Nr. 244. 29� Jahrg. Hbonncments-Bedingungen; H Die InfcrtionS' Gebühr Nionnemmt-- Preis dränumer-mdo: MD DW MM �Hj UM ZM � vetrigt für die scchsgespallene Kolon?!- Bierieljährl. 3�0 M�, monajl. 1.10 Mk.. j WM MW �M// �M �M �M W» IM geile oder deren Rauui w Pfg„ für Wold entlich 28 Pfg� frei ins Haus. I�MW ZW WM �M k�x» MW �M �M DM f/ IM-wQ politische und gewerlschaslliche Vereins- Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- ��M» I s�WI 1 MI MD WM �M MM WM M �W �W MM--- // und Versnnimlungs-Anzeigen 30 Pig� nuninier mi: illustrierter Sonntags. ��WM DM WD tl» �M �M �M �M MI M) DM IM //„Kleine»ureigen", das fettgedruckte Beilage„Die Neue Welt' 10 Psg. Post- WMM i\ IW WM MD tM DM WB DD � AMD MM! Wort 20 Pfg. l zulassig 2 fettgedruckte Wontiemendt 1,10 Mark pro Monat. WrIUM I W» �D �D DW DM �Mi WM MD IW WM IM Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. emgelragen m die Post- Zeitunas- I I I MW WI DM( Stellengesuche und Schlasstellenan Preisliste. 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Weshalb die herrschenden Klassen Preuhens sich mit Zähnen und Nägeln gegen die Einlösung des die Wahlreform verheißenden Königswortes wehren und vollends nichts von der Uebertragung des gleichen Wahlrechts auf Preußen tvissen wollen, ergibt sich mil eindringlichster Deut- llchkcit, wenn wir uns die sozialpolitische Stellungnahme des Dreiklasscnhauses ein wenig näher ansehen. Was an kraut- jmikerlicher Arbeiterfeindschaft und industriellen Ausbeutungs- geliisten im Lande vorhanden ist, findet seinen drastischsten Ausdruck und seine rücksichtsloseste Vertretung in der iibcr- großen Landtagsmehrhcit, die sich aus Funkern snebst ihren schwarzen Anhängseln) und Industriefeudalen und ihren Be auftragten zusammensetzt. Der Arbeitertrutz, der sich im .Hause des allgemeinen Wahlrechts immerhin noch gewisse Reserven auferlegen muß. feiert in der preußischen Duma wahre Orgien. Und es ist ja bekannt genug, daß das agra- Tische und industrielle Scharfmachertum deshalb oft genug leine Zuflucht zu der Gesetzgebung des Dreiklassenhauses ge- uommen hat und zu nehmen, suchte, um sich der unbequemen reichsgesetzlichen Sozialpolitik zu entziehen und sie zu durch)- kreuzen. Heben wir aus dem antisozialen, arbeiterfeindlichen Treiben der Dreiklassenmänner nur einige Beispiele hervor, die uns allein ihre Tätigkeit während der letzten Jahre liefert In erster Linie verdient da die Ausbeutung der L a n d- a r b e i t e r s ch a f t hervorgehoben zu werden. Immer wieder waren die sozialdemokratischen Vertreter genötigt, die elende Lage und die jammervolle Rechtlosigkeit des ländlichen Prolc- rariats zu kennzeichnen. An schreienden Einzelbeispielen wurde nachgewiesen, wie nicht nur die einheimische Landarbeiterschaft der Fuchtel unserer Junker preisgegeben ist, sondern wie auch den durch die Feldarbeiterzentrale einge führten ausländischen Arbeitskräften unter Duldung der Bc. Hörden durch gesetzwidrige Kontrakte ein wahres Sklavenlos bereitet wird. Auch die nicht minder unerhörte Tatsache der landwirtschaftlichen'KinderauSbcutung wurde von unseren Genossen Jahr sür Jahr zur Sprache gebracht/ So zum Beispiel, daß die schulpflichtige Landproletarierjugend, der von gefälligen geistlichen Schulinspektoren die ausgedehn- testen Rübenferien erwirkt werden, unter endloser Arbcitssron auf den Latifundien des Junkertums scharwerken muß und daß diesen Kindern sogar Junkerfusel verabreicht wurde, um ihre erlahmten Kräfte gesundheitsmörderisch aufzustacheln. Das Bezeichnende aber ist, daß die Sozialdemokratie mit dieser Kritik junkerlicher Ausbeutungsgepslogenheiten völlig allein blieb!— Auch über die Handhabung der Revisionen über die Erfüllung der Unfallverhütungsvorschriften mußten von den sozialdemokratischen Rednern schier ungeheuerliche Fakta festgestellt werden. So wurde mitgeteilt, daß nach dem Bericht der Genossenschaft Posen selbst die Revisionen nach festgelegten Reiseplänen stattfinden und daß die B e t r i e b s u n t e r n c h m e r von der Revision v 0 r h c r i n Ko-nntnis gesetzt werden. Ungeheuerlicher freilich noch als diese Tatsache war die andere, daß von ll13ö der Besichtigung unterzogenen Mittelbetrieben trotz der vorherigen Revisions- ankündigung nur 191 in Ordnung befunden wurden, und daß von III inspizierten Großbetrieben nur 5 den Vorschriften (Seiiiidc geleistet hatten! Wie der preußische Staat selb st als Arbeit- g c b c r seine sozialpolitischen Pflichten auffaßt, zeigte unter anderem die Behandlung der st a a t l i ch e n Forst- q rbe 1 t er. Nach einer Statistik, die nicht etwa aus einer sozialdemokratischen Enquete stammte, sondern von dem deut- scheu Forjtwirtßhaftsrcrt, jener Unternehmerorganisation her- rührte, der auch die preußische Forswerwaltung angegliedert ist, beziehen dw in den fiskalischen Forstbetrieben beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen die niedrigsten Löhne von allen deutschen Bundesstaaten! Und als sich die sozialdcmo- kratischcn Redner der preußischen Forstarbeiter annahmen, da war es gerade der Vertreter des„sozialpolitischen" Z c n- trums, der Abgeordnete Busch, der die Rolle des frei- willigen Regierungskommissars übernahm und ein Loblied auf die soziale Fürsorge der Forstverwaltmna anstimmte. Da- bei stellte sich heraus, daß dieser wackere Volksvertreter, der im Auftrage seiner Fraktion bereits seit einer ganzen Reihe von Jahren die sozialpolitische Seite des Forstetats be- bandelte, noch nicht einmal seine Nase in die amtliche Lohnstatistik über die Lage der Forstarbeiter gesteckt hatte! Zu allem Ueberfluß war es auch gerade dieser Zentrums- redner. der die Regierung in geradezu fanatischer Weise dazu �"frciztc, den Forstarbeitern das freie Koalitions- rech tvorzu enthalten! Einen besonders interessanten Beitrag zu dem Kapitel der staatlichen Arbeiterfiirsorge lieferten die Beratungen über die Berg- und Sa l i n e n v c rw a l t u n g. Da waren es in den letzten Jahren in holdem Verein Konservative und Nationalliberale, die der Regierung vorwarfen, daß sie die Arbeiter allzu gut behandele und allzu wenig Mehrwert aus ihnen herauszupressen verstanden habe. 1919 und 1911 dien- ten für die genannten Parteien die ausgedehnten Beratungen dieses Etats ausschließlich dazu, die Regierung zu bru- t a l e r c r Ausbeutung der staatlichen Berg- und «alinenarbeiter auszumuntern. Auf Betreiben des agrarischen und industriellen Scharfmachertum« wurde eine Unterkom- Mission eingesetzt, die untersuchen sollte, wie dem Uebelstand abzuhelfen sei, daß die Ueberschüssc des Bergfiskus zurück» gegangen seien. Im Jahre 1911 erstattete dann der nationalliberale Abgeordnete Hirsch- Essen, der Syndikus der Essener Haudelskainmer, Bericht über die Be- ratuiigen dieser Kommission. Dieser Vertreter des rheinisch- westfälischen Industriekapitals klagte gar beweglich über den Rückgang der auf den Kopf der fiskalischen Belegschaft ent- fallenden Gewinnrate. Betrage doch der Reingewinn, der pro Kopf der Arbeiterschaft erzielt worden sei, nur noch 166 M. Und auch ivenn man zu dem Reingewinn die Summe hinzu- rechne, die für Bctriebser Weiterungen verausgabt worden sei, sei an jährlichem Profit pro Kopf der.Arbeiter „nur" noch die Summe von 198 M. hcrausgewirtschaftet worden. Das war natürlich den Vertretern der industriellen und agrarischen Ausbeuterklasse viel zu wenig, und der ge- nannte Berichterstatter der Koiitmission legte deshalb dem Hause eine Resolution vor, in der klipp und klar ausgesprochen wurde, daß der Staat als Arbeitgeber keine anderen sozialpolitischen und Volkswirt- s ch a f t I i ch c n Aufgaben zu erfüllen habe,>v i e jeder private Arbeitgeber, daß er vielmehr lediglich einen Erwerbsbctrieb darstelle, dessen Ziel darin bestehe, an seinem Teil die Bodenschätze zu inöglichst billigen Ge- st e h u n g s k 0 st e n z u g e w i n n e n u n d d i e g e w 0 n n e- neu m ö g l i ch st günstig abzusetzen. Diese Resolution war nichts Geringeres, als eine schneidende Zurückweisung jenes Kölligswortes, daß unsere Staatsbetriebe soziale Musterbetriebe zu sein hätten. Sie waren nichts anderes als eine totale Bankerotterklärung unserer Sozialpolitik überhaupt! lind trotzdem der Vertreter der Regierung, der Ober- berghauptinann von Vchlsen, selbst ausdrücklich erklärte, daß es der Regierung niemals eingefallen fei, etwa den Staats- arbeitern einen Mängel an Fleiß und Arbeitsleistung vor- zuwerfen, und trotzdem unwiderleglich nachgewiesen wurde, daß an dem Rückgang des Reingewinns pro Kops der Gesanit- delegschaft lediglich die u n g ü n st i g e r e n Abbauvcr- Hältnisse die Schuld trügen, sei doch seit 1887 der An- teil der H a u e r a r b e i t an der Gesamtbelegschaft von 79,6 Proz. auf 18,2 Proz. iin Jahre 1999 zurückgegangen, stimmte das Ha us in seiner Mehrheit den aller Sozialpolitik hohnsprechenden Grund» s ä tz e n zu, die von dem nationalliberalen Sprecher in Gestalt der gekennzeichneten Resolution empfohlen worden waren! Es würde den Raum eines Artikels bei weitem über- schreiten, wollten wir in dieser Weise jeden Vorstoß der preußischen Duma gegen die Sozialpolitik und die Arbeiter- intcressen auch nur in aller Kürze charakterisieren. Erwähnt sei deshalb nur kurz, daß es der preußische Minister für Handel und Gewerbe war, der unter dem Beifall der Land- tagsuiehrhcit den berüchtigten Ukas an die Ge- w e r b e i n s p e k t i 0 n e n erlassen hatte, daß sie in ihren Berichten künftig„theoretische Erörterungen, besondere� Ab- schwcifungcn auf das Gebiet der Ausgestaltung und Abände- rung bestehender Gesetze, Vcrordnimgen usw. zu vermeiden" hätten. Erwähnt sei auch nur, daß, in unlöblichem Gegensatz zu anderen Buiidesstaaten, es gerade die preußische Bauver- waltung strikt abgelehnt hat, Inrbcitcrkontrolleurc zur Ueberivachung des Bauarbeiterschntzes heranzuziehen. Die Arbeitcrfeindlichkeit der preußischen Duma offenbart sich nicht zuletzt auch in der Art, wie der Riesenbetrieb der preußischen Staatseisenbahn cn ans der gewaltigen Armee der Eisenbahnbeamteli und der Eisenbahn- arbeiter Unsummen herauszupressen weiß, um den besitzenden Klassen Preußens höhere direkte Steuern zu ersparen. Sind doch allein in dem Zeitraum von 1899 bis 1911 nicht weniger als 7519 Millionen Mark Ueberschüssc aus den Staatseisen- bahnen herausgcwirtschaftet worden, eine Summe, die die vollständige Höhe der noch vorhandenen Eisenbahnschulden erreicht. Der R c i n ü b c r s ch u ß des Jahres 1911 betrug allein 262 Millionen Mark. Temgegenüber waren im Etat nur 2,7 Millionen Mark für Lohnaufbesserungen vorgesehen. Und das bei einer Rieseliarmec von 325 632 Hilfsbediciistetcii nnd Arbeitern! Kein Wunder, daß niehr als die Hälfte dieser Arbeiter sich mit einem Jahresverdienst von weniger als 1299 Mk. begnügen muß! Eine solch schändliche Ausbeutungs- Wirtschaft war natürlich nur möglich durch die b r u t a I st c Unterdrückung aller wirklich unabhängigen Organisationsbestrcbungcn dieser Hun- d e r t t a u s e n d evon Staatsproletariern! Wenn deshalb am nächsten Sonntag das preußische Prolc- tariat, und insbesondere die Arbeiterschaft Groß-Berlins durch ihre Massenkundgebung im Treptower Park, für die endliche Uebertragung des gleichen Wahlrechts aus.Preußen demonstriert, so erfüllt sie damit nicht nur eine politische Ehrenpflicht, sondern sie führt damit zugleich den unaus- weichltchcn Kampf gegen die geschworensten und allmächtigsten Feinde jedes sozialpolitischen Fortschritts! Für'die politische Freiheit, für die das preußische Prole- tariat am Sonntag durch seine Massenkundgebungen eintritt, gilt so in der Tat das Wort des Dichters: Brot ist Freiheit, Freiheit ist Brot! ver Keginn lies ailgemeinen Kampfes. Die Diplomaten mit ihren Vcrmittelungsversuchen, ihrem Notenaustausch und ihrer Erledigung letzter völkerrechtlicher Formalitäten treten von der Bühne des großen Völkerdramas, das sich auf dem Balkan abspielt, ab. Jetzt hat der Soldat das Wort. Der Lärm der montenegrinischen Grenzgefechte und der Vorposten- und Bandenscharmützel an der serbischen, bulgarischen uniM-griechischen Grenze wird in den nächsten Tagen übertönt werden von dem Donner wirklicher Schlachten, in denen die Waffen der vereinigten serbisch-bulgarischen Armee mit den Aufgeboten der Türkei ringen werden. Die Verbündeten wie die Türken haben es bisher sehr gut verstanden, die Konzentration ihrer Truppen und deren strategischen Aufmarsch vor den spähenden Blicken neugieriger Kriegskorrcspondcnten zu verbergen. Was die Vertreter der internationalen Presse bisher darüber zu melden wußten, waren unkontrollierbare, in den Hauptstädten der einzelnen krieg- 'führenden Staaten aufgeschnappte Informationen, deren tele- graphische Wiedergabe erst noch die strenge militärische Zensur zu passieren hatten. Daß es in der seit Wochen kriegerischen und gewitterschwülen Atmosphäre nicht schon . Eisenbahnen=�Ecuptstrassm »- Befestigungen ••* Mometer früher zu gewaltsamen Entladungen kam, liegt daran, daß auf beiden Seiten die verhältnismäßig schwachen Ariedens- formationen durch ein Massenaufgebot von Reservisten und Landwehrleuten, die zum größten Teil vom Pfluge fortgerissen wurden, aufgefüllt werden mußten. Erschwert wurde diese Aufgabe durch die trostlosen Verkehrsverhältnisse in jenen halbasiatischen Ländern, die nur von wenigen Eisenbahn- strängen durchschnitten werden. Die wichtigste dieser Eisenbahnlinien, die aus Ungarn kommt, durch Serbien und Bulgarien hindurchgeht und in Konstantinopel endet, wird in ihrem Abschnitt Philipp'opel und Adrianopel den Brennpunkt der nächsten kriegerischen Ereignisse bilden. Die Linie läuft durch das Tal des Maritzaflusses und wird flankiert von 1000 bis 2000 Meter hohen schwer passier- baren Gebirgszügen. Die serbisch- bulgarische Armee, die zwischen den bulgarischen Städten Philippopel und Jamboli zusammengezogen wurde, ipird ihren Angriff in Richtung Adrianopcl ansetzen, während die Türkei versuchen wird, über die bulgarische Grenze in den ostrumelischen Kessel vorzustoßen. Wer zuerst zum Angriff vorgeht, läßt sich heute noch nicht fest- stellen. Gelingt es den Bulgaren und Serben, die Türken zu werfen und Adrianopel zu nehmen, steht ihnen auch der Weg nach Konstantinopel offen. Aber leicht wird ihnen diese Arbeit nicht werden, denn die Türken haben offenbar in der Gegend von Adrianopel gewaltige Kraftanstrengungen gemacht. Der größte Teil ihrer Nizam- und Rediftruppen ist in diesem Ge- ländc konzentriert und durch viele Zehntausendc von Reserve- nrannschaften aus Kleinasien verstärkt worden. Es ist blutgetränkter Boden, auf dem sich die nächsten Entscheidungskämpfe abspielen werden. Im russisch-türkischen Kriege von 1828/29 drang der russische General Diebitsch unter unsäglichen Strapazen über den Balkan und nahm im August des Jahres 1829 Adrianopel. Und im Januar des Jahres 1878 rückte nach blutigen Kämpfen der russische General Skobeleff in dieser Stadt ein. Konstantinopel wurde damals stets durch das Eingreifen der Mächte gerettet, die Rußland in die Arme fielen. Ob aber auch jetzt wieder die Diplomatie das letzte Wort haben wird, ist sowohl bei einem Siege der Balkanstaaten wie einem solchen der Türkei fraglich. Von den früheren Verlust- und strapazenreichen Balkan- kriegen unterscheidet sich der heutige dadurch, daß viel größere Massen mobil gemacht worden sind und daß mit allen Mitteln modernster Kriegstechnik gekämpft wird. Dadurch wird das Ringen nur blutiger und folgenschwerer. Aber trotz Magazingewehr, Schnellfeuergeschütz und Aeroplan wird die Kriegführung das Gepräge mittelalterlicher Grausamkeit tragen, stößt doch religiöser und nationaler Fanatismus kulturell zurückgebliebener Völker aufeinander. Der verelendete Bauer aus Kleinasien, der von Hütte und Feld geholt wurde und Weib und Kind in Not zurückließ, wird den christlichen Feind als den Urheber seiner Not und als Gegner seines Glaubens bekämpfen. Und der in hie Uniform gesteckte serbische oder bulgarische Bauer wird aus gleichen Motiven chem türkischen Krieger mit unversöhnlichem Haß gegenüber- treten. Wenn dann die Türkei in ihrem Verzweiflungs- kämpfe die halbwilden Reiterscharen der Kurden und Drusen auf den Kriegsschauplatz werfen wird, können sich alle die Baschibozuks-Greuel wiederholen, die vor 34 Jahren die ganze zivilisierte Welt in Schrecken setzten. Wie damals werden auch heute die fanatisierten Kämpfer ihren Blutdurst auch an der wehrlosen Bevölkerung stillen. Die Hauptentscheidung des Krieges muß auf dem öst- lichen Kriegsschauplatze fallen. Auf den anderen Kriegs- theatern kann es sich nur um defensive Maßnahmen der Türkei handeln, die natürlich auch hier und da zu Offensivstößen führen können. Den Kampf gegen Montenegro und die Serben im Sandschak scheint die Türkei in erster Linie mit den Albanern führen zu wollen, denen die schwachen regulären Truppen der Türken als Rückhalt dienen. Der Vorstoß der Montenegriner auf Skutari ist nach den heute vorliegenden Nachrichten auf energischen Widerstand gestoßen, der den ebenso ruhmredigen wie zweifellos tapferen Söhnen der Schwarzen Berge eine Anzahl der von Rußland oder Italien geschenkten Geschütze gekostet haben soll. Auch Griechenland verkündet eine herzlich unbedeutende Heldentat. die Einfahrt zweier Kanonenboote in die Bucht von Prevesa, an der Südspitze der türkischen Landschaft Epirus. Die nächsten Tage werden aber erst zeigen müssen, ob die griechischen Waffen zu Lande besser geführt werden als im Kriege von 1897, der auch mit einer Heldentat vor Prevesa einsetzte. So wird. in den nächsten Tagen und Wochen der Balkan in allen Himmelsrichtungen vom Waffenlärm widerhallen. lieber dem aus Bergen und Tälern aufsteigenden Pulver- dampf und Blutdunst aber brütet das unheimliche Gespenst eines Weltkrieges, das nur von den Völkern Europas, nicht von den Regierenden gebannt werden kann. Die Kriegserklärung der Türkei. Konstantinopel, 17. Oktober. Die Pforte ließ heute früh um 9>/z Uhr der serbischen und der b u l g a r i- scheu Gesandtschaft eine Note übermitteln, welche bc- sagt: Wegen der bulgarischen und serbischen Note, die eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Türkei dar- stellt, und wegen der Mobilisatiou beider Staaten und vertag- lichen Scharmützel sieht die Pforte, trotz ihres Wunsches, den Frieden zu erhalten, daß der Friede zwischen der Türkei, Serbien und Bulgarien weiterhin u n m ö g l i ch ist. Sie hat sich daher entschlossen, der Mission der Gesandten von Bulgarien und Serbien ein Ende zu setzen, und fordert sie auf, ihre Pässe zu nehmen und mit ihrem