M. 310. Ndonnements-ltecklMMK: IBonncmcntä« Preis pränumerando! Eierteljährl. 3,30 SRT, nionaü. 1,10 Md. wöchentlich 23 Pfg, frei ins HauS. Einzelne Siununer S Pfg, Sonntags- tiunimer init illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- «bonnemcnl: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- ZeitungZ- Preisliste, Unser Urcuzdand sür Teutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland L Mark pro Monat, PostabonneuientZ Nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, iiänien,«qweden und die Schweiz. 39. Jahrg. Ol« fnkrtlont'Gtbilbr keKSgi für die s-chsgespaltene Nolonek- »elle oder deren Raum KV Pfg,, für politische und gewerkschaftliche Bereins« «ind Bersammlungs-Anzeigeii SO Stellengesuche und Echlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg„ jedes O" p~ww~ av/ 4d[H.» IKUK9 weitere Worts Pfg, Worte über IS Buch- stabcn zählen sür zwei Worte, Inserate lür die nächste Nummer müssen bis l" GIAtiot tSgiich üuStr nioDtia«. Vevlinev VoMsOlÄK. Telegramm-Adrefl« „5»!z!siellISl!k,l Ktkl!»". ZentvaXorqan der fozialdcniohratifchcn Partei Deutfchtarsde. Redaktion: 8Al. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Wloritzplatz, Nr. 1983. Sonntag, den 8. September 1013. Expedition: SM. 68» lUndenstrasse 69* Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1984. (Papftturo und MeiterMane.'' Bon Heinrich Laufenberg. DasRingen zwischen dem emporstrebenden industriellen Ka- Hital um die ökonomische Führung der europäischen Gesellschaft und damit um den bestimmenden Einfluß auf Papsttum und 5tirche, ein Ringen, das im deutschen Kulturkainpf seinen letzten und höchsten Ausdruck fand, endete wie mit dem Siege der neuen Technik mit der Unterordnung der Kurie unter die neuen Wirtschaftsmächte. Aber dem modernen Bürgertum fehlte angesichts des sich regenden Proletariats der Mut, mit seiner eigenen Gesellschaftstheorie Ernst zu machen. Auf einer gewissen Höhe der Konzentration beginnt ferner das Großkapital, der weiteren Steigerung der Produktivkräfte Hindernisse zu bereiten, strebt danach, durch Privilegisierung und Monopol den Besitz, durch Einengung der Arbeiter- koalitionen das Arbeitsrecht in feudalistische Formen zurück- zuwerfen. Wie der Katholizisnms die bürgerliche auf die feudale Gesellschaftstheorie zurückverwies, stemmt sie sich allein entgegen, was über die bürgerliche Welt und damit über die Klassengesellschaft hinausdrängt. Trotz dogmatischer Geltung des Zinsverbots— der im Probabalismus steckende Zwiespalt des moralischen Urteils bricht hier mit einer das System zertrümmernden Schärfe hervor— ist er gezwungen, das kapitalistische Eigentum und damit die gesellschaftliche Funktion des Kapitals zu dogmatisieren, jedes Recht der Ar- beiterklasse, das sich wirksam gegen den Bestand der Klassen- gesellschaft zu kehren vermöchte, dogmatisch zu verdammen, eine Rolle, in die Leo XIII. und Pius X. sich teilen. Eni- fcrnt freilich, dem Klerikalismus den Boden zu entziehen, bildet diese Synthese des vollendeten Widerspruchs, dieses neumodische Crada quia absurdum die Quelle steigenden Einflusses. Liegt darin ja ein rücksichtsloses Bekenntnis der Kirche zur Despotie des als Gotteswille zum Himmel ge- hobcnen bürgerlichen Klassenwillens. So leitet die Unter- ordnung der Kurie unter die neuen Wirtschaftsmächte nicht allein eine Aera politischer Siege des Klerikalismus über das liberale Bürgertum ein: gerade aus dem Gegensatz wider Liberalismus und liberale Gesellschaftsauffassung erwächst ihm die Führung der Klasse nbewegung der bürgerlichen Welt wider die Arbeiterklasse, gewinnt das Papsttum die Handhabe, die Herrschaftsansprüche der Kirche über die übrigen Gruppen der Gesellschaft mit steigendem Nachdruck und steigendem Erfolg zu vertreten. Leo XIII. gab der Eigentumstheorie jene neue Aus- legung: zumal zu befürchten war, daß sie ein Werkzeug der katholischen Arbeiterschaft und ihrer anhebenden Klassen- erkenntnis zu werden vermöchte. Er ließ zwar ihre thomistische Begründung im allgemeinen bestehen, lieh aber dem Besitz statt des quasi naturrechtlichen einen schlechthin uatnrrechtlichen Charakter.„Der Mensch erhebt sich hoch über die tierische Seite seiner eigenen Natur und macht sich diese dienstbar. Was den Menschen adelt und zu der ihm eigenen Würde erhebt, ist der vernünftige Geist.... Eben deshalb, weil der Mensch mit Vernunft ausgestattet ist, sind ihm irdische Güter nicht zum bloßen Gebrauch angewiesen, wie dem Tiere, sondern er hat persönliches Besitzrecht, und zwar wahres Besitzrecht, nicht bloß auf Dinge, die beim Gebrauch verzehrt werden, sondern auch auf solche, die nach dem Ge- brauch bestehen bleiben." Wie aus der vernünftigen Menschen- natur ergebe sich der naturrechtliche Charakter des Eigen- tums aus der durch die praktische Anerkennung der Geschichte und die Gesetzgebung aller Völker erteilten Sanktion.„Auch das göttliche Gesetz verkündet das Besitzrecht, und zwar mit solchem Nachdruck, daß es sogar das Verlangen nach fremdem Gut streng untersagt." Solche und verwandte Argumen» tationen enthalten nun zwar in ihrer von aller historischen Bestimmtheit absehenden Allgemeinheit alles andere eher denn eine Begründung der geschichtlich bestimmten kapitalisti- schen Eigentumsform, doch ist es der Zweck jener Gemeinplätze, gerade diese unter den Schutz des natürlichen und göttlichen Gesetzes zu stellen. Und das'zu einer Zeit, wo mit dem Be- ginn der Herrschaft der Kartelle die gewaltigste Besitz- konzentration, welche die Geschichte kennt, anhob, das imperia- listische Expansionsbedürfnis der nationalen Kapitale die Welt unablässig in Flammen zu setzen droht, die Aera der Zölle mit dem Uebergewicht der extraktiven, auf Ausbeutung der Erdoberfläche gerichteten Industrie eine Grundrenten- stcigerung und damit eine Bcwucherung der Volksmasscn zu- Wege bringt, wie selbst die römische Welt im Gipfel der Latifundien» und Sklavenwirtschaft sie nicht gesehen hat, damals, als der Widerspruch des antiken Proletariats wider den Rentenwucher das Christentum gebar. Jede, auch eine katholische Bewegung zugunsten der Wohlfahrt der untersten Volksschichten muß Halt machen, wo #) In Wien findet demnächst unier dem Namen„Eucharistcn kongreß" eine lärmende klerikale Demonstration statt, die der kleri die Interessen der Klassenherrschaft und des Kapitals ins Spiel geraten. Es sei unbegründet, sagt Leo XIII., wenn wohlgesinnte Leute befürchteten, es möchte durch die so- genannte christliche Demokratie das Streben nach Volks- Herrschaft Förderung und Deckung erfahren, so daß am Ende gar„die christliche Religion auf die Vorteile des niederen Volkes eingeschränkt" erscheine oder„unter der Maske dieser Bezeichnung sich etwa der Plan verberge, jeglicher recht mäßigen Gewalt, der bürgerlichen wie auch der kirchlichen, Abtrag zu tun". Der christlichen Demokratie dürfe„nichts heiliger sein als die Gerechtigkeit: das Erwerbs- und Besitz recht muß sie für unantastbar erklären: sie achte den Unter schied der Stände, die für ein geordnetes Staatswesen wahr lich notwendig sind..." In gleichem Maße sei es verwerf lich, der christlichen Demokratie einen politischen Sinn zu geben.„Freilich bedeutet das Wort Demokratie nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauch und nach seiner Ableitung Volkse Herrschaft: im vorliegenden Falle jedoch ist jede politische Vor stellung ausgeschlossen, es bedeutet eben die mildtätige christ liche Bewegung für die Volkswohlfahrt."„Es möge auch niemand dem Namen christliche Demokratie die Absicht unter legen wollen, das Joch des Gehorsams abzuwerfen und die rechtmäßigen Vorsteher auf die Seite zu schieben. Wie das Naturgesetz, so schreibt das christliche Gesetz Ehrfurcht vor den Vorstehern des Staates nach ihrem Range und gegen ihre gerechten Befehle Gehorsam vor."„Dem Gesagten ent sprechend darf der Katholik, der sich zugunsten der Besitzlosen bemüht, weder praktisch noch theoretisch darauf ausgehen, eine Staatsform auf Kosten der anderen vorzuziehen und sie zur Einführung zu bringen. Auch ein anderer Mißgriff muß von der christlichen Demokratie vermieden werden. Sie darf nichts tun, um den Vorwurf zu verdienen, als wende sie dem Wohle der niederen Stände dermaßen ihre Sorge zu, daß die höheren Stände von ihr vernachlässigt werden." Leo XIII. ist ein Todfeind aller Ar beiterdemokratie. Schon in der Bulle„(juad apostolici rnuneris" vom Dezember 1878, wenige Wochen nachdem über die deutsche Arbeiterschaft infolge der Attentate eines Verkommenen und eines Wahnwitzigen auf Wilhelm I. das Sozialistengesetz hereinbrach, war ihm das Anathema über die„Partei jener Menschen", die„mit fast barbarischen Namen Sozialisten, Kommunisten oder Nihilisten genannt werden" und die„einen solchen Haß unter dem aufrührerischen Volke gegen die ehrwürdige Majestät der Könige" erregt hätten,„daß verbrecherische Verräter jede Zurückhaltung ab warfen und in kurzer Zeit mehr als einmal in gottlosem Wagnis gegen das Staatsoberhaupt selbst die Waffen kehrten",— war ihm das Anathema über die Pest und das Gift des Sozialismus der„aditus ad pacern" im kirchem politischen Konflikt mit Bismarck und der deutschen Re> gierung. Und wie er nicht müde wird, die Bestrebungen der politischen Arbciterdemokratie als Ausgeburten der Finster ins zu brandmarken, schleudert er den Bannstrahl gegen die wirtschaftliche Arbeiterdemokratiö, die Gewerkschaften. Entfernt, es bei der Predigt der Harmonie von Kapital und Arbeit bewenden zu lassen, verlangt er mit dürren Worten das Einschreiten der Staatsgewalt wider die Arbeiterkoalitionen und die Offensiv- st r e i k s.„Nicht selten greifen die Arbeiter zu gemeinsamer Arbeitseinstellung, um gegen die Lohnherren einen Zwang auszuüben, wenn ihnen die Anforderungen zu schwer, die Ar- beitsdauer zu lang, der Lohnsatz zu gering erscheint. Dieses Vorgehen, das in der Gegenwart immer häufiger wird und immer weitern Umfang annimmt, fordert die öffentliche Ge- walt auf, Gegenwehr zu ergreifen: denn die Ausstände ge- reichen nicht nur den Unternehmern mitsamt den Arbeitern ungemein zum Schaden, sie benachteiligen auch empfindlich Handel und Industrie, überhaupt den ganzen öffentlichen Wohlstand. Außerdem geben sie erfahrungsmäßig Anlaß zu Gewalttätigkeiten und Unruhen und stören so den Frieden im Staate..."„Die Bewegung der Massen, in denen die Gier nach fremder Habe erwackst, muß mit Kraft gezügelt werden.... Ohne Zweifel zieht es der allergrößte Teil der Arbeiter vor, durch ehrliche Arbeit und ohne Beeinträchtigung des Nächsten sich zu einer bessern Stellung zu erschwingen. Aber zahlreich sind auch die Unruhestifter, die Verbreiter falscher Ideen, dene jedes Mittel recht ist. um einen Umsturz vorzubereiten und das Volk zu Gewalttätigkeiten zu verleiten. Es inuß also die Gewalt dazwischentreten, dem Hetzen Einhalt gebieten, die friedliche Arbeit vor der Verführung und Auf- reizung schützen, den rechtmäßigen Besitz gegen den Raub sicherstellen.".Klerikale Sozialpolitiker haben zwar versucht, den unmißverständlichen Sinn dieser Worte abzuschwächen, mußten sich jedoch von den Moraltheologen zurechtweisen lassen, die das Recht der Arbeiter auf den Streik mit Hinweis auf Leo XIII. verneinen. Daß Leo XIII. in diese Lehre nun auch eine Empfehlung jener Art der Abwehr einflicht, die das Entstehen des Uebels Ursachen, die den Konflikt hindere„durch Beseitigung der Ursachen, die den zwischen den Anforderungen der Brotherren und der Arbeiter kiile Thronfolger und seine bigotte Frau aufs eifrigste unterstützen, herbeizuführen pflegen", berührt doppelt sonderbar angesichts Staatsbeamte und Offiziere werden zu dieser Veranstaltung kom-, seiner Lohntheorie. Ein belgischer Bischof legte'ihm die mandiert, die Wiener Schulen zur Beherbergung der zuströmenden � Frage vor, ob ein Unternehmer sündige, der dem Arbeiter Landlcuie benützt, kurz es wird ein großes Spektakclstück. Der j einen für den Unterhalt der Famile nicht genügenden Lohn „Kamps", die marxistische Monatsschrift unserer österreichischen � zahle. Es erfolgte die vom Papst persönlich gebilligte Ant- Genossen, bringt eine Reihe ausgezeichneter Aufsätze zur Kritik des wort, er sündige nicht gegen die Gerechtigkeit, könne aber KlexilalismuS, der die obigen Ausführungen entnommen l mitunter sündigen gegen Nächstenliebe und natürliche Billig- keit.„Die Arbeit ist das persönliche Werk des Arbeiters und nicht seiner Familie.... Es wird nicht von der Gerechtigkeit erfordert, daß man dem durch die Arbeit selbst verdienten Lohn etwas hinzufüge.... Die Arbeiter, die für den Herrn fortgesetzt arbeiten, stehen ihm näher als die übrigen, die nichts für ihn tun(also: die Arbeiterfamilie. D. V.). Darum soll der Herr, welcher Almosen spenden kann, das vorzüglich zugunsten seiner Arbeiter tun, indem er ihnen aus Liebe reichlich das gibt, was er aus Gerechtigkeit durchaus nicht zu tun gehalten ist, damit der so vergrößerte Lohn weniger un- genügend sei zum Unterhalt der Familie des Arbeiters. All das soll aber nur im llgemeinen gesagt sein. Sobald der Herr aus den Leistungen des Arbeiters große Vorteile zieht. ist er durch eine gewisse natürliche Billigkeit verpflichtet, ihn einigermaßen durch eine Uebergebühr zu entschädigen, aber es hat der Arbeiter auf diese Uebergebühr kein Recht." Lumen de coelo, ein Licht vom Himmel, nennt kleri- kaler Ueberschwang nicht selten den..Arbeiterpapst". Die Lohnthcorie Leos XIII. knüpft den gerechten Lohn an den marktgängigen Tauschwert der Ware Arbeitskraft, zerreist die Familie bis herab zum Kinde in Objekte der Profitbildung, die dem Akkumulationsbedürfnis des Kapitals überantwortet werden. Die Erleuchtung von oben erschöpft sich in der trivi- alen Brutalität jenes Grundgesetzes der kapitalistischen Aus- beutung, der Produktion und Reproduktion von Mehrwert. Wie diese als oberstes Wirtschaftsprinzip die Verhältnisse der Gesellschaft letzter Hand bestimmt, schließt sie ihre oberste Sittennorm ein. Indem Leo XIII. diese in die Moral- theologie einführt, als Verkünder einer Theologie rücksichts- loser Ausbeutung auftritt, erfüllt er eine geschichtliche Mission. Sie empfängt Zweck und Inhalt aus der geschicht- lichen Notwendigkeit, in der die Hervorkehrung der Klassen- despotie ebenso begründet liegt wie die Verstrickung des Dogmas in die Gemeinplätze der Vulgärökonomie, die Be- grenzung seines ökonomischen Gesichtsfeldes durch Vastiat und Malthus. Die neuen Grundsätze, die Leo XIII. in den Formen des Schönredners und mit diplomatischer Gewandtheit vortrug, kleidet P i u s X. in unverhüllte, plumpere Worte, während er sich zugleich für ihre volle und konsequente Durchführung einsetzt. � Seit dem Beginn seines Pontifikats schritt der internationale Sozialismus siegessicher seines Weges fort, wurde er für die Vertreter des Bestehenden eine immer drängendere Sorge der Gegenwart. Was Wunder, wenn Pius X. dje Eigentumstheorie seines Vorgängers aufs schärfste unterstrich, wenn er das„Privateigentum unter allen Um- ständen, sei es als Frucht der Arbeit oder des Gewerbes oder infolge von Uebertragungen oder Schenkungen Naturrecht" sein läßt. Was Wunder ferner, wenn auch im entferntesten nicht der Katholik zur Förderung der politischen Demokratie beitragen darf, würde dock) ihre Durchführung unabweisbar zur Diktatur des Proletariats führen. Darum wird die christliche Demokratie aufs unnnttelbarste der Aufsicht der Kirche unterstellt._ Die christliche Demokratie hat die strengste Pflicht, die kirchliche Autorität zu wahren, indem sie den Bischöfen und deren Vertretern vollen Gehorsam und Unter- werfung erweist.„Es ist kein verdienstlicher Eifer und keine aufrichtige Frömmigkeit, wenn schöne und an sich gute Dinge unternommen werden, die von dem eigenen Hirten nicht ge- billigt worden sind." Alle Schriften katholischer Laien über Fragen der Religion, der christlichen Moral und natürlichen Ethik, alle Schriften Geistlicher, wenn auch rein Wissenschaft- lichen Inhalts, werden der kirchlichen Präventivzensur unter- warfen. Meinungsverschiedenheiten darüber seien keinesfalls in den Zeitungen auszutragen, vielmehr dem Urteil der kirchlichen Obrigkeiten zu unterstellen.„Schließlich sollen die katholischen Schriftsteller bei der Verteidigung der Sache der Besitzlosen und der Armen sich hüten, eine Sprache zu führen, die im Volke eine Abneigung gegen die höheren Klassen der Gesellschaft hervorbringen könnte. Sie sollen nicht von Zurück- stellungen und von Gerechtigkeit sprechen, wenn es sich nur UM die Liebe handelt...." Größte Bedeutung besitzt Pius X. Vorgehen gegen die christlich interkonfessionellen Gewer k- s ch a f t e n. Die katholische Klerisei Deutschlands suchte die ihr anhängenden Arbeiterkreise in katholischen, von Geistlichen geleiteten Vereinen mit Fachsektionen zur Besprechung von Berufsfragen zusammenzufassen. Im Osten Deutschlands mit seiner mehr agrarischen Struktur bilden sie heute noch die von den Bischöfen allein gebilligte Organisationsform. Anders im Westen. Die geradezu amerikanische Entwicke- lung seiner Industrie erwies jene Organisationsform rasch als unwirksam, drängte die katholischen Arbeiter spontan über sie hinaus. Es entstanden unter der Selbstverwaltung der Arbeiter christlich interkonfessionelle Gebilde, die den Gegensatz gegen die Sozialdemokratie auf ihre Fahne schrieben. die Bezeichnung christlich als nicht sozialdemokratisch deuteten, im übrigen aber den Lohnkampf unter die itgalen Mittel der Arbeiterorganisation aufnahmen. Da nun nach der Mei- unng der wohlwollendsten Interpreten der päpstlichen Doktrin. Streiks wegen der sie begleitenden Umstände durchweg schwer sündhaft, entbrannte zwischen den beiden Strö- mungen im klerikalen Lager eine Fehde von steigender Er- bitterung, in der der Papst sich unlängst völlig auf Seite der konfessionellen Vereine schlug. Die Klassenerkenntnis des Arbeiters beginnt naturge- maß an den Fragen des Arbeitsverhältnisses. Hier tun sich zuerst jene nicht überbrückbaren Wegensätze auf, die den Wegen- satz der Gesellschaftsauffassung, der Weltanschauung in sich bergen. In der Selbstverwaltung der Gewerkschaften er- scheint das Verwaltungsprinzip der Zukunft, die Wirtschaft- liche Arbeiterdcmokratie, und die christlichen Gewerkschaften wachten davon keine Ausnahme. Tie. Gewerkschaften sind zu- dein die Träger des Zentralismus, der stärksten Wirtschast- lichen Waffe der Arbeiterschaft, mit dein der Klassenstaat je mehr in einen Kampf auf Leben und Tod gerät, als seine eigene Produktion von der freien Konkurrenz zum Monopol fortschreitet. Nun enthält zwar die interkonfessionelle Be- schrcinkung bereits eine Absage an den gewerkschaftlichen Zen- tralisnius, und der Gegensatz, in dem die christlichen Ge- werkschasten zu ihm stehen, wächst mit dem Umfang der Lohn- kämpfe. Spielt auch der Streik sich ab aus der Grundlage des bürgerlichen Produktionsverhältnisses, so greift er doch zuletzt und notwendig über den Rahmen des letzteren hinaus. Die Massenkämpfe der Gegenwart sind schon kraft der großen Zahl der Beteiligten politische Ereignisse, wachsen sich zu politischen Klassenkämpfen aus. Da galt es. die christlichen Organi- sationen vom Lohnkampf abzudrängen, sie in das Kielwasser der gelben Verbände zu zwingen. Daher die Bevorzugung des konfessionellen Lokalismus durch den Papst.„Euch lobe ich, euch billige ich und euch erkeniw ich an, und mit allen Kräften strebe ich an, daß alle eure Grundsätze sich zu eigen machen mögen!" Den interkonfessionellen Organisationen, dagegen läßt er be- schcinigen, daß sie nur geduldet sind, jeden Augenblick ver- boten werden können.„Die interkonfessionellen Gewerk- schaften, wenn sie auch praktisch zugelassen und deshalb bis jetzt vom Heiligen Stuhl nicht verurteilt sind, können doch, da sie als solche von den katholischen Grundsätzen und der kirchlichen Autorität absehen, eine Gefahr für die katholischen Mitglieder bilden." Wie sehr das Recht auch für die katholi- schen Arbeiter gefordert werden muß, von geistlicher Bevor- inundung frei das KoalitionSrccht ausüben zu können, wird die Kurie und kann sie Arbeiterkoalitionen nur noch dulden, wenn, soweit und solange sie sich zur Bekämpfung der zen- tralistischen freien Gewerkschaften gebrauchen lassen. Die christlichen Führer haben denn auch während des letzten Aus- standes der Nuhrbergleute aufs lauteste nach Polizei und Militär gerufen, haben geholfen, den Streik mit allen Mitteln in den Boden zu trampeln! war es doch die einzige Möglich- keit, sich weitere Duldung feitens der Kurie zu erkaufen, ein Vorgang, der in der Tat den christlichen Organisationen Deutschlands keine andere Wahl mehr lässt, als in den großen und entscheidenden politischen wie gewerkschaftlichen Aktionen als Feinde der sozialistischen Organisationen aufzutreten. Es wird diese Entwickelung den Leidensweg der deutschen Arbeiterschaft zweifellos verlängern. Gleichwohl darf es aufs dankbarste begrüßt werden, daß die Kurie selbst den Kampf für das Koalitionsrecht, das unerläßlichste, elementarste Recht des Arbeiters in der Gegenwart, das für ihn gleichbedeutend ist mit menschenwürdiger Existenz, mit Brot für Weib und Kind, zu einem Kampf wider Gott, Dogma, Kirche ge- stempelt hat. So legt die katholische Dogmatik dem Proletariat den bürgerlichen 5tlassenwillen restlos auf und es find danach nur selbstverständliche und beiläufige Züge, wenn Pius X. dem modernen Imperialismus seinen Segen erteilt oder katholische Feiertage aufhebt,„weil der vermehrte Handel und der be- fchleunigte(Kmg der Geschäfte durch die Häufigkeit der Feste Schaden leiden". Katholische Dogmatiker enden so im offenen Kanipfe mit den Lebensintcresse» des Proletariats, indem sie die Prosit- interessen seiner Todfeinde als Gottes Willen in die Wolken prosizieren, im tödlichen Widerspruch zu Vernunst und Wissen» schast, indem sie die Voraussetzungen rationellen Denkens und wissenschaftlichen Jorschens ans dem Gebiete der Ge» schichte und damit der Gesellschaftswissenschaften überhaupt für ketzerisch erklären. Dieser Sachverhalt ist nur an der Hand gegebener politischer und wirtschaftlicher Zusammenhänge verständlich. Fundament und Wesen des Doamas treten aus der mystischen Hülle hervor, indeS sein historischer Boden zer- bricht und versinkt, und mit Händen greifbar erscheint die Tatsache, daß religiöse Aktionen nur noch als politische Aktionen wider die Arbeiter- Nasse möglich sind._ Teuerung. Reicht der Viehbestand ans? I» der Debatte über die Ursachen der Teuerung behaupteten die rechtsstehenden Blätter und auch das Kanzlerblatt, dah die deutsche Landwirtschaft der steigenden Nachfrage durchaus stand- gehalten habe; sei es ihr doch sogar möglich gewesen, die Vieh- bestände im vergangenen Jahre noch zu erhöhen. Als Beweis dafür werden die Zahlen der Viehzählungen vom Dezember 1V10 und Dezember 1911 mit einander verglichen. Der Zuwachs gegen 1900 beträgt danach an Rindvieh 89 700 Stück, an Schweinen 7SS29S Stück. Danach ist zu Befriedigung über den Stand unserer landwirtschaftlichen Viehzucht oder zu einer Be- unruhigling über die Ausrcchterhaltung unserer Fleischversorgung absolut kein Anlaß gegeben. Die zweifellos erhebliche Zunahme deö SchtvcincbestandeS kann gar nicht als ein Triumph der„landwirtschaftlichen' Viehzucht gefeiert werden. Sie mutz vielmehr der Wirksamkeit eines besonderen neben der Landwirtschaft einhergeheuden Geschäftszweiges angesehen werden. Besondere Schweiiiemäslanstalten nutzen die günstige Konjunktur niedriger Einkaufspreise für Ferkel und Läufer- schweine au«, um mit billigen nicht immer ganz einwand« freie» Futtermitteln die Aufzucht und Schnellmast von Schweinen im Großen zu betreibe». So kommt es. daß an der Gesomtflcischvcrsorgung das Schweinefleisch mit 00 Proz. beteiligt ist. Aber einmal werden gegen dies Uebcrwiegeu des Schweine- fleifchkonsums Bedciilcu von Acrzten erhoben, die zum mindesten Schweinefleisch für nicht so nahrhaft halte» als Rind- und Schaf- fleisch. Und andererseits sind gerade die kleinbäuerlichen Betriebe mit der Konkurrenz dieser Großmastbetriebe sehr unzufrieden, so daß die Zunahme des SchwcinebestandeS keinesfalls der»landwirtschaft- lichen' Viehzucht zu danken ist. Geradezu irreführend aber muß eö wirken, wenn man die ziffern- mäßige Zunahme des RindviehbestandeS für eine Vermehrung erklärt, die den wachsenden Bedürfnissen d recht traurige hinzustellen. Sie erklärt deshalb kurzweg unsere Schilderung für total unrichtig, indem sie behauptet: Wir wissen nicht, ob in diesem Falle Unkenntnis, die aller» ding« kaum erklärlich sein würde, oder Frivolität die Feder geführt hat. Die Roggenernte hatte tatsächlich in vielen Teilen Deutschlands kaum begonnen, als das Regenwetter einsetzte. Daß der Regen das Ge- deihcn der Kartoffeln begünstigt habe, widerspricht der Wahr» heit. Man fürchtet vielfach, daß unter den Einwirkungen der Nässe die Kartoffeln faulen. Richtig ist, daß das Getreide ausgezeichnet gewachsen war. Was hilft aber daS schönste Getreide, wenn es überhaupt nicht oder nur verdorben und verkümmert ein- gebracht werden kann? Ist es dem.Vorwärts" unbekannt, daß in der Provinzpresie schon jetzt Mühlen und Getreidehändler an- kündigen, daß sie nickt in der Lage seien, feuchtes oder klammes Getreide zu kaufen? Bei einem Regenwetter, wie es in den letzten Wochen geherrscht hat, kann selbst der Landwirt daS Getreide nicht ohne schweren Schaden einbringen, der über genügende Arbeits- kräfte verfügt. Bekanntlich gehören auch einige Großgrundbesitzer der sozialdemokratischen Partei an. Will sich der.Vorwärts" nicht einmal bei diesen über die diesjährige Ernte erkundigen? Wie schvn ein flüchtiger Blick lehrt, leistet sich das Oertelsche Blatt wieder, wie gewöhnlich, eine Fälschung. Unsere AuS- führungen bezogen sich auf den preußischen Osten, speziell auf Ost- Preußen, die.Deutsche TageSztg." bezieht sie ohne weiteres auf ganz Deutschland und erzählt dann mit komischer selbstgefälliger Gespreiztheit, in.vielen Teilen Deutschlands" sei die Roggenernte durch Regen unterbrochen worden. DaS wissen wir uuch. Nicht in allen Teilen deS Deutschen Reiches ist natürlich die Getreideernte und der Kartoffelstand gleich gut— schon deshalb nicht, weil die Witterung und die Bodenart nicht die gleiche ist. Wenn also die.Deutsche TageSztg." nichts anderes zu erwidern weiß, als daß stellenweise die Ernte minder reichlich ausgefallen ist, dann kann sie ihre tiefgründige Weisheit getrost für sich behalten. DaS kurioseste ist jedoch, daß daS Blatt der Notleidenden in Fuchspelzen sich in derselben Nummer obendrein selbst widerlegt. Während es auf seiner zweiten Seite über die schlechten Ernte- ergebnisse klagt, druckt eS auf der ersten Seite einen Artikel des ehe- maligen Ministers a. D. von Podbielski ab, in welchem erklärt wird. daß die Fleischteueruug nicht so schlimm sei, da die Kartoffeln und der Roggen viel billiger in diesem Jahre seien als im vorigen. Wörtlich heißt es in dem PodbielSkischen Artikel: „Heute ist man entrüstet in den Städten über die hohen Fleischpreise, und man vergißt, daß im vorigen Jahre die Kar- löffeln viermal so teuer waren wie jetzt. Man vergißt, daß die Tonne Roggen im vorigen Jahre einen Preis von ISO M. erzielte, tvährend sie in diesem Jahre für 20 M. weniger, also für 170 M., käuflich ist." Und warum sind die Kartoffel- und Roggenpreise billiger? Weil wie der frühere LandwirtschaflSminister aussührt. der Preis durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird und in diesem Jahr �daS Marktangebot größer ist. Er sagt: .Vielfach ist auch in der städtischen Bevölkerung die Meinung verbreitet, daß die Landwirte durch Trustbildungen einen Einfluß auf die Preise zu übe» vermöchte». DaS ist aber völlig aus- geschloffen. Allein daS offene Marktangebot und die Nachfrage find die einzigen Grundlagen für de» Verkauf landwirtschaftlicher Produkte." Also das Marktangebot ist weit stärker, und zwar, weil die Ernte reichlicher ausgefallen ist als im Vorjahr— oder will die .Deutsche TageSztg." vielleicht behaupten, daS Marktangebot fei gerade deshalb so stark, weil loenig gewachsen sei? DaS Oertelsche Jntelligenzblatt hat Pech. Neulich ereiferte cS sich gegen die sogen. Gcbnrtenverhindcrung und brachte gleichzeitig im Anzeigenteil eines jener nicht mehr zweifelhaften Inserate, in denen Mittel gegen Konzeption angeboten werden; und gestern leistet eß fich auf der ziveiten Seite eine Jerimiade über schlechte Ernteergebnisse, die auf der ersten Seite bereits als alberues Geschwätz abgetan ist. Schrecklich. Eine„politische Unterschlagung" sollen»vir und mit uns die meisten Parteiblätter begangen haben, weil»vir die ofsiztösen Telegramme über den Besuch Wilhelms II. in der Schweiz in den Papierkorb geworfen haben. Das ist der neueste Vyrivurf, den das Bethniannpapicr gegen uns erhebt. Und daS scharfsinnige Blatt erkennt auch unsere perfiden Absichten: .Die Leser, der sozialdemokratischen Presse sollen keine Kenntnis von der Tatsache erhalten, daß das ReichSoberhaiipt von den freien Bürgern der eidgenössischen Republik geehrt, gefeiert und umjubelt wird; sie sollen auch nicht» davon vernehmen, daß der Monarch, den sie so gern als Absolulisten schildern, mit de» demolratischen Spitzen der Eidgenossenschaft, unter denen Sozialdemokraten zahlreich genug vertreten find, auf das angenehm sie und leichte sie verkehrt." Von uns zu verlangen, daß wir den byzantinischen Rummel, für den in diesem Falle nicht einmal ein politischer Vortvand zu finden ist, mitmachen sollen, ist schon komisch genug. Aber noch komischer ist der Wert, den das halb- amtliche Organ darauf legt, daß Wilhelm II. im Aus- lande die Fähigkeit gewinnt, auch mit Republikanern und Sozialdemokraten angenehm und leicht zu verkehren. Wir müssen konstatieren, daß diese Auffassung der„Nordd. Allg. Ztg." einen gewissen Fortschritt bedeutet; denn als wir seiner- zeit im Falle Macdonald feststellten, daß Wilhelm II. sich um die Einladung bemüht hatte, konnte nach einigen unwilligen Leußerungen der reaktionären Blätter die„Nordd. Allg." nicht oft genug unsere Feststellung ableugnen. Jetzt also wird der Verkehr mit Sozialdemokraten als neueste H e r r s ch e r t u g c u d gepriesen und wir getadelt. weil lvir diese Tugend nicht rasch genug zur Kenntnis unserer Parteigenossen gebracht haben. Gemildert ist diese Tugend freilich dadurch, daß-sie offenbar nur im Auslande in Er- scheinung tritt, während die Taten im Jnlande mehr im Geiste jeucr Zuchthausrede erfolgen. Weil aber die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" unsere Motive so sehr verkannt hat. wollen wir ihr den wahren Grund unseres Schweigens verraten: Wir brauchten über die Reise nichts zu berichten, weil sich Wilhelm II. in der Tat Völlig cinivandfrci benommen hat. Wunderbare Wege der Justiz. In einer und derselben Angelegenheit hat daS Landgericht Venthen O.