Nr.«14. nbonntments-BediflSÜfigeii: WonnementS> Preis vrSnumerando: Pierteljährl. 3,30 SJl!., monatl. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Psg. frei ins HauZ. Einzelne Nuimncr 5 Pfg, SonntagS« nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Well" 10 Pfg. Post- NbonnemcnU 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Prelstifte. Unter Kreuzband für " tfchl"—--------"---- nehmen an; Belgien, DSnema Holland, Italien, Luxemburg, Portugal� '' Schweden und die Schweiz. 89. Jahrg. Die TnlertioBS-Gebüljr Beträgt für die fechsgefpaltene Kolonel- geile oder deren Raum«0 Pfg„ für politische und gewerlschasMche Vereins- und Versnmmtungs-Anzeigen M Pfg. „Kleine Hnzelgen", das fettgedruckte Wort 20 Psg. tzulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche»nd Schlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes wettere Wort ö Pfg, Worte über 15 Buch- staben zählen für zwei Worte, Inserate "'ste Nummer müsst ii die nächst _ Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöf'' Ciididot täglich außer tnoutaaf. Verlinev Volk�blnkk. Zentralorgan der fozi aldemokrati fchen parte» DeutfchlandQ. Telegramm-Adresse: „SezlalileiDeHrat ßfiio" Rcdahtion: SRI. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981. LZchliiche(iemrbeausiicht. Im Reichstage ist die sächsische Fabrikinspektion einmal als die schlechteste in Deutschland bezeichnet worden. Seitdem sind etwa acht Jahre ins Land gegangen. Gebessert hat sich in diesem Zeiträume an der sächsischen Gewerbeaufsicht nicht so viel, daß.man sagen könnte, die damalige scharfe, aber be- rcchtigte Verurteilung hätte sie zur Einkehr veranlaßt. Die soeben erschienenen Jahresberichte für 1911 zeigen unter anderem, daß das Vertrauen der Arbeiter zu den Äufsichts beamten, die eigentlich ihre Anwälte gegen das allzu Profit wütige Unternehmertum sein sollten, noch immer ein sehr begrenztes ist. Das ergibt sich schon aus dem gering- fügigen Verkehr der Arbeiter an den Amtsstellen der Auffichtsbeamten. Danach zu urteilen, sind in Sachsen die Fabrikinspektoren weit mehr Anwälte der Unternehmer als der Arbeiter. Aus den einzelnen Bezirken wird ja darüber wie auch über andere Beobachtungen überhaupt nichts mehr berichtet. Rur summarische Angaben aus den vier Regierungs bezirken enthalten die Berichte. Danach hatten nur die In spektionen im Kreise Chemnitz einen leidlich befriedigenden Arbeiterverkehr. Es erschienen hier 351 Unternehmer und 289 Arbeiter; außerdem waren noch 65 schriftliche Beschwerden und Anfragen aus Arbeiterkreisen zu erledigen. Dagegen sprachen im Kreise Bautzen neben 167 Unternehmern nur 13 Arbeiter vor, in Leipzig 35 Arbeiter und 916 Unter nehmer und in Zwickau neben 746 Fabrikanten nur 45 Arbeiter. Allerdings waren auch noch eine Anzahl schriftliche Eingaben von Arbeitern und Gewerkschafts organisationen zu erledigen. Wie dies geschehen ist," darüber er fährt man aus den Berichten nichts. Doch ist anzunehmen, daß die Beschwerden der Arbeiter berechtigt waren. Denn wäre darüber ein Zweifel möglich gewesen, hätten sich die Aufsichtsbeamten nach früheren Vorgängen sicherlich über an- geblich unzutreffende Beschwerden weidlich entrüstet. Aus der Kreishauptmannschaft Dresden erfährt man über den Verkehr an den Amtsstellen nichts, aber es wird mitgeteilt, daß eine A u f s i ch t s b e a m t i n bei der Revision eines Betriebes, das dem Kindcrschutzgesetz unterstellt war, tätlich a n° gegriffen worden ist. aus welchen Anlaß polizeiliche Hilfe herbeigezogen wurde. Ob der Angreifer bestraft worden ist, darüber erfährt man nichts. Bisher hatte die sächsische Gewerbeaufsicht wenigstens den Vorzug, hinsichtlich der Häufigkeit der Revisionen die zweit- beste in Deutschland zu sein. Rur Württemberg stand ihr gleich oder war ihr in einigen Jahren etwas über. Das ist aber im Berichtsjahre anders geworden. Die Zahl der Re- Visionen ist, ohne daß eine Erklärung für diesen Krebsgang gegeben wird, von 27386 auf 25 027 zurückgegangen, und lvährend im Vorjahre noch 21 619 Betriebe besucht wurden, waren es 1911 nur noch 18 664. Hinsichtlich der Zahl der Revisionen ist die sächsische Gewerbeaufsicht auf das Riveau von 1908 zurückgegangen, doch sind seitdem die revisions- Pflichtigen Betriebe von 26 271 auf 30 623 gestiegen. Wurden 1908 71 Proz, aller Betriebe revidiert, waren es 1911 nur noch 60,9 Proz. Das ist ein ganz auffälliger Rückgang. über den die Regierung im Landtage wohl noch um Auf- klärung ersucht werden wird. Im Berichtsjahre 1911 herrschte im Wirtschaftsleben Hochkonjunktur. Die Betriebe fast aller Industriezweige waren mit Aufträgen reichlich versehen. Daß die Nachfrage nach Arbeitern erheblich war, geht schon daraus hervor, daß bei der Zählung am 1. Mai 21 593 beschäftigte Arbeiter mehr ermittelt worden sind wie im Vorjahre. Auch andere Angaben sprechen für einen guten Geschäftsgang. So haben sich die B e t r i e.b s u n f ä l l e abermals vermehrt. Während 1910 21 223 gemeldet wurden, waren es im Berichtsjahre 22 099. In dem Berichte aus dem Chemnitzer Kreise wird auch hervorgehoben, daß die höhere Unfallziffer auf den Wirt- schafilichen Aufschwung mehrerer Industriezweige und die da- mit verbundene regere Erwerbstätigkeit zurückzuführen sei. Hiniuaefüqt wird aber noch:„Die Zunahme der Unfälle märe wohl noch bedeutender gewesen, wenn nicht in einer größeren Zahl von Unternehmungen der Betrieb infolge von Ausständen und Aussperrungen mehrere Wochen vollständig oder teilweise geruht hätte." Perioden geschäftlichen Aufschwungs sind auch Zeiten gewerk- schaftlicher Erfolge wenigstens für solche Arbeiterschichtcn. die sich auf eine starke Organisafion stützen können. Nach den vor- liegenden Berichten ist es in einer Anzahl Betriebe gelungen, eine Verkürzung der Arbeitszeit zu erlangen. In Chemnitz ist die Arbeitszeit in vielen Betrieben neugeregelt und dabei zum Teil wesentlich herabgesetzt worden. Aehnliches Wird auch aus anderen Distrikten mitgeteilt. Den Arbeitern in der Textilindustrie ist der lOstündige Normalarbeitstag für die Frauen, die ja in diesem Industriezweige sehr zahlreich beschäftigt weiden, zum Vorteil gelangt. Um was die Textil- arbciter seit Jahren vergeblich gekämpft, haben sie jetzt er- langt: Die Unternehmer haben es für profitabler gefunden, auch die männlichen Arbeiter nicht länger zu beschäftigen, nackdem sie genötigt waren, bei den Arbeiterinnen die Aus- beutung auf 10 Stunden'zu beschränken. Auch die kürzere Arbeitszeit für die Sonnabende ist in den meisten Textilbetrieben den männlichen Arbeitern zugestanden worden. Doch wird aus Steinbrüchen berichtet, daß dort die gesetzlich vorgeschriebene lOstündige Arbeitszeit viel- fach anscheinend im Einverständnis mit den Arbeitern über- schritten worden ist. In einer Blechwarenfabrik des Anna- berger Bezirkes, wo die Arbeitszeit auf 10 Stunden verkürzt worden war, wurde sie angeblich auf Betreiben der Arbeiter wieder auf 11 Stunden verlängert, weil diese glaubten, bei längerer Arbeitszeit im Akkord mehr verdienen zu können. Vorgänge der angedeuteten Art zeigen, daß es auch in manchen Gegenden Sachsens an gewerkschaftlicher Aufklärung noch fehlt. Auch Lohnaufbesserungen haben die Arbeiter in der Zeit des guten Geschäftsganges vielfach errungen. In vielen Be- trieben des Leipziger Kreises betrugen die Lohnerhöhungen 5 bis 10 Proz. Aehnliches wird auch aus anderen Gegenden mitgeteilt. Doch müssen auch die sächsischen Fabrikinspektoren zugeben, daß die Arbeiter dadurch bessere Existenzverhältnisse nicht erlangt haben, weil die gesteigerten Lebensmittelpreise alle Lohn- aufbesserungen wieder aufzehrten. So wird aus der Dresdener Kreishauptmannschaft berichtet, daß wohl die Löhne mehrfach erhöht wurden; es wird aber gleichzeitig hinzugefügt:„Doch sind auch die Lebensmittelpreise teilweise e r- heblich gestiegen und die Wohnungsmieten andauernd hoch geblieben, so dfiß die höheren Löhne dadurch aufgewogen wurden." Nach den Mitteilungen aus dem Bautzener Kreise„dürste die wirtschaftliche Lage der Arbeiter bevölkerung bei dem andauernd hohen Preisstand der meisten Lebensbedürfnisse und der wei- teren Preissteigerung einzelner wichtiger Lebensmittel, wie z. B. der Kartoffeln, als eine bessere gegen das Vorjahr kaum bezeichnet werden". Auch die Mitteilungen aus den übrigen Regierungs- bezirken lauten ähnlich, soweit sie sich darüber auslassen. Alle betonen sonach, daß auch da. wo höhere Löhne errungen worden sind, eine Besserung der Existenzverhältnisse für die Arbeiter nicht eingetreten sei. Aber es haben bei weitem nicht alle Arbeiter höhere Löhne erlangt. Bei diesen ist zweifellos in der Pettode wirtschaftlicher Hochkonjunktur eine wesentliche Verschlechterung der Lebenslage als Folge der Wucherpreise für Lebensmittel eingetteten. Nach dem Berichte der Aüfsichtsbeamfin des Chemnitzer Bezirks sind infolge dieser Notlage viele Arbeiter gezwungen worden, ihre Frauen und Kinder in verstärktem Maße zur Fron in der Heimarbeit heranzuziehen. Es wird darüber wörtlich mitgeteilt:„Die fortdauernde Steigerung der Lebensmittel- preise und die verteuerte Lebenshaltung der gewerblich tätigen Bevölkerung zwixigen mehr als früher zum Miterwerbe der Frauen und Kinder." Im Anschluß hieran wird festgestellt, daß die Heimarbeit der Frauen und Kinder be- deutend zugenommen hat. Da schafft man Gesetze, die die armen Kinder voo'den gesundheitsschädlichen Einflüssen der Heimarbeit schützen sollen, gleichzeitig sorgt man durch die agrarische Zollwucherpolitik dafür, daß die Kinder in immer schlimmerer Weise bei der schädlichen Heimarbeit an- gespannt werden, weil sich viele Arbeiterfamilien bei den überstiegenen Preisen der Lebensmittel nicht anders zu helfen wissen. Zur Lcbensmittelteuerung kommt in vielen Bezirken noch, um das Maß des Elends voll zu machen, die Wohnungs- not und die damit zusammenhängenden Mietssteigerungen. In obenerwähnten Mitteilungen aus dem Dresdener Bezirke wurde das schon angedeutet; aus Annaberg und der erz- gebirgischen Umgegend dieser Stadt wird mitgeteilt, daß der Wohnungsmangel eine Steigerung der Miets- preise zur Folge gehabt hat. In einigen Bezirken haben Fabrikanten für ihre Arbeiter Häuser gebaut. Aus diese Weise wird die Wohnungsnot für die Arbeiter noch zur Fessel. Möglich, daß sie Wohnungen bekommen, sie erkaufen sie aber mit dem Verlust ihrer Freiheit. Die Gemeinden haben sich bisher nur in ungenügendem Maße dazu verstanden, der Wohnungs- not durch Ernchtung von Kleiwohnungsbauten abzuhelfen. Die durch den Lebensniittelwucher gesteigerte Notlage der Arbeiterschaft hat auch bewirkt, daß das Verbot der Mitgabe von Heimarbeit an Arbeiterinnen im Ein- Verständnis der letzteren vielfach umgangen worden ist. Aus dem Bautzener Kreise wird zwar berichtet, daß sich die Ehe- frauen über dieses Verbot freuten, weil es ihnen mehr Zeit zur Erledigung ihrer häuslichen Geschäfte verschafft, dagegen wird aus anderen Gegenden gemeldet, daß die Arbeiterinnen unzufrieden seien, daß ihnen eine Gelegenheit zum Verdienst durch Ueberarbeit genommen würde. Im Zwickauer Bezirke haben Frauen unter der Angabe, die Arbeit sei für andere Leute, solche regelmäßig mit nach Hause genommen. Das Landgencht hat den Unternehmer auch freigesprochen, weil angeblich nicht nachzuweisen gewesen ist, daß die Arbeit nicht für dritte Arbeiterinnen mitgenommen worden sei. Bei einer solchen Auslegung des Gesetzes ist die Umgehung natürlich ohne weiteres gegeben. Aus diesem Kreise(Zwickau) wird auch noch folgendes mitgeteilt: Um dem Drucke der Vorschnft in Z137aAbs. IderG.-O. zu entgehen, nach der den Arbeiterinnen über die gesetzliche Arbeitszeit hinaus keine Heimarbeit mit- gegeben werden darf, haben sich neuerdings Faktore auf- getan, denen von den Fabriken Arbeiten be- Hufs Weitergabe an die Heimarbeiter über- geben wurden. Leider sollen hierdurch auch die gezahlten Löhne gedrückt worden sein. Daß diese Faktore nur zur Umgehung des Gesetzes eingesetzt sind, darüber kann kein Zweifel bestehen. Der fiesere Grund dieser Umgehungen ist aber die Not der Arbeiterinnen. Daran scheitern alle Schutzgesetze. Wie das Kinderschutzgesetz zum großen Teile auf dem Papiere bleibt, weil der jetzt doppelt fühlbare Hunger die Heimarbeiter zur Ausbeutung der Kinder verleitet, so wird auch das Verbot der Mitgabe von Heimarbeit der maßlosen Ausbeutung der Arbeiterinnen kein Ende bereiten können, so lange die Not der Arbeiterinnen den auf das Gesetz pfeifenden Unternehmern zum Helfer wird._ Das Volk heiicht Antwort. Heber die Teuerungskonferenz, die am Mittwoch im Reichsamt des Innern stattfand, schweigt das Kanzlerblatt. Es ist aber ein unerhörter Zustand, daß nur ein paar unverbindliche Ergüsse irgendeiner nachgeordneten Person über die Schuld der— Käufer an der Teuerung als Meinung der Regierung gedeutet werden können, während die Regierung selbst zu den Forderungen von Konsumenten, Fleischern und Kommunen noch immer stumm bleibt. In zahlreichen Ver- sammlungen, Resolufionen, Zeitungsauffätzen und Eingaben sind die Wünsche und Vorschläge aller betroffenen Kreise der Regierung unterbreitet worden. Kann sie sich noch immer nicht über eine Frage schlüssig werden, die nun schon ein Jahrzehnt öffentlich diskutiert wird? Seit dem letzten Winter, als die Regierung mit dem baldigen Nachlassen der Teuerung vertröstete, hat sich die Not wesentlich verschärft; und wenn nicht wirklich eingreifende und dauernde Maßregeln ergriffen werden, ist ein weiteres Anhalten und eine neue Steigerung der Verteuerung zu erwarten. Das notleidende Volk wi wissen, wie die Regierung den trüben Zukunftsaussichten zu begegnen gedenkt. Das Zögern mit der Antwort kann nur als Ablehnung jeder wirklichen Hilfe gedeutet werden. Einige Organe wissen allerdings zu berichten, daß die Ne- gierung sich im wesentlichen für Beibehaltung der Grenzsperre aussprechen werde. Der„Lokal-Anzeiger", der auch hier wieder freiwillig den Agrariern Vorspanndienste leistet, wieder- holt seine Mitteilung, daß die Konferenz im Reichsamt des Innern sich für Beibehaltung des 8 12 ausgesprochen habe, und daß man dort die Auffassung vertreten habe,„ein Im- Port gefrorenen Fleisches sei auch unter dem§ 12 bei dem jetzigen Stande der Kälteindustrie durchaus möglich. Die Konsequenzen daraus zu ziehen, bleibe dem kommerziellen und industriellen Unternehmungsgeist über- lassen". Gegenüber der Behauptung, daß die Regierung dieses Urteil von Sachverständigen erhalten habe, äußert sich Herr Krüger, Direktor der Gesellschaft für Markt- und Kühl- hallen, also ebenfalls ein Sachverständiger: »Es gibt keinen Fachmann auf der ganzen Welt, der der Regierung ein solches G utachten abgegeben haben könnte. Ich kann mir daher auch nicht denken, daß die Regierung tatsächlich, bevor sie zu ihrem Cut- schlusse, keine Aenderung des ß 12 des Fleischbeschaugesetzes durch- zuführen, gelangt ist, einen wirklich Sachverständigen befragt hat. Hätte sie dies getan, so hätte sie nichteine so unhaltbare Ansicht aussprechen können. Tatsächlich ist die Kältetechnik noch lange nicht so weit vorgeschritten, daß z. B. ein ganzer Ochse unzerlegt und im Zusammenhang seiner edlen Teile aus Argentinien nach Deutschland in gefrorenem Zu- stände transportiert werden könnte. Rinderfleisch verträgt allerdings lange Lagerdauer. Aber nur das sogenannte Vorder- und Hinterfleisch, während die edlen Teile, Herz, Lunge. Leber, sich keineswegs lange halten. Ich erinnere daran, daß vor längerer Zeit einmal in einem hiesigen Restaurant eine Kostprobe mit Ochsenfleisch veranstaltet wurde, das lO'/z Monate in gefrorenem Zustande in unseren Lagerräumen gelegen hatte. Die Probe ergab eine tadellose Be« schaffenheit des Fleisches, die inneren Organe aber waren nicht mehr zu brauchen. Es ist also unmöglich. Rinder un- zerlegt in Deutschland einzuführen, sondern Vorder- und Hinter- viertel müssen einzeln verpackt und versendet werden. Es ist daher durchaus notwendig, den ß 12 des Fleischbeschaugesetzes in diesem Sinne abzu- ändern, und sollte ein Gutachten wirklich dahin lauten, daß nach dem heutigen Stande der Kältetechnik ein Rind im ganzen im gefrorenen Zustande nach Deutschland eingeführt werden könnte, so kann es, gelinde gesagt, nur auf unverzeihlicher Un- kenntnis beruhen." Eine schärfere Abfuhr konnte die Regierung gar nicht erfahren. Für Rinder kommt eine Einfuhr, solange ß 12 bestehen bleibt, überhaupt nicht in Frage. Dagegen soll allerdings die Einfuhr von gefrorenen-Hammeln möglich sein. In Chemnitz ist in diesem Jahre bereits ein solcher Versuch gemacht worden und hier in Berlin soll er im Winter wiederholt werden. Generalkonsul H e n 0 ch, Ver- treter der südaustralischen Regierung, erklärte, daß am 6. No- vember das erste mit geschlachteten Hammeln gefüllte Kühl- schiff Adelaide(Australien) verlassen und nach Hamburg fahren werde. Alle Vorbereitungen seien gcttoffen, um den ersten Transport von 100000 Tieren und die weitere Einfuhr zu be- werkstelligcn; aber es ist noch etwas anderes nötig, um diese Zufuhren zu einer wirklichen Wohlfahrtssache zu machen. Und das ist die Herabsetzung des Zolles. Bei einer Er- Mäßigung des Zolles von jetzt 20 Pfennig pro Pfund ans etwa 5 Pfennig würde die Einsuhr erst für die breiten Massen fruchtbar werden, und der Staat doch noch einen gewaltigen Zollgewinn erreichen. Die Forderung der Aufhebung derZölle und des 8 12, der ja noch immer die Einfuhr von Rindfleisch über- Haupt uuinöglich macht, sind die einzigen logischen Konseqnenzen aus den Mitteilungen der beiden wirklichen Sachverständigen. Solange die Regierung sich in Stillschweigen hüllt, glauben auch die bürgerlichen Parteien das Volk Ivarten lassen zu können. Wohl haben einzelne linksliberale Blätter sich unseren Forderungen auf schleunige Einberufung des Reichstags und Aufhebung der Zölle und des§ 12 angeschlossen. Aber von einem geschlossenen Vorgehen aller fortschrittlichen Parteikrcise und einer einheitlichen Kundgebung ihrer Partei- leitung verlautet noch immer nichts. In einzelnen Stadt- Parlamenten haben dagegen Liberale recht reaktionäre und jeder wirklichen Hilfe abgewandte Meinungen geäußert. Von den Nationalliberalen verteidigt ein großer Teil offen den agrarischen Schutz und der Nest schleicht wieder so leisetreterisch über die zurzeit brennende Volksfrage hinweg, daß die Befürchtung fast zur Gewißheit wird, daß er trotz der gestiegenen Not nicht entschiedener auch nur für die not- wendigsten Nbwehrmaßregeln eintreten werde als im Frühjahr. Das Zentrum schlägt sich auch dieSnial ganz auf die Seite seiner Bundesbrüder, der Konservativen. Mit albernen Erzählungen über„einfaches" Leben vor zwei Gene- rationen, mit resignierenden Mitteilungen über den unveränderten wirtschaftspolitischen Standpunkt der Ne- gierung, mit Lügen über die Unmöglichkeit aus- reichender und billiger Fleischzufuhr, mit frechen Ver- drchungen des spontanen Volksprotestes in angeblich sozial- demokratischer Hetze sucht es seinen neuen Volksverrat zu- gunsten der Junker zu verbergen. Uns soll es schon recht sein, wenn es die Arbeiter aus den christlichen Getverkschaften in unsere Reihen treibt. Aber dies neue Schandmal der Verleugnung aller Volksinteressen darf des- halb nicht um einen Deut weniger gebrandmarkt werden. Die Pflicht, die bisher nur die Sozialdemokratie voll und ohne Zögern erfüllte, ist eine Pflicht aller Parteien: die Ne- gierung wenigstens sofort zu einer Stellungnahme zu zwingen. Wenn schon die Regierung allein den Mut nicht findet, offen und rund heraus zu erklären, daß sie nichts unternehmen wollx, dann muß der Regierung der Mund gcwalt- sani geöffnet werden. Es geht wirklich nicht an, daß in einer Frage, die das deutsche Volk in so gewaltigem Maße erregt, die Regierung einfach dauernd stillschweigt und es der Presse überläßt. Betrachtungen darüber anzustellen, was die Regierung machen und was sie nicht machen will. Der Reichskanzler ist, wie die bürgerliche Presse meldet, neu ge- stärkt von seiner Erholungsreise zurückgekehrt, und so ganz fremd können ihm die Zustände doch nicht sein, wie sie heute in Deutschland sich herausgebildet haben. Es muß deshalb dringend verlangt werden, daß die Regierung unverweilt ihre Absichten der Oeffentlichkeit in einwaudsreter Weise kundgibt. Das Volk heischt Antwort. *» * Der städtische Seesischverkairf fährt in de» sozialdemokratische» Zukunftöstaat. Dies Argument wurde in Königsberg i. Pr. in der Stadt- vcrordneteiiversammlling bei Beratung der sozialdemokratischen An- träge zur Fleischleuerung von freisinniger Seite ganz ernsthaft geltend gemacht. Unsere Genossen hatten unter anderem den ganz bescheidenen Antrag gestellt, der Magistrat wird ersucht, den Berkauf von Seefischen zum Selbstkostenpreis seitens der Stadt in die Wege zu leiten. Di» bürgerlichen Stadtverordneten und Oberbürgermeister Körte liefen Sturm gegen diesen Antrag, der in vielen, selbst oft- und westpreutzischcn Städten verwirklicht worden ist und zwar mit bestem Erfolge. ES hictz, mit dem Berkauf von Seefischen würde man vielen Steuerzahlern das Brot wegnehmen, von 43 deutschen Grotzstädten hätte nur ein Drittel den Seefischverkauf eingerichtet und eine Herab Minderung des Fleischkonsums(II) sei nur ganz vereinzelt eingeireten. EineKomnuine könne mit den Großhändlern nur schwer konkurrieren, populär seien solche Versuche, aber gefährlich, und eine Freist, inSgrötze, Kaufmann Orlopp, erklärte ganz offen, ein Berkauf von