart', die ohnehin unter der Ungunst des Teltowkanals be- trüblich bescheiden geworden sind, dürften, wenn es so weiter geht, zu schlichtem Sumpf, darauf zu nassem Schmutz und schließlich zu Staub werden. Was sie an Wasser»och in sich tragen, wird nämlich von den Charlottenburger Wasserwerken auf Umwegen nach und nach ausgetrunken. Diese Wasserwerke ihrerseits bekommen so ihr Wasser am billigsten, und da sie nicht sür viel Gerede sind, ob daS aus fremden Seen Rechtens erlaubt sei, so sind sie dabei, die besagten Gewässer für, ick glaube, anderthalb Millionen, anzukaufen. Wahr- scheiulich wird nuii Berolina bei ihren Sonntagbummeln angesichts der schwindenden Grunewaldscen alle Jahre entrüsteter werden. Ja, warum kauft sie denn die Seen nicht an? Weil die„Schlorn- dorfer'. Wannseer. Potsdamer ui'w. dann auch etwas davon be- hielten, während sie dessen doch, mangels Mitzahlens, ganz und gar nicht wert wären? Möglich, daß solcher Geist mitspricht, obgleich er an das„Es ist meinem Vater schon recht. daK ich so friere' er- innert— es wird nun einmal dem Herzen schwer, allein zu be« zahlen, was es nicht allein genießt. Aber im Unbewußten wirkt wohl etwas anderes noch stärker mit. Ja, wenn sich's um ein Denkmal, einen K u n st b a u, wenn sich's nur um irgend etwas Reucs handelte, mit dem man.Staat' machen könnte, dann fände man den nötigen Mammon vielleicht I Aber sür nichts welter, als was schon so lange da lst! Man lächle nicht, ein psychischer Vorgang wie dieser spielt hundertfältig mit, wo wir's nicht beachten. Geld zu geben um hinzusetzen, entschließt man sich tausendmal leichter als Geld zu geben, um zu erhalten. Und nun gar, wo fick's um Schönheit handelt, bei der kein Mensch sagen kann: „Arbeit unsrer Altvordern. Arbeit von uns.' Um„nichts als' Raturschönheit. die. sozusagen.mir' der hebe Gott, und das schon vor so langer Zeit gemackt hat. Stund es anders, wir hatten zehn- tausend eitle Denkmäler und Prunklassaden tvemger und zehntausend überkommene bescheidene, aber echte Schönheiten mehr. Paul Robin, einer von der alten Internationale, ist am Dienstag in Paris in einem Freitod dahingegangen, der an das Ende Paul Lafargues erinnert Robin war 1837 m Toulon geboren und Widmete sich dem Lehrfach für Naturwissenschaften. Nach der Gründung der internationalen ArbeiterassoziakicM schloß er sich sehr bald der Arb-iterb-weauna an. 1368 nahm er als Mitglied des Generalrats des belaisckeii Zweiges der Internationale oni Kongreß in Brüssel teil. Schon damals interessierte er sich hauplsächlich für Unterrrcktssragen und erstattete Mick ein Referat über diesen Gegen- stand. 1868 wurde er wegen Streikagilation ausgewiesen und ging nach Genf, wo er in den Kreis B a k u n in s eintrat, zu dessen eifrigsten Anhängern er in der Folge gehörte. 1370 siedelte er nach Paris Über, wurde aber«ingekerkert und erst am 4. September befreit. Später lebte er längere Zeit— bis 1879— in London. zumeist mit pädagogischen Arbeiten beschäftigt. Er wurde als (Es muß hier zum besseren Verständnis der Diskussion erklärt werden, daß die englischen Worte„sscular education"— weltliche Erziehung— verschieden ausgelegt werden können.„Secular" heißt sowohl weltlich, unreligiös, wie freidenkerisch, antireligiös.) S e x t o n(Dockarbeiter): Wir müssen uns mit der Tatsache abfinden, daß eine Anzahl Delegierter die richtige oder unrichtige Auffassung haben, daß die Beratung dieser Frage eine Beleidigung ihrer religiösen Grundsätze darstellt. Es liegt im Interesse der Einigkeit unserer Bewegung, wenn die Frage von der Tagesordnung verschwindet. W i g n a l l(Dockarbeiter): Mit diesem Antrag wird versucht, die Freiheiten dieser Versammlung zu beschneiden. Sie haben kein Recht, den kommenden Kongressen Vorschriften zu machen. S t o k e s(Glasarbeiter): Die weltliche Erziehung ist eine politische Frage, und dieser Kongreß hat stets das Recht für sich beansprucht, politische Fragen zu diskutieren. Es ist nicht unwahr- scheinlick, daß wir bald eine konservative Regierung bekommen. Wenn nun diese Regierung ihre traditionelle Politik verfolgen und die religiöse Frage wieder in den Vordergrund schieben sollte, sollen wir dann ruhig die Hände in den Schoß legen und zusehen, wie wiederun, die wirtschaftlichen und politischen Kernfragen durch religiöse Streitereien in den Schatten gestellt werden? Ist es dann nicht vielmehr unsere Pflicht, unsere Stimme zu erheben, damit mit der Beseitigung des Religionsunterrichts aus den Schulen dieser Politik der Herrschenden ein Riegel vorgeschoben wird? D a v i e S(Buchdrucker): Diese Resolution tut der Würde deS Kongresses Abbruch. Man sagt, daß die Beratung der Frage der Gewerkschaftsbewegung Schaden zugefügt hat. Dieser Kongreß, auf dem eine Vieretelmillion mehr Arbeiter vertreten sind als aus dem letzten, ist die beste Antwort auf dieses Argument. Butler(Bergarbeiter) führte in seinem Schlußwort aus: Dieser Antrag ist nicht so gedacht, daß er für alle künftigen Kongresse bindend sein soll. ES steht in der Macht des nächsten Kongresses, diese Resolution umzuwerfen. Die Opposition gegen die weltliche Erziehung kommt in meiner Grafschaft(Lancashire) nicht von den Leitern der Gewerkschaften, sondern von den Mitgliedern selbst. Ohne Anleitung von oben haben diese die Frage in den Versamm- lunaen eifrig besprochen. Nicht die Annahme, sondern die Ver- werfung des Antrages wird die Gefahr einer Spaltung mit sich bringen. Die Abstimmung ergab 952000 für und 909000 Stimmen gegen die Resolution, die lomit angenommen wurde. Die Dockarbeiter hatten zu dem Punkte Schiedsgerichte und Einigungsverfahre» folgende ziemlich farblose Resolution gestellt: „In Anbetracht der Notwendigkeit drastischer Maßregeln in bezug auf das Schiedsgerichtswesen und Einigungsämter zwischen Arbeilgebern und Arbeitnehmern und in Anbetracht daß man staatliche obligatorische Schiedsgerichte erwähnt hat, beauftragt dieser Kongreß das Parlamentarische Komitee, einen Bericht und Vorschläge über die Grundloge solcher Einigungsämter und Schiedsgerichte auszuarbeiten, die dem nächsten Jahreskongreß zu unterbreiten sind.' Ben T i l I e t(Dockarbeiter) begründete den Antrag mit einem Hinweis auf den chaotischen Zustand, den der letzte Kamps der Hafenarbeiter bewiesen habe, als sich die Minister, die den Vertrag der Hafenarbeiter vom letzten Jahre unterzeichneten, als machtlos erwiesen hätten, die Unternehmer zur Einhaltung ihrer Verpflichtungen zu zwingen. Parlamentsmitglied B r a c e(Bergarbeiter): Wir werden gegen den Antrag stimmen. Tillet will nur die obligatorischen Schieds« gerichte hier einschmuggeln. Nähmen wir den Antrag an. so könnte dies draußen den Anschein erwecken, wir ließen in dieser Frage noch mit uns reden. Aber nie und nimmer werden wir zustimmen, daß uns unsere letzte Waffe, der Streik, genommen wird. Wir befinden uns in einer kritischen Lage. Die Regierung hat die Herren Asquith und Mitchell nach Kanada geschickt, um dort das System der Schieds- gerichte zu studieren. Der Bericht dieser Herren wird sicher die Grundlage zu einer Vorlage über Schiedsgerichts bilden. Gerade jetzt ist es nötig, daß der Kongreß keinerlei Zweifel über seine Stellungnahme in dieser Angelegenheit aufkommen läßt. Havelock Wilson(Seeleute): In vergangener Zeit habe ich stets gegen die Einführung obligatorischer Schiedsgerichte ge- stimmt. Seitdem ich aber Australien und Neuseeland besucht, bin ich bekehrt worden und glaube heute, daß diese Schiedsgerichte mit Erfolg in Großbritannien eingeführt werden könnten. ES ist nicht wahr, daß diese Einrichtung die Arbeiter benachteiligt hat. Gewiß, wo die Organisationen schwach sind, wo ihre Leitung ungeschickt und Volksschulinspektor zurückberufen und im folgenden Jahre zum Direktor des Waisenhauses in CempuiS im klerikalen Departement Oise ernannt. Hier wurde der friedliche Mann, der sich wie so viele Anarchisten, zu einem harmlosen Erziehungsradikalismus„geläutert" hatte, in einen heftigen Konflikt verstrickt. Er unternahm nämlich einen Versuch mir der gemeinsamen Erziehung der Geschlechter und wurde deshalb von der klerikalen Presse auf das gemeinste an- gegriffen. Trotzdem die Beschuldigungen auf Verleumdungen und tückischen Entstellungen beruhten, ließ sich die Regierung einschüchtern und schloß die Anstalt.— In den letzten Jahren machte Robin hauptsächlich für den Nco-MalthusianiSmus Propaganda. Da er schließlich meinte, der Gesellschaft nicht mehr nützen zu können, ent- schloß er sich zum freiwilligen Tod. Er zeigte hierbei eine außer- ordentliche Kraft des Willens. Da eine Gifldose nicht reichte, nahm er eine zweite, stärkere, und als einer seiner Söhne, der hinzu- gekommen war, zum Arzt eilte, bcnützte er den Augenblick, um eine dritte zu nehmen, die ihm die gesuchte Befteiung brachte. Der Mondregcnbogcn. So bekannt der nach einem Regen im Lichte»er Sonne am Himmel sich ausspannende siebenfarbige Bogen ist, so ist diese Naturerscheinung in der Nacht bei Monden- licht außerordentlich selten. Um so mehr erfreut war ich, schreibt man uns, in diesem Sommer dies seltene Schauspiel genießen zu können. Am Abend des Vollmondtages, an dem klares, warmes Wetter geherrscht hatte, tat sich der Wind aus. Regenwolken er- schienen, die Mondlandschaft versckfwand und es fiel ein ziemlich starker Regen. Nach kurzer Zeit ließ der Regen nach,, der heftige Wind jagte die grauen Wolken eilig vor sich her und der Vollmond stand bald wieder in blendendem Glänze am Himmel. Da wurden wir plötzlich durch einen herrlichen Anblick gefesselt: am nordwestlichen Himmel stand in glänzender Pracht ein Mondregcnbogen. Scharf und hell hob er sich vom dunklen Nachthimmel ab, er über- spannte nach der einen Seite fast den ganzen Gesichtskreis und stützte sich mit betden Enden auf die den Horizont begrenzenden ausgedehnten Wälder. Trotzdem der Bogen sehr hell war, konnte mau doch einzelne Farben, wie beim Sonnenregenbogen, nicht unterscheiden. Allmählich verblaßte der Regenbogen mehr und mehr, die letzten Regenwolken verschwanden und mit ihnen die eigenartige Naturerscheinung, die nur sehr selten beobachtet wird, weil sie nur bei ganz besonderer Regenbildung zur Zeit des Voll- mondes möglich ist. Der nächtliche Regenbogen entsteht wie der des Tages durch Breckung des strahlenden Lichtes in den Wasser- tröpfchen des herabfallenden Regens; da aber das Mondlicht nicht stark genug ist, das weiße Licht in seine Grundsarben zu zerlegen, so ist der Mondregenbogen nicht farbig, sondern wird als heller, weißer Kreis sichtbar. Tie größte Bicnenstadt der Welt. Die gewaltige Steigerung. die der Honigtonsum erfahren hat, erhellt zur Genüge aus der Tatsache, daß die Jahresproduktion Europas zurzeit rund 80 000 Tonneu mit einem Handelswert von 26 X- Millionen Mark zu be- rechnen ist. Nicht minder imposant sind die Produktionsziffern, die die Stgtistik für die Verej.nigtcn ZtaglW oen ÄWpiks«llfe unerfahren ist, haben die Arbeiter an den Schiedsgerichten keine reude gehabt. Wo aber eine gute Organisation mit tüchtiger Leitung besteht, sind die Schiedsgerichte für die Arbeiterschaft von Vorteil gewesen. Der Erfolg der Matrosen in Australien ist ein greifbarer. Während in Großbritannien die Matrosen 5 Pfund den Monat verdienen, verdienen sie in Australien 10 Pfund. Nach dieser Rede wurde die Diskussion vertagt. Hus der Partei. Keine Lcgcndcnbildung! Wir lesen im„Volkswillen", unserem Parteiorgan in Hannober! „Der Fall Rädel wird von der bürgerlichen Presse als ein Gegen- satz zwischen„Revisionisten und Radikalen" hingestellt. Mit Rädel sei eine radikale Säule gestürzt und die Revisionisten hätten ihre Freude daran. DaS ist purer Unsinn. Die Ankläger Rädels, soweit sie in Deutschland wohnen, stehen auf dem äußersten linken Flügel der Partei." Leider muß gesagt werden, daß an diesem bürgerlichen Presse» treiben einzelne süddeutsche Parteiorgane durch höchst überflüssige Bemerkungen mitschuldig sind. Wir selbst möchten noch hinzufügen, daß Rädel niemals unser Korrespondent gewesen ist, am wenigsten in der Göppinger Angelegenheit. Man muß sich über die Leicht- fertigkeit jener Parteiblätter wundern, die diese Behauptung auf» stellen, obwohl sie zu wissen verpflichtet wären, daß wir selbst gerade wegen dieser Affäre von Rädel aufS heftigste angegriffen wurden._ Zum pommerfchen Parteitag. Zum Bericht über den pommerfchen Parteitag ist noch nachzit» tragen, daß als Mitglied des eventuell zu errichtenden ParteiauS- schüstes der Bezirkssekretär Genosse Horn-Stettin vorgeschlagen und gewählt wurde.