Ur. 338. BDonncmentS'Bedlngungcn: Sffioimemeiüä■ Preis»iränumer-mdo: «iertcljShrl. 3,30 m.. monatl. 1,10 Mk.. wöchentlich 28 Mg, frei ins H°uS. ©niclnc Nummer 5 Pfg. Sonntags. nunmict mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Psa Post. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Vrelsliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich> Ungarn Adresse: „Soalalilewollrat Rerti»". Zcntralorgan der roziatdeinokrattfchen Partei Deutfchlands. Redahtion: 8M. 68. Ltndenstrasse 69« Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr- 1983. Expedition t SM. 68» �.indenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981. Heute mittag 12 Uhr: Massenversammlungen gegen Teuerung und Regierungsabsolutismus. Erscheint alle! Parteigenossen! Der Parteitag in Chemnitz hat die Hoffnungen, die das Proletariat auf ihn gesetzt hat, in reichern Maße erfüllt. Geschlossen und willenskräftig geht die deutsche Sozialdemokratie an die Bewältigung der schweren Ausgaben, die sie zu erfüllen hat. Als Wortführer aller Bedrückten und Beladenen wird sie den entschiedensten Kampf gegen die Aushungerungspolitik der Schutzzöllner weiterführen, die in gewissenloser Weise die breiten Massen des Volkes darben lassen und frühem Siechtum preisgeben. Allen Versuchen, die Ge- werlschaften in ihren Bestrebungen nach Vev- besserung der Lebenshaltung der Arbeiter zu hemmen, wird sie den nachdrücklichsten Widerstand leisten. Der Parteitag hat gezeigt, wie notwendig vielmehr der Ausbau der Arbeiterschutz- gesetze ist. Gegenüber den Konflikten der Völker, die der Imperialismus immer wieder erzeugt, wird die Sozialdemokratie die internationale Solidarität des Proletariats noch mehr stärken und alles aufbieten, um die drohende grauenvolle Kriegs- gefahr zu beseitigen. Allen Kriegshetzern gilt ihre Feindschaft, dem wahnwitzigen Wettrüsten gilt ihr unablässiger Kampf. Der vom Parteitag beschlossene Ausbau der Organisation wird die Schlagkraft der Partei erhöhen. Zuversichtlich dürfen wir erwarten, daß die Kämpfe um ein gleiches WaHd- recht das Proletariat in zäher Entschlossenheit auf dem Platze finden werden. Gegenüber der organisierten Macht des Unter- nehinertums erwächst uns die Pflicht, unermüdlich daran zu arbeiten, daß die Aufklärung über unser Ziel in immer weitere Kreise dringt, daß unsere Reihen immer mehr gestärkt werden. Parteigenossen! Sorgt für die Ver- breitung unserer Presse! Organisiert Euch! Bringt den letzten Arbeiter in Eure politischen und wirtschaftlichen Kampforganisationen. Nur so könnt Ihr mit Erfolg die schweren Kämpfe durchführen, die Euch bevorstehen! Hoch die völkerbefreiende Sozialdemokratie! Berlin, den 27. September 1912. Der Parteivorstand. Kebel. Krailn. Kriihl. Ebert. Cerisch. Hllftsf. MMBuhr. Müller. Mlllttlch. Scheidtillllll». Mtvgels. Zieh. Aegen Pflichterfüllung verurteilt! Genosse Borchardt wurde gestern zu IVO M. Geldstrafe Verurteilt, weil er die Erfüllung seines Rechts und seiner Pflicht als Abgeordneter, der Verhandlung des Abge- ordnetenhauses vom 9. Mai beizuwohnen, gegen die Diktatur der Polizei zu verteidigen suchte. Genosse Leinert wurde zu 59 M. Geldstrafe verurteilt, weil er es abgelehnt hatte, der Polizei bei dem Versuch. Borchardt an der Erfüllung seiner Pflicht zu hindern, Beistand zu leisten. So lautet aus dem Formaljuristischen ins Deutsche übersetzt das gestern von der Strafkammer des Landgerichts Berlin gefällte Urteil. An anderer Stelle geben wir die Urteilsgründe ausführ- lich wieder. Sie setzen sich souverän über die Grundlage der Verfassung, über das Recht des Volkes, durch den von ihm gewählten Abgeordneten vertreten zu sein, hinweg, nicht minder über die Pflicht des Abgeordneten, sein Mandat aus- zuüben, wie über die im Interesse der ungehinderten Aus- Übung des Abgeordnetenmandats durch die Verfassung fest- gelegte Immunität der Abgeordneten und über die zum Schutz der ungehinderten und freien Ausübung der Pflichten der Parlamentsmitglieder in dem 8 193 und 196 des Straf- gesetzbuchs niedergelegten strafrechtlichen Vorschriften. An Stelle der Verfassung und des Reichsstrafgesetzesbuches tritt nach dein Urteil die Diktatur des Polizeisäbels. Die gestrige Sitzung zeigt zur Evidenz, datz selbst der preußische Polizeiminister erhebliche strafrechtliche Bedenken gegen die Vornahme eines Polizeiaktes Abgeordneten gegen- über hatte. In dem Schriftwechsel zwischen dem Präsidenten des Abgeordnetenhauses und dem Minister des Innern schreibt unter anderem der Minister des Innern unter dem 3. Mai 1919: „... daß sich die Mitwirkung der Polizeiorgane auf die Ent- fernung ausgeschlossener Abgeordneter aus dem Sitzungssaale und der Tribüne zu beschränken haben wird, während es hier nicht angängig erscheint. Polizeikräfte auch, von ganz besonderen Ausnahmefällen abgesehen, etwa zur Verhinderung eines Wiedereintritts eines Ausgeschlossenen in den Sitzungssaal oder auf di« Tribünen zu verwenden." In einem Schreiben vom 29. Juni 1919 heißt es: „Würde der Polizeioffizier, ohne sich von dem Vorliegen der Voraussetzungen des polizeilichen Einschreitens zu vergewissern, vorgehen, so würde ihn vor der Gefahr, unter Umständen aus 8 l05 des Strafgesetzbuches verfolgt zu werden, eine Verein- barung zwischen Ew. Exzellenz und mir nicht schützen können, was zu sehr unerwünschten Folgen führen könnte." So selbst der preußische Polizeiminister. Ueber den Prozeß urteilte dieser Tage selbst ein r e ch t s° stehendes nationalliberales Amtsblatt im rheinisch-westfälischen Jndustriebezirk, die „Dortmunder Zeitung" also: es sei kein erfreuliches Bild, das diese Woche der Staat Preußen der Welt biete. Das Ein- schreiten der Polizei und der folgende Prozeß seien eine Her- abwUr>digung des Parlamentarismus. Dann heißt es wörtlich weiter: „Abgeordneter Borchardt hält aufs entschiedenste an der Er- klärung fest, daß es ihm gar nicht eingefallen sei, an jenem omi- nösen Sitzungstage einen Konflikt herbeizuführen. Wer den Sitzungsbericht seinerzeit verfolgt hat. oder jetzt vorurteilslos Borchardts und Leinerts Aussagen würdigt, muß objektiv diese Erklä- rung bestätigen. Wir wollen dem toten Präsidenten Erffa nicht mehr nachreden, daß er den Streit vom Zaune gebrochen habe. Aber eine starke Nervosität war damals bei ihm schon unverkennbar: und unter seinen Parteigenossen saß gewiß mancher, der ihm z u r Verschärfung der ent- standenen Meinungsverschiedenheiten zuge- redet hat. Doch dem sei, wie ihm wolle: es ist eine Ungeheuer- lichkeit, daß der preußische Landtag sich selb st seiner verfassungsmäßig verbrieften Privi- legien entäußert und bei Störungen seiner Hausordnung wie ein spießbürgerlicher Ba- nause zum Kadi läuft. Besäße die Majorität des Ab- geordnetenhauscs auch nur ein Fünkchen des aristokratischen Füh- lens ihrer Vorväter, mit denen sie so groß tut, sie würde sich er- innern, wie eifersüchtig diese allezeit über Privilegien ihres Standes gedachi haben. Es ist förmlich unfaßbar, wie man auf jener Seite an dem Artikel 48 der preußischen Verfassung so acht- los vorübergehen konnte, der unbedingt verbietet, Mitglieder wegen ihrer in Abgeordnetcneigenschaft begangenen Handlungen zur Verantwortung zu ziehen, wie man den Präsidenten zur Klagecrhebung wegen Hausfriedenbruches bestimmen konnte. Wir haben wenig Hoffnung, daß die Justiz, von der eigent- lich schon eine einfache Abweisung des ver- fassungswidrigen Verfahrens erwartet werden mußte, mit einem glatten Freispruche die unangenehme, dem Lande nicht zur Ehre gereichende Sache aus der Welt schaffen wird. Trotz äußeren Strebens nach dem Scheine der Unbefangenheit merkte man der Frage- stellung an, daß die Richter auf dem Boden der Anklage stehen..." Wie vorteilhaft stechen die Gründe des neulich schon von uns zitierten Urteils des österreichischen Reichs- gerichts, unter Vorsitz eines der ersten Juristen der Welt, Unger,.gefällt wurde, von der eigenartigen Urteilsbegründung in Berlin ab. Klar und bestimnit heißt es im österreichischen Urteil:„Jeder mit dein Wahlzertifikat versehene Abgeordnete hat Sitz und Stimme im Hause, so lange das Haus dessen Wahl nicht für ungültig erklärt.' Der Kläger war daher als Abgeordneter zu Sitz und Stimme im Abgeordnetenhaus bezw. im Reichsrat, bei seiner Anwesenheit berechtigt und ver- pflichtet." Das Berliner Urteil fetzt sich souverän über diese auf der Hand liegenden staatsrechtlichen Grundsätze hin- weg. Es operiert ebenso wie der Oberstaatsanwalt in der gestrigen Sitzung mit einer eigenartigen Verzerrung des Be- griffes„Disziplin", die die Anwendung des Eventualdolus noch bei weitem in den Schatten stellt. Wie kommt der Ober- staatsanwalt zu dem haltlosen Vergleich zwischen der Tis- ziplinärstrafe gegen Beamte auf dauernde Entfernung vom Amte mit der Disziplin im Abgeordnetenhaus, deren Rege- lung Art. 78 der Geschäftsordnung überweist, und dem Fall Borchardt? Seine Darlegungen waren eine völlige Ver- kennung und Umdrehung des Begriffs und Zwecks eines Tis- ziplinarmittels.- Ein. Disziplinarprozeß kann angewendet werden, um die geordnete Pflicht e r f ü l l u n g dnes Beamten zu sichern. Er soll nicht angewendet werden gegen einen Beamten, der seine Pflicht erfüllt, sondern gegen einen Beamten, der sie vernachlässigt. Disziplinarstrafe tritt ein, um den Beamten anzuhalten, künftighin seine Pflicht zu tun. Und stellt sich seine Unfähigkeit heraus, so wurd er abgesetzt, seines Anltes dauernd enthoben, weil er dasselbe nicht aus- füllen kann. Analog hätte, wenn man schon einen' hinkenden! Vergleich zwischen Disziplinargesetz gegenj Beamte und Disziplin einer Kammer machen will, das Abgeordnetenhaus das Recht, in die Geschäftsordnung Bestimmungen gegen' diejenigen seiner Mitglieder aufzunehmen, die ihre Pflicht nicht erfüllen, die schwänzen und deshalb ihren Sitz nicht einnehmen, ihre Stimme nicht abgebm Die Disziplinarmittel könnten nur dahin abzielen, die Abgeordneten zur Anwesenheit und Ab- stimmung im Hause zu veranlassene Im Fall Borchardt hau- delt es sich umgekehrt darum, daß Borchardt die ihm durch die Verfassung und durch seine Wahl auferlegte Verpflichtung, der Verhandlung beizuwohnen, eingehalten hat und einhalten wollte, daß er aber hierbei durch Polizeigewalt gehindert ist. Soll ein Disziplinarmittel den Zweck haben, zur Pflichtver- letzung anzuhalten!? Die vollendete Konfusion der Begriffe, die sich auch bei der Heranziehung des Disziplinargesetzes zur Stütze der haltlosen Anklage zeigt, ist nicht Erfindung des Gerichts oder des Oberstaatsanwalts, fondern der„Deutschen Tages- z e i t u n g". Sie hat in ihrer Morgenausgabe vom FrÄtag in der o f f e n b a r e n A b f i ch t e i n e r B e e i n f l u s s u n g desGerffchts einen längereu Artikel voiu Stapel gelassen, in dem sie die Entdeckung macht, die Disziplin des Abgeord- netenhauses müsse auch die Ausweisung eines Abgeordneten rechtfertigen,„weil unsere deutsche Disziplinargesetzgebung durchweg als schärfste Disziplinarstrafe sogar Äil dauernde Entfernung vom Amte vorsieht". Der Oberstaatsanwalt und das Gericht haben sich wahrlich nicht mit Ruhm bedeckt, als sie dem jeder Logik spottenden Gallimathias der„Deutschen Tageszeitung" folgten. Kühn ist auch die Folgerung des Urteils: weil bei der Beratung der Verfassung von der eventuellen Notwendigkeit, einen Abgeordneten auszuweisen, gesprochen ist, und niemand gegen eine solche Auffassung protestiert habe, sei zu schließen, man habe eine Auswoisung für zulässig erachtet— wiewohl man sie ausdrücklich ablehnte. Das heißt denn doch die Auslegungskimst auf die Spitze treibm Klar und bestimmt hat nach der Verfassung der einzelne Abgeordnete Sitz und Stimme im Abgeordnetenhaus. Gründe auf einen zeit- weiligen Verlust von Sitz und Stimme kann nur ein die Verfassung änderndes Gesetz aufstellen. Ein Gesetz, das den Ausschluß eines Abgeordneten zuläßt, weil der Präsident sie verfügt, gibt es bislang in Preußen nicht, kann es nicht geben, weil das Gesetz mit dem Strafgesetzbuch unvereinbar wäre. Das Urteil schweigt sich darüber völlig aus, wie seine Seil- tänzereieu sich mit den klaren Bestimmungen der Unverletzlich- keit des Abgeordneten und mit den klaren Bestimmungen der 8Z 195 und 196 des Strafgesetzbuches vereinigen lassen, die die Polizeitaten� denen Widerstand geleistet wird, als Verbrechen bezeichnen. Komisch aerade/w mutet die Verurteilung Lei- nerts an. Er sitzt auf seinem Platz, tut das. wozu der Präsident ausdrücklich aufgefordert hatte, und wird von seinein Platz durch Polizeibeainte zum Ministertisch gezerrt. Dann wird er verurteilt, weil er an dem gegen Borchardt begangenen Verbrechen nicht teilgenommen, es nicht be- günstigt hat. Das Nichtbegiinstigeu dieses Verbrechens wird als Widerstand gegen die Staatsgewalt aufgefaßt. Ein lustigeres Saltoinortale bann die Juristerei kauni aufweisen. Die Urteilsgründe klingen wie ein Hohn auf Gerechtigkeit und Logik. Die Nichter sind zu dem völlig unhaltbaren Urteil offen- bar gelangt, weil sie— sich selbst unbewußt— durch ihre politische Abneigung gegen Sozialdemokraten veranlaßt wurden, nicht zu prüfen:„Sind die Angeklagten schuldig?" sondern:„Welche Gründe können konstruiert werden, um die Angeklagten sür schuldig zu erklären?" Mit so fadenscheinigen Gründen, wie sie gestern verkündet sind, läßt sich jeder Staatsstreich, jeder Gewaltakt, jedes Verbrechen rechtfertigen. Das Reichsgericht wird als letzte Instanz angerufen werden. Wir zweifeln keinen Augenblick daran, daß es der Begründung der Strafkammer in keinem Punkte folgen. vielmehr sich der Ansicht des höchsten östereichischen Gerichts anschließen wird. Aber gleichviel wie das Urteil in letzter Instanz ausfällt: der Prozeß hat klar erwiesen, daß die jetzige Zusammen- setzung des Abgeordnetenhauses an Haupt und Gliedern im Interesse des Volkes und der Gerechtigkeit geändert werden muß. damit statt einer Diktatur des Polizeisäbels der Wille des Volkes im preußischen Abgeordnetenhause zur Geltung gelangt. Der Hausknechtsparagraph und seine Folge, der Prozeß gegen Borchardt und Leinert. haben wider Willen ihrer Urheber ein Gutes gehaot: sie haben die Empörung über die offensichtliche Vcrgewaltiguitg des Rechts durch die Mehrheit des Dreiklassenparlaments erhöht und dadurch die Entschlossenheit zum Kampf für das allgemeine. gleiche, geheime, direkte Wahlrecht gestärkt und gefördert.____ Ungenügend! Endlich hat die preußische Regierung dem lebhaften Volks- Protest gegen ihre Untätigkeit in der Bekämpfung der Teuerung nachgeben müssen und sich zu Abhilfemaßregeln entschlossen. Lange genug für die Notleidenden hat dieses schwächliche Abwarten allerding» gedauert. Schon vor vielen Wochen mar es der Regierung bekannt— und wenn sie selbst diese Erkenntnis nicht erwarb, konnte sie diese in der ernsthaften Presse deutlich genug finden—, daß die Fleischpretse„eine bedenkliche Höhe" erreicht hatten. Aber die„Nordd. Allg. Ztg." wagte das damals»«och als eine Bewährung unserer Wirtschaftspolitik aus- zugeben und die Regierung der agrarischen Abhängigkeit tat nichts, um die Not zu lindern und dem steigenden Elend vor- zubeugen, obivohl ihre Untätigkeit iin Vorjahre sie zun» Mit- schuldigen der AuShungcruugspolitik gemacht hatte. Erst der Druck weiterer Volkskreise ulld die Furcht, daß die sozial- "demokratische„Hetze" immer neue Schichten ergreifen werde, hat die Regierung zum Eingeständnis der Notlage und jetzt zu �UAchehnnaßregeln gezivungen. Bei den geringen Ansprüchen, die man in Deutschland an daß Verständnis der Regierung für die Lage und Bedürfnisse des nichtagrarischen Volkes zu stellen gewohnt ist, bedeutet das immerhin etwas. Werden doch nun die in letzter Zeit in verstärktem Maße wiederholten Behauptungen. die sich auch die Regierung bis vor kurzem ganz zu eigen machte, daß estre Vieh- und Fleischnot nicht bestände. Lügen gestraft. Die RegierungSkundgebung in der„Nordd. Allgem. Zeitung", die wir»veiter unten zum Abdruck bringen, erklärt ohne Einschränkung, daß die Fleischpretse eine bedenkliche Höhe erreicht haben, daß der Auftrieb an Vieh einen bedenkliche« Rückgang aufzuweisen habe und daß die dauernde Sicher- stellling unserer Fleischversorgung noch durch eine Reihe von Maßnahmen zu fördern sei. Angesichts dieses Eingeständnisses, daß unsere heimische Landwirtschast den augenblicklichen Bedarf überhaupt nicht und vor allem nicht zu erschwinglichen Preisen befriedigen kann. »nüssen aber die von der Regierung vorgeschlagenen Maß- nahmen völlig«»geniigend erscheinen. Wenn die Regierung schon mehrere Wochen für die Er- wägung der Teuerungsfragen brauchte— und vor dieser Erwägung dürfte ihr die Frage durch die jährlich wiederkehren- den NotstandSdebatten doch auch wohl nicht ganz fremd ge- Wesen sein— wenn die Rogierung so hochmütig die Forderung auf Einberufung des Reichstags abwies und alles allein machen»vollte. so hätte man erivarten können, daß sie nun auch»virklich einigermaßen ordentliche Arbeit geleistet hätte. Aber sie streift in ihren Vorschlägen die dauernden Mahnahmen nur ganz flüchtig, so daß keine Sicherheit vor der Wiederkehr ähnlicher außerordentlich drückender Notstands- zeiten geboten»vird. Und auch die Vorschläge zur vorüber- gehenden Erleichterung erscheinen bei näherer Prüfung be- langloS. Mit einem großen Aufwand von Scharfsinn sind möglichst komplizierte Bestimmungen erdacht»vorden. um den Anschein viel- gestaltiger Hilfe zu erivecken. ohne doch wirklich Wesentliches zu leisten. Klar. kurz, radikale Besserung versprechend und leicht durchführbar sind die Forderungen des Volkes: Oeffnung der Grenzen für Fleisch und Brot. Komplizierte und schwer kontrollierbare Mittelchen sind die Halbkonzessionen der Regierung. Unbegreiflich ist eS, weshalb nur große Städte die Vorteile der Einfuhr genießen sollen. DaS ganze Land seufzt unter dex Teuerung: auch die mittleren"nd kleineren Städte. Dörfer und selbst das, platte Land leiden Not. Die Erschiverung der Einfuhr durch Beibehalfimg der geltenden veterinärpolizeiltchen Be- stimmungen wird durch das Erfordernis besonderer behörd- lichcr Genehmigung noch erhöht. Nur für die Einfuhr frischen Rindfleisches aus Belgien gelten nicht die Sonderbeschränkungen. Die Rücksicht auf die d e u t s ch en A gra rt er schaut doch zu offen auS dieser verschiedenen Behandlung der einzelnen Länder hervor. Das industrielle Belgien, das kein Vieh abgeben kann, darf frei einführen. Die Einfuhr ans Rußland und den Balkanstaaten. die eher für eine Versorgung deutscher Märkte in Betracht kommen, unterliegen dagegen besonderen Beschränkungen. Den Agrariern möglich st wenig wehe tun, daS ist das Leitmotiv der Erleichterungen. Sie sollen nur vorübergehende Maßregeln sein, sie werden nur in Form von Dispensen unter Aufrechterhaltung der bestehenden Einfuhrverbote gestattet, sie gelten nur im be- schränkten Wirkungskreis einzelner Städte. Auch die Er- Mäßigung der Eisenbahntarife für die Be- förderung von Futtergerste, Mais. Vieh. Fleisch und See- fischen, deren voller Nutzen ganz oder zum großen Teil »viedcr auf Gemeinden und Organisationen beschränkt ist. verniag die geringfügigen Maßnahmen uoch nicht zu auS' reichenden zu gestalten. Selbst die für die Zukunft in Aussicht gestellte Er- Mäßigung der Einfuhrzölle für Fleisch von 27 M. auf 18 M. bleibt eine ganz ungenügende Halbheit. Auch diese Maßregel wird wieder auf von den Gemeinden be- zogenes Fleisch beschränkt. Mit aller Gewalt will die Re- gierung die Großstädte zur Fleischversorgung heranziehen. An sich haben wir gewiß nichts gegen diese endliche Er- füllung einer munizipal-sozialistischen Forderung einzuwenden. Aber wir werden den Verdacht nicht los. daß nicht etwa bei der Regierung der Wunsch dahinter steckte, aus die Städte alle Schuld ab»välzcn zu können, sobald die einsetzenden Hilfs- aklionen sich als unzureichend ertveisen. Mit diesen kleinen Mitteln sind die Vorschläge der Re- gierung erschöpft. Ausdrücklich wehrt sie sich gegen die Forde- rung, daß der§ 12 des Fleischbeschaugefetzes aufgehoben werde. Sie wiederholt die falsche Behauptung. daß die jetzigen Vorschriften allein die Volksgesundheit und die heimische Landwirtschaft— die Regierung stellt selbst beides nebeneinander— schützen. Um so dringender ist es, daß die V o l I s V e r t r e t u n g Gelegenheit bekommt, zu der dringendsten Frage des deutschen Volkes Stellung zu nehmen» Me Vorschläge der Regierung sind ganz ungenügend. Der Regierung ist es nur uro Schein- maßnahmen zu tun gewesen, die das Volk beschwichtigen sollen, aber die Rente der Großgrundbesitzer unverkürzt lassen. Alle Sachkundigen sind darin einig,'daß die Aufhebung der Zölle und die Aenderung des Fleischbeschaugefetzes unbedingt nötig sind, um die dauernde Versorgung Deutschlands mit Lebensmitteln zu gewährleisten. Dazu muß der Reichstag Stel- lung nehmen können. Die Regierung darf ihn daran nicht länger hindern, denn sie selbst hat nicht die Kraft, Au Sreichendes zu leisten. Gerade das Ungenügende ihrer Maßregeln zeigt ja. daß sie nicht den Willen und nicht die Macht hat, sich der Diktatur der Juncker zu entziehen. Deshalb weiß'dem Reichstag sein verfassungs- mäßiges Recht werdenl Nie war noch ein Anlaß zur Ein- berustmg eines Parlaments dringlicher als dieser. Wir for- dern nun erst recht die E i n b e r u f u n g d e s R e i ch s t a g s, damit er die unzureichenden Regimmgsnraßregeln durchgreifenderweitern kann. Die Erklärung der Regierung. Die preußische Dtaawregtcrung hat beschlossen, geflen die herrschende Fleischteuerung vorübergehend folgende Erleich- terungen der Bich, und Fleischrinfuhr auS dem Auslände eintreten zu lassen: l. Für große Städte, die als Märkte für die Bieh. und Fleischpreise ganzer Landesteile maßgebend sind, soll die Einfuhr von frischem Rindfleisch aus dem europäischen Rußland und von frischem Rind- und Schweinefleisch aus Serbien, Rumänien und Bulgarien im Wege besonderer Genehmigung.zugelassen nxrden, wenn das Fleisch zu einem unter behördlicher Mitwir- k u n g festgesetzten möglichst niedrigeren Preise an die Verbraucher verkauft wird. Die Beförderung des Fleisches bis zum Bestim- mungSorte muß in plombierten Wagen«so. gen. 2. Unter den gleichen Bedingungen soll die Einfuhr von rischem Schweinefleischau» Rußland im Wege besonderer Genehmigung in einzelnen.größeren Städten des Ostens, bei denen für eine derartige Versorgung ein besonderes Bedürfnis besteht, gestattet werden. � c t. 3. Unter den gleichen Bedingungen soll ferner die Einfuhr von Schlachtrindern aus den Niederlanden ,m Wege be- onverer Genehmigung in hierzu geeignete öffentliche Schlachthöfe großer Städte unter den für die Einfuhr von Schlachtvieh aus Oesterreich-Ungarn geltenden veterinärpolizeilichen BorstchtSmaß. regeln und Bedingungen gestattet werden., Die besonderen Genehmigungen ll— 3) sollen unbeschadet der besteh. nbleibenden allgemeinen Einfuhrverbote erteilt werden. 4. Das VerbotderSinfuhrvon frischem Rindfleisch aus Belgien wird aufgehoben werden. S. Endlich ist für den Fall de« Bedürfnisse» eine vorübergehende E r h ö h u n g des für daS oberschtesische Industriegebiet bestimmten Kontinents russischer E chlacht sch we i nie m AuS». icht genommen. Ferner sind auf dem Gebiete der Eisenbahntarife preußischer- seits folgende Maßnahmen in Aussicht genommen: 1. Der mit End« d. I. ablaufende AuSnahmetarif für frisches Fleisch, der gegenüber den normalen Tarifsätzen tvesentliche Berbilligungen enthalt, wird auf ein weitere» Jahr wr. längert und noch weiter verbilligt. Bon den so ermäßigten Tarif- säßen wird a u ß e r d e m ein weiterer Frachtnachlaß von 20 Proz. gewährt: a) zugunsten von Gemeinden und Organisationen. die die Sendungen in Ausübung gemeinnütziger Tätigkeit an Per. braucher oder an Fleischer zum Verkauf zu unter behördlicher Mit- Wirkung festgesetzten Preisen abgeben. d) zugunsten gewerblicher Unternehmer, die die Sendungen zu oder unter den Selbstkosten an eigene Angestellte oder zwecks Verkaufs an eigene Angestellte zu unter behördlicher Mit- Wirkung festgesetzten Preisen an Fleischer abgeben. L. Unter den gleichen Bedingungen wird ein Nachlaß, und zwar von 30 Proz. von den Frachtsätzen fürlebendesVieh gewahrt. Soweit gefrorenes Fleisch zur Einfuhr zugelassen«st, gelten die Ermäßigungen des Elsenbahntarif« auch für gefrorene» Fleisch. ö- Die Vergünstigungen, die zugunsten von Gemeinden und gemeinnützigen Organisationen beim Bezug von Seefischen be. stehen fFrachtnachlaß von 20 Proz.), bleiben auch für da» Jahr 1 9 l 3 in Kraft. 4. Die Tarife für Futterger st eundMais werden unter der Bedingung, daß die Frachtcrmäßigung dem Viehhalter zugute kommt, bis Ende Sepiemoer 1913 auf den Spezialtgrif III zurück- geführt, was eine Frachtermähigung um fast die Hälfte bedeutet. Ein gleiches Vorgehen ist bei d«n übrigen Staatseisenhqhn, Verwaltungen angeregt worden. Endlich ist. um die Mitwirkung der Gemeinden an der Fleischversorguiig zu fördern, dem Bundesrat der Entwurf eines Gesetzes vorgelegt worden, der den Bundesrat ermächtigt, für die Zeit bis zum 31. März 1914 mit Wirkung vom l. Oktober 1912 ab an Gemeinden, die frische», auch gefrorenes Fleisch von Vieh aus dem Ausland für eigene Rechnung einführen und unter Ein- Haltung der vom Bundesrat vorzuschreibenden Bedinaungen zu angemessenen Preisen an die Verbraucher gelangen lassen, den nach Nr. 108 des Zolltarifs erhobenen E i n g a n g» z o l l bis auf einen Betrag zu erstatten» der sich ergibt, wenn anstatt der Zollsätze von 3S oder 27 M. der Zollsatz von 18 M. für den Doppelzentner zugrunde«legt wird. *• * Die Tatsache, daß die Fleischpreise eine bedenklich« Höhe erreich t.und der Auftrieb an Vieh auf unseren großen Märkten namentlich in allerletzter Zeit einen be- denklichen Rückgang aufzuweisen hat, kann nicht bestritten werden. Auf der anderen Seite kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die wichtigsten Ursachen dieser Erscheinung in dem Auftreten der Maul- und Klauenseuche und der schlechten Futtercrnte des vergangenen Jahres zu suchen, also vorübergehender Natur und nicht geeignet sind, den Glauben an der Möglichkeit einer ausschließlichen Versorgung des deutschen Marktes mit deutschem Fleisch zu erschüttern. Es müßten also Maßnahmen ver- mieden werden, welche dieses Ziel ernstlich gefährden könnten, das zu erreichen nicht nur im Interesse unserer Landwirtschaft, sondern auch im Interesse unserer wirtschaftlichen Kriegsbereitschaft unsei: unausgesetztes Streben sein mutz. Die zeitweilige Abschwächung veteriiiärpolizeilicher Verbote müßte daher mit Vorsicht in Angriff genommen und das Augenmerk darauf gerichtet werden, die Grenzen in erster Linie nicht für lebendes Vieh. sondern für frisches Fleisch zu öffnen. Hierfür sprach auch die Erwägung, daß die Erleichterung der Einfuhr von frischem Fleisch dem Konsum in viel stärlerem Maße zugute kommen muß als die Erleichterung der Einfuhr von lebendem Vieh. Nach den von Preußen zu treffenden Maßnahmen, die voraussichtlich die übrigen Bundesstaaten ebenfalls in Kraft setzen werden, wäre es möglich, frisches Rindfleisch aus dem europäischen Rußland, Serbien und Bulgarien unter gewissen Bedingungen und aus Bel- gien ohne Einschränkung einzuführen. Außerdem wird die Einfuhr von lebendem Rindvieh aus den Niederlanden und einzelnen geeigneten Schlachthöfen gestattet werden. Es ist ferner eine vor- übergehende Erhöhung des für das oberschlesisch« Industriegebiet zugelassenen Kontingentes russischer Schlachtschwcine in Avssicht genommen. Endlich soll die Einfuhr von frischem Schweinefleisch aus Rußland nach einzelnen Städten des Ostens und die Einfuhr von frischem Schweinefleisch aus Serbien, Rumänien und Belgien unter denselben Bedingungen wie die des Rindfleisches zugelassen werden.