ZK. 22«. BbonnementS'Bcdingungen: Sttoimcment»- Preis vränumerando: Liertcljährl. 3A> Mk� monatl. UV SKI., wöchentlich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. SonntagS- nummer mit illustrierter Sonntags« Beilage„Die Neue Welt' 10 Pfg. Post« Wonnemcnt: 1,10 SKarl pro Monat. Eingetragen in die Pöst-ZeitungS« VreiSlisle. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 29. Jahrg. vle Insertion;»LebUhr keirägi für die sechsgespaltcne Kolonel- geile oder deren Raum 60 Pfg., für Vlchelut lsgllch zilöei lilonlägz. Vevlinev Volltsblnkk. M. fettgedrua... Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellcnan- zeigen das erste Wart 10 Pfg., jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über 16 Buch- siaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expeoilioil ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse! „SozUUilMlii'iit Kerlio". Zentralorgan der fozialdemokrattfcheii Partei"Dcutfchlande. Redaktion: 8Äl. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. IS8S. Dienstag, den 1. Oktober 1912. Cxpedition: SM. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. ISSti. (ieKreuÄe klnwotten. In den fünf großen Versammlungen, die am Sonntag in Berlin stattgefunden haben und in den Rufen, die die demonstrierenden Massen ausbrachten, ist dem Herrn Reichs kanzlcr sehr deutlich gesagt worden, was die arbeitenden Massen nicht nur der Reichshauptstadt, sondern ganz Deutsch lands über die agrarische Politik denken, die die Teuerung auf die Spitze getrieben hat und über eine Regierung, die so lange als nur irgend möglich die Not ableugnete und untätig blieb, um dann viel zu spät viel zu geringfügige, viel zu wenig wirksame Matzregeln zu ergreifen, zur Beschwichtigling der immer stärker anschwellenden Volksbewegung. Aber nicht geringer als die Erbitterung über die materielle Not kain in den Versammlungen die Erbitterung über das politische Elend zum Ausdruck, durch das das deutsche Volk gezlvnngen wird, um etwas zu kämpfen, was überall sonst die erste und selbstverständlichste Maßnahme der Regierung Wäre, um die Einberufung des Reichstags. Unterdessen hatte auch der Herr Reichskanzler wohl end- lich erkannt, daß er die Eingabe der stärksten Fraktion des Reichstags nicht ohne Antwort lassen dürfe. Und so ist denn am Sonnabend ein Schreiben an den Genossen Bebel abgegangen. Da aber Bebel von Berlin abwesend ist, konnte es nicht bestellt werden und wurde Montag dem Grvossen H a a s e als zweiten Vorsitzenden der Fraktion zu- gestellt. Die Antwort des Reichskanzlers lautet: Der Reichs kanzle r. Berlin, 28. September 1912. Auf die Eingabe vom b. d. M. erwidere ich ergebenst, daß die von mir und der Königlich Preußischen Staatsregierung gegen- über der zurzeit bestehenden Flcischlcuerung ergriffenen Maß- nahinen heute durch die.Norddeutsche Allgemeine Zeitung' veröffentlicht worden sind. Bon diesen Maßnahmen würde nur der Eiiliuurf eines Gesetze«, betreffend vorübergehende Zollerleichterung bei der Fleischeinsuhr. der Zustimmung des Reichstags bedürfen. Ziinächst unterliegt er der Beschlußfassung des Bundesrats. Ich darf anheimstellen, den Herren Mitunterzeichnern der Eingabe hiervon Kenntnis zu geben. Hochachtungsvoll v. Bethmann Hollweg. An Herrn A. Bebel, Mitglied des Reichstags, Hochwohlgeboren. Nun für so naiv, wie sich Herr von Bethmann in dieser Antivort stellt, halten wir ihn doch nicht. Daß seine Matz- nahmen nicht der Einberufung des Reichstages bedürfen, das brauchen wir nicht erst durch ihn zu erfahren. Und des- halb hat auch kein Mensch die Einberufung des Reichtages verlangt. Gerade weil eben die Maßnahmen, die auf dem Verordmingsweg allein erlassen werden können, gänzlich un- genügend sind, weil sie selbst dann gänzlich ungenügend blieben, wenn die Regierung ohne Rücksicht aus das agrarische Diktat alles, was ihr zustünde, verordnet hätte, gerade des- halb ist ja die Gesetzgebung, also das Parlament notwendig. Herr von Bethmann tut so, als ob der Reichstag nur dem zustimmen dürste, was die Regierung vorzuschlagen ge- ruht. Und darin erscheint wiederum der ganze Hochmut dieses parlainentsfcindlichen Bureaukratcn. Wir aber meinen, daß der Reichstag das Recht wie die Pflicht hat, die gänzlich ungenügenden Matznahmen der Regierung durch wirkungsvolle zu erweitern. Der Reichstag selbst hat den Willen dazu schon im Frühjahr bekundet, als die Not noch lange nicht so groß war. Damals schon hat er in einer Resolution die Aenderung des Fleischbeschaugesetzes gefordert, die die Einfuhr des Gefrierfleisches endlich crmög- lichen würde. Jetzt, wo die Not unterdessen so sehr geivachsen ist, bedürfte es einer durchgreifenden Reform der ganzen Wirtschafts- und Steuergesetz- gebung, um den Massen ihre Lage einigermaßen erträglich zu gestalten. Vor allem aber müßte der i n f a m e Zustand beseitigt werden, der ein S ch a n d m a l unserer Gesetzgebung tsi, daß die Großgrundbesitzer für die Ausfuhr des Getreides noch Prämien aus der Staatskasse erhalten. Und ebenso müßten sofort die bauernfeindlichen F u t t e r m i t t e l z ö l l e beseitigt werden, damit die bäuerliche Viehzucht gefördert und dadurch dauernd der Fleischnot entgegengewirkt iverden könne. Und völlig unerträglich ist es, daß die F l e i s ch z ö l l e auch fernerhin die ohnehin uncrschivinglichen Preise erhöhen sollen zu einer Zeit, wo. selbst diese Agrarier-Regierung die schwere Belastung des Volkes durch die Teuerung zugeben. muß. Deshalb also hat die sozialdemokratische Reichstagsfraktion die Einberufung des Reichstages gefordert, nickt um Herrn v. Bethmann Hollweg zu bestätigen, daß er in seiner Weisheit schon das Richtige getroffen hat. sondern weil nur der Reichstag wirksame Abhilfe schaffen kann. Herr v. Bethmann Hollweg sagt in seiner Antwort ja nicht ausdrücklich, daß er den Reichstag nicht doch noch früher einberufen iverde. Und ivenn er die Kritik würdigen kann, die seine Maßnahmen erfahren haben, so müßte er sich selbst beeilen, das Verlangen unserer Fraktion zu erfüllen. Denn jetzt bekommt er verdientermaßen seine Prügel von rechts wie von links. Die Agrarier schelten ihn. um ihn noch mehr ein- zuschüchtcrn und seinen Widerstand gegen die unumgäng- lich notwendig weiteren Maßnahmen zu verlängern. Und alle nichtagrarischen Kreise unterziehen seine Maßnahmen der verdienten vernichtenden Kritik. Es läge also im eigenen Interesse des Herrn von Bethmann. dessen Autorität ja bei keiner Partei hervorragend ist, dem Reichstag selbst die Verantwortung zu überlassen und ihm nicht seine Meinung aufoktroyieren zu wollen. Aber das ist schließlich des Herrn Kanzlers Sache. Entscheidend ist, daß die Ueberzeugung immer weitere Kreise ergreift, daß es so nicht weiter gehen kann, daß wir uns die Herrschaft der agrarischen Aus hungerungspolitik einfach nicht weiter ge- fallen lassen dürfen. Es sind nicht wir, sondern es ist die„Frankfurter Zeitung", die schreibt:„Es wird keine Ruhe in Preußen-Deutschland geben, bis dieses Verlangen befriedigt ist. Der Kampf dauert fort und er wird immer schärfer werden." Und es sind nicht wir, sondern es ist die Stadt Berlin, die konstatiert, daß die Regierung nichts Durchgreifendes tut, sondern das zunächst Wirksame, die Einfuhr argenti nischen Gefrierfleisches, verhindert. Und an dieser schweren Schädigung des deutschen Volkes trifft diesen Herrn von Bethmann Holllveg, diesen Kanzler der Pfaffen und Junker, direkt persönlich die Schuld. Man weiß, daß der bayerische Minister des Innern. Herr von Soden, nach Rücksprache mit den Berliner Stellen auf die Interpellation unserer Genossen im Landtag eine Antwort erteilt hat, die, so unbefriedigend sie sonst war, doch erwarten ließ, daß die Reichsrcgierung der Einführung argentinischen Gefrierfleisches und der Aufhebung des Fleisch beschaugesetzes keinen Widerstand entgegensetzen werde. Damals war Herr von Bethmann Hollweg aller Vings fern von Berlin und Herr Dr. Delbrück, der Staatssekretär des Innern, ist immerhin etwas weniger Gefangener der Agrarier als der Herr Reichskanzler. Es war der millionenreiche Großgrundbesitzer, der heute als Vertrauens inann der Junker und als Liebling Wilhelms II. preußischer Ackerbauminister ist, Herr v. S ch 0 r l e m e r, der sich von Anfang an sehr energisch gegen jeden»virklich wirksamen Ab Hilfevorschlag des Reichsamts des Innern gewandt hatte. Als Herr v. Soden sprach, konnte man aber doch noch erwarten, daß wenigstens in der Gefrierfleischfrage diesmal die Agrarier ihren Willen nicht durchsetzen würden. Sobald aber Herr von Bethmann Holl weg in Berlin war, wurde das Mi nisterium homogen, agrarisch homogen, jede Aenderung des Fleischbeschaugesetzes wurde verworfen und die Einfuhr des Gefrierfleisches damit unmöglich gemacht. Und so wollen wir denn dem Herrn Reichskanzler auf sein Schreiben antworten: Dringender als je ist heute die Einberufung des Reichstags geworden, seitdem die Regicrungsmaßnahmen gezeigt haben, daß der oberste Beamte des Reiches weder fähig noch willens ist, Abhilfe für die Not des Volkes zu schaffen. Die Einberufung des Reichstags ist notwendig, damit geschehen kann, was die Regierung versäumt hat. Der Kamps geht weiter. Berlin zur Regierungsaktion. Das städiische Nachrichtenamt des Magistrats Berlin der- breitet folgende Mitteilung: Angesiitus der von der Staatsregierung bekannt gegebenen Maß- regeln zur Abschwächung der Fleischnot haben im Schöße des Mogistrats alsbald weitere Beratungen stattgefunden. Bekanntlich hatten die Gemeinden Groß-Verlins vor wenigen Tagen in einer Eingabe an den Reichskanzler nachgewiesen, daß der Fleischnot nur durch Zulassung der Einfuhr von außereuropäischen Ländern, insbesondere von gefrorenem argentinischen und australischem Fleisch begegnet worden könne und das bei Beschränkung der Einfuhrerleichterungen auf europäische Provenienzen sich sehr bald herausstellen würde, wie sich damit eine durch- greifende Wirkung nicht erzielen lasse. Auch bei den heutigen Beratungen wurde an dieser Auffassung fest gehalten. Man war insbesondere der Meinung, daß sich auf die freigegebenen Bezugsquellen sofort ein lebhafter Ansturm entwickeiki würde, der die Preise notwendig in die Höhe treiben müsse, eben weil die Vorräte zu gering seien. Gleichwohl wurde es selbstver- ständlich als Pflicht betrachtet, den Versuch zu unternehmen, in welchem Maße die vorgesehenen Erleichterungen für Berlin nutzbar gemacht werden können. Deshalb hat der Magistrat an den Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten schon heute den Antrag gestellt, der Stadt Berlin die umgehende Genehmigung zur Einfuhr von lebendem Rindvieh aus den Niederlanden, ferner von frischem Rindfleisch aus dem europäischen Rußland und von frischem Schweinefleisch aus Serbien, Rumänien und �Bulgarien zu erteilen. Auch wurde um die Genehmigung nachgesucht, die Einfuhr von Schweinefleisch aus Rußland zuzulassen, da man im Magistrat der Meinung war. daß die Beschränkung dieses Teiles der Einfuhr lediglich auf die größeren Städte des äußersten Ostens nicht beabsichtigt sein könne, weil ja alsdann die Staatsregierung die Erreichung ihres Zieles, zur Abschwächung der Fleischnot bei- zutragen, noch mehr erschwert sehen würde. lieber die Erfüllung der von der Staatsregierung vorgeschriebenen Boraussetzungen sind schleunige Verhandlungen mit Sachverständigen und Interessenten eingeleitet. Vorsorglich hat der Magistrat, um ein Zusammenwirken der Gemeinden Groß-BerlinS offen zu halten, darum nachgesucht, daß die Nachbargemeinden Berlins in die Bewilligung ein» geschlossen werden können. Die größte Gemeinde des Dcuischen Reiches beantwortet die Maßnahmen der Regierung mit einer vernichtenden Kritik: durch die Regierungsvorschläge läßt sich eine durchgreifende Abhilfe der Fleischnot nicht erzielen; sie bedeuten vielmehr zu einem Teil geradezu eine Erschivcrung der angeblich ge- wünschten Linderung. WaS weiß der Herr Reichskanzler darauf zu ertvidern? Gesamteingabe der deutsche» Unterbeamten wegen der Tencrimg. Man schreibt uns: „Nachdem bereits die unteren Postbeamten auf ihrem soeben abgehallenen Verbandstage eine bedeutsame Kundgebung zur Frage der Teuerung erlassen haben, wird am Sonntag, den 5. Oktober, in sämtlichen Lokalen der Hasenheide vom Bunde der Festbesoldeten in Gemeinschaft mit sämtlichen übrigen Beamten- organisationen ein zweiter deutscher Beamten tag ver- anstaltet werden, der nach den getroffenen Vorbereitungen zu schließen, alle bisherigen Lümdgebungen der Beamtenschaft in den Schatten stellen dürfte. Wie tief die Teuerungsfrage besonders in den Haushalt der gering besoldeten Bcaniten einschneidet, geht aus einer Eingabe hervor, die soeben die gesamte llnterbeamtenschaft zum erstenmal einheitlich durch den Verband der Unterbeamten des Deutschen Reiches an sämtliche Reichsämter und Ministerien hat überreichen lassen. In dieser Eingabe heißt es: Unter dieser drückenden Teuerung leiden von allen Volksschichten am empfindlichsten unzweifelhaft die Unterbeamten, weil ihr Einkommen so gering bemefien ist, daß es schon in normalen Zeiten der äußersten Wirtschaftlichkeit bedarf, um mit den vorhandenen Mitteln durchzukommen, in Zeiten solcher Teuerung aber, wie sie jetzr herrscht, und wie sie noch niemals in ähnlicher Schärfe hervorgetreten ist, steigert sich die Unzulänglichkeit des Einkommens zu einem Zustande dauernder Not, unter dem das gesamte Familien« leben schwer leiden muß. Durch statistische Erhebungen bei der Reichspostverwaltung ist festgestellt worden, daß die Postunterbeamten im Durchschnitt 4,2 Kinder zu ernähren haben, und ähnliche Ver- hältnisse liegen ohne Frage auch hinsichtlich des Kinderreichtums aller übrigen Kategorien von Unlerbeamten vor; jede Preissteigerung für Lebensmittel und Bedarfsgegenstände macht sich also ganz be- sonders im Haushalt aller Familien mit zahlreichen Kindern und geringem Einkommen bemerkbar. Den Bemühungen vieler Unterbeamten, sich einen Nebenverdienst zu verschaffen, stehen erhebliche Schwierigkeiten entgegen. Abgesehen davon, daß solche regelmäßigen Nebeneinnahme» ohne Genehmigung der vorgesetzten Behörde verboten sind, ist es den meisten Unterbcamten bei einem täglichen Dienst von durch- schnittlich zehn Stunden auch gar nicht möglich, ohne Zuhilfenahme der Nacht noch darüber hinaus zu arbeiten.... Es bleibt als einzige Möglichkeit, das Einkommen zu erhöhen, nur ein Neben- erwerb der Ehefrauen, und vielfach sogar der un- mündige» Kinder, wenn die Familie nicht Mangel und Not leiden soll. In diese Notwendigkeit zu willigen, ist für einen Familien- vatcr. der nach langjähriger Dienstzeit mit noch nicht einmal 100 M. Anfangsgehalt monatlich angestellt wird, ein bitterer Entschluß. A m s ch l i m m st e n ist unzweifelhaft die Lage der gegen Tagegeld be- schäftigten Diätare im Unterbeamtentum, die verheiratet sind, aber auch das gesamte übrige Unterbeamtentum befindet sich in einer wirtschaftlichen Krise. Die Gehaltsaufbesserung hat uns keine Erhöhung der Lebenshaltung ermöglicht, sondern wir sind auf der sozialen Stufenleiter immer weiter herabgeglitten. Zum Schluß wird dann um sofortige Auszahlung einer Teuerungszulage gebeten. Was tu« nun die Behörden auf diese Ein» gäbe hin? Für die Sache selbst haben sie gar kein Interesse. Statt daß schleunigst Mittel zu dem erbetenen Zweck bereitgestellt werden, hat man ein hochnotpeinliches Verfahren eingeleitet, um die Vertrauensmänner dieses Verbandes bei den verschiedenen Behörden zu ermitteln.' So ist's recht! Besser kann man gar nicht die Uuterbeamten vollzählig in die Reihen der Sozialdemokratie drängen." Baden folgt Preußen. Die amtliche„Karlsruher Zeitung' teilt die Maßnahmen mit, welche die preußische StaatSregierung zur Linderung der bestehenden Fleischteuerung im Einverständnis mit der Reichsleitung beschlossen bat und bemerkt: Die badische Regierung wird sich dem Vorgehen Preußens in allen Teilen anschließen. Sie hat be- schloffen, die Einfuhr von Fleisch aus dem Auslände, so- weit eine solche in Betracht kommt, für die Städte Mannheim, Karlsruhe und Freiburg, auf welche allein die Voraussetzungen zutreffen, zuzulasse», dem dem Bundesrat zugehenden Ent- wurf eines Gesetzes über vorübergehende Zollerleichterungen bei der Fleischeinfuhr zuzustimmen und die gleichen Eisenbahntarifmaß- nahmen wie Preußen durchzuführen. Außerdem wurde die Steuer- behörde seitens des Finanzministeriums ermächtigt, für die Dauer der Fleischteuerung die Uebcrgangssieuer zu ermäßigen. AllgemeM ist übrigens die Einfuhr von frischem Fleisch aus der Schweiz zu- gelassen, auch wenn es von in der Schweiz geschlachkU«.» argentinischem Rindvieh herrührt. p rcßrtimnieii. Die Vorschiage der Regierung zur Linderung der Teuerung finden scharfe Angriffe von links und rechts. Selbst die Mittel- Parteien äußern Zweifel, ob die Mahnahmen ausreichend sein werden. Die„Fraukfur'trr Zeiitung" bemängelt, daß das Entscheidende für die gegenwärtige Not und für eine dauernde Hilfe fehlt. . Es fehlt überhaupt der Entschluß, der feste Wille, der wirklich durchgreifend helfen will. Ein wohldurchdachtes„System" war uns angekündigt, aber dieses System ist gescheitert an der heiligen Scheu vor jeder Antastung unserer„bewährten Wirtschaftspolitik". Die überwiegende Mehrheit des Volles aber hat jetzt diesen Willen, der der Negierung fehlt. Wir wollen uns nicht mehr mit vorübergehenden Hilfsmaßnahmen begnügen— wir wollen, daß ernsthaft und dauernd Vorsorge auch gegen die Wiederkehr der heutigen Zustände getcofsen wird. Und je weniger Entschlußkraft die Regierung gezeigt hat, desto lauter wird der Ruf nach dem Reichstage ertönen, der dem Willen des Voltes Geltnng verschaffen soll. Nur in einem bescheidenen Nebensatze wagt die Regierung in ihren Erklärungen auch von der diesmaligen exorbitanten Fleisch- teuerung als von einer„vorübergehenden Erscheinung"� zu reden — im übrigen aber ist da-, was sie sagt, und noch mehr das, was sie fjetzt endlich zu tun sich entschlossen hat, das entscheidende Ein- gestäudnis einer schwere» Schuld der verantwortlichen Männer und eines völligen BankcrottS des alten Systems, das von Jahr zu Jahr.und von einer Teuerungswelle zur anderen jede Hilfe zu verweigern sich angemaßt hatte. Die Regierung gibt jetzt zu, daß die Prelssteigerung des Fleisches unerträglich geworden ist, daß sie sich zu einer Bedrohung für ganz weite Kreise der mindcrbemittel- ten Bevöhkcrung ausgewachsen hat. Und sie gesteht damit ein, daß es einfach ein Frevel gewesen ist, wenn sie im vorigen Jahre, obwohl dcd Reichstag ihr schon damals eine Mehrheit für ein- greifende Abwehrmaßnahmen darbrachte, jedes VorbeugungSmittel zurückwies.!liLas wir jetzt erleben, ist die Konsequenz der vor- jährigen Untätigkeit. In ihren heutigen Erklärungen aber legt die Regierung des Herrn v. Bethmann Hollweg das Bekenntnis ab, daß sie s ch' u l d i g i st.... Die Regierung aber möge nicht glauben, daß sie sich mit ihren jetzigen Maßnahmen Al'solution erkaufen könne. Jahr für Jahr hat sie mit der Fabel vnn der„vorübergehenden Erscheinung" und mit der Fabel von der„Landwirtschaftsfeindlichkeit" aller Abhilfs- mittel das Volk über lw»! Ernst der Lage hinwegzutäuschen gesucht. Und Jahr für Jahr ist die Teuerung schlimmer geworden. Jetzt kommt sie mit zaghasten Halbheiten, die nur das Allerärgste heilen können. Und über das viel Wichtigere, was an ihren Vorschlägen fehlt, will sie mit neuen Fabeln vertrösten.... Nein, wir werden uns.nicht mehr mit momentanen Maßnahmen begnügen— wir verlangen durchgreifende Maßnoh- m e n, die dauernd helfen. Und wir begnügen uns auch nicht länger mit dem mehr oder minder aufgeklarten Absolutismus deS Herrn NeichSkanzlers, der im Jahre 1311 alles verweigert und im Jahre 1912 uns freundwillig einige Brocken hinwirft— wir ver- langen, daß in Deutschland konstitutionell regiert werde, so, wie die überwältigende Mehrheit des Volkes regiert werden will. Das deutsche Volk verlaugt eine wirkliche Bauernpolitik statt der bisherigen Großgrundbesitzerpolitik. Es verlangt eine wirkliche Volkspolitik statt der bisherigen Politik zugunsten einer kleinen Schicht gxoßer Besitzender. Es verlangt eine wirkliche demokratische Politik statt der bisherigen Leitung ourch eine Bureaukratie, die durch ihre Taten wahrhaftig nicht bewiesen hat. daß sie zu solcher Leitung berufen sei. Es wird keine Ruhe in Preußen-Deutschland geben, bis dieses Verlangen befriedigt ist. Der Kampf dauert fort und er wird immer fchärfer werden." Unter dem Titel„Kleine Mittel— Steine statt Brot" schreibt die«Berliner Bolkszritung" zu den Vorschlägen. �„Das ist alles. Palliativmittelchen, wie wir vorausgesagt �aöen:„Steine statt Brot; Mittelchen, mit denen Herr v. Bethmann Hollweg den unbequemen Schreiern, die so unbescheiden sind, ihr Stück Fleisch im Topfe haben zu wollen, den Mund zu stopfen hofft. Bon den Mitteln, die allein imstande wären, der Not zu steuern, nämlich Oeffnung der Grenzen für lebendes Schlachtvieh— selbst- verständlich unter strenger tierärztlicher Kontrolle—, Herabsetzung der Biehzölle und Einfuhr überseeischen Gefrierfleisches im Großen. von diesen wirksamen Mitteln ist nicht die Rede." „Ein Tropfen auf den heißen Stein" nennt die„Berliner Morgcnpost" die Regierunasaktion: „Die Berge haben gekreist und ein lächerliches Mäuslein ge- boren.... Die Begründung der Regierungsmaßnahmen erschreckt durch ihre Unzulänglichkeit beinahe noch mehr als diese selbst. Sie besteht in einer einfachen Wiederholung aller der Redensarten, mit denen die agrarische Presse und mit der Ministerreden das deutsche Volk seit Jahren bis zum Ueberdruß gefüttert haben.... So sind ja nun wohl die Grenzen geöffnet. Aber wie? Ein Löchlein ist hier und da in die hohe Grenzmauer gestoßen, aber vorsorglich nur da, wo auch dann nichts hereinkäme, wenn sie ganz niedergerissen würde. Das deutsche Boll ist in seiner berechtigten Hoffnung, daß man ihm endlich in seiner Not zu Hilfe kommen würde, schmählich getäuscht worden. Der Bund der Land- Wirte ist auf der ganzen Linie Sieger geblieben. Die hungernden Massen zahlen die Kricgskosten in dem Kampf zwischen Sonder- interessen eines Standes und dem Gemeinwohl nach wie vor." Hilfsmittelchen— keine Hilfe urteilt die„Berliner Allgemeine Zeitung": „Es bleibt also alles beim alten, und das um so mehr, als selbst die sogenannten Erleichterungen mit unzähligem Wenn und Aber beschwert sind. Die ganze NegierungSaktion ist ein Bluff und der Versuch, das Odium, das den Staat wegen der Jleischteuerung trifft, auf die Kommunen abzuwälzen." Als halbe Maßregeln sieht der„Berliner Börsen-Courier" die Erklärung an: „Sie läßt aber den Hintergedanken offenbar werden, daß man, wenn nun diese Konzessionen nicht ausreichen, die Schuld bei den Stadtverwaltungen suchen soll. Dem wird von vorn- herein entgegenzuhalten sein, daß die Halbheit der RegierungS- maßregeln die Hauptschuld tragen wird, wenn diese Konzessionen nicht zu wirklicher Abhilfe der Fleischteuerung führen." Das„Berliner Tageblatt" schreibt: „Die Klmst. mit vielen Worten wenig zu sagen, ist yier mit vollendeter Virtuosität gelöst.... Große Quantitäten an Fleisch könnten nur durch die Einfuhr gefrorener Rinder aus den Markt geworfen werden. Das Verlangen der Groß-Berliner Gemeinden um Aufhebung des§ 12 des FleischbeschauaefetzeS hat jedoch keine Erhörung bei der Regierung gefunden, gleichwohl schiebt man den Gemeinden die Durchführung der Hilfsaktion in der Haupt- fache zu." „Die von der preußischen Regierung in Aussicht gestellten Matz- � nahmen gegen die Fleischteuerung werden schwerlich dazu aus-, reichen, den Fleischpreis in nennenswertem Matze ermäßigen zu( helfen. Dazu sind sie viel zu dürftig und zaghaft." Die„Vossische Zeitung" fordert: „Die Regierung sucht mit Ausführungen, die weniger überzeugend als wortreich sind, Trost in dem Glauben, daß die Gründe 1 «ür die heutige Teuerung nur vorübergehende sind: das Auftreten der Maul- und Klauenseuche und die schlechte Futterernte des der- gangenen Jahres. Sie glaubt deshalb auch mit vorübergehenden Matznahmen auskommen zu können in der Hoffnung, daß unsere heimische Viehzucht erheblich verstärkt wird. Was die Regierung. empfiehlt, ist gut gemeint, aber unzureichend. Eine wirkliche Besse» rung wird nur herbeigeführt werden können durch eine Aenderung unserer Wirtschastspolitik. Denn diese läuft geadezu hinaus auf eine Politik der Verteuerung: einer dauernden, nicht allein einer vorübergehenden." Die„Kölnische Zeitung" verteidigt in einem Berliner Tele. gramm die Anordnungen der Negierung und resümiert dahin: „Im übrigen aber betrachten wir das gesamte Vorgehen der Regierung als die Anerkennung des Notstandes und als ein Zu- geständnis, daß die jetzt in die Höhe geschnellten Preise eine solche Belastung der Lebenshaltung des Volkes bedeuten, daß man ihnen mit staatlichen Mitteln entgegenwirken muß. Wir erblicken darin «inen Fortschritt, der weiter auszubauen ist, wenn die bisherigen Matzregeln sich nicht als ausreichend herausstellen sollten." Die„Rheinisch-Westfälische Zeitung" wünscht vor allem Ruhe vor dem Volkssturm gegen unser Zollsystem: „Hoffen wir, daß die getroffenen Maßnahmen Erfolg haben, denn das würde nicht bloß den allgemein zu wünschenden Wirt- schaftlichen Vorteil haben, daß eins der notwendigsten Lebensmittel billiger wird, sondern auch den politiscken Erfolg, daß der Sturm der gegen jene Grundlagen unserer Wirtschaftspolitik gelaufen wird, sich wieder abschwächt, indem gezeigt wird, daß die Verteuerung sich nicht allein oder hauptsächlich aus jenen Zöllen herschreibt." Darauf hofft das Blatt vergebens; ohne Beseitigung der Hoch- schutzzölle gibt es keine Linderung der Teuerung, kein« Beruhigung der Volksmassen. Weniger hosfnungsfreudig ist die„Tägliche Rundschau": „An die Dauer der Hilfe vermögen wir vorerst nicht zu glauben; aber wir geben zu. daß an Matzregeln, die die Landwirtschaft und besonder« die kleine Landwirtschaft auf das schwerste erschüttern können, nur dann herangetreten werden darf, wenn es die äußerste Not gebietet." Die„Germania" preist— in fast wörtlicher Uebereinstimmung mit der nationalliberalen„Kölnischen Zeitung"— die Regierungsmaßnahmen als Politik der mittleren Linie, die von rechts und links in gleich harter Weise belämpft werden wird. Sie bemängelt nur. daß die Regierung nicht schon einige Wochen früher sich schlüssig gemacht hat und„anerkennt, daß die Regierung nunmehr nach langen Erwägungen endlich zu einer Tat übergegangen ist." Die„Kreuz-Zeitung" „kann nicht verhehlen, daß sie diesen Maßnahmen mit e r n st e n Bedenken gegenübersteht, obgleich auch sie der Meinung ist, daß etwas Durchgreifendes gegen die Fleischteuerung getan werden muß. Sie sieht in der Zufuhr„minderwertigen sl) ausländischen Fleisches"„auf jeden Fall eine Bevorzugung der aus- ländischen Viehzucht vor der inländischen" und hegt die ernstesten Bedenken gegen die Herabsetzung der Fleischzölle: „Bei einer so grundsätzlichen Frage, wie es die Abbröckelung unseres Zollsystems auch nur auf die Zeit ist, können wir jedenfalls nicht anerkennen, daß die ans dem Boden der Wirtschaftspolitik stehenden Parteien irgendwie Anlaß haben könnten, sich durch die Rücksichtnahme auf diese vom Bundesrat geschaffene Zwangslage beeinflussen zu lassen. Wir sind überzeugt, daß auch der Reichskanzler persönlich die bisherige Wirtschastspolitik in keinem Punkte preisgeben will." In noch schärferer Tonart geht die„Deutsche Tages- zeitung" vor: „Diese Mitteilungen übertreffen leider sogar noch in vollem Umfange die Befürchtungen, die man nach den bisherigen An- deutungen über die Absichten der Regierung hegen konnte. Wir wollen und müssen mit aller Deutlichkeit aussprechen, daß wir gegen all« Maßnahmen, mit teilweiser Ausnahme der Tarifermäßigungen, die schwer st en und schärfsten Be- denken haben. In der Hauptsache stehen sie auch durchaus im Widerspruche mit den früheren Ausführungen der„Nord- deutschen Allgemeinen Zeitung". Wir verstehen nicht, wie die Re- gierung jetzt glaubt, solche„Erleichterungen" der Fleischeinfuhr verantworten zu können, obwohl sie bisher doch einen strafferen Grenzschutz für sachlich notwendig gehalten hat; sie begibt sich auf eine schiefe Ebene, wenn sie hierbei aus Rücksichten, die nicht in der Sache selbst liegen, sich zu Konzessionen herbeiläßt, die ein gefährliches Präzedenz darstellen I Noch bedenklicher fast muh aber die geplante Herabsetzung des Zolles erscheinen, wobei die Bedenken noch durch den Versuch verstärkt werden, den Reichstag in einer Weise fe st zulegen, die auch vom verfassungsmäßigen Standpunkte kaum zu billigen sein dürftel Wenn die Regierungserklärung sagt, zu einer„weitergehenden Erschütterung unseres seuchen- polizeilichen Schutzes" könne man sich nicht entschließen, so meinen wir, daß auch nicht die kleinste Erschütterung dieses Schutzes angängig erscheinen sollte; und wie behauptet werden kann, die Herabsetzung deS Fleischzolles bedeute keine Durchlöcherung unseres Zolltarifs, ist vollenoS unverständlich! Wir gehen scharfen Kämpfen entgegen, daran ist nicht zu zweifeln. Das Vertrauen der Landwirtschaft zu der Regierung wird einer schweren Erschütterungsprobe unterworfen. Nach dem was wir in den letzten Tagen gehört hatten, mußten wir Bedenkliche« erwarten; so Schlimmes haben wir nicht erwartet." An Verstellung, Demagogie und Dreistigkeit ist das Bündler- blatt auch hier wieder unübertroffen. Dem„Reichsboten" ist die Regierung ebenfalls zu nachgiebig: „Die ganze Aktion trägt so sehr den Stempel des u n» sicheren Tastens, daß sie auf der einen Seite wohl schwere Beunruhigung erwecken, auf der anderen aber ebenso stark ent- täuschen wird.... Die Regierung sollte ihre Stellung auch mit aller Entschiedenheit wahren, nicht aber mit kleinen Zugestand- nissen einen Sturm beschwören wollen, dem sie trotzen müßte, wollte sie in Wahrheit eine Führerin des Volkes sein. Denn mit dieser„Politik der Mittelchen" nützt sie schwerlich, wohl aber untergräbt sie das Vertrauen zu sich selbst und die Achtung vor der Autorität. Herr v. Bethmann hat sicher die besten Ab- sichten; daß er aber«ine glückliche Hand hatte, vermögen wir ihm nicht nachzusagen."