N-. ssi. HbonntmtntS'Btdlngungen: ■BonnementS- Preis ttänumctonbo; «ierteljährl. 330 TOI, monafl. 1,10 TOt, »vöchmllich 28 Pfg, frei WS Hau». Einzelne Nummer K Pfg, Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg, Poft- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Poft-ZeitungS- Preisliste. Unter tireuzbanb für Deutschland und Oesterreich> Unoarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. PoftabonnementS nehmen am Belgien. Däncmart, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, nänien. Schweden und die Schweiz. CridKlst lZzllch inBtr montags. S9. Jahrg. Die InfertlonS'GebQlir betrügt für die fechSgefpaltene Kolonel- geile oder deren Raum 00 Pfg, für politische und gewerlschastliche Vereins- und VersammlungS-Anzeigen 80 Pig. „Aleine Än-elgen". das fcttgcdruilte Wort 20 Pfg. tzulässtg 2 fetlgedruitte Worte), jedes weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlasstelleuan- zeigen das erste Wort 10 Psg, jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buch- ! laben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nummer müssen bis > Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Erpedilion ist bis 7 Uhr abends gcöjsnet, Nevliuee Volksblclkk. S Zcntralorgan der rozialdcmokratifchcn Parte» Deutfchlande. Telegramm- Adresse: „SoalaltUinoIiiat B«rlln". Redaktion: 8 LI. 68» Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. IS8S. Expedition: 8LI. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984» Arbeiterfragen! Im Jahre 1910 kamen 58058 Geborene tot zur Welt. 311462 Lebendgeborene starben im ersten Lebensjahr. Wer trägt die Schuld an diesem Kinde» mord? Im reichen Tiergartenviertel starben nur 5 Prozent, im Proletarierbezirk Wedding dagegen über 40 Prozent aller Säug� linge. Es ist nicht wahr, daß vor dem Tode alle gleich sind. Der Würgeengel trifft die Armut härter und rücksichtsloser als den Besitz. Euer karger Lohn reicht nicht aus, um Eure Kinder zu ernähren. Die hohen Lebensmittelpreise töten Eure Lieblinge. Um des Profits willen wehren sich die Agra rier gegen Aufhebung der Zölle und billigere Lebensmittel. Hansfrauen und Mütter! Protestiert an» Dienstag gegen die Herr- schaft der Junker! Erscheint alle in unseren Versammlungen! Legen den lmpenalnmus! Chemnitz, 20. September. Auf eine der wissenschaftlichen Basis unserer Bc wegung würdige Höhe führte die Auseinandersetzung über den I ni p e r i a l i s m u s. Und zwar war nicht allein das Referat des Genossen H a a s e von hervorragendem und befruchtendem Gehalt in bezug auf die politische und theoretische Haltung unserer Partei in dieser wichitgsten Frage neuzeitlicher Entwickelung, auch die Diskussion hielt sich durch- weg auf gleich hohem Niveau. In seiner Rede verwies Genosse H a a s e, gestützt auf ein sorgfältig gesichtetes und mit Ucberzeugungskrast ausge- stattetes Material auf die neueste, gewaltigste, aber auch letzte Krastäußeruilg des Kapitalismus, der jetzt den ganzen Erd- ball umkrallt und Industrie und Handel in die äußersten Winkel aller Erdteile trägt. Kolonialpolitik, Wettrüsten und Kriegsgefahr sind die naturnotwcndigcn Begleiterscheinungen dieser imperialistischen Epoche. Dem gegenüber aber zeitigt der Kapitalismus auch Tendenzen, die aus friedliche und inter- nationale Verstäildigungen hinweisen. Diese Tendenzen bei aller klarer Erkenntnis der imperialistischen Gefahr im Inter- esse des Völkerfriedens auszunutzen, hält Genosse Haase für die Aufgabe der Sozialdemokratie. Tas bedeutet für die Praxis des politischen Lebens Unterstützung aller Bc- strebuibgen, die auf eine Einschränkung des Wettrüstens hin- auslausen, damit auch einen Kamps gegen Teuerung, Schutz- Zollpolitik, und wie die verderblichen Folgen alle heißen. Das Referat Haases klang in einer wuchtigen und wirksamen Mahnung aus, alles zu tun. um den Völkerfrieden zu wahren. Ter erste Diskussionsredner. Genosse L e n s ch- Lein, ig konnte seinen Ausführungen den Charakter eines Korreferates geben, da ihm der Parteitag eine Redezeit von 30 Minuten zubilligte. In geschickten Ausführungen, denen man Inter- esse entegegenbringen mußte, selbst wenn man ihren Grundge- danken nicht zustimmen kann, trat er den Anschauungen Haases über die Abrüstungspolitik entgegen und wies auf die im Gefolge des Imperialismus zu erwartenden Massen- kämpfe, die Bedeutung der Milizfrage usw. hin. Genosse Pannekoek- Bremen sekundierte ihm und legte Nachdruck darauf, daß die von ihm und Lensch vertretene Theorie von der Unvermeidlichkeit des Imperialismus noch lange keine Rechtfertigung desselben bedeute. Genosse B e r n st e i n ver- focht in einem interessanten historischem Rückblick die These. daß die Abrüstung keine Utopie sei. Auch die weitere Debatte, die noch einen Teil der Nach- mittagssttzung beanspruchte. bot eine Reihe von inter- essanten und anregenden Momenten. So wies Genosse Grumbach aus Kolmar u. a. auf die �Bedeutung und die nachhaltige Wirkung hin, die die einmütige Annahme der dem Referat Haases unterlegten Resolution im Ausland haben werde, wie sie die Genossen in Frankreich, England und in den anderen Ländern zur Unterstützung der gleichen Abrüstungspolitik aneifern müsse. Genosse Liebknecht sprach in demselben Sinne und vertrat besonders die Anschauung, daß Abmstungspolitik und Miliz- forderung einander nicht ausschließen. vielmehr Etappen auf dem Wege völliger internationaler Solidarität sind. Als Verfechter der Anschauungen von Lensch und Pannekoek trat Genosse Cohen- Leipzig auf den Plan, der gegen die Aeußerungen Bernsteins, aber auch gegen die Kautskys polemisierte. Genosse O u e s s e l- Darmstadt sieht in der Erscheinung� des Imperialismus schwere Handels- und industriepolitische Probleme, die ihm zunächst nur als einzige Lösung die Politik' der„offenen Tür" auf zwingen. Genosse Ledebour bekämpfte Ouessels An schauungcn und setzte sich dann mit Lensch auseinander. Zwischen beiden Genossen bestehen bekanntlich schon seit vorigem Jahr Meinungsunterschiede über die Abrüstungspolitik. Nach einem kurzen anfeuernden Schlußwort des Genossen Haase wurde 'die JmperialiSmusresolution mit allen gegen drei Stimmen angenommen. Sie hat folgenden Wortlaut: Die unter Verkümmerung der Lebenshaltung de? ausgebeuteten Proletariats gewaltig entwickelte Produktion treibt zur Erweiterung der Märkte, die riesige Anhäufung des Kapitals drängt nach neuen Anlagegebieten und Äerweriungsniöglichkeiten. Mit der zunehmenden Ausfuhr von Waren und Kapital, von Produktion und Transportmitteln wird der Weltverkehr immer mehr gesteigert und die Weltwirtschaft ausgebreitet. Die durch daS Schutzzollsystem mächtig geförderten Organisationen der Unter nehmer. Kartelle und Trusts, die das Wirtschafisleben in steigendem Matze beherrschen, nutzen ihren Sinflutz auf die Regierung ihres Staates aus, um die staatlichen Machtmittel ihren ExpansionS bestrebungen dienstbar zu machen, von dem MrtschaflSgebiet der Welt grotze Teile ihrer Einflutz- und Machisphäre zu unterwerfen und fremde Konkurrenten auszuschließen. Zu diesem Zweck ist die brutalste Gewalt willkommen, wenn sie Erfolg verspricht. Eine skrupellose Raub- und Eroberungspolitik, deren volksfeindlichen Charakter bereits der Parteitag in Mainz im Jahre lSGZ gebrandmarkt hat, ist die Folge dieser imperialistischen AuSdehnungSbestrebungen. Um Beute- ziige siegreich durchzuführen und den Raub in Sicherheit zu bringen, werden die Mordwerkzeuge in unerhörter Weise vermehrt und ver- vollkommnet. Zwischen den Staaten, deren Kapitalistenklasse dasselbe Ex pansionSbedllrfni« hat und zu seiner Befriedigung dasselbe Ziel Verl folgt, entstehen schwere Berwickelungen und scharfe Gegensätze, die wiederum den- Antrieb für bis zum Wahnwitz vermehrte und ver- stärkte Rüstungen geben. Die dadurch erzeugte Gefahr eines verheerenden Weltkrieges wird noch verschärft durch die schamlose Hetze der Kapitalmagnaten und Junker, die an der Lieferung von Kriegsmaterial, an der Ber- grötzerung des Beamtenapparates und der leitenden Stellen in Heer und Marine besonderes Jntereffe haben. Der Imperialismus stärkt die Macht der Schorfmacher, gel fährdet das Äoalitionsrecht und hemmt die Fortentwickelung der Sozialpolitik. Die Rüstungsausgaben bürden den Massen de« Volkes unerträgliche Lasten auf, während die Teuerung aller Lebensmittel ihre Gesundheit untergräbt. Die bürgerlichen Parteien sind Durchweg in den Bann des Imperialismus geraten, sie bewilligen widerstandslos alle Forde- rungen für Heer und Marine. Die Sozialdemokratie bekämpft auf das nachdrücklichste imperialistische und chauvinistische Bestrebungen, wo immer sie sich zeigen mögen, pflegt dagegen mit aller Ent« schiedenheit die internationale Solidarität des Proletariats, das nirgends feindselige Gefühle gegen ein anderes Boll hegt. Wenn auch der Imperialismus, der ein Ausfluß der kapitalisti- schen Wirtschaftsweise ist. nur mit dieser vollständig überwunden werden kann, so darf doch nichts» unterlassen werden, um seine ge« meingesährlichen Wirkungen zu mildern. Der Parteilag bekundet den entschlossenen Willen, alle» aufzu- bieten, um eine Verständigung zwischen den Nationen herbeizuführen und den Frieden zn hüten. Der Parteitag verlangt, daß im Wege internationaler Verein- barungen dem Wettrüsten ein Ende gemacht wird, das den Frieden bedroht und die Meuschheit einer furchtbaren Katastrophe entgegen- treibt. Der.Parteitag fordert an Stelle beutegieriger Eroberungspolitik die Freiheit des Weltverkehrs und die Beseitigung des nur der Be- reicherung von Kapitalmagnaten und Großgrundbesitzern dienenden Schutzzollsystems. Der Parteitag erwartet, daß die Parteigenoflen ihre ganze Kraft unermüdlich für den Ausbau der politischen, gewerlschaftlichen und genoflen'chaftlichen Organisation des klassenbewußten Proletariats einsetzen werden, um mit verstärkter Wucht den gewalttätigen Im- perialiSmuS zu bekämpfen, bis er niedergerungen ist. Ist es doch die Aufgabe de» Proletariats, den auf die höchste Stufenleiter ge- brachten Kapitalismus in die sozialistische Gesellschaft überzuführen und so den Frieden, die Selbständigkeit und die Freiheit der Völker dauernd zu sichern. Vor der Debatte über den Imperialismus wurden noch der Bericht der Reichstagsfraktiou und die dazu gestellten Anträge erledigt. In feinem Schlußwort ging Genosse Stadt Hagen den zahlreichen und vielartigen Anträgen, die zu diesem Punkt vorliegen, kritisch zu Leibe. Sein Plaidoyer für die Sonderkonferenzen zeitigte Zwischenspiele, die zwar mehrfach Heiterkeit erregten, ini Grunde aber doch nicht so ganz harmlos waren. Das geht auch daraus hervor, daß die Frage der Sonderkonferenzen Anlaß zu einer lebhaften Geschäftsordnungsdebatte und persönlichen Bemerkungen gaben. Bei der Abstimmung über diese Frage' siegte schließlich der Antrag S i n d e r> m a n n, in dessen Sinne Genosse Bebel gestern gesprochen hatte. Mit Annahme dieses Antrages gegen ganz wenige Stimmen ist den Genossen die moralische Pflicht auferlegt worden, auf Richtungskonferenzen zu ver- Sichten. Einstimmige Annahme fand dann ferner der An- trag, der Schutz vor Streikbrechern fordert. Die Sensationshoffnungen der bürgerlichen Presse auf ein großes Abschlachten im„Falle Landsberg" wurden dadurch enttäuscht, daß ein Antrag angenommen wurde, der unter Hinweis auf die Stellungnahme der Magdeburger Organi- sation gegen Landsberg und unter Betonung unserer prinzipiellen Anschauungen die Angelegenheit für erledigt erklärt. �_. Den Schluß der Sitzung füllte die Frage der M a» f e 1 e r aus. Das Referat, das Genosse Pfannkuch erstattete. gipfelte darin, daß im wesentlichen an dem bestehenden Zustand nichts geändert werden soll. Dagegen kämpfte Genosse L i p i n s k i- Leipzig in der Diskussion scharf gegen den Nürnberger Beschluß auf Abführung des Arbeits- Verdienstes am 1. Mai, den er beseitigt wissen will. da er ungerecht und streiterzeugend sei. Lipinskis Aus- führungen stießen auf lebhafte Opposition, fanden aber auch bei einem nicht unerheblichen Teil des Parteitages starken Beifall. Die Genossen H e n s e- Hamburg und Ehlers- Lübeck wandten sich energisch gegen die Forderungen Lipinskis. Auch Genosse Robert Schmidt verurteilte mit Recht die uner- auicklichen Reibereien, die die Durchführung des Nürnberger Beschlusses zur Folge gehabt hat und beantragte, diesen Be- schluß dahin zu modifizieren, daß nur Partei- und Gewerk- schasts-A n gestellte(also nicht Buchdrucker usw. in Parteigeschäften, Konsumvereins- und Krankenkassen-Ange- stellte und dergleichen) zur Abführung des Tagesverdienstes zu verpflichten seien. Die namentliche Abstimmung ergab die Aufhebung des Nürnberger Beschlusses mit 271 gegen 22l Stimmen. Um den oben skizzierten Antrag des Genossen Robert Schmidt vntspann sich eine lebhafte Geschäftsord-. nungsdebatte, die schließlich zur Ueberweisung der Materie an den nächsten Parteitag führte. veuNchIsmI and Cnglaad. Seit Jahren vertritt die deutsche Sozialdemokratie mit immer steigendem Nachdruck die Ansicht, daß die auswärtige Politik der deutschen Regierung einen gemeingefährlichen Charakter angenommen hat. Das Wettrüsten bedeutet Volks- ausplünderung und Kriegsgefahr in Permanenz, eine ständige Beunruhigung aller wirtschaftlichen und internationalen Be- Ziehungen. Die liberale Presse aber hat in der Kritik der auswärtigen Politik nicht nur nicht versagt, sie ist immer mehr und immer kritikloser ins Fahrwasser der Kolonialenthusiastcn und Rüstungspolitiker geraten. Von ihren vcrbreitetsten Organen gibt sich die„Franks. Zeitung" zum offiziösen Sprachrohr der Wilhelmstraße her und das„Berl. Tagebl." hat nach dem Scheiden des charaktervollen, dem Militarismus und Marinismus mit sachverständiger Kritik gegenübertretenden Herrn G ä d k e, sich einen ganzen Stab von Offizieren a. D. beigelegt, die bei jeder Gelegenheit die Hurrastimmung fördern. Da ist«S immerhin beachtenswert, daß das Blatt heute einmal einen Artikel bringt., worin das völlige Fiasko einer auswärtigen Politik, die den Gegensatz zu England immer weiter steigert, konstatiert wird. Der Artikel legt zunächst dar, daß auch für England die Bündnis- Politik mit Rußland und Frankreich steigende finanzielle und politische Opfer fordere und fährt dann fort: .Wenn für Englands Macht in der gewaltigen Ausdehnung seiner Dependenzen und Interessen ein Element der Schwäche liegt, so ist ein großer, richtiger der größte Teil der deutschen Machtmittel durch das deiitsch-französische BerbältniS gebunden. Wohl nur un- verbeflerliche Optimisten werden behaupten, daß bei einem Konflikt Dcutichlands mit einer anderen Großmacht nicht sofort Frankreich auf dem Plan erscheint. Diese Sachlage müßte, so sollte man meinen, es Deutschland dringend raisam erscheinen lassen, mit allen Mitteln einen Ausgleich mit England zu suchen. Die Gegnerschaft zweier so starker Faktoren wie England und Frankreich genügt, um eigentlich jede deutsche politische Aktion zur Unfruchtbarkeit zu verdammen— vids Marokko. Von mancher Seite wird zwar eingeworfen, daß der altbewährte Dreibund uns in unseren Verbündeten ein Gegengewicht finden läßt. Unser zuverlässiger Donaualliierter würde indes in Konfliktsfällen außer Rußland noch am Balkan und an den Alpen durchaus nicht gering zu schätzende Gegner finden. Welcher Mächlegruppe aber unser anderer Bundesgenosse talsächtich angehört, darüber besteht bei ein- sichtigen Politikern längst kein Zweifel mehr. Algeciras sprach schon eine nur zu beredte Sprache. Gelegentliche kleine Brouillen und Zeitungspolemiken, wie anläßlich der Tripolisaktion zwischen Paris und Rom, sind belanglos, namentlich gegenüber der traditionellen und auch in den Machtverhältnissen begründeten Hin- gäbe Jialiens an England. Dies wäre das rein politische Moment. Wie steht eS nun in inanzieller und volkswirtschaftlicher Hinsicht? Die latente Gegner- chafl hat beide Mächte zu großen Rüstungen veranlaßt. England wendet stärkere Mittel als bisher für sein Landhoer aus und hat jetzt ein Flottenbudget, das selbst von diesem reichen Lande nur mit Mühe aufgebracht wird. Wir müssen notgedrungen im Wetteifer mit unserem französischen Nachbar auf da» Heer ungeheure Summen verwenden, zu denen sich jetzt, lediglich im Hinblick auf England. enorme Flottenausgaben gesellen. Jeder anderen Macht gegenüber würde eine kleinere deutsche Flotte genügen. Ohne die Spannung könnten beide großen Reiche erheblich mehr für kulturelle Zwecke aufwenden und außerdem noch ihre schwer bedrückten Steuerzahler entlasten. Dem politischen Wettbewerb stellt sich bielfach ein Handel«» politischer an die Seite. England. und Deutschland sind die Hauptiveltlieferanlen von Kohle und Eisen. Statt sich hierin und in vielen anderen Branchen zu unterbieten, würden freundschaftliche politische Beziehungen gewis; auch rein materiell für die beiderseitige Handels- und Jndüstriewelt gute Früchte tragen. Beide Nationen haben als die ersten Handelsvvlker der Welt das gleiche Interesse, daß. allseits Friede herrscht und überall die im Prinzip stets che- willigte, in praxi aber nieist verweigerte offene Tür gewählt wird. Einem gemeinsamen Druck beider gewaltigen Reiche könnte sich kein Dritter entziehen, wie denn auch Amerika nur dank dem Antagonismus der beiden führenden Staaten mit dem alten Eurflw recht«nglimpslich umspringt. Deutschlands Freundschaft würde England jeder Sorge um seine amerikanischen Besitzungen entheben. Deutschland dagegen könnte mit Englands Unterstützung die schwer empfundene konstante Becintrnchligung seines Handels mit Süd- amerika durch die Vereinigten Staaten sich ernstlich verbitten.' Auf sich allein gestellt oder in latenter Feindfchaft lebend, müssen aber die beiden ersten Grotzmächte der Welt in oft unwürdiger Weise um Uncle SamS Gunst buhlen." Man sieht, der Verfasser ist sehr weit von dem sozial- demokratischen Standpunkt entfernt, der prinzipiell jede ge- waltsame kapitalistische Expansionspolitik ablehnt. Er sieht aber doch, daß das Wettrüsten zu einem. dauernden Hemm- nis jeder friedlichen Politik überhaupt geworden ist und tritt deshalb für eine Verständigung mit England ein. Leider ist die Hoffnung, daß die Liberalen der herrschen- den Geivaltpolitik jn Zukuiift energisch entgegentreten werden, nach wie vor sehr gering. Sie sind schon allzusehr von der imperialistischen Ideologie zerfressen. Aber gerade deshalb ist es so wichtig, daß die. Arbeiterklasse mit unermüdlicher Energie den Rüstungswahnsinn bekämpft und in iinmer weitere VolkSkrcise die Erkenntnis trägt, wie verderblich eine auswärtige Politik ist, die in der Rivalität mit England ihren einzigen leitenden Gesichtspunkt hat. Sie Regierung fördert den Soziallsmus. Die glänzende Rede, die unser Genosse Scheidemann auf dem Parteitage über die Teuerung gehalten hat, veranlaßt sogar das Dortmunder nativualliberale Amts- b l a t t zn dem Eingeständnis, baß sie„leider" einen Kern enthalte,„der weit über die Sozialdemokratie hinaus Billigung finden wird". Was Scheidemann gesagt, habe„ganz bc- sonderen Wert, weil es mit größerer Deutlichkeit, als bisher geschehen, einmal auf die Gefahren hinweist, die für unser Wirtschaftssystem gerade von dcnjetügcn heraufbeschworen iverden, die wähnen, durch ihre Haltung gegenüber der Teuerung es vor Erschütterungen zu bewahren". In ddr städtischen Lebensmittelversorgung erblickt das Blatt einen schweren Angriff auf unser Wirtschaftssystem. „Dank der monatelangen Uiuängkeit der ReichSregierung, dank ihrer Bemühungen, ein wachsendes und angestrengt schaffendes Volk zu zwingen, sein RahrungSbedürfnis der unz-uläng- l i ch e n Erzeugung»sä higkritder deutschen Land- Wirtschaft anzupaffen, sind unter der Oberfläche unseres Wirt- schaftSsystemS Neubildungen entstanden, deren Weiter- entwickelimg eS viel entscheidender ändern würde, als der„Abbau der Zölle" eS je vermöchle. Unter dem Druck der Teuerung haben sich neue Faktoren des WirtschaftSprozeffeS gebildet, die andere ausschalten oder ihnen doch die Bewegungsfreiheit nehmen."... „Unter solchen Umständen ist es kaum mehr«ine hohle Phrase aus dem Wolt-enlnnB des Zukunft»� staateS, wenn Scheidemann dt« ÄlifttlMd« NedeiventzUng' he- braucht: Hier muh es aufs Ganze gehen! Beseitigung der kapitalistischen Produktion' nnd Ersatz. dnrch den Sozialis- mus. Gibt es in den Reichsämtern keine einflußreiche Persönlichkeit, die die Tragweite dieser ersten Ansätze einer neuen Entwicklung erkennt? Dabei handelt eS sich ja gar nicht mehr um Freihandel oder Schutzzoll— der Streit wird völlig zur Nebensache— das sind vielmehr unverhülll die Keime sozialistischen Nahrungsmittel- Vertriebes. Die Ratlosigkeit der Regierung ist ihr unübertrefflicher Nähr- Hoden, und haben sie erst Wurzel geschlagen, ist an ihre völlige Ausrottung nicht mehx zu denken.... Die Dinge stehen jetzt, so, daß die bisherige Haltimg der Regierung der Eutwickclung unserer Nahriingsmittelverteilung zum Sozialismus anss nach- drücklichste Vorschub geleistet hat.". Bisher erhoben die Agrarier den Vorwurf, der Libe- ralismus fördere die Sozialdemokratie. Zur Abwechselung komnit's einmal umgekehrt: die Junker steuern direkt in den Zukunftsstaat hinein. Da kenne sich noch einer in dieser ver- kehrten Welt aus l* « Das gelöste Tenerungsproblem. DaS Scharfmacherorgan die„Post" hält das Teuerungsproblem iil Köln für gelyst, seit die Stadtgemeinde Fleisch aus Dänemark bezieht ünd unter dem Einkaufspreis an Schlächter abgibt. Da auch die Konkurrenz dänisches Fleisch bezogen halte, kam an einem der letzten Marktlage ein Ueberangebot zustande und die Preise sanken um 20— LS Pf. Die Großschlächter mußten ebenfalls in- ländisches Fleisch unter dem Selbstkostenpreis abgeben. Dem Wunsche der„Post", daß auch andere Städte dem Beispiel Kölns folgen sollten, könne» wir uns nur anschließen. Aber die„Post" zeigt eine merkwürdige Logik, wenn sie diesen Weg als einzig mögliche» zur.Verscheuchung des Fleifchnotgefpenstes"' empfiehlt. Biel einfacher, ist eS doch, die Grenzen zu offnen, und dazu bedarf es der Mithilfe der Siädle nicht mehr. Das Fleisch kommt dann ohne finanzielle Beisteuer der Kommunen billig hinein. Die Teuerung kann in dem Grade, wie sie in Deutschland auftritt, doch nicht international sein. Denn wie sollte das in Dänemark teure Fleisch da« Kunststück fertig bekommen, in Deutschland plötzlich billiger zu sein I Nm den F 12. Auf eine Anfrage der Chemnitzer Fleischerinnung bei einigen bedeutenden Gefrierfleischimporteure» über die Lieferung von Gefrier- fleisch liefen folgende Antworten ein. Von Lohma»» u. Co.: Es ist uns nickt möglich, Ihnen zurzeit eine feste Offerts zu unlerbreite». aus dem einfachen Grunds, weil wir erst die Verhandlung des Bundesrates abzuwarten wüiffchen, ob der§ IL des Fleischbeschau- gcsetzcS fällt. Fä l l t ex n i ch t. s o haben wir keine Ab- ficht, einige Millionen Mark festzulegen in Kühl- .anlagen.— Von der Swift Pöcking Eompany in 'Hamburg: Die Preis»' sind natürlich veränderlich, und eS ist wohl richtiger, daß wir mit einer Festofferte erst dann heraus- treten, wenn von der Regierung Beschlüsse gefaßt sind. Sobald die« der Fall ist. dürfte sich eine große Nachfrage geltend machen. und dann wird selbstverständlich ein regelmäßiger Betrieb von La Pinta nach Hamburg eingerichtet werden, und wir werden dann sehr wahrscheinlich alle Aufträge von einem Hamburger Gefrierhaus ans erfülle» könueu.— Die frühereu Urteile von Fachleuten, daß eine Einfuhr nur bei Aufhebung des§ 1? möglich sei, werden damit bestätigt. Bei wem ersimdigt sich das ReichSgesundheitSamt über ' diese Frage so gründlich, daß seine Akten noch immer nicht voll» ständig sind? Mehr Pferde- und Hundefleisch, weniger Bier. Unter dieser Ueberschrift wird der„Täglichen Rundschau" aus Dresden berichtet i„Sehr traurige Zahlen enthüllt die Statistik des Fleischverbrauchs in unserer Stadt. Seit 1838, also seit 14 Jahren, hat der Verbranch von Pferde- und Hundefleisch ständig zngenommen. Nach dem„Statistischen Jahrbuch der deutschen Städte" wurden ge- schlachtet: 1898: 1399 Pferde und 82 Hunde; 1903: 1596 Pferde und 153 Hunde; 1905: 1554 Pferde und 165 Hunde, und 1909' 1664 Pferde und 125 Hunde.— Wie der Fleischverbrauch in einem einzigen Jahre zurückging, ersieht man aus den monatlichen Heften des statistischen Amts der Stadl Dresden. Ende Juli 1911. kamen auf den Kopf der Bevölkerung insgesamt 4,36 Kilogramm voll- wertigen Fleisches, 1912 nur noch 3.98 Kilogramm aus den Kopf, also fast 400 Gramm weniger. Der Bierverbrauch ist gleichfalls sehr stark zurückgegangen, was ebenfalls daraus schließen läßt, daß die Bevölkerung sich eimchränken muß. Er sank von 6t8 790 Hektoliter Lager- und Doppelbier im Jahre 1903, wo er am höchsten war, auf 538 824 Hektoliter im Jahre 1909. Uebrigens haben sämtliche Gast- und Schankwirte sowie die Saalinhaber in Chemnitz und Umgegend beschlosten, die Preise für Speisen am 1. Oktober zu erhöhen. Die Verteuerung der Futtermittel! Eine wesentliche Ursache für die Fleischnot ist der hohe Preis- stand für Futtermittel, den zu erhalten die Großgrundbesitzer interessiert sind. Die Verteuerung wesentlicher Futtermittel veran- schaulicht diese- Tabelle. Es kosteten nach der amtlichen Statistik 1000 Kilogramm Mark: im August Steigerung 1941 1912 in Prozent Futtergerste.. 159.1 196.3 2Z.« Hafer...... 288.6 320,7 13,0 Heu. alteS.... 79,2 89,2 12,7 Da auch andere Mittel für die Viehzucht, z. B. Stroh teurer geworden find, bedeutet die Preissteigerung eine ganz erhebliche Er- höhung der Produktionskosten, was in den gesteigerten Vieh- und Fleischpreisen zum Ausdruck kommt. Trotzdem protestiert daS Junker- titw gegen jede Erleichterung der Einfuhr von Futtermitteln. Mag� daS Volk hungern, die Junker wollen ernten. Gemeinden und Teuerung. Die von der Drtmolder Stadlverordnelenversnmmlung eingesetzte Kommission hat gemäß den Anträgen eines sozialdemokratischen Mitgliedes beschlossen: 1. einen Versuch mir der Einführung von Gefrierfleisch zu machen, S. den städtischen Fischverlaüf wieder ein- zurichten, 3. bei der Regierung vorstellig zu werden, daß dänisches Schlachtvieh eingeführt wird, 4. durch die Stadt auf die Preis- geflalnt'ig auf den, Gemüsemarkte dadurch einzuwirken und den Preistreibereien der Händler entgegenzuwirken, daß von der Stadt der Gemiiseverkauf betrieben wird. Der Stadtrat in Bautzen beschäftigte sich mit dem sozialdemo- kratischen Antrage, Maßnahmen gegen die Teuerung zu treffen. Er beschloß, nack dem Voübild der Dresdener Stadlgemeinde dänisches frisches Nilidfleisch und argeiitinisches Gefrierfleisch einzuführen und mit de» Fleischern ein Abkommen zu treffen, damit diese das Fleisch mit geringem Aufschlag an die Konsumenten abgeben. Zu den anderen Forderungen des sozialdemokratischen Antrages: Oeffnung der Grenzen. Einberufung d:S Reichstages usw., will der Stadtrat noch Stellung nehmen._ poUtilche CUbcrHcbt. Berlin, den 20. September 1912. Das Ministerium Hertling»nd das Koalitionsrecht. In der bayerischen Abgeordnetenkammer gab heute der Verkehrs- minister v. Seidlein bei der Beratung dcS Eisenbahnetats eine grund- sätzliche Erklärung über die Stellung der baheriscbe» Staatsregierung und- besonders der Eisetibahiiverwallung zum SüddiAltschen Eisen- bahnerverband und zum Streikrecht der Ei senw ahner ab. Ausgehend von der Aeußerung des liberalen Abgeordneten Dr. Günther:„Solange das StaatSwohl nicht gefährdet ist, kann jede Parier sich ausleben", erklärte der Minister von Seidlcin: „Die Verkehrsbeamten und-Arbeiter müssen sich darüber klar sein, daß sie im Interesse deS Staates und des Dienstes kein � Recht auf Arbeitsciustellung haben und daß sie kernen Organi- satione» angehören dürfen, die dieses Recht als zulässig erachten. gleichviel, ob es freie, christliche oder sonstige Gewerkschaften sind. Soweit sich aber Beamte und Organisationen aus gesetzlichem Boden bewegen und das cktaarliche Interesse nichr verletzen, legt ihnen die Regierung keine«chivierigkeiten in den Weg." Wie schon der frühere Minister v. Frauendorser erklärte auch Herr v. Seidlein. daß es nicht nötig sei. auf dem Boden deS Be- amtengefetzeS, etwwdurch ein Disziplinarverfahren, festzustellen, ob der Süddeutsche Eisenbahnerverband ein politisches oder sozialistisches Gebilde sei, und ob daher der Beitritt zu diesem Ber- bände den Beamten der Berkehrsverwaltung verboten werden köirne. Nach wie vor lasse sich jedoch die heutige Re- gierung wie die frühere von dem Grundsatz leiten, daß An» gehörige der Sozialdemokratie sich von selbst von der Beamteneigenschaft ausschließen und daß der Staat die Pflicht habe. alle Bestrebungen zu be- kämpfe n, die das Streikrecht für die Eisenbahner beanspruchen oder begülrstigen. Verschlechterung des Stadtverordneten-Wahlrcchtes in Planen i. V. Aus Plauen wird uns geschrieben: Die Stadtverordneten in Planen werden nach dem allgemeinen gleichen, direkten und geheimen Listenwahlrecht gewählt. Trotzdem war eS bis jetzt der Sozialdemokratie nicht möglich, eine» Kandidaten dlirchzubringcn. Infolge der riesigen industriellen EntWickelung Plauens, die die Stadl in wenigen Jahren ans einer unbedeutenden Mittelstadt zu einer Großstadt mit rund 130 000 Einwohnern machte, sind die Wahlstimmen der Sozialdemokratie jedoch betlächtlich ge- wachsen, so daß bei der letzten Wahl slStl) die sozial- demokratischen Ersatzmänner gewählt wurden. Fast allgemein wird damit gerechnet, daß bei der diesjährigen Stadtverordnetenwahl eine Anzahl Sozialdemokraten in die Stadtverordnelenversanimlmig ge« langt. Deshalb hat der neue erst seit euligeit Monaten amtierende O b e r b ü r g e r m e i st e r Dr. Dehne, der bis vor kurzem Stadt- rat in Dresden war. sich mit nichts Besserem als einer Wahl- rechtsverschlechterungsvorlage einznführen gewußt. DaS gerechte Wahlsystem deS Oberbürgermeisters soll angeblich allen Schichten der Bürgerschaft, auch den Minderheiten, eine Vertretung sichern, den für die Gemeinde besonders wertvollen und wichtigen Bürgern einen größeren Einfluß einräumen und schließlich Gewähr dafür bieten, daß nicht eine politische oder wirtschaftliche Partei allein die absolute Mehrbeit im Kollegium erlangt. Um solche hehren Ziele zu erreichen, sollen die wahlberechtigten Bürger in fünf Klassen geteilt werden, deren Grundlage das Ein- koinmen bildet; und zwar: Jahreseinkommen bis 2 200 M. 1. Klasse voll 2200 4000, 2.., „ 4000. 8000. 3.. , 8000. 12000. 4., . 12 000 M. 5.. Ferner sollen auS der gesamten WSHIen'chast jene Einwohner herausgehoben werden, denen ein größerer Einfluß zukonnnt. Es sind dies nach der Meinung des Oberbürgermeisters: 1. die ansässigen Hausbesitzer; 2..die selbständig eine» Beruf Ausübenden; 3. die, welche eine Schulbildung aufweiien können, die für den einjährig-freiwilligen Militärdienst genügt; 4. die. welche sich über 15 Jahre im Brsitze des BürgrerrechtS befinde». Der Bürger, best zu einer oder zu mehreren dieser vinr Gruppen gehört, soll in einer nächsthöheren Klasse wahlberechtigt, sein, als jener, zu der er seinem Einkommen nach gehört. Ferner soll die Stadtverordnetenwahl, die in diesem wie i» jedem Jahre ftatifinten müßte, bis zum nächsten Jahre verschoben werden, und außerdem sollen nur alle 2 Fahre Stadtveror!prete»wahlen stattsindm. Der Wahlrechls„entwurf" zeigt demnach in jeder seiner Be- stimmungen, daß er einzig und allein gegen die Sozial« d e m o k r a t i e g e r i ch l e t ist. Die Parteileitung in Plauen hat sofort eine Protest- beweg» ng eingeleilet. Wie bereits telegraphisch gemeldet wurde, fanden Dienstag während der Sladtverordnetensitzung Straßen- demoujtrationen statt, an der viele Taniende teilnahmeii Die bürgerliche Presse beeilte sich, Tartarennachrichten über „S t r a ße irk ä in p f e in Plauen" in die Welt zu setzen. Wahr- heit ist, daß 8000 bis 10 OVO Männer und Frauen demonstrierten. aber in vollkommener Ruhe. Ruhestörungen erlolgten nur durch die Polizei, die mit der blanken Waffe in die Massen einHieb, mehrere Personen verletzte und etwa 60 Verhaftungen vornahm. Neligion und Politik.> Die liberale„Zweibrücker Zeitung" ist in der Lage, folgendes Geheimzirkular des Bundes der Landwirte zu veröffentlichen: „Bund der Landwirte Frankfurt a. M. Tel.-Adr. Landwirlbund Frankfurtmain. Frankfurt a. M., 11. 9. 