Ur. 239. BbjnnementS'Bedlngungen: WonnementS• Preit ttärtmnetanbo! BierteljShrl. 330 Ml, monatl. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Pfg. frei WZ HauS. Einzelne Nununer S Pfg. Sonntag?- Eingetragen in die Post. Zeitung?- Nreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da? übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemarl Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, mänien, Schweden und die Schweiz. CridKint Kgllch außer Montag». 7� ♦ Verlinev Volksblatt. 29. Jahrg. v!e Insertion!- Ledllhr Ngtrigt für die.sechsgespaltene Kolon ei- »eile oder deren Raimi M Pfg, für politische und gewertlchaflliche Vereins- und Versanimlungs-Anzeigen 30 Pfg. �Atein« Zlnrelgen", das fettgedruckte «ort 20«fg.(zulüssig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan- , eigen das erste Wort 10 Pfg, jede? wettere Wort 5 Pfg. Worte über 13 Buch. staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expeditton abgegeben werden. Die Expeditton ist bis 7 Uhr abend? geöffnet, Delegramm- Adresse: „SnlaltUmolirat RcrllB*'. s Zentralorgan der Pozi aldemokrati f eben Partei Deutfchlands. Redaktion: 850. 68, Lindenstrasee 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1S8S« Expedition: 85ll. 68» �.indenstrassc 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. IS84. Sie Montenegriner im Vormarsch. Die Kämpfe an der montenegrinischen Grenze haben immerhin eine größere Bedeutung gewonnen, als man ur- sprünglich annehmen konnte, wenn sie auch nicht allzuviel zur schließlichen Entscheidung beitragen können. An drei Punkten kämpfen die Montenegriner mit den Türken. An der Nordwestecke wird um Berane fortgerungen. Hier ist noch keine Entscheidung gefallen. Dagegen haben die Monte- negriner im Süden beachtenswerte Erfolge aufzuweisen. Sie haben bei Dulcigno am Adriatischen Meer südlich von Antivari den Bojanefluß, der die Grenze bildet, überschritten und den von den Türken stark befestigten Berg Taragosch ge- nommen. Ebenso wie im Süden des Skutarisees waren die Montenegriner auch im Norden bei Podgoritza erfolgreich. Es gelang ihnen, die befestigten Höhen von Tust zu nehmen. Hier wird um einige befestigte Stellungen weiter gekämpft, deren Eroberung den Montenegrinern die Straße nach Skutari freigeben würde, während gleichzeitig ihr rechter Flügel die Stadt vom Süden her bedroht. Eine Eroberung von Skutari würde aber sowohl von militärischer Bedeutung sein als auch starken moralischen Eindruck machen. Die Kämpfe müssen sehr blutig gewesen sein, doch ist über die Höhe der Verluste noch nichts bekannt. Es ist be zeichnend, daß die christlichen Albaner auf Seite der Monte negriner kämpfen. Die Türken müssen ja überhaupt darau rechnen, daß der größte Teil der bisher von ihnen beherrschten Bevölkerung sich bei günstiger Gelegenheit gegen sie erheben wird. An der serbischen und bulgarischen Grenze verstärken sich die Bandenkämpfe. Bestätigt es sich, daß auch an der griechischen Grenze gekämpft wird, so ist dies wohl die bündigste Widerlegung der an sich nicht sehr wahrscheinlichen Meldung, daß Griechenland aus dem Balkanbund austreten wolle. Bulgarien und Serbien werden wahrscheinlich heute — denn mit ihrer Mobilisierung sind sie je�t ziemlich zu Ende � ihre Antwort auf die Note der Mächte erteilen und natürlich erklären, daß sie an die Neformversprechungen der Türkei nicht glauben können und deshalb auch nicht demo bilisieren werden. Wahrscheinlich wird dann gleichzeitig der Pforte ein Ultimatum überreicht werden mit Forde rungen, die für die Türkei unerfüllbar sind, worauf dann unmittelbar die Kriegserklärung folgen wird. Die österreichische und die ungarische Delegation haben die Rüstungskredite der Regierung bewilligt. Allerdings mußte der Kriegsminister seine ungeheuerlichen Forderungen doch etwas ermäßigen. Er begnügt sich momentan mit 180 Millionen Kronen, die angeblich für Festungsartillerie und verschiedene Neuanschaffungen gebraucht und auf drei Jahre verteilt werden sollen. Wir haben schon einmal gesagt, daß es sich dabei trotz der ministeriellen Gegenerklärungen um Kredite handelt, die dazu dienen, die Armee kriegsbereit zu machen. Wie Graf Berchtold in der ungarischen, gab dies mal der Finanzminister v. Bilinski in der österreichischen Delegation eine sehr energische Erklärung ab, in der es heißt: „Wenn die gemeinsame Regierung mit diesen Forderungen in einer der finanziellen Leistungsfähigkeit der beiden Staaten der Monarchie angepaßten Art in einem Zeitpunkte vor die Delegation tritt, in welchem in unserer unmitlelbaren Nachbar� fchaft auf dem Balkan die Flammen des Krieges so leicht auf- lodern können, so leitet sie hierbei der Gedanke, daß wir in der Lage sein müssen, dann, wenn einmal die Balkan- fragen zur definitiven Entscheidung gelangen, unsere Stimme vollwertig in die Wagschale legen zu können. Dieser Schritt ist von der Absicht ein- zegebcn, uns die Möglichkeit zu sichern, die Interessen Oesterreich-Ungarns kraftvoll zu wahren und Hand in Hand mit unseren treuen Verbündeten und im Verein mit den übrigen uns befreundeten Großmächten die Friedens- Mission der Monarchie wirksam erfüllen zu können.' Dazu kommt, daß die Nachrichten, daß nicht nur an der Balkangrenze der Monarchie, sondern auch in Galizien die Truppen verstärkt werden, an Bestimmtheit gewinnen. Auf der anderen Seite macht sich in Rußland die panslapistische Agitation stärker bemerkbar, und aus Moskau wird gemeldet, daß der Kriegsminister in einem privaten Kreise eine Rede gehalten habe, in der er erklärte, Rußland werde sofort in den Krieg verwickelt werden, sobald Oesterreich eingreife. Charakteristisch ist auch, daß alle Börsen mehr oder weniger deroutiert sind. In Berlin herrschte gestern zeit, weise Panik, namentlich die Jndustriepapiere stürzten um 1», 20 und noch mehr Prozent. Aber auch die Staatspapiere des Reiches und Preußens erlitten stärkere Einbußen. Mit einer guten Börsenkonjunktur ist es für lange Zeit vorbei. Der montenegrinische Siegesbericht. Podgoritza, 111. Oktober. Amtlich. Der Kommandant der bei Dulcigno operierenden Truppen, General Mar- tinowitsch, meldet, daß die Montenegriner den B a j a n 0- fluß überschritte» und die ersten Kules(türkische Wachthäuser) an der Landesgrenze gegenüber dem stark be- festigten türkischen Berge T a r a b 0 s ch genommen haben. Heute vormittag ist die Befestigung Detschitsch ge- fallen. Die Montenegriner eroberten vier Geschütze. Der türkischeKommandant hat sich mit seiner Mannschaft ergeben. Den ganzen Tag dauerte die g r 0 ß e S ch l a ch t vor der Sta.dt Tuzi an, welche jetzt von dem gefallenen Detschitsch aus von den Montenegrinern beherrscht wird. Der erste Sieg wurde im montenegrinischen Lager mit un- beschreiblichem Jubel aufgenommen. König Nikolaus der- folgte den Gang des Kampfes den ganzen Tag über von ver- scßicdenen Positionen aus, auf der Linie von Podgoritza bis zum Skutarisee. König Nikolaus hat von allen Seiten Be- grühungötelcgrammc erhalten, besonders aus Rußland, Bul- garien und Serbien. Das St. Petersburger Slawische Wohltätigkeitskomitee schickt Geldmittel und Sa- nitätsmaterial. Podgoritza, IV. Oktober.(Amtliche montenegrinische Meldung.) Die Montenegriner nahmen gestern abend die türkische Befestigung von S ch i p c a» i k zwischen Detschitsch und der Stadt Tuzi im Sturm; sie beherrschen jetzt voll- ständig diese Stadt. Die beiden Gegner gaben große Beweise von Heldenmut. Bei den Montenegrinern herrscht freudige Stimmung wegen der beiden glänzenden Siege von Detschitsch und Schipcanik. Tie M a l i s s 0 r e n kämpften an ihrer Seite mit viel Aufopferung. Spät am Abend empfing der König in seinem Hauptquartier den türkischen K 0 m- Mandanten von Detschitsch, der mit seinen Soldaten nach Podgoritza gebracht wurde. Der Kampf um Berane. Konstantinopel, 11. Oktober. Der Kriegsminister gibt bekannt, daß die Montenegriner im Kampfe bei Berane gegen die tür- kifchen Freiwilligcnkorps bisher keine Erfolge zu verzeichnen hätten und daß die Kämpfe fortdauern. An der bulgarischen Grenze. Konstantinopel, 11. Oktober. Nach einer Mitteilung des Kriegsministeriunzs. haben die türkischen Truppen die Angriffe der Bulgaren auf das Blockhaus Sog- hondjak Banik(Bezirk Dospat) zurückgewiesen. Die Bulgaren verstärkten die Stellungen bei Meodondtepe und Aadiyourda (Bezirk Tunrach); die Türken ergriffen entsprechende Maß- nahmen. In der Nacht zum 8. Oktober griffen die Griechen die türkische Stellung bei Louparintza(Bezirk Diskata) an. Nachrichten über den Ausgang des Gefechts fehlen. Bulgarische Kriegsankündigungen. Sofia, 11. Oktober. In dem offiziösen„Mir" wird geschrieben: der erste Funke ist aufgeflogen, die Balkanvölker haben seit Jahr- zehnten gegen das ununterbrochene Wetterleuchten protestiert. Heute ziehen sie Brand und Sturm vor, damit endlich einmal ein« Reinigung der Atmosphäre erfolgen kann und sie sich einmal unter klarem Himmel ausruhen können. Die Haltung Griechenlands. Wien, 11. Oktober. Die Politische Korrespondenz erfährt von informierter griechischer Seite, daß die Meldung eines deutschen Blattes, die griechische Regierung sei aus der Verbindung mit den anderen Balkanstaaten geschieden oder stehe auf dem Punkte, dieses zu tun, jeder Grundlage entbehre. Ein bulgarischer Aufruf. London, 11. Oktober. Privattelegramm des „V 0 r w ä r t s".) Die„Daily News" veröffentlichen heute einen Aufruf des bulgarischen Premierministers Geschow an das englische Volk, in dem an die Dienste erinnert wird, die das Blatt und Gladstone in den siebziger Jahren für die Be- freiung Bulgariens geleistet haben. Herr Geschow spricht von dem bevorstehenden Kriege zur„Befreiung der christlichen Brüder", die ihrer Freiheit durch das auf dem Berliner Kongreß verübte Verbrechen beraubt worden seien. Er be- schwört das englische Volk, nicht wieder denselben Fehler wie damals zu begehen, sondern auf die einzige zufriedenstellende Lösung der Balkanfrage zu dringen, nämlich das Ver- schwinden der türkischen Herrschaft in Süd» 0 st e u r 0 p a. Die Versuche, eine türkenseindliche Stimmung zu er» zeugen, wie zur Zeit der bulgarischen Greuel, finden bei dem Sprachrohr des Auswärtigen Ministeriums, den-«»Times", heftige' Opposition. Das Blatt warnt wiederum vor einer Parteinahme, die England später in Verlegenheit bringen könnte. Es handele-sich um weit wichtigere Dinge als die Bevölkerung Mazedoniens oder die bedrängten Türken. Die„Daily Mail" berichten aus.Sarajewo, daß in Fotscha in Bosnien dicht an der Grenze des Sandschak der Donner der Feldgeschütze ge- hört w ordensei. Bestätigt sich dieseMachricht, so würde sie eventuell für das Verhalten Oesterreichs von weittragender Bedeutung sein. Verstimmung in Paris. Paris, 11. Oktober.(Privattelegrainm des „V 0 r w ä r t§".) In Paris herrscht Verstimmung gegen Rußland und England und infolgedessen eine düstere Auffassung der Lage. Der„Matin" erklärt heute, daß für den Kriegsausbruch England am meisten verantwortlich sei. Der„Temps" ist etwas höflicher, aber er macht sich gleichfalls die von Peters- bürg ausgehenden Anklagen gegen den Wechsel der englischen Politik gegenüber den Balkanvölkern zu eigen. Gegenüber der gestrigen Erklärung Greys, es sei bisher noch keine Ge- legenheit getvesen, die türkischen Reformen im Detail zu er- örtern, verweist das Blatt auf die französischen Vorschläge vom 22. September, die gemacht waren, um diese Vorschläge zu präzisieren und zu beschleunigen. Gerade diesen Teil des ! zum rnontene grinischen Vormarsch auf Skutari und zu i Kämpfen bei Podcjarltza, Vorschlages habe aber England ausgeschaltet, was in Petersburg sehr unangenehm empfunden toucbe. Angesichts der Situation müsse Frankreich möglich st zu vermitteln suchen..Unbestreitbar sei allerdings, daß Gladstones Politik nicht mehr eingehalten werden könne, heute, wo die Balkanvölker den Krieg provozieren, um die Türkei auszuweiden, gerade in dem Augenblick wo in Kon- stantinopel die Reformfreunde zur Regierung gelangt sind. Und das„Journal des Debats" sagt wieder in unver- kennbarer Spitze gegen Rußland, man könnte den wahren Urheber des Krieges schon finden, wenn man nur suchen wollte. Das Blatt polemisiert gegen einen Artikel des früheren Ministers Hanotaux, der gegen die deutsche und englische Politik polemisiert und das frühere englische Ministerium Salisbury beschuldigt, Bosnien am Berliner Kongreß an Oesterreich ausgeliefert zu haben. Es erinnert .an das frühere Vorgehen Rußlands, das iii den Reichsstädter Abmachungen, ehe es die Türkei zur Befreiung der slavischen Brüder angriff, einen Teil dieser Brüder seinen Rivalen auslieferte. Das Blatt schließt, in der jetzt beginnenden Krise haben die von den anderen etwas vernachlässigten Westmächte ihre elementaren Interessen zu verteidigen. Die englische Regierung handele gegen ihre früheren Traditionen nach der jetzigen Auffassung ihrer Interessen. Die englische Politik und der englische Handel treiben oft Humanität mit etwas indiskretem und allzu einträglichem Eifer. Aber jedes Volk habe seine Gewohnheiten und Fehler. Frankreich müsse vermitteln und Rußland daran erinnern, es sei das Interesse der Tripleentente, daß England in Konstantinopel seinen alten Einfluß wiederfinde. Und England daran er- innern, daß auch im Interesse der Türkei Reformen dem Kriegsrisiko vorzuziehen seien. Die Tripleentente muß ver- stehen, die Meinungsverschiedenheiten zu besiegen. Ebenso soll Deutschland in Wien und Petersburg ver- m i t t e l n. Man müsse hoffen, daß diese Möglichkeit Wirk- lichkeit werde. Ein Beschwichtigungsversuch. Wien, lt. Oktober. Oesterreichische Delegation. Im Laufe der Debatte erklärte Finanzminister Ritter v. Bi- l i n s k i gegenüber den von dem Delegierten Ellenbogen an die heutige Einbringung der Militärvorlagen geknüpften Be>> fürchtungen, die Regierung sei entschlossen, ihre Friedens- Politik aufrechtzuerhalten, das heißt sich unter sich be- kriegende Parteien, falls es solche geben tverde, nicht einzumischen. Wenn Ellenbogen an dem Passus der heutigen Ministererkläruna „unsere Stimme in die Wag schale werfen" Anstoß genommen habe, so möchte er betonen, daß dieser Ausdruck mit Bewußtsein gewählt worden sei. Wir wollen, fuhr der Minister fort, leinen Krieg und denken gar nicht daran, uns in den Krieg einzumischen, sondern wir denken, daß die Möglichkeit vorhanden wäre, daß internationale Beratungen über die Fol- gen des Krieges entstehen könnten; dann könnten wir unsere Stimme um so erfolgreicher in die Wagschale werfen, wenn wir gerüstet sind. Der Minister stellte fest, daß zwischen den Kre- ditvorlagen und den Ereignissen auf dem Balkan nur ein gewisser logischer, nichtaber politischer Zusammenhangs?) bestehe. Er bat die Delegierten, der Regierung nicht bloß den Aus- druck, sondern nicht einmal den Gedanken an einen Kriegskredit zu unterschieben, Es wäre für Oesterreich und auch für Europa nicht gesund, wenn man Ausdrucke gebrauche, die bei der heutigen auf- Sereaten Stimmung alle Leute in Europa noch mehr aufregen süßten. Die Regierung sei nicht um einen Schritt von ihrer Po- litik zurückgewichen. Die Behauptung sei unrichtig, daß der Mi- iilister des Aeußeren in seiner gestrigen Rede eine Jrontänderung vorgenommen habe. -i- Vie ferbifche Partei und der Krieg. Aus Belgrad schreibt uns ein führender serbischer Genosse unter dem 9. Oktober: In diesem wunderlichen Labyrinth, mkt seinem Mosaik von Rationen, mit seinen chaotischen Verknotungen der verschiedensten Interessen und den ungeheuren Kulturunterschieden seiner Staats- und Sozialverfassung, das man Balkan nennt, in diesem Erden- winkcl haben sich von je � die tragischsten Szenen abge- spielt, die die ungünstigsten Daseinsbedingungen geschaffen haben. Ein Verhängnis für den Balkan und seine Völker war von jeher der„ S t a t u s q u o", der wie ein schweres Gewicht auf einem mit Gas gefüllten Gefäß lastet, das bis zur Explosion gespannt ist. Die Stümper, die dieses Gefäß herstellten, vergaßen, ein Sicherheitsventil einzusetzen, um dadurch dem inneren Druck einen Abzug zu verschaffen. Sie übersahen, daß der Prozeß zur Zertrümmerung der Retorte führen nnitzte. Hofften sie doch stets, daß sie imstande sein werden, durch Routine und Vorsicht das Experiment gefahrlos auszuführen. Und bis zum Schluß blieben sie in ihrer kindischen Illusion befangen. „i, �, Kriegsbrkfe vorn Baihan. II. Chaos. Belgrad, 8. Oktober. Chaos überschreibt die vom Genossen Popowitsch geleitete „Radnitschke Novine", zu deutsch Arbeiterzeitung, den Leitartikel der Montagausgabe, und Chaos ist in der Tat das einzige Wort, das Annähernd den Wirrwarr der Lage erschöpft. Kein Mensch hat eine Ahnung, was das Morgen bringen wird, kein Mensch weiß Bescheid um das Was und Wie und Wenn der nächsten Entwickelung, und die Dinge rollen inzwischen weiter, dem Abgrund zw... Die große Woge der Mobilmachung hat sich verlaufen, aber eS tröpfelt immer noch nach. Zu Fuß, zu Pferd, mit abenteuer- lichen Wägelchen und auf den Savedampfern strömt vom Lande noch Zimmer allerhand Opankenvolk in die Stadt, bekommt einen Schieß- prügel in die Hand gedrückt, eine Patronentasche umgehängt und wird eingereiht. Vielen geht's wie den Arnauten, als ste aus ihren Bergen hervorquollen und Ucsküb überschwemmten: sie sehen zum erstenmal eine große Stadt und reißen staunend vor den grellen Plakaten der Kientöppe Mund und Augen auf. Abends sitzt dann wohl ein solcher waldursprünglicher Bramarbas, vom Sliwowitz befeuert, unter den lauschenden Hcimatsgenoffen am Kneiptifch, zieht seinen Sarras halb aus der Scheide und demonstriert, wie 'er zehn Türken mit der schweren Plempe durch und durch stoßen werde. Auch lange Wagenkolonnen ziehen durch die Stadt. Munitionskarren, leichte Sanitätswägelchen. Maschinengewehre auf Pferden, und mit allerhand Kriegsmaterial bi« zum Riederbrechen bepackt, arbeiten sich über dir zerklüftete Äarstformation des Bel- grader Pflasters lange Reihen unendlich zäher und unendlich ge- duldiger kleiner Gäule, die alle Lasten über die verwegensten Saum- pfade des Balkan zu schleppen pflegen. Heu und Schokolade, ge- weihte Kerzen und Mauserpatronen. Die Stimmung für den'Krieg ist eher im Wachsen als im �Abflauen. Die Presse führt täglich«ine aufreizendere Sprache, und „Piemont" bemüht schon wieder den Geist Theodor Körners mit einer Uebersctzung des„Gebet vor der Schlacht" und eines Briefes an seinen Vater aus dem März 1813— man sieht, der Kontakt mit dem deutschen Geistesleben ist hergestellt, und obwohl man die „Schwaben" nicht leiden kann, wird das preußische Hurra zu einem Importartikel. Die Skupschtina, die noch immer in ihrer alten. phr balkanhaften Bude tagt, hat gestern die tfriegskredite und Immer.wieder erwies sich 8er breigerühmte Staiutsquo als unhaltbar, schien die Explosion eintreten zu wollen. Und Europa hat trotz aller Enttäuschungen und unangenehmen Erlebnisse sein Flick- gebilde erhalten, weil es wegen seiner imperialistischen' Pläne etwgs anderes Besseres und Natürlicheres nicht an die Stelle setzen wollte. Mir sind überzeugt, daß Europa immer danach streben wird— ohne darauf zu achten, auf welche Weise der Zweck zu erreichen ist—, auch fernerhin seine matzgebende Stimme zu behalten und die Interessen der Balkanvölker den imperialistischen Appetiten seiner herrschenden Klassen preiszugeben. Deshalb nützt es jede Gelegen- heit aus, um dieses Streben durchzusetzen. Für die heutige unerträgliche Lage auf dem Balkan trägt die Verantwortlichkeit in erster Linie die perfide Diplomatie der interessierten Großmächte, die eine normale Um- Wandlung und EntWickelung der ökonomischen und politischen Kräfte der Balkanstaaten unterdrückte. Sodann der Feudalismus und das Kastenregime in der Türkei, welches unvereinbar mit den Bedürft nissen und Tendenzen der freien Entwickelung der Nationen ist. Und schließlich tragen die Verantwortlichkeit auch die Regie- rungen der unabhängigen Balkan st aaten Serbiens, Bulgariens, Griechenlands und Montenegros, weil ihre Politik stets im Einvernehmen mit dieser oder jener Gruppe der Großmächte gestanden und dadurch den Zusammenschluß der Völker zu einer de- mokratifchen Union unmöglich gemacht hat. Nur ein solcher Bund könnte die Ursache der jetzigen Unzufriedenheit und Erschütterungen beseitigen. Nur er wäre eine Garantie, daß alle Nationen selbständig ihr Dasein bestimmen und den gemeinsamen Feind, den Kolonial- kapitalismus, abwehren könnten. Auf dem Standpunkt steht auch die Resolution der ersten sozialdemokratischen Balkcmkonferenz in Belgrad 1999. Mit besonderem Nachdruck werden in der Resolution die imperialistischen Aspirationen von Oesterreich- Ungarn und Rußland auf dem Balkan betont. Aber nun die jetzige Situation! Der Balkan ist ein Kriegs- lager geworden. Auf allen Seiten klirren die Säbel; alles, was ein Gewehr tragen kann, ist vom Fuß bis zum Kopf bewaffnet. Der Krieg ist dal Die Armeen der christlichen Balkanftaaten, welche von Rußland inspiriert wurde, sollen mit einem Schlag die Frage lösen,' die schon so lange Zeit die Aufmerksamkeit aller Kreise in Anspruch genommen hat. Wir sind sehr weit davon, zu glauben, daß dieser Bund eine feste Grundlage für eine dauernde Union darstellte, und daß feine gegenwärtige Aktion gegen die Türkei eine Befreiung der unter- drückten Stammesgenossen in der Türkei bringen wird. Aber wir meinen, daß das Freiheitsstreben der slawischen Nationen in der Türkei gerechtfertigt ist, und wir find bereit, eine Revo- lution zu befördern, welche zur Befreiung führt. Der Revolution zu befördern, welche zur Befreiung führt. Der Krieg, vor welchem wir stehen, führt nicht dahin, die Völker in Freiheit zu vereinen, sondern er wird die Ausrottung der besten Kräfte und dadurch die Schwächung der Balkanftaaten zur Folge haben, so daß diese als reife Aepfel den europäischen kapitalistischen Räubern in den Schoß fallen würden. Eine jede Intervention der Großmächte wäre also die größte Gefahr sowohl für den Weltfrieden als für die Freiheit der Balkan- Nationen. Aber selbst, wenn der Balkanbund sein Ziel erreichen könnte, würde die nationale Frage nicht gelöst werden, weil ein Großbulgarien oder Großserbien neue innere Reibungen, vielleicht auch neue gegenseitige Konflikte erzeugen würde. � j.-■..'tj. ♦ �.cjIv-' Italienische Kriegsschiffe. Rom» 11. Oktober. Wie der„Agengia Stesani" amtlich ge- meldet wird„ empfing daK erste Geschwader, das sich unter dem Kommando des Admirals Viale in den italienischen Gewässern befindet, den Befehl, sich zu Absiahvt in das Aegäische Meer bereitzuhalten. Der Friede zwischen Italien und der Türkei. Paris, 11. Oktober.