N'. 283. BbennemcntS'Bedingongffl: Abonnements> Preis pränumeionda: Vierteljährl. ZP0 Mb. mono«, l.lv Mk, wöchentlich 28 Psg. frei ins HauS. Einzelne Nummer s Pfg. EonniogS» imnuner mit Muflrierler Eonnlags- Beilage.Die Neue Seit' lv Pia Pofi- Abonnement: l.10 Marl pro Monat. Eingelragen in die Pofl- ZcitungS. Preisliste. Unter Kreuzband tür Deutschland und Oesterreich. Ungarn L Marl, für daS übrige Ausland g Marl pro Monat PostabonnementS nehmen am»elgien. Dänemark, stolland. Italien. Luxemburg. Porlugal, länien, Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. VIe fnleMam-Sebah» beträgt für die fechsgefpallene Kolone!» zelle oder deren Raum M Pfg., für WW> fettgedrull ort 20 Pfg.(zulässig 2 fetlgedrucklc Worte), jedes weitere Wort>0 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort t0 Pfg., jedes «eitere Wort b Pfg. Worte über l5 Buch- 'laben zählen für zwei Worte. Inserate "t die nächste Nummer müssen bis . Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition st» bis 7 Uhr abend, je Crtötint lZgiich außtr fllontag». Vevlinev Volksblatk. Delegramm- Adreff« aSuliililtliisIlNt Btriln" s Zcntralorgan der fozialdemohrattfchen Partei Deutfcblanda. Redahtion: SM. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moristplatz, Nr« 1983. Expedition: 8M. 68» Lindenstrasse 69* Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1984. Zwlkljcn fricdcnsfcWuß und Mriegsbeginn. Konstautinopel, 4. Oktober.(Meldung des Wiener k. k. Telegr.-Korrespoud.-Bureaus.s Sicheren Informationen zufolge hat der gestrige Ministerrat beschlossen, den letztenBorschlag Italiens anzunehmen. Dir Friedens- Präliminarien werden nach Ankuust des früheren Botschaftsrats bei der türkischen Bot. schaft in Rom Seif Eddin in Ouchy unter- zeichnet werden können. So ist denn der italienische Schandkrieg zu Ende. Selten noch ist eine Friedensstörung frecher begonnen worden, als dieser Tripolisruub. der vom Bankkapital an- gezettelt, von den Pfaffen des Vatikans eingesegnet, von Panzerplattenfabrikanten, Kriegslieferanten, avancements- lüsicrnen Offizieren jubelnd begrüßt, von einer von Staat und Kirche in geistigem und materiellem Elend er- erhaltenen Bevölkerung mit törichtem, längst verflogenem > Enthusiasmus ausgenommen, dem italienischen Volke aber nichts als schivere Lasten und entsetzliche Todesopfer gebracht hat. Friedenschluß nennen sie es, in Wirklichkeit dauert aber für Italien der grausame Krieg fort. Nur die Küste befindet sich in italienischer lÄewalt, im Innern aber werden die tapferen und kriegerischen Araberslämme, geschult und aller Wabrscheinlichkeit nach auch ferner geführt von türkischen Offizieren, den Kampf um ihre Unabhängigkeit weiter führen. Die Friedensbedingungep sind offiziell noch nicht bekannt. Sie werden sich wahrscheinlich in dem Nahmen bewegen, daß die Türkei zugestehen wird, sie sei infolge der Balkaulage nicht imstande. Tripolis länger zu verteidigen. Deshalb gewähre sie dem Lande Autonomie. Italien wird darauf Tripolis für annektiert erklären und die Türkei dies stillschiveigend dulden. � Die Türkei erhält auch eine bedeutende finanzielle Elltschädigung. Die Türkei ist zu dem Frieden weniger durch die Waffen- gewalt der Ataliener in Tripolis, als durch die Zwangslage genötigt worden, die die Kriegsdrohungen der Balkanstaaten erzeugt hat. Aber auch für Italien ergab sich aus der kritischen Balkansiluation die Notivendigkeit. zum Schluß zu kommen. Denn auch Italien ist einer der Amvärter auf das türkische Erbe und nichts törichter als das deutsch- offiziöse Geschwätz, das Italien nunmehr als Freund der Türkei begrüßt. Denn weit wichtiger als Tripolis ist dem italienischen Imperialismus die albanische Küste. deren Besitz das Adriatische Meer zu einem italienischen See machen ivürde. Nicht umsonst hat Italien jahrelang in heftigster Konkurrenz mit Oesterreich dort seinen Einfluß zu vergrößern gesucht und auch Montenegro in seine Interessen- sphäie einbezogen. Noch länger im Kriege mit der Türkei zu verharren, hätte für Italien bedeutet, aus der kommenden großen Auseinandersetzung eventuell ausgeschaltet zu werden. jedenfalls bei ihr nur mit geringerer Kraft niitwirken zu können. Und so bedeutet dieser Friede in Wirklichkeit nur gefährlichere Feindschaft in der Zu- k u n f t. Auf den Kriegsausbruch selbst dürfte der Friedensschluß ohne größeren Einfluß sein. Denn die Balkanstaaten mußten schon bei ihrer Mobilisation mit dessen wahrscheinlichem Ab- schlnß rechnen. Für die Türkei bedeutet er ja freilich eine Stärkung ihrer operativen und strategischen Stellung. Er gibt der türkischen Flotte ihre Bewegungsfreiheit zurück und damit die Möglichkeit, einmal Griechenland und Bulgarien von der Sceseite her zu bedrohen und sodann die sehr wichtige Verbindung zwischen der asiatischen und europäischen Türkei zu sichern. Er erspart ferner der Türkei die Notivendigkeit, ihre Küsten gtgen die Angriffe der italienischen Flotte durch Truppe» zu schützen, die nunmehr die Armee verstärken können. Trotz dieser Besserung der türkischen Stellung, die allerdings auch die Angriffslust der Türkei erhöhen kann, bleibt es sehr sräcilich, ob die Balkanstaaten noch zurück können oder ivollen. und der türkische Minister deS Aeußeren erklärt auch, daß alle Hoffnungen auf eine friedliche Lösung stark gesunken sind....... Die Diplomatie inacht allerdings jetzt starke Anstrengungen. Diese gehen, wie wir schon gestern betont haben, vor allem von Frankreich aus. dessen Milliarden-�ilvestitionen auf dem Balkan die Erhaltung des Friedens verlangen. Die Schwierigkeit besteht in dem offenkundigen Gegensatz zwischen Oe st erreich und Rußla n d, dessen„Probe- Mobilisierung" nach einer Meldung der„Boss. Ztg." sich auf die Elilberusling von 250 OOO Mann erstreckt. Es handelt sich darum, zwischen diesen beiden Staaten ein Euwersländnis zu erzielen, in dem Oeslerreich sich verpflichtet, nichts gegen den Sandschak Novibazar zu unternehiuen, wahrend Nuß- land seine Forderung auf Oeffnung der Dardanellen aufgibt. Während Frankreich hauptsächlich auf Rußland, soll die deutsche Regierung ans Oesterreich in diesem Sinne einivirken. Pariser offiziöse Blätter behaupten, daß die Aussichten fiir daS Zustandekommen günstig seien. Allein selbst damit scheint uns ein Einvernehmen zwischen allen Mächten noch nicht sicher. England, dessen Presse bereits von der Möglichkeit der Verdrängung der Türkei auS Europa spricht, will ebenso wie Rußland. daß ein Druck auf die Türkei ausgeübt werde, damit diese dir Autonomie Mazedoniens, also die Haupt- forderung der Balkanstaaten, zugestehe, während bisher wenigstens der deutsche und österreichische Standpunkt der war. daß der Druck nicht auf die Türkei, sondern auf die Balkan st aaten ausgeübt werde. Ob es den Bemühungen der französischen Regierung gelingen wird, auck hier eine Ver- niittelung zu finden, steht ganz dahin. Auch heute sieht es so aus. als würden trotz aller Beteuerungen die Anstrengungen der Diplomatie in Wirklichkeit weniger auf die Verhinderung des Ausbruchs, als auf die Lokalisierung des Krieges gerichtet werden. Und die letzten einlaufenden Nachrichten verstärken noch die pessimistische Beurteilung der Lage. Schon sollen bulgarische Truppen die Grenze über- schritten haben und der bulgarische Ministerpräsident er- klärt den Krieg für unvermeidlich. Noch werden die Nach- richten von der offiziösen bulgarischen Depeschenagentur dementiert. Aber dieses Dementi kann auch bloß zur Ver- schleierung der Truppenbeivegungcn dienen. -«» * Bulganfche Grcnzüberrchreitiingen? Frankfurt a. M., 4. Oktober. Der„Frankfurter Zeitung" wird auS Konpantinopel gemeldet: Nach einer offiziellen Mitteilung haben bulgarische Soldaten im Norden von Kirk Kilkffe die türlische Grenze überschritten. Man fragt sich nun, ob dieser Lorsall de» Legi«» der Feiudseligkeiten bedeutet. * Bewahrheltet sich diese Meldung, so würde sie den D« g i n n der bulgarischen Offensive gegen Adrianopel bedeuten- Ein Halbamtliches Telegramm aus Sofia bezeichnet jedoch die Meldungen von Angriffen bulgarischer Truppen auf türkische Stellungen in den Distrikten. Nazlik, Dschumbala und Ropdjoz als vollkommen unbegründet. Ein serbisches Dementi. Belgrad. 4. Oktober.(Meldung des Wiener k. k. Tel.-Corr.» Bureaus.) Die alarmierenden Meldungen über blutige Kämpfe zwischen serbischen und türkischen Truppen an der serbisch-türki- schen Grenze entbehren jeder sachlichen Grundlage. Pessimistische Urteile. Bukarest, 4. Oktober. Hier verlautet nach Mitteilungen aus Sofia, daß der französische G e s a n d t e bei der bulgarischen Regierung interveniert habe, um die Deniobilierung zu erzielen. Teschow habe geant- wortet, Bulgarien habe nichts unversucht gelassen, um einen Krieg zu vermeiden. Jetzt sei es zu spät, die bereits gebrachte« Opfer seien zu groß, um zurückweichen zu können. Geringe Hoffnung. Die„Neue Freie Presse' meldet aus Der Minister des Aeußern Nora« beim Verlaffen deS Ministerrats, datz der mit Italien in einigen Tagen zu er- hoffen sei. Dagegen seien alle Hoffnungen auf eine friedliche Lösung deS Balkankouflikts trotz aller Bemühungen der Mächte stark ge- funken. Dasselbe Blatt meldet weiter auS Konstantinopel: Der Minister deS Aeutzern erhielt die Metdung, daß die Bulgaren in Warna gegen die dortigen Türken Ausschreitungen begehen und sie zwingen, statt deS FezeS den Hut aufzusetzen. Der Mufti wurde geschlagen, ein türkischer Händler schwer verletzt. In AidoS (Bulgarien) wurde ein mohammedanisches Dorf geplündert und vier Türken ermordet. Der P 0 st d i e n st nach Bulgnrien ist eingestellt: alle Kabel sind überlastet. Die militärische Depeschenzensur ist so scharf, datz die öffentliche Meinung der Hauptstadt über die internationalen und provinziellen Vorgänge nur mangelhaft unterrichtet ist. Der türkische Oberbefehlshaber. London, 4. Oktober. DaS Reuterfche Bureau meldet auS Kon- stantinopel: KriegSmini st er Nasim Pascha ist zum Ober- befehlShaber der türkischen Streitkräfte ernannt worden. KriegSbegeisterung in der Türkei. Konstautinopcl, 4. Oktober. Gestern veranstalteten die Schüler der Universität und der h 0 h e n S ch u l e n in der Aula der Universität eine Kundgebung für den Krieg. Sie be- gaben sich sodann mit Fahnen, von einer zahlreichen Menge begleitet, noch dem Kriegsministeriuni. sangen patriotische Lieder und riefen: Auf zum Kriege! Der Unterstaats- iekreiär des Krieges sprach ihnen seinen Dank aus und er- klärte, die Regierung werde ihre Pflicht tun. Die Demonstranten durebzogen iodann die Straßen unter Hochrufe» aus de» Krieg. Vor den Zeitungsredaktionen machten sie Halt und kamen schlieglich zum Palast. Der Sultan erschien am Kensler und dankte ihnen. Als sie den Dragomans der Botschaften und Gcsandschasten. die soeben im Palast aus«»lab des GeburlSlages des Sultans ihre Glückwünsche Wie», 4. Oktober. Konstantinopel: d u n g h i a n erklärte Waffen st ill st and (ausgesprochen hatten, begegneten, riefen sie in französischer Sprache: Wir wolle» Krieg. Der griechische Dragoman und *der montenegrinische Geschäftsträger wurden mit den Rufen: Nieder mit Griechen landl—-Nieder mit Monte» n e g r 0 1— empfangen. Am Abend kehrten die Demonstranten in voller Ordnung zurück, indem sie riefen: Nieder mit den Balkanstaaten! » Die diplomatifchcti Verhandlungen. Paris, 4. Oktober. In der heutigen Ministerrats» sitzung machte Ministerpräsident Poincarö Mitteilung von den Unterhaltungen, die er mit Ssasonow über die Bedingungen gepflogen habe, nnto denen Frankreich in voller Uebereinstimmung mit Rußland und den übrigen Groß- mächten in dem Versuche fortfährt, den Krieg zu ver- hindern, den Kampf, falls er doch ausbreckjen sollte, auf den Balkan zu be schränken und auf jeden Fall den Statu squo aufrechtzuerhalten. Obwohl die Antwort Oesterreich-Ungar ns auf den Vorschlag einer gemeinsamen Aktion bei den Balkan- staaben heute vormittag noch nicht bekannt war, scheint doch die Annahme desselben als sicher angesehen zu werden, da die Note, welche am Schlüsse des Ministerrats mitgeteilt wurde, die völlige Uebereinstimmung Rußlands, Frankreichs und der übrigen Großmächte in dieser Frage versichert. Oesterreichische Versicherungen. Wien. 4. Oktober. An zuständiger Stelle wird auf An- frage bestätigt. daß Oesterreich-Ungarn bereit sei, mit R u ß l a n d als der mit ihm am Balkan zunächst interessierten Macht gemeinsam alles aufzubieten, um den Frieden auf dem Balkan zu erhalten. Keine Aenderung für Kreta. Konstantinopel. 4. Oktober.„Sabah" meldet aus Athen, die Gesandten Englands, Frankreichs und Rußlands hätten dem Ministxr? Präsidenten VenizeloS eröffnet, dah ihre Regierungen dem Versuch, den Statüsquo auf Kreta zu stören, energisch entgegentreten würden. ** * Die Bilanz des Crlpolishneges. Aus Rom wird uns geschrieben: Am 29. September war ein Jahr vergangen, seit die itfllie» nifche Regierung den Mächten mitteilte, daß sie sich im Kriegszustände mit der Türkei befände und gezwungen sähe, die Waffen zu gebrauchen, um den Zweck der Besetzung TripolitanienS und der Cyrenaika zu erreichen Zwölf volle Monate sind also verflossen, seit der berühmte Militärspaziergang begann, der in kürzester Frist dahin führen sollte, Italien um zwei Kolonien zu bereichern, die einige auf Kosten des Banco di Roma reisende Journalrsten als ein irdisches Paradies geschildert hatten.. Dieselben Gewährs- männer, die Lybien als das Land geschildert hatten, wo Milch und Honig flieht, wußten auch davon, dah die Araber die italienischen Truppen mit offenen Armen erwarteten, und dah die Türkei bei dem bloßen Anblick der italienischen Machtentfaltung zusammen- brechen und um Frieden flehen würde. All diese schönen Dinge wußte man vor einem Jahre, und erst ganz allmählich sind sie aus dem Bewußtsein wieder verschwunden: vom Wüstensand verdeckt, oder durch Blut und Tränen weggewaschem. Anfangs ging alles gut, sogar das wahnsinnige Unterfangen, 1299 Matrosen in Tripolis auszuschiffen und mit dieser ganz un- zulänglichen Macht das Nachrücken des eigentlichen OkkupationS- Heeres sechs Tage hindurch abzuwarten. Der an Frevel grenzende Leichtsinn glückte, und als ein Teil des OkkupationSheereS sich am 11. Oktober in Tripolis ausschiffte, schien den Nationalisten, die von der weltgeschichtlichen Wacht des RedaltionStisches Ausschau hielten, der größte Teil der Arbeit geschehen: Tripolitanien war erobert! Die Informatoren des Banco di Roma hatten recht be« halten. In den wohlfeilen Ciegesjubel tönte die schreckliche Nachricht deS UeberfallS von Scharaschatt. Die Araber, die die italienischen Truppen mit offenen Armen hätten aufnehmen sollen, überfielen sie aus dem Hinterhalt und töteten Hunderte von ihnen. Der Krieg hatte die Bestie im Menschen entfesselt: dem Blutvergießen folgte Blutvergießen, der Gewalt nnd Lioheit folgten Gewalt und Roheit. Grauenhaft wie der Ueberfoll. in dem 699 italienische Soldaten den Tod fanden, war die sogenannte„Säuberung der Oase". WaS vor den Flintenlauf kam, wurde niedergeschossen, gleichgültig, ob Weib, Kind oder Greis. Was Eisen und Feuer vernichten konnten, wurde vernichtet: Palmen und Oelbäume wur- den zerstört, der Garten von Tripolis zur Wüst« gemacht, lieber 3999 menschliche Leichen hielt die europäische Kultur ihren Einzug. Solange man das Unternehmen im Lichte der vom Banco di Roma gelieferten Jnformatwnen ansah, hatte man geglaubt, mit einem Expeditionskorps von 29999 Mann auskommen zu können. Nach Scharaschatt wurde ein neuer Jahrgang unter die Waffen gerufen, weil man einsah, daß das Expsditionskorps auf mindestens 199 999 Man erhöht werden mußt«. Am 3. November wurde der neue Jahrgang aufgeboten, und am S. fanden die Herren vom grünen Tisch, daß Tripolitanien erobert war und ließen das Annek- tionsdekret von Stapel. Damals hielten sich die Truppen Italiens an der Küste nur, weil sie die Kanonen der italienischen Flotte vom Meere aus deckten. Der Dezember brachte die„Ausübung der Justiz n«ch dem LandeSbrauche": das kulturbringende Italien errichtete die be- rühmten 14 Galgen auf dem- Brotplatze. Nach der bürgerlichen »Staikpa" wurden über 1«s einzelnen Arbeitnehmers zu entscheiden haben, das einseitige organifationsscindliche Interesse des privatkapitali- stischen Unternehmers auszuschalten und den W i l l en der Gesamtheit aller Schafsenden und Wirkenden entscheiden zu lassen. Erst der Sozialismus ist imstande, dem einzelnen eine wirkliche, die denkbar größte Freiheit und Selb- ständigkeit zu garantieren,— der demokratische Sozialismus, der jedem ein Mitbestimmungsrecht über die Organisation des Ganzen verleiht, das dem Rechte keines anderen nachsteht, da es eben für alle, die ihre Pflicht erfüllen, gleich ist. Den Gedanken, daß letzten Ende» erst der Sozialismus die Lösung des Problems bringen könne, sprach in der Versammlung keiner aus. Selbst wenn er diesem oder jenem Redner gekommen sein sollte,— man trug ihn nicht vor..da der neue Verband ja neutral ist und um alles nicht in den Geruch sozialistischer Tendenzen kommen möchte.— Es soll zugegeben werden, daß die Betonung' einer solchen Neutralitäf zunächst der Werbearbeit einige Erfolge— vielleicht auch Scheinerfolge— bringen kann. ES ist selbstverständlich, daß nach der geschichtlichen Entwicklung und .der Verschiedenartigkeit der Arbeitsgebiete in jedem Fall« die Gewerkschaft von dem festen, organisatorischen Anschluß an eine bestimmte Partei vorerst frei bleiben muß. Nur das muß wieder und immer wieder betont werden und kann an Beispielen, wie den hier in Frage stehenden Maßregelungen, sein« Illustration finden, — die Konsequenz gewerkschaftlicher Arbeit weist auf den SozialiSnniS hin, und es ist nicht anders als natur- gemäß, daß zwischen einer klar denkenden Gewerkschaftsleitung und der politischen Vertretung sozialistischer und demokratischer Ziele eine enge Fühlungnahme besteht. Ob Arbeiter- oder Angestclltenverbände, cS gilt für beide gleich Und wenn der neue Verein glaubt, sich darüber hinwegsetzen zu können, wenn er gerade um ver politischen„Unabhängigkeit" willen«in« besonder« Organi- sation neben dem f re i gewerkschaftlichen„Zentralverbanb für Handlungsgehilfen" für nötig hielt, so muß es sein eigener Schade werden. Im übrigen: Auch schon tiepraktifcheErfahrungdieseS eines Abends muhte wieder lehren, daß ein freundschaftliches Ver- hältniS zwischen Gewerkschaft und Sozialdemokratie das Gegebene ist und daß andere Freundschaften dann, wenn es ernst wird, nur allzu schnell versagen. All« Parteien waren zu der Kund- gebung eingeladen.— erschienen waren aber nur, wenn man von Vertretern der unbedeutenden Demokratischen Vereinigung absieht. eine Anzahl Abgeordneter der Sozialdemokratie. In geradezu peinlicher Form hatte insbesondere die Fortschrittliche Volks- Partei gekniffen. Herr Weinhauser hatte kommen wollen, aber gekommen war er nicht, sondern statt seiner nur ein Brief. Immerhin war auch dieser charakteristisch genug. Herr Wein- hausen versichert darin, seine Partei würde„wie bisher, so auch in Zukunft jeder ungesetzlichen Verkümmerung de? KoalitionsrcchtcZ entgegentreten". Man beachte: jeder ungesetzlichen Ver- kümmerung. Daß das Manöver der Allgemeinen Deutschen Kredit- anstalt ungesetzlich sei, wird man beim besten Willen nicht be- haupten können. Herr Weinhausen w i l l in diesem Falle aber auch gar nicht Protest erheben. Ja, ginge es gegen Scharfmacher von der Sorte Uthemann. Reusch usw., dann wäre man am Ende auch wieder dabei gewesen. Aber gegen die Kollegen der Herren Kaempf, Mommsen und anderer Fraktionsgcnossen, das ist doch etwas anderes! So versteht man es, wenn der letzte Satz deS Briefes kund tut, eS läge für die Fortschrittliche Volkspartei«gegen- wärtig keine Möglichkeit vor",„zu den Einzelheiten des vor- liegenden Protestfalles Stellung zu nehmen". Keine Partei kann schließlich über die wirtschaftlichen Jnter- essen ihres Kernes hinaus. Der Kern des Liberalismus aber ist kapitalistisch interessiert. Die Partei der Arbeitnehmer ist die Sozialdemolratie. politifcke CUberHcht. Berlin, den 4. Oktober 1912. Eine vernichtende Pernrteilnni, der Ttrcikjustiz im Ruhrrevier. Ein sehr wichtiges Nachspiel der Dortmunder Streikjustiz wurde Donnerstagabend vor der Dortmunder Strafkammer Zlim Abschluß gebracht. Angeklagt war der Redakteur Genosse HenSler von der„Dortmunder Arbeiterzeitung". Diese hatte seinerzeit in einem bestimmten Fall, wo zwei Frauen wegen der Beschuldigung. Streikbrecher beleidigt zu haben, frei- gesprochen werden mußten, geschrieben, es sei ein Skandal, daß in solchen Fällen Anklage erhoben werde. Die Streik- justiz sei zur Landplage geworden. HenSler hatte eine Reihe Beweisanträqe gestellt, die jedoch nur zum Teil zugelassen wurden. Das Gericht unter- stellte jedoch als wahr, daß in vielen Fällen juristisch ver- fehlte und mangelhaft konstruierte Anklagen zustande ge- kommen und wegen geringer Vergehen verhältnismäßig harte Strafen verhängt worden feien. Es wnrde ferner als wahr unterstellt, daß ans dem Justizministerium die Amveisung er- gangen sei, die Streikjustiz zu beschleunigen, daß der Erste Staatsanwalt Friedheim die Polizei- und Zechendeamten er- sucht hat. in allen Fällen, wo Beleidigungen und Belästi- gungen von Streikbrechern vorgekommen feien, Strafanzeigen zu veranlassen� Die ganze Verhandlung war eine völlige Niederlage der Dortmunder Staatsanwaltschaft. Nur wegen formaler Vc- leidigung ivurde Hensler zu IVO M. Geldstrafe verurteilt. Der Parteitag der Ffortschrittltcheu Volkspartei. In Mannheim beginnt heute abend mit einer Vorbesprechung der allgemeine Parteitag der Fort'chrittlichen Volkspartci, für den die Tage bis zum Montag einschließlich in Aussicht- genommen sind. Die vorläufige Tagesordnung für die Delegiertensitzungen, die im Musensaal des städtischen Riescngartens abgehalten werden sollen, umfaßt den Geschäftsbericht und den Bericht über die Reichstags- wähl, erstattet vom Abgeordneten Fischbeck, ferner den