12. An die Herren Vertrauensmänner der Abteilung Pfalz. Auf Wnnsch der bündlerffchen pfälzischen Herren Landtags- abgeordneten und im Austrage der Herren Wahlkreisvorfitzenden gestatten wir uns, ergebenst folgendes mitzuteilen: Am Sonntag, den 1. September, tagte der Landesvorstand der Abteilung Pfalz und hat derselbe unter anderem aus An- regung des protestantischen Pfarrers Schäfer-SpeYerSdorf folgendes beschlossen: Bei den Presbyterwahlen lKirckenvorstandSwahlen), die in diesem Herbst stattfinden, soll der Bund der Landwirte eine energische Tätigkeit darin entfalten, daß mehr Anhänger de« Bundes der Landwirte alS Presbyter aus den Wahlen hervor- gehen. Der Laudeövorftand begründet seinen Beschluß damit, daß der Bund der Landwirte den Herren Geistlichen gegenüber eine Machtstellung bekommt, die in den Zeiten von Reichs- und Land- tagSwahlen. wo diese Herren fast immer als Gegner von uns austrete», sehr schwer ins Gewicht fallen dürfte. Indem wir den Herren Vertrauensmännern von dem Beschluß deS Landesvorstandes Kenntnis geben, bitten wir Sie, nunmehr möglichst bald die Mitglieder Ihrer Ortsgruppe zusämmenkommen zu lassen und darüber zu beraten, welche Wege eingeschlagen werden sollen, um bei den bevorstehenden Presbyterwahlen energisch eingreifen zu können. ES dürfte dabei hauptsächlich notwendig sein, daß zu den Wahlen Männer auf- gestellt werden, die dem Bund der Landwirte angehören und ein solches Ansehet, in der Gemeinde genieße«, däß sie auch seitens der außenstehenden GemeindeMilglieder gewählt werden. Dir Aufstellnng geeigneter Kandidaturen wäre daftn baldigst nolwdndig. Nachdem sich die aufgestellten Kandidaten zur Annahme einer Kandidatlir bereit erklärt haben, ist es dann Sache der OrlSgruppe und der befreundeten Bundesmitglieder, daß diese energisch für deren Wahl eintreten. Sie sollen möglichst rasch damit beginnen, damit Ihnen seitens einer anderen Vereinigung nicht zuvorgekommen wird. Mit vorzüglicher Hochachtung und fteundlichem Bundesgruß Die Geschäftsstelle: Crein. Nach seinen Satzungen ist der Bund der Landwirte lediglich »ine wirtschaftliche Bereinigung— trotzdem betreibt er nicht nur eine intensive politische Agitation und stellt eigene ReichSlags- kandidaten auf, sondern beteiligt sich, wie daS obige Schreiben beweist, auch an Kirchenwahlen. Das Vereinsgesetz gilt für ihn nicht. Die unzufriedene„Germania". Das Berliner ZentrumSblatt gibt seinem sehr begreiflichen Un- mut über den Ausgang der Debatte über das Stichwahlabkommet, auf dem Parteitage beredten Ausdruck. Den armen, vom all» mächtigen Parteivorstande abhängigen Delegierten ist eS zu dankem daß ihm kein Mißtrauensvotum erteilt wurde. Ueberhaupt sei ein sozialdemokratischer Parteitag gar nicht fähig und selb st än« dig genug, dem Borstande ein Mißtrauensvotum zu gebe». Nachdem die„Germania" so den sozialdemokratischen Parteitag wie einen Katholikentag einschätzt, kommt sie zur folgenden wundervollen Schlußfolgerung: Dem sozialdemokratischen Parteivorstande scheint gar nicht einmal der Gedanke gekommen zu sein, daß er in einer so wichti- gen und dringlichen Angelegenheit, wie eS ein den Parteigrund» sätzen widersprechendes allgemeines Sttchwahlabkommen mit der Fortschrittspartei offenbar war, auch die„ o b e r st e P a r t e i» i n st a n z" zu hören habe und deshalb sofort einen außer« ordentlichen sozialdemokratischen Parteitag einberufe» müsse. Jetzt, wo die Sozialdemokratie die gegenwärtige Tenerüng agitatorisch und demagogisch zu verwerten sucht, fordert sie dagegen eine sofortige Einberufung des Reichstages zu einer außerordentlichen Session behuls Beratung der Teue- rungsfrage. Ist das nun vom sozialdemokratischen Standpunkt aus etwa konsequent? Die„Germania" sollte eigentlich wiffen, daß bei den dies« jährigen Reichstagswahlen nicht so viel Zeit zum Verhandeln war, alS bei dem Abkommen im Dom zu Speyer. Vielleich macht das ZentrumSblatt eS mit dem Kollegen von der anderen Fakultät, dem.Reichsboten", auS, wer das dümmst« von den beiden ZeitungSpapieren ist l Amtliches Ergebnis der ReichstagSersatzwahl w Schlettstadt. Bei der am 16. d. M. abgebaltenen ReichstagSersatzwahl s«, 6. elsaß-lothringischen Wahlkreis für den verstorbenen Abgeordneten Dr. Will(elf. Zentr.) erhielten bei 16457 eingeschriebenen Wahl- berechtigten und 12 197 abgegebenen gültigen Stimmen Redoktelu: Dr. Haegy-Colmar ftls. Zentrum) 7102. GewerkichaftSsikretär JmbS.« Straßburg(Soz.) 2769 und Weingutsbesitzer Andlauer-Schlettstadt- lels. Fortschrittspartei) 23t5 Stimmen; zersplittert waren 11 Stimmen. Dr. Haegy ist somit gewählt._..' Auch eine Statistik! Ueber die Selbstmorde in der sächsischen Armee macht baß soeben erschienene Statistische Jahrbuch für daS Königreich Sachsen folgende Angaben. Es fanden im Jahre 1910/11 23 Selbstmorde von Soldaten statt gegen 29, 26, 22 in den Borjahren, davon 12 durch Erschießen, 5 durch Erhängen. 3 durch Ueberfahrenlaffen und 1 durch Sturz in die Tiefe. Als Ursachen werden angegeben: 8 mal Furcht vor Strafe, 8 mal Laster und Leidenschaften, 4 mal unglückliche Familien» oder VermögenSverhältniffe, 2 mal Lebensüberdruß usw. Ziicht tln sächsischer S pldat hat sich nach dieser offiziellen Statistik in den letzten zehn Jahren wegen Mißhandlung das Leben genommen, für welche Selbstmordursache die Statistik überhaupt keine Rubrik hat. Glückliche sächsische Armee, die die Ursache der meisten Soldaten- selbstmorde überhaupt nicht zu leimen scheint I Krittfche Lag« im ßalhan. Man schreibt uns aus Belgrad: Es ist noch ganz unbestimmt, ob im Balkan die Ruhe nicht gestört werden wird. Eine vorkriegerische Mahnahme, das Äussnhrverbot für Getreide und Viehfutter, die über 'Serbien vor einigen Tagen verhängt wurde, ist nach ivtitendem Geschrei der Börse aufgehoben worden. Tagegen hat man von der Ausführung der Teilmobilisation nicht Ab- stxrnd genommen. Vom 24. September angefangen werden öle gesamten Soldaten der Reserve zu Uebungen eingezogen. Bis zu den Wtntermonaten wird tatsächlich das stehende Heer verdoppelt. So werden in Serbien wie in Bulgarien unter dem Verwände der regelmäßigen militärischen Uebungen die erste»'. Vorbereitungen zu einem Einfall getroffen. In der Türkei ist man sehr beunruhuji. Gegen die serbischen und die bulgarischen Grenzen konzentriert man ständig die militärische Macht. Tabei aber meidet die türkische Regierung alles, was einer Herausforderung ähneln könnte. Man weicht dein Streite aus, man Pbt die Fehler zu, man verspricht alles, um voraussichtlich nach dem Friedensschlüsse mit Italien nach dem alten Brauch der türkischen Regierungen das Wort nicht zu halten. Es. ist nicht zu bestreiten, dah die drohende Haltung aller BoILanstcaten der Türkei gegenüber stark dazu beigetragen ift't, der Ausrottung der christlichen Bevölkerung in der europäischen Türkei ein Ende zu machen. Nicht nur mit Militär, sondern vor allem mit der kräftigen Unterstützung der rechtlosen christlichen Nationen haben die Jungtürken seinerseits den Sieg erobern können. Sie proklamierten die allgemeine Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, sie er- klärten sich bereit, die Unterjochung einer Nation durch die andere für alle Zeiten aufzuheben. Obgleich die Nationen von den Jungtürken betrogen worden sind, obgleich sie mit ihnen völlig gebrochen hatten, betrachtete die ehemalige Herrennation die christlichen Nationen noch immer als die Grundlage der jungtürkischen Regierung. Und als diese Ne- gierung fiel, was anders war zu erwarten als gegen die Ungläubigen mit Waffen vorzugehen, sie wieder zu unter. jochen, zu knebeln. Jedoch die Drohungen der Balkanre gicrungen und die Abhängigkeit vieler Arnautencheis von diesen Regierungen, zwangen die neuen Machthaber in der Türkei, mit ganzer Kraft die eigenen Leute zu zügeln. Und doch scheint aus dieser ganz nützlichen scharfen Haltung der Balkanregierungen eine furchtbare Katastrophe zu entstehen. Tie verschiedenen Regierungen haben- die Ueber- zeugung gewonnen, dah ein getrenntes Vorgehen zwecklos sei. Selbst die bulgarische Regierung, die lange mit ihrer „glänzenden Isolierung" prahlte, ihre„Preußische Rolle" im Balkan der Welt verkündete, bemüht sich, einen militärischen Bund der christlichen Balkanstaaten zu gründen, Man spricht heute ganz ernst über eine militärische Ko n v e n t i o n zwischen Bulgarien, Serbien. Moutenegro und Griechenlands, um hie europäische Türkei gemeinsarn an- zugreifen und zu verteilen. Wenn das wahr rst, dann ist es der widersinnigste und für die selbständige Entwicklung der Balkanländer gefährlichste Plan, der überhaupt bestehen kann. Ein solcher Krieg wäre der Anfang der Vernichtung der politischen Selbständigkeit der Balkannationen. Möglich ist, daß die Türkei nicht genügend kräftig wäre, sich gegen eine nationale Revolution im Jnlande und einen Angriff an allen Grenzen zu wehren. Aber sicher ist, daß nicht die heutigen Balkansiaaten die Früchte eines Krieges im Balkan genießen werden. Im Balkan gibt es keinen Platz für einen Krieg der Nachbarnativnen. Alle Nationen müssen zusammenhalten, und sich mü aller Kraft jeder fremden Einmischung in ihre Angelegenheiten widersetzen. Wir Sozialdemokraten wollen kelnen Krieg gegen die Türkei, wir protestieren gegen ihn, wir setzen die allgemeine Verbrüderung �»nd die demokratische Balkanrepublik dem ganzen kriegerischen Geschrei der Bour» geoisie entgegen. ©dwdz. Ter Luftkrieg. Genf, 20. September. In der heutigen Vormittags- sitzung der interparlamentarischen Konferenz wurde über den Antrag Beernaert betreffend Verbot des Luft- k r i e g e. s verhandelt. Senator d'Estournelles de Constant, unterstützt durch Senator Treysuß, bekämpfte energisch die Thesen Beernaerts und beantragte, zu bestimmen, daß jede Nation in der Wahl der Mittel für ihre Sicherheit und Unabhängigkeit frei sein solle. Roch einer langen Tis-. Fustton, in welcher Ador, Lord Weardale, Professor Eick- hoff, Maddison und Graf Goblet d'Alviella fiir den Antrag Beernaert eintraten, wurde dieser mit großer Mehr- heif angenommen. BnglancL �.'e konservative Agitation gegen Homerulr. Belfast, 19. September. Im Zusammenhang mit dem Kampf der Unionisten gegen Homerule in Ulster, hat Sir Edward Carson. der Führer der irischen Unionisten, den Inhalt eines unionisti- schen Vertrages bekannt gegeben, der folgendermatzcn lautet: Ueberzcugt, daß Homerule ein Unglück für die nationale Wohlfahrt von Ulster und der ganzen Insel bedeutet und für die Einheit des- Reiches gefährlich ist. verpflichten wir unterzeichneten Männer von Ulster, treue Untertanen des Königs, uns. in dieser Unglück- bedrohten Zeit einander beizustehen und für uns und unsere ge- liebten Kinder die Stellung als gleichberechtigte Bürger im Ver- einigten Königreich zu verteidigen, und alle Mittel zu ge- brauchen, um die gegenwärtige Verschwörung, in Irland Home- rule einzuführen, zunichte zu machen. Wenn uns ein derartiges Parlament aufgezwungen werden sollt«, so verpflichten wir uns feierlich, sejne Gültigkeit nicht anzuerkennen,' Orkei. Die Friedensverhandlunge«. Konstantinopel, 19. September. Der M i n i st e r des Auswar t.i.g e n erklärt die Meldung des Alemdar für un- richtig, wonach der Ministerrat beschlosien habe, die Friedensverhandlungen abzubrechen und die Unierbändler Nabi und Fahreddin abzuberufen. Im Gegen- teil, die Besprechungen dauerten fort und seien auf dem besten Wege. Tie Lage in Albanien. K»»stauti«»p«l, 20. September. Nach authenischen Meldungen haben die Kämpfe zwischen Tuzi und Deschits». in der Nähej der montenegrinischen Grenze, seit dem 17. September aufgehört, da Montenegro seine Grenze. gesperrt und. jede Unterstützung der' Malissoren eingestellt hat. Vor Sckutarr dauern die Kämpfe an. Die MalissoreN wollen in die Stadt eindringen, um ihre in der Stadt befindlichen Glaubens- genossen aus den Gefängnissen zu befreien. Sollte. ihnen.dies gelingen,, so waren ernste Verwicklungen zu befürchicp,. weil trotz des Belagerungszustandes die Mohammedaner üi der Stadt.sich bewaffnet bereuhalten. Die Ursache des Malissörenaufttandes liegt darin, daß die Regierung Truppen in größerer Zahl, als durch das Abkommen im vorigen Jahre festgesetzt war, entsandt hat.- Man glaubt auch, daß auch die Malissoten' von Montenegro aufgewiegelt worden seieni- Insgesamt sollen die Malissoren bei den. Kämpfen um.Tuzi und Skgtari 118 Tote Und 97 Ve.r- w.und ete, die türkischen Truppen 2 5 T d le und?0 Verwundete verloren haben, darunter zwei Offiziere.', Marokko. „Befriedigende Lage." Rabat, 19. September. Laut Nachrichten aus Rarräkefch bat El H i ba auf der Flucht i n.da-! S u s g e b i e t den'Atlas überschritten und sich nach Süden gewandt. In Marrakesch hat der Khalifa Boubccker wieder die behördliche'Gewalt im Namen des Machsen übernommen. Aus! Eingeborenen wird eine lokäle Miliz gebildet, und die Städtz wird in Verteidigungszustand gesetzt. Die Verhandlungen mit den eingeborenen Stämmen zur Wieder- Herstellung der scherifischen Gewalt werden, forlgesetzt..Die Läge ist gegenwärtig, so.de.fritzd r'gtzyd' töi'e. nur m ö gl ich.. Um der Partei. Falschüieldimg über Bebel. Die bürgerliche Presse meldet daß Genosse Bebel schwer erkrank! sei. Diese Meldung ist ersreulicherweise nicht zutreffend. Richtig ist lediglich, daß Genosse Bebel sich eine.leichte Erkältung zugezogen hat und am Freitag aus ärMche Anordnung das Zimmer hüten mußt«. Bebel wird aber heute, SoNnabend,- an der Schlußsitzung des Parteitages teilnehmen."''' i•,.-; Sozialdemokraten bei der HoftheatererSffuung. Unter dieser Ueberschrift schreibt unser Stuttgarter Partei- blatt:„Nach der bürgerlichen Presse haben sich an den Eröffnungs» feierlichkeiten der- Hoftheater auch zwei Sotzialdemolraten beteiligt. Da bekannt lvar. daß diese Feierlichkeiten mit Byzantinereien- ver- knüpft werden sollten, bedauern wir die Handlungsweise der beiden Pärtelmitglieder: Sie hätten besser getan, wegzubleiben, um der bürgerlichen Presse nicht Veranlassung zu hämischen Glossen zu geben."'■■ In der gleichen Nummer-bringt die„Schwäbische Tagwacht" eine Verwahrung der Stuttgarter Parteileitung gegen dib anonymen Treibereien dunkler Ehrenmänner, die sich gcgen den Genossen WestMeyer und dir Parteileitung richten. Die Redaktion schließt sich dieser Bertvahrung an.---- s- � Sozialdemokratischer(Parteitag. (Schluß aus der 1. Beilage.). Pfannkuch:, Ich mutz mich gegen die Behauptung wenden, meine' Dar- legungen wären mir nzcht leicht geworden. Ich habe die Stellung des Parteivorstandes klar gezeigt. Am 2. August hatten wir eine Ksnferenz der Bezirksvorstände b�w.-der Bezirkssekretäre,- Mit großer Mehrhefk ist düs dieser Konserenß- fölgende�-Anträg� angenommen worden:„Die Äonser-eü, hätt!die Aufhebung des Antrages 90,' betreffend Bufhckung des' TageGhneS,' für- nötwendig. Die'Schwierigkeiten bei der Durchführung des Beschlusses, die Parteischädiguiig, die ungleiche Wirtschaftliche Stellung der von dem Beschluß Betroffenen, sowie das Fehlen jeder Kontrollmöglichkcit läßt eine gerechte DurchführnNg nicht mehr zu." Das waren die Gründe, aus denbn die überwiegend« Mehrheit sich für die Auf- Hebung des Beschlusses-entschieden hat. Ich ersuche Sie um An- nähme dieses Antrages. Sollten Sie ihn ablehnen, dann bitte ich Sie, den Antrag W e is- anzunehmen. Ich bin der Meinung, daß die Erziehungsarbeit eine so gründlich« ist. daß selbst wenn der von mir verlesene Antrag angenommen wird, die Abführung des TagesorbeitSverdienstes für Partei- und GewerkschastSangest-ellte ebenso glatt vor sich geht,-wie sie bisher in Hamburg vor sich ge- gangen ist. Ich empfehle Ihnen in erster Linie den Antrag der Landesvorstände. Sollte er abgelehnt werden, so empfehle ich Ihnen zur Annahme den Antrag Robert Schmidt. Die Abstimmung über den Antrgg 84 ist eine namentliche. Der Namensaufruf dauert fast eine Stunde. Die Abstimmung er- gibt die Aufhebung des Nürnberger Beschlusses mit 871 gegen 221 Stimmen und 2 Stimmenthaltungen. Als der Vorsitzende nunmehr über den Antrag Giebel ab- stimmen lassen will, erhebt sich lebhafter Widerspruch. Abg. Haase: Sie haben recht, daß, wenn man den Antrag wärt- lich nimmt, über ihn gar nicht mehr abgestimmt werden kann, da er eine Abänderung eines Beschlusses will, der nach dem soeben ge- faßten Beschlüsse gar nicht mehr besteht. Wir wollen doch aber nicht Formalismus treiben, sondern durch die Abstimmung er- forschen, was die Antragsteller gewollt haben. Heilmann-Chemnitz: Nachdem der Nürnberger Peschsuß auf- gehoben ist, kann eS eine A stimmung über den Antrag Wels-Giebel nicht mehr geben.(Sehr richtig! und Widerspruch.) Es hieße die Geschäftsordn-ung auf den Kopf stellen, wenn wir einen Beschluß, der gar nicht mehr besteht, nachträglich amendieren wollten.(Sehr richtig!)-- LipinSki-Leipzig: Die Sachlage ist höchst einfach. Wenn man an die Stelle des Antrages 90 von Nürnberg etwas. setzen hsill, muß man einen neuen Antrag einbringen, dann muß übyr die Frage von neuem diskutiert werden.(Sehr richtig! und llyrphe) Giebel-Berlin. Durch die Art der Abstimmung ist etwas Per- wirrung in die Sache gekommen. Von einer großen Zahl der- jenigen, die mit Ja gestimmt haben, wurde damit die Absicht ver- banden, zunächst einmal den Nürnberger Beschluß fallen zu lassen, damit die einengende Bestimmung herbeigeführt werden kann, die unser Antrag will. Engler-Freiburg i. Br.: Wenn ich gewußt hätte, daß. der Antrag Wels nicht mehr zur Abstimmung komipcn. würde, hätte ich statt mit Ja mit Nein gestimmt. Robert Schmidt: Sie werden aus meiner Abstimmung ersehen haben, daß ich der Auffassung war wie der Vorredner, daß. nämlich nach Aufhebung des Antrages 90 der Antrag Wels noch zutz Ab- stimmung kommt. Sie dürfen nicht dadurch, daß Sie sich durch formale Einwendungen auf die unrichtige Geschäftsleitung be- rufen, dem anderen Teile die Möglichkeit nehmen, seiner Meinung Ausdruck zu geben. Noske:.Zur Rschtfertigung meiner Geschäftsführung weisen ich darauf hin, daß.bei alleu Abstunmungen immer zuerst � über- den iveitestgehenden Antrag. abgestimmt worden sst. Wels-Berlin: Ich bin auch letzt noch überzeugt, daß die Ge- schäftsführung derart sein muß, daß möglichst schnell und möglichst sicher der Wille des Parteitages festgestellt wird. Sie können nicht so illoyal sein, alle Parteigenossen, die mit Ja'gestimmt haben. weil st« aus den Organisationen den Streit entfernen- wollen, nmt zu verhindern, ihre positive Meinung zum Ausdruck bringen zu können. Ich beantrage deshalb, der Parteitag möge beschließe»,- daß in Zukunft die Angestellten der Partei und Gewerkschaften,- soweit sich die letzteren als Parteigenossen fühlen, ihren Tagespcr- dienst am 1. Mai abzuführen haben... Molkenbuhr: In dem Augenblick, wo der Nürnberger Be- schluß aufgehoben ist. wird selbstverständlich die Bahn frei, än seine Stelle etwas anderes zu' setzen. Richard Fischers: Ich habe namentliche Abstimmung über den Antrag Wels verlangt, deshalb, weil eine ganze Reihe Partei- angestellter in eine schiefe Situation chineingedrängt wivd, wenn gegen sie der Verdacht ausgesprochen wird, daß sie aus egoistischen Motiven für die Aufhebung des Nürnberger-! Beschlusses äestimmt haben, während sie doch bloß deshalb— dazu- gehöre auch ich— für die Aushebung gestimmt haben, weil eS unmöglich ist, die Puch» drucker und- sonstigen Angestellten durch Parteitagsbeschluß zup Ablieferung der Gelder zu zwingen: Im Interesse des Partei. fricdenS bleibt uns nichts anderes übrig, als über den Antrag Wels jstzt-noch abzustimmen.- Noske: Der Antrag WelS ist zurückgezogen und dafür folgender Antrag eingebracht worden:„Wir beantragen, daß die Angestellten der Partei und Gewerkschaft, soweit die letzteren der, Partei an» gehören, den Tagesverdienst vom 1. Mai dem Maifeierfonds zuzu- führen haben/'"Dazu ist folgender Zusatz einzuschalten:„Sowie die Angestellten der Genossenschaften und Krankenkassen".(Große Heiterkeit' und Unruhe.)'! Lipinski-Leipzig: Diese neuen Anträge nehmen gerade die Streitfrage wieder auf. um die es sich handelt. Jedenfalls muß über die neuen Anträge auch eine neue Debatte stattfinden," wenn darüber abgestimmt werden soll. Noske: Es ist ein neuer Antrag eingegangen:„Alle Partei-- genossen, die ohne Abzug ihres Lohnes oder Gehalts am-- 1. Mai feiern können, haben den Lohn für diesen Tag abzuführen.'(Große Unruhe und Heiterkeit.)' Gottschalk-Königsberg: Wo ist eS in der parlamentarischen Geschichte erhört/daß nach einer langen Debatte über- einen Gegen- stand, die durch einen Schlußantrag' beendet ist, und nach der Ab- stimmung ein ganzes Bündel neuer Anträge eingebracht wird mit dkm Verlangen, daß darüber schlechtweg abgestimmt werden soll. Wollen wir unseren Parteitag vor der ganzen parlamentarischen Welt lächerlich machen?(Unruhe und Sehr richtig!) Andererseits wäre es durchaus notwendig, die wahre Meinung des Parteitags zu dieser Frage unanfechtbar zur Geltung zu bringen. Die Ge- schäftsführung Roskes ist unanfechtbar. Ich'schlage vor, daß aus- nahmsweise über den Antrag WelS-Giebsl in einfacher Abstimmung entschieden werde, wenn vorher der Antrag auf nameütliche Ab- stimmung zurückgezogen ist.■:'''. Baron-BrandeNburg: Es wäre unwürdig, eine namentliche Abstimmung zu fürchten. Jeder muß seine Abstimmung recht, fertigen könneü. Vorsitzender Roske: Wir sind uns im Bureau dahin einig ge- worden, um dieser Komödie der Irrungen ein End« zu machen, daß wir eine Abstimmung des Parteitages darüber herbeiführen, ob überhaupt noch einer der drei Antrage zur Abstimmung gebracht werden soll'oder nicht.'-- Nachdem die erste Abstimmung zweifelhaft geblieben- ist, erklärt Vorsitzender Noske: Das Butoau ist sich einig darüber, daß beschlossen worden ist,- die Abstimmung vorzunehmen. Wir sind der Meinung, daß der neue Antrag Giebel lediglich als eine formale Aenderung des alten Antrages zu betrachten ist..während die beiden nach. träglich gestellten Anträge eine vollständige Wiederaufrollung der Debatte wären. Wir glauben infolgedessen, den soeben gefaßten Beschluß dah iii'interpretieren-zu sollen,.daß lediglich über den Antrag Giebel abgestimmt werden soll.(Widerspruch und Unruhe.) Thabor-Krcfeld: Wir können nicht über den Antrag- namentlich abstimmen, ohne daß darüber gesprochen- worden ist. Ebert: Ich beantrage Schluß der Debatte über die vorliegenden Anträge und Abstimmung. Ryssel-Leipzig: Die Sache muß auf jeden Fall erst diskutiert werden. Praktisch wird sie im nächsten Jahre überhaupt nicht. Deshalb schlage.ich vor, die Antragsteller müssen ihre Vorschläge zum nächsten Parteitag stellen. Dr. Tavid-Mainz: Der von Ebert gestellte Antrag auf Schluß der Debatte ist unzulässig, weil gar keine Debatte eröffnet worden ist. Im übrigen kann die Regelung dieser Frage nicht von der Mrt«-einseitig ecsSl-geü, sondern tnüß durch eine Vereinbarung mit den gewerkschaftlichen Instanzen zustande kommen. Wir haben jetzt das Hindernis, den Nürnberger Beschluß, beseitigt und' die Bahn ist frei, eine solche Vereinbarung einzuleiten. Im nächsten Jähre kommt die Sache, da der' 1. Mai ohnehin ein Feiertag ist, praktisch nicht in Betracht. Deshalb bitte ich die Genossen Wels und Giebel, unter diesem Gesichtspunkt ihre Anträge zurückzuziehen. Dann sind wir die ganze- Sache für diesmal los.(Lebhafte Zu, stimmung.) Vorsitzender Roske: Es ist mir soeben der-Antrag zugegangen, den Antrag Wels-Giebel dem nächsten Parteitag zur Beschluß» fassung vorzulegen.— Der Antrag wird mit lebhaftem Beifall auf. geiwmmen. Vorsitzender NoSke schlägt bor, auch zwei weitere Anträge bis zum nächsten Parteitag zurückzustellen, weil sie für das kommende Jahr-gegenstandslos sind. Es handelt sich um den zweiten Teil deS Antrages 85 und um den Antrag 79. Da im nächsten Jahre mit einer Maßregelung aus Anlaß der Maifeier nicht zu rechnen ist. kommen diese Anträge auch auf dem nächsten Parteitag noch recht- Damit ist der Parteitag einverstanden. Die Anträge zur Maifeier sind damit erledigt. S i l be r s ch m i d t. der als Beisitzer auf der Vorschlagsliste für den Parteivorstand steht, läßt mitteilen, daß er eine auf ihn entfallende Wahl nicht annehmen würde. Darauf vertagt sich der Parteitag auf Sonnabend 8)4 Uhr früh. Schluß 6'A llht abends. !» Berichtigung. Genosse Thyrow ersucht uns mitteilen, daß in der Erklärung der Delegierten von Teltow- Becsköw irrtümlichcnveise sein Name nicht verzeichnet sei.' Soziales. Ein zweideutiger Aushilfsvertrag. Ein gegen das Warenhaus A. Werthcim gerichteter Prozeß kam vor der S. Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts zur Eni- scheidung. Klägerin war ein Frl. P.. die von dem beklagten Wgreu- Hause zur Aushilfe angenommen wurde. In dem mit der Beklagten geschlossenen Aushilfsvertag befindet sich ein Passus, der die Vor- schrift des§ 63 des Handelsgesetzbuchs(Gehaltszahlung für sechs Wochen im Krankheitsfälle) ausschließen soll. ES wird nämsich darin bestimmt, daß Fehltage nicht bezahlt werden. Gleich im nächsten Absatz heißt es aber, daß der Angestellte, der„durch un- verschuldetes lliifllück an der Leistung seiner Diönste verhindert ist, dies sofort der Pcrsonalleitung'zu melden hat." Dieser letztere Fäll trat em. Die Klägerin erkrankte, meldete es auch sofort. Das Gehakt für öie Krankheitstagc würde ihr aber dennoch vorenthalten. Der Vertreter der Beklagten führte aus, daß sie derartige Ver- träge mit allen zur Aushilfe Angestellten schließen und sich auf Gründ des Vertrages uichf fiir verpflichtet halte, Gehalt für Krank- hfitstage zu zahlen. Die sofortige Mitteilung der Erkrankung an die Firma hat nur darum zu geschehen, damit die Personalleitüng entsprechend disponieren kann. Das Kauftnannsgericht verurteilte die Firma zur Zahlu-ng her geforderten 145 M. Es sei nicht einzusehen,' wozu'die Krankheit gemeldet werden- soll, wenn die Angestellte doch kein Gehalt für die Krankheitstagc' erhalten soll.- Die Beklagte Hai isn- Vertrage selbst einen Unterschied gemacht zwischen Fchliagen allgemeiner Art uäd Tagen der Behinderung wegen unverschuldeten.-Unglücks.-- Die Rcchtswohltat des 8 63 muß, wenn sie überhaupt ausgeschlossen werden kann, was die Kammer in ihrer gegenwärtigen Zusammeit- setzung annimmt, strikte ausgeschlossen sein. Diese Entscheidung des Kaufmannsgerichis steht auf dein Boden der Notwendigkeit der Auslegung von Verträgen nach dem Grund- satz von Treu und Glauben unter Berücksichtigung der Verkehrs- sitte. Treu und Glauben-erfordern, wie bereits das' Rcichs-Ober- haudclsgericht angenommen hat, daß der Arbeitgeber das� für ihn Vorteilhafte mit zweifclsfrcien Worten gusbcdingt. Vereinbarungen,' die im Interesse des Arbeitgebers getroffen sind, sind deshalb im Zweifel zugunsten des Arbeiters zu interpretieren. Gcwerltfchaftliches. Ceirommusfcbwindcl. Die„Kreuzzeitung" bringt in ihrer Nummer vom 18. September einen aus der„Deutschen Reichspost" ent- nommenen„Notschrei" über sozialdemokratischen Terroris- muS folgenden Wortlauts: „kürzlich mußte ich meine Arbeitsstelle wegen der„frei"- org«»nisierten Holzarbeiter wechseln und fing in einer anderen Möbelfabrik Stuttgarts an. Kaum hatte ich begonnen, so kamen auch schon wieder„frei"organisierte Holzarbeiter an mich heran und fragten mich, ob ich organisiert wäre. Ich sagte„ja". Nun wollten sie aber wissen, in welchem Verband, worauf ich ihnen mitteilte, daß ich im christlich-nationalen Holzarbeiterverband Mitglied bin. Ich mutzte ihnen auch meinen Namen sagen. Darauf fingen sie an:„Ja, Dich kennen wir schon!" Ich ant- wartete ihnen:„Das weiß ich. Seit 12 Jahren werde ich von Fabrik zu Fabrik gehetzt. Aber mich hungert Ihr nicht aus. Laßt Ihr mich nicht arbeiten, dann gehe ich eben wieder." Es folgte dann ein wüstes Geschimpfe auf die christlichen Gewerkschaften. Später kamen wieder einige„Genossen" an meinen Arbeits- Platz; einer meinte, weil ich nicht übertreten wollte:„Du bist ein ganz verkommenen Kerl". Einige Tage darauf saß eine „freie" Betriebsversammlung über mich zu Gericht. Die Ent- scheidung ging dahin,„das Hindernitz müsse entfernt werden". Dazu mußte mein„frei"organisierter Ncbenarbeiter mithelfen. Er mutzte mit mir Streit anfangen und mich als„Christlichen" hänseln; andere kamen hinzu und taten das gleiche. Das wieder- holte sich einige Tage. Ich ging den Geschäftsführer um Schutz an, fand jedoch diesen nicht, weil eben viele Geschäftsführer es mit den„Roten" halten. Natürlich spornte das die„Frei"- organisierten zu weiteren Belästigungen an. Ich wandte mich dann an den ersten Werkmeister mit der Bitte, mir doch Ruhe zu verschaffen. Dieser meinte jedoch, wenn ich nicht arbeiten könnte, dann müsse ich eben aufhören. Ich erwiderte, datz ich nicht freiwillig aufhöre, eS sei denn, er wolle mich entlassen. Das tat der Werkfuhrer dann auch mit den Worten:„Also hören Sie nur auf. 20 Mann sind mir lieber wie einer." Wir sind den Dingen nachgegangen und haben dabei fest- gestellt, datz es sich um eine Ente recht ehrwürdigen Alters handelt. Sie entstammt dem„Holzarbeiter"(Organ des christlichen Holzarbeiterverbandes) vom 1. März dieses Jahres' Die Notiz war damals aber um zwei Drittel kürzer: sü bestand nur aus dem ersten Teil der jetzigen Mit- tellungerc Die übrigen zwei Drittel haben sich in der Zeit vom 1. März bis jetzt auf dem Wege vom„Holz- a r b e i t e r" bis zur„K r e u z z e it u n g"„hinzu ge- f u n d e n". Der vom„Holzarbeiter" übernommene Teil ent- hielt aber zwei recht beachtliche Mitteilungen, nämlich den Namen des angeblich Terrorisierten und den der Firma, bei der sich der Vorfall zugetragen haben sollte. Der Terrori- sierte hietz angeblich Kaiser, die Firma war die weit und breit berühmte Möbelfirma Schöttle. Diese„Unvorsichtigkeit", deren sich natürlich„Kreuz- zeitung" und Genossen nicht schuldig machten, wurde für den „Holzarbeiter" zum Verhängnis; sie ermöglichte die Nach- kontrolle. Diese hatte denn auch zur Folge, datz die Nr. 11 des christlichen„Holzarbeiter" vom 15. März 1912 die folgen- den Zeilen brachte: In Nummer S des„Holzarbeiter" wurde aus Stuttgart über einige Terrorismusfälle berichtet. Die Firma Schöttle, bei der sich ein Fall abgespielt haben sollte, teilte der Redaktion mit, daß in ihrem Betriebe seit Monaten kein Schreiner Kaiser mehr beschäftigt wäre und auch den Werkführern ein Fall der borge- tragenen Art nicht bekannt sei. Der Sekretär des Gesamtver- Bandes der christlichen Gewerkschaft in Stuttgart teilt- auf Be- fragen zur Sache folgendes mit:„Die von dem aus Kirchheim zugereisten Schreiner Friedrich Schneider gemachten Angaben über den Vorfall bei der Firma Schöttle entbehren, wie wir auf � Grund eingehender Feststellungen mitteilen können, der tatsäch- lichen Grundlage." Ob die Lektion Hilst? Wir glaubens nicht. Bei der erst- besten Gelegenheit wird man wieder neue Räubergeschichten auftischen. Kerlin und Umgegend. Ter Jnnuugsarbeitsnachweis im Fleischergewerbe. Eine öffentliche Versammlung der Fleischergesellen, die der »Zentralverband der Fleischer" einberufen hatte und die außer- ordentlich stark besucht war, tagte am Mittwoch in den Musiker- Festsälen. Man beschäftigte sich mit der Antwort der Innung auf die Forderungen der Gesellen bezüglich der Stellenvermittelung der Innung. Der Referent Paul Bergmann führte unter anderem aus: Die Zustände im Jnnungsnachweis in der Mulackstratze seien noch ebenso schlimm, wie vor vier bis fünf Jahren. In mancher Beziehung seien sie noch schlimmer geworden. Die Innung versuche allerdings in die Welt hinauszuposaunen und durch die bürger- lichen Zeitungen kund zu tun, daß sie in ihrem Nachweis eine Wohlfahrtseinrichtung geschaffen habe. Wer aber diese„Wohl- fahrtseinrichtung" am eigenen Leibe verspürt habe, der habe be- sondere Gedanken über die„Wohlfahrt". Die Fleischermeister glaubten wunder was getan zu haben, wenn sie ein Haus gemietet hätten, wo sich die Arbeitslosen bei schlechtem Wetter unterstellen könnten, wenn auch keine Stühle da seien. Die Gewerbedeputation habe vor 2 Jahren Erhebungen veranstaltet. Festgestellt worden sei, daß in der Herberge nur 7— 9 Kubikmeter Luftraum auf den ein- zelnen kämen, während der preußische Staat in seinen Zuchthäusern wenigstens 14 Kubikmeter für eine Person verlange. Auch auf andere Mißstände habe der Bericht der Gewerbedeputation hinge- wiesen. Zu einem energischen Eingreifen sei es aber nicht ge- kommen. Die Gewerbedeputation hätte schon etwas tun können. Zum mindesten hätte hingewirkt werden können auf eine Trennung der Stellenvermittelung, der Herberge und der Gastwirtschaft, die im Hause sei. Die Innung wolle faktisch nichts ändern. Wenn Wünsche laut wurden, dann habe man früher seitens der Innung immer gesagt: Wendet euch an die zuständige Korporation, an den Gesellenausschuß. Ja, solange dieser in gegnerischen Händen ge- wesen. habe das eben nichts auf sich gehabt. Im vorigen Jahre habe sich aber das Blatt gewendet, indem der Verband die Mehrheit «langte. Und da habe er gedrängt, daß der Gesellenausschuß etwas tun solle. Am 17. April dieses Jahres habe dann eine gutbesuchte Versammlung, in der Anhänger sämtlicher Gesellen- organisationen gewesen seien und verlangt hätten, daß Remedur geschaffen werde, einstimmig beschlossen, der Gesellenausschuß solle folgende Wünsche der Innung unterbreiten: 1. Jeder Fleischergeselle, der in Arbeit gehen wolle und zum Jnnungsnachweis komme, sei der Reihenfolge nach in eine Liste einzutragen. 2. Nur solche sollten vermittelt werden, die in der Liste ständen. f„ 3. Die Vermittelung solle v o l l st a n d l g k o st e n l o s sein- 4. Die Sonntagsvermittelung sei aufzuheben. Niemand werde nun sagen können, daß die Erfüllung dieser Wünsche unmöglich sei. Die Innung aber habe, nachdem über fünf Monate verflossen waren, die Erklärung abgegeben, sie könne den Forderungen nicht Rechnung tragen. Hätte man nur ein klein wenig sozialpolitisches Verständnis gehabt, dann hätte man gesagt, es lasse sich mit dem Gesellenausschutz darüber reden und eine Einigung erzielen. Durch ihr Verhalten habe die Innung selbst die dem Gesellenausschutz durch die Gewerbeordnung zuge- wiesenen Aufgaben mißachtet. Was die Wünsche bezüglich der Liste und der Reihenfolge der Vermittelung angehe, habe man u, der JnnungSversammlung erklärt, es müsse dem D r ä b e r t(dem ttoantw. Redaktj?Älfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw.: Gtellenbermittler) überlassen bleiben, wen er jeweilig in Arbeit schicken wolle. ES solle also bleiben, wie es war: wenn Dräbert einen, der zwei Tage bummelt, vermitteln wolle, dann vermittele er ihn, und wenn einer acht Wochen bummele, dann könne er warten, bis Herr Dräbert ihn sehe. Zu dem Hauptpunkt, dem Verlangen nach völlig kostenloser Vermittelung, habe der Jnnungsschriftführer Burg erklärt, das sei ganz unmöglich, weil die Innung das Geld(die Gebühren) brauche, um die Stellen- vermittelung zu halten und die Kosten für das Haus in der Mulackstratze aufzubringen. Hier, wo es sich um soziale Angelegen- heiten handele, darum, den arbeitslosen Gesellen zur Verwertung ihrer Arbeitskraft zu verhelfen, habe man also nichts übrig. Bei höfischen Festen komme es dagegen auf 19 099 M. nicht an, und für Kirchcnfenster und dergleichen habe man auch Geld. Herr Burg sei sogar der Meinung, daß eine höhere Vermittelungs- gebühr sogar im Interesse der Gesellen läge, weij sie dann nicht so oft die Arbeitsstelle wechselten. Aber das habe mit dem Wechsel gar nichts zu tun! Tie Gesellen blieben eben in vielen Buden nicht, weil sie miserabel seien, ganz gleich, ob sie eine Gebühr gezahlt hätten oder nicht. Arbeitsstellen mit günstigen Bedin- gungen suche sich jeder Geselle gern zu erhalten. Die Innung habe es aber nicht nur bei der Ablehnung der bescheidenen Forderungen bewenden lassen, sondern sie habe auch noch in Abwesenheit des Gesellenausschusses beschlossen, daß die F l e i sch e r g e s e l l en, die dem Verband angehören, keine Arbeit mehr bekommen sollen. Man wolle also Arbeitswilligen Stockschläge auf den Magen versetzen. Soweit sei es mit der„Wohlfahrtseinrichtung" in der Mulackstraße gekommen. Dieselben Leute zeterten heuchlerisch fortwährend über angeblichen Terrorismus der Gesellen. Im ganzen Verhalten zeige sich, daß man seitens der Innung die„Wohlfahrtseinrichtung" nicht zum wenigsten auch ansehe als ein Mittel zur Ausnutzung der Wirt- schaftlichen Mvcht gegen die Gesellen. Angesichts der ganzen Situation könne man ruhig jedem, von dem es verlangt werde, empfehlen, zu unterschreiben, daß er dem Verband nicht angehöre, auch wenn es der Fall sei.