Kr. 227. Bbonncmcnts-Scdingungen: Abonnements> Preis vrnnumerando: Bierteljuhrl. 330 Mk., monatl. 1,10 Ml,, wöchentlich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Psg. Sonntags- Nummer mit illustrierter Sonntags. Vellage.Die T-' ie Well" 10 Psg. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zcitungs- Prelsliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn o Marl, für das übrige Ausland g Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 29. Jahrg. CrldKlnt Izglich auStr montags. � f Verlinyv Volksblatt. Die Tnfertions'GebQlir beträgt für die sechsgespaltenc Kolonelzeile oder deren Raum M Psg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- lind Versammlnngs-Anzeigen SO Psg. „Kleine Mnreigen", das fettgedruckte Wort 20 Psg. töulässig 2 fettgedruckte Worte), icdcs weitere Wort 10 P,g. Stellengesuche und Schlafstcllenan- zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über löBuch- naoen zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer lnüssen bis t> Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „Sozialdcmolirat Berlin". Zcntralorgan der fostatdemokrati fd�en parte» Deutfchlandd. Redahtion: ÖÖQ. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moripplatz. Nr. IS83. Sonnabend, den 28. September 1912. Expedition: 881. 68, Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moripplntz. Nr. 1984. An Ks Sollt im Snlin! Drückende Not herrscht in Deutschland. Die Regierung selbst hat die„schwere Be- lastung weiter Volkskreise" zugeben müssen. Aber ihr Sinnen und Trachten ist nicht auf wirksame Abhilfe gerichtet. Ihre Sorge gilt nicht den Darbenden, sondern den Nutznießern der Aushungerungspolitik. Die Renten der Agrarier tollen geschützt werden, und dieser obersten Regierungsinaxime müssen alle Rücksichten auf das Volkswohl weichen. Als Vollzugsorgan der Großgrundbesitzer und Kartellmagnaten will die Regierung wirklich wirksame Hilfe vereiteln. Des- halb verweigert sie die Einberufung des Reichstags, deshalb würdigt sie die Forderung unserer Reichstagsfraktion nicht einmal einer Ant- wort. Unsere Vertreter werden von der Regierung an der sonst so gepriesenen posittven Arbeit ge- hindert; die Sozialdemokratie, das deutsche Volk, wird wieder einmal als Objekt der Gesetzgebung, ja absolutistischer Bureaukratenwillkür behandelt. Die„Subjekte" unserer Regierung, die Junker und Großkapitalisten, die es so gut verstanden haben, aus der Not glänzende Profite zu münzen, könnten ja in dieser segensreichen Tätigkeit am Ende durch den Reichstag ein wenig eingeschränkt werden. Deshalb will der Herr Reichskanzler von der Einberufung des Parlaments nichts ivissen, deshalb bezeigt er dem Geist der Verfassung seine Mißachtung. Gegen dieses Vorgehen muß Protest er- hoben werden, und wenn unsere Vertreter an der Arbeit im Reichstag gehindert werden, so wollen wir ihnen in unseren Versamnilungen Gelegenheit geben, der Regierung die Antwort des Volkes zu vermitteln. Deshalb, Ihr Darbende:», Ihr Arbeiter, An- gestellten und Beamten, Ihr Männer und Frauen, die Ihr die Opfer dieser volksfeindlichen Politik seid, kommt alle am Sonntag in unsere Protestversammlungen und gestaltet sie durch Euren Massenbesuch zu einer eindringlichen Kundgebung und zu einer nachdrücklichen Mah- nung! Wir fordern Abhilfe unserer Not! Wir sordern den Abbruch der Ans- hnngernngspolitik! Wir fordern die Einberufung des Reichstags! Wir protestieren gegelt den hoch- mutigen Abfoltttislltns der Jultker- Regiernng! Der Kamps der französischen Lehrer. Paris, 24. September.(Eig. Ber.) Der mutige Widerstand, den ein Teil der gciverkschaftlich organisierten Lehrer dein Anflösungsgebot und den Gewalt- audrohungen und Pressionen der Negierimg entgegensetzt, beginnt diese in Verlegenheit zu bringen. Die Liste der Unter- Zeichner des von der Gewerkschaft veröffentlichten Protestes wird täglich länger und damit nimmt die Aussicht, die ganze Angelegenheit mit ein paar Maßregelungen und einem leicht errungenen Vertrauensvotum der Kammer in Ordnung zu bringen, immer mehr ab. Auch beginnt die öffentliche Mei- nung, wenigstens soweit sie sich in den Massen des republika- uischen Kleinbürgertums und Bauerntums kundgibt, den Miß- braltch zu erkennen, der mit ihrer patriotischen Besorgnis ge- trieben worden ist. Nicht wenig hat zur Aufklärung der Verlauf des Gewerksckjaftskongresies in Havre beigetragen, der den Bruch auch der revolutionärsyndikalistischen Verbände mit der deniagogischen Sensationsphraseologie des„Antipatriotismns" kundgab. Die genau abgewogene und'sozusagen offizielle Er- klärung Merrhcims, daß der„Sou du Soldat", der zu der ganzen Lehrerhetze den Vorwand geliefert hat, eine in ihrem Wesen mit der antimilitaristischen Propaganda nicht zusammen- hängende Untcrstützungskasse sei und seine energische Zurück- Weisung der Desertation haben ihren Eindruck nicht verfehlt und sie haben die Position derjenigen verstärkt, die für das freie Organisationsrecht der Lehrer eintreten. Für die Situation der Regierung ist auch der den Lehrern günstige Beschluß des Freimaurerkonvents ein sehr ins Gewicht fallen- der Faktor, da er der Opposition der von maurerischen Ein- flüssen stark beherrschten Parlamentsradikalen einen mora- tischen Stützpunkt gibt und sie gegen die Beschuldigung ver- teidigt, den Lehrerkonflikt als Vorlvaud für den Sturz der Wahlreformregicrung zu benützen. Besonders unangenehm aber muß der Negierung die Resolution des Vorstandes der„Amicales" sein, des großen Zeutralvereins, der mit seinen 98000 Mitgliedern vier Fünftel der ganzen französischen Lehrerschaft umfaßt. Die sehr be merkenswerte Erklärung beginnt mit der entschiedenen Zurückweisung des„AntiPatriotismus", betont aber gleichzeitig die p a z i f i st i s ch e Gest n nung der Lehrer und ihr Ver trauen auf die V e r w i r k l i ch u n g der i n t e r nationalen Schiedsgerichte sotvie ihre Gegnerschaft gegen den„eng herzigen, eifersüchtigen und aggressiven Chauvinismus und gegen den interessierten Ehauvii�nns der großen Speku kanten". Sic hebt auch den Unterschied zwischen dem„masi losen Militarismus" und der defensiven Rolle der republi- kanischcn Armee hervor und erinnert an die Dreyfusassäre, wo die Gegner der Kastenjustiz als AntiPatrioten hingestellt wurden. Sie fordert für die Lehrer in bezug auf die Koalition das gemeine Recht, im Namen der durch die Erklärung der Menschenrechte verbürgten Gleichheit, aber auch darum, iveil „die aus dem Volk hervorgegangenen Jugenderzieher, wenn sie den Unterricht den Bedürfnissen des Volkes a 11 p a s s en wollen, der großen politischen und wirtschaftlichen Befreiungsbewegung n_i ch t fernbleiben können, die alle Werktätigen und Schaffenden vereinigt. Und schließlich spricht die Erklärung das Bedauern aus, daß die von der Deputiertenkanuner 1900 Provisorisch etablierte Gesetzlichkeit am 10. September ohne Untersuchung, ohne Einholung von Anskünften und ohne Motiv oder vermittelst tendenziöser Interpretation aufgehoben worden ist. Man darf wohl sagen, daß diese Kundgebung eine weit über den Tag und die Gelegenheit hinausgehende Bedeutung hat. Sie ist das Dokument einer kulturellen Reife, die sich ungeachtet der hemmenden Einflüsse der Demagogie und Korruption der bürgerlichen Parlamentspolitik und trotz des Drucks einer übermächtigen zentralisierten Staatsautorität durchgesetzt hat. Dieses Bekenntnis von 100 000 Lehrern zur Solidarität mit dem proletarischen Idealismus mag den Herrschenden unheimlich in die Ohren klingen. Der Sache des Sozialismus aber verspricht es eine moralische Hilfe, die m einem Land mit langsamer industrieller Entivickeluug und in einem Volk mit mäßiger Begabnug zur Disziplin orgaui- sierter Verbände nicht genug hoch eingeschätzt werden kann. Das Eingreifen des großen Lehrerbundes hat dies aktuelle Problem zu einer nationalen Frage erweitert. Es handelt ich nicht mehr darum, ivie sich die Regierungsautorität einer kleineu Gruppe gegenüber verhalten wird, die eine bestimmte Form der Assoziation in Anspruch nimmt, weil sie den An- schlnß an die Arbeiterschaft auch äußerlich ermöglicht, sondern im Grunde um die ganze Frage der Jugenderziehung in der Demokratie. Hier zeigen sich die sozialen Wirkungen des demokratischen Staatslvesens. die die Anarchisten und Parlamentarier so gering schätzen. Die Ideologie, auf die sich die Demokratie stützen muß, räumt erfreulich mit den Kastenvornrteilcn ans, die sich anderswo bei den Angestellten der öffentlichen Dienste der Erkenntnis ihrer Klassonlage widersetzen. Sobald sich aber der Lehrer nicht mehr als Be- standteil der HerrschastLmaschiucrie, sondern als Organ des allgemeinen Lebensprozesses der Gesellschaft fühlt, muß er sich als Teil von jener Kraft bewußt werden, die an der sozialen Erneuerung arbeitet und die Verbindung mit den Be- strebnugen des Proletariats als der mächtigsten geschichtlicheit Kraft unserer Zeit suchen. Dies um so mehr, je reger sein Interesse am eigenen Berns ist, je deutlicher sich ihm das Wesen der sozialen Pädagogik erschließt. Für die bürgerliche Gesellschaft gibt es keine andere Wahl: entweder der domestizierte, in stumpfer Routine verharrende Vermittler elementarer Kenntnisse oder selbst freie, freie Menschen bildende Erzieher. Man kann nicht bestreiten, daß der erste dieser Typen am besten in der klerikalen Schule erreicht wird und insofern sind die Reaktionäre im Recht,' die im jetzigen Konflikt eine Folge des Sieges des weltlichen Unter- richts sehen. Zweifellos befindet sich die Regierung in einer schwierigen Lage. Sie hat durch ein unvorsichtiges Dreinschlagen eine Krise beschleunigt, der allerdings die Demokratie im kapitalistischen Regime schtver entgehen kann. Herr Poincars ist nun ein kluger, liberaler, anständiger und.ztveckloscu Gewalttätigkeiten sicher abgeneigter Staatsmann, aber er hat nicht nichr die Wahl zwischen autoritärer Unterdrückungspolitik und Anpassung an die demokratische Entwickelitng, weil er der nationalistischen Hetze, der ordinären Scharfmachcrei und dem brutalen Lärm der Skandalpresse nicht im Anfang wider- standen hat. Er möchte freilich die Gewalt auf ein Minimum beschränken, nämlich ans die Anklage der Mitglieder des Syndikats des SeiucdeparteMcntS, denen allerdings gerade der Parlamentsbeschluß von 1900 über den Ltatus guo zur Seite steht und auf Disziplinarmaßregelu gegen die Unterzeichner des Aufrufs. Und Herr G u i s t h a u, der Unterrichtsminister, bietet den Lehrern eine Gehaltsrcgulicrung und eine Reform der Departemcntsräte an, die indes, was sie einerseits an größerer Sicherheit gegen administrative Willkür verspricht, andererseits durch Zerlegung des bisher einheitlichen Wahlkörpers in Kategorien, die die Wahl einer unabhängigen Mehrheit in die Disziplinarräte erschweren winde, reichlich aufhebt. Sicher ist, daß weder Gewaltmaßregeln noch administrative und materielle Zugeständnisse die Demokratie von dem eigentlichen Problem befreien werden, auf das die Erklärung der„Amicales" mutig und mit Klarheit hinweist. Paris, 27. September. Der Generalsekretär des Syndikats- Verbandes der Lehrerschaft Chalopin hielt gestern in einer Lehrer- Versammlung eine Rede, in der er unter Hinweis aus die mehreren Unterzeichneten des Widerstondsmanifestcs erteilte Rüge erklärte, daß die dem SyndikatSverbande angc hörigen Lehrer nicht nachgeben würden, denn hinter ihnen ständen 190 000 Mitglieder der„Amicales", die Postvcdicnstctcn> und alle organisierten Arbeiter. Sie ürsS-Kerlinei' Gemeinden zur Ceneniiig. Berlin und 26 V01 ortgemeinden(darunter Schöucbcrg, Charlottenburg, Neukölln) wenden sich in einer ausführlich begründeten Eingabe, unter Wiederholung ihrer am 11. Novem- ber 191 1 gestellten Anträge abermals an den Reichskanzler mit der Forderung der Z u t a s s u 11 g von Gefrierfleisch. In der Begründung wird u. a. ausgeführt: Bereits unier dem 1. November 1V11 Hatten die eine Bevölkerung von damals 3,2 Millionen verlreteiideii Vürgcrnicister der Gemeinden von Grotz-Berlin aus Grund eingehender talsächlicher Feststellungen die Ergreifung von Maßnahmen zur Behebniig der äußergelvöhn- licheti, de» Ernähriingsslaiid der breitesten Volksschichten bis in den Mittelstand hinein ans das schwerste bedrohenden Teuerung in An- trag gebracht. Die crbctcitcii Masnmhmcn wurden nicht getrossen, ebensowenig sind wir mit Bescheid versehe» worden. Seitdem aber hat die preiszunehmende Tendenz der imentbehr- lichsten Lcbciisuüttcl sich in noch weiter vcrstärltcui Maße sortgesetzt, sie hat nunmehr einen Preisstand von bisher noch nichr beobachteter Höhe herbeigeführt. In dem einen Jahre von August 191 t bis August 1912 stieg der schon damals ungewöhnlich hohe Preis von 1 Pfund Rindfleisch von der Keule um 12,S Proz., Rindfleisch von der Brust um 10,8 Proz., Rindfleisch vom Bauch um 12 Proz,. Kalbfleisch von der Keule um 8,2 Proz., Kalbfleisch von der Brust um 0,7 Proz., Kalbfleisch vom Schulterblatt um 7,2 Proz., Hammelfleisch von der Keule um 11,8 Proz., Hammelfleisch von der Brust um 12,2 Proz,, Schweinefleisch vom Rücken um 14,7 Proz., Schweinefleisch, frischer Schinken, um 23,4 Proz. Schweinefleisch vom Schulterblatt um 20,8 Pro?. Den Gründen für diese Preissteigerungen im einzelnen nach- zugehen, ist müßig, jedenfalls unerheblich gegenüber der Tatsache, daß die Preissteigerungen in der angegebenen Höhe vorhanden sind und die Flcischnot eine notorische ist. Sicher ist indessen, daß jene Preissteigerungeii des Fleisches in der Hauptsache durch die Beivegung der Vichpreise herbeigcfühtl sind, wofür die nachstehenden Ziffern sprechen. In den gleichem Zeitraum von August 1911 bis zum August -1912 stieg der Preis von 10t) Pfund Schlachtgeivicht der gaiigbarsteit Sorten jeder Viehgatlung und zwar der Ochsen.... von 72,50 auf 82,20 M„ d. i. um 133 Pro,. Bullen..... 73,50„ 83,20„„„ 13,6„ Für, en nnd Kühe.. 67,50 83.20„..„ 23 7 Kälber..... 86,00„ 99,00„„„ lösi Schafe....„ 67,00„ 77,50„„„ 15,7' Schweine...„ 28.20„ 82.00„„„ 40,2. Die Preissteigerungen de-Z Fleisches blieben also dnrchlveg gegen die Verteuerung des Viehes zurück. Blieb die Verteuerung des Fleisdies sonach hinter derjenigen des Viehes zurück, so wird mau doch auch sie al§ sehr erheblich be- zeichnen müssen, besonders angesichts des Umstandes, dasi die für sie vorstehend beigebrachten Ziffern von dem auffergewöhnlich hohen Preisstand ausgehen, der schon das Vorjahr beherrschte. Wenn die PreiSzunahme beim Schweinefleisch sich in dem gleichen Zeitraum, je nach dem Fleischteil, auf 15 bis 23 v. H. belief, so erfordert diese Tatsache weitgehende Beachtung um so mehr, als es sich vorliegen um ein mehr als 3>/.' Millionen Menschen mufossendes Bersorgungögcbict handelt, in welchem gerade dieses Fleisch den Höchstanteil des Konsums aufweist. Im Jahre 1010 entfiel von der im Berliner Schlachihof gewonnenen Fleischmenge nicht weniger als 63 Prozent auf Schweinefleisch. Im Iv�ien Monat— August— spitzten sich dann die Ver- Hältnisse in einer Weise zu, das; auf dem Berliner Schlachthof die Zahl der Schlachtungen gegen den gleichen Monat des Vor- jahres zurückging bei den Rindern um 24.8 Proz., Jungrindern um 10,0 Proz., Kälbern nur 21,5 Proz., Schweinen um 6.2 Proz., während riue Zunahme der Schlachtungen zu verzeichnen ist lediglich bei den Schafen um 2,5 Proz. Dieser geringfügigen Zunahme der Schaffleischerzeugung stehen die vorbezeichneten hohen Abnahmeziffern gegenüber, die bei den Rindern fast bis auf 25 Proz. ansteigen, während die Bevölkerung um etwa 100 000 Seelen zunahm. Bei einer weiteren Forldauer der Teuerungsverhältnisse dürfte danach die Lebenshaltung des Arbeiters, der etwa zwei Drittel seines Einkommens für den Nahrnngsmittelanfwand verbraucht, auf das u n g ü n st i g st e b e e i n s l u ß t werden und die Folgen einer lang andauernden Unterernährung der nrinder bemittelten Familien, besonders auch bei d e r V o l k s s ch u l j u g e n d, in bedauerlicher Weife in die Er- scheinung treten. Angesichts dieser ciuer Krise gkeichfonimendett Verhältnisse drängt sich einem jeden, insbesondere aber jeder verantwortlichen Stelle, ohne weiteres die Schlubfolgerung auf. dah hier mit halben Mitteln nichts getan ist. Durchgreifende Abhilfe tut not, i st dringend und eilig. Nicht mehr ist es zulässig angesichts der herrschenden Not, sich in Prüfungen und Erwägungen über die Ursachen der Teuerung zu verlieren, sondern es gilt zu handeln, praktisch und schnell; und zwar verlangt der Ernst der Lage nicht blost Maßnahmen, die zur Lrnde- rung der gerade jetzt obwaltenden Teuerung geeignet sind, sondern die Sorge aller verantwortlichen Kreise hat dahin zu gehen, solche .Matznahmen zu treffen, die dauernde Wirkung ver- s p r« ch e n und die Wiederkehr eines ähnlichen Notstandes wie des jetzigen und seit ungefähr zehn Jahren immer von neuem austreten, den verhindern und ausgeschlossen erscheinen lassen. Als ein solch gründliches Abwehrwittel erscheint uns neben den anderen Mastnahmen, die wir in unserer Eingabe vom 1. No- vember vorigen Jahres beantragt haben und auf deren Erlast auch unser heutiger Antrag gerichtet ist, vor allem eine im großen betriebene Einfuhr überseeischen, Haupt- sächlich argentinischen Gefrierfleisches. Es mag seither von mancher Seite bezweifelt worden sein, dast die Einfuhr argentinischen Gefrierfleisches eine derartig nachhaltige AVHilfd im Gefolge haben wird, wie Ivir uns davon versprechen. Jene Zweifel wurzelten in dem Bedenken, ob sich die Einfuhr argen- tinischen Fleisches in grösterem Umfange überhaupt ermöglichen lassen, mit anderen Worten, ob sich der Großhandel für diesen neuen Geschäftszweig überhaupt interessieren lassen wird- Denn das ist von vornherein klar: jeder Versuch der Einfuhr ar- genti nischen Fleisches nur in geringen Mengen muß fehlschlagen, eben schon aus dem einen Grunde, weil dann die.Spesen bis zum Bestimmungsort viel zu teuer und damit die Preise für den Ladenverkauf so hoch werden, daß sie denen für inländisches Fleisch nur um ein geringe» nachstehen, so daß das Publikum dann reinen Anlast erhält, sein Interesse dem anslän- dischen gefrorenen Fleisch zuzuwenden, wenn es dieses fast ebenso teuer wie das frische inländische Fleisch bezahlen muß. Wir denken nun an die E i n f u h r argentinischen G e- frio-r fleisch eS in großen Mengen. Die Unterlagen für die Möglichkeit solcher Einsuhr hat Berlin in eingehenden Ver- Handlungen mit maßgebenden Persönlichkeiten und Grohfirmen festgestellt. � Die Einkaufsmöglichkeiten in Argentinien,. die Trans- Hort- und Vcrkaussmöglichkeiteii nach und in Deutschland sind er- mittelt. N a ch d icsen drei Richtungen ist es Berlin gelungen, leistungsfähige Firmen zu inter- essieren und zuVertragsabschlüssen geneigt zu machen. Kühlschiffe find vorhanden, ebenso die entsprechenden Kühlräuine in den Ausladchäfen. Soweit nötig, sind die Firmen zur Ergänzung und. Erweiterung der Transportmittel und Kühl- gelcgenheiten bereit. Auch würde nicht nur die Versorgung der unterzeichneten Gemeinden möglich sein, sondern auch die weiterer Großstädte, ein Moment, dessen Benutzung schon um deswillen wertvoll wäre, weil alsdann eine Konkurrenz der einzelnen Groß- städte beim Einkauf ausgeschlossen und damit die Möglichkeit der Preissteigerung erschwert wäre. Die Schaffung einer großen Einkaufs- und Verkaufszentrale ließe sich gewähr- leisten. Sind sonach alle Unterlagen dafür,>daß die Einfuhr argen- tinischen Gefrierfleisches in umfangreichem Maße möglich ist, be- schafft, so fehlt es dennoch an der Hauptsache, der Sicherstellung des Ergebnisses nämlich, daß die Einfuhr eine wesent- liche Wirkung auf den Morkt ausübt. Diese Wirkung kann nun aber so lange nicht eintreten, als eine Reihe gesetzlicher B e- st i m m u» g c n, mit denen wir uns in Nachstehendem beschäf- ligen werden, aufrecht erhalten bleibt. An der Reichsregierung und der Königlichen StaatSregicrung ist es deshalb, diese Hindernisse zu beseitigen. Nach dem Stand der derzeitigen Gesetzgebung ist die Einfuhr argentinischen Hammelfleisches theoretisch möglich, p r a k- tisch aber außerordentlich erschwert. Die Einfuhr argentinischen Rindfleisches dagegen ist überhaupt ausge- schlössen. Durch die Oefsentlichkeit ist unlängst die Behauptung gegangen, daß die Einfuhr überseeischen Gefrierfleisches, einerlei welcher Herkunft, heute schon ohne weiteres zulässig sei. Es hieß, eine Äcnderung des§ 12 sei unnötig, weil dieser Paragraph, der aus- ländischcS' Fleisch nur unzerlegt oder in halbierten Körpern im natürlichen Zusammenhang mit den inneren Organen zuläßt, heute für die Kältetechnik kein Hindernis mehr sei. Diese Annähme ist nach zwei Richtungen irrig und irreführend, einmal in- sofern als sie, was argentinisches Fleisch anlangt, keinen Unter- schied zwischen Rindfleisch und Hammelfleisch macht und weiter darin, als sie der Kältetechnik Leistungen zuschreibt, die sie noch Abzüglich des argentinischen Rindfleisches wird übersehen, dast dessen Einführ heute gesetzlich ganz ausgeschlossen fft. Ihr stehen ausdrücklich Vorschriften entgegen, zwar nicht in ganz Dcutichland. aber in ein-- Reihe von B""�sstaaten, vor allem auch in P reu- Ken, Hamburg, Lübeck und Bremen. Was die Leistungsfähigkeit der K a l t e t e ch n i k anlangt, so geht das Urteil aller Sachverständigen dahin, daß. diese nicht im- itande ist. um die Einfuhr übersceiichen Gefrierfleisches nach Maß- gäbe des genannten � 12 möglich erscheinen zu lassen. Das feite äleiscki hält sich zwar i» Gefriertcmperatur viele Monate lang. Bei den inneren Organen, Herz. Lunge Nieren ist dies dagegen nicht der Fall. Das Urteil aller geht ubereinstimmend dahin, dast die Einsuhr überseeischen GefriersleischeS vnter Erfüllung