Bericht der Reichstagsfraktion, den Abgeordneter v. P a h e r gibt, ein Re- ferat des Abgeordneten G o t h e i n über Zoll und Teuerung, einen Vortrag des Abgeordneten Dr.'Wendorff über die Fortschritt- liche Volkspartei und Landwirtschaft, Referate der Abgeordneten Dr. Pach nicke und Bartschat über die Fortschrittliche Volks- Partei und den Mittelstand. Der frühere RcichstagSabgeordnete Dr. Naumann spricht über die Arbeiterfrag«, der preußische Landtagsabgeordnete Mommsen über die Frauenfrage. Abgeord- ncter Dr. W i e m e r über die staatsbürgerliche Gkichberechtigung. Abgeordneter K o p s ch wird Organisationsfragen behandeln. Außer» dem ist eine große Volksversammlung am Sonntagnachmittag, ein Festessen und ein Ausflug nach Heidelberg und in die Pfalz geplant. Zum Parteitag sind eine große Anzahl von Anträgen der ver- schkdensten Art gestellt. So verlangen die Abgeordneten Dr. Abiatz und Dr. Flesch, daß in das Programm d« Partei sozialpolitische Forderungen aufgenommen werden, die die Lücken des Arbeitsrechts ausfüllen und den besonderen Bedürfnissen der wirtschaftlich Schwachen entgegenkommen, ohne der Entwicklung des Handels und der Industrie und der Ausdehnung unseres Warenmarktes im Weltverkehr zu scha» den. Dieser Antrag wird von mehreren Parteiorganisationen unterstützt, die auch Beseitigung aller Bestimmungen fordern, die den Organisationen den Rechtsschutz des Staates versagen. Weiter wird von Nordhausen beantragt, die Schaffung eines liberalen Beamtcnrechts in Reich und Bundesstaaten zu fordern. OS- nabrück will bie Neugestaltung des Verhältnisses von Staat und Kirche als eine dringende Aufgabe der Gegenwart erklärt und auf einem der nächsten Parteitage behandelt haben. Abgeordneter Dr- Mlüller-Meiningen beantragt die Ausarbeitung eines Agrarpro- grammS, das den bäuerlichen Verhältnissen Rechnung trägt. Ver» schiedene Anträge wünschen Weiterentwicklung der Forderungen für Handwerk und Landwirtsehaft und Aufstellung eines Kommunal» Programm». Ferner fordert eine große Zahl Anträge die p o l i» tische Gleichberechtigung der Frau. Bon verschie- denen Parteiorganisationen werden Abänderungen des Organisa- tionsstatuts beantragt und von Düsseldorf wird die Einberufung eines preußischen Landesparteitages vor den nächstjährigen preußi- sehen Landtagswahlen gewünscht. Auch der Teuerung sind verschiedene Anträge gewidmet; einer davon verlangt sofortige Einberufung des Reichstags. Weitere An- träge wünschen Maßregeln zum Schutze von Leben und Gesundheit der Bergarbeiter, namentlich Sicherung der ungehinderten und un- eingeschränkten Tätigkeit der Sicherheitsmänner. Zur Wahltaktik der Partei liegt ein Antrag Sachsens vor, wonach bei Stichwahlen nur die Organisation des Wahlkreises die Entscheidung treffe, und zwei Resolutionen von Osnabrück, die ebenfalls ein« Anhörung der Wahlkreise bei Uebereinkommen wollen. durch welche in einer bestimmten Provinz die Bekämpfung der miteinander rivalisierenden liberalen Richtungen ausgeschaltet wer- den soll; ferner soll für die Zukunft jedes Wahlkompromiß mit Zentrum und Konservativen ausgeschlossen fein, ausgenommen in denjenigen Wahlkreisen, wo ein deutscher Kandidat einem Polen gegenübersteht._ Die Organisatione« der Fortschrittlichen Volkspartei. Zu ihrem Parteitag in Mannheim hat die Parteileitung der Fortschrittlichen Bolkspartei einen Geschäftsbericht„für die Zeit von Ivlv bis 1912" veröffentlicht. Nach den Angaben dieses Berichts hat die Fortschrittspartei in den letzten beiden Jahren ihre Wahl- kreisorganisation ganz beträchtlich ausgebaut. Zurzeit zählt sie 14S2 Vereine bezw. Ortsgruppen, ferner 34 Jugendvercine. 13 Ar- beitervereine und 2 Frauenvereine. In 129 Reichstagswahlkreisen bestehen Organiastionen für den ganzen Wahlkreis, und ebenso gibt es 16 LandtagSwahlvereine bezw.-komitee». 99 ReichstagSwahl- kreis« entbehren zurzeit noch vollständig einer Organisation der Fortschrittlichen Volkspartei. Von diesen Nichtorganisierten Wahl- kreisen entfällt die höchste Zahl(21) auf den Provinzialverband Rheinland-Westfalen. Je ein Wahlkreis ist nicht organisiert in Thüringen und SchelSwig-Holstein. In Mecklenburg haben sich sämtliche Wahlkreisorganisationen der Fortschrittlichen Volkspartei angeschlossen, mit Ausnahme einer einzigen. Alle ReichstagAvahl- kreise sind organisiert in dem Gebiete folgender Verbände: Berlin, Brandenburg, Oldenburg-Ostfrieslanv, Baden, Hessen, Württemberg, Anhalt. Neben den in den Vereinen organisierten Mitgliedern zählt die Fortschrittliche Bolkspartei noch 1954 Einzelmitglieder. Südwcstafrikanisches. Zu den letzt gemeldeten Vorgängen in Südwest- afrika sind amtlichcrseits folgende ergänzende Nachrichten eingegangen: Ende September wurde der Reiter Müller I auf der Suche nach entlaufenen Pferden in den Dünen östlich von Hunerob erschossen. Das Gewehr und die Patronen waren abgenommen, das Pferd Müllers jedoch nicht mitgenommen worden, sondern an einen Baum gebunden. In der Nähe lag ein frisch geschossener Strauß. Der Vorfall hat bis jetzt nicht aufgeklärt werden können. Nach den Spuren kommen indessen stopperleute als Täter nicht in Betracht.••.• Auf Grund von Aussagen der Anfang September gefangenen Hottentotten, daß wahrscheinlich, noch mehr Eingeborene zur Jagd über unsere Grenze gezogen seien, ist ferner das in Betracht kom- mende Gelände durch Patrouillen der Kompagnie Gochas abgestreift worden. Dabei wurden in den letzten Tagen an einzelnen Stellen in der Nähe der Grenze iiltcrs und neuere Hottcntottcnspuren fest- gestellt, doch liegt nach Ansicht des Gouvernements irgendein Grund zur Beunruhigung nicht vor. Alle diese Erscheinungen sind natürliehe Folgen der AuS- rottung«- und Vcrfolgungspolitik während des Aufstandcs und nach demselben. Unseren Kolonialfanatikern geben sie allen Anlaß, nach einer Vermehrung der Schutztruppe zu schreien. In der ganzen kolonialen Presse wird zurzeit ein regelrechter Feldzug für Umwandlung der Polizcitruppe in Schutztruppen geführt. Der Zweck des Treibens ist leicht ersichtlich: Die Schutztruppe wird aus dem Neichszuschuß, d. h. vom Gelde der deutschen Steuerzahler, er- halten, die Polizeitruppe muß aber aus den eigenen Mitteln der Kolonie bezahlt werden. Gcwcrkfchaftlicbea. Du Bifcböfc als Vorgefetzte der chrirtUchcn ßewcrhrchaften. Die Abhängigkeit der christlichen Gewerkschaften von der römischen Kirche wird treffend illustriert durch eine Mit- teilung, die wir in der letzten Nummer des„Zentralblatt", Organ der christlichen Gewerkschaften Deutschlands, finden. Danach hat der Erzbischof von Utrecht und der Bischof von Hertogenbosch(Holland) vor längerer Zeit ein Gebot erlassen, wonach die katholischen Textilarbeiter nicht dem interkonfessionellen Tcxtilarbeiterver- band„U n i t a s" angehören dürfen. Die„Unitas", so klagt das christliche„Zcntralorgan", ist infolge dieses Verbots außerordcnUich geschwächt worden. Die ausgetretenen katholischen Mitglieder haben sich teilweise zu Sparvereini- gungen zusammengetan, um sich im Falle von Streiks und in den Wcchselfällen des Lebens die Wohltat der gegenseitigen Unterstützung zu sichern. Jetzt aber sind die ehemaligen Mit glieder des holländischen Textilarbeitcrverbandes in En> s ch e d e zusammengetreten und haben ein Bittgesuch an die Bischöfe abgefaßt, worin sie um Aufhebung des Ver b o t s nachsuchen. In der Eingabe wird da zunächst ausein andergesetzt, daß die katholischen Arbeiter im Hinblick auf die „sozialdemokratische Tendenz und das vielfach antireligiöse Auftreten der neutralen Organisationen" zur Gründung selb- ständiger(interkonfessionellen) Verbände gezwungen seien. Sodann sucht man das starke Mißtrauen der hohen Geistlichkeit gegenüber den Interkonfessionellen zu zerstreuen. Das Ehrgefühl, das die christlichen Arbeiter besitzen, müßte doch eine genügcnlG Gewähr dafür sein,„daß wir in der christlichen Berufsorganisation keine Aktionen unternehmen und keine Beschlüsse fassen, die Gefahren für die Religion und die Sitten heraufbeschwöre n." Schließlich wird die Frage bezüglich der Mischehen be- handelt. Ein darauf abzielender Vorwurf werde in der Be- kämpfung des Bundes öfters erhoben. Tie Petenten glauben imstande zu sein, über die Frage urteilen zu können, inwieweit durch das Bestehen und Wirken des interkonfessionellen Ver- bandes„Mischehen gefördert oder geschlossen worden sind". Ueber diese„e r n st e Frage" hat man eine„ernste! Untersuchung" angestellt.„Tie Folge der Untersuchung ist gewesen, daß uns keine einzige Mischehe nachgewiesen werden konnte, die durch das Bestehen oder die Wirksamkeit des Bundes zustande gekommen wäre." Na also! Das Seelenheil der echt katholischen Jung- frauen scheint demnach durch die„Unitas" in keiner Weise gefährdet zu sein: hoffentlich haben die hochwürdigen Herren Bischöfe ein Einsehen und verhelfen diesem Bollwerk gegen die Sozialdemokratie wieder zu neuer Kraft. NvY Kerlln uncl Nmgegcncl. Achtung, Metallarbeiter! Die Firma„Vereinigte Fabriken für Laboratorium�bedars", Sckarnhorststraße 22. ist gesperrt, ebenso die Arbeiten der Firma auf dem Vau Tierärztliche Hochschule, Philipp- straße 13 und Eingang Karlstraße. Zuzug ist streng fernzuhalten. Deutscher Metallarbeiterverband, Ortsverwaltung Berlin. >— 7— Achtung, Werkzrugarbcitcr! Die Firma Zander n. Opitz, Werkzeugfabrik in Rathenow, sucht in einer Anzahl Berliner Zeitungen tüchtige Werkzeugmacher. Wir ersuchen die Kol- legen, bevor sie bei obiger Firma in Arbeit treten, bei der Bezirks- leitung des Deutschen Metallarbeiterverbandes, Berlin, Stephan- straße 42, oder bei unserer Geschäftsstelle, Rathenow. Jägerstr. 20. sich über die einschlägigen Verhältnisse zu erkundigen. Kollegen, die sich vor Schaden bewahren wollen, bitten wir dies zu beachten. Deutscher Metallarbeiterverband. Bezirksleitung. „Ter Lohnzuschlag der Mäntelnäherinnen." Unter dieser Ueberschrift läuft eine Notig durch die Presse, die Bezug nimmt auf den seitens der Damen, und Mädchen-Mäntel- Fabrikanten mit dem gelben Streikbrcchervcrband— der seinerzeit von einigen"Streikbrechern unter Assistenz der Fabrikanten ge- gründet wurde— abgeschlossenen Vertrag. Diesen Bertrag sollen von den 6000 Zwischenmeistern insgesamt 1600 anerkannt haben. Die Arbeiterinnen sollten eine Lohnerhöhung von 10 Proz. er- halten. Dagegen stellt nun der gelbe Streikbrecherverband selbst fest, daß seine Mitglieder den Heimarbeiterinnen keinen oder einen geringeren Lohnzuschlag gewähren. Die Streikenden haben seiner- zeit beschlossen, die Arbeit unter Ablehnung aller seitens der Fabrikanten gemachten Borschläge zu den alten Bedingungen wieder aufzunehmen. Auch später hat die Arbeiterschaft die An- geböte der Fabrikanten und Zwischenmeister abgelehnt, weil sie von vornherein wußte, daß sie mit derartigen Vereinbarungen doch betrogen werde. Nun liegt den Fabrikanten sehr viel daran, den Vertrag mit dem gelben Streikbrccherverband durchzuführen. Be- reits seit Anfang Februar arbeitet der Fabrikantenverband hieran ohne Erfolg. So ist vor einiger Zeit das folgende Schreiben an die gelben Streikbrecher gerichtet: In dem zwischen Ihnen und uns geschlossenen Vertrage sind Sie mit uns die Verpflichtung eingegangen, die Erfüllung des Vertrages dadurch sicher zu stellen, daß zwei paritätische Kom- Missionen eingesetzt werden, und zwar eine zwischen unserem Verbände und den Meistern und eine zwsile zwischen den Meistern und ihren Arbeiterinnen. Während nun die erste Kommission bereits seit dem 15. März d. Js. besteht und wirkt, mutz die zweite Kommission— zwischen den Meistern und den Arbeiterinnen— noch errichtet werden. Dies soll nunmehr jetzt geschehen. Da es technisch undurchführbar erscheint, die Gesamtheit aller Arbeiterinnen sämtlicher Meister, die den Bertrag unter- schrieben haben, zu einer Versammlung einzuberufen und in ihr die Wahlen vorzunehmen, haben wir uns entschlossen, so zu verfahren, daß jede Werkstätte eines jeden Meisters, der dem Vertrage beigetreten ist, eine Delegierte wählt und uns deren Namen und Adresse ausgibt. Wir werden alsdann diese Dcle- giertinnen zu einer Versammlung«inberufen und in dieser Ver- sammlung die Wahl für die paritätische Kommission vornehmen lassen. Wir bemerken dabei, daß diejenigen Arbeiterinnen, die als Mitglieder der Kommission gewählt werden und fungieren, für den ihnen bei Ausübung dieses Amtes entstehenden Arbeits- Verlust Tagesgelder erhalten werden. Wir bitten Sie nunmehr höflichst, gefl. unter den bei Ihnen tätigen Arbeiterinnen die Wahl einer Delegierten vornehmen zu lassen und uns Namen und Adresse der betreffenden Arbeiterin auf befolgender Karte gefl. bis spätestens zum 30. September d. IS. mitzuteilen. So wie wir entschlossen sind, die von uns den Meistern und den Arbeiterinnen gegenüber eingegangenen Verpflichtungen unter allen Umständen zu halten, so hoffen und erwarten wir auch von Ihnen daß auch Sie gewillt sind, die Vertragstreue zu halten. Wir bitten Sie deshalb, in dem von unS erbetenen Sinne zu verfahren und zeichnen hochachtungsvoll Verband Deutscher Damen» und Mädchenmäntelfabrikanten E. V. Hermann Bamberg, Dr. Koppel, Vorsitzender._ Syndikus Um nun dem hier ausgesprochenen Verlangen Rechnung zu tragen, wurden erst die Arbeiterinnen ersucht, für jeden Zwischen» meisterbetrieb eine Delegierte zu wählen. Diese Wahlen kamen jedoch nicht zustande. Daher wurde dieser Tag« eine Versammlung nach den Arminhallen einberufen, die die Beisitzer in das Schiedsgericht wählen sollte. Aber auch in dieser Versammlung gelang die Wahl nicht, obwohl dieselbe oder vielleicht weil dieselbe unter Ausschluß der Oefsentlichkeit tagte. In dieser Versammlung haben die gelben Zwischenmeister den Verband der Schneider und Schneiderinnen in ihrer Art vermöbelt. Sie mutzten aber selbst zu- geben, daß von den 1600 Zwischenmeistern, die sie anfänglich als ihre Mitglieder bezeicheten, nur 400 ihrem Verbände angehören und von diesen 400 zahlen nur 5 Proz. die Lohnzuschläge. Immerhin scheinen auch diese Geister noch mit der Zeit ein- sehen zu lernen, was der Damenkonfektion not tut. denn der Refe- rent des Abends bezeichnete Tarife alS ein erstrebenswertes Ideal» da der Konfektionär die Preise sonst doch drücke. Das ist im vergangenen Jahre von dem so viel gehaßten Schnciderverbaird erstrebt worden, aber zu erreichen nicht möglich gewesen, weil die Streikbrecher den schmählichsten Verrat an der Sache der Streikenden übten. Daß die prozentualen Zulagen nicht gezahlt würden, haben die Streikenden vorausgesehen, als sie die- selben ablehnten. Es trifft sich merkwürdig, daß die Streikbrecher heute dieselbe Ansicht von sich haben, wie sie die Streikleitung in einem Schreiben an die Fabrikanten vom 11. Dezember 1911 zum Ausdruck brachte: „Soweit Sie im letzten Absatz Ihres Schreibens auf die Er- eignisse der letzten Tage hinweisen, bemerken wir, daß es uns nicht unbekannt ist, daß arbeitswillige Meister vorhanden sind. Wir wissen aber, daß diese Herren sich auch in Gegensatz setzen zu den von Ihnen verlangten Voraussetzungen für die Gewäh» rung einer Lohnzulage. Sie haben bei den wiederholten Ver- Handlungen uns erklärt, daß Sie besonderes Gewicht darauf legen, daß den Heimarbeiterinnen ihr Anteil an der Lohnzulage gewährt werden soll. In den Vorschlägen, die wir Ihnen unter- breitet haben, ist dieser Ansicht Rechnung getragen und sind wir auch jetzt noch der Meinung, daß die Lohnsrage unter allen Um- ständen sichergestaltet werden mutz, daß auch die Heimarbeite- rinnen den Meistern gegenüber sowohl als die Meister den Fabrikanten gegenüber eine klare Rechtslage vor sich haben. Jene Meister, welch« zurzeit arbeiten und mit uns nicht einig gehen, wehren sich gerade dagegen, daß die Heimarbeiterinnen. den Meistern gegenüber, in ein klares Rechtsverhältnis kommen und somit eine Sicherheit dafür, daß sie eine Lohnerhöhung er- halten, nicht gegeben ist. Dieser Unterschied zwischen unserer Ansicht und der der arbeitswilligen Meister ist nicht ein« Folge der Tauer des Streiks, sondern bestand schon vor Annahm« des Tarifs durch die Meistcrversammlung. Auch finden sich auf Seite der arbeitswilligen Meister eine Anzahl selbständiger Firmen, die hauptsächlich für sich und nur zum Teil vorübergehend für Engros- firmen arbeiten; außerdem auch solche, die Mitglieder derKonvention sind. Es liegt auf der Hand, daß, wenn von unserer Seite aus ein klares Rechtsverhältnis bezüglich der Löhne der Heimarbeiterinnen und Meister angestrebt wird, die An- sichten dieser Herren, die ja wesentlich andere Interessen ver- treten, nicht berücksichtigt werden können. Unter Berücksichtigung dieses Umstandes und ferner der Tatsache, daß diese Herren sich lediglich aus den erwähnten Gründen gegen uns wenden, muß bezweifelt werden, daß sie die Absicht haben, die Hcimarbeite rinnen zu ihren Rechten kommen zu lassen, wogegen wir bereits klar zu erkennen gegeben haben, daß dies unsere Absicht ist." Nun kommen die Streikbrecher und wollen sich als die ehrlichen Vermittler aufspielen. Die Arbeiterschaft wird sich schön hüten, jetzt den Streikbrechern zu helfen, ihren Vertrag unter Dach und Fach zu bringen. Mag es ihnen nun in die Bude regnen. Als sie im vorigen Jahre von der Streikleitung gewarnt wurden, haben sie sich nicht daran gekehrt, jetzt ist es so gekommen, wie die Streik leitung sagte. Ten Heimarbeiterinnen können wir nur empfehlen, sich von dem Streikbrecherverband fernzuhalten und sich an den Schneider- und Schnciderinnenverband, Scbastianstraße 37/38, zu wenden. Sollte es den Zwischenmeistern gelingen, ihren Bertrag durchzuführen, so wären der Arbeiterschaft auf vier Jahre die Hände gebunden. Den Zwischenmeistern muß begreiflich gemacht werden, daß die Heimarbeiterinnen keinen Vormund brauchen und bereit sind, ihre Verträge selbst abzuschließen. Ter Streik der Mehlkutscher beendet. Zum Streik der Mehlkutscher ist zu berichten, daß am Donners- tagabend bereits wieder eine Verhandlung der beiderseitigen Kom- Missionen unter Teilnahme von zwei Mehlhändlern statt- gefunden hat. Obwohl diese Verhandlungen drei Stunden dauerten, war es doch nicht möglich, eine Einigung zu erzielen, da auch die Mehlhändler die Kosten für die zwei Mann als zu hoch bezeich- neten. Eine Versammlung der Streikenden, w.lche Donnerstag spät abends noch stattfand, nahm erneut zu der so gegebenen Ei- tuation Stellung und faßte den Beschlutz, an der Forderung eines Mitfahrers festzuhalten. Zu dieser Versammlung waren auch die Kutscher der Mehlhändler anwesend, die bis Donnerstag nicht dem Streik beigetreten waren. In Rücksicht auf die Stellungnahme der Unternehmer er- klärten sich die Kollegen bereit, die im Streik Stehenden zu unter- stützen, indem sie aus Sympathie die Arbeit am Freitag ebcnfalls niederzulegen gewillt waren. Dies ist seitens der Betreffenden dann auch einmütig durchgeführt worden. Somit war die Mehl- abfuhr bis auf ein Minimum eingeschränkt. Daraufhin hat dann am Freitagabend eine weitere Verhandlung stattgefunden, die schließlich zu einer Einigung führte. Die Fuhrherren gestanden zu, unter der Voraussetzung, daß in der Regel 90 Sack pro Tag ab- gefahren werden, einen Mitfahrer zu gewähren. Der Kutscher er- hält einen Lohn von 40 M. und der Mitfahrer einen solchen von 34 M. pro Woche(gefordert wurden 36 M.j. Der Tarif soll auf drei Jahre abgeschlossen werden. Dieses Zugeständnis fand die einstimmige Annahme der Streikenden mit der Maßgabe, daß die Arbeit am Sonnabend früh ebenso einmütig wieder aufgenommen wird, wie dieselbe am Dienstag früh niedergelegt worden ist. Herr Oskar Thomas sendet uns folgende Zuschrift: In Nr. 222 des„Vorwärts" wird in einem Berichte über eine Versammlung der Freien Vereinigung von mir gesagt: �Der Redakteur des Deutschnationalen Handlungsgehilfen- organS, der ebenfalls im Saal war, wagte es nicht, das Wort zu nehmen. Er sah wohl ein, daß hier für demagogische Mätzchen der Boden zu heiß sei." Diese Behauptung ist unrichtig, wahr ist, daß ich zur Zeit der Versammlung gar nicht in Berlin, sondern in Celle. Prov. Hannover, war. Oskar Thomas. Achtung, Tapezierer! Die Sperre über die Firma Bieske, früher Chausseestratze 80. jetzt Gerichtsstraß«, ist aufgehoben, da die Firma erklärt, jetzt dauernd die Bedingungen des Tarifs inne- zuhalten. Die Schlichtungskommission. Dentscheo Reich. Streik in der Düsseldorfer Metallindustrie. In Düsseldorf streiken in 3 Werken, Woeste u. Cie., Fittingswcrk. Gebr. Inden, Fittingswerk und Stahlwerk Sedung A.