Ur. 240. flbonnementS'BedlnganfiMi: Abonnements> Preis vränumerando: Pierteljährl. i',,3Q Mt, monaU. 1,10 Mb, wöchenllick 28 Pfg, frei WS HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- immmer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Veit" 10 Pfg. Post- slbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-geitunaS- Preisliste. Unter Kreuzband für nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, nien. Schweden und die Schweiz. Cldietot tiglld) anStr Olontaa«. 29. Jahrg. Die TnfertionS'Gebüftr beträgt für die fechSgespallenc Kolonel- »elle oder deren Raum«0 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versanimlungs-Anzeigen Zll Pfg. „Kleine Mnzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- itaben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nummer müssen bis » Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geö"'' net. Verlinev VolltSblclkk. �entralorgan der fozialdcniokrati fehen parte! Doitfcbtands. Telegramm-Adresie: „Sozir.ldsffiOHrat Berlin". Redaktion: 8Äl. 68, Ltndcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1883. Sonntag, den 13. Oktober 1912. Sxpedition: SM. 68, Ltndcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Lege» die verbrechen des Kapitalismus! Wieder einmal handelt es sich um die elementarsten Lebensinteressen des Volkes, und wiederum soll das Volk verhindert werden, selbst über seine Schicksale?>u entscheiden. Denn dem Gerücht, daß die Einberufung des Reichs- tags bevorstehe, ist schleunigst ein Dementi gefolgt. Wird man es wirklich wagen, das deutsche Volk noch länger dem Absolutismus der Regierungsbureaukratie und dem Terror des preußischen Junkertums preiszugeben? Wirtschaftlicher Druck ohnegleichen und politische Ge- fahren der schlimmsten Art bedräuen die Nation. Eine u n- erträgliche Lebens in ittelteuerung lastet aus den breitesten Schichten des Volkes. Nicht nur die Arbeiterklasse, sondern auch die Beamtenschaft und der Mittelstand wetteifern in empörten Protesten gegen die künstliche Fleisch- vertenerung. Die Regierung selbst, die solange die Fleisch- not zu leugnen wagte, hat. nun endlich die unerträgliche Höhe der Fleischpreise und die mangelnde Viehzufuhr ein- gestehen müssen. Aber das, was sie an Mitteln zur Linde- rung dieser Not zugestanden hat, ist so kläglich unzulänglich, daß es glicht einmal den sprichwörtlichen Tropfen auf den heißen Stein bedeutet. Alle Sachverständigen und alle Kom- munalvertretungen sind darüber nur einer Meinung. Ein- mütig fordert man die Aufhebung des*} 12 d es Fleischbeschaugesetzes und die Beseiti- gung der Fleischzölle, die allein zu helfen vermag. Aber Herr von B/thmann H 0 l l w e g scheint alle Proteste der Volksmässen, alle Beschlüsse der Städtevertre- tungen, alle Resolutionen der Beamtenorganisationen igno- rieren zu wollen, nur ängstlich darauf bedacht, es ja nicht mit den zornig aufbegehrenden Agrariern zu verderben. Demgegenüber ist die sofortige Einberufung des Reichstages völlig unabweisbar. Das ausgewucherte Volk' kaim auf'dies Recht um so' weniger verzichten, als die großagrarischen Interessenten des Fleisch- und Zollwuchers in der preußischen Duma jeder Linde- rung der Fleischnot den rücksichtslosesten Widerstand entgegen- setze» werden. Und � der preußische Landwirtschaftsminister von Schorleiner, der ja erklärt haben soll, daß er mit dem ß 12 des Fleischbeschaugesetzes stehe und falle, wird ihnen dabei die kräftigste Unterstützung leihen! Reichstag gegen Landtag, Volksvcrtre- tung gegen Junker- und Geldsackparlament muß die Parole sein! Aber das Volk kann sich nicht damit begnügen, durch das Parlament des gleichen Wahlrechts die Artion des Dreiklassenhauses zu durchkreuzen. Es gilt viel- mehr, der Gewalt- und Schreckensherrschaft des Junkertums in Preußen selbst ein. Ende zu machen! Nicht nur den so- fortigen Zusammentritt des Reichstags fordert das Volk, sondern auch die endliche gründliche Reform des preußischen Wahlrechts, die endliche E i n l ö s u n g d e s„feierlichen K ö n i g s w 0 r t e s"! Am 20. Oktober sind es vier Jahre, seitdem die Thronrede die Umgestaltung des preußischen Wahlrechts für„eine der wichtigsten Ausgaben der Gegen- wart" erklärt hat! Die preußische Wahlreform hat Wik- . Helm II. als seinen„Willen" bezeichnet. Die herrschenden Klassen Preußens haben diesem Willen des Königs höhnisch ihren Willen entgegengesetzt und die Wahlreform vereitelt. Die Minister aber haben sich dem Willen der herrschsüchtigen Privilegiertenkaste gebeugt und die Reform auf die Zeit der- tagen zu wollen erklärt, wo die Machthaber von Geldsacks- gnaden geruhen werden, sich dem Willen des Königs und dem Drängen des Volkes zu fügen. Will sich die Krone der Diktatur des Junkertums unterwerfen— das V 0 l k besteht auf seinem Recht! Denn ein Ende der Volksausplünderung und Volksverhöhnung ist erst dann zu erwarten, wenn die Feste der Reaktion, das preußische Dreiklassenwahlrccht, ge- ' Die Selbsterhaltung des Volkes, die nationale Ehre ge- bietet, daß die Massen sich endlich ihre Rechte erkämpfen. Bedroht doch zu allem anderen auch die cruente Kriegsgefahr die nackte Lebenshaltung der breitesten Volksschichten. Die Balkanwirren bringen nicht nur die Lcbensmittelzufuhr ins Stocken, sie schnüren auch das Absatzgebiet der Industrie ein, sie beschwören die Gefahr ejlner schweren Wirt schaftskrife herauf, deren Folge das unabjehbarfte Massenelend würde. Und mehr noch: die Unfähigkeit der europäischen Diplomatie, die die Balkanwirren kurziichtig und frivol ent- fesselt, kann auch die großen Weststaaten, kann auch Deutsch- land über Nacht in die kriegerischen Verwickelungen hinein- stürzen, wenn das Volk nicht aus dein Plan ist! � Am Sonntag, den 20. Oktober, veranstaltet das deutsche Proletariat große Protestkundgebungen. Die Sozialdemokratie Groß-Berlins sammelt sich wieder im Treptower Park, um ihren Willen eindrücklichst zu bekunden. Drei Forderungen sind es, die am 20. Oktober das Pro-, letariat erh-bt: Sofortige Einberilfiing bes Reichstags zur wirksamen Be- kampfung der Flcischnot! Sofortige Einführung des gleichen Wahlrechts für den prcußifchen Landtag! Strikteste Neutralität Teutschlands gegenüber allen kriege- rifchen Verwickelungen auf dem Balkan! verweigert stallen den frieden? Die ernsteste Nachricht, die heute angelangt ist, ist un- streitig die, die das Stocke nderFriedensverhand- I u n g e n zwischen der Türkei und Italien meldet. Daß die Schuld, wie die italienischen Lügner schwindeln, auf der Seite der Türkei liegen sollte, ist natürlich ausgeschlossen. Wenn Schwierigkeiten entstanden sind, so hat sie Italien ab- sichtlich geschaffen, um entweder größeren Raub ihi Afrika und im Aegäischen Meer einzuheimsen und nament- lich an Kriegsentschädigung zu sparen, oder um sich am KampfumdasErbederTürkeizube teilige n. Erinnert man sich, nicht nur daß der montenegrinische König der Schwiegervater des italienischen ist, sondern daß Italiens ganze Politik auf Eroberung der albanischen K ü ste gerichtet ist, so kann auch diese Annahme nicht als ausgeschlossen gelten,'und Italien würde zu dem Verbrechen des Tripolisraubes ein neues größeres hinzufügen. Denn wenn sich die Drohung, die die italienische Presse mit der- dächtiger Einmütigkeit heute ausstößt, verwirklichen, wenn Italien entgegen den Zusicherungen, die es zu Beginn des tripolitanischcn Raubzuges geben mußte, den„Todesstoß gegen die Türkei" führen wollte, so wäre das zugleich der Todesstoß für die ohnehin kaum vorhandenen Aussichten, den Krieg zu lokalisieren. Denn Italiens Festsetzung an der albanischen Küste würde dem österreichischen Imperialismus noch weit unerträglicher erscheinen als der Serben und Man- tenegriner Einfall in den Sandschak. Früher als man bis jetzt annehmen konnte, könnten dann die folgenschwersten Ereignisse eintreten. Und bei alledem ist dieser italienische Räubstaat der Verbündete Teutschlands und Oesterreichs, und da sage man noch, daß die Diplomatie und insbesondere die deutsche nicht Wunder zu wirken versteht! Wie ernst die Auffassung in Oesterreich geworden, wie scharf der Gegensatz zwischen der Donaumonarchie und Ruß- land ist, darüber sprechen wir an anderer Stelle. Der so lang verhehlte Ernst der Situation, dem wir von Anfang an Aus- druck gegeben haben, ist jetzt auch der Allgemeinheit zum Be- wußtsein gekommen, und als erste Folge der Entfesselung der Kriegsfurie, die die vereinigte europäische Diplomatie nicht verhüten konnte, weil sie es in Wirklichkeit gar nicht wollte, ist der völlige Zusammenbruch der Börsen. Sie alle erleben jetzt einen schwarzen Tag nach dem andern. An der Berliner Börse herrschte gestern wieder völlige Deroute, die Kurse sanken und sanken und die Groß- danken vermochten sie nicht zu stützen. Und sie wagten es auch nicht, denn auch sie sind nicht mehr sidjer, ob der Krieg noch lokolisiert werden kann. Und wie in Berlin, so in Paris und London. Was sich da in den letzten Tagen an den Börsen vollzogen hat, das ist eine ganz anständige Expropriation ge- wesen und vielen eine wohlverdiente Züchtigung für die Unterstützung, die sie und ihre Klassengenossen einer Politik angedeihen ließen, die jetzt zu dem ersten Zusammenbruch geführt hat. Unterdessen geht unten im Balkan das blutige Spiel weiter. In lzarten und opfervollen Kämpfen dringen die Montenegriner bis jetzt erfolgreich vor. Und in der kommen- den Woche beginnt dann der eigentliche Kampf. Der Kampf bei Podgoritza. London, 12. Oktober. Der Spezialkorrespondent des „Reuterschen Bureaus" meldet unter dem 10. Oktober, 4 Uhr 40 Minuten nachmittags aus Podgoritza: Am Mittag haben die M 0 n t e n e g r i u e r die türkische Befestigung R 0 g a m e in der Nähe der Stadt Tnzi genommen. Vom Schlacht- felde wurden viele Verwundete hierher gebracht; die Spitäler find überfüllt. London, 12. Oktober. Der Spezialkorrespondent des „Reuterschen Bureaus" meldet ferner ans Podgoritza unter dem 11. Oktober 9 Uhr 20 Minuten abends: Ucber 6000 Malissoren haben sich erhoben und kämpfen hinter dem Rücken der türkischen Armee. Einige hundert von ihnen find in Podgoritza eingezogen,«m Waffen zu ver- langen. Umzingelung Tuzis. Podgoritza, 12. Oktober. Die Stadt Tuz ist von den Montenegrinern heute nachmittag vollständig zerniert worden. Jede Berbindung der Stadt mit Skutari ist unterbrochen. Bisher haben die Montenegriner über 380 K iegsgefangene gemacht,»Ue nach Kiksic oeschafft wurde». Unter den Verletzten befinden sich viele Malissorrn und türkische Soldaten. Vom südlichen Kriegsschauplatz. Podgoritza, 12. Oktober. Der Spezialkorrespondent de« Reuterschen Bureaus meldet: Bon der südlichen Armee wird gemeldet, daß die Türken gestern abend von ihren Befestigungen aus einen Gegenangriff versuchten, der aber a b g'e s ch l a g r» wurde. Bei der Erstürmung der Position von Rogame fiel den Montenegrinern ein unbeschädigtes Kruppgeschütz mit Munition in die Hände. Bei der Erstürmung von Detschitsch am zweiten Tage des Krieges hatten die Montenegriner rund 400 Berwundrtk und 120 Tote. Ein türkischer Teilerfolg? Konstantinopel, 12. Oktober. Das Kriegsministerium gibt amtlich bekannt, daß die türkischen Truppen nach cr» bittertem Kampf den Hügel Zagzale, der von den Monte- negrinern besetzt worden war, wieder erobert haben. Bandenkämpfe. Saloniki, 12. Oktober. Eine starke bulgarischeBandc feuerte auf das türkische Detachement bei Karatcpe, wurde aber über die Grenze zurückgetrieben. Viele bulgarische Familien haben aus Furcht vor dem Kitege die an der Grenze gelegenen Dörfer verlassen und sind nach Bulgarien geflüchtet. Der Bandenführer Tschernopejcff befindet sich in der Gegend von Melnik und versucht auch dort die Bulgaren zur Erhebung aufzureizen. Das Volk verhält sich aber ruhig. Im Walde bei Krania hat gestern ein Kampf mit einer starken griechischen Bande stattgefunden, die unter Zurücklassung von drei Toten flüchtete. Bulgarische Brückensprengungen. Konstantinopel, 12. Oktober. Nach einer Meldung aus U c s> k ix b haben die Bulgaren zwei Brücken zwischen Jstip und Kotschana durch Bomben in die Luft gesprengt. Für und gegen de» Krieg. Konstantinopel, 12. Oktober.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Die türkischen Soztaldemo- k r a t e n von Saloniki, die armenischen sozialistisch-revolutionären Parteien Hintschak und Daschnakzutiun und die rumänische Sozial- dcmokratie veröffentlichen einen Aufruf an die Ar» b e i t e r des Balkans und Kleinasiens, in dem in scharfer Weise gegen den Krieg protestiert wird. Die Mobilisierung wird in der Türkei mit der größten Energie betrieben. Die Massen sind von Ver- zweiflung, Kriegs- und Mordswut ergriffen. Die Stimmung unter den Offizieren ist durchweg kriegerisch. Das „Komitee" benützt dies zu einer schrankenlosen und skrupellosen Agitation gegen die Regierung. Von diesem Gesichtspunkte betrachtet, war die patriotische De- monstration gegen die Regierung die erste Probe zu einem Aufstand. Trotz Belagerungszustand kommt es jeden Augenblick zu Straßenkundgebungen, wobei die ankommenden Reservisten eine große Rolle spielen. Die Stimmung der türkischen Massen wird von Tag zu Tag bedrohender für die Nicht» muselmanen. Italien und die Türkei. Rom, 11. Oktober. Die„Tribuna" schreibt, Italien habe sich den Friedensverhandlungen mit gerechtem Geist und weitherziger, edelmütiger Auffassung zugewandt, nur an das Ziel denkend, das es sich vorgenommen habe, und an die Wahrung seiner obersten Interessen, ohne jeden Wunsch, die günstige Lage auszunutzen, ohne jeden Haß gegen seinen Gegner, dessen schwierige Lage es nicht verfehlte, in Rechnung zu ziehen. Dafür sei der beste Beweis die Tatsache, daß Italien seine Bedingungen auch an- gesichts der schrecklichen Balkangefahr für die Türkei aufrecht- erhalten habe. Das Blatt maßt sich nicht an, das Geheimnis in der Haltung der Türkei zu durchdringen; diese Haltung der Türkei habe die Drohungen vermehrt, die von allen Seiten auf die Türkei einstürmten, weil nach dem Abbruch der Verhandlungen die militärische Aktion Italiens eine neue Richtung einschlagen und versuchen miisite, den Gegner tödlich zu treffen. Die„Tribuna" fragt, ob hinter dem Wahnsinn dieses Schauspiels sich ein komplizierter Plan verberge und die Türkei vorziehe und hoffe, eine Lage hervorzurufen, welche die Interventionen un- vermeidlich mache, die immer in der dunkelsten Stunde des Zu- sammenbruchs die Rettung der Türkei bildeten. In jedem Falle habe Italien vor Europa einen solchen Beweis seiner Langmütig- keit, seines billigen Denkens, seines guten Willens zum Frieden gegeben, daß der Abbruch der Verhandlungen ihm die vollständigste Aktionsfreiheit lassen müßte. Die internationale Empörung über diesen Abbruch der Friedensverhandlungen könne sich nur gegen die Türkei richten.(Es hraucht wohl nicht erst betont zu werden, daß diese„Erwartung" schon den Gipfel der Unverschämtheit bildet.) Abbruch ver Friedensverhandlungen! Paris, 12. Oktober.(Privattelegramm des „Vorwärts".) Der„Temps" meldet aus Rom den Abbruch der Verhandlungen, weil die Türkei in dem von Reschid Pascha überbrachten Friedensentwurf weseut- liche Aniderungen vorgenommen hätte. G i o l i t t i unter- sagte den italienischen Delegierten die Weiterverhandlung und erklärte, wenn die Türkei nicht in die sofortige Annahme willige, werden die Feindseligkeiten auf dasener gischste aufgenommen werden. Die Differenzen seien nicht, wie die Türken behaupten, finanzieller Natur, sondern betreffen die Funktionen des türkischen Vertreters in Tripv litanien. Italien werde keinesfalls in der Adria und an der alba ne fischen Küste operieren. Falls aber die Bulgaren Erfolge erringen, würde eine Landung in Griechenland und K I e i n a s i e n nahe den Dardanellen und eine griechisch-italienische Kooperation ins Auge gesaßt. Aus Petersburg meldet der Korrespondent, Ruß- land habe Oesterreich vorgeschlagen, nach der montenegrini- schen Kriegserklärung die Neutralität zu proklamieren und zu erklären, daß beide keinen Landgewinn erstreben. Das letzte lehnte Oesterreich ab, weil der gemeinsam be- schlossene diplomatische Schritt aller Mächte bereits den Willen, den Status zu erhalten, genügend zum Ausdruck ge- bracht habe; dagegen sei eine Erklärung für Neutralität möglich. Der Londoner Korrespondent meldet das Gerücht. daß eine neue österreichisch-russische Note in Aussicht stehe, in der beide Mächte erklären, sie würden eine Veränderung der bestehenden Grenzen des Sandschaks keinesfalls dulden. Die Redaktion bemerkt dazu, daß absolut verläßlichen Quellen zufolge, zwar in den diplomatischen Unterhaltungen vom Sandschak in diesem Sinne die Rede war. aber von einer Verhandlung, geschweige denn von einer Verpflichtung könne keine Rede sein. Pessimismus in London. London, 12. Oktober.(Privattelegramm des „Vo r w ä r t s".) Den pessimistischen Nachrichten aus Kon- stantinopel stehen optimistischeBerichteausSofia und Paris gegenüber, die davon sprechen, daß der Ein- flußderMöchtezuwirken beginne. Dieser Optimis- mus scheint aber mehr für die Börse berechnet zu sein, um der um sich greifenden Panik Einhalt zu tun. Die Börse ist jedoch nach den Erfahrungen der letzten Woche sehr ungläubig geworden. Die Londoner Börse erlebte heute einen schwarzen Tag. Es herrschte fast Panik infolge der Befürchtung eines kommenden Zusa mmen- stoßes zwischen Oesterreich und Rußland. Dazu kamen viele Verkaufsausträge von Berlin und Paris und die Erwartung der Erhöhung des Bankzinsfußes von vier auf fünf Prozent. Konsols, die englische Staatsrente, erreich- ten mit 73'/,, einen noch nie verzeichneten Tiefstand. Trotz der Versicherung der offiziösen Presse hat man hier kein Zutrauen zu der famosen Einigkeit der Mächte, die nicht vermochten den Krieg zu verhindern, und denen man auch jetzt nicht mchr die Fähigkeit zuschreibt, den Kampf lokalisieren zu können. Die türkische Kricgsproklamatiot,. Konstantinopel, 12. Oktober. Der Sultan hat an die Armee eine Proklamation gerichtet. in der er sie aus- fordert, gegen die Balkanländer ihre Pflicht zu tun. Es heißt in der Kundgebung: Die Welt kennt die Friedensliebe der Türkei. Die Ottomanen achten die Rechte aller Nationen und wünschen, daß alle Nationen auch ihre Rechte achten. Die Ottomanen hegen gegen keine Regierung einen Hintergedanken und haben das Recht, zu verlangen, daß auch die anderen Regierungen nicht unaufrichtig handeln. Die Ottomanen wünschen nicht, das Glück und den Fortschritt irgendeines Volkes zu stören, sie können aber trotz der großen Schwierigkeiten, denen die Türkei beständig ausgesetzt ist, nicht zugeben, daß andere Völker ihr Glück und ihren Fortschritt stören. Wir führen die Reformen, deren unser Land bedarf nach Möglichkeit und allmählich aus. Dennoch wollen unsere kleinen Rachbam, die eS auf unser Gebiet abgesehen haben und sehen, daß unsere Fortschritte die Verwirklichung ihrer unrecht- mäßigen Ziele verhindern werden, unsere Reformen und den Fort- schritt vereiteln und von unseren Schwierigkeiten profitieren. Sie setzten sich ins Einvernehmen, um unsere Grenzen anzugreifen. Die Proklamation des Sultans hebt hervor, daß die U t o p i st e n in Bulgarien, Serbien. Griechenland und Montenegro die Heldentaten, welche die Türken einst in diesen vier Ländern vollbrachten, ebenso wie die Tapferkeit der Türken in Tripolis vergessen, und an die türkischen Grenzen Truppen ent- sandt haben. Wir waren also gezwungen, zu mobilisieren. Wir befahlen die gesamte Mobilisieruug der Reservisten und der Landwehrtruppen, der ersten, zweiten und. teilweise der dritten Inspektion. Die Proklamation erklärt weiter in feierlichen Aus- drücken: Die Truppen werden sich ihrer Vorfahren würdig zeigen und den heiligen Boden des Baterlandes gegen die Feinde verteidi- gen, die den Ottomanen ihr väterliches Erbe entreißen und das Glück ihrer Kinder zerstören wollen. Sie fordert die Truppen auf, sich ihrer in Tripolis kämpfenden Brüder würdig zu zeigen, drückt die Ueber- zeugung aus, daß sie den Siegen der Vorfahren neue hinzufügen werden, und wünscht ihnen den Sieg. Die türkische Mobilisierung. Aonstantinopel, 12. Oktober.(Meldung des Wiener t t Telegr.-Korresp.-Bureaus.) Nach der Ausicht zuständiger Kreise vollzieht sich dir türkische Mobilisierung in Ordnung, und zwar chn eller. als man erwartet hatte. Das Gros der aus An.wolien gekommenen Truppen ist über Rodosto und zum Teil über San Stefano transportiert worden.— Von hier aus sind bis jetzt die zweite und dritte Division abniarschiert; die erste Division befindet sich in Albanien. In Konstantinopel werden keine regu- lären Truppen mehr vorhanden sein, nur drei Rebif- Divisionen befinden sich dort. Man glaubt, daß binnen einer Woche die Türkei an der Grenze bei Adrianopel über 1B0 000 Mann verfügen wird. Die Regierung erklärt die Nachricht, daß beschlossen worden sei. den Landsturm und die Christen bis zum 45. Lebensjahre zu mobilisieren, für falsch. Die Leute vom Landsturm sollen sich nur zur Feststellung ihrer Anwesenheit in Listen einzeichnen. Die religiösen Häupter der Christen betrachten diese Maßnahmen als ungesetzlich, da das Militärgesetz. das die allgemeine Dienstpflicht der Christen vorsteht, noch im Senate unerledigt sei. Zahlreiche christliche Reser- visten. namentlich Griechen, sind ins Ausland ge- flohen, um nicht zu dienen. j Die Polizei verhastete gestern in dem aus Adrtanopel kommenden Zuge 14 bulgarische Spione. Mchr Kriegs- als Friedensrede. Wien, 12. Oktober. Der Heeresausschuß der Oester- reichischen Delegation begann heute die Beratung der neuen Militärkredite. Im Laufe der Debatte betonte Kriegsminister b. Auffenberg erneut, daß es sich nicht um R ü st u n g s k r e d i t e, sondern einzig, und allein um A u s g e- staltungskredite handle, um die seit Jahren als notwendig erkannte und geplante Beseitigung gewisser materiellen Rückständig- leiten in der Armee zu bewerkstelligen. Wie die anderen Staaten müsse auch Oesterreich-Ungarn seine Armee auf einer gewissen Min- desthöhe erhalten. Daran würde es auch das allseits herrschende Friedensbedürfnis, dessen Berechtigung er vollkom- men anerkenne, nicht hindern. Niemand werde wollen, daß der Staat in vollkommene Abhängigkeit von einem ande- reu Staate gerate. Der Minister betonte die Notwendigkeit einer starken Armee auch im Interesse guter Handelsbeziehungen. Sollte ein ernstes Moment eintreten, so werde die Heeres- Verwaltung gewiß auf der Höhe sein und wissen, was sie zu tun habe. Das Vertrauen zu unserer altehrwürdigen Armee, fuhr der Minister fort, und unsere Vaterlandsliebe werden uns den nötigen Impuls geben. Es können Momente eintreten, die uns alle zur gemeinsamen Abwehr zusammenführen müssen, es wäre aber unrichtig, erst den Moment der äußersten Not abzuwarten. Der Minister glaubt, daß, wenn die notwendigen Summen bewilligt werden, es möglich sei, den Krieg so vor- zubereiten, daß es nicht notwendig sei, ihn zu führen.(Beifall.) Der Marinekommandant Graf Monte- cuccoli erklärte: Ebenso wie der Kredit für das Heer ist auch der Kredit für die Marine kein Rüstungskredit, sondern ein Ergän- zungskredit. zu dem im vergangenen Jahre bewilligten Kredit von 312 Millionen.— Nachdem auch noch der Finanzminister Ritter v. Z a l e s k i gesprochen hatte, wurden die neuen Militär- kredite angenommen. Weitere Maßnahmen Rußlands? Krakau» 12. Oktober. Nach Meldungen aus Warschau ist die sogenannte russische Probemobilisierung auf vier weitere Gouvernements ausgedehnt worden. Die Kriegsverwaltung hat die Mobilisierung der Gouvernements Grodno, Kalisch, Radom und Lublin angeordnet. In Warschau sind mehrere Hundert Eisenbahnwaggons zu militärischen Zwecken zurückbehalten. Die russische Regierung hat die Be- sttmmungen des Transportverkehrs bedeutend verschärft. Griechische Schiffskäufe. Paris, 12. Ottober. Wie dem»Ecko de Paris" aus London gemeldet wird, hat die griechische Regierung in England den ursprünglich für Rechnung Chinas erbaulen Panzerkreuzer „ C h a o" für ungefähr 3iK) OOO Pfund gekauft. Der Kreuzer soll unverzüglich nach Griechenland abgehen. Ein neuer Kampf bei Derna. Rom, 12. Oktober. General Briccola telegraphiert aus Benghasi unterm 11. Ottober. 5 Uhr 30 Minuten abends: Ich bin glücklich, melden zu können, daß gestern unsere Truppen in Derna einen neuen Erfolg hatten. Die'Brigade Salsa, die links des Bumsafer unter Mitwirkung der Artillerie der Brigade Capello operierte, griff den aus regulären türkischen und arabischen Truppen nebst Artillerie bestehenden Feind an und schlug ihn in die Flucht. Die Verluste des Feindes sind noch nicht genau festgestellt, aber find zweifelsohne beträchtlich. Wir hatten 12 Tote und 83 Verwundete. Englische SchiffSvrrschiebungen. Malta, 12. Ottober. Der Kreuzer„Barham" geht heute nach Kreta ab. Das dritte Linienschiff-Geschwader wird voraussichtlich am 25. Oktober von England nach Malta abgehen. Die Lage auf Samos. Konstantinopel. 10. Oktober.„Jkdam" meldet: Die Lage auf Samos hat sich verschlimmert. Die Rebellen. deren Zahl zugenommen hat, sind Herren der Haupt st adt Vathy und veranstalteten beständig Kundgebungen vor dem fürst- lichen Palais. Mit Rücksicht auf diese Sachlage hat die Pforte den Fürsten ermächtigt, die Insel zu verlassen. Der Pforte sind von den in Südafrika ansässigen Mohammedanern Telegramme zugegangen, in denen diese der Pforte ihre Sympathie versichern und pekuniäre Hilfe ver- sprechen. « kWeggstirnrnimg in Ocft erreich. Aus Wien wird uns vom 12. Oktober geschrieben: Wird der Balkankrieg, dessen Ausbruch nun unvermeid- lich scheint, lokalisiert, das heißt, auf die Halbinsel beschränkt, eben ein Balkankrieg bleiben? Wird die Diplomatie, nach- dem sie unvermögend war, den Krieg der Balkanländer, zu verhindern, wenigstens im Stande sein, sein Ueberschlagen auf Europa unmöglich zu machen? Das ist die Frage, die vor Europa nun steht, die große bange Frage, in der Europas friedliche Entwickelung mit eingeschlossen ist. Welches das Unheil sein könnte, das sich aus dem Balkankrieg entwickeln könnte, ist mit Händen zu greifen: was im Bereiche der Möglichkeit liegt, wenn man auch wohl noch nicht anzunehmen hat, daß es im Reich der Wahrschein- lichkeit liegt, ist ein Zusammenstoß der zwei um die Vor- Herrschaft auf dem Balkan seit jeher rivalisierenden Groß- mächte, ein Zusammen st oß zwischen Oe st erreich- Ungarn und Rußland, dessen weitere Folgen u n- absehbar wären und ganz Europa in Mitleidenschaft ziehen könnte. Es könnte sein, daß sich Oesterreich-Ungarn in die Händel der Balkanstaaten hineinmischt und dadurch Rußland veranlaßt, sich gleichfalls einzumischen: dann könnte es freilich bösartig werden. Wie man sieht, liegt die weitere Entwickelung, liegt insbesondere die Lokalisierung des Balkan- streites vornehmlich, wenn nicht ausschließlich, in der Hand Oesterreich-Un�arns: mischt sich der Donaustaat in den Balkankricg nicht hinein, so wird sich auch niemand sonst einmischen. Daß der Krieg mit einem entschiedenen und durchschlagenden Siege irgend eines der kriegführenden Teile enden werde, ist ja vorweg unwahrscheinlich: es wird, wie die Kräfteverhältnisse liegen, Sieg und Niederlage auf allen drei Schlachtfeldern für beide Teile wechseln, weder wird die Türkei imstande sein, ihre vielen Gegner niederzuwerfen, noch werden diese die Türkei zum Ausbluten bringen: wahr- scheinlich werden die Kriegsmittel und die Kriegskräfte vor einem entscheidenden Schlag auf allen Seiten erschöpft sein. In dem Falle wird die Aufgabe der Mächte lediglich darin bestehen, den Krieg zur Beendigung zu bringen, wobei natür- lich die gegenwärtige Gebietseinteilung intakt bleibt und die Türkei zu den Reformen, zu denen sie schon längst hätte ge- zwungen werden sollen, veranlaßt werden wird. Auch in dem nicht gerade wahrscheinlichen Falle, daß die Türkei siegreich bleibe,' könnten sich Schwierigkeiten nicht ergeben, denn darin. daß die Veränderung des Statusquo zugunsten der Türkei ausgeschlossen ist, daß den Türken, auch wenn sie siegen, Gebietserweiterungen auf Kosten der christlichen Bal- kanvölker nicht eingeräumt werden dürfen, sind die Groß- mächte Wohl alle einig. Aber wenn die Türken unterliegen. wenn die Balkanstaaten siegreich sind, wenn sie türkisches Gebiet erobert haben? Was wird dann mit dem Statusquo sein? Kann man sich damit trösten, daß sich die Großmächte heute darauf„geeinigt" haben. Gebietserweiterungen in keinem Falle zuzulassen? Daran wird doch kein Verständiger glauben, daß zum Beispiel Rußland seine stawischen Pro- tektionsstaaten zwingen werde, erobertes Land zugunsten der Türkei, zugunsten eines Statusquo, den die Gewalt des Krieges schon weggefegt hat, wieder herauszugeben? Dann, nach dem Krieg, kann erst der ernste Moment für Europa anbrechen. Aber wir können an ihn n o ch früher stoßen. Was Bulgarien oder Griechenland, ja selbst Montenegro in dem Kriege erreichen oder während des Krieges vielleicht besetzen, wird ün Oesterreich-Ungarn gleichgültig aufgenommen wer- den. Dagegen geht aus den Reden der gemeinsamen Mi- nister immer deutlicher hervor, daß man über etwaige Er- oberungen Serbiens anders denkt. Serbiens Vorgehen also mit mißgönnerischen Blicken beobachten wird. Um es kürzer zu sagen, als es die österreichischen Minister in ihren immer seltsamer klingenden Reden anzudeuten lieben: Oesterreich gedenkt Serbien in die Arme zu fallen, wenn dieses seine Hand auf den Sandschak Novibasar legt. Das ist das schmale zwischen Bosnien und Montenegro gelegene Gebiet, dessen militärische Besetzung Oesterreich-Ungarn im Berliner Ver- trag eingeräumt wurde, das Oesterreich aber im Jahre 1908, mit der Annexion, freiwillig geräumt hat. damit wohl über- deutlich erhärtend, daß dieses ratzenkahle Land für seine Wirt- schaftliche Expansion und auch für seine strategische Lage ohne jede Bedeutung ist. Und nun tun die guten Oesterreicher so, als ob dieser Sandschak für Oesterreich eine unermeßliche Bedeutung hätte, als ob es für Oesterreich eine Lebensfrage wäre, ob er türkisch bleibt oder serbisch wird! Anders wären ihre mysteriösen Reden, wenn sie überhaupt einen Sinn haben sollen, gar nicht zu verstehen. Was soll es denn bedeuten, wenn Graf B e r ch t o l d davon redet. Oesterreich-Ungarn habe auf dem Balkan„wichtige Existenzinteressen", die es „unter allen Umständen" wahren wolle? Was soll das Gerede, daß Oesterreichs Wort„volles Gewicht" besitzen müsse? Was könnte denn sonst die Kriegsverwaltung ver- anlaßt haben, auf einmal als außerordentlichen Kredit von den Delegationen 420 Millionen zu fordern—. eine Forderung, die an Auffälligkeit nicht verliert, daß sie infolge der Weigerung der beiden Finanzminister, die ja das finanzielle Elend beider Staaten kennen, auf 205 Mllionen Kronen reduziert worden ist. Sicherlich hat bei diesen verrückten Ansprüchen die Erpressernatur des Militarismus mitgespielt: die Herren vom Moloch denken sich, die Zeit, in der alles vor dem Kriege bangt, sei die günstigste Gelegenheit, um einen recht großen Schachzug zu machen. Aber schon der Umstand, daß Graf Berchtold ununterbrochen versichern muß. die ver- langten Kredite ja nicht als Mobilisierungskredite anzusehen, beweist deutlich, daß sich Oesterreich-Ungarn des heraus- fordernden Wesens seiner Kriegsrüstungen bewußt ist und sehr gut weiß, daß diese Rüstungen mit seinen formellen Friedensbeteuerungen in schroffem Widerspruch steht. Es kann also die Kriegsstimmung gewisser Kreise, die waljrlidfc,' nicht die nnmakqebensten sind, keineswegs übersehen werden, und das Deutsche Reich hat alle Ursache, sich dieser Stimmung� und ihrer Gefährlichkeit für den Frieden be»- wüßt zu werden. Es kann keine Frage sein, daß dieser Eifer um den Sandschak grundtöricht ist. Selbstverständlich besteht keine Notwendigkeit, sich für die Forderungen der Balkanländer gleich mit Hurrageschrei zu erhitzen: aber die Politik, die alles beim alten lassen möchte und die Unantastbarkeit der Türkei zum Dogma erheben will, ist schlechthin sinnlos. Wenn sich die Türkei ihrer vielen Gegner erwehrt, so wird es für die Erhaltung des Statusquo natürlich ein kräftiges, wird es eben das durchschlagende Argument sein: aber daß die Er- Haltung der Türkei auf diesem Punkte immer eine euro- päische Notwendigkeit wäre, ist einfach eine lächerliche Be- hauptung. Und was das angebliche Interesse Oesterreichs daran betrifft, daß der Sandschak offen, also türkisch bleibe, so ist zu erwidern, daß Oesterreichs Interessen auf dem Balkan ausschließlich handelspolitischer Art. auf Ländererwerb nicht angewiesen sind. � Die Angst vor einer„Umklammerung" Serbiens ist aber bei einer Militärgroßmacht schlechthin kindisch: im Grunde spricht daraus nur das böse Gewissen der guten Oesterreicher, denen die Festigkeit oder der gute Wille fehlt, das südslawische Problem im Innern Oesterreichs— siehe die Schandwirtschaft in Kroatien— zu lösen, der die vielen südslawischen Völker, die in Oesterreich wohnen, mit Oesterreich nicht zu versöhnen trifft, und daher immer fürchten muß. daß die Serben und die Kroaten, die er enttäuscht und verbittert, Neigung haben könnten, sich von ihrem so seltsam gearteten Vaterlande abzuwenden und nach Belgrad zu schielen. Aber da glauben