Nr. 324. HbonnemcnfS'Bcdingungen: SBonnementä. Preis»rSnumeranto! VierlcljShrl. SM Mk.. monall. 1,10 Mk, wöchentlich 23 PfB- ff" ws HauS. Einzelne Nununer o Pfg. Sonntag». nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Di- Neue Welt- 10 m Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Posi-Zettungs. Vren'-Iistc. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn L Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostabonncnientS nehmen an: Belgien. Düncmarl, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, näme», Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. Die Tnfcrfions- Gebühr betrügt für die fechsgespaltene Uoloncl» zcile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gcwerlschaftliche Bereins» und Vcrsnmnllungs-Anzcigen 30 Pfg. .Kleine Hnzeigen", das fettgedruckte Crfibdnt tZgllch außer montags. � f, Berliner Volksblnkl. zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weiter- Wort S Pfg. Worte über IbBuch- ! laben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nummer liiüffcn bis i Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Erpedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „Soziaidcmolirat Berlin". Zentralorgan der foztaldemokratifcben Partei Deutfcblands. Redaktion: 6«Kl. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1983. Mitttvoch, den 25. September 1913. Expedition: 8Rl. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1981. Keine Antwort! Was denkt sich denn der Herr Reichskanzler eigentlich? Glaubt er denn wirklich, daß sich das deutsche Volk aber auch alles bieten lassen wird? Die stärkste Fraktion des deutschen Reichstags, die Ver treter eines Drittels des deutschen Volkes, richten an den Reichskanzler einen Brief mit dem dringenden Ersuchen, den Reichstag einzuberufen. Ein Notstand, so groß, daß selbst die interessierten Nutznießer des Volkshungers ihn nicht mehr zu leugnen wagen, herrscht im Lande. Die Volksvertretung soll Hilse schaffen, das Notwendige beschließen. Nicht nur die stärkste Partei im Reich und Parlament fordert es. Längst schon haben sich die großen Städte und ihre Vertretungen diesem Vorgehen angeschlossen. Aber der Herr Reichskanzler würdigt die Fordernden nicht einmal einer Antwort. Der hochmütige Bureaukrat hat für die Not des Volkes, für dessen konstitutionelles Recht nur verächtliches Schweigen. Ist das zu ertragen? Was ist denn dieser Herr v. Bethmann Hollweg eigentlich? Daß er eine Persönlichkeit ist, glaubt ja doch höchstens Onkel B r e y s i g. Irgendwelche politischen Verdienste, die es etwa erträglich erscheinen ließen, daß der Herr sich als der absolute Beherrscher des deutschen Volkes aufspielt, der in einer das Wohl des Volkes so unmittelbar berührenden Frage den Reichstag achtlos beiseite schieben dürfte, hat doch der fünfte Reichskanzler wahrhaftig nicht aufzuweisen. Er ist allerdings der Vertrauensmann des Bundes der Landwirte, der konservativen und klerikalen Großgrundbesitzer. Daß er deren Interessen allein, einzig und allein,, vertritt, daß er, dessen folgenschwere Untätigkeit im Vorjahre so sehr zu der herrschenden Teuerung beigetragen hat, für die Interessen der überwältigenden Majorität des deutschen Volkes gar nichts übrig hat, daß er ihr bitterster Feind ist, diesen Beiveis zu führen, hat er ja nicht mehr nötig. Daß er ein Verächter der Demokratie ist, wie all die kleinen Geister, die sich bei gleicher Verteilung von Wind und Sonne nie durch- setzen könnten, weiß man ebenfalls. Aber berechtigt denn all das wirklich diesen Mann, dem deutschen Volke sein wichtigstes konstitutionelles Recht, das Recht aus seine Vertretung in der Zeit vorzuenthalten, wo eS deren am dringendsten bedarf? Was ist denn Herr v. Bethmann politisch? Er ist der dem Deutschen Reichstag einzig Verantwortliche Beamte. Er ist kein Vertrauensmann des Parlaments und schon gar nicht ein Vertrauensmann des deutschen Volkes. Er hat seine Stellung durch das Belieben Wilhelms II. Und die Art, wie dieser Handlanger des persönlichen Regiments die Forderung des Volkes auf Einberufung des Reichstags zu behandeln wagt, enthüllt so zugleich das ganze Verfassungselend des deutschen Volkes. In der Tat. das politische und das materielle Elend, sie sind beide untrennbar verknüpft und kein anderes Volk würde den materiellen Notstand ohne Hilfe so lange ertragen müssen als das auch politisch verelendete deutsche. Ueberall andersivo würde eine Regierung die Mitarbeit des Parlaments be- grüßen, würde seine Einberufung als eine elementare konsti- tutionelle Selbstverständlichkeit längst veranlaßt haben, wäre sie längst mit den notwendigen Vorschlägen vor die Volks- Vertretung getreten. Nur in Preußen-Deutschland verachten die Herrschenden die Volksvertretung, suchen ihre Rechte zu verkümmern und treiben ununterbrochen Sabotage und Obstrüktion gegen das Parlament. Freilich, Schuld daran tragen auch die bürgerlichen Parteien, die einen, die Kow servativen und das Zentrum, weil sie im innersten Wesen Feinde des Parlamentarismus sind, die anderen, die Libe ralen. weil sie in Schwäche und Aengstlichkeit nie das Recht des Reichstags zu wahren und auszunützen verstanden haben. Selbst jetzt sucht man vergebens ein energisches Auftreten der liberalen Parteien, obwohl die höhnische Nichtbeachtung des Verlangens der stärksten parlamentarischen Fraktion nicht nur diese trifft, sondern einen Schlag gegen das Ansehen des Parlamentarismus überhaupt bedeutet. Aber das überschivächliche Verhalten der Parteien erklärt vielleicht, aber rechtfertigt nicht die Dreistigkeit dieses Bureau- traten, der höhnisch mit den Achseln zuckt, wenn er an seine verdammte Pflicht und Schuldigkeit erinnert wird. Und jedenfalls haben die deutschen Arbeiter keine Lust, diese Be- leidigung ihrer Vertreter ruhig hingehen zu lgssen. Wenn der Herr Reichskanzler das Parlament verachtet, dann paßt er eben nicht für sein Amt, und Wilhelm II., der ihn eingesetzt hat. muß einen Handlanger wählen, der das konstitutionelle Recht etwas mehr respektiert. Denn die Zeiten des Absolutismus sind vorüber auch in Deutschland, und eine Regierung, die das nicht begreifen will, die als Ausschuß der Junker mit absolutistischen Mitteln den Not stand verlängern will, wird auf einen Widerstand stoßen, den sie vielleicht nicht erwartet. Ob die da oben eine Vorstellung von der Stimmung der Massen haben? Wilhelm II. hat gemeint, heute könne jeder Arbeiter seines Lohnes froh sein I Und sein Kanzler regiert in diesem Sinne. Die Herren täten gut, etwas mehr auf die Stimmen der Arbeiter selbst zu achten. Gestern abend haben in Berlin die Frauenversammlungen stattgefunden und Zu friedenheit war wirklich nicht die vorherrschende Stimmung. Die Versammlungen waren massenhaft besucht und die Er bitterung dieser armen Frauen, die nicht mehr wissen, wie sie niit dem Einkommen noch den Haushalt bestreiten sollen, die brauchte wirklich nicht erst durch die„Hetzer" erzeugt zu werden Die war da und brach immer wieder in den stürmischen Zwischenrufen durch. Und die Entschlossenheit ist nicht minder groß. Diesmal muß etwas geschehen! Die Zeit zum Handeln darf nicht wieder verpaßt und verzettelt werden Der Not mutz Abhilfe werden! Die Regierung tut nichts oder doch— sie hält Konferenzen ab. Aber davon werd-n wir nicht satt. Und überhaupt reichen die kleinen Mittelchen, nit denen die Regierung dem Volke vielleicht die Augen auswischen will, uin die Wucherprofite den Agrariern auch für die Zukunft zu sichern, nicht aus. Da mutz der Reichstag handeln, da müssen die Gesetze, die die Grenzen sperren, Vieh und Fleisch ver- teuern, das deutsche Getreide ins Ausland treiben, geändert »verden. Und deshalb muß der Reichstag zusammenberufen »verden dem bureaukratischen Absolutismus zum Trotz Herr v. Bethmann Holliveg aber zögert noch immer; er»vill die Volksvertreter nicht zu Worte kommen lassen und glorreich allein»veiter regieren. Um so dringender ist es, daß das Volk wenigstens außerhalb des Parlaments das Wort nimmt. Gestern haben die Frauen ihre steigende Not geklagt. Sonntag soll der Herr Reichskanzler hören.>vie die arbeitenden Massen Berlins darüber denken, daß er die Forderungen des Volkes tot schiveigen zu können glaubt. Er soll hören,»vie die Berliner Sozialdemokratie es empfindet, daß er die Eingabe ihrer Ver treter keiner Antioort würdigt. Herr V. Bethmann Holliveg glaubt kluge Politik zu treiben, indem er unsere Abgeordneten daran verhindert, positive Arbeit zur Hebung des Notstandes zu leisten. Nun so haben unsere Abgeordneten»vider ihren Willen Zeit, die Massen aufzuklären, wer die Schuld trägt, wenn sie hungern müssen, wen die Verantwortung trifft, »venn noch immer nichts geschieht, lvas längst hätte ge schehen müssen I Die arbeitenden Massen Berlins »verden den» neuen Kainpfruf, der an sie ergeht, Folge leisten. Am Sonntag»verden sie als Avantgarde der Viermillionenpartei Abrechnung halten mit einer Regierung, die entgegen dem Geist der Konstitution das Mit- bestimmungsrecht des Volkes und seiner Vertretung mißachtet, mit einer Regierung, die der stärksten Partei des Reichstags mit verächtlichem Hohn begegnen zu dürfen glaubt, die im Interesse einer kleinen Schar von Volksausplünderern die Massen in Knechtschaft und Elend halten will. Der Herr Reichskanzler hat für das Volk keine Antlvort. Er»vird aber das Volk nicht abhalten können, ihm und seinen Auftraggebern die sehr nötige Antwort zu geben! *» * Die Regierung— überlegt! Ein offiziöses Papier bringt folgende Aufreizung zu Haß und Verachtung: „Die Frage der Fleischnot wird andauernd von den maßgebenden Instanzen der ReichSregiernng erörtert.(1) Diese Instanzen betrachten sie als eine der wichtigsten An- gelegenheiten, mit denen die Regierungen sich zu beschäftigen haben. Dementsprechend vergeht kaum ein Tag, an den» nicht Konferenzen(!) über die Frage stattfinden. So hat der Reichskanzler gestern über diese Sache konferiert, während gleichzeitig iin Reichsmnt des Innern in der gleichen Angelegen- heit eine Sitzung abgehalten wurde. Die Schwierigkeit der Materie verzögert den Abschluß der Berhandlungen; e n d- gültige Entscheidungen liegen noch nicht vor." Wirkt das nicht auf Euch, Darbende, sehr tröstlich? l Weiteres Steigen der Flcischpreise. Während die Regierung täglich— nian denke!— überlegt— man denke I— und erörtert, steigen die Fleischpreise. Sie sind so illoyal, sich gar nicht um die Prophezeiungen des Kanzlers, der Minister und der„Nordd. Allg. Ztg." zu kümmem. Nach den von der„Statistischen Korrespondenz" angestellten Durchschnitts» berechnungen, die für die absolute Höhe der Preise noch ein z u 'günstiges Bild liefern, stiegen die Preise pro Kilo gegen den September 1911 für Rindfleisch um 23,2 Pf.; für Kalbfleisch um 18,2 Pf.; für Hammelfleisch um 15,4 Pf.; für Schweinefleisch fleisch um 37,1 Pf.; für Schweineschinken um 42,6 Pf.: für Schweinespeck um 34 Pf. Pferdefleisch erhöhte sich um 5,4 Pf. im Preise. Gerade das Schweinefleisch, das durch seine Billigkeit fast allein auf den Tisch des Arbeiters gelangen kounte, hat die stärkste Preiserhöhung erfahren. Es ist heute nur um weniges billiger als die übrigen Fleischsorten, aber beträchtlich teurer als Rind- und Hammelfleisch vor einem Jahre. In früheren De- batten über die Fleischteuerung wiesen Regierung und Agrarier immer darauf hin, daß zwar Rind-, Kalb- und Hammelfleisch im Preise gestiegen seien; das träfe aber nur die Begüterten. Das Fleisch des kleinen Mannes, das Schweinefleisch, sei dafür billiger gctvorden. Und tatsächlich stellten sich auch die Schlveinefleischpreise in den Jahren 1919 und 1911 etwas niedriger als 1909. Seit An» ,fa»g dieses Jahres ist aber Schiveinefleisch sehr rasch im Preise ge» stiegen. Heute sind sämtliche Fleischsorten für den Arbeiter uner» schtvinglich geworden. Die Regierung wird jetzt neuen Stoff zu neuen E r ö r t e- r u n g e n haben. Dann aber wird man die Konferenzen ver- schieben, bis die Statistik für den Oktober bearbeitet ist. Und so »veiter l Fleischvergiftungen! Die Armen, die die Agrarier reich machen niüsse», büßen jetzt ihre Begehrlichkeit mit dem Tode. Da sie nicht ganz auf Fleisch und Wurst verzichten»vollen, gutes Fleisch aber teuer ist. essen diese Un- genügsamen jetzt schlechtes und verdorbenes Fleisch und schädigen dadurch unverantlvortlicherweise die nationale Volkskraft. So wird aus Köln telegraphiert: Die Fleischvergiftungen nehmen einen großen Umfang an. In einem Viertel des südlichen Stadtteils sind zwanzig Personen unter schweren VergistungSerscheinungen erkrankt. Der elfjährige Sohn einer Familie ist bereit? gestorben, die Mutter liegt im Sterben. Heute sind»vieder neue Erkrankungen gemeldet worden. Die Erkrankten sollen bei ein und demselben Metzger das Fleisch gelauft haben. Eine eingehende Untersuchung wurde eingeleitet. Das Resultat dieser Untersuchung wird dann wieder dankenS- wertes Material für die Erörterungen in den täglichen Konferenzen der Minister liefern. Doppelzilngigkeit des ZentruinS. Dem Zentrum wird vor den Folgen seiner LebenSniittellvucher« Politik doch einigermaßen bange. Namentlich die christlichen Arbeiter fangen nachgerade an, schivierig zu»verden. Nun sind zwar die Arbeiter dem Zentrum recht erlvünscht als Stimmvieh, aber wirklich vertreten werden von den den Konservativen verbündeten Klerikalen nur die großagrarischen aber nicht die Arbeiterinteressen. Daher die abscheuliche Doppelzüngigkeit der Zentrumsleute, wenn sie auf den Arbeiterfang ausgehen. So schreibt die M.-Gladbachcr Korrespbndenz: „Als Hauptpunkt, um den sich das Interesse an den zur gegen- wältigen Teuerung vorgeschlagenen Abhilfeinitteln konzentriert, kann man»vohl die Einfuhr von Gefrierfleisch bezeichnen. Die Meinungen hierüber sind freilich sehr geteilt(nämlich zivischcn den Großagrariern einerseits und der übrigen Bevölkerung andererseits!). Während die eine» sich geradezu phantastische Hoff- nungen zu machen scheinen, erheben sich in anderen Kreisen die schlimmsten Befürchtungen. ES dürfte darum angezeigt erscheinen, die tatsächliche Lage der Dinge einmal ruhig zu erörtern. Es ist ohne Zweifel richtig, daß die Einfuhr von ausländischem Gefrierfleisch dann unter allen Umständen vermieden werden müßte, wenn feststände, daß sie der heimischen Viehzucht Schaden bringen würde. Sie müßte dann unterbleiben, nicht etlva der„Agrarier" »Villen, sondern um der Zukunft unseres Fleischkonsums willen; das Gefrierfleisch könnte in dem angenommenen Fall höchstens nur eine kurze augenblickliche Erleichterung bringen; nachher würden die letzten Dinge schlimmer werden wie die ersten, eS würde sich dann sicher das Wort bewähren:„Billige Wochen, teure Jahre". Auch wird zu- zugeben sein, daß für Deutschlands Fleischversorgung unter allen Umständen die JnlandSlieferung die Hauptsache sein muß; wir würden uns sonst über kurz oder lang den größten weltpolitischen wie Wirt- 'chaftlichen Schlvierigkeiten ausgesetzt finden. Jedoch kann bei der gegenwärtigen Lage der Dinge doch die Ueber- zeugung zu Recht bestehen, daß jetzt d i e s e B e f ü r ch t u n g e n nicht zutreffen. Auch bei Einfuhr des gefrorenen Fleisches »verde»» diejenigen, die sich bei den teuren Poeisen Fleischnahrung verschaffen können, das frische Fleisch nach wie vor dein gefrorenen vorziehen. Würden die Fr>schfleischpreise, etiva infolge gesteigerter Produktion oder besonders als Folge des allmählichen Wegfalls der Wirkungen des Futterausfalls der letzten Jahre, sinken, so»verden auch diejenigen, die notgedrungen zum billigeren Gefrierfleisch haben greifen müssen, sicher dem Frischfleisch sich wieder zuivenden. Diejenigen Kreise jedoch, die bei den hohen Fleischpreisen Frischfleisch nicht mehr erschwingen können, kommen ja jetzt als Käufer des inländischen Fleisches ohnedies nicht in Betracht, ihr Einkauf von Frostfleisch kann darum dem inländischen Fleisch den Markt nicht be» einträchtigen." Wer aber meint, daß das Zentrum und seine Korrespondenz nun etlva die Forderung der Aufhebung des s 12 des Fleischbeschau- gesetzes energisch fordern würde, der wäre getäuscht. Die Kor» respondenz»vill warten, ob die Regierung Recht hat mit ihrer lästerlichen Behauptung, die Gefrieistechnik bedürfe der Aufhebung nicht mehr. Unterdessen sucht sie glauben zu machen, es sei zweifel- hast, ob Argentinien und Australien genügend Fleisch liefern könne und wendet sich dann mit langen Ermahnungen an die— K 0 m m 11--1. Mko der alte Schwindel! Aker bezeichnend ist eS schon, dah nicht einmal mehr daZ Zentrum sich gegen die Forderung der Oeffnung der Grenzen für Gefrierfleisch— eS imife aber uoch die Aufhebung des Zolles dazu kommen I— auszusprechen wagen darf. Der isaustiiKcfflsparagrapi) vor Gerlcffl. In dem Prozeß gegen die Abgeordneten Genossen Borchardt und Leinert ist gestern nach längeren Plaidoyers die Verhandlung bis zum Sonnabend ausgesetzt. ES soll Beweis darüber erhoben werden, ob der Präsident v. Erffa mcht eingeschritten ist, um Störungen der Ordnung zu verhindern, sondern um aus Wunsch des konservativen Abgeordneten v. Pappenheim seine Autorität durch die Polizeiinannschafl zu wahren. Außerdem soll der Briefwechsel zwischen dem Präsidenten v. Kröcher und dem Minister des Innern herbeigeschasst werden, um festzustellen, ob der Minister des Innern hierin der Ansicht Ausdruck gegeben hat, daß ein Polizeibeanrter. der den Wiedereintritt eines auf Grund des Hausknechtsparagraphen ausgewiesenen Abgeordneten in de» Saal hindert, sich einer Anklage wegen Verbrechens gegen§ lOS des Strafgesetzbuchs aussetzen würde. Die Beweiserhebung erscheint recht entbehrlich und überflüssig. Entbehrlich, denn daß der Präsident v. Erffa nicht zwecks Aufrecht- crhaltung der Ordnung den HauSlnechtsparagraphen in Am Wendung gebracht hat, ergibt sich obenso klar aus den steno» graphischen Berichten wie die Tatiache, daß die Mehrheit des Abgeordnetenhauses den HausknechtSparagraphen beschlossen hat, um die Rechte der sozialdeniokratischen Abgeordnelen gewaltsam zu unterdrücken. Hat ferner der Minister dos Innern der Anficht AuS- druck gegeben, ein Polizeibeamter, der einen Abgeordneten gewaltsam hindert, den Sitzungssaal zu betreten, sei mir Zuchthausstrafe bedroht und sehe deshalb einer Anklage entgegen, so hat er eine durchaus zutreffende Ansicht geäußert. Hat er sie dem PrÄsidenten des Ab- geordnetenhauseS gegenüber dokunientarisch geäußert, so beweist dies. daß der Präsident, der die Akten kannte und dennoch Polizeibcamle zur Begehung der Verbrechen aufforderte, nicht gute» Glaubens war. Aber für de» Prozeß gegen Borchardt und Leinert ist die Beweis erhebung über beide Bchaupiungen vom juristischen Standpunkte aus überflüssig. Mit Recht hat deshalb auch die Verteidigung in erster Linie beantragt, die Angeklagten sofort freizusprechen. JndeS mag eine Beweiserhebung zur Aufklärung dcS gesamten Milieirs gewiß dienlich sein, aus dem heraus gegen die Rechte der Volksvertreter Anschläge beraten, beschlossen und angeordnet wurden. Auch am gestrigen Tage spielte der Anklagevertreter eine wenig beneidenswerte Rolle. Unbarmherzig wurde seine Anklagescbrist von der Verteidigung zersetzt und vernichtet. ES machte einen geradezu kläglichen Eindruck, wie der Vertreter der Anklage beharr- lich allen juristischen Argumenten auS dem Wege ging und zur alleinigen Stütze der Anklage immer wieder sich auf das Polizei- mädchen für alles, den ß 10 II, 17 A. L.-R., berief. Und doch der- wehrt selbst diese Vorschrift, wie die Verteidiger überzeugend nach- wiesen, der Polizei jede Berechtigung zu ihrem Vorgehen. In§ 10 Teil II Titel 17 des Allgemeinen LandrechtS heißt eS:„Die nötigen Anstalten zur Erhaltung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung und zur Abwendung derbem Publiko oder einzelnen Mitgliedern des- selben bevorstehenden Gefahr zu treffen, ist das Amt der Polizei". Damit ist das Recht der Polizei begrenzt. Darüber hinaus darf die Polizei niemals gehen. Eine Gefahr im Sinne des§ 10 liegt nach ständiger Rechtsprechung des preußischen OberverwaltungS- gerrchtS nur vor,„wenn Leib. Leben. Gesundheit oder Vermögen eines zu Schützenden gefährdet sind"; liegt solide Gefahr nicht vor. so ist polizeiliches Einschreiten nicht gerechtfertigt. Wessen„Leib, Leben und Gesundheit oder Vermögen" war denn durch Borchardt oder Leinert gefährdet? Vergeblich wartete man auf eine Antwort des Staatsanwalts auf diese Frage. Gefährdet, auf's schlinimste verletzt war durch die rechtswidrigen Anordnungen des Präsidenten v. Erffa und durch den Gehorsam, der seinem Ersuchen um Begehung von Verbrechen gegen die Verfassung IMsmarckZ Berufung. 1862 1912. 24. September II. Aber selbst zwischen diesem windigen Gesellen und der Regie- rung mußte es über kurz oder lang zu einem Zusammenprall kom. men. Der Streit entbrannte über die Frage der Heeresrcorgani- sation. Die Mobilmachung im Jahre 1869 aus Anlaß des italieni- sehen Krieges hatte gezeigts daß manches faul tvar im Staate Däne- mark. Vor allem war erst jetzt das Augenmerk darauf gelenkt worden, daß von den rund 65 000 Dienstpflichtigen eines jeden Jahrganges nur 38 000 eingestellt werden tonnten, weil die Zahl der Regimenter noch der Bevölkerung von 1815 entsprach. Um den Begriff der allgemeinen Dienstpflicht durchzuführen, sah das Kriegs. Ministerium eine Vermehrung der Infanterie um 39, der Kavallerie um 10 Regimenter vor. Damit wären schließlich auch die Lide- ralen einverstanden gewesen, denn gerade wer von Preußens Schtvert die Einigung Deutschlands erwartete, mußte auf die Schärfe und Güte dieses Schwertes bedacht sein. Aber die Heeres. reorganisation hatte einen oder vielmehr zwei Haken: einmal sollte die Dienstzeit, die auf dem Papier drei, in Wirklichkeit aber seit den dreißiger Jahren zwei Jahre betrug, wieder dreijährig werden, zum zweiten die Landwehr aus der aktiven Feldarmee ausgeschie- den und ihr« drei jüngsten Jahrgänge der Reserve zugeteilt werden. TaS waren zwei Maßregeln, deren politische Spitze die Liberalen wohl erkannten. In der Tat hatte Wilhelm schon 1832 in einer Denkschrift ausgeführt:„Die Tendenz der revolutionären oder libe- ralen Partei in Europa ist es. nach und nach alle die Stützen ein. zureißen. welche dem Souverän Macht und Ansehen und dadurch im Augenblick der Gefahr Sicherheit gewähren. Daß die Armeen die vornehmlichsten dieser Stützen sind, ist natürlich; je mehr ein wahrhaft militärischer Geist dieselben beseelt, je schwerer ist ihnen beizukommen. Die Disziplin, der blinde Gehorsam sind aber Dinge, die nur durch lange Gewohnheit erzeugt werden und Bestand haben und zu denen daher eine längere Dienstzeit gehört, damit im Augen- blick der Gefahr der Monarch sicher auf die Truppen rechnen könne". Als damals der Generalleutnant v. Grolinann ausgeführt hatte, er könne in 16 Ätonaten einen Menschen vollkommen ausexerzieren und fclddicnstfähig machen, war seine Antwort gewesen: er könne das schon in 8 bis 10 Monaten fertig bringen— um willenlose Schießmaschinen zu erzeugen, dazu bedurfte eS freilich längerer Zeit. Auf demselben Standpunkt wie der Prinz verharrte, ein Menichei, alter später, dex Regent und König, und ähnlich verhielt es sich mit der Landwehr. Für Absolutismus und' Junker war der Ruf den sie sich 1818 an der Katzbach und Leipzig erworben, durch die politische Unzuverläffigkeit ausgelöscht, die bei eingezogenen Landwchrleuten 1848 und 1849 nicht gerade selten gewesen war. Darum ins Hintertreffen mit der Landwehr. Freilich war der liberale Kriegsminister Bonin nicht Willens. mit dem Regenten durch dick und dünn zu gehen, und zu manchen Zugeständnissen bei der Höhe der Kriegsstärke wie der Dauer der Dienstzeit bereit. Darum flog er über Bord und wurde durch de» General Roon ersetzt, der ein in der Wolle gefärbter Reaktionär Gesetzentwürfe ein. deren einer sich mit der Acnderung der Dienstzeit und der andere mit einer Forderung von jähr- lich 9>4 Millionen Taler zur Durchführung der HeereSreorgani- sation befaßte. Als die Aenderung der Dienstzeit auf den hart- näckigen Widerstand der liberalen Mehrheit des Hauses stieß, zog die Regierung den ersten Entwurf zurück, ift der Absicht, d,e Aeg- und gegen§Z 105 u.106 des Strafgesetzbuchs gezollt wurde, die preußische Verfassung, das Reichsstrafgesetzbuch und das Recht des Volkes auf un- behinderte Ausübung der Rechle seiner Vertreter Borchardt und Leinert. Glaite Freisprechung der angeklaglen Abgeordneten und Anklage- erhebung gegen die der Verbrechen gegen die ZZ 105 und 106 Sir.-G.-B. Schuldigen verlangt das Recht und das Rechtsbewußi- sein. Eine Verurteilung der Ängeklogten— ganz gleich zu welcher Strafart oder Strashöhe— bedeuiei eine Aufmunterung zu hoch- verräterischen StaalsweichSverbrechen gegen die Verfassung und gegen die Rechte der Abgeordneien. Das höchste österreichische Gericht hat in einem ganz gleich liegenden Falle den Versuch zurückgewiesen, den dortigen Haus- knechis-Paragraphen— genaunt Lex Falkeuhayn— als verfaffungS- mäßig zu bezeichnen. Es hat ausdrücklich erklärt:„Feder Abgeordnete hat Sitz und Stimme, so lange das Haus deffen Wabl nicht für ungüliig erkannte. Der Abgeordnete ist zur Anwesenheit tu, Sitzungssaal berechtigt und verpflichtet. Eine Aenderung dieser Be- siünmungen kann nur durch Gesetz erfolgen." Genau so liegt eS in Preußen. Der HauSknechiSparagraph ist Verfassung«- und gesetz- widrig. Richter, die sich nicdl von ihren politischen Neigungen, sondern von ihrem juristischen Gewiffen leiten lassen, können— wie das österreichische Urteil und wie die Darlegungen des nationalliberalen LandgertchiSbirektorS BoiSly erweisen— zu keinem anderen Resultat gelangen._ Die niMIcheu Dumawahlen. Laut Edikt des Zaren.'ist die Duma am 12. September aufgelöst und der Beginn der Neuwahlen für den 23. September anberaumt worden. Formell hat also die dritte Duma erst jetzt zu existieren aufgehört, in Wirklichkeit ist sie schon Anfang Juli in der Versenkung verschwunden! Ebenso be- ginnen schon jetzt— auf dem Papier— die Neuwahlen, ob- gleich bisher nicht einmal die Wählerlisten veröffentlicht worden sind. Eine Fiktion— als Symbol des russischen Verfassungslebens, heuchlerische„konstitutionelle" Phrasen— als Deckmantel für die asiatischd Wirklichkeit! „Die Wahlkampagne— wird aus Jekatcrinodar im nörd- lichen Kaukasus geschrieben— ist bereits im vollen Gange; leider treten diesmal als„Wähler" die Gendarmen auf. von denen die Bürger Jekaterinodars einzeln„gewählt" werden, und zwar nicht für die Reichsduma. sondern für das örtliche Gefängnis!" Diese kurzen Worte beleuchten treffend die Situation, aus der die vierte Duma geboren iverden soll. Es würde zu weit führen, wollte man sämtliche Mittel aufzählen, die von den herrschenden Gewalten schon seit Monaten angewendet werden, um eine folgsame regierungs- treue Duma zusammenzustöppeln. Sämtliche Fälschertricks und Unterdrückungsmaßnahmen der Behörden und ihrer Kreaturen verschwinden vor der einen großen Infamie— vor dem nach dem Staatsstreich vom 3./16. Juni 1907 auf- oktroyierten Wahlgesetz, das die Herrschaft über die Volks- Vertretung der junkerlich-plutokratischen Reaktion aus- geliefert hat. Das erste russische Wahlgesetz vom 11./24. Dezember— eine verbesserte Fassung des Bulyginschen Entwurfes vom 6./I9. August 190o— war der Regierung unter dem Druck der Massenstreiks und der Agrarunruhen im ganzen Reich entrissen worden. Es enthielt große Mängel, es gab aber dennoch dem Willen des Volkes Raum und bot die Grund- läge für die demokratische Zusammensetzung der ersten und der zweiten Duma. Die Regierung hatte, auf den Gegensatz zwischen Stadt und Land rechnend, der Bauernschaft ein ziemlich weitgehendes Wahlrecht verliehen. Diese Speku- lation schlug aber gründlich fehl, denn die aus ihrem oolitischen Schlaf erwachende Bauernschaft trat Hand in Hand mit der städtischen Demokratie gegen die Junker- Herrschaft auf. Die erste Duma wurde aufgelöst. Die derung auf eigene Faust unter kühner Auslegung bestehender Ge- setze durchzuführen, und bat nur um die vorläufige Bewilliguyg der Taler— es bandle sich um ein Provisorium, sagte der Finanz- minister Patow, und alles könne wieder reduziert werden, wenn das Haus später nicht die Summe bewillige. Die Liberalen gingen auf den Leim und bewilligten als eine Art Vertrauensvotum für das Ministerium„provisorisch" die 954 Millionen. Damit machten sie sich eines Fehlers schuldig, der schlimmer als ein Verbrechen, der eine Riesendummheit war, denn alle Karten hatten sie jetzt weg- gegeben, die wahrhaftig günstig genug für sie lagen. Durch eine Reform des Herrenhauses und des Wahlrechts hätten sie damals, wie man zu sagen pflegte, Volksrecht« gegen Kanonen eintauschen können, an deren Bewilligung der Regierung alles lag.