-G. die Metallarbeiter. Sie haben Forderungen gestellt, welche in der Hauptsache die Verkürzung der Arbeitszeit von 60 auf 57 Stunden betreffen. Der Streik dauert bereits 11 Wochen und ist ein Ende desselben noch nicht ab- zusehen, weil die bestreikten Unternehmer jedes Entgegenkommen ablehnen. Die Bewegung, welche voriges Jahr einsetzte, hat den Erfolg gehabt, daß 60 Betriebe mit rund 10 000 Arbeitern die For- derungen der Arbeiter bewilligt haben. Um so unverständlicher ist die Haltung der bestreikten Unternehmer. Zuzug ist fernzuhalten. Ter Buhgang des Süddeutschen EiseubahnerverbandeS. Die überraschende, allgemein als unglaublich betrachtete Mit- teilung, die der liberale Landtagsabgeordnete Hübsch am Montag in einer Fortschrittsversammlung zu Nürnberg machte: Die Leitung des Süddeutschen Eisenbahnerverbandes habe in einer Zu- schrift an den bayerischen Verkehrsminister den Verzicht auf das Streikrecht erklärt, hat sich vollauf bestätigt. Die liberale Presse ist in der Lage, die Zuschrift im Wortlaut zu veröffentlichen. Das merkwürdige Dokument soll auch hier eine Stätte finden: „Auf Grund der Ausführungen des Staatsministers für VerkeHrsangelegenHeiten in der Sitzung der Abgeordnetenkammer vom 20. d. Mts. bezüglich des Koalitionsrechts der Beamten und Arbeiter der Vertehrsanstalten und die Bezugnahme auf obige Organisation gestatten wir uns nachstehendes mitzuteilen: Wie in dem Statut Z 2 festgelegt ist, bewegt sich der Süd- deutsche Eisenbahn- und Postpersonalverband auf neutralem Boden. Parteipolitische, religiöse oder sonstige Tendenzen sind ausgeschlossen. Die strikte Beachtung der in diesem Paragraph festgelegten politischen Neutralität wurde in wiederholten Beschlüssen der Organisation, insbesondere auf der letzten General- Versammlung in Heilhronn,, durch einstimmige Annahme nach- stehender Kundgebung zum Ausdruck gebracht: „Der 4. Verbandstag protestiert einmütig gegen die von be- stimmter Seite aus egoistischen, parteipolitischen Gründen heraus erhobenen Unterstellungen, daß unsere Organisation politische Tendenzen verfolge. Die Organisation in ihrer Gesamtheit hat stets den Z 2 ihrer Satzungen beobachtet. Gerade durch die� in diesem Paragraphen festgelegte politische Neutralität ist unsere Organisation gehalten, jede Beeinflussung des einzelnen Mit- gliedes bezüglich der außerhalb der Organisation geübten politi- schen Betätigung zu unterlassen. Nur der blinde Haß. der ein objektives Urteil vollständig ausschließt, kann in dieser Haltung unserer Organisation die Verfolgung politischer Zwecke erblicken." Die einzige Ausgabe, die der Verband sich gestellt hat. besteht in der Förderung der geistigen und materiellen Interessen der Mitglieder. Der Verband ist. um materielle Verbesserungen erzielen zu können, noch nie auf dem Standpunkt gestanden, daß hierzu die Arbeitseinstellung notwendig ist, weil die materielle Besserstellung der Verkehrsbeamtcn und Arbeiter immer durch den Landtag zu erfolgen hat. Wenn vor Jahren einzelne Zahl- stellen darauf hingewiesen haben, daß zum Beispiel den Eisen. bahnarbcitern daS volle KoalitionSrccht. also auch das Recht der Arbeitseinstellung zustehe, so war seinerzeit diese Auffassung in der Auffassung der königlichen Eiscnbahnverwaltung begründet, da die Eisenbahnwerkslätten als unter die Gewerbeordnung fallend betrachtet wurden. Seit durch Erklärungen der Ver- waltung sowie durch Urteile höchster Gerichte die ftühere An- nähme, daß auch fiir die Eisenbahnwerkstättenarbeiter die Ge- Werbeordnung zuständig sei, als irrig erklärt wurde, ist selbst von einzelnen Gruppen unserer Organisation kein gegenteiliger Standpunkt mehr vertreten worden. Der Gesamtvorstand des in Frage stehenden Verbandes erklärt deshalb, daß von feiten des Verbandes der Streik nicht als gesetzlich zulässiges Mittel zur Verbesserung der Lage der Arbeiter und Beamten der Verkehrsverwaltung betrachtet wird, und daß wir uns wohl be- wüßt sind, daß ein solcher die schwersten Erschütterungen dcS Erwerbslebens hervorrufen würde. Auch erlauben wir uns zu bemerken, daß unsere Organisation der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands nickt angeschlossen ist und daß der Hauptvorstand unseren den örtlichen Gewerkschaftskartellen an- geschlossenen Verwaltungsstellen nahegelegt hat. auS diesen auS. zusch'iden. Unter Berücksichtigung dieser Tatsachen gestatten wir uns das höfliche Ersuchen zu stellen, daß unS sowohl von der königlichen StaatSregierung wie von der hohen Kammer der ReichSräte das gleiche Entgegenkommen wie bisher gezeigt werden möckte. In vorzüglicher Hochachtung Der Vorstand des Verbandes des Südd. Eisenbahn» und Postpersonals. I. A.: H. Herrmann." Durch diese höchst bedenkliche Kundgebung bricht die Verbands- leitung mit den Grundsätzen der modernen Arbeiterbewegung und sanktioniert die von der Zentrumsherrschaft eingeleitete brutale Gewaltpolitik gegen den Verband. Dieser Schritt raubt dem Ver- band die Achtung der Gegner und wird zudem nicht einmal den beabsichtigten Zweck: die Hetze der Schwarzen zu parieren und sich das„Entgegenkommen" der Regierung und der„hohen" Kammer der Reichsräte zu sichetzi, erreichen. l>*tzU piackrickten. Der SchutzmannSrcvolver. Von einem Schutzmann erschossen wurde gestern nachmittag um 6 Uhr der 32 Jahre alte Kutscher Johann Thiele au» der Lange Straß«. Der in der Zwinglistraße stationiert« Schutzmann H. wollte dort den Thiele wegen Zechprellerei festnehmen. Dieser setzte sich aber zur Wehr und griff den Beamten tätlich an. Der Schutzmann griff daraufhin zu seiner Dienstpistol« und gab auf seinen Angreifer einen Schuß ab. Dieser traf den Th. so schwer in die Brust, daß er noch auf dem Wege nach dem Krankenhaus Moabit starb. Der Papst als Schiedsrichter. Paris, 4. Oktober.(W. T. B.) Nach einer in Perpignan ein- getroffenen Meldung aus Barcelona hat der Papst der Vereinigung der spanischen Eisenbahnbedicnsteten seine schiedsrichterliche Vermittelung angeboten. Die Eiscnbahnbcdiensteten sollen beabsichtigen, eine Versammlung abzuhalten, um daS Anerbieten des Papstes zu prüfen.__ Eisenbahnunfall. Köln, 4. Oktober.(P.-C.) Heute morgen stießen auf dem Bahn- Hof H o l w e i d e zwei Züge der elektrischen Vorortbahn zusammen. Sieben Personen wurden mehr oder weniger schwer ver- letzt, vier Wagen beschädigt. Die I�age auf dem Balkan. Frankreichs Bemühungen. Paris, 4. Oktober.(W. T. B.) Der„TempS bestätigt, daß Ministerpräsident Poincare die Botschafter Frankreichs bei den Großmächten beauftragt habe, die Dringlichkeit einer ge. meinsamen doppelten Aktion zu betonen, welch« in den Hauptstädten der Balkanstaatcn in bezug auf den Frieden und in Konstantinopcl in bezug auf die Durchführung der mazedonischen Reformen zu unternahmen wäre. Die französische Regierung lasse bei ihrem Vorschlage zwei Hypothesen zu: eine gemeinsame Aktion oder eine ö st e r r e i ch i sch-u nga r i sch- r u s s i sche Aktion im Namen der Großmächte. Eine Konferenz. Paris, 4 Oktober.(W. T. B.) Der russische Minister Ssa- sonow hatte heute nachmittag. in der russischen Botschaft Unter- redungen mit den Gesandten von Serbien, Bul. garien und Griechenland. Zur Haltung Rumäniens im Balkankonflikt. Bukarest, 4. Oktober.(P.-C.) Die„Jndependance Roumaine". das offiziöse Organ der liberalen Partei, schreibt: Die rumänische Politik ist durch die Friedensliebe des Landes gegeben. Rumänien hat stets die auf Erhaltung des Statusquo gerichtete Politik Europas unterstützt und werde sie auch weiter unterstützen; es könne aber nicht gleichgültig auf etwaige territoriale»der morw tische Veränderungen auf dem Balkan blicken. Peranfw. Redakt.: Alfred Wielepp» Neukölln. Inseratenteil veranfip.: sfld.Gtiickr.B'-rl'n. Druck u Verlag: Vorwärts Buckdr u kierlansanNalf PaulSinger«fcCo.,BerlinLW. Hierzu 5 Beilagen u-Unterhaltungsbl. Nr. 238. 29. Jahrgang. 1. WIM iw Jniiiätto" Kerlim Sollistliitf. Zaunabrnh, 5. Gkitokitt t9l2. organikatlon öer 8oÄs!l!W.vKrsti5eden Wti Deutschlands. Nach den Beschlüssen des Chemnitzer Parteitages 1912. Parteiangehörigkeit. § 1. Zur Partei gehört jede Person, die sich zu den Grundsätzen de» Parteiprogramms bekennt und Mitglied der Parteiorgan. satioi» ist. Gliederung. Z 2. Die Grundlage der Organisation bildet für jeden Reichs- tagswahlkreis der Sozialdemokratische Berein, dem jeder im Wahl- kreis wohnende Parteigenosse als Mitglied anzugehören hat. Um- faßt ein Ort mehrere ReichstagÄvahlkreise, so kann die Zugehörig- keit zu den einzelnen Wahlkreisorganisationen mit deren Zustirn- mung örtlich geregelt werden. Erstreckt sich der Reichstagswahl- kreis über mehrere Orte, so kann an jedem Ort ein Ortsverein des sozialdemokratischen Vereins gebildet werden. § 3. Die Sozialdemokratischen Vereine schließen sich zu Bezirks- verbänden sowie zu Landesorganisationen zusammen', denen die selbständige Führung der Parteigeschäste nach eigenen Statuten obliegt, diese Statuten dürfen nicht mit dem Organisationsstatut der Äesamtpartei im Widerspruch stehen und sind innerhalb einer Woche dem Parteivorstand einzureichen. In gleicher Frist haben die Vorstände ihre Wahl dem Parteivorstande mitzuteilen. § 4. Organisationen, denen weibliche Mitglieder angehören, müffen diesen eine Vertretung im Vorstand gewähren. Die werb- lichen Vorstandsmitglieder haben im Einvernehmen mit dem Gesamtvorstand vornehmlich die Frauenagitation zu betreiben. § 5. Die Festsetzung der Mitgliederbeiträge ist den Bezirks- verbänden und Landesorganisationen überlassen. Der monatliche Mindestbeitrag muß jedoch für männliche Mitglieder 39 Pf. und für weibliche Mitglieder IS Pf. betragen. Parteimitglieder, die invalid geworden sind, sind für die Dauer der Invalidität beitragsfrei. Mindestens 29 Proz. der erhobenen regelmäßigen Mitgliederbeiträge sind an die Zentralkasse abzuführen. Der Parteivorstand kann den Wahlkreisen mit Zustimmung des Vorstandes der Bezirks- oder Landesorganisation einen über 89 Proz. dieser Einnahmen hinaus- gehenden Betrag zur Eigenverwendung überlassen. Berichterstattung. § 6. DaS Geschäftsjahr der Partei läuft vom 1. April bis 31. März. Die Vorstände der Sozialdemokratischen Vereine haben alljährlich durch Bermittelung der Bezirks- und Landesvorstände bis zum IS. Mai'dem Parteivorswnd Bericht zu erstatten. Der Bericht ist nach einem Fragebogen des Parteivorstandes zu geben und muß mindestens enthalten Angaben über Art und Umfang der entfalteten Agitation, die Zahl der im Wahlkreise orgamsierten Parteigenossen, die Höhe des von den Mitgliedern erhobenen Partei- beitrageS, die Summe lder gesamten Einnahmen, die Art der Ver- Wendung der dem Wahlkreise verbliebenen Gelder. Den gleichen alljährlichen Bericht über ihre Tätigkeit und die Verwendung der ihnen vom Parteivorstande überwiesenen Gelder haben die Vorstände der Bezirksverbände und Landesorganisationen zu erstatten Parteitag. ß 7. Der Parteitag bildet die oberste Vertretung der Partei. Zur Teilnahme an ihm sind berechtigt: 1. Die Delegierten der Partei auS den einzelnen ReichstagS- wahllreisen. Die Wahl der Delegierten erfolgt nach Maß- gäbe der Mitgliederzahl. Es können gewählt werden: In Wahlkreisen bis 1S99 Mitglieder sin Delegierter, bis 3999 zwei, bis 6999 drei, bis 12 999 Mitglieder vier und für jede weiteren" 6999 Mitglieder ein Delegierter mehr. Die Ver- tretung richtet sich"nach der vom Parteivorstand aus Grund der nach Z 5 abgeführten Beiträge festgestellten Mitglieder- zahl. Wo mehrere Delegiert« zu wählen sind, soll unter den Delegierten möglichst eine Genossin sein. 2. Die Mitglieder'der ReichsiagSsraktion. 3. Die Mitglieder des Parteivorstandes und der Kontroll- kommission. 4. Die vom Parteivorstand berufenen Referenten. Die Mitglieder der Reichstagsfraktion haben in allen die par- kamentarische und die Mitglieder des Parteivorstandes in allen die f schäftliche Leitung der Partei betreffenden Fragen nur beratende timme. Nur beratende Stimme haben auch die vom Partei- vorstand hinzugezogenen Vertreter von Parteiinstitutionen. kleines femUeton. Im Zeitalter des Schwankes. Ein ungewöhnliches, kaum glaub- liöbeS Ereignis spielte sick, diese Woche in Paris ab: im Döjazet- Theater fand die 2999. Aufführung eines Schwankes statt. Seit mehreren Jahren schon ist das Töjazet-Theaier für alle Autoren gesperrt, und eS gelingt keinem Dichter mehr, mit seinen Werken dort unterzukommen, weil seit 1994 das eine und einzige Stück „Birs! au Flaue" den Spielplan beherrscht und 9 Jahre hintereinander fast ohne jede Unterbrechung zur Aufführung gelaugt ist. Wann die Aufführungen des vom Glück begünstigten Schwankes, der, nebenbei bemerkt, ein recht mittelmäßiges Erzeugnis ist, eRi Ende nehmen werden, ist vorläufig gar nicht abzusehen. Der Verfaffer des Werkes ist ein junger Brelone namens Monezy-Eon. Er kam vor etwa zehn Jahren als Student der Juristerei nach Paris und brockte als Ballost ein paar komitche Einakter mit, von denen einige in Vorstadttheatern über die Bretter gingen, ohne daß die Welt darüber in sonder- liche Aufregung geraten wäre. Als der dichterisch veranlagte Jurist dann seiner milttarischen Dienstpflicht genügen sollte, gab ihm einer der Theaterdtrettoren, die er kennen gelernt halte, den Auftrag, ein Kaiernendrama zu schreiben. Monezy- Eon ging frisch und srohuch ans Werk und dramatisierte das Soldatenleben, das er zeden Tag vor Augen hatte. Nach der Miliiärzeit brachte Monezy-Eon die Komödie zu seinem Direktor, der sie sofort las und zu dem 1lrte,l gelaugte, daß sie gänzlich miß- lungen sei und einen Migerfolg ersten Ranges haben werde. Der Dichter zog nach diesem vernichtenden Urteil das Manuskript zurück und zeigte es dem Direktor des Deiazet-TheaterS, der das Stück sofort in Szene setzte und nun mit dielen Bildern aus dem Soldaten» leben einen beispiellosen Erfolg erzielte. Ein paar Journalisten fragten dieser Tage de» Verfasser, der kaum dreißig Jahre alt ist, was er jetzt zu tun gedenke.»Ich?* entgegnete, vor Glück strahlend. der junge Herr,.ich gedenke, wenn mich der Himmel bei guter Gesundheit erhält, die 4999. Aufführung meines Stuckes zu erleben." Der Schutz des Kiiustlerö. Die Frage, ob der Eigenlümer eines Kunstwerls es ohne Genehmigung des Urhebers Ivtllkurlich verändern kann, wurde kürzlich vom Reichsgericht entschiedeil. Ei» Künstler hatte im Treppenflur eines.®"..i1 Hauses ein Freskogemälde.Felseiieiland mit Sirenen" auf Bestelluiig des Haus- eigenlümer« gemalt. Der Hausbesitzer hat später ohne Zustimmung des Künstlers da? Freskobild derart übermalen lassen, dag die ur- springlich nackten Sirenen bekleidet erschienen. Auf die Klage des Künstlers wurde der Hauseigentümer verurteilt, die Uebermalung wieder zu beseitigen. Die vom Hauseigentümer hiergegen eingelegte Revision ivurde vom Reichsgericht verworfen. Das Reichsgericht ging dabei u. a. von folgenden Erwägungen aus: In der Regel pflegt der Künstler dem Erwerber oder Besteller de« Kunstwerkes nicht auch sein Urheberrecht zu Übertragelt. Das Eigentumsrecht kann nur unbeschadet des Urheberrechts ausgeübt werden, wie auch umgekehrt das Urheberrecht nur unbeschadet des Z 8. Der Parteitag prüft die Legitimationen seiner Teilnehmer, wählt seine Leitung und bestimmt seine Geschäftsordnung. Zur Gültigkeit der Beschlüsse des Parteitages ist die absolute Mehrheit der stimmberechtigten Anwesenden erforderlich. K 9. Alljährlich findet ein Parteitag statt, der von dem Partei- Vorstande einzuberufen ist. Hat der vorhergehende Parteitag über den Ort, an welchem der nächste Parteitag stattfinden soll, keine Bestimmung getroffen, oder kann in dein vom Parteitag besttmmten Ort der Parteitag nicht tagen, so hat der Parteiborstand nach Anhörung des Partciausschtisses twn Ort zu bestimmen. § 19. Die Einberufung des Parteitages muß spätestens vier Wochen vorher mit der vorläufigen Tagesordnung im Zentralorgan dcr Partei veröffenllicht werden. Diese Veröffentlichung ist minde- stens dreimal in angemessenen Zwischenräumen zu wiederholen. Anträge von Parteiorganisationen für die Tagesordnung des Parteitages sind dem Partcivorstande einzureichen, der sie spätestens drei Wochen vor dem Parteitag im Zentralorgan der Partei zu veröffentlichen hat. Z 11. Zu den Aufgaben des Parteitages gehören: 1. Entgegennahme der Berichte über die Geschäftstätigkeit des Partcivorstandes und der Kontrollkommission sowie über die parlamentarische Tätigkeit der Reichstagsabgeordneten. 2. Die Bestimmung'des Ortes, an dem der Parteivorstand seinen Sitz zu nehmen hat. 3. Die Wahl des Parteivorstandes und der Konttollkommission. 4. Die Beschlußfassung über die Parteiorganisation und alle das Parteileben berührenden Fragen. B. Die Beschlußfassung über die eingegangenen Anträge. Z 12. Ein außerordentlicher Parteitag ist einzuberufen: 1. auf einstimmigen Beschlutz des Parteivorstandes; 2. auf einstimmig gestellten Antrag der Kontrollkommission; 3. auf Antrag von mindestens IS Vorständen dev Bezirks- oder Landeso vganisationen. Falls der Parteiborstand sich weigert, einem nach Ziffer 2 oder 3 gestellten Antrage stattzugeben, ist der Parteitag von den Antragstellern zu berufen. Als Versammlungsort eines außer- ordentlichen Parteitages ist ein geographisch möglichst günstig ge- legener Ort zu bestimmen. ß 13. Die Einberufung des außerordentlichen Parteitages muß spätestens 14 Tage vorher im Zentralorgan der Partei in wenigstens drei aufeinander folgenden Nunnnern mit Angabe der Tagesordnung veröffentlicht werden. Anträge der Parteiorganisationen sind spätestens fünf Tage vor der Abhaltung des Parteitages im Zentralorgan zu veröffent- lichen. Im übrigen gelten für die außerordentlichen Parteitage die- selben Bestimmungen, wie für die ordentlichen Parteitage.(§§ 7 und 8.) Parteivirstand. § 14. Die Zahl der Mitglieder des ParteivvrstandeS wird vom Parteitag bestimmt. Der Parteivorstand besteht aus zwei Vor- sitzenden, einem Kassierer, den Schriftführern, unter denen sich eine Genossin befinden muß, und zwei Beisitzern. Die Mitglieder des Parteivorstandes sind berechtigt, sich gegenseitig zu vertreten. Die Wahl des Parteivorftandes erfolgt durch den Parteitag' mittels Stimmzettel in einem Wahlgange und nach absoluter Mehrheit. Hat ein Kandidat die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen nicht erhalten, so findet Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten statt, auf die die meisten Stimmen gefallen sind. Bei Stimmengleichheit entscheidet das Los. Nach erfolgter Wahl hat der Parteivorstand seine Konstttu- ierung vorzunehmen und sie im Zentralorgan der Partei zu ver- öffentlichen. § IS. Scheidet ein Mitglied des Parteivorstandes vorzeitig aus, so hat die Kontrollkommission nach Anhörung des Parteivor- standes und des Parteiausschusses eine Ersatzwahl vorzunehmen. 8 16. Die Mitglieder des Parteivorstandes können für ihre Tätigkeit eine Besoldung beziehen, deren Höhe durch den Parteitag festgesetzt wird. 8 17. Der Parteivorftand verfügt nach eigenem Ermessen über die vorhandenen Gelder., Der Parteivorstand oder die Kontrollkommission können durch keinerlei Rechtsgeschäfte die einzelnen Parteigenossen oder die Partei verbindlich machen. Auch erwirbt kein Parteigenosse oder ein anderer durch Verträge mit dem Parteivorstande oder der Kontrollkommission ein klagbares Recht gegen diese oder ihre Mit- glieder. § 18. Kein Parteigenosse hat ohne ausdrücklichen Beschluß des Parteitages ein klagbares Recht, die Geschäftsbücher oder Papiere des Parteivorstandes, des Parteiausschusses, der Kontrollkommission oder dcr Partei einzusehen oder sich aus ihnen Abschriften oder Auszüge anzufertigen oder eine Auskunft oder Uebersicht über den Stand des Parteivermögens zu verlangen. Hierdurch wird das Recht der Delegierten, während der Tagung des ParteitaWs Einsicht in die Bücher zu nehmen, nicht berührt. 8 19. Der Parteivorstand besorgt die Geschäfte der Partei und kontrolliert die prinziwelle Haltung der Parteiorgane. Der ParteivorftaW entscheidet über Differenzen, die sich bn der Aufstellung von Reichstagskandidaturen zwischen der Organ,- sation eines Wahlkreises und dem Bezirksverband oder der Landes- organisation ergeben. ,,, Parteiausschuh. § 20. Der Parteiausschuß besteht aus je einem Vertreter dek Bezirks- und Landesvorstände. Jeder Bezirks- und Landesvorstand wählt für die Dauer eines Jahres aus seiner Mitte einen Vertreter. für den im Behinderungsfalle«in Stellvertreter zu entsenden ist. Das Ergebnis der Wabl ist dem Parteivorstand sofort mitzuteilen. 8 21. Der Parteiausschnß berät gemeinsam mit dem Partei- vorstand über wichtige, die Gesamtpartei berührende politische Fragen über die Einrichtung zentraler Parteiinstitutionen, die die Partei finanziell dauernd erheblich belasten, über die Festsetzung der Tagesordnung des Parteitages sowie'die Bestellung der Refe- renteu und gibt durch Beschluß sein Gutachten ab. 8 22. Regelmäßig alle Vierteljahre und im Bedarfsfalle auch häufiger ist der Parteiausschuß vom Parteivorftand unter Angabe der Tagesordnung zu einer Sitzung zu berufen. Eine autzerordent- liche Sitzung muß stattfinden, wenn ein Drittel der Bezirks- und Landesvorstände unter Angabe der Gründe dies beantragt. Weigert sich der Parteivorstand, eine ordnungsmäßig beantragte Sitzung zu berufen. Eine außerordentliche Sitzung mutz stattfinden, wenn ein Drittel der Bezirks- und Landesvorstände unter Angabe der Grunde dies beantragt. Weigert sich der Parteivorftand. eine ordnungs- mäßig beantragte Sitzung zu berufen, dann kann sie durch die Antragsteller einberufen werden. Die Einberufung des Parteiaus- schusses soll in der Regel mindestens fünf Tage vor den SitzungS- tagen erfolgen. Kontrollkommisslon. ß 23. Zur Kontrollierung des Parteivorstandes soivie als Berufungsinstanz für Beschwerden über den Parteivorstand wählt der Parteitag eine Kontrollkommission von 9 Mitgliedern. Die Wahl erfolgt nach einfacher Mehrheit. Bei gleicher Stimmenzahl entscheidet das Los. Zur Leitung ihrer Geschäfte wählt die Kontrollkommission einen Vorsitzenden, der Ort und Zeit der Sitzungen bestimmt, soweit die Kontrollkommission nicht darüber beschließt. Die Kontrolle muß mindestens vierteljährlich einmal stattfinden. Alle Einsendungen für die KontroMommission sind an den Vor- sitzenden derselben zu richten, der seine Adresse im Zentralorgan dcr Partei mitzuteilen hat. �. Auf Antrag der Kontrollkommission oder deS Partcivorstande» finden gemeinsame Sitzungen statt. Zentralorgan der Partei. § 24. Zentralorgan der Partei ist der„VorMrtS", Berliner Volksblatt. Die offiziellen Bekanntmachungen sind an herborragcnder Stelle des redaktionellen Teils zu veröffentlichen. 8 23. Zur Kontrolle der prinzipiellen und taktischen Haltung deS Zentralorgans sowie der Verwaltung desselben wählen die Parteigenossen Berlins und der Bororte eine Preßkommission, die aus höchstens zwei Mitgliedern für jeden beteiligten Reichstagswahl- kreis bestehen darf. Die Preßkommission entscheidet in Gemeinschaft mit dem Partei- Vorstande über alle Angelegenheiten des Zentralorgans, insbesondere über Anstellung und Entlassungen im Personal der Redaktion und Expedition. Bei Meinungsverschiedenheiten zwischen dem.Partei- vorstand und der Preßkommission entscheiden die Kontrollkommission, der Parteivorstand und die Preßkommission in der Art mit gleichen Rechten, daß jedes dieser drei Organe eine Stimme hat. Ausschluß. § 26. Zur Partei kann nicht gehören, wer sich eines groben Verstoßes gegen die Grundsätze des Parteiprogramms oder einer ehrlosen Handlung schuldig macht. Auch kann der Ausschluß eines Mitgliedes erfolgen, wenn es durch beharrliches Zuwiderhandeln gegen Beschlüsse seiner Parteiorganisation oder der Parteitage das Parteiinteresse schädigt. Eigentumrechts ausgeübt werden kann. Der Eigentümer eines Kunstwerks hat dieses in der Regel zu dem Zweck erworben, um sich an seinem Besitz zu erfreuen. Aendert sich der Geschmack des Eigentümers, ist er des Kunstwerks aus irgendwelchen Gründen überdrüssig geworden, so wird er das Kunstwerk veräußern, verkaufen, vertauschen, verschenken oder er wird es seinem und anderer An- blick durch Beseitigung aus den bewohnten Räumen ent- ziehen. Ja.