— Der Gesellenausschutz könne nun augenblicklich nichts mehr in der Sache tun, denn besondere Macht- mittel habe er nicht. Seine Stellung werde aber gestärkt, wenn eine große organisierte Macht hinter ihm stehe. Dahin zu wirken. das sei das Entscheidende. Die obigen Forderungen hielten die Fleischergescllen aufrecht.— Redner rechnete dann noch energisch und gründlich mit den Fleischermeistern G e h r i ck e(Adalbert- straße) und Fleck ab, die jetzt fortwährend in absolut ungerecht- fertigter Weise den Verband verdächtigen. So führte er Tatsachen an, die Herrn G e h r i ck e durchaus nicht als berufen erscheinen lassen, sich aufs hohe Rotz zu setzen. Eine grobe UnWahrhaftigkeit sei es. wenn Herr Fleck behaupte, der Verband habe einen Meister gezwungen, jemanden wieder einzustellen, der gestohlen und des- halb eine Freiheitsstrafe verbüßt habe. Die Ausführungen des Referenten fanden großen Beifall. Der Vorsitzende Schäfer und verschiedene andere Redner sprachen dann noch im Sinne deS Referats. Auch wurden grobe Mißstände in verschiedenen Betrieben aufgedeckt. Der Vorsitzende meinte, man könnte ja durch eine Resolution gegen das Verhalwng der Innung Protest erheben. Solch papierner Protest habe aber wenig Zweck. ES gelte, zu handeln, namentlich aber durch Zusammenschluß in der Organisation eine Macht zu schaffen, die die Forderungen erzwingen könne. Mitglieder anderer Organisationen der Gesellen, deren Ver- treter eingeladen worden waren, meldeten sich trotz wiederholter Aufforderung nicht zum Wort. So konnte Bergmann im Schlußwort feststellen, daß alle Anwesender� auch die Mitglieder anderer Verbände, mit den Ausführungen einverstanden seien. Von einer Resolution wurde deshalb Abstand genommen._ Die Firma Wilhelm Vehr, Wurstfabrik in Schöneberg, ersucht uns um die Mitteilung, daß„Maßregelungen" von Angestellten wegen ihrer Tätigkeit für die Organisation bei der Firma nicht erfolgt seien. Die Firma hat Tarifverträge sowohl mit dem Zentral- verband der Fleischer als auch mit dem TranSportarbeiterverbande sowie mit dem der Maschinisten und Heizer abgeschlossen. Sie steht der Organisation ihrer Arbeiter und Angestellten m keiner Weise hindernd im Wege. In beiden vom Zentrrolverband der Handlungs- gehilfen angeführten Fällen handele es sich um Differenzen, die auf anderem Gebiete liegen. In einem Falle liegt die Angelegenheit dem Kausmannsgericht zur Entscheidung vor, in dem anderen erfolgte nur eine Außerdienststellung bis zur Klärung der Vorwürfe, die nicht von der Firma, sondern von Arbeitern des Betriebes gegen den zur Dispositiongestellten erhoben wurden.— Von den oben genannten Verbänden wird uns bestätigt, daß sie mit der Firma langfristige Tarifverträge haben und nie Anlaß zur Klage übe» die Firma hatten; insbesondere bat dieselbe der Organisation ihrer Arbeiter nie irgendwelche Hemmnisse bereitet. DeutkeKes Reich. Erfolgreiche Lohnbewegung der Tabakarbeiter in Görlitz. Nach längeren Verhandlungen des Tabakarbeiterverbandes mit den Inhabern der drei großen Zigarrenfabriken in Görlitz sind für die Tabakarbeiter und-Arbeiterinnen dieser Firmen Lohnlarife ab- geschlossen worden, die ihnen Lohnerhöhungen von durchschnittlich 19— IS Proz. bringen. Diese Erfolge sind dem guten Organisations- Verhältnis unter den Tabakarbeitern und-Arbeiterinnen zu verdanken. Sind doch von den an der Lohnbewegung beteiligten S39 Personen 391 Mitglieder des deutschen Tabakarbeiterverbandes. Die Per- Handlungen zogen sich deswegen in die Länge, weil die Firmen in der Umgegend von Görlitz Filialbetriebe unterhalten. Bemerkens- wert ist, daß in einem Betriebe die Sortiererinnen und die Kisten- macher leer ausgingen, weil sie nicht organisiert waren. Die Achtstundenschicht in der Grosteiscnindustrie. Auf der in der vorigen Woche abgehaltenen Tagung der Jnter- nationalen Vereinigung für gesetzlichen Arbeiterschutz wurde der Be- ichluß gefaßt, durch zwischenstaatliche Vereinbarungen für Feuer- arbeit er an Hochöfen eine Achtstundenschicht gesetz- lich einzuführen. Die Regierungsvertreter sämtlicher an der Kon- ferenz beteiligten Staaten haben übereinstimmend die Erklärung abgegeben, datz die Regierungen sich ihre Stellungnahme zu diesem Beschluß vorbehalten, weil zunächst die Ansichten der Unternehmer über die Durchführbarkeit einer solchen Maßnahme gehört werden müßten. Wie die Antwort der deutschen Unternehmer ausfallen wird, kann man an den Ausführungen Buecks ermessen, die dieser in seinem Artikel im„Tag" machte. Die deutsche Reichsregierung und fünf deutsche Bundesregierungen waren auf dieser Konferenz ver- treten. Es muß sich bald zergcn, ob der Einfluß der Scharstnacher auf die deutsche Regierung stärker ist als das Tatsachenmaterial, das von Gewerbeinspektoren und von den Gewerkschaften zu dieser Sache herbeigeschafft worden ist. und ob deshalb der geforderte Arbeiterschutz sür die Hochofenarbeiter in Deutschland unterbleibt. Tie Aussperrung der Zigarettenarbeiter in Frankfurt a. M. Die Zigarettenfabrik Nestor GianacliS in Frankfurt a. M., ägyptischer Herkunft, hat sich eine Handlungsweise gegen ihre Arbeiter erlaubt, die niedriger gehängt werden muß. Die Arbeiter dieser Fabrik sollten eine Fabrikordnung unterschreiben, deren einzelne Paragraphen den Bestimmungen der Reichsgewerbeordnung schnür- stracks zuwiderliefen. Zur Ehre der Arbeiter sei es gesagt, daß diese das Ansinnen mit aller Bestimmtheit zurückwiesen. Darauf hat die Firma alle Weigerer der Unierschrifl ausgesperrt. Die Anerkennung einer Fabrilkommission. die die Arbeiter gewünscht, wurde von der Firma Nestor Gianaclis ebenfalls verweigert. Und gerade eine solche wäre dringend notwendig, um der Willkür- Herrschaft des Herrn Direktors, die wirklich ägyptisch anmutet, Zaum kd. Glocke. Berl'n. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdr.ll Verlagsanjtals' und Zügel anzulegen. Obgleich dieser Firma, deren Zigaretten unter der Marke„Nestor" in den Handel gehen, anscheinend sehr viel daran liegt, den Berliner Markt zu erobern, ist ihr die Organi- sation der Arbeiter ein Dorn im Auge und bevorzugt sie am liebsten ausländische Arbeitskräfte, deren solidarisches Gefühl noch un- entwickelt ist und die der deutscheu Sprache meist vollständig un- kundig sind. Das Gewerkschaftskartell von Frankfurt a. M. hat beschlossen, über die Firma N e st o r Gianaclis den Boykott so lange zu verhängen, bis die strittigen Punkte für die Arbeiterschaft in zu- friedenstellender Weise geregelt sind. Auf dem Wilhelm-Heinrichswerk, Aktiengesellschaft in D ü s s e I- darf, haben die Drahtzieher einer Abteilung(Litzen- und Kratzenzieher) wegen Lohndifferenzen die Arbeit eingestellt. Zuzug von Drahtziehern aller Art ist deshalb fernzuhalten. Die Ortsverwallung des Deutschen Metallarbeiterverbandes. HueUnd. Vollständiger Sieg der Sieh» Uorker Kürschner. Der Generalstreik der 12999 Kürschner New Jorks hat nach elf- wöchiger Dauer mir einem vollständigen Sieg der Streikenden ge« endet. Sämtliche gestellten Forderungen: wie Anerkennung der Or- ganiiation und der Werkstatt-Verirauensperson, achtstündige Arbeits« zeit, freier Sonnabendnachmiilag, Bezahlung der gesetzlichen Feier« tage und der lieberstunden, Beseitigung des Zwischenmeistersystems innerhalb der Werkstätten und Verbot nach Feierabend Arbeit nach Hause zu geben, wurden bewilligt. Dieser glänzende Sieg ist um so höher anzuschlagen, da die Arbeiter einem gutorganisierten Unternehmertum gegenüberstanden und von den 12 999 Streikenden kaum 2990 organisiert waren. Die vom Siaatsschlichtungsbeamten eingeleiteten Verhandlungen scheiterten zunächst. Die Arbeiter waren empört, daß die Unternehmer neun Wochen lang sich weigerten, zu verhandeln, sie verlangten Anerkennung ihrer ganzen Forderungen, wäbrend die Vertreter der Unternehmer den freien Sonnabend« nachmittag nur für die ersten acht Monate zugestehen wollten. Die Unternehmer ließen erklären, daß. bevor sie Zugeständnisse machen könnten, die Arbeiter erst bedingungslos in die Werkstätten zurück- kehren müßten. Unterdes krachte es in ihrer Organisation in allen Fugen. Von 829 Unternehmern hatten inzwischen 421 die Forderungen anörkannt, darunter waren drei der größten Firmen. Es ist Hochsaison und jeder Tag kostete ein Ver- mögen; das wußten die Arbeiter und sie hielten hungernd und tapfer Stand. Wie schwierig sich die Verhandlungen gestaltet haben müssen, läßt sich daraus beurteilen, daß vom 9. zum 7. September bis morgens ö Uhr verhandelt wurde.— Die große Mehrzahl der Streikenden hat die elf Wochen unter großen Entbehrungen durch- hungern müssen. In den letzten Wochen hatten sich zirka S99 Komitees gebildet, die in New Jork und in den Vorstädten öffentlich Gelder sammelten. Erreicht wurde der Sieg aber nur durch die Geschlossen- heir und den Zusammenhalt der gelernten und ungelernten Arbeiter und Arbeiteriniren. Versammlungen. Verband der Maler, Lackierer, Anstreicher. Die am Donner?» tag abgehaltene stark besuchte Versammlung der Filiale Berlin nahm ohne Debatte die Abrechnung vom zweiten Quartal entgegen. Dieselbe zeigte eine Einnahme von 191 992,89 M., eine Ausgabe von 46 999,94 M. und einen Bestand von 1 15 991,93 M. Für Unter- stützungszwecke wurden ausgegeben an Streikende 19 454 M., Ge- maßregelte 522 M., Maiausgesperrte 767 M-, Kranke 3171 M., Sterbegeld 695 M., Rechtsschutz 48 M— Nach Erledigung des Kassenberichts vollzog die Versammlung die Wahl eines vierten Filialangestellten Acht Bewerber hatten sich auf die Ausschreibung gemeldet. Gewählt wurde Lackierer Alfred Trendel.— Nachdem noch einige Verbandsangelegenbeiten erledigt waren, wies tzcr Vorsitzende Mietz auf die bevorstehende Tarifbcwegung hin. Me vorige Tarifberatung habe keinen eigentlichen Kamps verursacht. Diesmal aber werde es unier allen Umständen zum Kämpf koni- men, und der werde schwerer sein, als alle früheren Kämpfe. Wenn die Arbeitsgeber auch etwas bewilligen wollten, so dürfte« sie es doch nicht, denn sie seien dem Verbände der Arbeitgeber im Baugewerbe angeschlossen, der sich gegen die Verkürzung der Ar- beitszeit und den paritätischen Arbeitsnachweis erklärt habe.� Da? seien Fragen, an denen der Tarif scheitern müsse, wenn die Ar- beitgeber auf ibrem Standpunkt beharren. Es müsse jetzt alle? daran gesetzt werden, um die Organisation zu stärken, damit sie für den Kampf im kommenden Frühjahr gerüstet dastehe. Hetzte Nacbrlchtcn.- Tie Opposition in Ungarn. Budapest, 29. September.(P. C.) Die verbündeten Oppo- sitiönsparteien werden hinsichtlich ihres weiteren Verhak» t e n s im Abgeordnetenhause keinen formellen Beschlutz fassen, viel- iskehr die Aktion in ver Delegation den einzelnen Abgeordneten überlassen. Wie es heißt, werden die Oppositionellen kein bloßes Lärmkonzert veranstalten, sondern nur über die gegen sie ergriffenen Maßnahmen interpellieren. Tuell zwischen Abgeordneten. Budapest, 29. September.(P.-C.) Heute mittag fand zwischen dem in letzter Zeit oft genannten Abgeordneten Smrczanyt und dem Abgeordneten Szasz ein- P ist ölend ue I I statt. Smrczanyis Pistole versagte, während der Schuß smneS Gegner? fehlging. ES war nur einmaliger Kugelwechfel festgesetzt worden. Die Gegner schieden unversöhnt. Ein Unwürdiger. Budapest, 29. September.(C. P.) Jpeuie fand die Di?zi- plinarverhandlung gegen den Schutzmann Polyak statt, der bekanntlich den Gehorsam verweigert hatte, als man ihm befahl, im Abgeordnetenhause gegen einen De- putierten vorzugehen. Es wurde gegen den Schutzmann auf Dienstentlassung erkannt. Ein strafrechtliches Verfahren dürfte indessen nicht eingeleitet werden. Neue Unruhen auf Santo?. Athen. 29. September.(P. C.) Tie Unruhen auf SamoS. welche bere'ts in voriger Woche ibrcn Anfang genommen pöl>en# sind nicht zur Ruhe gekommen. Nach einer neu eingelausencn Nachricht durchziehen große Menschenmengen die Straften und de- monstrieren lebhaft gegen die Türkei. Die Anstifter der Unruhen sollen zugereiste Griechen sein. Jagd auf Seeräuber. London, 29. September. Wie das Reuters-be Bureau au? Hongkong meldet, hat eine starke portugiesische Abtei- lung mit Maschinengewehren heute bor Tagesanbruch Macao verlassen, um die Insel einzuschließen, da sich in der Nähe von Colowan eine Seeräuberburg befinden soll. Zwischen den Regierungen von Macao und Canton ist ern Abkommen geschlossen worden, ihre Streitkräfte vereint zur Ausrottung der Seeräuberei zu verwenden. Was verdienen die„Patrioten" durch den Militarismus? Washington, 29. September.(W. T. B.) Die H a d f i e I d S t e � l Company in Sheffield hat der Regierung der Ver- einigten Staaten angeboten,„ bon 14 Zoll für eine Summe zu liefern, die fast um 299 999 Dollar niedriger ist, als die Forderung des nächsten amerikanischen Mitbewer- b e r s. Marinesekretär Meyer wird zu entscheiden haben, ob die Ucberliefcrung, wonach ausschließlich amerikanische Häuser Aufträge erhaltcu, verletzt werden darf oder ob das eng» lische Angebot zurückgewiesen werden muß. PaulSingcrä:Co.,BerlinLVV. Hierzu 5 Beilagen u.Nntcrhaltungsbl. Nr. 221. 29. ZichrMg. 1 Kilme des Jsrmrts" ßetlintt UcksdlÄ. Somlabtlld. 21. StptkNdkr 1912. Sozialdemokratlf(l)er Parteitag. Fünfter VerhandlungStag. Chemnitz, 20. September. Haase eröffnet die Verhandlungen. Das Schlußwort zu dem Punkt„Bericht der Reichstagsfraktion* erhält Stadthagen: Ich bin gestern nicht auf die Frage der Sonder- konserenzen eingegangen. Ich werde später darauf zu sprechen kommen. Die Anträge 104 und 147 betreffen Doppelkandidaturen. Bebel hat seine Ansicht darüber bereits ausgedrückt. Die Fraktion als solche hat keinen Anlaß, etwas weiteres dazu zu sagen. Nach Antrag 10S sollen größere Gesetzesvorlagen ausgearbeitet werden, wie z. B. bei dem bevorstehenden Zolltarif. Dabei sollen fach- verständige Genossen aus dem Reiche zugezogen werde». Der Fraktion kann es nur recht sein, wenn Sachverständige sich äußern ivollen. Antrag 177, der auffordert, daß die Aufhebung der Sprachen- Paragraphen im Reichsvereinsgesetz beantragt werden soll, kann zurück- gezogen werden. Einen entsprechenden Antrag hat die Fraktion schon im Februar gestellt. Ebenso kann Antrag 186 zurückgezogen werden, der eine Aenderung des Wahlgesetzes verlangt, die von uns gleichfalls bereits beantragt wurde. Antrag 204, wonachderFall Lands- berg für erledigt erklärt werden soll, kann angenommen werden. Die Genossen von Berlin IV werden ihren Antrag wohl zugunsten dieses Antrages zuMckziehen. Eine populärwissenschaftliche Btoschüre über die modernen StrasrechtStheorien verlangt Antrag 205. Auf dem Parteitag in Mannheim hat Haase einen Vortrag über Straf- recht, Strafprozeß und Strafvollzug gehalten und die Thesen knapp aneinandergereihr, die prinzipiell von uns zu fordern sind. Selbst- verständlich treten wir für Abschaffung der Todesstrafe ein. Sollen wir das noch einmal sagen? Ueber die Gestaltung dieses oder jenes Paragraphen müssen Differenzen sein, aber ich gebe keinem einzigen Genossen noch der Gesamtheit der Fraktion das Recht, daß sie etwa in einer Broschüre die vorhandenen Differenzen beseitigen wollen. Meinungsfreiheit muß auch auf diesem Gebiete sein. Die Unter- zeichner dieses Antrages bitte ich, sich gefälligst aus die Hosen zu setzen sHeiterkeit) und selbst diese Broschüre zu schreiben. Dann ist beantragt worden, eine Zusammenstellung der Klassenjustizurteile in einer Broschüre oder in einem Flugblatt herbeizuführen. Wie soll denn die NeichstagSfraktion dazu kommen, einen solchen Borschlag auszuführen. Man könnte den Antrag allenfalls dem Parteivorstand zur Erwägung überweisen, ich möchte aber die Genossen bitten, nicht zu glauben, als ob durch Resolutionen alles mögliche geschaffen werden kann. Die Pflicht, selbst zu arbeiten, wird dadurch nicht beseitigt. Gegen die Unterdrückung des Koalitionsrechts, die unter dem Motto.Schutz den Arbeitswilligen* geschieht, hat sich die Resolution Haupt gewendet. Selbstverständlich sind wir mit dem Inhalt dieser Resolution voll einverstanden. Die zweite Resolution bezieht sich auf die sogenannten Sonder- konserenzen. Die gestrige Aussprache hatte daö erfreuliche Ergebnis. daß sich herausgestellt hat, wie anders die Sonderkonferenz verlief, als behauptet worden war. Erfreulich ist die Uebereinstimmung. daß sclbstversiändlich Konferenzen irgendwelcher Art niemals Rechie der Organisation beeinflussen dürfen. Festgestellt wurde, daß unverbindliche Aussprachen, die zur Aufklärung der Genossen dienen, unter Umständen notwendig sind. Es erhebt sich die trage, wann kann man denn von einer Sonderkonferenz ircche»?� Gestern ist ausgeführt worden, die„Sozialistischen Monatshefte* feien schriftliche Sonderkonferenzen, eine An- sicht, die durchaus zutreffend ist. Eine Konferenz kann auch vorliegen, wenn bei einem Tee- oder Bierabend Sachen besprochen werden sollen. Auf der anderen Seite besteht kein Zweifel, daß Genossen derselben Richtungen, wenn sie zusammen kommen, sich über Parteiangelegcnheiten unterhalten. ES ist unmöglich, solche Diskutierabende zu verbieten, sie finden von der rechten Seite auch unzweifelhaft statt. Ich habe vor mir eine harmlose Einladung, sie lautet: Einladung zum Diskutierabend, Sonnabend, den 20. April 1S07, abends 8l/3 Uhr, der im Restaurant Friedrichshos stattfindet. Thema: „Refornipartei oder...?* Reserent Genosse Dr. David. sLebhaftcs Hört! hört! und Heiterkeit.— David ruft: Ist mir ganz unbekannt. Ist Scherz oder Fälschung. Dr. Südelum reicht eine hektographierle Einladung dem Redner. Große Heiterkeit. Zurufe: Vorlesen!) Der Settel, der mir eben übergeben wird, lautet:„Hierdurch möchten wir Sie bitten, sich am 13. Februar im Restaurant Zollernhof zu einer wichtigen Vorbesprechung einfinden zu wollen,«lbrechl.* iAharufe.) Aber Genossen, darüber sind wir doch nicht im Zweifel, daß solche Konferenzen stattsiiiden. Der Genosse, der mir de» Zettel mit der Einladung zu Davids Referat gegeben hat, kann nicht in den Ver- dacht kommen, daß ihm eine Fälschung in die Hand gespielt worden sei. In der letzten Session ist nicht von der Linken, sondern von der Rechten ein Diskutierabend einzurichten versucht tvorden. Unter den Einladenden befanden sich nicht nur Abgeordnete, sondern auch andere, ein Mitglied des Vorstandes. Auch ich wurde dazu eingeladen, antwortete aber, daß ich nicht teilnehmen werde, wenn nicht sämtliche Abgeordnete eingeladen werden. Darauf wurde» denn auch sämtliche Abgeordnete und ein paar Redaktcure eingeladen. Es ist mitunter notwendig, die Geschlossenheit der Partei durch Sonderbesprechungen zu fördern, deshalb hat ja Bebel gestern beantragt, sämtliche Anträge abzulehnen. Der Antrag Sindermann liegt uns gedruckt ja noch nicht vor und sein Wortlaut war auch Bebel gestern nur so flüchtig bekannt, wie uns allen. sWiederholter Widerspruch von Ebert, der erklärt, daß der Wortlaut Bebel genau bekannt war.) Hauptsache ist. daß der Parteitag über die gestellten BerbotSanträge zur Tages- ordnung übergeht. Unter dem Begriff.Sonderkonferenzen bestimmter Richtungen* fallen natürlich auch Diskussionsabende, wie die vorhin erwähnten und erst recht die von Dr. Frank gemeinten Landsmann- schafrsvers ammlungen. Noch ein paar Worte über die tatsächlichen Verhältnisse im Reichstag. Nachdem die Sache zur Sprache gekommen ist, bedauere ich, darauf eingehen zu müssen. Ich habe nicht zu entscheiden, ob die Reckte oder die Linke angefangen hat. Nach n«incr Kenntnis waren Sonderkonserenzen bis zu Anfang dieses Jabrbunderts un- bekannt, wohl aber waren vorhanden einige Konvenrikel. denen ich nicht angehörte. Dann sing die Rechte mit Sonderkonferenzen an, das ist ja naturgemäß, die Linke halte einschließlich des Vorstandes zu Beginn der Session gerade zwei Mitglieder mehr als die Rechte. jetzt steht es aber etwas besser. In der Diskussion über die sonstige Tätigkeit der Fraktion ist eigentlich nur von Mcerfeld etiväs angeführt, daS sich gegen die Taktik der Fraktion richtet. Er meint wenn wir annahmen, Scheidemanu würde doch nicht wiedergewählt, so hätten wir die ganze Sache unterlassen sollen. Ich habe nicht verstanden, wie Meerfeld auf diesen Ge- danken kommen konnte nachdem unzweifelhaft seitens des Partei- tage» und internationaler Kongresse die Frage klargelegt ist. Wir sind nicht dazu da als Fraktionsmitglieder uniere Grundsätze herab- zuwürdigen. Enttäuscht kann man nur dadurch sei», daß der Ge- nosse etwas unklar über den Unterschied zwischen Bürgerlichen und Sozialdemokraten ist Meerfeld hat der Fraktion noch mit auf den Weg gegeben, wie die Taktik geändert werden soll. ES soll eine kluge Taktik unter Benutzung des Moments eingeschlagen werden. Ich weiß nicht, ob die Verse Die Schultern brav gehoben, �oo gelangen wir nach oben, Wo uns alles weichen muß--- seinem Gedanken entsprechen. Ich möchte daS nicht annehmen. Wir haben nicht die geringste Veranlassung, unser Mandat zu beschmutzen und das würden wir tun, wenn wir auch nur ein Jota von unserem Programm abgehen würden. Es sind ja im übrigen keine Anstände gemacht wurden. Ich nehme an, Sie sind mit uns einmütig der Ansicht, daß wir nach wie vor zu stehen haben auf dem Boden unseres Parteiprogramms, ans den Grundsätzen und� Forderungen, die die Parteitage aufgestellt haben. Ich habe zum Schluß nur die Bitte zu wiederholen: Da die Klassengegensätze sich zuspitzen, da in immer schamloserer Weise die Ausbeutung der großen Menge des Volkes stattfindet, ist es doppelt und dreifach erforderlich, nicht zu er- lahmen in der Organisation und Agitation, nicht weil die Fraktion aus besonders klugen Köpfen besteht, hat sie ihr Gewicht, sondern sie hat ihr Gewicht, weil sie ausspricht und aussprechen muß: Forderungen der großen Menge, Forderungen, die gleichzeitig Forderungen der Gesamtheit des Vaterlandes sind.(Lebhafter Beifall.) Vorsitzender Haase: Stadthagen hat in seinem Referat ausführlich auf die gestrigen Darlegungen Bebels über die Sonderkonferenzen Bezug genommen. Bebel ist zu unserem schmerzlichen Bedauern nicht in der Lage, heut- vormittag der Sitzung beizuwohnen. Ich will deshalb, damit nicht der Gedanke auftaucht, daß die Worte Stadthagens als voll- inhaltlich gleichbedeutend mir den Bebelschen anzusehen sind, nach dem stenographischen Protokoll verlesen, was Bebel gesagt hat. Nach- dem er dargelegt hatte, wie es ftüher in den Sonderkonferenzen gewesen ist, fuhr er fort:„Deshalb möchte ich Ihnen dringend empfehlen, daß Sie den Antrag Sind ermann annehmen. Denn die anderen Anträge dürfen Sie ja gar nicht annehmen. Wer von Ihnen kann denn mit gutem Gewissen für den Antrag Mühlheim stimmen. wonach die sogenannten Sonderkonferenzen auf das schärfste verurteilt werden. Wer kann für die Anträge Rccklinghausen, Lübeck, Köln stimmen, wo überall die schärfste Verurteilung ausgesprochen wird, Ivo doch ein großer Teil von Ihnen selber zu den Sündern gehört. s«chr richtig! und Heiterkeit.) Ich habe mich ja nie daran beteiligt, der Vorstand selbst hat auch diese Beurteilung geübt. Wir werden uns alle sehr freuen, wenn es ohne diese Sonderkonferenzen künftig geht. Ich bitte Sie, lehnen Sie diese Anträge alle ab.' Sindcrmann(persönlich): Es ist der ausgesprochene Zweck der Antragsteller, mit ihrem Antrage in Zukunft Sonderkonfercnzen zu verhüten. Es war der Wille der Aimagsteller, damit zum Ausdruck zu bringen, daß die bisher stattgefundenen Sonderkonserenzen gefährlich werden können. Denn das Beispiel, das mit den Sonderkonserenzen von den Ab- geordneten gegeben wird, wird schon in den Bezirken und Wahlkreis- organisationcn nachgeahmt.(Lebhaftes Hört! hört!) Es setzt nun eine GeschäftsordnungSdcbatte ein. Stndthagen beantragt, wieder in die Verhandlungen einzutreten, nachdem die Debatte von neuem eröffnet worden ist. Vorsitzender Haase: Im Rahmen einer persönlichen Bemerkung kann allerdings streng genommen nur dasjenige richtig gestellt werden, was der Redner selbst geäußert hat und was von anderen Rednern falsch dargelegt worden ist. Ueber diesen Rahmen sind sämtliche Redner hinausgegangen unter Zustimmung des Partei lags. Sindermann hat lediglich sagen wollen, was er und was Bebel gesagt hat. Von einer Wiedereröffnung der Debatte kann keine Rede sein. Ledebour: Haase irrt, Sindermann ist in seiner sogenannten per sönlichen Bemerkung darüber hinausgegangen. Damit ist die Debatte tatsächlich wieder eröffnet worden. Ich melde mich zur Sache zum Wort. lHeirerkeit.) Vors. Haase: Ich kann meinem verehrten Kollegen Ledebour daS Wort zur Sache nicht geben. Sie haben gemerkt, daß ich Sindermann auch unterbrochen habe, als er nach meiner Meinung über den Nahmen der persönlichen Bemerkung hinausging. Ich bitte Sie jetzt, nicht eine Strenge eintreten zu lassen, nachdem wir bisher eine milde Praxis übten. Hoch: Die Erklärung Sindermanns war doch etwa« ganz anderes, als es Haase aufgefaßt hat. ES hat sich in seiner Er- klärung nicht darum gedreht, eine Bemerkung richtig zu stellen, die er gemacht hat, denn er hat ja überhaupt nicht das Wort genominen. Wir wollen keine Rechthaberei treiben, kein Schauspiel bieten, daß wir über einzelne Worte streiten. Für uns war das wichtigste ein Appell an die Parteigenossen, die Sonderkonserenzen in den Grenzen der Notwendigkeit zu halten, und auch bei den Sonderkonfercnzen die Einheit und Geschlossenheit der Partei im Auge zu behalten. In dieseni Sinne stimmten wir den Ans- führungen Bebels zu: leider ist er nicht anwesend. Da man die Situation verschiebt, sehe ich mich genötigt, offen und frei zu erklären: Ich habe Bebel die von mir eingebrachte Resolution vorher zur Kenntnis gegeben und er hat mir ausdrücklich seine Zustimmung erklärt. (Lebhaftes Hört! hört!> Dann trat Bebel auf und hat den Antrag Sindermann befürwortet. Da mußten wir alle den Eindruck haben, daß er uns damit empfehlen wollte: legt nicht den Wert auf die einzelnen Worte, nehmt ihn als Appell zum gemeinsamen Handeln. (Sehr richtig!) Wenn nun Sindermann eine ganz andere Er- klärung seines Antrages gibt, dann hätte er gestern die Sache machen müssen, aber er und seine Freunde haben für den Schluß der Debatte gestimmt. Wenn Sie aber das BedürftriS haben, die Sindermannsche Erklärung sür maßgebend zu halten, dann stellen Sie doch den Antrag.(Sehr richtig! und Widerspruch.) Vors. Haase: Wir brauchen uns wegen dieser Frage weder zu erhitzen, noch unsere kurzbemessene Zeit weiter in Anspruch nehmen (Sehr richtig!). Für die Auslegung und Bedeutung einer Willens- crklärung ist in erster Linie der Wortlaut maßgebend: weiter ist hinzuzuziehen, was im Laufe der Debatte zur Begründung ge- äußert worden ist. Bebel hat ohne Widerspruch seine Aeußcrung abgegeben, zu erklären, was er besagt, liegt außerhalb meiner Be- fugnis. Frank-Mannbeim: Sindermann hat als Antragsteller das Recht, zum Ausdruck zu bringen, was er mit seinem Antrag beabsichtigt. (Zurus: Aber nicht �,ach Schluß der Debatte!) Wenn der Bericht- crstattcr in seinem Schlußwort ihm andere Absichten unterlegt, bat Sindermann das Recht, in einer persönlichen Bemerkung daS richtig zu stellen. Stadtbagen hatte als Berichterstatter nicht das Recht zu Interpretationskunststückcn. Er hat das Recht, gegen den Antrag zu stimmen, nicht aber dem Antrag Ziel und Zwecke unterzuschieben, zu denen der Antragsteller selbst sich nicht bekennt. Stadthagen legte den Nachdruck beim Antrag Sindermann darauf, daß über die anderen Anträge zur Tagesordnung übergegangen sein soll, während für Sindermann die Hauptsache war, im Interesse der Organisa- tion eine Willenskundgebung des Parteitages zustande zu bringen, in dem Sinne, daß die Sonderkonfercnzen aufhören sollen.(Sehr richtig!) Hochs Mitteilungen über die Gründe der Zurückziehung seines Antrages interessieren niemand. Bei gutem Willen braucht man gar keine Kommentare zum Antrag Sindermann.(Sehr richtig!) Bebel sowohl als ich haben deutlich zum Ausdruck gebracht, daß wir vor einem Verbot zurückschrecken, weil wir nicht durch Polizcimaßregcln, sondern durch moralische Einwirkung das Jjiei des Aufhörens der Sonderkonserenzen bewirken wollen.(Sehr richtig!) Darum wird der Partei ein schlechter Dienst erwiesen. wenn man sich bei einem Beschluß, der die Einheit bekunden will, gleich die Hintertür für die Zulaffung von Sonderkonserenzen offen hält. Molkenbuhr: Nach der Verlesung des Antrags Sindermann und nach Bebels Begründung war dt« Versammlung einmütig der Auf- fassung, daß eine nach allen Seiten zufriedenstellend« Losung vor- banden sei. Daher wurde Schluß gemacht. Bei späteren Streitig- leiten kann man außer dem Wortlaut des Antrag? nur die Er- läuterungen Bebels maßgebend sein lasten. Sindermann: Ich hätte kein Wort gesagt, wenn Stadthagen nicht dem Antrag einen anderen Sinn zu geben versucht hätte. Liebknecht verzichtet aufs Wort. Stadthagen(mit Schlußrufen empfangen): Ich muß mich cnt- schieden gegen die Unterstellung Franks und SindermannS verwahren. Ich habe ausdrücklich erklärt, daß Bebel und nicht Sinder- mann den Antrag begründet hat, und daß deshalb nur die Be- gründung von Bebel gelten kann. Ich habe also dasselbe ausge- führt wie Molkenbuhr und werde auch sür den Antrag stimmen. Es kommt nicht darauf an, was Sindermann verschwiegen hat, sondern was Bebel gesagt hat. Vors. Haase: Damit ist diese Angelegenheit erledigt. Dr. David(persönlich): Stadthagen hat in seinem Schlußwort ein mit Schreibmaschine hergestelltes Formular vorgetragen, das eine Einladung zu einem DiskussionSabend im April 1S07 darstellt. Als Thema ist angegeben:„Reformpartei oder...?* Und als Referent werde ich angegeben. Die von Stadthagen verlesene Ein- ladung liegt 5 Jahre zurück. Ich habe mein Gedächtnis eben zermartert, was das gewesen sein könnte, ich häbe auch meine Freunde gefragt, es ist mir aber unmöglich, irgendwie in meiner Erinne- rung etwa? zu finden, was Anlaß zu diesem Schriftstück gegeben haben könnte. Ich entsinne mich also weder der hier gemeinten Versammlung, noch daß ich irgendwo über das hier genannte Thema referiert hätte. Ich habe Stadthagen gebeten, er möchie mir mitteilen, woher er diese Einladung bekommen hat, damit ich feststellen kann, von wo sie ausgeht. Stadthagen hat es abgelehnt (Hört, hört!), so lange er diese Angab« verweigert, mutz ich an- nehmen, daß Mißbrauch mit meinem Namen getrieben worden ist. Stadthagen: Ich habe David erklärt, daß ich den Genoffeu, der diese Einladung erhalten hat. fragen werde, ob er gestattet, daß ich seinen Namen bekannt gebe. Machen Sie aus der Sache doch keine weiteren Geschichten.(Zuruf: Sie haben etwas daraus gemacht!) Es ist kein Zweifel, daß der Genostc. der zu Ihrer «eite gehört und besten Namen ich nicht preisgeben will, diese Einladung wirklich erhalten hat. Daß David ohne sein Vorwisscn als Referent aufgeführt worden ist, ist ja möglich. Ich habe gar nichts anderes behauptet. Vors. Haase: Wir kommen zur Abstimmung. Die Resolution Haupt und Genossen, die sich auf die Ver- lctzung von Streikenden und anderen Personen durch Arbeitswillige bezieht, wird einstimmig angenommen, Antrag 204"), der den Fall Landsberg betrifft und ihn durch die Stellungnahme der Magdeburger Instanzen für erledigt erklärt, wird mit überwiegender Mehrheit angenommen. Damit ist auch Antrag 171 erledigt. Es folgt der Antrag Sindermann und Genosten, der die Sonder- znsammcnkünftc betrifft. Der Antrag wird mit ü b e r w ä l t i- g e n d e r Mehrheit angenommen. Auf Verlangen der Delegierten wird die Gegenprobe vorgenommen, bei der fünf Delegierte, darunter Ledebour, gegen den Antrag stimm- liicn. sHeiterkeit.) Damit sind erledigt die Anträge 110, 112, 114, 115. 116. 117, 14g. 158, 172, 183 und 189. Die Anträge III und 113 sind zurückgezogen worden. Die Anträge 104 und 147, die sich ans Toppelka ndidaturen be- ziehen, werden abgelehnt, ebenso der Antrag 106, der zur Durcharbeitung größerer Gesctzesvorlagen auch die Heranziehung sachverständiger Genosten außerhalb der Fraktion fordert. An- trag 177 ist zurückgezogen worden, ebenso Antrag 186. Ueber Antrag Baron 205 wird getrennt abgestimmt. Satz 1 de? ersten Absatzes des Antrages, bei dem es sich um die Propa- ganda gegen die T o d c« st r a f e handelt, wird einstimmig ange- nommcn. Die übrigen Teile des Antrages werden ebenfalls ein- stimmig dem Vorstand zur Erwägung überwiesen. Es folgt das Referat über den nächsten Punkt der Tages- ordnung: Ter Imperialismus. Referent Haase: Parteigenossen! Wohl kein Wort schwirrt so häufig durch die politische Welt und klingt so oft an Ihr Ohr, wie das Schlagwort „Imperialismus". Wenn man der Frage nachgeht, was unter Imperialismus z» verstehen ist, so erhält man die verschiedensten Antworten. Es gibt Politiker, die den Ausdruck in dem Sinn ge- brauchen, daß darunter zu verstehen sei die Schaffung eines Reiches, das sich wirtschaftlich selbst genügt, das so ausgedehnt ist, daß inner- halb seines Gebiets sämtliche Rohprodukte gewonnen und seine Jndustrieprodnkte auf den eigenen Markt abgesetzt werden können. Man spricht von wirtschaftlichen Gebilden dieser Alk), als von der künftigen Form einer sogenannten Selbstgenügsamkeit. Ich glaube, nicht viele Worte darüber verlieren zu sollen, daß es sich hier um bloße Phantasie handelt. In England hat man mit dem Ausdruck Imperialismus zunächst andere Vorstellungen verbunden. Als sich i» Amerika und in den europäischen Ländern die Schutzzollmauern immer hoher erhoben, wurde auch in England eine Agitation für Schutzzölle entfacht, und an der Spitze dieser Agitation stand als markante Persönlichkeit Cbamberlain, Er wünschte, daß die zum englischen Reich gehörigen Teil« alle zu einem einheitlichen Ganzen zusammengeschlossen werden sollten, und daß dieses große Jmperiuni, dieses Weltreich, eine eigen« politische und wirtschaftliche Gemein- schast bildet gegenüber den anderen. Es ist Ihnen bekannt, daß diese Agitation Schissbruch erlitten hat. Heute wird als Jmpcria- liSinus allgemein bezeichnet das Bestreben nach Gewinnung von neuen Macht- und Einslutzsphären in den anderen Ländern, die Ausdehnung des eigenen Einflusses, die Hinausschiebung der eigenen Staatsgrenzen, die Angliederung von anderen Ländern an den eigenen Staat. Dieses Bestreben beherrscht allerdings gegenwärtig die ganze Welt, Amerika und Japan ebenso wie die europäischen Staaten.