Personal das ottomanische Gebiet so schnell als möglich zu verlassen. Dies wird als Kriegserklärung betrachtet. Der türkische Gesandte hat Order bekommen, Athen zn verlassen. Beginn der Feindseligkeiten. Konstantinopel, 17. Oktober. Die Feindseligkeiten an der bulgarischen und an der serbischen Grenze haben heute nacht begonnen. � �ei. �bischen Grenze. Belgrad, 17. Oktober. Es wird amtlich bestätigt, daß bei Prep olar ein Kampf stattgefunden hat, der sich gegen die Forts des Berges Kopaonik richtete. Der Angriff erfolgte von t ü r k i f ch e r Seite, während sich die Serben in der Defensive hielten. Der türkische Borstoß wurde durch das Artillerieseucr der Serben zum Stehen gebracht. Einnahme von Berane. Podgoritza, 17. Oktober. Die Einnahme der Stadt Berane erfolgte gestern mittag; der Einzug der Truppen unter General Wukotitsch wurde von der Bevölkerung mit Jubel begrüßt. Außer 14 unbeschädigten Kruppschen Fcldtanonen fiel den Montenegriner» viel Munition und anderes Kriegsmaterial sowie Proviant für zwei Monate in die Hände. Die B e rl u st e der Montencgpiner betrugen zehn Tote und 31 Verwundete. Gefechtsbericht. London, 17. Oktober. Das R'eutersche Bureau meldet aus Podgoritza vom 16. d. Mts., abends 9 Uhr: Vor Berane war gestern abend ein hitziges Gefecht. Die Montenegriner erstürmten zwei wichtige Stellungen, nahmen zwei türkische Kruppgeschütze mit Munition und befestigten sich in der Nacht. Frühmorgens setzten sie den Kampf fort, wobei eine Abteilung unter General Wukotitsch östlich die türkische Stellung durchbrach und die Stadt einschloß. Um 11 Uhr vormittags wurde beim Feinde die weiße Fahne sichtbar. Noch in der Nacht hatten sich 4000 Mann reguläre Truppen und 3000 mohammedanische Albanesen zurückgezogen, w der Stadt verblieben nur 700 Nizams und 500 Redifs. Ein türkischer Erfolg. Paris, 17. Oktober. Die Agence Havas meldet aus Konstantinopel, daß die Türken bei Podgoritza einen großen Sieg über die Montenegriner davongetragen und mehrere Geschütze erbeutet hätten.' Griechische Flottenaktio». Athen, 17. Oktober. Das Marineministcrium teilt mit, daß die Kanonenboote A und 0 heute früh um 21/3 Uhr in die Meerenge von Prevesa und Aktium eingedrungen und um 4>/.z Uhr in Bonitza eingetroffen find. Es gelang de» Türken trotz der zahlreich vorhandenen SperrfortS nicht, die Durchfahrt zu verhindern. Kampf zwischen Serben nnd Albanesen. Belgrad, 17. Oktober, Nach einer Privatmelbung hat gestern bei Prepolac ein Kampf zwischen Albanern und serbischen Truppen stattgefunden. Die Serben eröffneten das Geschützfeuer. Sie hatten 10 Tote und 40 Verwundete; die Albanesen sollen 200 Tote gehabt haben, während die Zahl ihrer Verwundeten unbekannt ist. Konstantiuopel, 17. Oktober. Der Albanesenführer Jssa Boletinatz ist in Serbien eingedrungen. Weitere Mobilisierungen. Konstantinopel, 17. Oktober. Die Reservedivisionen von Erzerum, Erzingjan und B a i b u r t in der Gegend der russischen Grenze, die bis jetzt von der allgemeinen Mobilisierung nicht betroffen Ivaren, haben den Mobili- sierungsbefehl erhalten.— Der Kriegsminister oH am Sonnabend nach Adrianopel reisen, um das Oberkommando zu übernehmen.— Wie verlautet, sind zwei türkische Divisionen in S k u t a r i eingetroffen.— Die Truppen- und Kriegsmaterialtransporte werden von hier fieberhaft fortgesetzt Lange Reihen von Reservisten, die aus der Provinz eintreffen, durchziehen jubelnd die Straßen. Abdul Hamid. Konstantinopel, 17. Oktober. Es scheint fich zu bestätigen, daß der frühere Sultan Abdul Hamid sofort nach Ausbruch des Krieges nach Konstantinopel übergesührt werden wird. Man behauptet, daß die Ueberfllhrung als notwendig befunden wird, um einem etwaigen Versuche der Albanesen vorzubeugen, beim Passieren Salonikis mach der türküch-griechischen Grenze Abdul Hamid zu befreien. Wie verlautet, soll Abdul Hamid in Aussicht gestellt haben, drei Millionen für die Armee zu spenden. Bulgarien und Rußland. Sofia, 17. Oktober. Der Unterrichtsminister B o b t s ch e w be- gibt sich zur Uebernahme des Gesandtenpostens nach Petersburg. Der Minister des Innern Ludskanow reist mit geheimen Aufträgen gleichfalls nach Petersburg. Gegen Oesterreich. Kiew, 17. Oktober. Etwa dreihundert Personen, vor- zugsweise Studierende, welche heimkehrende bulgarische und serbische Studenten zur Bahn geleitet hatten, zogen nach Abgang des Zuges vor das ö st e r r e i ch i s ch- u n g a r i s ch e Konsulat, um Demonstrationen zu veranstalten. Durch das energische Vor- gehen der Polizei wurde die Menge sofort zerstreut. Zwei Personen wurden verhaftet, aber nach Feststellung ihrer Personalien wieder fteigeiassen. FriedenSfrende in Italien. Rom, 17. Oktober.(PrivattelBgramm des „Vorwärts".) Der Friedensschlft'ß' wird im all- gemeinen mit größter Genugtuung als wahre Er- l ö s u n g aufgenommen. Die Mehrzahl der Zeitungen lobt und billigt den Frieden. In verschiedenen Städten fanden Freudenkundgebungen statt, so in dem Zentrum der Textilindustrie Gallarate, wo die Bevölkerung alle Glocken läuten ließ. Der„ A v a n t i" schreibt, daß 100 000 Mütter ausatmen werden, daß aber ein wirklicher Frieden und die Zurückziehimg der Truppen aus Afrika noch sehr fern sei. Bessere Bedingungen wären nicht zu er- reichen gewesen, da die tatsächlichen strategischen Erfolge weit hinter den angeblichen zurück- geblieben seien. Der„Avanti" macht die Ratio- nalisten für die systematische Irreführung der öffentlichen Meinung verantwortlich. Die Verzöge- rung der Rückgabe der ägeischen Inseln dürste weniger als Sicherstellung für die Reformen ausgedeutet werden. Es sei vielmehr ein Vorteil für die Türkei, die Inseln während der Dauer des Balkankriegcs in italienischer Hut zu wissen. Der definitive Friede soll Ende der Woche unter- zeichnet werden. Als Entschädigung für Tripolis soll die Türkei eine sich über fünfzig Jahre erstreckende Jahresrente erhalten. Die italienische Herrschaft über Tripolis. Rom, 17. Oktober. Amtlich wird folgender Erlaß hinsichtlich des Gesetzes vom 25. Februar ISlS, das T r i p o l i t a n i e n und die Cyrenaika im vollsten Umfange unter die Oberhoheit des Königreiches Italien stellte, zu dem Zwecke veröffentlicht, um die P a zi fi ka t i o n der genannten Provinzen durchzuführen. Artikel 1: Vollständige Amnestie wstd den Bewohnern von Tripolitanicn und Cyrenaika gewährt, die an de» Feindselig- keilen teilgenommen und sich aus Anlaß dieser Feindseligkeiten bloß- gestellt haben, soweit cS sich nicht um genieine Verbrechen handelt. Die Personen, die aus diesem Grunde sich in Hast befinden oder deportiert worden sind, werden sofort in Freiheil gesetzt. Artikel 2: Die Einwohner Tripolitaniens und der Cyrenaika werden wie in der Vergangenheit auch weiterhin vollständige Freiheit in der Ausübung des muselmanischen Kultus genießen. Der Name des Sultans als des Kalifen wird weiter in den öffentlichen muselmanischen Gebeten erwähnt werden, und seine Vertretung wird in einer von ihm ernannten Person anerkannt. Die Einkünfte dieses Vertreters werden aus den lokalen Eingängen be- stritten werden. Die Rechte der frommen Stiftungen werden wie in der Vergangenheit respektiert werden, und die Muselmanen werden in keiner Weise behindert werden in ihren Beziehungen zu ihrem religiösen Oberhaupt. Artikel 3: Der genannte Vertreter wird auch bei dem Schutz der Interessen des ottomanischen Staates und der ottomanischen Unter- lauen, soweit sie in den beiden Provinzen nach dem Gesetz vom 25. Februar 1312 verbleiben, anerkannt werden. Artikel 4: Durch ein anderes Dekret wird eine Kommission ernannt werden, an der auch die Notabeln der Eingeborenen lü:- nehmen wollen, um für die beiden Provinzen zivil-«nd der- waltungsrechtliche Maßnahmen vorzuschlagen, die auf liberalen Prinzipien beruhen und lokale Sitten und Ge- bräuche respektieren._ Die Neuerung. Russisches Fleischausfuhrverbot. Die Meldung, daß Rußland die Ausfuhr von Fleisch verboten habe, wird jetzt amtlich widerrufen. Bei dem offenen Krieg aus dem Balkan wird der Effekt für Deutschland trotzdem nicht ausbleiben. daß die russische Fleischeinfuhr nachläßt. Zudem liegt ein solches Ausfuhrverbot durchaus im Bereiche der Möglichkeit. Maßnahmen gegen die Teuerung. Die Stadtverordneten von Kiel stimmten dem Vorschlage der Teuerungskommission zu. wonach die Mitglieder der Schlächterinnung in ihren Läden an zwei Tagen der Woche Fleisch von vollfleischigen. ausgemästeten, bis 7 Jahre alten Kühen zu einem Preise verkaufen, der nur um 10 Pf. höher ist als der Einkaufspreis. Vorläufig sollen wöchentlich 10 000 Pfd. solchen Fleisches zum Verkauf gelangen, doch kann die Stadt je nach der Nachtrage verlangen, daß dieses wöchent- liche Quantum hinauf- oder herabgesetzt wird. Die Kontrolle über Einhaltung des Vertrages, die Festsetzung der Verkaufspreise usw. übernimmt eine städtische Kommiision.— Ein weitergehender sozial- demostatischer Antrag wurde abgelehnt. Protest der Eisenbahner. Mehr als 4000 Eisenbahner waren am Mittwoch im Konkordia' Saal in Berlin versammelt, um gegen die herrschende Teuerung zu protestieren. Der Referent, Generalsekretär Riedel, bezeichnete die herrschende Wirtschaftspolitik als wesentliche N r s a ch e d e r T e u e r u n g. In der Nähe Berlins gibt es Bahn- Wärter, die über 30 Jahre im Dienst sind, und einen Tagelohn von 1,80—1,90 M. beziehen. Diese Schichten verfallen unter allen Um- ständen der Unterernährung. Die reisende Bevölkerung, deren Sicherheit den Bahnangestellten anverstaut sei. habe ein Interesse daran, daß die Eisenbahner so gestellt werden, daß sie ihrem Dienst auch körperlich gewachsen sind. Neben einer sofortigen Gewährung von Teuerungszulagen sei eine alsbaldige Erhöhung der Gehälter zu verlangen. Eine Resolution, hie sich mit den Ausführungen des Referenten deckte, fand einstimmig Annahme. Protestversammlnnge». In Lichtenberg fanden am Dienstag zwei öffentliche Frauenversammlungen statt, die sich mit dem Thema: .Der Kampf der Mütter und Hausstauen gegen die Teuerung" be- schäfligten. Im„Schwarzen Adler" hielt Genossin Juchacz den Vortrag. Im«Cafö Bellevue" referierte Genossin Klara Bohm-Schuch. Beide Versammlungen waren sehr gut besucht. Mehrere Neuaufnahmen als Mitglieder unserer Partei waren die Folge der von den Refe» rentinnen gegeißelten Junkerpplilik. poUtifebe acbcrficbt, Berlin, den 17. Oktober 1912. Borschusilorbeeren. Was die bürgerliche Presse und ganz insbesondere die liberale mit dem neuen Botschafter in London treibt, das er- innert an die schlimmsten Zeiten des Walderseerummels. Herr Theodor Wolfs steht im„Berliner Tageblatt" Kops vor Begeisterung. Zureichender"Grund: Fürst Lichnowsky hat einmal einen Artikel für das„Berliner Tageblatt" ge- schrieben. Man denke: ein Fürst im„Berliner Tageblatt"! Und so bestätigt denn Herr Wolfs, daß Herr Lichnowsky Kunst- Verständnis, beinahe„liberalisierenden" Gedankengang, freiere Weltanschauung besitzt, kurz, eigentlich das Zeug hätte zur Schaffung einer liberalen Adelspartei, offenbar das bisher still im Busen bewahrte Ideal des Chefredakteurs des„Ber- liner Tageblatts". Da muß man doch fragen, wer denn eigentlich der Herr ist. Daß er seinen Fähigkeiten allein seine Stellung der- dankte, ist ja von vornherein ausgeschlossen, dazu" bedarf es vor allem höfischer Gunst. Allenfalls könnte man diplo- matische Talente bei einem Manne voraussetzen, der sich solche Gunst sowohl bei Wilhelm II. und seinen Handlangern, als auch bei den Chefredakteuren unserer liberalen Presse zu er- werben verstanden hat. wäre nicht besonders das letztere gar so leicht. In Wirklichkeit ist aber Fürst Lichnowsky kein un- beschriebenes Blatt, schon deshalb nicht, weil er selbst gerne Papier beschreibt. Er ist Mitglied der freikonservativen Par- tei. das heißt jener Partei, welche alle reaktionären Laster der Konservativen, verschärft durch die der Nationalliberalen. besitzt. Als richtiger Vertreter dieser Partei hat sich der Fürst auch im preußischen Herrenhause stets gezeigt Bei der Bc- ratung der Wahlreform trat er für jenes scheußliche Kompromiß ein, das die Regierung mit den Nationalliberalen vereinbart hatte und dessen Zweck war durch die Beseitigung der Drittelung in den UrWahlbezirken der Sozialdemokratie jede Vertretung zu rauben. In der P o l e n f r a g e ist der Fürst ausgesprochener Hakatist Ist der Hakatismus der inneren Politik eine schmähliche nationalistische Verirrung. so bedeutet er für die auswärtige Politik eine gefährliche Dummheit. Und sich für eine solche Politik exponiert.zu haben, ist sicher die schlechteste Empfehlung für emen Diplo- maten. Was aber nun die Hauptsache anlangt, die Meinungm des neuen Botschafters über die deutsch-englischen Beziehungen so genügt es wohl, einen einzigen Satz aus einem jüngst in der Zeitschrift„Nord und Sud" von Lich- nowskh veröffentlichten Artikel zu zitieren. Es heißt dort: „Jin übrigen sollte innii sicki iu En-gtnnb sng�n, baß, du nun einmal britische Sitten. Moden. Sports und Spiele die Welt erobert haben und von uns wie von anderen nach- geahmt werden, kein Grund vorliegt, weshalb das englische Vorbild nicht auch hinsichtlich unserer Flotte(t) gelten sollte. Weshalb sollen wir bloß Lawn-tennis und Polo. Rennen und Regatten von unseren englischen Freunden lernen und nicht auch die Liebe zur Flotte? Ich sehe leine U r s a che für eine solche Einschränkung unserer weit verbreiteten Anglomanie!" Als wir seinerzeit den Satz lasen, wußten wir nicht, ob er eine Albernheit oder eine Fnöolitdt sei. Jetzt wissen wir, daß es sich um den Befähigungsnachweis für das Amt des Botschafters in London gehandelt hat! Ueber die Katastrophe auf Zeche Lothringen veröffentlicht der„Reichsanzeiger" einen zwei Spalten langen Bericht, der von dem Oberbergamt Dortmund nach Abschluß der bergpolizeilichen Untersuchung an den Minister für Handel und Gewerbe erstattet worden ist. Da dieser Bericht in einem für den Laien— also sicherlich auch für den Minister— so unverständlichen, geradezu ge- suchten fachtechnischen Kauderwelsch abgefaßt ist, daß ihn ein gewöhnlicher Sterblicher ohne ausführlichen Kommentar unmöglich verstehen kann, verzichten wir einstweilen auf seine Wiedergabe. Mitgeteilt sei für heute nur, daß der Bericht jede Verantwortung für U e b e r l e b�e n d e zurückweist, nichts- destoweniger aber verschärfte berg polizeiliche Maßnahmen für künftige Fälle für notwendig erklärt! Das klingt immerhin hoch st verdächtig! Eiu charakteristisches Geständnis des Herrn Kaempf. In einer Versammlung des Wahlvereins der Fortschritt- lichen Volkspartei wurde Mittwochabend der bisherige Reichs- tagspräsident Kaempf wieder als Kandidat für den ersten Berliner Reichstagswahlkreis aufgestellt. Kaempf erklärte, mit Freude und Genugtuung die Kcxididatur anzunehmen. Ueber seine Mandatsniederlegung machte er nach einem Bericht des „Berliner Tageblatt" folgende Ausführungen: „Ich habe nicht gewartet, bis die Beweisaufnahme geschlossen wurde. Zwei Gründe waren besonders für mich maßgebend. Ich meine, daß ein Präsident nicht warten darf, bis seine Wahl für ungültig erklärt wird, sondern daß er vorher freiwillig geht. " Dann aber wurde mir auch vielfach von Parteifreunden angedeutet, daß die Chancen für meine Wiederwahl jetzt b e s s e r e s e» en, als nach vier oder sechs Monaten." Diese Bemerkung spielt auf die Tatsache an, daß jetzt nach den alten Wählerlisten gewählt und dadurch vielen ver- zogenen Arbeitern das Wahlrecht genommen, Ncuzugezogenen aber vorenthalten wird. Dieses Geständnis des Herrn Kaempf wird nur im„Berliner Tageblatt", vermutlich aus Versehen, mitgeteilt, die anderen freisinnigen Blätter unterdrücken es. Eine Balkaninterpellation im bayerischen Landtage. Die sozialdemokratische Fraktion der bayerischen Abgeordneten- kammer hat DonncrStagvormittag folgende Interpellation ein- gebracht: .1. Hat die bayerische Regierung Anlaß genommen, die Ein- berufung des Bundesratsausschusses für auswärtige Angelegenheiten zu bewirken, damit er angesichts der Wirren auf der Balkan- Halbinsel über die Mittel zur Sicherung deS Friedens unter den europäischen Großmächten berät? 2. Hat die Regierung beim Bundesrat Schritte zur Ein berufung des Reichstages getan, damit der verantwortliche Leiter der auswärtigen Politik in autoritativer Weise Mitteilungen über die gegenwärtige Lage macht und die Vertretung des deutschen Volkes Gegeenheit erhält, die drohende Kriegsgefahr abwenden zu helfen?" Dieser Interpellation ist folgende Begründung beigegeben.: „Das deutsche Volk ist durch die Unsicherheit der politischen Lage aufs tiefste beunruhigt. Die deutsche Volkswirtschaft hat bereits schwere Erschütterungen erfahren. So herrscht heute der Zustand, daß, wie der Reichstagsabgeordnete.Freiherr v. Hertling am 3». August 1907 im Deutschen Reichstage ausführte: Die feste Unterlage eigener Beurteilgung fehlt. Ich halte das, führte Frei- Herr v. Hertling damals aus, nicht für einen befriedigenden Zustand. Ich bin vielmehr der Meinung, daß es sehr nützlich wäre, wenn der Deutsche Reichstag sich öfter, als bisher der Fall war. mit den Fragen der auswärtigen Politik beschäftigen würde. Angesichts der gefahrdrohenden Zuspitzung der Lage und angesichts der Tatsache, daß der frühere Reichstagsabgeordnete nun der leitende Minister des zweitgrößten Bundesstaates geworden ist, erscheint gerade der zurzeit versammelte bayerische Landtag als die Instanz, von wo aus wirksame Mahnahmen zur Beruht- gung des deutschen Volkes erörtert und ergriffen werden können." Die Interpellation wird vom Abg. Müller-München begründet werden._ Minister a. D. v. Frauendorfer als Auffichtsratsmitglied. Herr v. Frauendorfer wurde am letzten Dienstag in den Buk- sichtsrat des Präge-, Stanz« und Ziehwerkes Rudolf Hillingwort A.