._ Vahle» in Oettcmicl). Aus Wien wird uns geschrieben: Am heutigen Dienstag finden in Wien mannigfache Wah- len statt. an denen allen unsere Partei hervorragend beteiligt ist. In drei Bezirken und für drei Körperschaften wird in Wien gewählt werden und überall stebt die Sozialdemokratie im heftigsten Kampf mit den Christlichsozialen. Eine große politische Bedeutung eignet der Stichwahl auf der Landstraße an, wo das Ringen um das Mandat des auf so tragische Weise verstorbenen und von den Klevikalen so infam verleumdeten Genossen Franz Silberer geht. Es ist eines von den Mandaten, die die Sozialdemokratie bei den denkwürdigen Juniwahlen des vorigen Jahres erstritten hat und das sie aus eigener Kraft nicht zu halten vermag. Tat- sächlich hat auch der erste Wahltag(am vorigen Dierstag) die Notwendigkeit einer Stichwahl ergebm Die Entscheidung in der Stichwahl hängt nun von den Deutschnationalen ab, und es wird für die politische Entwickelung in Wien ohne Zweifel von Bedeutung sein, wie sich die Deutschnationalen, die bisher. wenigstens in Wien, auch eine freiheitliche Partei sein wollten, entscheiden werden». Bei!«n vorjährigen Wahlen war. wie man weiß, die Stimmung der gesamten Wählerschaft, der sozial- demokratischen wie der bürgerlich-freiheitlichen, einmütig auf die Niederringung der Christlichsozialen gevichtet. und diese Niederringung ist damals auch glänzend gelungen. Ziemlich anders war es bei den Gemeindewahlen im April d. I., und wenn die Christlichsozialer« vor der drohenden Niederlage bewahrt blieben und ihre Macht in der Gemeinde beinahe unerschüttert behaupten konnten, danken sie dies nicht zum wenigsten lder Wankelmütigkeit der Bürgerlichen, die den Mut zum folgerichtigen Handeln damals betrüblich vermissen ließen. Wie immer nun die Stichwahl ausfallest wibd, so stoht doch schon heute fest, daß die Sozialdemokratie-in diesem Bezirke und wohl in ganz Wien die im vorigen Jahre erreichte Stel- lung mit aller Sicherheit festhält, ja über jenen ungewöhn- lichen Erfolg hin ausreichende Fortschritte macht. Sie hat bei der Hauptwahl ihre vorjährige Stimmenzahl nicht bloß be- >hauptet, sondern noch gesteigert, was um so mehr ins Gewicht fällt, als die Separatisten, ihr antiproletarisches Tun vom April fortsetzend, einen eigenen Kandidaten aufgestellt und damit natürlich, wenngleich in besck>eidenom Maße, dem sozial- demokratischen Kandidaten Stimmen entzogen haben. Wie gründlich sich die Verhältnisse in dem letzten Jahrfünft ge- wandelt haben, zeigt der Vergleich der Wahlziffern vor fünf Jahren mit den diesmaligem Im Jahre 1907 erhielt in dem Bezirke der Sozialdemokrat 5127, der Christlichsoziale 7334 Stimmen. Im Jahre 1912 erhielt der Sozialdemokrat 6718, der Christlichsoziale 6972 Stimmen. Es haben also die Christlichsozialen in diesen fünf Jahren 1262 Stimmen ver- loren, die Sozialdemokraten 1591 Stimmen gewonnen. Vor fünf Jahren hatten die Christlichfozialen 2297 Stimmen mehr als wir, jetzt hoben sie 646 Stimmen weniger als wir. Das Verhältnis ist also inzwischen für die Chvistlichsozialen um 2853 Stimmen schlechter geworden. Längst ist die Sozialdemo- kratie die größte Partei in Wien! Was die separatistische Kandidatur betrifft, über die wohl noch zu sprechen sein wird, bedeutet sie für die Separatisten eine schmähliche Niederlage und ist dadurch ein Ehrentag der Wiener tschechischen Arbeiter- schaft geworden: es hat nämlich der Separatist ganze 543 Stimmen bekommen. Da ihm aber die TschechisAmationalen — es war schon wieder eine gemeinsame Kandidatur der Separatisten und Nationalen— 326 Stimmen zugebracht haben, ist der ganze separatistische Besitzstand bei 18 990 Wäh- lern, unter denen es nicht wenige tschechische Arbeiter geben wird, ganze 217 Stimmen! Es beweist das, daß die über- wiegenden Massen der Wiener tschechischen Arbeiterschaft der Internationale und damit überhaupt der Sozialdemokratie treu geblieben sind, was ihnen nur zur Ehre gereicht und von der gesamten internationalen Sozialdemokratie nun mit höchster Genugtuung begrüßt werden kann. Dann findet am Dienstag noch eine Wahl zum Gemeinde- rat und die Wahl des dritten Wahlkörpers einer Bezirksver» tretuug statt. Die christlichsoziale Gemeindervtsmehrheit hat nämlich in Fünfhaus die Wahl des Genossen Forstner(es war im Apoil der erste sozialdemokratische Wahlsieg in diesem Bezirk für den Gemeinderat) annulliert, und die Ottakringer Bezirksvertretuaig, deren dritten Wahlkörper wir im April erobert hattm gewaltsam aufgelöst. Bei beiden Wahlen 'handelt es sich also darum, ob wir imstande sein worden,'den im April errungenen Fortschritt in dem nun sehr heiß ent- brannten Wahlkampf festzuhalten und'damit für alle Zeiten unverlierbar zu machen. Eine Nachwahl für den Reichsrat wird am Montag auch in einem mährischen Wahlkreis ent- schieden(im Wahlbezirk Neutitschein): aber hier kann ein Fortschritt leider nicht berichtet worden. Die eigentümliche Schwierigkeit, der die deutsche Sozialdemokratie in den Sudetenländern begegnet, daß ihr nämlich ein zentraler Mittelpunkt, eine proletarische Hauptstadt, in allen drei Län- dern fehlt, zeigt bei allen Wahlen ihre schweren Nachteile. Einen prächtigen Wahlsieg hat die Sozialdemokratie in Graz zu verzeichnen. Dort ist infolge der sozialdemokrati- scheri Obstruktion gegen eine antisoziale Steuorenhöhung der Gemeinderat aufgelöst worden,-und im Wahlkampf haben sich nun die Freiheitlichen mft den Chvistlichsozialen— ein Block der Scl>warzrotgol'denen mit den Schwarzen— zu einem regelrechten Kompromiß verbündet, um die Sozialdemokraten, die im aufgelösten Gemeinderat 19 Mandate des dritter. Wahl- körpers inne hatten, aus dem Gemeinderat ganz hinauszu- wählen. Aber es kam gründlich anders: die Sozialdemokraten eroberten den gan ze n dritten Wahlkörper, alle 16 Mandate. Und nicht bloß das. Während sie sonst in den früheren Jahren, bei schwacher Wahlbeteiligung, mit durchschnittlich 2909 Stim- mm gesiegt Hattert erhielten sie diesmal bis 2799 Stimmen! Das ist nicht bloß der bewährten Energie der Grazer Genossen zu danken, sondern bezeugt auch die tiefe Abneigung, die in weiten Kreisen des Bürgertums gegen die Bestrebungen ge- wisser Macher zu Kompromissen mit den Klerikalen herrscht. Im Zeichen der Eucharistie wird sich die Politik in Oesterreich nicht entwickeln, und für eine Neuauflage des Ferdinandischm Regierens, das Oesterreich wieder dm mal katholisch machen möchte, ist die Zeit auch in Oesterreich vorbei. poUrtfcbe deberHcbt, Berlin, den 30. September 1912. Mandatsniederlegung des Reichstagspräsidenten? Wie die.Saalezeitung" erfahren haben will, gedenkt der Reichs- tagspräsident Dr. Kaemps demnächst sein Mandat al« Abgeordneter des ersten Berliner ReichStagSwahlkreiseS niederzulegen, jedoch wieder zu kandidieren. Diese Meldung ist nicht unwahrscheinlich, und offenbar haben die Fortschrittler bereits ihre Maßnahmen für die Nachwahl ge- troffen. Daß das Mandat des Herrn Kaempf vom Reichstag kassiert wird, darf als ziemlich sicher gellen. Den Fortschrittlern muß nun aber daran gelegen sein, daß die Neuwahl noch nach den alten Wählerlisten ftatifii'det; da» ist aber nur möglich, wenn die Wahl vor dem 12. Januar 1913 vorgenommen werden kann. Die» zu erreichen, besteht nun aber gar keine andere Möglichkeit. als daß Herr Dr. Kaempf sein Mandat niederlegt. In diesem Falle dürste der Wahltermin bereits einige Wochen später angesetzt werden und die Wahl kann entschieden sein, bis der Reichs- tag wieder zusommeiilritt. Auffallend war es jedenfalls, daß Dr. Kaempf vorige Woche in einer Versammlung der Fortschritt- lichen Bolkspartei erschien, in welcher der Abgeordnete Dr. Wiemer über die Fleischteuerung gesprochen hatte, und daß er dort das Wort ergriff, um nachträglich zu betonen, daß er eS für seine Pflicht halte, bei der gegenwärtigen Lage auS der Reserve heraus- zutreten, die er fich als ReichStaaSpräsideiit bisher habe auferlegen müssen. Der ganze Coup war keineswegs ungeschickt angelegt, und gerade diese Tatsache läßt vermuten, daß die Meldung der„Saale- zeitung" den Tatsache» entspricht. Allerdings werden sich die Fort- schcittler nicht darüber täuschen, daß ihnen ein überaus schwerer Kampf bevorsteht, den» auch unsere Parteigenossen sind nicht müßig gewesen und werden alle Kräfte daran setzen, um das letzte Reichstags- mandat zu erobern, über das die bürgerlichen Parteien in der Reichshauptstadt noch verfügen. DaS bayerische Ministerium und die Fleischnot« Bayern ist zurzeit in einer sehr glückliche» Lage. ES hat die gescheiteste» Minister in ganz Deutschland; besonders sind die Herren v. Seidlein und v. Soden Genies ersten Ranges. Diese seine Genialität hat Herr v. Soden erst heute wieder durch eine Rede in der Zentrglversammlung de» bayerischen landwirtschaftlichen SeretnS fn München bewiesen. Wie selbstverständlich ist. redete der Minister speziell über die Flcisckteuerung und die zu ihrer Linderung vorgeschlcigenen Einfuhrerleichterungen. Mit der Genauigkeit eines Grainnophons wiederholte Frhr. V. Soden die von den bayerischen ländlichen Zentrumsblättern gegen die Einfuhr von ausländischem Vieh und Fleisch erhobenen Einwände, um sich dann Hinlerher doch für die in der„Nordd. Allgem. Ztg." veröffentlichten Erleichterungsmagnahmen der Reichsregierung zu erklären. Nach telegraphischer Meldung sagte er: Es sei durchaus notwendig, in bezug auf die hoben Fleisch- preise und den relativen Fleischuiangel. der jetzt voraussichtlich noch ein Jahr herrschen werde, im Interesse der Konsumenten Abhilfe zu schaffen. Der Minister kam dann auf die Ausführungen in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" am Sonnabend über Maßnahmen zur Erleichterung der Vieh- und Fleisch- einfuhr zu sprechen und bemerkte, einige der darin angesührten Richtpunkte würden auch in Bayern sofort durchgeführt werden. Das entscheldeiidste unter den neuen Vorschlägen sei wohl der>Ge- danke einer zeitweiligen Herabsetzung der Kleiichzölle. Da« sei auf den ersten Blick hin eine Maßregel, welche in den Kreisen der Landwirte nicht allseitig begrüßt werden würde. Er teile diese Ansicht, wenn nicht besondere Begleitumstände damit verbunden lein würden. Weite Kreise der Landwirtschaft würden die Ansicht vertreten, daß das Prinzip des Zollschutzes aufrechtet halten werden müsse. Denn ihm verdanke man die Existenz der deutschen Landwirtschast, und ohne den Schutzzoll würde sie sich nicht aus dem Stande befinden, auf dem sie jetzt trotz aller Schwierigkeiten sei. Der Zollschutz müsse der Landwirtschaft erhalten bleiben, und er dürfe auch nicht geschwächt werden vor dem Abschluß neuer Handelsverträge, die sehr viel schwerer durchzubringen wären, wenn in der Zwischenzeit eine Einschränkung des Zollschutzes vorgenommen würde. sZuftimmung.) Ich freue mich auch, fuhr der Minister fort, konstatieren zu können, daß diese An- ficht auch in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" zum Ausdrucke gekonimen ist. Denn dort ist in den Motiven direkt zuin Ausdruck gebracht, daß an dem bewährten Zollschutzsystem nicht gerüttelt werden dürfe. fBravo.) Wenn nun, fuhr der Minister fort, für eine kurze Zeit unter sehr weitgehenden Kontrollmaß- nahmen und unter Heranziehung der Kommunen— ein Gedanke. den ich begrüße— eine zeitweilige Herabsetzung des Fleischzolles geplant ist. so muß ich sagen, daß das ein Vorschlag ist. der sicher mindestens der näheren Prüfung bedarf, dem näherzutreten notwendig ist. aber unter der Voraussetzung, daß das Prinzip des Zollschutzes unbeeinflußt bleibt. Geschieht das aber, und das ist zweifellos die An- ichauung der Reichsregierung, dann meine ich, daß hierin ein Vorschlag sich findet, der wohl geeignet sein kann, dem Fleisch- mangel abzuhelfen. Ich darf wohl der Hoffnung Ausdruck geben, daß nicht anzunehmen ist, daß über eine limitierte Zeit hinaus die Fleischnot fortdauern wird. Freiherr v. Soden empfahl dann nach bekanntem Rezept den Landwirten, ihren Viehbestand möglichst zu vermehren, damit sie den gestiegenen Anforderungen zu genügen vermöchten— und er« klärte daraus zum Schluß: „Ich bin der Anschauung, daß eS der Ueberlegung bedarf, ob nicht ohne. Schädigung der Landwirtschaft durch Abänderung des§ 12 des Fleischbeschaugesetzes vielleicht auch noch dem der» zeitigen temporären Mangel abgeholfen werde» kann, außer dem, was jetzt vorgeschlagen ist. Ich halte es für meine Pflicht, diese Frage neuerlich zu prüfen, um gegebenenfalls im Bundesrat dieser Ansicht Ausdruck zu geben. Daß damit eine Schädigung für die deutsche Landwirtschaft nicht verbunden sein mutz, der Meinung kann ich Aus- druck geben. Denn eine Erleichterung der Fleischbeschau gegenüber dem Auslaiide unter den aufrechtzuerhaltenden Kautelen wird nicht die Folge haben, daß die Fleifchbeschaubestimmungen einer Abänderung unterliegen." Also trotz aller Bedenken geh't schließlich selbst der bayerische Mini st er noch einige Schritte weiter als Herr v. Bethmann Hollweg. Großgrundbesitz und Beschränkung der Viehzucht. Die bekannte Tatsache, daß der Grotzgrundbesitz die Viehzucht zugunsten des Getreide- und Zuckerrübenbaues vernachlässigt, macht sich selbst in Baden bemerkbar, wo im allgemeinen der Klein- und Mittelbesitz dominiert. Der badische Grundherr Frhr. v. Gemmingen halte sein Gut in Michelfeld in Unterbaden früher an die Familie Funk verpachtet, die eS jahrzehntelang bewirtschaftete und u. a. auch einen Viehbestand von hundert Stück und darüber hielt. Vor einigen Jahren verpachtete Freiherr v. Gemmingen aber dieses Gut an die Zuckerfabrik Weghäusel— natürlich gegen einen höheren Betrag— und seiidem ist eS mit der Viehzucht völlig vorbei. Nur noch einige Ochsen und mehrere Pierde weiden zur Verrichtung der notwendigsten Arbeit gehalten. der Bestand an Kühen und Schweinen ist total verschwunden. Die Zuckerfabrik Weghäusel baut Zuckerrüben und Getreide, und die Preise, die sie für Grundbesitz zahlt, hat auch andere große Besitzer zur Nachahmung des„guten Beispiels" von Michelfeld veranlaßt! die Fabrik ist heute Eigentümerin bon 10— 1b großen Gütern, wo- durch der badische Viehbestand um jährlich 1000— 1500 Stück ver- mindert»st- Erklärlich, wenn auch Baden, wie Preußen und Sachsen, einen starken Viehrückgang konstatieren mutz. 1007 zählte man in Baden einen Rindviehbestand von S7S 146 Stück, trotz Vermehrung der Einwohnerzahl 1916 aber nur noch 632 261 Stück, also ein Rückgang um 6 Prozent. Die hohen Getreidezölle verteuern eben dem Bolle gleichzeitig Brot und Fletsch. Krakeel im Bund der Landwirte. Der Vorstand des Bundes der Landwirte bemüht sich, die Rudolstädter Bündler zu beruhigen, die mit ihrem Adiall gedroht haben, weil die bündlerischen LandtagSabgeordnelen Kirsten und Krieger wegen ihres BerhaltenS bei der Präsidentenwahl aus dem Bunde ausgeschlossen worden sind. I» einer am Sonntag statt- gesundenen Versainniiung der Rudolstädter Landesorganisation hatten die Vertreter des Bundesvorstandes nur ein einzige« Mitglied auf ihrer Seite.' alle anderen traten für die Ausgeschlossenen ein. Der siellvertrelende Vorstand legte ebenfalls sein Amt nieder. Der Kampf gegen die Arbetterturnvereine. Die Strafkammer in K i« I hat die„Freie Turnerichast an der Kieler Förde" für einen politischen Verein erklärt und den Bor- sitzenden de« VerhinS zu 16 M. Weldstrase verurteilt, weil er auf Aufforderung des Polizeipräsidenten Satzungen und Verzeichnis der Vorstandsmitglieder nicht«ingereicht Hai. Die Strafkammer stellt sich damit in Gegensatz zum Swöffengericht. dos den Vorsitzenden freigesprochen und die politische Tendenz des Vereins verneint hat. Als Beweismaterial hatte man die alten Ladenhüter beigebracht. nämlich, daß die Mitglieder die Anrede„Genosse" gebrauchen, im GewerlichastShouse ihr« Versammlungen abhalien, führende Partei- genossen bei den Veranstaltungen Ansprachen gehalten haben und die Mehrzahl der Mitglieder der sozialdemolratischen Partei angehören. Dos Urteil der Strafkammer sagt, es kommt nickt aus die politische Betätigung des Verein« an. sondern darauf, festzustellen, ob da« Vereinsleben und die VereinStäligkeit darauf gerichtet ist, die Auf» faffung der Leiter und der Mebrheit de« Verein« in poliliicher Hinficht zur Geltung zu bringen. Da» gehe au« dem BeweiSinalerial hervor. Die Leiter und die Mehrheit der Mitglieder des BireinS seien auch Mitglieder der sozialdemokratischen Partei. Sndwestafrikanisches. Wie aus Südwesiafrika amtlich gemeldet wird, ist am 27. Sep- tember auf einem Patrouillenrilt am Auob westlich Hiuiirob der Reiter Müller von der neunten Kompagnie der kaiserl. Schutziruppe erschossen worden. Der Geireite Strauch wird seit demselben Tage vennitzl. Anscheinend bandelt es sich um einen Zusammenstoß mit Eingeborenen. Nähere Nachrichten fehlen noch. Die Lage auf dem Balkan. Die Spannung und Unsicherheit der Lage auf dem Balkan kommt zum Ausdruck in einem Wust unkontrollierbarer und widersprechender Meldungen aus den Balkanstaaten. Die Gerüchte über Mobilisierungsniaßnahmen in Bulgarien, Serbien usw. scheinen den Tatsachen zu entsprechen. Fest steht. daß die Türkei die an der serbisch-bnlganschen Grenze an- gesetzten Manöver, die in der gegebenen Situation natürlich einen stark demonstrativen Charakter haben, nicht abgesagt hat. und daß dadurch die Kriegsstimmung in den kleinen Balkanstaaten in Erregung gehalten wird. Als ein Zeichen der Zeit ist auch die Tatsache zu beurteilen, daß Rußland für seine in Russisch-Polen. stehenden Truppen eine Probemobil- machung verfügt hat. Mobilmachung in Bulgarien und Serbien. Sofia, 36. September. Die Bulgarische Telegraphen- Agentur meldet: Infolge der in den letzten zwei Tagen eingetroffenen alormierende» Nachrichten über die Konzentrierung beträchtlicher türliicher Streitkräfte in der Umgebung von Adrianopel und an der bulgarischen Grenze hat sich die bulgarische Regierung. um jeder Eventualität zu begegnen, genötigt gesehen, heute die Mobilmachung zu proklamieren. Belgrad, 36. September.(Meldung des Wiener k. k. Telegr.- Korr.-BureauS.) König'Peter hat die allgemeine Mobilmachung der serbische» Armee angeordnet. Die Skupschtina wurde für den 4. Oktober einberufen. Belgrad, 36. September.(Meldung des Wiener K. K. Telegr.- Korr.-BureauS.) Die beute nachmittag angeordnete allgemeine Mobilisierung deS serbischen Heeres wird amtlich mit der teilweise« Mobilisierung der türkischen Truppen im Wilajet Kossowo und an der serbischen Grenze begründet, durch die das Territorium Serbien« bedroht erscheine. Feindselige Absichten der Türkei gegen Serbien gingen auch aus der alle Rücksichten der Korreklheit verletzenden Beriügung der türkischen Regierung bervor, durch die serbisches Kriegsmaterial, zu besten Durckinhr die türkische Regierung die Erlaubnis bereits erteilt halte, im Auftrage der tür« tischen Regierung in feindseliger Absicht und ohne jede Veranlassung von serbischer Seite angehalten worden sei. Die Stimmung in London. London, 36. September. Wie das Reulersche Bureau meldet, beschäftigt die Lage aus dem Balkan die diplomatischen Kreise in London in erster Linie. Der allgemeine Eindruck ist, daß, obwohl die Situation für ernst erachtet wird, noch Hoffnung auf Erhaltung des Friedens vorhanden ist, insbesondere auch mit Rücksicht auf die vorgerückte Jahreszeit und daraus, daß die Mächte sich bemühen werden, den Baltanstaaten Mäßigung anzuempfehlen. Die nnzufriedenen Albaner. Saloniki, 36. September.(Meldung des Wiener k. k. Telegr.- Korresp.-Bureaus.) Die Malifforen haben den Behörden erklärt, sie hätten»ach Prüfung der den Nordalbanesen von der Regierung gemachten Zugeständnisse gefunden, daß sie ihren Erwartungen nicht entsprächen. Alle Stämme, einschließlich der Miridiien und Arnauten von Jpek und Djakova, seien übereingekommen, weitergehende Zu- gesläiidniss« von der Regierung zu fordern. Die Malifforen halten das Ufer des Maliflusses besetzt und wollen nur einer bestimmten Anzahl von Offizieren erlauben, sich nach Skutari zu begeben,»m Unterhandlungen zu führen. Diese Offiziere müßten vorher die Waffen ablegen. Bombenattentate in Saloniki. Saloniki, 86. September. Infolge von unkontrollierbaren Ge- dichten über weitere bevorstehende Attentate auf öffentliche Gebäude Salonikis hat die Polizei einen strengeren Bewachnngsdienst einge- richtet. Trotzdem wurde um 9 Uhr abends auf der sehr belebten Sabri- Pascha-Straße unweit des FreiheitsplatzeS ein Bombenanschlag ver- übt, wobei der Dolmetscher des deutschen Konsulales Carasso durch Splitter leicht verwundet wurde. Die Behörden vermuten, daß das Attentat auf dem Fceiheitsplatze selbst, wo abends Hunderte von Personen vor den Gasthäusern sitzen, geplant gewesen sei. In der Rächt wurden zwei weitere Bombenanschläge verübt. Eine Bombe platzte an der Ecke des Neubaues der Konfeklionsfirma Tiring gegenüber dem Stadtbureau der Gas« gesellichaft, richtete aber nur geringen Schaden an. Eine zweite Bombe platzte zwischen zwei türkischen AmtSgebäuden im Viertel Kappan und beschädigte daS Hau« eines Gemeindeschreibers. An der Rückseite der Demeirius-Kirche entdeckten Paffanten eine in einem Korbe verborgene Höllenmaschine, weiche rechtzeitig entsernt wurde. Die Bevölkerung ist sehr erregt. England. Gewerkschaften und Lebensversicherung. London, 27. September.(Eig. Ber.) Der englische All- gemeine Gewerkschaftsbund(General Federation of Labour. Trade Unions) beabsichtigt, im Anschluß an die Gewerkschafts- bewegung ein System der Lebensversicherung einzuführen. Das Projekt hat folgende Borgeschichte. In dem Entwurf deS englischen Versicherungsgesetzes waren ursprünglich die großen Versicherungsgesellschaften als Träger der Sozial- Versicherung ausgeschlossen. Aber schließlich sah sich die Re- gierung genötigt, dem Druck dieser ungeheuer reichen „coUsctinß societies", wie sie gemeinhin genannt werden, nachzugeben und sie ähnlich wie die Gewerkschaften als Träger der Versicherung zuzulassen. Wie umfassend der Einfluß dieser Lebensversicheruiigsgesellschaften ist. erhellt am besten daraus, daß selbst führende Gewerkschaftsbeamte und Mit- glieder der parlamentarischen Arbeiterpartei in den Aufsichts- raten der Gesellschaften sitzen. Nach der Annahme des Gesetzes setzten die Gesellschaften alle Hebel in Bewegung, um ihren Konkurrenten— und namentlich den schmerfälligen englischen Gewerkschaften— zuvorzukommen. Mit Hilfe ihres Heeres von Agenten gelang es den reichen kapitalistischen Korporationen, die große Masse der NichtVersicherten(das heißt der Leute, die bisher zu keiner freien Hilfekasse gehörten) für ihre auf undemokratischer Basis gegründete» Kassen ein- zufangen. Auch in das unmittelbar den Gewerkschaften ge- hörende Gebiet drangen sie ein und nahmen den Gewerk- schaften die Rekruten und selbst Mitglieder weg. Die Masse der Gewerkschaften verhielt sich diesem Treiben gegen- über fast untätig. Was man von der Nachlässigkeit und Interesselosigkeit der Leitung einiger Verbände in der Ver- stcherungsfrage hört, ist kaum glaublich. Dagegen muß man jedoch auch andere Organisationen— wie den Gewerkschafts- dund, bW Handlungsgehilfen, die schottischen Bergarbeiter— erwähnen, die mit klarem Blick die Gelegenheit zur Ver- mehrung und Befestigung ihrer Macht erkannten. So teilt uns der Organisator der Handlungsgehilfen mit, daß seine Organisation durch systematische Propaganda ihre Mitglied- schaft von 220.X) auf 75 000(!) gebracht hat, indem sie die versicherungspflichtigen Handlungsgehilfen beivegte, der Kasse der Oiewerkschaft und der Gewerkschaft beizutreten. Erst auf dem Gewerkschaftskongreß zu Newport sah man allgemein ein, wie sehr man sich durch seine Nachlässigkeit geschädigt hatte. Man erkannte dann auch allgemein die große Gefahr, die den Gewerkschaften von den Lebensversicherungsgesellschaften droht. Diese schicken ihre Agenten in jedes Arbeiterheim, versichern das Leben der Kinder und wissen so ganz genau, wann jemand das versicherungspflichtige Alter erreicht hat. Sie sind so imstande, den natürlichen gewerkschaftlichen Nachwuchs für sich zu nehmen. Denn ist ein junger Mensch erst einmal in einer ihrer Kraukenkassen versichert, so wird er schwerlich der Gewerkschastskasse beitreten, da er zum Uebertritt der Erlaubnis der ersten Kasse bedarf. Die Gewerkschaften sahen schließlich ein, daß ihnen nichts anderes übrig blieb, als die Versicherungsgesellschaften zu bekämpfen. Als ein Mittel in diesem Kampfe ist die geplante Lebens- Versicherung des Gewerkschaftsbundes aufzufassen. Der Bund beabsichtigt, den Krieg in das Lager des Feindes zu tragen. Das Projekt ist schon ziemlich weit gediehen und so- bald die aktuarischen Berechnungen abgeschlossen sind, soll ein Anfang gemacht werden. Es soll allen Gewerkschaften vor- gelegt werden, die anerkannte Krankenkassen gegründet haben. Man beabsichtigt nicht, Gewinne zu erzielen und vorläufig soll als höchste Versicherungssumme 10 Pfd. Sterl. festgesetzt werden. Der Gewerkschaftsbund ist der Ansicht, daß die finanzielle Stabilität des Unternehmens gesichert werden kann, wenn ivährend der ersten sechs Monate kein Sterbegeld gezahlt wird. Rußland. Azew will vor ein Nevolutionsgericht. Paris, 29. September.(Eig. Ber.) Das von B u r z e w herausgegebene Wochenblatt„L'Avenir" veröffentlicht einen Brief A z e w s an Burzew über die Bedingungen, unter denen er sich einem Partcigericht unterwerfen will. Das Tribunal soll 1. aus Azews alten Kameraden, die ihn persönlich gekannt haben, zu- sammengesctzt sein. Azew wünscht die Zulassung seiner Frau als ZuHörerin, ohne daraus aber eine absolute Bedingung zu machen. 2. akzeptiert Azew von vornherein das Urteil, möge es auch auf Tod lauten. Azew nimmt es auf sich, das Todesurteil innerhalb 24 Stunden selbst an sich zu vollstrecken. Während dieser Frist, die er zum Abschied von seinen Kindern und zur Abfassung seiner Mschiodsbriefe benützen will, sollen ihn die Revolutionäre im Ge- wahrsam halten. 3. fordert Azew die Anzeige des Prozesse« und seiner Bedingungen in der sozialrevolutionären Partcipresse und in einem großen französischen Blatt, wie dem„Matin", und einem großen deutschen Blatt. 4. soll über die Gcrichisverhandlungcn ein Protokoll geführt und im Fall des Todesurteils sofort ver- öffentlicht werden.&. setzt Azew als Endfrist für die Festsetzung des Prozesses den 3. Dezember d. I. fest. Ist diese bis dahin nicht öffentlich kundgemacht, hält er sich an seine Vorschläge nicht mehr gebunden. Man wird die nach Sensationsroman schmeckenden Er- llärungen des edlen Azem mit einiger Vorsicht aufnehmen müssen. Ganz zweifellos scheint in der ganzen Sache nur eines di« Reklame für den«Matt»"., China. Hohenzollernprinz und Ncvolntionär. Tstngtau, 29. September. Dr. Sunyatsen, der gestern hier angekommen ist, ist von den Chinesen begeistert empfangen worden. Prinz Heinrich bon Preußen und der Gouverneur haben ihn inoffiziell empfangen. Hflen. Die japanische Gewaltherrschaft in Korea. Sorul, 28. September. In dem Prozeß gegen 123 Kore» a n e r, die der Verschwörung gegen das Leben des Grafen Terauchi angeklagt tvaren, ist heute das Urteil gefällt worden. Baron Jnchiko und fünf andere Führer de« Komplotts wurden zu zehn Jahren Gefängnis. 18 andere Koreaner zu sieben Jahren, 46 zu sechs Jahren, 42 zu fünf Jahren verurteilt. Di« übrigen 17 wurden freigesprochen. Hm der Partei. Totenliste der Partei. Ein tragisches Geschick hat unseren Genossen HanS Roll- wagen. Redakteur der..Schwäbischen Volkszeitung", Mitglied der bayrischen Abgeordnetenkammer und des Gemeinde- kollegiums in Augsburg plötzlich auS unseren Reihen gerissen. Genosse Rollwagen stürzte bei einer Partie in den Algäuer Bergen ab und war sofort tot. Mit dem Dahingegangenen verliert unsere Partei einen unermüdlichen und opferfreudigen Genoffen, sein Tod bedeutet speziell für die Augsburgcr Parteibewegung einen schweren Verlust.— Genosse Rollwagen wurde am 21. April 1868 zu Schleusingen in Thüringen geboren, gehörte seit 196S der bayerischen Abgeordnetenkammer und seit 1968 dem Gemeindekollegium der Stadt Augsburg an. Er erfreute sich überall großer Beliebt- heit. Die Parteigenossen in Augsburg werden sein Andenken dauernd in Ehren halten. Ueber den Unfall wird unS noch gemeldet: Genosse Rollwagen begab sich am Sonnabend nachmittag über die Musauer Alp in die Untermaierhütte und stieg von dort auf den Schartschrofen; dieser ist 1963 Meter hoch. Nachts 1 Uhr wurde er in einem Steinkar. etwa 466 Meter unterhalb des SchartschrofenS. als ver- stümmelte Leiche aufgefunden.