«na» wird ihm für den Regelfall auch das Recht nicht versagen können, es völlig zu vernichten. Durch alle diese Handlungen greift der Eigentümer in die künstlerische Eigenart des forlbestehenden Werkes und damit in das Persönlichkeitsrecht des Künstlers nickt ein. Der Künstler, der das Werk zu Eigentum veräußert, muß von vornherein mit diesem möglichen Schicksal seines Werkes in der Hand des Besitzers reckßiei,. Aber im gegebenen Fall setzt sich da« Verhalten des Eigentümers in Widerspruch mit dem Urheberrecht des Künstlers. Mit der Uebermalung wurde das Werk des Künstlers verändert und es ist damit daS trotz der EigentumSiiberlragung fortbestehende Urheberrecht deS Künstlers, das ihn gegen jede eigenmächtige Veränderung schützt, verletzt worden. Die Tenorstimmen sterben aus. Wenn man sden Bekundungen eine« der hervorragendsten französischen Physiologen Glauben schenken darf, erfährt' das Klangniveau der menschlichen Stimme eine leichte, aber beständig fortschreitende Senkung und gewinnt von Generation zu Gencla-ion an Tiefe. linieren Altvorderen war die Baßstimme noch vollständig unbekannt. Das Falsett, d. h. das hohe Register der menichticken Stimme, bei deren Erzeugung nicht die Brüst- und Bauchhöhle, sondern vielmehr die Höhlungen überhalb des Stimmorgans die Resonanz bilden, war da- mals durchaus die Regel. Heutzutage ist zwar noch der Bariton der landläufige Tonckarakter der Männerstimme, aber der Uebergang zum Baßregister tritt immer schärfer in die Erscheinung. Die Wahrnehmung des zunehmenden Nach- dunkelnS der Tonfarbe deS StimmorganS' ist bei den Frauen noch ungleich auffälliger als bei den Männern. Alle Gesanglehrer sind in der Erkenntnis einig, daß der echte hohe Sopran von Tag zu Tag seltener wird, und daß sogar der Mezzosopran zurzeit nicht mehr zu den Alllagserscheinungen gehört. Bei diesem Stand der Dinge hält sich der Stimmphysiologe zu der Behauptung für be- rechtigt, daß in ein paar tausend Jahren die Menschheit nur noch mit hohler Grabesstimme sprechen wird. Wie man sieht, hat die Sache noch gute Weile, und wir brauchen uns über das Aussterben der Tenoristen noch keine grauen Haare wachsen zu lassen, aber es begreift sich immerhin, daß die Ritter vom hohen C Hochkonjunktur haben. Humor und Satire. Wir können zufrieden sein. „Auf der Straße wär' einer„vor Hunger krepiert?!" Mein Lieber, da sind Se schlecht orientiert I De Regierung sorgt schon, daß das nicht passiert. So viele Tausend wär'n arbeitslos? Die Faulheit war ja von jeher groß I Nur schlemmen wollen se in Staates Schoß! Aus Elend ermordet''ne Mutter ihr Kind? Da seh'n Se, wie schlecht diese Leute sind I Das tut man nicht! So was ist ja Slliid'I Die Teurung herrscht? Na ja.—'S ist wahr—- Doch— sechS Mark mehr für'S Pfund Kaviar— Mein Lieber—, d as liegt am schlechten Jahr l Die Fleischnot steigt? Na, seh'n Se, ich mein: Da essen mer mal ein Gänseklein I— Im übrigen— könn'n mer zufrieden sein I" Notizen. — Eine Berliner VollSoper soll wieder einmal be» gründet werden. Ein vorbereitendes Komitee hofft sie im Südwesten ins Leben rufen zu können. Es will nur dem Gemeinwohl dienen und alle privaten Erwerbsinteressen ausschließen. Der Einheitspreis soll 1 M. einschließlich Programm- und Garderobengebühr betragen. (Die Botschaft hör' ich wohl...) — Ein Berliner Schriften museunr besieht, wie nicht allgemein bekannt sein dürste, Georgenkirchstraße 44. Es ent- hält babylonische vieltausendjährige Keilschrifttafeln und ägyptische Papyrusrollen, indische Palmblattbücher mit Ritzschrift, Pinseischriften auS Korea und China, arabische Koranhandschriften, griechische Sckreibtaseln, römische Bronzefedern sowie den kupfernen Stylos der Griechen. AuS aller Herren Ländern und aus allen Zeiten finden sich Beispiele der Schrift und der Schreibgeräte. Der Besuch des Schriftenmuseums steht jedermann frei gegen vorherige Anmeldung. -»Eine neueLexHeinze? Wie die.Braunschweigische Landeszeilung" zuverlässig erfahren haben will, liegt dem Bundesrat der Antrag einer Hansestadt auf Verschärfung der Gesetzes- bcstimmungen gegen den öffentlichen Vertrieb von unsittlichew Büchern und Bildern vor. »»Chinas revolutionäre Fe st tage. Bis zum heutigen Tage existierten in China keine Nationalfeste. Ein Erlaß des Prä- sidenten Juanschikai hat nun die Feier dreier großer Jahresfeste des neuen Regimes angeordnet: den 1. Januar als Jahrestag der Gründung der südlichen Republik in Nanking, den 12. April als Jahrestag der feierlichen Konstituierung der chinesischen Republik durch Vereinigung deS Nordens mit dem Süden unter dcr Prä- sidcntschaft Juanschikais. Der 19. Oktober wird als Jahrestag der Revolution in Wutschang gefeiert werden. Ueüel' die Zugehörigkeit zur Partei entscheidet der Vorstand der zuständigen Bezirks- oder Landesorganisation. Der'Ausschluß darf nur von einer Parteiorganisation(Orts- oder Wahlkreisorganisation)— mit Zustimmung des Angeschul- digten auch vom Vorstand der Parteiorganisation— beantragt wer- den. Die Zustellung des Beschlusses und dessen eventuelle Bekannt- gäbe erfolgt durch den Bezirks- oder Landesvorstand. 8 27. Gegen die Entscheidung des Vorstandes der Bezirks- oder Landcsorganisation können die Beteiligten innerhalb vier Wochen nach Zustellung des Beschlusses beim Parteiborstand die Einsetzung eines Schiedsgerichts beantragen. Das Schiedsgericht besteht aus sieben Personen. Den Vorsitzen- den bezeichnet der Parteivorstand. Je drei Beisitzer wählt der An- geschuldigte und die antragstellende Organisation, wobei die Aus- wähl auf die Parteigenossen des Bezirksverbandes zu beschränken ist. dem der Angeschuldigte angehört. Unterläßt es der Angeschuldigte, innerhalb einer vom Parteivorstand zu bestimmenden rzrist, die mindestens vier Wochen betragen muß, Schiedsrichter zu ernennen, so gilt ohne weiteres der Beschluß des Bezirks- oder Landesvor- standes. Erscheint der Angeschuldigte ohne genügende Entschuldi- gung nicht zu dem festgesetzten Termin, so haben die Instanzen das Recht, in Abwesenheit des Angeschuldigten zu beschließen. Die Zustellung des schriftlichen Urteils sowie dessen eventuelle Bekanntgabe erfolgt durch den Parteivorstand. Handelt es sich in einer Sache um mehrere Angeschuldigte aus einer Organisation, so hat der Parteivorstand das Recht, die Sache vor ein Schiedsgericht zu bringen. § 28. Gegen die Entscheidung des Schiedsgerichts steht den Beteiligten die Berufung an den nächsten Parteitag zu. Di« Be- rufung muß spätestens hier Wochen nach Zustellung des Urteils dem� Parteivorstand eingereicht sein. § 29. Der Ausschluß ans der Partei in Fällen des§ 26 Abs. 1 darf nur im Wege des vorflehend festgesetzten Verfahrens erfolgen. Alle Instanzen sind berechtigt, sofern sie nicht dauernden Aus- schluß ans der Partei aussprechen, ans zeitweise Allsschließung von Vertrauensämtern zu erkennen und Rügen zu erteilen. Auch gegen diese Entscheidungen steht den Beteiligten das Recht der Berufung zu. Die Organisationen haben das Recht, auch ohne Ausschluß- antrag eine Untetsuchungstommission gegen ein Mitglied einzusetzen. Gegen die Entscheidung steht den Beteiligten das Einspruchsrecht nach den Bestimmungen der§§ 27 und 28 zu. 8 30. Mit dem Tode, dem Austritt odsr der Ausschließung ans der Partei verliert der frühere Parteigenosse jedes Recht, das et etwa gegen die Partei, gegen den Parteivorstand, gegen die Kontrollkommission oder gegen einzelne Parteigenossen aus seiner Parteimitgliedschaft erworben hat. Wiederaufnahme. § 31. Ter Antrag auf Wiederaufnahme eines auS der Partei Ausgeschlossenen ist an den Vorstand der Bezirks- oder Landes- organisation des Wohnorts des Ausgeschlossenen zu richten. Vor der Entscheidung ist die Organisation, sie den Ausschluß beantragt hatte, zu hören. Gegen diese Entscheidung steht dem Antragsteller sowohl wie der Organisation, die den Ausschluß beantragt hatte, Berufung an den nächsten Parteitag zu. Die Berufung ist so zeitig beim Parteivor- stand anzumelden, daß sie mit den übrigen an den Parteitag ge- stellten Anträgen veröffentlicht werden kann. Abänderung der Organisation. 8 32. Aendcrungen an der Organisation der Parket können nur durch einen Parteitag vorgenompien werden. Anträge auf Abänderung der Organisation können nur beroten werden, wenn sie innerhalb der Fristen, die die 8§ 19 und 13 vor- schreiben, veröffentlicht worden sind. Ein Abweichung von der letzten Bestimmung ist nur dann zulässig, wenn mindestens drei Viertel der anwesenden Vertreter auf einem Parteitag sich für die Abweichung entscheiden. Cagung des Rundes Deutscher Frauen- vereine. In der Sitzung am Freitag wurde zunächst der Kassenbericht erstattet, aus dem hervorzuheben ist, daß der diesjährige Frauen- kongreß in Berlin einen Ueberschuß von 15 999 M. gebracht hat, der zur Dotierung des Frauenberufsamts verwendet werden soll. Fräu- lein Pa ppr i tz- Berlin gab sodann den Bericht der Kommission, die zum Studium der Kellnerinnenfrage eingesetzt war. Die Kommission hatte eine Enquete veranstaltet, die ein umfangreiches, aber wenig neue Gesichtspunkte bietendes Material ergab. Frau I c l l i n e k- Heidelberg und Fräulein H o f f m a n n- Bremen behaupteten, daß die im Kellnerinnenwcsen bestshenden Mißstände nicht durch Reformen, sondern nur durch Abschaffung der Kellnerinnen beseitigt werden können. Unter lebhafter Bewegung der Versammlung wurde mitgeteilt, daß in einigen Städten Wirte nach Vereinbarung mit der Polizei nur solche Kellnerinnen be- schäftigten, die sich einer ständigen, zweimal wöchentlich stattfinden- den polizeilichen Sittlichkeitskontrolle unterwerfen. Eine solche Be- bandlung berufstätiger Frauen wurde als ungesetzlich und verwerf- lich bezeichnet. Es wurde die Einsetzung einer Kommission be- schlössen, die bei den bevorstehenden Verhandlungen über das Schank- konzessionswesen im Reichstag die Wünsche der Frauenbewegung in einer Petition zum Vortrag bringen soll. Es wurde erklärt, daß Hauswirt und Hausverwalter mit verantwortlich seien für das, was nach der Polizeistunde in den Hinterzimmern der Animierkneipen vor sich gehe. Fräulein F r i e d e n tha l- Berlin erstattete den Bericht über die Arbeiten der �Konkmission für die Dien st boten- frage. In der Diskussion wurde die Errichtung von Dienstboten- fachsckulen empfohlen, sowie der Abschluß von Dienstverträgen, die von Hausdienstausschüssen auszuarbeiten wären. Helene Lange- Berlin sprach für die Einführung von Zwangsfortbildungsschulen. Als besonders wichtig wurde erklärt, daß Familien sich bereit finden, junge Mädchen zur Erlernung der haoswirtschaftlichen Tätigkeit bei sich aufzunehmen. In Berlin ist, wie Frau Levy-Rathenau mit- teilte, bereits eine Lehrstellenzentrale errichtet, die sich mit der Ver- mittlung geeigneter Stellen befaßt. Frau Krukenberg- Kreuz- nach bezeichnete es als großen Mangel, daß man an einzelnen Orten jungen Mädchen, die berufsmäßig hauswirtschaftlich tätig waren, die Postbeamtinnenlaufbahn verschließe. Sie wünschte eine gewisse Ausbildung der Dienstboten auch in der Kinderbehandlung.— Die Kommission wird ihre Arbeiten noch weiter fortsetzen. Aus dem Bericht der Theatergesetzkommission geht hervor, daß der Bund eine von der Kommission ausgearbeitete Pe- tition, die die Schaffung eines Reickstheatergesctzcs fordert, an den Reichstag abgesandt hat. Die Arbeit der Kommission ist damit er- ledigt. Es wurde noch empsichlen, daß man in den Städten, wo Stadttheater bestehen, darauf hinwirken möge, daß in die Pacht- vertrüge eine Bestimmung aufgenommen werde, die verhindere, daß Schauspielerinnen Hungerlöhne gezahlt und sie dadurch der Iln- fittlichkeit in die Arme getrieben werden.— Zum Schluß der Ve» Handlungen wurde folgender Dringlichkeitsantrag angenommen: ,.Die Generalversammlung des Bundes Deutscher Frauenvereine als Vertretung der im Bunde organisierten 599 999 deutschen Frauen richtet an die Regierungen des Reichs und der Bundesstaaten die dringende Bitte, die Not der Familien unseres Volkes zu berück- sichtigen und gegenüber der gegenwärtigen übermäßigen Fleisch- teuerung alle Maßnahmen zu treffen, die zu ihrer Linderung und zur Verhütung ihrer Folgen dienen könnten." Der Antrag wurde einstimmig angenommen, nachdem die Vorsitzende Dr. Bäumer- Berlin erklärt hatte, daß der Bund sich satzungsgcmäß mit Partei- politischen Fragen nicht beschäftigen dürfe, daß es sich aber hier um eine nationale und keine parteipolitische Frage handle. In der NachniittagSsitzung, dir einen vertraulichen Charakter trug, wurden Satzungsänderungen und andere interne Angelegen- Heitels des Bundes erlebigt. Damit hatte die Tagung des Bundes Deutscher Fcauestve reine ihr Ende erreicht, Hus der parteL Aus dem russischen Parteilebe», Wir werden um Aufnahme folgender Mitteilung ersucht: „Vor kurzem wurde eine Konferenz der Organisationen der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands abgehalten. Es nahmen an ihr teil: 4 Delegierte der lettischen Sozialdemokratie, gewählt auf der städtischen Konferenz von Riga und der lettischen Provinzialkonferenz, 4 Delegierte des jüdischen„Bundes", gewählt auf dessen Neunerkonferenz, auf der die Organisationen von War- schau, Lodz, Wilna, Riga, Dwinsk, Kowno, Bialystok. Grodno, Minsk, Bobrujsk, Pinsk Hömel, Odessa, Kijew, Jekaterinoskaw, Berditschew, Schitomir vertreten waren, 3 Delegierte der Kaukaser Landesorganisation, gewählt auf der Kaukaser Landeskonferenz, auf der die Organisationen von Baku, Tiflis, Kutais, Poti, Suchum, Batum, Guria, Gori, Tschiatury vertreten waren, 1 Tele- gicrter aus Baku. 2 aus Petersburg(sogen. Liquidatoren), 2 Tele- gierte der Moskauer Organisationen(der„Bolschewistischen" und der„Mcnschewistischen"), je 1 Delegierter aus Sebastopol, Kraßno- jarsk(Sibirien) und von den Sozialdemokraten der Gewerkschaft der Seeleute des Schwarzen Meeres. Mit beratender Stimme waren an der Konferenz noch anwesend: der auswärtige Vertreter der ukrainischen„Spilka", Vertreter vier sozialdemokratischer Or- gane(sowohl legaler wie illegaler), einige in der Bewegung hervor- ragend tätige Genossen, und als Gäste mit beratender Stimme vier Vertreter der Polnischen Sozialistischen Partei und ein Ver- treter der Sozialdemokratischen Partei Litauens. Die in Charkow und Donetzky Becken gewählten Delegierten konnten infolge von Massenverhaftungen auf der Konferenz nicht erscheinen. Der mit Verspätung angelangte Wilnaer Delegierte schloß sich allen Reso- lutionen der Konferenz an. Berichte und Begrüßungen kamen der Konferenz von den Organisationen und Parteigruppen von Meli- topol, Simferopol, Wladimir, Tschernigow, Tzaritzpn, Donetzki Becken, Mytischtschi, vom Provinzialbureau der„Spilka" u. a. m. Ihrer fraktionellen Zugehörigkeit nach waren von den 19 Tele- gierten mit entscheidender Stimme 9„unfraktionelle", 5„Mensche- Wiks"(darunter 2 sogen.„Liquidatoren"), 1„Menschewik-Parteiler", 4„Bolschewiks"(den Wilnaer Delegierten mitgerechnet); von den 15 Delegierten mit beratender Stimme waren 8„unfraktionelle", 5„Mcnschewiks", 1„Menschewik-Partei,,, 1„Bolschewik". Obwohl auf der Konferenz die übergroße Mehrheit der Ge- samtpartei vertreten war, da aber das Leninsche Zentralkomitee, der Vorstand der Sozialdemokratie Rusfisch-Polens und Litauens und die ausländischen Gruppen der sogen.„Menschewiks-Parteiler" und„Bolschewiks-Partciler", trotz der wiederholten Aufforde- rungen, an der Konferenz nicht teilnehmen wollten, beschlossen die versammelten Delegierten sich nicht als allgemeine Parteikonferenz zu konstituieren, sondern als Konferenz der vertretenen Organisa- tionen der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands. Damit wollte die Konferenz zum Ausdruck bringen, daß sie keine Absicht hegt, wie es die im Januar abgehaltene Leninsche Konferenz getan, alle die Organisationen, die sich ihr nicht angeschlossen haben, als außer der Partei stehend zu betrachten. Aus denselben Gründen wählte die Konferenz als leitende Instanz nicht ein Zentral- komitee, sondern ein Organisationskomitee, dem die Aufgabe zu- gewiesen wurde, die Einheit der ganzen Partei wiederherzustellen. Die Konferenz erlegte auch dem von ihr gewählten Organisations- komitee die Pflicht auf, sich unverzüglich wieder an das Leninsche Zentralkomitee und an die anderen auf der Konferenz nicht ver- tretenen Teile der Partei zu wenden, mit der Aufforderung zur gemeinsamen Durchführung des Wahlkampfes und fernerhin zur gemeinsamen Einberufung einer allgemeinen Parteikonferenz oder Parteitages, wobei die Konferenz beschloß, das Internationale Sozialistische Bureau in Kenntnis zu setzen über die Bereitwillig- keit der auf ihr vertretenen Organisationen, seine Vermittclung zur Wiederherstellung der organisationellen Einheit mit den anderen Teilen der S. D. A. P. R. anzunehmen. Die Arbeiten der Konferenz dauerten acht Tage. Außer den Resolutionen für die Einheit der Sozialdemokratie im Wahlkampfe und für die organisationelle Einheit der Partei wurden Thesen der Wahlplatform angenommen, sowie Resolutionen über die Wahl- taktik, die Formen der Parteiorganisation, gemeinsames Auftreten mit der Polnischen Sozialistischen Partei und mit der Soziabdemo- kratischen Partei Litauens, den Streikkampf, den Kampf um Koa- litionsfreiheit, die Taktik den Krankenkassen gegenüber, die Ver- folgung der Inden, die letzten Revolten in der Armee und der Ma- rine, den bevorstehenden Internationalen Soz. Kongreß u. a. Alle wichtigsten Resolutionen wurden einstimmig oder fast ein- stimmig von den Delegierten verschiedener Richtungen angenommen und diese Tatsache, besonders aber die einstimmige Annahme der Resolution über die unlängst noch strittige Frage der Formen der Parteiorganisation, manifestierte deutlich, daß das geschlossene Zu- sammenwirken aller Teile der Partei vollkommen möglich und da- her auch unbedingt notwendig ist. Die Wiederherstellung der Einheit der Partei ist noch nicht gelungen. Aber die Konferenz hat einen richtigen Weg zur Ein- heit angebahnt und Bedingungen geschaffen für einen planmäßigen und erfolgreichen Kampf für die Einheit." Soweit die Mitteilung. Wir wollen noch hinzufügen, daß die darin zum Ausdruck gelangenden Anschauungen nur die Ansichten der in der Konferenz vertretenen Richtungen wiodergeben, Parteiliteratur. Im Verlag von I. H. W. Dietz Nach f. in Stuttgart ist soeben erschienen: Ter Kapitalismus im Altertum. Studien über )ie römische WirtschaftsgeHichte von Joseph Salvioli, Pro- fessor an der Universität Nmpel. Nach dem Französischen übersetzt von Karl Kautsky jr. Mit einem Vorwort von Karl Kautsky. Preis broschiert 2,59 M, gebunden 3 M. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Die Anfänge des Reichtums. — Das mobile Kapital.— Der Großgrundbesitz.— Das klein« Grundeigentum.— Die Güterproduktion.— Die landwirtschaftliche Produktion.—> Der Kapitalismus.— Die Wirtschaftsver- faffung.— Der wirtschaftliche Zusammenbruch.