-G. in Nürnberg gewählt. Die Firma Hillingwort liefert Teile zu Militärfahrzeugen, insbesondere aber Torpedos und Marine- auSrüstungsgegenftände. Ein gewesener Minister eignet sich also vorzüglich als Aussichtsratsmitglied für eine solche Firma. Versammlungsfreiheit in Preusten. Der Polizeipräsident von Hannover hat die für Sonntag von den Genosien geplante Versammlung unter freiem Himmel, die sich mit der Nichterfüllung der in der Landtags-Thronrede von 1908 gegebenen Verheißung eines besieren Wahlrechts in Preußen be- schäftigen sollte, aus verkehrspolizeilichen Gründen verboten. Dieser Grund ist nicht stichhaltig, da der in Aussicht genommene Schützen- platz außerhalb jeden Verkehrs liegt und mehrere durchaus'genügende Wegeverbindungen nach allen Seiten hat. Ter Schutz der Arbeitswilligen. Der Verband sächsischer Industrieller ight sich jetzt sogar bücher- weise Gutackl-n über die Notwendigkeiten des Arbeitswilligenfchntzes schreiben. Die veueste Verostemlichung des Verbandes sächsischer Industrieller ist ein Rechts gut achten des Oberverwal- tunasgericht srates Blüher- Dresden. Selbstverständlich sind die Arbetterorganisationen an allem schuld, wenn auch nicht d,e Feststellung zu umgehen ist. daß den Arbeitgebern der TerrorismuS durchaus mchts Unbekanntes und Unbenutztes ist. �- r �... Uns interessiert an der Arbeit besonders da« Kalendarium der JnterpellalionSangriffe auf die deutsche Regierung durch die Unter- nehmerverbände. Es ergibt sich, I6*''chö"« Zusammenstellung, die wir folgen lassen: Als e r st er Arbeitgeberverband machte sich der zu Köln im Januar 1910-an den Minister des Innern. Schon damals wurde den Serren das Konzept verdorben; die sozialdemokratische Presse veröffentlichte wenige Tage nach der Ueber- sendung des sirena geheimen Bittschreibens den genauen Wortlaut desselben. Sehr zum Aerger der damals die ArbeilSwilligen noch heimlich liebenden Unternehmer.. � Am 6. Februar 1911 kam der Verein deutscher Arbeitgeber- verbände mit l-men Forderungen deS ArbeitSwilligenichutzes an die Regierung. Am t. Juli 1911 folgte der Zentralverband deutscher Industrieller, am S. November 1VU der Verband d« sachstichen In. dustriellen und jetzt erst wieder, Mitte September 191«, der Reichs- beuii'che Miltelstandsverband..._. Das Programm dieser beschwörenden und jammernden Em- gaben ist immer wieder dasselbe, ,s trifft sich in der Sache mit den Korderungen des Verein» deutscher Arbeitgeberverbande, deren„ve- scheidene" Wünsche so lauten: 1. Das Streikpostenstehen ist allgemein zu ««tersagen. 2. Den Arbeitswilligen ist„ausreichender Schutz durch An- drohung hoher Strafen für ihre Belästigung zu gewahrlelsten. 3. Es ist sofortige Aburteilung der Exzedentcn herbeizuführen. Das ist dieLösung der sozialenFrage wie sie sich die Mehrzahl der deutschen Arbeitgeberverbände denken! Das Kongoabkommen. Der frühere nationalliberale Reichstagsabgeordnete Dr. Arning, der im Interesse der Gebr. Mannesmann eine Spritztour durch Marokko gemacht hat, ließ vor einiger Zeit eine dickleibige Broschüre über das Kongoabkommen erscheinen. Was er in der Broschüre mitteilt, ist nichts Neues, denn all das hat er bereits in der Kom- Mission des Reicbstages, der er damals angehörte, mitgeteilt. Mit allem Nachdruck bleibt er aber darauf bestehen, daß das Reichs- koloniolamt von der Mitwirkung bei den Verhandlungen über den Kongo ausgeschlossen war, daß ferner dem Auswärtigen Amt eine brauchbare Karte deS Kongo nicht vorgelegen hat und schließlich daß die im Kongo liegenden Inseln nach wie vor französischer Besitz bleiben werden. Diesen Behauptungen tritt eine offiziöse Auslassung der„Nordd. Allg. Ztg." entgegen. Es wird, behauptet, daß das Reichskolonial- amt schriftlich und mündlich Gutachten erstattete und daß es ins- besondere auch Kartenmaterial geliefert hat, das neben anderen geographischen Hilfsmitteln bei den Verhandlungen benutzt worden ist. Die endgültige Regelung der Zugehörigkeit der Kongoinseln er- folgt, durch die gemischte Grenzregulierungskommission, und wenn dort eine Einigung nicht erzielt werden sollte, nötigenfalls durch ein Schiedsgericht. Auch diese Darlegungen bieten nichts Neues, denn öuch dies ist schon in der Reichstagskommission zur Sprache gekommen. Herr Dr. Arning, der untröstlich darüber fft, daß die ihm befreundeten Gebrüder Mannesmann angeblich benachteiligt worden sind, wird sich schon mit dem Gedanken vertraut machen müssen, daß es in seiner Macht jedenfalls nicht liegt, an den Dingen, so wie sie sich gestaltet haben, irgend etwas zu ändern. Soweit man übersehen konnte, hat von seiner Broschüre eigentlich nur die„Deutsche Tages- zeilung" eingehender Notiz genommen. Die übrige Presse legte das Werk beiseite, eben weil nur in ganz unglaublicher Breite nochmals wiedergegeben wurde, was längst schon allgemein bekannt war. Oeltemicb-augarn. Ungarische Justiz. Die zweite Gruppe der Angeklagten aus den Budapester Polizeischlachten stand am Donnerstag vor dem dortigen Gericht. Zwei Personen erhielten je sechs Monate Gefängnis, vier Personen je fünf Monate, fünf Personen je vier Monate, ein Angeklagter einen Monat, sechzehn Angeklagte, darunter sieben Frauen, acht bis fünfzehn Tage Gefängnis. Die anderen Angeklagten wurden freigesprochen. Dänemark. Verfassungsrevisiou. Das soeben zu sammenge dretene dänische Parlament soll in seiner letzten Session nun doch über die seit langem ihrer Abserti- gung harrenden Frage der Verfassungsrevision ent- scheiden. Die Regierung hat es demnach nicht für ratsam gehalten, vor die Wähler zu treten, ohne sich an die Lösung dieser für die �Fortettwickelung des Landes so wichtigen Frage herangewagt zu haben. Als der bürgerliche Freisinn vor drei Jahren den bürger- lichen Radikalismus des Herrn Zahle in der Regierung ablöste, war sein wichtigstes Versprechen das der Versa ffungSrevision. Die Legislaturperiode ist vorübergegangen, ohne daß man auf feiten der Regierung von der Einlösung des Versprechens sprach. ES schien, als ob der bevorstehende Wahlkampf mn diese Frage geführt werden müsse. Jetzt wird bekannt gegeben, daß das Ministerium mit seiner Partei über die Grundzüge einer BerfassungSrevision einig geworden ist. Nur über die Details wird noch weiter verhandelt. N Die Absicht geht dahin, das Alter der Wahlberechtigten von 30 aus 25 Jahre herabzusetzen. Wer seinen Wohnsitz im Wahlkreise hat, 25 Jahre alt ist, Armenunterstützung nicht bezieht oder bezogene zurückerstattet hat und über seinen Besitz selbst verfügen kann, soll demnach das Wahlrecht zur zweiten Kammer(Folkething) haben. Wichtig ist, daß den Frauen unter gleichen Bedingungen wie den Männern das Wahlrecht gewährt werden soll. Die Zahl der Abge- ordneten zur zweiten Kanuner wird durch das Wahlgesetz bestimmt, darf abq; 132 nicht übersteigen(bisher 114). Durch das Wahlgesetz wird serfter die KreiSeiuteilung vorgenommen, die auf der Grundlage der Einwohnerzahl mit Rücksichtnahme ans Wählerzähl und Bcvölkerungsdichtigkeit erfolgen soll. Indem diese Materie aus der Verfassung in das Wahlgesetz verlegt wird, erreicht man, daß die Kreiseinteilung von Wahl zu Wjahl festgesetzt werden kann. DaS ist ein Vorzug gegenüber dem sonst in vielen Ländern üblichen System der einmaligen Festlegung der Wahlkreise. Die Zahl der von der Regiernng vorgeschlagenen Wahlkreise beträgt 129 anstatt bisher 114. Die Abstimmung soll in den Gemeindebezirken vor sich gehen. Di« absolute Majorität ist vorgesehen. Das Wahlkreisgesetz soll eventuell bereits bei der kommenden Wahl angewendet werden, seine definittve Durchführung wird jedoch nur dann erfolgen, wenn die Verfassungsrevision von dem neugewählten Parlament verfassungS- gemäß angenommen wird. Die geltende Verfassuing bestimmt näm- lich, daß Verfassungsänderungen, die von einem Reichstag beschlössen werden, erst Gesetzeskraft erlangen, wenn der nächste neugewählte Reichstag sie bestättgt. Diese vorläufigen Vorschläge entsprechen im großen und gangen den Versprechungen, die von den Führern der bürgerlichen Linken gelegentlich gemacht worden sind. Zweifellos bedeuten sie einen Fortschritt gegenüber dem bisherigen Wahlrecht und in der Ein- führung des Wahlrechts kann von dem Sieg eines Prinzips ge- sprachen werden. Allein, die Klausel betreffend die Armenuntcr- stützung ist reaktionär, und ebenso reaktionär ist das, was hinsichtlich der ersten Kammer, deS Landsthing«, bestimmt werden soll. Dieses völlig überflüssige Gebilde soll konserviert werden, die Wahl durch die Gemeindevorstände auf Grund des Verhältniswahlsystems erfolgen. Zu einer Aenderung des schimmelig gewordenen Kom- munalwahlrechts hat sich die Regierung nicht entschließen können. und so werden denn in der ersten Kammer die Vertreter der Ge« meindegcwaltigen sich breit machen. Mag es der Demokratie, besonders der Arbeiterklasse gelingen, in den Städten Einfluß auf die Gemeinden zu gewinnen und dadurch Männer ihres Vertrauens in die erste Kammer zu entseiiien, in den weiten Landgebieten wird wie bisher der Grundbesitz die Mehrheit der ersten Kammer bc- stimmen. Da die Befugnisse dieser Kammer die gleichen sind, wie die der aus mehr demokratischer Grundlage fußenden zweiten Kammer, wird an den faktischen Majoritätsverhältnissen nicht viel geändert werden. Der bürgerliche Liberalismus, der sich wesentlich auf das Kleinbaucrntum stützt, glaubt damit seine parlamentarische Macht konservieren zu können. Solange jedoch nicht die Detailbestiinmungen bekannt sind, wird man mit der Kritik zurückhalten müssen. DaS Verhältniswahl. system, das hier durchgeführt werden soll, kann einen Fortschritt bringen, aber es kann ebensogut eine Reaktion bedeuten, wenn die Zahl der von den Gemeindevorständen zu wählenden Wahlmänner ohne gebührende Rücksicht auf die Zahl der Einwohner und Wähler fesflgeseM Mr?. In diesem Falk Gürköst die kleinen Landgemeintest gar das vollständige Ilebergewicht erlangen. Die Sozialdemokratie hat sich wiederholt bereit erklärt, die Rc« gierungspartei bc! der Lösung der Verfassungsfrage wirksam zu unterstützen. Diese Unterstützung hat zur Voraussetzung, daß die Lösung sich in demokratischer Richtung bewegt. Die Stellung der Sozialdemokratie wird abhängen- von dem- endgültigen Aussehen der Regierungsvorlage und den im Parlament selbst zu erzielenden Konzessionen. In erster Linie wird die sozialdemokratische Reichs- tagsfraktion ihre eigenen For-deruugen vertreten. Sie hat bereits ihre Anträge zur Vcrfassungsrevision- formuliert und dem Reiche- tag unterbreitet. Sie fordert das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht für alle unbescholtenen Männer und Frauen über 21 Jahren, die nicht Armenunterstützung empfangen und über ihren Besitz frei verfügen können. Einkammersystem. Volks- rcferendum über alle vom Parlament beschlossenen Gesetze, sosern mindestens 50 000 Wähler das fordern; beschlossene VerfassungS," änderungcn sind auch ohne solches Verlangen den Wählern zur Ur- abstimmung zu unterbreiten. Ferner soll bei Antrag von 50 000 Wählern den Wählermassen das Initiativrecht zustehen, das Refc- rcndum über ein von ihnen direkt beantragtes oder dem Reichstage vorgelegtes Gesetz herbeizuführen. Gleichzeitig fordern die Anträge unserer Partei die Reform des Gemeindewahlrccht-s auf der gleichen Grundlage wie oben. Für die Wahl der Amtsräte der Regierungs- bezirke, die durch die Gemeindevorstände erfolgt, wird das ProM" tionalwahlrecht gefordert. Marokko- Neue Kämpfe. Paris. 17. Oktober. Wie aus Casablcmca gemeldet feird. ist die Kolonne Gucydon aus ihrem Marsch durch das Tadlagebiet von mehreren Stämmen angegriffen worden. Die Marokkaner erlitten ernste Verluste; auf französischer Seite wurden zwei Mann getötet und sieben verwundet, perlien. Rußland fischt im Trüben. Teheran, 17. Oktober.(Meldung des Reuterschen Bureaus.)) Die Zahl der Truppen, die Rußland nach Llserbeidschan zu senden beabsichtigt, soll etwa 3000 betragen. In gewissen Kreisen glaubt man, daß die Entsendung weniger wegen der erneuten Un» ruhen der Fidai und Kurden crstilgt, als weil Rußland die Balkan krise benutzen will, um den»türkischen Ueber- griffen" in persisches Gebiet Einhalt zu tun. Die Regierung hat den Generalschatzineistev ersucht, ihr Mittel für die nötigen Maß- regeln gegen Salar cd Daulch zu beschaffet� per über Küm nach Teheran vorgehen will. Amerika. Der Bürgerkrieg in Mexiko. New Vork. 1ö. Oktober. Nach einem Telegramm aus der Stadl Mexiko hat General Felix Diaz. der Neffe deS früheren Präsident ein Veracruz besetzt. Er ließ den Direktov des Alse» nals und den Kommandeur der Garnison verhaften, gab aber letzteren später gegen Ehrenwort wieder frei. Zwei auf dem Flusse liegende Kanonenboote setzten dem Vorgehen des Generals keinen Widerstand entgegen. Die Geschäftshäuser sind geschlossen. Die Bürger haben Diaz eine begeisterte Aufnahme bereitet. New Jork, 17. Oktober/'Räch einer Depesche aus Mexiko ist Veracruz von der Landseite aus vollständig abgeschnitten. Die Rc- gierung hat die Eisenbahnen aufgefordert, alles Bahnmaterial zu» rückzuziehen und neue Endstattonen in Orizaba, Jalapa und Tterra Bianca zu errichten. Kein Zug wird über die Linien der Bundes- truppen hinaus verkehren. 125 Mann der BunldeStruppen aus Orizaba, die mit einem Vorposten der Aufständischen südlich von der Stadt zusammentrafen, vereinigten sich sogleich mit den Aus- ständischen. Die vollständige Isolierung deS'Generals Diaz hängt von der Loyalität der Kaiwnenboote ab.! Mexiko, 17. Oktober. Präsident Madero hat den Befehl ge» geben, daß sich alle regulären und irregulären Truppen zur Ein- schlietzung von Veracruz vereinigen sollen, um General Felix Diaz, den die Regierung für den gefährlichsten Aufxührer hält, nieder» zuwerfe«� Hua der Partei. Eine machtvolle Kundgebung gegen den Krieg veranstaltete am Dienstag das Proletariat Wiens. Tausende waren in dem größten Saale Wiens erschienen, und viele Taufende mußten wieder fvrtgchem ohne Einlaß zu finden. Es sprachen die Genossen Adler. Pittori, Seitz. Aus der Netze des Ge- nassen Adler geben wir folgende Ausführungen wieder: „Wir gehen schweren Zeiten entgegen. Wenn man sich unsere Lage vergegenwärtigt und sich vor Augen führt, wie das Volk heute schon lebt, wie die wachsende Lebensmittelteuerung auf den breiten Massen lastet, wie schon die bloße Kriegsgefahr Arbeitslosigkeit her- aufbeschwört; wenn man sich vor Augen führt, wie das Leben des österreichischen Proletariers in-den letzten Jahren immer schwerer geworden ist; wenn man sich vergegenwärtigt, wie unser Staat äus- sieht, wie er unfähig ist, Spitäler, Schulen, kurz die primittvsten Forderungen der Kultur zu erfüllen, und wie er dann noch durch eine verdammenswcrte Agrarpolitik das Volt auswuchern läßt; wenn man sich vorstellt, daß zu-diesen allen Qualen noch die Oual eines Krieges kommen soll, dann muß man sagen, wir beneiden die Menschen nicht, die dort im Glänze leben, ruhig schlafen und glauben, eS handle sich nur darum, ob der Ruhm eines Monarchen oder eines Anwärter» auf diesen Posten gefährdet ist. Die Herren sollen doch auch andere Ding« erwägen. Wir Sozialdemokraten prophezeien nicht, und. wir sind viel zu gewissenhaft, um zu drohen und anzukünden, wovon wir nicht überzeugt sind, daß wir es leisten können. Wir prophezeien nicht und wir drohen nicht. Aber die Mächtigen mögen die Geschichte betrachten, und wenn wir nicht an die Zukunft appellieren dürfen, so appellieren wir an die Vergangenheit. Sie mögen sich erinnern, daß der Deutsch- Französische Krieg geendet hat mit der Kommune und der Russisch- Japanische Krieg mit der russischen Revolution.(Großer Beifall.) Tie Kommune ist zu Boden geschlagen worden und die russische Re- volution ist vorläufig im Blute erstickt. Noch arbeiten Hunderte von Galgen und Zehntausende von Kerkermeistern, um sie-zu würgen; aber die Kommune lebt und die russische Revolution lebt. («türmischep andauernder Beifall.) Wir drohen nicht und- wir pro- phezeien nicht; aber mögen die anderen aus der Geschichte lernen, was wir aus der Geschichte gelernt haben: daß es im Leben der Völker Momente gibt, wo automatisch— RevÄutioncn werden nicht angekündigt und Revolutionen werden nicht gemacht— an den Ketten gerüttelt wird und solange gerüttelt wird, bis sie endlich brechen." Arn Schlüsse der großartig verlauftnen Versammlung wurde eine Resolution angenommen, die in scharfen Ausdrücken den Krieg verdammt und sich inhaltlich mit dem auch von uns verössenjlichicn Aufrufe des österreichischen Parleivorst-an.ileS dÄt» GewerkfchaftUcbca. vis HrbeiterfreundUcbkcili des Zentrums. In Münster versuchten die Pflasterer idre Lohn- und Arveitsbedingungen etwas aufzubessern. Die Unternehmer verhielten sich ablehnend und erklärten, daß sie nicht nötig hätten, nachzugeben, da der Magistrat auf ihrer Seite stände Tie Arbeiter traten in den Ausstand. Tarauf brachte die Miinstersche Zentrunispresse die aussehenerregende Mit teilung, daß der Magistrat sämtliche Pflasterarbeiten bis nach Beendigung des Streiks zurückgestellt habe und fügte die böhnische Bemerkung hinzu, hoffentlich würde das die Streikenden veranlassen, sich auf friedlichem Wege mit den Unternehmern zu einigen. Zur Beruhigung des christ katholischen Gewissens fügte sie hinzu, daß die Streikenden � den freien Gewerkschaften angehörten. Letzteres war eine Unwahrheit. Auch christlich Organisierte hatten die Arbeit niedergelegt, aber— der Zweck heiligt die Mittel. Mit der Zurückziehung der städtischen Pflasterarbeiten begniigte sich aber der Magistrat nicht. Die Arbeiten, die in Angriff waren, wurden durch städtische Arbeiter fertiggestellt bezw. mußten dieselben Hilfsarbeit verrichten. Auch das ge nügte dem Magistrat noch nicht. Eineni Unternehmer, der sich mit seinen Arbeitern geeinigt hatte, wurden keine weiteren Arbeiten zur Ausführung überwiesen mit der Begründung erst müsse der Streik auch bei den anderen Firmen beigelegt sein. Obgleich nun auch christlich organisierte Arbeiter von dieser magistratlicherseits betriebenen Aushungerung be� troffen wurden, hörte und sah man nicht, daß die christlichen Arbeiter-Stadtverordneten irgend etwas unternommen hätten. Das Kartell der freien Gewerkschaften richtete des� - halb eine Eingabe an das Stadtverordnetenkollegium, worin nach eingehender Begriindung der Arbeiterforderungen, auf das eigentümliche Verhalten des Magistrats hingewiesen und das Kollegium ersucht wurde, zu beschließen, den Magistrat zu ersuchen: l. In Kämpfen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern um Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen strikte Neu tralität zu wahren. 2. Die durch die Steigerung der Arbeiterlöhne bedingte Er höhung der Tagelohnstundensätze für städtische Arbeiten zu be rücksichtigen. 3. Städtische Arbeiten und Lieferungen nur an solche Firmen zu vergeben, die die in den betreffenden Gewerben abgeschlossenen Tarifverträge anerkennen. 