wir schon: den Vergleich mit dem Staate des Königs Peter hält auch dieses Oesterreich noch aus... Es gibt für Oesterreich kein einziges Lebens- interesse auf dem Balkan, und nichts, was sich dort in dem und nach dem blutigen Ringen vollziehen könnte. ist geeignet, ein österreichisches Lebensinteresse zu berühren. Deshalb muß die Antwort auf die schmetternden Reden der österreichischen Minister lauten: Unter keinen Um- ständen darf Oesterreich für Balkandinge in einen Krieg verwickelt werden. Der Sandschak ist nicht allein die Knochen eines pommerschen Musketiers, er tst auch die Knochen eines ö st e r r e i ch i s che" e" nicht wert. Es wäre wohl auch eine Pflicht des Deutschen Reiches, das bei den Dingen dann kem bloßer Zuschauer bleiben 5önnte. den osterretchischen Machthabern diese Wahrheit zum Bewußt- sein zu bringen. � Ochonomtfches und Mitärilches. Unser nach dem Balkan entsendeter Sonderkorre- f eftreibt un§ ouS söelQröu. Intervention der Großmächte. Unvermeidllchkeit des Krieges, Nachgiebigkeit der Türkei. Abreise des türkischen Ge- sandten in Belgrad— so schwirren die Geruchte hier einander widersprechend in der Luft herum. Aber eine Tatsache fällt schwerer als einst das Schwert des Brennus in die Wagschale de» Krieges: das ist das brennende Interesse, das die aus- schlaggebenden Schichten Serbiens an einer Erweiterung ihres Gebietes und an einer Ausdehnung ihres politischen Einflusses bis ans Meer haben. Für Serbien ist in der Tat die ganze Balkanfrag« lediglich ein Problem der Ausfuhr- l Möglichkeit. Serbien, ein ausgesprochenes Agrarland mit Rinder-' und Schweinezucht, mit Weizen-, Mais- und Pslaumenbau, und von der Natur zu einem Exportland allerersten Ranges bestimmt, ist in einer ziemlich raschen wirtschasllichen Ent- Wickelung begriffen. Nach der soeben erschienenen amtlichen Statistik— die Zahlen in Calwers„Statistischem Jahrbuch" sind teils falsch, teils veraltet— ist die Ein- und Ausfuhr von 578 Millionen Kilogramm im Jahre 1907 auf 808 Millionen im Jahre 1911 gestiegen, die Ausfuhr allein von 355 auf 437 Millionen. Der Wert der Ausfuhr im Jahre 1911 belies sich aus 117 Millionen Dinars, wovon wieder aus Erzeugnisse des Ackerbaues und der Viehzucht 104 Millionen entfielen. Dieses verhältnismäßig günstige Ergebnis ist aber nicht er- zielt worden, weil die günstige natürliche Beschaffenheit des Landes erzeugt wurde durch sonstige günstige Verhältnisse, sondern trotzdem die Gunst der Natur durch die Ungunst der Verhältnisse wieder korrigiert wird. Das Unglück Serbiens, wie es der Berliner Kongreß von 1878 als ein Staaten- gebilde mit schier unmöglichen Grenzen geschaffen hat, ist, daß es keinen Hafen hat, der als ein Ausfalltor seiner Pro- dukte dazu dienen würde, das Land wirtschaftlich unabhängig zu machen und es in eine rapide ökonomische, insbesondere auch industrielle Entwickelung hineinschleudern würde. Als Aussuhrstraßen kommen für Serbien in Betracht: Oesterreich- Ungarn mit dem Eisenbahnweg und der Donau stromauf- wärts, die Türkei mit der Bahn Belgrad— Uesküb— Saloniki und dem Hafen am Aegäischen Meer, Rumänien mit der Donau stromabwärts und dem Hafen am Schwarzen Meer. Nun ist Oesterreich-Ungarn aber, die Exportkapitalisten in Wien so gut wie die magyarischen Schweinezüchter, von jeher darauf ausgegangen, Serbien in völlige wirtschaftliche Ab- hängigkeit von sich zu bringen, die einen, um in Serbien keine Industrie aufkommen und ihren Absatzmarkt auf dem Balkan nicht verringern zu lassen, die anderen, um gleich den preußischen Junkern in all ihrer Unersättlichkeit sich ihre Preistreibereien nicht durch die Konkurrenz des Auslandes durchkreuzen zu lassen. So hat sich Serbien all die Jahre hindurch, die Faust Oesterreichs an der Gurgel, gewehrt und gewehrt, es hat von 1890 an vier Jahre lang einen Handelskrieg gegen Oesterreich geführt; es war bei der Annerionskrise im Frühjahr 1909 drauf und dran, durch einen Krieg gegen die Großmacht die schnelle Vernichtung an die Stelle der langsamen zu setzen und es hat sich dann doch wieder unter das Joch eines ungünstigen Handelsvertrages beugen müssen, der sein Getreide und sein Fleisch mit hohen, fast mit Prohibitivzöllen belegt. An sich sehen die Ziffern der serbischen Ausfuhr nach Oesterreich gar nicht so übel aus, sie stieg sogar im Wert zwischen 1910 und 1911 von 18 Millio- nen auf 48 Millionen Dinar und die Donaumonarchie zählt unter allen Erportländern Serbien an erster Stelle. Der Wert der Getreideausfuhr ist von 1909 zu 1911— dazwischen liegt der Handelsvertrag— von 5 Millionen auf 11 Millionen Dinar gestiegen, des frischen Fleisches von IVz auf 3*4 Millionen. Serbien führt nämlich weit mehr frisches Fleisch aus als lebende Schweine, es besitzt von allen Staaten am meisten Kühlwaggons, mit denen das Fleisch selbst in Paris noch frisch und genießbar ankommt: aber diese 160 Kühl- wagen sind für das Wachstum der Ausfuhr und die Nachfrage noch immer zu wenig. Das wirft ein eigentümliches Licht auf das Zugeständnis Bethmann Hollwegs, der in Deutschland drohenden Hungersnot durch Einfuhr frischen Schweinefleisches aus Serbien zu begegnen, denn auch in weniger kriegerischen Zeiten wäre Serbien mit den vor- handenen Waggons nicht in der Lage, Fleisch bis Deutschland zu schaffen— schon in Wien, in Brünn, in Prag strecken sich die Fäuste hungernder Proletarier danach aus und führen es ihrem Magen zu. Aber diese Ausfuhrsteigerung beweist nur. welche Ent- Wickelungsmöglichkeiten in dem Lande schlummern, nicht aber, wie vortrefflich der Handelsvertrag ist. Und nicht nur mit den Zöllen des Handelsvertrages schadet Oesterreich-Ungarn den ökonomischen Interessen Serbiens, sondern auch durch die Unlust, die Schwsinedurchfuhr in größerem Maße über Agram, Trieft nach Italien zu gestatten, und durch eine Reihe anderer wirtschaftspolitischen Maßregeln. Es sind eben un- haltbare Zustände, wenn serbischer Weizen, für Belgien be- stimmt, statt donauaufwärts zu gehen, den weiten Umweg donauabwärts durch das Schwarze und das Mittelländische Meer wählt. Zwar ist man gegenwärtig mit dem Bau der Donau-Adria-Bahn beschäftigt, die die kürzeste Verbindung zwischen Belgrad und dem türkischen Hafen San Juan dl Medua bei Skutari herstellt, aber bei dieser Bahn kommt es wieder sehr auf die Tarifpolitik an. die die Türkei Serbien gegenüber einschlagen wird. So oder fo— die serbische Ausfuhr hängt immer von der Gunst und Gnade anderer Mächte ob. Würden aber wirklich der Sandschak und Altserbien mit Einschluß der albanesischen Küste bei San Juan di Medua autonom und dann au das serbische Königreich angegliedert, dann wäre die Frage gelöst. Nicht nur könnte Serbien un- mittelbar seine Produkte billiger und besser aus eigenen als aus fremden Häfen übers Meer führen, sondern Oesterreichs Faust müßte sich auch von Serbiens Gurgel lösen, denn nur wenn Oesterreich weiß, daß Serbien ihm auf Gnade und Ungnade ausgeliefert ist, kann es ihm ungünstige Handels- Verträge diktieren. Ein serbischer Hafen schafft also nicht nur direkt bessere Exportmöglichkeiten, sondern auch indirekt bessere.Handelsvertragsvoraussetzungen. Das ist der ökono- misck>e Hintergrund von Serbiens Kriegslust und Kriegs- stimmung. Aber auch das Militärisch? ist ein ökonomischer Faktor und heute, nachdem sieben Tage Mobilmachung Millionen um Millionen verschlungen haben, mehr derni je. Preußische Gamaschenknöpfe, die aus irgendeinem alten Militärkalender ein paar Zahlen herausgeschnitten haben, versichern in der Presse, daß allein Bulmmuns Heer ein ernsthafter Gegner für die Türkei sei. W�r die serbische Armee kennt und steht, weiß, daß sie zwar nopt an Zahl, wohl aber an Wert der bulgarischen gleichkommt. Dieses Heer nun, das im Ver- hältnis zur Bevölkerung Serbiens übergroß ist. das ein volles Drittel des Budgets verzehrt, das in der Ueberlieferung früherer Türkenkriege und in der Hoffnung aus kommende Türkenkriege erzogen ist. daß jetzt mobilisiert an der Grenze steht, das täglich!00 000 Kilogramm Schweinefleisch verbraucht. das ist auch ein ökonomischer Faktor, der zum Kriege drängt, denn vielen mag der Krieg als die Verzinsung eines im Frieden toten Kapitals erscheinen. Die Demobilisierung würde, wenn es sich nicht um ganz beträchtliche Zugeständnisse der Türkei handelte, aus die Mißstinimung der einberufenen Massen stoßen, die ihre Mais- und Weinernte im Stiche ge- lassen haben und nun für nichts ins Feld gerückt sein sollten. Bei einer Demobilisierung träte wohl Mol.kes kluges Wort in Kraft:„Die Flinten sind leicht ausgegeben, aber schwer wieder zurückzubekommen," und mehr noch, die Flinten würden sogar von selbst losgehen. So wird, je mehr Faktoren man in Rechnung zieht, der Krieg immer wahrscheinlicher und sicherer. Die Aussichten des Krieges? Ueber den Orient zu orakeln, ist eine mißliche Sache, und eine doppelt mißliche Sache, über einen Orient- krieg zu prophezeien. Aber auf ein wichtiges Moment, auch ökonomischen Charakters, weist in ein«?m Artikel der„Neuen Freien Presse" Jmhosf Pascha hin. der ein Sachkenner ist. Er sagt: „An vielen Orten befindet sich unkultiviertes Land, so daß der Bodenertrag kaum für die Bedürfnisse des Verteidigers ausreicht. Durch den Hochgebirgscharakter des Balkans wird das Heranziehen der Verpflegs- kolonnen sehr erschwert, und zwar um so mehr, je näher man am Feinde ist. Die Vorräte können auch nicht im Feindes- land ersetzt, sondern es müssen große und schwierige Rückmärsche gemacht werden, da der Nachschub wegen der fehlen- den Bahnen sehr schwer ist. Die große Kolonnen- tiefe zeigt den Guerillakriegen günstige Ziel- punkte. Der Schutz der rückwärtigen Verbindungen, die Etappensicherung, wird ein wunder Punkt sein. Schlechtes Wetter, Entbehrungen, Mühseligkeiten und Friktionen sowie enorme Verluste werden den eventuellen Krieg charakteri- sieren. Die Verwendung der Maschinengewehre wird an Be- deutung gewinnen." Diese Dinge vorausgesetzt, kann man den Wert der Komitatschis, der serbischen und bulgarischen Banden, nicht hoch genug einschätzen, denn sie werden die rückwärtigen Ver- bindungen stören und die Zufuhr dem türkischen Heere ab- zuschneiden wissen. Und diese Komitatschis werden vielleicht dem„eventuellen Kriege", wie Jmhosf Pasche sagt, die Ent- scheidung geben. Und es ist kein„eventueller" Krieg mehr. Es ist der Krieg! Denn eben, da diese Zeilen geschrieben werden, laufen Zeitungsjungen brüllend durch die Straßen:„Montenegro hat den Krieg erklärt, die Gesandten in Cetinje und Kon- stantinopel sind abgereist!" Ein Schicksalsschlag und eine Schicksalsstunde! Der all- gemeine Balkankrieg, vor dem Europa jahrzehntelang ge- zittert hat und der ganz Europa als einen Trümmerhaufen zurücklassen kann, er ist da! politilcbe aebcrficbt* Berlin, den 12. Oktober 1912. Die Mandatsniederlegung Kaempfs. Der Abgeordnete für den ersten Berliner ReichstagSwablkreiS und Präsident des Reichstages Kaempf hat nun doch sein Mandat niedergelegt. Bei den allgemeinen Wahlen am 12. Januar erhielt er 4657 Slimmen, Genosse Düwell 4408; ein demokratischer Kandidat brachte es auf 1395, ein konservativer aus 482, ein klerikaler auf 169 und ein polnischer Kandidat auf 57 Stimmen. In der Stichwahl am 22. Januar siegte Kaempf mit 5588 Stimmen gegen 5579, die auf Genosien Düwell fielen/ Also eine Mehrheit von 9 Slimmen. Da ein begründeter Wahlprotest eingereicht wurde und daraufhin inindestens 19 Stimmen von Kaempfs Mehrheit abzuziehen gewesen wären, hieß es schon mehrmals, Kaemvf werde sein Mandat nieder- legen; doch vor kurzem erst dementierte er diese Meldungen. Daß er den Schritt in diesem Augenblick doch getan hat, scheint eine gewisie politische Nebenbedeutung zu haben. Bis Frei- iagabend war es unsicher, ob der Reichstag nicht im Oktober schon einberufen werde, entsprechend dem nachdrücklichen Verlangen der sozialdemokratischen Fraktion und dem allgemeinen Willen aller unter der LebenSmittelteuerung leidenden Kreise. Bethmann Holl- weg kalkulierte von seinem Standpunkt nicht mit Unrecht, daß er den im preußischen Abgeordnetenhause zu erwartenden agrarischen Sturm leichter bestehen könnte, wenn er in der TeuerungS- frage den Reichstag hinter sich habe. Dem Borwurf, daß er ver sozialdemokratischen Forderung nachgebe, gedachte er dadurch auszuweichen, daß er die auswärtige Lage zum Borwand der Ein- berufung nahm. Der Plan war ganz plausibel, aber schließlich ist er doch noch gescheitert. Kaempf, der im Falle der alsbaldigen Berufung deS Reichstages jetzt nicht niedergelegt hätte, gewinnt nun Zeit, er hat sich sicher bei den maßgebenden Behörden vor der Niederlegung vergewissert, daß die Neuwahl sehr rasch stattfindet, so daß er beim Zusammentritt deS Reichstages wieder zur Stelle ist— sofern die Wähler nicht anders entscheiden. Das„Berliner Tage« blatt" sagt, die Neuwahl dürfte bereits Ende Oktober oder Anfang November vor sich gehen, da bei Nachwahlen inner« halb eines Jahres noch auf Grund der alten Wählerlisten gewählt wird._ Aus einer Zentrumsredaktion. In unserem Kölner Bruderblatt, der„Rheinischen Zeitung", macht ein Redakteur, der bei dem„Aachener Volksfreund ei»em der größten westdeutschen Zentrumsblätter, tätig war, seinem gepreßte» Herze» Luft. Er schreibt u. a.: „Wie bei so manchem Redakteur— noch kein ehrlicher havs länger als zwei Monate am„Bolksfreund" auSgehalten— hasten noch bei mir die am„BolkSsteund" täglich sich häu- senden Eindrücke des Geistes der Lüge und Heuchelei, unter dessen zermalmender Wucht alle Ideale von vornherein schmählich zerrieben werden." Noch kürzlich, bei einer Betrachtung der gemeinsamen Lage, habe einer der Redakteure am„Bolksfreund" ihm zugeraunt:„Wenn unsere Leser wüßten. waS wir für Menschen sind!" Bei dem Anblick der vielen langen Reden auf dem Katho» li kentage habe der Verleger deS„Volksfreund" gesagt: „Warum sollen wir denn de» ganzen Quatsch bringen? Es ist doch jedes Jahr dasselbe Zeug!" Den BolkSverein für das katholische Deutschland habe der Chef- redakteur deS„Aachener Bolksfreund" die„München-Gladbacher Sudelküche" und Dr. Pieper nebst Dr. BraunS, die M.-Gladbacher Direktoren, die Oberköche genannt. Der bisherige ZentrumSredakleur erklärt, daß er durch feine Veröffentlichung den Leiern der ZentruinSvreffe die Augen öffnen wolle. Sie möchten sich auf Grund des Gesagten ein Urteil über den.Bolksfreund" im besonderen und die Zentrumspresse im allgemeinen bilden._ Der badische Oberkirchenrat und der soziale Pastor. Auf die Beschwerde des südwestdeutschen JndustrielleuverbandeS gegen den Mannheimer liberale» Pfarrer Dr. L e h m a n n hat jetzt der Oberkirchenrat eine Rüge erteilt. In dem Zeitdokument, das die unumichränkte Herrschaft des Kapitals auch über die Diener der Kirche willig anerkennt, heißt e« am Schlüsse: Als wenig geeignet müsse» wir eö insbesondere erachien, daß Sle den Artikel ausdrücklich mit der Bezeichnung evangelischer Pfarrer unterzeichnet haben. Sie haben dadurch Veranlassung gegebe», daß in uiuiötiger und unerwünschter Weise die amtliche Stellung mit in den Streit hineingezogen worden ist. Die evangelische Kirche wird also diskreditiert, wenn sich einer ihrer Diener mit streikenden Arbeitern sympathisch erklärt. Die Sozialdemokratie ist dem badischen Oberkircheurat für dieses viel« sagende Zugeständnis recht dankbar. Der schweizerische Juristenvereiu gegen die Todesstrafe» _ Auch in der Schweiz spielt bei'der bevorstehenden Reform des Strafgesetzbuchs die Stellung zur Todesstrafe eine wichtige Rolle. Die Verfassung von 1874 hatte die Todesstrafe für das ganze Land abgeschafft. Die an einige sensationelle Mord« anknüpfende Agita- tioi. für Wiedereinführung führt« 1879 zu dem Ergebnis, daß man den einzelnen Kantonen dieses Recht einräumte, wovon eiimge reaktionäre Kantone auch Gebrauch machten. In dem neuen Ent- würfe, der in vielen Richtungen vorbildlich ist, war zunächst die Todesstrafe nicht enthalten. Die weitere Kommissionsberatung hat dahin geführt, etwa den jetzigen Vermittlungsstandpunkt beizube» halten, während neuerdings vorgeschlagen wurde, das Begnadigungs- recht in jedem Falle nicht den zum Teil äußerst reaktionären KantonSräten, sondern der doch fortschrittlicheren Bundesversalmn» lung einzuräumen. Nun hat der Juristenverein in erfreulichem Gegensatz zu seinem deutschen und österveichischen Kollegen sich für die Anfrechterhalwng voller RechtScinheit auch auf diesem Gebiete und die völlige Ab« lehnung dieses Ueberbleibsels alter Zeiten, das merkwürdigerweiss gerade von den Leuten, die sonst nicht' genug Verachtung und Arg- wohn dm Volke entgegenbringen können, mit angeblicher Rücksicht auf den Willen des„Volkes", d. h. auf unAave Rachegelüste realti'o- närer, verblödeter Schichten, verteidigt wird, mit volle-: Entschieden- heit ausgesprochen. Der Referent, BundcsaMvalt Kronauer, bekannte sich als persönlicher Gegner der Todesstrafe, trat aber mit Rücksicht auf das sonst vielleicht gefährdete Zustandekommen deS ganzen Reformwerks für die Erhaltung des jetzigen Zustands ein. Doch meinte auch er nicht, daß es ein Unglück sei, wenn man seinen Vorschlag ablehnte. Nach sehr eingehender Erörterung und Vor- legung mehrerer Airträge beschloß der Verein zunächst mit 101 gegen 20 Stimmen, die einheitliche Regelung für den ganzen Bund zu fordern, dann mit 69 gegen 44 Stimmen, es sei die Todesstrafe nicht in das Strafgesetzbuch aufzunehmen Beispiellose Schlamperei in einem Dresdener Offizierkasino bildete den Gegenstand einer umfangreichen Verhandlung vor dem dortigen Oberkriegsgericht. Es war ein offenes Geheimnis, daß das Offizierkasino des Infanterieregiments Nr. 177 bis Anfang 1911 mit enormen Defizits arbeitete. Die ohnehin erhebliche Schuldenlast— die Gründung war schon eine durchaus unglücklicke — wurde dadurch immer größer. Um die Geschäftslage zu bessern, nahm man schließlich eine Sanierung vor. Trotzdem blieben noch 27 000 M. Schulden übrig. Zur Zeit der fortgesetzten Defizits und Mißwirtschaft war der Hauptmann v. Löben Kasino- direktor, dem der Vizefeldwebel Merkel als Haus« Hofmeister unterstand. Merkel hatte die ganzen Kasinogeschäft« zu besorgen und besaß dabei das unbegrenzte Vertrauen seiner Vor» gesetzten. Anfang 1911 trat ein Wechsel der Kasinodirektoren und damit ein« aufsehenerregende Wendung ein. Der neue Chef nahm sofort nach Antritt seines Postens eine genau« Prüfung der Bücher vor und fand darin verschiedene Unregelmäßigkeiten. Ein hinzu- gezogener Bücherrevisor stellte auch Fälschungen und Schlampereien in der Buchführung und bei den Belegen fest. Auch erhebliche Unter» schleife und Verluste traten zutage. Bald danach wurde Vizefeldwebel Merkel in Haft genommen� weil man der Meinung war. daß er nicht nur Fälschungen begangen, sondern auch erhebliche Summen unterschlagen habe. Er macht« von Anfang an geltend, dah er von seinen Vorgesetzten ungenügend beauftichtigt worden sei. Die lange Untersuchung hatte dann auch das Ergebnis, daß der ehemalige Kasinodtrrktor Hauptmann v. Löben wegen ungenügender Beaufsichtigung Untergebener unter Anklage gestellt und vom Kriegsgericht nach geheimer Verhandlung �1) zu zwei Wochen Stubenarrest verurteilt wurde. Das Gericht stellte fest, daß des Hauptmann an den Schlampereien nicht schuldlos war. Strafmildernd rechnete man ihm an, daß er in der Buch- fühmng nicht bewandert war und sich bereiterklärt hatte, zur Deckung des enormen Defizits 10 000 M. aus seiner Tasche beizutragen. Im Juni fand darauf die kriegsgerichtliche Verhandlung gegen den Vizefeldwebel Merkel wegen Urkundenfäl- schung, Unterschlagung.Betrugs, Ungehorsams'-nd Falschmeldung statt. Merkel bezeichnet sich als Opfer der Verhältnisse. Er will vieles aus Gutmütigkeit getan haben. An der Mißwirtschaft sei er nicht schuld, eine solche habe schon seit Jahren bestanden. Wie es um die Kasinoschulden bestellt war, sei allgemein bekannt gewesen. In Offiziersversammlungen habe man auch lebhast klage darüber geführt. Die Defizits seien in der Hauptsache dadurch enfftanden, daß die Verkaufspreis« meist unter den Einkaufspreisen standen. Um di« Schulden und Defizits nicht allzu hoch erscheinen zu lassen, babe er allerdings mehrfach falsche Angaben in Berichten und Abschlüssen gemacht. Ein unlauteren Zweck will er jedoch damit nicht verfolgt haben. Die Anklage legte Merkel zur Last, daß er die Wirtschafts- bücher gefälscht hat in der Absicht, die Ueberbeträge in seine Tascty« wandern zu laffen. Weiter soll er in der Zeit von 1909 bis 1911 rund 659 M. aus der Kastnokaffe entnommen und für sich verwendet haben. In der Zeit von 1911 bis zur Ablösung hat Merkel Wäsche, guittungen in der Weife gefälscht, daß er höher« Beträge einsetzte. als er in Wirklichkeit bezahlte. Bei den einzelnen Wäscheposten befand sich auch Merkels Wirtschaftswäsche, di« er auf Kosten der Kasinokasse waschen ließ. Durch diese Manipulationen ist die Kaff« um rund 700 M. geschädigt worden. Bei der Ablösung Merkels wurde in der Kasinokaffe ein Manko von 500 M. vorgefundeu. Auch verschiedene kleine Einzelbeträge sollen in seine Tasche ge« wandert sein. Was für eine Mißwirtschaft und Schlamperei im genannten Kasino geherrscht hat, ergibt sich daraus, daß z. B. das Abendessen eines Offiziers für 150 Personen um mehrere hundert Mark niedriger berechnet worden war, als es hätte kosten müssen. Reb- Hühner wurden gebraten billiger verkauft, als sie im rohen Zustand« kosteten. Oft wurden Kompotts gegeben, die mehr kosteten, als man für das ganze Effe» verlangte. Charakteristisch ist auch ein Verlustkonto, das Merkel führte. Darin figurieren 1600 Flaschen Wein und Sekt, 75 Flaschen Likör, 3000 Flaschen Bier, 12000 Stück Zigarren und 24 000 Stück Zigaretten als abhanden gekom- m e n.— Das Kriegsgericht nahm nur Falschmeldung in fünf Fällen an und verurteilte den Angeklagten zu sieben Monaten Ge» f ä n g n i s und zur Degradation. Gegen das Urteil legten sowohl der Angeklagt« al» auch der Gerichtsherr Berufung ein. Ersterer erstrebte Freisprechung und letzterer Bestrafung wegen gewinnsüchtiger Urkundenfälschung und Unterschlagung sowie Versetzung in die 2. Klasse des Soldaten« standes. Nach dem ärztlichen Gutachten ist Mörtel weder geistes- krank noch minderwertig, aber dienstunbrauchbar wegen Neurasthenie. Das Oberkriegsgericht erkannte nach sehr langer Verhandlung auf Verwerfung der Berufung« il und rechnete dem Angc- klagten 5 Monate der Untersuchungshaft auf die Strafe an. Di« Bestätigung der Degradation durch die Berufungsinstanz hat süe den im 18. Dienstjahr stehenden Angeklagten den Verlust der Dienst« Prämie in Höhe von 1000 M. zur Folge. Lelgien. Der Kampf nms Wahlrecht. Die belgische Arbeiterpartei organisiert zum 12. No- vember, dem Tage der Parlamelltseröfsnung, im g.anzen Lande etwa 1999 Versaminlungen. Für Brüssel wird ein halbtägiger D e m o nst ra t t ons st r e l r vorbereitet. Die Arbeiterschaft hat die Absicht, die sozialisti» sche Fraktion bis zum Parlament zu begleiten. 6cwcrkrchaftliche9. Die Schädigung der Nation durch Streiks. Daß es heute noch Leute gibt, die hinter jedem Streik die Hydra der Revolution erblicken, ist bekannt. Unzählig aber sind diejenigen, die noch glauben, Streiks ziehen für die Arbeiter wie für die Gewerbe und schließlich für die ganze Volkswirtschaft bedeutenden Schaden nach sich. Wäre letzteres der Fall, dann müßte es mit unserer industriellen Entwicke lung recht schlimm stehen. Es ist aber nicht so. Man kann sehr gut den Nachweis liefern, wie Streiks der— wenn man den Ausdruck gebrauchen will— nationalen Arbeit förderlich gewesen sind. Ter durch Streiks und Lohnbewegungen erzielte Mehrlohn, die erkämpfte Arbeitszeitregelung sowie die durch die Kämpfe gewonnene Stabilität in Erwerbs- fragen hat der nationalen Arbeit nur nützen können. Tarif- Verträge, paritätische Arbeitsnachweise, die Unterhaltung von Arbeitslosen und Kranken durch die Gewerkschaften, die Stär- kung der Moral in der Arbeiterschaft, alles das sind Dinge, die dazu beigetragen haben, daß Deutschland heute auf eine so glänzende industrielle Entwickelung zurückblicken kann. Wer kein Ignorant ist und wem der Haß gegen die Ge- werkschaften nicht die richtige Ueberlegung geraubt hat, wird diesen Erfolg der Arbeiterbewegung einsehen. Wie jämmer- lich einzuschätzen sind doch die fortwährenden Versuche, immer wieder die Streiks als nationales Unglück zu bezeichnen. Sie wären es, wenn den berechtigten Forderungen der Arbeiter freiwillig Rechnung getragen würde; so aber stände es schlimm um die Millionen Arbeiter, wollten sie auf die Waffe des Streiks verzichten. Heute ist es doch so, daß die GeWerk- schaften jeden Fußbreit Boden, der zum wirtschaftlichen Auf- stieg der Arbeiterklasse führt, erkämpfen muß. Also: Streiks sind leider notwendig, will die Arbeiterklasse wirtschaftlich vorwärts komnien. Wie erbärmlich die Feinde der Arbeiter die Gewerk- schaften und die Streiks in Mißkredit zu bringen suchen, dafür gibt ein Artikel ein Schulbeispiel ab. den wir in der letzten Nummer der„Deutschen Arbeitgeberzeitung" finden. In dieseni Artikel wird im langen und breiten auf die Schädi- gung der nationalen Arbeit durch Streiks hingewiesen. Und als hauptsächliches Argument gegen Streiks werden die Zahleir der verlöre ireil Arbeitstage infolge der A u s st ä n d e angeführt Innerhalb 12 Jahren seien 47 Millionen Arbeitstage durch Streiks verloren gegangen. Wir bemerken, daß jetzt auch die christlichen Gewerkschaftsblätter anfangen, sich derselben Waffe gegen die freien Gewerkschaften zu bedienen wie das genannte Scharfmacher- organ. Wie steht es nun mit der angezogenen Behauptung, es gehen infolge des Streiks der Volkswirtschaft Arbeitstage ver° loren? In den letzten 12 Jahren waren es 47 Millionen Tage, im Jahre 1911 allein 6 864 240 Tage!„Welcher Müßiggang!"„Welches Unglück für die Industrie!" So schreien die Arbeiterfeinde auf. Aber diesem„Müßiggang" und diesem„Unglück" kann wirksam entgegengetreten werden, wenn man sich niehr dazu bequemen würde, den Arbeiter- wünschen Rechnung zu tragen. Aus Vergnügen streiken Ar- bciter nicht. Also schädigen die Ausstände— was noch bewiesen werden muß— die nationale Arbeit, dann sind die Ver- antwortlichen für diese Schädigung doch jene Leute, die den Arbeitern den redlichen Anteil am Arbeitsertrag und Arbeits- vertrag vorenthalten. Doch einige Bemerkungen zu der Zahl der verloren ge- gangenen Arbeitstage. Die Herrschaften, die sich nach jedem Streik hinsetzen und solche Berechnungen wie oben anstellen und ausnutzen, sollten sich einmal hinter den Studiertisch setzen und nachrechnen, wieviel Tage der nationalen Arbeit der Volkswirtschaft verloren gehen, weil man es für gut hält, der Arbeiterklasse in ihrem wirtschaftlich-kulturellen Aufstieg hindernd in den Weg zu treten, und weil es ferner an dem nötigen Schutz fehlt, den die Arbeiter und ihre Familien verlangen können. Wir verweisen auf die U n f a l l z i f f e r n. Im Jahre 1910 wurden bei den Berussgenossenschaften nicht weniger als 672 961 Unfälle angemeldet. 8857 Arbeiter verunglückten tödlich, 1072 wurden durch Unfall völlig er- werbsunfähig, 47 696 teilweise und 74 439 Arbeiter vorüber- gehend erwerbsunfähig. Die„Deutsche Arbeitgeberzeitung" und die schlauen Christenfllhrer, die über die verlorenen Ar- beitstage beim letzten Bergarbeiterstreik jammern, mögen einmal nachrechnen, wieviel Unfälle hätten vermieden werden können, wenn den Arbeitern der nötige Schutz gewährleistet worden wäre. Wir behaupten, die Hälfte Unfälle, die tödlichen, die schweren wie die leichten, hätten sich vermeiden lassen, wenn man in dem Arbeiter mehr den Menschen gesehen hätte, mehr das Subjekt, nicht das Ausbeutungsobjekt. Würden wir annehmen, daß allein von den getöteten 8857 Arbeitern die Hälfte ihr Leben behielten, und nehmen wir weiter an, daß diese Leute im Durchschnitt noch 10 Jahre gelebt hätten, dann kommen mehr als 16 000 000 gewonnene Arbeitstage heraus. Im Jahre 1910 kamen insgesamt in den deutschen Krankenkassen 5712293 Krankheitsfälle mit ins- gesamt 113530 003 Arbeitstagen, für die Krankengelder ge- zahlt wurden, vor. Wer will bestreiten, daß bei gesunden Ar- beitsverhältnissen sich nicht die Hälfte der Krankheiten ver- hindern lasse? Selbstverständlich gehört dazu auch, daß der Arbeiter sich kräftig nähren und gut wohnen kann und daß er sich sonst berechtigterweise das leisten kann, was seine Ge- sundheit aufrechterhält. Die verbleibende Krankheitsziffer wäre dann immer noch hoch. Rechnen wir dann noch die ver- lorenen Arbeitstage hinzu, die durch Unfall verursacht wurden und für die die Krankenkassen später nicht mehr aufzukommen hatten, dann stehen die Dinge so, daß der Volkswirtschaft jährlich auch hier 50 bis 60 Millionen Arbeitstage gespart werden können. Wollen sich die Unternehmersöldlinge nicht eininal hinsetzen und die Lebensdauer der Arbeiter mit der der Nichtstuer, überhaupt der Bessersituierten vergleichen? Was da an Tagen, Jahren und Leben den Arbeitern gestohlen wird, schreit zum Himmel! Und alles das infolge der kapi- talistischen Ausbeutung! Und wieviel Berufsinvaliden laufen nicht herum, die infolge schwerer und ungesunder Arbeit sich krank, oft in jungen Jahren, haben niederlegen müssen. Millionen und Abcrmillionen Tage lassen sich auch hier herausholen, die der nationalen Arbeit in einzelnen Jahren verloren gehen. Und wenn die Frauenarbeit und Frauenausbeutung sieche und kranke Frauen zu Tausenden schafft, und wenn No: und Armut tausende Wöchnerinnen frühzeitig sterben läßt, und wenn schließlich derselbe Jammer uns die hohe K i n d e r st e r b l i ch k e i t in der Arbeiterklasse bringt, was ist das weiter, als kapitalistischer Raubam Menschenleben und an der Volkswirtschaft z ug I e i ch. Das ist sicher, die Gewerkschaftskämpfe, wie der Wirt schaftlich-politische Kampf der Arbeiter überhaupt, verhindern vieles, sonst sähe es noch schlimmer aus. Wir gehen nicht fehl, wenn wir schreiben, daß der mo derne Arbeiterkampf— sozial, politisch, geistig und Wirtschaft lich— der Volkswirtschaft jährlich mehr Arbeitstage erspart, als durch die Streiks verloren gehen. Dabei wird noch der Schaden, den die Streiktage bringen und soweit sie als ver lorene Arbeitstage buchen sind, zum allergrößten Teil nach dem Streik wieder wett gemacht. Und denken nicht die Schmöker daran, was die Gewerkschaften und die Sozialdemokratie nachholen müssen bezüglich der Er ziehung der Arbeiterklasse. Wissen sie nicht, wie erbärmlich diese Erziehung vor sich geht, die gleichfalls sich später an der Volkswirtschaft rächt? O, das wissen die literarischen Klopf fechter sehr wohl. Aber ihnen kommt es nicht daraus an, der Wahrheit die Ehre zu geben und der nationalen Arbeit wirk- lich zu dienen, ihnen geht die Verleumdung der kämpfenden Arbeiterschaft über alles. Deshalb auch das Geschrei über die durch Streiks verlorenen Arbeitstage. Berlin und Umgegend. Der Streik der Kranführer und Anbinde» bei der A. E. G. Huttenstratze, Turbinenfabrik, ist beendet. Die schwebenden Differenzen sind im Verhandlungswege beigelegt worden; die Di- rektion hat den Wünschen der Beteiligten Rechnung getragen. Die Arbeit wird Montag früh in vollem Umfange ausgenommen. Matz- regelungen finden nicht statt. Die über den Betrieb verhängte Sperre ist aufgehoben. Deutscher Transportarbeiterverband, Sektion v. Der Streik in der Bonbonfabrik von Seifert und Haake, Lietzmannstr. 20/21 dauert unverändert fort Die Firma glaubt von Woche zu Woche, daß die Streikenden Ivankelmütig werden. Dieselben stehen aber fest wie am ersten Tage. Die Reisenden sind jetzt (um die Abnehmer zu täuschen) angewiesen, für andere Firmen auf Rechnung von Seifert u. Haake zu verkaufen. Durch das Weg- bleiben der Kundschaft hat die Firma bisher einen unberechenbaren Schaden erlitten, dazu kommt, datz sie jetzt ihren Arbeitswilligen höhere Löhne zahlt als sie die Streikenden überhaupt fordern. Ter krasse Unternehmerstandpunkt aber lätzt es bisher zu einer Eini- gung nicht kommen. Achtung, Schuhmacher! Eine sonderbare Taktik übt die Matz- schuhwaren-Firma F. P r i e st a p, Unter den Linden 19. Im Juli d. I. mutzte ein Arbeiter, um zu seinem Lohn zu kommen, Klage erheben, und noch heute wartet derselbe auf sein Geld, ob- wohl die Beklagte verurteilt wurde, zu bezahlen.— Herr M a e r k e r, der bisher zu Unrecht von den Arbeitern als Inhaber der Firma betrachtet wurde,— weilte damals im stärkenden Bade der Ostsee. Ein Termin wurde deswegen vertagt, aber im zweiten erfolgte die Verurteilung. Die Pfändung, welche beantragt wurde, hatte keinen Erfolg, weil Klag« gegen die Firma Priestap, Jnh. Maerker, erhoben war. In einem neuen Termin, der am 8. Ol- tober stattfand, legitimierte sich Herr Maerker als Geschäftsführer seiner Gattin; dem Arbeiter wurden aber 7,65 M. durch Urteil zugesprochen. Aber auch der Minimallohntarif wird, trotz Vereinbarung mit der Innung, von folgenden Schuhmachermeistcrn und Besohl- anstaltsbesitzcrn nicht gehalten: Karl Glieneke, Gr. Frankfurter Strahe 72(Verkaufsgeschaft); Mar�nde, Veteranenstratze 25; B a n se m e r, Anklamer Str. 40, der bereits seit Jahren dem Arbeiter den ausgeklagten Lohn von 59,60 M. schuldet und Zwischenmeister der Firma Tack u. E i e. ist; Sommer, Schönhauser Allee 58, Dettbarn, Voltajtr. 