— Rollwagen war ein hervor- ragender tüchtiyer Alpinist. Es ist anzunehmen, daß der Un- glückSfall auf ein Unwohlsein zurückzuführen ist, über daS er sich bereits vor i>em Aufstieg beklagt hat. Ein Sohn Rollwagen« ist bor einigen Wochen auf die gleiche Weise«in Opfer der Berge geworden._ Berichtigung. Der ParteitagSbericht über die Sitzung vom 26. September läßt den Genossen Stadthagen sagen:„Die Linke hatte einschließ- lich des Vorstandes zu Beginn der Session gerade zwei Mitglieder mehr als die Rechte, jetzt steht es aber etwas besser." Tatsächlich hat aber'Genosse Stadthagen ausgeführt:„Die Linke hatte aus- schließlich des Vorstandes in der vorigen Session nur 2 Mit» glieder mehr als die Rechte. In dieser Session steht es etwas besser: Die Linke zählt einige 66, die Rechte einige 36 Mitglieder." Die schlechte Akustik des Sitzungssaales erklärt den Hörfehler unseres Berichterstatters. Partriliteratur. Hört mal zu! Unter diesem Titel ist bei W. Pfannkuch u. Co. in Magdeburg eine 64 Seiten starke und gut ausgestattete Agi- talionsbroschüre erschienen. Der Preis für das Einzelexemplar beträgt im Buchhandel 2S Pf., während er sich bei Partiebezug direkt von der Verlagsbuchhandlung durch die Organisationen auf nur 6ewerhrcbaftUche9. Gelbe erpreffertahrth. Eine in Dresden bestehende gelbe Vereinigung hat an eine Anzahl Arbeiter der„Jca", Fabrik photographischer Artikel, ein Schreiben geschickt, das auf eine glatte Erpressung hinausläuft. Die Vereinigung hat in der Fabrik Unter schriften für eine Versammlung gesammelt. Die meisten der Arbeiter, die unterschrieben hatten, waren aber zu der Ver sammlung nicht erschienen. Sie erhielten deshalb ein Schreiben zugeschickt, das sich seinem Inhalt nach als ein unverhülltes Erpresserschreiben charakterisiert. Es wird darin nämlich ausgeführt: „Wir nehmen an, daß Sie die geleistete Unterschrift mit Ueberlegung gegeben haben und nicht etwa in der Absicht, datz Sie sich durch die Unterschrift ein gutes Ansehen bei der Direktion der„Jca" sichern«vollen. Wenn etwa letzteres der Fall sein sollte, so können wir Ihnen nur erklären, daß Sie sich in einem grotzen Irrtum befinden, denn nicht die gegebene Unter- schrift ist hier maßgebend, sondern Ihr ganzes Verhalten. Da Sie bis jetzt allen an Sie ergangenen Sin- ladungen keine Folge geleistet haben, so sind Sic auch bis dato als eine der Vereinigung feindlich gegenüber- siehende Person angesehen und dementsprechend mit aller Vorsicht behandelt worden. Um aber vollständig im klaren darüber zu sein, zu welcher Partei wir Sie zu zählen haben, und der Direktion die gewünschte genaue Auf- stellung der ihr treugesinnten Personen zu geben, fordern wir Sie hiermit auf, entweder zu der am 20. September 1912, abends'A6 Uhr, im Restaurant„Neugrünaer Kasino", Drcsden-A., Altenberger Straße 1, stattfindenden dritten Mitgliederversammlung persönlich zu erscheinen und sich als Mitglied aufnehmen zu lässen, oder uns bis spätestens den 20. September 1912, abends lA6 Uhr, schriftlichen Bescheid zu- kommen zu lassen, wie Sie sich zur ganzen Angelegenheit stellen wollen. Erscheinen Sie nicht zur bestimmten Zeit im angegebenen Lokale oder geben keine schriftliche Erklärung ab, so nehmen wir an, daß Sie von unserer Ver- einigung nichts wissen wollen und werden der Direktion diesenBe scheid geben. Schriftlicher Bescheid ist an den 1. Vorsitzenden, Herrn Oskar Badock, per Adresse„Neugrünaer Kasino", Altenberger Straße 1, zu richten. Hochachtungsvoll! Dresden, am 16. 9. 12. Der Gesamtvorstand. I. A.: Otto Grünberg." Der Arbeiterausschuß der obengenannten Firma wurde nach dem Erscheinen dieses Schreibens bei der Direktion vor- stellig. Die Direktion erklärte, daß sie weder von dem Schreiben Kenntnis, noch verlangt hätte, die Namen der Gelben mitgeteilt zu bekommen. Die Regierung sammelt Material zur Begründung einer neuen Zuchthausvorlage. Wir wollen ihr dieses Erpressungs- schreiben beisteuern, denn es ergibt sich daraus mit aller Deut- lichkeit, daß die Gesetzgebung, wenn sie schon einmal in Be- wegung gesetzt werden soll, ihre Spitze gegen die Anmaßung der Hintzebrüder richten muß. Der in dem Schreiben an- gekündigte Terrorismus ist so groß, daß dagegen all die Un- zuträglichkeiten, die bei großen wirtschaftlichen Kämpfen vor- gekommen sein mögen, federleicht wiegen. Würden klassen- bewußte Arbeiter in so unerhört erbärmlicher Weise ver- fahren, wir zweifeln nicht daran, daß sie der Staatsanwalt »sofort in liebevolle Behandlung nehmen würde. Berlin und Omgcgcnd. Achtung, Böttcher! Die Differenz in der Malzbierbrauerei G r o t e r j a h n sind durch Verhandlung zur beiderseitigen Zu- friedenheit beigelegt. Verband der Böttcher, Filiale Berlin. Bewegung in der Emaillierbranche. In der E m a i l l i e r b r a n ch e ist eine Vereinbarung ge- troffen worden, deren wesentlichsten Punkte die Verkürzung bezw. einheitliche Regelung der Arbeitszeit und die Aufbesserung der Löhne betrifft. Die Arbeitszeit soll 9 Stunden pro Tag, Sonabends 8 Stunden umfassen. Bisher wurde zum Teil 9M und auch noch lO�i Stunden gearbeitet.� Die Arbeitszeit für die in Schicht arbeitenden Kollegen, welche beständig an Oefen beschäftigt sind, soll 3 Stunden betragen. Bisher bestand für die Schichten ebenfalls eine regellose Arbeitszeit. Feste Einstcllungslöhne bestanden nicht, auch Sonnabends wurde in einzelnen Betrieben noch nicht eine Stunde früher geschlossen. Im großen und ganzen bestand eben eine tarifliche Grundlage für die Branche nicht. Nachdem nun eine starkdesuchte Versammlung beschlossen hatte, die ausgearbeiteten Forderungen den Unter- nehmern vorzulegen, handelte die Verbandsleitung dem gemäß. Ein Teil der Arbeitgeber lehnte indes die Forderungen kurzweg ab, während ein weiterer Teil erklärte, dieselbe ihrer Organisation vorzulegen. Die Arbeitgeber gehören nämlich zum Teil dem Schutz- verbände der Emaillierer an. Am Tage nach der genannten Versammlung erhielt die Ver- bandsleitung den Bescheid, daß eine Versammlung der Unter- nehmer beschlossen habe, eine Verhandlung mit den Vertretern der Arbeiter anzubahnen. Diese Verhandlung hat nun am letzten Sonnabend stattge- funden. Das Resultat ist wie folgt: es soll eine geregelte Arbeits- zeit von 9 Stunden eintreten, für den Sonnabend 8 Stunden. Ucberstunden, die bis jetzt ungleich entlohnt wurden, sollen jetzt während der ersten 3 Stunden mit einem Zuschlag von 10 Pf., die weiteren Stunden mit 20 Pf. vergütet werden. Für Sonntags- aufträge gibt es 2b Prozent Aufschlag. Betreffs der Einstcllungslöhne für Brenner soll in Zukunft die ersten 14 Tage die freie Vereinbarung maßgebend sein. Nach dieser Zeit werden 60 Pf. und nach einem weiteren halben Jahre 65 Pf. gezahlt. Helfer über 18 Jahre erhalten 40 Pf., Aufträger 53 Pf., nach einem Vierteljahr 55 Pf. und noch einem weiteren Vierteljahr 57 Pf., Aufträgerinnen 30 Pf. Wo bessere Bedingungen sind, sollen dieselben bleiben. Der Vertreter des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes empfahl in einer am Sonntag einberufenen Versammlung, diese Zugeständ- nisse anzunehmen, da damit auch endlich eine feste Basis in die Arbeitsverhältnisse dieser Branche käme. In der Diskussion wurde bemängelt, daß die Beizer und Aus- beuler bei dieser Lohnregelung nichl berücksichtigt seien. Die Kom- Mission erhielt den Auftrag, in dieser Hinsicht noch bei den Arbeit- gebern einzuwirken. Damit waren die Bedingungen im großen und ganzen angenommen. Die Vereinbarung soll für 2 Jahre g-lten._ Oeutfchcs Reich. In der Preß- und Maschincnglasfabrik in Brühl bei Köln am Rhein haben die Arbeiter vor längerer Zeit Forderungen ein- gereicht. Die Firma hat nun, anstatt die Wünsche der Arbeiter zu erfüllen,� einen Lohnabzug angekündigt. Das beantworteten die Arbeiter mit der Kündigung. Die von der Hauptverwaltung des Glasarbeiterverbandes versuchte friedliche Einigung scheitert», so daß beim Erscheinen dieser Notiz die Arbeiter bereits im Streik stehen werden. Die Glasarbeiter werden daher ersucht, den Be- trieb zu meiden. Maßregelung von Bankbeamten. Drei Beamte der„Allgemeinen Deutschen Kreditanstalt zu Leipzig" wurden von der Direktion wegen ihrer Zugehörigkeit zum „Allgemeinen Verband der deutschen Bankbeamlen" gemaßregelt. Der Vorstand der Organisation setzte sich mit der Bankleirung in Verbindung. Es wurde erreicht, daß die Delegierten der Gewerk« schalt eine Unterredung mit der Bankdirekrion hallen. Direktor Keller erklärte jedoch in der einstündigen Konferenz, daß eine Zurücknahme der Kündigung unmöglich sei. Man habe ein Exempcl statuieren wollen und zu diesem Zwecke die drei jungen Beamten heraus gegriffen. Die Kündigung der Beamten erfolgte deswegen auch ohne vorherige Verwarnung. Eine im Krystallpalast zu Leipzig tagende, vom„Allgemeinen Verband der deulschen Bank- beamten" einberufene Versammlung protestierte gegen diesen Ge- waltakt._ Die Wurstfabrikanien als Gegner des Koalitionsrechts. Die Herren Wurstfabrikanten verstehen es sehr gut, durch organisatorischen Zusammenschluß ihre Interessen gemeinsam wahr- zunehmen. Erst unlängst haben die norddeutschen Wurstfabrikanten in ihrem Verein beschlossen, die Preise für Dauerwurst um 30 Pf. pro Pfund zu erhöhen. Eifrig wird kontrolliert, ob auch jedes Mit- glied diesem Beschlutz Rechnung trägt. Wehe dem, der dagegen verstößt. Den Beschäftigten verbieten sie aber, sich zu organisieren; alles wird angewandt, um sie vor der„Verhetzung" zurückzuhalten. Dabei sind die Lohn- und Arbeitsbedingungen recht miserable; selbst der Kost- und Logiszwang ist in größeren Wurstfabrikcn noch vor- herrschend, und damit ist jede Möglichkeit gegeben zur Ausbeutung der Beschäftigten. Für den Zentralverband der Fleischer ist es daher sehr schwer, diese Leute zu organisieren bzw. sie über ihre Berufslage aufzu- klären. Nicht nur. datz die Wurstfabrikanten die Agitatoren auf ihren Grundstücken bedrohen, sie stellen sich sogar vor die Vcrsamm- lungslokale und passen auf, wer in die Versammlungslokale geht, damit sie diese Freveltat mit Entlassung und Strafverfolgung durch die schwarze Liste sühnen können. Der Wurstfabrikant Siems in Apen(Oldenburg) hat Ar- beiterkundschaft und namentlich Konsumvereine sieht er sehr gern als Abnehmer seiner Fabrikate. Seinen Gesellen verbietet er aber sich zu organisieren. Er faßte vor dem Versammlungslokale selbst Posta in Begleitung seiner beiden Söhne und des Buchhalters. Die Gesellen gingen in ein anderes Lokal, der Gauleiter des Fleischerverbandes ebenfalls. Hinterher Herr Siems nebst Ge- folge. Sofort gab es Freibier, und Herr Siems bestellte wohl fünf bis sechs Runden und dabei toastete er auf das gute Einvernehmen, beschimpfte den Gauleiter als Hetzer und Aufwiegler und sprach von sozialdemokratischer Verhetzungstheorie. Einige bekannte„Ar- beitswillige" vom Eisenberger Streik, die Herr Siems jetzt be- schäftigt, sind seine Lieblinge, um so mehr noch, als diese drohten, tätlich gegen den Gauleiter vorzugehen. Herr Siems scheint nicht zu wissen, daß die Arbeiterschaft ein Interesse hat, daß auch den Verfertigern des Apcner Büchsenfleisch„Corned Beaf" das Koa- litionsrecht gewährt wird und daß sie bald menschenwürdige Lohn- und Arbeitsbedingungen erhalten. Ein Kampf um den Achtstundentag. Die Fliesenleger Bremens haben Sonnabend morgen die Arbeit niedergelegt. Ihre Forderung besteht in der Einführung der achtstündigen Arbeitszeit. Die Konjunktur ist für die Streikenden eine, sehr günstige. Da es sich um die wichtigste Forderung der Arbeiter handelt, so erwarten die Streikenden von der organisierten Arbeiterschaft— insbesondere von den Maurern und Terrazzo- arbeitern— die weitgehendste Solidarität. Der Streik in der Bremer Schokoladenfabrik ist mit einem Erfolg für die Arbeiter beendet. Die Arbeiterinnen, die noch Stundenlöhne von 18— 20 Pf. erhielten, bekommen von dieser Woche ab einen Anfangslohn von 20 Pf.»pro Stunde. Der An- sangslohn für ungelernte Arbeiter steigt auf 40 Pf. Es kommen etwa 40— 50 Personen in Frage, die durch diese Lohnerhöhung eine Zulage von 2— 4 Pf. pro Stunde erhalten. Die übrigen Arbeiter und Arbeiterinnen erhalten eine Zulage von 1 Pf. pro Stunde. Weitere Zulagen sollen in den nächsten Tagen mit dem Arbeiter ausschuß besprochen werden. Es war das erstemal, daß die bre- mischen Zuckerwarenarbeiter und-arbeiterinnen zur Verbesserung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse geschlossen in den Kampf zogen. Der Erfolg hat gezeigt, daß sie jetzt auf dem rechten Wege sind. Streik in der Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik von Moser-Roth in Stuttgart. Seit vergangenem Montag stehen 249 Personen, darunter 218 Arbeiterinnen, der Firma Moser-Roth im Ausstand. Ver- Handlungen lehnte die Firma ab, und einer dritten Person, die eine Vermittelung in die Wege leiten wollte, wurde der Bescheid gegeben, die Firma schließe mit Gewerkschaften prinzipiell keinen Tarifvertrag ab. Die Empörung über die schlechten Lohnverhält nisse kam spontan zum Ausbruch. Sobald die Beschäftigten um einen höheren Lohn baten, wurden sie unter Beschimpfungen ab- gewiesen. Die Arbeiterinnen haben in diesem Betriebe schwere Arbeiten zu leisten, die anderwärts nur von Männern verrichtet werden. Dafür ist die Entlohnung noch sehr niedrig. Nach den am letzten Zahltag abgegebenen Lohnzetteln verdienten die Arbeiter eine» Durchschnittslohn von 20 70 M. und die Arbeiterinnen 13,08 Mark bei anstrengender Akkordarbeit während der Saison. In normalen Zeiten sind Arbeiterinnen mit 7— 9 M. Wochenverdienst abgespeist worden. Moser-Roth liefert seine Waren überwiegend an die Klein- krämer nach allen Gegenden Deutschlands. Zum größten Teil sind also die Arbeiter Konsumenten der Waren von der bestreikten Firma. Die Schutzleute, die jeden Tag als Beschützer der Arbeits- willigen in Funktion treten, versuchen die Streikposten von der Ausübung ihres Streikrechts abzuhalten. Natürlich ohne Erfolg. Der Betrieb wird mit etwa 70 Personen, meistens Konditoren, weitergeführt. Sonst ist es der Firma bis jetzt noch nicht gelungen, Streikbrecher zu erhalten. Die Münchener Brauereiarbeiter beschlossen in vollzählig be- suchter Versammlung den am 31. Dezember ablaufenden Tarif am 1. Oktober zu kündigen und mit neuen zeitgemäßen Forderungen an die Unternehmer heranzutreten. Die Preissteigerung der Lebensmittel besonders auch die Steigerung der Wohnungsmieten in München, haben den Arbeitern weit mehr genommen, als sie bei der letzten Tarifbewegung an Verbesserungen erzielten, dabei existieren für Hunderte von Arbeitern noch in jeder Beziehung un- zulängliche Löhne. Ein bayerisches speziell Münchener„Reservat- vecht" ist noch die lang ausgedehnte und ungesetzliche Sonntags- arbeit. Besonders auch hiergegen soll mit aller Energie vorgc- gangen werden, um eine Sonntagsruhe zu erreichen, die im übrigen Deutschland in den Brauereien allgemein üblich ist. Als weitere wichtige Forderung wurde in der Versammlung bezeichnet die Ver- kürzung der Arbeitszeit, bei durchgehendem Betreibe die Acht- stundcnschicht und bessere Entschädigung der Nachtarbeit. Die Ver- sammlung beauftragte die Verbandsleitung mit einer aus allen Sparten der Betriebe zusammengesetzten Tarifkommission die Tarif- Vorlage auszuarbeiten und einer weiteren Versammlung zur Be- ratung und Beschlußfassung vorzulegen. Für die Lohnbewegung kommen über 4000 Personen in Betracht. Christliche Bauarbeiter für die Kündigung des Tarifs. Am Donnerstag fanden in K ö l n a. Rh. auf Veranlassung des Zentralverbandcs acht Versammlungen christlicher Bauarbeiter statt. Ein Vertreter erklärte, daß mit Rücksicht auf die ganze Lebenshaltung der Tarif am 15. November zum 15. Februar ge- kündigt werden müsse. In allen Versammlungen wurde be- schloffen, die Zentralorganisation mit Vorarbeiten zu einer Tarif- erneuerung zu beauftragen. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) BusUnd* Der Eisenbahnerstreik in Katalonien nimmt einen immer größeren Umfang an. Es verkehren absolut keine Züge mehr und die Fremden sind daher genötigt, in Wagen weiter zu reisen. Die Regierung hat die Flotte im Hafen von Barcelona zusammengezogen, damit im Notsalle Marinemannschaften zum Schutze gegen Äussckreitungen gelandet werden können. In- folge der Stockung des Eisenbahnverkehrs macht sich bereits ein großer Mangel an Lebensmitteln fühlbar. Letzte ftachrichtcn« Die Mobilisierung Bulgariens und Serbiens. Sofia, 30. Sept.(Meld, des Wiener k. k. telegr. Korr.-Bureaus.) Die Mobilisierung wurde um 5 Uhr nachmittags offiziell bekannt- gegeben. Die Nachricht wurde mit großer Begeisterung aufgenommen. Alsbald durchzog eine zahlreiche Menge die Straßen, die Mani- festanten trugen die Mobilmachungsorder und brachten ununter- krochen Hurrarufe aus. Beim Vorbeiziehen an der italienischen Gesandtschaft kam es zu Ovationen für Italien. In der Stadt herrscht reges Leben. Sofia, 30. September.(P.-C.) Ucber ganz Bulgarien wurde der Belagerungszustand proklamiert. Vorläufig wurden nur die Provinztruppen mobilisiert, morgen soll mit der Mobili- sation der hauptstädtischen Truppen begonnen werden. Die Sobranje wurde auf den 5. Oktober einberufen. Gerüchtweise verlautet, daß montenegrinische Truppen seit gestern mit den türkischen Truppen im Gefecht stehen. Wien, 30. September.(P.-E.) Die Nachricht von der Mobili- sation Bulgariens und Serbiens traf in Wien gerade während der Sitzung des Heeresausschusses der österreichischen Delegation ein und rief große Sensation hervor. Graf Berchtold, der der Sitzung nicht beiwohnte, wurde herbeigerufen, um authentische Jnfor- mationen zu geben. Auf Anfrage des Delegierten Grafen Labur erklärt sodann der Minister des Aeußern, baß zwischen der Mobili- sation und dem Beginn des Krieges noch ein großer Unterschied sei. Die Diplomatie der Großmächte werde nun alles aufbieten, um kriegerische Operationen und Zusammenstöße zu verhindern. In Delegiertenkrcisen herrscht jedoch eine ungemein pessimistische Stimmung und man ist der Ansicht, daß es kaum gelingen wird, den Krieg zwischen der Türkei und den Balkanstaaten zu verhindern. In Wiener offiziellen Kreisen traf gleichfalls die Nachricht von einem seit gestern im Gange befindlichen Gefecht zwischen Türken und Montenegrinern ein. Die Lage in Bulgarien. Budapest, 30. September.(P.-C.) Der Korrespondent des „Pester Lloyd" meldet seinem Blatte aus Sofia: Die Regierung ist seit 24 Stunden bestrebt, Bulgarien von der Außenwelt zu isolieren. Dem Korrespondenten wurden alle Depeschen über die Ereignisse des gestrigen Tages zurückgehalten. Es wird berichtet, datz die vier Balkanstaaten Bulgarien. Serbien. Montenegro und Griechenland gleichzeitig mobilisiert und im gleichen Sinne ge» haltene Ultimaten wegen der Einführung der autonomen Ver- waltung in den Provinzen der europäischen Türkei an die Pforte gerichtet haben. Da die Pforte sich wohl kaum fügen dürfte und die Mächte nicht imstande sind, einen Druck auszuüben, so gilt der Krieg als unvermeidlich. In Budapest herrscht heute Verhältnis- mätzige Ruhe. Alle Welt scheint sich mit dem Gedanken eines Krieges abgefunden zu haben. Der telephonische Verkehr zwischen Sofia und Budapest ist seit heute mittag unterbrochen. Rußland mobilisiert«zur Probe". Petersburg, 30. September.(Meldung der Petersburger Tele- graphcnagenwr.) Nach einem kaiserlichen Ukos, der unter dem 8. September gegengezeichnet und heute veröffentlicht worden ist, sind zum Zwecke einer Probemobilisierung die Reservisten in folgenden Kreisen zu den Fahnen einberufen worden: Warschau; Kowel(Gouvernement Grodno); Wolkowsk (Warschau); Kowel(Gouvernement Wolhynien); Wolkowhsk. Bje- lostok, Bielks und Sosolka(Gouvernement Grodno); Weljun (Gouvernement Kalisch); Kolno, Lomsha, Masowezk, Rakow, Ostrow, Ostrolenka und Sgcucsyn(Gouvernement Lomsha); Moskau; Lodz. Noworadomsk und Piotrkow(Gouvernement Piotrkow); PraSnhsch (Gouvernement Plozk); Konsk, Opotschno und Radom(Gouverne- ment Radom). Oesterreich in Erwartung des Krieges. Wien, 30. September.(P.-C.) Die österreichisch-ungarische Kriegsverwaltung hat bereits alle Maßnahmen getroffen, um event. mit der Mobilisierung der Armee borzugehen. Vorläufig wird der dritte Jahrgang, der jetzt hätte entlassen werden müssen, in den galizischen Garnisonen zurückbehalten. In mili- tärischen Kreisen wird erklärt, daß die in Bosnien und der Herzoge- wina sowie in den österreichischen Garnisonen gelegenen Truppen vollauf genügen, um jeder Eventualität gewachsen zu sein. Es wird darauf hingewiesen, d-ch Oesterreich-Ungarn für den Fall, daß serbische Truppen oder überhaupt Truppen eines Balkanstaates die Grenze des Sandschacks überschreiten würden, in die Notwendigkeit versetzt würde, auch österreichische Truppen dorthin zu senden. Reichsratswahl in Mähren. Brünn, 30. September.(W. T. B.) Heute wurde im neunten deutschen Reichsratswahlbezirk Mährens die Stichwahl borge- nommcn. Gewählt wurde Dr. B o d i r s k Y(Deutschradikal) gegen Nießner(Sozialdemokrat)._ Ein neuer Bürgermeister für Wien. Wien, 30. September.(P.-C.) Der„Wiener Allgemeinen Zeitung" zufolge sollen im Laufe des Monats Oktober grund- stürzende Veränderungen in der Leitung der Kommunalangelegen- heiten sich vollziehen. Diesen Gerüchten zufolge soll Bürger- meist er Dr. Neumayr von seinem Posten scheiden und an seine Stelle der Oberprokurator Steiner treten. Bielohlawek wird Oberprokurator Steiner ersetzen, während der frühere Handelsminister Dr. Weiskirchner dessen Amt übernehmen wird._ Spaltung unter den englischen Bergarbeitern. London, 30. September.(P.-C.) In der englischen Gruben- arbeiterschast ist eine folgenschwere Spaltung eingetreten. Die südwalisischen Kohlenarbeiter in Stärke von 80 000 Mann haben beschlossen, sich von der großen englischen Kohlen- arbeitergewerkschaft loszulösen und eine eigene Gewerk- schuft zu bilden, die selbständig ihre Angelegenheiten verfechten soll._ Der Eisenbahnerstreik in Spanien greift weiter um sich. Perpignan, 30. September.(W. T. B.) Wie aus Barcelona gemeldet wird, wächst die Zahl der Ausständigen auf alle» Linien. Ministerpräsident Canalejas hat an den Bürger- meister von Barcelona ein Telegramm gerichtet, in dem er erklärt, er wünsche den Streit sobald wie möglich beendet zu sehen, wolle aber weder auf die Arbeiter, noch auf dia» Eisenbahngesellschaften einen Druck ausüben.— Fortgesetzt treffen neue Truppenver- stärkungen in Barcelona ein. Stcinarbciterausstand in Massachusetts. Quinc, 30. September.(W. T. B.) Hier sind 30 Granitbrüche infolge eines Streiks, der als Protest gegen die Gefangennahme der Arbeiterführer E t t o r und G i o v a n n i t t i ausgebrochen ist, ge- schloffen worden. Verantw. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u öerlagsanstalt PaulSingerS: Co., Berlin Hierzu 2 Beilagen u. Untrrhaltungsbl. »,« l. Kniaze Ks.Amiirts" Kerlim WksdlÄ.».«»>««»«- Der Protest der H»«ger»den! Im Zentrum der Satten. Der Hunger darf nicht an das Schloß und an seine satte Umgebung heran! Das war die glorreiche Parole, die für den Sonntag Herr v. Jagow ausgegeben hatte. Unser in seiner Art unersetzlicher Polizeipräsident ist der reaktionäre Burcaukrat par excellence. Er muß wohl in seinen Akten gelesen haben, daß mal irgendwo und irgendwann die„Volks- seele kochte". So dekretierte er: Alle Mann aufs Pflaster und bewaffnet bis an die Zähne! Was am Sonntag an Polizcimannschaften auf die Beine gebracht war, übertraf alles bisher bei ähnlichen Gelegenheiten Beobachtete. Schon fünf politische Hungerversammlungcn hatte alle Polizeinerven in Aufruhr gebracht. Herr v. Jagow vollführte einen seiner Genie- streiche: er demonstrierte mit der ganzen Polizei gegen den Hunger! Nichts konnte besser die Bethmann Hollwegsche Aus- powerungspolitik illustrieren als dieses riesige Polizeiaufgebot. Kamen sonst die Polizeibeamten gemütlich zu zweien und dreien angeländert, so zogen sie am Sonntag in größeren Ab- teilungen zu ihren hinterhältigen und unterirdischen Stelldich- eins. Von allen Seiten rückten um 11 Uhr ganze Schtvadronen auf ihren starkknochigen für Berliner Hühneraugen dressierten Polizeigäulen heran. Sämtliche Schutzleute waren mit Brow- nings, die Berittenen außerdem mit übergehängten gefüllten Patronentaschen ausgerüstet. Eine halbe Stunde lang startte das Zentrum von Bläulingen. Dann war plötzlich die Straße wieder einigermaßen polizeirein. Sämtliche Vorstadtwachen und Vorstadtstraßcn waren entblößt von„Sicherheitsbeamten". Agrarisch ist Trumpf und geht vor. Jeder Straßenbahnwagen brachte ganze Scharen von Uniformierten nach dem Stadtinnern. Die Bürgerlichen reckten die Hälse, hatten kaum eine Ahnung, was los ist. Allein im Schloß sollen mehr als dreihundert Beamte gelegen haben; in dem Neubau der Niederdeutschen Kredit- dank an der Börse waren 60 Mann eiuquartiert. In den Tattersall am Brandenburger Tor ging zuletzt kein Polizei- pserdcschwanz mehr hinein, und auf dem Vorhof standen ganze Kompagnien aufmarschiett. Man witterte Wohl den„Feind" im Anzug auf den Tiergarten. Stundenlang passierte nichts, rein gar nichts. Die blauen Herrschaften standen sich gelang- weilt die Beine in deit Bauch. Die Ablösung der Wache brachte bei dem prachtvollen Herbstwetter eine größere Menschenmenge als sonst mit. Gleich wurde die Polizei nervös. Lieb Vater- land kannst ruhig sein... Jagow, steck den Degen ein! Um 2 Uhr sind die Linden fast menschenleer. Aus dem Schloßportal zieht die abgelöste Wache heimwärts nach der Kaserne in der Alexanderstraße. Berittene Polizei voraus, Berittene hinterdrein, nebenbei Dutzende von Schutzleuten zu Fuß. Die Polizei als Schirmerin des Militärs... es ist zum Schreien! Wo der seltsame Zug vorüberkommt, ohne jede Zivil beglcitung, lacht man auS vollem Halse. Man lacht über die Furcht der Staatsgewalt vor dem— Hunger. Natür- lich sind alle Kreuz- und Querstraßen bis weit in die ersten Vorstädte hinein dicht mit Helmen besetzt. Es ist immer ein Schauspiel für Götter, wie die Bcaniten ge- spannt in die Straßenferne äugen und die Fahrradordonnanzen hin- und hersausen. Und wenn erst geflüstert ist, daß die Versammlungssäle sich leeren, kommandieren die leitenden Polizeimoltkes alle fünf Minuten: Raus auS de Verstecke... rin in de Verstecke l So haben sie vom Mühlendamm bis zur Friedrichsbrücke fünf Stunden lang weiter nichts zu tun ge- habt, als— sich auslachen zu lassen. Etwas anders sah es zwischen Monbijouplatz, Oranien- burgcr Tor und Weidendammer Brücke aus. Von der König- stadtbranerei aus hatten sich lose Züge durch Elsasser und Rosenthaler Straße geschoben. Am Oranienburger Tor stand die erste breite Sperrkette. Hochrufe auf die inter- nationale Sozialdemokratie wechselten ab mit dröhnenden Pfuis auf unsere volkvverdcrbliche Staatspolitik und ihre ge- fügigen Werkzeuge. Nach bekanntem Rezept wurden durch Herausgreifen verschiedene Verhaftungen vorgenommen. Um 8 Uhr hatte Herr v. Jagow, der Glorreiche, über den Hunger einen glänzenden Sieg• erfochten und sich die Anwartschaft aus einen noch glänzenderen— Piepmatz verdient. Hurra! *» * Die fünf Riesenversammlungen. Der Niesensaal der„Neuen Welt" der zsur Verfügung stand, nahm von der Maffe der Herbeieilenden mehr als BOOO Personen auf. Es waren wohl beinahe 6000 Per- sonen. die in fürchterlicher Enge diesen größten Versammlung�- saal Berlins füllten, als um zwölf Uhr die Versammlung eröffnet wurde. Bevor der erste Referent das Wort ergriff, trug ein starker Sängerchor das Lied vor:„Ich warte Dein, wenn über alle Felder der erste Hauch des Lebens wieder weht." Von den Referenten, den Rcichstagsabgeordncten Dr. OSkar Vobn und Dr. Karl Lieb- lnecht, sprach zuerst Genosse Cohn. Mit SarkaSmen, wie Peitschen. hiebe so scharf, behandelte er die Art. wie seit Jahren die Agrarier und ihre Presse den Notschrei des Volkes als einen überflüssigen Fleischnotrunrmel hingestellt haben. Dem stellt« er gegenüber die tatsächlichen Verhältnisse, die sogar dazu geführt haben, daß Hunde- fleisch zu Leckerbissen geworden ist. Wenn nun früher Bethmann Hollweg und feineSgleicksen von der Fleischteuerung als einer vor- übergehenden Erscheinung gesprochen, und von einem Festhalten „unserer bewährten Wirtschaftspolitik", der nämlich zugunsten der Agrarier, und wenn daS Organ BethmaunS, die„Norddeutsche All- gemeine", noch vor einem Monat ein Billigerwerdcn deS Fleisches prophezeite, so scheine die hohe Regierung inzwischen Zweifel an der Zuverlässigkeit ihre« Propheten bekommen zu haben. DoS zeige die Kundgebung der Regierung, die dieser Tage die Welt über- raschte. Wenigstens halbe Zugeständnisse finde man darin, und im übrigen seien cS wieder nur halbe und heuchlerische Maßnahmen, die empfohlen würden, da man es mit den agrarischen Einpeitschern nicht ganz verderben wolle. Wenn wir eS nun auch als eine Auf- gäbe der großen Städte betrachteten, für eine bessere Ernährung der Einwohner einzutreten, so müsse man sich doch dagegen ver- wahren, daß die Regierung wie es in ihrer Kundgebung geschehe, daö meiste auf die großen Städte abzuwälzen suche, soweit man überhaupt etwas zu tun für gut halte. Der Reichskanzler habe aber immer noch nicht begriffen, �worauf es ankomme. Das sei ihm gesagt worden von den 110 Sozialdemokraten, die im Reicks- tage sähen:'Einberufung des Reichstags, Beratung mit ihm. Ab- schassung des ominösen§ 12 usw. Warum habe der Reichskanzler nicht jetzt, wo die Kundgebung erschien, zugleich Order zur Ein» berufung des Reichstags gegeben? Wollte er bis zum November, bis zu dem gleich vorgesehenen Termin warten? Tie 110 sozial- demokratischen ReichStagsabgeordncten würden sich ja mit einer indirekten Antwort des Reichskanzlers auf ihre Eingabe begnügen, wenn sie in alsbaldiger Einberufung des Reichstages bestände. Daß es im gewöhnlichen Leben als ein einfaches Erfordernis der Höflichkeit angesehen werde, auf eine direkte Frage eilte direkte Antwort zu geben, davon wolle man gar nicht reden. Das. ar- beitende Volk dürfe sich nicht blenden lassen durch die Halbheit der zum größten Teil wirkungslosen Kundgebung, zu der die Regierung sich aufgerafft habe. Es müsse sich seiner Machtmittel bewußt werden und sich klar werden, daß kein Reichskanzler lang und stark genug sei, der gesammelten Kraft des Volkes auf die Dauer zu widerstehen.