— Nach unserem Bericht hat der pommersche Parteitag einen Antrag zum Organisationsstatut angenommen, der für Ehefrauen und sonstige erwerbstätige weibliche Familienmitglieder einen Monatsbeitrag von 10 Pf. vorsieht. Es muß heißen: und sonstige nicht erwerbstätige weibliche Familienmitglieder. Pressekarte» zum Chemnitzer Parteitag werden nur nach vorheriger schriftlicher Anmeldung bis zum 13. Sep» tember ausgestellt. Eine nachträgliche Ausgabe von Pressekarten an Parteigenossen oder bürgerliche Journalisten findet unter keinen Um- ständen statt. Die Anmeldungen sind zu richten an das sozial» demokratische Parteiselretariat, Chemnitz, Dresdener Straße 33. Die Partritagsoummer der„Neuen Welt" wird, wie in früheren Jahren, so auch diesmal den nack Chemnitz Delegierten in einer Extraausgabe vorgelegt werden. Die mit reichem Bildschmuck ver- sehene Nummer ist ganz dem Orte der diesjährigen Tagung deS „roten" Parlaments gewidmet. Gustav N o s k e, der Reichstags- abgeordnete für Chemnitz, plaudert über:„Chemnitz und die Erz- gebirgler'. Ernst Heilmann gibt einen geschichtlichen Ueberblick über die„Kämpfe und Siege in der erzgebirgischen Metropole." „Die Gewerkschaftsbewegung in Chemnitz behandelt RobertKrause in einem instruktiven Artikel. Ein aus den lokalen Ton gestimmtes Feuilleton:„Im sächsischen Manchester" hat Max Müller bei- gesteuert. Erwähnt sei schließlich noch ein hübsch gerahmtes, stimmungsvolles Gedicht Ernst Preczangs:„Fabritstadt". polizcUichcB, OerichtUchcs ukw. Wegen Beleidigung des Reichsverbandes wurde Genosse Höhne von der„Görlitzer Volkszeitung' zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt. Gleichzeitig wurde auch eine Beleidigung der Halleschen Polizei mit verhandelt, wegen der er 60 Mark Geld st rase bekam. Die Hallesche Polizei sollte Höhne beleidigt haben, weil er ihr in der Besprechung eines Maiseier- umzugsverboteS schlimmen Polizeigeist und schlechtes Deutsch vor- geworfen hatte, und der Reichsoerbändler war als unanständiger Gegner bezeichnet worden, nachdem er in Wahlversammlungen Bebel. Liebknecht und Singer in bekannter Rcichsverbandsmanier angegriffen hatte._ Osterode vor Gericht. Der Redakteur I m w o l d e von der„Dresdener Volkszeitung', der wegen eines Artikels„Osterode" vom Schöffengericht zu vwr Monaten Gefängnis verurteilt wurde, erreichte am Freitag in der weist. Danach wurden jenseits des Ozeans 2 800 000 Bienen- stocke gezählt, die pro Jahr 30 000 Tonnen Honig liefern. Die größte Jmkeroi der Welt ist zweifellos jene, die in der Nähe deS Städtchens Becton in Kanada liegt. Sie bedeckt ein Areal von 20 000 Quadratmetern und soll 10 Millionen Bienen be» Herbergen, die jährlich 35 bis 40 000 Kilc�ramm Honig produzieren. Die höchstgelcgcne Telcphonstation befindet sich auf dem Gipfel deS Monte Rosa, des zweithöchsten Gebirgsstocks der Schweizer Alpen, der sich an der Grenze des Kantons Wallis sowie der italieni- scheu Provinzen Turin und Novara zu 4638 Meter Höhe über dem Meeresspiegel erhebt. Die für die alljährlich nur kurze Zeit in Betrieb stehende Leitung bestimmten Träger müssen im Schnee fest- gemacht werden. Damit die Drähte durch die Bewegung deS Gletschers keinen Schaden leiden, sind sie nicht auf Isolatoren montiert, sondern laufen durch Ringe, die jenen unbeschränkte Be- Wegungsfreiheit gestatten. Die Mitte jeder Drahtlänge zwischen zwei Trägern ruht auf dem Schnee, während auf der höchstgclegenen Strecke der Telephonlinie, zwischen dem Colle del Giglio und dem Gipfel, die Träger überhaupt in Fortfall kommen und der Leitmigs- draht einfach direkt auf der Oberfläche des festgefrorenen Schnees gelegt ist. Die Linie wurde im September 1909 dem Verkehr übergeben._ Notizen. — Die„Gesellschaft der Charonfreunde' hält für ihre Mitglieder heute abend L'/g Uhr im Cafe Austria einen Vorleseabend, zu dem auch Gäste Zutritt haben. — Karl Sternheims Drama„DonFuan' erlebt seine Uraufführung am 13. September im Deutschen Theater. An gleicher Stelle wurde soeben eine neue Komödie SternheimS:„Bürger Schippel", angenommen. — Fünf unbekannte Tänze von Franz Schubert veröffentlicht die Kunstzeitschrift„Die Musik'(Verlag Schuster u. Locffler, Berlin) in dem soeben erschienenen ersten Septemberheft, das Schubert gewidmet ist. — Dichtungen auf der Wanderung. Grillparzers Novelle„Elze" hat Gerhart Hauptmanns Schauspiel gleichen NameuS zugrunde gelegen. Und jetzt wird dies wieder von einem in Berlin ansässigen Ungar: Erwin Lendrai, als Oper bearbeitet. Bücherhaben ihre Schicksale. — Das Kino im Dienst der Forschung. In der Pariser Akademie der Wissenschaften hat Dr. Noguös einen neuen Apparat sür kinematographische Aufnahmen vorgeführt, der 180 Bilder in der Sekunde aufzunehmen vermag. Der Forscher verfolgt daniit in erster Linie die Absicht, die Fülle verschiedener Bewegungen im Tierreich zu untersuchen. — Eine Volksopcr großen Stils soll in Paris gegründet werden, für die die Stadt«ine jährliche Subvention von 150 000 Francs 50 Jahre lang zahlen will. Der Zuschauerraum wird 4000 Besucher fassen. Der Preis der Plätze soll zwischen 50 Centimes und 8 Francs varmkcm BerufungSder�andlung bor iem Land�cht die Herabsetzung der Strafe auf zwei Monate G e f ä n g» Bus InÄultrie und DatideL Zollerträgc und Nnsfuhr von NahrungS- und Genußmitteln. Die nach Deutschland im Jahre 1911 eingeführten und der- zollten NahrungS- und Genukmittel hatten nach der amtlichen Statistik einen Wert von 2197 Millionen Mark. Der von diesem Werte erhobene Zoll betrug 862539000 Mark! Mit anderen Worten, rund 23 Proz. des Wertes wurde als Zoll von den Importeuren abverlangt. Um so viel steigt natürlich im Inland der Preis der eingesührten Produkte mindestens! Wir stellen in nachfolgendem die wichtig st e NahrungS- m i t t e l e i n f u h r und ihren Z o l l e r t r a g pro 1911 zusammen. Zugleich fügen wir bei. wieviel Prozent des Wertes der Waren immer der Zoll ausmacht. Zollertrag Mill. Pr°zent Mark Getreide I... 282,7 Kaffee, roh... 109,1 Tabakblätter... 103,3 Wein..... 29,4 Südfrüchte... 12,5 Tabakerzeuguisse. 12,3 Schmalz.... 12,2 Butter».Margarine 11,2 Kakao, roh... 10,0 Reis..... 7,1 Rinder und Schafe 7,1 Die NahrungS- des Wertes 23 44 89 43 17 93 11 9 18 20 12 Mill. Prozent Wertes 24 Mark Fleisch und-Extrakt«,1 Hülsenfrüchte.. 3,4 8 Käse..... 5,3 17 Gewürze.... 4,4 31 Eier..... 4,0 2 Tee...... 3.7 50 Heringe.... 3,5 9 Obst, Beeren.. 3,1 6 Mühlcnerzeugnisse. 1,7 84 Kakqo, Schokolade. 1,7 21 Schweine.... 1,6 11 und Genußmittel überhaupt sind zusammen mit 562,5 Millionen Mark, gleich 23 Prozent ihres Wertes, belastet! Dabei mag noch besonders festgestellt sein, daß die Prozentziffer der Belastungen nicht von uns ausgerechnet ist, sondern die amtliche Ziffer der kaiserlich statistischen Behörde ist. Ebenso muh natllr- lich beachtet werden, daß die Zahlen bei manchen NahrungS- und Genußmitteln noch lange nicht die volle Belastung darstellen. Die BerbrauchSstenern, denen Branntwein, Bier, Tabak, Salz und Zucker unterliegen, sind ja dabei nicht mit eingerechnet. Der Wahnsinn der Einfuhrerschwerung und Verteuerung durch Zölle entspricht aber nur einem Teile unseres deutschen Systems der VolkSauShungerung. Auf der anderen Seite wird im besonderen den Agrariern alles mögliche geboten, damit sie ohne Schwierigkeiten, und nicht nur daS, sondern auch mit Extragewinnen, NahrungS- und Genußmittel nach dem Auslande verkaufen können. Wir stellen zusammen, was 1911 an wichtigen Nahrungsmitteln auS Deutschlands Grenzen ausgeführt worden ist. Es wurden ausgeführt: Warengattung Doppelzentner Wert in Mark Roggen...... 7 686 270 109 561 000 Weizen...... 3 099 990 55 340 000 Haser...... 2 962 710 43 039 000 Weizenmehl.... 1618280 37 017 000 Noggenmehl.... 1 457 140 23 226 000 Kartoffeln..... 2 903580 19 061000 Kleie....... 164 580 1 648 000 Futtergerste.... 18 450 310 000 Aeisabsälle, Schlempe sViehfutter).... 86 220 810000 Gemüse, frisch... 305 590 5 350 000 Milch, frisch.... 86700 1 434000 Bulter. frisch.... 2520 598000 Käse, frisch.... 9880 1030000 Fleisch, frisch(darunter 15090 Doppelzentner Schweineschinken).. 15 840 3 556 000 Bich(darunter 48 043 Stück Schweine) Stck. 50 198 5 648 000 Haferflocken.... 485 190 10322000 Graupen, Gries... 317 540 5 929 000 Hülsenfrüchte, trocken. 137 770 5 891000 Für rund dreihundert Millionen Mark wichtigster Nahrungsmittel sind im Jahre 1911 über die deutsche Grenze hinaus in andere Länder gegangen! Planmäßig und großzügig wird der Betrug an der Gesundheit des deutschen Volkes getrieben I Bodenpreissteigeruug i« Gemeinden. In Heft 21/22 der vom Genoffen Pflüger herausgegebenen „Sozialpolitischen Zeitfragen der Schweiz" behandelt Nationalrat Genosse Müller. Finanzdirektor der Stadt Bern, die Wertsteige« rnng des Bodens in städtischen Gemeinwesen. Er zeigt, daß z. B. in der Stadt Bern von 1882—1911 der Bodenwert sich mehr als verachtfacht Hai(Steigerung um 739,5 Proz.). Er berichiet u. a. von einem Grundstück, dem„Brunnengut", das noch 1905 bei der Grund- steuerschatzrevision auf 2 Frank pro Quadratmeter veranschlagt war. welcher Ansatz 1906 auf 5 Frank erhöht wurde. 1909 wurde das Grundstück zum Preise von 12>/2 Frank pro Quadratmeter an ein Konsortium verkauft, das es noch im selben Jahre zu 29,14 Frank im Durchschnitt an Bauunternehmer weiter verkaufte. Bald stieg der Preis auf 33, im nächsten Frühjahr auf 42,33 und im Sommer 1910 auf 64 Fr. für den Quadratmeter; also eine Steigerung auf das 32fache in fünf Jahren. Aus Zürich werden noch ganz andere Dinge berichtet. So stieg an der Susenbergstraße von 1878 bis 1905 der Quadratmeter von 10,63 Fr. auf 26,96; an der Weinbergstraße von 1860 bis 1901 von 2.61 auf 70,09 Fr.; an der Bahnhosstraße von 1869 bis 1904 von 6.70 auf 1417 Fr. und am Bahnhofsplatz von 1878 bis 1903 von 230 auf 1624, bei einem anderen Grundstück von 1360 bis 1901 von 3.15 auf 665,76 Fr. pro Quadratmeter: Steigerungen von vielen Hunderten und selbst Tausenden Prozenten, rein durch die allgemeine Entwickclung und die Arbeit der anderen, ohne irgend eine Leistung des glücklichen Besitzers. Man denkt dabei an den eklatanten Fall, der sich vor einigen Jahren in Berlin ereignete. Dort wurde das frühere Gebäude des Kriegsministenums. Ecke Wilhelm- und Leipziger Straße, ver- kauft. Das begreiflicherweise stattliche Gebäude, das zu Beginn des 19. Jahrhunderts erworben worden war, hatte damals 14 000 Taler gekostet. Jetzt kam der Quadratmeter des Geländes allein auf 3000 M., d. h. eine Ouadratrute(14,2 Quadratmeter Platz) genau so teuer als 100 Jahre früher das ganze Gelände gekostet hatte. An der Ecke Friedrichstraße-Unter den Linden, der sogenannten Kranzler« ecke, aber kam der Quadratmeter vor einigerZeit gar auf 7000 M. Und in New Aork ist sogar schon ein Preis von etwa 20000 M. für den Quadrat» meter erreicht worden. Zutreffend sagt Genosse Müller:„Die Grundrente(deren Kapitalisierung der Bodenpreis darstellt) ist ein Tribut, der dem Grundeigentümer für die relative Monopollage seines Grund.und Bodens bezahlt werden muß. Sie ist arbeitS» loses Einkommen." Und man kann hinzusetzen: ein ständig steigendes. immer stärker am Arbeitsertrag und Lebensinhalt der Gesamtheit zehrendes Einkommen begünstigter Monopolisten und Spekulamen, dessen Beseitigung durch Ueberführung des Baugeländes in Gemein- eigentum eine immer dringendere Notwendigkeit geworden ist. /lebeitinscimsi»: Hof I. Aull Norßen, N*. 1239. Kerwalliingsstelie BerllQ CharttSstrafte 3. Hauptbureau: zjof III. Amt Norden, Nr. 1987. Dienstag, den 10. September 1912: Bezirks- Versammlungen für die gefainte Oerwaltungsitelle Berlin in folgenden Lokalen: NNrtiöNI Ptaarnssiilc, Miillcrftr. 14», abends 8>/, Uhr. Vortrag. IlftPiian• OMglos rcBtsSle, Schwedter Straffe»3. abends HiHllCtl. 8';j Uhr. Vortrag des Kollegen R. Bahn. fiOrileN' Pranlrv« Pestsftle, Badstr. 19. abends 8'/, Uhr. Vortrag. 7egei I Drapp» Fcatstile, Bahnhofftr. 1, abends 6 Uhr. Uffftihif* Kronen- Brauerei, Alt Moabit 47—49, abends HlUnUll. 81/, Uhr. Vortrag des Genossen Dr. Moses:„Der Kinder- reichlum im Arbciterhaus". Ueslen und Lebimeberg: Hauptstr. 30/31, abends 81/, Uhr. 0St8D Comenlaasttle, Memeler Str. 07, abends 8'/, Uhr. Bortrag. I fokfankern* Restaurant J. Erteil, Pfarrstraffe 74. LlbillvUUtiy. abends 81/, Uhr. Vorwag des Kollegen Karl Wücke. Stralau und kummelsdurg: W Vorwog des Kollegen Graewe. ZUspIierlrk: 15, WoiRancaa• Pcukerts Fcststtlc, Berliner Allee»51, WvNlvlISvv. abends 8'/, Uhr. Ilanl/nlln* Bopncs EeatHille, Hermannftr. 49, abends S'/aihv. ncUBUliil. Vortrag des Genossen Wölbt:„Jnduswiebetriebssührung". Ciiarlollenburg: 3-"m'" ClanlitT* rjcheilhases Ecsts&le, Ahornstraffe 15, drcyiill. abends 8'/. Uhr. Köpenick u. Friedriehslmgcn: Friedrichsw. 74, abends 8'/, Uhr. flkop CeiiHilQurfiiffo* Procliowelde ObePBchönewelder UDer'tfvilOtlvu vilie, Vcreinshaas, Rathansstr» 13, abends 8-,. Uhr. C!nane>ei>» Fczelis Restaurant, Pichelsdorfer Straffe 5, » abends 8'/, Uhr.' Vorwag. Tagesordnung in allen Versammlungen: Bericht von der Generalveriantmluno. §3SF" Mitgliedsbuch legitimiert."WS Die Bersammlunge» werden pünktlich eröffnet. Zahlreicher Besuch wird erwartet. 123/18_ Plc Ortaverwaltnng. ist der schönste Ausflugsort? ? Immer noch Pichelswerder, alccht"oTen beim Alten Freund. Verband 4«, Laubenkolonisten Bniins u. umg. Geschäitsstolle: KcukOlln, l�wtcratr. 34. Sonntag, den S., and Montag, den 9. September 1912: XAllgemeineAusstellung von selbstgezogenen Blumen, Gemüsen, Früchten, Hühnern, Tauben, Kaninchen im Central-Theater, Alte Jakobstr. 30. i 1 Eröffnung: mittags 12 Uhr.. Eintritt: Vorverkanf»5 Pf., Kasse 30 Pf. Hut-Arnold, Dresdenerstr. 116 I(KelnLaden)amOranlenplaU Hut und Mützen Engrosgeschäft EiDKeivcrkaof zo auffallend bllligea aber festen Preisen I Weiche Herrenhüfe v. 1,50-6,00 Steife Herreabüte v. 2,00-7,00 Hur lefilerfreie moderne Ware Nur fehlerfreie moderne WätC, Crösste Auswahl In MOfzen und Pelzwaren. 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MtS., nach« mittags 4'/, Uhr, von der Halle des städtischen Friedhofes, Muller- strage, Ecke Scestrafie, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 232/5 DeP Vorstand. SozialdemokraMer Wahiverä I. ö. 6. Beri. Reiclistagswalilkreis Am 5. September verstarb unser Genosse, der Arbeiter Grab(wsk! Franseckystr. 4. Ehre feinem Andenke«! Die Beerdigung findet Sonntag der Hose... Um rege Beteiligung ersucht 232/4 Der Vorstand. Deutscher lietallaMer-Yerliaiiil Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Eimil Pechnatz gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 7. September, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Fried- hoses in Friedrichsseide aus statt. Ferner starb I die Arbeiterin unser Mitglied, 123/19 Marie Regeler Neukölln, Lansastrahe 13 am 4. September anLungenleiden. Die Beerdigung findet am Sonnabend. dcnV.Sepembcr, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Kemeinde-Fried- bofes in Neukölln, Mariendorser Weg, aus statt. Ehre ihrem Andenken Rege Beteiligung erwartet X llle Ortsverwaltung. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Barlin, Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unser Kollege Eirnil Harmemarrn am 3. September im Alter 64 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 7. September, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des Zentralsriedhoses in FriedrichSselde aus statt. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, dag unser Kollege, der Hausdiener Paul Loose am 5. September im Alter 53 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet morgen Sonntag, den 3. September, nach. mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Heilig-Kreuz-KirchhoseS in Mariendorf aus statt. Ferner den Mitgliedern zur Nachricht, dah unser Kollege, der Arbeiter Heinridi Lache am 5. September, im Alter von 46 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 9. Seplember, nach- mittags 4'/, Ubr, von der Leichen- balle des Städtiichcn Friedhoses, Müller- Ecke Seeslrage, aus statt. Ehre ihrem Andenke«! Um rege Beteiligung ersucht 66/14 Oie Bezirksverwaltung. Danksagung. Für die rege Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes Heinrich Saar sage ich allen Beteiligten meinen herzlichen Dank. Panltne Saar nebst Söhne». ZeotraiveM der Asphalteure Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dast unser Kollege Gustav puhaha am 3. September verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, nachmittags 4 Uhr, auf dem BartholomäuS-Kirchhos, Falkenberger Chaussee, statt. 