5 und F. Matalitzli, Koppen- stratze 19. Die getroffenen Vereinbarungen zu halten, haben sich diejenigen Schuhmachermeister verpflichtet, die sich durch ein rotes mit unserem Stempel versehenes Plakat ausweisen mit der Auf- schrift: Hier sind die Forderungen der Schuhmachergehilfen be° willigt. Zentralverband der Schuhmacher, Ortsvcrwaltung Berlin. Tarif-Fleischereien! In Neukölln haben nachträglich folgende Fleischermeister den Tarifvertrag anerkannt: P. Meyer, Reuter- stratze 84, K. Przybyla, Teupitzer Straße 12, C. Werner, Kaiser-Friedrich-Str. 22, Aug. R o s e r, Kaiser-Friedrich-Stratze, I. K r a p k a t, Weisestr. 8, A. V o l l a n d, Heidelberger Str. 80. Zentralverband der Fleischer. Achtung, Dachbecker! Wegen Nichtanerkennung des Tarifes ist die Firma� Otto Schmidt, Spandau, Plantage 8, für Dach- decker und Hilfsarbeiter gesperrt. Zentralverband der Dachdecker. Gau Osten. veurkdies Reich. Die Tarifgemeinschaft der Chemigraphen und Kupfer- drucker im Jahre 1911. Der jetzt erschienene Geschäftsbericht bringt zunächst die neue Liste der 154 tariftreuen Firmen; zugetreten sind 15 neue Firmen, 12 Firmen mutzten aus dem Verzeichnis gelöscht werden. Von den 5 bestehenden Schiedsgerichten haben 4 getagt, die 18 Klagen zu entscheiden hatten. Bei diesen Klagen waren zwölftnal die Ge- Hilfen Kläger, sechsmal die Prinzipale. Mit ihren Klagen be- fanden sich im Recht die Prinzipale zweimal, im Unrecht zweimal; mit Stimmengleichheit wurden 2 Klagen entschieden. Tie Ge- Hilfen waren im Recht viermal, im Unrecht viermal, 2 Klagen wurden mit Stimmengleichheit entschieden, 2 Klagen wurden an den Fachausschutz für Kupferdrucker überwiesen. Von den 4 bc- rufungSfähigen Entscheidungen wurden durch das Tarifamt je eine zugunsten der Prinzipale und Gehilfen entschieden, während eS in zwei Fällen zu einer Einigung kam.— Obgleich die Arbeits- losenziffer gegen da? Vorjahr zurückgegangen ist, war die Jnan- spruchnahme der Arbeitsnachweise eine gegen das Vorjahr wesent- sich bessere.— Sämtliche Prüfungskommissionen mutzten sich mit Klagen wegen Nichteinhaltung der Preiskonvention beschäftigen. In 8 Fällen hatte das Tarifamt zu entscheiden. Zwei Firme», die eS ablehnten, auf gewerbsübliche Preise zu halten, wurden aus der Tarifgemcinschaft ausgeschlossen, während zwei andere Firmen sich zur Zahlung einer Buße von je 300 M. bereit er- klärten, die in die Kasse der Tarifgemeinschaft geflossen sind. Die übrigen versprachen Besserung. Sonstige aus dem Tarif sich er- gebende Streitfragen wurden auf schriftlichem Wege mit den Parteien oder mit den Kreisvcrtretern beigelegt. In etwa Jahres- frist wird der Tarifausschutz über den Fortbestand der Tarifge- meinschaft und damit über die Revision des Tarifes zu entscheiden haben. Zu diesem Zwecke sollen in den nächsten Monaten sta- tistische Fragebogen an die Mitglieder der Tarisgemeinschast ver- sandt werden, um einen lleberblick über die Tariflagc zu be- kommen. Die polnische Berufsvereinigung der Bergarbeiter in Verlegenheit. Wie bekannt, hatte sich die polniscke Berufsvereinigung von dem gemeinsamen Borgehen mit den anderen Organisationen bei der letzten Bergarbeiterbewegung losgesagt, um allein eine Lobn- beweaung der oberschlesisckien Bergarbeiter zu führen. Diese Lohnbewegung will jetzt die polnische Bergarbeiterorganisation einleiten. Sie veröffentlicht zu dem Zwecke ihre Forderungen in Form einer neuen Arbeitsordnung. Nack, dieser wird die acht- stündige Arbeitszeit exklusive der Ein- und Ausfahrt gefordert, bei 36 Grad Celsius soll nur sechs Stunden gearbeitet werden, für An- schläger soll die Arbeitszeit 9 Stunden, für die Odert agsarbeitcr 12 Stunden mit insgesamt 2 Stunden Pausen betragen; Kinder unter 13 Jahren dürfen nicht beschäftigt werden, es sei denn, datz sie nicht mehr zum Schulbesuch verpflichtet sind. Kinder unter 14 Jahren können nur 6 Stunden beschäftigt werden, junge Leute von 14—16 Jahren können nur 10 Stunden beschäftigt werden. Die Leitung der polnischen Organisation scheint mit den Gesetzes- bestimmungen nicht sehr vertraut zu sein, beim vieles, was sie fordert, ist heute schon Gesetz. Um diese Forderungen einzureichen, wurden von der polnischen Berufsvereinigung am Sonntag, den 6. d. Mts., 39 Versammlungen anberaumt, von denen einige wegen schwachen Besuchs nicht statt- finden konnten. Die Versaminlungen trugen den ArbeiterauSschüsien auf, die Forderungen den Bergverwaltungen zu unterbreiten. Sollten bis zum 24. d. Mts. die Forderungen nicht zur Verhandlung kommen und die Arbeiterausschüsse keine Antwort erhalten, dann will die polnische Berufsvereinigung die anderen Bergarbeiter- organisalionen zur gemeinsamen Arbeit einladen, so heitzt es wenigstens in der Erklärung des Zentralvorstandes der polnischen Berufsvereinigung in der, Gazeta Ludowa" vom 11. d. Mts. Wie verlautet, sollen am Sonntag, den 13. d. M., der alte Bochumer Verband, der christliche Gewerkverein, der Hirsch-Dunckersche Gewerkverein und die Berliner Fachableilung Revierkonferenzen ein- berufen, um zu den Forderungen der polnischen Berufsvereinigung Stellung zu nehmen. Mit den Forderungen und mit. dem alleinigen Vorgehen dachte die polnische Berufsvereinigung die oberschlesischen Bergarbeiter für ihre Organisation zu gewinnen, der Leitung wurde aber durch die Versammlungen der feine und doch io dumme Plan durchkreuzt, weil die Versammellen verlangten, datz alle Organisationen ge- meinsam vorgehen sollen. Und so sitzt jetzt die polnische Berufs- einigung auf der scharfen Kante.- Der Streik bei der Halbcrstädter Würstchenfabrik von Chr. Förster(Inhaber A. Wald eher) ist mit Erfolg beendet. ES kam zu einer Vereinbarung zwischen der Firma und dem Zentralverband der Fleischer, wonach für die streikenden Gesellen und Arbeiter über 18 Jahr« eine sofortige Lohnzulage von 1,75 M. pro Woche und für Jugendliche und A» beiterinnen eine solche von 1 M. erreicht wurde. Der Mindestlohn für Gesellen ist auf 23 M., der für Arbeiterinnen auf 8 M. und der für jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen unter 16 Jahren auf 7 M. pro Woche festgesetzt. Der Mindestlohn für Gesellen ist dadurch bis 3 M. wöchentlich erhöht worden, für Arbeiterinnen und Jugendliche um I M. Die Fleischerorganisation kann mit diesem Erfolg zufrieden sein. Nachdem nun in den beiden größten Wurst- fabriien durch die Bewegung die Löhne erheblich erhöht wurden, wird man sich in oen andern Wurstfabriken am Orte dem auch anpassen müssen. Der über die Firma verhängte Boykott ist aufgehoben. Tcxtilarbciterstreik in Schwarzenbach a. d. Saale. Am Freitag haben etwa 180 Arbeiter der Schwarzenbacher Buniweberei und Spinnerei wegen Lohndifferenzen die Arbeit ein« gestellt. Zu dem schnellen Ausbruch des Streiks trug eine Beleidi- gung der Arbeiter durch den Direktor Kausler wesentlich bei. Der Mann glaubte seiner Sache dadurch dienen zu können, datz er seine Arbeiter Faulenzer schimpfte._ Lohnbewegung der Hamburger Tabakarbeiter. Scheinbar sind bielfach die Löhne der Tabakarbeiter von Ham- bürg und Altona höher als die ihrer mittel- und süddeutschen Kollegen, in Wirklichkeit ist der Verdienst durchaus unzureichend und reicht nicht zur Bestreitung der notwendigsten Bedürfnisse. Alle anderen Arbeiter verdienen auch in Hamburg einen höheren Lohn als die Tabakarbeiter, dennoch jammern die Hamburger Zigarren- fabrikanten ständig wegen der hohen Löhne und reden von der Ver- lcgung ihrer Betriebe nach dem Inlands, wie denn auch die meisten bereits Fabriken in allen möglichen Gegend« Deutschlands haben. Natürlich können die Hamburg-Ältonaer Tabakarbeitcr deshalb nicht jegliches Verlangen nach Besterstellung der ohnehin schlechten Lage aufgeben. Vor einiger Zeit traten sie nun an die Orgainiation der Fabrikanten mit der Forderung eines 15 prozentigen Lohnausschlages heran. Der Fabrikonrenvekrin lehnte ein Verhandeln ab, bestritt auch die Gründe der Arbeiter, sowie die Möglichkeit einer Lohnaufbesserung im Hinblick aus die süddeutsche Konkurrenz. Die Arbeiter wandten sich daraus an die einzelnen Firmen, die denn auch auf Verhandlungen eingingen. Nach mancherlei Mühe und Arbeit ist nun die Bewegung zum Abschlutz gebracht worden mit dem Resultat, datz 41 Firmen, darunter auch die grötztcn, für Zigarrenarbeitcr, Zigorilloarbeiter. Sortierer, Be- lieber usw. beachtenswerte Zugeständnisse gemacht haben. Für die Zigarrenarbeiler erfolgten auf die einzelnen Sorten Lohnerhöhungen von in der Mehrzahl eine Mark, neben der Höchstzulage von 6 M. bei einer Sorte wurden für 116 Sorten 50 Pf., und für 10 Sorten unter 50 Pf. Zulage erreicht. Im ganzen sind auf 472 Sorten Lohnzulagen erfolgt Bei den Sortierern sind die Lohnzulagen zum Teil günstiger als bei den Zigarrenarbeitern, sie haben auf viele Sorten einen Aufschlag von 10 bis 50 Pf. pro Mille erhalten. Sortierer, Bc- kleberinnen und Fertigmacher, die im Wochenlohn stehen, haben teilweise eine Erhöhung des Lohnes von 50 Pf. bis 2 M. erhalten. Einige Firmen legten auch den Zigarilloarbeiterinnen bis 50 Pf. pro Mille zu. Wenn auch eine generelle Lohnerhöhung auf alle Sorten� und für die nicht im Stücklohn Arbeilenden notwendig war und gewünscht wurde, so haben sich die Hamburg-Altonaer Tabakarbeiter in Rück- ficht auf den Umstand, datz die Erfolge ohne Streik erzielt worden sind, für diesmal zufrieden gegeben. Ein beachtenswerter Schritt ist doch vorwärts gemacht worden. lverantw. Redalt� Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantwj: LH Glocke. Berlin. Druck u. Terlaa: Vorwärts Buchdr. u öerlagSanstalt Sie Lsge auf dem Balkan. Eine mysteriöse Notiz. Köln, 12. Oktober. Die„Kölnische Zeitung" meldet auS Berlin: Nach der Entwicklung der letzten Tage kann et für nie. wand mehr eine Ueberrafchung fein, wenn das von Herrn Poincarä veranlatzte Vorgehen unmittelbaren Erfolg zur Verhinderung de» Krieges unter den Balkanvölkern nicht mehr haben wird. Die Schuld an diesem wahrscheinlich gewordenen Ausgang wollen einige Blätter der zögernden Haltung der englischen Re» gierung zuschreiben, lvas unseres Erachten» jedoch zu weit geht. Vor allem ist nach hiesiger Auffassung daran festzuhalten. datz der Hauptzweck des Schritts und der vereinbarten Haltung der Mächte erreicht ist: auch bei Eintritt der anderen Balkanvolker in den Krieg ist ein Riegel dagegen vorgeschoben, datz der Brand um sich greift und die Grotzmachte t" dlrekte Mitleidenschaft zieht. Das Verdienst hierfür kommt sicherlich Herrn Poincare zu. Französische Kriegsschiff- im Aegäischen Meer Paris. 12. Oktober.(P. C.) Ter Panzerkreuzer»JuleS Ferry". der aus Marokko nach dem Haft» von Toulon zurückgekehrt.st, hat den Befehl erhalten, sofort Kohlen aufzunehmen um nach d e m A e g ä i s ch e n M- e- S u f« h r en zur V-rstarkung der beiden bereits dort anwesenden französischen Kr.egSsch.ff«, l*ctzU ISacbrfcbtcm Bestätigung der Anwendung des Entcignungsgesetze». Posenj 12. Oktober.(P. C.) Datz das Enteignungsgesetz jetzt tatsächlich angewendet werden soll, wird soeben vom Präsidenten der Anfiedelungskommiffion bestätigt. Ein Hamburger Bankier flüchtig. Hamburg, 12. Oktober.(P. C.) Seit mehreren Tagen ist der Bankier Herbert Äayser verschwunden. Vor der Flucht hat er noch für 65000 Mark B er g w er k»a k t i»« an eine Berliner Gesellschaft verkauft._ Paul Singer 4 Co., Berlin SW. Hierzu 5 Beilagen. Nr. 240. 29. Jahrgang. 1. MlP Ks„itorairts" Klllim Bollislilstt. Sonntag, IB. Oktober 1912. Die Neuerung. Sachsen gegen eine Aenderung des§ 12. In der bürgerlichen Presse Sachsens wurde gemeldet, daß die sächsische Regierung bereit sei. zur Linderung der Fleischnot im Bundesrat die Aufbebung des§ 12 des FleischveschaugesetzeS zu be° fürworteu. Nach Informationen an maßgebender ßtelle— so schreiben die«Dresdner Nachrichten"— denlt die Regierung nicht daran, son- dern sie vertritt ebenso wie die preußische Regierung auch heute noch den Standpunkt, daß frisches Fleisch in das Zollgelände nur in ganzen Tierkörpern, die beim Rindvieh ausschließlich der Kälber und Schweine in Hälfte» zerlegt sein können, eingeführt werden darf. Einftlhr aus Belgien. Die Einfuhr von frischem Fleisch aus Belgien ist setzt gestattet Wie berichtet wird, ist nach Belgien z. Z. eine große Sendung argentinischen lebenden Viehes unterwegs. Die bisherigen Er- fahrungen mit dieser Einfuhr seien ermutigend. Es habe sich ge- zeigt, daß das Vieh bei längerem Transporte gesund bleibe. Nur 8 Prozent der Tiere seien unterwegs eingegangen. Die Qualität des Fleisches sei infolge der langen Trockensütterung auf dem Wasser besser geworden, wesentlich fester, aber doch nicht übennäßig fest. Das Fleisch würde zu billigem Preise nach Deutschland trans- portiert werden können. In 24 Stunden könne es aus den belgischen Schlachthäusern nach den rheinischen Städten gebracht werden. Städtische Maßnahmen. Einige größere Gemeinden in Ost- und We st Preußen haben die Einfuhr russischen Fleisches beschlossen. Tilsit wird be- reits in diesen Tagen die ersten Posten eingeführten Pökelfleisches verkaufen. In E l b i n g hat man sich dafür ausgesprochen, mit Königsberg und Tilsit gemeinsam zu beziehen. In Düsseldorf hat durch das Vorgehen der Stadt eine Reihe von Metzgern Veranlassung genommen, die Fleischpieise her- abzusetzen, und zwar teilweise bis aus die von der Stadt festgesetzten Fleischpreise. Bei dem von der Göttinger Stadtverwaltung abgehaltenen ersten Seefischverkauf war der. Andrang aus allen Kreisen der Bürgerschaft so groß, daß Schutzleute zur Aufrechterhaltung der Ordnung aufgeboten werden mutzten, damit die Verkaufsbude nicht gestürmt wurde. Da eS sich das erste Mal um einen Versuch handelte, hatte man probeweise 500 Pfd. Seefische von Geestemünde bezogen, die das Pfund zu 18 Pf., das heißt zum Einkaufs- preise verkauft wurden. In einer knappen Stunde war der gesamte Bestand ausverkauft, so daß Hunderte von Menschen nichts mehr bekommen konnten. Die Stadt Lieg nitz hat in Holland 31 Schweine und 20 Rinderviertel aufgekauft, die an die Bevölkerung zum Selbstkostenpreise abgegeben werden. 42 Fleischermeistcr haben den Berkauf übernommen. Der Preis ftir Schweinefleisch schwankt zwischen 8 Jahren um 50 Proz. gestiegen. Den st ä d t i s ch e n Beamten der ersten drei Besoldungsllassen wurden für jedes noch schulpflichtige Kind eine einmalige Teuerung»- zulage in Höhe von 30 Mark bewilligt. Der Sradt Mannheim ist es gelungen, 1300 Kilogramm Ochsen- und Kalbfleisch aus Holland zu erhalten. Ersteres wird für 90 Pf., letzteres für 78 Pf. pro Pfund verkauft. Den Verkauf haben einige Metzger übernommen. In den nächsten Tagen soll, ebenfalls von Holland, ein Transport lebenden Viehs eingeführt werden. Sie iftmee der»iohle im fahre 1911. 1688 Tote, 58 völlig dauernd erwerbsunfähig, 2849 dauernd teilweise Krüppel und 7618 vorübergehend erwerbs- unfähig Verletzte haben die deutschen Bergarbeiter in einem Jahre dem Grubenkapital als Opfer ini Kanipfe um ihre Existenz auf dem Schlachtfelde der Arbeit bringen müssen. So berichtet in lakonischer Kürze der Verwaltungsbcricht der Knappschafts-Bernfsgenosicnschast für da? Jahr 1911. Nach dem Bericht waren im Jahre 1911 in 2003 Betrieben 858 274 Arbeiter beschäftigt. Insgesamt wurden in demselben Jahre 114 66? Personen durch Unfälle verletzt gemeldet. Kleines Feuilleton. Podgoritza.„Der König ist mit seinen Generalen nach Pod- goritza«nfgebrochen, wo sich von nun an das Hauptquartier be- finden wird,"— so lautete die nach der Kriegserklärung_Monte- negros an die Türkei aus Cetinje abgegangene Depesche,«eitdem ist es schon zu blutigen Zusammenstvßen gekommen uird sind die montenegrinischen Truppen von Podgoritza aus nach verschiedenen Richtungen gegen die türkische Grenze vorgedrungen. Eine Tage- reise gebraucht man von der montenegrinischen Hauptstadt, die ein kleines und unscheinbares Felsennest ist. uni nach Podgoritza zu ge- langen, das in der blutgetränkte» Zeta-Ebene liegt. Wer das Reich der Schwarzen Berge nach seiner im hohen, öden Karst ge- lcaenen Hauptstadt beurteilte, wird auf das freudigste berührt sein, wenn er nur eine knappe Stunde von Cetinje aus südlich wandert, und wenn sich dann plötzlich tief unter ihm die lächelnden blauen wn des Skutarisccs ausbreiten, eingesäumt von fruchtbaren Keld rn von Gärten mit Obst und Wein, während den fernen Hintergrund die schneebedeckten, in die Wolken ragenden Bergzuge btt MeR�liebUcher�und ansprechender ist der Eindruck Pod- goritzas als wie der Cetinjes! Du«tadt mrt ihren etwa 8000 Einwohnern ist denn auck, viel volkreicher und gewerbtatiger als di- kleine Konigsresidenz und weilt ein'nteressantes. bunt zusammengewürfeltes Volksleben auf. DaS tritt besonders in die Erscheinung an den Markttagen. dcrcnSchaupatzdie von niedrigen Häuschen eingesäumte breite � gewachsene Montenegriner in stolzer Haltung, den �meerevolver in der breiten Leibbinde, das winzige goldgestickte K pp« keck auj dem sonnenverbrannten Haupte. Albaner in" �.. schwarz eingesäumten Röcken. Malissoren. zerlumpte. Gurken ,n Fes und Turban, auch einzelne vermummte, dunkel gekleidete tur- tisch- Frauen schieben und drangen sich durcheinander E.n xe�er Handel und Wandel findet statt, jeder Kauf b�a� nach orienta. lischer Sitte seiner bestimmten Frist, Käufer und-Verkäufer suchen sich zu überlisten.... Auch hier bildet, wie im ganzen Orient, das vo.tstumliche Ge- triebe den hauptsächlichen Reiz. Kreuz und Halbmond iioßen hart zusammen, hier griechisch-orthodoxe Kirche mit blanken Kuppeln und langbärtigen. in wallende schwarze Gewandungen gehüllten Priestern, jenseits der Moratscha aber kleine Moscheen mit spllli- geren Minarets, halbverfallenen Häuschen und ubelricchcnden, winzigen Gäßchen. Tort ist ja schon türkisches Gebiet, zieht sich doch die Grenze unweit der Stadt hin mit Blockhäusern hüben und drüben und mit verwahrlosten türkischen Militärkastells auf den. Danach hat jeder siebente Arbeiter im Bergbau durch Betriebs- Unfall eine Verletzung erlitten. Das ist ein grausiges Bild der Vernichtung von Menschenleben und Menschenglück, daß der Bericht in den trockenen kalten Zahlen zum Ausdruck bringt. Die Zahl der gemeldeten Unfälle ist gegen das Vorjahr, nicht nur in der Gesamtzahl, sondern auch in der Zahl derauf IVOS v er- sicherte Personen, gestiegen. Insgesamt wurden 114»6? Un- fälle gemeldet gleich auf 1000 versicherte Personen kommen 156,7? gemeldete Unfälle gegen 135,20 im Jahre 1910. Die Zahl der entschädigungspflichtigen Unfälle— das sind solche die beim Abschluß des Heilverfahrens bezw. beim Ablauf der 13. Woche noch erwerbsstörende Folgen hinterlassen haben— betrug>2 215 gegen 12155 im Jahre 1910. Der Ver- gleich der Unfallziffern von 1911 zu 188S dem ersten Jahr ergibt, daß die Zahl der gemeldeten Unfälle 1386 von 22 497, gleich auf 1000 Versicherte Personen 65,45 sich aus 114 66? gleich auf 1000 ver- sicherte Personen 156,7? im Jahre 1911 erhöhte. Die Zahl der entschädigungspflichtigen Unfälle stieg von 2267 gleich auf 1000 Versicherte 6,69 im Jahre 1886 auf 12 215 gleich auf 1000 versicherte Personen 14,57 im Jahre 1911. Der Berichterstatter tröstet hier damit, daß die Zahl der entschädigungS- Pflichtigen Unfälle 1911 geringer ist wie im Jahre 1903(14,60). Der Trost ist indessen sehr problematischer Statur, denn dadurch wird die traurige Tatsache nicht aus der Welt geschafft, daß die schweren Unfälle erheblich zugenommen baben. Im Jahre 1911 betrug die Zahl der tödlichen Unfälle 1639 gegen 1571 im Vorjahr, oder 1911 kommen auf 1000 versicherte Personen 2,01 tödliche Unfälle gegen 1,90 im Vorjahr. Massenunfälle, das sind solche, bei denen 19 ode?mehr Personen verletzt wurden, sind im Jahre 1911 vier zu verzeichnen, bei denen 24 Personen getötet und 61 Personen verletzt wurden. Davon: Auf der Zeche„Deutscher Kaiser"... 16 Tote, 3 Verletzte .«.Hannibal"....... 3«41« » Gewerkschaft Heipstädt....... 3, 7« , Kons. Grube«Gieschow"..... 2» 8 ,, Der Bericht macht Angaben über die Ursachen der Un° fälle. Diese Angaben beruhen ebenso wie die amtliche Unfall- statistil fast ausschließlich auf der Annahme der Berufsgenossen- schafren, die dem Verletzten die Schuld aufzubürden streben. Dennoch enthalten diese Angaben beachtenswertes Material. Von den cnt- schädigungSpflichtigen Unfällen sind durch die Gefährlichkeit des Betriebes an sich 8494— 69,55 Mängel des Betriebes im besonderen. 129— 1,06 Schuld der Mitarbeiter...... 472— 3,86 Schuld der Verletzten selbst.... 3118— 25,53 herbeigeführt. Erfreulich ist, daß die allgemeine und auch die Prozeutziffer der durch die Schuld(?) der Mitarbeiter und der Ver- letzten selbst herbeigeführten Unfälle zurückgegangen ist. Da- gegen ist die Ziffer der durch«unvermeidlichen Betriebs- g e f a hr" herbeigeflihrten Unfälle gegen das Vorjahr gestiegen. Es ließen sich auch die durch die„allgemeine Betriebsgefahr" ge- schaffenen Unfälle erheblich vermindern, wenn man dem, von den Bergarbeitern geforderten Arbeiterschutz Rechnung tragen würde. Indessen die Grubenmagnaten wollen ja daß der Arbeiter- schütz just nur«weiße Salbe' sein darf. Die Unfälle nach Tagen geordnet zeigt folgendes Bild. Es kommen Unfälle auf den: Sonntag Montag Dienstag Mittwoch 2314 17 790 I95?l 18786 Donnerstag Freitag Sonnabend 18 595 18 381 I?4I2 Danach steht der Sonnabend an erster Stelle mit der höchsten Unfallziffer, dann folgt der Dienstag an zweiter Stelle. Diese Erscheinung vermag der Berichterstatter sonderbarerweise nicht zu erklären. Daß der Dienstag die hohe Unfallziffer auf- weist, erklärt der Berichterstatter wie folgt:»... Der Sonntag und der Montag werden ntch den Berichten der Bergrevierbeamten durch viele Bergleute in u n s ö l i d e r Weise als Feiertage benutzt, die den Körper und Geist mehr anstrengen wie die Berufsarbeit." Diesmal drückt man sich schon vorsichtiger aus. In den Vor- jähren sprach man vom„blauen" Montag und von Trunkenheit der Bergarbeiter. Um feile Gründe ist der Berichterstatter nicht verlegen. Derselbe muß indes das Frivole seiner Behauptung wohl erlannt benachbarten Hügeln. Stets wurde von Podgoritza aus, das erst durch den Berliner Kongreß an- Montenegro fiel, seitens der Türken der Vorstoß gegen die Söhne der Schwarzen Berge unternommen. Das lctztemal im Sommer 1877, als Suleiman-Pascha mit 40 000 Mann gegen Cetinje vordringen wollte. Aber die an Zahl beben- tend schwächeren Montenegriner verteidigten so tapser und hart- näckig ihren rauhen heimischen Boden, daß die Türken in acht Tagen kaum 14 Kilonieter zurücklegen konnte», dabei zwei Drittel ihrer Truppen einbüßten und schließlich auf Podgoritza zurück- geworfen wurden. Durch den Berliner Kongreß wurde die Grenze so unglücklich bestimmt, daß es zu ewigen Reibereien hin- und herüber kommen mutzte, die stete Verbitterung auf beiden Seiten schufen. Jetzt ist der ewige Hader in offenen Kampf ausgebrochen. Viel Blut wird er kosten und von neuem die Wahrheit des alt- montenegrinischen Volksliedes bestätigen: „Nässer nicht vom Meerschaum ist die Küste. Als von Türkenblut die Czernagora." Gartenkunst.(Ausstellung im K un stg ew e r b c m u seu m. geöffnet bis zum 20. Oktober Wochentags, außer Montag, von 10 bis 3 Uhr, Sonntags- von 12 bis- 5 Uhr.) Es war nur selbstver- stündlich-, daß auch der Gartenbau dem architektonischen Prinzip Untertan wurde; das heißt: man lernte den Garten wieder als einen bewohnbaren Raum, zugleich aber als die sinnliche Fühlbarmachung und die Rhythmisierung solcher Räumlichkeit begreifen. Es sollen- Park und Garten nicht mehr ein Stück leerer Erinnerung an Königsz-eiten, noch ein Stück romantischer Wildnis, weder«ine Land- schaft noch ein Scherz sein. Man- will, daß Park und Garten, genau wie Haus und Möbel, dem Menschen dienstbar seien. Damit war es um die zwecklosen Teppichbeete und die kleinen GebirgS- und See- idhllen geschehen. Es sollte der Garten eine-Erweiterung der Woh- nung sein. Solches Programm ließ die Gärtner oft genug von verderblicher Anmaßung und pflanzentötendem Schematismus der Architekten sprechen. Die Gärtner warnten, eine nüchterne Zweckmäßigkeit nud-die Strenge einer areyiiektonischen Planung über den Garten kommen zu lassen. Die Gärtner fürchteten eine architektonische Vergewaltigung der Natur. Sie hatten vergessen, wie sehr schon der Garten des Mittelalters bewußt und gewollt ein« Aussonderung aus der Natur, eine zioeckmäßige, aus praktische Benutzung gerichtete Bildung durch Menschenhand war. Sie hatten vergessen, daß zu allen klassischen Zeiten des Gartenbaues grüne Wände sich um Räume schloffen und Hecken die Wege in Korridore wandelten. So war es nur eine Erneuerung des Alten, als-der moderne Garten wieder unter das architektonische Prinzip gestellt wurde. Dabei hat selbstverständlich niemals jemand genieint,-daß sich die Pflanzen nunmehr �beliebig, gleich toten Mauersteinen, verwenden lassen würden. haben, daher schweigt er sich über die Ursache der hohen Unfallziffer am Sonnabend aus. Und doch liegt der Grund für die hohe Zahl recht nahe. Die ungeheuer hohe Unfallziffer am Sonnabend ist auf die lauge Arbeitszeit und auf die horrende Ausbeutung der Lohnsklaven im Bergbau durch die Grubeunmgnaten zurückzu- führen. Durch intensive Ausbeutung der Arbeiter ist der Körper so ausgemergelt und abgestumpft, daß er am Schlüsse der Woche nur noch ein mechanisch schaffendes, für seine Umgebung völlig abgestumpftes Wesen ist. Daher der Ruf der Bergarbeiter noch mehr Bergarbeiterschutz. A n g e- messene Löhne, Beseitigung des Gedingelohnes oder mindestens seiner schädlichen Art, Verkürzung der Arbeitszeit würden auch die«durch die Gefahren deS Betriebes hervorgekufenen Unfälle" erheblich vermindern können. Die ganze Misere des Bergarbeiterschutzes wird in grellster Weise, durch die Unfallverhütung und Ucberwachung derselben beleuchtet. Insgesamt gab die Knappschafts- Bcrufsgcnossenschaft im Jahre 1911 für den Erlaß von UnfallverhütungS- Vorschriften I2l?,75 M. aus, und zwar Sektion I(Bonn) 522,81 M.; Sektion II(Bochum) 66,86 M.; Sektion III (Clausthal a. H.) I?5.?9 M.; Sektion IV(Halle a. S.) 557 M.; Sektion V(Waldenburg) 7?,l9M. Die Sektionen VI, VII und VIII gaben nicht einen Pfennig dafür aus. Für die Ueberwachung der Betriebe wurden insgesamt nur 9825,76 M. ausgegeben; davon entfallen auf Sektion II 1918,19 M.; Sektion HI 511,85 M.; Sektion IV 6962,14 M.; Sektion Vlll (München) 651,58 M. Die Sektionen I, 5, 6Zund 7 haben für die Ueberwachung der Betriebe nicht einen Pfennig aufgewendet. Der wirksamste Arbeiterschutz ist natürlich nur durch eine nachdrückliche Ueberwachung der Betriebe zu erlangen. Gegenüber den geradezu winzigen Summen, die für Unfallverhütung und Ueberwachung der Betriebe aufgewendet sind, beachte man die kolossalen Summen, die an B e r g ü t u n g e n, T a g e g e l d e r n, Reisekosten und Ersatz barer Auslagen an Bor» standsmitglieder, Delegierten und Vertrauensmänner auS- gegeben wurden. Die Genossenschaftsvorstandsmitglieder erhielten 15 555,89 M., die Sektionsvorstandsmitglieder 28 967,49 M., Delegierten für die Genossenschafts- und Sektionsversammlungen 22 665,58 M., die Vertrauensmänner 16 459,59 M. Insgesamt 82 715,45 M. Für das Heilverfahren innerhalb der ersten dreizehn>- Wochen wurden 429 591,65 M. aufgewendet, hiervon erstatteten die Knappschaftskassen 197 851,7? M. Die im Jahre 1911 gezahlten EntschädigungSbeträge betrugen insgesamt 295 126 669,82 M. Die Summe der erstmalig gezahlten Entschädigung 1911 betrug 46 599 529,95 M. Die soziale Fürsorge der Knappschafts-Berufsgenossenschaft wird >echt eigenartig auch durch die Rechtsprechung vor den Schieds« gerichten beleuchtet. Insgesamt waren 15 655 Bescheide bezw. Anträge erlassen. Hiervon wurden überhaupt erledigt 12 242. Davon fanden ihre Erledigung: 347 durch Zurücknahme; 1156 durch An» erkenntniS bezw. Vergleich; 9697 durch Zurückweisung der erhobenen Berufung bezw. Bestätigung des angefochtenen Bescheides; 978 durch völlige oder teilweise Abänderung des an- gefochtenen Bescheides bezw. Antrages. In nicht weniger als in 1156 Fällen bedurfte eS erst deS E i n g r e i f e n s des Schieds g e r i ch t s, ehe die Knappschafts-BerufSgenossenschaft sich zur Renten»- gewährung bequemte, und in weiteren 978 Fällen mußte erst Ver» urteilung erfolgen, ehe die Verletzten die Rente erhielten. Interessant ist die Höhe der Vollrente in den einzelnen Sektionen. So betrug die Vollrente bei Sektion I II III IV 812,46 M. V 892,67 M. VI 711,83 M. VII 711,88 M. VIII 667,77 M. 656 86 M. 724,64 M. 767,18 M. Die durchschnittliche Rente für eine Person betrug bei den Sektionen I II III. 255,58 SW.= 39,46% 269,29 M.--- 30.16% 296,21 Rl.=41,61% IV V VI 1 94,97 M.--- 27.26% 219,38M.= 32,85% 185,44 M.=28.23% vn VIII 229.-jM.= 30,37% 256.12M.= 33,38% Von solcher Entwicklung gibt die Ausstell-ung ein-übersichtliches Bild. Am interessantesten sind-die verschiedenen Versuche der großen Stadtgemein-den: Grünland, seien es die in das Häu-serm-ccr eingesprengten Plätze, fei es der Gürtel draußen- vor den Toren, nach der neuen Methode zu organisieren. Wir treffen solche neuen Anlagen aus Berlin, Neukölln, Görlitz, Rostock und vielen anderen Orten. Sie alle zeigen, wieviel Deutschland von Amerika, von den Bolksparks in Chikago und Boston, lernen wußte und noch zu lernen hat. In den vorderen Ausstellungsräumen des Museums wurden die Kupfer alter Gärten von der Frührenaissance bis zum Biedermeier vereint. Da erblicken wir etwas, was all den neuen Anlagen noch mangelt: die Form, den Rhythmus, den zweiten Bestandteil des architektonischen Prinzips. R. Br. Theater. König Lear im Schillertheater. Man will in den Schillertheatern dem Dichter dienen, und wenn man Klassiker aufsührt, sollen ihre Worte und Werke anschaulich erstehen. Nicht um der Nuancen willen oder um sich durch die Tricks szenischer Aus- stattungskunst blenden oder durch die Seltsamkeiten schauspielerischer Auffassungen überraschen zu lassen, erscheint hier das Bildungspubli- kum- ES kennt noch Respekt und verbirgt nicht seine Aufnahmefähig- kert. Und so folgte dnin auch am Freitag der an Greueln furchtbaren und an Tlefmenschltchem unerschöpflichen Tragödie im Charlotten» burger Hause eine hingebungsvolle Hörerschaft. Eine abgerundete Gesamtdarstellung war das Ziel dieser Lear- Auffuhrung. Sie wurde erreicht. Und das ist bei dieser schwierigen Aufgabe viel. Fmlrch, rm einzelnen kann man manches anders wünschen �er schlreßlich kam dieses gewaltige nud gewaltsame Drama menschlrcher Machtgröße und abgründigen FallS zu einer eliidrucksvollen Gesamtwirkung. PateggS Lear war eine tüchtige Leistung, der nur das Dämonische fehlte. Die hitzige Ueberspannt- heit, und vor allem die ganze Skala der Höllenwanderung durch Erniedrrgimg und Wahnsinn fanden in ihm charakteristische Prägung. asiitoig und wacker waren die Getreuen(Gloster und Ke»t) durch e!-.. c? 1 r 1 � und Ludwig Ltndikoff vertreten. Auch der H'vwpf Cornwall und der iutrigaiile Edmund wurden von Wlla E b e r h a r d t und Georg P a e s ch k e gut getroffen. Den -urren stimmte Paul B i l d t auf das Groteske ab. Alfred Braun - hersagte etwas als verrückter Thoms, war aber ein� tapferer Held. Die Besetzung der drei Töchter war die schwache Seile des Abends. Schwarze und blonde Haare allein tun'S nicht, um Goneril und Regan unterscheidend zu gestalten, und mit Liebenswürdigkeit allein ist es bei der Cordelia auch nicht getan. Die Inszenierung hlelt sich in den Grenzen kluger Zurückhaltung.— r. Münchener Theater. DaS von der? Zensur fteigegebene Lustspiel.Bubi' von Roda Roda und Mehrink hat bei Für die ganze Genossenschaft betrug die durchschnittliche Boll- rente SM,8S M. und die DurchschnittSrente für 1 Person 246,1 1 Sp.— 30,43%. Die Vollrente ist demnach bei den Sektionen V und VI �Waldenburg und Beuthen) am niedrigsten, während die DurchschnittSrente, die auf 1 Person fällt, in den Sektionen IV(Halles und VI(Beuthen) am niedrigsten ist. Die durchschnittliche Bollreute bei der ganzen Genossenschaft ist um ein geringes gestiegen, nämlich von 800,48 M.(1910) auf 808,85 SB.; ebenso die Durchschnittsrente für eine Person von 237,40 M. au 240,11 M.(1911). ÄKZ bedeuten diese winzigen Entschädigungen gegenüber den ungeheuerlichen Opfern an Menschenleben und Gesundheit, die die .Armee der Kohle" in dem einen Jahre im Kampfe ums Dasein hat bringen müssen? Eindringlich rechtfertigen die au? dem Bericht der Knappschafts- berufsgenossenschaft hervorgehenden Tatsachen für jeden, dem Menschen- leben, Menschengesundheit und Menschenglück höher steht alS das Profitinteresse der Grubenmagnaten, bis Forderung: an Stelle weißer Salbe mehr Arieiterschutz.__ Dritter deutscher fugcndgerichtstag. Frankfurt a. M., 12. Oktober 1812. Dritter»nd letzter Tag. Telegraphischer Bericht. Ter dritte deutsche Jugendgcrichtstag beschäftigte sich an seinem heutiger: letzten Sitzungstage mit dem Thema: Die Aatwendigtcit eines besonderen Jugendgerichtsgesetzes. Hierzu unterbreiteten die beiden Referenten. Oberlandesge- richtspräsident Wirklicher Geheimer Rat Dr. Hamm-Bonn und Amtsgerichtsrat Dr. Köhnc-Berlin. dem Jugendgerichtstag eine Reihe gemeinsamer Anträge, in denen es heißt: 1. Das Vyrgehen der Reichsregierung, eine Spezialgesetz für jugendliche Personen zu erlasse», die mit den Strafgesetzen in Konflikt geraten, ist dankbar zu begrüßen. 