(Sehr richtig!) Es quillt heraus aus der ganzen Wirt- schaftlichen EntWickelung, aus der ökonomischen Struktur, die die hochindustricllen großkapitalistischen Staaten angenxmnnen haben, Es-ist charakteristisch, daß in diesen Staaten die Produktion eine geradezu fabelhast« EntWickelung genommen hat. Mit wenigen Zahlen will ich Ihnen diese Tatsache illustrieren. Der Welthandel, das heißt der gesamte Außenhandel der Welt, betrug ISVg über 132 Milliarden Mark, er hat sich in den letzten Manzig Jahren verdoppelt. Der Anteil Deutschlands an der Zunahme des Welt- Handels wie an der Wertvergröherung ist ebenfall» ein sehr be- trächtlicher. Einen Gradmesser für die Ausbreitung des Weltver- kehrs geben die Transportmittel. Das Schicnennetz ist in Deutsch- land von 1890 bis 1909 von 42 800 auf über 60 000 Kilometer und •) 204.„In der Erwägung, daß bereits die Magdeburger Parteiorganisation zu dem Pcrhalten des Genossen Landsberg heim Kaiserhoch in der Schlußsitzung des Reichstags Stellung gel nommcn hat; in weiterer Erwägung, daß dies« Stellungnahme hei aller Zurückhaltung in der Form sachlich von den gleichen Anschau- ungen beherrscht wird, wie die Beschlüsse der Parteitage und der ReichstagSfraktion über die Teilnahme an höfischen Kundgebungen, erklärt der Parteitag den Antrag de» 6. Berliner ReichStagSwahl, kreiscS zu dieser Sache für erledigt, in Europa von 223 000 auf 329 000 Kilometer in bon Vereinigten Staaten von Nordamerika von 280 000 auf 381 000 Kilometer gewachsen. In Japan hat sich daS Schienennetz vervierfacht und in China ist es von 200 Kilometer auf 8224 Kilometer gewachsen. (Hört! hört!) Geradezu märchenhaft ist die Entwickclung der Kaus- fahrteifchiffahrr. Tie Zahl der Registertonnen der deutschen- Stauf- fahrte ischisfe ist in den letzten vierzig Jahren von 982 000 auf 2 903 000 gestiegen. In Großbritannien ist die Zahl der Register- tonnen in zehn Jahren um ZV? Millionen gestiegen, in Amerika über eine Million. England ist nicht mehr die Werkstätte der Welt. aber noch ihr bei weitem größter Frachtführer.(Sehr gut!) lieber- oll sind Ansätze für einen mächtigen neuen Verkehr vorhanden. Tie Bagdadbahn nähert sich ihrer Vollendung. Was diese Bagdad- bahn, wenn sie bis zum persischen Gvls weitergeführt ist. für die wirtschaftliche Entwickelung bedeutet, darüber gibt es nur eine Stimme. Ter englische Ingenieur Willcox hat ausgerechnet, daß in Mesopotamien etwa 3 Millionen Hektar Landes, besten Acker- lairdeS, die jetzt wüst daliegen, wiedergewonnen werden könnten. Weizen, Gerste, Reis und wahrscheinlich auch Baumwolle können da gebaut lverden. Cccil Rhodcs hat das Wort geprägt:„Ans- dehmmg ist alles." Aber die Agrarier, die sonst zusammen mit den Vertretern der Schwerindustrien und des Finanzkapitals den Imperialismus besonders befürworten, beben vor Schrecken bei dem Gedanken, daß der Imperialismus zur Einfuhr von Nahrungs- Mitteln nach Teutschland und damit zur Milderung der Notstandes führen könnte.(Lebhafte Zustimmung.) Tie Bahn von Damaskus über Mcdina nach Mekka ist fertig, und die Verbindung mit Aden ist geplant. Was wird sein, Wenw die Bahn von Kapstadt bis Kairo, die Bahn von Alcxandria nach Schanghai, die geplant ist, fertig sein werden? Australien wird durchquert und das Wunderwerk der Technik, der Panamakanal, wird wahrscheinlich im nächsten Jahre eröffnet, wodurch die Verbindung Amerikas mit Ostasien noch enger acitaltet wird. Europa wird dann für China und Japan um 2500 Seemeilen weiter liegen als New Uork. Ter Panamakanal wird ganz neue Gebiete dem Absatz erschließen. Aber nicht nur Waren zum persönlichen Gebrauch werden aus- geführt, sondern in immer steigendem Maße vollzieht sich eine K a p i t a l s a u s s n h r. Tas ist ein charakteristisches Zeichen dafür, daß wenn die Kolonien auch wenig wertvoll sind, sie doch für das Kapital Wert erlangem weil in ihnen Straßen und Eisenbahnen erbaut. Brücken errichtet, Städte gegründet werden und das Kapital zu diesem Zwecke Produktions-- und Transportmittel in die Kolonien schicken kann. Und wenn die Kosten für hie Kolonien, die sich nicht rentieren, zum größten Teil durch indirekte Steuern ausgebracht werden, durch die die Besitzenden nicht getroffen lverden, so" ist das in jedem Falle ein ausgezeichnetes Geschäft. ES wird afer immer mehr Gcldkapital ausgeführt. So unendlich akkumuliert sich das Kapital, daß es immer wieder drängt nach neuen Verwertungsmög- lichteiten. ES hat ein VerwertuirgsbedürftnS in fast allen Länder». Es weiß nicht, wo es bleiben soll. ES wird dem Staat ausgedrängt zu Anleihen, meist unter Bedingungen, die den schuldenden Staat verpflichten, aus dem Gläubigerstaat auch Waren und Produk- tionsmittel zu beziehen. Tas ist besonders leicht zu mache», seit- dem die Großbanken auf das engste verflochten sind mit der Schwer- indnstrie, den Bergwerken und Eisenbütten. Um Ihnen einige Beispiele zu geben, hat schätzungsweise Eng- land etwa 70 Milliarden Mark im Auslände und in seinen Kolonien angelegt, die Hälfte in den Kolonien hauptsächlich in Kanada, Indien und Australien. Tie Zinieneinnahmen Englands betragen etwa 100 Millionen Pfund jedes Jahr. Tentschland halte 1905 nach Schätzungen von Sachverständigen bereits sein Kapital von etwa 20 Milliarden im Auslände angelegt, gegenwärtig wohl wenigstens 35 Milliarden. Man nimmt an. daß Teutschland. Frankreich und England allein der Welt etwa jährlich 0 Milliarden Kapital liefern, das dazu dient, die Narurschätze der Welt zu erschließen, nicht natür- lich für die Masse des Volkes, sondern für das Großkapital. Die Wirkung dieser Vorgänge zeigt sich darin, daß Länder, die bisher völlig abgeschlossen waren von der Industrie, die aus der niedrigsten Stufe produziere», hineingezogen werden in das großkapitalistische Oletriebe, das in ihnen selbst Industrien entstehen, die später dem- jenigen Lande,, von dem die Besrnchlnng ausgeht, selbst die aller- schwerste Konturrenz machen werden. Ich will im Rahmen dieses Vortrages nicht auf die Kolonialpolitit eingehen, die natürlich ein Stück imperialistischer Politik darstellt. Gerade die K o l o n i a l p o l i t i k ist behaftet mit demjenigen Merkmal, das man als besonders charakteristisch für den Jmperia- lismus gewöhnlich ansieht, nämlich mit dem Charajter der Gewalt (Sehr richtig». Als wir vor kurzem lasen, daß in Peru 30 000 Indianer bestialifcherweise hingeinordct wurden, lediglich um 4000 Tonnen Gummi willen, wem fiel da nicht die Schilderung von Marx ein, die er in dem Kapitel„Genesis des Kapitals" über die Kolonial- scheußlichketten liefert. Ta nun die hochentwickelten Industriestaaten selbst hinettigeirieben werden, nach den neuen Märkten und Ab- satzgebieten für den persönlichen Gebrauch und für-das Kapital, so ist es selbstverständlich, daß nicht nur Verwicklungen entstcbcn mit den Ländern, die beglückt werden vom Kapital, sondern auch zwischen den rivalisierenden Staaten. Die auswärtige Politik der modernen Staaten wird gegenwärtig durch den Imperialismus beherrscht. Hier haben sich die Zeiten in Deutschland geändert. Bismarck trieb Kontinentalpolitik, wenn auch gelegentlich 1884 die ersten schüchternen Versuche einer Äolo- nialpolit-ik von ihm gemacht wurden. C a p r i V i war es, der offen aussprach, daß die Regierung es sich noch ein Jahr überlegen werde, ob sie Südtvestafrika behalten wollte. Wie ganz anders nach dem Jahre 1890. Eö war am 18. Januar 1890, als der Äa i s« r bei der Feier des Wjährigen Ncichsjubiläums ein« Rede hielt, die zum ersten Wale von dieser Stelle aus den Gedanken des Imperialismus propagierte. Es hieß darin:„Unser deutsches Reich ist ein Welt- reich geworden. Xausende von deutschen Landsleuten wohnen in allen Zeilen der Erde, deutsche Güter, deutsches Wissen, deutsche Be- triebsamkeit gehen über den Ozean. An sie alle ergeht die ernste Pflicht, dieses größere»deutsche Reich auch fest an das heimische an, zugliedern." Ein Jahr später kam die Dreizackrede im Gürzenich in Köln, die auf einen ganz ähnlichen Ton gestimmt war. Am 10. Dezember 1807, als der Kaiser seinen Bruder, den Prinzen Heinrich in Kiel vercchschiedet«, der nach Ehina ging, da sprach er: „Sollte je irgend wer unternehmen, uns in unserem guten Recht zu kränken, oder uns schädigen zu wolle», dann fahret drein mit ge- panzerter Kaust!" Noch deutlicher trat die neue impcrialisftsche Politik zutage bei der Verabschiedung der Truppen, die 1895 zum Nachefeldzug gegen China gesandt wurden. Damals hieß es, daß ohne Deutschland und ohne den deutschen Kaiser keine große Eni- icheidung mehr fallen soll. ES war damit aller Welt perckündet worden, daß Deutschland Weltpolitik inc»chc>i wolle. Der Reichskanzler, Fürst Bülow„ sagt am 11. Dezember 1899 im Reichstag:„Wenn die.Ena- län-der von einem"Greater Brftain"(größeren England), wenn dre Franzosen iwu einem„nouvelle France"(neuen Frankreich) sprechen, wenn die Russen sich Asien erschließen, haben auch wir An- spruch aus ein größeres Deutschland!" Sic sehen, daß auch von der verantwortlichen Stelle im Reiche der Gedanke eines größeren Deutschlands ausdrücklich in das Volk hineingeworfen wurde. Es ist am Anfang oft so dargestellt worden, als ob diese Aeußcrungen des deutschen Kaisers lediglich der Ausfluß einer absolutistischen Gesinnung seien. Richtig ist ja auch, daß das äußere Gepräge dieser Aeußcrungen von absolutistischem Geiste getragen ist, aber tiefer verbirgt sich dahinter doch eine peränderte politische Anschauung. die hervorquillt aus einer völlig veränderten ökonomischen Lage. Wenn nun die Staaten darauf ausgehen, andere Länder sich anzugliedern, dann versteht ek sich von selbst, daß sie ihre Macht für diese Zwecke vergrößern wollen, um auch ihr Ziel wirksam zu er- reichen, es entsteht auf diese Weise das Rüsten, das W et t r ü st c n in immer größerem ilmfang. Das Wettrüsten hat ciiven neuen! Anlauf genommen, im neuen Reichstag wurde eine Vorlage über 050 Willionen Mark bewilligt. Die Militär- und Mnrinesorderun- gen, die wir öorher angekündigt hatten, traten mit einer Schnelligkeit ein, die wir selbst kaum cnvartei hätten. Die Antwort aus den Beschluß des deutschen Reichstages bildet eine NachtragSftwberung der«n-glischen Regwrung zur Klottenvorlage. Im Juli d. I. wurde in Frankreich eine Militärvorlage angenommen, die eine einmalige Ausgabe von 3 Willionen und eine, dauernde Ausgabe von 14 Mit- tionen pro Jahr erfordert. Oesterreich vergrößerte die Friedens- stärke seines Heeres, die Vorlage erschien bei der gesamten Welt- läge der Regierung so wichtig, daß man in Ungarn unter Verletzung der Geschäftsordnung mit Gewalt die Opposition mundwt macht, um die Vorlage durchzubringen. Rußland hat vor kurzem eine Marinevorlage in Höhe von 1 Milliarde Mark bis. zum Jahre 1917 bewilligt. Bei der Beratung dieser Vorlage ist aq-drücktich daraus hingewiesen worden, daß diese Flott« notwendig sei gegenüber Teutschland. Kaum war der Beschluß des Deutschen Reichstages über die letzte Wehrvorlage zustande gekommen, so hielt Großadmiral b. K o e st c r im Flottenverein in Düsseldorf eine Rede und sagte darin: Eine dem großen Deutschen Reiche entsprechende Vertretung seiner Flagge sei nicht vorhanden.(Hört! hört!) Wir müßten also daraus gesaßt sein, daß bald wieder neue Forderungen ge- stellt lverden. Nun fragt es sich für uns, ist das Wettrüsten für den Kapitalismus eine Lebensnotwendigkeit, so daß er daran sesthalten muß? Eins müssen wir wohl als richtig anerkennen: das in der Rüstungsindustrie investierte Kapital ist ein ganz enormes. Würde das Kapital, das in diese» Industrie» steckt, brachgelegt werden, so würde das allerdings einen starken Rückschlag auf das Wirtschasts- .eben haben. Die Rüstungen sind für den Kapitalismus ein Mittel geworden, die Prosperität zu verlängern und etwaige Krisen- Wirkungen abzuschwächen. Falsch Iväre es aber, diese Erwägung allein anzustellen und allen anderen Tatsachen gegenüber die Augen zu schließen. Wir tun gut, uns jener Worte zu erinnern, die Friedrich Engels am 5. Oktober 1895 im„Berliner Volks- blatt" in einem Brief an den Genossen Paul Ernst zum Ausdruck brachte:„Wer uickt imstande ist, bei Beurteilung einer ökonomischen oder politischen Sachlage das relative Gleichgewicht der vorliegenden Tatsachen, noch die Stärke der ins Spiel kommenden Kräfte mibe- sangen abzuwägen, der kommt dazu, der Partei eine total verrückte Taktik ausziinöi'.gen."(Zustimmung.) Diese Worte würde ich über meine Präsidiallippen natürlich nicht bringen.(Heiterkeit.) Ich habe sie lediglich z» Ihrer Kenntnis gebracht. Können wir das re- lative Gleichgewicht aller vorliegenden Tatsachen ermitteln, so kommen wir wohl zu dem Resultat, daß bei dem großen Einfluß, den die mächtigen Gruppen der Rüstnngsinteressenten und die mit ihnen verbundenen Cliquen ans die Staatsgewalt haben, der Kampf gegen das Wettrüsten ein überaus schwerer ist. Aber es läßt sich nicht sage», daß der Erfolg von vornherein unmöglich ist. Eng- land nimmt zlvar noch um 400 000 Menschen zu, Frankreich hat überhaupt keine Bevölkerungszunahme, beide Länder sind bald an der Grenze der Leistungsfähigkeit angelangt. Es ist doch eine historische Tätsache, ich wundere mich, wie das in den letzten Tagen bestritten werden konnte, daß die englische Regierung, die höchst- wahrscheinlich im Einverständnis mit den Franzosen handelte, den Versuch gemacht hat, durch Verhandlungen mit dein Deutschen Reiche auf eine Einschtänkung der Rüstungen hinzuwirken. Wenn das richtig ist— und es ist nicht zu bestreiten—, dann werden auch meine Kritiker zugeben, daß der Beweis erbracht ist, daß es sich hier nicht um eine Lebensbedingung des Kapitalismus handeln kann. Auch die Erklärungen, die der frühere englistlje Kriegsminister Haldane nach Rückkehr von seiner deutschen Reise abgegeben hat, lassen erkennen daß der Abrüstungsvorschlag, den unsere Fraktion in wirksamster Weise im Reichstag gemacht und vertreten hat, richtig ivar(Sehr richtig!», daß unsere Fraktion das getan hat, was die Situation gebot. Ich erinnere Sie daran, weichen Jubel wir im letzten Wahlkampfe bei nnseren Hörern ausgelöst haben, wenn wir ihnen erzählten, daß die sozialdemokratische Partei die einzige sei, die einen Antrag aus Einschränkung der Rüstungen gestellt habe und eine Verstänoigung insbesondere zwischen England und Deutsch- land wolle. Tie Massen haben uns verstanden, und wer auf das Gefühl der Massen so ganz besonderen Wert legt, der sollte auch an ihm in diesem Falle nickst so arglos vorübergehen.(Sehr gut!) An sich stellen bereits die R ii st u n g e n eine Kriegsgefahr dar, der Wettbewerb auf dem Gebiete der Rüstungen mutz schlictzlich entweder zum Weltkrieg oder zum sinaiiziellen Zusammenbruch führen. Es kann noch die Frage aufgeworfen werden, wenn vielleicht auch nicht das Wettrüsten ein« unbedingte Notwendigkeit des Kapita- lismus ist, ist nicht aber der Krieg eiii« unvermeidliche Notwendigkeit? Marx und Engels haben immer wieder dabpr gewarnt, daß wir eine fatalistische Geschäftsaussassnng übernehmen. Ich glaube, daß alle diejenigen, die den Standpunkt pertreten, der Krieg sei ein unabwendbares Schicksal, tatsächlich den Boden verlassen, den wir als marxistisch geschulte Genossen einnehmen. Tie kapitalisti- schcn Gruppen der verschiedensten Länder werden mehr und mehr international miteinander verknüpft, es zeigt sich allmählich, daß der Absatz der Welt verteilt wird unter die Kapitalsmagnaten. Es ist von vielen Genossen ans das Beispiel des internationalen SchicnenshndikatS hingewiesen ivorden. Dieses Syndikat hat unter sich vereinbart, daß die Schienenlieferungen der ganzen Welt unter die Schienenwerkc der einzelnen Nationen verteilt werden. Wenn die großen Magnaten der Montanindustrie zu einem internatio- nalen Uebereinkoininen gelangen, so sehen wir, daß auf dem großen Theater der Welt sich dasjenige vollzieht, was wir längst bei uns im Staate selbst erlebten, nämlich, daß die Konkurrenz zum großen Te»l ausgeschaltet ist durch Kartelle, Trusts usw. Es bildet sich eben eine größere Nationalität internationaler Art unter de» Kapitalsmagnaten in steigendem Umfange heraus. Bevor die Diplomaten die Friedensbedingungen wegen Marokko festgelegt hatten, waren Schneider-Crousot und Krupp vereinigt zur Aus- beutung der Erzschätze in Marokko. Es wäre eine Illusion von uns, wenn wir annebinen würden, daß damit schon die Kriege aus der Welt geschafft würden. Darauf kommt es aber bei dieser Ge- legenheit nicht an, sondern darauf, ob wir ein Mittel haben, einen drohenden Krieg abwenden zu können. Ich will nur daraus hin- weisen, daß box kurzem in einem nationallihcralen Blatt der Land- tagsabgeordnete vom Rath darauf hinwies, es sei ein Unsinn, die Handels- und Jnduslrietonkurrenz als Ursache zu einem kriege- rischen Konflikt zwischen England und Deutschland anzusehen. Es sei dies eine völlig unrichtige»nd unhaltbare Erfindung der Heeres- und Flottenagitation. Gegenüber der Solidarität des international verbrüderten Kapitals steht eine andere Solidarität, die viel fester begründet ist, das ist dix Solidarität der international ver- b r ü d e r t« n Arbeiter. Die deutsche Sozialdemokratie hat grundsätzlich stets gestimmt gegen das Rüsten und die englische Labour Party hat aus dem Mund ihres Führers Macdonald im Juli dieses Jcrhros im englischen-Parlament erklärt, daß die eng- lisch cn Ärheiter mit den deutschen Schulter an Schulter ständen in diese« Fragen. S.ällte wi-vkliich die Macht des internationalen Proletariats so gering sein, daß sie nicht genügt, um seine Stimme in die Wagschale für Krieg oder Frieden zu werfen? Sollten unsere Friedensdemoiistrationen nichts bedeuten, dann müßten wir zu dem Resultat kommen, überhaupt keine Friedensdemonstrationen mehr zu veranstalten.(Sehr richtig!) Müßten wir erklären, daß der Krieg unahwendbar ist, daß er eine Lebensbedingung für den Kapitalismus ist, daß die Völker jetzt zum Kriege drängen, was sollen denn dann die Demonstrationen füy den Frieden? „Rur die Feder eines Mac Eulay," sagt Morgan Shustcr über seine Erscrhruugen,„oder der Pinsel eines Wereschtschagin könnten den rapide» Szenenw cksel wirksam schildern, der den Niedergang dieser alten»der persischen) Nation beglettzete, und bei dem zwei , nächtige und angeblich christliche-Länder ein irqnloses Spiel treiben iitft Wahrheft,.Ehre, Anstand und Gesotz. E.jnes von ihnen zaudert sogar nicht, die»arba.r i sck'sten Ärausaiirkeitc» zu begeh.'», nux um zu seinen peliti scheu Zielen zu gelangen und Persien jenseits aller Hcstsiuing zu-stellen, sich selbst zzi xegenerterc»." Und in China. lvo wir ja auch bei günstiger Gelegen beft»ach dem Kriege zwischen China und Japan uns Kiautschou im Wege einer modernen imperialistischen Metlwdx nicht genommen, sondern ii«| auf 99 Jahre haben verpachten lassen, da lauern auch.die Staaten, um, wenn die Ge- legenbeft günstig ist,.neue Beute w machen. Man scheint, nachdem man sich itber tzic Mandschurei und Mongolei zlvtschen Japan und Rußland verständigt hat, England Tibet üli erlassen zu haben. Wahrscheinlich werden die Leute sich irren; tzas chinesische Volk ist ans seinem Schiummer erwacht, es hat mit Hilfe einer Revo- lution die alte Regierung gestürzt. Aber diese Revolution wäre nicht gekommen, wenn nicht schon in China in den wenigen Jahren sich die Bourgeoisie zum Teil herausgebildet hätte und wenn nicht schon kapitalistische Pläne im großen Umfang zutage getreten wären.(Sehr richtig!) Verkennen wir also auch in keiner Weise die Gefahren, die uns umdrohen, so kann das für uns doch nur ein Ansporn sein, unsere Kraft immer mehr zu steigern, um unter all diesen Wirren und gewalttätigen Verioicklungen doch den Frieden zu er- halten.(Bravo!) Tie ganze imperialistische Politik hat ja auch die erheblichste, verhängnisvollste Wirkung im In- n e r n selbst iqgein, tagaus, wie wir alle fühlen. Die T e u� r u n g ist auch eine Bcgleitersiheinung, und gerade die Teuerung bei uns ist ja verschürft durch unsere Schutzzollppliiif.(Seht richtig I) Ter Imperialismus verleiht gerade den industriellen Scharfmachern immer mehr und mehr Macht, unseren bösartigsten Feinfcen, und diese industrielle» ScharsniaiHer, die prosit- und machtlüstertn darauf ausgehen, Kapital aus Kapital zu häufen, scheuen sich wicht, den Arbeitern auch noch ihr Koalitionsrecht zu kürzen und j«l«n Fort- schritt in der Sozialpolitik zu verhindern.(Sehr wahr!) Das Proletariat erkennt, daß das Schutzzollsystem, das gegenwärtig in vollster Blüte bei uns steht, dazu geftchrt hat, daß die Lebenshaltung der Arbeiter herabgedrückt ist, daß infolgedessen der innere Markt verengert wurde, daß infolgedessen das Verlangen entstand, Massen von Jndustrieartikeln auf den Weltmarkt zu werfen. Das Pro- letariat bekämpft dies Schutzzollsystem und wird nicht ruhen, bis es gefallen ist.(Bravo!) Das Proletariat erneuert den entschlossenen Willen, alles daran zu setzen, daß dep Krieg, der Weltkrieg vermieden, daß der Frieden erhalten wird. Das Proletariat wird zu diesem Zwecke die inter- nationalen Beziehungen von Proletariern zu Proletariern hegen und so die Macht des internationalen Proletariats verstärken. Wir wissen, daß wir unser Ziel nur erreichen können, wenn wir unsere politischen und wirtschaftlichen Organisationen noch machtvoller ausbauen, als es schon geschehen ist, wenn wK niemals ermüden, unsere Organisationen zu stärken. Wird auch die Gefahr des Krieges, der ganze Wahnwitz des Berelendungstendenzen zeigenden Kapitalismus erst ans der Welt geschafft mit dem Kapitalismus selbst, so wollen wir doch überall aus allen Gebieten die verheerende Wirkung herabzumindern suchen. Das muß gelingen. Der Ka- p i t a l, s»i u s entwickelt sich gerade durch den Im- psriälismus zur hoch st en Stufen leiter, es ist dann diese Wirtschaftsweise reif, einer anderen Platz zu machen, der sozialistischen. Das Proletariat ist als Erbe berufe», und es wird die Erbschaft antreten� in dem sicheren Gefühl, daß auf dem Boden der sozialistischen Gesellschaft, unter dem Banner des herangereiften, aufrecht gerichteten Prole- tariats gedeihen werden Frieden, Freiheit, Selbstän- digkeit und Wohlfahrt aller Völker.(Stürmischer, anhaltender Beifall.) Tie Debatte wird eröffnet. D.» Lcnsch- Leip�l Solche Resolutionen, wie die uns oorliegende, sMken schon vier Woche» vor dem Parteitag bekanntgegeben werden. Diesmal konnte sich die Partcipresse mit der zu der wichtigsten Frcige de» ganzen Parteitags vorliegenden Resolution gar nicht beschäftigen. (Sehr wahr!» Ich bedaure, daß die Genossen Kautsky und Rosa Luremhnrg wegen Krankheit nicht unter uns sind. Sie sind die Berufensten, in dieser Frage mitzureden, unv ihre Teilnahme an der Debatte hätte sicher unseren Gedaiitenaustausch angeregt zum Wöhle der Partei.(Bravo!, Durch die Abwesenheit Kautskys ist es mir natürlich unmöglich gemacht, auf meine Dislujsion mit ihm in der„Repen Zeit" einzugehen. Leider gestattet meine kurze Redezeit nicht, eine eigene Resolution einzubringen, aber es Du- � delt sich ja hier doch crjt um den Anfang der imperialistischen Debatte, die die Parteipresse noch viel beschäftigen wird,»sehe wahr!) Meine Hauptbedenken beziehen sich auf den Passus der Resolution, der von der Rüstungscinschränkung handelt. J» der Fragc der Abrüstung kommt die Differenz nnscrcr Anschauungen iiber die imperialistische Eiitipickelung am deutlichsten zum Aus- druck. Ich halte ein uorüb'ergche»tdes Abkommen zweier kapitalisti. scher Staaten über Fragen der Rüstnngspotitit keineswegs für ausgeschlossen. Aber das ist ganz etwas anderes, als was die Resoln- tion verlangt und was seinerzeit auch die Reichstagsfraktion in einem Antrag verlangt hatte, dessen unglückliche �-ormulicrung nicht lohnt, viele Worte zu verlieren. In der Resolution ist die Rede von einer„internationalen Verständigung über die allge- meine Einschränkung der Rüstungen". Das ist eine Utopie. Liegt der seit zehn Jahren zu beobachtenden t nie c nationalen„Ans- rüstnng" ein Mißperständnis, ein Fehler der Weltgeschichte zu- gründe, ist der Kapitalismus auch ohne Gewaltanwendung,. Kolonien und Flotte durchführbar? Getviß, aber im luftlecren Äaum, in der Phantasie, ans dem Papier. Wir haben nicht der Weltgeschichte die Hefte zu korrigie.ren und ihr zu sagen, da hast du deine schlechte Arbeit, es ist alles rot angestrichen, in Zukunft erwarte ich eine hessere Arbeit von dir.(Heiterkeit.) Wir haben. de» Kapitalismus zu fassen ivie er ist. Das Wettrüsten ist natur- notwendig, aus den gegebenen imrtschaftlichen Verhältnissen erwachsend. Imperialismus und Schutzzoll haben die freie Ko»° kurrenz auf dem inneren Markt ourch das Monopol ersetzt und- dqmit auch die wirtschaflliche» Grundlagen des Liberalismus zer- tkümmert, aber auf dem äußeren Markt die freie Konkurrenz um so inehr entfesselt. Das internationale Wettrüsten ist die Begleit- erschcinung des Kampfes um den Weltmarki. Man sagt, es sei unsere Aufgabe, die Gegentendenzen gegen den Weltkrieg, die die imperialistische Enstvielelung zeitige, zu unterstützen. Von diesen Gegentendenzen ist in der Resolution nichts enthalten. Man icnin sogar von einer stark zunehmenden imperialistischen Verseuchung oer bürgerlichen Klassen sprechen. Der bürgerliche Widerspruch gegen die steigenden Rüstungslasten ist ganz verstummt. Nur im Proletariat sind Gegenieudeuzen gegen den Imperialismus vor- Händen, also bort, wo dic�Gegenteudenzen gegen den gesamten Kapitalismus, nämlich die Sozialdemokratie, vorhanden ist. Diese Gcgentendenze» sind in ihrem Wesen revolutionär, sie führen über die jetzige Goselischaftsordnung hinaus. Es gibt allerdings auch reaktionäre Gegeiitendenzen, auf die man sich zugunsten der Ab- rüftung beruft, in erster Linie die englische Regierung; unter Be- ruiung auf Andeutungen her cuglischeii Regierung über Abrüstungen ist unsere Fraktion im Ja vre 1909 vorgegangen. Selbstredend Mutzte unsere Fraktion die ci�lijchen Abrüstungswünsche und ihre glatte Ablehnung ourch die deutsche Regierung agitatorisch aus- nutzen. Aber nicht dadurch, dar. sie selber sich den englischen Vor- schlag zneigen macht, ergänzt durch einen Antrag über die Ab- schqfftlng eines Heebeuterechis, sondern daß sie den englischen An- trag als einen Beweis für die totale Ratlosigkeit der kapitalistischen Staaten naelymes, aus der auch Lloyd George keinen anderen Aus- weg sieht als eine blutleere Utopie. Daß gerade die englische Rc- gierunq einen Abrüstungsvorscklag machte, erklärt sich aus der gc- schichtlichen und wirtschaftlichen Situation. Tic englische Bour- geoisie, durch die imperialistische.Konkurrenz bedroht, sieht sich immer mehr im Uebergang zum Rentnerstaat und wünscht, wie alle Rentiers: aS, wenn e« nur immer so bliebe unter dem wechselnden Mond.(Heiterkeit.) Die anderen kapitaliuischien Stcraten rücken ihr atzer immer schärfer an die Gurten, selbst das absolute Ucber- aewicht Englands zur See wird erschüttert durch das Wettrüsten. Da denkt sie, wie herrlich wäre es doch, wenn wir die anderen Staaten zur Einstellung der Rüstungen überreden könnten, dann wäre unsere Ueberlcgenheit zur See sür alle Ewigkeit gesichert. Die englische Bourgeoisie will sie geschichtliche Eutwickelung au den Rockschößen in die Vergangenheit reiße», wir dagegen bekämpfen die imperialistische Entwickejung von vorn, indem wir sie über sich selbst hinauszntreiben suchen, jl» leugbar ist die englische In- dnstrieherrschaft erickütiert. Wie(tnglano einst durch den Frei- Sandel versuchte, die anderen Staaten für alle Zeit Agrarstaaten Heiden zu lassen, und selbst dex einzige hichustrichaat zu bleiben, so versucht es jetzt durch die Abrüstung die Herrin der Meere zu bleiben. Ter internationale Sozialismus hat jedoch keine Ursache, die dauernd« Oberherrschaft eines kapitalistischen Staates über alle anderen mit verewigen zu helfen. Friedrich Engels hat prophe- zeit, dag es in England Sozialismus geben werde, sobald mit dem ■ Zusammenbruch des englischen Jndustneinonopols die englische Arbeiterklasse ihre bevorrechtete Stellung als Teilnehmerin des Monopols verlieren werde. Tte gewaltigste Leistung des Kapitalismus, die märchenhafte Hebung der Produktivkraft der Arbeit, geht über Leichen, Blut und Elend, aber wir erkennen, so sehr wir diese Verderblichkeit bc» kämpfen, doch, dast der über Leichen führende Weg des Kapitalist mus schließlich doch im Sozialismus mündet. Wir erkennen auch, daß das ungeheure Anschwellen der modernen Riesenheere alle waffenfähigen Männer zum Dienst preßt, die Revolutionären in die Festung des Feindes führt und die Vorbedingung für die Miliz schafft, während die Abrüstung nur die Vorbedingung des Prä- torianerhecres sein würde. Wir haben keine besonderen Mittel im Kampf gegen Imperialismus und Wettrüsten, sondern nur die große, aber einfache Parole: Agitieren und organisieren! Sagen wir den Massen, daß der Imperialismus das letzte Wort der vc- stehenden Gesellschaft ist, daß er alle Springquellen der sozialen Revolution erschließt. Er unterwirft sich den ganzen Erdkreis, greift die letzten Reservoire seiner Lebenskräfte an und verschüttet die Kanäle, in die er seine gKvaltig gesteigerten Produktivkräfte ergießen kann. Im Inland treibt er alle Gegensätze ans die Spitze; während die Tische der Äapitalmagnaten unter dem Golde sich biegen, geht durch die Gassen des arbeitenden Volkes das Hunger- gespenst. Bei den modernen Riescnkämpfen der Gewerkschaften stehen sich die organisierten Klassen so nah« gegenüber, daß man das Weiße im Auge des Gegners sieht. Wir gehen großen Massen- kämpfen und schwerste» Konflikten entgegen, die die höchsten Anforderungen an die Einsicht und die Tatkraft der proletarischen Organisationen stellen. Auf diese Kämpfe gilt es, sich zu rüsten: denn bereit sein ist alles!(Lebhafter Beifall.) Eduard Bernstein: Ich empfehle Ihnen, die Resolution anzunehmen in besonders einorucksvoller Weise als eine Kundgebung der deutschen Sozial- dcmokratie zu akklamieren. Die Frage des Imperialismus bildet zurzeit den Brennpunkt der politischen Kämpfe. Es War für mich sehr bezeichnend, als ich vor einiger Zeit in der Budgetkommission des Reichstags gegen die Flottenvorlage zu sprechen hatte, daß ein Redner der uns immerbin noch von allen Parteien am nächsten stehenden Partei und unzweifelhaft einer ihrer besten und sym» palhischsien Vertreter.«Lcdebour: Wer ist das?) Gothein. Er sagte: was Bernstein gesagt hat, unterschreibe ich von A bis Z, aber wir bewilligen die Flotte uno müssen sie bewilllgen als ein Gebot der Rotwcndigkeit. Ich glaube bei diesem Manne, der viele Zeichen seiner Unabhängigkeit gegeben bat, war es keine Frage, sondern innere lleberzeugung. Liegt ni«l,t in dieser Erklärung eine Bankcrottcrklärung der heutigen Gesellschaft? Man muß sagen, ja, auf dem Boden der bestehenden Gesellschaft ist in der Tat hier eine absolute Notwendigkeit für solch« Vorlagen vorhanden. Wir itehcn heute in der Teucrungsperiodc. und sie ist nicht zum gering- treu Teil gerade durch die kapitalistische Expansion hervorgerufen und gefördert worden. Wir sehen die Prosperität der Metall- iiidustrie. wir sehen aber auch, wieviel verschleudert wird in maß- losen Rüstungen und in Bahnbauten, die heute maßlos übertrieben find. Große Probleme, Streitigkeiten, Jmmssenkonflifte gibt es beute mehr Ivie in früherer Zeit. Man soll nicht sagen, daß sie nicht auch auf andere Weise geschlichtet werden können als durch Rüstungen und Krieg. Tie Fragen wären leicht losbar, wenn wir ftitcrnationalc Schiedsrichter hätten. In der Resolution vermisse ich den Hinweis auf die Internationalen Schiedsgerichte, sie kann ja freilich auch nicht erschöpfend sein. Das Referat wird uns hoffentlich als Broschüre übergeben werden. Was heute notwendig ist. ist ein scharfer Protest gegen die Rüstungen, eine Bekräftigung der Internationalität der Arbeiterinteressen, aber nicht nur der Interessen der Arbeiter, sondern der großen Massen der Ange- hörigen aller Nationen, ein Protest gegen die Schutzzöllncr, eine Manifestation für Frieden und Freiheit und den Austausch der Stationen. Was Lensch sagte, s6)eint plausibel zu sein, aber es hinkt doch im höchsten Maße, und cS wird in manchen Ausführun- gen gerade von denen lvillkominen geheißen ivcrden, denen Lensch gewiß nicht dienen wollte, denen von der„Post" und Koiisorten. (Sehr richtig!) Ich bedaure daß er die Rüstungen in England so ausschließlich auf egoistische Interessen der englischen Bourgeoisie zurückführt. Vergessen Sie nicht, daß Campbell-Bannerman, als er an die Regierung kam, den ersten Schritt tat, um mit Deutsch- land eine Verständigung zu suchen. Ich könnte viel sagen gegen die Bchauptuna. daß die Abrüstung Utopie und reaktionär sei. DaS ist es nickt. � Wir schwächen den Kamps ab, wenn wir den bürger- lichcn Klassen zugeben, daß Militarismus und MartnismuS notwendig sind. Tic Weltgeschichte ist oft auf falschem Wege getvose». Wir wollen, daß die organisierte Gesellschaft bewußt eingreift nicht nur in de» Proonktionsprozeß, sondern auch in den Prozeß der Gegensätze. Wir halten hoch die menschlichen Fiele, die den größten Reformern aller Zeiten vorgeschwebt haben. Wir treten ein für die Worte, die das Zentruni verraten hat: Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallelt! Wir dürfen nicht ruhen und rasten und müssen dafür sorgen, daß die Gesellschaft sich sortentlvickclt zur Wohlfahrt im Interesse aller zur Gleichheit aller Nationen durch internationale Verstäiivigung uno Abrüstung. Wenigstens die Ar- beiterschaft Teutschlands und die aller Länder ist entschlossen, keinen Schrift unversucht zu lassen, um für dieses Ziel zu wirken und zu kämpfen.