— Alle diese Erleichterungen mußten aber in zwei Punkten eine Einschränkung erfahren, die Einfuhr von frischem Fleisch wird nur vorüber- gehend und unter Aufrechterhaltung der bestehenden Einflrhr- verbot« in Form von Dispensen gestattet. Sie wird auch nur für große Städte erlaubt, die als Märkte für die Bil- dung der Vieh, und Fkeischpreis« ganzer Landesteile maßgebend sind, und die Gewähr dafür bieten, daß das Fleisch zu einem unter behördlicher Mitwirkung festgesetzten» möglichst niedrigen Preise an die Verbraucher verkauft wird. Die. erste Einschränkung war nötig, weil im Interesse des seuchenpvlizeilichen Schutzes unse- rer Viehbestände an eine Beseitigung der Einfuhrverbote nicht ge- dacht werden kann. Die zweite empfahl sich weil ohne sie eine Ver- zettelung der vorhandenen Marc auf zahlreiche Märkte und eine Steigerung der Nachfrage die ganze Maßnahme vermutlich illu- sorisch gemacht haben würde. Es ist zu hoffen, daß die beteiligten Städte ihre Mrkunä noch«hohem indem sie sich zu gemeinsamem Bezüge zusammenischließen. Wenn diese Maßnahme, wie zu er- warten, auf den unmittelbar beteiligten Mänkten ein« preisdrückcnde Wirkung haben wird, muß sie indirekt auch anderen Plätzen zugute kommen. Unstreitig wird damit den Städten eine ge- w i s s e L a st aufgebürdet. Diese wird aber erleichtevt werden durch die in Aussicht geuvmanene Ermäßigung der E> s e nb a h n t a r i fe für Fleisch und lebendes Vieh. Dem gleichen Zweck einer Unter- ftützung der Städte bei der ihnen zugewiesenen Aufgabe soll die teil- weise Erstattung des Zolles auf frisches und gefrorenes Fleisch dienen. Der diesbezüglich« Gesetzentwurf wird mfosern als- bald seine Wirkungen äußern können, als die darin vorgesehene Rückwirkung der» Genreindeverwoltungen die Möglichkeit ueweibrt, die Vorbereitungen und Einrichtungen durch die da» bezogene aus- ländische Fleisch den Verbrauchern zu billigeren Preisen zugeführt werden soll, schon jetzt in der Voraussetzung zu treffen, daß oer Reichstag der Vorlage der verbündeten! Regierungen demnächst zu- stimmen wird. Ein derartiges Vorgehen wird auch dadurch er- leichtert, daß nach den Borschristerr des Zolltavifgesetzcs eine Stün- dung de» EingangSzolltk für Fleisch zulässig ist. Durch die Erßvt- tung eines Teiles des Zolles wevdcn die Gemeinden auch in die Lage versetzt, gefroren« Hanrmcl in größerem Umfange einzusühren. da deren Einfuhr unter Beachtung der Bestimmungen des tz 12 des Fleischbeschaugesetz technisch möglich ist und jedenfalls bei einem Zollnachlaß in oer vorgesehenen, Hohe auch wirtschaftlich durchsühr- bar sein durfte. Weiter zw gehen und durch eine auch nur zeitweilige Suspension desF 12 desFleischbeschaugesetzes auch die Einfuhr von gefrorenen Rindern au» überseeischen Ländern zu ermöglichen, erschien dagegen nicht angängig. Tie Einstlhr der Rinder in Hälften und mit anhaftenden Herzen. Nieren und Lungen bietet die einzige Möglichkeit, eine der heimischen Fleisch- beschau annähernd gleichwertige Untersuchung durchzuführen und das Bestehen gewisser Krankheiten festzustellen, die das Fleisch des befallenen Tieres gefundheitsfchädlich machen. Es würde weder mit Rücksicht auf unsere Volksgesundheit noch mit Rücksicht auf unsere heimische Landwirtschaft zulässig sein, ausländisches Fleisch in d:n Verkehr zu lassen, dessen Gennßtauglichkeit nickst mit derselben Zu- verlässigkcit festgestellt wird, wie be» dem einheimischen Fleisch. Von weiteren Maßnahmen ist nur noch die Ermäßigung der Eisenbahntarife für Futtergerste und Mais in einem Umfange in Aussicht genommen, der den Bezug dieser Futtermittel erleichtern, aber für die Landwirtschaft nicht nachteilig Nrtrien kann. Zu einer weiiergehenden» auch nur vorübergehenden Erschütte- rung unseres seuchenpotizeilichen Schutzes oder zu einer nur vor- übergehenden Durchlöcherung unsere» Zolltarifs, wie sie vielfach ge- fordert wird, hat man sich aber nicht verstehen können aus den bei ähnlichen Gelegenheiten oft erörterten Gründen. Es ist aber auch anzunehmen, daß die in Aussicht genommenen Maßregeln in ihrer Gesamtheit die erwünschten Wirkungen haben werden. Allerdings bedürfen die Regierungen bei ihrer Mehrzahl der bereitwilligen und sachkundigen Unterstützung der kommunalen Selbst- Verwaltungen. Sie geben sich aber auch der Hoffnung hin, daß ihnen diese nicht versagt sein wird. Im übrigen aber ist sich die preußische Regierung darüber klar, daß die dauernde Sicherstellung unsflper Fleischocrsor- gung nur durch die Erhaltung und Verstärkung unserer noch einer weiten Ausdehnung fähigen heimischen Viehzucht erreicht werden kann. Diese mit allem Nachdruck zu fördern durch vermehrte Auf- stellung von männlichen Zuchttiere� verstärkten Futtermittelbau, Anlegung von Viehweiden, namentlich aber durch die kraftvolle Förderung der Landeckmeltorationen» der inneren Kolonisation und der Urbarmachung der ausgedehnten Moor- und Oedlandsflächen wird die vornehmste Aufgabe der nächsten Jahr« sein. • preKMmmen. Uekier die RegiernngSmaßregeln liegen naturgemäß«st ganz vereinzelte Preßäußeruiigen vor. Bezeichnenderweise ist von den Berliner Abendblättern nur die.Deutsche Tagosztg." ostenbar durch eine Indiskretion von dem Inhalt der Regierungserklärungen unter- richtet gewesen. Das Blatt hält eS auch jetzt mit der bewährten Agrarierdevise»schreien, schreien und nochmals schreien" und schreibt deshalb: »Diese Mitteilungen sind so überraschend, daß wir uns die Stellungnahme vorbehalten müssen. Wir sträube»»mS dagegen zu glauben, daß die Regierung in solcher Weise den, � Geschrei(1) nachgegeben haben könnte. Da» würde hoch einen Bruch mit der bisherigen WirlschaflSpolitik bedeuten." Dagegen urteilt die.Nalional-Zeitung": »Die Regierung hat fich also dazu bequemt, eine Reihe von Maßnahmen zu treffen, die gewisse Erleichterungen in der Fleisch« Versorgung, zumal der großen Städte, ßerveifilhren sollen. Sie hat sich alier aus dem langen Wunschzettel, der ihr uberreicht worden ist, sorgsällig jene Vorschläge herausgesucht, die sie nicht in stärieren Gegensatz zu der h y p e r a g r a r i s ch e n Minderheit bringen, die heule noch immer in allen Fragen das entscheidende Wort sprechen kann; d. h. d i e N e g i e r u u g i st z u r ü ck g e s ch r e ck t vor e i n e r w i r k l i ch durchgreifenden B e l S in p f u n g der herrsch enden Bolksnot, und so wortreich auch die Begriindmig ist, die sw ihren mühselig gekleisterten Mitteln und M i t t e l ch e u mit aus den Weg gibt, muß sie sich darauf gefaßt machen, daß die Unzufriedenheit über diese neuen Halbheiren sich niit großem Ungestüm melden wird: und sie wird die Folgen dieses Verhaltens trogen müssen. Die Aussicht, die die deutsche Regierung dem Volte eröffnet, daß der weitere Ausbau der heimischen Viehzucht die endgültige Besserung bringen werde, ist denn doch ein Wechsel auf zu weite Sicht, als daß sich die darbenden Mägen mit ihm schon heute freudig knurrend zufrieden geben tönnen. Die.Freisinnige Feilung- schreibt:- .Im großen und ganzen ist, wie man sieht, die Teuerung«- aktivn der Regieruug in den a l l e r e n g st« n Grenzen ge- hallen. Sie ist nicht nur vorübergehender Natur, sondern ent« b e h r t jeder Großzügigkeit und jedes energischen Ein- greifen« vermittels der Gesetzgebung. Die Agrarier haben also wieder einmal gesiegt, denn vorsichtig und gehorsam dem llkas der Rösicke und Genossen ist jede Maßregel vermieden worden, die nur ein Stiruriinzeln bei den Junkern hervorrufen lönnte. Im übrigen verläßt sich die Regierung darauf, daß die kommunalen Selbstverwalluiigeii eingreifen werden. Gewiß sollen diese das und sie tu» es auch. Aber sie können das nur in beschränktem Maße: eiwaS Durchgreifendes kann nur durch die Aenderung der Gesetzgebung geschehen und hier versagt der Reichskanzler... Die Regierung wagt auS Furcht vor den Agrariern nichlS Durchgreifendes zu unternehmen. Sie ist und bleibt di» Regierung der Halbheiten.- Mastnahmen in Ostpreusten. Auch die ostprcuißj scheu Städte sehen sich veranlaßt, mehr und mehr positive Maßnahmen,'zur Linderung der Teuerung zu er- greifen. So haben einzelne den Scefischverkauf eingerichtet. Der Königsberger Magistrat erörtert die Frage der Einfulfr von lebendem Bich aus Dänemark und hat beschlossen, Vorbereitun» gen für die Einsuhr von lebendem Vieh in die Wege zu leiten.— Die Stadtverordneten in M e m e l haben beschlossen: l. Schritte tvegen Beseitigung eventuell Ermäßigung der Futtermittelzölle zu tun: 2. wegen Einfuhr von geschlachtetem Vieh aus Rußland für die Stadt Memcl vorstellig zu werden; 3. Schritte wegen Verlaufs von Seefischen durch Gawerbetreibende zu tun: Auch der Landrat hat Hilfe in Aussicht gestellt, soweit er sie leisten könne. Die T i l- fiter Stadtverwaltung, die anfänglich den sozialdemokratischen Antrag zur Teuerung schroff ablehnte, hat nun ebenfalls beschlossen. von der Regierung Maßnahmen zur Linderung der Fleischteuerung zu verlangen. Der württembergische Städtetag hat an die Regierung eine Ein- gäbe gcvichtet, in der beantragt wird, die Staotsregieruna möge 1. big auf weiteres die Einfuhr lebenden argentinischen Viehs über Genua— Friedrichshasen zulassen; 2. für die Aufhebung oder Aende- rung des 8 12 des Fleischbes�ugesches, sowie für Aufhebung oder wesentliche Ermäßigung de» Zolls auf zubereitetes Fleisch bei der Reichsregierung eintreten, und 3. Tarifermäßigungeu für den Transport von lebendigem Vieh und Fleisch auf den Staatsbahnen gewähren bezgr». bei den, übrigeuchcutfchen Eisenbahnverwaltungen, in Anregung bringen:____ poUtiFebe GcbcrHcht. Berlin, den 28. September 1912. Ein gehorsamer Diener des bayerischen Zentrums. Da« bayerische Ministerium Heriling erweist sich immer mehr al» geschäftSführender Ausschuß der bayerischen gentrumSpariet, der alle an ihn gestellten Anforderungen dieser Partei gehorsamst zu erfüllen trachtet. So benutzie heute der Berkehrsminister v. Sie i d l e i n die Beratung deS Eisenbahnetats in der Kammer der Abgeordneten erneut dazu, fich gegen den Süddeutschen Eisen« bahnerperband zu wenden und dem Zentrum die Erfüllung seines Wunsche? zu verheißen, daß künftig den neu angestellien Eisenbahn- arbeitern ein Revers vorgelegt werden soll, in siem sie Folgsamkeit gegen alle Maßnahmen der staatlichen Eisenahnverwaltung geloben. Nach dem offiziösen Bericht de» Wolffschen Bureau« sagte der Minister v. Seidlein: Er habe schon in seiner letzten Rede darauk hingewiesen, daß in ibren Umsiiirzbestrebuiigeii die Sozialdemolraien sich nickii allein auf poliijswe Orgaiusulionen beschränkten, sondern sich auch die . freien Gewerlschasten, die Koniumvereine, Baugenossenscbaften und Jugendorgaiiiiationen dienstbar machten. Eine Neuerung an den Vollziigsbestimmuiigen seines Vorgänger? zu dem Erlaß sei nicht getroffen worden. Man habe in der letzten Zeit in außer- deulswen Staaten Erfahrungen zur Genüge gemaäit; so in Frank- reich mit der Sabotage und dem Streik der Eiienbahiiarbeiier in England, wo es fast zur Hungersnot unter der Bevölkerung ge- kommen sei. Da könne die Regierung nicht gleichgültig zusehen. Er brauche aber uiitit einmal am da« Ausland Bezug zu nehmen. Er könne auch auf bayerische Vorkommnisse hinweisen, auf den Streik in Nürnberg im letzten Jahre Man müsse also auch aus kleinere Sireikfälle achten, um gegen diese G-sahr gesichert zu sein. weil die Berlehrssiörung in einem einzigen Falle von unberechen- baren Folgen iein könnte. Was nun die Sozialdemokraten al« berechtigte Forderungen ansähen, gehe daran« hervor, daß in ihren Forderungen zum vorliegenden Eisenbahnetat 42 Millionen für die Arbeiter ver- langt würden. Die Führer de« Süddeutschen Eiienbahner- verbände« müßten doch willen, welch» direkt unerfüllbaren Forde- rungen sie damit ausstellten. Da« Personal werde durch die fortgesrtzle» maßlosen Angriffe auf die Verwaltung in der sozial- demokratischen Presse so verhetzt, daß die Führer es schließlich nicht mehr in der Hand hätten.# Wir müssen, so schloß der Minister, von unseren Beamten und Arbeitern verlangen, daß sie auf das Mittel deS Streiks verzichten, und wir iv erden bei Reuaufzunehn, enden die Unterschrift eine« Reverse« verlangen u�nd werden uns unser weiteres Vorgehen vorbe- halten. lBravo l im Zentium, Unruhe bei den Sozialdemokraten.) An die Erklärungen des Ministers schloffen sich lebhafte Er- örierungen. wobei Abg. S e g t tz sSoz.) die Ausführungen de« Ministers die grüßte Hetzrede nannte und dafür, wie auch andere seiner Genossen die Zwischenrufe gemacht hatten, zur Ordnung gerufen wurde. Abg. Dr. P i ch l e r lg.) erklärte sich natürlich mit den Aus? führungen des Ministers durchaus einverstanden) ebenso der gentrums- abgeordnete Oswald.__ Zentrum und Klerus. - Unbekümmert um alle Logik und Gegenbeweise behaup- ten die Generalstabsoffiziere der Kölner Richtung unter der Führung des Justizrates Dr. Julius Bachem jmmer wieder von neuem, das Zentrum sei eine nichtkonfessionelle Partei und völlig unabhängig von der katholischen Geistlichkeit. Ge- langen dann Briefe zur Kenntnis der Oeffentlichkeit, wie kürzlich' der von uns mitgeteilte Brief des Zentrumsabge- vrpnetep Schott, jy d�nen die Zentrumsangelegenheiten als katholische Angelegenheiten behandelt und die.katholischen Geistlichen zur Agitation für das Zentrum auf der Kanzel aufgefordert werden, so wissen die Zentrumsblätter mit der ihnen eigenen verlogenen Sophistik von allerlei Mistvex- ständnissen, Verwechselungen usw. zu erzählen. Diesem verlogenen Treiben gegenüber gibt die hyper- klerikale„Köln. Korrespondenz" offen zu, daß der Klerus als Agitationskorps für das Zentrum fungiert und ohne die katholische Geistlichkeit, die überall ihren Zutreiber spielt, die Zentrumspartci nur ein ganz armseliges Parteigebilde sein würde. Wörtlich erklärt das strcngkatholische Blatt: Immer wieder weist die liberale Presse auf die Beziehungen zwischen dem Klerus und dem Zentrum hin. Kürzlich wurde ein vertrauliches Schreiben des Zentrumsabgeordneten Dr. Schott ver- öffentlicht, der katholische Pfarrer seines Wahlkreise« Schlettstadt aufforderte, die letzten Vorbereitungen zur Wahl zu treffen und sich persönlich davon zu überzeugen, ob die Stimmzettel genau in ven Häusern verteilt und ob die Vertrauensmänner des Zentrums die Abstimmung überwachen. Zum Schluffe heißt es:„Auf der Kanzel wird man äußerste Vorsicht üben und an die Urteile de« Oberlcmdesgerichts denken müssen....- Wir wundern uns über solche Schreiben, deren nur wenige das Tageslicht erblicken, durchaus nicht. Auf der bekannten Kob- lenzer Versammlung im August 19l)S sagte der damalige Zentrums- abgeordnete Justizrat Dr. Bitter:„Trennen Sie das Zen« trum vom Klerus, dann ist es zerschmettert!" Jeder Zentrumsagitator weiß ganz genau, das) der Kleru« der Hauptmacher bei den Wahlen ist. In den Groß- städten treten die Kapläne natürlich nicht vor die Front, aber in den kleineren Städten und auf dem flachen Lande, wo die meisten Zentrumsstimmen abgegeben werden, ist die Zentrumssache die selbstverständliche Angelegenheit de« Kle- ruS. Es ist schlechtervingS nicht zu bestreiten, daß die Zentrums- Wähler in überwältigender Mehrheit aus religiösen, natürlich kon» fessionell-religiösen Gründen fürs Zentrum stimmen, und daher gar keinen Anstoß daran nehmen, wenn der Geistliche als Wahl- rcdner und Wahlagitator auftritt. In den sicheren Zentrumswahl- kreisen fällt eS auch meist gar nicht auf, w enn die Seelsorger auch auf der Kanzel deütlich für das Zentrum eintreten. Jedenfalls ist der Pfarrer oder der Vikar auf dem Lande uno in der katholischen Kleinstadt dieSeele der Wahl- ag i t a t i o n. auch da, wo andere intelligente Elemente zu diesem Zwecke vorhanden wären. Die Kölner Richtung allerdings bestreitet diese intime Verbindung zwischen Zentrum und Klerus, und zu ihrem Glück gelangen die wirklich greifbaren Belege nicht an die Oeffentlichkeit. Aber unsere Kapläne lachen sich ins Fäustchen, wenn sie in der„Kölnischen Volkszeitung" und ihren Ablegern lesen, der Klerus habe als solcher mit dem Zen- trum nichts zu tun. sie wisien ganz genau, daß ohne sie das Zen. trum bald zerschmettert wäre. Wir kennen nicht nur Kapläne und Pfarrer, sondern hohe kirchliche Würdenträger, die durch per- sönliche Bearbeitung saumselige Wähler zur Wahlurne antrieben. Natürlich taten sie eS nur als Staatsbürger, aber wenn sie nicht außerdem Geistliche und kirchliche Würdenträger wären, hätten ihre Bemühungen in den meisten Fällen keinen Erfolg gehabt. Die Kölner Richtung sagt nicht nur der Klerus, sondern auch die katholische Weltanschauung, die der Klerus vertritt, habe mit dem Zentrum grundsätzlich nichts zu tun. Das ist ein gefährliche« Spiel! Freilich sitzt die Ueberzeugung von der katholischen Welt- anschauung des Zentrums so tief im katholischen Volk, daß die .Kölner" sich diese» Spiel noch eine Zeitlang erlauben dürfen. Wenn der Zentrumsturm inS Wanken kommt, so wird nicht der Liberalismus oder die Sozialdemokratie schuld daran sein, sondern die Kölner Richtung, die das katholische Fundament de« TurmS unterwühlt._ Die Notwendigkeit neuer Steuern. Die Regierung will aus die B e s i tz st e u e r keineswegs ver- zichten. Da« geht au« einer offiziösen Notiz in den.Bert. Polit. Nachrichten- hervor. Dort beißt e«: „Immer von neuem tauchen in der Preffe Betrachtungen über die angebliche Ueberflüssigkeit der Ausarbeitung einer Besitz- steuervorlage im Reiche auf. Namentlich stützt man diese Be- trachtiingen auf die bisherigen Ergebnisse der Reichseinnahmen toähreiid de« laufenden Rechnungsjahre«. Selbst wenn schließlich die tatiächliche JahreSeiiinahme hinler der Elat«einnaHiiie nicht zurückbleiben würde, würde e« nicht überflüssig sein, die Besiysteuer- Vorlage auszuarbeiten. Zunächst verpflichtet dazu die Vereinbarung, die Regierungen und Reich-tag eingegangen sind. Sodann ist die Lage der Reichsfinaitzen durchaus nicht danach, daß auf die einmal beschlossene Vermehrung der Einnahmen verzichtet werde» könnte. Schon ein Hinweis auf die Aenderungen, die bezüglich der Ziickersteuer und de« GrundstücksüberlragungSstempel« nach gesetzlichen Vereinbarungen bevorstehen, genügt, um die« zu be- weisen.' Hierzu kämen ständig steigende Ausgaben, z. B. für die Hin- terbliebenenversicherung. Die jetzigen hohen Einnahmen basierten auf der günstigen wirtschaftlichen Konjunktur, wie lang« diese an- halt«, wisse man nicht: „AuS diesem Grunde erscheint es auch überflüffig. sich den Kopf darüber zu zerbrechen, welche jetzigen Einnahmequellen deS Reiches infolg« der Einführung einer Besitzbesteuerung beseitigt werden könnten. Neben den schon sowieso in Aussicht genomme- neu Einnahmeverringerungen noch andere in Vorschlag zu brin- gen, hat wenig Aussicht auf Erfolg. Wenn aber gar neben der Beseitigung anderer Steuern neuerdings die der Salzsteuer empfohlen wird, so muß doch darauf aufmerksam gemacht werden, daß auS der letzteren dem Reiche jährlich eine Einnahme von nahczu 60 Millionen Mark erwächst. Solche Beträge sind im Reichshaushalt durchaus nicht so ohne weitere« zu«ntbehren." Graf v. Limburg-Stirum. Wie au? Breslau gemeldet wird, ist da« frühere langjährige Mitglied de« Reichstage« und des Abgeordnetenhause« Wirklicher Geheimer Rat Graf v. Limburg-Stirum sk.) gestern nach- mittag auf seinem Gute Groß-Peterwitz gestorben. Der Gestorbene hat einst eine bedeutende Rolle im polltischen Leben Preußen« gespielt; seit ungefähr sechs Jahren ist er aber kaum mehr hervorgetreten, sodaß sein Tod selbst in seiner eigenen Partei, der deutschkonservativen, keine Lücke hinterläßt. Im Jahre l83S geboren, studierte er bis Rechte, trat in den preußischen Justiz- dienst und ging bald darauf zur diplomatischen Laufbahn über. Nachdem er 1871 in das preußische Abgeordnetenhaus gewählt worden, trat er 1873 in die politische Abteilung des Auswärtigen Amtes ein und erhielt dann den bequemen Gesandt« schaftSposten in Weimar. Im Juli 1881 wurde er zur Disposition gestellt. Durch sein rücksichlsloses Draufgängertum erlangte er als- bald in der konservativen Partei eine führende Stellung. Er war längere Zeit Vorsitzeiider der konservativen Fraktion des preußischen Abgeordnetenhause« und gehörte auch im Reichstag, in den er 1833 hineingewählt wurde, zu den Führern der extremen Agrarkonser- vativen. Als er 1832 in der.Kreuz-Ztg." in maßloser Weise die Caprivische Haudelspolilik kritisierte, wurde gegen ihn das Disziplinar- verfahren eingeleitet und er ohne Pension aus dem Staatsdienst entlasten. Zivar wurde er bald darauf begnadigt, aber vom poli» tischen Leben zog er sich mehr und mehr zurück, und 1333 legte er sein Mandat nieder._ Cm Jahr Krieg. Rom, 26. September.(Eig. Ber.) In Mesert Tagen geht ein Jahr zu Ende, seit Italien der.Türkei das Ultimatum übersandte, dem am 30. September die Kriegserklärung folgte. Der Jahrtag fällt zusammen mit«>iner Verschärfung der kriegerischen Aktion in Tripolitanicn und gleichzeitig mit Fviedeusverhandluugeu, von denen sich biete Kreise einen bal- digcn giinstigeni Ausgang versprechen. Die nationalistische Presse hütet sich natürlich, eine ziffernmäßige Bilanz des Kriegsjahres zu ziehen: man addiert nicht die Millionen und addiert nicht die Toten, die der Krieg gekostet hat, man spricht nicht von den nach Tausenden zählenden Opfern, die dem Typhus und der Cholera verfallen sind. Auch die durch den Krieg geschaffene ungünstige Lage hütet nmn sich, als direkt durch den Krieg herbeigeführt darzustellen Daß die Ententemächte sich immer enger aneinander schließen und so für I tasten die Zwangslage herbeiführen, zivi scheu dem Dreibund und der Entente zu tvählen, das ist auch eine Frucht jener Politik internatlionalen BriganteNtiims, die Italien unter internationalem Druck und namentlich unter dem Druck Eng- lands zum Ultimatum und zur Kriegserklärung gezwungen hat. Der nationalistische Taumel ist außerstande, Einzusehen, daß Italien! durch die Beseitigung Tripolitaniens als Streit- objckt einen Botengang für die europäischen Großmächte getan hat, wie er außerstande ist zu begreifen, daß dieser Botengang nur der erste Teil einer laugen Kette von Verpflichtungen ist, die für Italien aus dem Kriege erwachsen werden. Ein« große Vermehrung der Ausgaben für Heer und Maffine, die sich aus her neuen Phase der europäischen, Mittelmverpolitik für Italien ergibt, wird von der künstigen Geschichtsschreibung immer auf den Ueberfall auf Libyen zurückgeführt werden müssen,. Ueber all diese Dinge schweigt man heute, um sich über Waffentaten zu unierhalten ader über die Pendelbewegnngen, der Knegsver- Handlungen zu berichten. Der„A v a n t t" wird seine Nummer vom 29. September ganz dem Ueberblick über das Kriegsjahr widmen und uns so Gelegenheit geben, ein vorläufiges Fazit der neuen Kolonialpolitik Italiens zu ziehen. In den Tat verdient die heutige Situation, daß man bei ihr stehen bleibt und sich klar macht, weu die Verantwortlichkeit für sie trifft. Als vor fast Jahresfrist das sozialistische Proletariat Italiens durch den Generalstreik Einspruch gegen den Kvieg erhob, da warf man ihm vor, dem Gedeihen und der Größe Italiens kein Verständnis und keine Liebe entgegenzubringen. Es wird sich jetzt allmählich zeigen, was Italien durch den unseligen Krieg für sein nationales Gedeihen und seine nationale Größe getan hat. franhmcbc Regelung der deutsch- französischen Kolonialgrenzen in Wcstafrika. Paris, 28. September. Der kaiserlich deutsche Geschäfts» träger Freiherr von der Lancken und der französische Ministerpräsident Poincarä haben heute behufs Ausführung des deutsch-französtschen Abkommens vom 4. November 1911 eine Erklärung unterzeichnet, beruhend auf den Arbeiten der im Juni und Juli d. I. in Bern vereinigten deutsch-französi» schen Kommission, welche die Aufgabe hatte, die neue' G r e iz e zwischen Kamerun und Französisch-Aequa» torial-Afrika sowie das Verfahren der Uebergabe ider ausgetauschten Gebiete festzusetzen und das neue Verhältnis der ganz oder teilweise unter deutsche Herrschaft tretenden Konzessionsgesellschaften zu regeln. Zu gleicher Zeit haben der deutsche Geschäftsträger und der französische Ministerpräsident Poincarä eine zweite Erklärung unter- zeichnet, woran die grundsätzlich bereits durch das Abkommen vom 23. Juli 1897 bestimmte Grenze zwischen dem deutschen Togogebiet und dem französischen Dahomey und den Sudanbesitzungen nunmehr endgültig festgelegt wird. Dadurch werden die Schwierig. keiten aus der Welt geschafft, zu denen die Auslegung ein- zelner Artikel des Abkommens von 1897 infolge der später als unrichtig und für Deutschland ungünstig erkannten topo- graphischen Bestimmungen, namentlich hinsichtlich derGebiets» teile von Djegando und Pugno Anlaß gegeben haben. KulUamt. System Kokowzew. Die Zahl der Todesurteile und Hinrichtungen, die Anfang 1911 schon bedeutend gesunken war. schnellte nach der Ernennung Kokowszews zum Ministerpräsidenten mit einem Schlage empor. Nach unvollständigen Angaben sind im ersten Jahr seiner Premier- schaft(14. September 131 l bis 14. September 1312) zum Tode ver- urteilt worden 280 mnd hingerichtet worden l0ö Personen Igegen 226 resp. 47 im Vorjahre)! Der liberalen deutschen Presse, die osteptativ für Kokowzew schwärmt, seien diese Zahlen zur Betrach- tung gewidmet. Orkek. Internationale Intervention auf SamoS. Konstantinopcl, 27. September.(Meldung des Wiener K. K. Telegr.-Korresp. Bureaus.) Es bestätigt sich, daß der englische Kreuzer Medea und der französische Kreuzer Bruix in Vathy, wo die Kämpfe in der inneren Stadt fortdauern, ein Detachement zum Schutze der fremden Staatsangehörigen g e- landet haben. Einzelheiten über die Kämpfe mit den Aufstän- bischen fehlen, denn die Verbindung mit SamoS ist noch immer unterbrochen, DaS serbische Kriegsmaterial. Saloniki, 28. September. Die Regierung hat da« Verbot be- treffend die Durchfuhr des für Serbien bestimmten französischen Kriegsmaterials aufgehoben. Konstantinoprl, 28. September. Zwanzig Waggon» serbischen Kriegsmaterials sind in Uestüb beschlagnahmt worden, während die erste Sendung von gleichfalls zwanzig Waggons, deren Durchfuhr gestattet wordsn war. in Kumanovo festgehalten wird. Da« für Serbien bestimmt« Kriegsmaterial soll im ganzen dreihundert Waggons ausmachen. Die Pforte ist, wie es heißt, entschlossen, die Durchfuhr nur freizugeben, wenn Serbien die Verpflichtung«m- "H gegen die Türkei nichts zu unternehmen. Griechenland fordert! Koustantinopel,'28. September. Der griechische G«- andte hat heute vormittag beim Minister des Aeußern Schritte unternommen wegen ber Beschießung deS griechischen Dampfers .gioumelie" im Hafen von Vathy und die Forderung aufg«- 'tellt. daß die Schuldigen bestraft werden, die türkische Regierung ihr Bedauern über den pederfall ausspreche und eine Entschädi- gung leiste, GcwcrkrchaftUchea. Cbrirten und Selbe im Rubmvier. Der Konkurrenzkampf zwischen den Christen blauer und schwarzer Couleur aus der einen� Seite und den Gelben aus der anderen Seite nimmt im Ruhrgebiet immer schärfere Formen an. Dadurch, daß der von den Scharfmachern des Wahlkreises Bochum auf den Schild erhobene Reichstags- abgeordne.e Heckmann in diesem Streit sich auf die Seite der Gegner der gelben Werkvereine stellt, erhält der Streit noch eine besonders interessante Seite. Wir berichteten unlängst, daß die blauen und schwarzen Christen sich Heckmann zu einem großen Gewerkschaftssest geladen hatten, das als eine Kundgebung gegen die Gelben gedacht worden war, und daß Heckmann dort sich in heftigen Ausdrücken gegen den„Keil" gewendet, den man in die „christlich-nationale" Arbeiterbewegung hineintreiben wolle. Das Organ der Gelben, der„Werkvcrein", war von diesem Seitensprung seines Freundes natürlich sehr unangenehm überrascht. In seiner Nr. 37 vom 13. September suchte es mit süß-saurer Miene seine Leser glauben zu machen, daß die Rede H e ck m a n n s doch die schönste gelbe Rede sei, die man sich denken könne. Obwohl die Ausführungen Heckmanns gar keinen Zweifel darüber ließen, wen er mit dem„Keil" gemeint, und an wessen Adresse seine Verwahrung gegen die gelbe Organisation gerichtet war, brachte das Blatt den ver- zweifelten Versuch fertig, so zu tun, als ob H e ck m a n n die Berliner Zentrumschristen gemeint habe. Inzwischen liegt nun eine schriftliche Aeußerung Heckmanns zu der Sache vor, die jeden Zweifel ausschließt. Die schwarzen und blauen Christen in Hagen hatten sich in ihrer Sorge um die gelbe Konkurrenz zusammengetan, um eine„machtvolle Kundgebung" gegen den gelben Störersried zu veranstalten. Zu diesem Zweck hatten sie für den letzten Sonntag eine große gemeinsame Versammlung nach dem evangelischen Vereinshaus einberufen und u. a. auch Herrn H e ck m a n n gebeten, ein Referat zu übernehmen. H e ck m a n n hat der Einladung nicht Folge leisten können, weil sein Gesundheits- zustand sich wieder derart verschlimmert hat, daß er das Berg- mannsheim hat aufsuchen müssen. Dafür hat er seine Stellung zu den Gelben, oder richtiger gesagt, zu der organisierten Be- wegung der Gelben, in einem Briefe präzisiert, den der Ver- sammlungsleiter in Hagen mit Vergnügen verlesen hat. Der Brief lautet:>. „Werter Kollege! Bin leider zu meinem Bedauern nicht in der Lage, Deiner Bitte, nach Hagen zu kommen, Folge zu leisten. Mein Gesundheitszustand läßt es nicht zu. Wie ich lese, will man auch dort die gelbe Bewegung. Ein trauriges Zeichen unserer Zeit. Uns fehlen Männer, Charaktere unter den Arbeitern; dies macht sich überall, besonders im politischen Leben, bemerkbar. Vielfach ist der Arbeiter das willenlose Werkzeug der Sozialdemokratie und ihrer gefügigen„freien" Gewerkschaftsbewegung geworden. Aus diesen Fesieln die Arbeiterschaft zu befreien, muß Aufgabe jedes Arbeiter« und Vaterlandsfreundes sein; und wer es hiermit ehr- lich meint, der unterstützt die christlich-nationale Arbeiterbewegung. Auch die I n d u st r i e sollte sich von diesen Gedanken leiten lassen. Eine selbständige Arbeiterschaft mit einem Pflichtgefühl gegenüber dem Arbeitgeber kommt der I n d u st r i e letzten Endes wieder zugute, allerdings will eine solche erzogene Arbeiterschaft auch ihr Wiizustehendes Recht. Wer wollte das dem Arbeiter wehren? Nur unser Recht, unsere Pflicht erfüllen wir gerne. Mit der Industrie ß wollen wir zusammen arbeiten, zum Gemeinwohl; wir können nur wünschen, daß es der Industrie gut geht, denn zuletzt hängt unsere wirtschaftliche Lage doch nur von dem Wohlstand der In- dustrie ab. Für völlig verfehlt müssen wir es an- sehen, wenn die Industrie glaubt, durch gelbe Gründungen sich zu sichern oder gar zu ver- bessern. Die Sozialdemokratie wird wieder Nutzen für sich sucken zu gewinnen. Ihr entgegen zu arbeiten, ist der christlich- nationalen Arbeiterbewegung gegeben. Möge man uns verstehen! K. H e ck m a n n, Bochum." Das Bemerkenswerteste an diesem Briefe ist, daß Heck- mann sich nach wie vor mit aller Schärfe gegen die organi- sierte gelbe Bewegung wendet, die er— darin stimmen wir ihm ausnahmsweise zu— ein trauriges Zeichen der Zeit nennt. Wie wird der„Werkverein" und wie werden Heck- manns Gönner sich mit dieser unzweideutigen Absage an die gelbe Bewegung abfinden? kerlin uncl Umgegend. Der Tarif der Töpfer ist von den Unternehmern zum 1. Oktober gekündigt worden, und zwar lediglich deshalb, weil verschiedene neue Muster sich nach dem bisherigen Tarif kaum berechnen lassen. Es handelt sich also nur um eine zeitgemäße Umarbeitung des Tarifs. Die Unternehmer haben ausdrücklich versichert, daß eine Verschlechterung des Tarifs nicht beabsichtigt ist. Inzwischen haben Verhandlungen zwischen den Vertretern beider Seiten stattgefunden. Wie Segawe am Freitag in der außerordentlichen Generalver- sammlung des Töpferverbandes mitteilte, bestehen die Unternehmer darauf, daß der neue Tarif auf der Halbenkachelberechnung auf- gebaut wird. Dadurch gestaltet sich die Umarbeitung so schwierig, daß an eine Fertigstellung des neuen Tarifs bis zum 1. Oktober nicht zu denken ist. Nach Ansicht der Arbeiter ist hierzu ein Jahr erforderlich. Deshalb schlugen sie vor, den alten Tarif auf ein Jahr zu verlängern. Damit waren aber die Unternehmer nicht ein- verstanden, sie wünschten eine schnellere Fertigstellung des neuen Tarifs. Die Befürchtung, daß die Unternehmer die Töpfer in den im nächsten Frühjahr zu erwartenden großen Kamps im Bau- gewerbe hineinziehen möchten, wurde dadurch zerstreut, daß die Unterliehmer auf Ehrenwort versicherten, das sei nicht ihre Absicht. Man hat sich dann in der beiderseitigen Kommission dahin geeinigt, daß die Verhandlungen fortgesetzt werden und der neue Tarif bis zum 31. Mai nächsten Jahres fertiggestellt werden soll. Bis dahin bleibt der jetzige Berliner Tarif in Gültigkeit. Keine der Parteien darf bis zur Fertigstellung des Tarifs von den Verhandlungen zurücktreten.