Ur. 280. RbonnementS'Redingunaen: Nboimements- Preis vränumerando! Bicrtcijährl. S,M Ml, monatl. 1,10 SRI, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1.10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zcitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Dcutlchland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland L Marl pro Monat. Postabonnemeiüs nehmen am Belgien, Dänemart, Holland. Italien. Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 29. Jahrg. Crlchflnt»glich außer montags. Nevlinev Vollisblcrtk. Die Tnlertlons-Gebülir beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- geile oder deren Raum 00 Pfg.. für politische und gewerkschaftliche Vereins. und VersammlungS-Anzeigen 30 Pfg. „Kleine Mnrelgcn", das scttgedriickte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruelte Wortes, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über IS Buch- i laben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittags in der Expedition Ilpgegeben werden. Die Expedition ist tus 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adrefl«: „SoziaMmokrat Berlin". Zentralorgan der foztaldemokrat» fchen partes Deutfchlands. Redaktion: 8M. 68. Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moristplatz. Nr. 1983. Expedition: SM. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moripplatz, Nr. 1984. BalkanKrieg. von das sich also Wir haben doch wahrhaftig eine weitblickende NegicrunF i Am Sonnabend erschien in der„Nordd. Allgcm. Ztg." die Negierungskundgebung, die zur Erleichterung der Fleischnot die Einfuhr von Fleisch aus Bulgarien, Serbien und Rumänien gütigst gestattet. Und am Montag schon kamen die Depeschen, daß die Balkanstaaten nlobilisiercn. Soll man annehmen, daß die deutsche Regierung, indem sie eine Erlaubnis erteilte, der kein Gebrauch gemacht werden kann, bewußt deutsche Volk irreführen ivollte? Dazu wird man immerhin nur schwer entschließen können. Bleibt nur die andere Annahme, daß unsere Regierung von den Ereignissen völlig überrascht worden ist. Und dazu wird man sich um so leichter entschließen, als das ja die Regel ist. Wenigstens wüßten wir kein besonderes Ereignis der auswärtigen Politik seit dem Ausbruch des russisch- japanischen Kriegs zu nennen, Von dem unsere Regierung nicht überrascht ivorden ist. Bor einem Jahre, als unser geschätzter italienischer Bundes- genösse den Raubzug nach Tripolis begann, erklärten>vir, daß daniit die gesamte orientalische Frage mit all ihren Gefahren heraufbeschworen werde. Dem Eingreifen der Mächte war es ja zunächst gelungen, den Krieg einigermaßen zu lokalisieren und die Italiener zu verhindern, in der europäischen Türkei selbst mit Waffengewalt aufzutreten. Das war aber auch nicht mehr notivendig. Die ewig unruhigen.Bölkerschasken erhoben sich, der Albancraufstand uild der ihm folgende Sturz der Jung- türkcn offenbarte die Schwäche der türkischen Herrschaft aller Welt uild vor allem den angrenzenden Kleinstaaten. Seit Monaten wurde die Situation zusöhends kritischer. Serbien, Bulgarien, Rumänien, Montenegro, Griechen- land haben einen großen Teil ihrer Nationsgenosscn im türkischen Gebiet sitzen, und es läßt sich begreifen, daß die Bewegung, zur nationalen Bereinigung in einem ge- meinsamen Staatsgebiet zu gelangen, in"diesen Ländern bei der Masse der kleinbürgerlichen und kleinbäuerlichen Bevölke- rnng starke Sympathie findet. Es kommt hinzu, daß all diese Staaten, in denen sich der Kapitalismus, genährt durch aus- ländisches Kapital,, in den letzten Jahren rasch entwickelt hat, zum modernen ökonomischen Leben zu klein und zum Sterben zu groß sind. Sie alle wollen daher die Expansion. Serbien lvill den freien Zugang ans Meer und die Vergrößerung durch Alt-Serbien, Bulgarien das Hauptsrück von Mazedonien, Griechenland sucht Erweiterung in Thessalien und Epirus, Montenegro in Albanien. Die Sozialdcniokratie der Balkanländcr hat seit Jahren auf die einzige Möglichkeit einer friedlichen Lösung nlit steigendem Nachdruck hingewiesen und eine föderative Balkan- republik mit Einschluß der Türkei gefordert, um auf diese Weise die Balkanländer zu einer wirtschaftlichen Einheit zu- sammenzuschließen. Damit wäre ein lebensfähiges politisches Gebilde geschaffen worden, stark genug, um imperialistischen Gelüsten der Großmächte ebenso wie den Expansionsgelüsten der heutigen Kleinstaaten ein Ziel zu setzen. Aber die Sozialdemokratie ist in diesen Ländern noch viel zu schivach, und daß ihre Lösung vernünftig ist, genügt nicht, um sie durchzusetzen. So blieben auch die tapferen Kundgebungen unserer bulgarischen und serbischen Freunde zunächst ohne nach- haltige Wirkung. Die Türkei aber vermochte aus eigener Kraft ebenso wenig der Krise vorzubeugen. Der jungtürkische Zentralismus mußte bei dem Nationalitätengewirr der Türkei stets steigenden Widerstand erivecken. Er führte schließlich zum Sturz der Jungtürken. Nachdem bereits die nationale Bewegung in Mazedonien und Albanien, die nach der Revolution eine � Zeitlang in ruhigere Bahnen ein- zulenken schien, aufs neue in Aufständen und Baudenkämpfen emporgelodert war. Aber auch als die türkische Negierung mit dem Zentralismus brach und Reformen durchzuführen zum wenigstens versprach, war es zu spät, wenn es über- Haupt Nutzen bringen konnte. Denn was die Balkanstaatcn wollen, ist eben die territitoriale Ausdehnung und die Ver- cinigung mit ihren Nationsgenossen in ihrem Staate, ist der Zerfall der Türkei und nicht deren Stärkung durch Reformen. So erklärt es sich, daß gerade die Neforwankündigung der türkischen Regierung die serbischen und bulgarischen Banden in Mazedonien zu immer stärkerer Tätigkeit anspornte, um eben die gewaltsame Lösung zu erzivingen. War nun die Türkei, ohnehin durch den Krieg gelähmt, der Natur des Problems nach gar nicht imstande, eine sried- liche Lösung herbeizuführen, so blieben nur noch die Groß- mächt e. Aber die Interessen der Großmächte auf dem Balkan sind nichts weniger als einheitlich und die Friedens- Phrasen der Diplomatie nie verlogener, als wenn sie von der Notwendigkeit der Erhaltung des Status guo auf dem Balkan redet. Bon jeher ist es der Traum Oesterreich-Ungarns, in dem bedeutenden Handelsplatz Saloniki seineFahne aufzupflanzen, seit jeher drängt die russische Politik nach dem Besitz von Konstantinopel. Italien, das eben in Tripolis räubert, möchte gar zu gern auch an der albanischen Küste seine Herrschaft auf- richten, um dadurch seine Stellung im Adriatischen Meer zu einer dominierenden zu gestalten, ein Bestreben, wodurch es mit Oesterreich in den stärksten Konflikt geraten müßte. «ngland hat an einer starken Türlei überhaupt kein Interesse innd am wenigsten, seitdem die Türkei, unterstützt von Deutsch- , land, durch den Ausbau der Bagdadbahn eine England un- bequeme Stärkung in Vorderasien erfahren hatte. Nur Deutschland und Frankreich, die zunächst hauptsächlich wirtschaftlich interessiert sind, waren an der Erhaltung der Ruhe im Balkan wirklich interessiert. Aber die herrliche deutsche aus- wärtige Politik hat es ja verstanden, den Gegensatz gegen Frankreich durch das Marokkoabenteuer wieder so zu ver- stärken, daß Frankreich ganz auf die Seite Englands und Rußlands gedrängt worden ist. Und während die Situation auf dem Balkan ein einmütiges Vorgehen der Großmächte so dringend erforderlich macht, sind die Mächte durch den Gegensatz zwischen Trippelentente und Dreibund zu jedem einmütigen Vorgehen so ziemlich unfähig geworden. So erklärt es sich, daß die Balkanstaateu va banque spielen. Griechenland, Montenegro, Serbien und Bulgarien haben ein Bündnis geschlossen, haben ihre Armeen mobilisiert, Bulgarien und Serbien haben ihre Gesandten vielleicht be- reits abberufen und Serbien hat an die Türkei ein Ultimatum gestellt, worin Freigabe oder Rücksendung der in Uesküp angehaltenen Munition binnen 48 Stunden gefordert wird. Da die Türkei ihrerseits mobilisiert hat, jedes Ultimatum ablehnen wird und an der montenegrinischen Grenze bereits gekämpft wird, so sind die Aussichten, den Frieden zu erhalten, trotzdem die Herren Diplomaten den Mund noch immer recht voll nehmen, fast verschwindend. Der drohende Kriegsausbruch hat heute schon seine Wirkung auf das europäische Wirtschaftsleben ausgeübt. Die bisher so zuversichtliche Börse hat an allen Hauptplätzen einen schweren EHoe erlitten, die Wiener und Berliner Börsen nament- lich waren deroutiert. Und es ist bezeichnend, daß auch die Staatsrenten verhältnismäßig stark im Kurse zurück- gingen. Darin spricht sich die Furcht vor den u n a b» schbaren Folgen aus, die ein Balkanlrieg haben müßte. Zwar versichern die Diplomaten der Großmächte auch jetzt wieder, sie würden den Brand lokalisieren. Es sind das die- selben Herren. die im Vorjahre erklärt haben, daß der italienisch- türkische Krieg auf Tripolis beschränkt bleiben und keine weitere Folgen haben werde. Ueber dieses Geschwätz ist natürlich kein Wort zu verlieren. Viel ernster zu nehmen sind die Nachrichten über die russischen „P r 0 b e m 0 b i Ii si erun g e n", die plötzlich ein ganz anderes Aussehen gewinnen, und über die Truppen- bewegungen in Oe st erreich. Die Gefahren eines Weltkrieges sind plötzlich fürchterlich nahe gerückt und für die internationale Sozialdemokratie erwächst die Pflicht, mit größter Aufnierksamkeit die Ereignisse zu verfolgen, die in jedem Augenblick zur Schicksals- und Lebensfrage des Proletariats werden können. Die JVIobUniacbung. In Serbien. Belgrad, t. Oktober. Das Amtsblatt veröffentlicht die Verordnung über die allgemeine Mobil- m a ch u n g der serbischen Armee und die Einberufung der Skupschtina auf den 4. Oktober. Große Kundgebungen für den Krieg gegen die Türkei werden vorbereitet. In Regierungskrcisen wird erklärt, daß Serbien von der Türkei die A u t 0 m i e für A l t s e r b i e n. einschließlich der Sandschaks Novibazar und Skutari bis an die Adria, fordere, da nur hierdurch dauernd friedliche Zustände geschaffen werden könnten. Die Polizei verbietet die Veröffentlichung von Mit- teilungen über Bewegungen der Truppen. Die Mobilisierung wird wahrscheinlich binnen 24 Stunden ihren Anfang nehmen. Die Blätter behaupten, der s e r b i s ch e G e s a n d t e in der Türkei wäre bereits von Konstantinopel nach Belgrad a b- g e r e i st. Die Vorbereitungen zum Kriege werden in fieberhafter Weise betrieben. In Bulgarien. Sofia, 1. Oktober. Die Verordnung, durch welche die a l l g e m e i n c M 0 b i l m a ch u n g des bulgarischen Heeres befohlen und die Verhängung des Belagerungszustandes über das ganze Königreich erklärt wird, ist amtlich v c r ö f f e n t- licht Ivorden. Wie verlautet, soll die S 0 b r a n j e für übermorgen einberufen werden. In Montenegro. Cetinje, 1. Oktober. Der König hat die allgemeine Mobilmachung der Armee angeordnet. In Griechenland. Athen, 1. Oktober. Griechenland hat im Ein- vernehmen mit den Balkanstaatcn gestern abend die Mo- bilisierung seiner Streitkräfte zu Wasser und gu �.ande angeordnet. Es bestätigt sich, daß alle griechischen Schiffe Befehl erhalten haben, das Schwarze Meer, Konstantmopel und das Marniara-Mccr zu verlassen. Die Haltung der Türkei und Rumäniens. Wien, 1. Oktober. Di-.Neue Freie Presse" meldet au? Kon- stantinopel: Die hiesige nichttürkische Welt setzt noch schwache Friedenshoffnungen auf den Einfluß der Großmächte; da- gegen ist die türkische Bevölkerung auf die nahe bevor« stehende Kriegserklärung gefaßt und hat zu der Schlag- fertigkeit der Armee unbedingtes Vertrauen. Die Ruhe unter der Bevölkerung der Hauptstadt ist trotz voller Kenntnis der kritischen Lage musterhaft. Aus Bukarest meldet das Blatt: Von einer Mobilisierung der rumänischen Truppen verlautet vorläufig noch nichts. R u- mänien dürfte im Kriegsfalle eine abwartende Haltung einnehmen und nur dann eingreifen, wenn seine eigenen Interessen sowie die internationalen Verpflichtungen es dazu zwingen sollten. Serbische Vorstellungen. Konstantinopel, 1. Oktober. Der serbische Gesandte Dr. Nenadowitsch lenkte während seiner gestrigen Rücksprache mit dem Minister des Aeußern N 0 r a d u n gh i a n die Aufmerksamkeit der Pforte auf dies Erregung, die in Serbien durch die Mobil- machung der Divisionen von UcSküb und Mitrowitza hervorgerufen worden sei, was als Anzeichen eines Umschwungs der freundschast- lichen Haltung der Türkei Serbien gegenüber ausgelegt werde. Die Angelegenheit der Zurückhaltung des serbischen Kriegsmaterials in Saloniki versprach Minister Noradunghian dem Ministerrat zu unter- breiten. Kämpfe mit Montenegrinern. Konstantiuopel, 30. September. Der Mali von Uesküb meldete in den letzten Tagen einen Angriff von Montenegrinern auf eine mit türkischen Soldaten besetzte Barke. Heute hier ein- gegangene Meldungen geben die Zahl der bei der Beschießung der Barke getöteten Soldaten auf 39, die Zahl der Gefangenen auf 70 an. Die Montenegriner sollen den Getöteten die Nasen ab« geschnitten haben, was auf der Pforte Entrüstung hervorrief.— Einem Gerücht zufolge sollen bei einem neuerlichen Zwischen- falle an der montenegrinischen Grenze zehn türkische Soldaten getötet oder verwundet worden sein. Eine Erklärung der österreichischen Regierung. Wien, 1. Oktober, lieber die Lage auf dem Balkan hat der Minister des Aeußern in den ungarischen Delegationen folgende Erklärung abgegeben: Wir haben anS Sofia und Belgrad telegraphische Berichte erhalten, daß die allgemeine Mobi- lifierung angeordnet wurde. AnS Athen ist eine solche Mitteilung auf offiziellem Wege bisher nicht eingelangt. Die allgemeine Lage erweist sich aber auch dort s e h r e r n st. Ich muß jedoch darauf verweisen, daß zwischen der Anordnung der Mobilisierung und dem bewaffnetes Zusammenstoß noch ein großer und verantwortungsvoller Schritt ist, und daß die Großmächte auch jetzt noch bestrebt sind, die aus dieser Lage sich ergebenden Gefahren zu beschwören und eine friedliche Lösung zustande zu bringen. Die Streitkräfte der Balkanstaateu. Türkei. Die Friedensstärke des türkischen Heeres beträgt nach LöbevS Jahresberichten über das Heer- und Kriegswesen an Infanterie 181475 Mann, Maschinengewehren 4343 Mann, Reiterei 27 270 Mann, Artillerie 37 000 Mann mit 1472 bespannten Ge- schützen, FestungSartillerie 28 800 Mann, technische Truppen 11 500 Mann, Train 5000 Mann. Ferner 10 400 Grenziruppen. Zusammen rund 300 000 Mann. Die wirklich vorhandene Friedensstärke beläuft sich aber nur auf 220 000 Mann. Das Feldheer aus Kriegsfuß würde als theoretische Höchstleistung zählen: 705 000 Gewehre, 32 100 Säbel, 1518 Geschütze. Von dieser Zahl wird aber nur ein Teil wirklich aufgestellt werden können, und auch davon ist wieder nur ein Teil für einen Krieg auf einem europäischen Kriegsschau» platz verwendbar, da die entfernt liegenden Teile deS Reiches nicht von allen Truppen entblößt werden können(Tripolis, Deinen), und auch an der russischen und persischen Grenze beträchtliche Kräfte ver- bleiben müssen. Zurzeit stehen an der serbisch-bulgarischen Grenze ungefähr zehn Divisionen zur Verfügung. Bulgarien. Die bulgarische Feldarmee stellt sich im Kriegsfalle als eine Macht dar von 18 Jnfanterie-Divisionen zu je 16 Bataillonen. 2 Schwadronen und 10 Batterien(40 Geschütze) sowie einer Kavallerie- Division. Sie zählt einschließlich der technischen Truppen etwa 350 000 Streitbare. Die Streitmacht dürfte sich in drei Armeen zu je drei Korps gliedern. Für den Besatzungsdienst verbleiben außer- dem»och 36 Landstuim-Bataillone mit 36 000 Mann. Serbien. Die serbische Armee hat'eine Friedensstärke von 32 000 Mann einschließlich Offizieren, Grenziruppen und Gendarmerie. Die Kriegsstärke des 1. und 2. Aufgebots kann auf etwa 180 000 Kom- battanten und 660 Geschütze veranschlagt werden. Für die Auf- stellung des 3. Aufgebots sind gar keine Vorbereitungen getroffen. Wird auch dieses einberufen, könnte Serbien einschließlich aller Nicht- kombattanten etwa 250 000 Mann aufbieten. Montenegro vermag etwa 40 000 bis 45 000 Gewehre, 104 Geschütze, 44 Maschinen- gewehre aufzubieten. Der Rest der Mannschaften, elf schwache Bataillone mit wenig tausend Mann, hat den Grenz- und Lokal- wachtdienst zu übernehmen. Griechenland. Die griechische Armee soll nach dem Budget von 1911 eine gesetzesmäßige Friedensstärke von 31 250 Offizieren und Manu- schatten und 4300 Pferden und Maultieren'besitzen. Tatsächlich beträgt ihr Stand aber nur 20 000 bis 25 000 Mann. Das Heer ist in drei Divisionen gegliedert mit zusammen 63 Bataillonen, 18 EskadronS und 63 Batterien, von denen aber nur ein kleiner Teil (45 Bataillone. 9 EskadronS und 24 Batterien) vollzählig vorh»nden find. Die Kriegsstärke wird zurzeit auf etwa 75 ovo Mann zu ver- anschlagen sein. Nach diesen Zahlen der einzelnen Kricgsöudgets würden die Verbündeten kleinen Balkanstaaten zusammen nur 600 000 Mann gegen die Türkei führen können, die kaum mehr als 500 000 Mann entgegenstellen könnte, und das auch nur nach und nach. Freilich haben auch die Gegner der Türkei bei ihrer Mobilmachung mit großen Schwierigkeiten zu kämpsen. Fast alle hqben keinen ge» nügenden Offizierersay für die Kriegsformationen, eS fehlt an Pferdematerial für Kavallerie und Artillerie usw. Heuerling und Krieg. Die Mabnahmen der Regierung gegen die Teuerung be stehen im wesentlichen in beschränkten Einfuhrerlaubnissen für Fleisch aus Rußland und den Balkanstaaten. Durch den drohenden Balkankrieg wird diese ungenügende Maßregel völlig in Frage gestellt. Bulgarien und Serbie sollen bereits Ausfuhrverbote für Getreide und Vieh erlassen haben. Selbst wenn die übrigen Staaten nicht nnt entsprechenden offiziellen Bestimmungen folgen dürfte eine Einfuhr von Rußland und dem Balkan so sehr erschwert werden, daß Deutschland auf eine Zufuhr aus jenen Ländern so gut wie gar nicht zu rechnen hat. Was gedenkt der Reichskanzler zu tun, um diese Durchkreuzung seiner Maßnahmen wett zu machen? Die Einfuhrerlaubni für überseeisches Vieh und Fleisch ist dringender als je! Maßnahmen der Bundesstaaten Außer Baden folgen nun auch Württemberg, Hessen und Sachsen den von der preußischen Regierung getroffenen Maß' nahmen gegen die Teuerung. Wie ungenügend die Maßregeln sind, geht allein daraus hervor, daß von größeren Städten in Baden nur Mannheim, Karlsruhe und Freiburg, in Württemberg nur Stutt gart, Ulm und Mannheim, in Hessen nur Mainz die geringfügigen Erleichterungen zugute kommen sollen. Die Regierung auf der Agitation. Die Regierung sucht durch Notizchen in der„Nordd. Allg ihre Maßnahmen gegen die Kritik von rechts und links zu ver leidigen. Als Gründe für die Gewährung von Erleichterungen nur an Kommunen gibt sie an, daß eine allgemeine Zu laffung der Einfuhr nicht den Konsumenten zugute käme und auch die großen Städte allein durch ihre Einrichtungen die volle Garantie für die sanitätspolizeiliche Ueberwachung der Einfuhr böten. Dies« indirekte Kritik kleinerer Kommunen ist durchaus unberechtigt. Auch dort ist die Kontrolle ausreichend; oder will die Regierung be� haupten, die von ihr angeordnete Schlacht- und Fleischbeschau genüge nicht. Auch hindert gerade die beibehaltene Beschränkung der Ein fuhr, daß die Preise allgemein sinken. Bei Oeffnung aller Grenzen ist c6 undenkbar, daß der Zwischenhandel allein davon profitiert. Durch die erzwungene Mitwirkung der Gemeinden wird nur künst lich— durch städtische finanzielle Opfer und Verluste der Staats kassc infolge der Tarifermäßigungen— die Preisermäßigung herbei geführt, die sonst selbsttätig in viel stärkerem Maße eintreten würde Von dem Vorwurf, daß durch die Beschränkung der Maßnahmen auf Gemeinden die Regierung nur die Landwirtschaft schonen und eventuell den Mißerfolg auf die Gemeinden abwälzen will, hat sie sich nicht reinigen können. Gegenüber den Forderungen, daß die Vieh, und Futter- m i t t e l z L l l e fallen müßten, um wirklich Bauernpolitik zu treiben, verweist die Regierung auf die bekannten Zahlen über den großen Anteil der bäuerliche» und kleinbäuerlichen Besitzung an der Viehhaltung. Aber gerade daraus geht hervor, daß die kleinen Landwirte und Vichmästcr, die auf den Kauf von Futtermitteln angewiesen sind, starkes Interesse an billigen Futtermitteln haben Auch klagen die Bauern, daß sie ihr Vieh teuer vom Großgrund- bcsitzcr erstehen müßten. Vom Ausland erhielten sie weit billigere und nicht schlechtere Zuchttiere. Die Beseitigung der Vichzölle würde ihnen diese gewünschte Erleichterung schaffen. Kritik von Fachleuten. Der Ablehnung der RegierungSmaßnahmen durch die politische Presse schließen sich Sachverständige der Landwirtschaft und für Gefrierfleischeinfuhr durchaus an. So schreibt Reichstagsabgeord ncter L e u b e° Hamburg: Die Einfuhr frischen Rindfleisches aus Rußland, einem Lande, dem gegenüber man sich seit 30 Jahren abgesperrt hat, wird gestattet. Woher sollen denn nach der vorjährigen russischen Mißernte nun plötzlich die dem deutschen Gaumen zusagenden Fleischmcngen aus Rußland kommen? Die Einfuhrerlaubnis für frisches Rindfleisch aus den entfernt liegenden drei Ländern Rumä- nien, Serbien, Bulgarien wirkt auf den Kenner der Berhältniffe lächerlich. Eine kleine Linderung könnte vielleicht eintreten in einigen Städten des deutschen Ostens durch die Gestattung der Einfuhr lebender russischer Schweine in beschränkter Anzahl. Aber daß der in ganz Deutfchland herrschenden Fleischteuerung durch dicseö geringfügige Entgegenkommen abgeholfen werden könnte, ist voll st ändig ausgeschlossen. Die Erlaubnis zur Ein- fuhr lebender holländischer Schlachtrinder auf dem Landwege, ohne Quarantäne, wird auch nur wie ein Tropfen auf einen heißen Stein wirken. Das Wenige, was Holland in den letzten Jahren überhaupt noch für die Ausfuhr übrig hatte, bekam Deutschland so wie so schon in geschlachtetem Zustande.'Es wird aber hierdurch in