-S. zwei direkt sich gegenüberstehende Urteikegefallt. Vor der ReichStagSwahI wurde von der oberschlesischen Bezirksleitung die bekannte Broschüre.Beamten» tum und Sozialdemokratie" an fast 3000 Beamte des oberschlesischen JndustrierevierS per Post geschickt. Von den 3000 Empfängern der Broschüre fühlten sich auf Anfrage durch den Vorgesetzten einige Polizeibeamte aus dem liberal regierten K a t t o w i tz„beleidigt" und stellten Strafantrag. Zum nicht geringen Entsetzen aller wahrhaftigen Patrioten und Retter des Vaterlandes sprach jedoch die Beuthener Strafkammer die Genossen Höning und Hauke von der Anklage der Beamtenbeleidignng frei. Den ersteren, weil er mit der Versendung der Broschüre nichts zu tun hatte, den letzteren, weil sich das Gericht auf den ganz vernünftigen Stand- Punkt stellte, daß die Zusendung der fraglichen Broschüre an die Beamten keine jBeleidigung darstelle. Das Gericht betonte außerdem noch, daß eS nicht verboten sei, unter den Beamten Agitation zu treiben, und daß ein Beamter auch sozialdemokratisch wählen lönne/weil unter Umständen die Sozialdemokratie das kleinere Nebel sein könne. Gegen diese Freisprechung und noch mehr gegen die Urteils- begründung lief die ganze konservative Preffe Sturm. Offen wurde den Richtern gesagt, daß sie in diesem Falle Klassenjustiz zu üben hätten, da solche Urteile geeignet seien, die Staats- autorität zu untergraben. Wohl infolge der konservativen Hetze legte der Staatsanwalt gegen das freisprechende Urteil Revision ein; und daS Reichsgericht verwies denn auch tatsächlich die Angelegenheit an die Borinstanz zur nochmaligen Verhandlung zurück. Dasselbe Gericht kam nun am Donnerstag zu einer ganz anderen Aufsassung. Es verurteilte Genossen Hauke zu öll Mark Geldstrafe. Jetzt war seltsamerweise das Gericht der Ueberzeugung, daß sich die Be- amtcn durch die Zusendung der Broschüre beleidigt fühlen mußten, weil-- die Broschüre keine— Aufklärungs-, sondern eine— Werbeschrist darstellt. Und die Zusendung einer sozialdemokratischen Werbeschrist sei für einen Beamten, der dem Könige den Treueid geleistet habe, schwer beleidigend. Also zwei grundverschiedene Urteile nmd B e- g r ü n d u u g e n in der gleichen Angelegenheit. Die Wege unserer Justiz sind eben sonderbar. Doch noch in anderer Beziehung war der Prozeß recht lehrreich. Er zeigte, wie zu einem großen Teil das Polizei» Material beschaffen ist, daS die Arbeiterbewegung in Oberschlesien zu überwachen hat. Als der als Zeuge geladene Polizeiinspeltor nach dem Verbleib eines sich ebenfalls.beleidigt" fühlende» Polizisten gefragt wurde, mußte er zugeben, daß dieser plötzlich aus dem Dienst entlasten worden ist, weil er sich mit der Wasse an seinem Vorgesetzten vergriffen habe. Ein Strafverfahren ist jedoch gegen den Beamten bis jetzt nicht eingeleitet. Ferner hat auch der Polizei- scrgeant Ehrlich wegen eines Sittlichkeitsverbrechens aus dem Dienst entlassen werden müssen; und ein weiterer Polizist, ebenfalls ein „beleidigter", ist nicht mehr im Dienst und war auch nicht auf- z u f i n d e n._ Hehler rhanduiavirchcr Hrheiterkongreß. Stockholm, 5. September.(Eig. Ber.) Die Nachmittagssitzung am DienStag brachte zunächst das Referat Palmstiernas über„Teuerung undTrust- wesen". Redner gehört zu den bürgerlichen Politikern, die in den letzten Jahren zur Sozialdemokratie übergetreten sind. Er unterscheidet sich vorteilhaft von einzelnen seiner liberalen Kollegen dadurch, daß er durch ökonomische Studien auf den Weg zu uns gedrängt wurde. Allerdings steht er der marxistischen Oekonomie noch recht fremd gegenüber, er wird von englischen Einflüssen stark beherrscht. Die letztere Er- scheinmig ist in der jüngeren bürgerlichen Intelligenz Schwedens zurzeit keine Seltenheit, und man findet selbst unter den zur Sozialdemokratie übergetretenen Elementen eine unvcrständ- liche D e u t s ch c n a n t i p a t h i e. die sich kaum die Mühe macht, sich öffentlich zu verbergen. Dieser Vorwurf kann zwar nicht gegen Palmstierna erhoben werden, aber auch er sucht seine Quelle» in England, auch Ivo sie offenbar mit nackten Tatsachen in Widerspruch kommen. Im übrigen brachte sein Referat ein recht eingehendes Zahleniiiaterial, das insbesondere für England daS Resultat ergab, daß von 1900 zu 1911 die Lebenshaltung um 10 Proz. stieg, während die Arbeiterlöhne nur um 0,4 Proz. gestiegen sind. Redner sieht darin den Grund für die Geschehnisse im gewerkschast- lichen Leben der englischen Arbeiter in den letzten Jahren. Als Ursachen der Teuerung nennt der Referent zwei Ursachen: Verniehrung der Goldproduktion und das T r u st w e s e n. Die ersten: läßt den Wert des Goldes sinken, die gewöhnliche vulgärökonomische„Erklärung" für die Teuerung. Die zweite Ursache, der Ucbergang zur Monopol- stellung. führt zu einer kapitalistischen Feudalherrschaft zwecks rücksichtslosester Ausbeutung der Konsumenten. Allein in Schweden existieren zurzeit etwa 200 Trustbildungen, von denen die eine, der Zuckertrust, eiste absolute Monopotstellung auf dem schwedischen Markt einnimmt und den Zuckerpreis fort- dauernd weit über der Grenze Weltmarktpreis plus Zoll zu halten vermag. Dieser Trust arbeitet mit einem vor- geschossenen Kapital von 39 Millionen Kronen, das durch Rück- lagen auf 135 Millionen buchmäßig angeivachsen ist; die letztere Summe verzinst der Trust seinen Aktionären mit 7 Proz. Ein Verbot der Trustbildung empfiehlt der Redner nicht, vielmehr wird die technisch-ökonomische Ueberlegenhcit des Trusts anerkannt. Gegen die sozialen Gefahren der Trustbildung muß dagegen eingeschritten werden. Das Ziel muß die Zurücksührung der Produktion zu ihrer ursprünglichen Ausgabe, dem Konsum zu dienen, sein, wie es der Sozialismus vcrlaiigt. Redner fordert in erster Linie folgende Maß- nahmen: Genossenschaftliche Organisation der Konsumenten, starke, einheitliche, gewerkschaftliche Organisationen der Arbeiter, Reforin beziehungsweise Aufhebung der Zollgesetz- gcbung dort, wo ein Trust Monopolstellung erlangt hat, staatliche Kontrolle und— ausnahmsweise— Sonderbestcue- rung der Trusts, eine staatliche Preisregelung, wo die Preis- bildung nicht mehr in normaler Weise vor sich geht. Eine Diskussion folgte dem Vortrage nicht. Sodann begannen die Verhandlungen über die aus den Kommissionen zurückgelangten Anträge. Clausen» Däne- mark berichtete über die Frage der Jugendbildung. Die angenommene Resolution fordert obligatorische FortbildungS- schulen, in denen besondere Rücksicht auf die Berufs- bildung der Schüler geübt wird. Ueber die Äe- nosscnschaftSsrage berichtete I u h l- Nortvcgen. Die Re- solution schließt sich dem Beschluß des Kopenhagencr Internationalen Arbeitcrkongrcsses an. Die Arbeiter werden aufgefordert, ihre genossenschaftliche Organisation ernstlich in Angriff zu nehmen. Referent enipsiehlt die Organisation der Koiisuiiieiltcu und auf der Grundlage des organisierten Konsums Ucbergang zur Eigeiiproduktiou.. Die Diskussion verlief recht lebhaft, teilweise gar hitzig, nachdem ein Redner eine Lanze für die alte dänische Parteiauffassung der Produktiv- assoziation gebrochen hatte. Schließlich fand die Resolution fast einstinimige Annahme. Die Mittwoch-Verhandlungen mußten, da die Kommissionen nicht fertig waren, auf mehrere Stunden unterbrochen werden. Annahme fanden zunächst Resolutionen über Zusammenwirken der skandinavischen Nationen insbesondere auf dem Gebiete der Sozialgesetzgebung; über die Errichtung einer gemeinsamen skandinavischen Zeitschrift sollen die Parteivorstände in den drei Ländern nähere Untersuchungen anstellen. In der Arbeitslosenversicherungsfrage werden die GeWerk- schaften aufgefordert, die Arbeitslosenunterstützung einzuführen und von den Kommunen und den Staaten Zuschüsse zu diesen Kassen zu verlangen. Die Frage eines Skandinavischen Arbeiter Meetings wird den Hauptvorständen über- wiesen. In der Frage des Achtstundentages wurde dessen gesetzliche Einführung verlangt. Die Wohnungsfrage führte zur Annahme einer Resolution, die staatliches und kommunales Eingreifen fordert. Die genossenschaftliche Organisation zu Bauzwecken»vird empfohlen, sofern ge- nügende Bürgschaft gegen Spekulation geboten wird. Die Organisation der Industriearbeiter innen wird in einer besonderen Resolution propagiert, die Abschaffung der Heimarbeit durch gesetzliche Maßnahmen ebenso gefordert. Eine unvermeidliche Resolution über eine internationale Hilfssprache fand Annahme, nach- dem Branting sie etwas ernster durch die Erklärung machte. daß es nicht unbedingt eine künstliche, sondern sehr wohl durch Anerkennung einer der großen lebenden Sprachen ge» schehen könne. Ueber die zwei wichtigsten Fragen. Militärfrage und Gcwerkschaftsfrage, die den Kongreß beschäftigten, und die entgegen der' ursprünglichen Absicht auch den größten Teil des Donnerstag'in Anspruch nahmen, werden Wir ist einem Schlußartikel Gerichten- Orhei. Sozialisten und Jungtürke«. .- Aus Konstantinopel wird uns geschrieben: Die türkischen Zeitungen berichteten vor kurzem, daß die Vertreter des juugtürkischen Komitees Mithad Bey, Rifak Bey und die ehemaligen Minister Talaat und Djawid den sozialistischen Klub in Saloniki besuchten und die Mitglieder der sozialistischen Föderation baten, am jung- türkischen Meeting teilzunehmen und gegen die Verhängung des Kriegszustandes über Saloniki zu protestieren. Unsere Genossen verzichteten auf diese Einladung und erinnerten die Jungtürken, daß der Minister Djawid Bey im vergangenen Jahre in einer öffentlichen Rede drohte, alle Sozialisten aus der Türkei zu verjagen. Eine andere Antwort könnten die Sozialisten auch nicht geben. Es ist nicht zum erstenmal, daß die Jungtürken sich in einem ernsten Augenblick an die Sozialisten wenden. Wir erinnern daran, daß der ehemalige Präsident der türkischen Kammer durch den„Vorwärts" seine Klagen an die sozialistischen Parteien Europas richtete, nachdem er alle Hoffnungen auf die Hilfe der europäischen Regierungen gegen den Angriff Italiens verloren hatte. Dieser Appell an die Sozialisten ist der beste Beweis, daß die Jungtürken selbst sehr gut wissen, wo man die besten FreMde des konstitutionellen Regimes zu suchen hat. Leider abet' machen sie praktische Schritte in dieser Richtung nur dann, wenn sie Hilfe zur Verstärkung ihrer eigenen Position bedürfen. Im allgemeinen aber benutzten die jungtürkischen Regierungen und das Komitee jede Gelegenheit, um ihre Macht gegen die Sozialisten zn richten. Sie gingen dabei so weit, daß sie alle demokratischen Gesetzentwürfe abwiesen, weil diese„verderbliche Elemente des Sozialismus" enthielten. Als z. B. im Jahre 1909 die armenischen Sozialisten in die Kammer einen Entwurf über die progressive Einkommensteuer in die Kammer brachten, bot der Finanzministcr Djawid Boy all seine Beredsamkeit auf, um zu beweisen, daß eine solche Steuer den Anfang des Sozialismus bedeute und deshalb jeder anständige Abgeordnete gegen den Entwurf votieren müsse. Ilnd obgleich der armenische Deputierte WardkcS die ganze Absurdität der Aus- führungen deS Ministers klarlegte, verwarf die Komitee« fraktion den Entwurf und rettete so daS Vaterland auf einige Zeit vor dem sozialistischen Gifte. Ferner führten die Regierung und das Parlament einen Gesetzentwurf durch, der die Organisation der Arbeiter der öffentlichen Unternehmungen untersagt und das Streikrccht beschränkt, da solche Organisationen ein Werkzeug in Händen der Sozialisten gegen den Staat seien. Die Jungtürken haben also die Sozialisten zu Staats- feinden erklärt und siaMeftig verfolgt. So wurde in kurzer Zeit eine ganze Reihck�von Gewerkschaften geschlossen und einige ihrer Vertreter verhaftet oder ausgewiesen. Aber die große moralische Kraft des Sozialismus besiegt den blindesten Haß, und die angesehensten Vertreter der Jungtürken wenden ich schließlich um Hilfe an die Sozialisten. Die Sozialisten sind eben das einzige aufrichtig domo- kratischc Element in der Türkei, auf das sich das konstitutionelle Regime stützen kann. Je mehr Freiheit der Entwickelung ihrer Organisationen gewährt wird, desto mehr Anhänger er» wirbt das konstitutionelle Regime. Und auch die Sympathien der ausländischen Sozialisten für die Türkei sind davon ab- hängig, daß dort die sozialistischen und demokratischen Orga- nisationen freie Bahn für ihre EntWickelung erhalten. Die Lage in Armenien. Konsiantiiiopel, 7. September. Bei der gestrigen Zusammenkunft init dem Großwesir beklagte sich der armenische Patriarch auch wegen der jüngst erfolgten Ermordung dreier Ar- menier in Tiflis. Der Wal» von Wan ist insolge der Schritte des Patriarchen abgesetzt und der Militärkommandant von Wan be- auftragt worden, die Mörder der Armenier zu verhaften. Außer beim Großwestr unterllahm der armenische Patriarch auch Schritte beim Justiz- und Kriegsminister sowie beim Scheich iil Js- lam. Er erhielt von allen Seiten die Zusicherung, daß genügende Maßnahmen zur Wahrung der Ruhe getroffen würden. Die Parteibildnng. Konstantinopel, 7. September. Die vor einiger Zeit gegründete Nationale Versa ssnn gspartei veröffentlicht ihr Pro» gramm, in dem sie sich als Anhängerin einer konstitutionellen mon- archischen Regierung sowie einer wahrhaft liberalen und gegenüber den nichimuscln, anischen Elementen der Bevölkerung konzilianten Politik bekennt. Die Partei sei einer Politik der Assimilation ab- hold, dagegen einer politischen Zentralisation und einer administrattvenDezentralisation geneigt Den ersten Punkt des Parteiprogramms bildet die Entwickelung AnatolienS. Die Regierung ist amtlich von der Bildung der Nationalen Verfaffungspartei, ivelche von den früheren Deputierte» Ferid und Dasckami gegründet worden ist, verständigt worden. Wie verlautet, beschloß der politische Ausschuß deS jungtürkischen Kongresses, das Kabinett Mukhtor Pascha zu unterstützen. Die Meldung, wonach Hussein Hilmi Pascha die Führerschaft der zu reorganisieraiden Komiteepartei angenommen habe, ist unrichtig. GewerhlcbaftHcbea» Gcwerkfcbaftsleirtungen. Im Grunde genommen tut man den Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereincn und den christlichen Gewerkschaften eine un- verdiente Ehre an, wenn man sie als Konkurrenzorgani- sationen der freien Gewerkschaften bezeichnet. Mit ihren 107 000 bezw. 350 000 Mitgliedern stehen jene Organisationen so weit hinter den rund 2 400000 Mitglieder zählenden freien Gewerkschaften zurück, daß schon rein zahlenmäßig von einer ernstlichen Konkurrenz kaum gesprochen werden kann. Dazu kommt, daß die positiven gewerkschaftlichen Leistungen jener Organisationssplittcr äußerst bescheiden sind. Ihre hauptsächlichste Bedeutung liegt darin, daß sie mitunter in der Lage sind, durch ihr verräterisches Verhalten die Aktion der Arbeiterschaft zu hemmen. Wie weit ihr Eifer nach dieser Richtung geht, dafür hat das Verhalten des christlichen Streikbruchgeiverkvercins der Bergarbeiter bei dem letzten Berg- arbeiterstreik einen sprechenden Beweis abgelegt. Trotz ihrer relativen und absoluten Bedeutungslosigkeit rühmen die Hirsch-Dunckerschen und die Christen um die Wette ihre Leistungen. Beide Organisationsrichtungen verkünden in ihren Agitationsschriften und sonstigen Kundgebungen prahlerisch die besten Kasseneinrichtungen zu besitzen und ihren Mitgliedern die weitgehendsten Unterstützungen zu gewähren. Die der- wegensten Zahlenkunststücke werden angestellt, um die angeb- lichen Vorzüge der anderen Organisationseinrichtungen gegen- über den freien Gewerkschaften zu beweisen. Es ist deshalb zu begrüßen, daß die weitgehende Ucberlegenheit der freien Gewerkschaften auch von amtlicher Stelle bestätigt wird. Das kürzlich erschienene Statt st ische Jahrbuch für das Deutsche Reich wendet auch der Gewerkschaftsstatistik einige Aufmerksamkeit zu. Neben anderen Tabellen enthält es auch solche über die Untcrstützungsleistungen der einzelnen Organi- sationen im Jahre 1911 und in einer besonderen Zusammen- stellung wird nachgewiesen, welcher Prozentsatz derAus- gaben für die einzelnen Untcrstützungszweige verwendet wurde. Aus diesen Uebersichtcn haben wir die nachstehende Tabelle zusammengestellt: Bedeutungsvoller noch als die absoluten Zahlen, die lediglich bestätigen, daß die freien Gewerkschaften ihre so- genannten Konkurrenten weit hinter sich lassen, sind die Ver- hältnisziffern. Bei oberflächlicher Betrachtung könnte es aller- dings scheinen, als ob die Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine ihren Mitgliedern um ein geringes mehr an Unterstützungen gewähren, als die freien GeWerk- schaften. Tatsächlich handelt es sich aber hier um einen grandiosen Schwindel der Hirsche, welche die Oeffentlichkeit bewußt über ihre Leistungen täuschen. Nach der vorstehenden Tabelle entfällt der größte Teil der Ausgaben der Hirsch- Dunckerschen auf die Unterstützung bei Krankheit, Invalidität und in Sterbefällen; in Wirklichkeit gewähren die Gewerkvereine überhaupt kein Krankengeld und die in Rechnung ge- stellten Summen sind dieLeistungen besonderer Krankenkassen, die bei einigen Gewerkvereinen als fakultative Einrichtungen vor- handen sind, denen nur ein Teil der Mitglieder angehört und für welche natürlich besondere Beiträge zu zahlen sind. Wollen die freien Gewerkschaften ihre Rechnungsergcbnisse nach den gleichen Grundsätzen veröffentlichen, dann könnten sie mit demselben Recht die Unterstiitzungsleistungen der freien Hilss- lassen einstellen. Selbstverständlich geschieht das ntcht; die Täuschung der Oeffentlichkeit bleibt ein Vorrecht der Hirsche. Vergleicht man die Verhältniszahlen in den übrigen Rubriken, dann erkennt man die weite Ueberlegenheit der freien Gewerkschaften. Sie gewähren an Arbeitslosen- und Reiscunterstützung viel mehr als die Hirsche, ganz zu schweigen von den Christen, die auf diesem Gebiet sehr lveit zurück- bleiben. Besonders groß ist aber die Ueberlegenheit der freien Gewerkschaften bei der Streik- und Gemäß- regelten-Unterstützung. 29,4 Prozent ihrer Ausgaben wurden dazu verwendet, Kämpfe zu führen, um die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Berufsgenossen zu verbessern. Das ist das eigentliche Arbeitsgebiet der freien Gewerkschaften, welches ihnen Erfolge gebracht hat, auf die sie mit Recht stolz sein können. Alle anderen Ein- richtungen sind nur Mittel zu diesem Zweck. Aber trotzdem diesen anderen UnterstützungSeinrichtungen in den freien Gewerkschaften nur eine untergeordnete Bedeutung beigemessen wird, stehen ihre Leistungen weit über den entsprechenden Einrichtungen der anderen Organisationen. Die freien Gewerkschaften sind in jeder Beziehung die weitaus leistungs fähigsten Organisationen. Das sichert ihnen das Vertrauen der Arbeiter, welches sich in dem fortgesetzten Zu- ström zu den Verbänden äußert. Jede Steigerung der Mit- gliederzahl der freien Gewerkschaften bedeutet aber wiederum eine Stärkung ihrer Macht und ihres Einflusses, die aus- schließlich dazu verwendet werden, die wirtschaftliche Lage der Arbeiter zu verbessern. Berlin und Umgegend. Unter den Baukbeamten Deutschlands macht sich zurzeit eine starke Erregung bemerkbar. Der Grund ist die sehr berechtigte Un- zufriedenheit mit dem Deutschen Bankbeamlenvercin, der unter Leitung seines Herrn F ü r st e n b e r g es verstanden hat, die Bank- bcamlcn durch Spiel. Sport und Reitvergnügungen so zu be« schäftigen, daß sie gar nickt merkten, in welch gutem Einvernehmen der Deutsche Beamtenvercin mit den Direktionen die Interessen der Beamten jahrelang verraten hat. Dieser Tage beschäftigte sich eine Versammlung mit der Gründung einer Gegenorganisation. Den Anstoß zu dieser Veranstaltung hatte eine Flugschrift gegeben, die der auf gewertschastlicher Basis organisierte Reichs- verein der Bank- und Sparkassenbcamten Oesterrreichs gegen den Deutschen Bankbeamlenverein unter den Angestellten der Banken in Deutschland verbreiten ließ, weil man versucht hatte, die Taktik des Deutschen Bankbeamtenvereins durch Werbung von Vertrauens- leuten in das Organisalionsgebiet der Oesterreicher zu verpflanzen. In oben genannter Flugschrift hatte der österreichische Verein sich gegen diesen Einbruch in sein Gebiet gewehrt und dabei die Tätig- keil des Deutschen Bankbcamtenvereins tüchtig unter die Lupe gc- nammcn. Herr Fürsten der g hatte in der Versammlung einen schweren Stand. Die Unzufriedenheit mit seiner Taktik äußerte sich in sehr erregten Zwischenrufen. In der lebhaften Diskussion wurde einzig der Standpunkt vertreten, daß der Deutsche Bankbeamten- Verein eine geeignete Interessenvertretung für die Bankbeamten nicht ist. Beschlüsse wurden in der Versammlung nicht gefaßt, jedoch soll eine neue Organisation auf gewerkschaftlicher Grundlage gegründet werden, wie sie in Oesterreich für die Bankbeamten bereit« besteht. Die gewerkschaftliche Organisation, der Zentralverband der Hand- lungsgehilfen. Sektion der Bankbeamten, veranstaltet deshalb am Montag, den S. September, abends S1/« Uhr, in den Musikersälen, Kaiser- Wilhelm-Slraße 18m, eine öffentliche Bankbeamten-Versamm- lung. die sich mit der Frage der Neugründung einer Organisation i beschäftigen wird. �cr Dachdecker Heinrich Althaus, Lange Straße 8 wohnhast, ersucht uns um die Mitteilung, daß er mit dem tu unserer Freitag nummer erwähnten Arbeitswilligen Heinrich AlthauS mch identisch sei. veutkeves Reich. Erfolgreiche Lohnbewegung des Holzarbeiterverbandes in den Freiburger Uhrenfabriken. Nach langen Verhandlungen, die mehrfach abgebrochen wurden, weil die Unternehmer den Wünschen der Holz- arbeiter nicht weit genug entgegenkamen, ist zwischen dem Holzarbeiter- verband und der Direktion der Uhrenfabriken in Freiburg i. Schl. ein Tarifvertrag auf die Dauer von vier Jahren abgeschlossen worden. Die wöchentliche Arbeitszeit von 63 Stunden wird in den ersten drei Jahren um je eine Stunde verkürzt. Die Akkordlöhne erhöhen sich in den ersten zwei Jahren um 6 bezw. T'/a Proz.. für die letzten beiden Jahre um weitere 6 Proz. Die Stunden- löhne werden während der ersten beiden Jahre der Vertragsdaucr für männliche Arbeiter um 8— 1 4 P r o z., für weibliche um 10>/, bis 21 Proz. erhöht. An der Lohnbewegung waren rund 80v Personen beteiligt. Metallarbeiter! Der Zuzug von Maschinenarbeitern und Schlossern nach der Zwickaucr Maschinenfabrik A.-G. in Zwickau ist unter allen Umständen fernzuhalten. Die Arbeiter dieses Betriebe? befinden siich wegen fortgesetzter Akkordreduktionen und Ablehnung ihrer Forderungen seitens der Direktion seit dem 4. September im Streik. Alle arbeiterfteundlichen Blätter werden um Abdruck dieser Notiz gebeten._ ArbeitSskaven. Im Saarrevier vollzieht sich augenblicklich eine große Ab- Wanderung der fiskalischen Bergarbeiter. Allwöchentlich ziehen hunderte Familien fort nach anderen Bergrevieren und auch nach dem AuS- lande. Durch gewissenlose Agenten wird die Neigung zur Ab- Wanderung gefördert. Auch aus dem Nuhrrevier sind Agenten im Saarrevier tätig, die den Leuten goldene Berge versprechen, aber die gläubigen Arbeiter, die auf eine Verbesserung ihrer Lage hoffen, nur ins Unglück führen. So sind auch in Dorstfeld, einem Vorort von Dortmund, einige hundert Arbeiter mit ihren Familien infolge der verlockenden Ver- sprechungen eines Agenten angekommen. ES war den Leuten ein Schichtlohn von 6,44 M. versprochen worden, vor der Kohle, wo im Gedinge gearbeitet wird, sollten sie 7 bis 8 Mark verdienen. Einein 17 jährigen jungen Mann war ein Lohn von 6 M. versprochen worden. Die Zeche erkennt solche Versprechungen natürlich nicht an. Sie zahlt die sonst üblichen Löhne. Und da haben die Leute, die die Arbeit schon aufgenommen hatten, nur 4—6 M. verdienen können. Damit sind sie aber nicht zufrieden und die Enttäuschten haben das Streben, auf anderen Zechen Arbeit zu nehmen oder in die Heimat zurückzukehren. Die Zeche hat aber die Papiere der Leute und gibt sie nicht heraus und damit ist die Absicht, wieder fortzuziehen, vereitelt. Es kommt jedoch noch mehr hinzu, die Unzufriedenheit der Leute zu steigern. Der Agent hat siezwar gelockt; aber es ist nichts getan worden, sie auch in Wohnungen unterzubringen. Und so be finden sich.dre Zugewanderten mit ihren Familien in Scheunen, Kegelbahnen und so weiter. enge zusammengepfercht— und das bei dieser kalten und nassen Witterung! Man hat noch nichts davon gehört, daß sich die Behörden im Interesse der Betrogenen ver- wendet hätten. Man soll nicht immer mit der üblichen Ausrede kommen, die Zeche hat den Leuten nichts versprochen, waS die Agenten ver- sprochen, kann für die Zechen nickt bindend sein. Hier muß etwas zum Schutze der Bergarbeiter geschehen. Und dem verwerflichen Treiben der Agenten, die im Grunde nichts weiter sind als Sklaven- Händler, muß Einhalt geboten werden. Von einem Zusammenstoß zwischen Streikenden und Polizei in Mülhausen i. E. berichteten wir in unsere»,� Depeschenteil vom Donnerstag auf Grund der Nachrichten, die ein bürgerliche« Depeschenbureau verbreitete. Wie uns die Streikkommission der Textilarbeiter in Mülhausen mitteilt, ist dort von einem solchen Zu- sammenstoh nichls bekannt. ES könnte sich höchstens um einen Zu- sainmenstoß zwischen Polizei und Betrunkenen handeln, wie sie leider öfter vorkämen; der Streik sei bis jetzt sehr ruhig verlaufen. Ebenso ist ein Druckfehler unterlaufen. Im Streik stehen die Ar- beiter der Firmen: Kullmann, Mieg, DreyfuS-Sautz, Köchlin-Schmitt, Engel, Kuneyl und Glück. ZZusland« Arbeits- und Lebensbedingungen der russischen Arbeiter. Bei der UnVollständigkeit und Unzuverlässigkeit der russischen amtlichen Staiistik ist es eine der wichtigsten Aufgaben der Äewcrk- schaften, zuverlässige Daten über die Arbeits- und Lebensbedingungen der russischen Arbeiter zu sammeln. In den wenigen Städten, in denen noch legale Gewerkschaften existieren, macht sich denn auch eine rege Tätigkeit auf diesem Gebiete bemerkbar, vor allem in Petersburg, wo die Verhältnisse noch am allergünstigsten liegen. Leider findet dies Vorhaben der Gewerkschaften bei den Arbeitern nicht den nötigen Grad von Verständnis und Entgegenkommen. Unter diesen Bedingungen verdient jeder Versuch Beachtung, die obenerwähnten Fragen� an der Hand genauen Zahlenmaterials— wenn auch in sehr beschränktem Umfange— zu beleuchten. Einen solchen Versuch unternahm das Professoreüblatt„Russkija Wjedmnosti", welcher zu diesem Zweck das Material einer Enquete verwertete, die vor einigen Jahren in einem der größten Fabrikbetriebe des Mos- nicht i lauer Rayons unternommen wurde. Das Blatt stellte die Existenz I von drei lypischen Gruppen von Arbeiterfamilien fest 1. Gruppe: Die Familie besteht aus 4—8 Personen. Vater und Mutter arbeiten in der Fabrik. Der Monatslohn schwankt zwischen 32 und 38 Rubel. Die Familie gilt als.wohlhabend' und gehört zu den konservativsten Schichten der Arbeilerbevölkerung. 