der Vor- ichusteii des§ 12 aus kältetechnischen Gründen unmöglich ist, und zwar sind alle Sachverständigen ferner darüber einig, daß diese Unmöglichkeit bezüglich des Rindfleisches eine absolute i st. Ziehe» wir hiernach hinsichtlich des argentinischen Rindfleisches, in dessen Einfuhr wir das beste Aushilfs- und Abwehrmittcl zur Linderung und Verhütung der Teuerung erblicken, das Er- gobnis, so müssen wir feststellen, daß um die Tatsache nicht herum- zukommen ist, daß nach dem gegenwärtigeu Stande der Gesetze und Verordnungen jede Einfuhr argentinischen Rindfleisches be- dingungslos ausgeschlossen ist. Daraus ergibt sich, dast die e n t- g e g e u st e h c n d c n Bestimmungen, die erwähnten landes- polizeilichen Anordnungen des Regierungspräsidenten sowohl als der§ 12, Abs. 2 Ziff. 1 des Fleischbcschaugesetzcs unbedingt aufgehoben>v erden müssen. Die thüringischen Staaten, Hessen und das Königreich Sachsen z. B. kennen jene oder ähnliche Verbote nicht. Auch England, das seit Jahrzeljnten zur Deckung seines Fleischbedarfs argentinisches Rindfleisch mit heran- gezogen hat, hat derartige veterinärpolizeiliche Einfuhrverbote nicht. Ebenso unbedenklich erscheint bie Aufhebung des§ 12, Abs. 2, Ziff. 1 des Fleischbeschaugesetzes. Alle Sachverständigen sind dar- über einig, dast der Behandlung und Untersuchung des Fleisches in Argentinien die größte Sorgfalt zugewendet wird. Werden unserem Verlangen entsprechend die vetcrinärpolizei- lichen Anordnungen der Regierungspräsidenten und der Z 12 aufgehoben, dazu auch die in folgendem noch weiter nachgesuchten Ver- fügungen getroffen, so wird dadurch die Versorgung des inländischen Marktes mit argentinischem Rindfleisch s ch o n für die aller- n ä ch st e Zeit, jedenfalls sofort nach Zusammentreten des Reichstages möglich und dadurch eine baldige nachhaltige Abhilfe herbeigeführt. Während nun die von uns gehörten Gutachter die Einfuhr argentinischen Rindfleisches unter Erfüllung des§ 12 für absolut ausgeschlossen und undurchführbar halten. erklären sie die Einfuhr gefrorenen Hammelfleisches für möglich. Dagegen tritt aber eine derartige Verteuerung der Fracht und des ganzen Transports bis zum Bestimmungsort ein, daß hier der Preis pro Pfund nicht weiter hinter dem für in- ländisches frisches Hammelfleisch zurückbleibt. Auch die von uns niit einer Großfirma geführten Verhandlungen haben das gleiche Ergebnis gezeitigt. Nach einer von dieser Firma, die bereit und festgestclltcrmaßen dazu imstande ist, alle 14 Tage 1000 Tonnen mit 40 000 Stück Hammel zu liefern, aufgemachten Kalkulation würde das eingeführte gefrorene Hammelfleisch schon ohne Beobachtung des 8 12 einschließlich Fracht- und Kühlhausspcsen in Berlin pro Pfund 67sh Pf. losten, d. h. dies wäre der Einkaufspreis hier am Ort für die Stadt. Der Detailverkaufspreis in Berlin müßte sich natürlich noch um etwa 6— 8Pf. höher stellen, ein Preis, der im Verhältnis zu dem für inländisches frisches Hammelfleisch als viel zu hoch erscheine» mutz, um eine Kauflust des Publikums wach zu rufen l»id lebendig zu erhalten. Noch erheblich höher mühte natürlich der Preis werden, wenn dann noch die Unkosten hinzutreten, die die Beobachtung des§ 12 aus den obigen Gründen nach sich ziehen müßte. Dazu kommen noch eine Reihe anderer Momente, z. B. die Tatsache, dag in Deutschland das Hammelfleisch schon an und für sich wenig begehrt ist, namentlich zu bestimmten Jahreszeiten. Schon aus diesem Grunde ist die Zulassung des argentinischen Rindfleisches notwendig. DuÄh die Ermöglichung solcher gemischten Sendungen würde sowohl dem Geschmack des deutschen Publikums wie den billigen Interessen der liefernden Firma Rechnung ge- tragen, die bei Mitlieferung von Rindfleisch auf alle Garantien hinsichtlich des Ouantiims des abzunehmenden Hammelfleisches ver- zichtet. Dem anzustrebenden Ziel stehen aber immer noch die hohen Zollsätze— pro Pfund 17� Pf. entgegen. Wir sind der Meinung, daß, wenn die Einfuhr frischen Fleisches, auch gekühlten Fleisches, gegenüber Oesterreich-Ungarn, nur mit einem Zoll von 13>4 Pf. pro Pfund beschwert ift der Zoll von ITVi Pf. pro Pfund gefrorenen Fleisches viel zu hoch sei. Vom Standpunkt des Schutzes der heimischen Landwirtschaft ließe sich doch eher das umgekehrte Verhältnis rechtfertigen. Zu den Vorschriften, die zur Verteuerung der Einfuhr auS- ländischen Gefrierfleisches wesentlich beitragen, gehörten ferner noch Z 13des Fleifchbeschaugesetzes und die Bestimmun- gen in Nr. 1 der Bekanntmachung betreffend die Einlaß- und Unter- suchungsstellen süv das in das Zollinland eingehende Fleisch vom 30. Mai 1002, wonach die Untersuchung des eingeführten Fleisches nur bei einer danach ausdrücklich aufgeführten Zoll- oder Steuer- stelle stattfänden darf, und weiter noch die Bestimmung in§ 6 Abs. 4 der Anweisung für die tierärztliche Untersuchung des in das Zollinland eingehenden Fleisches, die anordnet, daß die im gefröre- neu Zustand eingehenden Tierkörper vor der Untersuchung aufgetaut werden müssen. Auch die Aufhebung diesen beiden Bestimmungen wird begehrt. Gegen unsere vorstehend ausreichend begründeten Vorschläge kann auch nicht etwa vom Standpunkt des SchwtzeS der heimischen Landwirtschaft etwas Ernstliches eingewendet werden. Wir fügen noch an, daß die heimische Bichzucht von der Einfuhr argentinischen Fleisches keinerlei Beeinträchtigung zu erwarten hat. Der Rindviehzüchter kann genau soviel Großvieh produzieren ivie seither; er wird die gleichen Absatzmöglichkeiten dafür haben und behalten. Ein sprechendes Beispiel dafür bietet England. 50 v. H. seines Fleischbedarfs deckt es durch die Einfuhr aus- ländischen Fleisches, und trotz dieser enormen Einfuhr ist die eng- Iis che Grohviehhaltung nicht nur yicht zurückgegangen, sondern hat stetig zugenommen. Ueberhaupt ist die Befürchtung, die heimische Landwirtschaft könne durch die Einfuhr Schaden nehmen, schon deshalb über- trieben und unbegründet, weil dabei übersehen wird, daß das ausländische Gefrierfleisch ja nicht an die Stelle der heimischen Erzeugnisse treten, sondern vorwiegend als Ergänzung herangezogen werden soll. Was nun endlich noch den Wert des argentinischen Gefrierfleisches anlangt, seinen Nährwert, seine Genußfähigkeit und seine Gcsundhe itsunschädlichkett, so braucht hierzu kaum noch etwas gesagt zu werten, trotz der in Wien gemachten Er- fahrungeni. Denn diese beziehen sich lediglich auf die Aufnahmelust der Wiener Bevölkerung gegenüber dem Gefrierfleisch. Wenn diese in der Tat nicht groß war, so lag das nicht an dem Wert und den Qualitäten des Gefrierfleische?, sondern an anderen Gründen nmentlich Organisationsmängeln bei Einrichtung deS Vertriebes des Fleisches usw. Für die Güte des argentinischen Gefrier- fleisches nach den angegebenen drei Richtungen sprechen dagegen die vielen guten Erfahrungen anderer Städte und ganzer Länder. »Noch der Hinweis sei uns gestattet, daß die unterzeichneten Gc- meinden trotz ihrer heutigen Anträge und deren erhoffter Genehmi- gung sich stets ihrer Pflicht bewußt bleiben werden, selb- ständig Maßnahmen zu ermitteln zu versuchen, die ge- eignet sein können, zur vorübergehenden Linderung der Teue- rung mitzuhelfen. Nur sind sich die Unterzeichneten weiter bewußt, daß mit solchen winzigen Maßnahmen nichts getan ist, und daß selbst der Kreis dieser migeliügendcn Hilfsmittel ein sehr be- schränkter ist. UnS ist als ein solches Hilfsmittel zurzeit wenigstens lediglich der Einkauf und der Vertrieb von Seefischen bekannt. Hiernach beantragen die unterzeichneten Gemeinden unter Auf- rcchterhaltung und Wiederholung ihrer in ihrer Eingabe vom 1. November 1011 enthaltenen Anträge, Ew. Exzellenz möge ver» anlassen und Vorkehrung dahin treffen, daß zur Ermöglickung der Einfuhr argentinischen gefrorenen Rind- und Hammelfleisches auf- gehoben werden: 1. die landespolizeilichcn Anordnungen der Regicrungspräsi- deuten der Grenz- und Kllstenbezirke aus den Monaten Oktober und November 1804, durch die die Ein, und Durchfuhr argentinischen Rindfleisches verboten ist, und ztvar, da dies ohne Reichslag möglich ist, mit Wlrkirng von sofort; 2. der§ 12, Abs. 2, Ziffer I des Fleischbcs-chaugesetzes; 3. K 13 des Fleischbeschaugesetzes und die dazu erlassenen Au- ordnungen des Bundesrats, enthalten in Nr. 1 der Bekannt- machung, betreffend die Einlaß- und Ilntersuchringsswllen für das in das Zollinlaiid eingehende Fleisch vom 30. Mai 1002i sowie in 8 6, Abs. 4 der Anweisung für die tierärgtliche Untersuchung dcS in das Zollinland eingehendeu Fleisches; 4. daß der Zoll auf gefrorenes argentinisches Fleisch er- heblich unter den für das frische Fleisch bestehenden Zoll herab» gesetzt wird. Win geben uns der zuversichtlichen Erwartung hin, daß unseren diesmaligen Anträgen ein anderes Schicksal beschieden wirdals den vorjährigen, und daß die Regierungen in Erkenntnis der herrschen- den Not und in Erkenntnis der überaus großen Verantwortlichkeit für deren Beseitigung int Sinne unserer Anträge entscheiden werden. Geschieht dies, so ist wenigstens für die Zukunft die Möglichkeit nachhaltiger Abhilfe und Abwehr bestimmt beschafft, und die Wiederkehr eines so ungesunden Zustandes, wie er jetzt seit Jahren immer von neuem aufgetreten ist, in praktischer mid> Erfolg versprechender Weise verhindert." Der in ihrer Beweiskraft zwingenden: Darlegung der Groß-Berliner Gemeinden hätten wir kritisch nur hinzuzufügen, daß die Städte mehr als den bloßen Verkauf von Seefischerl zur Linderung dwr Teuerung in die Hand nehmen könnten. Die Erfahrungen Kölns, Dresdens und anderer Gemeinden mit dem Bezug dänischen Fleisches haben wohl dargetan, daß auch auf Hiesem Wege einiges zu erreichen ist. Die Haupt- schuld trägt gewiß aber die R e g i e r u n g. Es kann nicht dauernde Aufgabe der Kommunen fein, aus Steuermitteln dem Agrariern Tribut in Form von Ausfuhrzöllen unter Fortbestand der allgemeinen hohen Preise zu zollen. Die Re- gierung hat den heutigen Notstanv ver schuldet, Ihre Pflicht ist es. in erster Linie zu helfen. ** * Kapitalistische und genossenschaftliche Volksernährung. In der.Zeitschrift für Volkswirtschaft, Sozialpolitik und Ver- waltung" behandelt R. v. F ii r e r die g a l i z i s ch e Eier» Verwertungsgenossen schaft in Lemberg. Die Genossen» schaft, die namenilich mit der Großeinkaufsgeiellschast deutscher Konsumvereine arbeitet, hat in den ersten 7 Monaten ihres Be- stehenS 3Vz Millionen Eier(22 Waggonsj, in den folgenden 6 Monalen aber schon 8 Millionen<40 Waggons), zusammen für fast 800 000 Kronen(680 000 M.) abgesetzt. Der Wiener Markt blieb ihr bisher versperrt, da er ganz von den Spekulanten be» herrscht ist, die oft Millionen Eier verderben lassen, um die Preise hochzuhalten. In K r a k a u, wo der Magistrat ein Magazin errichtete, gelang es, den Preis der Eier im letzten Winter von 14 auf 8 Heller zu drücken. politifcde(lederkickt. Berlin, den 27. September 1912. Einem Wahlbündnis zwischen Nationalliberalen«nd Fortschritt redet die„National-Zeitung" das Wort. Die Nummer vom 27. September enthält einen Leitartikel, überschrieben«Ein liberales Wahlbündnis", in dem ausgeführt wird, daß, was bei den Reichs- tagswahlen in entschlossener und tatkräftiger Vertretung liberaler Forderungen gefehlt worden sei, bei den preußischen Landtagswahlen im nächsten Jahr« wieder gutgemacht werden könne: «Der Abschluß eines Wahlbündnisses zwischen den liberalen Par« teien bietet die beste Möglichkeit, nicht nur den Einfluß des Libe» ralismus zu stärken, sondern auch die Macht der konservativen und klerikalen Parteien zu schwächen, die bisher durch daö preußische Abgeordnetenhaus Staat und Regierung beherrschen. Der Entente der Konservativen mit dem Zentrum im Reichstag ist der gleiche Bund im Landtage gefolgt, um die Wahlrcchtsvorlage zu Fall zu bringen. Ob das Zentrum sich aber ein zweites Mal dazu her» gebe» wird, eine Reform scheitern zu lassen, die in seinen eigenen Reihen dringend verlangt wird, ist eine andere Frage. In naiionolliberalen politischen Kreisen ist man der Ansicht, daß die beiden Parteien unmöglich auf die Dauer zusammenarbeiten können." Wie sich die Sozialdemokraten bei den Landtagswahlen vev» halten werden, komme für die Frage, ob die beiden liberalen Par- teien gegen die reaktionären Parteiein zusammengehen wollen� nicht in Betracht. Tatlräftig und zielbewußt könnten, die Angriffe gegen die konservativ-klerikalen Parteien geführt und geleitet werden, nach einem gemeinsamen liberalen Kriegsplan, der einheitlich entworfen werden müsse. Nur auf diesem Wege werde es möglich fein, den Feinden Abbruch zu tun und die Aussichten für eine bessere Wahl- reform, als es die letzte gewesen, zu vermehren. Daß es gelingen werde, die heutige Mehrheit der Konservativen zu brechen, müsse für ausgeschlossen gelten, aber die Verluste müßten so schwer sein, daß auch die Regierung zur Einsicht kommen wie unsicher die Macht sei, der sie sich bisher angepaßt habe. Die Regierung müsse gezwungen werden, den veränderten Verhältniffen Rechnung zu. tragen, Ausschließung von Landtagsabgeordneten aus dem Bund der Landlvirte. Die bündlerischen Landtagsabgeordneten Kirsten und Krieger, die im Landtag von Schwarzburg-Rudolstadt für die Wahl eines sozialdemokratischen Präsidenten eingetreten waren, sind bekanntlich vom Vorstand des Bundes der Landwirte aus dem Landbunde ausgeschlossen worden. Der bündlcrische Landesverband in Rudolstadt ist jedoch, wie das„Berk. Tagebl." bc- richtet, nicht gewillt, diesen Hinauswurf seiner lokalen Führer ruhig hinzunchmen. Er erklärte, daß er in corpore austritt, wenn dieser Beschluß aufrechterhalten wird. Die Bundesleitung steht also vor der Entscheidung, entweder ihr Urteil zurückzunehmen oder auf die Mitgliedschaft eines ganzen Landesverbandes zu verzichten. Der Ausschluß der Rudolstädter Sünder, die außerdem so unvorsichtig waren, für einen Antrag zur Linderung der Fleischnot zu stimmen. scheint von dem Bundesvorstand ohne jede Fühlungnahme mit den lokalen Organisationen vorgenommen worden'zu sein. Ein Zeichen, wie wenig die Bundesleitung nach der Meinung ihrer bäuerlichen Mitglieder fragt! Die Großgrundbesitzer und Asphaltagrarier im Bundcsvor- stand beschließen, den Bauern aber bleibt daS schöne Recht, zu zahlen. Ter Fall ist um so interessanter, als noch vor wenigen Tagen konservative Blätter über den«Fall Hildcbrand" und die angeblich durch ihn erwiesene Intoleranz und Meinungsfreiheit in der Sozialdemokratie lamentierten. Und doch ist die definitive AuS- schließung Hildebrands erst nach mehrmaliger Untersuchung seines Verhaltens durch unparteiische Kommissionen und nach längeren Aussprachen auf dem Chemnitzer Parteitag erfolgt, während die Ausschließung der Abgeordneten Kirsten und Krieger einfach von oben herab durch den Vorstand deS Blindes der Landwirte geschah, ohne daß dieser eS für nötig gehalten härte, die beiden Herren vorher zu hören und ihre Gründe zu erwägen oder auch nur die lokale Organisation, der beide angehören, um ihre Meinung zu fragen� Besser kann die Wertlosigkeit deZ Geschivätzes agrarkonser- Vativcr Blätter über die angebliche Erstickung der Meinungsfreiheit in der sozialdemokratischen Partei kaum dargetan werden. *« -t- Der..Post" wird gemeldet: Zu einer Spaltung im Bunde der Landwirte hat der Ausschluß der Abgeordneten Kirsten und Krieger geführt, welche für die Wahl des sozialdemokratischen Präsidenten eingetreten waren. Ter Landesverband des Bundes der Landwirte für Schwarzburg-Rudolstadt erklärt, daß er aus dem Bunde aus- treten würde, wenn der Ausschluß der beiden Abgeordneten aufrecht- erhalten bleibe. Ausschließung des Grafen Oppersdorfs und des Dr. Fleischer aus der Zcntrnmspartei. Wie die Konservativen macheu auch die Klerikalen wenig Feder- Icsens mit den Parteimitgliedern, die nicht blindlings den Ver- fügungen der Parteileitung folgen und sich gestatten, anderer Mci- nung über politische oder taktische Fragen zu sein als die maß- gebenden Parteigrößen. Der Parteitag des schlesischen Zentrums, der am 23 September in B e u t h e n tagte und von 200 Delegierten besucht war, hat einstimmig beschlossen, den auf dem Boden der Berliner Richtung stehenden Mitglieder» der katholischen.Aktion" die weitere Mitgliedschaft bei der ZeiitrumSpartei zu untersagen. Der Beschluß wurde in folgender Form gefaßt: .Die Bertrauensmännerversammlung dcS schlesischen Zentrums hält eine fernere Zugehörigkeit der Mitglieder der katholiichen .Aktion" mit der Mitgliedschaft zur Zemruinspartei für unVerein- bar." Von dem Ausschluß werden betroffen: der Reichstags- abgeordnete für Fraustadt-Liffa, Graf Oppersdorfs, der Herausgeber von.Wahrheit und Klarheit"; der frühere Ab« geordnete für Reichenbach-Neurode Fleischer; der Herausgeber de«.Katholischen Deutschland", Karl Nieborowski, sowie eine große Anzahl von Geistlichen und Laien in Breslau und Schlesien. Das führende Organ der Zentrumspartei in Breslau, die »Schlesiiche VolkSzeiluiig'. begrüßt diese Entscheidung und sagt: «Die Zentrumswähler werden dem Parteitag Freude und Dank entgegenbringen, daß er das Tischtuch so schart und energisch zer- schnitten hat. Er war die allein maßgebende Instanz und hat er- klärt, daß die katholische„Altion" mit der Zenttumspartei nichts mehr zu schaffen habe, sondern bekämpft wird wie jeder andere Feind."_ Der Sprachcnparagraph und die nichtpolitischen Versau,»nlungen. Eine für die gemischtsprachigen Landesteile sehr wichtige prinzipielle Entscheidung fällte das Ober- landesgeiicht in B r e s l a u. Der polnische Reichstags- und Landtags- abgeordnete Dr. S e y d a hatte, wie berichtet, zwei öffentliche Ver- sammlungen, in denen über polnische Dichter sowie über Religion und über Zahnpflege polnisch gesprochen werden sollte, einberufen aber nicht polizeilich angemeldet. Beide-Versammlungen wurden kurz� nach Beginn von dem überwachenden Beamten unter Hinweis auf den Z 12 des Reichsvereinsgesetzes aufgelöst und Setzda wegen Ueberirelung des ReichSvereinsgesetzes, das zwar nur die Anmeldung von politischen Versammlungen fordert, unter Anklage gestellt. Das Schöffengericht ver» urteilte Seyda wegen Uebertrclnng des Reichsvereinsgesetzes in zwei Fallen zu je IS Mark Geldstrafe. Die Straf- kammer Benthe» bestätigte das Urteil der ersten Instanz. Dr. Seyda legte hiergegen Revision beim Oberverwallungs- gcricht ein nnd begründete sie folgendermaßen: Der § 12 des ReichsvereinSgesetzeS spreche nur von politischen Ver- sammlungen. keineswegs aber von Versammlungen belehrenden In- baltS. Außerdem berief er sich auf eine frühere Entscheidung des Oberverwallungs- nnd des Kainmergerichts, die den§ 12 anders ausgelegt hätten. Ferner habe der Bezirksausschuß Oppeln die Auf- lösung der zweiten Versammlung für rechts unwirksam er- klärt, weil das Kaminer- und das Oberverwaltungsgericht übereinstimmend der Ansicht sind, daß das Bereit, sgesey,' insbesondere aber der§ 12 auf wissenschaftliche und k ü n st- lerische Vera» st altu»igen keineAnwendung finden könne. DaS Oberverwaltungsgericht stellte sich aber im Gegensatz zu früheren Entscheidungen jetzt im Prinzip aus den Standpunkt. daß auf alle öffentlichen Versammlungen und Ver- anstaltungeu der§ 12 des Reichsvereinsgesetzes anzinveuden sei. Nur weil in dem einen Fall der Begriff Ver- sammlung— es waren nur zwei Besucher erschienen— zu Unrecht von der Strafkammer angewandt worden ist, wurde die Angelegen- heit noch einmal zurückverwiesen. In der neuen Verhandlung erkannte die Strafkammer deswegen auf Freisprechung, in dem andern Fall blieb es bei der Bestiafung wegen Ueberlretung des Vereinsgesetzes. Die hiergegen erneut eingelegte Revision wurde vom Obez� landeSgericht Breslau abgewiesen, weil der Sprachen- Paragraph des Vereinsgesetzes für fremdsprachige Bersämnilungen jeder Art gelte. Protest gegen Mvgdans Kandidatur. Im 1. Berliner ReichStagswahlkrcis fand am Donnerstagabend eine fortschrittliche Protestversammlung gegen die Teuerung statt. Der Abg. Wremer hatte das Hauptrescrat. Er griff die Regierung wegen ihrer Untätigkeit scharf an. Nach ihm sprach der Reichstags- Präsident Kämpf, der den Wiemerschen Ausführungen beipflichtete und erklärte, er habe sich aus bestimmten Gründen bisher gewisse Rücksichten auferlegen müssen; bei einer so kapitalen Frage halte ex sich aber für verpflichtet, jede Rücksicht fallen zu lassen. Er nehme keinen Anstand, zu erklären, daß er in dieser Frage, wie es selbst- verständlich sei, auf dem Boden dcS Programm» der Fortschritts- Parteien stehe. Eine in diesem Sinne gehaltene Resolution wurde an- genommen. Bis dahin bot die Versammlung wenig Interessantes. Nun steht aber im ersten Berliner Kreise bekanntlich auch eine Landtagöwahl bevor: die Ersatzwahl für den verstorbene» Abgeordneten Träger- Der Vorstand der Fortschrittlichen Bolispartei hat den bisherigen Reichstagsabgeordneten Mugdan als Kandidaten aufgestellt. Diese Kandidatur ist weiten Kreisen der Fortschrittler nicht gerade sympathisch. In der Diskussion versuchte daher ein Ver- sammlungsteilnehmer, die Kandidatenfrage für die Landtagscrsatz- Wahl zur Sprache zu bringen. Der Vorsitzende unterbrach den Redner energisch und bedeutete ihm, daß er nur zu der Teiierungs- refolution sprechen, die Kandidarenfrage aber unter keinen Um- ständen berühren dürfe. Als in der Versammlung über dieses Auftreten des Vorsitzenden sich starker Unwille bemerkbar machte. entschuldigte sich der Vorsitzende mit dem Einwand, daß der Eindruck des Abends verkümmert werde. Wiemer sprach im Schlußwort nicht mehr über die Teuerung. Er führte ungefähr ans:«Ich glaube aus kurzen Andeutungen entnommen zu haben, daß ein Teil dieser Versammlung den Wunsch gehabt bat, über die Kandidatenfrage zu sprechen. Ich kann durchaus verstehen, wenn die Meinungen über den Kandidaten auseinandergehen! Aber ich möchte doch den Herren vor Augen halten, daß sie in der gegebenen Versammlung darüber zu sprechen hohen.