295/20 Oie Ortsverwaltung. Beutscher Beizarheiter-Verhand. Zahlstelle Berlin. Den Migliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Tischler Max Bendel Posener Str. 4, im Alter von 44 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 7. September, nachmittags 3>/, Uhr, von der Halle des Ostlirchhoses in AhrenS- selbe aus statt. 88/12 Oie Ortsverwaltung. Allen Kollegen und Freunden zur Nachricht, daß unser Kollege Herinaim Schröder am 4. September verstorben ist. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 7. Sept., nachm. 41/« Uhr. auf dem Zentral-Fried- hos in Friedrichsfelbe statt. Oie Kollegen der Piane/abrik W. Hoffmann, Stallfchreiberstr. 58. anksagung. vielen Beweise Tn Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes Franz Neumann sagen wir allen Freunden und Be- kannten, vor allem aber dem sozial- demokratischen Wahloerein des 4. Berliner RcichStaaSwahlkreiseS und dem Verband der Tapezierer, Filiale Berlin, herzlichen Dank..36a Frau Auguste Neumann u. Kinder. Dr. Simmel Spezial-Arzf für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, 10—2. 5—7. 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Also mögen sie vernehmen: „Die wenigsten Besucher der Hofburg denken daran, einen Blick in die Souterrains zu werfen, in jene Iveiten, von silber- hellem Zinn und goldig schimmerndem Kupfer durchleuchteten Hallen, in denen all die kulinarischen Kunstwerke geschaffen werden, die bei Hoffestlichkciten den Zoll der Bewunderung erheischen. Da unten walten die ersten Wiener Kochkünstler ihres Amtes. Sie haben ihren Sitzungssaal, in dem am langen grünen Tische feierlichst die Menüs beraten, die Ankäufe bestimmt, die Ausgänge gebucht werden. Die Herren Köche spielen die Grandseigneurs, fühlen sich als k. k. Beamte, tragen hoch- klingende Titel: Hofzehrgabenverwalter, Hofkücheninspektor, Hof- kellermeister, Hofzuckerbäckcr, Hofbrennholzverwalter, Hoflicht- kammerverwaltcr, Hoftafelinspektor, Hofsilberverwalter, Hofspeise- kammerverwalter usw.; ihnen untersteht noch ein Heer von gut geschulten Dienern und Dienerinnen, die aber der Mehrzahl nach nur bei einem großen Hoffest in Funktion treten. Interessant ist es, den Vorbereitungen zu einem solchen bei- zuwohnen. Schon mehrere Tage zuvor herrscht da in sämtlichen Hofküchcn rege Geschäftigkeit, Hunderte von Hühnern, Gänsen, Enten, Fasanen, Truthühnern werden zu- bereitet und hernach auf meterlangen Tafeln hinab in die Keller- räume spediert. Köche und Köchinnen, alle weiß gekleidet, mit weißen Kopfbedeckungen versehen, arbeiten in der Hauptküche; es ist ein Vergnügen, ihnen zuzusehen; die seltensten Fische, die auserlesen st en Frucht- und Gemüsesorten, Berge von Mai? dein, Rosinen, gestoßenem Zucker kommen da in Verarbeitung. Ganze Batterien von Kon- serven marschieren auf, mit denen Torten und sonstige Mehlspeisen gefüllt und kandiert iverden, Konfitüren, Gemüse, Extrakte aus aller Herren Länder sind in den Nebenräumen aufgestellt. Am Tage des Hoffestes sind schon von früh an sämtliche Koch- Maschinen geheizt, sämtliche Äratspietze in Tätigkeit; das brodelt und dampft, zischt und knuspert, Wohlgerüche ausstrahlend. Im großen Kochsaal sind zwei riesige Kochmaschinen, in denen allein für je 2(X) Personen auf einmal gekocht und gebraten werden kann. Was fertig ist, kommt in die darüber befindlichen, aus vier oder fünf Etagen bestehenden Rechauds, deren Temperatur je nach Be- darf durch Ventilationen zu regeln ist. Außer diesen Haupt- Maschinen, die von sechs Köchen bedient werden, sind sechs kleinere in Tätigkeit, deren jede in drei Stunden fünf bis sechs Gänge für 50 Personen zu liefern imstande ist.' Man sieht Bratpfannen von einer Größe, daß man sie als Badewannen für drei- und vierjährige Kinder benutzen könnte, Suppentöpfe von einem For- mat, daß ein gleichalteriges Kind darin stehen könnte, ohne gesehen zu werden. Sämtliche Kochgeschirre sind aus Kupfer gefertigt und innen wie Silber verzinnt. Mit der Instandhaltung und Rcini- gung dieser Kochgeschirre sind ständig zehn Personen be- schäftigt. Interessant ist die Manipulation am Bratspieß; etwa vier- hundert Stück Geflügel können über einem Feuer an fünf ungefähr. Meter langen Spießen in einer Stunde gebraten werden. Die mit dem Drehen der Spieße beschäftigten Köche leiden ganz außerordentlich unter der in diesen Räumen herrschenden Hitze. Unter den Spießen ist eine Art Riesenpfanne, in der sich der Fleischsaft sammelt und der hernach J>o« einem eigens für die Manipulation bestimmten Koch zur Sauce be- reitet wird. Nachdem die Braten vom Tranchiermesser zerlegt werden, gehen sie in die Hände des Dekorationskoches, dann noch- mals in die Rechauds, um 10 Minuten später auf der kaiserlichen Tafel zu erscheinen. Für Galadiners und Hoffeste kommen etwa 560 große verzinnte Kupfergeschirre in Gebrauch, sie sind der Größe nach in einem aus drei Galerien bestehenden Saale neben der Küche aufgestellt; fast ebenso viele kleinere Gefäße befinden sich in der Hauptküche; den Mittelraum derselben nehmen sechs große Anrichtetische ein, die, aus weißem Holze gefertigt, mit Schubladen und Brettlagen versehen sind. Seitwärts neben dem Sitzungssaal der Herren Küchenräte befindet sich die kaiserliche Speisekammer, da lacht wohl mancher guten Hausfrau das Herz im Leibe, wenn sie alle diese Herrlichkeiten mustert." So hat das darbende Volk wenigstens die Garantie, daß die Herrschenden bei Hofe nicht allzusehr von der Teuerung bedrückt werden. Diese tröstliche Zuversicht wird hoffentlich zur Zufrieden- heit beitragen und die herrschende Not leichter ertragen helfen. Tödliche Fliegerabstürze. Der Wiilitärflieger Leutnant S t e g e r vom 7. Feld- artillerie-Reginient stieg am Freitagmorgen bei böigem Wetter auf dem Flugplatze Milbertshofen bei München mit einem Doppeldecker zu einem Uebungsfluge auf und stürzte infolge des heftigen Windes aus etwa hundert Meter Höhe ab. Leutnant Steger ist so schwer verletzt worden, daß er wenige Stunden später starb. Während der englischen Armeemanöver stürzte Freitag morgen ein Militärdoppeldecker aus achtig Meter Höhe ab. Der Führer des Flugzeuges, Kapitän Hamilton und sein Passagier, Leutnant Stewart, wurden unter dem zertrümmerten Apparat tot aufgefunden. Die Rache der Misthandelten. Ein schreckliches Familiendranm hat sich in R i a n j o in der sganischen Provinz Coruna zugetragen. Dort ist ein Arbeiter namens Nomon Co res von seiner Frau und seinen beiden Töchtern ermordet worden. Die drei Frauen drangen während der Nacht in das Schlafzimmer des Gatten und Vaters und erschlugen ihn mit einer Axt, dann schleppten sie den Leichnam auf die Straße, b e g o s s e n ihn mit Petroleum und verbrannten ihn. Die verkohlte Leiche wurde von den Mörderinnen verscharrt. AIS das spurlose Verschwinden in der Fabrik, wo er beschäftigt gewesen war, auffiel, erstattete die Fabrik leitung Anzeige. So kam das Verbrechen ans Tageslicht. Alle drei Mörderinnen wurden verhaftet und sind geständig, die Tat begangen zu haben. Als Grund ihrer Tat geben sie an, daß der Ermordete dem Trünke ergeben und seine Frau und Töchter im Rausche oft schwer mißhandelt hat. Sie hätten diesen Zustand nicht mehr ertragen können und deshalb die furchtbare Tat begangen. Schwarze Propagandisten der Tat. Ein Bankier von der Heydt hatte anfangs dieses Jahres seiner Vaterstadt Godesberg a. Rh. einen Zierbrunnen zum Geschenk gemacht. Die Stadtvertretung nahm das Geschenk einstimmig mit dem Ausdruck des tiefgefühlten Dankes an. Im Frühjahr gelangte der Brunnen in den Rheinanlagen zur Aufstellung. Von slim mungsvollen Rasenpflanzungen umgeben, stand er dort. Auf dem Sockel träumt ein n a ck t e s W e i b. Der Schöpfer des Brunnens, der Ber liner Bildhauer Kolbe, hatte es unterlassen, die Schöne zur Festk gung ihrer Moral in etne katholische Jungfrauen-Kongregation zu schicken. Aber man freute sich ihrer—, bis eines Tages ein Kaplan und ein Mitglied des„Männer"-Vcreins denselbigen Weg zogen. Diesen beiden war es vorbehalten, beim Anblick des keuschen Marmors Unkeuschheit zu wittern. Nun ging die Hetze los. Die Weiber von Godesberg schimpften auf die weiße Dame, die Pfaffen predigten gegen sie, die Mitglieder des Männervereins sammelten Unterschriften auf eine Eingabe an den Gemeinderat, der be- stürmt wurde, den Marmorstein deS sittlichen Anstoßes aus dem Wege der Godesberger zu räumen. Im Punkte der Sittlichkeit ist bekanntlich der Männerbercin von einer unbändigen Tatkraft und man brachte eS auch auf 900 Unterschriften. Die Zentrums fraktion des Godesberger Stadthauses hatte schwere Stunden. Man hatte Modelle und Abbildungen gesehen, hatte der Aufstel- lung trotzdem zugestimmt und sollte es. nun mit der Sittlichkeit kriegen. Das ging nicht! Man fürchtete die Lächerlichkeit. Die Agitation nahm unterdessen immer schärfere Formen an, und jetzt hqt sie denn auch endlich ein praktisches Resultat gezeitigt: Dieser Tage fand man bei dem Brunnen die Blumenbeete zertreten und die hochstämmigen Rosen ihrer Kronen beraubt. Die nackte Schöne aber hatte über all dem Unheil Trauer angelegt, sie präsentierte sich in t i e f st e m Schwarz. Es war kein Nonnenkleid, das ihre Glieder verhüllte ein solches Kleid scheint den Sittlichkeitswächtern von Godesberg keine ausreichende Sicherheit für sittliche Wandlung zu verbür- gen—, es war einsoliderdickerAnstlichvons ötzw a r z e r Oel färbe, mit dem eine schmierige Moral den marmornen Frauenleib beschmutzt hatte. So lehrreich diese Geschichte bon der Godesberger Sittlichkeit ist, so bringt sie doch wenig neues. Daß die klerikalen Herrschaften nicht nur in Godesberg aus weiß schwarz zu machen bestrebt sind, weiß jeder, der mit ihnen zu tun hat! Noch ein Zufriedener. Wie die„Münchener Korrespondenz Hoffmann" meldet, hat der Reichskanzler v. Bethmann Hollweg bei seinem Scheiden aus B e r ch t e s g a d e n, wo er einen Teil seiner Ferien verlebte, an den Prinzregenten von Bayern folgendes Telegramm geschickt: Eure Königliche Hoheit bitte ich beim Scheiden aus Eurer Königlichen Hoheit unvergleichlich schöner Sommer- residenz, wo es mir vergönnt war, mit meiner Frau einen leider so kurz bemessenen Erholungsurlaub zuzubringen, in treuester Verehrung meine ehrerbietig st e Huldigung darbringen und nochmals meinen tiefgefühltesten Dank für die so überaus gnädige Jagdeinladung nach Lindcrhof für den Monat Oktober ausdrücken zu dürfen. Euer Königlichen Hoheit untertänig st er Diener von Bethmann Holliveg. Wir wünschen wohlgespeist zu haben! Kleine Notizen. Der Tod im Wasser. Während einer Bootsfahrt auf der Elbe fiel in der Nähe von Hamburg der Arbeiter S t ö p e n über Bord. Bei dem Versuche, ihn zu retten, fiel auch der Arbeiter Bengs ins Wasser. Beide ertrauken. Die Leichen konnten erst nach stundenlangem Suchen geborgen werden. Ein diebischer Mönch. Die Budapester Polizei verhaftete den Carmelitermönch und hauptstädtischen Religions- Professor Pater Karl Zeyk, der sich aus der Kirche des Carmeliterklosters wertvolle Gold- und Silbcrgegen- stände auf unrechtmäßige Weise angeeignet haben soll. Verhaftung eines Eiscnbahnräubers. Der zwischen Louisville und Nashville verkehrende Eilzug wurde von einem Banditen über- falle», der den Postwagen vollständig ausraubte. Hierauf bedrohte er mehrere Reisende mit vorgehaltenem Revolver und forderte sie auf, ihm ihre sämtlichen Wertsachen auszuhändigen. Einer der Passagiere zog, von dem Verbrecher unbeachtet, die Not- leine, woxauf der Lokömolivfiihrcr herbeieilte und sich auf den Banditen warf. Nach längerem Ringen gelang es dem Beamten, die Oberhand zu gewinnen und den Verbrecher unschädlich zu machen. Er wurde auf der nächsten Station der Polizei übergeben. Briefkasten der Redaktion. Die jurlftlsche eprcchstuiide findet Linden st raste K9, vorn vier Treppe» — Fahrstuhl—, wolhentö glich von tVH viä 7% Uhr abends, SonnadcndS, von iy, bis 6 Uhr abcnds statt. Jeder für den Brieftastrn beftimmiru Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl-lS Merkzeichen drtzufilgc».«riefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine Ab-nncmentsgntttung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. A. L.»8«7. 1. 1. Januar 1913. 2. 4,80 M. monatlich. 3. Ruhc. gelb, Hinterbliebenenrente, Heilverfahren. Wartezeit 120 BeitragSmonatc. 4. Im Verlag„Vorwärts" mehrere Ausgaben erhältlich. Sie sprechen dort am besten vor. 5. Nicht mehr erhältlich. 0. Im Lause des Oktober durch die Buchhandlung„Vorwärts" zu beziehen. Preis 6 M. bis 7.50 M.—. Lieschen, Brunnenstr. Rein.— A. M. 11Y. Nein.— H. M. H. 48. Zwei bis dreimal wöchentlich je etwa zwei Stunden. Bei Weigerung An- trag aus Erlaß einer einstweiligen Verfügung an da» KausmannSgcAcht.—« — stft. Ruch, Pannierstr. 5. Von der Löhnung nicht.— Z. Z. j. Ja, sofern ein Verlöbnis bestand. Die etwa nölig werdende Klage ist beim Amtsgericht anzubringen.— Ch. B. 100. In vier Jahren, die Frist be- ginnend mit Schluß des Llalenderjahrcs, in dem die Äcrichtskostensordcruug fällig geworden ist.— E. H. 4. Der Vater hastet in erster Linie.— B. 9. Richten Sie ein Gesuch an die Staatsanivaltschast, unter Angade de« ANenzeichenS der Strastachc.— N. G. St. 50. Nein.— P.K. 05. Weitere Schritte erscheinen aussichtslos.— K., Oiottschedstr. Die Anfechtung de« Vertrage« erscheint begründet, falls die Behauptung der Täuschung bewiesen werden kann. Sic hasten nicht.— ch. Nein. — M. G. 100. ES kann, in Gegenwart beider, ein Vertrag zu notariellem oder gerichtlichem Protololl geschlossen werden. Die Kosten richten sich nach dem Gesamtobjekt.— O. H. 15. Verjährung liegt nicht vor. Klage beim Amtsgericht.— G. K. 50. Richten Sic ein Gesuch an die Versichcrunqs- anstalt, Am Köllnischen Park 8.— E. R. 4. ES ist in erster Linie die etwa im Pachtverträge vorgeschriebene KüiidtgungSsrist maßgebend; ist eine iolch« nicht vorgesehen, ei» halbes Jahr vor Abiaus des Pachtsahrcs.