(Lebhafter Beifall.) Pannekock-Bremen: Wir betrachten den Imperialismus als eine unbcdingie, unvermeidliche Enlwicklungsforu, des Kapitalismus, nicht etwa in dem Sinne, daß nicht etwas anderes denkbar oder zu konstruieren wäre. Wir behaupten nicht, daß die imperialistische Politik in dem Sinne notwendig Ist, daß sonst ein Zusammenbruch, eyi« Krise und Arbeitslosigkeit eintreten würde. Der Imperialismus ist nicht eine einsacke Interessenpolitik der Bourgeoisie, er ist vielmehr eine Ge- dankenrichtnng. eine Ideologie. Bernstein spricht in der Partei- tagsnummer der Chemnitzer„Volksstimme" in bezug auf den Im- perialiSmus von einer geistigen Epidemie, dann können wir doch nickt so unmarxistisch denken, daß nur ein Zufall vorliegt. Des- halb halten wir es für utopisch, daß eine Abrüstung stattfinden werde. England hatte vor dem Wettrüsten geradezu ein inter- nationales Monopol. Durch das Wettrüsten lonntc es nur ver- liercn. l Bernstein: Ohne Abrüstung noch mehr!) Es war selbst- verständlich, daß England einen Abrüstungsvorschlag machte, aber ebenso sclbsrvcrständlich)>>ar es auch, daß die deutsche Regierung nicht darauf einging. lHört! Hort!) Natürlich vom Standpunkte dez Großkapitals, vom Standpunkte des Proletariats ist es gerade umgekehrt. Wenn man sagt, unsere Fraktion solle den Porschlag der englischen Regierung auf Abrüstung unterstütz.», so muß man sagen, daß nicht zu erwarten ist, daß die deutsche Regierung darauf eingeht. Haase sagt, die Großkopitalmagnaten organisieren sich schon international, aber dadurch gingen die Kriege nicht aus der Welt. Wenn das so ist, dann wird auch das Weftrüsten nicht aus der Welt gehen, denn die Kapitalisten wissen, daß die Kriege Mi- vermeidlich sind.(Haase: Wettrüsten und Abrüsten ist nicht das- selbe!) Das ist keine Rechtfertigung dieser Politik. Wir betonen nur die Unvermeidlichkeit, um dann unseren Kampf gegen den Im- PerialiSmus einzurichten, gegen diese gemeingefährliche, gewalttätige Form des Kapitalismus haben wir auf das erusthasteste zu käurpscn, aber nicht dadurch, daß wir versuchen, den Kapitalismus zur früheren Forni zurüstzufuhren. Nur einen Weg gibt es: über den Imperialismus hindurch zum Sozialismus. Nehmen Sic den Fall, daß plötzlich Hafenarbeiter bedroht werden durch die Einführung von Maschinen. Da kommt der Gedanke: könne» wir nicht mit unserer gewerkschaftlichen Macht dagegen ankämpfen? Ein So- zialdemokrat würde sagen: es geht nicht, gegen diese Naturentwickc- lung können wir nicht ankämpfen� sorgt, daß die Maschinen in Eure Hände kommen.(Hört! hört! und Widerspruch.) Es ist nicht wahr/ daß dieser Standpunkt bedeutet, daß wir gegen den Imperialismus nicht ankämpfen wollen und daß wir auf den Zukunftsstaat ver- trösten. Die Arbeiterklasse soll praktisch auch gegen den Jmperialis- mus kämpfen, das ist aber der Kampf für den Sozialismus, wie wir ihn alle Tage führen, z. B. gegen die Teuerung. Sie ist eine imperialistische Erscheinung. Immer stärkere, gelvaltigere Aktionen werden gegen die Teuerung heranwachsen, bis das Ziel erreicht ist. Der Kampf gegen den Krieg wird Unvermeidliches mit sich bringen, daß die Arbeiterschaft auftreten muß, um den Krieg zu verhindern und daß Massenaktionen eine große Rolle spielen werden. Ilwser Standpunkt gegenüber dem Imperialismus bedeutet einen sehr entschiedenen Kampf, der unablässig geführt wird im Parlament oder durch Aktionen der Massen selbst. Wir betonen also, daß im Kampfe gegen den Imperialismus die Arbeiter nicht in erster Linie mit den entgcgenstrebenden Tendenzen der bürgerlichen Welt zu rechnen haben, sondern nur mit sich selbst. Darum muß die Arbeiterklasse für diesen Kampf sich Kräfte sammeln.(Beifall.) Darauf tritt die Mittagspause ein. Nachmittagssitzung. Unter Noskes Vorsitz wird die Debatte über den Imperialismus fortgesetzt. Grumbach-Colmar: Angesichls der Argumente, die in der letzten Zeit auf der einen Seite von Pannekoek und Lensch und aus der anderen Seite von Kautsky vorgebracht sind, haben wir uns zu fragen: sind im inier- nationalen kapitalistischen Leben Tendenzen vorhanden, die unsere Friedensbestrebungen unterstützen können? Und wenn wir darauf mit ja antworten, dann müssen wir diese Tendenzen auch unter- stützen, selbst wenn, wie das innerhalb des Kapitalismus zweifellos der Fall ist, Tendenzen vorhanden sind, die auf einen Krieg hin- zielen. Fricdenstendcnzen sind aber auch vorhanden. Es besteht ein Zusammenhang zwischen dem Kapitalismus aller Länder, der durch einen kriegerischen Schwertstreich zerrissen werden könnte. Es gibt nichts in Frankreich und Deutschland oder Deutschland und Eng- land, was diese Länder zwingen könnte, einen Krieg zu unter- nehmen. Es ist eine falsche Darstellung, wenn man jahrelang ge- sagt hat, daß der industrielle Aufschwung Deutschlands dem engli- schen industriellen Aufstieg sehr geschadet hat. Der englische Export hat absolut stärker zugenommen als der deutsche, wenn auch nicht relativ. Jedenfalls ist der englische Handel zugleich mit dem deut- schen um viele Milliarden gewachsen. Zwischen Deutschland und Frankreich besteht keine ökonomische Frage, dje den Gegensatz der beiden Länder aufs neue belegt, sondern es ist die elsaß-Iothringischc Frage(Sehr richtig!). Daß die Mächte nicht geneigt sind, den Frieden zu stören, konnten sie ja erst kürzlich bei Auovruch des PanamakonflikteK zwischen Amerika und England beobachten. Die Blätter aller Richtungen in England schrieben: es wird uns nicht einfallen, deshalb einen Krieg zu beginnen, denn wir würden uns damit nur selbst ckrefsen. Sogar unser„Erbfeind" Frankreich hat von Deutschland heute schon über eine Milliarde Kapital in seinem Unternehmen stecken. Wenn wir die heutige Situation ansehen, dann erkennen wir, wie ganz besonders falsch es ist, wenn Pannekoek sagt, daß gerade das Finanzkapital«in Interesse am Wettrüsten hat. Ich spreche nicht von der Kricgswidunrte. Genosse Henke, Sie lachen? Dazu ist gar kein Grund. Tc� Finanzkapital ist es, das eine neue Art der Betätigung ausübt, hie glänzend dargelegt wurde von dem Ge- Nossen Dr. Rudolf H i I f e r d i n g in seinem ausgezeichneten Buch:„Das Finanzkapf�il". Dr. Lensch sagte, ei» Kapitalismus ohne Armee stehe in der Luft. Das ist richtig. Wir sind nicht so utopistisch zu verlangen, daß der Kapitalismus seine Armee ab- schaffe, wir fordern nur eine Sdüstungseinschräntung und kein« weitere Aufrüstung iiiehr„ Nach meiner Ansicht ist es eine konser- vasiv-fatalistische-ideologisikh- marxistische Auffassung(Seiterkeit), wenn man sagt, daß es avsstchtstos sei für die Beschränkung deS Wettrüstens einzutreten, wchl dieses unvermeidlich wäre. Bedenken Sie/welche Wirkung es halben minßte, wenn die deutsche Sozial- demokxatie sich die Argunicnre von Pannekoek und Lensch zu eigen machte, wenn die Forderung, aift Abrüstung fallen gelassen wird. Draußen sieben überall die Vlriiieen unserer Gegner, die darauf warten, zu sagen, die Soziwldjemokratie hat heute theoretische Gründe gesucht, um nicht mehft gf'.gen das von dem deutschen Volke gewünschte Wettrüsten auftretein zu müssen. In der französischen Kammer führte Iaures. im englischen Unterhaus Keir Hardie und in den spanischen Corte? J gill c s i as aus, daß in Deutschland eine Armee von Sozialisten lobt, äderen Wortführer immer wieder eintrete für die Einstellung des Wettrüstens. Die deutsche Sozial- demokratie, die angefehendstc und �mächtigste Sektion der sozialisti- schen Internationale sollte heute ltzer laut sagen, wie wir jederzeit für die Abrüstung gekämpft haben, wollen wir auch fernerhin alles tun, um die innerhalb des Kapitalismus und der kapitalistischen Gesellschaftsordnung selbst Vorhände xen Tondenzen gegen den Welt- krieg durch die außerordentliche Natuwkraft, die uns aus den Massen des Volkes zuflicht, zu stärken.(Svbrmischer Beifall und Hände- klatschen.)*. Dr. Karl Liel�necht: Ich darf wohl, ahne unbescheiden(zu sein, daran erinnern, daß auf zwei internatioyalcn Jogendkon Frenzen die hier behandelte Frage in ausführlicher und, ivie ich h Saude, gänzlich umfassender Weise besprochen wurde. Unzweifelhaft ist ein Gegensatz vorhanden zwischen den Auffassungen der Genossen. Dr. Lensch, Pannekoek und Kautskt' aber ich hafte daö doch nicht{ur einen so tragischen Kon- flikt, daß man nötig hätte, sich die Haare auszuraufen.(Heiter- feit.) Es ist erstaunlich, daß Lensch vstrkannt hat, wie es zwar in dem Kapitalismus wolst eine notwendig l Tendenz gibt, aber keinerlei absolute Notwendigkeit nach keiner Richtung hin, und wie den not- wendigen Tendenzen allerdings ebenso notwendige Tendenzen cnt- gegentretcn. Und wenn Dr. Lensch sagt, wir haben den Kapitalis- muö zu fassen, wie er ist, so müssen!oiL sagen, indem wir ein Wort von Leusch aufnehmen, wir dürfen awch den Kapitalismus nicht isoliert nehmen, nicht als«unter einer Glasglocke befindlich be- trackten. Es ist nicht zutri'ffend. daß im Kapitalismus keine Gegentendcnzen gegen die kriegerischen Tendenzen vorhanden seien und gegen das Wettrüsten, die. Resolution der internationalen Ingendkonferenz hat es in azOftMlicher Weise besprochen. Lensch hat teilweise einen Gegensatz gemacht zwischen Abrüstung und Die Miliz ist nickt in allen Fällen das Bessare gegenüber dem be- rcchtigt ist. Wir streben doch i�cht die Miliz ihrer felbst wegen an. Tie Miliz ist nicht in allen FMcn das bessere gegenüber dem be- stehenden Zustand; sie kann utuer Umständen auch eine Verschlimmerung fein, aber festzuhc�ften ist, daß sie nur das blcinexe Uebel ist gegenüber dem größeren' des stehenden Heeres. Der Im- perialiSmus ist ein kapitalistisches Geschäft. Die wichtigste aller Tendenzen, die sich gegen die imperialistische Entw.ickelung richtet, ist die proletarische Tendenz der tWernationalen Solidarität aller Völker und ist der.Klassenkampf, de» die Proletarier innerhalb der einzelnen Länder und der Internationalen führen gegen diejenigen Kreise, deren Interesse der Imperialismus ist. Gegenüber den Volksverhctzungcn der herrschenden Klassen können wir nichts Besseres tun, als darauf hinzuweisen� welche gewaltigen sozialen Gefahren die herrschenden Klassen über sich selbst heraufbeschwören. Wir können in der Tat sagen, lvenn wir Frieden wollen, müssen wir den Krieg, den Klassenkampf füh.jen, ihn mehr und mehr international fuhren, das ist das Ziel.(Hei fall.) Coben-Leipzig: Da ich nicht an der Polemik Leiisch-Kautsktz uumiftelbar.be- teiligt bin, glaube ich wohl auf die Kaufssttzsche.».Anstchten zurückgreifen zu können. Kautsky behauptet, daß..die Inte.Wauo.nalc von jeher die.Idee der Abrüstung pertreteu fte.we,.was Lansch bestrUt. Kautsky wies darauf hin, daß er feM Mch jW7 in der Volkszeituna" Artikel veröffentlichte, dip dftAu jussefteu, djc Ve- aierunge» konnte« abrüsten, wenn fo nur u\ufen etiw daß diese Artikel in Leipzig als Broschüre Heraussuchen ilraitfr ZÄö chg- wessi nichts gegen Lensch. denn dieser wird trchexlich auch Meinungen. die den fein igen entgegenHefetzt such, in*H*e Kestusig und da er mit dem Verlag nichts zu tun hat, kann man auch, die Herausgabe der Broschüre nicht gegen ihn ausschlachten. Li« nsch könnte ja auch seit 1907 gescheiter geworden ftui und brauchte inchb mehr die gleichen Auffassungen ivie damals zu haben. Ich(i'iau'/r allerdings, daß Lenfch viel klarer denkt als Kgutsky und den B i/uois erbracht hgt, daß die Idee der internationalen Abrüstung, die ßum Weltfrieden führen würde, früher in der Internationale nicht; ver- treten war. Auf Bebel sollte sich Liebknecht nicht berufen, denn Bebel hat auf dem Jenaer Parteitag so geschlosse«:„Die Frac je. der Abrüstung und was damit zufammanhängt, wird uns künftig, nicht inehr trennen. Also nicht Abrüstung heißt künftig für das b Niger- liche Europa die Lösung, sondern Aufrüstung... Meiner lbeber- zeugung nach kann diese Aufrüstung nur mit einer großen /Kata- sftophe endigen." Damit hat Bebel nicht gesagt, daß wir die Auf- rüstungskatastrophe wünschen, sondern nur, daß sie kpmrneii muß. Etwas anderes sagen ja auch Lensch und Pantzekaek nicht. Sagen Sie mir eine Stelle von Lenfch, Pannekoek, Rosa Luxenihui rg und anderen, die her Auffassung widerspricht, als ob sie«ich t nötig hielten, daß zwischen Deutschland und Frankreich durch eü.ie Ver- ständigung die augenblickliche Kriegsgefahr beseitigt werde. Das ist aber doch etwas ganz anderes, als die imperialistische Geßthl s und in Wirklichkeit handelt es sich bei den imperialistischen Idee» darum, daß bei einer Verständigung Deukschftmds und Engl arids diese beiden sich darüber verstäiidigen, wie sie andere Länder beein- trächtigen könnten. Denn daß ein Sozialdemokrat auf die Idee kommen könnte, daß alle Länder der Welt der Verein hguug bei- jretin könnten, ist ausgeschlossen. Bernstein bezeichnet d' P Möglichkeit eines mioßcti Krieges als Bwsikerofterklärung der! Keift Die BankeroftEiklärung kann doch nur vom ethischen Stanl Punkt aus abfällig lei rteilt werden, aber nicht vom Standpunkt de:-.Eutwicke- lung. die sich natürlich auch blutig und kriegerisch abspielen kann. Keiner ton uns bezweifelt, daß die Schiedsgerichte im ht in ein- zelnen Fragen gut sein können, aber sie können nicht in- Lebens- fragen den Ausschlag geben. Zu behaupten, wie Berr.ssein, daß wir mit dieser Argmnentation der Reaktion nützen,'st ei n Ärgu- ment, das die Freisinnigen gegen unsere Haltung angewandt haben, wodurch wir uns aber noch nie haben bestimmen lassen. In seinem „Weg zur Macht" hat Kautsky nachgewiesen, daß sich defc Wahn- sinn des weltpolitischen Wettrüstens steigern werde, bis ihm das Proletariat überwinden und durch den Sozialismus ersetz, m könne. Das finden Pannekoek und Lensch auch, nur sagen ste. daß man nicht solche Hoffnungen auf eine Verständigung Westeuropas knüpfen könne, weil' Amerika und Ostafien sich dpch ckicht an- schließen würben. Wenn die Reichstageftaktion sich bei dem Abrüstung ssvorschlag begnügt hätte, zu sagen, daß eine Verständigung zwischen. Deutsch- land und England die augenblickliche Kriegsgefahr verhii Idern und den Streit aus der Welt schaffen könne, so hätte keiner etwas dagegen geimbt. Apex solche Hoffnungen da.ran zu knüpfen wie die Resolution, ist utopisch. Die friedliche Durchdriitguna mit Finanzkapital ist aber der Keim schwerer Katastrophe in. Wenn China oder ein anderes Land glaubt, nicht mehr so auf das West- europäische angewiesen zu sein, und sich frei machen will, dann müssen die ivesteuropäiscken Mächte eckst recht rüsten, um diese Finanzinteressen in Ostasien zu vertreten. Wenn Sie Abrüsten in dem Sinne verstehen, daß durch eine Verständigung mit anderen Ländern eine vorübergehende Milderung herbeige führi werden kann, so haben wir nichts dagegen. Aber danken Sie an die Tarif- Verträge, die man als Friedensinstrumente ansah. Kon_ diesem Gedanken ausgehend, kann ich die Teile der Resolution nicht an- iiehuie», die die Schlußfolgerungen sind, die Haase zieht. Durch die Verständigiilig einiger Nationen wird keine Katastrophe verhin- dert, der internationale Friede wird nicht dadurch für alle Zeiten garantiert, wenn auch alle Mächte sich verständigen.(Zustimmung.) Ein Schlußaiitrag, gegen den Ledehour spricht, wird abgelehnt.> Queffel-Darmstadt: Ich hckbe dqs gewiß seltene Vergnügen, meine Uebcreinstim- miuig init den Anschauurigen der Genossen Lenfch und Pannekoek insoweit zum Ausdruck zu bringen, als ich auch der Meinung bin, daß das, was heute über das Problem des Imperialismus gesagt worden ist, nur als der Anfang einer Stellungnahme airgesehen werden kann. Vor allem vermisse ich in der Resoftitipn.die Er« örterung der Handels- und industriepolitischen Seite.des Jmperia» lisinus. Bebel erklärte wiederholt, daß wir unter allen Umständen für unsere. Industrie die Gleichberechtigung auf dem Weltmarkt fordern müssen. Nun vermisse ich, daß diese Erklärung Bebels in de.r Resolution einen Ausdruck findet. Nach unseren bisherigen .Anschauungen mußte ich erklären, wir wollen die offene Tür haben, aber nähere Nachforschungen in.der.Handelspolitik haben mich über- zeugt, daß die offene Tür nicht mehr das leistet, was wir Sozia- listen bisher glaubten. Eine Lösung liegt allerdings darin, daß wir an dem Grundsatz festhalten, überall unsere Macht dafür ein- zusetzen,.daß die Freiheit und staatliche Unabhängigkeit der Völker möglichst erhalten bleibt. Das gilt für Persicn, das gilt auch für das chinesische Volk und das türkische, auch in der Marokkofrage, die ja jetzt der Vergangenheit angehört, hätten wir mit größerer Energie eine selbständige Stellung des Landes gegenüber dem französischen Imperialismus vertreten müssen. Wo die deutsche Negieriliig dafür eintritt, Gleichberechtigung unserer Industrie wirksam durchzuführen, liegt es im Interesse des Proletariats, hinter ihr zu stehen, genau so, wenn sie wirklich die Absicht hätte, gute Handeleverträge zustande zn bringen. Die Resolution ist keine Lösung. Es wird notwendig sein, daß pon ultraradtkaler, revisionistischer und marxistischer Seite zn der Frage der offenen Tür Stellung genommen wird.(Ledcbour lacht.) Wenn Sie lachen, so tut das nichts, es ist schon oft gelacht worden, weil die Lacher sich mit der Frage nicht eingehend beschäftigt haften. Von Bebel weiß ich, daß er diese Frage für äußerst bedeutungsvoll hälft Ich habe den Sozialistischen Monatsheften zu diesem Problem ivichtige Fingerzeige gegeben. Ledcbour: Quessel glaubt, besonders tief.in die Sache eingedrungen zu sein. Er hat sich aber noch nicht tief genug damit beschäftigt. Aus der Tatsache, daß die englischen Ausfuhrzahlen nach den Kolonien großer sind, als die den ff che», den Nachweis führen zu wollen, daß allein die Tatsache der englischen Oberherrschaft da? bewirkt habe, ist nicht richtig. In den englischen Ausfuhrzahlen stecken zweisellos auch Zahlen deutscher Ausfuhr Einem solchen tief- gründigen Forscher müßte dock bekannt sein, daß die Waren nach allen englischeii Kolonien meist über England gehen, auch wenn sie aus anderen Länder» koinmen. Ter.Umstand, daß uingekehrt die Ausfuhr von Met all waren aus Deutschland nach den deutschen Kolonien verhältnismäßig groß ist, erklärt sich daraus, daß die deutschen Kolonien vorläufig noch auf lange Zeit nicht gerade kulturell entwickelte Gebiete sind. Was an Tetailwaren da aus Deutschland eingeführt wird, daS sind vorzugsweise Eisenbahnschienen und Maschinen, die zu Eisen- bahlibauten gebraucht werden und die mit deutscher Subvention direkt eingeführt werden. Das sind ganz günstige Verhältnisse. -Als ich Ouefsels Artikel in den„Monatsheften" las, hätte ich geglaubt, daß er von Paasche oder einem anderen Nationalliberalen stamme, wenn ich nicht den Namen eines sozialdemokratischen Ab- geordneten darunter gelesen hätte.(Höxt! hört!) Als die Auf- faffung, die Lensch, Pannekoek usw. von uns trennt, darf ich wohl den Satz bezeichnen, den ich der Rede von Pannekoek enftlehme. Er sagte i>m Sinne nach: Vom Standpunkte der Kapitalsinter- essxn aus bäfte die deutsche Regierung ein.Recht, die kapitalistische Beutepofttrk mit Hewalttänge» Mitteln zu betreiben. Die Mus- faffung Kehl dahin, daß diese Ansheutuugspolitik mit gewalilätigei, Mitteln etwas Absolutes fei, daß ste chbsslut wüte, ohne daß andere kgpitalMfche Teudeilzen dem entgegenwirken. Schon Mu,»l-ach und Lie.lcknechl dabei, auf die Vertehrtbeit dieser Auffassung bin- gewichen. An den Anfängen der kapitalistischen Betriebsweise berrschl Überall die Konkurrenz nahezu absolut, in der weiteren Lrchpickeluntz kommt da? Kapital Über diesen absolut«! Konkurrenz. kämpf hinaus. Die Kapitalisten vereinigen fich schließlich zu ge, meinsamer Ausbeutung: das sind die Kartelle und Trusts. Es kommt schließlich dahin, um mit Marx zu reden, daß die Erpro. priateure selber expropriiert werden. Die europäische und die amerikanische Ausbeutungsgcsellschaft ist bereits soweit gekommen, daß sich das Kartellbedürsnis von Staat zu Staat in ähnlicher Weise geltend macht wie früher unter den Kapitalisten des Lan- des. Die englischen Kapitalisten sind die die Machtmittel deS Staates mißbrauchenden Ausbeuter, um ein Bild zu gebrauchen. die„satten Raiten", und die deutschen sind die„hungrigen Ratten". Ich bitte Sie., das nicht wörtlich aufzufassen. Sie werden ja ver- ftehen, was ich damit meine. Das ist ganz allgemein betrachtet, iloenn man auf die wirtschaftlichen Ursachen dieser Erscheinungen .zurückgeht, daß hier gegenwärtig gerade in dem wirtschftlich vor- lgeschrittensten Lande der Welt der Staat als Organ der Kapita- listen daz�r treiht, mit anderen Staaten zu Vereinbarungen zu gelangen, um eine Einschränkung der Rüstungen herbeizuführen. Dieser Tendenz entsprach unsere Reichstagsresolution, die ich selbst verfaßt habe, und die ich auch heute noch aufrechterhalte. Das war nicht nur eine augenblickliche Eingebung, sondern ein konse- quenjer Schritt in der Verfolgung einer sozialistischen Weltpolitik. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird angenommen. EL folgen persönliche Bemerkungen. Qurssel-Tarmstadt: In der liebenswürdigen Form, die dem «Tenosssn Ledebour eigentümlich ist, stellt er mir das Zeugnis aus. miein Artikel hätte ihn nationalliberal angemutet. Ich bemerke noch kurz, daß der ganze Artikel das Ziel hatte, zu zeigen, daß .die bürgerlichen Imperialisten üicht etwa phantastische Schwärmer sind, sondern aus Profitinteresse handeln. Ich muh Ä als einen ganz ungerechten Vorwurf auf das entschiedenste zurückweisen, daß dabei von„nationalliberal" gesprochen wird. Als der Genosse Ledebour noch in der bürgerlichen Redaktion saß, war ich schon Kämpfer für die Partei. Eduard Bernstein: Cohen meinte in bezug auf meine Aus- 'führiingen, daß die Bemerkung von liberaler Seite, man folge dem ich sie sehr schnell wieder zurück. Von Kälte empfand ich keine Spur. im Gegenteil, es war sehr warm, und ich zog mir in jener Höhe sogar die Handschuhe aus. Nur einmal, als ich eine Wolke durch- flog, spürte ich Kälte, aber die Temperatur blieb erträglich. Die Hühcnreise an sich war ein klein wenig monoton. Ich stieg in großen, etwa 20 Kilometer weiten Zickzacklinien empor." Legagneux hat die gewaltige Höhe von 5720 Meter Verhältnis- mäßig rasch erklommen. 1000 Meter erreichte er bereits nach 2 Minuten und 30 Sekunden; mit zunehmender Höhe verlangsamte sich dann progressiv das Tempo des Aufftieges. Die offiziell fest- gestellten Höhen und Zeiten lauten: 2000 Meter in 7 Minuten 30 Sekunden, 3000 Meter in 12 Minuten 30 Sekunden, 4000 Meter in 20 Minuten, 5000 Meter in 30 Minuten und 5720 Meter in 45 Minuten. Der Abstieg dauerte nur 10 Minuten. Legagneux war vollkommen frisch und zeigte nach seiner ungewöhnlichen Leistung keine Spur von Ermüdung. Ein phonetisches Ladoratorium. Auf Veranlassung von Prof. Meinhof, dem Inhaber der Professur für afrikanische Sprachen am Hamburger Kolonialinstitut, wurde dort nach der„Franks. Ztg." vor zwei Jahren ein Laboratorium für Lautuntersuchungen ein« gerichtet. Prof. Meinhof erklärte, daß für feine Untersuchungen der afrikanischen Sprachen, deren Laute vielfach von denen der sich an die Streiks der Eisenbahner, der Seeleute, der Postbeamten! Jawohl, kämpfen wir gegen den Staat, aber gegen den Staat als Ausbeuter seiner Angestellten! Das Programm der Aufhebung des Staats würde die Gewerkschaften in eine politische Partei ver- wandeln und die Repressionsorgane des Staats gegen sie in Aktion bringen. Wir Reformisten aber wollen der politischen Partei den Kampf gegen den Bourgeoisstaat überlassen und der Konföde- ration die Aktion für bessere wirtschaftliche Bedingungen der Ar- beiterklasse anheim geben. Sie wollen die„direkte Aktion". Wenn Sie darunter den ge- werkschaftlichen Kampf ohne Intervention politischer Persönlich- leiten wollen, sind wir einverstanden. Aber die Masse der Arbeiter ist noch nicht soweit. Sobald ein Konflikt ausbricht, sehen wir die Arbeiter diese Persönlichkeiten und die öffentlichen Gewalten als Schiedsrichter anrufen. Bei der Schwäche unserer Organi- sationen ist das nicht anders möglich. S i e wollen den Staat nicht kennen, er aber kennt Sie, und wenn ein Konflikt ausbricht, ist er als dritte Macht dabei. Damit müssen wir rechnen. In der ge- walttätigen„direkten Aktion" aber sind wir immer der unter- liegende Teil. Und gleich uns armen Reformisten suchen Sie dann eine friedliche Lösung mit Hilfe der Organe des Staats. Unsere Taktik besagt:„Organisieren wir uns zuerst und suchen wir einerseits durch den Druck auf die Gesetzgebung, andererseits durch die korporative Aktion der Masse gegen die- Unternehmer Schutzvorschriften und Verbesserungen zu erlangen. So sichern wir die wahre Neutralität der Gewerkschaften, so bleiben Sie im Ein- klang mit der Internationale. Geeint, vermögen die sozialistische Partei und die Konföderation alles; veruneinigt, sind sie ohnmächtig." R c n a r d, dessen Rede im ganzen ruhig, wenn auch mit ge- lcgentlichen spöttischen Zwischenrufen, angehört worden ist, legt folgende Resolution vor: „In Erwägung, daß es Sache der konfö5erierten Gewerk- schaften allein ist. sich souverän auf den Kongressen über die ent- scheidenden Punkte der Taktik und Doktrin auszusprechen, erklärt der Kongreß, dem in der Presse veröffent- lichten Manifest über diese Gegenstände, dessen Autoren, obzwar sie als Funktionäre oder sonst den konföderierten Orga- nisationen angehören, kein Mandat zu dieser Veröffentlichung hatten, gänzlich fernzustehen. Er betont seine Sympathie für die sozialistische Partei, die gleich der Konföderation, wenn- gleich auf einem anderen Terrain, die Ver- besserung der ökonomischen Bedingungen des Proletariats wie die vollständige Umgestaltung der ungerechten bestehenden Gesellschaft an- strebt." Die Erklärung R e n a r d s beherrschten die folgende De- batte, in der gegen die politische Partei namentlich ins Feld geführt wird, daß ihr auch Nichtarbeiter und Unternehmer angehören. So meint unter anderem Bousquet: die gewalttätige Taktik lvar nötig, weil die Advokaten, die wir so einfältig sind, ins Parlament zu schicken, uns im Stich ließen. Ein anderer Redner sagt: Niemals hat sich ein GwerkschaftSkongreß gegen die Partei ausgesprochen. Die Partei aber muß gegen die direkte Aktion sein. Das beste Argument für diese sind die Verfolgungen, die sie hervorruft. Die Zwecklosigkeit der politischen Aktion wird dadurch erwiesen, daß selbst sozialistische Regierungen Militär gegen Streikende schicken. Cham bin, Sekretär der departomentalen Gewerkschafts- union Jsöre, bedauert, daß der sozialistischen Partei, in der sehr gute, der Konföderation ergebene Gewerkschaften sind, die Schuld einzelner Personen aufgehalst werde. Parteitagsbeschlüffe wie der über die Altersversicherung erklären sich aus der Armut, die die Arbeiter zwinge, sich oft von Advokaten usw. vertreten zu lassen, die die Delegationskosten selbst bestreiten. Vor Schluß der Vormittagssitzung gibt Sassenbach die Er- klärung ab, daß Legien nur Empfängen und Veran- staltungen der'Gewerkschaften beigewohnt und "ersonen begrüßt hat. als die ihm von en Gewerkschaften offiziell vor- keine anderen den amerikanis gestellt wurden. NachmittagSsitzung, Die revolutionären Eisenbahner der„Föderation" erklären, daß sie sich dem gestrigen Beschluß ftigen und am Kongreß mit beratender Stimme weiter teilnehmen wollen. Die Diskussion über den Bericht wird fortgesetzt. P e r i e n t (Maurer) beklagt die Ueberlastung der Konföderationsfunktionäre, die immerzu auf Agitation sind und ihre Geschäfte oft vernach- lässigen müssen. Er beantragt die Errichtung einer zweimal mo- natlich zusammentretenden Exekutivkommission. Etwas ähnliches hat auch R e n a r d schon angeregt. Der Hauptredner der Sitzung ist der Sekretär der Sektion der ArbcitSbörsen, U v e t o t. Er gibt die Notwendigkeit der Umge- europäischen abweichen, ein solches Laboratorium unentbehrlich sei. Dies Laboratorium hat in immer steigendem Maße die Aufmerksam« keit weiter Kreise auf sich gezogen. So wünschen auch andere Lehrer des Kolonialinstituts, deren Arbeitsgebiete Sprachforschungen umfassen, das Laboratorium mitzubenutzen. Das Interesse für das Laboratorium geht aber weit über den Kreis der Professoren hinaus. Die Schulräte und Lehrer versprechen sich von der experimentellen Phonetik eine Förderung des fremdsprachlichen Unterrichts. Die Aerzte bedürfen der phonetischen Instrumente und der graphischen Methoden für innere Untersuchungen, zum Beispiel für solche des Kehlkopfs und der Herztöne, der Atmung und des Pulses. Nerven- ärzte, Sänger, Gesangs- und Vortragsichrer zählen zu den Interessenten'des Laboratoriums, das auch bereits außerhalb Hamburgs vielfache Beachtung gefunden hat. Mit Rücksicht hierauf soll jetzt das Laboratorium erheblich erweitert werden. Theater. Komödienhaüs:„Feuerversicherung" von Ludwig Fulda.„Der lächelnde Knabe" von MaxDreyer. Zur selben Zeit, wo die Komische Oper zum„Schauspiel"hauS wurde. hat sich das benachbarte Operetten-Theater in ein„Komödienhaüs" verwandelt. Als ob die Schätze der heutigen dramatischen Pro- duklion so reichlich wären, daß die bisherigen Stätten dafür nicht mehr langten I Rudolf Lothar, der neue Direktor, eröffnete die Vorstellungen in den renovierten Räumen mit Lustspielen Fuldas und Dreyers. die Heuer ihren fünfzigsten Geburtstag feiern. ES sah alles sehr festlich aus, und der Applaus ließ nichts zu wünschen übrig- Nur die Hauptsache, just das, um dessentwillen man zur Komödie geht, die Komödieustimmung fehlte. Dem eine» der Fünfziger war überhaupt nichts Drolliges eingefallen nnd der andere verpuffte seine humoristische Idee in allzu breit gesponnenen Szenen. Fuldas„Feuerversicherung" erläuterte das alte gewiß zutreffende Sprichwort, daß man nicht mit dem Feuer spielen soll, an einem Beispiel von ausgetüftellcr Unmöglichkeit. Zwei junge Ehepaare leben in bestem Einvernehmen miteinander, bis einer von den Galten auf den sinnvollen Gedanken kommt, dem Freunde eine Probe auf die Treue ihrer Ehefrauen vorzuschlagen. Das soll, meint dieser weise Psychologe, ein Mittel sein, eifersüchtige Regungen im Keime zu ersticken. Die frostige Pointe des frostigen Spaßes ist, daß der Mann der superklugen Vorsicht bei seiner Attacke gründlich abblitzt, während der Freund bei seinem Weibe ganz wider Willen Gegenliebe findet und in dem Netze hängen bleibt. Das bißchen Komik, das hier und da herauskam, war ausschließlich aufs Konto der sehr geschickten Darstellung, namentlich deS Herrn Erich Ziegel zu buchen. In der Nebenrolle einer alten sentimental verstiegenen PensionSvorsteherin überraschte Fräulein Senta Töne- land durch burleske Drastik. staltung des Konföderationsverbandes zu, weudet sich ober gegen Renards Forderung des Proporzes. Der wahre Föderalismus ist, daß die großen Verbände die kleinen nicht mundtot machen. Wir sino für den Proporz dort, wo er logisch ist, alsobeimZahlen der Beiträge. Der Redner wendet sich dann gegen Renards allgemeine Aus- führungen: Der Syndikalismus war immer reformistisch und oft revolutionär. Die kleinen Verbesserungen, die wir dem Unternehmertum entreißen, wirken revolutionär Wenn sich die vom Staat abhängigen Arbeiter an diesen brutalsten der Unter- nehmer wenden, ist das selbstverständlich. Aber der Staat bleibt der Staat, sein Wesen bleibt Unterdrückung und Autorität, selbst wenn er soziale Republik heißt. Renard sagt, wir dürfen den Staat nicht übersehen, weil er uns nicht übersieht. Aber der Staat geht gegen uns just �darum bor, weil wir mit ihm nichts zu tun haben wollen. Wenn die Seeleute an das Schiedsgericht appelliert haben, so darum, weil sie das letzte Mittel erschöpfen wollten. Als wir ihnen zuredeten, nicht auf die Straße zu gehen, war das, weil wir die Unternehmer an ihrer empfindlichsten Stelle treffen wollten. Wir sind auch für die Sabotage, aber für die intelligente, die nicht die des Trunkenboldes und des schlechten Arbeiters und oft die Tat derjenigen ist, die sich ruhmredig zu ihr bekennen. Wir sind Anhänger der Revolution der Masse und der revolutionären Tat des einzelnen, wenn sie am Platz ist. Sind wir gegen die Reformen? Wir fürchten uns nicht, zu den Ministern zu gehen. Wenn ich aber z. B. den Kolonien- minister frage, warum er die Schutzgesetze in seinem Ressort nicht anwendet, so handelt es sich nicht darum, waS ich von den Re- formen überhaupt denke. Ich hoffe, daß wir es ohne Willkür und AutoriiarismüS et reichen werden, die lokalen Unionen in departementale zu ve>« »oandeln. Der föderalistische Geist ist das notwendige Gegengewicht gegen die zentralistischen Ten- d e n z e n. Wir sind nicht so blind und eigensinnig, die Notwendig- keit des Zentralismus mancher Verbände angesichts der zunehmen- den Zentralisation des Unternehmertums zu verkennen.'Aber dem Föderalismus gehört die Zukunft des Syndikalismus. Trotz des die Zentralisation fördernden Maschinismus und Jndustrialismus wird glücklicherweise der lokale und departementale Verband weiterleben, wo nicht nur korporative Interessen diskutiert werden. DaS heutige Vertretungssystcm ist sicher der Verbesserung bedürf- tig, das leugne ich nicht. Aber wir haben nicht nur Bluff bc- trieben, sondern ernsthaft administrative, propagandistische und organisatorische Arbeit vollbracht. Befreien müssen wir uns vom Subventionismus, der neben der Politik die zweite große Gefahr für den Syndikalismus ist. Hier kann uns das G c- nossenschaftswesen helfen, wenn wir es zur Stärkung unserer Propagandamittel anwenden. Gewerkschaft und Genossen- schaft berühren einander und bieten einen festen Boden, wo man nicht versinkt. Wir tun alles, um die Arbeiter, die noch an die Politik glauben, auf einem gemeinsamen Terrain zu vereinigen. — Man spricht uns von hohen Beiträgen. Die deutschen Käme- raden zahlen viel und manche Franzosen auch. Aber ,s sind nicht die Bestentlohnten und die hohe Beiträge Zahlenden, lffe uns auffordern, die Deutschen nachzuahmen. Wir haben auf unserer Reise die Deutschen am Werk gesehen und ohne Scheu zugestanden, daß wir ein wenig von ihrer Taktik zu lernen haben, aber wir haben auch nicht verschwiegen, daß sie aber auch etwas von der unseren und von unserem Temperament. annehmen müssen. Aber über dieses haben sich nur fran- z ö s i s ch e Kameraden aufgeregt. In Deutschland gehört ein bc- 71 deutender Teil der Gewerkschaftler der Partei an, aber nicht die Mehrzahl. Daß so viele ihr angehören, finde ich ganz in der Ord-) nung und wünschenswert, weil in Deutschland die Partei mit den Gewerkschaften aufgewachsen ist. Man sagt uns auch: ahmt die Deutschen nach und treibt nicht Antimilitarismus und Antipatrio- tismus. tzlber wir haben auch in Deutschland Antimilitarismus getrieben und gerade unsere diesbezüglichen Erklärungen wurden in der Versammlung der Gewerkschaftsbertreter und auf dem Meeting in Berlin am meisten bejubelt. Man hat uns in Deutsch- land wie in Frankreich in falschem Liebt gezeigt und wir mußten uns kennen lernen.