— Die Wirtschaft des Altertunis. Kautsky sen., der auch die Korrekturen durchgesehen hat, schreibt im Vorwort über das Buch u. a. folgendes:„Wohl ist es ein ge>- lehrtes Werk, aber so anschaulich und leichtverständlich geschrieben, daß man durchaus keiner Fachkenntnisse bedarf, um es zu verstehen. In der deutschen Ausgabe ist die Allgcmeinverständlichkeit und leichte Lesbarkeit noch erhöht dadurch� daß der gelehrte Apparat auS dem Text entfernt und dem Werk als Anhang beigesiigt wurde, wo ihn jene finden, die den Gegenstand weiter verfolgen wollen. Außerdem wurde allen fremdsprachigen Ausdrücken und Zitaten im Text, soweit ihre Wiedergabe in der Ursprache notwendig erschien, die deutsche Uebersetzung hinzugefügt." potfeeUtches, OcrfchtUdiea ufw. Von der Versammlungsfreiheit. Anläßlich der diesjährigen Maifeier in K ö n i g s e e i. T h. hatte ei» Genosse von der Veranda einer Wirtschaft herab die Festrede gehalten. Die Polizei betrachtete dies als«ine Versammlung unter freiem Himmel, zu der Erlaubnis nötig war, und sandte dem Genossen ein Strafmandat in.Höhe von 25 M. Die biergegen ein- gelegte Berufung hatte den Erfolg, daß das Schöffengericht den Bestraften kostenlos freisprach. Das Gericht stellte sich auf den Standpunkt, daß, da die Veranda mit dem Saal und dem Garten in Verbindung stand, ein geschlossener Raum, also nickst eine Ver- sammluug unter freiem Himmel in Frage komme. In seiner Be- gründung stützte sich das Gericht auf eine Entscheidung des Ober- landesgerichtö Jena, das in est, cm ähnlichen Fall ebenfalls auf Freisprechung erkannte» To�iaZeg» AuflchitNtig gegen das AersichentngZgefe?. Von der Freien Vereinigung für die Wahlen zum Versiehe, rungsgcfetz für Angestellte geht uns folgende Nachricht zu: Die Zeitzer Maschinenfabrik untersagte zwei Ingenieuren die Annahme einer Kandidatur für die Vertrauensmännerwahlen zur Angestelltenversicherung. Es ist dies der erste Fall, daß eine Firma ihren Angestellten die Ausübung eines für die Durchführung des Versicherungsgesetzes notwendigen Ehrenamtes verbietet. Die Firma scheint nicht zu wissen, daß sie sich damit nach§§ 345 und 346 des Versicherungsgesetzes für Angestellte strafbar macht. Hof- fentlich macht die Staatsanwaltschaft ihr das bald klar. Ein verständiges Urteil über die Kontraktbruchstrafk Die Fünfte Zivilkammer des Landgerichts in Dortmund hat in den letzten Tagen, im Gegensatz zum Berggewerbegericht, ein ge- rechtes Urteil gefällt, das für die Arbeiterschaft von großem Interesse ist. Es handelt sich dabei um folgenden Vorgang: Im Anschluß an den großen Bergarbeiterstreik im März d. I. haben die Zechen den Streikenden mehrere Millionen Mark Kontrakt- bruchstrafe von dem Lohn abgehalten. Da der rückständige März- lohn zur Deckung des Schadenersatzes vielfach nicht ausreichte, zogen die Zechen den Lohn für die üblichen 6 Schichten zum Teil erst vom Aprillohn ab. Die Zeche Hermann in Selm kürzte auf diese Weise einigen Bergleuten vom Aprillohn 366,59 Mark aks K-ntraktbruch- strafe. Wegen dieses Lohnabzuges klagten die betroffenen Berg- arbeiter dann beim Berggcwerbegericht in Dortmund., Die Kläger behaupteten, daß die Einbehaltung vom Aprillohn zu Unrecht erfolgt sei, sie hätten alle bei der Märzlöhnung noch einen geringen Lohnrest zu fordern gehabt. Hiervon habe die Zeche Schadenersatzforderungen kürzen können. Die Zeche sei aber nicht! berechtigt gewesen, noch im April Schadenersatzansprüche aus dem Streik abzuhalten. �Nach dem Streik sei ein neues Arbeitsver- hältnis«ingegangem Aus den aus diesem resultierenden Lohne könne die Kontraktbruchstrafe aus dem alten Arbeitsverhältnis nicht mehr aufgerechnet werden. Das Berggewerbegericht, dessen wenig gerechte und sehr arbeiter- feindliche Rechtsprechung bekannt ist, hat die Kläger mit der Klage abgewiesen. In dem Urteil hieß es in den entscheidenden Sätzen: Die Zeche sei durchaus berechtigt gewesen, soweit ihre Schadenersatz- forderung nicht voll erfüllt gewesen sei, diese von dem Lohne auch nach Wiederaufnahme der Arbeit zu befriedigen, ganz gleich, ob das alte Arbeitsverhältnis bestehen geblieben war oder«in neues ge- schaffen wurde, denn Gläubiger und Schuldner wären auch in dem neuen Arbeitsverhältnis dieselben geblieben. Gegen dieses Urteil legten die Kläger Berufung beim Land- gericht ein. Sie begründeten diese damit, daß die Auffassung des Gewerbegerichts erstens gegen die Arbeitsordnung, zweitens gegen den Wortlaut des Gesetzes und drittens auch gegen den Willen und das Wesen des Gesetzes verstoße. Wenn das Urteil erster Instanz richtig wäre, dann könne den Klägern der Schadenersatzanspruch auch dann abgezogen werden, wenn sie auf einer anderen Zeche neu angelegt wären. Das wäre durch eine Abtretung der Forderung durchaus denkbar. Nach der Ansicht des Gewerbegerichts können die Schadenersatzansprüche aus dem Kontraktbruch schließlich aber sogar dann noch abgehalten werden, wenn die Kläger nach zehn Jahren erneut bei der beklagten Zeche in Arbeit träten. Wenn die Zeche die Absicht gehabt hätte, die 6 Schichten nach Abschluß des neuen Arbeitsvertrages zu kürzen, dann wäre sie verpflichtet gewesen, den Klägern dieses zu sagen. Wenn die Zeche aber vorher heimlich er- wogen habe, durch ihre wirtschaftliche Macht die Kläger zu drücken und den Lohnabzug später durchzusetzen, so verstoße ein solches Ver- fahren gegen Treu und Glauben.. Von dem neuen Lohn hätten auf alle Fälle nur solche Abzüge gemacht werden dürfen, die Heber» tvetungen der Arbeitsordnung nach dem neuen Arbeitsvertrage be- träfen. Das Landgericht folgte diesen Darlegungen. DaS Urteil erster Instanz wurde aufgehoben und die Zeche verurteilt, den Klägern 366,59 Mark zurückzuzahlen. Hus Industrie und ftandeL FriedenSknrse. Infolge der Ankündigung des bevorstehenden Friedens- schlusseS zwischen Italien und der Türkei sind die Börsenkurse gestiegen. Die Kurssteigerungen waren besonders für Jndustriewerte recht beträchtlich. An der Wiener Börse herrschte geradezu eine Hausse. Infolge des Friedens hofft man auch auf eine friedliche Erledigung der Balkanwirren. Die Renten aller Balkanstaaten stiegen im Werte. Die Vprozentige bulgarische Goldhypothekenanleihe erfuhr an der Berliner Börse eine Steigerung von 3,*0 Prozent. Selbst türkische Anleihen erfuhren eine geringe Aufbesserung. Kriegs-Börsenmanöver. DaS WiÄffsche Telegraphenbureau verbreitete gestern die' Meldung, daß nach einer Klausel des Muharremdekrcts auch die Einnahmen der Staatsschuldenverwaltung im Kriegs- falle der Kriegskasse zuflössen. Jetzt muß das Bureau zu- geben, daß es einer Mystifikation zum Opfer gefallen ist. DaS Muharremdekret, das die Grundlage der türkischen Staatsschuldenverwaltung bildet, enthält keine derartige Kriegsklausel. Es stellt vielmehr ausdrücklich fest, daß die für den Dienst der türkischen Staatsschuld überwiesenen Einnahmen für diesen Zweck„absolut und unwiderruflich" bis zur völligen Tilgung der Schuld verpfändet sind. Wie weiter gemeldet wird, hat die Staatsschuldenvenvaltung noch gestern größere Beträge nach Berlin für den Dienst ihrer verschiedenen Anleihen überwiesen, deren in den nächsten Monaten fällige Coupons heute bereits so gut wie vollständig gedeckt sind. Offenbar ist die Falschmeldung von interessierter Börsen- seite verbreitet worden, um einen Druck auf die Ncntenkurse auszuüben. Die Oeffentlichkeit hat daher ein Interesse daran, zu erfahren, von wem das Wolffsche Bureau getäuscht worden ist._ Folgen der Mobilmachung. Wie der„Kölnischen Zeitung" gemeldet wird, ist die der „Deutschen Jndustriegesellschaft" in Regensburg gehörende Zuckerfabrik in Belgrad, deren Erweiterungsbau von der Maschinenfabrik Grevenbroich ausgeführt wurde, infolge des durch die Mobilmachung verursachten Arbcitermangels st i l l g e l e g t worden. Infolge der politischen Konstellation auf dem Balkan ist ferner die Dortmunder Walzenmühle A. u. W. N i e m ö l l e r in Zahlungsschwierigkeiten geraten und kann ihren Lieferungsverpflichtungen nicht nachkommen. Ter Konkurs betrifft Millionen. Tie Stahlindustrie über die Kriegsgefahr. Die Direktion des Stahlwerksverbandes äußerte sich auf Anfrage folgendermaßen über die Balkanlage:„Die Stockung in dem Absätze nach dem Balkan, die bisher schon infolge des türkisch-italienischen Krieges bestanden hat, ist deshalb ohne Ein- flu ß auf die günstige Lage der deutschen Eisen- und Stahlindustrie geblieben, weil das Inland und alle anderen Absatzgebiete einen so außerordentlich starken Bedarf haben, daß ihm die Werke nicht ge- nügen können. Sollte sich nun der derzeitige Zustand in Serbien und Bulgarien verlängern, so ist auch mit dem Wegfall dieser Ge- biete als Abnehmer zu rechnen. Von sehr erheblicher Bedeutung für die deutsche Eisen- und Stahlindustrie würde dies nicht sein, da die ausfallenden Mengen gegenüber dem sonstigen Mehrbedarf nicht ins Gewicht fallen. Bedenklich wird die Lage erst, wenn es zum offenen Kriege kommt und es nicht ge- lingen sollte, diesen zu lokalisieren.� Die Direktion der Rheinischen Stahlwerke in Duisburg-Meiderich äußert sich über den voraussichtlichen Einfluß des Krieges auf den Eisenabiatz:„Unserer Ansicht nach wird der Eisenverbrauch durch die Verwickelung auf dem Balkan eine wesentliche Steigerung erfahren." der Frauenbewegung. Versammlungen— Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 7. Oktober. SVg Uhr. in Kellers„Neue Philharmonie", Köpenicker Straße W/v?: Emführungsvortrag zum Schumann- u Schubert- Konzert mit musikalischen Erläuterungen. Vortrageuder: Dr. Alfred Guttmann. DaS Schubert-Konzert findet o»i 13. Ok- tober, nachmittags 4 Uhr im Blütbner-Saal, Lützowstraße 76, statt. Mitwirkende: Das Dessau-Quartett. die Herren: Kgl. Konzertmeister Professor Dessau, die kgl. Kammermusiker Espenhahn, Könnicke, Gewald. Gesang: Frl. Hertha Dehmlow. Billetts ä 50 Pf. im Verein, in den Zahlstellen und an der Kasse zu haben.___ Hu 9 aller Sielt. Kaiserliche Republikaner. Unserer gestrigen, unter obigem Titel gebrachten Notiz haben wir noch folgende Meldung der„Agence d'extreme Orient" aus Peking vom 3. Oktober nachzutragen: Nach ihrem Empfang durch die kaiserliche Familie haben Sun- Yatsen und Hwangching dem Prinzen Tschun. d. h. dem früheren Regenten, ihren Besuch abgestattet, der bald darauf jedem von ihnen diesen Besuch erwiderte. Er war begleitet von dem General Kiang, dem Chef der Gendarmerie. Ein Beweis mehr dafür, wie eine erfolgreiche Revolution auch auf die Glieder einer Dynastie erzieherisch wirken kann. Die kaiserliche Strecke. In diesen Tagen, in denen auf dem Balkan die Flinten ge- laden, an verschiedenen Grenzorten sogar schon losgegangen sind, erinnert die loyale bürgerliche Presse ihre Leser daran, daß auch bei uns tüchtig geknallt wird und zwar in R o m i n t e n, wo sich Wilhelm II. zurzeit aufhält. Wir wollen unseren Lesern, aller- dingS aus anderen Gründen, als es die bürgerliche Presse tut, die Mitteilungen über die Schießfertigkeit Wilhelms II. nicht vortnt- halten. ES wird darüber gemeldet: Die Vormittagspirsch am Montag konnte mit der sehr gün- stigen Strecke von vier starken Hirschen abgeschlossen werden. Kurz vor der Mittagstafel wurde dem Kaiser noch dine Ueberraschung bereitet. Professor Friese widmete dem hohen Jagdherrn eine präch- tige Zeichnung. Das Bild unter der Widmung stellt eine Partie am Rominteufer dar mit einem starken brunstenden Hirsch und zwei Tieren.— Sofort nach der Mittagstafel pirschte der Kaiser in der Oberförsterei Nassawen und kehrte gegen Vtl Uhr abends in das Jagdschloß zurück. Der Kaiser war auch hier wiederum von Weidmannsheil begünstigt; denn eine Stunde später brachte der Mldwagen noch zwei kapitale Hirsche herein. Zum gestrigen Jagd- jubiläumstage ist es interessant, einen Rückblick auf das vom Kaiser in vierzig Jahren zur Strecke gebrachte Wild zu werfen. Die Strecke umfaßt: 2002 Rothirsche, 9� Rotticre, 1774 Damschaufler, 98 Damtiere, 3126 grobe, 316 geringe Sauen, 955 Rehböcke. 17 988 Hasen, 2686 Kaninchen, 121 Gemsen, 532 Füchse, 3 Bären, 12 Elch- Hirsche, 6 Wisente, 3 Renntiere, 2 Mufflons, 6 Dachse, 1 Marder, 108 Auerhähne, 24 Birkhähne, 3 Bronzeputer, 2 Perlhühner, 38 578 Fasanen, 867 Rebhühner, 95 Grouse, 5 Schnepfen, 2 Beccassinen, 87 Enten, 326 Reiher und Kormoran?. 1 Wal, 1 Hecht und 523 Verschiedenartiges. Im ganzen 70845 Stück Wild. Eine Unterseebootkatastrophe bei der englischen Marine. Das englische Unterseeboot B. 2 ist auf der Höhe von Dover während einer Uebungsfahrt von dem Hamburg- Amerika-Dampfer„Amerika" gerammt und zum Sinken gebracht worden. Die aus 1(3 Mann bestehende Besatzung mit Ausnahme des zweiten Offiziers und eines Unteroffiziers ertrank. Die Taucher haben Freitagnachmittag ihre Arbeit zur Aufsuchung des gesunkenen Bootes begonnen, das von dem Dampfer in zwei Teile zerschnitten sein soll. Ucber den Zusammenstoß wird noch gemeldet: Der deutsche Konsul Keller in Southampton ist dem Dampfer„Amerika" cntgegengefahren. Wie verlautet, hat er die Aussagen des Kapitäns der„Amerika" über den Unfall entgegengenommen. Eine amtliche Erklärung ist indes noch nicht erfolgt. Der Zahlmeister der„Amerika" erklärte, daß der Zusammenstoß auf der Höhe von Dover um 6 Uhr 15 Min. früh bei ganz klarem Wetter erfolgte. Infolge der frühen Stunde lvoren nur wenige Passagiere an Deck. Das Unter- seeboot kreuzt» den Bug der„Amerika" etwa in einer Eni- fernung von 60 Fuß. Nur der Turm des Unterseebootes ragte aus dem Wasser heraus. Das Unterseeboot fuhr mit einer Geschwindigkeit von acht bis zehn Knoten, während die „Amerika" mit ungefähr siebzehn Knoten lief. Die Gefahr des Zusammenstoßes wurde von der Kommandobrücke der „Amerika" zu spät bemerkt, um ihn noch zu vermeiden, und obwohl der Befehl„mit Volldampf rückwärts" gegeben wurde, war es nicht mehr möglich, die„Amerika" zum Halten zu bringen. Sie fuhr mitten in das Unterseeboot hinein, das wie ein Stein sank. Das plötzliche Rückwärts- arbeiten der Maschinen und die Gewalt des Stoßes ließen die„Amerika" vom Bug bis zum Heck erzittern, so daß die schlafenden Passagiere erwachten. Die„Amerika" ließ zwei Rettungsboote herab, die die See über eine Stunde absuchten ohne jedoch eine Spur von dem gesunkenen Unterseeboot zu finden._ Schweres Eisenbahnunglück in Amerika. Der Personenzug von Boston nach New Jork entgleiste. Acht Personen wurden getötet, i>iele verletzt. Die Wagen stürzten um und fielen auf eine Böschung, wo sie Feuer fingen. Verschiedene Personen verbrannten. Die Schnapspest. An Säuferwahnsinn starben in Preußen 1910 826 Per» sonen, gegen 1086 im Jahre 1909, 1157 im Jahre 1908. 1203 im Jahre 1997. 1132 im Jahre 1906, 1008 im Jahre 1905, 1001 im Jahre 1904. Die meisten Todesfälle an Säuferwahnsinn halten 1910: Regierungsbezirk Oppeln mit 88(75 männlich, 13 weiblich), Landbezirk Berlin mit 78(72-fi 6), Stadtkreis Berlin mit 62(58+ 4), Regierungsbezirk Düsseldorf mit 53<49-f- 4) und Regierungsbezirl Potsdam mit 52(42-j- 10), woraus Regierungsbezirk Schleswig mit 47(44 ff- 3) und Breslau mit 40 (33+ 7) kamen. Von den im Jahre 1908 gestorbenen 1157 Per- sonen waren im Alter von 15—30 57, von 35—60 932, von 60—70 131, über 70 37. Die erhebliche Abnahme im Jahre 1910 ist zweifellos auf den S ch n a p s b o y k o 1 t der Arbeiterschaft zurückzuführen. Ge- Nossen, sorgt durch Boykott deS JunkerfuselS dafür, daß die SchnapS» feuche»och weiter eingedämmt wird. Kleine Notizen. tki» Defraudant. Der Expeditionsgehilfe Albert Nikolaus von der liberalen„Düsseldorfer Zeirung" sollte von der Bank den Be- trag von 7300 M. abheben. Er ging mit dem Gelds ins Ausland und wurde jetzt in Holland verhastet, wobei man bei ihm noch 7000 M. fand.— Nikolaus ist einer der Düsseldorfer gelben Vereins- gründer. Vom Zuge überfahren. Der Ackerer Joisten aus Broich wurde am Bahnübergang der Blankenheimer Landstraße von einem Per» sonenzug überfahren und sofort getötet. AutomobiluusSll«. Der Kraftwagen eines RestaurateurS au» Warburg geriet an einer Wegkreuzung inS Schleudern und stürzte eine steile Böschung hinab. Zwei Damen gerieten unter den schweren Wagen und wurden erdrückt. Ein Herr erlitt so schwere Verletzungen, daß er in hoffnungslosem Zustande WS Krankenhaus gebracht werden mußte. Der eigentliche Wagenlenker kam ohne Verletzungen davon. Ein preSbyterianischer Geistlicher in Pittsburg(Amerika) hatte in Begleitung seines Sohnes sowie zweier anderer Personen eine Auto- mobilfahrl unternommen, als der Chauffeur die Bahnstrecke an einer Stelle überqueren wollte, an der keine Schranke angebracht war. Als sich(wS Auto mitten auf den Schienen befand, brauste ein SchnellzliJrcheran. der den Kraftwagen eine Strecke weit mitschleifte. Die vier Jnsasien wurden auf der Stelle getötet, während der Chauffeur schwere Verletzungen erlitt. Das Automobil wurde voll- kommen zertrümmert. Eine in der Nähe befindliche Frau wurde von den Trllmmem so unglücklich getroffen, daß fie auf der Stelle tot war. Der fällige Fltegerabsturz. Der Pilot BIrkmaher, der heute morgen aus der Vahrenwalder Heide mit einem Hammer-Krollmann- Eindecker mehrere wohlgelungene Flüge unternommen hatte, stürzte beim Nehmen einer Kurve in Höhe von 15 Meter infolge BerfagenS des Motors ab und erlitt schwere Verletzungen am Hinterkopfe, so daß er bald darauf im Krankenhause starb. Der Eindecker wurde schwer beschädigt. r EEGH««» Unserem Genossen H � Albert Kleinschmidt* c v und seiner Braut JEIfosdcik Ttttbcrner zur heutigen Verinählung die herzlichsten Glückwünsche I 21» Bezirk, 3. Wahlkreit. S8999t66eee€6< €€€€«€•* � Unserm lieben Freunde« o August Ploger P § nebst seiner lieben Braut � die herzlich stcu Klückwünsche zur � Vermählung. 3 Freunde. � % Todes-Anzeigen Sozialdemokratischer Watilverein l. d. 6. ßeri. Reicbstagswahlkras Am 29. September verstarb unser Genosse, der Tischler Molk Heliigenwald WilhelmShavener Str. 69, Bez. 716 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 6. Oktober, nach- mittags 3'/, Ubr, von der Halle des Heilands-KirchhoseS in Plötzen- lee, Scestlaiie, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahltereln Keiiköiln. Den Parteigenossen zur Nach- richt, daß unier langjährige« Mit- glicd. der Tischler fiennsnn Kunze Nirmetzslr. 3,(II. Bezirk)»er. starben ist. Ehre seinem Andenken? Die Beerdigung findet am Sonnlagnachmiuag 3'/4 Uhr, von der ttcichenhalle des Neuköllner Gemeinde. Friedloses(Marien- dorser Weg) auS statt. Um rege Beteiligung erinchi Der Vorstand. Am Mittwochabend starb unsere liebe Mutter. Grotzmulter und Schwiegermutter, Frau 66tb Emilie Jontjo«-».«-mun im 30. Lebensjahre. llie trauernden Hinterbliebenen. Die Becrdia findet am launs. Montag, nachmittaa» 6 Uhr, von der Halle des städtischen FriedhosS in FriedrichSselde aus statt. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daß mein lieber Mann. unser herzensguter Vater Nermsna Kropp im Alter von 49 Jahren nach kurzem schwerem Leiden ver- jtoiBen ist. Die Beerdigung findet Sonn- tag, nachmittags 3 Uhr, vom Tranerhause, Räuschstr. 16, aus statt. 674b Um stille Teilnahme bitten WItve Kropp nebst Kindern. Verband der kupierschmiede DeiltSChlandS. Filiale Berlin. Am 2. Oktober verstarb unser Kollege klermann Kropp 49 Jahre alt) an den Folgen eines SchlaganfalleS. Sett Gründung der Organisation Milgiied, war er uns in den 2o Jahren ei» braver Kolleg« und guter Freund. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 6. Oktober, nach- mittags 3 Uhr, vom Traucrhanic in Borsigwalde bei Tegel, Rausch- strafte 15. aus statt. Rege Beteiligung erwartet Der Vorstand. Deutscher Ketallarfaeiter-Verbaiid Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Rohrleger HhmA Bier (Neukölln, Richardslrage 128) am 2. Oktober an Siervenletden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 6. Ottober, nach- mittag« 2 Uhr, von der Leichen- Halle eeS städtischen FriedhoseS in Neukölln, Manendorser Weg, aus statt._ Ferner starb unser Mitglied, der Schlosser Eggert lNeutölln, Hobrechtstr. 20) am 30. Sepibr. an Lungenlciden. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 6. Oktober, nach- mittag« 3'/, Uhr. von der Leichen- halle des städtischen FriedhoseS in Neutölln, Mariendorser Weg. aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet 216/16 Oie Ortsverwaltung. s Sozialdemokrat Wahlterein lür ll. Reichst-Wahlkr. Hiederbaroim Itezirk Bornignulde. Am Mittwochabend verstarb unser Genosse Hermsnn Kropp im Alter von 49 Jahren. Ehre seinem Andenken! DI« Beerdigung findet am Somitagnachmittaq 3 Uhr vom Trauerhause Räiischitr. 16 auS stalt. Zahlreiche Beteiligung«rwarlet 673b Die BezirkSleiiiing. Die Genossen und Genossinnen sammeln sich Ernststraße, Restaur. Strauß._ Allen Freunden und Bekannten die iraurige Nachricht, daß meine geliebte Frau und Mutler Knns König g-b UnnIle am 3. Ottober nach turzem schwerem Leiden lanst entschlafen ist. Tiesbetrübt bitten um stilles Beileid 67 db Ott» KSnlg Eine Kttniff, Tochter. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 6. Oktober, nach- mittags 3 Ubr, von der Halle des Neuköllner GemeinbejriedhoseS. Mariendorser Weg, aus statt. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Bezirksverwaltung GroS-Berlin. Den Mitgliebern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Droschken- sührer �uxust KHsctike am 2. d. MIS im Alter von 68 Jahren verstorben Ist. Eiire seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 6. d. M., nach- niiltagS 39, Ubr. von der Leichen- Halle deS st. Georgen-FrtedhofeS, Landsberger Allee. auS statt. 67/6 Oie Bezirktverwaltung. Dr. Sirnrnel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, Ä,"* 10—2. 5—7. Sonntags 10—12. 2—4 Reparaturen. Spez.i Unerläßlich saubere Mensur für Ichuter. 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Dieses urborussische Schauspiel soll sich auch bei der Streikjustiz wieder- holen. In der Essener Gerichtsverhandlung nahmen drei Kritiker der Streikjustiz auf der Anklagebank Platz. Am 31. März fand im Nordparisaale in Essen eine öffent- liche Bergarbeiterversammlung statt, die sich mit dem Verflossenen Bergarbeiterstreik beschäftigte. In der Diskussion nahm auch der Führer der Demokratischen Pereinigung von Essen, Rechtsanwalt Dr. Levh das Wort, um aus seiner Erfahrung als Verteidiger einer großen Anzahl»Streitsünder" heran? die Streikjustiz zu beleuchten. Dr. Levh krilisiecie die eigen- artige Handhabung der strafprozessualen Bestimmungen in Streiksachen. Das beschleunigte Tempo, die unnötige Ver- hängung der Untersuchungshaft, die Ermittelung, ob die An- geklagten und Zeugen organisiert seien, und die vielfach drakonischen Strafen. Schließlich wies Dr. Levh noch darauf hin, daß doch die Arbeiter nicht allein vom KoalitionSrecht Gebrauch machten. Rechts- anwälte, Aerzte und andere akademische Berufe nutzten das Recht auch aus und in diesen Kreisen gelte derjenige als nicht moralisch hochstehend, der seiner Berufsvercinigung die Solidarität bräche. Weshalb sollten denn die Arbeiter anders gewertct werden? Ans jeden gerecht denkenden Menschen müsse die Streikjusliz den Eindruck der Klassenjustiz machen. In diesem Sinne berichtete die„Essener Arbeiter- Zeitung" am 1. April über die Ausführungen Dr. Levys, auch der„Essener Allgemeine Beobachter" brachte einen ähnlichen Bericht. Durch die Ausführungen Dr. Levys und deren Wiedergabe in der Presse sollen die Lorsitzenden und die richterlichen Beamten des Essener Landgerichts beleidigt sein. Die Staatsanwaltschaft erblickt in den Darlegungen den Vorwurf eines Mangels an Objektivität und den Borwurf der Handhabung der Klassenjustiz. E§ ist deshalb Anklage erhoben 1. gegen Dr. Levh, 2. gegen den Redakteur Genossen Neumann von der„Essener Arbeiter-Jeitung" und 3. gegen den Redakteur Eugen S ch 0 r e ck vom„Allgemeinen Beobachter". Die Angeklagten haben zunächst den Versuch gemacht, denÄahr- heitsbcweis anzutreten. Sie behaupten, die Anklage sei zu Unrecht aus§ 186 Str.-G.-B. erhoben, eS müsse auch§ 186 Str.-G.