— Wir bieten weitere Vorteile! Seit wir begonnen haben, einen Teil unserer Waren in eigenen Werkstätten selbst herzustellen, bieten wir unseren Kunden noch grössere Vorteile und Ersparnisse; denn auch die selbst angefertigten Waren müssen wir von Gesetzes wegen zum Selbstkostenpreis+ 10% Umsatz-Provision abgeben. Wir betrachten es als total überflüssig, das geehrte Publikum durch Preise in Inseraten anzulocken, da man an Preisen, die man liest, den Wert der Waren nicht abschätzen kann. Bei uns erkennt man den Wert der Waren sofort aus dem Selbstkostenpreis, den jedes Etiquett deutlich anzeigt. Sämtliche Abteilungen für fertige Herren-, Jünglings-, Knaben- und Sport-Bekleidung sind in allen Grössen und Preislagen reichhaltig sortiert. 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Bug....... p-and 95?/. Kassier..................... SS Pf. 8 Obst u. Gemüse Weintrauben fcÄ.?."•»,.< 20«. Aepfel..................... Pfand 5, 10" Kochbirnen....................»und Z?.. Essbirnen.............. p/and 10, 15?/. Kaiserkronen................. Pfand 1Ax Pflaumen........................ Pfand An Bananen............... p/and 20, 25" Prelsselbeeren............. Pfand 25" Rot-, Weiss-, Wirsingkohl.......... Kopf Hn Mohrrüben................. 3 Pfand 10" Tomatenoriglnalkzflg, Brutto fUr Netto, Pfd.5pf. Salat-Gurken................. stack 6,9" Zitronen............. Dutzend 25,35" "Räucherwaren Bücklinge.................. 6 stack Ign Aale.............................. Bund 39" Aale............................. Pfand 1.20 Flundern.................... stack 5, An Lachsheringe........... 2 stack 15 pt Rollmöpse.................... e stack 16 n s I S i I 'Junge Gänse... 68,78.{ KoMelR>o.J0 pt Warum fordert und raucht man Tag-Zigaretten? 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Auf Jede gezogene Nummer eUd zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und aorar Je einer auf die Loee gleicher Nnmmer In den beiden Abtellnngen I nnd II Nur die Gewinne über 144 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt, (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verholen.) 135 435 53 78 591 690 846 87 1022 106 228 1300) 405 68 921 2071 141 344[500] 80 445 85 663[500] 01[300] 3021 210 551 704 4399 468 738 5094 212 474 606 73 990 6193 209 646 807 923 7006 221 302 427 82 048 8166[400] 824 9483 816 19073 278 321 520 900 56 11022 231[300] 390 «03 805 71 963 12044[400] 484 638 855 730 40 80 08 876 13014 295 536 669 727 893 14263 341 421 889[3001 15155 68 284 533 841 90 16033 322 453 649 76 17194 493 935 94 18013 62 93 108 16 328 631 19098 377 29016 204 13 663 662 717[300] 834 64 21119 82[400] 725 30 885[300] 22067 105[500]' 232 402 BIT 907 2 3398 482 624 934 43 2 4071 358 012 2 5073 26528 783 85.4 972 27012 55 766 838 89 28375 29063 139 429 771 39240 383 468 695 634 788[300] 811 73 949 3 1 242[300] 873 32063 222 62 409 680 33014 29 52 134 618 34146 66 822 61 93 35461 885 949 56 38000 63 849 37109 40 341 58 420 47 730 881 38125 88 317 38 63 425 702 88 923 39172 234 639 61[300] 49141 400 61[1000] 79 93 638 64 715 46 849 1300] 41317 31 629 87 739[300] 42130 32 279 691 92 725 85 43171 394 458 523 650 56[300] 727 44105 69 06 302[300] 447 502 84 45046 142 635 836 48343 77 687 791 964 47234 764 82 48016 139 330 36 95 628 663 802 49104 296 607 80 728 59027 04 115 248 321 39 518 54 51050 172 269 79 77 399 544 99 619 84 704 52081 178 730 53113 764 54028 161 383 522 661 787 55014 84 239[300] 386 601 967 56228[300] 341 735 89 57093 307 663 027 58037 260 497 625 59352 68 407 62 717 69016 423 601 85 069.61148 453 608 019[400] 62030 627 89 633 98 753 958 63017 163 391 614 722 33 64202 619 31 65"765 950 65 65015 218 327 424 650 74 774 865 94 66163 258 866 996[300] 67199 236 369 471 83 759[300] 68294 459 76 688 85 69154[300] 285 497 620 84 888 7O065 269 334 47 65 670 624 936 61 71507 [1000] 918 72102 218 366 659 888 97 73006 84 289 310 423 718 942 74045 62 89 321 602 63 841 75593 838 916 27 76217[300] 459 672 78 888 77731 46 965 76480 689 752 892[300] 79137 62 228 393 658 77 88 930____.. 69983 163 275 311 400 86 622 813 81125 47 93 607 713[300] 97 893 82003 14 147 754 67 824 83087 116 262 91 392 84045 278 383 411 697 85004 27 108 360 69 83 86 609 717 858 86145 792[400] 926 8 7281 430 604 832 8 8061 416 8 90.41 615 38 800 831 011-...- 90158 266 354 519 20 62 91018 133 288 499 958 92161 92 226 331 665[300] 931 35 93176[400] 365 502 630 861 94296 614 76 602 757[400] 95016 463 675 96591 700 94 943 64 97620 46 835 73 08 98314 603 757 70 831 963 81 99646 701 917 60 109241 539 718 54 82 829 041 61 191045 405 768 90 1 02339 644 68 763 804 25[400] 959 1 93197 218 360 464 73 687 906 77 104217 558 677 968[400] 105363 421 696 766 885 913 27 196077 103 339 459 969 107064 354 60 610 108077 433 42 655[500] 815 199083 271 350 73 751 110049 165 294 303 729 851 98 987 111077 95 272 667 728 811 112021 79 205 332 638 85 72 715 [300] 55 831 943 113449[300] 682 793 114033 133 274 377 543 86 723 974 115186 217 89 469 511 679 931 48 116074 117 46 94 244 430 98 597 719 63 79 117681 992 118165 230 377 533 750[300] 119102 62 242 84[300] 313 424[300] 623 120240 627 764 804 121093 104 259 448 548 611 38 743 71 122209 91 391 652 884 123252 341 491 504 642 793 918 27 124385 414 523 634 68 832 125944 182 270 429 774 852 937 78 126064 88 89 346 83 495 664 88 723 962- 127646 977 81 128105 391-502 724 44 67 81 129303 12 562 130135 452 561 618 131041 264 826 97 132186 224 310 434 72 915 65 133090 348 80 539 606 98 862 940 85 134023 163 282 682 798 809 90 135583 829 70 975 136123 25 204 29 88 480 667 826 137076 79 691 797 850 138156 237 600 713 863 139016 145 246 617 65 961 81 140113 496 663 1 4 1 308 433 514 99 650 64 912 142280 345 710 143006 77 344 691 707 30 824 44 923 144154 311 440 76 631 92 145041 177 250 494 610 742 968 146015 278 415 608 887 919 147106 74 221 375 484 543 67 665 717 807 928 63 148069 115 265 377 713 952 54 149058 97 249 91 310 559 787 150281 84 471 657 894 151008 424 577 724 944 49 152036 411[300] 969 1 5 3430 1 54109[300] 93 267 61[300] 397 450 830 756 155841 969 156027 225 85 539 157113 228 785 910[500] 158041 31? 613 90 615 159893 948 160374 627 161011 40 452 707 52 842 162043 43 291 355 81[300] 572 907 25 42 163110 23 41 210 685 638 703 164076 336 463 805 918 85 165044 289 486 166121 496 534 895 167299 658 860 77 901 168275 398 442 549 61 701[300] 34 169027 324 170037 64 279 441[300] 81[399] 503 631 919 171025 325 518 84 778 172045 69 189[400] 404 714 17 3078 192 604 808 1 7 4085 244 94 493 643 750 807 29 995[300] 175270 555 792 877 918 67 176085 167 230 74 343 564 94 825 938 70 84 177076 342 559 920 1 7 8027 108 500 84 771 84 903 1 79188 98 302 26 180016 162 261 67 368 440 657 63 181044 282 828 41 977 182125 623 183251 649 946 85 184020 301 624 638 758 916 185080 91 201 864 186394 531 63 891 952 80 187113[300] 215 309 26 683 840 188174 296 353 456 538 41 820 189252 311 439[509] 75 771 190159 245 66 337 802 19 951 191004 102 6 399 192110 221 383 467 77 572 620[300] 193117 397 641 67 97[300] 753 55 877 985 194127 421 28 60 521 68 83 685 735 817 30 92[300] 988 195029 30 137 298 304 0 629 813 35[400] 904 71 196271 511 648 681 903 197008 625 944 198142 264 726 65 923, I. Ziehung 3. Kl. I. Preuss.-Süddeutsche (227. Königlich Preuss.) Klassen-Lotterie Auf Jede gezogene Nnmmer elnd zwei gleich hohe Gewinne geftllen, nnd mar Je einer auf die Loue gleicher Nummer In den beiden Abteilangen 1 nnd II Nur die Gewinne über 144 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verholen.) 64 293 968 1297 744 898 atOl 45 598 631 32 62 3171 334[309] 641 809 919 57 4169 385 426 567 062 5480 607 26 840 6011 27[399] 125 67 236 7135 327 416 77 507 709 984 8073 168 339 432 525 62 76 874 9057 97 306 17 77 467 617 668 10726 927 11016 463 624 737 61 74 863 12478 620 700[300] 816 29 13020 77 100 211 831 14760 898 15142 389 91 502 639 42 16098 165 237 687 17015 281 315 57 430 505 86 785 873 18647 643 807 986 19049 89 186 262 836 74[399] 20393 636 73 616 894 21122 46 214 311 644 67 76 934 68 86 22081 89 ,180 262 430 52 715 847 23113 222 452 850 980 24099 298 339 838 59 25573 910 61 26198 452 577 683 837 27256 312 625 28126 34 490 710 29013 122 214[300] 439 81 679 662 709 988 30195 266 435 95[300] 870 94 31408 620[300] 956 32149 858 907 45 33413 528 66 757 897 34025 69 92 394 477 816 90 3 5110 236 439 518 608 49 744 883 36007 108 648 88 713 987 98 37117 63 82 670 611 55 736 867 902 93 38311 743 84 913 46 93 39057 261 83 505 466 88 BIO 728 804 923 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Baumgart, H., Manteuffelstr. 28. Damaschke. Inralidenstr. 144. »s beste, daß sie die Hände davonließen. Die Beteiligung der Lehrerschaft an dem allgemeinen Ringen um die Jugend ist keineswegs geeignet, in Arbeiterfamilien das Vertrauen zur Schule zu steigern. Die Arbeiterklasse hat ihre gute» Gründe, allen Jugendpflegebestrebungen bürgerlicher Kreise mit schärf st enr Mißtrauen zu begegnen. Die„Päd. Ztg." erwartet, daß man nun auch anderen Jugend- pflegevereinen ihre Berater setzen werde. Die Kirche betrachte die Jugendklubs mit Mißtrauen und das Konsistorium habe bei vielen Pfarrern angefragt, wie die evangelischen JünglingSvereine durch Jugendklubs geschädigt worden seien. Dort könnten, meinte das Lehrerblatt, die amtlichen Jugendpfleger„sich ein Verdienst erwerben. wenn sie aufklärend und beratend wirken'. Soll das heißen, daß> die JünglingSvereine der Kirche vertrauensvoll die Jugendklubs der Schule als Bundesgenossen ansehen können? Aufgeklärte Arbeiter- familien sind allerdings schon lange dieser Meinung und halten da- her, wie den Jünglingsvereinen der Kirche, so auch den Jugendklubs der Schule ihre Kinder fern. Oberöürgermeistcr Mermuth wurde gestern vom Bürgermeister Reicke vor Eintritt in die Verhandlungen der Magistratssitzung be- grüßt.— Stadtrat R a m S l a u hat aus Gesundheitsrücksichten sein Stadt» ratsamt niedergelegt. Namslau ist schon länger leidend. Er war ein kenntnisreiches, fleißiges Mitglied des Magistrats und führte neben anderen Dezernaten vor allem das der städtischen Gaswerke. Das Versickern der Grunewaldseen. Im.Zentralblatt der Bau- Verwaltung" werden jetzt die Ausführungen veröffentlicht, die der Geh. Oberbaurat Dr. ing, Keller vom Ministerium der öffentlicheir Arbeiten in einer Kommission des Abgeordnetenhauses vorgetragen und worin er interessante Angaben über die Grundwasser« Verhältnisse Groß-Berlins und das Sinken des Spiegels der Grunewaldseen gemacht hat. Er stellte dabei fest, daß ganz zweifellos die Spiegelabsenkung der westlichen Grunewald- seen von den zum Ntkolassee ausgedehnten Brunnenanlagen des Beelitzer Grundwasserwerks verursacht sei und daß ein Austausch zwischen Grundwasser und Tagewasser in bedeutendem Maße bSsteht. ganz besonders in den vorherrschend durchlässigen Flußgebieten deS Flachlandes. Weiter führt er aus:„Als Beispiel, um welche großen Wassermassen es sich hier handelt, möge die Wasierversorgung unk» Abwässcrbeseitigung Grotz-BerlinS dienen. Im Laufe eines JahreS fördern die meistens unmittelbar neben den Wasserläufen liegenden Wasserwerke Berlins und seiner Vororte 118 Millionen Kubikmeter Reinwasser in die Städte, das größtenteils mit Tiefbrunnen dem Grundwasservorrat entzogen wird. Dagegen entfernen die Pump» werke der Kanalisation jährlich etwa 160 Millionen Kubikmeter Ab- Wässer aus den Städten, das größtenteils auf den Rieselfeldern im weilen Umkreis Berlins seine Reinigung erfährt. Der bedeutende Unterschied von 160— l18---42 Millionen Kubikmeter besteht nur teilweise aus Regenwasser, da« durch Eintritt in die Kanalnetze de» Wasserläufen vorenthalten wird, namenllich aber aus Grundwasser. das von zahlreichen Fabriken und anderen Anlagen zutage gefördert und nach Gebrauch in die Kanalnetze eingeleitet wird. Im ganzen stammen von jenen 140 Millionen Kubikmeter ouS dem Grundwasier 123 Millionen Kubikmeter, wogegen 31 Millionen Kubikmeter für die Wasserläufe als Entziehung zu buchen sind. WaS geschieht nun mit den 160 Millionen Kubikmeter Zufuhr der Rieselfelder? Durch reichliche Bewässerung der ehemaligen Oedländereicn»nd mageren Sandäcker ist die unmittelbare Verdunstung sehr erheblich gesteigert worden. Mindestens 40 Millionen Kubikmeter verdunsten auf den Rieselfeldern jährlich mehr, als ehemals auf denselben Flächen verdunstet ist. Durch die Drainröbren und Abzugsgräben fließen 36 Millionen Kubikmeter nach den Wasserläufen ab. Und 24 Millionen 5kllbikmeter versickern aus den Rieselfeldern in dasjenige Grundwasser, das tiefer als die Drainagen liegt. Falls kein Aus- tausch zwischen den Wasserläufen und dem Grundwasser bestände. so würde der Tagewasservorrat einen Gewinn von g6 und einen Verlust von 31, im ganzen also einen llteingewinn von 86—31�6» Millionen Kubikmeter erzielen. Beim Grundwosselvorrat steht dein Verlust von 123 ein Gewinn von 24 Millionen Kubikmeter gegenüber, was einen Reinverlust von 123—24—105 Millionen Kubikmeter ergibt. Nun erleidet aber der Grundwasser» Vorrat Groß-Berlin« sicherlich nicht in jedem Jahre einen so bedeu- tenden Verlust. Sonst wären die Grunewaldseen längst völlig aus- getrocknet, und die Umgebung Groß- Berlins wäre eine trostlose Steppe. Ebensowenig erzielt der Tagewasservorrat alljährlich einen Gewinn. Vielmehr hat die sommerliche Wasserführung der Wasser« laufe seit der Entwickelung Groß-Berlins zur Wellstadt und zum wichligsten Sitze des deutschen GroßgewerbeS erheblich abgenommen. Namenllich zeigt sich dies durch erschreckend kleine Niedrigwasser» mengen der Spree in trockenen Sommern. Hieraus folgt mit un« bedingter Sicherheit, daß ein sehr bedeutender Austausch zwischen dem offen fließenden und dem unterirdischen Wasser in und bei Groß-Verli» staltfiiiden muß. Acrztliche Sonntagsruhe. Der Aerzie-AuSschuß von Groß. Berlin macht in der Aerzte-Corr. bekannt, daß der vom Vorstand erlassene Aufruf zur Beteiligung am ärztlichen Sonntags- dienst eine so große Anzahl von Aerzten veranlaßt hat, sich be- reit zu erklären, daß die Möglichkeit der Durchführung einer Sonntagsruhe damit gegeben ist. Die endgültige Entscheidung über Organisation usw., so heißt es weiter, wird von den Kollegen, die sich am Sonntagsdienst beteiligen, getroffen werden müssen. Die provisorische Einteilung der Bezirke und der Dienstsonntage soll aber schon jetzt erfolgen. Grünau-Schmöckwitz. Die