hellem Lichte gezeigt, wie widerspruchsvoll die Regie- rungsmaßnahmen sind, denn das dänische Vieh mutz nach wie vor in den kostspieligen deutschen Ouarantäneanstalten bei der Einfuhr untergebracht iverden, während dies jetzt bei holländischem Vieh nicht verlangt wird und bei österreichischem Vieh auch nie verlangt wor- den ist. Als letzte Maßregel wäre noch zu erwähnen die Aushebung des Einfuhrverbotes gegen frisches Rindfleisch aus Belgien. Wer die Vorgeschichte dieses Verbotes kennt und weiß, daß Belgien schon seit Jahren genötigt ist, zwecks Versorgung seiner Bevölkerung aus- ländisches Fleisch und lebendes argentinisches Vieh herein zu lassen, der versteht es auch, weshalb unsere»volksfreundliche" Regierung diese„Erleicktcrung" gewährt hat. Der Generalagent des australischen Staates Victoria, Sir John Paverner, äußerte sich: „Mit Bedauern habe ich den Beschluß der preußischen Regie- rung über die Einfuhr von Gefrierfleisch gelesen. Nach meiner Ansicht sollte die preußische Regierung dem Beispiele der Vereinigten Staaten folgen und das Zeugnis der Regierung des Ursprungs- landcs über die(Gesundheit des versendeten Fleisches als aus- reichend erachten. Die Gesetze Victorias über den Fleisch- export schließen jedes Fleisch, das nicht gesund oder nicht frei von Seuchen ist, von der Ausfuhr aus. Um Fleisch in gefrorenem Zu- stände zu konservieren, ist es durchaus notwendig, daß Äerz, Leber und Lungen aus dem Körper entfernt werden. Wenn Deutsch. land gutes und nahrhaftes Fleisch haben will, so muß es seine jetzigen Vorschriften fallen lassen. Die deutschen Konsularbehörden in Australien sollten doch vollständig ausreichend sein, um darauf zu achten, daß die lokalen Gesetze bei der Versendung von Fleisch nach Deutschland auch beachtet werden." Der Vizckonsul von Argentinien in Karlsruhe, Herr Regens« bürg er, bestätigt ebenfalls, daß die sanitären Maßnahmen seiner Regierung ausreichen: „Die sanitäre Inspektion deS für den Export bestimmten lebenden Viehs durch die argentinische Re« Maul- und Klauenseuche spätestens innerhalb acht Tagen nach statt- in Verbindung steht, in der„Tai lh gehabter Infektion zum Ausbruch kommt, die Dauer der Seefahrt unter anderen Dingen auch das Recht verlangen, dw ONllaMng oer bei Viehtransportcn mindestens drei Wochen beträgt, so wäre es ein Leichtes, ein Tier bei den ersten Anzeichen der Krankheit jju beseitigen. Bei Ankunft der Transporte würden die Tiere natür- lich neuerdings untersucht, bevor sie zur Schlachtung kommen, die übrigens meines Wissens in der Sckweiz binnen zwölf Stunden nach dem Eintreffen am Ort der Schlachtung zu erfolgen hat. In Basel allein sind in der Zeit vom 1. Januar bis 31. August d. I. rund 3400 Stück argentinische Ochsen geschlachtet worden.". � Obermeister Adolf K l i e sch e von der Berliner Fleischer innung führte etwa folgendes auS: „Unter den im Regierungsbeschlutz aufgeführten Ländern vev missen wir Dänemark und Schweden. Diese Länder sind aber für uns wegen ihres reichen Viehbestandes und des billigen Transportes von größter Wichtigkeit. Zwar sind im Verkehr mit Dänemark und Schweden unser« Grenzen schon heute offen, doch wird das Fleisch mit einem viel zu hohen Zoll eingeführt. Auch eine Quarantäne ist unseres Erachtens für das von dort stammende Fleisch nicht unumgänglich nötig, da das Vieh ohnehin lebend und geschlachtet untersucht wird. Eine Herabsetzung des Zolles und eine Milderung der Untersuchungsvorschriften würde eine wesent liche Erhöhung der Einfuhrziffer zur Folge haben." Agrarische Verhöhnung der Regierung. Während selbst die Regierung zugibt, daß die Fleischpreise eine bedenkliche Höhe erreicht haben und der Auftrieb an Schlachtvieh einen bedenklichen Rückgang zeige, wagt eS die Viehverwertungsgenossenschaft in Ruininelsburg(Pommern) eine außer ordentliche Generalversammlnng einzuberufen mit der Tages- ordnung: „Welche Maßnahmen sin» von der deutschen Landwirtschast zu treffen, um einer Ueberfchwemmung des Marktes int Inland» mit ausländischem Fleisch vorzubeugen?" So verhöhnen agrarische Kreise das notleidende Volk und die Regierung. �_ Die internationale Bluchergesellfchaft. London, 26. September.(Eig. Ber.) Die englische Regierung als treuer Kommis des Zaren will auf alle Fälle verhindern, daß die chinesische Republik zu ehrenhaften und anständigen Bedingungen zu Gelde kommt. Die Republik soll unbedingt die 66 Millionen Pfund der sechs Mächte annehmen, von denen sich Rußland und Japan noch erst die vorzustreckende Summe pumpen müssen. Mit einem Schlage soll die auswärtige Schuld des chine fischen Staates, die heute etwas über 75 Millionen Pfund beträgt, verdoppelt werden. Dafür soll die Republik die Verwaltung einer ihrer wichtigsten inländischen Steuerquellen auS der Hand geben und sie dem internationalen Syndikat übertragen, das die Unter stützung der sechs Mächt« besitzt. China braucht die gewaltige An leihe nicht, aber die Wucherer, die sich an die junge Republik heran- gemacht haben wie an einen jungen reichen Menschen, der bald zu seinem Vermögen kommen wird, sind anderer Ansicht, die namenb lich von Rußland und Japan, die ein offenkundiges Interesse an dem Bankrott des chinesischen Staates haben, vollkommen geteilt wird. Glücklicherweise ist nun China nicht so arm an fähigen Köpfen wie Persien. Der pfiffige Juanschikai machte den Leuten, die sich schon das Fell des Drachen geteilt hatten, einen dicken Strich durch die Rechnung. Er nützte die Eisersucht au», die zwischen den Lon- doner Finanzleuten und ber Hong-kong and Shanghai Bank be- steht, die als Schützling der englischen Regierung den Rahm von dem englischen Anteil der Sechzigmillioncnanleihe schöpfen soll und allgemein eine Monopolstellung in China einnimmt. VerHand. lungen zwischen der chinesischen Regierung und einem Syndikat Londoner Kapitalisten, deren Makler die Firma Birch, Crisp u. Co. ist, führten am 36. August zu einem Abschluß. Das Syndikat er- klärte sich bereit, China 16 Millionen Pfund Sterling zu 5 Prozent zu leihen. Als Sicherheit bot die Republik den unverpfändeten Teil der Salzsteuer, von deren verfügbaren Uebcrschuß(47 510 000 Taels) 24 Millionen Taels für die Zahlung der Boxerindemnität und die Zinsen einiger Anleihen zurückgelegt werden müssen. Dieser un- verpfändete Teil der Salzsteuer(23 510000 Taels) ist auch die Sicherheit, die für die Scchsmächteanleihe in Aussicht genommen war. Nur wollten die sechs Mächte die Verwaltung der Salzsteuer ganz aus den Händen der Chinesen nehmen, während sich das Lon- doner Syndikat auf die Zusicherung der Chinesen verließ, die, wie allgemein bekannt ist, in Geschäften sehr ehrlich sind. Auch hatte das Londoner Syndikat die stillschweigende Zustimmung des AuS- wärtigen Amtes, das keinerlei Einwände machte, als man ihm im Monat Juli die mit der chinesischen Regierung angebahnten Ver- Handlungen mitteilte. Erst mit dem Herannahen des Ssasonossschen Besuches wurde Sir Edward Greh mobil. Er ließ durch den britischen Botschafter in Peking Juanschikai mitteilen, daß die englische Regierung die Zehnmillionenanleihe nicht billigen könne. Zu gleicher Zeit gab er dem investierenden Publikum zu verstehen, daß diese Anleihe nicht den Schutz der Regierung genießen würde, sollte eS in China zu einer Krise kommen. Nun wurde die Balgerei der sich streitenden Syndikate in die Oeffentlichkeit verlegt. Das Londoner Syndikat drehte der Regierung eine Nase und sagte ihr ins Gesicht: Du kannst uns den Buckel herunterrutschen. Birch, Crisp u. Co. ließen einen Versuchsballon steigen und verkauften chinesische Kassenscheine zur Deckung der unmittelbaren Bedürfnisse der Republik. Das Sechsmächtesyndikat warnte vor der Londoner Anleihe, die keinerlei Sicherheit biete und dazu angetan sei, die Kooperation der Mächte zu zerstören und China wieder den Sonderansprüchen der einzelnen auszusetzen. Aber das Londoner Syndikat ließ sich nicht einschüch- tern. Es appellierte an den patriotischen Sinn des zahlungsfähigen Publikums, verwies auf die engen Beziehungen zwischen der Hang- long and Shanghai Bank und dem dreifach vermaledeiten deutschen Kapital und erinnerte daran, daß Deutschland das Recht bean- pruche, einen Deutschen an die Spitze der chinesischen Salzsteuer- Verwaltung zu stellen, also neben seinem Weltmarschall auch noch einen Weltfinanzminister zu besitzen. Unbekümmert ging das Syn- dikat seiner Wege und verkündete schließlich vor einigen Tagen, daß die erste Hälfte ber Anleihe innerhalb anderthalb Stunden assekuriert worden sei. Nun ließ Greh gestern sein schweres Geschütz auffahren. Der britische Botschafter mußte den Chinesen mitteilen, daß Groß- britannien sofort die Bezahlung der ihm geschuldeten Summe von ungefähr 9A Millionen Pfund aus der Zehnmillionenanleihe ver- lange. Der Haupttcil dieser Schuld besteht aus der überfälligen Boxerindcmnität, die im letzten Jahre nicht bezahlt werden konnte, da die Wirren der Revolution da? Einsammeln der Steuern fast zum Stillstcnb brachten. Aber auch mit dieser Drohung scheint Grey die Londoner Kapitalisten nicht ins Bockshorn jagen zu können. Das Londoner Syndikat ist offenbar entschlossen, die Mono- Polstellung der Hong-kong and Shanghai Bank um jeden Preis zu vernichten, um sich ein Plätzchen an der chinesischen Sonne zu ichern. Wahrscheinlich wird die Katzbalgerei mit einem Kompromiß „überschüssigen" Soldaten zu überwachen. Und unter den sechs Mächten befinden sich Rußland und Japan!— Doch melleicht hat Juanschikai noch weiteve Ueberraschungen für die uuj�duldtgen Aasgeier in der Tasche.._• Die ganze Angelegenheit gestattet den Völkern einen lehrreichen Einblick in die hohe— oder wäre es nicht besser, man sagt« Niedrige, gemeine— Politik der internationalen Wucherer, die rn patriotischer Verkleidung mit dem Gut und Blut der Völker iiangball spielen. ** « Wie ein Berliner Blatt mitzuteilen weiß, hat sich da? ewzNfche Publikum nur in sehr geringem Maße an der von der Firma Birch Crisp u. Co. aufgelegten Anleihe beteiligt. Von den vorläufig offerierten 5 Millionen Pfund sind nur 2 Millionen gezeichnet morden. Für den Rest von 3 Millionen Pfund haben jetzt die Makler und Bankiers aufzukommen, die es gegen eine Gebühr von 1% Proz. übernommen hatten, die ganze Summe aufzubringen. Birch Crisp u. Co.. denen Dr. Morrison das Geschäft in die Hände ge- spielt hat. schließen auf jedenFall mit einem bedeuten- d e n P r o f i t ab. Es heißt, daß China ihnen die Anleihe zu 90 Proz. übertrug. Dem Publikum wurde sie zu 95 Proz. offeriert, was einen Gewinn von 250 000 Pfund bedeutet. Hiervom gehen allerdings die den Maklern zu zahlende Kommission von 7b 000 Pfd. und die Reklamekosten ab._ politifchc Qcberlicbt. Berlin, den 1. Oktober 1912. Von der letzten Reichstagswahl. DaS erste Heft des 250. Bande» der.Statistik des Deutschen Reiches" bietet eine vergleichende Uebersicht der Reichstagswahl- ergebnisse von 1907 und 1912. Die dort gegebenen Zahlen können als endgültiges Resultat der statistischen Berechnung angesehen werden, haben also eine größere Zuverlässigkeit als die bisherigen privaren Ermittelungen. Für das ganze Deutsche Reich ist daS Ergebnis folgendes: SS' Ä 1907.. 13 352 880 11303 537<84.3 Proz.) 11262 829 1912.. 14 441 436 12 260 626(84,9.) 12 207 529 Die Wahlbeteiligung ist demnach bei der letzten ReichStagSwahl noch weit stärker gewesen al» 1397. Beinahe 85 Proz. aller in die Listen eingetragenen Wähler haben gewählt. Bon den abgegebenen 12 207 529 gültigen Stimmen fielen auf die größeren Parteien Sozialdemokratie. Zentrum.... Nationalliberale.... Fortschrittliche Volkspartei Konservative..... Polen........ Reichspartei...... Wirtschaftliche Bereinigung 1907: 8 259 029(28,9 Proz.) 1912: 4 260 401(34,8 f 1907: 2 179 743(19,4 Proz.) 1912: 1 996 843(16,4. 1907: 1 630 581(14.5 Proz.) 1912: 1662 670(13.6 1907: 1233 933(10.9 Proz.) 1912: 1 497 041(12.3 1907: 1 060 209(9.4 Proz.) 1912: 1 126 270(9.2. 1907: 453 858(4.0 Proz.) 1912: 441644(3.6. 1907: 471 863(4,3 Proz.) 1912; 867 166(3,0 1907: 343 120(3,1 Proz.) 1912: 304 657(2,5 zwischen den streitenden Gruppen enden. Ob sich China schließlich doch den harten Bedingungen der sechs Mächte unterwerfen muß? Manche der gestellten Bedingungen kommen erst allmählich an das gierung ist xiye fehp strenge und genau?, und' hg die I LiHt der Oeffentlichkeit, Ho behauptet ew Chinese, he; mit Peking Die übrigen Stimmen verteilen sich auf verschiedene kleinere Parteien— darunter die Welsen mit 84613, daS elsaß-lothringische Zentrum mit 64 883. die Deutsche Reformpartei mit 61 893(1907: 94 869), der Bayerische Bauernbund mit 48 219, die Elsaß-Lothringer mit 43 467, die Unabhängigen Lothringer mit 36 336, der Deutsche Bauernbund mit 29 797, die Demokratische Vereinigung mit 29 444. die Dänen mit 17 280, die Liberaldemokraten(Reichslande) mit 11 942, die Elsässer mit 8340, die Litauer mit 6227 Stimmen. Die Sozialdemokratie marschiert also allen Parteien weit voran. Sie hat 4 250 401--- 34.8 Proz. aller abgegebenen gültigen Stimmen erhalten— mehr als Zentrum, Konservative, Reichs- Partei, Polen und Wirtschaftliche Bereinigung zusammengenommen._ Eine schlaue Rechnung. Die„Deutsche Tagesztg." kündigt an, daß die Agrarkonser- vativen beabsichtigen, Herrn v. Bethmann Hollweg im preußische» Abgeordnetenhaus« wegen der Fleischeinfuhrerleichterung aus dem Auslande zur Rede zu stellen. DaS Blatt schreibt: „Nach menschlicher Voraussicht wird sie(die Regierung) wohl Gelegenheit haben, sich früher zur Sache zu äußerrr, auch dann, wenn der Reichstag erst Ende November zusammentreten sollte. Wir uehmeii an. daß daS A b g e o r d n e t e n h a u S, das be- kanntlich Eude Oktober wieder zusammentritt, ihr Gelegenheit zu solcher Aeußerung bieten werde. DaS ist deswegen wahrscheinlich und nach unserer persönlichen Meinung geboten, weU die vorgeschlagenen Maßnahmen, mit Ausnahme der Zollherabsetzung und vielleicht der Herabsetzung des russischen Schweinekontingents, Landessache sind. Die Regierung dürfte wohl auch selbst das Be- dürfnis empfinden, sich deswegen mit den Vertretern des Landes auseinanderzusetzen." Ihre Sache vor dem Forum des Abgeordnetenhauses zu führen, dünkt den Junkern natürlich bequemer, weil sie dort die große Mehr- heit haben, während im Reichstag weit mehr der LolkSwille zum Ausdruck kommt._ Baffermanns Humor. Wie jüngst in Wcilburg auf der nationalliberalen LandeS- verfammlung für Nassau, hat ber Abgeordnete Baffermann auch am letzten Sonntag in Bremen den starken Drang und Willen zur Einig- keit gepriesen, der angeblich zur Zeit in der nationalliberalen Partei herrschen soll. Er erzählte: Zur Forlschrittlichen Volkspartei wollen wir an« taktischen Gründen, besonders der starken ultramontaneu und sozialdemo- kratischen Bewegung gegenüber, freundschaftlich stehen, und bei aller Selbständigkeit unnütze Streitigkeiten vermeiden. Welche Gegensätze zwischen Ledebour und Vollmar, der Kölner und Berliner Zenlrumsgruppe usw. Luch bei uns ist es schwieriger geworden, die Gegensätze auszugleichen, so zwischen Stadt und Land, aber das Gefühl der Zusamiiiengchörigkeit hat stets gesiegt. trotz der vielen starken Individualitäten. Daß wir eine Mittel- Partei sind, gibt Berührungspunkte nach rechts(in wirtschaftlichen Fragen) und nach links(in politischen). Ferner bereiten Schwierig» keiten die Forderung der organisierten BerufSstände. ihr Programiu en bloc zu vertreten. Man darf also als Parteivorstand den Humor nicht verlieren. Ich habe ihn nicht ver- l o r e n. Der Humor ist etwa? Köstliche?. Ihn zu verlieren ist schlimm; aber schlimmer ist doch noch, wenn ein Parteiführer völlig die Ein- ficht in die politische Lage verliert. Millionäre-Züchtung. Nichts charakterisiert besser die schneidenden Widersprüche in unserer herrlichen Gesellschaftsordnung, als die rasche Bermehrung der Millionäre in einer Zeit, in der drei Viertel der deutschen Be- völkerung ungeheuer unter der durch die Teuerung erzeugten Rot leiden. Nach der neuesten Einlommensteiierberanlagung gikt ez in Baden jetzt 1547 Millionäre; im vorigen Jahre waren es 1465, so datz ihre Zahl in einem einzigen Jahre um S2 ge- wachsen ist. Sogar Preußen mit seiner Geld- und GeburtS- aristokratie im Westen und Osten ist damit prozentual überholt, denn seine Millionäre vermehrte» sich von 1903 bis 1911 von 8355 auf 9349, also in 3 Jahren ,nur' um 994, obwohl Preußen 40 Millionen und Baden nur 2 Millionen Einwohner zählt. Seit 1886 hat sich in Baden die Zahl der Einkommen-Millionäre glatt versechsfacht. Und auf der anderen Seite weist die badische Einkommensteuer« statistii von 1910 nicht weniger als 160 000 Personen auf, die ein Einkommen von 900 M. pro Jahr nicht erreichen; 247 000 Personen bringen es nicht auf 1500 M. Aber 92 Millionäre tauchen in einem Jahre mehr aus; dazu besaßen bereits im Vorjahre 34 von den vorhandenen 1455 Millionären je über 10 Millionen Mark. Bezirks- und Kreistagswahlen in Elsast-Lothringen. Die Mitglieder der drei Bezirkstage in Elsaß-Lothringen(Unter- elsaß, Oberelsaß und Lothringen) werden auf neun Jahre gewählt und alle drei Jahre zu einem Drittel erneuert. Ihre Funktionen haben an politischer Bedeutung erheblich eingebüßt, seitdem durch die neue Verfassung die Wahl der Mehrheit der Landesausschuß- Mitglieder, die ihnen bis 1911 zustand, ihnen entzogen worden ist, da die Volkskammer des iieuen Landtages bekanntlich aus allgemeinen und direkten Wahlen hervorgeht. Immerhin verfügen die Bezirks- tage alljährlich über ein Budget von je 2—3 Millionen, sie beschließen über die Bezirksstraßen und die Bezirks-Armen-, Waisen«, Siechen- und Jrrenpflege und setzen zu ihren Ausgabezweckcn alljährlich die Bezirkszuschläge auf die direkten Staatssteuern fest, eine Reihe von Funktionen, die eS auch nach Aufhebung der wahlpolitischen Aufgabe der Bezirkstage dem Proletariat nicht gleichgültig erscheinen lassen. ob es in diesen Körperschaften vertreten ist oder nicht. Bei der diesjährigen Drittel-Erneuerung. die auf den 29. Sep- tcmber und— für die Nachwahlen— auf den 6. Oktober festgesetzt worden sind, hatte die Partei das Mandat des Genossen PeiroteS im Kanton Straßburg-Süd zu verteidigen; außer PeiroteS gehören dem Bezirkstag deS Unterelsaß an die Genosien Böhle, Fuchs und Hoffmann und dem Bezirkstag des Oberelsaß die Genosien Bucher, Emmel und Wicky. während im lothringischen Bezirkstag die Partei uoch unvertreten ist. Das allein zur Neuwahl gestandene Mandat deS Genosien PeiroteS im Straßburger Südkanton wurde am letzte» Sonntag gleich im ersten Wahlgange behauptet: auf PeiroteS, der wiederum kandidierte, entfielen 1724 Stimme» gegen 632 für den Fortschrittskandidaten Weber. Das Zentrum hatte einen Kandidaten nicht aufgestellt. Sonst be- teiligt« sich die Partei bei den diesjährigen Bezirkstagswahlen im Unterelsaß nur im Kanton B r u in a t h, wo der Parteikandidat Schott 424 Stimmen erhielt gegen 1680 für den Fortschrittler und 1708 für den Zentrumskandidaten, so daß die Entscheidung bei der erforderlich gewordenen Nachwahl hier in der Hand unserer Partei« genosien liegt. Im Oberelsaß beteiligten sich unsere Genosien an vier BezirkStagswahlen, die folgende Resultate brachten: Kanton Mülhausen-Nord. Der Sozialdemokrat Müller« M o e g l i n steht an der Spitze mit 2269 Stimmen gegen 1563 für einen Zentrums« und 1229 für einen sortschritllichen Kandidaten- Genosse Müller-Möglin steht hier in aussichtsreicher Nachwahl. Kanton Thann. Der Sozialdemokrat G s e l l ist Zweithöchster mit 1085 Stimmen, während der Zentrumskandidat 1151 und der Fortschrittskandidat 687 Stimmen erhielt. Auch hier steht unser Kandidat in aussichtsreicher Nachwahl. s Kanton M a s m ü n st e r. Der sozialdemokratische Kandidat Oberdorf erhielt 491 Stimmen, der bisherige Mandatsinhaber Großindustrieller Bogt, der als.Unabhängiger" vom Zentrnm unterstützt war, ist mit 1919 Stimmen gewählt. Kanton Sulz. Der Parteikandidat F r o e h l y erhielt 684 Stimmen. Der Zentrumskandidat Dr. Dietrich ist mit 1537 Stimmen gewählt. Mir ähnlichen Verwaltungsfunktionen in kleinerem Rahmen be- stehen in Elsaß-Lothringen neben den Bezirkstagen noch die K r e i S« tage, bei deren Wahl(Erneuerung zur Hälfte) sich die Partei« genossen im Elsaß heuer zum ersten Male in zwei Kantonen be« teiligten. Gewählt sind im Kanton Mülhausen«Süd die Genossen W e i n z o r n und Studemann mit 3621 resp. 3598 Stimmen gegen 2985 resv. 3035 bürgerliche. Im Kanton S ch i l t i g- heim(Slraßburger Landkreis) unterlagen unsere Parteigenossen diesmal noch mit 1489 resp. 1469 Stimmen gegen 2456 resp. 2329 bürgerliche.— In Lothringen beteiligten sich die Parteigenossen weder bei den Bezirk«- noch den KreiStagSwahlen. Mit dem Einzug der ersten Sozialdemokraten in einen Kreistag werden auch dieie Körperschaften, die bisher fast völlig unter Ausschluß der Oeffcutlichkeit tagten, in ihrer politischen Bedeutung gehoben werden._ Ein halbes Dementi. Herr RcichStagSpräsident Dr. Kaempf hat daS Bedürfnis gefühlt, die Nachricht der„Saale-Ztg." zu dementieren, daß er vorzeitig sein Reichstagsinandat niederzulegen gedenkt. Er schreibt der.Vossischen Zeitung": .In den Zeitungen steht eine Auslassung über meine Mandats- niederlegung. Diese Auslassung beruht auf Vermutungen. Ich habe noch keine Entschließung getroffen, werde dies auch in den nächsten Tagen noch nicht tun können, da ich im Begriffe bin, für einige Tage in Geschäften nach Mailand zu reisen." Was wird nun damit eigentlich dementiert? Herr Dr. Kaempf sagt nur. daß er in den nächsten Tagen noch keine Entschließung fassen könnte, mit keinem Wort aber-- und darauf kommt e« doch an— daß eine vorzeitige MandatSniederlegung ausgeschlossen sei._ Eine Anklage gegen die heutige WeseNschaftsordnnng. Die unverehelichte Marianne WojciechowSki und deren Mutler, jetzige Pauline Weitz aus Abbau Sommi». Kreis Bütow. waren be- schuldigt, den Tod des zwei Monate alten Kindes der Marianne W. durch Verhungern herbeigeführl zu haben. Beide hatten sich deshalb vor der Strafkammer in' Stolp i. P. zu verantworten. Das 17jährige Mädchen war in einem Dorfe in Dienst gewesen und hatte dort ein Liebesverhältnis gehabt, das nicht ohne Folgen geblieben war. Die Niederkunft wollte da« Mädchen bei seinen Eltern ab- warten, die in Sommin im Armenhaus.In der Ewigkeit" hausten. Eine Wohnung kann der betreffende Raum nicht genannt werden, denn wie an Gerichtsstelle festgestellt wurde, ist er etwa drei Meter breit und vierMeterlang. Und hier halten sich neun Personen auf. wovon eine eine, nämlich der Mann, noch an der Schwindsucht erkrankt i st. Eine Hiuterstube. die auch als menschlicher Wohnort dient, und zu der man nur durch den erstgenannten Raum gelangen kann, ist nicht größer und beherbergt sieben Personen einschließlich einer Kranken.