(Meldung der Agence Havas.) Nach den letzten hier eingetroffenen Nachrichten aus türkischer Quelle ist die Beseitigung der letzten Schwierigkeiten in den Friedensunterhandlungen zwischen Italien und der T ü r k e i als unmittelbar bevorstehend anzusehen, so daß die Unterzeichnung des Friedens möglicherweise schon morgen erfolgen dürfte_ politiFcbc dcbcrHcbt. Berlin, den 11. Oktober 1912. Die Regierung als PreiStreiber. Als vor einigen Jahren die preußische Regierung vom Landtage beträchtliche Geldmittel zum Ausbau staatlicher Kohlenfelder in Westfalen verlangte, begründete sie ihre Forderung damit, daß nicht nur die staatlichen Betriebe, be- ein Moratorium angenommen— gegen die Stimmen der beiden Sozialisten. Jedes Wort, das wie eine scharfe Schwertspitze gegen die Türkei gerichtet war und Krieg verhieß, wurde von den Ab- geordneten, die in diesem Bauernland zum guten Teil ihre länd- liche Tracht auch im Parlament tragen, mit Bravo und Hände- klatschen unterstrichen. Als Genosse Laptfchewitsch im Namen der Sozialdemokratie gegen die Verschleuderung von Kulturwerten und Leben und gegen zedes Blutvergießen Protest erhob, eine wuchtige Gestalt mit dem wallenden schwarzen Barte des Bandenführers und mit dröhnendem Organ, flogen die höhnischen Zwischenrufe wie Pfeile, die er mit leichter Hanobewegung qbschüttelte; aber er wurde doch angehört und das Schicksal des bulgarischen Genossen Sakasow, des Hauptes der Schiroki(Opportunisten) blieb ihm erspart: die Männer der Sobranie haben den Beweis, daß Bulgarien für den Anschluß an die westeuropäische Kulur reif ist. durch wüste Schimpft reden und durch tätliche Beleidigungen Sakasows dargetan. Nach einer Meldung soll er sogar mit Gewalt aus dem Sitzungssaal herausgezerrt worden sein; auch ein Seitenstück zu dem Fall Borchardt. Aber in Preußen war das Hinausschmeißen Staats- betrieb, in Bulgarien Heimarbeit. Einer der Abgeordneten. Miloto Dragowitsch, ist bereits auf und davon, um Komitatschis um sich zu scharen und auf eigene Faust den Kleinkrieg ins türkische Land zu tragen. Auch sonst wirkt die Spannung in all ihrer Unerträglichkeit nervenauspeitschend oder nervenzerrüttend. So hat sich vor drei Tagen der Sektionschef im Handelsministerium. Milosch Christitsch, ein Sohn des früheren Ministerpräsidenten, erschossen, weil er. als Reserveoffizier einge- zogen, sein Amt nicht ausfüllen zu können glaubte. Und in einem Truppenlager, drei Stunden von Belgrad, soll«in Soldat einem Offizier zu Leibe gegangen und dafür vor der Front kriegsgerichtlich füsiliert worden sein— beide» Zeichen dessen, was der Nervenarzt deutschen dürfen sich in normalen Zeiten über ein zu großes Entgegenkommen dsr Serben nicht beklagen, in diesen Tagen aber steigt mit der Spannung das Mißtrauen gegen den deutsch Redenden, das alle Schichten des Volkes, Friseure und Zahlkellner ausgenommen, beseelt. Selbst in den Kreisen der Intelligenz äußert sich ganz unverhohlen die Meinung, daß der Krieg gegen die Türkei, den Freund Deutschlands, der Beginn des großen Entscheidungs- kampfes zwischen der germanischen und der slawischen Rasse sei. Ueber die tiefeingefressene Mißstimmung braucht sich aber kein Kind zu wundern, und wer darunter leidet, mag sich bei der deutschen Regierung bedanken. Sie hat so unbedingt und rückhaltlos die Expansionspolitik Oesterreichs auf dem Balkan gedeckt, daß Serbiens Haß gegen den Unkerdrückerstaat sich ganz von selbst auch auf den sonders die Eisenbahnen, unabhängig von 8er Preisvolitik des Kohlensyndikats sein müßten, sondern daß auch der Staat einen gewissen Einfluß auf die Preis- gestaltung der Kohle in Preußen gewinnen m ü s s e. damit das Kohlensyndikat sein Monopol nicht nach Belieben auszunützen vermöge.- Der Fiskus erhielt seine Forderungen in der Hauptsache bewilligt— aber von einem günstigen Einfluß auf die Kohlenpreise ist bisher nichts zu verspüren gewesen. Er schloß sich vielmehr nach einigen schüchternen Versuchen dem Kohlensyndikat an, übertrug diesem den Verkauf seiner überschüssigen Kohlenproduktion und machte, auf seinen Profit bedacht, wohlgemut die Preis- steigerung mit. Damit nicht genug— wie wir gestern bereits in der Rubrik„Aus Industrie und Handel" melde- ten—, ist jetzt der Fiskus oder richtiger die Regierung sogar als der profitlüsternste aller Preistreiber aufgetreten und hat beim Syndikat beantragt, daß im nächsten Ge- schäftsjahr dieKohlenpreise umdurchschnitt- lich 1 Mark pro T.onne(2 9 Zentner) erhöht werden! Tie„Franks. Ztg." schreibt darüber? „Je mehr die fiskalischen Zechen produktionsfähig wurden, desto deutlicher stellte sich heraus, daß der Fiskus, in Westfalen genau so wie seit langem schon im Saarrevier, weder gewillt noch imstande war, einen Druck auf das Ztohlenshndikat zu üben. Die fiskalischen Werke arbeiteten zu teuer, um mit den privaten ernsthaft zu konkurrieren; der Preiskampf, der zwischen den staat- lichen Zechen und dem Kohlensydikat entbrannte, gefährdete die Rentabilität der staatlichen Zechen viel stärker als diejenige der Syndikatsmitglieder: das End« vom Liede war, daß im Januar dieses Jahres das bekannte Abkommen zwischen Fiskus und Syndikat geschlossen wurde, durch das der Fiskus den Verkauf seiner Kohlenproduktion einfach dem Syndikat übertrug, auf , jede Konkurrenz wie auf jeden maßgebenden Einfluß also ver- zichtete und sich lediglich das Recht vorbehielt, von dem Vertrage zurückzutreten, wenn ihm die Preispolitik des Syndikats nicht konvenierte. Der Fiskus, der eingesetzt worden war. um das Monopol des Syndikats zu mildern, zog sich also jetzt tatsächlich unter die schützenden Fittiche des Syndikats zurück, um. statt für die Interessen der Kohlenverbraucher, ausschließlich für seine eigene Rente zu sorgen. Eine Prciscr- höhung, die das Syndikat vornahm und die der Fiskus freudig mitnahm, war die Folge. Und jetzt kommt der zweite Schritt, der zwar an sich nicht groß überraschen kann, der aber die ganze Situation doch in einer wahrhaft bengalischen Beleuchtung zeigt: nach der Essener Depesche unseres Handelsteils im Zweiten Morgenblatt beantragt nunmehr der Fiskus selbst beim Syndikat eine Preiserhöhung für sämt- liche Brennstoffe um durchschnittlich eine Mark pro Tonne für das am 1. April n. I. beginnende Geschäftsjahr 1913/14, und das Syndikat wird nun diesem Antrage des FiSkus wo hk oder übel nachkommen müssen! Das ist der Gipfel. Der Staat. der einen Einfluß auf dem Kohlenmarkt gewinnen sollte, benutzt diesen Einfluß dazu, um seinerseits das Kohlensyndiat zu einer neuen Preiserhöhung zu veranlassen. Er nimmt den klugen Geschäftsleuten des Syndikats alles Odium und alle Verant- wortung ab. Er erhöht die Preise und nennt das dann eine �regulierende" Tätigkeit." Der Fiskus als rücksichtsloser Preistreiberl Recht charakteristisch für die Maximen, nach welchen Preußen regiert wird. Während die Regierung vor allen Maßnahmen zurückscheut, die geeignet wären, die abnorm hohen Fleisch- preise zu ermäßigen, treibt sie kurz entschlossen die Kohlen- preise in die Höhe._ Zwangsenteignung polnischer Güter. Die Hakatisten haben einen Sieg zu verzeichnen. Nach- dem das im Frühjahr 1998 vom preußischen Landtag an- genommene antipolnische Enteignungsgesetz, das bekanntlich der preußischen Regierung das Recht erteilt, zur. S i ch e- rung des gefährdeten Deutschtums" polnische Güter im Zwangsenteignungsverfahren an sich zu bringen. vier Jahre lang unter anderen verstaubten Akten geruht hat, cheint jetzt plötzlich eine Hochwohlweise Regierung entdeckt zu haben, daß dieses Gesetz endlich zur Anwendung kommen muß. wenn der preußische Staat nicht ins. Wanken geraten soll. Die„Post" verkündigt nämlich jubelnd an der Spitze ihrer letzten Nummer: Wie wir von absolut zuverlässiger Seite erfahren, ist die Eni« eigmmg mehrerer in polnischer Hand befindliche» Rittergüter be» reits in die Wege geleitet worden. Es handelt sich dabei um vier deutschen Bundesgenossen erstreckt hat. Ein BiSmarcksches Wort laßt sich deshalb dahin ändern, daß die Staatsbürger, etwa die Kaufleute hier, die Scheiben bezahlen müssen, die die Staatsmänner einwerfen. Dazu rächt sich auch die Geschmacklosigkeit, mit der selbst nach ünks h.nuberneigende deutsche Blätter bei ihrer Betrachtung serbrscher Verhältnisse stets den Jnsektenreichtum des Landes in den Vordergrund geruckt haben- die Balkannummer des„Simpli- cissimus ist hier noch in unangenehmster Erinnerung. Nun wog Paris Heinrich'IV. bekanntlich eine Mesie auf. und eine gut« Wanze ist sicher rinc» guten Witzes wert. Aber über die kriechende und hupfende Bevölkerung des Balkans die ziveibeinioe zu vergessen, geht doch zu weit, und jetzt wird sich ja wohl furchtbar offenbaren, daß die Balkanfrage mit ganz anderem Pulver gelöst wird als mit Insektenpulver. Unter dem generellen Mßtrauen gegen alles Deutsche leiden besonders die Vertreter der Auslandspresse. Die Herren Kollegen von den Wiener und Pcster Blättern die. kommender Ereignisse gewärtig, hierher geeilt sind, vergnügen sich damit, die Geruchte, die in der Luft umherwimmeln, wie Fliegen einzufangen— in der Not frißt auch der Presscteufel Fliegen— und nach Hause zu senden. Die ungarische Grenzstation Semlin ist der AusgangSort aller Telegramme und Briese, die der serbischen Zensur entrückt werden sollen. Tiese Behörde arbeitet mit der äußersten Rigorosität. Sogar dem früheren Ministerpräsidentent Vladan Georgewitsch— der Diktator Serbiens in der Zeit Milans und Alexanders, und sicher ein interessanter Mann— widerfuhr es, als er mit seinem an der Grenze stehenden Sohn durch das Telephon ein paar fron- zösische Worte sprechen wollt«, daß sofort die Verbindung getrennt wurde. Die Balkanföderation nennt sich stolz— es ist das belieb- teste Schlagwort geworden— die si-bente Großmacht. Vor der an- d«»en siebenten Großmacht, der Presse, scheint sie aber mehr höllische Scheu zu haben als vor den Türken, denn um die Erlaubnis zu erhalten, an die Front zu gehen, lauft man sich die Füße wund und erreicht doch nichts.„Wir werden," lagt ein Beamter im Ministerium des Aeußern,„es machen wie die Italiener in Tri- polis und überhaupt keine Korrespondenten zulassen. Die Italiener haben wenig Vergnügen daran gehabt. Adieu!" Den Eintritt in den Bahnhof verwehren Militärposten: es verkehren einzig Truppentransporizuge. Tie gesamte Personen- beförderung stockt. Nur der Orient-Expreß kommt morgen früh auf der Fahrt nach Sofia durch Belgrad. Es hat wenig Zweck, hier zu sitzen und Fliegen zu fangen. Sllfo auf. in den Orient-Expreß. ivenn s geht, nach Nisch, näher an die Aufmarschlinie der Truppen heran; wenn's nicht geht, nach Sofia, das sich wohl als Hauptstadt des Balkanbundes fühlt 1 Guisbezirke mit einer Gesamtfläche von 1700 Hektar, die sich auf die Kreise Znin und Strelno im Regierungsbezirk Bromberg, Posen- Ost im Regierungsbezirk Posen und Schwetz im westpreubischen Regierungsbezirk Marienwerder verteilen. Die polnischen Besitzer der Güter sind von den: Enlschlutz der Regierung bereits der- ständigt worden und die Mitteilung der bevorstehenden Eni- eiguung wird höchstwahrscheinlich heute abend in den polnischen Blättern, natürlich mit entsprechenden Kommentaren, erfolgen. Armseliges Mittclchcn! Das Fiasko der preußischen Polen- Politik steht bereits so fest, daß selbst eine zehnmal größere Zwaitgsenteignung nichts an dem Bankrott zu ändern vermag. Ein Krakeeler gegen den Krakeel. Der nationalliberale Herr Schiffer, der in der nationalliberalen Fraktion des preußischen Abgeordneten- Hauses neben Herrn Dr. Friedberg eine führende Rolle spielt, sucht auch im Reichstage eine einflußreiche Position zu er- gattern. Er gehört zu den intimsten Gegnern des Herrn Bassermann, der ihm noch zu weit links stecht. Natürlich ist er erst recht schlecht auf die Jungliberalen zu sprechen. In einer Magdeburger Versammlung führte er erst kürzlich be- wcgliche Klage über die jungliberalen„Zänkereien und Stänkereien", die die Partei zerwühlten. Statt Unter- snchungen darüber anzustellen, ob ein Parteigenosse ein Links, oder Rechtsliberaler sei, und den Streit in die eigenen Reihen zu tragen, solle man sich lieber sachlichen Aufgaben zu- wenden, deren es die Hülle und Fülle gebe. Daß es einem Nationalliberalen von so spezifisch preußischem Gepräge, wie Herrn Schiffer, dem Vater des Schiiiverpfaffungsgesetzes, unbequem sein muß, auf die Qualität seines Liberalismus hin geprüft zu werden, ist leicht zu verstehen. Daß aber Herr Schiffer zu allerletzt Ursache hätte, sich über„Zänkereien und Stänkereien" zu entrüsten, weist die„Volks-Ztg." nach, indem sie an die Intrigen dieses so plötzlich von ethischen Skrupeln befallenen Herrn gegen seinen Parteifreund und Fraktionsführer Bassermann er- innert. Habe doch Herr Schiffer Herrn Bassermann im Frühjahre dieses Jahres wegen seiner angeblich zu sehr nach links gerichteten Politik bekämpft, obwohl er, Herr Schiffer, selbst nicht nur bei der Vizepräsidentenwahl für Scheidemann, sondern bei der Präsidentenwahl auch für Bebel gestimmt habe. Auf die wiederholte Festnagelung dieses unglaublichen Doppelspiels habe sich Herr Säsiffer bisher völlig ausge- schwiegen! Die„Volks-Ztg." meint, daß die nationalliberale Partei- leitung die Pflicht habe, Herrn Schiffer endlich die Zunge zu lösen, selbst auf die Gefahr hin, daß er dann offen zu den Konservativen abschwenke. Nun, der Anhang des Herrn Schiffer unter den preußischen Nationalliberalen ist denn doch zu groß, als daß es die„Links"nationalliberalen auf eine solche Kraftprobe ankommen lassen könnten. Ter bayerische Verkehrsminister als Scharfmacher. Der bayerische VerkehrSminister hat am Freitag im ReichSrat setiie Erklärungen gegen den Süddeutschen Eisenbahnerverband wiederholt und verschärft. Inzwischen hat der Vorstand des Ver- bandes unter Umständen, die d-n Rücktritt de» Genossen Rph» haupter von der Redaktion des VerbandsorganS veranlatzten, in eiistr Erklärung die Streiks als gesetzlich unzuläsfig bezeichnet. Der Minister äußerte darauf, daß die Erklärung an seiner Stellungnahme nicht j ändere; mit dieser um Jahre zu spat kommenden Bersicherung sei die Sache nicht«lebigt. Kein Eisenbahner dürfe einer Organi- faiiön angeboren, die die Arbeitseinstellung als zulässig erachtet oder deren Verhalten die Gefahr eines AuSstandeS herbeizuführen ge« eignet ist. In der gleichen Sitzung versicherte der VerkehrSminister seine Sympathie mit einer Anregung, die vierte Wagenklasse auch in Bayern einzuführen, nur müsse man noch etwas damit warten. Konservativer Fortschritt. Unter dieser Ueberschrist beschäftigt sich die„Konservative Monatsschrift" wieder urit der Frage der Reformbedürfttgkeit des konservativen Programms, wie der konservativen Partei überhaupt. Während bisher gerade dieses Organ stark liebäugelte mit den Ideen des sogenannten KulturkonservatismuS, rückt es jetzt von der neuen ..kulturkonservativen" Blattgründung weit ab. Allerdings hat sich dieses Organ sehr rasch als freikonservatives Blatt entpuppt. Das konservative Monatsblatt schreibt: „Was dem Konservatismus nottut, daS ist nicht eine Um- Wandlung in einen sogenannten fortschrittlichen Konservatismus. von dem das Neue, das Auszeichnende seine liberale Schieläugig- keit ist. Solcher Konservatismus,>me er neuerlich feil- geboten wird, hat keinen Eigenwert, weil er den Fortschritt nicht mit konservativen Gedanken, sondern mit Anleihen beim Liberalismus zahlen möchte. Gerade der in der praktischen Politik oft wünschenswerte Ausgleich zwischen konservativen und iiberalen Forderungen, der jenen fortschriftlichen Konservativen vorschioebt, verliert seinen besten Wert, wenn die konservativen Forderungen nicht konservativ sind... Auch die vielerwähnte '..enderung des konservaftven Programms ist nicht unsere bren- nendste Sorge; wenn das Programm verstanden wird als«ine Zuiammenfaffung dauernder Grundsätze, nicht aktueller Forde- r un gen. Unser Programm ist weniger schlecht als unpraktisch. wtDtnoct allgemeinste Ideen mit speziellsten Betrachtungen. Mton täte besser, sich im Programm auf eine bündige Formulie- rung der großen konservativen Grundgedanken zu beschränken, daneben aber von Wahl zu Wahl oder von Etatjahr zu Etats- jähr die konkreten Ziel«, für die die Partei kämpfen will, zu veröffentlichen. Die Neuformung de, prinzipiellen Programms mag einstweilen unterbleiben. Aber das aktuelle Programm der gegenwärtigen Ziel«, daS Programm des konservativen Fortschritts, das brauchen wir... Im Kampf der Parteien erscheint ein« Partei nicht als Vertreterrn ibrer großen Ideen, sondern sie wird beurteilt nach dem, waS sie praktisch tut und fordert... Der Wunsch nach konservativem Fortschritt geht nicht auf eine Aendc- rung der konservativen Ziele, sondern auf ein tatsächliches all- gemeines Heraustreten mit berechtigten konservativen Forde- rungen." Der Gedanke, die konservativen Ziele mehr in den Hintergrund treten zu lassen, für den praktischen politischen Kampf gewissermaßen auszuschalten, und an Stelle der konservativen Anschauungen poli- tische Augenblicksforderungen zu stellen, mag taktisch sehr klug er- scheinen und könnte den Konservaftven vielleicht einigen Zulauf bringen, wenn nur nicht die konservativ-agrarische Politik nicht allzu fteje Spuren in der Geschichte der letzten Zeit hinterlassen hätte. Fetzt mag man sich drehen und wenden, wie man will: die agrarisch- junkerliche Politik vermag niemand im Volke mehr zu täuschen. Fuldaer Bischofskonferenz. Wie vom Wolfffchen Telegr.-Bureau offiziös auS Fulda gemeldet wird, soll dort nun doch die verschobene Bischofs- konfexenz am 5. November unter dem Vorsitz des Kardinal- Fürstbischofs Dr. v. Kopp stattfinden. Das Bauernlegen in Schlefien. nimmt trotz aller Abl-ugnungSverfuch« der Großagrarier zu. Im Kreise I a u e r hat kürzlich Graf H o ch b u r g das RitterKUt Klcd- I nitz und mehrere andere Bauerngüter und Befitzerstellen zur Ver- größerung seines jetzt schon riesengroßen Besitzes aufgekauft. Mit mehreren anderen Besitzern sind die Verhandlungen wegen Aufkauf ihrer Besitzungen dem Abschluß nahe. Auf dieselbe Weise vergrößern die übrigen Großagrarier im Kreise ihr Besitztum, so daß heute schon fast der gesamte KreisJauerim Besitz einer Handvoll Grohagrarievist. Die Fürstlich Pleßsche Stalrdesverwaltung, die in Miftelschlesien schon ungeheure Flächen in ihrem Besitz hat, hat iwuerdings wieder eine 80 Morgen große Besitzung mit Gasthof in Fveudenburg auf- gekaust. Bald wird das ganze idyllisch gelegene Dorf Freudenburg, das chenrals ein« ganze Anzahl von kleinen Bauern aufzuweisen hatte, der allmächtigen Standesherrschast Fürstenstein ganz gehören. Auch Herzog Ernst Günther zu SchleSwig-Holsiein, der in Schlesien schon mächtige Besitzungen sein eigen nennt, hat neuerdings noch 3300 Morgen> Besitztum ausgekauft. So lange der Großgrundbesitz systematisch die kleinen Bauern und Stellenbesitzer aufkauft, um so weniger wird die deutsche Land- Wirtschast in der Lage sein, die Viehzucht zu heben. Ter strafende Militarismus! Im Jahre 1911 wurden 12 912 Angehörige der deutschen Armee wegen Zuwiderhandlungen gegen militärische und bürgerliche Straf- gesetze verurteilt. Gegenüber dem Vorjahre ist die Zahl der Ver- urteilten um 474 gestiegen. In einem Falle wurde aus Todesstrafe erkannt, in 11 Fällen auf Zuchthaus von 6 und mehr Jahren <1910: 13 Fälle), 26 Verurteilte mußten aus 2— ö Jahre ins Zuchthaus wandern<1910: 14) und 18<21) wurden darin auf 2 Jahre interniert. Eine Verurteilung erfolgte zu lebenslänglicher Zuchthaus- strafe. Auf Gefängnis wurde 1911 gegen zusammen 5016 Personen erkannt, 1910 erlitten gleiche Strafe 4888 Personen. Festungshaft verhängten die Gerichte über 128 Verurteilte gegen 88 im Vorjahre. Auf Arrcststrafen lauteten die Urteile in 5093<4953) Fällen, auf Geldstrafen in 2463<2248) Fällen. Ehrenstrafen erlitten 2033<2018) Personen. Unter den Delikten, die zur Bestrafung führten, nehmen die sogenannten Jnsubordinationsvergehen einen hervorragenden Platz ein. Es erfolgte Verurteilung wegen: militärischer Verbrechen u. Vergehen 1910 1911 darunter: Unerlaubte Entfernung...... 727 805 Fahnenflucht......... 564 578 Selbslbefreiung von Gefangenen.. 12 11 StrafbareHandlnngen gegen die Pflicht der Unterordnung..... 1287 1317 Mißbrauch der Dienstgewalt.... 594 593 Zerstörung von Dienslgegenständen. 16 27 Diebstahl, Unterschlagung. Bestechung 1449 1490 alschmeldungen usw....... 204 213 ahrläsfige Körperverletzungen... 74 64 Trunkenheit.......... 15 22 Unter den sogenannten bürgerlichen Vergehen und Verbrechen von Militärpersonen erfolgten u. a. Verurteilungen: 168<153) wegen Beleidigung, 972<943) wegen Körperverletzung, 984<938) wegen Vergehen gegen das Eigentum, 245<199) wegen Spionage usw. Be- merkt mag noch werden, daß von den 593 Verurteilungen wegen Mißbrauch der Dienstgewalt nur 40 auf Bayern, 44 auf Sachsen und 16 auf Württemberg entfallen. Alle anderen mehren Preußens Ruhm und Ehre. Und daß bei den Jnsubordmationsvergehen meistens der preußische Schneid die Schuld trägt, kann man daraus entnehmen, daß von den 1317 Verurteilten dieser Kategorie Vergehen nur 130 auf Bayern. 