— Auf Empfehlung des Borstandes erklärte sich die Versammlung mit diesem Abkommen einverstanden. Hierauf nahm die Versammlung Stellung zum F e n st e r- streik. Laut Tarif müssen die Räume, in denen Töpfer arbeiten, vom 16.» Oktober ab durch Verglasung vor Zugluft geschützt sein. Wo das nicht der Fall ist, wird die Arbeit, wie es seit vielen Jahren üblich ist, niedergelegt. Bisher wurden während des Fensterstrciks nicht nur die Streikenden, sondern auch die zurzeit Arbeitslosen unterstützt. Dabei wurden für die letzteren acht- bis zehnmal so große Summen ausgegeben wie für die Streikenden. Der Vor- stand schlägt nun vor. daß in diesem Jahre nur die Streikenden unterstützt werden unter der Voraussetzung, daß sie mindestens 13 Wochen Beitrag bezahlt haben. Die Unterstützungssätze sollen hie bisherigen bleiben. Der Vorstand empfiehlt, daß sein Vorfchlag zusammen mit den übrigen für den Fenstcrstreik in Betracht kom- wenden Bestimmungen in den Bezirksversammlungen abgestimmt wird. Für den Fall der Ablehnung des Vorschlages soll der bis- herige Modus in Kraft bleiben, wonach Streikende und Arbeits- lose, welche 26 Wochen Beitrag bezahlt haben, Unterstützung er- halten.— Die Versammlung erklärte sich mit der Ueberweisung an die Bezirke einverstanden.___ verantw. Redakt?: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw.: Ackstung. Böttcher! In der Malzbierbrauerei Groterjahn, Milastraße, haben sämtliche Böttcher wegen Lohndifferenz und wegen Nichtanerkennung des Arbeitsnachweises die Arbeit einge- stellt. Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Brauerei ist für Böttcher gesperrt. Verband der Böttcher, Weinküfer und Hilfsarbeiter. Der Streik bei Seifert u. Haake dauert unverändert fort. Allerdings brennt der Firma das Feuer außerordentlich auf den Nägeln. Auf die Annonce in der„Morgenpost" haben nur drei Arbeitsburschen„Arbeit" angenommen. Die Streikarbeit von Mertens u. Jänicke, Werkmeister u. Retzdorf, N e tz e l- Reinickendorf und Hildebrandt wird nur sehr spär- lich geliefert. Meist wird damit nur der beste Abnehmer der Firma, Joh. Gerold, befriedigt. Die kleinen Geschäfte werden ver- tröstet. Die Firma hofft, daß die Arbeiter zurückkehren. Da kann sie lange warten. Der Buchhalter sagte zu den Leuten, als sie ihre Arbeitssachen holten:„Na, der Verband hat wohl kein Geld mehr?" Dabei sind den Leuten gestern die Papiere zu- geschickt worden. Sie mutzten also die Sachen holen. Der Herr mag beruhigt sein. Das Geld des Verbandes wird länger reichen, als des Herrn Arbeitsverhältnis bei der Firma. Wie uns mit- geteilt wird, hat sich selbst in Fabrikantenkrcisen eine außerordent- liche Mißstimmung darüber bemerkbar gemacht, daß die Firma Seifert u. Haake niedere Löhne zahlt, als in der Fabrikantenvereinigung beschlossen worden sein s oll, obwohl Herr Haake im Vorstand derselben sitzt.— Im Betriebe selbst sieht es merkwürdig genug aus. Der Schlosser- meister Reich, der in der Lietzmannstraße 21 seine Werkstatt hat, markiert den Zuckerkocher, soll aber den Zucker schon„tot" gekocht, sogar verbrannt haben. Die Ware wird„sehr gut" werden.— Einzelne Polizeibeamtc werden immer nervöser. Die Anwohner der Lietzmannstraße nehmen das aber nicht mehr tragisch, sondern haben nur ein Lächeln dafür. Das Polizeipräsidium hat jetzt mit Vernehmungen der Streikposten viel Arbeit. Unter den Strei- kenden herrscht jedoch eine zuversichtliche Stimmung. DeuttcKes Reich. Die Formstecher der Tapetenbranche, zugehörig zum Verband der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe, stehen seit Februar 1S10 mit den Formstechereibesitzern in einem Tarifver- trage, der am 1. Oktober d. I. zu Ende geht. Es fanden jetzt zwifchen den Vertretern der beiderseitigen Organisationen in Wiesbaden Verhandlungen statt, die zum Abschluß eines neuen Tarifvertrages, gültig bis zum 31. Oktober 1S14, führten. Vereinbart wurde eine Arbeitszeit von täglich 9 Stunden, ein Mindest- lohn im ersten Gehilfenjahr von 21 Ä.(bisher 13,59 M.); auf die zurzeit bestehenden Löhne werden per Stunde 3 Pf. und ab 1. No- vember 1913 nochmals 1 Pf. zugelegt. Der Lohn wird Sonnabends vormittags während der Arbeitszeit ausgezahlt; Entschädigungen nach§ 916 werden bis zu zwei Stunden gezahlt; Ueberstunden werden mit 26 Proz. Ausschlag von der zweiten Ueberswnde an gezahlt; wird nur eine Stunde täglich länger gearbeitet, fo ist auch hierfür der Zuschlag zu zahlen. „Grosiklappcn" als Arbeiterführer. Der bisherige Führer der 69999 Mitglieder zählenden evangelisch- nationalen Arbeitervereine Sachsens, Pfarrer Richte r-KönigSwalde, hat bekanntlich vor kurzem seine leitenden Stellungen ausgegeben, weil bei der Verschmelzung der„Evangelischen" mit den„Gelben", die letzleren, trotz vorheriger Zulage, die formelle Anerkennung des Koalitionsrechts ablehnten. Ueber die von einer Scharfmacher- sitzung ausgegangene Anregung zu der genannten Ver- ichmelzung erfährt man jetzt interessante Dinge aus einem Bericht, den ein Teilnehmer dem„Halleschen Volksblatt" über die Unlernehmersitzung gegeben hat. Der vom ManSfelder Bergarbeiter- streik her noch bekannte Bergrat Schräder, ehemaliger konfer- valiver Reichstagskandidat, leitete die Sitzung mit der Klage ein, daß die Kassen der vaterländischen Vereine voll- ständig leer seien. Reichsverbandssekretär Michaelis-Halle stellte in seinem Referat über die gelben Gewerkschaften fest, daß diese Vereine selbstverständlich zur Förderung der Interessen der Unternehmer da sind; sie sollten Streiks verhindern und hätten in der Hinsicht schon recht gute Dienste geleistet II Man dürfe in den Vereinen aber die Beiträge der Mitglieder nur für Unterstützungs- einrichtungen verwenden. Die Agitation verschlinge jedoch die größten Summen, die könnten die Mitglieder nicht tragen; sie brauchten aber auch nicht zu wissen, wo dieses Geld herkäme. Für die evangelisch-nationalen Bereine hatte der Reichsverbandssekretär nichts übrig. Pastor Richter- Königswalde betonte in seinem Korreferat, da beide Vereinigungen dieSozialdemokratie bekämpfen wollten, müsse eine Verschmelzung erfolgen, etwa unter dem Namen:„Deutscher Arbeiterverein". Der evangelisch- nationale Verein lasse regelmäßig Sekretäre ausbilden, wobei es namentlich darauf ankomme, die rednerische Begabung zu wecken. Wönlich führt der Herr aus: «Meine Herren, um es richtig auszudrücken, der Zweck ist, diese Leute zu Großklappe» zu erziehen. Diese Großklappen werden dann in die Betriebe geschickt und sind dann die Agitatoren unserer Vereine, verhüten Streiks und suchen immer mehr die Harmonie zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer herzustellen. Diese Leute besitzen das volle Vertrauen ihrer Mitglieder, weil sie eben immer unter ihnen sind und nichts aus der Kasse be- kommen, wo die Arbeiter biiieiiisteuern. sondern auS der Kasse, in die die Herren Unternehmer freiwillig steuern. In diesem Jahre (1911) hat die Summe 199 990,99 Mark erreicht und damit läßt sich doch etwas anfangen, meine Herren." Es entspann sich nun eine Diskussion darüber, daß die„Evan- gelischen" den Streik nicht direkt verbieten, wie die„Gelben". Pastor Richter meinte, mit einem solchen Verbot würde man das Vertrauen der Arbeiter verlieren und es ginge auch sehr gut ohne Verbot. Die Unternehmer bekommen jede Bewegung sofort an- gezeigt«»->»,>»»- 9er Qetvalfakt im>» Borchardt und Leinert vernrteilt.— Polizei-Antorilät geht über Abgeordneten-Jmmuoität. Gestern wurde nach Eröffnung der Sitzung der Briefwechsel verlesen, welchen der frühere Präfident des Abgeordnetenhauses v. Kröcher mit dem Minister des Innern geführt hat, um die Durch- führung des ß 64 der Geschäftsordnung zu ermöglichen. AuS dem Schriftwechsel geht hervor, daß sich Herr v. Kröcher an den Minister des Innern gewandt und.ihn um die Mitwirkung der Polizei bei einer etwa nötig werdenden Entfernung eines vom Präsidenten ausgewiesenen Abgeordneten ersucht hat. Diesem Ersuchen ist stattgegeben, und Polizeileutnant Kolb, der Vorsteher des 36. Reviers ist angewiesen worden, sich für Fälle der ge- dachten Art mit den erforderlichen Mannschaften dem Präsidenten des Abgeordnetenhauses zur Verfügung zu halten und die Ent- fernung des ihm bezeichneten Abgeordneten unter eigener Ver- antwortung zu erwirken. Nach Ansicht des Ministers liegt in solchem Falle ein Hausfriedensbruch des ausgewiesenen Abgeordneten vor, wodurch sich nach Ansicht des Ministers das Einschreiten von Polizei rechtfertige. Dagegen sagt der Minister ausdrücklich, er halte eS, abgesehen von ganz besonderen Zlusnahmefällen, nicht für angängig, dasi die Polizei einen aus dem Saale entfernten Abgeordneten hindere, den Saal wieder zu betreten. Auf die Vernehmung des Geheimen Justizrats Porsch wird ver- zichtet, da er mitgeteilt hat, er könne sich nicht erinnern, dasi der verstorbene Landtagspräsident v. Erffa gesagt habe, er habe die AuS- Weisung BorchardtS nicht deshalb verfügt, um die Ruhe und Ord- nung im Hause aufrechtzuerhalten, sondern um seine, des Präsidenten, Autorität zu wahren. Damit ist die Beweisaufnahme endgültig geschlossen. PlaidoyerS. Rechtsanwalt Haast saht noch einmal die wesentlichsten Gesichts- punkte des Vorganges im Abgeordnetenhause zusammen. Er kommt zu dem Schluß, der Präsident v. Erffa habe die Ausweisung lediglich deshalb verfügt, weil er dem Abgeordneten Borchhardt gegenüber feine Autorität wahren wollte. Aus dem Sitzungsprotokoll gehe das zweifelsfrei hervor. Der Briefwechsel zwischen Herrn v. Kröcher und dem Minister des Innern sei erst entstanden, nachdem Herr v. Kröcher sich die Frage vorgelegt hatte, wie er die Machtbefugnis, welche ihm§ 64 der Geschäftsordnung erteilt, durchführen könne. Zu« nächst habe Herr v. Kröcher erwogen, die Entfernung ausgewiesener Abgeordneten durch die Diener des Hauses bewirken zu lasten. Da- von sei er aber abgekommen, weil die Diener allen Abgeordneten gegenüber zur Höflichkeit verpflichtet seien, also in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnis zu den Abgeordneten ständen. Auch die Er- richtung einer Hauswache habe Herr v. Kröcher erwogen. Er habe aber auch diese» Plan fallen laste», weil die Wache voraussichtlich nur selten in Anspruch würde genommen werden müsten. Schließlich sei Herr v. Kröcher darauf gekommen, ob eS nicht möglich wäre. Behörden oder außerhalb des Hauses stehende, von den Ab- geordneten unabhängige Personen heranzuziehen. So sei schließlich das Abkommen mit der Polizei zustande ge- kommen. Wenn man das erwäge, so sei klar, daß eS sich hier beim Einschreiten der Polizei nicht um einen Akt st a a t l i ch e r M a ch t bandelt. Die Polizei ist hier nicht aufgetreten als Repräsentantin der Staatsgewalt, sondern als Er- fatz der Hausdiener, die dem Präsidenten nicht kräftig genug erschienen und auch sonst durch ihre Stellung gegenüber den Abgeord- neten nicht gut mit dieser Mission betraut werden konnten. Also ist die Polizei nicht in Anspruch genommen auf einem ihr eingeräumten Znstäiidigkeiisgebiet, sondern weil der Präsident kräftige Personen brauchte, die außerhalb des Hauses standen. Schon aus diesem Grunde ist die Freisprechung geboten. Rechtsanwalt Heinemann verweist nochmals in kurzen AuS- führungen auf die staatsrechtlichen Gesichtspunkte. Er legt dar, daß der§ 64 der Geschäftsordnung rechtsungültig für das Ausschließungs- recht gegenüber einem Abgeordneten fei. Das Ausschließungs- recht gegenüber einem Abgeordneten fei durch kein Gesetz be- gründet und stehe in striktem Widerspruch zur Verfassung, die dem Abgeordneten Sitz und Stimme verbürgt.— Nach den vom Gericht erhobenen Beweisen könne es scheinen, als solle dem Präsidenten das Recht der Notwehr zuerkannt werden. Das sei hinfällig, denn 6rmle Zola. Zu seinem 10. Todestage, Nichk allen Menschen gewährt der Anblick der Natur gleichen Gewinn und Geniuß. Dem Einen ist ein Sturzbach, der von Berges- höh ins Tal hinabschäumt, nichts anderes als ein schönes Schau- spiel, dem anderen offenbart sich darin eine Welt. Aus der Be- trachtung der gleichen Naturerscheinung entnimmt jeder soviel, als seinen geistigen Anlagen entspricht, als seine Phantasie zuläßt. So auch in der Kunst. Nicht jedem entschleiert sie ihren letzten Gehalt, ihre tiefste Schönheit. Aber daraus zu folgern, wie es die heute herrschenden Nur-Aestheten tun, daß die Kunst in ihrem Wirkungs- gebiet auf einen kleinen Kreis der in ihre Mysterien Eingeweihten beschränkt sei, darauf das Dogma vom Selbstzweck der Kunst(I'art pour l'art) herleiten zu wollen, ist blinde Thorheit. D i e Kunst muß als größte gelten, die auf alle wirkt, die klar und schlicht genug ist. aller Seelen zu rühren. Verderblich sind die Folgerunyen aus dem vermeinten Selbstzweck der Kunst: der aristokratische Charakter, den man dadurch ihr aufzwängt(der entwicklungSgeschichtlich so leicht zu widerlegen), ihre Loslösung von den übrigen Wertgebieten der Menschheit und damit ihve völlige Isolierung, endlich die Ucber- schätzung des Rein-Aesthetischen, der absoluten Form und deren Ab- trennung vom Inhalt. Dieser Farmalichnus in der Kunst führt aber notwendig zur Künstlichkeit und Spielerei. So ist es grund- falsch, ein Kunstwerk ausschließlich nach ästhetischen Werten zu be- messen!. Wollen wir einer künstlerischen Persönlichkeit gerecht wer- den, wollen wir sie in ihrer Bedeutung für die Entwicklung der Menschheit richtig werten, dann müssen wir sie als Ganzes be- trachten, nach Form und Inhalt ihres Schaffens. Nun wird es klar, warum ich diese allgemeine Betrachtung ge- rade einer Würdigung Zolas vorausschicke. Es mag vom rein ästhe- tischen Standpunkt aus unter den Modernen größere geben als ihn. Und doch haben sie für die Menschhcitsentwicklung nicht entfernt ZolaS Bedeutung, dem von allen neueren Dichtern nur zwei gleich- wcrtig an die Seite zu stellen sind, beide wie er große Lehrer der Menschheit: Ibsen und Tolstoi. Auf künstlerischem Gebiet liegt Zolas Bedeutung darin, daß er p«r Begründer ur.d konsequente Verfechter des naturalistischen Romans war. Als solcher hat er auf die gesamte Literatur seiner Zeit unermeßlichen Einfluß geübt, weit über Frankreichs Grenzen hinaus. Und wcnw auch gegenwärtig der Roman wieder andere Wege eingeschlagen Hat. Zolqs Einfluß wirkt fort« öx hat uns » der Präsident habe die Ausweisung angeordnet, um einen Verstoß gegen seine Autorität zu sühnen, aber nicht, weil er weitere Angriffe durch den Abgeordneten Borchardt fürchtete. Das NichthinauSgehen sei ja kein Angriff, hier könne also auch nicht von Notwehr die Rede sein. Aber selbst wenn angenommen werden solle, der Präsident habe in Notwehr gehandelt, so würde das höchstens seine und der Polizeibeamten Handlungen straflos, aber nicht daS Verhalten der Angeklagten strafbar machen. Rechtsanwalt Heine: In dem Briefwechsel gibt der Minister deS Innern der Ansicht Ausdruck, daß die Polizei das Recht habe, auf Ersuchen des Präsidenten einen ausgewiesenen Abgeordneten auS dem Saale zu entsernen, um Hausfriedensbruch zu verhindern. Diese Ansicht i�.eht in Widerspruch mit dem R e i ch s g e se tz. Die Befugniste der Polizei, strafbaren Handlungen entgegenzutreten, sind durchaus nicht unbeschränkt, sondern durch das Gesetz begrenzt. Hier handelt eS sich um einen Ein- griff in die persönliche Freiheit, wozu die Polizei nicht berechtigt war. Für Zucht und Ordnung im Innern der Häuser zu sorgen ist nicht Ausgabe der Polizei. So hat das Reichsgericht ent- schieden. Wenn die Zuständigkeit für daS Eingreifen der Polizei fehlt, dann werden die einzelnen Beamten nicht durch den Befehl ihres Vorgesetzten gedeckt, denn auch der Befehlende muß zuständig sein. Auch das ist eine Entscheidung des Reichsgerichts. Es ist charakteristisch, daß sich der Präsident des Abgeordnetenhauses vom Minister des Innern sagen lassen mußte, die Polizei habe den Abgeordneten gegenüber nicht die Befugnis, die ihr Präsident seinen eignen Kollegen gegenüber einräumen wollte. DaS wirft ein klares Licht auf die juristische Unkenntnis derjenigen, die den§ 64 der GeschäflSordnung angenommen haben. Oberstaatsanwalt Preuß: Rechtsanwalt Heine betont fortwäh- rend, daß die Polizei nicht befugt sei, für Zucht und Ordnung im Innern der Häuser zu sorgen. Ich frage Herrn Rechtsanwalt Heine, wie er sich denn dazu stellen würde, wenn er einen frechen Eindringling aus seinem Hause entfernen möchte, es aber aus eigener Macht nicht kann, und die Polizei dann sagen würde: Es ist nicht unsere Aufgabe, für Zucht und Ordnung im Hause des Rechtsanwalts Heine zu sorgen. Das Gericht hat nicht zu fragen. ob die Handlung des Präsidenten zweckmäßig und notwendig war, sondern ob er rechtlich zuständig war. Die Polizei ist zweifellos als Vertreterin der Staatsgewalt im Abgeordnetenhause erschienen. Rechtsanwalt Heine: Es kommt nicht einmal darauf an, ob der Präsident im Recht war. Er hatte ja dem Polizeileutnant nichts zu befehlen. Es kommt vielmehr darauf an, ob der Polizeileutnant im Recht war, der ja aus eigener Machtvollkommenheit gehandelt hat. Der aber war zweifellos nicht im Recht. Dem Herrn Ober- siaatsanwalt muß ich sagen: Ich bin allerdings der Meinung, daß ich nicht das Recht habe, die Polizei zu rufen, damit sie mir eine privat« Unbequemlichkeit vom Halse schaffe. Die Polizei ist nicht das Mädchen für alles, welches jedem Menscheck�jede Unbequem- lichkeit aus dem Wege räumen muß. Der Abgeordnete Borchardt hat auf Grund eines staatsrechtlichen Titels sein Mandat. Deshalb hat der Präsident nicht das Recht, ihn aus- zuweisen. Aber selbst wenn er das Recht gehabt hätte, so stand der Polizei nicht das Recht zu, hier einzugreifen. So wenig die Po- lizei privatrechtliche Titel zu vollstrecken hat, so wenig ist sie zur Vollstreckung staatsrechtlicher Titel befugt. Der Landtag hat sich in eine Sackgaste verrannt, aus der er nicht heraus kann. Trotz aller Warnungen von Traeger und Boisly hat er den§ 64 ange- nommen, um ihn gegen verhaßte politische Gegner anzuwenden. Wenn der Landtag jetzt eine Niederlage vor Gericht erleidet, so ist sie wohlverdient. Mit Boisly kann ich sagen: Es gibt noch Richter in Berlin und die werden den Politikern im Landtage sagen, was rechtens ist. Nach inständiger Beratung des Gerichts verkündet Landge- richtsdirekwr Schmidt folgendes Urteil: D-r Angeklagte Borchardt wird wegen Hausfriedensbruch und Widerstands gegen die Staatsgewalt zu 160 M., der Angeklagte Lei- nert wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt zu bO M. Geldstrafe verurteilt. Die wesentlichsten Gesichtspunkte der Begründung sind fol- gende: Das Gericht ist zu der Ansicht gekommen, daß Z 64 der daran gewöhnt, vom Roman strenge Beobachtung der Wirklichkeit zu fordern, so daß all das, was früher als charakteristisch.romanhaft" erschien, ein unbekümmertes Umspringen mit der Wahrheit des Lebens� mit den Tatsachen der Psychologie, m-it der Verkettung von Geschehnisten, uns unerträglich geworden ist, daß wir den Romanen des„Jungen Deutschlands", und selbst zum Teil Spiel- hagenss, keinen Geschmack mehr abgewinnen könnem Was war nun das Wesen des von Zola geforderten Naturalis- mus?„Unter Naturalismus verstehe ich die analytische und experi- mentelle Methode, die sich auf Tatsachen und menschliche Dokumente stützt. Zwischen dem sozialen Zustand, der die Ursache, und der Literatur, die die Wirkung ist, muß Uebereinstimmung herrschen." Die enge Verbindung, die Zola schuf zwischen seinen Gestalten und ihrem Milieu, die wissenschaftlich zu nennende Art. wie er sie als Produkt ihrer ökonomischen und sozialen Verhältniste darstellt, über- Haupt der tief« Einblick den er in die Bedingtheit alles Geschehens durch die wirtschaftlichen Grundlagen besaß, das war das ganz Neue bei ihmy das gibt seinem künstlerischen Schäften das charakteristische Gepräge. So entwickelte er sich bei der Arbeit an seinen sozialen Roinaiien. an jener gewaltigen, zwanzig Bände umfastenden Rougon-Macqüart Serie(1860—4893), in denen er ein umfassendes Kulturbild des zweiten Kaiserreiches enthüllte, immer mehr zum sozialen Reformator. Von früh an war ihm schon ein Heller Blick für die sozialen Nöte der Zeit eigen gewesen der in langen Jahren der Not, wo er ganze Tage ohne Nahrung im Bett zubrachte, weil das lebte Kleidungsstück ins Pfandhaus gewandert war, noch ge- schärst wurde. Immer weniger erschien ihm die Kunst als Selbst- zweck, immer mehr waren eS Menschheitsideen, soziale Pläne, die sein künstlerisches Schäften entschieden beeinflußten. So ringt er sich zum Kämpfer gegen die Verwüstungen des Kapitalismus durch, gegen klerikale Bedrückung, gegen chauvinistische Kleinheft, gegen antisemitische Beschränktheit, kurz, gegen all die Tendenzen, die den vollen Aufstieg der Menschheit zu den Gipfeln der Kultur, an den er bis zum letzten Atemzuge in unerfchüttertem OptimisnmS glaubte, zu verhindern trachten. Bis er endlich von schonungsloser Kritik des Bestehenden zu positivem Aufbauen fortschreitet und der Menschheit ein grandioses Bild der Zukunft aufrichtes, getragen von vier mäch- tigen Säulen: Fruchtbarkeit,(sozialistisch organisierter) Arbeit, Wahrheit. Gerechtigkeit. Und sein Zukunftsglaube ersteht ihm durchaus auf realem Boden. Keine müßige Ideologie ist's, die er treibt. Dazu ist er viel zu wirklichkeitSgerichtet. Die Grundlage seines Glaubens ist die Wissenschaft. Sie ist ihm die gewaltigste von allen vorwärts peitschenden Kräften der Menschheit in der Richtung aus humane Ziele. Die Methoden der Wissenschaft über- eitee vor fjeriehi Geschäftsordnung, sotveit er sich auf die Ausweisung eincZ Abgeordneten bezieht und soweit darin zum Ausdruck kommt, daß der Präsident einen Abgeordneten für den Rest der Sitzung aus- schließen darf, mit der preußischen Verfassung nicht in Widerspruch steht. Die Verfassung bestimmt tu Ar- tikel 78, daß beide Kammern ihren Geschäftsgang und ihre Diszi- plin durch eine Geschäftsordnung regeln. Durch welche Mittel ist in der Verfassung nicht bestimmt. Daraus ist zu entnehmen, daß der Gesetzgeber die Wahl der Mittel den Kammern selbständig überlassen wollte. Bei der Beratung der Verfassung ist zum Ausdruck gekommen, daß die Ausweisung eines Abgeord- neten einmal notwendig sein kann. Diese in der Kommission aus- gesprochene Ansicht ist dem Plenum unterbreitet und es hat keinen Widerspruch dagegen erhoben. Die Aufnahme dieser Be- stimmung in die Verfassung ist nicht erfolgt, weil es das Abgeordnetenhaus damals nicht für notwendig gehalten und auch wohl nicht erwartet hat, daß ein solcher Fall einmal vorkam- men könnte. Wenn die Ausweisung eines Abgeordneten aus dem Sitzungssaale unzulässig wäre, dann könnte der Fall eintreten, daß ein Abgeordneter die ganze gesetzgeberische Tätigkeit der Kammer lahm legt. Dazu hat die Verfassung zweifellos nicht die Hand bieten wollen. Das Individualrecht des Einzelnen findet seine Grenze an dem Recht der Gesamtheit auf ordnungsmäßige Füh- rung der Geschäfte. Aus der Verfassungsbestimmung, wonach ein Abgeordneter durch den Antritt eines Staatsamtes Sitz und Stimme dauernd verliert, folgt nicht, daß ihm dies Recht nicht zeitweise entzogen werden darf. Das Gericht befindet sich mit dieser Ansicht in Uebereinstimmung mit namhaften Vertretern der Rechts- und Staatswissenschaften. Das Gericht verkennt aber nicht, daß auch für die gegenteilige Ansicht gewichtige Gründe vorliegen.— Der Präsident war und ist bercch- tigt, Abgeordnete für den Rest des Tages auszuschließen. Er hat von dieser Befugnis dem Abgeordneten Borchardt gegenüber mit Recht Gebrauch gemacht. Der wiederholten Aufforderung, den Saal zu verlassen, ist der Abgeordnete Borchardt nicht nachge- kommen. Er hat sich also objektiv des Hausfriedensbruches schul- dig gemacht. Für die. Frage des subjektiven Verschuldens kommen die Grundsätze des Ev e n t u a l d o l u s in Betracht. Der An- geklagte hat mit der Möglichkeit, sich durch rechtswidriges Ver- weilen im Saal strafbar zu machen, rechnen müssen.— Das An» t rags re ch t des Präsidenten hat das Gericht bejaht. Er ist der Träger des Hausrechts. Wenn sich jemand des Haus- friedensbruches schuldig gemacht hat, dann kommt es darauf an, seinen Widerstand gegen das Hausrecht zu brechen und die hierzu geeigneten Maßnahmen durchzuführen. Die Hilfe der Polizei in Anspruch zu nehmen, war der Präsident berechtigt. Man kann in solchen Fällen die Polizei in Anspruch nehmen und sie kann, wenn sie will, dem Ersuchen folgen. Die Polizei muß das Recht haben, auch in einer Wohnung strafbare Handlungen zu verhm- dern. Das trifft auf den Angeklagten Borchardt zu. Polizei» lcutnant Kolb hat Hausfriedensbruch für vorliegend erachtet, er handelte also in rechtmäßiger Ausübung des Amtes, wenn er Bor- chardts gewaltsame Entfernung durch die Schutzleute anordnete. Somit haben auch die Schutzleute in rechtmäßiger Ausübung deS Amtes gehandelt im Rahmen der Befugnisse, welche ß 10 II 17 des Allgemeinen Landrechts der Polizei erteilt. Der Angeklagte Borchardt hat, indem er sich den Beamten widersetzte, sich des Widerstandes gegen die Staatsgewalt schuldig gemacht. Ob er daS Bewußtsein der Rechtswidrigkeit gehabt hat, darauf kommt es nach der Rechtsprechung des Reichsgerichts nicht an. Auch der Angeklagte Le i n e r t hat sich des Widerstandes gegen die Staatsgewalt schuldig gemacht. Er wollte Borchardt in seinem rechtswidrigen Verhalten unterstützen. Er hat ihm bei Ausübung deS Hausfriedensbruches Beistand geleistet. Die Polizei war dem- nach berechtigt, auch diese strafbare Handlung zu verhindern, und Leinert von seinem Platz zu entfernen. Für das Strafmaß ist zu berücksichtigen, daß es den Angeklagten nur darauf ankam, «ine Streitfrage zum Austrag zu bringen. Es lag deshalb kein Anlaß zu einer Freiheitsstrafe bor. Das Gericht hat eine Geldstrafe in der angegebenen Höhe für ausreichend und an». gemessen gehalten. trägt er auch aus seine Romane, in denen er eine Vereinigung von Kunst und Wissenschaft anstrebt. Wie der Naturforscher, wie der Arzt sucht er in Wesen, von Zeit und Menschen einzubringen,. Alle Wunden will er sondieren, alle Schäden im, Leben des Einzelnen wie der Gesamtheit erforschen. Aussprechen was ist, allem die heuchlerischen Schleier abreißen« alle Schönfärberei eines falschen Jdcalisnms verachten, aber alles zu dem einzigen Zweck, daß un- ablässig geforscht, gebessert, neu ausgebaut werde: das ist Inhalt und Ziel seiner künstlerischen Arbeit. So schildert er den Aristo- traten, den Bourgeois, den Arbeiter in all ihrer sozialen Bedingt- heit, darum ist ihm die Hure Nana eine Hure und keine verlogene Dumasche Kameliendame. Man hat ihn deshalb als unsittlich und verkommen geschmäht. Aber ganz davon abgesehen, daß er nur einem Gebot der Wahrheit folgte, wer wirkt sittenverheerender, der das Laster beim Namen nennt, oder der es in süßliche Sentimcn» talität aufreizend kleidet? Nicht um lüsterne Begierden zu er- regem schildert er die verderbliche Macht des Sexualtriebs« die zer» störenden Folgen alkoholischer Exzesse, sondern um zu warnen, zu bessern, zu heilen. Und mag man getrost der Ansicht sein, daß mit Predigen nichts gebessert und nichts geheilt werde, das weiß Zola selbst. Darum dringt er ja so vornehmlich aus Aenderung der sozialen Verhältnisse, auf gerechtere Verteilung der Güter, auf sozialistische Regelung der Produktion. In dem zweiten Teil der letzten Romanserie, in der„Arbeit", entwirft er ein kühnes Zukunfts» bild. Manches in ihm mag utopisch sein. Er stützt sich im Wesen,!