-B. herangezogen werden. Formale Beleidigungen enthielten die Aus- führuugen nicht. Deshalb könne der Wahrheitsbeweis nicht adge- schnitten werden. Der Ausdruck„Klassenjustiz" sei ganz selbst- verständlich nicht im Sinne einer bewußten Rechtsbeugung zu ver- stehen, sondern eS sei hiermit nur das unbewußte Befangensein in der Anschauung einer bestimmten Gesellschaftsklasse gemeint. So sei dieses Wort in der Literatur und Presse unzählige Male un- beanstandet angewandt. In diesem Sinne chatten die Urteile aller- ding« den Eindruck hervorgerufen, daß die Richter nicht mit voller innerer Unbefangenheit den Prozessen gegenüberstanden. Die Angeklagten beantragten zunächst den Oberlandes- gerichtspräsidenten in Hamm und den Landgerichts- Präsidenten in Essen als Zeugen zu laden. Die Herren sollten bekunden, daß auf Wunsch aus dem Justizministerium die Verfahren in Streiks außerordentlich beschleunigt worden sind. Außerdem sollten die Zeugen bestätigen, daß speziell in diesem Sinne von beiden Herren eingewirkt sei und daß auch der Herr Oberlandes- gcrichtSpräsident sein stärkstes Mißfallen darüber ausgesprochen hatte, daß das Essener Gericht so langsam arbeitet. Es war ferner beantragt, vier Rechtsanwälte zu lade», die vor« nehmlich in Streikprozessen als Verteidiger tätig waren. Diese sollten bekunden, daß wegen der kleinsten Lappalien Offizialklage erhoben wurde, daß die Anklageschriften in vielen Fällen so ungenügend be- gründet waren, daß die Angeklagten nicht wußten, was ihnen vor- geworfen wurde; daß ferner sogar doppelte Anklagen erhoben wurden, obwohl die Angeklagten schon einmal freigesprochen waren und daß wegen geringer Lappalien Verhaftungen veranlaßt seien. Jeder Haftentlassung sei von der Staatsanwaltschaft mir der stereotypen Begründung widersprochen, daß die Strafe ihren Zweck sonst ver- fehle. Bei der Strafvollstreckung sei äußerst rigoros verfahren sbe- kanntlich wurden Mütter mit Säuglingen erbarmungslos ins Gefängnis gesteckt). Die Anwälte sollten noch bestätigen, daß die Vorsitzenden der Strafkammern dahin wirkten, daß die Augeklagten auf die Erklärungsfrist verzichteten; daß ferner im Verhältnis zu der sonstigen Judikatur außerordentlich hohe Strafen verhängt wurden: daß schließlich die gerichtlichen Maßnahmen eine gründliche Vorbereitung der Verteidigung teils vereitelten, teils außerordentlich erschwerten. AIS Zeuge sollte noch der Landgerichtsdirektor Waujura- Dortmund geladen werden. Er sollte bekunden, daß von der Staats- anwaltfchafl und auch von den Strafkammern mit übertriebener Eile und nicht mit der nötigen Sorgfalt gearbeitet war. In zahllosen Fällen sei die der Judikatnr widersprechende Jdealkonkurrenz des§ 153 der Gewerbeordnung mit Beleidigung oder Körperverletzung angenommen, indem in zahlreichen Fällen wegen Aeußerungen auch nach Beendigung des Streiks oder gegen- über Personen, die gar nicht zur Klasse der Arbeiter gehörten, An- klagen wegen Vergehen gegen§ 153 der Gewerbeordnung oder wegen versuchter Nötigung erhoben wurden. Der Zeuge sollte noch bekunden, daß die von ihm geleitete Strafkammer im bewußten Gegensatz zu der anderen Dortmunder Strcikkammer in leichten Fällen auf Geldstrafe erkannt hat und daß die prinzipielle Erkennung von Gefängnisstrafen auch in den leichtesten Fällen der sogenannten Streikvergehen durch die andere sogenannte Strcikkammer von ihm(Direktor Waujura) und den anderen Mitgliedern seiner Kammer als ungerechtfertigte Härte und der Ausfluß einer gewissen Befangenheit betrachtet worden ist. Alle Beweisanträge sind als unerheblich vor dem Termin abgelehnt. Die Zeugen sind zum Teil aber direkt geladen. Die Verteidigung führen Reichstagsabgeordneter Genosse Heine und Rechtsanwalt Max Frank I-Dortmund. Ueber den Ausgang der Verhandlung werden wir berichten. Jugendbewegung. Ein Pastor über die proletarische Jugendbewegung. In der Zeit, wo die Behörden nicht genug in der Verfolgung der proletarischen Jugend tun können, ist es auch interessant, Männer zu hören, die die proletarische Jugendarbeit mit anderen Augen ansehen wie die staatlichen Behörden. Der Pastor Schröder in Krcl hielt kürzlich einen Vortrag über„Sozialistische Jugendarbeit und Staat" und äußerte sich dabei folgendermaßen über unsere Jugendarbeit: „Gegenüber der reaktionären Jugendpflege verfolgt die sozial- demokratische Partei eine gleichstellende Hebung der geistigen Entwickclung der Jugend aller Kreise. Sir ist bestrebt, mit gcist- anregenden Mittet» in dieser Sinsicht immer vollkommener zu wirken, um dadurch weitere Kreise der Jugend heranzuziehen zu einer Arbeit, die der sich bedenklich ausbreitenden Degeneration wesentlich abhelscm dürste, llduu ist es aber bedauerlich, daß der Staat dieser auf sozialistischer Grundlage ausgebauten Jugend» arbeit nicht wohlwollend gegenüberstehe, sondern sie bekämpfe. Habe das innere Berechtigung? Ilm die Jugend nicht so früh- zeitig mit politischen Fragen zu belasten, müßten die politischen Jugendvereinigurrzen in»npoliti.schc umgewandelt werden. Man ist sogar so uuklwg gewesen, gegen diese politischen Jugcirdvereini- gungen mit polizeilichen KampHnitteln vorzugehen. Durch diese Handlungsweise der Regierung ist aber nichts erreicht, sondern nur Unheil angerichtet worden." Der Pastor besprach dann mich den Erlaß des Kultusministers betreffs der Jugerchpslcgc im nationalen Sinuc und meinte dazu: „Diese von der Regierung angestrebte Jugendarbeit ist eigen- artig. Sic hat für die Mitglieder der Jugendvcrcine auf uatio- nalcm Boden eine Ermäßigung der Preise für Bahnfahrten ge- währt und l'/j 3 Millionen Mark für Unterstützung in den Staats- souds eingestellt, während für die sozialistschen Jugcndvereine nichts geschah. Aian lasse der sozialistischen Jugend erst Ruhe und Zeit, damit sie zc igen kanu, 1/6 sie bessere Früchte zeitigt als die reaktionäre Jugendpflege. Sifan erweise. ihr alle Liebe, die bei ihren Gegnern stfli osi vermissen laßt." Wenn der Herr; Pastor die politischen Jiigendverein« in unpolitische umwandeln will, wog er bei den sogenannten nationalen Jugendvereinen anfangen; denn, die so viel verfolgte und bekämpfte proltarische Jiigcndbekwgung betätigt sich auf unpolitischem Boden. Den Beweis hat die proletarische Jugendarbeit heute schon erbracht, daß sie bessere Früchte z�Uigt als die reaktionäre Jugendarbeit. Literatur. Im Verlag von I. H. W. Dich N a ch f. in Stuttgart ist soeben erschienen: Gnuidfro gen der Erziehung. Von Otto R ü hl c. 23. Bändcheu der„Kleinen Bibliothek". Inhaltsverzeichnis: ,V Theoretische Grundlage und soziale Voraussetzungen. Erzieh»! ig. Auigai-e der Erziehung. Erziehungs- idcalc. Abriß der Grzi, ehungsgeschichte. Jndividnaiistisckw und soziale Pädagogik. CwzrÄhungsmiitel: Psychologie und Kinder- sorschuug. Das Normalki: id. Mängel und Ausgleichsversuche. Ter sensorische und motorisch r Typus. Das proletarische Kind.— II. Tie Erziehung im.Hause. Vorgeburtliche Erziehung. Die Familie»nd ihre erzieherische Mission, �icivöhming und Nach- ahmung.«piel und Artint. Phantasie und Märchenwelt. Spracke und Intellekt. Gchorse m. Strafe. Geheime Miicrziehcr.— III. Die Erziehung in der Schule. Elternhaus und Schule. Ter kindliche Gedankenkreis. Schulbeginn. Kapitalismus und Schul«. Polksschulclcud. Mgeur.'mc Volksschule und Einheitsschule. Das Drillsystem. Die Arbei tsschule. Rcligiouspaukcrci und weltliche Schule.— IV. Tie Erziehung im uachschulpilichtigcn Alter. Mcistcrlchrc und Fabykarbeit. Austritt aus der Setmlc. Fort- bildungsschule. StaatÄ'ärgerliche Erziehung. Bürgerlicher und kirchlicher Jugcwdsang. Tic proletarische Jugeiidbewegung. Preis eines jeden Bäichchens broschiert 75 Pf., gebunden 1 M. Vcreinspreis 56 Ps. Potsdamer Ltr. 2 Tauentzienstr.lDa Tauentzienstr. 7b Friedrich• Str. 75 Königstr. 25 u. 26 Rosenthaler Str. 5 Oranien-Str. 161 Gr. Frankfurter Str. 123 Chaussee-Str. 11� Charlottenburg.WilmersdorferStr.W Schöneberg, Haupt-Str. 116 Neukölln, Berg-Str. 25 Etwas Schöneres und Eleganteres wie unsere Neuen Modelle wird wohl selten geboten! Sie sind der Höhepunkt in Geschmack, Farben Garnierungen, Formen, Stoff- u. Lederauswahl. 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Montis Operetten-Theater (früher STenes Theater) AbendS 8 Ubr: Goldener Leichtsinn. Theater am Nollendorkplaff tNeues Schauspielhaus). Täglich abends 8 Uhr: Gastpiel des Münchener Künstler. Theaters: Orpheus in der Unterwelt. ()goi8G!iS8 Schauspielhaus Abends 8 Uhr: (Komische Oper). Rtlidkiü-Thkiiln. 8 Uhr: Der Herr tum Nr. 19. Schwant in 3 Akte» von Keroui und Barr«. Sonntag, 6, Ott., nachm. 3 Uhr: Ein Walzer von Chopin. Luisen-Theater. Sonnabend nachm. 4 Uhr Kindervorstellung: Der gestiefelte Kater. Abends 8 Uhr: Die Meineid- gröfin. Soimlag nachm. 3 Uhr: Der Walzerkönig. Abends 8 Uhr: Die gelbe Gefahr. Montag: Die Meineid grüfin. Trianon-Theater. Abends 8 Uhr: Liebesbarometer. öonnt. 3Uhr: ose selige Toupinel. Reichshallen-Theater Stettiner Sänger. Eröffnung der Wintersaison. Gr. Orchester: Dirig.; R. Schräder. €Die dacht iler Töne. Burleske o. MeyseL Ans. 8 Uhr. Nächsten Soimtag. den 0. Ott.: Erste Sonntags-Siachniittags- Borsteiiung zu ermüff. Preisen. Ansang 3 Uhr. 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Rauchen gestattet. Morgen 3 Uhr: Tata Toto. Poigt-Theater. Gesundbriumen Badilraße 58. Morgen Sonntag, d. 5. Oktober 1212, nachmittags 3 Uhr: Vrilk»)'. Abends 7 Uhr: Drei Paar Schuhe. Lebensbild mit Gesang in 4 Akten von Karl Gö-litz. Kassenerössnung 10 Uhr. umfciii Premiere der Novitäten Die Alpenbräder. Komödie in 2 Akten von Anton und Donat Herrnfold mit den Autoren in den HauptroUen. Hierzu: Ein tolles Atelier. Schwank in 1 Akt v. H. Pohlmann. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf 11— 2 (Theaterkasse). JIL f 1aV1�:: Berliner:: 4HP �ViUlft Konzerthaus '*** MauerstraB« 82.— ZimmerstraBe 90/91. Heute! GfOßeS Voppel-Konzef t. Heute! Berliner Konzerthaus-Orchester vS/lomp Musikc. II. Garde-Regts. z. F. 0SeaUi. Anfa/ig 8 I hr. Eintritt 50 Pf. Anfang 8 Ehr. Eintritt 50 Pf.----- lontag, den 7. er., abends 8 Uhr; Populäres Konzert d. Berliner Sängervereins (Cäcüia-Melodla). Chormeister: KgL Musikdir. Max Eschke. 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Achtung! Montag, den 7. Oktober, abends K Uhr, im GewerlschaftShause, Engelufer IS: Große Versammlung der Berliner Gürtler wie auch der in den Gürtlereien beschäftigt. Kronenfchlosser. Tagesordnung: 1. Unsere nächsten Aufgaben unter besonderer Berücksichtigung der letzten Lohnbewegungeu. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegcnheitcn und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert."WsZ 125/14 Es wird erwartet, daß in dieser Versammlung alle Kollegen erscheinen; niemand dars iehlcn. vi« Ortsverwaltung. Zeitnngs Ausgabestelle» und Jnseraten-Annahme. i itllbert H a b II i s ch. Zlikerftr. 174, am Koppenplatz. K. �VatilUncin. W.: fHuft. Schmidt, Kirch b ach str. 14, bochparterr S. und SW.: Hermann Werner, Nneisenauftr. 72. U. HValillti»«!»: 4. iVnhlkrolH St. Fri: Oft e n; Priiizcnstr. 31, Hos recht« Varl. lodert W e n g e I S, Gr. Frankfurterstr. 120. — Ziichard H a ck c I b u s ch, Petersburgervlatz 4(Laden). 4. Wo lilkrclet. S ii d o it e«: Paul B ö b m. 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Teilzahlung gestattet. » IseliliülW- _R Rolle: Vierteljahrsversammlung des WahlvercinS. Vorirag des Genossen Groger über:„Die Grundideen des Sozialismus". Oranienburg. Sonntag, den 6. Oktober, nachmittags 4 Uhr, im Lokal„Waldhaus Sandhausen", Schnyenstr. 3t: Oeffentliche sxrauenversammlung. Genossinnen und Genossen! Sorgt für Massenbesuch._ Die Bezirksleitung. Berliner Nachrichtens Lauben-Abban. Alle Freud' hat ein End'. Draußen vor den Toren der Stadt sieht es greulich aus. Verwaist sind die Laubenkolonien, verblüht ihre Blumengefilde. In alle Winde ist verstreut, was den Sonimer über das Auge so herrlich erfreute. Der Oktoberwind fordert seinen Tribut, rast in den kahlen Bäumen und Sträuchern, in den holzgefügten Lauben. Vorsichtige sind schon vor Wochen mit allem Krempel Heimwärts zur Stadt gezogen. Die letzten spärlichen Kartoffeln wurden aus dem mageren Boden gebuddelt, die wertvollsten Zierpflanzen gegen Winters Rauheit gesichert und in die Erde ge- senkt, die Landen selbst, damit sie nicht fortfliegen, mit Blechplatten und Steinen beschwert. Vernagelt sind die Fenster, dicke Vorlegeschlösser hängen an der Tür. was nicht hindert, daß hier und da im Winter doch ein Heimloser sich als ungebetener Gast meldet. Viele, die schon trübe Erfahrungen gemacht haben, nehmen ihre leicht- beschwingte Laube ganz auseinander und verstauen sie auf dem Hansboden, um im Frühjahr die alte Herrlichkeit im verjüngte» Gewände wieder aufzubauen. Bei schweren Lauben. die richtige kleine Landhäuser sind, geht das nicht so leicht. Sie machen den Winterschlaf an Ort und Stelle mit. Leer sind auch die Laubenställe, in denen es im Sommer von allerlei Getier kribbelte und krabbelte. Ist der Stall für das Vieh geräumig genug, dann nimmt mit der fauligen Streu im harten Winter auch ein unglücklicher Mensch vorlieb.„Generalpächterslust", die geheime Alkohol-Gold- grübe hat ihre Pforten geschlossen. Zu Hause sitzt der Unternehmer und rechnet gierig nach, was er all den proletarischen Landwirten der Großstadt aus dem schmalen Beutel zwackte. Selbst die sonst so lustig im Winde flatternden Wimpel aus den Fahnenstangen sind bis auf den allerletzte» eingezogen und nur noch traurige Reste bunte» Papiers von der Erntefesldekoration an langen Strippen er- zählen von entschivundener Herrlichkeit. Nur- ein halbes Jahr. dann siegt im ewigen Rnndlaus wieder mal das Frühlings- kind. Tausende gehen mit neuem Eifer heran an ihr Feier- stundcnwerk, dem undankbaren Boden eine Wenigkeit abzu- locken und die Drangperiode des Proletariats zu ver- schönen in enger Verbrü erung mit der allumfassenden Natur. Der Stadtmediziualrat für Berlin. Der Magistrat bat sich in seiner gestrigen Sitzung grnnd- sätzlich dahin schlüssig gemacht, die Stelle eines Stadt- nicdizinalrats als besoldeten Mitgliedes des Magistrats zu schaffen: die nähere Ausgestaltung der Stelle ist späterer Be- schlußfassung vorbehalten worden. Gleichzeitig ist die Schaffung einer weiteren Stelle für einen unbesoldeten Stadtrat be» absichtigt. Mit diesem Beschluß hat der Magistrat dem lange ge- hegten Wunsche der Berliner Stadtverordnetenversammlung endlich nachgegeben und einen Konfliktsstoff zwischen den beiden städtische» Körperschaften aus der Welt geschafft. Ursprünglich im wcsenllichen nur von der sozialdemokratischen Fraktion verlangt, brach sich mit der Zeit die Ueberzeugnng von der Notwendigkeit eines Stadtmedizinalrats für Berlin auch bei den bürgerlichen G, Uppen der Stadtverordneten Bahn. Der Umfang des städtische» Gesundheitswesens ist so groß und vielgestaltig, daß es uuter die Oberleitung eines voll- kräftigen, sachverständigen Mannes gehört, der sich ans- schließlich mit der Materie zu beschäftigen hat. Der Magistrat setzte diesen Wünschen der Stadtverordneten heftigen Wider- stand entgegen, weil er und vor allem der verstorbene Ober- bürgermeister Kirschner einer Vermehrung des Magistrats in Rücksicht aus seinen Umfang widerstrebte. Noch vor den Ferien wurde der Stadtverordnetenversammlung eine Vorlage unterbreitet, in der die Schaffung von Direktorstellen für einzelne Zweige der städtischen Verwaltung beabsichtigt wurde. Diese Vorlage fand aber in einem zu diesem Zivecke eingesetzten Ansschnsse keine Gegenliebe. Noch in voriger Woche fanden Aussclnißverhandlnngen statt, die dantit endeten, daß eine Ver- tagnng beschlossen wurde, weil der neue Oberbürgermeister sich näher über die Sachlage unterrichten wollte. Durch den nunmehr erfolgten Beschluß des Magistrats muß die frühere Magistratsvorlage als zurzeit gegenstandslos angesehen werden. Durch die Vermehrung des Magistrats um ein besoldetes Magistratsmitglied ist zugleich die' Errichtung einer neuen Stelle für einen unbesoldeten Stadtrat notwendig geworden, weil die Zahl der besoldeten der der unbesoldeten Magistrats- Mitglieder gleich sein soll.__ Um Epidemien im Obdach vorzubeugen, soll auf dem Hofe des Obdachs eine Krankcnbaracke errichtet werden, die Platz für 28 Betten bietet und nur von Kranken mit ansteckenden Krankl>eiten solange benutzt werden darf, bis sie nach einem Krankenhaus über- geführt nxrden können. Diesen Beschluß faßte das Obdachkurato» rium in seiner letzten Sitzung einstimmig. Bei der Debatte kam es zeitweise zu einer sehr stürmischen Augelnandersetzung wegen des seinerzeit zur Ucbcrraschung aller Beteiligten so plötzlich in der Versenkung versckwundemn sogenannten BerpflegungshauseS. Vor Jahr und Tag hatte das Kuratorium einstimmig beschlossen, auf einem noch freien Gelände des Obdachs ein.vaus zu erbauen, das 120 Betten fü. Krank« des Obdachs ausnehmen tonnte ,o daß man jederzeit in der Lage war, auch Schwerkranke bis zur Aufnahme in ein Krankenhaus von den gesunden Obdachbesuchern zu trennen und Leichtkranke gleich dort bis zur Gesundung zu debandeln. Ein Bauplan, der nur Raum für 90 Betten bot, wurde der Baukommission mit dem Bemerken zurückgegeben, die dritte l-tage, die nur als Mittelbau gedacht war, auszubauen. So kam das Prosekt zu- stände, das dann mit Raum für>20 Betten einstimmige annähme im Kuratorium fand. Der Magistrat stimmte diesem Prosckt eben- falls zu und machte der Stadtverordnct.nversammlung eine dement- sprechende Vorlage. Die Stadtverordnetenversammlung wies die Sache zur Vorberatung an einen Ausschuß. Jetzt plötzliw �evor der Ausschuh noch tagen konnte, wurde die Vorlage ohne Kenntnis des Kuratoriums, ohne Kenntnis des Ausschusses und der»Stadt- pepuchnetenversammlung zurückgezogen. Im Kuratorium wurde nun von sozialdemvkratischer Seite unzweideutig zum Ausdruck ge- bracht, daß hier wohl hinter den Kulisien geheime Kräfte tätig waren, die es fertig gebracht haben, die Beschlüsse des Kuratoriums und Magistrats zu Wasier zu machen. Solchen..Schiebern" hinter den Kulissen müßte man künftig gehörig auf die Finger klopfen, um ihnen ihr Handwerk zu legen. Jatzt hat nun sich ergeben, daß allein jeder Krankentransport vom Obdach nach dem Lazarett im Rum- melsburger Arbeitshaus 4 M. kostet und zwar nur dann, wenn man eine Droschke hierzu nimmt. Es wurde mit Recht darauf hin- gewiesen, daß der Transport hlsjsienisch und gesetzlich unzulässig und für die Bevölkerung eventuell äußerst gefährlich sei. daß aber ein Transport mit Krankenwagen teurer wäre, als manchmal die ganzen Kurkosten bei Leichtcrkranktan betragen würden, wenn sie gleich im Obdach behandelt werden würden. Wie wenig aber bei einer flüchtige» Untersuchung der Arzt immer imstande sei, Leichtkranke von Schwerkranken zu unteckscheiden und dafür zu sorgen, daß nur solche nach dem Lazarett ich Rummelsburg kämen, wäre dadurch bewiesen, daß von den nach Runimelsburg geschafften angeblichen Leichtkranken acht Personen, verstorben sind. Besonders müsse immer wieder darauf Hingewiese« iverden, daß die Obdachverwaltuna nur allzu oft in die Verlegenheit gekommen ist, Schwerkranke und mit ansteckenden Krankheiten Behaftete, wie Lupuskranke, Tuberkulose-, Typhus-, Scharlach- und Diphtheritiskranke in den Krankenhäusern nicht untestbringen zu können. Die Kranken mußten monate- und wochenlang im Obdach behalten werden, obwohl sich die Verwaltung der Gefahr bewußt war, in die sie die Insassen des Obdachs und durch diese wiederum die ganze Bevölkerung brachte- Gerade die Zeit der Mcthylalloholaffäre ist hier ein warnendes Beispiel. Von einer anderen Seite wurde jchlicßlich angeregt und beantragt, das Familienhaus des Siechenhcruses durch Verlegung der alten Ehe» paar« nach Buch zu räumen und darin bis zur Fertigstellung des Verpflegun�shouses die Kra»ken unterzubringen. Die Verwaltung des Familienhauses sollte dann dem Obdach zuerteilt nxwden. Schließlich wurden beide Arrträge angenommen und zivar der. der die Wiedereinbringung der Vorlage zur Erbauung des Verpflegungs- Hauses fordert, einstimmig; gegen den ersten Antrag hatte sich der Vorsitzende des Kuratoriums des Siechenhauses gewendet. Außer- dem wurde beschlossen, bei der Bauverwaltung wegen der Beschleu- nigung der Baupläne betueffend die Erweiterung des Obdachs vor- stellig zu werden. Ueber die mißbräuchlich« Benutzung des Obdachs und der Entbindungsstation seitens anderer Gemeinden und Behörden, indem sie Hilfsbedürftige nach Berlin abschieben, soll den Mitgliedern des Kuratoriums in den nächsten Tagen eine Broschüre zugehen, die ein Teil des unglaublichsten Materials enthält. Der erst« Nachtfrost. In der vergangenen Nacht sank das Thermo- meter in Berlin zum ersten Male unter den Gefrierpunkt. Das nächtliche Temperaturmdtimnm betrug in der Stadt 1 Grad Kälte, und in der Umgebung dürfte das Quecksilber noch stärker ge- funken sein. Zu dem verbrechen an der See- und Lüttichrr Straße, dem die Frau Klarner aus der KöSliner Straße zum Opfer fiel, wird jetzt gemeldet, daß die weiteren Ermittelungen einen für den verhafteten Täter, den 22 Jahre allen Arbeiter Hermann Ackermann, ungünstigen Verlauf genommen haben. Ackermann hatte behauptet, daß er sinnlos betrunken gewesen sei, und wurde zunächst nur der Körperverletzung mir tödlichem Ausgang beschuldigt. Die nachträglichen Ermittelungen haben jedoch viele seiner Behauptungen als unwahr erwiesen. Er erscheint jetzt so schwer belastet, daß gegen ihn die Voruntersuchung wegen Morde? eröffnet worden ist, obwohl er immer noch bestreitet, die Frau mit Vorbedacht getötet zu haben. Umlrnkung von Straßenbahnlinien. Die Große Berliner Straßenbahn ist genötigt, wegen Kanalisationsarbeiten in der Trcskowstraße zu Tegel die Linien 2S, LS und 31 vom Montag, den 7., bis Freitag, den II. Oktober, von 8 Uhr abends an bis zum Wiederbeginn des Betriebes in beiden Richtungen umzuleiten. Die Wagen fahren dann nicht über die Treskow- und Schlieperstraße, sondern durch die Berliner Straße. Der Handel mit Brennmaterialien an den Sonntagen nach dem 1. Oktober ist nach dem Ottsstatut nur in der Zeit von 12— 2 Uhr zulässig, was wir im Hinblick auf unsere gestrige Mitteilung hiermit berichtigend mitteilen wollen. Der Raubüberfall am Kurfürstendamm ist noch immer nicht ge- klärt. Daß die beiden räuberiichen Perionen, ein Mann von etwa 2S Jahren und eine gutgelleidete gleichalterige Frau, sich auf die von dem Dienstmädchen geswilderte Weile Eingang in die MichaeliSiche Wohnung verschafft baben, ist jetzt sestgestellt. Unerklärlich erscheint es aber, warum sie die Zeit bis zum Erscheinen der Frau M. nicht ausgenützt und Geld und Wertsachen an sich genommen habe». Sie hätte» reichlich Zeit gehabt, einen Raub auszuführe» und dann zu verschwinden. Daß die beiden Personen es ans das Leben der Frau M. abgesehen haben sollten, ist kaum anzunehmen. Merk würdig erscheint auch, daß das Mädchen trotz seiner angeblich furchtbaren Angst. in Gegenwart des Räuberpaares, das mit Revolver und Meffer bewoffnel war. der zurückkehrenden Frau Michaelis zuzurufe» gewagt hat:„Bleiben Sie draußen, hier sind Räuber, die Sie erschießen wollen." Weder die Vernehmungen des Dienstmädchens, noch die seiner Herrin, die eine velovming von 300 M. für die Ergreifung der Täter ausgesetzt hat. ergaben irgend einen Anhaltpunkt für die Verfolgung einer Spur. DaS Räuber» paar ist auf seiner Flucht von verschiedenen Zeugen gesehen worden. Die Polizei rechnet mit einer überraichendeii Aufkläniiig der Angelegenheit— Von anderer Seite wird hierzu noch mitgeteilt: Der Räuber trug bekanntlich eine Poslmütze. mit der er auch ent- flohen ist, hat sich aber kurz darauf bei Schnchacdt in der Wilniersdorser Str. 69 eine iogenannle Chauffenrmiitze gekankt. Heute mitlag ist nun von einem jimgen Mädchen. Helene Most. in dem Nebenhaute Wilmersdorfer Straße 68 auf dem Vodenfenster eine gut erhaltene Postmütze gesunden mordeit. Sie kann dort nicht lange gelegen haben und scheint dem Träger zu groß gewesen zu sein, denn eS befand sich darin eine Papierenilage, die Nummer einer Zeirung vom 1. Okiober. Außerdem befand sich in ihr noch ein Knäuel zuiamengeballrcs Papier, in das die Mütze wahrscheinlich eingrivickelt gewesen war. Man schließt auS diesem Funde, daß. da der Räuber nach Ausführung der Tat sich der Postmütze in dem Haufe Nr. 68 entledigt hat, nachdem er im Nebenhause Nr. 69 eine neue Mütze erstanden hat. Zwei schwere Straßenunfälle, bei dem einer tödlich verlief,«r- eigneten sich gestern nachmittag in der Müller- und Alexander- straße. An der Ecke der Müller- und Burgsdorfstraße geriet eine unbekannte Frau, die anscheinend wohl zum Einholen ausgegangen war, unter einen Müllwagen der Berliner Wirtscheiftsgenossenschaft, wurde überfahren und so schwer verletzt, daß sie kurz nach der Aufnahme im Virchowkrankenhaus starb. Vor dem Hause Alexander- straße 32 wurde eine Frau, die den Fahrdamm überschreiten wollte. von einem Straßenbahnwagen gefaßt, auf die Seite geschleudert und zu Boden geworfen. Sie zog sich eine schwere Gehirnerschütterung zu, blieb besinnungslos liegen und mußte nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht werden. Auch sie ist noch unbekannt. Die Tote ist ungefähr 60 Jahre alt und mittelgroß, hat grau- meliertes Haar und trug eine weißkaricrte Scknirze, einen schwarzen Rock, ei» braunes Jackett und sckstrarze Zugstiesel. Ihr Trauring ist„?l. S. 12. 