70 auf Sachsen und 20 auf Württem« berg entfallen.. Preußen ist allen voraus! Staatssekretär a. D. Nieberding verstorben. Wie aus dem. ReichSanzeiger' Bekannt wird, ist am Donners- tag der frühere Staatssekretär des Reichs-JustizamteS, Nieder- ding, gestorben. Der Verstorbene hat dieses Amt 16 Jahre inne- gehabt, eine Seltenheit in einer Zeit besonders starken Ministerver- brauchs. Nieberding war im Laufe der Zeit ein recht ver- knöcherter Jurist geworden, für den nur existierte, was in den Akten stand. Wenn er im Reichstage die Angriffe unserer Genossen auf die Klassenjustiz abzuwehren versuchte, dann kam er, der ja auch kein Redner war, über einige nichlssagende Bemerkungen nicht hinaus. Sein Fleiß wurde dagegen allseits an- erkannt. Produktionsstatistik. Im ReichSamt des Innern werden gegewvärtig für Verschiedene GewcrbSz-weige Produktionsstatistilen veranstaltet, deren Ergebnis später alz Unterlagen für die Ausgestaltung der Zoll- und Handels- Politik dienen sollen. Die Unternehmer sind nicht erbaut von dieser Statistik, derm sie lassen sich nicht gern in die Karten gucken. Die Schweiniburgschen„Berliner Politischen Nachrichten" bringen des- halb ein« offiziöse Mahnung an die beteiligten Unternehmer, der Statistik keine Schwierigkeiten zu machen: „In erster Linie liegt es im Interesse der Unternehmer selbst, daß ein zutreffendes Bild von der Bedeutung ihres Ge- werbezwetges vorliegt. Denn es ist selbstverständlich, daß bei der Ausgestaltung der Zoll- und Handelspolitik den einzelnen Ge- weroszweigen Berücksichtigung nach dem Grade ihrer Bedeutung für die VolkKrirtschaft zuteil wird. Ihre Bedeutung läßt sich aber nur»ach den Ergebnissen einer möglichst lückenlosen Produkftons- statistik erkennen... Es ist eine durch nichts begründete Furcht, wenn manche Unternehmer annehmen, daß die von ihnen mit- geteilten Daten aus ihren Betrieben zu anderem als dem produk- lionsstatistischen Zwecke benutzt iverdcn, oder daß sie gar weiter verbreitet werten könnten. In beiden Beziehungen sind Vorkeh- rungen für absolute Geheimhaltung getroffen. Auch ist in Aus- ficht genommen, bevor einige allgemeine Ergebnisse der ProduiftionSstaftsfik veröffentlicht werden, erst die A n- ficht der Vertretungen der einzelnen GrwerbSzweige einzuholen und die Bß,röffentlichun>a nach dem Gut- achten der letzteren einzurichten. Mehr können die Unternehmer wirklich nicht verlangen. Sie werden sich doch nun nicht, länger gegen die ihnen aufgedrungenen Wohltaten sträuben. Landfagsersatzwahl in Mogilno-Wrongrowitz. Bei der heute im Wahlkreise Broniberg 5 in Znin vollzogenen Landtagsersatzwahl für den verstorbenen Abg. Pellasohne KriegSführung von ganz anderen Gesichtspunkten au« durchzuführen und zu bewerten. als es unter anderen Verhältnissen der Fall wäre. Der Baliankrieg wird de», kultivierten Europa zweifellos Szenen und Ueberraichungen ganz absonderlicher Art vor Augen führen. Wo wohnt die Bevölkerung am dichtesten? Der Staat mit der stärksten Bevölterungsdichtigteit ist nach wie vor B e l g i e n, wo nach der letzten Volkszählung Ende des JahreS 1910 auf einen Quadratkilometer durchschnittlich 252,04 Einwohner kamen. Denen, die in absehbarer Zeit eine Uebervölkerung Deutschlands kommen sehen, sei gesagt, daß das Deutsche Reich bis zu emer Ein- Wohnerzahl von 136,3 Millionen anwachsen kann, ehe es auch nur ordentlich gestiegen sind. Aber doch zumeist nicht in gleichem Maße wie in Deutschland, besonders nicht in England, Dänemark, Holland, Rußland usw. Es ist auch nicht zu Verkcmicn, daß der fortgesetzte internationale Ausbau des„Schutzes der nationalen Arbeit", besonders das Jickraftreten neuer, wesentlich erhöhter Zoll- tarifc gerade mit dem Jahre 1906, in Teutschland, Rußland, Oesterrcich-Ungarn, Schweiz, und die dadurch mit vcranlaßten Tarif- .revisionen anderer Staaten doch eben! falls sehr ins Gewicht fallen. Der Schutzzoll übt selbst eine inteonationale Wirkung aus auch aus die Freihandelsstaaten. Denn das Streben der nationalen Volkswirtschaften. nach möglichst weitgehender wirtschaftlicher Selbständig- keit und Unabhängigkeit vom Auslände durch hohe Zölle und Ab- schließungsmaßregeln führt dazu, daß sich nicht nur das allgemeine Preisniveau aus den zollgeschützten Märkten selbst um den Zoll- betrag erhöht, sondern gibt auch zu ausgedehnten nationalen Pro- duktionsverschiebungen Anlaß, die an sich Volkswirtschaft- lich unrentabel sind und nur durch den hohen Zollschutz ermöglicht werden. Die Folge ist, daß aus die Dauer alle nationalen Pro- duktionsgweige mit erhöhten Kosten arbeiten. Wenn nun gerade unsere wichtigsten Rohstoff- und Nahrungsmittel-Licfcrantcn, wie die Vereinigten Staate», Rußland, Australien� dem Hochschutzzoll in noch stärkerm Maße huldigen als Deutschland, und dadurch die all- gemeine Lebenshaltung wie auch die Produktionskosten ihrer Aus- ftihrartikel wesentlich verteuern, so kann es nicht ausbleiben, daß der Eins, luß dieser nationalen Schutzzölle sich auch international für den ganzen Weltmarkt geltend machen muß. Auch in FeihandelSIändern, die diese durch den Zoll direkt oder indirekt verteuerten Produkte beziehen., So kann also der von agrarischer Seite immer wiederholte Hin-, weis aus die ähnliche Preisgestaltung in England, den Niederlanden usw. nicht allzuviel besagen. Ter„Schutz der nationalen Arbeit" kann von seiner preisverteuernden Wirkung nicht freigesprochen werden; er ist vielmehr mitschuldig auch an der internationalen Prcistcuerung. Württemberg für die Einsuhr aus Dänemark. Die württembergische Regierung hat beim Bundes- rat eine Milderung der Bestimmungen Wer die Vicheinftihr aus Dänemark beantragt. Die Bestimmungen gegen Dänemark sind besonders schikanös. Das erklärt sich natürlich nur daraus, daß Dänemark zu den Staaten gehört, aus denen wirklich Vieh in größeren Mengen eingeführt werden könnte. Prcußcp auch hier wieder das Hemmnis! Die Bremer Bürgerschaft gegen den s 12. Nachdem die Bürgerschaft der Einrichtung billiger Fleisch- und Fischverkäufe zugestimuit, nahm sie den Antrag an, den Senat zu ersuchen, den bremischen Bevollmächtigten beim Bundesrat für Milderung des tz 12 des Flieischbeschaugesetzes eintreten zu lasse», lehnte jedoch den sozialdemokratischen Antrag ab, 20000 M. zur Einführung von billigen Lebensmitteln zur Verfügung zu stellen. .Konsumvereine alp städtische Fleischverkaufsstellen. Wie an anderer Stelle bereits gemeldet wurde, hat die Bcr- lincr Konsumgenossenschaft sich gegenüber den Groß-Bcrliner Kom- munalbehördeu bereit erklärt, vom Ausland bezogenes Fleisch zu übernehmen und ohne Gewinn zu verkaufen. In Altona ist eine ähnliche Verabredung zustande gekommen. Dort ist von der Stadt ein Seefischverkauf und der Bezug dänischen Fleisches organi- siert worden. An den Beratungen der städtischen Teuerungskom- Mission nahmen auf Veranlassung unserer Genoffen auch Vorstands- Mitglieder des großen Arbeiterkonsumvereins„Pro- d u k t i o n" teil. Die Stadt wird Verkaufsstellen einrichten, in denen die Fleischerinnung dänisches Fleisch zu vorgeschriebenen Preisen verkaufen soll. Außerdem wird das städtische Fleisch auch in den Verkaufsstellen der„Produktion" abgegeben werden. Hoffentlich findet das an anderen �rten Nachahmung. die Bevölkerungsdichte Belgiens erreicht. Denn am 1. Dezember 1910 wurden in Deutschland bekanntlich erst 120,04 Einwohner auf 1 Quadratkilometer Bodenfläche gezählt. Stärker bevölkert ist heute schon England, wo nach der Volkszählung von 1911 auf 1 Quadratkilometer je 143 Bewohner entfielen. In Hol l a n d waren Anfang 1919 durchschnittlich 171,73 Einwohner auf 1 Quadratkilometer Bodenfläckie angesiedelt. Nur in zwei Staaten Europas geht die Indexziffer der Bevölkerungsdichtigkeit noch über 199 hinaus: �in Italien wohnten 1911 durchschnittlich 129,99 Personen aus 1'Quadratkilometer Bodenfläche, in Luxem- bürg Ende 1919 je 190,49 Personen. Frankreich zählte im vorigen Jahre nur 73.82 Einwohner pro Quadratkilometer seines Landes, in Spanien entfielen gar nur 33,66 Einwohner aus die gleiche Bodenfläche. Zukünftige politische Problenie birgt das Er- gebnis, daß R ß l a u n d init seiner absolut sehr bedeutenden Ein- wohnerzahl eine Bevölkerungsdichtigkeit von nur 19,49 aufweist. Mustt. Kammerniusik-Konzerte sind im allgemeinen der zuverlässigste TypuS von Konzertveranstaltungen. Weder Dilettantismus noch auch Berussnot kann sich hier iehr breit machen; die Musik- gattung selbst zwingt zu solidestem Künftlertum, auch wenn sie die Gefahr einer allzu vorsichtigen Politur mit sich führt; und ganz Neues, auch radikalster Art, kommt hier leichter ats anderSwo vor« Publikum. Nun hat sich seit einem Jahr unter dem Namen „Loevensohn- Konzerte, Kunst der modernen Kammermusik" ein von internationale» Autoritäten gestütztes linternehmen aufgetan, das fein Publikum nicht auf dem Wege des BilleltverkaufS, sondern der anscheinend jedem Freunde der Sache zugänglichen— Einladungen zusammenbringt. Es stehen bis Ende April zwölf Abende(im Theatersaal der Königl. Hochschule für Musik) bevor, mit Werken zahlreicher Deutscher und verschiedener Ausländer. Das erste Konzert am Donnerstag brachte als Uraufführung ein Streicbquartett von Hugo Leichtentritt, der in Berlin durch niusikhistorische Arbeiten und durch kleinere Kompositionen be- kannt ist(eine Lied-Bearbeitnng von ihm gabS neulich beim Berliner Volkschor). Sein jetziges Werk ist alte Form fliit selbständigem Geist, gut melodiös klingend, mehr Miniatur als Monumentalität. manchmal zum Entzücken„schön".— Als Berliner Erstaufführungen erschienen noch ein Streichquartett von F. Klose und ein Klavier- quarlett von P. I u o n; elfteres ein Anlauf zu einerl Art ein- heitlicher Poesiemusik oder symphonischer Dichtung des Geigen- vierklangeS. letzteres ein rhythmisch reicher BrahmS-Ausläufer mit russiicher Nationalstimmung versetzt, beides ebenso inS Große und meist mehr Gedachte als Geklungene gehend, wie d�: Leichtenlntt rnS Wohlgefällige. Wie in dessen„Sarabande" der eigenartige Rhythmus („Synkope") schärfer genomnien werden könnte, so präsentierten sich die Ausführenden überhaupt: lieber ein bißchen zu glatt, als zu toenig künstlerisch abgerundet. 62- Humor und Satire. Kriegsbeginn. Kaum daß ein Feind den andern traf, Verschickt auch schon der Telegraph Keginit desKlahlltampfes In Württemberg Der Landtag ist aufgelöst. Die Wahlen in den OberamtSstädtcn finden bereits am 13. November, die LandeSproporzwahle» wahr« scheinlich kurz vor Weihnachten statt. Die nächsten Wochen werden heftige Kämpfe im Schwabenland entfachen. Die Sozialdemokratie unternimmt einen Froirtangriff gegen alle bürgerlichen Parteien. Die ehemaligen Demokraten und die Nationalliberalen perbündeten sich, nm ihren stark reduzierten Besitzstand gegen linls und rechts nach Möglichkeit zu verteidigen. Die Konservativen und da» Zen« trum leisten sich ohne formellen Wahlvertrag gegenseitig Hilfe, um daS Ziel einer fchwarz-blaucn Mehrheit zu erreichen. Bei der Be« deutiiiig, die der Regimewechsel in Bayern und der EtimmungS» Umschlag bei der badischen Regierung zweifellos für die Politik der deutschen Reichsregierung hat, dürsten die Neuwahlen in Württcm- berg auch außerhalb der schwarzroten Grenzpfähle einiges Interesse erwecken. Es sei daher ein gedrängtes Bild von dein Wahlfeld entivorfen, auf dem sich der Kampf abspielt. Die Gruppierung und daS Stärkeverhältnis der Parteien hat im Laufe der letzten drei Jahrzehnte gewaltige Bernnderniigen er« fahren. Da die Legislaturperiode sechs Jahre dauert und seit 1370 keine vorzeitige Auflösung erfolgte, fanden in dem Zeitraum seit 1870 nur sechs allgemeine Landtagsivahlen statt. Die Sozialdemo« kratie beteiligte sich 1876 erstmals in einigen Bezirken an den �aiidta�Lwahlen und brachte in Stuttgart ihren Kandidaten Dr. Dulk auch sofort in die Stichwahl, unterlag aber in dieser dem national- liberalen Kandidaten. Im Jahre 1882 gelang eS ihr trotz des Drucks deS AnSnahmegesetzes, ihre Stimmenzahl zu halten, sie ver. mochte aber kein Mandat zu gewinnen. Dazu reichte es auch im Januar 1889 noch nicht, obgleich die Partei mit 10 641 Stimmen eine Verdreifachniig ihrer Anhängerschast von der letztvorangcgangenen Wahl erzieit hatte. Erst 1895, als die Sozialdemokratie 32 257— 10,9 Proz. aller abgegebenen Stimmen erreicht hatte, blieb sie in zwei Stichwahlen— an fünf war sie beteiligt— sieg- reich. Im Dezember 1999 brachte sie es auf 58 721 Stimmen (— 18,7 Proz.) und auf fünf Mandate. Bei den letzten allgemeinen Wahlen im Winter 1996/97 verzeichneten unsere Kandidaten bei den Bezirkswahlen 91 659— 25 Proz. aller abgegebenen Stinlineii. Ein- schließlich der damals»cu eingeführten LandeSproporzabgeordneten brachten wir es aus 15 Abgeordnete. Die herrschende Partei waren bis 1895 die Nationalliberalen, die sich in Württemberg„Deutsche Partei" nannten. Mit Hilfe eines rücksichtslosen Wahlterrorismus rissen fie bei den Wahlen von 1876, 1882 und 1889 weit mehr als die Hälfte aller abgegebenen Stimmen an sich. Einschließlich der zusammengeschrumpfleli Kon- servativen, die sich unter die nationalliberalen Fittiche'.flüchtete», verfügten sie 1889 über 63,9 Proz. der gesamten Wählerstimme«. In der Kammer übten sie die unbeschränkte Herrschaft aus, denn auch die ritterschastlichen und kirchlichen Privilegierten konnten sich der reaktionären nationalliberalen Politik unbedenklich uiiterordncn. Ein Zentruin gab's in Württemberg noch nicht, erst 1895 trat es als selbständige Partei auf. Die paar radikalen Demokraten, die in die Kammer eindrangen, führten zwar meist eine scharfe Klinge gegen ihre schlimmsten Feinde, die Nationalliberalen, waren aber doch zur Ohnmacht verurteilt. Unter Einrechnung der alten Partei der Linken, zu der auch die demokratisch gerichteten Katholiken zählte», brachte die Volkspartei immer nur stark 30 Proz. aller Stimmen auf. 1895 brach die nationalliberale Herrlichkeit zusamiiien. Volks- Partei und Zentrum, das zu jener Zeit sich noch demo- kratisch geberdete. bildeten eine sichere Mehrheit, die aber bei dein ersten Berfassungsreformversuch auseinander fiel, weil das Zentrum die ultrainontane Mehrheit der Ersten Kammer, die vermittelst der Reform durch eine prote- stantische ersetzt werden sollte, erhalten wissen wollte. Die Wer« fassungSreform kam dann später gegen das Zentrum zustande und in alle Länder dicke Lügen, daß sich die armen Drähte biegen. Der eine, phantasiegestrunke», hat dieses für den Draht erstunken: Der Feind verlor einhundert Mann, — bei uns muß keiner glauben dran. Der andre schleunigst depeschiert: Wir haben glorreich triumphiert. Der Feind hat hundert Mann verloren, bei uns— Ivurden noch welche zngeboren I! Franz. , Notizen. --Theaterchronik. Im Theater der königl. Hochschule in Charlottenburg findet am 12. Oktober als erste Sonnabendvorstellung unter Leitung von Julius Türk eine Aufführung von.M o n n a Vanna" statt. — Andersen Nexö als Dramatiker. Andersen Nexö, der sich schon seit einiger Zeit mit dramatischen Plänen trägt, beendet in Kürze sein erstes Schaustsiel. Es ist ein Bauernhof ans Born« Holm, in dem sich die Ereignisse zutragen. Die Witwe des Eigen« tümerS, der durch Trunk und andere Laster sich und die Seinen arg heruntergebracht hat, muß in dem Sohne nun eine Wiederholung der väterlichen LebenSführuiig erdulde». DaS Letzte, was ihr zu retten gelang, entgleitet ihr auch, und in einem überaus düsteren Ausllaiig eilden die unerbittlichen Konflikte. Ei» anderer dramatischer Plan Neros, dessen Schauplatz ebenfalls Boruholm abgeben soll, wird den Zusaiiimenstoß von städtischer Oberklasje und ländlicher Unter« klnsse zum Gegenstand haben. — Der ertappte Plagiator. Der famose Roman« absckreiber Walter Büge, von dem hier gestern die Rede war, wird bereits von den„Altonaer Nachrichten" preisgegeben und entlarvt. Es ist kein Sklave eines Berlages, sondern ein Freibeuter auf eigene Rechnung und Gefahr. Man vernehme seine Titel und Konnexionen: Heinrich Binder, Redakteur und Schriftsteller; Mitarbeiter der ersten Berliner Tageszeitungen und Zeitschriften; ständig ver« pflichteter Mitarbeiter bezw. Vertreter vieler angesehener Blätter. so u. a.:„Bremer Tageblatt",„General- Anzeiger Elberfeld- Barmen",„Kieler Zeitung".„Allensteiner Zeitmig",„Erfurter Allgemeine Zeitung",„Planener Somitags-Auzeiger",„Tilsitcr Allgemeine Zeitung",„Hagener Zeitung".„Halberstädter Allgemeine Zeitung",„Elbinger Zeitung".„Greizer Zeitung",«KöSliner Zeitung"; Herausgeber der„Bunten Woche", Deuticher Korrespondent usw." Der neckische Herr schrieb zur Empfchlinig„seines" Romans n. a.:„Jedenfalls wurzelt der Roman, der voll köstlicher Episoden ist (ob er damit den Reinfall seiner Opfer meinte?) ganz im Volksleben Ihrer Gegend(er wollte sagen: im Garten W. W. Jacobs)". — Aus dem Nachlasse NaabeS sollen Gedichte ver- öffentlicht werden. Daß man dieser V.�öffentlichung mit Spannung entgegensieht, kann aber nur der iiiteress'-erte Verlag behaupten. Erst die Veröffentlichungen aus dem Nachlasse Wilhelm Büschs haben wieder dargetan, daß nur Erben— aber kein allgemeines Interesse bei solchen Sachen vorhanden sind. Sozialdemorratie.., 4 Zentrum........ 4 Volkspartei........ 4 Konservative....... 3 Rationaltiberale...... 2 bildet die Wurzel des unauslöschlichen Hasses des Zentrumsführers Gröber gegen die Volkspartei. Die Wahlen von 1906/07, die ersten auf Grund der neuen Ver- fassung vorgenommenen, führten zu folgendem Ergebnis. Bei den Wahlen in den 70 Bezirken(von denen 69 je einen, Stuttgart-Stadt sechs Abgeordnete wählt) erhielten Stimmen Mandate Sozialdemokratie.. 91 669----- 25 Proz. 11 Zentrum..... 89 859= 24„ 21 Volkspartei.... 80 012— 21„ 20 Nationalliberale... 58 044= 16„ 11 Konservative.... 51 908= 14„ 12 Dazu kamen erstmals 17 in zwei Landeswahlkreisen(in dem einen 9. dem anderen 8) durch Verhältniswahl gewählte Abgeord nete, von denen entfielen auf Gesamtstärke der Fraktion 15 25 24 15 13 Bei diesen Proporzwahlen hatte sich das Stimmenverhältnis gegenüber den Bezirkswahlen nicht unwesentlich verschoben. Die Nationalliberalen wurden von den Konservativen und Landwirts- bündlern an den Ssilusj gedrängt. Die nationalliberale Partei- organisation ist die schwächste, bei den Bezirkswahlen erzielen sie ihre bescheidenen Erfolge nrrr noch mit Hilfe.beliebter' Kandidaten. TaL Ergebnis tot Reichs tagswahlen vom 12. Januar d. I. hat nun bereits gezeigt, welche Verschiebungen im Stärkeverhältnis der Partsien feit 1 906 eingetreten sind. Die Sozialdemokratie brachte 153 335— 32,5 Proz. aller Stimmen auf. Konservative und Zentrum brachten es zusammen auf 163 492— 34,6 Proz., Rationallibevale und- Volkspartei zusammen auf 155 221 Stimmen — 32,8 Proz. Die S ozialdemokratie als die weitaus stärkste Partei stellt also eine bedeittende Macht und in vielen Bezirken eine Gt'fahr für die bürgrnlichen, besonders die liberalen Parteien dar. Das ist der Hauptgrmnd. der den Zusammenschluß der National- liberalen und der Volkspartei herbeiführte. Die„führende" Stellung, die die Brätspartei seit 1895 im Landtag einnahm, kann sie, auf sich allein gestützt, nicht mehr behaupten. Trotz der Ver- mehruug der vom Volke gewählten Abgeordneten um 23 durch die Verfassungsreform blieb ihre Mandatsziffer schon im letzten Land- tag um 7 hinter der von 1895 zurück. Sie versucht daher, gemein- sam mit den Nationalliberalen, ihren früheren Erzfeinden, zu retten, was zu retten ist. Seitdem dix Volkspartei den impcria- listischen Rüftun�Mberwitz mitmacht, zu dem ans dem Mannheimer Parteitag noch du« Rechtsschwenkung in der Zollfrage gekommen ist, muß man auch jjchon die Laternen zu Hilfe nehmen, wenn man noch einen Unterschied zwischen ihr und den Nationalliberalen ent- decken will. Die Stellung der Mehrheit der Volkspartei zu den sozialpolitischen Forderungen der Arbeiter war schon längst von demselben Klassenegoismus diktiert wie die der Nationalliberalen. Trotzdem regt sich in manchen von jenen Bezirken, in denen die volksparteilichen Wähler nationalliberale Kandidaten unterstützen sollen, immer noch der Widerstand. Der kleinbürgerlichen Gefolg- schast der Volkspartei alten«Schlags geht es gegen das Gefühl, den Nationalliberalen ihre Kräfte zu, leihen. Groß sind diese wider- spenstigen Gmrppen freilich wicht, aber sie rühren sich in der Oeffentlichkeit, und die N«tionalliberalew bereiten durch ihr gleich- zeitige» Kuhhawdeln mit der äußersten Rechten den Protestlern einen günstigen Boden. Ungeachtet der Bestimmung des Wahl- abkommens, daß leine der beiden Parteien mit einer dritten' Ab- machungen treffen darf, einreisen die Nationalliberalen den Kon- fervativen allerhand Liebesdienste. In dem einen Bezirk ver- zichten sie auf jede ernsthafte Agitationsarbeit gegen den Nachbar zur Rechten, im anderen präsentieren sie«inen„nationalliberalen" Kandidaten, wie ihn die Konservativen sich wünschen, im dritten unterstützen fie ohne weiteres den konservativen Kandidaten. Die Folge ist, daß in verschiedenen Bezirken in volksparteilichen Presse- äußerungen verkündet wird, eher werde der«Sozialdemokrat ge- wählt, als daß der konfervativ-nationalliberale Bewerber Volks- parteiliche UnierstüHung finde. Man«darf jedoch derartige «Drohungen" nicht zu hoch zu bewerten. In einen gewissen Zusammenhang mit dem Niedergang der Volkspartei darf man auch das Ausscheiden des Präsidenten v. P a h e r aus dem Landtag bringen. Er würde wohl doch noch eine Periode ausgehalten haben, wenn dem Präsidentenwetter zu trauen wäre.„Unten anfangen" will er aber nicht aufs neue, wie er selbst einmal erklärt hat. Außer Payer stehen sämt- liche namhafteren Politiker Württembergs wieder zur Wahl. Einer ist sogar wieder aus der bureaukrabischen Versenkung aufgetaucht, in der er vor 2'A Jahren versuiAen war, nämlich D. v. Hieb er, d—„Vorkommnis'«intrat, das mich moralisch zwang, den Parteivorstand um Entbindung von der Mitarbeit am politischen Teil der„Neuen Zeit" zu ersuchen, 3 Die sachlichen' Einwände Kautskys gegen meine Propa- aieruna marristischer Grundsätze sind so lustige Trugschlüsse, daß es mit nicht lohnt, mit ihrer Aufklärung den Raum des.Vorwärts' und meine Zeit zu verschwenden. U, DI1.6»• g.«eij.ins. Dritter denlfcher fugcndgcricfttstag. Frankfurt a. M., 11. Oktober 1912. Der dritte deutsche Jugendgerichtstag wurde gestern hier unter zahlreicher Beteiligung durch AmtsgerichtSrat Dr. Köhne-Berlin eröffnet. Nach den Begrüßungen sprach Prof. Förster-Zürich über die Notwendigkeit und Dringlichkeit gefetzgeberischer Maßnahmen gegenüber der anwachsenden Kriminalität der Jugendlichen. Er wandte sich gegen die Bestrebungen, welche die Erziehung an Stelle der Strafen setzen wollen. Demgegenüber müsse energisch erklärt werden, daß es keine durchgreifende Erziehung ohne Strafe gebe, am wenigsten gegenüber jugendlichen Delinquenten. Man müsse das Strafprinzip unverwischt aufrechterhalten und in den neuen Formen eines besonderen Jugendstrafrechts zum Ausdruck bringen. Dagegen- müßten an Stelle der Strafen und Erwachsenengefängnis pädagogisch organisierte Jugendstrafen treten. Erst nach solcher Strafvollstreckung komme-dann eine Erziehungs- oder Bewahrungs- frist. Diese Jugendstrafe brauche nicht immer die Form einer Freiheitsberaubung besitzen. Es könnte dem jugendlichen Hebel- tätet in leichtere, r Fällen und da, wo er aus seiner Lausbahn ge- warfen werden würde, auch eine freie«Sühneze-it unter der Kontrolle eines Fugendpslegers auferlegt werden. Notwendig sei eine sorg, sältigere Ausbildung der Jugendpfleger und Jugendrichter vom pädagogischen Standpunkte aus. Dazu gehöre auch eine pädago- gischere Gestaltung des Universitätsunterrichts.