- lichen aus Fouriers Ideen der zukünftigen Entwicklung. Ihm ge» nügt es, ver Menschheit zu sagen: Sieh, so kann deine Zukunft sich gestalten, wenn du dem einzig Vernünftigen folgst, dem, was dir die wirtschaftliche Entwicklung vorzeichnet, wenn im die Arbeit sozialistisch organisierst. Ohne der sozialdemokratischen Partei anzu- gehören, hat er, der als Individualist einst seine literarische Laus- bahn begann, zum Sozialisten sich durchgekämpft. In seiner Kritik des Kapitalismus und in seinen Zukunftshossnungcn steht Zola mit uns auf gleichem Boden. Nie hat ein Dichter das grauenhafte Elend d>eS Industrie- prÄetariats in der Sünden Maienblüte deS kapitalistischen Zeitalters erschütternder gezeichnet als Zola im Gcrminal. Das reicht im Tatsächlichen an Engels meisterhafte Schilderung dev Lage der arbeitenden Klasse Englands heran und übertrifft sie an Eindruck durch die Gewalt der künstlerischen Darstellung. Nie ist aber auch die Zukunft der von kapitalistischem Joch befreiten Menschheit lcuch- tcnidcr, jauchzender besungen, worden, als in der„Arbeft". Und nichts erscheint mir ungerechter, als Zola in diesem Werk ein Sinken seiner künstlerischen Potenz vorzuwerfen, weil er zu viel reflektiere. « Hus der Partei. Parteiqenoffen! Die Konstituierung des P.?rteivorstandes ist erfolgt. Die Adresse des Parteivorstandes ist wie bisher: Wilhelm Pfannkuch. Berlin SW. 68, Linden st raße 3. An diese Adresse sind sämtliche für den Parteivorstand bestimmten Zuschriften, auch die betr. die Frauen- agitation, zu richten. Alle Geldsendungen sind nur an den Parteikassierer O. Braun, Berlin LV. 68, Linden st raße 3 zu richten.(Postscheckkonto Nr. 7918 A. Gerisch, F. Ebert, O. Braun, Berlin. Lindenstratze 3.) Die Adresse des Bildungsausschusses lautet wie bisher: H. Schulz, Berlin SW. 68, L i n d e n st r. 3. Zur Kontrolle des Parteivorstandes und als Beschwerde- instanz ist die aus neun Personen bestehende, im§ 23 unseres Organisationsstatuts vorgesehene Kontrollkommission gewählt worden. Sie hat sich im Anschluß an den Parteitag in Chemnitz konstituiert und sind alle Zuschriften für sie an August Kaden. Gohlis bei Dresden, zu richten. Wir ersuchen die Vorstände der Landes-, Bezirks- und Wahlkreisorganisattonen auf Grund des Organisationsstatuts, uns die genauen Adressen ihres Vorsitzenden und ihres Kassierers nach erfolgter Wahl sofort mitzuteilen. Ferner ersuchen wir die Landes- und Bezirksvorstände, uns nach erfolgter Wahl sofort mitzuteilen, wen sie nach§ 26 des Organisationsstatuts zu ihrem Vertreter im Parteiausschutz bestimmt haben. Berlin, den 27. September 1912. _• Der Parteivorstand. Neues Parteiblatt. Die, V o l k S st i m m e" in Frankfurt a. M. hat eine Teilung ihres übergroßen Verbreitungsbezirkes vorgenommen. Sie erscheint vom Sonnabend, den 23. September, ab nur noch für die Wahlkreise Frankfurt, Höchst. Hanau und angrenzende hessische Gebietsteile Veraltelen Methoden eines Scribe und Sardou: Intrigen, Verschwörungen, EffeltSszenen, Brulaliläi und Gesühlsseligkeit durcheinander. Die Zarin ist ohne Liebhaber. Ihr Kanzler, ein geriebener, glatter Diplomat und amilicher Kuppler, will ihr den eben eingetroffenen sranzösischen Gesandten zuführen und hat ihn bereit« auss beste dressiert. Da schneit ein junger dübscher Offizier, Alexey Czerny, herein, erzwingt eine Audienz, deckt eine Berschivörung aus und liegt am Ende des Aktes bereits in den Arme» der Kaiserin. Im Jiileresse der dramatischen Verwicklung ist der junge Dummkopf der Verlobte einer jungen Hosdame, im gleichen Interesse wiid er von seinen adligen Freunden aufgehetzt(die Zarin ist ihm natürlich un. treu) und zum Mitverichworenen gemacht. Die Zarin soll gemordet werden. Der spannende Moment ist da. entzückende seelische Kon- flikle sind in Czerny angelegt— da naht der kluge Kanzler mit den rettenden Truppen. Der dritte Akt bringt der Zarin einen neuen Liebhaber in dem vom Kanzler so lange ausgesparten französischen Gc- sandten. Die Frau wird wieder wach in der Regeniin und gnädig schenkl sie den Verschwörern das Leben und Czerny. der wie e,n guter Junge sie ollein besitzen und mitregieren wollte, sein Keines Mädchen. Am Ende de« dritten SkteS wiederholt sich lustigerweise das Ende deS erste»: die Kaiserin erobert mit denselben Mitteln wie damals den ferenten enthält, beschlagnahmt.) Aber intereffant ist doch die letzte Konfiskation unseres Zentralorgans, weil es nämlich berichtet hatte, daß die Militärbehörden die abgehenden Reservisten zu Streik« b r e ch e r n für die private Neffelsdorfer Wagenfabrik keilen wollen. Eine Interpellation unserer Genossen in der Delegation macht diesen Streich bekannt und enthüllt gleichzeitig die einzige Daseinsberechti- gung der Delegationen: daß man in ihnen auch in der sonst parlamentsfreie» Zeit konfiszierte Artikel durch Einfchachtelung in die Jnterpellationsformel immunisieren kann. polireilicbes, Gerichtliches ufw. Wegen Beleidigung der Offiziere des deutschen Heeres wurde vor kurzem Genosse Sindermann vom Dresdener Schöffengericht zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Die Be- leidigung soll in einer Versammlungsrede über den MlitarismuS gefallen sein. In der am Freitag stattgefundenen Berufungs- Verhandlung setzte das Landgericht die Strafe auf zwei Monate herab._ Rnssische Blutjustiz. Der frühere Abgeordnete der ersten Duma, unser alter Genosse Jordania, ist vor einigen Tagen hinter verschlossenen Türen zu der ungeheuerlichen Strafe von drei Jahren Festungshaft verurteilt worden, weil er im Jahre 1906 in russischer Sprache eine wissen- schaftliche Abhandlung„Kritik des Anarchismus vom Standpunkt des wissenschaftlichen Sozialismus" veröffentlichte. Das Ge- richt erkannte an, daß das genannte Werk nicht verbreitet worden war, trotzdem erkannte es selbst den Versuch als strafbar an, die zu jener Zeit entstandenen und von der Re- gierung geförderten anarchistischen Ausschreitungen, Expropriationen, Attentate usw., vom sozialdemokratischen Standpunkt bekämpfen zu wollen I Auch der Herausgeber des Buches Kwizaridse wurde wegen Aufbewahrung der Schrift zu einer Festungshaft von anderthalb Jahren verurteilt I Genosse Jordania, der an einer schweren Lungen- lronkheit leidet, wurde sofort in Hast genommen und kann nur unter Bürgichaft von 6000 Rubel vorlänsig in Freiheit gesetzt werden. Da eine solche Summe von den Angehörigen nicht beschafft werden kann, bedeutet das Bluturteil des Gerichts ein Todesurteil für den schwerkranken Genoffen. /Ins der frauenbeivegung. Für die Anstellung besoldeter Schulpflegerinnett» Die verbündeten Frauenvereine von Groß-Berlin, zu denen 16 der bekanntesten Franenvereine gehören, haben eine gemein- same Petition an die Berliner Stadtverwaltung gerichtet, an den Schulen der Stadt Berlin besoldete Schulpflegerinnen anzustellen. In der Begründung wird darauf hingewiesen, daß die wirtschaftliche Entwickelung es notwendig macht, daß neben der geistigen Er- ziehung in der Schule auch Maßnahmen zur körperlichen Fürsorge für die Kinder getroffen würden. Durch die Schulspeisung und durch die Anstellung von Schulärzten sei dieser Forderung teilweise Gehör gegeben, aber alle diese Maßnahinen würden erst zur vollen Wirkung kommen, wenn durch Schulpflegerinnen � eine dauernde Ueberwachung der kränklichen Kinder einsetzen könne. Darüber hinaus werde die Schulpflegerin auch auf den gesamten Gesund- heitszustand der Familie durch ihren Rat günstig einwirken können.— Eine zweite Petition derselben Vereine spricht die Bitte aus, in allen Deputationen und Kommissionen, die sich mit den Fragen der neu zu schafsenden Pflichtfortbildungsschule für Mädchen befassen. Frauen mit Sitz und Stimme zuzuziehen. Leseabende. Bohnsdorf. Montag, den 30.. 8zü Uhr, im Lokal„Villa Kahl". Lankwitz. Montag, den 30., 3)4 Uhr, bei Aoler, Charlottenstr. 84. Genossin Röhl über:„Religion und Sozialismus". Czerny jetzt den Gesandten.— Die Liebesepisoden könnten noch einige Akte variiert werden; man muß den Autoren Dank wissen, daß die Zarin ihre Ueberzeugung, daß sie einer Million junger russischer Soldaten gehöre, nicht in die Tat umsetzt. Die effektvolle, prunkende Inszenierung blendete das für solche Genüsse dankbare Publikum' das Zusammeiispiel war überraschend geschickt. Erich Ziegels Kanzler war ein Kabinettstück feiner Ab- tönung, Waldemar Staegemann ein feuriger Czerny. Adele Hartwig suchte die mannigfachen Ingredienzen der Zarin vergeh- lich zu einer Einheit zusammenzufaffen._r, Trianon-Theater. Im„LiebeSbarometer', einem für Berlin funlelnagelneuen Lustspiel von Romdin C o o l u«, werden wieder altbewährte Steckenpferde vorgeritten, viel hundert, ja tausendmal behandelte Gemeinplätzigkeiten. nur in anderen Variationen, erneut. Wir kennen sie ia bis zum Uebcrdruß- die Theorie vom Lämmerschwänzchen: die Liederlichkeit, die von' den französischen Possenfabrikanten aus spekulativen Gründen längst zur allgemein gülligen Moral erhoben ist. Es gibt nach dieser Auf- stellung ,n ganz Paris nur noch eine anständige Frau, und diese eine heißt Solange und ist die Gattin eines Fürsten. Daß sie ob- zwar hart am Abgrunde, nicht fällt, verdankt sie eben der Rück- stchinahme auf ihre Herkunst und hochgesellschaftliche Position. Diese galante Verbeugung vor aristokratische» Standespersonen ist als die einzige neue Wendung in dem Slück zu bezeichnen. Den Gegenpol dazu bjldet die übrige Menschheit, in diesem besonderen Falle alles, was sich Literat und Künstler nennt. Alle Verse- und Notenschreiber sind also Parafiten, alle Theaterdamen Kokotten. Jede Berührung mit diesen unmoralischen Geschöpfen ver- feucht die Sittenreinheit der Hochgeborenen I Fast hätte sich die Fürstin Solange einem halbitalienischen Literaturzigeuner, nämlich dem Dichter Nello Cimbrefeuil, den sie mittels ihres Geldbeutels protegieren will, hingeworfen. Schon hat sie ein Theater gemietet, um sein Drama Leonardo da Vinci und Gioconda zur Aufführung zu bringen. Allein ein nur dreiwöchiger Verkehr mit deni Dichier und den Schauspielerinnen läßt sie vor weiteren Versuchen zurück- schrecken. Gründlich von all ihrer idealischen Kunst- und Künstler- begeisterung kuriert, kehrt Solange, selbstverstäiidlich„rein", in d?n Kreis blaublittiger Standespersonen zurück, um künftighin deren Jntereffen für Pferderennen, Boxerkänipfe und sonstige platte Ver- gnügungen zu teilen... ES ist nicht zu leugnen: das„Lustspiel" ist raffiniert gemacht. Der zweite Akt— nämlich die heiklen Zu- sammenstöße während der Probe aus der Bühne— ist sogar brillant. Dennoch hat sich der Zuschaner mit geschwätzigen Längen, zumal mit einem beinah überflüssigen dritten Akt abzufinden— trotz einer in allem und jedem vorzüglichen AuffüHning. Fritz S p> r a(alz Dichter) und Olga Limburg(Gabrielle) waren glänzend. Gleich- wohl bieten auch die beste» Rollen in alle» dielen Stücken immer nur Gelegenheiten, kniffliche Tiicks— niemals wahrhaft künstlerische Leistungen zu offenbaren. Die Schauspiellunst profitiert nichts dabei. e. k. Notizen. — M u s i k ch r o n i k. Am 18. Okt.. 8. Nov.. und 6. Dez. finden im großen Saale deS Gewerksctiaftshaules drei Kam- m e r m u s i l- K o n z e r t e statt. Der erste Abend ist Beetboven gewidinet, der zweite BrahinS. der dritte zeitgeiivssiichen Komponisten (Iaint-Saens, Richard Strauß und Tschatkowsky). Mitwirkende: Gcrlrud Rettermann(Gesang), Lolo Barnay(Gesang). Felix Lederer- Prina(Gesang) und das Kesteiiberg-Trio(�.eo Kesteuberg. LouiS van Laar, Maiix Loewensohn). Billetts zu 36 Pf. sind im Bureau des Gewerkschastshauses und in verschiedenen Zahlstellen der Freien Volksbühne zu haben.. — Die Große Berliner Kunstausstellung wird am Sonntagabend 7 Uhr geschloffen. — Die Freie Volksbühne hat ihren Vertrag mit der' Direktion des Deutschen Schauspielhauses verlängert, sowohl für die Nachmittags- wie für die Abendabteilungen. — Amundsen« Nordpolexpedition wird um ein Jahr verschoben werde». Königstrafee 34 Oranienstrafee 34 Leipüigerstra&e 65 Müllerstrahe 3 a Tauentzienstraftc 20 Oranienstrafee 47 a Friedenau, Rheinstr. 14 Neukölln, Bergstr. 7/6 eheimn's ä nur für Herren 28 Binerl-Anzae Kiiigei-Palctot Klneel-Vlster 22 Rineel-Anzner Ringe-«'aletot Ringe-Ulster Ringe I-Anza? Ringel-Paletot Blngel-Uls.er 33 Riagel-. Anzug Ringel-Paletot Ringel-Ulster 39 ete. die steh noch nicht Uberzengt haben« da» man hiar vom Schneidermeister nur reelle fertige Garderobe erhält. flnziio oder Ptielol naidi M voq 33 M. an Bin Versuch tttUrt zu dauernder Kundschaft. A. Ringel, Schneidermeister, 31 Chausseestr. 31. Edel- Margarine erobert jedes Frauenherx! iS A.Weriheim® G< m« b. H. Leipziger Str. König-Str. Rosenthaler Strasse Oranien-Strasse In dieser Woche: Versand-Abteilun�s Berlin W. 66, Leipziger Strasse 132-137 Die Firma A. WERTHEIM hat zu ähnlich lautenden Firmen keinerlei Beziehung Grosser Herbst-Verkauf in fast aUen Abteilungen Kleiderstoffe Darunter: Rclnwoll. 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Einer der interessanten Berichte, die der unermüdliche Reisende Vauder�delde im„Psuple" zu veröffentlicheir pflegt, beschäftigt sich mit Spanien, dessen Parteitag V. diesmal beiwohnt. Er weist daraus hin, daß jedes Glied der Internationale sich auf irgend einem Gebiete von den übrigen auszeichne. In Spanien ist es die Beschaffung von V o l ks h ä u s e r n, in der die noch ziemlich schwache Bewegung der anderer Länder vorangeht. In Madrid besitzt der Gewerlschaftsverband, der bei der industriellen Rück- ständigkeit des Landes sich in der Hauptsache auf die Bau- und die Transportarbeiter stützt, ein schönes Haus, in dem neben dem Eisen- bahnerverband mit seinen 70 lXX) Mitgliedern(unter 148 OVO Ge- werkschaflern des Landes überhaupt) u. a. die Sektionen der Bau- arbeiter(0000 in Madrid allein) und der Kutscher ihre Räume haben. Der Kutscherverein zählt über 4000 Mitglieder, d. h. bis auf 150 alle Berufsgenossen. Seine Eigenart besteht in der neben seinen gewerkschafilichen Aufgaben gepflegten genossenschaftlichen Aktion, deren Ziel kein geringeres ist als die Uebernahme des ge- samten Kutschereibetriebes auf Rechnung der Organisation. Seit IVa Jahren betreibt er auf Halbpart mit den bisherigen Eigentümern das wichtigste Wagen- und Auto- Unternehmens Madrids, dein 380 Wagen, 4lö Pferde und 19 Auto- mobile gehören. Das Gesellschaftskapital ist ll'/z Millionen Frank, wovon schon 400 000 abgezahlt sind. Beschäftigt werden 310 Ar- beiter, wovon 200 Kutscher. Zur Kundschaft gehören die ersten Hotels, die Kammern, Diplomaren usw. Die Arbeiter haben einen Mindestlohn von 4 Peseta(knapp 8,10 M.), während die Kutscher durch Trinkgelder auf etwa 9 Peseta kommen. Der ganze Reinertrag wird zur Abzahlung verwandt. Entsprechend der Kapitalsabtragung vermindert sich der Anteil der alten Eigentümer an der Leitung des Unternehmens. Anfangs begünstigte die Regierung die Genossenschaft, in der sie ein Mittel zur Angliederung von Arbeitern an die bestehende Ordnung sah. � Welche Vorkehrungen getroffen sind, um eine mög- liche kapitalistische Entartung der Genossenschaft zu verhindern, sagt Vandervelde leider nicht. Doch hören wir, dasi bisher wenigstens die engste Verbindung mit der Arbeiterbewegung besteht, wie die Regierung voriges Jahr erfuhr, als die Transportarbeiter zur Unter- ftiitzung der streikenden Bergarbeiter von Bilbao einen Sympathie- streik in ganz Spanien inszenierten. Wie ein Mann folgten die Kutscher dem Aufruf. Als Caualejas und seine Ministerkollegen wie gewöhnlich zum Parlament fahren wollten, versagten die Kutscher den Dienst, so baff sie sich mit Militärautomobilen beHelsen mußten. Der Streik dauerte nur einen Tag, da die Bergleute erfolgreich waren und die Arbeit wieder ausnahmen. Soziales. Wer hat die Kosten für die Angcstelltenverflcherung zu tragen? Von einem auf dem sozialpolitischen Gebiete gut unterrichteten Arzt geht uns folgende Zuschrift zu:. „Wer das Zustandekommen des obigen Gesetzes verfolgte, mußte sich, da von einem Reichszuschuh Abstand genommen wurde, von vornherein sagen, daß die Konsumenten allein die Leidtragen- den sein werden. Und siehe da: in den„Verbandsblättern", der Zeitschrift des Verbandes der Handlungsgehilfen zu Leipzig, heißt es in einem Artikel der letzten Nummer am Schlüsse: „Der Verband Deutscher Handlungsgehilfen zu Leipzig richtet daher wie bisher, so auch in diesem Jahre an die Arbeit- geber unter Hinweis aus die bestehende Teuerung den Aufruf, den Angestellten die Ueberwindung der Schwierigkeiten durch Ge- Währung von Gehaltszulagen zu erleichtern. Die Einführung der Angestelltcnversicherung dürfe nicht Anlaß zur Hinausschie- bung notwendiger Zulagen geben, denn die Zahlung des Arbeit- gebcranteils zur Versicherung sei eine soziale Pflicht, die nicht auf die Angestellten abgewälzt werden dürfe, zumal die Leistun- gen der Versicherung indirekt wieder der gesamten Volkswirt- schaft durch Hebung der Konsumfähigkeit zugute kommen. Nach einem Jahre werde jeder Arbeitgeber sich auf die neuen Verhält- nisse eingerichtet haben und die verhältnismäßig kleine Erhöhung seines Spesenkontos bei der Preiskalkulation mit berücksichtigen." Ja, wenn es bei der Preiskalkulation unter Berücksichtigung einer kleinen Erhöhung des Spesenkontos seitens des Arbeitgebers bliebe, iräre es noch nicht so schlimm. Aber der Arbeitgeber will auch die Zinsen und den Verlust dessen, was er sonst aus dem Gelde in seinem Geschäfte herausschlagen könnte, aus dem Danaer- geschenk herausholen; und der Preisaufschlag der Waren wird dem- nach ein viel größerer werden. Nehmen wir an, ein großes Waren- haus stänse unter der Führung eines„humanen Arbeitgebers" nach dem Wunsche der Deutschen Handlungsgehilfen zu Leipzig. Dieser gäbe die Absicht kund, für seine 400 Angestellten den auf sie fallen- ten Anteil an die Angestelltenversicherung mitzubezahlen. Die Angestellten sollen ein durchschnittliches Einkommen von 1500 M. beziehen. Dann würde der„humane Geschäftsinhaber" 43 000 M. an die Anstalt zu bezahlen haben. Ich wette aber 1000 gegen 1, daß der„gütige Mann" mirrdestenS das Doppelte als Spesen be- rechnen und auf die Waren schlagen wird. Ist der Mann nicht „gütig"— ich muß sagen-für die Selbständigkeit und Achtung des Angestellten ist es besser, wenn der Prinzipal nur seinen Anteil und der Angestellte den('einigen bezahlt— so wird eine Preis- steigerung der Waren auch eintreten, und die Konsumenten werden in jedem Falle die Kosten der Angestelltenversicherung zu tragen haben. Und wenn in dem herangezogenen Artikel von der Hebung der Konsumsähigkeit gefaselt wird, so sollten doch die Angestellten .daran denken, daß sie, während sie auf der einen Seite scheinbar seiwaS bekommen, auf der anderen Seite die Preissteigerung der Waren trotz ihrer dafür hingegebenen Arbeitskraft mittragen müssen. Dir ethische Seite dieses Gesetzes erinnert mich ganz daran, als vor den Wahlen zum Zolltarif-Neichstag der ostelbische Junker seinen Wählern die Jnlandszölle damit schmackhaft machte, daß er als humaner Agrarier(!), sobald der Zolltarif zustande käme, für den Roggen und Weizen usw. mehr bekäme und dann auch seinen Arbeitern einen höheren Tagelohn(?) geben könne. Der in Ergebenheit sterbende Knecht und Jnstwohner ließ es denn auch nicht an dem nötigen Bravo fehlen und wählte„blau". Als aber der Johann und der Michel, nachdem ihnen das Deputat an Roggen und Weizen ausgegangen war, um einige Scheffel dieser wertvollen und durch ihre eigene Arbeitskraft crivorbenen Lebens- nlittelstoffe die Junker angingen, da erhielten sie die schöne Ant- wort: Das könnt ihr haben, aber ihr müßt jetzt für den Roggen und den Weizen den Preis bezahlen, um den er durch den Zoll- tarif, den ihr ja haben wolltet, gestiegen ist. Der Johann und der Michel machten ein estvaS dummes Gesicht, aber ich glaube, sie sind seit der Zeit etwas nachdenklicher geworden. Daß in den Reihen der Angestellten der Johann und der Michel noch nicht aus- gestorben, beweist am besten, baß die meisten noch nicht wissen. wo sie hingehören. Organisationen, die sich ansS„Bitten �t?cr- legen, find keine Znterefscnvertretungeii.«Kämpf und erkämpf Dir Deinen eigenen Wert", das ist das Motto der kaufmännischen Verbände, die der Gencralkommission der freien Gewerkschaften Deutschlands angeschlossen sind. Dahin gehört der Angestellte und die Angestellte, wenn sie mit der Zeit ihre Arbeitskraft richtig bewerten, wenn sie aus dem unvollkommenen Angestelltenvcr- sicherungsgesetz im Laufe der Jahre eine wirklich soziale Ein- richtung geschaffen haben wollen." SerLdrts- Leitung. Entschädigung durch Geschworene. Der seltene Fall, daß von den Geschworenen für einen frei- gesprochenen Angeklagten eine Geldsammlung veranstaltet wird, er- eignete sich in einer Verhandlung, die am Freitag vom frühen Morgen bis in die späten Nachtstunden hinein unter Vorsitz des Landgerichtsrats Baumgarten das Schwurgericht des Land- gerichts II beschäftigt hatte. Angeklagt wegen wissentlichen Mein- eids war die Verkäuferin Eva Mateja. Die Angeklagte wurde be- schuldigt, in einem Zivilprozeß fälschlich beschworen zu haben, daß sie mit einem Gärtuereibesitzer Scharwitzke in keinerlei Beziehungen stehe.— In der an Zwischenfällen reichen Beweisaufnahme stellte es sich heraus, daß die Hauptbelastungszeugin, eine Frau I., in einer nicht einwandfreien Weise aus das Zeugnis anderer Zeugen eingewirkt hatte. Die Folge war, daß die Geschworenen sämtliche Schuldfragen verneinten und die Angeklagte freigesprochen werden mußte. Da die Angeklagte durch ihre Verhaftung aus ihrer Stel- lung herausgerissen worden war und nun völlig mittellos dastand, veranstalteten die Geschworenen auf eine Anregung des Obmanns, Kommerzienrat Bamberg, eine Sammlung, die einen Ertrag von über 100 M. hatte._ Verstoß des Fiskus gegen die guten Sitte». Aus Essen wird uns geschrieben: Eine interessante Schadenersatzklage des Deutschen Transport- arbeitcrverbandeS gegen den preußischen FiskuS beschäftigte am Freitag die 3. Zivilkammer des Landgerichts Essen. Kläger war der Gewerkschaftsbeamte Wilhelm Kimmritz, Be- klagter der Fiskus, vertreten durch den Oberstaatsanwalt in Hamm und die Königliche Regierung in Düsseldorf. Der Klage liegt zu- gründe eine Schadenersatzforderung, die der frühere Eisenbahn- arbeiter Jakob Dimpel aus Essen geltend gemacht hat, weil er wegen seiner Zugehörigkeit zum Deutschen Transportarbeitervcr- bände von der Königlichen Eisenhahndirektion in Essen entlassen worden war. Dimpel bemißt seinen Schaden auf etwa 70 M. und hat diesen Betrage an Kimmritz, einen Beamten des Verbandes, abgetreten. Der Verband hat dem Dimpel eine Gcmatzregelten- Unterstützung im Betrage von 01 M. gezahlt. Beide Beträge klagt Kimmritz ein. Die Klage ist darauf gestützt, daß die Eisenbahn- direktion rechtswidrig durch unerlaubte Mittel und in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Weise Kenntnis von der Mitglied- schaft des Dimpel bei dem Verbände erlangt habe. In dieser Be- ziehung macht der Kläger folgendes geltend. Die Essener Polizei sollte auf Ersuchen der Staatsanwaltschaft in Duisburg eine Haus- suchung in den Räumen der Essener„Arbeiterzeitung" vornehmen, um den Drucker einer Postkarte strafbaren Inhalts zu ermitteln. Auf Ersuchen der mit der Durchsuchung beauftragten Polizei- bcamten wurde letztere auf die Räume des im gleichen Hause unter- gebrachten Bureaus der Geschäftsstelle des Transportardciterver- bandes ausgedehnt, angeblich weil die Möglichkeit vorliege, daß die Karte aus der Geschäftsstelle stamme. Die Beamte» haben nun nach Behauptung des Klägers die beschlagnahmten 40 Aktenstücke drei Tage lang im Polizeipräsidium zurückbehalten, und bei dieser Gelegenheit Abschrift von den Mitgliederlisten genommen, die dann der Königlichen Eisenbahndircktion in Essen übermittelt worden sei. Entweder habe der Polizeipräsident selbst oder einer seiner unmittelbaren Untergebenen die Anweisung zu der Abschrift ge- geben. Der Kläger folgert nun, daß ohne diese Abschrift und Uebermittelung an die Eisenbahnverwaltung der Arbeiter Dimpel nicht entlassen worden wäre, weil ja dann der Fiskus nicht er- fahren haben würde, daß Dimpel dem Verbände angehöre. Der Fiskus hafte aus Grund des Beamtenhaftpflichtgesetzes und, da die Bcamten als Hilfsbeamten der Staatsanwaltschaft und als Untergebene des Polizeipräsidenten gehandelt hätten, müsse sich die Klage gegen den Oberstaatsanwalt in Hamm und die König- liche Regierung in Düsseldorf richten. Der FiskuS behauptete demgegenüber, daß der Eiscnbahndirek- tion eine Abschrift der Mitgliederliste nicht übersandt worden sei. Der Entschädigungsanspruch sei aber auch unbegründet, weil Dim- pel genau gewußt habe, daß er wegmv seiner Zugehörigkeit zu dem Verbände entlassen tverden würde, falls die Eisenbahnverwaltung davon Kenntnis erhalte. Die Verwaltung stehe auf dem Stand- punkte, daß der Verband der sozialdemokratischen Partei nahestehe, und es sei bekannt, daß die Staatseisenbahnverwaltung niemanden anstelle, der Anhänger der sozialdemokratischen Partei sei. Die Königliche Regierung hob noch hervor, es müsse auffallen, daß der Kläger nicht auf Grund des Arbeitsvertrages des Dimpel mit der Eisenbahnverwaltung wegen ungerechtfertigter Entlassung auf Schadenersatz klage. Die Eisenbahndircktion habe nur von ihrem vertragsmäßigen Rechte Gebrauch gemacht. Im übrigen bestritten der Oberstaatsanwalt und auch die Regierung, daß das Land- gericht Essen zuständig sei, weil weder der Oberstaatsanwalt noch die Regierung ihren Sitz innerhalb des Landgerichtsbezirks habe. Dagegen behauptete der Kläger, daß Essen als Ort der unerlaub- ten Handlung als Gerichtsstand zu gelten habe. Die Verhandlung wurde vertagt, da die Parteien weitere Schriftsätze einreichen wollen, lieber den Ausgang der Klage wer- den wir berichten. Ob das Gericht in Essen zuständig ist, ist eine rein formalpro- zessuale Frage, die die Oeffentlichkeit nicht interessiert. Anders liegt es mit der materiellrechtlichen Frage. Unbedingt hat der Fiskus gegen das Recht und die guten Sitten verstoßen, wenn er sich auf dem vom Kläger behaupteten Wege Kenntnis von der Mit- gliedschaft verschaffte. Er verstieß aber, auch wenn das nicht der Fall war, gegen die guten Sitten. Die Vertragsbestimmung der Eisenbahndirektion, ihr Angestellter dürfe nicht Mitglied der So- zialdemokratie sein, ist eine dem Gesetz ins Gesicht schlagende Ver- letzung der„guten Sitten". Die Gleichheit vor dem Gesetz aner- kennt die von den Bcamten beschworene Verfassung und es ist bei Beratung des Bürgerlichen Gesetzbuches in der Kommission und im Plenum von der Regierung und von allen Parteien anerkannt, baß Verträge, welche die Koalitionsfreiheit oder die Gewissens- freiheit beeinträchtigen, einen Verstoß gegen die guten Sitten im Sinne des Z 138 B, G. B. darstellen. Danach sind Abreden nichtig, die die Verpflichtung auferlegen, bestimmten politischen oder ge- werkschaftlichen Vereinigungen nicht anzugehören oder aus ihnen auszutreten._ Das Gaschwitzcr Eisenbahnunglück. Aus Leipzig wird uns telegraphiert: Die dritte Strafkammer des Landgerichts pemUilte feen Lolomptivführcr Mvrguer gu» Reichenbach-Boglland, der am Abend des 19. Juni das Eisenbahn- Unglück bei Gaschwitz verursachte, wobei drei Personen getötet und 28 zum Teil schlver verletzt wurden, wegen, Gefährdung eines Eisen- bahntransportcs, verbunden mit fahrlässiger Tötung und Körper- Verletzung zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis. In der Verhandlung wurde festgestellt, daß die Signaleinrichtungen aus dem Bahnhof Gaschwitz vollkonunen in Ordnung waren und Morgncr das Haltesignal fahrlässig überfahren hatte. War die„Fahrlässigkeit" die Folge einer UebervnstrengUW? Schutz von Wahlmogeleicn. Mit der Frage, ob die Wahlurne, bevor sie geöffnet wird, um- zuschütteln ist und wer dies gegebenen Falles zu besorgen hat, be- schäftigte sich am Freitag das Reichsgericht in der Strafsache wider den Maurer Hermann Werner in Thommendorf(Kreis Bunzlau), der vom Landgericht Liegnitz am 20. April d. I. wegen unbefugter Amtsanmaßung und öffentlicher Beleidigung zu 100 M. Geldstrafe verurteilt ist. Am Tage der letzten Reichstagswahlen war der An- geklagte für unsere Partei als Wahlkontrolleur im Wahllokal tätig. Als abends um 7 Uhr der Gemeindevorsteher F. als Wahl- Vorsteher den Wahlakt für geschlossen erklärte und sich anschickte, die Wahlurne zu öftnen, bat der Angeklagte ums Wort und sagte:„Ich bitte den Herrn Wahlvorsteher die Urne zu schütteln." Als F. dem nicht nachkam, sprgng der Angeklagte vor, ergriff die Urne, schüttelte sie um und stellte sie dann wieder hin mit den Worten:„Es ist schon geschehen." Da dieser Vorgang unter den Anwesenden ein großes Gelächter auslöste, fühlte sich F. beleidigt und stellte gegen den Angeklagten Strafantrag, der die bereits erwähnte Vcrurtei- lung wegen Vergehens gegen§ 132(Anmaßung eines Amts) und § 187 Str.