— Stürmischer Beifall, der während der Rede wieder- holt eingesetzt hatte, folgte diesen Ausführungen. Mit lebhafiem Bravo begrüßt, nahm dann Dr. Liebknecht das Wort. Mit beißendem Hohn überschüttete er die solange geübte Vogelstrautzpolitik der Bethmänner. Er wird stürmisch mit Bei- fallskundgebungen unterbrochen, als er stark betont, daß in der ganzen Bureaukratie keiner eine Ahnung habe von dem tah- sächlichen Ernst der Situation. Niemals werde, hob er an anderer Stelle seiner Rede hervor, die Sozialdemokratie Matznahmen zu- wider sein, die die ländliche und bäuerliche Produktion schützen und stützen sollten im Interesse der Allgemeinheit und die verbunden würden mit Maßnahmen für eine gute und billige Volksernährung. Die Widersprüche, die von uns erhoben würden, richteten sich dagegen, daß den Großagrariern, die es nicht nötig haben, Millionen in den Nimmersatten Rachen geworfen würden. Wenn wir uns heute noch eine solche, mit den Agrariern durch dick und dünn gehende Regierung gefallen lassen müßten, dann sei zum gut Teil das Volk dran mit schuld; es müsse alles tun, sich eine andere Regierung zu. verdienen. Es müsse sich noch in ganz anderer Weise anschicken, seinen eigenen Willen gegenüber der Sie- f'erung durchzusetzen. Auf die Maßnähmen zur Abhilfe in der rage der Fleischnot eingehend, stellte Redner fest, daß von Leitern der Regierung in Basel und von Leitern der schweizer Konsum- vereine ihm gegenüber es kürzlich geradezu als ein Skandal be- zeichnet worden sei, wenn man in Deutschland die schweizerischen Erfahrungen mit dem Gefrierfleisch als ungünstig hinstellen. Er sei der festen Ueberzeugung. daß die deutsche Regierung nur das Volk wieder einschläfern wolle. Wenn die Herren aber die Zeichen der Zeit sehen wollten, dann müßten sie sich sagen, auch der schiffs- taustarke Geduldsfaden deS deutschen Volkes könne einmal reißen. ES müsse anders werden, die agrarische Herrschaft müsse nieder- gerungen werden. Und vor allem sei ihr ihre Stütze in Preußen, das Dreiklassenwahlrecht, zu entreißen. Wenn die Versammelten aber jetzt heimgingen, sollten sie sich nicht zu törichten Streichen hin- reißen lassen, sondern die Ruhe und Besonnenheit bewahren, die den Herrschenden so stark in den Knochen liege. In der Nähe seien 300 Schutzleute postiert. lStürmische Entrüstungsrufe, die nicht aufhören wollen, so daß Redner sich unterbrechen mutz.) Er fährt dann fort: Wir können den Herren von der Polizei sagen, sie werden keine Arbeit bekommen, wenn sie nicht wünschen sollten, welche zu bekomme». Das Volk wird nicht unbesonnen sein. Es wird seine ganze Entrüstung und seinen ganzen Zorn gegen das herrschende Regime zusammenfassen in dem Entschluß, weiter zu arbeiten zum Wöhle des Volks, zur Vernichtung des Junkertums, zur �Bestrafung derer, die schuld seien an Not und Elend im Volke. (Donnernder, langanhaltender Beifallssturm.) Nach einem GcsangSvortrag:„Nun sind die Stürme aufgc« wacht" leerte sich langsam unter Hochrufen der Saal. Concordiasäle. Aus dem großen„Concordiasaal" mußten schon um 11 K Uhr die Tische entfernt werden, um den andrängenden Massen die Teil. nähmeen. Die diesbezügliche Er- klärung der Regierung sei bestimmt, das Volk einzulullen. Man dürfe sich auch nicht täuschen lassen dadurch, daß die Junker gegen die Mahnahmen bereits Sturm laufen. Was die Regierung dem Volke als Brosamen hinwirft, sei bestimmt vorher mit den Junkern abgekatert worden und daher sei deren Entrüstungssturm nichts weiter wie eine Komödie. In kräftigen Strichen schildert Redner die Verkehrtheiten der sogenannten göttlichen Welwrdnung, die die Kinder verhungern läßt, während feine Damen ihren Hunden Diners zu 300 Mark auftischen. Gegen Teuerung, Unterernährung, Hunger und Volks-mS- beutung jeder Art muß sich unser Kampf wenden. Wir müssen rechtzeitig Vorkehrungen treffen und mehr tun, wie Beifall klatschen in Volksversammlungen. Manche Leute sagen sich, wenn die Not am größten— ist die Sozialdemokratie am nächsten, sie kommen erst zu uns, wenn sie Erleichterung suchen. Die Axt, mit der wir in das Bollwerk der Reaktion Bresche schlagen, das ist die Presse, die Agitation und Organisation. Wir bedürfen auch der Frauen als Mitkämpferinnen. Im Interesse der Zukunft ihrer Kinder gehören sie in unsere Reihen. Sorgsam lockere die Mutter das Bett des Kindes, damit es gut ruhe. Du Mutter sollst aber auch daran denken, deinem Kinde das Bett der Zukunft zu bereiten! Nach einem feurigen Appell, mitzukämpfen den Befreiungs- kämpf, schließt Redner seine oft von Beifall unterbrochene AuS- führung mit dem Ruf: Nieder mit den Junkern, Arbeiter ver- langt euer Recht, verteidigt die Zukunft euerer Kinder; nieder mit den Volksbetrügern I Die Protestresolution wird einstimmig angenommen und dann die würdig verlaufene Versammlung mit einem begeisterten Hoch auf die internationale Sozialdemokratie geschlossen. Der Saal leerte sich hierauf langsam und in bester Ordnung. Für die Massenversammlung in der Brauerei Königstadt» Schönhauser Allee, genügte der große Saal schon um 11 Uhr nicht mehr, und die überströmende Fülle ergoß sich in den Garten. Gegen 12 Uhr war überhaupt nur noch der Zugang zum Garten frei. trotzdem nicht abgesperrt war. Im Saal waren die Galerie, die Treppen zur Galerie und die Bühne dicht besetzt, auch die Neben- räume waren überfüllt, und an allen Zugängen zum Saal staute sich die Menge, als der Vorsitzende Hentschel die Versammlung zur festgesetzten Zeit eröffnete und als ersten Redner den Abgeordneten des fünften Kreises, Robert Schmidt, vorstellte, der herzlich begrüßt wurde. Schmidt sprach eine volle Stunde und alle Aufmerksamkeit wurde ihm zuteil. Er kritisiert« die Zoll- und Wirtschaftspolitik der Regierung als volksfeindlich und verderblich und legte die Forderungen und Bestrebungen der Sozialdemokratie temgegen- über dar. Die Regierung dürfe nicht glauben, daß das Volk sich über die Politik der Regierung täuschen lasse durch einige völlig ungenügende Maßnahmen gegen die herrschende Not und Teuerung im Lande. Der Ruf nach der Einberufung deS Reichstages bleibe völlig unberücksichtigt, die Rechte des Volkes würden mißachtet. Darum müsse das Volk immer lauter und eindringlicher und in immer größeren Massen seine Stimme erheben, denn gegen den Willen eines Volkes kann sich eine Regierung nicht dauernd auf ihrer Höhe erhalten.— Mit donnerndem Beifall wurde die Rede aufgenommen, die mehrfach schon stürmische Zustimmung unter den Versammelten ausgelöst hatte. Als der Vorsitzende dann als zweiten Redner Philipp Scheidemann ankündigte, da reckten sich alle Hälse, denn er war persönlich nicht so bekannt wie der Vor- rcdner und jeder wollte den sehen, der als Vizepräsident des Reicks- tages in aller Leute Munde war. Im Nebcnraum deS großen SaaleS stellten sich viele auf Tische und Stühle, um ihn genauer zu betrachten. Er sprach eine kurze halbe Stunde, oftmals durch frohen Beifall unterbrochen, denn er führte eine scharfe Klinge in einer Rede und schonte junkerlichen Hochmut und junkerliche Raff- gier ebensowenig als bureaukratische Anmaßung und Ucberhebung in den Kreisen der Regierung. Seine Worte weckten einen leb» haften Widerhall in den Herzen der Hörer, die am Schluß der kurzen, kraftvollen Rede nicht säumten, ihrer Zustimmung lebhafte« Ausdruck zu geben. Unterdessen harrte draußen im Garten eine Menge, die eine weit größere Versammlung bildete als die im Saal. Man sah sich aber vergebens um nach den Arrangements für eine zweite Ver- sammlung, man war vielfach der Meinung, daß ein Redner bestellt sein müsse, der die Forderung des TageS erörtern und den Massen auch hier Gelegenheit geben würde, in bestimmten Beschlüssen ihre Meinung kund zu tun. Man wußte sich eins mit denen drinnen im Saal, die alle.Hände hoben, als der Vorsitzende über die vorgelegte Resolution abstimmen ließ. Und angenehmer war der Aufenthalt im Garten, über dem ein lachender, herbstlicher Sonnenschein aus- gebreitet lag, immerhin als drinnen im Saal, wo eine stickige Atmosphäre herrschte und mancher im Schweiße seines Angesichts der Versammlung beiwohnte. Frauen waren verhältnismäßig in ge» ringer Zahl erschienen, sie hatten ja erst am letzten Dienstag ihre großen Protestversammlungen abgehalten. Als zum Schluß die Hochrufe auf die Sozialdemokratie im Saale ausgebracht wurden, fetzten sich die Rufe auch in den Garten fort. Man hörte den Ge- sang der Marseillaise, und langsam leerten sich Saal und Garten. Es war 2 Uhr. als die letzten das Lokal verließen. Ei war noch lange nicht 11 Uhr, als wir den großen Saal des Etablissement Germaniasäle in der Chausseestraße zum ersten Male betraten; aber die Besucher zählten bereits nach Hunderten. Schon vor%11 Uhr waren die ersten erschienen, um sich einen Platz au sichern. Je weiter der Zeiger der Uhr sich der Mittagsstunde näherte, um so stärker wurde der Zustrom der Männer und Frauen, die fest entschloffen sind, nicht länger wegen der Beutegier einer Handvoll Großgrundbesitzer am Hungertuche zu nagen.— Der geräumige Saal und Vorraum tvaren bald bis auf den letzten Platz gefüllt, aber immer weitere Massen, in größeren und kleineren Trupps, teils in losen Zügen, rückten an. Auf der Straße wogte die Menge auf und ab, amii- flcrfc HtT) an dem le!Haf!cn Tielbeü der SHutzlepIe. Zu zivelen, zu vieren, dann in einem Trupp von zwölf Mann rückten die Hüter der Ordnung und des Verkehrs an, um in der S ch wa r tz k o p f f- schcn Maschinenfabrik Quartier zu beziehen. Dort versammelten sie sich um Hauptmann und Leutnant, um über die Maßnahmen zu beraten, wie man eine eventuell ausbrechende Hungerrevolte am schnellsten im Mute ersticken könnte. In der Tat. ein Schauspiel, das den preußischen Klassenstaat in seiner rohesten Gestalt zeigte---- Im Saal lauschte indessen die Masse, Schulter an Schulter gedrängt, begeistert den Ausführungen der Referenten. Zunächst sprach Genosse Hugo Hanse, der unter Kennzeichnung der Situation betonte, daß seit länger als einem Jahrzehnt die Klagen über die cnornic Teuerung nicht aufhören, sondern immer lauter werden. Jahr für Jahr forderten die Stadtverwaltungen Maßnahmen gegen die Teuerung, jahraus, jahrein habe die sozialdemokratische Fraktion des Reichstages darauf aufmerksain gemacht, daß es weiten Schichten des Volkes nicht mehr möglich sei, sich satt zu essen. Die Regie- rung habe bisher immer erklärt, es handele sich um eine„vorüber- gehende Erscheinung", die Sozialdemokratie male viel zu schwarz und benuhe die Gelegenheit, das Volk aufzuhetzen, wozu gar kein Grund vorliege. Wenn man sich die Skala der Preise für Fleisch ansehe, so sehe man, daß diese eine Höhe erreicht haben, wie nie zuvor, und noch sei kein Ende der Not erreicht, denn die Fleisch- preise stiegen weiter. Tie sozialdemokratische Fraktion des Reichs- tagcs habe dem Reichskanzler wiederholt erklärt, daß es so nicht weitergehen könne und die Regierung aufgefordert, lindernd cinzu- greifen. Am S. September habe die Fraktion eine Eingabe an den Kanzler gerichtet, in der im besonderen die sofortige Einberufung des Reichstages gefordert wurde. Bis heute sei noch keine Ant- wort eingegangen, so mißachte man die Vertreter von über vier Millionen Wählern. Der Sozialdemokratie gehe es jedoch nicht allein so; die Vertreter einer Anzahl Städte, an der Spitze der Oberbürgermeister von Berlin, erwarteten bis heute noch die Ant- wort auf«ine Eingabe vom November vergangenen Jahres. Wir befänden uns ja eigentlich in guter Gesellschaft, nur seien wir nicht so geduldig wie jene. Ob wir eine Antwort erhalten, sei schließlich egal, nur verlangen wir, daß gewährt werde, was notwendig sei, damit das Volk nicht mehr zu darben und zu hungern brauche. Unter lebhafter Zustimmung der Versammlung zerzauste Redner weiter die neuerliche Regierungserklärung, wonach man beschlossen hat, gegen die Teuerung Erleichterungen der Vieh- und Fleischeinfuhr eintreten zu lassen. Die geplanten Maßnahmen seien völlig unzulänglich, es seien Schcinmittel, womit man dem Volke nur Sand in die Augen streuen wolle: die Erklärung sei wohl reich an Worten, wo es aber auf Taten ankomme, versage sie. Von einer völligen Oeffnung der Grenzen unter Beobachtung der unerläßlichen Vorsichtsmaßregeln wolle man nichts wissen, auch denke man nicht daran, den schikanösen§ 12 des Flcischbeschaugesetzes zu beseitigen. Dies alles müsse aufs neue ein Ansporn sein, mehr und mehr die Erkenntnis über diese un- 'erträglichen Zustände in weite Kreise zu tragen. Immer größere Scharen müßten sich vereinigen, das Heer werde dann so mächtig sein, daß die agrarische Regierung ihm keinen Widerstand wehr entgegensetzen könne. Durch die Straße schleiche grinsend das Gespenst der Not, tagtäglich könnten wir die erschütterndsten Elendsbilder beobachten, das Volk habe kein Fleisch, nicht genügend Brot, und die Regierung komme mit Palliativmitteln. So könne und dürfe es nicht weitergehen, wir müßten schreien und immer lauter schreien, bis man uns endlich höre. Je mehr sich aber An- Hänger um die Fahne des Sozialismus zusammenscharen, um so näher rücke die Zeit, in der die Regierung die Segel streichen müsse. � Nicht endenwollender Beifall dankte dem Redner für seine vor- trefflichen Worte. Minuten verstrichen, ehe der Vorsitzende dem zweiten Referenten das Wort erteilen konnte. Genosse Ledebonr, von � der Versammlung jubelnd begrüßt, beschränkte sich nach den ausführlichen Darlegungen Haas es auf einen feurigen Aufruf zum energischen Kampfe gegen das. verruchte Wirtschaftssystem, �'"hegen eine Gesetzgebung, die dafür sorge, daß die unermeßlichen Taschen der Großgrundbesitzer mehr und mehr gefüllt würden. In � kurzen Strichen skizzierte er. die Zoll- und Steuerpolitik, dabei Ab- " schaffung der Zölle und eine progressiv nach oben steigende direkte Einkommensteuer fordernd. Die kapitalistische Raubtierpolitik lasse dies jedoch nicht zu, deshalb müsse der Kampf energischer als bisher gegen das Kapital zur Durchsetzung der sozialistischen Wirtschafts- ordnung geführt werden. Mit ätzendem Spott und beißender Satire behandelte Lcdebour die letzte Rede Wilhelms IL, nach der„w i r" mit den heutigen Verhältnissen zufrieden sein könnten. Der Mann irre sich, er irre sich weiter, wenn er sage, der Arbeiter könne seines wohlverdienten Lohnes gewiß sein, eines Lohnes, der kaum zur Nahrung mittels Pferdeboulctten und Hundekuchen ausreiche. Wenn Wilhelm II. zum historischen Rückblick rate, so könnten wir ihm diesmal folgen, denn diese seien für uns sehr lehrreich. Die ganze sozialistische Bewegung sei ja auf historischen Tatsachen aufgebaut. Wir brauchten uns nur der Bauernkriege zu erinnern, wo das Volk seine Geschicke selbst in die Hand genommen habe, wir brauchten nur an die französische Revolution, an die Porgänge von 1848 zu denken und könnten sehr viel lernen. Wir brauchten die Vorgänge selbst nicht nachzuahmen, denn heute ständen uns ganz andere Auf- klärungLmittcl zur Verfügung, ganz andere Aufklärungsarbeit hätten wir heute zu verrichten. Unsere heutigen Forderungen, billige Lebensmittel zu schaffen, seien nur Etappen auf dem Wege zur Erringung besserer Verhältnisse, die kommen müssen und kommen werden. Wenn wir erst die 4 Millionen sozialistischer Wähler zu zielbewußten Kämpfern gemacht und weitere Massen um uns geschart hätten, gebe es große Verfassungskämpfe auszufechtcn, die nicht wir heraufbrschwörten, die uns aber die herrschende Klasse aufzwinge. Zu diesen Zeiten gelte es vorzubereiten, damit wir den großen, gewaltigen und endgültigen Kämpfen gegenüber getvappnet seien. Die völlige Befreiung der Menschheit vom aus- pcwerndcn Kapitalismus aber sei nur erreichbar durch den Sozia- lismus.— Minutenlanger, stürmischer Beifall durchbrauste den Saal. Genosse Fahrow verlas hierauf die Resolution, der begeistert zugestimmt wurde. Weiter appellierte er an die Anwesenden, sich durch unlautere Elemente nicht provozieren zu lassen, er habe Kunde erhalten, daß sogar Achtgrosdfenweiber zu Spietzcldiensten gedungen seien. Er forderte auf, alles daran zu setzen, Organi- �ation und Presse weiter auszubauen, denn schwere Kämpfe ständen uns bevor.— Ein brausendes Hoch aus die Sozialdemokratie bc- endete die Versammlung, und langsam entfernten sich die Besucher, eingedenk der Worte Schillers: Bezähme jeder die gerechte Wut Und spare für das Ganze seine Rache! Das„Moabiter Stadttheater" hatte schon frühzeitig die Massen der Besucher angelockt. Bereits um 1412 Uhr war der große Saal zur Hälfte besetzt und immer mehr Frauen und Männer strömten herein. Bald war der letzte Platz vergriffen, die Galerien bis zum Brechen angefüllt, selbst auf der Tribüne nahmen Dutzende von Personen Aufstellung, und was im Saal nicht mehr unterkommen konnte, bevölkerte Garten und Straße. An vielen Stellen blitzten die Helme von Schutzleuten auf. und in der gegenüberliegenden Pumpstation war, wie gewöhnlich, eine fliegende Wache untergebracht worden. Nach Eröffnung der Versammlung nahm Reichstagsabgcordne- tcr Molkenbuhr daö Wort. Mit jugendlicher Frische und erstaun- licher Sachkenntnis ging der altvcrdiente Kämpe auf die Forde- rung des Tages ein, indem er eingangs seines Vortrages erklärte, cS wäre noch nicht dagewesen, daß die Regierung, angesichts einer derartig großen Notlag«, dem Drängen des Volkes gegenüber sich so stille und teilnahmslos verhalten habe. Jetzt erst, am vorange- gangcncn Abend, habe sie einen kleinen Schritt zur Linderung der himmelschreienden Not angekündigt. Redner verliest die Bekannt- machung und bezeichnet die Maßnahmen als völlig unzureichend., Immerhin wäre die Regierung nicht einmal imstande, so weit zu gehen, wenn im Reichstag noch der blau-schwarze Block in seiner früheren Stärke säße. Redner gibt eine inkeressatile Uebersicht voll den zoll- und handelspolitischen Vorgängen und Maßnahmen inner- halb der letzten Jahrzehnte und zeichnet ein fesselndes Bild aus dem Wirtschaftsleben. In überzeugender Weise zeigt er, wie die Großgrundbesitzer seit je mit Geschick und Skrupellosigkeit dahin- gearbeitet haben, das Volk zu erschöpfen und sich die Taschen zu füllen. Mit dem Agrariern im Bunde gegen die Arbeiter aber ständen die Großindustriellen in geschlossener Phalanx. Dieser Macht müsse das organisierte Proletariat seine eigene Macht ent- gegensetzen. Der Redner erntete stürmischen Beifall, als er mit seinem anfeuerndem Appell, den Kampf gegen die Feinde schärfer denn je zu führen, schloß. Als zweiter Referent sprach Landtagsabgeordneter Hirsch, der besonders die soziale Seite der Lebensmitterverteuerung beleuchtete und im übrigen die Ausführungen des Vorredners sehr wirkungs- voll ergänzte. Die Frommen jammerten immer, daß Verbrechen und Prostitution an Ausbreitung gewännen und verschwiegen dabei wohlweislich, daß sie selbst durch ihre Maßnahmen schuld daran sind. Aber noch mehr: Erst werden die Lebensmittel in unge- heuerlicherweise verteuert, und dann, wenn die Arbeiter hierdurch gezwungen, höhere Löhne forderten, kämen dieselben Kreise mit Vorschlägen zu Zuchthausgesetzen. Der König von Preußen sowie die Minister hätten reichliche Lohnerhöhung erhalten, ohne lange fordern zu müssen. Auch die Stadtverwaltungen sähen es als ihre Pflicht an, ihren Angestellten die Gehälter aufzubessern, des- gleichen der Staat, soweit wenigstens die höheren Beamtenkate- gorien in Betracht kämen; nur der Arbeiter solle nicht mehr Lohn verlangen. Die jetzige Notlage sei keine vorübergehende Erschei- nung, wie die Regierung behauptet, die Mißwirtschaft werde so lange bestehen, wie die heutige Wirtschaftspolitik bestehe. Solle der Anfang zum Besseren gemacht werden, so müsse besonders der Kampf gegen das Dreiklassenwahlrecht zum preußischen Landtag, dem die Agrarier ohnedies schon ihr Hauptaugenmerk zuwenden, geführt werden. Die Fleischnotfrage sei nur ein Teil von den großen Aufgaben, die das Proletariat zu lösen habe. Kamps aber müsse die Losung lauten, Kampf und nochmals Kampf der Re- gierung und ihren Verbündeten.(Tosender Beifall.) Nachdem die Resolution einstimmig angenommen war und der Vorsitzende ein paar kernige Worte an die Anwesenden ge- richtet hatte, war die imposante Versammlung beendet und die große Menge der Besucher strömte hinaus auf die Straße, wo zahlreiche Personen, die keinen Einlaß mehr gefunden hatten, den Schluß der Versammlung erwarteten. An der Ottostraße zog zu derselben Zeit die Polizei einen Kordon, der aber nach einer kleinen Welle wieder zurückgezogen wurde. Der Ucberwachende hatte sich wohl überzeugt, daß vor- läusig nur die Magen der Besucher revoltierten und somit eine unmittelbare Gefahr für den Staat nicht vorhanden war. * Alle Versammlungen nahmen eiiistinimig die folgende Resolution an: Die Versammlung weist mit Entrüstung die hochmütige An- maßung der regierenden Bureaukratie zurück, die den Reichstag daran hindert, die notwendigsten Maßnahmen zur Abhilfe der herrschenden Not zu beschließen. Sie erblickt in dem Verhalten des Reichskanzlers, der die Eingabe der sozialdemokratischen Fraktion ohne jede Antwort ge- lassen hat, eine unerhörte Dreistigkeit und einen kecken Anschlag der Bureaukratie gegen Wesen und Geist einer konstitutionellen Verfassung. Die Versammelten erklären ihre Entschlossenheit, den Kampf gegen die politische und materielle Verelendung des deutschen Volkes mit aller Energie fortzuführen, bis— den Junkern und ihren Handlangern in der Negierung zum Trotz— die Durch- setzung wirksamer Maßnahmen gegen die Teuerung erreicht ist. »* * Auf der Strafte! 10 Uhr! Die Hasenheide liegt friedlich im Soimeilschein, nur die autzerordenilich große Anzahl von Polizeiiiialinschaften aller Art und Gattung läßt erkennen, daß etwas in der Luft liegt. Schon vor Vzll Uhr begannen die Massen der Neuen Welt zuzuströmen und es dauerte nicht lange, bis dieser Riesensaal überfüllt war, danl der freundlichen Aufforderung der Polizeimamischaften, die streng dafür sorgten, daß sich»ieniand auf der Straße aufhielt. Dieser Grundsatz der Polizei, die Straße von Menschen frei zu hallen, war jedoch infolge der alsbald erfolgten Absperrung deS Saales nicht mehr durchführbar, denn inimer neue Scharen kamen herbei und boren in ihrer Masse jedem Freunde großer Kund- gedungen ein überwältigendes Bild. Wie wir schon eingangs erwähnten, hatte die Polizei außerordentlich mobil gemacht. Die Neuköllner Polizei war vom Polizeipräsidenten v. Becherer bis herab zun, letzten Schutzmann vertreten. Daß auch die„Heimlichen" nicht sehlteir. braucht nicht besonders betont zu werde». Außer- ordentlich provozierend wirkte es, daß die Polizeimaimschaftcn. die auf derBcrlinerSeite für»Ordnung" sorgten, die Schnppenketien überSKinn gezogen hatten, als wenn e? gälte, einen Sturniangriff auf die Massen zu unternehmen, die friedlich daher kamen, um für ein gerechteres WirtchaftSsystem zu demonstrieren. Merkwürdig war auch die Auf- fassung der Polizei, die Ordner unserer Partei nicht auf der Straße zu dulden. Wir hörten, wie ein Polizeibauvtinann zu einem der sozialdemokratischen Ordner sagte:„Für die Ordnung auf der Straße sorgen wir". Das nervöse Verhallen einiger Polizeioffiziere im Verein mit deni provokatorischen Aussehen vieler Beamten war allerdings nicht allzu geeignet dazu. Daß es trotz all dieser Momente zu keinen Zusammenstößen mit der Polizei kam, ist ein ehrendes Zeugnis für die Rube und Besonnenheit der Berliner Bevölkerung. Als nach Schluß der Versammlung die Tausende der Teil- nehmer sich mit den draußen Harrenden vereinigten, war die Straße ein Menschenmeer, und die in der Sonne zahlreich ausblitzende» Pickelhauben sorgten wider Willen für eine Belebung dieser Prolctaricrhecrschau. Die Nervosität einiger Polizeioffizierc kam jetzt recht zur Geltung und führte zur Verhaftung einzelner Versammlnngsteiluehincr. So wurde einer unserer Ordner abge- führt, lediglich weil er die Massen aufforderte, weiterzugehen und der Aufforderung eines Beamten das gleiche zu tun, nach Meinung desselben nicht schnell genug Folge leistete. Lange dauerte es, bis das Straßelibild der um die Neue Welt gelegenen Bezirke sein sonntägliches Gepräge ivieder erlangte. Die Massen hatten sich allerdings verhältnismäßig schnell verzogen, nur die Polizei nahm die Gelegenheil wahr, noch längere Zeit zu demonstrieren. Schließlich aber mußte auch sie einschen, daß eS nichts zu tun gab und räumte das Feld. Vor den Konkordiasäleu rückten 10 Minuten vor 12 Uhr unter Führung eines Polizeiosfiziers, von der Menge init Hochrufen empfangen, acht Schutzleute an. Bis dahin hatten sich nur zwei gc- langweilt. Das eijerne Zugangstor zu den Lokaliläten wurde ab- gesperrt. Zu den Zweitausend, die auf der Straße promenierten, gesellten sich nach und»ach weitere Taufende. Konnte bis dahin der Durchgangsverkehr sich verhälinisniäßig ruhig abivickeln, so erinnerte sich die Polizei um V21 Uhr plötzlich ihrer traditionellen Aufgabe, de» Verkehr zu stören. Von den Konkordiasätcn ausgehend wurde die Menge rechts und links die Straße entlang getrieben bis zum AndreaSplatz und zur Langestraße, wo die inzwischen sehr verstärkte Polizei jeden Verlchr sperrte. Kein Mensch dursle durch, selbst Frauen nicht, die, aus der Kirche kommend, mit dem Gebetbuch in der Hand, fromm ihre Ehrfurcht vor Gott und dein Schutzmann zur Schau trugen. Aber eine Ausnahme machte die Polizei doch. Getragen von dem Ernst ihrer Miision, schritten zwei in verlotterter Uniform steckende„Osfiziere" der Heilsarmee durch die Kette, der eine ein Zupfinstrument unterm Arm, achtungsvoll begrüßt von dem Schutzmann, der eben eine wegen Geschäfts- schädigung klagende hübsche junge Frau mit de» Worten:»Scheren Sie sich rin, wo Sie hingehören und quasseln Sie mir nicht die Ohren voll, sonst bring' ich Sie wo andershin I", abgewiesen halte. DaS kolossale Gelächter, das dem Polizeisalut vor dem Sänger der Heilsarmee folgte, führte dann allerdings dazu, daß die etwas später iomnlendeu„Offizierinnen" von der Garde des Heils nicht mehr durch die Schutzmannskette dursten. Das sinnlose Absperren der Andreasstraße hatte ein Ende, als um 1'/« Uhr die Versammlungsteilnehmer auf die Straße kamen und sämtlich rechts nach der Schillingsbrücke abschwenlten. Im losen Zug wälzte sich die Menge die Straße hinauf und mächlig brauste tausendstimmig an das Obr:»Wer schafft das Gold zu- läge... das sind wir Arbeitsmänner, das Prolerariat." Schon hallen 2—3000 Männer und Frauen die Schillingsbrücke überschritten, und»och glich die Andreasftraße bis zum Andreasplatz hinunter einen, wogenden schwarzen Meer. Singend und unter Hochrufen auf das allgemeine, geheime und direkte Wahlrecht bewegte sich der Zug in mustergültiger Disziplin dem Engelufer entlang durch die Köpenicker, Adalbert- und Oranien- ftraße. Nirgends eine Verkehrsstockung, nirgends ein Zwischenfall. Nun kanis anders. Hundertfünfzig Meter vor der Oranienbrücks sprengten plötzlich 30 Polizeier auf die Brücke, voran ein Leutnant, der mit dem«äbel in der Luft herumfuchtelte. Während die Schutz» leute sich zur Kette formierten, zogen auch sie blank und banden sich die Plempe um das Handgelenk. Eine furchtbare Erregung bc- inächtigte sich der Menge, die ungefährlich, lediglich das Recht auf die Straße behauptend, daberzogen. Wer mags den Massen ver» denken, daß sie, wütend ob der Vorbereitung zum Massenschlachten, diese Provokation mit Pfuirufen antworteten! Aber die Demonstranten ließen sich nicht provozieren; ihre Demonstration galt ja nicht den Schutz» männern, denen unter dem gelben Revolvergurt der Magen ebenso, knurrt wie den Tausenden, die da herankamen. Ruhig zog die Menge dann links ab, am Elisabelhufer entlang über die Luiscnbrücke nach der Ritterstraße. Etwa 4000 Menschen hatten bereits die Brandenburgstraße erreicht, als man gewahr' wurde, daß die andere Hälfte des ZugeS durch ein neues Polizei» aufgebot an der Luisenbrücke abgetrennt worden war. Die Vier» laufend zogen weiter gegen die Lindenstraße vor. An der Alten Jnkobstraße angelangt, kam plötzlich vor» an der Lindenstratze ein starkes Polizeiaufgebot in Sicht, darunter etwa acht Reiter. Die Menge hielt an, ein Mann ließ sich hochheben und forderte die Demonstranten auf, nunmehr die gelungene Kundgebung zu beendigen. Es wurde Kehrt gemacht, um sich an der folgenden Straßenkreuzung zu zerstreuen. Inzwischen rückte das Polizeiaufgebot im Laufschritt heran und trieb die Menge vor sich her, hinein in die Alexandrinenstraße bis an die Wassertorstraße heran. Der Sturz eines Reiters, Püffe und einige Verhaftungen