(Zwischenrufe, aus denen hervorgeht, daß der Fortschritt solche geeignete Versammlungen bisher nicht ver- anstaltet hat.) Wir wollen gemeinsam arbeiten, um den Sieg zu erringen. Wir können mit Stolz daraus hinweisen, daß wir gegen- wärtig die geschlossenste und einheitlichste Partei in Deutsch- laud sind." Wieder„minderschwere" Fälle. Wegen Soldaten nrißhan dl nng, vorschrifts- widriger Behandlung und Beleidigung eines Untergebenen im Dienst hatte das Kriegsgericht den Unter- offizier Kölscher vom Dragonerregiment 8 in Kreuzburg zu vierzehn Tagen Mitielarrest verurteilt. Der Unteroffizier hatte den Dragoner Schenk, weil seine Lanze nicbt sauber war, geohrfeigt. Ein anderes Mal traktierte er ihn init Fanstschlägen, stieß ihn zn Boden und versetzte ihm Tritte mit dem gestiefelten Fuß, ihn, zurufend: „Und wenn ich Dich elenden Hund sahnenflüchtig schlage. daß Du nach Petersburg läufst." Das Kriegsgericht hatte nach bekanntem Schema nur minder- schwere Fälle angenommen. Gegen dieses Urteil legte der G e- r i ch t s h e r r Berufung ei», weil er die Strafe für den zweiten Fall zu niedrig hielt. Vor dem OberkricgSgericht deS VI. Armeekorps in Breslau beantragte Oberkriegsgerichtsrat T r c s z t für den zweiten Fall, den das Kriegsgericht mit 10 Tagen bestraft hatte, 21 Tage, insgesamt 22 Tage Mittelarrest. Das Oberkriegsgericht erkannte für die zweite Mißhandlung auf 14 Tage, insgesamt auf 21 Tage Mittelarrest unter Aufhebung des Urteils erster Instanz._ Nadelstiche als Mittel der Aufmunterung! Eine ebenso eigenartige wie sch», erzHafte Mißhandlung verübte in mehreren Fälle» der Unterofsizier Weinhold vom Artillerie-Negiiiient Nr. 23 in Pirna. Eines Tages meldete der Kanbnier Schmitz dem Hauptmann, daß er von Weinbold mehrfach schikaniert worden sei. Davci brachte er auch Uebergriffe des Unter- oifiziers zur Meldung, die schon einige Zeit zurücklagen. Weil der Soldat hier die Bcschwerdefrist nicht innegehalten, also»falsch ge- meldet" hatte, erhielt er— einen Tag Arrest 1 1 Die Untersuchung ergab verschiedene Fälle, di� jetzt dem Dresdener Kriegsgericht zur Aburteilung vorlagen. Als ein Soldat»ach Ansicht des Unteroffiziers nicht schnell genug lief, ivnrde er vom Angeklagten mit einer Nadel in schmerz- hafter Weise ins Gesäß gestochen. Auch Soldat Schinitz erhielt niehlfach Nadelstiche ins Gesäß. Bei einer anderen Gelegenheit fuhr der Unteroffizier demselben Soldaten mit einer frisch eingetauchten Sck'nierbürsle im Gesicht herum. Weinhold entschuldigte sich damit, daß er die Nadelstiche nur zur Aufmunterung ausgeteilt habe I Das Gericht sah nicht Mißhandlung, sondern nur Allotria als vorliegend an und erkannte wegen.vorichrisiswidriger Behandlung" aus 13 Tage mittleren Arrest. Strafmildernd kam die bekannte.gute" Führung des Unteroffiziers und die„Unerheblichkeit" der Uebergriffe in Betracht!_ fratihmcb. Die Anarchisten gegen HervS. Paris, 26. September.(Eig. Ber.) Gustav Herve ist gestern zum erstenmal seit seiner Entlassung aus dem Gefängnis wieder als Versammlungsredner vor den Pariser Arbeitern erschienen. Diese Wiederkehr aber war der Anlaß zu wüsten Szenen, die in ihrer Widerwärtigkeit alles übertrafen, was die Gegensätze innerhalb der revolutionären und pseudorevolutionären Elemente in Frank- reich an Gehässigkeit, Intoleranz, engstirnigem Fanatismus und Gemeinheit seit Jahren an die Oberfläche gebracht haben. Herve hatte einen Vortrag an die Rekruten angekündigt unter dem Titel:„Unser Vaterland. Die Eroberung der Armee." Er wollte darin die Auffassungen darlegen, zu denen er in den Studien und Meditationen seiner langen Kerkerhaft gelangt ist- Er hat sie vor kurzem in der Vorrede zu seiner Artikelsammlung „Meine Gefängnisse" präzisiert. Zum Teil decken sie sich mit den in der sozialistischen Internationale vorherrschenden: der Prole- tarier hat kein Vaterland, aber er hat es zu erobern. Jnternatio- nalismus bedeutet den Solidaritätsbund der arbeitenden Klasse aller Länder, den Verein der freien Völker, nicht einen die geschicht- lichen Existenzbedingungen der Nationen ideologisch ignorierenden „Antipatriotismus". Der Sozialismus kann sich nicht in einer aus- getüftelten Negation der nationalen Tradition durchsetzen, sondern nur dadurch, daß er an die in der Geschichte jedes Volkes ent- wickelten freiheitlichen Kräfte appelliert. Von diesem Bedenken aus- gehend ist Hervö zu einem Programm der Revolutionspropaganda in der Armee gekommen, das mit seinen Vorstellungen von der Möglichkeit, das Heer des bürgerlichen Staates, die Berufssoldaten und Offiziere mitinbegrisfen, sozusagen für die Insurrektion ein- zuexerzieren, den Sozialisten der Länder mit scharfer Klassen- scheidung naiv erscheinen mag, aber in einem Land mit geringerer industrieller EntWickelung, wo die Arbeiterklasse an Zahl zu schwach ist, um sich allein des Gesellschaftsapparatcs zu bemächtigen und mit formalen demokratischen Freiheiten wenigstens verständlich ist. Herdes Gedanken mögen derart auf eine von der internatio- nalen EntWickelung der bürgerlichen Gesellschaft verurteilte Neu- aufläge des Blanquismus hinauslaufen und sicherlich ist es auch nicht gerade erquicklich, daß Herve für seinen neuen Jnsurrektionis- mus die Reklame der bürgerlichen Presse sichtlich ebenso gerne ein- spannt wie ehedem für den andere». Aber eines darf man ihm nicht abstreiten: den Bekennermut. Nichts ist einfältiger, als Herve etwa einen Renegaten zu heißen. Denn ein Renegat findet in der Preisgabe seiner früheren Ideen einen Vorteil, Herve aber hat nur den Kampf mit den anarchistischen Demagogen, den anarchisti- schcn Strolchen und den syndikalistischen Jesuiten gccrnteß Mit vollem Bewußtsein gcerntci— denn sicher wäre es auch ihm nicht schwer gefallen, sein sozialdemokratisches Bekenntnis den zürnenden Göttern des Synvikalismus als Opfer anzubieten und die von den internationalen Kongressen kund- gegebenen Auffassungen als„veraltet" über Bord zu werfen, wovon man ja auf dem Kongreß in Havrc ein sozusagen parteioffiziellcS Exempel gehabt hat. Die Anarchisten haben, gestern feine Versammlung mit rohem Geschimpfe und Radau sabotiert, Sie haben Messerstiche ausgeteilt und in dem überfüllten Saal Schüsse aus Revolvern abgefeuert. Es wäre die törichst« Rechthaberei, Herve die folgenreiche Schwäche vorzuhalten, die er ehedem für diese Leute gehabt hat. Denn er hat bewiesen, daß er ohne Schwäche gegen sich selbst die eigene Kon- fusion überwinden und die der anderen anzugreifen versteht. Die anständigen Arbeiter werden ihm Dank wissen, wenn er mit der Bande des„Bürgers Browning", dessen illegitime Familien, gcschichten nicht selten, wie man erst unlängst wieder gesehen hat, auf Polizeikommissariaten spielt, die fällige Abrechnung hält. lieber seinen Internationalismus braucht er sich aber eine Zensur weder von den Rittern des anarchistischen„Individualismus", noch von den verärgerten Gloire-Syndikalistcn, die lieber die Bewegung aller anderen Länder für zurückgeblieben erklären, als die Möglich- keit des eigenen Zurückbleibens zuzugeben, wahrlich keine Zensur erteilen zu lassen. Und auch keine über politische Konsequenz von den Lenken der notleidenden„Bataille Syndicaliste", die den be- fremdenden Eindruck, den die so außerordentlich gemäßigten offi- ziellen Erklärungen in Havre auf ihre noch in der„antipatriotischen" Phrasenwelt zurückgebliebenen Leser gemocht haben, durch«jne theatralische Kampfstellung gegen Hervö auslöschen möchten. RllBUtuL Dumawahlen. Das erste Stadium der Dumawahlen, die Wahl der Be- vollmächtigten von den Gemeindeversammlungen, findet unter völligem Ausschluß der öffentlichen Kontrolle statt. Das Wahlgesetz hat für die Bauern einen vierstufigen Wahlmodus geschaffen, der speziell darauf angelegt ist, die Entscheidung über die endgültige Wahl in die Hände der Großgrundbesitzer zu legen. Als Wahlmacher figurieren namentlich auf dem flachen Lande die Geistlichen, die von dem Hl. Synod straff organisiert, bei den jetzigen Wahlen die Rolle der be- zahlten Agenten der Regierung spielen. Diese Tatsache wird dadurch verschärft, daß die Geistlichen auf Befehl ihrer ober- sten Behörde die Seperatwünsche des kriegerischen Klerika- lismus zur Geltung bringen und nur solche Kandidaten unter- stützen, die sich den Popen, deren Forderungen in der dritten Duma nicht völlig befriedigt worden, nun mit Haut und Haar verschreiben. Welche Rolle die heiligen„Väterchen" in der Wahlkampagne spielen, ist aus folgendem geheimeu Rundschreiben ersichtlich, das an alle Kirchengemeinden Wolyniens versandt wurde:, � „Laut Befehl des Bischofs Nikon vom 3. August, ersuche ich Sie. unverzüglich ein Verzeichnis der zuverlässigen Bauern Ihrer Gemeinde einzusenden, die man mit voller Sicherheit als die wünschenswerten Kandidaten für die Wahl der Bevollmächtigten in den Gemeinden empfehlen kann. Ich bitte serner Bericht über die agitatorische Tätigkeit der Landschaftsangestellten für die Dumawahlen." Hand in Hand mit den Polizisten im Priesterrock geht natürlich auch die gewöhnliche Polizei vor. So wird aus Kiew unter dem 24, September gemeldet: � „Die Bezirkspolizei ist damit beschäftigt, die politische Zu- verlässigkeit und die soziale Stellung der Bauern festzustellen, die in den Dörfern populär sind und Aussicht besitzen, als Bevoll- mächtigte für die Wahlmännerwahlen gewählt zu werden." Zum Schluß sei folgendes Bild aus der beginnenden Wahlkampagne in den Städten mitgeteilt: Am 22. Sep- tember fand in Saratow eine nach endlosen Scherereien ge- nehmigte Wählerversammlung statt. Der Polizeikommissar Subkow verlangte, daß die Fragen des Staatsbudgets von den Rednern nicht berührt werden sollten. Der Einberufer der Versammlung. Rechtsanwalt Nikonöw. beantragte hierauf, daß die Versammlung geschlossen werde, da sie unter solchen Bedingungen unmöglich sei. Die zahlreichen An- wesenden beantworteten diesen Vorschlag mit donnerndem Applaus und verließen demonstrativ den Sitzungssaal.— An demselben Abend find in Saratow eine Wählerversammlung statt, die von den Echtrussen einberufen worden war. Als der beaufsichtigende Polizeikommissar dem Vorsitzenden die erste Verwarnung erteilte, schrie dieser ihn an und verlangte, daß er seine Worte zurücknehme. Der Vertreter der allmächtigen Polizei duckte sich vor den Pogromisten und nahm de- und wehmütig seine Worte zurück. Eine nette Illustration dafür, wer Rußland regiert und wer bei den russischen Stockwahlen das Heft in der Hand hat. CHrfcei Keine bulgarische Kriegserklärung. Sofia, 27. September. Wie die Agence T6l6graphique Bulgare erklärt, sind die im Auslande verbreiteten Ge- rüchte über eine Kriegserklärung von feiten Bulgariens vollständig unbegründet. Armenier-Verfolgungen Konstantinopel, 27. September. Das armenische Patriarchat hat eine Depesche aus Wan erhalten, bie um sieben Tage verspätet eingetroffen ist. ES wirb darin gemeldet, daß zwei Armenier von Kurden getötet worden sind und zwei arimenische Dörfer in der Nähe von Wan von dem Kurdenfiihrer Mehmed Pascha blockiert werden. Das Patriarchat hat bei der Pforte Protest erhoben. Zwei Kompagnien Soldaten sind gegen die Kurden ausgesandt worden.— Wie weiter gemeldet wird, ist es im Wilajet Wan zu einem Zw- sammenstoß zwischen eurer Abteilung Kavallerie und einer Kurden- bände gekominen, wobei ein Leutnant und zehn Soldaten getötet wurden. Die Bande wird verfolgt. Hus der Partei. Preßprojes?. Wegen Streikbrecherdeleidigung angeklagt, aber freigesprochen wurde Genosse Brenner in Braunschweig. Der Braun- schweizer„Volksfreund" hatte im Mai ds. I». die Namen von acht Straßenbahnangestellten veröffentlicht, die sich nach Königsberg hatten schicken lassen, um dort ihren streikenden Kollogen in den Rücken zu fallen. Durch einen anderen Arftkel, von dieser Mit- teilung getrennt, stand in der vorhergehenden Spalte ein Lokalt- spitzartikel, der ganz allgemein gehalten war und unter Anführung bürgerlicher Stimmen die Verwerflichkeit des Streikbruchs kräftig brandmarkte. Dieser Artikel wurde von den Arbeitswilligen mit in die Klage einbezogen, obwohl sie nicht genannt waren. Der klägcrische Vertreter beantragte vor dem Schöffengericht eine emp- findliche Freiheitsstrafe. Genosse Brenner erklärte, daß die beiden Artikel nicht im Zusammenhang stehen. Das Gericht stimmte dieser Ansicht zu. Die in dem zweiten Artikel beanstandeten Aeußerungen„Raußreißer" und„verwerflick�r Verrat" seien als Sachbezeichnung und nicht in beleidigender Absicht gebraucht. Auch müsse dem Angeklagten der Schutz des§ 193 des Strafgesetzbuches zugebilligt werden. Aus diesen Gründen erfolge die Freisprechung. Jugendbewegung. Die Verfolgung der Arbeiterjugend. Die Arbeiterjugend in Buer und Gladbeck erfreut sich der strengsten Bewachung durch die dortige Polizei, was aus der Tatsache hervorgeht, daß 1911 59 Haussuchungen und 39 richterliche Vernehmungen in Angelegenheiten der Arbeiterjugend vorgc- nommen wurden. In einer Verhandlung vor dem Amtsgericht Buer war der Vertrauensmann der Arbeiterjugend, Genosse K r a f z i k, zu 199 M. Strafe verurteilt worden, weil er einen politischen Verein der Jugendlichen begründet und geleitet habe. Den politischen Charakter des„Vereins' folgerte das Gericht dar- aus, daß die Jugendlichen die„Arbeiter-Jugend" lasen und zum Ausweise eine Abonnementskarte erhielten, ferner, daß sie bei Ausflügen das im ,.Vovwärts"-.Verlage erschienene Arbeiterlieder- buch benutzten. Weiteres Belastungsmaterial war nicht beizu- bringen. Der als Zeuge vernommene Genosse Lötz, der einen Vortrag über„Berliner Verkehrswesen" gehalten, sagte in der Be- rufungsverhandlung vor dem Landgericht Essen aus, daß ihm Angeklagter Anweisung gegeben habe, jede politische Beziehung in seinem Aortrage zu vermeiden. Trotz alledem bestätigte da» Ge- richt die Strafe von Ivo M. GewerhrchaftUchee. Berlin und Clmgcgcnd. Tie Hochbahnangestellte» und die Teuerung. In einer vom Deutschen Treinsporturbcitcrvcrband nach der Sebajtiansirahe 39 einberufenen Versammlung referierte O. Ort- mann über die herrschende Teuerung und die Forderungen der an der Hoch- und Untergrundbahn Beschäftigten an ihre Ilrbcitgcber. Schars rechnete Redner mit der Regierung und ihren Hinter- männern ab in der.Frage der Lebensmittelteucrung, zu deren Ab- Hilfe noch keinerlei Maßnahmen getroffen wurden. Des weiteren wies der Referent auf die Notlage der Hochbahnangcstelltcn hin, die.ganz besonders auf Grund der niedrigen Löhne unter der Teuerung zu leiden hätten und betonte, daß hier dringende Abhilfe am Platze sei. Anfangslöhne für Angestellte im Fahrdienst (Schaffner) von täglich 3,49 M., sowie für Arbeiter pro Stunde 49 Pf. und für gelernte Arbeiter pro Stunde 45 Pf. sind bei den heutigen Verhältnissen unzureichend und bedürfen einer baldigen Regelung. Die Hochbahngcsellschaft hätte, wenn das sonst immer vorgeschützte„Wohlwollen" vorhanden wäre, schon längst helfend eingreifen müssen. Da dieses nicht geschehen, müssen andere Wege beschritten werden, um zum Ziele zu gelangen. Die Diskussion bewegte sich im Sinne des Referenten. Es wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Der von fast allen Ständen schwer empfundene Notstand ist von einer Reihe Arbeitgebern, von fast allen Kommunen, ja so- gar von der Regierung als vorhanden anerkannt worden und findet seine Bestätigung in der Gewährung von Lohn- und Teuerungszulagen in einer großen Anzahl von Berufen und Betrieben, sowie in Anträgen an Staat und Kommunen auf Linderung des bestehenden Teucrungszustandes. Die Be- diensteten der Hoch- und Untergrundbahn durften daher erwarten, daß auch ihre Arbeitgeberin diesen außergewöhnlichen Zuständen Rechnung tragen und ihrem Personal eine Teuerungszulage oder eine zeitgemäße Lohnzulage gewähren würde. Sie fordern deshalb im Interesse ihrer Familie und in Rücksicht auf die Er- Haltung ihrer Arbeitskraft für alle Angestellte eine durch- greifende Lohnerhöhung.' Die Versammelten beauftragen die Verbandsleitung, diese Resolution der Betriebsleitung auf geeignete Weise zur Kenntnis zu bringen und erklären anderseits, daß sie alle ihre Kräfte bis zum äußersten anspannen werden, um die Angestellten der Bcr- lincr Hochbahn ihrer Berufsorganisation als Mitglieder zuzu- führen, um so ihren Forderungen den notwendigen Nachdruck zu verleihen." Die Heizungsmonteure, Rohrleger und Helfer hatte der Deutsche Metallarbeiterverband am Donnerstag zu einer allgemeinen Ver- sammlung eingeladen. Sie tagte im großen Saal des GeWerk- schaftshauses und war stark besucht.„Unsere nächsten Aufgaben" lautete das Thema, welches der Referent Handle behandelte. Er führte u. a. aus: Seit 1995 haben die Rohrleger keine nennens- werte Verbesserung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse erreicht. Die Organisationszersplitterung hinderte die Rohrleger, eine gleich- mäßige Verbesserung des Tarifs durchzuführen. Fast ztvci Fahre haben die Rohrleger im. Deutschen Metallarbeiterverband ohne Tarif gearbeitet. Der Tarif, den der Allgemeine(WiesentHalsche) Metallarbeiterverband 1919 mit den Unternehmern abschloß, macht den Unternehmern so weitgehende Konzcssionen und kommt den berechtigten Interessen der Arbeiter so wenig entgegen, wie es bei keinem Tarif in irgend einer Branche der Fall ist. Der Deutsche Metallarbeiterverband war gezwungen, einen solchen Tarif abzu- lehnen. Er hat dann mit einer kleinen Gruppe von Unternehmern, dem Schutzverein der Arbeitgeber im Rohrlegergewerbc,., einen Tarif abgeschlossen, der wesentlich günstiger ist wie der Wiesen- thalsche Tarif, namentlich in Hinsicht auf die Mindestlöhne. Wenn Einigkeit unter den gesamten Kollegen geherrscht hätte, dann würden noch viel weitergehende Verbesserungen erreicht worden sein. Am. 31. März 1913 läuft der Wiesenthalsche Tarif ab, ohne daß er gekündigt werden braucht. Ter Tarif des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes kann zum April 1913 gekündigt werden.— Es ist an der Zeit, chaß die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der.Rohrleger usw. verbessert werden, denn ihre Löhne sind niedriger als die der übrigen Bauarbeiter. Ob das gelingen loird, das hängt davon ab, ob die Berufsangehörigen zur Einheitlichkeit der Organisation zurückkehren. Wo die Organisationen der Arbeiter zersplittert sind, da haben die Unternehmer den Vorteil davon. Seit Fahren haben wir gesehen, welchen großen Schaden den Arbeitern der Bruder- zwist bringt. Soll die Tarisbewcgung den Arbeitern die notwen- digen Verbesserungen bringen, dann muß es unsere nächste Aufgabe sein, so schwer es auch halten mag, die Kollegen, die auf der anderen Seite stehen, zum Deutschen Metallarbeiterverband heranzuziehen. Er ist die einzige Organisation, die imstande ist, nennenswerte Er- folge zu erringen. Ohne Kampf find keine Vorteile für die Ar- beitcr herauszuholen. Von der Erhöhung der Mindestlöhne in den Fahren 1998 und 1919 haben die Arbeiter keinen Vorteil gehabt, denn die Preise der Lebensmittel sind ganz bedeutend stärker in die Höhe gegangen als die Löhne. Mit Rücksicht auf die entsetzliche Teuerung muß eine bedeutende Erhöhung der Mindestlöhne ein- treten. Bei den jetzigen zerrissenen Lrganisationsvcrhältnissen ist eher eine Niederlage als ein Sieg zu erwarten. Es darf deshalb nicht so weitergehen mit der Zerrissenheit. Eine einheitliche Orga- nisation der Monteure, Rohrleger und Helfer ist dringend not- wendig. Sind wir einig, dann brauchen wir nicht ängstlich in die Zukunft sehen, sondern wir können sicher sein, daß uns die so not- wendige Verbesserung derLohn- und Arbeitsbedingungen gelingen wird. Tie Ausführungen des Referenten wurden mit Beifall aufge- nominell und fanden in der Diskussion allgemeine Zustimmung. Gegnerische Ansichten wurden nicht vorgebracht. Ein Redner be- merkte, unter den Mitgliedern des Wiesenthalschen Verbandes sei große Neigung für den llebertritt in den Deutschen Metallarbeiter- verband, doch werde es als Hindernis betrachtet, daß sie als neue Mitglieder ausgenommen werden, ohne Anrechnung der früheren Mitgliedschaft.— Daraus entgegnete Handle: Wenn Mitglic- der in größerer Zahl übertreten, dann ließe sich wegen der lieber- trittsbedingungen reden. Es solle den 51ollegcn so weit wie möglich erleichtert werden, wieder zu einer organisatorischen Einheit zu kommen.— Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, welche erklärt, daß als Gewerkschaft der Rohrleger usw. nur der Deutsche Metallarbeiterverband in Betracht kommen kann. Weiter heißt es: Die Agitationskommission wird beauftragt, in Verbindung mit den Vertrauensmännern die Vorbereitung für eine etwaige Tarifbcwe- gung in Angriff zu nehmen und in nächster Zeit darüber Bericht zu erstatten. Achtung, Maurer und Hilfsarbeiter! Seit dem 16. d. M. be- finden sich die Maurer und Hilfsarbeiter in Pößneck(Gau Erfurt) im«trcik. Sie forderten eine Lohnerhöhung von 5 Pf., und da die Arbeitgeber ein Entgegenkommen nicht zeigten, wurde die Ar- beit eingestellt. Die Arbeitgeber hoffen nun, durch auswärtige Ar- beitswillige die Bauten besetzen und die Arbeiter um die Erfüllung ihrer berechtigten Forderungen zu bringen. In der„Berliner Morgenpost" werden jetzt Maurer nach Er- furt gesucht, die sich in einem Restaurant in der Pankstraße 65 melden sollen. Ter Vermittler ist eine in Berliner Bauarbeiter- kreisen sattsam bekannte Persönlichkeit. Der unterzeichneten Organisationslcitung wurde bekannt, daß auf diesem Wege für Pößneck Arbeiter angeworben werden sollen. Wir machen daher die im Lohn sowie Akkord arbeitenden Kollegen daraus aufmerksam, den Lockungen dieser Menschenfreunde zu widerstehen und ihnen die gebührende Antwort zu geben. Die Zweigvereinsleitung des Deutschen Bauarbciterverbandes. DeublcKer, Reich. Ein verurteilter Streikbrecher. Im Frühjahr dieses Jahres brach in der Waggonfabrik in Görlitz ein Streik aus, bei dem auch die Streitbrcchcrfirma Katz- Berantw. Redakt.: Alfred Wielepp. Neukölln. Inseratenteil verantw.: marek-Bcrlin durch Lieferung gewerbsmäßiger Streikbrecher mit-' wirkte. Am Mittwoch hatte sich in Görlitz vor der Strafkammer des Landgerichts ein solcher Schützling der Unternehmer wegen g e- fährlicher Körperverletzung zu verantworten. In der Nacht zum 3. Juni zogen„Katzmareks" durch die Hauptverkehrs- straße von Görlitz; ein Krakeel artete bald in eine Straßcnschlachl aus; der Angeklagte zog den Revolver und schoß blindlings auf seine Kollegen, von denen drei verletzt wurden. Für seine Schießerei wurde dem angeklagten Rowdy, einem Tischler Lorenz Mullay, ohne festen Wohnsitz, von seinen wütend gewordenen Kum- pancn der Schädel aufgeschlagen. Die Strafkammer verurteilte ihn jetzt noch wegen gefährlicher Körperverletzung zu 2 Jahren und 3 M o n a t c n Gefängnis. I» der Gcbctbuchfabrik und Großbuchbinderei von Schäffer in Grünstadl haben die Mitglieder des Buchbinderverbaudcs gekündigt, weil die Firma fortgesetzt die Verbandsmitglieder drangsaliert, maß- regelt und ihren Arbeitern und Arbeiterinnen nicht das gesetzliche Koalitionsrecht gestatten will. Sobald jemand— auch außerhalb des Betriebes— für den Verband agitierte, konnte er mit Sicher- heit darauf rechnen, daß seines Bleibens im Betriebe nicht mehr lange war, denn unter irgend einem Vorwand wurde er entlassen, obgleich der Sohn der Firmeninhaberin als liberaler Mann bei den letzten bayerischen Landtagswahlen öffentlich für das Koalitions- recht der Arbeiter eingetreten war. Jetzt aber, wo es sich um den eigenen Betrieb handelt, kann sich der Herr nicht dazu auf- schwingen, auch seinen Arbeitern das gesetzlich gewährleistete Recht der gewerkschaftlichen Vereinigung zuzugestehen. Da auch die Löhne im Schäfferschen Betriebe viel zu wünschen übrig lassen und besonders die Akkordsätze sehr niedrige sind, Schutzvorrichtungen an gefährlichen Maschinen fehlen, die Ausbildung der Lehrlinge eine sehr mangelhafte ist— mußte doch jetzt ein Lehrling ein halbes Jahr nachlerneu, weil er die Gesellenprüfung nicht bestand— s« war nicht nur die Geduld der Verbandsmitglieder erschöpft, sondern auch die.Grünstadter Albeiter haben sowohl in der Presse wie auch in einer imposanten Versammlung gegen die Praktiken der Firma Schäffer Stellung genommen. Da die Firma auch Arbeiter anderer Berufe zu Rausreißerdiensten suchen wird, seien auch diese hiermit vor Arbeitsannahme bei Schäffer gewarnt. IZusland. Ein Vortrag Sassenbachs in Paris. P a r i s, 24. Sept.(Eig. Ber.) Das Pariser deutsche Getverkschasts- kaetell hatte Genossen S a s s e n b a ch eingeladen, vor seiner Heimfahrt vom französischen Gewerkschaftskongreß einen Vortrag über die gewerk- schaftliche Aktion in Deutschland zu halten. Der überfüllte Saal bewies, welches Interesse die in Frankreich lebenden und in der Praxis des französischen Gewerkschaftslebens ersahrenen deutschen Arbeiter diesem Tbema entgegenbringen, aber auch, welche tüchtige Agitations- und Organisationsarbeit schon da? Kartell, das bekannt- lich nur in den französischen Gewerkschaften organisierte Mitglieder aufnimmt, schon geleistet hat. Im Publikuni sah man auch ver- einzelte französische Parteimitglieder, dagegen keinen der bekannten französischen Gewerkschaftsführer, was vielleicht nicht allein auf den Umstand zurückzuführen ist, daß Sasjenbach seinen Vortrag in deutscher Sprache hielt— hatte doch auch die„Bataille Syndicaliste" die ihr übermittelte Versammliingsanzeige nicht veröffentlicht. Genosse Sassenbach legte in der Einleitung des Vortrages die Wandlungen dar, die die Auffassungen von der Rolle und den Aus- sichten der gewerkschaftlichen Aktion in Deutichland durchgemacht haben, und zeigte, lvie diese Wandlungen die Methoden die Organi- sationsarbeil und des wirtschaftlichen Kampfes beeinflussen mußten. Die hohen Beiträge und das Untcrslützungswescn, das sie ermög- lichen, haben die Ständigieil der Mitgliedschaft gesteigert und auch das Interesse an seiner- Organisation. Die Kollektivverträge stellen nicht, wie man eingewendet hat, eine Politik dcS sozialen Friedens dar, sondern nur einen Waffenstillstand zwischen den Arbeiter- und llnternehmervcrbänden. Die deutschen Arbeiter wollen nicht den Kampf um des Kampfes willen, keine„revolutionäre Gymnastik". Deshalb legen sie auf die Vorbereitung ihrer Kämpfe durch Au- sammlung der nötigen Geldmittel den gebührenden Wert. Sie wissen auch die Bedeutung der statistischen Untersuchungen zu wiir- digen, die man anderswo als„papenisses"— als Geschreibsel— geringschätzt. Was den Generalstreik anlangt, so verwerfen ihn die deutschen Gewerkschaften durchaus nicht im Prinzip, nur halten sie ihn für das letzte, nur im äußersten Fall anzuwendende Mittel. Den Antimilitarismus können die Deutschen nicht in den äußeren Formen betreiben wie die Gewerkschaftler anderer Länder, aber darum betreiben sie ihn nicht mit geringerem Ernst. Beweis dafür ist die rasche Entwickclung der„Arbeiterjugend" und der leidenschaftliche Kampf, der jetzt in Deutschland von den bürgerlichen Klassen um die Jugend geführt wird. Die Ueberzengungcn der deutschen Arbeiterschaft in diesem Punkt sind so gefestigt, daß ihr Manifestationen überflüssig erscheinen, in denen sich oft ein junges Konvcrlitcntum genug' tut. Dasselbe gilt vom Int e r- nationalismu s. Die deutschen Gewerkschaften verwerfen entschieden die Sabotage, die die auch den Arbeitern not- wendigen ProduktionSmilicl beschädigt. Die Behandlung von Streikbrechern aber ist keine Sache, die man programmatisch zu regeln hat. Der Vortragende, der auch das enge Zusammen- wirken von Partei und Gewerkschaft in Deutschland, die lieber- Windung der früheren Spannungen und die Notwendigkeit und den Wert der Teilnahme an der Gesetzgebung beleuchtet hatte, wandte sich zum Schluß den internationalen Beziehungen der Gewerkschaften zu. Jedes Land hat seine aus den besonderen geschichtlichen Be- dingungen und der gegenwärtigen wirtschaftlichen Organisation er- wachsende gewerkschaftliche Taktik. Diese aber kann für die inter- nationale Verbrüderung kein Hindernis sein. Diese Beziehungen zwischen den französischen und deutschen Gewerkschaften haben sich in den letzten Jahren erfreulich gebessert und sie werden in der Zukunft noch enger und freundschaftlicher werden. Eine besondere Ber- Mittlerrolle haben hier die deutschen Arbeiter in Frankreich, die, wie es ihre Pflicht ist, den französischen Organisationen angehören und dort Gelegenheir haben, manche Mißverständnisse aufzuklären. Dem mit stürmischem Beifall aufgenommenen Vortrage folgte eine interessante Debatte, die Sassenbach Gelegenheit gab, seine Aus- führungen in einigen Punkten zu ergänzen. Ein Streik in China. Hankau hat soeben einen Verkehrssireik durchgemacht. Es gab dort früher 899 Rilschaführer, jetzt sind eö deren 2999. Diese 2999 Leute verlangten eine Herabminderung des Mietspreises, den sie für ihr Gefährt zahlen. Sie zahlten bisher 899.Kupfercents pro Tag und baten, jetzt nur 799 zahlen zu brauchen. Eine Abordnung von 199 Vehikelsührern wurde von«Zen Vermietern empfangen. Diese lehnten die Bitte ab, und daraufhin wurde der Streik erklärt, gleichzeitig begann eine Jagd auf die Behikelführcr, die weiter- arbeitete». Die Regierung intervenierte, und die Streikführer wurden unter der Beschuldigung verhaftet,„die Arbeitsfreiheit angetastet" zu haben. Der Streik war damit beendet, aber er ist interessant als Ausdruck der erwachenden chinesischen Arbeitersolidarität. Soziales. Tie Angst vor dem Geburtenrückgang Ein neues Gespenst hat sich der nationalen Politiker der modernen Staaten bemächtigt: die Angst vor einer als Folge des allgemeinen Geburtenrückgangs drohenden Stagnierung der Bevöl- kcrung und militärischen Schwächung der Nation. Wir haben bereits an dieser Stelle auseinandergesetzt, daß und warum der auch in Deutschland zu beobachtende Rückgang der relativen Gc- burtcnhäufigkcit kein Symptom des Verfalls sondern vielmehr ein solches einer höheren Kultur ist, sofern nur durch hygienische und andere Maßnahmen für einen gleichzeitigen Rückgang der Sterblichkeit gesorgt wird und freuen uns, aus dem Munde der offiziellen Statistik- diese optimistische Auffassung bestätigt zu hören. Der Herausgeber der Zeitschrift des Kgl. Sächsischen Sta- khTGlocke.Berl'n. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdr.u Verlagsanstalt t tistischen Landesamts, Geh. Regicrungsrat Dr. Eugen Würzburger, beschäftigt sich in der letzten Nummer dieser Zeitschrist mit dieser so aktuellen' Frage und zeigt, daß zu Besorgnissen nicht der ge- ringste Anlaß vorhanden ist. Dr. Würzburger geht bei seinen Untersuchungen von den Ver- hältniffcn des Königreichs Sachsen aus, in dem der Geburtenrück- gang mit am stärksten ist. Obwohl dieser Rückgang allein durch den der Säuglingssterblichkeit zu ss, ausgeglichen wurde, santz dcc Geburtenüberschuß von 325 951 im Jahrfürst 1895/1999 auf 317 338 im Jahrfünft 1999/1995 und 396 716 im Jahrfünft 1995/19. Sind diese Zahlen bedenklich? Keineswegs! Äengslliche Seelen haben darauf hingewiesen, daß dieser Rückgang ja noch größer wird, wenn man ihn an dem jeweiligen Stand der Bevölkerung mißt. Dr. W. betont demgegenüber, daß die Bevölkerungsvermehrung ja nicht nur au der Einwohnerzahl sondern auch an der Fläche gc-- messen werden muß, die unverändert dieselbe bleibt und ein un- begrenztes Wachstum der Bevölkerung weder als möglich noch ais erstrebenswert erscheinen läßt. Auch wenn sich die jetzige Abnahme des Geburtenüberschusses unverändert fortsetzen sollte, würde erst in 159 Jahren, wenn die Bevölkerung Sachsens die Zahl von 7 Millionen erreicht haben wird, ein Stillstand zu erwarten sein. Dr. W. wendet sich sodann gegen die vielfach geäußerte Be- fürchtuug, oaß die Abnahme des Geburtenüberschusses bald ein noch schnelleres Tempo einschlagen müsse, da zwar einerseits die Geburtenrate ständig herabgehen könne, andererseits aber dem Rückgang der Sterblichkeit bald ein natürliches Maß gesetzt sei. Ausgehend von der Tatsache, daß verminderte Geburtenhäufigkeit und Rückgang, insbesondere der Säuglingssterblichkeit, geradezu in einem ursächlichen Verhältnis stehen, vertritt er die Auffassung, daß ivir für die Verminderung der Sterblichkeit resp. die Ver- längerung der Lebensdauer noch ein weites Feld vor uns haben. Wenn in Sachsen die Zahl der im Säuglingsalter Gestorbenen von 185 962 im Jahrfünft 1999/95 auf 136 892 in 1995/19 zurückgegangen ist, so ist dies zum großen Teil eine direkte Folge der ver- minderten Geburtenhäufigkeit, die eine verbesserte Pflege der Neu» geborenen ermöglicht. Aber nuch über bas SäuglingAnlter ylnaus bleibt uns für die Erbaltung des Lebens noch unendlich viel zu tun.„Noch sterben in Sachsen über'29 Proz. der männlichen Per- sonen, die das 5. Jahr vollendet und somit die Gefahren des Säug- lingsaltcrs überstanden haben, vor dem 49., weitere 24 Proz. vordem 69. und nochmals 24 Proz. von dem 79. Lebensjahre. Darf angesichts solcher Zahlen nicht mit Recht von„unbegrenzten Mög- lichkciten" gesprochen werden'?" ruft Dr. W. aus und verlangt damit einen loeitcren Ausbau der Matznahmen auf dem Gebiete der allgemeinen Hygiene, des Wohnungswesens, der Kinderfürsorge. des Arbeiterschutzes usw. Vor allem durch die Beschaffung guter und billiger Lebensmittel— fügen wir hinzu. Also nicht die Sorge um die Nngeborenen, sondern erhöhte Fürsorge für die Lebenden, Erleichterung aller Organisationsmög- lichkeiten, durch die sie für sich selbst sorgen können, damit sie nicht vorzeitig ins Gras beißen müssen,— das wäre die Politik, die eine vernünftige Regierung auch nach den Ausführungen ocs sächsischen Regierungsrates betreiben müßte, um das Gespenst der Entvölkerung eines Landes zu bekämpfen. Freilich mußte sie sich dazu eine gewisse Rücksichtslosigkeit gegen die Jntcresicn des Großkapitals und des GroWrundbesitzes angewöhnen, eine Rücksichtslosigkeit, die das gerade Gegenteil der jetzigen zarten Beachtung aller Wünsche jener kleinen aber mächtigen Gruppe im Staate wäre._ Unzulässige Aufrechnung. Vor der 5. Kammer des Gewerbegerichts klagte gestern der Nieter R. gegen die Firma Büchner auf Zahlung eines NcstlohncS für 49 Arbeitsstunden im Betrage von 28 M. Kläger war mit der Beklagten Ivegc» angeblich fehlerhaster Arbeiten in Differenzen geraten, verpflichtete sich aber, die Arbeiten auf seine Kosten in brauchbaren Zustand zu setzen. Inzwischen wurde das Arbeits- Verhältnis gelöst und die Firma zog dem Kläger 28 M., die er für andere Arbeiten zu fordern hatte, als Schadenersatz ab. Das Gewcrbcgcricht belehrte den Beklagten, daß nach 8 294 des Bürgerlichen Gesetzbuches eine Aufrechnung gegen den un- pfändbaren Lohn unzulässig ist und verurteilte ihn antragsgemäß. Letzte Nachrichten. Tic Friedensverhandlungen in Ouchy. Paris, 27. September.(P. C.) lieber die FricdcnSverhand» lungen in Ouchy läßt sich die„Temps" heute melden: Die VerHand. lungcn geben außerordentlich schnell vorwärts, und sowohl in italienischen lvie in türkischen Kreisen tadelt man die Haltung der Presse, der die Verhandlungen nicht schnell genug gehe». Man verweist darauf, daß eine schwierige Frage in sechs Woche» nicht gelöst werden könne, man habe für weniger wichtige Fälle weit längere Zeit gebraucht. Der türkische Delegierte Naby Bei gab seiner optimistischen Auf- fassuug für den Ausgang der Verhandlungen Ausdruck und auch der italienische Delegierte Bertolini erklärte, daß er die Ungeduld oer italicuischeu Presse nicht verstehen könne. Er habe den Ei»- druck, daß mau dem Ziele nahe sei. Jedenfalls sei ein Akkord noch nicht geschlossen worden, wie gestern aufgetauchte Gerüchte bereits wissen wollten. Es seien noch verschiedene schwic- �ige Hindernisse zu überwinden, die Geduld beanspruchen. Tic bulgarisch-türkischc Spannung. Sofia, 27. September.(P. C.) Die Mobilmachung der Reserven in der europäischen Türkei sowie die Zusammcnziehung von Truppen an der bulgarischen Südgrenze unter dem Vorwandc von Manövern hat in Bulgarien große Beunruhigung hervor- gerufen. Tic Regierung ließ die Mächte, an erster Stelle diejenigen der Triplc-Entcnte, ersuche», die Eiiistelluiig der Mobilmachung in der Türkei zu veranlasse», widrigenfalls Bulgarien seinerseits clicnfalls mobilisieren müßte. Das offiziöse Blatt„Mir" erklärt, die Regierung werde wohl angesichts der türkischen Mobilisation wissen, wie sie ihre Pflicht ohne Schwanken und ohne jedwede Zögerung erfüllen solle. Das Vaterland müsse auf jede Eventualität vorbereitet sein. Die Umstände, unter � denen die Türkei ihre europäischen Divisionen mobilisiert, seien eine f ö r m- lichc Provokation, denn bisher sei von einer Absicht der türki- schen Regierung, Manöver zu veranstalten, keine Rede gewesen. Ein Ultimatum Amerikas. Washington, 27. Septeml>er..(P. C.) Die Regierung der Vereinigten Staaten hat dem Präsidenten der Republik Mexiko eine g c h ar n i s ch t e Note zugchen lassen, die einem Ultimatum gleicht. Die Vereinigten Staaten verlangen die Wie der Her- st e l l u ng der Ordnung innerhalb einer bestimmten Zeit und drohen mit der bewaffneten Intervention, falls es Madoro in dieser Zeit nicht gelungen sein sollte, die Ordnung wiederherzustellen. Schreckliches Autömobilunglück. Salzburg, 27. September.(P. C.) Heute ereignete sich hier ein schwerer Automobilunfall. Ein L n st a u t o m o b i l der Brauerei Kaltenhöfen, das mit vollen Bierfässern beladen war, stürzte nach- mittags an einer abschüssigen Stelle um. Zwei vorüber- gehende Mädchen wurden unter dem umstürzenden Wagen begraben. Eines der Mädchen konnte nur noch völlig platt gedrückt als formlose Masse unter den Fässern hervorgeholt werden, das zweite wurde schwerverletzt ins Kranken- haus gebracht, wo es in hoffnungslosem Zustande daniederliegt. Hochwasser in Bulgarien. Sofia, 27. September.(Meldung des Wiener k. k. Tel. Eon'.- Bureaus.) Infolge der seit acht Tagen andauernden Regengüsse siuo die Flüsse stark angeschwollen. Aus verschiedenen Landcstcilen Ivcrden Hochwasser und auch Ueberschwem� m u ng e n gemeldet._ laul Singers Co/�B erlin SW. Hierzu 4 Beilagen«. UnterhaltungsbU Nr. 227. 29. Jahrgang. t Stilajc Ics ,|otroärl9" finliiitt Bolfelilott. Smmkud, 28. Stpfmlrt 1912. IProzeKe gegen den„Vorwärts". 1. Der Reichsverbaildsvorsibende, Generalleutnantm n i busgese ll-s chaft eine Be- richtigung, die überschrieben fvar mit„Berichtigung" und unter- schrieben war von den Herren Kaufmann und von Eicken. Der „Vorwärts" brachte die Einsendung der Gesellschaft nicht am näch- stcn Tage, sondern erst am 7. März, da er sich inzwischen mit der Ortsverwaltcmg des Metallarbeiterverbandes in Verbindung gesetzt hatte, um den wahren Tatbestand in der im Artikel und in der „Berichtigung" behandelten Angelegenheit festzustellen-. Der Ein- sendung der Allgemeinen Omnibusgesellschaft lietz der„Vorwärts die Auskunft folgen, die ihm vom Metallarbeiterverband geworden War. Die Einsendung der Gesellschaft selber lietz der„Vorwärts" mit den Worten beginnen:„Die Direktion der Allgemeinen Omnibusgesellschaft sendet uns folgende Zuschrift, die sie„Berich- tigung" nennt. Die beiden Namen, am Schlüsse waren fort- gelassen!. Genosse Wachs als verantwortlicher Redakteur wurde nun Wegen Ucbcrtretung des§ 11 des Pretzgesctzes zu einer Geldstrafe verurteilt und das Landgericht verwarf seine Berufung, indem es zugleich die nochmalige Aufnahme der dem„V." übersandten Be- richtigung anordnete, d. h. in dem Wortlaut, wie sie zugesandt wurde, also einleitend einfach als Berichtigung und am Schlüsse mit den Unterschriften der beiden Vorstandsmitglieder der Gesellschaft. Begründend wurde u. a. ausgeführt: Der Angeklagte habe generell eingewandt, die Zusendung der Gesellschaft habe als Be- richtigung im Sinne des§ 11 des Prctzgesetzes überhaupt nicht auf- genommen werden brauchen, weil sie sich nicht auf tatsächliche An- gaben zur Berichtigung der in dem Artikel des„Vorwärts" mitge- teilten Tatsachen beschränkt habe. So habe die Gesellschaft, meine Angeklagter, den Rahmen der Berichtigung im Sinne des Gesetzes überschritten, indem sie der Mitteilung, daß im Gegensatz zn den Angaben des fraglichen Artikels nicht von allen Drehern usw. statt der bisherigen Akkordarbeit Lohnarbeit verlangt worden sei, sondern r-uv von einem, nach dem ncueingerichteten Hofe Jasmundcr Straße versetzten Dreher, hinzugefügt habe:„weil dort zunächst Akkord- arbeiten nicht vorhanden und nur eine Drehbank zu besetzen war." Ferner meine Angeklagter, folgende Sätze gingen über den Rahmen einer tatsächlichen Berichtigung im Siune des 8 11 hinaus:„Die kleines feuiUeton. Der Aberglaube in der englischen Gesellschaft. In England sind scharfe polizeiliche Mahregeln gegen die Wahrsager getroffen worden. ES ist ihnen das Annoncieren in Zeitungen, an Äiischlagsäulen und allen öffentlick-en Plätzen verboten worden, und man beabsichtigt gegen den Unfug der Wahrsagerei in England scharf vorzugehe». Ei» vernünstiger Mensch wird sich kaum eine Porstellung davon machen können, datz es nötig ist, sich diesen Leuten gegenüber auf etwas anderes als den gesunden Menschenverstand der Bevölkerung zu verlassen. Aber die Ausdehnung, welche die Magie gerade in der modernen englischen Gesellschaft gewonnen hat, ist enorm. Die schwarze Kunst wird in weitestem Motze bei allen geschäftlichen und privaten Angelegenheiten in Anspruch genommen. Leute, die alle anderen Formen des Glauben« überwunden haben und das Etnistentuin als Aberglauben von sich weisen, behalten sie als letzten Trost. Es ist kein Mangel an Schwarzkünstlern in London. In Scharen bevölkern sie die Hintergebäude von Bondstreet und Mayfair. In einer spiritistiichen Zeitung kann man an einem Tage allein nicht weniger als 300 Anzeigen professionsmätziger Zukunfisdeuler lesen. Und dabei annoncieren noch sehr viele gar nicht, sondern versenden eigene Zirkulare, und die meisten vermehren ihre Kundschaft nur durch Weitcrempfchlung. Einig« dieser Leute haben grotze Vermögen verdient, indem sie anderen Vermögen vorausgesagt haben. Ihre Sprechzimmer sind voller als die der Modeärzle. Natürlich gehören auch viele Frauen zur Zunft. Eine dieser Wahrsagerinnen ist eine Dame von eleganter Erscheinung und reizenden Manieren. Ihr werden die vertrautesten Dinge mitgeteilt, selbst intimste Familie»- geheimnisie. All diese professionsmätzigen Wahrsager, teils Selbstbetruger, teils Halbbetrüger, teils wirkliche Betrüger, erzählen aus Karten und Kristallen, auö dem Handteller oder der Handschrift, durch sptritistische Tricks od?" durch die verschiedenen Formen mittelalterlicher Magie solchen Leuten die Zukunft, die in kindischem Aberglauben befangen sind. Ihnen etivas vorzureden, ist leicht. Und leicht machen es sich die Herrichaften auch niit ihrer Kundschaft. Sehr bequem folgen sie den Svuren ihrer großen Vorgängerin, der Pylhia von Delphi, deren Aussprüche so vieldeutig waren, datz sie. was auch immer ein- trat, recht behielt. Großen Schaden aber richten die an. die ge- wissenlos genug find, den Fragenden bestimmte Versprechungen zu machen und Antworten zu geben, die oft das Glück ganzer Familien zu zerstören geeignet sind. Mit Recht wird darauf hingeloiesen, daß das lleberhaudnehmen des Wahnsinns ein betrübendes Zeichen von Dekadenz ist und an die ganz ähnlichen englischen Zustände im Zeitalter Jakobs I. er- innert. Einen schwachen Trost für die Engländer bedeutet es, wenn man ihnen zugestehen mutz, datz es in anderen Grotzstädten kaum Direktion hat mit keinem Wort durchblicken lassetz. datz man eben- tuell den Vater eines Drehers» welcher schon über 20 Jahre bei der Gesellschaft ist und im Alter von 70 Jahren steht, nicht mehr ge- brauchen könne. Mit keinem Worte ist von dem Vater des Drehers, wie dieser in einem an die Omnibusgesellschaft gerichteten Schreiben selbst bezeugt, die Rede gewesen." Nach Meinung des Angeklagten sollten hierin die Worte:„wie dieser in einem an die Omnibus- gesellschaft gerichteten Schreiben selbst bezeugt," über den Rahmen einer tatsächlichen Berichtigung hinausgehen. Das Gericht könne der Auffassung des Angeklagten nicht beitreten. Was den ersten ge- rügten Passus angehe, so sei in dem Artikel des„V." ganz allge- mein die Behauptung aufgestellt worden, daß die Gesellschaft von ihren Maschinenarbeitern verlangt habe, sie sollten nicht mehr, wie bisher im Akkord, sondern im Lohn arbeiten. Hätte die Gesell- schast in ihrer Berichtigung sich aus die nackte Feststellung beschränkt, daß sie das Verlangen nur an einen Dreher gerichtet habe, so würde sie damit die Stichhaltigkeit des in dem ersten„Vorwärts"- Artikel gemachten Vorwurfs in Ivzug auf diesen einen Fall still- schweigend zugegeben haben. Um dies zu vermeiden und sich nicht in ein schiefes Licht zu setzen, durfte sie daher die in dem Nebensatz („weil usw.") enthaltenen Rcdnscrtigungstatsachen einschalten«. Und in dem zweiten Punkte sei die Gesellschaft ganz zweifellos über eine tatsächliche Berichtigung nicht hinausgegangen, wenn sie in einem Nebensatz feststellte, daß der Vater des fraglichen Drehers in einem Schreiben bezeugt habe, daß von ihm mit keinem Wort die Rede ge- wcsen sei. Somit müsse als erwiesen erachtet werden, datz die Eni- gcgnung der Gesellschaft sich auf tatsächliche Angaben zur Berichti- gung der in dem Artikel des„V." mitgeteilten Tatsachen beschränkte. Deshalb hätte die Berichtigung in der nächsten Nummer(8 11 des Gesetzes), also in der Nummer vom S. März aufgenommen werden müssen.