4. Zur Durchführung und Beobachtung dieser Maßnahmen ist eine Kommission zu wählen, bestehend aus Mitgliedern des Magistrats und des Stadtverordnetenkollegiums, unter Hinzu- zichung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern, welche von den in Frage kommenden Organisationen vorgeschlagen werden. Man hätte nun erwarten sollen, daß die Zentrumsstadt verordneten von Münster diesem billigen Verlangen der Ar beiter entsprochen hätten. Nach all den Erzberger-und Katho likentagsreden und Resolutionen gewiß eine berechtigte Er Wartung. Aber, in Münster hörten die frommen Zentrums- Herren die Klagen der Arbeiter mit eisiger Ruhe an— und warfen sie in den Papierkorb. Nicht eine Stimme erhob sich,. um dafür einzutreten, daß auch der Arbeiter ein Recht habe, feine Lage zu verbessern. Die Herren waren samt und sonders damit einverstanden, daß der Magistrat den Unter nehmern behilflich gewesen war, die Arbeiter niederzuringen. Aber das Empörendste war: Auch die christlichen Arbeitcrver treter schwiegen. Auch sie waren mit dem Ver� halten des Magistrats einverstanden. Christ lich organisierte Arbeiter müssen draußen in der Fremde für sich und ihre Familie Unterhalt suchen, weil eine fromme Zentrumsstadtverwaltung städtische Arbeiter zum Streikbruch kommandiert. Christliche Arbeiterführer aber, die von ihren Kollegen in das Stadtverordnetenkollegium gewählt sind, im Vertrauen darauf, daß sie an dieser Stelle für sie eintreten, schweigen zu dieser Mißachtung der Arbeiterrechte, nur um sich nicht die Gunst der Herren zu verscherzen. Es geht eben in den christlichen Gewerkschaften umgekehrt wie in der modernen Arbeiterbewegung: während hier die Führer nur durch das Vertrauen der Arbeiter getragen, sich Ansehen und Namen erwerben können, ist es dort die Gunst der katholischen Herren Fabrikanten, Bürgermeister, Justizräte und der gleichen, die den Weg nach oben ebnet. Sitzen christliche Arbeiterführer erst einmal in der Reihe dieser Herrschaften, dann fragen sie den Teufel nach der Not ihrer ehemaligen Klassengenossen. Das hat sich in Münster wieder gezeigt. Und noch ein anderes hat sich dort gezeigt. Die Arbeiter, die vom Zentrum Hilfe in ihrem Kampf? um Gleichberechtigung, um Besserung ihrer Lage er warten, sind verraten und verkauft. Nicht einmal Neutrali tat übt das Zentrum._ Berlin und Umgegend. Die Emballagen- und Weißblechklempner besprachen m einer Branchenversammlung am Mittwoch ihre Lohn- und Arbeitsverhälv nisse. Nach einer Feststellung, die sich allerdings nur auf einen Teil der Betriebe erstreckt, bewegen sich die Stundenlöhne zwischen 60 und 75 Pf. Der Durchschnitt beträgt 62'/, Pf., der aber von einem verhältnismäßig großen Teil der betreffenden Arbeiter nicht erreicht wird. Im Akkord wird etwas mehr verdient. 60— S?1/� Pf., im Durchschnitt 73�4 Pf. pro Stunde. Die wöchentliche Arbeitszeit be- trägt in einem Betriebe 61 Stunden, in drei Betrieben 63 Stunden, in drei Betrieben 53>/z Stunden und in zwei Betrieben 6t Stunden. Die Lohnverhältnisse sind demnach wesentlich ungünstiger wie in anderen Branchen der Klempnerei. Eine zeitgemäße Aufbesserung der Löhne wurde als dringend notwendig bezeichnet. Zunächst müsse aber erst der Organisationsgedanke unter den in der Branche Be- schäftigten gestärkt werden. veuvtekes Reich. Die bei der Stettiner Fleischwarenfabrit Robert L o ck st ä d t be- schäftigten Gesellen reichten durch ihre Organisation, den Zentral- verband der Fleischer, einen Tarif ein, der als Hauptforderung eine geringe Lohnerhöhung und bessere Bezahlung der lleberstunden ver- langte: die Arbeitszeit blieb unberührt. Die Firma zahlt heule noch Wochenlöhne von 20 M. Durch reichliche Ueberstundenarbeit versuchen die Gesellen, diesen Lohn zu erhöhen. Bei Verhandlungen mit den Organisationsvertretern erklärte die Firma, daß sie nicht mehr zu zahlen brauche, da für diesen Lohn genug Arbeiter zu haben seien; übrigens sollten nur die Frauen der Gesellen mit- arbeiten._ Ein Protest gegen Agitationsmethoden des Deutschen Bankbeamtenvereins geht uns aus Frankfurt a. M. zu. Es wird uns geschrieben: „Herr Fürstenberg aus Berlin hatte am 14. Oktober in der Versammlung im großen Börsensaal in einem Referat eine Reihe Behauptungen in bezug auf den Bund der technisch-industriellen Beamleil und deil Zentralverband der Handlungsgehilfen auf- gestellt, die jeder tatsächlichen Begründung entbehren. Nach Schluß des Referates wollte Herr Koljm namens des Zentralverbandes der Handlungsgehilfen sowie ein Vertreter des Bundes der technisch- industriellen Beamten zur Richtigstellung der falschen Anschuldigungen gegen ihre Organisationen das Wort ergreifen. Der Vorsitzende verweigerte jegliche Entgegnung auf die falschen Anschuldigungen des Referenten. Meldungen zur Geschäftsordnung wurden nicht zugelassen, ja, als erneut das Wort zur Geschäfts ordnung verlangt wurde, verweigerte dies der Vorsitzende mit den Worten:„Hier gibt es keine Geschäftsordnung", und ließ die Unterzeichnelen nur wegen des Verlangens, zur Geschäftsordnung zu sprechen, gewaltsam aus dem Saal entfernen. Wir stellen hiermit zur Kenntnis der Oeffentlichkeit fest, daß der Zentralvorsitzende des Deutschen Bankbeamtenvereins, Herr Fürstenberg-Berlin, andere Verbände angreift, und daß dann die Versammlungsleitung des Deutschen Bankbeamtenvereins Er widerungen und Richtigstellungen nicht zuläßt und die Opponenten aus dem Saal weist. Frankfurt a. llll., den 14. Oktober 1912. H. K o y m, Gaubeamter des Zentralverbandes der Handlungs gehilfen. A. M a y e r, Vorsitzender des Zentralverbandes der Handlung? gehilfen. Th. B o e f e r, Erster Vorsitzender des Bundes der technische industriellen Beamten. N. Schmitt, Vertreter des Verbandes der Bureauangestellten. Tcppichiveberstreik in Oclsnitz i. V. Der Streik der Schußweber in den Teppichwebereien hat sich bedeutend verschärft. Die Firma Koch u. te Kock war gezwungen, da keine Chenille mehr vorhanden war, Teppichweber zu entlassen. Sie wollte nun Auslese unter den Teppichwebern halten und die Or- ganisierten zunächst entlasten. Die Folge von dieser Maßnahme war, daß am 16. d. Mts., mittags zirka 1200 Teppichweber die Arbeit ebenfalls niederlegten. Nachdem der Firmeninhaber Koch die Geschlossenheit der Arbeiter sah, ließ er den Arbeitern durch seinen ArbeilerauSschuß bekannt geben, daß er von seiner Maßnahme Ab stand nehme und die Weber, ganz gleich, ob sie organisiert seien oder nicht, erst dann entlassen will, wenn die Chenille aufgearbeitet ist. Die Teppichweber lehnten nunmehr die Wiederaufnahme der Arbeit ab und machten sie von der Regelung der Angelegenheit der Schußweber abhängig. Am Montag hatten weitere 200 Teppich« weber der Firma Schenk, Schmidt u. Beutler die Arbeit niedergelegt. Aussperrung in der Fürther Glasindustrie. Bei der Firma W i e d e r e r u. Co. in Fürth i. B. hatten die Arbeiter die Arbeit eingestellt, weil ihre geforderten Löhne nicht be- willigt wurden, obwohl diese Löhne in anderen kleineren Betrieben gezahlt werden. Darauf kündigte die Ilnternehmerorganisation die Aussperrung der gesamten Glasarbeiter Fürths für den 14. Oktober an. Die Aussperrung erfolgte jedoch an dem Tage nicht, weil in- zwischen der zweitgrößte Unternehmer am Orte sich bemühte, mit dem Vorsitzenden des gemeindlichen Vermittelungsamtes Zugeständ niste für die Arbeiter von der Firma Wiederer zu erhalten. Der Firmeninhaber lehnte es ab, mit der Organisation der Arbeiter oder der der Unternehmer zu verhandeln. Er machte auch nur ganz minimale Zugeständnisse, selbst dann noch, als er sich dazu ver- tand, mit einem Vertreter der bei ihm beschäftigten Arbeiter zu verhandeln. Die Zugeständnisse wurden am Dienstagabend von den Streikenden mit übergroßer Mehrheit in geheimer Abstimmung als ungenügend erklärt und die Fortführung des Streiks beschlossen. Von den zur selben Zeit versammelten Unternehmern wurde darauf- hin beschlossen, die Aussperrung am Mittwoch früh vorzunehmen. was denn auch geschah. Es kommen 600— 700 Arbeiter und Arbeiterinnen in Betracht. Durch die Aussperrung kräftigen die Unternehmer nur die Ueberlegenheit ihres größten Konkurrenten. Husland. Eine schweizerische„Regelung des Streikpostenstehens". Die herrschenden bürgerlichen Klassen in der Schweiz sind recht gelehrige Schüler deutscher Polizeilünste. Der Kanton Baselstadt nahm im Jahre 1872 den berüchtigten§ 153 der deutschen Gewerbeordnung in sein Stragesetz auf, der erst vor mehreren Jahren inso- ern geändert wurde, als auch die Zulässigkeit von Geldstrafen auf- genommen wurde, während das deutsche Original auch Heute� noch nur Gefängnisstrafen zuläßt. Jetzt hat derselbe Kanton Baselstadt auch die polizeiliche Strahenverkehrsverordnung deutscher Städte nachgeäfft, die gegen das Streikpostenstehen der Arbeiter gerichtet ind. Das Baseler Polizeidepartement erließ nämlich kürzlich eine Verordnung betreffend Boykott, Sperre und Streik mit folgendem Wortlaut: „In Anwendung der Zß 1, 21, 67, 68 und 164 de? Polizei- strafgcsetzeS ist innerhalb eines Abstandes von 60 Metern von Etablissements, die von einem Boykott, einer Sperre oder einem Streik betroffen sind, das Postenstehen oder Zettelverteilen, durch welches jene Maßnahmen gefördert werden sollen, verboten." Das Pikante an der Sache bildet noch der Umstand, 4�aß der Chef des Basler Polizeidepartements unser Genosse Regierungsrat Dr. B l o ch e r ist und daß sein konlervativer Stellvertreter Re- gjerungsrat Burckhardt-Schutzmann diesen Ukas während Blochers Ferien erließ. Die Arbeiterschaft nahm natürlich sofort Stellung gegen den ungeheuerlichen, geradezu stumpfsinnigen Erlaß, der sich überdies nicht nur gegen Streiks, sondern auch gegen Boykotts und sogar Sperren richtet, während zur Durchführung der letzteren bekanntlich überhaupt keine Posten ausgestellt werden. Und nun interpellierte unsere Fraktion im Großen Rat die Regierung über den Streich des polizeilichen Stellvertreters, wobei die Anfrage unser Genosse Dr. Weln begründete. Er bezeichnete den Ukas als fast gleichbedeutend mit einem Streikpostenverbot, der sachlich durch nichts gerechtfertigt und in rechtlicher Beziehung ein ungesetzlicher Willkürakt ist, der wieder aufgehoben werden muß. Die Jnter- pellation beantworteten Dr. Blocher und Burckhardt. Ersterer er- klärte, daß sich die Gesamtregierung so wie so noch mit dem Ukas beschäftigen muß/ weil der Arbeilerbund einen Rekurs dagegen ein- gereicht hat, und der andere versuchte sich mit der Ausrede aus der Schlinge zu ziehen, daß es sich in dem Ukas nur um die formelle Bestätigung einer alten Praxis handelt, was aber Dr. Welli bestritt. Immerhin gab Burckhardt die Möglichkeit zu, daß er sich in der Rechtsfrage„geirrt" habe. Bemerkenswert aus der interessanten Debatte ist noch die rbärmliche arbeiterfeindliche Scharfmacherei es ultramontan-kapitalistischen Advokaten Dr. Feigenwinter, der einen Antrag auf Erlaß eines Aus- nahmegesetzes gegen die freien Gewerkschaften und staatliche Förde- rung der christlichen und gelben Gewerkschaften ankündigte. Der Hwarze Arbeiterverrat wuchert auch in der Schweiz immer üppiger. Erörterte noch einige bemerkenswerte Vorgänge aus dent zweiten Quartal, in dem der Kampf im Wagengewerbe Hobe Wogen ge- schlagen hat. Dem Arveitswilligenagenten Koch habe die Polizei wie immer ihren besonderen Schutz angedeihcn lassen, während man die Streikenden mit 20 Strafmandaten im Betrage von 3— 13 M. belegte. Gegen vier Kollegen habe man den Staatsanwalt mobil gemacht, der Anklage im„öffentlichen Interesse" erhob. Die Mili- tärarbeiterbranchc habe gegen drei Kollegen den Ausschluß aus dem Verband beantragt, weil sie entgegen dem Beschluß einer Betriebs- Versammlung am 1. Mai gearbeitet hatten. Zwei Versammlungen kamen zu dem Beschluß, diese Kollegen wegen Tisziplinbruch aus- zuschließen, doch habe der Zentralvorstaud aus Zweckmäßigkeiis- gründen dem Ausschlußantrag nicht zugestimmt. Redner besprach noch kurz die VerwaltungsarAciten innerhalb der Organisation und wies auf die Aufgabe» der kommenden Wochen hin. Dies seien vor allem die Delegiertenioahlen zur Ortskrankenkasse der Sattler, sowie die am 17. November stattfindenden Wahlen der Arbeiter- beisitzer zum Getverbegerichi. Den vom Fugendausschuß getroffenen Veranstaltungen müsse ein regeres Interesse als bisher entgegen- gebracht werden. Die gedruckt vorgelegte Abrechnung vom 8. Quartal er- läuterte der Kassierer Weyher. Er betonte, daß die Arbeits- gelegenheit in der ersten Hälfte des Quartals eine recht ungünstige gewesen sei, doch habe sie sich in der zweiten Hälfte sehr günstig ge- staltet, so daß die Kassenverhältnisse recht crfteuliche seien. Die Ortsverwaltung schließt in Einnahme und Ausgabe mit 20 962,76 Mark ab, unter den Ausgaben blinden sich 8033,56 M. für Unter- stützungen an Kranke, Arbeitslose usw., außerdem wurden 8200,36 Mark an die Hauptkasse abgeführt. Die Lokalkasse weist einen Be- stand von 78 999,11 M. auf, während die Berliner Verwaltung mit 3826,07 M. an Einnahme und 1762,04 M. an Ausgaben abschließt, so daß ein Kassenbestand von 2064,03 M. verbleibt. Die Kasse der Lehrlings- und Fugend abteilung balanziert mit 200,40 M.— Mitglieder waren am 30. September 3182(darunter 195 weibliche) � gegen 3518(193 weibliches vorhanden. Innerhalb der ersten Hälfte des lausenden Monats sind jedoch schon 92 Neuaufnahmen zu ver- zeichnen, so daß der momentane Mitgliederverlust wieder doppelt weit gemacht wurde. Tie Lehrlings- und Jugend abteilung zählt 156 Mitglieder. Ueber die Benutzung des Arbeitsnachweises berichtete Hauptmann. Während sonst die Zahl der Arbeitslosen immer 120—150 betragen habe, sei sie innerhalb der letzten acht Wochen unter 100 gesunken. Am Schluß des Quartals war die Zahl der Arbeitslosen erfreulicherweise aus 51 gesunken. In der Diskussion erklärten sich einige Mitglietep gegen den Beschluß des Zentralvorstandes, weil er dem Ausschlußantrag wegen des Disziplinbruchs anläßlich der Diaifeier nicht beigetreten sei. Es wurde ein Antrag angenommen, in dem der Zentralvorstand er- sucht wird, die Gründe anzugeben, worum die drei Kollegen nicht ausgeschlossen wurden. Dem Kassierer wurde einstimmig Entlastung erteilt.— Die Abänderung des Orts, und Lokalkassenstatuts war meist redaktioneller Natur. Alle voin Borstand unterbreitete Ab- änderungsanträge, die sich hauptsächlich auf die Leistungen der Lokalkasse bezogen, wurden gutgeheißen und angenommen. Als Beisitzer zur Gauleitung wurde anstelle eines von Berlin verzogenen Mitgliedes Döhnert gewählt. )Zus äer fraueubewegirng. Gegen den Mädchenhandel im Artistengewerbe. Tie großen ittlichen Gefahren, denen jugendliche weibliche Personen, die als Barietesängerinnen,-tänzeriniicn usw. ins Ausland gehen, häufig ausgesetzt sind, haben zr� einer Verfügung des bayerischen Ministe- riums des Innern gefuhrt, wonach künftig die Ausstellung eines Passes stets zu versagen ist, wenn die Genehmigung des gesetzlichen Vertreters zu der Reise nicht nachgewiesen ist. Aber auch wenn diese Genehmigung, die häufig ohne nähere Prüfung gegeben zu werden pflegt, vorliegt, soll die Polizeibehörde vor Erteilung de? Passes die«Äichlage eingehend prüfen, und wenn besondere Bedenken in sitilicher Hinsicht vorliegen, den gesetzlichen Vertreter aus diese aufmerksam machen, um gegebenenfalls die Abreise des Mädchen? unter Anrufung des Vormundfchaftsgerichts zu verhindern. Sei' Balkanhricg. Verlammlungen. Verband der Sattler und Portefeuiller. Die Ortsverwaltung Berlin hielt Mittwochabend ihre ordentliche Generalversammlung ab, um die Berichte über das dritte Quartal entgegenzunehme». Zum Geschäftsbericht teilte Schulze mit, daß in den Sommer- monaten mit wenigen oder gar keinen Lohnbewegungen zu rechnen ei. Die Bewegungen fielen fast durchweg in die Krühjahrszeit. Eine Ausnahme machten davon nur die Branchen der Linoleum- leger uird Teppichnäher, sowie der Offiziersattler. Die Arbeits- Verhältnisse der erstgenannten Branche seien vertraglich geregelt und den für die Offiziersattler 1910 auf zwei Jahre abgeschlossenen Bertrag habe man aus taktischen Gründen nicht gekündigt. Obgleich die Lohn- und Arbeitsbedingungen in dieser Branche durchaus keine besonders günstigen seien, habe man von einer Kündigung des Ver- träges Abstand genommen. Die Konzentration der- größeren Be- triebe, der Anschluß an die MetaUfabriken, die die Beschläge an- iertigen, mache die eigentlichen«attlerbetriebe zu Unterabteilungen und habe man es daher für geboten� erachtet, den alten Vertrag so l lange bestehen zu lassen, bis die«ituation geklärt sei. Redner:> Serbische Kriegserklärung. Belgrad, 17. Oktober.(Meldung des Wiener k. k. Tel.- Korr.-Bureaus.) Die Regierung hat heute nachmittag dem serbischen Gesandten in Konstantinopel die K r i e g s e r k l ä- rung an die Türkei übersandt und dieselbe dann den Großmächten notifiziert. Die„Einigkeit" der Großmächte. Paris, 17. Oktober. l.W. T. B.) Der Korrespondent des„Temps" meldet aus Wien: Hier ist das Gerücht verbreitet, der englische Botschafter Cartwright habe vor drei Tagen zu einer amtlichen österreichischen Persönlichkeit geäußert: Wir wollen Kreta! Ferner werde erzählt, die englische Regierung sei geneigt, in der Angelegenheit des Orients sich Oesterreich-Ungarn zu n ä h e r n, um den Sympathien Rußlands für die Balkanstaaten ein Gegengewicht bieten zu können. Letzte Nachrichten. Kabelbrand in den Berliner Elektrizitätswerken. Eine schwere Betriebsstörung ereignete sich heute in der zehnten Abendstunde in der Zentrale Mauerstraße der Berliner Elektri- zitätswerke. Aus bisher noch nicht aufgeklärter Ursache geriet in dem alten.Stationshause eine der Hochspannungsleitungen in Brand. Eine meterhohe Flamme schlug plötzlich auS dem hinter der großen Hochspannungs-Schalttafcl gelegenen Kabelkasten, ein dumpfer Knall folgte, und im Nu war das ganze Werk in schweren geldlichen Qualm gehüllt, durch den die noch brennenden griinhch schimmernden Quarzlampen gespenstig leuchteten. Tie Maschinen- mcister gaben sofort Alarm, und den wachthabenden Ingenieuren gelang es unter eigener Lebensgefahr, bis zur Schalttafel vorzu- dringen und die brennenden Kabel abzuschalten. Die Maschinen, die dadurch außer Betrieb gesetzt wurden, waren die für den inne- ren Teil der Stadt bestimmten Kraftmaschinen, die die Straßen- bahn mit Strom versorgen. Infolgedessen entstand erne große Verkehrs st ockung in der gesamten inneren Stadt. In der Leipziger und Potsdamer Straße blieben d,e Straßen- bahnen von der Lützowstraße his zum Spittelmarkt in ununter- brochener Reihe stehen. Auch das elektrische Licht in den meisten Häusern und auf den Straßen erlosch, so daß eine halbe Stunde lang völlige Finsternis herrschte. Vom Schiffbauerdamm waren in- zwischen die mit Rauchhelmen ausgerüsteten Sicherheitsmann- schaffen zur Unfallstelle beordert worden, die im Verein mit den Ingenieuren sich an die Ablöfchung des Brandes machten. Die Arbeiten waren dadurch sehr erschwert, daß die Kabelgänge, in denen das Feuer wütete, zuerst nicht zu erreichen waren. Um Uli Uhr war es noch nicht gelungen, bis zum Brandherd vorzudringen. Reichstagsabgeordneter v. Normann t. Platye lP-mmernh 17. Oktober.