2. Der veröffentlichte Entwurf ist als ein erheblicher Fortschritt zu betrachten, reicht aber nicht aus zur Beseitigung der dringendsten Zlachteile des gegenwärtigen ZustandeS. 3. Der Entlvurf ist zu ergänzen durch Hcranfsetznng der unteren Strafmündigkeitsgrenze auf das 14. Lebensjahr, durch eine Vorschrift, daß im bedingt strafmündigen Alter Straflosigkeit eintritt, wenn der Jugendliche wegen zurück- gebliebener EntWickelung oder mangels der erforderlichen geistigen . oder sittlichen Reife nicht die Fähigkeit besaß, das Ungesetzliche seiner Tat einzusehen oder seinen Willen dieser Einsicht gemäß zu bestimmen; durch eine Vorschrift, daß Jugendgerichte an Land- gerichtsorten zu bilden sind und an anderen Orten gebildet wer- den können; durch Erweiterung der Zuständigkeit der am Sitz der Landgerichte bestehenden Jugendgerichte auf alle Vergehen und diejenigen Verbrechen, wegen deren der Staatsanwalt Anklage erhebt; durch Einführung einer bedingten Verurteilung dergestalt, daß der Richter zwar eine Strafe verhängt, aber unter bestimm- ten Voraussetzungen von ihrer Vollstreckung Abstand zu nehmen verspricht, und durch Zuläfiigkeit der Rehabilitierung bei guter Führung Vom Oberlandesgerichtspräsidenten Dr. Hamm-Bonn liegt hierzu ein weiterer Antrag vor:.Als Schiffen für Jugendgerichte sind auch Frauen zu berufen." Amtsgerichtsrat Dr. Köhne-Berlin führte unter anderem aus: Niemals stüher fei dem Gesetzgeber ein so sicherer Boden für seine Tätigkeit, so reiche Erfahrungen aus der Praxis zur Verfügung gestellt worden. Die Zeit ist gekommen, wo die Gesetzgebung ein- greifen muß und eingreifen wird. Die Versuchung ist groß, ein umfassendes Jugendgesetz zu fordern, das alle Lebensäußerungen Jugendlicher und die ganze Fürsorge sür sie in seinen Bereich zieht. Allein wer mit den Tatsachen rechnet, wird ein solches Gesetz für aussichtslos erachteu müssen und es vermeiden, unerreichbare For- derungen aufzustellen. Ein Jugendgerichtsgesetz ist aber möglich und in nächster Zeit erreichbar.(Zustimmung.) Dem von der Reichsregierung vorgeschlagenen Entwurf werden wir im allge- meinen zustimmen können, aber andererseits auch seine Ergänzung durch die in der Resolution niedergelegten Wünsche fordern müssen. Oberlandesgerichtspräsident a. D. Hamm spricht den Wunsch aus, daß die Schöffen schon zur Mitwirkung im Borverfahren her- angezogen werden sollen und nicht erst im Moment der Aburteilung. Die Schöffen sollen auch darüber mitentscheiden, ob ein Verfahren überhaupt einzuleiten ist oder nicht.(Beifall.) Zur Frage der weiblichen Schöffen führt der Redner aus: Die Jugendgerichte wer- den im wesentlichen nicht Organe der Rechtsprechung, sondern der Erziehung sein, deshalb ist es unbegreiflich, wenn wir diejenigen ausschalten wollen, die unsere ersten und besten»Erzieherinnen sind, die Frauen.(Lebhafter Beifall.) Wenn die Lehrer im Jugend- gcrichtsgesetz besonders berücksichtigt werden, mit welchem Recht wollen wir da die Lehrerinnen zurückweisen?(Beifall.) Die Frauenbewegung hat mit dieser Frage absolut nichts zu tun, aber seiner Uraufführung im Volkstheater enttäuscht. Kein Lustspiel, son- dern eine technisch unmögliche Farce mit Parforcewitzen nach Motiven aus Shaws politischen Satiren, Thomas.Lotichen« Geburtstag" und einer alten Bierbaumschen Operette»Das Gespenst von Matschatsch", dazu einige Jahrgänge fauler Simplizissimuswitze. das Ganze mit hungrigem Blick auf Geldverdicnen angerührt. Eine recht unerfreu- liche Mischung. Der.Bubi", ISjähriger Sproß einer gehirnver- kalkten Diplomaten- und Shnenschloßbe'sitzerSfamilie soll sexuell auf- geklärt werden. Diese mütterlichen Bemühungen erledigen sich, da Bubi von seinem als Liebesnachtwandler geisterndem Erzeuger auf gleichem Pfade getroffen wird. Dazu Tischrücken, eine spiritistische Sitzung: Mark« Meyriuk. eine politische Kasperliade und Diplomaten- verulkung mit Masken Kiderlen-Waechters und BoulangerS: System Roda. Die mäßig gespielte Posse fand starken Widerspruch, m. Humor und Satire. Morganatische Pläne. Die Zeitungen melden, daß Pierpont Morgan die Tempel in Phllae kaufen will; sie sollen nach Amerika geschafft werden. Die Unterhandlungen sind noch nichlmvaeschlossen. Der gewaltige Kopf von Pierpont Morgan wälzt aber ln seinem Innern noch andere Kaufobjekte von verblüffender Großartigkeit. So beabsichtigt Morgan den Nordpol abbrechen und in seinem Keller aufstellen zu lassen, damit dort der Sekt und der Weißwein immer kalt liegt. Die Decke der Si�tinischen Kapelle will er als Tischdecke für das Dirigentenpult seiner HauSkapelle verwenden. Den Gardasee will er durch eine von Desenzano nach New Jork zu legende Röhren- leitung in sein Badezimmer gießen lassen. Das berühmte Echo des KönigieeS soll nach New Jork geschafft und dort in seinem Kinderzimmer zur Belustigung der Kleinen aufgebaut werden. Der Loreleifelsen soll samt der Lorelei und dem Schiffer im kleinen Schiffe mit seinem wilden Weh im Teezimmer seiner Frau auf- gehängt werden. Endlich will er den Aequator kaufen und einer New Uorker Spielschule schenke», damit die Kinder mit ihm Reifen spielen können. l-Jpgend'.) Metzgers Abwehr. Ein Fleischermeister w Jena gibt seinen Kunden aus einem Plakat zu wissen: Wenn Euch zu hoch die Preise scheinen, Wollt Jhr'S dem Fleischer nicht übel meinen. Anstatt mit diesem herum zu zetern. Beschwert Euch bei den VolkSvertretent l Ihr sollt nicht aus die Meister zanken, /. Uhr. Lichtenberg,«m Donnerstag bei Pickenhagen. Scharnweber. siratze 60. abendS S'/, Uhr. 0. Neukölln,«m Freitag. W-ichselstrahe 8, abends 8-/, Uhr. Spandau. Am Mittwoch der Pecziles. Pichelsdorfer Straße 5, abends 8'/. Uhr.„ N o w a w e s. Am Montag der Schmidt, Friedrich-, Ecke Wilhelm- ftraße, abends 8'/, Uhr. M a r i e n d o r si Am Montag bei Lowcnhage», Chausseestr. 27. abends 8'/, Uhr. ' Schönewetde. Am Montag bei Schulz, SimrenSstr. 13, abends 8". Uhr. " Wilhelmsruh. Am Donnerstag bei Barth, Btttoriastraße 7. abend» 8>,. Uhr._„. 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Betrat man den roten Festsaal des Zoologischen Gartens zu Dres- den� in dem der achte Kongreß der christlichen Gewerkschaften in der derflossenen Woche tagte, so fiel der Blick auf eine iveißgcdcckte Quertafel vor der Bühne, die die ganze Breite des Saales ein- nahm und von sorgfältig gekleideten und frisierten Herren besetzt war, denen man es auf den ersten Blick ansah, daß sie nicht zu den Kreisen gehören, in denen die christlichen Gewerkschaften ihre Mitglieder suchen. Da waren die Spitzen der kirchlichen Behörden beider Bekenntnisse, da war der Vertreter des Reichskanzlers, waren Vertreter der sächsischen Regierung, der Stadtverwaltung von Dres- den. der Militärvereine Sachsens, der konservativen, nationallibe- ralen, christlichsozialcn und Zentrumspartei, und sogar ein Vertreter des Bundes der Landwirte. Im ganzen waren es etwa zwei Dutzend. Sie saßen da. ließen sich mit Bravorufen begrüßen, als sie Herr Schiffer nannte, erhoben sich zu kürzeren oder längeren Ansprachen, die die Delegierten in anerkennenswerter Ausdauer mit Beifallrufcn und Händeklatschen entgegennahmen und ver- schwanden nachher, als die sachlichen Beratungen begannen. Nur der Vertreter der Reichskanzlers war der ruhende Pol in dieser Erscheinungen Flucht. Gewiß, man könnte diese Acußerlichkeiten unerwähnt lassen. Man könnte es, wenn sie wirklich nur Aeußerlichkeiten gewesen wären. Aber sie waren eben mehr. Man kann nicht gut annehmen, daß alle diese Herrschaften so blindlings hereingeschneit gekommen waren; sie werden eingeladen gewesen sein. Und dann ist diese Einladung mehr als ein Höflichkcitsakt gewesen. Als eine Höflich- keit mag man die Einladung der Behörden ansehen. Die Ein- tadung der politischen Parteien, des Militärvereins und des Bundes der Landwirte hatte mit Höflichkeit nichts zu tun; hier handelte es sich um die Kundgebung der Wesensverwandtschaft der Einladen- den und der Eingeladenem der Wicsensverwandtschast der christlichen Gewerkschaften und de�Rechtsparteien mit ihren Anhängseln: Mili- tärvereine und Landbund. Diese Feststellung mag den christlichen Leitern unangenehm sein; aber sie werden sie nicht erschüttern können. Alle.Ehrengäste" betonten diese WesenSverwantrtschast. Bei dem einen bestand sie in den„christlichen Grundsätzen", bei anderen im„nationalen Gedanken", oder im„Schutz der nationalen Arbeit", oder im Kampfe gegen die Sozialdemokratie. Und alle diese Oleden nahm der Kongreß mit dankbarem Beifall entgegen. Noch einmal sei es betont: Diese scheinbar nebensächlichen Dinge waren mehr— sie waren der Ausdruck der gegenwärtig herrschenden Stimmung in den leitenden Kreisen der christlichen Gewerkschaften. Die folgende Betrachtung wird zeigen, daß sie auch durchaus im Einklang mit dem Verlauf des Kongresses stehen. Der wichtigste Gegemtand der Kongreßverhandlungen war der Gewerkschafts st rem, d. h. der Streit der christlichen Gewerk- schaften mit dem strengkatholischen KleruS, und wenn irgendwo. dann mußte die herrschende Stimmung hier ihren Ausdruck finden. Sie hat ihn gefunden. In diesem Gewerks'chaftSstreit laufen alle Fragen der Taktik zusammen. Ganz auf sich allein gestellt, könnten sich die christlichen Gewerkschaften nicht auf die Dauer behaupten. Das gibt die vom Kongreß zu diesem Punkt angenommene Reso- jsution selbst zu. wenn auch mit ein wenig anderen Worten: „Eine Arbeiterbewegung, die sich in Deutschland dauernd neben der Sozialdemokratie behaupten will, muß der iveitschich- tigen sozialdemokratischen Gedankenwelt eine ander«, ebenso um- fassende Gedankenwelt entgegenstellen." Aber es kommt den christlichen Gewerkschaften weniger auf Hie„Gedankenwelt" an, als darauf, mächtige Kreise zu finden, die sie schützen und fördern. Darum bildet ihr Verhältnis„zu den politischen und geistigen Strömungen der Gegenwart" den Brenn. punkt der taftischen Fragen. Von einer eigentlichen VerHand- lung dieses Punftes kann man eigentlich gar nicht reden. Die christlichen Führer haben darin zweifellos von den Katholikentagen gelernt. Man läßt ein Referat von starker äußerer Wirkung halten und erklärt dann die Frage damit für gelöst. So war es in diesem Falle. Stegerwald hielt, nachdem er kurz vorher erst noch einmal mit dem Direktor des VolkövereinS, Herrn Brauns, im Eeitenzimmer konferiert hatte, ein sehr geschicktes Referat, das all die knifflichen Fragen und all die sicher vorhandenen Zweifel durch eine mächtig radikal klingende Erklärung verschwinden ließ. Er �agte wörtlich: „Und nun fragen Sie mich: Wie steht es gegenwärtig mit dem Gewerkschaftsstreit? Tarauf antwortete ich: Ich iveiß nichtl Ich weiß nur ein Dreifaches: erstens, daß selbst Bischöfe, die früher mit„Sitz Berlin" hielten, immer mehr davon abgekommen sind und heute fast sämtliche deutsche Bischöfe auf dem Stand- punkte der christlichen Gewerkschaften stehen; zweitens, daß im Lager der katholischen Fachabteilungen eine Katzenjammerstim- urung herrscht, und drittens, daß die christlichen Gewerkschaften in der Zukunft das bleiben, was sie in der Vergangenheit waren. Die christlichen Gewerkschaften sind künstig nicht mehr so leicht aus dem seelischen Gleichgewicht zu bringen. Den Verketzerungen der katholischen Kachabteilungen gegenüber hat sich in weiten Kreisen unserer Mitglieder ein Standpunkt vollständiger Wurschtigkeit herausgebildet." Es ist sehr begreiflich, daß der Kongreß diese Erklärung mit donnerndem Beifall aufnahm, mit einem Beifall, der nur als Aus- druck einer wirklich echten Freude und hohen Begeisterung verständ- lich war. So wenig Anlaß wir haben, den Christlichen die Freude darüber zu mißgönnen, so wenig �ind wir aber geneigt, uns über die Bedeutung der Erklärung zu täuschen. Das ist zuzugeben: Rom ist in diesem Streite zurückgewichen. Es hat sich der Tatsache ge- beugt, daß die von ihm gehätschelten Fachabteilungen keine Aussicht haben, die Berufsorganisation der kirchentreuen katholischen Arbeiter zu werden, daß alle Bemühungen in diesem Sinne ohne Erfolg bleiben müssen. Diese Tatsache erkennen— darin hat S t e g e r- wald zweifellos recht— nahezu alle deutschen Bischöfe an, weil sie gar zu offenkundig und handgreiflich ist. Den Vorstellungen des deutschen Klerus— und wer weiß, wessen Vorstellungen außer- dem— hat Rom nachgegeben und hat sich bereitfinden lassen, auf die weitere Beunruhigung der christlichen Gewerkschaften zu ver- zichten. Anders sind die sorgsam vorbereiteten Ausführungen Stegerwalds gar nicht zu deuten. Man lese die angeführten Sätze noch einmal nach und frage sich, ob Stegerwald gewagt hätte, in einem solchen Tone zu sprühen, wenn er nicht den Rückzug Roms gekannt hätte. Freilich hat Rom den Weg nicht ohne jede Gegenleistung freigegeben. Der Kongreß mußte beschließen: „Die christliche Gewerkschaftsbewegung bedarf einer Ergän- zung. Diese ist in Berücksichtigung der deutschen Verhältnisse nur dadurch möglich, daß sich die Arbeiter zur Pflege ihrer staats- bürgerlichen und geistrg-sittlichen Ideale ohne Unter- schied des Berufes in konfessionellen Arbeiter- vereinen zusamnrenschließen. Hier haben wir den Inhalt des Abkommens: Rom gibt den christlichen Gewerkschaften den Weg ftci und diese treiben ihre Mit- glieder in die konfessionellen Arbeitervereine. Sozialdemokratische Hypothese! werden die Herren von München-Gladbach sagen. Aber sie werden sich hüten, zu sagen, worin so n st daS Abkommen besteht. Voraussichtlich werden auch schon die nächsten Wochen völlige Gewiß- heit schaffen und dann wird sich die Richtigkeit unserer„Hypothese" ergeben. Dieser Ausgang des Gewerkschaftsstreites stand für den Kun- digen schon nach den Begrüßungsreden fest. Schon in Schiffers Eröffnungsrede erschien der Gewerkschaftsstreit als etwas, das der Vergangenheit angehört«, als ein Stein, den man sich von der Brust gewälzt und von dem man nun erzählte, wie sehr er gedrückt hatte. Die Rede des Vertreters der Reichsregierung verstärkte noch den Eindruck. Sie besagte mit klaren Worten, daß zur Erfüllung der Aufgaben der christlichen Gewerkschaften die Verbindung der katho- lischen und evangelischen Arbeiter notwendig sei. Und dieser Rede folgte die des sächsischen Bischofs Dr. Schäfer, der gleichfalls das Zusammengehen der Arbeiter beider Konfessionen„im Geiste der Liebe" segnet«, wozu der Vertreter der anderen Seite bemerkte, daß die Kirche keil« Antwort auf die wirtschaftlichen Fragen geben könne. Was hat dieser Ausgang des Gewcrkschaftsstrcites nun zu bedeuten? Dürfen wir in ihm einen Sieg des Unabhängigkeits- gedankens sehen, der ja früher zeitweilig in manchen Kreisen der christlichen Gewerkschaften lebendig war? Wie verfehlt wäre es, das anzunehmen! Auch darüber hat der Verlauf des Kongresses ein genügendes Licht verbreitet. ES ist keine VerlcgenheitSphrafe, sondern der Ausdruck einer überraschend klaren Einsicht, wenn es in der bei Stegerwalds Referat angenommenen Resolution heißt, daß sich neben der sozialdemokratischen keine andere Arbeiter- bewcgung behaupten könne, wenn sie ihr nicht eine ebenso umfassende Gedankenwelt entgegenstelle. Man setze an Stelle der Gedanken- Welt: Machtapparat, und die Sache stimmt völlig. Es ist ja klar: unserer gewerkschaftlichen und politischen Bewcgung gegenüber mit ihren großen, festgefügten und gut ausgebauten Organisationen, mit ihren reichen Hilfsmitteln, ihrer Presse und ihrer Tatkraft, kann sich keine andere Arbeiterbewegung dauernd behaupten; sie muß ent- weder in ihr aufgehen oder sie muß sich an andere Mächte anleljnen, die der Macht der sozialdemokratischen Bewcgung überlegen oder ebenbürtig sind. Nur im Schutze einer solchen Macht kann sich eine andere Bewegung lebensfähig erhalten. Nachdem die katholische Kirche des interkonfessionellen Wesens der christlichen Gewerkschaften wegen für dies Schutzverhältnis nicht mehr in Betracht kommt, bleibt dafür nur noch die reaktionäre Staatsgewalt übrig— die Staatsgewalt und ihre Träger—, die herrschenden Klassen. Das ist das Ergebnis der EntWickelung im christlichen Lager, das auf dem Kongreß zu Dresden sinnenfällig ward: Der Skhlla der Pfaffenherrschaft sind die christlichen Gewerkschaften entronnen und die CharybdiS der reaktionären Umklammerung nimmt sie auf! Die Umstände, die diesen Vorgang bestätigen, sind geradezu überwältigend. Die sonderbaren„Ehrengäste" haben wir schon erwähnt. Man weiß nun, was sie dort wollten, die Herren C a r m e r und G i e s e von der konservativen, Vogel von der nationalliberalen Partei, die Vertreter der Mililärvcreine und des Landbundesl Tie ganzen Reden beherrschte ein Gedanke: d i e gemeinsame Gegnerschaft gegen die sozialdcmo- kratische Arbeiterbewegung. Vier Vertreter von ihr nur saßen an einem Seitentisch; aber der Geist der Viermillionenpartci stand riesengroß im Saal und schaute gelassen auf das wunderliche Treiben.— „Nationale Arbeiterbewegung— bis zum Ucbcr« druß ward dies Wort gebraucht und mißbraucht. Es ertönte'im blechernen Pathos des..Deutschnationalen Handlungsgehilfen", der durchaus„Schulter an Schulter" mit den Christlichen kämpfen wollte. ES bildete die stehende Redensart in allen Begrüßungsreden. ES klang in den Reden der Stegerwald, Schiffer und Ivos. Einmal erhielt es sogar Leben, und zwar, als Stegerwald den Plan besprach, der im Sommer erwogen wurde, als Antwort auf die päpstliche Kundgebung vom 27. Mai, einen Kongreß einzuberufen und dort den Namen„christliche" in„na t i o n a l e Gewerkschaften" umzuändern. Stegerwald tat zwar, als hätte es sich dabei nur um unmaßgebliches Zeiwngsgerede gehandelt. Aber er ver- weilte so lange dabei, daß man annehmen könnte, es sei doch mehr gewesen als eine sommerliche Ente. Zu diesem„nationalen" Ge- schwafle paßte die Art, wie Ivos über die Aufgaben der christ» lichen Gewerkschaften in der Wirtschaftspolitik sprach. Die Gerechtigkeit gebietet zu sagen, daß der erste Teil dieses Referats, der die neueren Strömungen in der Volkswirtschaftslehre behandelte, eine anerkennenswerte Leistung war. Ivos gab darin eine teilweise sehr treffende kritische Würdigung der Lehren Adolf Webers. Im zweiten Teil seines Vortrages behandelte er die Zollpoliftk. Aber wie! Von dem Interesse der Arbeiter kein Wort. Herrn I o o Sorge war nur, wie man die unterschiedlichen Interessen der In« dustrie und der Landwirtschaft, und die der Schwer-, Halbzeug- und Fertigindustrie ausgleichen könnte. Man konnte glauben, einen Gcheimrat aus dem Ministerium des Innern reden zu hören. Die „Ehrengäste" einschließlich des Landbündlers konnten, soweit sie noch anwesend waren, die tröstliche Gewißheit mit nach Hause nehmen, daß ihnen diese„Arbeiterbewegung" nicht die Zollwuchcr- Zirkel stören würde. Und so ging es bei jedem Punfte der Verhandlungen; wis die Berichte ausweisen. Sollten sie irgendwo und irgendwann gehegt worden sein: Die Hoffnungen auf eine Entwickclung der christlichen Gewerkschaften zu unabhängigen Gebilden, mit denen die freien Gewerkschaften als zuverlässige Bundesgenossen im Kampfe gegen das Unternehmertum rechnen könnten, müssen nach diesem Kongreß als e n d g ü l t i g gescheitert angesehen werden. Vielleicht werden die„Christen" hier und da unter dem Zwange der Verhältnisse mittun; aber die Marschrichtung, die sie jetzt eingeschlagen haben, wird sie immer weiter von uns abführen und schließlich hinüberleiten in die völlige Abhängigkeit von den Klassen, deren Vertreter diesem denkwürdigen Kongreß als umjubelte Ehrengäste beiwohnten. Und bis dahin wird ihre EntWickelung ein Beispiel dafür sein, wie lange die Macht der Ideologie die Massen über ihre talsächlichen Bedürfnisse hinwegtäuschen kann. Kiuderschutzkommisfion für Teltow-Beeskow-Charlottenburg. Am Montag, den 13. Oktober, abends 8'/, Uhr, findet im GewerlfchastS« hause, Engeluser IS(Saal 10), ein« Sid»ng der Kontrolleurtnnen statt. Tagesordnung: 1. Bortrag der Genossin Heide- Schbneberg über .KindcrnrbeU— Kinderschutz". L. Diskussion. S. KommisstonSangclegeo- hetten. Bncfhaftcn der Redahttcn. Die Iirlftische eprcAflualt findet Linden st raße 09, dorn die» Trrdden — S-»'stu»t—. wochentöglich von«Id bis 71t U»r-de»d-, EonnadendS, von ttd dt» S Uhr adendS ft-it. Zrder für den vrirflasirn brstimmtrn«ofragc ist ein Buch finde nn» einr Zahl-lS Mertzrichen dclinfügrn.«rtrsttchr Antloort Nitrd»Ich« crteUt. Anfragen, denen feine Adonnemrntsquittnng detgesstg» ist, Verden»Ich«»enntwortrt.«kilige Fragen trag« man t» der Sprechstunde vor. � O.®. 540. Ein Anspruch besteht nicht; in der Regel wird jedoch -In Darlehn gewährt.— M. R. 15. Die Ehefrau ist zur Halste zahlungspflichtig. Die weitere Frage ist nicht verständlich.— ip. V.>00» Rein.— H. Beelitz. 1, Nein. 2. und 8. Ja— a.«. s». 4. Ja.— 91.®. 121. Die Annahme an Kindesstatt— Adoption— tönnle nur ersolgen, wenn eln ärztliche« Zeugnis beigebracht würde. Der Annahme» !llem ol vertrag ist zu notariellem oder gerichtlichem Protokoll z» erklären.— '•8. R. 212. Die Möbel sind Ihr Eigenium, der übrige Nachlast unter- liegt der Teilung. Dle BeerdtgungStoslen find an« der Nachlastmasse zu decken, die durch die Krankheit verursachten Kosten fallen Ihnen allein zur Last.— R. 9>. 100. U. E. nein. Sie können Strasanlrag Istellen.— T. 51. Eine Klage de« MöbelhändlerS erscheint begründet.— A. Z. 20» 1. Da« Gewerbe muh bei der Gewerbedeputation angemeldet werden. -----......—-, eln srüheren , n Bezirk die jetzige Wohnung liegt, anzubringen. L. Die Frage ist zivetselhast. Eine Anzahl der Richter hält die beim NechtSkonsuIenten erwachsenen Kosten nicht für„notwendige Kosten". Versuchen Sie e« immerhin mit einem Festlctzungöantrag beim Prozestgericht.— B. 9t. 1. Nein. 2. und 8. Die GerichtSkasse kann Haslbesehl erwirken und Sie zum Zwecke der Eide«- leistuug vorsühren lassen.— H. O. 100. Ja.— 20. Z. 6. Ja.— R. R. 23. 1. Die Herrschalt. 2. Nein.— Z. 83. Die Miete dürfen Sie nicht einhalten. Im übrigen können Sie gegen den Eigentümer Klag« erheben. U wird bereHwilllgst in kulanter Welse allen Herren u Damen gewfthrt Samt ii. Riastli w dl« Wlntwmoiiol*el»et ll4nlol, Velour du Moul-Män el, Seal-PIOtch-IMnt»? Damen-Ulsteroiitn umschlossen. Herren-Ulsterom umiieibig mr Kostüm«, Kleider, Röcke, Blusen„ Paletois, Anzüge, Joppen, Hosen-mm ytf Damen-Hüte, Reiher, Damenwäsche D Schuhwaren für Damen u. Herren"wo / Anzahlung I nach uehetelnkmift Heute Sonntag V. -2 U geöffnet » Filme oolem Billigste Preise .trotz Kreditgewähiung, sc' Zentrale: Mh"""! FllUlt Süden t unnenstr. 1 1 Kottbuser Damm 103 Frankfurter Allee 89_ Einziges Kredithaus, welches organisierte Ehkassiertr beschäftigt. Gegen bar n JO'/o Ermässigung J Theater und Vergnügungen □□□ sSiche Wochcn-Spiclplan.) Freie Bolksbühue. Sonntag, den t3. Oktobe», 2-/2 Uhr: Deutsches Schauspielhaus. 7. Wteilung (Gnippe 30— 31): E g m o n t. 3 Uhr: ©tiviifclb- Theater. 1. Abteilung (Gruppe 1—2): Der Vater. Thalia- Theater. 3./4. Abteilung. (Gruppe 11— 15): DeS Pfarrers Tochter von Streladors. Residenz- Theaier. 9/tO. Abteilung. (Gruppe 10— 11): F r a n c i I l o n. Abend-Abteilung: Montag, den 14. Ottober, ö Uhr: Deutsches Schauspielhaus. IS.(III.) Abendabteilung: O st e r n. Neue Freie Volksbühne. Sonntag, 13. Oktober, nachm. 2-/, Uhr: Deutsches Theater: Penthesilea. Kammcrspiclhaus: Erdgeist. Nachm. 3 Uhr: Neues Volls-Thcatcr: Literatur.— Liebelei. Schiller-Theater 0.: Zops und Schtvert. Schiller-Theater Charl.: Die Jüdin von Toledo. Theater in der Königgrätzer Strohe: Die Ahnsrau. Neues Theater: Wiener Blut. Kleines Theater: Hockenjos.— Der Arzt seiner Ehre.— Lottchcns Gc- burtstag. Trianon-Theater: Der selige Toupinel. Melropol-Theatcr: Tata Toto. AbcndS 8 Uhr: Neues Volks-Thcater: Doppelgänger- komödie. Abends 8-, z Uhr: NeueS Bolls° Theater: Montag, Donnerstag: Doppelgängertomödie. Dienstag, Freitag: Lore.— Die Spieler.— Der Kammersänger. Mittwoch: Literatur.— Liebelei. Sonnabend: Geschlossene Vor- stcllung der BersuchSbühne: Walter Boll. Sehlller�heaterOÄ'ur'. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Zopf und Schwert. Abends 8 Uhr: Flachsmann als Erzieher. Montag, abends 8 Uhr: Her Dallonmit. Dienstag, abends 8 Uhr: Misanthrop. Ole Schule der Frauen. Sehlller-Theater Sonnlag, nachmittags 3 Uhr: Oio Jüdin von Toledo. -Abends 8 Uh>L KUnlg: Eear. Montag, abends 8, Uhr: Elno'•»iuui als Erzieher. ä.ig, abends 8 Uhr: __ Jtünis Eear._ Berliner Theater. Abends 3 Uhr: Große Rosinen. Abends 7'/, Uhr; Merodes und Mariamne. Theater am Nollcndortplatz (Neues Schauspielhaus). Täglich abends 8 Uhr: Gastpicl des Münchencr Künstler- Theaters: Orpheus in der Unterwelt. Deutsches 8 Uhr.(Komische Oper). 8 Uhr. Aer gut sitzende Frack. Montis Operetten-Theater (srüher Nencs Theater) » Uhr: Goldener Leichtsinn. Nachmittags 3 Uhr: Wiener Blut Residenz-Thealer. Ansang 8 Uhr. Der Herr von Dr. 19. Schwank in 3 Alten von Keroul und Barre. Morgen und solgende Tage: Der Herr von Nr. lt>. Freitag, den 18. Okt., z. 1. M.: Gemütsmenschen. IOSE=THEATE Grohe Franksur» er Str. l32. s Nachmittags 3 Uhr: Tin Sommernachtstraum. AbcndS 8 Uhr: Montag: Papagei, o. 1 Voigt-Theater. Oelliildbrumien Badstrahe 58. Heute Sonntag, 13. Oktober 1912: Nachmitlahs 3 Uhr: vrel Enar Schnhe. Abends 7 Uhr: Der Fehltritt einer Fron. Kasseneröss». 10 Uhr. Ans. 3 u. 7 Uhr, «ente Sonntag: 3 große Vorstellungen Nachmittags 3-/, Uhr: Halbe Preise! Abends ab 8 Uhr! In beiden VorsteUungen Die gesamten Attraktionen mit Bernbord fflörblts. Urania Tanbcnstraße 48/40- Wissenschaftliches Theater. s uhr: Aufs Mallerhorn. Montag 8 Uhr: Aufs Hatterhorn. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Hr. Th. Sommerfeld; Die Gesundheits- gefahren der Siaubeinalmung. 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Berliner Vokalquartett; Eva Leßmann, Martha Stapelfeldt, Richard Fischer, Eugen Brieger.— Fritz Becker, Cello.— Gertrud Steiner- Rothstein, Geige.— Fritz Lindemann, Klavier.— Festrede: Landtagsabg. Nach dem Konzert: TaHZz Heinrich Ströbel Herren, die daran teilnehmen, zahlen 50 Pfennig nach.— Saalöffnung 5 Uhr.— Eintritt 40 Pfennig. Um zahlreichen Besuch bittet 206/13* Das Komitee. =£ u i 8 I II i :: OTTO- MÖLTER Sonntag, 13. Oktober: desuvusreri" SCHÖNEBERG Hauptstrasse 30-31 Hockelegante Räume für Hochzeiten, Säle für Versammlungen, Bälle, Privat- und Vereins-Festlichkeiten Tagesrestaurant mit vorzügl. Küche Sechs Verbands-Kegelbahnen mit gemütlichen Kegelstubea Großes Militär=Konzert MÄilzchem Konzert-Etablissement der Aktienbrauerei„Frieilriebsbain" Am Königstor Sonntag, den 13. Oktober 1913: Außerordentliches Konzert unter Benutzung der großen Konzertorgel, veranstaltet von den Männerchören ,,Nordost-Lyrania 1849" und„Hilaritas"(dl. d. D. A.-S.-B.) Chormoister Franz Warning. Mitwirkende: das Berliner Tonkfinstler-Orcbester und die Opemsängerin Margarethe Blume(Sopran) von der Kurfürsten-Oper in Berlin. Saaleröffnung 4 Uhr.—————— Anfang 5 Uhr. Kinder unter 6 Jahren haben keinen Zutritt. Billetts im Vorverkauf 60 Pfennig, an der Kasse 60 Pfennig. Nach dem Konzert: Großer Ball« Herren, welche daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Liedertexte an der Kasse gratis. 56/1 Drei Gewerkschaftshaus- Konzerte Kammermusik-Abende Ereltag, den 18. Oktober(Beethoven); 8. Wovember (BralmiM) und 6. Dezember(lloderne Komponisten) abends'/.9 Ehr, Im Gcwerkschaftshaas, Engelnfer 15 Mitwirkende; W. Zlotnicko, L. Bamay, Lederer-Prina(Gesang) Kestenberg-Trio(Kestenberg: Klavier, van Laar: Violine, Loevensohn: Cello. Billetts& 30 Pfennig(Garderobe lO Pfennig) im Bureau des Gewerkschaftshauses; Horsch, Engelnfer 15; Beyer, Veteranen- strasse 11; Boettger, Zossenerstrasso 30; Lamprecht. Putlitzstr. 10; Schulz, Admiralstrasse 40a; Wiemors, Bülowstrasse 58; Wilk, Char- _ lottenburg, Kirchstrasse 30 und an der Abendkasse._ Jr„Clou" MaiinpafpaSA HP— 7ii :: Berliner:: Konzerthaus MauerstraSe 82.— ZimmerstraBe 90/91. Hente! Großes DoppelsKonzert. Ugutnl Musikc. Kaiser- Franz= Regts. ob?Äecker. Musik«. 1. Garde-Drag.-Regts. obS Baarz. Anfang 4'/, Ehr. Eintritt 50 Pf. Anfang 4'/, Ehr. Montag, den 14. er., 8 Uhr: Novitäten-Abend unter Mitwirk, der Herren Wilh. Aletter. Komp. u. Birig., und Wilh. Karzin, Opernsänger. Pharns-Säle, Hüllerstr. 142 Jeden 8onntag Wilhelm Wolfis Hamburger Sänger Ansang 6'/, Uhr. Mtcts neues Programm. Nachdem; Famllienkri&nzchcn. 765b Exeelsior-Liebtspielhaus Heukölln SiÄirlVis Passage 1 Vom 12. bis 18. Oktober inkl.» IDieTragödieeinerMutter Zirkus Busch. Heute Sonntag, 13. Oktober: 3gr. Galavorstellungen Nachmittags S1/. Uhr: Das mit besonderem Beifall aufgenommene grolle Nachmittags- Programm. Die unvergleichlichen Clowns lies n. Antonio m. ihrer urkomischen, berühmten Eseldarstellung. Clown Honstier m. seinen Hunden als Cowboys und Indianer. Bßr and 8childwactae. kam. Manegescliaustück f.d. Jugd. Die amüsanten 5 Breens. Das glänzende Trapez- und Excentrik-Paris-Trio. In beiden Vorstellungen: Houdini in seinem mysteriösen . Wasserentfesselungsakt. Das Kriegsluftschiff der Zukunft. Oer Proserpi-Trolka-AU.(10 P.) sowie d. gesamt. eqdEstischen Novitäten. Abends I'/jUhr: „Entcr Gorillas". Casino-Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr: Das sensationelle Ottober-Programm Hobort Neesemann, Berlins Lieblingshumoriit mit neuen Schlagern. Riesen- Lachersolg des lustigen Stückes Der Großfürst. ! In drei Akten tabberts WaldsehlöBeben Berlin=Ober:Schöne weide« Gr. Saal zu Versammlungen und Festlichkeiten den Vereinen und Gesell- schasten bestens empsohlen. Jeden Sonntag: Gl*. TailZ-ReUlliOIl sowie gr. Ausspannung. Wozu ergebenst einladet Lodert Lvdul«, kolles üapi'lce. Zum 43. Male Bio drei Schlager: Der keusche Joseph. DerRehbock. Der Einbrecher. Thealer Könlgstadt-Casino. Holzmarktstr. 72. Ecke illlexanderstr. 1 Min, v. Bahnh. Jannowltzbrucke. Tägl. abends 3. Sonnt. 5 Uhr: Das g roste Rovitaten-Pro- gramm und Papa Ist krank. g Groste Posse in 1 Akt. Luisen-Tbeater. Sonntag nachm. 3 Uyr: Die Anna« Liic. 8 Uhr: Die gelbe Gefahr. Montag: Die Meineibgräfin. Dienstag: Das Aäthcheu vo» Heilbronn. Sonntag, den 20, Okt.: Premiere: Des andern Ehre. Zlirkas I A. Scltamaim Heute Sonntag, 13. Oktober: Ä große Vorstellungen. Nachm. 31/, n abends 71/, Uhr. In beiden VorsteUungen 10 Marfonis, russ. Troika-Akt, Carpi& Noppi, die unvergleichlichen Clowns, Lorch-Familie (10 Pers.), ikarische Spiele, u. die übrigen Glanznummern. Ein ii'U Ehr Vier Bilder aus Indien. 1. Der AusgestoBene. 2. Oer Yogin im heiligen Dschungel. 3. Das Opfer der Kali. 4. Das Fest des Maharad- schah sowie der Brand d. Palastes. Zum Schluß: Die Eener-F&ntttne. Biiithner-Saal. Heute Konzert des klütdaer- Grcbesters Dirigent: Lr. �erLdenf. Sol: Wicsike(Ges.), Ernst(Harsc). Anfang 7'/, Uhr._ Entree 75 Pf. i Germania-�achtsäfe] j N., Chausseestr. 110. Karl Richter.» < Anf, 61/, Uhr. Eintritt 50 Pf. I ' Anschließ.: Familienkränzchen.• J Im weißen Saale von 5 Uhr ab! J gM- Großer Ball"«Q[ < Jeden Mittwoch: Paul Manthoys» * lustige Sänger. Jeden Donners- | tag; Gr. Hilitärkonzert.* Älhambra Lallncr-Tbeaterstraste 13. Jeden Sonntag: Großes Orchester. Anfang Sonntag» 5 Uhr. A. Zamcitat. er«a.aearerilrage is. Großer Batl' Konkordia-Festsäle. I Jnh.: M. Wendt und A. Schütze. Andreasstr. 04. Jeden Sonntag: und die beliebten Hoffmanns Sänger. Jede Woche n c u e S Programm. Ansang deS Konzerts 6 Uhr. der Vor- ftellung 7 Uhr. Im oberen Saale von 5 Uhr an: (Zroßer EteU. Volks-Theater Neukölln, Hermanuftr. 20. Sonntag, den 13. Oftober: Ehrliche Arbeit. Volksstück mit Ges. in 3 Akt. v. Willen. Montag, den 14. Oktober: Im russischen Kerker. Schauspiel in 4 Akten v. Karl Helmin. Markgrafen-Säle 34. Harkgrafen-Damm 34» An der Stralaner Allee.- Täglich: Gr. Klno-Vorsttünug. Im Restaurant täglich mnsikalische Unterhalt»»«. Kösliner Fest-Säle Köskiner Straffe 8. lÄ Großer Ball. Saalbestellungen für die Wintcrsaison werden täglich unter den kulanteste» Bedingungen entgegengenommen. Carl Schi-öder. Nißles Fesl-Säle Denncwitzstraße 13* Jeden Sonntag: Canzbränzcsten. 640b C. Xiuie. Burgliiealer- Kino und Eactcolo Schönhauser Allee 129. rCdlddlC, Säle für Hochzeiten n. Vereinsvorgnügen. 4 hooheleg. Kegelbahnen. Tägl. Prei-Konzert und Frei-Kino im Garten. Kndolf Her». Sur Ben Inhalt Oer Jn.erate übernimm: die Redaktion dem Publikum gegenüber trtnerlel Verantwortung' ESdHinse« Volks-Choa«. Heute, 13. Oktober, nachmittags 3 Uhr, im großen Saal des GcwcrkschaftshauseS: 1. Bortrag von Herrn Dr. Gntt manu über: ss/so „Bieliarfl Wagner und seine Werke". Die nächsten Vorträge finde» statt: ZU. Oktober, 3. No vember, 24. Nonembcr, 1. Dezember._ ]r~~ ChornUonsual, Dienst., 29. Oktober, abds. 8 Uhr I 1. Vortragsabend Flavia 164/0) lll�l ftrnO Moderner Abend: I. Teil. Hcrzoe HkIIi|_ fco Blaubarts Kurs;: Mysterium in einem SnULULfSU Akt von Bela llaläszs. | Emilie Verhacren: Gedichte. Billetts 4, 3, 2, 1 M. b. Bote& Bock, Wertheim. ilrbeiter-Sildnngsseltnle. Sonntag, den 13. Oktober 1913. abends 7 L'lir, in Dräscis Festsälen, Neue Friedrichstraüe Nr. 35; Ernste und heitere soziale Dichtungen (Adolf Gla-Ibrcnner, Herwegh, Ernst Eckstein, H. H. Ewers, Konr. Ferd. Mejer, Theodor Etzel, Ludwig Thema, Peter liosegger, Karl Schönherr usw.) Rezitationen: Herr Fritz Richard vom oeukeden Idealer. 