See- fischen bedeutete einen Schritt in den sozialdemo- kratischen gukunftsstaat und deshalb müsse man den Antrag ablehnen. Und die große Mehrheit der Stadtverordnetenversamm- l»»g ließ sich tatsächlich von derartigen Argumenten leiten und lehnte den Antrag ab. Dabei mutzte der große Not st and offen von allen Seiten anerkannt werden, und einer unserer Genossen wies darauf hin, daß auch an der Freibank des Schlachthofes in Königsberg sich ähnliche Szenen abgespielt hätten wie in Berlin. In Königsberg hätten schon wiederholt morgeiiS um drei Uhr hunderte Personen— selbst Kinder in»och nicht schulpflichtigem Alter— vor dem Schlachthof gestanden und bis etwa IV Uhr vormittags auf den Verkauf von minderwertigem Fleisch geivartet— freilich meist vergeblich, denn an manchen Tagen hätten nur 8V Personen Fleisch bekommen können. Angenommen wurde ein sozialdemokratischer Antrag, der nach einigen Abänderungen durch die Mehrheit folgende Fassung hat: „Der Magistrat wird ersucht, an den Reichskanzler, an den Bundesrat und Reichstag eine Petition um allmähliche Herabsetzung der Lebens- und Sn spendierung der F u tt e r m i t t e l z ö l l e, um Gestattung der Einführung von Ge- frierfleisch sowie um Oessnung der Grenzen für Schlachtvieh und Fleisch unter Aufrcchtcrhaltung lediglich der zur Verhütung der Seucheneinschleppung unerläßlichen Schutzvorschriften zu richten." Man war nur für die„allmähliche Herabsetzung", aber nicht für die SuSpendierung der Lebcnsmitielzölle, wie das von sozialdemo- Iratischcr Seite beantragt worden war. Vorher hatte der Magistrat auf eine sozialdemokratische Anfrage, ob er gewillt sei, den Leuten mit 660—000 M. die Einkommensteuer zu erlasieu, mit einem glatten Rein! geantwortet. Gleich darauf beschloß die Mehrheit der Sladt- verordnelenversammlung, den Zuschuß für die„Stadthalle", einen Amüsierplatz der Reichen, von 13 000 auf 25 000 M. pro Jahr zu erhöhen, obwohl das Unt-rnchmen als bankrott anzusehen ist. Dresdens Maßnahmen gegen die Aleischnot. Die herrschende Fleischteuerung. die die BolkSgcsundheit außer- rdentlich gefährdet, hat den Rat der Stadt Dresden, nachdem er durch den Bolksunwillen noch aufgemuntert worden ist. doch auf die Beine gebracht. Maßnahmen zur Linderung des Roistandes ein- zuleiten. Der städtische Schlachthofdirektor wurde nach Hamburg und Bremen geschickt, um festzustellen, auf welche Weise Fleisch aus dem Auslände eingeführt werden könnte. Bon Hamburg aus hol der Schlachlhosdirektor ermittelt, daß in L o n d o n u n d a n d e r e n e u g l i s ch e n H ä f e n a u st r a l i s ch e s u n d a r g e n t r n r s ch e s Gefrierfleisch in großen Mengen lagere, doch es darf nicht in Deutschland eingeführt werden, weil nach dem Kleischl�schottgesetz nur der JnZport halber Tierkörper zulässig j«i, die überseeischen Riuder aber geviertelt seien. Sämtliche Export- schlächtereien seien nur auf Rinder viertel eingerichtet, weil die Versendung von halben Tierkörpern besonders kostspielige Einrichtungen benötige. Schließlich soll es nach einer ratsoffiziösen Bekanntgabe des Schlachthofdirektors doch gelungen sein, zu erreichen, daß eine Hamburger Exportfirma mit Hilfe ihres Londoner HauseS fich zur Vermittelung einer Probesendung argentinischen Gefrierfleisches, das den reichsgesetzlichen Vorschriften entsprechen soll, bereit erllärt habe. Durch Depeschen soll das Erforderliche bereits eingeleitet worden sein. Außerdem ist eS gelungen, ein günstiges Angebot für Liefe- rung frischen dänischen Rindfleisches zu erlangen. Diese dänischen Rinder sollen bereits Montag in Dresden eintreffen und hier verkauft werden. Wegen der zu erwartenden Lieferung argentinischen Gefrier- f l e i s ch e s will die Stadtverwaltung zunächst mit der Fleischer- innung in Verbindung trete». Sie soll das Gefrierfleisch zum Selbst- kostenpreise geliefert erhalten und es mit nur 10 Proz. Zuschlag verkaufen. Gehen die Fleischer darauf nicht ein, will die Stadt den Verkauf tn eigener Regie ausführen. Schließlich hat der Rat noch beschloffen, eine Petition an die sächsische Rcgierung und die Reichsregierung zu richten um Aenderung und Milderung der die Einführung lebenden Schlachtviehes, sowie gefrorenen und frischen Fleisches außerordentlich erschwerenden strengen Einfuhrvorschriften und insbesondere nachzusuchen a) um Aufhebung der zehntägigen Quarantäne in den Seehäfen für dänische Schlachtrinder, b) um Aufhebung der Bestimmungen in§ 12 hinsichtlich gefrorenen Rindfleisches unld Hammel- f l e i s ch e s, o) um Aufhebung der Vorschrift, daß lebende Schweine aus Oesterreich-Ungaru im Grenzschlachthause zu Bodenbach nach voraufgegangener Mtägiger Ueberwachung am Ursprungsorte abgeschlachtet werden müssen, ä) um Aufhebung der Vorschrift, daß die aus Rußland in die Schlachthäuser der obcrschlesischen Jndustriebezirke eingeführten Schweine in diesen Bezirken selbst ver- braucht werden müssen. Die zur Durchführung der erforderlichen Maßnahmen nötigen Mittel sind bereits vom Rate bewilligt worden. Die Koniunmen und die Teuerung. Die Stadtverwaltung von B o ch u m will wieder wie im Vor- jähre„städtische Fisch- und Fleischmärkte" veranstalten. Hinter dem schönen Namen verbirgt sich aber nichts anderes, als ein ganz ge- wöhnlicher Privathandel von Fischen und abgezogenen Kaninchen. Was die Stadt. dazu tut, ist lediglich ein Verzicht auf das Marktstandgeld und Notierung der von de» Händlern geforderten Preise. VicljciilfliJjr in Baden. Die badische Regierung hat das Verbot-der Einfuhr-und Durch- fuhr von Rindvieh und Ziegen aus der Schweiz mit sofortiger Wirkung außer Kraft gesetzt. Eine große Bedeutung kommt dieser lokal eng begrenzten Maßnahme nicht zu, solange nicht die vete- rinär-polizeilichcn Schikanen aufgehoben werden und die Grenze für Schlachtvieh dauernd geöffnet bleibt. Aleischcinfuhr aus dem Ausland. Das Königreich Preußen hat 55 Unte r suchu ngsstellc n errichtet, in denen das aus dem Ausland eingeführt« Fleisch und Fett unter- sucht wird. Obwohl die Untersuchung der eingeführten Waren dort «ine ganz besonders strenge ist, konnte-doch vergleichsweise nur wenig beanstandet werden. Von 631 828 Kilogramm Rindfleisch wurden 14 265 Kilogramm, von 63 210 Kilogramm Schinken wurden 269 Kilogramm und von 53 Millionen Kilogramm Schweinefett wurden 135 397 Kilogramm beanstandet. Das beweist, daß das ausländische Fleisch keineswegs von so zweifelhafter Be- schaffenhcit ist, als wie dies von agrarischer Seite sortgesetzt be- hauptet wird. Die starke Einfuhr von amerikanischem Schweinefett hängt ganz wesentlich mit den hohen Butterprcisen zusammen. Kundgebungen gegen die Teuerung. Die Hirsch-Dunckerschei» Gewerkvereine in Magdeburg hielten eine Protestversammlung gegen die Teuerung ab. Den An- wesenden wurde der Besuch aller Versammlungen, die sich mit der Teuerung befassen, dringend zur Pflicht gemacht. Es gelte in der «indruckvollsten Weise zu zeigen, daß- alle Kreise-der Bevölkerung ohne Rücksicht auf ihre politische Parteizugehörigkeit Maßregeln gegen die Teuerung verlangen. Der Generalrat dfs Hirsch-Dunckcrschen Fabrik- und Hand- arbeiter-GewerkvereinS' hat eine Petition an den Reichskanzler ge- richtet, in der Mahregeln gegen die Fleisch- und Lebensmittel- teuerung, insbesondere auch Aufhebung der Zölle auf Lebens, und Futtermittel, Oeffnung der Grenzen für Fleisch- und Vieheinfuhr verlangt wird. Auch der Forderung auf Einberufung des Reichs- tagcs schließen sich die Hirsch-Dunckerschen an. Von der Partei einberufene Protestversammlungen fanden weiter statt in Gotha, Bochum, Herne, Gelsenkirchen, Langendeer, Witten, Wittcnscheid, Königstuhl, Hattingen, Wanne, Straßburg, Breslau, Groß-Stettin und in verschiedenen pommerschen Orten. Zu den Schweizer lUanövcrn. Von militärischer Seite wird uns geschrieben: Die Schweiz«» Manöver haben allen Leuten, die sehen wollen und nicht absichtlich vor der Wahrheit die Augen verschließen, einen lehrreichen Einblick in das Können der Schweizer BolkSwehr gewährt- Und vielleicht werden sie doch den törichten, teils aus Berechnung, teil» aus Unwissenheit genährten Vorurteilen, die man im Deutschen Reich vielfach gegen das Milizsystem verbreitet, einigen Abbruch tun. Die Schweizer Miliz hat da» absolviert, was in der deutschen Armee Korpsmanöver genannt wird. ES focht nämlich eine Division gegen eine andere. Somit kamen Verhältniffe größeren Stils in Betracht, bei denen auch die Leistungsfähigkeit des General- stabeS und der höheren Führer beurteilt werden konnte. Diese LeislungSsähigkeit steht in der Schweiz mit ihren Nicht-BerufS- foldoteii zweifellos durchaus auf der Höhe der Situation. Die Manöver waren gut angelegt und es kam niemals zu peinlichen Blamagen, die bei einer schlechten Führung unvermeidbar find. Vom Abdrängen ganzer Truppenteile, von zu spätem Eintreffen usw. war z. B. nichts zu lesen. Auch das gerade in militärischen Kreisen so häufig zu hörende Märchen, daß die Miliz nicht zur Offensive tauge, wurde in der SchSveiz gründlich widerlegt. Bon der blauen Partei, die die 5. Division bildete, wurden die Positionen der roten (&. Division) flott und in taklisch sehr guter Weise angegriffen und die rote Partei führte e n e r g i s ch e Gegenstöße. Es fiel der 6. Division, deren Aufgabe mehr defensiver Natur war, nicht ein, fich auf die reine Verteidigung zu beschränken. Bielmehr ging fie da. wo es ihr Führer für richtig hielt, aus den Deckungen heraus. um selb st dem Angreifer auf den Leib zu rücken. Am letzten Tage führte sie sogar mit einer ganzen Brigade einen Nmgehungsuiarsch gegen die linke Flanke des Angreifers aus und richtete dann gegen diese eine» nach dem Urteile militärischer Fach- männer sehr gut angesetzten und durchgeführten Stoß. Es wurde allgemein anerkannt, daß anch die Angriffe der 5. Dibifion gut angesetzt waren. Da? gute Ansetzen bon Angriffen gehört aber zu den militärischen Operationen, die ohne eine tüchtige Schulung der Führer nicht möglich sind. Aber die Angriffe wurden auch sehr gut durchgeführt. Das ist nur da möglich, wo auch die unteren Offizierschargen, die Unteroffiziere und die Soldaten tüchtig ausgebildet sind. In der Defensive haben die Schweizer Truppen vom Spaten reichlich Gebrauch gemacht und Schützengräben ausgehoben. Sie biwa kierten' sogar vollkommen kricgsgemäß trotz des strömenden Regens in ihnen. Besonders interessant ist die Tatsache, baß die Schweizer Kavallerie ungeachtet ihrer kurzen aktiven Dienstzeit ebenfalls ihrer Aufklörungsaufgabe gewachsen war. Und diese war in dem bergigen und waldigen Terrain, in dem noch dazu häufig Nebel und Regen herrschten, nicht leicht. Hätte die Kavallerie trotz dieser widrigen Umstände nicht gut rekognosziert, so würden bei beiden Parteien große Verwirrungen vorgekommen sein und die Manöver hätten nicht einmal normal, geschweige denn gut verlaufen können. Auch der Laie sieht ein, daß größere Truppenlörper in einem waldigen und bergigen Terrain ohne eine gute Ausklärungsreiterei nicht erfolgreich kämpfen können, denn Jnfanteriepatrouillen kommen hier immer zu spät, weil ihnen der Gegner fast aus dem Fuße folgt. Mit Radfahrern ist in dem Terrain der Schweiz sehr wenig aus- zurichten, und Flieger, lenkbare Ballons waren nicht vorhanden. Nicht einmal ein Feffelbnllon wurde benutzt. Und trotzdem wurde eine durchgreifende Aufklärung geleistet. Wie ist das möglich? Der Schweizer Kavallerist hat eben sein Dienstpfcrd ständig bei sich. Er bleibt also im Reiten immer geübt, mag er auch viel kürzer in der Kaserne sein als der deutsche Kavallerist. Es ist sehr charal- teri,'tisch, daß in der Schweiz auf dem Manöverfelde auch sehr viele Reiter aus der ländlichen Zivilbevölkerung zu sehen waren. Und zwar hielten sie sich nicht vorsichtig auf den Straßen auf, sondern ritten auch sehr munter querfeldein. Was die Schweizer Infanterie anbelangt, so hat sie be- wiesen, daß sie auch tüchtig marschieren kann. Sie hat sogar nach der Beobachtung von deutschen Manöverberichtcrstattern manchmal stundenlang ein ausnehmend schnelles Tempo an« geschlagen. Auch ihre Marschdisziplin war gut. Und daß das Milizsystem die Leute nicht verweichlicht, taten die Schweizer Manöver ebenfalls dar. Schon acht Tage vor Beginn der eigentlichen Manöver waren die Offiziere, die Mannschaften und die Unteroffiziere zu vorbereitenden Uebungen eingezogen worden. Dabei hatten sie von der nassen Witterung, die in der gebirgigen Schweiz auch eine empfindliche Kühle mit sich bringt, und— soweit Unteroffiziere und Mannschaften in Betracht kamen— auch von dem Uebernachten ip kalten, zugigen Scheunen viel zu leiden. • Ten Berichterstattern der militärftommcn bürgerlichen Presse ist es höchsUvahrscheinlich nicht angenehm gewesen, daß fie nolens volöns die Leisiuugsfähigkcit der Schweizer Miliz anerkennen mußten. Es wäre ihnen wohl lieber gewesen, wenn sie von»einem furchtbaren Saustall" hätten erzähle» können. Wir setzen auf den Besuch de? Kaisers in der Schweiz keine besonderen Erwartungen. Die Abschaffung dcS stehenden HcercS muß von der Sozialdemokratie und vom Volke selbst besorgt werden. Aber au» jeden Fall ist das Auftischen des Märchens, daß eine Miliz ein nur schlecht diszipkinierter, von mangelhaft unterrichteten Psfiziuen-geführter Hausen sei. der höchstens zur reinen Verteidigung verwendbar ist, nicht mehr zugkräftig. Soweit die Ausführungen unseres militärischen Mitarbeiters. Wir möchten dem noch hinzufügen, daß wir bei aller Anerkennung »er militärischen LeistungSsäbigkeit der Schweizer Miliz nicht blind sind gegen deren Fehler und Mängel. Handelt eS sich doch um das Wehrsystem eines kapitalistischen KlaffenstaateS. mag eS sich auch im Gewände einer bürgerlichen Demolralie präsentieren. Es kann nicht Aufgabe der Sozialdemokratie sein, eine rein mechanische Nach- ahmung des Schweizer MilizsystcmS zu verlangen; sie hat vielmehr danach zu trachten, daß die Mängel dieses Systems, die besonders auf sozialem Gebiet- liegen, in einer proletarisch-demolratlschen Heeresorganisation vermieden werden. Sie revolutionäre flotte. Der Erlaß des russischen Marin cmmisters über die Der- hängung des Kriegszustandes in Sebastopol bestätigt klipp und klar, daß die kürzlichen Meldungen über eine neue große Meuterei in der russischen Schwarzmeerflotte wenigstens zum Teil richtig gewesen sind. Die russische Regierung hat zivar sofort diese Meldungen, die zuerst von der Londoner„Daily Chronicle" gebracht wurden, dementiert, aber schon die Form dieses Dementis, das jede Nach- richt über eine Meuterei in der Schwarzmeerflotte als auS der Luft gegriffen erklärte, wies darauf hin, daß die russischen Behörden wie gewöhnlich die Angelegenheit ver- tuschen wollten. Nun heißt es in dem Erlaß des Marine- Ministers vom 30. August:„Ueber Sebastopol ist der Kriegs- zustand verhängt. Wie schinerzlich ist das Bewußtsein, daß dies nicht durch Bedrohung des äußeren Feindes veranlaßt ist, sondern gegen den Feind sich richtet, der hier auf der heimischen Erde sein dunkles schändliches Handwerk des unter« irdischen Krieges gegen das Vaterland treibt." Besonders bedrückend sei dieses Bewußtsein angesichts der Jahrhundertseier des vaterländischen Krieges. Er. der Marine- minister, sei persönlich nach Sebastopol gckommikn, um die Marine zur Pflicht zu mahnen und sie auszufordern. gegen die revolutionären„Hetzer" mit aller Schärfe vorzugehen. Auch der Zar sei äußerst bedrückt, daß die Saat der Unruhen in der Flotte aufgegangen sei. Es sei jedoch ein Glück, daß diese innere Krankheit sich nur auf einigen Schiffe ausgebreitet habe. Soweit der offizielle Erlaß, aus dessen Zeilen natürlich »nehr herausgelesen werden muß, als der Marineminisicr zu 'sagen für nötig erachtet. Wie aus verschiedenen Meldungen hervorgeht, ist die Regierung durch die Unruhen in der Ostsee- wie in der Schwarzmeerflotte iiufeerft beunruhigt In Sebastopol fand bereits am 20- August eine Konferenz der Befehlshaber der Flotte und des Gehilfen des Ministers des Innern Solotarjow statt, deren Ergebnisse streng geheim gehalten werden. Bezeichnend ist fern», daß der Marineministcr Grigorowitsch auf der �cicht„ulmas" seine Inspektionsreise im Schlvarzen Meere antrat, wobei das ihn begleitende Torpedoboot ausschließlich mit Lisizleren bemannt >var 1 Weiter wird aus Sebastopol berichtet, daß die unter Vorsitz des Vizeadmirals Eberhardt gebildete Untersuchungskommission fieberhast damit beschäftigt yt, die Schuld der ver» hasteten 300 Matrosen nachzuweisen. Der Prozeß soll schon Ende September stattfinden, wobei die Angeklagten nach dem Kriegsgcsetz abgeurteilt werden sollen. Die konservative Presse ist über die fortivährendcn Un- ruhen in der Flotte äußerst bedrückt. Dieselben Blätter, die noch vor wonigen Monaten die Bewilligung des Flotten» Programms als eine Lebensfrage Rußlands bezeichnet haben. gestehen jetzt kleinlaut, daS Land müffe, bevor die Flotten- Milliarden vergusgabt wurden, die Sicherheit haben, daß die Flotte„ein gehorsames Werkzeug in den Händen der Re- gierung sein würde". Damit ist es nun allerdings sehr schlecht bestellt. Das barbarische Regime in der Flotte, über das Genosse Kusnetzow schon im April vorigen Jahres von der Dumatribüne Klage erhob, hat die Erbitterung der Matrosen bis aufs äußerste getrieben. 20(XX) Matrosen der Kronstädter Marine hatten damals der sozialdemokratischen Dumafraktion ein von zwölf Bevollmächttgten unterzeichnetes Dokument unterbreitet, in welchem sie die Oeffentlichkeit von den fürchterlichen Zuständen in der russischen Marine und der Sttmmung der Matrosen in Kenntnis setzten. Die Majorität der Duma blieb aber gegen alle diese Anklagen taub, und der Militär- und Marineprokurator erklärte herausfordernd, das Marineministerium fürchte keinerlei Agitatoren in der Flotte. Die Wirklichkeit machte der selbstbewußten Ruhe der Regierung bald ein Ende. Die Matrosen sahen, daß der Appell an die Einsicht der Herrschenden nur die Wirkung hatte, daß das Regime noch härter, die Behandlung seitens der Offiziere noch frecher und herausfordernder wurde. Es kam deshalb immer häufiger zu spontanen Protest- ausbrächen, zu heftigen Konflikten mit den Befehlshabern, zu Massendescrttonen der gepeinigten Matrosen. Das Polizei- departement suchte nun seinerseits sein Süppchen an der Gärung in der Flotte zu kochen. Zahlreiche Lockspitzel wurden auf die Flotte losgelassen, und das Ergebnis war eine Reihe von Massenverhaftungcn und Prozessen, die zahlreiche Matrosen ins Zuchthaus brachten. Aber weit entfernt, die Ursachen der Gärung zu beseitigen, führten alle diese Maßnahmen der Regierung nur dahin, daß die Gärung an Breite und Tiefe zunahm und schließlich den größten Teil der Flotte in ein Pulverfaß verwandelte, das jeden Augenblick in die Luft zu fliegen drohte. Sehr richtig erkannte ein Teil der konservativen Presse schon im Sommer, daß die Gärung in den technisch hochstehenden Trnppenkörpern, wie vor allem in der Marine mit der Zunahme des Klassenbewußtseins der russischen Arbeiterschaft in engster Verbindung steht. Die modernen Schlachtschiffe erfordern eben ein ganz anderes Mcnschenmaterial als die für den inneren Polizeidienst aus den rückständigsten Elementen komplettierten Trnppenkörpcr. Der Proletarier, der aus der Fabrik, aus der Werkstatt heraus- gerissen in die Marine kommt, trägt in diese schwimmenden Schlachtfabriken, die das barbarische Kasernenleben mit der Ab- geschlossenheit cinesKerkers und dem moralischen Schmutz der russi- schcn Flottenkloake vereinigen, den Protest einer eniporsteigenden Gesellschaftsklasse, den tief eingewurzelten Haß gegen das bestehende Regime der Knute und des Galgens hinein. Er ist an ein geschlossenes Zusammengehen, an eine Orga- nisation gewöhnt, und dieses tief wurzelnde Bedürfnis des klassenbewußten Arbeiters kann selbst durch den militärischen Drill nicht vernichtet werden. Es kann hierbei als feststehend angesehen werden, daß gerade die sozialistischen Elemente unter den Matrosen einen festen Damm gegen die lohende Unzufriedenheit der Nichtorganisierten Menge bilden, die sich durch spontane Zorncsausbrüche, wie durch das infame Treiben der Lockspitzel zu aussichtslosen Meutereien hinreißen läßt. Vor diesen ruhig und planniäßig vorgehenden Elementen in der Marine hat die Regierung die größte Furcht, und gegen sie richtet sie vor allem die hefttgsten Angriffe. Die Regierung weiß, daß sie die vereinzelten„Aufstände" kleiner Gruppen heute leicht unterdrücken kann, daß sie aber machtlos ist gegenüber dem schwelenden Feuer der revolutto- nären Unzuftiedenheit, die, von der Arbeiterklasse auf das Heer und die Marine übergreifend, die wichtigsten Stützen ihrer Macht untergräbt und unerbittlich den Zeitpunkt heran- rücken läßt, wo die innerlich ausgehöhlten gewaffneten Kräfte des Landes entweder in einem Kriege oder unter dem An- stürm der revolutionären Unzufriedenheit im Innern in Trümmern zusammenbrechen.