Genehmigungsurkunde für die elek- irische Straßenbahn von Schmöckwitz über Carolinenhof nach dem Bahnhof Grünau ist der Gemeinde Schmöckwitz nunmehr erteilt worden. Sie lautet auf den Zeitraum bis 31. Dezember 1370. Die Bahn muß mindestens ein Jahr nach Erteilung der Genehmigung fertiggestellt und in Betrieb genommen werden. Die für den Ben- zolbctrieb im Juli v. I. ausgefertigte Genehmigung wird gleich» zeitig aufgehoben. Die Fahrgeschwindigkeit darf 30 Kilometer in der Stunde nicht übersteigen. Im Sturm gekentert. Ein aufregender Segelunfall hat sich vor- gester» nachmittag auf dem Miiggelsce zngelragen. Bei dem heftigen Sturm, der in der vierte» Nachmiltagsilunde einsetzle, gingen die Wogen boch und obwohl der Warnungsball gezogen war, konnte man doch eine ganze Reihe von Fahrzeuge» ans dem See beobachten. In der Nähe von Bellevue wurde ein mit vier Personen bemanntes Segelboot fortwährend auf den erregten Fluten hin- und- her» geichleudert und schließlich zum Kentern gebracht. Die Insassen wurden ins Wasser geschlendert und wäre nicht zufällig ein Motor- bool in der Nähe gewesen, dessen Insassen sofort zur Rettung herbei- fuhren, so hätten die vier Segler sicher einen elenden Tod in den Flnten gefunden. Zwei der Veruiiglückten wurden fast leblos aus dem Waffer gezogen und nach dem iiahen Restaurant gebracht. „Barmherzige Samariter". In einem Lokal in der Münzstraße wurde vor einigen Tagen ein unbekannter Mann von starker» lln» Wohlsein befallen und von Gästen, die ihm beistanden, nach der Hilfswache in der Keibelstraßc gebracht, wo er aber bei der An- kunft schon gestorben war. Die Ermittelungen haben ergeben, daß der Tote ein Viehhändler Orlopp aus Schwedt a. O. ist. Dieser hatte eine Geschäftsreise nach Berlin unternommen und dabei ziem- lich viel Geld eingezogen. Wie sich jetzt herausstellt, haben ihm die„Samariter", als sie ihm„Hilfe" leisteten, einige hundert Mark aus der Tasche genommen. Der Tod Orlopps ist durch einen Herz- schlag eingetreten. Die Leiche ist deshalb freigegeben worden und wird von den Angehörigen des Verstorbenen nach Schwedt a. O. übergeführt werden. Die drei vermißten junge» Mädchen ans Oberschöneweide sind ermittelt worden, Sie sind nicht, wie vemintet, Mädchenbändlern in die Hände gefallen, sondern haben sich nach heimlicher Entfernung a»S dem Hause an ein Gesindevermietungsbureau gewendet und eine Dienslstelle angenommen. Vorort- Nach liebten* Lichtenberg. Die Stadtverordneten hatten in der ersten Sitzung nach den Ferien eine recht umfangreiche Tagesordnung zu erledigen. Das lebhafteste Interesse rief wohl ein bereits am 28. August dem Stadtberordnetenborste'her übermittelter Antrag unserer Genossen hervor, der d'e Ergreifung von Maßnahmen gegen die abnorme Teuerung forderte. Der Antrag, dessen Wortlaut wir in der Freitagnummer des.Borwärts" veröffentlicht'haben, wurde vom Genossen Grauer eingehend begründet. Der größte Teil der Staats- bürger, auch Vto der Einwohner L-ichtenbergs hätten unter den heutigen Zuständen zu leiden. Die sofortige Oeffnung der Grenzen sei eine unbedingte Notwendigkeit, auch müßte auf die Beseitigung der Zölle hingewirkt werden, die Verhängnis- voll für das ganze Wirtschaftsleben wirkten. Eine weitere un- erlgßliche Forderung sei die Beseitigung des K 12 des Fleisch- beschaugesetzeS. wonach wegen der„Seuchcngefahr" frisches Fleisch nur in ganzen Tierkörpern eingeführt werden dürfe. Durch oiesc rigorose Bestimmung sei die Einfuhr von frischem Fleisch unmög- lich. Wenn man auch von einer Regierung, die nur der Kommis der Junker sei. nichts zu erwarten habe, so müsse die sofortige Einberufung des Reichstages gefordert werden. Redner erinnerte weiter an die bestehende soziale Kom° i« i s s.i o n, deren Ausgabe eS sei, den Armen billige Nahrungs- mittel zu beschaffen. Das sofortige Einschreiten der Kommunal- Verwaltung sei im Interesse der Gesamtheit eine unerläßliche Pflicht. Die bürgerlichen Stadtverordneten A i g o e und Schachtel begründeten Anträge ihrer Gruppen. Beide waren von der großen besonders durch die Fleischteuerung hervorgerufenen Notlage über- zeugt. Bon der Beseitigung des Grundübels, der Aufhebung der Grenzsperre sowie der Zölle, wollten sie jedoch nichts wissen. Herr Kalischer meinte, eine sofortige Aufhebung der Zölle bedeute den Zusammenbruch dcS ganzen volkswirtschaftlichen Lebens. Nur mit einem allmählichen Wibau der Zölle könne man sich einverstanden erklären.-- Genosse(äpauer zerpflückte die gegen den sozialdemo- kratischen Antrag vorgebrachten Argumente, er wies nochmals nach, daß nur durch Beseitigung der Zolle und Aushebung der Grenz- sperre die Not dauernd gelindert werden könne. Hierauf nahm Oberbürgermeister Ziethen das Wort. Er betonte, der Magistrat erkenne an, daß die Fleischpreise ungewöhn- lich hohe seien. Um die Not etwas zu lindern, habe der Magistrat beschlossen, den Verkauf von Seefischen sofort wieder aufzunehmen. Auch habe er die Frage erwogen, ob es mög- lich sei. die Stadt mit billigem Fleisch zu versorgen. Wegen Mangel an den notwendigen kaufmännischen Erfahrungen und Einrichtungen würde jedoch daS Fleisch nicht billiger werden; man habe daher den Plan wieder ausgegeben. Der Magistrat sei jedoch bereit, in einer gemischten Deputation über Maßnahmen zu be- raten. Nach weiterer Debatte wurde schließlich ein Antrag der Schachtel-Gruppe anganommen, der im wesentlichen mchts weiter besagt, als gemeinschaftlich mit Berlin und anderen Vororten Maßnahmen gegen die Teuerung zu ergreifen.— Zu ettvo» anderem konnte sich die Mehrheit der Stadtverordneten nicht auf- schwingen; der Antrag unserer Genossen, der das Uebel an der Wurzel fassen wollte, wurde gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt. Bei oen eingangs der Sitzung gemachten Mitteilungen erregte eS den Unwillen eines Teiles der Versammlung, daß der Magistrat einer ihm zur Erwägung überwiesenen Petition, die Fortbildungs- schulpflicht auf HandlungSgchilfmnen und gewerbliche Arbeiterinnen auszudehnen, nicht beigetreten ist.— Eine längere Debatte entspann sich über die V« r k eh r s f rage n, da eine neue Ein- gäbe des Magistrats an die Eisenbahndirektion, die Wiederauf- nähme des NordringverkehrS an Sonntagen betreffend, abschlägig beschieden wurde. Es soll kein Mittel unversucht bleiben, den früheren Zustand wieder herbeizuführen. Dabei wurde ein An- trag unserer Genossen, an die Eisenbahnbehörde das Ersuchen zu richten, auf Bahnhof Nummel!.burg eine Haltestelle für Fernzüge einzurichten, angenommen.— Ueber die Bureaukratie des Post- fiSkuS, der sich hartnäckig weigert, die Rohrpost nach Lichtenberg auszudehnen, wurde lebhaft Klage geführt; in einer Petition soll Abhilfe gefordert werden. Die Errichtung eines Hauptzollamts wurde abgelehnt, da das„KedurfniS" nickst vorhanden sei.— Nach § 6 der Städteordnung erwirbt jeder Preuße das Bürgerrecht, wenn er seit einem Jahne Einwohner des Stadtbezirks ist und zur Stadtgemeinde gehört. Bei Eingemeindungen braucht der nach Ablauf eines Jahres zum Erwerbe deS Bürgerrechtes führende Wohnsitz in der Gesamtgemeindc nicht neu begonnen zu werden, es genügt zur Erwerbung de» Bürgerrechts, wenn die betreffende Person entweder in der alten Stadtgemeinde oder stn eingemein« deten Ort ein Jahr gewohnt hat.— Auf Antrag des Magistrats wurde daher beschlossen, denjenigen Personen, die sonst ivahl berechtigt, aber in der Zeit vom IS. September 1911 bis zur Eingemeindung von Boxhagcrü-RuinmelSburg in Lichtenberg zwi- scheu Lichtenberg und Äoxhagen-Rummelsburg umgezogen sind, das Bürgerrecht zu verleihen. Zum B ra nd« n b u rgi sch c n Städtetag sollen zwei Magistratsmitglieder und vier Stadtverordnete, Darunter Genosse John, delegiert werden. Genosse Grauer ersuchte die Tele- gierten, auf dem Städtetag darauf hinzuwirken, daß weniger Ber- gnügen, dafür mehr sachliche Beratungen gepflogen werden.— Die Zahl der Delegierten zum preußischen Städietag soll in einer gemischten Kammission festgestellt werden. Auf Antrag un- serer Genossen wurde beschlossen, an den Vorstand des Städte- iages das Ersuchen zu richten, die Teuerung auf die Tages- ondnung zu setzen.— Für die evangelische Gemeindeschule wurden sieben Lehrer- und fünf Lehrerinnenstellen, für die katholischen Schulen zwei Lehrerstellen gefordert und bewilligt.— Genosse Seikel brachte, da die Sozialdemokratie in der Schulkommission weder Sitz noch Stimme hat, unhaltbare Zustände bezüglich der Vertretung erkrankter Lehrer zur Sprache. So habe in der Mädchenschule in der Dorfstraße ein Lehrer vom November bis August 3? mal gekehlt, im August innerhalb 14 Tagen allein achtmal. Eine Vertretung sei nur einigemal anwesend gewesen. ES sei notwendig, Abhilfe zu schaffen, denn es ginge nicht an. daß die Kinder so lange Zoit ichne Aufsicht seien.— Für Drucklegung einer Sammlung sämtlicher für Lichtenberg gültigen Ortsgesetze usw. wurden 3000 M. bewilligt. Am Schluß der öffentlichen Sitzung gab es noch einen recht Müßigen Streit, wie man das Lichtenberger Realgymnasium nennen soll. Ter vom Magistrat vorgeschlagene Name„Schorn» horstschule" fand nicht die Billigung, es soll daher eine Kommission eine bessere Benennung suchen. Lankwitz. Der ehemalige«nbesaltzete Gemeindevorsteher, spätere Schöffe und stellvertretender«mtSvorstehcr Friedrich DillgeS ist am Donnerstag in der St.-Maria-Aikioria-Heilaiistalt, wo er sich einer schweren Operation unterzogen hatte, an den Folgen einer hinzu- getretenen Venenentzündung gestorben. Weisteusee. Aus der Gcmcmdevntreiuttg. Schöffe Rathmann hat mit dem 1. September fein Amt niedergelegt. Seine Wiederwahl, die im Februar nächsten Jahres hätte erfolgen können, wird als sehr zweifelhaft bezeichnet. Der Antrag unserer Genoffen, Matz nahmen zur Linderung der Teuerung zu treffen, wurde zur iveiteren Bearbeitung der Wohlfahrts- und Finanzkommission überwiesen. Es wurde unter anderem gefordert, den mit unter 2000 M. pro Jahr in der Gemeindeverwaltung beschäftigten An gestellten und Arbeitern eine wöchentliche Teuerungszulage von 2 M. zu gewähren. Ein der Gemeinde gehöriges Terrain an der Berliner Allee ist aufgeteilt und soll nunmehr der Bebaumig erschlossen iverden. Das erste Grundstück baut die Gemeinde selbst, um dort die ihr konzessionierte Apotheke unterzubringen. Seitdem die Ge meiiide zweite Hypotheken vergibt, regt sich die Bautätigkeit ganz besonders in der Gegend des neuen StratzenbahnhofS. Fast jede Sitzung hat sich mit Grundstücksverkaufsangeboten zu beschäftigen. Ober-Schöncweide. Recht hoher Pr-tektiea erfreut fich der Ruderverein„Jung- Deutschland". Am letzten Sonnabend war eS sogar der verflossene Staatssekretär D e r n b u r g, der bei einer Bootstaufe Reden schwang. Das wäre für die Oeffenilichkeit recht belanglos, wenn nicht der Berein durch seine Arrangements und seine Veröffentlichungen bei all denen, die noch nicht von einem gewissen Koller ergriffen find, den Anschein zu erwecken suchte, als drehe sich das gesamte Interesse des Ortes um diese überspannte Sportfexerei. Der hirsige Arbeitrr-Radfahrervrreia feiert am Sonnabend, den 7. September, sein zwölftes Stiftungsfest im Etablisiement „Wilhelminenhof". Anfang 8 Uhr abends. Da sich der Verein stets zu Partei- und Gewerffchaftsfesten zur Verfügung stellt, wird auf regen Besuch der Arbeiterschaft gerechnet. Nudersdorf. Die Gemeindevertretung beschloß in ihrer letzten Sitzung u. a. vom 1. Oktober d. I. ab einheitliche GaSpreis« einzuführen. Danach kostet 1 Kubikmeter Gas für Beleuchtungs- und Kochzwecke 17 Pf. und für Kraflzwecke 1t Pf. Sei« Amt als Gemeindevorsteher von TaSdorf-Schulzeuhöhe niedergelegt hat in der letzten Sitzung der Tasdorfer Gemeindcver- tretung der bisherige Gemeindevorsteher Eniil Wirih. der mit den Verordneten in der letzten Sitzung in einen Konflik geraten war. Zurzeit werden die Gemeindevorstehergeschäfte von dem Schöffen Bräseler weitergeführt. Zossen. Die Protestversamwlung gegen die Fleischtenerung wies einen starken Besuch auf. Der Referent, Genosse G r o g e r> Neukölln, kritisierte scharf unsere heutige volksfeindliche WirtschaflSpolittk. Zum Schluß forderte Redner auf, mit reger Aufmerksamkeit den Vor- gängen im politiscbeu Leben zu folgen; der wirksamste Protest des Einzelnen sei der Anschluß an die Sozialdemokratie, der einzigen für Besserung der Existeiizverhältnisse der arbeitenden Klassen kämpfenden Partei. Schöneiche sNieder-Barnim). Die Gemeindevertretung beschäftigte sich in einer besonderen Sitzung mit dem Plan der Nachbargemeinden Woltersdorf, Klein» Swönebeck und Rahnsdorf betr. Erbauung einer Oberrealschule am Bahnhof Rahnsdorf. Trotzdem ein« Sympathie für da« Projekt vor- Händen, beschloß die Gemeindevertretung doch einstimimg, von der finanziellen Unterstützung durch Beilritt zu dem Zweckverband Ab- stand zu nehmen, weil im benachbarten Friedrichshagcn genügende vildungsinftilute zur Verfügung stehen. Reiuickeudorf. Diebe habe« die Laubeukoloni« an der Sonnnerstraße in der Nacht vom 4. zum 5. September heimgesucht. 