— Tie Mutter konnte dem Säugling die Brust nicht geben, da sie nicht genügend Nahrung hatte. Weder die junge Mutter noch ihre Eltern hatten die Mittel. Milch zu kaufen. So blieb denn weiter nichts übrig, als das Kind mit süßem Tee zu ernähren. Das war natürlich keine Nahrung, um damit ein Leben zu erhalten und so dauerte es auch nur zwei Monate, bis das Kind starb. Wochenlang hatte sich das Mädchen fort- gesetzt bemüht, die Mittel zum linterhall ihres Kindes zu erlangen. Sie wandte sich zuerst an oen Vater, dann an das Gericht, weiter an den Gemeindevorsteher und Armeuvorsteher, aber überall ver« aeblich. Endlich, nach langem Warten, wurde zwei Wochen vor dem Tode de» Kinde»«in Pormund bestellt, der sich aber um da? arme Wesen überhaupt nicht kümmerte. Zwei Kreisärzte hatten auf Autrag der Staatsanwaltschaft die Obduktion der Leiche vorgenommen. Vor Gericht bekundeten sie, daß daS Kind nur aus Haut und Knochen bestand. Keine Spur von Fleisch und Nahrungsaufnahme war vorhanden. Die Aerzte meinten: eine Leiche, die einen so grauenhaften Anblick gewährte, hätten sie noch nicht gesehen. Trotzdem die Sachverständigen solch Elendsbild ent- rollt, und trotzdem der Staatsanwalt das Verhalten aller, die von dem unsäglichen Elend der Familie wußten, derb gegeißelt hatte, beantragte er doch gegen das Mädchen eine Gefängnisstrafe von fünf Monaten, und gegen die Mutter eine solche von neun Monaten. DaS Gericht erkannte gegen Marianne W. auf fünf und gegen Frau W. auf drei Monate Gefängnis. Ocltcmicb. Die Nachwahlen in Oesterreich. Wien, 2. Oktober.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Bei der heutigen Ersatzwahl für den Genossen Silberer wurde unser Genosse Müller mit etwa 1000 Stimmen Majorität gegen den Christlichsozialen gewählt. Dagegen konnte das Gemeindcratsmandat des Genossen F o r st n e r in Fünfhaus, das von den Christlichsozialen annulliert worden war, nicht behauptet werden; die Christlichsozialen siegten hier mit einer geringen Majorität. Ebenso unterlagen wir bei der Wahl der Bezirksvertretung in Ottakring mit etwa 1900 gegen etwa 2000 christlichsoziale Stimmen. Schweiz. Volksabstimmung. Zürich, 80. September.(Eig. Ber.) Die sonntägigen Volks- abstimmungcn in den beiden Kantonen Zürich und Basel haben bis auf einige Fälle befriedigende Resultate geliefert. Er- freulich ist besonders die Verwerfung des reaktionär- engherzigen Gesetzes gegen die Verheiratung der Lehrerinnen, die mit 39 234 gegen 36 631 Stimmen erfolgte. Das von allen Parteien bekämpfte Jnitiativbegehren betreffend die Uebernahme der Lehrerbesoldungen von der Gemeinde auf den Staat wurde mit 68 293 gegen nur 40003 Stimmen verworfen; das Gesetz betreffend die Erhöhung der Lehrerbesoldungen mit 48 373 gegen 25 969 und das Gesetz über die Erhöhung der Pfarrerbesoldungen mit 44 254 gegen 26 827 Summen angenommen. Drei städtische Vorlagen in Zürich wurden ebenfalls an- genommen; eine davon betrifft die Errichtung eines zweiten Krematoriums, die mit 23 838 gegen 3090 Stimmen Annahme fand. Die Bezirksrichterwahlen im Bezirk Zürich brachten unserer Partei imposante Stimmenzahlen, aber leider keinen Sieg. Unser Genosse Kaufmann unterlag dem Kandidaten deS gesamten Bürgertums mit 15 051 gegen 15 381. In Basel ist dcrErbbaurechtSvertrag mit 5531 gegen 5252 Stimmen angenommen worden, leider auch daS zopfbürgerliche Jniativbegehren betreffend die Aufhebung deS unentgelt« lichen Schulbesuches für auswärts wohnende Schüler mit 7725 gegen 2981 Stimmen, während da» Initiativ- begehren der Hausbesitzer betreffend die Uebernahme der Straßen- reinigungskosten von den Hausbesitzern auf den Staat mit 6323 gegen 4521 Stimmen verworfen wurde. Ohne Opposition wurde in Basel unser Genosse Jeggli mit 5526 Stimmen in das Strafgericht gewählt, während unser Genosse Arbeitersekrelär Gaß als Zivilrichterkandidat mit 3139 gegen 4595 Stimmen seinem bürgerlichen Gegenkandidaten unterlegen ist, China. Anschluß der östlichen Mongolei an die Republik. London, 1. Oktober.„Daily Telegraph" meldet aus Peking: Die Waffen und die Diplomatie Chinas haben in der ö st- lichen Mongolei den Sieg davongelragen. Die Ver- ständigungSlonserenz zwischen allen mongolischen Prinzen und Herzögen und den mandschurischen Gouverneuren wird am 6. Oktober in Tschangtschoufu stattfinden, wo der Anschluß der östlichen Mongolei an die Republik China feierlich vollzogen nnd besiegelt werden wird. Während der letzten sieben Wochen haben zehn kleinere Gefechte stattgefunden, in denen die Mongolen geschlagen wurden und 377 Mann verloren. Schwierigkeiten der Chinesen in Tibet. London, 30. September. Wie dem Reilterschen Bureau aus Schanghai telegraphiert wird, berichtet eine aus Tatstenlu an die „North China Daily News" gelangte Meldung vom 6. September, daß 2000 Chinesen von einer starken tibetanischen Streitmacht bei Hokou in der Nähe von Litang in einen Hinterhalt gelockt worden sind. Von Tatsienlu sind den Chinesen, deren Lage ver« zweifelt ist, Verstärkungen nachgeschickt worden. Der Mangel an Transportmitteln nnd die Schwierigkeit, die Geschütze über die Gebirgspässe zu schaffen, ist freilich so groß, daß die zu Hilfe ge- sandten Truppen nur langsam vorwärts kommen. Bus Induftm und Handel. Wirtschaftliches von den Balkanländern. Das beachtenswerteste Land de» Balkanbundes ist das junge Zartum Bulgariem Bulgarien hat sich von einem Verfall- Produkt der türkischen Zersetzung zu einem sehr beachteten Reiche entwickelt. Unterstützt wird der Fortschritt Bulgariens durch einen starken Geburtenüberschuß. Bulgarien reicht mit seiner Geburtenzahl, die über 43 auf 1000 beträgt, an Rußland sehr nahe heran. Die Bevölkerung hat heute einen Umfang von über 4,5 Mil- lioncn und sie wird auch deswegen ständig weiter wachsen, weil nur wenig Bulgaren aus ihrem Heimatlaude auSioandern. Infolge dieser für Bulgarien so günstigen Bevölkerungsverhältnisse ist das Land imstande, im Kriegsfalle ungefähr 300 000 Soldaten ins Feld zu stellen und kann eventuell diese Zahl noch vermehren. Da Bul» garieu für die Ausbildung und Stärkung seines Heeres große Summen ausgegeben hat, so ist es mit seinen Finanzen natürlich nicht aufs beste bestellt, und die Fi na uz frage ist es denn auch. die bei allen Staaten des Balkanbundes vielleicht das peinlichste Problem darstellt. Bulgarien hat trotzdem im Auslände ziemlich erheblichen Kredit gefunden und es hat trotz der finanziellen An- spannung den Zinsfuß seiner Anleihen von 6 Proz. auf 4J4 Proz. herabgesetzt. Am I. Januar 1910 belief sich die öffentliche Schulden- last Bulgariens auf 650 Millionen Frank, dem ein staatlicher Besitz im Werte von 1,26 Milliarden Frank gegenüberstand. Eins der Hauptaktivcn Bulgariens sind seine Eisenbahnen, die eine Länge von über 2000 Kilometer haben und einen Wert von 300— 400 Millionen Frank repräsentieren. Der Außenhandel Bul- gariens hat in sehr starkem Maße zugenommen. Der Import a u s D c u t s ch l a n d z. B., der im Jahre 1900 nur 416. Millionen Mark betrug, mar im Jahre 1911 auf 23,9 Millionen Mark gestiegen. Dagegen ist die bulgarische Ausfuhr nach Deutsch- land seit 1907 gefallen. Im Jahre 1907 betrug sie 15,1 Millionen Mark, im Jahre 1911 nur noch 10,6 Millionen Mark. Wir ver- senden nach Bulgarien hauptsächlich Kleiderstofse, Lokomotiven, Güterwagen und Maschinen aller Art. Bulgarien ist dem Auslände gegenüber durchaus schutzzöllnerisch. Doch läßt es einen großen Teil des Importes von Rohmaterialien, die in Bulgarlxn ver- arbeitet werden sollen, zollfrei. Auch das zweite Mobilmachungsland, Serbien, geht Wirt- schaftlich in die Höhe. Im Jahre 1911 hat die Ausfuhr Serbiens zum ersten Male 100 Millionen Dinar überstiegen. Sie ist von 1908 bis 1909 um über 20 Millionen Dinar gewachsen. Deutsch- land war im Jahre 1911 an der Einfuhr aus Serbien mit 24,3 Millionen Mark und an der Ausfuhr nach Serbien mit 21,3 Mil- lionen Mark interessiert. Im Jahre 1907 hatte die deutsche Aus- fuhr nach Serbien erst 13,7 Millionen Mark betragen. Eines der Hauptausfuhrprodukte Serbiens ist Fleisch, das im wesentlichen nach Oesterreich-Ungarn exportiert wird. Serbien ist zwar kein mineralreiches Land, aber die Produktion von Metallen, besonders von Rohkupfer, ist in den letzten Jahren doch gestiegen. Serbien versendet augenblicklich ungefähr für 10 Millionen Dinar Roh- kupfer ins Ausland. Ein bekannter Ausfuhrartikel sind die ser- bischen Pflaumen. Was die serbischen Finanzen angeht— serbische Anleihen werden ebenso wie bulgarische Werte in Deutsch- land offiziell gehandelt— so beträgt die serbische Staatsschuld 1912 rund 659 Millionen Frank. Ungefähr halt ste sich damit auf der Höhe der bulgarischen Staatsschuld. Die Einnahmen aus Steuern, Zöllen und Monopolen, aus dem Eisenbahn» und Postbetricb, haben sich in den letzten Jahren wesentlich gesteigert. Andererseits jedoch sind die Ausgaben eben- falls erheblich angewachsen. Der deutsch-scrbische HandelSver- kehr leidet noch immer am der kaufmännischen Unzuverlässigkeit der Serben. Der deutsche Konsul in Belgrad hat daher noch im Anfang dieses Jahres die deutsck�en Kaufleute, welche mit Serbien in Handelsbeziehung treten, ermahnt, vorher genaue Erkundigungen einzuziehen. Auch Griechenland steht der Türkei gegenüber dauernd auf der Wacht. So verfahren die Verhältnisse in diesem Lande auch immer noch sind(was schon aus dem niedrigen Kursstande der griechischen Anleihen, von denen eine Anzahl auch in Deutschland notiert wird, hervorgeht), so sucht das Land doch nach Möglichkeit mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der anderen Balkpländer gleichen Schritt zu halten. Das ist schon an der Steigerung des Außenhandels erkennbar. Dir Einfuhr Griechenlands hat sich von 1910 auf 1911 um rund 17 Millionen Frank gesteigert. nämlich von 158 Millionen Frank auf 175 Millionen Frank. Die Ausfuhr ist von 127 Millionen Frank auf 145 Millionen Frank in demselben Zeitraum gewachsen. Deutschland führte im Jahre 1911 aus Griechenland für 23.7 Millionen Frank Waren ein und exportierte nach Griechenland für 17,8 Millionen Frank Ware. Unsere Ausfuhr besteht in der Hauptsache aus Kleiderstoffen, Steinkohlen. Lederartikeln. Eisenwaren. Kupferwaren usw. Von besonderem Interesse ist gerade augenblicklich die Tatsache, daß wir in erheblichem Maße Kriegsmaterial nach Griechenland exportieren, was übrigens auch für die anderen Balkankänder zutrifft. Wir be- ziehen aus Griechenland die Korinthen, Weine, Erze. Rosinen. Tabak. Griechenland hat seit den 00er Jahren deS vorigen Jahr- Hunderts fast jährlich den auswärtigen Geldmarkt in Anspruch gc- nommen. Man weiß, daß eS oft genug vor dem völligen finanziellen Zusammenbruch stand. Auch heute noch sind die Finanzen Griechen- lartdS keineswegs gefestigt, und eS ist vielleicht für keinen Staat auf dem Balkan so gefährlich, kriegerische Aktionen zu unternehmen wie gerade für Griechenland. Rumänien trägt ebenfalls einen vorwiegend landwirtfchaft- lichen Charakter. Von Bedeutung ist daneben feine Petroleum- industri«. Der Gesamthandel beträgt etwa 640 Millionen Mark. Deutschland steht mit Runiänien in einem recht lebhaften Handelsverkehr. Im Jahre 1911 betrug die deutsche Einfuhr aus Rumänien 107,9 Millionen Mark, während wir nach dorthin fiir 91,4 Millionen Mark Waren exportierten. Wir beziehen aus Rumänien hauptsächlich landwirtschaftliche Produkte, Weizen, Gerste. Mais, Roggen. Die Wcizenrinfuhr aus Rumänien belief sich im Jahre 1911 auf 36,4 Millionen Mark. Der zweitgrößte Einfuhrposten war Gerste. An Gerste bezogen wir aus Rumänien im Jahre 1911 für 17.3 Millionen Mark. Unsere Ausfuhrwaren nach dem Lande sind vornehmlich: baumwollene Gewebe, Lokomo- tiven. Kriegsmaterial, Maschinen aller Art. Der kleinste Staat des Balkanbundes ist Montenegro mit nicht viel mehr als 200 000 Einwohner. Der Kredit Montenegros im Auslände ist nur sehr gering. Handelsbeziehungen bestehen nur mit Oesterrcich-Ungarn und der Türkei. Zur Ausfuhr gelangen Produkte der Viehzucht, zur Einfuhr Kleidungsstücke und Bedarfs- artikel. Soziales* Internationaler Alkoholkonsum. Während der Konsum der allermeisten Genußmittel in raschem Steigen begriffen ist, sehen wir, daß der Alkoholgenuß, wohl nicht zuletzt infolge der mit so großem Nachdruck betriebenen Aufklärung über die Schäden de? Alkohols sowie der Alkoholverbote in einer Reihe von Staaten,«her im Abnehmen ist. Insbesondere gilt das für den Konsum in Form von Schnaps. Nach einer im„Bulletin de la Statistique generale de la France" veröffentlichten Statistick entfiel auf den Kopf der Einwohner der nachbenannten Länder ein Konsum von Branntwein, umgerechnet in Liter reinen Alkohols: Am meisten Schnaps wird immer noch in Dänemark vertilgt, wenn auch hier der Rückgang mit am stärksten ist. In Deutschland hat zu dem ausfallenden Rückgange seit 1907 vor allem bekanntlich der sozialdemokratische Schnapsboykott beigetragen. Norwegen zeigt in seiner niedrigen Konsumziffer deutlich die Wirkungen des auf dem Lande obligatorischen, in den Städten der lokalen Initiative überlassenen Ausschankverbotes, Auch die Bereinigten Staaten zeigen eine verhältnismäßig niedrige Verbrauchsziffer, obwohl hier die in einer Reihe der Unionstaaten erlassenen ÄuSschankverbote infolge der Bestechlichkeit der Behörden vielfach umgangen werden. Andererseits ist in diesem Land« nächst Großbritannien die Tempe- rcnzlerbewcgung am mächtigsten. Italien ist daS mäßigste Schimpsland. Ilm freilich den Alkoholverbrauch eines Landes kennen zu lernen, müssen wir den Branntweinkonsum demjenigen von Bier und Wein hinzurechnen. Dadurch ändert sich das Bild wesentlich. So hat z. B. das in Branntwein so mäßige Italien einen Wein- konsum pro Kopf der Bevölkerung von 113 Liter im Jahre 1909. der nur noch durch den Frankreichs mit 149 Liter übertroffen wurde. Demgegenüber bleiben Oesterreich mit 21 Liter, vor allem aber Deutschland mit 4,4 Liter, England mit 1,2 und die Bereinigten Staaten mit gleichfalls 1.2 Liter weit zurück. Ter Bierkonsum endlich ist am stärksten— nicht etwa in Deutschland, sondern in Belgien, wo er 1910 200 Liter pro Ein- wohner betrug. An zweiter Stelle folgt Englaiid mit 119, dann erst Deutschland mit 100, Dänemark mit 91 und die Vereinigten Staaten mit 75 Liter, während Frankreich und Norwegen mit 36 und 19 Liter am niedrigsten stehen. Im ganzen hat auch der Bier- konsum abgenommen. Die obengenannte Statistik faßt sodann den Konsum sämtlicher Länder in dreijährigen Perioden zusammen und kommt dabei zu folgendem Ergebnis: Konsum pro Kopf jährlich in Litern(Branntwein in reinen Alkohol umgerechnet): 1901-1903 1904—1906 1907-1909 Dramttwein... 3.09 2,92 2,90 Bier....... 82.6 82,9 81,3 Wein..... 40,7 41,7 4�7 (Siehe auch(T, Beilage.) GewcrkfcbaftUcbea. CbriftUchc ötoßfeufzcr. Trotz der Hilfe der Geistlichkeit und der Unternehmer kommen die christlichen Gewerkschaften in dem für sie so günstigen Westen Deutschlands nicht vorwärts. Jeder Erfolg der freien Gewerkschaften macht die Christlichen wütend und treibt sie an, um mit der EntWickelung der freien Gewerk- schaften gleichen Schritt zu halten. Zu einer christlichen Ver- sammlung in Nachrodt wurden die Arbeiter schriftlich ein- geladen, um einen Vortrag zu hören über: Warum schließen wir uns den christlichen Gewerkschaften an? Tann heißt es in dem Einladungsschreiben: „Ich erwarte nicht nur Dich, lieber Freund, sondern ich hoffe ganz bestimmt, daß Du noch einige unorganisierte Freunde mit- bringen wirst, natürlich solche, die ans christlichem Boden stehen. Werter Kollege! Wir müssen alles daransetzen, den Vorsprung, den der sozialdemokratische Mctallarbeiterverband aus Anlaß der Bewegung der Blechwalzer errungen hat, wieder wettzumachen. Wenn jeder Kollege seine Pflicht lut und dem Verbände neue Mitglieder zuführt, so wird dieses in Nachrodt und Einsal ein leichtes sein.— Ich hoffe von Dir das beste. Unterschrift." Hoffen und Harren macht manchen zum Narren, das mögen sich auch die christlichen Gewerkschaftsführer merken, denn die Arbeiter kommen auch im Westen Deutschlands imnier mehr zur Einsicht, daß in den Streikbrechergcwcrk- schaften die Interessen der Arbeiter nicht vertreten werden. Der Streikbruch der christlichen Bergarbeiter, der auch von den anderen christlichen Gewerkschaften verteidigt wird und gutgeheißen wurde, wird von den Arbeitern nicht so leicht vergessen werden. Denkende Arbeiter rücken sehr weit von solcher Gesellschaft ab, da nutzen auch die christlichen Stoß- seufzer nichts. Lerlin und Umgegend. Streik der Mehlkutscher. Die Mehlkutscher haben ihren seil zwei Jahren bestehenden Tarif rechtzeiiig zum 1. Oklobcr d. I. gekündigt und den Mehl- suhrhcrren ihre Forderungen unterbreiiet. Sie forderten unter Bei- beHaltung der Satzungen des alten Tarifs die Gewährung eines Mitfahrers, weil sie in Rücksicht aus die sich immer ungünstiger gestaltenden Auf- und Abladcverhälrnisse nicht mehr imstande sind, die ihnen übertragenen Arbeiten allein zu bewältigen. Es haben denn auch wiederholt Verhandlungen mit den Fuhrherren unter Hin- zuziehung von Vertretern des Transportarbciterverbandes statt- gefunden. Im alten Tarif war festgelegt, daß die Kutschern in der Regel solche Arbeiten bekommen sollte», die sie in der Zeit von 6 Uhr morgens bis 8 Uhr abends inkl. der üblichen Pausen erledigen können. Für Arbeiten, die nach 7 Uhr abends in Angriff genommen werden, sollte, falls sich die Erledigung derselben über 8 Uhr hinaus ausdehnt, von 8 Uhr abends ab eine Bezahlung von 1 M. pro Stunde erfolgen. Ferner toar vorgesehen, daß, wenn Fuhren nach den Vororten zu leisten sind, die betreffenden Kutscher vorher mit Abfuhrarbeiten in Berlin nicht beschäftigt werden dürren, sondern daß dieselben gleich früh morgens mit der Erledigung solcher Fuhren beginnen. Diese Abmachungen sind leider von den Fuhr- Herren nicht eingehalten worden. Die den Kutschern übertragenen Arbeiten waren in den weitaus meisten Fällen so bemessen, daß ihre Erledigung bis 1l>, 11 und 12 Uhr nachts, in einzelnen Fällen so- gar noch darüber hinaus dauerte. Bei den Verhandlungen wurde seitens der Kutschervertreter darauf hingewiesen, daß die Schwierig- leiten, mit denen sie in ihrem Beruf zu rechnen haben, darin be- stehen, daß in erster Linie die Sackzahl, welche an die Bäckereien abgeliefert werden soll, erst von den verschiedenen Mühlen und Speichern zusammengeholt werden muß. Nicht selten kommen fünf bis sechs und mehr solcher Stellen in Frage, so daß die Vor- Mittagsstunden allein für das Aufladen verwendet werden. Es erfolgt dann erst die Abfuhr an die Bäckereien in den verschiedensten Stadtteilen Berlins und der Vororte. Hier haben die Kutscher dann insofern mit Schwierigkeiten zu rechnen, als sie die zwei Zentner schweren Säcke über finstere, oftmals halsbrecherischen Kellertreppen und lange niedrige Gänge, die nur in gebückter Hallung zu passieren sind, in die Lagerräume der Bäckereien befördern müssen. In manchen Bäckereien sind die Abladcverhältnisse so schlecht, daß ein Mann das Abladen überhaupt nicht bewerkstellen kann. Da die Bäckergesellen, welche sonst bei dem Abladen an der Kellerluke behilflich waren, in den Nachmittagsstunden nicht mehr in den Bäckereien sind und infolgedessen nicht helfen können, verlangen die Bäckermeister, daß seitens der Fuhrherren zwei Mann zum Abladen gestellt tverden und verweigern sehr oft die Annahme. wenn der Kutscher allein kommt. Der Kutscher muß dann das Mehl » wieder mitnehmen oder den Bäckermeister betteln, aus irgend eine Weise das Abladen möglich zu machen. Diese unleidlichen Verhält- nisse spitzen sich immer mehr zu und macben den Kutschern das Leben zur Hölle. Die Fuhrherrcit gaben die herrschenden Mißstände zu, erklärten jedoch, daß sie einen Mitfahrer nicht stellen könnten, weil die Mchlhändler sich weigern, die Abfuhrpreise zu erhöhen. Die Fuhrhcrrcn machten deshalb noch einmal den Vorichlag, nach welchem sie die Arbeit so regeln ivollen, daß in Zukunft ein Mann dieselbe in der Zeit von 6— 8 Uhr täglich erledigen kann. Da die Kutscher jedoch mit solchen Versprechungen bisher Ichlechte Erfahrungen gemacht haben, lehnten sie diesen Vorichlag ab und haben nun nach Ablauf des Tarifs die Arbeit am 1. Oklobcr einmütig niedergelegt. Die Streikenden sind gewillt, den Kampf bis zum äußersten durchzufuhren und erwarten seitens der übrigen Kutschergruppen Berlins, daß sie die strengste Solidarität insofern wahren, als sich kein einziger während der Dauer des Streiks dazu hergibt, Arbeits- willigcndicnste zu leisten. Wenn dieser Wunsch von jedem einzelnen Nut scher beherzigt wird, dar.n wird es den Mehltutschern möglich sein den ihnen aufgezwungenen Kampf auch siegreich zu beendend Arbeitsniederlegung in der Kartonindustrie. Der für die in der Karionindustrie beschäftigten Nieter, Zu- Schneider, Arbeilerinnen und Hilfsarbeiter bisher geltende Tarif hat am 30. September sein Ende erreicht. Von der Tarifkommission der Arbelter wurde daher eine neue Vorlage ausgearbeitet und den Unternehmern zur Anerkennung unterbreitet. Den Unternehmern waren die berechtigten Forderungen der Arbeiter zu hoch. Zu einem Kampfe schienen sie jedoch wenig Neigung zu haben, weshalb sie das Einigungsamt als Vermittler anriesen. Am Montag fanden nun Verhandlungen unter Vorsitz des Magistratsrats v. Schulz statt. Die Arbeiter und Arbeiterinnen hatten sich unterdessen zahlreich im Geweikschastshause eingefunden, um das Resultat der Verhandlungen entgegenzunehmen. Da diese jedoch bis gegen»/„II Uhr abends dauerten, konnte die Versammlung erst gegen 1 1 Ubreröffnetwcrden. Ei» Vorschlag. diese bis Dienstag zu vertagen, da es besser sei. erst das Protokoll abzuwarte», wurde lebhaft bekämpft und abgelehnt.