-G.-B. zur Folge hatte. Gegen das Urteil hatte der An- geklagte Revision eingelegt. In der Begründung führte sein Ver- leidiger u. a. aus: Das Wahlreglemcnt vom 28. April 1903 schreibt nicht vor, daß eine Wahlurne vor ihrer Entleerung zu schütteln sei; es ist also das Schütteln keine Amtshandlung und deshalb hätte der Angeklagte nicht wegen unbefugter Amtsanmaßung verurteilt werden dürfen. Der Begriff der Oeffentlichkeit und der Beleidi- gung sei verkannt. Der Angeklagte habe geglaubt, im Interesse der Sache das Schütteln vornehmen zu dürfen, ja vielleicht sogar zu müssen.— Demgegenüber führte der Reichsanwalt u. a. aus: Wenn auch durch Gesetz das Schütteln der Wahlurne nicht borge- schrieben ist, so mutz doch berücksichtigt werden, daß der Wahlvor- steher und die Mitglieder Beamte im Sinne des Gesetzes sind, deren Pflicht es ist, darüber zu wachen, daß das Wahlgeschäft ordnungsgemäß vor sich geht; hierzu gehört namentlich die Sicherung des Wahlgeheimnisses. Wenn nun in Verfolg dieser Geheim- Haltung es dem Wahlkommissar angezeigt erscheint, die Zettel durchzuschütteln— denn, wenn die Zettel so übereinanderliegen bleiben, wie sie in die Urne geworfen werden, ließe sich leicht fest- stellen, wen die letzten Wähler gewählt haben—. so würde dieses Schütteln der Urne zu einer Amtshandlung werden und nur dem Wahlvorsteher oder einem Wahlmitglied zustehen. Das sei auch dem Angeklagten bewußt gewesen. Er sei sich auch des beleidigenden Charakters seiner Handlungsweise bewußt gewesen. Auf Grund dieser Ausführungen beantragte der Reichsanwalt, die Revision als unbegründet zu verwerfen. Das Reichsgericht erkannte diesem Antrag gemäß(4 E). 599/12). Es ist richtig, daß zur Pflicht der Wahlvorsteher die Sicherung des Wahlgeheimnisses gehört. Warum klagt denn aber die Staats- anwaltschaft nicht die Wahlvorsteher an, die trotz Anwendung von Mogelurnen— Zigarrenkisten u. dgl.— das Schütteln unterlassen und geht gegen die vor. die glauben, der Vorschrift des Wahl- geheimnisses Achtung zu verschaffen. Der Reichstag hat in der letzten Session einstimmig die Regie- rung aufgefordert, Wahlurnen zu beschaffen, die das Wahl- gehcimnis sichern Warum ist die Regierung dieser Reinlichkeits- Pflicht noch nicht nachgekommen?, Aenberung in ver Rechtsprechung des Kammergerichts. Das preußische Gesetz zum Schutze landschaftlich hervorragender Gegenden vom 2. Juni 1902 gibt den Regierungspräsidenten die Befugnis, Polizeiverordnungen zum Zwecke eines solchen Schutzes zu erlassen. Der Regierungspräsident zu Potsdam hat nun eine derartige Polizeivcrordnung erlassen, die die bekannten Reklamen an Bahnkörpern betrifft. Sie bestimmt in ihrem 8 1: „Die Anbringung solcher Reklameschilder und sonstiger Aus- schriften und Abbildungen, die das landschaftliche Bild verunzieren, ist in den Kreisen Jüterbog-Luckenwalde. Teltow und Zauch-Belzig außerhalb der geschlossenen Ortschaften auf beiden Seiten der nach- benannten Eisenbahnstrecken bis auf eine Entfernung von je drei- hundert Metern, vom äußeren Rande des Bahnkörpers ab gerechnet, verboten: a> auf der Strecke Berlin— Halle von. der nördlichen Grenze der Gemarkung Großbeeren bis zur Westgrenze der Ge« markung Nieder-Görsdors; b) auf der Strecke Jüterbog-Treuen- brictzen bis zum Beginne der Gemarkungsgrenze Treuenbrietzen." Nach§ 2 sind bereits bestehende Anlagen der in 8 l genannten Art bis zum 16. Mai 1911 zu beseitigen. Ter 8 3 bedroht Zuwiderhandelnde mit Strafe. m Wiegen Uebertretuna der Verordnung waren Binge und Genossen, verschiedene Besitzer von Grundstücken bei Groftbeeren, an- geklagt worden, weil sie trotz Aussorderuna deS Amtsvorstehers große Reklamen nicht entfernt hatten, die mit ihrer Genehmigung auf den Grundstücken längs der Bahnlinie Berlin— Halle von dem Reklame- Unternehmer Funk ausgestellt worden waren. Herr Funk hatte sich bei den Angeklagten das Recht durch Vertrag gesichert. Die Schilder, die innerhalb einer Entfernung von 200 Metern von: der Bahn an- gebracht waren und Reklamen für eine Zigarettcnfirma enthielten, waren 0 Meter breit und 2 Meter hoch und wurden von 0 Meter hohen Pfählen getragen. Das Landgericht verurteilte die Angeklagten. Es erachtete die Polizeiverordnung für gültig und berief sich u. a. auf eine Eni- scheidung des Kammergerichts vom 2. März 1911, die eine gleich- artige Verordnung betraf und u. a. aussprach, daß nach dem Erlaß einer solchen Verordnung durch einen Regierungspräsidenten der Richter nicht nachzuprüfen habe, ob es sich jeweilig um eine„land- schaftlich hervorragende Gegend" handele. Das Kaminergericht hat dieser Tage auf die Revision der An- geklagten das Urteil des Landgerichts in der Sache Binge und Gen. aufgehoben und die Sache mit folgender Begründung an die Vor- instanz zurückverwiesen: Nach nochmaliger Prüfung des Gesetzes vom 2. Juni 1902 sei der Senat zu dem Ergebnis gekommen, daß er dem Urteil desselben Senats vom März 1911 nicht in jeder Beziehung beitreten könne. Der Senat sei jetzt im Gegensatz zu der früheren Entscheidung der Ansicht, daß die Frage, ob eine landschaftlich hervorragende Gegend vorliege oder nicht, doch der Prüfung des Nichters unterliege. Das genannte Gesetz ermächtige die Regierungspräsidenten zum Erlaß von Polizeiverordnungen nur bezüglich landschaftlich hervorragender Gegenden. Der Richter habe nun zu prüfen, ob eine Polizeiv�rord- nung dem Gesetz entspreche oder nicht. Dazu sei aber anch ersorder- lich, daß er prüfe, ob die in der Perordnung behandelte Gegend eine landschaftlich hervorragende sei. Sei sie keine, dann sei die Ber- Ordnung ungültig. Da die Strafkammer jene Frage nicht nach- geprüft habe hinsichtlich der angewandten Verordnung, so müsse die Sache an die Strafkammer zurückgehen.— Im übrigen aber sei das Kammergericht der Meinung, daß eine solche Verordnung nicht schon deshalb ungültig wäre, weil sie nicht angebe, was als Ver- unzierung im Sinne ihrer Bestimmungen gelten solle. Es sei falsch, wenn die Angeklagten geltend machten, daß das im einzelnen angegeben werden müsse. Auch wenn eine auf Grund dcS Gesetzes erlassene Verordnung nur ausspreche, wgS dös Äesetz sage, sei sie gültig, tvenn sonst nichts gegen sie spreche. Sollte das Landgericht nun zu der Zlnffassung kommen, daß cS sich' hier um eine landschaft- lich Herdorragende Gegend handele, so daß die Verordnung gültig wäre, dann sei di'. Schubdfrage nochmals zu prüfen. Dabei sei davon auszugehen, daz die Verniictcr der Grundstücke sehr wohl für die Nichtbescitigung der Reklamen verantwortlich gemacht werden könnten. Ihr Vertrag mit dem Reklameunternehmer schütze sie nicht 'dagegen, Versammlungen. Heraus aus den Harmonievereinen. Der so notwendigen prinzipiellen Aufklärung unier den Hano- lungsgehilsen diente die am Mittwoch vom Zentralvcrband der Handlungsgehilfen nach dem„Marinehaus" einberufene öffentliche Versammluna. Genosse Dr. B r e i t s ch c i d hatte das Referat. Jin ersten Teil seiner Ausführungen ging er auf das Wesen und Sein einer Gewerkschaft ein und zeigte, dah die wirtschaftliche Entwickclung den bürgerlichen Harmonicverbänden jede Existenz- bcrcchtigung genommen hat, dasi nur der Weg der reinen Gewerk- schaft den Angestellten eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage bringen könne. Die Leute in jenen Verbänden arbeiten noch immer mit dem Gedanken der Harmonie; es gibt nach ihrer Ansicht eine höhere Einheit, in der sich die Interessen von Kapital und Ange- stellten zusammenfinden und sie halten es deshalb für ihre Pflicht, nicht so sehr das trennende Moment zwischen Kapital und Ange- stellten, das auch sie nicht übersehen können, zu betonen, als viel- mehr den Blick aus diese Harmonie, auf die Ptöglichkeit ihrer Er- reichung zu lenken. Und diese Hoffnung ist so blind, dah viele von ihnen glauben, das goldene Zeitalter sei jetzt schon hereingebrochen, der Hansabund sei der Boden, auf dem sich Kapital und Angestellte finden könnten. Sie können sich der Tatsache nicht entziehen, daß die wirtschaftliche Entwickclung eine Gestalt annimmt, die ihren Wünschen vom Verhältnis zwischen Kapital und Arbeit immer weniger entspricht. Aber es sind Optimisten. Sie geben die Hoff- nung nicht auf. Ist es einmal dieser Optimismus, der den Harmoniestandpunkt bedingt, so ist es zum anderen die Erwägung, daß das Angestellten- Verhältnis nur ein vorübergehendes sei, gewissermaßen ein Puppen- zustand, aus dem sich später der glänzende Schmetterling entwickele. Dieser Jrrglauoen wird aller Entwickclung zum Trotz unter den Angehörigen jener Verbände genährt. Aber wer sehen kann, weiß, daß keinerlei Aussicht für den Angestellten besteht, aus der Ab- hängigkcit herauszukommen. So die Hannonieverbände charakicrisiert, stellt ihnen nunmehr der Referent die Gewerkschaften gegenüber als die Zusammen- fassung aller Angehörigen eines Berufes zu gemeinsamer Kampfes- stellung gbgen die Kapitalsintcressen mit der Bereitwilligkeit, olle ihr zur Verfügung stehenden Mittel zu benutzen» um die Wirtschaft- liche Lage ihrer Angehörigen zu verbessern. Diesen Maßstab den einzelnen Verbänden angelegt, kam der Referent zu einem geradezu vernichtenden Urteil. Keiner der vor- nehmlich in Betracht kommenden größeren Verbände, der S8er, der Leipziger und der Deutsch-Nationale erfüllen die erste und vor- nehmste Pflicht einer Gewerkschaft, die Zusammenfassung aller Be- rufsangehörigen. Frauen sind nicht nur bei den öSern, sondern auch bei den Deutsch-Nationalen ausgeschlossen und in den Deutsch- Nationalen besonders hat man nichts weiter zu sehen, wie eine Re- form der reaktionären Mittelstandsbewegung, deren Kennzeichen ist, daß sie glaubt, den Arbeitsmarkt beherrschen zu können, wenn sie gewisse Gruppen ausscheidet. Alle genannten Verbände dulden nicht nur Arbeitgeber in ihren Reihen, sondern räumen ihnen auch einen entscheidenden Einfluß ein. Für den gewerkschaftlichen Kampf sind diese Harmonieverbände nicht zu haben. Um nur das wichtigste der gewerkschaftlichen Kampfmittel, den Streik, herauszugreifen, zeigte der Referent, wie die Abneigung gegen die Anwendung dieses Mit- . tels in allen Farben schillert, von den Deutsch-Nationalen, die es ein frivoles Kampfmittel heißen, bis zu den Jdeengängen des Herrn Berthold Müller von den Leipzigern, der kämpfen will, aber nur auf dem Papier. Sie halten die großen Mitgliederzahlen hinter den Kulissen, und wenn eS hoch kommt, lassen sie die Bataillone auf dem Papier, aber nicht auf dem Felde des Wirtschaftslebens auf- marschieren. Hatte der Referent soweit gezeigt, daß keiner der bürgerlichen Harmonievereine als Gewerkschaft zu werten sei, so galten seine nunmehrigen Ausführungen der Notwendigkeit der Anwendung ge- werkschaftlichcr Kampfmittel durch die Angestellten. Er zeigte ihnen, daß sie sich nicht so sehr als Angehörige eines Standes, als viel- mehr als Angehörige einer Klasse, der Klasse der von den Produk- tioiismitieln Getrennten, fühlen müßten. Er zeigte ihnen, daß die Wucherpolitik nicht nur eine Frage der Bergarbeiter, der Textil- arbciter, sondern auch die ihrige sei. Er ging auf die Wichtigkeit der Koalitionsfreiheit und auf die Versuche ein, die selbst schon ge- macht würden, die Angestellten in diesem Recht zu kränken. Diesen Gedankengängen folgend, kämpft der Zentralverband der Hand- lungsgehilsen schon seit seiner Gründung Schulter an Schulter mit den in der Gcneralkommission zusammengeschlossenen Arbeiter- gcwerkschaften. Daß der Zentralverband der Handlungsgehilfen in organischem Zusammenhang mit den Freien Gewerkschaften steht, daß von dieser gewisse �Zdeenverbindungen zur Sozialdemokratie gehen, weiß ein jeder und dessen hat sich der Zentralverband nicht zu schämen. Er hat keinen Anlaß, diese Beziehungen zu leugnen. Er verlangt von keinem, der ihm beitritt, ein politisches Glaubensbekenntnis, aber er ist überzeugt, daß, wer zu ihm kommt, seine Schulung nehmen und selbst zu der Ueberzeugung kommen wird, daß auch die radi- kalste Gewerkschaft nicht alles zu leisten imstande ist, daß die Ge- werkschaft die Angestellten nur eine gewisse Strecke führen kann, und daß dahinter etwas wartet, was die Gewerkschaft nicht mehr zu bewältigen vermag. Der Zentralverband ist üderzeugt, daß sich in jedem Lohnempfänger die Frage erheben wird, ist das, was die Gewerkschaft dir hietet, die Lösung des Problems oder gibt es noch eine andere Lösung. Insofern ja, wahrt der Zentralverband der Handlungsgehilfen die politische Neutralität nicht. Ihm daraus einen Vorwurf zu machen, steht aber jenen Verbänden schlecht an, die mit anderen politischen Parteien verbunden sind wie Pech und Schwefel. Politik ist eben nicht zu trennen vom Wirtschaftsleben; sie stehen auf einem Brett. Und wenn das nicht möglich ist, dann hundertmal besser, mit denen zu gehen, die die Interessen der An- gestellten wahrnehmen. In der Diskussion versuchte ein Jüngling eine Lanze für den Hansabund zu brechen. Er erklärte den Hansabund für die richtige Interessenvertretung der Angestellten. Der Genosse Dr. Nestriepke und Kollege Schmidt bewiesen durch Tatsachen, daß der Hansabund die Angestellten mißbraucht, um die Interessen des Handelskapitals besser wahrnehmen zu können. Die Harmonieverbände leisten hier- bei noch den Prinzipalen Vorschub, indem sie durch korporativen Beitritt zum Hansabund die Interessen der Prinzipale mit dem Geld der Hanalungsgchilsen unterstützen, �ene Organisationen Missen aber durch verklausulierte Austrittsbestimmungcn ihre Mit- glieder zu fesseln. Die Mitgliedschaft kann nur am 30. September zum 1. Januar gekündigt werden. Der Deutschnationale.Hand- lungsgehilfenverband und der Verein der Handlungskommis von 1858 verlangen außerdem, daß gleichzeitig der Beitrag bis zum 31 Dezember entrichtet wird, andernfalls der Betreffende auf ein weiteres Jahr Mitglied bleiben muß. Der Verein der Deutschen Kauflcute bat einen Kollegen auf Zahlung der so rückständig ge- wordenen Beiträge verklagt. Da derselbe nicht zahlen konnte und zur Leistung des Offenbarungscides nicht erschienen war, so ging man soweit, gegen diesen Kollegen einen Haftbefehl zu erlassen. Der Referent ging im Schlußwort mit den Hansabündlern und den Harmonievereinlcrn arg ins Gericht und forderte die Anwesenden auf. sich in die Reihen der Kämpfer der klassenbewußten Hand- lungsgehilfenbewegung einzureihen. Huö aller Melt. DU Sckmack der gottgewollten Ordnung. Immer krasser prägen sich in der kapitalistischen Gesellschaft die Gegensätze heraus. Während die wenigen Drohnen im elvigen Sonnenschein wandern, von Vergnügen zu Vergnügen taumeln, leben die Massen des Volkes in finsterer Verdammnis, schon zufrieden, tvenn sie sich mit den ekelhaftesten Nahrungsmittel» den Hunger stillen können. Als Kronzeugen dafür, daß die Gegensätze wirklich einen auf die Dauer unhaltbaren Grad erreicht haben, können wir die sicher vorurteilsfreie bürgerliche Presse anrufen. In der in Bonn erscheinenden„Deutschen R« i ch s z e i tu n g", einem Z e n t r u in s o r g a n. finden wir in der Nummer vom 26. September den folgenden Brief eines Tagelöhners: „Ich bin Tagelöhner, habe eine Frau und fünf Kinder. Das ganze Jahr gehen wir in kein Wirtshaus und machen nichts mit. Wir leben meistens von Schwarzbrot mit etwas Kraut oder Klatschkäse geschmiert, auch Kar- toffeln und dünner Kaffee. Bei einer solchen Kost ohne Fett und Fleisch, waS ja heutzutage alles zu teuer ist, kön neu die 5h in der nicht st ark werden und wir s e l b st f ü h l e n u n s a u ch schwach. Kürzlich sagte mir jemand, daß vielleicht Hundekuchen unter Kartoffeln oder Ge- miisc gemacht, eine kräftige Nahrung gebe. Hinidekuchen würde aus Fleischabfällen bereitet und etwas Schädliches könnte nicht darin sein, da die Hunde bei dieser Nahrung kräftig und gesund blieben. Ich würde Ihnen sehr dankbar sein, wenn Sie mir durch den Briefkasten mitteilten, ob Hundekuchen für die Menschen schädlich ist. I ch m ö ch t e gern einmal einen Versuch damit machen." Gleichzeitig mit der Veröffentlichung dieses wahrhaft erschütternden Briefes eines hungernden Arbeiters macht die folgende Notiz in der bürgerlichen Presse die Runde: „Der eleganteste Mann der Welt ist nach einem englischen Blatte Fürst Albert von Thurn und Taxis. Er trägt jeden Tag einen neuen Anzug, und die Anfertigung seiner Garderobe nimmt die volle Tätigkeit von zwölf erfahrenen Vekleidungskünstlern in Anspruch. Die Gesamtkostcn der Kleidung beziffern sich auf 66 606 Mark pro Jahr. Der Fürst läßt seine Anzüge mit Rosenöl parfümieren, das 166 Mark pro Unze kostet. Die Zahl der Krawatten, die der Fürst im Jahre anlegt, ist auf rund 1666 Stück zu berechnen, und an Schuhen benötigt er jährlich 266 Paar'e." Erdbeben in Württemberg. Im Erdbebengebiet der S ch w ä b i s ch e n A l b, insbesondere in der Umgebung von Balingen und Reutlinge», wurde am Freitag- abend 7 Uhr 16 Minuten wieder ein Erdstoß verspürt, durch den die Häuser st a r k erschüttert wurden. Es folgten noch mehrere schwache Stöße. Vormittags war bereits ein leichter Stoß vorangegangen._ Ter Lohn für treue Dienste. Auf dem Gute des Grafen Scheel-Plessen in Sicr- Hägen in Holstein hat eine heute 62 Fahre alte Frau vierzig lange Jahre ihre Arbeitskraft dem Herrn Grafen geopfert, bis jetzt der mürbe gewordene Körper die weiteren Dienste versagte. Das alte Mütterchen wollte die paar ihr noch bleibenden Jahre bei ihrem in Kiel als Kutscher beschäftigten Sohn verbringeii, dessen Verdienst aber auch so kärglich ist, daß er für einen Esser mehr nicht ausreicht. Aber der Edelmann, für den ich mich 46 Jahre redlich geschunden habe, toird schon helfen, dachte sich die alte Frau in ihrem frommen Vertrauen auf die vielgepriesene christliche Nächsten- liebe. Auf ihre bescheidene Bitte, ihr eine kleine Unterstützung zu gewähren, erhielt der Sohn folgende Antwort: „Im Auftrage des Herrn Grafen tr-cheel-Plessen habe ich Ihr Schreiben an den Herrn Grasen vom 5. Mai wie nachstehend zu beantworten: In Anbetracht dessen. daß Ihre Mutter noch recht arbeitsfähig ist. wäre, wenn sie hier im Gute wohnen ge- blieben wäre, eine Unterstützungsbedürftigkeit noch nicht in Frage gekommen. Ihre Mutter ist von hier fortgezogen. ohne darüber eine Rücksprache mit der Gutsherrschaft oder ihrem Vertreter, dem Inspektor, zu nehmen. Unter diesen Umständen findet die GutSherrschaft keinen Anlaß, Ihrer Mutter eine Unterstützung zu gewähren. Der Inspektor Th. Doormann." Solche Unverschämtheit— der Frau. Wie kann sie auch ohne besondere Erlaubnis des Grafen sich für arbeiisunfähig halten I Und noch dazu, wo jetzt trotz der liebevollsten B c h a n d- l u n g der Landbrbeiter die Landflucht immer grüßer wird. Kann denn da die Polizei nicht eingreifen und die Widerspenstige zwangS- weise znrückbefördern?___ Das Ehehindernis. Eine eigenartige Traufeier fand gestern in einer der größten Kirchen New Jorks statt. Vor dem Altar erschienen Miß B l a u v o l und Bankier Holmes aus Boston, die beide den Bund der Ehe schließen wollten. Alle HochzeitSgäste waren bereits an- wesend, als die Braut plötzlich vor Beginn der Zeremonie den Pfarrer bat, in seiner Rede das Wort„Gehorsam" fortzulassen. Hiermit war aber der Bräutigam nicht einverstanden, der eine Frau, die ihm den Gehorsam verweigerte, nicht heimführen wollte. Die Braut bestand aber hartnäckig auf ihren Wunsch und da zwischen beiden keine Einigung crzieit werden konnte, wurde a u S der Trauung nichts. Braut und Bräutigam entfernten sich schweigend durch zwei verschiedene Türen, und auch die HochzeitS- gaste mußten auf den SchmauS verzichten. Der KeicKtum des Zaren. Am russischen Kaiserhof ist jetzt eine wichtige Persönlichkeit ge- storben. Graf Hendriköw war Zeremoniennleister des Zaren und zu gleicher Zeit der Oberaufseher über das gewaltige Vernivgen seines Herrn, der Finanzrat des Selbstherrschers aller Reußen. Daß dieses Amt keine Sinekure war, kann man sich denken. Ist doch der Zar— wie Edgard Lelong im„Journal" ausführt— nicht bloß der reichste aller Fürsten, sondern der reichste aller Sterb- lichen schlechthin. Sein Jahreseinkommen beträgt mindestens 156 Millionen Mark. Und dabei können zahlreiche große Krongüter nicht mitgerechnet werden, weil sie kaum erschlossen und daher nicht ausgebeutet sind. Nikolaus II. könnte, wenn es ihm einfiele, jeden beliebigen Millionär der Welt auf- kaufen— meint der französische Autor—, von Berta lkrupp, die 566 Millionen„wert" ist, bis zu irgend einem Mitglieds der Familie Rothschild. Das Vermögen des Zaren besteht aus seiner Zivilliste. seinen industriellen Etablissements, den kaiserlichen Krongütern und den Ländcreien, die durch Erbschaft oder Kauf zu seinem persönlichen Eigentum geworden sind und einen Flächeuroum bedecken, welcher so groß ist wie etwa ganz Deutschland. Die Z i v i l l i st e beträgt mehr als 32 Millionen Mark. Von dieser Summe werden mehr als vier Millionen für die kaiserlichen Theater und für die Akademien aufgewendet. Die Großfürsten und Großfürstiniien erhalten mehr als zwei Millionen, die Kaiserin-Witwe und die Zarin jede etwa 526 666 Mark als Taschengeld. Ferner legt der Zar jedes Jahr für jede seiner Töchter bis zu ihrer Großjährigkeit 86 666 Mark zurück und 266 666 M. für den jungen Alexis, den mutmaßlichen Thronerben. Für sich selbst also behält der Zar jährlich 24 Millionen zurück. Die kaiserlichen Krongnter sind so groß wie Irland und umfassen die schönsten Wälder Europas, in welche» noch Wisente leben. Die Wälder werden methodisch ausgebeutet, und der Zar verkauft Unmengen Brennholz, Bauholz usw.; ein Drittel der Ländereien ist bebaut und an Landwirte oder Winzer verpachtet; an anderen Stellen befinden sich große Wind- und Wasser» mühlen, Fischereibetriebe, Bergwerke usw. Kurz, das ganze entspricht einem Jahreseinkommen von 86 Millionen, von welchen etwa 24 den Großfürsten zufließen. Und nun kommen noch die in Sibirien liegenden Privatgüter des Zaren mit ihren großen Platin», Gold-, Silber-, Kupfer- und Eisenbergwerken. Sie repräsentieren gegenwärtig ein Einkommen von ungefähr 36 Millionen, und dieses Einkommen könnte verzehnfacht werden, wenn der Besitz angemessen ausgebeutet würde. Das Gesamteinkommen des Zaren wächst jedes Jahr um fünf Millionen. Es würde wahrscheinlich noch weit mehr anwachsen, wenn nicht durch untreue Beamte ungeheuere Summen verschleudert und gestohlen würden. Die Kehrseite der Medaille ist, daß, während der Zar in seinem Reichtum geradezu erstickt, die armen Muschiks(Bauern) an Hunger und Skorbut wie die Fliegen dahinsterben; denn das beste Land hat sich die Krone angeeignet._ Kleine Notizen. Gin junger Invalide der Arbeit. Eine furchtbare Verstümme» lung erfuhr der 16jährige Sohn des Eigentümers B i e s k e in P y'r e h n e in der Mark. B. ist in der Leittenfabrik Franz Staitz in Döllensradung beschäftigt und geriet bei der Arbeit mit der rechten Hand in die Kreissäge, die dem armen Jungen alle fünf F i n g e r abschnitt. Es wird die ganze Hand amputiert werden müssen. Die Braut erschossen. AnS Eifersucht erschoß in Landsberg a. W. der Arbeiter K l a m a n n seine Braut, da? Dienstmädchen K l a w i t t e r. Das Mädchen wollte in der letzten Zeit von ihrem Geliebten nichts mehr wissen. Aus diesem Grunde kam es zwischen den beiden zu einer Auseinandersetzung, in deren Verlauf der junge Mann das Mädchen durch einen Schuß in die Schläfe tötete. Klamann jagte sich hierauf selbst mehrere Kugeln in den Kopf. Er wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Schreckenstat eines Geisteskranken. In Budapest hat der ehemalige städtische Tierarzt C e o r n o d o l e in einem Anfall von Geistesgestörtheit seine Frau und seine beiden Kinder im Belt m i t Pelrolenm begossen und angezündet. Alle drei Personen kamen in den Flammen um. Des Zaren treue Diener. Ju der Umgebung des Zaren ist ein kleines Malheur passiert. AnS dem Hofzuge wurde das s i l b e r n e Tafelgeschirr des Zaren gestohlen. Fünfzehn Hofbeamte, die der Miihilfe an dem Diebstahl verdächtig sind, wurden verhaftet. BrUfhaFten der Redaktion. Die luristische Tvrcchstunde findet L t n d e n st r a 1> e ß», vor« vier Trevve» — F a h r st u t l—, lvochentäalich von tVj bis TVi Uhr abends, Sonnabends» von bis G Uhr abends statt. Jeder für den Briefkasten bestimmten Antrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Mertzetchen belzustigen. Brirsliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen leine AbonncmcntSguittung bctgesstgt ist, »erden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der EPecchstundc vor. 166. Wenden Sic sich an das Arbeite« sekretariat, Engel- ufer 15.— W. R. Der Käufer kann eine Ausfertigung verlangen, ebenso der Verkäufer.— E. B. 166. Mitnahme ist zulässig. Das Mauerwerl muß vom Mieter in den stü deren Zustand versetz! werden.— G. R. 160. Sic können gegen den Verkäufer aus Herausgabe event. Wertcrsatz klagen. — A.®. 113. Erheben Sie Widerspruch; Sic sind nicht zahlungs» pflichtig.— M. Jtz. 21. Die Frau kann sär den Fall der Pjändnng mtcrvenicren.— R. D. 50. D,e Fragen lassen sich erst beantworten, wenn wir wissen, wie boch Ihr Einkommen und wie groß Ihre Familie ist. — Zlboiiueill VS. R. 1. Ein- und Zweizimmerwohnungen am I. 2 Nein. — A. H. 2. Die Mutter ist Miterbin, ebenso erben etwaige Geschwister des Verstorbenen mit. Die HausbaltungSgegenftände verbleiben jedoch der Witwe in vollem Umfang.— K. B. Hennigsdorf. Für einen Monat lömieii Sie Miete beanspruchen.— K. K. 66. Ja. Das Gericht würde aber walnscheivlich die Verlragsstrase herabsetzen.— I. W. 78. In Höhe des aui die Frau enijallendcn Anteils ja.— F. L» 66. Ja.— H. F. 25. 1. Schwächlichkeit. 2. Ja.— Hermann 1884. 1. Stadikasse. 2. 1,80 M. 9(. D. ÄI. Eine Verpjlichtung zur Antwort haben Sie nicht. Der Brief gilt als Kündigung.— P. 16. Stellen Sie aus dem� Polizeirevier oder bei der StaatSanwaltschast Strafanlrag.— O. P. Sie haben Anspruch aus Ermäßigung. Stellen Sie bei dem Vorsitzenden der Vcranlagnngs. tommission einen Antrag.— F. O. 16. 1. Ja. 2. Nein. 3. Nein. Jedoch sind die Kosten einer angemessenen Ausbildung zu decken. 4. u. 5. Die Gründe erscheinen nicht ausreichend. 6. Jeder Jnteressterte.— E. H. 86. Ja, soweit entbehrliche Gegenstände vorhanden sind.— O. R. 166. Die Auszahlung war allerdings unzulässig und Sie könnten klagen. Jedoch kann inzwischen der Wirt die gerichtliche Beschlagnahme nachholen.— W. F. 156. Nein. Es kann nur die Herabsetzung um eine oder mehrere Steuerstusen verlangt werden, je nach der Anzahl der Kinder, jedoch müssen mindestens zwei Kinder vorhanden sein.— A. B. 1. Falls Nachlaß» teilnng erfolgt ist, hasten die Erbe» unbeschränkt; andcrnsalls kann die Hastung aus den Nachlaß beschränkt werden.— Vormund. Die formell zulässige Beschwerde erscheint aussichtslos.— Lehrling 13. Eine B e r» p s I i ch t u n g besteht nicht.— 5. F. Ich. Es läßt sich nichts mehr tun, da die Schwester großjährig ist.— E. B. Greifcnhagener Itr. Nein. — H. F. 6. 1. Jeder Preuße nach vollendetem 24. Lebensjahr, der selbst- ständig ist, seine Steuern bezahlt, ein Jahr in der Gemeinde wohnt und in der Wäblerliste steht. Vor dem 36. September Einspruch erheben. 2. Blau. — G. 66. Kein Zwang.— 28. B. 66. Beim Trödler.— Otto, Ober- schöneweide. Alte Jakobstr. t24 II.— Jy. B. Ja!— H. I. Privat- fache, um die wir uns nicht kümmern.— L. L., Bezirksführer. Bern- stein: Nr. 21l. Sisner: Nr. 175. 177. 178 und 181. Hirsch: Nr. 207, 203 und 215.— 31. L. 83. Versuchen Sie es mit Salmiakgeist, nachdem der Samt mit Wasser etwas angefeuchtet ist. Dann die linke Seile mit heißem Plättciscn bügeln. Witterungöübersicht vom 28. September 1612. «lasionen Swinemdc. Hamburg Berlin Frailkj.a.M. München Wien •al H" v* C j "o§1 in s§ m w "tifStir 771 0 77 1O 767 NO 767150 770;n Wettet halb 66. oiuolfctil 1 heiter Ilhciter 1 bedeckt 1 wolkenl all li W io etattonen ? o tzv-st sbaparanda Petersburg Scilly Aberdeen Paris &= n n S® 77133 774 N 754.DSD 769,30 759,0 Wettet 2 wolkenl Ijbcbcdt IjlDOltig schedeckl 2halb bd. tJ« ü WS, Wetterprognose für Sonntag, de» 26. September 1612. Zeitweise nebelig, vorwiegend heiter und trocken, nachts sehr kühl, am Tage etlvas wärmer bei ziemlich frischen östlichen Winden, Berliner W e t t e r b u r e a u. WasserftandS-Nachrtchten der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Welterbureau. Wasserstand M e m e I, Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel. Thorn Oder, Ratibor , Krossen Franksurt Warthe, Schrimm , Landsbcrg Netze, Vordatnm Elbe, Leitmcritz , Dresden , Barby , Magdeburg am 27. 