11. a. wurden zwei Kolonisten 20 Tauben gestohlen. Bon den Tätem fehlt jede Spur. Nowawetz. Gegen die Teuernng und die untätige Haltung der Regierung legte die. Arbeiterschaft am Miltwochabend in einer imposauten Ver- sammlang im„VolkSgarteN" energischen Protest ein. Weit über tausend Personen füllten den Saal, besonders zahlreich waren die Frauen erschienen. Der Referent, Stadtverordneter Genosse Riedel sWilmersdorf), erörtert« in zweistündigem Vortrage die Ursachen der feil Jahren im Steige» begriffenen Teuerung und erntete mit seiner Knlik der Regierung, die trotz der fortgesetzt erhobenen Forderungen zur Lindermig der Fleischnot»u llmätigkeit verharrt, stürmischen Beifall. In der Dislusston wurde auch die örtliche Fleischteuerung kritisch beleuchtet. Di« Genossen Wiltke. Güich, Fiethe und Becker machten die Schlächtermeister mit ver- antwortlich für die bohen Preise und forderten energische Selbsthilfe. Genosse Bathe trat für eine vierwöchige Aufgabt de« Fleischkonsums ein. Von den anwesenden Schlächtermeistern nahm Herr Bosse das Wort zur Verteidigung. Er gab zwar die hohen örtlichen Fleisch- preis« zu. entschuldigle fie jedoch durch die hohen Biehpreise. Die nach Schluß der Diskussion verlesene Resolution fand einstimmige Annahme, ebenso ein Antrag, wonach das Bureau der Bersamnilung in Gemeinschaft mit dem Gewerlschaftskartell die Leitung des Konsum« Vereins zur Errichtung einer eigenen Schlächterei angehen soll. Spauda». Stadtverordnetenfitzung. Bor Eintritt in die Tagesordnung der ersten Sitzung nach de» Ferien wurden folgende TeuerungSaaträge verlesen: Antrag der Stadtverordneten Pieper und Genossen: .Die Stadlverorduetenversamuilung wolle beschließen, den Magistrat zu ersucheu, sofort eine Petition an die Reichs- und Landesbehörden zu richten, durch geeignete Maßnahmen dem bis zur Unerträglichkeit herangewachsenen Notstande der Bevölkerung Einhalt zu tun. Da die Preissteigerungen aller Lebensmittel und VcrbrauchSgegenstände etilen für die Bolksgesundheit und Er- nährung bedrohlichen Charakter angenommen haben, ist vom Bundesrat und dem Reichstag zu fordern: 1. Die sofortig« Aufhebung der Zölle auf Vieh. Fleisch. Ge« kreide und Aultermittel. der Grenzsperre für die Eiiisührung von Schlachtvieh, de»§ 12 des FleischbeschaugcsetzeS. der Einfuhr- fcheine; 2. die sofortige Einberufung des Reichstages; S. weiter ersucht die Versammlung den Magistrat, bald- möglichst Einrichtunzen zu treffen und Borschäge der Versammlung zu unterbreiten, die geeignet erscheinen, die Bevölkerung mit Lebensmitteln zu versorgen. Antrag der Stadtv. Kantorowicz und Genossen: Die Stadtverordnetenversaminlung wolle beschließen, den Magistrat zu ersuche»!: 1. beim Bundesrat und beim Reichstag vorstellig zu werden behufs Herbeiführung von Maßregeln zur Linderung der Lebens- mittelteuerung, 2. sich einem etwaigen gemeinsamen Vorgehen der Groß- Berliner Gemeinden in Sachen der Teuerung anzuschließen. Beide Anträge wurden auf die nächste Tagesordnung gesetzt. Zum unbesoldeten Stadtrat bis Ende 1916 wurde Stadtv. Dr. Baumert gewählt.— Ein Antrag auf Vermietung eines Platzes im Hafen an die Firma Halbach in Düsseldorf rief eine längere Dislusston hervor. Bemängelt wurde insbesondere vom Genossen Pieck der niedrige PachtpreiS von 90 Pf. pro Ouadrat- meter, die Stadt gebe direkt Geld dabei zu. Beschlossen wurde, der Firma einen Platz von 3000 Quadratmeter zu 90 Pf. pro Ouadrat- meter auf die Dauer von zehn Jahren zu verpachten. Die onS der Hafenanleihe zum Ausbau bewilligten Mittel von 6S 050 M. hat die Firma mit 6 Prozent zu verzinsen.— Zum Städtetag in Düsseldorf beziehungsweise zur Befichtigung von neuen Rat- Häusern wurden elf Stadtverordnete und vier Magistratsmitglieder delegiert. Genosse Pieck betont bei dieser Gelegenheit, daß berni Rathausbau eine kolossale Verschwendung herrsche. So soll das Empfangszimmer des Magistrats 15 000 M. kosten, was durchaus nicht der Finanzlage Spandaus entspricht. Im übrigen möchte er daS gleisen von Stadtverordneten und Magistratsmitgliedern etwa? eingeschränkt wissen.— Zugestimmt wurde dem Vertrage mit der Eisenbahndirektion betreffs Ausführung von Erdarbelten an der Eifenbakmüberstihrung in der Nauener Straße.— Für die Regulierung der Moltkestraße wurden 175 000 51. bewilligt. — Abgelehnt wurde ein Antrag des BezirkSverein« Nonnendannn um Aenderung des RamenS.Nonnendamm" in.Fürstenbrunn".— Mit einer ganzen Reihe kleinerer Vorlagen erklärte die Versammlung fich einverstanden. Der Ausschuß de» GewerkschaftSkartell« macht die Srbetterschaft daraus aufmerksam, daß am heutigen Sonnabend, den 7. September, die hiesig« Zahlstelle des christlichnationalen GärwerverbondeS in den Räuinen der Germaniasäle ihr erstes Stiftungsfest abhält. Da nun die Plakate so gehalten sind, daß eine Irreführung leicht möglich ist, werden die Partei- und Gewerkschaftsgenoffen ersucht, Eintrittskarten fttilie zurückzuweisen. Um so mehr als dieses Lokal der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung steht. Zeitral�tranke».«nd Sterbekafie der»ischler n«d««derer gewerblicher Arbeiter.(E. H. Nr. 3 in Hamburg.) OrtSverwaltung Treplow-Baumschulenweg. Für die Mitglieder w beide« OrtSleilen außerordentliche Mitgliederversammlung heute Sonnabend, abends 8'/, Uhr, bei Erbe, Baumschulenstrahe. Wichlige Tagesordnung. Arbeiterjugend Steglitz-Friedenau. Sonntag, den 8. September: TagesauSfiug nach Rehbrück-(Ravensberge)— Lienewitzsee— Caputh. Treffpunkt'1,7 Uhr Bahnhos Steglitz. Proviant sowie Liederbücher find mitzubringen. Die Arbeitereltern werden gebeten, ihre schulentlassenen Söhne und Töchter zum Besuche unserer Beranstallungm anzuhalten. Marktbericht vo« Berti« a« 5. September 1912, nach Ermittelung de? königl.- PolizeiprSfidimnS. Markthallen preise.(Kleinhandel) IlXI Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.00— 50,00. Speis ebohnen, weiBe, 30,00— 50,00. Linien 35,00— 70,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) S.00— 11,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,80—2,10. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,50—1.90. Schweinefleisch ljBO-2.40. Kalbfleisch 1,50-2,40. Hammelfleisch 1,70—2,10. Butler 2,20-3,00. 60 Stück Eier 3,60-6,00. 1 Kilogramm Karpfen 1,40-2,40. Aale 1.60—3.20. Zander 1,40-3,60. Hechte 1,40-2,80. Barsch e 1,00-2,10. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 3,00-45,00.____ Witteruugöüberstcht vo« 6. September 1912. Etationen Swinemde. Hamburg Berlin Aranls.a.M. München Sien 4= II ISIWSS 751 Vetter «bedeckt SSS1 iRegen 763J3 Sbedeckt 7581623 Swolttg 780;$«( iTOollig Ifbedcckt Ä mS> Etationen 4£ il Haparanda 747 Petersburg 741 Scillq Aberdeen Paris NO SO 767.!'!« Veit« 6bede« Z Ziegen 3 Ziegen S halb bd. 2bedeckt e- i* & » 15 13 10 10 754MNW 763® Wetterprognose für Sonnabend, de» 7. September 1912. Kühl«nd ver änderlich, vorwiegend ttüb« mit Ziegenschauern und ziemlich starke» westlich« Sind«. Berliner Wetterbureau. WafferstandS-Nachrichte» der LandeSanstalt für Grwäffrrkunde, mitgeteilt vom veriwer Setttrburtau. Wasserstand Saal«, lZrochlitz Havel, Spandau») , Rathenow•) Spree, Spremberg') . Beeskow S e s er, Münden , Minden Rhein, Maximiliansau , Kaub . Köln Neckar, Heilbronn Main. Hanau Mosel, Trier am 5. S cm 114 28 20 78 79 227 318 556 316 324 158 166 131 seit 4.9. cm1) —4 0 +26 0 0 —17 + 1 +18 +2 -4 -41 —5 +20 >)+ bedeutet WuchS,— Fall.— 368 cm, weiter fallend. 1 Unterpegel.-•) am«. früh: (vormals Phönix-Brauerei) Hochstraße 21-24------- Badstraße 67 Vergrößertor m»d renovierter Saal mit Nebonranm «na kür Versammlungen, Balle und andere Festhchkerteo, zusammen oder geteilt-, zu vergeben. Im Ausschank B a d s t r. 67 täglich Unterhaltungs- Konzert, an Sonntagen in sämtlichen Bäumen- Auswahlreiche Mittags- und Abendkarte üm geneigten Zuspruch bittet Karl Donath, Oekonom. Lothringer Str. 67 £cke GormannstruSe. Möbel Baiser Lothringer Str. 67 Eclte GonnannstraOe. 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Schiller-Theater O.IS! Sonnabend, abend» 8 Uhr: Die Gefährtin— Paraceieus. Oer grüne Kakadu. Sonntag, nachmittags 8 Uhr: Zopf nnd(Schwert. Sonntag, abend« 8 Uhr: Die Lokalbahn.— 01« Medaille. Montag, abends 8 Uhr: Die Lokalbahn.— Die Medaille. Sdiiller-Thealer aV™* Sonnabend, abends 8 Uhr: Jk'aehrnhm. Sonntag, nachm. 8 Uhr: DepPfnrrer von Kii'cnrcld Sonntag, abends 8 Uhr: Xachrulini. Montag, abends 8 Ubr: Zum erstenmal: Der Mlennthrep. Hierauf: Die Schul« der Fraunn. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Große Rosinen. fdMjgliei'WWlzei'Zli'M Abends 8 Uhr: vis 8 Traulklurler. vsllkliiies 8e!iguspiölligii8 (Komische Oper). >lich VI, Uhr: SinnBmblich Egm0nt- Montis Operetten-Theater (srühcr X cncs Theater) 8 Uhr: Ter liebe Ahl Operette von Leo Fall ROciis-Thkiitkr. 8 Uhr: Der Herr voa Nr. 19. -chwani in 3 Asten von Keroul und Barrü. Morgen und solgende Tage: Ter Herr vo» Nr. 19. Luisen-Theater. Abend! 8 Uhr: Ter Sllpenkönig und der Menschenfeind. Sonntag nachmittag st Uhr: Die «una-Liie. Abend» 8 Uhr: Dcr Walzertönig. Montag: Der Walzerkönig. oze-TneAie Groffe ArankfnNcr Str tZL. Zapfenstreich. Anfang 8'/, Uhr. Aus der Äarteiibüdne: (Ks gibt»ur ein Berlin. Revue. 1 Metropo!- Theater. LOCISCHER GARTEN Großes Militär- Doppel-Konzert w Große Fesfiuelitang. Eintritt 1 Hark, Kinder unter 10 Jahren die Hälfte Phani.-mustk. Komödie In 3 Ast. aus d. Engl, völlig iret bcarb. von K. Freund. Munt von R. Nelson,«. a. Tänze von W. B�shop. In Szene des. v. Dir■Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. UMA HARK sJlmä: Elitetag mit Entrco 50 Pf. Kinder nnd Zwergstadt bis 6 Uhr frei. ,1°�' Volkstümlicher Kunstabend Oewerkschaftshaus, Engelufer 15. Beginn 7>j, Uhr.— Lcitang: Margarete Walkotte. Mitwikende; Arthur van Ewoyk(Bariton). Julius Thernberg(Konzertmeister dos Philharmonischen Orchesters), Erwin Suttner (Mitglied des doutsohon Theators), Erwin Penstel(Kapellmeister), Margarete Walkotte(Sopran). 205/0* Entree 50 Pf.(im Voi verk. bei H o r s o h, Engelufer 16) Abendk. 60 PI "TYi iMMiWWrrBfcMIB'lllllllll I HMkÄ» öSSEB* ReeM Kaimt& Hertzer. TeleiriiOR; KSnigstadt W02. »olttens!«|ÄS Teiipih dcr Theatcrfaff« voa 11-2 Uhr. Sonntag 3'/, Uhr: Der stille See. Boigt-Theater. Gesundbrunnen Badstratze 58 Sonnabend, den 7. September 1012 Zum venesiz s. d. technische Persoual und die HauSkellner: Robert und Bertram. Reiehshallen- Theater Stettiner Sänger. Tät R|Teu' �Jr Die Maebi PW der Töne. Burleske Äk-U o- Mcyscl. Ansang 8 Uhr, SonntagS 7'/, Uhr. Sparoerritl Hoffming-Wkst Heule, Sonnabend, 7. Sept. 1912, in nif>«»fc»Fesl«äIen, OennewHzstr.tS: 10. Sti{tnngs-7est. eintritt inst. 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Am Knie, für organisierte Gehilfen bis auf weiteres gesperrt» Verband der Eastvirtsgehllkeli. Zveizverein der Cafd-Angestellten. "Steinarbeiter! Wegen Nichtbezahlung des Fahr- geldcs nach dem Bau Deutsche Oper i» Gharloitentiiirg ist dieser Bau sür die Firma Gebr. Friesccte» Kuuststeinwerke gcMperrt! Zcutralverband der Steinarbeiter, Ortsvcrwaltuiig Berlin. 172/2 VerantVortticher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Lnieratenteil veranttv.:TH.Gl»cke, Berlin. Druck u. Birlag: Borlvärtz'vuchdruckerei u-BerlagSanftalt Paul Singer u-E»., Berti« SÄ» it 209. 39. Jahrg. KMs-KMzt b Jomärts" fit Mil-Wejlcii. 7. Stptmdn M2. /Zus cier Frauenbewegung. Die Fleischuot und die„braven Hausfrauen". Die Zentrumspresse läßt eS an der Beschwindelung des darbenden Volkes über die Ursachen des Ernährungsjammers und an der Verdächtigung der sozialdemokratischen AusklärungS» und Abhilfeaktionen nicht genug sein: Zu der in hervorragendem Maße von dem Zentrum miiverschuldeten Not fügt man noch den S p o t t. Man lese nur, was der Bachemsche.Lokal-Anzeiger', ein Ableger der»Kölnischen Volkszeitung", sich erfrecht. In einer Abhandlung über die Fleischteuerung schreibt das Blatt u. a.: »Den Letzten beißen die Hunde, und bei Schwierigkeiten auf dem Nahrungsmittelmarkt ist die vielgeplagte Hausfrau die Letzte. Sie soll trotz der Teuerung den Familientisch gut der« ü-rgen, so daß Mann und Kinder nichts vermissen... Bei ollligcn Zeitläufen aus dem Vollen wirtschaften, das ist leicht: aber bei der Teuerung zeigt sich erst die Meisterin... Zunächst muß sie sich mit doppelter Sorgfalt auf das Rechnen legen. Das Geld, das für die Haushaltung verfügbar ist, muß von neuem eingeteilt werden. Die überflüssigen Aus- gaben sind so zu beschneiden, daß für das Notwendige etwas mehr übrig bleibt, und die gute Ernährung der Angehörigen gehört zu dem Notwendigsten... Die kluge Hausfrau darf also den Fleisch- Vorrat atf dem Familientisch nicht zu plötzlich und nicht zu st a r k einschränken! die notwendige Verringerung der Fleischportionen muß allmählich eintreten, und sie muß dadurch weniger empfind- lich gemacht werden, daß die Hausfrau in den anderen Gerichten recht schmackhaften und nahrhaften Ersatz bietet. Es schadet gar nichts, wenn wir statt der Flcischmengen(HI) mehr Gemüie-, Reis- und Mehlspeisen zu uns nebmen. Der vernünftige Mann wird auch ganz gern auf eine solche Verschiebung der Speisen eingehen, wenn nur die E r s a tz g e r i ch t e gut gekocht sind." Es würde wundernehmen, wenn in diesem Artikel das Geschwätz von den»gestiegenen Arbeitslöhnen" fehlte. Der Kölner»Lokal- Anzeiger" ist das Blatt der christlichen Gewerkschaften. Ihnen wagt man solche Sibamlosigkeiten zu bieten, ihnen eine Ver- Minderung der bisher verschlungenen»Fleisch m e n g e n" zu emp- fehlen! Der klerikale Schmock, der für ein Arbeirerpublikum schreibt. scheint nicht zu ahnen, daß in der Arbeiterbevölkerung das Fleisch nackigerade zum Luxusartikel geworden ist, daß die Frauen und Kinder der Arbeiter sich längst das Fleischesien haben ab- gewöhnen müsien, und daß der Ernährer der Familie nur deshalb ein wenig Fleisch auf den Tisch oder in den zur Arbeits- stätte mitgenommenen oder hingesandten Eßbehälter bekommt, damit seine Arbeitskräfte nicht derart sich vermindern, daß er die vom Unternehmer verlangte ArbeitSmcnge nicht mehr zu leisten im stände ist. Der klerikale Artikelschreiber ruft zum Schlusie»angesichts der Teuerung nicht nach der unmöglichen Staatshilfe, sondern vielmehr nach der Frauenhilfe, die sehr gut möglich ist und uns über die schwierigen Wochen ganz leidlich hinweghelfen kann. Die hetzerischen Agitatoren sollen nach Hause gehen, aber die braven Hausfrauen müssen vor die Front!" Wenn der Verfasier, der diesen Wahnwitz in einem weit- verbreiteren Blatte produzieren durfte, seine Weisheit in einer Frauenversammlung von sich gäbe, er würde es— selbst vor katholischen Hausfrauen— nicht zum zweiten Male versuchen. Das Elend armer Wöchnerinnen. Der rapide Rückgang der Geburten, der auch in Sachsen und hier besonders in den großen Städten zu beobachten ist, hat die bürgerliche Gesellschaft etwas erschreckt. Schon steht man den Zeitpunkt nahen, wo der Nachwuchs in den unteren VolkSklasien nicdt mehr ausreicht, die Kriegsschiffe zu bemannen und die nötige Anzahl junger Leute für das»herrliche KriegSheer" zu stellen. Doch sind die erwähnten Besorgnisse wenigstens vereinzelt schon in städti- schcn Verwaltungen die Veranlassung gewesen, der Säuglings- sterblichkeit und dem Säuglingselend etwas mehr Aufmerksam- keit als bisher zuzuwenden. Man gewährt Stillprämien. hat Mütterberatungsstellen gegründet und ähnliche Maß- nahmen eiicgeleitet. Ist auch die auf diese Weise versuchte Hilfe noch völlig ungenügend, so legen die Einrichtungen doch Zeugnis davon ab,»aß der Geburtenrückgang und die sozialdemokratische Kritik einigen Kommunalverwaltungen endlich die Erkenntnis ein gepeil'cht