2. Gruppe: Die Familie besteht aus 6—8 Personen, von denen 3—4 verdienen. Der Monatslohn beläuft sich aufungefähr 60 Rubel. Das Familienleben trägt einen.patriarchalischen' Anstrich. Selbst die erwachsenen Söhne befinden sich in vollster Abhängigkeit vom Vater. Solche Familien werden immer seltener. 3. Gruppe: Sie umfaßt den bedeutendsten Teil der Arbeiter- bevölkerung und verdient darum besondere Beachtung. Die Familie besteht aus 3—5 Personen, von denen 1—2 infolge der herrschenden Krise nur selten Beschäftigung finden. Der Monatslohn bcläuft sich auf 12 Rubel. Die Familie lebt in den denkbar elendesten Ver- Hältnissen. Die Ausgaben für Nahrungsmittel verschlingen den größten Teil des Ausgabenbudgets: sie steigen von 68 Proz. in der ersten Gruppe auf 88 Proz. in der dritten. Die Nahrungsmittel enthalten folgende Bestandteile(pro Person in Gramm): Eiweiß Fett 1. Gruppe... 104 2..»»» 92 3..... 87 Wie miserabel dieses Verhältnis ist, gleich mit nachstehender Tabelle: Eiweiß Grundnorm.... 130 Minimale Norm... 118 Englischer Arbeiter.. 140 Französischer Arbeiter. 133 Deutscher Arbeiter.. 133 Kohlehydrat« 66 700 60 668 37 603 ergibt sich aus dem Der« Fett Kohlehydrat« 90 400 66 600 84 466 80 602 95 422 Also bloß die Arbeiter der ersten Gruppe nähren sich mehr oder weniger befriedigend, obwohl auch sie hinter der minimalen Norm zurückstehen. Die Nahrung der letzten zahlenreichsten Gruppe jedoch genügt kaum, um den Organismus notdürftig zu erhalten. Diese Daten entsprechen den Lebensmittelpreisen, die vor einigen Jahren herrschten. Seitdem sind die Brotpreise um 33 Proz., die Fleischpreise um 60—61 Proz. usw. gestiegen. Demgemäß haben sich die Nabrungsmittelverhältnisse der geschilderten Gruppen ver- schlechtert. Die Nahrungskosten stiegen für die 1. Gruppe um 34, für die 2. Gruppe uni 36 Proz. und für die 3. Gruppe gar um 46Proz.l Allerdings sind die Löhne um einige Proz. gestiegen, allein bei weitem nicht so stark wie die Lebensmittelpreiie. Der reale Arbeitslohn ist, wie allgemein anerkannt wird, bedeutend gesunken und demgemäß haben sich die Lebensbedingungen des russischen Arbeiters gegen- wärtiz noch mehr verschlechtert. Die Erbitterung und der Unwille des russischen Volkes über die Teuerung wird allgemein. Die Teuerung ist von Jahr zu Jahr fortgeschritten und heute hat sie eine Höhe erreicht wie nie zuvor: es ist nicht besser, sondern viel schlimmer geworden. Dcni russischen Proletariat steht sonnt noch ein langer und hartnäckiger Kampf bevor, um bessere Lebens« bedingungen zu schafien in einem Lande, wo jeder ökonomische Kampf mit Militärgewalt unterdrückt wird. verantw. Redakt.: Alfred Mielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw.: rh.Gl»cke,Beid.n. Druck u.Verlag:VorVärtSBuchdr.ti VerlagSanstalt Paul Singer 4- Co, Berlin SW. Letzte Nachrichten. Schreckenstat eines Irrsinnigen. Wie uns noch in später Nachtstunde gemeldet wurde, stürzte gestern abend gegen Uli Uhr der in der Barfußstraße 14 wohnhafte Schneidermeister G r u h n seine Ehefrau und zwei Kinder im Alter von sechs und zehn Jahren aus der im zweiten Stock befind- lichen Wohnung auf die Straße hinab. Nachdem er dann noch ver- schiedcne in Arbeit befindliche Kleidungsstücke und auch Arbeits- gerät hinterhergcworfen hatte, sprang der Unglückliche ebenfalls in die Tiefe. In schwerverletztem Zustande wurde die ganze Familie nach dem Paul-Gcrhardstift gebracht. An dem Aufkommen der Frau und der beiden Kinder wird gezweifelt. G. soll die Tat in einem Anfall von Wahnsinn verübt haben. Durch sein sonder- bares Wesen war er in der Gegend schon längere Zeit aufgefallen. Ein Akt der Verzweiflung. Arbeits- und Mittellosigkeit haben den erst 21 Jahre alten Schlosser Richard Biedermann aus der Gräfeftraße 34 in den Tod getrieben. Der junge Mann, der mit seiner Mutter zusammen im vierten Stock des Vorderhauses Stube und Küche bewohnte, hatte seit vier Wochen keine Arbeit mehr. Für nächsten Montag hotte er Beschäftigung in Aussicht, aus der jedoch wiederum nichts wurde. Da die Mutter durch ihre Näharbeiten nicht genügend verdiente, um beide zu ernähren, war Biedermann ganz verzweifelt. Während die Mutter in der Küche beschäftigt war, schoß er sich gestern nachmittags gegen 6 Uhr in der Stube zwei Kugeln in den Kopf, die seinen sofortigen Tod herbeiführten. Frau Biedermann ist über den Verlust ihres einzigen Sohnes untröstlich. Abgesägt. Paris, 7. September.(W. T. B.) AuS Madrid wird gemelbtt: Der Minister des Aeußcren, Garcia Prieto, erklärte einem Bericht- erstatter, daß der spanische Botschafter in Paris, Perez Cabal- lero, nach Beendigung der spanisch-französischen Verhandlungen seinen Posten verlassen werde. Caballero war von ein- zelnen Pariser Blättern überaus heftig angegriffen worden, weil er sich an der Gründung eines spanischen Bankunternehmens be- teiligt hatte, gegen das kürzlich von mehreren französischen Zeich- nein ein Strafantrag erstattet worden war. Wunderbare— Errettung. Moskau, 7. September.(Meldung der Petersburger Tele» graphen-Agentur.) Nachts ging aus Moskau ein Zug mit dem Großfürsten Michael Alexandrowitsch und dem Ver- kehrsminister mit Verspätung nach Borodino ab. Als der Zug sich der Sation F i l i näherte, kam aus Petersburg ein Zug mit dem Großfürsten Nikolai Michailowitsch und den Mi- nistern der Marine, der Volksaufklärung, der Justiz, des Ackerbau» und dem Oberprokurator des Heiligen Synods entgegen. Um dem unvermeidlichen Zusammenstoß vorzubeugen, lenkte ein Weichen- steller den Petersburger Zug auf ein Reservegleis,(?) Der Zug zertrümmerte einen Prellblock, die Vorderlokomotivc stürzte um, zedoch wurde niemand verletzt. Jugendliches Kriegöspiel. Olmütz, 7. September.(P. C.) Als heute nachmittag eine Wachtabteilung des 54. Jnfanteric-RegimentS in"die Kaserne ein- rückte, wurde aus einem Hinterhalt auf die Wache ein Schuß ab- gegeben. Das Projektil traf einen Infanteristen, der schwerver. letzt zusammenbrach. Als Täter wurde ein 13 jähriger Schulknabe ermittelt, der die Tat aus bloßem Mutwillen verübt hatte. Automobilunfall. Siegen, 7. September.(W. T. B-) Amtliche Meldung. Heute vormittag gegen lO'A Uhr ist durch den D-Zug 765 zwischen den Stationen Lützel und Erndtebrück ein Auto überfahren worden, wobei der Chauffeur getötet und drei Insassen leicht ver» letzt wurde. Besitzer des Auws ist Harry Kanner aus Brüssel.__ Meuternde Soldaten. Krakau, 7. September.(P.-C.) Einer Meldung der.Nowo Reforma" aus Orany sGouv. Wilnai zufolge, brach dort ein Auf- rühr unter der Pionierabteilung aus. Ein Regiment Infanterie wurde zur Unterdrückung des Aufruhrs herangezogen. Zwischen beiden Truppcnkörpern kam es zu eftiem I e b h a�s t e n Feuergefecht, bei dem über 100 Soldaten getötet, 2 0 0 v e r l e tz t wurden. Schließlich gelang eS jedoch, die Meuterei zu unterdrücken. HierznbBcllagra cm i. gtWm des 3mMf Kerliner Alltsblalt. s«w.8.z.»i.Abttls.z. Zm Ausbau der Zablabende. War es nicht Glahbrenner. der für gewisse, vormärzliche Ber- liner Zustände das Wort geprägt:„Et mutz allens verunjeniert werden?" In der Tat kann man auch jetzt wieder die Beobachtung wachen: Wenn zu irgendeiner Zeit durch unsere Partei ein Zug von übertriebener Neuerungssüchtigkeit weht— vielfach wird diese Neuerungssucht k ü n st l i ch in die Partei hineingetrieben und wirkt dann geradezu epidemisch— dann mutz eben„allens ver- unjeniert werden". Dann ist der-Parteivorstand zu bureaukratisch, zu schwerfällig— und um diese Schwerfälligkeit zu heben, müssen ihm 32— Bleigewichte angehängt werden,— dann ist die ganze Leitung unserer Partei mangelhaft— trotzdem wir unter dieser Leitung von Sieg zu Sieg geschritten sind—. dann taugt auf e.n- mal die ganze Organisation nichts,„dann stagniert auf einmal das ganze geistige Leben in der Partei"— so sagt es wenigstens Genosse Pieck— dann findet man kein„frisches, pul- sicrendes Leben in den Versammlungen",— so sagt es wenigstens Genosse Pieck.— dann ist man„von oben her ängstlich(sie!) be- müht, diese Klagen zu unterdrücken, sie zu ignorieren, ohne„ernst- Haft" an eine Besserung der Mitzstände heranzugehen,"— so sagt es wenigstens Genosse Pieck—,„dann versucht man„von oben her ängstlich den Fortschritt zu hindern"— o über diese bösen Ge- scllcn!— dann spricht man— nein, nicht man, sondern Genosse Pieck— vom„verknöcherten Bureaukratismus, der den fortschritt- lich gesinnten Elementen die Lust an'der Mitarbeit verekelt", dann ist„die Mehrheit des Aktionsausschusses noch einfältiger als die Bürger von Schilda",— dann„lätzt die Redaktion des„Vor- w ä r t s" der Ruhm des unter Schilda stehenden Akfionsaus- fchusses nicht schlafen", kurz:„dann mutz eben alles verunjeniert Werden". Mir will scheinen, als ob diese Art von Pieckscher Reformations- tätigkeit ihre schweren Bedenken hat. Ich fürchte, um die Worte des Genossen Pieck zu zitieren, datz durch solche Redensarten in der Oeffentlichkeit vielen Parteigenossen die Lust an der Mit- arbeit mehr verekelt wird, als durch die Tätigkeit oder Untätig- jkcit der Berliner Parteiorganisation. Datz nicht nur vieles, sondern alles verbesserungsbedürftig ist, bestreitet kein Mensch, auch nicht die Genossen, die angeblich „jede Ritze verstopfen, durch die frischer Luft Zutritt gewährt wer- den könne". Es wird auch niemand sich mit dem zufrieden geben, was erreicht oder geschaffen ist, denn: Zufriedenheit ist Tod des StrebenS Und Stillstand alles freien Lebens! Aber an Fragen, die die Organisation, die Taktik einer Partei be- treffen, darf man ebensowenig mit einer Art von Surrastimmung berangehen, wie wenn man wissenschaftliche Probleme zu lösen sich anschickt. Die Begeisterung— manchmal auch die Verarge- rung, deren Kehrseite— wirken in solchen Fällen geradezu schädlich. Nur wer solchen Problemen objektiv, nüchtern, kühl bis ans Herz hinan gegenübersteht, hat ein Recht, gehört zu werden. Ich verstehe darum auch nicht, warum man gerade die Zahl- vbende als Sündenböcke in die Wüste schicken will. Ich meine viel- mehr: Die Zahlabende ausheben,» heiht geradezu die Axt an die Wurzel unserer Organisation legen. Durch die Zahlabcnde ist unsere Organisation groß geworden. Keine andere Partei kann uns dieses Institut nachmachen. Diese Zahlabende sind das Fundament, auf dem sich unsere Organisation aufbaut und müssenesbleiben. Wie?„Der geschäftliche Kleinkram an den Zahlabenden erstickt alles geistige Leben?" Gemach, Genosse Grunwald! Ich habe andere Erfahrung gesammelt. An dem Zahlabend, an dem ich jahrelang teilgenommen, hatte unser Bezirksführer es verstau- den, das, was Sie„geschäftlichen Kleinkram" nennen, in einer feinen Weise zu verbinden mit dem„lebhaften Austausch der Meinungen über grundsätzliche und tägliche Fragen des politischen und geistigen Lebens". Ein reges Leben herrschte an unserem Zahlabend. Die Zahlabende waren stets außerordentlich gut be- sucht. Immer mehr Genossen beteiligten sich an den Debatten und zwar an den Debatten, die nicht nur im Anschluß an em Referat u. dergl., sondern auch im Anschluß an den„geschäftlichen Kleinkram" stattfanden. Und da möchte ich Ihnen, lieber Genosse Grunwald, einmal etwas sagen: Ich möchte das, was Sie„ge- fchäftlichen Kleinkram" nennen, um keinen Preis an den Zahl- abenden missen. Und wissen Sie warum? Genosse Grunwald! Ich weitz nicht, ob Sie verheiratet sind. Sollte das der Fall sein, dann werden Sie aus eigener Erfahrung wissen, datz eine Ehe um so mehr gefesfigt ist, je mehr der Mann die Frau teilnehmen lätzt an all den kleinlichen Sorgen des täglichen Lebens, dem „geschäftlichen Kleinkram". Gerade das bindet, das kittet! So «ist es auch in unserer Partei. Die Genossen sollen und wollen nicht nur mit Reden und Vor- trägen abgespeist werden, nein, sie müssen vielmehr das Gefühl haben, datz sie nicht nur dazu da sind, um Steuern zu zahlen, und in Verwaltungssachen das Maul zu halten. Vergessen wir doch nicht, datz in grotzen Wahlkreisen(wie im vierten und sechsten), wo bereits das Delegiertenfystcm eingeführt ist, durch Kassierung der Zahlabendc die Genossen überhaupt keine Möglichkeit mehr haben, ihren Anschauungen über gewisse Vorgänge innerhalb der Partei Ausdruck zu geben. Dann sind sie einfach mundtot gemacht, dann herrschen in solchen Wahlkreisen Vorstand und Funktionäre all- mächtig, dann tritt von selbst das ein, was die Genossen gerade ver- mieden wissen wollen, nämlich: eine Bureaukratisierung unserer Organisation. Es gilt eben, die Zählabende so zu gestalten, datz auf der einen Seite der durchaus notwendige„geschäft- l i ch e Kleinkram" die Geistesarbeit nicht ertötet und auf der anderen Seite wiederum hinreichend Zeit und Gelegenheit gegeben ist, entweder auf Grund eines kurzen Referats oder im Anschluß an irgendwelche besonders zutage tretenden Vorgänge auf politischem, gewerkschaftlichem oder kulturellem Gebiet in eine anregende Dis- kussion einzutreten. Natürlich gehört zu einer solchen Leitung des Zahlabends eine etwas geschickte Hand, eine schnclleAuffafsungsgabe.eine gewisse Beherrschung des Materials. Aber auch das heranzuziehen, dürfte nicht allzuschwer fallen: Einige Schulung der Funktionäre dürfte dem zweifellos vorhandenen Uebelstand recht bald Abhilfe schaffen, wobei ich allerdings den Schwerpunkt auf die Methode, die Art und Weise, die Technik der Schulung lege, eine Lehrmethode, die sich freihalten mutz von jeder Art von Schulfuchserei. Ich meine, man sollte einige Monate hindurch, etwa drei oder vier Tage vor dem jeweiligen Zahlabend den Bezirksführern einer Abteilung oder eines Wahlkreises praktisch die Durchführung eines solchen Zahlabends sc! oculos demonstrieren, mit anderen Worten: einen Zahlabend für die Zahlabendleiter abhalten. Keine Theorie, sondern praktische Demon st ratio n. Dabei kann der individuellen Auffassung des Zahlabendleiters immer noch ein weiter Spielraum eingeräumt werden. Nur kein Schematisieren! Allerdings verlange ich von jedem Zahlabendleiter, datz er nie- m a l s unvorbereitet in die Versammlung kommt. Er mutz sein Material bereits zu Hause genau gesichtet und durchstudiert, er mutz das Wesentliche von dem Unwesentlichen zu Hause schon geschieden haben. Er mutz wissen oder fühlen, welche seiner Mit teilungen von größerem Wert für die Agitation usw. sind, an welchem Beschluß usw. sich eine kürzere oder längere Debatte an- knüpfen darf, um mit der ihm zur Verfügung stehenden Zeit haus- hälterisch umgehen zu können. Also eine Pertiefung unserer Zahlabendlätigkeit, unter keinen Umständen Aufhebung dieser Institution. Das hieße: das Kind mit dem Bade ausschütten. Wenn wir unsere Partei mit einem grotzen, alles fortreitzenden Strome vergleichen, so sind die Zahlabende die kleinen Bäche, aus deren Zu- sammenflietzen die Nebenflüsse entstehen, durch die der Hauptstrom gespeist wird, aus denen er seine Kraft zieht. Diese Bäche nach Grunwaldschen Prinzipien kurzerhand zum Vevsanden bringen zu wollen, hieße dem Strom seine Kraft nehmen. Hat sich mit der Zeit viel Geröll und Geschütt in diesen kleinen Bächen ange- sammelt, dann suche man dies aus dem Wege zu räumen, das scheint mir die einzige Lösung. Wir wollen unser? Genossen mehr noch als bisher politisch er- ziehen, politisch schulen, für politische und agitatorische Tätigkeit zu begeistern suchen. Das ist aber zunächst nur möglich in kleinen, engbegrenzten Kreisen, wie sie die Zahlabende darstellen. Ich rede öfteren Versammlungen auch in den Abteilungen durchaus das Wort, aber nicht im Grunwaldschen Sinne als Ersatz für die Zahl- abende— die Grunwaldsche Rechnung hat hier ein Loch, ein großes Loch: er schätzt den Wert der Zahlabende gleich Null und vergißt, daß K oder 10 X 0 nach Adam Riese auch nicht mehr als 0 gibt—, sondern weil ich der Meinung bin, datz auf dem Gebiet der Ver- sammlungstätigkeit— als einer der notwendigsten politischen Er- ziehungsmethoden— viel zu wenig von unserer Partei ge- leistet wird. Auch auf diesem Gebiet bedarf es dringend nötiger Reformen, zumal in einer sorgfältigeren Auswahl der Referenten, besonders für große Demonstrations- und Protest- Versammlungen: gerade hier liegt vieles im-argen. Jedenfalls scheint mir die Haupffache aller Reformen jedt weniger in den schönen Worten und Ratschlägen und Anklagen, als in einer energischen Betätigung zu liegen. Jeder gehe mit gutem Beispiel selbst voran! Jeder suche in seinem Bezirk Abhilfe zu schaffeni Dr. Moses. kleines f euüUton. Stätten der Arbeit. Vor einigen Monaten habe ich eingehend über diese Malerei des sozialen Motives berichtet. Inzwischen ist die Sammlung von Dresden aus durch Deutschland gereist und hängt nun in Berlin bei Eduard Schulte. ES sind nicht alle Bilder beisammen geblieben, auch sind einige neue hinzugekommen; die jetzige Auswahl zählt weniger Nummern und ist schon darum über- sichtlicher und wirksamer. Wir erfassen sofort das entscheidende Thema: die Orte, da die Arbeit des modernen Deutschlands geschieht. Wir sehen Fabriken, Hochöfen, Häfen und Bahnhöfe; wir sehen die Gewalten des Dampfes und der Elektrizität, wir sehen Menschenmassen, ergriffen von dem gleichen Rhythmus des Tragens, des Hämmern» und des Schürens. Flammen schlagen aus den Essen, Rauch fällt auf die Erde und ringsum scheint die Welt zu beben unter einer Last eisen: klirrender Arbeit. Wir sehen aber auch solcher Arbeit Fröhlichkeit: wie von den bunten Schiffen der Reigen ungezählter Waren über die Laufstege rollt; wie ein Feuer- werk von Lichtern über den Schienen und den graziösen Gerüsten der eisernen Bauten sprüht und funkelt; wie der groteske Tanz schwarzer Silhouetten vurch die graue Dämnierung eines Schneemorgens den schweren Arbeitsgang in ein Marionetten- theater wandelt. Wir sehen und das nicht zuletzt, die grausame Dämonie und die gigantische Erregung: wie brodelnde Strudel glühenden MctalleS gegen die Menschen stürzen; wie die Schatten eines in die Himmel wachsenden Schiffsrumpfes das Gewirr jder schleppenden Menichlein zu fressen scheinen; wie die stahlgepanzerte Kiaft der Lokomotiven wild vorwärts stötzt. Das also ist es. waS wir in dieser Ausstellung zu sehen bekommen. Zwar nicht immer erfüllt, aber doch als Absicht und Streben. Man braucht nicht zu sagen, datz eS an sich noch keine gute, moderne Malerei ist, wenn da ein Walzwerk oder ein Schornstein auf der Leinwand steht. Auch das soziale Motiv bleibt nichts als Stoff und Hemmung, wenn nicht die Form der stärkere Teil ist. Letzten Sinnes ist eS gleichgültig, ob eine Kränzchenszene oder ein Bergwerk zur Darstellung kam; das Wie gibt den Matzstab. Und doch, man darf wohl sagen: der Künstler, der das Aeutzerste will, wird stets im brennenden Zentrum seiner Zeit leben, wird alle die Erregungen, die Kämpfe und letzten Spannungen seiner Tage am heftigsten fühlen und wird durchglüht sein von d-r Sehnsucht, dem Gegenwärtigsten einen Ausdruck zu gewinnen. Darum: eS gewährt das Malen der Häfen, der Großstädte, der Fabriken eine ge- wisse Prämie auf künstlerische Leistung. Ob diese Prämie steilich eingelöst wird, hängt an der Persönlichkeit. ES ist nun so. daß unter den bei Schulte zu sehenden Bildern manche sind, die von solch einer, die Zeit umfassenden, sie sinnlich erkennenden Persönlichkeit geschaffen wurden. Artur Kampf und Eugen Bracht freilich sehen die Dinge gar zu blutleer; Kampf gibt statt eines Arbeiters ein Modell, und Bracht« Fabriken haben etwas Idyllisches. Dagegen ist Paul P a e s ch k e schon eher ein Entdecker des industriellen Temperaments. Er zeigt den Nordhafen von Berlin; er zeigt, wie moderne Häuser gebaut werden. Seine Bilder schwimmen in einem weitzlichen irisierenden Licht; es zuckt in ihnen aber der Puls der Gegen- wart. Fritz Oswald sieht bunte Farben in den Rauchschwadens die aus den Schornsteinen der Hütten stotzen und in den Tonnen, die im Gewirr auf dem Kai liegen. Hecke ndorf fühlt die Energie, mit der das Erdreich auf- gerissen wird, datz unter Tag Schienen laufen. Aus diesen Bildern quillt etwas vom Fanatismus solcher zyklopischen Arbeit. Recht interessant sind auch die beiden englischen Radierer Brangwyn und P e n u e l. P e n n e l erhitzt sich an Wolkenkratzern und gigan- tischen Brücken; er lätzt uns etwas spüren von der tollen Romantik dieses Amerikas. Datz es aber Romantik bleibt, ist des Künstlers Schwäche, die freilich gut zu ertragen ist. weil Pennel mit Geschmack halb Whistler, halb japanisch sein lyrisches Feuilleton hintippt. B r a u g w y n ist wesentlich kräftiger; er arbeitet mit grotzen Massen von Licht und Schalten, er sieht das Dramatische im Bau eiserner Kolosse. Er ist, was die Manier betrifft, ein Nachkömmling von Rembraudt; das Empfinden ist das des anglo-amerikanischen Romans. Dagegen sind die Deutschen Sterl, Pleuer und Klemm arm an Effekten; sie sind dennoch grötzer in der Kunst. Der früh ver- ssorbene Pleuer zeigt uns die Meisterschaft, in stiller Ergriffenheit die im Kampf gärende Dämonie eines Bahnhofes zu gestalten. Klemm sieht die Welt in Silhouette»; der gewaltige Bogen einer Eisenhalle wird ihm zur ausgeschnittenen Kulisse, vor der die Püppchen tanzen. DaS gibt eine gar ironische Melodie und lätzt doch etwas ahnen von dem Takt der Maschine. Sterl müht sich seit Jahren um das Problem, durch stemmende Arbeiter einen Felsblock wälzen zu lassen. Auch diesmal sehen wir die erhitzten Gesichter, braun wie Mahagoni und die gespannten Glieder wie Hebebäume. R. Br. Die Ausstellung ist an Wochentagen von 10—7 und an Sonn- tagen von 10—2 Uhr geöffnet. Ermäßigte Eintrittskarten zum Preise von 25 Pf.(statt 1 M.) stehen den Partei- und Gewerkschatts- Mitgliedern im Bureau des G e w e r k s ch a f t S h a u s e S zur Ber- fügung. Die Ausgabe einzelner Karten erfolgt im Zigarrengeschäft von Paul Horsch. Gewerkschaftshaus. Ott» Erich Hartlebcn als Parodist. Daß Hartleben parodistische Begabung besaß, wird erweislich an feiner Jbsenfatire„Der Frosch". Er bekennt sich in einem an Karl Henckell unterm 23. Januar 1890 gerichteten Briese, der, bisher unbekannt, nunmehr in einer vom S. Fischerschen Verlag vorbereiteten Sammlung„Otto Erichs Briefe an feine Freunde" erscheinen soll, auch zu einer Parodie auf Wilden bruchs hurrapatriotisches O u i tz o w- Drama. ein staatlicher„Musterbetrieb" in Strakburg. Staatsbetriebe sollen Musterbetriebe sein! so kündete vor Jahrere eine kaiserliche Botschaft. Datz diese Verheißung keineswegs Er- füllung gefunden hat, ist männiglich bekannt. Gerade Staatsbetriebe der verschiedensten Art haben seither immer und immer wieder die öffentliche Kritik auf das schärfste herausgefordert. In jüngster Zeir ist es dem Deutschen Tabakarbeiterverbande gelungen, in die Zu- stände eines staatlichen„Musterbetriebes" hineinzuleuchten und nach- zuweisen, welch unerhörte Ausbeutungspraktiken dort herrschen und welch unglaubliche Behandlung die weiblichen Arbeiter erfahren. Gemeint ist die kaiserliche Tabak- und Zigarren- Manufaktur in St ratzburg. Jahrelang bemühte sich der Tabakarbeiterverband, hier der Organisation Eingang zu verschaffen und Aufschluß über die Lohn- und Arbeitsbedingungen zu bekommen. Vergeblich! Vereinzelt wurden wurden Mitglieder gewonnen, aber das Gros der Arbeitenden, reichlich 1100 Personen, wovon 1050 Frauen und Mädchen, leistete dem Rufe, in Betriebsversammlungen zu erscheinen, keine Folge. Endlich hatten aber doch die Bemühungen Erfolg, nachdem in diefem Frühling der elsatz-lothringische Landtag sich mit der kaiferlichen Tabakmanufaktur beschäftigte. Der große Betrieb ist nämlich recht wenig rentabel, obgleich man in ihm die Aus- beutung der Arbeitenden brillant versteht. Die Ursachen dieser schier unbegreiflichen Tatsachen konnten bei den Parlamentsdebatten erklärlicherweise nicht voll nachgewiesen werden. Die Verhandlungen führten aber dazu, datz dem Aussichtsrat des Betriebes ein parla- mentarischer Beirat gegeben wurde, der Licht in das Dunkel bringen soll. Von unserer Seite ist Genosse Böhle in den Beirat entsandt worden, der im Volksmund den Namen„Untersuchungskommission" erhalten hat. Die Einsetzung dieser Kommission und die scharfe Kritik, die im Parlament an der Leitung des Betriebs geübt worden war, hatten aufrüttelnd auf die Lohnsklaven der Tabakmanufaktur gewirkt. Das um so mehr, als unsere Vertreter bei dieser Gelegenheit natürlich auch in gebührender Weise Kritik an den Arbeitsverhältnissen geübt hatten, soweit davon etwas bekannt geworden war. Als nun der Tabakarbeiterverband, die Gunst der Umstände nützend, abermals mit seiner Agitation einsetzte, folgten die Ausgebeuteten dem Rufe in hellen Scharen und schlössen sich zu Hunderten der Organisation an. Der Gauleiter Genosse Heising begnügte sich natürlich nicht mit der Organisierung der Arbeiter und Arbeiterinnen, sondern er stellte sofort umfassende Erhebungen über die Lohn- und Arbeits- bedingungen an. Diese förderten empörende Einzelheiten zutage. Die Lohnverhältnisse sind tief traurige. Die Lohnsätze sind sehr niedrig, weit niedriger als in anderen grotzen Betrieben des Reiches. Das Straf- und Prämiensystem ist mit einem Raffinement ausgebaut, wie wir es noch nirgends anderswo an- trafen, und— die Lohnzahlung ist eine 14tägigc. Die Behandlung der Arbeiterinnen ist zum Teil eine skandalöse, und die sozialen Ein- richtungen sind überaus reformbedürftig. Betrachten wir zunächst die Löhne. 250 Stück Zigarren werden ein„Kilo" genannt, ganz gleich, ob es kleine oder große Ware ist. Durch diese Art der Berechnung war es bisher den Arbeiterinnen schwer, einen Vergleich ihres Lohnes mit dem anderer Betriebe an- zustellen und sich klar zu werden über den niedrigen Stand ihres Lohnes. Der Gauleiter Heising hat eine Umrechnung der„Kilo- löhne" in„Millelöhne" vorgenommen, und danach ergibt sich sol« gendes Bild: Löhne der Einroller. 3 Sorten a Mille Mark 3,00 8.„„ ,. 3.40 21 2„„„„ 3,00 6 22.... ,.„ 3.80 7 7„„ 4,00 6 1.„„„ 4,10 2 10*„„„ 4,40 1„„„„ 5,20 Löhne der Wickelmacherinnen. 6 Sorten a Mille Mark 2,00 lr„„«-',00 „„„„ 8,20 „„„„ 3,40 „„„„ 3,60 ...... 4,00 Löhne für Maschinenwickel. 