beendigten hier die Polizeiattacke, die hier noch weniger wie an anderen Stellen berechtigt war. * Auch im Norden wurde das Straßenbild durch die nach den Versammlungen strömende Menge stark beeinflußt. Während die Referenten im Lokale dem Unwillen des Volkes gegen die Hungerpolitik und ihren Vater, den Kapitalismus beredten, vo» spontanen Kundgebungen der Versammelten stark unterstrichenen Ausdruck gaben, strömten immer noch mehr Demonstranten heran. Zu Hunderten, Tausenden, Zehntauscnden trieb der Hunger seine Opter, manches mit den sichtbaren Spuren der Entbehrungen im Gesicht, aus de» elenden Wohnungen, aus den dunklen Höfen auf die Straße. Männer und Frauen formten sich zu laugen Zügen, die de» Ver- sammlungslokalen zustrebten. Hier wogte es aus und ab; hin und her wälzte sich der vieltausendlöpfige Massenkörper. Nach und nach lösten sich einzelne Teile los. strebten der inneren Stadt zu. Aber die Schar, die in der Nähe der Versammlungslokale der Demonstration im Lokale das Relief des Wuchtigen gebieterisch gab, wurde nicht kleiner. Von den verschiedenen Seiten wälzten sich ununler» brachen neue Trupps heran, die in dem Riesenleibe ver- schwanden. Die auf den Straßenecken postierten, ans den Straßen herumstehenden zum Dreinhauen ausstaffierten Schutzleute gaben dem ganzen Bilde das gewohnte preußisch-reglementierte Gepräge. Große Reservetrupps der Bewaffneten hielten sich in den ein- gerichteten Wachen verborgen, des Winkes gegenwärtig, den demonstrierenden Hunger durch knatternde Brownings und blul» treibende Säbelhiebe zu verjagen. Aber die Sache sah zu ordnungs- schön aus, Knalleisen verschwanden, manche trutziglich herunter- gerissene Schuppenkette fand wieder ihr gewohntes Ruheplätzchen. Nach Schluß der Versammlung strömten die Masten nach den ver» schiedenen Seiten auseinander. Schon glaubte man, es werde keine weitere Demonstration folgen, rudelweise kamen Schutzleute a»S ihren Verstecken, gruppierten sich zum Abmarsch, da formierte sich plötzlich ein Trupp von mehreren Tausend Männern und Frauen auS den Germaniaiälen kommend, zu einem losen Zuge, der sich unter Hochrufen nach der Weidendammbriicke in Bewegung setzte. Nun flogen die Schntzlente auseinander. Eine doppelte Kette stark Bewaffneter an der Elsasser Straße� hinderte den Weitermarsch. Der Zug durchzog dann die Elsasser Straße, passierte den Hackeschen Markt und quoll die Brückeustraßc hinein. Hier stieß er bald auf Schutzleute, die den Demonstraiionszug aufhieltcu und zurückdrängten. Weil das nach der preußisch-polizeilichen Ordnung nicht fix genug ging, kain eS zu einigen, aber ohne schärfere Konflikie verlaufenen Zusammen- flößen. Nach und nach löste sich der Zug auf; gegen 21/3 Uhr halte das Stadtbild hier sein gewohntes Gepräge wieder erlängt. Aber der Hunger der Masse ist noch nicht gestillt und wird nicht ruhig bleiben. -»* * Große Empörung unter den Passanten rief das Vorgehen der an der Spandauer Brücke postierten Polizei gegenüber einem Fahr- gast der Straßenbahn(Gerichtöring 5) hervor. Durch das Heran- nahen eines Zuges Versammlungsbesucher von den Germaniasäle» scheinen die dortigen Polizeibcamten nervös geworden zu sein. Plötzlich beobachteten Passanten, wie einige Schutzleute von dem Straßenbahnwagen einen Mann herunterholten und auf denselben mit Fäusten einstießen, so daß er blutete. Auf Befrage», was der Man» getan habe, erklärten die Beamten, sie seien von demselben beschimpft worden. Diese Behauptung wurde jedoch nicht nur von den übrigen Fahrgästen, sondern auch von dem Schaffner des Motor» Wagens als irrig bezeichnet. Ter von den Beamten Mißhandelte hatte noch ein Kind im Innern des Wagens und war bereits in Neukölln aufgestiegen. Als die Polizei gar Miene machte, den Mann zu verhaften, machten der Schaffner wie auch einige Passanten den Leutnant darauf aufmerksam, daß sich ein Kind desselben im Wagen befände, daS man doch nicht allein lassen könne. Sowohl der Schaffner wie auch die vorstellig werdenden Passanten wurden zunächst unsanft angefahren, und erst als der Schaffner erklärte, nicht weiterfahren zu wollen, wenn nicht die Polizei auch zugleich sich des Kindes annehme, ließ man den Mißhandelten los. Bei dem Anblick,>vie eine Anzahl Schutzleute den völlig schuld- und wehrlosen Mann bchairdelten, bemächtigte sich der Umstehenden eine große Erregung. Nnbchclligt blieb ein Demonstrationszug, der um ziemlich die» selbe Zeit mit etwa 30 Bannern und klingendem Spiel die Chaussee- straße entlang nach dem KriegervereinShans zustrebte. Es war— die Jugendwehr, der von der Polizei der Weg frei gemacht wurde. Wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe! Soziales. Eine halbe Minntc Arbeitszeit soll eiue Mark koste»! Schikanöse Strafbesliummngen befinden sich in der Arbeits- 0 r d n u» g der ch e m i s ch e n F a b r i k von Schering. Jedem Arbeiter, der in den Aibeitsräumen Besuche empfängt, wiro eine Strafe bis zur Hälfte des täglichen Arbeitsverdienstes angedroht. Mit dem Arbeiter H., der Mitglied des Arbeiterausfchuffes ist, sprach eine Biertelstmide vor Beendigung der Arbeitszeit ein Kollege aus einem anderen ArbeitSsaal, dessen Arbeitszeit erst eine Viertelstunde spater begann. Ein Angestellter der Firma beobachtete das Gespräch und bewirkte, daß der Arbeiter H. in eine Ordnungsstrafe von 1 Mark genommen wurde. Er klagte gestern vor der achte» Strafkammer des Gewerbegerichts auf Rückzahlung der Mark. Er legte dar, er habe angenommen, daß der Kollege, ihn in seiner Eigenschaft als Mitglied des Arbeitcrausschusses habe sprechen wollen. Der Vertreter des Beklagten machte geltend, daß das Gespräch mindestens— eine halbe Minute gedauert habe. Die Strafe sei zu recht verhängt worden, denn nach den Para- graphen 17 und 21 der Arbeitsordnung sei es verboten. Besuche zu empfangen. Das Gericht verurteilte die Beklagte zur Rückzahlung der Ordnungsstrafe, da diese zu unrecht auferlegt ist. Gestaltung der Zentral-Krankcnkasse der Zimmerer. Die 15. Generalversammlung der Zeutral-Kranken- und Sterbckasse der Zimmerer tagte vom 23. bis 25. September im ..Volkshause" zu Stettin. Es waren auf ihr 58 Delegierte, 4 Mit- Glieder des Haupivorstandcs und«in Mitglied der Kontrolltom- tniffion anwesend. Nach dem Geschäftsbericht zählt die Kässe in 371 Verwaltungsstellen 13 330 Mitglieder. Bei der Debatte über das fernere Schicksal der Kasse wurde außerordentlich heiß die Frage umstritten, ob die freie Hilfskasse der Zimmerer in Zukunft als Ersatzkasse nach§ 533 der ReichsbersicherungSordnung bestehen bleiben, oder in eine Zuschufikasse umgewandelt werden soll. Nachdem 23 Redner das Für und Wider mit den eigenartigen ort- lichcn Verhältnissen begründeten, wurde in namentlicher Abstim- münz die Nmwaudlung in eine Zuschußkasse wie auch in eine reine Ersatzkasse abgelehnt. Gegen eine Stimme wurde beschlossen, die freie Hilfskasse der Zimmerer als Ersabkasse in Verbindung mit einer Zuschußkasse weiter bestehen zu lassen..Die Kasse wird in Zukunft Mitglieder führen, denen, je nach der Beitragsleistung, neben dem Krankengelde Arzt und Medizin gewährt wird, oder die bei niederen Beiträgen nur einen Zuschuß zum Krankengeld er- halten. Die erstgenannte Art der Mitglieder gehören der Ersatz- kasse an und sind von den Leistungen zu den Pflichtkassen befreit. wenn sie an die zuständige Krankenkasse einen dahingehenden Aw- trag stellen. Hierzu sind Einrichtungen vorgesehen, die diese Arbeit den Mitgliedern erleichtern. In den neuen Satzungen sind an Beiträgen und Leistungen festgesetzt: für Mitglieder der Ersatzkasse: I. Klasse 1,35 M. Beitrag, Krankengeld pro Woche 18 M. ■rn'" 2'""»» /.» 15„ « 0.7o„„„„ 12„ IV.„ 3.00,„„„„ 9. V-.. 0,45„„„„„ 6, Für Mitglieder der Zuschußkasse. I. Klasse 03 Pf. Beitrag, Krankengeld pro Woche 13,50 M. II.» 53„,„» m 11,25„ EI-„ 40„„„„ 9,00. IV-- 30„„„ 0,75„ V.„ 20..■„„„ 4,50. Da» Krankengeld wird auf die Dauer von 40 Wock>en gelvährt. Der Sitz des Vorstandes und des Ncvisionsausfchusses wird Hamburg, des Aufsichtsrates Berlin. Die neuen Satzungen treten mit dem 1. April 1913 in Kraft. Gründung eineS„nationalen" Krankenkassenverbandcs. In Köln sind am Sonntag zu dem ausgesprochenen Zweck, einen Keil in den Zentralverband der Ortskrankcnkassen Deutsch- lands zu treiben, Zentrumsleute. Vertreter der christlichen Gewerk- schaften und Arbeitervereine, Antisemiten, Gelbe, Vertreter der Hirsch-Tuirckerschen, natianalliberale Parteigrötzen und Vertreter von Arbeitgcbcrorganisationen zusammengekommen, um einen„Ver- band deutscher Äranlenkassen" zu gründen. Der wütende Haß gegen die Sozialdemokratie hatte diese Herrschaften zusammen- geführt, um einer durchaus neutralen Organisation, in der bisher Arbeitgeber und Arbeitnehmer erfolgreich zusammengeabeitet haben, in den Rücken zu fallen. In den Ruhmcskanz der christ- lichen Gewerkschaftsführer, die auch bei dieser neuen Gründung im Vordertrcffen stehen, wird ein neues Lorbeerblatt geflochten. Behrend hielt die Begrüßungsansprache. Kennzeichnend für die parteipolitischen Beweggründe ist es, daß unter anderem der Generalsekretär der rheinischen Zentrumspartei, ferner der General- sekretär der nationallibcralen Partei des Rheinlands und der Vor- sitzende der rheinischen Nationalliberalen, Professor Moldenhauer, erschienen waren. Ebenso war der Generalsekretär Halbach von dem Betiebskrankenkasscnvcrbaird aus Essen erschienen und auch noch andere Vertreter von Arbeitgebcrorganisationen. Der Referent Ba l t r usch- Köln gestand ganz offen, daß die Anregung zur Gründung des Verbandes aus den Reihen der Mitglieder und Beamten der christlichen Organisationen erfolgt sei, ebenfalls aus den Reihen der nationalliberalcn Vorstandsmitglieder, Rcnbanten und Vertreter deutscher Ortskrankenkassen, die„der sozialdemokra- tischen Vorherrschaft" im Hauptverband der Ortskrankenkasscn überdrüssig sind! Professor Moldenhauer bezog sich auf ein Schreiben Bassermaniis, daß die nationalliberale Partei einen solchen Verband auf nationaler Grundlage freudig begrüße und freudig mitarbeite. Man beschloß die Gründung des Verbandes, dem angeblich sofort 41 Krankenkassen mit etwa einer Viertelmillion Mitgliedern beitraten, und wählte einen Arbeitsausschuß, der die erste Generalversammlung vorbereiten soll. Gegenüber den Erklärungen der Nationalliberalen sei er- innert an einen Artikel der„Kölnischen Zeitung", worin es heißt: ..Die Zahl der Ortskrankenkassen, in denen der Einfluß der Sozialdemokratie in ullzuträgkichcr Weise herssörgetreken ist und zu Reibungen zwischen den Versicherten einerseits und den Arbeit- gebcrn oder Aufsichtsbehörden andererseits hervorgetreten sind, ist verhältnismäßig nicht hoch." Und der bekannte Kenner der Arbeiterversicherungsgesetzgebung, nationnlliberale Profssor Sticr-Somlo, sagte auf einer Tagung im Mai 1910: „Ich stehe der Sozialdemokratie fern, muß aber auf Grund meiner weitreichenden Erfahrungen sagen, daß die von den sozial- demokratischen Arbeitern geleiteten Krankenkassen die besten sind, was um so mehr bedeutet, als die Arbeiter doch, selbst die infolge der hohen Leistungen höheren Beiträge aufbringen." ./Ziis der Frauenbewegung. Frau Tony Breitscheid bittet uns der Berichtigung unserer Notiz „Frauenrechte bei den Fortschrittlern" mitzuteilen, daß sie seit Früh- jähr d. I. nicht mehr der Demokratischen Vereinigung und zurzeit keiner Partei angehört._ Hus aller Melt. Des Zaren Renkershneebte. Die Moskauer Zeitungen bringen fortgesetzt Einzelheiten über die jüngsten blutigen Vorfälle in Kutomara, wo zahlreiche politische Gefangene infolge der entsetzlichen Behandlung Selbst- in o r d begangen habe». Die„Nußkoje Sloivo" veröffentlicht folgenden Brief esichs Gefangenen, der einen Einblick in diese Kerker- Hölle gestaltet: „Ich möchte nicht schreiben— so beginnt der Brief— ich muß aber, da morgen Ereignisse eintreten können, die mir das Schreiben unmöglich machen. Niemand wird dann wissen, was hier vor- gefallen ist. Ich schrieb schon, daß am 5. Juli ein neuer Direktor. G o I o w k i n, in unserem Gefängnis eintrat. Infolge der rohen Behaudlniig entstand bald ein ernster Konflikt. Das Gefängnis hungerte sieben Tage. Ein Gefangener machte den Versuch, sich zu vergiften. Glücklicherweise ohne Erfolg. Der Konflikt mit der Administration wurde damals beigelegt. Am 14./27. August brach er aber wiederum in verschärfter Form au». Der G e f ä n g n i S i n s p e k t o r S e m e n t o w s k y. der zur Revision eingetroffen war, suchte den Direktor dadurch zu unterstützen, daß er die Gefangenen roh behandelte und sie duzte. Bei dieser Gelegenheit kam es zu einem Wortwechsel zwischen ihm und dem politiscbeil Gefangenen B r i l l i o n, der damit endete, daß der Be- seht erteilt wurde, Brillion d u r ch z n p eit s ch e n! Der Befehl wurde vollstreckt und am 17./S0. begannen die Gefangenen, die sich von dem ersten Hungerstreik noch nicht erholt hatten, wieder zu hungern. Die Lage war so aussichtslos, daß keine Hoffnung für die Beilegung des von Sementosky heraufbeschworenen Konflikt» gehegt wurde Gleich darauf begannen die Selbstmorde der Gefaugenen. Am ersten Tage starben drei: Maslow, Rytschkow und Lei- b a s o n, am zweiten P li ch a l s k i. Drei andere Gefangene, die sich vergiftet hatten, M i ch a i l o w. M o s ch k i n und K o s l o w wurden gerettet.(Wie ans einem anderen Bericht bervorgehl. wurde M>chailow irrsinnig: einen Selbstmordversuch unternahmen ferner die Gefangenen O d i n z o w und T s ch e r e n k o w). Heute hungern wir schon' den vierten Tag. In Anbetracht der allgemeinen Er- schöpfnng werden wir kaum den siebenten oder achten Tag überleben. Wenn die Gefangenen sich bis da- hin nicht vergiftet oder die Adern durchgeschnitten haben, werden sie vor Erschöpsnng zugrunde gehen." Am Schluß des Briefes findet sich folgendes Postskriptum, das vom 4. September datiert ist:„Ich erhielt soeben neue authentische Mitteilungen. Der Direktor G o l o w k i» erklärte in den Zellen, er verlange von den politischen Gefangenen dieselben militärischen Ehrbezeugungen usw. wie von den Kriminalgefangenen. Wegen Ungehorsams werde er Exekutionen anordnen.. Nach den ersten Todesfällen erklärte der Direktor den Gefangenen:„Ich habe von dem Inspektor SementowSky den Befehl erhallen, den Hungernden gegenüber keine künstliche Ernährung an- zuwenden. Euere Sache ist es zu st erben, und meine— Euch zu beerdigen. Das ist alles I" Tie Pest. Wie ein Telegramm auS London meldet, ist an Bord des englischen Dampfers„Bellailsa", der am 1l). September aus Hamburg auf dem Tyne eintraf, ein Pe st fall vorgekommen. Ein Schiffsjunge, der am 1v. September erkrankte, ist am 18. September gestorben. Die bakteriologische Untersuchung hat Pest als Todesursache ergeben. Ein zweiter Schiffsjunge, der erkrankt war, ehe das Schiff aus Hamburg auslief, ist am 4. September in Ham- bürg gestorben. Ein dritter wurde auf der Höhe von Cuxhaven krank und liegt jetzt in dem dortigen Kranken- haus. Wahrscheinlich handelt es sich auch in diesen beiden Mllen um Pesterkrankungen. Ans dem Tyne sind alle Vor- sichtsniaßregeln getroffen lvordcn. In einem Flecken der Kirgisenstcppe sind, wie aus Uralsk gemeldet wird, vier Fälle von Bculcnpest fest- gestellt worden, die sämtlich tödlichen Ausgang hatten._ Todessturze amerikanischer Flieger. Auf dem Mililäiflugplatze vou College-Park bei New Dork haben sicki am Sonnabend und Sonntag zwei schwere Flug- Unfälle zugetragen. Der Leutnant Rockwol! und der Unteroffizie« Frank Scott waren am Sounabendmittag in einem Wright» Doppeldecker aufgestiegen und hatten schon mehrere wohlgelungene Flüge ausgeführt. Die Landung gestaltete sich aber sehr schwierig, der Apparat geriet beim Abstieg ins Schwanken und stürzte aus nicht unbeträchtlicher Höhe ab. Der Unteroffizier war sofort tot, Leutnant R o ck w o l l erlitt einen Bruch beider Beine und so schwere innere Wer» letzungen, daß er aus dem Transport nach dem Hospital st a r b. Am Sonntag unternahm der Flieger L o u g st a s f in Begleitung seines Mechanikers Chevalier einen Aufstieg, bei dem der Apparat aus etwa 100 Metern Höhe ab st ürzte und die Insassen unter sich begrub. Longstafs war sofort tot, an dem Wiederaufkommen Chevaliers, der schwer» verletzt in ein Krankenhaus gebracht wurde, wird gezweifelt. Unter Kavalieren. In W ü r z b u r g ist es zwischen einem Rechtsanwalt und einem Kavallerieofsizier zu einem Zusammenstoß ge- kommen, der für den Offizier unangenehme Folgen nach sich ziehen dürfte. In der American Bar des CafsS Wittelsbach entstand zwischen dem Rechtsanwalt Oskar Straub und dem Ober» leutnant Fr Hrn. v. Thüngen des 1. bayerischen Ulanen» rcgiments in Bamberg ein Streit. Der Oberleutnant, der sich in Zivil befand, hänselte den Rechtsanwalt, der ruhig an seinem Tische saß, bis dieser sich das Benehmen des Offiziers verbat. Der Oberleutnant fuhr jedoch fort, witzelnde Bemerkungen über den Bart des RechlSainvalts zu machen. Daraus kam es zu einem Wort» ivechsel, in dessen Verlauf ein Schlächtermeister und ein Ingenieur für den Rechtsanwalt Partei ergriffen. Bei dieser Auseinandersetzung lvurde der Offizier geohrfeigt. Darauf riß der Ober» leutnant einem in seiner Gesellschaft befindlichen Unteroffizier deS Würzburger Artillerie- Regiments den Säbel auS der Scheide und wollte sich' damit auf seinen Gegner stürzen. Nun möchten sich andere Gäste des Lokals ein und entrisien dem Offizier die Waffe. Der Vorfall wurde von dem Oberleutnant und von einigen unbeteiligten Zuschauern dem Regiment gemeldet, da» über den Offizier Kasernenarrest verhängte. Außer- dem befaßte sich der Ehrenrat bereits mit der Angelegenheit. Frhr. v. Thüngen hat den Rechtsanwalt.und den In» genieur zum Duell fordern lassen. Immer standesgemäß I Erst verdient man sich redlich Ohrfeigen und dann knallt man den Beleidigten nieder l Meschugge. Der Franenfeldzug zugunsten der Wahl Roosevelts hat nunmehr auch die Ailbängeriimeu Tafts und Wilsons veranlaßt, für ihre Kandidaten in drastischer Weise Stimmung zu machen. Die für Wilson demonstrierenden Frauen zogen am Sonntag barfuß durch die Straßen New Jorks nach ihrem Klub. Sie wollten damit zeigen, daß infolge der Schutzzollpolitik, durch welche die Baumwollwaren einen 95 prozeutigen Aufschlag erleiden, es einer ehrliche» Frau unmöglich gemacht wird, Strümpfe zu tragen. Die Aiihäugeriunen Tafts zogen im Gegensatz zu den für Wilson demonstrierenden Frauen mit silbernen Strümpfen be» kleidet durch die Straßen nach ihrem Klub, womit sie ihr Ein» trete« für die Schutzzollpolitik versinnbildlichen wollten. Einig aber sind die feindlichen Schwestern mit ihren stärkeren Hälfte» in der gemeinsainen Ausplüuderung des Proletariats. Kleine Notizen. Unglückliche Liebe. Am Sonnabend ließ sich die 17jäbrige Apna Abendrot aus Hennigsdorf vom Zuge übersahreu. Sie hielt sich sin Gestrüpp nahe der Encnbahnbrücke verbolgcn und sprang vor den Zug, der abends Vä? Uhr in Hennigsdorf eintrifft. Die Unglückliche wurde vollständig»n zwei Hälften geteilt. Unglückliche Liebe soll das Motiv zur Tat sei». Aus der Flucht erschossc». Am Moiitag morgen wurde in P i l l a u ein junger Mensch, der einen Einbruch in die Festungskasse versuchte, ergriffen. Als er auf dem Wege zur Wache zu entfliehen suchte und auf dreimaligen Anruf nicht stand, feuerte einer der ihn begleitendeil Wachmaunschaften und traf den Flüchtling tödlich. Schreckenstat in einem Krankcnhause. Ein Metalldreher aus Sülz verschaffte sich Zutritt in» Kölner Krankenhaus unter dem Vorwande, seine dort untergebrachte Ehefrau suchen zu wollen. Der Mann führte ein Fläschche» Gift mit sich, gab davon seiner Frau und»ahin dann s e l b st Gift. Mau fand beide als Leichen im Krankenzimmer vor. Auf einem hinterlassencu Zettel teilte der Mann mit, daß er ohne seine Frau, die er verloren gebe, nicht leben könne. ReißauS genommen. Mit 90 000 Kronen ist der Kassierer M l a k e r der Sleiermärkischcn Eskoinptebank flüchtig geworden. Mlakcr ivar Verwalter der Filiale L e o b e n des genannten Bankinstituts. Ehetragödic in Wie». In der letzten Nacht hat sich in einem Hause der Herualser Siraße in Wien ein furchtbares Ehedrama ab- gespielt. Ans Eifersucht hat der 33jährige Krankenwärter Korschen seine 25jährige Gattin mit einem Seitengewehr den Hals durchschnitten und sich sodann mit einem Taschen« messer zu entleiben versucht. Die Frau ist tot, Äorschen schwer v e r iv u n d e t. Explosion eines chinesischen PulvermugazinS. Da» Pulvermagazin von F a u l s ch ö n g i« der Provinz Hupeh ist durch die Explosion in die Luft geflogen. Das Magazin und die umliegenden Häuser wurde» zerstört. Ueber 13 3 Menschen kamen bei der Katastrophe ums Leben. ■HanDHraDEHBEBBC* damit veiaden werden könnte. Meine Verkaufs-, Ausstellungs- und Lagerräume umfassen 15 Möbel-Etagen, und ist kein zweites Geschäft auch nur annähernd in der Lage, so kolossale Möbelläger aufweisen zu können. Besichtigen Sie gefälllget mein Kredithaus, und Sie werden meine Angaben bestätigt findenl ANZAHLUNG nach Ueberelnkunft B. | Mitglied tier Tischler-Innung| Wichtig für Brautleute und zum Umzüge Elnzln»a Kredtffanas, welche« organisierte Elok«»Irrer bt«ehBlllB(7 FEDER Brunnen-Strasse 1 Frankfurter Allee 89 Kottbuser Damm 103 KREDIT awf 2 bis 3 Jahre | Mitglied der Tapezierer-Innung| Einziges M&aiis, wcidies ta. 1 17 OOu Koolen iiat Sku&sdie, eng&sdißuncL cmTeü&amsdie Neuheit: k Neuheit; B Neuheit: C Neuheit: D Neuheit; B Neuheit: F Neuheit: O Neuheit; K Neuheit: J Neuheit: S Nr. 1. OHt, grau oder bräunlicher ge»< O„ mustertar cheviot............. IOM. Nr. 2. 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Sdinjc des.Fmiiels" Derlim Uolksdlslt. Dlislas, l. GKIod» MZ> vi« Seiiei'slverizmmluag äe; lireiz- »»shlvel'eiliz iiieckerbai'nim, die am Sonntag in Rummelsburg tagte, nahm den Bericht der Delegierten vom Parteitag entgegen. Genosse Lorenz, der den Bericht gab, sagte, der Parteitag habe einen des Wahlsieges vom 12. Januar würdigen Verlauf ge- nommen und ein Bild der Einigkeit gegeben, wie es seit Jahren nicht auf den Parteitagen gesehen wurde. Die vollkommene Einheit- lichkeit der Parteigenossen sei zum Ausdruck gekommen bei der Ver- Handlung über die Sonderkonferenzen, deren Abhaltung allgemein ver- urteilt wurde. Wenn die Sonderkonferenzen auch nicht gerade ver- boten wurden, so werde doch der vom Parteitage ausgesprochene Wunsch genügen, daß sie in Zukunft nicht mehr abgehalten werden. Ter Redner besprach die übrigen Vcrhandlungsgegenslände des Parteitages und gab der Ansicht Ausdruck, dah sich auch hier die vollkommene Einheit der Parteigenossen bekundet habe. So hin- sichtlich der Göppinger Angelegenheit und des Falles Radek. Die Anträge des Kreises zur Reorganisation der Partei seien von den Delegierten zurückgezogen worden, und mit Recht, denn das mit einer noch nie bei einer solchen Gelegenheit bekundeten Einmütig- keit angenommene Parteistatut lasse im wesentlichen die bisherige Form bestehen, nur der Parteiausschutz sei als etwas Neues hinzu- gekommen.— Die Resolution des Kreises zum Stichwahlabkommcn sei ja verurteilt worden, aber auch die Dämpfung sei nicht gebilligt worden. Sic hätte auch in der Form, wie sie. der Parteivorstaiid seinerzeit empfahl, nicht geschehen dürfen. Die Darstellung, welche Genosse Scheide mann gegeben, habe den Parteitag überzeugen müssen, daß der Parteivorstand nach Lage der Sache nicht anders handeln konnte. Die Dämpfungsklansel sei allerdings nicht zu billigen. Die Resolution, welche die Dämpfung verurteilt, konnte zurückgezogen werden, nachdem Schcidemann erklärt hatte, eine Dämpfung solle in Zukunft nicht Widder vorkommen.— Der Redner sprach sich anerkennend über das Referat des Genossen Haa se und die Stellung des Parteitages zum Imperialismus aus. — Einen Mißton habe die Aushebung des Nürnberger Beschlusses zur Maifeier hervorgerufen. Es würde vielleicht ein anderes Ab- stimmungSresultat herausgekommen sein, wenn der Antrag Giebel nicht als selbständiger Antrag, sondern als Amendement zu dem ursprünglichen Antrage behandelt worden wäre. Es könne als sicher angenommen werden, daß das großstädtische Proletariat nicht für die Aufhebung deS Nürnberger Beschlusses sei. Durch die Aufhebung desselben habe man der Maifeier keinen Dienst er- wiesen. Es sei bedauerlich, daß Gcwerkschaftsangestcllte, darunter solche des Mctallarbeiterverbandcs, den Nürnberger Beschluß nicht befolgt hätten.— Die Kundgebung gegen die Ursachen der Teuerung, ebenso die für den Bergarbciterschutz würden ihre Wirkung nicht verfehlen.— Im Falle Hildebrand habe sich gleichfalls die große Masse der Parteigenossen für den Ausschluß dieses Eigen- brödlcrs entschieden, dem niemand eine Träne nachweinen brauche. Für solche Genossen, die nicht auf dem Boden des Parteiprogramms stehen und die Parteigenossen auf andere als die durch das Pro- gramm vorgzeichnete Bahnen leiten wollen, sei kein Platz in der Partei.— Es sei mit Freuden zu begrüßen, daß nicht der Partei- tag, sondern der Parteivorstand den Ort der nächsten Tagung zu bestimmen habe, denn die räumlichen Verhältnisse des Chemnitzer Kongretzlokals hätten sich als durchaus unzureichend erwiesen. N e u m a n n bezeichnete die Haltung des Parteitages zur Ab- Haltung von Sondcrkonferenzcn als erfreulich. Bcsrcmdet habe es ihn.lRrdncr), daß sich eine Mehrheit für die Aufhebung des Nürn- berger Maifcierbcschlnsses fand. Einen so vernünftigen Beschluß hätte man nicht aufheben sollen. Wenn sich jemand mit geschwellter Brust und aufgeblasenen Backen zur Maifeier begibt und dann verlangt, daß ihm der Tag bezahlt wird, von dem kann ich nur— sagte der Redner— mit dem Gefühl der Verachtung sprechen.— Scheidcmann habe in seiner freundlichen Weise den Groß- Berliner Genossen einen ganz gesalzenen Hieb versetzt. Dazu sei er berechtigt gewesen, denn nach dem Verlauf der beiden letzten Verbandsversammlungen von Groß-Berlin habe Scheidemann allerdings sagen können, daß Pieck in Berlin Trumpf ist. Der Redner betont, er könne sich mit Pieck nicht einverstanden erklären. Wenn auch nur der zehnte Teil von dem»vahr wäre, was Pieck in der Verbandsv rsammlung sagte, dann würde ich— sagte der Redner— der erste sein, der sich ihm an die Seite stellt. Aber ich glaube, daß die von uns gewählten Vertreter Mannes genug sein kleines feuilleron. Der englische Sonntag. Nichts kann einen Besucher Albions, der an de» Trubel des kontinentalen Sonntags gewöhnt ist. ein- sainer und trauriger stiinnien als der engliiche Sonntag. Die Straßen find wie ausgestorben, die Thealer geschlossen. Nur hier iind da siebt inan einen Tabakladen, der geöffnet ist— ein Beweis dafür, ivelch wichtige Rolle das Rauchen in unserer Zivilisation spielt. Die Wirtshäuser sind währmd des Gottesdienstes gesckilossen und öffne» ihre gastlichen Pforten(in Londons nur zivischen 1 und 3 Uhr»achmitiogs und 6 und t 1 Uhr abends. Wenn inan beabsichtigte, Mit dieser Maßregel die Jnnger G niibl innS' und Bacchl ls' in die Bcthänter zu treiben, hat man sich gründlich verrechnet. Die Freunde der WirtShquler haben sich den Verhältnissen einfach angepaßt. Für Leute, die keine höheren Bedürinisse habe», ist der ganze Sonnlag ei» Tag der Langeweile, die durch den Besuch einer Kirche nur ver- stärll ivird. Die Predigten stehen in, allgemeinen auf einen, sehr liefen Niveau und arten bei den nonkonsorminischen Sekten nicht selten offen in deinago�jjche liberale Parleiergüsse aus. Die einzige Unterhaltung, die tick dem denkenden und fühlenden Menichc» bietet, sind die Soiuitogskonzerte, die man in den letzten 20 Jahren allmählich einführen konnte, indem man der öffentliche» Heuchelei ffhineichelte. Der verdienstvolle Mann, der dies fertig brachte, ist erst vor wenigen Tagen gestorben. Er gründete die .Sundah Lragne", die des Sonntags Freikonzerte veranstaltet, zu denen eine kleine Zahl Besucher unentgeltlich zugelasien wird; die große Mebrheii muß jedoch für die„reservieiien* Sitze bezahlen Die Heiligkeit des Sonntags wurde somit durch keinen profaiie» Geschäitsbetrieb gestört. Nun haben aber in den letzten Jahren die Kiiiemaiographenbesitzer der„Siinday. Leagne" das Geheimnis der Methode abgetauicht. Auch sie öffnen beute ihre„Kieiilöppe" des SoimiagS zum Nüven und Frommen einer guten Sache. Um sich den Verdienst des Sonntags nicht entgehen zu lassen, vermieten sie ihre.Luxuslheater" und„Paläste" an dte in England so überaus zahlreichen, meist religiösen WohltäiigkeilSgeiellichasten. die den Be- sitzern a» Miete und Unkosten den Löwenanteil der Einnahmen zu- rückzahle» müssen. Darob ist nun ein großes Allotria entstanden. und es hat den Anschein, als müsse man sich endlich dazu bequemen, die Frage der Soimtagsvergnügungen. deren Veranstalter heute den Weg über den Chnnborasso der Heuchelei suchen müssen, vernünftig zu regeln. Siiiiiiltan- Heilige. Einen interessanten Belag dafür, wieviel fremdes Material die bestehenden Religionen mitführen, liefert G. Legrain in der„Revue Egyvtienne". Er behandelt die Per- ehrnng, die gewissen Marabus und christlichen Heiligen in Aegypten von den Wundergläubigen des Isla», wie des Christentums zuteil wird. Alle Jahre wandern in der ersten Hälfte des August große Pilgerzüge nach den. Grabe und dem Kloster des Abn Sefeiir in, Norden von Luksor, Die heilige Stätte hat den Ruhm sicherer Vsflesungswunder an Besessenen. Der Krank wird in Weih ge» würden, einer Autokratie, wenn sie sich zeigen sollte, entschieden ent- gegenzutreten. Bartels(Parteitagsdelegierter) erklärte sich im großen und ganzen mit den Ausführungen des Genoffen Lorenz einverstanden und bemerkte, daß die Delegierten des Kreises in allen Fragen einig waren. Auch gegen die Aufhebung des Nürnberger Beschlusses haben sie geschlossen gestimmt, weil sie auf dem Standpunkt stehen, daß diejenigen, die am 1. Mai feiern und den Tag bezahlt bekommen, diese Einnahmen zugunsten der Opfer der Maifeier abführen können. Es seien nicht nur Angestellte des Metallarbeiterverbandes gewesen, die den Tagesverdienst nicht abführten, sondern auch Buchdrucker in Parteibetrieben und Parteiangestellte, sogar— Redakteure der Parteiprcsse seien darunter. Die Sündenböcke seien also in allen Lagern zu suchen. Der Antrag Giebel habe auch nicht den richtigen Weg beschritten, denn er verlange, daß nur Partei- und Gcwerk- schaftsangestellte den Tagesverdienst abführen. Das würde ein Ausnahmegesetz für diese Angestellten bedeuten. Nach dem Grund- satz: Was dem einen recht ist, ist dem anderen billig, mutzten auch alle in Parteibctrieben Beschäftigten den Tagesverdienst abführen. Der Antrag Giebel dürfe auf dem nächsten Parteitage nicht an- genommen werden.