(W- T. B.) Der Reichstagsabgeordnete Oberstleutnant a, D. lind Rittergutsbesitzer v. Nor- mann, Vorsitzender der konservativen Reichstagsfraktioii, ist heute vormittag aus cschloß Gut Barkow im Kreise Greifenberg nach längerem Leiden gestorben, v. Normann gehörte seit 1890 dem _____ Reichstag und seit 1397 dem preußischen Abgeordnetenhause an. Verantw. Nedakt. /Alfred Wielrpst, Neukölln. Inseratenteil v?-?nkw.: r�Älocke.Be-ck'w Druck u.«erlag vorwärts Vuchdr.u VeUagsanstal� feuilSingeri Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u.Unterhaltungsbl. i..ui*, mm t Ifilpjt iifs Jonätts" Inlinet Jolbliliitt.»w« Genossen! Gestaltet die Massendemonstration in Treptow zu einer wuchtigen Kundgebung! Eine Knihn-KeleiÄigiing ftöni heute vor dem Schöffengericht tu Moabit zur Verhandlung gegen die Genossen Wels und Richard Fischer. Ersterer war angeklagt als Verleger eines Flugblattes, das unmittelbar nach dem Dahsel-Prozess im Wahlkreis Friedeberg-Arnswalde zur Verbreitung gelangt war und worin Bruhn als der politische und journalistische Ehrenmann gekennzeichnet war, wie er aus dem Prozeß Dahsel als Verleger der„Wahrheit" hervorgegangen war. Gegen Fischer war Än klage erhoben worden in seiner Eigenschaft als Prokurist der Buchdruckerei Vorwärts wegen Verbreitung. Das Flugblatt tvar im Oktober zur Verbreitung gelangt; nach Angabe seines damaligen, inzwischen verdufteten Rechtsanwalts Bredereck hatte Bruhn am l2ö. November Kenntnis von dem Flugblatt erhalten; Strafantrag hatte er erst am 25. Februar gestellt, so daß also die Verjährungs- srijt gerade um einen Tag nicht innegehalten war. In der heuti- gen Verhandlung produzierte Bruhn als Zeugen seinen Ver- trauensmann aus Driesen-Vordamm, der versicherte, er habe das Flugblatt erst Anfang Dezember an Bruhn eingeschickt. Aus einen« Briefe Bruhns an seinen Parteifreund Bredereck sollte hervorgehen, daß er bereits am 10. Januar 1912 diesen zur Klageerhebung be- auftragt habe. Wegen dieser Versäumnis der Klagefrist hatten die Angeklagten durch ihre Vertreter, die Rechtsanwälte Heine und Hcinemann, Abweisung der Klage beantragt; dieser Einspruch wurde vom Gerichtshof abgelehnt; ebenso der weitere, von der Straf- kammer bereits als zutreffend anerkannte Einwand, daß nach§ 21 des Preßgesetzes, worauf sich die Anklage stützt, die Klage schon um deswillen abzuweisen sei, weil gegen Drucker und Verleger über- Haupt nicht auf dem Wege der Privatklage vorgegangen werden könne. Der Gerichtshof lehnte auch alle zum Beweis für die Wahr- iheit'der im Flugblatt behaupteten Tatsachen von Rechtsanwalt Heine in längerer Ausführung gestellten materiellen Beweisanträge ab, so daß der Verteidiger der Angeklagten im Plaidoher sich mit der Erklärung begnügte, nach Ablehnung aller juristisch-formalen und sachlichen Beweisanträge behalte er sich alle weiteren Erörte- rungen für die zweite Instanz vor. Zur Klagebegründung berief sich Bruhn und sein Verteidiger auf das Urteil im Bruhnprozetz, aus dem er— Dies Kind, kein Engel ist so rein, Latzt's Eurer Huld empfohlen sein makellos hervorgegangen sei. Selbst das„Berliner Tageblatt" habe ihm das attestiert. Fischer komme schon um deswillen als Mittater in Frage, weil es feststehe,'daß bei einer so grossen Aktion, wie das Flugblatt gegen ihn darstelle, der Druck jedenfalls nicht be- werkslelligt werde, ohne dass in einer gemeinsamen Konferenz Be- schluss gefaßt werde. Im übrigen sollten die Angeklagten nicht leugnen, sondern ausrecht zu ihren Taten stehen. Ihm entgegnete Fischer, wenn er mit der Verbreitung oder Abfassung des Flugblattes etw-as zu tun gehabt hätte, so würde er selbstverständlich daM stehen. Aber als Leiter eines Geschäfts, das über 3 Millionen Mark Um- satz habe, könne er unmöglich jeden einzelnen der Zehntausende von Truckaufträgen vor der Fertigstellung durchsehen. Und wenn Herr Bruhn ein Flugblatt gegen ihn als grosse Haupt- und Staatsaktion ansehe, so sei das nur ein Beweis für die grosse Ueberschätzung seiner Persönlichkeit, zumal zur Zeit des Dahsel-Prozeffes.(Bruhn ruft dazwischen:„Alte Liebe rostet nicht.") Fischer: Er habe nie irgend cine� Beziehung zn Bruhn gehabt, die ihn zu einem solchen Zwischenruf berechtige; er habe heute zum ersten Male mit Herrn Bruhn persönlich etwas zu tun und wenn Herr Bruhn im Reichs- tage neben ihm in der Wablprüfungskommission gesessen häbe, so sei das nicht von seinem Willen abhangig gewesen.(Der Richter legt« �darauf Herrn Bruhn nahe, den Strafantrag gegen Fischer zu- rückzuziehen, was dieser nach anfänglichem Sträuben am Schlüsse der Verhandlung auch tat.) Wels erklärte, er sei Sekretär der Provinz Brandenburg und habe mit der Agitation, Flugblattverteilnng usw. in 18 Wahlkreisen zu tun. Da kämen Dutzende von Flugblättern zur Verteilung, für welche er aus rein formal-technischen Gründen als Verleger zeichne, ohne dass er mit der Abfassung etwas zu tun habe. Im kleines Feuilleton. Musiknarretci. Die wahrhaft grotesken, für unsere kapitalisti« sibcn Kunstzustände höchst bezeichnenden Vorgänge, die sich regel- massig bei Gastspielen des Tenoristen Caruso in Berlin abspielen. geben der„Köln. Ztg." Anlass zu einigen Betrachtungen. Wir geben sie um so lieber wieder, als die grosse Berliner Presse diese Alfanze- rcicn parvenühaster Eitelkeit als musikalische und gesellschaftliche Welt- bcgcbenheite» zu feiern Pflegt. Die„Köln. Ztg." kennzeichnet dieses Getriebe also: Der Parkettplatz kostete bei dem jüngst verflossenen Caruso-Gast- spiel 39 M. an der Kasse des Opernhauses, aber die Karlen sind vor dem Opernhause schon bis 149 M. das Stück gehandelt worden. Das ganze Treiben der Zwischenhändler machte einen komisch- unheimlichen Eindruck, sie durften sich vor den Schutzleuten nicht sehen lassen; sie hielten jeden Vorübergehenden, der bei ihnen stehen blieb, für einen verkleideten Kriminalschutzmann, und die Vorsicht war nicht iliigerechlferttgt, denn verkleidete Polizisten hatten sich wirklich unter die billettsuchende Menge gemischt. Der Billetthändel am Lpernplatz ist ja der Berlmer Polizei längst ein Dorn im Auge, und bei� dem Gastspiel Carusos, wo die Preise so ivahnsinnig in die Hohe getrieben wurde», besonders. Ausserdem wollte die Polizei längst einmal wissen, woher die Handler ihre Karten eigentlich be- zieben. Da hatte man nun einen Teil der Abonnenten dabei er- wischt, dass sie die ihnen von der Intendantur für das Gastspiel vorbehaltenen Karten weitergegeben hatten, um von den hohen Preisen zu profitieren. Da dergleichen durch den Abonnements- vertrag ausdrücklich verboten lft, hat die Gencralintendantur der Oper den Leuten ihr Abonnement zu dem ersten Termin gekündigt. Die Carusitis hat ja in allen Hauptstädten ihre besonderen Erscheinungen gezeitigt, und ein Philosoph mag wirklich srageii, ob denn das Gastspiel emes �-renors es wert ist, dass sich die Menschen so verrückt, so würdelos und so geld- hungrig anstellen. Die beste Antwort darauf gibt»n etwas zynisch- unverfrorenc? Weise WedetindS„Kammersängers dessen Held Gerardo dem idealistischen alten Komponisten auseinandersetzt,_ wie wenn er in eine Stadt komme, alles profitiere, die Droschkenkutscher, die Blumenhändler, die Konditoreien, die Zeitungen, wie die� Zahl der Verlobungen zunehme, wie die Mütter ihre heiratsfähigen Tochter absetzten, und wie man das alles zusammen eben„Kunst" neiiiie. Ganz ähnliche Dinge dürften sich demnächst in Stuttgart ab- spielen, wo für die Sensation der Slraussschen Ariadne-Aufsührungen als Eintrittspreis 59 M. an der Kasse verlangt werden. Bekanntlich mhrt„ganz Berlin" im Exlrazuge hinüber mid verpflanzt dabei orientalisch-preussische Sitten nach dem biederen(na, na I) Stuttgart. Ein« neu« französische Höhle. Zu den Höhlen in Südfrankreich. vre durch die«ist», namentlich auch durch Malerei und Skulpturen vorliegenden Fall erkläre er ganz offen, daß er von dem Inhalt Kenntnis erhalten habe, daß er nach wie vor die im Flugblatt behaupteten Tatsachen für richtig und die Charakterisierung des Klägers auf Grundlage des Dahsel-Prozesses für angebracht halte. Habe doch sogar der Staatsanwalt die Erhebung der Anklage gegen Bruhn im öffentlichen Interesse für nötig angeschen. Um so mehr sei es seine Pflicht gewesen, als Agitationsleiter der sozialdemokra- tischen Partei für den Wahlkreis Fricdeberg-Arnswalde dessen Wählern- gegenüber der von Herrn Bruhn in einem Flugblatt gegebenen einseitigen Darstellung klaren Wein dnzuschenkm. zum mindesten habe er diese Pflicht gegenüber den sozialdemokratischen Wählern gehabt. Das Urteil lautete auf Uebernahme der Kosten durch Bruhn insoweit Fischer in Betracht komme, auf 199 M. Geldstrafe und Publikation des Urteils gegen Wels. In der kurzen Begründung führte der Richter aus, Herr Bruhn sei allerdings im Prozeh Dahsel „in ein ungünstiges Licht gestellt worden". Das müsse dem Be- klagten Wels zugute gerechnet werden, ohne hierbei die Frage der Anwendung des§ 193(Wahrung berechtigter Interessen) zu cnt- scheiden. Es könne auch zugunsten des Beklagten angenommen werden, dass dieser geglaubt habe, Bruhn sei im Dahsel-Prozetz„in unerhörtester Weise bloßgestellt worden", aber Beklagter hätte das Resultat der Untersuchung gegen Bruhn abwarten sollen, das er- geben habe, daß Bruhn„nicht der schwarze Mann sei", als den er im Flugblatt geschildert werde. Den schweren Beschuldigungen gegenüber sei eine Geldstrafe von 199 M. angemessen. (In dev Verhandlung hatte der Verteidiger Bruhns, Rechts- anwalt Lips, die Beleidigung Bruhns durch das Flugblatt als„ge- radczu unerhört" bezeichnet, und Bruhn selber donnerte:„so sei noch niemals ein politischer Gegner heruntergerissen worden", worauf ein von dem früheren Bruhnscheni Vertreter Bredereck ange- botener Vergleichsvorschlag dem Gerichtshof übergeben wurde, wo- nach gegen Zahlung von 69 M. Anwaltsckostrn an ihn(Bredereck) Zurückziehung der Klage erfolgen soll.) StsÄtverorcknetea-veriswmIung. 27. Sitzung vom Donnerstag, den 17. O k t o b e r, nachmittags 5 Uhr. Vorsteher Michelet eröffnet die Sitzung nach 5% Uhr. Die Wahl des Ausschusses zur Vorberatung des Antrages Arons(Soz.) wegen Abschlusses eines kollektiven Arbeitsvertrages für die städtischen Arbeiter und Angestellten hat stattgefunden; die sozialdemokratische Fraktion ist durch Brückner, Dupont, Glocke, Grunwald, Sasse nbach vertreten; Stadtv. S a s s e n b a ch ist Vorsitzender des Ausschusses. Das seit seiner Einsetzung im Jahre 1881 aus 3 Mitgliedern des Magistrats, 6 der Versammlung und 2 Bürgerdeputierten be- stehende Vieh- und Schlachthof-Kuratorium soll wegen des Anwachsens des Geschäftsbereichs um ein Magistratsmitglied. zwei Stadtverordnete und einen Bürgerdeputierten vermehrt werden. Die Versammlung stimmt zu. Auf dem Schulgrundstück Höchste Strasse 34/35 soll für die Gemeindeschule 33/66 und 134 eine zweite Turnhalle nebst Unterrichtsräumen erbaut werden. Der Magistrat legt den speziellen Entwurf und den mit 168 999 M. abschliessenden Kosten- anschlag vor. Die Vorlage wird ohne Debatte genehmigt. Von der sozialdemokratischen Fraktion! ist am 12. d. M. folgender Antrag Dr. Arons und Genossen eingebracht worden: Die Versammlung wolle beschließen, 1. gegen die das Ver- einigungsrecht der Feuerwehrleute schwer gefähr- denden Verfügungen des Polizeipräsidenten zu Berlin im Interesse der Bürgerschaft und der beteiligten Feuerwehrleute Protest zu erheben; 2. Den Magistrat zu ersuchen, erneut mit der Königlichen StaatSregierung in Verhandlungen zwecks Uebernahme der Feuerpolizei in städtische Verwaltung zu treten. des steinzeitlichen Menschen berühmt sind, ist jetzt eine neue ge- kommen, die vom Grafen Begouen und seinen Söhnen in der Nähe St, Girons am Nordabhang der Pyrenäen entdeckt worden ist. Der Graf war zuerst durch die Entdeckung einer ungewöhnlich schön geschnitzten Speerspitze aus Rentiergewcih auf den Platz aufmerksam geworden und verfolgte in diesem Sommer in einem kleinen eigens gebauten Äanoe einen Fluß aus- wärtS, der sich im Kalkgebirge verliert. Dadurch gelangt« er zum Eiiigang einer Höhle, die eine Reihe gewaltiger Räume erschloß und durch ungewöhnlich schöne Stalaktikenbildungen ausgezeichnet war. Sie zeigte nur zwei Merkmale früberer Besuche, nämlich Inschriften mit den Jahreszahlen 1689 und 1791. Auch das war dein Forscher eine unerfreuliche Enthüllung. und sein Unbehagen verstärkte sich, als er in einem schmalen Gang einen kleinen Haufen bemerkte, der erst kürzlich durchwühlt zu sein schien. Die Enttäuschung schwand aber völlig, als sich an den Wänden dieses Ganges eine grosse Zahl von Tierzeichrningen enthüllte, die zweifellos von den vorgeschichtlichen Bewohnern der Höhle herstammen. Zum Teil sind sie bereits unter neuen Tropfsteinbildungen verborgen, so dass an ihrem hohen Alter schon aus diesem Grunde nicht zu zweifeln ist. Die Zeichnungen stellen Pferde, Büffel, Renntiere und Rinder dar. Eins der Pferde ist dargestellt, wie es in einer Falle gefangen worden ist, ein anderes mit Pfeilen durchbohrt. Die Höhle wird als die schönste des ganzen südlichen Frankreichs bezeichnet und ihre genauere Erforschung wird ihr in der Wissenschaft vielleicht noch einen ganz besonderen Rang zuweisen. Türtisches Schicksalölied. Moritz Hartmann, der Dichter des Pfaffen Mauritius hat unier den mannigfachen fremden Volksliedern. die er sammelte und verdeutschte, auch ein türkisches übertragen, das die fatalistische Stimmung des türkischen Volkes gut charakterisiert. Es lautet: Ich schleife mein Messer An, steinernen Rad, Kein Mensch weiss, was er morgen tut, Kein Mensch weiß, was er gestern tat, Der Tag allein ist helle. Ich schleife mein Messer Am steinernen Rad. Der Tag allein ist helle. Werd' ich einen Hammel Durch die Kehle schneiden? Oder wird ein Giaur> Aus dem Leben scheiden? Ich schleife mein Messer Am steinernen Rad, Der Tag allein ist helle. Die chinesische Sittlichkeit. Ein Erlaß de« chinesischen Präsi- deuten befaßt sich mit der Erhaltung der traditionellen chinesischen Stadw. Dr. Rosenfeld(Soz.): Es ist diesmal die Feuerwehr. welche uns alarmiert; sie erwartet von uns, daß wir ihr zu Hilfe kommen in dem schweren Konflikt, der zwischen der Leitung und den Mannschaften ausgebrochen ist. Wie weit die Erregung ge- griffen hat, ersieht man aus den Gerüchten, daß bereits Pioniere an die Stelle der entlassenen Feuerwehrleute getreten seien. Wenn irgendeine Gruppe auf die allgemeine Sympathie Anspruch hat, dann sind es gewiß die Feuerwehr- leute. Gerade wegen dieser Sympathie mußte es ganz besonderes Aufsehen erregen, als vor einigen Wochen und seitdem ständig bis heute in der Presse Nachrichten erschienen, die bewiesen, daß die Leitung den Mannschaften wesentlich unfreundlicher gegenüber- steht. Gerade die Feuerwehr, die täglich vor dem Feind steht, muß stets freudig und gern an die Arbeit gehen, wenn ihre Tätig- keit erfolgreich und der Allgemeinheit nutzbringend sein soll. Es stehen also allgemeine Interessen hier auf dem Spiel. Es kommt hinzu, daß von Tatsachen berichtet wird, die unser Nechtsbewusst- sein in höchstem Maße stören müßten. Die Leitung respektiert das Vereinigungsrecht der Feuerwehrleute nicht, sie ist bestrebt, es ihnen zu nehmen. Daher unsere Anträge. Das Recht der Feuer- wchrleute auf Koalition nachzuweisen, ist recht leicht. In unserer Zeit, wo sich alles koaliert, selbst die Bürgermeister, wo alles in Organisationen zusammengefaßt wird, ist es ja eigentlich selbst- verständlich, daß auch die Feuerwehrleute sich zu organisieren be- ginnen. Vereine der Feuerwehrleute sind durchaus keine Selten- heit. Das Reichsvereinsgesetz von 1998 gibt ihnen dieses Recht; der heutige Reichskanzler hat damals ausdrücklich erklärt, daß das Vereins- und Versammlungsrecht der Beamten trotz der Beamten- disziplin nicht illusorisch ist. Der Berliner Feuerwehrleuteverein besteht seit 1999. Er blüht nicht etwa im Verborgenen, sondern seine Satzungen sind vom Polizeipräsidenten genehmigt; er ist in das Vereinsregister gerichtlich eingetragen. Im Statut ist ausge- sprachen, daß Anhänglichkeit und Treue gegen König und Vater- land gewahrt werden soll. Es ist also kein sozialdemokratischer Verein. Sein Mitgliederbestand ist 1399, fast die Gesamtheit der früheren und der jetzigen Feuerwehrleute. Früher waren noch Chargierte im Verein, die aber auch bereits infolge eines nach meiner Meinung unzulässigen Eingriffes des Polizeipräsidenten wieder ausgeräumt worden sind. Den noch Verbliebenen wurde zu verstehen gegeben, daß sie wirtschaftliche Nachteile zu gewär- tigen hätten, wenn sie nicht austräten. Das ist der erste Akt des Terrorismus, dessen wir heute den Polizeipräsidenten anklagen müssen(Hört! hört!) Im August d. I. verlangte man von den Feuerwehrleuten, die man dienstlich antreten ließ, unter Hinweis auf die Folgen einer Befehlsverweigerung, die Unter- Zeichnung einer Erklärung, daß sie austräten.