„Wenn die Liberalen klug sind." sagte selbst Manteuftel. der Ministerpräsident der Reaktion,„so ist ihnen auf lange Jahre der Besitz der Macht gesichert." Sie waren nicht klug und mit der„provisorischen" Be- willigung-der 9% Millionen hatten sie bereits die Partie verloren. Im Oktober 1860 standen schon 117 neue Bataillone fix und fertig in Parade und empfingen ihre Fahnen und Feldzeichen. Diese 117 Bataillone wieder ins Nichts zurückzublasen, dazu hätte auch ein längerer Atem nicht ausgereicht, als ihn die preußischen Libe- ralen besaßen. Weil aber einer großen Anzahl von ihnen die Taktik des Frak- tionstyrannen Vincke doch allzu kurzatmig erschien, bildete sich 1861 die Fortschrittspartei, in der auch entschiedenere Elemente wie Wal- deck und Unruh eine Rolle spielten. In demselben Jahre hatte die Kammer von der Regierung die Vorlage eines Gesetzes über die Dienstpflicht verlangt und noch einmal die auf 8 Millionen Taler zusammengeschrumpfte Summe als„Provisorium" bewilligt. Die Wahlen im Dezember machten dann die Fortschrittspartei zur aus- schlaggebenden Partei des Parlaments, aber eben auch nur des Parlaments, denn Ferdinand Laffalle predigte mit seiner Mah- nung, die Frage der Heeresreform nickü als Rechts-, sondern als Machtfrage aufzufassen, völlig tauben Ohren. An schönen Reden über allgemeine und besondere Rechte war jene Konfliktszeit so reich wie keine andere, aber weil hinter den Worten nicht der Wille zu Taten stand, mußten sie zerplatzen wie Seifenblasen. Der Streit hatte sich, da die Regierung dem Landtag von 1862 den Gesetzentwurf über die Dienstpflicht vorlegte, auf die Frage: zwei- oder dreijährige Dienstzeit zugespitzt. Hierin gab weder Roon noch die Kammer nach— so kam es zur Auslösung am 11. März und kurz darauf wurde das sogenannte„liberale" Mi- nisterium zum Teufel gejagt: die Neue Aera war endgültig in Pension geschickt. Das neue, durch und durch junkerliche Mini- stcrium sah allerdings bei den Wahlen die Fortschrittler in hellen Hausen zurückkehren: wenn Wahlsiege wirklich Weltenwenden be- deuteten, hätte am 6. Mai 1862 das fortschrittliche Bürgertum die Herrschaft in Preußen antreten muffen. Aber die Regierung dachte nicht daran, nachzugeben. In der Kommission kam es trotz eines vermittelnden Antrages Stavenhagen-Sybel-Twesten zu keinem Ausgleich, und die siebentägige Verhandlung über den Militäretat. in der die-fortschrittlichen Myrmidonen den Selmbusch de? ftei- gesinnten Bürgertums �stolz im Winde ihrer Beredsamkeit wehen ließen, endete am 23. September mit der Ablehnung der gesamten Heeresreorganisation— 308 Mitglieder des Hauses stimmten da- gegen und nur 11 dafür. Was nun werden sollte, die Antwort auf dies« Frage nahm den unentschlossenen Fortschrittlern ein Mann aus dem Munde, der am Tage vor dieser Abstimmung mit Wilhelm I. die entscheidend« Unterredung gehabt hatte und am Tage danach zum Ministerprä- Feldaerichte traten in Aktion, um der Bevölkerung ihren Radikalismus auszutreiben. Aber die Antwort war eine zweite Volksvertretuna, die neben 55 Sozialdemokraten eine starke, sozialistisch gefärbte Bauernpartei aufmies. Nach kurzer Dauer wurde auch diese Volksvertretung gesprengt, die sozial- demokratische Fraktion unter der fälschlichen Anklage des„Hoch- Verrats" ins Gefängnis geworfen und ein neues Wahlgesetz aufoktroyiert, das dem Junkertum von vornherein das lieber- gewicht sicherte.. r.„. Folgende Zahlen beleuchten den sozialen Inhalt dieser Umwälzung: In der ersten Duma gehörte die Ha.ste aller Mandate der Bauernschaft und dem städtischen Burgertum; in der dritten Duma von Staatsstreichs Gnaden chuk d'.eie Zahl auf ein Viertel, während der Adel allein über die Hälfte, und im Verein mit der Geistlichkeit und dem Groß- bürqertum drei Viertel aller Mandate besaß. Noch deutlicher kommt dieser Zusammenhang in den Wahlmänner- zahlen zum Ausdruck. Es entfielen von 100 Wahlmännern ,.. f,.. nach dem alten nach dem neuen auf d.e Kurie der Wahlgesetze 31.6 22.2 42.9 3.4 die dritte Duma 49,4 26.2 22.3 2.1 führte diese Um- entfielen auf Großgrundbesitzer«. städlischen Wähler.. Bauern....- Arbeiter..... Bei den Wahlen für wälzung zu folgenden Resultaten. Es einen Wahlmann: Urwähler in der 230.. Kurie der Großgrundbesitzer 1000.. ersten städtischen Kune(Großbourgeoisie 15 600.. zweiten„.(nuttlere Bourgeoisie) 60 000.. Bauernkurie 125 000.. Arbeiterkurie. Die fünfjährige Tätigkeit der dritten Duma entsprach vollkommen ihrer sozialen Zusammensetzung. Da eine völlige Rückkehr zum alten Regime unmöglich war. verschanzten sich die herrschenden Klassen in den Institutionen, die. von der Volksbewegung ins Leben gerufen, nun den Zwecken der junkerlich-kapitalistischen Reaktion dienstbar gemacht worden waren. Das Wort Lassalles von den„praktischen Dienern" der Reaktion kam auch hier zur Geltung. Das Junkertum und das mit ihm koalierte Großbürgertum nutzten ihre Vorherrschaft in der Duma trefflich aus. um einerseits allen Ueberresten der„Freiheitsperiode". allen Eroberungen der Demokratie den Garaus zu machen. andererseits, um neben der Bureaukratie ein gleichberechtigter Faktor des Staatssystems zu werden und ihren Interessen Geltung zu verschaffen. Das gilt namentlich von dem russi- schen Großbürgertum, das im ersten Rausche seiner politischen Gleichberechtigung mit dem Großgrundbesitz seinen Wirtschaft- lichen Gegensatz zum Agrariertum zu vergessen sucht und un- gestümer, rücksichtsloser als sein hoher Bundesgenosse die Interessen der arbeitenden Klaffen mit Füßen tritt. Die Widersprüche zwischen der barbarischen politischen Wirklichkeit und den Anforderungen der modernen kapitalistischen Entwickelung entgehen dem russischen Großkapital natürlich nicht. Es sucht aber diese Widersprüche zu umgehen einerseits durch die Bekämpfung des„fremden" Kapitals, andererseits durch das Einschivenkeu in das Fahrwasser der kriegerischen Expansion. Dem ersten Zweck dient der chauvinistische Rummel, der in den letzten Jahren gegen die Finnländer, die Juden. die Polen und sonstige„Frcmdstämmige" eingesetzt hat. während der andere gefördert wird durch die Unter- stützung. die die russische Großbourgeoisie den wahn- sinnigen Rüstungsplänen der Regierung, wie ihrem räube- rischcn Vorgehen in P e r s i e n und in der Mongolei leiht. Diese Tendenzen: die gewaltsame Unterdrückung aller Lebensregungcn des Volkes, die wahnsinnige sidenten ernannt wurde: Otto v. Bismarck-Schönhausen. Von seinem Vater hatte er das draufgängerische und tollkühne Junker- temperament geerbt, das ihn den Fortsckrittlern gegenüber in Vor. teil brachte, von seiner bürgerlichen Mutter die Gescheitheit, die ihn weit über den Durchschnitt seiner Klaffengenoffen hinaushob. Am Staatsdienst hatte er als erster Junker wenig Gefallen ge- funden und sich früh von den Akten auf seine pommersche Klitsche geflüchtet. 1848 erschien er auf der politischen Bildfläche, aber für den tollen Junker, wie er daheim genannt wurde, hatte man selbst im tollen Jahr keine Verwendung:„nur zu brauchen." chavakteri- sierte Friedrich Wilhelm ihn,„wenn das Bajonett schrankenlos waltet." Gleichwohl war er auf Betreiben Gerlachs, des königlichen Generaladjutanten und Oberhauptes der junkerlichen Kama- rilla, als preußischer Gesandter zum Bundestag nach Frankfurt ge- schickt worden. Hier hatte er die deutschen Winkeldespoten in ihrer ganzen Jämmerlichkeit, bald danach auf dem Pariser Kongreß den BonapartiSmus in all seiner Kniffigkeit und Psiffigkeit und schließ- lich als Petersburger Botschafter eine halborientalische Diplomatie in all ihrer Durchtriebenheit und Geriebenheit kennen gelernt, über- all mit offenen Augen um sich schauend. Längst war er nicht mehr der hinterpommersche Krautjunker, dem der Misthaufen seines Rittergutes den Blick in die Welt versperrt, sondern er hatte ge- schen, wie lecker es sich aus den Fleischtöpfen der Bourgeoisie schmausen läßt und war entschlossen, sobald ihm die Macht zufiel. nach Bonapartistischem Rezept Hohenzollern, Junker und Bvur- gcoisie unter einem Hut zusammenzubringen. Ueber die Mittel dazu machte er sich wenig Sorge, denn dieser Unbedenkliche war so ftei von Respekt vor allen irdischen und himmlischen Gewalten, daß ihm auch diese Skrupellosigkeit einen weiten Borsprung sicherte. Im Grunde seines Wesens war er eine Spielernatur, die mit aben- teuerlichem Wagemut alles an alles setzte und auch nicht davor zurückschreckte, seine Galeere in die Lust zu sprengen, wenn seine Sache verloren gehen sollte. So schlug er denn an jenem 22. Scp- tember t362 herzhaft in die Hand des alten Wilhelm ein, der in greisenhaft zittriger Bedrängnis schon vor der Abdankung gestan- den hatte, und ihn fragte, ob er auch ohne Budget regieren werde. Jawohl, er, Bismarck, war zu allem entschlossen! Während die Junker den neuen Mann als Netter in der Not begrüßten, wurde er von seinen Gegnern auf der Linken recht der- schieden beurteilt. Die Wochenschrift des Nationalvereins meinte. das preußische Volk werde, nachdem eS seine Abneigung gegen v. d. Heydt und Roon gezeigt habe, durch die Berufung Bismarcks ge- züchtigt...Mit der Verwendung dieses Mannes ist der schärfste und letzte Bolzen der Reaktion von Gottes Gnaden verschossen."' Der fortschrittliche Abgeordnete Forckenbeck schrieb noch am Tage der Berufung ahnungsvoll:„Bismarck-Schönhausen bedeutet: re- gieren ohne Etat. Säbelregiment im Innern. Krieg nach außen." Aber der Hoffnungsseligkeit vieler, die das Regime des neuen Maw. nes nur nach Wochen bemessen wollten und meinten, er werde doch vor dem Verfassungsbruch zurückschrecken, mußte der alte wackere Demokrat Franz Ziegler entgegentreten:„Er wird Euch einzeln am Arm aus der Kammer jagen oder, noch schlimmer, Euch be- halten und entwürdigen." Und Zregler sollte mit seiner melancholischen Prophezeiung recht haben: nachdem Bismarck die Liberalen entmannt und ent- würdigt, begann er die Revolution von oben, die über Düppel. Königgrätz und Sedan nach Versailles, aber auch nach Lützen führte, das will sagen: zur nationalen Einheit, mit der die politische Knechtschaft untrennbar verschwistert war. Hermann Wendel. Hetze gegen die„Fremdvölker" und die aller tvirtschafts Politischen Grundlagen entbehrende auswärtige Expansion sind die wichtigsten Merkmale der innerrussischen Politik der letzten Jahre. Die dritte Duma brachte ihnen das weitgehendste Verständnis entgegen, und auch die neue Duma soll in den Dienst dieser Aufgaben gestellt werden. Grund genug, daß nicht nur die Regierung, sondem auch der Großgrundbesitz und das Großkapital alle Kräfte anspannen, um mit Hilfe des Schandgesetzes vom 16. Juni 1907 eine ihrem Willen gefügige„Volksvertretung" zustande zu bringen. politische(lebersicbt. Berlin, den 24. September 1312. Freiherr Marschall von Bieberstein. SluZ Bademveiler meldet der Telegraph:„Heute früh ist im Hotel Römerbad der hier zur Kur weilende deutsche Botschafter in London Freiherr Marschall von Bieberstein gestorben. DaS Hinscheiden kam ganz unerwartet. Seit einigen Tagen mußte der Botschafter auf Anordnung des Arztes einer Unpäßlichkeit wegen die jedoch zu besonderen Befürchtungen keinen Anlaß bot, das Zimmer hüten. Der Tod trat infolge von Herzlähmung ein. Die Ueberführung der sterblichen Hülle nach dem Stammsitz der Fa- milie, Schloß Nenershausen bei Freiburg i. Br., wird Voraussicht- lich morgen erfolgen." Mit dem Freiherrn Marschall von Bieberstein ist der einzige Diplomat von Bedeutung gestorben, den das Deutsche Reich zur- zeit besitzt. Während sonst von den Erfolgen deutscher Botschafter und Gesandten im Auslande wenig Rühmenswertes zu berichten ist, hat er den deutschen Einfluß im Orient in zäher, geschickter Arbeit immer mehr zu erweitern und zu befestigen verstanden, so daß, als eS im Mai dieses Jahres sich als nötig erwies, den Bot- schafterposten in London neuzubesetzen, er trotz seiner siebzig Jahre zu dieser schwierigsten und verantwortungsvollsten aller diplomatischen Stellungen berufen wurde. Freiherr V. Marschall ist 1842 geboren. Er machte den ba- dischen Justizdienst durch und trat dann in den Reichsdienst. Unter Eaprivis Reichskanzlerschaft wurde Freiherr v. Marschall Staats. sekretär des Auswärtigen AmteS und in dieser Eigenschaft hat er dazu beitragen helfen, die grauenhafte Korruption, die in der preußischen politischen Polizei bestand, vor der Oeffentlichkeit zu brandmarken. ES war in den ersten Jahren nach der Entlassung Bismarcks, daß in deutschen und französischen Blättern eine un- glaublich wüste Hetze gegen einige Stellen der Reichsregierung, ins. besondere gegen das Auswärtige Amt, inszeniert wurde. Das ganze Treiben war darauf angelegt, die Männer des neuen Kurses nicht nur untereinander zu verhetzen, sondern auch in der breitesten Oeffentlichkeit zu diskreditieren. Nach langem Zaudern ging Marschall daran, nach den Urhebern des Verleumdungsfeld« zugeS zu suchen. Da stellte sich heraus, daß die Berliner politische Polizei in der Person des Polizeikommissars von Tausch ihre Finger in hohem Maße dabei im Spiel hatte. ES kam zur Ge richtsverhandlung, die vom 24. Mai bis 4. Juni 1807 währte, Berge von Schmutz wurden auf- und umgewühlt. Der Polizei- kommissar v. Tausch hatte sich einer ganzen Spitzelgaroe bedient, um Nachrichten aus dem Ministerium zu erlangen und sie dann in der geeignet zurechtgemachten Weise in die„Saale.Zeitung", in die„Leipziger Neuesten Nachrichten" und in auswärtigen BIät- kern zu lancieren. Alles zu dem Zweck, den Staatssekretär Mar. schall zu stürzen und den Männern des„neuen Kurses" Verlegen. heilen zu bereiten. Tausch arbeitete natürlich nicht auf eigene Faust und im eigenen Interesse. Hinter ihm standen Philipp Eulcnburg und die konservative Kamarilla. Die Konservativen haben den Frciherrn v. Marschall diese Flucht in die Oeffentlichkeit, die einigen Kreaturen des Tausch ein paar Jahre Gefängnis ein- trug, sehr verübelt, und Marschall soll eS als Erlösung empfunden haben, als er kurz darauf zum Botschafter in Konstantinopel er- nannt wurde. Auf diesem Posten hat Marschall IL Jahre gewirkt. AIS die Spannung zwischen England und Deutschland im verflossenen Frühjahr außergewöhnliche Schärfe annahm, wurde Marschall an Stelle Metternichs zum Botschafter in London ernannt. Er hat den Posten nur sehr kurze Zeit innegehabt. Kaum angetreten, ging er in Urlaub und hier überraschte ihn der Tod. Das Menschenschlachthaus. Wir berichteten gestern, daß der Hamburger Volksschullehrer Wilhelm LamSzuS wegen des von ihm verfaßten, die Schrcch nissc eines künftigen Krieges schildernden Buches„Das Menschen. schlachthaus" vorläufig seines Amtes entsetzt worden und gegen ihn das Disziplinarverfahren eingeleitet worden sei. Nach Mit- teilungcn auS Hamburg ist diese Maßregelung bereit« aufgehoben worden. DaS„Hamburger Fremdcnblatt" weiß darüber zu be- richten:„Die Beurlaubung(nicht Suspension) war verfügt vom Präses der dritten Sektion der Oberschulbehörde. Senator v. Beren- berg-Goßler. weil ihm von feiten der politischen Polizei anar- chistische Zeitungen vorgelegt waren, die in alarmierender Weise aus seinem Werk aus dem Zusammenhang gerissene Szenen zu- sammengestellt hatten. Die ganze Darstellung war so. daß Se« nator von Berenberg-Goßler die Ueberzeugung gewinnen mußte, es handle sich um«ine aufhetzende Broschüre. Nachdem der Se- nator sich über ine Persönlichkeit des Dichters und über sein Werk informiert hatte, ist LamSzuS volle Rechtfertigung zuteil geworden." DaS auchfreistnnige„Hamburger Fremdenblatt" scheint von diesem Verfahren des Herrn Senators sehr befriedigt zu sein; wir meinen aber, zum allermindesten hätte Herr v. Berenberg-Goßler sich die Schrift ansehen sollen, bevor er seine Maßnahmen trifft. Was soll, nebenbei bemerkt, da» Gerede von den„anarchistischen Zeitungen"? Warum gesteht da? Blatt nicht offen:„Senator Berenberg-Goßler ist von der politischen Polizei getäuscht worden"? Zum Jugendschntz. Der Entwurf eine» Gesetze» über da» Verfahren gegen Jugend- liche. der dem Bundesrat vorliegt, wird in der„Nordd. Allg. Zig" veröffeittlicht Nach dem Entwurf gelten für das Verfahren gegen Jugendlicke die Vorschriften de» GerichtsverfastungsgeietzeS und der Strafprozeßordnung nur, soweit diese» Gesetz etwas anderes be- stimmt. Für Strafsachen gegen Jugendliche werden vo» der Landes. justizverwoltung, soweit ein Bedürfnis besteht, bei den Amtsaerichren besondere Abteilungen(Jugendgerichte) gebildet. Zu Swösfen bei den Jugendgerichten sind Personen zu berufen, die in der Jugend- erziehung besonder» erfahren sind. Oeffentliche Klage soll gegen einen Jugendlichen nicht erhoben werden, wenn Erziehung«- und Besserungsmaßregeln einer Bestrafung vorzuziehen sind. Dem Jugendlichen ist von LmtSwege» ein Verteidiger oder Beistand, zu bestellen, sobald eine Voruntersuchung eröffnet oder die Er- Öffnung des Hauplverfahrcns vor der Strastammer beantragt ist. Untersuchungshaft und Hauptverhandlungen gegen Jugendliche sollen von anderen derart gesondert werden, daß eine Berührung mit er- wachsenen Verhafteten oder Angeklagten vermieden wird. Für die Verhandlung gegen einen Jugendlichen kann da» Gericht die Oeffent- lichkeit ganz oder teilweise ausschließen. Eingabe der Kölner katholischen Geistlichkeit an den Bundesrat. Die katholische Geistlichkeit der Stadt Köln hat an den Bundes rat eine Eingabe gerichtet, in der sie dringend darum bittet, dem Jesuitenorden im ganzen Reiche die Freiheit zurückzugeben, damit er unter Leitung und im Aufirage der Bischöfe und Pfarrer im Berein mit dem Weltklerus auch in Deutschland seine Tätigkeit zur Erhaltung der Religiosität und der Sittlichkeit entfalten könne. Zum Schluß wiid in der Eingabe darauf hingewiesen, daß das Empfinden des katholischen Volkes durch die letzten Erörterungen über die Jesuiten lief verletzt worden sei. Es würde zur Versöhnung bei- lrageu. wenn die erbetene mildere Auffassung des Jesuitengesetzes von dem Bundesrat angenommen würde. Mecklenburgische Steuerreform. In Rostock sind am letzten Freitag die Verhandlungen über die Steuerreform in beiden Grohherzogtümern zu Ende geführt worden. Wie die„Mecklenburgischen Nachrichten" hören, ist über die wichtigsten Differenzpunkte eine Einigung erzielt worden, so daß auf dem demnächst in Malchin stattfindenden Landtag dieses Gesetzgebungswerk voraussichtlich zur Verabschiedung gelangen wird, Ausgeschloffen wegen Unterstützung der Sozial- demokratie. Die.Deutsche Tageszeitung" meldet in auffälligem Druck an der Spitze ihres politische» Teils, daß der Vorstand de« Bundes der Landwirte die beiden Bundesmitglieder Kirsten und Krieger die nach Verhandlungen mit der sozialdemokratischen Fraktion im Landtage Schwarzburg-Rudolstadt einen Sozialdemokraten zum ersten Laiidlagspräsideulen gewählt haben, aus dem Bunde der Landwirte ausgeschlossen hat._ Ei» militärischer Monsterprozeß, wie er in diesem Umfange wohl noch nie vor einem Militärgericht verhandelt wurde, fand gestern und heute vor dem Kriegsgericht der 1. Gardedivision in Potsdam statt. Die ganze 6. Kompagnie des 1. Garde-Regiments mit Ausnahme der Leutnants und Ober- leutnants stand unter Anklage, Wegen Raummangels mutzte das Militärgericht die Räumlichkeiten des Potsdamer Landgerichts in Anspruch nehmen. Es handelt sich um Vorgänge, die sich An, fang August beim Kaiserpreiswettschießen der Kompagnie afr spielten. Wie beka nt, stellte sich bpi einer plötzlichen Revision auf dem Truppenübungsplatz Döberitz vor dem Schießen heraus, daß die Mannschaften über mehr Patronen verfügten, als ihnen vor- schriftsmäßig zugeteilt waren. Durch den Ueberschutz an Munition wäre die Kompagnie gegenüber ihrer Konkurrentin im Vorteil gewesen. Es lag die Gefahr nahe, das Schießresultat durch eine Vergrößerung der Chancen zu beeinflussen. Durch Sanitätsunter Offiziere soll die Angelegenheit zur Anzeige gelangt sein. Zur Br Weisaufnahme sind 12 Zeugen, darunter 7 bereits entlassene Manm schaften, geladen. Anklagebank. Geschworenenbank und Zeugen� räum waren von den Angeklagten besetzt. Vor dem Richtertisch nahm der Kompagniechef mit seinem Feldwebel und den Unter- Offizieren Platz. Das Kriegsgericht bestand aus dem Oberst- leutnant v. Bardelsben als Vorsitzenden, den Kriegsgerichtsräten Cruse und Ullmann und den Majoren Graf zu Rantzau und Graf v. Rhoden als Beisitzern. Die Anklage vertrat Kriegsgerichtsrat Dr. Matschke. Hauptbeschuldigter war der Sergeant Matthias Huttenburg, der Schiehunteroffiziev der Kompagnie, die auch im Vorjahre den Kaiserpreis erstritt, der in Gestalt eines goldgestickten Abzeichens am rechten Arm getragen wird. Dl« Anklageverfügung ist vom Divisionär Generalleutnant v. Below am 23. August er- lassen. Sie beschuldigt 1. den Huttenburg, zu Potsdam Anfang August durch drei selbständige Handlungen, Untergebene zur Be- gehung der strafbaren Handlungen, umd in den Jahren 1010 und 1911 andere Untergebene vorsätzlich zum Ungehorsam gegen dienst- liche Befehle unter Verursachung eines Nachteiles bestimmt zu haben. 2. Die Gefreiten und Grenadiere: gegen den Befehl, beim DivisionSschießen, nur 30 Patronen pro Mann zu empfangen�, durch Nichtbefolgung ungehorsam gewesen zu sein und dadurch die Gefahr eines erheblichen dienstlichen Nachteiles herbeigeführt zu haben, in- dem sie von dem Schießunterosfizier überMssige Patroneg in Empfang nahmen und an die Untergebenen verteilten� während die letzteren sich in den Besitz der Patronen setzten, um sie beim Kaiser- wettschießen zu verwenden. 3. Gegen die Korporalschaftssührer Thiel und LageS, weil sie dabei gemeinschaftlich mit ihren Unter- aebenen handelten, und 4. gegen den Hauptmann von Schlichting, den Feldwebel Barbuke und die Unteroffiziere und den Fähnrich v. Crammern. weil sie die ihnen obliegende Beausichtigung der Mannschaften in schuldhafter Weise vernachlässigten. Die Anklage zieht die§§ 115, 03, 02, 147, 57 M.-St.-G.-B. und 74 R.-St.-G.-B. heran. Auf Antrag des Anklagevertreters wird»vegen Gefährdung militärdienstlicher Interessen für die Dauer der Verhandlung die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. » Da» heute gefällte Urteil lautet für den Schießunteroffizier Huttenburg auf vier Monate Gefängnis. Von der Mannschaft er- hielten elf Mann drei Tage, 105 zwei Tage Mittelarrest. Einer wurde freigesprochen. Gegen den Feldwebel wurde auf drei Wochen, gegen die Vizefeldwebel und Unteroffiziere aus zwei Wochen ge- linden Arrest erkannt. Der Hauptmann v. Schlichting wurde mit einer Woche Stubenarrest bedacht. Graf ßerclitolä Uber die politilcbe Situation. Wien, 24. September. Im Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten der Ungarischen Delegation sagte Minister des Aeußern, Graf Berchtold, in seinem Expose unter anderem folgendes: Wenn auch der italienisch-türktsch« Waffengang noch nicht zur Austragung gelangt ist, so sind doch seit einiger Zeit Verhandlungen privaten Charakters ztvischen Unterhändlern beider Streitteile im Zuge, die der Friedenssache wesentlich Vorschub ge- leistet zu haben scheinen. Die Ereignisse, deren Schauplatz seit einiger Zeit der Balkan geworden ist, haben unsere Aufmerksamkeit als unmittelbare Nachbarn der Türkei erhöht in Anspruch genommen. Wir ver- mochten uns der Gefahren nicht zu verschließen, welche aus dem Widerstreite zwischen der ottomanischen Regierung und den in ihren althergebrachten Freiheiten sich verkürzt fühlenden Albanesen für den inneren und äußeren Frieden der europäischen Türkei entstehen könnten. Als dann ein RegierungS- Wechsel in Konstantinopel erfolgte, dessen erste Manifestation darin bestand, den Albanesen Entgegenkommen zu bezeigen, gleichzeitig aber an mehreren Punkten, namentlich infolge deS türkisch- montenegrinischen Grenzkonfliktes, der bulgarischen Erregung über daS durch ein Bombenattentat veranlaßte Gemetzel von Kotschana und der Zusammenstöße Mischen Griechen und Albanesen in EpiruS Zustände eintraten, welche das Versöhnungswerk zu er- chiveren, wenn nicht unmöglich zu machen drohten, haben wir uns mit der Anregung zu einem Gedankenaustausch über die Lage am Balkan an die Mächte gewendet. Der Zweck, den wir dabei im Auge hatten, lag vornehmlich barin, durch ein einmütiges Zu- ämmenhalten der Mächte auf der Basis der Erhaltung deS Friedens und des Statusquo am Balkan der Pforte Zeit und, wenn an- gemessen, freundschaftliche Ratschläge zu geben zur Verwirklichung Zer von ihr inaugurierten Politik und Herstellung geordneter Zustände in ihrem europäischen Besitz. Zu unserer lebhaften Be- friedigung haben sämtliche Kabinette unserer Anregung ver- kändnisvoll zugestimmt, wodurch der Kontalt unter den Mächten hergestellt und eine wertvolle Bürgschaft für die m ö g l i ch st e Verhütung einer gewaltsamen Lösung derKrise geschaffen worden ist. Namentlich ist daS russische Kabinett gleich uns ernstlich bestrebt, die Aufrechterhaltung des Friedens zu sichern, Es hieße aber sich einer bedenklichen Täuschung hin- geben, wenn man die Gefahren der gegenwärtigen Balkanlage deshalb als beseitigt ansehen würde. Die wenig befriedigenden Zustände in den Provinzen der europäischen Türkei sind nicht ohne bedenkliche Rückwirkungen in den benachbarten Ländern geblieben und haben die leitenden Persönlichkeiten daselbst vor eine schwierige Aufgabe ge- stellt. Wir wollen hoffen, daß die staatsmännische Einsicht und das Bewußtsein schlverer Verantwortung der leitenden Person- lichkeiten sie abhalten wird, Impulsen unverantwortlicher Elemenre zu folgen. Auf der anderen Seite möchten wir die Erwartung aussprechen, daß die Türkei den Ernst der Situation nicht ver- kennen und den Weg finden wird, den Gefahren von Kam- plikationen zuvorzukommen. Die uns hierüber zugegangenen In- sormationen berechtigen zur Annahme, daß sich die gegenwärtige Regierung befleißigt, die nötigen Garantien für gerechte Lebens- bedingungen der Nationalitäten zu schaffen. Wie Ihnen bekannt, hatte Graf Aehrenthal seinerzeit der Wiederherstellung der ottomanischen Konstitution besonders herz- liche Worte gewidmet. Es hat sich daraus die Legende gebildet, als hätte sich mein Vorgänger mit der Politik des Komitees für Einheit und Fortschritt im türkischen Verfassungsleben identifiziert, was den Tatsachen nicht entspricht. Die legitimen Ansprüche der verschiedenen, das vielsprachige Rumelien bewohnenden Völker mit den Exigentien des ottomanischen Staatswesens zu versöhnen, darin erblicken wir die Aufgabe der türkischen Staatsmänner, und redliche Bemühungen, eine Lösung dieses Problems herbeizuführen, werden stets unsere moralische Unterstützung finden. In der Verfolgung dieser Politik fühlen wir unS bestärkt durch die Ueberzeugung, daß dieselbe der Aufsassungunserer Verbündeten entspricht. Seit ich zuletzt die Ehre hatte, von dieser Stelle aus zu sprechen, habe ich Gelegenheit gehabt, mit den maßgebenden Staatsmännern des Deutschen Reiches in Berlin zu konferieren und konnte hierbei die neuerliche Bestätigung für die Uebereinstimmung der letzten Ziele der beiden Kabinette finden. Ebenso hat der anläßlich des Besuches Herrn v. Bethmann Hollwcgs in Buchlau mit demselben gepflogene Meinungsaustausch die volle Kongruenz der Anschauungen, namentlich auch in bezug auf die im nahen Oriente zur Richtlinie beider Verbündeten dienenden konservativen Prinzipien ergeben. Im nächsten Monat wird mir Gelegenheit geboten sein, mich Sein« Majestät dem König Viktor Emanuel vorzustellen und mit dem Marchese di San Giuliano Meinungsaustausch zu pflegen. Es entspricht dieser Antrittsbesuch bei dem erlauchten Verbündeten unseres allergnädigsten Herrn einem von meinen Vorgängern beobachteten Herkommen, dem ich mich um so freudiger anschließe, als die Beziehungen der Kabinette von Wien und Rom durch eine persönliche Aussprache zwischen den Leitern der aus- wältigen Politik der beiden Mächt« an Klarheit und Vertrauen nur gewinnen können. Wie Sie aus den vorstehenden Darlegungen erkennen werden, ist die gegenwärtige Lage trotz der Uebeveinstimmung der Kabinette der Großmächte in deren Bestreben, den Frieden zu er- halten, keineswegs beruhigender Natur. Ein kon- tinuierliches Wetterleuchten am Balkan gibt von einer erhöhten elektrischen Spannung der politischen Atmosphäre Zeugnis, ohne das Dunkel ungelöster Probleme aushellen zu können. Nur wenn wir auch zu Lande und zur See gerüstet sind, können wir der Zu- kunft ruhigen Mutes entgegensehen. Serbien. Zur Lage auf dem Balkan. Belgrad, 23. September.