7. 60" gezeichnet, während ihr Taschentuch mit den Buchstaben„E. F." versehen ist. Die Besinnungslose ist ungefähr 60 Jahre alt, hat grau- meliertes Haar und blaue Augen und trug ein schwarzes Kleid, einen hellgelben Mantel, einen schwarzen Hut mit Blumen und Zeugschuhe mit Lackjpitzen. Ein schwerer Straßendahnunfall hat sich am gestrigen Freitag am Zoologischen Garten zugelragen. An der dortigen Endhallestelle der Straßenbahn wurde em Zug der Linie?. rangiert. Während der Zug sich in Bewegung befand, versuchte eine Frau Martha Zentner den Hinterperron des Motorwagens zu besteigen. Sie rutschte vom Trittbrett ab und kam so unglücklich zu Fall, daß sie besinnungslos liegen blieb. Die Verunglückte wurde nach dem Krankenhause Am Urban geschafft, wo festgestellt wurde, daß Frau Z. einen Beckenbruch und eine schwere Ouetjchung des linken Unter» ichenkels erlitten halte. � Rekognosziert ist der junge Mann, der auf der Nordbahnstreck« in der Nähe der Station Sachienhausen überfahren und getötet worden ist. Die polizeilichen Nachforschungen haben ergeben, daß der Verunglückie der 18jährige Sohn des in der Rodenbergstraße 37 in Berlin wohnenden MagistratSaisistenten Wieland ist. Der junge Mann, der die Prima eines hiesigen GyinilasiumS besucht, hatte sich bei einem bekannten Kausinann in Sachseuhauien einlogiert, um dort die Ferien über zu verweilen und sich zu erholen. Offenbar ist W. bei einem Spaziergange versehemlich auf den Bahnkörper geraten und dabei vom Zuge erfaßt worden, ehe er sich in Sicherheit bringen konnte. Ein Selbstmord erscheint ausgeschlossen, da hierfür absolut kein Grund vorhanden war. Angehörige gesucht. Am 7. Juli d. I. ist der als Heizer bell norwegische» Dampfschiffes„BergenhuS"(Kapitän John KärS> be- ichäftigie angebliche deutsche ReichSangebörige Willi Otto Sissart oder Rissart. 22 Jahre alt. geboren in Berlin, im Hafen von Pott iSchwarzes. Meer) ertrunken. Er ist am 11. desselben Monats auf« gestickt und in Poti beerdigt worden. Personen, die über den Er« trunkenen' und dessen Angehörigen Auskunft geben können, werden erilicht dem kvnigl Polizeipräsidium Berlin, Abteilung II, zum Alien« zeichen 8. 376 II. H. 12 schriftlich oder persönlich auf Zimmer 206 ihre Angaben zu machen. Ein größerer Brand alarmierte gestern früh 6 Uhr die Berliner Feuerwehr nach der Linienstr. 22. Dort stand auf dem Hof ein Futterboden über einem Pferdestall in hellen Flammen. Die Pferde waren schon von Zivilpersonen in Sicherheit gebracht worden. Die Feuerwehr griff sofort mit zwei Schlauchleitungen ein, konnte aber nicht verhüten, daß der Futterboden vollständig ausbrannte. Di« Lösch- und Aufräumungsarbeiten zogen suih über drei Stunden hin. Die Ursache des Feuers ist nicht ermittelt.— In der Turmstr. 18 brannte vorher eine Laube auf dem Hof. Auch hier mußte längere Zeit Wasser gegeben werden, um die Gefahr zu beseitigen. In der Jugendversammlung in den„Arminhallen" am Mitt» woch, den 2. Oktober, ist ein seidener Herrenschirm gefunden wo» den. Derselbe ist in der Zeit von 6—8 Uhr abends bei E. Rüde, N. 68, Greifenhagener Str. 77, abzuholen. Zu dem Bauuiifall auf dem Neubau Ecke Linden- und Oranien» straße wird uns von Arbeitskollegen des verunglückten Bauarbeiters Wiegert mitgeteilt, daß das Unglück eintrat, weil eine an einer Säule befestigte Spreize abriß, wodurch der Arbeiter abstürzte. Eine Schutz- Vorrichtung, die ihn hätte auffangen können, fei am Gerüst nicht vorbanden gewesen. Wiegert ist inzwischen seinen Verletzungen im Kranleiihause erlegen. Der Wintergarten hat sein Oktoberprogramm in guter Zusammen» stellung herausgebracht. Die Vorherrschaft vor onderen Spezialitäten bat diesmal die Tanzkunst. Beine, nichts als Beine sind in drei Prograiinnnummern die Hauptsache. Modo Minty vom Thealer Folies Maringuy-Paris tanzt, umgeben von ihren Damen, eine leichte Panronnme, während sie die Ausgelassenheit als tanzender Harlekin löstlich zum A»sdruckK>ringt. Ihr folgt Maria Bordin von der Mailänder Skala als Ballerina, die mit ihrem Partner Bon» liglio das klaisische Ballelt in tadelloser Form vorführt. Der Ge» fang ist diesmal iellsamerweile durch einen Jndiauerbäupiling Kawbawgam vom Chippcwa-Staimn vertreten, der einen ganz passablen Tenor singt. Als tanzende Violinistin produziert sich Frön» lein Avelte, die auf der Bühne wie wild hin und her rast. Ueber gewaltige Körperkräfle versügl Louis Hardt, ein unlei letzter Mensch, der mit einem Halden Dutzend starken Männern wie mit Bleisoldaten umgeht. Fußballspiele der Arbeiterturn« und Sportvereine. Immer größer wird die Zahl der Spiel- und Sporttreibenden. Das beweisen auch die vielen MaiinschaftSmeldungen zu den geregelten Fußballspielen der im Spielausschuß Graß-Berlin vereinigten Arbeiterturn- und Sportvereinen.(Adresse! Paul Schmidt, Berlin. Griinthaler Str. 9.) Im Vorjahre beteiligten sich l6 Bereine mit 28 Mainischaften, in diesem jJahre sind 32 Vereine mit etwa 60 Mannschaften gemeldet. Die Vereiinglnig gebört dem Arbeiterturiierbunde an. siebt also im Gegensatz zu den Verbänden, welche dem Jun.identschlaiidbunde bei« geirelen sind, als wie: Verband Braiidenburgischer Ballipielvcreine, Spielverband der Turner im Norde» Berlins(Deulsche Turnerschaft). — A»i Sonntag beginnen die Serienspiele. In der 1. Klasse(Ge» übtere) stehen sich gegenüber: Rummelsburg— Spandau in Lichten» berg, Miqiiel-, Ecke Kraelkestraße. Charlottenburg— Schäneberg in Charlonenburg. Exerzierplatz. Spielbeginn llfs mit billige,» Fleisch zu beraten hat. Nachdem der Stadtverordnete D r o s e die Vorlage kurz be- gründet hatte, hob Genosse Schröder hervor, daß«in von sozial- demokratischer Seite in der ersten Slyung nach den Ferien ausgearbeiteter Autrag an der Schwierigkeit der Erlangung genilgeilder Unterschriften gescheitert sei. Um so mehr Genug- tun, ig empfinde er darüber, daß die große Fraktion jetzt aus eigenem Antriebe Teuerungsinaßnahnieu verlange; es sei mit zu wünschen, daß die jetzt beantragten Arbeiten ei» etwas positiveres Ergebnis zutage sörderten als es die vor Jahressrist in« Wert gesetzte Atiion zur Folg« hatte. Sladtv. Leidig fand sehr scharfe Worte zur Kennzeichnung der unverantwortlichen Untätigkeit, durch die die Regierung sich bis dabin ausgezeichnet hat. Was jetzt geschehen sei, so meinte er. hatte mindestens vor einem halben Jahre Icho» angeordnet werden müssen. Andererseits aber fand es der nationalliberale Politiker sehr bedenklich, daß die Gemeinden durch die Fleischteuerung zu Maß- nahmen getrieben würden, die im Grunde dock ein durchaus sozialistisches Gepräge hätten. Als Herr Leidig das Ber- langen ausgedrückt hatte, doch auch endlich vom Magistrat etwa? über seine' Haltung zur Lebeitsmiltelleuerung zu hören, zählte Bürgermeister Peters die belanute» i» den Groß-Berliner Per- Handlungen gefaßten Beschlüsse aus und erklärte, daß auch der Wilmersdorfer Magistrat die gemeinsamen Maßnahmen vertrete. Beachtenswert ist noch, daß gerade einige Stadtverordnete, die Lch sonst aus den reAienmgSlmien Standpunkt der Mittelständler stellen, nicht scharf genug hervorheben konnten, wie mitzloZ die Oeff- nuiig der Grenzen für Fleisch aus Serbien usw. im jetzigen Augenblick sei, wo doch beim Ausbruch des Krieges sofort die Aussuhr aus den Balkanländern verboten werde. Ebenso verdient hervorgehoben zu werden, daß ein Fachmann, der Stadtverordnete Nasch, in jeder Hinsicht die Güte des argentinischen Gefrierfleisches pries und weiter auf die volkswirtschaftlichen Sckäden aufmerksam machte, die die unter dem geschützten deutschen Vlehbestand ständig herrschende Maul- und Klauenseuche hervorgeriitei' hat. Wie zu erwarten war, nahm die Stadlverordnetetlversannn'uiig den Teucruiigsantrag einstimmig an. Hoffentlich zespt sich diesmal recht bald, daß es den städtifchen Körperschaften nicht a» dem nötigen Ernst zur Bekämpfung des Rot- staudes fehlt. Obcr-Schöneweide. Teucrungsmasmahme« der Gemeinde. Die in Verfolg des Antrages der sozialdemokratischen Vertreter von der Gemeinde ein- gesetzte Teuerungskommission hat beschloffen, dem Verkauf von Seefischen naher zu treten und den Konsum derselben durch Einrichtung sachverständiger Seefisch kochkurse für die Weib- liche Bevölkerung des Ortes zu fördern; die Kurse sollen in den hierzu besonders geeigneten Schulküchen der Gemeindeschulen statt- finden. Darüber, ob der Verkauf der Fische direkt durch die Gc- meinde oder durch andere Händler erfolgen wird, soll noch ver- handelt werden. Möglich ist, daß die Stadt Wilmersdorf sich bereit findet, am hiesigen Orte durch geschultes Personal den Berkauf für die Gemeinde zu übernehmen. Der Verkauf von Kartoffeln wurde abgelehnt, da zurzeit die Preise dafür als niedrige bezeichnet werden muffen. Die Wiedereröffnung der Zentralküche wurde eingehend erörtert mit dem Ergebnis, daß davon vorläufig abge- sehen werden soll; allseitig wurde die Ansicht ausgesprochen, daß, wenn die Küche wiedereröffnet werde, im Gegensatz zum Vorjahre Gelegenheit zum sofortigen Verzehrca der Speisen an Ort und Stelle geschaffen werden müßte. Ticvtow-Baumschuleiiwcg. Dem„Tiftcl Maxe" Hai es unsere Notiz, in der wir ihm den Lorwurf unkorrekter Berichlerflattung machten, angetan. Anstalt aber nun seine Leier über den Anlaß unserer Kritik oder gar über die ihm unangenehme Teuerungsdebalte zu unterrichten, setzte er sich auf den Hosenboden und verbrach eine»Ode an den Vorwärts" in so erschrecklichen Reimen, daß mmi schon durch den dauernden Amts- blattgenuß anspruchslos geworden sein mutz, um diese' auch nur genießbar zu finden. Die Teuerung besteht aber auch heute»och beim Annsblatt»ur deshalb, weil die Arbeiter von früh bis abends mit Fleisch„verfüttert" werden. Mit Behagen druckt es solche Schauermär ab. Uns genügt für diesmal, daß unser Hieb ge- festen hat. Köpenick. Die Delegiertenwahlen znr OrtSkrankenkasse für Köpenick und Müggelheim finden am Sonntag, den 6. d. Mis.,- im Kaiierhof, Grünstr. 10 sSeilenzimmer) stall. Und zwar wählen die Arbeitgeber von nachniiltag 3— 4'/z Uhr, die Arbeitnehmer von ö— 8 Uhr abends. Als Legitimattön zur Ausübimg des Wahlrechts ist die Mitglieds- karte oder eine Beicheinigung des Arbeitgebers vorzulegen. Pflicht aller Mitglieder ist es, ihr Wahlrtcht allszuüben. tKrünau. Einen recht regen Verlauf nahm die Mitgliederversammlung des Wahlverein«. in welcher Genosse T h u r o w über den Palteitag referierte. Während der Referent im allgemeinen seine Zufriedenheil über das Ergebnis aussprach, brockte ein Teil der Diskusfionsredner zum Ausdruck, daß die in der Partei sowobl wie in der Gewcrk- schaflsbewegung geübte Taktik zu lax fei. Die politische Sliualio» erfordere durchgreifende Maßnahmen. um de» Forderultgeli de? Proletariats mehr Geltung zu verschaffen. Dabei müsse allerdings mehr als bisher an den'Idealismus jedes etnzeliieit appelliert werden. Der vorgerückten Zeit wegen mußte die Forlsetzung der Debatte vertagt werden. j?ricdrichshagc«. In der letzten Bersammlung des WahlverrinS gab Genosse B a r l h e l den Bericht vom Parteitag. In der Diskussion erklärten sich alle Redner bis auf die Aufhebung des Nürnberger Beschlusses und die Ausschließung HildebrandS von dem Verlauf befriedigt. In bezng auf die letztere waren die Msinimgen geteilt. Während einige Genoffen der Anficht Ausdruck gaben, daß eine Millionen- Partei wie die unserige auch Play für Außenseiter übrig habe, war für andere der Ausickluß die beste Loiting. Ein Antrag der Bezirks- leilung auf Authtbung der Einzetzahlabende und Abhaltung eines gemeinsamen Zahlabends für den Ort wurde nach lebhasier Debatte gegen zwölf Stunmen augeno innren. Die Funktionen der Abteilungs- führer und Kaisterer sollen beibehalten, jcdocv bei Restanten die Beiträge durch Hauslaisierung eingeholt werden. Der BildungSauSschuß läßt am Donnerstag. 17. Oktober, einen Vortragskursus beginnen. Schrisisleller Martin Kahle spricht über:»Das klassische Zeitalter der deutschen Literatur". Der Kursus findet im Restaurant.Lindengarten" statt und umfaßt füns Abende. Am 1. November beginnt ein Kursus in Stenographie, System Stolze-Schrey. Leiter dieses Kursus ist Genosse P. Barlhel. Für den 6. Theaterabend am 9. November ist ivieder das märkische Wandertheater gewonnen worden. Teilnehmer an de» Kursen wollen sich schon jetzt bei den Abteilungssühreni melden. Genosse Miele gab in der Versammlung noch bekannt, daß von dritter Seite eine Gedächtnisfeier für den vor einigen Tagen ver- storbenen Arzt Dr. Max I a c o b h am Sonntag, den ö. Oktober, veranstaltet wird. Diese Feier, bei der Herr Dr. Bruno Wille die Gedächtnisrede halten und Herr Schubarl am Harinoilium minvirken wird, findet mittags 1 Uhr in Ler-hes Bürgersälen, am Rundteil, statt. Das wahrhaft menschensreundliche Wirken dieses verstorbenen Arztes, der nicht nur durch seinen Berus zu jeder Zeit helfend ein- griff, solidern auch aus eigenen Mitteln die äußerste Not in vielen Familien zu lindern versuchte, sichert ihm auch das Andenken unter der sozialdemokratischen Bevölkerung. Mahlsdorf an der Ostbahn. Eine gut besuchte öffentliche Bersaninilung tagte am Mittwoch im Lokale des Herrn E. Anders, Bahnhofstraße, um zu der Fleisch- teuerung Stellung zu nehmen. Die Refereulin, Genossiu Juchaez setzte den Anwesenden in vorzüglicher Rede auseinander, wie die be- stehende Schutzzollpolitik, das Fleischbeschau« und Biehieuckengesetz eine für die miiiderbemitlelte» Klassen unerträgliche Verteuerung aller Lebeiisbedürsuiste hervorgerufeil bat. Ihre Ausführuitgen wurden von den Versammelten mit lebhaftem Beifall aufgeiionnnen. In der anschließenden Diskllssion tischte Herr Rentrup lAntis.) wieder das alte Märchen von der Verbrüderung der Sozialdemo- kiatie mit den Börienjuden auf. Die Aufhebung der Zölle und Grenz- sperre sei nutzlos, die deutsche Landwirnchafl bedürfe de» Schutzes; an der ganzen Teuerung fei in erster Linie die Börse schuld uiw. Seine Ailsinhrllitgen wurden von den Genossen Käming, MattheS und der Referentin treffend widerlegt und die Anwesenden auf- gefordert, sich der Partei und ihrer Gewerkschaft anzuschließen. Pankow. In der letzte» Mitgliederversammlung des Wahlvereins gab Genosse K ü t e r- Karlshorst den Bericht vom Parteitag. In. an- schaulicher Weise entwarf er«in Bild von dem Parlament der Arbeit. Die Aufhebung des Nürnberger Beschlusses betr. der Mai- feiet fand lebhaften Widerspruch m der Versammlung. Besondere Aufmerksamkeit fanden die Ausführungen über den Imperialismus. Nach den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen konnte Genosse Schindler im wesentlichen das Einverständnis der Anwesenden mit den gefaßten Beschlüssen hes Parteitages konsta- tieren. Er unterstrich besonders die Mahnung des Referenten, nun auch mit neuer Kraft sich der Partei bei allen kommenden Arbeiten zur Verfügung zu stellen. Nach Erledigung einiger internen An- gelegenheiten erfolgte Schluß der Versammlung. Tegel. Eine von über 1000 Personen besuchte Volksbersammlung tagte am Montag in Tegel, um einem Referat des Geuosseit Adolf Hoff- inqiut über das Thema:„Mißbrauch der Religion zur Unterdrückmig des Volkes" zuzuhören. Der Referent enthüllte unter großem Beifall den Charakter der heutigen Kirche und legte an der Hand von Tat- sacken dar, wie mit der Religion politischer Mißbrauch getrieben werde; kein wahrer Christ könne daher der heutigen staatskircke augehören. In der Diskujfioli ersuchte Genosse Harudl die Anwesenden, ihre Kinder nach dem freireligiösen Unterricht im Jngendbeiin zu schicken. Am 13. Oktober beginnt der unentgeltliche Untcrrichl für Kinder vom 12.— 14. Lebensjahre. Wie Genosse Halses betont, hat die Gemeindevertretung gegen den Willen unserer Genoffen löOOOM, für eine neue Kirche und 8000 M. für die neu airziischaffeiide Orgel ans Gemrindemiiteln bewilligt. Ja seinem Schlußwort ermahiue Genosse Hoffmann die Versammelten, die volksseiiidlichen Bestrebungen der Kirche mit dem Majieuaustritt aus derselben zu beantworten. Nach Schluß der Versainmlung meldeten 35 Personen ihren Austritt aus der Landeskirche an. Reinickendorf. Mit Maßnahmen zur Mildersng ber bestehenden Teuerung be- schäftigle sich in ihrer letzten Sitziina die hiesige Gemeindevertretung. lliiscre Genossen hatten hierzu die gleichen Anträge gestellt, die auch in vielen anderen Gemeinden Groß-BerlinS durch unsere Genossen veranlaßt. Gegenstand der Beratung waren. Im Gegensatz zu diesen Gemeinden hatte der Gemeindevorstond in Retnickendorf es nicht für notwendig erachtet, sich in seinen Maßnahmen der Mithilfe und der Beratung durch die Gemeiiideverrretung zu versichern, und daher das Verlangen auf.baldmöglichne" Eiuberusung einer Gemeinde« vertretersttzung ignoriert. Diese Mißachtung nicht nur der Antrag- steller. sondern der gesamten Gemeindevertretung kritisierte in ein- dringlicher Weise Genosse S ch ö n b e r g, der dabei anlündigte, daß sich bei gleichen Anlässen unsere Genoffen des Rechts aus Z 104 der LanLgemeindeordnung bedienen werden und, da sie ein Viertel der Sitze der gesamten Gemeindevertretung besetzt haben, die Ein- berufung einer Gemeindevertrctersitzung bean- tragen werden. Er wies dann ferner hin auf die Differeuz zwischen der Eingabe der Groß-Berliner Gemnnden an die Regierling— der sich der Reinickendorser Gemeindevorstand angeichlosien hat— und unicren in den Anträgen niedergelegten Forderungen; betonte aber schließlich, daß unsere Genossen, um die erngeleitele Aktion nicht zu durchkreuzen, also aus rein taklischeu Grüilde», aus die Amtahme dieies Antrages zurzeit keinen Wert mehr legen. Umsomehr Wert aber legen sie auf die Annahnte und schnellste Dlirchitihculig des zweiten Antrages, der von der Gemeinde fordert, daß sie, eventuell in Verbindung mit anderen Gemeinden, Einrichtungen zur Versorgung der Bevölkeruitg mit Lebensmitteln schaffe. Hierzu gehöre nickt allein der Verlauf von Seefischen, sondern auch der eventuell noch zu gestattende Ver- kauf ausländischen Fleisches, ebenso Fortsetzung deS im Vorjahre gemachten Versuches mit dem gemeindlichen Verkauf von Kartoffeln. Zu den weiteren Aufgaben gehöre auch die Fürsorge für die Gemein dearbeiter und ichlechtbeioldeten Beamten sowie der Armen- iinlerstüviiligSemptänger. Dielen eine TeuerniigSzulage zu gewähren iet eine ebenso bringende Pflicht der Gemeinde, wie die. jetzt fchoi« Vorsorge zu treffen für Verabfolgung von warmem Frühstück an bedürftige Schulliuder. Von Herrn Pohl wurde angeregt, die Pro» dukte, insbesondere das Schlachtvieh des Rieselgutes, ohne Zwiswen- Handel der Reinickendorser Bevölkerung zugänglich zu machen. Die Herren Helischke und PinkuS sowie der Bürgermeister wollen zwar im Interesse der selbständigen Gewerbe- treibenden davon nichts wissen; schließlich wurde aber doch der Antrag dem Gemeindevorsland zur Berücksichtigung überwiesen, nachdem der Vorstand erklärt, daß er alle ausführbare Maßregeln