(Hört! hört!) Man verlangte von ihnen gegen die Wahrheit die schriftliche Erklärung, daß sie freiwillig austräten, und weiter sollten sie sogar unter- schreiben, daß unter ihnen überhaupt keine Unzufriedenheit herrsche. Sie haben sich lange gewehrt, aber unter den fortdauernden Druck haben sie sich schliesslich'dazu hergegeben, zu unterschreiben. Wer auch der letzte Widerstand sollte ge-brochen werden; am 7. Oktober wurde durch Befehl des Polizeipräsidenten die Mitgliedschaft zum Verein verboten und bis zum 9. Oktober sollte der Austritt gemeldet sein. Jetzt hat man diesen Terrorismus noch weiter verschärft; es ist den Feuerwehrleuten erklärt worden. sie dürften, auch wenn sie nicht mehr Mitglieder seien, n i ch t m e h r andenVersammlungenteilnehmen— es werde scharf aufgepaßt werden(Hört! Hört!). Das sind denn doch Akte eines unerhörten Tcrrorismus, und derselbe Branddirektor Reichel, der uns noch vor kurzem für das Fcuerwehrerholungshcim«it so warmen Worten zu interessieren versuchte, behandelt dieselben Feuerwehr- leute in solcher Weise! Er will ossenbar durch militärischen Drill die Leute zum Kadavergehorsam erziehen; er sollte seinen ungezügelten Tatendrang lieber bei der Löschung von Feuern walten lassen. Die Pensionierten sollen ausgeschlossen werden— das wird jetzt von demselben Branddirektor verlangt, der 1999 die Aufnahme der Pensionierten zur Bedingung der Genehmigung der Statuten machte. Wo bleibt da die Logik? Harmloser als dieser Verein kann wahrlich ein Verein kaum sein! Ausserhalb Berlins find die Sitten. Es heisst darin: General Hwang-Ching hat mir mitgeteilt. dass seit der Gründung der Republik viele junge Leute, die in den Sinn des Wortes„Republik" noch nicht eingedrungen sind, der Meinung seien, das neue Regime gewähre jedem die Freiheit. alles zu tun. was ihm behagt, die Moral ausser acht zu lassen und gegen die Gesetze der Natur zu Verstössen. Wenn diese GeisteSrichtung immer mehr an An- hängern gewinnt, ist China verloren. Der neue Präsident erinnnert weiter an die acht Hauptpunkte der überlieferten chinesischen Moral: Gehorsam, Brüderlichkeit, Treue, zuversichtliche Freudigkeit, Höflichkeit, Hilfsbereitschaft, anständig� Lebensweise und Scham- gesühl. China— heisst eS weiter— ist auf der Befolgung dieser Grund« sätze aufgebaut. Man kann wohl die Regierungsform und die öffent- lichen Einrichtungen ändern, nicht aber das Siltengesctz. Die jungen Leute, die hierin einen Wandel eintreten lassen wollen und sich da- bei oftmals auf ihre oberflächliche europäische Bildung berufen, tun dies nur um ihres persönlichen Vorteils willen und um das Volk zu schädigen. Ihr Streben würde das Ergebnis haben, die Menschheit aus einen tierischen Ssimdpunkt zurückzubringen. Denn es sind nicht nur die alten chinesischen Philosophen, die sich gegen die Sitten- losigkeit wenden, sondern die gesamte Menschheit. Die Befolgung der angeführten acht Vorschriften der guten Sitte sind für das Bestehen der nieiischlichen Gesellschaft notwendig, nicht nur für einen selbstherrlich regierten Staat. Es ist zwar nicht nötig, die von Konfuzius in bezug aus die Moral festgesetzten Doktrinen in allen Einzelheiten aufrechtzuerhalten, aber es ist auch nicht wünschenswert, von diesen Gesetzen allzusehr abzuweichen. Man ersieht a»ls diesem Erlaß, dass die alten chinesischen Moral- Grundsätze, die in ihrer Art ebenso gross und erhaben sind wie die anderer Volker, bereits von der„kapitalistischen Moral" bedroht werden. Diese Umwandlung werden keine Erlasse aufhalten. Der Kapitalismus wird im Gegenteil mit der chinesischen Tradition so gut fertig werden wie etwa mit dem Christentum. Die schönen Grundlatze des Konfuzius müssen über das kapitalistische Interregnum hinweg an eme solidarische Gesellschaft appellieren. Notizen. „. 7" K u n st a b e n d e. Im Schillersaale, Eharlottenburg stndet am Sonntag, abends 8>/z Uhr, ein„Liliencron- Abend" statt. — Mlisikchronik. Gustav Mahlers Lied von der Erde, eine Sinfonie in sechs Teilen für eine All- und eine Tenorstimme und grosses Orchester, gelangt Freitag im ersten unter Leitung von Oskar Fried stehenden Sinfonie-Konzert in der Philharmonie zur ersten Aufführung in Berlin. — Marcell Salzer gibt im Beethovensaale seinen ersten Vortragsabend mit einem völlig neuen Programm aus Werken moderner Humoristen. ' Fimrwchrleute in DeuiMand scigar in den freien Gewcr!s Todes-Anzeigen Am 15. Oktober verstarb nach langem Leiden unser alloerehrter Freund und SangeSbrudrr, der frühere langjährige Schristjührer des Arbeilcr-Sängerbundes /Viax LiggelKow. Sein stets schlichter Charakter und seine unermüdliche Tätigkeit für die Interessen des Arbeiter. gesanges hat ihm ein ehrendes Andenken gewahrt. 17/12 Die Beerdigung stndet stak! am Freilagnachmiltag 4'/, Uhr aus dem städtischen Friedhose See-, Ecke Müllerstrafte, von der Leichen- Halle aus. Der Vorstand drS Deutschen Arbeiter-Sängerbundes Gau Berlin und Umgegend. Zentrsl-lferliaiid der Töpler ll. Berufsoenossen Denlsehlands. Filiale OroU-Ucrlin. Den Kollegen zur Kenntnis. daß am Montag, den lt. Oktober 1912, der Kollege Äibert Brettscbn eider /Bezirk Wilmersdorfs im Alter von 65 Jahren an einer Darm- oerschlingung vcrslorben itt. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Freitag, den 18. Oktober 1912, »achmiltagS 4 Uhr, von der Leichenhalle dcS Gemeinde-Fned- böses ÄilmerSdors. Berliner Strafte 100. aus statt. 133/6 »er Vaestand. am Lounahcud, den 12. Oktober, verstarb infolge Unfalls unser Kollege, der Werkführer Gustav Scholz. Wir verlieren in ihm einen lieben Kollegen und langjährigen Mitarbeiter. Sein kollegiales Wesen sichert ihm unsererseits ein ehrendes Andenken. Die Kollegen der Dekaturanstalt l Oppenheim, Blumenstraße 88. Die Beerdigung findet am Sonnabendnachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle der St. EUsabeth-Qemeinde, Ackerstraße 37, aus statt. Deutscher TeMeiteneM. Filiale Berlin. Den Mitgliedern die traurige Nachricht, daft die Beerdigung des Kollegen Gustav Scholz Dekateur am Sonnabend, den 19. d. MtZ., nachmittags 4 Uhr. aus dem Friedhose der St. Eltsabeth-Be» meinde. Ackerstrafte 87, stattfindet. Die Mitglieder werden um rege Beteiligung ersucht. »er Vorstand. Verhsud d. Brauerei- uJlihlen- arheiternverw.BeruIsgeDOSseD. Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daft der Kollege, Mitsahrer ttermsna Schönitz (Psesserberg) am 16. Oktober 1912 im Alter von 45 Jahren ge- starben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung stndet heute Freitag, den 13. Oktober, nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen. Halle des Jmmanuet-KirchhoseS in Weihensee, Falkenberger Strafte, aus statt. Um rege Beteiligung wird ersucht. 43/19»er Vorstand. Verband der Fabrikarbeiter Deutsehlands. Mm 15. Oktober verstarb unser Mitglied Paul Volkmunn. �hre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet amSonn- abend, den 19. Lttober.nachmitlagS 3 /, tlhr, von der Halle de» Nazapelh-FriedhoseS auS statt. Bio Ortiverw altung. � �ankfngung. niJc"«leeuudcii und Be- an der Beerdigung meines Malers teilgenomme» haben, w�nen besten Dank aus. 8S0b R'»»! Blcwe, Neu-Z-Hlmborf. Danksagung. „ Mr die zahlreichen Beweise herz. licher Teilnahme anläftlich de» Hin. IcheidenS meines unvergeßlichen Manne», unsere» lieben Vater», Groftvater», Bruders. Schwagers mid OnkclS Ksrl Seblemminger sage ich an dieser Stelle allen Ber- wandten und Bekannten, wsbesondere der Direktion und den Kollegen der Aktiengesellschaft für Anllinsabrikation. Treptow, sowie dem Verbände der Fabrikarbeiter Deutschlands und dem Pflanzerverein.ZumRehbock" meinen Xuruste Scdlenimlnzer geb. Ailiasod. .»fljT die Beweise herzlicher Teil. uabme bei der Beerdigung meines lieben ManneS._,. Neinrich.lakoh sage ich allen Freunden und ve. kannten, insbesondere dem Gesangverein»Ochoneberger Männerchor", dem VaHwerei». dem Verbände der Bäcker und den Kollegen der Brotsabrik.Wilheluia' meinen herzlichen Dank. Wwe. Ida Jakob und KMtr. Für die vielen Beweise Herzitcher m-'"'~"" una. che Teilnahme bei der Beerdigung unseres lieben SohneS und Bruder» 37A Willi Arlt lagen wir allen Freunden und Be< kannten sowie dem 4. Berliner Reichs. tagSwahtkrei» und dm Genossen deS 399. Bezirk» unseren innigsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Für die Beweise herzlicher Teil- nähme sowie sür die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben ManneS sage ich allen Freunden, Verwandten und Bekannten, ins. besondere dem Wahlverein, Bezirk 813», meinen innigsten Dank. Alwine Fritsch nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise innigster Teilnahm« bei dem Begräbnis meines lieben SohneS, unseres guten BrnderS, Schwagers und OltkelS, deS Schrift. setzerS ApIup Nolle sagen wir allen, insbesondere dem Verein Berliner Segler, den Kollegen der Kunstdruckerei Technik, Scherl und Strauß sowie den Patientm de? SanatoriM Beelitz unseren herzlichsten Dank. 70A Die trauernden Hinterbliebenen. rfds Beste weit und Breit. Pdkcie ru lOii.ÄOPfg. Fabrik.: Urban c I�nun.Qiarlouenburg Möbel auf Kredit tat gahlan« etejte Mcaallfal« Ja}» Vtroloiaruag tmH «Ü/ÜISÄS Jkoaolette Woknmcs-SlnrielitnngMi •owte dlsauo P.ÄGardlnenlLC«i,,Äc,hÄÄ fBr lierrsn, vunm b. Kinder AuMtbl nWMtir Punü Gänse- Zentrale Pankow« Berliner Straße 1 12 4324L+ ObersSchöneweide, Wilhelminenhof-Str. SO Berlin U., Klosterstraße 91 Berlin 8., Simeonstraße 1. Billige Preise p�a Gänsefleisch Gänse-Stuckenfleisch,"Pfund 70 Pf., zwei Pfund 1.35 Gänseklein, ohne Magen, 55 Pf. Gänsekeulen, stück 70 Ff. Vorwärts-BibHek Eine Sammlung volkstomlicher Romane und Erzählungen III. Das Land der Zukunft Eine Reisebeschreibung von Leo Kolisch Mit einer Einleitung von Paul Qöhre Preis gut gebunden 1 M. Göhre schreibt in seiner Einleitung unter anderem: — Da ist keine boita, die langweilig zu lesen wäre. Von Anfang an packt er uns, von Seite zu Seite wird er interessanter. Immer lebendiger steigern sieh die Erlebnisse, immer hingerissener hören wir ihm zu. Kein überflüssiges Wort; kurz, schneidig, klar, packend steht alles und jeder seiner.Lebensgefährten vor uns." Buchhandlung Vorwärts Lindenstraße 69 247/6» Arbeifer,. Kandwerker, der sür seine Arbeit, sür s IacIuzviz& oförlng, Haiiptaclchäst: Alcxauderstr. 12. 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Gänse-Rümpfe Pfund 95 pf., 1.10 Suppenhühner stock 1.25 bis 3.25 Konserven Spargclköpfe � 1.20,&65 pf. Stangcnspargel II..>,. vcs« 1.55 Stangenspargel II..-/.Dose 98 pf. Stangcnspargel III v. v°-c 1.30 Stangcnspargel III>/. o°sc 70 pf. Bruchspargel �"'v.vo-e 160 Bruchspargel eitra 6ta.r/kDose 80 pf. Abschnittspargclö7; 60,& 35 pf. Kaiserschotenr&.l.05,0�58 pt Junge Schoten � 88.& 49 pf. Junge Schoten II � 55, � 33 Ff. Junge Schoten IV»i. Dose 36 pf. Brcch- u.Schnittbohncn& 33 pf. Grünkohl v. Dose 30» Spinat 38 pf. Kohlrabi in Scheiben,'A Dose 23 Pf. Kohlrabiköpfe____>/. Dose 45 Pf. Rosenkohl...... Dose 65 Pf. Steinpilze....... Dose 1.15 HalbersIädtWürstchenn Qa Dose 10 Paar...... U.I/U Erdbeeren /,, dos. 88, soweit. Vorrat reicht: Jlusnahmepreise Ja Gänse 70, 75, 80 sr/ 4Ü la Meckl. Schmalzgänse 85 � Rumpfe.. Pfund 1,00 und 1,10 3,25 an. Gänsebrust Pfd. 1,20 u. 1,80 Kenten von 65 Pf. an Gttnsehleln 85 PI u. 1,00 Sagen 35 u. 40 Pf. la Lilesen ohne Dannfett Pfd. 1,40 u. 1,50 Hantfett 90 Pf. u. 1 M. lieber Pfd. 1,50 u. 1,80 iStttckenflelsch Pfd. 60 Pf. u. 75 Pf. la Olinseschnialz, garantiert rein Pfd. 1,60 o. 1,80 la leite sehles. Suppenhühner stück 2,2s, 2,§fl, 2,15, 5,00 bis 5,00 la junge Brathühner... stück 1,10, 1,25, 1,50, 1,15, 2,00 Junge Kapannen..... 2,25, 2,50, 2,76, 8,00 la Ostpr. Mastenten 3,25, 3,60, 3,75, 4,00 b. 5,00 sowie alle Wnrstwaren in bekannter QualitSt. Max Schönwald, lichierSlr.lMÄ Pihalen: Barbarossaplatz 2 Motzstr. 63 Flensburger Str. 19 Femsp.-Amt: Kurf. 6852. 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Diese Tendenz ist durchaus zu begrüßen, wenn nur die Durchführung die Erreichung des gewünschten Zieles verbürgt. Während jedoch das Reich auf diese Weise der Knebelung des Konsums durch ein Privatmonopol entgegentreten will, sehen wir in Preußen eine Praxis, die sich gerade umgekehrt zu der beabsichtigten des Reiches verhält. Während der preußische Handels- minister in schönen Erlassen sich theoretisch gegen die ElektrizitätS- trusts wendet, wirst sein Kollege, der Eisenbahnminister, diesen Trusts Riesengewinne in den Schoß. Was der Staat selbst unternehmen könnte, überläßt er großen Privatgesellschaften, deren ganzes Streben dahin geht, die Versorgung mit Elektrizität und die Elektrizitäts- fabrikation zu monopolisieren. Der Fiskus will njmlich nicht die Stromlicserung für die Berliner Stadt- und Ringbahn selbst übernehmen, er will sie vielmehr gleich auf dreißig Jahre an die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft und an Siemcns-Schuckert verpachten. Dadurch wird die Monopolbildung in der Elektrizitätsindustrie natürlich noch beschleunigt, und die Vereinigung elektrotechnischer Spezialfabriken, die unter dem Druck der großen Elektrizitätskonzerne ganz besonders zu leiden haben, hat sich daher mit einer Eingabe an das Abgeordnetenhaus gewendet, um noch im letzten Augenblicke diese Monopolgefahr abzuwenden. Die Vereinigung beantragt: 1. Das Abgeordnetenhaus soll die verfassungsmäßige Zp- stimmung zu dem Bereitstellen von Mitteln für die Einführung elektrischer Zugförderung auf Staatsbahnlinien, insbesondere auf den Berliner Stadt-, Ring- und Borortbahnen(§ 1 Ziffer V des Entwurfs eines Eisenbahnanleihegesetzes vom 20. März 1912) nur unter der Bedingung erteilen, daß die Eisenbahnverwaltung die für diese Zugförderung nötige elektrische Energie in bahneigenen Werken selbst herstellt; und 2. dahin wirken, daß sofort die Mittel für Errichtung staat- licher Kraftwerke, die durch die Einrichtung elektrischer Zugförderung auf den Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen nötig werden, bereitgestellt werden. Diese Forderung muß von allen denen, welche sich gegen die Konsumknebelung durch ein Privatmonopol wenden, unterstützt werden- Der Staat darf unter keinen Umständen diese Monopolbewcgung noch fördern und darf sich auch selbst nicht von dem Elekrizitätstrust ab- hängig machen. Baden, Bayern und Sachsen sind dazu übergegangen, für die Eigendeckung des Elektrizitätsbedarfes ihrer Bahnen Vorsorge zu treffen. Im Hinblick darauf hat der sächsische Fiskus noch in diesem Frühjahr für über St Millionen Mark Braunkohlenfelder erworben. Dieser Ankauf wurde vom sächsischen FiskuS unter anderem folgendermaßen begründet:„Für die Staatseisenbahnen wird der staalseigene Besitz an Kohlengruben dann besonders wertvoll . werden, wenn die Staatsbahnen oder wenigstens ein Teil davon elektrisiert tverden. Denn wenn es auch jetzt noch auf eine Reihe t von Jahren hinaus möglich ist, elektrische Energien von privater Seite zu billigen Preisen zu erlangen, so wird dies doch für die Zukunft um deswillen immer fraglicher, weil damit gerechnet werden muß, daß auch auf dem Gebiete des Elektrizitätswesens die Syndizicrung der Elektrizitätsgesellschaften und die Heraus- bildung weniger riesenhafter Großbetriebe immer weitere Fort- schritte machen wird, ohne daß dies der Staat zu hindern vermöchte. Die Wahrscheinlichkeit, billige Preise für den Be- zug elektrischer Energien zu erlangen, wird aber um so geringer, je weniger Produzenten elektrischer Energien vorhanden sind. Besitzt der Staat aber eigene Kohlengruben, auf denen er sich die für die Staatsbahnen benötigten elektrischen Energien selbst erzeugen kann, dann kann er der ferneren Entwickelung der großen Elektrizitäts- gesellschaften und deren eigenen Erwerb von Kohlengruben ruhiger entgegensehen, da er sich jederzeit die von ihm benötigte elektrische Energie mit eigenen Kohlen erzeugen und sich damit unabhängig von privaten Preisforderungen zumachen vermag." Der preußische Fiskus hat dagegen noch in diesem Frühjahr, d. h. zur gleichen Zeit, als er die Pläne zur Elektrisierung der Berliner Stadtbahnen ausarbeiten ließ, schleunigst seine Braunkohlenfelder in Sachsen Verla u f t, obgleich diese Kohlenlager zur Speisung der für Eisenbahnzwecke notwendigen Elektrizitätsanlagen wohl geeignet .waren' Tie Preiserhöhungen des Kohlcusyudikats. Die Festsetzung der neuen Richtpreise dnrck das rheinisch-west- fäliscke Kohlensyndikat zwingt zu einem Rückblick auf die Preis- Politik des Syndikats seit seiner Entstehuna. Die erste Beobachtung, die man macht, geht dahin, daß die Kohleiwreise noch niemals auf einem so hohen Niveau gestanden haben als mit der neuen Preisfestsetzung erreicht ist. Besonders bemerkenswert ist es, daß auch der Preisstand der vorigen Hochkonjunkturperiode nunmehr überschritten wurde. Hinzugefügt sei, daß die Feststellung sich auf alle Kohlensorten erstreckt, auch Briketts nicht ausgenommen. Da gleichzeitig der Absatz des Shndilats unauf- hörlich stark im Steigen begriffen ist, so werden die Zechen für das nächste Geschäftsjahr nicht gerade mit rückgängigen Gewinnen zu rechnen haben. Der Preissteigerung seit der Mitte der neunziger Jahre, die rückschauend besonders auffällig erscheint, sei im folgenden statistisch nachgegangen. Für einige der wichtigsten Sorten, die unter dem Namen Fettkohlen zusammcngefakt werden, gestaltete sich dse Festsetzung der Richtpreise in den nachstehenden Geschäfts- jähren, pro Tonne in Mark, wie folgt: Jahr 1898/1897 1902/03 1907/08 1911/12 1912/18 Förderkohlen 8,30 9,00 11,00 10,50 11,25 Bestmelierte. 9,30 11,00 12,10 11,85 12,50 Stückkohlen. 