haben, daß etwas getan werden muß. Wnhre.t'o aber so für das EäuglingSelend einiges Interesse erweckt wurde, hat man bisher nach der Not armer Wöchne- rinnen noch wenig oder gar nicht gefragt. Doch hat in letzter Zeit der Geburtenrückgang die Aufmerksamkeit auch etwas auf diese Nachtseite der heutigen Zustände gelenkt. Der Bund für Mutter- schütz in Berlin hat sich mir Eingaben an eine Anzahl Großstädte gewandt und um weiteren Ausbau der Einrichtungen für Mutlerschutz ersucht. In Dresden hat dieser Vorstoß wenigstens den Erfolg gehabt, daß über die Verhältnisse u n b e- mittelter Wöchnerinnen Erhebungen veranstaltet wurden, die das Statistische Amt im Auftrage des Rates durch geführt hat. Kann auch von einer umfassenden tiefgründigen Unter suchung nicht die Rede sein, so gewähren die Angaben doch einigen Einblick in die Notlage armer Wöchnerinnen! gleichzeitig zeigen sie, daß die städtische Fürsorge völlig ungenügend ist. Die Untersuchung erstreckt sich im wesentlichen auf die Zeit vom 1. April IvUtz bis 3l. März ISIO, also auf ein Jahr. ES wurden die Verhältnisse von IlSS unehelichen und 1058 ehelichen Wöchnerinnen untersucht. Von ersleren standen im Alter von 18 bis 31 Jahren 362(31 Proz.), 21 bis 25 Jahre waren 488(42 Proz.) und 25 bis 30 Jahre 190(16 Proz.). Von den übrigen unehelichen Müttern standen 40 im Alter von 16 bis 18 Jahren, 81 im Aller von 30 bis 40 und 8 waren über 40 Jahre alt. Nach der Berusstätigkeit gegliedert, ergab sich, daß von den unehelichen Müttern die Fabrikarbeiterinnen mit 433 Fällen(37 Proz.) am stärksten vertreten waren. Dann folgte daS weibliche Dienstpersonal mit 870 Fällen(32 Proz.), 132 Geburten entfielen auf Handlungsgehilfinnen, und fast ebenso viel aus Kellnerinnen, und in 17 Fällen waren die unehelichen Mütter Haustöchter. Aus den Angaben über die Berufsstellung der unehelichen Väter sei nur die Angabe hervorgehoben, daß 53 unehe- liche Mütter den Beruf des Vaters ihres Kindes überhaupt nicht an- geben konnten. Nahezu die Hälfte dieser Mädchen waren halb oder ganz verlvaist. Daraus ergibt sich wohl auch, daß die größte Mehrzahl für sich ganz allein sorgen niußte. Der ermittelte Verdienst war aber dazu zumeist ganz ungenügend. Ter M o n a t S v e r d i e n st der ledigen Schwangeren betrug in 42 Fällen 20 M. und weniger, bis herab zu 6 M. In diesen wie in anderen angeführten Fällen wurde nur Geldlohn, also keine freie Station gewährt. 62 Mädchen ver- dienten 20—30 M. pro Monat. 243 30—40 M.. 135 40-50 M. Nur in 90 Fällen war der Monatsverdienst höher als 50 M. Von den 42 Mädchen mit einem Monaislohn unter 20 M. wohnten nur 11 bei den Eltern, die übrigen in Schlafstelle. Die Angaben über die Löhne zeigen, daß mindestens 44 Proz. der unehelich Schwangeren weniger als 50 M. Monatsverdienst, also schon zu ihrem eigenen Auskommen völlig ungenügenden Lohn hatten. Es ist ohne weiteres klar daß in solchen Fällen die schlimmste Not durch die Geburt des Kindes hervorgerufen wurde, namentlich dann, wenn der uneheliche Vater versagte. Das ivar aber sehr häufig der Fall. Denn der gesetzliche Unterhalt für die unehelichen Kinder wurde nur in 339 Fällen gewährt, in 703 Fällen aber nicht. Selbst wenn man annimmt, daß ein Teil der unehelichen Väter nachträg- lich noch zum Zahlen gezwungen wird, wird doch immer noch die Hälfte der unehelichen Mütter übrig bleiben, die ohne»Ziehgeld" mit ihrem Kinde im schlimm st en Elend versanken. Der großen Notlage unbemittelter Schwangerer ist eS wohl auch zuzuschreiben, daß sie so lange als möglich zu verdienen suchen und daher zumeist bis unmittelbar vor der Entbindung arbeiten, ja nicht selten von dieser auf der Straße oder bei der Arbeit überrascht werden. Bis unmittelbar vor ihrer Entbindung verrichteten 402 Mädchen(84 Proz.) ihre Arbeit, davon waren 196 Fabrikarbeiterinnen. 131 dieser Mädchen stellten ihre Tätigkeit erst am Tage der Entbindung ein, sie find offenbar er st durch die GeburtS« wehen zum Einstelle» derArbeit genötigt worden. 195 stellten die Tätigkeit einen Tag vorher ein. Auch in diesen Fällen ist eS offenbar zumeist nicht anders und wahrscheinlich nur durch eine Verzögerung des GeburtSaktes der Anschein erweckt worden, als hätten diese Mädchen die Arbeit vorher eingestellt. Die übrigen Mädchen von den 402 stellten die Arbeit zwei bis drei Tage vorher ein. In 767 Fällen war die Arbeitspause vor der Entbindung eine längere alS drei Tage. Die meisten der Mädchen, nämlich 1051 von den 1169 ermittelten, wurden in einer Anstalt entbunden. Da- von trafen erst am Tage der Niederkunft 601 ein, einen Tag vorher 245, zwei bis drei Tage 43. Dazu wird in dem Bericht bemerkt: Ueber vier Fünftel der Mädchen(844)— von den Fabrikarbeiterinnen über 90 Prozent— suchten also eine An st alt erst unmittelbar vor ihrer Nieder- k u n f t auf, darunter 617 erstgebärende. Vier Mädchen wurden auf der Straße von der Geburt überrascht. Von den nicht in der Anstalt entbundenen Mädchen(118) hatten 13 vergeblich um Aufnahme in die Kgl. Frauenklinik nachgesucht. Sie mußten wegen Ueberfüllung ab gewiesen werden. Aus diesen Angaben spricht die schlimmste Not unbemittelter lediger Wöchnerinnen. Ohne Beratung und Beistand, von nagenden Exisienzsorgen gedrückt, müsien sie mit zermürbender Verzweiflung ihrer schweren Siunde entgegensehen, die selbst bei günstigstem Aus- gange nur dazu führen kann, die Not zu verschlimmern, denn es gilt jetzt auch für das Kind zu sorgen. Nicht besser sind viele unbemittelte verheiratet« Wöch n e r i n n e n daran. Auch bei ihnen verschlimmert jede« neu« geborene Kind die ohnehin verzweifelt« Bedrängnis. Wie schon angedeutet, wurden auch die Verhältnisse von 1058 Ehefrauen ermittelt. In diesen Fällen war das Familieneinkommen durchweg ungenügend. Von 713 konnte der Verdienst annähernd erfahren werden. Die Mehrzahl dieser Familienväter(499) verdienten inonatlich zwischen 70 und 100 M., in 113 Fällen betrug der Monats- lohn bis 120 M., in 101 Fällen aber betrug der monatliche Durchschnittslohn nur 56 M. Dieses Einkommen wurde durch verdienst der Frauen in einer Anzahl Familien noch etwas gesteigert. Der geringe Verdienst mußte umso drückender sein. alS zumeist eine größere Kinderschar zu erhalten war. So hatten 73 Familien, deren monatlicher Verdienst weniger als 70 M., durchschnittlich nur 56 M. betrug, in 13 Fällen ein kleines Kind, in 16 Fällen 2, in 10 Fällen 8, in 8 Fällen 4. in 13 Fällen 5, in 6 Fällen 6 und 7 und in je einem Falle 8 und 14 Kinder. Auch in den 449 Familien mit einem Ein- kommen von 70 bis 100 M. war der Kinderreichtum groß. Zu diesen Ergebnisien bemerkt der Berichterstatter:»Daß die wirb Ichaftliche Lage dieser sämtlichen Familien eine sehr bedrängte war, bedarf, selbst wenn man annehmen muß, daß gerade die kleinsten Einkommen nicht immer ganz zutreffend angegeben wurden, wohl keines weiteren Beweises." Sehr richtig, aber sehr vorsichtig aus gedrückt. Auch von verheirateten Schwangeren übten 280 ihren Beruf bis unmittelbar vor der Entbindung aus. Die Mehrzahl der 1058 befragten Ehekrauen, nämlich 588, wurden in einer Anstalt entbunden, doch konnten nicht alle, die darum nachsuchten, auf genommen werden. In einem Falle wurde eine Schwangere auf der Straße von der Geburt überrascht, nachdem sie bei der Kgl. Frauenklinik umsonst um Aufnahme nach- gesucht hatte, und auch ein Gesuch um Gewährung der Ent- bindung bei einer Hebamme vom Armenamt abgelehnt worden war. Ein düsteres Bild gibt uns diese Erhebung von den Verhält nisien unbemittelter Wöchnerinnen. In dem Bericht wird darauf hingewiesen, daß die Erhebung gewissermaßen nur als Moment aufnähme gelten könne. Durch eine gründlichere, umfassendere Uiiiersuchung würde dieser Ausschnitt vom sozialen Elend nur noch schlimmer werden. In anderen Städten wird es aber kaum besser aussehen, wie in Dresden. Die skizzierten Ergebnisie zeigen uns aber auch, wie dringend nötig kommunale Einrichtungen zur Unter st ützung der Wöchnerinnen sind. Bisher ist noch sehr wenig geschehen. Soll es allgemein damit vorwärts- gehen, werden vor allem die sozialdemokratischen Vertreter energisch drängen müssen._ Soziales. Der Einfluß der wirtschaftlichen Konjunktur auf die gewerbliche Rechtsprechung. Unsere gesamte Lebensbetätigung ist von einer Reihe materieller und wirtschaftlicher Vorgänge abhängig. Vor allem wird unser Rechtsleben von den sozialen Zuständen bestimmt. Nicht nur daß Volkserhebungen ihre Ursachen in der Regel in der materiellen Not de? Volkes haben, auch sonst ist die Zahl der Vergehen gegen die Gesetze, welche die staatliche Ordnung schützen sollen, ip hohem Maße abhängig von den Verhältnissen des Erwerbslebens. Es ist deshalb nur selbstverständlich, wenn auch die gewerbliche Rechtsprechung, welche die Streitigkeiten aus dem ArbeilSverhältnisie zwischen dem Unternehmer und dem Arbeiter schlichten soll, von der Wirtschaft- lichen Konjunktur beeinflußt wird. Zunächst ist der Umfang der Streitfälle in hohem Maße von ihr abhängig. AuS den Statistiken über die Tätigkeit der kommunalen Gcwerbegerichte läßt sich folgendes zusammenstellen. Es wurden Klagen anhängig gemacht: im Richte tjrbeiteru Unternehmern gegen Arbeiter Zusammen 1904 93 850 6 574 345 100 769 1905 99 763 7 872 332 108 017 1906 103 532 10 655 343 114 514 1907 105 535 9 598 403 115 586 1908 109 850 5 878 358 116 086 1909 102 518 6 249 363 109 130 1910 106 725 7 857 305 114 087 1911 III 333 8 086 355 119 774 Man sieht hier zunächst ein Ansteigen der Klagefälle bis zum Jahre 1908. Die wirtschaftliche Krise des Jahres 1909 läßt einen erheblichen Rückgang der Streitigkeiten erkennen. Die Jahre 1910 und 1911 bringen dann wieder eine Zunahme der Fälle. Am auf- fälligsten ist die Veränderung bei der Zahl' der von den Unter- nehmern eingereichten Klagen. Diese erreichten ihre niedrigste Zahl bereits im Jahre 1903. Diese Erscheinungen sind erklärlich. Inder Zeit der Krise sind alle Teile zum Nachgeben mehr bereit; man sucht sich gütlich zu einigen und läuft nicht gleich zun: Gericht. Bei den von den Unternehmern gegen die Arbeiter eingereichten Klagen � handelt es sich meist um den„Konttaktbruch". Zu Zeiten schlechten. Geschäftsganges haben die Arbeitgeber weniger dagegen, wenn! der Arbeiter ohne Kündigung davonläuft; er bekommt ja genügend � andere. Die K a u f m a n n S g e r i ch t e zeigen dieselben Geschäfts- ergebnisie. Die Zahl der Klagen der Unternehmer war ain höchsten■ mit 2060 im Jahre 1906. Sie sank auf 1543 im Jahr« 1906 und 1489 im Jahre 1909, um fich dann wieder auf 1694 im Jahre 1911 zu erhöhen. Der Einfluß der Konjunktur auf die GeschäftSergebniffe der gewerblichen Rechtsprechung würde noch diel augenfälliger in die Erscheinung treten, wenn nicht daS gesamt« Gewerbe- und Kauf« mannsgerichtSwesen fich in fortwährender Ausgestaltung befände. So vermehrten fich von 1905 auf 1911 die Gewerbegerichte von 891 auf 489 und die Kaufmannsgerichte von 227 auf 282. DaS ist bei der Betrachtung der Klagefälle tu den einzelnen Jahren wohl zu beachten. Hinfichtlich der Art der Erledigung der Streitfälle ist be- merkenswert, daß ständig der weitaus grötzte Teil der Fälle durch Vergleich geschlichtet wird. Im Jahre 1911 waren es bei den Gewerbegerichten 49 693, bei den Kaufmannsgerichten 10 340. Durch Endurteile wurden bei ersteren 18 434, bei letzteren 4391 erledigt. Im Vergleich zu der Krisenzeit(1908) haben die gütlich beigelegten Fälle zu-, die durch Endurteil erledigten Fälle etwas abgenommen. Ein Beweis dafür, daß seinerzeit nur die sogenannten schweren Fälle anhängig gemacht wurden. Das Verfahren vor den Gerichten ist bekanntlich«in sehr abgekürztes. Etwa zwei Drittel der Streitfälle werden innerhalb der ersten zwei Wochen nach Anbringen der Klage erledigt. Im Jahre 1911 waren es bei den Gewerbegerichten 2588 und bei den KaufmannSgerichten 1200 Fälle, deren Erledigung einen Monat und länger dauerte. Der Wert de» Streitgegenstandes beträgt bei den Gewerbegerichten in etwa der Hälfte der Fälle bis zu 20 M. In nur 9608 Fällen drehte sich der Streit um mehr als 100 M. Bei den KaufmannSgerichten handelte eS sich in der Mehrzahl der Streit» fälle um Beträge von 200 bis 300 M. Armenunterstützte dürfen keine Lustbarkeiten besuche», so bestimmt ein« Griesheimer Polizeiverordnung. Mit einem Sttaf» mandat in Höhe von 3 M. wurde daher eine Frau bedacht, welche nach Ansicht der Polizeibehörde gegen diese unsoziale Verordnung verstoßen hat, als sie sich anmaßte, an einer von Arbeitern ver- anstalteten Festlichkeit teilzunehmen. Die Frau ist geschieden! ihr wurde die Unterhaltungspflicht ihrer drei Kinder allein auferlegt. Da eS der Frau unmöglich war, die Kinder zu ernähren, wurden dieselben auf Gemeindekosten in einem Kinderheim untergebracht. Die Frau wurde deshalb von der Polizei als eine Person angesehen, die Armenunterstützung bezieht. Das Schöffengericht in Höchst, welche? sich infolge de? Einspruchs der Frau mit der Frage beschäftigte, sprach die Frevlerin frei, da eS annahm, daß die Unterhaltungskosten, die die Gemeinde für die Kinder aufwende, der Mutter nicht als Armenunterstützung an» gerechnet werden könnten. Die.Volksstimme" berichtet darüber weiter, daß die Wiesbadener Strafkammer das freisprechende Urteil bestätigt«. Sie erkannte, daß die angezogen« Polizeiverordnung nicht im öffentlichen Jnteresie erlösten worden und daher un» gültig sei. Ist es an und für sich schon ein Hohn auf die so viel gepriesene göttliche Weltordnung, daß man Arme durch derartige Verordnungen Ichikanieren und in ihrer Freiheit beschränken will, so ist auch noch die Frage aufzuwerfen, ob die Frau auch dann mit einem Straf- mandat bedacht worden wäre, wenn sie sich vielleicht an einer religiösen oder patriotischen Feier beteiligt hätte. Cericbts-Zeituncf* Ein Aufttitt vor dem Beichtzimmer kam gestern vor der 129. Abteilung des Amtsgerichts Berlin-Mitte zur Verhandlung. Die Anklage richtete sich gegen die Auffehersrau Luise B. und deren hochbetagle Tante, unverehelichte Wilhelmine B. Frau B. ist evangelisch, ihr Ehemann katholisch. Das Ehepaar ist nicht einig über die Erziehung ihres jetzt 11jährigen Knaben: während der Vater wollte, daß der Junge katholischen ReligionS» Unterricht genösse, und den Knaben auf die katholische 243. Ge- meindeschule gebracht hatte, wollte die Mutter ihr Kind in evangelischem Sinne