9 cm 206 —16 204 183 197 207 38 0 0 67 -62 226 180 seit 26. 9. cm1) —5 _ 2 —20 —7 —10 —9 0 +4 +3 +6 0 —10 —12 Wasserstand Saale, Krochlitz Havel. Spandau') , Rathenow') Spree, Epremberg') . Bcestow Weser, Münden . Minden Rhein, Maximiliansau „ Kaub „ Köln Neckar, Heilbronn Main, Hanau Mosel, Trier am 27. 0 ein 83 34 23 96 79 147 228 424 223 217 93 141 44 seit 26.9. am') 0 4-2 -1-2 +2 +1 +3 -7 — 4 — 7 — 15 —1 —3 +1 ')+ bedeutet Wuchs.— Fall.—*) Unterpegel. Theater und Vergnügungen (Siehe Wochen-Spielplan.) Freie Volksbühne. Sonntag, den 29. September, 2'/- Uhr: Deutsches Schauspielhaus. 5. Zlbteilung (Gruppe 19—22): E g tn o n t. 3 Uhr: Herrnfeld-Theater. 2 /3. Abteilung. (Kruppe 7—10): Der Vater. Thalia- Theater. IN./ll. Abteilung. (Gruppe 44--*5): Des Pfarrers Tochter von Streladorf. Lefstng- Theater. 8. Abteilung. (Gruppe 32— 37): Glaube und Heimat. Refidenz-Theater. t1./12. Abteilung. (Gruppe 50— 51): F r a n c i l l o n. Abend-Abteilungen. Montag, den 30. September, 8 Uhr: Deutsches Schauspielhaus. 14.(l.) Abcndabtcilung: O st e r n. Nene Freie Volksbühne. Sonntag, 29. September, nachm. 2'/, Uhr: Deutsches Theater: Pcnthesilea. Kammerspielhaus: Erdgeist. Nachm. 3 Uhr: Neues Voils-Theatcr: Literatur.— Liebelei. Schillcr-Tbeater O.: Zopf und Schwert. Schillrr-Theater Charl.: Die Jüdin von Toledo. Theater in der Königgrätzer Strake: Die Ahnfrau. Neues Theater: Wiener Blut. Kleines Theater: Hockeujos.— Der Arzt seiner Ehre.— Lottchcns Gc« burtstag. Triauou-Thcater: Der selige Toupinel. Kurjürsten-Oper: Das goldene Kreuz. Abends 8 Uhr: Neues Volks-Thcatcr: Lore.— Die Spieler.— Der Kammersänger. Abends 8',. Uhr: Neues Volks-Tdeater: Montag, Mitt- woch, Freitag, Sonnabend: Literatur.— Liebelei; Dienstag. Don- nerslag: Lore.— Die Spieler.— Der Kammersänger. Schiller-TliealerO.lC,� Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Zopf und Scinverf. Sonntag, abends 8 Uhr: Des Pfarrers Tochter von Streladorf. Montag, abends 8 Uhr: Die Lokalbahn.— Die Medaille. Dienstag, abends 8 Uhr: Des Pfarrers tochter von Streladorf. Sehiller-Thealer Chabr�,en- Sonntag, nachm. 3 Uhr: Pie Jüdin von Toledo. Sonnlag. abends 8 Uhr: tValleiiHteliiH Tod. Montag, abends 8 Uhr: Kachrnhm. Dienstag, abends 8 Uhr: Der TallMinan. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Grotze Rosinen. Theater iD der KoDigprto Straße Abends d Uhr: vie S frankkurler. l)öut8eliö8 8l!ligu8pikl!igu8 (Komische Oper). Abends 8 Uhr: ICglllOIlt. Theater am Nollriidorfplatz (Neues Schauspielhaus). Täglich abends 8 Uhr: Gastpicl des Münchencr Künstler. Theaters i Orpheus tu der Unterwelt. 8 Uhr: Der Herr oou Nr. 19. Schwank in 3 Akten von Keroul und Barr«. Sonntag, g. Okt.. nachm. 3 Uhr: Ein Walzer von Chopin. Colitis Operetten-Theater (früher X cuen Theater) Abends 8 Uhr: Goldener Leichtsinn. Sonntag 3 Uhr: Vfioner Bluf.. Luisen-Theater. Sonntag nachm. 3 Uhr: Ich lasse Dich nicht. Abends 8 Uhr: Tie Mciueidgräfin. Montag: Das Käthchen von Heilbronn. Dienslng auf allgemeines Verlangen: Ich lasse Dich nicht. IOSE=THEATE| f (öroge Frankiintei?n 132. Nachin. 3 Uhr kleine Preise Zapfenistreteh. Abends 8 Uhr: Ein Sommernachtstraum. Montag: Ei» Sominernachts- trau in. Urania Tanbenstraße 48/49. Wissenschaftliches Theator. 4 Uhr; An» Golf von X'eapel. 8 Uhr: Aufs blattet horn. Das Programm der Hüraaul- vorträge im IV. Quartal 1912 ist erschienen und kostenlos erhältlich. lOeiSCHEFT�S CARTEM M Heute Sannlag RA-oc Eintritt«V"• Kinder unter 10 Jahr. die Hälfte. Ab nachm. 4 Uhr: Großes Militär-Konzert Täglich: Großes Militär-Konzert. Passags-fanoptikura • miii ii° nsaEEzahaa: ggj Prina: ATll Das kleinste menschliche Lebewesen. | Das Wunder aller Wunder. Lehend! Ohne Extra- Entree! Passage-Thealer. 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Herren zahlen 50 Pfennig nach. Billetts sind zu haben in allen Konsumgenossen- schafts-Verkaulsstellen, sowie in den mit Piakaten versehenen � Geschäften. 59/19 1.vwww WMO WMVco' Arbeiter- Wanderbund „Die Naturfreunde". Sonnabend, 5. Okiober, in Kellers Nene Philharmonie, Köpcnicker Stratze 96/97: Lichtbilder-Vortrag Nach eigenen Ausnahmen des Vortragenden Herrn W. Dihcnthaler. Lehniii— Cborin— Dir Spreewald— Lindow— Märkische Seen— Märkischer Wald— Jüterbog— Trcucnbrictzc»— Bernau— Die Havel— Werder— Der Grunewald— Klein-Machnow. Eintritt 25 Pf. Anfang abends 8'/, Uhr. Billetts an derJCasse. Nach dem Bortrage: KkstlHtitS KkisllMMtUstM Mld TlMZ. DaS neue Dourenprograli»» für Oktober ist erschienen und kann kostenlos von der Geschäftsstelle, Boycnftr. 19, bezogen werden. Zirkus Busch. Heute Sonntag, 29. September: 2 er. Galavorstellungen Nachm. 3'/, u. abends 71/j Uhr. In beiden VorsteUungen (Ntinraehr auch Nachmittags) Honcliiit! in seiner rätselhaften Entfesselungsszene unter Wasser. 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Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Ve clagLanstalt Paul Singer u.Co., Berlin SW, 8i.228. 29. Jahrgang. 3. ßtilw Ks Jotniürts" ßttlititr Oolbliloit. Zonntllg. 29. September 1912. Der Kongreß für StadteweFen. Auf dem zurzeit in Düsseldorf tagenden Kongreß für das Städtewescn begegnete ein Vortrag des Ulmer Oberbürgermeisters v. Wagner über„Die Anwendung des Wiederkaufrechts zum Zweck des Ausschlusses der Spekulation bei Veräußerung von Gemeinde- land" erheblichem Interesse und der deswegen verdient, kurz er- wähnt zu werden. Die Stadt Ulm sucht bekanntlich seit bald M Jahren den Kleinwohnungsbau dadurch zu fördern, daß sie auf städtischem Grund und Boden Arbeitereigenhäuser baut, sich aber von Anfang an ein Rückkaufsrecht resp. ein Wiederkaufsrecht sichert. Dadurch soll verhindert werden, daß dieser Grund und Boden bei dem natur- gemäßen Steigen seines Wertes zu Spekulationszwecken verschachert wird. Seit 1894 ist das Wiederkaufsrecht in 602 Fällen bei einem Vcräußerungswert von über 6 Millionen Mark ausgeübt worden. Man empfiehlt vielfach die Anwendung des Erbbaurechts für den Bau von Arbeiterwohnungen, um der Bodenspekulation zu be- gcgnen und den Bodcnwertzuwachs der Allgemeinheit zuzuführen und doch dem Minderbemittelten eine dem Eigenheim sich nähernde Eigentumsform zu gewähren. Aber alle diese Zwecke können ebensogut auf dem von Ulm be- schrittenen Wege erreicht werden, wobei noch in sozialer und wirt- schliftlicher Beziehung ungemein wichtige weitere Ziele hinzu- kommen. Da die Landesversicherungsanstalten ohne Sicherungs- Hypothek an den sür das Erbbaurecht hergegebenen Boden kein Dar- lehen gewähren, so wird die Gemeinde, wenn sie schon einmal so ziemlich das ganze Risiko tragen muß, zweckmäßigerweise gleich un- mittelbar als Geldgeberin und Gläubigerin eintreten. Die Stadt Ulm baut nicht teurer, sondern mindestens ebenso billig wie eine Genossenschaft und auch die Verwaltung kostet nicht mehr. Wenn ferner das Eigentumsrecht der Inhaber an den Ulmer Arbeiter- Wohnungen ein sehr beschränktes ist, so geht es doch weiter als beim Erbbaurccht. Steht aber der Arbeiter gegenüber dem erbbauberech- tigten 5lapitalisten oder genossenschaftlichem Verbände nur im Ver- hältnis des Mieters, so fallen alle sozialen Errungenschaften des Eigentümers weg; dagegen treten, wenn, wie es vorkommt, z. B. in Halle a. S., Wohngebäude bis zu 12 Wohnungen zugelassen sind, alle Schattenseiten der Mietskaserne in d?e Erscheinung. Deshalb gibt der Vortragende, wenigstens für das Kleinwohnungswesen und namentlich, wenn Staat und Gemeinde die Mittel für den Wohnungsbau aufbringen, dem Wiederkaufsrecht den Vorzug, be- sonders, solange nicht das Erbbaurccht in rechtlicher Hinsicht klarer und zweckmäßiger ausgestaltet ist, so daß die Beleihbarkeit des im Erbbaurccht vergebenen Bodens wächst.— In der Diskussion erhob der Bürgermeister Sney von Görlitz juristische Bedenken. Er meinte, das Wiederkaufsrecht zu einem bestimmten Preise oder zu einem Schätzungswert könn« nur durch eine Kautionshypothek gesichert werden, bei der nach seiner Auf- fassuiig ein Kündigungsrecht über 29 Jahre hinaus nicht ausge- schlössen werden könne, so daß eine Sicherheit, auch später noch abs nach 26 Jahren das Grundstück zu dem bestimmten Preise zurück zu erwerben, nicht existiert. Auch könne das Wiederkaufsrecht durch Belastung des Grundstücks mit Hypotheken über die eingetragene Kautionshypothek hinaus illusorisch gemacht werden. Beide Einwände hält Oberbürgermeister v. Wagner für un- zutreffend; tatsächlich haben sich auch in Ulm bis jetzt keinerlei Schwierigkeiten ergeben. Das Wiederkaufsrecht wird in Ulm nicht als sogenanntes dingliches Recht auf das Grundstück eingetragen, sondern beruht auf einem persönlichen Schuldvcrhältnis. das für 166 Jahre besteht und das gegen einen eventuellen neuen Eigen- tümer stmmer wieder im Grundbuch vorgemerkt wird. Falls der Vorbesitzer die Vormerkung des Wiederkaufsrechts bei seinem Rechtsnachfolger nicht durchsetzen will oder kann, bringt die Ge- meinde ihr Wiederkaufsrecht zur Anwendung. Irgendwelche Be- denken sind von den Gerichten gegen dieses Verfahren nicht erhoben worden.— Bemerkenswerte Vorträge wurden noch gehalten von Dr. S ü d e- k u m über„Neuere Formen der Gemeindeverfassung und Ge- meindeverwaltung in den Vereinigten Staaten" und von Professor Dr. B l u m- Hannover über„Güterverkehr und Städtebau". Mocken-Spielplan der Berliner Cbeater. Königl. Opernhaus. Sonntag: Der Freischütz Montag: Fidelio. Dienstag: Tristan und Isolde.(Ansang 7 Uhr.) Mittwoch: Der Rosen- kavalier. Donnerstag: Die lustigen Weiber von Windsor. Freitag: Die Meistersinger.(Ansang 7 Uhr.) Sonnabend: Der Barbier von Sevilla. Sonntag: Margarete. Montag: Carmen.(Ansang?>/, Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Der große König. Montag: Die Bluthochzeit. Dienstag: 1812. Mittwoch: Weh dem. der lügt. Donnerstag: Der große König. Freitag: Die Bluthochzeit. Sonnabend: .—....«>affimgang. Montag: Der große König. Narrcntanz. Montag: Hedda Gabler. Tantris der Narr. Donnerstag, Frei. Ein Wafiengang. Sonntag: Ein! (Ansang 7'/z Uhr.) ticssing-Theater. Sonntag: Dienstag: Narrentanz. Mittwoch: tag, Sonnabend, Sonntag: Narrentanz. Montag: Die Weber.(Aiifang 8 Uhr.) Deutsches Dheater. Sonntag: Totentanz. Montag: Romeo und Julia. Dienstag: Totentanz. Mittwoch: Hamlet. Donnerstag: Totentanz. §rcitag: Viel Lärm um Nichts. Sonnabend: Totentanz. Sonntag: Don arlos. Montag: Totentanz.(Ansang 7>/, Uhr.) Kammersptele. Sonntag bis Donnerstag: Mein Freund Teddy. Freitag: Der Arzt am Scheideweg. Sonnabend, Sonntag und Montag: Kein Freund Teddy.(Ansang 3 Uhr.) Berliner Ddeater. Sonntagnachmittag 8 Uhr: Bummelstudenten. Allabendlich: Große Rosine...(Ansang 8 Uhr.) Kleines Theater. Sonntagnachmitlag 3 Uhr: Drei Einakter. Täglich: Der Unverschämte. Der Arzt seiner Ehre. Lottchens Geburtstag.(Ansang 8 Uhr.) Trianon-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der selige Toupmel. Allabendlich: Liebesbaromelcr.(Ansang 8 Uhr.) Ichiller-Tbeater Sonntagnachmittag 3 Uhr: Zops und Schwert. Abends: Des Psarrers Tochter von Streladors. Montag: Die Lokalbahn. Die Medaille. Dienstag und Mittwoch: Des Psarrers Tochter von Slrcla- darf. Donnerstag: Tie Lokalbabn. Die Medaille. Freitag: Der Misanthrop. Die Schule der Frauen. Sonnabend: Wallensteins Lager. Die Piccolomini. Sonntag: Des Psarrers Tochter von Streladors. Montag: Wilhelm Test. (Ansang 8 Uhr). Schiller> Theater Gharlottendurg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Jüdin von Toledo. Abends: Wallensteins Tod. Montag: Nachruhm. Dienstag und Mittwoch: Der Talisman. Donnerstag: Der Misanthrop. Die Schule der Frauen. Freitag: Der Talisman/ Sonnabend: Der Misanthiop. Die Schule der Frauen. Sonntag: Der Talisman. Montag: Flachsmann als Erzteber.(Ansang 8 Uhr.) Neues Bolls< Theater. Ionnlagnachmittag 3 Uhr: Liebelei. Literatur. Abends, Dienstag, Donnerstag und Sonntag: Lore. Die Spieler. Der Kammersänger. Montag, Mittwoch, Freitag und Sonnabend: Liebelei. Literatur.(Ansang 8st, Uhr.) Friedrich- stSilbclmstädtisches Schauspielhaus. Sonntagnach- mittag 3st, Uhr: Die keusche Susanne. Allabendlich: Die keusche Susanne. Ansang S1!, Uhr. Theater i» der Königgrähcr Strafte. Sonntag, Montag, Diens- tag: Die süns Franksurler. Mittwoch: Herodcs und Mariamne.(Ansang 7'/, Uhr.) Donnerstag und Freitag: Die süns Franksurter. Sonnabend: Hcrodes und Mariamne. Sonntag und Montag: Die süns Franksurter. (Ansang 8 Uhr) Thalia-Theatcr. Allabendlich: Autoliebchen.(Ansang 8 Uhr.) Lustipielliaus. Sonntagnachmittags 3 Uhr: Ein Königreich m. b. H. Sonntag bis Donnerstag: So'n Windhund. Freitag bis Montag: Mein alter Herr.(Ansang H1!, Uhr.) Komödicnhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der rote Leutnant. Allabendlich: Die Zarin.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Schauspielhaus, Sonntag: Egmont. Montag: Ostern. Dienstag: Gläubiger. Mit dem Feuer spielen. Mittwoch: Egmont. Donnerstag: Gläubiger. Mit dem Feuer spielen. Freitag, Sonnabend, Sonntag: Egmont. Montag: Ostern.(Ansang 3 Uhr.) Residcnz-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ein Walzer von Chopin. Allabendlich: Der Herr von Nr. 13.(Anfang 8 Uhr.) Theater am Nollendorfplat». Allabendlich: Orpbeus in der Unter- weit.(Ansang 8 Uhr.) Casino-Theater. Sonntaanachmittag 3'/, Uhr: Der stille See. All- abendlich: Der Großsürst.(Ansang 8 Uhr.) MoutiS Operetten-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Wiener Blut. Allabendlich: Goldner Leichtsinn.(Ansang 8 Uhr.) Kurfürstcn-Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das goldene Kreuz. Allabendlich: Der Kuhreigen.(Ansang 8 Uhr.) Rose> Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Zapfenstreich. Abends: Ein Sommernachtstraum.(Ansang 8 Uhr.) Montag: Ein Sommernachts- träum.(Ansang 8 Uhr.) Dienstag: Zapsenstreich. Mittwoch: Wilhelm Tell.(Ansang 8 Uhr.) Donnerstag: Ein Sommernachtstraum.(Ansang 8 Uhr. Freitag: Zapsenstreich. Sonnabend, Sonntag, Montag: Papagcno. (Ansang 8'/, Uhr.) Luise»> Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ich lasse Dich nicht. Abends: Die Meineidgräfin. Montag: Das Käthchen von Heilbronn. Dienstag: Ich lasse Dich nicht. Mittwoch: DaS Käthchen von Heilbronn. Donnerstag: Die Meineidgräfin. Frettag: Die gelbe Gefahr. Sonnabend: Die Meineidgräfin. Sonntag: Die gelbe Gesahr. Montag: Die Meineid- gräfin.(Ansang 8 Uhr.) Herrnseld> Tbcater. Wie man Männer bessert. Die Original- Klabrias-Partie.(Ansang 8 Uhr.) Metropol. Thearer. Allabendlich: Chauffeur— ins Metropoll (Ansang 8 Uhr.) m. Folics(saprice. Allabendlich: Der keusche Joseph. Der Rehbock. (Ans. 8st. Uhr.) Adiniralspalast. Eisballett: Avonne.(Anfang 16 Uhr.) Reichshastcn-Thcarcr. Allabendlich: Die Macht der Töne.(An- sang 8 Ubr. Sonntags 7st, Uhr.) Urania> Theater. Sonntagnachmittag 4 Uhr: In den Dolomiten. Täglich: Auls Matierhorn.(Ansang 8 Uhr.) Paisa ge-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr und allabendlich 8 Uhr: Spezialitäten. Böliltergartcn. Sonntagnachmittag 3 Uhr und allabendlich 8 Uhr: Spezialitäten. Apollo- Tbrater. Abends täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Köiiigstadi-Kafino. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Zirkus Busch. Sonntagnachmittag 3'/, und allabendlich 7st, Uhr: Galavorstellung. Zirtuö Schumann. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr und allabendlich 7'/, Uhr: Galavorstellung. WMMe Aiiz.5M.ao ßeitstellea Aiiz.4M.aii KleiUirMeAnz,5M.an Verios lDZ.8M.an WMlMeAoz.5M.ao etc. etc. Abzahlung i M. 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Nene Welt, Hasenheide 10H-114» Coucordia-Festsäle, Andreasstrahe 64* in den Lokalen: Vranerel Könlgntadt, Schönhauser Allee 10* Germanla-8äle, Chausseestraße 110. Htadt-Theater Moabit, Alt-Moabit 47—49* Tagesordnung: Der Kanzler der Junker gegen Uolk und Reichstag. Referenten: Reichstags- und Landtagsabgeordnete Otto Mdebnei', Richard Fischer, Oeorg Haase, Adolf Holfknann, Panl Hirsch, Heorg liedebour, Hr. Karl �Liebknecht, H. Molken» bnlir, Philipp Scheldemaun, Robert Schmidt. dem immer größer werdenden Notstand schweigt der V»- KtckG Aiilmrl! ßmmt in die MnunlnUt«!'VQ 104/20* •HO- Für die Einberufer: Enge» Gruft, Liesenstratze IS. Vöst>gi>llii°s8gülöt>iiilil'0stöföliillss. Srtsvvrvultunx NvrUu. Branchen-Bersamutlungen Gkschirr-Krauche: Donnerstag, den s. Oktober, abends s>/, llhr, im GewerkichaftShauie, Sngeluler 1». portkfemllts- und KtisrartiKklbranche: bei Graumann. Naunynstrahe 27. Mllitär-SkOllltlk: SBUtiro�, den 2. Oktober, abends 6 Uhr. in den Prachtiiileu Alt-Verlin. Blumenstr, 10. Fiuolkumtrgrr u. Ttppichuährr: muZntlV.moitc' bei Weihnacht, Grünftr 21. fl Mittwoch. den 2. Oktober, abends S'/, Uhr, im Gewertschaftthaut«. Engeluser 15. Ejseumöbet- a. Federstohlpotsttrer: m" Int Graphischen BeretuShause, Alexandrinenstr. 4t.' Zahlreichen Besuch dieser Versammlungen erwarten 158/4 VI« Branchenleitnnfen. Sonnabend, den 5. Oktober 1012: 5:elerde$23.Stiftuna$fefte$ in den vollständig neu renovierten Räumen deS GrwrrkschaftShanses, Engeluser 15. Großes Komert auSgesührt vom.verllner Sinfonie. Orchester«, unter Leitung de« Dirigenten Herrn Maximilian stitscher. Rezitationen Billett 80 Pf. Saalöffnung 8 Uftr. Anfang 8'/, Uhr. Roch dem Konzert: SdU. D6F* Herren, die daran teilnehmen, zahlen 80 Ps. nach.-MW In den unteren Sälen bereits von 0 Uhr an Tanz. Programm am Eingang gratis. Billett» sind im Bureau sowie bei den WerkslattvertrauenSleuten zu haben. ____ Da« Komitee. Deutscher Buchbinder-Verband. Kugeluser 15 II. Zahlstelle Berlin* Zimmer 39/40. Montag, den 80. September, abends 8'/, Uhr. im Grwerkschafts- haus, Gngeinfer 18, Saal 1: IV Versammlung"VI der in der Sroß-Kerliner Kartomndnstrik beschäftigten Nieter, Zuschneider, Arbeiterinnen nnd Hilssarbeiter. Tagesordnung: l. Bor der Entscheidung. 2. Diskussion. Kollege» nnd Kolleginnen! Keiner darf fehlen I Schlieftt Eure Reihe» und kommt Mann für Mann in dt« Versammlung. Mitgliedsbuch und Karte legitimiert I Mit kollegialem Grusi vi« larUKommlsnlon. vi« Ortsverwaltang. Verwaltung Berlin. Mittwoch, den S. September, abendS 81/, Uhr: NeckMnsMMrNechiMlnngen der Bezirke und Branchen. Illlsjliillsti'umelltellsi'deiler. IW Montag, den 80. September, abendS 8 Uhr,'VW im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Engelufer 15: Branchctivcrfamnilung. Tagesordnung: 1. Bortrag des Redakteur» Kollegen KIsiner über das Tbema:„Die Presse als Krogmacht.' Dl« gegenwärtige Situation in unserer Branche. 3. Verbandsangelegenheiten.— Kltgiioiliduoh iogitimisrt I Das Erscheinen sämtlicher Kollegen ist notwendig. 39/5 Bo>>, 120 Mark Herren-Paletots nach Mass 45, 50, 55, 60, 67, 70, 75 M«rk bu 120 Mark Herren-Ulster nach Mass 45, SO, 55, 60, 67, 70, 75 Mark bii 120 Mark Gehrock- Anzüge, Srhokings ganz auf Seide, eratklasiige Verarbeitung Herren in Besicherter Position räume günstige Zahiungs- Bedingungen ein Strenai teste Preise!»» Kol ante Bodleanngl Lieferant dar Kcnanm-Genoasenaohaft für Berlin o. Umgegend C. G m H* Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend, E. G. m. b. H. Zentrale Lichtenberg, Rittergutetraße 22/26. Unseren Mitgliedern, Freunden und Gönnern zur gefälligen Kenntnisnahme, daß wir am Dienstag, den I. Oktober, Pankow, Berliner Straße Ho. 47, IN eröffnen, unsere 92a Verkaufsstelle W/15 Der Vorstand. Oskar Wollburg 56 BrunnenslraBe 56 Kostüme, Ulster, IPlüschmantel. Auswahl und Preiswürdigkeit durch Selbstfabrikation im großen Stu unvergleichlich. 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Bericht üb« den" Stand der ' lUng der Krankenkassen im >ewerbe und Beschlutzsassung über den Antrag des Vorstandes aus Zu- lassung der Kasse nach der neuen ReichSversicherungsordiimig. 2. Abänderung der§8 13, U und •20 des Kassenstatuts und dessen Ab- Snderungen betreffend Erweiterung der Unterstützungen. 6176* 3. Geschäftliche Mitteilungen. Berlin, den 23. September 1912. Per Verstand der Ortskrankenkasse d. Maurer- gewerdes zu Berlin. 0. Leimig, 4. lZaehno, 1. Schristsühi«. 1. Vorsitzender. Orts- Krankenkasse der Graveure, Ziseleure n.a.kiiustl. Gkwerbedetritbe Am Donnerstag, den 1<). Okt., findet die VM-VersiunmiiiM der Vertreter für das Jahr 1913 im Lokal Engelufer 15 statt. 279/2 Saal 2, abends 3—9 Uhr: Wahl von SS Arbeiigebervertretern. Saal 3. abends 7-9 Uhr: Wahl von 141 Arbeilnehmervertretern. (Ueber Wahlberechtigung und Wähl- barkeit steh- tz 49 des Statuts.) Dev Borstand. Mar Rohrbeck, 1. Borsttzender. Gustav Schubert 1. Schriftführer. Allgemeine Ork-Kmlitckilsse zu Berlin. - ♦- Am Montag, den 7. Oktober 1912, abends 8 Uhr, findet Im Gewrrkichastshause, Engel-Ufer 15(Saal 1), eine außerordentliche General-Versammlung statt, zu der die für 1912/13 ge- wählten V«treter hiermit rrgebenst eingeladen werden. Tagesordnung: 1. v«atung und Beschlustsafiung üb« ein Penstons-Regulatto jür die eingestellten der tzlllgemewen Qrfc- Krankenkasse und deren Hsntrt- büedenen. 2. Erneute Beschlustfassung über den Antrag aus Ausgestaltung zur Allgemeinen Orts-Krankenkasse resp, Zulassung als besondere Kasse nach den Bestimmungen der Reichs-Ver- ficherungSordnung. 3. Beschiustsastung üb« die Aus- nähme weiterer GewerbSzweige und Betriebsarten. 278/20 4. Regelung d« Hilssarbeiterfrage. S. Mitteilungen des Vorstandes. Berlin, den 29. September 1912. Der Vorstand. Wilhelm Plehl, Vorsitzender. Bekanntmachung. Den Mitgliedern der Allgemeine» Ortskraukenkafie, d« Orts- krankenkafie der Handwerker und der Ortskrankenkasse der Dischler in Spandau steht neben den bis- herigen Aerzten vom 1. Oktob« 1912 ab auch Herr Dr. Kantorowlcz, Neuendorfer Str. 75, als Kassenarzt zur freien Wahl zur Verfügung. 279/3 Die Borstände. veksnatmaekuag der Krankenkasse für die Beamten und Angestellten der Krankenkassen, Berufsgenossenschaften, sowie der Invatldltats- u. Altersvereloherungs- angectellten In Berlin, C. H. 108 (Sitz Berlin). Wir bringen hiermit zur KenntttiS, dast laut Beschlust der ordentlichen Generalversammlung vom 24. Ja- nuar 1912 die Kasse mit dem St. Mär, 1912 ausgelöst ist. Wir erüffnen nunmehr nach 9 89 unsere» Statuts da« Liquidattonsverfahren und fordern nach 9 hO des Bürgerlichen Gesetzbuche« alle diejenigen aus, welche»och Forderungen an oben genannte Kasse haben, dieselben bei cm unterzeichneten Borstand einzureichen. 669B Der Voratand der Krankenkasse für die Beamten und Angestellten der Kranlenkassen, BerusSgenossenichasten, sowie der In- validitatS« und AlterSoerficherungS- angestellten in Berlin, E. H. 103 (Sitz Berlin), Kövenicker Str. 79. Otto«lbrecht, Vorsitzender. Pladeit, Kassierer. ____ Die Verteilung des noch zu verbleibenden Bennöor-s findet nach dem 1. Oktober 1918 an die Mitglieder statt. D. O. & Technikum Berlin jTe KhniggrBtzer Str. 90. Tages-, Abendkurse. ■ Maschinenbau, Elektrotechnik, ■ Hochbau, Tiefbau. Werk-, SlanrcF-, Zlmmcr- Meisterkurse.— Dauer 1 1 Jahr, vierteljährl. 20 M. vir. Matthe», Inh. mm J�rog ramm frei I Gardinen Stores Vorhanse Gewebte TUDI- Gardinen vorzfljlich iw Jer Wäsche G> M 1 Fenster--- 2 Flflgel... 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WlP ks.lotniirtö" Kttlim WIWM SsUlag, 29. September 1912. Partei- 5Zngelegenkeiten. Erster Landtagswahlkreis! Geniossen. welche am Montag, den 30. September, helfen Wollen, werden gebeten, sich am Montag, früh 8 Uhr, für den Westen: bei Wewers, Bülowstr. 58, und für das Hansaviertel: bei Behrend, Kloppstockstr. 23. recht zahlreich einzufinden. Das Komitee. I. A. Max Appel. Zur Lokalliste< I» Ziegenhals-Nieberlehme ist das Lokal von Merche irrtümlich aus der Liste fortgelassen. Dasselbe steht der Partei und den Ge- werkschaften zu allen Veranstaltungen zur Verfügung. _ Die Lokalkommissi»». Steglitz. Zum Besuch der Protestversammlungen in Berlin treffen sich die Genossen um 11 Uhr am Rathaus. Der Vorstand. Steglitz-Friedenau. Am Dienstag, den 1. Oktober, abends SVi Uhr, findet bei Schellhase die 1. Generalversammlung des Ver- eins„Arbeiter-Jugendheim" statt. Tagesordnung: 1. Konsti- tuierung. 2. Vorstandswahl.• 3. Statutenberatung. 4. Ver- schiedenes. Die Agitationskommission. Groß-Lichterfekde. Dienstag, den 1. Oktober, abends 8H Uhr, bei Wahrendorf. Bäkcstr. 7: Mitgliederversammlung. Tagesord- nung: Bericht vom Parteitag. Referent: Stadtverordneter A. Mo HS. Echönebcrg. Der Vorstand. Tempelhos. Die Parteignossen werden ersucht, sich an der heute in der„Neuen Welt", Hasenhcide, stattfindenden Demonstrations- vcrsammlung recht rege zu beteiligen. Grünau. Mittwoch, den 2. Oktober, abends ö Uhr im Nestau- rant Köpnicker Strasse 83: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Bericht vom Parteitag. Referent: Gen. Thurow. Abrechnung des letzten Quartals und Verschiedenes. Gäste willkommen. Der Vorstand. KarlShorst. Treffpunkt 11� Uhr in den Zahlabendlokalen. Abfahrt: 11,39, Ziel: Konkordia-Festsäle, Andreasstr. 64. Die Bezirksleitung. Pankow. Am Dienstag, den 1. Oktober, abends 8/4 Uhr: Mit- gliederverfammlung im Lokal„Zum Kurfürsten", Berliner Str. 102. Pagesordnung: 1. Bericht vom Parteitag. 2. Ortsangelegenheiten (Antrag auf Ausschluss des Genossen Gerlach). 3. Verschiedenes. Die Bezirksleitung� Reinickendorf. Ost. Dienstag, den 1. Oktober, abends 8 Uhr: Mitgliederversammlung im Restaurant Anders, Hauptstr. 51. Tagesordnung: 1. Bericht vom Parteitag. Referent: Gen. Barth«!. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Revisors. 