— Würz- b e r g e r gab einen kurzen Bericht über die Einigiii, gsverhandluiigcn. Er empfahl, die Vorschläge erst einer eingehenden Prüfung zu unter- ziehen und zu erwägen, ob durch einen eventuellen Streik mehr herausgeholt werden könne.— In der folgenden sehr lebhaften Tis- kusfion gaben die Anwesenden ihrem Unwillen Ausdruck über das mangelhafte soziale Verständnis der Unternehmer. Alle waren der Meinung, daß dem Unlernehmertum abgerungen werden müsse, was es nicht freiwillig gebe.— Nachts'/zl Uhr wurde einstimmig beschlossen, die Vorschläge des Einig ungsamtes ab- z u l e h n e n und am Dienstag die Arbeit ruhen zu lassen. * Die Arbeitsniederlegung erfolgte gestern früh so einmütig wie die Ablehnung der Vorschläge des Einigungsamtcs am Montag. Abends fand die erste Versammlung der Streikenden statt, in der Würzberger einen kurzen Bericht über die, durch den Verantw. Redvkt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw� Streik geschaffene Situation gab. In 28 Betrieben befinden sich 19l> männliche und 45 lo c i b l i ch c Kollegen im Ausstand; Arbeitswillige sind nur ganz vereinzelt zu verzeich- nen. Da jedoch die Unternehmer alles versuchen werden, die Arbeit in den Betrieben aufrecht zu erhalten, müsse alles unternommen werden, eventuell Arbeitswillige in Ruhe und Besonnenheit auf- zuklären. Die Vertrauensleute berichteten, soweit dies am ersten Streiktage möglich war, icher die Situation in den einzelnen Be- trieben. Der gestern den Unternehmern vorgelegte neue Tarif wurde bereits von fünf Firmen(Preußer, Geißler, Alexander. Gebr. Jacckel und Krauskopf) unterschristlich anerkannt. �— Die Stimmung der Streikenden ist vorzüglich, sie sind entschlossen, ein- mütig im Kampfe zu verharren, bis die Unternehmer ihre berech- tigten Forderungen anerkannt haben. Lohnbewegung in den Neuköllner Müllabfuhrbetrieben. Die Kutscher, Mitfahrer und Arbeiter der oben bezeichneten Be- triebe hatten im Anglist d. I. ihren bisher geltenden Lohniarif ge- kündigt und den Fuhrherren durch den Transportarbeiterverband einen neuen Lohnrarif überreichen lassen. Dieser neue Tarif forderte, daß der Lohn für Kutscher von 34 M auf 37 M. und für Mitfahrer von 31 M. auf 34 M.Pro Woche erhöht werde. Außerdem wurde gefordert, daß die abzufahrende Äastenzahl aus ein bestimmtes Tagcspensum festgesetzt und dementsprechend die Touren der Kutscher geregelt werden sollten. Zu Verhandlungen bereit erklärten sich nur die- jenigen Fuhrherren, welche die Abfuhr des Mülls für den Bund der Grundbesitzer Neuköllns bewerkstelligen, während sich eine Anzahl anderer Fuhrherren, die teilweise noch eigene Kundschaft in Neukölln und Berlin haben, in Schweigen hüllten. Nach mehreren Ver- Handlungen unter Mitwirkung einiger Vorslandsvertreter des Bundes der Grundbesitzer ist denn auch ein neuer Tarifvertrag mit einer Gültigkeitsdauer von drei Jahren zwischen den Parteien vereinbart worden. Der Lobn beträgt danach ab 1. Oktober 1312 für Kutscher 36 M. pro Woche, für Mitfahrer 33 M. pro Woche. Vom 1. Oktober 1913 ab beträgt der Lohn für Kutscher 37 M. pro Woche, für Mit- fahrer 34 M. Der Lohn für Aushilfsarbeiter beträgt 5,50 M. pro Tag. Die Arbeitszeit beginnt für Kutscher morgens 5 Uhr, für Mitfahrer und Aushilfsarbeiter 5»/z Uhr und endet nach Erledigung der TageStouren. Die Touren sind so einzuteilen, daß die Kutscher und Mitfahrer in der Regel nicht mehr als zwei Touren täglich zu fahren haben. Der Bund der Grundbesitzer Neuköllns übernimmt die Verpflichtung, nur solche Fuhrherren mit der Abfuhr des Haus- mülls zu beauftragen, welche den vereinbarten Tarif anerkennen. Außerdem enthält der Tarif noch eine Reihe anderer Bestimmungen in bezug auf die Regelung des Arbeitsverhältnisses und der Er- ledigung von Differenzen. 'Dieser Tarif ist bis auf eine Bestimmung, die sich wesentlich nur auf die Verpflichtung des Bundes der Grundbesitzer gegenüber den Kontrahenten bezieht, auch von einer Reihe anderer Fuhrherren bereits unterschriftlich anerkannt worden. Die Firmen Wilhelm Buhle. Homut, F. Curt, Martin Werk. Kopsstr. 9. und Otto Lieperl weigern sich noch, den Tarif untcrschrifllicb anzuerkennen. Bei der letztgenannten Firma sind die Kutscher bereits in den Ausstand getreten. Falls die angebahnten Verhandlungen mit den vorgenannten übrigen Firmen ohne Erfolg bleiben, wird es auch schließlich bei diesen zur Arbeitseinstellung kommen. Deurfebea Reich. Die Bewegung der Köln-Miilheimer Metallarbeiter. Nachdem bei einer Anzahl der hiesigen Großfirmen die Bewegung zur Verkürzung der Arbeitszeit erledigt' ist, haben die Organisations- leitungcn das dort Erreichte als Mindestforderungen aufgestellt und versuchen nunmehr mit alle» Mitteln, diese Mindestforderungen auch überall durchzuführen. Da sich eine Anzahl der Firmen gegen die Anerkeiinuiig der Miiidestforderniigcn sträuben, so kommt es fast täglich zu Streikbeschlüssen. Verschiedene Firmen versuchen durch Inserate in auswärtigen Zeitungen Arbeitswillige zu bekommen. Um nun zu verhindern, daß Arbeiter in Unkennlnis der Dinge hier nach Köln komme», um bei einer bestreikten Firma Rausreißerdienste zu leiste», ersuchen wir alle Arbeiter, sich bei Arbeitsangeboten nach Köln vorher genau zu erkundigen. Deutscher Metallarbeiterverband. Köln, Severinstr. 197/199. Jlusland. Ein Arbeiterabgeordneter gegen das Streikrecht. Der englische Arbeiterabgeordnete Philipp S n o w d e n, der auch als Mitarbeiter des christlichsozialen.Eommonwealth" bekannt ist, veröffentlicht soeben ein aufsehenerregendes Buch, in dem er des längeren die Zwecklosigkeit und Schädlichkeit des Streiks nach- zuweisen sucht. Er bereckmet, daß von 1900—1310 insgesamt 3 Millionen Arbeiter an 6150 Arbcitskämpfen beteiligt waren, da- durch 62 Millionen Arbeitstage und 248 Millionen Mark an Löhne» verloren, neben den 60 Millionen Mark,.die sie für Streikunter- stüyung opferten. Trotzdem seien die Löhne in derselben Zeit um 60 Millionen Mark gesunken. Im Jahre 1911 seien 931 000 Ar- bciter an 864 Kämpfen mit 10>/4 Millionen verlorenen Arbeitstagen und 40 Millionen Mark Lohnverlust beteiligt gewesen, wobei sie eine Gesamtlohncrhöhung von 510 000 M. pro Woche e»zielt hätten, so daß es 21 Monate bedürfe, um die Kosten der Kämpfe wieder auszugleichen. Daher müsse das Streikrechi im Interesse des Allgemeinwohls eingeschränkt werden zugunsten obligatorischer Lohnämler nach dem Muster der in Australien bestehenden. Dabei vergißt Snowden aber, daß ge- rade die australischen Gewerkschaften immer lebhafter gegen diese Art des sozialen Friedens, der dem Arbeiter Hände und Füße bindet, zu rebellieren beginnen. Das von der bürgerlichen Preise mit großer Genugtuung aufgenommenc Buch ist ein neuer Beweis für die Eigen- art und das Anpassen der englischen Arbeiterpartei, die Macdonald kürzlich in Stuttgart als nachahmenswertes Beispiel den deutschen Arbeitern vorführte. So weit geht allerdings bei uns die Toleranz nicht, daß ausgesprochene Gegner unserer gewerkschaftlichen Taktik als unsere Vertreter im Parlamente sitzen. Ter Konflikt in der Glasfabrik von Albi. Paris, 30. September.(Eig. Ber.) Tie kapitalistische Presse ist eitel Freude und Wonne. In der berühmten Glasfabrik von Albi, die in der Geschichte der französischen Arbeiterbewegung ein wichtiges Kapitel repräsentiert, ist ein Konflikt zwischen der Ver- waltung und den Arbeitern ausgebrochen, der die Form eines Streiks angenommen hat, und daraus soll sich wieder einmal die Unmöglichkeit einer sozialistischen Organisation der Produktion und die Unentbehrlichkeit des Unternehmertums ergeben. Es fällt uns nicht ein, zu leugnen, daß die Geschichte der Glasfabrik von Albi eine Kette von Enttäuschungen darstellt. Die Schwierigkeiten, womit dieses vor 16 Jahren vom proletarischen Enthusiasmus ins Leben gerufene Unternehmen fast ununter- brachen zu kämpfen hatte, lagen teils in den Bedingungen der Konkurrenz mit den skrupellosen kapitalistischen Firmen, teils in der Beschränktheit der Mittel und der daraus folgenden Hemmung technischer Neuerungen, sicher aber auch in der zünftlerischen Eng- Herzigkeit, die noch einen Teil des französischen Proletariats be- herrscht. Den unmittelbaren Anlaß des jetzigen Konflikts hat der Versuch des Direktors gegeben, mit Zustimmung der Generalver- nmmlung die Stückarbeit abzuschaffen und die große Lohndiffe- renz zwischen den verschiedenen Arbeiterkategorien auszugleichen. Dagegen setzten sich insbesondere die Glasbläser, die beim bis- herigen System besser fuhren, zur Wehr, und es gelang ihnen, in ihrer Gewerkschaft ein Gegcnprojekt zur Annahme zu bringen. Der verhängnisvolle Fehler der Gewerkschaft war, daß sie die Teilnahme an den Arbeiten der von der Generalversammlung der Aktionäre ernannten Kommission ablehnte und die von der Kom- Mission gefällte Entscheidung, weil sie ihr ungünstig war, mit einem gehässigen Protest beantwortete. Nun glaubte sich auch die xh. Glocke. Verl,». Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. n Lerlagsanstält" Fabrikleitung berechtigt, den Arbeitern, die die neue Ordnung nicht annehmen würden, ihre individuelle Entlassung zu notifizieren. Tie Arbeiter antworteten darauf mit dem Ausstand und verliehen die Ocfcn, deren Erlöschen allein für das Unternehmen einen in die Zehntausende steigenden Verlust bedeutet. Nach den neuesten Meldungen ist indes ein Ausgleich im Gang. Hoffentlich wird es gelingen, den Konflikt durch ein Schiedsgericht zu einer bcfricdi- genden Lösung zu bringen und das Unternehmen vor einer Kara- sirophe zu bewahren, die nicht nur die als Aktionäre an ihm be- teiligten Organisationen, sondern vor allem die fast 400 Arbeiter der Fabrik selbst schädigen würde, vom moralischen Schaden für die französische Arbeiterbewegung nicht zu reden. Generalstreik der spanischen Eisenbahner. Die allgemeine Abstimmung der Eisenbabnangestellten über den Streik ergab 65 409 Stimmen für und 1418 gegen den Streik. Ter Ausschuß der Eisenbahner teilte daraufhin den Behörden die Pro- klamierung des Generalstreiks mit. /Zus der frauenbewegung. Leseabende. Dritter Kreis. Donnerstag, den 3. Oktober, gemeinschaftlich bei Schladitz. Engelufer. Vortrag des Genossen F. Z üb eil über: Verfassungsfragen. Letzte Nachrichten. Mobilisierung der Türkei. Konstantinopel, 1. Oktober.(W. T. B.) Ein Jradc, da- einen noch nicht veröffentlichten Ministcrratsbeschluß über die Mobili- sierung sanktioniert, ordnet die Mobilisierung fast der ganzen türkischen Armee an, mit Ausnahme einiger anatolischen Einheiten an der russischen Grenze, wo eine Mobiii- sierung nicht stattfinden wird. Russlands Doppelspiel aus dem Balkan. Paris, 1. Oktober.(P.-C.) Ucber die Haltung Rußlands in der Balkankrise laufen immer noch die widersprechendsten Nach» richten um. Während einerseits behauptet wird, der russischen Negierung sei der augenblickliche Ausbruch der Feindseligkeiten auf dem Balkan unangenehm und sie werde mit den Regierungen der übrigen Großmächte ihr möglichstes tun, um den Frieden zu be- wahren, wirft die Indiskretion eines hohen russischen Diplomaten, dessen Schwatzhaftigkeit bekannt ist, auf die Friedensliebe Ruß- lands ein bezeichnendes Licht. Ter russische Staatsmann, der sich zurzeit in Paris aufhält, erklärte im intimsten Kreise, daß die Abwesenheit Ssasonows von Petersburg und die gleichzeitige Reise Kokowzews nach dem Kaukasus dem russischen 5dabinett ein Alibi schaffe. Es sei doch klar, daß Rußland, das vor sechs Monaten die Oeffnung der Dardanellen vergebens zu erreichen versucht habe, den gegenwärtigen Moment, da sich der türkisch-italienische Konflikt seinem Ende zuneige, die Gelegenheit sich nicht entgehen lassen werde, neue Schwierigkeiten, die die Türkei bc- drohen, dazu zu benutzen, die endliche Oeffnung der Meerenge durchzusetzen. Ter Wolf im Schafspelz. Konstantinopel, 1. Oktober.(,W. T. B.)„Jkdam" erfährt, der russische Botschafter v. G i e r s habe gestern dem Minister des-iss Aeußeren und dem Großwesir die Mitteilung gemacht, daß der russische Vertreter in Sofia einen Schritt unternommen und zur Aufrcchterhaltung des Friedens gemahnt habe. Bayerns Massnahmen gegen die Teuerung. München, 1. Oktober. Das bayerische Staatsminisierium des Innern wird die Einfuhr von frischem Schweine- fleisch aus Serbien, Bulgarien und Rumänien über die bayeri- scheu Einlaßstellcn für ausländisches Fleisch in die Städte München, Landshut, Ludtvigshafen, Regensburg. Bamberg, NürnberK Würz- bürg und Augsburg auf Ansuchen gestatten. Ferner wird es die Einfuhr von Schlachtrindern aus den Niederlanden in die öffentlichen Schlachthäuser der Städte München, Passau, Lud- wigshafen, Kaiserslautern, Regensburg. Bamberg. Hof, Nürnberg, Würzburg und Augsburg auf Anfuchen unter den gleichen veteri- närpolizcilichcn Vorsichtsmaßregeln und Bedingungen zulassen, unter denen die Einfuhr von Schlachtvieh aus Oefterreich-Ungarn in diese Schlachthäuser gestattet ist. Die Einfuhr von frischem Rindfleisch aus Belgien nach Bayern kann ohne besondere Ge- nehmigung erfolgen, sobald die an Belgien angrenzenden deutschen Bundesstaaten das Verbot der Einfuhr von solchem fleisch aufgc- hoben haben. Wenn der Bundesrat die Einfuhr von frischem Rind- fleisch aus Serbien, Bulgarien und Rumänien zuläßt, wird auch über die Einfuhr solchen Fleisches nach Bayern Bestimmung ge- troffen werden._ Schwere Sturmschäden im Reiche. Dortmund, 1. Oktober.(P.-C.) Heute morgen wurde der Jndustricbezirk und der nordwestliche Teil der Rheinprovinz von außergewöhnlich heftigem Sturm heimgesucht. der großen Schaden anrichtete. In Duisburg. Laar stürzte ein Kamin ein und durchschlug das Glasdach einer Kleinkinder- bewahranstalt, wobei zwei Kinder getötet und zwei schwer verletzt wurden. Im gesamten Telephonnrtz des Jndustricbezirks sind sehr erhebliche Störungen eingetreten, nament- lich bei den Linien im Saucrlande und im Siegenschen. Die Tclegraphenverwaltnng ist eifrig tätig, die Störungen zu bc- scitigen. Besonders großer Sturmschaden ist in Dortmund zu ver- zeichnen. So wurde dort von dem Dache der Reinoldikirche ein bei Ausführung von Tachdeckerarbeiten benutztes Gerüst los- gerissen und auf die Straße geschleudert, doch wurden Passanten nicht verletzt. Auch aus Düsseldorf, Aachen, Witten, Bochum liegen Nachrichten von Unfällen vor. Hamburg, 1. Oktober.(W. T. B.) Ein orkanartiger Sturm richtete in der Umgebung Hamburgs mancherlei Schaden an. Beim Bau eines Scbornstcins des provisorischen Maschinen- gebäudes in Ncumühlen bei Altona riß der Sturm das Baugerüst um. Vier Arbeiter wurden verschüttet; zwei von ihnen wurden schwer, zwei leicht verletzt. Emden, 1. Oktober.(W. T. B.) Ein starker Weststurm hat die Telegraphen- und Fernsprechleitungen mit dem Binnenlande beschädigt. Alle Telegramme erleiden starke Ver- zögerungen.__ Zugentgleisung. Altona, 1. Oktober. lAmtlichc Meldung.) Von dem Zuge1014 von H a in b u r g nach T o n d c r n entgleisten am 1. d. M., abends um 6 Uhr 30 Minuten, bei der Einfahrt in den Hauptbahnhof Altona zweiWagcnvierter Klasse. Personen wur- d e n n i ch t v e r l e tz t. In der Beförderung der Züge nach Norden. die unmittelbar über Langenfelde geleitet wurden, traten Ver- svätungen ein. Tie Untersuchung ist eingeleitet. KaülSinger�Eo., Berlin LW. H.erzu Z Beilagen u. Untcrhaltungsbl.� |t. 330. 39.?chMg. L Knltze des.Hmiirls" Kerlim DslKsdlM Wiw-ch. z.©kfokt 1912. Der nifter.tag. London, 28. Septeniber.(Eig. Der.) Die nördliche Probinz Irlands, Ulster, hat in den letzten vierzehn Tagen ein Schauspiel erlebt, an dem nachdenkliche Beobachter politischer Vorgänge nicht achtlos vorübergehen können. Große Demonstrationen sind in den Hauptpunkten dieses überwiegend protestantischen Teils der immergrünen Insel abgehalten worden, um gegen die beabsichtigte Einführung der irischen Selbstverwaltung zu protestieren. Der Ulfter-Tag. der 28. September, bildete den Abschluß der Demonstrationen und an diesem Tage wurde von den Ulstermännern das„feierliche Bündnis" unterschrieben, dessen Haupt- sätze hier namentlich wegen ihres seltsam religiösen Anstrichs wieder- gegeben werden sollen. Sie lauten: „Wir, Männer von Ulster, treue Untertanen seiner allergnädigsten Majestät König Georgs V., die wir uns demütig auf den Gott verlassen, dem unsere Väter in den Tagen des Dranges und der Not zuversichtlich vertrauten, verpflichten uns hiermit durch ein feier- liches Bündnis, einander während dieser ganzen Zeit des uns be- drohenden Unheils beizustehen in der Verteidigung des von uns wertgeschätzten Besitzes des gleichen Bürgerrechts im Vereinigten Königreich für uns und unsere Kinder und alle notwendig be- fnndenen Mittel anzuwende», um die Verschwörung, ein Homerule- Parlament in Irland zu errichten, zu Fall zu bringen; und falls uns ein derartiges Parlament aufgezwungen werden sollte, ver- pflichten wir uns ferner gegenseitig und feierlichst, uns zu weigern, dessen Autorität anzuerkennen. Mit dem sicheren Vertrauen, daß Gott das Recht in seinen Schutz nehmen wird, unterzeichnen wir hiermit dieses Dokument." Die Sprache klingt sehr ernst und erinnert an die Dokumente der Reformation, denen sie auch zum Teil entnommen ist. Wer die Verhältnisse nicht näher kennt, könnte leicht zur Ueberzeugung ge- langen, daß es sich hier um den Verzweiflungskampf eines in seiner Existenz bedrohten Volkes handele und nicht um einen Versuch der irischen Oligarchie und der konservativen Partei Englands, den religiösen Fanatismus der Nordirländer zu parteipolitischen Zwecken nach altbewährter Methode zu mißbrauchen. Viel weniger eindrucks- voll als die Sprache des Bündnisses waren die Demonstrationen der irischen Unionisten. Mit hölzernen Flinten bewaffnet marschierten viele Tausende Demonstranten in militärischer Ordnung an dem Generalfeldmarschall Sir Edward Carson vorbei und zogen hinter sich— hölzerne Kanonen. Diese hölzernen Kanonen liefern einem den richtigen Maßstab für den Wert der versteckten Drohungen, daß sich die Protestanten Ulsters einein irischen Parlament mit Waffen- gewalt widersetzen werden. Wenn Sir Edward Carson etwas demonstriert hat, so ist daS die längst bekannte Tatsache, daß der religiöse Fanatismus im protestantischen Ulster noch nicht ausgestorben ist, daß in einem sozial sehr rückständigen LandeSteil wie Ulster, wo noch die grauenhaftesten Formen der VoUsauSbeutung florieren, die Maffe der Proletarier nur zu leicht zum Spiel- ball der Unternehmer und der mit ihnen verkündeten Pfaffen wird. Religion und Politik sind in Ulster austauschbare Begriffe. ES sind die protestantischen Pfaffen, die diese Protestbewegung leiten, die am Ulstertage in allen Kirchen der Provinz politische Predigten hielten, die von der Gemeinde mit Händeklatschen begrüßt werden. Mit dem Hinweis auf die angebliche Gefahr, die den Protestanten vom Papste drohen soll, hat man es bis heute trefflich verstanden, die Augen des zahlreichen industriellen Proletariats UlsterS von seiner eigenen Misere abzulenken. Wie tief diese traditionelle Politik der herrschenden Klasse auf die Volksseele gewirkt hat, wird durch eine Erzählung erläutert, die weite Verbreitung gefunden hat. Ein Fremder sah in Portadown einen jungen Menschen auf der Straße, der wütend ausrief:„Zur Hölle mit dem Papst I" Er näherte sich ihm und sagte:„Wie können Sie nur so vom Papste reden. Ich bin selbst Protestant und war in Rom. Ich kann Ihnen versichern, daß der Papst ein alter, ehrenwerter Mann ist."„So?" meinte der An- geredete,„das mag in Rom stimmen; in Portadown genießt er einen sehr schlechten Ruf." Klick in ciie Melt. Gedichte von Alfons Petzold.*) Die Stillen. Du Eisenschürfender und Amboßschlagender. Welch dunklen Pfad und welche schmale Spur Wandert dein Denken, du Furchentragender, WaS sinnst du nur? Du in den Schächten der Berge Erweckter, Der ihren Tiefen die Schätze entreißt, Du Finsterblickender, Schwrelenbedeckter, Was grübelt dein Geist? Du. der du dem rasenden Räderschwunge Stillstand gebietest mit zwingender Faust, Was spricht dein Gehirn, ist stumm deine Zunge, Wenn der Riemensturm saust? ist eine drohende Hast in euch allen, „ J; schwenkt die Not ihr brennendes Tuch, H-r.,:enn � versteckt eure Fäuste ballen, Entspringt euren Herzen ein Fluch. Die Vielen. Bielen erklang ein eisernes Wort im Gehirn. Es schoß ans der Zert, es sprang in die Menschen hinein. Die stehen, Arm an Arm gepreßt. Stirne an Stirn. Und fühlen: die Kraft der Tat kann nur in der Vielheit sein. Das Wort umspannt sie, formt sie einem Leib— Tausende Fäuste wachsen in einer Faust. Vieler schwächlicher Tage armseliger Zeitvertreib Wird zum starken Appell, dessen Hall die Erde durchbraust. „Bruder, du auch?" Hand faßt freudige Hand. Blick glänzt in Blick zu froher, seliger Sicht. Aus dem Staube der dunklen Stunde»ns harrende Land Hebt sich die Einheit der Vielen, hebt sich das neue Licht. DerMorgen. Wenn wir im trunkenen süßen Spiel* Der Liebe eine Nacht vertan, So ruft der Wächter Tag unS kühl Mit seiner harten Stimme an: „Wacht auf. wacht auf. hebt euch empor! Hört ihr der Arbeitsglocke Ton I Steht auf. denn der Fabriken Tor Hat sich für euch geöffnet schon! Von dem jungen Wiener Lhriker Alfons Petzold, deffen erste Bucher„Trotz alledem".