(Eig. Bor.) Die Informationen, die wir heute erhalten haben, be- stättgen vollständig alles, was wir schon berichtet haben. Hinzuzufügen ist noch, daß nach dem serbisch-bulgarischen Ans- gleich die Strecke bis Skutari Montenegro gegeben werden sollte. Serbien sollte ein Meeresnfer von hundert Kilometer bekommen. Besonders wichtig aber ist die Vereinbarung, daß Saloniki und Konstantinopel für freie Handelsstädte erklärt und neutralisiert werden sollten. Im allgemeinen ist eine Besserung der Lage zu konsta- tieren. Bulgarien hat angefangen einzulenken. Der beste Beweis dafür ist die plötzliche Unterbrechung des Manövers, das mit einem Einfall in die Türkei endigen sollte. Man schickte die Soldaten nach Hause gerade in dem Moment, als man die diplomatischen Beziehungen abbrechen sollte. wei Ursachen führt man an. diesen Rückzug zu erklären. rstens den Druck der Großmächte, der mit aller Schärfe einsetzte. Ein englischer und ein französischer Armeeinspektor haben die ganze Kriegsbereitschaft und die militärischen Fähigkeiten der serbischen, bulgarischen und rumänischen Armee untersucht. Diese Herren sollen einstimmig gefunden hoben, daß die in der Welt ver- breiteten Gerüchte über die unerreichbare Tüchtigkeit der bul- garischen Armee ganz grundlos seien. Die beste Armee in jeder Beziehung soll Rumänien haben, dann Serbien und erst dann Bulgarien. Die Tripel-Alliance chätte daraus die Ueber- zcugung gewonnen, ein Zusammenstoß mit der Türkei könnte nur zu einer allgemeinen Schwächung der Kräfte im Balkan "ühren. Andererseits soll Bulgarien selbst eingesehen haben, daß es den Hauptstoß der Türkeit werde aushalten müssen. Man rechnet in der Türkei: Serbien wird unter allen Um- tänden von Oesterreich-Ungarn in Schach gehalten werden, der Hauptfeind ist Bulgarien. Aus diesem Grunde verlangte Bulgarien von dem verbündeten Serbien, daß es ihm eine ganze Division und dazu noch 10000 Mann Kavallerie unterstelle. Von Serbien wurde geantwortet, es sei bei dem besten Willen unmöglich, die bulgarische Forderung zu erfüllen. Serbien sei gezwungen, einen bedeutenden Teil seiner Militär- macht an die österreichisch-ungarische Grenzen zu stellen. Diese Antwort soll das verbündete Bulgarien nicht nur böse, sondern auch vorsichtig gemacht haben. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird es den Marsch nach rückwärts einschlagen müssen. Cfrina. Um den Besitz von Tibet und der Mongolei. London, 24. September.„Daily Telegraph" meldet auS Peking: Der neue Minister des Auswärtigen Liangnrengtuang und Präsident Auanschikai beschlossen, energische Schritte bezüglich der Mongolei und Tibet zu unternehmen. Die Regierung schlägt vor: Erstens, in Petersburg zu ermitteln, wie hoch die den Mongolen gewährten Anleihen seien. Zweitens, auf das strengste gegen den heimlichen Einmarsch einer russischen Abteilung in die Mongolei zu protestieren. Drittens, die Grenzgarnison in der Station Mandschuria bedeutend zu ver- tärten und die Gouverneure der Mandschurei anzuweisen, die Zahl der in der Mandschurei befindlichen rusk'kchen Truppen genau festzustellen. Viertens, alle Waffen und Munition in der Mandschurei, Mongolei und in Turkestan zu beschlag- nahmen. Bezüglich der Grenze von Tibet und Birma schlägt die Regierung vor: Erstens, stärksten Protest gegen die dauernde Be- setzung deS streitige» Grenzbezirkes seitens der Engländer einzulegen. Zweilens, den Vizekönig von Indien von den vorgekommenen Ver- letzungen deS Vertrages seitens britischer Untertanen Mitteilung zu machen, die Waffen Uber die indische Grenze nach Tibet schaffen. Drittens, den chinesischen Kommissar in Lhassa zu beauftragen, den chinesischen Zollbestimmunge» an der tibetanischen Grenze strengste Geltung zu verschaffen. Die Frauen gegen dh Wer bis jetzt noch gezweifelt hätte, baß bie Aushunge- rungspolitik die Erbitterung in der breiten Masse des Volkes bis zur Siedehitze gesteigert hat— am gestrigen. Abend wäre es ihnen mit erschreckender Deutlichkeit zum Bewußtsein ge- langt. Zu vielen Tausenden waren die Frauen und auch zahllose Männer in den Versammlungen erschienen, um in erschütternder Weise ihren Protest gegen die geradezu sünd- hafte Verteuerung aller Lebens» und Gebrauchsartikel zu protestieren. Die gestrige Protestaktion schwoll weit über den Charakter ähnlicher Veranstaltungen hinaus— es war der elementare Ausbruch, der dumpfe Wutschrei einer fronenden darbenden Masse. In langen, schwarzen Zügen kanien sie herbei, unab- sehbar in ihrer Fülle. Bald waren die Säle bis auf den letzten Platz angefüllt, und noch immer rückten neue Scharen heran, bis auf die Straßen hinaus standen die Besucher, eine Hungerparade, wie sie ergreifender kaum der Griffel einer Kollwitz darstellen könnte. In den Gesichtern, die da in enggekeilten Reihen, den Worten der Redner lauschten, hatte die verwüstende Raubpolitik vielfach ihre Spuren eingegraben. Die Referenten brauchten wirklich nicht künstlich Stimmung zu machen, denn die Tatsachen, die sie aufmarschieren ließen, die Beispiele, die sie einander gegenüberstellten, waren so aufreizend, daß die Menge schon bei der einkochen Wiedergabe derselben ihrer gerechten Em- pörung in spontaner Weise Ausdruck gaben. Gar viele von den Frauen, die mit glänzenden Augen, in gespann» ter Aufmerksamkeit an dem Munde des Redners hingen, lernten wohl zum ersten Male den innigen Zusammenhang zwischen Politik und Kochtopf kennen; so manche Mutter und Hausfrau mag am gestrigen Abend zu der Erkenntnis ge» kommen sein, daß all die Fragen, mit denen sie sich bis dahin nicht abgegeben hatte, weil das„Angelegenheiten für Männer" seien, unlöslich mit ihren vitalsten Interessen ver- knüpft sind. Die Frauen», Kinder- und Heimarbeit, mit ihren verheerenden Wirkungen, Arbeitslosigkeit, Krankheit, Säuglingssterblichkeit. Prostitution und Verbrechen— es war eine einzige Anklage gegen die junkerlichen Freibeuter, gegen unser heutiges Wirtschaftsshstem. gegen den Klassenstaat, wie er sich täglich in brutaler Nacktheit sich vor uns zeigt. Für die Referenten war es denn auch eine dankbare Aufgabe, den Anwesenden mit zündenden, zu Herzen gehenden Worten vor Augen zu führen, daß es mit dem Protestieren allein nicht getan sei, sondern daß alle Kräfte im Proletariat mitwirken müßten an dem schweren Werk der Befreiung, daß jeder sein Bestes freudig hinzugeben habe, wenn es gelte, das Volk von dem unheilvollen, eisernen Drucke der Reaktion zu erlösen. Sämtliche Referate klangen in den ernsten und eindringlichen Appell aus, treu und unerschütterlich in Reih und Glied zu stehen und nicht zu ruhen und zu rasten, bis die Klassenherr- schaft gebrochen und die Bahn frei sei zum Aufstieg des Volkes in sonnigere Kulturhöhen. Und während aus den dichtgefüllten Sälen die Hochrufe auf die völkerbefreiende Sozialdemokratie erklangen, blitzten unten auf den Straßen die Helme und Waffen der Polizei, die fürsorglich überall in größerer Anzahl verteilt war. für den Fall, daß die Rebellion der Hungrigen die behagliche Ruhe der Satten hätte erschüttern wollen. Der Browning konnte aber friedlich im gelben Lederfutteral und die Klinge in der Scheide stecken bleiben, das arbeitende Volk weiß, daß seine Stärke in seiner festgefügten Geschlossenheit und seiner politischen Schulung besteht, und es keine Ursache hat, sich durch über- triebene„Sicherheitsmaßnahmen" provozieren zu lassen, um den Herrschenden Gelegenheit zu geben, durch ein kleines Ge- metzel die Blicke der Allgemeinheit von der Not des Volkes abzulenken. Der gestrige Protest wird im Lande nicht wirkungslos verhallen und den Volksauswucherern wie eine gellende War- nung ins Ohr klingen. Bis hierher und nicht weiter! lautet des Volkes Spruch. Alle Versammlungen nahmen die nachstehende Reso- lution an: Die versammelten Hausfrauen und Mütter erklären: Die gegenwärtige Teuerung aller Gebrauchsartikel, besonders die der notwendigen Lebensmittel, ist für die minderbemittelten Volksschichten unerträglich geworden. Die Bolksgesundheit ist auf das schwerste gefährdet. Die Hausfrauen können mit ihrem Wirtschaftsgeld nicht mehr aus- kommen. Not und Sorge weicht nicht mehr von der Schwelle der Arbeiterfamilien. Die' Kinder müssen hungern, Männer und Frauen erleiden durch Unterernährung schwerste Schädi- gungen. Die Säuglingssterblichkeit nimmt zu. Die Versammelten verlangen deshalb im Interesse der allgemeinen Volkswohlfahrt, im Namen ihrer Familien, vor allem im Namen ihrer hungernden Kinder, daß die Regierung und die Gemeinden unverzüglich Maßnahmen treffen, die notwendig sind zur Linderung der schlimmsten Notlage. Die Versainmelten fordern insbesondere: 1. Von der Regierung: Die Ocffnung der Grenze,, für die dauernde Einfuhr von Vieh und Fleisch, insbesondere auch von Gefrierfleisch. Aufhebung der Zölle auf Vieh, Fleisch, Getreide und Futtermittel. Aufhebung des Svstems der Einfuhrscheine. 2. Von der Gemeindeverwaltung: Versorgung der Bevölkerung mit Fleisch, möglichst zum Selbstkostenpreis. Die Versammelten versprechen, daß sie mit verstärkter Kraft am Ausbau der politischen Organisation arbeiten wollen, da sie lediglich in der zunehmenden Macht und Stärke der Sozialdcmo- kratie das einzige Mittel sehen, der volksausplündernden Zoll- und Steuerpolitik ein Ende zu machen, der Not und Ausbeutung des arbeitenden Volkes entgegonzuwirken und sie schließlich durch die Berwirkliä>ung des Sozialismus zu beseitigen. * ♦ ♦ Aus den Versammlungen erhalten wir die nachstehenden Einzelberichte: Die im„Hofjägerpalast" in der Hasercheide tagende Frauen- Versammlung war um 8 Uhr bereits bis auf den letzten Platz gefüllt und immer neue Scharen strömten noch hinzu. Das Referat hiel Genosse U ck o: In eineinhalbstündiger Red« geißelte der Rese- rent unter starkem Beifall der Versammlung die Zurückhaltung der Regierung. In der darauffolgenden Pause wurden viele Auf- nahmen gemacht. In den„Armiuhallen" referierte vor übersülltcm Saale Gen. Dr. Silberstein. Das Referat fand starken Beifall. Die Dis- kufsion war eine sehr rege. Kurz vor 8 Uhr sperrte die Polizei den Saal der Prachtsäle de? Ostens ab. Erst nachdem sich die männlichen Personen entfernt hatten, konnten noch viele Frauen in den Saal hinein. Referentin Derantw. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw. Volksauswuchernng! war Genossin Fahrenwald. Der Vortrag war sehr fesselnd, oft starken Beifall auslösend. Im Saal waren zirka 1000 Personen. Ein ganz Teil der Frauen ließ sich in den Wahlverein auf- nehmen. Die Versammlung in den Comeniussälcn war so zahlreich besucht, daß alle Tische entfernt werden mußten und nur Frauen Zutritt hatten. Die Referentin, Genossin Röhl, verstand es treffend, den Frauen Ursachen und Wirkungen der Teuerung aus- einanderzusetzen und sie auf die Organisation hinzuweisen. Das hatte denn auch den Erfolg, daß sich viele Frauen in den Wahl- verein aufnehmen ließen. Bei Borgmann in der Andreasstraße referierte Genosse Richard Barth vor einer lOOOköpfigen Zuhörerschaft., Das Referat fand großen Beifall. Die im Elysium tagende Versammlung war von zirka 2000 Personen, zumeist Frauen, besucht. Genossin Kühler verstand es, in izhstündigen Ausführungen den Anwesenden die Ursachen der Teuerung klarzulegen. In flammenden Worten forderte sie die Anwesenden auf, Protest gegen derartige Ausbeutung ein- zulegen. Es wurden 31 Mitglieder aufgenommen. Nach einem begeisterten Hoch auf die internationale Sozialdemokratie ging die Versammlung auseinander. In Bockers Gescllschaftshaus, Weberstr. 17, referierte die Ge- nossin Nemitz und erntete von der sehr gut besuchten Versamm- lung für ihre vorzügnchen Ausführungen reichen Beifall. Es sind eine Anzahl Aufnahmen in den Wahlverein zu verzeichnen. Die Versammlung im Lokal„Süd-Ost", Waldemarstraße, war total überfüllt, so daß noch eine Versammlung im Tunnel abgchal- ten wurde. Es referierten die Genossen Schneider und Dr. G r u m m a ch. Beide fanden starken Beifall, ebenso wie Genosse Schmidt, welcher in der Diskussion die Frauen aufforderte, sich ihrer Berufsorganisation anzuschließen und in die Konsumgenossen- schaften einzutreten. Die Versammlung für das Görlitzer Viertel fand bei Grau- mann statt. Referent war Genosse Dr. Moses. Die Versammlung war überfüllt. In den KönigSsälen sprach Genosse Dr. Weinberg. Die Ver- sammlung war von 600 Frauen besucht; die Männer mußten den Saal verlassen.— Die Ausführungen des Referenten wurden mit großem Beifall aufgenommen. Die Versammlung bei Ballfchmiedcr war vollständig überfüllt und zum größten Teil von Frauen besucht. Der Vortrag der Ge- nossin M. Ka s ch e w s k i fand allseitige stürmische Zustimmung und ihre Ausführungen über die wahren Ursachen der Fleisch- teuerung stießen bei der Versammlung auf volles Verständnis. Zwei Diskussionsredner sprachen im Sinne des Vortrages. In den„Pharussälen" hielt in von über 2500 Genossinnen besuchter Versammlung die Genossin Käte Duncker einen flam- menden. von vielem Beifall aufgenommenen Vortrag. Der Gesang- verein„Weddinger Männerchor" leitete durch Freiheitslieder die Versammlung ein und schloß sie mit dem Liede„Empor zum Licht". Ein zahlreiches Polizeiaufgebot sorgte liebevoll dasiir, daß die Tausende, die den Saal nicht betreten durften, nicht die Ordnung störten. Schon um S'A Uhr war das Lokal polizeilich abgesperrt worden, obgleich die Männer alle den Saal verlassen hatten. Die Versammlung im Moabiter Stadttheatcr war überfüllt von Frauen. Die Anzahl der Erschienenen wird auf 2500—3000 geschätzt. Gänge, Galerie und Bühne waren dicht besetzt von Frauen. Auch einige Männer waren anwesend, die sich aber nur mit einem sehr bescheidenen Stehplatz begnügen mutzten. Der Moabiter Männerchor leitet die Versammlung durch stim- mungsvollen Gesang ein. Das Referat hielt Genossin Klara W e y l. Das Referat wurde mit großem Beifall aufgenommen. In der Diskussion sprachen Genossin H ü b n e r im Sinne des Referats, Genossin K r i g agitierte für die Konsum-Gcnossenschaft. Es wurden eine Anzahl Frauen für die Organisation gewonnen. AdlerShof. Im Lokal von Lehmgrübner zählte man 600 Personen, zumeist Frauen. Genossin Lungwitz referierte. Charlottenburg. Die Versammlung im Volkshause war lange vor Beginn überfüllt, so daß ein« zweite Versammlung im unteren Saale anberaumt wurde. Die Referate der Genossin Wulff sowie des Genossen Zempelburg fanden lebhaften Beifall. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Die Charlottenburger Liedertafel brachte einige begeisterte Arbeiterlieder zum Vortrag. � Wilmersdorf. Die Frauendersammlung wurde hier bereits am Montagabend abgehalten. Der große Saal des Viktoria- gartens war fast gefüllt; es mochten an die 400 Personen anwesend sein, die zu zwei Dritteln aus Frauen bestanden. Redakteur D i t t- m e r hielt das mit lebhaftem Beifall aufgenommene Referat. Zum Schluß ermahnte der Vorsitzende die Anwesenden, der politischen Organisation beizutreten und anstelle der Klatschpresse den„Vor- wärts" zu lesen. Stcglib-Fricdcnau. Im Kaiser-Wilhclm-Garten referierte Genosse Dr. Ernst M e h c r. Die Versammlung war gut besucht. Lichterfelde. Genossin Regina Rubens sprach im Saale von Ernst Richter vor sehr gut besuchter Versammlung. Die Resolution fand einstimmige Annahme. Neukölln. Die Hohen st aufensäle waren vollständig überfüllt; anwesend waren 4500 Frauen und Männer. Referentin war die Genossin Bohm-Schuch. Das Referat wurde mehrfach durch stürmische Zustimmung unterbrochen. Nach Schluß der Ver- sammlung wurden eine Anzahl Aufnahmen gemacht. Auch der große Hof war vollständig von demonstrierenden Männern und Frauen besetzt, die im Saale nicht mehr Platz fanden. In Bartschs Festsä'lcn hielt die Genossin Anna D i e tz einen vorzüglichen Vortrag. Unter stürmischen Zwischen- rufen geißelte die Rcferentin die Stellungnahme der Regierung zu der Teuerung. Wegen Ueberfüllung des großen Saales hielt die Genossin I u ch a c z im kleinen Saal einen hochinteressanten Vor- trag. Auch sie kritisierte in treffenden Worten die Maßnahmen der Regierung. Es waren in beiden Sälen 1500 Frauen und in geringer Zahl auch Männer anwesend. Auf dem Rückwege von der Versammlung zog eine größere Zahl von Frauen auch an dem Rathaus vorbei. Dort wurden sie von der Polizei empfangen und einige der Frauen erfuhren eine wenig ritterliche Behandlung. Ncinickcndorf-Wcst. Die Versammlung fand in Hartmanns Brauerei statt. 600 Personen waren anwesend, davon die Hälfte Frauen. Rcferentin war die Genossin R e i ch e l t, die stürmischen Beifall erntete. Eine Anzahl Aufnahmen für den Wahlverein wurden gemacht. Wcißcnsee. Vor ungefähr 1000 Personen, worunter sich mindestens 800 Frauen befanden, referierte Genossin Fried- l ä n o e r im großen Saale des Schloßrestaurants. Die Kenn- zeichnung der deutschen Politik und ihrer verhängnisvollen Folgen begegnete vollem Verständnis. Die Aufforderung an die Frauen, sich immer mehr mit dieser Politik zu beschäftigen und daraus die rechte Lehre zu ziehen, wird sicher ihre Wirkung unter den Weißen- seer Frauen nicht verfehlen�__ Hus der frauenben>egunq. Die Heimarbeit in der Dresdener Zigarettenindustrie. Dresden ist eine Zigaretlenstadt. Der Reisende bekommt sofort einen Eindruck davon, wenn er mit dem Zuge einfährt. Für das Jahr 191 l wurden nicht weniger als 46 Zigarettenfabriken in Dresden gezählt. Neben der Fabrikarbeit der Zigarctlenherstcllung besteht in großem Umfange die Heimarbeit. Meist sind es ehe- malige Fabrikarbeiterinnen. Sobald sie vcrheiraler sind und Kinder haben, sind die Frauen froh, noch ihrer früheren-Arbeit nachgehen zu können. Die Heimarbeit wird hier als Nebenverdienst be- trachtet, die Arbeiterfrau verbindet ihre Erwerbsarbeit mit ihren häuslichen Arbeiten.__ ; Tb- Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. n Verlagsanftalt Im Verlage von Duncker u. Humblot ist kürzlich ein kleine? Heft erschienen: Die Heimarbeit in der Dresdener Zigaretten- industrie von Dr. Sternthal. Der Verfasser hat am Ort Studien gemacht, hat eine Reihe von Heimarbeiterinnen besucht und man kann wohl sagen, daß er, abgesehen von Einzelheiten, mit Ver- ständnis die Lage der Heimarbeiterinnen beobachtet hat. Nach den Angaben Dr. Sternthals werden in der Dresdener Zigarettenindustrie durchschnittlich 800 Heimarbeite- rinnen gegen 5000— 6000 Fabrikarbeiterinnen beschäftigt. Das Mitarbeiten von Familienmitgliedern, wie eS so oft in anderen Industrien gebräuchlich ist, findet man nicht. Trotzdem liegen die Verhältnisse sehr traurig. Der Durchschnittslohn einer Heimarbeiterin beträgt 6,25—6,75 M. pro Woche. Als Arbeits- zeit benutzt sie die Nach'miltagsstunden,' wenn die Kinder Schul- arbeiten machen, wenn sie mit dem Mittagzubereiten fertig ist. Die eigentliche Arbeit beginnt aber erst abends. Wenn die Kinder zu Bett sind, kann die Frau ruhig hintereinander arbeiten. Die Lebenshaltung ist recht schlecht. Sternthal kann nicht um- hin, die Ernährungsweise als eine unzulängliche zu bezeichnen und hält es für geboren, Maßnahmen zu treffen, die das Elend der Heimarbeiterinnen mildern sollen. Die Unternehmer haben kein Interesse den Heimarbeiterinnen aus ihrer Notlage zu helfen, denn der Wert der Heimarbeit besteht eben— abgesehen von billigen Löhnen— für den Arbeilgeber in der Möglichkeit, bei veränderter Wirtschaftslage Menschenmatcrial zur Verfügung zu haben, das ihm unbedingt unterworfen ist und um in Zeiten des Streiks in diesen unorganisierten Frauen Ersatz für die Streikenden zu finden. Das sind die Fragen, um die es sich bei der Heimarbeit bandelt. Der Unternehmer braucht unorganisierte Massen, die billig arbeiten, die er nach freiem Ermessen ausbeuten kann. Und wenn der Verband der Deutschen Zigarettenindustrie in seinem letzten Geschäftsbericht die Hoffnung ausspricht, der Entwurf eines Hausarbeitsgesetz-s werde„nach Lage der Dinge" nicht zustande kommen, so haben auch sie recht behalten. Das. was das Hausarbeitsgesetz den Heimarbeiterinnen gibt, rührt nicht an dem Kernpunkt der Heimarbeirerfrage. an den Lohntarifen. Nur diese sind das einzige Mittel, um bei besseren Löhnen in ge- sunden Wohnungen eine bessere Lebenshaltung schaffen zu können. Soziales. Mißstände im Schlafstellenwescn. In der letzten Sitzung des Bezirksausschusses der Amtshaupk- Mannschaft Chemnitz stand der Entwurf einer Polizei Verordnung über die Teilvermietung einschließlich des Schlafstellenwesens zur Beratung. Dabei kam es zu recht lebhaften Auseinandersetzungen. Einigen Herren des Bezirksausschusses gingen verschiedene Be- stimmungeu zu weit, sie befürchteten Schwierigkeiten bei ihrer Durchführung; u. a. wiesen sie auch daraus hin, daß nach den strengen Bestimmungen des Entwurfes es sehr oft vorkommen werde, daß Bauarbeiter in verschiedenen Ortschaften Schlafstellen nicht er- halten könnten, und daß dadurch die Unternehmer keine oder nur schwer Arbeiter während der Bauzeit erhalten könnten. Schwierig- keilen beftirchteten diese Herren auch bei der Durchführung der Kontrolle, die der Gemeindevorstand doch nicht alle persönlich machen könne und wobei es sich nicht empfehle, Schutzleute zu verwenden, weil diese in der Regel zu scharf vorgingen und nicht verständen, mit den Leuten verbindlich zu verkehren. Der Amtshauptmann wies daraus hin, daß die Polizeiverordnung eine ÜKrbesserung bringen soll, keine Verschlechterung. Die Aenderungen der Verordnung seien ganz minimale und notwendige mit Rücksicht aus die Wohnungs. ordnimg. die vor einigen Jahren ebenfalls unter großem Wider- spruch des Bezirksausschusses eingefiihrt worden sei. Jetzt sei man froh, daß die Wohnungsordnung bestehe. Heute würden größere Ansprüche an die Wohnung gestellt. Wesentliche Erschwernisse für die Bewohner bring« die Polizciverordnung über die Teilvermietung und das Schlafstellenwesen nicht. Schwere Mißstände bestehen im Schlafstellenwesen, und die Notwendigkeit für deren Beseitigung werde gewiß von keiner Seite bestritten werden. Außerdem könn- ten nach der Bestimmung über den Dispens ist besonderen Fällen während der Dauer von fünf Jahren Erleichterungen zugelassen werden. Ein Mitglied des Ausschusses erkannte an, daß notorische Mißstände im Schlafstellenwesen bestehen und daß diese beseitigt werden müßten, auch wenn es dem und jenem nicht gefallen würde. Der größte Teil der Mißstände werde zweifellos abgestellt werden, wenn die Forderung: Jedem Schlafgänger ein Bett! durch- gedrückt werde. Das aber müsse geschehen. Die Ueberfüllung der Schlafstellen sei der ärgste Mißstand. Weiter wurde von einem Mitglied auf den Bau von Ledigenheime hingewiesen, wenn die Notwendigkeit dies erfordere. Nachdem eine Vertagung der Be- ratung. die von den Gegnern gewünscht wurde, verhindert worden war, und der Amtshauprmann sich zu einigen Abänderungen von Mußvorschriften in Sollvorschristen verstanden hatte, wurde der Entwurf angenommen. Da für die nächsten fünf Jahre von den UebergangSbestkmmun- gen reichlich Gebrauch gemacht werden wird, ist während dieser Zeit aus eine wesentliche Verbesserung und auf Beseitigung dex Miß- stände im Schlasstellcnwescn keine große Hoffnung zu setzen. Letzte Nachrichten. Die Balkanfragc auf der Konferenz in Valmoral. Paris, 24. September.(P. C.) Der Londoner Korrespondent des„Temps" will erfahren haben, daß, wenn auch die Unter- redungen Ssasonows mit dem Staatssekretär Grey sich in der Haupt- fache auf die persische Frage bezichen, bereits rn den ersten Unterhaltungen die Balkanfragc diskutiert worden ist. Der russische Minister, dem die ersten Versuche zu einer Einwirkung der Mächte bei den augenblicklichen Balkansc�vierigkeiten zuzuschreiben sind, soll bei seinem englischen Kollegen seine Vorschläge erneuert haben. Wie der Korrespondent wissen will, hat Ssasonow eine diskrete Intervention in Rom und Konstantinopel angeregt. Man ist indessen in London weiter außerordentlich skeptisch über die Frage einer Intervention und erklärt, daß aus allen Unterredungen über diese Frage in London nichts Praktisches resultieren werde. Schrecken des Krieges. Rom, 24. September.(W. T. B.) Die„Agenzia Stefan!" meldet aus Tripolis: Es wird angenommen, daß der Feind an dem Kampf bei Zanzur am 20. d. M. seine sämtlichen oder fast sämtliche Streitkräfte teilnehmen ließ, denn die Italiener befanden sich 12 000 bis 15 000 Bewaffneten gegenüber, die von allen Seiten heranrückten. Die Ausdehnung des Schlachtfeldes verhinderte die Zählung der feindlichen Verluste, die auf mindestens 2960 Mann geschätzt werden, unter denen sich ein starker Prozentsatz Toter be- findet. Die Kavallerie fand auf ihren Erkundungszügen zahl- reiche unbe stattete Leichen der Feinde, darunter 154 an einer einzigen Stelle. Das türkische Kommando weilte während des Kampfes in El Hascian; als es gegen Abend sah, daß die tür- tischen Truppen in regelloser Flucht begriffen waren und von den Italienern verfolgt wurden, zog es sich nach Suani ben Aden zurück. Die Araberhäuptlinge nahmen sämtlich an dem Kampf teil und trieben die Kämpfer mit Zuruf und Peitschen an. Es scheint, daß der Feind sich zum Rückzug nach Garian entschlossen hat, daß aber zahlreiche Haufen von Küstenbewohnern sich weigern, ihre Gebiete zu verlassen und in eine Gegend mit rauherem Klima zu ziehen, Ter Ausstand auf San Domingo. Washington, 24. September.(3S. T. 58.) 750 Marinesoldaten haben den Befehl erhalten, nach San Domingo ab- zugehen.________ Paul Singer ä- Co., Berlin LW. Hierzu 3 Beilagen u. NntcrhaltungSbl. »»»»„« l. Ki>l>ge ks„Soraitls" fifrlinet VilksdlM>»**>**•« 9er Gewaltakt im pr Zu Beginn des zweiten SitzungStageS stellte der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Schmidt, durch neue Fragen an den An- geklagten Borchardt fest, daß die Beschwerde, welche dieser wegen seiner Ausweisung an das Plenum des Abgeordnetenhauses richtete, von der Mehrheit abgelehnt worden ist.— Hierauf erhält daS Wort Rechtsanwalt Wolfgang Heine: Ich will von den gestern erörterten staatsrechtlichen Fragen Nichts wiederholen. Aber auf daS eine muß ich eingehen, was der Borsitzende soeben berührt hat. Das ist die Frage: Wird das, was nach unserer Ueberzeugung unrechtmäßig war, dadurch rechtmäßig, daß die Mehrheit des Plenums das Verhalten des Präsidenten ge- billigt hat? Davon kann selbstverständlich keine Rede sein. Soweit § 64 der Geschäftsordnung mit der Verfassung in Widerspruch steht, ist er ungültig. Wenn das Plenum des Abgeordnetenhauses eine unter Berufung auf diese Geschäftsordnung vorgenommene Handlung des Präfidenten billigt, so wird die ungesetzliche Handlung dadurch nicht zu einer gesetzlichen. Der Beschluß dcS Abgeordnetenhauses über die Beschwerde Borchardts ist juristisch ganz gleichgültig. Der» artige Beschlüsse einer parlamentarischen Körperschaft sind ja auch keine rechtlichen, sondern politische Aktionen. Der Oberstaatsanwalt hat sich gestern wiederholt berufen auf Kommisfionsverhandlungen über die erste preußische Verfassung und auf Verhandlungen des Erfurter und des Frankfurter Parlaments. DaS sind Aeußerungen, die nur die persönliche Meinung der be- treffenden Redner wiedergeben, aber sie bringen nicht den gesetz- geberi'chen Gedanken zum Ausdruck und können deshalb nicht zur Auslegung von Gesetzen herangezogen werden. Das ist auch der Slandpunkt des Reichsgerichts.— Um die Anklage wegen Haus- friedensbruchs zu begründen, hat der Oberstaatsanwalt gestern den Präsidenten des Abgeordnetenhauses als pator kamilias sVater der Familie) bezeichnet? der das Recht haben müsse, Ruhestörer aus- zuweisen. Dieser Vergleich trifft nicht zu. Der pater familias darf den Sohn nicht seiner Staatsrechte berauben.