5 Sorten a Mille Mark 0,48 4.,„„„ 0,56 Bei den Wickelmacherinnen ist dabei noch folgendes zu« beachten: Das Umblatt wird nur für die Maschinenwickel gerissen geliefert, die übrigen« Arbeiterinnen« müssen sich das Umblatt selber reißen und zurichten, was in den allermeisten« größeren Betrieben nicht üblich ist. Da«die Umblattabake in ihrer Ergiebigkeit ost recht mangelhaft sind, wird dieser Umstand häufig die Ursache von Strafen. Ferner wird in den allermeisten größeren Privatbetrieben das Wickelpressen von Männern besorgt, in der Kaiserlichen Manu- „Ich habe, schreibt er dem Freunde, eine Parodie auf die Ouitzows geschrieben. Unter der Hand ist mir das Ding aber zu einer ziemlich blutigen Satire auf den... grotzen Wildenbruch, auf den Militarismus in der„preußischen Poesie", auf das speichel- lechzende und-leckende Berlin W. und auf weitz der Himmel was noch alles geworden. Daraus folgt natürlich: 1. datz eS in Deutsch» land nicht gedruckt werden kann, 2. daß eS auch in der Schweiz nur Pseudonym, das heitzt wenigstens ohne meinen Namen, bezw. mein Pseudonym Otto Erich, erscheinen darf. Vorausschicken will ich noch, datz das Ding„die Ouietschhos" heißt, und diese, d. h. die quietschende Militär-Ledcrhose als das Symbol preutzischen Volkstums und preußischer Herrschaft von dem besiegten Dietrich von der Ouietschhos schließlich auf... Conrad II. übergeht. Du verstehst... die Sache ist zweifellos mir famoS ge- langen und wird znmal, wenn sie, bevor sie verboten wird, gleich in großer Masse auf den Marli geworfen wird, großes Aufsehen erregen: denn der Ruhm und die Beliebtheit der„OuitzolvS" ist noch immer im Steigen. Mein Vorschlag ist folgender: ich sende dir das Maimskript, du fügst vielleicht noch ein paar kräftige Wörtlein hinzu und besorgst dann die Herausgabe unier deinem Namen, d. h. als Herausgeber, oder noch bester unter einem Pseudonym. Ich bin ziemlich sicher, datz wir unfere helle Freude daran haben werde». Ich habe in dieser Ouietschhose viel angesammelte Galle verspritzt! Wenn du, wie ich mir denke, aus meinen Vorschlag eingehst, müßte ich dich freilich um eins bitte». Du mutzt mir dein Wort geben, an nieinanden, nicht einmal an den eventuellen Verleger, meine Autorschaft zu bekennen I Es ist das keine unberechtigte Vorsicht von mir. Denn abgesehen davon, datz ich wenig Lust verspure, auf ein paar Jährchen ins Gefängnis zu wandern, muß ich nun einmal aus Rücksicht auf meinen fünfundachtzigjährigcn Großvater und aus ferner zarter Rücksicht auf ein von diesem zu erwartendes nicht unbeträchtliches Vermögen einstweilen noch bei der Juris- prudenz bleiben: du kannst dir vielleicht vorstellen, datz ich nur in den Perdacht zu geraten brauchte, um sofort geschaßt zu werden! Also dein Wort! Ich denke nicht, daß du das Feigheit nennen wirst. Ich wäre im andern Falle eben wahnsinnig leicht- sinnig." ES wäre interessant zu erfahren, ob sich daS Manuskript in HartlebenS Nachlatz vorgefunden hat. Als er die Parodie und offenbar gleich danach diesen Brief an Henckell schrieb, arbeitete er hoffnungslos als ReferendariuS auf dem Amtsgericht zu Wernigerode im Harz. Später kam er m gleicher Eigenschaft nach Berlin, wo er dann umsattelte. Eine bedeutsame musiktechnische Erfindung scheint einem Oester- reicher Dr. FranzTo m a sti k gelungen zu sein. Auf diese Erfindung kam er. wie die„Neue Musikzeitung" berichtet, durch die Tatsache, daß die Streichinstrumente bisher von den Blasinstrumenten an foHur muffen die Arbeikermnen diese schiSere Ardeik?e?tichken, die iür ihren Organismus überaus schädlich ist. In letzter Zeit find die Handgriffe an den Pressen entfernt worden— warum ist schier unerfindlich—, sc daß die Arbeit sehr erschwert umd eine genügende Pressung fast ausgeschlossen ist. Alle diese Nebenarbeiten müssen die Wickelmacherinnen für die angeführten Lohnsätze mitmachen, wodurch für die gleiche Quantität Wickel eine weit niedrigere Ent- löhnung herauskommt als in den meisten Privatbetrieben. Noch schlimmer steht es mit den Rollerinnen, deren Lohnsätze ebenso niedrig und zum Teil n«h niedriger sind als in den ent- legensten Dörfern. Der Reichsminimalsatz im Tabakarbeiterver- band für Roller beträgt 5 Mk. pro Mille für ganz leichte Fassons, und 4(X> Arbeitgeber stehen zum Perband in einem Tarifverhält- nis. In der Kaiserlichen Manufaktur Straßburg hat nach der obigen Tabelle eine einzige Arbeiterin von 4g einen Lohn vo» S,20 M. pro Mille, alle anderen haben viel, viel weniger. Bei so niederen Akkordsätzen kommen am Zahltag natürlich auch sehr kleine Lohnsummen heraus. Die Deckenschueiderinnew erzielen für diese äußerst anstrengende und komplizierte Arbeit einen Tagelohn von 2, Sl) M., die Deckenaufarbeiterinnen erreichen oft nur im Tag einen Verdienst von 1,75 M. Die Umblattreißerinnen bringen es im Tag auf 1,50 bis 1,80 M. Jugendliche Tagelöhnerinneri er- halten pro Tag 1 bis 1,(30 M., jüngere Frauen 1,60 bis 1,80 M. Langjährig beschäftigte Frauen haben Tagelöhne von 1,80 bis 2 M. Die Kistenkleberinnen bringen eS in 12 b-is 13 Arbeitstagen aus 18 bis 22 M. In den Sortierabteilungen herrscht das Akkord- system zu Sätzen von 1,20 M. pro Mille, und je nach Verpackung noch weniger. Auch Aussetzen müssen die Arbeiterinnen zum Teil alle Samstage, ohne daß ihnen ob der unverschuldeten Anordnung etwas vergütet wird. In der Kautabakabteilung sind die Lohn- Verhältnisse nicht besser. Die Verdienste der männlichen Arbeiter betragen in 12 bis 13 Arbeitstagen 39 bis 48 M. Die Tagelöhner erhalten pro Tag 2,80 bis 2,90 M., 3 M. und 3,20 M. und erst nach langjähriger. Beschäftigung einen Aufschlag von 10 Pfennig pro Tag. Ein Arbeiter, der den Vorarbeitertitel hat. wird mit 4 M. pro Tag entlohnt. Das sind also Wochenlöhne, die heruntergehen bis zu 5 M. und bis unter diesen Betrag. Die eine Arbeiterin, die es auf 44 M. in 12 bis 13 Tagen bringt, arbeitet an Wickelmaschinen, sie entfaltet eine Intensität bei der Arbeit, die auf die Dauer unbe- dingt die Gesundheit zerstören muh. Von glaubhaften Arbeite- rinnen wurde uns versichert, daß die Betreffende weder eine Früh- ftücks- noch eine Vesperpause macht, daß sie nie während der Ar- beitszeit austritt, sondern ohne aufzuschauen mit schier unglaublichem Eifer und beispielloser Aufmerksamkeit ihre Arbeit ver- richtet. So bringt sie es auf 20 bis 21 M. die Woche! Und diese werden ihr obendrein erst nach 12- bis 13tägiger Arbeit ausbezahlt. Es ist unerhört, daß ein Staatsbetrieb noch die 14 tägige Lohnzahlung aufrechterhält. Fast noch mehr als die niederen Löhne fordert daS beispiellos raffinierte Prämien- und Strafsystem unseren Pro- lest und unsere schärfste Kritik heraus. Dabei verfährt man folgen- dermaßen: Den Wickelmacherinnen wird ein Quantum Umblatt und den Rollerinnen ein Quantum Deckblatt ausgehändigt, das für ein Kilo(250 Stück) Mckel beziehungsweise Zigarren reichen soll. Reicht eine Arbeiterin nicht mit dem Tabak aus, so erhält sie eine Strafe, die derjenigen Arbeiterin als Prämie gezahlt wird, die mit ihrem Tabak wie verlangt auskommt. Ja man geht noch weiter: Kommen Arbeiterinnen mit ihrem Tabak soweit wie vorgeschrieben aus, aber eine oder mehrere Kolleginnen reichten mit ihrem Quantum darüber hinaus, so erhalten die elfteren Strafen, trotzdem sie vorschriftsmäßig gearbeitet haben; auch diese Strafen fließen wiederum als Prämie denjenigen zu, die aus dem Tabak mehr Wickel und Zigarren herausbrachten, als vorge- schrieben war. Zu den gekennzeichneten Strafen freien jedoch noch andere. Bei der Abnahme der Zigarren wird sehr viel Ausschuß geworfen. Oft 100 Stück in einer Woche, und außerdem müssen die Arbeite- rinnen vier Ueberzigarren pro Mille liefern. Man ist allgemein der Ansicht, daß der sogenannte„Ausschuß" in den Handel geht, aber die Arbeiterinnen bekommen dafür keinen Lohn. Ja� noch mehr. Ist der Arbeiterin zweimal hintereinander Ausschuß ge- warfen worden, dann erklärt ihr der Werkmeister nicht selten: Schon wieder Ausschuß? Da setzen Sie nur erst einmal einen oder zwei, auch mitunter drei Tage aus!- So fügt man zu den Straf- abzügen noch die erzwungene Arbeits- und Verdien st- l o s i g k e i t mehrerer Tage! In ähnlicher Weise wird das Zuspätkommen bestraft. Wer 1 bis 5 Minuten zu spät kommt, muß bis Mittag feiern, denn er findet das Tor verschlossen, und trotz allem Bitten wird es nicht geöffnet. Es ist wiederholt vorgekommen, daß kaum der letzte Glockenton verhallt war, als auch schon das Tor geschlossen wurde, obgleich Arbeiterinnen im Begriff standen, einzutreten. Fast wur- den ihnen die Hände gequetscht, die sie unwillkürlich ausstreckten, um daS Zuschlagen des Tores zu hindern. Der größte Teil der beschäftigten Frauen sind zudem Mütter, die vor Beginn ihrer Arbeit ihre Kleinen erst nach der Krippe oder nach dem Kinder- garten schaffen müssen. Wie leicht gehen da ein paar Minuten mehr auf den Weg! Stärke des TonS Übertroffen wurde». Er sagte sich, daß es eigent- lich umgekehrt der Fall sein mußte, weil die Hand eine größere dynamische Wirkung hervorzubringen imstande sei als die Lunge. Mittels einiger Verlindernngen an den Instrumenten— Dr. Tomaslik verlegte die Schallöcher, spannte die Saiten anders über den Steg und brachte es zuivege, daß sotvohl die Decke als auch der Boden des Instruments mitschwingt— wird jeder Ton auf das Dreifache verstärkt und veredelt. Das Material. Holz oder Latten kommt hierbei gar nicht in Betracht. Das österreichische Arbeits- Ministerium hat dem Erfinder eine große Werkstätte und zahlreiche Hilfskräfte zur Verfügung gestellt. Im Herbst soll ein großes öffentliches Konzert in Wie» mit seinen Instrumenten veranstaltet werden. Theater. Münchener Theater. Der Verein Münchener Volksfest« spiele brachte als erste Extravorstellung Calderons Mysterium; .Der standhafte Prinz", in welchem dein Zuschauer in ebenso eindringlichen wie bedrückenden Bildern die Onalen vor- geführt werden, die der christliche portngiefische Prinz Fernando auS- hält in der Gefangenschaft des islamitischen Sultan«, der von ihm die Uebergabe der Stadt Zeuda verlangt. Und Don Fernando er- gibt sich nicht, er bleibt dem Kreuze treu, bis er den Märtyrertod stirbt. DaS ist alles im Calderonscheii, Original in künstlerischem Stil als Sieg der Idee dichterisch gestaltet. Der Münchener Bearbeiter, Georg Fuchs, beschränkte sich konsequent nur auf da» Dogmatische, so daß das Ganze wie ein katholisches Propagandastiick wirkt und verstimmt. Für das Volk ist derart religiöse Kost überhaupt kein .Fest"— die reaktionäre Richtung mutz entschieden abgelehnt werden. Was man dem Werk an Ausstattung zuteil werden lassen konnte, war getan worden, nur in der Darstellung machte man eS sich leicht. Die Wirkung blieb völlig aus. Humor und Satire. Lokales. Wie unser tn-Mitarbeiter aus lautersten Quellen erfährt, besteht die feste Absicht des Kaisers, auch einmal Berlin zu besuchen. Die Sicherheitsmaßnahmen hat der bekannte SicherheitS- und Umpandskommissar v. I. übernommen. Das Vergnügungsprogramin ist reichhaltig und munter: 1. Be- fichtigung der Stadt.(Wie verlautet, freuen sich Seine Majestät außerordentlich, auch einmal Berlin wiederzufeh«,.) 2. Polizeimanöver: Slraßenschlacht. Die Jagd auf den Streikposten. Die blaue Partei hat hier wie immer die Aufgabe, die Roten durch Äbsperrungsmaßregeln zu bedrängen. S. Besichtigung des unbe- straften Berliners(ein Herr v. I.). 4. Vorführung de« Lebens und Treibens der Bevölkerung: dieselbe ruft Hurra I. schwenkt mit Tüchern und ernährt sich auch sonst auf honette Weil«. S. Besichu- gung des historischen Schnitzels. Un8 die Behandlung der Arber terlttnett? Scham und Zorn trieben uns das Blut in die Wangen, als wir die Klagen der Arbeiterinnen ob der ihnen widerfahrenen Behandlung hörten. „Saumensch",„dumme Affen".„Gänsegurgel" sind Titnlationen, die den Arbeiterinnen täglich durch verschiedene Werkmeister zuteil werden. Alte Frauen, die fast ihr Leben lang im Betrieb schafften, die die Mütter der Werkmeister sein könnten, werden von diesen beschimpft und angeschrien: sie gehörten gar nicht in einen ordcnt- lichen Betrieb, sondern in einen Stall gestopft. Eine alte Frau, die schlecht hört, wurde beschimpft:„Dummer Hafen, tauber, kannst nicht hören!" Jungen Mädchen, eben der Schule entwachsen, wurde von einem Werkmeister zugeschrien:„Ihr gehört dahin, wo die Fenster bemalt sind!"(Die Straße, wo die Prostituierten wohnen. Die Verfasserin.) Einer jungen Mutter, die sich Urlaub erbat, um ihr krankes Kind zu besuchen, antwortete der Werkmeister durch ein unflätiges Wortspiel. Der Anstand verbietet uns, es hier auch nur andeutungsweise wiederzugeben. Das ist die Behandlung von Ar- beiterinnen in einem Staatsbetrieb! Und wie steht es um die hygienischen und sozialen Einrichtungen des Betriebes? Beide sind sehr, sehr reform- bedürftig. Eine Woschgelegenhcit ist heute vorhanden im Betrieb, aber keine Badegelegenheit, obgleich gerade diese bitter not täte. Jeder Arzt wird uns zustimmen, daß just für Tabak- arbeiterinnen eine peinliche Sauberkeit, eine gute Hautpflege drin- gend notwendig ist, um der gesundheitsschädlichen Einwirkung des nikotinhaltigen Tabakstaubes entgegenzuwirken. Im Betrieb fehlt die Möglichkeit dazu. In den österreichischen Tabakfabriken(Staats- Monopol) findet man überall Badeeinrichtungen, ferner Vorgärten oder Parks, in denen die Arbeiter und Arbeiterinnen sich ergehen können. In Straßburg ist keine Spur solcher Einrichtungen. Der Straßburger Betrieb hat eine Fabrikkrankenkasse, die aber nichts über die gesetzlich festgelegten Minimalsätze leistet. Das tägliche Krankengeld beträgt 1,10 M. Eine Wöchnerin erhält im ganzen 39,60 M. Ist sie gezwungen, zur Entbindung ins Spital zu gehen, so muß sie für den zehntägigen Aufenthalt 28 M. be- zahlen. Für die übrigen fünf Wochen bleiben ihr also ganze 11,60 Mark zum Lebensunterhalt. Davon läßt es sich„herrlich" leben, besonders in Stratzburg, wo Miet- und Lebensmittelpreise sehr hohe sind. Der Betrieb mit seiner ganzen Schar weiblicher Ar- beiter könnte sehr wohl ein Entbindungs- und ein Säuglingsheim, desgleichen einen Kindergarten unterhalten. Nichts von alledem. Statt dessen den denkbar niedrigsten Satz für Krankengeld und Wöchncrinnenunterstützung. Ein Beweis für den unsozialen Geist, der im Betrieb herrscht, ist auch das folgende Vorkommnis: Eine Arbeiterin, Wickelmacherin. die als Vertreterin ihrer Kolleginnen in den Kassenvorstand gewählt worden ist, kam einige Minuten zu spät zur Sitzung. Diese fand während der Arbeitszeit statt. Ver- giitung für die Arbeitsversäumnis gibt es nicht. Die Arbeiterin hatte nun, bevor sie zur Sitzung ging, noch schnell ihre Wickel ein- gepreßt, daher die Verspätung. Der Vertreter des Betriebes drohte ihr dafür eine Strafe von 50 Pf. an, und erst auf Fürsprache einer Vorarbeitrrin ließ er davon ab. Solche Zustände sind natürlich nur in Betrieben möglich, in denen die Arbeiter unorganisiert oder nur vereinzelt organisiert sind. Nachdem die Organisationsbestrebungen neuerdings kräftig und mit gutem Erfolg eingesetzt haben, wird auch mit den schreien- den Ucbelständen aufgeräumt werden. In den österreichischen Staatsbetrieben haben die Tabakarbeitcrinnen dank ihrer festen und starken Organisation schon vieles erreicht, woran unsere Straß- burger Staatsarbciterinnen noch nicht zu denken wagen.(Luise Zieh in der„Gleichheit".) 1 Hud der Partei. Zur württcmbergischcn LaudcSversammliinß. Genosse Karl H ll g l i n- Rohr a. F. ersucht uns um Aufnahme folgender Richtigstellung zur Berichtigung de« Genossen Westmeyer in Nr. 207 des„BorwärtS", betreffend DelegationSbeschickung zur württembergischen Landesversammlung: „Die von mir in vier Exemplaren versandte Aufforderung um Zusendung von Blaukodelegationskarten zur württembergischen Landes- Versammlung geschah im Auftrage von zirka 3S Delegierten der Kreisgeneralversammlung, die zirka 20 Ortsvereine vertraten. DaS von mir angewandte Verfahren war meinen Auftraggebern nicht nur bekannt, sondern sie verlangten diese Maßnahmen mit dem Hinweis, daß sie eine Blankovollmacht von ihren Mitgliedschaften besäßen, um deren Interessen nach jeder Richtung wahrnehmen zu können." UnS erscheint daS System der BlankodelegationSkarten, das eine Vertretung durch Genossen ermöglicht, die den Auftraggebern manch- mal ganz fremd sind, durchaus verwerflich. Hoffentlich tritt in Württemberg bald so viel Ruhe und Besonnenheit ein, daß das jetzige unhaltbare DelegationSsystem zur Landesversammlung einer gründlichen Aenderung unterzogen wird. Als besonderes Amüsement ist eine Gerichtssitzung gegen einen Korpsstudenten in Aussicht gehalten. Der betreffende Rechtsanwalt wird bereits jetzt— vorsiciuShalber— eingesperrt. Möchte doch unser Kaiser und Herr auch bei uns jenes Ent- zücken empfinden, das ihm andere Städte bereits eingeflößt zu haben die hohe Ehre hatten. Das walte Gott l Juristentag in Wien. Das räuspert sich und speichelt Paragraphen in Reden, Gegenreden, Kommentaren ein... Man ist gewissermaßen unter sich allein— Der Redner spricht. Die andern Herren schlafen. DaS dünkt sich wohlerfahren, trotzt von Würden.-- Hier wird das Leben wissenschaftlich aufgefaßt:— doch jeder Kerl, der eine schwere Last zu Hafen trägt, weiß mehr als sie von unfern LebenSbllrden. DaS glaubt noch an juristische Gewalten. Und zwängt es sich nicht in Begriffe ein, dann wird daS Leben wohl nicht richtig sein � l l Das schwätzt und alleS bleibt beim Alten. Der Schaffe ist ein Strohwisch, eine Puppe... Was weig der Landgerichtsdirektor mit der Atemnot von Streik und Hunger und von Qual und Tod?— Er urteilt ab, das andre ist ihm schnuppe. Und geht nach Haus und deckt sich durch verdammte Hochnäsigkeit und Akten und Papier und Tinte... Wozu sind die Professoren hier?— Juristen?— Wissenschaftler?—"• Richtbeamte!— Kurt. Notizen. — In der Großen Berliner Kunstausstellung am Lehrter Bahnhof beträgt beute der Eintrittspreis von 2 Uhr nachmittags ab wieder nur 25 Pf. — Der jung- belgischen Malerei. Plastik und Z e i ch e n k u n st ist die sechste Ausstellung der Zeitschrift„Sturm" (Königin-Augnstastr. 51) gewidmet. Vertreten sind elf Küiistler. Die Bilderschau ist vom 8. bis 25. September täglich zwischen 10-6 Uhr offen. — Zu Felix WeingartnerS Beethoven-Kon- zerten sind einzelne Kategorien der Abonnementskarten bereits ausverkauft. Stehplätze werden in Berlin überhaupt nicht zur Aus- gäbe gelangen, da die Fürstenwalder, die bei der Abgabe der Sitz» Plätze zu kurz gekommen sind, sämtliche Stehplätze— in erster Linie für die Unterrichtsanstalten— an Ort und Stelle auflaufen ließen, Hua Induftric und f)andd. Verstelgerungsringe. Ein Gegenstand, dessen Buchwert oder Verwendungswert er« heblich ist, verliert bei einer öffentlichen Versteigerung außer» ordentlich. Wenn nicht aus besonderen Gründen ein heißer Kampf um diesen Gegenstand entsteht, so wird meistens kaum die Hälfte des wirklichen Wertes hereingebracht. Das ist schon der Fall bei den Versteigerungen, wo alles mit rechten Dingen zugeht, wo keine geheimen Abmachungen unter den Bietern bestehen. Häufig jedoch tun sich die Teilnehmer an der Versteigerung im geheimen zusammen und geben sich das Versprechen, eine bestimmte, ganz geringe Summe, nicht zu überbieten. Für diese kleine Summe ersteigert dann eine vorher bezeichnete Person, tne dem Ringe an» gehört, den Gegenstand. Sie erhält ihn aber nicht für die Er« stigerungSsumme, sondern zahlt an die anderen, mit denen sie die Abmachung getroffen hat, eine Abstandssumme. Aber auch die Gesamtzahlung läßt dieser Person noch einen sehr erheblichen Nutzen. Die anderen aber haben Geld in die Tasche gesteckt, für das auch nicht der geringste Aufwand geleistet worden ist, sie haben einfach ein Geschenk erhalten und zwar auf Kosten des oder der Gläubiger, für die die Versteigerung vorgenommen wurde. Ein derartiger Fall ist vor einigen Tagen wieder einmal passiert und zwar bei der Versteigerung von Maschinen der unglückseligen Akkumulatorenwerke vorm. W. A. Boese. Diese Maschinen hatten einen Wert von einigen hunderttausend Mark. An der Versteigerung nahm eine große Zahl von Personen teil, die in der oben geschilderten Weise einen Ring bildeten. Die Maschinen wurden an einen der Bieter für ungefähr 24 000 M. losgeschlagen. Der Ersteher zahlte darauf 25 000 M. an die anderen Herrschaften auS, jo daß jeder von ihnen ungefähr 350 M. in die Tasche steckte. BernichtungSkampf in der Industrie der Metallfadenlampe. Die Augsburger Wolfram-Lampen-Aktiengesell« s ch a f t steht vor dem Zusammenbruch. Nach den Schwierigkeiten, die die Schneider-Gesellschaft durchzufechten hatte, dann der Krise» welche das Pintsch-Unternehmen gepackt hat, ist dies die dritte un- abhängige Metallfadenlampenfabrik, welche derlei Dinge erfährt. Dies hat seine tieferen Zusammenhänge, und damit geht daS Schick- sal der Wolfram A. G., Augsburg, über ein lokales Geschehnis weit hinausl Die Vernichter dieser selbständigen Aktiengesellsckmften in der Lampenindustrie sind die drei Genossen auf dem Gebiete, die A. E. G., die Siemens u. Halske und die Auergesellfchast l Hilfe leisten dabei, wie gerade in der Elektroindustrie so oft, die Banken. Es sei nur an den buchstäblichen Mordkamps in der deutschen Akku« mulatorenindustrie, die Bezwingung der Bergmannlverke und ähn« licheS erinnert.— Alles das war nur möglich, weil die Großbanken» im besonderen die Deutsche Bank, mithalsen, die selbständigen! Existenzen zu vernichten!> Die Metallfadenlampe existiert erst seit der Jahrhundertwende. Vorher und noch die erste Hälfte des vergangenen Jahrzehnte? herrschte unbeschränkt die Kohlenfadenlampe. Ihre Produzenten sind international zu einem kräftigen Kartell vereinigt, ihre Verkaufs st ellevereinigterGlühlampen G. m. b. H. befindet sich in Berlin. Neben verschiedenen Wolframlampenpatenten wurde 1903 auch daS des Chemikers Just und des Ingenieur» Hanamann industriell verwertet. Die Wolfram A. G. gab dafür 400 000 Mark in bar und 400 000 in Aktien. Jetzt hat daS Unternehmen drei Millionen Mark Aktienkapital. Trotz von Jahr zu Jahr besser werdender Ge- schäfte, auch steigendem Umsatzes, ist es ihr nicht gelungen, auch nur für ein Jahr Dividende zu erteilen. Da» Unternehmen will sein Kapital aus den fünften Teil zusammenlegen oder ganz liquidieren. Letzter Grund, Verweigerung von weiterem Kredit durch die Banken, Zurückforderung der schon geliehenen 1,24 Millionen Mark und tötender P r e, S k o n k u r r e n z k a m,p f mit den drei obcngc- nannten Großen. Die A. E. Ä. verhinderte vor einigen Jahren eine Kartellierung der Produzenten von Metallfadenlampen, weil ihr noch zu vleb selb- ständige Unternehmen existierten; die A. E. G. war es auch, welche zuerst mit Kampspreisen auf den Markt trat. Es gibt jetzt drei wichtige Verfahren, den Wolframfnden her« zustellen. Das älteste System verfährt so, daß es Wolframpulver durch Diamantdüsen Preßt, das mit einem Bindemittel zusammen« fehaitene Pulver sintert und bildet so einen allerdings sehr cmp- indlichen Faden. DaS zweite Verfahren, dessen Patente die Siemens u. HalSke A. G. besitzt, preßt Wolframpulver in Röhren und zieht dann die Schalen weg. Im Laboratorium war es der S. u. H. aber bald gelungen, Wolframmetallfaden, also eigentlichen Metälldraht, direkt au» dem Wolfram zu ziehen. Dem amerikanischen Elektrotrust, der General Electric Company, gelang-S, nachdem sie Mitteilungen von der S. u. H. über die Methode der Laborawriumsversuche erhalten hatte, den Faden fabrikationSmäßig zu ziehen. Damit wäre die dauernde Uebermacht des amerikanischen Trusts auf dem Welt- markte zum mindesten in gewissem Maße, soweit die Herstellung von Metallfadenlampen in Frage kommt, sichergestellt gewesen. Es kam aber anders. Ein Patent, daS sich die S. u. H. gesichert hatte, binderte die amerikanische Monopolstellung. Das Patentrecht be« steht ja nicht, um armen Schluckern den Genuß ihrer Erfinderrechte zu sichern, sondern um dem Großkapitalismus Wucherprosite zuzu» schanzen. So wurde es auch hier. Die S. u. H. hatte sich ein Patent auf das Verfahren, den Metalldraht fortlaufend über die Dutzende von Haken des DrahtgerüsteS in der Lampe wegzuziehen, international gesichert. Vorher wurden die einzelnen Fäden mit der Stromanleitung verbunden— ein äußerst umständliches und teures Versahren. Die General Electric Company und die S. u. S. einigten sich auf gegenseitigen Austausch der Patente und Erfahrungen! S. u. H. einigte sich wieder für Deutschland mit der A. E. G. und der Auergesellschaft auf gemeinsame Verwertung der General Electric Company- und derS. u. H.« Patente! Damit hatten die drei Großen in-der deutschen Elektro» lampenindustrie die Uebermacht und begannen mit Konkurrenz- preisen die selbständige Metallfadenlampenmdustrie zu ruinieren! Ihr dritte? Opfer ist die Wolfram A. G. Augsburg. Interessant ist, daß der Bankkredit, den dieses Unternehmen jetzt zurückzahlen muß, zu einem Teile, wahrscheinlich sogar zu einem wesentlicheren Teile, von einem Konzernunternehmen der Diskontobank, der Bayerischen Diskonto- und Wechselbank gewährt worden ist. Wenn die Wolfxam A. G. nicht unabhängige Geldhilfe findet — und daS ist schwer, wenn die Diskontobank nicht will—. fo wird ihr nichts anderes übrig bleiben, als bedeutungslos zu werden oder ganz einzupacken, als Opfer der grenzenlosen Profit- und Zer- störungSwut der großkapitalistischen Unternehmen in der Metall- fadenlampenindustrie, deren Helfershelfer das größte deutsche Bank- institut wieder einmal ist._ Getreideausfuhrverbot in Serbien. DaS Amtsblatt veröffentlicht einen königlichen Erlaß, betreffend ein Ausfuhrverbot für Weizen. Hafer und andere Futterartikel von heute ab bis zum 14. November. Ein solches Verbot wäre für Deutschland auch sehr angebracht. Eins der frauenbewegung. Spitzenklöppelei im sächsischen Erzgebirge. Die Spitzenklöppelei wird seit mehr denn 300 Jahren im Erzgebirge betrieben. Nach dem Gewerbeverzeichnis der letzten Berufs- und Betriebszählung(1907) konnten im Erzgebirge gegen 4500 Spitzenklöpplerinnen ermittelt werden. Da diese Zählung im Sommer stattfand, wo weniger geklöppelt wird, so darf man annehmen, daß die Zahl in Wirklichkeit noch viel höher steht. Die Spitzenltöppelei hat im Erzgebirge schwere Krisen durch- laufen. Die sächsische Regierung, fürstliche Persönlichkeiten, Wohl- iätigkeitsanstalten und' andere Organe Haken Lergeklich viel unier- nomine», um der Älöppelkunst ein weites Absatzgebiet zu schaffen. Im Jahre 1808 wurde die erste Klöppelschule in Schneeberg, Sachsen, gegründet. Heute hat Sachsen gegen 30 Klöppelschulen. Die Schulen sollten für eine bessere Ausbildung sorgen, es sollten auch feinere Muster gelehrt werden. Der Unterricht wird an Kinder vom S. bis zum 14. Jahre erteilt. Diese Klöppelschulen stehen unter Leitung einer Lehrerin, die in Schneeberg die Muster- schule besucht hat. Tie Oberaufsicht zu diesen Klöppelschulen hat ein Oberinspektor. Schwere Muster, die für das kindliche Auge anstrengend sind, werden von ihm geprüft und eventuell ausran- giert. Die Kinder haben ein sogenanntes Lohnbuch, in das der Verdienst eingetragen wird. Von einer Lehrerin wurde uns an- gegeben, daß der Lohn zwischen 40 bis 80 M. jährlich schwanke. Die Kinder arbeiten vor- oder nachmittags, im Sommer haben sie 14 Tage Ferien, außerdem 8 Tage Kartoffelferien. Sämtliche Spitzen,.die in diesen Klöppelschulen verfertigt werden, kauft ein bestimmter Verleger, der„Spitzenhcrr", der auch die Auf- träge erteilt. In Schneeberg befindet sich die Spitzenklöppelmusterschule, eine Staatsanstalt, die Lehrerinnen für die Klöppelschulen sowie tüch- tige Arbeiterinnen für die Klöppelindustrie ausbildet und durch Herausgabe neuzeitlicher Muster die Industrie zu fördern sucht. Diejenigen, die sich als Lehrerinnen ausbilden wollen, sind von der Entrichtung des Schulgeldes befreit und erhalten einen Wochen- lohn. Sie sind aber verpflichtet, die Schule vor Beendigung des dreijährigen Kursus nicht zu verlassen, andernfalls der vierte Teil des erhaltenen Gcsamtlohnes zurückzuzahlen ist. Der Wochenlohn beträgt im ersten Jahr 5,50 bis 8,50 M. Versäumte Stunden werden in Abzug gebracht. Aber alle Bestrebungen haben nichts genutzt. Die Technik hat auch hier revolutionierend gewirkt. Tie Klöppelmaschine hat den Erzgebirglern die Arbeit genommen. Die metallnen Finger arbeiten schneller, billiger und erakter. Ende Juni wurde in Annabcrg in einer Ausstellung eine Klöppelmaschine vorgeführt. Auf dem großen runden Tisch tanzten die vollbewickelten Garn- träger hin und her um dem emsig zugreifenden metallnen Finger der Maschine in langen Fäden das Material zur Verarbeitung zu liefern, welches dann als schön gemusterter kunstseidener Klöppel- einsatz zum Vorschein kam Tie Berichte der Handelskammern bestätigen, daß die Hand- klöppele! nicht mehr wettbewerbsfähig ist. Die Menschen, die dort in ihren alten Häusern sitzen, bleiben bei ihrer alten Technik. Sie babcn auch nicht mehr die Schmiegsamkeii, sich den Bedürfnissen des Marktes anzupassen; die Schule will nun bei der jungen Gene- ration nachholen. Sie erreicht auch einiges. Sobald aber die Kinder aus der Schule sind, gehen sie lieber stundenweit, um sich in den nächsten Fabriken ihr Brot zu verdienen. Der erste weibliche geprüfte Schncidergeselle. Vor der Prüfungskommission der Schneiderinnung in Göttingen hat nach zwciähriger Ausbildung im Schneiddrinnengewerbe ein 17 Jahre altes Lehrmädchen die Gesellenprüfung abgelegt und sie mit dem Prädikat..gut" bestanden. Sie ist somit der erste weibliche geprüfte Schncidergeselle. Gerichts-Leitung» Ein recht sonderbares Abenteuer mit zwei Polizeibramten hat der KunstvcrlagShändlcr und Hauseigentümer Max N. aus Wilmersdorf erlebt, der sich gestern mit seiner Gattin wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt vor der 3. Ferienstrafkammer des Landgerichts II! zu verantworten hatte.— Der Angeklagte war vor einiger Ze.it mit der Ortskrankenkaffe von Wilmersdorf in Tisfe izen geraten, die schließlich zu einem Zivilprozcß ge- führt hatten, den N. in erster Instanz gewann, in der zweiten Instanz aber verlor. Während dieser. Prozeß schwebte, verweigerte N. die Zahlung der Kasscnbeitrage, um welche es sich U. a. auch in dem Prozeß selbst handelte. Er wurde, trotzdem es ihm mehr als fraglich erschien, ob er überhaupt zahlungspflichtig war, von der Verwaltung der Ortskrankenkaffe wiederholt aufgefordert, die fällt- gen Beiträge zu zahlen. Der Angeklagte verweigerte dies mit der Begründung, daß er erst den Ausgang des Prozesses abwarten wolle. Die Kasscnvcrwaltung wandte sich nunmehr an die Polizei mit dem Ersuchen, den Angeklagten vorzuladen und darüber zu vernehmen, weshalb er die Beiträge nicht bezahle. Der Angeklagte erhielt nun eine Vorladung vor die Polizei, der er nicht nachkam, da er die Meinung vertrat, daß sich die Polizei in die rein zivil- rechtlichen Fragen nicht einzumischen habe. Nachdem er auch mehrere andere Vorladungen unbeachtet gelassen, erhielt N. die An- drohung zugestellt, daß er im Falle seines nochmaligen Nichter- scheinens zur verantwortlichen Vernehmung vorgeführt werden würde. Da N. bei seinem Nechtsstandpunkt verblieb, reagierte er auch auf diese Drohung nicht. Eine» Morgens gegen 8 Uhr er- schienen zwei Polizeibeamle in seiner Wohnung. Der Angeklagie, der noch im Bett lag, ließ den Beamten durch sein Dienstmädchen sagen, daß sie um 10 Uhr noch einmal wiederkommen sollten. Die Beamten erklärten dem Dienstmädchen— nach dessen Bekundung—, daß sie sich damit nicht abspeisen ließen, da sie schon am Tage zuvor unverrichtcter Sache hätten abziehen müssen. Das Mädchen wurde beaustragt, dem Herrn zu sagen, daß er sofort erscheinen solle, widrigenfalls die Beamten gewaltsam in das Schlafzimmer ein- dringen müßten, aus dem sich'vorher die Ehefrau entfernen solle. Darauf kam der Angeklagte, nur ganz notdürftig bekleidet, aus dem Schlafzimmer heraus und suchte dem Kriminalschutzmann unter Hinweis auf die Strafprozeßordnung klarzumachen, daß sie sich nicht in rechtmäßiger Ausübung ihres Amtes befänden, da die Polizei kein Recht habe, ihn behufs verantwortlicher Vernehmung vorführen zu lassen. Der Kriminalschutzmann ersuchte ihn darauf, keine Schwierigkeiten zu machen, da er ihn sonst mit Gewalt fortführen müßte. Ter. Angeklagte behauptet nun folgendes: Er habe wiederholt ersucht, daß er sich doch erst anziehen dürfe, der Kriminalschutzmann habe ihm aber plötzlich Handschellen angelegt und bei seiner unbewußten Gegenbewegung sei der Beamte auf dem glatten Parkettfußboden ausgeglitten und in die Knie gesunken. Darauf habe der uniformierte Schutzmann Drewes den Säbel ge- zogen und es habe so ausgesehen, als ob er auf die Ehefrau, die auf den Lärm noch in der Nachttoilette herbeigeeilt war, einschlagen wollte. Er selbst habe die Beamten fortwährend darauf aufmerksam gemacht, daß er doch nicht in solcher Bekleidung— er hatte nur Hemd und Hose an— wie ein Verbrecher über die Strasse geschleift werden könne, die Beamten hätten ihn aber vorwärts gestossen und gepufft. Erst als seine Portierfrau auf der Bildfläche erschien und er ihr den Auftrag gegeben, schleunigst nach dem gegenüberliegenden Polizeibureau zu laufen und den Polizeileutnant zur Stelle zu bitten, habe man ihn losgelassen und ihm Gelegenheit gegeben, sich anzukleiden und mit zum Bureau zu gehen. Seine Ehefrau habe allerdings während der erregten Szene den einen Beamten am Arm gefaßt, aber nicht, um Widerstand zu leisten, sondern um ihm zu Gemüte zu führen, was er denn tue.