40?5. Lar�srodö ki-si. 6/1� Nachdem: Oeiiiütliehc» BcJ�anamenHcin nnd Tanz. Charlottenburger festsäte u Charlottenbnrg, Kaiser-Frledrlcbstr. 34. Empfehle 2 große Säle f. Versammlung., Familien- u. Vereinsfeste. I a.ÄÄ lifiils Sonnlag: Gr. Bali"Ä" Sonnabend, den 30 November: Saal für Vereine Ire! 4374L* E. Qranmanns festsäte SO. 26, Naunynstr. 27. 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Lübbener Str. 24. Pscnnigsdors. jLtjdjcnct Sir. 4, Linbenberg. Menieler Str. 20, Genz. Pantstr. 83, Klank. Petersburger Sir. 10, Kopp. Peltenkoscrstr. 38, Zliebenstahl. Prenzlauer Allee, Hesse. Putbuser Sir. 18, Eichstädt. Rcichenbcrger Sir. 73, Wagenlnccht. Rodenbcrger Str. 1, Scholz. Roslocker Sir. 51, Pilch. Ryleslr. 32. Freilag. Schulslr. 28. Naumann. Schwedter Str. 48. Szillat. „ 240, Feuslel. Slargarder Str. 78, Seder. Swincmünder Str. 58, KoscheL Tristslr. 66, Stähr. Türkenstr. 22, Paulisa. Usenaustr, 5, Müller. Waldstr. 53, Müller. Willdeuowstr. 29, Breier. Wollmer Sir, 58, Scholtysek. Zorndorser Str. 4, Cyrus. Britz. Germania-Promenade 8, E. Gold. Köpcuiek. Pariflusstr. 14. Kudell. Lichtenberg. Finowstr, 25, Secul. Kantstr. 47, Tiedemann, Leopoldstr. 1, Säger. Psarrstr. 36, Hetzler. Neukölln. Boddinstr. 68, Brückner. Fontanestr. 29, Epha», vermannslr. 118, Stenzel. Leykestr. 18, E. Engel. Mainzer Str. 15/16, Schulz. Neue Jonasstr. 41, Dähre. Pflügcrstr, 70/71, Peters. Stuttgarter Str. 44, M. Gaul. Ober-Tchöneiveide« Rathenaustr. 7, Poltrok. Westendstr. 20, Spazier. Weitzcusee. Gäblerstr. 8, Manwciler. Pisloriusstr. 118h, Hattwlg. Adlershof« Bismarckstr. 2l, Griebe. „ 17, Wartcnberg. Die Grotzbäckerei von ehemals»Anton Iiibrich", Berlin-Charlottenbnrg, Sprecstr. 43/44, ist mit sämtlichen Filialen schon vor zirka 6 Monaten in anderen Besitz übergegangen und heitzt jetzt: Dauipfbältcrei Grotz- Berlin. Ihr Inhaber, H. Schmiering, hat unmittelbar nach Ucdernahme des Geschäfts mit dem Bäckervcrband einen Tarif abgclchlosscn und den Achtstundentag für die Bäcker eingcsührt, ist also zu den bewilligten zu zählen. Autzer seinem Hauptgeschäft, Eharlottenbürg, Sprecstr. 43/44, kommen noch jolgende Filialen in Betracht, die ebenjalls als geregelt zu betrachten sind: Berlin. 1. Beusselstr. 62. 3. Gotztowskistr. 4. Nürnberger Str. 39/40. 5. Sickingenstr. 77. 6. Uhlandstr. 38. 7.„ 70. 8. Walditr. 5«Ecke Turmstratze). 9. Wiclesstr. 47. Haleiisee. 10. Joachim-Friedrich-Str. 21. Charlottenburg. It. Berliner Str. 135. 12. Cauerstr. 21. 13. Dankelmannstr. 55. 14 Eosanderstr. It. 15. Friedebergstr. 39. 16. Grolmanstr. 15. 17. Kantstr. 67. 18. Krummestr. 14. 19. Knobelsdorsstr. 43. 20. Leibnizstr. 76. 21. Potsdamer Str. 42. 22. Sprcestr. 43/44. 23. Spandaucr Str. 18. 24. Sophic-Charlotten-Sir. 87. 25. Scharrcnslr. 30. 26. Tauroggencrstr. 45. 27. Wallstr. 50. 28. Wilmersdorser Str. 41. 29.„ 163. Schiincbcrg. 30. Akazlcnstr. 3a. 31. Flottivellstr. 28. 32. Goltzstr. 40. 33. Grunewaldstr. 70. 34. Hohenstausenslr. 44. Aus der Liste der geregelten Bäckereien gestrichen: Lssn yStr�Prln�Allee Herren- und Knaben- Moden, Berufskleidung. .Eleg. Paletots. Ulster. Großes Stofflager zur Anfertigung n Maß. Einsegnungsanzüge in joder Preislage. Allerbiliigste, streng feste Preise. Berlin. Anlonftr. 3. Trenller. Boyenstr. 11. Bei, Ig. Brcdowstr. 43, Schön. Danziger Str. 21, Scharrny. Dunckerstr. 2. 7. Ramsch. 90. Reichert. Gubener Str. 41, Kubelfa. Hübnerstr. 9. Libauer Str. 4, Albrecht. Pcttenfoserstr. 5, Starosta. Schwedter Str. 16. Heppner. Sickingenstr. 76, Obeife. Stettiner Str. 56, Krista. Ticckstr. 16, Emst. Ileckemiünder Str. 17, Kremser. Waldstr. 50, schön. Weidenweg 74. Klose. . Bohnsdorf. Gebhardt. Köpenick. Bergmaimslr. 6, Bergmann. Gutenbcrgstr. 1, Brestkreuz. Glienickcr Str. 9, Hachenberg. Kaiser-Wilhelmstr. 98, Biltner. . 104, Krug u. Co. Lichtenberg. Alt-Boxhagcnstr 31, Michaelis. Gabriel-Maxstr. 2. Lutzmann. Glatzer Str. 7, Tübbe. Gürtelstr. 22a. Tübbe. Lenbachltr. 1, Schaum. Scharmweberstr. 23, Steffen. 34. B-rger. Seumestr. 21, Kopp. Travestr. 3. Wagnerstr. 1, Försterling. Neukölln. Blirknersir. 9, Timm. Sandersir. 31, Timm. Nogatstr. 51, Dähre. Weitzenfee. Charlottenburgerstr. 23, Furchert. 40/8 Grls- Kriiülmllüifff für den Gemeiiidtlikzirk Kttliii-Mcheiiftk. A. Nachtrag zu de» Kaffensatzungen s 1. Absatz 1: Die Kasse führt den Namen: „Ortskrankeukafse für den Ge- meindebcz. Berlin- ttleistensee". Absatz 2 bis 4 unverändert. S 12. Wsatz 1: Für die Bemessung der Höhe der Kasscnleistungcn und der Beiträge werden die Kassenmitglieder in sieben Klassen eingeteilt: 1. Kassenmilglieder, deren Arbeits- verdienst sür den Arbeitstag 3,75 M. und mehr beträgt I. Kl. 2. Kasscnnülglieder, deren Arbeits- verdienst sür den Arbeitstag 3,25 Mark bis 3.74 M. beträgt II. Kl. 3. Kassenmitglled er, deren Arbeits- verdienst sür den Arbeitstag 2,75 Mark bis 3 24 M. betrügt III. Kl. 4. Kassenmitglieder, deren Arbeits- verdienst sür den Arbeitstag 2,25 Mark bis 2,74 M. beträgt IV KL 5. Kassenmilglieder, deren Arbeits- verdienst sür den Arbeitstag 1,75 Mark bis 2.24 M. beträgt V. Kl. 6. Kasscnmitglieder, deren Arbeits- verdienst sür den Arbeitstag 1,25 Mark bis 1,74 M. beträgt VI. Kl. 7. Kassenmitglieder, deren Arbeits- verdienst sür de» Arbeitstag weniger als 1,25 beträgt VII. Kl. Absatz 2 bleibt unverändert. Absatz 3: Der durchschniltlichc Tagelohn ist bis aus weiteres sestgesetzt sür die I. Klasse ans 4,00 Mark II.... 6,50.. III...„ 3.00„ IV.„„ 2,50„ V.„„ 2,00„ VI.„„ 1,50„ VII.. n 1,00„ Absatz 4 bis 6 unverändert. § 13. Absatz 1: Zisscr 1 und 2 unverändert. Ziffer 3: im Falle der Erwerbsunfähigfeit vom dritten Tage nach dem Tage der Erfranfung ab sür jeden Arbeitstag und die aus einen Wochentag fallen- den Festtage a/5 deS im§ 12 dieser Satzungen festgesetzten durchschnitt- lichen Tagclohnes und zwar: a) sür Mitglieder der I. Klasse 2,40 M. b) sür Mitglieder der II. Klasse 2.10 SR. c) sür Mitglieder der III. Klasse 1,80 M. 6) sür Muglieder der IV. Klasse e) sür Mitglieder der V. Klasse 1,20 M. f) für Mitglieder der VI. Klasse 0,90 M, g) sür Mitglieder der VII. Klasse 0.60 M. Absatz 2 und 3 unverändert. § II Absatz 1 bis 3 unverändert. Absatz 4: Die im Krankenhause Untergebrachten, welche nicht den Unterhalt von Angehörigen aus ihrem Arbeits- Verdienste bestritten haben, erhalten neben freier Kur und Verpflegung im Krankenhause 1lil) des im§ 13 Absatz 3 dieser Satzungen scstgesetzten Kranfengeld-s und zwar: a) sür Mitglieder der I. Klasse 24 Ps. b) sür Mitglieder der II Klasse 21 Ps. c) sür Mitglieder der III. Klasse IS Ps._ i d) für Mitglieder der IV. Klaffd IS Pf. � e) sür Mitglieder der V. Masse 12 Ps. f) sür Mitglieder der VI. Masse 9 Pi. g) sür Mitglieder der VII. Klasse 6 Ps. Absatz 5 bis 7 unverändert. /§ 16. Gestrichen werden die Worte von Zeile 8 bis 9: sowie- die Hälfte des im§ 12 festgesetzten ourchschnittlichen Tage- lohncs als Krankengeld, und dafür eingefügt: �„ sowie 3/5 des im§ 12 festgesetzten durchschnittlichen Tageiohnes als Krankengeld. § IS. Absatz 1: Weibliche Mitglieder, welche inner- halb des letzten JahreS vom Tage der Entbindung ab gerechnet, mindestens 6 Monate» einer auf Grund des KrankenvcrsicherungS- gesetzcs errichteten Krankenkasse oder Gemeinde- Kraiikenversichemng au- gehört haben, erhalten im Falle der Eiilbindunz auf die Dauer von sechs Wochen nach ihrer Niederkunst"/, des im§ 12 sestgesetzten durchschnittlichen Tagelohnes als Unterstützung. Absatz 2 unverändert. ß 21. Absatz 1: Das Recht auf Unterstützung be- ginnt sür diejenigen, welche der Kasse aus Grund des si 2 angehören, mit dem Tage des Beginnes der Mit- gliedschaft. Absatz 2 unverändert. § 22. Gestrichen wird der letzte Satz: In Fällen dieser Art wird die Kranlcnunterstützung bis zur Dauer von 26 Wochen nach näherer Bc« stimmirng des(j 6 Abs. 2 des Gesetzcs das Kranlengeid im Betrage der Halste deS der Bemessung zugrunde liegenden durchschnittlichen TageiohiieS gewährt. ß 28. Absatz 1: Neu cintretcnde Mitglieder der Kasse haben ein Eintriltsgeld im Betrage von, 2°/, ihres Wochen- beitrages zu zahlen und zwar: I. Klasse 3.20 M. II.. 2,80. III.. 2,40, IV., 2,00„ V.„ 1,60 VI.„ 1,20. VII., 0,80„ Absatz 2 unverändert. §•29. Die wöchentlichen KasscnbelkrZge betragen fortan 5 Proz. des im S 12 ausgcsührten durchschnittlichen Kassen- Mitgliederlohnes und zwar: I. Klasse 1,20 M. II. III. IV. V; VI. VII. 1.05 0,90 0,75 0,150 0,45 0:30 Xi : Absatz 2 unverändert. Berlili-Weitzensee, 12. August 1912. Der Vorstand der Ortskrankenkasie für den Genieindebezirk Wcistensee. K. Fuhrmann. Fr. Content, F. Eberl, H. Brodkorb. R. Klinke. Albert Pfannenbecker. G. Peukert Rob. Fendel. K. Diener. Genehmigt. Potsdam, den 16. September 1912. Namens des Bezirksausschusses. (1-. S.) Der Borstheude. In Vertretung: gez. Joachlmi. Die vorstebeiidcn Aenderungen treten am 21. Oktober 1912 in Kraft. Bcrlin-Wcisjcnscc, 11. Oktober 1912! Der Vorstand der Ortskrankenkasse für de» Gemeindcbezirk Weifiensee. Fuhrmann, Vorsitzender._ Schallplatte Verleih-Institut. Auch nach auswärts. Prospekt gratis. Karl Borbs, Berlin 31 Neue Könlgstrasse 38. I Slaaksclialen, ÄÄ ii. 1,60 m lang, billigst frei Waggon Berlin abzugeben. Anfragen er- beten unter F. t an die Expe- dition deS„Vorwärts".- - Möbel auf Kredit n Wir liefern: Ferner empfehlen wir; Moderne Schlaf-, Speise-, Wohn- u. Herrenzimmer Anzahlung von 40 Mark an EinZClnG Möbelstücke Anzahlung v 3 Mark an Lieferung nach allen Plätzen Deutschland* Gebp. Lieber Alexanderstrasse 16-16 tU-A-t1s der Holimarktstrasse, dicht am Bahobot Jannowitzbrücke» Ismltf na 11— I Uhr tatBnst, A. Dand Spitt elmarkt Beils- Ailiaacestraa»« Grosse _ mm- Vorteilhafte Gelegenheit für den Herbst- und Winter-Bedarf ffirfiamai fe schwarz, englischlang, Ferse und Spitze rerstlrkt..,. 42 Pf. SilirfiLlKipfO J�lor-Masseline" schwarz, engilschlang.......... 75 Pf. 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Trotzdem die Hochlonjunkturbeschäftigung der Industrie durch weitere Preiserhödungen, die Nersandzahlen unserer grogen Syndi- kate und rechl gute Abschlutzziffern mehrerer der größten Industrie- Unternehmungen von neuem bestätigt worden ist, steht die Börse nur unter dem Einfluß der Nachrichten vom Balkan. In dieser Woche erfolgte Sie Kriegserklärung Montenegros, und wenn aucv die übrigen Ballanstaalen bisher noch nicht ihrerseits die Feindseligkeiten gegen die Türkei eröffnet haben, so ist das doch in jeder Stunde zu erwarten. Durch die Verwirrung innerhalb der europäischen Diplomatie ist außerdem die Wahrscheinlichkeit eines Eingreifens europäischer Mächte gewachsen und damit die Gefahr eines Welt- krieges ins Bereich der Möglichkeit gerückt. Schlimmer als der Krieg selbst fast wirkt an der Börse diese Ungewißheit über seine mögliche Ausbreitung und in völliger Angststimmung übergibt das Publikum seinen Werlpapierbesitz den Banken zum Verkauf an der Börse. Die Banken haben diesen Ansturm ruhig angesehen und die Kurse � recht tief fallen lassen. Erst jetzt, als auch ihre Interessen Gefahr laufen, intervenieren sie, und was als höchst menschenfreundliche und uneigennützige Tat im Dienste der Volkswirtschaft erscheint, ist im Grunde nichts als ein höchst einträgliches Geschäft. So billig wie in diesen Tagen konnte man' kaum je Papiere kaufen! Ihre Tresors füllen sich mit den Werten, die in großen Massen jetzt vom Privatpubliknm abgestoßen werden. Da die Banken außerdem noch selbst zur Glattstellung der Geschäfte ihrer Kunden zwingen, damit die Höhe der Anzahlung gewahrt bleibe, helfen sie selbst die Kurie stürzen. All-rdingS haben am Sonnabend die Jnterventionskäufe keinen Erfolg gehabt; und die politische Situation erscheint den Großbanken so ernst, daß sie auch eine weitere Hilfsaktion ablehnten. Wie sehr das Kursniveau sich gesenkt hat, zeigt ein Ver- gleich einiger Werte für Ende 1911 und Juli 1912 mit dem 12. Oktober 1912; es standen in Berlin: Ende 1911 1. Juli 1912 80,30 90,75 90,80 169.- 157,25 II.Oktober 78,25 87.— 86,60 153,10 149,— 187,— 243,— 163,— 145,50 114,- 168,— 263,— 248,62 217,50 3 proz, deutsche Reichsanleihe. 82,70 Ungar. 4 proz. Goldrente... 92,75 4proz. Russen von 1902... 91,40 Türkenlose........ 162,70 Oriental. E'ienbahn.... 154,— Oesterr. Kredit...... 204,50— Deutsche Bank...... 264,90 254,— Berliner Handelsgesellschaft.. 171,50 166,25 Hapag......... 146,40 143,— Lloyd......... 107,50 119,90 Deutsch-Luxemburg..... 195,50 174,30 Phönix........ 261.25 260,10 Allgem. Elektrizität.... 267,— 265,40 Siemens u. Halste.... 252,— 237,— Noch schlimmere Kursstürze erlebten die Wiener. Budapester und Pariser Kurse. Paris wird davon besonders betroffen. In Frank- reich befinden sich allein an Werten von Balkannaaten etwa vier Milliarden Franks. Die Besitzer, die nach französischer Sitte gänz- lich von ihren Renteneinkünften leben, werden durch die Kursstürze ganz erheblich geschädigt. Selbst die offenbare Stützung der Papiere durch die Bonken haben da wenig genutzt. In Petersburg z. B. soll die Kreditkanzlei des russischen Finanzministeriums großen russischen Banken mehrere Millionen Rubel zu Börsenstützungs- zwecken zur Verfügung gestellt haben. Wie sehr die Börsenlage überhaupt unsicher ist und das Publikum Zurückhaltung übt, geht weiter daraus hervor, daß mehrexe Finanztransaktionen vertagt worden sind. Bei, mehreren Papieren, für die ein öffentlicher Zeichnungstermin schon festgesetzt war, ist die öffentliche Auslegung verschoben worden. Aber schlimmer als die Verluste einzelner Wertpapierbesitzer sind die Rückwilkungeu des Krieges auf das internationale Wirlschafls- leben, die sich jetzt bereits bemerkbar machen. Die Getreidepreise sind ganzerheblich gestiegen. Am Freitag erhöhte sich der Roggenpreis um 4 M., am Sonnabend um weitere 7 M. Da die Türkei griechische Schiffe, die mit russischem Getreide beladen sind, beschlagnahmt hat, haben die russische» Händler den Getreideexport gänzlich emgestellt. Der russische Premierminister hat wohl den Rat erteilt, Getreide auf neutrale Schiffe zu ve-laden; aber das ist unmöglich, da bisher allein 80 Proz. des russischen Getreides auf griechischen Schiffen transportiert wurden. Die Roggen-, Weizen-, Hafer- und Gerste- ausfuhr Rußlands und Rumäniens stockt daher völlig und die Preise steigen in den sonst versorgten Ländern erheblich, zumal die kriegsgerüsteten Staaten selbst ihre Getreidevorräte vsrgrößern niiisien. So erfährt die allgemeine Teuerung durch die Balkan- Misere noch eine Verschärfung. In den B a lk a n l ä n d e rn hat der Krieg zu einer fast völlige» Stockung von Handel und Verkehr geführt. Das Personal ist durch die Mobilisierung entzogen. In Bulgarien und Serbien habe» die Regierunge» einen allgemeinen drei Monate gültigen Z a h l» n g s a u f i ch u b verkündet. Alle Schulden sind danach erst Ende dieses Jahres zahlbar. Daniit sind alle finanziellen Transaktionen in den beiden Ländern bis auf weiteres unterbunden. Auch deck Verkehr mit dem Ausland leidet natürlich darunter. So warnt das Reichsamt des Innren offiziell:„Die serbische Regierung hat für die Dauer des Mobilmachnngszustandes ein Haudclsprovisoiium für das Inland erlaffen, dessen Wirkung sich jedoch aum auf Zahlungen nach dem Auslände erstrecken muß. wes- halb einstweilen Vorsicht bei der Kreditgewährung ge- boten ist. Eine ordnungsmäßige Erledigung von Re» klamalionen durch die serbi'chen Behörden ist zurzeit nicht zu erwarten, da bei allen Behörden der Geschäftsgang wegen der Einziehung der Beamten stockt." Die Zahlungseinstellungen auf dem Balkan und die Stockung der Zufuhr haben auch bereits zu Betriebseinschränkungen und und Insolvenzen im Ausland geführt. Insbesondere die Industrie Oesterreichs, das mit dem Balkan im regsten Güteraustausch steht, leidet darunter. So lst oie Textrl» und Stickereiindustrie Vorarl- bergs von der Balkankrists bedroht. Auch unmittelbar werden einzelne Arbeiterkreise unter der von der europäischen Diplomatie geschürten Krisis leiden. Arbeiterentlagungen haben in einigen wenigen Betrieben bereits stattgefunden.� Die Beschaffung v o» G e l d ist mr die Bakkanstaaten natür- lich die Hauptfrage. Die Staaten wie dos Privatgewerbe leiden unter diesem Mangel. Das Bedürfnis nach Gold macht sich besonders be- merkbar. Um den Abfluß nach dem Balkan zu verhindern und die eigenen Bestände zu halten, haben die Bank von Frankreich und die Oesterreich-Uiigarische Bank die Ausgabe von Goldmünzen gänzlich eingestellt. Infolge des Goldmangels ist im Balkan das Galdagio gestiegen. Die verworrenen WährungsverhaltliUse auf dem- Balkan sind dadurch noch schwieriger geworden.~ue intcrnaHonalcn Zahlungsbezichungen leiden mit darunter,.richt nur ist der Privat- distont an den einzelnen Böricnplätzen verteuert worden, auch die internationalen Wechselkurse sind gestiegen, jedenfalls zeigt sich selbst an den strittigen Gebieten fern liegenden Platzen wie London eine Nervosität in finanziellen Kreisen, die daraus hinweist, daß die Balkankrisis in ihrem jetzigen Stadium zu einer Gefahr für das internationale Wirtschaftsleben zu werden droht. Hirn Induftric und Handel. Vom Roheisenverband. Die Shndiziening der Robeiseuindustrie hat eine neue Stärkung erfahren. Innerhalb deS Essener Roheisenverbandes, ! der seit Mitte 1911 besteht, genießt die lothringisch-luxemburgische �Gruppe besondere Vorrechte.(Zu ihr gehören die großen Werke: ; Eich-Büdelinge», Collart, Vereinigte Hütten Purbach, Rombacher Hütteniverke, Roehlingsche Eisen-'und Stahlwerke, de Wendel, Rodingen, Gebr. Stumm und Halberger Hütte). Während der Vertrag des allgemeinen Verbandes von Januar 1912 bis Dezember 1916 abgeschlossen wurde, läuft das Sonderabkommen mit den genannten lothringifch-luxemburgifchen Werken nur bis Ende 1912. Bei den jetzigen Erneuerungsverhandlungen ist nun ein weitgehenderes Einvernehmen zwischen Essen und der Sondergruppe erzielt worden. Bisher war es den lothringifch-luxemburgifchen Werken gestattet, im Laufe der halbjährigen Lieferungsperiode von den beim Verband angemeldeten Lieferungsmengen zurückzutreten. Das soll jetzt aufhören. Zugleich verzichtet die Sondergruppe auf das Recht, durch eigene feste Händler den JnlandSvertrieb zu besorgen. Sämtliche Verkäufe müssen jetzt durch das Essener Verkaufskontor geben, während das gemeinsame Kontor bisher nur die Auslandsgeschäfte der Gruppe ver- mittelte. Die relativ selbständige Stellung der luxemburg- lothringischen Händler geht ihnen nunmehr verloren. Sie ver- kehren nicht mehr direkt mit den Werken, sondern nur noch mit detN Verkaufskontor, das sie nun vollständig in der Hand hat. Ihre Ge- schäfke werden strenger kontrolliert, ihre ihnen zugewiesenen Ver- kaufsbezirke beschnitten und die Lieferungsbedingungen erschwert werden. Kurz, ihre Lage wird zugunsten der Werke und des Syndikats verschlechtert. Eines der Haupthindernisse für die straffere Syndizierung der Roheisenindustrie, die Händlerfrage, ist damit be- seitigt. Selbstverständlich wird sich das für den Konsum in er« höhlen Preisen ausdrücken, denn die Händler konnten bisher eine solche Preispolitik, die ihnen zum Teil Schaden bringen mußte, durchkreuzen. Die außerordentlich günstige Konjunktur in der Eisenindustrie hat die Nachfrage durch die Händler so anschwellen lassen, daß die voll beichäfligten Werke ihr kaum ge- nügen und einen Druck auf die Händler ausüben können. Wahr- scheinlich werden nun allgemein die in der Roheisenhändler- Vereinigung zusammengeschlossenen Händler, die sich noch relativ großer Selbständigkeit erfreuen, in ihrer Tätigkeit beschnitten werden, Den äußeren Ausdruck bat die Wandlung auch dadurch gefunden, daß der bisherige Geschäftsführer der Lothringer Gruppe seine 33jShrige Stellung aufgegeben hat und an seine Stelle„eine jüngere Kraft" aus dem Slahlverband getreten ist. Der Staat als Preistreiber. Die Regierung bestreitet jetzt, daß die vom Rheinisch-Westsälischen Kohlensyndikat in Erwägung gezogene abermalige Erhöhung der Rubrkohlenpreise von dem FiskuS angeregt oder beantragt worden sei. Im Gegenteil seien vom Staat bei den Vertretern des Syndikats gegen Preiserhöhungen, insbesondere soweit sie sich auf Hausbrandkohlen erstrecken, ernste Bedenken erhoben worden. Das Dementi kommt reichlich spät. Immerhin lehrt der Vor- fall, wie leicht der Beitritt des Staats zum Syndikat von inter- essierter Seite ausgenutzt werden kann. Wenn übrigens die„ernsten Bedenken" nicht zu einer Verhinderung der Preiserhöhung mindestens für Hausbranskohlen führen. bleibt das Versprechen der„preis- regulierenden Tätigkeit" innerhalb des Syndikats nichts als leeres Gerede.___. Soziales* Gilt Lehrlingsstrett Ein eigenartiges Urteil fällte die 1. Kaminer des hiesigen KaufmannsgerichtS in einer Lehrlingsstrcitklage. Der Kläger, Händler Leop. W., erhob für seinen minderjährigen Sohn eine Schadenersatzklage, weil dessen vorzeitige Entlassung nach etwa einjähriger Lehrzeit zu Unrecht erfolgt sei. Die Entlassung erfolgte schon vor einem Jahre und zwei Monaten. Der Vater beziffert den Schaden, den sein Sohn durch den Wechsel in der Lehre erlitten hat und noch erleiden dürfte, auf rund 500 M. Diesen Betrag verlangt er vom Beklagten, dem Kaufmann K., ersetzt. Auf die Frage des Vorsitzenden, warum er denn erst jetzt, nach so langer Zeit, mit der Klage komme, machte der Vater folgende An- gaben: Er sei uiunittelbar nach erfolgter Entlassung mit seinem Sohne zur Gerichtsschreiberei des Kaufmannsgerichts gegangen, um dort die Klage aufzugeben. Dort habe ihm aber der diensttuende Beamte den Rat gegeben, er solle noch abwarten, ob überhaupt ein Schaden entstehen würde, und erst später seinen Schadenersatz- anspruch geltend machen. Daraufhin unterließ er damals die Klagerhebung. Der Vorsitzende, Magistratsrat Techow, erklärte es für geradezu ungeheuerlich, wenn dem Kläger in der Tat ein derartiger Rat erteilt worden sein sollte. Gerade bei Lehrlingsstreitigkeiten sei größte Beschleunigung des Verfahrens geboten, sie gelten darum auch als Eilsachen. Je länger der Konflikt sich hinzieht, um so schwieriger wird auch die Feststellung des Tatbestandes. Die Gerichtsschreiberei sei auch keine Rechtsauskunftsstelle, sie müsse jede Klage auf Verlangen zu Protokoll nehmen. Das Kaufmannsgericht wies den Kläger ab. Der Vater habe die ganze Angelegenheit falsch behandelt. Sein Fehler war von vornherein, daß er sein Augenmerk mehr auf einen Schadenersatz, als auf Fortscliung des Lehrverhältniffes gerichtet hatte. Eine der- artige Klage hätte sofort nach erfolgter Entlassung erfolgen müssen. Eine Klage auf Fortsetzung der Lehre hätte der amtierende Sekretär sicherlich auch ohne weiteres zu Protokoll genommen. Kläger habe aber zweifellos ein derartiges Verlangen gar nicht geäußert. Der Vorsitzende hat darin recht, daß der Gerichtsschreiber ver- pflichtet ist, jede Klage zu Protokoll zu nehmen. Ihm ist auch darin beizupflichten, daß Lehrlingsklagen möglichst schnell einzu- reichen, durchaus zweckmäßig ist. Aber die Abweisung des Klägers ist nicht berechtigt. Ter Lehrling hat ein Recht auf Schadenersatz wegen unberechtigter Entlassung: er brauchte nicht auf Fortsetzung des Lchrvcrhältnisses klagen. Selbst wenn man aber dem Kläger einen Teil der Schuld für die Höhe des Schadens nach Lage der Sache sollte beimessen müssen, so ist doch die Abweisung der Klage in ihrer gesamten Höhe dem Gesetz nicht entsprechend. Hus der Frauenbewegung. Die Oekvnomie des Lasters. In England beschäftigt sich die Oeffentlichkeit augenblicklich viel mit dem Mädchenhandel, dem Handel- mit weihen Sklaven, wie dieses ungesetzliche Geschäft allgemein genannt wird. Eine Anzahl Schriften über die weite Verbreitung und ekelerregende Natur dieies nach echt kapitalistischen i�-uubsätzen betriebenen Handels haben viel dazu veigetragen, die Menschen hierzulande aufzurütteln und aus die Gefahren dieser Pestbeule am Gesell- schaftskörper aufmerksam zu machen. Das Hauptverdienst an dieser nützlichen Arbeit haben die Verfasser des unlängst erschienenen Buches„The White Sklave Market"(Der weiße Sklavenmarkt). Frau Archibald Mackirdy und Herr W. N. Willis, der das Betriebs-- shstem-der Sklavenhändler ini nahen und fernen Osten eingehend studiert hat. Das Werk verrät an den beständigen Wiederholungen und unnötigen Einschaltungen die Hand des ungeduldigen Enthu- fiasten, für den nur eine Frage in der Welt der Lösung harrt. Wer aber Geduld hat, wird durch das Lesen des Buches einen tiefen Ein- blick in ein Geschäft gewinnen, bei dem— wie der jüngst« Polizei- skandal in New Uork beweist— die Hüter der Sitte häufig selbst die Hand im Spiele haben. Wenn man bedenkt, daß es nach den Angaben Frau MackirdhÄ in London allein mindestens 2 5 0 0 0„pimps" und„bludgers" (Mädchenhändler und Zuhälter) gibt, so kann man sich einen Be- griff von der Ausdehnung machen, die„der älteste weibliche Beruf" im Zeitalter des kapitalistischen Betriebs gesunden hat. Der Handel mit sr-ißc» Mädchen ist ein regelreckst'« Geschäks- das sich aller modernen Verkehrs- und Hilfsmittel bvoient. Unauf- hörlich reisen die Agenten der Lasterhöhlen des Ostens, Aegyptens, Südamerikas nach Europa und den Vereinigten Staaten mit Be- stellungen in der Tasche, um Scharen unschuldiger, frischer, ahnungs» loser Mädchen einem infamen Leben und einem fürchterlichen Tode entgegenzufiihren. Durch Geschenke und großartige Versprechungen gewinnt der Händler seine Ware. In schwierigen Fällen heiratet er auch wohl sein Opfer, ehe er es verkauft. Herr Willis öerichtet von einem der Polizei bekannten Atädchenhändler, der regelmäßig Geschäftsreisen nach dem fernen Osten unteruinimt. In London wohnt dieser Mensch in einem der feinsten Hotels im Piccadilly. Seine Spezialität sind junge schöne russisch-jüdische Mädchen aus Whitechapel, wo er seine Agenten hat, die den unerfahrenen jungen Dingern einroden müssen, sie würden die Gemahlin eines indischen Herrschers wevden. Andere, namentlich englische Mädchen werden mit verlockenden Bühnenengagements und nobel bezahlten Stellun- gen im Auslande eingesangen. Eine beliebte Methode des Sklaven- Händlers ist die, das unbedingte Vertrauen seiner Opfer zu ge- Winnen. In-diesen Bemühungen macht er sich gern in der Ver« kleidung eines Geistlichen an sie heran. Sehr ausführlich beschäftigt sich das Buch mit Heu Zustanden in Schanghai und Singapur. Singapur ist das Hauptquartier der Händler mit weißen Mädchen. Dort hat die Sippschaft einen Klub, eine Art Börse, wo die Geschäfte geregelt werden. Kommt eine Ladung menschlicher Ware an, so sind die Besitzer der Bovdelle gleich zur Stelle, um sie zu besichtigen und Angebot« zu machen. In dieser„babylonischen Hölle des Ostens", wie der Ort dort heißt, gibt es nicht weniger als 510 Bordelle. Ungeheure Preise sind beim Befitzwechsel für einige dieser Häuser bezahlt war- den. Herr Willis beschreibt sie wie folgt:„Jedes Haus besitzt ein« große steinerne Veranda mit Balkons darüber, wo von 3 Uhr nach- mittags bis 10 oder 11 Uhr abends die armen bemalten Geschöpfe, mit einem Flitterkram bedeckt, Kaffee schlürfen, Zigaretten rauchen und Vorübergehende mit den Worten einladen:„Kommen Sie bitte herein!" Diese Prostituierten sind eine der Sehenswürdig- leiten des Ostens, und obwohl es befremden mag, denkt doch nie ein Tourist, der Singapur besucht, daran, die Stadt zu verlassen. ohne wenigstens durch die Malay Street gefahren zu sein, um diese „Ausstellungslweiber" aller Nationen anzugaffen, die von der bri- tischen Flagge beschützt wevden. Man hat mir in der Tat zu ver- stehen gegeben, daß für den deutschen Kronprinzen bei -seinem Besuche im Osten Vorbereitungen getroffen wurden, damit er durch die Malay Street fahre-und das babylonische Viertel von der-besten Seite kennen lerne." Die empörendsten Geschichten wevden über die Behandlung -der bedauernswerten jungen Geschöpfe berichtet. Hat man sie ein» mal im Bordell untergebracht, dann werden sie„gezähmt",„es wevden ihnen die Schrullen ausgetrieben", wie es in der Gauner- spräche dieser Verbrecher heißt. Ohne Kleidung, ohne Geld, ohn« Freunde, halbtot geschlagen und seelisch gebrochen ergeben sich die Opfer schließlich ihrem Schicksal, um wenige Jahre darauf, wenn ihre Jugend verblüht und ihr Fleisch im Preise gesunken- fit, an di« Bordelle des- Ehinesenviertels verkauft zu werden, von woher noch keine zurückgekommen ist. ■ Was ist zu tun. um-diesen Schandfleck von unserer Zivilisation zu entfernen? Den Skalvenhändlern die Märkte verschließen, die Bordelle abschaffen? Frau Mackirdy sieht ein, daß dies keine prak- tische Lösung der Frage ist. Sie verlangt eine strengere Bestrafung der Mädchenhändler und-mörder und weist auf Australien hin, wo die Frauen politisck gleichberechtigt sind und Mädchenhändler nicht allein schwere Zuchthausstrafen erhalten, sondern auch ausgehauen wevden. Sie will eine Sittlichkeitspolizei schaffen und den Polizei» sergeanten das Recht geben, Mädchenhändler auf den Verdacht hin zu verhaften. Ob man aber auf dem Gebiete des Mädchenhandels, wo der Verbrecher kapitalkräftig und gewitzigt sein mutz, mit solchen Dingen viel wird ausrichten können? Man zeige uns-den Polizei« sergeanten. der keine Ehrsucht hat vor Herren, die erster Klaff« fahren und Champagner trinken können. Aber Frau Mackirdy weiß wohl den wirtschaftlichen Faktor zu würdigen. Mit Recht weist sie aus das traurige, klägliche Hungerleben, das viele Millionen unserer Mädchen führen- müssen, das sie für die Verlockungen der Mädchen- Händler empfänglich macht; mit Recht schreibt sie:„Solange wie di« Frauen billig sind, so lange wird die Prostitution florieren." Si« verlangt einen gesetzlichenMinimallohnfür Mädchen, anständige Wohnungen für die arbeitenden Mädchen und streng« Ueberwachung der Arbeitsverhältnisse durch weibliche Inspektoren. Jedoch Hand in Hand mit dieser wirtschaftlichen Hebung muß unseres Erachtens die geistige Hebung-des jungen weiblichen Ge- schlechis gehen. Man ist in der letzten Zeit der Schundliteratur derb zu Leibe gegangen. Aber hat man jener sentimentalen, roman- tischen, religiösen Schundliteratur genügend Beachtung geschenkt, von der unsere weibliche Jugend täglich Berge verschlingt, die den Mädchen eine falsche Welt vorlügt, sie zu dummen Gänsen macht, die eine leichte Beute des ersten Schurken wevden-, der diese Roman» spräche versteht, einer Schundliteratur, die vielleicht mehr Unheil anrichtet als die blutrünstigen Geschichten, an denen sich ein Schüler oder ein Lehrbube weidet? Das Elend und-die Unwissenheit, wozn -der Kapitalismus dir proletarische Fugend verurteilt, ist das best« Kapital der Mädchenhändler. Dieser infamen Gesellschaft dt« Grundlage zu entziehen, ist die besondere Aufgabe der sozialdemo» krati-schen Frauenbewegung, die die Mädchen dem Einfluß der über» lieferten unsittlichen weiblichen Erziehung zu entreißen und zil brauchbaren, denkenden und vernünftig- fühlenden Menschen zu machen berufen ist._ Leseabende. Groß-Lichterfelbe. Dienstag den 15.. 8% Uhr.„Kaiferhof". Kra- noldplatz 1. Vortrag über„Körperpflege". Referent Dr. MI- Helm Grumach.