— Es ist auch die Frage nach dem Antragsrecht angeschnitten worden. Es ist nicht richtig, wenn der Oberstaatsanwalt meint, das Recht des Präsidenten, Strafantrag zu stellen, folge aus seiner Polizeigewalt im Hause. Erst jetzt liegt dem Landtage ein Gesetzentwurf vor, wonach dem Präsidenten als Vertreter des FiskuS das Hausrecht in den Räumen deS Landtages übertragen werden soll. Bis jetzt sind dem Präsidenten die auS dem Hausrecht folgenden Befugnisse nicht eingeräumt worden. Er war also im vorliegenden Falle nicht berechtigt, Swafantrag zu stellen. Ich komme jetzt zu der Frage, wie weit§ IIS des Straf» gefetzbucheS sWiderstand gegen die Staatsgewalt) hier An- Wendung findet. Ich stehe auf dem Standpunkt: Die Anordnung der Entfernung des Abgeordneten Borchardt aus dem Sitzungssaal und auch die Ausführung dieser Anordnung durch die Polizei sind Verbrechen gegen die§§ Ivb und 106 des Strafgesetzbuches. Der Widerstand dagegen ist eine berechtigte Rotwehr nicht nur gegen �«inen unberechtigten Angriff, sondern gegen eine gesetzwidrige Handlung. Aber abgesehen davon, lag bei Borchardt kein Haus- friedenSbruch vor. Wenn Borchardt keine strafbare Handlung ver» übte, dann fällt die Deduktion, der Präsident und die Polizei habe hier das Recht gehabt, strafbare Handlungen zu verhindern. Selbst wenn Borchardt nicht im Recht gewesen wäre und Hausfriedens- bruch begangen hätte, dann war doch das Auftreten des Präsidenten und der Polizei nicht berechtigt. Borchardt durfte nicht gewaltsam aus dem Sale entfernt werden. /Das Vorgehen gegen Borchardt war eine Ueberschreitung der Amts- auSübung der Beamten. Es ist ein unbestrittener Rechtsgrundsatz, daß die Voraussetzung eine? strafbaren Widerstandes die recht» mäßige Amtshandlung ist. Hier aber war die Polizei gar nicht zuständig. Es ist gesagt worden, weil Borchardt eine strafbare Hand- lung. Hausfriedensbruch, verübt habe, so sei die Polizei berechtigt gewesen, das zu verhindern. DaS ist eine Redensart, die dem Spieß- bürger einleuchten niaz, aber sie ist unrichtig. Ein solche« Recht der Polizei ist durch kein Gesetz begründet. Die Grenzen der polizeilichen Befugniffe sind gezogen durch da? Allgemeine Landrecht Teil II Titel 17 8 10 und durch das Gesetz vom 12. Februar 1820 zum Schutze der persönlichen Freiheit. Nach der angeführten Be» stimmung des Landrechts hat die Polizei die Aufgabe, die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten und und Gefahren, welche dem Publikum oder Teilen desselben drohen, abzuwenden. Diese Voraussetzung trifft im Falle Borchardt nicht zu. Der Sitzungssaal des Ab- geordnetenhauseS ist lein öffentlicher Raum und das Publikum war durch die Angelegenheit gar nicht berührt. Für Zucht und Ordnung innerhalb der Häuser zu sorgen ist nach der Rechtsprechung des Reichsgerichts nicht das Amt der Polizei. Auch eine Persönlichkeit war durch die Handlung Borchardts nicht ge« fährdet. Man könnte vielleicht einwenden, Borchardt habe durch sein Verhalten die Ruhe des Hauses gestört und dadurch einen Angriff auf die Rechte andere�Personen ausgeführt, den die Polizei hätte verhindern dürfen. Dieser Einwand haut aber vollständig daneben, denn nicht eine der Ausweisung etwa vorhergegangene störende Handlung Borchardts war Gegenstand des polizeilichen Einschreitens, sondern lediglich sein Verweilen auf seinem Platz im SitzungS- saale.— Soweit die Polizei ein Recht hat, in die persönliche Freiheit einzugreifen, ist dies durch besondere Gesetze geregelt. Die Allge- meinen Bestimmungen des Landrechts§ 10 ll 17 geben ihr nicht daS Recht, die persönliche Freiheit anzugreifen. Die gewaltsame Entfernung aus einem Raum ist nach der Praxis des Oberverwal» tungsgericht« und deS ReichSgerichlS ein Angriff auf die per- fönliche Freiheit.— Die heut noch geltenden Bestimmungen des Gesetzes vom 12. Februar 1860 geben der Polizei das Recht. Personen in Verwahrung zu nehmen, wenn es dringend erforderlich ist zum eigenen Schutz der be- treffenden Person oder zur«ufcechierhaltung der öffent- lichen Ordnung und Ruhe. Auch das trifft hier nicht zu. Weitergehende Befugniffe, Personen in ihrer Freiheit zu hindern, hat die Polizei nicht.— Ein kundiger Thebaner könnte sagen, die Sitzungen des Abgeordnetenhauses sind ja öffentlich, also durfte die Polizei im Interesse der öffentlichen Ruhe und Ordnung einschreiten. DaS trifft aber nicht zu. Wenn auch die Sitzungen insofern öffent- lich sind, als Zuhörer zugelassen werden, welche sich Eintrittskarten gelöst haben, so ist dadurch noch nicht der Begriff der Oeffentlichkeit erfüllt, der die Polizei zum Einschreiten berechtigen würde. Weder die Zuhörer noch die Abgeordneten sind in diesem Sinne das Publikum. Auch§ 132 des Gesetzes über die allgemeine Landesver- Spaltung spielt in solchen Prozessen eine Rolle. Dieser Paragraph » gibt für gewisse Fälle das Recht zu unmittelbarem Zwang. Voraus- setzung ist aber, daß eine Verordnung der im Gesetz genannten Behörden ergangen ist. Zu diesen gehört die Ortspolizei- behörde, aber nicht der einzelne Polizeibeamte. Eine Anordnung der Polizeibehörde ist nicht zu sehen in der Verfügung, durch öie der Polizeipräsident dem Polizeileutnant Kolb den Auftrag gegeben hat, sich dem Präsidenten des Abgeordnetenhauses für die Durchführung des§ 04 der Geschäftsordnung zur Verfügung zu halten. Das ist eine rein innerdienstliche Anordnung, die eine sachliche Zuständigkeit für eine derartige Aktion nicht schaffen kann. — Nun könnte vielleicht jemand sagen, in diesem Fall sei der Polizei das Recht des Einschreitens durch ein Spezialgesetz übertragen und die Beamten hätten in Ausübung eines Spezialgesetzes gehandelt. Das ist falsch. Die Befugnisse der Polizei sind gesetzlich ge- regelt und können nur durch Gesetz erweitert werden. Aber die Geschäftsordnung ist kein Gesetz. Sie kann der Polizei keine Befugnisse geben, die sie nicht schon hat. In der Presse ist der Satz aufgestellt worden, der Präsident müffe die Autorität haben, einen Abgeordneten, der sich seinen An- ordnungen nicht fügt, zu entfernen, und die Polizeibeaniten seien in diesem Falle die Organe des Präsidenten. Das ist vollkommen unjuristisch. Die Berufung auf das allgemeine Interesse ist vom Reichsgericht als eine belanglose Redensart gekennzeichnet worden. Die Polizei ist ja gar nicht eingeschritten, um weitere Störungen derRuhe und Ordnung durch denAb- geordneten Borchardt zu verhindern. Denn Borchardt hat ja nach erfolgter Ausweisung nichts mehr gesagt und sich auch nach seinem Wiedereintritt ruhig verhalten. Der Präsident Freiherr v. Erffa ist auch tatsächlich nicht eingeschritten, um weitere Störungen der Ordnung zu verhindern, sondern um seine Autorität zu wahren. Das erste Mal wollte er ja gar nicht einschreiten, er hat auf die vielen llkife:„Borchardt ist wieder da!" gar nicht reagiert, bis Herr v. Pappenheim ihm die Pistole auf die Brust setzte und sagte:.Du mußt Deine Autorität wahren". Wenn das nicht auS dem Protokoll als erwiesen gilt, dann beantrage ich, den Bize- Präsidenten Dr. Po rsch als Zeugen zu vernehmen. Er wird bekunden, daß Präsident v. Erffa ihm ausdrücklich erklärt hat, er hätte die Entfernung Borchardts nicht veranlaßt, weil er weitere Störungen befürchtete, sondern weil er sich verpflichtet fühlte, die vorgekommenen Verletzungen der Ordnung zu sühnen und seine Autorität zu wahren. i Ich habe nachgewiesen, daß der Polizei die Befugnis fehlte/ Borchardt gewaltsam zu entfernen. Die sachliche Zuständig» keit zum Einschreiten der Polizei war demnach nicht gegeben. Wenn das der Fall ist, dann macht der gute Glaube der Beamten ihre unrechtmäßige Handlung nicht zu einer rechtmäßigen. DaS ist der Standpunkt der allgemeinen Judikatur. Der gute Glaube kann den Beamten wohl der Verantwortung ent- ziehen, aber nicht den Widerstand gegen eine objektiv ungesetzliche Handlung strasbar machen. Der Oberstaatsanwalt hat gesagt: Die Polizeibeamten haben ja nur den ihnen erteilten Befehl ausgeführt, und wenn sie diesen BefShl ausführten, hatte ihnen jeder zu gehorchen, mag auch sonst der Befehl unrechtmäßig sein. Diese Ansicht ist doch irrig. Der Beamte, der den Befehl gibt, muß doch innerhalb seiner Zuständig- keit gehandelt haben. Auch der Schutzmann ist nicht verpflichtet, überall zu gehorchen. Diese Frage ist kürzlich in der Fest- schrist für Laband von Meyer ausführlich behandelt worden. Die Schutzleute mußten wie jeder andere wissen, daß sie nicht in da» Abgeordnetenhaus dringen durften, um dort einen Abgeordneten zu arretieren. Selbst bei dem Militär gibt es, wie ein vor dem Militärgericht seinerzeit ver- handelter Fall zeigte, Grenzen der Gehorsamspflicht. Ein Vorgesetzter darf nicht alles Beliebige befehlen; die Gehorsamspflicht ist begrenzt durch die höheren gesetzlichen Befugniffe der höheren Instanzen. Die Befchlstheorie, die das Reichsgericht im 2. Bande der Entscheidungen aufgestellt hat, führt zu ganz absurden Konsequenzen. Wie absurd diese Befchlstheorie ist, daS zeigt der Fall des Hauptmanns von Köpenick. Dem Bürgermeister von Köpenick war dieser Standpunkt deS Reichsgerichts vielleicht bekannt. Der Hauptmann von Köpenick war kein Beamter und konnte nichts befehlen, aber bei der Abteilung, die er auf dem Tegeler Schießplatz traf, befand sich ein Gefreiter, zweifellos ein Vorgesetzter der anderen Soldaten. Der Hauptmann von Köpenick bewog nun den Gefteiten, mit ihm nach Köpenick zu marschieren. Die Soldaten waren Untergebene dieses Gefreiten und wenn der Gefreite den Untergebenen selber sagte, nehmt den Bürgermeister fest und das Geld aus der Kaste mit, dann befanden sich nach der Befehlstheorie diese Soldaten in rechtmäßiger Ausübung ihres Amtes und der Widerstand des Bürgermeisters war strafbar. Die ganze Welt hat damals gelacht über den Hauptmann von Köpenick und diesen Fall als ein Zeichen unserer staatlichen Zustände angesehen. Man hat den Bürgermeister feige genannt, aber nach der vom Ober- staatsanwalt vertretenen Befchlstheorie durfte sich der Bürgermeister nicht wehren. Diese Befehlstheorie ist also ganz absurd. Glücklicherweise gibt es noch andere Erkeimwiffe des Reichs- gerichts. wonach die Befehlstheorie nicht in allen Fällen gilt. Selbst die Befchlstheorie geht davon aus, daß es sich um Befehle handelt, denen nachzukommen der Untergebene verpflichtet ist. Wer hat im vorliegenden Falle den Befehl gegeben? Lediglich der Präsident des Abgeordnetenhauses. Seine Anordnung bezog sich nur auf Borchardt, aber nicht auf Leinert. Der Präsident hat die Verantwortung für daS Vorgehen der Beamten gegen Leinert ausdrücklich abgelehnt. Also der Präsident hat befohlen. Er ist uicht der Vorgesetzte der Beamten und diese sind ihm nicht zum Gehorsam verpflichtet. DaS hat auch der Mini st er des Innern anerkannt. AuS seine in Schriftwechsel mit dem Präsidenten geht daS hervor. Die SitzungS- und HauSpolizei des Präsi- deuten sind etwas ganz anderes als die öffentlich rechtliche Polizei- gewalt. Die Anklage hilft sich mit der Behauptung, der Polizei- leutnant habe auf eigene Verantwortung gehandelt. Der Leutnant sagt das auch. Also war er durch einen Befehl nicht gedeckt, die ihm unterstellten Beamten brauchten ihm deshalb nicht gehorchen.— Wenn man die Deduktion des Reichsgerichts über die Befehlstheorie betrachtet, so findet man etwas, was glänzend für die Augeklagten spricht. Das Reichsgericht sagt, die Polizeibeamten hätten die Autorität deS Staates zu wahren und könnten nicht in jedem Falle prüfen, ob sie nicht die Grenzen ihrer Befugnisse überschritten. Will man vielleicht sagen, ein schneidiger Schutzmann» der. in dem Glauben, die Autorität des Staates zu rahause vor Serickt. schützen, einen Angriff gegen S. M. den König richtet, sei straffrei? Der Gesetzgeber hat jeden Angriff auf den König mit schwerenStrafen belegt, um seine Autorität zu schützen. Aber eS gibt noch andere Autoritäten. Die Gesetzgeber, die Abgeordneten, sind doch Autoritäten und viel wertvollere Autoritäten als die Autorität eines Schutzmanns. W i e der Angriff auf den König, soist auchderAn griff auf einen Abgeordneten mit schwerenStrafen bedroht. Zum Schutz der Abgeordneten gibt es eine ganze Reihe extremer Bestimmungen. Mit zehnmal größerem Recht wie bezüglich der Schutzleute muß man sagen: der Staat braucht Abgeordnete, die in ihrer Bewegungsfreiheit nicht gehindert werden dürfen durch andere Autoritäten. Das hohe Amt der Ab» geordneten und ihre Autorität stehen höher als. die Autorität der Beamten. Wenn man sagt, Borchardt habe die Autorität deS Hauses ver« letzt, so ist zu betonen, daß er daS gerade deshalb getan hat, um» eine Entscheidung über die Unverletzlichkeit der Abgeordneten herbei» zuführen. Was die subjektive Seite betrifft, so ist zu sagen, daß Borchardt nicht die Absicht hatte, es zu einem Zusammenstoß kommen zu lasten. Er hat nicht an die Möglichkeit seiner Ausweisung gedacht. Nachdem sie aber erfolgt war, da gab es für ihn kein Zurück. Da mußte er die Frage zur Entscheidung bringen. Er ist der festen Ueberzeugung. daß die Geschäftsordnung und seine Ausweisung unrechttnäßig war. Auch Leinert ist derselben Meinung. Dieser kann sich auch darauf berufen, daß jene Anordnung des Präsidenten nicht an ihn er- gangen ist. Bei der Frage, ob Hausfriedensbruch vorliegt, kommt es darauf an. ob jemand die Ueberzeugung hat, er verweile rechtswidrig in einem Räume. Der Oberstaatsanwalt sagte, hier müffe zweifellos der äolus svsutualis angewandt werden, denn Borchardt habe gewußt, daß sich allerhand Kapazitäten für die Rechtsgültigkeit der Geschäftsordnung ausgesprochen haben, er hätte also mit der Mög- lichkeit rechnen müffen, sich strafbar zu machen. Diese Anficht deS Oberstaatsanwalts ist irrig. Es ist doch nicht so. daß Borchardt da- stand wie BuridanS Esel und nicht wußte, waS er tun solle. Borchardt war doch nicht in der Lage, sich zu sagen: ich weiß nicht, ob dies oder das richtig ist, deshalb will ich daS Reichs- gericht fragen,- sondern er war überzeugt, daß seine Au- ficht über die Unrechtmäßigkeit der Geschäftsordnung und ihrer Ausführung das richtige ist, und daS wollte er vom Reichsgericht bestätigt haben. Ich komme zu dem Resultat: die Angeklagten müssen frei« gesprochen werden, weil die Beamten nicht einmal den Schein der Rechtmäßigkeit für sich geltend machen können und der Wider- stand gegen sie deshalb nicht strafbar ist. Ueber das Strafmaß mag ich nichts sagen. Wir haben hier zwei Männer vor unS, die nicht für sich, sondern für andere eine Sache durchfechten. Man kann das in diesem Falle nicht anders, als daß man eine Gerichtsentscheidung herbeiführt. Hätten wir einen Staatsgerichtshof, der zu entscheiden hat, ob derartige Beschlüsse, wie die Geschäftsordnung, rechtmäßig sind oder nicht, dann wäre dieser Weg nicht nötig. Auch zivilrechtlich kann diese Streitfrage nicht entschieden werden. ES bleibt also nichts anderes übrig, als daß man eine sogenannte strafbare Handlung begeht und daS Vergnügen hat, auf der Anklagebank Platz zu nehmen, um eine Rechtsfrage zur Entscheidung zu bringen. Nicht einen Schritt sind die Angeklagten weiter gegangen als notwendig war, um die Entscheidung herbeizuführen. Wenn schon verurteilt werden müßte, so entspräche eS der Würde dieser Rechtsfrage, wenn auf d a S g e s e tz l i ch e M i n d e st m a ß der Strafe erkannt würde. Angesichts einer staatsrechtlichen Frage von solcher Bedeutung wird ja die Sache ins Lächerliche gezogen durch die Frage, ob man auf vier oder fünf Wochen Gefängnis, auf 100 oder 200 M. Geldstrafe erkennen will. In einer kurzen Erwiderung tritt Oberstaatsanwalt Dr. P r e u ß unter Hinweis auf Reichsgerichtsentscheidungen und verschiedene Landgerichtsurteile einigen rechtlichen Ausführungen des Rechts- anwalts Heine entgegen und betont, daß es für ihn ganz uuzweifel» hast sei, daß nach 8 10 H. 17 Allgem. LandrechtS die Polizei» beamten in diesem Falle berufen und verpflichtet waren, einzu» schreiten. R.-N. Heine derbleibt diesen Einwendungen gegenüber bei seinem Rechtsstandpunkte und bei seinem Antrage auf Freisprechung. R.-A. Haase erwidert dem Oberstaatsanwalt: Gegen die An- ficht, daß das Vorgehen gegen die Angeklagten in jeder Beziehung be- rechtigt war, sind erhebliche Zweifel doch auch von einer Stelle ge- äußert worden, die doch wohl auch von dem Staatsanwalt als autoritattv betrachtet werden dürste. In dem Briefwechsel zwischen dem Mini st er des Innern und dem Präsidenten des Abgeordnetenhauses hat der M i n i st e r d e S I n n e r n aus- drücklich gesagt, daß sich die Mitwirkung der Polizei nur auf die Ausweisung eines Abgeordneten zu beschränken Hat, daß es aber nicht angängig erscheint, daß die Polizei, von ganz be- sonderen Ausnahmefällen abgesehen, den Ausgewiesenen am Wiedereintritt in den Saal hindert.— Ein ganz be- sonderer Ausnahmefall lag hier nicht vor. Also haben die Beamten selbst nach der Auffassung des Ministers unrechtmäßig gehandelt, als sie den Abgeordneten Borchardt hinderten, den Saal wieder zu betreten.— Der Hinweis des Oberstaatsanwalts auf den pator familias trifft nicht zu. Ein Vater kann seinen Sohn wohl ausweisen, aber er kann dabei nicht die Hilfe der Polizei in Anspruch nehmen. Daß die GeschästSordnungSkommisfion deS Abgeordnetenhauses selber die schwersten Bedenken gegen die Rechtmäßigkeit dcS 8 64 hatte, geht aus dem Absatz 8 hervor, welcher bestimmt, daß vor dir Anwendung von ZwangSmaßregcln gegen einen Abgeordneten daS HauS und die Tribünen geräumt werden müssen. Die Freunde deS Herrn v. Erffa haben es auch als eine Ungehörigkeit bczeichnot. daß die Räumung des Saales unterlassen ist und der Ab- geordnete Borchardt während der Sitzung entfernt wurde. Daß Borchardts Beschwerde vom Abgeordnetenhause zurückgewiesen wurde, ist von keiner Bedeutung. Das ist kein Urteilsspruch darüber, wer in dieser Frage im Recht ist, sondern ist nur ein Vertrauensvotum, welches die Mehrheit des Hauses ihrem Präsidenten erteilt hat. Die Angeklagten verzichteten auf daS letzte Wort. Der Gerichtshof zog sich zur Beratung zurück, erschien aber nach einer Viertelstunde wieder. Der Vorsitzende fragt die Ver- teidiger, ob der Antrag aus Vernehmung des Vizepräsidenten Porsch ein Eventualantrag sei.—» Rechtsanwalt Heine: Es ist ein Eventualantrag für den Fall, daß der Gerichtshof nicht zu einer Freisprechung kommen sollte.— Vors.: Bezieht sich der Autrag auf die erste oder die zweite Ausweisung deS Herrn Borchardt? Rechtsanwalt Haase: Auf beide Borfälle I Wir wollen den Nachweis führen, daß in keinen, Augenblick der Präsident neue Ruhestörungen des Abg. Borchardt befürchtet hat, sondern daß ihm erst von anderen Abgeordneten die Wahrung seiner Autorität nahe gelegt worden ist.— Beisitzer L.-G.-N. Grodke: Das kann ihm doch in jenem Zeitpunkt noch niemand gesagt haben.— Der als Zeuge anwesende, aber nicht vernommene Abg. Hoffmann ruft: .Doch I* Der Vorsitzende sagt lächelnd: Aber, Herr Abg. Hoffmann, wir sind doch hier nicht im Parlament.(Heiterkeit.) Nachdem sich der Gerichtshof noch einmal auf wenige Mnuten zurückgezogen, verkündet der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Schmidt: Die Verhandlung der Sache wird unterbrochen nnd am Sonn- abend, den 28. d. M., nachmittags 1 Uhr. sortgesetzt. Den Beweisanträgen entsprechend wird der Vizepräsident des Ab- geordnetenhauses, Geh. Justizrat Dr. Pars ch, als Zeuge geladen und ferner wird der Briefwechsel zwischen dem Minister des Innern und dem früheren Präsidenten des Abgeordnetenhauses, v. Kröcher, herbeigeschafft werden. Sie IParteipreiie über den Parteitag. „Hamburger Echo". ... Befriedigt hat auch der Ausgang der Debatte über die R e i ch s ta g s n e uwa hl e n. Da spielte ja die Frage des . S t i ch w a h l a b k o m in e n s, die auch schon vorher, seit dem Fe- bruar d. I., in Parteiblättern und Parteiversammlungen lebhaft erörtert worden war, die Hauptrolle. Die Vorwürfe, die man dem Parteivorstande wegen dieses Abkommens gemacht hat, wobei ja hauptsächlich die Mahnung an t6 Wahlkreisleitungen, den S t ichwah lkamp f zugunsten der Fortschrittlichen Volkspartei zu„dämpfe n", in Betracht kam, erachtete die große Mehrheit des Parteitages als unbegründet; sie trat den taktischen Er- wägungen bei, die den Parteivorstand zu dem Abkommen ge- führt hatten. Dabei bleibt der auch vom Parteivorstand selbst ge- teilte Wunsch bestehen/ daß ein solches Experiment der„Däm p- f u n g" des Wahlkampfes nicht noch einmal gemacht zu wer- den braucht, wenn man sich auch nicht für alle Zukunft im voraus festlegen darf. Wie bisher wird auch in Zukunft über die zu bez folgende Stichwahltaktik die Situation des Moments zu entschei- den haben, wobei für die Sozialdemokratie die Parole immer wird lauten müssen: Kampf gegen die Reaktion!... .... Der Schluß des Parteitages brachte die Entscheidung über die Ülusschließung des früheren Partei mitglie- des Hildebrand-Solingen. Wir können den Ausdruck des Bedauerns darüber nicht unterdrücken, daß sich eine Par- tcitagsmehrheit fand, die dem mit einer Stimme Mehrheit be- schlosseneu Antrage der Beschwerdekommission zustimmte, den Aus- schluß Hildebrands, entsprechend dem Urteil des Solinger Schieds- aerichts, zu bestätigen. In diesem Falle hat unseres Erachtens der Parteitag nicht das Richtige getroffen. Ohne Zweifel, Hilde- drand hat sich mit theoretischen Auseinandersetzungen, für die er den Charakter der wissenschaftlichen Erörterung in Anspruch nehmen darf, in Gegensatz gebracht zu Anschauungen, die als Grund- an schauungen der Partei, als prinzipiell fest- stehende gelten. Aber man darf ihm glauben, daß er dabei weit entfernt gewesen ist von der A b s i ch t, die Partei schädigen zu wollen. Tatsächlich hat er, gestützt auf das an sich unbestrittene Recht jedes Parteigenossen auf die Freiheit der Meinungsäuße- rung in allen die Partei angehenden Fragen, nichts anderes getan, als was vor ihm und neben ihm— wenngleich in anderer Rich- tung andere Parteigenossen unternommen haben.... Im übrigen aber kann man sagen, daß auch der diesjährige Parteitag gute Arbeit gemacht hat. „Leipziger BolkSzeitung". ... In der heutigen Situation, wo die Klassengegensätze mit jedem Tage schroffer und brutaler zutage treten, lvürde sich jeder Arbeiterführer lächerlich machen und zur Einflußlosigkeit verur- teilen, der den Massen ein Bild von der Annäherung der Klassen, von der Milderung der Klassengegensätze vorgaukeln wollte. In der Tat sehen wir auch, wie derartige Phantastereien immer mehr aus der Arbeiterpresse, der Partei- wie der Gewerkschaftspresse, verschwunden sind. Geschichtlich gesehen liegt der Revisionismus als eine überwundene Episode hinter uns, was natürlich nicht hin- dert, daß er in den Köpfen mancher seiner Wortführer noch länger fortleben und auch zu mancherlei Auseinandersetzungen führen mag.... So erklärt sich die Erscheinung, daß auch auf den Parteitagen und speziell auf dem Chemnitzer Parteitage die inneren Gegen- sätze innerhalb der Partei weniger hervortraten, daß der Partei- tag als einheitlicher Körper arbeitete und das gewohnte Bild der beiden getrennten Lager nicht mehr oder nur noch ganz vereinzelt zeigte. In dieser Hinsicht ist es kein Zufall, sondern eine für die historische Entwickclung der Partei in höcksstem Maße kennzeich- nende Tatsache, daß der Chemnitzer Parteitag sich fast einmütig gegen die sogenannten Sonderkonferenzen erklärte.... Wenn jetzt der Parteitag sich— und wie gesagt nahezu ein- wütig— gegen die weitere Existenz solcher Sonderkonferenzen aus- gesprochen hat, so hat er damit unbewußt nur das Ergebnis der wirtschaftlichen EntWickelung bestätigt, die zu einer Zermürbung des rechten Flügels geführt und damit auch die Sonderexistenz des linken überflüssig gemacht und so die Einheitlichkeit der Partei offensichtlich vor aller Augen gestellt hat.... ... Auch daß der Partcivorstand vorzog, über das Stich- wahlabkommen keine Entscheidung des Kongresses herbeizu- führen, ist in höchstem Maße charakteristisch für die politische Situa- tion. Die Redner, die zum Wort gekommen waren, sprachen sich fast einhellig und unter großer Zustimmung scharf gegen das Ab- kommen in seiner vorliegenden Form aus. Indem der Partei- vorstand darauf verzichtete, eine Abstimmung darüber herbeizu- führen und sich so eine Direktive für die Zukunft geben zu lassen, erklärte er indirekt, daß sich solche Abkommen nicht wiederholen werden. Und damit dürfte er in der Tat recht haben.... Die Erledigung des Falles Hilde brand, die dem Par- teitage unverhältnismäßig viel Zeit wegnahm, ist so vorgenommen worden, wie das Interesse der Partei es dringend verlangte.... ... Speziell die Schilderungen, die Genosse Eberl von der Göppinaer Angelegenheit gab. und der Eindruck, den man aus der ihr folgenden Württemberg-Debatte empfing, war derartig, daß man sich sagen mußte, die totale Zerrüttung der Par- teiverhältnisse in Württemberg mag ihren Ausgangspunkt von po- litischcn Differenzen genommen haben, jetzt sind jedenfalls die Po- litischcn Meinungsverschiedenheiten überwuchert von dem traurigen Unkraut persönlicher Cliquenwirtschaft. Stellten die bisher besprochenen Verhandlungsgegenstände mehr eine Abrechnung mit der Vergangenheit dar, so bildete die De- batte über den Imperialismus einen Schritt in die Zukunft. Hier lag der erste bewußte Versuch der Partei vor, daS gewaltige Problem, das die imperialistische EntWickelung vor die Partei stellt, seiner Lösung näher zu bringen, und wir begrüßen es als ein gutes Zeichen, daß keine Debatte so sehr die allgemeine Aufmerksamkeit des Kongresses fesselte, keine sich auf einer der- artigen Höhe bewegte, wie gerade die Debatte über den Jmperialis- mus. Sellsswerständlich bedeutet sie erst den Beginn des Selbst- verständigungsprozesscs innerhalb der Partei, nicht sein Ende.... Ein Anfang ist gemacht. Was anfangs als eine Marotte, als ein Krakeelbedürfnis der Geiwssen Lensch. Pannekoek usw. erschien hat sich als ein Problem herausgestellt, das die ernsteste Aufmerksamkeit aller Parteigenossen verdient, das kam auch in der Annahme des Antrages Molkenbuhr zum Ausdruck, das Thema: Imperialismus dem nächsten internationalen Kongreß zu über- weisen. Jetzt kommt es darauf an, diese nun endlich geweckte Auf- merksamkeit wachzuhalten und sie zu praktischen Ergebnissen zu führen. Hierfür den Grund gelegt zu haben, wird das dauernde und überragende Verdienst des Chemnitzer Parteitages sein und bleiben. „Mannheimer Bolksstimme". Der Parteitag von Chemnitz hat einen unseres großen Januarsiegcs würdigen Verlauf genommen. Die Verhandlungen waren erfüllt von dem Geiste der Kameradschaft und Sachlichkeit, und der Wille zur Einheit beherrschte alle Beschlüsse.... Angenommen wurde der Vorschlag, einen P a r t e i a u s s ch u ß einzusetzen, der bei allen wichtigen Fragen und mindestens einmal im Vierteljahr zusammentreten muß. Tie Reform setzt den Schluß- stein in das Gebäude unserer Organisation. Wir können die Klein- staaterei bekämpfen und beklagen, aber nicht ignorieren, müssen vielmehr auch unsere Kämpfesformationen danach gestalten. Wir haben es oft schmerzlich vermißt, daß eine Einrichtung fehlte, unsere Landesorganisationen zu gemeinsamer Arbeit zusammenzufassen. Dieses Instrument ist jetzt geschaffen, und wenn auch in Zukunft noch hier und da Mißverständnisse auf- tauchen mögen, die Periode der schweren Kämpfe zwischen Nord und Süd darfals abgeschlossen gelten. Die Annäherung wird wesentlich dadurch erleichtert, daß die Ge- gensätze der Taktik sich immer mehr abschwächen. Das Stich wahlabkomnien mit den Liberalen fand keinen ernstlichen Widerspruch, und selbst die Vertreter der„gedämpften" Wahlkreise wandten sich nur gegen einzelne Bedingungen, nicht aber gegen das Wahlbündnis als sol- ches. Als die Meinung der Partei ist jetzt festgestellt: Es kommt nicht bloß auf die Zahl der Stimmen an, sondern auf die Zahl der Stimmen und der Mandate. Daß unsere Kraft in den Massen liegt, ist nicht der Glaube einiger Auserwähltcr, sondern die selbswerständliche Ucberzeugung von uns allen. Aber wie die in einem Flusse ruhende Kraft erst durch Maschinen über- tragen werden mutz, um nützliche Arbeit zu leisten, so braucht der in der Arbeiterschaft lebende Zukunftswille die Parlamentsma- s ch i n e, um soziale und politische Reformen durchzusetzen. Dazu