(Die Einsendung wurde am 7. März veröffentlicht.) Wegen Nichtaufnahme der Berichtigung in der nächsten, noch nicht für den Druck abgeschlossenen Nu-mmer sei die Strafe verwirkt. Zu- gleich müsse aber das Strafurteil nach§ 10 Abs. 2 des Preßgesetzes die Ausnahme der eingesandten Berichtigung in die nächstfolgende Nummer aussprechen. Denn der Abdruck des Eingesandts in der Nummer vom 7. März sei kein Abdruck einer Berichtigung im Sinne des Gesetzes. Er enthalte einmal eine Einschaltung, indem zu An- fang die„Berichtigung" durch Hinzufügung der Worte„die sie(die Gesellschaft)... Berichtigung nenn e," glossiert werde, zum andern sei der Abdruck unvollständig insofern, als am Schluß die einen Bestandteil der Berichtigung bildenden Unterschriften der beiden Vorstandsmitglieder der Gesellschaft fortgelassen seien«. Zu einer solchen Einschaltung und Weglassuug sei der Redakteur nicht befugt. Er habe die Berichtigung zu bringen, wie sie ihm zugesandt werde, falls er nicht zu ihrer Ablehnung im ganzen berechtigt sei, und dürfe auch keine unwesentlichen Einzelheiten fortlassen oder hinzufügen. Gegen das Urteil legte Genosse Wachs Revision ein, welche in der Verhandlung vor dem zweiten Strafsenat des Kammergcrichts gestern durch R.-SL Dr. Kurt Rosenfeld vertreten wurde. Der An- Walt rechtfertigte in eingehenden juristischen Ausführungen nament- lich die Auffassung des Angeklagten� daß die Einsendung der Omni- busgescllschaft über den Rahinen einer tatsächlichen Berichtigung hinausgehe. Das Kammergericht verwarf jedoch die Revision mit folgender Begründung: Allerdings sei es anerkannten Rechts, daß auf Grund des 8 11 des PrcßgesetzeS keine Berichtigung aufgenommen werden brauche, die sich lediglich in Schlußfolgerungen, Erwägungen oder Auseinandersetzungen ergehe. Hier sei nur lediglich die Frage zu prüfen gewesen, ob es sich bei den in der Berichtigung vorkommen- de» Tatsachen um wirkliche tatsächliche Erwiderungen gegen das Vor- gebrachte handele. Der Senat nahm an, datz es sich hier in der Tat nur um eine tatsächliche Berichtigung gehandelt habe. In dem Ar- tikel im„Vorwärts" sei behauptet worden, es sei seitens der Omnibusgesellschaft überall, wo die fraglichen Arbeiter Akkordarbeit hatten, Lohnarbeit gesetzt worden. Die Gesellschaft habe diese Be- hauptung nicht anders berichtigen können, als so, datz sie den ihrer Auffassung nach wahren Sachverhalt erzählte. Und der sei der ge- Wesen, datz nicht überall da, wo Akkordarbeit war, Lohnarbeit treten sollte, sondern datz nur ein einzelner Mann Lohnarbeit statt der -bisherigen Akkordarbeit machen sollte, und zwar deshalb, weil er an eine Stelle kam, wo keine Gelegenheit zur Akkordarbeit gewesen sei. Das sei der Sachverhalt, wie er sich nach Ansicht der Gesellschaft darstellte und den sie den im Artikel behaupteten anderen Tat- fachen gegenüberstellte. Ob die Behauptunigen nun nebeneinander- gestellt würden in Form von Hauptsätzen, oder ob ein Satz vom anderen abhängig gemacht werde als Nebensatz, sei gleichgültig. Die Aufnahnre der Berichtigung habe hieraus nicht versagt werden kön- ncn. Mas die zweite Rüge hinsichtlich des Inhalts der Berichtigung betreffe, so gehe das Landgericht davon aus, datz der„Vorwärts"- Artikel habe behaupten wollen, man- sei an den Vater eines Mannes mit der Drohung herangetreten, er würde Nachteile haben, wenn der viel anders ist. Ist es doch noch gar nicht so lange her, daß in Berlin das Unwesen des Genindbetens in den höchsten Gesellschafts kreisen Mode war; und die Nachrichten, die ab und zu von dem Einfluß„vorgezogener Geister" an gewissen europäischen Höfen durch- sickern, reden auch eine beredte Sprache. Ueberhaupt ist zu allen Zeiten die sogenannte Gesellschaft und der Hos am empfänglichsten für die Swedenborg, Caglioftro e tutti quirnti gewesen. Die größte Bibliothek. Die Bibliothek des Brilischen Museums ist mit ihrem Bestände von 8>/z bis 4 Millionen Büchern die größte der Welt. Dann kommt die Bibliotheque Nationale in Paris mit gi/z Millionen, dann die kaiserliche Bibliothek in Petersburg mit 1 88 l 628, dann die königliche Bibliothek in Berlin mit 1 400 000, die königliche Bibliothek in München mit 1110 000, dann die kaiser- liche Wiener Bibliothek mit etwa einer Million Bücher. Hierauf folgen der Reihe nach die Viktor Emanuel-Bibliothek in Rom, die Bodleiana in Oxford, die von Brüssel, von Edinburg und die vatikanische in Rom. die die stattliche Zahl von 400 000 Bänden auf- weist. Die Bibliothek de« Britischen MuseumS wächst alle 20 Jahre um etwa eine volle Million Bilcher; jedes Jahr empfängt sie etwa 100 000 bis 120 000 Neuerscheinungen. Die sämtlichen Bücherregale des Brilischen Museums würden nebeneinandergelegt eine Strecke von etwa 75 Kilometer bedecken. Der Durchichnittsbetrag der Leser, die sich im Lesesaal einfanden, war im vorigen Jahre 744 für den Tag. So prunken die verschiedenen Länder mit ihren großen Biblio« theken. Ihr Nutzen für die Wissenschaft ist ja unbestreitbar, aber das Volk selbst hat so gut wie nichts davon. ES kann nicht zu den Schätzen der Kultur. Musik. Das Neue Schauspielhaus ist im Kampfe zwischen dem Pleitegeier und der Effeklhhäne zum„Theater am Rollen- d o r s p l a tz" geworden. Die neue Direttion Gustav Charlö (als Erkorener des Münchener„Drei-Masken-VerlagS") staltete das Haus niit einem Kunterbunt von Verzierungen aus und eröffnete es am Donnerstag mit dem„Gastspiel des Münchener Künstler- Theaters". Gegeben wurde O f f e n b a ch s Orpheus in der Unterwelt". Wir hatten das Stück in den letzten Jahren mehrmals gehabt, mit Inszenierungen, die vielleicht nicht glanzreich waren, aber sich doch bemühten, das textlich und musikalisch Bedeutungsvolle deS Werkes herauszuarbeiten. Nun gerate» wir immer mehr in das Bestreben hinein, ein Stück hauptsächlich nur zur Entfallulig von Sehensivürdigkeiten zu bcnützen. Die Reinhardlschen Inszenierungen bemühen sich nicht nur danach, sondern auch nach einem einheitlichen, konsequenlen Ausgestalten deS Werkes selbst. Mag nun auch die jetzige Aufführung von solchen Münchener Anläufen abstammen: wie sie derzeit ist, zerdehnt sie das Ganze in eine breite Masse von Spatzen, Aufzügen, Tänzcleien u. dgl. Eine Art Metropoltheater W.l Sohn nicht die Arbeit auf dem neuen Bahnhof übernehme. Auch das, was die Gesellschaft deingegenüber sage, habe das Landgericht richtig als Tatsachenberichtigung erachtet. Es stehe darin nur. daß die Behauptung unrichtig sei und daß der Vater selbst, der es am besten wissen mußte, der Gesellschaft erklärt habe, daß mit einer solchen Drohung nicht an ihn herangetreten worden sei. Auch hierin sehe das Gericht nicht anderes, als eine Tatsache, die der im Artikel behaupteten- gegenüberstehe. Auch sonst lasse das Urteil keinen Rechtstrrium erkennen. Zu der Frage, weshalb die Aufnahme der Unterschrift unter der„Bertchtigung" zur Aufnahme der Berichtigung gehören solle. sprach sich das Gericht nicht aus. Ein Grund hierfür ist auch nicht erfiudlich. Das Gesetz orduet die Aufnahme einer Berichtigung, nicht die der Unterschrift an. Indes, das Kammergericht hat ohne Gründe anders entschieden— richtig wird dadurch seine Eick- schcidung nicht._ Huö der Frauenbewegung. Francnrechte bei den Fortschrittlern. Auf dem in den ersten Tagen des Oktober in Mannheim statt- findenden Parteitag der fortschrittlichen BolkSpartei steht der An» trag zur Debatte, die Frauen als vollwertige Mitglieder in die Partei aufzunehmen, das Frauenstimmrecht auf die wacklige Fort- schrittsflagge zu setzen. ES hat ja ziemlich lange gewährt, bis eS dazu gekomnien. Die schneidigsten Führerinnen der Linken der bürgerlichen Frauenbewegung in Deutschland haben deshalb längst dem freisinnigen Mischmasch den Rücken gekehrt. Anita Augspurg, Lida Hcymann haben bei den Frei- sinnigen ihr Vertrauen auf politische Männer verloren und sich die Anschauungen der Suffragettes zugelegt und auch in deutsche Frallenkreise getragen. Sie versuchen dabei das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht hochzuhalten, müssen aber immer und immer wieder, so jetzt auf der Bayerischen SlimmrechlStagung, die Erfahrung machen, daß ihnen da nur eine verhältnismäßig sehr kleine Gruppe Heeresfolge leistet. Der Kampf um den 8 3 des Frauenstimmrechtsstatuts, der jetzt noch das allgemeine Wahlrecht als Forderung enthält, hat es ihnen wieder deutlich bewiesen. Die anderen Linksführerinnen: Minna Cauer, Regine Deutsch, Toni Breilscheid haben bei den Demokraten Fuß gefaßt, die bekanntlich für das Frauenstimmrecht eintreten. So wuchs unter der Führung Maria LischnewSkaS, Gertrud BäumerS, Helene Langes(die auf alle politischen Frauensonder- organisationen pfeift!) ein sanft denkendes Geschlecht heran, daS nun schon zwei Jahre, treulich wie Jakob, unter dem Programm- punkt der Fortschrittlichen:„Erweiterung der Frauenrechte", der an Kautschukeigenschaften nichts zu wünschen übrig läßt, gedient hat, und da§ nun den Triumph erwartet, Anfang Oktober des JahreS 1912 nach Christi Geburt am Ziel seiner Wünsche zu stehen. Da kommt nun das Organ des Freisinns, die„Freisinnige Zeitung", und träufelt in einem ausführlichen Leitartikel eine ge- waltige Portion kaltes Wasser in den Glühwein der fortschrittlichen Frauen. Nein, daS hat die„Freisinnige Zeitung" nicht erwartet, daß nun schon nach zwei Jahren eine Uingestaltung deS notdürftig zusammengestellten Programms verlangt werden könnte, daß nun schon die vage Programmforderuiig„Erweilermig der Fraueurechte" nicht mehr ausreichend sein sollte. Ach, ruft die„Freisinnige", wir setzten uns doch aus drei ver- schiedenen Vereinigungen zusammen,, wir haben alles. waS uns trennen könnte, vermieden, wie die Trennung von Schule und Kirche und nicht anders liegt es doch mit der Frauensrage. Viele von uns sind noch langenicht der Meinung, daß die Frauen gleiche Rechte haben sollten wie die Männer. Vielleicht die Hälfte oder ein Drittel von uns, klagt sie, ist noch strikte gegen das Frauenwahlrecht. Diese Hälfte also gerät im Fall der Annahme des gestellten Antrags auf Gleichberechtigung der Frauen, in schwerste Kollision mit Programm und eigenem Denken. Wir können es ja allerdings noch nicht wissen, wie die Abstimmung, wie die Debatte ausfallen wird, aber wie es auch kommen möge: Un- Zufriedenheit wird die Folge sein! Entweder die Frauen, wenn sie abgewiesen, oder die Männer, die noch anders denken, werden grollen. Wir warnen, warnen I So krächzt die„Freisinnige Zeitung", der die viel zu langsame EntWickelung noch viel zu schnell geht. Und die freisinnigen Frauen? Die harren und harren. Wahrhaftig, sie könnten einem leid tun! Das Musikalische kommt kaum mehr zur Geltung. Die Orchester- direttion von L. Fall in Ehren, ober sie half nicht übefts Orchester hinaus. Läßt sich immerhin sagen, daß neuerdings der Operetten- gesang wenigstens nicht schlechter geworden, so läßt sich diesmal kaum die eine oder andere Gesaitgsleistung hervorheben; und auch den Dialog beherrscht gerade noch einer oder der andere. Man macht nicht gerne den Uiiziifriedenen. Doch auch die Operette verlangt eine sachliche Behandlung; und ihr die zu wahren, ist doch noch verdienstlicher als Kostümspätze. uz. Notizen. — Vorträge. DaS Kunstgewerbe-Museum veranstaltet im 1. Winlerquartal Prinz-Albrecht-Str. 7a, Hof, folgende Vortragsreihen zu je acht Borträgen: Dr. Rudolf B c r n o u l l i:„Heizanlagen und ibre künstlerische Gestaltung", Dr. Oskar Fifchel„Das Wandbild" (Beispiele und Aufgaben der Monunieiitalmalerei), Dr. Robert Schmidt,„Geschichte des Möbels vom Mittelalter bis zur Neuzeit". Die Vorträge sind unentgeltlich. — Kunstchronit. Eine Ausstellung airer o st a's i a t i s ch e r Kunst wird am Sonnabend in der Akademie der Künste eröffnet.— Die AuSstelllmg der belgischen K ü n st l e r(Berlin W., Königin« Augusta-Str. 51) wird Sonntag geschlossen. — Eine Bolksoper in PariS. In Paris hat sich nach der„Schaubühne" eine Gruppe von Finanzlenten uiid Kiinstfreliuden zusainmengeschlossen, um eine Volksoper zu gründen, für die die Stadt Paris eine jährliche Subvention von 150 000 Frank fünfzig Jahre lang zahlen ivill. Der Bühnenraum. in dem die Vorstellliiigen siatlfinden sollen, wird 4000 Besucher fassen. Der PreiZ der Plätze 'oll zwischen 50 Centimes und 3 Frank betragen. — Die Entdeckung einer unterirdischen Stadt. In den Bädern des C a r r a c a l l a(in Rom) vorgenommene AuS- grabungen haben zu interessanten Entdeckungen gesührt. Es wurden unterirdische Korridore, gnlgepflasterte Straße». Tempel für die Gölter des Orients, u. a. einer zu Ehren des MithraS, der der größte aller bisher entdeckten derartigen Tempel ist, und zahlreiche Statuen, darunter die einer Venus, die aus dem Bade steigt, und eines prächtigen Gladiators, ausgesundeil. Die Bibliolhel ist gleich- üllS entdeckt worden. — Ein neues S y st e m drahtloser Telegraphie. Nach einer Pariser Meldmig hat der Physiker Büthenod eine Er» indung geniacht. die die drahtlose Telegraphie ohne Funken ermöglicht. Die Vorteile dieses Systems sollen darin bestehen, daß die verschiedenen Stationen einander nicht mehr behindern und eine beträchtliche Vermehrung der Geschwindigkeit erzielt wird, sodaß an 200 Worte in die Minute abgegeben werden tonnen. Außerdem könnte durch die neue Erfindung die drahtlose Telephonic ver- wirklicht iverden, da man mit dem System BölhenodS in der Lage ei, die hierfür erforderlichen 20000 Schwingungen in der Sekunde zu erzeugen. Kreireliftiös» Gemeinde. Sonntag, den 29. September, vormittags lO1/, Ubi. in Mar 5tIVtns �estsälcn, Hasenheide 13/15: Feier der Jugendweihe. Ten Festvortra»,' hält Herr Dr. Bruno Wille über:»Unser höchster jöcnif*.— Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. RIlgemruir Krauten- und Sterbekaste der Metallarbeiter z« Hamburg.7703! Franks.a.M 7K9!NO München 76«MO Wien j 7ö7jStill Setter 2toolkig 1 3!ebel I bedeckt Ijheiter 1 Regen gedeckt WS! e* #" S? Irito Stationen Haparanda Petersburg scilly Aberdeen Paris 773 �§ -- 3 S S Still 76631920 758,0 SD 768S3D 768 0920 Vetter bedeckt 2 bedeckt bedeckt heiter wolkenl BM «etterprogttose für Sonnabend, den 28. September ISIS. Kühl und vielfach nebelig, sonst ziemlich heiter, bei mäßige» Nordost« lichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Marktbericht von Berlin am LK. Scptbr. 1912, nach Ermittelung des königl. Polizeipräsidiums. Martthallenpreise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00— 50,00. Speisebohnen, weiße, 30,00—60,00. Linsen 35,00—60,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 5,00—8,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,80-2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,60— 1,90. Schweinefleisch 1,60—2,40. Kalbfleisch 1,50—2,40. Hammelfleisch 1,70—2,40. Butter 2,20-3,00. 60 Stück Eier 4,00-6,00. 1 Kilogramm Karpsen 1,40—2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,60-3,60. Hechte 1,60—2,80. Barsche 1,00-2,40. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse j. /UU~~oU#Uu. 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Kabale und Liebe. Deutsches Schnusptelh. Egmont. Ansang 4 Uhr. Urania. Am Golf von Neapel. Luisen. Der gestieselte Kater. Ansang 7';, Uhr. Sgl. OpernIinnS. Violetta. «gl. SchauiPielhauS. KrlewhildS Rache. Deutsches. Othello. Leliluq. Narrcntanz. Zirkus Albert Schumann. Gala- Borftellnng. Zirkus Busch. Gala-Vorstellung. Aniang 8 Ubr. Urania. Taubeustrasse 48/4S. Aufs Matterhorn. Uam merspiele. Mein Freund Teddy. Deutsches Schauspielhaus. Eg- mont. Theater am Nollendorfplals. Or- pbeu» in der Unterwelt. Montic. Operetten. GoldnerLeicht- sinn. «ursurstcn.Oper. Der Kuhreigen. KoniödienhauS. Die Zarin. Berliner. Gioge Siosinen. tioiiiggraher Strafte. Die süns Frankfurter. kleines. Der Unverschämte. Der Arzt seiner Ehre. Lottchens Ge- burtSlag. Schiller 4». De» PsarrerS Techler von Sireladors. Sek �-- Ebarlotteuburg. Der Talisman.„ Rcstdcuz. Der Herr von Nr. 19. TImiia. Autolievchen. Luisen. Daö Käthchen von Hell- bronn. 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Sonntag, abends 8 Uhr: HVaflenntelu« Tod. Montag, abends 8 Uhr: Kachrnlim. Montis Operetten-Theater (jrühev Ncucm Theater) Abends 8 Ubr: Goldener Leichtsinn. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Grotze Rosinen. Abend» b Uhr: Die 5 Frankfurter. Theater am NoUendoriplaft (Zieues Schauspielhaus). Täglich abends 8 Uhr: Gaftpicl des Münchener Künstler. Theaters: Orphcuö t» der Unterwelt. RtllKlIs-TlMttt. 8 Uhr: Der Herr von Ur. 19. Schwank in 8 Alten von Keroul und Barrö. Sonntag, S. OlL, nachm. 3 Uhr: Ein Walzer von Chopin._ Luisen-Theater. Sonnabend, nachmittags 4 Uhr; Kindervorstellung: Der gestiefelte «ater. Abends 8 Uhr zum erttcn- mal: Das Käthchen von Heil- bronn. Sonnlaa nachm. 8 Uhr: Ich lasse Dich nicht. Abends 8 Uhr: Die ""keil"— 1 OSE-THEATEi Casino-Theatac Lotdrinacr Str. 37. Täglich 8 Uhr Ein lustige» Stück a. d. Berl. Leben Der Großfürst. Vorher ein auserwählter Spezialitä« tentell, nur Künstler ersten Range». 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Das Fest der Heimkehrenden. Der jsroße Opfertanz und die Anbetune der L4 Rlcnentichlaniiren.— Ferner das grolle Qala-I Programm. Besonders hervorzuheben: Houdinl! In seiner! rätselhaften Entfesselungsacene unter Wasser. Morgen Sonntag, den 28. September 1912; L groüe Gala- Vor- 1 Stellungen: nachmittags 31/2 Uhr, abends TU Uhr. In 1 beiden Vorstellungen(nunmehr auch nachmittags); Hondini! Der KOnie der Aunbrecher. Abends T'LUhr: Die| neue grolle Pantomimen-Burleske„Unter Gorilla»"* Ab 8 Uhr Nur noch 8 Tage t Ein nie dagewesener Erlolg I Nathal nnd Palma I Mensch oder Äffet M. Vcga Trio der Gipfel der Komik. Wunderpapage) Lora und 8 weitere Novitäten. Metropol-Theater, r-lis Große Jahrcsrevue mit Gesang und Tanz in 10 Bildern von I. Freund, Musil v. Rud.«elson. Tänze arrang von Will Bishop. In Szene gesetzt vom Direktor R. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet filumenstraße 10. Heute neues Programm! Hauptschlager: Im Strom des Lebens. Lebensdrama in 2 Akten. Ab Dienstag: l>er Clown. Drama in 2 Akten. Dienstag und Sonnabend; Programmwechsel. Trianon-Theater. Heute 8 Uhr zum erstenmal: Liebesbarometer. Sonnt. 3 Uhr: Her selige Teupinal. F; assage- Frlnz ATOM Das kleinste menschliche Lebewesen. Das Wunder aller Wunder.{ Lebend! OhfleExtra-Entree! Zirkus A. Schumann j Heute Sonnabend, 28. Septbr., abends 7'/. Uhr; Grand Solrbe High• Life mit vollständig neuem Progr. Besonders hervorzuheben: Champagnerschule geritten v. Direktor Schumann. 10 Martonls. russischer Troioa-Akt Willy Manns mit s. 2000 Pfund schweren Schulpferd und die Übrigen Attraktionen. Sonntaz, den LS. Sept.: S gr. VorMtelln ngi-n a Nachm. 31/, u. abends VI, Uhr. In beiden Verstellungen Das Riesen- Weltstadt-Progr. ohne Kürzung.__ Folies Caprice. Zum ÄH. Male Die drei Schlager: Der keusche Joseph. Der Rehdock. Der Einbrecher. Voigt-Theater. Geiundbruiinen Badstraße 58. Morgen Sonntag, 29. September. nachmittag» 3 Uhr: Unser Doktor. Abends 7 Uhr: SchausP. in 4 Akten o. Paul M. Potter. Kasscncrössnung 10 Uhr. Aolks-Theater NruföU», Hermannstr. Ltt. Sonnlag, 29. September: Durch. gegangene Weiber. Gesang«- posse in 5 Bildern von Jacobson und Willen. Montag, 30. Sept.: Der Dornen- weg. Schauspiel w 3 Akten von Felix Philippl._ -Theater. Abends 8—11 Uhr Qatlipiel der«leben SpaBmaoher Schaffner Passage halten!!! „Da tut sich was." Große Metroparodle-Revue Jean Pedro, Fratzi Massievy, Laatsch Messing, Pepi Pepipi, Kehn Erzblshop, Luide Quietscher. Pfeifen überall gestattet! Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüb« Verantwonuug' (ciUKlci I i l i i l i i •i Rindleder Markttasche ca. 40 cm, mit starken A C Lederhenkeln Wurst waren Zwiebel- od. Rotwurst....mna 60 pc. Sülzwurst.................... pfuB/h bist 7 Vi Uhr abeudD, eonnahcnvs, Po» tVi bis 6 Uhr abends statt. Zeder für den Brieftastrn bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwott wirb nicht erteilt. Anfragen, denen keine Abonnemenisguittung beigefügt ist, 'Verden nicht beantwortrt. Eilige Frage» trage man in de« Sprechstunde vor. P. B. 100. 1. Nickt ju empfehlen. 2. Nein. 3. Ja. 4. Kirchhof der katholischen Kirchengemeinde.— H. 30. 1. Ja. 2. Ja. NnderS ist es, jvenn im Kaufverträge für Sie das Eigentumsrecht vorbehalten ist. 8. Klage. 4. Nur dann, wenn, wie erwähnt, Eigentumsvorbehalt vorliegt. 5. Ihr Mann ist mithaftbar, wenn er den Mietsvertrag mitunterschrieben hat. Lohnpfändung ist bezüglich des 28,85 wöchentlich übersteigenden Be- träges zulässig. 6.«IS Beweismittel ja.— L. T. 75». t. und 2. Nein. — H. Test. 30. Wenn die 1200 M. als Abfindungssumme vereinbai t find und die Bereinbarung vom Vormundfchaftsgericht genehmigt ist, nein; andernfalls kann der Bormund vagen. An die Mutter kann mit Zu- stimmung des BormundfchaftZgerichtS von der AbsindungSfuinme Pflege- gelb gezahlt werden.— W. K. 100. 1. In vier Jahren. 2. Soweit der Lohn wöchentlich mehr als 28,85 M. beträgt. 3. Fünf Jahre.— SP. 4» Ja.— A. Z. 7. Fordern Sie vom Eigentümer Zaolung, event. Klage.— M. H. 51. Fordern Sie den Eigentümer unter Festsetzung auf, event. Klage.— Schreinerst«. 4. Die Aufrechnung halten wir für zuläffig. Die Klage würde— Ihre Darstellung zugrunde gelegt— wahrscheinlich abge- wiefen werden.— 8. 13. Der antragstellende Teil muß erscheinen, ander». falls eine neue Ladung zum Sühnetermin erfolgen mutz, bevor die Klage erhoben werden kann.—«. W. 78. Ja.— F. S. 218. ES erfcheint zweckmätzig, einen Berliner.vnwalt mit der Angelegenheit zu betrauen.— A. L. 24. Nur für das letzte Quartal. Sie können fich beim Magistrat beschweren. Wegen Abzahlung setzen Sie sich mit der Steuerbehörde in Verbindung.— A. K. 08. Die Statuten find mahgebend.— Zentrum 52. 1. ES mutz die Näumungsvage erhoben werden. 2. Die Klage ist beim Amtsgericht schriftlich oder zu Protokoll deS GericktSfchreiberS aufzugeben. 3. Die Jtoftcn richten sich nach dem Objekt.— M. Z. 1. Nein. — H. P. I. 1. Ja. Richten Sie eine» Antrag an den Vorfitzeuden der Beranlagungsrommifsion. 2. Event, in 30 Jahren.— C. St. 37. Wenden Sie fich zunächst an das Standesamt mit der Anfrage, ab die AuSfertignna mit dem Register übereinstimmt, auch stellen Sie Berichtigung anHeim L-Hnt der Standesbeamte die Berichtigung ab, so rnüffen Sie bei dem Amts- gencht das Berichtigungsverfahren einleiten.— M. I. 33. Ja.— P. P. 731. Ja, bis Ende Kalenderjahr 1913.— Ulbrich. 1. Die Berew- barung ist rechtsgültig. 2. Die Kündigungserflärung mutz spätestens am 16. im Besitz de« Vermieters fem.—«. M. 445. Es kann Befreiung statt- finden.- H. M. 4045. 1. Unzulässig. 2. Jede Fafsung, die zur Um- aehung der gefetzlichen Vorschriften dient, ist unzulässig und schützt nicht Vörden im Kefetz vorgesehenen Strafen. 3. Nachdem Sie der Polizeibehörde ein Verzeichnis des Warenbestandes eingereicht haben. Wir raten, sich das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, insbesondere die SS 6 brs 10, anzusehen."' 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Durch diese Vertriebsart macht der Käufer njfht nur große Era sparnlsse, sondern kann nie bei uns fibervorteilt werden. Gemäß ihrer beim Gericht niedergelegten Statuten darf die Deutsche Be- Ueidongsgesellschaft m. b. H. nicht mehr als 10 Prozent auf den Selbstkostenpreis aufschlagen. Wir verkaufen z. B. aus deutschen nnd englischen Stoffen gefertigte Herren-Ulster„u Paletots S«lbsikostenpreis 18 25 30 36— 43" Verkaufspreis I980 2750 33" 39«» 4730 s Turmstr. 80 Gr. Frankfurter Str. 4 Ghanssaestr. 27 neben Kleinem Tiergarten. Ecke Fruchtstraüe. nahe Invalidenitraae. Der neue Herbst- und Winter-Katalog gratis In der Turmstraße bitten wir uns nicht mit einer ähnlich klingenden und erst kürzlich dort etablierten Firma • zu verwechseln. Wir bitten also, auf No. 80 zu achten. «emniwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke. Berlin. Druck u. Vertag. Vorwärts Buchdruckerci u. BerlagSanftalt Paul Singer».Co., Berlin SW, St. 227. 29. Jahrgang. 3. Wagt Ks Jotmiiits" Wim MoM. Zonnabeltd, 28. Zepkelllber 1912. parte!- Hngclcgenbcitcn. Erster Landtagswahlbezirk. Sonntag, den 29. September, wird die Verteilung der Kuverts vorgenommen. Genossen, die hierbei helfen wollen, werden gebeten, sich früh 8 Uhr für den Westen bei Wiemers, Bülowstr. 58, und für das Hansaviertel bei Berendt, Klop- stockstr. 23, einzufinden._ Das Wahlkomtt-e. Tritt» Kreis, 4. Abteilung, umfassend die Bezirke 221—223. Soinuag. den 2g. September: Besichtigung des städtischen Obdachs. Treffpunkt nachmittags 4 Uhr Fröbelstr. IS, Schulsaal. Gäste wilU kommen. Die Kreisgelicraktiersammlung des Sozialdemokratischen Wahlvereins für Niederbarniiu tagt am Sonntag, den 29. September er., vormittags 10 Uhr, im Cafe Bellevue in Rummelsburg, Hauptstr. 2. Auf der Tagesordnung steht: 1. Berichterstattung vom Parteitag in Chemnitz. 2. Diskussion. Zur Teilnahme sind verpflichtet: Die gelvählten Dele� gierten, die Bezirksleiter und die Kreisfunktionäre. Die Parteimitglieder, die den Verhandlungen als Gäste beiwohnen wollen, haben als Legitimation ihr Mitgliedsbuch vorzuzeigen._ Der Kreisvorstand. An die Bildnngsausschüffe und Wahlvereine von Teltow-Bceskow-Charlottcnburg. Am Sonntag, den 29. September, nachmittags 3'/z Uhr. findet inl„Volkshnuse", Charlottcnburg, Rosinenstr. 3, eine Konferenz von Vertreter» der Bildungsausschüsse und Wahl- vereine statt, die sich mit der Praxis der Bildungsarbeit im Kreise beschäftigen soll. Die Delegierten werden darauf auf merksam gemacht, daß wegen der Berliner Massenversamm lungen der ursprünglich auf 2ll3 Uhr angesetzte Beginn der Konferenz auf S'/s Uhr verlegt ivorden ist. Der Krcisbildnngsausschuß. Trcptow-Baumschulcnweg. Alle Parteigenossen werden ersucht, Sonntag vormittag 10 Uhr in ihren Bezirkslokalen zur Teilnahme an den Protestversammlungen zu erscheinen. Brih-Buckow. Sonntag vormittag 11 Uhr: Morgensprache bei Domnick, Chansseestr. 92. Montag, 30. September, abends 8 Uhr, im Buschkrug, Rndotver Stratze öl: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht vom Parteitag/z Millionen Mark gestellt, in 1911/12 aber sind nur knapp 3'/z Millionen Mark drüber- geblieben. Diese Beeinträchtigung des Ergebnisses der Sparkasse ist dadurch zustande gekommen, datz von 1910/11 zu 1911/12 die Zahl der neu ausgefertigten Sparbücher sich geniindert, die der völlig abgehobenen aber sich gemehrt hat, die Summe der Einzahlungen heruntergegangen, die der Rückzahlungen aber gestiegen ist. Nachdem das Jahr 1911/12 mit 792 592 Büchern begonnen hatte, kamen neu hinzu 1 04 593 Bücher(um 9481 weniger als im Vorjahr) und wurden völlig abgehoben 112 078 Bücher (um 2052 mehr als im Vorjahr), sodatz bei Schluß des Geschäftsjahres nur noch 784 512 Bücher(uni 8080 weniger als im Vorjahr) in den Händen der Sparer waren. Im Jahre 1911/12 war die Summe der Einzahlungen etwas über 77'/« Millionen Mark(um ziemlich 2aU Millionen weniger als im Vorjahr), die Summe der Rückzahlungen etwas über 73�/« Millionen Mark(um O'/« Millionen m c h r als im Vorjahr), das gibt einen Einzahlungsüberschutz von nur 3'/z Millionen Mark(um 9 Millionen weniger als im Vorjahr). Das Guthaben der Sparer wuchs durch diesen Einzahlungsüberschutz von 3'/z Millionen sowie durch eine Zinsenzuschreibung von 10'/« Millionen im ganzen um 13�/« Millionen(im Vorjahr durch 12'/ 2 Millionen Einzahlungsüberschutz und 9�/« Millionen Zinsenznschreibung im ganzen um 22'/« Millionen). Zu Beginn des Jahres 1911/12 hatte das G e s a m t g u t h a b e n 301�/« Millionen Mark betragen, am Schluß des Jahres be- trug es 375'/z Millionen, die sich auf jetzt 784512 B ü ch e r verteilten. Aus diesen Zahlen werden vielleicht die Soldschreiber der Lebensmittelwucherer noch„beweisen" wollen, datz die Teuerung nicht so schlimm sein und es den Arbeitern nicht besonders schlecht gehen könne, wenn noch derartige Beträge sich ans der Sparkasse ansammeln. Leider ist den Jahresberichten der Berliner Sparkasse niemals eine Statistik über die Berufs- angaben der Sparbuchinhaber beigefügt, so datz jeder Anhalt dafür fehlt, mit wie hohen oder geringen Zahlen hier unter den Sparern die minderbemittelte Bevölkerung vertreten ist. Datz aber von dem Gesamtguthaben der größte Teil auf eine Minderheit leistungs- fähigerer Sparer und der geringe Rest auf die weit- auS überwiegende Mehrheit der sehr wenig leistungsfähigen entfällt, das zeigt eine Statistik über die Höhe der Sparkonten. Bei den 784 512 Büchern, mit denen das Jahr 1911/12 abschloß, betrug das Konto für 226 255 Bücher nur 1—60 M., für 110 534 über 60— 150 M., für 101972 über 150 bis 300 M., für 118 857 über 300—600 M., für 86 411 über 600-1000 M.. für 88 994 über 1000-1500 M., für 30296 über 1500—2000 M.. für 16 984 über 2000—3000 M.. für 4196 über 3000-10 000 M.. für 13 über 10000 M. Wenn man nach dem Ergebnis einer mit den Durchschnittsbeträgen auszuführenden Berechnung der auf die einzelnen Kontoklassen entfallenden Guthabensunimen urteilen darf, so wären die Klassen bis nur 300 Mark, die schon ziemlich sechs Zehntel aller Bücher umfassen, an dem so stattlich scheinenden Gesamtguthaben der 375'/2 Millionen Mark mit nur einem Zehntel beteiligt. In den letzten Jahren hat übrigens nur bei den Konto- klaffen mit schon recht hohen Guthaben— mit über 1500 M.— sich eine Mehrung der Konten und sogar eine sehr bedeutende gezeigt. Das ist offenbar daraus zu erklären, datz die Ber- liner Sparkasse die Höchstgrenze der pro Buch zulässigen Einzahlungssumme hinaufgerückt und hierdurch den leistungs- fähigeren Sparern die Hergabe größerer Beträge ermöglicht hat. Dagegen haben die Konten mit geringeren Guthaben in derselben Zeit eine Minderung gehabt. Das lätzt nicht gerade darauf schließen, datz in diesen Jahren der Teue- r u n g die minderbemittelte Bevölkerung noch die Spargroschen fv sehr reichlich drübergehabt hätte. Kaiserliches Automobil und Kraftdroschke. Der Krastlvagenfiihrer John, der am 21. Februar mit seiner Droschke am Pariser Platz in der Ausbuchtung der Südseite der Straße Unter den Linden hielt, hatte hier einen Fahrgast bekommen. Während sein Wagen an- ruckte, hatte er noch einige geschäftliche Worte mit den: Fahrgast zu sprechen. Er übersah deshalb ein Zeichen des dort postierten Schutz- niannes, nicht zu fahren, das gegeben worden war. weil in dein Moment vom Brandenburger Tor ber das kaiserliche Automobil schnell herannahte und aus die Südseite„der Linden" zusteuerte. Der Schutzmann rief nun:„So halten Sie doch l" I. brachte auch einen Moment seinen Wagen zum Stehen und übersah jetzt die Situation. Da er aber der Meinung ivar, der Gefahr eines Zu- sammeustoßeS mit dem kaiserlichen Wagen am besten zu entgehen, lveun er schnell weiter fahre und vor dem kaiserlichen Automobil die Stratze kreuze, so tat er dies im schnellen Tempo. Er kreuzte so die Fahrbahn de? Wagens des Kaisers in einer Entfernung von 10 Metern vor diesem. John wurde wegen Ucbertretung der Ber- liner Atratzenpolizeiverorduung augeklagt, weil er einer polizeilichen Anordnung zuwider gehandelt habe, die zum Schutze der Sicherheit auf öffentlichen Straßen ergangen sei. Er bestritt, sich strafbar ge- macht zu haben. Er sei mit dem e r st e n Anrucken seines Wagens schon mit dem ganzen Wagen quer in den Eingang der Südseite der Stratze Unter den Linden bineiugeratten gewesen und hätte so seiner Meinung nach dem befürchteten Zusammenstoß nur vorbeugen können, indem er trotz des jetzt von ihm gehörten Gebots, zu halten, schnell über die Stratze hinüberwechselte. Zeugen sagten auch aus, datz sein Wagen im entscheidenden Moment schon ganz in die Stratze hineinragte. Zwei Schutzleute bezeugten dagegen, datz erst eine Hälfte seines Wagens hineingeragt habe. Das Landgericht als Berufungsgericht hielt diese Bekundung für die matzgebende und nahm an, daß unter diesen Umständen das kaiserliche Automobil gut in die Stratze südlich der Promenade hätte einbiegen können, wennJ. dem zweiten, von ihm gehörten Befehl des Schutzmanns gefolgt wäre. Angeklagter wurde wegen Nichtbeachtung einer zur Erhaltung der Sicherheit er- gaiigenen polizeilichen Anordnung zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Kammergericht verwarf die voin Angeklagten eingelegte Revision mit der Begründung, daß sie an den tatsächlichen Fest- stellungen der Vorinstanz scheitere, die ausdrücklich festgestellt hätten, datz er das kaiserliche Autoniobil gefährden konnte, indem er so handelte, wie er es tar. Danach sei das Gebot des Schlitzmanns eins Anordnung zur Erhaltung der Sicherheit auf der öffentlichen Stratze gewesen, die er hätte befolgen müssen. Neue Stiftungen. Der Magistrat hat in seiner gestrigen Sitzung die Annahme verichiedcner Legate beschlossen: Der im Mai d. I. verstorbene SanilälsratDr. Gustav Wiener, der lange Jahre Genthiner Stratze 17 geivohnl hat, hat der Stadt 5000 M. vermacht, deren Zinsen an würdige arme Faniilien des 37. Stadtbezirks, in dem seine Wohnung lag. zur Verteilung gelangen sollen.— Die Summe von 10 000 M. hat der Grotznhrenmacher Heinrich Ernst, früher Inhaber der Turmuhrenfabrik C. F. Rochlitz, hier, der im April d. I. verstorben ist, den Armen der Stadt Berlin letztwillig ausgesetzt. Die Summe hat die Stadtverwaltung zinsbar anzulegen und die Zinsbeträge nach bestem Ermessen zu verteilen. Ferner hat die ver- slorbene Frau Agnes Karoline Stoltz verwitwet gewesene Reiß geb. Angermann testamentarisch ein Kapital von 30 000 M. zur Errichtung einer Benjamin-Neitz-Karolinc-Stoltz-Stiftnng bestimmt. Die Ver- waltung dieser Stiftung soll die Stadtgemeinde Berlin führen. Die Zinsen des Kapitals sollen armen hiesigen"erheirateten Ha"dwerkern in Beträgen vpn nicht iinter 100 M. zugute kommen. Außerdem hat Frau Stoltz 60 000 M. zur Errichtung einer Franz-Karoline- Stoltz-Stiftung ausgesetzt, deren Verwaltung ebenfalls die Stadt- gemeinde übernehmen soll. Die Erträgnisse dieser Stiftung sollen jährlich in annähernd gleichen Beträgen, an vier in Berlin geborene junge, nicht über 25 Jahre alte Mädchen, welche einen hier setzhaften Handiverkcr heiraten wollen, zur Aussteuer gegeben werden.— Sodann will Frau Pauline Schütze geb. Watzmann in Erinnerung an ihren Sohn. Professor Dr. Albert Schütze, der als Leiter der Noten Kreuz-Expedition nach Tripolis ging und dort starb, die Summe von 10 000 M. zur Errichtung einer nach ihrem Sohn benannten Stiftung der Sladtgemeinde schenken. Die Zinsen dieses Kapitals sollen von dem Direktor des Krankenhauses Moabit, an dem Professor Schütze früher tätig war, an zur Entlassung kommende arme Patienten vergeben oder zu Weihnachtsgeschenken an in der Anstalt befindliche Kranke gelangen. Der Magistrat hat die Annahme dieser Schenkung beschlossen. Karl Weiße. Gestern ist ein alter, braver Genosse zu Grabe getragen worden: Karl Meitze. Wer war Karl Weiße? Ein ein» facher, schlichter Maurer, der von frühester Jugend bis zum letzte» Atemzuge auf politischem wie auf gewerkschaftlichem Gebiete im Sinne der modernen Arbeiterbewegung seine Pflicht im vollsten Matze stets treu erfüllt hat. Schon dem Allgemeinen deutschen Arbeiterverein Lassallescher Richtung gehörte er bis zu seiner Vernichtung durch das Eingreifen eines Tcssendorf in den 70er Jahren an; ebenso dem Allgemeinen deutschen Maurer- und Steinhaiierbund, der ebenfalls dem Vereins» gesetzlichen Henkerbeil eines Tessendors für Berlin und Preußen im Jahre 1875 endgültig zum Opfer fiel. Die Form der damaligen Organisation war zwar vernichtet, aber ihrem Wesen und ihren Zielen blieb unser Karl Weiße gehen und diente der Sache der Ar» beiter stets in der alleruneigennützigsten Weise. Ihm ging die Sache über alles, der er seine Person stets unterordnete. Strebertum war ihm verhaßt, und manches scharfe Wort hat er gc- sundcn, nm es zu geißeln. Wahrer Idealismus war bei Karl Weiße zn finden, und in der Baubude wie in Versammlungen suchte er Mitgenossen für seine, für unsere Sache zu werben. Still und emsig und zähe wirkte so Karl Weiße die ganze Zeit hindurch mit Freunden und Gesinnungsgenossen. Ihm war es Ehrenpflicht, für die FamUien der Ausgewiesenen zu sorgen, obwohl er selber kärglichen Maurer» lohn halte, lediglich aus Liebe zur Sache. Bei der Nenerstehung der Fachvercinsbewegung anfangs der 80er Jahre war Karl Weiße wieder einer der ersten, der die Trommel zum Sammeln der zer» sprengten gewerkschaftlichen Kampfgenossen unerschrocken rührte. An den partiellen Maurerstreiks 1883 und 1884 sowie an dem glänzend durchgeführten Generalstreik der Maurer Berlins nahm er lebhaften Anteil. Das Vertrauen seiner Kameraden betraute ihn mit der Leitung. Wiederholt wurde er auch zu Kongressen als Delegierter entsandt. Als seine alten Knochen die Mauerkelle nicht mehr zur Zufriedenheit der Ausbeuter schwingen konnten, vertraute» ihm einsichtige Genossen des sechsten Wahlkreises den Posten als Parteiipediteur an, den er als aller Veteran der Arbeitersache bis zum letzten Augenblick in der ehrlichsten und gewissenhaftesten Weise geführt hat. Wir verlieren in Karl Weiße einen in Sturm und Kampf erprobten treuen Kämpfer für unsere gerechte Sache. Mögen sich die jungen Genossen an seinem Wirken ein Beispiel nehmen. Ans Wnhlgarten. Die„Biesdorfer Zeitung" veröffentlicht folgende Mitteilung: „In der Kinderabteilimg mutzten eines Tages alle Pflegerinnen bei den Knaben entlassen werden. Der Grund dafür lag darin, datz die Pflegerinnen etwas sehr weit in der Belehrung der Knabe» in geschlechtlichen Dingen gegangen waren. Man begreift über- Haupt nicht, weshalb man zn derartigen Knaben Pflegerinnen und nicht Pfleger gibt." Wir sind gebeten worden mitzuteilen, daß an der Notiz kein Wort wahr ist.„Man begreift nicht, weshalb ein Blättchen solchen Schwindel veröffentlichen kann." Das Aiifspriiigc» ans fahrende Straßenbahnwagen hat wieder ein Opfer gefordert. Der 33 Jahre alte Gietzereibcsitzer Albert Äliern ans der Nomintener Str. 47 wollte gegen 7 Uhr an der Ecke der Wiener und Gloganer Stratze ans einen in Fahrt befindlichen Wagen der städtischen Stratzeiibahn springen. Er glitt hierbei jedoch aus und geriet unter die Räder. Mit schweren äußeren und inneren Verletzungen wurde er unter dem Wagen hervorgezogen. Mit einem Rünzelschen Krankenwagen wurde er dann nach dem Krankenhause am Urban gebracht, wo er schwer daniederliegt. Ein Kindesmord beschäftigt wieder einmal die hiesige Kriminal» Polizei. An der Freiarchenbriicke im Tiergarten wurde gestern nach« mittag die Leiche eines ungefähr acht Tage alten Mädchens gelandet, der um den Hals eine Schnur gewickelt war, mit der das Kind allem Anschein nach erdrosselt worden ist. Der Brand eines AutomobilschuppcnS alarmierte gestern abend gegen'/28 Uhr die Berliner Feuerwehr nach der Dresdener Str. 73 und rief' unter den dortigen Hausbewohnern grotze Aufregung her» vor. Das Feuer war durch die Explosion von Benzin entstanden und hatte in kurzer Zeit den ganzen auf dem Hof befindlichen Schuppen erfaßt. Die Feuerwehr mutzte kräftig Wasser gebe», um die Gefahr zu beseitigen.— Gleichzeitig herrschte in der Grenadier» stratze 19 ein größerer Kellcrbraud, dessen Ablöschung der Feuerwehr viel Mühe machte. Bor der Tür ihres früheren Geliebten erschossen hat sich gestern nachmittag die 31 Jahre alte Köchin Sophie Huhn, die in der Rüben- stratze zu Friedenau beschäftigt Ivar. Das Mädchen unterhielt längere Zeit ein Liebesverhältnis mit einem Arbeiter. Dieser wandte sich aber vor einem halben Jahre von ihm ab und heiratete ein anderes Mädchen. Seit dieser Zeit wurde er von seiner früheren Geliebten verfolgt. Als der Mann gestern nach Hause gehen wollte, stellte sie sich ihm an der Ecke der Hussilen- und Stralsnnder Stratze lvieder ist den Weg nnd verlangte stürmisch eine Aussprache. Der Angeredete erwiderte jedoch nichts, sondern ging seines Weges. � Jetzt drohte ihm das Mädchen, datz es ihn, seine Frau und sich erschießen werde, wenn er ihm kein Gehör schenke. Darauf lief der Mann eiligst nach Hause und schloß sich in seine Wohnung ein. Das Mädchen rannte ihm aber nach nnd verlangte heftig Einlatz. Als es längere Zeit vergeblich geklopft und gerufen hatte, zog eS einen Brief, den es vorher schon geschrieben hatte, aus der Tasche, steckte ihn in den Kasten, zog dann einen Revolver aus der Tasche und tötete sich durch einen Schutz in den Mund. In dem Brief erhebt es heftige Anklagen gegen den fn'iheren Bräutigam. Kolli- und Handwagcndicbe hat die Kriminalpolizei in den letzten Tagen wieder mehrere festgenommen und unschädlich ge» macht. Dachstuhlbrand im Norden Berlins. Gestern nachmittag wütete in der D r i e s e n e r st r a tz e 14, Ecke Czarnikauer Stratze, ein großer Dachstuhlbrand. Das Feuer war erst spät bemerkt worden, sodatz bei Ankunft der Feuerwehr schon ein erheblicher Teil vom Dachstuhl des Vordergebäudes in Flainmen stand. Die Züge 19 und 21 eröffneten sofort einen umfassenden Löschangriff uv'« gingen über mechanische Leitern nnd Treppen mit drei Schlanchleitnngeii vor. Trotzdem dauerte es fast eine Stunde, che die Gefahr als beseitigt gellen konnte. Der Dachstuhl ist fast vollständig zerstört worden. lieber die Ursache des Feuers waren bestimmte Feststellungen nicht mehr zu machen. Die vollständige Ablöschung mit den A'lfräumlingS» arbeiten zog sich bis in die Abendstunden hin.