« Versammlungen- Veranstaltungen.' U e ber„Hu ng e r und Liebe» spricht Professor Dr. Robert M'chels-Turin und über„Kinderlosigkeit und künstliche Be« fruchtung Dr- med. Hermann Rohleder-Leipzig Mittwoch. Mutterschutz�' 8 8 U�r' Architektenhaus, im Bund für Gerichts-Ze* tun >6" Der Methylalkoholprozeß vor dem Reichsgericht. Leipzig, 12. Oktober 1912. Vor dem Reichsgericht fand heute die Revisionsverhandlung in dem Prozeß gegen den Drogisten Julius Scharmach, den Reiseuden Meyen und den Schankwirt Dahle statt, die nach einem mehrwöchigen Prozeß im April dieses Jahres von der 10. Strafkammer des Land- g: Vichts Berlin unter dem Vorsitz des Lcnddgerichtsrats Brieslorn wegen Vergehen gegen das Nahvungsmittelgesetz, fahrlässiger Körper- Verletzung und teilweise auch wegen Betznu� vMttteilt worden waren. Tie Angeklagten waren der fahrlässigen Verschuldung jenes Massensterben im städtischen Asyl für Obdachlose im April ange- klagt, bei dem mir die Jahreswende 1912 nicht weniger als 92 Ob- dachlose unter schreckliche» Krämpfen starben und zahlreiche andere erkrankten. Das Urteil lautete gegen Scharmach wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz in Tateinheit mit Betrug zu fünf Jahren Gefängnis und 2000 M. Geldstrafe, gegen den Reisenden CTastrow(der sich bei dem Urteil beruhigte) und den Reisenden Meyen auf zwei Monate und den Schankwirt Dahle auf sechs Wochen Gefängnis. In den Gründen des Strafkaminerurteils wird der Be- trug, dessen Scharmach schuldig befunden wurde, darin erblickt, daß er den von ihm zur Ersetzung des Aethylalkohols verwendeten, viel billigeren Methylalkohol zu einem Preise verkaufte, der zwar niedri- ger ist als der des Aethylalkohols, aber höher als der des Methyl- altohols. Wenn Scharmach die Welt darüber täuschte, daß er den billigeren Methylalkohol verwendete, so liegt darin seine betrüge- rische Absicht. Ein vorsätzliches und wissentliches Verschulden Schar- machs erachtete die Strafkammer nicht als absolut sicher festgestellt, hin, gegen habe er dadurch fahrlässig gehandelt, daß er sich über die Giftigkeit des Methylalkohols nicht in der erforderlichen Weise in« formiert hat. Hierin liege ein Vergehen gegen das Nahrungsmittel- gesetz, sowie Uebertretungen der Drogistenvorschriften und verschiede- ncr Polizeiverordnungen. Auch der Angeklagte Meyen habe gewußt, daß er nur Spritersatz bekam, er hatte die Verpflichtung, sich darum zu bekümmern, was Scharuiach ihm als Spritersatz verkaufte. Auch hierin liege Betrug und Vergehen gegen das Nahrungsmittel- gesetz, weil Meyen den Spritersatz, ohne seine wirkliche Beschaffen- heit zu kennen, als reinen Kartoffelsprit weiterverkauft habe. End- lich habe Dahle durch die Unterlassung der von ihm beabsichtigten Untersuchung der von Scharmach gelieferten Ware, deren Geschmack und Geruch ihm auffiel, fahrlässig gehandelt. Die Revision, die Rechtsanwalt Dr. Alsberg vor dem Reichs- gericht vertritt, erhob eine große Anzahl Rügen, die im wesentlichen Beschränkung der Verteidigung sowie unzureichend« und wider- spruchsvolle Begründung des Urteils behaupten. Der Reichsanwalt beantragte Verwerfung der Revision, Das Reichsgericht beschloß, daS Urteil am Dienstag, den IL. Oktober, um 12 Uhr zu verkünden. Butterfälschungen. Gewerbsmäßige Butter fälfchungen in großem Umfange be- trieben zu haben, wurde dem Butterhändler Ernst Schwanebeck und dessen Tochter Else Sch. zur Last gelegt, die sich vor dem Schäften- gericht Berlin-Mitte unter der Anklage des wissentlichen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz zu verantworten hatten. Die Angeklagten sind der Polizei seit langer Zeit als Butter- fälscher bekannt. Erst im August V. I. wurde«schwanebeck zu 600 M., seine Tochter zu 300 M. Geldstrafe verurteilt, nachdem sie einige Zeit vorher schon einmal wegen der gleichen Straftat verurteilt worden waren. Das Geschäft mußte wohl anscheinend so viel ein- bringen, um die hohen Geldstrafen ohne weiteres bezahlen zu kön- neu. denn die Angeklagten setzten ihr Fälscherhand werk ruhig fort. Bei einer Probeentnahme bei zahlreichen kleinen Geschäftsleuten, Milchhändlern usw., die von Schwanebcck„garantiert reine Natur- butter" bezogen hatten, wurde festgestellt, daß diese Butter mit 20 Proz. Margarine verfälscht war., Eine Haussuchung in dem Ge- schüft der Angeklagten förderte eine Kiste mit sogenannter„Betrugs- Margarine" zutage. Es ist dies ein« Margarine, die von einer be- sonderen Fabrik in der Dircksenstraße hergestellt wird und keinen Zusatz von Sesamöl enthält, weil sich dieses bei der chemischen Unter- suchung sehr leicht nachweisen läßt. Außerdem soll diese Margarine von der fraglichen Fabrik, gegen deren Inhaber deshalb ebenfalls ein Strafverfahren schwebt, in Kisten versandt worden, welche den gesetzlich vorgeschriebenen roten Streifen nicht aufwiesen. Das Gericht erkannt« gegen Schwanebeck auf 3 Monate Gefäng- nie, 300 M. Geldstrafe, und gegen die Tochter auf 1000 M. Geld« Nähe des Geschäfts der Angeklagten befindlichen Anschlagssäulen öffentlich bekanntzumachen._ Tclephonnervosität. Der fortgesetzte Aerger über falsche Verbindungen hat den Kauf- mann Bruno Schulz zu einer unvorsichtigen Aeußerung verleitet) die für ihn sehr üble Folgen hatte. Ter Angeklagte, welcher infolge der Art seines Geschäfts in sehr starkem Matze auf den Telephonverkehr angewiesen ist, war'bei dem Fernsprechamt Moritzplatz angeschlossen. Wie er und die bei ihm beschäftigte Kontoristin angibt, hatte er an jedem Tage den schwersten Aerger mit dem Telephon. Nach seiner Angabe habe er häufig mit der Uhr in der Hand am Telephon ge- standen und zehn Minuten warten müssen, bis das Amt sich meldete. Wie die als Zeuge vernommene Kontoristin bekundete, sei der An- klagte, als er sich vom Amt schikaniert glaubte und nachdem er ganz verzweifelt vor dem Apparat einen Jndianertanz ausgeführt hatte, von einer Art Tobsuchtsanfall befallen worden, indem, auf die sogenannte„verkehrsbeschleunigende" Einrichtung �des Telephons schimpfend, Bücher und alles, was er in die Hände bekommen konnte, auf den Fußboden warf. Alle Beschwerden und Eingaben nützten nichts, selbst als er sich an die höchste Stelle der Postbehörde wandte. Als eines Tages Postbeamte in seinen Geschäftsräumen erschienen und nach fünfsiündiger Arbeit feststellten, daß ein anderer Arbeiter einen Draht falsch verbunden hatten, ließ er sich verleiten, die Beamten der Störungsstelle mit dem Schmeichelnamen„L....- jungenS" zu belegen. Das Schöffengericht verurteilte ihn zu 200 M. Geldstrafe. Hiergegen legte der Angeklagte Berufung ein. Die Strafkammer kam jedoch zu denselben Feststellungen wie das Schöffengericht und erkannte auf Berwerfnstg der Berufung. Der gröfze König. Abends� (Ansang VI, Uhr.) .ege strafe. Außerdem wurde beschlossen, den UrteilStenor an den in der Modien-Spielplan der Berliner Cheater. Kitnigl. Opernhaus. Sonntagnachmittag 2'/, Uhr: Die Kleder- maus. Abends: Der Barbier von Sevilla. Montag: Der Rosenkaoalier. Dienstag: Dle Meistersinger von Nürnberg.(Ansang 7 Uhr.) Mittwoch: Ein Maskenball. Donnerstag: Salome.(Ans. 8 Mr.) Freitag: Sinfonie- Konzerl. Sonnabend: Margaret«. Sonntag: Tannhäuser. Montag: Oavallsria rustioaua. Bagazzi.(Ansang VI, Uhr) Kiinigl. Schauspielhaus. Sonntag: Ein Wafsengang. Montag: Hamlet. Dienstag: Flachsmann ali Erzieher. Mittwoch: Der große König. Donnerstag: Ein Wastengang. Freitag: Geschloffen. Sonnabend Ein Waffengang.>Lonntagnachinittag 3 Uhr: T Ein Waffengang. Monlag: Der grohe König... WW RencS Opern-Thcater(Kroll). Sonntagnachmittag 3>/, Uhr: Der Herrgotlfchnihcr von Ammcrgau. Abends: SUmenrausch und Edeltveitz. Montag: Der Glücksfchmied. Dienstag: Jägerbwt. Mittwoch• Der Meineidbauer. Donnerstag: Der Paragraphenschuster. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: Der Prinz Ratzi. SonntagnachmMag 3h, Uhr: Jägerblut. Abends: Der Prinz Natzi. Montag:'S Merferl von Schliers ee.(Ans. 8 Uhr.) Lessing-Ddeater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Klaube und Heimat. Abends und Montag: Hedda Gabler. Dienstag: Narrcntanz. Mittwoch: Tantris der Narr. Donnerstag: Hedda Gabler. Freitag: Rarrentanz. Sonnabend: Hedda Gabler. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Glaube und Heimat. Abends: Nsrrentanz. Montag: Tantris der Narr.(Ans. 8 Uhr.) Teutiches Theater. Sonntag bis Dienstag: König Heinrich IV, 1. Teil(Ansang 7 Uhr.) Mittwoch: Totentanz. Donnerstug: König Seinrich IV, 1. Teil. Freitag: König Heinrich IV., 2. Teil.(Ans. 7 Uhr.) onnabend: König Heinrich IV., 1. Test. Sonntag: König Heinrich IV., 2. Teil Monlag: Totentanz.(Ansang 7'/, Uhr). Kaniinersplele. Allabendlich: Mein Freund Teddy.(Anfang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Attienbuditer. Allabendlich bis Donnerstag: Kroge Rosinen.(Anfang 8 Uhr.) Freitag: Geschloffen. Ab Sonnabend: Filmzauber.(Ansang VI, Uhr. Nächsten Sonnlagnachmitlag 3 Uhr: Bummelftudenteu. Kleines Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Drei Einakter. Wabendlich: Magdalena.(Ansang 3 Uhr.) Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Drei Einaller. Trianon-Theatrr. Sonntagnachmtttag 3 Uhr: Der selige Tonpinel Allabendlich: Liebesbarometer.(Ans. 8 Uhr.) Nächst«» Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der selige Tonpinel. Schiller-Theater O. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Jops und Schwert Abends: FlachSmann als Erzieher. Montag: Der Talisman. Dienstag: Der Misanthrop. Die Schule der Frauen. Mittwoch: Der Talisman. Donnerstag und Freitag: DeS Pfarrers Tochter von Streladorf. Sonn- abend: Wallensteins Tod. Sonntagnachmittag 3 Uhr,' Zopj und Schwert Abends: Der Talisman. Montag: Des Pfarrers Tochter von Slrela- dorf.(Anfang 8 Uhr).. Schiller- Theater Charlottenbnrg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Jüdin von Toledo. ZtbendS: König Lear. Montag: FlachSmann als Erzieher. Dienstag: König Lear. Mittwoch: Flachsmann als Erzieher. Donnerstag und Freitag: König Lear. Eonnabend: Flachsmann als Er- zieher. Sountagnachwitlag 3 Uhr« Die Jüdin• von Toledo. Abends: Flachsmann als Erzieher. Montag: König Lear.(Anfang 8 Uhr.) Neues Bolks- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Liebele,. Literatur. Abends und Montag: Die Doppetgängerkomödie. Dienstag: Lore. Die Spieler. Der Kammersänger. Mtttwoch: Liebelei. Ltteratur. Donnerstag: Die Doppelgängerkomödie. Frettag: Lore. Die Spieler. Der Kammersänger. Sonnabend: Walter Poll. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Liebelei. Literatur. Abends: Jugend. Montag: Die Doppelgänger- komödie.(Anfang 8!/, Uhr.) Friedrich- Wildelmftödt. Schauspielhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr und allabendlich 81/, Uhr: Die keusche Sujannc. Nächsten Sonntag- nachmittag: Bereinsvorstellung. Theater in der Köiliggräver Straiie. Sonntag: HerodeS und Mariamn«.(Ansang VI, Uhr.) Montag und Dienstag: Die süns Frank- surtcr. Mittwoch: HerodeS und Mariamnc. Donnerstag: Die fünf Front- furter. Frettag: HerodeS und Mariamne. Sonnabend und Sonntag: Die jünj Frankfurter.(Anfang 8 Uhr) Montag: Herodes und Mariamne. Thalia-Thearer. Allabendlich: Auwliebchen.(Ansang 8 Uhr.) Lustspielbaus. Sonwagnachmittag 3 i.Hr: So'n Windhund. Allabendlich: Mein alter Herr.(Ansang H'U Uhr.) Komödicnhaus. Sonntagnachmtttag 3 Uhr: Der rote Leutnant. Wabendlich: Die Zarin.(Ansang 3 Uhr.) Refidenz-Thcater. Sonntag bis Donnerstag: Der Herr von Nr. 19.(Ansang 8 Uhr.) Freitag bis Montag: Gemütsmenschen.(An» sang VL Uhr.) Deutsches Schauspielhaus. Sonntag: Der gutfitzende Frack. Monlag: Ostern. Dienstag: Der gutsitzende Frack. Mtttwochnachmittag: Egmont. Abends und Donnerstag: Der gutsitzend« Frack. Frettag: Ostern. Sonnabendnachmittag: Egmont. Zlbends bis Montag: Der gutsitzende Frack.(Ansang 8 Uhr.) �. Theater am Stollendorfplab. Allabendlich: Orpheus m der Unter- wett.(Anfang 8 Uhr.)_., Caflno-Tbeater. Sonntagnachmtttag 4 Uhr- PapaS Seitensprung. Wabendlich: Der Krotzsürst.(Anfang 8 Uhr.) DiontiS Operetten-Thratrr. Sonntagnachmtttag 3 Uhr: Wiener Blut. Allabendlich bis Freitag: Goldner Leichtsinn.(Ansang 8 Uhr.) Ab Sonnabend: Der Frauensresser.(Ansang VI, Uhr.) Kurfürsten-Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Aleffandro Stradello. Abends bis Dienstag: Der Kuhreigen. Mittwoch: Der Kongreß von Sevilla. Donnerstag und Freitag: Der Kuhreigen. Sonnabend: Der Kongreß von Sevilla. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Troubadour. Abends: Der Kuhreigen.(Ansang 8 Uhr.) Montag: Unbestimmt. Rose> Tbearer. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ein Sommernachts- träum. Abends und Montag: Papageno. Dienstag: Von Stufe zu Swse. Mittwoch: Papageno. Donnerstag: Von Stufe zu Stufe. Frettag: Ein Sommernachistraum. Sonnabend: Von Ltuse zu Stufe, sonntagnachmtttag sowie Abends und Montag: Pavageno.(Ansang 8 UhrO Luisen. Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Annaliese. AdendS: Die gelbe Gefahr. Montag: Die Memeidgräfin. Dienstag- Das Käthaen von Heilbronn. Mittwoch: Die Meineidgräfln. Donnerstag: Die gelbe Gefahr. Freitag: Die Meincidgräfin. Sonnabend: Das Käthchen von .öeilbronn. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Alpenlönig und der Menschen- semd. Abends: Des Andern Ehre. Montag: Die gelbe Gefahr.(An- fang 8 Uhr.) Herrnfeld- Theater. Allabendlich: Die Alpenbrüder. Endlich allein.(Ansang 8 Uhr.) Metropol- Tbearer. Sonntagnachmittag: Tata Toto. Allabendlich: Chauffeur— ins Metropol I(Ansang 8 Uhr.). FolicS Gaprice. Allabendlich:. Der leufche Joseph. Der Rehbock. (Ans. 8'l, Uhr.) Admiralspalast. Eisballett: Avonne.(Ansang 10 Uhr.) Reichsballen-Tbearcr. Allabendlich: Die Macht der Töne.(An- fang 8 Uhr. Sonntags?>/, Uhr.) Urania- Theater. Täglich: Aus» Matterhorn.(Anfang 3 Uhr.) Pai age-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr und allabendlich 8 Uhr: Spezialiläten. Wintergarte«. Sonntagnachmittag 3 Uhr und allabendlich 8 Uhr: Spezialitäten. Apollo-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr und allabendlich 8 Uhr: Spezialitäten. Röuigstadt. Kasino. Täglich: Spezialitäten.(Anfang 8 Uhr.) Zirkus Busch. Sonntagnachmittag 3»), und allab-ndluh 70, Uhr: Galavorstellung. Zirkus Schumauu. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr und allabendlich V/, Uhr: Galavorstellung. Nr. I. Ollr, grau oder brlunlleher ee.* O rnusterlar Cheviot..... 1 0 U. Nr. S. Hell und dnukelgraue Dlegonal- O« Cheviots mit bunten Streiten£| M. Nr. S. Braun und grünUch melierter Che- O- viot. eugliach verarbeitet.........£4 M. Nr. 4. Dunkelbrauner Fleuscbitoll, »treog modern............. Nr 5. Grau, braun oliv, nach englischer Art gemusterter Cheviot.......... Nr. fl. Fein gemusterter Cheviot oder Flausen, neueste Farben........ 33 m. Nr. 7. Cheviots und Flauschstoffc mit au» gewebter Rückseite,..Sperial- Marke". 27« Nr. S. 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Die Biertelslcitung. ir ZentralverbandderHausangestellten Sonntag, den 13. Ottober, in Ualenace,„WUnersdorter FcstsiUe"y Johann-Georgftr. 19; Versammlung Sur trag:„Was können die Dienstboten erreichen, wen« sie alle dem Zentralverband der Hausangestellten angehören?« Reserenl: Arbeiterlekretär»öolt llitter.— Nach dem Bortrage: Gemütliche s Beisammensein.— Saalöffnung L Uhr.— Beginn 7 Uhr. Remmgyng Iagkndhkim NellKöll« Dienstag» den IS. Oktober, abends 8'/, Uhr» im großen Saale von Bartsch, Hermannstr. 49: General-Versammlung. Tagesordnung: 2S7/9 t. Verwaltungsbericht sür die Zeit vom 1. Januar 1911 bis 30. Juni l912. Berichterstatter: E. W u tz k y. L. Ausstellung deS Voranschlags sür 1912/13. z. Wahl deS Vorstandes, de» VenvaltungsrateS und der Revisoren. Zutritt nur gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte! Die Mitglieder werden ersucht, vollzählig und püntilich zu erscheinen. Der Voratand. Kerr etimaßsehneider! Cef f entliehe Versammlungen: Montag, de« 14. Oktober 1912. abends 8'/, Uhr, in folgenden Lokalen: Zur Charlottenburg:.Bolkshaus«. Rostuenstrafte S. Für den Westen und Zchöneberg:„Königs hos«, Bütowstrafte 37. Für Moabit: Ttromstrahe 28 bei Herlog. Mittwoch, de« IS. Oktober 1912. abendö 8'/, Uhr. in talgenden Lokalen: Für den S/üde« und Friedrichstadt:„«rminhallen«. Kommandanten- ftrahe K7-S«. Für den Osten:.Fortvua.FcftsSle«. Straiisbcrgrr Straß« 3» Für den Norden: Bergstraße 12 bei Gramatte. Tagesordnung in alle» Versammlungen: 1.„Die diesjährige FrnhjahrSbrwegnng, und welche Lehre« habe« wir aus derselben zu ziehen?« Resercnien: Kollegen Fauftouuw, Heitmann, Kunze und Betler. 2. Diskussion. Zahlreichen Besuch erwartet Die«ommissto». Achtung i Achtung! Herren- Stapel- Konfektion! Slm D»eustag, de« 15. Ottober, abends 8*/, Uhr. findet in den „Königsälen«, Reue Köntgftrahe 2«(Eingang Badzeckstratze), eine Oessentliche Versammlung der bei Zwischeumeistern beschästtgten Kollegen uud Kolleginnen swtt. Tagesordnung: 1. Bortrag des Sollegen Kunze. 2. Bericht der Kommissto««nd Neuwahl derselben. 3. Verschiedenes. Wir bitten sür guten Besuch Sorge zu tragen. Die Kommissto«. Achtung: Achtung! Busler- Konfektion! tag. den 14. Oktober 1912. abends 8 Uhr. bei«n» gjer Allee 156 t Kranchen Versammlung � Tagesordnung: l Wahl des Delegierten znr Damenschneider-Sonfereu». z. Die Vorgänge im Bezirk. 3. Verschiedenes. av.» Mitgliedsbuch ist mitzubringen; ohne dasselbe oder mit mehr als 8 Lochen Rüchwnd lein Zutritt... 164,17 Aabfreiffte» und piwklliches Erscheinen erwartet Die«ommisston. um! remmlteD Geverbe: Mittwoch, den 21. Oktober d.J.' abends 8 Uhr, in den„Mnsikersälen", C, Kaiscr-WUhtlmstr. 18m, uut. Saal: AuBerordentliche Generaiversammlunp Tagesordnung: Gemeinschaftliche Sitzung der Arbeitgeber«ud Arbeitnehmer. 1. Bericht de»«orftandeS über inneren Hausbau... 2. Beratung und Seschluhsafinng über die Frage, ob der BoMmd die Zu- lassung der Orts-Krankenkasse der Schlosser als besondere EhiZ-sUanlril- ,.. d« zuständigen Behörde beantragen soll. X Berich! des 1�. Vorsitzenden über den Krankentassentag in Frankfurt a.O. am 3. und 4. August b. F. 4 bcj r cci�cnben über den Krankenkasseniag zu Köln am b. Verschiedenes. Auklünste über Kassenangeleaenheiten. welche Einsicht in die Bücker er. lordern. tonnen nur im Kafienlotal gegeben werden; ebenso find Anfragen. welche beantwortet werden sollen, schnstlich bl» zum Mittwoch, de« 16. Oktober er., an den Borsitzenden. Cbarilästrahe 3. zu richten. la �egttimallon ist am Saaleingang vorzuzeigen. L79/10 Der Vorstand. Gustav Lubatsch, Bors. Engelufer No. 14/15. EeZlrkSYerWRltüDg GrOS'Berlin. rel.: blorttrpl.tr ZZSZ.4747. Donnerstag, den 7. November 1912, abends 8'/. Uhr: Ordentliche General- Versammlung im grotzen Saal von Kellers Neuer Philharmonie, Köpenicker Str. 96/97. Tagesordnung: 67/13 1. Mitteilungen. 2. Geschästs-, Kasten- und ArbeitsnachweiSbericht sür daS brüte Quartal 1912. 3. Eventuell Erledigung eingegangener Anträge. 4. Geschäslliches. Ein zahlreiches Erscheinen der Delegierten ist erforderlich. Legitimatiyiiskarte sowie Mitgliedsbuch find mitzubringen und zwecks Kontrolle Mlf resp. Abstempelung am Eingang zum Bersammlnngslotal vorznzrigen. j -------------- Ohne Karte und Mitgliedsbuch hcln Zutritt!------------ Wer über acht Wochen mit seine» Betträgen im Rückstände ist» hat ebenfalls keine« Zutritt. _ Die Bezirksvcrwaltung. I. A.: A. Werner. Deutscher Sauarbeiter-Verband. Sektion der Patzer. Uohtmig! Putzer. Aeiltung! Donnerstag, den 17. Oktober» abends 6 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 38/59: Mitglied er-Versammlung. Tagesordnung: 1. Berichterstattung von der Stukkateur- Konferenz. 2. EeschäftShandhabung der Putzer- ge«offe«schaft m. b. H,(Terretiälna) und Nusschluftaiitrag. it. Verbandsallgelegenheiten. Mn pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht[142/14*] Die Ort liehe Vcrwaltnng. Charlotteabnrg/. Verband der Hausarzt- Vereine. Dienstag, den 15. Oktober, abends 8 Uhr, im Volkshause, Rosinenstr. S: ©etTesiäSicli© Versaiaiiiiliisig�. lioses über: Der Bortrag des Genosten Dr. Diskussion eventl. Fragebeantwortung. allznrciche Kindersegen im Arbelterhauö. [748b]-Kie Ortsverwaltnng. !«GM»- Verwaltung Kerlin. Kodell- und fabrikf ischler! Montag, den 14. Oktober, abends pünktlich 8 Uhr: Branchen-Vcrlammlung im„Roseuthalcr Hof". Rosenthalcr Str. 11/12. Tagesordnung: 1. Bortrag der Genossin Frau Waity Zepler über:»Der Kulturwert der Atusik�. 2. BranchenangZegenhÄtew Lekirmmaeker. Da»«erStag. de» 17. Oktober 19«2, abe«ds 7 Uhr, bei Hermel. Holzmarktstr. 21: fnitxneder- Versammlung. Sraneke der Vergolder. Montag, de« 14. Oktober, abends 8'/, Uhr, in der„Alhambra-, Wallnertheaterstr. 15: -- Versammlung Tagesordnung: Oer Stand unseres Streiks. Sonntag, de» 17. November 1912. abends 6'/., Uhr. findet in der »Neuen Welt*. Hajenheide 108—114, eine ?'hSatSr--Vorstvlliing statt. Zur Aussührung gelangt„Dolnlsehe Wirtschult". Billetts sind in allen Zahlstellen zu haben. Die Ortsverwaltuus. Deutscher Bauarbeiter-Verband. Zwcigvcrein Berlin. Sektion der ßips- und Zententbranohe. Montag, de» 14. Ottober er., abendö ö'/e Uhr: General- Versammlung «« kewerltsekaktshuu«, Engrlnfer 13[großer Saal). Tagesordnung: 1. GeschästSberlchl vom 3. Quartal. 2. Wahl der Delegierten zur Gau- konserenz am L. Dezember er. 3. Die KewerbegerichtSwahl in Berlin am 17. November. 4. Seklionsangclcgcnhclten. Sektion der Stukkateure. Montag, den 14. Ottober 1912, abends 8 Uhr» bei Wilkc, Sebastianstraße 39: MgUeder-Versammwng. Tagesordnung: 1. Bericht von der Konserenz. 2. Die Fen/tersrage. 3. Der Arbeits- Nachweis. 4. Verschiedenes. 142/13' OtF" aitzeliedsbuch legitimiert. WB Zahlreichen Besuch der Versammlungen erwartet vor l«olg»sro!nsvzi'»ta ni Zentralkrankenkasse durlapezierer Freitag, den 18. Oktober, abends S'/a llhr: (Quartale- Versammlungen. »tliale 1: bei Löhrig, Markgrasenstr. 88, 178/14 Filiale II; Bei«Bwer, Eliiabeihlirchstr. 14. Filiale III:„Gewerktchattshaus", Engeluser 15(Saal II). Tage»-Ordnung: Kastenbericht vom 3. Omartal. verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwarten Die vrtsver�altanxen. lOOlillilllllO esslist iiiiniggeStror Str. 90. Dages», Abondknrse. laschlnenbau, Elektrotechnik, Hechbau, Tleibau. Werk-, IHaaror-, Zimmer- nolsterkarsc.— Bauer 1 Jahr, vierteljährl. 20 M. vir. Matlhes, lab. nramm frei! Ortskrankenkaffe der Nosamentiere, Seiler, SeideiibMpf- u. Llindmacher Gemäß si 43 unseres Statuts findet die Neuwahl der Vcrtrct-r zur Gc- neralversammlung statt. Zur Vornahme dieser Wahl laden wir die Herren Arbeitgeber, welche Beiträge aus eigenen Mitteln zur Kaste leisten, sowie alle Kassenmit- glieder, welche das 2l. Vlahr vollendet haben, zu der am Montag, den 21. Oktober 1912. abends 8 Uhr. in der Neue« Pbilharmonie. Küpe- nickev Straße 96/97, ststlsindcndeo Wahlversammlung ein. Tagesordnung: Wahl der Vertreter zur General« ver'ainmlung. 7K6b Es sind zu wählen 43 Arbeitgeber- Vertreter, 100 Arbettnehmerverweier. Die Wahl der Vertreter der Zlrbcit- gcber und der Kassenmitgliedcr er- folgt in getrennter Wahlhandlung mittels Stimmzeliel(geheim). Die ordentllehe Generalversammluno findet am DtenStag. den 6. No- vember 1912. abends 8'/, Uhr. in «ellers„Neue Philharmonie', Köpenicker Strasie 96/97 statt. Tagesordnung: 1. Vcrwaltungsbericht des Vor- standes. 2. Beschlusisastung über Zulassung als besondere OrtSkrankenkasse nach Artikel 18 des Einsührnngsgesetzes zur Neichsversicherungsordnung. 3. Wahl des GcsamlvorstandeS(drei Arbeitgeber, sechs Arbeitnehmer). 4. Wahl von drei Kastinrcvism.cn. 5. Etwaige Anträge nach z 52, Abs.? des Statuts und Verschiedenes in Kastenangelegenheiten. Zu vollzähligem Erscheinen lad»! die Vertreter ein Der Verstand I. B.: Bcrnh. Herzer. Vorfitzender Georgenklrchstraße 53. Bekanntmachung gemäß H 34 Slbs. 2 des Kranken» versichcrungsgesetzes. Für die ausgcschteix�cn Vorstands- mUglieder, Herren: Albert Lauck, Hans Heencmann, Karl Meier und arl Schüler sind gewählt: Arbeit- ichard Asdrlnä und' Vertreter August Laude Arbeitnehmer- ür die Wahl- �ebervertreter Hans Heeneinann uiid »». s ü � Periode bis 30. September 1914 und Arbcitnehmcrvertreter August Hertel sür die Wahlperiode bis 30. Sep- tember 1913. 279/12 Berlin-WilmerSdors, den 12. Oktober 1912. Lübsen, Tuckermanch Vorsitzender. Schristsührer.. Mt\ iUarl Arbeltenaohwele: Hos t Amt Norden, Nr. 1239. kmfällnngÄteiie EcharitSftrahe 3. Hauptbureau: Hos LH. Amt Norden. Nr. 1987. Dienstag, den IS. Oktober 1912, abends 6 Uhr: Versammlung aller im 20. Bezirk beschäftigten Eisen-, Metall- nnd KenolDerdretier sowie ftundschleifer in FrankeS FestsSlen, Badstr. 19. Tagesordnung: 1. Die Lohn-«nd Arbeitsbedingungen der Dreher in den Ber- liuer Betrieben«nd welche Massnahmen müssen zn einer Besserung rrgrisseu werden. R.serent: Kollege ZUUler. 2. Diskussion. 3. Wahl de» BezirkSobmanneS. 4. Verschiedenes, I« Anbetracht der sehr wichtigen Tagesordnung erwarten wir zahlreiches uud pünktliches Erscheinen. 12>/2 Die Ortsvervaltaag, Verband der Sattler u. Portefeuiller Ortsverwnltung Berlin. Mittwoch, den 16. Oktober, abends S'/i Uhr» in de«„Armin- hallen', Kommandantenstrahe S8— S9: General- Versammlung ratuug von TageS ordnung: eS. 2. Bericht und Abrechnung vom g. Quartal 1912. UbänderungSanträgen zum OrtS- nnd Lokalkassenstatut. eines Beisitzers zur Gaulettung. 5. Verschiedenes. Ohne MitglirdSbnch kein Zutritt. 3. Be- 4. Wahl 158/6 Zahlreiches und pünkilicheS Erscheinen der Mitglieder envarici 6_ Die Ortsvclwaltnstg. Verband der Tapezierer. — Filiale Berlin.— Am Donnerstag, de» 17. Oktober, abendö 8 llhr, bei IBcndt, Beuthstrasie 21: O-uartals-Versammlung. Tagesordnung: 1 Bericht deS Vorstandes und des Kassierers. 2. Diskussion. 3. Ersatz- Wahl eines Beisitzers zur Ortsverwaltung uud Ersatzwahl zur Schlichtuiigs- ,2}.S. �.BerbandSangelegenheiten und Verschiedenes. Ein Antrag aui Anslchlutz emeS Mttn'i-ldes. 178/13 Pflicht aller Mitglieder ist, anwesend zu sein. Mitgliedsbuch legitimiert k Die Ortsverwaltnng. Königsbank-Testsäte 117. Qroße Frankfurter Str. 117. mein Etablissement zu BerelnSsestlichkeiien. m___ Sonnabende noch frei.-Z Curt Breuer,«ntsiudfis?». ärztlich begutachtet vielfach bewährt 1 Fl. M. 1,50, 7 Fl. M. 9,— portofrei P. Nach«. Ein Kunde schreibt: Ihre Leber- tranemulsion hat sich glänzend bei meinen Kindern bewährt, schicken Sie mir umgehend noch weitere 7 Flaschen, 146/7» Zentral-Apotheke, Berlin 0., Friedriehsfelda f. + Magerkeit+ schwindet durch Haufe'r Nährpulver„THilossia". Preisgekrönt Berlin 1904. In 6 Wochen 24 Pfund ärztl. kontrollierte Zunahme. Gar. unsohädl. Viele Anerk. 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Für diese Wahlen der Arbeitgeber sind Wählerlisten aufgestellt worden, die bis einschließlich Donnerstag, den 17. Oktober d. I., an den Wochentagen während der Dienststunden von morgens 8 bis nachmittags 3 Uhr. am Sonntage von vormittags 19 bis nachmittags 1 Uhr in dem Wahl burrau, Poststraße 16 U— Zimmer 57— zur Einsicht öffentlich ausliegen. Alle in die Listen eingetragenen Arbeitgeber erhalten eine besondere Nachricht über die erfolgte Eintragung, Diejenigen Arbeitgeber, denen eine solche Nachricht nicht zugegangen ist sind in die Wählerlisten nicht eingetragen und demnach von der Wahl ausgeschlossen. Falls sie sich jedoch für wähl berechtigt erachten und ihr Wahlrecht auszuüben be absichtigen, müssen Anträge auf Nachtragung während der Auslegezeit gestellt werden, denn Einsprüche gegen die Richtigkeit der Wählerlisten, insbesondere wegen nicht er folgter Eintragung sind während der Auslegefrist schriftlich anzubringen oder in der Auslegestelle zu Protokoll zu er klären. Als Arbeitgeber im Sinne der§§ 8 und 9 des Orts statuts gelten diejenigen selbständigen Gewerbetreibenden welche mindestens einen Arbeiter(Gesellen, Fabrikarbeiter� Lehrling) regelmäßig das Jahr hindurch oder zu gewissen Zeiten des Jahres beschäftigen und den selbständigen Gewerbe betrieb angemeldet haben. Den Arbeitgebern stehen hinsichtlich der Wahlberechttgung und Wählbarkeit die mit der Leitung eines Gewerbebetriebes oder eines bestimmten Zweiges desselben betrauten Stell Vertreter der selbständigen Gewerbetreibenden gleich, sofern ihr Jahresverdienst an Lohn oder Gehalt 2009 M. übersteigt. Hausgewerbetreibende wählen und sind wählbar als Arbeitgeber, wenn sie gemäß§ 14 der Gewerbeordnung den selbständigen Gewerbebetrieb angemeldet haben, andernfalls als Arbeitnehmer. Partei- �ngelegenbeiten. Zur Lokalliste. Der Verein der Unterbeamten des Postamts 68 feiert am Sonntag, den 13. Oktober im Odd-Fellow-Haus. Alte Jakobftr. 128. sein 12. Stiftungsfest. Da versucht wird, auch in Arbeiterkreisen Billetts umzusetzen, machen wir darauf aufmerksam, daß das Lokal der organisierten Arbeiterschaft nicht zur Verfügung steht. In Steglitz feiert am Sonnabend, den 19. Oktober, die frei- willige Feuerwehr der Neuen Photographischen Gesellschaft ihr Winterfest in den Räumen des Lokals Albrechtshof, Albrechtstraße in Steglitz. Es wird versucht, in Arbciterkreisen Billetts umzu fetzen. Da auch dieses Lokal der organisierten Arbeiterschaft nicht zur Verfügung steht, ersuchen wir die Billetts zurückzuweisen. Von Fricdrichsfelde wird uns mitgeteilt, daß das Lokal von Haberland, Wilhelmsttaße, irrtümlich von der Lokalliste gestrichen worden ist. Wir bitten, dasselbe nachzutragen, da es zu allen Ver anftaltungen zur Verfügung steht. Im 6. Kreis steht uns das Lokal Keitels GesellschaftshauS, Boyenstr. 12, zu allen Veranstaltungen zur Verfügung. _ Die Lokalkommisfion. Vierter Kreis.(Petersburger Viertel.) Heute abend 5 Uhr findet im Lokal Fürstenberg, Frankfurter Allee 166. eine Versamm- lung mit gemütlichem Beisammensein statt. Friedenau. Die Generalversammlung des Wahlvereins findet am Dienstag, den Ib. Oktober, abends 8)4 Uhr. im großen Saale des„Kaifer-Wilhelm-Gartens" statt. Auf der Tagesordnung steht u. a.: Bericht vom Parteitag.(Referent: Gen. Feller-Neukölln) und Kassenbericht. Das Erscheinen aller Genossen ist Pflicht. Der Vorstand. Tempelhof. Heute, Sonntag, Flugblattverbreitung von den bekannten Stellen aus.— Am Dienstag, den 15. Oktober, abends 8Vi Uhr, im„Wilhelmsgarten"(großer Saal), Berliner Straße 9: Mitgliederversammlung. U. a. Bericht vom Parteitag. Referent: Genosse Mohs-Schöneberg. Mariendorf. Am Dienstag, den 15. Oktober, abends 8V2 Uhr, bei Grothe, Torfftr. 1: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Bericht vom Parteitag; Referent: Genosse Thurow. Diskussion. Ter Ausbau der Zahlabende. VereinSangelegenheiten und Vet fchiedenes. Der Vorstand. Britz-Buckow. Dienstag, den 15. Oktober, abends 8 Uhr, im Lokal von Gruhn, Chausseestraß«: Generalversammlung. Tages- ordnung: 1. Bericht der Funktionäre. 2. Verschiedenes. Der Vorstand. Riederschiineweide. Am Dienstag, den 15. Oktober, abends 8% Uhr, bei Schulz, Brückenftraße, ordentliche- Generalversammlung. Wichtige Tagesordnung. Der Vorstand. Pankow. Am Dienstag, den 15. Oktober, abends 8 Uhr, im Restaurant»Zum Kurfürsten", Berliner Straße 192: Oeffentliche Frauenversammlung. Tagesordnung:„Die Mütter und Haus- frauen im Kampfe gegen die Teuerung". Referentin: Genossin Mathilde Wurm. Parteigenossinnen und Genossen! Sorgt für Massenbesuch der Versammlung. Die Bezirksleitung. Tegel. Am Dienstag, den 15. Oktober, abends 8% Uhr, im .Geselkschastshaus", Schloßstr. 7/8: Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht z-om Parteitag. 2. Kassenbericht. Eintritt nur gegen Vorzeigen des Mitgliedsbuches. Am Donnerotag, den 17. Oktober, abends 8 Uhr. findet in Trapps Festsälen ein humoristischer Unterhaltungsabend statt, ausgeführt von der Hackenberg-Gesellschaft. Billetts ä 25 Pf. sind bei den Bezirksführern jfi haben. Die Bezirksleitung. Reinickendorf-Ost. Eine Flugblattverbreitung findet am Mon- tagabend von den bekannten Stellen aus statt. Reinickendorf-West. Montag, den 14. Oktober, abends SM Uhr. in den Eichbornfälen, Eichbornftr. 60: Oeffentliche Versammlung. Referent: Landtagsabgcordneter Adolf Hoffmann.— Dienstag, den 15. Oktober, abends SVi Uhr, im Lokal von Gördes, Wald- Ecke Eichbornstraße: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Bericht vom Parteitag.— Donnerstag, den 17. Oktober, abends SVj Uhr. findet in den Eichbornfälen, Eichbornftr. 69, der erste Vortrag des Herrn Baege über das Thema:„Vom Urtier zum Menschen" statt. Billetts find bei den Gruppenführern zu haben. Dev Vorstand. Rosenthal(Wilhelmsruh). Dienstag, den 15. Oktober, 8)4 Uhr abends, im Lokal von G. Milbrodt, Kronprinzenstr. 15: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht vom Parteitag in Chem- nitz; Referent: Genosse Paul Brühl.& Diskussion, s. Wahl eines Revisors und Außenagitationsmitgliedes. 4. Wahl der De- legierten zur Kreisgeneralversammlung. 5. Pereinsangelegenheiien. Die Bezirksleitung. Spandau. Dienstag, den 15. Oktober, abends SM Uhr, General Versammlung des Wahlvereins im.Lokal von E. Köpnick(Restaurant Flora), Pichelsdorfer Straße. Tagesordnung: 1. Bericht vom Chemnitzer Parteitag. 