ist aber die Einheit der Aktion unbedingt erforderlich. Aus diesem richti�n Gefühl heraus erklären sich die Anträge aus Niederbarnim, Lübeck und anderen norddeutschen Parteiorteü, die ein Verbot der sogenannten Sonderkonferenzen ver- langten.... ... Heute handelt es sich nicht darum, wer mit den Sonderkon- fercnzcn angefangen hat, sondern wer mit ihnen ein Ende machen wird. Der Parteitag hat aus guten Gründen sich zunächst darauf beschränkt, den dringenden Wunsch auszudrückei, daß die Geheimbündeleien aufhören. Der moralische Eindruck dieses Be- schlusses, gegen den sich nur wenige Hände erhoben, wird sicherlich bei gutem Willen aller Beteiligten heilsame Folgen haben. Verschiedenheiten in der wissenschaftlichen oder taktischen Auf- fassung werden natürlich trotzdem bleiben; aber sie können nicht die Geschlossenheit der Partei stören. Dies zeigte sich in der inter- cssanten Debatte, die sich an den Vortrag des Genossen Haase über den Imperialismus knüpfte. Henke und Pannekoek aus Bremen und Lensch aus Leipzig sind mit ihren Anschauungen allein geblieben. Trotz moderner Aufmachung und marxistisch klingender Worte ist ihre Lehre rückschrittlich und die Zurückweisung war notwendig.... Alles in allem: man kann der Tagung von Chemnitz das Zeug- nis ausstellen, daß auf ihr für die organisatorische und geistige Einheit unserer Bewegung Hervor- ragendes geleistet wurde. „Dresdner BolkSzeitung". Wenn wir auf die arbeitsreiche Woche von Chemnitz zurück- blicken, so dürfen wir sagen, daß der Parteitag der deutschen So- zialdemokratie auf vielen Gebieten ausgezeichnete Arbeit getan ... Der Parteitag in Chemnitz brachte wie nur je einer seiner Vorgänger neue Festigung der Partei, vermehrten inner- lichen Zusammenschluß ihrer Kräfte und damit zugleich eine viel- versprechende Vorbereitung für die Kämpfe der kommenden Zeit. ... Auch in der heiß umstrittenen Frage des Stichwahl- abkom mens bei den letzten Reichstagswahlcn ist, obschon bcson- derc Beschlüsse nicht gefaßt wurden, hinreichende Klärung erzielt worden. Diejenigen, die in Opposition gegen das Abkommen ge- treten waren, verzichteten darauf, ihre Mißbilligungsanträge zur Abstimmung zu bringen.... In der Frage des Imperialismus ist vom Parteitag völlig einheitlicher Protest gegen die Kriegshetzereien und die Kriegsrüstungen erhoben worden. Dazu hat der Parteitag die Stellung, die von der Reichstagssraktion in den Anträgen über die anzustrebende Verständigung mit den anderen Staaten und Wer die Abrüstung eingenommen hat, vollauf gebilligt. Die abweichende Auffassung, wie sie von einigen Parteiblättern vertreten wurde. daß eine derartige Forderung nicht von uns erhoben werden dürfe, ist fast einstimmig durch Annahme der Resolution Haase als un- berechtigt zurückgewiesen worden. Es ist aber selbswerständlich, daß die Erörterung der Probleme der Weltpoljtik auch in Zukunft wei- ter stattfinden kann und stattfinden muß. Dürfen doch die An- sichten derer Beachtung fordern, die eine schärfere Betonung der Gleichberechtigung Deutschlands in der Weltwirtschaft fordern.... «Bremer Bürgerzeiwng". ... Aufs neue— so deuten wir auf Grund der empfangenen Eindrücke den bestätigenden Beschluß im Falle Hilde- brand— hat die Partei mit großer Mehrheit zu erkennen ge- geben, daß sie nicht gewillt ist, jene Bahn zu verlassen, die sie selbst in der bekannten Dresdener Resolution genau bezeichnet hat. Hildebrand hat nicht einen Moment während seiner Partei- Zugehörigkeit im Sinne jener Resolution, aber während fast zehn Jahren stets gegen jenen Sinn gehandelt. Daß er das so lange tun durfte, ist ein geradezu überwältigender Beweis für die Tolc- ranz der Partei..." So brachte der Schluß des Parteitages, was bei anderen Teilen seiner Verhandlungen nicht klar zu erkennen war. Hätte der Parteitag sonst zu dem Stichwahlabkommen sich nicht an- ders verhalten müssen?... Alle Schönrednerei kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß das Stichwahlabkommen ein arger Verstoß gegen unsere„bisherige Taktik" war. Und wenn die Mehrheit des Chemnitzer Parteitages das nicht klar erkannte, so nur deshalb nicht, weil es nicht so offen zutage lag, wie die groben Verstöße Hildebrands gegen unser Programm und die Dresdener Resolution. Auch die„Erledigung" der Göppinger Angelegen- heit war höchst kurzsichtig und wahr von Stimmungen und Vor- urteilen, als von der völligen Erkenntnis ihrer grundsätzlichen Bedeutung diktiert. Es wird daher noch ein Wort darüber zu reden sein. Schuld an der unrichtigen Behandlung der Angelegen- heit waren Referat und Schlußwort Eberts. Er vermengte wohl- überlegt die Göppinger Sache mit der künstlich gerade auch durch ihn erzeugten Abneigung gegen Radek, spielte die„Bremer Bürger- Zeitung" aus, wie man früher von revisionistischer Seite die„Leip- ziger Volkszeitung" auszuspielen beliebte, kurz er, der anderen Leuten Skrupellosigkeit vorzuwerfen wagte, handelte selbst höchst skrupellos. Apropos l Die Sonderkonferenzen fanden durch Bebel die beste Verteidigung, die man sich wünschen konnte, dann aber nahm man eine Resolution an, die völlig in der Luft schwebt. Was wie die Sonderkonferenzen organisch geworden ist, kann nicht mit frommen Wünschen aus der Welt geschafft werden, auch dann nicht, wenn jene, die der„Not gehorchten, nicht dem eigenen Triebe"' nun die Wünschenden geworden sind. Die Beratung über den Imperialismus bildete ent- schieden den Höhepunkt der Chemnitzer Verhandlungen. Zwar blieb die bekannte„kleine Gruppe" noch klein, aber wir sind über- zeugt, daß sie größer werden wird. Man konnte deutlich bemerken, daß da vielen Delegierten etwas ganz Neues vors Auge gerückt wurde, das sie einstweilen noch nicht klar zu erkennen vermochten. Aber weder Haases Referat noch die angenommene mangelhafte Resolution werden verhindern, die strittigen Probleme weiter zu diskutieren, die weitere Diskussion jedoch wird erweisen, daß die Ueberzeugung von der Unmöglichkeit des weitere»„Aufrüstens" weniger gut begründet ist, wie die von der Unmöglichkeit deS allgemeinen„Abrüstens". Wir haben allen Anlaß, mit der Chemnitzer Debatte zufrieden zu sein. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß kaum ein Partei- tag so fleißig gearbeitet hat, wie der Chemnitzer, kein einziger war freilich auch so überlastet mit Arbeit wie dieser, wie keiner so zählreich besucht war. Eine gewisse Unentschiedertheit, die sich mehrfach bemerkbar machte, dürfte dadurch mit begründet sein.... Es hat sich mancherlei Unzufriedenheit- über unser Blatt gezeigt. Ihren Gründen nachzuforschen, ist jetzt nicht am Platze. Nur das sei gesagt, wir bleiben die alten, trotzalledem! e-» „Chemnitzer Volksstimme". ... Der Verlauf des Parteitages wird die große Mehrzahl der Genossen in ganz Deutschland mit hoher Befriedigung erfüllen. Die ausgiebigen Debatten sind durchweg sachlich gewesen, die Be» schlüsse, die in den weitaus meisten Fällen einstimmig oder doch mit sehr großer Mehrheit gefaßt wurden, zur Befestigung- der Parteieinheit und zur Förderung des proletarischen Emanzipations- kampfes geeignet.... ... Beim Vorstandsbericht ist der Fall Göppingen in einer Weise erledigt worden, die den festen Willen der Parteimehrheit bekundet, urteilslose Krakeelsucht in die gebührenden Schranken zurückzuweisen... Bei dem Siegesbericht über die Reichstags- wählen haben die Delegierten sich einmütig der Auffassung ange- schloffen, daß das Stichwahlabkommen notwendig war, und daß eine nachträgliche Kritik an den Einzelheiten des Vertrages oder gar eine Festlegung unserer Taktik für-die Zukunft nicht zn empfehlen sei. Beim parlamentarischen Bericht ist die Frage der Sonderkonfe- renzen zur Entscheidung gelangt- Gegen ganz wenige Stimmen hat der Parteitag ihr Aufhören dekretiert. Dazu war es in der Tat höchste Zeit, sonst wäre aus dem einheitlichen Zusammen- arbeiten in der Partei schließlich nur ein Gegeneinanderarbeiten zweier Richtungen geworden, an Stelle des brüderlichen Gefühls nur der Wille getreten, eine andere Gruppe von Parteigenossen zn überwältigen... ... Die Kampfansage an das borussische Raubrittertum klang aus dem Bericht über die Reichstagswahlen wie auS den ernsten Betrachtungen Scheidemanns über die Gefahren der Teuerung. Von diesen Gegenständen führt eine gerade Linie zum Preußentag, der wohl noch in diesem Jahre zusammentreten und die Fortsetzung des Wahlrcchtskampfes organisieren wird. Im engen Zusammenhang mit den imperialistischen Problemen! steht auch der Ausschluß Gerhard Hildebrands aus der Sozial- demokratie. Wir können den Beschluß des Parteitages nicht billi- gen— es ist dies die einzige Frage, die er nicht nach unserem Sinne entschieden hat—, aber wir können ihn vollauf verstehen. Die gegenwärtige Lage weist das Proletariat mit so gebieterischer Notivcndigkeit auf den rückhaltlosesten undtzfeurigsten Kampf gegen Weltpolitik im bürgerlichen Sinne und kapitalistische Verhetzung hin, daß man leicht zu der Auffassung kommen kann, jemand, der in diesen Dingen aus der Reihe tanze, könne überhaupt nicht auf dem gemeinsamen Boden stehen, der für eine Kampfpartei notwendig ist, soll sie nicht in der Luft schweben. Die Hauptwaffe gegen den Imperialismus ist daS organisierte Proletariat selbst, das Krieg dem Kriege ansagt. Jede Verstärkung der Kampfbereitschaft der Arbeiterklasse ist eine neue Friedens- sicherung. Wir haben die Zuversicht, daß die neubeschlossene Or- ganisation der Partei uns sicherer und einheitlicher in allen Aktion nen machen wird- Der neugeschaffene Parteiausschuß wird die dauernde engste Fühlung zwischen der Zentralleitung und den führenden Kräften der einzelnen Bezirke auftecht erhalten und dadurch zugleich den Vorstand beraten wie ihn gegen Angriffe decken können, die Unkenntnis oder Mißwirtschast hervorrufen... Die hygienischen Zustände in den Vergoldereibetrieben. Dem Laien gewährt es meist ein gewisses Vergnügeit, wenn ihm Gelegenheit geboten ist, einen Blick in eine der Werkstätten zu werfen, in welchen die Dinge hergestellt werden, die er vielleicht täglich benutzt, von deren Werdegang er aber nur eine sehr nebet» hafte Vorstellung hat. Wer es aber unternimmt, der Werkstatt des Vergolders einen Besuch abzustattten, dem kann nur geraten werden, die Empfindung des Ekels möglichst zurückzudrängen und seine Lungen auf eine gehörige Strapaze entsprechend vorzubereiten. Es sind nicht gerade Arabiens Wohlgerüche, die uns empfangen, wenn wir bei einem Gang durch die Betriebsstätten der Goldleistcn» fabrikation den Raum betreten, in welchem die rohen Leisten grün» diert werden. Der„Grund" besteht aus einer Mischung von Leim und Kreide, öfters mit einem Zusatz von Kienruß oder Graphit. Die Masse wird warm aufgetragen, Türen und Fenster müssen deshalb im Winter stets geschlossen gehalten werden. Geht der Leim, was nicht selten der Fall ist, in Fäulnis über, dann kann man sich von den Düften, die den Raum erfüllen, nur dann einen Begriff machen, wenn man sie schon selbst genossen hat. Durchaus nicht besser ist die Luft in der Belegerei, in welcher statt mit Grund mit„Steinpappe" gearbeitet wird. Das ist eine Masse, die aus Leim, Kolophonium und Firnis hergestellt loirb. Diese Stoffe werden gekocht und mit Kreide vermischt. Mit Hilfe von entsprechenden Walzen werden Verzierungen auf die Leisten gepreßt, wobei die Walzen mit Menöl bestrichen werden, wodurch der Geruch der vorerwähnten Stoffe eine besondere, aber keines- wegs angenehme Nuance erhält. Der größte Teil der Leisten wird dann auf trockenem Wege mit Sandpapier geschliffen, wobei riesige Mengen eines übelriechenden Staubes entstehen. Die so vorbereite- ten Leisten erfahren hierauf die Prozedur des Farbigmachens, wobei fast durchgängig chrom- oder bleihaltige, also recht giftige Farben verwendet werden. Beim Schellacken, Lackieren und Po- licren wird viel Spiritus gebraucht, der entweder mit Pyridin oder Methyl denaturiert ist. Beides sind starke Gifte, die schon durch das Einatmen ernste Körperschädigungcn hervorrufen können. DaS Arbeiten mit dem Spiritus ruft öfters die Polierkrätze hervor, welche eine typische Berufskrankheit der Vergolder ist. Beim Bimsen und Anlegen spielt das Terpentinöl eine große Rolle. In einem seiner Gedichte erzählt Heinrich Heine, daß Roms galante Damen Terpentin getrunken haben, um einen wohlriechenden Urin zu erzielen. Um diese Wirkung zu erzielen, braucht man aber, wie die Vergolder aus Erfahrung wissen, den Terpentin nicht zu trinken das Einatmen der Dämpfe hat den gleichen Erfolg. Nur schade, daß daneben ernste Körperschäden einhergehen, die dieses Gift er- zeugt. Die Giftwirkung ist um so intensiver, wenn statt Terpentins der viel billigere Terpentinersatz verwendet wird. Beim Metalli- sieren und Bronzieren werden die entsprechend vorbereiteten Leisten mit dünnen Mctallplatten belegt, von denen 1 und mehr auf einen Millimeter gehen. Das Metall wird in sogenannten Schlägen geliefert, die je 80 bis IM Blätter enthalten. Diese Blätter werden einzeln auf das Brettchen geblasen, mit dessen Hilfe sie aufgelegt werden. Das andauernde Blasen ist keine geringe Strapaze für die Lunge. Noch stärker wird diese aber von dem feinen Metallstaub angegriffen, der den Arbeitsraum erfüllt und nicht nur die Kleider, sondern auch die unbedeckten Körperteile des Arbeiters mit einer Äetallschicht überzieht. Daß dies der Gesund» heit höchst nachteilig ist, dürste ohne weiteres einleuchten. Dieser Werdegang einer Goldleiste, und bei der Rahmenver- golderei handelt es sich im wesentlichen um die gleichen Manipu- lationcn, zeigt, daß die Vergolderei ein sehr gesundheitsgefährliches Gewerbe ist. Man hätte erwarten sollen, daß die Fabrikanten be- strebt sind, die Gesundheitsgefahren der Betriebe nach Möglichkeit herabzumindern. Eine Aufnahme, welche die Zentraltommission der im Deutschen Ho lzarbeiterverband organisierten Vergolder veranstaltet hat und deren Ergebnisse nunmehr vor» liegen,") zeigt jedoch, daß die hygienischen Zustände in den Ver- goldereicn alles zu wünschen übrig lassen. Die Statistik erstreckt *) Die hhgie Züschen Zustände in den Vergolder eibetrieben. Berlin 1912. Verlagsanstatt des Deut» schen Holzarbeiterverbandes G. m. b. H. sich auf 32xOrte und 208 Betriebe Jhtl 4183 in den Vergolderei- räumen beschäftigten Arbeitern. Hiervon entfallen auf Berlin allein 105 Betriebe mit 1636 Arbeitern. In Köln sind 0 Betriebe init 477 Arbeitern, in München 17 Betriebe mit 291 Arbeitern, in Hamburg 9 Betriebe mit 245 Arbeitern erfatzt. In den übrigen Städten ist die Zahl der Arbeiter geringer. Die Erhebung erstreckt sich zunächst auf die Arbeitszeit, welche durchschnittlich 53,7 Stunden wöchentlich beträgt. Der Ge- samtdurchschnitt wird jedoch durch Berlin günstig beeinflußt, wo die wöchentliche Arbeitszeit 47%— 55%, im Durchschnitt 51,0 Stunden beträgt. In den meisten anderen Städten ist die Arbeitszeit länger. In München z. B. 52,6 Stunden, in Hamburg' 55,4 Stunden, in Köln gar 56,9 Stunden. Die Vergolder haben also alle Ursache, eine durchgreifende Verkürzung der Arbeitszeit anzustreben, zumal in den meisten Städten die der gleichen Organisation angehörigen Tischler eine kürzere Arbeitszeit haben. Bei der Eigenart des Berufes ist es von Wichtigkeit, daß die besonders gesundheitsgcfähr- lichen Arbeitern wie Schleifen, Bronzieren und Metallisieren in abgesonderten Räumen vorgenommen werden, um nicht alle Arbeiter den Schädigungen auszusetzen. Diese Isolierung ist aber nur sehr mangelhaft durchgeführt. Von 206 Betrieben, über welche Angaben vorliegen, verfügen 53 nur über je 2, 54 sogar nur über je einen Raum. Insbesondere fehlen besondere Arbeits- räume für die Schleifer in 140 Betrieben mit 1820 Beschäftigten, für die Bronzierer in 156 Betrieben mit 2254 Beschäftigten, für Metallisicrer in 163 Betrieben mit 2718 Beschäftigten. In einer erheblichen Zahl von Fällen werden sogar Arbeiterinnen und jugendliche Arbeiter direkt mit diesen sehr gesund- hcitsgefährlichen Arbeiten beschäftigt. Bei der eingangs geschilderten Arbeitsweise der Vergolder wären Einrichtungen für eine gründliche Lufterncuerung durchaus nohvendig. Exhaustoren sind aber eine sehr seltene Er- scheinung. Man findet sie in Berlin nur in zwei Betrieben, ver- einzelt sind sie auch in einigen anderen Städten anzutresfen, doch ist ihre Wirkung in den meisten Fällen unzureichend. Nicht viel besser steht es mit der Ventilation. Anlagen für künstliche Luft- Zuführung existieren in 21 Betrieben mit 806 Beschäftigten, doch sind wirklich gute Ventilatoren nur in 10 Betrieben mit 356 Be-' schäftigten vorhanden. Die direkt mit den gefährlichen Arbeiten Beschäftigten werden auch dort, wo ausreichende Ventilation vor- Händen ist, geschiveige denn in den Betriebe», wo solche fehlt, mit Respiratoren arbeiten müssen. Diese sowie eine zweckmäßige Berufskleidung müßte von Rechts wegen der Unternehmer stellen. Die Verpflichtung wird jedoch nur in sehr geringem Maße praktisch anerkannt. Nur 21 Betriebe mit 1136 Beschäftigten sind es, die überhaupt Respiratoren zur Verfügung stellen, doch ist die Zahl der Apparate meist völlig ungenügend. Die abwcchslungs- weise Benutzung des gleichen Respirators durch verschiedene Ar- beiter ist nicht nur unappetitlich, sondern unter Umständen auch gefährlich. Es muß deshalb für jeden Arbeiter ein Respirator ver- langt werden. Das gleiche gilt für die Arbeitskleidung, die beim Vergolder eine viel größere Bedeutung hat, wie für andere Berufe. Insgesamt werden Berufskleider in mehr oder weniger ausreichen- dem Maße nur von drei Firmen, darunter eine in Berlin, gelie- . fert. Eine weitere Firma liefert Schürzen, die jedoch für den Ver- golder von geringem Wert sind. Man wird es nicht als unbillig bezeichnen können, wenn die Vergolder zum Schutz für ihre Straßenkleider staubsichere Garderoben verlangen. Diesem Verlangen ist aber nur in 87 Betrieben mit 1593 Beschäftigten stattgegeben. In 101 Be- trieben mit 1741 Beschäftigten sind überhaupt keine Garderoben vorhanden, in den übrigen Betrieben sind die entsprechenden Ein- richtungen mehr oder weniger unvollkommen. Ebenso mangelhaft wie die Einrichtungen für die staubfreie Aufbewahrung der Kleider ist die Fürsorge für die Körperreinigung der Arbeiter, die bei den Vergoldern eine besondere Sorgfalt erfordert. Badeeinrich- t u n g e n sind nur in zwei Betrieben vorhanden. In den übrigen > Betrieben besteht meist sehr unzureichende Waschgelegenheit, von drei Betrieben mit 76 Beschäftigten wird sogar berichtet, daß sie .überhaupt keine Waschgelegenheit haben. Einige Betriebe liefern den Arbeitern Handtücher oder Seife oder beides, einige auch Waschbürsten, in 84 Betrieben mit 2792 Beschäftigten wird aber weder Handtuch noch Seife geliefert. Die Aufnahme er- streckt sich auch auf die Reinigung der Arbeitsräume, worüber eine Reihe von Daten mitgeteilt werden, die charakteri- siert werden durch den Satz:„Die Reinigung der Arbeitsräume ist ein sehr wunder Punkt in den Vergoldereibetriöben." Noch schlimmer ist es mit den A b o r t v e r h ä l t n i s s e n, die wir hier besser mit Stillschweigen übergehen. Im ganzen entrollt die Broschüre ein sehr abschreckendes Bild von den hygienischen Zuständen in den Vergoldereibetrieben. Die Zentralkommission der Vergolder hat deshalb ein Programm aufgestellt, welches eine Reihe von Punkten enthält, deren Durchführung zunächst angestrebt werden soll. Dieses Pro- gramm umfaßt: 1. Verlvcndung möglichst giftfreier Materialien. Verbot der Verwendung von Pyridin- und Methylspiritus und Terpentin- ersatz. 2. Besondere Räume für das Grund- und Holzschleifen sowie für das Bronzieren und Metallisieren(Ausreiben). Diese Räume müssen absolut staubsichcr gegen die übrigen Arbeitsräume abge- schlössen sein. 3. Die Arbeitsräume müssen täglich nach Arbeitsschluß ge- reinigt werden, ebenso die Abortanlagen. Mindestens einmal wöchentlich mutz naß gescheuert werden. In nicht zu langen Zwischenräumen muß eine gründliche Reinigung der Arbeits- räume, die sich auch auf die Wände, Fenster und Decken zu er- strecken hat, erfolgen. 4. Von den Arbeitsräumen abgesonderte Speiseräume. Be- . schaffung von Wärmegelegenheit für mitgebrachtes Essen. Bereit- stcllung guten Trinkwassers in den Betrieben. 5. Ausreichende, absolut staubsichere Garderobe, getrennt für Männliche und Weibliche. 6. Ausreichende und für Männliche und Weibliche getrennte Abortanlagen. 7. Zweckmäßige Exhaustoren(Staubsauger) und Ventila- tionseinrichtungcn für alle Arbeitsräume. 8. Freie Lieferung von zweckmäßigen waschbaren Arbeits- anzügen. 9. Freie Lieferung eines brauchbaren Respirawrs für jeden mit Schleifen, Bronzieren und Metallisieren(Ausreiben) Be- schäftigten. 10. Bereitstellung von warmem Wasser zum Waschen, freie Lieferung von Seife, Waschbürsten, sonstiger erforderlicher Wasch- mittel(Spiritus, Ammoniak usw.) und mindestens zweimal wöchentlich eines reinen Handtuches für jeden Beschäftigten. 11. Schaffung von Badeeinrichtungen durch den Ilnterneh- mer, zum mindesten für die mit Schleifen, Bronzieren und Me- tallisieren Beschäftigten. 12. Eine zur Körpcrreinigung bestimmte Zeit von mindestens 15 Minuten innerhalb der Arbeitszeit. 13. Als bestes Mittel zur Verminderung der Berufskrank- heiten fordern wir den Achtstundentag für alle Vcrgoldereibe- triebe. 14. Verbot der Beschäftigung jugendlicher Arbeiter, Arbei- terinnen und Lehrlinge mit der Arbeit des Bronzierens. 15. Ausdehnung der Gewerbeaufsicht auf alle Vergolderer- betriebe(auch solche unter 10 Beschäftigten) unter Hinzuziehung von Arbeitcrkontrolleuren. Unter diesen Forderungen ist keine, von der gesagt werden kann, datz sie undurchführbar wäre. Nichtsdestoweniger wird es noch viele Mühe kosten, ihnen Geltung zu verschaffen. Der An- griff muß, wenn er Erfolg haben soll, von zwei Seiten erfolgen. In erster Linie müssen die Arbeiter selbst in den Betrieben dafür eintreten, daß sanitäre Zustände geschaffen werden. Das können sie mit Hilfe ihrer Organisation. Wenn die Vergolder sich bessere Verhältnisse schaffen wollen, dann müssen sie in erster Linie für den Ausbau ihrer Berussorganisation, den Deutschen Holz- arbeiterverband, Sorge tragen. Sie dürfen aber auch nicht vergessen, daß ihnen bei ihren Bestrebungen wesentliche Hilfe auf dem Wege der Gesetzgebung geleistet werden kann, und daß sie hier um so eher Erfolge erzielen, je stärker die Verfechterin der Arbeiterinteressen, die Sozialdemokratie, in den Parka- menten vertreten ist. Und so bedeuten die Ergebnisse der Erhebun- gen über die hygienischen Zustände in den Vergoldereibetrieben eine dringende Mahnung an die Bcrufsangehörigen, nach Kräften mit- zuarbeiten an der Vervollkommnung der politischen und gewerkschaftlichen Organisation. Hus der parte!* Gemeindetvahlcrfolge. In dem hessischen Städtchen Neu-Isenburg bei Frank- furt a. M. siegte Montag die sozialdemokratische Liste, so daß wir dort die Mehrheit in der Gemeindevertretung haben. Von 18 Ver- tretern gehören 14 der Sozialdemokratie an.— In Bulach bei Karlsruhe erhielt bei der Wahl der Gemeinderäte die sozialdemo- kratische Partei mit 156 Stimmen 3 Sitze, das Zentrum mit 72 bis 79 Stimmen einen Sitz, die bürgerlichen(Liberalen) mit 97 bis 104 Stimmen zwei Sitze. Um eine einzige Stimme mehr würde die Sozialdemokratie einen vierten Sitz erhalten haben.— In Aue bei Durlach, wo die Sozialdemokraten vier Sitze im Gc- meindcrat erhielten, verminderte sich die Stimmenzahl gegenüber der letzten Ausschußivahl von 205 auf 173. Aufklärungs- und Or- ganisationSarbeit tut da sehr not. 8o2iales. Wie ostpreußische Landarbeiter, die nach ihrer Heimat zurückkehren, behandelt werden. Unter Bezugnahme auf unsere Darlegung in Nr. 212 des „Vorwärts" schreibt uns der Rittergutsbesitzer v. Alt- Stutterheim in Koppershagen, Kreis Wchlau: „Bez. auf den Artikel„Wie Ostpr. Landarbeiter usw." in Nr. 212(v. 11. 9. 12) Ihres Blattes ersuche ich Sie auf Grund von Z 11 des Prcßgesetzes um Aufnahme nachfolgender Berichti- gung an gleicher Stelle in der nächsten Nummer: 1. Es ist unwahr, datz der Passus„Vorschüsse usw." mit un- leserlicher Handschrift geschrieben sind, wonach die Arbeiter nicht gewußt hätten, was sie unterschrieben; wahr ist vielmehr, datz alles durchaus deutlich geschrieben und ausgedrückt war und daß alle genau wußten, was sie unterschrieben, wie aus der Korre- spondenz klar hervorgeht. 2. Es ist unwahr, daß die Familien erst am 1. Ikovember hier fortziehen dürfen, wahr ist vielmehr, daß olle den Ziehschein zum 1. Oktober ausgestellt erhalten haben; auch wäre es bei dem allgemein herrschenden Arbeitermangel durchaus nicht schwer ge- Wesen, auch zum 1. November eine Stelle zu bekommen. 3. Laut Kontrakt war ich berechtigt, von Anfang an, nach und nach Abzüge zu machen; ich tat dieses erst nach 1%jahriger Dienst- zeit, da die Leute anfänglich mittellos waren. 4. Es ist nicht wahr, datz das sämtliche Barlohn nur 8,50 M. Pro Familie beträgt; wahr ist vielmehr, datz der Tages- und Monatsbarlohn, exklusive Deputat, 30— 50 M. pro Monat beträgt, je nach Anzahl der arbeitenden Mitglieder. 5. Es ist unwahr, datz die Leute ihren Lohn und Deputat- getreide nicht pünktlich erhalten haben; wahr ist vielmehr, datz sie stets das Getreide einige Tage vor dem 1. eines jeden Monats erhalten haben, da die Mahlmühlen am 1. zu besetzt sind. 6. Es ist unwahr, datz meine Arbeiter verhungern, wahr ist vielmehr, datz ordentliche Landarbeiter hier zu Wohlstand kommen. Als Beweis führe ich einige Namen an, die zu Auskunft gern bereit sind: Struwe, Gutzeit, Hochgräfer, Reumann u. a. m. Der westfälische Rückwanderer Kühner hat seine Neiseunkosten bereits in diesem Monat bezahlt, woraus hervorgeht, datz der Landarbeiter nicht schlecht gestellt sein kann. 7. Es ist unwahr, daß die Leute hier während der Ernte schlechtes Trinkwasser erhalten haben; betreffender Arbeiter war nicht krank, sondern renitent und erhielt deshalb vom Amt die Strafe von 3 M. Ich mutzte einen Sensenarbeiter entbehren, was mit 1,50 M. sehr gering berechnet ist. 8. Es ist unwahr, daß ich je erklärt hätte, ich werde meine Arbeiter durch Hunger zwiebeln; wahr ist vielmehr, daß die Getreideausgabe am I. August, die Monatslöhnung, wie rechtmäßig, am Sonnabend den 3. August stattfand, und zwar fand die Ausgabe deshalb nicht früher, wie es sonst bei mir Brauch ist, statt, weil eine Anzahl Leute meinen Beamten am 30. Juli tätlich angriffen. Dieses war auch der Grund, wes- halb ich ihm meine Pistole gab, um sich bei erneutem Angriff wehren zu können. Ich sah mich zu meinem großen Bedauern zu dieser Maßnahme genötigt, weil im Februar d. I. mein boriger Beamter von dem westfälischen Rückwanderer Günther tätlich angegriffen worden war,— Grund: Günther hatte im November vorigen Jahres eines meiner größeren Schweine er- schlagen, um dasselbe, welches als krepiert gelten sollte, im eigenen Haushalt zu verwerten. Das Schöffenburg zu Allenburg ver- urteilte Günther auf Grund der Anzeige de» Beamten und d«r Aussage des vereidigten Fleischbeschauers zu Gefängnis. Aus Rache dafür grif Günther am Tage der Verurteilung den wehr- losen Beamten mit dem Messer an. Auf Grund dieser Ersah- rungen sah ich mich am 31. Juli, als mein Beamter wieder tätlich angegriffen wurde, veranlaßt, zu dessen Hilfe herbeizueilen und erklärte sämtlichen Leuten, die sich über den Beamten beschwerten, daß ich ihm die Pistole zu seiner persönlichen Sicherheit gegeben hätte und er im Falle der Notwehr von der Schutzwaffe Gebrauch machen könnte... 9. Es ist nicht wahr, datz alle meine Leute sozialdemokratisch gewählt hätten. 