— Ich bin überzeugt, daß auch die Reformisten noch Revolutionäre werden und ouS der Enge des Korporatismus zur Erfassung des hohen Ideals fortschreiten werden."(Starker Beifall.) War Dvetots muntere Rede vom ganzen Kongreß mit Span- nung und von der revolutionären Mehrheit mit lebhafter Zustim- mung angehört worden, so riefen die ihr folgenden, mit Pathos vorgebrachten Ausführungen des Sekretärs der Sektion der Ver- bände, Jouhaux, stellenweise auch bei den Anhängern seiner Tendenz Verwunderung hervor. Jouhaux sagte u. a.: Renards Kritik zeigt, daß er dem Gewerkschaftöleben fernsteht. Man be- Wenn Fuldas Einakter franzvselt, will Drehers Scherzspiel deutsch gemütlich und gemütvoll sein. ES riecht nach Windeln und der Kinder- stuve. An einem aufgefundenen Baby entzünden sich wetteifernd die Daterschafls- und Mutterschaftstalente eines bärbeißigen Majors und seiner nicht minder streitbaren Hauswirtin, mit der er in grimmer Feindschaft lebt. Diese Konkurrenz bringtS dann zum Friedensichluise und zur Ehe. Auch sonst wirkt das Erscheinen deS neuen Erdenbürgers befruchtend auf die Heiratslust. Aber der Dialog, der in anderen Dramen Drehers so farblg indibidnali- sierende Prägung aufweist, versandet hier auf weite Strecken im Banale», und die glücklichen Familienereignisse, die jedermann voraussieht, lassen allzu lange aus sich warten. Das Slück spielt zur jetzt so beliebten Biedermeierzeit in einem Ostseestädtchen und schildert das ansässige Phtlistcrium mit manchen ergötzlichen Zügen. Der lächelnde Knabe bildet die Hinterlassenschaft eines französischen allzugefälligen Dämchens, das durch phantastevoll-patriotisches Re- nonnnieren sich die Bewunderung eines für Napoleon be- geisterten Bürgergänschens zu erwerben wußte. Ein Neben- inotiv, welches zu etlichen ganz lustigen Effekten und dann zuletzt zu einer sehr gelungenen LtebeSszene führt, in der des Mädchens Schwärmerei für den gewaltigen Korsen sich auf einen simplen Doktor Medicinae überträgt. Herr S t a r g e m a n n. das frühere Mitglied deS Königl. Schauspielhauses, gab den Major, Adele Hartwig feine Partnerin. Vortrefflich waren Herr M a t t h a e S alS behäbig-pfiffiger Schiffs- reeder und Lore B u s ch in der Rolle der kleinen trotzigen Enthusiastin. _____ dt. Notizen. — Das Apollotheater wird vom 1. Mai nächsten Jahres an wieder Operettentheater werden, da die Verleger des Operetten- bearbeiters Lehar cS gepachtet haben. — Die Gefahren des Geburtenrückganges. Die Berliner Gesellschaft für Rassenhygtene hat als Preisaufgabe das Thema gestellt:„Bringt materielle« und soziales Aufsteigen den Familien Gefahr in rassenhygienischer Beziehung?' Es soll be- sonders daraus Rücksicht genommen werden, daß sich in den wohl- habenden gebildeten Schichten der Städte wie in den bessergestellten Kreisen der Arbeiterschaft ein starkes Sinken der Geburtsziffer be- merkbar macht und damit zu maffenhastem Erlöschen tüchtiger Familien wie zur Ausschaltung wertvoller Erbanlagen aus dem Leben unserer Raffe führt. Einfacher und richtiger würde für die Arbeiterschaft die Frage so formuliert:„Bringt die durch die ökonomische Situation wachsende Unmöglichkeit. Kinder aufzuziehen, Gefahr usw.? Und wird diese in allen enttvickcltcn kapitalistischen Ländern beobachtete Erscheinung in Deutschland nicht noch wesentlich! verschlimmert durch unser nationales Schutzzollsystem?" mangelk, daß wir in unserem Bericht die Manifeste der verflossenen Periode abgedruckt haben. Wir hätten statt ihrer mehr Ziffern geben können, aber wir wollten eben unsere Aktion präzise dar- stellen. Der Bericht entspricht unseren Gepflogenheiten. Wenn Resolutionen darin unrichtig wiedergegeben sind> sind das Druck- fehler. Vor einigen Jahren, ehe noch die Depression und der Zweifel in der Gewerkschaftsbewegung um sich gegriffen hatten, waren die Konflikte seltener. Wir müssen aus dem Kvrporatismus heraus und die Notwendigkeit der Zentralisation begreifen. Uns mangeln die Intelligenzen. Hätten wir mehr intelligente Kräfte, die das Leben der Konföderation mitleben, hätten wir kein Exekutivkomitee nötig. Zwölf Monate lang haben wir für die eng- lische Woche agitiert— als Prediger in der Wüste. Nur wenige haben sich die Hoffnung erhalten, die Abkürzung der Arbeitszeit durchzusetzen. Uns fehlt der Glaube. Darum ist die Propaganda unsere wichtigste Aufgabe. Es folgt die Abstimmung über die Berichte. Sie werden mit 1048 gegen 4 Stimmen und 70 Enthaltungen gutgeheißen. Der Rest der Sitzung gilt der Diskussion über das Gewerk- schaftshaus in Paris, das von der Konföderation oder vom GewerkschastSverband der Seine oder auch von beiden er- richtet werden soll. Die Debatte ist stellenweise gereizt, denn die Verhältnisse sind recht kompliziert und die Mittel weder da noch dort ausreichend vorhanden. SriefKaften der Redaktion. TU juristische Sprechstunde findet Lindenstruße«9, dorn vier Treppen — Fahrftnh»—, w-chentäglich von 4 Mi dts 7% Uhr abends, Sonnabends, von m bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Briefkasten bestimmten Aufrage ist ein Buchstabe und eine A-Hl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteUt. Anfragen, denen keine Abonnemcntsanittung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Ellige Fragen trage«an in der Sprechstunde vor. Streitende. 1. Ja. 2. Existiert noch, Chausseestrahe 30131. Die Wcitcrversicherung ist zweckmäßig, da nicht nur Altersrente, sondern auch Invalidenrente und Heilbehandlung in Betracht kommt.— A. F. 100. Sie sind für die Vertragsdaucr hastbar. Entbehrliche Sachen unterliegen der Pfändung. Lohnbeschlagnahme ist zulässig, soweit die Lohnforderung 28,85 M. wöchentlich übersteigt.— A. S. 100. Der Unterstützungswohnsitz ist nach Abiaus eines Jahres erworben.— P. W. 85. 1. Ja. 2. Kann erst nach Einsichtnahme in den Vertrag beurteilt werden.— K. 5. Ihre Darstellung ist unverständlich.— S. 148. 1. Erscheint anfechtbar. 2. In 10 Jahren.— P. 10. ES läßt sich nichts tun. Das Heim ist durch das Schriftstück gedeckt.— 15. W. 1. und 2. Ja. Der Zahlungsbefehl ist beim Amtsgericht zu beantragen. 3. Nein.— K. F. 34. Der Wirt ist dazu nicht verpflichtet.— I. S. 1000. 1. Nein. 2. Der wechselurähige Anspruch verjährt gegen den Akzeptanten in drei Jahren, gegen Aussteller und Giranten in drei Monaten, von der Fälligkett ab gerechnet. Es kann event. aus dem ursprünglichen Schuldgrunde geklagt werden, falls nicht ebenfalls Verjährung eingetreten ist, was Ihr Schreiben nicht erkennen läßt. — F. L. 100. Siehe Inserat in unserer Nummer vom Mittwoch, den 18. September.— F. K. 1883 und P. 100. Fragen Sie beim Verband der städtischen Arbeiter(Sektion Krankenpfleger), SO. Engeluser U/15, an. — Elise R. 1877. Auskunst erteilt Ihnen die Zentralkommission der Krankenkassen, Alexanderstr. 33/40, II.— M. S. 1 00. AuS Lewwand entfernt man Oelflecke durch Betupfen mit starkem Salmiakgeist.— E. M. 36. Wo sollen die Flecke entfernt werden?— E. R. 1000. Arbeitsnachweis des TransportarbesterverbandeS, Alte Leipziger Straße 1. — A. W. 67. Nur dann,.wenn sich der Beschenkte durch ewe schwere Verfehlung gegen den schenker oder eines nahen Angehörigen des SchenkerS groben Undanks schuldig macht", und zwar innerhalb Jahresfrist seit Kenntnis des Widerrussrechts.— W. B. Ol. Ihre Darstellung ist zu unklar. Kommen Sie in die Sprechstunde.— K. H. 46. Ja, wenn Invalidität vorliegt. Stellen Sie den Antrag beim Versicherungsamt, am Köllnijchen Park 8.— L. B. 14. Leider ist die Forderung begründet. Es gibt Teuerung für den, der seinen Bedarf an Herren-, Jünglings-, Knaben- und Sport-Bekleidung jeder Art, ob fertig oder nach Haß, bei der H. K. G. deckt: Seit die H. K. G. begonnen hat, einen Teil ihrer Waren in eigener Fabrik selbst herzustellen, bietet sie dem geehrten Publikum noch j größere Vorteile.— Von Gesetzes wegen ist die H. K. G. gezwungen, auch die selbst angeferigten Waren nur an Private zum Selbstkosten«: Preis abzugeben, gegen Zahlung einer Umsatzprovision von nur 10 Prozent..! Herren- Kleider-Vertriebs• Nur Neue Schönhauser Straße 1 Deutschlands gröBies Spezial- Geschäft dieser Art. Ecke Weinmeisterund MünzstraDe. Sonntags von 8— 10 geöffnet I «ssZs-IAPsg. Unserem lieben Bezirkssührer 13 Albert Riebe 1 nebst Frau Gemahlin zur Sllboriiocluolt® am 21. September 1912 A die herzlichsten Glückwünsche, m Einige Genossen d. Bezirks 600 H des VI. Wahlkreises.$ Todes-Anzeigen SozialdeniokratisElierWalilyereiii !. i v. ßerl, ReidistagswaMkreis Am Donnerstag, den 19. d. M., oerstarb unser Genosse Röhr (Stolpische Str. 37). Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Montag, den 23. d. MtZ., nach« mittags 2 Uhr, von dem Trauer- Hause aus nach dem städtischen Fricdhose in Friedrichssclde statt. Um rege Beteiligung ersucht 232/14 Der«orstand. lZeiiketigs tapoftofböltgl-VeM. Bezlrksverwaltung GreB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeits« kutsch« Albert Wejenk am 15. September verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 21. September, nachmittags 2'/, Uhr, von der Leichenhalle des Städtischen Fried« hoses in Friedrichssclde aus statt. 67/2 Die Bezirksverwallung. Mftcliei' Metallarbeiter-Yerbaniil Varwaliangsstelle Berlin. 1 Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der schrauben« dreher Franz Kißner Lichtenberg, Weichselstraße 15, am 15. d. Mts. an Herzleiden ge« storben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 22. September, nachmittags 4 Uhr, Von der Leichenhalle des Friedhofes der Freireligiösen Gemeinde, Pappel allee, aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Schloffer .Johsim Nielsen am 19. Septbr. an Lungenleiden. Die Beerdigimg findet am Sonntag, den 22. d. Mts., nach« mittags 2 Uhr, von der Leichen« halle des Tbomas-Kirchhofes in Neukölln, Hcrmannstraße.auS statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet llie Ortsverwaltung. Zentralverliaiii der Maseäioisteo und Beizer sowie Berufsgenossen Dentsclil. Verwaltungsstelle GroS-Berlin. Am Donnerstag, den 19. Sep« tember, verstarb unser Mitglied, Kollege !(Ärl Lteputst. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 22. September. nachmittags 1'/, Uhr, von der Leichenhalle des Neuköllner Ge- meindefriedhoses, Mariendorser Weg ans statt. Zahlreiche Beteiligung erbittet 140/9 Tie Ortsverwaltung Frack- Ferleiö- Institut 8. Berg Nachf. Borchardt. Friedrlchstr 1151, am Oranienb. Tor. Tel.: Nord 7402. 37142» Frack, Smoking, Gehrockanzüge, Chapeauelaque, jürjedeFigurpass., vorrätig in verschiedenen Preislagen. Lehr große Auswahl, mäBIge Preise. Allgemeine Kranken« n. Sterbekasse der deutseben Drechsler und deren Berufsgenossen -(®. H. 86, Hamburg).------- Verwaltungsstelle Berlin B. Am 18. September verstarb unser Mitglied 296/19 Peter Mielzarek. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet Sonntag- nachmittag 4 Uhr von der Leichen. halle des Michael« Kirchhofes, Mariendorser Weg, aus statt. f iermit die traurige Nachricht, meine herzensgute Frau, unsere liebe Tochter, Schwieger- tochter, Schwester und Schwägerin Aiartds Virkus geb. Jux im Wochenbett verschieden ist. Dies zeigt tiesbetrübt an im Namen der Angehörigen Ott» Virkna. Die Beerdigung findet am Montagnachmittag 3'/, Uhr von der Leichenhalle des Zcntral-Fried- hoses in FftedrichSselde aus statt. Wer hat neue Ideen? Berfahreu, Massenartikel nfw« Erbitte umgehend Offerten: H. Koehl, Berlin-WeiBensee 1. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere herzensgute Mutter am 19. September nach schwerem Leiden sonst cntschlaspr Franz Zinke«eBft Rindern Fennstr, 6. Die Beerdigung findet morgen Sonntag, den 22. September, nachmittags 2'/, Uhr, von der Leichenhalle des DankeskirchhoseS auS statt. 6A Klmnen- nnd ßranidinderej von RubeH Meyer,* Jnh,: P, Golletz unr Mllmmikn-Zlraljt 2. Telephon: Moritzplah 346. T)crs (Jtföbeß Spezial" Tjaus Siegmund Misch Dresdenentr. 16 i«t die einzige Plein» in Deutschland deren Verträge den �Käufern die Vergünstigung einräumen, für die Diälfle der jeweilig getahlien fRaiensummc Möbel als Gigenium zu beanspruchen. Sie können also nie das ganze gezahlte Geld verlieren! H.& P. Uder. Berlin SO. 16, • engcl-Qfcr 5. Tabak-Großhandlnng und Tabakfabrik. V Ranch«, Kau«, Schnnptiabake, Zigarren, Zigaretten."W Vorteilhafteste Bezugsquelle für Wiederverkäufer. 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Verbandsbücher sind am Ein- gang des Saales vorzuzeigen. �"nn: Möbxltansportarbeiter, gt�tttn«! Kutscker« Packer von Kerlin und Vororten! Sonntag, de« 22. September 1912. mittags 1 Uhr sss Große Versammlung im Gewerkschaftshause, Engelufer 14/15, Saal 4. Tagesordnung: Die Antwort der Unternehmer auf unsere eingereichten Lohuforderuuge». Diskussion. Beschwtzsassung. Kollegen! Die Tagesordnung erfordert, daß ihr Mann für Mann zu dieser Versammlung erscheint I Niemand darf fehlen! Die Verbands» bücher find mitzubringen und am Eingaug des Saales vorzuzeigen. 6711 Die r Zahlstelle Berlin. Geschäftsstelle: 0. 64, Mulackstr. 10 I. Fernsprecher; Amt Norden 4618 Jtifihlenarbetter. Sonntag, den 22. September 191%, nachmittags 2 Uhr, tat Gewerkschaftshause, Engelufer 15,(Saal 3). Tagesordnung: 1. Vortrag de» Verbandsvorsitzenden Kollegen Etzel über:»Oer Kampf der Not". 2. BerusSsragen. 7ahrpersonal (Fahrer, Mitlahrer, lümllem. Bremser, Beser? elahrer, StaUeote usw.) Dienstag, den 24. September 1912, abends 7 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer IS, Saal 1.= .TlVd x, Tagesordnung: 1. Bortrag. 2. Berussfragen. -AI». -11« Brauer und Hilfsarbeiter im inneren Betriebe, Vascbinen- und Kesselpersonal, Handwerker —————— nnd deren Hilfsarbeiter. Sonntag, den 29. September 1912, nachmittags 8 Uhr. im Gewerkschaftshause, Eugelufer 15, Saal 1. Tagesordnung: 1. Bortrag. 2. Berussangelegenheiten. gM" Kollegen! Erscheint Mann sür Mann in diesen Versammlungen 43/13-_ Die Ortsverwaltnng. dm größte Abonnementsbaus feinster Herren-Moden J. Stock A Co. verkauft seine Monats-Garderobe direkt an Private. Anzütte und Paletots von 10 M. an. Frledrichsfr, 108, Eing. Johannisstr., vis-a-vis der Karlsfr. tscler Arbeitsnachwels: Amt Ro�en/Nr. 1239. rervaitnogsstelle Berlin EharitSstrast« 3. Hauptbureau: H°s m. Amt Norden, Nr. 1387. 1. Vortrag de» Kollegen A. Cohen über in der Metallindustrie.- 2. Wahl des ersten BezirkSletterS. Montag, den 2Z. September 1912, abends 9 Uhr, in Krankes Festsälen, Badstr. 19: Bezirks-Versammlting für den 20. Bezirk."WD Tagesordnung: »Arbeitsnachweise »letterS. 3. Bezirks- angelegenheiten. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. ... Mitgliedsbuch legitimiert k=== Zahlreicher Besuch wird erwartet. 124/10 Achtung! Erwerbslose(Kranke). Wegen Quartalsschluß bleibt daS Bureau am Montag, den 39. Septbr., den ganzen Tag geschloffen. Die kranken Kollegen erhalten sür diesen Tag schon am Sonnabend, 28. Septbr., ihre Unterstützung ausgezahlt. Da sämtliche Mitgliedsbücher der kranken Kollegen eingezogen werden, bitten wir bis zum Sonnabend, den 28. September, die Unterstützungen abzuheben. Ausgeschlossen davon sind diejenigen, welche sich in Krankenhäusern oder Heilstätten befinden und ihre Unterstützung nach Beendigung der Krankheit abheben._ Die Ortsverwaltnng. Unterricht in der englischen Sprache. Für Anfänger und Fort- geschrittene, einzeln oder im Zirkel. wird englischer Unterricht erteilt. 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Partei- Hngelegenbeiten« Verband der Sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend. Die auf Sonntag, den 22. September, nachmittags 1 Ii Uhr, in den Konkordia-Sälen festgesetzte öffentliche Ver- sammlung für polnische Arbeiter und Angestellte findet umstände- halber nicht statt. _ Der Aktionsausschuß. Dritter Wahlkreis. 7. Abteilung. Für die Bezirke 232. 232a. 233, 23ö und 237 findet morgen die Flugblaltverbreitung von Benoit, Luckauer Str. 6. statt. Nach der Verbreitung Ausflug nach Hohen-Neuendorf. Kreis Niederbarnim. Das Flugblatt zu den Frauenversammlungen im Kreise Riederbarnim wird am Sonntag, den 22. September. nur in Franz.- Buchholz, Reinickendorf-West und W e i tz e n s e e von den Bczirkslokalen aus verbreitet. Da in den übrigen Orten des Kreises die Frauenversammlungen erst im Oktober tagen, wird der Termin der Flugblattverbreitung an dieser Stelle noch näher bekannt gc- geben._ Die Kreisleitung. Charlottenburg. Sonntag früh 8 Uhr: Flugblaltverbreitung von den betannten Stellen auS. Der Frauen-Leseabend am Montag fällt ans. � Wilmersdorf- Halensre. Sonntag, vormittag von 8 Uhr an. von folgende» Lokalen aus Flug blattverbreitung: Piche, Halensee, Panlsborncr Str. 2Si Adam, Pfalzburgcrstr. 27; Seile, Brandenburgische Str. 69; Fischer, Durlachcr Str. 8; Bauer, Aachener Slr. 27; Greschke, Kaiserallee 209; Schilling. Laucnburger Str. 20; Potschietz, Paretzer Str. 2. Friedenau. Am Sonntag, den 22. September, früh von 8 Uhr an. von den Bezirkslokalen auS: Flugblaltverbreitung. Der Vorstand. Steglitz. Am kommenden Sonntag, den 22. d. Mts., vormittags 8 Übt. von allen Bezirken aus: Flugblaltverbreitung. Britz-Buikow. Morgen Sonnlag früh 8 Uhr: Flugblattverbrei- tung von den bekannten Stellen aus. Der Vorstand. Prteröhagen-Frcdcrsdorf. Am Sonntag, den 22. September, nartmuliags 6 Uhr, im Lokal von Kunsch. PeterShagen, Hennicken- dorfer stratze: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Die Reorganisation des PartelstatutS. 2. Aussprache. Anschließend: Ge- selliges Beisammensein. FnedrichSfelde. Genossen, die fich am Sonntag, den 22. d. M., an der Beriainmlung bei Schneider in Ahrensfelde beteiligen wollen, treffen fich nachmuiags 2 Uhr beim Genossen Brnnk. Die Bezirksleitung. Dabendorf bei Aoffen. Die übliche Monatsversammlung am Eonnabend, den 21. Sept., fäll« aus und findet am Sonnabend, den 28 Sept.. abends 8 Uhr bei Wiese statt. Riederlchme. Heute Sonnabend, den 21. d. Mts.: Außerordent- lichc Mitgliederversammlung, in der wichtige Beichlüffe zu fassen sind. Sonntag, den 22. September: Familienausflug aller Vereine NiedcrlehmeS nach Ziegenhals zu Max Mörschel. Abmarsch 3 Uhr von Emil Gärisch. Der Vorstand. Reiilickendorf-Wcst. Sonntag früh 8 Uhr: Flugblattverbreitung von den Zahlabeudlokalen auS zu der am Dienstag, den 24. Sept., in Beyers Feslsälen fHarlinanns Brauerei) statlfindeuden Protest- Versammlung. Der Leieabend fällt aus. Der Vorstand. Tegel. Zur DenkmalSenthnllung für den erschossenen Genossen Herrrnan» in Hohen-Neuendorf am Sonntag, den 22. September, treffen sich die Parteigenossen um 1 Uhr mittag« am Bahnbofplatz. Die Bezirksleitung. Borsigwalde-Wittenau. Am Sonntag, den 22 September, nach- mittags 1 Uhr treffen sich die Borsigwalder Genossen und Genosfilinen im Lokale von W. Schulze, Schubertstraße. Die von Wittenau bei Wiltchow zum Abmarsch nach Hohen-Neuendorf. Die Bezirksleitung. KerUner I�admcbteu. Kommunale Steuerverhältuisse und Tenerungsfragen bchandelt die anläßlich des Parteitages besonders umfangreich gestaltete Nummer der„ Kommunalen Praxis". So- weit die Teuerung in Betracht kommt, hat die Redaktion sich bemüht, außer der Darstellung der Ursachen der Teuerung Material über die Maßnahmen der einzelnen Geineinden ans diesem Gebiete zusamnicnznstellen und zu zeigen, welche Mittel den Gemeinden zu Gebote stehen, um helfend eingreifen zu können. Eine außerordentlich wertvolle Arbeit ist in der Dar- stellung der Finanz- und S t e u e r v e r h ä l t n i s s e von 594 deutschen Gemeinden enthalten, eine Arbeit, wie sie bisher in diesem Umfange kaum irgendwo anders zu finden sein dürfte. Unseren Genossen in den Gemeinden und Parla- nienten bietet das Heft wertvolles Material in ihrem Bc- streben, der Arbeiterschaft zu nützen. Die Anschaffung kann nur aufs wärmste empfohlen werden. Der Einzelpreis dieser Nummer beträgt 1 M. Den Abonnenten wird das Heft ohne Preisaufschlag geliefert. Bestellungen durch alle Buchhand- lungen oder vom Verlag Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. m. b. H., Berlin L1V. 68. Die„patriotische Pflicht" der Beamten. Tic Berliner Eisenbahndircktion hat in bczug auf die am SO. d. M. stattfindende Landtagsersatzwahl im ersten Berliner Kreise eine Verfügung an die Beamten uird Angestellten ergehen lasse», in der es heißt: „Es ist die patriotische Pflicht aller staats- treuen Bürger, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Insbesondere muß dies auch von dem wahlberechtigten Personal der Staatseisenbahnverwaltung erwartet werden. ES Ivird vorausgesetzt, daß sich jeder Wahlberechtigte rechtzeitig darüber unterrichtet hat. daß er in die Wählerlisten eingetragen ist. und daß diese berichtigt sind. Jedem Beamten und Arbeiter, insbesondere auch dem Personal des Lokomotiv- und des Zug- dienstcs. ist Gelegenheit gegeben, sich an der Wahl zu beteiligen. soweit die dienstlichen und betrieblichen Verhältnisse das nur irgendwie gestatten. Obwohl die Wahl während des ganzen TageS ausgeübt werden lami, ist den Arbeitern, soweit es die dienstlichen und betrieblichen Interessen zulassen, die Ausübung des Wahlrechts auch während der Arbeitszeit ohne Lohnkürzung zu gestatten. Etwaigen Wünschen der Ar- beiter, zu einer Zeit wählen zu dürfen, wo die große Masse anderer Wähler nicht wählt, ist nach Möglichkeit zu entsprechen." Die Sorge um die Ausübung der staatsbürgerlichen Pflicht durch die Staatsbeamten erscheint etwas verdächtig. Die preußische Eisenbahnverwaltung gehört sonst nicht zu den Organen, denen man eine besondere Vorliebe für staatsbürgerliche Rechte ihrer Ange- stellten nachsagen könnte. Wir erinnern nur an die Haltung dieser Behörde zum Koalitionsrecht der Eisenbahner. Wenn dieselbe- Behörde jetzt auf einmal von patriotischer Pflicht der staatstreuen Eisenbahnangestellten spricht, so kann das nur den Zweck haben, die Beamten auf ihre„Staatstrcue" zu prüfen. Denn wehe dem, der bei öffentlicher Abstimmung anders als im„patriotischen" Sinne stimmen würde._ Umleitung einer Straßenbahnlinie. Die Straßenbahn ist ge- nötigt, wegen Verbreiterung und Umpflasterung der Stromstraße zwischen Altmoabil n»d der Lessingbrücke die Linie 2 Außenring von Dienstag, den 24. September, an nicht über Altmoabil, sondern durch die Strom-, Turm- und Nathenower Straße zu leiten. Die Arbeiten und die Umleitung werden etwa vier Wochen dauern. Kinderhorte und die Gemeinde. Aus dem Rahhause werden, folgende Mitteilungen versendet: „In der Hauptversammlung der sozialdemokratischen Kinderschutzko m Mission, in der eingehend über die zweifellos segensreiche Kontrolle der gewerblichen Beschäftigung schulpflichtiger Kinder berichtet wurde, ist nach Zeitungsberichten der Stadt Berlin der Vorwurf gemacht worden� daß sie ihre sozialen Pflichten in bszug auf Kinderpflege vernachlässige, namentlich dadurch, daß sie noch nicht einen Kinderhort errichtet hat. Die Gemeindeverwaltung ist der Ansicht, daß es sich nicht empfiehlt, bestehende jugcnd fürsorgerisch: Einrichtungen zu ver- stadtlichen oder selbst derartige Anstalten zu gründen, solange private Wohltätigkeit geneigt und in der Lage ist, mit ihrer Unter- stützung auf diesem Gebiete segensreich zu wirken. Es ist klar, daß, wenn die Siadt selbst solche Anstalten gründete, die Neigung iwohltäfiger und von sozialem Empfinden beseelter Mitbürger, sich durch Gewährung von Mitteln und Uebernahme von Aemtern bei der sozialen Jngciidfiirsorge zu betätigen, ersttckt, die Mög- lichkeit, diese Fürsorge individuell zu gestalten, beseitigt und die Inanspruchnahme solcher Einrichtungen auch aus Kreisen, die ihrer nicht bedürfen, sich stark vergrößern würde. Tagegen ge- währt die Stadt zahlreichen Kinderhorten, mehreren Kinder- gärten und jetzt auch schon einer Kinderbcwahranstalt freie Räume, Heizung und Beleuchtung und unterstützt außerdem viele Jugcndfürsorgcvereine mit nicht unerheblichen Mitteln. Der Berein„Hauptverein Kinderhort"(Vorsitzender Stadtschulrat Dr. Fischer), der 29 Horte unterhält und der Verein„Mädchen- Hort" lVors. Frau E. Mosse, Leipziger Platz 1ö, Stellvertreter Stadtschulrat Dr. Fischer), der 22 Anstalten eingerichtet hat, so- wie der Erziehungs- und Fürsorge-Verein für schwachsinnige Kinder(Vorsitzender Stadtschulrat Dr. Fischer), der vier Horte für schwachsinnige Kinder in Betrieb hat, erhalten von den Ge- im ci»de de Hörden im laufenden Etatsjahr zusammen 33290 M. Beihilfen, im ganzen hat die Stadtgemeinde Berlin durch ihren Etat für 1912 für Kinderforsorge an 19 verschiedene Vereine usw. 103 350 M., sowie für Jugenderziehung an 14 Vereine zusammen 66 985 M. bewilligt." Es ist richtig, daß in der Versammlung der Kindcrschutz- k o m m i s s i o n auch Vorwürfe gegen die Stadtverwaltung wegen ihrer Stellungnahme zur Frage der Kinderhorte erhoben worden sind. Aber jene von bürgerlichen Blättern gebrachte Nach- richt hat den Vorwurf, der sich dagegen richtete, daß die Stadt nicht selber Kinderhorte srhaffen will inkorrekt wieder- gegeben. Die Zurückweisung, die der Magistrat noch jetzt nach Wochen für nötig hält, trifft nicht den Referenten jener Vcrsamm- lung, sondern die bürgerliche Presse. Was der Magistrat zu der Streitfrage, ob„jugendfür- sorgerische Einrichtungen" von der Gemeinde ge- schaffen oder der Privatwohltätigkeit über- lassen werden sollen, vorzubringen weiß, das sind die alten, ab- gebrauchten Redensarten, die tausendmal gehört und ebenso oft widerlegt worden sind. In Wirklichkeit ist es ja schon heute so, daß das„soziale Empfinden" der bemittelten Volkstlassen fast völlig geschwunden ist und viele Wohltätigkeitsvereine ohne Hilfe von der Gemeinde gar nicht weiterbestehen könnten. Die Stadt zahlt tatsächlich recht beträchtliche Summen für zahlreiche derartige Vereine, darf aber in die Verwaltung nicht hineinreden, weil es ja„private" Veranstaltungen sind. lieber den„Haupt verein Kinderhort" hat vor zwei Jahren der Vorstand selber, an dessen Spitze Stadtschulrat Fischer steht, in einer an den Magistrat gerichteten Eingabe um reichlichere Unterstützuug gesagt: „Bei unseren Bemühungen, neue Mitglieder zu werben, bc- gegnen wir nur zu oft dem Einwurf, daß die Einrichtung und Unterhaltung von Horten in das Gebiet koinmuimler Fürsorge falle. Die Erträge aus WohltätigkeitSberanstaltungen sind kaum noch nennenswert, da man an den Wohltätigkeitssinn der Berliner von allen Seiten die größten Anforderungen stellt, und da weite Kreise der Bürgerschaft aus ethischen Gründen gegen Wohltätig- keitÄfeste eingenommen sind." Die Eingabe wies auch darauf Hirn daß auch die Berpflegungs- zuschüsse der Eltern in letzter Zeit geringer geworden seien, weil die Teuerung der n o t to c n d i g c n Lebensmittel und die gedrückte Lage auf dem A r b e i t s m a r k t natürlich die Kreise, aus denen die Hortkinder stammen, am allcrschwcrsten treffe. Inzwischen ist die LcbenSmittelteuerung noch sehr viel schlimmer geworden, und sie lastet jetzt mit schier unerträglichem Druck auf der Ärbciterbevölkcrung. Will der Magistrat im Ernst behaupten, daß er unter solchen Umständen mit seiner Beihilfe von 33 200 M. in der Frage der Kinderhorte seine Pflicht voll getan habe? Kaum glaubliche Praktiken scheinen in der Einkommen- sr e u c r- B« r a n l a g u n g s k o m in i s s i o n in Berlin einge- führt werden zu sollen. Es ist allgemein bekannt, daß zahlreiche Zensiten, die ihrer Meinung nach zu hoch zur Zahlung von Steuern eingeschätzt sind, ihre Reklamationen nicht selbst anzufertigen in der Lage sind. In allen Kreisen der Bevölkerung ist es Usus, daß der- jcnige, der eine solche Reklination nicht selber herstellen kann, sich ftemder Hilfe bedient. Es ist bekannt, daß unsere Großagrarier, die dem Bunde der Landwirte angehören, sogar eine besondere Verrechnungsstelle eingerichtet haben, die sich mit der Steuerauf- stellung der Agrarier befaßt. Acrmere Leute beschränken sich darauf, Privatpersonen in Anspruch zu nehmen, die für ein geringes Geld oder gar unentgeltlich die Reklamationen aufertigen. Im Bureau der Einkommensteuer-Veranlagungskommission scheint aber neuer- dings eine reckü eigenartige Praxis obzuwalten; man will dort wissen, wer der Verfasser der Reklamation ist, bevor dsr' Reklamation selber näher getreten werden soll. Dieses Verfahren ist so unge- heuerlich und gesetzwidrig, daß wir daran kaum glauben würden, wenn uns nicht schwarz auf weiß die Behauptung bestätigt würde. Uns liegen folgende Antworten der Einkommensteuer-Veran- lagungskommission Berlin vor: Berlin C.2. den 31. August 1912, Bevor ich Ihrer Berufung weiteren Fortgang gebe, ersuche ich unter Bezugnahme auf Ihre Aussagen in der Verhandlung vom 29. Juli 1912 im steuerlichen Interesse den Namen und die Wohnung Ihres Kollegen anzugeben, der Ihre Berufungsschrift angefertigt hat. I. V.: gez. Molk.>. Berlin C.2. den 26. August 1912.- Ihrem Gesuche um Freistellung von der Steuer kann erff näher getreten werden, wenn es feststeht, wer der Verfasser des Einspruchs bezw. des Berufungsschreibcns ist. Ich ersuche daher, mir den Namen und die Wohnung des Schreibers innerhalb 14 Tagen mitzuteilen. I. V.: v. Heim bürg. Nach diesem Bescheide könnte also derjenige, der die Neugierde der Kommission nach dem Anfertiger der Berufung nicht beantwortet» überhaupt nicht auf Erledigung seiner Reklamation rechnen. Unserer Meinung nach können die obigen Bescheide auf keinerlei gesetzliche Bestimmungen gestützt werden und es ist niemand ver- pflichtet, die geforderte Auskunft zu geben. Die Forderung. Namen und Wohnung des Verfassers der Reklamation anzugeben, haben mit dem Einspruch nicht das geringste zu tun. Die Einkommen- steuer-Veranlagungskommission hat lediglich zu prüfen, ob die An- gaben in der Berufungsschrift erweislich richtig sind oder nicht, Wir halten die geforderten Auskünfte über den Verfasser einer Re- klamation für gesetzwidrig und möchten denen, die solche Auffordc- rungen erhalten, raten, sich beschwerdeführend an den Minister der Finanzen zu wenden. Es wäre von Interesse zu erfahren, ob die Neugierde nach dem Verfasser von Reklamationen sich auf alle Kreise der Bevölkerung erstreckt._ Zu dem Tode des Berliner Archäologen Dr. Blume, über den wir gestern berichteten, wird heute aus Posen mitgeteilt: Nach Mitteilungen der Posener Staatsanwaltschaft hat Frau Dr. Blume im hiesigen Untersuchungsgefängnis das Geständnis abgelegt, daß sie ihren Mann erschossen habe. Sie gibt an, daß sie die Tat in einem Zustand der geistigen Verwirrung verübt habe. Nähere Mit- teilungen über die Ausführung der Tat hat sie infolge der Auf- regung, in der sie sich befindet, noch nicht machen können, und es bleibt abzuwarten, inwieweit ihre Angaben richtig sind._ Für die weitere Untersuchung scheint es aber festzustehen, daß ein dritter Täter oder Mitwisser, wie man anfangs angenommen hatte, nicht mehr in Frage kommt. In erster. Linie wird jetzt festzustellen sein, ob nur ein Totschlag oder vorbedachter Mord vorliegt. Die Gründe zu dem plötzlichen'Geständnis dürften in der Ermittelung der «taatsanwaltschaft liegen, daß Frau Dr. Blume am 3. August einen Revolver in einer Posener Waffenhandlung gtzkauft hatte. Am 9. September, also am Tage vor der Tat, kaufte sie in der gleichen Handlung einen zweiten Revolver. Vor dem Untersuchungsrichter erzählte sie, daß den zweiten Revolver ihr Gatte gekaust habe. Daraufhin wurde der Waffenhändler als Zeuge geladen, und er gab die eidliche Erklärung ab, daß Frau Dr. Blume beide Waffen gekauft habe. Diese Feststellungen sind außerordentlich belastend für Frau Dr, Blume. Was sie zu der entsetzlichen Tat veranlaßt haben könnte, ist noch nicht aufgeklärt. Schon als junges Mädchen soll sie höchst exaltiert gewesen sein und eine Schar von Verehrern um sich versammelt haben. Man erzählt sich, daß sie bereits mit einem Ingenieur verlobt war, als sie Dr. Blume kennen lernte und feinet- wegen die Verlobung auflöst«. Die Ehe war von Anfang an nicht glücklich und Frau Dr. Blume ließ, wiederholt durchblicken, daß sie ihre Ehe nicht aus Liebe, sondern mit Rücksicht auf die aussichts- reiche Zukunft ihres Mannes geschlossen habe. So unterhielt sie auch nach ihrer Verheiratung Beziehungen zu anderen Männern, und es soll schließlich zwischen den beiden Ehegatten zu peinlichen Auseinandersetzungen gekommen sein. Die Eltern der Frau Dr. Blume sind sehr ehrbare Leute, die über die schreckliche Tat ihrer Tochter voller Verzweiflung sind. TodeSsturz eines KindcS. Ein bedauerlicher Unglücksfall, dem ein KindeSleben zum Opfer fiel, ereigte sich in der Nacht zum Frei- tag im Osten Berlins. Das in der Schreinerstr. 