— In der Nannyn- stratze 86 brannte gleichzeitig ein größerer Posten Holz und Stroh in einem Keller. Auch hier nahnien die Löscharbeiteu längere Zeit in Anspruch. Die gcmeinverstnniilichcn naturwissenschaftlichen Borträge, welche im Winterquartal Oktober bis Dezember im Hörsaal der Urania in der Taubenstratze nnd auf der Urania-Sternwarte in der Jnvalidenstratze abgehalten werden, umfassen die nachstehenden Ge- biete: Elektrotechnik. Die elektrische Energie und ihre praktische Verwertung in der Gleichstromtechnik, zehn gemeinverständliche Ex- perlmentalbortrZge von Professor Dr. V. Donath kSonnahends abends 8 Uhr).— Vom Hören und Sehen, sieben gemeinverständ- liche Experimcntalvorträge von Professor Dr. B. Donath sDiens- tags abends 8 Uhr).— Einige besonders interessante Kapitel aus der Lehre vom Leben, zehn Borträge mit Lichtbildern von Herrn Dr. W. Berndt(Mittwochs abends 8 Uhr).— Sechs Vortrage mit Lichtbilder» und Demonstrationen über:„Die Grobindustrie" von Herrn Konstruktionsingenieur A. Keßner (Donnerstags abends 8 Uhr).— Gewinnung und Verwertung der Tierprodukte, vier Vorträge von Professor Dr. C. Eckstein(Freitags abends 3 Uhr).— Beruf und Gesundheit, sechs Vorträge NM Licht- bildern von Professor Dr. Th. Sonnnerfeld(Montags abends 8 Uhr). Ausserdem auf der Urania-Sternloarte vier Vorträge über Astronomie mit Lichtbildern von Professor Dr. P. Schivahn. Ausführliche Prospekte über diese Vorlesungen sind an der Kasse der Urania er- bältlich oder werden an Interessenten auf Wunsch kostenlos gesandt. Die Ausgabe der Abonnementskarten für die obigen Vortragsreihe» erfolgt bereits von heute ab. Verloren. Eine Anzahl Verbandsinarkcn des Verbandes der Hutmacher(in einem Kuvert befindlich) ist verloren gegangen, eS wird gebeten, dieselben im Verbandsbureau Grosse Hamburger Strasse 18/19 oder bei M. Möckel, Strelitzer Strasse 08 II. ab- zugeben._ Vorort- Nacbrf cbtcm Charlottenburg. Charlotteuburgs Vermögen und Schulde». Das Vermögens- und Schuldlagerbuch der Stadt Charlotten- buch liegt jetzt nach seinem Abschlüsse vom 31. März 1912 vor. Die Aktiva belaufen sich danach auf 209,3 Millionen Mark, von denen 203, ö Millionen auf daS Kämmereivermögen und 6,3 Millionen auf das StifiungSvermögen entfallen. Das erstere setzt sich zusammen ans 122 Millionen allgemeine Verwaltung, 58 Millionen Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerke, 17,3 Millionen Kanalisationswerke und 6,5 Millionen Ladestrassen, Stälteplatz- und Lagerplatz- Verwaltung. Gegen das Borjahr besteht im ganzen ein Zuwachs der Aktiven von 13,6 Millionen. Auf die einzelnen Vermögens- arten verteilt sich die Summe der Aktiva folgendermassen: 166,8 Millionen auf Gnmdbesitz, 26,1 Millionen auf ausstehende Kapitalien, 6.2 Millionen auf Kassenbarbestände, 1,4 Millionen auf ausstehende Einnahmereste, 1,0 Millionen auf den Wert der Materialien usw. Und 19.9 Millionen auf den Wert des Mobiliars iu'w. Die Passiva betragen laut Schuldlagerbuch 162,3 Mill. M., gegen das Vorjahr 7,7 Millionen mehr. Auf die einzelnen Verwaltungen ent- fallen davon 92,6 Millionen für allgemeine Verwaltung, 10,9 Millionen für Kanalisationswerke, 64,6 Millionen für Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerke und 3,8 Millionen für Ladestrassen, Stälteplatz- und Lagerplatzverwaltung. Die Alileiheschulden sind auf 143.4 Millionen gestiegen; das bedeutet gegen daS Vorjahr 7,4 Millionen mehr. Gr- tilgt wurden 3.4 Millionen. Bei Gegenüberstellung der Zunahme der Passiva ergibt sich ein Unterschied von' 6.7 Millionen. Dieser Mehrzugang an Aktiven ist hauptsächlich veranlasst durch Ausführung von Neubauten, deren Kosten nicht, aus Anleihen, sondern auö laufenden Mitteln bestritte« wurden, durch Anwachsen der städtischen Fonds, durch den Mehrwert des Mobiliars mrd Inventars/ durch Vermehrung der Stiftungen und durch. plaumässtge Tilgung der Anleihen._ Eine Jugendfeier veranstaltet der Verein Arbeilerjugendheim am morgigen Sonntag, nachmittags 6 Uhr, im grossen Saale des Volks- Hauses, Rosinenstr. 3. Die Festrede hält Herr Dr Breilichcid. Ausserdem musikalische und rezitatorische Aufführungen unter Mit- Wirkung der Charlottenburger Liedertafel. Schöneberg. I» der letzten Sitzung der Gcwerkschaftskommission hielt der Vorsitzende des Arbeiteriamariterbnndes, Genosse Krause, einen Vortrag über da«. Samariterwesen. Redner betonte unter anderem die Noiwendigkeit der Kurse. Sollen dieselben praktische Resultate zeitigen, so müssen sich die Arbeiter mehr als bisher daran beteiligen. Insbesondere halte er es für erforderlich, dass in grösseren Betrieben mindestens ein durch die Albeltersamariterkolonize ausgebildeter Arbeiter bchchättigt sei, der dann bei BetricbsnnsMen dem Verun- glückten die erste notwendige' nndsarbaemässe. Behandlung zuteil werden lassen könnte- Auch iolllen die Arbeiter in ihren Betriebs- versammlmtgen mehr�Wert aui solche Vorträge legen, die geeigitel find die Arbeiter darüber Mszuklären, wse hygienische Massnghmen in de» Bewirbsräuimm zü�ergreiicn siild.' IIa der DiSlussion er- klärten die Delegierten, in ihren Kreisen im Sinne des Referenten wirken zu wollen. Sodann teilte Genosse Henkel mir, dass mit dem 3l. Dezember 1912 die Amtsdnuer der Delegierten zur Generalversammtung der Schöneberger Orlskrankenkasie abläuft und die Borarbenen zu den Neuwahlen in die Wege geleitet werden müssen. Genosse Krukow empfähl. Mir den Borarbeiten vorläufig noch zu warten, da wahrscheinlich der Bundesrat im Oktober über die Mustersatzungen für Krankenkassen Beschluss fassen werde; es bestehe die Möglichkeit, dass bei dieser Gelegenheit die Verlängerung der Ainlsdaner der Mitglieder der Kassenorgane bis Inkrafttreten der neuen Bestimmungen beschlossen wird. Die Delegierten erklären sich bieraus mit der Vertagung einverstanden.— Aus der Sitzung der Arbeitsnachweisdeputation berichtete Genosse Henkel über die stattgesundeiie Beratung betreffend Aenderung der Satzungen der städtischen Arbeitslosenversicherung und Gewährung von Speise- marken an Arbeitslose. Da recht wesentliche Aenderungen vor- genommen worden sind, wurde die Diskussion bis zur nächsten Sitzung vertagt.' Mariendorf. Die letzte Gemeindevertretcrsttzung beschloh zunächst den Austritt au? der Brandenburgischen Witwen- und Waiienveriorgungsanilalt für die bei der Amtsverwaliimg neu anzustellenden Beamten. Der Beschluß wurde gefaßt, weil die Versicherungsanstalt die Beitrogs- leistung von 6 auf 7Vz Proz. der Lohniuinme- erhöhte, wodurch der Gemeinde jährlich 8980 M. Mehrkosten entstehen. Für die bereits Versicherten bleibt die Versicherung bei der Brandenburgischen Anstalt bestehen. Dafür wurden 1920 M. nachbewilligt.— Hierauf wurde über den Abschluß eines Vertrages mit der Landwirtschaflskammer für die Provinz Brandenburg über die Nahrungsmitteluntersuchungen beraten. Gefordert und nach kurzer Debatte bewilligt wurde» hierzu 1500 M.— Danach stand der Antrag des Gemeindekirchenrates betreffs gärtnerischer Anlage vor der Kirche in Südende zur Debatte. In längeren Ausführungen wandte sich Genosse Reickardt gegen diese Ausgabe. Die Gemeindevertretung würde jeden Privatbesitzer, der für die Anlage und Unterhaltung seines Vorgartens Mittel von der Gemeinde fordere, strikte zurückweisen. Die Kirchengemeinde sei nicht anders zu bewerten, wenn sie auch zufällig vor dem errichteten Gebäude einen etwas grösseren Platz gelassen habe. Die Gemeinde unterhalte den Platz, und die in ihrer Toleranz sattsam bekannte Kirchengcnninde weise obendrein noch jeden Menschen, von dem der Wächter zufällig ivisse, dass er ein Andersgläubiger sei, von demselben herunter. Redner führte mehrere markante Fälle an und warf die Frage auf, ob denn die Ktrchengemeinde schon einmal„wohlwollend" der politischen Gemeinde etwas überlassen hätte. Sie halte im Gegenteil überall ihr Kirchenland fest. Sträube sich die Kirchcngemeinde, der Unter- Haltung des Vorgartens in der bauordnungsmässigen Weise nachzu- kommen, so müsse dieselbe dazu gezwungen werden. Die bürger- lichen Redner— Kirchenratsmitglieder— verlangten natürlich die Unterhaltung von der Gemeinde. Nebenbei zwei Herren, die bei der Teuerungsdebatte durch Abwesenheit glänzten bezw. vorher gingen. Genosse Weber trat auch diesen Herren entgegen und wies noch an der Hand einiger drastischer und bezeichnender Fälle nach, wie wenig gerade die Kirchengemeinde irgendwelche Unteritütznngen verdient. In der Erwiderung suchte einer der Herren klarzulegen, dass unsere Genossen bei den angeführten Fällen zu sehr— das Pfarramt, den Kirchenrat und die Kirchengemeinde verwechseln. Letztere sei arm und unschuldig. Gegen die Stinimen unserer Genossen n»d eines Bürgerlichen bewilligte die Vertretung die Kosten.— Von der Kolonie Hoffiiungstnl lag ein Antrag auf Unterstützung durch ein- maligen Beitrag vor. Der Gemeindevorsteher gab sich alle Mühe, die Vorzüge der Anstalt in ihrer sozialen Fürsorge zu schildern. Die Genossen Reickardt und Weber traten dieser nur durch rosige Berichte bürgerlicher Blätter gewonnenen Auffassung über diese Anstalt ent- schieden entgegen. Die Gemeinde habe genug Elend unter den Ge- meindemitgliedern zu stillen. Habe man wieder einmal zu viel Geld, dann könne man ja die 200 M. dem Bund für Mutterschutz bewilligen. Die Mehrheit bewilligte die Unterstützung. Zehlendorf(Wannseebahn). Der Arbciter-Turnverein Vorwärts feiert heute Sonnabend, den 28. d. Mls., sein 6 Stiftungsfest. Da der Verein an den Arbeiter- fesllichkeiten stets mitwirkt, und jetzt unter den Polizeitchikanen zu leiden hat, ersucht der Vorstand des Wahlvereins die Arbeiterschaft, das Fest durch regen Besuch zu unterstützen. Marienfelde. In der Gemeiiidevertrrterfitzung wurde der wiedergewählte Rittergutsbesitzer Kiepert als Schöffe eingeführt. Dann wurde be- schlössen, einen Vertrag mit der Landwirtschaflskammer zum Zwecke der Untersuchung von Nahrungs- und Genussmitteln gegen ein» Pauschalsumme von 210 M. pro Jähr einzugehen. Auf dem Ge- meindoplatz in der Dorfstrass« soll im kommenden Winter eine Eis- läusbahn eingerichtet werden; die erforderlichen Kosten von 445 M. wurden bewilligt. Die aus Anlaß der Abtrennung der hiesigen Gemeinde vom Amtsbezirk Mariendorf übernommenen Beamten sollen zu den in Mariendors üblichen Gehaltsstufen beschättigt werden. Eine eigenartige Haltung nahm sodann der Gemeinde- vorstand sowie die gesamte Vertretung der herrschenden Teuerung gegenüber ein. Vom hiesige» Wahlverein war ebenfalls eine Ein- gäbe an die Vertretung gerichtet deS Inhalts, den Reichskanzler zu ersuchen, Massregeln zu ergreifen, um der Herrichenden Fleischnot zu steuern. Der Gcmeindevorstand brockte den Antrag des Wahlvereins zur Verlesung und meinte, dass eS für eine so kleine Gemeinde ganz zwecklos sei, einen Antrag an die Regierung zu richten. Inhaltlich könne man mit dem Antrag ganz einverstanden sein, die Lebens- mittel seien in der Tat kanm noch zu bezahlen. Obwohl der Ge- meiiidevolfteher also die Teuerung zugab, betonte er nur noch: Meine Herren, ich bringe Ihnen hiermit den Antrag zur Kenntnis und betrachte die Sache als erledigt. Wer nun glaubt, daß einer der Vertreter hierzu das Wort ergriffen hätte, der befindet sich im Irrtum. Der Vorsteher stellte dann nock in Aussicht, einen See- fiichverkauf aus Kosten der Gemeinde einzurichten; er machte das den Vertretern dadurch schmackhaft, indeni er erklärte, daß � dabei noch etwas verdient werden könne. In seinem vorigen Wirknngs« kreise, Briesen in Westpr., sei für den Ueberschuss beim Seefisch- verkaiif sogar ein Kränkenwogen mit Gummirädern angeschafft worden. Eichwalde. Eine stark besuchte öffentliche Versammlung im Etabliffement Sansiouci hörte am Dienstag zunächst ein Referat des Reichstags- abgeordneten Z u b e i l über„die wahren Ursachen des Fleisch- und Brolwnchers." Eine Resolution, in der gegen die Untätigkeit der Reicksregierung protestiert und von unseren Vertretern im Reichstag striktes Bestehen auf ihre gestellten Forderungen verlangt wird, fand einstimmige Annahme trotz der zahlreich� anwesenden Po- litischen Gegner. Eine Diskussion des mit grossem Beifall auf- genonimenen Vortrages wurde nicht beliebt.— Dann erstattete Ge» meindeverlreter Allritz Bericht über die letzten Vorkommnisse innerhalb der Eichwaltder Gemeindevertretung. Vorsteher wie Gemeindevertreler waren um ihr Erscheinen ersucht worden, aber bis auf einen der letzteren nicht erschienen. Die Ursache des Konflilts zwischen Vorsteher und Gemeinde, über den der„Vorwärts" in seiner Nummer vom 1. September ausführlich berichtete, sind in Mängeln der Kassenfnhrung zu suchen. Die Nevisionskoviiniision wollte anfänglich gefundene Uustimmigkeilen her Oeffentlichkeil nichi preisgeben.— Die Gemeindebeamten und -Arbeiter sollten nach einem Beschluß des Dorfparlamenls eine Teuerungszulage erhalten ui»d auch der Vorsteher ließ sich� vom Ren- danlen 150 M. auszahlen. Letztere Summe wurde aus mehreren Gründen von den Revisoren beanstandet, weil sie. nebenbei, auch von keinem Schöffen gegengezeichnet war. Wünsche der Revisoren, diesen und andere Punkte auf die Tagesordnung einer Sitzung zu stellen, wurden vom Vorsteher nicht herücksschtigt, wodurch sich dann der bereits mitgeteilte Streit entspann. In der Diskussion wurde von Herrn Kolb anerkannt, dass Genosse Allritz die Sachlage objektiv dargestellt habe, er jammerte aber darüber, daß die bürgerlichen Parteien durch Unterlaffung solcher Ver- sammlungen, wie sie die Sozialdemokratie einberufe, dieser nicht den Wind aus den Segeln nehme. Genosse König hatte vorher daraus hingewiesen, dass die bürgerlichen Herren im Dorsparlament gar kein Recht hätten, sich„Gemeindevertreter" zu nennen, da sie wohl dem Grnndbesitzerverein, nickt aber den Gemeindeangehörigen in breiter Oeffenllichkeit Rechenschaft über ihr Tun und Lassen ablegen und ihre Wähler vollständig ignorieren. Nachdem noch Genosse Albin K e r st e n und mehrere Herren aus dem bürgerlichen Lager sich zur Sache geäussert, gelangte eine Resolution zur einstimmigen Annahme, die den Gemeindevertretern für ihr Nichterscheinen schärfste Mißbilligung ausspricht und eine entschiedenere Stellungnahme bei Nenwahleii gegenüber den Kandidaten empfahl. Genosse Bräschke schloß dann die Versammlung unter Hinweis auf die Organisation und Presse als beste Waffe des Proletariats im wirtschaftlichen und politischen Kampf. Tpauda«. Durch BerbrAhen mit heißem Wasser hat ein kleines Kind vor- gestern den Tod gefmiden. Während die Frau des Arbeiters Blum, Moltkestraße 2 wohnhaft, in der Küche mit Waschen beschäftigt war, spielte ihr ein Jahr altes Kind auf dem Fußboden und näherte sich unbemerkt einem mit heißem Wasser gefüllten Gefäß, das vorsichts- halber mit einem Deckel bedeckt war. DaS Kind erfaßte diesen mit den Händen und richtete sich an dem Behälter auf. um alsbald, nachdem der Deckel aus seiner ursprünglichen Lage geraten war, kopfüber in das heiße Wasser zu stürze». Die Mutter nahm den Vorfall sogleich wabr und riß das Kind schnell aus dem Master heraus; es war aber an Kopf. Brust und Händen entsetzlich ver- brüht. Obwohl ärztliche Hilfe bald zur Stelle war. starb das Kind an den erlittenen Verletzungen. Schönebcrg. Zur Errichtung eines Jugendheimes gingen bei dem Unterzeichneten solgende Beiträge ein- Von Arbeitern der Gaslaternen- Fernzündergesellschast 15,00. Handlungsgehilfen. Bezirk Westen und Schöne- jcrg 10,00. Buchdrucker und Arbeiter der Firma Langcnscheidt 19.23. Buchdrucker und Arbeiter der Märkischen Bniq- und Kunstdruckerei 4.00. Schlächter und Arbeiter der Wurstsabrik W. Vehr Aachs. 14,35. Vom Per- sonal der Firma Ketlcnbcil 14,10. Buchdrucker und Arbeiter der Firma Gebhardt Jabn u Landt 10,05. Personal der Buchdruckcrei Sommer 2,00. Personal Oskar Fritz 20,00, worüber dankend guitiiert wird. Karl Henkel, Wartburgstr. 40. Möbeii-�ngebo�. Solides Möbelgeschäst liefert bürgerliche WohnungZeinrichtungen sowie ein- zeine Möbel gegen mäßige Zinsoergütung bei kleiner Anzabiung u. geringen monatlichen Teilzahlungen. Auslagen unter Postlagerkarte 79, Postamt 28. kein flbzaMungsgercbäft r Cigarellen der Jaliakarlieiter-Genosseiiseliatt SpezialüHt in Sie unterstützen uns, wenn Sie bei Ihrem Cigarrenhändler unsere Cigaretten fordern. Vertreters P. Borsch, Engelufer 15, Cigaretten- u. Tabak-Gro&bi r�5®An*ahluBifl Befw« an Möbel auf Kredit bei Znhlunf einer Uonatirate laut Varelnbaranc und | beqaecaster AkanitlauaB——— komplette Wohnesmjs-Eiarlehtimgcn aowle alnielce HMIScke. Polster«!!, farbige ROcbeo Portieren, ßaa-ztmon teib-u. Bettwlaohe. Sleppdeoken, Teppiche, waruilicn, Betten, Kronen, Pelzgarnituren Garderobe für Renen, Dsmea n. Hlndsr Oröaett Auaarahl nauaatar Paaaona SuDORM ÄÄl® Bonntns von 8—10 eeNOnet. 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H» «• Ä 'b% «ssiKssss 0 Unserem Genossen g Max Driebe«"««» � S die herzlichsten Glückwünsche � P zur Vermählung! � \ls Die Genossen u. Genossinnen � \\i des 272. Bez. II. Teil. 4. Kreis, y HZ OES«««»«SSSASSSSH. vf Unserm Genossen Ä L �gstinfennigösnMsra« I R zur Silberhochzeit die herz- H lichstcn Glückwünsche l Die Genossen vom 1(5. Bezirk Lichtenberg. S-SSSAW f V Todes-Anzeigen I Sozialdemokratischer Watilverein LliBerl. Reichstags-Wahlkrels. Frankfurter Viertel. Bezirk 281. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Gastwirt kraiu Plaeu Friedenstraße 81 gestorben ist Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 30. September, nach- mittags 4 Uhr. von der Halle des Zentral-FriedhoseS in Friedrichs- selde au» statt. Um rege Beteiligung ersucht 22017 Der voratand. Deutscher Metallarbeiter-Verbaml Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dah unser Mitglied, der Metallarbeiter Gottbilk Mühlbrandt Charlottcndurg, Usnaustr. 17 gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 28. September, nachmittags 4'/. Uhr, von der Lcich-nballc veS PhilippuS-Apostel- KirchhoscS in Berlin, Seeftr. 44, aus statt._____ Ferner verstarb unser Mitglied, der Schraubendreher Wilhelm Strempel am 24. d. M. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 28. September, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Kirchhose» in AhrenSjelde aus statt. Ferner verstarb unser Mitglied, der Dreher Pichard ttidde Franseckistr. 35 am 25. b. M. an Lungenleiden. Die Beerdigung findet am Montag, den 30. September, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Gcorgen-KirchhoseS in Leißensec, Rölckcsttab«, aus statt. Ferner verstarb unser Mitglied, der Klempner Wilh. Bellot Nehringstt. 25 am 26. d. M. an Nervenleiden. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2S. Sepiember, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Luisen-Kirchhoses, Fürstenbrunncr Weg, au» statL Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet >25/4 Die Drtsverwaltung. Deutscher BaoarbeiterTerbanil. Zweigverein Berlin. Sektion der Patser. Unseren sowie den Mitgliedern des Gesangverein» der Putzer hiermit zur Nachricht, dag unser Mitglied ICsHI Hube (Bezirk Westen) verstorben ist. Die Beerdigung findet Sonntag, den 20. d. Mls., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle de» Friedhos» der Lulhergemeinde in Lankwitz, Mariensclder Slraste, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 142/7 Die Srtliche Verwaltung. Am Mittwoch, den 25. d. Mt»., verstarb mein lieber Mann, unser herzensguter Vater, Schwieger- und Grogvater HA �uxust Schmidt. Die» zeigen ttefbetrübl an Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am sonntag. den 20.. nachmittags 2'/, Uhr, von der Leichenhalle deö Neuköllner Gemeinde- Fricdboses (Mariendorser Weg) aus statt. fertoDil Der Tapezierer. Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unser langjähriges Mitglied, Kollege Frit? Thewald nach langer Krankheit am 25. Sep- tember verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 20. September, nachm. 3 Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Jakobi-Kirchhojs in Neukölln, Hennannstr., aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 178/12 Die Drtsverwaltung. SozialiieinokratischerWahlYereiii III. Grappe. Am 25. d. M. verstarb unser Genosse, der Metallarbeiter Gotthilf MUblbrandt im Alter von 27 Jahren. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet heute nachmittag 4'/. Uhr von der Halle des Philipp- Apostel< Kirchhoss, Müllcrstr. 44, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 250/19 Dor Vorstand. PP Jed. I Greift zu! 33 L Kill. Herrn, der sich ele/r sieg. natsgarderobe in feinsten. Werkkleiden will, empfehle eleg. Mo- stätt. Berlins gearb., von Herr- schaften.Doktoren, Kavalieren nur kurze Zeit gebr.(für jed. Pig.pass.) Monats-Jackett-Anzüge 8,10, 14,18M Monats-Rock-AnzQge 10, 12, 16, 20 M. Monats-Paletots 8, 10, 14. 18 M. Monats-Herren-Hosen 2,50, 5,00 M. lltsfer, sehr billig-. Große Abteilung neuer Garderobe. 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In dringenden Fällen, in denen nach- weiSlich ärztliche Hilfe sofort not- wendig und die des Kassenarztes nicht zu erreichen ist, kann auch die Hilse eines anderen ArzteS in An- spruch genommen werden; in diesem Falle zahlt die Kasse das Honorar sür den ersten Besuch bczw. Hilfe- leistung bis zum Betrage von 10 M. Spezialistische Zahnbehandlung wird nicht gewährt. Bei Verordnung durch den Kassen- arzt wird nach Bestimmung deS Vor- staudes von Fall zu Fall auch Milch als Hrllmiltel gewährt. - Als Familienangehörige sind die n demselben Haushalt mit den Mit- »liedern lebenden und mit ihrem Unterhalte ganz oder grösstenteils aus den Arbeitsverdienst der Mit- glieder angewiesenes Eltern, Ehe- galten und noch nicht l4 Jahre alten Kinder anzusehen. Durch Aenderung des§ 29 werden die Beiträge wie folgt festgesetzt: a) sür die Mitgl. der 1. Klasse 99 Pf. bl....2 75 >) M M• Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. 