— Im Falle Hildebrand seien die Tele- gierten des 5treises nicht einig gewesen. Niemand billige die von Hildebrand vertretenen Ansichten. Diese seien aber nur einem kleinen Teil des Parteitages, ja nicht einmal allen Mitgliedern der Beschwcrdekommission bekannt gewesen. Deshalb seien einige Delegierte des Kreises dafür gewesen, daß die Angelegenheit Hilde- brand noch auf ein Jahr vertagt werde. Der Redner meint, er hätte es begrüßt, wenn der Antrag Laufenberg angenommen worden wäre. Dies sei der einzige Punkt, in dem die Delegierten des Kreises verschiedener Meinung waren. Mau beantragte eine Resolution, welche Protest dagegen er- hebt, daß durch die Abhaltung der Gencralversarmnlun>g die Partei- genossen verhindert würden, an den gleichzeitig tagenden Demon- strationsversammlungen teilzunehmen; der Kreisvorstand solle bei solchen Gelegenheiten keine Generalversammlung einberufen. Der Vorsitzende Brühl erklärte, der Kreisvorstand habe von den Demonstrationsversammlungen erst durch den„Vorwärts" Kenntnis erhalten, als die Generalversammlung bereits angesetzt war. Er habe im Zentralvorstand Einspruch dagegen erhoben, daß Demonstrationen durch den geschäftsführenden Ausschuß ohne Mit- Wirkung der Krcisvertrcter beschlossen werden. Einer weiteren Kritik habe er sich enthalten, um der Demonstration nichts in den Weg zn legen. Hierauf wurde die Resolution zurückgezogen,. Küter bedauert die Aufhebung des Nürnberger Beschlusses. Man müsse das, was Robert Schmidt zu diesem Punkt sagte, voll- inhaltlich unterschreiben. Der jetzige Beschluß sei geeignet, die Mai- feier zu schädigew— Die Mehrhert der Delegierten des Kreises sei für den Ausschluß Hildebands gewesen. Nur zwei Tele- gierte hätten auf einem anderen Standpunkt gestanden. Wir sagten uns, wir können dem Antrag Laufenberg nicht zustimmen. Durch die Annahme dieses Antrages würde Hildcbrand zwar noch Partei- genösse geblieben, aber vollständig kaltgestellt worden sein. Das gehe aber nicht an, daß man auf diese Weise Parteigenossen zweiter Klasse schaffe. Hier gebe es nur zwei Möglichkeiten: Entweder man halte den Ausschluß für gerechtfertigt und stimme ihm zu, oder man halte ihn für nicht gerechtfertigt und lehne ihn ab. Wäre der Antrag Laufenbcrg nicht gekommen, so würde die Mehrheit für den Ausschluß Hildcbrands noch größer gewesen sein.— Die Rede Scheidemanns zur Reichstagswahl sei geradezu glänzend ge wesen. Wenn Scheideinann in der Generalversammlung von Groß- Berlin den Standpunkt des Parteivorstandes zum Stichwahlabkom- mcn vertreten hätte, so würde daS Resultat der Versammlung wohl anders ausgefallen sein. Weiter sagte der Redner, er habe es außerordentlich bedauert, daß die Delegierten von Teltow-Beeskow eine Erklärung gegen die Ausführungen ihres Mitdelcgierten Pieck abgaben und hinterher noch einer nach dem anderen ans das PMum kletterte, um zu bekunden, daß er sich der Erklärung anschließe. Das sei doch eine Nichtachtung der Meinungsfreiheit eines Delegierten. Bühler führte aus: Er glaube nicht, daß eine Rede Scheide, manns eine andere Entscheidung der Groß-Berliner Generalver, sammlung hinsichtlich des Stichwahlabkommens herbeigeführt hätte. Um so mehr glaube er das, da sich ja auf dem Parteitage die meisten Redner gegen die Dämpfungsklansel ausgesprochen haben. Der Parteitag habe ja zum Stichwahlabkom men keinen Beschlutz gefaßt, wohl um des lieben Friedens willen. Scheidemann habe übrigens nicht erklärt, daß ein derartiges Abkommen in Zukunft nicht wieder abgeschlossen werden solle. Es sei aber anzunehmen, daß der Partei- vorstand sich sagen werde, die Genossen wünschen eine Dämpfung kleidet und verschleiert dahingebracht. Weicht leine Raserei, so er- scheint, wie die Tradition berichtet, eine Blnlspur auf seinem Gewände, die je nachdem, ob er Mnselman oder Christ ist, dreieckige oder Kreuzesform hat. Auch dein heiliaen Georg von Kairo wird eine interkonfetsionelle Heilprnxis zugrschlieben und gläubige Bekenner des Islam stecken um seines Beislaiides willen Kerzen an.— Wie Legrain darlegt, handelt es sich in diesen Fällen um uraltes Glaubens- gut. Die wundertätigen Marabus und christlichen Heiligen sind die Erben der allen Pharaonengötler. Die Gesial», der Name und die Konseision sind verändert, dos Wesen des Wunderglaubens aber erhalten geblieben, wie die menschliche Einfalt. Tbeater. Lessing-Theater: Narren tanz, Komödie von Leo Birinski. Birinski bat einen skrupellosen, sich über alle tiefere» Bedenken wegsetzenden Willen zum Effekt. Er, der in seinem vor zwei Jahren aufgeführten„Malach" die russische revolutionäre Be- wegung zur Staffage eines mit sensationellen Verwicklungen und Schlager» bis zum Rand gesiillien Schauspiels nutzte, geniert sich nicht, sie jetzt zum Gegenstand eines Poffenspiels zu machen. Jene Kämvser, deren Opfermut überall staunende Bewunderung hervor- rief und die er damals selbst, um Spannung zu erregen, in diesem Sinne dramalisch zu drapieren bemüht war. erscheinen hier als eine Schar unreifer in schülerhaften Albernheiten sich überbietender Burschen. Sie am Narrenseil des Schwankes tanzen zu lasien. das ist was Neues l Das kann pikant sein, kann verblüffen. Und darauf kommt es an I Wer in Novitäten erfolgreich spekuliere» will. mutz, um Neues zu bringen, auch Schwarz in Weiß und Weiß in Schwarz verwandeln können I So peinlich diese Art Frivolität bernhlt, darf ihr als mildernder Umstand zugestanden werden, daß sie wenigstens nicht in bewußt reaktionäre Tendenz- inacherei einschlägt. Der paradoxe Rollentausch, auf dem sich das Ganze aufbaut, läßt die Operellen-Revolutioiiäre im Gouverilemeiit des Iwan Cdaborowicz als Hüter der Ordnung, Seine Exzellenz den Goriver- neur dagegen als Anstifter von Unruhen agiere». Nie zeigten sich in dein Bezirk verdächtige Symptome, er erfreut sich eines von Razzias und Haussuchungen nnbehelligten ruhigen Daseins und ist ans diesem Grunde zum Schlupfwinkel erivählt, in dem verfolgte, zeitweilig nnbeichäfligte Terroristen ihre Ferien genießen. Der kühne Jüngling Kosakow erhielt von denr Geheimkoniitee die Weisung. sich einzumiete» bei dem Gouverneur und acht zu geben, daß diesem Biederen, der nach Petersburg andaiiernd über revolutionäre Um- triebe berichtet und die für �Polizei zwecke ihm zugesandten Gelder spurlos in der eigenen Tasche verschwinden läßt, kein Haar ver- iehentlich gekrümmt wird. Daß die»nausstebliche Fran� des Gouverneurs den schönen Fremden, der im Dienst der guten Sache keine Bcschtvcrdc scheut, mit ihrer Gunst beschenkt, macht ihn dein bequemen Galten nur»och teurer. Aber hinter dem Rücken des Hüters vollzieht sich das Gcfiirchtete. Die Absendung eines Peters- burger Revisors zur Kontrollierung der Berichte rückt in drohende Nahe und Exzellenz arrangiert noch schnell ein kleines Attentat. Der nicht, und daß er sich hiernach richten werde.— Der Fall Hildebrand würde durch die Annahme des Antrages Lanfenberg keine glückliche Lösung gefunden haben. Wenn ein Parte-igenosse von dem sozialdemokratischen Standpunkt so weit abweicht wie Hilde- brand und man gibt ihm einen Freibrief, in seinem Sinne weiter zu wirken in der Partei, so muß uns das auf abschüssige Bahnen führen. Nicht nur Hildebrands Buch, sondern sein ganzes Ver- halten rechtfertige den Ausschluß. Ist er doch so weit gegangen, daß er in öffentlichen Wählcrvcrsammlungen seinen abwegigen Standpunkt vertreten hat. Es ist allgemein anerkannt, daß Hilde- brand nicht auf dem Boden der Partei steht. Ihn unter diesen Umständen in der Partei lassen und die Verantwortung für seiil Treiben abzulehnen, würde eine Halbheit sein. D ü w e l l hält ebenfalls die Aushebung des Nürnberger Be- Muffes für bedauerlich. Dadurch werde der Eindruck erweckt, als ob die große Mehrheit der Vertreter des Proletaiats sich weigere. einen kleinen Beitrag aus ihrer Tasche zu zahlen, wenn sie für nicht geleistete Arbeit einen Tagelohn erhalten haben. Es sei sehr zu bedauern, daß Genosse Pfanntuch auf dem Parteitage ohne nähere Angabe gesagt habe, daß auch Parteiredaktenre dem Nürnberger Beschluß nicht nachgekommen seien. Wenn man solche Mitteilung macht, dann müsse man auch nähere Angaben machen, denn sonst könnte mancher in falschen Verdacht kommen.— Der Ausschluß Hildebrands sei gerechtfertigt. Der Partei könne nur angehören. wer ihr Programm anerkennt. Von wissenschaftlich gebildeten Leuten müsse man in erster Linie verlangen, daß sie sich der Partei nur unter der Voaussetznng anschließen, daß sie ihr Programm anerkennen. Wer eine andere Meinung hat wie die Partei, der könne seine Meinung draußen vertreten. Niemand werde an der Vertretung seiner Meinung gehindert. Innerhalb der Partei, als Parteimitglied, dürfe man gegnerische Anschauungen allerdings nicht vertreten. Soweit könne die Meinungsfreiheit nicht gehen. Andere als sozialdemokratische Anschauungen dürfe es innerhalb der Parte» nicht geben. Stadthagen bemerkt, daß auch er für die auf die Sonder- konferenzen bezügliche Resolution gestimmt habe, nachdem die von Bebel dargelegte Auffassung als maßgebend erklärt worden war. Es sei zum Ausdruck gekommen, daß Sonderkonserenzen, welche entgegen der Organisation etwas unternehmen, schädlich sind, ob sie nun in der Form von Tee- oder Bierabenden oder in Form von schriftlichem Meinungsaustausch in Form der„Sozialistischen Monatshefte" stattfinden. Es sei erfreulich, daß zum Ausdruck gekommen sei, man solle nach Einheitlichkeit streben. ohne die eigene Meinung aufzugeben. Es sei nicht wahr, daß nun alle Meinungsverschiedenheiten geschwunden seien. Die Unterschei- dung zwischen rechtem und linkem Flügel der Partei werde bleiben. — Den Beschluß über die Maifeier bedauert der Redner. Es sei gesagt worden, die Bezirkssekretäre hätten die Aufhebung deS Nürnberger Beschlusses befürwortet, weil er ihnen viel Arbeit durch Ausschlußanträge bereite. Dieser Grund dürfe_ nicht ausschlaggebend sein. Die Arbeit müßten die Bezirkssckretäre schon auf sich nehmen. Wenn es vorgekommen sei. daß ein Parteiredäkteur den Tagesverdienst nicht abgeführt habe, so gehöre ein solcher Redakteur nicht an seinen Platz.(Zustimnvung.) Wenn man ihn an seinem Platz lasse, so sei das schlimmer als die schlimmste Sonderkonserenz. (Heiterkeit und Zustimmung.) Durch die Aufhebung des Nürn- berger Beschlusses werde nach außen der Anschein erweckt, als ob die Gegner der Arbeitsruhe am'1. Mai die Mehrheit in der Partei bilden. Das sei aber nicht der Fall.— Daß in Groß-Berlin eine andere Entscheidung über die Dämpfung zustande gekommen wäre. wenn Scheidemann gesprochen hätte, sei eine falsche Auffassung.—- Es sei unverständlich, daß im Falle Hildebrand Meinungsver- schiedenheiten unter den Delegierten entstehen konnten. Der Partei könne doch nur angehören, wer sich zu ihren Grundsätzen bekennt. Einig« Genossen hätten Angst gehabt vor ihrer eigenen Courage und sich nicht getraut zu sagen, Hildebrand gehöre nicht zu uns, der muß hinaus. Und dcch gibt selbst die„Deutsche Tageszeitung" zu, daß von einer Beeinträchtigung der Meinungsfreiheit keine Rede im Fall Hildebrand sein könne.— Im großen und ganzen könne man mit den Ergebnissen zufrieden sein. Hierauf wurde ein Schlußantrag angenommen. Küter bemerkte, nicht er sei der Meinung, daß eine Rede Scheidemanns in Berlin ein anderes Ergebnis gezeitigt haben würde, sondern andere Genossen hätten ihm gegenüber dies« Meinung vertreten. Nach einem kurzen Schlußwort des Genossen Lorenz kon- statierte der Vorsitzende Brühl, daß Anträge nicht vorliegen; er könne aber feststellen� daß die Generalversammlung ihr Einver- dicke Chef streckt sich zu Boden und der Beamte knallt durchs offene Fenster eine Pistole in die Luft. Nun soll die Hetze losgehen. ES sei denn, dnß bewiesen werden könnte, daß diese Tat nichts mit der Politik zu schaffen habe. Und Käsakow springt in die Bresche. Er »ritt mit der heroischen Lüge vor den verlegenen Gouverneur, er selber sei der unerkannt entwischte Attentäter, ehebrecherische sündige Liebe zu dem Weibe des väterlichen Freundes hätte ihn zu dem frevlerischen Anschlage getrieben, nun fordere er reuigen Sinnes die wohlverdiente Strafe. Der Streit, der sich dabei entspinnt, wird glänzend humoristisch ausgearbeitet.— Auch der Schlußakt hat einige Trümpfe. Der Gouverneur, der de» Revisor für einen verkleideten Terroristen hält, animiert ihn zu einem Putsch usw. Indes der Ausgang— die Gefangennahme nicht nur des Gouverneurs, auch der von ihm enthusiasmierten jungen Schwärmer— rief durch die Perspektive aus den Kerker die Erinnerung an den furchtbaren Ernst der Wirklichkeit, den Unwillen über die schreienden Verlogenheiten des Posscnlpiels hervor. In dem Applaus am Schlüsse klang ein erfreulich starker Protest hinein. Die beide» Hauptrolle», der verlottert joviale Gouverneur und sein idealistisch verstiegener Partner Kosakow waren mit Reicher und dem schlank-jünglingshasten Herrn Kurt S t i e l e r trefflich be« setzt. Sonst traten insbesondere noch Paula E b e r t y S rundliche Gouverneurin, Theodor L o o s hohlwangig schläfriger Sekretär mit der Grabesstimme und Muthilde S u s s i n s scharsuinrissene Makcha hervor._ est, Notizen. — Die st ä b t i s ch e Kunstdeputation hat also glück- lich ihre 6000 M. in der Sezession für einige ziemlich un- sezessionistische Kunstwerke an den Mann gebracht. Reicke, das Karnickel, war in Urlaub und Corinth im Frack. Das keineslvegs rauchlose Pulver dieser ergötzlichen Kanonade ist also nicht ver- gebens verknallt worden: die Sezession hat verkauft und Reicke geredet. — A» s st e l l u n g s ch r o n i k. Eine Ausstellung von Ge- mälden W. Kandinskys aus den letzte» zehn Jahren wird von der Zeitschrift„Der Sturm" in der Königiii-Augnsta-Straße öl ver» anstaltet. Sie wird am 2. Oktober mittags 12 Uhr eröffnet. — A in u n d s e n s Nordpolfahrt. Da der Ozeanograph der neuen Amundsenschen Nordpolexpedition erkrankt ist und darauf- hin eine Verschiebung der Expedition un, ein Jahr notwendig ge- worden ist, hat Amundsen beschlossen, sich selbst zum Ozeano- graphen auszubilden, um die beabsichtigte Fahrt früher antreten zu können. — Ein Klaus Groth-Denkmal wurde in Kiel enthüllt. — Die Lösung der sozialen Frage. Im neuesten .Siiiiplicissimus" wird einer Arbeiterdepntation folgender Bescheid von ihren Ausbeutern:„Die Sache lieg, sehr einfach, meine Herren: i» der Zeit wirtschaftlichen Aufschwungs hungern Sie, weil die Preise steigen— in der Zeit wiaschafUichen Niedergangs, weil die Löhne sinken. Adjöh 1" ständnis mit den Beschlüssen des Parteitages zum Ausdruck gebracht habe.— Zur Frage der Bezahlung der Referenten bemerkte Brühl: Im Bericht des„Vorwärts" über die General- Versammlung von Grotz-Bcrlin werde gesagt, Vertreter von Teltow- Beeskow und Niederbarnim hätten erklärt, sie würden die Refe- renten bei Protest- und TemonstrationSvcrsommlungen nach wie vor bezahlen, weil es nicht anders ginge. Das sei nicht zutreffend. Nur von Tcltow-Bceskow, aber nicht von Nicderbarnim sei eine solche Erklärung abgegeben. Er sBrühO habe erklärt, der gefaßte Bcschlnsz, die Referenten bei Protest- uno Demonstrationsversamm- lunigen nicht zu honorieren, müsse gehalten werden, auch wenn es schwer sei, ihn durchzuführen.— Auf Antrag des Genossen Brühl beschloß die gegenwärtige Versammlung:„An die nächst« Verbands- aeneralvcrsammlung den Antrag zu stellen, den vordem schon in Kraft gewesenen sogenannten Zonentarif für Referenten bei Protest- und Demonstrationsversammlungen wieder einzuführen." Dem Bericht der Mandatprüfungskommission zufolge sind an- wcsend III Delegierte, 22 Bezirksleiter, 15 Kreisvorstandsmitglieder. Es fehlen je ein Delegierter aus Lichtenberg, Borsigwalde, Oranien- bürg, Bernau, Friedrichsthal, Friedrichshagen, Herzfelde, sowie die BezirkSleitcr von Kaulsdorf und Mahlsdorf. Gar nicht vertreten find die Bezirke Bruchmühle, Neuenhagen, Petershagen, Weihensee. SmeKts- Zeitung* Durchstechereien in dem Moabiter Untersuchungsgefängnis bildeten den Gegenstand einer Verhandlung, welche gestern bis in die späten Nachmittagsstunden hinein die 11. Strafkammer deS Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. Karsten beschäftigte. Angeklagt wrgen Bestechung waren der Gefangenen- aufseher August Teetz, der aus dem Zuchthause vorgeführte Reisende Karl Goebel, der Zigarrenhändler Robert Krämer und die Witwe Ottilie Nuske, geb. Klawonn.— Die vorliegende Sache steht in un- mittelbarem Zusammenhang mit einer Sache Holzt und Genossen, in der es sich, wie seinerzeit berichtet, um umfangreiche Pelzdieb- stähle handelte. In dieser Sache wurde u. a. der jetzige Mitange- klagte Goebel zu 6 Jahren Zuchthaus verurteilt, die er zurzeit ver- büßt. Während des Ermittclungsverfahrens in der Diebstahls- fache machte der Kriminalkommissar Hoppe wie auch der Unter- suchungsrichter die Wahrnehmung, daß sich recht auffällige Ueber- einstimmungcn der Angaben der Angeklagten mit den Angaben plötzlich auftauchender„Entlastungszeugen" ergaben. Die deshalb eingeleiteten Ermittelungen führten zu der Erhebung der vor- liegenden Bcstechungsanklage. Nach dieser soll der Angeklagte Teetz, der seinerzeit in dem Moabiter Untersuchungsgefängnis als Aus- seher tätig war, sogenannte„Kassiber", auf welchen den Entlastungszeugen mitgeteilt wurde, was sie vor Gericht aussagen sollten, in dem Zigarrengcschäft der Mitangeklagten Ruske. die mit Kramer in wilder Ehe lebte, abgegeben und dann später die Ant- Worten wieder in das Untersuchungsgefängnis hineingeschmuggelt haben. Für diese Dienste soll Teetz, wie von der Angeklagten Ruske früher auch eingeräumt worden war, Zigarren und außerdem für seine Ehefrau ein Kostüm erhalten haben.— In der gestrigen Ver- Handlung bestritten alle vier Angeklagte, sich irgendwie strafbar gemacht zu haben. Das Gericht verurteilte Teetz zu einem Jahr Gefängnis unter Ruske zu Ivb M. Geldstrafe. Die Verzweiflungstat eines betrogenen Ehemannes lag einer Anklage wegen versuchten Totschlages zugrunde, welche gestern unter Vorsitz des LandgerichtsrateS Ellendt das Schwur- gericht des Landgerichts ll besdhäftigte. Aus der Untersuchungshaft wurde der Arbeiter Gustav Kllchler aus Groß-Lichterfelde vor- geführt.— Die Beweisaufnahme entrollte das Bild einer durch Schuld der Frau zerrütteten Ehe, welche schließlich dazu geführt hatte, daß der betrogene Ehemann zum Revolver griff, um, nach- dem er auf seine Frau geschossen hatte, sich selbst eine Kugel in die Schläfe zu lagen. Der Angeklagte, welchem von allen Seiten das Zeugnis eines ü.�.-—— ti.i«—"-»'-rnen und fi-"-1'—■ mit seiner anständigen, ruhigen, stets nüchternen und fleißigen Arbeiters ge- geben wird, ging im Jahre 1909 mit seiner Ehefrau Frieda, geb. i Tietz, die Ehe ein, welcher ein Kind entsproß. Die Ehe war von � Anfang an nicht recht glücklich. Wie der Angeklagte vor Gericht bc- hauptete, habe seine Frau alles verkommen lassen, das Kind im Schmutze liegen lassen, um zu einem Balle des Guttemplerordens gehen zu können. Außerdem habe sie sich mit anderen Männern abgegeben und Vergnügungen besucht, während er mit dem Kinde allein zu Hause saß. Der Angeklagte hatte mit seiner Vermutung, daß es seine Frau mit der ehelichen Treue nicht genau nehme, auch recht, denn in der gestrigen Verhandlung mußte ein Zeuge, über diesen Punkb befragt, die Aussage Verlreigern. Ende Mai d. I. war die Ehefrau des Angeklagten, wie schon mehrmals vorher, wieder ein- mal ihrem Mann entlaufen und zu ihrer in Groß-Lichterfelde wohn- haften Mutter gezogen. Als der Angeklagte, der seinen Hausrat verkauft hatte und nach Berlin ziehen wollte, am Abend des 39. Mai in der Wohnung der Schwiegermutter erschien, um von hier die Betten seines Kindes abzuholen, kam es zwischen ihm und seiner Frau zu einem Streit. Plötzlich zog er einen Revolver hervor und gab auf die Frau mehrere Schüsse ab. In einer Art Wutanfall packte er sie dann am Halse und stach mit einem abgebrochenen Messer auf sie ein. Nachdem sich seine Frau losgerissen hatte, setzte er selbst den Revolver an die Schläfe und drückte ab. Er wurde schwer verletzt aufgefunden und nach dem Krankenhause geschafft, wo er längere Zeit in Lebensgefahr schwebte. Die Frau selbst war von zwei Kugeln getroffen worden, die aber keine lebens- gefährlichen Verletzungen verursacht hatten. In der gestrigen Ver- Handlung schilderte der Angeklagte sein trauriges Los und erklärte, daß er selbst nicht wisse, wie er zu der Tat gekommen sei. Er bat, ihn mit einer milden Strafe davonkommen zu lassen, damit er bald wieder zu seinem Kinde zurückkehren könne.— Rechts- anwalt Dr. Frey machte für den Angeklagten geltend, daß jeder Nachweis für eine Tötungsabsicht fehle. Bei der ganzen Sachlage könne der Angeklagte höchstens wegen Körperverletzung zu einer milden Strafe verurteilt werden. Die Geschworenen bejahten nur die Schuldfrage nach Körperverletzung und erklärten gleithgeitig, daß sie für den Angeklagten einstimmig ein Gnadengesuch fertig- gestellt hätten. Der Staatsanwalt beantragte 5 Monate Gefäng- nis. DaS Urteil lautete auf 3 Monate Gefängnis, die durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt erachtet wurden. Der Angeklagte wurde sofort auf freien Fuß gesetzt. iSeeeee«*»«»»sssss TeraplUet! Unserem Freunde und Ge-% Z nassen S £ Julius Leidukat«> nelist liehen Frau H zu der am 27. S.>912 statt- <5 gesundenen Silberhochzeit 9/ ? nachträglich dle herzlichsten« L Gläckwünsche. 3la Zs vis Genossen des Bezirks � 541 A, Abt. 4, 6. Wahlkreis, i Todes-Anzeigen SozialdeiuokrailscherWalilverelfl Hieder-Barnlin. Bezirk Welßonsee. J�acbruf. Am Dienstag, den 24. Devtem. der 1912 verstarb unser Mitglied, der Restaurateur tisUr Kremser im 46. Lebensjahr. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung hat am Sonn- tag ftattgesunden. 18jU Oer Vorstand. Verbandd.Geineinde-Q.StaBtsarb. Filiale GroS-Berlln. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß der Kollege SS/IS •Julius Kogelländer (Rieselselder) nerstorden ist. Wir werden ihm ein ehrende« Andenken bewahren. Die Bestattung findet am Donnerstag. S. Oktober, nachm. 4 Uhr. von der Leichenhalle des Philippus-Apostel-KirchhosS in der Müllerstraße, Ecke Zeestr., auS statt. G!e Ortsverwaltung. Deutscher Hetaliariielter-Verhand Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Metallarbeiter (Zevl'S äteit am 27. September an Lungen- le den gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Dienstag, den 1. Oktober, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen. Halle Oes Sophten-Ktrchhoses in de> Frelenwalder Strohe aus statt. Rege Beteiligung erwartet 125/7 Clie Ortsverwaltung Allen Freunden und Bekannten die Wanna« Nachricht, da« unsere tnntggelievle Mutter und Groß. mutrer 612b Ciiarlotle Clement geb. Rodenberg am Freitag verstorben ist. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet DienS lag. nachm.',,5 Uhr. von der Leichenhalle des franzos. Luisen- Kirchhos», Wollaukstr. 43, au» statt Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meine« lieben Manne« und Vaters sagen wir allen Letaimten und Verwandten unseren herzlichsten Dank. 26a Wilheltnine Lemme nebst Kindern. Für die herzliche Teilnahme und zahlreichen Kranzspenden bei der Be« erdigimg meines lieben Manne« Karl Habe sage allen Verwandten und Be- kannten, sowie dem Gesangverein der Putzer und Sektion der Putzer. Zahl. stelle Berlin, meinen herzlichsten Dank. 47A Itlnrte Habe. OankHag/ans. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange meines lieben Manne« sage ich allen Be- teiliglen, insbesondere der Expedition des„Vorwärts", de».Vorwärts"- Spediteuren Berlins, den Boten- trauen der F ltal« Wedding, dem Bauarbetterverband, den Genossen de» Wahlvereins von Btrkenwerder und de« VI. Kretse», Bezirk Turiner Straße, sowie Herrn Waldeck Manasse sür die trostreichen Worte meinen ausrichttgsten Dank. 6llb Witwe Harke HVeiBe» Birtenwerder. Or. Simmel Spezial-Arrt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, Äpl* 10-— 2. 5— 7. Sonntags 10—12. 2—4 in Or.Homeyer' 267/9 Verzogen nach HnrfUrstenstraBe 3. Dr. Hannemann 170. Speztalarzt; s. Haut-, Harn-, Frauenleiden, nerv. 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Oktober, in den Arminiushallen, Bremer- Straße 70/71, statt. Funkes Gescllschaftsh.,Triftstr. 63. Kolberg. Festsäle, KolbergerStr. 23. Frankes Festsäle, Badstr. 19. Schmidts Festsäle, Prinzenallee 33. Pharussäle.Müllerstr. 142, gr.Saal Pharussäle,„ unt.Saal. Sachau, Müllerstr. 136. straße 16. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Stellungnahme zum Antrag der 43. Abteilung. Die 13. Abteilung be.mtragt: Den ß i der Ausiührungsbestimmungen in der Fassung der Kreis- konferenz vom i. Juni wiederherzustellen. Referenten: Oswald Aysche, Adolf Buhl, Hermann Clajus, Adolf Cohen, Wilhelm Dentzer, Emil Eichhorn, Agnes Fahrenwald, Ernst Gehrke, Richard Henschel, Johann Haß, Paul John, Joachim Klüß, Hugo Poetzsch, Kurl Rosenfeld, Willi Siering, Georg Schmidt, Max Schütte, Albert Stürmer, Georg Ucko, Emil Unger, Rieh. Woldt, Hermann Weise. Mitgliedsbuch legitimiert.———. 232/16* Der Borstand. Britz! Britz! Verband der Hausarztvereine Mittwoch, 2. Oktober 1912, abends S'/a Uhr, im Rest. Becker (vorm Landhaus), Chausseeftr. 97 i LOib Grotze öffentliche Versammlung. Tagesordnung: t. Bortrag. 2. Berschicdenes. Rnbaiid»er MaItr,ßal!iicrtr,A«strcilIicr Biivii«h in oiZri i>riu»vii«. Mittwoch, den 2. Oktober, abends S'/a Uhr, in den Musikersälen, Kaiser-Tilhelmstrage 18 m: Mitglieder-Versammlung Tagesordnung: 1. Das KoalitionSrecht und dessen Feinde. Referent: Redakteur Hans Weber. 2. Diskussion. 3. Vranchcnangelegenbeircn. 130/9 Zahlreichen Besuch erwartet vl«-»r-anolivnlettnne. �VirtschaftsmSbel. Zu ganz spottbilligen Preisen als GelegenheitS. kaus sind wieder vrachtvolle, sehr wert- volle Herrenzimmer, SalonS. speise- zimmer, moderne Küchen. Wohnzim- mcr, Ichlaszimmcr in allen Holz- arten, einzelne Büsettc, Schreibtische. Bücherschranke 40, spiegelschränke. Kleiderschränke, Vertikos, Walch- toilettcn. Klubsesiel.Leden'lühle. 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KS. «ückaeiten I u. II: im Lokal Südost, Waldemarstr. 75. «»«en I: bei Kluge, Laugestr. 53. Osten II: bei Huth, Warschauer Str. öl. Osten III: bei Bergnianu, Boxbagener Str. 2S. «estllelie Vororte: bei W. Schulz, Lichtenberg, Kronprinzen- strage 47, Ecke Scharnweberslraße. Asorckosten: bei Mertma»», Gr. Fraulsurter Slr. 16. Jede Sargtischlcrci mutz einen Vertrauensmann nach dieser Vcr- sammlung senden. Ronontlialer und ScbUnhanser Torstadt: bei Obiglo, Schwedier Siratze 23. Weckckine and Iloablt: bei Kaczarowski. Ravenöstr. 6. WelKensee: im Prälaten, Lehderstr. 122. iitbendS 6'/» Uh. KcnküIIn: im Jdeal-Kastno. Weickselstr. 8. SeliOneberg: um 51/, Uhr bei Kuschte. Meininger Str. 8. Obarlottenbnrz;: bei Friedrich Schnlze. Wallstr. SO. I�aclenemricktungs- uncl l�ontormLbel-Krancbe in Hermels Beretnshans, Holzmarlistr. 21. Btirbenmöbewranclie bei Lehman», An der Stralauer Brücke 3. BaiititcWer. Bezirk 1: Südwesten, Süden, Südosten bei Grahhoff. Admiralsiratze 18 o. Reslrk»: Osten bei Bratner, Weidenweg 85. Bezirk 3: Korden und nördliche Vororte bei Gliefche, Kopenhagener Str. 74. Bezirk 4: t»esnndl)rnnnen, Wedding and Hoabit bei Sachse, Lindowcr Dlratzc 26. Bezirk S:.Venkvlln: bei Schenk, Rosensir. 24. �löbel- u. SUlHpoUevei* fowlc)VIagazinarbcitcr Osten: bei Boeker, Weberstr. 17. Südosten: im Märkiichcn Hof. Admiralslr. ISo. Horden: bei tS»n,her. Brnnnenstr. 96. Südosten und Südwesten bei Perstke, Riilerstr. 123. GinfotZCV im GewerlschaftShause. Engeluscr 14/15, Saal 11. j�OdeUtitcKler abends 8 Uhr bei Waldt. Pflugstr. 5. ÖtcUmacbcr bei Hummel, Svphienstr. 5. �aloupkarbdtcr bei Walter, Adalbertstr. 62. kilten- unä KoffermacKer �H-rmeis Bereinshaus. ksH>niad?et' bei Krause, Muskauer Str. 20. Bürrtcnrnachcr bei Preuh. Holzmarktstr. 65. Kammacker bei Prcuh. Holzmarlistr. 65. Perlmutt-, k?orn- u. SteinnuKarbeiter um« uhr bei Ernst Thomas, Melchiorstr. 5. Ki-»\)i0v*rhtitev abends 8 Uhr im(«ewerkschaftshause. Engel- IViavterarvettidr � Zimmer 4(Arbeilsioscnsaah. KilcierraKmenmacKer um 6 Uhr bei Wähltsch. Skaliherstr. 