2. Quartalsbericht des Vorstandes. Der Vorstand. Berliner JVacbrichten. Vor den Jnnungsmeistern. Wohl mehr als 300 junge Leute mögen es gewesen sein, die sich dieser Tage in den der Handwerkerkammer gehörigen Kammersälen in der Teltower Straße eingefunden hatten, um ihren Lehrbrief in Empfang zu nehmen. Vier lange Jahre hatten die jungen Leute ihrem Lehrmeister gedient, um das Tischlerhandwerk zu erlernen. Und nun sollten die angehenden Gesellen hören, welches Urteil die Jnnungs» nreister über ihr Können sich gebildet hatten. Im letzten Monat waren die Prüfungskommissare der Jnnungsmeister von Werkstatt zu Werkstatt gewandert, um sich von der Brauchbarkeit der Gesellenstücke zu überzeugen. Die Tischler innung verlangt von den angehenden Gesellen auch die Ab legung einer theoretischen Prüfung, die in Frage und Anb Worten besteht, und ferner die Einreichung einer Zeichnung und eines Lebenslaufes. Wie die kontrollierenden Meister über all das urteilten, erfuhren die jungen Leute nun endgültig in den Kammer säten. Die Prüfungskommissare riefen jeden Anwesenden auf und sagten ihm vor versammelter Mannschaft, ob er gut oder schlecht bestanden habe. Manches Lob und auch mancher Tadel wurde ausgesprochen und zum Schluß der Lehrbrief überreicht. In zahlreichen Fällen erfuhr man auch, daß die jungen Leute recht unvollkommen ausgebildet waren und daß ihnen nicht mehr wie alles fehlte. Das war aber weniger Schuld der Lehrlinge, als vielmehr die des Meisters. WaS soll ein Junge lernen, wenn in der Werkstatt, in der er lernt, nur ein einziges Stück gefertigt wird. Manche hatten als Gesellenstück nur Untersätze, andere Garderobenständer, wieder andere nur einen Tisch liefern können, weil in der Werkstatt ander? Arbeiten nicht hergestellt werden. In einer ganzen Reihe von Fällen erklärten selbst Jnnungsmeister, daß die Schuld an der geringen Leistung nicht dem Lehrling, sondern dem Meister treffe, und man gab den jungen Gesellen den Rat:„Nun ober raus aus der Werkstatt und in eine andere, damit Du Dich erst vervollkommnest!" Den Meistern ist es vielfach nur um die Ausnutzung junger Leute zu tun, weniger aber darum, daß diese etwas Tüchtiges lernen. Die Eltern, die Söhne in die Lehre geben wollen, tun gut, sich genau zu erkundigen, ob ihr Junge auch etwas lernen kann bei dem Meister, der in Aussicht genommen ist. Bemerkenswert war, wie ein alter Jnnungsmeister in Ekstase geriet, als ein junger Mann vor ihm stand, der stolz- bewußt ein Abzeichen des Turnvereins Fichte angesteckt hatte. Nachdem der alte Herr den jungen Menschen wegen angeblich mangelhafter Leistungen abgekanzelt hatte, meinte er recht verärgert:„Die schnalle von deft Jugc»idveroinigung da solltest Du lieber abmachen." Nach den Mienen des neu- gebacken«« Tischlergesellen zu urteilen, wird er diesen Rat nicht befolgen. Der alte Herr hätte sich seinen Uebergriff sparen können; mit der Prüfung hat der Turnverein nichts zu tun. Mit einer Ansprache an die Gesellen. Eltern und Lehr- Herren zu danken für ihre Mühe, schloß die Jnnungsver- anstaltung. Alle halbe Jahre wiederholt sich diese Zeremonie, die für die Gesellen wirklich wenig Zweck hat. Wichtiger�für ne jungen Leute, die aus dem Lehrverhältnis nunmehr ins Erwerbsleben treten und selbständig ihr Brot verdienen müssen, ist der Hinweis auf die Pflicht, sich mit ihren Berufs- Kollegen in Reih und Glied zu stellen und mit ihnen in der Organisation die gemeinsamen Interessen zu wahren. Preußische Bevormundung. In den„Deutschen Nachnchten". dem sogenannten Zentralorgan der deutschen Beamtenschast" wird in einem längeren Artikel dargelegt, daß es sich in dem Konflikt zwischen der Berliner Feuerwehr und deren vorgesetzten Behörde um einen jahrelangen, mit großer Hartnäckigkeit geführten Kampf um das wichtige Prinzip handelt, ob es den vorgesetzten Be- Hörden gestattet ist, sich in die VereinSangelegenheiten der Untergebenen einzumischen. Die Nachforschungen der Behörden nach den Mitgliedern des Vereins Berliner Feuerwehrmänner haben bereits eingesetzt, als der Verein noch gar nicht existierte. Und am 30. April d. I. habe der Geh. Regierungsrat Dr Schröder-Kassel im preußischen Abgeordnetenhause die Schwierig- leiten gekennzeichnet, die dem von dem Allgemeinen Deutschen Feuerwehrverbande unabhängigen Berliner Verein von dem Polizeipräsidenten schon bei der Gründung bereitet wurden. Es sollten in dem Verein nicht nur dienstliche Angelegenheiten, andern auch wirtschaftliche Fragen sowie die Gehalts- und Pensionsverhältnisse nicht besprochen werden. Aehnliche Konflikte seien nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen deutschen Städten entstanden, da der im Herbst 1908 mit dem Sitz in Dormund gegründete„Verband deutscher Berufsfeuer- wehrmänner" der„Vereinigung der Feuerwehroffiziere" von eher ein Dorn im Auge gewesen sei. Gegen die offiziöse Darstellung der Entstehung des Ber- liner Konflikts wendet sich neuerdings Syndikus Dr. Feder, der wiederum erklärt, die Chargierten seien«ncht wegen chlechter Behandlung freiwillig aus dem Verein ausgeschieden, bndern erst durch das Kommando, zum Teil unter Androhung wirtschaftlicher Nachteile, zum Austritt gezwungen worden. Die Erörterung dienstlicher Angelegenheiten sei statutansch aus- geschlossen: hätte der Verein gegen diese Bestimmung ge- handelt, so würde er sicher aufgelöst worden sein. Die offiziöse Darstellung bewege sich nur in Redensarten und bringe keine einzige Tatsache und keinen Vorfall, der nach- geprüft werden könne. Im übrigen werde der Verein den ihm aufgezwungenen Kampf fortsetzen. Die Bildung eines neuen Vereins der Aktiven sei nur ein Wunsch der Leitung, der den Absichten der Mannschaften zuwiderläuft. Die Berliner Feuerwehr wurde im Jahre 1831 gegründet. Sie wurde dem kgl. Polizeipräsidium als selbständige Ab- teilung angegliedert. Von den Kosten der Feuerwehr trägt drei Viertel die Stadt Berlin; das sehlende wird durch einen Staatszuschuß und durch Beiträge der städtischen Feuersozietät aufgebracht._ Eine K mematographensteuer soll vom Berliner Magistrat in Aussicht genommen sein; so meldet wenigstens eine Berliner Korre- spondenz. Nach Ablehnung der Lustbarkeitssteuer durch die Stadt- verordneten dürfte die Annahme einer solchen Steuervorlage lerne große Aussicht haben._ Das Bereinigungsrecht der Feuerwehrleute. Die sozialdemokratische Fraktion der Stadtverordnetenversammlung hat folgenden Antrag eingebracht:»Die Stadtverordneten- Versammlung wolle beschließen: 1. Gegen die das VereinigungSrecht der Feuerwehrleute schwer gefährdende Verfügung des Polizei- Präsidenten voti Berlin im Interesse der Bürgerschaft, und der be- teiligten Feuerwehrleute Protest zu erhebe»�. 2. Den Magistrat zu ersuchen, erneut mit der kgl. Staatsregierung in Verhandlung zu treten zwecks Uebernahme der Feuerwehrpolizei in städtische Wer- waltung." Auch im preußischen Abgeordnetenhause dürste die Angelegenheit noch behandelt werden._ Schnlerkonzerte. Gestern nachmittag fand in der Brauerei Friedrichshain das erste Schülerkonzert des Philharmonischen Orchesters statt. Das Orchester hat bekanntlich gegen eine jährliche Subvention von 69999 M. der Stadtgemeinde gegenüber die Verpflichtung übernommen, eine größere Anzahl von öffent- lichen Konzerten gegen ermäßigten Eintritt zu veranstalten. Er ist außerdem verpflichtet, noch sechs Nachmittagskonzerte für Schüler mit freiem Eintritt zu geben. Zu dem gestrigen Konzert waren 3999 Billetts an Schüler der hiesigen Gememde- und höheren Schulen ausgegeben worden. Die Verteilung der Karten erfolgt in der Weise, daß nacheinander sämtliche Schüler der drei ersten Klassen der Realschulen und alle Schüler und Schülerinnen der ersten Klasse der Gemeindeschulen herankommen. Zum Vortrag ge- langten gestern: Ouvertüre zu»Iphigenie auf Tauris" von Ch.v. Gluck, Largo arioso von G F. Händel. Ouvertüre zu»Ein Sommer« nachlstraum' von F. Mendelssohn. Ouvertüre zu„Egmont" von L. v. Beethoven, eine Soloeinlage. Sinfonie Nr. 4. G-dur(mit Paukenschlag) von I. Haydn. Das nächste Schülerkonzert findet am Sonnabend, den 9. November, in der Brauerei Königstadt statt. Das Programm zu diesem Konzert ist folgendes: Ouvertüre zu »Der Freischütz" von 6. M. Weber. Entrö acte aus.Rosamunde' von F. Schubert. Preislied aus»Die Meistersinger von Nürnberg" von R. Wagner, Ouvetture zu»Wilhelm Tell" von G. Rossini, Molin-Solo oder Cello-Solo, Sinfonie Nr. 39,£s-dur von W. A. Mozart. Die Wintcroistbauschule in Werder a. H., die von ber Land- Wirtschaftskammer der Provinz Brandenburg vor mehreren Jahren ins Leben gerufen wurde und dazu bestimmt ist, dem Mangel an geeigneten Kräften für den in steter Fortenwickelung begriffenen Obstbau abzuhelfen, eröffnet demnächst wieder ihren Schulbetrieb. Man hat sie deshalb mitten im Obstbaugebiete Werder erstehen lassen, weil gerade hier den Schülern die günstigsten Bildungs- Möglichkeiten theoretisch und praktisch geboten sind. Als bewährter Fachmann ist Direktor P. Dickopp berufen, alle obstbautechnischen Disziplinen zu lehren. Zum Lehrplan des Direktors gehören: Obstbaumzucht und Pflege. Obstverwertung. Obstsortenkunde, Boden- künde, Düngerlehre, Krairlheits- und Schädlingsbekämpfung. Ge- müsebau, Feldmessen und Zeichnen. Außer den Obstbaufächern werden auch die übrigen unentbehrlichen Hilfswissenschaften durch Fachkräfte. gelehrt, wie Botanik. Buchsührung, Physik usw. Der Unterricht' findet täglich von 2—6 resp. 7 Uhr statt. Nach Bedarf werden präk-� tische Uebungen im Gelände abgehalten. Zum Belegen einzelner- Fächer ist ebenfalls Gelegenheit geboten. Die Verhaftung des Defraudanten Brüning, der am 26. Juni dieses Jahres der Dresdener Bank 269 999 M. unterschlug und seitdem von allen Polizeibehörden gesucht wird, aber bisher immer vergeblich, hat sich auch diesmal, entgegen einer gestrigen Meldung. wieder nicht bestätigt. Wie der hiesigen Kriminalpolizei auf An» fragen bei den zuständigen Stellen mitgeteilt wurde, ist die Nach- richt von der Festnahme des Defraudanten durch die Nürnberger Kriminalpolizei nicht zutreffend. Wie das Gerücht der Verhaftung entstanden ist, ließ sich bisher noch nicht feststellen. Lluch die Di- reltion der Dresdener Bank hat darüber noch keinen Aufschluß er- halten können. Ob wieder einmal die Verhaftung einer anderen Person Veranlassung zu der mit großer Bestimmtheit verbreiteten Nachricht gegeben hat oder eine absichtliche Täuschung durch irgend eine Person vorliegt, bedarf noch der Aufklärung. Bemerken wollen wir, daß die Nachricht von der Verhaftung des Defraudanten durch da»offiziöse Wolfffche Telegraphenbureau ver, breitet wurde._ Freitag als Lohnzahlungstag in Berlin. Von der Gewerbedeputation'des Berliner Magistrats ist diel Handelskammer angegangen worden, ihren Einfluß auf die allge- meine Verlegung der Lohnzahlung vom Sonnabend' auf den Freitag bei'den Groß-Berlirier Firmen geltend zu machen. Durch das in Kraft getretene Ortsstatut ist bekanntlich für offene Verkaufsstellen die Beschäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern an Sonn- und Feiertagen in der Zeit vom 1. Oktober bis 39. April nur während der Stunden von 12 bis 2 Uhr mittags zulässig, während vom 1. Mai bis 39. September die Zeit vou 8 bis 19 Uhr vormittags hierfür in Frage kommt. Es ist nun schon bei der Beratung des Ortsstatuts durch die Berliner Stadtverordnetenversammlung darauf hingewiesen worden, daß durch diese Einschränkung der sonn- täglichen Verkaufszeit für die Arbeiter, die Sonnabends entlohnt werden und bisher zur Besorgung der Einkäufe den Sonntag be- nutzten, Verlegenheiten entstehen. Aus' diesem Grunde haben ver- schieden« Detaillistenverbände die Bestrebungen auf einen früheren Geschäftsschluß der Fabriken, Bureaus und Engrosgeschäste am Sownabeyd unterstützt. Der Berliner Magistrat hat vor Jahresfrist, entsprechend der Anregung der Stadtverordnetenversammlung, die Lohnzahlung an alle Arbeiter der Stadt BerlininZukunft fürdenFrcritag angeordnet. Durch eine gleichartige Verlegung der Lohnzahlung auch in Privat- betrieben würde sicherlich den Inhabern offener Verkaufsstellen füv etwaige Mindereinnahmen, die durch die Einschränkung der sonn- täglichen Verkaufszeit befürchtet werden, Ersatz zu schassen sein. Diesen Darlegungen hat nun die Berliner Handelskammer dadurch Rechnung getragen, daß sie ihren Mitgliedern die Verlegung dev Lohnzahlung auf den Freitag empfiehlt. Daß eine derartig« Maß» regel der arbeitenden Bevölkerung eine erhebliche Erleichterung für die Besorgung der Einkäufe bringen würde, liegt auf der Hand. Man kann daher nur wünschen, daß dieser Anregung möglichst bald alle Betriebe, die bisher noch an dem Zopf der Lohnzahlung am Sonnabend festgehalten haben, Folge leisten möchten. Keine Kinderlesehalle? Unier dieser Spitzinarke schreibt die „Vossische Zeitung":„Das Kuratorium der Berliner Stadtbibliothek hatte am 4. Mai 1911 den Bürgermeister Dr. Reicke, den Stadtschul- rat Dr. Fischer und den Leiter der Stadtbibliothek- Dr. Buchholtz beauftragt, Vorschläge über die Ausführung und die Kosten einer Kinderleschalle vorzubereiten. Am 4. Oktober 1911 lagen diese Vorschläge vor, und das Kuratorium beschloß: „In der Lesehalle in der Chrenbergstraßc wird eine Kinder- le sehalle eingerichtet. Sie wird zunächst provisorisch vom 1. Ja- nuar bis zum\31. März 1912 offen gehalten in den(schulfreien) Stunden von 4—7 Uhr nachmittags. Dem bisherigen Verwalter dex Lesehalle ist rechtzeitig'zw kündisen und die crjte sreiwerdendo SJetEallctfieffc zu überkragen. Die erforbsr!ichen Mike! für bis Einrichtung und die Verwaltung der Kinderlesehalle sind vom Magistrat zu erbitten." Am 7. Dezember sagten wir, der Versuch werde leider unter vleiben, da der Magistrat dem Beschluk seine Zustimmmrg ver- weigere. Diese Mitteilung hat jetzt ihre Bestätigung erfahren In'der letzten Sitzung des Kuratoriums wurde folgender Bescheid des Magistrats verlesen: ..Wir haben beschlossen, von der provisori- scheu Einrichtung einer K i nder les eha l le ab�u- sehe n." Wie nützlich Kinderlesehallen sind und wie viele Städte sich solcher Einrichtungen erfreuen, haben wir wiederholt ausgeführt. Gründe für seinen Beschluß hat'der Magistrat nicht angegeben. Es wird vermutet, bei dem einen oder anderen Mitglied des Magistrats habe die Erwägung mitgewirkt, daß die Schuldeputation in drei Schulen Versuche mit der Anfertigung von Schularbeiten unter Aufsicht des Lehrers macht und den Schülern daneben Lesebücher zur Verfügung stellt. Daß diese Einrichtung die Kinderlesehalle nicht ersetzen kann, wurde vom Kuratorium einmütig anerkannt. Man kam deshalb zu dem Beschluß, in den Etatsvoranschlag, der dem Magistrat zugeht, eine Position vo» 6000 M. für die Einrichtung einer städtischen Kinderlesehalle einzustellen. Der ablehnende Be scheid des Magistrats ist schon älteren Datums. Man darf er- warten, daß er unter dem neuen Kurs nicht wiederholt wird." Die Schaffung von Kinderlesehallen ist in unserem Matte wiederholt gefordert worden. Wie nützlich eine solche Einrichtung ist, beweist die von einem Verein errichtete Kinderlesehalle am Ärminiusplatz. Die Stadt sollte auf diesem Gebiete eigenes leisten. Zwei schwere Gasexplosionen erfolgten gestern nachmittag fast gleichzeitig in der K u r f ü r st e n st r. 150 im Westen Berlin? und in der S o n n t a g st r. 17 in Rummelsburg. In der Kurfürstenstraße lag der Explosionsherd in einem Möbellager im Hochparterre des OuergebändeS. In der Decke dieses Raumes hatte sich un- bemerkt ausgeströmtes Gas festgesetzt. Als gestern nachmittag der Werkführer Meißner eine Gasflamme anzünden wollte, kam daS Gas plötzlich unter heftigem Knall zur Explosion. Der Luftdruck war so gewaltig, daß im ganzen HauS die Fensterscheiben zersprangen. Der kleine schmale Hof war bald von Glasscherben förmlich übersät. Wie später fest gestellt wurde, waren über 680 Fensterscheiben zertrümmert worden. In dem Hochparterreraum wurde außerdem die Decke in der ganzen Ausdehnung heruntergerissen und der darüberliegende Fußboden der ersten Etage hochgehoben. Durch die Stichflamme hatte der Werkführer Meißner Brandwunden im Gesicht erlitten, die ihm auf der nächsten Unfallstation verbunden wurden. Die alarmierte Feuerwehr brauchte nur die Unfallstelle aufzuräumen, da Feuer weiter nicht entstanden war.— In der Sonntagstraße 17 war im dritten Stock des Vorderhauses in der Wohnung des Lehrers Barthel ein Gasrohr undicht geworden. Auch hier trat die Explosion ein, als ein Installateur die Decke ableuchtete. Die Decke wurde gleichfalls völlig aufgerissen, so daß die Träger frei lagen. Ferner wurden zahlreiche Fenster- und Spiegelscheiben zertrümmert. Der Installateur kam mit leichten Verletzungen davon. Die Rummelsburger Feuerwehr war dreiviertel Stunden mit den Ausräumungsarbeiten beschäftigt.— Die Berliner Feuerwehr hatte gestern nachmittag außerdem auf der Moltke- brücke einen Automobilbrand und in der Adalbertstr. St ein Feuer i» einer Glühlampenfabrik abzulöschen. „Borsicht bei Gratisseife." Zu dem Artikel, den wir mit dieser Ueberschrift in Nr. 234 ver- offentlichten, schickt uns die darin erwähnte Firma Naeter u. Gebauer(Berlin SO., Wrangelstr. 16/ einen aufgeregten Brief. Sie erwartet Mdruck ihrer Zuschrift, in der sie von allerlei Dingen spricht, die in dem Artikel gar nicht berührt worden waren. Wir meldeten, daß ein Seifenagent einer Frau einen Karton mit sechs Stücken Seife von üblicher Größe sowie mit zwei darin- liegenden, ihr als Gratisprobe bezeichneten Seifenstückchen über- reicht hatte, und daß später, weil die Frau, unbekümmert um die dem Karton beigegebenen gedruckten Zettel, auch die sechs käuflichen Stücke verbraucht hatte und den hierfür zu zahlendeen Betrag von 1 M. nicht zahlen wollte, ihr «ine gedruckte Zahlungsaufforderung und Klageandrohungübersandt wurde. Daran knüpften wir für andere, die etwa gleichfalls von solchen Seifenagenten aufge- .sucht worden wären oder noch aufgesucht werden sollten,'die bei der vermutlichen Häufigkeit derartiger Zahlungsaufforderungen und Klageandrohungen uns nolwendig scheinende Mahnung, sich Ihn- annehmlichkeiten zu ersparenr Naeter u. Gebauer machen nun in ihrer Zuschrift keinen Versuch, unsere Sachangaben zu bestreiten. Sie wenden sich nur gegen angenommene Vorwürfe, die in dem Artikel zwar nicht standen, die s i e aber herausgelesen zu haben meinen. Wollten wir ihre Zuschrift abdrucken, so könnten unsere Leser erst veranlaßt werden, Aehnlkhcs! herauszulesen. Auch das, was Naeter u. Gebauer über die Reenität ihres Geschäfts und über die Güte ihrer Seifen schreiben, gehört nicht zur Sache, da wir uns darüber mit keiner Silbe geäußert hatten. Mitteilen wollen wir aus ihrer langen Zuschrift nur den Grund, aus dem die G ra t i sp robe n nicht neben dem Karton, sondern in ihm liegend überreicht wurden. Die Zuschrift sagt, das geschehe, um jedem Interessenten die Prüfung der Originalstücke an den beige- fügten Probestücken zu ermöglichen. Naeter u. Gebauer fügen ein paar Drohungen gegen unS bei. Daß sie auch mit Schadenersatzanspruch drohen, hat uns überrascht. Was sollen wir uns dabei denken? Es kann doch auch ihnen nur damit genützt werden, daß möglichst weit« Kreise der Bevölkerung im voraus wissen, tvelche Unannehmlichkeiten bei Nichtbezahlung der etwa mitverbrauchten sechs Stücke Seife zu erwarten sind. Ein Vergnügen ist es doch gewiß auch für Naeter u. Gebauer nicht, daß — wie wir annehmen müssen—, immer wieder Zahlungs- aufforderungen und Klageandrohungen nötig werden. Darüber übrigens, daß für Zahlungsaufforderung samt Klageandrohung gedruckte Briefe vorrätig gehalten werden, sagt die Zuschrift nichts._ Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be- Nutzung für jedermann, SO., Adalbertstr. 41. Geöffnet werk- täglich von SM— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von V— 1 Uhr und 3—6 Uhr. In dem Lesesaal liegen zurzeit 551 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. Arbeiter-Bildungsschule. Heute abend 7 Uhr in Karl Häver- lanbs neu renovierten Festsälen(früher Dräsel), Neue Friedrich» stratze 35: Vortrag ernster und heiterer sozialer Dichtungen. Rezitator: Fritz Richard vom Deutschen Thealer. Einlaß 40 Pf., Garderobe frei. Im Zoologischen Garten ist die vornehmlich seltene ausländische Arten enthaltende Wildschweinsammlung durch die Ankunft tipeä Paares europäischer Wildschweine aus dem westlichen Rußland wirkungsvoll bereichert worden. Sie sind ein Geschenk des Herrn Friedrich Falz-Fein von seiner Besitzung Naliboki im Gouvernement Minsk und bilden ein wertvolles Glied jener Kette von Gaben, die der hochherzige Gönner unseres Zoo im Laufe der Zeit aus seinen reichen Tierbeständen überwiesen hat. Die jungen., etwa drei- jährigen, noch nicht erwachsenen Neuankömmlinge sind außer- gewöhnlich stattliche Tiere nrit auffallend langen Köpfen und lschwarzrötlichen Borsten und bewohnen zwei Gehege neben dem prächtig entwickelten dreijährigen Wildschweineber aus der Mark, der' von ihnen wohl bedeutend überragt wird, aber durch seine schöne hellgraue Schwarte zu interessanten Vergleichen Gelegenheit gibt. Die Gesaugvmiue.Nordost-Lyrania 1849" und ,H i- laritaS" veranstalten am heutigen Sonntag im Konzert- etablissement Friedrichshain ein Konzert unter Benutzung der großen Konzertorgel und unter MitWirluckg des Berliner Tonlimstler- OrchesterS. Anfang 5 Uhr. i Tie Akademischen Unterrichtskursc wollen Mäunsrik ustd Frauen, die nicht mehr die Fortbildungsschule besuchen können, Ge legenheit zu gründlicher Ausbildung in den elementaren Unter richtsfächern bieten. Vor allem sollen die Hörer richtig schreiben sprechen und rechnen lernen. Personen unter 18 Jahren können nicht aufgenommen werden. Den Unterricht erteilen Studierende der Berliner Hochschulen. Ein aus ihrer Mitte gewählter Vorstand leitet das Unternehmen unter Mitwirkung von Vertrauensleuten der Hörer. Für Erteilung des Unterrichts wie für die Verwaltung wird keinerlei Entschädigung gewährt. DaS Unternehmen steht polt tisch und religiös auf durchaus neutralem Boden. Der Unterricht wird erteilt: in Deutsch, Rechnen, Schön schreiben, Geographie und Chemie. Unterrichtslokale sind: Gips� st r a ß e 23a(Gemeindeschule), Niederwall st raße 12 (Friedrich-Werdersche Oberrealschule), Lange st ratze 31(Fort blldungsschule). in Neukölln: Kaiser-Friedrich-Straße Nr. 208/10(Realgymnasium). Am Wedding, Pank st ratze 17 (Gemeindeschule). Anmeldungen werden entgegengenommen: Rückevstraße 9, Eingang Gormannstraße 13(Kantine des Zenträlarbeitsnachweisesj am 17. u. 22. Oktober, abends 8—10 Uhr; Lange st raße 31(Schle- sischer Bahnhof) am 21. und 22. Oktober, abends 8—10 Uhr; Neu kölln, Kaiser-Friedrich-Straße 208/10 am 20. Oktober, morgens 10— 12 Uhr, und am 21. Oktober, abends 8—10 Uhr. Am 19. und 26. Oktober, abends 8 Uhr, finden im Saale des Zentralarbeitsnachweises. Gormannstraße 13. allgemeine Hörer Versammlungen statt, in denen nähere Mitteilungen über die Art des Unterrichts und die Organisation gemacht werden. In diesen Versammlungen werden auch noch Anmeldungen entgegengenommen. Bei der Anmeldung ist eine einmalige Gebühr von 50 Pf. für den Besuch jedes Kurses, sowie 25/30 Pf. für Lehrmittel zu ent- richten. Beginn des Unterrichts: 31. Oktober. Verloren gegangen ist am Donnerstag, den 10. d. M.. im Auto- omnibuS 24 ein Paket mit Mitgliedsbüchern des Deutschen uchbinderverbandeS, Kalkulationssachen u.a. Für den Finder haben die Sachen keinen Wert; es wird um Abgabe gebeten im Bureau des Deutschen BuchbinderverbandeS, Engelufer Nr. 14, Zimmer 89/40._ . Vorort- I�ackricbten« WilmerSdorf-Halensee. Demokratie und Sozialdemokratie. Bei den Stadtverordnetenwahlen im Herbst 1910 und 1911 hatten sich Demokraten und Sozialdemokraten zum gemeinsamen Vorgehen gegen das rückschrittliche Bürgertum geeinigt. 1910 wurden unsere Parteigenossen Riedel und Schröder, sowie der Demo- krat Lazarus gewählt; 1911 blieben Zwar unsere Parteigenossen in einem von vornherein ungünstigen Bezirk in der Minderheit, doch gelang die Wahl des demokratischen Hausbesitzers P> n c u S. DaS Glück, das die Demokraten dank der sozialdemokratischen Hilfe bei den Wahlen hatten; blieb ihnen in der Stadtvevordnetenversamm- lung selbst leider nicht hold. Das Mandat des Herrn Lazarus wum beanstandet, weil ihm nach Ansicht der Mehrheit die er- forderliche Eigenschaft eines Hausbesitzers im Sinne der Städte» ordnung fehlen sollte; Herr PincuS fand Gnade bei der Prüfung der Mandate, doch fehlten diesem Herrn so gut wie olle Eigen- schaften zum Stadtverordneten. Er hat in dem Jahr, daß er dem Stadtparlament angehört, nicht ein einziges Mal den Mund auf- getan. Das kommt nun bei Hausbesitzern aus anderen Parteien auch vor; in Wilmersdorf war aber wegen der numerischen Klein- heit der Opposition der Mangel besonders fühlbar. Als einziger Repräsentant der Demokratischen Vereinigung am Ort blieb Herr Moll übrig, der im vornehmen Norden der Stadt im Januar 1910 bei einer Nachwahl den Sieg davon getragen hatte. DaS Mandat des Herrn Moll, der kein Hausbesitzer ist, geht mit Ablauf dieses Jahres zu Ende. ES lag die Frage nahe, ob bei den zu Anfang November stattfindenden Stadtverordnetenwahlen, bei denen die Hälfte der Mandate in Frage steht, von neuem Demokraten und Sozialdemokraten zusammengehen sollten. Der sozsaldemo- kratische Wahlverein trug Bedenken in dieser Hinsicht. Schon bei den Herbstwahlen der Jahre 1910 und 1911 hatte sich er- geben, daß die Demokraten aus eigener Kraft nur eine kaum nennenswerte Zahl von Truppen stellen konnten; die fogialdemo- krattsche Stimmabgabe für Lazarus und Pincus war aber un- bedenklich, weil unserer Partei leine Hausbesitzevkandidaten zur Verfügung standen. Nachdem nun noch die AuSsichtSlosig- t e i t der bürgerlichen Demokratie bei den ReichStagS- wghlen dieses Jahres klar zutage getretft, war, nachdem weiter die hervorragendsten Mitglieder der Demokratischen Vereinigung aus dem Ergebnis dieser Wahlen die Konsequenz gezogen hatten und zur Sozialdemokratie übergetreten waren, glaubten unsere Ge» nassen, sich für ein weitere» Vorgehen mit dem Rest der Demo- traten nicht erklären zu können. Die letzte WahlvereinSversamm- lung beschloß, in allen zuv Wahl stehenden Bezirken eigene ~andidaten aufzustellen. Herr Mo l I, der wieder zur Wahl tand, zog die Konsequenz aus dieser Sachlage. Am letzten Sonntag teilte er dem Vorsitzenden der Demokratischen Vereinigung, Herrn Lazarus; in einem Schreiben mit, daß er nicht weiter kandi- dieren werde, weil seine politische Ueberzeugung ihm verbiete, zur Sozialdemokratie in Kampfesstcllung zu treten. Als einzige Aufgabe habe für ihn bei den kommunalpolitischen Kämpfen am Ort der Kampf gegen die Reaktion gegolten, als deren Vertreter er die sogenannten Unparteiischen und ihre(bei den diesjährigen Wahlen mit den Konservativen usw. verbündeten) freisinnigen Helfershelfer ansehe. Einen wirklichen Rückhalt für die von ihm vertretene Politik habe er. so erklärte Herr Moll weiter, nur bei den sozialdemokratischen Stadtverordneten und den sozialdemokratischen Wählern gefunden. Es werde nach seiner Uebnzeugung auch in Zukunft nicht gelingen. für eine demokratische Bewegung außerhalb der Sozialdemokratte größere Massen tm Bolle zu gewinnen; und er werde deshalb seine etwaige Wiederwahl in dieser Hinsicht als völlig bedeutungslos an- sehen. Mit dem Schreiben erklärte Herr Moll gleichgeittg seinen Austritt aus der Demokratischen Vereinigung. Als Herr Lazarus diese Zuschrift in der am Dienstag abgehaltenen Mitgliederversammlung der Demokratischen Vereinigung verlesen hatte, herrschte begreiflicherweise nicht die angenehmste Stimmung. In einer Resolution drückte die Versammlung ihr Bedauern dar- über auch daß Herr Moll die Konsequenzen seiner Erkenntnis nicht früher gezogen habe, zugleich wurde er aufgefordert, sein Stadt- verordnetenmandat sofort niederzulegen. Herr Moll hat denn auch der Demokratischen Vereinigung diese Gefälligkeit erwiesen und dem Stadtverordnetenvorsteher schriftlich die MandatSn iederlegung angezeigt. Da das Mandat ohnedies in wenigen Wochen erledigt gewesen wäre, ist dieser Schritt ja sachlich ohne besonderen Belang. Die paar Herren, die der Demokratischen Bereinigung, noch an- gehören; würden nur klug handeln, wem: sie gleichfalls taten, was die politischen Zustände ihnen gebieten. Im Kamps gegen die Sozialdemolratie können sie für sich nicht das geringste gewinnen, sondern nur der Reaktion Helfershelferdienste leisten. Die Einigung der bürgerlichen Parteien zu den Stadtvcrord- netenwahlen, die vor einiger Zeit proklamiert wurde, stößt auf Hindernisse. Allerdings sind Fortschrittler, Konservative, Zentrumsleute und Nationalliberale brüderlich verbündet. Auf die ganze Stadt verteilt erhallen die Fortschrittler von den übrigen Parteien jetzt in der ersten Wählerabteilung drei, in der zweiten ebenfalls drei und in der dritten Abteilung zwei Mandate zuge- billigt. Bon diesen kommt eins auf Halensee und eins auf den alten Ortsteil. ES wird Sache unserer Parteigenossen sein, in der dritten Abteilung einen Strich durch diese Rechnung zu ziehen. Fühlt man sich nun im Bürgertum nach der politischen Richtung Kn als ein einig Boll von Brüdern, so tauche» bezeichnenderweise Bedenken auf, die das Gebiet Srt 0f feflinajefl ScküSerfäii berühren. Der Süden der Stadt wird zurzeit u. a. durch den int der zweiten Abteilung gewählten Stadtverordneten Fischer ver» treten. Seine Stütze findet dieser Herr im Bezirksverein Kaiser- platz, wohingegen' eine Konkurrenzorganisatton, der Bezirksverein Süd, von dem öffentlichen Wirken des Herrn Fischer nicht be- s o n d e r s e r b a u t ist. In der zu Anfang der Woche abgehallencn Versammlung dieses Vereins wurde dargelegt, warum man sich für diesen Herrn nicht erwärmen kann. Bon einem Haß gegen ihn könne keine Rede sein; von seiner Aufstellung habe man aber ab- gesehen, weil man sich mit dem S h st e m F i s ch e r nicht befreunden könne. In der Verquickung von Geschäftsinter- essen und ehrenamtlicher Tätigkeit und im Ergreifen von willkürlichen Maßnahmen seien Mißstände zu- t a g e g e t r e t e n. Es ist nicht das erstemal, daß gegen den Stadt- verordneten Fischer Vorwürfe dieser Art erhoben werden; aber der Verein Kaiserplatz, der am selben Abend wie der Verein Süd tagte, glaubte trotz allem Herrn Fischer die Stange halten zu müssen. Es sind ja noch drei Wochen hin bis zur Wahl, und man hat daher noch genügend Zeit, sich zu vertragen; aber vorab beharrt jeder Verein auf seinem Stück. Der Verein Süd beschloß, nicht allein der Person des Herrn Fischer einen besonderen Kandidaten ent- gegenzustellen, sondern sich überhaupt nicht um die Borschläge des Gegenvereins zu kümmern und alle vier im Süden in Betracht kommenden Kandidaturen besonders zu besetzen. Wie die „Wilmersdorfer Zeitung" meldet, wird diese Angelegenheit noch gerichtlich ausgetragen werden. Zu den Stadtverordnetenwahlen veranstaltet die Sozialdemo- kratie am Dienstag. 15. Oktober, abends 8� Uhr. im Stadtpark. Kaiserallee 51/52, eine Volksversammlung. Das Referat über die Sünden der Wilmersdorfer Kommunal- Politik hält Genosse Dr. B r e i t f ch e i d. einer der von unserer Partei aufgestellten Kandidaten. Auch die.übrigen Kandidaten sind in der Versammlung anwesend; DaS Wahlkomitee. Charlottenbnrg. Die BertrauenSmannerwahlen zur Privatangestellten-Berficherung finden am Sonntag, den 20. Oktober er., von mittags 12 Uhr bis nachmittags 4 Uhr, m folgenden acht Wahllokalen statt. a) Restaurant Erstling, Am Bahnhof Westend 2. A «st « g) h) Lüty, Schloßstrotze 45. Helmholtzquelle, Helmholtzstr. 21/22. Leonhardt, Leonhardtstr. 23. WilhelmShof. Berliner Str. 77. Reimer, Wilmersdorfer Str. 21. Schilling, Grolmanstr. 20. Fischer. Ansbacher Str. 55. Jede weitere Auskunft in dieser Wahlangelegenheit erteilen die Mitglieder des Wahlausschusses der Freien Bereinigung für die 'oziale Versicherung der Privatangestellten: Hermann Waguer, Loh- meyerstr. 14(Bund der technisch-industriellen Beamten). E. Kaempfer, Witzlebenstr. 12a(Zentralverband der Handlungsgehilfen und Ge« hilfinnen) und O. Flemming. Pestalozzistr. 13(Verband der Bureau- angestellten). Im B-lkshauS Charlottenburg sind jetzt für den beginnenden Winter erhebliche bauliche Verbesserungen in den unteren Nestau« rationSräumen geschaffen worden, durch die dem steigenden Besuch der Parteigenossen und der Gewerkschaftsmitglieder an den Sonn- tagabenden Rechnung getragen ist. Da sich der Büfetffaal im Par- terre an Versammlungs- und Äesuchsabenden schon oft als nnzu- länglich erwiesen hat. ist jetzt Borkehrung getroffen, um die beiden unteren Säle zu einem einheitlichen Raum gestalten zu können. Die Charlottenburger Arbeiterschaft wird ersucht, für gesteigerten Verkehr ihres Volkshauses, das immer mehr als selbstverständ- licher Treffpunkt füv alle gelten sollte, Sorge zu tragen., Vorträge zum Zwecke der KrankheitSverhiitung veranstaltet fit diesem Winter der Charlottenburger Aenzteverein im Saale de» Charlottenburger Rathauses. Berliner Straße. Die Vorträge werden stets an einem Mittwoch abend genau �9 Uhr gehalten; der Zutritt zu ihnen ist unentgeltlich. Als erster Vortragender wird am 23. Oktober der Leiter de? Untcrfuchungsamtes am Krankenhaus Westend. Herr Prof. Dr. Dietrich, icher»Ansteckende Krankheiten und ihre Verhütung" sprechen. Lichtenberg. Es ist erreicht! DaS gegenseifige Schmollen und' Grollen. LaZ Sticheln und Durchhecheln, das Schachern und Betrügen bei den bürgerlichen Vereinen mit mehr oder minder ausgesprochen Wirt» chastlichen Zielen ist nun überwunden— oder soll doch überwunden sein. Wie eine Mauer wollen die Festibesotdeten, Lehrer, Gemeinde- veamten, mit den übrigen Gewerbetreibenden als Mittelpartei zu- sammenstehen. Allerdings, viel mehr weiß man noch nicht, als daß' n einer dritten— geheimen Sitzung, am Mittwoch im„Schwarzen Adler", die Zangengeburt einer Mittelpartei geglückt sei. Angeblich wirkten'dabei mit: der Bürgerverein Boxhagen-Rummelsburg, der Bund der Festbefoldeten, der Verein der Gewerbe- treibenden, die beiden Lehrervereine, der Berein der emeindebeamten, mehrere kaufmännische Vereins und Vereine von Angestellten.— Die Totsache, daß kein Grund- besitzerverein und kein Lichtenberger Bürgerverein— die von jenen nur Abklatsche mit dem Einschlag einflußloser Nichtbesitzer dar- teilen— an dem AltuS der Geburt teilnahm, kennzeichnet die Situation. Es sind in Wirklichkett nur einige Liberale aus dem -rüheren Rummelsburger Gebiet, die in Gemeinschaft mit den Veamten und Lehrern bei den nächsten Wahlen Mandat« für die ögen. Mittelstandspartei zu erlangen suchen, und zwar durch reundnachbarliche Verständigung mit der GeldsackS- und Grund- tückSinteressentengruppe unter Führung des Rechtsanwalts Schachtel. Daß sie„Feinde" stramm und fest gegen die Sozial- demokratte zusammenstehen werden, versteht sich am Rande. Man verteilt unter sich die Mandate, wobei den Mittelständlern die Rolle zufällt, gefährdete Mandate der zweiten Abteilung gegen den An» 'türm der Sozialdemokratie zu verteidigen. ES dürste daher zu ehr heftigen Kämpfen um die mit nur geringen Majoritäten von !