— Prof. Dr. Kricgs- mann-Kiel als zweiter Referent hält es für nötig, daß das Jugend- gerichtsgesetz scharf-das gegensätzliche Verhältnis von Straf« und Erziehung umgrenzt. Der Vorschlag der Entwürfe, dem Richter die prinzipielle Entscheidung zu überlassen, verdiene keine Billigung. Auch-der Vorschlag, auf die Bestrafung des jungen Rechtsver- brechers zu verzichten und sich mit der Anordnung erzieherischer Maßnahmen zu begnügen, unterliege schweren Bedenken. ES würde hierin eine Prämie für schlechte Erziehung und eine Benach- teiligung der nicht Verwahrlosten liegen. Es könnte das auch dazu führen, daß die Erziehungsanstalten von der öffentlichen Meinung als Strafanstalt betrachtet werden würden. Es werbe dabei auch nicht berücksichtigt, daß gegenüber sehr groben Exzessen, vor allem von älteren Jugendlichen, ein Bedürfnis vorhanden sei. Keine Strafe werde jedoch anzutreten sein-, wenn die Schuld des Jugendlichen fo gering fei. daß ein berücksichtigenswertes Ver- geltungAbedürfniS durch die kriminelle Verschuldung nicht hervor- gerufen werde. Dem Richter müsse die Möglichkeit gelassen werden, in solchen Fällen von einer Strafe abzusehen. Zugleich«rit der Straffteierklärung sind-Erziehungsmaßnahmen anzuordnen. Der Erziehungsgedanke muß im Rahmen der strafrechtlichen Aktion selbst berücksichtigt werden. Nur für den Fall, daß das System der unbe- stimmten Verurteilung nicht akzeptiert werden sollte, kann trotz -der hervorgehobenen Bedenken der Grundsatz: Erziehung an Stelle der«Strafe dem Gesetzgeber zur legislativen Verwertung empfohlen werden.(Lebhafter Beifall.)— An die Referate schloß sich eine kurze Aussprache, in der sich fast sämtliche Redner im Gegensatz stellten zu den Ausführungen des ersten Referenten. Professor Dr. Förster. Sie betonten fast auSn«ahmKlos, daß das Moment der Erziehung in den Vordergrund gestellt werden müsse. An der Debatte beteiligten sich Prof. Mittermayer-Gießen, Oberlandes- gerichtpräsidentpräsident a. D. Hamm-Bonn, Geh. Justizrat Frenkel- Breslau, Direktor Dr. Polligkeit-Franksurt a. M. und Prof. Förster- Zürich im Schlußwort. Von einer Beschlußfassung wurde Abstand genommen. Heute wurde über das Hauptthema Straf- und Erziehungsmittel im einzelnen— ihre Anwendung und Organisation verhandelt. Der erste Referent, Universitätsprofessor Dr. Graf v. Gleispach-Prag, führte aus: Alle modernen Staaten streben seit der Jahrhundertwende danach, die Verwahrlosung und Kriminalität der Jugend vorbeugend zu bekämpfen. Deutschland hat sehr viel'ür die Jugendfürsorge getan, die Reform des Strafrechts hat es noch nachzuholen. Die Dringlichkeit dieser Aufgabe ergibt sich aus der Kriminalstatistik. Der gemeinsame Grundzug aller Reformen geht dahin, das Gebiet der Strafe einzuengen und Erziehungsmittel an ihre Stelle zu setzen. Eine radikale Richtung will die Strafe bei Jugendlichen durch Erziehungsmittel ersetzen, dagegen wollen die deutschen und österreichischen Entwürfe die Strafe nur be- schränken und durch Erziehungsmittel ergänzen. In der Regel kann die Ausschaltung der Strafe bei den Jugendlichen nicht emp- fohlen werden, denn die Ausschaltung des VerantwortlichkeitSge- siihls würde die Jugend und ihren Geist schädigen. Dagegen muß eine engere Begrenzung der Verantwortlichkeit und die Möglich- keit gefordert werden, die Strafe zu vermeiden, wenn sie schädlich statt nützlich durch ihre Nebenwirkungen sein würde. Tie Ge- sängnisstrafe für Jugendliche muß so umgestaltet werden, daß sie erziehlich wirken kann. Aus physiologischen Gründen ist die nntcre Grenze der strafrechtlichen Verantwortlichkeit vom 12. aus da? voll- endete 14. Lebensjahr hinaufzusetzen. In diesem Alter ist bereits die erforderliche soziale Selbständigkeit für die Strasmündigkeit erreicht. Das Älter von 14 bis 18 Jahren ist als Periode probte- malischer Reife aufzufassen. Die Vorfrage, ob der Jugendliche nach seiner EntWickelung vera-ntwortlich gemacht werden könne, ist zu verneinen, wenn dem Jugendlichen wegen zurückgebliebener EntWickelung oder mangels der geistigen oder sittlichen Reif« die Fähigkeit fehlt, das Unrecht seiner Tat einzusehen oder dieser Ein- ficht gemäß zu handeln. Die Strafgesetzkommission für das Deutsche Reich' hat, den österreichischen Entwürfen folgend, diesen Standpunkt geschaffen. Für die geistig Minderwertigen unter den kriminell Jugendlichen ist der Strafvollzug nach ärztlichem Gutachten' zu modifizieren, allenfalls in besonderen Anstalten durchzuführen. Bei einer durch den Strafvollzug nicht behoveaen Gemeingefährlichkeit muß der Minderwertige lediglich zum Zweck der Sicherung weiter verwahrt werden. Minima non curat praetor! Uebermütige Jugendstreiche, entschuldbarer Leichtsinn und der- gleichen soll der Richter durch eme ernste Ermahnung des Jugend- liche» abtun können, ohne ihn verurteilen zu müssen. Dieser Weg ist der Einschränkung des Legalitätsgrundsatzes vorzuziehen. Die bedingte Aussetzung des Urteils ist einzuführen. Der Jugendliche wird für ein bis drei Jahre au� Bewährung gestellt und von einem Fürsorger geleitet Diese bedingte Verurteilung hat vor dem bc- dingten Strasnachlaß voraus, daß die Verurteilung ganz unter- bleibt, wenn sich der Jugendliche bewährt, daß ferner der Richter, wenn er das Urteil fällen mutz, nunmehr erst die Strafe auswählt. Als Strafen sind nur Geldstrafe, Haft und Gefängnis zu verwen- den. Der Verweis wird durch die bereits vorgeschlagenen Maß- regeln entbehrlich, Prügelstrafe ist völlig indiskutabel. Die Hast ist als Custodia honesta(ehrenhafte Verwahrung) zu gestalten und von Gefängnis und Zuchthaus völlig zu trennen. Dem Rickter muß aber auch die Möglichkeit eröffnet werden, den Jugendlichen statt zu bestrafen, der Fürsorgeerziehung zu überweisen, wenn die Tat keine sehr schwere ist und die Verwahrlosung des Jugendlichen droht. Bei schweren Verbrechen, Verwahrlosung oder sittlicher Verderbnis mutz auf Gefängnis erkannt werden. Die Gefängnisstrafe ist in besonderen Jugendgefängnissen zu vollziehen, die auf dem Lande liegen, mit landwirtschaftlichen Bc- trieben verbunden und ganz in den Dienst der Besserung der Ju- gendlichen zu stellen sind. Von dem Strafvollzug ist alles Düstere. die Jugend Niederdrückende und Entehrende fernzuhalten, er muß in seelischer und körperlicher Beziehung alle guten Kräfte der Ju- gendlichen entwickeln und stählen. Der Strafvollzug ist progressiv zu gestalten. Die Dauer der AnHaltung wird nicht von vornherein bestimmt, vielmehr fällt der Nichter zunächst ein„unbestimmtes Strafurteil'. Das Gesetz soll ein allgemeines Mindestmaß und Höchstmaß festsetzen, etwa 1 Jahr und 19 Jahre. Die tatsächliche Dauer der AnHaltung richtet sich nach den Ergebnissen des Voll- zuges. Nur so kann die Gefängnisstrafe zu einem wirksamen Besse- rungsmittel gemacht werden und dem Schutz der Gesellschaft dienen. Der Referent bespricht eingehend die amerikanischen Einrich- tungen. Es müßten die Einrichtungen so getroffen werden, daß der Bestrafte als taugliches Glied tu die Gesellschaft zurückkehre. «Schließlich fordert der Referent, daß bei Personen im Alter vom 18. bis zum 20. Lebensjahre die Todesstrafe und die lebenslange Freiheitsentziehung ausgeschloffen sein müsse. Wenn die Rc- form des Strafrechts überhaupt die Rehabilitation nicht allgemein einführt, so soll sie doch im Sinne voller Tilgung der erlittenen Verurteilung durch Wohlverhalten während längerer Zeit nach dein Strafvollzug für Jugendliche anerkannt werden.(Beifall.) Der zweite Referent zu diesem Thema, Amtsgerichtsrat All- menröder-Frantfurt a. M., kommt auf Grund seiner Ausführun- gen zu folgenden Leitsätzen: 1. Das Strafverfahren ist so zu ge- stalten, daß alle Fälle ausgeschieden werden können, in denen Er- ziehungs- und Besserungsmahrcgeln einer Bestrafung vorzuziehen sind. In den übrigen Fällen muß es von allem Erziehungswidri- gen freigehalten und Verfahre», Aburteilung und Strasvollstrcckuua auf die Verhütung von Rückfällen eingestellt werden. 2. Die Wahl zwischen Straf- und Erziehungsverfahren sollte nicht nur in den Händen des Staatsanwalts liegen. 3. Bei der Anwendung der Strafmittel darf der Gesichtspunkt der Erziehung nicht aus den Augen gelassen werden. 4. Der Richter sollte bei der Auswahl der Erziehungsmittel, die an Stelle oder neben Strafen treten, nicht beschränkt sein. 5. Die vorhandenen Strafmittel erscheinen auch für ein künftiges Strafrecht als geeignete Grundlage. Jedoch ist ein Ausbau der bedingten Strafaussetzung erforderlich. 6. Bei der Ausgestaltung der Erziehungsmittel ist eine gesetzliche Regelung der Schutzaufficht notwendig und der Erlaß eines Reichsfüriorgegesetzcs anzustreben. 7. Im Interesse einer durchgreifenden erzieherischen Fürsorge für straffällige Jugendliche empfiehlt es sich, auch künstig Jugendgerichte in der besonderen Form einer Personalunion von Jugendstraftichter und Vormundschäftsrichter auf odministratwem Wege zu fordern. Der'dritte Referent, Pastor Backhausen-Hannover, erklärte, daß die gegenwärtige strafrechtliche Behandlung der jugendlichen Rechts- brechet unzulänglich sei. Gesetzlich geordnete Erziehungsmittel müssen angesichts der sittlichen Unreife und der danrt zusammenhängenden unzulänglichen Sühnesühigkeit einer großen Zahl der kriminellen Jugendlichen mehr bisher angewandt werden. Die Heraufsetzung der Strafmündigkcct auf das vollendete 16., mindc- stens aber auf das 14. Lebensjahr, erscheint wünschenswtrt, um d�r Erziehung Raum zu schaffen. Sollte dies nicht erreichbar sein, so ist um so dringlicher zu fordern, daß ein zukünftiges Gericht für strafmündige Jugend-liche im Fall ein-es RochtSbruches statt des «Strafverfahrens das Erziehungsverfahren einleiten darf, wenn bei den Jugendlichen Erz>»hungsbedürstigk»si und Erzich» aqsmöglich- keit festgestellt werden. Sollte diese Forderung nicht ourchftihrbar sein, so muß wenigstens die bedingte Verurteilung statt der bc- dingten Begnadigung zugelassen werden. Die Erziehungsbedürftig- keit liegt vor, wenn der Jugendliche durch seine Umgebung gefährdet ist, ohne erziehlichen«Schutz dasteht oder bereits subjektiv ver- wahrlost ist. Im Zweifelssalle ist die Erziehungsmöglichkeit von pädagogischen und psychiatrischen Sachverständigen festzustellen. Nur wenn Erziehungsbedürftigkeit oder Erziehungsmöglichkeit nicht vor- Händen sind, ist der jugendliche Rechtsbrecher straftechtlich zu bc- handeln. Dies trifft u. a. zu, wenn diemptome subjektiver Verwahrlosung fehlen, wenn die bisherige Erziehung abgesehen von dem Delikt einen normalen Erfolg hatte, wenn der Jugendliche zukünftig in sittlich reiner Umgebung verbleiben wird, wenn er für das Delikt verantwortlich gemacht werden kann. Jedoch ist bei der Wahl der Strafe auf das feinere sittliche Empfinden und die Zu- kunst des Jugendlichen Rücksicht zu nehmen. Erziehungsmöglich- keit ist nicht vorhanden, wenn die Unmöglichkeit freier und ge- meinsamer Erziehung durch Beobachtung in einer Erziehungsanstalt festgestellt ist, wenn die gesetzlichen Erziehungsmittel an dem Ju- gendlichen bereits erfolglos erschöpft sind, wenn das von ihm bc- gangene Verbrechen seiner Natur und den Begleitumständen nach strenge Einzelbehandlung notwendig macht. Muß ein psychopath'.sch minderwertiger Jugendlicher straffrei bleiben, so sollte das Gc- richt dessen Ueberweisung in eine„Zwischenanstalt" oder eine Heil- und Pslegeanstalt beschließen können. Muß ein degenerierter Ju- gendlicher bestraft werden, so ist in dem pathologische» Zustand nicht ohne weiteres ein Strafmilderungsgrund zu fthen. Die auf Grund des Gesetzes angeordnete Erziehung darf nicht durch nachfolgende Strafe beschwert werden, mit Ausnahme des Falles, wenn die Er- ziehung auf fortgesetzten schuldhaften Widerstand stößt. Auf An- trag der Erziehungsbehürde soll der Jugendrichter Ueberweisung in das Jugendgesängnis verfügen dürfen Bei dauernd guter Fuh- rung des Bestraften soll auf seinen Antrag die Strafe im Straf- register gelöscht werden.— Der Referent schlägt als Erziehungs- mittel, die durch Gesetz anzuordnen wären, vor: Den Veuvcis die Erziehungsaufficht durch Jugendbeamte in der bisherigen Um- gebung, eventuell unter gewissen Beschränkungen der BewegungZ- freiheit. Trennung von der bisherigen Umgebung. Unterbringe ig in einer Familie unter gleichzeitiger Erziehungsaufficht. endlich Unterbringung in einer staatlich beaufi'cht'chen«srziehungSanjtalk. Er fordert weiter sorgfältige Auswahl der Jugendbeamten, die ge. setzlich zu bevollmächtigen sind, die Erziehungsanstalten weiter zu vervollkommnen und Seil- und Erztehungsanstalten emzurichien. Als gesetzliche Strafmittel nennt er die Geldstrafe, die„freien Strafen" nach Foerster und die Gefängnis, träfe. Tie Prügel- strafe sowie kurzfristige Freiheitsstrafen find auszuschließen, die Untersuchungshast möglichst durch andere Mittel zu ersetzen. Tie Gerichte für Jugendliche sollen künftig so organisier werden, das. die Funktionen des Bormundichaftsrichters und des Jugendstras- richters in einer Hand vereinigt werden(Jugendamt), das Jugend- mnt soll durch Jugendbcamte sachverstandig unterstutzt werden. Es soll dadurch daß die Staatsanwaltschaft erst auf Antrag des Ju- gendamte» eingreift, in inn.ge Fühlung mit dem Volksleben treten. (Beifall.),_ An die Referate knüpfte sich eine langer« Debatte, aus der hervorzuhebeu ist, daß sich Fraulein Gaudsticker-München scharf gegen die Ablehiiuiig weiblicher«chöffen durch den Amtsgerichtsrat Allmenröder wendete....... Die Abstimmung über die von den Referenten vorgelegten Leitsätze wird erst morgen(e-onnabend) vorgenommen, wo auch die Verhandlungen des Deutschen Jugendgerichtstages zu Ende«ehe» werden. Bnefhafteii der Redafetton. Tic juristische Sprechstunde findet LIndenstraße LS, dorn piiü Treppen — Fahrstuhl—, wochentäglich oou t-h dts 7>.-. Uhr abends, Sonnabends, bon iV' bis 6 Uhr abends statt. Feder für de»«ricskafteu bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und ciue Zahl als Merkzeichen betzufügcn. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Ausragen, denen leine Abonnementsqutttung beigefügt ist, Verden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. W. Vi. iiO. 11. 1887. 1. Emgabe an das Amtsgericht Schöneberg, in der die Absicht, auszuscheiden, mitgeteilt werden musi. Nach Ablauf von vier Wochen, spätestens innerhalb sechs Wochen, persönliche Erklärung zu Protololl bei demselben Gericht; Tausschein oder Konfirmationsschein mit- nehmen. 2. Die Stcuerpflicht beginnt am Ersten des Monats, der dem- jenigcn solgt, in dem mau in Arbeit getreten ist. 3. Lägt sich nichts mehr tun. 4. Die Einschätzung zur Staatseinkommcnsteuer bildet die Grund- läge; Gcmeindeeinkommensteuern und Kirchensteuern werden in Prozent- sähen der Staatseinlommensteuer erhoben. 5. Müssen wir grundsätzlich ab- lehnen.— C. W. 1870. 1. Nein. 2. Nur dann, wenn die Summe 6000 M. übersteigt. 3. Wörtliche Beleidigung, ohne die Behauptung von Tatsachen, die eine Herabsetzung oder Kreditschädigung in sich schlichen.— P. 39. Das ist nur zulässig, lvenn die Kindesmutter ihren Anspruch aus Zahlung der Entbindungskosten abtritt.— E. P. M. 1. Bielleicht hat eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschast in Hannover Erfolg. 2. Eine Zivilklage beim Amtsgericht Hannover erscheint nicht aussichtslos. Der Pensionssatz könnte nur so weit zurückerstattet verlangt werden, als dadurch Mehrkosten gegenüber dem anderweitigen Unterhalt entstanden sind. Da- gegen kann auch der Verlust von Arbeitsverdienst erstattet verlangt werden. — L. 100. Soweit ersichtlich, nein.— E. N. Stil. 1. Antrag wegen formaler Beleidigung aus Z 185. des Strasgesetzbuches. 2. Wohnsitz des Angeschuldigten oder Tatort. 3. Kann auch schriftlich— in 3 Exemplaren— eingereicht werden— F. II. 23. Der Amtsrichter ist im Recht. Die Erllärung kann jedoch Ihre grau abgeben.— Schöneberg 29. Nein. Herrman» 30. Ja.— C. K. 13. 1. Ja, 6 Wochen zum Quartal 2. Krankengeld kaun gekürzt werden.— G. 4}. 1885. 1. Ja, wenn kein wichtiger Grund zur Weigerung vorliegt. 2. Ja. 3. Rem. Die Erklärung muh schriftlich abgegebeii werden, die Unterschrist muh beglaubigt sein. 4. Ja.— Krassuski, Müllerstratze und P. B. 11. Ohne Einsichtnahme in den Mietsvertrag nicht zu beantworten.— Hedwig 0. 1. Nein. 2. Nein, i-jic können alsdann nur aus Wertersatz klagen. 3. Es könnte Bestrafung eintreten. Außerdem können Sie im Wege des Zivilprozesses aus Schadenersatz verklagt werden,— Lichtenberg. Das ist nicht nnbe- dingt nötig, aber zweckmähig, damit der Vertrag die gehörige Form erhält. Eine Psandbestellung ohne körperliche Ucbergabe ist nicht wirksam.— 9t. B. S. 38. 1. Bei dem Amtsgericht, in dessen Bezirk die Beklagten wohnen. 2. Die beiden Zeugen.— H. S. 100. Ja, während Sie An- spruch aus Erstattung des Prämienanteils haben.— 9t. S. 100. Die Sache erscheint zweiselhast. Wir können nicht raten, Klage zu erheben.— K. M. 300. Etwa 300 M. 0 W oßGeesee»«sssssssSjK ** VM Unserem Genossen ® Paul Schlewe nebst Braut � yj> Frl. Elise Hämtnerling � v)/ die herzlichsten Glückwünsche gz zur Vermählung. ist vis Genossen des Bezirks � Lichtenberg, Gruppe 66. /g ist ist ist MEHSSOE««SsAAGVe Unferm Genossen ® Otto Zwiebler g ■ nebst Braut die herzlichsten S? Glückwünsche zur Vermählung, gg & Die Genossen des Bezirks si» 767, 6. Kreis. 6a v W W C" © V S di % MEEEH«« D Unserem werten Genossen 6tto8MlMu braut ß die herzlichsten Glückwünsche C zur Vermählung! Die Genossen u. Genossinnen 1~- des 317. Bezirks des 1. Reichs- h tagswahlkreises. 55 Unserem Bezirkssührer Franz Richter nebst Braut zur Bermählung die herz- lichsten Glückwünsche. Die Genessen des Bezirks 712 des 6. Wahlkreises. 41A Unserem alten Parteigenossen Hermann Diskowski nebst itzra« die besten Glückwünsche zur Silberhochzeit. 2A Die Genossen des 319». Bezirks des 4. Wahlkreises. Todes-Anzeigen Sozialdemokratiscber Verein IJ. OerL Reicbstagswalilkreis. Am 9. Oktober verstarb unser Genosse, der Arbeiter lill8lav Bebnisch Buttmannstr. 18, Bezirk 806a. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute Sonnabend, nachmittags 4'/« Uhr, aus dem städtischen Friedhos, Müllerstrahe, Ecke Seestrahe. statt. Um rege.Beteiligung ersucht 233/2 Der Vorstand Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands. Zahlstelle Groü-Berlln. Am Donnerstag, den 10. Oktober, verstarb unser Mitglied bsksr Kerapfer. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 13. Lltobcr, mittags '1,1 Uhr, von der Halle des Nazarcth. Friedhofes, Reinicken- dors-West, Kögelstrah«, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 58/7 Die Ortsverwaltung. Für die vielen Beweise ausnihtlgcr eilnabme bei der Beerdigung meinet eben Mannes �riedricl, Nensckel ige allen daran Beteiligten meine., iiiigsten Dank. Witwe Vernes Bensehel 1 Stark wöchenti. Teilzahlungen liefere elegante fertige Herren- Gaiicioten : Ersatz lOr Man: Anlerligung a Maaa Tadel, os. Ausftihrvng Jü Iiis Fabiiii Scbneidermeister Cr.Frankl.Slr.37" Eingang Striuabcrger Platt ."Än TwiBtr.ll nur I. 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Rotwurst....»and LO Schinkenspeck..............? �1.50 Nusschinken.................» 1.40 Echte Halberstädter Würstchen �'p�r 25 Kaffee....... pwnd 1.30, 1.40 fiemBse- Konserven Breeh- o. Schnittbohnen-/.vn« 35 P, Kohlrabi.....................'/> vo-° 30p/. Spinat........................ 40? Gemischtes Gemüse v°«> 50?/. Suppenschoten............ 35?/. Junge Schoten............ 45? Bruchspargei............... v°-- SS? Stangenspargei.......... v 1.20 Die mit K bezeichneten Artikel eind von der Zneendung auegeschlossen. Soweit Vorrat Pf. Gänse.................................... 68,*75 Suppenhühner............ l.os, 2.25 ��EeiSeX� gestreift................. 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Kunst-Honig in Glasern....... p/nnd KT?/. Bouillon-Würfel....... 5 stock 10k. Kakao...........?innd 68, 95 pf- Butter und Käse Tafelbutter..........'/zPfu-d.?a>-et 85 pt Schweizer Käse............ p/nnd 95 pt Tilsiter Käse................. p/nnd 88?«. Limburger Käse............. Pfund Sgpt Briekäse........................ p/nnd 55?-. Romatour Käse.............. stock 29" Camembert.................... stock 25 pf- Harzer Käse............. 4 stock IQpc Splttelmarkt Bell�Alliancestraaie Grosse Frankfurt oratraese Extra-Angebote BrnnnenstratM Kottbuser Damu Trikot-Handschuhe ÜÄÄSÄ 48, 68, 98» Trikot-Handschuhe Schwedenfutt- u. 2Druckk. für Damen, farbig, mit Plüschfutter und 2 Druckknöpfen........................ Imit Schweden-Handschuhe fürDamen'naturgclb 85" mit 2 Druckknöpfen 55f 85 Pt. «z -iit iii�»iii' Filz-Schnallen-Stiefel mit LedeDa0min 2 45 2.95 KamelhaarStOff SchUhe SerÄ�Dam« 1.45, Herren 1.95 Schnallen-Stiefel hiÄ,i.95. 2.95. Herren2.45, 3.50 imitiert, mit Ledersohle..... 