* politircbc dcberHcbt. Berlin, den 12. September 1912. Evangelische Seelenhirte». In Stuttgart ist am Mittwoch der Deutsche Pfarrertag er- öffnet worden, hinter dem,- wie es heißt, 12000 evangelische Pfarrer aller Richtungen stehen. Gleich die erste Sitzung war recht interessant; denn verhandelt wurde über den Fall Sambeth und die Duellfrage sowie über die Nütz- lichkeit des Auf st eigens junger Theologen in das Offizierskorps. In bezug auf die Duellfrage meinte ein evangelisches Kirchenlicht namens O b e r d i e ck: Der Fall Sambeth war. als er vom Zenttum im Reichstag vorgebracht wurde, schon zwei Jahre alt und das Zentrum hatte sich ihn aufgehoben, um bei passender Gelegenheit darauf zurück- zukommen und dem Kriegsminister einen Stein in den Weg zu rollen. DgS Zentrum hat den Fall vorgebracht in einer Zeit, wo es für Sambeth selbst am allerpcinlichsten war, denn sein einstiger Gegner lag im Sterben und ist auch bald darauf gestorben. Ich habe mit Offizieren des Heeres und der Landwehr über den ganzen Fall und über die Art uttd Weise gesprochen, in der Sambeth damals behandelt wurde. Ich kann erklären, daß es doch nicht so gewesen ist, wie eS vom Zentrum dargestellt wurde, nämlich daß Sambeth aus dem Offizierskorps herausgedrängt wurde, nur weil er nicht Satisfaktion gegeben hätte. Die Offiziere vom Gergentheimer Bataillon, bei dem Sambeth stand, haben mir gesagt, der Grund für die Entfernung Sanibelhs sei gewesen, daß Sambeth das Erscheinen vor dem Offiziers- ehreurat in der Duellangelegenheit prinzipiell abgelehnt hatte. Wir müssen uns nun auch vom Standpunkt der Armee in diese Lage hineinversetzen, viele unserer Ainlsbrüder waren gewiß Mitglieder studentischer Korporationen. Wenn es da eine Forderung gab. so hatte sich der Betroffene immer ckach den Satzungen seiner Korporation zu richten. Sambeth hat das nicht getan� er ist vor dem Ehrcnrat nicht erschienen, sondern hat sich auf allgemeine Gründe bezogen und von sich aus jedes weilere Eingehen auf die Entscheidung de« Ehrenrats per- weigert. Der Ehrenrat hätte ihn. wie ich großen Grund habe. anzunehmen gar nicht zu einem Duell aufgefordert. Die kaiser- l'che Kabinettsorder hat den Duclluufug bei Offizieren auf die zwei äußersten Fäll- beschränkt, nämlich bei personlichem Angriff und bei der Antastung der Famijieuehre. Beides ist in dein Fall Sambeth nicht in Frage gekommen und also wäre nicht anzu- nehmen gewesen, daß er vom Ehrenrat zim, Duell genötigt worden wäre. Der eigentliche Grund der Ausschließung Sambeths -ist also nicht die Ablehnung des Duells als solche, sondern nur, daß er sich auf allgemeine Gründe gegen das Duell bezog und die Angelegenheit dem Urteile deS Ehrenrats entzog." Der Pfarrertag schloß sich dem Gcivicht dieser famosen Gründe des würdigen Seelenhirten an und erklärte die An- aelcgenheit für erledigt. Roch kuriose: ivie diese» Geschwätz verlief die Debatte über die Geeignetheit der evangelischen Theologen für das Offizierskorps. Aus der Mitte der Versammlung wurde, auf das Bedürfnis einer Erörterung der Tatsache ver- 1 wiesen, daß die jungen Theologen, die gern Offiziere werden niöchten, meist an der Duellfrage scheiterten. Es kämen junge schnoddrige Offiziere und sagten den jungen Theologen:„Sie sind wohl Theologe, also sind Sie nicht sattsfaktionsfähigl" Mehrere Redner aus der Ver- sammlung führten aus:„Wir müssen erreichen, daß auch diese jungen Theologen von den Offizieren als voll satisfaktions- fähig anerkannt werden. Es muß als Beleidigung gelten, wenn einem jungen Theologen von einem Offizier gesagt wird, weil er Theologe sei, deshalb sei er nicht satisfaktionsfähig. Gerade wir evangelischen Pfarrer haben unter diesem Zustand zu leiden, denn die katholischen Pfarrer dienen gar nicht und können daher in solche Konflikte nicht hineinkommen. Sie haben es leicht, Beschlüsse zu fassen, denn sie stehen außerhalb. Jeden- falls ist das Duell ein schwerer Schaden innerhalb der Armee. Das sollten wir uns nicht verhehlen, dieser Schaden trifft gerade unfern Stand am meiste n." Und diese Herren bezeichnen sich selbst als Nachfolger Christi und predigen den Armen Entsagung und stille Er- gebenheit in Gottes Fügung I Erst die Interessen der Grostbanern, dann die der Arbeiter. Gezwungen durch den Unwillen, der sich auch in katholischen Arbeiterkreisen gegen die durch Wuchcrzölle und Einfuhrverbote maßlos gesteigerte Fleischteuerung erhebt, hatte jüngst die»Westd. Arbeiterztg.', das Blatt deS Verbandes katholischer Arbeiter- und Knappenvereine Westdeutschlands, sich für die zeitweilige Auf- Hebung der Futtermittelzölle und Einfuhr argentinischen Geftier- fleisches ausgesprochen. In geziemender Bescheidenheit verlangte das klerikale Blatt nicht etwa, die Zollgesetzgebung solle völlig geändert werden. So hoch ging seine Bitte um Berücksichtigung der Arbeiter- intereffen nicht. Ausdrücklich erklärte eS, daß eS nur für die Zeit des Notstandes seine Forderungen stelle. Weder solle ein handelspolitisches Präjudiz geschaffen, noch der Gesuiidh»itsschutz gefährdet werden. Doch selbst diese bescheidenen Forderungen gehen den Zentrums- agrariern, bereits viel zu weit. Der„Westd. Arbeiterztg." wird deS- halb durch die ultramontane„Rhein. B o l k S st i m me", das Blatt der rheinischen Großbauern, folgende Abfertigung zuteil: „Die Zölle muffen suspendiert, die Grenzen geöffnet und dem aus- ländischen Gefrierfleisch der heimische Fleischmarkt ausgeliefert werden, damit der Arbeiter weiß, weffen er sich im Frühjahr zu versehen hat. Das ist der„Westdeutschen Arbeiterzeitung" langen Rede kurzer Sinn. Mit leiner Silbe gedenkt das christliche Ar- beilerblatt dabei des heimischen Bauernstandes, der bei der schon seit Wochen andauernden schlechte» Witterung, die ihm seine schönsten Erntehoffnungen zerstört, sicher auch»och nicht weiß, wessen er sich im nächsten Frühjahr zu verschen hat. Ob die „Westd. Arbeiterzeitung" sich bewußt war, weffen Beifall sie heraus- forderte, als sie die vorstehenden temperamentvollen Sätze nieder- schrieb. Wir nehmen'S nicht an, sonst niiißten wir glauben, sie hätte sich den Beifall der roten Arbeitermassen erringen wollen, deren Presse ihr heute jubelnd zustimmt. Der laiidwirtschafttreibenden Bevölkerung und dein Frieden unter den christlichen Berussständen hat das M-Gladbacher Blatt jedenfalls einen Bärendienst mit seinem Artikel geleistet. Und wir sind davon überzeugt, auch ein sehr großer Teil der Mitglieder des Verbandes, in dessen Auftrage die„Westd. Arbeiterztg�" erscheint, wird dem Blatte keinen Dank wiffen für die Auslassungen, die dem Interesse der landwirtschaft- treibenden Verbandsmilglieder— und deren dürften es nicht wenige sein— diametral entgegenstehen. Wir haben sicher nichts dagegen, wenn der Arbeiter sich billige Nahrung zu verschaffen sucht, aber ebenso skhr wie dasjenige des Arbciterstandes kommt hier das Interesse des Bauerullaiides in Frage; dem man seine Existenz vernichtet, wenn ma» die Schutzzollschranken, die man not- gedrungen aufrichten mußte,— sollte die heimische Landwirtschaft nicht völlig vernichtet werden,— wieder niederzureißen sucht. Uebrigcns setzen wir in die Einsicht der Staalsregierung mehr Vertrauen als in diejenige der.Westddcutschen Arbeiterzeltung", die in ihrem.Teuerungsartikel" den einseitigen Klassenstandpunkt doch etwas allzusehr hervorgelehrt hat!" Wir finden solche schönen Belehrungen, wie sie die„Rheinische Volkszeitung" der Redaktion der„Westdeutschen Arbeiterzeitung" er- teilt, für sehr ersprießlich. Ist auch die Arbeiterschaft, die den Zentrumsführern folgt, etwas schwer von Begriff, so wird doch auch ihr endlich einleuchten, daß die Profitinteressen des katholischen Fcudaladels und der Großbauern den Arbeiteriuteressen unbedingt vorgehen und die Arbeiter einfach auf Fleischgeuuß zu verzichten haben, wenn der Nutzen der Agrarier das verlangt. Die Anständigen k Das edle Scharfmacherorgan in Bertin, die„Post", leistet sich wieder einmal eine gemeine Denunziation. Sie schreibt in der Nummer vom 12. September: „In der Arbeitgeberschast hat eS ein gewisses Aufsehen erregt. daß der Privatdozent an der Universität Berlin, Dr. Adolf Günther, früher beim Technikerverband, ins Kaiserliche Statistische Amt berufen worden ist. Dr. Günther ist bekannt geworden durch eine Reihe von Schriften und Aussätzen, in denen er m Unterstützung der sozialdemokratischen Agitation die Wohlfahrtseinrichiungen in der Industrie herabzusetzen sucht. Seine Schriften beweisen, daß es ihm in bezug auf da« Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitern au Objektivität und Sachlichkeit fehlt. Die« hätte aber auch den zuständigen Regierungsstellen, welche für die Be- rufung von Dr. Günther verantwortlich sind, bekannt sein dürfen. Oder ist etwa die Berufung in der Absicht geschehen, die deutsche Arbeitgeberschaft zu brüskieren?" Wie sagt Zola?„Welche Lumpen sind doch diese sogenannte» anständigen Leute I' Unruhen in Deutsch Neuguinca. Offiziös wird gemeldet: Nach einer Meldung des Bezirksamtes Friedrich-WilhelmS-Hafen(Neugutnea) sind im dortigen Bezirke Unruhen ausgebrochen. ES gelang der Polizeitruppe, die Rädelsführer gefangen zu nehmen und die Ruhe ohne Blutvergießen wieder herzustellen. Die Meldung deS Bezirksamtes ist am 8. September in Jap (Weft-Karoline») telegraphisch aufgegeben, ist also anscheinend mit dem am 4. September in Friedrich-Wilhelms-Hafen abgegangenen Dampfer abgesandt worden._ Polizeilich festgestellter Agrarierschwindel. Auf dem Wochenmarkt in Sagan soll eS gelegentlich deS Buttcr- kriegeS nach den Darstellungen der Agrarier zu handgreiflichen AuS- einandersetzungen zwischen Händlern und Konsumenten gekommen sein. Der Vorsitzende des landwirtschaftlichen KreiSverein» Sagau, Rittergutsbesitzer Weslmann, erließ darauf im dortigen Wochenblatt eine Aufforderung an alle diejenigen Händler, die von den Kon- fun, enten tätlich angegriffen oder belästigt worden seien; sie möchten sich zwecks gerichtlicher Verfolgung der renitenten Konsumenten bei einem näher bezeichneten NechtSanwalt als Zeugen melden. In einem weiteren Inserat wurde der Polizei indirekt zum Vorwurf gemacht, daß sie die agrarischen Interessen durch Abwesenheit während der kritischen Tage nicht genügend ge'- wahrt habe. Diesem dreisten Agrarierschwindel tritt mm. die Saganer Polizeiverwaltung in einer amtliche» Bekanntmachung mit aller nur wünschenswerten Deutlichkeit entgegen. Es heißt in derselben: „Die Belanntmachung der.Landwirtschaftlichen Kreis- kommission des Kreises Sagan I. A. Westmann" in Nr. 207 der „Niederschlesischen Allgemeinen Zeitung" vom 4. d. M. ist geeignet, im Publikum den Eindruck zu erwecken, als ob es hier auf den letzten Wocheumärktcn bei Gelegenheit des Butterlrieges zu viel- fachen schweren Verstößen gegen Personen und Eigentum gekommen sei, und daß hierbei die Polizei ihre Pflicht nicht getan habe, bezw. Polizeibeamte überhaupt nicht zu erlangen gewesen seien. Demgegenüber muß festgestellt werden, daß bisher bis auf einen Fall, in dem auf dem Gemüsehandelmarkt gegen einen als notorischen Trunkenbold bekannten Arbeiter wegen eines un- zulässigen Vergehens eingeschritten werden mußte, noch in keinem Falle ein polizeiliches Einschreiten ge« boten war und in keinem Falle von den Ver- käufern polizeiliche Hilfe nachgesucht worden ist. trotzdem stets Polizeibeamte in mehr als ausreichender Zahl auf dem Wochenmarkt vorhanden waren. Es mutz anerkannt werden, daß das kaufende Publikum den Kampf um Verbilligung der Lebensmittel bisher im allgemeinen unter Wahrung der durch Gesetz und Sitten gegebenen Grenzen geführt hat, und es wird die Erwartung ausgesprochen, daß dies auch in Zukunft geschehen wird. Ebenso muß von den Verkäufern er- wartet werden, daß sie sich in Zukunft der von ihnen mehrfach gebrauchten groben Beleidigungen, die Seeignet sind, das Publikum schwer zu reizen und dadurch Aus- hreitungen herbeizuführen, enthalten möchten." Deutlicher, als es die Polizeiverwaltung in Sagan tut, kann den Agrariern gar nicht gesagt werden, daß sie wieder einmal un« verschämt geschwindelt haben._ Die Sreignisfe in der Ciirhei. Die Nachrichten aus der Türkei lauten widersprechend. Aus Saloniki wird gemeldet, daß die Türkei fünfzehn Land- wehrbrigaden mobilisiert habe, weil die Haltung Bulgariens immer bedrohlicher würde. An der bulgarischen Grenze wird ja von den Wachen schon munter aufeinander losgeschossen. Offiziell erhält dagegen die Pforte fortgesetzt sehr günstige Versicherungen über die Haltung der Großmächte gegenüber den Balkanstaaten. Bulgarien, Serbien und Griechenland haben friedliche und freundschaftliche Versicherungen abge- geben. Die Sache steht eben so, daß zwar die Balkanstaaten und insbesondere Bulgarien sehr gerne losschlagen möchten, um das Erbe des kranken Mannes zu liquidieren, daß aber momentan die Großmächte, wenn auch aus verschiedenen Motiven, sie daran zu hindern suchen. Vor allem ist Rußland militärisch absolut nicht vorbereitet, das ungeheuere Risiko einer blutigen Entscheidung des Balkanproblems zu wagen. Ohne russische Unterstützung wollen und können aber die Balkanregierungen nicht losgehen. Freilich scheint die Auf- regung der Bevölkerung so groß zu sein, daß die Gefahr nicht ausgeschlossen ist, die Regierungen könnten auch gegen ihren Willen mitgerissen werden. In diesem Zusammenhang kann auch die Lösung der serbischen Ministerkrise nicht gerade Beruhigung einflößen. Denn Herr P a s i t s ch, der wieder einmal Ministerpräsident geworden ist, ist ein Politiker, der Aden- teuern nicht gerade abgeneigt ist. Unterdessen entfalten die bulgarischen Banden eine immer regere Tätigkeit. Ihre letzte Scheußlichkeit, das Bombenattentat auf dem Mehlmarkte in D o i r a n hat unter den Türken größte Erbitterung hervorgerufen. Die Explosion erfolgte um 11 Uhr vormittags. Die Bombe war in einem Sack Mehl verborgen auf den Markt gebracht worden. Durch die Explosion wurden 13 Marktleute, darunter 11 Mohammedaner getötet, 23 tödlich und 16 leichter verletzt, abgesehen von den' zahlreichen leicht Verletzten, die sofort geflohen waren. Dem rechtzeitigen Eingreifen der Behörden gelang es, die Ordnung aufrechtzuerhalten und Aus- schreitungen zu verhindern. Vier bulgarische Bauern sind als des Attentats verdächtig verhaftet worden. Reformen. Konstinttinopel, 12. September. Wie eS heißt, hat jder M i n i st e r r a t die Ausarbeitung deS Reformentwurfs für Rumelien beendet. Der aus die öffentlichen Arbeiten und die Justiz bezügliche Teil der Reformen wird auch in A n a t o l i e n durchgeführt werden. Die dritte Verlustliste des Krieges. AuS Rom wird uns geschrieben: Das italienische Militär- Wochenblatt veröffentlicht die dritte Liste der im Kriege gefallenen Offiziere und Soldaten und der an den Folgen der Verwundungen Gestorbenen. Diese dritte Liste umfaßt 18 Offiziere und 284 Soldaten. Die zweite vom 11. Mai brachte die Namen von 20 Offizieren und 151 Soldaten, die erste vom 2. März wird bei der allgemeinen Zusammenstellung mit 83 gefallenen Offizieren und 3S3 gefallenen Soldaten in Rechnung gesetzt. ES ergibt sich eine Gesamtzahl von öS Offizieren und 783 Soldaten. Bedenkt man, daß diese Zahlen den Zeitraum beinah eine» JahreS umfassen, so können sie nicht als erschreckend hoch gelten. Leider sind eS aber auf die Nerven und auf die Stimmung des Publikums zurechtgestutzte Zahlen. Das geht schon daraus hervor, daß die erste Verlustliste in Wirklichkeit mehr Namen enthielt als bei der wicdergegcbeuen Schlußzusammenstellung zutage tritt: die Toten waren 37 Offiziere und 4Sg Mann, also 104 mehr, als man jetzt in Rechnung setzt. Nicht genug damit, hat man sich bis jetzt noch nicht entschlossen, die 323 Toten von Scharaschatt als Tote zu melden. In der ersten Liste wurden sie als verschollen be- zeichnet, und das bleiben sie, obwohl man ihre verstümmelten Leichen längst gefunden und bestattet hat. Fügt man diese Toten hinzu und korrigiert den angeführten Irrtum, so ergibt sich eine Gesamtzahl von 1210 Toten, doch kann auch diese noch nicht als ein zu» verlässiger Ausdruck der tatsächlichen Verluste gelten. Einmal ist die Verlustliste, der ausdrücklichen Erklärung des Ministeriums zufolge, noch nicht vollständig: sie enthält nicht alle Namen der bis zum 1. September in Gefechten Gefallenen. Außerdem fehlt aber jede Veröffentlichung über die auf dem Kriegs» ichauplatz oder nach ihrer Heimkehr an Cholera, Typhus, Blattern. Maleria usw. Verstorbenen. Wo sich eine Kontrolle ausüben ließ, konnte man überall feststellen, daß den Seuchen viel mehr zum Opfer gefallen sind, als den feindlichen Kugeln. Man wird also noch hinter der traurigen Wirklichkeit zurückbleiben, wenn man die G e« samtzahl der Toten auf 2500 ansetzt. Natürlich sagen uns die öffentlichen Mitteilungen nichts über die Zahl der durch den Krieg dauernd Verstümmelten und invalide Gewordenen. Das Defizit an Lebenskraft und Gesundheit wird man in der Folge nur allzu deutlich fühlen. Kn Bland. Die Wahlen. Petersburg, 12.- September. Durch Allerhöchsten Ukas ist die R e i ch s d u m a aufgelöst worden. Die Neu- Wahlen beginnen am 23. September. Die Eröffnung der neuen Dlima findet am 23. November statt. GewcrkfcbaftUcbea. ■pOnfundzwanzig Jahre Organisation der Drechsler Berlins I Fünfundzwanzig Jahre sind eine lange Zeit im Menschen leben, jedoch im Volksleben bedeuten sie wenig. Aber fünf undzwanzig Jahre Organisationstätigkeit hinterlassen doch ihre Spuren. Eine ganze Reihe Gewerkschaften hat bereits in den letzten Jahren auf fünfundzwanzig Jahre Tätigkeit zurückblicken können. Auch die Drechsler Berlins können in diesen Tagen sich der Gründung ihrer Organisation„der Vereinigung der Drechsler Dentschlands" erinnern. Die Vereinigung war nicht erst der Anfang der Organi sation. Schon in den Jahren 1877 und 1878 sind Versuche der Organisationsgründung zu verzeichnen. Damals entfaltete der Drechsler Hinze eine rege agitatorische Tätigkeit unter seinen Berufskollegen. Und im Jahre 1881 war es der Drechsler L i e b i g, der sich von der Reaktion gebrauchen lieh, eine Organisation unter den Drechflern ins Leben zu rufen, welche den Zweck haben sollte, die Arbeiter des Geiverbes für die Regierungspolitik ein zufangen. Damals erfolgte die Gründung des Vereins zur Wahrung der Interessen der Drechsler. Bald nach seiner Gründung jedoch wurde L i e b i g ausgeschaltet, und der Verein versuchte es, die Interessen der Kollegcnschaft wirklich wahrzunehmen. In den folgenden sechs Jahren war es eine Reihe anderer Bernfsangchöriger, die ihre Tätigkeit der Organisation widmete. Unter anderen waren es Buch- mann, Dost, Fischer, Emil K ö P p e n, Karl Hart- mann, Hoch, Hildebrandt, Kühn, Müller, Pindrix, Prause, die Brüder Tabbert, Thom, Schmädicke, Sündermann, Stein, Werder- mann, Z e i s e und später bei der Gründung der Vcr- einigung der Drechsler Deutschlands C a n t i u s, Jakob Ehlert, Freithaler, Leipart, Plagens und Rautenbcrg. In diese Zeit fallen eine Reihe Werkstattkämpfe. Hervor- znheben ist der Versuch der Perlniuttwarenfabrikanten, die Organisation zli zertrümmern, indem Forderungen der Arbeiter in einzelnen Betrieben mit einer Aussperrung im ganzen Ge- werbe beant>vortet wurden, die an 300 Betroffene umfaszte. Am 23. Juli 1887 fand dann eine Versammlung der Drechsler statt, welche sich mit der Frage der Zentralisation beschäftigte. Die Versammlung bcschloh, zu dem am 28. und 29. August in Naumburg tagenden Kongreß zwei Delegierte u entsenden. In Vorschlag kamen Sündermann und i n d r i x sowie Prause als Ersatzmann. Am 19. September wurde Bericht erstattet, und die erste Zahlstelle der Vereinigimg der Drechsler Deutschlands ge- gründet. In die Leitung wurden gewählt: K. H a r t m a n n, R. S ü n d e r m a n n, Z e i s e, Kurth und Schütze. Jedoch mit des Geschickes Mächten ist kein ewiger Bund pi flechten. Auch die liebe Berliner Polizei mischte sich ein. Die auch damals geübte Politik der Nadelstiche zeitigte folgende Verfügung des Polizeipräsidiums.- „Dem Vorstand wird auf den Antrag vom 2t. d. M. unter Bestätigung der Einreiäiung der Statuten der Vereinigung der Drechsler Teutschlands hiermit eröffnet, das; die mit der Vereini- gung verbundenen Kasseneinrichtungen zur Unterstützung arbeitS- loser und reitender Mitglieder sich als VersichcrungSaiistallen charakterisieren, welche in Preußen nach§ l des Gesetzes vom S 340 b Pr. 17. Mai 1853 in Verbindung mit- jjj— Str.-G.-B. der staatlichen Genehmigung bedürfen. Der Vorstand wird daber unter Bezugnahme auf diese gesetzlichen Bestimmungen hiermit von aufsichlswegen aufgefordert, binnen 6 Wochen voin Einpiang dieser Verfügung zur Vermeidung der strafrechtlichen Verfolgung der Beletligten den Nachweis zu führen, daß die staatliche Zu- lassung der Kassen erfolgt, oder wenigstens zuständigen Orts be- antragt ist. Der Polizeipräsident v. RichlHosen." Dieser Hieb wurde pariert, indem eine Versammlung der Zahlstelle am 18. Oktober folgenden Beschluß faßte: „Der Vorstand im Einverständnis mir dem Ausschuß möge beschließen: aj die sofort durch Beschluß zu veranlassend« tatsäch- lichc Streiivnng der Bestimmungen der KZ 3, 9 und 19 des Statuts betr. die Pflichten der Vereinigung gegenüber deren Mitglieder bei eintretender Arbeitslosigkeit und Wanderschaft(Reiseunter- stützung). b) Im Anschluß hieran eine Abänderung des Statuts der 1 Daneben stanben Neberstunden und SonntagSarveit in üppigster Blüte. Heute gilt allgemein die 3�/zstündige Arbeitszeit. Neberstunden sind verpönt; eine Regelung der Lohnverhältniffe wurde angestrebt und erreicht. Früher feilschte man um den Lohn bei jedem Akkord, heute besteht eine tarifliche Regelung. Kaum 100 Kollegen fanden sich zur Gründung zusammen, heute mustert die Zahlstelle Berlin in den einzelnen Branchen der Drechfler, Stockarbeiter, Schirmmacher und Näherinnen, Kammacher, Perlmutt-, Horn- und Steinnußarbeiter die stattliche Zahl von 2295 Mitgliedern. Aus der Vereinigung der Drechfler Deutschlands gingen eine Reihe in der Gewerk- schaftsbewegung an hervorragender Stelle stehende Kollegen hervor. Zu nennen sind hier Legten, der Vorsitzende der Generalkommission; Leipart, der Vorsitzende des Holz- arbeitervcrbandes; U m b r e i t, Redakteur des Korrespondenz- blattes der Generalkommission; M o h s, der Vorsitzende des Gemeindearbeiterverbandes; B r u n n e r, lange Zeit in der Generalkommission als Sekretär, jetzt im Transportarbeiter- verband tätig, und andere mehr. Um nun der Zeiten gemeinsam zu gedenken, haben die Leitungen obiger Branchen zum Montag, den 16. d. Mts., abends 8 Uhr, eine gemeinsame Versammlung in Bökers Fest- sälen, Weberstr.17, einberufen, m denen der Verbandsvorsitzende Leipart einen Rückblick auf die Bewegung werfen wird. Aufgabe der Kollegen aller Branchen muß es sein, voll- zählig in dieser Versammlung zu erscheinen. Berlin unci klmzegend. Achtung, Kleier! Die Sperre über die Firma Borsdorf, Hufe- landstr. 