4. Partei- und Vereins- angelegenheiten. Tegel. Montag, den 30. d. M., abends 8Z4 Uhr: Oeffentliche Versammlung in Trapps Festsälen. Tagesordnung: Vortrag deS Landtagsabgeordneten H o f f m a n n über„Missbrauch der Religion zur Unterdrückung des Volkes". Die Bezirksleitung. LerUner j�acbricbren. In der Rüstkammor des Arztes. Die epochemachendem Fortschritte der modernen Technik kommen ganz besonders der medizinischen Forschung und dem ärztlichen Unterricht zustatten'. So sind die arztl-ichen- ßehr- mittel das Rüstzeug geworden, ohne das ein erfolgroicher medizinische Unterricht heute nicht mehr denkbar ist. Tiesem ärztlichn Fortbildungszweck dient das mit einem Kostenauf- wände von 2 Millionen Mark erst vor- wenigen Jahren am Luiseniplatz 2— 4 errichtete Staatsgebäude, das wegen seiner nicht weiter erläuternden Inschrift„Kaiserin-Friedrich-Haus" häufig für ein Krankenhaus, für eine Abteilung der benachbarten Charit6 gehalten wird. Die überaus lehrreichn. um- fangveichn Sammlimgen sind leider nur Aerzten, nicht mal Studierenden, in seltenen Fällen besonderen Interessenten zu- gänglich. Nur chs Erdgeschtz und ein Teil des ersten Stock- werks kann niit seiner Tauerausstellung für die ärztlich-tech- nisch Industrie an fünf Wochntagen, außer Sonnabends. von 10 bis 3 Uhr auch von Laien unentgeltlich besichtigt wer- den. Die einzelnen Gruppen umfassen hier u. a. fast sämtlich chirurgisch und sonstige ärztlich Instrumente,' die Elektro- medizin und Optik, die medizinisch Cleinie, die Tropenmedizin. Eine kleine unscheinbare Glasphiole mit Strvchnin genügt, um die Einwohner eines ganzen Berliner Stadtteils ins Jenseits zu befördern. An die männermordende Kriegs- furie erinnern Tabletten, die in Schusjtvunden, um sie längere Zeit bis zur Operation steril zu erhalten, eingeführt werdem Personen unter 16 Jahren haben auch hier keinen Zutritt. Di« eigentlich ärztlich Lehrmittelsammlung in den oberen Geschssen hat keiner! Musemnschrakter. obwohl sie ganz wie ein Museum angeordnet ist, sondern sie soll fiir alle Beleh- rungen auf ärztlichm und sozialhygienischein Gebiete durch unentgefflich leihweise Hergäbe der Lehr- und Demonstrations- objekte das unerläßlich Hilfsmaterial liefern. Vielfach ge- hören eben dazu Lehrmittel, die einzigartig und anderweit allenfalls minderwertig zu haben sind. Neben den modernsten Hilfsmitteln, die nur den Arzt interessieren, sehen wir solch aus vergangenen Jahrzehnten und sogar aus alten Zeiten. Pompejonisch ärztliche Instrumente zeigen schr feine Arbeit, aber auch die Mängel jeder medizinischen Hygiene. Es sind oft die reinsten Folterwerkzeuge, auf deren Technik trotzdem die Aerzte des Mittelalters und des Altertums nicht wenig stolz gewesen sein mögen. Von den längst ausgemerzten Gebärstühlen sind eine ganze Anzahl ansgestellt. Originell ist eine vorsintflutlich Maschine zur Beseitigung von X- und OBeinen. An einem simplen hölzernen Klapptisch haben Langenbeck. Diesferbach und andere weltberühmte Chirurgen ihre Operationen vollzogen. Ein« eiserne Hand mit beweg- lichn Fingergelcnken aus dem Jahre 1510 ist zwar nicht die historisch des Götz von Berlichingen. sondern ein ähnliches Original aus derselben Periode. Sehr interessant ist die Tarstellmigskunst für defekte Nasen, wie sie um das Jahr 1760 in Indien geübt wurde. Das sind nur ein paar Stichproben ans dem reichhaltigen mediko-historischn Material. Einen ganzen Saal nimmt die von Professor Lassar gestiftete groß- ortige Monlagen-Werkstatt. das ist eine Sammlung von Kranchitsna kchldungen in Wachs unter Glas. Den Laien kann dabei das Grausen packen, besonders beim Anblick der -furchtbaren körperlichn Verheerungen, die Pest, Aussatz, St)vhilis und ähnliche Seuchen verursachn. Der große Hör-. faal fäßt beinahe 300 Personen, ist nach der modernsten Technik eingerichtet, kann auf elektrischm Wege in wenigen Sekunden verdunkelt werden, gestattet auch sämtlich Methoden der neu- zeitlichen Projektion. Hier werden von allen berufenen sfchrenden, sei es vor Aerzten, Studenten oder Laien, über' sozialhygienische wichtige Fragen Vorträge gehalten. Außer- dem sind mehrere kleine Kursussäle für klinisch Chemie und Mikroskopie, für Bakteriologie und experimentelle Therapie, ein Röntgenlaboratorium und ein Atelier für wissenschaftlich Photographie vorgesehen._ Die Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse der städtischen Arbeiter hat ein Antrag zum Ziel, den die sozial- demokratisch Fraktion der Stadtverordnetenversammlung zur nächsten Sitzung eingereicht hat und der folgenden Wortlaut hat: Stadtverovonetenversanumung ersucht den Magi- strat, mit den in Betracht kommenden Arbeiterverbänden über den Abschluß eines kollektivenArbeitsvertrages für die städtischn Arbeiter und Angestellten in Verbindung zu treten und der Stadtverordnetenversammlung den Vertrag zur Kenntnisnahme zugchen zu lassen." Für schwerhörige Schulkinder. Der Magistrat teilt mit: In den Gemeindeschulen befindet sich eine ganze Reihe von Kindern, die an einer mehr oder minder erheblichen Herabsetzung des Gehörs leiden. Für diese Kinder wurde die erste Klaffe für Schwerhörige im Jahre 1902 eingerichtet und hierdurch der Grund zu einem besonderen Schwerhörigenunterricht überhaupt gelegt. Dieser besondere Unterricht hat sich als ein Segen für die Schwerhörigen erwiesen, so daß nach dem Vorgange Berlins eine Reihe anderer Grossstädte ebenfalls Klassen für Schwerhörige eingerichtet haben. Bei der Neuartigkeit des Gebietes mutzten sich jedoch im Lause der Jahre Mängel ergeben. So z. B. erfolgte die Zuweisung der Schüler zu den Schwcrhörigenlklassen nur auf Grund van Berichten und Gutachten verschiedener Stellen und nicht nach einheitlichen Grundsätzen, so daß das Schülermaterial ganz ver- schiedenartig war. Es befanden sich Schüler in der Schwerhörigen- schule, die nicht dorthin gehören. Auch die in den Schwerhörigen- klaffen geübte Unterrichtsweise entsprach bei der zum Teil unzn- reichenden Vorbildung der Lehrer für diesen Unterricht nicht in allen Fällen dem Gebrechen der Kinder und erfüllte nicht in allen Fällen die Wünsche, die für die Errichtung von Sonderschulen für Schwerhörige massgebend waren. Die städtische Schuldeputation w-ill des- halb das Berliner Schwerhörngcn-Bildungslwesen neu ordnen. Der Magistrat hat die von der Schuldeputation vorgeschlagenen Mass- nahmen in seiner letzten Sitzung genehmigt. Demgemäß sollen die Rektoren und Lehrer dev Volksschulen auf die äusseren Kennzeichen der Schwerhörigkeit hingewiesen werden und gehalten sein, bei mangelhaften Leistungen der Schulkinder jedesmal auch die Möglich- keit einer Gchörsmindevung zu erwägen. Den Eltern soll die In» anspruchnahme ohrenärzllichen Rates dringend empfohlen werden unter Hinweis auf die lebenswichtigen Funktionen des Hörorgans und die nicht selten unmittelbare Lebensgefahr bei Gehörerkrarckun- gen Für dteienigen Kinder, die zwar schwerhörig sind, dem Unterricht in der Volksschule aber noch zu folgen vermögen treten be- sondere Massnahmen ein. Diejenigen Kinder, die infolge stärkerer Schwerhörigkoit dem normalen Unterricht nicht folgen können, oder denen infolge der Schwerhörigkeit wesentliche Teile des Unterrichts verloren gehen werden der Schwerhörigenschule überwiesen Zu diesem Zwecke findet durch den Direktor der Taubstummenschule in Gemeinschaft mit einem in der Methode der GeHörprüfung bewan- derten Ohrenarzt ein« Untersuchung sämtlicher aus den Gemeinde- schulen gemeldeten Schwerhörigen statt. Da der genannte Direktor bcstimmungsgcmäss auch bei der Untersuchung mitwirkt, die nach dem Gesetz vom 7. August 1911 betr. die Beschulung taubstummer Kinder durch die Kreisärzte gefordert wird, so ist nunmehr auf diese Weise für Berlin die Zuweisung jedes gehörleidenden Kindes an die passende Schule(Hilfst Schwerhörigen., Taubshnnme ns chule, Jdiölenatlsiält) sichergestellt. Um eine gütachMche Aeusserung über das gegenwärtig in den SchwcrHövjgenschulen befindliche Schülermaterial zu bekommen, soll dem genannten Direktor der Auftrag erteilt werden, bis Ostern die bestehenden Klassen zu besichtigen und die Kinder auf-ihren Hörgrad hin zu prüfen. Die bestehenden Sckwcrhöirigenklassen sind zu sünf- oder sechssw-figen Schulen zu- sammenzulegen. Nach überschläglicher Berechnung werden 4 bis 5 Schuten genügen. Die Aussicht über die Schwerhörigenfchulen er- fordert Einsicht in die Psychologie und die Pädagogik der Gehörlosen und Gchörgemindertcn und Vertrau-theit mit der Methode deS Arti- kulationS- und des Absehunterrichts, und soll dem Direktor der städtischen Tanbstummenschule in der Weise übertragen werden, daß dieser, ohne Anordnungen zu treffen, die Lehrer in methodischer Be- ziehung berät und die für die Durchführung eines dem Gebrechen der Schwerhörigen entsprechenden Unterrichts erforderlichen Mass- nahmen in seinen Berichten der Schuldeputation darlegt. Die Schwerhörigenklassen sind zu fünf- oder scchsstufigcn Schulen zu- liner Volksschulwcsens und unterstehen der Aufsicht der zuständigen Schulinspektorcn. Dem Direktor soll für die nächste Zeit eine Er- mässigung seiner Stundenzahl gewährt werden. Für die Schwer- hörigcnfchulen wird ein besonderer Lehrplan aufgestellt werden Er wird neben einen möglichst hohen Ablcsefertigkeit und neben der Entwicklung und Erhaltung einer völlig korrekt-'n Sprache bei den Schwerhörigen im allgemeinen das Ziel der Berliner Bolksschu-len zu erstreben haben._ Zu spät! Ein alter Schauspieler ist gestorben. Jahrelang hungerte er sich durch mit der vielköpfigen Familie. Keiner wollte den angegrauten Mann, der noch rechtschaffen etwas leisten konnte, haben Man fürchtete sich vor seinem Alter, vor der zerschlissenen Kleidung, vor dem Hungerleidergesicht. Hier und da fstl ein Ge- legenheitsverdienst ab, zum Sterben zuviel, zum Leben zu wenig. WaS er nötig hatte... Betätigung, Berufsarbeit... das gab man ihm nicht. So ging es jahrelang... ein Leben, nicht wert, es zu leben. Endlich erbarmte sich des Vergessenen, Verachteten ein Bühnenleiter, engagierte ihn mit hundert Mark Monatsgehalt. Hundert Mark... soviel Geld gibt's ja gar nicht, träumte der Be- glückte. Da fiel er'vor Freude um, hatte aus der Bühne des Lebens seine letzte Roll« gespielt. Tot... ach, der arme Alte... und die arme Frau... und die armen Kinder! Ricsengrotz tauchte mit einem Male der Jammer, das Mitleid auf... und ricsengrotz die Schuld der Gesellschaft. Beschämt greifen sie, die Wohlhabenden. in den vollen Beutel... zu spät! Der Alte sieht's nicht mehr, braucht nicht mehr satt zu werden. Und die Kinder, die so lange hungern mutzten, freuen sich nach Kinderart. dass mit Vaters Tod eine neue glücklichere Zeit angebrochen ist. Hundert Mark Monats- gchalt'.,.. und tausend Mark gesammelt in wenigen Tagen. Be- sinnt man sich der Schuld? Zu spät! Dem alten'Mann, dem miss- achteten, flicht die Nachwelt einen goldenen Kranz... sein Tod erst hat das Gewissen geweckt und Brot mS Haus gebracht. Heber Mangel an Sauberkeit in den Eisenbahnwagen wird neuerdings wieder Klage geführt. Ter Minister hat daher, der „Zeitung des Ver. D. Eisenb.-Verw." zufolge, folgendes angeordnet: Es ist dafür zu sorgen daß die für die Reinhaltung' der Wagen- ge- geben«» Bestimmungen- genau beachtet, und dass besonders in den D-Zügen auf peinlichste Sauberkeit aller Räum«, auf re-�'zeitige Ergänzung des Trink- uno Waschw-nsserd. sowie der Befände an Han-dtnchern und Seife gehalten- wird. Diese Bestände schon vor Ankunft d«S Zuges auf der Zielstation zu entfernen, wie dies beobachtet wurde, ist unzulässig. Die Zugführer sind zu der ihnen in erster Reihe obiiexenben Ucberwachiuig der Dienstfraucn anzu- halten und für vorko-inmendc Unregeiinässigkeiien verantwortlich zu machen. Dieisstfrauen, die ihre Dienstverordnungen lässig erfüllen oder sich den Anforderungen nicht gewachsen zeigen, sind aus dem Dienst bei- den V-Zügen zurückzuziehen. Soweit die Züge ober Wagen im Durchgangsverkehr von fremden Verwaltungen über- nommen wenden, ist mit Nachdruck darauf zu halten- daß die lieber- gäbe in sauberem Zustande erfolgt. Veränderungen im Straßenbahnvcrkehr. Auf der Linie L soll SonntagSvormittagS der Fahrabstand von 16 auf 7Vz Minuten ver« kürzt werden.— Ferner wird die jetzt am Stettiner Bahnhof endigende Linie G versuchsweise auf ein Jahr durch die Invaliden- und Brunnenstrasse bis zur Demminer Strasse weitergeführt werden, um eine Verbindung der Brunnenstrasse mit Wilmersdorf über das Brandenburger Tor herzustellen. Eine FahrpreiSveräuderung tritt dadihiy nicht ein. Im Fahrstuhl gefangen. Aus einem eigenartigen Anlaß wurde die Feuerwehr gestern vormittag nach der Alexandrinenstr. 137 gerufen. Dort hatte sich ein Fahrstuhl, der mit zwei Personen bc- setzt war, im fünften Stock festgefahren, so dass er nicht mehr zu- rückging. Da alle Bemühungen, ihn wieder einzuschalten, vergeblich waren, mußte die Feuerwehr das Drahtgitter des Fahrstuhlschachtes auftrennen, um die beiden Personen aus ihrer Zwangslage zu befreien. Gefährlicher Brand in der„Handelsstätte Spreehof". Gestern vormittag gegen 10 Uhr erfolgte auf den Berliner Feuerwachen Feueralarm nach der„tzandelsstäite Spreehof" in der Wüster- hausener Strasse 15/16. Dort war bei der Speditions- und Lombardsirma Max B r a s ch u. Co. ein gefährlicher Brand ausgebrochen. Das Feuer hatte seinen Herd in dem Güterlagcr- boden im Erdgeschoß des Ouergebäudcs auf dem zweiten Hofe und fand an den dort lagernden Gütern reichliche Nahrung, so dass in wenigen Minuten der ganze Boden in Flammen stand. Glück- licherweise hielt sich bei Ausbruch des Brandes nur ein Lehrjunge der Firma in dem Güterboden auf, der sich noch rechtzeitig durch einen Sprung aus dem Fenster in Sicherheit bringen konnte. Noch ehe die Feuerwehr zur Stelle war, erfolgte in dem brennenden Raum eine heftige Explosion. Die Stichflammen schlugen weit aus den Fenstern heraus und setzten einen auf dem Hof haltenden Spe- ditionswagen in Brand. Das Pferd dieses Wagens scheute und lief mit der brennenden Ladung davon. Auf dem ersten Hofe konnte das Pferd aber noch aufgehalten werden. Die brennenden Kisten wurden vom Wagen heruntergerissen und abgelöscht. Inzwischen hatte sich das Feuer im zweiten Quergebäude weiter ausgedehnt und war von aussen durch die Fenster auf die erste, zweite und dritte Etage übergesprungen. Die Feuerwehr fand daher bei ihrem Eintreffen eine äusserst gefährliche Situation vor, und ließ sofort mit mehreren Schlauchleitungen eingreifen ES gelang auch den Mannschaften, die Flammen nach halbstündigem Wassergeben zu ersticken. Der im Erdgeschoß liegende Güterboden ist vollständig ausgebrannt, während in den drei darüber liegenden Stockwerken weniger Schaden angerichtet worden ist. Zahlreiche Speditions- güter sind ein Raub der Flammen geworden. Die Ursache deS Brandes steht noch nicht fest. Dachstuhlbrand in der Jägerstirahe. Gestern mittag kurz nach 12 Uhr wurde die Berliner Feuerwehr nach der Jägerftrvhe 13 ge- rufen wv der Dachstuhl des Vorderhauses i» Bmiid geraten war. Die Züge 3 und 4 hatten längere Zeit mit den Löscharbeitcn zu tun.— In dev letzten Nacht herrschte noch in der Hussitenftrasse 33 auf dem Grundstück der A. E. G. ein grösserer Kellerbrand. Es standen grössere Posten Holzwolle in Flammen, so dass mit zwei Rohren Wasser gegeben werden mutzte. ■- Die Arbeiter. BilduugSschule eröffnat am Dienst»A den- tr-Ok- wber, neue Kurse in folgender Verteilung: Dienstag, dem 1. Oktober: Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert. Mittwoch, den 2. Oktober: Literaturgeschichte. Donnerstag, den 3. Oktober: Sozialpolitik. Frei- tag, den 4. Oktober: Gewerkschastswesen. Sonnabend, den 5. Ok- tober: Geschichte der Deutschen Sozialdemokratie(I). Sonntag, den 6. Oktober, vormittags 9 Uhr: Nationalökonomie; 11 Uhr: Redner- schule; beide im Schullokal. Montag, den 7. Oktober: Natuir- erken-ntnis. Montag, den 7. Oktober: FortschritlÄursns im Ge- wcrkschaftswesen im Gewerkschaf-tshaus, Zimmer 27. Mittwoch, den 23. Oktober: Einführung in den wissenschaftlichen Sozialismus (I. Teil) im Königs tadt-Kasino. Holzmarktstrasse 72. Jeder Kursus erstreckt sich auf zehn Abend«, resp. Sonntag. Vormittage. Abends Beginn pünktlich 8)4 Uhr, Ende 10 Uhr. Sonnta-g vormittags Beginn 9 Uhr resp. 11 Uhr; Schluss Ivsh resp. 12)4 Uhr. Die reichhaltige Bibliothek ist an den Unterrichtsabenben von 7)4 bis 8)4 Uhr, Sonntags von 10)4 bis 11)4 Uhr geöffnet. Der Mitgliedsbeitrag beträgt pro Monat 26 Pf., das Unterrichtsgeld für jedes Fach pro Kursus 1 M. und ist spätestens am zweiten Abend zu zahlen Die Aufnahme neuer Mitglieder urid Schüler erfolgt bei Beginn jedes Kursus im Schrillokal Grenadierstrasse 37, Hof gerade- zu, 1 Treppe, und in nachstehenden Zahlstellen: Gottft. Schulz, Admiralstrasse 40ai Rcu-l, Barnimstratze 42; Vogel, Lortzingsbrasse 37; W. KaezoroirÄi, Ravenestrasse 6; Horsch, Engelufer 15. Der Besuch der Kurse kann nur bestens empfohlen werden Der Berliner BolkS-Cher(M. d. D. A.-S.-V), Dirigent Dr. E. Zander, veranstaltet am Sonnabend, den 5. Okiober, 9 Uhr abends, im grossen Saale der„Neuen Welt", Hasenheide, einen Volkslieder« abend unter Mitwirkung von Frau Paula Weinbaum. Näheres in der Annonce. „Wanderbilder aus der Mark Brandenburg" lautet das Thema eines Lichtbildervortrages, den der Arbciter-Wanderbumd„Die Naturfreunde" am konunent-en Sonnabend in Kellers„Neue Phil- Harmonie". Köpenicker Strasse 96/97, veranstaltet. Jedem Freunde unseres märkischen Landes sei der Besuch bestens empfohlen» Gegen den Jung-Deutschland-Rummel. Die Jung-Dcutschland--Bünd«lei nimmt in neuerer Zeit Formen an, die ein längeres passives Verhalten der Arbeiterschast zur Un- Möglichkeit machen. Während sich die bürgerlichen Sportklubs bisher immer noch einen-„neutralen-" Anstrich gaben-, zieht man jetzt offen gegen die„roten" Sportler zu Felde und behauptet, dass die „Sporller gar kein Interesse an den politischen Fragen und sozialen Problemen hätten und es ihnen genüge, ihren Sport zu pf-legen und nachdem über die Sportere-ig-nisse zu ka nn e g i e ss e r n". Diesen geistvcrblödcnden Konsequenzen der Jung.Dcuffchland- Bündelei gegenüber hat die Arbeiterschaft die Pflicht, ihre Klassen- angehörigen aufzuklären und diesen Verdummu-ngsbestrebungen fernzuhalten» Um ein gemeinsames Vorgehen aller Arbeiter-S-po-rtverbände zu ermöglichen, findet am Mittwoch, den 2. Oktober, eine grosse öffentliche Versammlung statt, in der über:„Der hurr-apatriotische Jung-Dcutschlandkmnd und seine arbciterfcind- lichen Tendenzen" referiert-werden wird. Alle Sport und Turnen befteibcnden Arbeiter Gross-MrligS werden zu zahlreichem und pünftlichen Erscheinen- aufgefordert. AlleS Nähere siehe im'Jnse« rat der heutigen Nummer. , Vorort- JVadmcbten. WilmcrSdorf-Halensee. StadtratSwahl und Sozialpolitik. Am kommenden Mittwoch Wird die Stadtverordnetenversammlung in Wil- mersdorf über die Besetzung des Magistrats eine wesentliche Entscheidung zu treffen haben ES scheiden aus: Ende Jtmi näch« ffen Jahres We Stadiräte Beyschlag> Grochlmann» Heve- vrand. Müller. Rieger und Steinborn. Die maß- Lebende große Fraktion will, wie wir schon berichtet Habens alle diese Herren� mit Ausnahme des Sradtrats Steinborn, wieder- wählen. Dieser Herr vertritt das sogialpolitische Dezernat in Wilmersdorf. Ueber die Unzulänglichkeit seines Handelns würde man in den Nachbarstädten zwar den Kopf schütteln; in Wilmers- dorf gilt Herr Steinborn den sbreny antisozialen Konserva- t i v e n aber als unruhiger G e i st. der abgesägt werden muß. Nun schreibt zwar das offiziöse Lokalblatt in Wilmersdorf, daß der von der großen Fraktion gegen Herrn Steinborn beschlossene Boykott vom Wahlausschuß nicht gutgeheißen worden sei; aber diese Mit- teilung beruht aus sehr schwachen Füßen. Soweit wir unterrichtet sind, halten die Konservativen auch noch heute stramm gegen den vermeintlichen Sozialpolitiker stand; und um seine Wiederwahl wird es schlecht bestellt sein, wenn nicht einige außerhalb der Fraktion stehende Stadtverordnete für ihn eintreten. Aber auch in denn wie gesagt, noch sehr unwahrscheinlichen Fall der Wiederwahl' weiß Herr Steinborn, was er zu tun hat. Er wird sich Herrn Leidigs Meinung anzuschließen haben, daß die kommunale Sozial- Politik mit der Mode der zugebundenen Röcke im gleichen Kurse steht oder er wird vor Verärgerung dos Spiel dennoch vorzeitig auf- geben müssen. Wie mau Fortschrittler über den Löffel barbiert. Wir teilten in Nr. 217 mit, daß sich zu den Stadtvcrordnetcnwahlen in Wilmersdorf zwischen Konservativen und Fortschrittlern ein Kompromiß an- bahnt, das seine Spitze, soweit die dritte Wählerabteilung in Be- tracht kommt, selbstverständlich gegen die Sozialdemokratie kehrt. Wie jetzt bekannt wird, hapert es noch ein bißchen mit der Besiege- lung des Handels, doch ist kaum daran zu zweifeln, daß die Fort- schrittler auf den Leim kriechen werden. Sie taten zwar im Anfang groß und pochten bei den Vorverhandlungen darauf, daß sie, aller- dings mit den Nationallibcralen zusammengenommen, bei den letz- ten ReichstagSlwahlen 7721 Stimmen erhalten haben, während fstr die Konservativen nur 2961, für die Sozialdemokraten allerdings 9816 Stimmen abgegeben worden sind. Hierauf gestützt, verlangten sie von dem konservativ-nationalliberalen Mischmasch, daß dieser ihnen von den 29 zur Wähl stehenden Stadtverordnetenmandaten die Hälfte überantworten sollte. Das war nun den Reaktionären etwas starker Toback; man fing an zu feilschen und erreichte, daß die Fortschrittler sich mit 16 Mandaten begnügten. Dies Entgegen- tommen wird nun immerhin noch jeden, der die Bedeutungslosigkeit des Linksliberalismus im Wilmersdorfer Rathause kennt, zu der Frage veranlassen, ob denn die bis dahin allmächtige Fraktion Dröse-Leioig dem Dreiklassenwahlrecht und dem durch die Oeffentlichkeit der Wahl herausgeforderten Terror is- ni u s zum Trotz von vornherein das Spiel verloren gaben und an sich ein Harakiri verüben wolle. Man kann sich nun in der Tat beruhigen; mit dein Opfersinn der Konserdativen ist es, wie immer, so auch in diesem Falle, sehr uuchristtich bestellt und das ganze Kompromiß hat einen für die Fortschrittler sehr unangenehmen Haken. Die Zubilligung der zehn Mandate ist zwar.im Prinzip" erfolgt; aber das bedeutet in Wirklichkeit, daß die Fortschrittler bei jedem der in den einzelnen Ortsteilen bestehenden konservativen BezirkSvsreine sich besonders die beanspruchten Mandate er- betteln müssen. Daß diese heikle Arbeit nicht so leicht ist, er- fuhren die Herren vorgestern in der vom Bezirksvcrein„Alter Ort" abgehaltenen Versammlung. Hier machte man sich weidlich lustig über das Verlangen der Fortschrittler und spottete über deren «kolossale Bescheidenheit", von den vier im Ortsteil zur Wahl stehen- den Mandaten die Hälfte zu verlangen. Man riet den guten Leuten, doch zu ihren„alten Freunden", den Sozialdemo- k r a t e n zu gehen, die, nebenher bemerkt, solange wie Wilmers- dorf steht, noch niemals mit den Fortschrittlern eine Gemeinschaft eingegangen sind, sondern sie bei allen bisherigen Wahlen gleich den Konservativen mit aller Entschiedenheit bekämpft haben,. Nachdem Ikmncin im konservativen Bezirksverein den Fortschrittlcrn noch ver- schiedene Liebenswürdigkeiten an den Kopf geworfen hatte, kam man •.i-zuv Abstimmung. Man erklärte sich ebenfalls„im Prinzip" zum Kompromiß bereit, beschloß aber, den Fo-rtschrittlern nur eins von den verlangten zwei Mandaten abzutreten, und zwar eines in der dritten Abteilung. Diese„prinzipielle Zustimmung" zu dem Kompromiß bedeutet in Wirklichkeit, daß die Fortschrittler sich sehr wahrscheinlich mit Eleganz den Mund wischen können,, denn ge- rade der alte Ort ist der Stadtteil, in dem die Sozialdemo- k r a t i e die meisten Siegesaussichten hat. Wenn die Fort- schrittler, was anzunehmen ist, auch in den anderen Bezirken ähn- lich Hohnboll von den Konservativen behandelt werden� dann kann eintreten, was die Herren in ihrer Angstmeierei durch das kompromittierliche Kompromiß gerade vermeiden wollten: Sie wer- den bei allen Wahlen leer ausgehen, werden den Schaden haben . und für den Spott natürlich nicht zu sorgen brauchen Neukölln. Ein tödlicher Straßcnbnhmmfall ereignete sich am gestrigen Sonnabendnachmitlag am Herthaplatz. Dort wollte die vierjährige Martha Fenzke vor einem Straßenbahnwagen der Linie 7 das GleiS überschreiten, kam jedoch zu Fall und geriet mit dem Ober- kvrper unter den Schutzrahmen, Das Mädchen hatte einen Schädel- brück erlitten: es wurde von der herbeigeholten Wehr nach dem Krankenhaus Buckow gebracht, wo es jedoch bald nach seiner Ein- lieferung verstarb. Charlottenburg. Zur Teuerung. In der letzten Sitzung der gemischten Deputation zur Beratung von Maßnahmen gegen Die Lebensmittel-Teuerung berichtete Herr Stadtrat Dr. Gottstein über die Verhandlungen der Konferenz des für Groß-Berlin eingesetzten Ausschusses. Die Sitzung stiinnite den in Aussicht genommenen Maßnahmen zu und erltärte sich bereit, sich angemessen an den daraus entstehenden Kosten zu beteiligen. Der Anregung unserer Genossen, dem Vorgehen von Köln, Dresden und anderen Städten zu folgen und Fleisch in eigener Regie zu vertäute», wurde nicht stattgegeben, da man erst den Erfolg des gemeinsainen Vorgehens von Groß-Berlin abwarten will. In Verfolg eines abgelehnten Antrages, städtische Kaninchen- ziichtereien einzurichten, ermächtigte man Herrn Stadlrat Dr. Gott- stein, Informationen einzuziehen, ob und wie weit eS möglich sei, Milde Kanincven zu beschaffen und an die Bevölkerung abzugeben. In ver nächsten Sitzung sollen Anträge auf Zulagen, betreffend Kartoffelverkauf usw. zur Erörterung gelangen. Ein recht sonderbares SubmissionSaiigcbot zeitigte eine vom Ma- gistrat erlassene AnSschreibung von Maierarbeiten für das„Wald- haus"(Tuberkutosebrim) Deetz-Sommetfeld. Es gingen zehn An« geböte ein. welche sich zwischen 2427,85 und 8662,12 M. bewegen. Die Differenz beträgt also 6234,27 M. oder 258 Proz Das Mindest- angebot von M. Schulze u. Co., Berlin, eingereicht, liegt erheblich unter der Kostenanschtagsiumme. 7o daß der Bauverwaltung Bedenken aufstiegen, ob die Arbeiten Überhaupt dafür hergestellt werden können: Sie letzte sich daher mit der Firma in Verbindung und diese trat, einsehend, daß ihr Angebot unhaltbar sei, davon zurück. Den Zu- schlag erhielt der mit seinem Angebot an nächster Stelle folgende Submittent f'""- 4653,64 M.— Es ist" schade, daß der Oeffentlichkeit nicht bekannt wird, woraus die Firma Schulze ihre Kalkulation auf- gebaut hat. Die vom Magistrat veranstalteten Kochkurse haben sich eine? so lebhaften Zuspruchs zu erfreuen gehabt, daß eine Wiederholung der Kurie im Oktober und November in Aussicht genommen ist. Die unentgeltlichen Kurse, in denen diesmal besonders auch Gemüse und Seefische gekocht werden, finden in sechs Schulen an je drei Abenden von 6 Uhr ab statt. Die zubereiteten Speisen können an Ort und Stelle verzehrt oder von den Teilnehmerinnen mit nach Hause ge- nommen werden. Jede Teilnehmerin erhält auch unentgeltlich ein Buch mit Kochrezepten. Auf Wunsch werden auch Proben, in der Regel im Gewichte bis zu 2 Pfund, der für die gekochten Gerichte bewendeten Rohstoffe zum Selbstkostenpreise abgegeben, mit Aus- nähme von Fleisch, Obst. Kartoffeln und frischem Gemüse. Teil- nehmerkarten werden im Rathause, Zimmer 24 ausgegeben. Grost-Lichterfelde. Der Armenetat spielte jüngst in der Gemeindevertretung bei Beratung über die Errichtung eines feinen Klubhauses für die oberen zwei Dutzend des Ortes eine gewisse Rolle. Dem Wortführer des Gemeindevorstandes erschien diese Einrichtung gewissermaßen als ein Aegnivalent an die Reichen, nachdem unter die Armen nach seiner Auffassung Hunderttausende mit vollen Händen ausgestreut worden l Der Zuhörer konnte beinahe zu dem Glauben kommen, als wolle der Herr Schöffe L e n g n e r den Neid der besitzenden Klasse gegen die glücklichen, von der Gemeinde zu einem Sybariten- leben erzogenen Armen aufs äußerste erregen. In überschwenglicher Begeisterung für einen gerechten Ausgleich zugunsten der Wohlhabenden bekam er das Kunststück fertig, dem Armenetat den Glanz einer sechsstelligen Ziffer zu verleihen. Diese Tatsache an sich wäre auch ganz gleichgültig. Der Umstand, daß der Armenetat hoch ist, be- rechtigt eine Gemeindeverwaltung noch keineswegs, Veranstallungen für gesellschaftliche Zwecke einer verschwindenden Minder- heit zu treffen, zu deren Kosten auch diejenigen beisteuern müssen, die nicht den geringsten Vorteil davon haben. � Die Armenunter- stiitzung durch die Gemeinden ist eine gesetzliche Ber- p s l> ch t u n g; bestände sie nicht, dann würden die Armen in dem reichen Lichterfelde vermutlich sehr rasch sich ins_ bessere Jenseils Hinüberhungen müssen. Im Armenetat dieser Gemeinde befinden sich übrigens eine Anzahl Positionen, die mit dem Armenwesen a b- solut nichts zu tun haben. Vielleicht sind sie aufgenommen worden zur besseren Ausstaffierung, um ihn nach außen besser er- scheinen zu lasten, als er ist. Was den Gemeindevorstand veranlaßt hat, den Armenetat mit der Errichtung des Klassenwirtshauses zu verknüpfen, ist also ganz unerfindlich. Die Pflicht auf Armenunterstiitzung wird in keiner Weise tangiert und die Armen scheiden bei der Frage aus, weil sie als Steuer- zahler nicht in Betracht kommen und diesen Mangel mit dem Verlust ihrer bürgerlichen kommunalen Rechte büßen müssen. Die Tatsache bleibt ledoch bestehen, daß Tausende minderbemittelter Steuerzahler für eine Einrichtung blechen müssen, die lediglich einem angeblichen Bedürfnis nach gesellschaftlichem Verkehr eines kleinen exklusiven Kreises zu dienen bestimmt ist. Tempelhof. �Hausfrauen und Mütter im Kampf gegen Teuerung und Hunger" lautete das Thema, über welches der Stadtverordnete Dr. Atsred B ernst ein-Berlin in einer gut besuchten öffentlichen Frauen- Versammlung am Mittwoch referierte. Nach den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen verurteilten in der Diskussion die Genossen Schober und Neumann die Taten der Regierung und der Agrarier in scharfer Weise. Adlershof. In der letzten Kartellsitzling, welche unter Hinzuziehung des Wahlvereinsvorstandes und der übrigen Funktionäre stattfand, teilte der Obmann Kronewald mit, daß die aus dem hiesigen Markte ihre Waren feilhaltenden Fleischermeister aus Neukölln nicht tariftreue Firmen sind. Genosse Bergmann vom Zentralverband der Fleischer gab einen Ueberblick über den jetzigen Stand des Boykotts. Die Versammelten waren sich darüber einig, daß weitere Schritte unter- nommen werden müssen, um die um besseren Lohn kämpfenden Schlächter zu unterstützen. Gemeindevertreter Genosse Zabel wies alsdann in einem beifällig aufgenommenen Referat auf die Not« wendigkeit der Erhöhung des ortsüblichen TagelohneS. der am Ort noch 2,56 M. beträgt, hin. Es wurde eine Resolution angenommen, welche den Ausschuß beauftragt, unverzüglich Schritte zu unter- nehmen, um den Tagelohn wie folgt zu gestalten: Auf 3,66 M. für erwachsene männliche, 2.56 M. für erwachsene weibliche, 1,86 M. für jugendliche männliche und 1,46 M. für jugendliche weibliche Ar- beiter. Unentschuldigt fehlten die Delegierten der Bäcker und der Bureauangestellten. Dabendorf bei Zossen. Eine recht sonderbare Meinung über die gegenwärtige Teuerung brachten in der letzten Gemeindevertretersitzung der Gemeinde- Vorsteher sowie ein bürgerlicher Gemeindevertreter zum Ausdruck. Genosse Lau hatte einen Autrag eingebracht, der Maßnahmen gegen die herrschende Teuerung verlangt. Obwohl er den Antrag mit gutem Beweismaterial belegte, fand er bei den bürgerlichen Ber- tretern leine Unterstützung. Der Gemeindevorsteher Herr Neumann erteilte unserem Genossen den Rat, daß die Arbeiter ihre Frauen zur Arbeit anhalten und sich selb st Schweine füttern sollten. Ein bürgerlicher Vertreter wußte seinen Kollegen sogar mitzuteilen, daß eS in Deutschland überhaupt keine Futtermittelzölle gäbe. Gegen- über solchen Argumenten bedurfte es für unseren Genossen keines großen geistigen Aufwandes die Herren der Lächerlichkeit preis- zugeben. Die Ablehnung des Antrage« mit 9 gegen 2 Stimmen zeigte so recht, welche Verheerung die Junker- und Kreisblattpresse in den Köpfen ländlicher Gemeindevertreter zurzeit noch anrichtet.— Dem Ankauf des Schulzeschen Grundstückes zum Preise von 6666 M. stimmte die Vertretung zu. Trebbin(Kreis Teltow). Die Stadtverordnetensitzung beschloß mit 13 gegen 4 Stimmen, das alte ForstbauS mit zirka zwei Morgen Land zum Preise von 3566 M. zu verkaufen und von dem Eigentümer Lieiegang, Neuendorf, drei Morgen Land zum Preise von 2166 M. zum Ausbau eines neuen Forstetablissements zu erwerben.