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Am Schluß der Börse unternahmen die Großbanken Jnterventionskäufe, wodurch die Kurse stand- hielten. Die Frankfurter Börse wies ebenfalls einen starken Kursrückgang auf. In Paris trat wiederum ein panikartiger Kurssturz ein. Auch in London gaben die Kurse nach. An der Berliner Getreidebörse stiegen die Preise erheblich. Die Stockung des Transports vom Balkan macht sich für deutsche Importeure unangenehm bemerkbar. Der Deutsche Handelstag hat bereits beim Auswärtigen Amt Ein- spruch erhoben, daß griechische Schiffe, die mit russischem Ge- treibe für deutsche Rechnung beladen waren, von der Türkei beschlagnahmt worden sind. Die Frachtsätze und Kriegsver- sicherungsprämien sind erheblich erhöht worden. Einzelne russische Getreideexporteure haben überdies die Getreide- cinkäuse ganz eingestellt. Recht charakteristisch ist, daß russischeHändleran der Börse deutschenRoggen aufkaufen. Die hohen Getreidepreise auch im Ausland machen es lohnend, deutschen Roggen zu erstehen, da ja die deutsche Regierung die Ausfuhr infolge des Getreideeinfuhr- scheinsystems prämiiert. Und das geschieht zu einer Zeit, wo die Zufuhren stocken und die Jnlandsroggenpreise an einem Tage um 4 Mark stiegen! Gerichts-Zeitung* „krankenhausdisziplin". Das Amtsgericht Berlin-SchSneberg(20. Abteilung) hatte am Mittwoch zu entscheiden in einer Beleidigungsklage gegen einen Arzt des Auguste-Biktoria-Krankenhauses zu Schöneberg, der einem Patienten„flegelhaftes Benehmen" vorgeworfen hatte. Kläger war ein Magistratssekretär a. D. Koeppen, der bisher im Dienste der Stadt Schönebery gestanden hat, Angeklagter ein Arzt Dr. Raether, der inzwischen das Schöneberger Auguste-Biktoria-Krankenhäus verlassen hat und jetzt Assistenzarzt im Friedrichshain-Krankenhalkt zu Berlin ist. Der Prozeß wäre ohne Interesse für die Oeffent- lichkeit, wenn nicht in der vierstündigen Verhandlung die Frage der sogenannten„KrankenhauSdisziplin" zu eingehender Erörterung gekommen wäre. Dem Krankenhaus war Koeppen vom Magistrat zur Heilung eines SchrcibkrampfeS überwiesen worden. Als an einem der ersten Tage der Afsistenzart Dr. Raetheg den Patienten eine Schriftprobe machen ließ, fiel diese so zerfahren aus, daß Raether Uebertrcibnng annahm. Er ließ einen Kollegen Dr. Weichbrodt kommen, der auf diesem Gebiet der Heil- künde mehr Sachkenntnis hatte. Nachdem Dr.'Weichbrodt von dem Patienten eine ähnlich schlechte Schriftprobe erhalten hatte. sagte er ihm. bei solchen Schreibleistungen könne er nicht Schreib?» bleiben. Er fragte dann Koeppen aus, wieviel Penston er wohl be- kommen würde, ob er davon leben könnte usw. Diese Mitteilung und das daran sich anschließend« Verhör brachte den zur Heilung überwiesenen Patienten so aus der Fassung, daß er erregt auf den Tisch schlug und dem Herrn Doktor sagte, er verbitte stch diesen To», das sei keine Art. mit ihm zu verhandeln, er verweigere die Aus- kuuft. Nun fuhr Dr. Raether auf und sagte dem Patienten:„Be- tragen Sir sich anständig, Ihr flegelhaftes Benehmen hat schon wiederholt Anstoß erregt, Sie haben sich nichts zu verbitten!" Wegen dieser Aeußerung reichte Koeppen Beleidigungsklage gegen Dr. Raether ein. Vor Gericht gab der Angeklagte die Aeußerung zu. doch behaup- tcte er, sie sei gegenüber Koeppen nötig gewesen. Ein vom Vor- sitzenden angeregter Einigungsversuch scheiterte daran, daß der An- geklagte durch seinen Verteidiger Rechtsanwalt Laschte erklärte, die geforderte Entschuldigung sei ihm unmöglich. Rechtsanwalt Holpert, der den Kläger vertrat, fragte erstaunt, ob vielleicht der Klassenunterschied einem Doktor verbiete, einen von ihm belei- digten Subalternbeamten um Entschuldigung zu bitten. Der An- geklagte bot Beweis dafür an, daß Koeppen sehr oft Anstoß erregt habe. Durch jene Aeußerung habe er Koeppen nicht beleidigen, son- dern nur sein Betragen kennzeichnen wollen.� Er beanspruche den Schutz des§!S3(Wahrung berechtigter Jntrnssen). Wie sehr daS respektlose Betragen des Patienten den Dr. Raether verdrossen haben muß. ersah man auS seiner immer wiederholten Erklärung, er habe auf Disziplin zu halten, er erwarte als Assistenzarzt, daß der Patient vor ihm aufstehe» und so weiter. Die gegenüber dem Patienten gebrauchte Aeußerung.flegelhaftes Benehmen" sei.keine Bclcdigung an sich", sie habe nur eine Rüge sein sollen. In der Beweisaufnahme über die Hausordnung bekundete der Direktor des Krankenhauses, Professor Huber, die Disziplin fei in der von»hm geleiteten Anstalt keineswegs so scharf, daß luast von Kasernenton»prcchen könnte. Disziplin sei aber nötig, namentlich erwarte er immer, daß Kranke aufstehen, wenn er komme. Der Vorsitzende ftchste:„Die Hausordnung schreibt daS' vor?" Direktor Huber:„Ich kann nicht sagen, was in der Haus- Ordnung steht." sHeiterkeit im Zuhörerraum.) Rechtsanwalt' Holpert:.Steht drin, daß die Kranken aufstehen müssen?" Direktor Huber:.Das wird wohl dnnstehen. Rechtsanwalt Holpert:„Also teiHdeise ist sie Ihnen auch nicht bekannt! Wie lange sind Sie denn Direktor?" Direktor Huber:.Sech» Jahre."(Heiterkeit.) Rechtsanwalt Holpert:„Und sechs Tage war Koeppen' drin! Da machen Sie ihm einen Vorwurf, daß rr stch nicht an die Haus- ordnung hielt?" Kläger Koeppen bestritt übrigens mehrere der ihm zur Last gelegten.Disziplinwidrigkeiten. Gegenüber dem Bor- wurf, bei der Visite des Direktors die Zeitung gelesen zu haben, erklärte er. er habe während der Bettruhe, die verordnet war. in Gegenwart des Direktors die Zeitung vor stch auf dem Bett liegen gehabt. Ueber Koeppens Betragen urteilte Zeuge Hnber sehr viel zurückhaltender als der Angeklagte. Er wollte fast den Ausdruck "»ngoiiöri," als zu scharf ablehnen. Auf den Direktor, folgte als Zeuge der Wärter Fritze, der aus seiner Entrüstung über Koeppen kein Hehl machte. Er erzählte unter anderem. Koeppen ser vor Dr. Raether nicht aufgestanden, und fügte hinzu:„Selbst ein Schwerkranker stand auf!" Auch Pslegeschwester Hartmann� sagte aus, daß„bei der Visite alle Patienten an ihrem Bett standen", daß aber Koeppen, der in besonderem Zimmer lag, das nicht tat. DaS Ergebnis dieser Beweisaufnahme wurde von Rechtsanwalt Holpert dahin zusammengefaßt, daß zwar nicht bei dem Direktor, aber wohl bei den jüngeren Aerzten und dem unteren Personal das rechte Verständnis für die Stimmung des Patienten gefehlt zu baben Icheinc.«Die Ueberspannnng des Autoritätsgefühls, die Erwartung unbedingten Respekts vor der.Disziplin", entschuldige nicht die Be- leidigungen. Die Wahl des Ausdrucks.flegelhaftes Benehmen erweise die Absicht, zu beleidigen. Der Verteidiger Recht Sanwatt Lafchke führte dagegen aus, Koeppen habe den direkten Wünschen der Vorgesetzten— denn als solche könne er die Aerzte nur be- zeichnen— nicht entsprochen. Der Ausdruck„flegelhaftes Benehmen" sei der richtige gewesen; die Absicht einer Beleidigung habe dem' Dr. Raether gefehlt, er habe NUP ein berechtigtes Interesse gewahrt und sei daher freizusprechen. Das Urteil lautete, Dr. Raether habe als Assistenzarzt gegen- über dem Patienten ein Rügerecht gehabt, seine Aeußerung sei fach- lich berechtigt gewesen, die Absicht einer Beleidigung habe sich nicht feststellen lassen, er müsse daher straffrei bleiben. Gegen das Urteil ist Berufung eingelegt. Klingelfahrer. Drei Einbrecher, die lange Zeit hindurch nach Art der„Klingel- fahrer" Einbruchsdiebstähle verübt hatten, wurden gestern vor der 1. Strafkammer des Landgerichts II verurteilt. Es waren dies Otto Tosdal, dessen Bruder Alwin Dosdal und Johann Kirza- ninsky. Die Angeklagten haben eine große Anzahl Diebstähle in der Weise verübt, daß sie an den Wohnungen klingelten, dann, wenn ihnen niemand öffnete, eindrangen und alles, was nur irgendwie mitnehmenswert war, stahlen. Sie erbeuteten in allen Fällen verhältnismäßig große Werte, so unter anderem nacheinander in den verschiedenen Wohnungen Silbersachen, Schmucksachen usw. im Werte von 1000 M.. 1300 M.. 2400 M. usw. Mit der Zeit wurden sie bei der Verübung dieser Einbrüche immer dreister. DaS sollte ihnen schließlich zum Verhängnis werden. Als sie bei einem Einbruch die Beute nicht mit einem Male fortschaffen konnten, erschienen sie am Abend nochmals in derselben Wohnung. Inzwischen war jedoch von einem in demselben Hause wohnhaften Restaurateur. der die Wohnung beaufsichtigen sollte, der Diebstahl entdeckt wordest und als die„Herren Einbrecher" zum zweiten Male erschienen, wurde ihnen ein recht warmer Empfang bereitet. DaS Gericht erkannte mit Rücksicht auf die Gemeingefährlich- keit derartiger Diebstähle gegen Otto Dosdal und Ktrzaninsky auf 3 Jahre 6 Monate Zuchthaus, Ehrverlust und Polizeiaufsicht und gegen Alwin Dosdal auf 1 Jahr und b Monate Gefängnis. Bon der Aufgabe deS GesindedienstverhaltnisseS bei Heirat. Für den Fall, daß ein Dienschote heiraten will, enthalten die verschiedenen im preußischen Staate geltenden Gesindeordnungen bezüglich der Lösung des Dienstverhältnisses besondere Bestimmun- gen. Sie stimmen in der Hauptsache überein in den Gesindeord- nungen vom 8. November 1810(Provinzen Ost- und Westpreußen, Pommern. Posen. Brandenburg. Schlesien. Sachsen. Westfalen ohne die Kreise Rees. Duisburg und Essen), vom IV. August 1844(Rheinprovinz und die Kreise Rees. Duisburg und Essen) und vom 11. April 184B(Neuvorpommern und Rügen), sowie vom 28. April 1838(Regie- rungsbezirk Osnabrück). Diese Bestimmungen besagen übereinstimmend(in der Gesinde- ordnung vom 3. November 1810 sind es die 8K 147 und 148): .Dienstboten können vor Ablauf der Dienstzeit, jedoch nach vorhergegangener Aufkündigung den Dienst verlassen, wenn der Dienstbote durch Heirat oder auf andere Art zur Anstellung einer eigenen Wirtschast vorteilhafte Gelegenheit erhält, die er durch Ausdauerung der Mietzeit versäumen müßte.— In allen$ällen, wo der Mietvertrag innerhalb der Dienstzeit, jedoch nur nach vorher- gegangener Aufkündigung, aufgehoben werden kann, muß dennoch das laufende Vierteljahr(Neuvorpommern: Halbjahr) und bei monatsweise gemieteten Gesinde der lausende Monat auSgehalten werden." Um die Anwendung und Auslegung dieser Bestimmungen hau- delte eS sich in einem Strafverfahren gegen das Dienstmädchen Heiduck, di; auf Grund des Gesetzes über die Dienstpflichten des Gesinde» vom 24. April 1854 angeklagt worden war, weil sie vor» zeitig in gesetzwidriger Weise den Dienst verlassen habe. DaS Mädchen hatte sich im März verlobt und, da es im Mai heiraten wollte, am 24. März gekündigt, in der Annahme, daß es damit trotz jährlichen Kontrakts� der noch längere Zeit lief, das Recht gewinne, mit Ablauf dieses Vierteljahrs, also mit dem 1. April, den Dienst zu verlassen. Als sie im ApM weg ging, vcranlaßte aber der Dienstherr auf Grund des Gesetzes von 1864 ein Straf- verfahren wegen gesetzwidrigen vorzeitigen Verlassens des Dienstes gegen sie. Die Strafkammer in Meseritz als Berusungsinstanz verurteilte auch die Angeklagte. Das Gericht nahm zwar an. daß das Mädchen Gelegenheit hatte, zu heiraten. Indessen legte es die Bestimmung über das Aushalten des„laufenden Vierteljahres" für den Fall der vierteljährigen Kündigungsfrist zum Dienstablauf dahin aus, daß auf jeden Fall die vierteljährige Kündigungsfrist insofern innezu- halten sei, daß der Austritt erst am Schlüsse des nächsten Viertel- jähre» erfolgen könne. Bei dieser Auslegung konnte sich daS Land- gericht auf Darlegungen im Kommentar Lindenbergs, des ehe- maligen Senatspräsidenten beim Ersten Strafsenat des Kammer- gerichtS, berufen. Ter Erste Strafsenat des Kammrrgerichts hob am Dienstag die Barentscheidung auf und verwies die Sache zu nochmaliger Eni- scheidung an das Landgericht zurück. Begründend wurde ausgeführt: Der Senat schließe sich Lindcnbcrgs Auffassung nicht an. Das „laufende Vierteljahr" im Sinne der zitierten Vorschriften»ei unbedenklich dasjenige, in dem das Ereignis eintrete, das zur Kündigung führe.(Hier das Verlöbnis mit der Absicht, sehr bald zu heiraten.) DaS sei hier der März gewesen. DaS am 24. März laufende Bierteljahr hätte also innegehalten werden müssen; das laufe mit dem 31. März ab. Es könne keine Rede davon sein, daß das folgende Vievieljahr auszuhalten sei. Wenn der Dienstbote also sonst die HciratSgelegenheit hätte verpassen müssen, dann hätte er am 1. April nach der Kündigung im März die Stelle verlassen können. Da das Landgericht bisher nur davon gesprochen habe, daß allerdings die Gelegenheit hätte verpaßt werden können, so müsse es nochmal nachprüfen, ob die Gelegenheit bei einem längeren Verbleiben im Dienst verpaßt werden mußte. Werde das festgestellt, dann habe Freisprechung zu erfolgem Hus aller Melt. Vom Kulturwerb dee Kriege. Da» Pariser Wocheirblatt„I-es Droits de I'Lamms" veröffentlicht einen Goldatenbrref aus Marokko, der gerade im jetzigen Augen- blick, da die Kriegsfurie den europäischen Südosten durchrast und den ganzen Erdteil bedroht, besonderes Interesse veidient. Die erste Hülste des au» Marrakesch vom 10. September d. I. datierten Briefes gibt jile Beschreibung eines Kampfes mit der Harka des EI Heida bei Sidi-bu-Atmau am 6. September. Die französische Artillerie richtete dort ein furchtbares Blutbad an. Dagegen waren die Verluste auf französischer Seite minimal— S Tote, darunter ein Senegalese und 7 Verwundete. Trotzdem erwachte, wie der Schreiber erzählt, bei der Vorhut plötzlich die Räch gier:.Die Rache aber bestand in folgendenph Die die Kolonne eskortierenden Infanteristen warfen sich auf die Leichname der Marokkaner, denen sie begegneten, und nahmen Amputationen aller Arten an ihnen vor, indem sie ihnen die Köpfe, Ohren, Zungen, Füße, Hände usw. abschnitten. Jeder wollte sein kleines Andenken haben. Gegen 1 Uhr kamen wir im Lager an. Die GumierS(ein- geborene berittene Hilfötruppen), die den Nachzüglern nachgesetzt hatten, brachten 12 Gefangene ein. Oberst M a n g i n verhörte sie und beschloß nach dreistündiger Verhandlung alle um S Uhr nachmittag außerhalb des Lagers füsilieren zu lassen. Die Senegalesen wurden mit der Vollstreckung dieses Urteils betraut und je 3 Gefangene wurden von einem Peloton zur Hinrichtung geführt. Während dessen steckt« man den Duar (Dorf) im Osten des Lagers in Brand. Die Flammen stiegen riesenhaft jäh empor und in diesem höllengleichen Rahmen schritten die Gefangenen zum Tode... Einer von ihnen, ein junger, kräftiger Mensch vermochte die Wachsamkeit seiner Begleiter zu täuschen. Er entfloh plötzlich und lief, offenbar dem Justinlt der Selbsterhaltung folgend in südlicher Richtung vom Lager. Es war vergebliche Mühe. 50 Soldaten aller Wafiengattrmgen machten sich zu seiner Verfolgung auf. Als der Unglückliche dies sah. warf er sich in ein Silo(ausgetrocknete? Flußbett) von 4 Meter Tiefe, in der Hoffnung, so den Leuten, die ihm auf den Fersen waren, zu ent- rinnen. Nun begann das Drama— oder richtiger der Mord. Der Marokkaner war etwa 4 Meter unterhalb der Erdoberfläche, in einer Art von Schacht— also ganz ungesährlich. Oben, am Rand des Schachtes, hockten die Soldaten, die die Meute gebildet hatten, und sahen zu dem Verfolgten hinab. Da schoß der Gedanke durch die vertierten Gehirne:.Werfen wir Steine auf den „morioauä!"(Mohren-Mauren). Und jeder nahm soviel Kiesel- steine als er tragen konnte und schichtete sie am Rand des Silos auf, uin den Angrffs vorzubereiten. Dann begannen die Steine auf den unglückseligen Gemarterten zu fliegen, der mit einem Blick des Entsetzens emporflehte. Die Kolonialsoldaten munterten die Sene- galesen auf mit den Worten:„Wackerer Senegalesel A kagil" was auf senegalesisch bedeutet: So ist'S gut! Der Gemarterte suchte sich an der Wand emporzuschwingen. Aber es ging ihm schlecht. Ein ungeheurer Stein fuhr auf� seinen blntigen Schädel nieder und warf ihn zu Boden. Dem Marokkaner strömte daS Blut aus allen Körperteilen. Sein Gesicht hatte nichts mehr von einem Menschen und dennoch wandte er dieses Gesicht immer noch zur Schachtöffnung empor, als woMe er ein letztes Mal das Mitleid seiner Henker anflehen. Die Antwort war ein Regen von Steinen jeder Größe, der auf den blutigen Kopf niederging und diesen zermalmte. Der ganze Körper wurde steif wie im Augenblick deS Sterbens, aber der Tod kam immer noch nicht. Bald wurde der Körper des Unglücklichen unter den Steinen, die noch immer flogen, begraben und erst spät am Abend verließ man den grausigen Schacht des vollbrachten Werkes froh. Die beim Mord anwesenden Sergeanten der Kolonial- armer waren von dieser unerwarteten Zerstreuung besonders befriedigt." „Die? find die Details unserer marokkanischen„Pazifikation" Ich haben Ihnen schon geschrieben, daß Fälle dieser Art sehr zahlreich sind und ich erzähle Ihnen nur die abscheulichsten und blusigsten. Was das Ranben anlangt, fo wird es auf einer großen Stufenleiter betrieben. Man k a u f t bei den Mauren und wenn sie Bezahlung fordern, zeigt man ihnen einen Flintenlauf oder eine Bajonett« spitze. Das ist zweifellos das Recht des Stärkeren." So weit der Brief, den das durchaus nicht revolutionäre, sondern nur ehrlich demokratische Blatt veröffentlicht. Und man sage nicht pharisäisch, daß derlei Dinge nur bei halbwilden Sene- galesen und bei den schlechten Elementen der grotzstädsischen Be- völkerung, die die französischen Kolonialregimenter füllen) möglich seien. Deic Krieg ruft überall die grausam st en Instinkte in den Menschen wach, er verilichtet zahllose wertvolle Leben und Kulturgüter uud erniedrigt die Vernichter selbst. SchiffSkatastrophe im Memeler Hafen. Ein schweres Schiffsunglück hat sich am Donnerstag abend in der achten Munde in der Nähe von Memel zugetragen. Bei der Ausfahrt aus dem Hafen überfuhr der Dcunpfer„B i S m a r ck" den die Fahrtlinie kreuzenden Motorkutter„Anna Maria", der sofort in 24 Mete» Wassertiefe sank. Di« aus drei Fischern bestehende Besatzung deS KutterS ertrank. Der Dampfer„Bismarck" setzte ein Boot au«, doch blieben die Rettungsversuche bei d;r Herr- schenken Dunkelheit erfolglos. Goldfunde iu GchleStvig. Wie feit Jahrhunderten in bestimmten Gegenden Schlesiens und vor über Jahresfrist in der Eifel, so sind jetzt auch im Bezirk Schleswig Goldfunde gemacht worden. Bei Erdarbeiten unweit Jeifing bei Tondern hoben die Arbeiter in mäßiger Tiefe plötzlich Schollen au», die mit einer gelblichen Masse durchsetzt waren. Der Bauleiter machte dem LandratSamt davon Mitteilung, daS Proben davon dem Hütteutechnischen Laboratorium in Braun- schweig zur Untersuchung einsandte. Diese? hat festgestellt, daß die Erde einen Goldgehalt habe. Die Bauarbeiten wurden sofort eingestellt und das in Frage kommende Gelände für den Berkehr gesperrt. Es sollen jetzt weitere Untersuchungen vorgenommen werden, um zu ermitteln, welche Ausdehnung diese goldhaltigen Erdlagerungen haben resp. ob sich ein Abbau lohnen würde. Ei« Roman ans dem Lebe». Inserate von wenigen Zeilen sprechen manchmal BSude. Einen ganze» Roman enthüllt ein Inserat, daS dieser Tage in einer großen thüringische Zeitung stand. Es lautet: .Ich ersuche die Modistinnen. Schneiderinnen. Damenkon fektionZ- geschafte hiesiger Stadt, mich nicht weiter mit Rechnungen, die meine durchgebrannte Frau angehen, behelligen zu wollen. Zahlung, st keine von mir zu erwarten; den Offenbarung L- erd habe ,ch schon nn vorigen Jahre geleistet. Auf Wunsch bin ich I-doch bereit, an Interessenten die Adresse des jetzigen L i e b h a b e r« m e i n r r F r a u bekannt zu geben. Fr.. F... St.. straße. den Humor über den Verlust feiner besseren Ehehälfte scheint der Trauernde ja noch nicht verloren zu haben. Der Prozeß gegen die New Norker Polizeimörder. Den Geschworenen in dem Prozeß gegen den Polizeileutnant Becker hat der Vorsitzende des Schwurgerichts eine recht unau- genehme Ueberraschung bereitet. Nach der Komplettierung der Geschworenenbank ordnete der Borsitzende an, daß die Geschworenen während der ganzen Dauer de« Prozesses von der Oeffent- lichkeit abgeschlossen werden, um Beeiiiflusiungen zu Verhindern. Da der Prozeß sich langsam dahinschlept und das Ende Preislage; Fflr Herren: Boxrind-u. Ro�CHevr.- Sdinür- Stiefel, auch mit Lackkappen, Mastbox- Zug- u. 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In der Donnerstagsitzung hielt der Staatsanwalt eine länger als dreistündige Rede, in der er ausführte, datz die Polizei bei der Ermordung Rosenthals in bedeutendem Maße die Hand im Spiele gehabt habe. Die ganze Sitzung wurde mit der Vernehmung von Sachverständigen ausgefüllt. Ein Zeuge, der Ungar Hecht, sagte aus, daß er die Mörder gesehen habe und sie wiedererkennen würde. Als die A n g e k l a g t e n in den Saal geführt wurden, erklärte er, daß es die Männer seien, die auf Rosenthal ge- schössen hätten._ Examenmogeleien. Aus Rom wird uns geschrieben: Durch eine anonyme Anzeige ist die Polizei in Neapel dahinter gekommen, daß zwei Schüler gegen Bezahlung von 200 Lire das Thema des italienischen Auf- s�fccs für das Äbiturienteneramen im voraus erhalten hatten. Die beiden Gstmnasiaften sind vor dem Examen verhaftet worden und haben gestanden, voi» einem Unbekannten das Thema erhalten zu haben. Es scheint, daß in Salerno und in einer norditalienischen Stadt ähnliche Unredlichkeiten vorgekommen sind, weshalb das Unter- richtsministeriuin in ganz Italien das betrefiende Examen für die Abiturienten für null und nichtig erklärt hat. In Italien sind alle Mittelschulen staatlich und erhalten ein und dasselbe Examenthema direkt vom Ministerium, Das Thema für den italienischen Aufsatz und der Text für die Uebersetznng aus dem Lateinischen, sowie der für die Uebersetzung aus dem Italienischen ins Lateinische werden vom Ministerium gedruckt und direkt vom Kabinett des Ministers kuvertiert und geschlossen. Dann erhält jeder Direktor der staatlichen Mittelichulen die drei geschlossenen Kuverts, die mit dem Siegel des Ministers versehen sind, mit der Anweisung zugeschickt, sie bis zum Tage des Examens zu ver- wahren. Die Oeffnung der drei Kuverts erfolgt in Gegenwart der Professoren und der Schüler und ist ohne Zerreißung des Kuverts unmöglich. In Neapel ließ der Vorsitzende des entsprechenden Gymnasiums von der Examenkommission und von den Schülern konstatieren, daß die Kuverts nicht geöffnet worden waren. Die widerrechtliche Mitteilung des Themas muß also durch einen Beamten des Ministeriums erfolgt sein. EtwaS Aehnliches ist vor einigen Jahren schon einmal vorgekommen; der Schuldig� war ein Subaltern» beamter, der mit der Korrektur zu tun halte und sofort entlassen wurde. Der Verdacht kann nur auf eine ganz beschränkte Zahl von Personen fallen. In Schülerkreisen erregten die Annullierung des Examens natürlich große Aufregung. Kleine Notizen. Ein mysteriöser Totschlag. In B i e l e f e l d erschoß der 19 Jahre alte Arbeiter H n d e n d i ck auf offener Straße die 17 jährige Arbeiterin S t u k e r und verletzte sich darauf durch einen Schuß in die Schläfe schwer. Die Ursachen für die Tat sind un- bekannl�ia Hudendick zu der Getöteten in keinerlei Beziehungen stand. Der fällige Ueberfall. In der russischen Ortschaft Eriwan überfielen fünf Bewaffnete auf der Straße einen Kontoristen der Filiale der Tifliser Kommerzbank, der einen Geldtransport leitete. Ein ihn begleitender Polizist wurde getötet, der Kontorist und der Kutscher schwer verletzt. Die Banditen raubten 15 000 Rubel und entkamen. Wetterprognose für Sonnabend, den 18. Ottober 1918. Ein wenig kühlsr, vielfach nebelig oder wollig bei meist schwachen ver- änderlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 13. Oktober, vormittags 9 Uhr, Pappel-Allee 15/17, Rixdors:„Jdealpassage" und Tegel: Schlieper- strafje 30: Freireligiöse Vorlesung. Vormittags 11 Uhr, Kleine Frankfurter Straße 6: Vortrag von Herrn Dr. H. Hasse:.Unsere Stellung zu den zehn Geboten." I.— Damen und Per: en als Gäste sehr willkommen. Stllgrmeine Krauken- und Sterbekasse der Metallarbeiter iE. H. 891, Hamburg. Filiale Berlin 5. Heute Sonnabend, den 12. Ottober, abends 81/, Uhr, bei Hoffmann, Dragonerstr. 15: Mitglieder- Versammlung.— Filiale Baumschulenweg. Den Mitgliedern, die in Treptow wohnen, zur Kenntnis, daß am Sonnabend, den 12. Oktober, abends von S'/j bis 10 Uhr im Lokal von JuL Schmidt, Kiesholzstr. 22,'kassiert wird.— Filiale Berlin 11. Sonntag, den 13. Oktober, vormittags 10 Uhr: Mit- gliederversammlung bei Nißle, Dennewitzstr. 