— Dieser eigenartige Vorgang hatte gegen das Ehepaar eine Anklage wegen Widerstandes zur Folge und das Schöffengericht kam zu einer Verurteilung, wo- bei es davon ausging, daß ein Beamter, welcher die Weisung seiner vorgesetzten Behörde ausführt, sich in rechtmäßiger Ausübung seines Amtes befinde, selbst wenn der ihm übertragene Auftrag nicht recht- mäßig erteilt erscheine. Das Schöffengericht erkannte aber an, daß die Angeklagten geglaubt hätten, sich im Recht zu befinden und verureilte den Angeklagten zu 20 M., die Ehefrau zu 10 M. Geldstrafe.— In der Berufungsinstanz verblieben beide Angeklagten bei der von ihnen gegebenen Tarstellung des Vorganges, während der vernommene Kriminalschutzmann sder Uniformierte ist in- zwischen versetzt und war nicht zur Stelle) in manchen Punkten davon abwich. Insbesondere behauptete er, daß Herr N. ihm ge- drohi habe, alles in Klumpen schlagen zu wollen, wenn er gegen ihn gewaltsam borginge, ferner will er die Handschellen erst an- gelegt haben, nachdem ihm N. einen Stoß gegeben, durch den er zur Erde gestürzt sei. Auch bestritt er, daß der uniformierte Kol- lege den Säbel gezogen habe.— Der Polizcirat des Schöncbergcr Polizeipräsidiums, der die Verfügung der Vorführung zur verant- wortlichen Vernehmung getroffen hatte, wurtw vom Vorsitzenden recht eingehend danach befragt, auf Grund welcher Rechtstitel er gemeint habe, eine solche Verfügung im Interesse der Krankenkasse erlassen zu müssen. Der Zeuge gab darauf eine ganz präzise Ant- worl nicht, sondern stützte sich schließlich auf Z 132 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung.— Nach Vernehmung des Dienstmädchens und der Portierfrau beantragte der Angeklagte N. seine und seiner Ehefrau Freisprechung. Er bestritt entschieden, daß sich die Polizeibeamten in rechtmäßiger Ausübung des Amtes befanden und suchte in längeren Ausführungen darzulegen, daß der Polizei kein Recht zustehe, jemand zu verantwortlicher Vernehmung vor- führen zu lassen. Sein Widerstand habe sich lediglich gegen einen Exzeß der Beamten gerichtet.— Das Gericht kam nicht dazu, die vom Angeklagten gewünschte Entscheidung prinzipieller Natur zu treffen; nach langer Beratung beschloß das'Gericht, die Beweis- aufnähme ganz zu erschöpfen und das eidliche Zeugnis des uni- formierten Schutzmanns Drewes an Gerichtsstelle entgegenzu- nehmen. Dieser Zeuge soll mit den schon vernommenen zum nächsten Termin geladen werden. Unter der Anschuldigung, gewerbsmäßiger Unzucht Vorschub geleistet zu haben, hatte sich gestern vor dem Schöffengericht zu Kalkbcrgc-Rüdersdorf der Gastwirt S. sowie dessen Ehefrau, die in Erkner eine Gastwirtschaft haben, zu verantworten. Auf Grund der Beweisaufnahme verurteilte das Gericht beide Eheleute zu je einem Monat Gefängnis. Mocken-Spielplan der Berliner Cheater. Königl. Opernhaus. Sonntag: Die lustigen Weiber von Windsor. Montag: Zlida. Dienstag: Boheme. Mittwoch: Tristan und Isolde.(An- sang 7 Uhr.) Donnerstag: Fidelio. Freitag: Samson_ und Dalila. Sonnabend: Lohengrin.(Ansang 7 Uhr.) Sonntag: Die Zauberslöte. Montag: Der Rosenkavalier.(Ansang Tls Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Vonntag: Der grosse König. Montag: Web dem, der lügt. Dienstag i Die Bluthochzeit. Mittwoch: Der grosse König. Donnerstag: Die Bluthochzeit. Freitag: 1812. Sonnabend: Der grosse König. Sonntag: Die Bluthochzeit. Montag: Freund Fritz.(An- fang 7-/2 Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag: Faust I. Teil. Montag: Hamlet. Dienstag: Romeo und. Julia. Mittwoch:. Ein Snmmernachtstraum. Donnerstag: Erdgeist. Freitag: Don Juan.(Anfang 7 Uhr.) Sonn- abend: Faust II. Teil.(Ansang Kstz Uhr.) Sonntag: Don Juan. Montag: George Dandm.(Anfang Tls Uhr.) Kammerfpiele. Bon Sonntag täglich bis Sonntag: Mein Freund Teddy. Montag: Osfizierc.(Anfang 8 Uhr.) Lessing-Theatrr. Sonntag: Tantris der Narr. Montag: Wenn der junge Wein blüht. Dienstag: Tantris der Narr. Mittwoch: Glaube und Heimat. Donnerstag: Tantris der Narr. Freitag: Die Frau vom Meere. Sonnabend: Einsame Menschen. Sonntag: Tantris der Narr. Montag: Hedda Gabler.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Aktienbudiker. Allabendlich: Grosse Rosinen.(Ansäng 8 Uhr.) Kleines Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Drei Einakter. Täglich abends: Der Unverschämte. Der Arzt seiner Ehre. LottchenS Gebursttag. (Ansang 8 Uhr.) Trinnon-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der selige Toupinel. Allabendlich: Die Bneflasche. Ein peinlicher Zwischenfall. Der Med. (Ansang 8 Uhr.) Schiller-Theater O. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Zops und Schwert. Sonntag, Montag und Dienstag: Die Die Lokalbahn. Die Meoaille. Mittwoch: Die Gesährtin. Paracelsus. Grüner Kakadu. Donnerstag und Freitag: Der Misanthrop. Die Schule der Frauen. Sonnabend: Die Gefährtin. Paracelsus. Grüner Kakadu. Sonntag: Der Misanthrop. Die Schule der Frauen. Montag: Der Kompagnon.(Ansang 8 Uhr.) Schiller-Theater Charlottenburg. Sonntagnachmmittag 3 Uhr: Der Pfarrer von Kirchseid. Abends: Nachruhm. Montag und Dienstag: Der Misanthrop. Die Schnle der Franep. Mittwoch: Nachruhm. Donnerstag und Freitag; Der Talisman. Sonnabend: Nachruhm. Sonntag und Montag: Der Talisman.(Anang 8 Uhr.) Neues Bolks-Thcater. Sonntagnachmittag 3 Uhr und abends: Literatur. Liebelei. Montag und Dienstag: Der Meister. Mittwoch: Literatur. Liebelei. Donnerstag: Der Meister. Freitag: Liebelei. Literatur. Sonnabend und Sonntag: Lore. Die Spieler. Der Kammersänger. (Ansang 8>/, Uhr.) Friedrich. BÜilhelmstädtischcs Schauspielhaus. Allabendlich: Die keusche Susanne. Ansang 8'/, Uhr. Theater in der Königgräher Strafte. Bis aus weiteres täglich abends 8 Uhr: Die fünf Franksurier. Thalia-Thcater. Allabendlich: Autoliebchen.(Ansang 8 Uhr.) Lustspielhans. Sonntag bis Donnerstag: Ein Königreich m. b. H. Ab Freitag allabendlich: So'n Windhund.(Anfang 8st, Uhr.) Deutsches Schauspielhaus. Allabendlich: Egmont.(Ansang 8 Uhr.) Residenz-Theater. Allabendlich: Der Herr von Nr. 19.(Ansang 8 Uhr.) Casino-Theatcr. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Der stille See. All- abendlich: Der Grosssürst.(Ansang 8 Uhr.) Walhalla- Theater. Allabendlich: Nur nicht drängeln.(Ansang 8-/. Uhr.) Montis Operetten- Theater. Sonntagnachmittag 31/, Uhr: Der Vogelhändler. Sonntag bis Freitag: Der liebe Angustin. Sonnabend und Sonntag: Der Kuhreigen. Montag: Unbestimmt.(Anfang 8 Uhr.) Luisen- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Annallese. Abends und Montag: Der Walzerkönig. Dienstag: Alpenkönia und der Menschen- söhn. Mittwoch: Die Annaliese. Donnerstag: Alpenlöniz und der Menlchenfciiid. Freitag: Ich lasse Dich nicht. Sonnabend: Alpenkönig und der Menschcnseind. Sonntag und Montag: Der Walzerkönig.(Ansang 8 Uhr.) Herrnfeld- Theater. Wie man Männer bessert. Die Original- Klabrias-Partie.(Anfang 8 Uhr.) � Metropol- Theater. Allabendlich: Schwindelmeier u. Co.(Ansang Voigt-Theater. Allabendlich: Der rechte Weg.(Ansang 4'/, Uhr.) Paijage-Thcater. Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Zldiniralopalast. Eisballett: Dvonne.(Ansang 10 Uhr.) Rose- Theater. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Die Kamellendame. Allabendlich: Zapfenstreich.(Ansang 8'/. Uhr.)■ Folieo Eaprice. Allabendlich: Der keusche Joseph. Der Rehbock. (Ans. 81/i Uhr.) Berliner Prater-Theatcr. Der Walzerkönig. Anfang 7st, Uhr. Apollo- Tbearer. Abends täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Wintergarten. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Königstadt-Kasino. Taglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Reichshallcn'Tftcater. Allabendlich: Die Macht der Töne.(An- sang 8 Uhr. Sonntags 7-/, Uhr.) Urania. Theater. Sonntag: Von Meran zum Ortler. Montag: Lebende Tierbllder von Nah und Fern. Dienstag und Mittwoch: Der Mcrwaldstädtcr See und der Gotthard. Donnerstag, Freitag und Sonn- abend: An den Seen Obcrilaliens. Sonntag: In den Dolomiten. Montag: Unbestimmt.(Ansang 8 Uhr.) Marktbericht von Berlin am«. September 1912, nach Ermittelung des königl. Polizeipräsidiums. Markthallenpreise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00— 50,00. Speis cbohncn, weisse, 30,00—50,00. Linsen 35,00—70,00. Kartosseln(Kleinhdl.) 8,00—10,00. _ Kilogramm Karpicn 1,40—2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,40—3,60. Hechte 1.40—2,80. Barsche 1,00—2,40. Schleie 1,00—3,20. Bleie 0,80—1,80. 60 Stück Krebs» 3,00—45,00. neue Modelle Neukölln, Bergstr.7-8 Oranienstr. 34 Oranienstr. 47a Müllerstrasse 3a Friedenau, Rbelnslr. 14 Königstrasse 34 Tauentzinstrasse 20 Leipziger Strasse 65 Für. Damen Herren. Ia Boxcalt- und Chevreaux-Damen-Schnürstiefel, modernste Formen. Herren-Stiefel mit und ohne Derby, mit und ohne Lackkappe. Ia Boxcalf-Herren-Schnürstiefel mit und ohne Lackk., mit und ohne Derby, auch Doppelsohle. 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Heute haben wir in einem Kampfe nichts Eiligeres zu tun, als die Regierung zu bitten, zu intervenieren. Tiesem Doppelspiel mutz ein Ende bereitet werden. Wir sollten die Einmischung der Regierung nicht dulden. Die Transportarbeiter verlangen in ihrer Resolution nur eine Untersuchung der Frage der Schiedsgerichte. Das höchste was sie bis jetzt an positiven Matznahmen verlangt haben, ist, datz freiwillig eingegangene Verträge gesetzliche Kraft erlangen sollen. O g d e n(Textilarbeiter): Für uns ist die Frage der obli- gatorischen Schiedsgerichte schon vor Jahren entschieden worden. Die Einrichtung würde die Arbeiter binden, während auf der ande- ren Seite nichts die Arbeitgeber zwingen könnte, ihre Betriebe zu öffnen. Wir in Lancashire bedürfen keiner weiteren Information über diesen Punkt. Wenn die Transportarbeiter einmal mehr Geld haben und stärker sind, werden sie auch weniger von Schieds- gerichten reden. Smilli(Bergarbeiter): Der Antrag ist unser alter Be- kannter, wenn er auch in der Verkleidung einer Forderung nach einer Enquete auftritt. Die Rede Wilsons hat das zur Genüge bewiesen. Ich möchte hier in Antwort auf die Rede Wards nach- drücklichst erklären, datz sich die Bergarbeiter bei ihrem Streik nicht an die Regierung mit der Bitte um Intervention gewandt haben. Wir haben vielmehr stets gegen die Einmischung der Re- gierung protestiert. Shaw(Textilarbeiter): Wem sollen wir von den Freunden, die Australien besucht haben, Glauben schenken. Ben Tillet kam als Anhänger des Systems der obligatorischen Schiedsgerichte zu- rück. Tom Mann kam nach Hause als feuriger Anhänger des Streiks, den man nicht oft genug anwenden kann. Und nun ist Havelock Wilson in Australien bekehrt worden. Ich glaube, Tillet und Wilson vergessen einen wichtigen Punkt. In Australien be- sitzt die Arbeiterschaft grohen politischen Einflutz. Die australi- schen Schiedsrichter entstammen auch nicht der Klasse, aus der bei uns die Schiedsrichter ohne Ausnahme genommen werden, sie sind nicht in Eton und Harrow, Oxford und Cambridge erzogen worden, wo man die Arbeiter als die geborenen Lastträger der oberen Ge- sellschaftsschichten betrachtet. Die Frage wäre diskutierbar, wenn wirklich die Aussicht bestünde, datz man Schiedsrichter aus der Arbeiterklasse wählen würde. Tillet(Dockarbeiter): Der Antrag ist nicht, wie es seine Gegner hinzustellen versucht haben, ein heimtückischer Versuch, den iao«grctz auf etwas festzulegen, wogegen er sich bisher stets aus- gesprochen hat. Ich habe so viele Kämpfe hinter mir, datz mir niemand vorwerfen kann, datz ich ein Gegner des Streiks bin. Brace hat erklärt, ich girrte hier wie eine Taube und brüllte drautzen wie ein Löwe. Das ist immerhin besser als wie Brace hier in der Versammlung wie ein Löwe zu brüllen und drautzen vor dem Feinde wie ein Täubchcn zu girren. Die Bergarbeiter haben gut reden. Aber hätten sie anders handeln können als die Transportarbeiter, wenn die Gruben des Landes dem Staate gehörten? Wir muhten uns an die Regierung wenden, die der verantwortliche Eigentümer der Docks ist und deren Mitglieder, die Minister, den Vertrag mit unterzeichnet hatten, den die Ar- beitgeber gebrochen haben. Die Resolution ist in klarer Sprache abgefaht und bedeutet nicht mehr als die Worte ausdrücken. Die Abstimmung ergab folgendes Resultat: für den Antrag 350 000, gegen den Antrag 1 481000 Stimmen. Der Antrag wurde mithin mit überwältigender Mehrheit abgelehnt. Eine lebhafte Debatte entspann sich darauf über das Bersicherungsgesetz. Bekanntlich gestattet das englische Versicherungsgesetz den Lebens- Versicherungsgesellschaften ähnlich wie die Gewerkschaften Kassen zu gründen. Von dieser Erlaubnis haben die grohen Gesellschaften — und besonders eine, die„Prudential"— gleich den ausgiebigsten Gebrauch gemacht. Mit der Unterstützung der Unternehmer haben sie die Arbeiter genötigt, ihren Kassen beizutreten, um sie den von den Gewerkschaften verwalteten Krankenkassen zu entreitzen. Parlamentsmitglied Ward(Erdarbeiter) begründete eine Resolution, die diese Praxis aufs schärfste verurteilte und ohne Verzug eine parlamentarische Untersuchung der ganzen Angelegen- heit verlangte. Er führte aus: Von 13 Millionen versicherungs- Pflichtigen Personen haben diese kapitalistischen Gesellschaften, die aus den Prämien der Arbeiter ihre ungeheuren Gewinne schlagen, schon sechs bis sieben Millionen gefangen. Die Versicherungs. kommissäre, die vom Parlament besonders beauftragt worden sind, derartige Mitzständ« zu verhüten, haben nicht ihre Pflicht getan. Die Gelder, die von diesen Gesellschaften eingesammelt werden, werden schlietzlich dazu benützt werden, die Profite dieser Gesell- schaften zu erhöhen. Die Selbstverwaltung, die nach dem Gesetz der Prüfstein der Zulässigkeit einer Kasse sein soll, ist zu einer Farce gemacht worden. Bell(Fabrikarbeiter): Die Arbeitgeber haben zu den un- glaublichsten Drohungen gegriffen, um die Arbeiter zu zwingen, den Kassen der Gesellschaften und nicht denen ihrer Gewerkschaf- ten beizutreten. Wenn wir das weiter dulden, wird der Ent- Wickelung der Gewerkschaften ein unübcrwindbares Hindernis in den Weg gelegt werden. Jones(Versicherungsagenten) entwarf in einer fesselnden Rede ein Bild von der Gefahr, die den Gewerkschaften von dem Treiben der größten der Versicherungsgesellschaften, der„Prudential", droht. Diese Gesellschaft gab ihren Agenten den Auftrag, Gcwerk- schaftsmitgliedcr für ihre Kassen zu gewinnen. Der Verband der Versicherungsagenten instruierte darauf seine Mitglieder, die ge- werkschaftlich organisierten Arbeiter an ihre Pflicht zu mahnen, den Krankenkassen ihrer eigenen Organisation beizutreten. Die Folge war, datz die„Prudential" ihren 4000 Agenten keinen ein- zigen Vertreter in der Verwaltung ihrer Kassen einräumte. Die Gesellschaft hat 6 Kassen gegründet, die alle von einem Komitee verwaltet werden, das fast gänzlich aus höheren Beamten der Ge- sellschaft besteht, die nicht Mitglieder von Krankenkassen sein können. Dieses Komitee bleibt bis zum Jahre 1910 im Amt. Es ist keine Spur von einer wirksamen Kontrolle der Kassen seitens der Mit- glicder vorhanden. Wenn dies so weiter geht, wird den Gewerk- schaften und den freien Hilfsiassen innerhalb zehn Jahren das Rückgrat gebrochen sein.. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Die Ver- sicherungsfrage wird morgen(Freitagt auf dem Kongreß wieder zur Sprache kommen. Während des TageS wurde ein Entscheid der Versicherungskommissäre bekannt, der unter den Delegierten die größte Erregung hervorrief. Der Entscheid macht es den Ge- werkschaften praktisch unmöglich, Mitglieder, die jetzt den Kassen der Gewerkschaften beitreten wollen, aufzunehmen. ES soll eine geharnischte Resolution angenonimen werden. In der Morgensitzung begrüßten den Kongreß auch die Gäste, die erschienen waren, nämlich die Vertreter der amerikanischen Gewerkschaften(Berry und Walker), der Arbeiterpartei(McDonald), deS Gewcrkschaftsverbandes(Appleton) und der russischen Arbeiter» schaft(Genossin Kollontay). Der Kongreß nahm ferner folgende beachtenswerte Resolutton einstimmig an: „Dieser Gewerkschaftskongreß drückt den russischen Genoffen in ihrem harten Kampfe seine Sympathien aus, protestiert gegen die brutalen Mittel, mit denen die russische Regierung versucht, die wachsende Solidarität der Arbeiter, wie sie in ihren Organi- sationen zum Ausdruck kommt, zu erdrücken, und gibt der Hoff» nung Ausdruck, datz bei den kommenden Wahlen zur vierten Duma die Macht der Reaktion besiegt und eine starke Arbeiter- Vertretung gewählt wird, um den Kapitalismus und die Auto- kratie zu stürzen." In der Nachmittagssitzung beschäftigte sich der Kongreß Haupt- sächlich mit einer Reihe Resoluttonen über den Achtstundentag, das Wohnungswesen und andere Punkte, die nur eine Wiederholung der seit Jahren vorgebrachten Forderungen darstellten. engflsdie und amedkanijchß .■ 3(i' Neuheit; ▲ Neuheit, i» Neuheit; C Neuheit: U MarenjfO-Jackctt-Auzug Cutaway-Aneug Mareogo-Jackett- Anzug Neuheit! 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DM■ Sonntags von 8—10 Uhr seöfftaet. Cregen die Teuerung lautet die Parole der werktätigen Bevölkerung.— Ein Mittel zum Schutz gegen die Verteuerung der Lebensmittel ist in der zu erblicken.- Die Genossenschaften schalten den Zwischenhandel aus und können deshalb billigere oder für den gleichen Preis bessere Waren verkaufen als die Privatgeschäfte.— Diese Ansicht wird von weiten Bevölkerungskreisen geteilt; Beweis: unsere 69999 Mitglieder. Das letzte Geschäftsjahr brachte uns einen Umsatz von Wir verfügen über Millionen Merk. eigene Groß-Bäckerei. Konditorei Selterwasser- Fabrik, KatTee-Röslerei und andere kleinere Betriebe. Um der Bevölkerung einen Einblick in unser Unternehmen zu geben, laden wir diese für zu einer Besiehügnng unserer Betriebsanlagen ein.— Die Besichtigung ist jedermann gestattet.— Von der Beschaffenheit unserer Waren kann sich jeder in unserm über Groß-Berlin verteilten VsnKaufssKvIIvn überzeugen. Dieselben befinden sich: In Kerlin: N>V. ErasmuSstr. 5 Rostocker Str. SB Emdener Str. BO Stendaler Str. 5 Ufnaustr. 18 N- Nordufer 4b Togostr. 4 Willdenowftr. 30 Marstr. 13a ab 1./10. Hochstädterstr. 6 Adlershof, BiSmarckftr. 11 Alt« Glienick«, Köpenicker Straß« 82, ab l. Oktober: Stuhoim-r Str. 69 ««mmfchnlenweg. Baum- fchulenstraße W» UohnSdorf, Straße 21 Britz, Werderstr. 31 Charlottenbnrg. Wallstr. 83 Kaiserin-Außusta-Allee 5B Potsdamer Str. 80 Weimarer Str. 29 Westend, Frederietastr. 11 N. Prinzenallee 85 Lwinemiinder Str. 33 Greifenbagener Str. 84 »b Mitle«Ieptemb.: Lychrner Strafte 19 Sussitenstr. 53 artenstr. 3 Schivelbeiner Str. 9 Soldiner Str. 103 Gerichtstr. 3 Erkner, Königstr. 55 Friedenau, Moselstr. 7 Friedrichsfelde, Caprivi, Allee 44 FriedrichShagen, Friedrich straße 98. ab 1. Oktobern Strafte 1». Grünau. Köpenicker Str. 8 Johannisthal, Bismarcksir. 6 Karlshorst, Treskow-Allee 100 Köpenick, Berliner Str. 5 Borgmannftr. 5 Müggelheimer Str. 48 K NO. 0. Fehrbelliner Str. 54 Hochmeisterstr. 16d Stolpische Str. 24 Gleimstr. 46 Bötzowstr. 34 Winsstr. 63 Büschingstr. 12 Markusstr. 37, abZo.Sept., Grtincr iÄcg 16 In den Uororten: Lichtenberg, Bürgerheim- straße 102 Kronprinzenstr. 1 Rittergutstr. 22 Mozartstr. 2 Wismarplatz 3 Wühlischstr. 57 Mariendorf, Kaiserstr. 110 Neukölln. Weisestr. 52 Emser Str. 33. Wildenbruchstr. 61/62' Friedelstr. 15 0. Zornborfer Str. 61 Liebigstr. 7 Kochhannstr. 14 Kopernirusstr. 3 Bödikerstr. 7 Mirbachstr. 26 Küstriner Platz 4 SO. Forster Str. 3 Manteuffelstr. 91 Münchener Str. 89 Steinmetzstr. 107 Nieder-Schönhausen, Kaiser- Wilhelm-Str. 79 Ober- Schöneweide, straße 50 Edison- iuisenstr. 12 Pankow, Wollankstr. 102 Reinickendorf-Ost, Hoppe- straße 16 Holländerstr. 126 öhmische Str. 47 fhi« Lerkaussstelle« find geöffnet an Wochentagen von 8 Uhr morgens bis 1 Uhr nachmittags und von 3 Uhr nachmittags Sonnabends bis 9 Uhr abends. Sonntags geschlossen. 80. Adalbertstr. 36 Wrangelstr. 65 8. Gcaefestr. 65 Alte Fakobstr. 57/53 SW. Kochstr. 62 Arndtstr. 5 Wassertorstr. 20 W. Goebenstr, 17, Ecke Cukmstr. Schöneberg, Apostel-PauluZ- Straße 40 Gotenstr. 1 EberSstr. 86 «üdende, Ltchterfelder Str. 36 Tempelhof, Berliner Str. 39 Dorfstr. 19/20 Treptow, Graetzstr. 58 Weißensee, LanghanSstr. 144- 145, ab 1. Ottober! rang. hansftrafte 7 Wilmersdorf, Augustastr. 3 bis 8 Uhr ade«»», Berlin, Uferstraße 14 b TranSpaalstrahe. Eröffnet wirb demnächst fe eine Kerkanfostelle in; Lichtevfelde-Lankwitz, Kaiser--m,„ Neukölln, Weserstraße. Wilhelmstraße 43. Pankow, Berliner Straße 47. Weißensee, Lehderstraß«. v. v. m. bv H*— Zentrale: Uchtenberg, RittsrgutstraQa 22—26, Der Vorstand. G G G G G m : /is /HS /HS /HS /HS /Ks /HS /Ks /KS /Hs /Hs /Ks /Hs /Hs $ /Ks \\ /Ks /Ks /KS «s <6 0/ <0 W z w f w \\/ G \\/ i G I I Vf/ G G r }'/ SM Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Anjeratenteil oeramw.: TH.Glockr.Aeriin. Druck u. Äertag:»dorwartl Buchbruckeiei u.>5« clageanstaU Paul Singer u. Co., Berlm Nr. 210. 29. Zahrgltsg. 3. KrilUt to.Amörls" Kerlim WIKsdlM Sonutag. 8. Zeptembkr 1912. Mittwoch, den 11. September Zatyabend in Groß'ßerlin. Nklbavd foplkinokfltifdjct Wahlmkine Kerlins nud Wgrgtud. �clrekliste cies Zentral vorftanckes. A. Aktionsansschuh; Eugen Ernst, SW. 68, Lindenstr. 8, erster Vorsitzender. Telephon: Amt Moritzplatz, 1863. Max Groger, Charlollcnburg. Rosinenstr. 3, zweiter Vorfitzender. Telephon: Amt Wilhelm. 4606. Theodor Fischer, SW. 68, Lindenstr. 69, Schriftführer. Telephon: Amt Morihplatz, 6023. Emil Boesle, SW. 68. Lindenstr. 69. Kassierer. Telephon: Amt Moritzplatz, l023. Karl Pctermann, SW. 68. Riterstr. 49. Heinrich Schröder, SW. 29, Bergmannsir. 96. August Pohl, SO. 26. Naunhiistr. 30. Paul Hoffmann, O. 34. Königsberger Str. 28. Willi Fricdläudcr, dl. 24, Elsasser Str. 25. Richard Hcnschel, dl. 1l3. Ueckermünder Str. 17, Paul Brühl, O. 112, Scharnweberstr. 6/7. Karl Fahrow, N. 39, Neue Hochstr. 23. Richard Herbst, N. 68. Leltestr. 7. Hermaun Barenthin, O. 17, Stralauer Platz 1/2.' Älex Pagcls, Cbarlottenburg. Rosinenstr. 3. Alfred Scholz, Neukölln, Weisestr. 23. Rudolf Bühlcr, O. 112, Scharnweberstr. 6/7. Anna Matschke, dl. 28. Vinetaplatz 4. Ottilie Baader, SW. 68, Lindenstr. 3. Ott« Wels, Lindenstraße 69, Obmann der Preßlommission. Fritz Schwcmkc, 8.69, Schönleinstr. 34, Obmann der Schiedsgerichts- kominiifion. Albert Hahnisch, C. 64. Auguststr. 61, Obmann der Lokalkommisfion. Emil Basiter, dl. 20. Prinzenallee 46 a, Obmann der Stadtverordneten und Gemeindevertreter. Gustav Schniidt, W. 57, Kirchbachstr. 14, Obmann der Revisoren. Alle Briefe und Mitteilungen sind an Theodor Fischer sBerliner Vcrbandsbureau), SW. 68, Lindenstr. 69) alle Wert- und Geldsendungen an Emil Bocske fBerliner VerbandSburcau), SW. 68, Lindenstr. 69, vom IV, zu richten. B. Prehkonnnission: Alfred Zaduk, Neukölln. Schillerpromenade 3. Ferdinand Ewald, 8. 69, Schönleinstr. 6. Gustav Häußer, SW. 68, Alexandrinenstr. 109. C Walter, 0. 34. Hausburgstr. 28. Otto Wels, SW. 68, Lindenstr. 69. Adam lUttorf, dl. 28, Fehrbelliner Straße 25. Gustav Heinrichs, Neukölln, Teupitzer Str. 12. Hermann Lesser, Pankow, Amalienpark 8. Justin Braun, Neukölln. Jdealpassage 13. Hermann Müller, dl. 39. Nene Hochstr. 23 L Salomon Joseph, dl. 4. Tieckstr. 34. Georg Davidsoh», C. 25, Kaiserstr. 10. n! Gustav Müller, 0. 34, Memeler Str. 6. Fritz Woick. Köpenick, Jägerstr. 3. � Emil Stulz, Charlottenburg, Kantstr. 37. Franz Gründler, Weißensee, Berliner Allee 251. Agnes Fahrenwald, v. 34, Zorndorfer Str. 13. Alle Mitteilungen und eventuelle Beschwerden den„Vorwärts" betreffend sind an den Obmann der Preßkommission Otto WelS, SW. 68, Lindenstr. 69, vorn 4 Tr., zu richten. C. SchiedSgerichtskommisfion: Wilhelm Düwell, Lichtenberg. Bürgerheimstr. 93. Fritz Schwemke, 8. 69, Schönleinstr. 34. Paul Jakob, 80. 36. Reichenderger Str. 123. Karl Melle, 0. 34. Tilsiter Str. 49. H. Kirschke, NO"43, Wadzeckstr. 10 L Gustav Laukant, dl. 39, Nordufer 11. Oskar Witzle, Lichtenberg, Grünberger Str. 9. Reinh. Küter, Schöneberg. Ebersstr. 70. Marie Juchacz, Neukölln, Warthestr. 13, Hof I. Alle Anträge sind an Fritz Schwemke, 3. 69. Schönleinstr. 34. zu richten. v. Lokalkommission': Jakob Ege, CS. 19, Noßstr. 31. R Rriuhardt, S. 59, Urbanstr. 67. tllustao Müller, SO. 36, Grünaner Str. 26. Franz Brhersdorf, 0. 34, Petersburger Str. 69. Albert Hahnisch, 0. 84, Auguststr. 61. Wilhelm Dams, dl. 4, Schlegelstr. 9. Karl Rohr, Rixdorf, Wetsestr. 16/16. Hermann Elias, O. 112, Blumenthalstr. 24. Martha Arcndsre, Tegel. Schloßstr. 22. Alle Mitteilungen, Zuschriften und Beschwerden in Lokal-An- grlcgrl-bciten für Berlin und Umgegend sind nur an den Obmann der Lolal-Koinmission Albert Hahnisch, 0. 54, Auguststr. 51, Quergebäude 4 Tr., zu richten. E. Revisoren: Gustav Schmidt, W. 57, Kirchbachstr. 14. Paul Burghardt, 0. 84, Straßmannstr. 31. Paul Tobrohlaw, dl. 68, Schliemannstr. 39. Paul Weinmanu, Britz, Rochowstr. 2. Albert Taubman», Weißensee, Lichtenberg« Str. II. Obmann der Revisoren ist: Gustav Schmidt, W. 57, Kirchbachstr. 14, Hochpart. Vorsitzende und Kassierer der Wahlvereine: 1. Kreis: Vorsitzender Karl Pelcrmann, SW. 68. Rillerstr. 49. Kassierer Max Bolzman», SW. 29. Mittenwalder Str. 89. 2.„ Vorsitzender Heinrich Schröder, SW. 29. Bergmannstr. 96. Kassierer Gustnu Schmidt, W. 67, Kirchbachstr. 14. 3., Vorsitzender August Pohl, 80. 26. Naunynstr. 30. Kassierer Albert Harudt, 0. 19, Friedrichsgracht 22. 4., Vorsitzeuder Paul Hoffmann, Königsberger Str. 28, Amt Äönigitadt 6192. Nebenanschluß. Kassierer Hermann Barenthin. 0. 17, Stralaner Platz 1/2, Wahlverciiisbureau, Amt Königstadl 3769. 6., Vorsitzender Willi Fricdländcr, N. 24. Elsasierstr. 25. Kassierer Karl Kirstc, NO. 48, Neue Königstr. 4. 6.„ Vorsitzender Richard Hcnschel, dl. l l3. Ueckermünder Str. 17. Schattführer Karl Fahrow, dl. 39. Neue Hochstr. 23. Kassierer Hermann Müller, N. 39, Neue Hochstr. 23, Wahl- vereiusburca», Amt Norden 2l37. Teltow-BeeSkow: Vorsitzender Paul Hirsch, Charlottenburg. Wallstr. 62. Schriftführ« Max Groger, Charlottenburg. Rosinenstr. 3. Kassierer Alex Pagcls, Charlottenburg, Rosinenstr. 3, Wahl- vrreiusburcau, Amt Wtlhelm 4606. Nieder-Barnim: Borsitzender Paul Brühl, 0. 112, Scharnweberstr. 6/7. Kassierer Rudolf Bühler, 0. 112, Scharniveberstr. 