„Seltsame Musik" und„Memoiren eines AugeS" ein eigenartige« Talent verrieten, erscheint in nächster Zeit ,in Erdgeist-Verlag Leipzig ein umfangreiches Vcrsbuch„Der Ewige Stunde", dessen 3. Teil der soziale Lyrik bietet,«vir jetzt bereit« obige Proben entnehmen können. I In England nimmt man die Demonstrationen und Drohungen nicht sehr tragisch. Man muß natürlich die westlichen Gebiete aus- nehmen, in denen von Nordirland eingewanderte Protestanten wohnen. Trotz der gewaltigen Anstrengungen, die die konservative Presse gemacht hat, verhält sich die große Masse des Volkes der irischen Frage gegenüber absolut teilnahmslos. Daran wird auch die Propaganda nicht viel ändern können, die Sir Edward Carson jetzt nach England und Schottland verpflanzen will, nachdem sein theatralischer Feldzug in Ulster in England die Wirkung versagt hat. Das Proletariat hat andere Sorgen, für die Masse der Konservativen ist die irische Frage nur noch ein Echo aus längst vergangenen Zeiten und die protestantischen Liberalen sind mit den Bestimmungen der Homerulevorlage zum Schutz der protestantischen Minderheit Irlands vollkommen zufrieden. Manche der einflußreichsten Konservativen Englands betrachten die hochverräterische Agitation der Orange- männer mit großer Besorgnis, da sie befürchten, daß andere diese Politik nachmachen könnten. Unter diesen Umständen ist es nicht sehr wahrscheinlich, daß sich die Regierung durch den Ulstertag ins Bockshorn jagen lassen wird. Gewiß sind die Drohungen der irischen Protestanten nicht ganz eitel Gerede. JDaß die besitzenden Klassen Ulsters ihre Haut aufs Spiel setzen werden, weil sie ihre Religion in Gefahr glauben, daran glaubt kein ernst zu nehmender Mensch. Daß aber das fanatisierte Proletariat einen aussichtslosen Kampf gegen die Staatsgewalt unternehmen wird, ist leider nicht so unwahrscheinlich. Und dies ist eben der tragische Zug in der passen- haften konservativen Revolutionskomödie: das Proletariat Ulsters schlägt sich für eine Religion, die von der herrschende» Klasse als das vornehmste Mittel benützt wird, um seinen Blick für die Wirklichkeit zu trüben und es m Knechtschaft und Banden zu halten. Liverpool, t. Oktober. Hier wurde gestern eine Anti-Home- rule-Demonstration veranstaltet, an der sich gegen 100 000 Personen beteiligten. Die Hauptredner des Tages waren die unionistischcn Führer Carson und Smith. Die Liverpooler Reeder, so erklärte Smith, hätten ihm drei Schiffe versprochen, auf denen 10 000 Mann nach Ulster gebracht werden könnten. Wenn die Re- gierung den Truppen befehlen würde, in Ulster einzurücken, so würden die Vertreter der Regierung an den Londoner Laternenpfostcn die Justiz des Volkes erfahren. von der ersten Stunde bis heute noch der Redaktion de?.Echo" angehören. « 23 Jahre sind auch verstrichen seit dem letzten Kongreß der deutschen Sozialdemokratie unter dem Ausnahmegesetz, dem Parteitag in St. Gallen. Man konnte auf dem Kongreß noch nicht hoffen, daß es das letzte Mal sein werde, daß man im" Ausland Zuflucht sucht. Gerade im Jahre 1887 wütete die Reaktion besonders heftig gegen die Partei, die Freiberger Verurteilten saßen noch im Gesängnis, die Macht Puttkamers war noch ungebrochen und man mußte jeden Augenblick auf neue Schläge gefaßt sein. Wie wenig sich freilich dadurch die Vertreter der deutschen Sozial- demokratie auf dem St. Gallcr Kongreß einschüchtern ließen, beweist ihr Beschluß, den internationalen Verbindungen durch Abhaltung eines internationalen Kongresses eine festere Basis zu geben. Daß im Jahre 1883 der erste internationale Kongreß in Paris stattfinden konnte, ist das Verdienst des St. Galler Parteitages. Als aber das internationale Proletariat in Paris zusammenkani, da lag das AuS- nahmegesetz schon in den letzten Zügen. Seitdem lvar der Weg der deutschen wie der internationalen Sozialdemokratie ein unaufhalt- samer und unvergleichlich gewalsiger Siegeszng. Hus der Partei* Zwei Jubiläen. Am 2. Oktober feiert das„Hamburger Echo" das Jubiläum seines 25jährigen Be st ehe nS. Es war unter dem Sozialisten- gesetz und in Hamburg herrschte im Jahre 1887 ein schärferer Ton, obwohl er unter dem kleinen Belagerungszustand schon bis dahin nichts zu wünschen übrig gelassen hatte. So konnte sich ein Blatt hier nur um deswillen so lange halten, weil an seine Spitze Johannes Wedde trat, ein literarisch hochbegabter Mann, der gleich großes Ansehen als Oberlehrer eines Gymnasiums wie als Dichter genoß. Die„Bürger-Zeitung" war eS, die Johannes Wedde leitete, und nian wagte ihr lange nicht, zu nahe zu treten; ein Lieb- knechtscher Leitartikel mit der Ueberschrist„Gewalt ist kein Heil- mittel" führte dann zum Verbot und der Polizeikommissar er- klärte den Inhabern der Druckerei, er würde kein neues Blatt wieder dulden. Man proponierte ihm schließlich, eine Blatt heraus- zugeben, das nur Ausschnitte aus anderen Blättern bringen, so eine Art Zeitungssamnielmappe sein sollte und man nannte dieses neue Unternehmen deshalb auch„Hamburger E ch o". Dem neuen Organ wurde die Drohung mit auf den Weg gegeben, daß es bei dem ersten eigenen Artikel verboten werde. Wollten die Redakteure etwas eigenes sagen, mußten sie es in anderen Blättern drucken lassen und konnten es dann allerdings als Zeitungsausschnitt in ihr Blatt übernehmen. Die Fessel ist bald gefallen und das„Hamburger Echo" steht schon seit langer Zeit in den vordersten Reihen der deutschen Parteipresse, in der es sich Ansehen erworben hat durch seine Selbständigkeit und seine ausgezeichnete Redaktion. Bemerkenswert ist, daß die Genossen Stalten und Stengele, die schon Redakteure der„Bürger-Zeitung" waren, Die Parteischule, die im vorigen Winterhalbjahr der Reichstagswahlen wegen ihre Pforten geschlossen halten mußte, begann heute ihren sechsten Kursus mit einer kleinen Eröffnungsfeier, an der neben den meisten Mit- gliedern des Lehrkollegiums auch Genosse Scheideinann als Vertreter des Parteivorstandes teilnahm. Genosse Heinrich Schulz er- öffnete die Feier mit einer kurzen Ansprache, in der er aus die Bildungsbeslrebungen in der Partei hinwies und die Umstände schilderte, die im vorigen Winter diese Bestrebungen zeitweilig unter- brachen haben. Nachdem aber die Wahlen einen so überraschenden Er- folg ergeben hätten, sei es um so dringender geboten, die Bildungs- arbeit wieder aufzunehmen und zu erweitern. Immer größer werde die Masse, die sich um das sozialdemokratische Banner schare, und unter dieser Schar seien gar manche, die vorerst nur als Mitläufer gelten könnten. Daraus ergebe sich für die Partei die wichtige Auf- gäbe, die sozialistische Lehre in diese Masse zu tragen, das theoretische Wissen zu vertiefen und neue Kämpfer, neue Agitatoren heran- zuziehen, die in dem Ringen um eine bessere Zukunft ihren Mann ständen. In erster Reihe diene dieser Aufgabe die Parteischule. Sei auch die Zahl der Teilnehmer an dem Unterricht nur klein, so gehe doch von diesem Häuflein eine lebendige Kraft aus, da die Genossen das in dem halbjährigen Kursus erworbene geistige Nüst- zeug nicht für sich behielten, sondern ihr Wissen weiter hinaustrügen Im das arbeitende Volk. Zum Schluß gedachte der Redner des Genossen Franz Mehring, der seit Gründung der Parteischule an dieser als Geschichtslehrer mitgewirkt habe, aus Gesundheitsrücksichten aber zurücktreten mußte. Dann hieß Genosse Scheidemann im Namen des Partei- Vorstandes die Schüler willkommen. Sechs Monate anstrengender ernster Arbeit ständen den Genossen bevor, die sich aufs Neue auf die Schulbank gesetzt hätten. Aller Anfang sei schwer, und obgleich fast alle, die diesmal an dem Unterricht teilnähmen, schon jahrelang geistig in der Partei gearbeitet hätten, tvürden doch vielleicht manchem Zweifel aufsteigen, ob er auch mitzukommen vermöge. In diesem Falle solle er sich des Sprichworts erinnern, daß ernstes Beharren zum Ziele führt. Erforderlich sei vor allem Vertrauen zu sich selbst, zur eigenen Kraft, dann aber auch zu den Lehrern, die, wenn sie auch in der Schule als Lehrende fungierten, doch zugleich Freunde und Parteigenossen seien, alle beseelt von dem gleichen Streben und geleitet von denselben politischen Idealen. Nach der Eröffnungsfeier begann sogleich der erste Unterricht. An dem Kursus nehmen diesmal im ganzen 23 Schüler und 2 Schülerinnen teil. Davon sind 25 von politischen Organisationen, 6 von Gewerkschaften(Bauarbeitern, Bergarbeitern, Holzarbeitern und Transportarbeitern) entsandt. Von den 25 von Parteiorgan!- sationen gesandten Schülern kommen 11 aus Preußen, 3 aus Bayern, 2 aus Sachsen, 2 aus Thüringen und je einer aus Württemberg, Baden, Elsaß-Lothringen, Braunschweig, Oldenburg, Hamburg und Bremen. An dem Lehrplan ist nur wenig geändert worden. Haupt- Unterrichtsfächer sind wie bisher: Politische Oekonomie und Wirt- schaftsgcschichte, Soziologie, Geschichte und Theorie des Sozialismus, Rechtskuude, deutsche Geschichte, materialistische Geschichtsauffassung, deutsche Sprachlehre und Aussatz. Ich heb mich jäh aus Lust und Ruh. Herrgott, wie flüchtig ist die Zeit! Indes ich geh der Arbeit zu, Denk deiner ich in herbem Leid. Dich Hab' ich nur in Nacht und Traum! Fremd ist mir über Tag dein Leib, Denn in der Werkstatt düsterm Raum Ist die Maschine nur mein Weib. Warum sind die Neger schwarz? In der Schule wird nur er- klärt daß während der Sommerzeit die schwarzen Kleider deshalb zu verpönen sind, weil die schwarze Farbe die Sonnenstrahlen ver- schluckt, während sie von den hellen Stoffen zurückgeworfen werden. Und nun tragen die Einwohner der heißen Länder das ganze Jahr hindurch das natürliche schwarze Kleid, wodurch die üblen Wirkungen der Sonnenwärme für sie offensichtlich noch gesteigert werden. Wie erklärt sich nun diese schembare Unzweckmäßigkeit? Henry Durand sucht in der„Revue Scientiflque" diese Frage wie folgt zu beantworten. Die Soimcnsttahlen üben Wirkungen dreierlei Art aus: sie erwärmen, beleuchten und lösen bestimmte chemische Prozesse aus. Diese drei Arten von Wirkungen sind in der Weise voneinander untrennbar, daß in dem Sonnenlicht immer auch Wärmestrahlen und chemische Strahlen enthalten sind. Es folgt daraus — und das wird auch durch Erfahrungen mannigfacher Art be- wiesen, � daß mit der Abschwächuug des Sonnenlichtes gleichzeitig auch seine chemischen und Wärmewirkungen abgeschwächt werden. In unserem Klima, wo die Kraft des Sonnenlichtes im Durchschnitt eine verhältnismäßig geringe ist, genügt es dem Organismus, sich gegen die Wärmewirkungen direkt zu schützen. Das geschieht in der Hauptsache durch den Wärmeverlust infolge der erhöhten Schweiß absonderung. Ganz anders verhält sich die Sache in den heißen Ländern, wo die Intensität der Sonnenstrahlen andauernd eine sehr hohe ist. Hier muß der Organismus schon über ein Mittel verfügen, die übermäßige Erwärmung von vornherein unmöglich zu machen. Das geschieht, indem die Jntensilät des auf den Körper fallenden LrchteS auf das zuträgliche Maß beschränkt wird. Der in der Haut befind- liche dunkle Farbstoff(Pigment) wirkt in dieser Weise. Er fft für die Licht-, wie für die chemischen Strahlen beinahe unempfindlich. So werden die Lichtstrahlen, die die Haut der Neger treffen, auch m ihrer wärmebildenden Wirksamkeit stark geschwächt und da? Innere des Organismus von jenen schweren Schäden bewahrt, die für einen Europäer das Tropenllima geradezu unerträglich machen. Dir Helden der Meteorologie. Wie jede Wissenschaft hat auch die Wissenschaft des Wetters und Klimas ihre Helden Nur daß e« ganz stille Helden sind, deren Namen nicht in die breite Oeffentlich- keit dringen und deren Taten auch, trotz ihrer großen Bedeutung, nicht dazu da sind, die öffentliche Aufmerkiamkeit zu fesseln. Jedes Jahr, so erzählt„Kosmos", verläßt eine kleine Expedition. bestehend aus drei Beobachtern, den Hafen von Buenos-Ayrcs, um ein Jahr lang den meteorologischen Dienst auf den Süd-Arkaten zu verrichten. Die Inseln sind zwischen dem 63. und 81. Grad südlicher Breite gelegen, ihre mittlere Temperatur beträgt nur— 4,5 Grad Celsius, sie sind von schwer durchdringlichem Eise umgeben. Die häufigen Schneegewitter sind dort von ungewöhnlicher Heftigkeit, die Sonne scheint sehr selten, die ganze Pflanzenwelt besteht aus Flechten und Moosen. In dieser ungastlichen Gegend verbringt die Expedition in einer ganz primitiven Hütte ihr Dienstjahr, dazu noch ohne be- stimmte Aussicht, zur bestimmten Frist die Heimat wiederzusehen. Denn das Polareis kann den zum Entsatz bestimmten Dampfer aufhalten und die Befreiung noch länger hinausschieben. Wie erhaben Kigt sich diese schlichte Erfüllung wiffenschaftlicher Pflicht, iin Vergleich zu jenem Geist der Reklame, der die wissenschaftliche Welt von heute in ihren höchsten Spitzen, so oft erniedrigt und von fremden Mächten in den Staub zieht! Stendhals Karthanse in neuer Fassung. Eine vermehrte, voll- kommen umgearbeitete Ausgabe der„K a r t h a u s e von P a r m a". des einen der beiden Hauptwerke Stendhals(Henri BeyleS), wird, wie Georges C a i n im„Figaro" mitteilt, demnächst erscheinen. Ein Gelehrter in Grenoble, Herr C h a p e r, besitzt ein durchschossenes Exemplar des Romans mit zahlreichen Zusätzen, Korrekturen und Abänderungen, die Stendhal vorgenommen hat, nachdem Balzac 1340 in der„Revue Parisienue" in einer enthusiastischen Kritik den Wunsch ansgesprochen hatte, daß der Autor sein Werk ausfeilen und so zur Vollkommeiiheit der liebevoll durchgearbeiteten Werke Chateau- briands und de Maistres erheben möchte. Die bisher unbekannte Version des Sionians wird in der von Edouard Champion vor- bereiteten Gesamtausgabe der Stendhalschen Werle veröffentlicht werden. Notizen. — Der Schädel von DescarteS, der vor einigen Tagen als verloren gemeldet wurde, ist in Paris inzwischen unter anderen Schädeln wieder aufgefunden worden. — Die Musikalische BolkSbibliothek und das Bureau deS Berliner TonkünstlervereinS sind von Bülowstraße 81 nach Z�ietenstraße 27 tHrlegt. Die Bibliothek bleibt wegen Neuordnung bis 15. Oktober geschlossen, die Zweigstelle in Charlotte n bürg, Savignyplatz 1, ist jedoch schon jetzt jeden Dienstag, Donnerstag und Sonnabend von 4—7 Uhr geöffnet. Auch dort erfolgt die Ausleihung von Musikalien und musikwifjerv- schaftlichen Werken unentgeltlich. — Die Lebenszähigkeit der Hefe. Zwei französische Forscher haben eine Anzahl von Flaschen alten Rotweins dazu be« nutzt, um zu ermitteln, ob die in dem Wein enthaltenen Hefepilze noch lebend und keimfähig wären. Die älteste Probe lvar von 1738, und dazu kamen neun andere Jahrgänge aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Die jüngste Flasche stamnite von 1848. Das Ergebnis war, daß noch in dem Wein von 1803 lebende Hefe ge- funden wurde, die zur Erzeugung einer alkoholischen Gärung in Znckerwasser fähig war. Diese Tatsache ist wahrscheinlich nur durch ein langsames Eindringen von Luft durch den Kork zu erklären. BezirkSParteitag für SchlcSivrg-Holsteili und Fürstentum Lübeck. Am 29. und 39. September fand in Kiel der diesjährige Parteitag der Bezirksorganisation von Schleswig-Holstein und das Fürstentum Lübeck statt. In seinem Bericht über die Tätigkeit des Bezirksvorstandes bedauerte der Vorsitzende Genosse Bartels die Aufhebung des Nürnberger Beschlüsse« betreffend Abführung des Tagesverdienstes am 1. Mai.. Die Diskussionsredner sprachen sich im gleichen Sinne aus. Es wurde ei» Antrag angenommen, in dem die Erwartung ausgesprochen wird. daß' die Partei- und Gewerkschaftsbeamten auch in Zukunft am 1. Mai ihren Tagesverdienst an den Maifondö abführen. Eine Resolution wurde angenommen, die die Aufhebung des Nürnberger Beschlusses m i tz- dilligt.— Ein Antrag auf Abhaltung einer Frauenkonferenz für Schleswig-Holstein � in diesem Jahre wird dem Bezirksvorstand zur Erwägung übertviesen. ebenso ein Antrag, den in dänischer Sprache erscheinenden„Nöde Postbud" statt viermal achtmal iin Jahre er« scheinen zu lassen.— Reichstagsabgeordneter Genosse Karl Legten sprach dann über das Thema:„Der Kampf um die proletarische Jugend". Landtagsabacordneler Genosse L e i n e r t sprach über:„Die Wahlrechtsfrage und die Landtagöivahl in Preußen". Zu dein Referat des Genossen Legien wurden zwei Anträge eingereicht. Der eine ver- langt mehr aufklärende Tätigkeit für die Jugend von 18—29 Jahren mit Rücksicht auf die zunehmende polizeiliche Verfolgung der Jugend. Ser andere Antrag verlangt die Herausgabe eines besonderen rganS für die in der Jugendbewegung tätigen Personen. Beide Anträge wurden abgelehnt. Zu dem ersten Antrag wurde gesagt, man wolle für Jugendliche von 18—29 Jahren keine besondere Organisation schaffen. Zum Vorsitzende» der Bezirksleitung wurde Genosse Bartels- Altona wiedergewählt. Aus den Organisatione». Die außerordentliche Kreiskonferenz des Wahlkreises Lennep- Remscheid-Mettmann tvählte am Sonntag den Genossen Rudolf Bühler, Parteisekretär des Wahlkreises Ried er- Barnim, nahezu einstimmig zum Parteisekretär. pollzeütches, Omcbtllcbes ufw. Di« Kampfesweifc des Reichsvcrbandes aui Pranger. Jn Brandenblirg wurde am Montag der Redakteur der „Brandenburger Zeitung", Genosse Baron, vom Schöffengericht wegen Beleidigung des Reichsverbandes zu 59 M. Geldstrafe ver- urteilt. Die Verurteilung erfolgte aus formalen Gründen, in Wirk- lichkeit sind die leitenden Herren des Reichsverbandes ob ihrer KampfeSnrethoden als Gebraudmarkte aus der Verhandlung hervor- gegangen. Pcivattläger waren die Herren Generalleutnant z. D. v. L i e b e r t, die Abgeordneten p. D i r k s e n, v. A r n i m- Z ii s e- d o m, die Grafen V.Arnim, D o h n a u. a. Ihr Anwalt war Rechtsanwalt Dr. Cohn- Dessau; Verteidiger des Genossen Baron war Gen. Wolfgang Heine. Unter Anklage stand ein satirisches Inserat, daS dem in München erschienenen Witzblatt„Rückwärts" entnommen war und durch das sich die Reichsverbandsherren beleidigt fühlten. In der Verhandlung wurde der WahrheitsbeiveiS zugelassen; sieben Stunden lang wurde die Kampfesweise des Reichsverbandes gründ- lich beleuchtet. Das Ergebnis der Auseinandersetzungen kommt in der Urteilsbegründung folgendermaßen zum Ausdruck: „Dabei)-s- bedeutet WUckZ.— Fall.— ff Untervegel. Soziaideniokratisciier Waiilverein für Miederiianiim, Bosirk Pctei-ahafccn. Am 30, September verstarb unser Genasse, der Buchbinder dsksr Petasch FredcrSdors. im 54. Lebensjahre. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 3. Oktober, nach- mittags 4'/, Uhr, auf dem Tho- mas-Kirchhofc in Neukölln, Her« mannswasie, statt und ivird rege Beteiligung erwartet. g31b Die Bezirksleitung. Deulseiier Buchliißiier-Verband. (Zahlstelle Oeriin.) Den Mitgliedern die traurige Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Kollege Osksl- Petasch nach kurzer Krankheit gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet Donner?» tag, den 3. Oktober, nachmittags 4'/, Uhr, aus dem Thomas- Kirchhos, Neukölln, Hermann- slratzc, statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 26/10 Die Ortsverwalwng. Hiederbarnlm. Bezirk Wcliienaee. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Genosse, der Rieselfeld« arbeiter 18/12 .lullus Yogelläuder aus Wartenberg verstorben ist. Ehre seinem Andeuten! Die Beerdigung findet Donners- tag, den 3. Oktober, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des PbUippuS.Apostel-Kirchhoss in der Müllerftratze Ecke Seeslr. aus statt. Ber Voratnnd. Zentral-Verband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk 17. Den Bcrussgcnosscn zur Nach- richt, dag unser Mitglied Martin Lau am 29. September an der Pro- lctaricrkrankhctt verstorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, 3. Oktober, nachm. 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Gemeindesriedhoses in Neukölln, Mariendorscr Weg, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 254/19 Ber Voratand. Technikum- Bauschule | Reg.-Baumeister Werner i NeanderatrsBe 8. Deiitsehefllelallarlieiter-Verhand Verwaltungsslelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Bauanschläger August Dochow, Pankow, Berliner Strage 85, am 30. September an Schlag- anfall gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 3. Oktober, nach- mittags gff, Uhr, von der Leichen- balle oes Pankower Gemeinde- Friedhoscs, Schönholzer Heide, au» statt. Rege Betelllgung erwartet lS5/9 Die Ortsverwaltung. Am Montag, den 30. Sep- tcmber, starb plötzlich infolge eines Herzschlage« unser lieber Mitarbeiter, der Hilssarbeiter Vsksr Knodloed im Alter von 25 Jahren. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Vorwärts Buchdruckerei Paul Slnjrcr A Co. Am Montag, den 30. September, starb plötzlich unser lieber Mit- arbeiter, derRotationShilfsarbeitcr Oskar Knobloch im Alter von 25 Jahren infolge eine« Herzschlages. DaS An- denken des Verstorbenen wird in Ehren halten Das Personal der BorwärtS- Buchdruckerei Panl Singer S Co. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 3. Oktober, uachmiltaas 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des iieuen St. Nikolai- und St. Marten-BegräbniSplatzeS, Prenzlauer Tor(Prenzlauer Allee 7), aus statt. Verband der buch- und Steindruckerei- Hillsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Ortnverwaltans Berlin. Am 30. September verstarb plötzlich unser Mitglied Oskar Knoblodi im Alter von 24 Jahren. Ehre seinem«»denken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 3. d. M., nach- mittags 3ff, Uhr, aus dem neuen St. Nilolai-Kirchhos, Prenzlauer Allee, statt. 28/9 Die Ortsverwaliung. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, 10—■2, 5—7. Sonntags 10—12. 2-— 4 Schallplatte Verleih•Institut. IAuoh nach auswärts. Prospekt gratis. Karl Borbs, Berlin 31 Neue Könlgstrasse 38. Allen Freunden, Verwandten und Bekannten die traurige Nach- richt, dag meine liebe Frau und unsere gute Mutter K22b Hartha Langer geborene Krüger im Alter von 32 Jahren nach schweren Leiden verstorben ist. Beerdigung Donnerstag, nachm. 4'/z Uhr, von der Leichenhalle des Borsigwaider Friedhofes aus. BniU liimger nebst Kindern, Ernststr. 2«. SozialdeniökratiselierWaliiverein Bezirk Borsigwalde. Ilm Montag früh 2>/, Uhr ver- starb unsere Genossin Martha Langer im Alter von 32 Jahren. Ehre ihrem Andenken: Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags All, Uhr, von der Leichenhalle des Borsig- waldcr Friedhoses auS statt. Um rege Beteiligung ersucht ö2tb Die Bezirksleitung. Treffpunkt der Genossen und Genossinnen: Ernst- und Ecke Konradstrage, Restaur. Woitschach Extra- Abtellnng 1 1. Gesch.: BorllnW., Mohren- I StraBeS7a(2. Haus von der j Jerusalemer StraSe), II. Gesch.: Berlin NO., Grote Frankfurt. Str. IIS(2. Haue| von der Andreasstraße). Sehrgr.Ausw. fert. Kleider, I Hüte, Handschuhe, Schleier! letc. v. einfachsten bis zum! hocheiegant.Qenrez.üuiierat j niedrigen Preisen. Sonder-Abteilung: naBanfortlgang in 10 bis 12 Stunden. Gneisen australie 10,, IS. tiran, billigste u. beste| Bezugsquelle für MM Kliiwl Fertig am Lager: Gehrotk-llnzütielOTS* SraoklDS'ÄnzüoßKMM fradt-lozilDeaSilUO" Beinkleider II1 io5: 8m. | Fertige schwarze Kleidung I für Knaben und Jünglinge :i in größter Auawabl Feine Maß- Anfertigung 1 in ea. 10 Stunden Baer Sohn Kleider- Werke. ChsussesstraSe 29— 30. 11. BrUckenstrsOe 11. Gr. Frankfurter str 20. Sohinsbern, Hauplsir. 10. M ö b e!■ Magazin C. 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Antrag deS Kassenvorstanbet ans Statutenänderung. ........ ung über einen An 2. trag an das Oberversicherungsamt aus Zulassung der Kasse zum weite- ren Geschastsbetrieb unter der neuen Reichsversichcrungsordnung gemäß Arlitcl 17 und 18 des Einfühmngs« gesetzes zur Neichsversicherungs- ordnung. 270/4 Den Delegierten geht noch eine be- sondere Einladung zu, die als Legi» iimaiion beim Eintritt in den Saal vorzuweisen ist. Delegierte, welche inzwischen ihre Wählbarkeit verloren haben, find von der Teilnahme an der Versammlung Charlottenburg, 1. Oktober 1012, Bei- KassenTorstand. W i I h. A h r e n S. Kliliutn- und Krauihilldtm m Robert Meyer,' Jnh.: P. Golleta uut Murilmnen-Sirliße 2. Telephon: Moritzplatz 346. Verwaltung Berlin.- Branche der Bergolder. Heute Mittwoch, de» 2. Oktober, abends 8'/, Uhr; AußerordentlicheBranchenversammlung aller Mitglieder der Nergol�rbranche im vewcrltscliattslian««, Engelufer 15(Saal 4). „. Tagesordnung: Stclliiugnahme zum Verhalte» der Arbeitgeber gegenüber dem Abschluß unseres Tarifvertrages. Der äußerst wichtigen Tagesordnung wegen ist daS Erscheinen aller Branchenkolleginnen und-kollegen unbedingt erforderlich. _—— Mitgliedsbuch legitimiert. VT" Die Bertraucnsmännerversammluiig fällt aus. �9/10 Tie Brancheilkommisfio«. Arbeitsnachweis: Soj I. Amt Norden, Nr, 1239. wmitiiHZzlküe Mm CharitHstrahe 3. Hauptbureau: Hos III. Amt Norden, Skr. I9S7. Donnerstag, den». Oktober, abends 8'/z Uhr: KraniiitWersliliimlmlg Schmiede Berlins und Umgegend im Lokal von Boeker, Weberstrahe 17, Tagesordnung: 1. Vortrag über:„Die gewerkschaftliche Aktion«. 2. Wahl der Branchenkommission. 3. Branchenangelegenheiten.' 125/8 Zahlreichen Besuch erwarten vi« Vi-tsverwaltnna«». Achliikg! MriMidie Aligclicllte! Donnerstag, den S.Oktober 1912, abends 8>/z Uhr, im Rosenthaler Hof, Rosenthalcrstr. 11/12:" WM" Usi»ssmnilung"MJ aller in Dechtsanulaltsbureaus. FabriKliontoren asm. beslhästjgten Vkiblichen Angestellten. Tagesordnung: Unterliege« unsere Kolleginnen dem BersicherungSgeseb für Angestellte oder nicht? Referent: Reichstagsabgcordneter Kollege (iilebcl. 47/16 Kolleginnen! Bei der Wichtigkeit dieser Tagesordnung ersuchen wir Eie, vollzählig zu erscheinen. Die Ortsverwaltung des Verbandes der Bureauangestellten, _ Kaiser-Wilhelm-Slraße 18c.__ flnnalsmeitellejnür„Kleine Anzeigen" A'O. K. KW. sw. 8. 8». Berlin C. 31. Hahnisch, Acker str. 174. W. G. Schmidt, Kirchbachstr. 14. Cd. R. Hackelbnsch, Petersburger Platz 4. Gustav Bogel, Kodden» straßc 82. R. WengelS, Gr. Franksurter Str. 120. L. Zucht, Jmmanueltirchftr. 12. I. Reul. Barnimstr. 42. W. Banniann, Rhcinsbergcr Str. 67. H. fstscher, Bastianftr. 6. Karl Mars.Greiscnhagener Str. 27. I. Hönisch, Nazarethkirchstr. 4S. H. Bogel. Lortzingstr. 37. A. Tie«. Lnvalidenstr. 124. L. Dechaud, Nuheplatzstr. 24. Karl 3tilders, Salzwedeleritr. 8. H. Werner, Gneisenaust-- 72. Daehn, Hagelberger Str. 27. St. Friu. Prmzenstr. 31. H. Lehmaun. Kottbuser Damm 8. Paul Böhm. Lansitzcr Platz 14,15. P. Harsch, Engelujer 15. Adlorshof. Karl Schwarzlose. Bismarckstr. 50. Bamuiichaleinveg. H. Hornig. Marienthalerstr. 13. 1. Borsigwalde. Paul Kieiiast, Räuschstr. 10. « harlottenbiirg. Gustav Scharnberg, Sesenbeimer Str. 1. r riedrichshagen. Ernst Werkmann, Köpenicker Str. 18. <,r»na». Kranz Klein. Friedrichstr. 10. Johannisthal. Pielicke. Kaiser- Wilhelm.PIatz 6. karlshorst. Richard Kütcr, Rödel str. 9. II. khpenlck. Emil Wistler. Kictzerftr. 6. Laden. I-iehtenherg. Ltto Seikel. Wartenbergstr. 1. Kieder-Kehttneweide. WilH. Unruh. Brückenstr. 10. Kowawe«. Wilhelm Jappe, Friedrichstr. 7. «»her-8ehiineweide. SUfrcb Bader. WilHelminenHosstr. 17 II. l'ankow. Otto Ristmanu, Müblenstr. 30. Beinickendork. P. Gurfch. Provinzftr. 56. Laden. AenkUlin. M. Heinrich. Neckarstr. 2. Conrad, Hermannstr. 50. C. Siohr, Siegsriedftr. 28/23. Bnminelshnrg. 3l. Rosenkranz» Alt-RoxHagen 56. 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Sie berichten in chronistischer Form über die Reichstagswahlen, die wichtigsten Verhandlungen des Reichstags und der Landtage, bedeutsame Vorgänge des kommunalen Lebens, die innere Entwickelung der Parteien, den Gang der auswärtigen Politik, über die Fortschritte und Kämpfe der gewerkschaftlichen Bewegung wie den großen Bergarbeiterstreik u. a. mehr. Auch die wichtigen politischen Ereignisse des Auslandes— Entwicklung der Arbeiterbewegung in allen Ländern, englischer Bergarbeiterstreik, französische Wahlreform, ungarische Wahlrechtskämpfe, türkisch- italienischer Krieg, chinesische Revolution usw. finden auf Grund sorgfältig geprüften Nachrichtenmaterials ausführliche Darstellung. AusfiihrlicheTrospekte versenden wir auf Wunsch gern portofrei. Haben Sie /cA ftrtiit davon Anzug od. Paletot nach Mass, schick, dauerh. Zataten von 25 Mark an. Moritz Labandx Neue Promenade 8, 11.(Stadtb. Bors.) y 7" l„ Plomben, beste Aus» Zahne, Olga Jacobson, ArTwifii. 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Jahrgang. 2. ßtilajc des Jornirts" ßttlintt Bdlislilafl Mitlmch, 2. m-b-r 1912. Partei- Hngelegenbcitcn. Dritter Wahlkreis. Am Sonntag, den 6. Oktober, veranstaltet der Wahlverein in der Neuen Welt, Hasenheide, einen heiteren künstlerischen Abbild. Um jedem Genossen es möglich zu machen, mit seinen Angehörigen an dieser Veranstaltung teilzunehmen, ist der Preis der Billetts auf 30 Pf. festgesetzt. Dieselben sind zu haben bei den Bezirksfiihrern und in den mit Plakaten belegten Ge- schäften. Alles Nähere im Inseratenteil. Lichtenberg. Morgen Donnerstag, den 3. Oktober, abends �/zg Uhr, im Schwarzen Adler, Frankfurter Chaussee: General- Versammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: Berichterstattung Vom Parteitag. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Bezirksleitung. Borsigwalde Wittenau. Morgen Donnerstag, den 3. Oktober, abends 8Vz Uhr, im Lokale von Hohn, Borsigwalder Festsäle: Mit- gliederversammlung des Wahlverems. Tagesordnung: Bericht vom /deutschen Parteitag.— Mitgliedsbuch legitimiert. Die Bezirksleitung. Franz.-Buchholz. Donnerstag, den 3. Oktober, abends 8>/s Uhr, Mitgliederversammlung bei A. N o s s a ck, Hauptstr. 71. Tages- ordnung: 1. Bericht vom Parteitag. 2. VereinSangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Lerliner I�acKricbten. Der Drachen steigt! Jede Jahreszeit hat ihre besonderen Reize und Unter- Haltungen. Besonders die Jugend versteht es sehr gut, ihr Spiel den gegebenen Umständen anzupassen. Der Herbst bringt der Jugend, was sie braucht. Das ist die Zeit der Un- gebundenhcit, des Sichauslebenlassens. Wenn der Landmann den zweiten Schnitt der Wiesen eingebracht hat, wenn das Getreide eingefahren ist, dann sind große Strecken Landes dem Betreten freigegeben und die Jungen spielen Indianer und veranstalten Treibjagden. Auch die Drachenzcit beginnt. Jetzt kann der Junge zeigen, ob er Talent besitzt, und mit einem berechtigten Stolz trägt er den selbstgefertigten Drachen hinaus und läßt ihn steigen. Wenn er dann nach Hause kommt, be- hauptet er steif und fest, daß sein Drachen„beinahe" in den Wolken war. Ganze Schwärme kann man sehen; man braucht nur auf das Tcmpelhofer Feld zu gehen. Neben deni alten Typ, der immer noch seine Vorherrschaft behauptet, erblickt man den„Kartendrachen" oder sogenannten„amerikanischen". Auch „Eulen" und sogar richtige„Eindecker" läßt man steigen. Und pfeift der rauhe Herbstwind noch so sehr über die Ebene, die jungen„Aviatiker" halten aus. Wenn dann der Abend seine grauen Schatten herniederzusenken beginnt, dann erst„holt man die Flugzeuge ein." Bläst der Wind einmal gar zu kräftig— gibt's wohl mal einen„Durchgänger". Eine Jagd beginnt nach dem Durchbrenner, der gar zu sehr an der Strippe gezogen, sich seiner Fesseln entledigt hat und nun heidi hin und her schwankend auf und davon fliegt. Ein kleiner Trupp rennt hinterher, bis man seine Leiche in irgend einer Baumkrone hängen sieht. Oder auch der Faden bleibt an einer Telegraphenleitung hängen, dann kommt vielleicht auch die„liebe Polizei" und notiert. Die junge Schar der „Aviatiker" hat es besonders nicht leicht, wenn ihrer zuviel auf einer Stelle stehen. Gelegentlich gibts da mal eine Fitze, das heißt: die Drachen verfangen sich ineinander. Ein bißcheii Rauferei ist dann unausbleiblich. Manchmal hat das Ungetüm einen gar zu störrischen Sinn: es dreht sich um, mit dem Oberteil und beginnt nach unten zu„schießen", und zwar mit solcher Wucht, daß es, wenn es auf dem Erdboden auf gestoßen ist. sämtliche Rictpen gebrochen hat und verzweifelt steht der Knabe„am Grabe seiner Habe". Trotz allen Verdrusses: die Drachenzeit ist doch die schönste Zeit I Als Archytas aus Tarpent ums Jahr 400 v. Chr. den Drachen erfand, der übrigens auch schon seit undenklichen Zeiten bei den Chinesen gebräuchlich ist, hat er wohl nicht geahnt, daß das Drachensteigen noch nach einigen tausend Jahren der beliebteste Sport unserer Jugend ist. Mischehen und Kirchenstener. Maßgebend für die Veranlagung der Ehefrauen in Mischehen — Eben, in denen enlweder der eine Teil keiner staatlich an- erkannten Religionsgemeinschaft angehört, während der andere Teil den Austritt noch nicht erklärt hat oder in denen jeder Teil einer anderen Religionsgemeinschaft angehört— ist folgende Bestimmung deS Kirchensteuergesetzes: „Der katholische(evangelische) Teil einer gemischten Ehe ist von der Hälfte des der kirchlichen Besteuerung zugrunde liegenden Steuersatzes, zu welchem der Ehemann veranlagt ist, zur Kirchen- steuer heranzuziehen. Soweit die Ehefrau zu den Staatssteuern selbständig ver- anlagt wird, ist der katholische(evangelische) Teil nach Matzgabe seiner Veranlagung zur Kirchensteuer heranzuziehen." Nun ist ei» Teu' unserer Leser der Ansicht, datz infolge der im „Vorwärts" vom 21. Juli 1912 wiedergegebenen Entscheidung des OberverwaltungZgerichts vom 14. Mai 1912 Ehefrauen, die kein selbständiges, der Veranlagung zur Staatseinkommensteuer unter- liegendes Einkommen haben, auch nicht zur Kirchensteuer heran- gezogen werden können, selbst wenn diese Frauen einer Kirchen- gcmeinschast noch angehören. Diese Auffassung ist irrig. Die fragliche Enticheldnng des OberverwaltnngSgerichts besagt nur dem Sinne nach, daß tn gemischten Ehen nicht der Ehemann selber, sondern datz nur dte Frau zu der Kirchensteuer veranlagt werden kann, welche die Kirchengemeinschaft zu verlangen berechtigt ist, der nur die Frau angehört. Die Frau kann also nach wie vor zur Hälfte des Satzes herangezogen werden, den der Mann zu zahlen verpflichtet wäre, wenn er derselben Religionsgemeinschaft angehören Würde als die Frau. Run fragt es sich, ob der Mann für die Steuer, zu der die Frau veranlagt ist, haftet. Diese Frage ilt zu beurteilen auf Grund des Güterrechts des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Bejaht mutz die Mit- Haft des Mannes werden bei gütergemeinichaftlichen Ehen. Güter- gemeinschaft besieht aber bei den Ehen, die nach dem 31. Dezember -schlössen sind, nur dann, wenn sie durch Ehevertrag verein- �piese Vereinbarung in das Güterrechtsregister eingetragen besteht Gütergemeinschaft in den vor dem�l. Januar 1900 Provinzen Ostpreutzen. Westpreutzen mit Ausnahme einiger Jjt�u�Men, in den Kreisen Lauenburg und Bütow(Pommern) und in den früher zu Westpreutzen gehörigen Ortschaften der Provinz Posen geschlossenen Ehen. Bei allen anderen Ehen, die die übergrotze Mehr- zahl der bestehenden Ehen ausmachen, besteht keine Gütergemeinschaft und auch keine Verpflichtung des Mannes zur Be- zahlung der von der Frau geschuldeten Kirchen- steuern. Eine solche Verpflichtung folgt auch nicht aus Z 1385 Ziffer 1 Bürgerlichen Gesetzbuchs, wo gesagt ist. datz der Mann ver- pflichtet ist, die der Frau obliegenden öffentlichen Lasten zu Tragen. Diese Bestimmung kann nur verstanden werden im Zu- ßmmnenhang mit dem Rietzbrauchsrecht des Mannes an dem Per- mögen der Frau. Eine solche„öffentliche Last" ist z. B. die Ver- pflichtung der Frau zur Entrichtung von Einkommen- und Vermögens- steuern, da der Mann aus Einkommen und Vermögen der Frau Nutzen zieht. Die Kirchensteuerpflicht hat aber keinen öffentlich-recht- lichen Charakter, sie beruht auf privatrechtlicher Grundlage, aus dem Willen der Frau, der Kirchengemeinschaft anzugehören. Wird Eigen- tum des Mannes gepfändet, so kann er Freigabe fordern. Um aber den Scherereien aus dem Wege zu gehen, ist auch für die Frauen, die mit unserem Staatschristentum gebröchen haben, der beste Ausweg: Hinaus aus der Landeskirche. Will man der Kirche nicht über das Kalenderjahr 1913 hinaus tributpflichtig bleiben, so mutz der Austritt noch in diesem Kalender- jähr vollzogen sein. Da zwischen Anmeldung und Austritt ein Zeitraum von mindestens vier Wochen liegen mutz, ist die An- Meldung b a l d i g st beim Amtsgericht einzureichen. Eine Stiftung in Nöten. AnZ dem Rathause wird berichtet:„Die Kaiser-Wilhelm- und Augusta-Stiftung lvnrde im Jahre 1879 aus Anlatz der goldenen Hochzeit Kaiser Wilhelms l. mit einem Kapital von 300 000 M. er- richtet. Dos Kapital ist dann bei späteren Gelegenhelten— beim Wjährigen Regierungsjubiläum und zur Feier des 90. Geburts- tages Kaiser Wilhelms I. um je 300 000 Mark und aus Anlatz der silbernen Hochzeit des deutschen Kaiserpaares im Februar 1906 um 500 000 Mark erhöht worden. Autzerdem sind der Stiftung nicht unerhebliche Kapitalien von privater Seite zugewandt worden. Diefe Stiftung, die in der Schul- und Exerzierstratze ausgedehnte Baulichkeiten besitzt, hat den Zweck, hilfs- bedürftigen Personen, die das 60. Lebensjahr überschritten haben, freie Wohnung und Lebensunterhalt zu gewähren. Zurzeit ge- nietzen 248 Personen, darunter 45 Ehepaare, die Wohltaten dieser Anstalt. Leider kann sie trotz eines jährlichen Zuschusses der Stadt von rund 34 000 M. nicht vollständig mit Bencfiziaten belegt werden, da die vorhandenen Mittel hierzu nicht ausreichen. Das Kuratorium sah sich sogar genötigt, einen Teil der Räumlichkeiten zu vermieten, um fo die erforderlichen Mittel zu erlangen. Man hat auch dazu übergehen müssen, vorläufig nur Bewerber über 70 Jahre zu berücksichtigen, und man wird wahrscheinlich in den nächsten zwei Jahren von der Annahme neuer Gesuche absehen müssen. Wiederholt ist die Stiftung von unseren Mitbürgern mit namhaften letztwilligen Zuwendungen und mit Geschenken bedacht worden. Mögen ihr solche auch in Zukunft in recht reichem Matze zuflietzen." Ob der Appell an die Mildtätigkeit bemittelter Mitbürger Erfolg hat, ist zweifelhast. Es ist in weiteren Kreisen bekannt geworden, datz Legate, die von reichen Berliner Einwohnern der Gemeinde zu- gewendet wurden, nicht ausschlietzlich den Zwecken zugeführt wurden, zu denen sie vom Stifter bestimmt worden sind. In einer ganzen Reihe von Fällen hat der Oberpräsident auf die Stadt Berlin ein- gewirkt, datz ein Teil der Gelder zunächst Personen zugewendet werden mützte, die der Stifter in seinem Testament ausdrücklich von jeder Zuwendung ausgeschlossen hatte. Es ist vor- gekommen, datz Verwandte von Erblassern Ansprüche an die der Stadt vermachte Hinterlassenschaft stellten, die sich um den Verstorbenen bei Lebzeiten nie gekümmert hatten oder sogar mit demselben auf Kriegsfutz standen. Und obwohl diese Personen im Testamenr ausdrücklich von jeder Wohltat ausgenommen waren und die Stadt Berlin als Erbin Ansprüche solcher Personen dem Geiste und Wortlaut des Testaments entsprechend ablehnte, verlangte der' Oberpräsident wiederholt die Berücksichtigung solcher Verwandten durch Zahlung einer Abfindung, ehe er sich bereit erklärte, die könig- liche Genehmigung zur Annahme der Stiflung durch die Stadt herbeizuführen. Und wollte die Stadt die ihr zugedachte Stiftung nicht verlieren,.so mutzte sie die vollkommen unbilligen Forderungen des Oberpräsidenten erfüllen. Datz unter solchen Umständen immer weniger Personen geneigt sein werden, der Gemeinde Stiftungen zuzuwenden, dürfte angesichts des Verhaltens des Oberpräsidenten sehr erklärlich sein.__ Eine hübsche Erinnerung aus dem bedrohten Universitätsgarten. Vor dem alten Universitätsgarten, der jetzt plötzlich vernichtet werden soll, war früher eine Inschrift angebracht, deren sich viele„Alte Herren" der Berliner Universität noch sehr wohl entsinnen. Diese biedermeierisch stilisierte Inschrift verdient festgehalten zu werden, weil in ihr ganz trefflich der sympathische Geist eines anderen, weniger zerstörungssüchtigen Berlin zum Ausdruck kommt. Die Inschrift lautete:„Bescheidene Bitten um Blumen ist der Gärtner angewiesen zu erfüllen." Heute, wo mit der fortschreitenden Berstetnerung Berlins der Gefundheits- und Schön- heitswert des kleinen Universitätsgartens bedeutend gewachsen ist, steht zu hoffen, datz es bald heitzen wird:„Die bescheidene Bitte um Erhaltung des alten Gartens ist die Behörde angewiesen zu er- füllen." Zu dem Artikel über das„Kaiserin-Friedrich-HauS" am Luisen- platz in der letzten Soimtagnunmicr schreibt uns ein Leser, datz er das Erdgeschotz und das erste Stockwerk, also den nach der Angabe des Arnkels zur allgemeinen Benutzung freigegebenen Teil des HanseS, besichtigen wollte, aber vom Portier mit der Bemerkung ab- gewiesen worden sei, datz nur Acrzte Zutritt haben. Im Ver- waltungsbureau des Kaiseriii-Friedrich-Hnuies wurde dem Verfasser deS Artikels ausdrücklich und wiederholt erklärt, datz in den bezeich- neten Räume» die Dauerausstellung für die ärzilichtechnische Industrie an fünf Wochentagen von 10—3 Uhr mit Ausnahme des Sonnabend von jedermann besichtigt werden dürfe. Das geht auch ans dem gedruckten Führer hervor. Hier heitzt eS auf Seite 14 wörtlich:„Der Eintritt ist unentgeltlich. Personen unter 16 Jahren haben keinen Zutritt." Man kann doch nicht gut annehmen, datz eine Person, die gerade erst das 16. Lebensjahr vollendet hat, Arzt ist. Weiter wurde erklärt, datz die ebenfalls allgemein freigegebene sogenannte Bäder-Ausstellung im ersten Stockwerk besonders gern von solchen Laien, die sich über Bäder und Badereisen in- formieren wollen, aufgesucht werde. Die Abweisung durch den Portier sieht demnach beinahe so aus, als ob man hier den Besucher zunächst nach seinem Aeutzeren taxiert, Das wäre doch ein recht sonderbares Verfahren in einem staatlichen Gebäude, das zum grotzen Teil von Steuergroschen erbaut worden ist und unterhalten wird. Der freigegebene Teil der Räume wird ja immer nur einen kleinen Interessentenkreis finden, zumal er in der Hauptsache dem Reklamcbedürfnis der Firmen, die hier ständig ausgestellt haben, dient. Schon deshalb sollte man äntzereMnter- schiede nicht machen. Es kann sonst auch einem nach Ansicht des Portiers incht elegant genug angezogenen Gelehrten passieren, datz er wegen seiner Kleidung abgewiesen wird. Die Eröffnung der neuen Straßenbahnlinie Adlershof— Bahnhof Köpenick— Mohlsdorf fand am Sonntag, den 29. v. Mls., statt, nachdem am Sonnabend, abends 6 Uhr, eine Probefahrt der Mitglieder der Köpenicker Stratzenbahnkonimission und der AdlerShofer Gemeindevertretung stattgefunden hat. Datz die Stratzenbahnverbindung zwischen den beiden Orten notwendig war, beweist, datz bereits am ersten Betricbstage 2400 Personen be- fördert wurden. Zu dem Zusammenstoß zwischen Demonstranten und Polizei an der Sophienstrahe wird uns noch geschrieben: Der von der Chansscestratze kommende, mehrere Tausend Per- sonen umfassende Zug hatte unter Gesang und Hochrufen, unbehelligt von der Polizei, mehrere Strotzen in vollex Ordnung passiert, als ihm bei dem Bahndurchlatz an der Sophienbrücke eine Abteilung Schutzleute unter Führung eines Polizeileutnants im Laufschrill entgegenkam. In barscher Weise wurde der Befehl zur Umkehr erteilt, der sofort auch willig befolgt wurde, wenn es auch an Aeutzcrungen des Unwillens über die aggressive Haltung der Polizei nicht fehlte. Irgend ein Widerstand wurde jedoch nicht versucht. Plötzlich sah man, wie ein Schutzmainr der abziehenden Menge nachlief, einen jungen Mann packte und ihn gegen die dahinter stehende Polizeilette zurück- schleuderte. Der Schutzmann sprang darauf auf den jungen Mann nochmals zu und schlug ihn, der völlig verdutzt dastand, und leinen Versuch machte, sich zu wehren, mit beiden Fäusten rechts und links ins Gesicht. Der Mißhandelte verlor Hut und Stock. Der Hut wurde von einem zweiten Schutzmann, der das Vorgehen seines$ Kollegen nicht zu billigen schien, aufgehoben und dem Eigentümer zurückgegeben. Der Stock wurde von dem erstgenannten Schutz- mann aufgenommen, der ihn in grotzer Erregung in Stücke zerbrach. Ob dieser Schutzmann durch irgend eine Aeuhernng des jungen Mannes gereizt war, oder ob er sich für seine Angriffs- lust wahllos ein unschuldige» Opfer suchte, mag dahingestellt bleiben. Auf alle Fälle durfte er den Mann nur sistieren, was er ohne jede Schwierigkeit hätte durchführen können, nicht aber ihn initzhandcln und in seinem Eigentum schädigen. Der Schutzmann hat sich durch sein Verhalten, das leicht zu den schärfsten Konflikten hätte führen können, zweifellos strafbar gemacht. Karl Liebknecht nach der Protestversammlung sistiert. Gegenüber anders lautenden Nachrichten der bürgerlichen Presse über eine Festnahme seiner Person nach Beendigung der Protest- Versammlungen am Sonntag sendet uns Genosse Karl Liebknecht folgende Darstellung des Vorfalls: Nach Schluß der Versammlung hatte sich eine größere Menschen- menge mir auf der Straße angeschlossen. Die Polizei versperrte uns verschiedene Straßen, obwohl von einem Zug überhaupt gar nicht die Rede sein konnte. An der Kottbuser Brücke stellte sich uns wiederum ein größeres Polizeiaufgebot entgegen. Die Menge machte Halt und brachte ein Hoch aus mich aus, das ich unmittelbar in der Schutzmannskette stehend niit einem„Hoch auf das Wahl- recht" und„Nieder mit den Junkern" beantwortete, als ich auch schon von rückwärts gefaßt und durch einen Polizeihauptmann zloei Schutzleuten übergeben wurde. Wir waren jedoch kaum zehn Schritte gegangen, als ein anderer Polizeioffizier intervenierte und meine sofortige Freilassung anordnete. Ein paar Aufforderungen meinerseits genügten danach, um die Menge zu veranlassen, sich ruhig zu zerstreuen. Daß ich so, wie Montag früh ini„Berliner Tageblatt" behauptet, nicht gesprochen habe, brauche ich nicht bc- sonders zu betonen._ Zu dem Verbrechen im Norden der Stadt wird noch mitgeteilt, daß der Arbeiter Hermann Ackermann gestern wegen Körper- Verletzung mit tödlichem Ausgang dem Untersuchungsrichter vor- gesührt wurde. In dem wiederholten eingehenden Verhör gab jetzt Ackermann die Tat in allen ihren Einzelheiten, die eine geradezu viehische Roheit bekunden, unumwunden zu. Er sagt auch, datz er selbst der Ueberzeugung gewesen sei, datz der Schlag mit der Schnaps- flasche den Tod der Frau herbeiführen könnte. Der Verhaftete macht ferner auch kein Hehl daraus, datz er die Frau mit dem Messer„kalt gemacht" hätte, wenn es ihm seine Freunde gegeben hätten.