11,50 13,00 13,50 13,25 13,50 Gew. Nuß I 11,00 12,75 13,20 13,26 13,75 Um die neuen eben beschlossenen Preise für das Fahr 1913/14 zu erhalten, hat man den zuletzt angegebenen Notierungen des laufenden Geschäftsjahres je 50 Pf. pro Tonne zuzuschlagen: allerdings sind nach den vorläufigen Mitteilungen eine Anzahl Kohlensorten noch stärker im Preise gesteigert worden, man wird aber billigerweise das Minimum einsetzen, bis die neue Preisliste erschienen ist. In der vorstehenden Tabelle sind zunächst die ältesten vorliegenden Preise des Jahres 1896/97 angegeben; mit besonderer Absicht werden dem die Notierungen der letzten beiden Hochkonjunkturperioden angefügt, um die neuen Richtpreise in ihrer Höhe richtig einzu- schätzen. Auch bei den F l a m m k o h l e n nimmt die künftige Preisbasis ein bisher ungekanntes Niveau ein. Das gleiche gilt weiter auch von allen Sorten E ß k o h l e. Was schließlich die Preisfestsetzung für Koks angeht, so ist zuzugeben, daß nach Inkrafttreten der jüngsten Richtpreise am 1. April kommenden Jahres erst wieder die Notierungen des Jahres 1907 erreicht werden. Briketts werden mit 50 bis 75 Pf. pro Tonne erhöht und gehen damit in Zukunft ebenfalls zum erstenmal über den Hochstand des Jahres 1907/03 binaus. Selbst die.Rheinisch-Westfäkische Zeitung", die ja die Interessen der westdeutschen Scharfmacher vertritt, kritisiert die Preiserhöhungen. So sagt sie u. a.:„Besonders muß es auffallen, daß gerade die an und für sich schon teueren H a u s b r a n d k o h le n durchgängig wieder Preiserhöhungen von 50 Pf. die Tonne erfahren haben. Nuß IV und Feinkohlen sind sogar um 1 M. die Tonne erhöht worden. So kommen denn Preise für die besseren Hausbrandkohlen heraus, die sich zwischen 20 und 25 M. die Tonne bewegen. Wenn Preiserhöhungen für Jndustriekohlen in guten Zeiten erklärlich und durchaus verständlich sind— die In- dustrie ihrerseits kann sich au höheren Preisen für ihre Fabrikate schadlos halten— so belasten andererseits allzuhohe Preise der Hausbrandkohlen doch die breiten Schichtendes Volkes, das nicht in der Lage ist, sich anderwärts schadlos zu halten.... Schließlich kann auch eine Anzahl Zechen, die in erster Line von den höheren Preise» für Anthrazit profitieren, nicht zu den notleidenden ge- rechnet werden. Es erscheint aus diesen Erwägungen notwendig zu sein, in Zukunft die Preispolitik etwas zu differenzieren." Natürlich zeigt sich in den Erhöhungen nur das Bestreben, den günstigen Stand der gewerblichen Konjunktur auszunutzen. Um die Begründung einer solchen für unsere gesamte Volkswirtschaft äußerst bedeutungsvolle Maßregel ist man nicht verlegen. Man ver- weist auf steigende Bergarbeiterlöhn� wachsenden Wagenmangel, zu- nehmende Nachfrage am Kohlenmarkt und auf die günstige Lage des Eisenmarktes, die es den Hütten, Walzwerken usw. wohl gestattet, höhere Kohlen- und Kokspreise zu zahlen. Der Hauptgrund, der nicht erwähnt wird, ist natürlich der Wunsch, angesichts der gewerb- lichen Hochkonjunktur eine Erhöhung des Dividenden- ertrages der Bergwerksgesellschaften zu erreichen. Die Bergarbeiterlöhne haben, im Gegensatz zu den Kohlenpreisen, noch nicht die Höhe des Jahres 1907 erreicht. Soziales. Zur Sonntagsruhe im Handclsgewcrbe. Frau Luchterhand, die ein Materialwarcngefchäft in Berlin be- treibt, stillte sich gegen das Berliner Orlsstatut vom 14. Oktober 1911 in Verbindung mit den Bestimmungen der Gewerbeordnung über die Sonntagsruhe im Handelsgetverbe vergangen haben. ES wurde ihr vorgeworfen, daß an einen: Sonntag im Winterhalbjahr vor 10 Uhr morgens in ihrem Laden unverdeckt Seife, Putz- und Brennmaterialien gelegen hätten, während zu dieser Zeit ein Ge- schäftsvcrkchr nur für Nahrungs- und Gcnußmittcl zulässig gewesen wäre. Da die anderen Waren unverdeckt gelegen hätten, seien sie feilgehalten worden. Daß im Laden ein Plakat aushrng. andere Waren als Nahrungs- und Genußmittci würden vor IC Uhr nicht verkauft, hielt das Landgericht, das die Angeklagte verurteilte, für gänzlich unerheblich. Das Kammergericht hob dieser Tage das Urteil auf und ver» wies die Sache mit folgender Begründung an die Vorinstanz zurück: Das Landgericht sage ganz allgemein, daß ein solches Plakat nicht genüge. So allgemein sei das unrichtig. Im Einzelfalle könne natürlich ein solches Plakat nicht genügen. Es könne aber in einem• anderen Falle durchaus genügen. Das Landgericht müsse nach- prüfen, ob das Plakat hier genügend gewesen sei. Das heißt, ob mit genügender Deutlichkeit zu erkennen gegeben war, dah An- geklagte die fraglichen Waren nicht verkaufen würde, oder ob sie doch die Absicht hatte, eventuell davon zu verkaufen. Geriekts- Leitung. Tödlicher Betriebsunfall. Ein schwerer Betriebsunfall, welcher.einem Menschen daS Leben gekostet hatte, lag einer Anklage wegen fahrlässiger Tötung zu- gründe, welche die Arbeiter Wilhelm Kölpin und Franz Siewert vor die Strafkammer des Landgerichts III führte. Die beiden Angeklagten waren bei der Eisengroßhandlung Schweitzer u. Oppler in Lichtenberg als Arbeiter beschäftigt, und zwar hatten sie hier das sog. Fallwerk zu bedienen, in welchem alte Gußteil« usw. mit Hilfe eines viele Zentner schweren Gewichts kleingeschlagen werden. Als beide am 3. Februar d. I. wieder an dem Fallwerk arbeiteten, ließen sie aus Fahrlässigkeit die von innen gepanzerte Tür zu dem Fallturm offenstehen. In dem Augenblick, al» die schweren Eisenmassen herniedersausten, stand gerade der Arbeiter Karl Lampe in der Nähe des Fallturmes im Gespräch mit einem anderen Arbeiter, mit dem er sich gerade über seine fernere Zukunft unterhielt. In demselben Augenblick zerschmetterte ihm ein etwa 30 Pfund schweres Eisenteil, welches durch die offenstehende Tür aus dem Fallturm herausflog, den Kopf. Der Unglückliche war sofort tot. DaS Gericht erblickte in dem Offenlassen der Türen eine Fahrlässigkeit und erkannte gegen Kölpin auf 6 Wochen und gegen Siewert auf 1 Monat Gefängnis. Untersagung der Stellenvermittelung. Der gewerbsmäßige Stellenvermittler Ortleb in Stettin hatte mehrfach die vom Regierungspräsidenten auf Grund des Stellen- vcrmittlergesetzes festgesetzte Taxe überschritten und ist deswegen zweimal bestraft worden. Der Polizeipräsident von Stettin erhob gegen ihn die Klage auf Untersagung der Ausübung des Stellen- Vermittlergewerbes. Nach§ 9, Absatz 1, des StellenvermittlergesetzeS vom 2. Juni 1910 ist die Erlaubnis zum Betriebe des Stellender- mittlergewerbes zurückzunehmen, wenn sich aus Handlungen oder Unterlassungen des Stellenvcrmittlers dessen Unzuverlässigkeit in bezug auf den Gewerbebetrieb oder seine persönlichen Verhältnisse ergibt. Unter der gleichen Voraussetzung ist der Gewerbebetrieb Stellenvermittler, die ihn vor dem 1. Oktober 1900 begonnen haben, zu untersagen. Der Bezirksausschuß gab der Klage des Polizeipräsidenten statt und erkannte auf Untersagung des Gewerbebetriebes. Das Oberverwaltungsgericht bestäftgte am 10. d. MtS. da? Urteil mit folgender Begründung: Die einzelnen Fälle, wegen deren O. bestrast fei, brauchten nicht nachgeprüft werden. Der§ 9 des Gesetzes bestimme ckusdrücklich in seinem Absatz 3, daß die Unzu- vcrlässigkeit im Sinne des§ 9, Absatz 1 und 2, stets anzunehmen sei, wenn der Stellenvermittler wiederholt bestraft ist, weil er die festgesetzte Gebührentaxe überschritten oder sich außer den taxmäßigen Gebühren Vergütigungen anderer Art von dem Arbeitgeber oder dem Arbeitnehmer habe gewähren oder versprechen lassen. O. sei zweimal wegen Ueberschreitung der Gebühren bestraft. Zweimal sei aber soviel wie„wiederholt". Somit mutzte hier unter allen Umständen die weitere Ausübung des Gewerbes untersagt be- ziehungsweise die Erlaubnis zur Ausübung des Gewerbe? entzogen werden. Billigkeitsgründe könnten gegenüber der Bestimmung des § 9, Absatz 3, nicht in Betracht kommen. Arbeitertouriftenverein„Die Naturfreunde», Ortsgruppe Berlin. Aus Anlaß der am Sonntag stattfindenden Demoiistrationsversammlungen fällt die angesetzte Tour fort. Utor. S,78S7. »•<ä�V 4001t Wwf/MR|ovi eSÄHf C�cM 01 Hallo! 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A.: Fuhrmann, Vorsitzender. vi». Simmal Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, Mdicrw 10-2. 5-7. Sonntags 10-12. 2-4 Gewerkschaftshaus. Sngeluser 15 Unterricht jeden Sonntag 3—11, Dienstags 9—11. lell-nttlnnU. haltbarer, beirihrter and gataltinder Berufs-Kleidung | Manchester- Anzüge-Ii qa o � 7c � Marke Gambrinus. Aeafierst dauerhaft warm gef. Woate Hose O®/ J Herkules-Leder-Hosen Beste Arbeit. vracil einfarbig. Kernig und stark. A CA Bund ans einem Stück. Schwere Taschen........ M, J*-» Vorzüglich Q s" C O CA in Wäsche. M. J.O!) n. Z. JU Weiße Kellner-Jackette P- blaue Monteur-Jackette 2.45 Setzer-Kittel...... 3.10 2.50| Maler-Kittel....... 2.90 2.00 Berufs- Kleidung für alle Zweige der Gewerke und Industrie BaenSohn Berlin— Gegründet 1891 Chausseestraße 29-30 Gr. Frankfurter Str. 20 11 Brückenstraße 11 Schöneberg, Hauptstr. 1 0 Schutz- Kleidung für Sanitätsdienst und ge- werbe-polizeil. Vorsmriften Haupt-Katalog Nr. 46(Berufs-Kleidung) postfreil Ii.& P. Uder. 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Oktober, mittags 1 Uhr, stattfindenden Demonstration der Arbeiterschaft Groß-Berlins ersuchen wir sämtliche Gewerkschaften, z« dieser Zeit von jedweder anderen Veranstaltung Abstand zu nehmen und sich daran zu betelligen. Der Ausschuß der Gewtrkschaftsiillmmlsßllll Serlins irnü ilmgtgtnd. 300/2* Kdpenicker Str. 98b. Eigene Werkstatt. Fachgemäße Bedienung. Für Damen weiblicbe Bedienung. Lieferant der Krankenkassen und der Konsum■ Genossenschaft Berlin und Umgegend. 107/3 Sonntag, ben SD. Oktober: Gr. Wursteffen, wozu freundlichst einladet W. Keller, Walddurg» Bahnhof Hirschgarten. Dkiitslher Trrnispiittlirbkiitt-Nttdiiiid. Bezirksverwaltung Grost, Berlin. Sektion 3: Industriearbeiter. Gewertschaftshaus. Engelnfer IS II, Zimmer 81—44. Bureau: Z!eleph..Amt Moritzplatz 4747. IlollegMkv llllä Wege«! Alle in ilen berliner Zlletsilbetrieiien tätigen paeber, Bezieher, Lager-, betriebshllfs-, tfoj- und Transportarbeiter und Arbeiterinnen usw. Die für Sonntag, den 20. Oktober, vormittags OVs Uhr. bekanntgegebene Versammlung fällt aus und findet dafür am Sonntag, den S?. Oktober, vormittags 0'/, Uhr» i« großen Saal der.,G er m a« i a» P r a ch tsä l e", Ehauffeeftrafte 11«. � � statt.— Da die Versammlung eine öffentliche ist, wird ein recht zahlretcher Besuch erwartet. ö7/u Die Sektionsleitung. I. A.: Kg,-! Fromke. Arbeitsnachweis: Amt«oSen.'Rr. 1239. hrwaltmptelle Berlin EharitSstrafte 3. Hauptbureau: Hos III. Amt Norden. Ztr. 1937. Wegen des bevorstehenden Umzuges ist die Haupt- bibliothek von Montag, den St. Oktober, ab geschloffen. Die Wiedereröffnung wird bekanntgegeben. Die Vertrauensmänner- Konferenz der Werkzeugmacher fiudet am DonuerStag. den«4. Oktober, abeud» 8 Uhr, im Lokal »ou«itwe 3ha»sa»tt», Orauienftr. 103, statt. 120/8 Die Ortsverwaltung. - Ortsverwaltung Berlin I. DM- Die Bezlrksversammluugeu finden am lDonnerStag, den 84. Oktober, in den delanntcn Lokalen statt. 3 DM- AlleS nähere durch Haubzettel.-MW ver Voratsnck. 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Zur Teilnahme sind verpflichtet: die gewählten Delegierten, die Bezirksleiter und die Kreisfunktionäre. Parteimitglieder, die den Verhandlungen als Gäste bei- wohnen wollen, haben als Legittmation ihr Mitgliedsbuch vorzuzeigen. Der Kreisvorstand. Die Flugblattverbreitung zu der Demonstration im Treptower Park findet mit Ausnahme von Schöneiche und Petershagen in allen Bezirken heute Freitag, abends 7 Uhr, von den Bezirkslokalen auS statt. D. O. Wilmcrsdorf-Halenfee. Heute Freitag, abends 7 Uhr: Flug- blattverbreilung von den belannten Bezirkslokalen aus. Am Sonntag versammeln die Parteigenossinnen und Genossen fich vormittags 10 Uhr zum Abmarsch nach'Treptow im Viktoria- garten, Wilhelmsaue IIS. Für die in Halensce wohnenden Mitglieder findet am heutigen Freitagabend 8 Uhr ein besonderer Z a h la b e n d im Lokal von Piche. Paulsborner Straße 26, statt. Der Vorstand. Charlottenbnrg. Heute abend 7 Uhr: Flugblattverbreitung. Wir machen ferner daraus aufmerksam, daß am Sonntag früh 8 Uhr gleichfalls eine wichtige Flugblattverbreitnng stattfindet und bitten die Genossen um zahlreiches und pünktliches Erscheinen. Der Vorstand. Tcmpclhof. Wegen der heute, Freitag, stattfindenden wichtigen Flugblattverbreitung fällt der Diskutierabend aus. Friedenau. Die Flugblattverbreitung findet heute Freitag, abends 7 Uhr, von den Bezirkslokalen aus statt. Der Vorstand. Schmargendorf. Die Flugblattverbreitung findet heute abend 7 Uhr vom«Wirtshaus Schmargendorf' aus statt. Schmargendorf. Sonnabend, den IS. Oktober, abends 8 Uhr, im Schiitzenhause. Hundekehlenstratze: Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: Mißbrauch der Religion zu politischen und wirr- fchaftliche» Zwecken. Referent: Landtagsabgeordneter Adolf Hoff- mann- Berlin. Zur Demonstrationsversammlung am Sonntag treffen fich die Genossen und Genossinnen um 10 Uhr im Wirtshaus Schmargen- darf, Warnemünder Str. 6. Der Vorstand. JohauniSthal. Heute Freitag 7 Uhr: Flugblattverbreitung. Der 4. und 5. Bezirk vom Lokal Trautmann, Waldstraße, � der 1., 2; und 3. Bezirk wie bisher vom Lokal Gobin aus. Die Teil- nehmer an der Demonstrationsversammlung am Sonntag treffen fich pünktlich lO3/« Uhr im.Arbeiterheim", Friedrichstr. 61. Ab- marsch nach Treptow 11 Uhr. Der Vorstand. Treptow-Baumschnlcnweg. Heute Freitagabend 7l/z Uhr: Wichtige Alugblattverbreitung von den Bezirkslokalen aus. Sonntagvornnttag Uhr treffen sich alle Genossinnen und Genossen in ihren Bezirkslokalen zum gemeinsamen Abmarsch nach dem VersammltingS- Platz Treptower Park. Kaulsdorf. Heute Freitag, den 13. Oktober, abends 8 Uhr: Flugblattverbreitung vom Lokale des Herrn Bobey auS. Die Teil- »ehmer an der am Sonntag stattfindenden Massendemonstration treffen sich pünktlich 11 Uhr vormittags in obengenanntem Lokale. 11 Uhr 11 Minuten gemeinsame Abfahrt. Die Bezirksleitung. Bohnsdorf. Treffpunkt zur Demonstration nach Treptow: Sonntag, vormittags IlVz Uhr, Ecke Bahnhof- und Paradiesstraße. Die Genossen aus Falkental und Falkenhorst treffen fich am Bahn- Hof. Abfahrt 11 Uhr S9 Min. von Grünau. Der Vorstand. Britz-Buckow. Heute, Freitagabend 7 Uhr, Flugblattverbreitung von den bekannten Stellen aus. Rciilickcndorf-Ost. Heute abend findet eine Flugblatt- verbreitung-von den bekannten Stellen aus fiatt. Der Borstand. Nieder-Schöneweidc. Heute abend Flugblattverbreitung von den Bezirkslokalen aus.— Der Abmarsch zur Massendemonstration am Sonntag findet um ll'/z Uhr von den gleichen Lokalen ans statt. Der Vorstand. Peteröhagen-Frcderödorf. Sonntag, den 20. d. M.. nachmittags 4'/2 Uhr. im Lokal von Otto Appel: Mitgliederversammlung. Tages- ordnung: Berichterstattung vom Chemnitzer Parteitag. Maricnfelde. Am Sonntag, den 20. Oktober, versammeln sich die Genossen um 11 Uhr, bei Schuster, Kirchstraße 63. Die Abfahrt nach Treptow erfolgt um 12,08 Uhr vom Bahnhof Mariensclde. Montag, den 21. Oktober: Flugblattverbreitung. Der Vorstand. Nicderlehme. Sonnabend, den 10. Oktober, abends S'/.j Uhr, im"okale von Gustav Koch„�agerruh": Mitgliederversammlung. TaoeSordnuna: 1. Abrechnung vom I. Quartal. 2. Bericht des Bil- dungSauSschusfes. 3. Partemachrichten. 4. Ergänzungswahl deS Vorstandes. Der Vorstand. Pankow Heute abend von 7 Uhr ab: Flugblattverbreitung von den bekannten Stellen auS. Die Bezirksleitung. Hoheu-Schönhausen. Heute Freitag, abends 8 Uhr: Oeffentliche Versammlung im Restaurant„ParadieSgarten�. Berlmer Straße 69. Tagesordnung:»Religion und Küche. Referent. Genosse Dr. Vor der Versammlung von 6 Uhr ab. rl'sttgblattverbreitung von den BezirkSlokalen ans... Zur Versammlung an, Sonntag m Treptow,.tomarfdj pünktlich vormittags 11 Uhr. von Krause. Berliner Straße b6. Eichwaldc-Schmöckwitz. Heute Freitag ab 8 Ahr t�AuSgabeder Flugblän-r bei Witte. Der Vorstand. Nieder-Schönhaufen-Nordend. Heute Freitag, abends von 7 Uhr an findet von den bekannten Stellen eine wichtige Flugblatt- Verbreitung statt. Die Bezukslettung. Bezirk Waidmannölust und Umgegend. Für den Besuch der Demonstration Abfahrt 10,29 Uhr früh von Hermsdors; von den übrigen Orten des Bezirks entsprechend der angegebenen Zeit. Tegel. Die Flugblattverbreitung für den hiesigen Bezirk findet am Sonnabend, den 19. d. MtS., abends 7 Uhr. von den belannten Lokalen aus statt. Die Bezirksleitung. Hehen-Reuendorf(Nordbahn). Heute Freitag, abends Vsß Ahr: «S'cht'ße Flugblattverbreitung von Stöhr, Ruhwaldstraße, aus. I Berliner JVachncbten. Die Stadtverordnetenversammlung hatte gestern Stellung zu nehmen zu dem bekannten Vor- gehen des Polizeipräsidenten gegen die Feuerwehrmannschaften. Sie wurde dazu genötigt durch den Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, der zum Protest gegen die Gefährdung des Vereinsrechtes der Feuerwehrmannschaften aufrief. Der An- trag regte gleichzeitig in seinem zweiten Teil an. im Hinblick auf diese Vorkommnisse erneute Versuche zu machen, wenig- stens für einen Teil der Polizeiverwaltung— für das in Berlin von der Polizei abhängige Feuerlöschwesen— die Uebernahme in die Verwaltung der Stadt zu erreichen. Die freisinnige Mehrheit der Stadtverordneten verhielt sich nicht ablehnend, aber besonders groß schien ihre Begeisterung weder für den ersten Teil des Antrages, noch für seinen zweiten Teil zu sein. Die begründenden Ausführungen unseres Genossen R o s e n f e l d, der das Vorgehen des Herrn von Jagow gegen die Feuerwehrmannschaften als Terroris- mus geißelte, wurden von den Freisinnigen mit Aeußerungen des Widerspruchs aufgenommen, und auch seine Schilderung des jeder Selbstverwaltung hohnsprechenden Verhältnisses der Stadtgemeinde zur„Königlichen" Polizei regte ihren „Bürgerstolz" offenbar nicht sonderlich auf. Charakteristisch war. daß die Darlegung der Dienst- und Gehalts- Verhältnisse der Feuerwehrmannschaften von einem der Freisinnigen mit dem Zwischenruf:„Aber sie sind se h r v e r- gnügt dabei I" begleitet wurde. Als nachher der Ma- gistratsvertreter Stadtrat Hamburger aus einer amt- lichen Auskunft des Polizeipräsidiums die Ausfassung des Herrn v. Jagow vortrug und unter anderem daraus mitteilte, daß die Mannschaften vor die Wahl eines Austrittes aus ihrem Verein oder der Entgegennahme ihrer Kündigung ge- stellt worden seien, kam aus den Reihen der Freisinnigen der beifällige Ruf:„Sehr richtig I" Daß es der Debatte auch an erheiternden Momenten nicht fehlte, dafür sorgte der brave Herr G o l d s ch m i d t, der wieder mal die Gelegenheit be- nutzen wollte, die Sozialdemokratie zu„vernichten". Der Antrag wurde einem Ausschuß überwiesen. Die vom Magistrat vorgeschlagenen Maßnahmen gegen die Fleischteuerung wurden genehmigt. Die Versammlung beschloß nach dem Magistratsantrag, zur Er- möglichung der Einfuhr von Rind- und Schweine- fleisch aus Rußland 600 000 M. zur Verfügung zu stellen. Stadtrat B e r n d t. der die Vorlage begründete, hob hervor, daß der Magistrat die von der Staatsregierung zu- gelassenen Erleichterungen nicht als ausreichend ansieht. Die- selbe Ueberzeugung wurde nachher auch von den Rednern der einzelnen Gruppen der Versammlung übereinstimmend zum Ausdruck gebracht. Stadtv. Cassel hielt es für notwendig, dabei seinem bedrückten Freisinnsherzen Luft zu machen. Er äußerte Besorgnis über die Folgen, die daraus entstehen könnten, daß hier die Kommune, wenn auch nur vorüber- gehend, den Lebensmittelvertrieb in die Hand nehme. Genosse Wurm betonte scharf die Notwendigkeit, diese Maßregel der Kommune möglichst lange aufrechtzuhalten. Er forderte, daß die Stadt sogar Vorsorge treffe, beizeiten zu einer Eigen- Produktion von Fleisch überzugehen. Die Schncllig- keit, mit der diesmal der Magistrat die von ihm vorgeschlage- nen Maßnahmen beschlossen hat, wurde von allen Rednern anerkannt. Oberbürgermeister Mermuth wies auf die Schwierigkeiten hin, die sich daraus ergeben, daß für das ganz neue Experiment erst der erforderliche Apparat geschaffen werden müsse._ Was alles die Uniform ausmacht! Fährt da kürzlich ein eleganter Zweispänner durch das Zentrum Berlins und auch die„Linden" entlang. Auf dem Bock thronte neben dem Kutscher ein galloniertcr Diener in weißen Handschuhen und in dem offenen Wagen saßen einige Herren" in einem etwas .phantastischen uniformähnlichen Kostüm, mit einem silber- und 'goldverbrämten Fez auf dem Kopfe. Die Herren wurden all- gemein als eine türkische oder auch russische Sondergesandt- schaft angesehen, wozu ja die jetzigen Balkanwirren reichlichen Anlaß bieten. Die Schutzleute- sorgten denn auch für freie Passage, der Verkehr stockte, bis die exotischen Gäste passiert waren. Sogar die Militärposten präsentterten und eine Wache wurde ins Gewehr gerufen. Die Insassen verhielten sich merk- würdig still und nahmen von den ihnen dargebrachten Ehrungen keinerlei Notiz. Es waren nämlich keine fremdländischen Offiziere oder Diplomaten, sondern lediglich Mitglieder der Sektion„Sicher wie Jold" des Internationalen Artisten- Verbandes, die anläßlich ihres 20. Stiftungsfestes in„Ml dress" auswärtige Delegierte vom