— Um die Pflasterung und Regulierung der Zossener Straße von der Bahn bis zur Baruther Straße auszuführen, verlangt der Kreis von der Stadt eine Zübuße von 1466 M. Hiervon werden 1666 M. von den Anliegern über- nommen, die restlichen 466 M. wurden von der Versammlung bewilligt.— Sodann wurde der Stadtverordnetenvorsteher Köppen als Magistratsmitglied in sein neues Amt eingeführt. Kalkberge-Nüdersdorf. Die hiesigen Portland-Zementwerke, deren Besitzer der Groß- industrielle C. O. Wegner, in Berlin wohnhaft ist, sollen in nächster Zeit durch Schaffung einer Drehofenanlage noch erheblich vergrößert werden. Die Bauerlaubnis ist bereits von der Firma nachgesucht worden. NowaweS. Der Wnhlverei« nahm in einer außerordentlichen Versammlung am Miltwochabend die Berichte von der Verbandsgeneralversamm- lung und dem Parteilag entgegen. Den ersteren erstaltete Genoffe Güth. Von einer Diskussion wurde der beschränkten Zeit wegen Abstand genommen. Ueber den Parteitag referierte Genosse Mohs (Schönebergj in ts�stündigem Bortrage, dem eine anregende Dis- kussion folgte. Sämtliche Redner gaben ihrer Freude über den würdigen Verlaus deS Parteitages und die von ihm geleistete Arbeit besonderen Ausdruck. Genosse Güth wies in feiner Kriltk auf die hohe Delegiertenzahl hin und wünschte für die Zukunft eine Einschränkung- derselben. DaS Recht der ReichStagSfraktion zur Teilnahme an den Parteitagen dürfe nicht beschnitten werden; eS könne höchstens den einzelnen Wahlkreisen nahegelegt werden, ihre Vertreter im Reichstage zu den Parteitagen zu delegirren. Die allgemeine Verurteilung der Souderkonferenze» sei berechtigt, weil sie geeignet waren, den Zwiespalt in Partei» kreisen zu fördern. Auch das Stichwahlabkommen erscheine gerechtfertigt. Der dadurch errungene Mandatgewinn habe sich bereits in der verflossenen Session des Reichstags recht günstig bemerkbar gemacht. Die Behandlung der Maifeierirage könne nicht als zusriedeustellend bezeichnet werden; bei Aufrechterhaltung in ihrer heutigen Gestalt werde sie noch recht oft den Zankapfel auf den Parteitagen bilden.— Genosse Drescher bedauerte, daß die von den Freidenkern gestellten Anträge auf dem Parteitag nicht zur VerHand- lung gekommen seien.— Genosse Krähnberg verurteilte die Pom Genossen Pieck gegen den Parteivorstand wegen deS Stichwahlabkommens gemachten scharfen Angriffe. Den neugefchaffenen polt- tischen Beirat zur Unterstützung des Parteivorstandes- halte er für völlig überflüssig. Mit ber Stichwahltaktik wie auch mit der Aufhebung der Sonderkonferenzen sei er vollkommen ein- verstanden, jedoch nicht mit der Regelung der Maifeier. Am besten wäre es, sie ganz aufzuheben, da sie in ihrer heutigen Form eine wirksame Demonstration für die Forderungen des Proletariats nicht darstelle. Nach einem kurzen Schlußwort deS Referenten gelangte folgende vom Genossen Güth vorgeschlagene Resolution zur Annahme:„Die am 25. September tagende Versammlung des Wahlvereins Nowawes erkennt die fruchtbringende Arbeit des dies- jährigen Parteitages an. Insbesondere begrüß' sie oas einheitlich« Handeln in bezug auf die Taktik und hofft, daß in Zukunft die Gegensätze der einzelnen Richtungen nicht wieder so hervortreten, wie auf früheren Parteitagen geschehen ist." Brucymühle-Radevrück. Die Gemeindevertretung nahm in ihrer letzten Sitzung u. a. auch zu einem von unserem Genossen Biedermann gestellten Antrag. Maßnahmen gegen die jetzige Teuerung zu ergreifen, Stellung. Die Vertretung beschloß, sich, soweit es die Eingabe an Bundesrat und Reichstag betrifft, Groß-Berlin anzuschließen. Außerdem soll der Versuch gemacht werden, wöchentlich einmal Seefische zum Selbst- kostenpreise an die Bevölkerung abzugeben. Den Verkauf hat Herr Alex Linncken übernomnien. Außerdem soll mit den Nachbar- gemeinden zwecks Herbeischaffung anderer billiger Lebensmittel in Verbindung getreten werden. Einstimmig wurde hierauf der Bau einer Leichenhalle beschlossen. Wittenau-Borfigwalde. In der Gemeindevertretersitzung am 26. September machte t'ep Amtsvorsteher Witte zunächst einige Mitteilungen aus dem Re- Visionsbericht bis Ende August, nach dem ein Bestand von rund 522 666 M. zu verzeichnen wäre. Beim Gaswerk, das 53 666 Mark Bestand, aufweist, bemerkte der Direktor, daß das Werck ohne Betriebskapital wirtschafte und-daß der Ueberschuß aus diversen Erzeugnissen der Anstalt sich zusammensetze. Zu bemerken seil hierbei besonders, daß seinerzeit das erworbene Grundstück je zur Hälfte von der Kläranstalt und Gasanstalt in Anspruch gc- nommen, jetzt aber von der letzteren ganz allein verzinst werden müsse. Infolge Rückgang des Gaskonsums seien für 1911 11 666 Mark Verlust zu buchen; es müsse abgewartet werden, wie sich die Entwicklung gestaktet, auch hoffe man auf eine spätere Preis- Herabsetzung.— Die Beschlußfassung wegen einer grundbuchamt- lichen Eintragung zugunsten des Kreiskommunalverbandes Nieder- barnim über Rohrverlegungen usw. durch Straßen im Zuge der Industriebahn zeitigte eine recht lange Debatte. Der Kreisaus- schuß ist mit einer Pauschale von 15 666 M. einverstanden, wenn, gewisse Straßen zur Rohrverlegung benutzt werden dürfen. Der Vorsteher W, t te bemerkte, daß er bereits eine Zusage gegeben habe. allerdings vorbehaltlich der Zustimmung der Gemeindevertretung; wenn heute indes anders beschlossen würde, so sei die Bebauung dieser Straßen in Frage gestellt. Verschiedentlich wurde die Frage aufgeworfen, ob diese Kabel- und Rohrverlegungen auf Kosten des Kreises oder der Gemeinde zu geschehen hätten und besonders, wie- wert die Verpflichtungen zur Berohrung der Straßen seitens des Kreises als Eigentümer der Industriebahn gingen. Der Direktor des Gaswerkes befürwortete die Genehmigung nur dann, wenn es sich um kürzere Straßenstrecken handelte, bei längeren indessen nicht, da hierdurch die Gemeinde selbst mit ihren eventuellen eigenen Kabeln und anderen Anlagen geschädigt werden könnte. Herr von Borsig will die ganze Sache als ein Geschäft betrachtet wissen,; Wittenau- sollte sich wehren gegen die Zumutung der Ein- traguny oder aber weitere Forderungen stellen und, nur dann zu- stimmen; wenn etwas dafür gezahlt wird. Solche Eintragungen brächten nur Unbequemlichkeiten denjenigen, die mit Grundstücks- verkehr zu tun haben. Herr Witte hielt trotzdem die Eintragung nur für Fornialien und verwies auf Heinersdorf, Französifch-Buch- holz. Weißensee, die dem nachgekommen- wären. Schließlich wurde einstimmig folgende Eintragung, angenommen: Dem KreiSkommu- nalvcrband Niederbarnim steht das Recht zu, für die Zwecke der Industriebahn Straßen- und Parzellen der Gemeinde Wittenau zur Verlegung von Rohren, Kabeln usw. jeder Art im Zuge der Jndu- striebahn zu benutzen. Hierauf macht« Herr Witte Mitteilung darüber, daß d-is Gemeinde die Straße vor dem Pfarrgrunöstück ausgebaut und dafür 959 M. verauslagt habe, um Diese bei einer späteren Bcbauung wieder einzuziehen; jetzt hätte die Pfarre keine Mittel und auch die Regierung habe dem Gemeindekirchenrat versagt, Mittel aus dem Patronatsfond» zu ntnehmen. Unser« Genossen wandten, sich gegen diese Art der BerauSlagung und verlangten überhaupt eine gleichartige Behandlung aller Straßenanlieger: noch dazu, da es nach Meinung des Amtsvorstehers selbst fraglich sei, ob diese Pflaster- kosten später wieder einkommem Dieser Posten wie auch noch die Bewilligung höherer Shnodalkassenbeiträge gelangte gegen unsere vier Stimmen zur Annahme.— Wegen Erlaß einer neuen Bau- gebührenordnung war in einer früheren Sitzung fchrn verhandelt und eine Kommisston eingesetzt worden, die nach erfolgten Prüfung des Materials anderer Gemeinden; die höhere Sätze haben. die vorliegende Fassung anzunehmen empfahl. Herr Dr. Rosin, Per- treter der Wittenauer Baugesellschaft. hätte gern eine Zweiteilung in Wohn- und Fabrikgrundstücke gesehen und dementsprechend« Gebührensätze, jedoch die Vertretung stimmte der Vorlage ein- stiinmig zu.— Zum Schluß wurde noch mitgeteilt, daß der Ber« kauf von Seefischen an die minderbemittelte Be- völkerung regelmäßig in etwas größerem Ilmhange fvrtgesetzk werden solle. Genosse Liebelt erwähnte hierbei, daß die Kon« kurrenz des gemeindlichen Verkaufs, z. B. die Firma Borsig, See, stsche billiger abgegeben habe. Ihm««widerte man, daß teils de« Umfang des Ankaufs und Fortfall der Spesen, wie bei Borsig. wo auf dem Fabrikhof verkauft werde, Grund für niedrigere Preise seien. Herr Witte leitet seine höheren Preise von den Fangverhält- nissen her, die, wie Genosse Liebelt zutreffenjd erwiderte, dann aber auch bei den anderen Verkäufern verteuernd wirken müßten. Wittenau sollte mit mehreren Gemeinden zusammen operieren, um dadurch billiger einkaufen zu können,. Genosse Liebelt verlangte noch eine gründlicke Verbesserung des ZustandeS des Gemeinde- friedhofs. dessen Mängel der Vorsteher zugibt und dadurch zu be- heben gedenkt, daß doch die Verbindungsstraße nach Tegel befestigt werden müsse, da der Tegeler Teil schon- ausgebaut sei, und dabei gleich die Verbesserung deS Kirchhofszustandes mit angestrebt werden wird.— Es folgte noch eine längere geheime Sitzung mit Grund- stücksau- und-Verkäufen._ Arbelter-Samariterbund. Kreis Brandenburg. Lsbrabend haben in dieser Woche: Berlin, l. Abteilung am Montag in den Rittersälen. Ritterstr. 75. abends 8'/» Ubr. Lichtenberg. Am Donnerstag bei Pickenhagen, Scharntvebcr- flrahe öv, abends 89. Uhr. Neukölln. Am Freitag, Selchseiftrabe 8. abend? 8'/, Uhr. M a r t e n d o r j. Am Montag bei Löwcnhagen, Shaufleesw. 27. abends 8',. Ubr. NowaweS. Am Montag bei Schmidt, Friedrich-, Eck« Wilhelm» stratze. abends 8'/, Uhr. Schöneweide. Am Montag bei Schulz. Siemensstr. 12. abends 8'/, Uhr. Spandau. 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Die Mitglieder der Breslauer Zahlstelle des Zentralverbandes der Bäcker und verwand- ter Berufsgenossen Deutschlands verlangte im August 1906 von den Bäckermeistern Breslaus, daß ein Revers unterschrieben werde, der den Bäckergesellew bessere Arbeits- bsdingungemi nach jedem Sonn» und 8«iertage eine freie Stacht und ähnliches zusicherte. Der Schwerpunkt aber lag darin, daß die Bäckermeister sich verpflichten sollten, bei Ver- niittelung von Gesellen nicht solche aus dem Arbeitsnachweise der Meister, sondern ausnahmslos Gesellen aus dem Arbeitsnachweise der Gesellen zu beziehen. Das war nach Ansicht'des Gerichts sür die Meister nicht gut möglich, weil sie durch die Statuten der Zwangsinnung ver- pflichtet loaren, ihre Gesellen aus dem Arbeitsnachweis der Innung zu entnehmen�. Da ein Teil der Bäckermeister den Revers nicht unterschrieb, suchte der Verband der Bäcker- gesellen mit der Hilfe des Gewerkschaftskartells die betreffen1- den Bäckermeister zu boykottieren. Durch gerichtliche einst- w eilige Verfügung wurden diese Zwangsniaßregeln auf An- trag der Böckerinnung verboten. Alsdann erschien in der Breslauer„Volkswacht" ein Aufruf an die Arbeiter und Hausfrauen. In diesem Ausruf wurden die Be- wohner aufgefordert, den Kampf der Bäckergesellen zu unter- stützen. Die Arbeiter sollten ihre Backwaren nickst bei solchen Bäckern kaufen, die die Arbeiter verhöhnen. Es sollten« die Bäckermeister gemieden wenden, die den sauer verdienten Groschen der Arbeiter Wohl in den Geldsack steckten, aber den berechtigten Forderungen der Arbeiter fremd gegenüber stän- den. Auch wurden die Namen der betreffenden Bäcker- meister bekannt gegeben, die gemieden werden sollten, ebenso auch die Namen« von denen«, die den Revers unterschrieben hatten. Zum Schluß stand noch«die Bitte um Hilfe hur Schaffung menschenwürdiger Zustände im Bäcker gewerb e. Im selben Sinne waren Flugblätter gehalten, die an das Publikum verteilt wurden. Einige Bäckermeister haben wegen dieses Vorgehens Klage gegen das Gewerkschaftskartell und den Verband der Bäcker und verwandter Berufsgenossen Deutschlands erhoben, und Schadenersatz begehrt, weil sie durch Ausbleiben der Hauptkundschaft stark geschädigt worden seinen. Das Landgericht und Oberlandesgericht Breslau haben dfte Beklagten verurteilt. Zur Begründung des Urteils führt das Oberlandes- gericht u. a. folgendes aus: Die beiden beklagten Vereine haften gemäß§ 831 des Bürgerlichen Gesetzbuchs für den zum Boykott erteilten Auftrag, wenn den Klägern durch den Boy- kott widerrechtlich Schaden zugefügt worden ist. Das ist der Fall, da gegen§ 823 des Bürgerlichen Gesetzbuchs verstoßen und unmittelbar in den Gewerbebetrieb der Kläger ein- gegriffen wurde. Man wollte den Klägern überhaupt alle Kundschaft entziehen. Aber schon durch die Entziehung der Hauptkundschaft mußten sie gezwungen werden, ihren Betrieb als nicht mehr lohnend einzustellen. Somit liegt Verletzung eines„sonstigen Rechts" der Kläger im Sinne von§ 823 Abs. 1 des Bürgerlichen Gesetzbuchs vor, gleichzeitig aber auch Verletzung von Abs. 2 wegen Verstoßes gegen die Gewerbe- ordnmig durch die boabsichtigte Vernichtung der Kläger. U n- erlaubt waren auch Mittel und Zweck des Boykotts. Die Meister sollten gezwungen werden, nur denGehilsenarb eitsnachwerszu benutzen, obgleich sie anderweit verpflichtet waren. Ein solches Ziel ist niicht erlaubt. Ein unerlaubtes M i t t e l war es, daß ausschließlich von den Mißständen, den „Arbeitergroschen" und dem„Geldsack" der Meister gesprochen und diewahreSachlageverschl eiert wurde. TaS Oberin nd e s g e richt findet darin wlie auch in der Betonung'oer Notwendigkeit,„menschenwürdige Zustände" im Bäckerei- gewerbe zu schaffen, ehrverletzendeAusdrücke. Des- halb erklärt es den Boykott für einen unerlaubten� Das Reichsgericht hat das Urteil des Oberlandesgerichts bestätirgt.(Aktenzeichen.VI, 32/12) Die Annahme des Gerichts, das Ziel der Benutzung deS Gehilfennachweises sei unter den vorliegenden. Umständen ein unberechtigtes, muß Kopfschütteln begegnen. Der Richter hat sich um die Frage, ob oin zwecks Erlangung besserer Arbeits» bedingungen angewandtes Mittel zweckmäßig tvar, nickst zu kümmern. Er hat über zivil- oder strafrechtliche Fragen, aber nicht darüber zu entscheiden, ob ein von einer Partei ange- strebtes Ziel ein wirtschaftlich Kveckmäßiges war. Nichts hinderte die Meister, von dem Jnnungsnachweis zurllckzu» treten. Es kann insbesondere der Arbeitern gegenüber betätigten, Rechtsprechung auch der Zweck der Entziehung aller Kunden, nicht als ein unerlaubter bezeichnet werden. Denn hat nicht das Reichsgericht Aussperrungen gegen Arbeiter, denen dadurch die Verwertung ihrer Arbeitskraft unmöglich gemacht war, als ein rechtlich erlaubtes Mittel bezeichnet, und hat es nicht sogar im Prozeß gegen die Aussperrung der Hamburger Werftarboiter erklärt: die Arbeitgeber seien sogar, um einem drohenden Streik entgegengutreten, zur gemein» famen Aussperrung der Arbeiter berechtigt?__ UNerm UebenFreund u.cSenossen> Karl Bucbmann zu seinem heutigen Wiegenfeste' die dei-eiicdstsn Glückwilnsche., Die FuniNonSre der 9. Abteilung» de» 3. Berliner Wahlkreises.» i zu sei» die Ii Di- F de» MMMH % €€«€««««»»ddü&g Unserem Nollegen PauINlekeK�Äs die herzlichsten GlUckwOnsohe zur Vermählung. W. Z. X. U.[Ha Pauli sei diesmal wachsamer. •skHHHkitzSHSS'SSSSAZ 1 Unserem lKenossen 42642 Knnzcndorf nebst Frau zur silbernen Hochzeit ein drei- mal donnerndes Hoch I Die Genossen d. Bez. 690a 6. Kreises. Unserem Genossen itaii Neumaon nebst Fran die herzlichsten Aiackivünsche zur Silberhochzeit. 544b Die Genossen u. Genossinnen des Wahlvereins Bohnsdorf. "»ZJKSSSSEEHOOOS« Unserem Genossen, BereinSwirt Eirnst Kutzner nebst Fr an die herzlichsten Glückwünsche zur! Sllberdochzcit I 2A Die Genossen des Bruohinllhier Bezirks ■seteee«««» « Vi Unserm Genossen Franz Kessel % nebst®e. Ä mal, litt Luise geb. Lunow � Steglitzer Str. 13, W die herzlichsten Glückwünsche zur Silberhochzeit. Die Genossinnen u. Genossen de» 43. BezirlS, 2. Krei«. Unserem Genossen 600b Franz Döbel nebst Frau zum 30. September die herz» lichsten Glückwünsche zur Silber- Hochzeit i Die Genossen d. 4. Wahlkreises, Bez. 387. r « « 8 8 « Unserem Genosse» Louis Isberner nnd Fran, Wclhensee,. Tilberhachzett die besten Glückwünsche I Die Genossen der Gruppe 25. 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Die Beerdigung findet am Dienstag, den 1. Oktober, nach. mittag« 4 Uhr. von der Halle des Michael- Ktrchhose» am Marien- dorser Weg au« statt. Den Mitgliedern. Nachricht, dast unser Kollege, Klavterarbeiter serner zur ' i. der Eugen Klinger Im Alter von 24 Jahren gestorben ist Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Montag. den 30. September, nachmittag» 2 Uhr, von der Halle des Zentral-FrtedhosS inFricdrichS. selbe au» statt. Um rege Betelltgung ersucht 89/7 Die Ortsverwaltung. Deulseherlelaiiarheiter-Verhaiid Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dast unser Mitglied, der Gürtler osltai' Gabrein Rcichenberger Str. 22 am 26. September an Herzschlag gestorben Ist Ehre seinem Andenken! DI« Beerdigung findet Sanntag, den 29. September, nachm. Lst, Uhr, oon der Leichenhalle oe» Alien ThomaS-Kirchhose«, Neukölln, Her- mannstrast,, au» statt Rege Beteiligung erwartet I2d/S Die Drtsverwalhtng Danksagung. Für die überau« herzliche»nd graste Teilnahme beim Hinscheiden meines unoergestlichen, inniggeliebien Manne« Vater«. Bruders, Schwager» und Onkel« 3lA Christ ipreche ich allen Verwandten. Freunden und Bekannten sowie dem Verband der Brauerei- und Mühlenarbeiter. der Direktion der Brauerei E. Engel- Hardt und der Welstblerbraueret der Gastwirte de« Norden», den Kollegen der Brauerei». Engelhardt, dem Personal der Weistbierbraueret, dem Sparverein.Dallesbrüder», dem Wahloerein, Bezirk Pankow und dem Genossen Artur Neumann sür die trostreichen Worte am Sarge de» Tntschlasenen meinen herzlichsten Danl aus. Im Kamen der Hinterbliebenen bis tiesbetrübte Witwe Magdglene Christ und Sohn. Am Mittwoch, den 2ö. d. Mts.. starb nach kurzem Leiden unsere liebe, gute Mutter und Grost- mutier Amalie Krombholz ProSkauer Straste 6. Dies zeigen tiefbetrübt an vt« Kinder. Die Beerdigung Abel am Montag, den 30. September, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Zentral-FriedhoseS in Friedrichs- selbe aus statt. 37A Am 27. d. MtS. oerschied nach kurzem schweren Leiden unser lieber Sohn und Bruder 41A �rtur Mohaupt im vierten Lebensjahre. Dies zeigen tiesbetrübt an Elter» und Brnder. Die Beerdigung findet am l Montag, den 30. September.| nachmittags 21/4 Uhr, von der I Leichenhalle deS Städtischen Fried- Hofes in der Seestraste aus statt. I ZeDtral-Krankes- und Sterbe- Den Mitgliedern zur Nachricht, dast unser Mitglied Tveeilor Grell am 26. September verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Dt« Beerdigung findet am Montag, den 30. September, nachmittag« 4'/, Uhr, von der alle de« Zentral-FriedhoseS in rttdrichSseloe au» statt. 258/4 Um regt Beteiligung ersucht Die Orlaverwaltung Berlin II. Danksagung. J:uc die vielen Beweise herzlicher lnahm« bei der Beerdigung meines lieben Manne» sage ich allen Freun- den und Bekannten, de» Arbeits« kolleacn der Firma Heinitz u. Seckcl- son, den Genossen de« Wahlverein». 7. Bezirk, den Kollegen de» Deutschen Buchbinderverbandes u. dem Sänger« quartct.Heimatklänge' meinen herz- lichsten Dank. IIB. fall Elise Rudolph!. Herzlich« lr Tie vielen Bcwi ,cii Dank für~6tc vielen Beweise herzncher Teil- nahm« bei der Beerdigung mewcS lieben Manne«, de» Gerber« August Hoffmann insbesondere den Kollegen des Zentral- LcderarbeiierverbandeS Berlin I so- wie den Mitgliedern der Zentral. Kranken- uud«terbekasse der Wagen- bauer. Bezirk 8, Gesundbrunnen, so- wie allen, die durch Kranzspenden und Grabgeleit ihre Teilnahme bewiesen haben. Frau Qertrnd UokTinonn nebst Kindern. Für die vielen Beweise Herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau Fensch sage ich allen, welche ihr bis letzte Ehr« erwiesen, insbesondere dem Ge- Nossen Killer sür die trostreichen Worte am Grabe und dem Gesangverein „Ichöneberaer Männerchor' meinen herzlichsten Dank. Der trauernde Gatt« Albert Fen«cta. Statt Karten. Für die berzlichen und zahl- reichen Beweise inniger Teilnahme bei dem Helmgange meine« lieben Mannes, unsere« guten Vaters Hermann Malsclioll sagen wir richtigsten unseren aul. 156/8 Lina lüatseiioll and Kinder. Danksagung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten, dem Holzarbctterverband und den Kollegen der Finna Weist für die bei der Beerdigung meines lieben unoergestlichen Manne« er- wiesene Teilnahme und Kranzspenden spreche ich htermtt mewen herzlichen Dank aus. 37.A. Helene Dhürling geb. Karg. Fst kr»- AK te 1 1 u n zg 1 1. Gesch.: BerlinW., Mohren- 1 StraBe37a(2. Haus van der| Jerusalemer Straße). Iii. Gesch.; Berlin NO., Grote! Frankfurt.Slr. 115(2. Haus| von der AndreasstraBe). Sehrer.Auaw. fert. Kleider, HDte, nandschuhe, Schleier oto. v. einfachsten bis zum hochelegant Genre z.äußerst niedrigen Preisen. Sonder-Abteilnng: HuBanrerUgiinK in 10 bis 12 Stunden. Ich habe mich st 55/4 Jiumlibtnto. U al« Speztalarzt für Haut-, Harn- und Blasenleiden niedergelassen. Gr. 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Bis zum Erlaß des StellenvermittlergesetzeS hatte bekanntlich die gewerbliche Stellenvermittelung nur zu oft zu einer argen Ausbeutung der stellensuchenden Arbeiter geführt. Aus diesem Grunde verlangten die aufgeklärten Arbeiter, daß der Arbeitsnach- weis nicht zur Bereicherung einzelner Personen ausgenützt werden dürfe, sondern der öffentlichen Verwaltung übertragen werde; die Gemeinden sollten verpflichtet werden, unentgeltliche Arbeitsnach- weise einzurichten und sie der Beaufsichtigung durch die beteiligten Arbeiter und Unternehmer zu unterstellen; dann konnte die ge- werbliche Stellenvermittelung mit der Zeit ganz beseitigt werden. Die bürgerlichen Parteien und die Regierungen konnten sich aber auch hier nicht zu ganzer Arbeit entschließen. Selbstverständlich ist es mit nicht geringen Kosten verbunden, wenn die Gemeinden in allen Bezirken und für alle Gewerbezweige einen unentgeltlichen Arbeitsnachweis einrichten. Diese Kosten aber können gar nicht in Betracht kommen gegenüber dem Nutzen, den der unentgeltliche ge- meindliche Arbeitsnachweis sowohl für die beteiligten Arbeiter als auch für die Gesamtheit hat. Jedoch die bürgerlichen Parteien und die Regierungen verwenden die Einnahmen des Reiches in erster Linie für Militär, Marine und. Kolonien, und hatten für diese neue Ausgabe kein Geld. Sie lehnten daher die Anträge der Sozial- demokraten auf planmäßige Durchführung des unentgeltlichen ge- meindlichcn Arbeitsnachweises ab und hofften, daß auch ohne Auf- Wendungen des Reiches die gemeindlichen Arbeitsnachweise die gewerbsmäßigen Stellenvermittler sehr bald ablösen würden. Zu diesem Zweck gaben sie der LandeSbchörde in dem neuen Gesetz die Befugnis, die Erlaubnis zu dem Betriebe der gewerb- lichen Stellenvermittelung u. a. dann zu versagen, wenn ein Be- dürfnis nicht vorliegt, insbesondere wenn für den Ort oder für den wirtschaftlichen Bezirk ein öffentlicher gemeinnütziger Arbeits- Nachweis in ausreichendem Umfang besteht. Ferner ist von den anderen neuen Bestimmungen noch die hervorzuheben, daß die Be- Hörden für die den Stellenvcrmittlcrn zukommenden Gebühren Taxen festsetzen. Es fragt sich nun, ob diese Bestimmungen, die am 1. Oktober 1910 in Kraft getreten sind, genügen, um in absehbarer Zeit die gewerbliche Stellenvermittelung verschwinden zu lassen. Zur Beantwortung dieser Frage ist zunächst das Ergebnis der Erhebungen in Bayern wichtig. Hier ist die Zahl der Stellenver- mittler vom Jahre 1907 mit 79ö bis zum Jahre 1909 auf 811 ge- stiegen. Das Jahr 1910 dagegen zeigt einen Rückgang aus 633. Am 1. Oktober 1910 ist das Stellenvermittlergesetz in Kraft getreten. Demnach ist der Rückgang in der Zahl der Stellenvermittler fraglos die Folge des neuen Gesetzes. Ein weiterer Rückgang ist sicher im Jahre 1911 eingetreten;;edoch liegen dieie Zahlen noch nicht vor. — Im Großherzogtum Baden gab es im Jahre 1902 im ganzen 173 gewerbsmäßige Stellenvermittler. Ihre Zahl betrug im Jahre 1909 sogar 216. Sie fiel im Jahre 1910 auf 209 und im Jahre 1911: im 1. Vierteljahr auf... 144 .2.,.... 142 ,8...... 129 .4...... 124 Zur Ergänzung dieser Zahlen fügen wir eine Mitteilung hinzu, die Herr Regierungsrat Dr. Schultz in Hamburg im„Arbeits- markt" über die gewerbliche Stellenvermittlung in Hamburg ge- macht hat. Im allgemeinen, schreibt er, wird die Zahl der neu zuge- lassenen Stellenvermittlungsgeschäfte infolge der Bedürfnisfrage sehr abgenomen haben; das beweisen für Hamburg die Jahres- berichte der Polizeibehörde, nach denen im Jahre 1911 nur 10 Stellenvermittler neu zugelassen worden sind, gegenüber 54, 57, 59 in den 3 letzten Vorjahren. Seit Einführung der Bedürfnis- frage ist die Zahl der gewerbsmäßigen Stellenvermittler in Hamburg von ungefähr 450 auf 300 zurückgegangen. Dem- nach können wir annehmen, daß auch in den anderen Bezirken die Zahl der gewerbsmäßigen Stellenvermittler geringer geworden ist. Das allein ist aber nicht entscheidend. Vielmehr kommt auch die Zahl der vermittelten Stellen rn Betracht. Sie zeigt leider ein anderes Bild. In Bayern ist zwar die Zahl der Stellen, die die gewerbsmäßigen Stcllcnvcrmittler besetzt haben, im Jahre 1910 zurückgegangen: von 63 621 auf 61476. Der Rückgang ist jedoch verhältnismäßig sehr gering. Dazu kommt, daß die Zahl vom Jahre 1910 immer noch höher ist, als die Zahl vom Jahre 1907 mit 59 480 besetzten Stellen und als die Zahl vom Jahre 1906 mit 60 304 besetzten Stellen. Ebenso sind die Verhältnisse in Baden. Die Zahl der Stellen, die die gewerbsmäßigen Stellcnvcrmittler besetzt haben, betrug im Jahre 1903.... 23 068 ,, 1909.... 24759 . 1910.... 24498 . 1911.... 24195 Also auch hier: in den beiden letzten Jahren eine ganz geringe Wnahme, aber doch noch immer eine Zahl, die größer ist als im Jahre 1903. Uebcrdies ist beachtenswert, daß die Abnahme im Jahre 1911 nicht größer war als im Jahre 1910. obgleich von dem letzten Jahre nur ein Viertel(vom 1. Oktober ab) unter das neue Gesetz fällt; in diesen 3 Monaten ist der Rückgang fast ebenso groß wie im ganzen folgenden Jahre. Dies läßt uns befürchten, daß der Rückgang in den nächsten Jahren viel zu gering sein wird. Das ist leider um so wahrscheinlicher, da z. B. in Bayern die Erhebung für das Jahr 1910 ergeben hat, daß rund Ht Hälfte der gewervSmäßigen Stellenvermittlung auf das Gast- Schank- wirti-vaftspersonal, Kellnerinnen, Zimmermädchen, KtüLenpersonal, Hausburschen usw. entfällt. Hier handelt es sich um Arbeiter, die zum großen Teil noch wenig Verständnis für die Selbsthilfe durch ihre gewerkschaftlichen Verbände haben. Daher kann ein Fort- schritt nur durch den unentgeltlichen gemeindlichen Arbeitsnachweis erreicht werden. In München hat das dortige Arbeitsamt im April 1910 einen eigenen Facharbeitsnachweis für das Gastwirtschaftsgewerbe er- richtet. Die Folge davon war, daß dieser Nachweis bereits in den ersten drei Vierteljahren mehr Stellen nachgewiesen hat als alle gewerblichen Vermittler zusammen. Dies ist der Weg. auf dem wir allein zur völligen Beseitigung der gewerblichen Stellenvermittlung gelangen können. Im Großhexzogtum Baden entfielen im letzten Jahre ») von den Stellen, die für männliches Personal nachgewiesen wurden, 14 Proz. auf Ausläufer, Hausburschen,-diener» Packer usw. 36,7 Proz. auf Kellner, Köche, Zapf-, Hotelburschen usw. b) von den Stellen, die für weibliches Personal nachgewiesen wurden, 57,1 Proz. auf WirtschastSpersonal, Kellnerinnen, Wirt- schaftsköchinnen usw. 35 Proz. häusliche Dienstboten. Diese Zahlen bestätigen, daß unter allen Umständen uneut- geltliche gemeindliche Arbeitsnachweise notwendig sind, wenn die gewerblichen Stellcnvermittler ausgeschaltet werden sollen. Wo diese Arbeitsnachweise bisher eingerichtet sind, haben sie sich meistens bewährt und schnell eine segensreiche, sich immer weiter aus- dehnende Tätigkeit entfaltet. Nach diesen Erfahrungen ist es unverantwortlich, daß noch immer nicht das Netz der unentgeltlichen gemeindlichen Arbeitsnachweise über alle Bezirke und Berufszweige gespannt wird, und dadurch die Lücken ausgefüllt werden, die das Stellenvermittlergesetz gelassen hat. Dieses Gesetz hat nur eine ungenügende Wirkung gehabt. ES muß daher der völligen Ab- lösung der gewerblichen Stellenvermittlung durch den unentgelt- lichen gemeindlichen Arbeitsnachweis möglichst bald weichen. Jteitea lftoa ss grosser Reste-Ulf zu sehr dNIlsen Preisen! Dr. Halm gegr. 1625 Alexanderplatz Berlin C. Landsberger Str. 60-63 Heu MgMINWIl'. sämtliche Schneiderei Artikel Kurzwaren o- In dieser Woche Großer Extra-Verkauf«m Kleiderstoffen, Seidenstoffen und Samt Zur Siefen Zweck habe ich große Posten moSerner Stoffe von Sen ersten Zabriken sehr günstig eingekauft unS enorm billig zum verkauf gestellt. 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