2— 4 Von der Kleinhans> Siedelnng Ideal find illnstrierte Prosprekte gratis zu haben in den Zigarrengeschäften von A. C h a r l e t, Ackerstr. 154. I. v. d. Beeck, Müllerstr. 60. F. B o l d t, Warschauer Str. 60. F. H o r f ch, Engeluser 15. A. T i c tz, Jnvalidenftr. 124. H. Brückneri, Gartenstt. 71. H. Lehmann, Kottbuserdamm 8. G o 1 1 s r. Schulz. Admiralstr. 8. Franz Niemeher, Weberstt. 19. C. V o g e l II, Kovpcnstr. 82. W. Börner, Ritterstr. 15. R. Thiele, An der Stralaucr Brücke 4. 106/14 C l a s e n, Gipsstr. 27. Voigt, Eharitästr. 3. W. Conrad, Hennannstr. 50. An der Theaterkasse des Kauf- Hauses Hahn, Alexanderplatz, und im Bureau der Genossenschaft. s) 30. Vorstehende Statutenänderungen treten am 30. September ISIS in Kraft. Abdrücke deS Nachtrages können im Kassenlokal, Steglitz, Marttnstr. 8, während der Kasscnstundcn von 9 bis 1 Uhr entgegengenommen werden. Berlin-Steglih. 278/20 den 27. September 1912. Der Vorstand: Emil Barthel, Vorsitzender. R. Brauer, Schristsühxer. IMark wöchentl. Teilzahlungen liefere elegante fertige Herren- Gimeiota : Ersatz für Man: Anfertigung n. Mass Tadellos. Ausftlhrung Schneidermeister lir.FraDkl.Slr.3r Eingang Straut berger Platz. nur I. Etage, i: kein Laden, ij feinste Fabrikate, auf bestem Futter mit Einlage 33.-, 40.—, 48.— 54.—, 65.— bis ISO,— M. Eretfciassl�e Stoffe!— Eigene Fabrikation! Billige Preise! Ungeheure Auswahl!— Aenderungen gratis! 800 KostQme Entzückende Fassons, herrl Winter- Qualitäten 15.—. 18.-,«2.—, 25.— bis IJfcO.- Mark Peiz- oi lektion.Kioifier.hödie. clnsen aus la Tuch und Eskimo in solider Ausführung 16.-, 20., 24.-, 28.— bis»60— Mark eu bekannt Preisen Sonntag geöffnet 8 10 llhr vormittags, p �in CtejEn Arbeitsnachweis: Hos L Amt Norden. Nr. 1239. VervilllinigZülelle Berlin Eharit�straste 3. Hauptbureau: Hos HI. Amt Norden, Nr. 1987. Montag, den SO. September, abends« Uhr: - SroSe Verkammlung= aller In den Betrieben der Galanterie- und Bijouteriebranche beschättigten Kollegen». Kolleginnen in den Rittersälen, Ritterstr. 7». Tagesordnung: 1. Die jetzige Situation in dieser Branche und unsere Stellungnahme dazu. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Niemand darf in dieser Versammlung fehlen, alle müssen er« scheinen._ �ebiuvg! Arbeltslose, �birnig! Hontae, den 80. September bleibt die Kassie de. Arbeitsnachweises den ganzen Tag geschlossen. Arbeitslosenkontrolle, Arbeitsvermittelung und Ar» beitslosmelden findet an diesem Tage in der festgesetzten Zeit statt. 125/3 IMe Ortsvcrwaltnng._ fT Wornmilrelitsicn�l das Stadtgespr Ach im üttden BerllnsT Um die Kulanz und Diskretion der so sehr bevorzugten Kredit- Firma Hugo Udo Cohn Nr. 13 Kottbuser Damm Nr. 13 MÖBEL- KREDIT gewahre Ich jedem, der zu mir kommt. 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Druck u.Verlag: Vorwärt» töuchdruckerei n. Verlagsanstalt Paul Singer«.Co.. Berlin LUt. Hr. 227. 29.»9. Ktjirks-KeilM If5 Jotiiiirts" für Mk«-We«. 28. Zeptember 1912. Gerichts-Zeitung» Eine fortgesetzte Versammlung— oder eine„neue"?, Unter der Anllage eine? Vergehens gegen das ReichSvereinSgesetz hatten gestern Genosse Alfred Pärsch und Genosse Johann Wussow sich vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte zu verantworten. Sie werden beschuldigt, öffentliche politische Versammlungen ohne die vorgeschriebene Anzeige veranstaltet und geleitet zu haben. Es handelt sich um Ver- sammlungen, die in Berlin am 10. Mai abgehalten wurden zum Zweck eines Protestes gegen den Gewaltakt im Abgeordnetenhaus, der am Tage vorher gegen unsere Abgeordneten Borchardt und Leinert verübt worden war. Geleitet wurde die Versammlung im„Stadt- theater Moabit" von Pärsch, die in den„Pharussälen" von Wussow. Beide Versammlungen waren, wie alle übrigen, vorschriftsmäßig angezeigt worden. Die Anklage behauptet aber, im„Stadttheatsr Moabit" und in den„Pharussälen" seien nachher noch neue Ver- sammlungen abgehalten worden, die nicht angemeldet waren. Die Angeklagten, die als Leiter der angeblich neuen Versamm- lungen jetzt zur Verantwortung gezogen werden sollten, haben von dem Sachverhalt eine andere Auffassung. Vor Gericht schilderte Pärsch, wie im„Stadttheater Moabit" infolge gewaltigen Zudranges zu der Versammlung der große Saal bei weitem nicht alle Er» schienenen hatte aufnehmen können, so daß Tausende im Garten bleiben mußten. Er habe im Saale sämtliche Türen öffnen lassen, die nach dem Garten hinausführen, und es habe dann die im Garten verweilende Menge das Referat des Landtagsabgeordneten Paul Hirsch mit anhören können. Später habe Pärich als Versammlungsleiter sich mit dem Bureau und dem Referenten in den Garten hinausbegeben, wohin ihnen auch der überwachende Polizeileutnant nebst einem Schutz- mann gefolgt sei. und die Versammlung sei hier fortgesetzt worden. In ähnlicher Weise wurde in den Pharussälen, wo Landtags- abgeordneter Karl Liebknecht sprach, nach Füllung des großen SaaleS den nachströmenden Tausenden, die in einem Nebensaal und im Garten verweilen mußten, noch Gelegenheit gegeben, an der Ver- sammlung teilzunehmen. Wussow war dabei immer Leiter der Ver- sammlung geblieben, die er, wie er vor Gericht betonte, als eine fortgesetzte ansah. Die Anklage beruft für ihre Behauptung, daß in beiden Lokalen„neue" Versammlungen veranstaltet worden seien, sich auf daS Zeugnis der in den Versammlungslokalen gewesenen Polizeileutnants und der ihnen beigegebenen Schutzleute. Im gestrigen Termin fehlten leider die Polizeileutnants, weil sie be- urlaubt waren. Der Staatsanwalt wollte auf diese Zeugen nicht verzichten. Pärsch gab hierzu an, er habe im.Stadttheater Moabit" sich sogar an einen Leutnant gewendet und ihm von vorn- Herrin feine Abficht, die Versammlung fortzusetzen, mitgeteilt. Der Leutnant habe zunächst geantwortet, daß ihm kein Genehmigungs- recht zustehe. Hinterher aber habe er zu Pärsch gesagt, er wünsche nicht mißverstanden zu werden, die Versammlung dürfe nach draußen verlegt werden, nur dürfe Pärsch sie dann im Saal nicht schließen. Die Anklage behauptet, drinnen habe man zunächst eine Resolution angenommen und die Versammlungen geschlossen, und dann erst sei draußen weiter geredet worden. Der Verteidiger, Rechts- anwalt Heine, bestritt, daß tatsächlich ein Schluß erfolgt sei. Auch die ResolutionSannabme, wenn sie wirklich erfolgt sein sollte, bedeute noch lang» leinen Bersammluugsschluß. Dazu bedürfe eS der aus- drücklichen Erklärung, daß die Versammlung geschlossen sei. Die An- geklagten versicherten, eine solche Erklärung nicht abgegeben zu haben, weil sie noch gar nicht schließen wollten. Die Verhandlung kam über diese vorläufigen Erörterungen nicht hinaus. Der Staatsanwalt erklärte, daß er ohne die beiden Polizei- leutnants nicht auskommen könne. Aus sie wolle er sich stützen auch gegenüber den etwa ander» lautenden Aussagen aller übrigen Zeugen. Infolgedessen beschloß das Gericht die Vertagung. Akademiker vor Gericht. AuS Halle a. S. berichtet man: Zwischen dem Leutnant der Reserve, Grafen v. Luckner und dem stuä. math. A p e l kam eS am Abend des 23. April auf der Straße zu einer Rauferei. Man„fixierte" sich, nannte_ sich gegenseitig Schafskopf, ruppiger Kerl und Kneifer. Dann erhielt der Gras eine Ohrfeige und der Student einen Schlag auf die Schulter. Der Graf wurde von dem Studenten gefordert; es kam zu einer weiteren Prügelei mit krummen Säbeln. Beide wollten LS Minuten kämpfen. Nachdem man aber„V6 Gänge" gefochten und der Graf ein paar blutige Verletzungen am Kopfe erhalten hatte, beruhigt man sich. Der Graf wurde von dem Kriegsgericht zu drei Monaten Festung verurteilt; der Student erhielt von dem Land- gericht dieselbe Strafe. Darauf betrat der ottid. theol. Karl Wettberg von hier die Anklagebank der Strafkammer. Er hat drei Verbindungsbrüdern aus Schränken usw. Geldbeträge von 60, 4t) und 20 M. entwendet. Da er wegen Diebstahls bereits mit fünf Monaten Gefängnis vor- bestraft ist, wurde er zu einer Zusatzstrafe von drei Monaten ver- urteilt. Sein theologisches Studium hat er inzwischen auf- geben müssen._ Vom Kampfe gegen die Arbeiterjugend. Ein recht bedenkliches Urteil des preußischen Oberverwaltungs- gerichts ist jetzt den Parteien schriftlich zugestellt worden, nachdem seinerzeit in der öffentlichen Verhandlung die Entscheidung„aus- gesetzt" worden war. Am 12. März 1311 fand im Ballhof in Linden bei Hannover eine vom Jugendausschutz veranstaltete Jugendversammlung mit folgender Tagesordnung statt:„Was will die bürgerliche, was will die proletarische Jugendbewegung?" Als der Referent Mey die von christlichen Organisationen ins Leben gerufenen Jugendvereine kritisierte und betonte, daß durch sie den Unternehmern billige und willige Arbeitskräfte gesichert werden sollten, verlangte der über- wachende Beamte die Entfernung der Jugendlichen, weil sich der Redner auf politischem Wege bewege. Der Vorsitzende Rolle er- klärte darauf: Eine Fortsetzung der Versammlung ohne die Jugend. lichen würde keinen Zweck haben, er schließe deshalb die Berfamm- luttg. Zugleich forderte er aber die Anwesenden auf, im Lokale zu verbleiben, indem er der Erklärung über den Schluß der Ver- sammlung hinzufügte:„Wir können aber noch hierbleiben und uns unterhalten, vielleicht ein Lied singen, vielleicht kann auch einer etwas vorlesen."— Hierauf erklärte der Beamte die Versammlung für aufgelöst und forderte die Anwesenden auf, den Saal sofort zu räumen, was auch geschah. Nach vergeblicher Beschwerde beim Regierungspräsidenten und beim Oberpräsidenten klagte Rolle beim Oberverwaltungsgericht. Er bestritt erstens, daß überhaupt eine Versammlung zur Erörte rung politischer Angelegenheiten, an der Jugendliche unter 18 Iah ren nach dem Reichsvereinsgesetz nicht teilnehmen dürften, vorge- legen habe. Zweitens aber habe er ja die einberufene Versamm- lung selber geschlossen und zu einem geselligen Zusammenfein auf» gefordert. Ein solches hätte nicht durch Auflösung verhindert werden können. In der öffentlichen Verhandlung vertrat dann Rechtsanwalt Wolfgang Heine mit eingehenden RechtSauSführungen die Klage. Das jetzt vorliegende Urteil des Oberverwaltungsgerichts— Aktenzeichen I. A. 92. 11— weist die Klage ab. ES führt zunächst aus, daß die Versammlung eine zur Erörterung polittscher Ange legenheiten gewesen sei. Nach allen Begleitumständen, zum Beispiel Aufforderungen im„Volkswille"-Hannover. im Mitteilungsblatt für die Abonnenten der„Arbciter-Jugend" u. a. m., fei nämlich anzunehmen, daß die Versammlung den Zweck gehabt habe, auf die Anwesenden im Sinne der Sozialdemokratie einzuwirken. So- mit wäre, da Personen unter 18 Jahren in politischen Versamm- lungen nicht anwesend sein dürfen, der Polizeibeamte berechtigt gewesen, alsbald bei Eröffnung der Versammlung die Entfernung der Jugendlichen zu verlangen. Daß er damit gewartet habe, bis der Referent mit seinem Vortrage begonnen habe, beschwere den Kläger nicht.— Nach diesen Darlegungen kommen die bedenklichsten Ausführungen des Urteils. Sie lauten:„Da die Versammlung nur oder fast nur aus Jugendlichen bestand, und jedenfalls als Jugendversammlung einberufen worden war, war sie eine solche, welche den Strafgesetzen, nämlich dem Z 18 Nummer 6 des Reichs- Vereinsgesetzes, zuwiderlief. Daher war die Polizei kraft ihrer allgemeinen Aufgabe, strafbare Handlungen zu verhindern» befugt, dem Zustandekommen der Versammlung entgegenzutreten, die Fort- setzung der begonnenen Versammlung und das fernere Zusammen- sein der Jugendlichen zu verhindern, sowie die Räumung des Lo- kals zu verlangen. Diese Wirkung suchte der Beamte zunächst dadurch zu erreichen, daß er den Leiter der Versammlung auf- forderte, für die Entfernung der jugendlichen Personen zu sorgen. Als der Leiter diesem Verlangen jedoch nicht nachkam, vielmehr die Jugendlichen im Widerspruche mit der Forderung des Beamten zum Verbleiben aufforderte, war der Beamte befugt, zur Durch- führung seiner auf die Entfernung der Jugendlichen auS dem Saale gerichteten Anordnung das Geeignete selbst zu veranlassen. Wenn er sich dabei der Worte bediente, daß er die Versammlung für aufgelöst erkläre, so ist dies nach Lage der Sache nicht dahin zu verstehen, daß er auf Grund des K 14 des Reichsvereinsgesetzes Hobe vorgehen und die Versammlung aus einem der in diesem Paragraphen genannten versammlungsrechtlichen Gründe habe auflösen wollen. Vielmehr hat er sich nur desjenigen Ausdruckes bedient, welcher auch für andere Fälle, in welchen der Fortsetzung einer ungesetzlichen Versammlung entgegen getreten wird, der üb- liche ist und in kürzester und deutlichster Form die für nötig er- achtete Anordnung zur Kenntnis und Nachachtung der Versammel- ten bringt. Diese Befugnisse des Polizeibeamten konnte dadurch nicht beseitigt werden, daß der Leiter die Versammlung schloß, zu- gleich aber die Versammelten aufforderte, im Versammlungsraum zu geselligen Zwecken zusammen zu bleiben. Denn die Räumung des Versammlungslokals gehört mit zu denjenigen Maßnahmen, die zulässig sind, um einer ungesetzlichen Versammlung entgegen zu treten. Die Polizeibehörde würde ihre Aufgabe nur ungenügend erfüllen können, wenn sie in derartigen Fällen sich mit der formellen Schließung der Versammlung begnügen und das fernere Zusammensein der Versammelten dulden müßte. Ist einmal eine Menschenmenge zum Zwecke einer gegen die Strafgesetze verstoßen- den Versammlung zusammengetreten, so ist der von der Polizeibe- Hörde zu verlangende polizeimäßige Zustand erst dann erreicht, wenn die Versammelten sich zerstreut und das Versammlungslokal geräumt haben. Nach alledem erweist sich die Klage als unbe- gründet." So das Urteil. Die Sache ist also die: Ein AuflösungSgrund aus dem Reichsvereinsgesetz(ß 14) war nicht gegeben. Ein Polizei. beamter als Beauftragter einer Behörde kann aber eine als poli- tisch erachtete Jugendversammlung, weil sie einem Strafgesetz(Z 18 des VereinsgesctzeS) widerspricht, auf Grund der allgemeinen poli- zrilichen Befugnisse auseinander treiben und dabei den prägnanten Ausdruck„Auflösung" gebrauchen. Seine Befugnitz, den„Polizei- mätzigen" Zustand wiederherzustellen, geht aber außerdem so weit, eine alsbald an Stelle der nichtgewünschten Versammlung tretende harmlose gesellige Veranstaltung ebenfalls auseinanderzutreiben. Das läßt ja noch allerhand erwarten. Unsere Jugendbewegung wird sich aber auch damit abzufinden wissen. Hub aller Melt. Die Taifunverheeruugen in Japan. DaS Reutersche Bureau in London meldet au« Tokio vom 28. September: Die Verbindungen sind noch immer unterbrochen. Die Provinzbewohner, die nach Tokio kommen, erzählen er« schütternde Einzelheiten von den Wirkungen de« Taifuns. Von der Fischerbevölkerung in Sapporo sind 409 Leute umgekommen. Drei Torpedoboote werden vermißt. Nach den Be« zirken Gifu und Aichi, wo Tausende von Familien obdachlos find, wurden Truppen entsandt, um Rettungs» und Schutzarbeiten auS- zuführen. Wo der Sturm am schlimmsten wütete, ist nichts stehen geblieben. Straßen sind eingestürzt, Tempel, Theater. Schulen und öffentlicheGebäude hinweg« gefegt und ganze Wälder verschwunden, so daß die Gegend nicht wiederzuerkennen ist. Die Sicherheit auf französische« Kriegsschiffen. Der nattonalistische Deputierte Daniölou, der al» Mitglied des Marineausschusses eine Reihe von Panzerschiffen besichtigt hat, erklärte einem Mitarbeiter de»„Echo de Paris", er habe hierbei verschiedene Feststellungen gemacht, die nach den Katastrophen der Kriegsschiffe„Jöna" und„Liberth" einfach unfaßbar seien. So habe er mehrfach gesehen, daß die Dynamomaschinen der Lastaufzüge im Innern der MunitionSkammrrn selbst unter- gebracht seien. Da« Unglaublichste aber habe er an Bord deS „C o u r b e t" festgestellt. Daselbst befinde sich gleich neben den Pulverkammern da» Petroleumrefervoir. Bisher hätte man im Falle einer Gefahr die Schiffe durch Ersäufen der Pulverkammern retten können. Aber bei dem„Courbet" würden sich bei einer Explosion V0 Tonnen brennende« Petroleum über da« Schiff ergießen. Er Hab» seine Wahrnehmungen und Befürchtungen dem Marineminister Delcassü mitgeteilt, der ihm erklärt habe, daß er nicht an der Spitze der Marineverwaltung ge- standen habe, al« die Pläne dieser Schiffe gutgeheißen wurden, und daß e» u n m ö g l i ch sei, die innere Einrichtung eine« der Vollendung M bleibt die große Hode Eigene Fabrikation, direkter Einkauf fast der gesamten Rohstoffe in ersten Fabriken ermöglichen Beste QualitSten Sehr billige Preise 65, 54, 48, 42, 34. 32, 28, 23, 18 m. 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Bedenkt man, daß zu diesem einen Wunderorte jährlich bis zu 600000 Menschen lv allfahren, die alle ihren Obolus der „alleinseliginachenden" Kirche opfern, so kann man ermessen, welche Riesensummen die römische Kirche ans der Dummheit der Menschen zu münzen weiß. Das Elend des„Schmieren"lebe»s. Man schreibt uns aus Königsberg: Einen tragischen Ein- blick in das Elend des„SchmierenlebenS", in die Nöte der herum- ziehenden kleinen Provinzthcater gewährt uns der Selbstmord des Schauspielers Hermann Demant, der Direktor einer kleinen, in Ostpreußen reisenden Truppe war. Demant halte sich in Königs- berg aus stellungslosen Schauspielern und unbeschäftigten Choristen ein Ensemble zusammengestellt, das Volisstück mit Gesang„Im Berg- brunner Hof" einstudiert und war frohgemut niit der Gesellschaft nach Gumbinnen gezogen, wo die Kunstfahrt durch die Provinz ihren Anfang nehmen sollte. Aber die bei einem Königsberger Kostütyverleiher bestellten Kostüme blieben aus: es mußte! gespielt werden, und der notdürftige Aufputz. in dem die Komödianten erschienen, trug natürlich nicht zur Erhöbung der Stimmung im Publikum bei. Das Stück fiel durch und wurde von der Kritik so ungünstig rezensiert, daß die Kunde davon nacki S t a l l u p ö n e n und P i l l k a l l e n drang. Hier hatten die nächsten Vorstellungen stattfinden sollen. Durch den Vorverkauf waren bereits in beiden Städten je 200 M. eingegangen. Aber als die Truppe in Stallupönen eintraf, da mußte der Direktor zu seinem Schrecken erfahren, daß sich der größte Teil des Publikums, durch die Zeitungen gewarnt, das Eintrittsgeld hatte zurück- zahlen lassen. Vor leerem Haufe wurde gespielt. In der Kasse lagen ganze 32 M. Durcki diesen traurigen Fortgang eines Unternehmens, auf das er so große Hoffnungen gesetzt hatte, wurde Demant völlig entmutigt und schoß sich in einem Stallupöner Gast- haus eine Kugel durch den Kopf. Sein Zustand ist hoffnungslos. Neuer Mordversuch in der Roscnthal-Affäre. Die New Dorker Blätter berichten von einem neuen Mordversuch in der an sensationellen Ueberraschungen so reichen Mordaffäre Rosenthal. Frau Dora Gilbert, die erste Gattin des Spiel- höllenpäckiters Rosenthal, wurde in bedenklichem Zustande in das New Uorker Krankenhaus eingeliefert, Ivo die Aerzte eine Chlor- Hydratvergiftung feststellten. Es besteht jedoch keine un- mittelbare Lebensgefahr und man hofft, Frau Gilbert retten zu können. Frau Gilbert ist eine der Hauptbelastungs- zeuginnen gegen die Polizei in der New Dorker Korruptionsaffäre. Kleine Notizen. Grubcnkatastrophe in Südspanien. Wie uns aus Huelva ge- meldet wird, erfolgte in der Perrunal-Grube ein umfangreicher Erd stürz. Zwölf Arbeiter wurden erstickt unter niedergegangenen Erdmasseu hervorgezogen. Automobilzusammenstoß. In der französischen Ortschaft Belle- ville-sur-Saone wurde Donnerstagabend bei einem Auto- mobilzusammenstoß der Flieger und Erbauer von Flugmaschmen Charles Voisin getötet, die Fliegerin Delaroche s»ch lv e r verletzt. Todessturz eines amerikanischen Militärfliegers. Der amerika- nische Armeeflieger Hauptmann B a m b a u g h ist in North Manchester im Staate Indiana mit seinem Doppeldecker aus dreißig Meter Höhe abgestürzt und wurde tödlich verletzt. Der ungetreue Kassierer. In München hat sich der lang- jährige Kassierer des bayerischen Frauenvereins vom Roten Kreuz, Oberleutnant o. D. Nagel, nach Unterschlagung von Vereinsgeldern freiwillig der Staatsanwaltschaft gestellt. Die Unterschlagungen reichen Jahre zurück und schädigten den Verein um 75 000 Mark. Den Kameraden erstochen. Im Fort Chrisel bei Verdun verwundete ein Soldat, dem wegen einer Bestrafung der Ausgang untersagt worden war. zwei Kameraden, die ihn auf Befehl des Korporals zurückhalten wollten, durch Bajonnettstiche. Einer der Soldaten ist bereits seinen Verletzungen er- legen.__ Jugciidvcranstaltunge«. Neukölln. Sonntag, den 29. September: Lierbstwanderungen. 1. Tegel, Heiligcnsee, Spandau. Fahrgeld 55 Ps. Treffpunkt früh 6'/, Uta- Hermannplatz.— 2. Melchow, Nonnenflieg, Melchow. Fahrgeld 1,70 M. Abfahrt; Bahnhof Hcrmannstraße 5.06, Bergstraße 5.08 früh. Ulster 27» 29.-32.-36.- 38.-42.-4650 48.-54.-60.- 65.-68.-75.- Paletots 2450 26.-276029.- 32.-36.-38.- 40.-42.-46.- 4850 52.-58.- 65.-70.-78.- Verlangen Sie fZ' bitte die neue Modeu-Besciireibung „Der elegante Herr" porto- u. kostenfrei Zossener Str. i 38 Zossener Str. 58 Woliiiungs-Einriclitungen in einfacher und moderner Ausführung. Günstigste Kaufgelegenheit für Brautlcnte. Spezialität: 1 u. 2 Stuben-Einrichtungen mit Küche. Püelir geringe Anzahlnng. Kleine wöchentliche oder monatliche Raten. Langjährige Garantie. Riesige Auswahl. Anerkannt größte Rücksicht bei Krankheit und Arbeitslosigkeit. Möbel-Kaufhaus H. CroMstanR». 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