6/7, Wahl- vereinsburcau, Amt Königstadt 861, Nebenanschluß. Partei- Angelegenheiten. Organisationsfragen sind in letzter Zeit in verschiedenen Berliner Wahlvereinen zur Ver- Handlung und Beschlußfassung gekommen. Der 2., 4. und 6. Wahl- kreis haben ihre Organisation nach verschiedenen Richtungen hin einer Acnderung unterzogen. Infolge der großen Mitgliederzahl hat sich vor allem im 4. und 6. Kreise die Notwendigkeit ergeben, die Generalversammlungen aus Delegierten zusammenzu- setzen, wie das bereits auch für die Verbandsversammlung der Wahl- vereine für Groß-Berlin und für die beiden Nachbarkreise Teltow- Bceskow und Niederbarnim der Fall ist. Die Organisation der einzelnen Wahlvereine in Berlin ist sehr verschieden gegliedert: Während im 4. Kreise die sogenannten Viertel einen wesentlichen Bestandteil der Organisation bilden, sind es im 6. Kreise die einzelnen Abteilungen, die sich fast durchgängig mit den Kommunalwahlbezirken decken. Recht verschieden ist die Zu- sammensetzung der Generalversammlung. Im 4. Kreise nehmen außer den Delegierten der gesamte Vorstand mit den Abteilungs- führern, Leseabendleiterinnen, Stadtverordneten und den Bezirks- führern teil, alle mit vollem Stimmrecht. Im 6. Kreise beschränken sich die'Genossen darauf, die Generalversammlung aus Delegierten zusammenzusetzen. Der Vorstand sollte anfänglich nur beratende Stimme haben. Diese Bestimmung wurde später dahin erweitert, daß dem sogenannten engeren Vorstand Stimmrecht«ingeräumt wuride, so daß nach dem jetzt geltenden Rechte dem erweiterten Vor- stände, der bisher eigentlich gar nicht bestand, die Teilnahme mit beratender Stimme verblieb. Nach dem Bericht von>der letzten Generalversammlung ist in dieser Versammlung ein Antrag ange- nommen worden, der weit über den Rahmen der Kreisorganisation hinaus lebhaftes Befremiden erregt hat. Es wurde nämlich der An- trag gestellt, daß die Vorstandsmitglieder, die ohne Stimmrecht an- wesend waren, nicht unter den Delegierten, sondern auf der Bühne oder auf der Galerie Platz nehmen sollten. Und wider alles Er- warten fand dieser Antrag auch die Mehrheit der Versammlung, worauf die von dem Beschluß betroffenen Genossen ihre Plätze ver- lassen mußten. Gegen diese Art der Behandlung von Genossen, die von dem Vertrauen der Organisation getragen, in den Vorstand berufen und die Beschlüsse der Versammlung auszuführen ver- pflichtet sind, muß entschieden Einspruch eingelegt werden. Und wenn auch die Regelung der Organisationsfragen im allgemeinen Sache der Genossen der einzelnen Kreise ist, so ist doch diese Art der Erledigung von Meinungsfragen mit dem Geiste unserer Parteiorganisation unvereinbar. Dieser Meinung ist bereits von zahlreichen Genossen des 6. Kreises, die Nichtdelegierte sind, in Mit- teilungen an uns Ausdruck gegeben worden. Die Genossen ehren sich selber, wenn sie so schnell wie möglich den gemachten Fehler wieder gut machen im Interesse einer gedeihlichen Entwicklung der Organisation. Erster Wahlkreis. Die bisherige 4. und 6. Abteilung hält von jetzt ab den Zahlabend in den„Korona-Prachtsälen". Komman- dantenstr. 72, ab. Schöneberg. Heute, Sonntag, den 8. September. Besichtigung des Erziehungsheims„Am Urban" in Zehlendorf. Tresfpunkt nach- mittags 2 Uhr am Bahnhof Friedenau-Wannseebahn oder nach- mittags 3 Uhr vor der Anstalt. Die Mitglieder der Kinderschutz- kommission sowie alle Genossinnen und Genossen werden gebeten, sich zahlreich zu beteiligen. Charlottenburg. Die 6. Gruppe hält am Mittwoch, den 11. September, abends �9 Uhr, einen gemeinschaftlichen Zahl- abcnd im Vollshaus, Rosinenstr. 3, ab. Lankwitz. Der unter Mitwirkung des Männerchors Lankwitz- Südende, der Freien Turnerschaft Lankwitz und des Arbciter-Rad- fahrer-Vereins„Propeller"-Lank>vitz zum Sonnabend, den 14. d. M., veranstaltete Unterhaltungsabend kann besonderer Umstände halber nicht bei Prochazka stattfinden. Der Unterhaltungsabend wird da- her bei Dahns, Kaiscr-Wilhelmstraße, abgehalten. Beginn pünkt- lich 8h Uhr. Eichwalbe-Schmöckwitz. Am Mittwoch, den 11. September, im Lokal von Witte, Zahlabend. In demselben sollen in erster Linie die Berichte von der Kreis- und Vcrbandsgeneralversammlung so- wie aus den Gemcindevcrtretersitzungen gegeben werden. Des weiteren steht die Beratung über die bessere Ausgestaltung unserer Zahlabende, Schassung einer Bibliothek und das bevorstehende Skis- tungsfest zur Beratung. Der Wahlvereinsvorstand. Grünau. Mittwoch, den 11. d. M., abends 9 Uhr: Mitglieder- Versammlung im Lokal Köpenickerstraße 88. Tagesordnung:„Wie bauen wir unsere örtliche Organisation auS?" Der Vorstand. Rudow. Heute, Sonntag, den 8. September, nachmittags 6 Uhr, im Lokal von A. Palm, Köpenicker Straße 81. Versammlung des Wahlvereins. Da eine wichtige und reichhaltige Tagesordnung zu erledigen ist, wollen die Genossen vollzählig und pünktlich erscheinen. Rowawes. Mittwoch, den lt. September, abends 8'A Uhr, im Lokal des Herrn Schmidt, Wilhelmstr. 41—43: Versammlung. des Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Bericht von der Kreisgeneralversammlung und Generalversammlung von Groß- Berlin. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt, auch werden neue Mitglieder aufgenommen. Der Vorstand. Berliner IVachncbten. Von den in Berlin heiratenden Männer« und Frauen gehören nicht viele zu den„geborenen Berlinern" und„ge> borenen Berlinerinnen". Auch unter der Gesamtbevölkerung Berlins sind ja in dmjenigen Altersklassen, die für die Ehe- schließung hauptsächlich in Betracht kommen, die in Berlin Geborenen nicht sehr zahlreich. Im Jahre 1911 wurden hier 22 672 Ehen geschlossen, wobei übrigens von vornherein zu beachten ist, daß manche der Eheschließenden— wohl öfter die Männer als die Frauen— gar nicht in Berlin ihren Wohnsitz hatten. Unter den 22 672 heiratenden Frauen waren nur 7640.. g e- borene Berlinert»neu"(33,7 Proz.), von den übrigen hatten ihren Geburtsort in der Provinz Brandenburg 4005 (17,7 Proz.), in anderen Provinzen Preußens 9403(41,5 Proz.), in anderen deutschen Staaten 1207(5,3 Proz.), im Ausland 41� (1.8 Proz.) Bei den 22 672 heiratenden Männern wurden gar nur 6541„geborene Berliner" gezählt(28.8 Proz.), von den übrigen waren geboren in der Provinz Branden- bürg 4059(17,9 Proz.), in anderen Provinzen Preußens 9619 (42,4 Proz.), in anderen deutschen Staaten 1759(7,8 Proz.), im Ausland 694(3.1 Proz.). Die Männer blieben mit den in Berlin Geborenen um 1099 hinter den Frauen zurück und hatten dafür 54 mehr aus der Provinz Brandenburg, 211 mehr aus anderen Provinzen Preußens, 552 mehr aus anderen deutschen Staaten, 282 mehr aus dem Ausland. Bei den Männern war die Prozentziffer für Berlin um rund ein Sechstel niedriger als bei den Frauen, höher aber waren die Prozentziffern für die Provinz Brandenburg ganz wenig, für die anderen Provinzen Preußens gleichfalls nicht erheblich, dagegen für die anderen deutschen Staaten um ziemlich die Hälfte, für das Ausland sogar um zwei Drittel. Unter den 7640„geborenen Berlinerinnen" nahmen 3301 (43,2 Proz.) einen„geborenen Berliner" zum Mann, von den übrigen 4339 Männern„geborener Berlinerinnen" waren ge- boren in der Provinz Brandenburg 1208, in anderen Provinzen Preußens 2392, in anderen deutschen Staaten 525, im Aus» land 211. Unter den 6541„geborenen Berlinern" heirateten 3301(50,5 Proz.) eine„geborene Berlinerin", von den übrigen 3240 Frauen„geborener Berliner" hatten ihren Geburtsort in der Provinz Brandenburg 1059, in anderen Provinzen Preußens 1845, in anderen deutschen Staaten 249, im AuL- land 87. Die 3301„ganz-berlinischen" Ehen» die zwischen„geborenen Berlinern" und„geborenen Berline- rinnen" geschloffen wurden, sind nur 14,6 Proz. aller im Jahre 1911 in Berlin geschlossenen Ehe». Dazu kommen 7579„halb-berlinische" Ehen, bei denen entweder nur der Mann(3240 Fälle) oder nur die Frau(4339 Fälle) in Berlin geboren war, das macht 33,4 Proz. aller Ehen. Diese Zahlen lassen ahnen, wie sehr der Berliner Nachwuchs noch unter„nicht-berlinischen" Einflüssen steht, die vom Vater oder von der Mutter ausgehen. Zu berücksichtigen ist freilich, daß die Angabe nur des Geburtsortes nicht viel beweist. Mancher„geborene Berliner" ist außerhalb Berlins aufgewachsen, und mancher nicht in Berlin Geborene kam als Kind hierher und wurde hier groß._ Städtischer Milchverlricb. Amtlich wird berichtet: Die Be- strebungen der Waisewdeputation, der unbemittelten Bevölkerung Berlins gute Milch zu einem billigen Preise durch die Säuglings- fürsorge zuzuführen, vcranlaßte die Deputation für die Kanalisa- tionswerke und Güter Berlins, die Säuglingsmilchcrzeugung durch eine mit den neuesten Maschinen und nach den neuesten hygienischen Gesichtspunkten errichtete Anlage, welche dauernd unter ärztlicher Kontrolle und unter Beobachtung des städtischen Untersuchungs- amtes steht, in die Hand zu nehmen. Tic Verteilung der Milch geschah bisher in der Weise, daß die auf dem Stadtgut Albertshof ermolkene Milch in foort plombierte» Flaschen auf verschiedenen Niederlagen, welche den einzelnen Säuglingsfürsorgestcllcn zuge- teilt waren, zur Abholung durch>die Mutter in besonderen Kühl» kästen bereit gestellt wurde. Bei dem Entgegenkommen der Schul» deputatkrn war es möglich, meist Schulen zu belegen und mit der Milchausgabe Schuldieuer zu beauftragen— eine Einrichtung, die sich an und für sich durchaus bewährt hat. Es mußte aber wünschenswert erscheinen, den Müttern die Abnahme der Milch noch mehr zu erleichtern. Bei der beschränkten Zeit, welche den Frauen der minderbemittelten Klassen meist nur zur SLerfügung steht, wird es eine Erleichterung bedeuten, falls'der Weg von der Wohnung bis zur zuständigen Milchniedcrlage erspart werden kann. Aus diesem Gesichtspunkt haben die beteiligten städti» schen Behörden mit der Meierei Schweizerhof Emdenerjtraße ein Abkommen getroffen, daß die Milch vom 1. Oktober ab durch den Fuhrpark der Meierei zur Ausfuhr gelangt und die Verteilung in den einzelnen Straßen vom Wage» aus erfolgt. Um nun die Albertshofer Anlage auch weiteren Kreisen unserer Bürgerschaft nutzbar zu machen, wird die für städtische Zwecke nicht angeforderte Säuglingsmilch aus Albertshof dem Schweizerhof zum Vertrieb überlassen, mit der Verpflichtung, sie zu einem festgelegten Preise abzugeben. Ordensauszeichnung. Dem Oberbürgermeister a. D. D& Kirschner ist der Rote Adlerorden II. Klasse mit dem Stern in Brillanten verliehen worden. Eine Sitzung der Berliner Stadtverordnetenversammlung findet am nächsten Donnerstag nicht statt. Die Sprechmaschine im Dienste der Post. Die Buchung der Zahl- karten im Postscheckverkehr erfolgte friiber teils handschriftlich, teils mit Hilfe von Rechenmaschinen in Listen. Um Zeit und Arbeits» kräfte zu ersparen, wurden Versuche mit Phoiiographeinvalzeii ge» macht, auf welche die zu buchenden Angaben übertragen wurden. DieS gelang und so wurden nähtischartige Apparate gebaut, auf denen die elektrisch betriebene Sprechmaschine aufliegt. Die besprochenen Walzen werden in Schränken aufbewahrt; sie stehen dabei auf Holzlerncn. die mit Filz überzogen sind und auf der Kopfseite die Rümmer de�Walze tragen. Ein Schrank faßt etwa 1100 Walzen. Um auf die Eintragungen der einzelnen Walzen im BcdürfiiiSfalle zurück» gehen zu können, vermerken die Buchuiigsbeamten, sobald sie einen Posten Zahlkarten auf die Walze gesprochen haben, in einem Hefte den Tag. die Nummer des Bretts und der Walze, die Kontogruppe, die Eingangsnummer der ersten und der letzten Zahlkarte sowie eine von der Sprechmaschine an der Hand einer mit der Walze parallel laufenden Gradeinieilung abgelesene Zabl, die angibt, ivie loeii die Walze besprochen ist. Auf diese Weise lägt sich unschwer, ohne daß ein Abhören der ganzen Walze erforderlich ist. die Stelle auf der Walze ausfindig machen, wo die Zahlkarte gebucht ist. Eine solche Walze vermag etwa 50V Einzelbuchungen dieser Art aus» zunehmen. Die vollbeiprochenen Walzen werden 3 Monate aufbewahrt und dann abgeschliffen. Die« geschieht snit Hilfe einer elektrisch betriebenen A b s ch l e i f m a s ch i n e, die nur eine Bruchteile eines Millimeters starke Schicht von der Walze abnimmt und sie damit von neuem benutzbar macht. Das Abschleifen läßt sich gut 100 mal wiederholen. Mit der Sprechmafchisse lassen sich stündlich etwa 1000 Zählkarten buchen. Außer im Postscheckbetriebe werden Sprech« maschiisen neuerdings auch sonst im Geschäftsberichte der Reichspost- und Telcgraphenvcrwallung benutzt, so u. a. im ReichSpostamt und in der Tclegraphen-Apparatwerkstatt, Ivo sie zur Aufnahme zu» sammenhängender Diktate Verwendung finden. Tie Bedürfnisanstalt auf dem Molkcnniarkt scheint doch noch vor Eintritt des Winters fertig werden zu wollen. In derselben Zeit ivird auch der neue Erweiterungsbau des Tictzschen Warenhauses ain Dönhoffplatz beendet sein. Die Bedürfnisanstalt hat eine eigenartige Metamorphose durchgemacht. Nach dem ursprünglichen Projekt sollte sie anders aussehen, als Pe jetzt anZichkut. Es Uvurde auch deineutsprechend der Bau begonnen. Als er peinlich bis �um Dach gediehen war und jeder Passant des MolkenniarkteS hoffte, datz der den Bau um- schlietzeude und erheblichen Raum einnehmende Bauzaun entfernt werden würde, kam der Aesthetiker mit seinen Bedenken. Unser Hochbau- stadtrat fand, das; dieser Bau einer Bedürsnisanstalt auf dem Molken- markt unschön wirke. Der Weiterbau der Bedürfnisanstalt wurde sistiert, die Arbeiten eingesteht. Neue Beratungen über ein neues Projekt und neue Aenderungen, schliehlich Entscheidnng, daß ein ganz anderes Projekt für den Molkeninarkt passe. Und dann fing man wieder von vorne an. Der ziemlich fertig ge st ellte Vau wurde abgerissen und neben der ursprünglich für den Bau bestimmten Stelle eine andere neue Anstalt angefangen, die, wie oben schon ge- sagt, ihrer Vollendung entgegengeht. Begierig sind wir, den Kostenpunkt für diese Spielerei zu er- fahre». Unsere Bednrfnisanftallen sind nicht billig. Die Anstalten, die in den letzten Jahren gebaut worden sind, die Vollanstalten haben einen Kostenaufwand von lö— lSOM M. erfordert, abgesehen von den beiden unterirdischen Anstalten am Zeughaufe und am Karlsplatz, die ca.(KZ 000 bezw. 63 000 M. kosteten. Die Bauerei am Molkeninarkt dürfte kaum unter 2SOOO M. Kosten verursacht haben. „Schneeball-Kollekte". Einer großen Anzahl Berliner Firmen ist in den letzten Wochen eine sogenannte„Schneeball-Kollekte" zugegangen, in der um Abschrift und Wcitersendung an drei Bekannte unter Beifügung von je eine Zchnpfennigmarke zugunsten der Witwe des erschossenen„Forstaufsehcrs Kolar in Zitzbach" gebeten wurde. Die Liste wurde der Wohltätigkeitszentrale der Berliner Kaufmannschaft zur Prüfung übergeben, die ein recht inter- essantes Resultat erzielte. Zunächst ist die Expedition der ..Deutschen Jägerzeitung" in Neudamm ohne deren Genehmigung als Sammelstelle bezeichnet worden und der unbekannte Veranstalter hatte auch durch gerichtliches Ein- greifen nicht festgestellt werden können. Weiter bezieht sich die Sammlung zwar auf einen tatsächlichen Unglücksfall, der sich aber — im Jahre 1896 ereignete!— Die Kollekte ist jetzt also seit vollen 16 Jahren in Umlauf. Den Hinterbliebenen sind da- mals aus den Sammlungen im Jahre 1899 10 000 M. ausgezahlt worden. Seitdem gehen ständig, bald mehr, bald weniger Beiträge bei der„Deutschen Jägcrzeitung" ein, zurzeit wieder aus ganz Deutschland. Der Aufenthalt der Familie ist inzwischen längst nicht mehr bekannt. Ebenso können erwerbsunfähige Kinder nach diesem langen Zeitraum natürlich nicht mehr vorhanden sein. Die „Deutsche Jägerzcitung" ist also in die peinliche Lage versetzt, ständig Gelder zu erhalten, die sie für den bestimmten Zweck nicht mehr verwenden kann. Sie läßt sie zunächst an den Verein„Wald- heil", Verein zur Förderung der Interessen deutscher Forst- und Jagdbcamten und zur Unterstützung ihrer Hinterbliebenen weiter- gehen. Trotz mehrfacher Bemühungen ist es der„Deutschen Jäger- zeitung" nicht gelungen, eine Unterdrückung dieser Sammlung, die doch jetzt nur noch als grober Unfug bezeichnet werden kann, zu erzielen. Die weiteste Verbreitung der Tatsachen wäre des- halb dringend erwünscht, damit die Irreführung des Publikums endlich einmal ein Ende erreicht.— Uebrigens sei hierbei bemerkt, dah eine Uebersicht über die Anzahl der Marken, die sich in einem Brief befinden müssen, vollkommen ausgeschlossen ist, da der schein- bare Kontrollbuchstabe, der über jeder Liste angebracht ist, keinen Rückschluß auf die Anzahl der unter der Liste� stehenden Namen und der beigefügten Marken zuläßt. Die in Rede stehende Samm- lung ist aber auch gesetzwidrig, da ihr die für Kollekten er- forderliche behördliche Genehmigung fehlt. Panik bei einem nächtlichen Brande. Große Aufregung herrschte in der letzten Nacht bei einem Brande in der Däne n st r. 1, Ecke Schönhauser Allee. Das Feuer hatte seinen Herd in der Drogerie von S ch u l z, in der eS Freitag- nachmittag schon einmal gebrannt hatte. Bei Anhinft des 19. Losch- zugcS aus der Oderberger Straße schlugen die Flammen aus dem Laden bis zum vierten Stock empor und in alle» Etagen hatten schon Markisen und Fensterjaloufien Feuer gefangen, so daß sich der Mieter eine Panik bemächtigt hatte. Auf der Straße hatte sich bald eine größere Menschenmenge an- gesammelt, die die Aufregung durch Geschrei noch vergrößerte, Brandmeister Tamm ließ sofort die Nachmeldung„Menschen- lebe» in Gefahr" geben, worauf Brandinspektor Mende noch mit dem Löschzug aus der Pankstraße herbeieilte. Die Mehrzahl der Mieter hatte sich schon vor Eintreffen der Wehr durch schleunige Flucht in Sicherheit gebracht. Trotzdem drangen die Feuerwehr- Mannschaften in die einzelne» Stockwerke vor, um nach etwa noch gefährdeten Personen zu suchen. Im dritten Stock fanden sie zwei Frauen, die sich aus Angst hinter einem Schrank versteckt hatten. Beide wurden durch die Sappeure ins Freie gebracht. Die Ablöschung des Feuers erfolgte mit drei Schlauch- leilungcn. Die Flammen waren von außen durch die Fenster auch in die Wohnung der Familie Liebetrau im ersten Stock geschlagen und halten hier die Gardinen, Betten und Möbel erfaßt. Die Drogerie von Schulz brannte vollständig aus/ Ueber die Ent- stehungSursachc der beiden Brände in der Drogerie ließen sich Be- stimmte Feststellungen nicht mehr machen. Ermittelt wurde nur, daß bei Ausbruch des zweiten Brandes zwei Personen in der Drogerie anwesend waren. Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen. Kurze Zeit später brach ganz in der Nähe dieser Brandstelle, in der Milastr. 1, Ecke Schönhauser Allee, ein größerer Dach- st u h l b r a n d aus, der wieder auf Brandstiftung zurückgeführt wird. Als man die Gefahr bemerkte, hatte das Feuer schon einen erheb- lichcn Umfang angenommen, so daß die Feuerwehr längere Zeit mit zwei Rohren Wasser geben mußte, um die Gefahr zu beseitigen. Der Dachstuhl ist größtenteils zerstört.— Außerdem hatte die Feuer- wehr in der A ck e r st r. 9 noch einen größeren Tischlereibrand ab- zulöscheu._ Ter Schutzmannsrcvolver kam wieder einmal in Anwendung. als ein Schutzmann einen 19jährigen Fürsorgezögling, der sich der Fürsorgeerziehung entzogen hatte, festnehmen wollte. Der junge Mensch namens K. hielt sich bei seiner Großmutter in der Gr. Franksurterstraße auf. Der Schutzmann, der den Zögling festnehmen wollte, soll der Meinung gewesen sein, K. leiste Wider- stand und sei tätlich geworden und nahm zu dem Revolver seine Zuflucht. K. erhielt einen Schutz in das rechte Knie und mußte nach der Charite gebracht werden. Ei» schwerer Straßenbahnunfall ereignete sich gestern nachmittag ans dem Alcxanderplatz. Dort wurde der Kaufmann MoseS Kraus- köpf aus Lodz in Rußland, der sich zurzeit besuchsweise in Berlin aufhält, von einem Slraßenbahuwage» der Linie 70 erfaßt und zu Boden geschleudert. Der Verunglückte erlitt einen schweren Schädel- bruch»nd fand im jüdischen Krankenhaus Aufnahme. Die Schuld- frage ist noch nicht aufgeklärt. Sturz aus der vierten Etage. Aus verletztem Ehrgefühl der- suchte am Sonnabendnachmittag die 16jährige Erna Decke sich da? Leben zu nehmen. Das junge Mädchen war erst am 1. August auS seiner schlesischen Heimat hierher gekommen und befand sich seit dieser Zeit bei einem Kaufmann in der Kölonnenstraße 56 als Stütze der Hausfrau in Stellung. Vor einigen Tagen vermißte die » Herrschaft einen Gegenstand und die D. geriet in Verdacht, sich ihn angeeignet zu haben. Diese Verdächtigung nahm sich das Mädchen. Idas fortgesetzt seine Unschuld beteuerte, derart zu Herzen, daß es aus dem Leben zu scheiden beschloß. Gestern nachmittag gegen s Uhr stürzte sich hie& aud'dem Küthensenster der'ifl der vierten Etage belegenen Wohnung kopfüber aüf den gepflasterten Hof hinab, wo sie mit zerschmetterten Gliedern blutüberströmt und besinnungs- los liegen blieb. Di« Unglückliche erhielt auf der nächsten Unfall- station Notverbände und fand dann in dem Schöneberger städtischen Krankenhause Aufnahme. Ihr Zustand ist hoffnungslos. Großfeuer in Steglitz. Ein gewaltiges Fener kam gestern nach- mittag gegen ö Uhr Am Markt 3 in Steglitz zum Ausbruch. ES brannte der Dachstuhl deS großen Eckhauses, das an der verlin- Potsdamer Bahn liegt, in ganzer Ausdehnung. Neben der OrtS- wehr eilten auch mehrere Freiwillige Feuerwehren auS der Umgegend zur Hilfeleistung herbei. Der Löschangriff erfolgte mit sechs Schlauch- leitungen, die über mechanische Leitern und Treppen geführt wurden. Auch der Flügel vom Dachstuhl an der sogenannten Schadenrute wurde vom Feuer ergriffen und zerstört. Erst gegen 7 Uhr abends konnte die Gefahr als beseitigt gelten. Die Ursache des Feuers wird auf Brandstiftung zurückgeführt, zumal eS in demselben Hause zwei Stunden vorher schon einmal im Keller gebrannt hatte. Die Ermittelungen der Polizei und Feuerwehr find noch nicht abge- schlössen. Mit den Ausräumungsarbeiten hatte die OrtSwehr bis zum späten Abend zu tun. Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle z» vnentgeltlicher Be- Nutzung für jedermann, SO., Adalbertstr. 41. Geöffnet werktäglich von 5H— 10 Uhr abends, an Sonn« und Feiertagen von 9—1 und 3—6 Uhr. In dem Lesesaal liegen zurzeit bbl Zeitungen und Zeit- schriften jeder Art und Richtung aus. Die Bestrebungen des deutschen ArbeitersängerbunbeS, Gau Berlin und Umg., t>ie kleinen Vereine zu großen leistungsfähigen Chören zu verschmelzen, haben wieder gute Früchte getragen. Von dem Grundsätze ausgehend, daß nur große Chöre Großes leisten können, haben sich die beiden an und für sich schon größeren Verein« „Sänaerchor Südost" und Gesangverein„Vorwärts" verschmolzen. Der Verein,>der jetzt den Namen„Sängerchor VorwärtS-Süd Ost" führt, hält leine UebungSstunden unter der Leitung deS ChormeisterS terrn Kowalskh im VereinShauS Süd-Cst, Waldemarstr. 75, ab. änger und SangeSfreunde, die gewillt sind, dem 120 Sänger zählenden Chor beizutreten, sind freundlichst eingeladen. Die Konsum-Genossenschaft Berlin und Umgegend verfügte am 31. August über 91 Verkaufsstellen, die einen Gesamtumsatz von 1 069 307,33 M. erzielten. Dws ist ein Umsatz, wie ihn die Genossen- schaft noch in keinem Monat zu verzeichnen gehabt hat. Die Ge- nossenschaft teilt unS dazu mit, baß der Monat August erfahrungS- gemäß immer noch zu den schlechtesten gezählt werden muß, was darauf zurückzuführen ist, daß sich die Ferienzeit noch bis zur zweiten Hälfte d«S Monats erstreckt, wodurch zahlreiche Mitglieder von Berlin abwesend, und ihren Bedarf nicht im eigenen Geschäft decken können.— Wenn in diesem Jahre trotzdem der hohe Umsatz erzielt wurde, so ist das ein Beweis, daß die Sympathie kür die jje- nossenschaftliche Organisation immer weitere Kreise erfaßt. Die Hauptsache ist, baß die Berliner Bevölkerung nicht nur der Konsum- Genossenschaft beitritt, sondern daß sie die genossenschaftliche Treue betätigen, und die Waren, di« die Genossenschaft führt, nur in deren Läden kauft. Gegenüber dem gleichen Monat des vorigen Jahres erzielte die Genossenschaft einen Mehrumfatz von 421 103,17 M. In der Bäckerei wurden im August deS vorigen Jahres für 292 976 M. Brot und Backwaren hergestellt, in diesem Jahre für 199 177,10 M., das ist eine Steigerung von 106 200,41 M. In der Selterwasserfabrikation ließ das Geschäft infolge der kühlen Witterung im August nach. mmerbin würben noch 24 390 Flaschen Selter und 37 680 Flaschen i monaden abgezogen. Mit End« August hat die Genossenschaft einen weiteren Produktionsbetrieb eröffnet. Sie stellt nunmehr Konditorwaren selbst her, und bringt sie zu sehr vorteilhasten Preisen in ihren Läden zum Verkauf. ES ist bekannt, daß das Brot, welches die Genossenschaft selbst bäckt, sich wesentlich zum Vor- teil der Konsumenten von fcem anderer Bäckereien unterscheidet, und wir gehen zweifellos nicht fehl, wenn wir annehmen, daß sie sich mit ihren Konditorwaren in derselben Richtung bewegen wird. Di« Ware ist äußerst schmackhaft hergestellt und repräsentiert sich in den einzelnen Verkaufsstellen den Mitgliedern in recht appetitlicher Weis«. Neu aufgenommen wurden im August 1440 Mitglieder, soboß die Genossenschaft zurzeit 59 000 Mitglieder zählt. Wie auS dem Inseratenteil ersichtlich, findet am Sonntag, den 15. September, eine Besichtigung der gesamten Betriebsanlagen statt. Alle die- jenigen, welche noch keine Gelegenheit hatten, sich die Anlagen an- zusehen, können die Gelegenheit am Sonntag benutzen und nach der Rittergutjtraß« wandern. Gestern vormittag kurz nach 11 Uhr wurde die Feuerwehr nach den Zelten 5 gerufen, wo in der Wohnung einer Privatier« ein größeres Feuer ausgebrochen war. Bei Ankunft des 15. Löschzuges brannten schon mehrer« Zimmer, weshalb sofort mit zwei Rohren Wasser gegeben werden mußte. Nach halbstündiger Löschtätigkeit war die Gefahr beseitigt.— Vorher hatte die Wehr längere Zeit in der Liebenwalber Straße 56 zu tun, wo schon wieder ein größerer DachshtHlbrand wütete. Die Ablöschung der Flammen erfolgte mit zwei Röhren._ Vorort- JVacbricbten. Charlottenburg. Die Wahlert zur Angcstelltenversicherung im Stadtkreis Char- lottenburg finden am 20. und 21. Oktober d. I. statt,«in 20. wählen die Angestellten, am 21. die Arbeitgeber. Zum Zwecke der Wahl ist der Stadtkreis in 8 Stimmbezirke eingeteilt. E» sind zu wäblcn 10 Vertrauensmänner und 20 Ersatzmänner, die je zur Hälfte aus den versicherten Angestellten, die nicht Arbeitgeber sind, und auS den Arbeitgebern der versicherten Angestellten genommen werden. Dienstmädchen, welche wieder Stellung annehmen wollen, werden auf die kostenlos« Stellenvermittelung deS städtischen ArbeitSnach- weises Charlottenburg, Wittenbergplatz 4, aufmerksam gemacht. Neukölln. Einen tödlichen AuSgang hat ei» Unfall genommen, der vor« gestern dem 42 Jahre alten Möbelpacker Leopold Nehmitz auS der Fricdclstr. 