10. Es ist nicht wahr, daß alle meine Arbeiterfamilien am 1. Oktober hier fortziehen; allerdings ziehen infolge der Hetze- reien 10 Familien, was noch nie dagewesen ist, aber es bleiben trotzdem noch 12 Familien auf dem Gut. Von den zehn fort- ziehenden Familien habe ich dreien gekündigt, sieben ziehen auf eigenen Wunsch von Alt-Stutterheim." Die Einsendung entspricht den Anforderungen des Pretzgesetzcs keineswegs. Zu ihrer Aufnahme wären wir nach dem Gesetz nicht verpflichtet gewesen. Trotzdem bringen wir die Zuschrift gern zum Abdruck, weil sie ein unbewußtes Dokument ostelbischer Auffassung ist und die Darstellung in unserem Artikel lediglich bestätigt. Im einzelnen sei bemerkt: Wir hatten nicht behauplet, die Schrift deS Kontrakts fei un- leserlich, sondern datz der von uns niedriger gehängte PassuS mit wenig leserlicher Handschrift hergestellt und wohl von keinem der Landarbeiter in seiner Tragweite erkannt war. Und das trifft zu. Wenn der Einsender darauf hinweist, daß er den Familien schon zum 1. Oktober den Ziehschein ausgestellt hat, so beweist dies nur, datz er nachträglich die Unbilligkeit dieses von ihm vorgeschlagenen Vertrags ebenda eingesehen haben mag. Seine Behauptung, datz die Familien auch zum 1. November eine andere Dienststelle ge- funden hätten, trifft nicht zu. Der Arbeitermangel rührt ja zum Teil daher, daß die Landarbeit zum großen Teil Saisonarbeit ist, bei der es für den Winter an Beschäftigung mangelt. Die Ansicht des Herrn von Alt-Stutterheim, er sei berechtigt gewesen von Anfang an nach und nach Abzüge zu machen, trifft nicht zu. Der Wortlaut des Vertrages berechtigte ihn freilich dazu. Stach dem Lohnbeschlagnahmegesetz war aber eine solche Abmachung hinfällig. Ueberdies waren die Familien auf den Vertrag in der Annahme eingegangen, sie würden mindestens 3 Jahre in dem Dienst verbleiben, so daß dann auch nach dem Vertrag Herr von Alt-Stutterheim die Kosten für Reise und Fracht zu übernehmen hatte. Die Bemerkung des Rittergutsbesitzers von Alt-Stutterheim über den Wohlstand der Landarbeiter in Ostpreußen ist für die Auffassung des Herrn Rittergutsbesitzers bezeichnend, deshalb aber noch nicht richtig. Nicht minder bezeichnend ist die Rechtfertigung, die der Herr Einsender für die Bewaffnung seines Beamten an- führt. Die Behandlung der Landarbeiter auf dem Gute des Herrn Rittergutsbesitzers hat dazu geführt, daß schon bei der letzten Wahl, wie wir schrieben,„fast alle"— nicht„alle", wie der Einsender las— Landarbeiter sozialdemokratisch wählten. Geht es mit der Behandlung so weiter, so darf angenommen werden, datz sie bald alle sozialdemokratisch wählen werden. WitterungSüderstcht vom 24. September 1918. €tafionen Swinemde. Hamburg Berlin Frankf.a.M> München Wien u I i-s C C »H Ö§ c 5 if 771 NO 773 NO 770N 758 NO 768|D 766 32 NW Vetter Swolky 4 halb I Zwolkil 2 halb bd. 1 bedeckt Ibedeckt aisi d* AH i* wi g 7 e 9 4 9 «tatwnea iL Ls Haparanda Petersburg Scilly Abcrdee» Paris Ii 775 S« 773D92D 7700(50 775 s 769 NNO (leitet 4 wollenl 3 bedeckt IDunlt Ibedeckt 3 bedeckt c* t- 6 8 12 11 8 Wetterprognose für Mittwoch, de« LS. September 191». Kühl und vielsach wolkig bei ziemlich frischen nordöstliche» Winden: kewe erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Arboitsnacbwels: Hol L Amt Norden, Nr. 1239. Vnrwaltimptelle Berlin Charirvstraste 3. Hauptbureau; Hos III. Amt Norden, Nr. 1SS7. Donnerstag, den SK. September, abends 8 Uhr: Allgemeine Versammlung der Heizungsmonteure, Rohrleger u. Helfer Grotz-Berlins im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, Saal 4. Tagesordnung: Unsere nächsten Aufgaben. Referent: Kollege Handle. 2. DISkusston. Kollegen l Erscheint alle, Mann für Mann. Es ist Ehrenpflicht, daß jeder von Euch am Platze ist I Es handelt sich um die Interessen deS ein- zelnen wie um die Interessen der Allgemeinheit. Keiner dars fehlen l Donnerstag, den S6. September 1912, abends 8 Uhr: Sraneheti- Versammlung der Elektromontenre und Helfer . lörn, unt.<5 in den Musiker-Festsälen, Kaiser-Wilhelmstr. Saal. Tagesordnung: 124/19 1. Vortrag des Genossen Dr. R. Breitscheid über:»Alte und neue Kämpfe um das Koalitionsrecht.« 2. Stellungnahme zur Berufs- konsercnz. 3. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. In Anbeiracht der äußerst wichtigen Tagesordnung werden die Kollegen gebeten, recht zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Namentlich die Kollegen der Firmen«iemens, A. E. G.. Mix& Geneft, Lorenz und Zwictusch& Co. sind besonders eingeladen. Die Ortsverwaltung. Blutsnneu. Kranke trinken während der Rekonvaleszenz feurig süße Santa Lucial�""8:8""i50 Uinng bitie mrtmMo. __ ffl O 6 wm Bin U, Käufl. In Apotheken, Drogerien n. Dellkat-Oegch. co vorkaute ch »PBtklaoolBe« (9 X prämiiert Staatsmedaille) io o allen Holz- und Stilanen. von wunder-» barer Tonfülle(Klüeelton) 9 Ohne jede Pianos ?..... Flügel». Harmoniums k gegen kleine monatliche TeUzablung. Für jedes Instrument gewähre ich langjährige schriftliche Qarantie. IConriiJ KniiBt llclife„ WkbWWMt Auch Sonntage Eoke KupfOrstenstr, Tel. Ch. 10410. Auch Sonntage goOffnet I �Todes-Anzeigen Sozialdemokratischer Wahlverein Neukölln. Den Parteigenossen zur Nach- richt, datz unser Mitglied, der Zu- schneider Lermsm! Rultolpdi Berliner Str. 42(7. Bez.) verstorben ist. Ehre seinem Rndenke»! Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, nochm. 2'/, Uhr, von der LeichcnhaUc des Neuköllner Gemeinde- Friedhofes, Marlen- dorser Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht! Der Borstand. Verliaiiii ri. Brauerei- uJiililen- arbeiteru. yerw.ßerulsgenossen. Ortsverwaltung Berlin. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, dafi unser Kollege, der Brauer IldelF Christ verstorben ist. Die Beerdigung findet Donners- tag, den LS. September, nachm. s>/, Uhr, von der Leichenhalle des des Weißenseer Gemcinde-Frted- Hofes in Weibensee.Rölckestr. 48/51, aus statt._____ 43(14 Gestorben Ist ferner der Kollege, Brauer Gustav Papke (Schultheifi II). Die Beerdigung findet Donnerstag, den 26. September, nachm. i'h Uhr. aus dem neuen Zwölf- apostel-Kirchhof in Schöneberg, Tempelhoser Weg, statt. Ehre ihrem Andenken l Rege Beteiligung erwartet Ole Ortsverwaltung. DeutsciierMeiallarlieiter-lferliaiKl Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Elektromonteur Liisla? Salzmaim Friedenau, Kaiserallce 126, am 21. b. Mts. an Ltmgenleiden gestorben Ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, de» 25. September, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde-Fried- Hofes in Friedenau, Fehlerstrabe, auS statt. Ferner verstarb unser Mitglied, die Arbeiterin ftnma Stelzer Charlottenburg, Schloßstraße 15. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 25. September, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Luisen- Kirchhofes in Charlottenburg, Fürstenbrunner Weg, auS statt. Ehre ihrem Andenke»! Rege Beteiligung erwartet 124/20 Die Ortsverwaltung. Zenlral-Kranken- mi Sterlie- kasseldeutseMpbaBer Berlin 8.(Gesundbrunnen.) Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser Mitglied JLugust Hollmann am Sonntag, den 22. September, verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, nachmittags 3>/« Uhr, auf dem Sophien-Kirchhos, Freien- walderstraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht 258(3 Ole Ortsverwaltung. Danksagung. Für die wohlempfundenen Trostes- Worte deS Herrn Körber und des Herrn Dorner sowie sür die vielen Beweise innigster Teilnahme und zahl- reichen Kranzspenden bei der Bcerdi- xung unserer geliebten unvergeßlichen Kinder Erich und Frida Marckt- schefsel sagen wir hiermit allen Be» teiligten unseren herzlichsten Dank. Die trauernden Eltern und Bruder. Allen Freunden, Verivandten und Bekannten die traurige Nach- richt, daß mein lieber guter Mann, der frühere Spediteur Karl Weiße am 23. September, abends 'Ul Uhr, nach langen schweren Leiden im S8. Lebensjahre Oer» sterben ist. DteS zeigt, um stilles Beileid bittend, tiesbelrübt an Mnrlo WelSe, Birkenwerder, Kurzeftr. 2. Die Beerdigung findet am Freitagnachmittag 4 Uhr von der Halle des Freireligiösen Friedhofes, Pappelallee, aus statt. Am Montag, den 23. d. M., ent- schlief nach langem, mit Geduld ertragenem Krankenlager im Alter von 41 Jahren mein inniggeliebter Mann und herzensguter Vater, Bruder, Onkel und Schwager .Adotf Christ. Dies zeigen tiesbelrübt an mit der Bitte um stille Teilnahme Im Namen d.traueind Hinterbliebenen Pankow, 23. September 1912. Magdalene Christ und Sohn. Die Beerdigung findet Donners- tag, den 26. d. Mts., nachmittags 5'/, Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde-FriedhoseS, Weißensee, Rölckestraße, ans statt. Ezrtrn-.A.I»t«lIn»tx 1 1. Gesch.: Berlin W., Mohren- StraBe37a(2. Haus von der j Jerusalemer StraBe). | II. Gesch.; Berlin NO., GroBe 1 Frankfurt. Str. 1 15(2. Haus| von der AndreasstraBe). 1 Sehr gr. Aus w. fort. Kleider,[ J Hüte, Handschuhe, Schieferl leto. v. einfachsten bis zum I ] hochelegant.Genrez.äoßorst| niedrigen Preisen. Sonder-Abteilung: UlaBanrertlgang: in 10 bis 12 Stunden. Dr.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, 10—2. 5—7. Sonntags 10— 12. 2—4 Danksagung. Für die vielen Beweise Inniger Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau sagen wir allen Ver- wandten und Bekannten unseren herzlichsten Dank. 495b Im Namen der Hinterbliebenen Ott« Vfrbna. Sdim Mim Fertie am Lager: MWMWeWVsi rratk-Anzöge II Jo5; 8m.| I Fertige schwarze Kieidunp: für Knaben und Jünglings| in größter Auswahl MöbelsMagazin C. Zergiebel, Berlin, Sikaither Str. 130.* jen klein, u. mittl. zahlung gestattet. Wohnungen. Einrichtung gen. Teilz Fein» MaQ• Anfertigung| :: in ca. 10 Stunden Baer Sohn Kleider* Werke. Chausseestrafie 29— 30. II. Brückenslrafie 11. Gr. Frankfurter ätr 20. SehSnebern. Hauptalr. 10. Bund d. Arbeiter-Mrvereine Deutschlands. Donnerstag, den 26. September 1913, abends 9 Uhr: Oelf entliehe Tersammlnng aller Theatervereine Berlins und Umgegend im GewerkschaftShanS, Engelufrr IS, Saal 1. Tagesordnung: 1. Sind Theatervereine existenzbercchtigt? Referent: H. Gerth, Redakteur des BundeSorgans.— 2. Diskussion. 296/20' Die für die Theatervereine durchaus wichtige iragesordnung ei» vollzähliges Erscheinen sämtlicher Anhänger des ens. Der Einbernfer. Filiale Groß-BeHin. Freitag, den 27, September 1913, abends«'/s Uhr, im Gewerkschaftshause, Gngelnfer IS, großer Saal: Au ßerordentUche General- Versammlung. Tagesordnung: l.i Bericht über die Lohntarifverhandlungen. 2. Stellungnahme zum diesjährigen Fensterstreik. 3. Verschiedenes. «ltgll«a»ba/z Uhr, statt. Es gelangt«Orpheus»n der Unter- weit von Gustav Charls inszeniert und von Leo Fall dirigiert, zur Aufführung.— Im Deutschen Schauspielhause gelangt in- ölge Abänderung des Spielplans am Mittwoch, Freitag, Sounabend und Sonntag„Egmont" zur Aufführung. Donnerstag und nächsten Montag finden die ersten Wiederholungen von Strindbergs„Ostern" 'tatt. — Berlin und Stuttgart. Die Berliner Zensur hat der Freien Volksbühne die Aufführung von Rosenotvs ergreifen- dem Drama:„Die im Schatten leben" verboten. In Stuttgart ist dasselbe Drama anstandslos im Schauspielhause aufgeführt worden. Die Preußen sollten gegen das revolutionäre Württemberg eine Bundesexekution beantragen. Wo bleibt die große Klappe ans Januschau? — Eine Konferenz über sittliche Willens- bildung in der Schule wird unter Leitung des Bunde« für weltliche Schule und Moralunterricht am 29. und 30. September sowie 1. Oktober in Berlin stattfinden. Die Einführung von Moral- Unterricht und eine entsprechende Ausgestaltung des ReligionS- Unterrichts sind Hauptverhandlungsgegenstände. Die Veranstaltung wird eingeleitet durch eine Matinee, bei der Pfarrer G. Traub- Dortmund über„Gedanken über den Religionsunterricht"; Prof. Dr. Fr. Jodl-Wien über„Das Problem des Moralunterrichts" prechen werden. Programme kostenlos durch Generalsekretär K. Hesse, Berlin-Halensee, Küstriner Straße 2. Ein Philosoph ohne Kopf. Wie in der Pariser Akademie der Wissenschaften mitgeteilt wurde, ist der Schädel des Philosophen DeScartes, der im historischen Museum aufbewahrt wurde, ver- chwunden. Wahrscheinlich ist er bei den großen Ueberschwemmungen des Jahres 1910 weggespült worden. derungen m bin Slreik getreten. Vor Arbeitsannahme bei dieser Firma wird gewarnt. Deutscher Metallarbeiterverband, Verwaltung Magdeburg. ?usl»nck. Der achte internationale Hutmacherkongreft. Rom, den 21. September 1912.(Eig. Ber.> Durch einen großen Festgug, an dem die Vertreter von hundert Organisationen teilnahmen, ist am 15. September in Monza der 8. internationale Kongreß der Hutmacher eröffnet worden. Im Lokal der Arbeiterkammer von Monza folgten dann die Begrüßungs- reden'. Die eigentlichen Arbeiten des Kongresses fanden im Mai- länder Voltshause siott, da die dortigen Lokalitaten geeigneter waren. Auf Vorschlag der französischen und belgischen Delegierten wurde eine Protestresolution gegen den Krieg angenommen, worauf der Kongreß nach Entsendung von Begrützungstelegrammen an den deutschen Parteitag und an die französische Konföderation der Arbeit zur Erledigung seiner Tagesordnung schritt. Der Bericht des internationalen Sekretariats gibt die Lage des Verbandes, im Jahre 1911 wieder. Die Gesamt- zahl der Organisievtcn beträgt 39 546, fast 8lX)9 mehr als im Jahre 1908. Die Oraanisiertcnzahl der verschiedenen' Länder ist die folgende: Deutschland 10 213, Frankreich 5528, Italien 5136, Eng- land 4055, Oesterreich 3370, Belgien 1000, Rußland 477, Ungarn 276, Schweiz 261. Dänemark 250, Schweden 154, Norwegen 87 und Finnland 38. Die internationale Verbandskasse verfügt über einen Fonds von 8641 M. Dem Rechenschaftsbericht folgte eine lebhafte Diskussion, die durch ein Vertrauensvotum für den Sekretär M e tz s ch k e ihren Abschluß fand. Das internationale Sekretariat würde aufgefordert. Schritte zu tun, um den Beitritt des englischen Zentralverbandes der Filzhutarbeiterinnen zu erzielen; es wurde weiter eingeladen, den Beitritt der Hutniacher Serbiens zu regeln und die Vcrchandlüngen mit den Organisationen Nordamerikas und Australiens fortzusetzen, wobei dem Sekretariat Vollmacht erteilt wird, für den Beitritt der nordamerikanischen und australischen Organisationen in Erwartung des nächsten Kongresses provisorische Bedingungen aufzustellen. In der Nachmittagssitzung folgten die Berichte der auswärtigen Delegierten, wobei der portugiesische Bericht, der durch den Sekretär M e tz s ch k e gegeben wurde, einen wahrhaft trostlosen Eindruck her- vorrief. Die Zahl der organisierten portugiesischen Hutniacher be- läuft sich aus 402. Der mittlere Tagelohn in Portugal beträgt für Hutmachco bei 10 bis 12 stündiger Arbeitszeit 3 Franken. Auf Autragjlicinvs wurde beschlossen, mit den Mitteln des internatio- naleu Sekretariats für die Hebung der Organisation in Portugal zu wirken. ■ Ter zweite Verhandlungstag wav der Fortsetzung der aus- wär.tigen Berichte und ihrer Diskussion gewidmet, wobei es bei dem Bericht des Schweizer Delegierten zu einer recht heftigen Ausein- andersctzung mit den italienischen Vertretern über das Streik- brechcrtum kam. Man beschloß, diese Frage dem internationalen Sekretariat zu überweisen. Die Arbeiten des dritten Verhandlungstages beschränkten sich auf die Vovmittctgssitzung, in der über die Stärkung und den Ausbau des internationalen Verbandes verhandelt Wunde. Der Nachmittag war dem Besuch der größten Hutfabrikcn der Stadt Monza gewidmet. Die Zuvorkommenheit, mit der die Unternehmer ihre Fabriken dem Kongreß öffneten, dürfte mehreren der auswärtigen Hutmachcr Gegenstand der Verwunderung gewesen sein. Arbeitsreich und ermüdend war der letzte Tag. an dem über die Entwicklung der internationalen Beziehungen verhandelt wurde. Auf Aulrag der Schweiz wurde beschlossen, immer die Namen und Adressen der internationalen Zentral- verbände zu veröffentlichen, und die reisenden Kollegen aufzufordern, ihnen beizutreten. Auch ein Vorschlag der deutschen Kollegen, die Arbeitslosenversicherung zu regeln, gelangte zur Annahm«. Die Einführung der Reisemarken wurde empfohlen. Ueber die inter- nationalen Kongresse wurde der Schweizer Antrag angenommen, sie alle drei Jahre in der zweiten Hälfte des Juni zu halten. Auf Antrag der dänischen und französischen Delegierten beschließt man, daß alle dem internationalen Sekretariat angeschlossenen Zentral- verbände eine Streikkasse haben müssen. Der Paragraph 18 des Statuts des internationalen Sekretariats wird dahin abgeändert, daß der Extrabeitrag für die Streiks im Verhältnis zur Zahl der Streikenden sestgosctzt werden soll. Der Vorschlag des internationalen Sekretariats, di c internationale Beitragsquote herabzusetzen, wird zurück- gewiesen. Sowohl die österreichischem wie die italienischen Dele- gierten nehmen dagegen Stellung und heben hervor, daß der Kassen,- sonds des Sekretariats nur deshalb vorhanden istz weil der Selre- tär Metzschke für seine Tätigkeit jede Entschädigung zurückweist. Ueber den Sitz des internationalen Sekreta- r ia t s, der nach den Statuten nur während eines Zeitraums von sechs Jahren in demselben Lande sein kaum, entspinnt sich eine eifrige Diskussion. Oesterreich und Italien schlagen vor, diese Ein- schränkung aus den Statuten, zu streichen; die Franzosen Roux und Michclcb bekämpfen diesen Vorschlag, weil er nicht auf der Tagesordnung steht. Mit 6 Stimmen gegen 2 bei 3 Stimmentihak- tun gen wird trotzdem die statutenmäßige Bestimmung aufgehoben. Darauf wird mit 6 Stimmen Deutschland zum Sitz des inter- nationalen Sekretariats gewählt. Auf Oesterreich war eine Stimme entfallen Ter bisherige Sekretär Metzschke wird mit 8 Stimmen in seinem Amt bestätigt. Schließlich wird Frankreich als Sitz des nächsten internationalen Kongresses vorgeschlagen. Da aber die französischen Delegierten erklären, sie könnten sich nicht verpflichten, daß der französische Zentralverband den Vorschlag annimmt, be- schließt man, England znm Sitz zu wählen. Belgische Scharfmacher. Antwerpen. 24. September. Nachdem sich die Stadtverwaltung nicht abgeneigt zeigt, dem Ersuchen des Verbandes der Seeleute um Errichtung eines amtlichen Heucrburcaus zu entsprechen, haben die belgischen Reeder bekanntgegeben, daß sie ihr privates Heuertbureau selbst dann weiter beibehalten, wenn die Stadt ein amtliches Bureau einrichten sollte. Dieser Beschluß kommt einem Ultimatum gleich und hat im Hafen lebhafte Erregung hervorgerufen. Eisenbahnerstreik in Spanien. Ein Ausstand der katalanischen Eisenbahner Ivird am beutige» Mittwoch beginne». Längs der katalonischen Bahnstrecken sind Militärposten ausgestellt, um Ausschreitungen und Gewalttätig- ketten der Streikenden zu verhüten. Alle Bahnhöfe sind mit Truppen besetzt._ Die amerikanischen Gewerkschaften und die Präsidentenwahl. Bei der letzten Präsidentenwahlkampagne war der amerika- nische Gewerkschaftsbund offiziell für die demokratischen Kandi- datcn eingetreten und hatte auch seinen ganzen Apparat von Or- ganisationcn aufgeboten, um den Demokraten zum Siege zu ver- helfen. Nach den Leitartikeln in dem offiziellen Blatte des Bun- des war avck» dieses Mal die gleiche Stellungnahme zu erwarten, zumal die Demokraten, die im Repräscntantenhause die Majori- tät hatten, bei der Beratung mancher Arbeitergesetze den Schein zu wahren wußten, als wollten sie die Versprechungen den Arbeitern gegenüber einlösen. Eine besondere Sitzung des Gesamtausschusses des Gewerkschaftsbundes präzisierte die Stellung der Gewerkschaf- ten zu den kommenden Wahlen. Das Ergebnis der Sitzung wird in einigen Gewcrkschaftsblättcrii in vorsichtiger Weise iviedergc- geben. Danach ist dort festgestellt worden, daß die Leiter des Bun- des sich alle Mühe gegoben habe», die Nomination von Champ caieirk, des Präsidenten des Unterhaujes, als demokratischer Prä- sidentschastskandidat durchzusetzen. Nachdem dies leider mißlungen sei, hatten der Vorsitzende GomperS und der Sekretär Mor- r i s o n, die beide der demokratischen Partei angehören, die Unterstützung des offiziellen Kandidaten der demokratischen Partei, Wik- son, vorgeschlagen, doch sei dieser Vorschlag„sehr kühl" aufgenom- men worden, da W i l s o n sich durch seine vielen Veröffentlichungen als Gegner der organisierten Arbeiter stets bekannt hat. Unter den Ausschußmitgliedern befanden sich Anhänger aller vier Par- tcien(Republikaner, Demokraten, Sozialisten und Progressisten- Rooseveltiancr), so daß man sich schließlich begnügte, zunächst keine Entscheidung zu treffen, diese vielmehr hinauszuschieben, um später offiziell für bestimmte Kandidaten einzutreten. Doch war man sich schon ziemlich einig darüber, daß es„Wilson schwer fallen werde. den Arbeitern seine Arbeitersreundlichkeit klar zumachen nach all dem, was er gegen sie geschrieben und iw>e er gegen sie als Gou- verneur gehandelt bat". Inzwischen aber haben es die Wilson-Leute verstanden, ihn vom Gewerkschaftskartell(!) in Pittsburg als Festredner zum Arbeitersonntag(1. Sonntag im September) einladen und auch an anderen Orten unter den Auspizien der Gewerkschaften sprechen zu lassen, wo er jedesmal betonte, daß er das Eintreten für die Arbeiter als seine vornehmste Aufgabe betrachte. Nicht minder eifrig ist Noosevelt um die Arbciterstimmen bemüht. Er hat fast das halbe Programm der sozialistischen Partei in seine Pro- grammfordcrungcn aufgenommen und wird dadurch zweifellos viele Verwirrung in Arbeiterkreiseu anrichten. Auf der anderen Seite aber wächst auch täglich die Zahl der Gewerkschaften, die sich ein- zeln offiziell für die Unterstützung der sozialistischen Kandidaten aussprechen. Mit um so größerer Spannung darf man daher wohl aus die endgültige Stellungnahme des Gesamtbundes der Gewerk- schaften zu den Wahlen warten. Daß diese diesmal große Schwierig- leiten bereitet, darf jedenfalls schon als merkliches Zeichen des Ruckes nach links und des Rückganges der Gewerkschaftspolitiker alten Schlages betrachtet werden. Ein Riesenstreik in der amerikanischen Musik- instrumcntenbranche. Aus New Jork wird gemeldet: 30000 Arbeiter der Pianofortefabriken sind in den Ausstand getreten und fordern eine Lohnerhöhung von 15 Proz. Diese Lohn- bewcgung ist symptomatisch für die allgemeine, große Arbeiter- bewegung, die sich im ganzen Lande bemerkbar macht. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der Ausstand auf andere Gebiete der Industrie und des Handels übergreift und dann unabsehbare Folgen nach sich ziehen kann._ Hu9 Industrie und Handel. Internationaler Arbeitsmarkt. Der rege Geschäftsgang, der mit dem Beginn der diesjährigen Herbstkampagne in den wichtigsten Wirtschaftsgebieten Europas und Nordamerikas eingesetzt hat, übt einen überaus günstigen Einfluß auf den vorher hier und da recht belasteten Arbeitsmarkt aus. Wie in Deutschland wurden zwar auch in England einige Gewerbe- zweige von dem regnerischen Wetter nachteilig beeinflußt. Das gilt vornehmlich für das Baugewerbe; indessen macht sich in der englischen Bautätigkeit, die im Sommer stark daniedergelegen hatte, seit einigen Wochen eine Besserung bemerkbar. Sie kommt vor allem der Hauptstadt zugute; die Zahl der im Baugewerbe Beschäftigten wuchs in London von Juli auf August um 19,1 Proz. Die Schiffsbauan st alten sind mit Aufträgen aus neue Fahrzeuge reichlich versehen; hingegen ist der Geschäftsgang der Reparaturwerkstätten schleppend. Starker Mangel an Arbeits- kräften wurde bei der Vernietung und Abdichtung gespürt. Ver- gleiche mit dem Vorjahr und Vormonat sind hier fast unmöglich, da in beiden Fällen große Gruppen von Transportarbeitern die Arbeit eingestellt hatten. Eine intensive Tätigkeit hat wieder in der englischen Montanindustrie eingesetzt. Gute Bcschäfti- gung fanden im August die Kohlengräber; die Ausfuhr englischer Kohle einschließlich Koks belief sich im Berichtsmonat auf 6,73 Milli- onsn Tonnen gegen 5,57 Millionen Tonnen im August 1911. Der Beschäftigungsgrad im Erzbergbau und in der Eisenindustrie war überaus zufriedenstellend und weit günstiger als im vorjährigen Korrespondenzmonat, wo infolge des nationalen Eisenbahneraus- standes das wirtschaftliche Leben Großbritanniens wochenlang fast lahmgelegt war. In England und Wales waren im August d. I. 321 Hochöfen angeblasen gegen 283 Hochöfen im gleichen Monat des Vorjahres. Auch die Maschinenindustrie verzeichnete einen flotten Geschäftsgang; wie alljährlich um diese Zeit machte sich anderer- seits in den graphischen Gewerben eine empfindliche Abschwächung bemerkbar. Sehr befriedigend und jedenfalls günstiger als in Deutschland sprechen sich die Berichte über die Lage in der Textil- industrie aus. Wie lebhaft die Mehrzahl der britischen Gewerbe- zweige im Spätsommer arbeitete, erweist unter anderem die Tat- fache, daß der Prozentsatz der Beschäftigungslosen, den die Trade Unions im August verzeichneten, nur 2,2 Proz. betrug und mit dieser Ziffer niedriger war als in irgendeinem Monat seit Juli 1900. In Frankreich vollzog sich im Juli eine starke Besserung am Arbeitsmarkt vor allem in der Metallindustrie, wo die Ziffer der Beschäftigungslosen auf einen überraschend niedrigen Satz fiel. Die Textilindustrie klagte noch immer über eine gewisse Stille, die Beschäftigungslosigkeit nahm sogar gegen den Vormonat wieder zu. In den Weinbergen beanspruchten die Arbeiten zum Schutz der Reben vor Krankheiten zahlreiche Arbeitskräfte. Weit geringer als um die gleiche Zeit des Vorjahres war die Streiklust. Es kam im Juli dieses Jahres zu 92 Arbeitseinstellungen, an denen 5879 Arbeiter teilnahmen gegen 128 Streiks mit 12 795 Be- teiligten im Juli des Vorjahres. In Holland errechnete sich der Prozentsatz der Beschäftigungslosen im Juli auf 2.7 vom Hundert gegen 2,9 im Juni und 2,1 Proz. im Juli des Vorjahres. Günstige Verhältnisse weist dauernd der Arbeitsmarkt der skandinavischen Länder auf. So hatte z. B. N o r w e g e n im Juni wie im Juli dieses Jahres nur 0,7 Proz. Beschäftigungslose unter den Arbeits- kräften seines Landes; dabei ist besonders zu berücksichtigen, daß hier sämtliche Arbeiter und nicht etwa nur die Organisierten erfaßt werden. Aus den V e r e i n i g t e n Staaten werden schon seit einigen Monaten Klagen laut über Arbeitermangel in der Montan- industrie; erleben doch vor ällem die Stahlwerke der Union gegen- wärtig eine neue Periode angespanntester Hochkonjunktur. In diesem Zusammenhang ist von besonderem Interesse, daß vor kurzem ein Gesetz die Bestätigung der zuständigen Behörden ge- funden hat, das für öffentliche Arbeiten jeder Art den Achtstunden- tag als Maximalarbeitstag festsetzt. Von den politischen Kämpfen, die der Vorbereitung der Präsidentenwahl gelten, ist das Wirtschaft- liche Leben der Union diesmal kaum beunruhigt worden; die Kreise von Handel und Gewerbe sind offenbar überzeugt, daß kein Präsi- beut, welcher Richtung er auch angehöre, radikal in die Wirtschast- liche Ordnung eingreifen werde. Kus der frauenbewegung. Die Frau in Haus und Beruf. Aus dem Bericht ves Konntees der Ausstellung„Sie Frau in HauS und Beruf" geht hervor, daß mehr als 500 000 Besucher ge- zählt wurden. Die zur Verfügung stehende Grundfläche wurde durch die ausstellenden Firmen und Vereine voll ausgenutzt. Der Rein- Überschuß stellt sich auf 166 770 M. Ueber seine Verwendung soll erst später endgültig entschieden weiden. Man kann wohl die Erwartung aussprechen, daß der größte Teil dieser Gelder zu sozialen Zwecken, insbesondere Säuglings- und Kinderfürsorge, verwandt wird und nicht in den Kassen der Frauenvereine für bloß propagan- distische Zwecke verschwindet. Hud aller Älelt. Ucberfall auf einen Bankkasfierer. Ein schweres Kriminalverbrechen wurde, wie uns ein Tele« gramm aus Kattowitz meldet, am Dienstagnachmittag in dem im Mittelpunkt der Stadt gelegenen Bankgeschäft von Köhler u. Janiszewsky verübt. Bald nach 5 Uhr erschien in dem Geschäftslokale ein Fremder mit der Bitte, einen Fünfkronenschein zu wechseln. In dem Augenblick, als der Kassierer Calla sich an- schickte, dem Wunsche zu willfahren, wurde er von dem Fremden durch einen Revsiverschuß in den Kot», lebensgefährlich verletzt. Durch den Schuß aufmerksam gemacht, eilte der Buchhalter Noblik seinem Kollegen zu Hilfe. Auch Noblil wurde durch einen Nevolverschuß, der ihn am Kopfe schwer verletzte, kampfunfähig gemacht. Der Räuber raffte schnell einige hundert Marl zusammen und ist mit seiner Beute unerkannt entkommen._ Die Gefahren des Bergbaues. Fast jeder Tag fordert im deutschen Bergbau neue Todes- opfer. Am Montagabend wurden auf der Gewerkschaft Wilhelmshall-Oelberg zwei Bergleute durch einen zu früh losgegangenen Sprengschuß sofort getötet. Ein dritter Bergarbeiter wurde leichtverletzt. Beide ge- töteten Arbeiter waren verheiratet.