33 wohnend« Schrödersche Ehepaar war am Abend zu einer Familienfeier bei Verwandten gegangen und hatte den vierjährigen Sohn Erich, der bereits schlief, allein in der Wohnung zurückgelassen. In der Nacht ist der Knabe dann aufgewacht und. als er die Eltern vermißte, aus dem Bettchen geklettert, um sie zu suchen. Der Kleine stieg von einem Stuhl aus aus das Fensterbrett, öffnete das Fenster und sah auf die Straße hinaus. Dabei verlor das Kind das Gleichgewicht und stürzte auS der Höhe der dritten Etage in die Tiefe. Gegen 1 Uhr nachts wurde der verunglückte Knabe mit zerschmetterten Gliedern, aber noch lebend von Passanten aufgefunden und nach der Unfallstation in der Warschauerstraße gebracht. Bon dort aüS wurde das bedauernswerte Kind in bewußtlosem Zustande nach dem Krankenhaus Friedrichshain geschafft. Vorort- l�acdricdten. Neukölln. Stadtverordnetenversammlung. Nach einer Reihe geschäftlicher Mitteilungen des stellvertretenden Stadtverordnetenvorstehers B ö g e l k e, unter denen sich auch eine Einladung der„Bau- genosscnschaft Ideal" zur Besichtigung ihrer neuen Kleinhäuser- Kolonie in Britz befindet, wird in die Beratung der äußerst umfang- reichen Tagesordnung eingetreten. Die Revision der Besoldungsordnung und des B e- soldun gsplans für die städtischen Beamten und Bedien st eten und des N o r m a l b e s o I d u n g S» etats für die Lehrpersonen sowie die Neuregelung der Lohnbezüge für die städtischen Arbeiter hat den Rechlimigsausschuß in sechs Sitzungen beschäftigt. Namens desselben berichtet Stadtv. Zonfall über die gefaßten Beschlüsse. Für dje Stadlräte, welche jetzt vier DienstalterSzulagen von je 750 M. erhalten, werde» drei solcher Zulagen von je 1000 M. festgesetzt. Alle Beamten und aus Privat-Dienstvertrag angestellten Bedienstelen erhalten Gehaltsaufbesserungen, natürlich lvieder in de? bekannten Art, daß die unteren Gebaltsklassen geringe, die hochbesoldeten Klassen erheblich höhere Zulagen erhalten. Die Ortszulagen der Lehrer werden von 600 aus. 750 M., die der Lehrerinnen von 250 auf 350 M. erhöbt. Entsprechende Steigerungen erfahren auch die Gehaltssätze der Lehrpersonen an den Höberen Schulen. Die Löhne der Arbeiter und Handwerker in den städtischen Betrieben sind erhöht und neu klassifizieit worden. So ist zun» Beispiel in Lohnklasse II. welche etwa 1/3 aller Arbeiter umfaßt, die Tagelohnskala von 4,25 bis 4,75 M. auf 4,50. bis 5,04 M.(steigend alljährlich um 9 Pf.) festgesetzt worden. Die von den Arbeiter» eingereichten An- träge auf Abschluß eines Tarifvertrages mit dem Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter und Durch- f ü h r u n g des W o ch e n l o h n s y st e m S hat der Nechnungs- ausichutz dem Magistrat zugewiesen mit dem Ersuchen, bei der dem- nächst bevorstehenden Revision der Allgeineineu Arbeitsordnung beide Forderungen den Arbeiterausschiissen und der Lohnkommission zur Borberatung und Aeußerung zu unterbreiten. Der Ausschuß hat sich ferner mit der A u Z g e st a l t u n g des T u r n lv e s e n s in den städtischen Schule» beschäftigt; er ersucht den Magistrat um eine Vorlage nach dieser Nichtung. Der Referent beantragte schließlich, alle Beschlüsse des Ausschusses en bloc anzunehmen. Im Handumdrehen ließ der Borsteher darüber abstimmen. Die bürgerliche Mehrheit beschloß demgemäß, so daß sich Stadtv. Wutzky zu der Erklärung veranlaßt sah, daß die sozialdemokratische Fraktion sich weitere Anträge vor- behalte, da im Ausschuß eine Reihe Wünsche der Arbeiter, besonders solche grundsätzlicher Art nicht berücksichtigt worden sind. Ferner stellte Stadtv. Dr. S i l b e r st e i n sSoz.j fest, daß das Votum der Fraktion bei der eben vorgenommenen Abstimmung sich selbst- verständlich nicht gegen die GehallS- und Lohnerhöhungen, sondern gegen die von der Mehrheit beliebte summarische Erledigung aller Borlagen gerichtet hat. Gegen den unhaltbar gewordenen Fünf-Stationen-Tarif richtet fich ein Antrag des Magistrats, nach welchem der Zweckverband er- sucht werden soll, auf eine zweckmäßige Tarifgestaltung auf der Stadt- und Ringbahn, sowie auf den Vorort- bahnen hinzuwirken. Die Versammlung beschließt einstimmig in diesem Sinne. Das Ausscheiden des StadtbauratS Kiehl, welcher zum Städtebauer im Zweckverband Groh-Bcrlln gewählt worden ist, mit dem t5. September wird genehmigt. Die Bersainmlung tritt darauf in die Beratung des nachstehen- den Antrages ein: Die Stadtverordnetenversammlung ersucht den Magistrat, zur Abwehr der sich stetig steigernden Nahrungsmittel- teuer» ng, welche Gesundheit und Leben der Bevölkerung Neu- köllnS auf das ärgste bedroht. 1. an den Bundesrat und Reichstag eine Eingabe zu richten. in der unter Darlegung der herrschenden Notlage gefordert wird: die sofortige Aufhebung der Zölle auf Vieh. Fleisch. Getreide und Futtermittel, der Grenzsperre für die Einfuhr von Schlachwieh, des§ 12 des Fleischbetchaugesetzes, der Einfuhrscheine, 2. städtische Einrichtungen zur Versorgung der Bevölkerung Neuköllns mit Lebensmitteln zu schaffen und die vorhandenen aus- zubauen. Die sozialdemokratische Stadlverordnetensraktion. Stadtv. Dr. Silber st ein sSoz.) drückt sei» Bestemden über die Verzögerung des Antrages, welcher bereiis am 3l). August ein- gereicht worden ist, aus, was angesichts der drückenden Notlage der Bevölkerung unverständlich sei. Der Referent legt dann ausführlich dar, zu welchen Hungerpreise» die Herrichende agrarische Interessen- Politik geführt hat, und kennzeichnet gebührend das offiziöse Gerede der Regierungspreise von der„vorübergehenden Erscheinung" und die Heuchelei, welche in der immer wiederkehrenden Behauptung liegt. daß die Grenzsperrmaßnahmen die Einschleppung von Seuchen hindern sollen. Nach zwei Richtungen müsse der Magistrat vorgehen. Vom Reichstag und Bundesrat ist energisch die Aufhebung des Z 12 des Fleischbeschaugesetzes, der Futtermiltelzölle und der Einfnhrscheine zu fordern. Andererseits wären aber auch selbständig wirksame Matz- nahmen zu treffen, um so weit als irgend möglich eine Versorgung der Bürgerschaft mit billigen Nahrungsmitteln zu erreichen. Der Seefischverkauf genüge nicht; er bringe keine nennenswerte Er- leichterung. Es müsse vor allem auf die Fleischversorgung durch die Stadt Bedacht genommen werden, zu welchem Zwecke auch städtische Kühlhallen zu errichten wären. Auf den Rieselgüteru müßte die Viehzucht in möglichst großem Umfange betrieben werden. Die in der Teuerungskommission vom Stadtbaurat Weigand bestrittene Durchführbarkeit der Schweinezucht ans den Gütern könne nicht als stichhaltig angesehen werden. Es müsse olles gegen die ungeheuer hoben Lebensmittelpreise versucht werden; denn sie haben auch notwendigerweise schwere kommunale Belastungen fSteigerimg der Armenkosten usw.) in Gefolge. Die Kommission müsie unverzüglich an die praktische Arbeit gehen, damit der Not so schnell als möglich gesteuert werde.— In der Debatte erklärten die Stadlvv. G l a s e m a n n, E m m e l u t h und S e l t m a n n im wesentlichen ihr EiiiverstäiidniS zu den sozialdemokratischen Vorschlägen. Dagegen waren die Ent- gegnungen des Bürgermeisters Dr. W e i n r e i ch, des Stadtbaurats Weigand und des Stadtrats N i e m e tz den vorgeschlagenen kommunalen Maßnahmen gegenüber derart nichtssagend oder gar ablehnend, daß sie sich in lebhaften Entgegnungen der Stadt- verordneten Wutzky und Dr. S i l b e r st e i u Mangel an Willen zur Tat nachsageti lassen mußten. Besonders der Bürger- mcister ivnßte nichts weiter als die gemeinsame Petition der Groß- Berliner Gemeinden an die Rcichsregierung in Aussicht zu stelle»; überhaupt klangen die Reden der Magistratsvertreter, als ob sie vom Bund der Landwirte inspiriert wären.— Die Versammlung nahm einstimmig den sozialdemokratischen Antrag mit der Motivierung an, daß die in-siffer 2 geforderten Maßnahmen auch in Gemeinschaft mit Groß-Balin zu miternehmeu find. Der E/teruvercin für Sport- und Wandern veranstaltet am Sonntag, den 22. d. M., ein Abspielen aus dem Turnplatz an der Grcnz-Ällee. Abmarsch mit Musik l'/j Uhr nachmittags. Rege Beteiligung ist erwünscht. Der Vorstand. Wilmersdorf-Hnlenfee. Petitionen und Kampf gegen Sozialpolitik. In der Stadtverordnetenversammlung am Mitt- wach widmete vor Eintritt in die Tagesordnung der stellvertretende Vorsitzende Dr. S t e i n i tz dem verstorbenen früheren Oberbürger- meister Kirschncr einen ehrenden Nachruf, der von der Versammlung stehend angehört wurde. Bei dem zuerst in Angriff genommenen Gegenstand der Tages- ordnung handelte es sich um die Bewilligung von 63 Ml M. für die Ausstattung des ehemaligen Joachimsthalschen Gym- n a s i u m s, das jetzt Joachim-Fricdrich-Gymnasium getauft worden ist. Bekanntlich wird die Stadt das Schulgebäude mit dem viel- umstrittenen„Park" in ihren Besitz nehmen, nachdem das Alumnat am 1. Oktober nach seinem neuen Sitz Templin übergesiedelt ist. Der vom Finanzausschuß ernannte Berichterstatter Stadtverordneter Riedel(Soz.) tadelte in seiner Darlegung im Einverständnis mit dem Ausschuß, daß bei der Ausstattung des DirektionSzimniers unnötiger Luxus getrieben worden ist; er empfahl für künftige Gelegenheiten dem Magistrat, sich luchr an Einfachheit zu halten. Die Vorlage wurde genehmigt. Etliche sozialpolitische Auseinander- sc'tzungcn gab es bei der Behandlung verschiedener Petitionen. Eine Petition des Berliner Francnvercins gegen den Alkoholismus verlangt, daß beim Bau des neuen Rathauses von der Stadt aus für Kantinen gesorgt werde, die einzig alkoholfreie Gc- tränke verkauften. Während der Pctitionöausschuß, allerdings nur aus formalen Gründen, Uebcrgang�zur Tagesordnung empfahl, legte Stadtverordneter Schröder tSoz.) dem Magistrat nahe, bei kommender Gelegenheit den guten� Zweck der Petition nicht außer acht zu lassen. In der Voraussicht, daß später noch über die Angelegenheit verhandelt wird, beschloß die Versammlung im Sinne des' Petitionsausschusses., �- Der Bezirksvcrein Wilmersdorf-Sud verlangte in einer Peti- tion daß die vom Deutschen Zentralkomitee für Zahnpflege in den Schulen betriebene Schulzahnklinik auf den städti- schen Etat übernommen werde. Ter Petitionsausschutz empfahl, die Petition dem Magistrat zur Erwägung zu überweisen. Als Stadtrat Stcinborn im Namen des Magistrats witzder das Loblied auf die freie Liebestätigkeit anstimmte, empfahl Genosse Schröder dem Herrn, eine Betrachtung nachzulesen, die der Ehar- lottenburger Stadtrat Samtcr dieser Tage über die Belang- losigkeit der privaten Wohlfahrtspflege und die cigennutzigen Ab- kickten die bei ihr oft obwalten, veröffentlicht hat. Unter der Zustimmung des Fortschrittlcrs Dr. Edel führte Stadtverordneter Dr. L e i d i g an. daß man sich schon ,m H.nbl.ck auf d.e s o z, a l e Zerklüftung von heute au die freie Liebestatigkeit halten solle. Schröder äußerte hierauf das Verlangen, von Herrn Dr. Leidig einmal ein Kolleg über die Erfolge zu hören, die von der privaten Wohlfahrtspflege im Kampf gegen die soziale Zerklüftung bisher erreicht worden sind. Auch diese Angelegenheit wurde im Sinne des Petitionsausschusses erledigt. Eine Petition der Vereinigung der höheren technischen Bau- Polizeibeamten Deutschlands empfahl Maßnahmen zur Rücküber- fragung der Baupolizei an die Gemeinden und Berücksichtigung der Techniker bei deren Verwaltung. Im Sinne des Ausschusses bc- schloß die Versammlung, die Petition den: Magistrat zur Berücksichtigung zu überweisen und daran das Ersuchen zu knüpfen, in Gemeinschaft mit anderen Gemeinden wegen RückÜbertragung der Baupolizei erneute Vorstellungen zu machen. Eine Petition des Parkausschusses Groß-Berlin der Gruppe Brandenburg der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst verlangte Berücksichtigung seines Gutachtens in der Frage der Erhaltung des Joachimsthalschen Parks. Im Gegensatz zum Petitions- ausschuß, der sich für Uebergang zur Tagesordnung erklärt hatte, beschloß die Versammlung, daß die Petition der in der Park- angekegenheit eingesetzten Deputation überwiesen werden soll. Eine besondere Beachtung muß eine Mia a i st r a t s v o r la g e beanspruchen, die die Einsetzung einer gemischten Deputation von 6 Magistratsmitglicdern und 13 Stadtverordneten zur Vorberatung über die fälligen Stadtratswahlrn verlangt. In der maß- gebenden Mehrheitsfraktion macht sich nämlich eine Strömung gegen den sozialpoliti schen Dezernenten im Magistrat, Stadt- rat S t e i n b o r n, geltend. Man will alle satzungsgemäß aus- scheidenden Stadträte wiederzuwählen, nur Herrn Stein- born nicht, weil dieser zu sehr in Sozialpolitik m a ch t. Bei früheren Gelegenheiten und auch noch in diesem Bericht haben wir gezeigt, daß der verfemte Stadtrat den gegen ihn erhobenen Vorwurf wirklich nicht verdient. Aber wie unter den Blinden der Einäugige König ist, so kann in einer der kommu- nalen Sozialpolitik grundsätzlich abholden Gesellschaft selbst ein Steinborn immerhin in den Ruf der Umstürzlerei geraten. Das tollste aber ist, daß die Herren in der großen Fraktion gleich aufs Ganze gehen und anstelle des abzusägenden Steinborn Herrn Dr. Leidig zum Stadtrat machen wollen, denselben Dr. Leidig, der die Sozialpolitik mit der Mode der zuge- Kunden en Röcke verglichen und auch sonst bei jeder Gelegenheit seiner Abneigung gegen ein zeitgemäßes Wirken zugunsten der ärmeren Volksschichten Ausdruck gegeben hat. Wir sind gespannt darauf, ob die antisozialen Stadtverordneten in Wilmersdorf, die unserm Vorort schon so manche Blamage zugefügt haben, ibrem Wirken jetzt die Krone aufsetzen wollen. Am Mittwoch erklärte sich die Versammlung nur grundsätzlich mit der Magistratsvorlage einverstanden. Zum Vorsitzenden des Bersicherungsamts der Stadt Berlin- Wilmersdorf hat der Magistrat den Oberbürgermeister Haber- mann, zu dessen ständigen Stellvertretern die Stadträte Stein- born und Fuhrmann ernannt. Auf dem 7. Preußischen Städtetage in Düsseldorf wird Wilmersdorf durch den Oberbürgermeister Habermann und die Stadtverordneten Leidig und Büchtemann vertreten sein. Der sozialdemokratische Wahlverrin hielt am 13. September seine sehr gut besuchte Generalversammlung ab. In übersichtlicher Darstellung erstattete Oskar Riedel Über die kommunalpolilische Tätigkeit aer beiden parteigenöifischen Stadtverordneten Bericht. Nack kurzer Diskussion ging die Versammlung zum zweiten Gegenstand der Tagesordnung. Stellungnahme zu den Stadtverordnetenwahlen, über. Die Versammlung be- schloß für alle Bezirke ein selbständiges Vorgehen und stellte als Kandidaten die Genossen Becker, Breitscheid, Gladigow, Hahn, Pieper, Poggensee und Tnckermann auf. Von den Genannten ist Hahn Hausbesitzer. Der Vorsitzende Schröder wies noch darauf hin, daß die F r a u e n v e r i a m m l u n g für Wilmersdorf nicht wie im übrigen Groß- Berlin am Dienstag, sondern bereits am Montag, und zwar im Viktoriagortcn, Wilhclms- oue 115, abgehalten wird. Mit einem Appell an die Anwesenden, sich eifrig an der Agitation zu den Siadtvcrordncteiiwahlen zu be- teiligen, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Charlottenbnrg. Eine starkbesuchte Versammlung der Arbeiter, Handwerker und Angest.llten der städtischen Betriebe fand am Mittwoch im Volks- haus statt. Der Referent Carl Polenske schildert einleitend ausführlich die Ursachen, die zu frcr jetzt herrschenden Teuerung geführt haben, unter der auch die städtischen Arbeiter zu leiden haben. Seit dem Jahre 1900 sei keine Lohnregelung erfolgt. In dieser Zeit habe sich aber die Lebenshaltung ganz erheblich ver- teuert, so daß für die städtischen Arbeiter eine Verbesserung der Lohnverhältnisse unbedingt notwendig sei. Die Organisation sei zu dem Resultat gekommen, den Abschluß eines Tarifvertrages für sämtliche städtischen Arbeiter zu fordern. Bei der Ausarbeitung eines Entwurfes habe man auf die Form von Lohnklassen ver- zichten müssen, da die Lohnverhältnisse der städtischen Arbeiter un- glaublich verworren seien. Es bestehen in den verschiedenen Bc- -trieben Stunden-, Tage-, Wochen- und Monatlöhne. In einem Betrieb werde ein Anfangslohn von 3,34 M., in einem anderen ein solcher von 4,56 M. gezahlt. In einigen Betrieben werde der Höchstlohn nach vier Jahren erreicht, in anderen in 21 Jahren. Man habe im allgemeinen solche Forderungen aufgestellt, die auch vom Magistrat als durchführbar anerkannt sind. Es sei auch keine Frage, daß Charlottenburg den städtischen Arbeitern höhere Löhne zahlen könne. Das Gaswerk z. B. erhöhte die Kapitals- anlage von 1901— 1910 um 30 Proz., der Reingewinn stieg in dieser Zeit um 900 Proz., die Arbeiterlöhne dagegen um 16 Proz. Not- wenidlg sei es, daß sich sämtliche Arbeiter ihrer Organisation an- schließen, damit wir unsere Forderung durchdrücken.(Lebhafter Beifall.) In der Diskussion erläuterte Schulz verschiedene Tarifforde- rungen, die sehr bescheiden seien. Ein großer Teil der Kollegen habe noch lange nicht die neunstündige Arbeitszeit. Die jetzige 15— 16stündige Dienstbereitschaft des Pflege- und Hauspersonals in den städtischen Kranken- und Pflcgeanstalten solle aus zwölf Stunden herabgesetzt werden. Das angeblich sozial so fortschritt- liche Ccharlottcnburg stehe in bezug auf Lohn- und Arbcitsverhält- niffc hinter anderen Städten weit zurück, wie Redner an vielen Beispielen nachwies. Eine Resolution, die Erhöhung der Löhne und Abschluß eines Tarifvertrages fordert und an die städtischen Arbeiter zum An- schluß an die.Gewerkschaft appelliert, wurde einstimmig an- genommen. Lichtenberg. Die letzte, am Donnerstag abgehaltene Sitzung der Stadt- verordneten hatte eine Reihe von Wahlen zu vollziehen. In die Armenkomiilission wurden folgende Herren gewählt: Mertens. Seumcftr. 23, als Bczirksvorstcher für den 21. bis 23. Armenbezirk; Koschel. Seumestr. 5, als Stellvertreter des Herrn Mertens; Ebel, Seumestr. 14, als Vertrauensmann und Schobback, Gürtelstr. 24, als Bczirksstellvertretcr für den 31. Armenbezirk. Für den 30. Bc- zirk wurde als Waisenrat Herr Rod. Haage, Scharnweberstr. 4, bc- stimmt. Das Amt eines Armcnkommiffars fiir den 4. Bezirk über- trug die Versammlung dem Herrn E. Schwarz, Milchhändler, Mainzer Straße 2.— D er Teuerung soll eine besondere Kom- Mission energisch zu Leibe gehen. Hoffentlich nicht nach dem früheren Muster. Jedenfalls werden die in diese Kommisston delegierten Genossen Seikel, Elias und Bitter ihr Möglichstes tun, um die Stadtverwaltung zu wirklich nennenswerten Matznahmen zu veranlassen.— Die Gruppe Schachtel errang einen großen Er- folg. indem sie die Zahl der Delegierten zum Kongreß für Städte- Wesen um drei auf die Hälfte reduzierten und einen Delegierten zum Städtetag ersparten. Als Delegierte zum Städtetag werden entsandt Genosse Düiocll und Herr Lindner. als Delegierte zum Kongreß Genosse Heckert sowie die Herren Grothe und P o l a n d.— Tie Versammlung durfte wieder Kenntnis davon nehmen, daß die Herren Dr. Unger, Dr. Maretzky, Bockrodt. Will- wcber und Dr. Stuben als Stellvertreter des Vorsitzenden des Vcrsichcrungsamtes— untere Verwaltungsbehörcd in der Arbeiter- Versicherung— bestimmt worden sind.— In einer unendlich langen Debatte unterhielten sich die bürgerlichen Herren wieder über die Marktfrage im Ortsteil Rummclsburg. Eine Petition von Gc- werbetreibenden verlangte die Aufhebung des mit einem Unter- nehmcr abgeschlossenen Pachtvertrages. Angeblich werden die Petenten durch den Markt geschädigt. Da die Rechtslage eine ein- seitige Aufhebung des Vertrages nicht gestattet, empfahlen Herr Schachtel und andere Bürgerliche, dem Pächter möglichst Schwierig- keilen zu bereiten. Der Taktik der Schikane wurde von unserer Seite kurz und energisch widersprochen. Schließlich erfolgte die endgültige Einsargung der von einer ganz engherzigen und kurz- sichtigen Auffassung diktierten Petition.— Schnell und ohne große Auseinandersetzungen erledigte die Versammlung dann im Sinne der Vorlagen Forderungen betr. Einbau von Doppelfenstern im Schulhaus an der Lückstraße, Austausch eines Grundstückes, Bau eines Borflutkanals in der Roederstraße und am Roederplatz,- Er- richtung einer Pissoiranlage an der Pfarrstratze, Verlegung von Aborten in der Schule in der Siegfriedstraße, Anschaffung eines Motorfahrzeuges für Aktentransporte.— In geheimer Sitzung wurde noch Über die Durchführung, Kassierung und Neufestsetzung von Straßen sowie über Verträge mit der Stadt Berlin betr. die gegenseitige Rcchtserteilung auf Verlegung von Rohre und Kabel, schließlich noch Beförderung von Beamten beraten. Den beiden letzteren Vorlagen gab die Versammlung ihre Zustimmung, die übrigen Angelegenheiten wurden an die Baukommisfion zurückver- wiesen. Ober-Schöneweide. Ein tödlicher Straßenbahuuufall hat sich vorgestern in der Wilhelminenhofstraße zugetragen. Als gegen'/a8 Uhr morgens die Arbeiterfrau Rosa Krüger aus der Friedenstraße 4 in AdlerShof ihren in Ober-Schöneweide wohnenden Schwiegersohn besuchen wollte, geriet sie beim Neberschreiten des Fahrdammes unmittelbar vor einem nach Köpenick fahrenden Straßenbahnzuge der Berliner Ost- bahn auf das Gleis. Durch die Geistesgegenwart des Führers des ZugeS, dem es noch im letzten Augenblick gelang, seinen Wagen zum Stehen zu bringen, konnte ein Unglück vermieden werden. Die etwas schwerhörige Frau trat nun aber aus das Nebengleis, ohne darauf zu achten, daß auf demselben in entgegengesetzter Richtung ein zweiter Straßenbahnzug herannahte. Frau K. wurde, obwohl auch dieser Führer mit aller Kraft bremste, umgerissen und überfahren. Die Verunglückte, die schwere innere und äußere Verletzungen er- litten hatte, wurde nach dem Fabrikgebäude der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft gebracht, wo sie unter den Händen des Fabrik- arztes verstarb, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Tempelhos. Ucbcr unsere Organisation referierte in der letzten Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins der Vorsitzende, Genosse O. Ewald. Redner betonte, daß der Zahlabend in seiner heutigen Forin für die Partei nicht förderlich wirke, was schon aus der geringen Mit- gliederzunahme der acht Wahlkreise Grotz-Berlins hervorgehe. Zum Schluß stellte er folgende Leitsätze auf: 1. Aufhebung der Zahlabendc unter Beibehaltung der Bezirkseinteilung; 2. Veran- staltung von monatlichen Diskutierabenden, die von mehreren Bc- zirien gemeinsam veranstaltet werden; 3. Einführung der Haus- kassicrung; 4. jedes Mitglied soll ein Exemplar des Mittcilungs- blattes erhalten. In der sich an diesen Vortrag anschließenden Diskussion ver- traten durchweg alle Redner die Auffassung, daß der Zahlabend wie bisher beizubehalten, aber interessanter und lehrreicher auszu- gestalten sei. Bemerkenswert ist noch ein Antrag, der gleichfalls die Beibehaltung der Zahlabendc in ihrer heutigen Form fordert, jedoch verlangt, daß die Bezirksführer vor Tagung des Zahlabcnds gemeinsam ein gutes Referat anhören und besprechen sollen und dieses dann im nächsten Zahlabend zum Vortrag bringen. Hier- durch würde erreicht, daß sich in einem kleinen Kreise eine lebhafte und fruchtbare Distussion über das Gehörte entspinne. Als Bezirksführer für den 5. Bezirk wurde Genosse F. Günther und als zweiter Bibliothekar Genosse M. Radlach gewählt. Mariendorf. Das Ortsstatut über die Einschränkung der Sonntagsarbeiten in offenen Verkaufsstellen ist jetzt genehmigt und m Kraft getretene Für die Allgemeinheit wichtig ist nur"der ij 1:„K,, offenen Verkauf sqtcllcir des Handelsgriverbes dürfet? Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter— abgesehen vom ersten Weihnachts-. Ostcr- und Ptnngstitage, an welchem ihre Beschäftigung überhaupt untersagt ist— an Sonn- und Festtagen in der Zeit vom 1. Mai bis ein- schließlich 30. September nur von L— 10 Uhr vormittags, und in der Zeit vom 1. Oktober bis einschließlich 30. April nur von 12— 2 Uhr mittags beschäftigt werden, soweit nicht Ausnahmen durch die hierfür zuständigen Behörden festgesetzt werden." Auf die Gc- schäfte der Nahrungs- und Genußmittelbranche, Tabak- und Zigarrengeschästc, sowie Blumenhandüingen findet die Bcschrän- kung des Z 1 keine Anwendung. Mein-Schönebeck-Fichtenau. Unsere Rcalschulenthufiasten werden jetzt gründlich abgeführt. Auf eine Anfrage eines Woltersdorfer Gcmeindevertreters bei der Friedrichshagener Gemeindeverwaltung über die dortigen Schul- Verhältnisse hat sich der Gemeindevorstehcr Herr Dr. Stiller u. a. dahin geäußert, daß da? von de» drei Gemeinden stark forcierte Projekt der.höheren Wald'chule" weniger seine Verwunderung er- rcae,„als die überstürzte Eile, mit der es betrieben wurde". Wie könne sich jemand einbilde», daß eine solche Anstalt für 80—100000 Mark z» erbauen und zu errichten sei. Solche Anstalten haben FriedrickShagen zirka 850 000 M., Ober-Scköneweide 400 000 M. ohne Internat gekostet! Dabei wisse doch jeder Fachmann, daß mit dem Ausbau der Klassen die Kosten wesentlich steige» infolge der Einstellung von Lehrkräften und der schwächeren Schülerzahl der obere» Klassen. Er möchte den Verordneten der beteiligten Gemeinden dringend raten, die Etats der Schulver- waltungen zu studieren, um daraus zu ersehen, daß diese Schullastrn zu den drückendsten zähle». Das ist ein kalter Umschlag für diejenigen, die vom GrllndungS- fieber ergrisfeu, drauf und dran waren, für knapp drei Dutzend Kinder Begüterter den Gemeinden große Schuldenlasten aufzubürden und auch jetzt das Projekt noch nicht ausgeben wollen. Kalkbcrge- Rüdersdorf. Die Betriebseröffnung der Straßenbahn Kalkberge-FriedrichShagen war bekanntlich zum 1. Oktober d. IS. in Aussicht genommen. Wie sich jetzt herausstellt, kann dieser Termin nicht innegehalten werden. da die Lieferung der Radsätze für die Anhängewagen eine Verzöge- rung erleidet. Nunmehr ist die Eröffnung deS Straßenbahnbetnebes auf den 10. Oktober er. angesetzt. Neuenhagen(Ostbahn). Ein Bild echt spießbürgerlicher Art gaben einige bürgerliche Vertreter in der letzten Geniciudevertretersitzung bei der Beratung eines schon mal am 26. April d. JJ. von Herrn Bürger gestellten und angenommenr«, jetzt aber noch einmal von de» Herren Ziitcrbart und Rechlin gestellten Antrages:.Dj* Bahnhofstraße zu pflastern und den daranliegenden Platz mit Anlagen versehen". Der jetzige Antrag verlangte gleich die Pflasterung Ur ganzen Bahnhof- straße. Eine volle Stunde stritt man stch um die Vaterschaft deS Antrages herum und zum Schluß, als der Beschluß vom 26. April erweitert wurde, verleugnete noch zur allgemeinen Heiterkeit Herr Zirterbart durch Stimmenthaltung sein eigenes Kind. Dem sozial- demokratischen Antrage, lluc n t g e lt l i ch keit der Des- i n f e k t i o n, wurde nur rs'lweife entsprochen. Es wurde be- schlössen, die nach der Gebührenordnung zu erstattenden Desilisektjons- kosten auf die Genieindekasse nur bis zu einem Einkommen von 2400 M. der von der Tesinsektion Betroffenen zu übernehmen. Auf Antrag unserer Genossen wurde zur Teuerung einstimmig beschlossen, die bekannte Petition an den Bundesrat und an den Reichstag zu senden resp. sich der Petition von Groß-Berlin anzuschließen. Die Ergreifung von Maßnahmen zur Linderung der Teuerung wurde leider nicht beschlossen. Potsdam. Eine Eingabe an die Stadtverordneten hat der sozialdemo- kratische Wahlverein gerichtet, in der analog der anderen Städte, der Magistrat ersucht wird, Maßnahmen gegen die auch hier kraß zutage tretende Teuerung der Lebensmittel zu treffen. Da die Klagen über die unhaltbaren Zustände nicht nur bei der Arbeiter- schaft, sondern auch unter der Potsdamer ziemlich zahlreichen Be- amtenschaft einen großen Umfang angenommen haben, wird sich die Versammlung zu Maßnahmen entschließen müssen. Leider haben dle Sozialdemokraten noch keinen Vertreter im Rathause, der diesen Antrag des Wahlvereins eingehender begründen kann, obwohl sich bei der offen zutage liegenden Notlage eine Begründung vollkommen erübrigt. Die von der Regierung in Potsdam veröffentlichte Nach- Weisung der Markt- und Ladenpreise im Monat August dieses Jahres ergibt, welche bedeutende Erhöhung die Fleischpreise seit dem Monat August 1910 in Potsdam erfahren hoben. Es kostete 1 Kilogramm Rindfleisch im August 1910 1,80 gegen 2,14 im August dieses JahreS; Kalbfleisch kostete 1910 2,20 gegen 2,32 in diesem Jahre; Hammelfleisch 1910 1,98, jetzt 2,32; Schweinefleisch 1,60, jtzt 1,86; geräucherter Schinken 3,20, jetzt 3,40; geräucherter Speck 1,70, jetzt 2,10 M. Diese Zahlen reden doch gewiß eine deutliche Sprache. Spandau. Stadtverordnetensibung. Zunächst wurde ein vom städtischen Arbeiterausschuß eingegangenes Gesuch um eine Teuerungszulage dem 1. Ausschuß überwiesen. Das Hauptinteresse nahm die Teuerungsdebatte in Anspruch. Es lagen zwei Anträge von Stadtv. Kanterowicz u. Gen. und Pieper u. Gen. vor. Stadtv. Dr. Kanterowicz begründete in längeren Ausführungen seinen Antrag. Er empfahl die Einführung von Gefrierfleisch, welches in guter Beschaffenheit zu haben ist. Erst müßten aber die Zölle erniedrigt beziv. die Einnchrscheine beseitigt werden. Redner gab seiner Verwunderung darüber Ausdruck, daß die hiesig« Stadt- verlvaltung zu der Teuerungskonfcrenz des Berliner Zweckver- bandes nicht eingeladen worden sei. Am Schluß seiner Aus- führungen stellte er noch einen zweiten Antrag, daß die Stadt den Verkauf von Seefischen in eigene Regie übernimmt. Genosse Pieper schloß sich den Ansfiihrungen des Vorredners an, plädierte aber für seinen weitergehenden Antrag, beim Bundesrat und Reichstag vorstellig zu werden zwecks Linderung der unerträglichen Teuerung. Der Konsum an Fleisch sei so zurückgegangen und die Preise für dasselbe so unerschwinglich hoch, daß viele Arbeiter und kleine Mittelständler sich überhaupt kein Fleisch mehr kaufen können. Nur durch Oeffnung der Grenzen und Einführung von Gefrierfleisch könne Abhilfe geschaffen werden. Genosse Pieck betonte, daß über den Antrag wohl Einmütigkeit herrsche. In dieser Zeit der Teuerung falle es auf, wenn das„Spandauer Tage- blatt" nur Hohn und Spott für die arbeitende Bevölkerung habe. In Dutzend-Artikeln irgendeiner Reichsverbandskorrespondenz wird die Ueppigkeit und Schwelgerei in Arbeitcrkreiscn geschildert. Redner verspricht sich von der Interpellation an den Bundesrat und Reichskanzler nicht viel, da die größte Partei Deutschlands seit 14 Tagen vergebens auf Antwort warte. Er stelle noch den Antrag, dem Magistrat 6000 M. zu überweisen, um die Herbei- schaffung von Seefischen in die Wege zu leiten.— Sämtliche anderen Redner, auch der Magistrat, erkannten die Teuerung an, wenn sie auch über die Mittel zur Linderung der Not verschiedener Zlnsicht waren. Nur der ZentrumS-Stadtverordncte Kirch suchte die TeuerungSursachen von den Agrariern abzulenken und lediglich den Zwischenhandel dafür verantwortlich zu machen. Angenommen wurde der erste Teil des Antrages der Stadt- verordneten Pieper u. Gen., der die Absendung einer Petition an die Reichs- und Landcsbehorden und die sofortige Aufhebung der Zölle auf Viel), Fleisch, Getreide und Futtermittel, der Grenzsperre für die Einführung von Schlachtvieh, des 8 12 des Fleischbeschau- gefctzeS und der Einfuhrscheine verlangt. Ferner wurde der An- trag oer Stadtverordneten Kanterowicz u. Gen. angenommen: Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen, den Ma- gistrat zu ersuchen, 1. beim Bundesrat und beim Reichstag vorstellig zu werden behufs Herbeiführung von Matzregeln zur Linderung der Lebens- mittelteuerung; 2. sich einem etwaigen gemeinsamen Vorgehen der Groß- Berliner Gemeinden in Sachen der Teuerung anzuschließen. Weiter wurde noch ein Ankrag Bender angenommen, die Er- örtcrung der praktischen Maßnahmen des Seefischverkaufs usw. der gemischten Teuerungskommisfion zu überweisen. Zur Pflasterung der Heowigstraße wurden aus dem Straßen- regulierungsfonds 10 100 M. bewilligt. Bei der Vorlage betr. Ausbau der Uferstraße zwischen Körner- und Triftftratze zu den Dampferlandungsstellen der„Stern"--Gesellfchast wurde von Stadtv. Kanterowicz verlangt, daß die Dampfer der Gesellschaft auf der Strecke Tegel— Heiligensee in Wilhelmsruh halten. Der geforderte Betrag von 17 000 M. wurde bewilligt.— Zur Einfriedigung des RordhafenS wurden 7000 M. festgesetzt.— Das Fremdenschulgeld wird vom 1. April 1913 für die Volksschulen von 24 auf 48 M. pro Kind und Jahr erhöht. Genosse Pieck bemerkte hierzu, daß es sich um einen Betrag von 2500 M. handle, tvas bei dem Millionenetat Spandaus keine Rolle spielen könne. In Be- tracht kämen auch Waisenkinder, die hier erzogen werden, sowie Schifferkinder, die hier die Schule besuchen; man solle den Prole- tarierfindern den Besuch der Volksschule sticht erschweren. Bürger- meister Wolf bemerkte, daß das Waisenhaus in Berlin auch für Waisenkinder, die hier erzogen werden, eine Pauschalsumme bezahle. Für die Schifferkinder werde von den Eltern derselben ein wöchentliches Schulgeld erhoben. Der Betrag sei von der Regierung festgesetzt.— Die Erweiterung der Brunncnanlage des städtischen Wasserwerks auf eine Tagesleistung von 24 000 auf 48 000 Kubik- meter und Bewilligung der Mittel im Betrage von 432 000 M. be- schäftigte die Versammlung längere Zeit. Es wurde noch lebhafter Debatte bei der Wichtigkeit und der geringen Klärung der Vorlage eine zweit« Lesung beschlossen und die Vorlage an die verstärkte Wasserwerksdeputation zurückverwiesen.