13. Briefkarten der Redaktion. — C. O. 14. UnS find die Vorbedingungen nicht bekannt. Sie erfahren vielleicht bei dem Verband der Seeleute, Engeluser 15, die Bedingungen.— C. I. 30. Keine Gefahr.— A. H. 57. Ganz verschieden. Zu erfragen bei den Gemeindeämtern.— F. N. Usus ist: Herrn und Frau. Falsch aber ist die Bezeichnung Familie.— O. 170. Transportarbeiterverband, Sektion der Seeleule, Engeluser 15. Alles nähere dort.—<6.®t. 99. Eine Spezialarbeit die wir nicht verstehen.— S. R. 8. Leider verspätet. Marktbericht von Berlin am 10. Ottober 1918, nach Ermittelung des königL Polizeipräsidiums. Markthallenpreise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.00—50,00. Speffebohnen, weiße, 36,00— 60,00. Linsen 35,00—60,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 5,00-8,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,30—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,60— 1,90. Schweinefleisch 1,60—2,40. Kalbfleisch 1,50— 2,40. Hammelfleisch 1,40—2,40. Butter 2,40-3,00. 60 Stück Eier 4,00-6,00. 1 Kilogramm Karpfen 1,40-2,40. Aal« 1,60—3,20. Zander 1,60-3,60. Hechte 1,60—2,80. Barsche 1,00-2,40. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 1,60-30,00._ Witterungsübersicht vom 11. Oktober 1918. Etatwnen Swinemde. amburg erlin Frankf.a.M München Wien «Setter 772 NW � 2 wolkig 772! OSO 1 2 772SO! 1 772RO 772)9® halb vd. bedeckt heiter bedeckt 772)NNO Ihaibbd. Etatwnen Saparanda �etersburg Seilly Aberdee» Paris «9 euer 771 SW 775)0 767DSO 764, SSW 76SONO 9�9 4 Nebel 1 Nebel 2 Nebel 3heiter l)wolkenl Wasserstands- Nachrichten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteckt vom Berllner Wetterbureau, Wafferstand M-mel, Tilsit Pregel, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krassen , Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz . Dresden , Barby , Magdeburg Wafferstand Saale, Grochlitz Havel, Spandaus , Rathenows Spree, Sprembergl , Beeskow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximflianSau , Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main, Hanau Mosel, Tn'er am 10.10 om 98 36 30 98 80 134 219 414 206 198 65 136 41 ')-s- bedeutet Wuchs.— Fall.—>) UnterpegeL Die Koniiskatioa ist aufgehoben! VON UNTEN AUF Ein neues Buch der Freiheit Gesammelt und gestaltet von Dr. Franz Diederich Mit 26 kOnstlerisch bedeutenden sozialen revolutionSren Bildern und Bildwerken Preis: In 1 JLelnenband 5 Harb :: In 2 Lclnenbiinden 6 Hark Band 1 und 2 können auch einzeln zum Preise von je 8 M. bezogen werden. Das Werk Ist von der Arbeiterpresse überaus lobend besprochen worden und sollte daher in keiner Arbeiterfamilie fehlen. Buchhandlung Vorwärts olÄ8® 69 Großer Herbst-Verkauf in Herren-, Damen- und Kinder-Garderobe Falelols, Visier, Sakko und Cehroek-inzüge, KostUme, Paletots, Rücke, Blusen, Visler usw., usw. zn außergewöhnlich billigen Preisen bei geringer AllZ3llllll1g| und bequemer AbzC| ganze Wohnungs- Einrichtungen Av lVrI3Cfl--d einzelne Ersatzstücke. | JedermanM erh< Kredit!-WE| achsmann& Reinickendorfer Straße 15, neben der Feuerwache, vlt-a-vis Bahnhof Wedding, Aufgang Ravenüstr. Arbeitsnachweis: Amt SJoScn, Rr. 1239. Verwaltunssstelie Berlin Chnritestrafte 3. Hauptbureau: Ho! III. Amt Norden, Nr. 1987. Montag, den 14. Oktober ISIS, abends« Uhr: Uersammlnng aller in den Bezirken JÄoabit, Charlottenburg und den Siemens-Werben beschäftigten Sisen-, Metall- nnd ftenoinerdreher sowie jtondschleifer tn Gieshoits Moabiter Gesellschaftshans, Wiclefstr. 24. Tagesordnung: 1. Die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Dreher in den Bcr- liner Betrieben und welche Maftnahmen müssen zu einer Besserung ergrifsen werden. Rrserent: Kollege Atillor. 2. Diskulsion. 3. Wahl des Bczirksobmannes. 4. Verschiedenes. Mit Rücksicht aus die Wichtigkeit der Versammlung ist daZ vollzählige und pünktliche Erscheinen der Kollegen unbedingt ersorderlich. 126/1 Die Ortsverwaltnng. KSöbet-Cohn 58 Gr, Frankfurter Str. 58 unweit der Kais�rstraBe. SV Bitte genau auf Hausnummer 58 zu achten. Möbel auf Kredit ttr Verwaltung Berlin. JÄodell- und 7abriktischler! Montag, de» 14. Oktober, abends pünktlich 8 Uhr: Svaneken»Versammlung im„Rosenthaler Hof«, Rosenthaler Str. 11/1». Tagesordnung: 1. Bortrag der Genossin Frau Wally Zepter über:»Der Kulturwert der Musik«. 2. Branchenangelegenheiten. 89/19 Hie Ortsverwaltune. inais-GarH! Die betten Ulster- Paletots nnd 4— S getragene Anzüge für Herren, Smoking-Anzüge, Frack- anzüge, sowie von Kavalieren ge- tragene, sastneue Iachen(a.Seide), für jede Figur passend, in größter Auswahl j. unübertroffen 152/8* billigen Preisen. I Tr.,dcshalbbilliger wieimLadeni B!r8edll!ökerbäW..?räU1?,°t3l Ver-Stoss-dilt! Fertige Ulster, Paletot oder Anzu> von»0 M. an, gute Zutaten, au Rosihaar, 2 Anpr. Garantiert tadelloser Sitz. 163/16 ! l Von meinem Ltokk!! Sinz. od. Paletot, neueste gute Stoffe von 40 M. an. Prenzlauer Str. OD n .(Alexanderpl.)"fl Gegründet 189». Riesen=Auswahl Anzahlungen auf Stube und Küche: Mark 15 3« SO 75 bl. 35 bta 45 bis 70 bis 100 llloderne Schlaf-, Speise-, Herren- � Wohnzimmer jeder gewünschten Art von 40 91. Anzahlung an. Größte Rücksicht bei Krankheit und Arbeitslosigkeit.-WW monatlich, � Einzelne Möbelstücke von 5 91. 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Aus Wunsch Besuch des Reisenden mit neuesten Stoffmustern. Resondere Abteilung für fertige Garderobe. _ Sonntags geöffnet. □ □□ 000 □□□ Theater und Vergnügungen Sonnabend, 12. Oktober 1912. Anlang 3 Ubr. Rose. Wilhelm Tell. Ansang 3'/; Ubr. Berliner. Wilhelm Tell. Deutsches Schauspielh. Egmoni. Ansang 4 Uhr. Luisen. Zwerg Nase. Ansang 7 Uhr. ftflt. JchanipielhauS. Götz von Berlichlngen. Deutsches. König Heinrich IV. I. Teil. Anfang 7'/, Uhr. Opernhaus. Ein Maskenball. »gl. Der Deutsches Schauspielhaus, gutsitzende Fiack. Ztleines. Magdalena. Zirkus Sllbert Schumann. Gala- Vorstellung. Zirkus Busch. Gala-Vorstellung. Auiaiig 8 Udr. Urania. Taubenstraffe 48/4S. Auss Malterhorn. Hörsaal: Piof. Dr. B. Donath: Der elektrische Spannungszustand Uöniggrätzer Straffe. Die S Frank- furler. Kroll. Jäaerblut. Le'iiug. Narrenlanz. Stainmerspiele. Mein Freund Teddy. Schiller 6. Der Talisman. Sni.tCaar,urr,'»»urg. Flachs- inann als Erzieher. Berliner. Gio>ic Rosinen. Residenz. Gemütsmenschen. Thann. Autoliebipen. Theater an, Nollendorfplatz. Or« 0 teils in der Unterwelt. Ktirsürsten-Ooer. Der Kuhreigen. Mouti- Operetten. GoldncrLeicht- sinn. Komödienhaus. Die Zarim Luisen. Die Meineidgräfin. Rose. Sommernachtstraum. Ainang Ubr. Kriedr.- B.'tl». Srhanspielhaus. Die lcuiche Suianne. Lnffipielbans. Mein alter Herr. Folies(lapriee. Der keusche Joseph D.r Rehbock. Aninng 8'/, Ubr. Neues Bolksebeater. Die Doppel- gängerkomödie. Ansang 10 Ubr. IldmiralSpalast. EiSballctt: Dvonne. Sternwarte. Reichshallen. Jnvalidenstr. 57— 62. Die Macht der Töne. berliner Theater. Abends b Uhr: Grotze Nosinen. steMiiillei'WgMe�ASe Abends 8 llhr: vie S frsnUui'lei'. Theater am Siollendorsplatz (Neues Schauspielbaus). Täglich abends 8 Uhr: Gastpiel des Münchener Künstler- Theaters Orpheus tu der Unterwelt. Sedillei'-Ilieslei'o.H� Sonnabend, abends 8 Uhr: »er TaliHman. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Zopf und Schwert. * Abends 8 Ubr: Flachsniunn als Erzieher. Montag, abends 8 Uhr: Oer Talisman. Sehiller-Thealer Chabrü?r Sonnabend, abends 8 Ubr: Flachsmann als Erzieher. Sonnlag, nachmittags 3 Uhr: Die Jüdin von Toledo. Abends 8 Uhr: KUnig I-ear. Montag, abends 8 Uhr: Flachsmann als Erzieher. Deutscäes Schansplelhans (Komische Oper). Tl, Ubr: Zum 1. Male: Der gut sitzende Frack. Sonntag 8 U.: Der gut sitzende Frack. Montis Operetten-Theater (früher Neues Theater) 7'/» Uhrn Zum 1. Male: Der Frauenlresser. RkßWTHkitkr. 7'lt«Hr. Sonnabend, 12. Oktober, zum 1. Male: Gemütsmenschen. Schwank in 3 Akten von Fritz Friedmann-Frederich. Morgen und solgcnde Tage: Gemütsmenschen. Uhsen-TIiesler. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Kinder- Vorstellung: Zwerg Nase. Abends 8 Uhr: Die Meineidgräst». Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Anna- Life. 8 Uhr: Die gelbe Gefahr. Montag: Die Meineidgräsi». «Nrosie Frantsurier Str>32. Nachmittags 3 Uhr: Wilhelm Tell. Abends 8 Uhr: Gin Sommernachtstrauni. sonnrag 3 Uhr: Ein Sommer nachtstraum. 8 Ubr: Papagcno Metropol-Theater. Abends 8 Uhr: Räumen gestattet " ir- Iiis Met!"" Grosic �abresrevue mit Gesang und Tanz i»>0 Bildern von I. Freund. Musik v. Rud.'l.elson. Tänze arrang von Will Bishop. In Szene gesetzt vom Direktor R. Schultz.. Morg. nachm. 3 Ubr: Tata Toto. Folies Caprice. Zum 42» Male Die drei Schlag ej-j Der keusche Joseph. r- Der Rehbock. � Der einbrechet. B■■■ i IBBBBBB Verein der Berliner Buchdrucker und Schriftgießer _ BERLIN SO. 16, Engeluter 14/15 ib._ Sonntag, den 13. Oktober, im grollen Saal der Neuen Welt, Hasenheide 108/114: ***& SOIREE bestehend in Konzert(Hollfelder- Kapelle) und Operette(Dir. E. Alexander). Um 7 Uhr: Der Schlager der Saison: □ □ □ Der Tanzanwalt □ □ □ Operette in 3 Akten.— Musik von Walter Schutt. SaalöSnung 4'/, Uhr.— Anfang des Konzerts 6 Uhr.— Nach der Operelte BALL. Herren zahlen 50 Pf. nach. 28/12 Der Reinertrag Ist zu wohltätigen Zwecken bestimmt. B BB Billetts im Vorverkauf 50 Pf. sind auf dem Bureau des Vereins, bei den Kassenboten und im Tagesrestaurant der Neuen Welt zu haben. Die Vergnügungskommission. s BBBBBB IBBBBBB „Clou" MauerstraBe 82. :: Berliner:: Konzerthaus ZlmmersiraBe 90/91. H6"te! Großes DoppeNKonzert. Berliner Konzerthaus-Orchester v.S�iE�p- Musikc. II. Garde-Regts. z. F. oSstarz. Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pf. Anfang 8 Uhr. Montag, den 14. er., 8 Uhr: Novitäten- Abend unter Mitwirk, der Herren Wilh. Aletter, Komp. u. Ding., und Wilh. Karzin, Opernsänger Ab 8 Uhr Nie dagewesener Erfolg! Lucy König, Wiener Soubrette. M. Juanilta, Tanz-Idylle. Sensationeller Lacherfolg! Bernhard Merbitz als Ehepaar Pietsch und 8 weiter© Attraktionen. MM» 8 Uhr s Die mit beispiellosem Lacherfolge aufgenommene Novität Die- Alpenliriider. 10 Uhr: Endlich allein! Beide Stücke mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Vorverkauf 11—2(Theaterkasse). Siereabaret im UilchturunbHuale der Pawaage. Jeden Abend'1,9 Uhr: Hermann Funke Hansy Petra Putzi Cassani Mizzi Dressl Werner Goldmann Otto iteilmann 20 Künstlerinnen u. Künstler. Einheitspreis 1 M. Triauon-Theater. Abends 8 Uhr: Liebesbarometer. Theater Königstadt-Casino. Holzmarktstr. 72, Ecke Alcxandcrstr. 1 Min. d. Bahnh. Jannowitzbrücke. Tagt, abends 8, Sonnt 5 Ubr: Das grotze Novitäten-Pro- gramm und I»apa ist krank. Groge Posse in 1 Akt. Urania Taubcnatraße 48/40. Wissenschaftliches Theater. s uhr: Aufs Matterhorn. Das Programm der naturwissenschaftlichen Hörsaalvorträge im 4. Quartal 1912 ist erschienen u. kostenlos erhältlich. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. B. Donath; Oer etektrisohe Spannungs- zustand. Voigt-Theater. Gesundbrunnen Badstrage 58. Morgen Sonntag, 13. Oktober 1912: Nachmittags 3 Uhr: Drei Paar Schuhe. Abends 7 Uhr: Der Fehltritt einer Frau. Kasseneröffn. 16 Uhr. Ans. 3 u. 7 Uhr. VoUl«-Theater Neukölln, Hermnnnftr. 20. Sonntag, den 13 Oktober: Ehrliche Arbeit. Volksstllck mit Ges. in 3 Akt. v. Willen. Montag, den 14. Oktober: Im russischen Kerker. chanspiel in 4 Akten o. KaA Hclmin. MffO | der größte Entfesselungs- j Künstler der Zeit. Oer Mann mit dem I eisernen Sciiinndll die anatom. Unmöglichkeit. LebeDd! OlineExtra-EDtree! %irkns A. Selminaim Heute Sonnabend, 12. Oktober, "abends 7'/a Uhr: Grand Soirde High Life. UGk- Um 9'/, Uhr:"DtzS Beginn des neuesten, noch nie dagewesenen, nicht zu übertreffend. Ausstattungsstückes der Gegenwart Vier Bilder aus Indien. 1. Der Ausgestoßene. 2. Oer Yogin im heiligen Dschungel. 3. Das Opfer der Kali. 4. Das Fest des Maharad- schah sowie der Brand d. Palastes. 8onntug, 13. Oktober: 2 große Vorstcl langen. Nachm. 3'/, u. abends 7'/, Uhr. Zirkus Busch. Heute Sonnabend, 12. Oktober abends 7ll, Uhr: Gr.Sportsvorstelluiig. Mondini das unlösbare Eätsel. Das Krlegslultsehiff IZukunlt. (Ingenieur H. Bohle). Lenkung ohne Bemannung durch drahtlose Stromzuführung. Projektilschleuderung auf Kriegsschifie. Zwn Unter Gorillas. Schluß: CasSno-Theater Lothringer Slr. 37. Täglich 8 Uhr: Das sensationelle Oktobcr-Programln Kobcrt MecHemann, Berlins Lieblingshumornt mit neuen Schlagern. Ri�cn- Lachersolg des lustigen Stückes Der Großfürst. Reledslianen-Idealer Stettiner Sänger. Eröffnung der Wintersaison. Gr. Orchester: Dirig.: R. Schräder. Die Macht Burleske o. Meysel. Ans. 8 Uhr. Sri»»c» Zuiiait der Zn-erate averniininl die Redaktion dem Bublitum gegenüber keinerlei Bevantworrunq- Trinkt Solle's Vollmilek! deren Gewinnung an den ProduktionBst&tten der Aufsicht und Kontrolle eigener Tierärzte und landwirtachafüich erfahrener Beamten untersteht, wird täglich im eigenen Laboratorium auf Güte und Fettgehalt geprüft, bevor sie in den Handel gelangt, ist keine minderwertige Marktmilch, sondern tatsächliche Vollmilch, der nichts entnommen und nichts hinzugesetzt ist. enthalt immer mindestens 3 Prozent Fett. ist absolut rein und entspricht In hygienischer Beziehung allen An« forderungen. ist infolge einer besonderen Behandlung frei von krankheiterregenden Keimen — eine Uebertragung von Tuberkulose, Typhus und anderen Infektionskrank» helten durch Bolle's Vollmilch ist ausgeschlossen.— kann deshalb roh genossen werden. ist bei hohem Gehalt an Nährstoffen ein preiswertes, ganz besonders empfehlenswertes Nahrungsmittel. Es bestehen gewaltige Unterschiede in der Qualität der in den Handel gebrachten Milch, deshalb Vorsicht bei Angebot billiger Milch I wird durch 300 Wagen und 1200 Austräger mit stets gleicher Pünktlichkeit täglich 100 000 Haushaltungen Groll-Berlins zugeführt. schmeckt und bekommt Erwachsenen wie Kindern immer gleich gut, Darum Trinkt Bolle's Vollmilch aus der größten Meierei der Welt! 2500 1 Angesteilte. Besichtigung der Meierei Montags und Donnerstags nachmittags 2 Uhr erbeten. Kleierei C. Solle JIQ. Berlin NW. 21, Alt-Moabit 98-103. Telephon: Amt Moabit 7912, 7913, 7914. Lerantwortlichcr Rehalteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Lnseratenteil verantw.: TH. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Borwärt»»uchdruckeret u. Verlagsanstalt Paul Singer U.E&, Berlin SW. ch g,.m 29. w w 3. Keilkge des„Nornlillts" Knlilltt WlksUlltt. wmwd>z«MUM Partei- Angelegenheiten. Mariendorf. Am Sonntag, den 13. Oktober, früh 8 Uhr: Flug« blattverbreiwng von den bekannten Bezirkslokalen aus. Mohlsdorf lOstbahn>. Die nächste Wohlvereinsversammlung findet am Montag, den 14. Oktober, abends 8>/g Uhr im Lokale des Herrn Anders, Bahnhofstrosje. statt. Tagesordnung: 1. Bericht vom Parteitag. Referent: Genosse Küter. 2. Bericht der Bezirksleitung. 3. Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Lichtenberg. Am Sonntag, den 13. d. Mts., findet von den be- kannten Lokalen aus eine wichtige Flugblallverbreitang statt. Es ist Pflicht eines jeden einzelnen, sich an dieser wichtige» Arbeit zu beteiligen. Die Bezirksleitung. Pankow. Morgen Sonntag, den 13. Oktober, früh 8 Uhr: Flugblaitverbreitung von den bekannten Stellen aus. Da gleich- zeitig eine sehr wichtige Arbeit mit zu erledigen ist, wollen alle Mit- glieder zur Stelle kein. Die Bezirksleitung. Niederschönhausen- Nordend. Die Parteigenossen sämtlicher Be- zirke treffen sich Sonntag früh 8 Uhr im Lokal von Knoll, Uhland- stratze ö8. zur„VorwSrts"-Agitation. Die Bezirksleitung. Bruchmühle-Eggcrsdorf. Am Sonntag, den 13. d. Mts., nach- mittags 4'/z Uhr. in E. Kntzners Gesellschaktshaus: Wablvereins- versammlung. Tagesordnung: Bericht vom Parteitag. Referentin Genossin Zepenrick. Bericht der Gemeindeverlreter und Verschiedenes. Der Vorstand. Bernau. Sonntag, den 13. Oktober, nachmittags 3 Uhr, findet in Prenden auf dem Grundstück des Genossen Sommerfeld eine öffentliche Bersammlnng statt. Referent Arbeitersekreiär Fritz Karl- Berlin. Die Genossinnen und Genossen fahren mittags 1 Uhr vom Schützenhaus ab; die Radfahrer um 1 Ubr vom Vereinslokal. Die Bezirksleitung. Röiitgental. Heute Sonnabend 8>/z Ubr bei Marx, Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht vom Parteitag. Referent Genosse Lorenz. 2. Wahl der Bezirksleitung. Buch. Der heutige Zahlabend fällt aus. Dafür abends 8Vz Uhr Mitgliederversammlung in Röntgental bei Marx, Bärwolfstrabe. Berliner I�admcbten. Volksverdummung. Die Welt will noch immer betrogen fein. Sprungbereit stürzt man sich auf den plumpsten Schivindel, geht der Wahr- heit ängstlich aus dem Wege. Und wer am dicksten, frechsten schwindelt, findet immer noch Anbeter. Hier der rasende, nerve nzerrüttende Tanz um das goldene Kalb, dort der suggestive Taumel vor dem Götzen Dunimheit. Der famose Prophet Johannes alias Kurpfuscher Weifjenberg aus der Gleimstratze ist nur einer von vielen, die mit leider richtiger Instinkt ihre Seide spinnen, die den Heilsarmee- Hokuspokus weit hinter sich lassenden Gebets- und Heils- Versammlungen dieses betriebsamen Klopsfechters sind nur das jesuitische Mittel zum Zweck, zwischen den aus der vierten Dimension herbeigeschwindelten Geistern in den„Königsälen" und der gemeingefährlichen Kurpfuscherei in der Gleimstr. 42 eine goldene Brücke zu bauen. Man weist ja so ungefähr, wie es in den spiritistischen Sitzungen zugeht. Was der mittel- elterliche Gleimstrastcn-Heilige, der mit seiner aufgeputzten Talmi-Jntelligenz im Dallesmantel und Anistrichter so ganz und gar nicht göttlich aussieht, mit immer grösterer Dreistig- keit verzapft, ist eine Orgie aus dem Tollhaus der Toll- Häuser. Nach der Bekundung von Gästen, die unter Schivierigkeiten Zutritt erlangten, geberden sich die Vcreinsbrüdcr und Vereinsschwestern vom„Dienenden Kreuz" wie patentierte Tobsüchtige. Wohl an 3—400 Personen sind versammelt, meistens alte Vetteln in schwammigen Körper- formen und junges weibliches Volk im büßenden Magdalenen- scheitel, aber auch Leute, deren Preustenuniform sie offenbar nicht davor schützt, in den Strudel des Blödsinns gerissen zu werden.„Gott zum Grust" muß in vorgeschriebener ehrfürch- tiger Haltung auch de� Gardesoldat sagen, wenn er ani Saal- eingang die scharf sortierende Kontrolle der„Schutzengel" passiert. Mund und Nase sperren die Vaterlandsverteiviger aus Ost- elbien auf, wenn sie staunend vernehmen, daß der Prophet der Dmiimen schon in der Bibel augekündigt und im Himnicl unter fünfzehn verschiedenen Namen ein alter Bekannter ist. Schade, daß Prophet Johannes nicht an Seelenwanderung glaubt. Sonst würde er sich vielleicht als menschgewordener Esel vorstellen. Am Vorstandstisch brennen ein paar Talglichte, dahinter thront der geschäftstüchtige Gottespuppenspieler mit der Drahtschlinge. Kommt alle her zu mir nach der Gleimstraste, die ihr mit Krankheit beladen seid, und— tut Geld in meinen Beutel! Tretet in meine Bratschen... und ihr seid geheilt durch meinen Fustschweist! Stehet auf. wenn ich es befehle,... und die Krücken fallen von Euch ab I Fünf, sieben, zehn exaltierte, spleenige Weiber liegen in wilden Zuckungen, unter fürchterlichem Kreischen, vor den Tischen, auf den Stühlen, am Boden. Wie- viele auf Bestellung? Prophet Johannes macht die erste Ehrenrunde, verteilt links und rechts Kopfnüsse, zerrt die wild- gewordenen Weiber an den Haaren,-treibt den Teufel aus den zuckenden Leibern. Immer wilder werden die Tobsuchts- anfalle. Die ganze Narrenkumpanei singt blasphemistisch fromme Lieder. Allah ist groß und größer ist sein Prophet Johannes I Da aber auch Propheten leben wollen, preist der Gottessohn Johannes zwischendurch seinen Wundcrtee an, der annähernd die Durchschlagskraft von Rizinusöl besitzt. Alles fast schon ist in Preusten-Deutschland verboten. Nur eins ist mit Kußhand erlaubt... die Volksverdummung. Wie der Fiskus märkische Naturschönheiten schützt! Unter diesem Titel wird der„Vossischen Zeitung" geschrieben:„Im Osten von Berlin, bei Erkner liegt eine der schönsten und idyllenreichstzen Geger»den der ganzen Mark: das- Löcknitztal. Die Wanderer, welche die prächtigen Erkner und Rüdersdorser Forsten aufsuchen, bevor- zugen dieses seenceiche Waldgebiet, das die kleine muntere Löckn-itz mit vielen Krümmumgcn und Windungen durchfließt. Hier liegen in tiefer Waldesstille die vielbesungenen!„blauen Augen" der Mark, der Wupatzsee. der Heidereuteriee, der Werlsee. Petzsee, Möllensee. Stille Waldwege führen, von Erkner aus. am Wupatz- und Heide- reutersee vorbei über Gottesbruck, Bcrgluch, Gr. Wall, Schmalen- berg, Kl. Wall usw. nach Fürstemvalde. Theodor Fontane, Walter Leistikow. August TriniuS. Ernst Friede!, Johannes Trojan gaben den Steigen an der Löcknitz. am Wupatz- und Hcidcreutersee ihren Namen, und mm soll gerade dieser poesievollste Teil niärkifchcr Natur, nm den Säckel des Finanzministers zu füllen, der Industrie ausgeliefert werden. Dieselbe Regierung, welche Gesetze zur Erhaltung der Land- schast. gegen Berunstgltung erläßt, lixsert eipeS der schönsten Aätur« denkmäler der Mark unbehindert aus. um Kiesgruben zu verwerten und 38 000 M. jährliche Pacht einzunehmen,. Vergebens hat dev Landrat des Kreises Niederbarnim dagegen, Einspruch erhoben, ver- gebens hat sich der Landwirtschastsminister gewehrt, der Finanz- minister behauptet, das Geld nicht entbehren zu können und schaffli aus dem lieblichen Löcknitztal ein industrielles Unternehmen. Es handelt sich um folgendes: Im Tale der Löcknitz ist eine Kiesgrube entdeckt worden. Der Fiskus, al» Besitzer des Lundes und der forsten von Rüocrsdorf und Erkner, kam aus den Gedanken,, aus dieser Entdeckung Kapital zu schlagen. Und es fand sich auch ein Unternehmer, die Märkischen Sandsteinwerke, welcher sich bereit erklärte, dreißigtausend Mark jährliche Pacht für die Ausnutzung der Kieslagev zu geben, wenn — und nun- kommt der springende Punkt— eine bequeme TranS- portmöglichkeit auf der Löcknitz für Frachtkähne geschaffen würde. Und der Finanzminister hat trotz des Einspruchs deS Landrats von Niederbarnim, trotz des Einspruchs seines Kollegen vom Landwirt- schaftsministerium die Schiffbavmachung der Löcknitz, ihre„Be- gradun-g" und Erweiterung zugesagt. Die Vermessungen haben be- reits stattgefunden, die Verträge sollen unterzeichnet sein, die Ver- schandelung des schönsten märkischen Flußtales in der Nähe Berlins steht unmittelbar bevor. Der Flußlauf der Löcknitz wird begradigt; zur Verbreiterung der unteren Löcknitz sollen der Wupatzfee und der Heidereutersee ihr Wasser hergeben— mit andeven Worten: diese beiden lieblichen Seen werden aus dem Landschaftsbilde gestrichen und in die Waldeinsamkeit ein schiffbarer Kanal hineingebaut, um auf seinem Rücken die Lastkähne zu tragen, welche den fiskalischen Kies in kursfähiges Gold verwandeln sollen. Wie nach der Aus- fühvung dieser fiskalischen Pläne, die fix und fertig vorliege� das Löcknitztal ausschauen wird, kann sich jeder selbst sagen. Aber abgesehen von dieser unerhörten Ber schandelung besteht noch eine zweite Gefahr. Die Regierung ist sonst bemüht, durch Stauungen das Wasser in der Umgegend von Berlin zu erhalten. Durch die Begradigung des Schlangenkaufs der Löcknitz werden nun zwar die Sumpfwiesen trockengelegt, die ten Fluß begleiten, aber das Wasser zieht auch rascher ab und es entsteht die direkte Gefahr, daß in heißen Sommern das ganze Gebiet austrocknet. Wenn die Groß-Berliner Bevölkerung sich das Löcknitztal erhalten will, ist es hohe Zeit! Das Verunstaltungsgesetz muß jetzt gegen den FiSkuS selber in Aktton treten. ES ist vielleicht die einzige Handhabe, die hier als Verteidigung der märkischen Landschaft dienen kann." Das Versahren des Fiskus schließt sich würdig dem an, daS er bereits im Westen betätigt hat, wo er den Charlottenburger Wasser» werken A.