— Dem Untersuchungsrichter überwiesen wurden auch die Eheleute Schaak aus der Oranienstr. 193, die be- schuldigt werden, durch unerlaubte Eingriffe den Tod eines Mädchens verursacht zu haben. Schaak bestreitet jede Teilnahme an irgend- welchen Eingriffen. Seine Frau gibt zwar zu, unerlaubte Mittel angewandt zu haben, behauptet aber, diese seien derart gewesen, datz sie den Tod des Mädchens nicht verschuldet haben könnten. Dieses müsse ohne Zweifel vorher schon andere Mittel angewandt haben. Die Obduktion wird ja darüber wohl noch mehr �Klarheit bringen. Die Tote ist jetzt auch festgestellt. Es ist eine 18 Jahre alte Lina Marne, die bei einem einzelnen Herrn in der Ringstraße zu Friedenau diente und seit Sonnabend nachmittag vermißt wurde. Einen Selbstmordversuch im Leichenschauhause machte gestern vor- mittag ein Schuhmacher aus der Mcyerbeerstratze. Der Mann war schon länger lebensüberdrüssig und gab deshalb auch kürzlich sein Ladengeschäft auf. Gestern vormittag fand ihn ein Leichendiener im Schauhause auf der Treppe sitzen. Auf die Frage, was ihm fehle. antwortete der Mann, er habe Lysol getrunken. In demselben Augenblick verlor er auch schon die Besinnung und fiel in Krämpfe. Der Vorsteher des LeichenschauhauseS. Kriminalkommissar Dr. Rösky, wandte sofort alle Gegenmittel an, pumpte dem Lebensmüden den Magen aus. rief ihn zum Bewußtsein zurück und ließ ihn dann nach der Charitö bringen. Ein mutmaßlicher Kindesmord beschäftigt wieder die Kriminal- Polizei. Als eine Frau aus der Strausberger Straße vorgestern durch den Friedrichshain ging, entdeckte sie im Gebüsch ein Paket, das die Leiche eines neilgeborenen Mädchens enthielt. Sie übergab den grausigen Fund, der in Papier und Tuchfetzen eingewickelt war» der Revierpolizei, die ihn nach dem Schauhause bringen ließ. Eine Schwindlerin in Schwesterntracht. Wie uns �die Direktion der Berlin- Brandenburgischen Krüppel-Heil- und Erziehungsanstalt mitteilt, brandschatzt eine Schwindlerin das Publikum, indem sie in Schwesterntracht mit einer Sammelliste erscheint und angeblich für den bereits begonnenen Neubau der ge- nannten Anstalt milde Gaben sammelt. Die Anstaltsleitung bittet im Interesse der Allgemeinheit dringend, die Schwindlerin bei ihrem etwaigen Auftreten verhaften zu lassen. Wer für das neue Heim im Grunewald für die Jnlieneinrichtung, für die geplante Wald- schule, für die Anlagen der Sonnenbäder usw. eine Liebesgabe opfern möchte, der wird gebeten, solche Gaben nur direkt an die Berlin- Brandenburgische Krüppel-Heil- und Erziehungsanstalt, Berlin 8. 59, Am Urban 10/11, zu senden. Das Fahrrad gestohlen wurde am Sonntagvormittag einem Ar- beiter, der dasselbe einen Augenblick im Hausflur des Hauses Steglitzer Str. 18 unbewacht stehen ließ. Kennzeichen des Rades sind: grüner Rahmen, lang und flach gebaut, Tretschenkel„Adler" gestempelt, Holzfelgen ohne Kotschutz. Für die Wiederbeschaffung sichert der Bestohlene, Martin Karl, Ackerstratze 112, 4 Treppen, eine Belohnung zu. Neber migeiiitgciidc Beförderung durch die Straßenbahn wird in folgender Zuschrift Klage geführt: Von der in Neukölln setzhaften Arbeiterbevölkerung� arbeitet ein grotzer Teil in Moabit; sie ist ge- zwungen. schon frühzeitig aufzustehen. Die Verbindung mit dem Fabrikviertel von Moabit(Ludwig Löwe, Allgemeine ElektrizitätS- Gesellschaft und Anhalt. Maschinenfabrik) ist eine ganz miserable. Da die am Hermannplatz ankommenden Wagen der Linien 7 und 21 wegen Uebcrfüllung niemand mehr mitnehmen können, so mutz man mit dem 15 Pf. kostenden, oft liegen bleibenden Autoomnibus fahre», wodurch man nicht nur teurer fährt, sondern auch oft zu spät an die Arbeitsstelle kommt. Es ist unbedingt nötig, daß kurz nach dem 6.54 am Hermannplatz eintreffende" Wagen der Linie 7 ein zweiter Wagen bis zur Waldstratze beziehungsweise Beusselstratze eventuell noch weiter durchgeführt wird und die Wagen der Linie 21 bis zur Huttenstratze geführt werden und zwar mit Anhängern. Notwendig wäre ferner die Abfahrt eines Wagens der Linie 20 von der Kaiser-Fciedrich-Stratze bezw. Hermannplatz um zirka 6.35 nach Moabit. Durchführung der Linie 21 in den Nach- mittag- und Abendstunden bis zur Huttenstratze. Sollte die Große Berliner Stratzenbahu auf alles dieses nicht reagieren, so mutz an die Verkchrsabteilung des Magistrats zu Neukölln mit gesammelten Unterschriften herangetreten werden. Befremdend wirkt es auch, daß die so zahlreichen Aufsichtsbeamten. die doch alle Morgen die veverfüllung der Züge sehen, eS nicht für nötig halten, solches zu melden. „Die Entrechtung der HanMungsgehilfiimen". Mit diesem Thema beschäftigt sich eine Versammlung, die zu heute Mittwochabend vom Zentral verband der Handlungsgehilfen nach den ?ndustrie-Festsälen, Beuthstr. 19/20, einberufen worden ist. DaS Referat hat die Genossin Friedländer übernommen. Im Interesse der Aufklärung in den Kreisen der HandlungS- gehilfinnen bitten wir für den Besuch der Versammlung eifrig zu agitieren. Ucber:„Der hurrapatriotische Jung-Deutschlandbund und seine arbeiterfeindlichen Tendenzen" wird heute abend 8l/3 Uhr in den S o p h i e n s ä l e n sgrotzer Saal), Sophienstratze, referiert werden. Die gesamte Sport und Turnen sowie Fußball betreibende Arbeiter schaft Groß-�erlins wird um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht.__ Vorort- JVacbrlcbtem Lichtenberg. Ein Zankapfel. Der Bereinigung mit Rummelsburg wider- strebten die Bürgerlichen ziemlich lange und hartnäckig. Sie be- . fürchteten eine Mehrbelastung, vor der man sich schützen wollte. Schließlich half ein Argument den Widerstand zu überwinden: es war die Erlangung eines Wassergrundstückes zur Anlage einer Gas- anstalt. Bebauungspläne sind längst ausgearbeitet, bei der Anlage eines neuen Oberwasserkanals nahm man gar auf das Projekt der Gasanstalt am Rummelsburger See Rücksicht. Die Anlage sollte die Produktionskosten erheblich ermäßigen, indem die kostspielige Umladung der Kohlen oder die Zufuhr per Bahn hinfällig wurde, das Rohmaterial auf dem Wasserwege bis an die Anstalt herangebracht werden sollte. Aus dem ehemaligen Rummelsburger Gebiet ist nun gegen das Projekt eine energische und lebhafte Protestbewegung lebendig geworden. In der vergangenen Woche beschäftigte sich eine öffentliche Protestversammlung mit der An- gelegenheit. Hier wurde ein starker Unwille laut, daß das beste Plätzchen für eine Uferpromenade der Gasanstalt geopfert werden sollte. Auf die lange gewünschte Promenade habe die Bevölkerung wohl einen Anspruch. Eine Gasanstalt an diesem Orte werde zudem die gairze Umgegend entwerten. Dem Sladtausschuß von Neukölln, der von der Behörde als Entscheidungsinstanz in der Angelegenheit berufen worden ist, wird eine Petition der Interessenten zugehen. Entscheidet der Ausschuß zugunsten der Petenten, dann wird bei den Alt-Lichtenbergern der Mißmut gegen die Einverleibung. der schon einige Male recht drastischen Ausdruck fand, weiter wachsen und gedeihen, fällt die Entscheidung gegen die Opposition, dann werden die Rummelsburger wieder ein Haar in der Ver- schmelzung finden. So bildet die geplante Gasanstalt am See einen Zankapfel, der auch wohl bei den bevorstehenden Stadtverordneten- wählen nicht ohne Einfluß bleiben dürfte. ReuköN«. Ein größerer Dachftuhlbrand schreckte gestern morgen 3 Uhr die Bewohner des Hauses Friedelstr. 3 aus dem Schlafe. Straßen- arbeiter hatten das Feuer bemerkt und die Bewohner sofort davon � in Kenntnis gesetzt. Als kurz darauf die Feuerwehr erschien, stand der Dachstuhl schon in hellen Flammen. Mit vier Schlauchleitungen mußte vorgegangen werden, um des Brandes Herr zu werden. Die Mieter des vierten Stockes sind durch Wasser nicht unerheblich ge- schädigt. Die Ursache des Brandes konnte noch nicht festgestellt tverdcit. VolkSsinfonickonzerte finden am Mittwoch, den 16. und Donners- tag, den 17. Oktober, im großen Saale der.Neuen Welt" statt. Die Konzerte werden, wie in den Vorjahren, von dem Berliner Blüthner- Orchester unter Leitung des Hofkapellmeisters E. v. Strauß aus- geführt. Nach dem Programm gelangen die Ouvertüre zu.Figaros Hochzeit" und das Violinkonzert in.A-clur von Mozart sowie die IX. Siyfonie von Beethoven zum Vortrag. Bei der IX. Sinfonie wirken der hiesige Oratorien-, der Lehrergesangverein und bedeutende Solisten in einem Chor von 300 Sängern mit. Karten zum Preise von IM M., 1 M. und 50 Pf. sind in den Verkaufsitellen von Böte ü. Bock. Berlin, Leipziger Straße 87. A. Wertheim, Berlin, Leipziger Straße 132/137,„Neue Welt", Hasenheide 108/114, Berg- wald, Berliner Straße 56/57, Bickhardt, Berg-, Ecke Prinz-Handjery- Straße, Soidler, Bergstraße 42, Bluhm, Kaiser-Friedrich-Stratze 207, Juhl, Kaiser-Friedrich-Stratze 248 und Weber, Hermannstratze 110, zu haben. Schöneberg. Aus der Stadtverordneteiiversammlung. Der Stadtverordneten- Vorsteher Graf. v. Matuschka eröffnete die Sitzung und teilte den Ein- laus von zwei Petitionen mit: Ein Bittgesuch der Berufsfeuerwehr- männer um Verkürzung ihrer Wartezeit; serner eine Petition um Zu- stimmung und Prüfung durch die städtischen Körperschaften, einen Durchgang im Zuge der Roßbachstraße von der Gothenstraße nach der Sedanstraße zu schaffen. Beide Petitionen wurden dem Petitions- ousichuß zur Prüfung überwiesen. Ohne Diskussion stimmte die Versammlung einer Nachbewilligung für das Wirtschaftsgebäude auf dem städtischen Rieselgute in Deutsch-Wusterhausen von 9759 M., desgleichen für den Etat des städtischen Arbeitsamts von 1300 M. zu. Die Vorlage des Magistrats: Nachbewilligung von 14 500 M. für die Anlage des Stadtparks wurde dem Etatsausschutz zur Prüfung überwiesen. Die am 26. Januar 1911 eingeführte Arbeitslosenversicherung war von den städtischen Behörden nur bis zum 31. März 1913 be- schloffen worden. Der Magistrat ersucht die Stadtverordnetenver- fammlung, auf weitere drei Jahre der Ordnung mit einigen un- wesentlichen Abänderungen zuzustimmen. Die Versammlung beschloß demgemäß ohne Diskussion. Die Befürchtungen der bürgerlichen Stadtverordneten von der Hansbesitzerfraktion bei der ersten Be- ratung 1911, daß die ArbeitSlosenverstcherung Schöneberg den Ruin bringen würde, sind nicht eingetroffen. In zirka 11 Monaten hat dieselbe an Zuschuß an die Gewerkschaften 8749 M., an Sparer 192 M. und für Speisemarken 90,30 M.. im ganzen die winzige Summe von 9031,30 M. gekostet;• sie hat damit den Etatsansatz von 15 000 M. bei weitem nicht erreicht. Die Vorlage des Magistrats auf Umwandlung eines vorübergehend bei der Schöneberger Spar- lasse aufgenommenen Darlehns von 800 000 M. in ein festes Dar- lehn wurde nach Erläuterungen des Berichterstatters. Stadtv. Brun- huber, angenommen. Als letzter Punkt der öffentlichen Sitzung kam die Magistrats- Vorlage: Beschlußfassung betreffend Behebung der Lebensmittelteuerung zur Verhandlung. Die Borlage hat folgenden Wortlaut: 1. Zum Ankauf von gefrorenem ausländischen Fleisch wird dem Magistrat aus Vorschüssen ein Kredit von zunächst 20 000 M. mit der Ermächtigung bewilligt, im Benehmen mit Gemeinden Groß-Berlins den Ankaitf zu betreiben und den Verkauf durch Schöneberger Schlächter oder bei Versagen derselben in eigener Regie vorzunehmen. Bis zu 20 Proz. des Kredits werden zur Deckung etwaiger Betriebsverluste& fonds perdu gegeben. 2. Zur Förderung der Kaninchenzucht wird der Deputation zur Behebung der Lebensmittelteuerung aus Vorschüssen ein Kredit von 5000 M. zur Verfügung gestellt. Die Deputation wird er- mächtigt, im Einvernehmen mit der Grundeigentumsdeputation städtische Grundstücke pachtweise unentgeltlich zu Kaninchenzucht- zwecken und hierzu erforderlichenfalls laufende Pachtverträge über städtische Grundstücke zu kündigen. Die Deputation wird auch er- mäcktigt, zu dem gleichen Zwecke fremdes Land anzupachten. Züchter, welche auf vorbezeichnete Weise Unterstützung seitens der Stadt finden, sind zu verpflichten, eine möglichst große Anzahl Kaninchen zu billigen Preisen an die Stadtgemeinde abzugeben. 3. Zur Errichtung einer Kaninchenzucht auf städlifchcii in Ragow bei Deutsch-Wusterhausen belegenen Grundstücken wird aus Borschüssen ein Betrag von 3000 M. zur Verfügung gestellt. 4. Der Kanalisationsdeputation wird auS Vorschüssen ein Be- trag von 10000 M. zur Verfügung gestellt, um die Schweine- züchterei in wesentlich verstärktem Maße zu betreiben und eine dementsprechende Anzahl Zuchtsauen oder Jungvieh anzuschaffen. Von der Fraktion der äußersten Rechten, Linicus und Jatzow, wurde ein Antrag eingebracht, wonach der Magistrat ersucht wird, nach den Regierungsmaßnahmen die nötigen Vorbereitungen zu treffen, damit die Bevölkerung Nutzen aus diesen Maßnahmen ziehen könne. Der Antrag wurde vom Stadtv. Salinger mit Recht als post festmn bezeichnet. Stadtv. Hepner und Liniclls beantragten einen Dreizchnerausschuß zur Prüfung der Vorlage einzusetzen; sie äußerten Bedenken zu Punkt 2, Förderung der Kaninchenzucht, und vor allem wünschten sie zu Punkt 1, daß der Magistrat eventuell bei Versagen der Schlächterineister den Flerschverkauf in eigene Regie zu übernehmen habe, zu streichen. Es sei zu warnen, auch schon jetzt mit An- kauf von Schweinen auf dem städtischen Rieselgute vorzugeben, weil dieselben viel zu teuer seien und die Stadt mit großen Verlusten rechnen müßte. Genosse Molkenbuhr kritisierte in scharfen Worten die ungenügenden Zugeständnisse der Regierung und bezeichnete dieselben als gänzlich unzureichend; statistisch wies er nach, daß schon im Jahre 1909/10 die Einfuhr von lebendem Vieh bedeutend zurück- gegangen sei. Redner' wies auch die Bedenken des Stadtverordnelen Linicus zurück und meinte, wenn wir erst die Zuchtsauen einkaufen wollen, wenn dieselben sehr billig sind, was in nächster Zeit nicht zu erwarten sei, so halte er das für einen Fehler. Man müsse die Summe, welche in der Borlage für Schweinezüchterei enthalten ist, für viel zu gering erachten. Stadtv. L. Meyer fLiberal) wandte sich gegen den Antrag Hepner und Linicus, wonach der Fleischverkauf nicht in eigene Regie über- nommen werden soll. Genosse B e r n st e i n kritisierte ebenfalls die ungenügenden Maßnahmen der Regierung. Auch müffe die Gemeinde die Möglich- keit besitzen, den Fleischverkauf selbst zu übernehmen. Im übrigen trat Redner für die Kaninchenzucht ein; in England und Frankreich werden gleichfalls sehr viel Kaninchen gezüchtet. Außerdem bekämpfte Genosse Bernstein den Antrag, die Vorlage einem Dreizehnerausschuß zu überweisen, er könnte das nur als eine Verschleppungspolitik be- zeichnen. Nachdem noch wiederholt Linicus und Hepner ihre Anträge befürwortet hatten, wurden alle Anträge abgelehnt und die Magistrats- Vorlage mit der Abänderung, das Wort»gefroren" in Absatz 1 zu streichen, angenommen. AlSdann folgte eine nichtöffentliche Sitzung. Friedenau. Die Gemeindevertretung tagt jetzt in einem Räume des Real- Reformgymnasiums an der Schwalbacherstraße. Die Aula des GymnasiiumS am Maybachplatz, in der bisher die Sitzungen statt- fanden, wird jetzt zu Schulzwecken benutzt. War der Sitzungssaal sowie der Raum für das Publikum früher schon knapp bemessen, so bietet das neue Sitzungszimmer gerade Platz für die Gemeinde- Vertreter und die Presse. Für das Publikum stehen nur einige Stühle an einer Wand des Zimmers zur Verfügung. Zu diesem sogenannten Sitzungssaal, der im Dachgeschoß des Gebäudes liegt, führt eine Wendeltreppe, deren Besteigung für wenig gelenkige Per- sonen nicht ohne Gefahren möglich ist. Sollte in den Prachtbauten, die die Gemeinde für die höheren Schulen errichtet hat, kein würdigeres Tagungslokal zu finden sein? Ueber die Verhandlung betr. der Teuerungsfrage mit Berlin berichtete Bürgermeister Wolger. Etwas Positives sei bisher dabei noch njcht heraus- gekommen. Zur weiteren Behandlung dieser Angelegenheit wurde der um einige Bürgerdeputierte verstärkte Marktausschuß bestimmt. Hierbei hat man ängstlich vermieden, einen dieser Bürgerdeputierten auS Arbeiterkreisen zu entnehmen. Für die RechnungsprüsungS- kommifsion berichtete Gemeindeverordneter Ott über den Etat der Stiftungen und Vermächtniffe, sowie der Volksschulen. Die letzteren er« forderten 1910 einen Zuschuß von 205 695,25 M. AuS Gründen der Ver- kehrssicherheit wurde beschlossen, von der evangelischen Kirchengemeinde die an dem neuerrichteten Pfarrhaus in der Kaiser-Allee in den Bürgersteig hineinrragende Ecke des Grundstücks käuflich zu erwerben, um dieS Verkehrshindernis aus dem Wege zu räumen. Des weiteren wurde auf Antrag des Gemeindevorstandes beschlossen, auS � der Brandenburgischen Witwen- und Waisenversorgungsanstalt aus- zuscheidcn. Der Beitrag beträgt an diese Anstalt für das Jahr 1912 20 800 M. Bisher sind an Beiträgen insgesamt 118 000 M. gezahlt worden. An Unterstützung gewährte die Anstalt bisher 11 300 M. Die steigende Beitragslast und das Mißverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung haben wiederholt den Gedanken deS Ausscheidens aus der Anstalt entstehen lassen, und die jetzt wieder eingetretene Beitragserhöhung von 6 auf 7,25 Proz. des Diensteinkommenö hat Anlaß zur eingehenden Prüfung dieser Frage gegeben, deren Resultat der vorliegende Antrag bildete. Die bisher von der Gemeinde Be- schäftigten können nach dem Statut der Amtalt nicht ausscheiden. Es gilt also dieser Beschluß nur für neueintretende Angestellte. Für deren Hinterbliebenenfürsorge wird von der Gemeinde ein Fonds errichtet, dem jährlich 7,25 Proz. des DiensteinkommenS zuzu- führen sind. Friedrichshagen. In der letzten Gemeindevertrctersitzung wurde zunächst der in voriger Sitzung gewählte Schöffe Ranz eingeführt. In das Kassen- kuratorium wurde an Stelle deS früheren Schöffen Lange Genosse Tornow gewählt. Die Vertretung hatte vor einiger Zeit be- schlössen, in der Schule orthopädischen Turnunterricht einzuführen. Inzwischen hat der Schularzt 92 Mädchen und 45 Knaben ermittelt. die für diesen Unterricht in Betracht kommen. Auf Vorschlag des Gemeindevorstandes wurden die erforderlichen Mittel hierfür ein- stimmig bewilligt, nachdem der Bürgermeister erklärt hatte, daß schon zwei Lehrkräfte ausgebildet und zwei weitere als Ersatz i» Aussicht genommen sind. Eine Polizeiverordnung, welche den öffentlichen Verkauf von Speiseeis regelt, wurde angenommen. Bei den An- trägen unserer Genossen betr. Maßnahmen gegen die Teue- rung enlstand eine längere Debatte. Genoffe Tornow stellte fest, daß die sozialdemokratische Fraktion die Anträge bereits am 2. Scp- teinber eingereicht habe und ersuchte um einstimniige Annahme. Friedrichshagcn müsse sich gleichfalls an der Protestaktion Groß- Berlins beteiligen, damit die Regierung endlich gezwungen werde, durchgreifende Bestimmungen zur Linderung der Teuerung zutreffen. Bürgcrineister Stiller anerkannte zwar ebenfalls die gegen- wärtige Notlage, er glaubt aber den Hausfrauen den guten Rat gebe» zu