22. Boclenleger im GewerlschaftShause. Engeluser 14/15, Saal 2, 8 Uhr. ScKirmmacKer. Di« Bersammlung fäll» aus. Vergolcler im Gewerkschaftshaufe. Engeluscr 14/15, Saal 5. Donnerstag, den B.Oktober: Abends 5>/, Uhr in Hermels BrreinShan», k?iocRaroeiier. Holzmarlistr. 21 Albellöl-Sllllungssehula Köllig. 8eI»»UoIi»I: türenndierstr. 37, Hof geradezu I. Lehrplan für das 4. Quartal 1912. Sonntag: Praktische Nationalökonomie.(Tatsachen der Weltwirtschaft.) Die Entwickelung zur Weltwirtschaft.— Der internationale Handel und seine Bilanzen.— Deutschlands Welthandel und Weltpolitik.— Der moderne Imperialismus.— Produktion und Konsum der wichtigsten Nahrungs- und Genußmittel und der wichtigsten Rohstoffe auf dem Weltmarkt.— Der Weltverkehr. — Die kapitalistische Weltwirtschaft und die Arbeiterklasse. Vortragender: Max Grnnwald. Sonntag: Itednerschnle(mit mündlichen und schriftlichen Üebungen). Der Ausdruck in Wort und Schrift.— Die Technik und Disposition der Rede und des schriftlichen Berichts.— Praktische üebungen über bestimmte Fragen aktueller Wirtschaftspolitik Vortragender: Max Grnnwald. Montag: Katnrcrkenntnlfl. Die Entwickelung unseres Sonnensystems.— Die Geschichte der Erde.— Die Entstehung des Lebens auf der Erde.— Bau und Lebenstätigkeit der organischen Wesen.— Abhängigkeit der Lebewesen von den Einwirkungen der Umwelt. Vortragende: Frau Käte Duucker. Montag: Fortsctarittsknrsns Im Gewerkschaftswesen. Vortragender: Emil Dittmer. Dieser Kursus findet im Gewerkschaftshanse, Engelufer 15, vorn 2 Treppen rechts, Zimmer 27(Transportarbeiter-Verband), statt. Mitglieder, die gewillt sind, an diesem Kursus teilzunehmen, müssen mindestens ein Jahr Mitglied der Schule sein und einen Kursus im Gewerksohaftswesen besucht haben. Meldungen sind bis zum 22. September an den Vorsitzenden H. Lamms, Lichtenberg, Ritterguts tr. 25 I, einzureichen. Dienstag: Deutsche Geschichte Im 10. Jahrhundert. Deber den historischen Materialismus.— Deutschland am Ausgange des achtzehnten Jahrhunderts.— Die Einwirkungen der französischen Revolution auf Deutschland.— Die„Befreiungskriege'',— Die deutsche Reaktion.— Die ersten Regungen der deutschen Arbeiterklasse.— Wilhelm Weitling und seine Agitation.— Die Klassenkämpfe der vierziger Jahre.— Marx und Engels.— Das deutsche Bürgertum am Vorabend der Revolution. Vortragender: Konrad Haenisch. Mittwoch: Uteraturgcschlchte(Von Luther bis Goethe.) Vortragender: Ernst Däumig. Mittwoch: EintUhrang in den wissenschaftlichen SozlaliNiiins(I. Teil). Die Entstehungsgründe der modernen Sozialdemokratie, Die ökonomischen Grundlagen des wissenschaftlichen Sozialismus. — Die historischen Grundlagen des wissenschaftlichen Sozialismus.— Die sozialistische Taktik. Der„Zukuuftsstaaf, Vortragender: Julian Borchardt. Dieser Kursus beginnt erst am Mittwoch, den 23. Oktober, und findet im Königstadt-Kasino, Holzmarktstr. 72, statt. Donnerstag: Sozialpolitik.(Die Geschichte der sozialpolitischen Gesetzgebung). Gründe und Anlässe für die Arbeiterschutzgesetzgehung und die Arbeiterversicherung in Deutschland.— Ansätze im früheren Recht.— Pflicht des Unternehmers, Haftpfiichtgesetze.— Gehilfen-, Seemanns- und Knappschaftskassen; freie Hilfskasson. — Sozialpolitische Fürsorge iu den Einzelstaaten und den Kommunen vor der reichsgesetzlichen Arbeiterversicherung.— Die Arbeiterversicherung im Auslande. K/11* Vortragender: Georg Schmidt. Freitag: Gcwcrkschaftswoscn.(Arbeitersohntz, Sozialgesetze und Gewerkschaften.) Einfluß der kapitalistischen Produktion auf den Gesundheitszustand der Arbeiter.— Aufgaben des Arbeitorschutzos und ------'-------— Der gesetzliche Norraalarbeitstag. Inder, Jugendliche, Arbeiterinnen und Sanitärer und allgemeiner Arbeitersclmtz.— Unfallverhütung.— Internationaler Arbeiterschutz.— Organisation des Arbeiterschutzes. Vortragender: Emil Dittmer. Sonnabend: Geschichte der Dcntschen Sozialdemokratie(I). Die sozialistische Geschicbtstheorie.— Die ökonomischen Voraussetzungen der modernen Arbeiterbewegung.— Utopischer Sozialismus, Sozialistische Strömungen im deutschen Bürgertum.— Geheime kommunistische Gesellschaften. Marx. Engels.— Die ersten selbständigen Organisationsversuche der deutscher Arbeiter. Lassalle.— Die Gründung dos A'lgeraeinen deutschen Arbeitervereins.— Die internationale Arbeiterassoziation.— Die Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Eisenach.— Eisenacher und Lassalloaner. Entwickelung der Organisationen.— Lassalloaner und Eisenacher bei den Roichstagswahlen und im Reichstage. Die Einigung 1875 in Gotha. Vortragender: Emil Eichhorn. IJntorrlchtsboKinn: Dienstag, den 1. Oktober: Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert. Mittwoch, den 2. Oktober: l.iteratur- geschiohte. Donnerstag, den 3. Oktober; Sozialpolitik. Freitag, den 4. Oktober; Gewerkscboftsweson. Sonnabend, den 5. Oktober: Geschichte der Deutschen Sozialdemokratie(I). Sonntag, den 6. Oktober, gs 9 Uhr; Nationalökonomie: 11 Uhr: Rednerschule; beide im Scbnjlokal. Montag, den 7. Oktober: Naturerkenntnis. Montag, den 7 Oktober: Fortschrittskursus im Gewerkschaftswesen; im Gewerkschaftshaus, Zimmer 27. Mittwoch, den 23. Oktober: Einführung in den wissenschaftlichen Sozialismus(I. Teil); im König- stadt-Ivasino, Hol/.marktstraße 72. Jeder Kursus erstreckt sich auf zehn Abende resp. Sonntagvormittage. Abends Beginn pünktlich S1/« lihr, Ende 10 lilir. Sonntag vormittags Beginn O Ehr resp. II l'hr; Schluß lü /, resp. I«1/, Ehr. Die reichhaltige Bibliothek ist an den ünterrichtsabenden von T'li—H'l, Ehr.«ouutags von 10'/, bis II1/, Ehr geöffnet. Der Mitgliedsbeitrag beträgt pro Monat 25 Pf.; das Unterrichtsgeld für jedes Fach pro Kursus 1 Mark und ist spälestan« am zweiten Abend zu zahlen. Die Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfolgt bei Beginn jedes Kursus im Schulfokal Greuadler- struße 37. Ilot geradezu 1 Treppe, und in nachstehenden Zahlstellen: Gottfr. Schulz, Admirolstr. 40a; Beul, Barnim- straße 42; Vogel, Lortzingstr. 37->v. Kaczorowskl. Ravone- straßo 6: Borsch, Engelufer 15.' Alle Zuschriften sind an den Vorsitzenden Hermann I.niiini�, I-ichtcnbcrg Berlin. Rlttcrgutstr. 25 1. Geldsendungen an den Kassierer 11. König», Berlin S. 59, Hasenheide 56, zu richten._ Per Vorstand. ßsi Räckgrat- oerkrämung glSneMsts£ffßlffß mit meinem weltberühmten regulierbareo Radiessiona- Apparat— Patrot Haus— tür Erwuchsen« und Kinder. Mein Apparat wurde an( d. 10, kertte- Ken- gre-s mit d. 1. Preis sn*g«zeirhnet n erhialt anf der Inlei national Hygiene Anastellnng In Dresden 19M die silberne Medaille. 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Berichterstattung vom Parteitag. Referent Genosse P. Bartheb 2. Diskussion. 3. Antrag der Bezirksleitung auf Aufhebung der Einzelzahlabende. 4. Bereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Pankow. Der BildungsauSschuß hat für den kommenden Winter folgende Veranstaltungen getroffen: Am S. Oktober: Theaterabend im Lokal»Zum Kurfürsten'. Zur Ausführung gelangt die Komödie»Die Macht der Arbeit' von L. Fulda. Am Bußtag, den 20. November: Lichtbilder-Vorttag des Herrn Otto Roth-Berlin. Ferner ist für die Tage: 1.. 8., IS., 22. und 29. November ein Vortragszyklus über:„Einführung in den wissen- schaftlichen Sozialismus" geplant. Referent: LandtagSabgeordneler Julian Borchardt._ Berliner Nachrichten. Die Eisatzwahl tut ersten Berliner Landtagswahlkreis. Bei den gestrigen UrWahlen für die Abgeordneten-Ersatz- Wahl im ersten Berliner Landtagswahlkreis an Stelle des verstorbenen Abgeordneten Albert Träger(freisinnig) wur- den gewählt 375 Wahlmänner der fortschrittlichen Volks- Partei, 18 Konservative und 85 Sozialdemokraten. 36 Wahlen kamen nicht zustande. Es hätten müssen 514 Wahl- männer gewählt werden. In den Bezirken, wo gestern keine Wahlen stattfanden, muß nun event. eine Nachwahl statt- finden. An dem endgültigen Ergebnis, d. h. an der Wahl des freisinnigen Kandidaten, den die Wahlmänner noch nominieren niiissen, wird aber dadurch nichts geändert. Die Arbeitcrbildungsschule beginnt am heutigen Dienstagabend ihr neues Unter- richtsquartal. Sie bietet diesmal ein so reichhaltiges Programm, wie wohl kauin je zuvor, und man kann nur hoffen und wünschen, daß diese so gesteigerte Bildungsmög- lichkeit von der Groß-Berliner Arbeiterschaft mit einer ent- sprechend zunehmenden Beteiligung ant Unterricht beantwortet wird. Am heutigen Dienstag fängt seinen Unterricht der Genosse Hänisch in der deutschen Geschichte an. Er behandelt das 19. Jahrhundert, das gerade für die Erklärung der modernsten EntWickelung und für die jetzt im Schwünge stehenden„Jubiläumsfeiern" so wichtig ist. Am Mittwoch- abend setzt Genosse D ä u m i g die Vorträge in L i t e r a- t u r g e s ch i ch t e fort, die er im Anfang dieses Jahres be- gann. Das Thema: Von Luhter bis Goethe wird aber auch selbständig interessieren und viele neue Teilnehmer heran- ziehen. Am Donnerstag findet der Kursus des Genossen Schmidt über die Geschichte der Sozialpolitik statt. Dies Thema wurde seit Jahren von der Generalver- sammlung der Schule gewünscht, und in der Tat kann man die Mängel des bestehenden Arbeiterschutzes und die Not- wendigkeit seines Ausbaues nicht besser erkennen als durch seine Geschichte. Die Groß-Berliner Arbeiterschaft wird diesem Kursus daher ihre volle Anteilnahme zu schenken haben. Mit diesem Gebiet der Sozialpolitik berührt sich der Kursus am Freitag vom Genossen D i t t m e r über G e w e r k- s ch a f t s w e s e n, nur daß hier die gegenwärtige Sozial- Politik behandelt wird und diese wieder vornehmlich in ihren Beziehungen zu der eigenen sozialpolitischen Tätigkeit der Ge- werkschaften. Am Sonnabend beginnt Genosse Eich- Horn erneut eine Darstellung der Geschichte der deut- scheu Sozialdemokratie, über deren notwendige Kenntnis kein besonderes Wort gesagt zu werden braucht. Ebensowenig über die beiden Kurse, die Genosse G r u n- w a l d wieder am Sonntagvorniittag abhält: P r a k- tische Nationalökonomie(Tatsachen der Weltwirt- schaft) und Redeübungen(mit mündlicher und schrist- lichcr Betätigung der Teilnehmer). Wir erwähnen nach dem Programm nur noch, daß Genosse Grunwald diesmal in dem ersten Kurse auch die wirtschaftlichen Probleiue des modernen Imperialismus behandeln will, ein Thema, dessen ge- naueres Studium für die Arbeiterklasse mit jedem Tage not- wendiger wird. Am nächsten Montag kann die Schule dann wieder eine weibliche Lehrkraft begrüßen: die Genossin Käte D u n ck e r. die über Naturerkenntnis vortragen wird. Lehrerin wie Gegenstand des Unterrichts bedürfen hier auch keiner besonderen Empfehlung. Diese vorgenannten Kurse werden sämtlich im eigenen Schullokal: Grenadier st r. 3 7. abgehalten. Außerdem aber beginnt nächsten Montag im Gewcrkschaftshaus ein gewerkschaftlicher Fortschrittskur stis des Genossen D i t t m e r und am Mittwoch, den 23. d. M.. eine Einführung in den wissenschaftlichen So- zialismus durch den Genossen Borchardt im K ö n j g st a d t k a s i n o. An diesen letzten Kursus werden wir späte'- noch einmal erinnern. Aus diesem ganzen, so mannigfaltigen und doch auch so systematisch aufgebauten Lehrplan sieht die Groß-Berliner Arbeiterschaft, welche Mühe und Sorgfalt die Schule gerade diesmal aufgewendet hat, dem Rufe nach umfassenderer und vertiefter Arbeiterbildung gerecht zu werden. Wir wiederholen: die Groß-Berliner Arbeiterschaft hat die Aufgabe und die Pflicht, s i ch nun noch, weit stärker als bisher an allen Kursen der Schule zu beteiligen! Eine zweite Wälberfahrt des Zweckverbandes Groß-Berlin wurde am Montag ausgeführt. Di« erste Fahrt, die vor drei Monaten stattfand, hat den Wäldern an den Ufern der Havel ge- polten. Gestern wurde den VerbandSmitgliedcrn auf ihrer zweiten Fahrt, die vom prächtigstea Herbstwetter begünstigt war. Gelegen- heit geboten, die Wälder an den Ufern der Oberspre« und der Dahme zu besichtigen. Für manche der Herren war es, wie sie offen erklärten, das überhaupt erstemal, daß sie diesem Teck der Umgebung Berlins ihre Visite machten Am Bahnhof Grünau, der als Treffpunkt bestimmt worden war, begrüßte der Verbandsdirektor Steiniger die Erschienenen. Die etwa 199 Teilnehmer fuhren auf der nach Schmöckwitz führen- den Uferbahn durch die Waldung des linken Dahmeufers, von der der Fiskus die Strecke zwischen Sportdenkmal und Karolinenhof als Dauerwald verkaufen will. In Schmöcktvitz wurde ein Dampfer bestiegen, und nun ging die Fahrt hinein in den Zeuthener See. Der Schmöckwitzer Werder, der seine Ostufer bildet, soll von„Rauch- fangswerder" bis Schmöckwitz und weiter am Seddinufcr bis zum Spree-Qdor-Kanal»ls Dauerwald erhalten bleiben, wenn der Zwcckverband ihn kauft. Der Dampfer wendete dann und fuhr zurück nach dem Langen See und hinein in die Große Krampe, deren nahe gerückte User sich im Sonnenglanz darboten. Daß diese Ufer vollständig erhalten bleiben müssen, darübär schien keine Meinungsverschiedenheit zu bestehen. Nur erschwert leider der Fiskus das den. Zweckverband, indem er für die nach Müggelheim zu gelegenen Strecken der beiden Ufer, den inneren Teil der Großen Krampe, die höheren Baulandpreise fordert. Die Fahrt ging dann wieder zurück nach dem Langen See und weiter nach Marienlust. Hier verließen die meisten der Teilnehmer den Dampfer, um über den großen Mügyelberg nach dem Müggelsee zu wandern. Vom Turm schweifte der Blick über die in der Herbstsonue schimmernde Wald- und Wasserlandschaft. Die Müggelberge stich fiskalischer Besitz und sollen dem Zweckverband überlassen werden, wenn er gut zahlt. Hüben und drüben, an der Dahme nnd am Müggelsee, liegt am Füße der Müggelberge Waldbesitz der Stadt Köpenick. Sie bietet ihn dem Zwcckverband an, ober auch sie will nur der- kaufen, wenn möglichst viel für sie dabei herausspringt. Am Südufer des Müggelsees bei„Rübezahl" nahm der Dampfer, der mit den übrigen Teilnehmern über Köpenick und Friedrichshagen hier- her gefahren war, die Wanderer auf. Vom Nordufer grüßte der Wald herüber, den der Fiskus zur Erhaltung als Dauerwald, teils für Waldpreis«, zum Teil wieder für Baulandpreise, hergeben will. Vorüber an Rahnsdorf ging es durch die Wiesenlandschaft der Spree und durch den Dämeritzsee nach Erkner, wo die Fahrt endete. Auch diese zweite Besichtigungsfahrt dürfte bei der Mehrzahl der Teilnehmer die lleberzeugung.befestigt haben, daß der Bevölke- rung Grvß-Berlins ihre Wälder erhalten bleiben müssen. Zu allererst wird man mit dem Fiskus einig werden müssen, aber das wird nur möglich sein, wenn er seine maßlosen Forderungen und Bedingungen noch sehr beträchtlich herabsetzt. Nicht nur die zum Zweckverband zusammengeschlossenen Gemeinden, sondern auch der Staat hat Verpflichtungen gegen die rund 4 Millionen Bewohner Groß-Berlins. Der Fiskus kann es sich schon etwas kosten lassen, auch mal ein bißchen zur Förde- rung der Volksges undheit beizutragen. Bei einem Ver- such, seine Wälder wirklich cm private Käufer zu verschachern, könnte er viele Jahrzehnt« warten, bis er alles los würde. Darum möchte er jetzt mit dem Zweckverband ein glattes Geschäft machen, das ihm den erhofften Profit sofort bringen soll. Wenn das Geschäft zu- stände kommen soll, wird der Fiskus bescheidener werden müssen. Der Fiskus fordert Preise, die so bemessen sind, als wäre das zu erwerbende Land Bauland. Tatsächlich handelt es sich hoch aber nur darum, daß der Zweckverband die dem Staat moralisch obliegende Pflicht, die Wälder als solche zu erhalten, erfüllen solle. Daß diese moralische Pflicht vorliegt, ist unstreitig und ist ja auch durch die Zweckverbandsgesetzvorlagen anerkannt. Das, worum es sich bei dem Hin und Her zwischen Fiskus und Zwcckverband handelt, ist eigentlich die Uebernahme der Verpflichtung des Fiskus, die Wälder als solche zu erhalten, durch den Zweckverband. Der Zweckverband übernimmt dadurch lediglich Lasten— Unterhaltung der Wälder, der Wege usw.— und soll dafür kein Entgelt erhalten, sondern noch zahlen. Und zwar, wiewohl der Zweckverband, wenn auch formell, so doch nicht tatsächlich Eigentümer wird, soll er so zahlen, als er Bauland zur Ausnutzung erwerbe. Das ist ein starkes, an wucherische Auffassung stark anklingendes Stück. Man hört von einem Preise von über 49 Millionen, während allenfalls mit Ü Million überreichlich die Erwerbung der kostspieligen Ver- pflichtung bezahlt wäre, die dem Fiskus moralisch obliegende Pflicht durch den Zweckverband zu erfüllen. Bei der Besichtigung drängte sich auch von neuem als dringliche Aufgabe auf, einen Uferweg um die öffentlichen Seen zu schaffen und zu belassen. Gemeinden und Staat haben schwer gesündigt, daß sie einzelnen Privaten Grundstücke bis an den Uferrand verkanften, ohne für einen öffent- lichcn Uferweg Sorge zu tragen. Zugunsten weniger wird dadurch Millionen die Möglichkeit geraubt, die Schönheit der Secufer zu genießen._ Zwei Verbrechen gegen das Leben riefen gestern in früher Morgenstunde die Kriminalkommission für Kapitalverbrechen nach dem Heinrichsplatz und nach dem unbebauten Gelände an der Eck« der See- und Lütticher Straße, in der Nähe des Virchow-Krankenhauscs. Kurz nach 2 Uhr sahen Leute, die auf dem Heimwege die Oranienstraße entlang gingen, wie ein Mann und eine Frau aus dem Hause 193, am Heinrichsplatz, einen schweren Gegenstand, der unter einem großen Cape verborgen war, herausschleppten. Es waren ein Mann und eine Frau, die von einem Hausbewohner kurz vorher schon unter verdächtigen Umständen beobachtet worden waren. Abwechselnd waren die beiden aus der Haustür heraus- gekommen und hatten sich rechts und links umgesehen, augenschein- lich in der Absicht, zu beobachten, ob die„Lust rein" sei. Als der Hausbewohner eintrat, standen beide hinter der Tür in einer dunklen Ecke, in der sie sich möglichst verborgen hielten. Der Beobachter kümmerte sich nicht weiter um die beiden, ließ sie stehen, ging in seine Wohnung hinauf und legte sich schlafen. Die anderen Leute, die später dort entlang kamen, sahen, wie der Mann und die Frau ihre schwere Last um die Ecke herum nach der Mariannen- straße schleppten. Sie gingen ihnen nach und beobachteten nun, daß unter dem Cape zwei Füße hervorragten. Die beiden Träger merkten nun, daß man auf sie und ihre Last aufmerksam geworden war und legten diese in der Türnische deß Hauses Mariannenstr. 3, nur wenige Häuser vom Heinrichsplatz entfernt, ab. Dann liefen sie eiligst davon, die Mariannenstraße hinunter. Die Beobachter sahen jetzt in der Türnische, aufrecht an die Wand gelehnt, eine tot« Frauensperson. Sie eilten den beiden Flüchtigen nach, verfolgten sie durch die Mariannen-, Skalitzer- und Manteufsel- straße, bis sie ihnen am Landwchrkanal außer Sicht kamen. Um die Leiche sammelte sich trotz der Nachtstunde bald eine größere Menschenmenge an, bis ein Schutzmann sie mit Hilfe anderer nach der Hilfswache in der Adalbertstratze brachte. Hier stellte der Arzt fest, daß die Unbekannte keinerlei äußere Verletzungen aufwies. Die Todesursache konnte er auf Grund der vorläufigen Besichtigung allein nicht angeben. Die zuständige Revierpolizei benachrichtigte unverzüglich die Kriminalpolizei. Dies« erschien auch bald. Nach nochmaliger Besichtigung der Leiche, die vom Erkennungsdienst gleich photographiert wurde, sperrte die Kriminalpolizei das Haus, aus dem f-e herauSgcschleppt worden war, ob und begann sefort mit seiner Durchforschung, während andere Beamte auf der Revierwache die Zeugen, die die Vorgänge draußen beobachtet hatten, vernahmen. Es ergab sich, daß die beiden Personen, die die Leiche aus dem Hause geschafft hatten, der 32 Jahre alte Kassenbote Otto Schaak und seine 33 Jahre alte Frau Marie, geb. Schock, waren. Die Leute wohnen seit einem Jahr im vierten Stock des Vorderhauses. Eine Nachbarin hatte beobachtet, daß Frau Schaak mn 1 Uhr längere Zeit wiederholt zum Fenster hinausgesehen hatte. Die Beschreibung von den Trägern der Leiche, die die Zeugen gaben, paßte auch genau auf das Ehepaar Schaak. Frau Schaak, deren Mann nicht zu Hause war, erklärte aber, daß sie von der ganzen Sache nichts wisse, vielmehr die ganze Nacht ohne Unterbrechung zu Haufe ge« Wesen sei. Sie bestritt auch, ein Cape, wie das van den Zeugen beschriebene zu besitzen. Als man jedoch das Cape bei ihr fand, leugnete sie nicht weiter und gestand, daß ihr Mann und sie die Leiche weggeschafft hätten. Daraufhin wurde sie verhaftet; später wurde auch ihr Mann, der nicht mehr nach Hause gekommen war, auf seiner Arbeitsstelle in der Jerusalemer Straße«snittelt unv festgenommen. Nach der Darstellung der Frau ist die Tote in der letzten Zeit wiederholt zu ihr gekommen, um ihren„Rad" in An- spruch zu nehmen, zuletzt am Sonnabend. In der vergangenen Nacht habe sie auf der Treppe Selbstmord verübt. Später gab Frau Schaak zu. daß das Mädchen in ihrer Wohnung gestorben sei. Nach den Ermittelungen liegt ohne Zweifel ein Verbrechen gegen das keimende Leben vor. Das Ehepaar Schaak hat dann, um sich der Strafverfolgung zu entziehen, versucht, die Leiche beifeite zu schaffen. Es hatte ohne Zweifel die Absicht, sie in den Landwehrkanal, der nicht weit von dem Hause entfernt ist und it, der Richtung liegt, die das Paar eingeschlagen hatte, zu werfen. Die Vernehmungen des Ehepaares dauern noch fort. Dk< unbekannte Tote ist nach den bisherigen Ermittelungen ein Dienst- mädchen aus Friedenau. Es ist bereits ein Kraftwagenführer er« mittelt worden, der sie einmal zu Frau Schaak oder umgekehrt gefahren hat. Die Tote ist ungefähr 25 bis 30 Jahre alt und etwa 1,56 Meter groß, hat mittelblondes Haar, ein ovales Gesicht mit gewöhnlichem Mund und eine gewöhnliche Nase und trug ein hellgraubraun gemustertes, halblanges Jackett mit braunem Samt- kragen, eine weiße Wollbluse mit ausgewaschener, ganz hellblauer Seidenstickerei, einen dunklen, blaugrünlichen, großkarierten Rock mit acht Knöpfen, der modern zugeschnitten ist, einen weißen Unter- rock mit übergenähtern Spitzenvolant, weiße Beinkleider mit Säumchen, schwarze, links und rechts gesttickte, bis zum Knie reichende Strümpfe mit weißen Spitzenbändern, schwarze, schon sehr abgetragene Halbschuhe mit Lackspitzen und einen dunkelblauen, großen runden Strohhut, der mit blauem Band und weißen Hecken- rosen garniert ist. Bei sich hatte sie eine kleine schwarze Samt« Handtasche mit Messingbügel, die ein kleines Fläschchen mit dem Rest einer stark riechenden Flüssigkeit, einen Kaufzettel über ein« Tasse aus dem Porzellangeschäft von Hans Berger in der Rhein- straße 19 zu Friedenau, zwei Sttaßenbahnfährscheine und zwei Taschentücher enthielt, die L. M. gezeichnet sind. Beide Buchstaben sind umkreist und befinden sich unter einer wcißgestickten WcinranW. * Totschlag in Berlin-Norden. Während die Kriminalpolizei mit der weiteren Aufklärung Sc8 vorerwähnten Verbrechens noch beschäftigt war, rief in der achten Morgenstunde die Meldung von einem Lustmord sie nach dem un- bebauten Gelände an der Ecke der See- und Lütt icher Straße. Dorthin begaben sich der Chef der Kriminalpolizei mit seinem Bcamtenstabe. Nach ihnen kamen auch der Vertreter der zuftäw- digcn Staatsanwaltschaft und der Gerichtsarzt Medizinalrat Dr, Hofftnann. Ein Maurerpolier von einem Neubau an der Brüsseler Straße, dessen Hinterland an das unbebaute Grundstück stößt, fand dort bei Antritt seiner Arbeit in einer Vertiefung eine weibliche Leiche. die über und über mit Blut besudelt war, und deren Kleidifig emporgestreift war. Neben der Leiche lagen ein blutbefleckter grauer Sweater und Glasscherben. Blutspuren fanden sich auch auf dem Erdboden in der Umgebung der Leiche. Die Person der Toten konnte in diesem Falle noch nicht festgestellt werden. Dagegen gelang es der Kriminalpolizei, bald zu ermitteln, daß der Gendarm Mgener aus Plötzenfee die Tote noch gegen 1 Uhr in der Nacht in der Seesttaße gesehen hatte. Sie war dort von drei Burschen begleitet gewesen. Wegenrr sah aus einiger Entfernung, daß dag Mädchen am Boden lag. Als die drei Begleiter merkten, daß Wegencr sich näherte, nahmen sie. das Mkdchen unter die Arme und gingen mit ihm nach dem beschriebenen Gelände zu. Wegener folgte den vieren nicht weiter. Einen der drei Burschen hatte er erkannt. Es ist ein 29 Jahre alter Arbeiter Otto Weser aus der Secstraße 119. Dieser wurde sofort aus seiner Wohnung heraus nach dem Fundort geholt. Er bestritt erst, mit dem Mädchen irgend etivas zu tun gehabt zu haben. Ein Kriminaldiensthund jedoch, den die Kommission für Kapitalverbrechen mitgebracht hatte, verbellte ihn sofort. Weser bekannte jetzt folgendes: Mit seinen Freunden, dem 22 Jahre alten Arbeiter Hermann Ackermann aus der Genter Straße 61 und dem 16 Jahre alten Arbeiter Emil 5tühn aus der Seestraße 116 traf er in der Kameruner Straß? ein Mädchen, daß die Straße entlang ging. Sie sprachen es an und veranlaßten es, sie zu bgleiten. Die Unbekannte erklärte sich bereit, sie nach ihrer Wohnung in der Kösliner Sttaße mitzunehmen. In der Seestraße trennte sich Wvser, seiner Behauptung nach, von den übrigen, um nach Hause zu gehen. Er hatte gesehen, daß das Mädchen blutete, sich aber keine Gedanken darüber gemacht, woher das gekommen fein könnte. Bald kamen feine beiden Freunde wieder zu ihm gelaufen und baten ihn, wieder mitzukommen und ihnen zu helfen, das Mädchen nach dem unbebauten Gelände in der Nähe zu tragen,„weil es doch keine Bleibe" habe. Diese Dar- stellung wurde bald durch die Festnahme der beiden anderen und durch Zeugenaussagen als unrichtig erwiesen. Ackermann und Kühn wurden ebenfalls in ihren Wohnungen noch angetroffen und festgenommen. Ackermann war gerade dabei, sich serner blut- getränkten Kleidung zu entledigen. Besonders sein Jackett war stark mit Blut besudelt. Ihm gehörte auch� wie sich bald ergab, der neben der Leiche gefundene Sweater. Die Ermittelungen und sein eigenes Geständnis stellten bald fest, daß Ackermann der Haupt- schuldige ist. Er sprach, als er mit Weser und Kühn die Kameruner Straße entlang ging, das Mädchen an. Als eS ihm nicht gleich zu Willen war, streckte er es durch einen Faustschlag in« Gesicht zu Boden. Jetzt sahen alle drei den Gendarmen kommen, und nun schleppten sie die Halbbesinnungslose nach dem unbebauten Gelände. Der Gendarm konnte nicht sehen, daß dem Mädchen etwas geschehen war und verfolgte deshalb die Gruppe nicht weiter. Auf dem Gelände versetzte Ackermann dem Mädchen mit einer Schnapsflasche mehrere Schläge auf den Hinterkopf, so daß es blutend zu Boden. stürzte. Die Flasche ging in Scherben. Der Bursche schleppte das blutende Mädchen bald nach rechts, bald nach links, ivarf es dann endlich in die Vertiefung und ließ es dort liegen. Allem Anschein nach hat zwischen der Unbekannten und Ackermann und seinen Be- gleitern ein Kamps stattgefunden. Schon der Befund des Sweaters läßt darauf schließen. Außerdem haben aber auch Leute in der Gegend Hilferufe gehört, die wahrscheinlich das Opfer der Burschen ausgestoßen hat. Nach ihrer vorläufigen Vernehmung wurden die Burschen alle drei mit einem Kraftwagen nach dem Polizeipräsidium gebracht, wo ihr Verhör fortgesetzt wurde. Die Leiche wurde am Fundokt ttnd mit diejeg, phosographiert, an Ort und Stelle von dem Gerichtsarzt besichtigt und dann zur genaueren Untersuchung nach dem Schauhause gebracht, wohin unterdessen auch die Leiche des Dienstmädchens vom Heinrichsplatz übergeführt worden war. Die Ermittelungen zur Feststellung der Persönlichkeit der Toten hatten noch keinen Erfolg. Die Unbekannte ist 25 bis 30 Jahre alt, hat rotblondes Haar und trug nur einen schwarzweih- gcstveifen Rock, ein schwarzes Jackett, schwarze Strümpfe und schwarze Halbschuhe, keine Kopfbedeckung, keine Bluse und keine Beinkleider. Der Leichen fund in der Seestrahe hat nach weiteren Erwitte- lungen seine Aufklärung gefunden. Die Kriminalpolizei stellte fest, dah eS sich bei der Toten um die am 16. Mai 1872 zu Schneidemühl geborene Frau Emma Klarner handelt, die zuletzt in der Kösliner Strahe 16 wohnte. Die Frau war schon vor einiger Zeit von ihrem Mann und ihren Kindern verlassen worden, da sie dem Trünke ergeben War. Die Leiche der erschlagenen Frau Klarner wurde noch gestern nachmittag im Leichenschauhaus« obduziert. Geheimrat Strahmann, der die Obduktion vornahm, stellte fest, dah der Tod der Frau durch eine Gehirnerschütterung eingetreten ist. Diese ist durch den wuch- Ilgen Schlag mit der Flasche auf den Kopf und durch das Aufschlagen ihres Kopfes auf den Erdboden hervorgerufen worden. Wahrschein- lich ist die Person von dem Täter mehrere Mjale mit dem Kopf auf die Erde gestoßen worden, bis eine Gehirnerschütterung eintrat und sie an deren Folgen starb. Es wurde a�ch festgestellt, dah an der Frau unzüchtige Handlungen vorgenommen worden sind, und zwar widernatürlicher Art. Daß die Frau eine sehr starke Alkoho- likerin war. zeigte sich ebenfalls bei der Obduktion. Der verhaftete Ackermann war im Januar d. I. schon einmal tvegen Totschlages an dem Schankwirt Saroschewski in der See strahe festgenommen worden. S. war damals nach einem heftigen Renkontre mit Ackermann und Komplicen zu Tode gekommen. Da sich aber mit Sicherheit nicht feststellen lieh, ob S. an einem Schlag über den Kopf oder an einem Herzschlag verstorben sei, wurde Ackermann außer Verfolgung gesetzt. Radrennen auf der Olympia-Bahn, 29. September. Die heutigen Rennen standen im Zeichen des Motorengeknatters. Der über eine Stunde führende Herbst-Preis wurde von 20 Fahrern, die vier Vor zu erledigen hatten, Das Beim Die« Kopf. rechte Der Neubau der Potsdamer Luftschiffhalle nähert sich langsam seinem Ende. Die Potsdamer«Luflschiffhalle mißt in der Länge 176 Meter, in der Breite 65 Meter, während der nutzbare Innen- räum 50 Meter beträgt. Die Gesamthöhe beläuft sich auf 36 Meter. Die Potsdamer Halle ist sonach die größte Luftschifshalle der Welt. Die Konstruktion ruht auf 21 Bindern ohne die Giebelwand. Seitlich auf einer Kreisbahn herausfchiebbar ruhen die Flügel des Schiebetors, die sich trichterförmig in die Verlängerung der Halle einstellen lassen, um eine Art„Windschatten" zu schaffen. Die Tore wiegen je 60 000 Kilogramm und ein komplizierter Mechanismus ermöglicht in 10 Minuten die völlige Oeffnung. Später wird die Torbewegung elektrisch eingerichtet. Vom Innern der Halle führen lange Schienen ins Freie, wo die Kuppelung des Luft- schiffes ausgeführt wird. In der Halle werden die Luftschiffe an Laufkatzen hängend befestigt. Zur Vernichtung des Austriebes wird das Lustschiff beschwert. Die Gesamtanlage des Potsdamer Luft- schiffhafens kostet l'/z bis 2 Millionen. Um die durch die Sonnen- bestrahlung der Sandflächen auftretende Böebildung zu vermeiden, Wird das ganze Flugplatzgelände mit Rasen belegt. Ein schwerer Unfall ereignete sich am heutigen Montagmittag auf einem Neubau an der Ecke der Linden- und Feilnerstratze. An dem dort fertig gestellten Rohbau sollte der 37jährige Maurer Gott- lieb Körner, Ramlerstr. 