-G. em Monopol für Trockenlegung deS Grunewalds gegen ein Trinkgeld gegeben hat. Jetzt, wo die Grunewahldseen in- folge der fortgesetzten Wasserentziehung durch die Charlottenburger Wassenvcrke zu versiegen drohen, werden alle möglichen Projekte erörtert, um die Gvunetvaldseen zu erhalten. Was nützen alle Pläne, werar der Wasserspiegel und auch der Grundwasserspiegel im Grüne- wald durch die ständige Wasserentziehung durch die Wasserwerke dauernd sinkt, und was nützt schlichlich die Erwerbung des Grüne- Waldes, wenn man Bedenken tragen muß, daß bei Fortdauer des Monopols der Charlottenburger Wasserwerke nach 20, 30, 40 Jahren im Grunewald die Bäume wegen Trockenheit des BodenS eingehen und neue nicht wachsen? ES gibt nur eins: Mit dem FiSkaliSmuS der Staatsregierung und der Privilegierung von privaten Gesell- schaften muß ein Ende gemacht wenden!» Stiftung für eine Entbindungsanstalt. Der verstorbene Kaufmann Oskar Roeßler, der zuletzt Oranien- bnrger Straße 17 gewohnt hat, hat die Stadt Berlin zur Erbin seines gesamten Nachlasses eingesetzt. Der Wert des Nachlasses beträgt nach Abzug aller Legate zirka 500 000 M Ein erheblicher Teil dieses Betrages steckt m einem Grundstück, das nach dem Willen des Testators nicht unter einem von ihm festgesetzten Preis verkaust werden darf. Das Geld soll zur Errichtung einer Sttstnng unter dem Namen des Erblassers verwendet werden, deren Zweck die Erbauung und Unterhaltung einer Entbindungsanstalt für bedürftige Mädchen und Frauen ist. Mit dem Bau der Anstalt darf aber erst begonnen werden, wenn ei» disponibles Kapital von 400 000 M. vorbanden ist- Der Magistrat har die Annahme dieser Erbschaft beschlossen. Eine Anstalt, wie sie nach der Stiftung errichtet werden soll, ist für Berlin dringend nötig; nur hätte der Magistrat die Pflicht ge- habt, eine solche Anstalt schon längst herzurichten. Sclbststellung eines Raubmörders. Der hiesigen Polizei selbst gestellt hat sich in der vergangenen Nacht der Königsberger Raubmörder Ernst Wiechert.— Der am 21. Juni 1891 zu, Plompen im Kreise Wehlau gebürtige Müller- geselle Ernst Wiechert traf am 24. v. M. in- einer Gastwirtschaft in der Nähe von Mehlanken in Ostpreußen den Viehhändler Endru- scheit aus Friedrichswalde. Nachdem beide zusammen bis in die Nacht hinein gezecht hatten, lud Wiechert. der mit einem Fuhrwerl angckoniimen war, den Viehhändler, der denselben Weg hatte, aber ohne Pferd und Wagen war, ein. mit ihm gemeinsam nach Hause zu fahren. Ahnungslos nahm der Mann die Einladung des Müller- gesellen, der dev Sohn eines wohlhabenden Mühlenbesitzers ist, er- freut an. Wiechert verfolgte aber mit der Einladung einen ganz ruchlosen Plan. Als sie eine Strecke weit gefahren waren, nahm Wiechert eine Wagenrunge und erschlug- damit seinen Fahrgast. Nachdem er ihm noch mehrere Messerstich« versetzt hatte, beraubte er ihn und warf die Leiche in einen nahegelegenen Tiefsee, wo sie am andern Morgen aufgefunden wurde. Mit der Beute von 1600 M. fuhr der Raubmörder nach Mehlanken zurück, ließ dort sein Fuhr- werk stehen und setzte sich auf die Bahn. Er fuhr zuerst über Allen- stein nach Berlin, mn von hieraus Hamburg und die See zu er- reichen. Diesen Plan gab er bei der Ankunft in Berlin aber wieder auf und hielt sich in der Provinz verborgen. Inzwischen hatte sich die Staatsanwaltschaft zu Königsberg i. Pr., die die Verfolgung des Täters aufgenommen hatte, mit der Berliner Kriminalpolizei in Verbindung gesetzt. Diese setzte alles in Bewegung, um den. Raub- mörder, der schon in Berlin gesehen worden war, zu ermitteln. Durch Säulenaiffchlag wurde die schwere Bluttat bekannt gemacht und mit- geteilt, daß auf die Ergreifung des Raubmörders eine Belohnung von 500 M. ausgesetzt sei. Wiechert wurde auch, nachdem er wieder nach Berlin zurückgekehrt war, bald hier und dort gesehen. In den letzten Tagen war ihm die Polizei ständig auf den Fersen, doch ver- mochte er sich immer noch mit knapper Not der Festnahme zu ent- ziehen. Schließlich entschloß er sich, der Polizei sich selbst zu stellen. In der vergangenen Nacht sprach er einen Schutzmann von» 37. Revier in dev Friedrichstadt an und sagte, daß er der gesuchte Raubmörder Wiechert sei. der wegen Mordes aus Königsberg ge- sucht werde. Der Beamte, der ihn nach der genauen P'-rsonal- bcschreibung. die von ihm gegeben worden war, erkannte, nahm ihn darauf gleich fest und brachte ihn nach der Wache in der Kronen- straße. Von hier wurde er früh schon nach dem Polizeipräsidium gebracht. Tie hiesige Kriminalpolizei führte den W. dem Unter- suchungsgefängnis in Moabit zu, von wo er später nach Königsberg gebracht werden- wird. Die Staatsanwaltschaft zu Königsberg wurde von der Selbststellung WiechertS sofort benachrichttgt. Wiecheck gibt an, die Tat infolge eines Streites verübt zu haben Ein Sittlichkeitsverbrechen wurde von einem Wüstling an einem dreijährigen Mädchen verübt. Das Kind spielte gestern nachmittag mit ihrem fünf Jahre alten Bruder vor dem elterlichen Hause in der Bernburger Straße. Als sich der Knabe etwas von seiner Schwester entfernt hatte, wurde diese von einem ungefähr 26 Jahre alten Burschen angesprochen. Er bat das K'»d, mit in den Hausflur zu kommen, wo er ihm Schokolade geben wolle. Das kleme jwan&en folgte auch dem fremden Manne, der es auf die Treppe zum zweiten Stockwerk lockte und sich, ehe auf das Schreien der Kleinen Haus- bewohner herbeigeeilt waren, in der schändlichsten Weise an ihm verging. Der rohe Bursche entkam, bevor die Leure festgestellt hatten, um was es sich handelte. Die Mutter mußte mir dem Kinde sofort einen Arzt aufsuchen. Der Wüstling ist ungefähr 1,65 bis 1,70 Meter groß und schlank, hat schwarzes Haar, ein hageres Gesicht, einen: dunklen Schnurrbart und große dunkle Augen und trug einen schwarzen Ueberzieher, einen schwarzen, steifen Hut und schwarze Schnürschuhe. Der schießende Schutzmann Hartmann, der in der vorigen Woche in Moabit den Kutscher Thiele tolschoß, ist inzwischen in ein anderes Revier versetzt worden. Bisher tat er Dienst im 64. Polizeirevier, dessen Bureau sich in der Onostraße befindet. Jetzt hat man ihn. plötzlich einem Revier des Tiergarrens zugeteilt. In Berlin gibt es übrigens mehrere.Schutzleute, die den Namen Hartwann führen. Der schießende Schutzmann heißt Josef Hartmann und wohnt Wilhelmshavener Straße 63. Eine Kindesaussetzung beschäftigt die Schöneberger Kriminalpolizei. Auf einer Bank der Miitelpramenade in der Mariin-Lutber«- Straße wurde in der vergangenen Nacht gegen 2 Ubr ein neu- geborenes Mädchen aufgefunden, das kurz vorher dort hingelegt worden sein muß, da es noch am Leben war. Das lleine Weieu war in weißem Leinen- und grauem Packpapier eingewickelt. Der Finder übergab es der Polizei, die es nach dem Kinderheim in der Kyffhäuserstraße brachte. Wer das Kind dort niedergelegt hat, ließ sich nicht mehr feststellen. Ebenso blieben die Ermittelungen nach der unnatürlichen Mutier bisher ohne Erfolg. Man hofft das Kind in der Anstalt am Leben zu erhalten. Auf KindeSmord läßt ein Fund schließen, den man gestern an der Pariser und Einser Straßen-Ecke in Schöneberfl machte. In einem dort stehenden Müllsammler fand man die Leiche eines neu- geborenen Mädchens, das wahrscheinlich gleich nach der Geburt getötet worden ist. Die kleine Leiche, die in Packpapier eingewickelt war, wurde von der Revierpolizei nach dem Schauhause gebracht. An einem Straßenbau« erhängt hat sich in der vergangenen Nacht in der Ganghoferstraße zu Neukölln ein bisher noch unbekanuter Mann, der seinem Aeußeren nack! dem Arbeiterstande angebört zu haben scheint. Vorübergehende fanden ihn gestern morgen da- hängen, schnitten ihn ab und übergaben den Leichnam der Polizei, die ihn nach deni Schauhauie bringen ließ. Der unbekaiinte Tote ist ungefähr 1,70 Meter groß, hat graumeliertes Haar und Schnurr- bart und trug einen dunklen, karrierlen Jackettanzug, einen schwarzen, M steifen Hut und einen weißen Stehlragen mit einem langen roten Schlips. Aus der Leichenkammer von Dr. Ludwig McyerS Klinik �'»multnarische»>'pd auch heitcrei Zwischenfälle!», bxi denen die Herren Bürgerlichen keine rühmliche Rolle spielten, kam eS in der Stadtverordnetensitzung am Donnerstag. Genosse Brühl leitete die Verhandlungen ein mit der Begründung einer Jnter- pellation betreffend Fleischteuening. Er wünschte vom Magistrat zu Wissen, was er in dieser Sache getan und ob und was er eigentlich zu tun gedenke. Vom Magistrat kam das Geständnis, daß man sich mi. dieser Frage noch nicht beschäftigt habe, es solle a in nächsten Montag schon geschehen. Man braucht sich also nicht zu verwundern; die Stadtverwaltung Lichtenbergs ist sich mit dieser Saumseligkeit in ihrem sozialen Vorleben treu geblieben. Nunmehr srug Genosse Grauer bei dem Stadtverochnetenvor- steh« an, ob eS sich in der bekannten Zuschrift der Festbesoldeten an das Stadtverordnetenbureau. in der das Bureau zu ein« Unge. Hörigkeit aufgefordert wird, vielleicht um einen Schreibfehler handle. Der Stadwerordnelenvorstecher konstatierte, daß das Original der Zuschrift mit den an die Stadtverordneten gelangten Abschriften jibereinstimTne. Er habe sich nicht für befugt gehalten, der Aufforderung der Festbesoldeten gemäß, einem Teil der Stadtverord- neten das Schreiben vorzuenthalten, sondern es pflichtgemäß an die Stadwerordneten überwiesen. Nachdem Genosse Grauer das Verhalten der Festbesoldeten ordentlich beleuchtet hatte, konstatierte auch Herr Schachtel, als Sprecher der bürgerlichen Gruppe, daß das Verhalten der Festbesoldeten eine grobe Ungehörig- keit dar st eile. In Wiederholungsfällen möge das Bureau dergleichen Znichriften einfach zurückweisen. Weiter konstatierte Genosse Grauer dann noch unter teilweiser Heiterkeit, daß die Fest- besoldeten sonst Sozialdemokraten wohl zit- finden wissen, wenn sie etwas erlangen wollen. So sei ihm jetzt noch wieder ein Schreiben des Bundes zugegangen,.durch welches er um Mitwirkung ersucht wird bei den Bestrebungen, Lichtenberg in die erste Servisklasse zu erheben. In der Erledigung der Tagesordnung, die eine Reihe Punkte rein geschäftlicher Angelegenheiten und verschiedene Dechargierungen und Wahlen enthielt, wurde Verwalter Karl Albold als Armenkommissar für den vierten Bezirk bestellt. Dieselben bürgerlichen Herren jedoch, die ihn sehr warm als tüch- tigen Armenkommissar empfahlen, widersprachen einem Antrage, diesem Herrn das ausnahmsweise Bürgerrecht zu verleihen. Man befürchtete wohl, daß sonst ein Präzedenzfall geschaffen würde und dann noch andere Anträge derselben Art genehmigt werden müßten. Nachdem eine Reihe von Abrechnungen glücklich ohne Wider- spruch genehmigt waren, widersprach Stadtverordneter Bokofzer der Tcchorgierung'der Jahresrechnung de? Gemeindekasse der früheren Gemeinde Boxhagen-Rummelsburg. Er beantragte die Zurück- Verweisung an den Rechnungsausschuß, der um drei Mitglieder ver- stärkt werden solle. Begründend bemerkte er, daß der Erat schleierl Haft aufgestellt worden sei, ja er ließ durchblicken, daß man bei der Aufstellung von der Ab acht einer Düpierung Lichtenbergs sich habe leiten lassen. Schließlich wurde dem Antrag« entsptochsn. Obwohl bereits eine frühere Magistratsvorlage, die eine Benennung des Realgymnasiums in Lichtenberg als Scharnhorst-Gymnasium verlangte, zurückgewiesen worden war, unterbreitete der Magistrat dieselbe Vorlage erneut der Versammlung. Herr Bernhardt begründete die Vorlage mit dem Hinweis auf die soldatischen Eigenschaften Scharnhorsts. Dafür inkliniere die Jugend auch viel mehr als für bürgerliche Tugenden; jeder Schüler kenne die hervorragenden Soldaten, viel wenig« aber Wissenschaftler oder sonstige berühmte Männer. Diese unvorsichtigen Bemerkungen gaben dem Genossen Grauer Anlaß, dem Herrn zu sagen, daß er ganz ungewollt die Früchte der herrschenden Erziehungsmethode glossiert habe. Es würden ja keine Bürger, sondern Byzantiner erzogen. Herr Bokofzer gab seinem Mißsallen Ausdruck, daß d« Magistrat sich erlaube, den Stadtverordneten eine zurückgewiesene Vorlage unverändert wieder vorzulegen. Darauf hörte er von unserer Seite, daß die bürgerlichen Stadwerordneten sich solche Mißachhtng schon in sehr vielen Fällen widerspruchslos hätten ge- fallen lassen müssen. Man habe den Mogistrat, den man verdiene! Tie Genehmigung von Vertrögen mit der Stadt Berlin wurden widerspruchslos genehmigt. Bei der Beschlußfassung über einen Antrag auf anderweitige Verwendung von Anieihemitteln glaubt« Herr Kalischer, er könne sich nun für die an dem Rummelsburger Ii' Etat geübte Kritik revanchi«en. Es kam dabei zu Auseinander- fetzungen, bei welcher Gelegenheit der zweite Ordnungsruf im Lichtenberger Parlament erteilt wurde— an Herrn Kalischer. Die Aufnahm« eines Zwischendarlehens, in der Hauptsache zwecks Durchführung der notwendig gewordenen Erweiterungsbauten bei den städtischen Werken, fand Zustimmung. Prämiierung von Feuer- Wehrleuten war der nächste Punkt der Tagesordnung. Genosse -B-enh l forderte bei dieser Gelegenheit«neni di? Reorganisierung der Feuerwehr u»id widersprach dem Antrage des Magistrats, der für eine zehnjährige Tätigkeit die horrend« Prämie von 30 M. verlangte. Brühl beantragte statt dessen, die Entlohnung für eine Stunde Branidhilfe von 75 Pf. auf 1 M. zu erhöhen und für Wachen von 50 Pf. auf 75 Pf. Diese Anträge wurden abgelehnt, dagegen der Prämiierungsantrag angenommen. Nachdem Genosse Ritter sich sehr wirkungsvoll für die Anlage eines Spielplatzes zwischen Prinz-Albert-Straße und Schlicht-Allee eingesetzt hatte, wurde ein entsprechender Antrag angenommen. Angenommen wunde auch ein Antrag betreffend Abänderung der Pensionsbestim- mungen der städtischen Arbeiter. Nach der Aenderung wird das Ruhegehalt der Pensionäre nach zehnjähriger Dienstzeit von u/m auf M/to des Einkommens erhöht, ferner die Witwenrente von SIL auf 300 M. mindestens jährlich. Mariendorf. Die letzte Gemeindevertretcrfitzung vollzog zunächst die Neulvahl eines unbesoldeten Schössen. Unsere Genossen vereinigten bei der Hauptwahl ihre Stimmen auf den Genossen Reichardt, bei der Stichwahl gaben sie weiße Zettel ab. Gewählt wurde ein Herr von Hühneseld, Südende.— Hierauf beschäftigte sich die Sitzung nochmals eingehend mit der Errichtung der Obersekunda am hiesigen Reformrealgymnasium. Ursprünglich war geplant, diele Obersekunda schon im April 1013 einzurichten. Vom Provinzialschulkolleginm sind jedoch große Bedenken gegen die Errichtung geltend> gemacht, die dann nochmals zu ein« genauen Prüfung der wirMchen Sachlage führten. Da zunächst überhaupt nur drei Schüler in Betracht kamen, hatte man die Errichtung der Obersekunda nur deswegen in Er- wögung gezogen, um dadurch einen besseren Schülerzuwachs, an dem das Gymnasium so krankt, zu«zielen. Die nähere Prüfung ergab nun, daß gar nur zwei Schüler für das Jahr in Betracht kommen; auf Grundlage genauer Berectmung steht sogar fest, daß die Obersekunda in einem der nächsten Jahre schon gar keinen Schüler aufweist. Aus all den Gründen empfahl die Kommission die prinzipielle Geneigt- heit für die Errichtung der Obersekunda beizubehalten, jedoch mit der Ernchtung erst frühestens im nächsten Jahre in die Tat zu bringen. Genosse Weber stimmte im Namen unserer Genossen dem Beichluß zu, bedauerte aber, daß die in Frage Rommenden Schüler erst noch einen anderen Ort zur vollständigen Absokdierung des Gymnasiums aufsuchen müssen, das natürlich niemals werdend für die Schule sein könne, und im übrigen werde die Gemeinde noch lange unter den hohen Kosten zu leiden haben. Genosse Reichardt verlangte, daß dem Kuratorium ausgegeben werden müsse, so schnell wie möglich die Frage zu prüfen, warum Mariendorfer und Südender Einwohner trotz des hiesigen Gymnasiums ihre Kinder in auswärtige Schulen schicken. Die Gründe müssen tiefer liegen. Nach der aus dem Orts- teil Südende vorliegenden Statistik besuchen von 140 Schülern nur 90 das Mariendorfer Gymnasium. Der weile Weg könne nicht matzgebend sein, dem» nach auswärtigen Schulen sei der Weg ebenfalls so weit. Der Gemeindevorsteher stimmte der Untersuchung zu; auch soll im Ortsteil Mariendorf eine genaue Statistik der in Betracht kommenden Schülerzahl aus- gemacht werden.— Sodann lag der Antrag des GeflügelzuchivereinS Mariendorf und Umgegend um Bewilligung eines Ehrenpreises vor. Die Begründung des Gemeindevorstehers und der bürgerlichen Herren war eigenartig. Solche Bestrebungen, so betonten die Herren, seien wohl zu unterstützen, da sie gerade jetzt in der Zeit der Teuerung, die Kreise der Unbemittelten durch billiges Fleisch unterstützen. Unseren Genossen fiel eS nicht schwer, diese Argumente zu wider- legen und nachzuweisen, daß solche Vereine mehr sportlicher Art und mehr dazu angetan sind prächtige Exemplare zu züchten, aber durch die jahrelange Tätigkeit noch nicht ein einziges Stück billiges Fleisch auf den Markt gebracht haben. Mit knapper Mehrheit wurde der Antrag abgelehnt.— Sodann machte der Gemeinde- Vorsteher Mitteilung über die gepflogenen Verhandlungen bezüglich des Straßenbahnbaues Bahnhof Südende— Mariendorf Kaiserstraße. Als vor drei Jahren der Bau beschlossen wurde, akzeptierte die Ver- tretung die von unseren Genossen gemachte Anregung, die Straßen- bahnschienen in Rasenstreijen anzulegen. Der alte Gemeindevorsteher hatte eS unterlassen, den Antrag durchzuführen._ Nachdem die Arbeiten begonnen, erkannte der Gemeindevorsteher, daß dem nicht Rechnung getragen war. AuS den jetzt gepflogenen Unterhandlungen mit dem Kreisbaumeister geht hervor, daß die zu vollziehende Umänderung bedeutende Kosten verursachen würde, da das gesamte Material schon angefahren sei. Um nun vor allem die dringende Verkehrs- nolwendißkeit nicht länger hinauszuschieben, muß zunächst auf die Rasenstreifen verzichtet werden. Ober-Tchöneweide. Die öffentliche Lesehalle der Gemeinde wird einem Beschluß der Bibliothekkommission zusolge hinfort Montag, Mittwoch und Freitag abends von 7—0 Uhr geöffnet sein. Der Besuch der Lesehalle, in welcher alle maßgebenden politischen Zeitungen sowie eine reiche Auswahl von Zeitschriften aus allen Gebieten ausliegen, trägt dem Lesebedürfnis der Einwohner in weitestem Maße Rechnung. Staat, Kirche und Arbeiterjugend war das Thema einer am Dienstag im„Wilhelminenhos* stattgefundenen öffentlichen Versammlung, über das Genosse Dr. Breitscheid referierte. In ausgezeichneter Weise zeigte der Referent, wie in Preußen-Deutsch- land der Staatsbürger auf seinem ganzen Lebensgange, sei es in der Schule, in der Fabrik, ja sogar im Kriegerverein von den frei- heitSserndlichen Bestrebungen einer Handvoll Menschen geleitet wird, denen-zufällig die Regierung über ihre Mitmenschen m die- Hände gegeben sei. Tressend und von großem Beifall unterbrochen waren seine Ausführungen über das Wesen der heutigen Schule, der Kirche mit ihren kulturfeindlichen Zielen. Die behördliche Jugendfürsorge wurde durch die AuSsührungeu des Referenten trefflich ironisiert. Der Erfolg war, daß sich sofort über 50 Personen als Mitglieder des Vereins Jugendheim aufnehmen ließen. In der äußerst stark besuchten Versammlung waren auch einige Gegner anwesend, die aber bald von bannen zogen. Hierauf war es nur einem Kriegervereinler vorbehalten, in recht ungeschickler Weise über Terrorismns zu klagen und der schönen Dienstzeit, die ihm den Kriegerverein so lieb mache, zu gedenken. Vom Referenten' bekam der Bemitleidenswerte den Rat, sich noch recht viel umzu- schanen im Leben, um zur Einsicht zu gelangen, daß sein Platz allein bei seinen kämpfenden Arbeitsbrüdern sei. Eine Familienpartie veranstaltet der Turnverein Oberspree(Dt. d. A.-T.