>er einen oder anderen Seit« eroberten Mandate kommen. Da» Rüsten'der Gegner wird unsere Genossen zweifellos aufmuntern. damit ihnen unangenehme Ueberraschungen erspart bleiben. ES �ilt für Grotz-Lichtenberg den früheren Besitzstand— die BeHerr- chung der dritten Abteilung— zu verteidigen und endlich, trotz Mittelpartei und Berbrüderungsschmatze zwischen den Liberalen und den Stocklonservativen, in die zweite Abteilung einzubrechen und hier etliche Mandate zu holen, Der Preis rechticrtigt die An« 'pannung aller Kräfte, Neukölln. Heute Sonntag, nachmittags 4 Uhr, veranstalte Vie Männer- abteilung der Freien Turnsrschafi Neukölln-Britz in Hoppes Fest« älen(Jnh. Bartsch), Hermannstratze 48/49, ein Schauturnen. An, 'chließend Kommers und Tauz. Eintritt fiAi. Freunde und Gönner sind hierzu willkommen. Mittwoch, den 16., und Donnerstag, den 17. Ottober, gelangt in der Neuen Welt. Hasenheide. Beethovens 9. Symphonie mit Chören zur Aufführung, und zwar unter Mitwirkung des Hof- kapellmeisters E. v. Strauß, des Blüthnerorchesters, des Orato- rien Vereins und Lehrergesangvereins Neukölln. Karten sind an der Abendkasse zum Preise von 1,50 M., 1 M. und 60 Pf. erhältlich. Eine Genossrnschaftsversammlung, in der Bericht über daL 13. Geschäftsjahr dvv Konsumgenossenschaft Berlin und Um- gcgcnd gegeben wird, findet für die in Neukölln und Britz wohnhaften Mitglieden am.Montag, den 14, Ottoberj abends �9 Uhr. bei Bartsch, Hermannstratze, statt. Steglitz-Friedenau. Die'Gründung eine»„Vereins ArSeiter-Jugendhenn Steglitz« Friede og»" ist nM beendeten Vorarbeite» eines treten Komitees kör einigen Tagen erfolgt. Die erste Sijjuftg des neuen Vereins beschäftigte sich mit Ser Vorstandswahl und der Festlegung der Statuten. Aus den Mitteilungen des Versammlungsleiters ging hervor, daß dem neuen Verein schon mehrere hundert Mitglieder angehören und datz ein finanzieller Grundstock durch freiwillige Beiträge und sonstige Zuwendungen geschaffen sei. Die gut besuchte Versammlung schloh mit dem Wunsche aus ein Wachsen und Er- starken des neuen Vereins. Anmeldungen zur Mitgliedschaft nehmen entgegen: Hermann Neue, Steglitz, Albrechtstr. 118; H. Pöhlmann, Friedenau, Kirchstr. 8; E. Drahn, Steglitz, Forst- stratze 4; H. Kmincngießer. Steglitz. Halskestr. 41, Johannisthal. Den Bericht vom Parteitage erstattete in der Mitgliederver sammlung des Wahlvereins die Genossin Frau Böhm. Rednerin betonte, dast der diesjährige Parteitag eine Geschlossenheit gezeigt habe wie kaum einer seiner Vorgänger. Nachdem die Referentin alle wichtigen Fragen des Parteitages ausführlich besprochen halte kam sie aus den Fall Hildebrand zu sprechen, dabei betonend, dag der Ausschluß Hildebrands nur zu billigen sei. In der Diskussion sprachen die Genossen Steuer, Karl Schmidt, Lonau und Rachiut. Bei dem Beratungsgegenstand: Fortsetzung der Diskusston über die Reorganisationsfrage wurde eine Resolution angenommen, in� der 1. die gänzliche Aufhebung der Zahlabende unter Beibehaltung der Bezirkseinteilung zum Zweck der Organisations- und Agitation-: arbeit, 2. die Verteilung des Mitteilungsblattes an sedeS Mitglied und 3. die Einführung der Hauskassierung verlangt wird. Kalkberge-Rüdersdorf. Ein schrecklicher Betriebsunfall hat sich gestern im Betriebe der Rüdersdorfer Portlands-sZementfabrik zugetragen. Der Arbeiter Wehlisch aus Rüdersdorf, ein junger Mann von zwanzig Jahren, kam dort dem großen Treibriemen zu nahe, wodurch sein rechter Arm erfaßt und vollständig vom Körper abgerissen wurde. Der Un- glückliche mußte sofort inS Krankenhaus gebracht werden, wo er im bedenklichen Zustande daniederliegt. Tempelhof. Einen Seefischverkauf wird nun endlich auch die Gemeinde Tempelhof eröffnen. Derselbe findet Dienstags und Donnerstags von 8 bis 12 Uhr im Hause Ringbahnstrabe 60 statt. Karlshorst. Den Bericht vom Parteitage erstattete in der letzten Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins Genosse K ü t e r. Redner ließ die wichtigsten BeratungSgegenstände des Parteitages Revue passieren und sprach im allgemeinen seine Befriedigung über die gefaßten Be- schlüsse auS. In der Diskussion wurde betont, daß die Dämpfung hätte vermieden werden müssen, der Freisinn wäre nach seinem Programm verpflichtet gewesen, für unS einzutreten. Der Aus- schluß HildebrandS sei gerechtfertigt. Zu wünschen wäre, daß die sozialistische Tagespresie noch mehr ausgestaltet und eine illustrierte Zeitung für die Arbeiter geschaffen würde. Im übrigen sollten es sich die Parteizeitungen angelegen sein lassen, mehr Illustrationen zu bringen, da oft das Bild mehr aufklärend wirke, wie daS ge- schriebene Wort. Nicht einverstanden könne man damit sein, wenn sozialdemokratische Vertreter die patriotische Sitte der Ehrung des Landesfürsten mitmachen. Die Aufhebung des Antrage» betreffs der Maifeier sei zu bedauern. Von anderen Rednern wurde be- merkt, daß der Ausschluß HildebrandS verfrüht sei, eine Erklärung, daß man sich mit seiner Ansicht nicht einverstanden erkläre, hätte (lenügt. Von der Maifeier sei in den Großbetrieben nichts mehr zu püren und deßhalb könnte dieselbe aufgehoben werden. In seinem Schlußwort wies der Referent darauf hin, daß in Zukunft eine Modezeitung von der �Gleichheit" getrennt geschaffen werden solle. Zu verurteilen seien die Sonderkonferenzen, denn die Fragen, die dort verhandelt würden, müßten den Organisationen zur Erledigung überwiesen werden. Den Einwand einiger Diskussionsredner, baß man Hildebrand nicht hätte aus der Partei ausschließen sollen, be- gegnete Redner mit der Bemerkung, daß dann ebenso gut National- liberale zu uns kommen könnten, um die Partei als das Operations- selb ihrer Anschauungen zu mißbrauchen. Hierauf wurden noch einige Parteiangelegenheiten erledigt. Wittenau-Borsigwalde. Ein Sittlichkeitsverbrechen an einem Mädchen wurde bor einigen Tagen in Borsigwalde verübt. Eine 14jährige Schülerin wurde hinter der JaSmannschen Fabrik beim Einsammeln von Koksstücken von einem unbekannten Manne angesprochen. Als das Mädchen auf die unsittlichen Anträge des Fremden nicht einging und fortlaufen wollte, fiel der Wüstling über die Wehrlose her und schleppte sie hinter den Bahndamm, wo er sie vergewaltigte. Dann ergriff der Verbrecher die Flucht und entkam, da die Hilferufe deS Mädchens auf dem weiten unbebauten Terrain unerhört verhallten. Die Eltern der Schülerin erstatteten sofort Anzeige und vorgestern gelang es, aus Grund der von dem Mädchen gegebenen Beschreibung, den Wüst- ling in der Person des Arbeiters Klewer festzunehmen. Oranienburg. DSe letzte Stadtverordnctensitzung beschäftigte sich zunächst mit der Ersatzwahl eines Stadtrats für die Zeit bis zum 22. Januar 1014. Dieselbe siel auf Herrw Gutepächter Karl ReniuS. Die Wahl eines Bürgermeisters konnte nicht vorgenommen werden, da die erforderlichen Borarbeiten durch Hineinziehen von zwei weiteren Kandidaten zur engeren Wahl noch nicht zum Abschluß gebracht sind. Eine längere Debatte verursachte die Beschlußfassung über das Ortsstatut betr. die Entwässerungsanlagen. Von bürgerlicher Seite wurde angeregt, die Lasten den Mietern in Gestalt einer Mietsteuer aufzuerlegen. Dieses Ansinnen unserer Hausagrarier wurde von unseren Genossen in der gebührenden Weise mit Erfolg zurück- gewiesen. Auch einige bürgerliche Vertreter fanden sich, die gegen eine solche Steuer Front machten, aber lediglich auS dem Grunde, weil sie befürchteten, daß hierdurch der Zuzug ferngehalten und infolgedessen ihre Wohnungen unvermietet bleiben würden. Unsere Stadtvertretung scheint in der Nachbewilligung von Anleihen nach- gerade eine Fertigkeit erlangt zu haben, welche einer besseren Sache würdig wäre. Nachdem erst vor kurzer Zeit die Nachbewilligung einer Anleihe zur Kanalisation in Höhe von 500 000 M. beschlossen worden war, forderte der Magistrat jetzt schon wieder eine solche von 270 000 M. Hierdurch hat die Anlage der Kanalisation bereits die Summe von 1l4 Millionen Mark erfordert, und es erscheint nicht ausgeschlossen, daß weiter« Forderungen gestellt werden. Mit scharfen Worten zogen deshalb unsere Genossen gegen die Ver- Wendung der Gelder zu Felde. Bei der letzten Nachbewilligung habe der Magistrat die Versicherung abgegeben, daß von dem z» bewilli- genden Gelbe noch eine Summe für unvorhergesehene Fälle übrig- bleiben solle. Um so mehr müsse eS befremden, daß nach so kurzer Zeit solche Forderungen gestellt werden. In der weiteren Debatte kam zur Sprache, daß Lagerplätze für Röhren, Welche zur Kastvli- sation Verwendung finden sollten, den Kindern als Spiel- und Tummelplatz zugänglich gemacht worden sind; hierdurch ist bereits ein Teil Röhren zertrümmert worden, Den Nachforderungen wurde zugestimmt Spandau. Eine imposante von über 1000 Personen, meistens Frauen, be- suchte Protestversammlung tagte am Freitag abend in der PichelS- dvrfer Brauerei. Genossin Frau Wehl sprach über daS Thema„Die preußischen Junker als Reaktionäre und VolkSaus- Plünderer". Die Referentin schilderte in beredten Worten die Not des Volkes, ging dann auf das Kinderelend ein und hielt mit der Regierung und den Volksansbeutern scharfe Abrechnung. Zum Schluß ihres mit stürmischem Beifall ausgenommenen Vortrage» richtete sie hauptsächlich an die anwesenden Frauen die Aufforde- russss, sich Kehe lvie bisher ssessi Wahlöe?ekn SkTuschkiehen W& fif» durch zur Besserung der Verhältnisse beizutragen. Einen rückständigen Beschluß faßte die letzte Magistratssitzung. Danach soll der Fahrpreis in den Straßenbahnwagen, welche nach der Ankunft des letzten Nachtznges vom Häuptbahnhof abfahren, fortan 20 Pf. betragen. Dieser jetzt zur Wiedereinführung empfohlene Modus bestand bereits einmal vor mehreren Jahren und. erregte damals allgemeinen Unwillen. Ueber arge Bernachlässigung des Nonnendamm, dem blühendsten Stadtteil Spandaus, durch die Stadiverwaltung wird lebhafte Klage geführti Die Beleuchwng in einer Reihe von Straßen wird als höchst unzulänglich bezeichnet. So sind im Hefnersteig, Bödickersteig, Wattstraße. Brunnenstraße, Herzstraße und Kapellen- steig von der Stadt überhaupt keine Laternen aufgestellt; wenn um 0 resp. 10 Uhr abends die private Belenchtnng erlischt, so sind die Straßen in tiefste Dunkelheit gehüllt. Straßenfchutt und Zement- steine lagern hoch aufgeschichtet schon monatelang in der Nonnen- damm-Allee seit der Pflasterung derselben und harren vergebens ihrer Absuhr. Bei der Straßenkehrung wird selten gesprengt; dicke Staubwolken dringen bis in die obersten Stockwerke. Es wäre an dar Zeit, daß die Stadtverordnetenversammlung diese Witzstände beseitigt._ Sitzungstage von Stadt« nnd Gemeindevertretungen. Wilmersdorf-Halensee. Mittwoch, den IS. Oktober, nachmittags L Uhr, in der Aula der Biktoria-Lutsen-Schule. Auf der Tagesordnung steht u. a.: Bewilligung von Mitteln zur Durchführung von Maßnahmen gegen die Teuerung. Schöneberg. Montag, den 14. Oktober, nachmittags 7 Uhr, im Sitzungssaal des Rathauses. Rüdersdorf. Dienstag, den 15. Oktober, nachmittags 7 Uhr, im Hülperschen Lokal. Hohenneuendorf. Dienstag, den 15. Oktober, nachmittags 5 Uhr, im Gememde-Sitzungssaal. Diese Sitzungen sind öffentlich. Jeder männliche Ermeludeangkh-rige Ist berechtigt, ihnen als önhörer beizuwohnen. Jugendveranstaltunge«. Schöneberg. Heute Sonntag, den 13. Oktober, abends 6 Uhr: Ver. sammlung in den„Neuen Rathausjäten", Meininger Str. 8. Vortrag deS Kollegen Erwin Neumann-AdlerShos über:.Die Bestrebungen der Arbeiter- Jugend". Die arbeitende Jugend Lichtenberg? veranstaltet am Sonntag, den L0. Oktober, eine Kartoffeln- und HeringSpartt« nach Htrichgarten (Thieme). Treffpunkt früh 7'/, Uhr in den Jugendheimen. Teilnehmer- karten schon jetzt erhältlich in den Jugendheimen Alt-Boxhagen 55 I und Bürgerheimsir. V4._ Deutscher Arbeiter-Abstinentenbund. Ortsgruppe Berlin-Lichten- berg. Montag, den 14. Oktober, abends B'l, Uhr, im Lokal von Ertelt, Psarrstr. 74: Oeffentiiche Versammlung. Vortrag deS Genossen Simon Katzenstein:„Die Gedankenwelt der modernen Arbeiterjugend". DiSkulfion. HilsSkafse der Graveure, Ziseleure und verw. Berufsgeuossen z« Berlin tagt jeden zweiten Montag Im Monat, abends von 8—10 Uhr. im Restaurant Lnisenuser 1. von Allgemeine Zhamiliensterbekaffe 3— v Uhr im Restaurant Ackerstr. 1 122. Heute Zahl- und.Ansnahmetag Marktbericht von verlin am 11. Oktober litis, nach Ermltlelung deS königl. PolizeipräfidtlimS. Markthallenpreis«.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Srbien, gelde, zum Kochen 30,00—50,00. Speffebohnen, weiß«, 36,00— 60,00. Linsen 85.00—50,00. Kartoffeln(KleinhdI.) 5,00—8,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,80—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch l.VO-I.SO. Schweinefleisch 1,60-2,40. Kalbfleisch 1,50-2,40. Hammelfleisch 1,40—2,40. Butter 2,40-3,00. 60 Stflcf Eier 4,00-6,00. 1 Kilogramm Karpfen 1,40-2,40, Aal« 1,60-3.20. Zander 1.60-3,60. Hechle 1.60—2,30. Barsche 1.00-2.40. Schiele 1,60-3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 1,60—30.00. 0} « €@e@e«w«»ssssox Unserem lieben Freund, dem Bezirkssührer- Franz Friedrich u. Frau die herzlichsten Glückwünsche zur Silberhochzeit l VI« funIitlonSro der 17. Abteilung, 6. Kreit. HsssssssZ £,€€€€€««»»»»SSSSZ & Unserem ehemaligen HerbergSwirt $ Gustav OlauenebstFrau \i) zur silbernen Hochzeit G die herzlichsten Glückwünsche I sss Einige Harrnorarbelter. H Chr. 0. H. T. i b6€€€«eet»»»» Unserem Bezirkssührer Franz Friedrich nebst Gemahlin die herzlichsten Glückwünsche zu der am Montag, den 14., statlsindenden Stlberhochzest.1 die Genossen u. Genossinnen q) des 799. Bezirks, 0. Innen Kreit. Unserem Genossen H 5 Gustav OlauenebstFrau® r Vii die besten Glückwünsche lbe zur silbernen Hochzeit 1 1. Kreis, 4. Abteilung.£v { WM j JEobefljtwzdgen� MM Sozialdemokrat. Waiilvereinl. den z. Bert Heiclislass-WaMkreis. Am Freitag, den 11. Oktober. verstarb unser Genosse r der Händler August Weidmann Admiralstr. 8, Bezirk 151. Ehre seinem Mnbeufe«! Die Beerdigung findet Montag. den 14. ONober, nachm. 4 Uhi, aus dem neuen Michaeis-Kirchhos sMariendorser Weg) statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorfctaiul. Sozialdemokratischer WahWereiii Neukölln. Den Part eigenoffen zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Schlaffer Lrnst Mutschke Neue J-naSstr. 30(17. Bez.) veAtorben ift iihrt seinem Andenken 1 Di« Beerdigung findet an, Montag, den l4. d. MIS nach- mütans 3 Uhr. von der Leichen- Halle des Reulöllner Gemeinde- Friedboses, Martendorser Weg. aus statt. Uni rege Beteiligung ersucht De» Borstand. Für die vielen Beweise herzlicher eilnahme bei der Beerdigung meines eben Mannes Paul Freyer ige ich allendaran Beteiligten meinen migsten Dank._ 5621 Wwe. Betty Freyer. Dentscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungtstello Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, bah unser Mitglied, der"" Max Fräser Radde (Wittenau, Haubtstr. 68) an Lungenleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 13. Oktober, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- halle des Gemeinde. ZkirchhoseS in Wittenau bei Berlin aus statt. gerner starb unser Mitglied, der Schlosser krnst Mutschke (Neukölln, Neue JonaSstr. 30) an Gehirnschlag. Die Beerdigung findet morgen Montag, den 14. Otiober, nach- mittag» 3 Uhr. von der Leichen. halle de» städtischen Friedhose« in Reukölln, Martendorser Weg, aus statt. Ehre ihrem«»denke«! Rege Beteiligung erwartet 126/3 Cio Ortsvorwaltung. Arn 10. Oktober verschied unser lieber Kollege, der Schriftsetzer Fritz Nlaliß im 29. Lebensjahre. Ein ehrendes Andenken be- wahren ihm Die Verbandtmilglieder der Buchdruckerei Otto Elener. Die Beerdigung findet am Montag, den 14. d. M.. uachmittaa« 3>/, Uhr. aus dem Tbomas-Kirch- hos, Neukölln, Hermannstr. 179-185, Sozialdemokratischer Mverein Neukölln. Den Parteigenossen zur Nach- richt, daß unser Mitglied, Frau Berta Mosig Knesebeckstr. 67(14. Bezirk), verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Montag, nachmittag S'/�UHr, von der Leichenhalle de» Neuköllner Gemeinde- Frtedholeg(Marien- dorser Weg) auS statt. Um rege Betetltguna ersucht Der Borftand. Heut« vormittag 9'/, Uhr ent- schlies nach kurzem, schwerem Leiden mein inniggeliebter.herzens. guter Mann und unser guter Vater, der Destillateur Adolf Schulze im 42. Lebensjahr«. 814b Wir bitten um stille» Beileid Ella Schulze geb. Lehmann Rudolf Schulze Margarete Schulze. verlin N1V., den 11. Oktober. Waldstr. 40. Die Beerdigung findet am Montag, den 14. e. MtS., nachmittag« 3'/, Uhr, vom Trauerhause auS aus dem Friedhofe Heilands- gemeinde Plötzensee statt. ZentralYerband der Maschinisten o. Heizer sowie Bernfsg. Deutsch!. Verwaltungsstelle GroB-Bsrlln. Am Mittwoch, den 9. Oktober, oerstarb unser MligUed, Kollege BfoH Theinert. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigimg findet heute Sonntag, den 13. Oktober, nach- mtttag« 12'/, Uhr, von der Leichen- halle des Moabiter Krankenhauses aus statt. 146/11 Die OrtSderwaltung Am 11., vorm. 6'/, Uhr, starb der Zimmerer August Kohelt im 67. Lebensjahre. 8106 Die Bestattung erfolgt am 14., nachm. 5 Uhr, aus dem neue» Treptower Gemeinde- Friedhof, Station Baumschulenweg. via trauernden ttinterbllebenen. «Danksagung. Für die mir bewiesene Teilnahme, owie für die reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meine« lieben Mannes und Vater» sag« ich allen Freunden und Bekannten, inibeson- der« den Kelleginnen und Kollegen der Firma Römer, den Kollegen der Deutschen Telephonwerke, Slbt. Er- pedition, und dem Verein seibständi- ger Kohlenhändler meinen herzlichsten Dank. 02A Ida Kichtev nebst Kindern. MM Ulli Fertig am Lager t Bm0;«: « IH5; Debrodt- Smokii fradt' Beinkleider tige scbvi Knaben 36 40t 40t M | Fertige schwarze Kleidung (Ur Knaben und JUngllnge| In größter Auswahl iFelae Uaß- Anfertigung 1 in ea. 10 Stunden Baer Sohn Kleider- Werke. 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Klassen-Lotterie Ziehunp; vom 12. Ottober 191S vormiltag«. Auf Zock« ge»off«u» Xnmraer sind kt«! gleich hohe Gewinne gefeilen, nnd zwar Je einer auf die Lose gleicher Kammer In den beiden Abteilangen I and II Nur die Gewinno über 192 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 13 51•102- 2C 97 246 70 598 611[500] 46 65 83 716 1182 500] 650 751[5000] 964 2363 612 65 671 909 34 3144 810 73 981 4196 316[400] 63 91 095 787 99 952 55 5023 682 918 86 6202 91 854 964 66 67 7313 46 404 790 840»002 92 392 445 614[400] 9169 93 365[400] 823 962 16103 252 67 452[40000] 707 824 913 59 11254 843 817 12123 25 30 75 201 688 967[400] 13051 355 693 14084 87 89 339 590 789 873 15510 976 16083 231 484 86 585 765 801 987 17030 285 366 426 658 604 807 943 70 18561 737 19042 150[1000] 409 63 683[1000] 20191 244 70 76 371 611 974 2 1 031 762 2 2258 [600] 357 585 895 942 23176 411 54 634 40 2 4257 68 388 2 5085[400] 246 425 601 825 26704 924 27087 711 841 918 28403 36 88 573 632 824 908 15 19 29020 65 181 397 729 86 931 30021 23 48 102 329 33[400] 78 886 31400 688 809 38 977 3 2095 128 78 306 48 451 960 3 3097 477 34136 84 266 400 604 3 5211[3000] 15 33 331 539 677 740 938 36144 66 201 300 26 478 613 24 630 735 812 88[400] 915 37004 518 695 907 38313 61 654 721' 850 970 39140 255 40069 107 66[400] 470 661 946 41226 62 448 746 4 2251 348 419 69 077 4 3291 883 85 44113 62 662 4 5366 607 4 6039 370 431 688 95 987 4 7021 29 230 431 79 526 48 89 678 712 29 4 8042 258[400] 62 [500] 647 775 850 4 9086 377 675 978 50147 64 78 600 35 770 969 51041 80 248 431 72 620 707 97 868 52102 502 13 96 846 87 967 53006 217 60 83 457 546 948 65 54180 270 377 604 866 75 951 55097 219[400] 26 365 600 997 56353 706 46 884 918 57002 136 215 405 645 857 972 58029 73 207 90 557 59049 71 79 245 95 379 670 888 913 60172 295 671 845[400] 913 61181 297 301 443 840 79 62197 317 66 89 716 869 940 77 63399 661 760 885 977 64147 449 94 609 77 811 48 86 992 65014 154 241 85 312 490 661 67 909 76 66504 7[500] 8 93 646 80 784 987 67042 165 78[500] 214 6 8066 79 353 635[400] 866 69018 227 381 607 715 62 838 958 7O709 821 7 1 023 57 142 627 72 7 2160 493 96 [400] 576 892 958 73033 187 266 376 679 827 61 62 964 74345 629 68 869 912 93 75002 159 220 30 76358 424 608 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Ziehung 4. KI. 1. Preuss.-Süddeutsche (227. Königlich Preuss.) Klassen-Lotterie Ziehung vom 12. Oktober 1912 nacbmltlage. Aaf Jede gelegene Hemmer sind zwei gleich hohe Gewinne gefeilen, nnd zwar Je einer enf die Lose gleicher Hammer In den beiden Abteilungen I nnd II Kur die Gewinne Uber 192 Mark sind den betreffenden Kummers in Klammern beigefügt. (Ohne Gew&hr.)(Nachdruck verboten.) 163 343 493 890 963 1 216 64 2024 161 394 651 830 65 97 3242 304 473 878 969 4174 421 588 637 831 5825 890 6171 452 607 691 937 72 7072[600] 197 362 66 914[400] 8300 619 60 605 992 9081 481 998 10130 389 594 11009 81 256 483 848 63 941 12174 222 34 344 77 811 13024 54 238 977 1 4109 77 216 756 15066 227 40 329 628[500] 643 978 16044 49 256 377 716 898 923 2� 61 17335 432 977 18074 80 186 216 80' 669 603 25 749 887 19003 185 321 41 642 20308 40 67 720 943 2 1 243 720 2 2408 74 616 671 794 976 2 3040 204[400] 320 Sil 901 59 1.4023 269 331 49[1000] 602 93 768 80 913 2 5073 407 685 26122 208 427 37 645 54 834 98 915 27428 50 527 26088 522 88 625 927 38 2 9022 80 103.608 778 639 30993 161 321 803 31104 298 380 441 61 612 793 32129 95 240 3921 416 617 62 70 686 966 3 3040 170 344 656 97(400) 780 3 4007 47 66 317[400] 87 503 92 824 946 70 35091 132 87 300 608 81 30150 61 239 387 492 672 37640 864 [506] 38063 108 47 216[500] 35 69 70 329 731 996 39254 449 632 675[400] 768 46088 324[400] 53 445 693 867 804 41048 88 176[400] 308 14 697 757 917 42076 102 8 28 233 81 690 659 764 84 827 923 26 43106 13 72 275 494 664 761 44092 912 21 45033 66 102 313 484 623 751 46002 20 253 318 31 409 803 34 75 47197 316 64 590 701 968 4 8056 125 368 732 810 4 9206 379 [400] 503 32 809 61 5 0360 562 690 983 5 1033 322 647 723 833 94 912 14 5 2570 615 54 810 5 3025 27 53 322 534 990 54083 95 202 326 907 55132 283[400] 645 64 843 56023 474 993 5 7083 209 656 753 957 58144 84 301 16 488 645 767 841 007 59181 294 384 513 765 90 60581 861 927 6 1 066[400] 446 635 41[600] 72 760 85 899[400] 62083 212[400] 321 400] 963 93 6 3092 318 729 83 910 6 4438 670 800 098 6 5282 310 488 637 400] 630 61 794 66071 127 231 67091 112 35 287 323 410 804 94 68192[400] 436 637 52 703 928 96 69195 326 668 703 828 34 86 07 76010 132 249 438 506 847 60 7 1637 41 916 72275 631 73192 281[3000] 421 696 633 62 793 74223 323 694 7 5181 651 601 87 765 7 6519 70 96 840 979 77085 489 603 765 834[400] 966 78185 203 640« 9071 234[400] 633 827 945 80306 782 8 1078 143 609 43 55 912 45 82143 226 861 932 62 8 3032 228 356 633 866 927 8 4213, 61 315 701 889 96 941 85020 99 240 568 867 902 86044 169 273 714 806 8 7146 446 72 725 88169 281 815 751 806 82 8 9003 13 45 93 475 949 80915 91135 379 644 52 800 9 2050 176[400] 887 93055 153 266 443 91 610 51 676 734 43 940"'. 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Klasse findet Tom 8. Novembe» bis 2. Dezember 1912 statt.«- Btrantworilicher Redakteur: Alfred Wiclepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: TH. Glocke, Aerlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckeret u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin LWe Geöffnet 8—8 GegrOndet 1879 Sonntags 1A-2 Moebel-Boebel Berlin S, Onnlenstrase 56(Horltzplntz) �."i", Spezioiitfit: Ein- u. Zuei-Zimmer-Einrlctitunsen Schlafzimmer, echt Eiche, gewachst............. M. 318.— 1Ankleideiohrankm.SplegelM.105.— I 1 WaschlollaHe mit Marmor M. 36.— I 2 Nachttlsohe mit M armer. M. 88.— 2 Bettstellen a 61..... M 102.—| I Kachelspiegel....... M. 25.-| 2 Mühle ä 6—....... M. 18.— Eigene Wepkotätten 5 Jahre Garantie Wohn- und Speisezimmer, Eiche gebeizt....... m. 337.— 1 BOIelt........... M. 165.— I 1 lisch.........,. M. 4» I 1 Sofa............ 8. 75.- 1 Anrichtetisch....... M. ZO.—| 4 Stühle k 8 M.«,.,. M. St.-| t Umbau extra....... 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Aber selbst diese Verhöhnung der Hungernden wird von dem Weschrei der Agrarier begleitet, die unter dem Schlachtrus „Schutz der nationalen Arbeit in Stadt und Land" das»nein» geschräulte Recht der Auspowerung der Bollsmassen für sich bean- spruchen. Die Wirkung, die die Beutepolitil der Agrarier auf den Geld- beute! der Landjuuker ausgeübt hat, haben wir schon oftmals an drastischen Beispielen illustriert. Daß ein ganz erheblicher Brocken der Beute aber auch den Großbauern zufließt, läßt folgende Schilderung einer'niedersächsischcn Bauernhochzeit erkennen, die dieser Tage in dem hannoverschen Dorfe Sottrum stattfand. Der älteste Sohn des auf dem Barkhofe bei Sottrum wohnenden Besitzer« Johann Lohmann führte die Tochter des Hofbesitzers Friedrich Lohmann in Sottrum als seine Gefährtin fürs Leben heim. Nicht weniger als 700 Personen waren zu der Feier geladen, und tagelang hatte der Hochzeitsbitter wandern müssen; denn der ausgedehnte Ver- wandtenkreis erstreckt sich nicht nur auf den Kreis Roten- bürg, sondern auch über zahlreiche Ortschaften der Kreise Zeven, Verden und Achim. Um die große Hochzeitsgesellschaft bewirten zu können, bedurfte es natürlich eines ganz besonderen Aufwandes an Arbeit und Kosten. Zwei stattliche Ochsen und mehrere Schweine von respektablem Gewicht mußten dafür ihr Leben lassen. Gegenüber anderen großen Hochzeiten»iedersächsischer Art stieß man hier mit der Bewirtung insofern auf besondere Schwierig- leiten, als die große Zahl der HochzeitSgäste nicht nur mit Mittag« und Nachtesien, sondern auch mit Kaffee und Kuchen bewirtet werden mußte, welcher Sorge sonst der Gastgeber überhoben ist, da die Alt- vorderen die Einführung des Auf-dcn-KaffeegehenS trafen, d. h. die Schar der HochzeitSgäste zieht nach der Mittagstafel von Haus zu HauS, wo ihnen überall Kaffee und Kuchen, den Männern überdies auch eine Zigarre und ein Schnäpschen gereicht wird. Da es sich hier aber um einen Hof ohne jede Nach- barschast handelte, war man gezwungen, im Hochzeitshause auch Kaffee usw. zu reichen. Ganze Wagenladungen Butterkuchen waren zu diesem Zwecke herangefahren worden, und sackweise mußten Kaffeevorräte verwendet werden. Obgleich außer der großen Viehdiele des auch im übrigen geräumigen Bauernhauses ein besonderes Tanz- zelt errichtet war, wurde die Mahlzeit im Freien eingenommen, nachdem Tische und Sitze aus Holzbohlen in einfacher Weise her- gerichtet worden waren. In zwölf der großen Kessel wurde die Mahlzeit hergerichtet. Die Wein-, Bier- und Schnaps- slaschen, die geleert wurden, zählen nach Tau» zenden.... Derartige Festivitäten, die bei den Hochzeiten der niedersächsischen Großbauern durchaus nicht zu den Seltenheiten gehören, bilden eine treffliche Illustration zu der»Not der Landwirtschaft", die nur da» durch behoben werden kann, daß Millionen VolkSgenosien mit ihren Familien Hunger leiden I Ein Goldbergiverk von chinesischen Räubern überfallen. Wie ein Telegramm aus Blagowestschensk meldet, über- fielen 16 chinesische Banditen ein am Silindschaflusse(einem Nebenflüsse des Amur) errichtetes Goldbergwerk. Die Räuber töteten den Besitzer und einen Angestellten und verletzten einen anderen Angestellten. Dann flüchteten sie unter Mitnahme von etwa 36 Pfund Gold. Bei der Verfolgung wurden sechs der Banditen getötet, zwei ertranken, während zwei Räuber verwundet in die Hände der Verfolger fielen- Bei ihnen wurden noch 30 Pfund des geraubten Goldes gefunden' „Vaterlandslose Gesellen." DaS„VolkSrecht" weist darauf hin, daß der jüngst gestorbene österreichische General Sprecher v. Bernegg Schweizer von Geburt war. Sein einer Vetter ist Chef des schweizeri- schen Generalstabes, ein anderer deutscher Reichsgerichtsrat. Natürlich war und ist jeder seinem„Vaterlande" treu ergeben und empört über die Internationalen, die angeblich das nationale Ideal auS de« Volkes Herzen reißen wollen. Man denkt dabei an die Familie Hohenlohe: ein Brnder päpstlicher Kardinal, der zweite österreichischer Hofmarschall, der dritte deutscher Reichskanzler, aber mit Besitzungen in Frankreich und Rußland, und sein Sohn, früher deutscher Kreisdirektor und Reichstagsabgeordneter, bereit, die russische Staatsangehörigkeit zu erwerben, weil Alexander III. das forderte. Ans Vaterland, ans teure, schließ' dich an!_ Der Himmel zweiter Klasse. Der»Franks. Ztg." wird von einem Leser folgendes kleine Reise- erlebniS mitgeteilt:„Wir fuhren von Aschaffenbnrg nach Würzburg und mit uns eine größere Anzahl L a n d g e i st l i ch e r, die wohl von einer Beratung kamen oder zu einer solchen wollten. Der Zug war mit Reisenden dritter Klasse überfüllt, während die höheren Klassen eine gähnende Leere aufwiesen. Aber der Schaffner wußte Rat. Er ließ sämtliche.Hochwürden" mit Fahrkarten dritter Klasse Plätze in der zweiten Klasse einnehmen, während er uns andere als„Ncberbleibsel" damit tröstete, daß noch ein Wagen dritter Klasse angehängt würde. Der kam dann auch nach langem Harren, und mit 40 Minuten Verspätung dampften wir glücklich ab. Als dann der Schaffner i» unser Abteil kam, fragte ich ihn: »Nun sagen Sie mir doch, warum haben Sie allen geistlichen Herren Plätze zweiter Klasse angewiesen? Wäre das bei uns nicht auch möglich gewesen, statt daß wir so lange warten mutzten und nun die große Verspätung habe»?" „Jo," meinte der Biedere,.schauen"«, bös san doch halt Hoch- würden, die uns a schon später für an guten Platz da droben sorgen!" „Ach so! Sie glauben also, wenn Sie die geistlichen Herren zweiter Klasse fahren lassen, werden sie nachher auch Ihnen einmal die zweite Klasse da oben verschaffen?" »Dös kann scho sei", lächelte er. Ich aber, durch diese Auskunft zufriedengestellt, begnügte mich nun in aller Bescheidenheit und im durchbohrenden Befühl meines „Nichts" mit einem Ecklein dritter Klasse." Ob der ganz besondere Respekt vor den.Hochwürden" damit zusammenhängt, daß die bayerischen Bahnbeamten, wie wir jüngst mitteilten, auf ihre Bibelfestigkeit und Kenntnis der katholischen Hierarchie examiniert werden? Der Professor als Prophet. Europa geht unter! So verkündet mit prophetischer Miene ein leibhaftiger Professor der Geologie der zitternden Mitwelt. Zum Tröste unserer ängstlichen Zeitgenossen sei jedoch hinzugefügt. daß dieses Ereignis erst im Jahre 1972 eintreten soll. Der neueste Weltuntergangsapostel ist der Profesior Albert Noble von der Universität Philadelphia. Er behauptet, daß Europa im Jahre 1972 infolge vulkanischer Ausbrüche vollkommen von der Erdoberfläche verschwinden werde. Na, wir werden's abwarten, möchten aber jetzt schon empfehlen, daß die Blüte der Nation sich bald in Sicherheit bringt. Denn es wäre doch jammerschade, wenn so erlauchte Geister wie der Januschauer und Konsorten in verjüngten Exemplaren der Nachwelt nicht erhalten blieben._ Kleine Notizen. Gin Zeichen der Zeit. Wegen Nahrungssorgen vergiftete stcb in S t o l p der Schausteller Fritz Heiser, mdem ee Lysol trank. Nach schrecklichen Schmerzen verstarb er nach einigen Stunden. Der beraubte Expreßzug. In der letzten Nacht wurde während der Fahrt der Postwagen des zwischen Bordeaux und Cettes verkehrendenExpretzzuges ausgeplündert. Den Räubern fielen zahlreiche Geld- und eingeschriebene Briefe in die Hände. Ein ungetreuer Kasseniote. In Madrid stahl ein bei der Bank von Spanien angestellter Kassenbote seiner Bank Wertpapiere im Werte, von 130 000 Pesos. Die Papiere verkaufte er an mehrere Banken, worauf er ver» schwand. Eisenbahnunfall. Auf der österreichischen Station Meidling erfolgte am Sonnabendvormittag eine Zugentgleisung. Drei Personen wurden verletzt, der Materialschaden ist sehr groß. WitterungSüberficht vom 12. Oktober 1913. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Kranks.a.M München Wien 4 i c c if Setter 771jSlin 770® 772(50 77338 772$tW Swolkia Nebel 1 halb bd 1 Nebel 2NebeI Dunst et« d« «tattonen Havaranda Petersburg Scillh Aberdeen Paris IS Bf 76938 769,0 768130 770MNW 770still Setter 2 Nebel 2 Regen 3haw bd. 2wolktg iNdb-l Ä h SÄ 4 3 12 4 » Wetterprognose für Sonntag, den IS. Ottoder 191S. Zeitweise nebelig, vorwiegend heiter und trocken, nachts sehr kühl, Tage etwaS wärmer bei mäßigen südöstlichen Winden. Berliner Wetterburea» am BSafferstandS-Rachrichte« der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mttgetellt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel, Tilfit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel. Thom Oder, Ratibor , Krassen , Franksurt Warthe, Schrmtm . LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmerttz , Dresden , Barbh , Magdeburg >)■+- bedeutet Wuchs.— Fall.—•) Untervegel. IIÜIIUIIIÜUIIIUIIUIIIIIIIIUIUUIIIIJ »IIIIHIIUIIIIIIIIIIIIUUIIIUI Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Die hier angebotenen Posten Kleiderstoffe bestehen nur aus regulärer Ware.— Der größte Teil dieser Waren ist in unseren Schaufenstern u. am Kleiderstofflager zur Ansicht ausgestellt. Kostüni'Stoffe. Kostüm-Stoffe im englischen Geschmack, 130 cm breit.... Jetzt Meter 95 Pf. Kostüm-Stoffe im engl. Geschmack, haltbare Qualitäten, 130 cm breit jelit Meter P KöStÜffl-StOffe im engl Geschmack und mit Noppen, 130 cm breit Jetzt Meter 3"3 BlusetuStoffe. Popeline, hübsche solide Streiken............. Jetzt Meter 95 PI. Popeline mit entzückenden Bordüren........... jetzt Meter 95 Pf. 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