19 wohnhaft, unter den, Dach einige Rollen anbringen. Zu diesem Zwecke wollte der Arbeiter am Dachfirst ein Gerüst aufhängen. Bei der Arbeit verlor K. plötzlich das Gleich- gewicht und stürzte rücklings in die Tiefe. Der Verunglückte schlug mit dem Kops auf das Dach eines Schuppens, das unter der Wucht des Aufpralles durchbrach. Mehrere Kollegen des Verunglückten schafften Körner nach der nahen Unfallstation in der Kommandanten- strahe, wo der Arzt feststellte, dah der Maurer bei dem Aufprall das linke Auge verloren, Verletzungen der Wirbelsäule und innere Blu- tungen davongetragen hatte. In bewuhtlosem Zustande wurde K. nach dem Birchow-Krankenhaus gebracht, wo er hoffnungslos daniederliegt. Urber ein UnglückSunternehmen wird uns berichtet: Von einem schweren Unglücksfall wurde am 25. d. MtS. ein Arbeiter getroffen, welcher an� der Kanalisation der Stadt Berlin hinter der Stadtbahn* strecke Weihensee bis Landsberger Allee beschäftigt war. Ausführende Firma ist der Tiesbauunternehmer Janike. Dort, wo der Ausschacht eine Tiefe von 12 Meter erreicht hat, wird der Boden mit einem Kran in einem Kubikmeter großem Gesäh hochgezogen. Herunterlassen dieses Gefäßes stieß es oben auf eine Steife. selbe löste sich und traf den unten beschäftigten Arbeiter am In schwerverletztem Zustande wurde der Arbeiter fortgebracht. Am 26. Sepiemver wurde einem anderen Arbeiter die Hand stark gequetscht. An, 27. war es nur einem glücklichen Zufall zu verdanken, daß kein schweres Unglück geschehen ist. Eine Bohle von 4 Meter Länge, 30 Zentimeter Breite und 8 Zentimeter stark, fiel i» die Tiefe, wo wohl ein Dutzend Maurer und Arbeiter tätig waren. Glücklicherweise wurde keiner verletzt. Es entsteht die Frage: Sollte vielleicht der niedrige Lohn an diesen Unglücken die Schuld tragen? Den Erdarbeitern wird ein Lohn von 40 Pfennig gezahlt, für Akkordarbeiten pro Kasten 30 Pf., der durch Arbeits- niederlcaung für kurze Zeit auf 35 Pf. gebracht, dann aber wieder auf 30 Pf., schließlich sogar auf 25 Pf. herabgesetzt wurde. Ein heftiger Zusammenstoß erfolgte Sonntag vormittag kurz nach 10 Uhr an der Ecke der Müller- und Utrechter Straße. Dort kollidierte ein Wagen der Tegeler Eiswerke mit einem Straßenbahn- wagen der Linie 63. Der Anprall war so stark, dah an dem Bahn- V-ngen der ganze Vorderperron zertrümmert und an dem Eiswagen die Deichsel gebrochen wurde. Der Schutzmann Gustav Herzog aus der Lüderitzstr. 56 erlitt mehrere Kopfverletzungen und fand im Birchowkrankenhaus die erste Hilfe. Ein BootSunglück, welches sehr leicht hätte ernste Folgen nach fich ziehen können, ereignete sich Sonntag, den 29. d. Mis., abends um>/�11 Uhr auf der Oberspree bei Ober-Schöneweide. Ein Sechser- des Ruderklubs„Hellas" fuhr mit voller Kraft zwischen die Prell- pfähle der Slubenrauchbrücke. Das Vorderteil des Bootes wurde vollständig zerschmettert und es füllte sich sofort mit Wasser. Die sieben Insassen wurden von dem hinzueilenden Motorboot„Nixe" gerettet. Abgestürzt. Auf dem Bahnhof Gesundbrunnen stürzte am Sonntag der 40 Jahre alte Schmiedemeister Johann Urbaniac aus der Frietrichsfelder Str. 41 von der Treppe des Fernbahnsteigcs ab und zog sich einen schweren Schädelbruch zu. Er fand in hoffnungs- losem Zustande im Virchow-Krankenhause Aufnahme. Ausgesetzte» Knabe. In sfpem Abteil zweiter Klasse eines Bor- ortzuges Berlin— Zehlendorf wurde ein ungefähr sechs Wochen alter Knabe ausgesetzt. Das Kind wurde von einem Bahnbeamten der Polizei übergeben, die es nach dem Waiienhause in Berlin brachte. Die Mutter des Knaben ist noch nicht ermittelt. Die Fortbildungsschule für schwachveraulagte junge Mädchen be- ginnt am 8. Oktober das Winterhalbjahr. Körperlich schwächliche. durch Krankheiten in den Schulkenntnissen und Fertigkeiten ausge- Haltens und darum etwas zurückgehaltene sowie seelisch eigentümliche und schlver erziehbare Mädchen erhalten in dieser Schule eine«hier Eigenart entsprechende Belehrung und Erziehung. Der Besuch der Schule ist unentgeltlich. Anmeldungen nimmt der Leiter der Schule, Rektor A. Fuchs, Dienstags und Freitags von 5—6 Uhr im Schul- Hause Brunnenstr. ISS(2. Hof) entgegen. läufe(20 Kilometer) und einen Hoffnungslauf um die fünf Besten für den Ei'.dlauf herauszuziehen, bestritten. Rennen verlief ohne wesentliche Unfälle m folgender Weise: Herbst-Preis. 1000, 600, 500, 400, 300 M.; außerdem dem Zweiten, Dritten und Vierten eines jeden Vorlaufes 150, 100, 50 M. 1. Vorlauf: 1. W. M a u ß in 15 Min. 55'/» Sek.: 2. Fr. Hoffmann, 1490 Meter; 3. H. Rudel, 1620 Meter; 4. O- Bieglas. 3440 Meter; 6. R. Nowack, 5070 Meter zurück. Bis zum 9. Kilometer behauptet Hoffmann die Spitze, wird dann von Mauß überholt, der überlegen gewinnt.— 2. Vorlauf: 1. P. Nettelb eck 15 Min 382/.. g. P. Jenske. 1840 Meter; 3. Fr. Sellmayer, 6570 Meter 4. C. Herm, 6740 Meter; 5. W. Nawotnick, aufgegeben, da sein Motor von Anfang an versagte. Nettelbeck siegt mit weitem Vor- sprung.— 3. Vorlauf: 1. K. Saldow 16 Min. 04'/» Sek. 2. Amort, 720 Meter; 3. W. Nawotnick. 3470 Meter; 4. P. Rocke: 8520 Meter; 6. K. Schön nach 10 Kilometer aufgegeben. Saldow, sicherer Sieger.— 4. Vorlauf: 1. L. Didier 14 Min. 432/z Sek.; 2. K. Riesner. 2010 Meter; 3. A. Pietsch. 2400 Meter; 4. A. Pohle. 2620 Meter; 5. M. Leutert nach dem 10. Kilometer gestürzt und auf- gegeben. Der schnellste Vorlauf. Didier geht wie im Fluge an seinen Gegnern vorbei.— Hoffnungslauf(10 Kilometer) für die Zweiten der Vorläufe: 1. Jenske 8 Min. 3'/z Sek.; 2. Amort 350 Meter; 3 Riesner 640 Meter. Schön und Hoffmann aufgegeben, da beide den Anschluß an ihre Schrittmachermaschinen verloren.— E n d l a u f(1 Stunde): 1. L. Didier 79,920 Kilometer; 2. Nettel- beck 79,140 Kilometer; 3. Saldow 74,410 Kilometer; 4. Mauß 72,920 Kilometer. Jenske nach dem 30. Kilometer aufgegeben, da er aussichtslos zurückgeblieben war. Didier zeigt dieselbe Ueber> legenheit wie in seinem Vorlauf; er nimmt seinen Gegnern Runde um Runde; nur Nettelbeck vermag ihm einigen Widerstand zu leisten. Beim 50. Kilometer liegt er zwei Runden zurück; doch Didier, der schon wie der sichere Sieger aussah, hat Motorschaden, wodurch er drei Runden verliert. Nettelbeck ist nun an der Spitze, die er bis nach dem 70. Kilometer behauptet. Es entspinnt sich ein harter Kampf zwischen ihm und Didier, der wieder Boden gutmacht. Nettelbecks Motor fängt an zu rauchen; er wechselt die Maschine, wodurch es Didier gelingt, ihn wieder zu überholen und mit etwa zwei Runden zu gewinnen. Unter Gorillas, so lautet die Original-PantomimenburleSke, die am Sonnabendabend zum ersten Male im Zirkus Busch auf geführt wurde. Was uns hier vorgeführt wird, setzt sich— wie das bei Burlesken zu sein pflegt— inhaltlich über Realitäten hinweg. Die prächtige Ausstattung und die abwechselungsrciche Farbenschönheit ist eS, die den Besucher fesseln. Von den vier Bildern erweckt zunächst der Aufzug der mannigfaltigen Tiere der Wildnis im zweiten Bilde reges Interesse. Die zahlreichen mitwirkenden Mädchen sind als Zebras, Krokodile, Schlangen, Panther, Schmetterlinge ufw. ver- kleidet und führen im Walde vor dem von Gorillas geraubten Mädchen Geziera des vertriebenen Beduinenhäuptlings Haky Tänze auf. Von guter Wirkung ist auch die in diesem Bilde arrangierte Waldbrandszene. Ihren Höhepunkt an Pracht erreicht die Pantomime im vierten Bilde, das uns im Geiste in eine Nacht des Pharaonen- reiches Alt-Aegyptens versetzt. In bunter Abwechselung umtanzen bei einem Fest Harfenspielerinnen, Ballschlägerinnen, Schlangen- tänzerinnen, Krieger und Amazonen die Statue des Pharao. Die Bühne zeigt die Sphinx und die Pyramiden bei Kairo. Im Hinter- gründe erstrahlt die Abendsonne und vergoldet die Kuppeln der alt« ägyptischen Baudenkmäler. Die Pantomime, wie auch die übrigen Nummern des Programms wurden von dem vollen Hause mit großem Beifall aufgenommen. Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be- Nutzung für jedermann, SO., Adalbertstr. 41. Geöffnet werk- täglich von öfi— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9—1 Uhr und 3— 6 Uhr. In dem Lesesaal liegen zurzeit 551 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. Aus Furcht vor der Verhaftung auS dem Fenster gesprungen. Auf dem Gesundbrunnen spielte sich am Sonntag eine aufregende Szene ab. Der 20 Jahre alte Arbeiter Fiedler verlangte von seiner im vierten Stock des Hauses Grünthaler Straße 11 wohnenden Mutter Geld, um es zu vertrinken. Als die Mutter dies ablehnte, schlug der Sohn auf sie ein. Bald darauf kam auch der Vater berbei, der dem Sohn heftige Vorwürfe machte. Es entstand schließlich ein Streit, der die Nachbarn veranlaßte, einen Schutzmann herbei- zurufen. Als dieser in der Wohnung erschien, um den blindlings um sich schlagenden Sohn zu verhasten, sprang dieser durch ein offen- stehendes Fenster auf die Strahe hinab. Er blieb mit zerschmetterten Gliedern liegen und wurde in hoffnungslosem Zustande in das Virchow-KrankenhauS gebracht. Selbstmord auf der Polizeiwache. Auf der Wache des 26. Posizei- reviers am Michaelkirchplatz hat sich der 47 Jahre alte Dachdecker- meister Peter Benedix vom Engelufer durch einen Revolverschuß ge- tötet Benedix war wegen eines angeblichen SitllichkeitSverbrechens in Hast genommen worden. Als er auf der Polizeiwache verhört werden sollte, zog er plötzlich einen Revolver hervor und schoß sich eine Kugel in den Mund. Er brach sofort leblos zusammen. Die Leiche wurde dem Schauhause zugeführt. Benedix war verheiratet und hinterläßt eine Frau mit einem erwachsenen Sohn. Gefunden wurde am Sonntag bei der Versammlung in der Hasenheide ein schwarzer steifer Herrenhut und ein brauner weicher Kniffhut. Die Eigentümer können selbige im Sekretariat deS»Vor- wärtS" in Empfang nehmen. Vorort- ISachricbten» Lichtenberg. Bon seinem eigenen Fuhrwerk überfahren u»d getötet wurde am Sonnabend der 38 Jahre alte Kutscher Otto Peiscr aus.der Kronprinzen- straße 20a. Peiser erhielt von dem Fuhrgeschäft von Noack in der Hauptstraße 9 zu Rummelsburg, wo er seit 14 Tagen angestellt war, den Äustrag. von einem Neubau Klamotten abzufahren. Auf dem Heimwege schlief er auf dem Bock ein. Vor dem Hause Markgrafen- damin 25 suhr der Wagen gegen die Bordschwelle. Durch den Ruck flog der Schlafende vom Bock herunter auf die Straße, direkt vor die Räder seines Wagen?. Diese gingen über seine» Hals hinweg, so daß er einen Genickbruch erlitt und auf der Stelle verstarb. � Er ourde nach dem Leichenhaus in Stralau gebracht. Der Verunglückte war nicyt verheiratet. Wahle» zur Angcstelltenversichcrung. Nach einer amtlichen Be- kanntmackiung werden die Bertrauensmännerwahlen zur Angestellten- Versicherung(Arbeitnehmer) in Lichtenberg am Sonntag, den 3. November d. I, in der Zeit von 11 bis 5 Uhr vorgenonimen. Für Lichtenberg hat sich ein Wahlausschuß der Freien Vereinigung konstituiert, der alle Wahlarbetten erledigt, Auskunft über Wobt- borechtigung usw. erteilt.' Anfragen in allen Wahlangelegenheiten sind zu richten an den Obmann des Ausschusses. E. Dziurowitz, Berlin-?tichtenberg. Wartenberg st ratze 56. Für die Wahlagitation und für die Erledigung der Arbeiten am Wahltage selbst sind Hitfskräste erforderliid. Meldungen hierzu. um die baldigst ersucht wird, nimmt ebenfalls der Obmann Dziurowitz entgegen. Der Wahlausschuß der freien Bereinigung für soziale Versicherung der Privatangestellten. Charlottcnburg. Wahle» zur Angestelltenverfichming. Die Bertrauensmännerwahlen zur Angestelllenversicherung finden am Sonntag, den 20. Oktober d. I., statt. Der Wahlausschuß der Freien Vereinigung hat sich für Char- lottenburg gebildet. Anfragen sind zu richten an den Obmann Ingenieur Wagner. Lohmeherfir. 14. Hilfskräfte für die Wahl- agitation und für die Arbeit am Wahltage selbst wollen sich um- gehend bei dem Obmann melden. Eltcrnverein für freie Erziehung. Die Mittwochsausflüge nach der Jungfernheide sind für dieses Jahr beendet. Vom 9. Oktober ab finden die Spielnachmittage wieder jeden zweiten und letzten Mittwoch im Monat, nachmittags von 3—6 Uhr. im Bolkshause, Rosinenstr. 3. statt. Auch NichtMitglieder und deren Kinder können daran teilnehmen. Kaffeekochen wie im vorigen Jahre. Neukölln. Wegen eines Großfeuers wurde am Sonntagnachmittag gegen 4 Uhr die gesamte Neuköllner Feuerwehr nach der Thomasstr. �7 gerufen, wo der Dachstuhl des Hauses in großer Ausdehnung in Flammen stand. Da die Nachbargebäude stark gefährdet war?.:, griffen die Mannschaften sofort mit mehreren Schlauchleitungen est,. Nach einstündiger Löschtätigkeit war das Feuer unterdrückt; eine starke Rauchentwickelung hatte die Arbeiten sehr erschwert. Der Dachstuhl ist fast vollständig ein Raub der Flammen geworden. Mit den Nachlösch- und AufräunmngSarbeiten hatte die Wehr noch bis zum Abend zu tun. Die Brandursache ist nicht ermittelt. Wilmersdorf-Halenfee. Herr Dr. Leidig ersucht uns um Anfnahme folgender Zuschrift: In der vierten Beilage der Nr. 228 vom 29. September 1912 heißt es unter der Spitzmarke Wilmersdorf-Halenfee:„Er wird sich Herrn Leidigs Meinung anzuschließen haben, daß die kommunale Sozialpolitik mit der Mode der zugebundenen Röcke im gleichen Kurse steht.' Diese von Ihnen bereits wiederholt mir zugeschriebene Aeußeruiig habe ich niemals getan; sie wäre auch unsinnig. Tot- sächlich habe ich in einem Vortrage gesagt:„Auch in der Sozial- polilit gibt es Moden, ebenso wie wir jetzt die Mode der zu» gebundenen Röcke, früher der bauschigen Kleider haben.' DaS»st augenscheinlich ganz elwaS anderes. Trcvtow-Baumschulenweg. Einer sonderbaren Berichterstattung befleißigt fich da? hiesige Amtsblättchen. Trotzdem die Teuerungsdebatte die letzte Gemeinde- Vertretersitzung vollständig beherrschte, geht das Blatt darüber mit einigen einleitenden Worten hinweg, berichtet dann in behaglicher Breite über die nichtigsten Dinge der Tagesordnung und vertröstet die Leser mit einem„Schluß folgt'. Auf diesen„Schluß' mit der unangenehmen Konstatierung der Fleischnot und ihrer Ursachen warten aber die Amtsblattteser jetzt nach einer vollen Woche immer noch, d. h., wenn sie überhaupt mehr als die amtlichen Bekannt- machungen lesen. Um so mehr Platz findet aber das Blatt für die welterschütternden Ereignisse in einem Schachklub oder anderen Ver» einchen. Nachdem„Tüftel-Maxe' sich vor kurzer Zeit erst in Gestalt einer.Einsenderin' über die Begehrlichkeit der Arbeiterfamilien hatte vernehmen lassen, würde eS den Spießer auch ganz sonderbar angemutet haben, wenn er nunmehr hätte lesen sollen, daß die da» malige Einsenderin sich etwas aus den Fingern gesogen hat. Ueber» dies dürfte das Eingesandt schon ziemlich alt gewesen sein.— scheint als ob eS Tüftel-Maxe einmal irgendwo vor Jahren aufgegabelt und in sein„Raritätcnheft" gelegt hat. Bei der gegen- wältigen Teuerung hat er nun, weil er nichts Eigenes zu sagen wußte, das alte fremde Geistesprodukt hervorgeholt und eine Ein« 'enderin für den darin verzapften Unsinn verantwortlich gemacht. Steglitz-Friedenau. Arbciter-Jugendheim. Um den jugendlichen Arbeitern und Arbeiterinnen außerhalb des Wirtshauses Gelegenheit zu geselligem Spiel und belehrender Unterhaltung durch Vorträge usw. zu geben, hat sich aus Arbeiterkreisen ein Komitee gebildet, welches die Grün- dung eines Vereins.Arbeiter-Jugendbein,' in die Wege geleitet hat. Heute Dienstag, abends 8'/, Uhr, findet nun bei Schellhase. Steglitz. Ahornstr. 15, die konstituierende Versammlung des Vereins tatt, auch werden daselbst neue Mitglieder aufgenommen. Da ein derartiges Heim für unsere Jugend dringendes Bedürfnis ist, er» suchen wir die Arbeiterschaft, das Unternehmen tatkräftig zu unter« 'tützen. Weiftensee. Die Wahl der BcrtrauenS- und Ersatzmänner für die Angestellten« Versicherung findet am Sonnlag. den 3. November, von 12—5 Uhr nachmittags, statt. Die Wahlberechtigten mit dem Anfangsbuchstaben A—L wählen im Restaurant„Zum Spatenbräu'. Berliner Allee 232, und M— Z im Restaurant Richter, Berliner Allee 31. Weißensee bildet den Stimmbezirk L und umfaßt die Orte Malchow, Linden« berg, Karow, Heinersdorf. Anmeldckarten zur Angestelltenversicherung sind zu haben im Verwaltungsgebäude Pistoriusstraße 27, sowie be» den Restaurateuren Fritz Preuß. Berliner Allee 19, Gustav Peukert. Berliner Allee 251, Gustav Schlegel, Gustav-Adolfftratze 169 und bei dem Obmann des Wahllomitees Johann Zieger, Lehderstraße 71, 3 Treppen._ Kaufmännische Kranken- VorstandSsitzung am Dienstag, Restaurant Jüdenstr. 18/19. und Sterbekasse von 1888.(E. H. 71.) den 1. Oktober 1912, abends 9 Uhr, im Marktbericht von Berlin am 88. Septvr. 1918. nach Ermittelung deS königl. Polizeipräsidiums. Marktballenpreis«. tKIeinhandel) 100 Kilogramm Erbicn, gelbe, zum Kochen 30.00—50.00. Speiicbohiien, weige, 30.00—50.00. Linien 35,00—00.00. Kartoffeln(KleinhdI.) 5.00—8,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,80—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,60— 1,90. Schweinefleisch 1,60—2,40. Kalbfleisch 1,50—2,40. Hammelfleisch 1,70—2.40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 4,00—6,00. 1 Kilogramm Karpien 1,40—2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,60—3,60. Hechte 1,60—2 80. Barsche 1,00-2,40. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebft 1,00—30,00._ WitterungSüberiicht vom 30. September 1918. MK ri- ä II S* 6 6 5 7 5 8 vlatwnen Bg »= aparanda Petersburg Scillh Abcrdeen Paris 8f 756 NRW 766 W 7j7.NNO 756030 7553333 «euer 4 bedeckt »bedeckt 2 bald bd. 4 bedeckt 3bedeckt B* f- *£ 8 8 9 11 14 1. Oktober 1918. Wetterprognose für Dienstag, de« Ein wenig wärmer, vielsach wolkig mit etwas Regen und frischen süd- lichen Winden» Berliner Wetterbureau. WasferstandS-Nachrtchten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Beritner Wetlerbureau. Wasserstand Memet. TUfit Werburg Weichsel. Thorn Oder, Ratibor » krojsen . Frankmrt Warthe,«chrimm LandSberg Netze, Vordamm Elbe. Leitmeritz Dresden Barby Magdeburg »)"+ bedeutet Wuchs.— Fall.—») Unterpegel. Berlin S??, Prinzenstr. 46u47 FflUHk mit MMem SetUev i ustig Beste Bettenfüllung: (guttmt, getdiUtztJ Mongpjl�gmen 3—4 Pfund zum grossen Oberbett Pfund 285 Mtrk Bettfedem Bei Vorzeigung des Inserats: Grane Federn.. Pfd. SS Fl. ■den PfdU.I.—, l.tB m.Pfd U.1.70 GemUebte Bnpfledern Pia m. A.- Hnlbvelaac Balbdaunea Pfd. U. Z.SO GSaaetedern( ""..»W Daunen Welue Balbdeunen pfd.M s.-. s.so,«.so, a.eo SebleUsfedern, hmlbwel«» Pfd U. 1.50 WeUae Sehlelsatedern PM M. Z.SO, S.- ■ellwelaae Scblelaatedern Pfd U. 9.60, 4.60,«.- Oderbneh.fiDnaeaetalaebt- tedern m. Daunen Pfd. 1.50 Boaalaebe Maladordannea 1 Prima keBmeUwe Danaea (cea. naoh) Pfd U 3.50 Pfd. U. 0.80 ___' r'a- a Höcht. bBkm. Danaea anaea Pfd. M. 5.-1 Pfd.tl«VS Pfd.«.Ob erb.). Nr. 92 mit Zsgfeder-Matratze, Pfosten 26 mm stark, mit Messing■ Verzierungen Im Kopf-u. Foesende, schwarz lackiert. Weiss lackiert 50 Pf, mehr Preiallate and Proben kodeatreL Fertige Betten (Oberbett, Unterbett, 2 Kissen) TOB_ mit crauao grau-rot Wateratout. gefüllt 4 Q— relcbUcher gefüllt 4 E— grauen Federn., Stand'— U. Stand'«»M. von grau-rot od. rot-roaaKöperaf out, gefüll» OA»O 92"° 99®° mit Entenfedern....... Stand M. U. M. von eebt türkisch-rotem Inlett(Ünterbett Drall) gefüllt 9Q— mit Halbdounen und Federn......... Stand—au. Beaaere Betten..... U. 46.—, 65.—, 68.— bis 105.- Fertige Bettinlette KBaer-Inled rot, rot.roaa, grau-rot Oberbett 120X200 1 Hark 8.60, 4.20, Klaaen 80X75; Mark O.OO, t.Ob, Unterbett 100X200: Mark 8.UO. 3.80, Inlett rot, rot-roaa, bant Oberbett 120X200: Hark 6.60, 8�-, Klaaen 84X84; Hark 1.86, a.ZO. 4.80. 6.70 l.SO, 1.46 4.00, 4.75 0.80 »76 Orell rot, rot-roea, bunt, 100X200:11. O.OO, 6.40, O.SO, 7.40 s Suppenartikel HtGGP Würze HiGGP Boalllon-VDrlel HiGGI' Soppen sind die besten! .. i. f-i mMAGQIs gute, sparsame Küche**. Theater und Vergnügungen Dienstag, den 1. O l t o b e r. Ansang 4 Ubr. Urania. Der Vierwaldstädter See und der Gotthard. Ansang 7 Uhr. Kgl. Opernhaus. Tristan«od Ljolde. Anfang 7'/. Uhr. Kgl. Schauspielhaus. 1812. Deutsches. Totentanz. LirfuS Albert Schumann. Gala- Vorstellung. Zirkus Bnsch. Gala-Vorstellmig. Ansang 8 Udr. 48/1». Urania. Daubenstraste Auss Matterhorn. Lessing. Narrentanz. Hainiiierspiele. Mein Freund Teddh. Deutsches Schauspielhaus. Glau» bigcr. Mti dem Feuer spielen. Dheatcr am NollendorsplaU. Or« pbcus in der Unterwelt. Mo»tie Operetten. GoldncrLcicht- sinn. Kursürsteu-Oper. Der Kuhreigen. 5iouii>dienhaus. Die Zarin. Berliner. Groge Rosinen. fcöiiiflgrittier Strasse. Die fünf gvnnfjiirter. kleines. Der Unverschämte. Der . Arzt seiner Ehre. LottchcnS Ge- burlstag. Schiller». D-S PsarrerS Tochter von Stl-elaoors. Sdiu;. Cliarloltenburg. Der Talisman. m. Ncsibenz. Der tz-rr von Nr. Ig. Sbalia. Autolievchen. Luisen. Ich lasse dich nicht. »r rnfelb. Wie man Männer bessert. Die Lrigwal-KIabriaS« Partie. Metropol. Chauffeur— UlS Metropol. Driauon. Liebesbarometer. <5asi>lo. Der Grosisürst Wiuicrgartrn. Spezialitäten. Apollo. Lveziallläien. Pafiage. Svezialitäten Reichshallen. Die Macht der Töne. Ansang 8'/, Ubr. Lustspirldaiis. So'n Windhund. F-rirbr.> i-öilli. Schauspielhaus. Die lculche Susanne. Rose. Zapsenstreich. AvlieS(saprice. Der keusche Joseph. Der Rehbock. Ansang 8'/, Ubr. Neues Bolksihcater. DcrKammer- länger. Ansang 10 Ubr. Admiralopalast. Eisballell: Ivonne. '.' Sternwarte, Invaliden str. 57—02. Ledjller-Ideklei'o.Th?-!«'. Dienstag, abends 8 Uhr: vo» Pfarrers Tochter von Streladorf. Mittwoch, abends 8 Uhr: Oes Pfarrers Tochter von Streladorf. Donnerstag, abends 8 Uhr: Die Lokalfaahn.— Die Medaille. Schlller-Tiieater Chahu?Btt.en' Dienstag, abends 8 Uhr: Der Tallatuan. Mittwoch, abends 8 Uhr: Der Talisman. Donnerstag, abends 8 Uhr: Oer Misanthrop. Die Schule der Frauen. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Grotze Rosinen. ftlMilillei'IiljiiigMei'Lti'klSe AbendS d Uhr: v!e S Frankfurter. Theater am Nollcndorfplatz (Neues Schauspielhaus). Täglich abends 8 Uhr: Gastpiel des Münchener Künstler- Theaters: Orpheus tu der Unterwelt. Deutsches Schauspielhaus 8 Uhr zum erstenmal: Gläubiger. Vorher: Mit dem Feuer spielen. Montis Operetten-Theater (srüher Kcncs Theater) AbendS 8 Ubr: Goldener Leichtsinn. Wdcill-Helckr. _« Uhr: per Herr von Ur. 19. Schwank in 3 Akten von Keroul und Borrs. Sonntag. 6. Ott., nachm. 3 Uhr: Ei« Walzer von Ebovin. Metropol-Thealerr - ins Met Grosie JabreSrevue mit Gesang und Tanz in 10 Bildern von I, Freund, Musik v. Rud. Nelson,-ranze arrang. von Will Bishop. In Szene gesetzt vom Direktor R. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Trianon-Theater. Abends 8 Uhr: Liebesbaromcter. Sonnt. SUHr: Oer selige Toupinel. Urania TaabenatraBe 48/40. Wissenschaftliches Theater. Nachm. 4 Uhr: Der Vierwaldsiätter See und der Gotthard. 8 Uhr; Aufs Datterhorn. Luisen-Theater. Dienstag aus allgemeines Wer- langen: Ich laffe Dich nicht. Mittwoch: Das Knthchcn von Heilbronn. DoniierSlag: Die Mcineidgräsin. Freitag Premiere: Die gelbe Gc- fahr. oSU-THUWre Groge Frankiurler Str. t32. Abends 8'l, Uhr: Zapfenstreich. Mittwoch; Wilhelm Teil. I Ab 8 Uhr Premiere! liocy KUnig Wiener Soubretten-Star. Rerte Brcslna Paiiser Soubrette. Bernhard TlUrbltx, der populärste sächsische Komiker und 8 weitere Novitäten. Theater Königstadt-Gasino. Holzmarklstr. 72, Ecke Alexanderstr. 1 Min. v. Bahnh. Jannowitzbrücke. Tägl. abends 8, Sonnt 5 Ubr: Gastspiel d. renommiertesten Ver> wanblungssdiauipielers Barl Braun in seiner Szene»Ein Skandal im Restaurant-'. Spezialitäten Programm. lankteulslehsn. Liedrrsp. in 1 Akt. MM» Wie man Männer bessert! Die Original- SCIabriaspaptie. Beide 8tUcke mit Anton und Donat Herrnfcld. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf 11—2. Sonnabend: Herrnfeld- Premiere! Foiies Caprice. Zum 31» Male Die drei Schlager: Der keusche Joseph. Der Rehbod. Der Einbrecher. Reichsiia den-Theater Stettiner Sänger. Eröffnung der Winter- saison. Gr. Orchester: Sirig,: R. Schräder. €vie Macht der TöBe. Burleske v- Mcyfcl. Ans. 8 Uhr. Nächsten Sonntag, den 6. Okt.: Erste Sonntagö-SiachmittagS- Porfteaung zu ermäst. Preisen. Ansang 3 Uhr. Zum Schlug: Ter Kompagnie-Ball. Loge 1 M., Balkon 75 Ps. Parkelt und Orchestersttz 50 Ps. Berliner:: Konzerthaus "■™ Mauerslraße 82.— ZimmerstraSe 90/91. Heute; Uetztes Auftreten des Udel-QuartettS aus Wien. Pro f es S 01° V' d e 1. Berliner Konzerthaus-Orchester �zmp Musikc. Kaiser-Franz-Regts. obfÄeck'er. Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 l'f. Anfang 8(Jlir. An allen Wochentagen nachm. Gr. Promenaden-Konzert bei freiem Eintritt.. Zirkus Busch. Heute Dienstag, I, Oktober, abends 71/« Uhr: Kam 1. Male: Vorführung des bereits am 19. Dezember 1911 vor den Offizieren der Inspektion des Militär-Luffc- und Kraftfa hr- wesens und Vertretern des LuftschiSerbataillons gezeigt. Lenkballons ohne Bemanimng! (Ingenieur H. Bohle). Das LuftschiS wird durch drahtlose Stromübertragung vom festen Lande aus gelenkt. ü. a. wird das Werfen von Sprengstoffen auf Land- und Seebefestigung, demonstriert. Ferner: Houdlni! und das groBe Gala-Programm. Zum 8chlait Unter Gorillas. Original-Pantomimenburleske des Zirkus Busch in 4 Bildern. Besonders hervorzuheben: Gorillas als Menschenräuber! Der Waldbrand! Das große Schlangenballett(24 lebende __ Kiesenschlangen.)_ Hollo Wolf Arnold Scholz IICUC neu Hascnheide 108/114 Dienstag, den 1. Oktober: Gastspiel des Boigt-TheaterS (srüher Bernhard Rose-Tbcaier) Deel Daae Schuhe. Lebensbild tn 3 Abt. von Kart Görlitz. Musik von Conradi. Preise der Plätze: I. Parkett 75 Ps.. Ii. Parkett 60 Ps., Balkon 50 Ps., Entree 40 Ps.— Billetts im Vor. vertauf im Restaurant Neue Welt. _ Anfang 6'/, Uhr. Passage-Thealer. Abends 8— 11 Uhr Gastspiel der sieben SpaSmacher Schaffner Passage halten!!! „Da tut sich was." Grolle Mctroparodie-Revue Jean Pedro, Fratzi Massievy, Laatsch Messing, Pepi Pepipi, Kehn Erzbishop, Luids Quietscher. Pfeifen überall gestattet! Zlrkn» A. �cltnmann Heute Dienstag. 1. Oktober, abends 7'/, Uhr: Gr. Sportvorstellnng mit einem auserwäblt Sportprogramm. Es wird extra darauf hingewiesen, daß diese Spoit- vorstellungen nur noch einige Tage dauern. U. a.: 10 Martonis, russischer Troica-Akt. Willy Manns mit s. 2000 Pfund schweren Schulpferd„Goliath". Agube Gudzow, Tscherkessenrt. Champagnerschule geritten v. Direktor Sohnmann. und die Übrigen Spezialitäten. Voigt-Theater. Dienstag, den 1. Oktober 1912: Gastspiel in der„Ncneu Welt«, Hasenheide 108—114. Drei Paar Schuhe. Lebensbild mit Gesang in 4 Akte» von Karl Görlitz. Kaffeneröffnung 7 U Hr. Ans. 8'/, Uhr. vssino Tiieatep Lothringer Sir. 37. Täglich 8 Uhr Das sensalionelle Oktober-Programm Rohert Vccsciiiann, Berlins Lteblingshumorist mit neuen Schlageni. Riesen- Lachersolg des lustigen Stückes Der Großfürst. Sonnt. 4 Uhr: Papas Seitensprung. �äBcggs-�zncgtikW wim I der größte Entfesselungs- künstler der Zeit. Oer Mann mit dem leisenien Schlund!| die analem. Unmöglichkeit.' LeM! OiineExtra-Entree! Für seu Znlial»»et Jnierare übernimmt die Redaktion de« Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung- Verkäufe. Zehn Prozent Rabatt Vorwärts lcsern. Sonntags geöffnet. Teppiche mit Farbenseblern 3.25, 3.85, 4.50. 5.75, S.85, 7.50, 9,25, 12.50. Galonptusch-Tcppichc 13.50, 16.50, 19,50, 22.50, 27.50, 35—38 usw. Riesensabri klager, Große Franksurter straße 125, im Hause der Möbel sabrit. Mardinen. Fabrikrcsle, svenslcr 1.65, 2.35, 2.85, 3.50, 4.50, 6.75 usw. Totalaiisverkauf von angc� schmutzte» Gardinen, Stores, Bett- decken, staunend billig. Große Frank- surtersttaße 125. Tuch- und Plüschportieren, Gar lütur 3.25, 3.85, 4.50, 5.25, 5.65, 7.50, 8.50 usw. Steppdecken 3.75, 4.25, 5.65, 7.50, 8.33, 12.85 usw. Plüschdecken mit kleinen Fehlern, 4.25, 5.50, 6.75, 7.85, 9.35 11,50 usw. E. 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