52 bei der Arbeit zustieß. Nehmitz, der bei der Berliner Pakctfahrtgesellschast beschäftigt war. half in der Schützenstraße beim Entladen«ineS Rollwagens. Hierbei fiel eine Kiste vom Wagen. traf ihn und verletzte ihn so schwer, daß er besinnungslos nach der Charttö gebracht werden mußte. Hier starb er an den Folgen«ineS Beckenbruches und schweren inneren Verletzungen. Ein eigenartiger Straßenunfall, der nur durch die Geistes- gegenwart eines OmnibuSkntschcrS keine schweren Folgen hotte, trug sich am Freitag in der Berliner Straße an der Ecke der Neckar- straße zu. Dort stießen zwei Radfahrer so heftig gegeneinander. daß beide in weitem Bogen auf den Fahrdamm geschlendert wurden. Sie fielen unmittelbar vor einen in diesem Augenblick herannahenden OmnibuS der Stadt Neukölln und gerieten unter das Gefährt. Dem Kutscher gelang eS unter Aufbietung aller Kräfte, die durch den Vorfall sehr unruhig gewordenen Pferde a>zf der Stelle zum Stehen zu bringen, so daß d»e Verunglückten befreit werden konnten. Die beiden Radfahrer hatten bei dem Sturz einige leichtere Haut- abschürfungen davongetragen, sonst aber waren sie unverletzt ge« blieben. Die Räder waren allerdings vollständig zertrümmert worden. Ein unbekannter Knabe ist der hiesigen Polizei zugeführt worden. Es handelt sich um einen etwa dreijährigen Jungen, den ein Schul- mädchen aus der Straße umherirrend aufgefunden hatte. Die Schülerin brachte den Findling zunächst zu ihren Eltern, wo er gespeist wurde und lieferte thn dann' auf dem nächsten Polizeirevier ab. Der Kleine vermag seinen Ramm nicht anzügeven. Merkwürdigerweise ist auch ein Kind de diesem Alter nicht al» vermißt gemeldet worden. Die polizeilichen Recherchen nach den Eltern deS Findlings, der dem städtischen Waisenhause zugeführt wurde, find bisher vergeblich geblieben., Wilmersdorf. Eine Gasexplosion, die fast in ganz Wilmersdorf gehört wurde. verursachte am Sonnabend kurz vor 4 Uhr nachmittags große Auf» regung. Wie berichtet wird, werden in der Berliner Sttatze hinter dem Kirchhof jetzt Erdarbeiten ausgeführt, wobei u. a. auch Gasrohrs freigelegt wurden. Es sollte auch ein Gaskandelaber versetzt werden- Ein Arbeiter bemerkte nun, daß oben in dem Kandelaber noch ein Flämmchen brannte. Er kletterte am Kandelaber hoch, um die Flamme zu löschen. Als er oben war, schlug indes die Flamme zurück und in diesem Augenblick erfolgte die Explosion, wobei der Kandelaber zertrümmert wurde. Der Arbeiter Gustav Lehmann aus der Fürbringer Straße 9 wurde auf der Stelle getötet. Mit abgerissenen Beinen und aufgerissenem Leib fand die alarmierte Wilmersdorfer Feuerwehr den Körper auf dem Stratzendamm. Die übrigen Arbeiter sind mit dem Schrecken davon- gekommen. Grünau. Aus unserem Schulwesen. Die Gemeinde Grünau leistet sich neben ihrer Volksschule noch eine besondere Lehranstalt� die eine bessere Schulbildung geben will. Ob eine solche Schule in unserm Ort schon lebensfähig ist, das muß im Hinblick auf die noch nicht große Bevölkerungszahl Grünaus zweifelhaft scheinen. Die Schule gilt nicht als ein Unternehmen der Gemeinde selber, son- der» als private Anstalt, aber aus der G e m e i nd e ka s s e wird ein so hoher Zuschuß geleistet, daß er bei einer der Ge- meinde gehörenden Schule dieser Art auch kaum höher sein könnte. Für die wenigen Familien, die dieser Anstalt ihre Kinder zuführen wollen, ist die Gemeindevertretung bemüht, die überaus schwach besuchte Schule durch den Zuschuß über Wasser zu halten. Die Schule ist so gedacht, daß sie aus zehn Klassenstufen be- stehen soll, doch fehlt die oberste Klasse. In den unteren Klassen werden Knaben und Mädchen gemeinsam unterrichtet, die mitt« leren und die oberen Klassen find nur von Mädchen besucht. Alle neun Klassen zusammen haben in diesem Sommerhalbjahr nur etwa 50 Schüler und Schülerinnen, das ist weniger, als man manchmal in einer einzigen VolksschulNasse findet. Die Besetzung pro Klasse ist in der von Grünau unter- stützten Privatschule in den unteren Klassen etwa zehn, in den mittleren etwa sechs, in den oberen nur 3 oder 4. Das Schulgeld kann man keineswegs ein zu bescheidenes nennen: es beträgt pro Jahr in den unteren Klassen 100 M., in den mittleren und den oberen Klassen 120 M. Daß aber bei so geringen Frequenzen die Einnahme dürstig ist, läßt sich leicht ausrechnen. Man darf an- nehmen, daß sie kaum über 6000 M. pro Jahr hinausgeht. Diese Schulgeloeinnahme bleibt weit hinter den notwendigen Ausgaben zurück. Selbstverständlich ist es schon unmöglich, aus einem so winzigen Einnahmebptrag nur die Gehälter des Lehr« Personals zu bestreiten. Und der' Besitzer des Hauses(Köpenicker Straße 9), in dem die Schule untergebracht ist— es ist der Ge« meinde Vertreter Wicke, der übrigens selber in der Schulkommisswn der Gemeinde sitzt—, wird seine Räume gewiß auch nicht umsonst hergeben. Infolgedessen hat die Gemeindevertretung. die die kümmerlich entwickelte Schule nicht eingehen lassen wollte, indiesemJahrnochtieferalS im vorhergehenden Jahr in den Beutel der Steuerzahler gegriffen. Für 1911 hatte sie einen Zuschuß von 1500 M. bewilligt, für 1912 aber gab sie 3500 M. als Zuschuß her. Dabei soll beabsichtigt sein, im Herbst noch mit einer Nachforderung zu kommen. Wenn das so weitergeht, oann kann diese Schule ja für Grünau ein recht kostspieliges Vergnügen werden. In der Schule herrschen Zustände, wie sie bei der Dürftigkeit ihrer Mittel nicht ander» zu erwarten sind. Man glaube nicht etwa, daß da jede Klasse ihre eigene Lehrkraft hat. Die ganze Schule hat für neun Klassen nur fünf ange st ellte Lehrpersonen, zu denen als Aushilfe noch eine sechste kommt. Manchmal müssen zwei Klassen in ein gemeinsames Unterrichtszimmer gesteckt werden, weil für beide nur eine einzige Lehrerin zur Verfügung steht. Ueberfüllung des Unierrichtszimmers ist zwar nicht zu fürchten, da ja die Klassen- frcquenzen, wie schon gesagt, sehr gering sind. Aber schwierig ist die Aufgabe, zwei verschiedene Klassen in zwei verschiedenen Lehr- gegenständen zu gleicher Zeit zu unterrichten. Wahrscheinlich wird man versuchen, mit dem Hinweis auf solche Zustände die angeb« liche Notwendigkeit erneuter Hergabe von Gemeindemitteln zu be« gründen. Die Gemeindevertretung aber wird es sich sehr zu über- legen haben, ob sie es verantworten kann, bei dieser zwergenhaften Schule noch mehr Geld zu verpulvern. Auch sonst sind über die Schule manche Klagen laut geworden. Dem Lehrer Schütt wird nachgesagt, daß er im Unterricht leicht zur Erregung neige. Ein Vater hat, weil ihm eine Tochter und ein Sohn von diesem Lehrer geschlagen worden waren, beide Kinder mitten im Vierteljahr ohne Kündigung aus der Scbule herausgenommen und sie in einem Nachbarort einschulen lassen. Der Sohn wurde in der Pause, nachdem er sich umgedreht und mit einem Mitschüler gesprochen hatte, von Herrn Schütt geohr- feigt. Die Tochter hatte in der Pause eine Mitschülerin aufge- fordert, sie auf ihren Platz zu lassen, und wurde dann plötzlich von Herrn Schütt so stürmisch aus dem Klassenzimmer hinausgebracht, daß sie dabei an die Wandtafel und den Türpfosten stieß. Gegen den sofort ausgeführten Entschluß deS VaterS, die Kinder aus der Schule zu nehmen, rief die Schulleiterin Frl. Rast den Schulinspektor an, doch ließ der Vater sich nicht beirren. Der Schulinspektor er- fuhr dabei auch von dem Verhalten des Lehrers, doch sah er keinen Grund, sich auf die Seite des Vaters zu stellen. Ihm sagte er. der Lehrer habe erklärt, daß bei der Beengtheit des Raumes die Schülevin angestoßen sein könne. Im übrigen habe er ihr nur einen leichten Schlag auf den Rücken gegeben. Selbst wer nicht seine Kinder diese Schul« besuchen läßt, muß wünschen, daß eine Wiederholung solcher Vorkommnisse verhütet wird. Das liegt im Interesse der Gemeinde, solange sie noch die Schule unterstützt. Jeder Abgang eines Kindes bedroht infolge des Schulgeldausfalls den Gemeindcsäckel mit einer Mehrbelastung durch Zuschußcthöhung. Das Richtigste wäre allerdings, der Privat schule den Zuschuß zu entziehen und sie ihrem Schicksal zu überlassen. Das Geld, das bisher für sie her- gegeben wurde, kann besser für die Volksschule der» wendet werden. Friedenau. Ein Kirchenräuber wurde in der vergangenen Nacht in Friedenau ergriffen. In die evangelische Kirche„Zum guten Hirten" am Friedrich-Wilhelm-Platz stiegen zwei Einbrecher durch ein offenes Fenster ein»nd stahlen einen Teil der Kirchengeräte, darunter wertvolle Leuchter nnd de» Inhalt der Opferstöcke, die sie erbrachen. Ein Polizeisergeant sah dann die beiden mit ihrer Beute beladen durch die � Straßen gehen und folgte ihnen. Die Einbrecher ergriffen hieraus die Flucht. Der eine nahm seine Beutestücke mit, während der andere sie von sich warf, um sich die Flucht zu er- leichtern. Dieser entkam denn auch, der erste dagegen wurde von dem Beamten eingeholt und festgenommen. Der Ergriffene wurde als ein Arbeiter Ernst Lang« aus der Hellmannstrahe in Berlin fest- gestellt und dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Seinen ent» kommenen Spießgesellen will er nicht kennen. Wilhelmshagen. Die hiesige» Schulverhältuisse erfordern dringend schleunige Ab- Hilfe. Während für das Seelenheil einiger frommer Einwohner durch Bau einer Kirche gesorgt ist, wie sie die ganze Umgegend nicht aufweisen kann, müssen über 80 Schulkinder beiderlei Geschlechts und asipr Altersstufen von einem Lehrer unterrichtet werden, wozu 1 nur ein Schulraum zur Verfügung steht. Während bisher die älteren Kinder zum Unterricht der jüngeren Jahrgänge(bei ZuHilfe- nähme des Hausflurcs als Unterrichtsraumj kräftig herangezogen wurden, ist in letzter Zeit eine Teilung des Unterrichts erfolgt. Der Lehrer unterrichtet jetzt allein! doch ist das nur möglich, indem der Unterricht für die ältere Jugend auf drei, für die jüngere auf zwei Stunden täglich reduziert ivordcn ist. Da der Religionsuuterricht dabei keinen Abbruch erleiden darf, verbleibt für die wirklich not- wendigen Lehrfächer eine beschämend geringe Unterrichtszeit, die wieder durch mancherlei Zwischenfälle, wie Krankheit des Lehrers usw., noch weiter verkürzt wird. Dagegen ist trotz der zurzeit herrschenden Masern- und Scharlachepidemie, die schon über die Hälfte der Schul- linder ergriffen hat, die wirklich notwendige Schließung der Schule abgelehnt worden. Die Eltern sind begreiflicherweise mit diesem Zustand höchst unzufrieden und verlangen Ausbau des Unterrichts und Anstellung eines zweiten Lehrers. Alt-Glienicke. I» der letzten Sitzung der Gemeindevertretung wurde zunächst mitgeteilt, daß der von der Gemeinde zu leistende Zuschuß zur elektrischen Bahn Alt-Glienicke-Rdlershof 1983,23 M. beträgt. Der Abschluß eines Vertrages behufs Uebcrnahme der Bahn durch Köpenick steht nahe bevor. Zu Mitgliedern der Voreinschätzungs- konimission wurden vier Genossen gewählt. Der von unseren Vec- tretern gestellte Antrag, die Straßenbahn an allen Wochentagen bis nachts 1 Uhr 25 Minuten verkehren zu laffen, wurde mit acht gegen fünf Stimmen abgelehnt. Die Errichtung einer Apotheke wird ein immer dringenderes Bedürfnis. Es wurde beschlossen, eine Depu- tation an den Oberpräsidenten zu senden, welche die Wünsche der Gemeinde darlegen soll. Auf eine Anfrage über den gegenwärtigen Stand der Verhandlungen über die Niederlasiung der Berliner Schützengilde und der Gemeinnützigen Baugenossenschaft teilte der Gemeindevorsteher den amtlichen Schriftwechsel mit. Um da« Be° streben der Gilde zu unterstützen, soll der Bebauungsplan geändert werden. Für den SÄulhanöbau sollen der Firma Degen u. Göbel die Heizungsanlagen für den Preis von 9947 M. übertragen werden. Die Steinuefernng erhielt die Vereinigte Dampfziegelei A.-G. Berlin für den Preis von 17 227 M. Ferner sollen die Mädchenschulklassen besichtigt werden, damit in der nächsten Sitzung zu einer Renovierung der Klaffen Stellung genommen werde. Am Schluß der Sitzung wurde von unseren Genossen beantragt, die Nachtzüge der elektrischen Bahn bis 1 Uhr ab Adlershof verkehren zu lassen. Die nächste Sitzung findet am Dienstag statt. Trebbin(Kreis Tcltotv). Aus der Stadtverordnctensitzung. Laut Ministererlaß sollen sich die Lehrstunden der Fortbildungsschule nicht über 8 Uhr abends hinaus erstrecken. Der SonntagSunterricht soll im Interesse der gegründeten und mit Hochdruck protegierten Jugendvereine auch auf Wochentage verlegt werden. Nach nochmaliger Eingabe wurde der SonntagSunterricht von 7— 9 Uhr morgens genehmigt; dem Wunsche, den Unterricht an Wochentagen von 7— 9 Uhr abends abzuhalten, wurde nicht stattgegeben, andernfalls würde für die nach 8 Uhr abgehaltenen Stunden die Staatsbeihilfe entzogen. Der Beigeordnete Standfuß nahm sich in einer Rede mit Wärme der Kleinmeister und Lehrlingszüchter an. Erstens sei, so betonte der Herr, am Lehrling nichts zu verdienen und außerdem werde dem Lehrling mit dem Fortbildungsunterricht nicht geholfen. Er habe soviel Lehrlinge ausgelernt und die Jungen können die Versiche- rung abgeben, daß er das, was sie in der Fortbildungsschule an Zeichnen lernen, besser nach Feierabend beibring«. Nachdem unsere Genossen für den Erlaß gesprochen hatten, wurde doch mit zehn Stimmen beschlossen, die alte Zeit beizubehalten. Um für die neuen Bewegungsspiele genügend Raum zu schaffen, wurde beschlossen, eine Reihe Akazien fortzunehmen, dieselben sollten vor oder hinter der Hecke durch Neuanpflanzungen wieder ergänzt werden. Hierauf beantragten unsere Genossen, daß behufs Milderung der Teuerung von der Verwaltung sowohl wie auch von der Vertretung an die gesetzgebende Körperschaft petitioniert und außerdem von Gemeinde- wegen durch Abgabe billiger Lebensmittel, wie Fleisch, durch Selbst- schlachtungcn usw., der dringendsten Not gesteuert werde. Der An- trag wurde einstimmig dem Magistrat überwiesen. Genosse Richter führte noch Beschwerde darüber, daß er schon drei einberufene Sitzungen der Grundwertsteuerdeputation unverrichteter Sache habe verlassen müssen, weil die Herren KommissionSmitglieder überhaupt nicht erschienen waren. Hierauf geheime Sitzung. Wittenun-Borsigwalde. Unsere Gemeindevcrtreter nahmen am Donnerstag nach zwei- monatiger Pause ihre konimunale Tätigkeit wieder auf. Nach Er- ösfnung der Sitzung machte der Gemeindevorsteher Herr Witte zu- nächst Mitteilung von dem von unseren Genossen eingebrachten dringlichen Antrage: „1. Die Gemeindevertretung möge beschließen: Der Gemeinde- vorstand wird beauftragt, sofort eine Petition an den Reichstag und Bundsrat einzureichen, in welcher gefordert wird die sofortige Auf- Hebung erstens der Zölle auf Vieh, Fleisch, Ge- treibe" und Futtermittel, zweitens der Grenzsperre für Einfuhr von Schlachtvieh, drittens des Z 12 des Fleischbeschaugesetzes, viertens der Einfuhrschcine. 2. Um der auch hier am Ort herrschenden Fleischteucrung ent- gcgenzutreten, beschließt die Gemeindevertretung: Der Gemeinde- vorstand wird beauftragt, allein oder in Gemeinschaft mit anderen Gemeindeverwaltungen Maßnahmen zu treffen zwecks Ankauf von Schlachtvieh in größeren Mengen und Abgabe im kleinen an die minderbemittelten OrtScinwohner. Desgleichen ist der V e r- kauf von Seefischen in eigener Regie so schnell als möglich Wieder aufzunehmen." Der Antrag wurde vom Genossen Liebelt unter gespannter Aufmerksamkeit aller Anwesenden(der Zuhörerraum war gut be- sucht) eingehend begründet. Ihm erwiderte der Vorsteher Witte, daß verschiedene Gemeindevertretungen schon Stellung genommen hätten, um Beschlüsse in dieser Beziehung zu fassen; der hiesige Ort als kleine Gemeinde sei bedeutungslos. Dem zweiten Punkte des Antrages stimme er indes zu: der Seefischvcrkauf werde von der Gemeinde wieder aufgenommen werden. Auch hoffe er, daß infolge einer guten Futtercrnte das Fleisch bald billiger werde. (Herr W. ist auch nebenbei noch Gutsbesitzer.) Genosse Liebelt er� widerte, daß er Herrn MiteS Gründe nicht akzeptieren könne; man solle doch nicht erst auf andere warten; zudem hätten viele kleine Gemeinden, nicht bloß Städte, in dieser Angelegenheit Maßnahmen getroffen. Die Preise sind so hoch, daß die Arbeiterklasse sich Fleisch nicht mehr beschaffen könne. Schärfere Maßnahmen al» bisher müssen getroffen werden, damit die Regierung von ihrem bisherigen ablehnenden Standpunkt abgebracht wird.— Von einem anderen Redner wurde gewünscht, daß der Zweckverband in Anspruch ge- nomine» werden müsse; wieder ein anderer meinte, daß es un- zweckmäßig sei, dem Antrage zu folgen, da jetzt weder Reichstag noch Bundesrat beisammen seien. Von unserem Redner wurde nochmals hervorgehoben, daß durch Annahme dieses Antrages mit veranlaßt werden solle, daß der Rcichstai�-cht bald zusammentrete und Abhilfe schasse. Der Vorige faßte das Ergebnis der Bc- ratung dahin zusammen, Tlaß er betreffs des ersten Teiles Fühlung mit anderen Kommunen nehmen wolle, dem zweiten Teile aber solle sofort nach Möglichkeit Rechnung getragen werden.— Auf die übrigen Beratungsgegenstände kommen wir in der nächsten Nummer zurück. Hohen- Stencndorf. Mit einem Antrage der GasbetriebSgesellschaft auf Erweiterung des Gaswerkes beschäftigt- sich die letzte Gemeindever- tretersitzung. Es wurde betont, daߣec_ Betrieb de» an ihn ge- stellten Anforderungen nicht mehr gewachsen sei. Aus dem Bericht der Kommission, welche die Angelegenheit eingehend geprüft hat, ging hervor, oaß in den 8 bis 10 Tagen. Ende Dezember und An. fang Januar, in denen der Gasverbrauch den Höhepunkt erreicht, durch öfteres Neinigen der al» unzulänglich erkannten NeinigunzS- ansage der Kalamität begegnst tverd'en konnle. Da es unmöglich ist, den zu der Erweiterung unbedingt notwendigen neuen Gas- bchälter bis Ende des Jahres betriebsfertig herzustellen, beschloß die Vertretung dem Borschlage der Kommission gemäß, den Antrag abzulehnen, zumal der Vertrag mit der Betriebsgesellschaft am 31. März 1913 abläuft. Auf Grund dieses etwas sonderbaren Vertrages ist es unmöglich, zu dem Erweiterungsbau Konkurrenz hinzuzuziehen. Der Austrag würde demnach der Betriebsgesell- schaft ohne weiteres zu erteilen sein. Nach Ablauf des Vertrages soll dann sofort mit dem Erweiterungsbau begonnen werden. Ein Antrag des sogenannten Bürgervereins, der die Aufstellung von Nichtlaternen und eine Brenndauer derselben bis eine halbe Stunde nach Eintreffen des letzten Zuges verlangt,„um dem Ban- diteiuvescn entgegenzutreten", wurde bis zum nächsten Jahre zurückgestellt, weil am Rohrnetz ebenfalls Erweiterungsarbeiten nötig sind. Recht bezeichnend für die Ansichten mancher Ge- meindevcrtreter war eine Aeußerung, die einer der Herren auf einen Vorschlag, auch im Winter des Morgens für entsprechende Beleuchtung zu sorgen, machte. Er meinte nämlich, daß für drei oder vier„BäckerjungenS" das nicht nötig wäre. Unser Genosse hielt dem Herrn entgegen, daß die Beleuchtung der Straßen morgens ebenso notwendig sei wie abends um die Zeit der An- kunst des Theaterzuges. Morgens würden die Straßen von der großen Masse der Arbeiter und den Privatboamten, d>e in Berlin ihrem Geschäft nachzugehen gezwungen wären, belebt.— Das Ortsstatut und die Gebührenordnung, betreffend den Anschluß und die Entnahme von Wasser auS dem im Bau befindlichen Gemeinde- Wasserwerk, wurden in der von der Kommission vorgelegten Fassung angenommen. Nowawe». Sonnabend-Wochenmarkt. Einer au» Konsumentenkreisen wiederholt gegebenen Anregung folgend, hat der Gemeindevorstand nunmehr den Händlern und Gewerbetreibenden gestattet, auch des Sonnabends auf dem Marktgelände in der Priesterstraße Obst, Ge- müse, Aleisch sowie alle sonstigen Lebensmittel feilzuhalten, jedoch nur während der Zeit von 2 bis 6 Uhr nachmittags, in der der Fischmarkt stattfindet. Ob die bisherigen Märkte am Montag und Donnerstag auf die Dauer beibehalten werden können, darf wohl bezweifelt werden, denn die Hausfrauen werden jetzt sicherlich den Sonnabendmarkt für ihre Einkäufe bevorzugen, so daß der Umsatz der Händler an den beiden anderen Markttagen zurückgehen muß. Eine Teuerungsdebatte steht der nächsten Gemeindevertreter- sitzung infolge eines von der sozialdemokratischen Fraktion einge- reichten Antrages bevor. Der Antrag fordert die Gemeinde auf, zur Abwehr der sich stetig steigernden Lebensmittelteuerung an den Bundesrat und Reichstag eine Eingabe zu richten, in der die so- fortige Aufhebung der Zolle auf Vieh, Fleisch, Getreide und Futter- mittel sowie die Beseitigung der Einfuhrscheine und der Grenz- sperre für Einsuhr von Schlachtvieh als dringende? Bedürfnis be- zeichnet wird. Weiter fordert der Antrag eine Erweiterung bezw. Verbesserung der von der Gemeinde geschaffenen Einrichtungen zur Beschaffung billiger Lebensmittel. Auf die Besichtigung des Potsdamer Observatorium», die heute (Sonntag) vormittag stattfindet, seien die Pareigenossen und Ge- wcrkschaftSmitglieder hiermit aufmerksam gemacht. Die Teilnehmer treffen sich um 8)4 Uhr im Rifftaurant„Karlsgarten", Kaiser- Wilhelmstraße, von wo der gemeinsame Abmarsch erfolgt. Potsdam. I» der letzten Wahlvcreinsversammlung gab der Genosse Haus- mann den Bericht der Kreisgeneralversammlung. Eine Diskussion hierüber fand nicht statt. In einer der letzten Sitzungen war dar- über beraten worden, wie man dem Restantenunwesen am besten zu Leibe rücken könne. Man war damals zu keinem Resultat gekommen und die letzte Sitzung beschäftigte sich abermals damit. Die Kassie- rungen sollen so beibehalten werden, wie sie zurzeit bestehen und zwar soll an den Zahlabcnden und zur WahlverrinSversammlung kassiert werden. Allvierteljährlich sollen jedoch die Restanten heraus- gezogen und die Kamen den Bezirksführern übergeben werden, die dann die einzelnen Restanten aufzusuchen haben. Die Abrechnung dcS auf dem Bersammlungsplatz in der Behlertstraße abgehaltenen Stiftungsfestes ergab«in Defizit von 28, IS M. Ingendvcranstaltungea. Grost-Lichterfelde. Am heutigen Smmtag, den S. September! Be» sichtlgung des Museums für Naturkunde. Treffpunkt:'/«2 Uhr Händelplatz. Fahrgeld 20 Pf. Eua aller Melt. In 4950 Metern Höhe. Der Ehrgeiz. Vertreter des Welthöhenrekordes zu sein, hat den französischen Flieger G a r r o s zu einer Glanzleistung angespornt. Um den bis dahin von Oberleutnant v. V l a s ch k e gehaltenen Höhcnrckord zu überbieten, stieg er am Freitag bei H o u l g a t e mit einem Blöriotapparate zu einem Höhenfluge auf. Nach kurzer Zeit verschwand Garros in den Wolken und erreichte eine Höhe von 4950 Metern. Ein Defekt am Flugapparat zwang den kühnen Piloten, imGleitfluge zurErde niederzugehen. Garros hat mit diesem Fluge den Höhenrekord um 600 Meter verbessert._ „Treue Fürsorge". Unter diesem Titel berichtet der.Deggendorfer Donaubote' fol« gendes eigenartige Vorkommnis: Am Freitag ist die Ehefrau des Zimmermanns Max D. von hier gestorben. Am Samitag fand die Beerdigung statt. Dem überlebenden Gatten scheint der Tod der treuen Ehegesponstin sehr nahe gegangen zu sein. Samstagabend brachte derselbe eine Portion Kalbsbraten ins Leichenhaus mit dem Auf- trage, das Fleisch seinem Weibe zu geben und auch dafür zu sorgen, daß sie Bier bekomme; denn auch jetzt solle sie weder Hunger noch Durst leiden. Und gestern bei der Beerdigung, als der Priester da« Grab verlassen hatte, warf D. ein paar geräucherte Würste in die kühle Grube auf den Sarg, damit die ReSl nicht zu hungern brauche. Das Vorkommnis machte auf die Trauerversammlung tiefen Eindruck. Auch auf uns macht da» Vorkommnis einen tiefen Madruck I Zeigt es doch, daß trotz aller Dressur der katholischen Geistlichkeit der ehrbare Zeutrumsmann eS nur bis zum Geisterglauben der Australneger gebracht hat._ Eine bissige Wahrheit. Der»Franks. Ztg." wird aus Petersburg geschrieben: Vor einiger Zeit machte die Nachricht von der Gründung einer Zeitung, die tn Amerika auf dem rollenden Eisenbahnzuge gedruckt wird, die Runde durch die europäische Presse. Sie kam auch nach Rußland und begeisterte hier einen Karikaturisten, dem die tagelangen Bahnfahrten im Innern des Landes den Mangel an aktuellen Nach- richten fühlbar gemacht haben mögen, zu einer anschaulichen Zeich- nung, in der die Uebertragung der amerikanischen Idee aus russische Verhältnisse gezeigt wird. Man sieht hinter der Lokomotive mehrere Wagen. Im ersten befindet sich die D r u ck e r e i, im zweiten die Zensur, im dritten das P o l i z e i a m t, im nächsten der Untersuchungsrichter, dann das Gendarmerieamt. die Geheimpolizei, die Einnehinerei für Strafgelder und end- lich im letzten daS Gefängnis. Unter dem Bilde steht die Frage: Wo ist die Redaktion? Die Antwort lautet: Natürlich im Gefängnis. Leider hat die wirkliche Zensur auch diesen Spaß nicht verstanden und die Veröffentlichung der Karikatur verdate«._ Keine Kuppelei. Dem Gerechten müssen alle Dinge zum Besten dienen! scheint die„B.-Z. am Mittag" zu denken. In ihrer Sonnabendnummer gab sie folgendem Inserat Unterschlupf: Repräsentantin geeigneten Alters wird für ein erstes bekanntes Weinrestaurant zu engagieren gesucht. Bewerberin muß in be st en Kreisen der Lebe» weit bekannt sein und muß großen Anhang unter Damen besitzen. Hohe Tantie.'ne zu» gesichert. Gest. Off. usw. an Exp.„B. Z. am Mittag", Kochstr. 22-25.• Bequemer kann es bald nicht mehr gemacht werden I Kleine Notizen. Fleischvergiftungen. JnRomilly-sur-Seine im Aube« Departement erkrankten über 40 Personen infolge GenuffeS von verdorbenem Fleisch. Ein junger Mann ist bereits ge» storben; der Zustand anderer ist hoffnungslos. Schiffsbrand. Das Postschiff„Djurjura" ist, von Marseille kommend, mit Feuer an Boro hier eingetroffen. Da es unmöglich war, den Brand zu löschen und die Besatzung eine Explosion be- fürchtete, entschloß man sich, das Fahrzeug zu versenken. Die Pest in Südrußland. Im Dorfe Raschinka(Astrachan) und in seiner Umgebung sind in der Zeit vom 11. Juli bis zum 5. Sep» tember zwölf pe st verdächtige Erkrankungen erfolgt, acht davon mit tödlichem Ausgange. Di« bakteriologische Untersuchung hat morphologisch pest ähnliche Bazillen er» geben. Pilzvergiftung und kein Ende. In dem pfälzischen Orte Königsbach ist eine Arbeiterfamilie infolge Pilzvergiftung er» krankt. Die Mutter liegt hoffnungslos danieder. Die übrigen Familienmitglieder hofft man zu retten. Erdrutsch in England. In der Grafschaft Glamorgan ist in der Nähe von Basset seit einigen Tagen ein Bergkomplex von einigen Hektar Fläche ins Rutschen gekommen. Die Erdmasse ge- fährdet die Ortfchast Dunstnave. Die Bevölkerung dieser Ortschaft� sieht fich gezwungen, ihre Wohnungen zu verlassen, da die rutschenden Massen die Häuser zu verschütten drohen. Erdrutsch in einer Grube. Aus Makon(Frankreich) wird be» richtet, daß in einem Schacht der Grube Chapelle gestern ein Erb» rutsch stattgefunden hat. Zwei Bergleute fanden hierbei den Tod._ Arbetter-Samariterbnnd. Kreis Brandenburg. Beginn des Winterkurfu» in den Kolonnen Berlin. Am Montag bei Das«, Brunnenstr. 154, abends S>/, Uhr. Schöneberg. Am Donnerstag, Vorbergstraffe 9, bei oaendek, abends 8'/, Uhr. » o m a m c 8. Am Montag bei Schmidt, Friedrich-, Ecke Wilhelm- strasje, abend» 81/, Uhr. Schöneweide. Am Montag SIemensstr. 12, abends 8'/, Uhr. Friedrichshagen. Am Donnerstag, Friedrichstt. 60, 2. Hof, abends 81/, Uhr. Gäste haben Zuttitt und Ausnahme neuer Mitglieder. Die Kreisleitung. Paul Hackübusch, Berlin O. 112. Quittung. Für den Berein Arbeiter- Jugendheim gingen bei dem Unterzeichneten ein: Von den Schneidern der Firma Griebsch 10,—. Sammlung der ArguSmotorenwerle 99,95. Sechserlaffe der Abt. Will Deutsche Waffen- und Munitionsfabrik 14,95. Eechserkaffe des 134. Bezirks 5,—. Ueberschuß einer Glückwnnschadreffe vom Bezirk 577 2,95. Gesammelt durch Liste vom Kenossenschastsbau Ideal(Britz) durch W. Habentz 11,10. Von der elektrischen Abteilung der Firma Karl Flohr 10,—. Von den Kollegen der Firma Adler 10,—. Sechserkasse der Schlciser A. E.-W. Abt. G. F. V. 12,—. M. R. 8,60. Reisekaffe 1,40. Kollegen der Waffen- und Munitionsfabrik, Slbt. Will 11,65. Kranzüberschuß von den Kollegen der Abt. Betrieb der Deutschen Waffen- und Munitionssabriken Wittenau. 12,55. 6. Kreis, Bezirk 698, gesammelt aus der Silberhochzeit 2,55. 6. Kreis, Patzenhofep Brauerei(Abteilung Moabit) 17,40. 6. Kreis, Be- zirke 394, 423.«24, 433 15.—. 2. Kreis, Bez. 115 und 120 5.00. 6. Kreis. Bez. 383 5.—. 6. KreiS, Bez. 422 3,00. 4. KreiS, Bez. 434 3,—. 6. Kreis» Bez. 785 5,—. 6. Kreis, Bez. 790 3,70. Kranzüberschuß der Kollegen von Schwartzkopff, Scheringstraß« 5,10. Bergmann A.-G., Abt. Krüger, Stanzeret 12,—. 6. Kreis, Bez. 827 4,70. 4. Kreis, Möbclpolterer bei Brandt(durch Wagensühr) 4,40. Arbeiter der Deutschen Telephon-Werke (Fräserei), Zeughosstraß« i,35 M. K. R o s e n s e l d, An der Spandauer Brücke HilfSkasse der Graveure, Ziseleure und verw. Berufsgenossei» in Berlin tagt jeden zweiten Monlag im Monat im Restaurant Luisen» user 1, abend« 8—10 Uhr. Heute Zahl- und Aufnahmetag von"° Allgemeine Jamiliensterbekasse. i 3—6 Uhr im Lokale Ackerstr. 122. Eingegangene Druckschriften. Der springende Frosch. Von Marc Twain.— MärkischeS Rokoko, Von F. von stenglin.(30 Ps.-Bllcherei.) A. Bonnier, Leipzig. Ist die Schwei» regenerationsbedürftig? Von C. A. LooSli. 1,50 Fr. Selbstverlag Bümplitz. Die Flcischvcrsorgung der Großstädte unter besonderer Berück- sichttmmg der Preisbildung und PreiSentwtckeiung. Dargestellt auf Grund der Verhältnisse der Stadt Köln von Dr. Fritz Rothe. M.-Giadbach, BolkSvereins-Nerlag®. m. 6. H. Geb. 3 M. WitterungSSberftcht vom 7. September ISIS. etattonen «wwemde. Hamburg Berlin Franks.a.M München Wien 751!®® 753WSW 753®» 761 SW 762.® 753WNW 5 wolkig «bedeckt 3 bedeckt 3 wolkig 5 wolkig «swoikig daparanda Petersburg Scilly Abcrdeen Paris 741 S 754) 4- bedeutet Wuchs,— Fall.—») Nnterdegel.—>) am 7. morgens: 232 cm, weiter fallend. elielamie 22 Ringel-Anzug Ringel-Paletot Ringel-Ulster für viele Ist es. 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Nein. 4. In derselben Glasart, aus der die Scheibe vorher bestand.— B. 1000. Ja, sosern aus Anlaß des Verkehrs die Ehe geschieden wird und der Mann vor Abiaus von drei Monaten, von der Rechtskrast deS Urteils ab gerechnet, Etrasantrag gestellt.— F. T. 100. nicht etwa versteigert wird oder der Verkauf erfolgt, bevor Sie zugezogen find. 3. Das ist ratsamer. 4. Ja. Es kann aber, ivcnn bei Streitig keiten der Vertrag dem Gericht eingereicht wird, eine Stempelstraje verhängt werden.— C. M. 100. Nur dann, wenn die Frau dem Manne Unterhalt gewährt hat, besteht nach tz 12K0 der Reichsvcrsicherungsordnung Anspruch ans Witwerrente.— Zt. Z. 85. Die Berufung ist aussichtslos. — K. 39. Ja.— R. H. 1880. 1. und 2. Versuchen Sie es mit einem Antrage an die Steuerbehörde. 3. ffalls Rentenzahlung nicht bewilligt wird, ja.— R. B. 28. t. Wenn deswegen die Ehe geschieden ist, kann Be- freiung vom Eheverbot beantragt werden. Der Antrag, über den der Justizmintster entscheidet, ist beim Landgericht anzubringen. 2. Ja, soweit es sich um HausbaltungSgegenstände handelt.— Genosse»OOO. Sie können so, wie geschildert, handeln. Die Anwaltskosten würden etwa 10. M. betragen. Für den Fall des Obsiegens im Prozeß haben Sie einen Er- stattungSanipruch.— F. K. 117. Sie können beantragen, �datz die Ver. Handlung vor dem Amtsgericht Köpenick stattfindet; schreiben sie dem Vor- mund entsprechend.— I. H. 100. Nicht zulässig und strasbar.— Rix- darf. Eine Verpflichtung, die Tochter bis März im Hause zu bc- halten, besteht nicht.— 8. X. 1879, 1. und 2. Nein. 3. Ja. H. W. 100. Ja, falls nachweisbar.— 45. Sie können Herausgabc der Sachen fordern, sür den WeigerungSsall beim Amtsgericht aus Herausgabe klagen.— P. B. 99. Ihre Frau ist zahlungspflichtig.— 8. 100. 1. Ohne nähere Darstellung nicht zu beurteilen. 2. Beide Behörden find zuständig.— F. 50. Ja.— E. H. 50. Berlin kann Rückkehr fordern, tut eZ aber in der Regel nicht. Ort gleichgültig— M. R. 1001, Glinicke. Ja.