erzogen haben. Daraus ergaben sich allerlei Streitigkeiten, bis die vorgesetzte Behörde entschied, daß der Schüler bis zu seinem 14. Lebensjahre am katholischen Religionsunterricht teilzunehmen habe. Nun hat sich Frau B., die etwas aufgeregt und schon mehrere Male mit den Lehrern des Knaben in Konflikt geraten ist, am 16. Juni 1911 zu einem Exzeß in den Schulräumen hinreißen lassen, dessen Fortsetzung ihre alte Tante übernommen hatte. Als an jenem Tage ihr Sohn Fritz um 12�/« Uhr noch nicht zu Hause angelangt war, begab sie sich auf die Suche und erfuhr im Schulgebäude, daß der Knabe nach Schluß des Schulunterrichts in das Musttzimmer gegangen sei und dort mit anderen Kindern vom Kaplan W. Beichtunterricht er- halte. Frau B. war darüber sehr empört, da sie der Meinung war, daß, wenn sie als evangelische Mutter auch dulden müsse, daß ihr Sohn am katholischen Religionsunterricht teilzunehmen habe, der Kaplan doch keine Befugnis habe, ihn auch zum Beichtunterricht heranzuziehen. Sie eilte daher nach dem Musik- zimmer, klopfte an und als geöffnet wurde, kam es zwischen ihr und dem Kaplan W. zu einem heftigen Auftritt, den letzterer wie folgt schildert: Er sei Religionslehrer an der 243. Gemeindeschule, unterrichte die katholischen Kinder und gebe ihnen auch Dienstag« und Freitags von 12 bis 1 Uhr Beichtunterricht. Auch der Knabe B. habe schon öfter daran teilgenommen, mehrere Male sei er, wie andere Kinder auch, weggeblieben, und nachdem dies dem Rektor gesagt worden, habe dieser angeordnet, daß alle katholischen Kinder rechtzeitig zum Beichtunterricht zu erscheinen haben. Daß der Knabe B. ein Abkömmling aus gemischter Ehe ist, habe er nicht gewußt. Als die Angeklagte Frau B. am Musikzimmer erschien, habe sie ihn etwas heftig gefragt, ob er die Erlaubnis zur Teilnahme des Sohnes am Beichtunterricht habe, es sei darüber zum Wortwechsel gekommen, wobei er sagte, die Be- Häuptling der Mutter, daß der Junge evangelisch sei und gar nicht dort hingehöre, gehe ihn gar nichts an, denn der Junge stehe auf der Liste der Katholiken. Daraus habe sie lebhaft erklärt, sie würde sich an ihren Pastor und an den Schulinspektor wenden, habe draußen auf dem Korridor Lärm gemach: und nach ihrem Fritz geschrien, und als sie gesehen, daß sie nichts ausrichtete, habe sie ihm zugerufen:»Na warten Sie nur, ich kenne Sie schon, Sie Strolch!" Letztere Behauptung bestritt die Angeklagte vor Gericht wiederholt. Kaplan W. hat selbst keinen Strafantrag gestellt, sondern sich nur beim Provinzial-Schulkollegium beschwert und dieses hat dann den Strafantrag gestellt.— Auch die Tante der Angeklagten B. hatte sich auf den Weg gemacht, um den Knaben zu suchen. Als Frau B. sich kaum entfernt hatte, riß Frau Bl.— nach der Darstellung des Herrn Kaplans— plötzlich die Tür zum Musikzimmer auf, trat in das Zimmer, stieß den Kaplan zur Seite und ging auf den Knaben zu. Als sie imt diesem über die Bank hinwegkletterte, vertrat ihr der Kaplan den Weg und schickte zum Rektor L., der später den Strafantrag gestellt hat.— Nach der Bekundung des zuständigen Schulinspektors Dr. R. ist die Erregung der Frau B. begreiflich, denn die ganze Sache habe eine längere Vorgeschichte, in deren Verlauf die Frau B. wiederholt von dem Rektor und einigen Lehrern schlecht behandelt worden sei. Der Knabe habe zweifellos bis zum 14. Jahre an: katholischen Religionsunterricht teilzunehmen, nicht aber am Beichtunterricht! er sei an jenem Tage zu Unrecht eine Stunde zu lange in der Schule festgehalten worden, denn der Veichtunterricht sei eine reine Privatangelegenheit der Geistlichen, die Schule habe damit nichts zu tun. Der Kaplau figuriere in diesem Falle nicht als Schullehrer, sondern als geistlicher Beamter.— Der Gerichtshof kam nach längerer Verhandlung der Uederzeugung, daß zunächst noch der Rcgierimgsrat Zacher, Justitiar im Pcovinzialschullollegium, als Zeuge darüber zu hören fei, wieso er berechtigt sei, den Strafantrag zu stellen. Auster ihm sollen zu einem neuen Termin geladen werden der Rektor und der Ehemann B., auch sollen die Akten über die Verhandlungen vorgelegt werden, die dazu geführt haben, daß der Knabe am katholischen Neligionsunterricht teilzunehmen habe. Im Kampfe mit gewissen kleinen„Haustieren" bat sich die Aniu Elise Sch. eine Anklage wegen fahrlässiaer Brandstisriing zugezogen, die sie gestern vor die 6. Fenen- strafkammer des Landgerichts I führte. Die Angeklagte halte vor längerer Zeit eine Wohnung gemietet, die nach Angabe des Ber- Mieters.garantiert haustierfrei" sein sollte. Bald nach ihrem Ein- zuge entdeckte sie zu ihrem Entsetzen, daß die Tavete lebendig wurde und besonders des Abends ganze Heerscharen der stachelbewehrten Ungeheuer ihre Wanderung nach den Betten antraten. Mit der Siachtruhe war eS vorbei. Denn kaum hatte das Ehepaar die Augen geschlossen, als der nächtliche Reigen losging, so dast beide Pantoffel- bewaffnet und voller Wut gegen die Wände klatschend zur nacht- lichen Jagd ausziehen muhten. Da dieses Jagdvergnügen nicht aus- reichte, um die kleinen Quälgeister endgültig zu vertreiben, nahm Frau Sch. schließlich zu einer Radikalkur Zuflucht. Sie hatte schon viel davon gehört, dast man jene Ruhestörer ausschwefeln könne. Sie kaufte sich ein ganzes Pfund Schwefel, den sie in einen Blumentopf schüttete und anzündete. Der Erfolg war ein sehr über- raschender, denn sie selbst war gezwungen, vor dem beizenden Rauch schleunigst die Flucht zu ergreifen. Sie schloß nun einfach die Woh- nung zu und besorgte ihre Einkäufe. Als sie nach längerer Zeit zurückkam, stand die ganze Wohnung in Flammen. Wie sich heraus- stellte, war der Schwefel infolge der Hitze dünnflüssig geworden, aus dem Topfe herausgelaufen und hatte den Fußboden in Brand ge- setzt. Die Folge war eine Anklage wegen fahrlässiger Brandstiftung. DaS Schöffengericht erkannte auf F r e i s p r e ch u n g, da die An- geklagte als Frau nicht wissen konnte, daß Schwefel in der Hitze dünnflüssig werde.� Gegen das freisprechende Urteil legte die Staats- anwaltschaft Berufung ein. Die Strafkammer kam jedoch aus den- selben Gründen wiederum zu einer Freisprechung. Auf eine Frage des Vorsitzenden erklärte die Angeklagte, dast ihre„Radikalkur" Erfolg gehabt habe._ Nachspiel zum Bergarbeiterstreik. Während des Bergarbeiterstreiks war eine Menschenmenge, die sich nahe dem Zecheneingang in einer Rotthauser Straße angesaminelt hatte, zur Zeit des Schichtwechsels zum Fortgehen aufgefordert worden. Weil er sich nur widerwillig nach mehrmaliger polizeilicher Aufforderung entfernt habe, wurde der Bergmann Stasch in zweiter Instanz von der Strafkammer in Essen zu einer Geldstrafe verurteilt. Es wurde ihm eine Uebertretung des Z 3Ö6 Ziffer 10 deS Straf. gesetzbuchs und der Verordnung des Oberpräsidenten vom IS. Februar 1911 zurLust gelegt. Die Verordnung schreibt vor, daß unbedingt Folge zu leisten sei den Anordnungen von Sicherheitsbeamten, welche zur Erhaltung der Ruhe, Sicherheit und Ordnung auf der Straße ergehen. Die polizeiliche Aufforderung zum Fortgehen sei eine solche Anordnung gewesen. Und wenn auch St. damals nach seinem Krankenschein einige Wochen lang wegen einer Lehenquetschung feiern mußte, so habe das doch seine Bewegungsfreiheit nicht ausgeschlossen: sonst hätte er sich ja nicht in der von seiner Wohnung 200 Meter entfernten Menschen- menge befunden. Der Angeklagte legte Revision ein und sein Anwalt machte zur Begründung des Rechtsmittels geltend, daß die Verordnung des Oberpräsidcnten über den Rahnien des§ 360 Ziffer 10 des Straf- gesetzbuchs hinausgehe. Dieser spreche nur von Verordnungen, welche die Ruhe, Sicherheit, Bequemlichkeit und Reinlichkeit auf öffentlichen Wegen und Straßen beträfen, während die Verordnung des Ober- Präsidenten auch die Ordnung mit umfasse. Das Kammergericht verwarf jedoch die Revision. ES erachtete die Verordnung deS Oberpräsidenten für rechtsgültig, obwohl sie sich auch auf die Ordnung auf der öffentlichen Straße bezieht. Sie stütze sich nicht bloß auf das Strafgesetzbuch, sondern auch auf Z 10 II 17 des Allgemeinen Landrechts und auf§§ 6 ff. des Polizeiverwaltungsgesetzes. Mit Recht sei auch Angeklagter bestraft worden. Eingegangene VrudtfcKrtften. Jahresbericht der Arbeiterunion Zürich 1011. 10? S. Arbeiter. vnion, Zürich, Volksbaus. Süddeutsche Monatsheft«. Septcmberhest. Herausgegeben von P. N. Coßmann. 1,50 M. Verlag in München. Quadriga. Vierteljahrshesle der Werkleute aus Haus Nyland. Hest 1. Jahrgang 3 M., Einzelhejte t M. B. Vopelius, Jena. Der Weg durch die Nacht. Erzählung von Aage v. Kohl. 4 M., geb. S M.— Das GebciuiniS der Lebende». Roman von Claude Farröre. 2.50 M., geb. 3,50 M.— Die große Expedition. Ezn Kongo- roman von Jürgen Jürgenfen. 4 M., geb. 5 M. Raiten«. Locning, Frankfurt a. M. Veröffentlichungen ber Deutschen Gesellschaft für VolksbSder. 6. Bd. Heft 2. Herausgegeben von dem geschästsjührenden Ausschuß. 233 S. Ä Hirschwald, Berlin, Unter den Linden 68. 4. Parteitag der Demokratischen Vereinigung 1012. 80 Ps. Demokratische PerlagSanstalt, Schönebcrg. Der Tropenpslaiizcr. Nr. 9. Zeitschrist sür tropische Landwirtschaft. Herausgeber:£. Warburg und F. Wohlimann. Erscheint monatlich. Jährt. 12 M. GeschästSstrlle Berlin, Unter den Linden 43. Seiende und Werdende. Versuch- von B. Goldschmidt. 3 M., geb. 4 M. Xenien-Vcrlag, Leipzig. Die Wunder der Natur. Lieser. g— 11. Erscheint in 65 Licser. a 65 Pf. Bong u. Co., Berlin W. 57. Ncndeutsche Bauzeituug. tzest 34. Organ deS Bundes deutscher- Architekten. Erscheint jeden Donnerstag. Vierteljahr 2,50 M. Verlag in Leipzig, Hospitalstr. 13— 15. Der Klosterprozeß von Czenstochau. Ein Kulturblld aus dem 20. Jahrhundert. Von P. Laskowski. 1,20 M. Neuer Frankfurter Verlag, Franksurt a. M. Ein Kampf um Gott. Roman von H. Welcker. 3 M., geb. 4 Otto Jank., Berlin. Zeiten und Völker. Monatshefte sür Geschichte, Kulturgeschichte, Länder- und Völkerkunde. Hest 6/7(Napoleonhest). Franckhsche Verlags Handlung, Stuttgart. Jährlich 12 Hefte nebst 2 Buchbeilagcn. 4,80 M. Die Götter dürsten. Roman aus der französischen Reoolutton von Anatole France. 4 M.. geb. 5,50 M.— Mieze. Der Roman eines freien Weibes. Von I. Schlaf 3 M., geb. 4,50 M.®. Müller. München. Ans Natur und Geisteswelt. Nr. 20. Das Eisenhüttemoesen von H. Wedding.— Nr. 39. Abstammungslehre und Darwinismus. Von R. Hesse.— Sir. 381. Die Renatssancearchitekturen in Italien. Von P. Frankl.— Nr. 377. Der französische Roman und die Novelle. Von O. Flake. Einzelnummer 1 M., geb. 1,25 M. B. G. Teubner, Leipzig. Die Periodische Trunksucht. Von R. H. Liebing. 1 M. Brüder Suschitzsti, Wien X. Willkommen. 10 Pf.-Bücherei. Nr. 1. Auf dem Ulmerhof. Roman von M. Lay.— Nr. 2. Iluserc Menagerie. Von E. Gras v. Baudisfin. — Nr. 3. An der Seite des Mörders. Roman von P. Boborhkin.— Nr. 4. Phoma, der Samojedenfürst. Von Olga Wohlbrück.— Nr. 5. Der Posträuber. Von PH. Berges.— Nr. 6. Die Stumme. Roman von L. o. Sacher-Mafoch.— H. Hillger, Berlin W. 9. LebenSregcl» für das Alter. Von Pros. Dr. N. Holm. Broschiert 60 Pf. W. Strübig, Leipzig. Protokolle über die Verhandlungen der 13. Generalversamm- lung des Deutschen Tabakarbeiterverbandes und der 3. General- Versammlung des Verbandes der Ztgarrensortiercr und Kisten- dekleber. Hamburg 1912. 190 S.— Jabresbertcht 1911 deS Deutsche» Tabakarbeiterverbandes. 48 S. Selbstverlag des Verbandes in Bremen. Die Deutsche« in Rußland 1812. Von Paul Holzhausen. Leben und Leiden aus der Moskauer Heerfahrt. 260 S. Morawe u. Scheffelt, Berlin. Li oder Im neuen Osten. Von A. Paquet. 3,50 M., geb. 4,50 M. Rüsten u. Loening, Franksurt a. M. Hcffes Volksbücher. 695/96. Am Brnnnen und ander« Erzäh- lungen von I. Haoemann.— 697/98. Otto JuliuS Bierbaum. Von F. Dropp.(Deutsche Lyriker. XI.)— 699/700. Otto Ernst. Von A. Latwesen.(Deutsche Lyriker. XII.)— 701/709. Der falsche Waldemar. Roman von W. Alexis.— 710. Im Ständehaus zu Itzehoe. Ein barmherziger Samariter. Zwei Erzählungen von Th. Piening.— 711. BcAiner Schloß- und Stadtgeschichte« aus drei Jahrhunderte». Von L. Salomen.— 712. Das Gleiche. Neue Reihe.— 713. Das Fort an dct Salzfnrth. Höhlenjagd in den westlichen Gebirgen. Von F. Gerstäcker.— 714. I» den Manglaren. Erzählung von F. Gerstäcker. — 715. Der nene Messias. Von A. TrtniuS.— 716—720. Der Mtllioncnbauer. Roman von M. Kretzer. Einzelnummer 20 Ps. Hesse u. Becker, Leipzig. Kosmos. Handweiser sür Naturfreunde. Hest 9. Herausgegeben von der Kosmos-Geiellschast. Jährlich 12 Hefte mit 5 Buchbeilagen 4,80 M.— Die Urgesellschaft und ihre LebcnSfürforge. Von Prof. Dr. K. Weule. Zeichnungen von K. Reinke, Titelbild von W. Plank. Stuttgart, Kosmos, Gesellschast der Naturfreunde(Franckhsche VerlagShandlnng), 1 M., geb. Deutscher Imperialismus. Von A. Dix. Leipzig, Dieterichsche Verlagsbuchhandlung, Th. Welcher. Geh. 2 M. gar Reform der NahrungSmittel-Gesetzgebnug. Ein Beiwag rganisatton der Kontrolle und der Industrie von M.Schneider. IM. H. H. Mattner, Leipzig. Das zu oft verwaiste Regiment und die reaktionäre Presse. Bon Günther v. Vtelroggc. 23 S. Nationale Kanzlei, Leipzig-St. Die Giildenramiiicr. Hest 12. Herausgeber: S. D. Gallwitz, T. F. Hartlaub, H. Smidt. 80 Pf. Kafscebag, Bremen. Das Reich der Kraft. Von A. Fürst.(Leuchtende Stunden. Bd. 3.) Vita, deutsches Verlagsbaus, Charlottenburg. Bericht der deutschen Zentrale für Jugendfürsorge 1911. 95 S. Verlag Berlin. Wallstr. 17/18. Zeitung»-Ausgabestellen und Inseraten-Ann ahme. ILciiti'um: Albert H a b ni s ch. Auguststr. 50. Eingang Joachimstratze 2. Wahlkreis, W.: Gust. Sckmidt. Kirchbachstr. 14. Hochparterre £5. und SW.: Hermann Werner, Gneisenauftr. 72. 8. Wahlkreis: ist. Fritz, Prinzen str. 31, Hos rechts pari. 4. Wahlkreis: C(t e n: Robert Wengel«. Gr. Frantsurtersw. 120. — Richard H a ck e l b u s ch, Petersburgerplatz 4(Laden). 4. W'ahlkrels, Süd o st e n: Paul B ö b m, Lauhtzerpbltz 14/15. 5. Wahlkreis: Leo Zucht, Jmmauuelkirchstr. 12(Hos). 0. Wahlkreis(Noahtt): Karl Anders. Salzwedelerstr. 8. Wedding:: I. H ö n i i ch. Nazaretbkwchswaß« 49. Itoscnthaler und Oranienburger Vorstadt: Ltlhelw B a u m a n n. Rheinsbergcritr. 67, Laden. (•esondhrnnnen: H. Fischer, Bastianstr. 6, Ladet». Sehiinhanser Vorstadt: Karl Mars, Greifenhagener SW. 27 A dlershof: Karl Schwarzlose, Hoffmannstr. 9. 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