ergreisen werde, die geeignet sind, die Lebensmiltelteueruug zu mildern. Zu ebensalls längeren Äuseiilondersetzungen mit dem Gc- meindevorftand kam es. als der Bürgermeister den von ibni ver- lesenen Bericht der Volksbüchereien zur Besprechung stellte. Keinem der Geinemdeverireter war es möglich, die vielen geliaiinien Zahlen ,n der kurzen Zeit zu einem klaren Bilde zu gestalten. Diele Art der Berichterstattung war nichts anderes als die Fortsetzung des alten üblen Brauche« des Gemeindevorstandes, den Gemeindevertretern zu den zur Beratung stehenden Materien uiög- .lichst ivenig Unterlagen zu liesern. liniere Genosicit ergriffen daher 'die Gelegenheit, endliche Abstellung dieleS UebellländcS zu fordern. Da der bisher beliebte Einwand deS Bürgermeisters, die angeblich hohen Kosten, von unserem Genossen Schönberg bereit» bei der Be- gründung des Antrages gebührend charakterisiert worden war, sich andererseits aber auch Herr Pinku» für eine endgültige Abänderung dieser altgewohnten Unsitte aussprach, mußte der Bürgermeister schließlich zugeben, daß eine Aenderung notwendig und möglich sei und der Gemeindevorstand die Gemeiudeverlreter in Zukuusi besser informieren werde. Die Verlängerung der Sonntagstraße von der Antendestraße bis zur Pankower Allee kann in absehbarer Zeit noch nicht durchgeführt werden. Daher soll an deren Stelle ein Fußgängerweg angelegt werden, der zirka 800 M. an Kosten erfordern wird. Die Anlage und die Kosten wurden genehmigt, ebenso die für die einzurichtende Beleuchtung der»Straße vor Schönholz". Vorgelegt tvurde ferner der Abschluß der Baurechnung über das Gymnasium. Die Gesamt- ausweudungeu betragen hierfür, d. h. außer Grund und Boden, 632 817,13 M. Der 600 000 M. überschießende Betrag ist durch Au» leihe zu decken. Für die zu errichtende PflichifortbildungSschule sollen von den Arbeitgedern Beitrüge erhoben werden. DaS einsprechende Ortsstatul tvurde genehmigt. Das bereits früher genehmigte Projekt eine» ErioeilerungsbaneS für die 5. GemeindesMile tvurde der Ge- meindevertrciung etwa» abgeändert nochmals zur Beschlußfassung vorgelegt. Die Mehrkosten betragen 20000 M., hiervon allein für die vorgesehene Unterkellerung 15 000 M. Hiergegen remonstrierte Herr Direktor Busch, der die Nonveudigkeit hierfür nickt einsieht. Jedoch gelangte das neue Projekt zur Annahme. Nach Genehiuigiiiig diverser Etatsüberschreitilugen— entstanden durch Beurlaubung und Erkrankung von Fleischbeschaitern und Verteuernng der Prämien für die NiisaNOersicheruitg— und Vornahme von Wahlen, schloß die öffentliche Sitzung, der eine nichtöffentliche folgte. Spandnn. AuS der Stadtverorhiictetiversammkiing. Die erste Vorlage be- traf den Antrag Schreiber u. Gen.. wonach- ilt die neu rniSzabaneitde Rauencr Straße gleich Straßenbahiischicnen elirgebaut werden jollen. Stadtv. Schreiber begründet die Vorlage u. a. damit, daß doch die Absicht besteht, die Straßenbahn vom Bahnhof West bis Hamburger Straße weilerztlstibren; es könnten also auch die Schienen gleich iu die Nauener Straße eingebaut werden. Im übrigen sei scholl am 4. Mai 1910 für die Einbautmg von Slroßeubahnschienen die Summe von 25 000 M. bewilligt worden. Sladtv. Bender ist für sofortige Verlegung der Slraßeiibahtiichieneu bei der Regiilieruiig der Nanener Straße, weil dadurch doppelte Kosten vermieden werden. Oberbürgermeister Koeltze erklärte, der Magistrat tei deshalb gegen den Antrag, weil der Welterbau der Straßenbahn durch die Seegcselder. Nauencr und Hamburger Straße bis Staaken zu kostspielig sei. Es besage nicht viel, wenn die Staakencr Fabri- ianten bei einem Projelt von einer halben Million einen Zuschuß von 10 000 M. leisten ivollen. Da die DncchtühruitK des Projekts noch in weiter Ferne liege, brauchten auch noch keine Schienen ver- legt zu werde». Rentabler wäre die Weilerführung der Straßen- bahn nach deni Friedhof. Nachdem noch mehrere Sindtverordnetc für die Verlegung der Straßenbahnschienen gesprochen halten, wurde eiiistimmig beschlossen, den Magistrat zu ersuchen, den Aiisbau der Naiiener Straße so vorztlnehmcn, wie er am 4. Mai 1910 bc- schloffen worden ist.— Zugestimmt wurde dem Verlrage betreffend die Vermietilitg des Schlosses Winsdors an.den königlicheii Oekonomieral Graveiistein auf die Zeit vom 1. April 1918 bis 3l. März 1923. Dje jährliche Miete beträgt 4500 M. Ge- nehmigt tviirde der Vertrag, über Verpachtuug von 4100 Quadrat- meiern Gelände in den Äisseln für Schießstände an den Militär« fislus. Der Pachtvertrag dauert vom 1. Oktober 1912 bis Ende Septemker 1942. Die jährliche Pacht keträgt 77 M. Dafür hat die Stadt noch auf ihre Kosten die auf dem Gelände belegenen Brunnen der städtischen Wasserleitung mit eisernen Deckeln statt mit den Holz- deckekt zu versehen.— Der Haushaltungsplan des Ruter- gutes Wansdorf für das Jahr 1912/13 wurde nach dem Bor- schlage des Etatsausschusses in Einnahnie und Ausgabe mit 239 200 M. iestgesetzt. Das gesamte landwirtschaftlich zu bestellende Gutsgelände hat einschliesslich 20 Morgen Pachtland ein« Grösse von 183(3.90 Morgen! ausserdem sind noch vorhanden an Hosstächen, Gärten. Wirtschaftswegen, llnlattd und dergleichen 97,10 Morgen. Die Feldwirtschaft lieierte 13 300 M., die Milch- Wirtschaft 250«» M., die Schweinezucht 800 M. und der Brennerei- betrieb 2000 M. Erträge. Um die Milchwirtschaft gewinnbringender auszugestalten, soll ein grosser Teil der auf dem Rittergut ge- woimenen Milch tu den städtischen Krankenhäi�iern und Heilanstalten verwendet werden. Ebenso ist darauf Rücksicht genommen, dass auch die Gemüse und Fcldftnchte, soweit möglich, für Deckung des eigenen Bedarfs der oben erwähnten Anstalten Verwendung finden.— Mehrere kleinere Vorlagen wurden ohne Debatte genehmigt. SitzungStage i« Stadt- und Gemeindevertretungen. Petershagen(Ostbahn.) Heute Sonnabend, abends 7 Uhr, im GememdesitzungSsaal. Diese Sitzungen sind öffentlich. Feder männliche Gcmeindeangehbrige ist berechtigt ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Jugendveranstaltunge«. Tchöneberg. Heute Sonnabend abend findet in den Neuen Rathaussälen, Meutinger Strasse 8, eine Jugendseier, bestehend aus Konzert, Gesangsvorträgen, Rezitation, turnettschen Aufführungen und Festrede des Redattems D a u m i g statt. Zahlreichen Besuch erwartet _ Der AuSschuss. Landsmannschaft Ueifcrmündc-Usedom-Wollw. Sonntag, den 6. Ollober, nachmittags 4 Uhr, Versammlung bei Rodrigo, Boftigstr. 24. Aus Dem Wahlkreis Ucckcrutilnde-Uscdom-Wollin stammende Parteigenossen als Gäste willkommen. Zyreirettgtoie Gemeinde. Sonntag, den 6. Ottober, vormittags 11 Uhr, Kleine Frankstutcr Str. 6: Vortrag von Herrn C. Tacslcr-Görlitz: Das religiöse Suchen der Zell. Abends ö1/, Uhr, Sophienstr, 18, Herr T. TaeSler- Das Evangelium von der Arbelt und der Mußt.— Dame» und Herren als Gäste sehr willkommen. Witter««gSüberstcht vom 4. Oktober 101». C&xttonm Swinemde Samburg erlin Frantt.a.M München Men 773 N 775 23®® 77591® 775NO 7721NO ,771 NNW Oetter heiter 3 wolkig Scheiter Awoikenl 4Regen 3bedcckt »K -i» ti 4 2 1 3 3 8 Haparanda Petersburg, Scilla Aberdeen Paris L 4 wolkenl 3bedeikt Lidald bd. 2chalb bd, 2 wolkenl ü-* t- L» —2 7 6 2 Wetterprognose für Sonnabend, de« S. Oktober ISIS. Zunächst vorwiegend heiter, nachts leichter Frost, am Tage etwas wärmer bei mäßigen wesllichen Winden; nachher zunehmende Bewölkung ohne erhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. ■■■■■■>( Den Gipfel der Leistunesfähiskeit erreicht die H. K. 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Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Tchöneberg 34. 1. Da Sie nicht angeben, ivelche Artikel es sein sollen, lätzt sich die Frage nicht beantworten. 2. und 3. DnZ Mewerbe ist bei dem dortigen Magistrat anzumelden. 4. Bei Rud. Mosse, Haafeu- stein u. Vogler. Aug. Scherl.— SP. 4. und H. P. I. Die Fragen sind in Nr. 227 beantwortet.— N. N. 199. Selbst wenn die Frau sär die Zukunft aus den Unterdaltsanspruch verzichtet, hat dieser Verzicht keine rechtliche Wirkung. Das Erziehungsrecht gegenüber dem Kinde steht Ihnen zn. falls nicht etwa das VormundschastSgericht aus Antrag der Frau ander? bestimmt.—(6. K. 25. Lätzt sich nur nach Einnchlnahme in den MielS» verlrag beurteilen. Daß es sich um einen sogenannten„LuxuSgegenstand" handelt, ichlietzt Ihre Ersuhpslicht nicht auS.— A. F. 199. DaS Ver- wandtschastSoerhältnis ist kein Hinderins der Annahme an Kindesstatt. Ob die sonstigen Ersordernisse oorliegen, lätzt Ihr Schreiben nicht erkennen. Der Annahmeverlrag ist zu notariellem oder gerichtlichem Protokoll zu er« klären.— E. R. 25. Hausierschein, der beim AmlSvorsleher zu be» antragen ist.— F. K. 89. 1. Kurswert. II. Das könnte nachteilig wirken.— E. M. 47. Die Kündigung ist, soweit Ihre Darstellung erkennen lätzt, rechlSgültig.— F. S. 19. Leider zulässig.— T- 12. Ja. — K. M. 41. Nein.—<£. N. 76. Ja. Sie müssen aber kündig-n, so, datz der Vermieter spätestens am 15. im Besitze der Kündigung ist.— St. B. 85. Sie müssen die Antwort abwarten.— P. St.. Neukölln. 1. und 2. Nein.— Sch. Nr. 2111. Ihre Angaben reichen nicht aus. Kommen Sie in die Sprechstunde.— Hermann 1884. 1. Unseres Er» achtens nur für die Fehlbeträge, die bis zu dem Tage der Abgabe der L Der Ehemann ist jedoch nicht hastbar.— Wette 4. Wette» entscheiden wir nicht.— S. 149. l. Zimmerstr. SO. 2. 9—1 Uhr. 8. Nein. 4. und 5. Sie können selber klagen.— Apotheker. Die Rechtsprechung urteilt verschieden. Namhaste Kommentatoren— Staub, Mittelstein— stehen aus dem Standounkt, datz das Bestellgeld beizusügen ist. Diese Ansicht halten wir sür zulrestcnd, aus Grund des§ 270 des Bürgerliche» Gesetzbuchs. Eine ausdrückliche Gesetzesvorschrist besteht nicht.—- Dt. W. 5. Durch eigenbändige, mit Ortsbezeichnung, Datum und Unter» schrift, versehene Niederschrift eines Ehegatten Der andere Teil mutz t» einem eigenhändig geschriebenen, ebensalls mit Ortsbezeichnung, Dalum und Unterschrist versehenen Zusatz sein Einverständnis erklären. Marttbertcht von Berlin am 3. Oktober 1912. nach Ermittelung de» königl. Polizeipräsidiums. Marktballenpretse. fKieinbandei) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 80.00—50.00. Speisebobnen, weitze. 30.00— 50.00. Linsen 35,00—60,00. Kartoffeln(Klcinhdl.) 5,00—8,00. 1 Kilogramm Rindfletich, von der Keule 1,80—2.40. Rindfleisch. Bauchfleisch 1,60—1.90. Schweinefleisch 1,60—2,40. Kaibfleisch 1,50—2,40. Hammelfleisch 1,70—2,40. 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BerlagSanstalt Paul Singer u. Ti�. Berlin SW, fifiirb-ßfilnjf te Jomäits" str Mo-WM 5. Gktlibtt 1912. Vorort- jyad�nchten* Charlottenburg. Uebrr den Parteitag in Chemnitz referiert« in der letzten Mit- gliederversainmlung des Wahlvereins Genosse Pieck. Redner sprach sich über die Verhandlungen des Parteitags im wesentlichen so aus, wie er dies bereits im Wahlverein Steglitz getan. U. a. betonte er, dag Sonderkonserenzen sich auch in Zukunst nicht vermeiden lassen werden. Nach den gefaxten Beschlüssen sind dieselben ja auch gar nicht verboten. Erfreulich wäre es, daß die Frage des JmperialiS- inuS zur Sprache gekommen fei. Dem Referate HaaseS würden sicherlich weitere Diskussionen in der Parteipresse folgen. Die Frage der Maifeier sei nur kurz erörtert worden, da der 1. Mai daS nächste Mal auf den HimmelfahrtStag fällt. Hoffentlich werde der auf» gehobene Nürnberger Befchluh im nächsten Jahre wieder erneuert. Dem Referate folgte eine lebhafte Diskussion. Genosse Schulz fand die Ausführungen Piecks zu scharf. Pieck habe zu persönlich berichtet. Genoffe Richter berührte die Göppinger Affäre. Er wünscht im Anschluß daran, datz der.Vorwärts' nicht mehr in so reichem Matze seine Spalten allen Zänkereien öffnen sollte. Die.Dämpfung' sei nur als taktische Frage zu behandeln; die Tntsckeidung darüber müsse man der Leitung überlassen. Redner wandte sich auch gegen die Forderung Piecks, der Parteitag sollte eine Richtung vor- schreiben. Einmütigkeit und Geschloffenheit seien die Hauptsache. Genosse Eberlein ist im Gegenteil mit dem Genossen Pieck ein- verstanden. Auf dem Parteitage müffe das Ringen der beiden Rich- tungen, die nun einmal vorhanden seien, zum AuStrag gebracht werden. Dr. Rosenfeld hält Piecks Urteil in mancher Beziehung für zu scharf. Besonder» treffe die? auf den Fall Hildebrand zu. Keiner werde die Ansichten Hildebrands teilen, aber man hätte ihm die Möglichkeit geben sollen, von selbst zu gehen. Nach kurzen AuS- fllhrungen der Genoffen Rubin un> Hahn wurde die Diskusston ge- schloffen. Genoffe Pieck antwortete in seinem Schlutzwort unter Beifall auf alle Einwendungen. Nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten wurde die Versammlung geschloffen. Mariendorf. Die letzte Gemeinbevertrrtersitzung nahm zunächst Kenntnis von der stattgesundenen Kaffenrevision und beschloß hierauf den An- kauf eines Höhnigschen Rettungsapparates für die Ortsfeuerwehr. r- Sodann begründete Genoffe Reichardt den von unseren Genossen gestellten Antrag, zukünftig die Sitzungsprotokolle so abzufassen, daß nicht wie bisher lediglich die gefaßten Beschlüsse protokolliert, sondern die Ausführungen einzelner Redner kurz sinngemäß wieder- gegeben würden. Der Zweck der Maßnahme sei, daß später einmal in bestimmten Fällen die Stellungnahme des einzelnen Verordneten festgestellt tverden könne. Von bürgerlicher Seite wurden gegen den Antrag Einwendungen erhoben. Der Gemeindevorsteher hatte einige formelle Bedenken. Tie Vertretung indessen einigte sich auf seinen Vorschlag, den Antrag in der Kommission nochmals genau zu prüfen.— Auf Grund des 8 6 de» OrtSstawt» beschloß die Vertretung, di« Erhebung der Beiträge zu den Kosten der Schmutzwasserkanalisation in der Großbeerenstraße. Danach haben die Anlieger für den laufenden Meter Grundstücksfront LI M. zu zahlen. Weiter wurden die Mittel zur Instandsetzung der Aula in der zweiten Gemeindeschule debattelos-bewilligt.— Hierauf wurde über den Antrag Schmidt und Genossen— den auch unsere * Genossen mit unterzeichnet hatten— auf Vermehrung der Zahl der Gemeindeverordneten, sowie der Vorschlag der Wahlkommission wegen Anstellung eines besoldeten Schöffen verhandelt. Seit der letzten Vermehrung im April 1908 ist die Einwohnerzahl von 1143b auf 19 325 gestiegen. In der Begründung wird geklagt über die immer stärkere Belastung der Kommissionen. Auch der Gemeinde- Vorsteher, der gleichzeitig die Geschäfte der Amtsverwaltung führt, ist überlastet, so daß die Anstellung eines besoldeten Schöffen not- wendig ist. Ucber die Zahl der Vermehrung war keine Einigkeit zu erzielen. Während auf der einen Seite die nach der Landgemeinde- orvnung höchst zulässig« Zahl von 24 Verordneten verlangt wurde, wollte die Minorität höchstens eine Vermehrung um 3 Vertreter mit der Begründung, daß, je mehr Köpfe vorhanden wären, desto mehr geredet würde; die Sitzungen hätten dann überhaupt kein Ende mehr. Genosse Reichardt widerlegte diese Auffassung. Die Versammlung beschloß im Prinzip die Vermehrung der Gemeinde- verordneten und die Anstellung eines besoldeten Schöffen. Die Wahlkommission hat über die Zahl nochmals genau zu beraten und Vorschläge zu machen.— Der Erlaß einer Polizeiverordnung über das Troschkengewerbe war Gegenstand einer längeren Debatte. Von unseren Rednern unterzog Genosse Reichardt einige der rigorosen Bestimmungen einer scharfen Kritik. Redner empfahl, diesen Ber- liner Abklatsch, den die Gemeinden Groß-Berlins vom Regierung». Präsidenten bekommen haben, in einer der nächsten Zweckverbands- sitzungen einer Reformierung zu unterziehen und solche Bestim- mungen zu beseitigen, die als Schikane gelten können.— Beim Erlaß einer Polizeiverordnung über den Zutritt und die Zulassung jugendlicher Personen zu öffentlichen Tanzlustbarkeiten verlangte Genosse Weber, daß die Bestimmungen im 8 1, wonach Saalbesitzer und Wirte schon bestraft werden können, wenn sich Jugendliche auch gegen ihr Wissen im Tanzsaal aufhalten, gemildert werden; die Bestimmung könne sonst sehr leicht zu schikanösen Auslegungen gegen einzelne Wirte führen. Die Mehrheit erkannte Webers Gründe an und änderte den Paragraphen dementsprechend. Bohnsdorf. Von einer Teuerung hat man in Bohnsdorf noch nichts gespürt, höchstens ist das Fleisch.etwas' im Preise in die Höhe gegangen, was aber in Anbetracht der hohen Futtermittelpreisc nicht zu ver- wundern ist. Das war die Meinung der bürgerlichen Gemeinde- Vertreter bei Beratung der von unseren Genossen gestellten Anträge zur Linderung der hestehenden Teuerung. Trotz eingehender Be- gründung des Genossen Schiffke unter kräftiger Unterstützung deS Genossen R. Schulz, ließen die bürgerlichen Vertreter unsere beiden Anträge glatt unter den Tisch fallen. Mit welchen Argumenten die Herren operierten, zeigt folgendes Beispiel: Herr Otto Schulze, seines Zeichens Landwirt, behauptete, daß wenn die.Grenzen geöffnet würden, wir sofort wieder die Viehseuchen in Deutschland hätten, gleichwohl betonte er hinterher, daß die hohen Viehpreise darauf zurückzuführen seien, daß im vorigen Jahre die Viehzüchter sehr durch die unter ihren Viehbeständen herrschenden Seuchen zu leiden hatten. Und da«, trotzdem die Grenzen gesperrt waren. Ein anderer Vertreter meinte, man könne keinem Menschen zumuten, Gefrierfleisch zu essen. Genosse Schiffke erwiderte dem Herrn, daß er wohl nichts darin finde, wenn die arme Bevölkerung finniges Fleisch genießen müsse. Eine Antwort hierauf blieb der Herr schuldig. Nach Kenntnisnahme des Etats für 1911 wurde auf Antrag unseres Genossen eine ständige Revisionskommission gewählt, der auch Genosse R. Schulz angehört. Im Januar faßte die Vertretung den Beschluß, vor dem Eingang in das Schulgebäude einen Windfang zu bauen, weil der Schnee weit in den Eingang hineingetrieben wurde und dadurch die Schulräume schwer warm zu bekommen waren. Der Windfang ist heute noch nicht gebaut. Die Schulkommission wurde beauftragt, die Arbeit sofort in Angriff nehmen zu lassen. Ebenso wurde im März beschlossen, daß die Straßenbahn« kommission mit der Stadt Köpenick wegen Verlängerung der Straßenbahnlinie Köpenick— Grünau bis Bohnsdorf ver- handeln sollte, auch diese Kommission ist dem Beschluß bis heute nicht nachgekommen; die Herren versprachen es nachzuholen. Wie der Oberführer der freiwilligen Feuerwehr mit« teilte, soll bald mit den Uebungen der Pflichtfeuerwehr begonnen werden. Unsere Genossen verlangten, daß die Uebungen in einer Zeit abgehalten werden, in der die ausgelosten Arbeiter nicht mit ArbeitszeitversäumniS zu rechnen brauchen. Der Oberführer be« tonte jedpch, daß er dafür nicht gutsagen könne; im übrigen habe ja jeder das Recht, sich mit 2 M. loszukaufen. Demnach scheine eS sich, so betonten unsere Vertreter, bei der ganzen Uebung nur darum zu handeln, in den Besitz des Geldes zu kommen; letzteres wurde auch nicht bestritten. Die Friedhofsordnung, welche unser Dorf« Parlament schon ein Jahr beschäftigt, stand wiedd� mal auf der Tagesordnung, konnte aber nicht verhandelt werden, weil Herr Noack, der sich im Besitz des von der Friedhofskommission ausgearbeiteten Manuskript» Befindet, durch Abwesenheit glänzte. ES scheint beinahe, als ob die Bohnsdorfer Gemeindevertretung wohl Beschlüsse faßt, dieselben aber nicht ausführt. Cmgegsngene Druck Icdniftm. Der Kampf, sozialdemokratische Monatsschrift, Wien. Jahrgang YI. Heft 1. Karl Renner: Fünf Kampsjahre. Otto Bauer: DI« Kesamtpartel. Richard Tittel-Aussig: Mehr Demokratie. Heinrich Schneidmadl-st. Pölten: Zum Entwurs eine» ueuen OrganisationSstatuIS. Joses Witternigg-Ealz- bürg: Resormcn im neuen OraanisatlonSstatut. Adols Braun: Sozial- Politik und Klassenkamps. Ernst Hübel: Eine Niederlage de» SeparattSmu». OSkar Helmar-Wiener Neustadt: Die Parteischule In Klagensurt. Emll Sirauß-Prag: Joses II. Joses Luitpold Stern: Lügen. Au» dem Leben eines Unglückliche». Auszeichnungen ew«S Sadisten Herausgegeben von F. Pischkow-Menken. 2 M., geb. 3 M. W. S trübig. Leipzig-Ao. Das Nhrinlsch. Westfälische Kohleniyndikat von K. Wiedenseld. Broich. 7,50 M. A. Marcus u. E. Webers Verlag, Bonn. Erlebte Pädagogik. Gesammelte Aussätze und Unterrichtsproben von H. Scharrelmann. Web. B M. A. Janssen, Hamburg. Otto Ernst und sein schaffen zu seinem 50. Geburtstag von Ottomar Enking. Pappband 2. M. Verlag von L. Staackmann, Leipzig. Handbuch für Heer und Klotte. Licser. 48/49. Herausgegeben von Weorg von Alten ß, sortgisührt von Hau» von Albert. Deutsches BerlagShau» Bong u. Co., Berlin W. 57, Preis der Lieferung 2 M. Tie gelbe Schutstruppe der Unternehmer. Von H. Schneider. 15 Pf, WewerkschastStartell, Hannover-Linden. SluS meinem Sommergarten. Plaudereien von O. Ernst. 2,50 M., geb. 3.50 M. L. Staackmann, Leipzig. »Marokko< Kongo'. Von Dr. W. Arning. 2 M. O. Wigand, Leipzig. Die Lebensretterin Julcheu. Von L. Biro.— Meine zweit« Frau. Roman von E. 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B. Messerschmitt.— 5454. Pietro Moseagni, Cavalleria Rusticana.(25 Bd. Meisterwerke der Tonkunst.)— 5455/56. Die Eiche am Kreuzweg.— Die Berufung. Novellen von ffl. Rodenbach.— 5457. Die Vcrgnügiiugsreise. Schwank von F. Friedmann-Frederich. — 5458. Lührssens Erbe und andere Novellen. Von Luise Schulze- Brück.— 5459. Kabarett. Von G. R. Kruse.— 5460. Stärker als der Tod und zwei andere Novellen. Von R. Bog. Einzelnummer 20 Pst PH. Neclam, Leipzig. � m Sünde. Roman von H. v. Kahlenberg. 4 M., geb. 6,50 M. Vita, Deutsches VerlagShauS. Charlottcnburg, Hardenbergstr. 14. Die Bücherei Maiandros. Eine Zeilschrist von 60 zu 60 Tagen. Herausgegeben von H. Lautensack, 8l. R. Meyer und 8lnselm Ruest. 1. Buch. 1 M. P. Knorr, Wilmersdorf, Uhlandstr, 87. Janus. Halbmonatsschrift für deutsche Kultur und Politik, Herausgegeben von H. Bieber, H. Friedrich und H, L, Held. 50 Pf, Verlag, München. m Der Schatte». Von E, Zahn.(Hausbücherei Bd. 43.) Deutsch« Dichler-Gedächtnissliswng, Hamburg-Großborstel. 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