— Im K a l i s ch a ch t Heyn bei Kleinfurra wurden am gleichen Tage zwei Bergleute durch niedergehendes Salz verschüttet. Erst nach längeren Bemühungen gelang es, die beiden als Leichen zu bergen. Der eine Verunglückte hinterläßt Frau und vier minderjährige Kinder. Schreckenstat eines FürsorgezöglingS. Eine fürchterliche Untat ereignete sich bei dem Dorfe Bereut in Pommern. Ein Landbriefträger fand in dem Walde ein 9 Jahre altes Mädchen mit durchschnittener Kehle auf, an dem ein Sittlichkeitsverbrechen; verübt war. Als Täter kam ein entlaufener Fürsorgezögliug in Betracht, der bereits früher einem Kinde ein Sittlichkeitsverbrechen beging, jedoch durch hinzugekommene Personen gestört und dann flüchtig wurde. Auf Ergreifung des Täters ist eine Belohnung von 600 Mark ausgesetzt worden._ Autobanditen in New York. Am hellen lichten Tage wurde gestern in New Dork ein verwegener Ueberfall auf einen Kaufmann, den Chef der bekannten Handelsfirma John Popper verübt. Popper befand ftch gerade aus dem Wege nach dem Geschäft und hatte eine Geldtasche mit 7200 M. um den Leib, als sich ihm plötzlich aus dem Eingang eines Hauses ein junger Mann näherte und versuchte, die Geldtasche zu rauben. Popper faßte jedoch schnell zu; in demselben Augenblick trat ein anderer Mann hinzu und versetzte ihm einen Hieb auf den Kopf, so daß er betäubt zu Boden sank. Der erste Angreifer riß nun dem Ueberfallenen die Tasche vom Gürtel und beide Ver- brecher sprangen dann in ein bereit st ehendeS Auto, das sofort in schnellster Fahrt davonfuhr. Ein Polizist nahm sofort die Verfolgung auf, wurde jedoch durch Revolverschüsse der Banditen in Schach gehalten. Bald darauf hatte sich das Automobil den Augen der Verfolger entzogen. -.a Fsliegerabstürze. In der Nähe von Bar-le-Duc stürzte am Montag wr französische Militärflieger Leutnant Thomas aus etwa 10 Metern Höhe ab und erlitt bei dem Sturze lebensgefährliche Ver- l e tz u n g e n, denen er gestern morgen erlag. Auch auf dem holländischen Flugfelde Braeschaet stürzte ein Militärzweidecker ab. Erfreulicherweise kamen die Insassen ohne allzu großen Schaden davon. Einer der Flieger, Leutnant Vanloo, erlitt einen Beinbruch, der zweite Insasse blieb unverletzt. Ein poefievolles Abschiedsgedicht. Im„Weinheimrr Anzeiger" veröffentlicht ein»Ingenieur M." folgendes Gedicht: Herrn Geheimen Regierungsrat Steiner zum Abschied gewidmet. Redlich war die Feierstimmung In des Schwarzen Adlers Räumep, Niemals sah man an Verehrung Dort ein gleiches Ueberschäumen. Von Beweisen an Beliebtheit Immer neue schlugen durch, Es erfüllt ein Wunich uns nur! Halts auch so in Offenburg I Hoffentlich kommt der also herzlich Verabschiedete nicht auf den unglücklichen Gedanken, von diesem— Akrostichon nur die Anfangsbuchstaben der Verse zu lesen, die ein sonderbarer Zufall so eigenartig gestellt hat._ Kleine Notizen. Zwei KindeSmörderinne». In Braunschweig wurden die beiden Schwestern Agnes und Alwine Ganz unter dem Verdachte verhaftet, ihre ein- und zwei Monate alten Kinder ermordet zu haben. Erdbeben in Ungarn. Jn KecSkemet erfolgte in der letzten Nackt von starkem unterirdischen Getöse begleitet, ein mehrere Sekunden andauerndes leichtes Erdbeben von Süden nach Norden. Aus Kaposwar wird ein stärkere» Beben gemeldet. Tödlicher Unfall eines Londoner Großindustriellen. Ein schwerer Unfall hat sich am Montagabend in London ereignet, dem der be- kannte Industrielle und Besitzer mehrerer Fabriken. Clement M a c r o w. zum Opfer fiel. Der Großindustnelle hatte im Auto eine seiner Fabriken verlassen und wollte einen Schienenstrang über- queren, als ein Güterzug heranbrauste. Das Auto wurde von dem Zuge erfaßt und vollständig zertrümmert. Die Leichen Macrows und seines Chauffeurs wurden schrecklich verstümmelt unter dem Auto hervorgezogen. WasserstandS-Nachrichte» der LandeSanftalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Detterbureau. Lese- und Diskutierklub»Wilhelm Liebknecht". Heute Mittwoch, abends 9 Uhr: Sitzung bei Karl Eichham, Danziger Str. 93. Vortrag. Gäste willkommen. Wasserstand Memel, Tilsit P r e g e I, Jnsterburg Weichsel, Thom Oder, Ratibor , Krassen , Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmcritz , Dresden , Barby . Magdeburg ')+ bedeutet Wuchs.— Fall.—*) Unterpegel. Berliner Credit-Haus WM" Kommandantenstr�JT��jB �Alkohöifp���to��nk� Franz Abraham Hamb. Mcssina-u.Romertrank-Kell. K 4, Barielatr. 8«, Fernsp. 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QenOpal H �TSETCegöinninep"� i sowie Bettfedern i GeflügeMmporthaus Neukölln, Knesebeckstraße 105. C.Dittmann BeS�.a. F. Hildebrandt S6"- Schmidt, E-, Spandiu.Harelst.ig Zastrow,L>nd9b«rg«r-AII««l47.Fihchg. f Zahn-Atellar) �BaOelfTscIionEaüserATIeeSS�L Hollbm dt, Herrn. ,Ftikit.tl|sgr.l871 Heröd,B., ElaUient 97, z. BueiUl.Fl Jordan, Aifr.,l'essitr. 61, gtgr. 1888. Körber, 0.,H>iie»dorr,Cbtiue49tr.3äl H. Llndeke, Warschauerstr. 80. M. Rasenke, Birkenstr. 22. Witto Wszv Muskanerstr. 18 NIUV, MGA üet, Haitaillalib: Iii H Zi S 1 � MJL.£*& Z 1 1 il i i i Oricafol-Tabaku. Ci�areffen-Fabrik yeradie, Dresden Inh.Mu�o T/teiZ. nofheferanfJ.n.cq«»B«ctep Abzahlnnc.>> lEt»i»pI«�<« �Vvi'nniZNn.lrtlirlrbtNngen »Owlo oluzoluo HKMScitt!. PMkVllre«. kordise Höchen ?��'Ss5dinsn.�°-°-n� Garderobe für Herren. Dnmen n. Kinder »�_ Grütcte Auzpahl navester Fatton» �ORN Ä». Sonntag S— 10 geöffnet, ■■■■■■■■■■■■■■■■Wwwww.wwwwww..wwwwwwww..--__------ lverantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil oerantw.: Th. Glocke, Berlin. Drucku. Verlag. Borwärt» Nuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Stnger u. Co., jverltu SW, HM der ZM Michel� Grolles 7" Format, frei Gelass jeder Etage, M. 8,25 pro 1000, ersten Senftenberger Marken voll gleichwertig. Hiebel- Vertrieb Neukölln, Bergstraße HO. Telephon 1610. i �' Große helle FalirikräuMÄ6� Doppellioht, Fahrstuhl, olektr. Licht u. Kraft, Zentralheunngetc. umständehalber billig zu vermieten Nene Hocbsfr. SO.* Auskunft b. V erw. od. Eigentümer ' Bismarck- Str. 105. � Haben Sie bloft?' Ith fertige davon Anzog od. Palttot nach Mass, schick, dauerh. Zutaten von 25 Mark an. Moritz Lab an d, Neue Promenade 8, U.(Stadtb. BSrs den 1 fy Cchallplatte feJH Verleih-Institut. Auch nach auzwärta. Prospekt gratla. Karl Bopba, Berlin 31 ���blou�KonljgstrasaoSS�� 1 4 GnelsenaustraQe 10, i A 8. Gran, billigste u. beste L Bezugsquelle für* J � SKt öbel jeder Art � Kassa und Teilzahlung._ Nähmaschinen! Aruher 160, jetzt 70 M. bar. fast neu. 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Lankwitz. Heute Mittwoch: Mitgliederversammlung bei Schulz, Mühlenstr. 2l, Bericht vom Parteilag. Maricndorf. Die Frauen Mariendorfs beteiligen sich an der heute, abends 8 Uhr, in Tempelhof, Berliner Str. 9. im Wilhelms- garten stattfindenden Protestversammlung gegen die Teuerung. Zossen. Am Donnerstag, abends 8>/2 Uhr. bei Kurzner: Wahl- Vereinsversammlung Tagesordnung: Bericht vom Partei- tage. Der Vorstand. Oranienburg. Heute Mittwoch, abends 3>/z Uhr, findet im Lokale Waldhaus Sandhausen, Schützenstr. 34, ein Extra-Zahlabend für sämtliche Gruppen statt. Tagesordnung: Bericht von der letzten Stadtverordnetensitzung. Parteiangelegenheiten. _ Die Bezirksleitung. Berliner N�cbncbten. Eine Teuerungsstiftnng, aus der in Jahren ärgsten Notstandes den Bedrängten ein bißchen geholfen werden soll, wird manchem als ein ganz neuer Einfall erscheinen. Man muß zugeben, daß er nicht schlecht hineinpassen würde in unsere Zeit, in der an so vielen Uebeln und Gebrechen des Gesellschaftskörpers immer noch mit Quacksalbereien aller Art herumkuriert wird. Warum soll nicht, wo immer wieder noch das„warme Herz der Wohl- täter" als die Hauptwaffe im Kamps gegen jegliches Elend gepriesen wird, auch gegen die Teuerung das kleine Mittelche.n der Bettclslippen probiert werden? Doch die Idee ist gar nicht neu, sondern schon ziemlich alt. Wie ja überhaupt der Wahn, durch Wohl- tätigkeit eine weit verbreitete Not bekämpfen zu können, nur als ein Erbstück vergangener Zeiten auf uns gekommen ist. Sckon lange besteht in Berlin eine Teuerungs- stiftung, die den Notstand, ivenn er wieder mal bis zum Un< erträglichen sich gesteigert hat. zu lindern versuchen soll. Wir bezweifeln freilich, daß von ihrem Wirken oder auch nur von der Existenz dieser in ihren Anfängen bis auf die Mitte des .Vorigen Jahrhunderts zurückzuführenden Stiftung viele etwas wissen werden. Ursprünglich war die Stiftung ein Veiein, und als solcher könnte sie auch heute noch erscheinen, wenn man den Wortlaut ihres Statuts gelten lassen will. Als in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts die unbeniittelten Bevölkerungs- schichten unter einer langdauernden Teuerung seufzten, wurde in Berlin im November 1855 ein„Verein zur Be- schaffung wohlfeiler Nahrungsmittel für die bedürftigen Bewohner Berlins" gegründet. Aus Mitteln, die durch freiwillige Spenden zusammenkamen. wurden noch in demselben Winter sechzehn über die ganze Stadt verteilte Volksküchen eröffnet. Sie waren von Ende Dezeniber 1855 bis Mitte April 1856 in Betrieb und gaben für l'/z Silbergroschen eine Portion Essen, das aus Suppe und Fleisch bestand. Neben- bei bemerkt: man wolle diese Küchen nicht ver- wechseln mit dem bekannten Unternehmen der Frau Lina Morgenstern, die in Berlin im Jahre 1866, vielleicht angeregt durch den Versuch jenes Vereins von 1855, ihre Volksküchen aufniachte und dann Jahrzehnte hindurch sie zu halten sich bemüht hat. Die Volksküchen von 1855 wurden im Frühjahr 1856 geschloffen und haben nachher ihren Betrieb niemals wieder aufgenommen, der Verein aber bestand weiter, um nötigenfalls seine Tätigkeit fortsetzen zu können. Er hatte eine Einnahme von 58 699 Talern gehabt und 45963 Taler ausgegeben, so daß ihm noch 12 736 Taler blieben, die er zunächst zinstragend anlegte. Im Jahre 1859 entschloß er sich zur Fortsetzung seiner Tätigkeit, doch kam es auch jetzt nicht zu einer Wiedereröffnung der Küchen. Nachdem der Verein durch das Statut vom No- vember 1869 seine Ziele festgelegt hatte, gab er im Juli 1861 sein Vermögen der Stadt in Verwahrung, hielt aber weiter daran fest, daß er sich nicht auflösen wolle. Seitdem hat der Magistrat dieses Vermögen als einen Wohl- tätigkeitsfonds geführt, und heute zählt er ihn zu den von der Stadt zu verwaltenden„Stiftungen", obwohl der„Verein" formell noch heute besteht und beispielsweise noch im Jahre 1995 seine Statuten geändert hat. Man wird fragen, was denn nun in den seit 1861 ver- flossenen vier Jahrzehnten getan worden ist, um die Gelder des Fonds gemäß ihrer Zweckbe st immung zu ver iv enden. Der tz 2 des Statuts sagt, die Bestrebungen des Vchrins seien darauf gerichtet, zu geeigneter Zeit durch Anschaffung eines nahrhaften und wohlfeilen Brotes sowie durch Herstellung billiger Suppen in den hierzu in den ver- schiedenen Teilen der Stadt zu errichtenden Speiseküchen den- jenigen Personen zu helfen, die durch die Ungunst der Ver- hältnisse und Zeiten in die Lage kommen könnten, bei dem redlichsten Willen und bei allem Fleiß zeitweise die öffentliche Fürsorge in Anspruch nckhmen zu müssen. An der Wiederkehr „geeigneter Zeiten", etwas zur„Beschaffung wohlfeiler Nahrungsmittel für die bedürftigen Bewohner Berlins" zu tun, hat es in den letzten vierzig Jahren wirklich nicht gefehlt. Und auch jetzt leben wir wieder in einer Zeit, die nur zu sehr„geeignet" ist, den notleidenden Bevölkerungs- schichten einen Schrei nach Hilfe auszupressen. Aber vielleicht ist sogar im Kreise der Personen, die über den Fonds zu entscheiden haben, gegenüber den Notständen der letzten Jahrzehnte die Erkenntnis zum Durchbruch gelangt, wie lächerlich es wäre, hier von solchen Mitteln eine Wirkung zu erwarten. ES scheint übrigens, daß bei diesem wunderlichen Fonds die I Stadtverwaltung gar nicht mal viel mitreden darf, weil ja formell immer noch ein„Verein" dahinter steht. Besagtem „Verein" anzugehören, sind berechtigt, die jeweiligen Inhaber der Äemter des Oberpräsidenten von Branden- bürg, des Oberbürgermeisters von Berlin, des Vor- stehers unserer Stadtverordnetenversammlung, des Vor- stehers der Kaufmannschaftsältesten. Es soll, eventuell durch Zuwahl noch anderer Personen, dafür gesorgt werden, daß immer mindestens das Dutzend voll ist. Den Vorsitz soll der Oberpräsident führen, falls er Verlangen da- nach hat. Daß der„Verein" zusammenberufen wird, um wieder mal„in Wirksamkeit zu treten", kann unter anderem auch die Armcndirektion beantragen, sobald sie das für wünschenswert hält. Nach§ 4 des Statuts hängt aber vom„Verein" die Bestimmung des Zeitpunktes ab, an dem über die Mittel des Fonds in der durch§ 2 be- zeichneten Weise— das würde heißen: zur Anschaffung nahr- haften und wohlfeilen Brotes und zur Herstellung billiger Suppen— verfügt werden soll. Bis jetzt ist das, wie schon gesagt, noch nicht wieder geschehen. Wo aber ist das Geld geblieben, das in den vier Jahr- zehnten aus dem Zinsertrag eingekommen ist? Dem Zweck des „Vereins" sucht man jetzt dadurch gerecht zu werden, daß von Zeit zu Zeit an Vereine mit ähnlichen Zwecken cineUnterstützung gezahlt wird. Hierzu kann aber nur ein geringer Teil des ganzen Zinsertrages auf- gewendet worden sein, der größere Teil ist offenbar dem Kapital zugeschlagen worden, das z. B. bis zum Jahre 1998 bereits auf 134 975 M.(gegenüber 38 298 M. im Jahre 1856) angewachsen war. Im Jahre 1998 hielt man auch wieder mal die Zeit für„geeignet", aus den Zinsen der letzten Jahre 27 999 M. zu entrKhmen und sie folgendermaßen zu verteilen: 4999 M. dem Verein zur Speisung armer.Kinder und Not- leidender, 5999 M. dem Verein der Armenspeisungsanstaltcn, 5999 M. dem Verein für häusliche Gesundheitspflege, 7599 M. dem Evangelisch-kirchlichen Hilssverein, 1999 M. dem Verein für katholische Armenpflege, 2999 M. dem Verein für Haus- pflege, 1599 M. dem Verein zur Unterstützung und Ver- pflegung armer Wöchnerinnen, 1999 M. dem Verein Berliner Volksküchen. Nicht alle der hier berücksichtigten Vereine wollen Zwecken dienen, die dem Ziveck des Fonds ähnlich sind. Auffallen muß. daß auch der Evangelisch-kirch- liche HilfsVerein diesen Vereinen zugezählt worden ist und sogar den höchsten Unterstützungsbetrag erhalten hat. Der Evangelisch-kirchliche Hiffsverein betreibt hauptsächlich die häusliche Krankenpflege in armen Familien, wobei aber auch Wert darauf gelegt wird, der Kirche manch vcrirrtes Schäflein wieder zuzuführen. Die dem Armen Entsagung predigende Kirche und alle, die ihr dienen, sind in dem Kampf gegen Teuerung und Not st and wirklich die allerungeeignetestenBundesgenossen. Billiger nock und wohlfeiler als billiges Brot und wohlfeile Suppen sind Hinweise auf die Seligkeit im Jenseits. Aber satt wird nian davon nicht._ Zur Fleischtenernng macht die Markthallen-Ver- waltung der Stadt Berlin in ihrem Jahresbericht über das Etatsjahr 1911(1. April 1911 bis 31. März 1912), den der Magistrat jetzt veröffentlicht, die folgenden, den Großhandel der Zcnttalmarkthallen betreffenden Mit- teilungcn: „Der FleisdiSandel mit Ausnahme des Schweinehandels hatte auch im Jahre 1S11 mit Schwierigkeilen zu kämpfen. Trotz der ziemlich günstigen Ernte in Fullergetreide, Heu und Hackfrüchten des Jahres 1910 war es der deutschen Landwirtschaft nicht gelungen, ihren nach der schlechten Heuernte des Jahres 1909 stark reduzierten Bestand an Rindern und Kälbern wieder voll zu er- ganzen. Das war hinsichtlich der Rindviehzuchl auch nicht erwartet worden, weil Rinder zu ihrer Entwickelung längere Zeit gebrauchen und die Züchter mit dem Verkauf aus diesem Grunde sehr zurück- halten mutzten. Auch die Schafhaltung ist, wie seit Jahren, wieder zurückgegangen. Die Maul- und Klauenseuche, die in vielen Teilen des Reiches herrschte, ist auf die Versorgung Berlins mit Fleisch nicht ohne Einfluß geblieben. Durch die wiederholten Sperren der Schlachtviehmärkte wurde die Be- Wegungsfreiheit des Handels erheblich gestört und geschädigt. Die Zufuhren zum Berliner Markt waren unter diesen Umständen geringer als iin Vorjahre und die Preise, die schon seit Jahren gestiegen sind, noch höher. Günstiger lagen die Verhältnisse ans dem Schwcinemarkt. Die im vorigen Jahre ausgesprochene Ver- mumiig, daß die Schweiiicprodnltion wachten werde, hat sich voll bestätigt. Bis in den Herbst hinein kam gut gemästete Ware in großer Menge auf den Markt, so daß der Bedarf hinreichend ge- deckt werden konnte. Die Einfuhr von ausländischem Futtergetreide hat die Aufzucht von Schweinen unterstützt und gefördert, Die Preise für Schweinefleisch, die schon gegen Ende des Vorjahres gesunken waren, sind denn auch bei dem reichlichen Angebot noch weiter zurückgegangen. Dasselbe gilt von den Schafen." Der Bericht hebt noch hervor, daß aus dem A u s l and den Zentralmarkthallen nur dänisches und schwedisches Fleisch zugeführt wurde. Auch dänisches Fleisch habe stark im Preise angezogen; schwedisches sei nur an fünf Tagen am Markt geivesen. Nach den Notierungen im anitlichen Marktbericht der Markthallcnverwaltiing ergaben sich für die letzten drei Etatsjahre im Großhandel folgende Jahresdurchschnitts- preise in Mark pro 59 5Ulogramm: Wie sehr in den letzten z e h n I a h r e n die Preise für Rind-, Kalb-, Haninielfteisch gestiegen sind, lehrt die An- gäbe des Berichtes, daß im Jahre 1991 nach dem Jahres- durchschnitt bezahlt wurden für Rindfleisch 1. Qualität 58,6 M., für Kalbfleisch 1. Qualität 69,6 M.. für Hammelfleisch 1. Qualität 58,8 M. Jetzt kosten die gering st en Qualitäten ungefähr ebenso viel, wie damals die besten. ' Man sieht, daß auch die Darstellung der Markthallen- Verwaltung nur den Ruf„Die Grenzen auf!" unter- stützt. Die Wahlen der Arbeitnehmer z« der Angestellten- Versicherung sind auf Sonntag, den 19. November 1912, in der Zeit von 12 Uhr mittags bis 6 Uhr abends anberaumt. Es sind für Berlin 133 Stinimbezirke gebildet. Als Wahl- lokale sind Turnhallen der Gemeindeschulen qusersehen. Die Vorschlagslisten müssen bis spätestens 19. Oktober dem Wahl- leiter, Stadtrat Hamburger, eingereicht sein. Schnellere Zugfolge auf dem Nordring hat die Eisenbahndirektion Berlin infolge der Eingabe eines nördlichen Kommunalvereins ab- gelehnt. Die Ablehnung wird damit begründet, daß der Verkehr die BetriebSerweilerung in der Zeit des Zwanzigminutenveriehrs nicht rechtfertige und beim Abweichen von den Zehnminutenperioden die Anschlüsse auf den Uebergangsstationen sehr ungünstig beeinflußt werden würden. Nach vorgenommenen Zählungen toll die Frequenz der Züge in beiden Richtungen von 9�» bis 12 Uhr höchstens 50, von 12 bis 3 Uhr 75 Prozent in dritter Klasse betragen, nach 9 Uhr in westlicher Richtung nur 50, in östlicher Richtung nur 75 Prozent. Dagegen stellt die Eisenbahndirektion für den Fall der Elektrisierung, womit es aber bekannilich noch lange Beine hat, kürzere Züge auch bei schwächerem Tagesverkehr in Aussicht. Der Absturz von der Siegessäule am Sonntag wurde sokort von anwesenden Photographen im Bilde festgehalten und bereits ain Montagabend in einem Kinotheater in der Münzstratze vor- geführt. Damit mag wohl dem Sensationsbedürfnis mancher Leute gedient sein, geschmackvoll ist die Vorführung dieser Unglücks- szene nicht. Die Herkunft unserer Straßennamen. Man schreibt unS: Die Auswahl unserer Straßennamen ist derart, daß die große Menge in vielen Fällen nicht weiß, wie irgend eine Straße zu ihrem Namen kommt. Beispielsweise bei der Müller- oder Gericht-, Friedrich- oder Kurfürstenstraße ist die Herkunft des Namens ohne weiteres erklärlich. Bei den Namen vieler anderen neuen Straßen steht der in Lileratur, Kunst, Wissenschaft nicht genügend Beschlagene vor einem Buch mit sieben Siegeln. Wie viele wissen wohl, wer Ramler oder Eyke von Repkow, Comenius oder Diestelmeyer war? Char- loltenburg, in kommunalen Dingen vor Berlin weit voran, hat eine sehr praltische Einrichtung getroffen. Ueber dem Straßenschilde mit solchem Eigennamen sieht man eine knappe, treffende Erklärung des Namens, also mit der Angabe des Standes sowie des GeburtS- und Todesjahres des Paten. Sollte ähnliches sich nicht auch für Berlin eignen? Es würde gerade für die Jugend lehrreich sein, und auch Erwachsene könnten davon profitieren. Das Grabkreuz im Kirchhofsabort. Wie nervös die AufsichtS- behöcden durch ein Grabdenkmal werden können, hat sich in dem jahrelangen Prozessieren um die Inschrift des Herrman-Denkmals auf dem Hohen-Neuendorser Kirchhof gezeigt. Auf demselben Kirch- Hof befindet sich, wie am vorigen Sonntag gelegentlich der Trauer- kundgebung für unseren durch den Gendarmen Jude getöteten Ge- nossen mit Staunen bemerkt wurde, ein Grctbkreuz in der— Reti- rade. Das gußeiserne Kreuz liegt mit der Jiischnst nach oben flach ans dem Erdboden halb unter der Abflußrinne, soll hier schon längere Zeit liegen und ist offenbar von Kirchhossangeslellten absichtlich hin- gelegt worden, um das Betreten des durchwässerten Bodens zu erleichtern. Wer frei denkt, wird ja das ausrangierte Grabkreuz immer bloß als ein altes Stück Eisen betrachten. Bezeichnend ist es trotzdem, wie duldsam hier die Behörde und die Kirche sein kann, wenn das Geld zu einer ordnungsmäßigen Instandhaltung des Äirchhofaborles gespart werden soll. Umzugstermine. Aus Grund des Gesetzes vom 30. Juni 1834 und der Bekanntmachung vom 26. März 1870 sind zu räumen: 1. kleine, aus höchstens 2 Zimmern und Zubehör bestehende Woh- nungen am 1. Oktober 1912, 2. mittlere, aus 3 oder 4 Zimmern nebst Zubehör bestehende Wohnungen bis zum 2. Oktober mittags 12 Uhr, 3. große, mehr als 4 Wohnzimmer umfassende Wohnungen bis zum 3. Oktober mittags 12 Uhr.— Die Inhaber von Woh- nungen, die aus 3 Wohnzimmern und Zubehör bestehen, müssen jedoch ein Wohnzimmer und die Mieler von Wohnungen mit mehr als 3 Wohnzimmern und Zubehör 2 Wohnzimmer schon am 1. Oktober vollständig geräumt dem künftigen Wohnungsinhaber zur Verfügung stellen. Diese Bestimmungen beziehen sich nicht auf die Räumung von Geschäftslokalen, diese richtet sich nach den Bestimmungen des jeweiligen Mietsvertrages. Der Selbstmord eines zwölfjährigen Knaben rief gestern abend in der Wiesenstraße Aufsehen hervor. Dort erschoß sich ein zwölf- jähriger Schüler Georg L. aus der Wiesenstr. 29 mit einem Desching. Wie es heißt, soll der Junge in den letzten Wochen Indianer- und Räubergeschichten geleseir haben, die ihn zu dem eigenartigen Ent- schlusse veranlaßten, einen„Heldentod" zu sterben. Ehe der Junge zur Ausführung der Tat schritt,' entledigte er sich aller Kleidungsstücke, und nur mit dem Hemd angetan, stellte er sich inmitten des Wohnzimmers auf und jagte sich aus einem Tesching, das er sich ohne Wissen der Estern angeschafft hatte. eine Kugel in die Brust. Das Geschoß sollte nur zu sicher treffen. Ins Herz getroffen brach der Knabe tot zusammen. Als die Mutter entsetzt ins Zimmer eilte und ihren einzigen Sohn tot dort liegen sah, brach sie ohnmächtig an der Leiche zusammen. Allein Anschein nach ist der Junge anormal veranlagt gewesen- Die Berliner Feuerwehr wurde wegen eines gefährlichen Brandes nach der Gilschiner Straße 15 alarmiert. Dort brannte in einem Maschinenraum der Hufschmiede von F. Popp auf dem Hofe am Landwehrkanal, nahe dem Urbanhafen, Maschinenöl u. a., so daß die Wehr kräftig Wasser geben mllßte, um eine weitere Ausdehnnng zu verhüten. Die Entstehung wird auf Unvorsichtigkeit zurückgeführt. Vorort-]>fockricbtein Charlottenburg. Dir Umgestaltung des Stadtbahnhofcs Charlottenburg bezw. sein Neubau dürfte vorerst noch nicht zur Ausführung gelangen. Der Magistrat von Charlottenburg hatte sich in dieser Angelegenheit an den Mimster der öffentlichen Arbeiten gewandt und unter Hinweis auf die gesamte Entwickelung in der dortigen Gegend um Um- gestaltung der Anlagen des Stadtbahnhofes gebeten. In seiner Antwort auf dieses Schreiben weist der Minister darauf hin, daß die Bahnsteig- und Gleisanlagen des Bahnhofs Charlottenburg den meisten anderen Stadlbahnstationen überlegen seien und eine durch- greisende Umgestaltung des Bahnhofes erst dann eintreten könnte. wenn es die allgemeinen Betriebsrücksichten erforderten. Auch ein Bedürfnis, die sämtlichen Schnellzüge auf dem Bahnhofe Char- lotienburg halten zu lassen, liegt nach der ministeriellen Antwort nicht vor. Die DeSiiifektionSanstalt CharlottenburgS beschäftigt sich mit der Desinfektion auch solcher Gegenstände, die im Dainpfapparat ver- derben. Da die Desinfektion dieser Sachen am ersten Donnerstag eines jeden Monat» stattfindet, sind die Gegenstände mit Inhalts- angabe spätestens bis zum voraufgehenden Mittwochabend 6 Uhr an die Anstalt, Mollwitzstraße, abzuliefern; am folgenden Freitag müssen sie wieder abgebolt werden. Die Abholung und Rticksenduug erfolgt für die Eiuivohuer Charlotteuburgs auf Wunsch gegen entsprechende Gebühren. Auswärtige Personen haben für Hin» und Riielschaffung der Sachen selbst Sorge zu tragen. Anträge auf Desinfektion nimmt die Anstalt, Mollwitzstraße, entgegen(Amt Wilhelm 427). Schöneberg. Mit einer Schußwunde tot aufgefundeu wurde gestern gegen '/z3 Uhr>ri.h in der Straße 36 an der Ecke der Straße 66 auf dem sogenannten Südgelände ein junger, etwa 20jähriger Mann. Da eine Waffe nicht entdeckt wurde, nahm man an, daß es sich um ein Verbrechen handele und gab eine einsprechende Meldung an das nächste Polizeirevier. Von dort aus wurden sofort mehrere Beamte entsandt, die aber bald einwandfrei feststellen konnten. daß nicht ein Mord. sondern vielmehr ein Selbstmord vor- liegt. Rechts neben der Leiche lag ein kleiner Revolver. aus dem ein Schuß abgegeben worden war und auch verschiedene andere Ur.mänd« deuteten mit Sicherheit darauf hin, daß der junge Mann si« selbst das Leben genommen hatte. Bei dem Toten wurde» weder Wertsachen noch LegitimalionSpapiere vorgefunden, so daß die Personalien des Lebensmüden bisher noch nicht ermittelt werden konnten. Der Tote ist etwa 1.6S Meter groß, schlank, hat dunkles Haar, kleinen gleichfarbigen Schnurrbart: er war mit grrniem Jackettanzug, grauen, wollenen Strümpfen, schwarzen Schnürschiiben, schwarzem, steifem Hut, weißer Unterwäsche, weißem Siehumlege- kragen und schwarzer Krawatte bekleidet. Das Taschentuch zeigte das Monogramm„E. S.'