— Einige kleinere Bor- lagen wurden in Kürze erledigt. Jugeudveranstaltunge». Köpenick. Sonntag, den 22. September: TageSpartie nach Krunheide Tresspunkt morgens t Uhr an der Post. Rege Beteiligung aller Jugendlichen wird erwartet. M i t t w o ch, den 25. d. M.. abends 8 Uhr. im Stadttheater, Friedrich- strasse: Jugcndseier, bestehend in künstlerische» Darbietungen usw. Eintritt für jugendliche Personen unter 18 Jahren frei. Erwachsene Eintritt 20 Pf._ Huö aller Alelt. Hmenftamfebe Gefellfcbaftefertc. Die Kosten der Lebenshaltung auch in Amerika find für den Mittelstand und die ärmeren BevölkenmgSklasien im letzten Jahr- zebnt derart in die Höhe gestiegen, daß sie nahezu unerschwinglich geworden find und daß nach und nach ein Gefühl der Erbitterung und ohnmächfiger Empörung auch in solche BevölkerungSklasien ge- drungen ist, die früher friedlich und gemütlich ein sorgenloses Dasein führten und sich bewußt waren, daß sie durch ihrer Hände oder ihres Kopfes Arbeit für sich und die Ihren sorgen und auch an einen sorgenlosen Lebensabend denken konnten. Dieses Gefühl fit jedoch nicht allein und ausschließlich dadurch hervorgerufen worden, daß auch auf amerikanischem Boden der Kampf umS Dasein ein viel scbwierigerer und aufreibenderer geworden ist als er eS in früheren Jahren war, sondern zum großen Teil vielleicht auch durch die immer mehr und mehr hervortretenden Extra- vaganzen jener Klassen, die sich durch die Arbeit Tausender und Abertausender weniger vom Schicksal begünstigter Mitmenschen oder auch durch Familienerbschaft zu Mitgliedern der Millionen- aristokratie emporgeschwungen und in jedem Sommer in New- port am Atlantischen Ozean, im Winter in der Fünften Straße zu New-Dork ihren Sitz haben. Und wenn man die Berichte liest, die auch in diesem Sommer wieder wie gewöhnlich aus Newport in die Oeffentlichkeit dringen über die alles früher Gebotene in den Schatten stellenden Festlich- leiten dies« Geldaristokratie, dann vermag man sich gar nicht zu wundern, wenn nmn steht, wie das Gefühl der Erbitterung steigt und wächst und fich immer weiterhin durch das Land ausbreitet. Kürzlich hat Frau Fisch in Newport ein Kostümfest veranstaltet, an dem auch hohe Berliner Kreise teilgenommen haben. Gefällige Preßagenten— Angestellte der sogenannten amerikanischen.Welt- presse', übernahmen eS, das Fest als das.großartigste gesellschaftliche Ereignis in der Geschichte von Newport' in alle Welt hinauszuposaunen. Hunderte von weißen wilden Tauben und Tau- sende von Schmetterlingen ließ Frau Fisch über die Tanzenden im Ballsaal dahinschweben, der geradezu von feenhafter Pracht gewesen sein soll. Aber dieser traurige Rubin der Frau Fisch ließ Frau Cornelius Vanderbilt nicht ruhen und sie beschloß mit einer anderen.gesellschaftlichen Großtat' ihre Rivalin noch zu übertrumpfen. Auch sie veranstaltete in ihrem Sommerschloß zu.Bcaulieu' in Newport einen Kostümboll, bei dem den Preßnotizen zufolge„die Gäste in Kostüme von orientalischer Pracht und Herrlichkeit gekleidet waren.' Und während die Gäste, sämtlich natürlich auS den.oberen Vierhundert der Millionen» aristokratie' beim Prunkmahle saßen, durste ihnen eine im Sonderzug von New York eigens zu diesem Zwecke herübergebrachte vollständige Th-atertruppe die neueste musi- kalische Komödie vorspielen, die einige Tage zuvor in einem New Yorker Theater ihre Uraufführung gehabt hatte. Dieser kleine Scherz hat die Veranstalterin etwa 10 000 Dollar gekostet, wie man natürlich der staunenden Welt sofort mitteilen läßt. Und die prahlerische Sucht dieser Drohnen der Gesellschaft nach immer neuen Extravaganzen wird steigen, bis eines Tages die ganze Herrlichkeit unter der Empörung der ausgepreßten Arbeitssklaven zusammenbricht. Daß dieser Tag schneller koinmt, als es den Herrschenden lieb fit. dafür sorgt mit das eitte Znrschaustellcn des wahnsinnigsten Luxus._ Ein Direktor als Attienfälscher. Unter dem dringenden Verdachte der Aktienfälschuug ist gestern in Kiel der Direktor Georg Neudeck verhaftet worden. Neudeck ist Leiter der Kieler Iweignieder» lassung der Ma schine»bau- Gefells ch aft Gebr. Körting. Der Hamburger Frcihafen-LagerhauS-Gesellschaft waren von der BereinSbank in Kiel 41 Aktien a tausend Mark zur Prüfung zugegangen, weil der Verdacht der Fälschung nahelag. Die Fälschung wurde sofort erkannt, da die Nachahmung nur mangelhaft ausgeführt war und der Reichsabgabestempel fehlte. Die von der Kriminalpolizei angestellten Forschungen haben ergeben, daß Neudeck der BereinSbank die Aktien zur Lon> barbier ung über- geben hatte. Die Papiere sollten nicht weitergegeben werden, da Neudeck sich erbot, sie innerhalb Jahresfrist einzulösen. Neudeck gab bei seiner Vernehmung an, daß er die Aktien für 16 000 M. er« warben habe. Inzwischen ist es der Kieler Polizei gelungen, da« gesamte Material, womit die gefälschten Aktien hergestellt wurden, in einer Kieler Druckerei zu beschlagnahmen. >.r --■■) Wenn Väterchen reist. Bon der Feigheit des Blutzaren erhält man einen schwachen Begriff, wenn man sieht, wie Nikolaus jetzt in Polen reist. Eine dreifache Kette, Polizisten, Gendarmen und Soldaten, ist der Bahnlinie entlang aufgestellt. Die erste Linie ist neun Kilo- meter von der Strecke entfernt. Alle Wagen wurden durchsucht und in den Häusern der Arbeiter und Bauern finden täglich Haussuchungen statt. In Warschau gibt cS täglich Massenverhaftungen. Die schlotternde Angst des Menschen, der über sein Volk die größten Greuel verhängt, zeigte sich auch in der Art, wie er auf das Verhalten eines Soldaten reagierte, der«hin aus der Reihe ein Bittgesuch überreichte. Nikolaus ließ i h n und alleVorgesetzten deS Truppenteils bestrafen. i Kleine Notizen. Pilzvergiftunge«. Zwei in'Saarbrücken kürzlich an Wer- giftung durch Pilze erkrankte Kinder find im dortigen Krankenhaus» gestorben; ihre Mutter schwebt in Lebensgefahr. Schwerer Betriebsunfall. Beim Verladen von Säcken auf dem Kaibahnhof in Königsberg i. Pr. wurden zwei Arbeiter von einer Rangiermaschine überfahren. Der eine Ivurde sofort getötet, dem anderen wurden beide Beine abgefahren. Explosion von 10(XX) Patronen. Auf einer Mietsdroschke explodierte in Moskau infolge Erschütterung eine Kiste, in der zehntausend Pistole»Patronen enthalten waren. Der Kutscher wurde lebensgefährlich verletzt. Die Pest i» Astrachan. Seit dem Ausbruch der Pest sind im Gouvernement Astrachan öS Personen erkrankt. Davon sind 39 gestorben und vier genesen.«w,-*, Automobilkatastrophe iu Spanien. Ein AutomobilomnibuS, der den Dienst zwischen Altera und Segre versieht, stürzte infolge' Bersaaen» der Steuerung in einen Graben. Sechzehn, Passagiere wurden verletzt» davon acht schwer. Fretreligtösc Gemeinde. Sonntag, den 22. September: Feier der Jugendweihe im großen Fcstsaal von Lipps, Am Fricdrichshaln 16—23, früh 10'/, Uhr. Den Festvortrag hält Herr Dr. Bruno Wille über:„Unser höchster Berus'. Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. Allgemeine Kranken- nnd Sterbekasse der Metallarbeite» z« Hamborg.(E.ß. 29.) Filiale Berlin 3. Mitgliederversammlung Sonnabend, den 21. September, abends 8'/, Uhr, bei Kahler, Rcichcnberger Straße 154.— Filiale Berlin 4. Mitgliedcrvcrlammlung Sonnabend, den 21. September, abends pünktlich 8'/, Uhr, bei Merckowski, Andreas- straße 26.— Filiale Neukölln. Versammlung am Sonnabend, den 21. Seplcmber, abends 8'/, Uhr, Steinmeßsw. 114 bei Tabbett.— Filiale C b a r l o t t e n b u r g. Heute abend 8ssz Uhr im Volksbause, Rosinen- straße 3: Mitgliederversammlung.— Filiale L i ch t e» b e r g II lsrüher Rummclsburg). Heute abend im Restaurant Oskar Blume, Alt-Bar» Hägen 56, Ecke Neue Bahnhosftratzc, Mitgliederversammlung. i3ii!!Wii!l!iiliilllllllMM�................................... ' Herbst- Schuhwaren Nur erstklassige Fabrikate• Konkurrenzlos in Qualität und Paßforrai i Kaupt-Geschätt: Jerusalerner Str. 32-35 Potsdamer Str. 2 Tauentzienstr19a Friedrich-Str. 75 Königstr. 25 u. 26 RosenthalerStr.5 Oranien-Str. 161 Gr. Frankfurter Str.123 Chaussee-Str. 114 Neukölln, Bergstr. 25 Schbg., Hauptstr. 146 Charlottenburg, Wilmersdorfer Str. 45 Besonders preiswertes Angebot Für Herren: ■jf-ui' Boxrind- und Roß- Chevreau- Schnürstiefel, auch mit Lacklcappe, Mastbox-Zug- und Schnallenstiefel... Boxkalf- und Chevreau- Schnürstiefel, in schlank, u. breit. 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Taesler(Görlitz);„Das religiöse Suchen der Zeit." Abends 6'/, Uhr in den Sophtensalen. Sophienstr. 18: Gesellige Versammlung: Herr <1. Taesler:„Das Evangelium von der Arbeit und der Muße." 55/12* Die besten Ulster- PaletotS und 4—500 getragene Anzüge sür Herren, Smoking-Anzüge, Frack- anzüge, sowie von Kavalieren ge- tragene, fast neue Iachen(a.Scide), sür jede Figur vassend, in gröüter Auswahl z. unübertroffen 138/9* billigen Preisen. ITr., deshalb billiger wieim Laden. k!!?eiijlieie�M.�ei?°,zi »«««««««««»»««««»»»» Teclmikum- Bauschule I Reg.-Baumeister Werner Neanderstraße 3. »— 0»e— ♦——99» Verkäufe. Teppiche, Prachtstück»(Farben. sedier), für halben Preis. Vorwärts lescr 10 Prozent! Mauerboff, Große Franklurlerslraße 9, parterre. Kein Laden I 1896K* Littauer-Nähmaschinen, ohne An- Zahlung, wöchentlich 1,00, Turm straße 39, Beuffelftrage 45. 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Ein eigenes Heiin mit Lsrten. ?!>cht weit vom Kreiskrankenhause in Britz, zwischen der Hannemann- uns der Franz-Körncr-Stratze, wo sich vor wenigen Mrnwt.'n noch eine öve Tandfläche ansoehnte, erheben sich jetzt die einfachen, aber anheimeinden Kleinbausbanten, welche die Bau- aeilossenschaft„Ideal" errichtet hat. Vorerst sind es 87 Wohnungen- die am 1, Oktober bezogen werden. Es wird rüstig weiter gebaul, so dah in einigen Jahren für etwa 500 Genossenschaftsmitglieder Wohnungen von ein bfl drei Zimmern geschaffen find. Wohnungen, die den hygienischen Anforderungen entsprechen, ästhetischen Ge- sichtsplinktcn Rechnung tragen und die praktischen Bedürfnisse in weitestem Mäste berücksichtigen. Ein Gärtchen, welches jeder nach eigenem Geschinack bewirtschaften kann, erhöht den Reiz der Woh- Nuiig, und was nicht zu unterschätzen ist: die Mieter können weder gesteigert noch gekündigt werden. Sie sind zwar nicht die noi»:- nellen Eigentümer, und doch können sie rhre Wohnungen als ihr eigenes Heim im»vahren Sinne des Wortes betrachten. Doch es ist nicht das wesentlichste an dem Projekt, dast die Baugenossenschaft„Ideal" ihren Mitgliedern gesunde, bequeme und preiswerte Wohnungen in Einfamilienhäusern bietet. Wenn sie weiter nichts wollte, dann hätte sie vor anderen gemeinnützigen Baugenossenschaften nichts voraus. Die Hauptsache ist: durch die Kleinhaussiedelung in Britz wird durch die Tat der Beweis geführt, dgst c* nicht lvahr ist, wenn Grundstücksspekulanten und Bauinter- cssenten behaupten, die hohen Bodenpreise in den Großstädten »nachten jede anoere Bebauung als die mit vierstöckigen Miels- kaserneii unrentabel. Auch in Britz ist der Baugrund zu verhält- niLmästig hohem Preise— 300 M. pro Ouadratrute— erworben, und dennoch können die Wohnungen im Einfamilienhause mit Garten zu Mietspreisen hergegeben werden, die im alhzemeinen nicht höher sind als die Preise, welche in der Mietskaserne für entsprechend große Wohnungen ohne die Vorzüge, welche die Britzer Siedclung bietet, gezahlt werden müssen. Los von der Mietskaserne— jedem sein eigenes Heim! Das ist die Parole, nach ivelcher das Britzer Projekt der Bau genossen- schaft„Joeal" ausgeführt wurde. Freilich, was in Britz bis jetzt vollendet, ist und was in nächster Zeit noch folgen wird, ist erst ein erster Schritt auf dem Wege, welcher schließlich zur Ueberwindung der Mietskaserne führen muß. Daß der Weg, den die Baügenossen- schaft„Ideal" eingeschlagen hat, der richtige ist, das haben nam- haste Autoritäten auf dem Gebiet des Städtebaues und der Woh- nungßreform anerkannt.— Auch Professor Dr. Eberstädt, einer unscper bekanntesten Städtebaureformatoren gctb diesem Gedanken Ausiruck in einer Rede, die er gestern bei einer schlichten Feier hielt, welche der Vorstand der Genossenschaft zur Eröffnung des ersten Komplexes der Britzer Siedelung veranstaltete. Die Arvciterwohnungen— sagte Professor Eberstadt— sollen nicht als Anhängsel der bürgerlichen Wohnungen in Hinterhäusern errichtet werden, sondern der ftleinhausbau sollte als eigener Typ sü« Arbcsterwohnungen den Großstädten ihr charakteristisches Gepräge geben.� Diese Form der Wohnungsproduktion sei die solideste, auch vom Standpunkt des Geldgebers. Die Baugenossenschaft„Ideal" habe ein Unternehmen begonnen, welches sich in den Dienst der Allggmeinheit stellt. Man dürfe hoffen, daß die Allgemeinheit dies Unternehmen unterstütze. Auch dt« Behörden sollten ein t-.iiternehmen von so erheblichem Mgemeininteresie fördern. An den Vortrag Professor Eberstadts knüpfte sich eine zwang- lose Aussprache der Festteilnehmer. Hier zeigte sich, daß die Ge- nossenschaft bei der Durchführung ihres Projekts auf mancherlei Schwierigkeiten stieß. Da hier eine völlig neue Bcbauungs- Methode vorlie ß und die Geldinstitute nur für den Mietskasernen- baw zoverlässize Rentabilitätsberechnungen haben, so machte schon die Finanzierung des Unternehmens Schwierigkeiten, die aber schließlich in befriedigender Weise gelöst werden konnten. Tann stellte sich heraus, daß verschiedene marktgänzige Baumaterialien lediglich für die Mietskaserne zugeschnitten, für den Hleinhauebau aber unvorteilhaft und zu teuer waren. Man mußte sie wohl oder übel verwenden, weil es zurzeit eben nichts anderes gibt, und deshalb höhere Preise zahlen, als für den vorliegenden Zweck nötig gewesswi wäre. Sö stießen die gemeinnützigen Bestrebungen der Baugenossenschaft nicht selten mit den eigensüchtigen Absichten profithaschender Unternehmer zusammen. Nachdem manche Hinder- nisse dieser Art überwunden waren, stieß die Genossenschaft erst in den letzten Tagen auf eine neue, durch privatkapitalistische Jntcressxn verursachte Schwierigkeit, und das war so: Da elektrische Beleuchtung in gesundheitlicher Hinficht jeder andere» Beleuchrungsart vorzuziehen ist, so war die Genossenschaft von Anfang an bemüht, ihren Mietern die elektrische Beleuchtung der Wohnungen zu ermöglichen. Das gelang auch durch ein Eni- gcgenkommen des stästischcn Elektrizitätswerkes Neukölln. Das Werk berechnet den Strom für die Genossenschastähäuser nach dem Großabnehmertaris. Die Genossenschaft schloß mit dem Elektri- zitäibwerk. einen Pertrag, wonach jeder Mieter für eine monatliche Gebühr von etwa 2 M. mit einer Lichtstärke von hundert Normal- kerzen in unbeschränkter Stundenzahl seine Wohnung beleuchten kenn. Die Wohnungen wurden also ohne Ausnahme für elektrisch« Beleuchtung eingerichtet. Die Stadt Neukölln begann kürzlich, ihre LeitungSkahel in der Richtung nach Britz zu legen. Als sie damit bis an die Kanalbrücke gekommen war, erschien ein Beamter des LandratKamteS und untersagte die Wciierführung der Kabel über die Brücke. Nicmanv koiinie sich die Ursache dieses Verbots er- klären, schließlich stellte sich folgendes heraus: deck Kreis Teltow hat mit de» Berliner Elektrizitötswerken, Aktiengesellschaft, einen Vertrag abgeschlossen, welcher den B. E. W. die Stromlieferung für de» elefirischen Treidethetrieb aus dein Teltowkanal überträgt. In diesem Vertrage sichert der Kreis Teltow den B. E. W. das Recht zu, daß außer ihr kein anderes Unternehmen Leitungskabel über die Brücken bei Teltowianals legen darf. Das heißt also, die B. E. W. hatten sich vom Kreise Teltow das Monopoj auf Stromlieferung m gewissen Orten geben lassen. Das ist der Grund weshalb die estadt Neukölln mit ihrem Kabel nicht nach Brib aelangcn kann. Die Stromlieferung von Neukölln nach Britz ist also unmöglich- Der von den B. E. W, bezogene Scrom stellt sich aber so hoch im Preise, daß an eine Versorgung der Britzer Klei"bäuier durch den Strom der B. E. 28. gar nicht zu denke-, ist �a d-'r Vertrag der Genaffeuschaft mjt dem Elektrizitätswerk Neukölln besteht. si> wird das Werk auf dem Genosscnschaftsgebict eine Maschine ausstellen und dadurch den benötigten Strom.an Ort und Stelle erzeugen. So.st auch d.e,eS von«nein großen kopital.st.schen Untttnehmcn aufgebaute Hmdern.s noch in letzter Stund' bescitiot und die Bewohner oer Br,tzcr Siedelung haben nicht nötig, sick iin Zeitalter der Elektrizität mit der Petroleum. lamvi. zrc vehclsen Ein Rundcmi'ä durch die Siedelung loste bei den Teilnehmern volle Befriedigmia mit dem Werke der Baugenossenschaft„Ideal" aus.- Am Sonntag, den 22. d. M„ stehen die fertige» Häuser der allgemeinen Besichtiaima offen. Eine der Wohnungen ist durch die Kommission fiir vorbildliche Arbeitermöbcl ausgestattet. Sie soll als Ausstellung einer Musterwohnung für längere Zeit dem Publikunj geö-i,ict bleiben. lZus lnckiiftm und Handel. Rekordfordernng im Kvhiknbtrgbnu. In d«r Zechenbesitzi.rversnmn.lung des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats wurde über außerordentliche hohe Förderungs- und «biapverhäktuisje vom August �bre- berichtet. Cs bcltug in 1000 Tonnen k August 1011 August 1012 mehr bei Kohlen Gefamtförderung....... Absatz.......... Absatz in Prozent der Beteiligung bei 5k o k s Gesamtversand....... hei Briketts Gesamtverjand....... Die Gesamtförderung von Kohlen und der Gesamtversand von Koks und Briketts haben die Monatsziffern von Februar und Juni noch übertroffen und sind damit höher als je seit Bestehen des Syndikats. Der Bericht äußert sich selbst darüber:„Die gegen Schluß des Borjahres eingetretene Besserung in den Absatzverhält- nissen, die im März des laiffenden Jahres durch den Arbeitervusstaiid nur kurze Zeit unterbrochen wurde, hat sich im Berichtsmonat unge- schwächt fortgesetzt. Der Kohlenabsatz hat sich ungefähr im Rahincn des Vormonats gehalten. Der Koksabsatz hat gegenüber dem vor- monatlichen Ergebnis infolge st ärkerer Anforderungen der Hochofen werke eine beträchtliche Zill, ahme erfahren. Der Brikeltabjatz bewegte sich weiterhin in aufsteigender Richtung. Entsprechend dieser günstigen Beschäftigungslage wurde die Produktionseinschränkung für Kohle ganz aufge- hoben. Die Werke können bis auf weiteres ihre Beteiligungs- quoten voll ausnutzen. Die ProduktionSemfchränkmig für Koks ist um 7 Prozent ermäßigt worden. Statt je 7ö Prozent könne» die Werle jetzt je 82 Proz. ihrer Beteiligung Koks produzieren. Der Anteil an der Brikettproduktion f8ö Proz.) wurde mrverändert gelaffen. Gegenüber diesen Rekordziffern muß wiederum betont werden, daß die Löhne im Kohlenbergbau die des Jahres 1007 mit geringerer Produktion noch sininer nicht erreichen. Eine Besserung der Arbeitsbedingungen, die im Frühjahr durch den Verrat der Christlichen vereitelt wurde, ist um so niehr erforderlich, als gerade in Rheinland- Westfalen die Lebensmittelpreise außer- ordentlich hoch stehen, zum Teil noch höher als in Becliu. Zur Bekämpfung der Schundliteratur und zur' Förderung des Vertriebes guter Uuterhaltuugslektüre hat das„Gewerkschaftshans" folgende Einrichtungen getroffen: 1. Aiierkaimt gute Jugendscb-nsten zum Preise von 10—30 Pf. sind in größerer Anzahl angeschafft loorden und werden leihweise gegen Deponierung des Preises zur Verfügung gestellt. 2. Jehermann erhält in den nachstehend angeführten Ansggbe-, stellen ohne Legitiiiialion so viele Bücher wie er will. Er hat ent- weder den Wert der Micher zu deponieren oder bereits früher entnoinmcne Bücher zurückzugeben. Eine Leihgebühr wird nicht. erhoben. 3. Wer die Bücher behalten will, hat dazu das Recht, er hat dann bei EiUnahme neuer Bücher wiederum den entsprechenden Ve- trag zu deponieren. Zimächst find folgende Ausgabestelle» eingerichtet: Antonstr. 31. Zigarrcngcschäst von Kriegsmanu. Von 8—6 Uhr, mit Ausnahme des Soiniabends. Blaukeufeldestr. lO. Verband der Schuhmacher. Von 10—1 und 4 bis 7 Uhr mit Ausnabme des Freitags und Sonnabends. Bruiiueustr. Iii». Arbeiter-Fugcndheim. Von 6—10 Uhr. <5zar«iirnuer Ztr. 21. Zignrrcngejchäst von ÄoSciniak. Von 8—6 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. cKli01. Verband der Kupferschmiede. Bon 10—11 Uhr und 6-7 Uhr. Gr. Frankfurter Str. 12k. Arbeiter-Jugeiidheim. Von 6—10 Uhr. Kopernikusstr. II. Tabakarbeitergenossenschast. Von 8—6 Uhr, nül Aus- nähme des Sonnabends. Linien str. 73. Verband der Schmiede. Von B/,— IL Uhr und 6'/, bis 8 Uhr. mit Ausnahme des Sonnabends. Lippehner Str. 15. Zigarrengeschäst von Hersorlh. Von 8—6 Uhr, mit Ausnahme des sonnabends. Manteusselstr. 73. Zigarrengeschäst von Otto Busse. Bon 3— 6 Uhr mit Ausnahme des. Sonnabends. Melchiors«»-. 28. Berband der Maler. Von g— 1 Uhr. Möckernstr. 91. Zigarrengeschäst von Eldor Schmidt. Von 8—8, Sonn- abends von 8—6 Uhr. Pappelnllre 15/17. Bureau der Freireligiösen Gemeinde. Soniitags 10—12 Ubr, wochentags außer Donnerstag von 12—5 Uhr. Petersburger Str. 5. TabakarbeUergenossMischast. Bon 8—6 Uhr, mit Ausnahme des Souuabcrids. Rostockcr Str. 19. Zigarrengeschäst von Benier. Von 8—6 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. Notherstr. 1. Zigarrengeschäst von Holm. Von 8—6 Uhr, mit Ausnahme de» Sonuchhends. Scharnweberjtr. 1. Zigarrengeschäst oou Rich. Wunschcck. Vou 3—6 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. Scbastianstr. 37/38. Verb-mö der Schneider. Von 9—1 Uhr. Weiustr. 8. pari. Verband der Kürschner. Von 9—1 Uhr und 3—7 Uhr. Verein der Frauen und Mädchen der arbeiteude» Klassen. Vor und nach jeder Vereinsversamnillliig. Bororte: Boxbagen-Rumnielsburg, Alt-Soxhagen 56. Jugendheim, Von VI, bis 9 Uhr, mit Ausnahuic des Dienstags. Brill. Wahlvcrcin, Ausgabestelle Restaurant Zilz, Werderstr. 28. Sonnabends von 8—10 Uhr. Eharlottciibilrg. Arbeitcr.Jugendhxim, NosinensU. 3. Dinittag, Donners- tag. Sonnabend und Sonntag von 7— 9'/, Uhr. Heruisdors, SBc.itminmrftuft, Borsigwalde, Tegel. Ausgabestelle! Freie Scholle Nr. 4, Soynlags vormittags. Lichteuberg, Vürgcrheimur. 94. Arbeiler>Jugeiidhc!m. Von 10—7 Uhr. Steukotln. Aeichselftr. 8, Arbeiter-Jugeiidheim. Mittwochs und«oonabcnds von 6'/,— 10 Uhr. Poitloiu, Atiihlenitxaße 30,„Vorwärts"-Spedition. Von 10—7 Uhr. , Brchinestr. 60. Zigarrengeschäst von Rößner. Von 8—6 Uhr, mit AuSnavine des Sonnabends. , Kaiier-Friedrichtlr. 66, Ausg. I, Erdgeschoß links, Buchbinderei Otto Ämter, Bon 8—6 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. Reintckendori.BSeir, Eichbornstr. 87, Zigarr-cngeschäft von Kiesel. Von 8—6 Uhr, mit AusNivaie des Sontra beudS. Schdueberg. Edersür- 32, Zigar-r-eugcschäst von Dräger. Von 8—6 Uhr, mit Msuabme des SomrabendS. Stralau, Krachlstr. 16 II. bei Rausch. Montag mrd Donnerstags von 3'/z bis. ö Uhr, Solmabeuds von 5—8 Uhr. Tegel, Schlieperslr. 30. Jugendheim. MoistagS und Donnerstags von 8-10 Uhr. Treptow. Wraetzstr. 16, Hulgeschäst von Fritze. Von 8—8 Uhr, mit Aus- nähme des Sonnabends. Weitere Ausgabestellen werden.auf Wunsch errichtet. Mustt«, Slsmmlnngku, Zkhtnstvmdigktlteil. (Zutritt ist unentgeltlich, wen» nichts anderes vermerkt ist.) Altes und SIcucS Museum. Am Lustgarten. Wochentags(außer Montags): April bis September 10— 4, Oktober bis März 10—3. Am Souutag und air deu zwetteu Aeihmuhts-, Osler., Wugstjeierlogeu: April bis Scpt.iuber II- 6, Oltoher und März 12-5, November und Februar. 12—4, Dezember und Januar 122-3. Am Montag und an Feiertagen(außer den ztveileu Feiertagen): geschlossen. Architcktur-Miiseuni. Technische Hochschule, Charlottenburg, Berliner- straßc 151. Montag 10—3(auch ö'/j--l'/r. vom Oktober bis März), Dienstag 12—3,(auch 10—12 für Studienzwccke), Mittwoch 10—12, Donnerstag 12—3 (auch 10—12 für Studienzwecke, auch 5'/,,— 7% vom Oktober bis März), Freitag 10—3. Geschlossen: Somrobcnd mid Sormtag. Ausstellung für Arliciterivohlfahrt. Charlottenburg, Fraunhofer« straßc 11/12. An allen Wochentagen(außer Montag) 10—1, am Dienstag und Donnerstag ouchjl— 9 abends. Sonntag 1—5. Bauiuuscrim. Siehe Verlehrsmuseum. Berg- nnd Hüttenmuseum. Invalid enstr. 44. Wochentags(außer Sonnabend)- 12— 2, am Sonntag: April bis September 12— 6, Oktober und März 12—5. Nopember und Februar 12—4, Dezember und Januar 12—3. Botanischer Garten. Dahlem. Unentgeltlich: Sonntag, Dienstag- Mitt-voch, Freitag 2—7, Sonntag 10—7. An Wochentagen vormittags Zutritt nur gegen Erwerbung des„Führers"(beim Pförtner).(Nur im Sommer gcöfsnet.j Botanisches Museum. Dahlem. Montag und Donnerstag 3—6, Mittwoch 9—6. Eisenbahntlinseum. Siehe Verlehrsmuseum. Kaiser Friedrich-Mnseum. Monbijoustraße. Eröffnung: an den Wochentagen(außer Montag) um 10, am Montag um 1, am Sonntag und an den zweiten WeihnachtS-, JOstcr- und Psingstsciertagcn um 12. Schluß an allen Tagen: Aprll bis September um 6, Okwbcr und März um 5, Nopember und Februar um 4, Dezember und Januar um 3. Emtritts- gcld: Montag 1 M., Dienstag und Mittwoch 50 Pj. Eintritt srei: an allen übrigen Tage». Hygieucmuseum. Hessisches». 4. Dienstag und Freitag 10—2: Sonntag: Aprll bis September 1—6, Oktober und März 1—5, November und Februar 1—4, Dezember und Januar 1—3. Kiiilstgewcrbe-Muscnm. Prinz Albrcchtstt. 7. Besuchszeit wie beim Allen Museum. Landwirtschaftsmuseum. Juvaltdenstr. 42. An den Wochentagen (außer Montag) 10—3. An jedem dritten Sonntag im Monat: 11—5. MarkischeS Propiiizinl-Musciim. Wallstr. 50/54. Besuchszeit täglich (mit Ausnahme von Sonnabend) 10—3 Uhr. Eintritt frei. Gedruckte Führer 10 Pt. � MeereSkundeuiuscum. Georgenstr. 34—36. Sonnabend und Montag 11— 4, Sonntag 12—3. Nanonal-Galerie. Museumsmsel, an der Friedrichsbritcke. Eröffnung: an den Wochentagen(außer Donnerstag) um 10, am Donnerstag um 1, am Sountag und an den zweiten Weihnachts-, Oster- und Psingstsciertagen um 12. Schluß, au allen Tagen: Aprll bis September um 6, Ottdber und Atärz um 5, November und Februar um 4, Dezember und Januar um 3. Eintrittsgeld: Donnerstag 1 M., Freitag und Sonnabend 50 Ps. Eintritt an allen übrigen Tagen frei. Statu rku iide-Museum. Jnvalidenstraße 43. Montag, Mittwoch, Donnerstag, Sonnabend: April bis September 10—4, Oktober bis März 10— 3. Am Sonntag und an zweiten Feiertagen: wie beim Allen Museum. Post-MuseuM. Leipzigerstr. 16/13. Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag 10—2. Am Sonniag und an. den zweiten Feiertagen: 12—2. Nnnch-Mrisenm.(Werle von Christ. Rauch.) Klosterstr. 76. Wochen» tags: April bis September 10—4, Oktober bis März 10—3. Nathans. Königstraßc. Täglich(außer Donnerstag und Freitag) 10—3, unentgeltlich. Turuibesteigung: April bis September, täglich(auch Donnerstag und Freilag) 10— L, Eintrittsgeld 20 Ps. Stadthans, Jüdenstraße. � An Wochentagen von 11—3 Uhr und Sonn« tags von 1t— 2 Uhr. Montag und Donnerstags Zutritt frei. An anderen Tagen 20 Ps. Eintritt. NeichötagSgcbünde. Königsplatz. An Wochentagen 8'/,— 9>/, vormittags, am Sonntag 2—4. Eintrittsgeld 50 Ps. Steniwam. Enckeplatz 3 a. Mittwoch und Sonnabend, m Sommer 9—11, vormittags, im Winter 10—11 vornnttags. Steruwartc. Trcptocher Park. Täglich von 2 Uhr nachmittags ab, im Sommer bis 12 Uhr nachts, im Winter bis 10 Uhr abends. Eintrittsgeld: 50 Pf. für Besichtigung der Sternwarte und des Astronomischen Museums, 1 M. für Beobachtung mit dem großen Fernrohr. Sternwarte der„Urania". Jnvalidenstr. 57/62. Täglich 7'/«— 11 Uhr abends. Eintrittsgeld 50 Ps. Urania, Sammlungen und wissenschasttiches Theater. Taubenstr. 43. Täglich von 10 Uhr vorniittags ab. Eintrittsgeld 50 Psennig(für Abendvorstellungen von 1 Mark an). Berkehrs- und Baumuscnin. Jnvalidenstr. 6t. Sonntag 11—4, Dienstag. Donnerstag, Freitag 10—4, Mittwoch, und Sonnabend 2—3. Bvlkerkunde-Musritiii. Königgrätzerstr. 120. Besuchszeit wie beim Sitten Museum. Museiim für deutsche Bolkstrachten und Bolkskunde. Kloster» straßc 36. Besuchszeit wie beim Alten und Neuen Museum. Zeughaus. An der Schloßbriickc. Wochentags(mißer Sonnabend): März bis Oktober 10—3, November bis Februar 10—2: am Sonntag und an den ztvcilen Feiertagen 12—3. Zoologischer Garten. Eingänge: Lützow-Ufer, Kursürstendamm und Stndtbahnhoj. Eintrittsgeld: an Wochentagen 1 Mark,(abends nach 6 Uhr 50 Pj.). an Sonn- und Festtagen 50 Ps.: Kinder die Hälfte. Lim ersten Sonntag jedes Monats 25 Ps. Singegangene Dnichfchnftcn. Vasun. Schwank von C. Wigand. 2 M.— C. Wigand, Berlin- Leipzig. Neues Leben durch natürliche, vernünftige Kräftigung Heilung des Körpers und Geistes von P. Nühlick. 2 W.— Selbstverlag Berlin, Bautzener Str. 7. Die deuischen Flugzeuge in Wort und Bild. Bon C. W. Vogel- sang. l,50 M.— C. I. E. Bolckmami, Chaiiottenburg. Die Formen des wirtschaftlichen Kampfes. Von G. SchwUtau. 12 M. geb. 14 M.— I. Springer. iMlin\V. 9. Ter Lebensweg. Von Leo Tolstoi. 5 M., geb. 6 M.— Schulze u. Co., Leipzig. Führer durch dag BersicherungSgeseti für Angestellte. Von H. Mattutat. 25 Pf.— Schwäbische Tagwacht, Stuttgart. Protokoll des 8. BerbaudstageS des Deutschen Transport- arbelterverbandcs 191Ä.-.232 S.—„Courier", Berlin, Engeluser 21. Tie deutscheu Laude in der Dichtung. Bd. 1. Dmitschland. Herausgegeben von Dr. M. Höoi.(HauSbücherei Bd. 42.) Deutsche Dichte»-Gcdächtnisstistuug Hagtburo-Großborstel. L«, die Kvlotte. Roman von A. Landsberger. 4 M., geb. 5,50 M. G. Müller, München. Ter Schütting. Kalcndervuch t9l3. Herausgegeben vom Schülting- Bunde. 60 Ps. A. Sponholtz, Hannover. Tic Getreide c tu i ph rs ch ei» e im Rahmen unserer Schutzzoll- Politik. Von Dr. G. Junge. 3,20 M. E. Fetbcr, Berlin IV. 57. Ter fliegend.! Tod der Japaner. Kriegstagebuch eines deutschen Offiziers. Von H. Schmidt-Kcslner. 1,20 M., geb. 1,80 M. Westdeutsche Verlagsgcscllschast, Wiesbaden. Wie mache ich Inventur und Bilaiizablchlnft? Von H. Lustig. Bmimgapffus Verlags büchhaudluiig, Saarbrücken 3. 1.50 M. Wie prüft man Kurszettel und Bltnnzen? Von PH. Ch. Martens. 1 M. E. Abigt, Wiesbaden 35. Leipzig iu Bilder». Hcräusgegcben vom Leipziger Dürcrbunde. G. Merseburger, Leipzig. 75 Ps. Deutsche Fiirsorgcerziahrliigs-Ztnstalten iu Wort und Bild. Redig. von Pastor Seiffert. Geb. 30 M. C. Marhold, Salle a. H. Hesfpö.BolkSbücherei. 631—32. Ans HcrluleS' Meiers Traum- Winkel. Erz. von O. Einst.— 699—700. Otto Ernst.(Deutsche Lyriker 12.) Von A. Latwmi. Einzelnummer 20 Pj. Hesse u. Becker, Leipzig. Richard Wagners Lebensbericht. 1 M. 2. Ocrtel, Hannover. Die pol uchs che FranenbeweLnug. Von F. Vosberg. 20 Ps. O. Culit!. Lissa i. P. Tie Prenitisch-Teuischc DrehsuSiadc. Zweiter Nachtrag zu der Deulschrist:„Das Vaterland in Gefahr" von O. Kresse. 1 M. John Schwerins Verlag, Berlin 0. 21. Goethe-Kalender begründet von O. I. Bierbaum auf daS Jahr 1913, hcrausgcgebeu von C. Schnddekops. Leipzig, Dieicrichsche Verlagsbuchhandlung Th. Weicher. Kart. 1,50 M. Tie hygienischen Znslistide in den Vergoldereibetrieben. Sta- tistische Erhebung der'.rrallommission der Bcrgolder. bearbeitet und berausgegebe» vom Vontand des Deutschen tzolzarbrilcr-Bcrbaudes. Verlagsanstalt des Dcnt'.hcn Holzärbeitcr-MrbändcS, Berlin C. 2. 60 Ps. Ter Liehe lind des Meeres Wetten. Weltreiseplmiderci von B. Benlieim-Ächwaxzbach. Ls.tN., geb. 3 M. Fenien-Lerlag, Leipzig. Strafgesetzbuch für das. Teufschr Reich mit Eiiisührimgsgesetz. Herausgeber: Jusdzrat Dr. K. GareiS. 80 Pst, geb. 1,20 M. E. Roth, Gießen. Wandervogel.' Geschichte einer Jiigendbelvegung von' H. Blsiher. I. Tell: Heimat uitd W/gatig. 150 S. B. Weise, Tciiipell/oj, Berlmcr Ekraße 15. TeutsKer Arbeitcr-Söngerbund, Gau Berlin und Umgegend. Die dem Bunde angelchlossencn Vereine tagen in solgendcn Lokalen: Montag: Solidarität. Oranienstr. 103, Witwe Auguslin. Zulun, t. Nieder. Schönt, aulcn, Koiser-Wilhelm-Str. 83, Berchke.— DienStag: Berliner Volkschor, Langestr. 38, Aula der PflichtlortbildungSIchulc. Allegro, Lauscher Slrakc 8, Grabert, Louisen,'!. Mönnerchor, Kommandanten slr, G2, Beckers Festsäle. Namenlos, AndreaSstr, 2l, AndrcaS.Fcstsäle. Nord-Ost-Lyrania, Elbingcr Str. 3, Bcieisdorj, Schuhmacher. An der Stralauer Brücke 3, Knörich. Unverzagt, Salzwed?ler Str. 1«. Bachstein. Vorwärts-Frohsinn. RummelSburg, Hauptstr. 85; Beyer. Wcddingcr Harmonie. Pasewalter Straße 3, Preppcrnau. Maibund, Wittenau, Hauptstr. ök, Schulz.— Tonncrstag: Bccherklang, Samaritcrstr. 11, HeckerS. Britz, Britz, Chaussecstr. 69/70, Rachsahl. Einigkeit, Staaken. Berliner Straße. Zum br. Hirsch. Fichtc-Georginia,. Ohmstr,. 2, Klubhaus. Freie Sängcrichast, Tcmpclhof, Betliner'Str. 11/42, Becker: Frohsinn, Alte Schönhauser Straße. Schräder. Groß-Lichterscldxr Männcrchor,(Aroß-Lichterseldc. Bäkcslr. 22, GescllschastShaus. HilaritaS, Lychcncr Str. 3, Maas. Hoffnung, Spandau, BiSmarckstr. 8, Madctzky- Kreuzberger Harmonie, Fichteffr. 29, Raabc. Lerche, Lorndolmer Str. 7, Süßmilch. Lichtenbcrger Männcrchor. L'chtcn- berg, Psarrstr. 74. Ertclt. Liederlreund. Pankow. Brcitcstr. 14, Türkisches Zelt. Maientraum- Loiri-belli, Urbanstr. 93, Kutscher. Männerchor Harmonie, Hoben- Schönhauscn, Berliner Str. 23, Reiher. Männerchor Friedcnau-Slcglitz, Steglitz, Ahornstr. 15a, Schcllhase. Männerchor Lankwitz« hübende. Lankwitz, Piktoriastr. 42/43, GcsellschastShauS. Wclodia. Neukölln, Mareschstr. 14, Jdcal-Klause. Morgengrauen, Roscnthaler Str. Rosenthaler Hos. Olympia, Blumcnslr. 19, Alt-Bcrlin. Sängcrabtcilung l Süd-Lst, Oranienstr. 180, Kasino. Sängerchor Wedding. Triststr. 03, Funke.� Schneeglöckchen, Neukölln, Hermann slr. 49, Hoppe. Schöneberger� Männcrck>or, Schönebcrg, Meiningcr Str. 8, Neue RalhauSsäle. Töpscr, Kvnigsgrabcn 2, Schul,. Vorwärts. Naunynffr. 6. Wollenbcra. Vorwärts, FriedrichSselde- KarlSborst, Berliner Str. 98, Südbrink.— Freitag: Berliner Volkschor. Langestr. 38, Aula der Pflichtsoi tbttdlingSschule. Arbeiter- Gesangverein Mariendors, Mariendors, Cbaussecslr. 27, Löwcnhagcn. Berliner Männer- chor, Köpenickcr Straße 137/38, Fürslcnhos. Boyhagcn- RummelSburg, RummelSburg, Hauptstr. 2, Bcllevue. Eharlotlenburger Liedcrtascl, Char- lottenburg, Nosinenstr. 3, VolkShauS. ESmeralda, Kochhannstr. 7, Giese. GaslwirlSgchilfcn, Große Hamburger Str. 18/19, VcrbandShauS. Gesund- brunner Harmonie, Prinzcnallce 33, Schmidt. Glasarbeiter, Nene Jakob- straße 26, Sängcrhcim. Hutmachcr- Gesangverein Einigkeit. Rosenthaler Straße 11/12, Rosenthaler Hos. Kupserschmicde, Landsberger Sir. 59, Landsberger Kasino. Libertö, Engeluser 15, Saal I, GewerlschaslshauS. Liegcrtasel West, Lützotvstr. 111/112, Biktolia-Braucrei. Männcrchor Moabit, Beussetslr. 9, Kirfchkowsky. Männerchor Norden, Schönhauser Slllce 80, Milasälc. Männcrchor Obersprce, Baumichulcnweg, Baumschulcnstroße, Serpentin. Männcrchor Ost, StrouSberger Str. 3, Fortunasäle. Männer- chor Reinickeudor.-Osl, Rcinickendors, Residenzstr. 124, Sadau. Mänuerchor Wcißensee, Wcißensee, Roelckc- Ecke PistoriuSstraße, Balzer. Männerchor Neukölln, Neukölln, Bergstraße, Pasfagercstaurant Neu erwacht, Invaliden- straße 1, Harmonie. Putzer, AönigSgraben 14a, Schulz, Sängerchor Südost, Rcichcnberger Str. 147, GarSke. Sängerkranz. Rigaer Str. 95, Pätzold. Senefelder, Neue Roßftr. 3, Englffcher Hof. TexMa. 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