-B.) morgen Sonntag, den 13. Oktober, nach Ahrensfelde, Lokal Schneider am Ostfriedhof. Abfahrt der Alten Herrenriege 6 Uhr 40 Min. von Nieder-Schöneweide bis Schlesischen Bahnhof, dann bis Hoppegarten, von hier aus eine 14 Kilomek« lange Wan- derung. Abmarsch der Frauenabteilung tfaS Uhr von Rabe, der Jugenhabteilung mit Tambourchor'/,7 Uhr von Rabe. Für Nach- zügler'/ß Uhr ab Markiplay mit der Elektrischen bis Friedrichs- selve. Abfahrt Bahnhof Lichtenberg-Friedrichsfelde 2 Uhr 42 Min. Parteigenossen und Genossinnen sowie Jugendliche sind willkommen. Rückfahrt 0 Uhr 27 Min. Grüna«. Die Gemeindevertretung genehmigte nach ein« kleinen Aenderung den zwischen den Gemeinden Alt-Glienicke und Grünau abgeschlossenen Entwurf einer Grenzregulierung. Danach bildet die Bordkante des Bürgersterges vom Bahnhof bis Güterbahnhof einschließlich' der Beamtenhäuser die neue Grenze. Die Kosten der Pflasterung des Straßendammes tragen beide Gemeinden zur Hälfte. Die Instand- Haltung der Straße übernimmt Alt-Glienicke. Das Gastschulgeld für die Kinder des Gutsbezirks Grünau-Dabme wurde in_ der vollen Höhe der tatsächlichen Kosten aus 83 Mark festgesetzt, mit der Maßgabe, daß alljährlich bei der Etatberatung der Betrag anders nominiert werden kann. Für die Pachtung des Turnsaales, der jetzt noch in Privalhänden ist, wurden vom Besitzer statt bisher 225 M. jetzt 300 M. ausichießlich Heizung und Reinigung gefordert. Da die Gemeinde sich in einer Zwangslage befindet, wurden die Mittel bewilligt. Unser Genosse wies aus das Unhalt- bare de-Z jetzigen Zustandes hin und vertrat den Standpunkt, daß e-Z endlich an der Zeit wäre, eine eigene Halle auf dem Schul« grundstück zu erbauen, und die Mittel hierzu bereits in den nächsten Etat einzustellen. Da der Ort jetzt über 4000 Einwohner zählt, und die Bureauarbeilen sich bedeutend gemehrt haben, wurden die Kosten für einen weiteren ständigen Bureaugehrlfen einstimmig bewilligt. Weihensee. Dicnftrnttassung des besvldeten Schöffen Dr. Pape. DaS Ober- verwaltungsgerichl hat am 8. Oktober das Urteil des Kreisausschusies auf Dienstentlassung bestätigt, so daß nunmehr dieser Streit, der sei: länger als sieben Jahren dauerte, sein Ende erreicht hat. Zwei- mal schwebte gegen Dr. Pape das Disziplinarverfahren auf Dienst- entlassung. Das erstemal endete dasselbe mit der Bestrafung der höchstzulässigen Geldstrafe, einem Monatsgehalt. Der Verurteilte trat seinen Dienst wieder an, begann ober gleich wieder seine frühere Tätigkeit' gegen die Gemeindeverwaltung in Zeitungen usw. zu Hetzen, so daß erneut ein Antrag ans Dienstentlassung gestellt wurde. Demselben ist durch das jetzige Urteil entsprochen worden., Eine Kundgebung der.Freien Vereinigung für die soziale Ver« sicherung der Privatangestellten' fand am Donnerstagabend bei Frentz statt. Die dichtbesetzte Versammlung nahm einen glänzenden Ver- louf. Kollege Falkenstein vom Zentralverband der Handlungsgehilfen referierte über.die Bertrauensmännerwahlen zur Privatbeamlen- Versicherung im Kreise Niederbarnim". Redner gab zunächst einen kurzen Ueberblick über die wichtigsten Bestimmungen des Gesetzes und ging dann zu den Sünden des»Hauvtausschüsses' über. Die Diskussion bewegte sich im Sinne des Referats. ES sprachen vom Bund lechnisch-industrieller Beamten Ingenieur Stuertz, vom Zentral- verband Cherlinski und Neumann, vom Verein der Deutschen Kauf- leuie die Herren Kielblock und Felz. Herr Nickel vom Werkmeister- verband, Gruppe Weißensee, gab die Erklärung ab, daß seine Kollegen nicht fiir den Hauptausschuß, sondern für die.Freie Vereinigung" stimmen werden, was allgemeine Genugtuung hervorrief. Hierauf gelangle eine Resolution zur einstimmigen Annahme, deren Wortlaut wir dieser Tage bereits an anderer Stelle wiedergegeben haben. Tempelihof. Ihr 15. Stiftungsfest� feiert am heutigen Sonnabend im Wilhelmsgarten die Freie Sängerschaft. Mit Rücksicht daraus, daß der Ileber'schuß des Festes dem Verein Jugendheim zugute tomml und daß der Verein bei Parteifestlichkeileu gern mitwirtt, werden die Genossen um rege Beteiligung ersucht. BillettS mit Programm 30 Pf. Alt-Glienicke. Ju der letzten Mitgliederversammlung deS WahlvereinZ erstattete Genosse T h u r o w den Bericht vom Parteitag. Von den Disluifions- rednern wurde das vom Parteitag genehmigie Stichwahlabtommeu mit den Fortschrittlern gutgeheißen und der Ausschluß Hildebrands aus der Partei als gerechtfertigt angesehen. Genosse llhlig machle die Mitteilung, daß die Behörde den Turnverein Freie Turner schaft als polttisch stempeln möchte; es sei Sache der Arbeiterschaft, sich mehr wie bisher um die Jugend zu kümmern. Den Bericht der Gemeindevertreier gab Genosse Winkelmann. Die Genossen Wilhelm Dürre und Uhlig forderten, daß unsere Gemeindevertreler im Ge- meindeparlament auf den Ankauf von billigen Kartoffeln drängen, und zwecks Verkaufs billigen Fleisches die Gemeinde anregen möchten. mit anderen Gemeinden Fühlung zu suchen. Zum Besuch des Lehr- kursuS für die Frauenleseabende ist die Genossin Frau Marie Ehrich ausersehen. Die Bibliothek ist Sonntags von 11— IL Uhr bei Ritze geöffnet._ Sitzungstage von Stadt- nnd Gemeindevertretungen. Neuköltn: Montag, den 14. Oktober, nachmittags S Uhr. im großen Sitzungssaal des RatbauseS, Berliner Str. KL: Außerordentliche Sitzung. Zur Verhandlung stehen u. a.: Bewilligung von Wlticln zur Be- kämpsung der Lebensmiltelteuerung: Erhöhung der Lohnbezüge der Be- dienslcten deS ftätlijchen OmnibusdctricbeS; Antrag auf Revision der Lodn- beziige der Schafiner und Kutscher des städlischeii Omnibusbetttebcs; Beschlittzsasluiig über die gegen die Stadtverordneten- Wählerliste 1312 erhobenen Einwendungen. Grüna«: Mittwoch, den IS. Oktober: Außerordentliche Sitzung, in welcher der Vertrag mit dem ForstsistuS bezüglich deS ncucingemeindeten Terrains beraten werden soll. TIcte Sitzungen find»sfcnttich. Jktzer mlnnlichc SemrindeanzchSrige ist»crcitztlgi, Ihnen als ZnhSrer»eiznwohne». niiiiiiiiiiiiüiüii' Iliillllllllllllill; Zur Aufklärung!!! Es gibt verschiedene Firmen, welche das Verkaufssystem Selbstkostenpreis+ IDpCt. oder ähnlich eingeführt haben. Preisberechnung, Geschäftsführung, U mithin auch Leistungsfähigkeit dürften jedoch verschieden sein. Die H. K. G. nimmt unter diesen Firmen jedoch eine Sonderstellung ein, weil sie einen Teil ihrer Waren ip eigenen Kleiderwerken selbst herstellt und auch die selbst fabrizierten Waren ohne Zwischenhandel direkt an Private zum Selbstkostenpreis+ 10 pCt Umsatzprovisäon abgibt. Zur Beurteilung unserer Leistungsfähigkeit ist diese Tatsache von großer Wichtigkeit. Wer seinen Bedarf an Herren-, jdnglings-, Knaben- und Sportbekleidung jeder Art, ob fertig oder nach Maß, bei der H. K. Q. deckt, erzielt erhebliche Ersparnisse. Herren- Kleider-Vertriebs- Ges. Nene SMm Str.], Ecke Welomelstcr- ul Mlnstruse. Sonntags geöSnet 12—2 ühr.. Anfertigung nach Mass in eigenen Ateliers. Turaistrflsse Jl Moabit, Tls-i-vls der Ensdeaer Slrawe. mummmmmmmmm MVorwärts"xLeser erhalten 10% Rabatt."MU Kaufen Sie von Kavalieren getrag. 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VüSWMMSÖaCIIs ASAM VmnIs AMNMJf ÜA A Oelbatkosianprela: 8.50 Selbatkoitenpral«: 4.05 Selbatkoatenprel«: 7.50 Selbstkoatenpreis: 10.80 nerrensioitnosen— nnuDBnDlIZUSB Verkaufspreis: 2.75 Verkaufspreis: 4.67 Verkaufspreis: 8.Z5 Verkomsprels: 11.55 UaHWAM VtstlA�Afs ÜNfsiiA A Selbgtkostenprel«: IS— Selbetkoitenprei»; gg.— Selb«tkostenpreis: 30.— Selbstkostenpreis: 39.— nBrren■ UlSier- PHieiOIS- unzugg Verkaufspreis: 19.60 Verkaufspreis: 27.56 Verkaufspreis: 2Z.- Verkaufspreis: 42Ä Deutschs BsKIsIdungsgsssIIsciisft mM Chausseestr. 27 w i«v.iiden»tr) Grosse Frankfurter Str. 4(Ecke».eftr) Turmstr. nur Nr. LT(nebe» Kleine« Tiergarten) Wir bitten in der Turmstrasse auf Mr. 80 zu achten und uns nicht mit einem ähnlichen erst Kürzlich in derselben Strasse eröffneten Geschäft zu verwechseln. I. Ziehung 4. KI. I. Preuss.-Süddeutsche (227 Königlich Preuss.J Klassen-Lotterie Ziehung.om 11. Oktober ISli Tormrtug.. Auf Jede(«orame ü.naer.Ind.wet gleleh hohe Ii». Win., getsllc.,«hd.vor Je el.et auf die Ix>,» (loiehor.Vouner In den beiden Abteilanren 1 nnd II Hut die Gewioue über 192 Mark sind den betreffenden Kümmern in Klnrnmern beigtliigt. (Ohne Gewähr.)(Kachdruck verboten.) 440 664 726 1147 200 833 423 631«3, 2J18 I6U01 JO 239 324(400) 677 638 S3 702 906 3116 264 337 679 602 31 4606(400) 784 87 800 8427 627 845 e.:l 178 96 46. 661 627 747 859 91 7037 630 36 8065 118 61 623[400] 686 716 9420 647 10065 177 300 606 16 ll086 490 739 807 934 60 12208 33 349(400) 400 617 919 1 3132 60 219 670 861 14266 428 1 8013 104 61 307 440 560 632 1 8220 410 619 60 747 823 73 17404 671 678 769 925 18243 92 810 1 9330 34 36 435[400 1 686 702 847 08 20023 76 687 21107 43 204 926 2 2018 38 243 331 99 542 663 962 72 05 2 3067 150[60000] 62 807 2 4028 204 76 448«98 816 2 5492 789 2 6027 420 47 643 2 7 008 616 961 28062 200 3(600) 360 420 91 773 881 29061 30046 251 330 732 41 883 962 SO 31164 284 70 833 90 682 830 980 3 2081 90 343 628 82 729 824 900 3 3002 214 631 35 75 3 4248 332 537 68 842 35022 617 64 678 703 953 3 6088 168 253 365 403 550[1000] 770 37133 84 335 518 908 84 3 8244 61 454 65 906 38017 292 384 407 87 828 63 40002 64 618 759 41173 230 392 668 643 71 818 929 97 42139 811«4 838[400] 774 806 906 4 3269 82 498 627 42 790 976 4 4311 92 435 512 911 05 45109 54 361 424(öuuj 27 5 63[500] 742 803 4 8424 635 934 47399[400] 875 656 722 821[500] 48100 407 73 804 11 77(400] 83 876 4 9256 416 41 02 056 50026 308 817 23 5 1 235 41 60 456 71 52063 98 128 638 5 3215 308 478 600 601 735 963 8-4 437 4�, 865 5 3005 237 99 596 709 12 812 83 987 5 6904 57103 89 659 790 888 5 8023 118 205 371 616 807 968 5 9068 73 105 8 389 610 28 811 60173 300 31(60001 702 903 78 8 1 295 727 48 977 6 2708 12(600! 63044 139 675 696»38 71 «4047 357 597 676 82 729 91[1000] 880 6 5044 128 274[500] 487 829 63 6 8097 287 376(400] 423 80 600 741 850 961 87075 98 285 346 480 769 84 88186 296 315 801 72 776(400] 69074 124 280 444 681 632 46 70077 287 488 502 609 730[4001 878 94[400] 919 71620 7f. 830 909 7�057 14001»32[499] 70 75 7 3420 601 74175 653 7 5276 82 811 47 822 907 29 7 6492 502 689 766 953 53 7 7139 333 59 629 780 972 on430 02 622 764 875 86 984 79179 327 964 ..»0806 837 908 81 205 63 480 649 72 73 716 935 62 83123 700 88 930 8 3041 48 82 508 92 929 8 4068 lfbOl 177 279 300 492 886 83 713 48 822 C8 85289 $36 60 88216 86 92 331 42 414 94 656 667 75 703 802 SS.9!?«®7271 360 409 024 968 8 8299 632 47 66 714 927. 89156 67 247 479 748 838 9O017 63 141 400 4 618 63 83 733 36 98 867 «1050 151 462 692 93 9 2058 495 613 752 832 9 3022 '1 114 283 586(100000) 66» 741(500) 04044 178 SS 352 616 95084 113 44 83 389 430 SSO 932 08045 457 601 7# 80[400] 869 93 97194 283[400) 670 bal 98300 399 748 88 100076[4001 248 765 855 71 907 101 007 05 456 605 705 70 1 02104 76 95 313 900[400] 7 13 64 103026 95 144 474 814 75 1 04110 513 639 105054 317 65 574 618 106233 368 474 669 706 46 847 OOS 22 10 7001 124 651(1000) 65 707 824 078 108027 122 490 1 09160 209 630 32 718 978 110122 53 377 466 859 84 726 111074 187 324 572(400] 112022 402 727 852 68 113007 60 498 855 62 114262 401 54 959 79 115090 142 264 634 41 980 118156 308 630 836 983 117189«35 400 50[400] 118040 51 435 691 787 005 118071 381 83 95 463 525 63 68 731 40 120221 09 304 21 423 618 75[4001 800 28 984 121186 304 403 58 600[500] 35 704 851 949 97 122190 92 898 1 23136 833 980 1 24185 443 66 694 824 90 1 25482 681 694[4001 128081 315 436 80 127004 7 208 446 613 800 1 28061 134 314 441 71 523 610 62 998 129106 215 647 995 130170 772 1 3 1 298 853 677 024 63 93 132154 265 60 369 485 676 96[400] 927 47 1 33083 127 278 623 695 777 1 34103 265 474 551 927 1 35114 60 314 568 003 64 188265 552 677 802 58»44(500) 137345 453 66 677 1 38030 17« 478 82 619[500] 913 139060 171 206 73 461 56 555 821 66 963 140465 81 691 915 37 63 1 41161 233 580 612 765 976 95 1 42085 402 610 26 991 143072 359 442 823 35 033 1 44110 657 646 85 713 944 1 45052 305 527 37[400] 727[1000] 95 977 148313 88 599 892 723 13000] 817 22[400] 98 925 71 147 228 382 728 887 148103 378 543 736 BIO 149341 439 669 700 150136[400] 213 18 406 161397 472 502[400] 779 162040 118 210 878 812[1000] 163172 600 154G21 373 671 771 922 165220(600) 322 61 156157 81 316 451 75 1 37138[400] 96 976 1 68326 421„«11 23 779 078 989 1 69018(400] 465 63 860 64 ,180039[1000) 323 70 617 02 941[400) 65 82 18 1 256 528 688 813 1 62 046 109 286 869 78 783 103072 07 164 434 44 681 882 725 49 80 81(1000) ,.„ 201 l400' 321«3 828 54 832 77 83 930 165159 vi 711 027 1 68195 239 338 1 67080 Ol 12» 298 335 r,,B,0.0® 65 129 39 378 88 98 492 626 1 6 9041 85 92 171(400J 206 948 IJaRBt?1,3*»™.5?3 979 771141 201 35 752 948 80 17*n?e 773091 194 174046 104 308 449 72 601 74 1400, 5?, Sl 571 J7 6092 287 684 901 177101 179m 421 91 17 8084 122 029 78 799 800 059 827"*? 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Ziehung 4. Kl. I. Preuss.-Siiddeutsche (227 Königlich Preuss.) Klassen-Lotterie Ziehonz vom 11. Oktober 1011 naebmlttags. Aaf jade saietana Vianiar lind iwal gleich hohe 6a. wlnna gesellen, nnd«war Ja ataer aas die Laie giulebar.laminar in San beiden Abteilnngan 1 nnd 11 Kur die Gewinne Uber 192 Mark sind den betreuenden Kummers in Klammern balgelUgt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 114»49 1337 83 447 96 778 2440 82 649 719 8013 237 96(600) 436 516 690 709 876 903 4290 02 741 5321 61 441 012 42 946 8064 149 339 616 670 SS 7165 82 398 863 8471 868 8038 155 602 34 940 1O083 477 884 11360 1 2005 145 640 67 723 13079 24« 619 827 39 14062 131 63 63 378 870[400) 15257 392 SO 585 806 63 18068 425 33 648 764 92 913 59 1 7060 133 279 811 18068 118 371 424 774 18033[400] 168 41» 612 70 714 2O012 374 537 88 76/ 22118 595 684 709 810 2431 [400) 13»?> 797 21815 18 774 _.____ 3 2 3226 841 008 24361 768 887 2 5201 19 446 563 801 26058 74 09 137 486 690 27097 321 31 331 39 676 94 673 939 28091 373 657 901 23530 896 30142 218 89 316 89 429 679 699 841 31133 49 218 526 639 3 2022 152 73 355 746 64 56 33131[1000] 611 846 24233 380 43» 85271 385 536 48 79 619 61 83 016 36191 518 898 958[500! 37470 874 38179(1000) 233 90 631 860 723 87 88 020 49 68 72 39032 67 206 39 663 66 670 817 40180 04 405 674 41200 326 432 544 1400] 688 744[400] 619 979 42154 72 343 420 986 43161 249 329 415 83 4 4370 47» 645 840 45077 138 317 641 48034 116 48 237[4001 327 528 MO 809 22 47 248 422 802 48142 222 882 660 306 910 4 9267 486 785 1500) 877 946.. 50291 377 91 640 799 096 51140 208 436 5 2338 884 530,9 208 360 80 618 609 748 886 994 5 4061 129[500] 34 328 410 631 02» 88066 606 5 6051 347 68 80 493 536 8 7 022 367 7 0 452 593 681 5 8022 569 [400] 651 840 7 8 5 9078 291 521 685 789 60049 184 390 93 657 6 1 021 162 Sil 66 802 62079 118 468 675 802 903 9 3007 253 598 I500l 785 872 07 085 64182 303 43[3000] 609(400} 739 93 65263 606 65 666 86 700 8 871 6f � � Hl■_______ 36033 433[400] 628 53 611 780 349 63 67063 71 143 83 522 075 766[400] 68001 233[400] 380 774 03 967 6 9305 602 38 676 7*002 195 766 842 81 7 1068 294 819 45 687 794 ISOUO, 813 72123 22» 413 819 4» 73077 86 123 319 45 413 630 66 617 738 843 7 4071 180 387 706 7 5405 626 970 7 8U7 283 386[400] 799 813 68 7 7044 248 498 882 7 6047 230 894 769 983 7 9167 231 54[30001 832 71 919 29 80087 370 440(4001 677»1040 992 310 788 816 82403 643 814 61 83071 89 186 690 6C8 820 84118 469[400] 646 68 620 14001 74 80 781 85 039 899 005 86073 183 335 604 683 8 7 064 420 582 623 88135 2äS 86 362 472 820»28 89424 511 47 692 90034 131 95 218 671 804 91101 217 491 645 «2418 538 828 9 3023 230 363»8 480 568 623 74 76 968 94185 313 17 31 82 406 14 690 600 69 736 [400] 47 628 69 95137 393[400] 813 614 00011 [600] 292[400] 335 610[500] 95 675 8? 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Der Regierungspräsident von Pommern hatte im Hinblick aus§ 41b der Gewerbeordnung angeordnet, daß in Stettin an den zweiten Feiertagen der großen Feste Barbier-, Friseur- und Perückenmacherbctriebe von 10 Uhr vormittags daß der Regierungspräsident mit der Fassung:.für den geschäftlichen Verkehr schließen" auch nur habe anordnen wollen, wozu ihn§ 41b der Gewerbeordnung berechtige Ein Betrieb habe nach 10 Uhr nicht stattfinden sollen. Es sei deni- nach falsch, wenn das Landgericht verurteilt habe, weil der Laden nicht geschlossen gewesen sei. Eine Verurteilung könnte nur ein- treten, wenn nach 10 Uhr noch ein Betrieb stattgefunden habe. >1 der Fall gewesen sei. müsse vom Landgericht noch näher festgestellt werden Haftet ein Bäckermeister für Verletzung eines Lehrlings an der Brotschneidemaschine? Ter Lehrvertrag ist ein Dienstvertrag im Sinne des Bürger- lichen Gesetzbuches. Es liegt hiernach dem Lehrherrn die Ver. pflichtung ob, die Borrichtungen und Gerätschaften, die er zur Verrichtung des Dienstes zu beschaffen hat, so einzurichten und zu unterhalten, daß der Lehrling gegen eine Gefahr für Leben und Gesundheit soweit als möglich geschützt ist(§ 618 des Bürgerlichen Gesetzbuches). Aus dieser Bestimmung folgt, daß jugend- lichen Personen ein Arbeiten an gefährlichen Maschinen nicht zu gestatten ist oder daß entsprechende Schutzvorrichtungen an solchen Maschinen anzubringen sind. Unter diesem Gesichtspunkte inter- «ssiert der nachstehende Rechtsstreit, den am Mittwoch das Reichs» gericht entschied: In einer westfälischen Industriestadt war fdcr 13 �jährige Kläger bei dem betagten Bäckermeister als Lehrling tätig. Er verletzte sich eines Tages bcini Bedienen der Brotschneidemaschine in der Weise, daß ihm der Daumen der linken Hand abgeschnitten wurde. Die Maschine war mit einer Abdeckung nicht versehen, so daß man bei unvorsichtiger Hantierung mit dem Finger in das Messer geraten konnkr. Der Kläger verlangt von seinem Lehrherrn Schadenersatz, indem er geltend macht: die Bedienung einer so gefährlichen Maschine habe einem 13jährigen Jungen nicht ohne Aufsicht übertragen werde» dürfen. In Uebercinstimmung mit dem Landgericht hat das Ober- landcsgcricht Hamm die Klagt abgewiesen. Zur Begründung sagt das Oberlandesgericht: Die fragliche Dlaschinc ist eine einfache Brotschneidemaschine, die im wesentlichen nicht anders eingerichtet ist als die sonst im Haushalt üblichen Brotschneidemaschinen. Ihre Bedienung ist einfach und cwe Verletzung der Hand ausgeschlossen. wenn die nötige Sorgfalt bQ'lxichtct wird. Das mußte auch der Kläger erkennen; er hat sich die Verletzung infolge eigener Un- Vorsichtigkeit zugefügt. Die vom Kläger eingelegte Revision führte aus, daß es un- zulässig sei. solche unverdeckte gefährliche Maschine von so jugend- lichen Personen bedienen zu lassen, noch dazu ohne Aufsicht. Das Reichsgericht hielt die Revision für begründet; es hat das Be- rufungsurteil aufgehoben und die Sache zur anderwciten Verhandlung und Entscheidung au das OberlanHcSgericht zurückverwiesen. (Aktenzeichen: III, 13/12.) Hus der Frauenbewegung. Vom Bankrott der bürgerlichen Frauenbew.cgung. Von unterrichteter Seite erhalten wir folgend.e Zuschrift: „Die Weimarer Beiratssitzung des deutschen V e r b a n des für F r a u e n st i m m r c ch t hat diesen gesprengt. Frau Cauer, Fräulein Lüders, Frau Breitscheid, Frau Lcby Essen. Frau Hammerschlag-Frauksurt a. M., Frau Müller Oest<'rreich, «Fräulein Elberskirchen-Bonn und andere Frauenrechtlerinnen demokratischer Richtung sind bereits ausgeschieden. Eine ganze Reihe anderer sind im Begriff zu folgen. Warum? Weil die reaktionäre Richtung gesiegt hat. Mit 16 zu 11 Stimmen ist der bisherige Z 3 gestrichen. Nicht mehr das allgemeine, gleiche, geheime, direkte Wahl- recht verlangt der Verbands nein, nur noch das gleiche. Für jeden Einsichtigen eine Absurdität. Denn gleich ohne geheim ist ein Unsinn. Aber das geheime Wahlrecht wurde ausdrücklich mit Stimmenmehrheit verworfen. Und die jetzige Fassung ist nur der Anfang neuer Taten, denn die Li�'chnewska und Genossinnen sind auch damit nicht zu- frieden, sondern verlangen gleiche Rechte für Mann und Frau, vor allem das Dreiklassen Wahlrecht für die Frau. Und sie werden siegen, wenn im nächsten Jahre die Generalversammlung des demolierten Verbandes über den § 3 berät. Denn beim Weimarer Umfall handelt- es sich nur um Vorschläge für die Generalversammlung. Ehr- geizige Pscudodcinokratinnen bleiben deshalb im deutschen Verbände, um im nächsten Jahre � zu siegen, das heißt sich gern im reaktionären Sinne überstimmen zu lassen. Tie chrlichcu Demokraten aber gehen mit der ältesten und tapfersten Vorkämpferin, Frau'Minna Eauer, denn jede Iveitcre Arbeit in diesem reaktionären Kreise der Frauen der oberen Klassen ist weggeworfen. Wa§ bleibt, sind die tapferen Volkspartcilerinncn um die kolonial-, flotten- und zollbegeistcrtc Hakatistin Marie Lischnewska. Sie haben eben in Mannheim(auf der Tagung der Fortschrittlichen Volkspartei) eine gewaltige Abfuhr bezogen. Aber sie werden sich zu trösten wissen: Sic haben gleichzeitig in Weimar dem demokratischen Zuge in der bürger- lichen Frauenbewegung ein Ende gemacht. Und diese Be- wegung zum gemäßigten Liberalismus von Bildung und Besitz ist iveit wichtiger als die Erkämpfung von Programm- punkten, die beim Fortschritt doch nur p a p i c r n c n Wert hätten." Tic Scheidung innerhalb der bürgerlichen Frauen- bewegung, deren„Einheit" auf dem letzten Kongreß wieder nur in fadester Neutralität und Schwächlichkeit zutage trat, ist damit so gut wie gänzlich vollzogen. Alle Phrasen, daß „das Geschlcchtsbewußtscin der Frau Ideale erzeuge, deren einigende Kraft die verschiedenen Meinungen stets siegreich verbinden»verde", sind durch die Vorgänge innerhalb der Frauenbetvegung längst widerlegt. Die Tagungen der nationallibcralcn Frauen in Weiinar und der fortschrittlichen in Mannheim bewiesen von neuem, daß die Klassen- inslinkte stärker sind als das angeblich überall gleiche Geschlechtsbewnßtsein. Haben sich doch liberale Frauen von liberalen Männern in der Presse und auf dem Mannheimer Parteitag geradezu Fußtritte versetzen lassen— und doch harren sie in angeborener Demut und aus »vohlcmpfundenem Klasseninteresse auS. Vor nicht langer Zeit ist den proletarischen Frauen noch cinpfohlen»vordem sie sollten mit der bürgerlichen Frauenbewegung säuberlicher umgehen. Sollen Proletaricrinnen et»va Achtung vor den schwächliche»» Geistern empfinden, denen selbst entschiedene bürgerliche Frauen den Rücken kehren? Oder sollen sie gar den„Mut" der „frei"gesonnenen Frauen bewundern, die sich an der Spitze des Hauptblattes vom Cheftedakteur verhöhnen lassen, um einige Spalten weiter ihre Niederlage als Sieg zu feiern? Das Bürgertum hat im vergangenen Jahrhundert auS Furcht vor der Arbeiterklasse seine eigenen Interessen ver- raten und sich selbst entmannt. Die bürgerlichen Frauen geben heute in ähnlicher Weise ihre eigenen Forderungen auf und verlieren die»veibliche Scham gegenüber der umvürdigen Behandlung durch die Parteien, denen sie sich anschlössen. Nur ein paar Entwurzelte des Bürgertums träumen noch von der stolzen Gleichberechtigung aller Frauen. Die bewußten Vorkämpferinnen der vollen staatsbürgerlichen Gleichberechtigung sind jetzt mehr»vie je allein die proletarischen Frauen; ihre Zahl und ihre sozialistische Weltanschauung bürgt für den Steg. engfusdie und a/riedkcjuvjsdiB ITeubeit: A Neuheit: U Neuheit: C Neuheit: u Marengo-Jackctt-Anrug Cutaway- Anrug Marcngo-Jackctt-Aniug Neuheit Neuheit; F Neuheit; G Neuheit: H Die tonangebenden Moden und die besten Erzeugnisse liefern unsere Kleiden Werke. Jackett-Anzfise, 1-und Zrelhia Nr. 8 t. Englixh gemusterter Cheviot in Hrsun. pi„ Grau oder Oliv.......................*•' 31- Nr. 63. Brauner oder grauer Cheviot mit feinen OM„ Streifen........................... M- Nr. 54. Cheviot und Kammgarnart, gestreift und p 7 kariert, sehr elegantes Aussehen............' Nr. 55. Braun, oliv und grauer Cheviot mit feinen Of") xt Diagonalstreifen..................... Ol/ m, Nr. 5tt. Dunkel gemusterter Cheviot in bräunlichen QQ M und grauen Tonarten..................- Nr. 57. 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