47, ist aufgehoben. Die Differenzen sind beigelegt. Die Schlichtungskommission. Achtung, Glasbläser und Hilfsarbeiter! Bei der Firma Kosmos (Kosmosflaschen-Fabrik) Berlin W„ Kurfürstenstr. 146—147, haben sämtliche Glasbläser und Hilfsarbeiter die Arbeit niedergelegt. Ur- sacde hierzu war ein ganz enormer Lohnabzug. Trotz mehrmaligen VerHandelns mit der Firma ist es nicht zur Einigung gekommen. Der Zuzug ist daher aufs allcrstrengste zu meiden. Zentralverband' der Glasarbeiter. Zahlstelle Berlin. friede in der Alfenidebranche. Die letzten Verhandlungen mit den Unternehmern haben nun- mehr das Resultat gezeitigt, daß in Zukunft in dieser Branche feste Einstellungslöhne gezahlt werden, in der Höhe, wie sie an dieser Stelle schon veröffentlicht wurden. Der Streik bei der Firma Jürst in Adlershof wird davon nicht berührt, vielmehr findet am Sonnabend da- selbst eine Versammlung statt, in der endgültige Beschlüsse gefaßt werden.__ Der Gastwirt Emil Pabst(Eisbeinwirt). Brunnenstr. 179, weigert sich, mit dem Verband der Gastwirtsgehilfen wegen Abschluß eines Tarifes zu verhandeln. Der Betrieb ist für organisierte Gehilfen gesperrt. Verband der Gastwirtsgehilfen. Ortsverw. Berlin I. Zur Maßregelung der organisierten Kellner im Cafs Abbazia nahm am 12. September, morgens 6 Uhr, in den Germnniasälen eine von mehr als 1990 Personen besuchte öffentliche Ver- > a m m l u n g der Caföangestellten Stellung. Der Referent Hege- Wold erbrachte in ausgiebiger Weise den Beweis, daß die im Caföhausgcwerbe entstandene Unruhe nur durch die Wühlereien der von den Unternehmern lüustlich erhaltenen gelben Ge- Hilfengruppe verursacht worden ist. Besondere Entrüstung erregte die Bekanntmachung der Tatsache, daß das gelbe Gehilienblättchen einen Unternehmer, welcher mit der Organi- ation einen Vertrag abgeschlossen hatte, wegen seiner öfter- reichischen Nationalität als angeblichen Anhänger der Sozialdemo- kratie denunziert hat. Zu den irreführenden Berichten der bürger- lichen Presse und besonders des„Lokalanzeigers" stellte der Referent fest, daß ungefähr zehn Kollegen in daS Lokal hineingingen, in der Absicht, Zettel aufklärenden Inhalts über die Maßregelung der organifierlen Kellner zu ver« teilen. Dieselben waren' aber nicht in der Lage, ihr Vorhaben auszuführcn, weil sie gl ch bei Beginn ihrer Tätigkeit von den im Lokal tätigen„Kellnern" und ungefähr 29 sich gleichfalls dort be- findlichcn Gelben mit Gummiknüppeln und Stöcken geschlagen wurden. Ein unbeteiligter Gast, welcher gegen ein derartiges Auftreten Ein- fpruch erhob, erhielt derartige Schläge mit einem Gummiknüppel, daß er besinnungslos vor dem Lokal liegen blieb. Dieser Voi fall hatte zur Folge, daß sich deS vor dem Lokal angesammelten Publikums eine große Aufregung bemächtigte und es des besonnenen Auftretens einiger Verbandsmitglieder bedurfte, um weiteres Unglück zu ver- hüten. Diesen Moment benutzten einige lichtscheue Elemente und warfen drei Fensterscheiben ein. Die zahlreich vorhandene Polizei Dr. Briest machte seine Bemerbm ihm die Frage nach seiner Kaffenan antworten vermochte. Deutsches l Der Streik der Kartonnagenar Kartonnagenindustrie konnte am Mon werden. Es wurde ein Vertrag auf wurde eine Verkürzung der Arbeitszei auf 57 Stunden und ab 1. Januar Mindestlöhne für Zuschneider, Musteri tragen nach einjähriger Tätigkeit in d jähriger Tätigkeit 23 M. und nach Wochenlohn. Für Stundenarbeiter w 1 Pf. ab 1. Januar. 1913 und 2 Pf. Ferner wurden für Ueberstundcn& Zuschneider, Mustermacher, Preßvergo 12 Pf. für Hilfsarbeiter bewilligt. T Beschäftigten sind Akkordarbeiter. listen ausgearbeitet, die, soweit Akkordarbeitern beffere Löhne gew für Herstellung und Kalkulation wurde Entschädigung nach Z 616! anerkannt und die Lohnzahlung aui eine Werkstube waren diese Arbeiten' der Arbeitsaufnahme hätte Montag n deutsche Industrie-Schutzverband(S Unterhändler gab aber nicht zu, dc trieben die Arbeit aufgenommen w Betrieben eine Verständigung erziel Wiederaufnahme der Arbeit erst Die> folgen._ „Terrorisierte" Die christlichen Gewerkschaften k „Material" zur Begründung neuer Zi der die Gelben neidisch macht und du schlägt. Daß bei diesem Eifer die Wl Rechnung kommt, ist schon so oft nac gemack darein schickt, bei jedem neu neun Zehntel als Beigabe christlicher Rest noch stark anzweifeln zu müssen. auch bei dem schrecklichen„Fall", di (Nr. 36) ihren gläubigen Lesern wie s „Sozialdemokratische G Kunstseidefabrik in Kelsterbach hatte! Verbände angeschlossen. Darüber sozialdemokratischen Freiheitshelder verband. Unsere Kollegen halt sozialdemokratischen Gcwaltherrscha mit Eisenstücken, Besenstielen r Kleider wurden ihnen zerrissen, Hut gestohlen. Der Anführer de! heißt der Edle, drohte einem uns Wasser zu werfen. Als alles dies vorzüglichen Wirkung des sozial Verbandes überzeugen konnte, legtei nieder und erzwangen so die Enti sozialdemokratischen Freiheitsbelden übergeben. Sie werden hoffentlich die Folgen ihrer Gemeinheiten nach Zunächst ist richtigzustellen, daß Mehrheit von Mitgliedern des christ worden sind, sondern einer, ein gell worden. Zum anderen hat niemand i Entlassung dieses einen Christen zu willig nach einer Aussprache mit dc dritten war nicht der Terrorismus der Verbandes die Ursache dieser Ausspr der übrigen Arbeiter darüber, daß K. Gewerkschaft agitiert, was allen übr fortiger Entlassung verboten war. R Gewerkschaften den Staatsanwalt m also die Angelegenheit noch näher u ja dann zeigen, ob nur die obligaten falsch sind._ Hetzte Naci Das Hochwasser in S Frankfurt a. M., 12. Septembc Oberrhein günstigere Berichte vorlu des Rheins wie des Neckars gemeldet situation am Niederrhein g ü n st i g. Die Sieg sowohl wie verlassen und das Hochwasser bat die Berantw. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Verlagsanstait Paul Singer ä: Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen». Unterhaltungsbl. jit.m A-zchM-. i Keilllge des„Mmiilts" Kerlimr AlksdlM. Zum Parteitag. Von K. Kautskh. I. Als der Januar dieses Jdjres uns den gewaltigen Wahlsieg brachte, wurden hier und da besorgte Stimmen laut, ob es 1912 nicht so gehen werde wie 1993 nach einem nicht minder glorreichen Wahlgang. Ob nicht der Chemnitzer Parteitag ebenso wie der Dresdener einen solchen Ausbruch innerer Gegensätze zutage fördern werde, daß unsere äuherlich so machwolle Partei aufs tiefste zerklüftet und gespalten erscheine. Jene besorgten Stimmen sind seitdem längst verstummt. Weit entfernt davon, besonders tiefe innere Gegensätze zu zeigen, hat das Jahr 1912 nicht einmal einen jener scharfen Zusammenstöße gebracht, die sich in früheren Jahren in jedem Sommer eingestellt haben, ohne doch die Einigkeit der Partei zu stören. Man kann sagen, sie hat sich schon seit langem nicht so geschlossen und ein- heitlich gezeigt wie in diesem Jahre. Die Situation ist heute eben eine ganz andere als 1993. Wohl war damals das Experiment des Ministeriums Millerand schon gescheitert, aber die Geistesrichtung, durch die jenes Experiment erzeugt worden ist, und die Erwartungen, die es wachgerufen, dauerten noch kraftvoll fort. Noch hatte sich der bürgerliche Radi- kalismus Frankreichs nicht abgenutzt, noch erschien er als eine dem Proletariat freundliche Macht, die nur durch die irrtümliche Älassenkampfpolitik der Sozialdemokratie von dieser abgeschlossen und gehindert werde, mit ihr vereint Staat und Gesellschaft zu reformieren. Noch begünstigte der nur von kurzen Krisen unter- brochcne rasche Fortgang des wirtschaftlichen Aufschwunges die Aktion der Gewerkschaften in außerordentlichem Maße, ließ die Löhne rascher steigen als die Preise. Als da die Wahl von 1993 uns 81 Mandate brachte, erschien manchem deutschen Genossen der Moment gekommen, die neu- gewonnene Macht auch in Deutschland durch eine Taktik des Entgegenkommens an den Liberalismus in eine fruchtbringende, „positive" Arbeit leistende Kraft zu verwandeln. Der alte Klassen- kampfcharakter unserer Partei erschien ihnen als ein Verhängnis- volles Hindernis erfolgreicher Ausnutzung unseres Sieges. Nie war praktisch der Drang nach einer Revision unserer Grundsätze und unserer Taktik in der deutschen Sozialdemokratie so stark wie 1993. Nie aber auch die Gegenwirkung so energisch, die Stimmung auf beiden Seiten so gereizt wie damals. Das gab dem Dresdener Kongreß sein Gepräge, dessvi Eni- scheidungen der größte Teil der Partei für unerläßlich hielt, dessen Kampfszcnen aber uns alle bedrückten. Ganz anders liegen die Verhältnisse heute. Die Verschärfung der Klassengegensätze liegt heute so offen zutage, daß es kaum noch jemand in unserer Partei geben wird, der sie leugnet. Der französische Radikalisnius hat sich zum giftigsten Gegner jedes demokratischen Fortschritts entwickelt. Der englische ist am Ende seines Lateins, so daß selbst die so zahme Arbeiterpartei Englands in immer heftigere Konflikte mit ihm, namentlich bei der Auf- ftcllung von Kandidaten, gerät. In Italien sehen wir die Aus- schließung der Rechisreformisten aus der Partei, indes die Links- reformisten den Ministerialismus abschwören; in Belgien sprengt die Kammerwahl den liberal-sozialistischen Block und setzt an dessen Stelle den einstimmigen Beschluß der Vorbereitung des Generalstreiks; und die so ruhige und bedächtige Arbeiterschaft der Schweiz führt in Zürich einen glänzenden Demonstrations- streik durch unter dem einstimmigen Beisall der Sozialdemokratie aller Länder. In Oesterreich wieder ist die Sozialdemokratie, die noch vor wenigen Jahren mit der Regierung zusammen die Wahl- reform gemacht hatte, zur einzigen ernsthaften Oppositionspartei geworden, der gegenüber die Regierung mit allen bürgerlichen Parteien zusammen immer entschiedener die reaktionärsten Bahnen wandelt. Diese allgemeine Situation ist auch an Deutschland nicht spurlos vorübergegangen, wie schon die eine Tatsache beweist, daß die Genossen Badens in ihrem Landtag diesmal das' Budget ab- gelehnt haben. Natürlich bedeutet dies nur eine Umwandlung der Praxis, noch nicht der theoretischen Anschauungen und der Wünsche und Hoffnungen. Unser Handeln patzt sich stets rascher wechselnden Verhältnissen an als unser Denken. Aber immerhin, die Rei- ImngSflächen zwischen dem rechten und dem linken Flügel unserer Partei nehmen an Ausdehnung ab, und auch wo die Praxis noch zur Kritik Veranlassung gibt, verliert diese ihre Nervosität, da manche Entgleisungen nicht mehr als Anfänge einer Abkehr von unseren Grundsätzen oder unserer Taktik, sondern nur noch als Ueberreste von Einwirkungen kleinbürgerlicher Kleinstaaterei er- scheinen. Unsere Neichstagsfraktion hat denn auch in der letzten Session so einmütig gearbeitet wie schon lange nicht. Die Präsidenten- kleines feiiilleton. Ter Strausische Geniekollcr. Auch in der bürgerlichen Presse wird Straußens tantiemengieriger Großmannsdünkel weidlich mit- genommen. So schreibt die„Köln. Ztg.": Endlich hat einer den Richard Strauß hat sie M r den geistigen hat und ersonnen, sei tantiemenberechtigt bis zum jüngsten Gericht. Oder noch besser: darüber hinaus. Bis in den Himmel hinein, bis in die Hölle hinunter. Es muß endlich aufhören, daß ein Patent nach lum- pigen 15 Jahren abläuft. Aufhören muß es endlich, daß die braven Enkel des Dichters schon vor 39 Jahren keine Dividende mehr beziehen voin Genie des großen Vorfahr». Daß— um mit Strauß zu reden— der Bürger gar um 59 Pf. einen Parsifal zu sehen kriegt Tenges ist doch klar: Sitze unter 29 M. entwürdigen dm langst verstorbenen Genies. Gesetzt den Fall. Slraußcns sittliche Forderung hätte schon bestanden— Fluch und Schande, daß es nicht io ist.— so hätte cS nie passieren können, daß der arine Teufel seinen Wallensteiri um 29 Pf. kaufen kann. So hätte die Eisenbahn niemals diese plebejische Einrichtung wer- den können, in welcher Mcnichen mit Rollchen dritter Klasse fahren. Einfach aus dem Grunde, weil die Stephensonschen Erben, welche heute irgendwo Bäcker und Brauerburschcn sind, von jedem Wagen- kilometer ihre Tantiemen nehmen wurden. Und die Eisenbahn wäre das. was sie sein soll: ein Vehikel für Monarchen und un- geschützte Komponistenmillionare. Es ist einfach ein Malheur, daß ein jeder stellenlose Kommis tantiemenfreie Goetheworte kolpor- tieren darf, wie zum Beispiel:»�ir die ��ssswe sind bescheiden.. „Respekt vor dem Mllen des Genie, schreibt Richard Strauß. Und es ist selbstverständlich, daß dieser Wille des Genies im Etraußschen Sinne aus seinen Werken harte Taler für jetzt und alle Zukunft preßt Es ist ja richtig— Tolstoi hat seine Werke sreigegebeii. ein für allemal freigegeben. Aber Tolstoi ist auch lein Genie im Straußschen Sinne. Tolstoi ist ein Idiot gewesen. Bon der Südpolerpedition des Kapitän Scott machte Clements Marlham auf der geaenwärtig tagenden Jahresversammlung der British Association in Dundee wichtige Mitteilungen. Die Expedition wäre, so sühne er aus besser ausgerüstet als je eine vor ihr. und sie würde sicher ihr Ziel erreichen. Er nehme an. daß Kapitän Scott den Südpol un, den 14 Januar d. I. herum erreicht habe. Seine Rückkehr ist durch Depots längs der ganzen Route gesichert, und gegenwärtig bereiteten sich Kapitän Scott und seine Gefährten für den rauhen antarktischen Winter vor um der geographischen Wissenschast weitere Dienste zu erfüllen. Von seinem Winterquartiere bis zum Südpol wird Kapitän Scott magnetische Beobachtungen angestellt haben. frage, die 1993 so lebhafte Kämpfe erzeugt hatte, zeitigtx dies- mal nicht mehr die geringste Disharmonie in der Partei. Man wird vielleicht auf Württemberg hinweisen, wo der Gegensatz zwischen beiden Flügeln der Partei einen Höhegrad erreicht und Formen angenommen hat, wie sie seit dem Gothaer Einigungskongreß kaum irgendwo bei uns vorgekommen sind. Es würde zu weit führen, hier die Gründe dieser Erscheinung ein- gehend zu untersuchen: wie weit daran der Umstand beteiligt, daß die Bewegung dort in!wn kleineren Landorten während des letzten Jahrzehnts rasch vorwärtsgekommen ist, in denen die revi- sionistische Richtung überwiegt, wodurch sich die radikalen in- dustriellen Zentren majorisiert fühlen, was noch verschärft wird durch ein ganz antiquiertes System der Delegierung zu den Landcsversammlungen; wie weit der Umstand, daß Gewerkschaften und Partei in Stuttgart gegensätzliche Richtungen verfolgen; wie weit endlich der Zufall, daß auf einem so heißen Boden gerade einige der energischsten Kampfnaturen unserer Partei aus beiden Lagern in den engen Rahmen kleinstaatlicher Verhältnisse zu- sammengepreßt wurden. Wie immer das alles die Eigenart der württembergischen Verhältnisse bestimmen mag, die dortige scharfe Zuspitzung der Gegensätze ist jedenfalls rein lokaler Natur und gestattet keinen Rückschluß auf die allgemeine Stimmung im Reiche. Natürlich soll damit nicht gesagt werden, daß alle Gegensätze unter uns verschwunden seien, sondern nur, daß sie bei weitem nicht so lebhaft wirken wie 1993. An Kritiken und Diskussionen wird es auch in Chemnitz nicht fehlen. Aber nichts deutet darauf hin, daß sie dort erregter sein werden als auf dem Durchschnitt unserer Parteitage. Am ehesten wird wohl das Stichwahlabkommen zu einer leb- haften Aussprache Veranlassung g�en. Aber so weit man nach der Parteipresse bisher urteilen kann.�ist nicht zu erwarten, daß der leitende Grundsatz der Stichwahlpoliti! des Vorstandes abgelehnt wird, der da lautete: Nieder mit dem schwarzblauen Block! Freilich, wenn diesem Block der Gedanke eines sozialistisch- liberalen Blocks entgegengehalten worden wäre, dann hätte das wohl die entschiedenste Ablehnung der ungeheuren Mehrheit der Partei gefunden. Dieser Gedanke ist auch in jenen Ländern in raschem Abwirtschaften begriffen, wo er die Partei erfaßt hatte. Er hat in Deutschland nie in der Beschaffenheit seines Liberalis- muß eine auch nur einigermaßen tragfähige Grundlage gefunden. Aber so wenig wir vom Liberalismus zu erwarten haben, so ist doch das deutsche Proletariat auf das lebhafteste daran inter- essiert, daß die bestehende Reichsregierung keine geschlossene feste Majorität bekommt, auf die sie sich stützen kann. Die hätte sie er- langt, wenn der schwarzblaue Block die Mehrheit der Mandate er- obertc. Natürlich weiß sich die Regierung auch jetzt eine Majorität zu schaffen, aber die ist doch nicht so homogen und daher so kämpf- fähig wie eine bloß aus Konservativen und Klerikalen bestehende. Sie kann heute eine Mehrheit nur dadurch erlangen, daß sie Jen- trum und Nationalliberale zusammenspannt. Zwischen denen be- stehen aber solche Gegensätze, daß die Regierung weit vorsichtiger vorgehen muß, als sie es sonst täte; noch wichtiger aber wird für uns die Tatsache, daß Nationalliberalismus und Zentrum nicht auf die Dauer zusammengehen können, ohne gerade jene Schichten ihrer Wähler von sich zu stoßen, die zu gewinnen jetzt unsere wichtigste Aufgabe: die katholischen Arbeiter, die zum Zentrum bisher hielten, weil es den nationalliberalen Kapitalisten ent- gegentrat, und die Intellektuellen und Angestellten, die zum Na- tionalliberalismus hielten, weil er die Geistesknechtung durch den katholischen Klerus bekämpfte. Dadurch, daß es gelang, den schwarzblauen Block in die Minder heit zu drängen, wurde eine Situation der inneren Politik ge schaffen, wie sie unter den gegebenen Verhältnissen fruchtbarer für den Fortschritt unserer Propaganda nicht gedacht werden kann Nicht nur die Rücksicht auf augenblickliche Mandatsgewinne, son. dern auch die Rücksicht auf den weiteren Fortschritt der Partei in den ihr noch fernstehenden Volksmassen machte es zur Notwendig- keit, die Parole bei den Stichwahlen auszugeben: Gegen den schwarzblauen Block. Und sie machte es dringend wünschenswert, zur Erreichung dieses Zweckes zu einer Verständigung mit den Freisinnigen zu gelangen. Darüber dürften auch keine großen Differenzen in der Partei bestehen. Diese erwachsen erst bei der Frage der Dämpfung. Aber auch hier wird kaum eine Meinungsverschiedenheit darüber auftauchen, daß die Dämpfung ein Uebel ist. Nichts leichter, als das nachzuweisen. Die Frage ist bloß die auch sonst bei Stich- wählen auftauchende und nicht leicht zu beantwortende: Welches Uebel für die Partei war das kleinere, die Dämpfung des Wahl- kampfes in einigen Wahlkreisen, die für uns ohne konservative Hilfe nicht zu erobern waren, oder die Mehrheit des schwarzblauen Blocks? �» Eine andere Frage aber ist wieder die, ob dse Erfahrungen mit der Dämpfung zur Fortsetzung reizen. Man kann die Mei- nung vertreten, daß man an der Frage der Dämpfung nicht die nacki Markhams Ansicht der einzige wirkliche Grund für einen solthen Vor marsch. Scotts Absicht wäre, während der nächsten guten Jahreszeit soweit wie möglich längs der Küste vorzudringen, uin das Problem der großen EiSslbranke zu lösen und die Richtung der Viktoria- und Eduardgebirge festzustellen und sich zu vergewissern, ob sie mit- einander zusammenhängen oder nickt. Eine vollständige Reihe von meteorologischen, magnetischen und Gezeitenbcobachtungen für volle vier Jahre, ferner Untersuchungen des Luftdrucks, der Temperatur, der Windgeschwindigkeit und Richtung, auch in den höheren Lufttegionen mit Hilfe von Ballons bis zu 19 999 Meter Höhe, werden zu den wichtigsten Ergebnissen der Expedition gehören. Was Spielhölle» abwerfen. Durch einige Aufsehen erregende Borfälle der jüngsten Zeit ist die Aufmerksamkeit wieder stärker auf jene Unterwelt des Spiels und der Spielleidenschaft gelenkt worden, die sonst in ein geheimes Dunkel gehüllt bleibt. In London, in New Fort und Paris sind in den letzten Jahren luxuriöse Spiel- Häuser wie Pilze emporgeschossen, verschlingen Millionen und fordern zahllose Opfer. Eine gutunterrichtete englische Zeitschrift teilt darüber eine Reihe interessanter Zahlen mit. In London verlor in jüngster Zeit ein hervorragender Vertreter des erglischen RennspqrtS bei einer einzigen Sitzung im Bakkarat 89 999 Mark und ein bekannter Peer wurde in einer Woche um 399 999 M. erleichtert. Besonders werden die Frauen leicht zu wehrlosen Opfern der furchtbaren Leidenschaft. So ist eS nichts Ungewöhnliches, daß Damen der Gesellschaft Tag für Tag 2999— 19 990 M. verspielen. Dieses Fieber wütet so stark in den höchsten Kreisen der britischen Gesellschait, daß viele Frauen für nichts anderes mehr Interesse haben. Das Aufheben der einen oder anderen Spielhölle, die Verurteilung der Jnhaher zu großen Geld- summen, die sie bereitwillig zahlen, weil sie bereits das Hundert- fache davon