-- Die Leiche wurde nach der Halle in der Eydlstrahe geschafft. Trevtow-Baumschulenweg. Die Gemeindevertretung beschäftigte sich iw ihrer Sitzung vom 26. September hauptsächlich mit tor Maßnahmen gegen die Teuerung.' Stand dieser Punkt auch erst als elfter aus der Tagesordnung, so gab er doch der Sitzung das Gepräge. Dazu lag der bekannt« Antrag unserer Genossen! sowie ein solcher des Fort- schrittlichen Bolksvereins vor. der, allgemeiner gehalten, RegieruwgS- maßnahmen zur Versorgung aller Bevblkcrungsklassen mit aus- reichender Fleischnahrung ziu erschwinglichen Preisen fordert. Der Bürgermeister berichtete zunächst, beiß am 19. September der See- sischverkauf aus dem Groß-Berliuer Anfuhren wieder begonnen habe und in beiden Ortsiteilcn die bereitgestellten je vier Zentner Fische glatt abgegangen seien. Ferner habe die Konferenz der Groß- Berliner Gemeinden am 18. September eine Eingabe an Bundes- rat und Reichstag auf Freigabe der Einführung von Gefrierfleisch aus Argentinien und Australien baschlossem Die weitergehenden Anträge unserer Vertreter begründete Genosse Kißner, der besonders daraus hinwies daß Se est schber lauf und Gefrierfleisch allein die Kalamität nicht dauernd zu beheben vermochten; die Teuerung beschränke sich ja auch nicht nur aus Fleisch. Eine durchgreifende Besserung könne nur die Aufhebung aller Einfuhrbeschränkungen aus Lebensmittel einschließlich der Zölle bringen, und deshalb müsse sich die Petition auch darauf erstrecken. Um aber die arbeitende Be- völkerung nicht hungern zu lassen, bis die gesetzgebenden Faktoren zu einem Entschluß koinmen. regte Redner weitere Maßnahmen der Gemeinden an und verwies insbesondere auf das Vorgeben der Si ad ige mein den Dresden und Köln, die bereits frisches danisches und holländisches Fleisch eingeführt und dasselbe der Bevölkerung trotz des daraus lastenden Zolles noch wn Ib— 25 Pst unter dem sonstigen Preis zugänglich gemacht haben. Schösse Dr. Nies« empfahl demgegenüber sich in der Petition auf das nach seiner Ansicht zur- zeit allein Erreichbare, die Aufhebung des§ 12, zu beschränken und berichtete, daß die aus der Konsereng angeregte Einrichtung der Schweinemast ans den Rieselgütern von Sachverständigen fiir unrentabel erklärt worden sei. Gegen diese„Politik des Erreichbaren" wandte sich in lebhaften Morien Genosse Hartmann. Die Gemeinde müßte zur Abwehr einer dauernden Unterernährung des Gros der Eimvochierschast der Regierung deutlich zum Ausdruck bringen, daß hierzu die Aushebung der in Frage kommenden Zölle erforderlich sei. Ein bürgerlicher Gemeindevertreter forderte noch besondere Maßnahmen gegen die preissteigernden Macb-nschaslen der Vieh- tommissionäre, vie allerdings durch die Grenzsperre begünstigt werden, wie unsere Vertreter hinzuftigten. Erfreulicherweise gab es in der ganzen Gemeindevertretung keine Stimme gegen die Not- wendigkeit ernsthafter Maßnahme� und so konnte-der Genieinde- Vorsteher schließlich als Beschluß verkünden» daß die vorgeschlagene Petition auch aus die Aufhebung der Zölle ausgedehnt werden soll und serner die Gemeinde auch den« sonstigen Maßnahmen Groß- Berlins beitritt. Außerdem soll in diesem Winter die bereits im Vorjahre beschlossene unentgeltliche Abgabe von Kartoffeln an minderbemittelte Framilien fortgesetzt werden. Von den übrigen Punkten der Tagesordnung interessiert die Mittelinng, daß der neue G em e i nd e- F r i e d h of an der Nicdcrschöneweidcr Grenze imnmehr am 6. Oktober, mittags 12 Uhr, durch eine Feier seiner Bestimmung übergeben werden soll. Die F e u er bc stattu n gSa n la ge hat. unterm 8. August die Ge- nehmignng deS Regierungspräsidenten gesunden, kann jedoch erst später in Benutzung genommen werden. Gebrauchs» und Gebühren- ordnung sind in Vorbereitung. Auf die erbofste Errichtung einer Berliner Feuerwache in der Nähe de« Berliner OrtsteilS besteht nach Mitteilung d«S Magistrats Berlin keine Aussicht mehr. Dafür bewilligte die Gemeindevertretung der hiesigen freiwilligen Feuer- wehr 9666 M. zur Anschaffung einer innerhalb der Ringbahn zu stationierenden elektrischen Drehleiter» in Baumschulenweg steht bereits eine solche, sowie weitere 2693 M. zur Ergänzung der Be- kleidung und Ausrüstung. Da» Rechnungsjahr 1911 schließt für«die Gemeinde bei Mill. M. Einnahmen mit 23 672 M. Ueberschuß ab. Das war aber nur dadurch möglich, daß die Wertzuwachssteuer 75 446 M. einbrachte. In den RevisionsauSschnß wurde Genosse Müller auf drei Jahre neu gewählt. Außerdem gehören demselben die Herren Schurich und Schöffe Dr. Salomon an. Der ebenfalls neugewähl- ten Voreinschätzungskommission gehören von unserer Seit- an Gemoindevertretor Hartmann sowie die Genossen! Groineng und Karow. Die höhere Töchterschule in Baumschulenweg soll mit April 1914 in den Aufsichtsbereich der Provinzialschule überführt werden und damit den Charakter eines LyceumS er- ihalteni. Gegen Haftpflicht au>S Unfällen und aus dem Aufruhr- Paragraphen(Fall Peterschum) wird die Gemeinde aus fünf Jahre versichert. Die Städteausstellung in Düsseldorf soll durch die beiden Gemeindebaumeister und einem Bautechniker beschickt werden. Auf eine Anfrage wurde noch mitgeteilt, daß für den durch den neuen Friedhas beseitigten W e g von der Kiesholzstraße nach ide r KönigSheide ein Ersatz südlich der Friedhofsmauer ge- plant ist, jedoch steht die dazu erforderliche Zustimmung der Forst- Verwaltung noch aus. Grost-Lichterfelde. DaS kommunale Wirtshaus für die„feinen Kreise" wird gebaut! Schon seit längerer Zeil geht der Gemeindevorstand mit dem Plane um, an Sicüe der heutigen'Wiesenbande an der GieseuSdorfersiraße ein P r a ch t r e st a u r a n t für die„vornehmen Kreise" zu erricklen und die Kosten zu diesem Bau, der nur ans daS angebliche Be- dürfnis einiger Dutzend Leute zugeschnitten ist, auS dem allgemeinen Steuersäckel zu bestreiten. In der Gemeindevertretersitzung am Montag nahm die DiS. kuffion über die darauf bezug nehmende Vorlage des Gemeinde- Vorstandes einen breiten Raum in den Verhandlungen ei». Die Vorlage vertrat der Spiritus rsotor der ganzen Sache. Schöffe L e n g n e u. Zur Begründung führte er aus, daß der Zustand an der Giesensdorfer Brücke uiitcr keinen Umständen so bleiben könne wie bisher. Die Wiesenbande bilde einen Schaudfleck sür Groß- Lichtersclde.(DaS Armenhaus einen noch größeren! D. B.) Sie müsse beseitigt und an deren Stelle etwas Erstklassiges ge- schaffen iverden. DaS sei um so mehr nötig, als das Bahnhofs« restaurant im Osten infolge deS Umbaue« eingegangen sei. Vor allem müsse die Gemeinde etwas bieten, nm nicht von anderen Gemeinden überrannt zu werden. Jetzt herrsche unter den besseren Kreisen ein förmlicher Notstand in der Lokalfrage. Es handele sich also darum, ein erstklassiges Restaurant für den besser situierten Mittelstand und die reichen Leute, die das finanzielle Rückgrat der Gemeinde bilden, zu errichten. Die Kosten würden zirka 176666 bis 186666 M. betragen. Der Referent glaubt an die Rentabilität des Unter- nebmens innerhalb 3 Jahren, meint aber, daß die Gemeinde andern- falls auch schon auS„idealen Gründen" zuichießen müsse. Diese sonderbare Anfsassung begründete der Herr Leugner unter anderem auch noch damit, daß die Gemeinde laut Etat Hunderttausende(I) für Armeulasten ausgebe— eine Behauptung, die durchaus n n z u l r e f f e n d ist. Der Bau dieser. pornehmen" Kneipe für die„vornehmen und reichen Leute" soll sofort in Angriff genommen werden, damit, lvie der Vertreter der Vorlage meinte, andere nicht zuvorkämen.— Gemeindevertreter Zorn hält die Ausführung des Projekts für unnötig; sie bringe lediglich eine dauernde Belastung des Gemeindeetats. Uebrigens würden 186 666 Mark kaum hinreichen. Der KreiS, der bei der ganzen Angelegenheit in Frage komme, sei ein recht kleiner. Vorerst habe die Gemeinde noch andere Aufgaben zu erfüllen, so im östlichen OrtSleile nach Beendigung des Bahnhosumbaues und vor allem' die Regulierung des sogenannten .Königsgraben. Er stimme gegen die Vorlage. Gemeindevertreter Kriils erkennt ebenfalls ein Bedürfnis znr Errichtung eines solchen KlassenwirtShanses nicht an. Notwendiger sei der Bau eines neuen Rathauses, der Ausbau der Schulen und die Errichtung von Spiel- Plätzen. Schöffe Dr. Domino rückte von seinem Kollegen Lengner ein erhebliches Stück ab. Es dürfe sich nicht lediglich um eine Einrichtung für die besitzende Klasse handeln, sondern um eine allgemeine Veranstaltung; jedem Be- incher, der einen anständigen Rock trage, stehe das Lokal frei.— Das mag allerdings richtig sein; aber die sehr hohen Preise in diesem et stklai sigen G e m e i n d e- Restaurant werden wohl dafür sorgen, daß dort eben nur Leute mit anstäudigen Röcken und außerdem mit anständig gestilltem Geldbeutel verkehren können. Ge- ineindevertreter StadtratBlell erklärte ja auch, daß eS für ihn keine Ueberlcgung mehr gebe. Diese Einrichtung solle reiche Leute nach Lichterfelde ziehen, es fehle hier an einem Heim für vornehme Leute. Ein guter Freund, der ihn besuchte, habe kein passendes Wirtshaus finden können.(I) Für die Vorlage des GemeindevorstandeS sprachen ntzch Gemeindevertreter Meyer und Schöffe Lange. Der letztere, der als, Arbeiter- freund" hinlänglich bekannt ist, glaubte die Sache durch den Hin- weis schmackhafter zu machen, daß bei sofortiger Anssührung des Baues eine Anzahl Arbeiter während der Winterszeit beschäftigt werden könnten. Wenn eS dem Gemeindevorstand darum zu tun wäre, dann brauche er ja nur für den Bau des längst notwendigen neuen A r m e n h a u l e s, der Gemeindeschulen im südlichen und nördlichen OrtSteil, des Rathauses usw. einzutreten. Nach einem Schlußwort Leugners wurde der sofortige Bau des erstklassigen gsemeindewirtshauseS für die besitzende Klasse gegen vier Stimmen: Zorn. Wagner, Engelmann und Schulze belchlossen.— DaS vom Professor Breuer entworfene Liltenthal-Deiilmal, da« mit dem eisten Preis ausgezeichnet worden ist, soll im Gemeindepark auf« gestellt werden. Schöffe L e n g n e r beantragte, dem Denkinais- komitee den Platz zur Verfügung zu stellen. Gemeindevertreter Geldermann sprach gegen diesen Antrag. Als er zur Begrün- dnng seiner Ansicht auf die Geschichte des Preisausschreibens und die damit zusammenhängenden Vorgänge eingdhen wollte, wurde die Versammlung sehr unruhig. Schöffe Lengner unterbrach ihn mit der Be- merkung, daß diese Angelegenheit die Gemeindevertretung nicvts angehe. Gemeindevorsteher Schulz riet dem opponierenden Gemetnevemd- neten mit einem pfiffigen Lächeln, er möge doch die Gründe sür seine ablehnende Aussassuitg nachher zu Protokoll geben! Und der Mann erklärte sich auch damit einverstanden. Es gibt doch noch Perlen unter de» bürgerlichen Gemeindeverlrelern I— Nach längerer Debatte wurde beschlossen, aucb in diesem Jahre die Sternwarte inTreptow mit einer Summe von l 66 W, zu uniersliitzen. Als Gegenleistung dafür genießen Scbnier beim Besuch der Sternwarte Preisermäßigung. Interessant war dabei die Konstatierung der Tatsache, daß d i c Gemetndeschulen an einem solchen Besuch niemals teil- genommen haben, iveil nach Angabe der Lehrerschaft die Vorträge auf der Sternwarte das geistige Niveau der Volksschüler über- schrillen. Wenn das wahr ist, dann beweist dies bloß, ans welch niedrigem Niveau unsere sogenannien Volksschulen eigentlich stehen.— Aus Antrag des Gemeindevorstandes iverden weitere Privatränme für Verwaltungszwecke der Gemeinde gemietet. — Nach Mitteilung deS Schöffen Lange befinden sich 35 Diensträume im Nathans und nicht weniger als 56 in Privat- Häusern; 52 Beamte befinden sich im Rathaus und 83 außerhalb. Ein solcher Zustand sei unhaltbar Und hebe jede Aufsicht und Kontrolle auß Der MietsprciS für drei Zimmer und ein Bade- zimmer, das noch für dienstliche Zwecke eingerichtet werden soll, beträgt 766 M., die Kosten der Einrichtung 4—566 M. Die Gesamtsumme wird bewilligt.— Am notwendigsten ist eben doch das Kommunalwirtshaus I Tempelhof. lieber die Frage: Welche Maßnahmen wird die Gemeinde zur Linderung der gegenwärtigen Teuerung ergreifen, stellt die hiesige Bevölkerung lebhafte Erörteruugen an. Eigentlich sollte man an- nehmen, daß die Gemeinde Tempelhof, die sonst ihre glänzende Finanzlage zur Schau trägt, den anderen Gemeinden in dieser Be- ziehung vorbildlich wirken müßte. Tempelhof hatte bekanntlich als Beitrag zu dem damals ans dem Felde zu errichleudeit. etwa 366 666 M. kostenden Kolonialkriegerdenkmal einen erheblichen Zu- schuß geleistet; eS kann jährlich über 156 666 M. Zuschuß zu den „besseren" Schulen auswerfen. 3666 M. für ein Festessen opfern und 2666 M. für den Luflflottenrummel verschenken. Da schwiinntt alles im Golde. Ganz anders liegen aber die Finanzen, wenn es gilt, den minderbemitielten Schichten eine Summe zur Linderung der Not bereit zu stellen. Da ist plötzlich kein Geld da; alles wird dann als ein Werl der freien Liebesiätigkeit gepriesen. Wurde doch selbst bei der geforderten winzigen Teuerungszulage sür die Gemeinde- arbeiter und-Beamlen ans die dadurch sich eventuell ergebende Not- inendigkett der Erhöhung des Geineindestenerzuschlages hingewiesen! Im vergangenen Jahr hat sich die Gemeinde vor Maßnahmen gegen die Teuerung herumgedrückt. Die Vertreter der erste» Klasse leiden ja keine Not, die ziveitc Klasse will nichts davon wissen, und die Sozialdemokratie hatte man durch den ungesetzlichen Gewollstreich ausgeschlossen. Nur eine geringe Erhöhung de« Armenetats wurde gulgeheißen Diejenigen Gemeiudemitgliedcr aber, die sich notdürftig durchs Leben schlagen, die trotz aller Arbeit obendrein mit ihren Familien hungern, sie mußten, wie jetzt selbst bürgerliche Zeitungen spötteln, die M i l d- Tätigkeit der Nachbargemeinde Mariendorf in Anspruch nehmen! Während andere Gemeinden bereits auch diesmal wieder tatkräftig eingegriffen, verschiebt Tempelhof die zu ergreifenden Maßnahmen. Die Arbeiterschaft Tempelhofs und namenllich die Frauen sollten in der heute Mittwoch abend im ..Wilhelmsgarten" stattfindenden Versammlung durch zahlreiches Er- scheinen beweisen, wie sie darüber denkt; sie muß mit Nachdruck Per- langen, daß die Vertretung schleunigst über die Erwägungen und Beratungen hinwegkommt und endlich das erfüllt, was andere Ge- meinden bereits in den Vorjahren als ihre selbstverständlichste Pflicht erachtete». Bernau. In der letzten Stadtverordneteitversammkung wurde die An- stellung zweier technischer Lehrerinnen fiir die Votksschule beschlossen. Eine sehr rege Diskuision rief die Magistratsvorlage über die Ans- schreibnng der Arbeiten zum Neubau eines DienstgebändeS für den Chefarzt am hiesigen Krankenhause hervor. Die Bandepntation beantragte den Bau in Losen und öffentlich auszuschreiben; dieser Vorschlag wurde auch von der Mehrheit der Stadlverordneteii an- genonimen. Die Anträge unserer Genossen betreffs Einreichung einer Eingabe an den Bundesrat und Reichstag behufs Aufhebung der Zölle auf Vieh und Fleisch usw. sowie zweitens die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln durch die Stadtverwaltung, wurde vom Genossen Knöschke begründet. Beide Anträge wurden mit Mehrheit angenommen. Es wurde alsdann eine Kommission auS sechs Stadlverordneten gewählt, welche die nötigen Vor- bereitungen zur Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln in die Wege zu leiten hat. Ihr gehören die Genossen Salzmaim, Knöicbke und Helbig, sowie die bürgerlichen Stadtverordneten Bols, Dr. Wieners und Schulze an. Der vorgerucklen Zeit wegen wurden zwei Anfragen des Genossen Helbig, die Hussilenspiels usw. betreffend, zur nächsten Sitzung zurückgestellt. Sericbts- Leitung. Fahrlässige Körperverletzung. Ei» entsetzlicher Unglücksfall, durch welchen ein löjährigec Lehrling zum Krüppel geworden war, lag einer Anklage wegen fahrlässiger Körperverletzung zugrunde, welche gestern den Schlächtermeister Miissop und den Schlächtergesellen Döhring vor die 1. Strafkammer des Landgerichts II führte. Der 15jährige Lehrling Georg Rcchenberg war in dem Afttrstfabrikationsbetrieb des Angeklagten Müssop beschäftigt gewesen. Entgegen den er- lassenen Vorschriften über die Betriebssicherheit in maschinellen Betrieben mußte der junge Bursche wiederholt an einem von einem Motor angetriebenen sog. Fleischwolfs die einzelnen Fleisch- stücke, die zerkleinert werden sollten, mit der Hand in den Trichter hineinstopfen, während diese Arbeit nach jener Vorschrift mit einem extra hierzu bestimmten hölzernen Stopfer vorgenommen werden soll. Eines Tages geriet der junge Bursche mit der rechten Hand in das Zerkleinerungsgetriebe. Ehe die Maschine abgestellt werden konnte, war die Hand buchstäblich zerquetscht, so daß der bedauernS- werte junge Mensch, der jetzt nur noch den Armstumpf besitzt, zeit- lebcns zum Krüppel wurde. Das Schöffengericht erachtete beide Angeklagte der fahrlässigen Körperverletzung für schuldig und erkannte gegen Döhring, der der eigentliche Betriebsleiter war, auf 56 M. und gegen Müssop aus 16 Me Geldstrafe. Die von den Angeklagten gegen dies milde Urteil eingelegte Berufung wurde gestern von der Strafkammer verworfen._ Bereinsbank für Boxhagen. Zu unserem Bericht in Nr. 219 über die Verhandlung gegen die verurteilten früheren Direktoren der Vereinsbank Boxhagen-Rum- melsburg teilt uns die Vereinsbank folgendes mit: „Die früheren Vorstandsmitglieder der Vereinsbank zu Berlin- Lichtenberg, Herr Otto Schmidt, Geheimsekretär a. D., Herrn Wilhelm Getzien, Kaufmann, wurden am 24. September 1916 wegen der in der Anklage erhobenen Delikte ihres Amtes enthoben. Die von den Angeklagten erhobenen Extraprovisionen sind nicht der Bank zugeführt worden, sondern ohne Wissen der Genossen- schaft von den beiden Angeklagten für sich verwendet. Die Wechselgeschäfte, wegen deren die Anklage wegen Wuchers erhoben worden ist, waren nicht Geschäfte der Bereinsbank, sondern persönliche Geschäfte der Angeklagten, von denen die Banl keine Kenntnis hatte. ES entspricht ferner nicht den Tatachen, daß unsere Genossen- schaft schon seit längerer Zeit mit Nnterbilanz gearbeitet habe. Seit deren Bestehen iit ein jährlich sich steigender Reingewinn erzielt worden." Schadenersatz wegen Sperre. Das Reichsgericht hat am Montag abermals eine Entscheidung getroffen, die daS Vereinigungsrecht der Arbeiter schwer gefährdet. Es hat eine Sperre als gegen die guten Sitten verstoßend er- klärt, weil die Sperre ohne wirtschaftlichen Zweck lediglich als Strafe für eine Entlassung von Arbeitern erfolgt sei. Die Prozcßgcschicht«, in der das Reichsgericht entschieden hat, ist folgende: Am 20. September 1909 ist im„Hamburger Echo" eine Veröffentlichung erschienen, die sich an die baugewerblichen Hilfsarbeiter richtete und in der gesagt wurde, daß auf einem Neubau des Bauunternehmers B. in Hamburg die Steinträger in ganz frivoler Weise ausgesperrt worden seien. Ehe nicht durch den Verband der baugewerblichcn Hilfsarbeiter Deutschlands eine Einigung erzielt und die Differenzen beseitigt seien, sollte der Bau für die Steinträger als gesperrt gelten. Der Aufruf schloß dann mit den Worten:„Arbeiter, beweist Eure Solidarität!" Der be- treffende Bauunternehmer B. stellte unter Beweis, daß die Eni- lassung einen rechtlichen Grund gehabt hat. klagte gegen den Bcr- band der baugewerblichen Hilfsarbeiter Deutschlands zunächst auf Aufhebung der Sperre und dann auf Schadenersatz, weil der Vau durch die Sperre um zehn Tage verspätet fertiggestellt worden sei. waS für ihn einen Schaden von etwa 16 666 M. bedeutet habe. Das Landgericht Hamburg entschied auf Abweisung der Klage, weil die Sperre nur 16 Tage gedauert und keinen Einfluß auf den entstandenen Schaden des Klägers gehabt habe. Selbst wenn die Sperre nachgewirkt haben sollte, so sei deshalb der Schaden noch nicht auf Maßnahmen des beklagten Vereins zurückzuführen. Das ObcrlandeSgericht Hamburg dagegen hat den Anspruch des Klägers dem Grunde nach als berechtigt anerkannt. DaS Ober. landesgericht fuhrt zur Begründung seiner Entscheidung unter an, derem folgendes aus: Das Landgericht gibt selbst zu, daß die Ver- hängung der Sperre an sich ungerechtfertigt gewesen ist. War dies aber der Fall, so hat der Beklagte auch für die Folgen der Sperre einzustehen. Der beklagte Verband ist deshalb auch für diejenigen Wirkungen verantwortlich, die die Sperre nach ihrer Be, kanntmachung und Wiederaufnahme der Arbeit geäußert hat. Daß solche Nachwirkungen stattgefunden haben, ist bewiesen worden. Für den Schaden ist der Beklagte verantwortlich, wenn die Sperre gegen die guten Sitten verstich. In bezug auf diese Frage ist davon auszugehen, daß die Verhängung einer Sperre sowohl als auch ihr Zweck einen Verstoß gegen 8 826 B. G.-B. enthalten kann. Im vorliegenden Falle ist zwar daS angewandte Mittel nicht als gegen die guten Sitten verstoßend anzusehen, dagegen aber verstieß der Zweck gegen 8 826 B. G.-B. DaS Mittel war berechtigt. Der Beklagte hat die Angaben der entlassenen Steinträger für bercch- tigt gehalten. Jedoch verstieß der von dem Verband verfolgte Zweck gegen die guten Sitten. Der Verband behauptet selbst nicht, daß er einen als erlaubt anzusehenden Zweck mit der Sperrmaß- rcgel verfolgt habe. Um eine Einigung d«r Parteien zu erzielen. hätte vor dem Gewerbegcricht verhandelt werden müssen. Die aus- gesperrten Arbeiter klagten aber bereits auf Zahlung des Lohnes. Dir Beilegung der Differenzen war als» nicht der mit der Sperre verfolgte Zweck. Nach der Ueberzeugung deS Gerichts kann nur als Zweck in Betracht kommen, daß klagende V�uunternehmer wegen der Entlassung der Arbeiter durch die« über ihn verhängte Sperre bestraft werden sollte. DaS ist als ein Berstoß gegen die guten Sitten anzusehen, um so mehr als der Beklagt« gewußt haben muß, daß dein Kläger Schaan gntstehen w-rde. Das Reichsgericht hat die gegen diese Entscheidung eingelegte Revision des beklagten Verbandes der baugewerblichen Hilfsarbeiter Deutschlands jetzt zurückgewiesen. Marttbertcht von Berlin am 23. Septbr. 1918, nach Erntlttelnng deS tönigl. PolizeipräsidiumZ. Marttballenpreise. tKIeinhandel) 100 Kilolnamm Erblen, gelbe, zum Kochen 30.00—50,00. Spcilcbobncn, weiße. 30.00—60,00. Linsen 35,00—60,00. Karwss-ln(ftlcinlchl) 5.00— 10,00. 1 Kilogramm Rindsleiich. von der Keule 1,80—2,40. Rindfteisch. Bauchfleisch 1.60—1.30. Schweinefleisch 1.60-2.40. Kalbfleisch 1.50—2.40. Hammelfleisch 1.70—2.40. Butter 2,•20-3,001 60 Stück Eier 4,00—6,00. 1 Kilogramm Karplen 1,40-2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,60—8,60. Hechle 1,40—2,80. Barsch- 1,00-2,40. Schleie 1,60-8,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 1,60—36,00. � KNOB« Bouillon ff Wochen lang täglich eine andere Suppe ohne Jtfühe durch J(norr- Suppen- wur/e/ rober 00 Sorten) und j�norr- Bouillon-Würfel » 5, M Edel- Haigarine MW » „Schlafe patent� Ein Griff, Unsere letzte Neniieit; »Fürst Bülow" als modernes Bett. „Fürst Bülow" Chaiselongue-Bett in einer halben Minute verwandelbar in ein hochelegantes Messingbett mit verstellbarer Kopflage und großem Raum für die Betten.— Vorzüglich als Einzelbett sowie als Fremdenbett, empfehlen wir zum bevorstehenden Umzug als schönstes und praktischstes Verwandlungsmöbel der modernen Zeit. Ein Schmuck für jedes Zimmer."HLE Hundertseitige illustrierte Preisliste Nr. 198 über sämtliche„ Schlaf e-patent-Möbel" senden gratis und franko R. Jaekel's Patent-Möhel-Fabrik, In Berlin Telephon Zentr. 9474.(Keine Filialen.) □ □□ DD1 □□□ Theater und Vergnügungen □□□ DDO □□□ Mittwoch, 25. September 1912. Anfang 7'/, Ubr. Kgl. OPerulmus. Madama Butterflh. tigl. Schauspielhaus. Der groxe König. Deutsches. Hamlet. Nietiopol. Chauffeur»» ins Meiiopol. Zirkus Albert Schumann. Grobe Vorstellung. ZirtuS Busch. Große Vorstellung Ansang 8 Udr. Urania. Daubenftrafte 48/49. AusS Malterhorn. Wenn der junge Wein blüht. bkamnieripiele. Mein Freund Teddy. DeutscheoSchaufPielhauS.Egmont. Montic Operetten. WoldnerLeicht- sinn. Kiirfürstcn.Ober. Der Kuhreigen. Berliner. Gioge Rosinen. Koiiiggrnper Ttrniie. Die fünf Fiantfurter. Uleiurs. Der Unverschämte. Der Arzt seiner Ehre. LottchenS Ge- burtötag. Schiller O. Den Pfarrers Tochter von Slreladorf. S«t>- ttoarlotlendurg. Der Talisman. Residenz. Der Herr von Nr. 19. Tbnlia. Autolicochen. Luise». Der Walzerkönig. Uomödirnhaus. Feuerversicherung. Der lächelnde Knabe. Hcrrnfeld. Wie man Männer bessert. Die Original-KlabriaS» Partie. Tiriano». Die Briestaiche. Ein peinlicher Zwischenfall. Der Dieb. tkaslno. Der Krosisärst. Wintergarten. Spezialitäten. Apollo. Svezialitäie». Passage. Spezialitäten. vieichshallen. Slettiner Sänger. Die Macht der Töne. Antang S'l, Ubr. Luslspielbans. So'n Windhund. Friede.- Wild. SchauiptelhauS. Die keusche Susanne. Rose. Ein IommernachtSIraum. Walstaila. Ru> nicht drängeln. Folics Caprice, Der lcusche Joseph. Der Rchbolt. Der Einbrecher. Anlang 8'/, Udr. MencS Bolkölhentcr. Liebelei. Literatur. Anfang 10 Udr. Udmiralspalast. EisdallettiFvonne. '.' Sternwarte, Jnvalidenstr. 57— 62. Mittwoch, abends 8 Uhr: Zum erstenmal: De» Pfarrer» Tochter von Streladorf. Donnerstag, abends» Udr: Di* Lokalbahn.— Die Medaille. Freitag, abends 8 Uhr: Dio Lokalbahn.— Die Medaille. Schiller-Thealer Chrrn" Mittwoch, abends 8 Uhr: Der Tallwman. Donnerstag, abends 8 Uhr: Der Misanthrop. Die Schule der Frauen. Freitag abends 8 Uhr: Der Misanthrop. Die Schule der Frauen. Deutsches Schauspielhaus (Komische Oper). Wenb8Egmont.$tBenbs 8 Uhr. 8 Uhr. Montis Operetten-Theater (früher Noneti Theater) Abends 8 Ubr: Goldener Leichtsinn. Rejideilz-Thellttt. 8 Uhr: Der Herr vou Nr.!9. Schwank in 3 Akten von Keroulund Barrö. Morgen und solgende Tage: Der Herr von Nr. 19. Theater am Nollendorfplatz (Neues SchaufpieldauS). Erössuung morgen DonnerStag. Gastpiel des Mnnchener Künstler, Theaters: Orpheus i» der Unterwelt. ker-liner'skester. Abends 8 Uhr: Große Rosinen. IhMjvilöl'WgMöi'Mö Abends b Uhr: Die S Frankfurter. OSE=THEATE| (Strohe Frankstlrlei Btv. 132. Zum ersten Male: Ein Sflimnemaeliistfamn. Komödie in 5 Allen von Shakespeare. UV Ansang 8 Uhr.-MC Morgen: Zapfenstreich. Luisen-Theater. Mittwoch. Donnerstag, Freitag: Der Walzerkönig. Sonnabend, nachmittags 4 Uhr: Grohe Kindervorstellung: Ter ge« stiefelte Kater._ Metropol Theater Anfang 8 Uhr. (Echmiffcttt ins Metropol!!! Große JabreSrevue mit Gesang und Tanz in Ist Vildern von I. Freund, Musik v. Rud. Aclson. Tänze arrang von Will Bishop. In Szene gesetzt vom Direktor R. Schultz. Rauche» gestattet. ifögii Dritter Wahlkreis. Sonntag, den 6. Oktober 1912, abends b'/z Uhr, im neuen Saale der Neuen Welt, Rasenhelde: Heiterer(künstlerischer) Abend. Kammermusik— Gesang(Lieder zur Laute) Rezitation und Dramatische Aufführung von Mitgliedern der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger. Nachdem: T tttlZ. i.:....... Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pfennig nach...........>....■ Billett 30 Pfennig. □ Programme am Eingang gratis. □ Billett 30 Pfennig. Zahlreichen Besuch erwartet[211/4*] Der BtldansisansschnO. i.d.W. a. d.W. G. d.w. G. d.w. G. d.w. G.d.W. O. � Gesellsehaftshaus des Westens � G. Hauptstraße 30=31 □ Schöneberg □ Hauptstraße 30-31 O* d. Hochelegante Räume für Hocbzelten, Säle für Versammlungen. d. yr:::: u Bälle, Privat- und Vereinsfestlichkeiten u:: u * Tages-Restawrant mit vorzüglicher Küche G. it Sechs Verbands- Kegelbahnen mit gemütlichen Kegelstnben it G» d, Otto Mölter. d. W. G.d.W. G.d.W. G.d.W. G.d.W. G.d.W, G.d.W. Urania Taubcnatpsße 48/49. Wissensahaftliobes Theater. Abends 8 Uhr: Aufs Matlerhorn. Ab 8 Uhr I.etzte Woche! Ein nie dagewesener Erfolg I Nothal und Palma ? Hcnsch oder Affe? M. Vogu Trio der Gipfel der Komik. Wunderpapagel Lora und 8 weitere Novitäten. Passage-Panoptikum Prinz ATOM Das kleinste mensch- liehe Lebewesen. | Das Wunder aller Wunder. Lebend! Obne Extra- Entree! j Vie man Männer bessert Die Original- Klabriaspartie. Beide Stticke mit Anton nnd Donat Hcrrnfeld In den Hauptrollen. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf 11—2(Theaterkagse. Passage-Thealer. Abends 8— 11 Uhr Gastspi».! der sieben Spaßmacher „Da tut sich was." Große Metroparodie-Revue nach dem EngHsohen aus dem Französischen ins DSraliohe übersetzt von Schmolius Feind, Musik von Viclus Limburger, in Szene gesetzt von Direktor Ricardo Shoultscz. Jean Pedro, Fratzi Massiavy, Laatsch Messing, Pepi Pepipi, Kohn Erzbishop, Luide Quietscher. Pfeifen überall gestattet! /fh.Mo« '"■l' MauAmtraBo. ZI :: Berliner:: Konzerthaus MauerstraBe 82.— Zimmerstraße 90/91. H6"ta: Großes DoppeUKonzert. Gastopiei udel-Quartetts.u« wie«. Berliner Konzerthaus-Orchester v�Pon,' Komp. Mnsikc. II. Garde-Regiment z. F. oSoVat Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pf. Anfang 8 Uhr. An allen Wochentagen nachm. ©p. Pro in fluiden- Konzert bei freiem Eintritt LOCIS« GAR' Täerlich: Großes Militär-Konzert. Eintritt I Hark, von abends 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahr. die Hälfte. Zirkus Busch. Heute Mittwoch, 25. Seplbr., abends 7'/� Uhr: Qr.Qala-Sport-Vorstellung Aus dem neuen, glänzenden Bröffnungs-Programm besonders hervorzuheben: Hondini! das unlösbare Rätsel. Herr Unrkhardt-Foottlt, Sohulreiter auf dem Vollbluter„Donald". Madame Hand Walff als„Cloldamucone", sowie sämtliche neuonaagierlen _ Spezlalltätew._ Folies Caprice. Zum%5. Male Die drei Gehlager: Der keusche Joseph. � Der Rehbod.— Der Einbrecher. Zlrkns A. Scluiiiiann Heute Mittwoch, 26. Septbr., abends?'/, Uhr: Große Elite-Vorstellung mit vollständig gewechseltem Programm. Auftreten sämtlicher neu engagierten Spezialitäten. ü. a.: Prelswettkegdn zu Pferde (8 Herren). Champagnerschule geritten v Direktor Schumann. 10 MartoniSf russischer Troica-Akt, Willy Manns mit s. 2000 Pfund schweren ßohulpferd„Goliath*. Voigt-Theater. Gelundbruimen Badstratze 58. Mittwoch, den 25. September 1012: Irildy. Schaust). In 4 Akten v. Paul M. Polier. Kassenerössnung 7 Uhr. Ans. 8'/, Uhr. Theater Königstadt-Gasino.| Hohmarktstr. 72. Ecke Mexanderstr. t Min. v. Bahnh. Jairnowitzbrücke. Tägl, abends 8, Sonnt. 5 Ubr: Gastspiel d. renommiertesten Ber- waudluugsschausptelersIiarK »rana in seiner Szene„Ein Skandal im Restaurant-. Spezialitäten Programm. Zankteufelcliefl. Licdersp. in 1 Akt. Trianon-Theater. Ansang 8 Ijhr.„Die Brieftasche". Ein peinlicher Zwischenfall". „Der Dich«. Casino-Theater . 8 Uhr ictl. Lebep Lothringer Sir. 37. Täl Ein lustiges Stück a. d....... Der Großfürst. Borher ein auserwählter Spezialiiä- tenteii, nur Künstler ersten Sianges. 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