— H. B. 68. 1. Nein. 2. und 3. Ja.— R. R. 33. Die Beil. nähme ist zulässig.— LukaS 1. 10. Ja, in füns Jahren.— sM. G. äfl Ja.— P. H. 10. Nein. Sic können aber Unterlassung sordern, eventuell klagen.— SS. K. 38. Ja.— A. 8. 2. Ihnen steht ein AntragSrecht nicht zu. — Ttcglit! 7. Sie richten Ihre Frage bitte an Herrn R. Breuer, WilmerS. dors, Kaiserallee 173.— Jahn 26. 1. Die Adresse erfahren Sie aus der amerikanischen Gesandtschast. 2. AnsangSgehalt 2000 M.; im 8. Dienstjahr 2800 M.— O. S. 30. Sie wollen in einem Milchgeschast Erkundigungen einziehen.— F. F. 85. Medizinische Anfragen beantw-"�in wir grund- sätzlich nicht. Wenden Sie sich an einen Arzt.— O. H. 20. Heldentenor. I. V. 47. 1. Ja, wenn der Verkehr gestattet ist. nachdem ein Ehe« versprechen abgegeben worden ist, oder falls das Kind lebend geboren ist. 2. ES kann beim Amtsgericht gellagt werden. 3. bis S. Die Ersüllunz eines HeiratsverfprcchenS— gleichgültig, ob mündlich oder schriftlich ab- gegeben— läßt sich nicht gerichtlich erzwingen.— P. II. 22. 1. und 2. Mutter zur Halste, Geschwister zur anderen Hülste. Die Erben sind aber dem unehelichen Kinde gegenüber unterhaltspflichtig; das letztere kann mit dem Pflichtteil eines ehelichen KindcS abgesunden werden.— F. 8. 54. Nein. —®.®. 1. 1. Nein. 2. Falls Sie persönlich veranlagt sind, reklamieren St«. Todes-Anzeigen SoziaidemokratiscberWalilvereüi Schöneberg. Bezirk I. Am 6. September verstarb unser Mitglied, der Friseur ttermslin Feldheim im 31. Lebensjahre. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Montag, den 9. September, nach mittags>/,3 Uhr, vom Trauer dem 2. Städtischen hause Nollcndorsstr. 34 aus aus ~ ischen Fried hose (Blanke Hölle) statt. IS/2 Ter Vorstand. ßentscber Bolzarheiter-Verhanil. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Plön Gezikiewicz Adalbertstr. 76, im Alter von 31 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, 9. September, nachm. 4 Uhr, aus dem Zentralsriedhos in Fricdrichsselde statt. Um rege Beteiligung ersucht 88/14 vi« Ortsveewsltung. DeDtscberüetaiiarbeiter-Verbaniil Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß! unser Mstgiied, der Schlosser Gustav Behnke Mctzerstraße 16 am 6. b. Mts. an Lungenleiden! gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am I Montag, den 9. September. nachmittag« 4 Uhr, von der> Leichenhalle des Emmanucl-Kirch- hoses in Weißensee aus statt. Rege Beteiligung erwartet 124/1 vi« Ortsverwallung. Hiermit die traurig daß mein lieber Schlosser s. Gustav Behnke am Freitag nach langen, schweren Leiden jansl ent'chlaien ist. Um stilles Beileid bittet Die trauernde Witwe Uehnke geb. Ahmer. Die Beerdigung findet am Montag, nachmtnags 4 Uhr, von der Leichenhalle der Immanuel- Gemeinde in Weißensee aus statt. der Gemeiiiiie- uiiij Slaatsarbeiter. Filiale Ci roB-iterlin. Den Milglikdern zur Nachricht daß der Kollege Büschwaldl welcher in der Berliner Park- Verwaltung befchästigt war, ver- slo'-ven ist. Wir weiden ihm«inj ehrendes Andenken bewahren.> Die Bestallung findet am s Montag, den 9. September, nach. mittags 3-/, Uhr. von der Leichen- balle des DdomaS.K.rchboscs m| Neukölln, HermaniistraßeanS statt. 35/,o jgir LriSvrrwaliung.[ Männergesangvereln Lorbeerkranz 1879. Am 6. d. Mts. starb nach langer Krankheit unser lieber Sanges» bruder und Ehrenmitglied widert Leuschner. Wir� verlieren in demselben einen ,jvtunb, der während seiner 26 laar.gen Miigliedschaft sich die Achtung aller sangeSbrüder er- warben hat. Wir werden sein Andenken Nets in Ehren halten. gfl/lö Die Veerdlgung findet Montag. den 9. September nachmittag« 4>/,Ubr.von der Hall« de» Thomas. Kirchhojes. Hermannstr.. aus statt. I. A.: Richard Benckar, Vors. Deutscher Buchbinder-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern die traurige Nachricht, vaß unser Mitgited, die Kollegin Marie Donbritz nach längerem Leiden verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet jSonn- tag. den 8. September, Nach mittags 4 Uhr, aus dem Friedhoje in Marzahn statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 26/3 Die Ortsverwaltung. v»nknaxuns. Für die rege Tellnahme an der Beerdigung meines lieben Mannes, deS Metallarbeiters Kisi»! Glaser sage ich allen, insbesondere der Firma Schmidt& Herkenrath, dem dem Deutscheu Mctallarbciterverband und dem Lotlerteklub, Frohe Hoffnungmeinen herzlichen Dank. 18>b Wwe. Glaser nebst Kindern. Danksagung. Für die reichen Kranzspenden und rege Beteiligung bei der Beerdigung meines lieben, unvergeßlichen Mannes, sagen wir allen Verwandten, Freun- den, Bekannten, Arbeitskollegen und Genoffen der Abt. 36, sowie dem Redner für die trostbringenden Worte und den Sängern Miseren herz- lichslen Dank. 3eb Witwe K»sa Schwcnn. Or.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinieiislr. 41, S« 10—2. 6—7. Sonntags 10— 13. 2—4 �pezialarzt f. Haut- und Harnleiden,{ nerv. Schwäche,„Ehrlich 606' usw. Or.Homeyer« Untersuchung., Fäden i. Harn uiw. j Frisdnchslr, 81,«Ä. Spr. 10—2, 6—8, Sonnt. 11—2. Honorar»lästig, auch Teilzahi. in M'i..S______ SiBtthneimitKautschukplatte� I einbereohnet)pro8tüokl,80M. | Fast nSnzlion schmerzloses( ( Üahnalehen(m örtlicher j j HctKubung) pro Zahn 1,— M. | Plomben billigst! Keporaturen sofort!] -Salin- Praxis Karl Kndolpta. J 1 Pra*.;Oranienttr. 8t. 1 2., Elsasser Str. 17/18. Charlottenburg, Wilmorsdorfer 8lr. 117| Lichtenberg. 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Das Kvffenlokal der obigen Kasse befindet sich vom 19. September ab nicht mehr Hauptstr. 33, sondern Deulseke Str. 1 part. (Ecke Residenzstraße). Am Dienstag, den 17. und Mittwoch, den 18. September er. bleibt das Kafienkofak Umzugs halber geschlossen. Reinickendorf, am 1. September 1912. 278/9 Der Borstaud. Fcsuen-Begrübuizliazsc der in Schrill- gieBercicn beschält. Arbeiter Berlins. Am Dienstag, den 10. September, abends 1I16 Uhr, im Lokal deS Kollegen P. Zimmermann, Wilheimstr. 2; Genera!- Versammlung. Tagesordnung: 1. VorstandSberichl. 2. Kassenbericht und Bericht der Revisoren. 3. Ver- schiedeneS. Zahlreichen Besuch erwartet 296/4 Der Vorstand. Zurückgekehrt 138/6 Dr. Mankiewicz Arzt für Harnkranke Potsdamer Straße 134. Preis M. 10 000 monatlicher Mielsaufwand M. 85.— Ktetn. Anzahlung,— Ianf£ NitSCtie, Neuenohlosseaet Waidgel&nde □ Rute von 15 Hark an •b Lehrter Bahnhof tnSÜUin. 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Als Legi» timation gilt, sosern die Betreffenden dem Vorstand nicht persönltch bekannt sind, der Mcldeabichnitt oder eine Bcschetntgung de» Arbeitgebers. Die Wahl der Arbeitgeber findet statt in der Zeit von 8—9 Uhr abendS. Zu wählen sind: ' Vertreter" 1913, 1 Vertreter sür die Wahlperiode biS 2 Vertreter sür die Wahlperlode biS 1914, 17 Vertreter für die Wahlperiode bis 1916. Wahlberechtigt find alle Arbeitgeber, weiche Versicherte zu unserer Kasse gemeldet haben.— Als Legitimation gilt, sosern die Betreffenden dem Vorstande nicht persönlich bekannt sind, sie letzte Beitragsqutttung. General- Versammlung am Freitag, den 27. September 1912, abends 8 Uhr. im Gesellschasts» haus. Wilhclmsaue 112. Näher« Bekanntmachung folgt. Berlin-WllmcrSdors, 7. Sept. 191g. vor Vsz-atanck. I. A.: Lübsen, Tuckermanv. Vorsitzender. Schristsührer. RerlinerlllK-Trio Adr.; Neukölln W LahnBtr.74L Vir kaulen bei Gral!& Braune in Rfintgental a. d. Vorort» strecke Bernau, 29-Pfg. > Tour, 6 Min. v. 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September, abends 8'/-z Uhr: Große öffrotlichr NolKsocchmioloiig in Graumanns Festsäle», Naunynstraße 27. Tagesordnung: Was wollen die Anarchisten?, Referent: Genosse g. K n i e s st e d t. Freie Aussprache. 201b Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Einberufer. Union anarchistischer Bereine Berlins und der Umgegend. Ernst Decker, Berlin-Panlow, Wollanlstst. 126. Große öffentliche Uechmmlnng der selbständigen Schuhmacher Neuköllns am Montag, den 9. September, abends 8'/. Uhr, im„Deutschen WirtShause", Bergstratze 136/137. Bortrag:„Die Lebensmittelteuerung und Mißstände in«nserem Gewerbe". Referent: Genosse Kluß. 296/5 Um zahlreiches Erscheinen werden die Interessenten ersucht, vor cinboruter. Ii» U Verwaltung Berlin. Dienstag, den 10. September, abends 8 Uhr, in de» Andreassälen, Andreasstr. 21: Beschlußfassung über auszustellende Forderungen an die Arbeitgeber. Alle Kollegen müssen anwesend sein, und ersuchen wir besonders die Tischler, die in ihren Betrieben befchästigten Bildhauer daraus hinzuweisen. 20/13 Der Vorntand. Allgemeiner Deutscher Gärtner- Uerei« Ortsverwaltung Gr.-Berlin. Branche Landschaftsgärtnerei. Bureau: Berlin 3. 42, Luisen-Ufer 1. Fernsprecher: Amt Moritzplatz 3725. Kollegen aus der Landschastsgärtnerei! Gärtner und Gartenarbeiter! Dienstag, den 10. September 191S, abends S'U Uhr, im GesellschaftohanS des Westens, Schöneberg, Hauptstr. 30/31: Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: 1. Vorirag: Die Frage der Tarifverträge und die Organisation der««gelernten Kollegen in der Landschastsgärtnerei! Referent:Koll Albert Kummer-Hambnrg. 2. Freie Aussprache. 3. Branchenangelegenheiten gff Wir bitteck das neue Lokal zu beachten."VS Kollegen Torwdrts, Hann für Hann xur Versammlung.. Die Branchenleitnng. Arbeitsnachweis: Amt No�en/slr. 1239. Htiiiptelie Berlin Charitdstraste 3. Hauptbureau: Hof III. Amt Norden. Nr. 1987. Dienstag, den 10. September 1912: Bezirks- Versammlungen für die gesamte Verwaltungsstelle Berlin in folgenden Lokalen: NOrdeN I Pharnssaie, Müllerftr. 148, abends 8>/, Uhr. Vortrag. Ilnrrian• Obiglos Festsöle. Schwedter Strafte 23, abends nUlUCll. s1/, Uhr. Vortrag des Kollegen R. Bah». Norden I Frankes Festsöle, Badstr. 10, abends 8'/, Uhr. Vortrag. Tegel! Trapps Festsöle, Bahnhosstr. 1, abends 6 Uhr. Hnahif* Kronen- Branerei, Alt Moabit 47—49, abends milaUll. B'/a Uhr. Vortrag des Genossen Dr. Moses:»Der Kinder- reichtum im Arbeiterhaus". Vesten und Sedöneberg: �esÄ�!"��Äeb«� Hanptftr. 30/31, abends 8'/, Uhr. dSleN I Sornenlnssöle, Memeler Jtr. 07, abends 8'/, Uhr. Vortrag. l iphtonhopn* Bestanrant J. Ertelt. Pfarrstrafte 74. bll>UiCllUcry. abends 8'/, Uhr. Vortrag des Kollegen Karl Wücke. Stralau und Rummelsburg: Ä Bortrag des Kollegen Gracwe «S' Slldenbeilrke' Eugeinfer is. Ve abends 8Vi Uhr. Fi' abends 8°/, Uhr. Velkensee' Festsöle, Berliner Allee 881, UottlrÖNn' Hoppes Festsöle, Hermannstr. 49, abends 8l/,Ubr. BHU&UIIli. Vortrag des Genossen Wölbt:.JndustriebetriebSsührung". Charloltenburg: ��3haus' �inen� 3' oBe"bä � CtonlitT* Schellhases Festsöle, Ahorn strafte 15, utey lll£. abends 8'/» Uhr. KSpenick u. FriedriclisliajeD: JääÄÄ Friedrichstr. 74, abends 8'/, Uhr. nhoP.Cphnnonroirio* Prochowskis Oberschönewetder UUCrOtUUUCHClUt;. Vereinshans, Rathansstr, 13, abends 8'/, Uhr. Qnanrian* Pezells Restaurant, Pichelsdorfer Strafte 5, syalluau. abends 8',, Uhr. Vortrag. Tagesordnung in allen Versammlungen: Bericht von der Generalversammlung. SV" Mitgliedsbuch legitimiert."VS Die Bersammluugen werden Pünktlich eröffnet. Zahlreicher Besuch wird erwartet. 123/20_ Die Ortsverwaltnng. ZentralverbandderHausangestellten Sonntag, den 8. September, in den„Corona- Prachtsälen", Kommandantenstr. 78 I: Versammlung. Vortrag von Frl. Ida Saar über:.Was will der Zentralverband der Hansangestellten?"— Nach dem Vortrage: Gemütliches Beisammensein Eröffnung 6 Ubr.— Beginn 7 Uhr. "T" L__ Plomben, beste Aus. Zanne, Olga Jacobson,.VTi'Ä 48/7 Groß-Destlllatious-Scke (Süden), gut eingerichtet, vermietet Hanegold, Groftdeftillation. Geisbergstr. 89. 139/5 tO Mark monatliche Teilzahlung lieser t elegante Herrengarderobe nach Matz 1. Tomporowskl, IfÄÄ' Billige Landparzellen, westlicher Vorort, direkt am Bahnhos, verkaust zu besonders günstigen Be- dingungen, an„Vorwärts" leser schon mit 100 M. Anzahlung, bei Woh- nungsmietnng ev. ohne Anzahlung. Geringe Teilzahl Max Buchholz, Berlin HO. 55, Friedeberger str. 4.* Freireligiöse Gemeinde. Montag, de» 9. Sept., abends 8 Uhr, in„Alt-Berlin", Blumenstr. 10: „Beschließende Versammlung". Tagesordnung: 1. Bericht vom Internationalen Freldenkerbongeß. 2. Verschiedenes. 55/11 Sonntag, den 8. September, vormittags 11 Uhr, Kl. Frankfurter Str. 6: Frau.Vitmann: 1.„Das Freidenkertum als ethischer und Kulturfaktor". Sonntag, den 15. Sept.: Herr Dr. Brie:„Schopenhauer". „„ 22.„ Jugendweihe bei Lipps, Am Friedrichshain 16. „ 29.„„. Kllems, Hasenheide 13-15. Bentseher Bolzarbeiter-? erband. Verwaltung Berlin. Montag, den 9. September 191Ä, abends 5% Uhr: Mitglieder- Versammlungen für folgende Kezirke und Kranchen: Tagesordnung: 1. Bericht von der letzten Generalversammlung. 2. Berbandsangelegenheiten. Ladeneumchtutigs- und Kontormöbelbrancbe im„Englischen Garten", Alexanderstratze 27o. kiickenmöbelbrancbe um 6 Uhr im„Englischen Garten". Alexanderstratze 27o. jVlöbel- u. Stublpolierer sovie MgaLmarbeiter. Osten: in den„Fürstenberger Feftsälen". Franlsurtcr Allee 106. «ödosten: im Märkischen Hof, Admiralstr. 18o. Korden: im Swinemündcr Gesellschaftshaus, Swinemünder Str. 42. Gtockarbeiter w den Rittersälen(Jnh. Bercht), Ritterstr. 75. Modell- und fabriktirckler �°s°nthal-r H°f. R°s°n. GinTctZCV im Gewerkschaftshause, Engeluser 14/15, Arbeitslosensaal. Stellmacber abends s% Uhr im Rosenthaler Hof, Rosenlhaler- I�istenmacber �0»d�8 Uhr w den Andreas-Festsälc», Andreas- lVlzsebinenarbeiter abends 8>/, Uhr in den AndrcaS-Festsälen, P'iaicmmildrvt.suti' 5inbl(.fläftl.» 21 Sa� oon 8roei Obleuten. VerÄrttdet» abends 81/, Uhr in der Alhambra, Wallnertheaterstratzc. vergoiaer Bricht vom Verbandstage. �iscbler. Köden: im Märkischen Hof, Admiralstr. ISo. Südosten I: in den Nauiiyn-Festsälen, Naunynstr. 6. Südosten 11: im Rcichenberger Hof. Rcichenbcrger Straße 147. Osten I: in den Kontorvia-Festsälen, Andreasstr. 64. Osten II: bei Grnnwald. M-meler Str. 67___ Osten III: in den„Prachtsäle« des Ostens". Frankfurter Allee 151. Uestiiclie Vororte: in der Riebeck- Brauerei(srüher Löwen- Brauerei), Frankfurter Allee 53. Kordosten: bei Böter, Wcberstr. 17. Korden: bei Obiglo, Schwcdter Stratze 23. Weddliag und»oablt: bei KaezaroWSk«, Ravenöstr. 6. KeuhöIIn: bei Knftncr(Jdeal-Kasino), Weichselstr. ö. Lautiscblei". Beslrlr 1: Südosten, Süden, Südwesten bei Raabe, Fichtestratze 29. Be-ilri» 8: Osten bei Braincr, We:denweg 85. PJC Bezirk 3: Korden und nördliche Vororte Be« Gliesche, Jlopcnhaqener Str. 74. Bezirk 4: Gesundbrunnen, Wedding und Boablt Bei » Nautman», Tegeler Str. 55/56. Bezirk S: Keuköiln bei Gütig, Erkstr. S. Dienstag, den 19. September, abends 8 Uhr: Bezirk ObersSchöneweide bei Warncke, Wilhelminenhosstraße 18. jlriiaiial-Giidllßg88ßir»ia Garlin. 8oI»«IIoknI: t�renndierstr. 37, Hof geradezu l, Lehrplan für das 4. Quartal 1912. Sonntag: Praktische Katlonalökonomie.(Tatsachen der Weltwirtschalt.) Die Entwickelung zur Weltwirtschaft.— Der internationale Handel und seine Bilanzen.— Deutschlands Welthandel und Weltpolitik.— Der moderne Imperialismus.— Produktion und Konsum der wichtigsten Nahrungs- und Genuß mittel und der wichtigsten KohstoSe auf dem Weltmarkt.— Der Weltverkehr. — Die kapitalistische Weltwirtschaft und die Arbeiterklasse. Vortragender: Max Grunwald. Sonntag: Bednerschnle(mit mündlichen und schriftlichen Uebungen). Der Ausdruck in Wort und Schrift.— Die Technik und Disposition der Bede und des schriftlichen Berichts.— Praktische Uebungen über bestimmte Fragen aktueller Wirtschaftspolitik. Vortragender: Max Grunwald. Montag: Katnrerkenntnls. Die Entwickelung unseres Sonnensystems.— Die Geschichte der Erde.— Die Entstehung des Lebens auf der Erde.— Bau und Lebenstätigkeit der organischen Wesen.— Abhängigkeit der Lebewesen von den Einwirkungen der.Umwelt. Vortragende: Frau Käte Duncker. Montag: Fortschrlttsknrsas im Gewerkschafts. wesen. Vortragender: EmilDittmer. Dieser Kursus findet im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, vom 2 Treppen rechts, Zimmer 27(Transportarbeiter- Verband), statt. Mitglieder, die gewillt sind, an diesem Kursus teilzunehmen, müssen mindestens ein Jahr Mitglied der Schule sein und einen Kursus im Gewerkschaftswesen besucht haben. Meldungen sind bis zum 22. September an den Vorsitzenden H. Lamme, Lichtenberg, Bitterguts tr. 25 I, einzureichen. Dienstag: Dentache Geschichte Im 19. Jahrhundert. Ueber den historischen Materialismus.— Deutschland am Ausgange des achtzehnten Jahrhunderts.— Die Einwirkungen der französischen Bevolution auf Deutschland.— Die„Befreiungskriege",— Die deutsche Beaktion.— Die ersten Begangen der deutschen Arbeiterklasse.— Wilhelm Weitling und seine Agitation.— Die Klassenkämpfe der vierziger Jahre.— Marx und Engels.— Das deutsche Bürgertum am Vorabend der Bevolution. Vortragender: Konrad Haenisch. Mittwoch: Lilteratar�eschlchte(Von Luther bis Goethe.) Vortragender: Ernst Däumig. Mittwoch: EinftthrnnB in den wissenschaftlichen Soziallsmas(I. Teil). Die Entstehungsgründe der modernen Sozialdemokratie. Dia ökonomischen Grundlagen des wissenschaftlichen Sozialismus. — Die historischen Grundlagen des wissenschaftlichen Sozialismus.— Die sozialistische Taktik. Der„Zukunftsstaat". Vortragender: Julian Borchardt. Dieser Kursus beginnt erst am Mittwoch, den 23. Oktober, und findet im Königstadt-Kasino, Holzmarkts tr. 72, statt. Donnerstag: Sozialpolitik.(Die Geschichte der sozialpolitischen Gesetzgebung). Gründe und Anlässe für die Arbeitersohutzgesetzgebung und die Arbeiterversicherung in Deutschland.— Ansätze im früheren Becht.— Pflicht des Unternehmers, Haftpfiichtgesetze.— Gehilfen-, Seemanns- und Knappschaftskassen; freie Hilfskassen. — Sozialpolitische Fürsorge iu den Einzelstaaten und den Kommunen vor der reichs gesetzlichen Arbeiterversioherung.— Die Arbeiterversichervmg im Auslande. 6/11* Vortragender: Georg Schmidt. Freitag: Gewerkschaftswesen.(Arbeiterschutz, Sozialgesetze und Gewerkschaften.) Einfluß der kapitalistischen Produktion auf den Gesundheitszustand der Arbeiter.— Aufgaben des Arbeitersohutzes und der Sozialgesetzgebung.— Der gesetzliche Normalarbeitstag. — Arbeiterschutz für Kinder, Jugendliche, Arbeiterinnen und Heimarbeiter.— Sanitärer und allgemeiner Arbeitersohutz.— Unfallverhütung.— Internationaler Arbeitersohutz.— Organisation des Arbeitersohutzes. Vortragender: EmilDittmer. Sonnabend; Geschichte der Dentschen Sozialdemokratie(I). Die sozialistische Geschichtstheorie.— Die ökonomischen Voraussetzungen der modernen Arbeiterbewegung.— Utopischer Sozialismus. Sozialistische Strömungen im deutschen Bürgertum.— Geheime kommunistische Gesellschaften. Marx. Engels.— Die ersten selbständigen Organisationsversuche der deutscher Arbeiter. Lassalle.— Die Gründung dos Allgemeinen deutschen Arbeitervereins.— Die internationale Arbeiterassoziation.— Die Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Eisenach.— Eisenacher und Lassalleaner. Entwickelung der Organisationen.— Lassalleaner und Eisenacher bei den Beichstagswahlen und im Beichstage. Die Einigung 1875 in Gotha. Vortragender: Emil Eichhorn. Unterrichtsbeginn: Dienstag, den t. Oktober: Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert. Mittwoch, den 2, Oktober: Literatur- eschichte. Donnerstag, den 3. Oktober: Sozialpolitik. Freilag, den Oktober; Gewerkschaftswesen. Sonnabend, den 5. Oktober; Geschichte der Deutschen Sozialdemokratie(I) Sonntag, den 6. Oktober, vormittags 9 Uhr; Nationalökonomie: 11 Uhr: Bednerschnle; beide im Schullokal. Montag, den 7. Oktober: Naturerkenntnis. Montag, den 7. Oktober: Fortschrittskursus im Gewerkschaftswesen; im Gewerkschaftshaus, Zimmer 27. Mittwoch, den 23. Oktober; Einführung in den wissenschaftlichen Sozialismus(I. Teil); im König- stadt-Kasino, Holzmarktstraße 72. Jeder Kursus erstreckt sich auf zehn Abende resp. Sonntagvormittage. Abends Beginn pünktlich S'/a Uhr, Ende 10 Uhr. Sonntag vormittags Beginn 9 Uhr resp. 11 Uhr; Schluß lO'/j resp. lä'/s Uhr. Die reichhaltige Bibliothek ist an den Unterrichtsahenden von 71I2—Sll, Uhr, Sonntags von 10'/, bis 11'/, Uhr geöfinet. Der Mitgliedsbeitrag beträgt pro Monat 25 Pf.; das Unterrichtsgeld für jedes Fach pro Kursus 1 Mark und ist spätestens am zweiten Abend zu zahlen. Die Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfolgt bei Beginn jedes Kursus im Schullokal Grenadierstraße 37, Bot geradezu 1 Treppe, und in nachstehenden Zahlstellen: Gottft*. Schulz, Admiralstr. 40o; Beul, Barnim- straßo 42; Vogel, Lortzingscr. 37; W. Kaczorowskl, Bavens- straße 6; Borsch, Engelufer 15. Alle Zuschriften sind an den Vorsitzenden Hermann UanimA, Xilchtcnberg-Berlin, Rlttergntstr. 85 1, Geldsendungen an den Kassierer H. Königs, Berlin S. 59, Hasenheide 56, zu richten. Der Vorstand. 88/13 Teppich-Reinigung und sämtliche Nebenarbeiten Staehr&Co. Berlin S. 42, Gitschinerstr. 80 Fernspr.: Amt Moritzplatz 216 u. 226. Anfbewahrung.— Endnottung v. Polstermöbeln.— Chemische| Reinigung.— Kunststopferei.— Bettfedern-Reinigung. Vacnnm- Entstanbung mit fahrbaren Apparaten. 'Klopfe mit LuftT] Verkäufe. Teppiche. Prachtstücke(Farben- sebler). für halben Preis. Vorwärts- leser 10 Prozent! Maucrboff, Grotze Kranksurierstratze S, parterre. Kein Laden! 1896a* Gardinen. Fabrilreste.(Stoße Franlfurterstraße 9 parterre. Steppdecken, billig, Fabrik Große Franksurterstraße 9 parterre. 1897K* Gaskronen ckhne Anzahlung, Woche 1,00(bis 70,00 Kausiumme). Ricsen- lager! Louis Böttcher(selbst). Krön- leuchtet— SpezialHäuser. Mein Doppelbetrieb bewältigt den größten Saisonandrang. Betriebsleitung: Box- h--generstraße 32, 1. Etage(kein Laden). (Fahrverbindung bis Warschauer- straße.) Filiale: Franksurter Allee 124, 1. 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Mts. an Franz Storch, Stettin, Bellevuestratze 43, zu richten. Die Anstellung erfolgt nach den Bedingungen de» Verein» Arbelterpreffe, Pffrlkistkrtlitr Der sozialdemorratische Berein für den Wahlkreis Bochum. Gelsentirchen. Hattingen-Witten sucht zum baldigen Eintritt einen weiteren Parteisekretär, der mit der Führung der Kassengeschäfte vertraut sein mutz. sowie über gute rednerische Befähigung verfügt. Ge- halt usw. nach Uebereinkunft. 296/1* Meldungen sind bis zum 25. September an dcn Ge- nassen Wilhelm Herzig, Bochum. Hermannshöhe 7 zu richten. Behufs Vennittelung von Feuer* u. Einbruchversichernngen werden von alter deutscher Qesellsohaft geeignet® Persönlichkeiten gegen Gewährung von 121/11* Abschluß- uud laufender Inkassoprovision gesucht. Unterstützung durch Beamte erfolgt jederzeit. Offerten unter J. K. 9869 befördert Rudo» Messe, Berlin SW. 19. 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Das Vertrauen zur deutschen Justiz ist im Volke bis weit hinein in die bürgerlichen Kreise aufs tiefste erschütlert. Das fühlen allmählich auch die Richter selbst. Auf dem internationalen Richtertag, der soeben in Wien stattgefunden hat, wurde viel über das Mißtrau� geklagt, das den gelehrten Richtern entgegengebracht wird. Aber die Herren suchen die Schuld nicht bei sich selbst, nicht in ihrer Weltfrcmdhcit und sie bestreiten es, tief in Klassenvor- urteilen zu stecken. Herr Oberamtsrichter Dr. Ginsberg- Dresden suchte sogar den Spieß umzudrehen. Es existiere gewiß eine_K l a s s e n j u st i z. aber nicht im Sinne der Sozialdemokraten, im«inne einer Bevorzugung der Reichen zuungunsten der Armen, vielmehr nach entgegengesetzter Seite. Dafür berief sich der Redner auf Erfahrungen mit Schöffen, die nach seiner Meinung zu niedrige Strafen gegen exzedierende Streikende ausgesprochen haben. Herr Dr. G i n s b e r g ist nicht der erste Dresdener Richter, der einen solchen Ausfall gegen Laienrichter unternimmt. Der frühere konservative Abgeordnete für Dresden, Landrichter Dr. Wagner, hat denselben Gedanken im Reichstag zum Ausdruck gebracht. Als in der Sitzung des Reichstages vom 13. März Igst? das Verlangen ausgesprochen wurde, daß mehr als bisher auch Arbeiter zum Amt eines Schöffen oder Geschworenen herangezogen werden sollten, sagte der Abg. Wagner nach dem amtlichen steno- graphischen Bericht S. 458: „Stellen Sie sich vor, wenn jetzt ein Arbeiter, der jahraus, jahrein weiter nichts hört und gelesen hat als die sozialdemokra- tischen hetzerischen und alles verdrehenden Phrasen, mit urteilen soll Hei Vergehen, die z. B. auf dem Boden des Streiks begangen sind. Tie Herren Sozialdemokraten werden ganz gewiß sagen, daß die geeignetsten Schöffen die Herren Genossen und Ober- genossen sind." Der konservative Redner behauptete also, daß man Sozial- demokraten von einem solchen Amt ausschließen müsse, weil es ihnen an der notwendigen Objektivität mangele. Die Behauptungen des Herrn Wagner fanden selbst bürgerliche Abgeordnete so unerhört, daß sie sich zu einer Entgegnung ver- pflichtet fühlten. Der Abg. Günther- Plauen(freisinnig) er- klärte, daß in Sachsen Arbeiter als Schöffen in nennenswerter Zahl nicht vorhanden seien. Ferner erklärte der Abg. Dr. I u n ck- Leipzig(nationalliberal), wie der stenographische Bericht S. 460 verzeichnet: „Meine Herren, ich habe' nicht das Recht, eine Erklärung namens der sächsischen Richter abzugeben. Wenn aber hier der Meinung Ausdruck gegeben sein sollte, man habe in Sachsen die Beobachtung gemacht, daß sich der Arbeiter, wenn er Sozial- demokrat ist, nicht eigne, ein richterliches Amt auszuüben, gleichviel in welcher Form, so müßte ich dem entschieden widersprechen, aus meiner eigenen Erfahrung und aus der anderer Herren, auch aus dem Richterstande, die mir dies be- stätigt haben. Der Arbeiter hat sich sowohl als Schöffe als auch namentlich als Beisitzer des Gewerbegerichts und in anderen Aemtern durchaus befähigt erwiesen, unparteiisch zu urteilen; er hat sich auch nicht gescheut, wo es Not tat, Stellung zu nehmen gegen seine eigenen Standesgcnoisen. Zur Steuer der Wahrheit glaubte ich dies hiermit feststellen zu sollen." Ein ähnliches Zeugnis stellte der nationalliberale Abgeordnete Schiffer, den man gewiß nicht im Verdacht haben wird, be sonders sozialistenfreundlich zu sein, in einem Artikel im„Tag' vom 27. November 1907 den sozialdemokratischen Richtern aus. Es hieß dort u. a.: „Sowohl in sozialpolitischen Gerichtshöfen wie insbesondere in den Gewerbe- und Kaufmannsgerichten wirken seit Jahren Sozialdemokraten mit, und ganz überwiegend wird an� erkannt, daß diese Mitwirkung durchaus im Sinne der Gerechtigkeit stattfindet. Zu irgend welchen Klagen über eine parteiische oder unsachliche Haltung der Arbeit- nehmer als Beisitzer ist kaum jemals begründeter Anlaß g e w e s e n. Ist dies aber der Fall, dann gibt es keinem sachlichen Grund mehr, um nicht auch Sozialdemokraten die Mitwirkung an der Rechtsprechung zzubilli» gen; denn grundsätzlich wird man nur zu fragen haben, ob diese: Mitwirkung den Aufgaben dient, die an den Richter als solchem zu stellen sind. Will man aber sogar politische Rücksichten walten lassen, so werden selbst diese mehr für als gegen die Zu« ziehung auch von Sozialdemokraten ins Gewicht fallen. Je rückhaltloser die Durchführung der oerfassungs-' mäßigen Gleichberechtigung erfolgt, je häufiger ein Zusammenwirken zwischen den verschiedenen Partciangehörigen zum gleichen Zwecke stattfindet, je öfter gerade auch die Träger sozial- demokratischer Anschauungen sich auf den Boden den bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung in Gemeinschaft: mit den Vertretern anderer Parteien und Ueberzeugungen in: positiver Arbeit betätigen, desto mehr werden die vorhandenen: Gegensätze ausgeglichen, desto stärker wird die Gemeinsamkeit des. Volkstums und der Staatsangehörigkeit zum Ausdruck gelangen,. desto leichter werden sich die Gegensätze überbrücken, und durch die Berührung der Personen werden auch die Vorstellungen vom Gegner berichtigt und geläutert und die Wege zu einem auf gegenseitiges Verständnis und gegenseitige Achtung gegründetem Verhalten geebnet." Derartige Aussprüche von berufener Seite ließen sich beliebig vermehren. Namentlich haben sich auch die Vorsitzenden der Gewerbe- gerichte wiederholt lobend über die Tätigkeit der sozialdemokra- tischen Richter ausgesprochen. Ausgerechnet Dresdener Richtern mußte es vorbehalten bleiben, Hunderttausenden von Staatsbürgern ein Recht streitig machen zu wollen, das ihnen auf Grund der Verfassung zusteht. Und die Behauptung, es gebe bei uns keine Klassenjustiz? Sollen wir an Löbtau erinnern; an die Hunderte vom Streikprozessen im Ruhrrevier; an die Breslauer Urteile? An die fast liebevolle Behandlung, die einem Eulen- bürg, die dem Grafen Metternich vom Gericht zuteil wurde? 4400 �ocl.Xostüme SUu-l. 14 lasen verkauften wir Zahlreiche angelegte Obstgärten, Wald- n. Garten-Grundstöcke für Eigenheime und Ferienhäuser.— Acusserst billige und günstige Kaufgelegenbeit: M Heu-Sadowa Stat. Sadowa, a. d. Strasse n. Biesdorf. 5 Min. v. Bahnb. beginnend. Qu.-Rute v. 15!H. an. � Kaulsdorf Neu erschlossenes Gelände. 3 Minuten r. 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