verdient haben, nützen wenig. Denn rasch ent- stehen neue Spielhöllen in anderen Vierteln. Der durch- schnittliche Verdienst des Leiters einer solchen Spielhölle ist init 29 999 M. pro Woche niedrig angegeben. Der Croupier eines dieser Tempel der Fortuna im Londoner Westend zog sich mit einem Vermögen von 2 Millionen zurück, das er in sehr kurzer Zeit .erworben" hatte. In Frankreich führt der Staat über 159 Spielhöllen, die dadurch anerkannt sind, eine polizeiliche Aussicht. Aber die Polizei gibt selbst zu, daß die Häuser, in denen gespielt wird, viel zahlreicher sind und schätzt sie in ganz Frankreich auf wenigstens 4999. In Paris gibt es 299 bis 399 unerlaubte Klubs, in denen allnächtlich sehr hoch gespielt wird. Was dabei � verdient wird, läßt sich aus der Tatsache ermessen, daß die Gelvinne der vom Staate an- erkannten Spielhöllen im vergangenen Jahre mehr als 59 Millionen Mark betrugen. Die heimlichen französischen Spielklubs werden gewöhnlich von dunklen Existenzen geleitet, die bereits viel- Möglichkeit scheitern lassen durfte, den schwarzblauen Block rn die Minderheit zu versetzen, und doch zur Ueberzeugung kommen, wß die Dämpfung ein Vorgehen war, das praktisch keiner der beiden beteiligten Parteien zum Vorteile gereichte. Die Dämpfung hat nicht nur in unseren Reihen viel Unmut erregt, sondern auch den Freisinnigen nicht besondere Freude gebracht. Wir dürfen daher wohl erwarten, daß die Dämpfung zu den Experimenten gehört, die nicht wiederholt werden. Weit weniger strittig als die Frage der Stichwahlparole ist jene, die unter den vorgeschlagenen Gegenständen der Tagesord- nung das meiste theoretische Interesse erregt, die des I m p e r i a- l i s m u s. Daß wir alle gewalttätigen Methoden verwerfen, das Kapital zu entwickeln, daß wir der Staatshilfe für das Kapital auf Kosten der besitzlosen Massen in jeder Form entgegentreten, mag sie durch Einengung des Koalitionsrechts, durch Zölle oder durch den Imperialismus. Flottenrüstungen und koloniale Eroberungen geschehen, ist seit jeher von der großen Mehrheit unserer Partei anerkannt worden. Die Streitfrage der letzten Monate, ob die Forderung der Abrüstung oder genauer gesagt einer Verständigung zwischen den Westmächten zur Einstellung des Wettrüstens zu den tauglichen Mitteln gehört, unserer Gegnerschaft gegen den Imperialismus Ausdruck zu geben, hat, soviel ich bisher scheu kann, die Massen in keiner Weise erregt und ist auf einige Re- daktionen beschränkt geblieben. Das wird wohl auch von den Chemnitzer Verhandlungen darüber jede größere Erregung fern? halten._(Schluß folgt.) Die„Soziale Bloche" in Zürich. Vier internationale soziale Kongresse fanden in den Tagen des 6. bis 12. September in Zürich statt, was gewiß quantitativ recht viel, zu viel ist, aber korrigiert wird durch die meist bcscheide- nen Ergebnisse der Veranstaltungen, deren Besucher zum größten Teil bürgerliches Publikum beiderlei Geschlecht aus den verschiede- nen Ländern, selbst aus dem fernen Japan, waren. Der Reihe nach folgten, sich der Kongreß der Internationalen Vereinigung zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, der Internationale Heim- arbeiterschutzkongreß, die Delegiertonversammlung der Jnternatio- nalen Vereinigung für gesetzlichen Arbeitcrschutz und der Kongreß für Sozialversicherung. Der erste, am 6. und 7. September stattgefundene Kongreß der Internationalen Vereinigung zur Bekämp- fung der Arbeitslosigkeit, wurde von einem leibhafti- gen Minister, dem Herrn Leon Bourgeois aus Paris, geleitet und ihm zur Seite stand Herr Dr. Richard Freund aus Berlin. Aus der deutschen Reichshauptstadt war auch der Direktor der arbeitsstatistischen Abteilung des Reichsamts für Sta- tistik, Dr. Zacher, erschienen. Gewerkschaftsvertreter waren nur aus der Schweiz(Sekretär Huggler), Belgien(Anseele), Italien, Frankreich und Ungarn anwesend, die deutschen Gewerk- schaften waren nicht vertreten. Insgesamt hatten sich 79 Dele- gierte aus 29 Staaten eingefunden, worunter auch Vertreter von 19 Landesregierungen. Die Vereinigung zählt in 21 Ländern 875 Mitglieder. Behandelt wurden Arbeitsvermittelung, Arbeitslosenstatistik. Vergebung der öffentlichen Arbeiten und Bibliographie über Ar- beitslosigkeit. Für die internationale Berichterstattung über Ar- beitsvermittelung legte Direktor Zacher-Berlin einen ausführlichen Erhebungsbogen vor und erläuterte ihn eingehend. Dr. Ferenczi- Budapest referierte über Arbeitslosigkeit und Wanderung der Ar- beiter und faßte er seine Ausführungen in ö Thesen zusammen, welche folgendes vsrlangen: 1. Eine internationale Statistik über den Umfang der Wanderungen überhaupt und zwar in Verbin- dung mit dem Bureau für internationale Statistik; 2. regele mätzigen internationalen Austausch von Berichten über die Lage des Arbeitsmarktes nach einheitlichem Formular; 3. Organisation des internationalen Arbeitsmarktes nach den Erfahrungen sub 2 und als Basis für den Wanderverkehr; 4. Bezeichnung der sozialen Probleme der Einwanderungsgesetze in Verbindung mit dem Bureau für internationalen Arbeitecschutz; 5. Nachforschung nach den Ursachen der Auswanderung in den einzelnen Ländern und der organischen Reformen, diese zu beheben; 6. internationale Ver- ständigung über Gesetze und Bestimmungen betreffend Einwände- rung und Auswanderung; gemeinsamen sanitarischen Schutz der Wandernden; gemeinsamen gesetzlichen Auswandererschutz, Herab- setzung der Post- und Wechselspessn für Auswanderersendungen; Zusammenwirken der Arbeitsämter gegen die Auswanderungs- agenten und endlich Gegenseitigkeit der Arbeiterschutzgefetze, die Plazierung fremder Arbeiter in Staatsbetrieben usw.— Diese Thesen wurden angenommen und. den Landessektionen zur Be- richterstattung überwiesen. Aus der Diskussion ist erwähnens- wert die Rede Dr. Freunds-Berlin, der die Ausländerfrage auf. dem Arbeitsmarkte der handelspolitischen Frage: ob Schutzzoll oder fach bestraft sind. Manche dieser Leute gewinnen kolossale Vermögen Der Verdienst eines SpielhöllenbesitzerS, der als kleiner Restauraienr begann, wird jährlich auf 2 Millionen, sein Vermögen auf 49 Mil- lionen Mark geschätzt. Das wöchentliche Budget so mancher eleganten Pariserin Werst 299 999 M. an Spielverlusten auf. So vergeudet die„vornehme Welt" parasitisch das Gold, das ihr aus der Arbeit der Ausgebeuteten zuströmt— getrieben von dem sie narrenden Dämon des Spieles, das ihrem inhaltlosen Leben Spannung geben muß.__ Notizen. — Ein V o l k S o r ch e st e r hat sich in Berlin gebildet. Es verfolgt das Ziel, zu billigem Eintrittsgeld(39 Pf.) monatlich zwei Konzerte zu veranstalten und im übrigen bei künstlerischen und gc- selligen Veranstaltungen mitzuwirken. Leiter des Orchesters, das aus 42 Mann besteht, aber bis auf 69 erhöht werden kann, ist Alfred Hirsch. Das erste Konzert, das u. a. Beethoven? 7. Sinfonie bringen soll, stndet am 19. Oktober statt. — Ein Museum für israelitische Kunst soll in der alten Synagoge in Mainz errichtet werden. � � n n o u o 8® t a m a SchönherrS. das denselben Stoff behandelt, wie seine Novelle„Tiroler Bauern von 1899', soll durch die Trroler Wandertruppe Bauernbühne in Deutschland dar- gestellt werden. — Reinhardt macht Schule. Der fahrende Regisseur- betrieb, den Reinhardt großen Stiles und spekulativen Geistes be- gründete, wird Modesache. Ein Schüler des Meisters ahmt sein Vorbild in Süddeutschland nach, und in Berlin beabsichtigen findige Kapitalisten bereits, das neue Gewerbe sich dienstbar zu machen. Sie wollen sich einen bekannten Operettenregisseur kaufen und ihn an die Provinzbühnen weiterverpachten. — Die Bureaukratisierung der deutschen Sprackie Den Amtsmenschen ist es unerträglich, daß es irgend etwas gibt, was ohne ihre Zustimmung zu Wege gekommen ist und sich ihrer Reglementierung entzieht. Sind da von Süddentschland her die Bezeichnungen Schweizer und die Ableitungen Stall- und Ober- schweizer in Mittel- und Norddeutschland eingedrungen Jeder- mann, der es zu wissen braucht, weiß, was damit gemeint ist. aber dem preußischen Landesökonomiekollegium waren diese wild und frei gewachsenen Einwanderer ärgernis- erregend. Es will dafür die echt' preußischen Bildungen: Kuhmeister. Kuhwärter und Stallgehilfe einführen, womit denn zugleich eine gehörige Standesgliederung geschaffen ist. Vielleicht erleben wir auch noch einen Kuhrat erster und zweiter Klasse, einen Oberrindviehgehilsenanwärter und eine geprüfte Melkdame.— Hoffentlich übersetzt das hohe Kollegium auch den altehrwürdigen Schiveizerdegen in eis richtiges Amtsdeutsch. $rei5au5eF zur Seite stellte und sich dahin erklärte, für einen Schutz des inländischen Arbeitsmarktes gegen kulturell tiefstehende Ausländer*ur Vermeidung der Arbeitslosigkeit eventuell sogar unter Aufhebung der Freizügigkeit einzustehen. Ein solcher„ArbeiAerschutz" wäre ein sehr gefährliches Danaergeschenk, wobei man sich auch gegenwärtig halten mag, daß Herr Freund zu den Sozialifivntötern gehört. Die Frage v.'-r Vergebung der öffentlichen Arbeiten in Rückficht auf die Beschästigmng von Arbeitslosen behandelte Herr Treub aus Holland. Er verla ngte die Verlegung von Arbeiten, die auch in der ungünstigen Jahreszeit ausgeführt werden können, auf diese; ferner die Austrocknimg v on Sumpfland usw. sowie die Auf- und Durch- forstung von Wälderii, um damit Arbeitsgelegenheit und produktives Land zu gewinnen. Eine in diesem Sinne gehaltene Resolmion wurde angenommen. liebet die Bibliographie konnte wegen Mangel an Zeit nicht mehr verhandelt werden und wurde sie deswegen dem Bureau über- wiesen. Die Literabur über die Arbeitslosigkeit zählt bereits 3000 Nummern. In mehreren Ländern erscheinen sechs� regelmäßige Publikationen, zwei in deutscher, zwei in holländischer Sprache sowie eine französische und eine ungarische Zeitschrift. Auf dem im Jahre 1S13 in Gent stattfindenden Kongreß soll in der Hauptsache über die Versicherung gegen unverschuldete Ar- beitSlosigkeit verhandelt w erden. Höheren sozialpolitischen Wert kann man diesem Kongreß und seinen Beschlüssen kaum beilegen, obwohl offizielle Persönlichkeiten dabei mitgewirkt haben. Man bleibt hübsch im Stadium der vor- bereitenden Studien und fördert praktisch die Lösung des Arbeits- losenproblemS so wenic;, daß die Arbeiter nach wie vor auf die organifierte Selbsthilfe m ihren Gewerkschaften und mit den eigenen Mitteln angewiesen find. Mr die illustren Kongreßteilnehmer hatte der Kongreß insofern ein positives Schlußergcbnis, als sie die schweizerische Sektion der rnternationalen Vereinigung auf den luftigen Höhen des Uetlibepges mit einem erquickenden Bankett erfreute. Am Sonntag und Montag tagte im Volkshause der I n t e r- nationale Heimarbeiterschutzkongretz. den wir gleich von vornherein als eine beachtenswerte sozialpolitische Kundgebung bewerten möchten. Wurde der Kongreß betreffend die Arbeitslosigkeit von RegierungSrat Nägeli-Zllrich begrüßt, so entbot dem Heim- arbeiterschutzkongreß unser Genosse Greulich den Willkommensgruß im Namen der schweizerischen Sektion der internationalen Ver einigung und des Volkshausvereins. Er wünschte, daß die Ber� Handlungen des Kongresses das große Problem seiner Lösung einen Schritt näher bringen möchten. Er streifte die verschiedenen Stadien im Heimarbeiterschutz, die Hilfe der Käuferligen für die Heimarbeiter, die Versuche der Orgailisation der letzteren, die hauptsächlich an den schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen der Heimarbeiter scheiterten. Die Hilfe von außen her hat sich für die Heimarbeiter als absolut notwendig erwiesen, um die Selbsthilfe wirksamer eingreifen zu lassen. Wir begrüße» eS, daß weite Kreise die Vorarbeiten zum Heimatbeiterschuy beraten und zu Vorschlägen an die Regierungen verdichten. Greulich sprach weiter den Wunjch aus, die verichiedenen Kongresse der sozialen Woche möchten Hand in Hand arbeiten zur Verbefferung des Loses des Proletariats, um diese Klasse des Volkes aus den menschenunwürdigen Zuständen, in denen sie lebt, herauszureißen. Der Kongreß war von 243 Teilnehmern besucht, von denen die Schweiz das Gros von 05 Mann stellte. Dann folgten Frankreich mit 59 und Belgien mit 49 Delegierten, Deutschland mit 16. Holland mit 10, Ungarn mit 8, Italien und Spanien mit je 6, England 4, Oesterreich und Vereinigte Staaten mit je 3, Luxemburg, Norwegen. Portugal, Rumänien, Rußland und Schweden mit je 2, Dänemark und Japan mit je 1. Es waren also insgesamt 19 Staaten vertreten. Tie eleganten Damen von der sozialen Käuferliga aus der Schweiz. Frankreich. England usw. sowie die vielen eleganten Herren, Professoren usw.. sogar ein russischer Geheimral au« Peters- bürg und dann die wohlgenährten katholischen Geistlichen aus Deutschland und Frankreich gaben ein etwas seltsames Bild von einem Heimarbeiterschutzkongreß. dem die Heimarbeiter fehlten. Immerhin waren die Gewerkschaften vertreten, namentlich die schweizerischen und deutschen, für die die Genossen Umbreit, Stühmer, Schippet u. a. erschienen waren und die sich sehr aktiv an den Kongreßarbeiten in den Sektionen beteiligten, die folgende Fragen zu behandeln hatten: 1. Heimarbeiterschutzgesetze; L.Hygiene der Heimarbeit und bezügstche Gesetzgebung; 3. Gewerkschaften und kollektiver Arbeitsvertrag und t. Stellung der Käuferliga zur Heim- arbeiterfragc. Die Sektionen hatten progranunäßig bis Montaginittag ihre Arbeiten beendet, worauf am Rachmittag die Plenarversanimlung zur Entgegennahme und Erledigung ihrer Anträge tagte. Es wurden da recht schätzenswerte Beschlüfie gefaßt. So fand der von der belgi- schen Sektion des internationalen Heimarbeileramtes vorgelegt« weg- leitende Gesetzentwurf von 16 Paragraphen mit einigen Verbefferungen Annahme, der den Registrierzwang, Lohnbücher, hygienische Maßnahmen, Lohnämter mit paritätischer Zusayrmensetzung von Arbeiter- und Unter- nehmerdertretern zur Festietzung von vtrndestlöhnen vorsteht. In der Sektion war unter dem sörderUchcn Borsitz von Prof. Brentano- München lebhaft um die Vortage gestritten worden, auch noch in der Ptenarversammtung, in der sie jedoch schließlich ohne eine gegnerliche Stimme angenommen wurde. Auf Antrag des Genofien Umbreit wurde noch beschlösse», den Gesetzentwurf durch das internationale Heimarbetisamt in Brüfiel den Regierungen zustellen zu lassen. Der deutsche Berichterstatter darüber war Dr. Pieper von M.- Gladbach und hat es die Gewerkschaftler interessie»t, den Dresseur der gelungenen christlichen Gewerischaftssclretäre kennen zn lernen. Im Wortlaut möchten wir die Resolulion mitteilen, die von der Sektion für Gewerkschaften und Tarifvertrag unter dem Lorsitz unseres Genossen Umbreit beschlossen und in der Plenar- versanimlung angenommen wurde. Die Resolution lautet: 1. Di« dritte Sektion deö II. internationalen Heimarbeiterschutzlongresses beschließt: Die wirtschaftliche, soziale und hygienische Sanierung der Heimarbeit erfordert ein vereintes und zielbewußtes Zusammen- wirken der gesetzgeberischen und gewerkschaftlichen Aktion. 2. Si« spricht die Ansicht aus, daß die befriedigende Durchführung der ge- setzlichen Maßnahmen ohne eine ausreichende gewerkschaftliche Organisation sehr schwierig ist. 3. Die dritie Sektion ist der Ansicht, daß vom internationale» Standpunkt aus das beste Mittel zur Berbessermig der Lage der Heimarbeiter und Heimarbeiterinnen eine starke Berussorganisation ist. 4. In der Erwägung, daß im gegenwärtigen Augenblicke die gewerkschaftliche Organisation der Heimarbeiter noch nicht i» allen Be- rufen in ausreichendem Maße verwirklicht ist, spricht sie die Ansicht aus: a> daß eine systematische Propaganda zu entfalten sei. um die Heimarbeit von der Nützlichleit der geWerk- schaftlichen Orgaiiisalio» zu überzengen und in ihnen die Solidarität zu wecken; d) daß das Eingreisen der Gesetzgebung für die Regelung der Heimarbeit überall notwendig ist, um den bestehenden Miß- brauchen abzuhelfen. 5. Die Sektion wünscht, daß die Gesetzgebung so beschaffen sei, daß si« alle Hindernisse gegen die gewerkschaftliche Organisation beseitigt, die Mitarbeit der Gewerkschaften für die Bildung von Lohnämtern fördert und den von den Gewerkschaften abgeschlossenen Tarifverträgen rechtsverbindliche Kraft gewährt und ihre Wirkung auf alle Heimarbeiter des fraglichen Berufes und ve- zirkeS ausdehnt. 6. Den Gewerkschaften wird dringend empfohlen. mit den Käuferligcn und Konsumvereinen Vereinbarungen zur Sanierung der Heimarbeit abzuschließen. Weitere Resolutionen betreffen die Veranstaltung vonsamtlichcn und »privaten Enquete» unter der Mitwirkung von Aerzten und Lehrern; dos Verbot von Heimarbeit mit Bergisüingsgefahreli und ander- weuige sanitäre Maßnahmen. Zum Schutze der Konsumenten soll die Heimarbeit für die Lebensmittel- und Tabakindusirie verboten. für auslcckeude Krankheiten die obligatorische Anzeige statuiert, von Heimarbeiter» hergestellte Kleider desinfiziert, je nachdem auch vernichtet werden. Bezüglich der Jnspeltioir wird gesagt:»j Es ist ein amtlicher Jnspektionsdienst zu organisieren, der namentlich durch Aerzte, Arbeiter und Arbeiterinnen usw. zu besorgen ist. In Ermangelung eines solches Dienstzweiges ist die Fabrikiuspektion auf die Heimarbeiter auszudehnen, b) Das Auf- sichtSamt hat die Arbeiterorganisationen und insbesondere Aerzte, Lehrer usw. zur Erleichterung der Kontrolle und zur Durchsührung der Schutzmaßnahmen beizuziehen, o) Im Interesse der in ihrer Wohnung beschäftigten Kinder hat eine ärztliche Inspektion analog der Schulinspeklion für alle beschäftigten Minderjährigen Platz zu greifen. äjAuher diesen speziellen Maßnahinen soll die Verbesserung der Lage der Heimarbeiter dadurch angestrebt werden, daß alle Bewegungen unter- stützt werden, die aus Verbesserung der sanitären Verhältnisse der Bevölkerung hinsichilich Wohnung, rationelle Ernährung, Bekämpfung der Volksplagen wie Alkoholismus, Tuberkulose, Unwissenheit usw. abzielen. Die hygienischen Kenntnisse find in allen Schulen, nament- lich in den Gemeindeswulen zu verbreiten. Gegen einen Pariser Opponenten, den Mr. Duval-Arnould, verteidigten Professor Brentano und unser Genosse Huysman- Brüssel die Inspektion der Heimarbeit und insbesondere die Mit- Wirkung der organisierten Arbeiter, der Gewerkschaften, ohne die die Heimarbeiterschutzgesetze nur auf dem Papier stehen würden. Schließlich fand auch noch ein ganzes Bündel Wünsche der so zialen Käuferliga betreffend die Mitwirkung bei der Agitation, Ver- wirklichung und Durchführung der Kongreßbeschlüsse die Zustimmung der Versammlung. Der internationale Heimarbeiterschutzkongreß in Zürich hat im großen ganzen(juie Arbeit geleistet. Nun sollten die vielen Herren und Damen, die anwesend waren und die Beschlüsse mitgefaßt haben, an ihrem Orte und in ihren einflußreichen Stellungen, na- mentlich in den Parlamenten und Verwaltungsbehörden, so viel als möglich ehrlich und ernsthaft beitragen, sie zu verwirklichen und so endlich den Heimarbeitern durch gute Minimallöhne das Brot zu geben, dessen sie bedürfen, denn mit gefühlvollen Reden und schönen Beschlüssen allein ist ihnen nicht geholfen, auch nicht mit gesetz- geberischen Halbheiten und Unznlänglichkeitm, wie z. B. daS deutsche Heimarbeiterschutzgesetz eine ist. Außerordentliche Generuloersammlung des Nerbandes der Lugerhalter und-halteriuneu Deutschluuds. Köln, 11. September. Im Anschluß an den gestern vollzogenen VerschmelzungSbe- schluß wurde heute der Redakteur Döhnel als besoldetes Vor- standsmitglied für den Handlungsgehilfenverband, und der Sekre- tär Hartmann als Redakteur des„Lagerhalter" gewählt. Gleich- zeitig wurde— über den Rahmen der Vereinbarungen hinaus— beschlossen, noch einen dritten besoldeten Sekretär in den Hand- lungsgehilfenvorstand zu entsenden. Die Wahl desselben ist dem jetzigen Lagerhaltervorstand überlassen. Redakteur Döhnel referierte sodann über die Privatbeamtenversicherung und die Nntcrstiihungskasse des Zentralverbandcs deutscher Konsumvereine. Es handelt sich um die zukünftige Gestaltung dieser Unter- tützungssasse, d. h. darum, ob die Kasse in eine Ersatz lasse im Sinne des Privatbeamtenversicherungsgesetzes umgewandelt wer- den soll, oder ob die Angestellten der st a a t l i ch e n Privat- beamtenversicherung zugeführt werden sollen, die Unterstützungs- lasse dann aber als freiwillige Zuschußkasse weiter bestehen soll, allerdings in einer etwas anderen als der heutigen Form. Der Vorstand des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine, und mit ihm der Referent, sind der letzteren Meinung. Und die Aende- rung an der Kasse, die sie vertreten, ist die folgende: Bis jetzt zahlen die Angestellten 6 Proz. ihres vollen Gehaltes an Beiträgen ür die Kasse; die Hälfte davon bezahlt der betreffende Verein, sie andere Hälfte der Versicherte selbst; in Zukunft sollen bei den- jenigen, die unter das Angcstelltengesetz fallen, nur drei Prozent )eö Gehaltes als Beitragsleistung in Anrechnung kommen; bei den gewerblichen Arbeitern soll eS bleiben wie bisher. Mit dieser Imwandlung ist auch der Referent einverstanden, nicht aber mit dem weiteren Vorschlag des Verwaltungsrates der Unterstützungs- lasse, die Borstandsmitglieder als Arbeitgeber zu deklarieren und sie damit von der staatlichen Unterstützungspflicht zu befreien. Dafür soll dann noch bei diesen Vorstandsmitgliedern bei der Unterstützungskasse das eineinhalbfache des Ga- Halts, d. h. also 9 Proz., in Anrechnung kommen. Dadurch würden die Pensionen der leitenden Genossenschaftsbeamten mit 8000 bis 12 000 M. Gehalt überaus hohe weroen und die Kasse sehr be- lasten. Diese Belastung müßte getragen werden von sämtlichen, auch den mit geringen Einkommen bedachten Genossenschaftsange- 'tellten. Deshalb ist der Referent dagegen. Es läge gar kein be- rechtigter Grund vor, für die genannten Kreise eine besondere Klaffe zu schaffen, sondern sie könnten ruhig in die Gruppe der übrigen Angestellten eingereiht werden, so daß also nicht eine Drei teilung, sondern nur eine Zwei teilung der Versicherten vorgenommen wird.