muffen, daß sie ihren Küchenzettel zeitgemäßer einrichten. Es brauche ja nicht immer Fleisch auf den Tisch kommen, man solle der Pflanzenkost mehr Veachtung schenke» usw. Von unserem Redner tvurd�ihm erwidert, daß die Arbeiterfrauen diese Belehrung nicht nötig yätteu, da durch die Teuerung das Fleisch aus dein Hause des Arbeiters schon von selbst immer mehr Verschivinde. Die Anträge wurden hieraus einstimmig angenommen. Auf Anregung des Genossen Miele den OrtSarmeu wie im vergangenen so auch in diesem Winter mehr Armengeld zu gewähren, wurde die Erhöhung desselben, für die drei Wintermonate um 10 Proz. be- schloffen. Als letzter Punkt wurde noch die Angelegenheit des kommunalen Friedhofes verhandelt, nachdem dieser Punkt von der geheimen in die öffentliche Sitzung verlegt worden war. Der Bürgermeister hob hervor, daß diese Frage die Gemeinde schon seit Jahren beschäftige; die Vertretung habe seinerzeit den Beschluß ge- faßt, einen kommunale» Friedhof zu errichten. Am 6. August d. I. habe nun die Angelegenheit wiederum auf der Tagesordnung der geheimen Sitzung gestanden. Die Kirchenbehörde habe die Gemeinde ersucht, von dem kommunalen Friedhof Abstand zu nehmen, da sie neue Bedingungen für die Bestattung ausgearbeitet habe. Im besonderen sei den Geistliche» der vom Staate anerkannten ReligiouS- gemeinschasten gestattet, die Leichen zu begleiten; deS lvciteren habe man die Gebührensätze gleichgestellt. Die Friedhofskapelle könne von den Geistlichen aller staatlich anerkannten Religionsgemeiu- schaften benutzt werden, auch dann, wenn die Leiche nach auswärts oder auch in ein Krematorium übergeführt werde. Die Verpflichtung,«schenreste beizusetzen, wurde anerkannt, doch würden diese in gleicher Weise wie der Sarg beigesetzt. In dieser Sitzung sei der Beschluß einstimmig erneuert worden, auf den kom- munalen Friedhof zu bestehen. In der Zwischenzeit habe sich nun die Kirchenbehörde aber», als an die Gemeinde gewandt, um den Beschluß rückgängig zu machen. Sie habe das damit begründet, daß in der Sitzung nicht genügend Klarheit über den Begriff staatlich anerkannte Religionsgemeinschaften geherrscht habe. Es seien hier- unter nicht nur die evangelischen und katholischen, sondern auch die der Juden, Herrnhuter, Altlulheraner, niederländischen Reformierten, Baptisten und Mcnnoniten zu verstehen. Unsere Vertreter und auch die Bürgerlichen traten entschieden für den kommunalen Friedhof ein, da nur dieser die sichere Gewähr dafür biete, daß allen Ge- meindeangehörigen gleiches Recht gewährt würde. Es wurde darauf der Antrag auf' Errichtung eines Gemeindefriedhofes mit allen gegen eine Stimme erneuert. Zum Schluß wurde noch bekannt gegeben, daß das Zusammenlegungsverfahren im Osten am 1. Oktober end- gültig geregelt sei. Adlershof. Die zweite außerordentliche Gemeindevertretersitzung beschäftigte sich zunächst mit einem Dringlichkeilsantrag, dem Molkereibesitzer M. die hinterlegte Pflasterungskaution im Betrage von 1422 M. zurück- zuzahlen. Dem Antrage wurde stattgegeben. Der Punkt»Lieferung elektrischer Energie" wurde in die geheime Sitzung verlegt. Einem Vorschlage des Bauausschusses gemäß beschloß die Gemeinde- Vertretung, daß Kellerräume in neuen Häusern zu Wohnzwecken nicht benutzt werden dürfen, dagegen steht die Benutzung zu Pack- und Lagerräumen frei. Der Errichtung von Hinterhäusern auf einem noch in Frage kommenden Baublock wurde ebenfalls zugestimmt. In der vorigen Sitzung hatte die Gemeindevertretung beschlossen, dem Schöffen Mi 300 M. monatlich für die ihm durch die Vertretung des erkrankten Bürgermeisters entstandenen Schäden zu zahlen. Dieser Beschluß. welcheringeheimerSitzunggefaßt wurde, war am nächsten Tage derartig entstellt im„A. T." zu lesen, daß jeder Eingeweihte zu dem Schluß kommen mußte, der Veranlaffer der Veröffentlichung habe aus.Bosheit" diese Form gewählt. Von unseren Genossen wurde diese Art der„Berichterstattung" niedriger gehängt. Vom Genossen Zabel wurde an den Pressevertreter des„A. T." das Ersuchen ge- richtet, die in öffentlicher Sitzung gegebene Berichtigung nunmehr auszunehmen. Hierzu konnte sich das Blatt aber nicht aufschwingen. Dagegen fand das„Blättchen" die Ausführungen unseres Genossen „unverständlich". Es bedurfte erst einer Zusendung, die Redaktion des»A. T." zu veranlassen, den wahren Sachverhalt zu bringen. Die stattgefiindene Schöffenwahl ergab die Wahl des VersicherungS- beamten Jakob Hoffmann aus der GenosienschaftSstraße 6 mit sechs Stimmen. Damit ist endlich die seit Januar d. I. verwaist ge- wefene Stelle des dritten Schöffen wieder besetzt. Alt-Glienicke. Ueber die Konsumgenossenschaft im Wirtschaftsleben referierte m der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins Genoffe M i r u S. Am Schlüsse seines mit lebhaftem Beifall aufgenommenen lehrreichen Vortrages ersuchte der Referent die Versammelten, neben der Agitation für die politische und gewerkschaftliche Organisation auch die Agitation für den genossenschaftlichen Zusammenschluß zu betreiben. Nach dem vom Genossen Diehr erstatteten Kassenbericht steht einer Einnahme von 268,80 M. eine Ausgabe von 227,91 M. gegenüber. Mit dem Verlauf und den Ergebnisien des Parteitages soll sich am 9. Oktober eine Mitgliederversammlung beschästigen. Die Versammlung beschloß noch die Einführung der Hauskassierung und veräflichlete die Bezirke, für deren strikte Durchführung Sorge zu tragen. NowaweS. Die Wahl der Vertrauens- und der Ersatzmänner zur Angestellten- Versicherung für deu Kreis Teltow findet am Sonntag, den 27. Ok- tober. vormittags 12 bis nachmittags 6 Uhr statt. Für den Stimm- bezirk Notvatves, der die Orte Nowawes, Ahrensdorf, Drewitz. Fahl- hörst, Älein-Glienicke. Nudow, Philippstal, Schenkendorf bei Gcaß- beeren, Sputendorf, Wannsee, Babelsberg, sowie die Pfaueninsel und die Potsdamer Forst umfaßt, wird im Gemeindefaale der hiesigen Gemeindeschule IV, Scharnhorststr. 1, gewählt. Es sind zu wählen 6 Vertrauens- und 6 Ersatzmänner, die je zur Hälfte auS den versicherten Angestellten, die nicht Arbeitgeber sind, und auS den Arbeitgebern der versicherungspflichtigen Angestellten entnommen werden müssen. Die Wahlberechtigten werden aufgefordert. Vor- s ch l a g S l i st e n für die Wahl bis spätestens drei Woche» vor dem Wahltage bei dem Wahlleiter, dem Landrat des KreiseS Teltow in Berlin, einzureichen. Die Vorschlagslisten sind für die Arbeitgeber und die versicherungspflichtigen Angestellten getrennt aufzustellen. Hermsdorf bei Berlin. Die letzte Gemeindevertretersitzung beschäftigte sich mit den An- trägen unserer Genossen, die die Bekämpfung der Fleischnot und der Teuerung forderten. Genosse Sohrauer empfahl in längeren, ein- dringlichen Ausführungen die Nollständige Annahme der Antrage und regte ein Zusammengehen mit anderpn Gemeinden Groß-Berlms an. Die Gemeindevertretung beschloß, sich dem Vorgeben Groß-Berlins anzuschließen und an den Reichstag und Bundesrat eine Eingabe bezüglich Aufhebung der Viehzölle und des Z 12 des Fleischbeschau- geseyes zu richten. Außerdem wurde eine Kommission von vier Mitgliedern zur schleunigen Beschaffung von Nahrungsmitteln ge- wählt. Hieraus wurde zur Erlangung eines Müllabladeplatzes, für die Aufnahme von Regenwasser. für die Durchlegung eines Kanalisationsdruckrohrs, die Anlegung von Sport- und Spiel- Plätzen usw. nach kurzer Debatte beschlossen, die etwa 138 Morgen großen Schulteschen Wiesen für 161 000 Mark anzukaufen. Bei dein Anstellungsvertrag mit den Schulärzten wollte sich der Schulvorstand in seinem Entwurf das Recht einräumen. Veröffentlichungen der Aerzle nur mit seiner Erlaubnis zu gestatten. Nach mehrfachem Eingreifen unseres Genossen PrieLmeier mußte dieser Paragraph gestrichen werden. Staaken. Sein diesjähriges ZtiftungSfest feiert der Gesanaberekn.Einigkeit" Staaken/z Uhr. Marktbericht von Berlin am 10. Septbr. 191Ä, nach Ernlittelung des königl. Polizeipräfidiums. M a r t« b a I l e n p r e i s e. tKlcinhandel) 100 Kilogramm Elbien, aelbe~ium Kochen 30,00— 50,00. Speyebohnen, - anV-aaa o,..!.(Kleinbdl.) 5,00-8,00. 1,00—30,00. Witterunasabersicht vom 1. Ottober 1918. Stationen 1 O E v* 5) 3? aivinembt. 749:3 »Hamburg 749 3sO Berlin 1750® FranN.a.M.l748!«W München s750's Wien s 758, sO Qettci 4 Regen 6 bedeckt 2 bedeckt K bedeckt 4 wolkig 1 bedeckt all |at Mio 11 13 11 15 10 10 etattonen Saparanda cteriburg Scilly Aberdeen Paris Mld imd teilweise aufklarend, aber vorwiegend trübe mit Regenfällen lind ziemlich starken südwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Ausnahme-Tage zur Einschulung Dauer bis 10. Oktober Aeufserst günstige Kaufgelegenheit! 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Rosental. l'L Körber, O., Marieudorf, Chaosseeslr.306 H. Lindeke, Warschauerstr. 80. M. Rasenke, Birkenstr. 22. Wifto M Qv Muskauerstr. 16 ff llI C, iflfl A Ecke Manteaffelstr. W.Wettstädt, StralsuDder8tr.l2 Verantwortlicher Redakteur: Mfreh Wiclepp, Neukölln. Für den Lnieratenttilverantw.: Th-Glockr, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärt, Buchdruckeiri u. Po clagsanstalt Paut Singer».So.. ivertinSW. Dr. 230. 29. Iahrgllvg. 3. gtihgc des Lmiirls" Itilinn SoMIntt. W«ch. 2.©tote 1913. Mrtlchzftllcher Nocheiiberlcht. Schnapszentrale nnd Spiritaskonvention. Von den in Deutschland bestehenden Monopolen hat wohl die Spirituskonvention das festeste Gefüge. Die aus Brennern und Sprit- fabriken zusammengesetzte Spirituszentrale kennt überhaupt keinen einzigen Außenseiter mehr. Sie umfaßt sämtliche agrarischen oder land- wirtschaftlichen Brennereien und Spritfabriken im ganzen Deutschen Reiche. Möglich allerdings war diese Entwickelung nur durch die Hilfe der Gesetzgebung, die systematisch mit Hilfe der Konservativen die Vorherrschaft der großagrarüchen Schnapsbrenner innerhalb der Spiritusindustrie begründete. Seit- dem im Frühjahr die angebliche Abschaffung der Liebesgabe die Position der Spirituszentrale weiter verstärkte, ist es auch mit der Selbständigkeit der Abnehmer der Zentrale vorbei. Die im„Ver- band deutscher Spiritus- und Spirituoseninteressenten" vereinigten Verbraucher führten einen mehr verbitterten als harten Kamps gegen die Zentrale. Noch im vergangenen Jahr lehnten sie einen Ver- trag zwischen Zentrale und der eigenen Organisation ab, der sie nur der Macht der Zentrale völlig ausgeliefert hätte. Jetzt aber haben die Spiritusinteressenten doch vor der Zentrale kapitulieren müssen; nur die formelle Regelung der Angelegenheit steht noch(für den Anfang Oktober) aus. Die Konvention des Verbandes schreibt den Abnehmern vor, ihren gesamten Bedarf nur bei der Zentrale zu decken. Die Mit- glieder der Konvention werden bei Vertragsstrafe verpflichtet, den Alkoholgehalt der Spirituosen mindestens auf 2S Proz. festzusetzen. Damit soll der infolge der erhöhten Branntweinsteuer slSOg) ein- getretenen Verdünnung des Trinkbrannlweins Einhalt geboten werden. Aber nicht nur die Mitglieder dürfen nicht Spirituosen mit geringerem Gehalt herstellen und verkaufen, sondern auch beim Ver- lauf oder der Verpachtung ihrer Betriebe müssen sie dem Nachfolger die gleiche Verpflichtung auferlegen. Für die Sorten, die schon vor der Verteuerung im Jahre 1009 einen geringeren Gehalt als 25 Prozent besaßen, soll die Erhöhung erst vom Ende ISIS ab eintreten. Ilm diese Herrschaft, die sich nun bis auf den Konsumenten erstreckt, zu befestigen und einen genauen Ueberblick über den Be- darf erhalten zu können, werden die Abnehmer einer weiteren Kontrolle durch die Zentrale uutcrivorsen. Die Zentrale liefert a» die Konventionsmitglieder mit einem Rabatt von 4 M. pro Hello- Itter, der am Ende des Jahres ausgezahlt werden soll. Dieser Rabatt wird aber nur für eine beschränkte Menge Branntwein gewährt, und zwar gleicht diese Quantität dem durchschnittlichen Bezug der letzten vier Jahre. Durch die Kontingentierung des Bezugs geht den Konventions- Mitgliedern der Vorteil einer in Aussicht gestellten Erleichterung wieder gegenüber den Außenseitern verloren. Den Mitgliedern sollen nämlich Preise für längere Lieferungsfristen(Terminpreije) gewährt werden. Ueberschreiten die Abnehmer ihr Kontigent, so fällt der Rabatt von 4M. derKonvention zu. In die Konvention aufgenommen werden nur Händler und größere Konsumenten, die mindestens 12 000 Liter reinen Alkohols verbrauchen. Damit die Händler aber wieder keine zu große Bedeutung erlangen und sich allzusehr zwischen Zentrale und letzte Abnehmer schieben können, wird ihnen die weitere Ver- pflichtung auferlegt, daß sie mehr als 280 Liter an einem Tage an den gleichen Konsumenten nickt abgebey dürfen. Ausnahmen werden anfänglich gestattet— offenbar, um zunächst einmal alle Händler in das Netz der Zentrale zu ziehen. Natürlich dürfen die Händler nicht billiger verkaufen als die Zentrale — bei großem Einkauf zu billigen Preisen und Berkauf in späteren Zeiten zu höheren Preisen könnte dieser Fall ein- �treten. Beim Kleinverkauf sunter 230 Liter) müssen viel- mehr noch Zuschläge zu den Preise» der Zentrale erhoben werden. Durch Abschluß dieser Konvention werden die Destillateure von der Zeittrale völlig abhängig werden. Ihnen wird eine Rolle zu; gewiesen, die der stark ähnlich ist, die etwa die Petroleumabnehnte, gegenüber dem Petroleumtrust inne haben. Nur wird diese Ab hängigkeit noch viel stärker und drückender sein, weil die Zentrale überhaupt keine Außenseiter besitzt, während der Rockefeller-Trust gegen mehrere Konkurrenten anzukämpfen hat uud weil ei» Bezug des unumgänglich notwendigen Rohmaterials vom Aus- land her unmöglich ist. Es ist daher auch kaum daran zu zweifeln, daß die 70 Proz. aller Destillateure, die zum Konventionsabschluß gefordert werden, sich zu diesem Schritt verstehen müssen. Durch den sozialdemokratischen Boykott, �»e allgemeine Abstiuenzpropaganda und � die Verteuerung des Brauntlveins sind die Destillateure in solch' eine bedrängte Lage geraten, daß sie den ihnen einzig bleibenden Ausweg, den völligen Anschluß an die Zentrale, suckeii müssen. Durch die Steuererhöhung von 1009 ist ein Stückfaß Branntwein von 600 Liter statt mit 420 M. nunmehr mit 750 M.. also um 78 Proz. mehr belastet. Seit dem Jahre 1909 hat aber außerdem die Zentrale den Spirituspreis um 180 M. für für 000 Liter erhöht. Durch beide Umstände stellt sich daher' heute der Stückfaßpreis um 510 M. höher als im Jahre 1909. Die Kosten sind für die Destillateure bedeutend geivachsen, während der Konsum stark zurückging. Die Brenner und Spritfabriken haben diesen Rückgang durck erhöhte Preise ausgeglichen. D4e Destillateure wurden zwischen Produzenten und Konsumenten ein- gekeilt; eine Abwälzung auf die Konsumenten ist nicht vollständig gelungen. Als einziger Ausweg blieb, die Alkoholstärke der Spirituosen herabzusetzen. Und uin sich gegen diese Schädigung des Verbrauches zu wehren, zwingt jetzt die Zentrale auch die Destillateure in ihren Bann. Die am 1. Oktober 1912 in Kraft tretende Branntweinsteuernovelle verstärkt unter dem irre- führenden Titel.Abschaffung der Liebesgabe" die Position der Zentrale von neuem. Für diejenigen Mengen, die vollständig ver- gällt werden, gewährt der Staat 16 Millionen Mar! Vergütung. Nach der Berechnung eines Interessenten in der„Franks. Ztg." wird fast die volle Summe davon, in Höhe von Ikff/g Millionen, der Zentrale zufallen. Diese neuen Mittel benutzt die Zentrale, um scheinbar den Destilla- teuren Erleichterungen zu gewähren, die aber später sicher rückgängig gemacht werden. Die Destillateure, die der Konvention angehöre» werden, sollen einmal den erwähnten Rabatt von vier Mark pro Hektoliter erhalten. Außerdem soll ihnen aus einem Fonds ein weiterer Betrag gezahlt werden. Dieser Fonds wird aufgefüllt aus den Vergütullgen von vier Mark pro Hektoliter für Bezüge der Ver- bandsmitglieder über ihr Kontingent hinaus, aus Vergütungen von drei Mark für Bezüge vonNichtvetbandsmitgliedern, schließlich aus einer Leistung der Zentrale von 88/4 Pf. pro Hektoliter für alle rabatt- Pflichtigen Mengen Spiritus. Aus diesem Fonds werden aber zu- nächst die Kosten der Spirituskonvention beglichen, erst der Rest soll an die Konventionsmitglieder verteilt werden. Diese Rabatte bilden aber ebenfalls nur einen scheinbaren Borteil. Da die Zentrale einen höheren Alkoholgehalt fordert, erhöhen sich die Einkaufspreise allein dadurch um 10 bis 12 M.— ebenfalls nach Berechnung eines Interessenten—, so daß die Destillateure in Zukunft noch höhere Preise zahlen werden müssen als bei dem jetzigen Zustand. Aus den Kreisen der Destillateure erheben sich denn auch Stimmen gegen die raffinierte Politik der Zentrale. Ob sie durch- dringen und die Pläne der Schnapsbrenner vereiteln werden, er- scheint fraglich. Die Arbeiterschaft wird durch noch gewissenhaftere Befolgung des soeben auf dem Chemnitzer Parteitag erneuerten Brannt- Weinboykotts jedenfalls dazu beitragen, die wirtschaftliche und politische Macht der von den Junkerbrennern beherrschten Zentrale zu brechen. Ingeudbewegiiiig. Der Kongreß der italienischen Jugendorganisation. Rom, 28. September.(Eig. Ber.) Der Verband der italienischen Jugendorganisationen hat soeben in Bologna seinen 4. Kongreß ehalten, zu dem sich die Direktion der StaatSbahneu im Moment verstanden hatte, die tägliche Reiseermäßigung zu ahren. Von Interesse war besonders die Stellungnahme des Verbandes gegenüber den Beschlußfasjungen des sozialistischen Partei- tags von Reggio Einilia. Der Kongreß sprach seine Genugtuung darüber aus, daß auf dem Parteitag das Prinzip der Disziplin ge- siegt hatte, bestätigte von neuem die Zugehörigkeit der Jugend- organisation zur sozialistischen Partei und beauftragte das Zentral- komitee, Bestimmungen auszuarbeiten, die ein beständiges In- einandergreifen der Aktion des Jugendverbandes und der Partei er« möglichen. Zur Frage der Stellung gegenüber dem Freimaurerorden wurde eine Tagesordnung angenommen, die hervorhebt, daß diese Frage von der Partei zurzeit noch nicht gelöst ist und beschließt, daß alle offiziellen Parteikaudidaten bei den nächsten Wahlen voiWder Jugend- organisation unterstützt werden sollen. Diese Resolution bezeichnete die Niederlage einer Resolution R a i n o n i, die der Jugend« organisation zur Pflicht niachen wollte, Parteikandidaten nicht zu unterstützen, die gleichzeitig Freimaurer sind. Merkwürdig und für die große Unklarheit, die in dieser Frage herrscht, höchst bezeichnend ist die Annahme einer Tagesordnung M a z z o n i im Anschluß an das Thema„Antiklerikalisinus und Freimaurertum", in welcher Resolution sich die Sektionen des Jugendverbandes verpflichten, die Partcikandidaturen nicht zu unterstützen, deren Träger dem Frei- maurerorden angehören I Zum Thema nationalistische Bewegung und Krieg wurde eine Resolution angenommen, die konstatiert, daß im Sozia- lismus die bürgerliche Idee des Vaterlandes als eine Interessen- gemeinschaft der Angehörigen der Nation überwunden ist. Sie konstatiert weiter, daß der Krieg einem Jnteressenkonflikt entspringt, der nichts mit den patriotischen Ideologien zu tun hat, mit denen man ihn verdecken möchte und bei'chließt, daß durch Förderung des Gefühls internationaler Zusammengehörigkeit und durch Hervßrkehrung der Jnteressensolidarität zwischen dem Prole- tariat der verschiedenen Nationen, der Militarismus und der Krieg zu bekämpfen seien. Schließlich fordert die Resolution, die Kenntnis über die internationalen Fragen zu verbreiten, damit da» Proletariat das Streben nach der Befreiung aller Völker ohne Ansehen der Nation von dein wirtschaftlichen und politischen Joch verstehen lerne. Dem Kongreß hatten übrigens die türkischen Sozialisten ein mit stürmischem Beifall aufgenommenes Sympathieschreiben übersandt. Die Frage des„Soldo für den Soldaten" hatte man bor- geschlagen, unter Ausschluß der Oeffentlichkeit zu verhandeln, aber dieser Vorschlag blieb in der Minderheit. Angenommen wurde die folgende Tagesordnung: „Der Kongreß beschließt, sofort eine Kasse deS„Soldo für den Soldaten" für die antimilitaristische Propaganda zu gründen und den einzelnen Föderationen die Art der Organisation dieser Kaste zn überlassen, mit der Verpflichtung, dem nächsten Kongreß genaue Berichte vorzulegen, um auf Grund dieser Berichte über die beste Organisation zu entscheiden."/ Der Punkt„Die geschlechtliche Erziehung der Arbeiterjugend" wird von der Tagesordnung abgesetzt. Ueber Erziehung und Bildung referierten die Genossen B o r d i g a«uiib Casciani, die beide die Notwendigkeit vertraten, Bildungsvereine und Bibliotheken zu gründen. Als Sitz des Zentralkomitees und Erscheinungsort deS Zentralorgans„Avanguardia" wurde Rom bestätigt. Auf dem Kon- greß waren ungefähr 6000 organisierte jungeSozialisten vertreten. Nach Beendigung ihrer Arbeiten begaben sich alle Kongressisten nach I m o l a, um auf dem Grabe Andrea Costas einen Kranz nieder- zulegen. In Jmola wurde ihnen im Rathause von der sozialistischen Stadtverwaltung eine Erfrischung angeboten und der Tag endete mit einem feierlichen Festzuge. Ain Grabe CostaS nahm Arturo Bella das Wort und wies die jungen Sozialisten auf die Lehre und auf die Mahnung hin, die in dein opferreichen Leben des großen Kämpfers enthalten sind, und die dem sozialistischen Nachwüchse un- verloren sein sollten. Buchhandlung Vorwärts Llndcnstr. CO. Neue Bände der Internationalen Bibliothek: i Band 51: Geschjclite der Gewerkschaftsbewegung in Frankreich«>?»» u->»»>. Von Paul liouls. Herausgegeben und mit einer Einleitung versehen von Dr. Cr. Eckstein. Preis broschiert 2,50 M., gebunden 3,— M. Band 58: Der Kapitalismus im Altertum Studien über die römische Wirtschaftsgeschichte von Joseph Salvioll. Mit einem Vorwort von Karl Kantsky. Preis broschiert 2,50 M., gebunden 3,— M. 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