— Gleichzeitig ist auch zu beachten, daß die Vorstandsmitglieder mit der Deklarierung als Arbeitgeber daS Wahlrecht zu den Vertrauensmännerwahlen zur Angestelltenver» sicherung nicht ausüben können. Der Referent erhärtete die Not- wendigkeit und die Pflicht, in dieser Vertrauensmännerinstitutian zu maßgebendem Einfluß zu gelangen und seine Ausführungen klangen in einen scharfen Appell aus, sich einmütig an diesen demnächst stattfindenden Wahlen zu beteiligen. Die Diskussionsredner neigten im allgemeinen den Ansichten deS Referenten zu. Beschlüsse konnten indes nicht gefaßt werden, da die definitiven Entscheidungen der in Bälde stattfindenden Generalversammlung der Untcrstützungskasse zustehen. ES wurde dann noch beschlossen, daß die Hamburger Kollegen daS Mitglied in den Ausschuß bestimmen sollen und daß die nächste Reichskonferenz in Berlin und zwar vor der Generalversammlung der Handlungsgehilfen stattfinden soll. Mit einem Hoch auf den HandlungSgehilfenverband ging die General- Versammlung zu Ende._ Dtrbaitdstag der Gärtner. Die atn Donnerstag abgehaltene Sitzung beschäftigte sich zw nächst mit der Frage der ArbeitSvermittelung- Der Referent Link- Düsseldorf vertrat den Standpunkt: Die gesetzliche Regelung der gesamten Arbeitsvcrmittelung ist eine drin gende Notwendigkeit. Solange diese nicht durchgeführt ist, sind paritätisch FacharbeitSnachweise anzustreben, vorausgesetzt, daß sie der Arbeiterorganisation den gebührenden Einfluß auf die Hand- habung der Vcrmittelung einräumen und der Eigenart des Gärtner- berufs Rechnung tragen. Aber eine solche Regelung ist vorläufig unmöglich, weil die Untcrnehmcrorganisation, der Verband der Handelsgärtner Deutschlands, die Gleichberechtigung der Gewerk- schaft nicht anerkennt. Deshalb ist der Ausbau der eigenen gewert- schaftlichen Arbeitsnachweise des Allgemeinen Deutschen Gärtner- Vereins nach besten Kräften zu fördern. Sie sind bezirksweise zu zentralisieren mit besonderen Abteilungen für Privat- und Herr- schaftsgärtner und haben die weitere Verbreitung dieser Einrich- tung zu propagieren. Die Mitglieder sind zur alleinigen Benutzung dieser Arbeitsnachweise zu verpflichten. Mehrere Diskussionsredner vertraten ähnliche Ansichten. Eine Resolution, die sich mit den Ausführungen des Referenten deckt. wurde angenommen. Organisationsfragen hieß der nun folgende Punkt der Tagesordnung. Der erste Refc- rent Kummer- Hamburg besprach die Organisation d e'r ungelernten Arbeiter. Er ging davon au», daß durch die Entwickclung der Gärtnerei zum Großbetrieb, der namentlich in der Landschasts- und der Baumschulcnbranche vorherrscht, die Arbeits- teilung mehr und mehr eingeführt und eine fortgesetzt steigende Zahl ungelernter Arbeiter herangezogen hat. Auf die Gewinnung dieser Arbeiter müsse die Organisation ihr Augenmerk richterß denn ohne sie könne«ine Lohnbewegung nicht geführt werden. Der Slktner Mächte eingehende Korjchlög« über die Art der Ägitatiov. welche bei den ungelernlett Arbeiters zü beireiben sei. In der Landschaftsbranche würden günstige Erfolge zu erwarten sein. Weniger günstige Ergebnisse würden die Baumschulen liefern. Wo ländliche Verhältnisse vorliegen und nicht eine größere Stadt mit starker Mitgliedschaft den Stützpunkt der Agitation biete, da könnte man die Gartenarbeiter dem Landarbeiterverbande überlassen, der in dieser Hinsicht bereits Erfolg« zu verzeichnen habe. Der zweite Referent K wa s n i k- Berlin behandelte die Frage der B r a n ch e n o r g a n i s'a t i o n. Er empfahl, die Agitation so zu betreiben, daß man sid& wie es in Berlin bereits geschehen, an die einzelnen Branchen wende und deren Verhältnisse besonders berücksichtige. Namentlich kämen in Frage die Privatgärtner, die Guts- oder Herrscbaflsgärtuer, die Stadigärtner, die Friedhofs«' arbeitet. Die in diesen Branchen Beschäftigten hätten mit Wesen t- lich anderen Verhältnissen zu rechnen, wie die in gewerblichen Gärtnereien Beschäftigten. Es würde sich empfehlen, für die sehr zahlreich« Branche der Privatgärtner eine eigene Sektion innerhalb' des Vereins zu gründen. Man würde dadurch eine größere An- ziehungskraft auf die Privatgärtner ausüben, die mit dem Verband der Privatgärtner durchaus nicht zufrieden feien. Der Redner legte im einzelnen dar, wie die von ihm befürwortete Agitation für die Branchen zu betreiben sei. In der Diskussion wurden unter anderem Grenzstreitigkeite» mit dem Gemeindearbeiterverbande erwähnt. Mehrere auswärtige Redner meinten, der Gemeindearbeitcrverband Sehe hin- sichtlich der städtischen Gärtner ohne Rückficht auf die Gärtner- organisation vor. Es wurde deshalb beantragt, den bestehenden Kartellvertrag mit dem Gemeindearbeiterverbande zu lösen. Der Vcreinsvorsitzende Busch wandte sich gegen diesen Antrag. Georg Schmidt, der Vorsitzende des Landarbeiterverbandes verwies darauf, daß zwischen diesem Verbände und der Gärtner- organisation keine Grenzstreitigkeiten bestehen, obgleich die Be» rührungspunkte der beiderseitigen Organisationsgebiete sich ver- mehren, je mehr die Gärtnerei auss Land verlegt wird. Auf die Gartenarbeiter in den Städten lege der Landarbeitcrverband kein Gewicht,. denn sie würden sich besser für die Gärtnerorganisation eignen. Auf dem Lande aber, wo die Gärtnerorganisation keiner, Einfluß habe, könnten die Gortenarbeiter dem Landarbeiterverbande überlassen bleiben, was ja auch im beiderseitigen Einverständnis schon geschehen sei.— K u b e als Vertreter der Gencralkommissior, sprach ebenfalls gegen die Aufhebung des Kartellvertrages mit dem Gemeindearbeiterverbande. Die Aufhebung würde Streitigkeiter« in manchen Orten zur Folge haben, wodurch die Agitation und die Organisierung der betreffenden Arbeiter erschwert würde. Vor- kommende Differenzen zwischen beiden Organisationen müßten im Wege der Verhandlung geregelt werden. Der Antrag, welcher die Aufhebung des Kartellvertrages ver- langt, wurde zurückgezogen. Angenommen wurden folgende Anträge: 1. Der Hauptvorstand wird beauftragt, mit dem Gemeinde- arbeitervcrband erneut in Verhandlungen zu treten, um eine präzisere Fassung des Vertrages zu erlangen. Dabei muß vor allem die Grenzstreitigkeitsresolution des Hamburger Gewerkt schaftskongresses voll zur Geltung kommen. 2. In Anbetracht der Spezialisierung unseres Berufes empe fiehlt die Generalversammlung, die Agitation mehr branchenmäßig zu betreiben. Zur besondercy Ar- beit in den einzelnen Branchen sind in den örtlichen Verwal- tungen Sektionen zu bilden. Diese Sektionen dürfen sich nur mit ihren Branchenangelcgenheiten beschäftigen. Für die Äran- che» Stadtgärtnerei und Handelsgärtnerei ist eine besondere Jen- tralstelle zu schaffen, von der Anregungen für die Organisations- arbeit an die Ortssektionen zu geben sind. 3. Hand in Hand mit der zunehmenden EntWickelung zum Großbetried auch in der Gärtnerei geht eine ständig zunehmende Arbeitsteilung im Beruf. TieS hat zur Folge, daß die Zahl der ungelernten weiblichen und männlichen Arbeiter eine immer stärkere Zunahme in unfevem Beruf erfährt.— Der Erfolg kommender Lohnkämpfe wird sehr davon abhängen, in welchem Maße die ungelernten Arbeiter der Organisation angehören. Die Generalversammlung erklärt, daß unter den heutigen Wirtschaft- lichen Zuständen gelernte und ungelernte Arbeiter dieselben Interessen haben. Sie haben gemeinsam den Kampf um eine bessere Existenz zu führen. Daher verpflichtet die Generalversammlung alle Verwaltungen, mit aller Kraft die Organisierung der ungelernten Kollegen und Kolleginnen zu betreiben. 4. Für die Gärtner und Arbeiter der Staats- und Gemeinde- betriebe ist eine Zentralstelle zu schaffen, welche alljährlich eine Statistik über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse aufzunehmen und das Material den Verwaltungen zuzustellen hat. Die Jen- tralstelle soll auch den Kollegen bei Lohneingaben mit Rat und Tat zur Seite stehen und in agitatorischer Hinsicht fördernd wirken.— In allen größeren Orten, wo innerhalb der Ge- meindebetriebe eine erhebliche Anzahl Gärtner und Arbeiter besck>äftigt werden, sind Sektionen zu bilden.. Ueber das Lehrlingswese» referierte T h u l l- Berlin. Die Grundgedanken seiner AuSfüh- rungen sind: Wir müssen gegen die Lehrlingszüchtcrci einzuschreiten suchen; wir müssen, soweit es an uns liegt, für eine gute Fachaus- bildung der Lehrlinge sorgen; wir müssen sie über die Bestrebungen der Gewerkschaft aufklären und auf die Jugendbewegung aufmerk- stim machen. Auch darauf ist zu halten, daß den Lehrlingen die Zeit zum Besuch der Fortbildungsschulen gewährt wird. Daß die Gcbilfen die Lehrlinge rameradschaftlich zu behandeln haben, ist selbstverständlich. Alle Reformen auf dem Gebiet des Lehrlings- Wesens haben wir zu unterstützen. Die Diskusston bewegte sich in demselben Sinne. Mehrere Anträge wurden dem Vorstand überwiesen. Sie beauftragen ihn, sich mit ausklärenden Darlegungen über die Lchrlingsverhältnisse im Gärtnerheruf an Eltern, Vormünder und Waisenhäuser zu wenden,_ Hiis der Partei. Zum Ausbau der Parteiorganisation in Thüringen. Man schreibt uns aus Gotha: Im.Vorwärts' vom letzten Mittwoch wird über eine am Sonntag in Weimar stattgesimdcne interne Zusainmenkiinft be- richtet und auch etwaö voreilig gesagt, daß ein Beschluß aus Er- richtung einer Zentrale für ganz Thüringen au- genommen wurde. Die erwäbute Acudcrung wird wohl noch nicht >o bald zustande kommen, zunächst müßten doch wohl die einzelnen Wahlkreis- und Landesvorstände der Parleiorganiialioncn, die nicht mal alle in Weimar vertreten waren, sich mit dieser wichtigen Frage beschäftigen und auch in den Ortsvercinen wird man sich erst damit befassen müssen, was bis jetzt noch gar nicht geschehen ist. ES kann aber jetzt schon gesagt werden, daß.ein einbeitl icher Bezirk', so wie eS berichtet wurde mit nur einem Sekretariat, vielleicht unter Ausschaltung aller bisherigen Sekretariate, nicht möglich ist in den jetzigen thüringischen Staaten, sonst würde die Agitation sich noch schwieriger gestalten, als es jetzt leider schon der Fall ist. Beständen nichl die zahlreichen verschiedenen Landeögesetze und die mittelalterlichen Gemeindcordmcngen. die bei der Agitation alle«ine mehr oder wenigcr große Rolle spielen, so ließe sich mit einer Leitung auskommen. Das ist aber zurzeit noch ganz un- möglich, höchsten» könnte ein Archiv geschaffen werden, eine Sammelstelle für alle in öffentlichen, politischen und wirtfchasili-den Leben hervortretende Dinge, um besser Vergleiche üöer die ve- stehenden Unzuträglichkeiten zu schaffen und dadurch die Agitationsarbeit zu erleichtern, im übrigen müssen wir uns aber hier in Thüringen der so verschiedenartigen Staats- geseygebung anzupassen suchen!' Wir können und wollen von hier aus kein Urteil fällen, ob eine großthüringisch« Organisation möglich ist oder nicht. Bemerken wollen wir nur, daß wir den Beschluß jener»internen" Konferenz in Weimar thüringischen Parteiblättern entnommen haben, die auch so.voreilig" waren, die auf„Großthiiringen" bezügliche Resolution mitzuteilen._ Ein sozialistischer Abgeordneter von seinen Wählern desavouiert. Rom, S. September. iEig. Ber.) Der Wahlkreiskongreß des Kreises von L a r i, dessen parlainentarischer Vertreter, der Abg. Dello Sbarba, zur reformistischen Partei übergetreten ist, hat mit 84 gegen S4 Stimmen seinem Abgeordneten das Mandat ab- gesprochen. Die Wahl des neuen Kandidaten wird demnächst er- folgen._ Parteiliteratur. Sozialistische Blindcnliteratur. Von der.Neuen Zeit, Organ zur Pflege sozialistischer Welt- anschauung unter den Blinden deutscher Zunge", ist die Nr. 6 des dritten Jahrgangs erschienen. Das Heft hat folgenden Inhalt: Kapitalistische Sozialreform. Von Luise Zietz.(Schluß.) Die Lasten des Militarismus. Ans der Gegenwart. Offiziere und Arbeiter. Militaristisches. Das Wachstum der großen Vermögen. Wie die Behörden den Alkoholismus bekämpfen. Säuglinge im Gefängnis. Aus Mecklenburg. Zur Erntezeit. Gedicht von Gottfried Keller. Lesefrüchte. Hierzu die wissenschaftliche Beilage.— Der Abonnementspreis des Blattes beträgt bei sechsmaligem Erscheinen jährlich 3.60 M. für Deutschland und Oesterreich-Ungarn und 4,50 M. für die übrigen Staaten. Anfragen und Bestellungen sind an A. Mendt- Berlin 39, Sprengelstr. 1, zu richten. Die Zeitschrist, die in Braillescher Kurzschrift gedruckt wird, ist nicht durch den Buchhandel, sondern nur durch die genannte Stelle zu beziehen. Die Parteigenossen werden gebeten, die ihnen bekannten Blinden auf das Organ aufmerksam zu machen. -i- Imperialismus oder Sozialismus? Unter diesem Titel ist in den auf Veranlassung des Parteivorstandcs herausgegebenen.Sozial- demokratischen Flugschristen" eine neue Broschüre von 16 Seiten als Heft XII erschienen. Es enthält folgende Abschnitte: 1. Wirtschaft- liche und soziale Umgestaltungen. 2. Die Wirtschaftspolitik des Imperialismus. 3. Der kapitalistische Ausdehnungsdrang. 4. Das imperialistische Ideal. 5. Imperialistische Gewaltpolitik. 6. England und Deutschland. 7. Der Imperialismus und die innere Politik. 8. Steigender Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit. 9. Der Kampf gegen die Kriegsgefahr. 10. Der Kamps um die Macht. Wir wünschen der Broschüre, die in knappster und klarer Form über eine der wichtigsten politischen Fragen Ausklärung gibt, eine Massenverbreitung. Der Preis der Broschüre beträgt 10 Pf. Vereine und Gewerkschaften erhalten bei Bezug für Massenverbreitung billigste Preise.__ Im ersten württcmiergischen Wahlkreise(Stuttgart) hatten die Urwahlen für die Parteitagsdelegation, daS Ergebnis, daß Genosse Hildenbrand, Genosse Höring, Genosse W e st m e y e r und Genosse H e y m a n n gewählt wurden. Personalien. GenosseO. G Ünth er tritt aus der Redaktion des .Vraunschweiger Vollsfreund' aus und geht als Sekretär nach Harburg a. Elbe. polireUiches, 6ericbtUcb München Wien es � s ßß c« e« 767 NNO 768 NNO 767! 2 tili 767NO 767l$D 766 Still Wetter 1 halb Bd. 2 halb bb. ■ Kalb bb. I wolkig g.mclJenl Ibart bb. e!* t* hSj Etattonen Ii aparanda etersburg cilltz Aberbcen PariS Ii Bf 765 NO 760 SSW 770ND 77ÄNS 785»»» Wetter 4 Halb bd. 1 bedeckt wottig wölken! Gedeckt B* »II 2 8 18 7 11 evetterprognofe für Freiing, den 13. September 101». 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Pfund 1.90 Mausschinken'«-�sPfd.°°>'� 1.40 Rollschinken oa- 5-8 i,60 Schinkenspeck nulfdok!n.:o.nÄ 1-35 Teewurst......... Pfund 1.25 Bauernmettwurst...... Pfund 1.15 Jagdwurst............ Pfund 1.05 Feine Leberwurst..... Pfund 1.15 Landleberwurst....... Pfund 1.00 Pasteten-Leberwurst.., Pfund 1.25 Rotwurst......... pfuod 55, 75 pf. Brühwürstchen 6D|�r 90 pt. 1.75 Obst und Gemüse Butter und Käse Goldtrauben Pfd. 24, Kiste 78 � 1.95 Blaue Kurtrauben..... ptund 22 pt Napoleonsbirnen___.3 Pfund 25 Pt Bergamottebirnen zam 10 pt Williamsbirnen........ Pfund 1 5 Pf. Kochbirnenp'.! 0,Kochäpfelpd.l 5 Pf. Koch- und Backbutter Pfund 1.15 Essbutter Pfund 1.25, 1.35,'Mk'63 pt Emmenthaler Käse.... Pfund 1.10 Schweizer Pfund 95, Tilsiter 68 pt Limburger Pfd. 58, Romatour stock 32 pt Briekäse pfd. 78, Bierkäse Pfd. 65 pr. G. m. b. H. Versand-Abteilung: Berlin W. 66, Leipziger Strasse 132-137 Die Firma A. WERTHEIM hat zu ähnlich lautenden Firmen keinerlei Beziehung Fische Schellfische...... 15, 18 rr. 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An den Seen OberitalienS. Lelsina. Die Frau vom Meere. Kai» in erspiele. Mein Freund Teddy. Kursürsten-Oper. Der Kuhreigen. Berliner. Groize Rosinen. Königgraher Strnhe. Die süns Franlsurter. Kleines. Der Unverschämte. Der Arzt seiner Ehre. Lottchens Gc burlstag. Montis Operetten. Geschlossen. Schill er O. Der Misanthrop. Die Schule der Frauen. Sdr». Edarlotte, Iburg. Der Talisman. Residenz. Der Herr von Nr. 19. Thalia. Autoliebchen. Luisen. Ich lasse Dich nicht. Herrnseld. Wie man Männer bessert. Die Origmal-Klabrias- Partie. Triauon. Die Brieftasche. Ein peinlicher Zwischenfall. Der Dieb. Metropol. Schwindelmeier u. Co. Casino. Der Grohsürst. Reichehallen. Stetliner Sänger. Die Macht der Töne. Wintergarte». Spezialitäten. Apollo. Svezialitälen. Passage. Spezialitäten. Anfang 8'/, Uhr. Lustspielliaus. So'n Windhund. Friedr.- SSitd. SchausptelhauS. Die keusche Susanne. Rose. Zapsenstreich Waldaua. Nur nil 8ediI>er-7Iiesler0.The°.e? Freitag, abends 8 Uhr: Oer tilissnidrep. Die Schule der Frauen. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Gefährtin— Paracelsu«. Der grüne Kakadu. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Zopf und Schwert. Schiller-Theater Chabu?r' Freitag, abends 8 Uhr: Der TaliBiuan. Sonnabend, abends 8 Uhr: 4 Nachruhm. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der Pfarrer von Klrchfeld Sonntag, abends 8 Uhr: Der TaUsiuan. Zirkus Albert Sehumann, so-aoendj�M. s.p.=mb.r. Gala-Premiere mit nur durchweg Ifenlielten. Sonntag, den 15. September; 2 gTOßC VorStclIUngfifl 2 Nachmittags 3'/, Uhr und abends 71/, Uhr. Nachmittags hat jeder Erwachsene ein Kind unter 10 Jahren frei auf allen Plätzen, außer Galerie. In beiden Vorstellungen das Gala-Premlerc-Prosramm. nicht drängeln. Der keuscheJofeph. Folies(Lavriee, Dir Rehbock. Ansang 8'/, Uhr, Neues Volksiheater. Liebelet.— Literatur. Älijang 10 Uhr. AdlniralSpalast. Eisballett-Ivonne. <-* Sternwarte, Jnvalidenstr. 57— 62. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Große Rosinen. Abends b Uhr: vis s frsHklurter. 0öll!8l!llg5 (Komische Oper). An allen Tagen der Woche 7'/, Uhr Eg m o n t._ Rkfidkits-Thelller. 8 Uhr: Der Herr von Nr. 19. Schwant in 3 Alten von Keroul und Barrö. Morgen und folgende Tage: Der Herr von Nr. IS. Grohe Fralitsurter Str. 132. j Zapfenstreich. — � Ansang 8'/, Uhr. Aus der Gaiienbühne: Es gibt nur ei» Berti». Gr. Revue. Luisen-Theater. Freiiag: Letzte Abendaussnhrung: Ich lasse Dich nicht. Sonnabend: Ter Alpenkönig und der Meiischenfeiiid. Sonntag nachm. 3 Uhr: Ich lasse Dich nicht. Abends 8 Uhr: Der Walzer- könig._ Montis Operetten-Theater (jrüher Kene» Theatei") Heute geschlossen. Sonnabend z. erstenmel; Golduer Leichtsinn I Iliezlös Küiiig8lgl!l-l!s8iiio. I Holzmarltstr. 72, Ecke Zllexanderstr. 1 Min. v. Bahnh. Jannowitzbrücke. Vom l. bis 16. September: Das glanzvolle Spezialitäten- Programm und„Amor", Operetten- BurleSke in 1 Alt. Ansang 8 Uhr. Sonntags 5'/. Uhr. 5 Säle für 80-400 Personen und �KegellAchncii�u�ergeben� Zirkus Busch Bahnhof Bttrae. Sonnabend, 21. September, abends 8 Uhr: Gala-Premiere. Vorverkant ab Montag, den 16. September, im 2irkus Busch, bei A. Wertheim und Invalidendank. 102/1 OSE=TliEATEi Ab 8 Uhr bachen ist die Parole! 4 Schwestern Knby Humorist, akrob. Potpourri. M. Vega Trio der Gipfel der Komik. Wunderpapagel Lora und 8 weitere Novitäten. Reichsballen-Theater Stettiner Sänger. Ken! wJP Die Macht ßM der Töne. Suvlcäte Jii-W v. Mehsel. Ansang 8 Uhr, Sonntags 7>/, Uhr. osizcscR SARTEN Täglich: Großes Militär- Doppel-Konzert. Eintritt I Tfark, von abends 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. IsräfflARK Letzte Woche! Bntree SO Pf. Kinder und Zwergstadt bis 6 Uhr frei. Die für 1912 gelösten Billetts haben f. die nächstjährige Saison keine Galligkeit. Sonnabend: Letzter Elitetag mit großem Feuerwerk. Entree 50 Pf. MMIS Wie man Männer bessert! Die Original- Klabrias-Papfie Beide Stücke mit Anton und Donut Hcrrnfeld in den Hauptrollen. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf 11— 2(Theaterkasse.) Trianon-Theater. Ansang 8 Uhr.„Die Brieftasche-. „Ein peinlicher Zwischenfall«. _„Der Dich"._ Passage-Thealer. Abends 8— 11 Uhr Gastspiel der sieben SpaBmacher „Da tut sich was.4' Große Metroparodie-Revue nach dem Englischen aus dem Französischen ins Dämliche übersetzt von Schmolius Feind, Musik von Viclus ümburger, in Szene gesetzt von Direktor Ricardo Shoultscz. Jean Pedro, Fratzi Massievy, Laatsch Messing, Pepl Pepipl, Kehn Erzbishop, Luido Quietscher. Pfeifen überall gestattet! Passage-Panoptikum Prinz 1T0M Das kleinste menschliche Lebewesen. I Das Wunder aller Wunder. Lebenil! Ohne Extra-Entree! Voigt-Theater. Sesundbrilnuen Badstraße 68 Heute geschlossen. Sonntag, den 15. September 1912: Robert und Bertram. Montag, den 16. Scbtember: Er. öfsnung der Wintersatson._ Casino-Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr Ein lustiges Stück a. d. Bcrl. Leben Der Großfürst. Vorher cm auserwähller Spezialitä- tentcil, nur Künstler ersten Ranges. Borvcrtaus an der Theaterkasse von 11— 2 Uhr. Sonntag 3'/, Uhr: Der stille See. Capries. i S'l, Uhr; Folies Täglich Die Novitäten: Der keusche Joseph Der Rehbock."" Der Einbrecher. Metropol-Theater, ittier i Phant.-musif. Komödie in 3 AN. aus d. Engl, völlig srei bearb. von I. Freund. Muiif von R. Nelson, u. a. Tänze von W. Bishop. In Szene ges. v. Dir.Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen geltaltel. Admiralspslast am Bahnhof Friedriohstraße, z. Z. einziger Eispalast. Heute 3 Vorstellungen 2. Nachmittags und abends: Oas prachtvolle Eisballett Yvonne. Abends außerdem: Die kleine Charlotte. Elniidshofer-Konzert. Bis 6 Uhr und von lO*� Uhr abends halbe Kassenpreise. Restanrant 1. Randes! Wein- und Bier-Abteilung. Für den Inhalt der Jnierarr ndernimmt dir Redattio» dem Publikum gegenüber keinerlei Bcrantwortnng- «eruntwortUcher Redakteur: Alfred Wielepp. Neukölln. Für den Lnseratenteil verantw.: Tb. Glocke. Berlin. Druck». Vertag: Vorwart« Kuchdruckere: u. verlggsanstait Kaut Singer u. Co.. Berlin SWL »■au. Z9.Z.W., z. Keilllge des„DsriUrts" Kellimr Nslksbllltt. Partei-?Zngelegenkeiten. Lichtenberg. Am Sonntag, vormittags 8 Uhr. von den be- kannten Stellen aus Flugblattverbreitung. Keiner darf fehlen. Die Bezirksleitung. Am Dienstag, den 17. d. M., finden im„Schwarzen Adler" und„Cafe Bellevue" zwei öffentliche Versammlungen statt, in welchen die Stadtverordnetenfraktion den Tätigkeitsbericht gibt. Auf vollzähliges Erscheinen rechnet Die Bezirksleitung. Steglitz- Friedenau. Am Sonntag, den 15. September, findet ein Familienausflug durch den Grunewald nach dem Restaurant Schwarz(Rennbahn) in Zehlendorf statt. Abmarsch l/g12 Uhr von Ecke Grunewald- und Kleiststrahe in Steglitz. Um recht zahlreiche Beteiligung ersucht Der Bildungsausschutz. Wannsec. Morgen Sonnabend, abends 8 Uhr, im Restaurant „Fürstcnhos": Versammlung des Wahlvereins. Berichterstattung von der Kreisgencralversammlung und der Verbandsgeneralversammlung. Biesdorf. Am Sonntag, den 16. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, findet im Lokal des Herrn Haack, Marzahner Straße, eine öffent- liche Versammlung statt. Genofie W. Nitschke spricht über:„Die Bedeutung der Sozialdemokratie für die Arbeiterschaft." Partei- genossen, sorgt durch rege Propaganda für Massenbesuch der Ver- sammlung. FriedrichShagen. Der BildungsauSschuß veranstaltet am Sonnabend, den 14. Septeniber, abends 8'/, Uhr. bei Lerche, Friedrich- straße 1t2. eine Theatervorstellung. Aufgeführt wird „Minna von Barn Helm" von G. E. Lessing durch das Märkische Wandertheater. Einirittskarten a 60 Pf. sind in der Konsumgenofienschaft, Friedrichstr. 98, zu haben. Lichtenrade. Morgen, Sonnabend, den 14. September, abends 8l/z Uhr, im Wirtshaus Lichtenrade, am Bahnhof, Mitglieder- Versammlung. Schönwalde- Schöncrlinde(Bezirk Pankow). Sonntag, den 15. September, nachmittags Zi/z Uhr, im Lokale von Schulz in Schönwalde: Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: Bortrag des Genossen Georg Ucko über:„Der Kampf gegen die Teuerung". Die Genossen von Pankow werden ersucht, rege an der Ver- sammlung teilzunehmen. Treffpunkt: 1 Uhr am Rathaus; von da mit der Straßenbahn bis Französisch-Buchholz. Die Agitationskommission. Rosenthal- Wilhelmsruh. Sonntag, den 15. September, vor- mittags 8 Uhr, von den Zahlabendlokalen aus Handzettelverbreitung. Dienstag, den 17. September, abends 8'/z Uhr, bei Milbrodt, Krön- prinzcnstr. 15: Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Tages- ordnung: 1. Ausnahme neuer Mitglieder. 2. Ausbau der Zahl- abende. Referent: Genosse Gramutke. 3. Vereinsangelegenheiten. berliner Nachrichten» Vor der Standesehre des VolksschullchrerS. Die„Pädagogische Zeitung" veröffentlicht mit der Ueberschrift:„Aus der Sommerfrische, etwas zur S t a n d e s s r a g e die Zuschrift eines Volksschul- lehrers, der vermutlich in Berlin amtiert. Er klagt, daß „unter den Kollegen noch sehr viele sich befinden, die die Standesehre nicht genügend pflegen".„Manchmal möchte man", ruft er aus,„nach dem Vorbild der Aerzte und Offiziere Ehrengerichte verlangen!" Und dann erzählt er: „In einem Orte an der Nordsee wollte ich den Kollegen einen Besuch abstatten— nach alter, lieber Gewohnheit. Daß sie beide an Sommergäste vermieten, wußte ich. Darin fand ich auch nichts. Daß aber beide Lehrerfrauen ohne dienstbaren Geist für die Sommelgäste alle niederen Arbeiten verricdteten, einschließlich Stiefelputzen, Nachtgeschirreinigen usw.. fand ich unerhört. Die eine begrüßte uns sogar mit dem zu putzenden Stiefel in der Hand. Man stelle sicd vor, was die Sommergäste über unseren Stand denken und sagen müssen. Ueberall erzählen sie doch, daß sie bei einem Lehrer gewohnt haben. Und mit dieser Er- innerung verknüpft sich das Bild der Lehrerfrau mit der Stieselbürste»nd dem Aufwascheimer. Und das ge- schieht. obgleich die Nebencinnabmen wohl die Ueber- tragung der niederen Arbeiten an einen dienstbaren Geist gestatten. würden. Denn der eine Kollege hatte eine Einnahme von 800 M., der andere eine solche von 500 M., also im„Nebenamt" eines Wirtes recht ansehlltiche Summen. Bemerken will ich noch, daß recht vornehine Leute, z. B. ein Major, bei den Kollegen wohnten. — Bei der Wirlstafel in einem guten Hotel hatte ich noch folgende Freute: Ein Herr(Kailfmann), dem ich mich bloß als H. aus N. vorgestellt hatte, hielt sich über die unfeine Art seines Tiich-V'savis auf, indem er sagte: Wenn ich nicht wüßte, daß der Meilich ein Doktor ist, hätte ich ihn für einen Volksschullehrer gehalten." Mancher wird diesen Herzenserguß überaus amüsant finden, aber dem Einsender ist es gewiß heiliger Ernst niit seiner Entrüstung. Der Lehrer, der daS geschrieben hat, wird vielleicht Arbeiterkindern schon oft erzählt haben. daß„Arbeit nicht schändet". Seinen Kollegen aber sucht er klar zu machen, es sei„unerhört", daß eine Lehrerfrau für einen bei ihr wohnenden Sommergast die Stiefel putzt und die Nacht- töpfe reinigt. So etwas heißt ihm,„die Standesehre nicht genügend pflegen", und da„möchte man Ehrengerichte verlangen". Jawohl, die„Lehrcrfrau mit der Stiefelbürste und dem Aufwascheimer" gehört vor ein Ehrengericht, samt ihrem Gatten, der solche sie entehrende Arbeit duldet. Der Lehrer aber, dem die„Päd. Ztg." die Zuschrift. abgedruckt hat. muß ivegen besonderen Verdienstes um die Wahrung der Standesehre Ehrenmitglied des Deutschen Lehrervereins werden._ Frauen im Geineindewaisenrat. Der Beschluß dSr Armendirektion, Frauen auch in die Arinendirektion als Vürgerdeplitiertinnen aufznnehinen. hat die Aufmerksanikeit auch allf die Tätigkeit der Frauen in der Waisenpflege gelenkt. Während die den Armenkonimissionen angehörigen Frauen in den Kommissionen vollberechtigt sind. werden die in den Gemeindewaisenräten tätigen Frauen anders behandelt; sie haben hier nur beratende Stininie. Ein Grund dafür, daß die männlichen Mitglieder stimm- berechtigt, die weiblichen nicht stimmberechtigt sind, ist nicht erkenntlich, zunial gerade die Waiscnhelferinnen oft recht schwierige Aufgaben zu erfüllen haben. Jrft Juni wurde vom Gemeindewaisenrat 57a eine Frau zur Vorsitzenden gewählt; sie wurde aber von der Deputation nicht bestätigt, weil— eine Frau nicht vollberechtigt sei. Das bedeutet eine De- gradierung der weiblichen Mitglieder des Waisenrats, die vollkommen unbegründet ist. Es wäre höchste Zeit, daß in der Waisenverwaltung auch die Frauen, die gerade in der Waisen- pflege sich recht niltzl.ich betätigen, volles Recht wie die männ- lichen Mitglieder erhalten. Die Verunstaltung des Potsdamer Platzes durch Errichtung eines Kaffeehauses steht immer noch in Aussicht. Man sollte es kaum für möglich halten, daß in einer Zeit, in der so viel von der Notwendigkeit der Verschönerung des Städtebildes geredet und geschrieben wird, ein Plan ausgeheckt wird, der einen Platz bor einem schönen stattlichen Gebäude, wie es der Potsdamer Bahnhof ist, in der schlimmste» Weise zu verschandeln geeignet ist. Ganz unbegreiflich ist es, daß der Fiskus selber die Rolle des Ver- unstalters eines schönen Platzes spielen will, lediglich aus materiellen Interessen. Man bedenke: Von Staats wegen wird angeregt. Ortsstatute zum Schutze vor Verunstaltung schöner Gegenden oder Bauwerke zu erlassen. Kreise und auch einzelne Gemeinden bemühen sich, solche Ortsstatute zu erlaffen. Und dann kommt ein bestimmtes Ressort desselben Staatsministeriums, das solche Anregungen an die Gemeinden er- lassen und diese Musterstatute zur Nachachtung ausgearbeitet hat, und beabsichtigt, einen öffentlichen Platz in der schandbarsten Weise zu verhunzen. Daß das Projekt der Erbauung eines Cafös auf dem Platze vor dem Bahnhof, unmittelbar vor den zum Bahnhof führenden Treppen, die dadurch zum Teil schwer zugäng- lich werden, eine Verunstaltung darstellt, hat der so- genannte Verunstaltungsausschuß klipp und klar bejaht. Wie schlimm aber diese Verunstaltung wirkt, konnten am Mittwoch die Mitglieder der Tiefbaudeputation an der Hand eines Modells erkennen. Danach wird das Cafö direkt vor dem Eingang zum Bahnhof hingestellt. Das Publikum, das nach dem Bahnhof will oder von ihm kommt, kann seinen Weg nicht geradeaus nehmen, es muß vielmehr in einem Bogen um das zu errichtende Cafö bezw. um den Cafögarten machen, der erhöhte Sitzplätze erhalten soll. Der Verkehr wird durch das Projekt ge- hemmt. Schon aus VerkehrSrücksichten erscheint daS Projett un- durchführbar, ganz abgesehen von der Geschmacklosigkeit, die in dem „genialen" Plane liegt. Es ist genau dasselbe, wenn der Fiskus seinen Plan vor dem Platze„Am Opernhause" oder auf dem Schloß- platze ausführen wollte. Nur glauben wir, daß er hier weniger Glück haben dürfte. Im Interesse eines geordneten Verkehrs vor dem Potsdamer Bahnhofe kann auch die Aufsichtsbehörde eine Genehmigung zu dem eisenbahnfiskalischen Plane unter keinen Umständen erteilen. Freie Bahn für das Talent. Folgende Resolution hatte der Berliner Lehrerverein in einer Versammlung angenommen und der städtischen Schuldeputation übermittelt:„Die Versammlung sieht in der Errichtung von höheren Lehranstalten, die das Lehrziel der Volksschule voraussetzen und, auf diesem aufbauend, in vier bis fünf Jahren ihre Schüler bis zum Reifezeugnis einer Vollanstalt fördern, ein Mittel, hervorragend be- gabten Volksschülern den Weg zu einer höheren Bildung und zu geistigen Berufen mehr als bisher zu erschließen. Die Versammlung richtet an die staatlichen und kommunalen Unterrichlsbehörden die Bitte, diesen Vorschlag auf seine praktische Durchführbarkeit zu prüfen." Hierauf hat die städtische Schuldeputation folgendes geantwortet: „Dem Vorstände erwidern wir auf das gefällige Schreiben vom 11. Dezember 19t1»nd den uns übersandte» Sonderabdruck aus der„Pädagogischen Zeitung", Verlin 1911 Nr. 48 und 49,„Freie Bahn für das Talent", ergebenst, daß wir die Forderung, hervor- ragend begabten Volksschülern den Weg zu einer höheren Bildung und zu den geistigen Berufen mehr als bisher zu erschließen, für berechtigt halten und uns um ihre Erfüllung bemühen werden, daß wir aber den vorgeschlagenen Weg nicht als gangbar ansehen." Ein gesundes Bildungswcsen ist nur möglich bei Einführung der allgemeinen Volksschule, der die höheren Lehranstalten nur ange- gliedert sind. Die Uncntgeltlichkeit des Besuches höherer Schulen muß die Voraussetzung sein, wenn die höheren Schulen nicht ein Privilegium für Kinder bemittelter Eltern sein sollen. Leider ist daS heute der Fall. Einzelfälle, in denen durch besondere Protektion dieser oder jener Schüler weniger bemittelter Eltern die höheren Lehranstalten besuchen kann, ändern an dieser Sachlage wenig. Der Sitz des Potsdamer Oberversicherungsaintrs ist nach dem Oberpräsidialgebäude in der Priesterstraße zu Potsdam verlegt worden. Die zweite Instanz in der Versicherungsrechlsprechung be- zieht die Räume, die früher die Regierung inne hatte. Als Direktor ist der Regierungsrat Freiherr Röder v. Diersburg ernannt.' lieber das Martyrium eines zchnjährigel, Mädchens, daS bei seinem Stiefvater Schalitzky in der Malplaquetstraße wohnte, wurde Anfang August berichtet, daß das Mädchen Katharine Kirsch in der Nähe der Fennbrücke in den Schiffahrtskanal sprang, �uM sich das Leben zu nehmen. Es wurde aber von einem vorübergehenden Arbeiter glücklich gerettet. Als Grund t�urde angegeben, daß das Mädchen wegen fortgesetzter Mißhandlungen durch die eigene Mutter zu dem Schritt getrieben worden sei. Eine Untersuchung, die in der Sache stattgefunden hat, hat ober ergebe», daß die Behauptung fortgesetzter Mißhandlungen stark übertrieben war. Die kleine Kirsch ist ein uneheliches Kind, das bis zum vierten Jahre bei einen, Schmiedemeister Beyer in Pflege war. Dann nahm es die Mutter zu sich. Zwischen der Mutter und Beyer entspannen sich deshalb Streitigkeiten, da B. zugleich Vormund des Kindes war. Das Ge» richt mußte schließlich entscheiden. Die gerichtliche Verhandlung er- gab, daß für die üble Nachrede gegen die Mutter wegen schlechter Behandlung kein Beweis erbracht werden konnte. Rektor und Lehrer bekundeten vielmehr, daß das Kind stets einen gut gepflegten Ein- druck gemacht Härte. Nichtig ist aber, daß die Mutter das Kind öfter geschlagen, aber nickt gemißhandelt habe, weil das Mädchen viel ge- logen habe. Ob die Behandlung des Kindes in letzter Zeit zu wünschen übrig ließ, mutz noch klargestellt werden. Fest steht, daß das Verhältnis des Vormundes Beyer zu der Mutter immer ein reckt gespanntes war. aus dem sich viele Unzuträglichkeiten— auch für das Kind— ergeben haben. Aus diesem Grunde hat daS Vor- mundschastsgericht dem B. die Vormundschaft abgenomnien und die- selbe dem Pastor Pfeiffer übertragen. Katharine Kirsch ist aus der Pflegestelle herausgenommen worden und wird zunächst in einer Waiienerziehnngsanstalt untergebracht. Empörung rief gestern morgen ein Vorfall hervor, über den uns ein Angenzeiige folgendes schreibt: Als ich Donnerstag morgen gegen i/z8 Uhr die Markgrafenstraße passierte, überholte mich die 0. Kompagnie des Alexanderreginieiirs in der Gegend der Leipziger Straße; gleich hinter dieser Straße durchlief ein anscheinend im Scidenhaus Michels angestellter junger Mann im Aller von 17 bis 18 Jahren die Kompagnie(zwischen Hauptmann und Mannschasten), weil er es augenscheinlich sehr eilig balle, um pünktlich im Geschäft zu sein. Dieses'„furchtbare Verbrechen" muß wohl der auf hohem Roß thronende Führer der Kompagnie bemerkt haben, denn sofort be- auftragte dieser einen Mann seiner Kompagnie, den Missetäter zu stellen. In der Taubenstraße wurde der junge Mann von dem Be- auflragten des Hauptmanns gestellt, gehörig„durchgeschüttelt" und denselben Weg zurnckexpediert. den er kurz vorher durch die Koni- pagnie genommen hatte; daß hierbei„Püffe" hagelte», brauche ich wohl nicht weiter anzuführen; besonders glaubte sich ein Gefreiter hervortun zu müssen, indem er dem„Delinguenten" mit seinen nägelbeschlageue» Stiefeln einen Tritt auf die Hinteren Extremitäten versetzte. Laute Verivünschungen gegen diese enipörende Behandlung wurden von allen Seilen laut. Befriedigt über die gelungene Waffentat zog die Kompagnie mit„Preußenmarsch" ihres Weges weiter, uns aber überkam tiefe Scham über die unwürdige Be- Handlung harmloser„preußischer Bürger" l Ein berüchtigter Heiratsschwindler, der seine Gaunereien nur im Großen betreibt, macht wieder einmal von sich reden. Dresmal ist er unter dem Namen Regierungsbaumeister Dr. Albern aus Berlin wieder im Süden ausgetreten. Es ist ein 32 Jahre aller Mechaniker Eugen Thieringer, der schon vor Jahren vom ErkennungS- dienst der hiesigen Kriminalpolizei entlarvt und damals in Berlin zu einer längeren Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Thieruiger spielte damals, allerdings ohne Erfolg, den„wilden Mann". Sparer wurde er in Süddentschland zu einer Zuchthausstrafe verurteilt, entwich aber aus der Strafanstalt, um sofort seine alten Schwin- deleien wieder aufzunehmen. Unter den Namen Dr. Schiebe und Dr. Bahn prellte er in Hohensalza und Erfurt Damen unter der Bor- spiegelung, ein großes in Konkurs geratenes Unternehmen aufkuufen zu wollen, um sehr große Beträge. Dann nahm er auch noch Stellungsuchenden, denen er diesen oder jenen Posten in seinem Unternehmen versprach, zum Teil beträchtliche Bürgschaften ab. Eine Dame in München opferte ihm erst kürzlich 19 000 M. Unterdessen schrieb der Gauner den Betrogenen in Hohensalza und Erfurt auf einer Karte, daß er sich auf dem Wege nach Argentinien befinde. Wahrscheinlich aber halte er sich nach seinen letzten Streichen nach Berlin gewandt, um hier eine Zeitlang unterzutauchen. Jetzt ist er plötzlich in Mainz aufgetreten.„Dr. Alberti" schwindelte dort seiner Braut vor,. daß seine erste vor ll'/z Jahren in Berlin verstorbene Frau 80 000 M. in die Ehe mitgebracht habe. Diese seien in Hypotheken angelegt. 25 000 M. von dem Kapital müsse er bei seiner Wiederverheiratung an seinen Schwiegervater in Berlin zurückzahlen. Weil er aber augenblicklich nur 13 000 M. besitze, die er sich bei seiner Tätigkeit in Kamerun gespart habe, so wolle er seinem Schwiegervater jetzt gleich 15 000 M. und den Rest von 10000 M. später zahlen. Leider fehlten ihm jedoch, so klagte er scheinbar tief- bekümmert, 2000 M. Die Braut freute sich, damit aushelfen zu können, und„Dr. Alberti" fuhr nach Berlin, wie er sagte, um die Angelegen« heit zu regeln. Seitdem ließ er nichts mehr von sich hören oder sehen. Außer dem baren Gelde erbeutete der Gauner auch noch einen Brillantring im Werte von 500 M., den ihm die Braut geschenkt hatte und 500 M. Reisegeld. Sonderbar ist es, daß der Schwindler bei den Damen soviel Glück hat. Denn er ist nichts weniger als stattlich oder schön. Sein rechter Fuß ist verkrüppelt, um eine Zehenlänge kürzer als der linke, steht nach innen und gibt beim Gehen etwas nach. Aus dem kleinen Finger der rechten Hand fehlt der Nagel. Das linke Handgelenk weist eine Narbe auf. Sie rührt daher, daß Thieringer einmal ver- suchte, sich die Pulsader aufzuschneiden. Der Schnurrbart des Gauners, der schon etwas zu ergrauen beginnt, hat auf der rechten Seite infolge einer Brandverletzung weißen Nachwuchs. Der Gauner, der meistens ein Monokel, zuweilen auch einen Kneifer trägt, sehr oft seine Kleidung wechselt und schwäbische Mundart spricht, nennt sich mit Vorliebe Regierungsbaumeister, Baurat. Ingenieur, Ober- ingenieur oder Automobilfaorikant und fährt in der Regel Auto- mobil, das er selbst gern steuert, oder 1. Klasse mit der Eisenbahn. Zu Gerüchten von einem Verbrechen gab gestern morgen ein Leichenfund Veranlassung. Sie sind aber allem Anschein nach un- begründet. Aus dem Hafen gegenüber dem Hause Schöneberger Straße 22 wurde um 0 Uhr morgens die stark verstümmelte Leiche eines noch unbekannten Mädchens aufgefunden. Sie war ganz un» bekleidet bis auf die schwarzen Schuhe und blauen Strümpfe. Der rechte Unterarm ist am Ellenbogengelenk abgetrennt und fehlt noch. Beide Beine sind mehrmals gebrochen. Die linke Leistengegend weist eine ilaffende Wunde, der Oberkörper mehrere Stichverletzungen auf. Allem Anschein nach rühren die Verletzungen ohne Ausnahme von Dampserschrauben und Bootshaken her. Es scheint, daß der Körper ganz in eine Schraube hiiieingeraten und mehrmals herumgeschlendert worden«st. Hierbei sind wohl auch die Kleidungsstücke yom Körper herabgerissen worden. Die Leiche scheint etwa acht Tage im Wasser gelegen zu haben. Die unbekannte Tote, die nach dem Schau» hause gebracht wurde, scheint etwa im Anfang der zwanziger Jahre gestanden zu haben. Sie ist kräftig gebaut und hat blondes Haar und gesunde Zähne._ Vorort- Nachrichten# Lichtenberg. Einsichtnahme in dir Wählerliste k Im November wird die Stadt» verordnetenversammlung neu gewählt. Die Liste der stimmfähigen Bürger liegt zur Einsichtnahme für alle Wähler vom Sonntag, den 15. September, bis einschließlich den 30. September aus, und zwar nicht wie früher im Rathause, sondern im Stadt- hause(früheres Rathaus Rummelsburg), Türrschmidtstraße, Wochen- tagS in der Zeit von 8 bis 3 Uhr täglich und Sonntags von 9 bis 12 Uhr. In dieser Zeit ist jeder Bürger verpflichtet, Einsicht in die Liste zu nehmen; etwaige Einsprüche gebe man sofort zu Protokoll. Wer nicht in der Liste steht, darf nicht wählen. Tue daher jeder seine Pflicht I* Charlottenburg. Ein schweres Brandunglück hat sich am Mittwoch in der Goethe» straße 67 zugetragen. Die 85jäh1ige Ehefrau des dort wohnhaften Nachtwackbcamten Brosen wollte ftüh Kaffee kochen. Um das Feuer 'anzufachen, goß sie auf die im Küchenherde noch glimmenden Kohlen Petroleum. Die nun auflodernde Flamme erreichte auch die offene Petroleumflasche, die mit furchtbarem Knall explodierte. Die bieimende Flüssigkeit ergoß sich über Frau Brosen, die innerhalb weniger Augenblicke einer lebenden Feuersäule glich. Laut um Hitfe. rufend stürzte die Unglückliche auf den Korridor hinaus, wo sie besinnungslos zusammenbrach. Hausbewohner erstickten durch Auf- werfen von Betten und Decken die Flammen und riesen die Samariter der Feuerwehr herbei, die der bedauernswerten Frau die erste Hilfe angedeihen ließen und sie nach dem Krankenhause Westend schafften. Hier verstarb Frau Brase» alsbald nach ihrer Einlieferung an den erlittenen Brandwunden. Ein Automobilunfall ereignete sich in der Gerviniusstraße. Als dort der 12jährige Schüler Fritz Seidel vor dem elterlichen Hause Nr. 7 den Fahrdamm überschreiten wollte, wurde er wenige Schritte vor dem jenseitigen Bürgerstcige von einem in schneller Fahrt heran- nahenden Automobil eines Berliner Warenhauses ersaßt und um« gestoßen. Der Knabe schlug mit solcher Wucht auf die Bordschwelle aus, daß er einen schweren Schädelbruch und eine starke Wunde am rechte» lliiterschenkel davontrug. In fast hoffnungslosem Zustande fand der Verunglückte im Krankenhause Aufnahme. Neukölln. Dir LrbenSmlttelteuerung und die Mißstände im Gcwerde lautete das Thema, das in einer gut besuchten Versammlung der selb- ständigen Schnhmackier Neuköllns Genosse Klüß behandelte. Nachdem der Referent in packender Weise die gegenwärtige Lebensmittelmisere sowie die derselben gegenüber �bisher bewiesene Untätigkeit der Re- gierung dargelegt hatte, zeigte er den Anwesenden, daß sie die im> Berufe vorhandenen Auswüchse nur durch Zilsamme>:s.blutz aller Be- rufsgenossen sowie durch Anschluß an die politische Organisation be- seitigen könnten. Hierauf gelangten zwei Resolutionen zur Annahme, von denen die erstere Maßnahme» gegen die Lebensmittelleuerung fordert, während die zweite die Berufsgenossen um Abschaffung der Nacht-»nd Sonntagsarbeit ersucht. Gleichzeitig wird das Publikum ersucht, die selbständigen Schuhmacher in ihrem Bestreben um Er- ringung menschenwürdiger Zustände dadurch zu unterstützen, daß es auf die Fertigstellung von Arbeiten während deS Nachts sowie des Sonntags verzichtet. Friedenau. AuS der Gemeilldevertretiing. Der Stegicrung?.prnsident hatte bekanntlich die Werwcndnnjz des hinter dem Gememdefriedhofe liegenden Grundstücks zu Friedhofszlvecken nicht gestattet, da, wie eS in dem damaligen Bescheid hieß, sowohl in gesundheitlicher wie in ästhetischer Hinsicht schwere Bedenken vorlägen. Ans eine Beschwerde der Gemeindevertretung ist, wie der Bürgermeister mitteilte, jetzt die Genehmigung unter der Bedingung erteilt, daß an dem an die Laubacher Strasse grenzenden Teil des Grundstücks IS Meter nicht belegt werden dürfen. Eine vom Schöffen Bache gegen die Errich tung des Rathauses ain Lauterplatz sowie die Festsetzung der Fluchtlinie eingereichte Beschwerde ist vom BezirksauSschntz zurückgewiesen worden. Des weiteren brachte der Gemeindevorsteher eine Einladung des triedenauer Turnvereins zur Sedanfeier zur Kenntnisnahme. Diese ngelegenheit ist an sich sehr unbedeutend, sie verdient aber hier angeführt zu werden, um die„Unparteilichkeit" des Herrn Bürger« meisrer Walger einmal ins rechte Licht zu rücken. Als vor zirka einem Jahre die Gemeindevertretung den Gemeindevorsteher durch Beschluß dazu zwingen wollte, alle an die Gemeindevertretung ge- richteten Eingaben zur Kenntnis derselben zu bringen, erklärte Herr Walger, daß er nach der Landgemeindeordnung berechtigt sei, der Gemeindevertretung nur das vorzulegen, was er im öffentlichen Interesse zur Verhandlung geeignet halle. Er laste sich durch einen Beschluß der Gemeindevertretung keine Vorschriften machen und werde, streng unparteiisch, alles das vorlegen, was öffentliches Jntereste beansprucht. Tatsachen beweisen indessen, daß es mit der Un« Parteilichkeit deS Herrn Bürgermeisters nicht weit her ist. Im Gegensatz zu den verschiedensten patriotischen Vereinen, die Ein- ladungen zu ihren Vereinsvergnügen an die Gemeinde richteten, zu Eingaben deS Hans- und Grundbcsitzervercins gelegentlich der Etats- beraiungen st)wie den Petitionen einzelner Herren aus dem Handels- und Gewcrbeverein gegen eine vernünftige sozialpolitische Maßnahme hat eine Eingabe aus den Kreisen der organisierten Arbeiterschaft bisher vor dem Herrn Walger noch keine Gnade gefunden. Wir erinnern an die verschiedenen Petitionen der Gewerkschafts- konlmisston um Errichtung eines GewerbegerichtS, das längst für den Ort dringendes Bedürfnis geworden war. Nie lag nach Ansicht des Bürgermeisters ein öffentliches Interesse vor. Dasselbe war der Fall, als vor drei Monaten von den Leiterinnen der Ferienausflüge für Arbeiterkinder in einer Eingabe an die Gemeindevertretung um eine finanzielle Unterstützung nachgesucht wurde. Herr Walger wird es sich nach alledem müssen gefallen lassen, daß von unseren Genossen Zweifel an seiner Unparteilichkeit geäußert werden.— Eine weitere Eingabe, die vornehmlich von höheren Beamten unter- zeichnet ist, protestiert gegen die von der Gemeindevertretung vor den Ferien beschlossene Beseitigung der Vorgärten in der Kirch-, Schmargendorfer- und Jsoldestraße. Es wird darin ersucht, den damals gefaßten Beschluß wieder aufzuheben. Genosse Richter sowie Herr Berger unterstützen diese Eingabe. Beschlossen wurde, eS bei dem bisherigen Beschluß zu belassen. Da bisher von der Gemeinde Maßnahmen gegen die Teuerung noch nicht getroffen sind, ersuchte Genosse Nichter den Genieindevorstand, die Beschaffung von Lebens- Mitteln durch die Gemeinde schleunigst betreiben zu wollen. Auch fei es Pflicht der Gemeinde, energisch gesetzgeberische Maß- »lahmen zur Steuerung des herrschenden'Notstandes zu fordern. Der Gemeindevorsteher sagte das erstere zu, während er sich von der Eingabe an den Reichstag bei der heuligen Zusannnensetzung desselben durchaus keinen Erfolg ver- spricht. Der Inhaber des PrivalmarkteS an der Bornstraße Ecke Rhein- resp. Schloßstraße unterbreitete der Gemeindevertretung einen Vertrag, in dem er sich verpflichtet, den aus diesem Grundstück be- findlichen Vergnügungspark auszuheben, wenn die Gemeinde ihm in Zukunft den Strompreis für Beleuchtung der Marktanlage auf das für die Inhaber der Ladengeschäfte geltende Maß herabsetzt. Dem wurde zugestimmt. Des weiteren wurde beschlossen, die GutSmut- straße bis nach der Schloßstraße hin durchzulegen, wodurch der vor- hin erwähnte Marktplatz in zwei Teile zerlegt wird. Nieder-Schöneweide. Ein schweres Sittlichkeitsvcrbrcchen an einem Mädchen ist vor- gestern in Nieder-Schöueweide verübt wordkn. Ein etwa 40jähriger Mann, der in der Kölnischen Straße gebettelt hatte, sprach in der Britzer Straße ein fünfjähriges Mädchen, die Pflegetochter eines Eisenbahnbeamteu an und lockte die Kleine in den nahen Wald. Hier verging sich der Wüstling an dem Kinde. Bei der Annäherung von Passanten ergriff der Attentäter die Flucht, wurde jedoch»ach einer wilden Jagd eingeholt, überwältigt und der Polizei zugeführt. In dem Festgenommenen wurde der 43jährige Arbeiter Wendt aus AdlerShof festgestellt, der bereits mehrfach wegen Sittlichkeitsvergehens vorbestraft und auch läugere Zeit in einer Irrenanstalt interniert gewesen ist. W. wurde in das Köpenicker AmtSgerichtSgefängniS eingeliefert. Ober-Schönetveide. Am Sonntag, den lv. d. M., hält der Gesangverein„Ober- schöneweider Liedertafel", Mitglied d. D. A.-S.-B., vormittags 13 Uhr im Restaurant„Blumengarten", Ostendstraße, Jnh. Gärtig, eine Morgensprache ab, wozu folgende Vereine ihr Erscheinen zugesagt haben:„Lichtenberger Männcrchor",„Mäientranm Soni- Belli", Berlin,„Friedrichshagener Männerchor",„Freie Sänger", Königs- Wusterhausen,„Freier Sängerchor", Alt-Glicuicke,„Liederfreunde", Johannisthal und„Mänuerchor Obersprce", Nieder- Schönewcide« «aumschulenweg. Der Eiutritv ist frei. Außerdem veranstaltet obengenannter Berein nachmittags einen Votlstiedcrabend. Eintritt 20 Ps. Gönner und Freunde des Gesanges sind hierzu eingeladen, Erkner. Die hiesige„Freie Tnrncrschaft"i m s ch u l e r, w e g. Den Mitglieder», welche in Treptow wohnen, zur Kenntnis, dafi am Sonnabend, den 14. September. abends von 8'/, bis 10 Uhr im Lokal von Jul. Schmidt. Kiefholzstr. 22 kassiert ivird. Zlrbeiter. Büaudcrverein„Berlin". Wanderfahrten am Sonnlag, den 15. September: I. In die Duberow. Groß-Besten, Forstbaus Duberow, Hölzener und Schmölde-See, Pricros, Tolgen-See, Senzig, KönigS-Wusterhauscn. Absahrt 6,45 Uhr vom Görlitzer Bahnhof. II. Spreewaidfahrt. Absahrtzeit wie oben Arbeitertouristcnverci»„Tie Naturfreunde», Ortsgruppe Berlin. Sonnlag, den 15. Sepkember: Wanderung und Fahrt durch den Unter- spreewald.(Halbe, Wend. Buchholz, Gr.-Wasscrburg, Schiepzig, Lübben.) Llbsabrt l.: am 14. September, abends 7,15 Uhr. bis Halbe; II.: am 15. September, früh 6 Uhr, bis Oberin, vom Görlitzer Bahiihoj. Trcss- punlt aus dem Wchlaberg. Singegangene Druckschriften. Von der„Neuen Zelt" ist soeben das 60. Hest des 30. Jahrgangs cischienen. Aus dem Inhalt dcS Heftes heben wir hervor: Zum Parteitag. Von K. KantSth.— Stein und Schön. Von F. Mehring.— Sturmlaus egen das Koalilionsrecht. Von C. Legien.— Imperialismus und iüstunaSbcschränkiing. Von Gustav Eckstein.— Die sozialdemokratische Frauenbewegung Deutschlands. Von Luise Zieh.— ParleiauSschuß oder erweiterter Parleivorstand? Bon Heinrich Schulz.— Sonderkonsercnzen. Bon H. Strobel.— Der militärische Juacnddnll. Von Edgar Hahnewald (Gera).— Zur Angcstelllensragc. Von R. Woldt.— EntwickelungSlinicn für unsere Bibliotheken. Vorschläge von I. Hanauer(Brüssel).— Eine Wablanalhse. Bon Adols Thiele.— Literarische Rundschau: Gewerkschast- liche Jahrbücher. Von I. Kliche.— Zur Frage der Flelschvcrsorgung. Bon Lp.— Die Wunder der Nalur. Von ew.— Zeitschrisieuschau. Bon Oda Olberg. Die„Neue Zelt" erscheint wöchenlllch einmal und ist durch alle Buch. bandlungen, Posianstalten und Kolporleure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Hest lostet LS Pf. Marktbericht von Berlin am II. Srptbr. ISIS, nach Ermittelung dcS königl Polizeipräsidiums. Marktballenpretse.(Kleinhandel) 130 Kilogramm Erbsen, gelbe, zun: Kochen 80.00—50,00. Speis ebohncn, weiße, 30.00— 50,00. Linsen 35,00—70,00. Kartosseln(Klcinhdl.) 6,00—10,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,80—2,40. Rindfleisch, Bauchflcisch 1,50— 1,80. Schweinefleisch 1,60—2,40. Nal5flcisch 1,50— 2,40. Hammelfleisch 1,70—2,40. Butler 2,20—3,00. 60 Stück Eier 3,80—6,00. 1 Kilogramm Karplen 1. 40— 2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,60—3,60. Hechte 1.60—3,30. Barsche 1,00—2,40. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1,80. 60 Stück Krebs- 1,60—40,00._ WasserstaiidS-Nnchrichten der LandeSanstalt für Gcwässerlunde, mitgeteilt vom Berllner Wetterbnreau. Wasserstand M e m e I. Tilsit P r e g e I, Jnsterbnrg Weichsel. Thorn Oder, Ratibor „ Krassen , Frankfurt Warthe, Schrimm , LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz „ Dresden . Barbh , Magdeburg Wasserstand Saale, Havel, Spandaus , Rathenow') Spree, Spremberg') , BceSkow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximüianSau , Kaub , Köln Neckar, Heilbroiw Main, Hanau Mosel. Trier ')-ff bedeutet Wuchs,— Fall.—») Unterpsgel. Driefkasten der Redaktion. ■Sie lnrlstlfchc Sprechstunde findet Linden st raste 69, vor« vier Treppen — Sollt flu vi—. lvochentüglich von tlh bis 715 Uhr abend», Sonnabends, von tsi, bis 6 Uhr abend» statt. Jeder für drn Brirstastr» bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht ertetlt. Anfragen, denen keine Llbouncmentsqutttung beigefügt ist» werden»tcht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Einbeck. Der Kaiser ist der größte Grundbesitzer in Preußen. Außer einer großen Anzahl von Schlössern besitzt er 33 Güter mit einem Gesamt- umsang von ungefähr 100 000 Morgen.— R. N. 31. 1. Vertrauen Sie sich in dieser Sache dein Lehrer Jbrcs Kindes an. 2. Leider zweckdienlich. — H. H. 1331. Wenden Sie sich an das anatomische Institut, Luisen- straße 56.— B. 100. Ja und wird bti Abiaus des Mandats bezw. bei NichtWiederwahl. Tod usw. wieder eingezogen.— P. K. Adresse für Berlin: Wiih. Hinz. Prinzenstr. 66.— Neukölln 1000. Privalinstituie weisen grundsätzlich nicht nach.— Lisa. Wenden Sie sich an den Verband sür HailSangestellte, Michacllirchplatz 1 II. I. H. 03. Hierüber ist Rat beim Fachmann einzuholen.— E. Ml 30. Durch Selbst- behcrrlchimg.— Ä. P. 4. Diese Stelle in Anspruch zu nehmen, ist zwecklos. Wenden Sie sich lieber an den Transportarbeiterverband, Engel- user 15.— BS. 1. Wetten werden im Brieslasten nicht entschiede». — A« F> 137. Nach dem alten Kalender.— R. B. 7S. Uns nicht Bttowt!.—■ C.». 20. Fragen Sie bei der Zenlralkowmllfion der Krcni fcrifnffcn an, Alcxanderstr. 39/iO.— 31. K. 84. Senden Sie sich an den Verband der(Semeindcarbeiier, Sektion Krankenpfleger, Engeluser IS. — P. N. 18, Beides 1887.— F. C 31. G'.enadierstr. 37, Hos geradezu I. — H. 153. Tie im Verirag vorgesehene Kündigungssrist ist maßgebend. — 3t. K. 35. Sie persönlich hosten nicht. Ihre Frau soll reklamieren. — L. K. Ja, durch Erklärung beim Standesamt.— H. B. 31. Ter Vorschuß konnte von den 50 M. vorweg gekürzt werden.— H. H. 2930. Antrag beim Polizeipräsidium.— A. B. IVO. Das läßt sich kaum fest- stellen.— Nillbon. Eharlottcnbnrg. Für einen Monat sind Sie zahlungSsühig.— H. E. 80. Sie können beim Amtsgericht klagen oder dort den Erlaß eines Zahlungsbefehls beantragen.— C. 8. Ol. Da» kann leider verlangt werden.— W. 22. 1. Ja. 2. bis 4. Ja. Die Höhe des Betrages richtet sich nach den Einkommens- und Vermögcusverhölt- nissen der Kinder.— H. G. 30. Ja.— I. H. 82. 1. bis 3. Die Novelle hat leinen Einsluß aus das Fürsorgeerziehungsgesetz. Die An- ordnung der Fürsorgeerziehung ist keine Strafe im Sinne deS Gesetzes. Die Fürsorgeerziehung endigt mit dem 2t. Lebensjahr, kann aber schon vorder aufgehoben werden. 4. Kann Ersolg haben.— C. K. 70. Sie setber sind nicht zahlungspflichtig.— H. 35. 87. 1. Nein. 2. Nein. Der Lohn ist am Montag auszuzahlen. 3. Nur für die Zeit bis zum 30. September. — M. 99. 1. Das ist zulässig. Die Klage ist, unter Ansllhrung der Partelen, Darstellung deS Sachverhalts und Stellung de» Antrage» auf Verurteilung in Höbe ihres ziflernmößig anzugebenden Anspruchs, in zwei Exemplaren einzureichen. 2. Die sechsmonatliche Frist kommt nur dann in Betracht, wenn die Ehegatten zusammenleben. Da das im vorliegenden Falle anscheinend nicht der Fall war, wird sich die Vernehmung des G. nicht vermeiden lassen.— C. C. 1313. So lange der Onkel Ihrer Frau noch lebt, läßt sich nichts tun. Nach dessen Tode kommt es daraus an, ob ein Testament vorliegt und welchen Inhalt dasselbe bat.— Bl. 12. ES besteht nur Anspruch aus Pension.— S. P. 10. Sie find beide hastbar, wenn die Tochter zur Zeit der Entnahme der Kleidung minderjährig war, andernjalls hastet nur Ihre Frau. s S-KETSSELS» rSS-SZHKZK� ftT «0 <9 s 8 8 « dv* Ä. SU « <9 Sl) SO. Geburtstage g/ - M « 8 Unserem HerbergsSvater Hermann Spaetb zu seinem 50. Geburt die besten Glückwünsche I % Die Mitglieder[142/2 Deutschon Bauarbeiter- A Verbandes Bezirk Nordost, w R& Todes-Anzeigen SozialiieniökralisEliEFWatilverein LiLlßerl. ReiciisSagswalilkfeis. Bezirk 54. Am Mittwoch, 11. September, verstarb unser Mitglied ttermsnn Müller An der Apostelkirche 5. Ehre seinem 3l»de»ke»: Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 14. d. MIS., nach- mittags 3 Uhr, vom Truuerhausc aus nach dem Zwötsnposlelkirchhos in Schöneberg, Tempelhoser Weg statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet Vvn Torstund. |Verlianilil.GEni6iDdE-u.Staalsarii.! Filiale Uroß-Ucrlin. Den Mitgliedern zur Nachricht,! daß der Kollege 35/13 1 Hermann Muller (Mitglied der Ortsverwaltung), welcher in der Berliner Park- Verwaltung beschästigt war, ver< I storven ist. Wir werden ihm ein s ehrendes Andenken bewahren. Die Bestattung findet am I Sonnabend, den 14. September, I nachmittags 3 Uhr, von der Woh- nuug, Berlin W., An der Apostelkirche 6, aus nach dem Friedhos I der Zwölf» Apostel- Gemeinde, I Schöneberg, Am Tempelhoser j Vervuaitunosstelle Berlin, Den Kollegen zur Nachricht, daß j unser tv-itglied, der Fräser Hustav Born Schwedenstr. 18b am 11. September gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 14. September, nachmittag« 5 Uhr, von der Leichenhalle des St. Sebastian- Kirchhoses in Reintckendors W. auS statt. Rege Beteiligung erwartet 124/6 Die Ortsverwaltun A!lp.Kranken-«.Ster!iel{asse| der SeuteD Dreelisler u. dereaBerutsgenosscn(E. H 86)| Berwaltungsstcllc Berlin D. Am 11. Sept. verstarb unser I Milzlied 296/9[ Gustav Sons. Ehre seinem Slnbciifcn! Die Beerdigung findet Sann- abend, de» 14. d. M, nachm. 5 Uhr, I von dcrLcichenhalle des Sebastian- 1 Kirchhote«, Reinickendorf, aus statt.| Die OrtSvrrwaltung. Am Mittwoch, lt. September, verschied unser langjähriger Kollege llorn im 54. Lebensjahre. Sein Aiidcnleii werden wir stets in Ehren hallen. 2:. 12'/, Uhr: Zwlcbusch (Berliner Schweiz). Start: Küstriner Platz. 5. Abt.: 2 Uhr: Famlllentour nach Hirschgarten(Zur Waldburg). Slart: Elysium. 6. Abt.: 5 Uhr: Teupitz(Tornows Idyll). 1 Uhr: Richtershorn). Start: Odcroerger Str. 28. 7. Abt.: 7 Uhr: Wandlitz(Gesell- schastshaus). 1 Ubr: Schönwalde (Schutz). Start: Schulstraße 29. 8. Abt.: 6 Uhr: Seddin(Grätz). Start: Leuctzoivstr. 21. 1 Ubr: NawaivcS(«Inger). Start: Bcufsel- straße 23. 3. Abt.:!>/, Uhr: Pserdebucht. Start: Schillingstr. 22. II. Abt.: �ilm 18. Sept.. 9 Uhr: Lchnitzsee. Start: Große Hamburger Straße 18/13. 12/15 Gruppe der Putzerträger. Sonntag, den 15. September ISIS, vormittags 11 Uhr: MtglieÄer-Verkammlung bei Obiglo, Schwedter Str. 23/24. Gruppe der Staaker. Sonntag, den IS. September ISIS, vormittags 10 Uhr: JVfttgtledcr-VerfaiiitiiUmg im Englischen Garten, Alexanderstr. 27o. Äktiiil der Ilicklileger a. Hilfsarbeiter. Montag, den 10. September ISIS, abends S'/g Uhr: Versammlung im Gewerkschaftshause, Eugelufer 15, Saal 5. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zu der am 13. Oktober d. I. stattfindenden FIlesm- legerkonscrenz.— 2. Wahl eines Delegierten hierzu.— 3. Verschiedenes. __ Die Mitglieder der in Frage kommenden Gruppen«nd Sektionen werden ersucht, für regen Besuch der Bcrsammlnng Sorge zu tragen. 142/3' Die Arbeitsnachweis: Hos L Amt Norden. Nr. 1233. Umllliügsslellö Berlin EharitEftraste 3. Hauptbureau: Hoslll. Amt Norden, Nr. 1987. Sonntag, den 1». September 1913, vormittags S'/z Uhr, pünktlich: V ops&mmlunQ der Smallierer Serlins und Umgegend im Gewerkschaftshause, Engelufer 15,(Saal 1). Tagesordnung: 1. Sind die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in der Emailliererbranche der Aufbesserung bedürftig? 2. Diskusston.— Mitgliedsbuch legitimiert! Zahlreiches Erscheinen wird erwartet. 124/5 Sonntag, den 13. September ISIS, vormittags 10 Uhr. ßpaneKeuwröimmUmg Oer Ott, UselwOe iö UpsUer im Lokal von Hoffmann, Dragonerstr. 15. deS Kollegen SchlinSky über: und politische Entwickelung Verwaltung Berlin. Heute, Freitag, abends 8>/z Uhr, im Gewerkschaftshanse, Engelufer 14/15, Saal IV[ArdeitSlosensaal): Tttaung Montag, den 1«. September ISIS, abends 6 Uhr, bei Boeker, Weberstr. 17: Inbiläumo-Uersnmmwny der Drechsler alter Gewerbe (Drechsler, Creppengeliinder-, FllMSMöbel-, Stock-, Perl- mlltt-, Horll-, Knopf-, Kamm-«nd Snlllschmllckarbelter). Tagesordnung: 25 Jahre Organisation im Drechslergewerbe. Rejerent: Verbandsvorsitzender Kollege DI». I-elpsurt. M?" Die älteren Kollegen, die bei der Gründung der Organi- sation mitgewirkt haben, sind besonders hierzu eingeladen. 88/17__ Die Ortsverwaltnng. Restaurant zum Oder-Spree-Kanal Oll Ii f u g# vrN v» VJilv» X Großes Schlachtesest ÄÄÄI Oi'oUc Öffentliche Tansninslk bei freiem( Wernsdorf i. AI. Sonntag, den 15. d. Mts. t ■------ Wellfleisch-, Eisbeiueflen. freiem Entree. Auskegeln verschiedener wertvoller Gegenstände. Abfahrt mit dem Salondampser.Hoffnung" der Reederei Kahnt U. Hertzer Berlin, Waiscnbrücke früh 10 Uhr. Fahrpreis hin und zurück 70 Pf.. Kinder 30 Pt. Rückfahrt abends S'/,Uhr. Hierzu /aden alle Freunde und Bekannte sreundlichst ein Paul Lek�elner uaä prau. : 1. Bortrag wirtschaftlich Tagesordnung »Was lehrt uns dte Deutschlands?' 2. Jahresbericht. 3. VerbandSangelegenheiten. Helten und Verschiedenes. AM- Dte Bcrtrauenslente werden gebeten, um 9'/, Uhr zu erscheinen, um einige wichtige Sachen zu besprechen. Zahlreiches Erscheinen der gesamten Kollegen ist Pflicht. 4. Branchenangelegen. Neinickendorf. 9 Uhr: RüderSdorser Kalkberge. Start bei Lüning. Men Sie NI'M fite __ ohne die Preise ♦ bei mir vorher zu sehen! .°rwlli!il!erl!eltcklleii���� Äß�MBrun�str.) Sonntag, den 18. September ISIS, vormittags IS Uhr, === Versammlung n'i'" ET An diesem Schild sind die Läden erkennbar, in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. nnatergfiltis In Konsti-ahtlon and AasfUhrnnzr. gleich vorzüglich für II««ngc brauch u. Industrie. Singer Co. Nähmaschinen Act. Oes. 3BEKIj1X, l.ctpzlgcr Straße 92. C". Läden in den verschiedenen Stadtteilen._!♦ lOOSpeise- Zimmer, Herrenzimmer, j Schlafzimmer, ganz seine gediegene Sachen,! --- sehr billig-=j inettr Meter m Meter an UAMeii In den Arminhallen. Koinmandantenstr. 58/59, Tagesordnung: 1. Unsere gegenwärtigen Lohn- u. Arbeitsbedingungen. Referent: Kollege Handle. 2. Diskussion. 3. Verbaiidsangelcgenheiten. 4. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet vi« Ortaverwaltims. Alhtnng! f l Parteigeuosseu! welche aus oben genanntem Kreise gebürtig sind, tn Groß-Berlin wohnen, werden gebeten, sich am 236/10 Sonntag, den 18. d. M., nachmittags 4 Uhr, im Lokal von K ö h l e r, Neukölln, Ziethcustr. 64, zu einer zwanglosen Besprechung einzufinden. ——— WahlvereinSbuch legitimiert.———— Der Eiuberufer. G. Müller. Neukölln. Ziethenstr. SS. lit'M Keils faliiÄi'äuillsS� Lopxolliostü Fahrstuhl, elektr. Liclit u. Kraft, Zentralheizung eto. umständehalber billig zu vermieten Jicne Hochntr. Ä9 Auskunft b. Vorw. o. b. Eigentümer liarcjs, CiiariDtteiilmi'g, s�Yot Baukletiipner! Baiiklempnep! Empseble mein Lokal(großes Oer. cinszimmer) werten Kollege». 4036L August Stupp, Putbujer Str. 15. %■*0- ftJ.TJex'* Nährsalz-Bananen-Kakao Neue Friedrlchstr. 5-8| alte Kaserne, Hot Reparaturen. Spez.: Un erlshttch saubere Mensur für Schüler. Tonverbeffe- rung, aus Wunsch auch solche, dte dem alt-ttalieiiischenTone täuschend ähnlich ist. Wescut. liche Vorteile und eventuelle Ratenzahlung für Vorwärts- Abonnenten. Ungewöhnlich Zehrende Anerkennungen. 8mü Toussaint. Werkstitte tfir Kunstgelgenbau in Berlin N. 24, Kl. Hamburgcrstr. 17. 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