Bahnhof abgeholt hatten. Der Respekt vor der Uniform ermöglichte auch dem Schuh- machcr Voigt die Verhaftung des Bürgermeisters von Köpenick. Die Haltestellen für öffentliches Fuhrwerk im Polizeibezirk Groß- Berlin sind neu geregelt worden. Berlin verfügt jetzt über 609 solcher Haltestellen und zwar 441 für Pferdedroschken und 163 für Krastvtoschkcn. Charlottenburg hat 88 Haltestellen(S4: 34). Schöne- berg 48(27:21). Wilmersdorf 4S(23:22), Neukölln 13(6:7) und Lichtenberg 9(6:3). Beiläufig bemerkt hat Berlin auch 228 Stand- Plätze für Dienstmäimer ohne Fahrräder und 30 Standplätze für Dienstmänner mit Fahrrädern und außerdem 11 Standplätze für Jnstituts-Reiniguiigsdiener(Stiefelputzer). Das Marineluftschiff„l- I" ist gestern nach eingehender Be- sichttgung durch den Staatssekretär des RcichSmarineanits von der Mariiieverwaltung übernommen worden. Eine gefährliche Gcldschrankeinbrechcriande, die seit einiger Zeit Neukölln unsicher machte, ist in der vergangenen Nacht von der dortigen Kriminalpolizei auf frischer Tat ertappt und festgenommen worden. In der letzten Zeit wurden fast Nacht für Nacht meistens zur ebenen Erde gelegene Kontore von Einbrechern heimgesucht, die mit den neuesten Mitteln die Geldschränke„knackten" und ihres In- Haltes beraubten. Oft statteten die gefährlichen Einbrecher mehreren Bureauräiimen in einer Nacht zugleich einen Besuch ab. Die Neu- kölluer Kriminalpolizei halte durch ihre unausgesetzten Bemühungen erfahren, daß die Bande in der vergangeneu Nacht einen Einbruch in das Deutsche BrauhanS in der Johann-Huß-Straße plante. Sie hatte wenigstens hier alle Vorkehrungen getroffen, die sie an den bisherigen Stellen zu treffen pflegten. Mehrere Beamte legten sich deshalb in den Nachbarhäusern auf die Lauer. Gegen l'/s Uhr erschienen dann auch zwei Männer, kantelten schnell die Haustüre auf, schloffen sie wieder hinter sich zu und verschafften sich dann, ebenfalls mit Nachschlüsseln, Eingang in die Bureauräume. Aber auch hier verschlossen sie die Tür wieder sorgfältig. Um zu den Einbrechern zu gelangen, mußten die Beamten erst selbst die Türen aufkanteln. Sie taten dies sehr sorgfältig und überraschten die Burschen gerade, als sie den Geldschrank gesprengt hatten. Da mehrere Beamten zur gleichen Zeit eindrangen, sahen die Ueber- raichten ein. daß ein Fluchtversuch unnütz sei und ließen sich ohne Widerstand verhaften. Bei ihnen fand man ein außergewöhnlich gutgearbeitetes Einbrecherwerkzeug. Zum Bohren benutzten sie nicht weniger als 17 Bohrer■ verschiedener Größe. Die Beamten, die während der Zeit draußen aufpaßten, sahen, wie ein sehr fein ge- kleideter Mann in das Kontor der Lebensmittelgrotzhandlung von Paris und Weiler eindrang. Auch diesen nahmen sie fest. Wie sich später herausstellte, gehörte er zu derselben Bande. Auf der Straße gestorben find gestern nachmittag ein Mann namens Adolf Stumpe und eine unbekannte Frau von etwa 40 Jahren. Stumpe kam von der Straße her auf den Hof des Grundstücks Reinickendorfer Str. 44, fiel dort um und blieb auf der Stelle tot liegen. Ein Arzt, den Hausbewohner holten, konnte nicht mehr helfen.— Die unbekannte Frau wurde hilflos auf dem Leopoldplatz aufgefunden und starb auf dem Wege nach dem Kranken- hause. Die Leicke wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Die Tote, die dem Arbeiterstande angehört zu haben scheint, ist ungefähr 1,60 Meter groß, hat dunkelblondes Haar und blaue Augen und trug eine weißpunktierte Barchentbluse, einen dunkelblauen Oberrock, geringelte Strümpfe, eine weiße Schürze, ein weißkariertes Umschlagetuch und Schnürschuhe. Ein schwerer Zusammenstoß zwischen einem Straßenbahnwagen und einem Droschkenauto ereignete sich am gestrigen Donnerstag- vormittag vor dem Hause Köpenicker Straße 60. Die Autodroschke I A 8139, die die Köpenicker Siraße entlang fuhr, wollte kurz vor dem Motorwagen 183S der Linie 1 auf die Straßenbahnschienen fahren. Das Automobil wurde jedoch von dem Waggon erfaßt und so heftig angefahren, daß der Chauffeur Risser eine Quetschung der Wirbelsäule davontrug und in das Krankenhaus Moabit überführt werden mußte. Der Insasse des Autos, ein Herr Walter Tietz, erlitt, eine Sehnenzerreißung am linken Unterschenkel und eine Stirn« wunde. Der Berunglückte wurde nach dem Krankenhaus am Urban übergeführt. Arbeiterbildungsschule Berliu. Am Sonntag, den 20. d. Mts., müssen beide Kurse in der Schule aus» fallen, da Genosse Grunwald auswärts referieren muß. Die Sonntagskurse werden fortgesetzt am 27. d. Mts. zu den bisher üblichen Zeiten. Am Sonntag, den 13. d. Mts., sind im nationalökono« mischen Kursus ein Winterpaletot und ein Hut verwechselt worden. Um sofortigen Austausch wird gebeten bei Fischer. Man» teuffelstr. 29. abends 5— V28 Uhr, oder Donnerstags Uhr in der Bibliothek im Schullokal. Die Männerchöre„Sängerabteilung I Süd-Ost" und .Männerchor Norden" veranstalten am Sonntag, den 20. Ottober, ein Konzert im großen Saal der Brauerei Friedrichs- Hain. Mitwirkende: Konzertsängerin Frau Herta Geipelt und das Künstlertrio der Herren Professor Oskar Schubert(Klarinette). Kammervirtuos Ernst Ferner(Klavier), Kamniermusiker MaxZeidler (Violoncello). Anfang des Konzerts 6 Uhr. Billetts im Vorverkauf 60 Pf., an der Kasse 76 Pf. Kinder unter 6 Jahren haben leinen Zutritt. Verloren. Ein Portemonnaie mit Inhalt und eine Anzahl Verbandsmarken sind in der Gegend der Alten Jakobstraße verloren gegangen. Der ehrliche Finder wird gebeten, den Fund im Bureau der Hutmacher, Große Hamburger Straße 18/19 abzugeben. Mittellose Kranke(Rheumatismus, Epilepsie, Sprachstörungen, Kopfschmerzen) behandelt unentgeltlich Dr. med. Natludow in seiner Klinik, Tieckstr. 12/13, II linls. Vorort- JSadmcbtem Wahlen zur Angestclltenversicherung in Neukölln und Charlottenburg. Am Sonntag, den 20. Oktober 1912, finden in der Zeit zwischen i2und4Uhr nachmittags für Neu» k ö l l n und Charlottenburg die Wahlen zur An» gestelltenversicherung statt. Wer nicht im Besitz der Versicherungs- karte ist, lasse sich diese sofort von seinem Prinzipal aus» händigen. Ohne Versicherungkarte kein Wahl» recht. Wir fordern die Kollegenschaft auf, sür die Liste II, Freie Vereinigung, zu stimmen. Das Wahlrecht übe man vor dem Vcr» sanimlunasbesucki aus. Hilfskräfte für Neukölln wollen sich um 10'/z Uhr im Zentralwahllokal der Freien Vereinigung melden; dieses befindet sich bei B u ch h e i st e r, B o d d i n st r. 4. Stimmzettel sind vor den Wahllokalen zu haben. Der Freien Vereinigung angeschlossen sind folgende Orga- nisationen: Zentralverband der Handlungsgehilfen, Verband der Bureauangestellten, Bund der technisch-indnstricllcn Beamten, Bund kaufmännischer Angestellten, Verband der Lagerhalter, Werkmeistervcrband für das Deutsche Buchbindergewerbe. Werkmeistervercin für Neukölln, Verband der Kunstgewerbe- zeichncr, Deutscher Zuschneiderverband, Allgemeine Vereinigung Deutscher Buchhandlungsgehilfen. Wilmersdorf. Wegen eines Bauunsallcs wurde die Wilmersdorfer Feuerwehr gestern früh kurz nach 7 Uhr nach der Ecke der Auguststraße und Wilhelmsaue gerufen. Dort war auf einem Abriß eine einstöckige Giebelwand eingestürzt und hatte zwei Arbeiter unter sich begraben. Die Verunglückten waren bei Ankunft der Wehr schon aus ihrer gefährlichen Lage. befreit. Am schwersten verletzt ist der Arbeiter Karl Selke aus der Berliner Str. 132, so daß er von der Rettnngs» wache nach dem Kreiskrankenhaus Lichterfelde gebracht werden mußte. Ein zweiter Arbeiter Badach erlitt Quetschungen an der rechten Hand und konnte von der Rettungswache nach seiner Wohnung ent- lassen werden. Die Feuerwehr stellte inzwischen auf der Unfallstelle noch einige Revisionen an. Schöneberg. Die städtischen Körperschaften haben kürzlich, wie bekannt, zur Forderung der Schweinezucht auf den öiieselfeldern 10 000 M. bewilligt. Die Mitglieder der KanalisationSdeputation haben sich darauf- hin gestern zu einer Besichtigung nach den bei Deutsck-Wusterhausen belegenen Schöneberger Rieselfeldern begeben, um an Ort und Stelle zu prüfen, welche geeigneten Maßnahmen zunächst zu treffen sind. ES ergab sich schließlich völlige UebereilistiinmlMg darüber, daß sich durch de» beschleunigten Bau eines Kuhstalles, für dessen Errichtung die Mittel von zirla 90 000 Sfi. schon im außerordentlichen Etat vorhanden sind, für die Vergrößerung der Schweinezucht genügend Platz schaffen läßt. Der seiner Zeit schon vorhandene geringe Schweinevestand ist nämlich in dem Jnngviehstall untergebracht; nach Erbauung des neuen Kuhstalls wird das Jung- Vieh in diesen Stall übergeführt werden, so daß der bisherige große Jungviehstall vollständig für die Schweinemast ausgenutzt werden kann. Im Frühjahr 1913 darf sodann mit einem Bestand von mindestens 500 bis 600 jungen Schweinen gerechnet werden. Je nach dem Ergebnis dieses Versuchs soll im kommenden Frühjahre Beschluß über eine ev. weitere Ausdehnung der Schweinezucht gefaßt werden. Lichtenberg. Wahlrechtsraub nach Nindorfer Muster. Der Magistrat und die bürgerlichen Stadtverordneten haben nach dem Rixdorfer Muster einen wohlüberlegten Wahlrechtsraub inszeniert. Ob- wohl es gar keinem Zweifel unterliegt, daß dem Fiskus kein Kommunalwahlrccht zusteht, hat man ihn diesmal in die Wahl- listen eingetragen. Der Effekt dieser Maßnahme ist, daß über 500 Wähler, die in die zweite Abteilung gehören, in die dritte Wählerabteilung gedrängt werden. Zu welchem Zwecke das geschieht, liegt auf der Hand: das nnge- schliche Vorgehen soll ein Eindringen der Sozial- demvkratie in die zweite Abteilung verhindern! Der Zweck muß die Mittel heiligen, er erhebt die Gesetzlosigkeit zum Gesetz. In geradezu unheimlicher Weise betreibt man diesmal di.' Wahlentrechtung. In zahlreichen Füllen sind Wähler nicht in die Listen aufgenommen worden, die vor dem 31. Oktober 1911 zu- gezogen waren, aber erst vom 1. November ab in Lichtenberg Steuern gezahlt haben, oder bei- denen auf Antrag ein Teil der Steuern nicht zur Erhebung gelangt war. Weiter verweigert man Wählern das Wahlrecht, weil sie in der Person eines Kindes oder der Ehefrau, und zwar in der Form von Krankenhausbehandlung, unterstützt worden seien. Wie groß die Zahl der Nichtaufgenomme- neu sein mag, kann man daraus crmessen, daß allein 289 Eile- spräche gegen die Wählerlisten eingegangen waren und sicher nur ein Teil der Nichtcingetragencn Einspruch erhoben hat. Genosse John hat Einspruch erhoben, weil der Fiskus als Wahlberech- tigter mit aufgenommen worden ist und die Steuersummen der Forenscn und juristischen Personen in einer Summe aufgeführt sind, so daß sich deren berechtigte Eintragung überhaupt nicht nach- prüfen läßt. Charakteristisch für die Wurstigkeit gegenüber den Gesetzen und die Tendenz der Wahlrechtsräuberei war das Ver- halten dev Bürgerlichen im Ausschuß, der zunächst über die Ein- spräche entschied. Herr Schachtel fühlte sich ganz als Herr der gesetzlosen Mandatsrctterei. Er kopfschüttelte zu den Anträgen von unserer Seite und seine Getreuen nickten. Der Hinweis darauf, daß man früher die Stundung und Nichterhebung von Steuern nicht mit dem Entzug des Wahlrechts bestrafte, dazu auch nicht befugt sei, die Betonung der Tatsache, daß früher ausdrücklich der Termin des Zuzugs als bestimmend für das Wahlrecht gegolten habe, waren fruchtlos: Jetzt machen wirs halt anders! Das war aller Reden und Bemerkungen Sinn, die von der anderen Seite laut wurden. Unverdrossen, im Bewußtsein der Macht, stimmte man dergleichen Einsprüche nieder. Und wie verfuhr man erst mit den Protesten des Genossen John? Unsere Genossen ver- wiesen auf Entscheidungen, die den Protest betr. Zusammenfassung der Steuersummen aller Forensen und juristischen Personen stützten. Herr Schachtel meinte höhnend: vielleicht entscheidet das Gericht später anders! Der Protest war erledigt! Einen Nachtrag zu dem ersten Protest erklärte man für einen selbständigen Protest und weil der Nachtrag zwar am letzten Tage der Einspruchsfrist, aber erst nach Schluß der offiziellen Bureauzeit ein- gegangen, sei er als verspätet zu betrachten und zurückzuweisen. So kommandierte Herr Schachtel und die Bürgerlichen schwenkten ein. Auch die Vorhaltung, daß die ganzen Wählerlisten und somit die Wahlen für ungültig erklärt werden würden, hatte man nur höhnende Bemerkungen, aus denen herausklang: das wissen wir, was solls, das schadet uns nichts, wir regieren solange, wir pfeifen auf das Gesetz. Ein tolles Stückchen ist auch die Ablehnung des Antrages des Herrn Alboldt auf ausnahmsweise Erteilung des Bürgerrechts. Zwar hat man den Herrn allerdings in der Mei- nung, er sei ein Sozialistentöter, zum Armenkommissar erkoren, aber, um keinen Präzedenzfall zu schaffen, verweigerte man dem vermeintlichen Mitglieds der Schachtel-Rott-Partei das Bürgerrecht. Es war selbstverständlich, daß unsere Genossen zu dem selbstherr- lichen, provokatorischen Vorgehen der Schachtelgruppe in trauter Gemeinschaft mit dem Magistrat nicht schweigen würden. Da aber die Bürgerlichen auf ihre Macht fußend, dem Recht und Gesetz trutziglich das Hausrecht versagten, konnte es nicht fehlen, daß in der gestrigen Sitzung die Gemüter heftig aufeinander- platzten. Zunächst richtete Genosse Grauer die Anfrage an den Magistrat, was. in der Angelegenheit der Teuerung geschehen sei. Bürgermeister U n g e r bemerkte dazu, es sei nun wieder der Verkauf von Seefischen eingerichtet, auch werde die Förderung der Kanin- chcnzucht erwogen. Ueber die Menge der Abnahme des von Groß- Berlin einzuführenden Fleisches werde der Magistrat am nächsten Tage Beschluß fassen. Die Nachricht von einem Ausfuhrverbot von Fleisch aus Rußland sei bisher nicht bestätigt worden, sollte sie auf Tatsachen beruhen, dann würden die Gemeinden zweifellos sich mit neuen Eingaben an den Reichskanzler wenden. Geschehen müsse etwas, in überseeischen Ländern gäbe es Vieh in Hülle und Fülle. Grauer wünscht, daß die Einfuhr von Geftierfleisch gefordert, die Stadt Mittel zur Verfügung stelle, um den Vertrieb billig zu be- werkstelligen und eventl. Zuschüsse zu leisten. Burgermeister U n g e r gibt bekannt, daß mit den Fleischern Verhandlungen noch dieser Richtung gepflogen würden. Herr Schachtel erklärte, er und seine Freunde seien ebenfalls der Ansicht, daß bisher m der Teuerungsfrage zu wenig geschehen und auch zu wenig zugestanden tvorden sei. Von der Regierung müßten bessere Maßnahmen zur Abhilfe der Not gefordert werden. Genosse Grauer bespricht dann de» Fall Alboldt. darauf hiniveisend. daß Herr Rott dem Herrn erklärt habe, ihm werde das Bürgerrecht nicht verliehen, weil auch Sozialdemokraten mit demselben Anspruch kommen würden. Er beantragte, dem Armcnkommissar Alboldt das Bürgerrecht zu ver- leihen. Herr Schachtel widersprach dem Antrage; man wolle keinen Präzedenzfall schaffen. Es sei ja bekannt, daß kurz vor Wahlen oft viele Sozialdemokraten zuzögen, um das Wahlrecht aus- zuüben. Dagegen wolle man sich schützen. Herr Boll erklärte, der Herr Alboldt habe selber eingesehen, daß man nicht allen zu- ziehenden Leuten das Bürgerrecht verleihen könne und die An- nähme des Amtes bedingungslos akzeptiert. Genosse Grauer bemerkte dann in der Besprechung der Ansprüche, daß die Beschlüsse des Ausschusses, nämlich Leuten, denen Steuern erlasse» worden oder die nur mit der Zahlung in Rückstand gekommen seien, das Wahlrecht abzusprechen, mit der Entscheidung der früheren Ge- meindevertretung in Widerspruch stehe. Er beantrage, alle hierbei in Betracht kommenden Personen in die Wählerliste aufzunehmen. Herr Schachtel erklärt, nur wer für 12 Monate in Lichtenberg Steuern gezahlt habe, bekomme das Wahlrecht;' wer erst seit dem 1 November 19U gesteuert, komme nicht in die Wählerliste. Nur diejenigen Personen sollen nach Antrag des Ausschusses in die Liste aufgenommen werden, die in der Person von Angehörigen unter- stützt worden seien.. Der Antrag Grauer wurde abgelehnt, der des Ausschusses, wonach alle erst nach dem 1. Oktober polizeilich ge- meldeten Personen und solche, die erst ab 1. November v. I. in Lichtenberg Steuern zahlen, das Wahlrecht versagt bleibe, gegen unsere Stimmen angenommen. Herr Schachtel verteidigte die Abweisung des Ausspruchs des Genossen John. Der Ausspruch aeaen das Wahlrecht des Fiskus sei auch nicht genügend begründet. Genosse John wies darauf hin. daß zweifellos be» Forensen und iuristiichen Personen die Steuersumme angegeben werden müsse. weil von der einzelnen Stcuerleistung für sie das Wahlrecht ab- hängig sei Durch die Einlrägung des Fiskus würden zirka 60 Wähler aus der 1. Abteilung ferngehalten. Die Aufstellung der Liste sei eine ungeheuerliche Maßnahme; er beantrage, dem Einspruch zu- zustimmen. Herr Schachtel erklärte, es könne keipe Rede davon sei», daß das Recht mit Füßen getreten werde; es sei doch möglich, daß sich die Gerichte später auf einen seiner Ansicht entsprechenden Standpunkt stellen würden. Herr Stadtrat Maretzki verteidigte die Aufstellung der Liste unter Hinweis auf die Vorgänge iw— Rixdorf; zweifelhast sei die Frage ja noch; Herr John könne bc deutende Kommentatoren für seine Ansicht anführen, der Magistrat sei anderer Meinung. Genosse John verweist nochmals darauf. daß zwei Entscheidungen des Oberverwaltungsgerichts dem Fiskus das Wahlrecht versagen; Herr Maretzki stelle sich aus die Seite der Wahlrechtsräuber— Ordnungsruf I—; die Wähler dürften sich den Raub nicht gefallen lassen. Genosse Grauer unterstützt die Ausführungen Johns. Es gäbe Leute, die sich hier liberal ge rierten; das ihnen zu glauben sei schwer, wenn man dem Vorgehen des Magistrats folge. Das krampfhafte Bemühen, ein offenbares Unrecht als Recht erscheinen zu lassen, entspringe dem Bestreben, die Macht zu behalten. Es sei an der Zeit, den Terrorismus der Vorschußbank zu brechen; die kleinen Leute, Handwerker, Geschäfts- leute dürften sich gegen den Terrorismus der Vorschußbankzruppe nicht auflehnen; wenn ihnen heute der Kredit entzogen würde, seien sie am nächsten Tage bankrott. Durch diese Zustände werde das ganze kommunalpolitische Leben in Lichtenberg unheimlich be- einflußt. Genosse John lockte den Stadtverordnetenvorsteher heraus, der dann bestätigte, daß er dem Genossen John eingestanden habe, auch nach seiner Meinung sei die bemängelte Zusammen- fassung der Steuern in der Wählerliste nicht gerechtfertigt— aber er habe an dem Tage doch auch schon geglaubt, die Einspruchsfrist sei verstrichen. Genosse John bemerkt dazu, die Erklärung be- weise, daß in der Sache der Vorsteher mit ihm übereinstimme, um so ungeheuerlicher sei die Zustimmung zu dem offenkundigen Wahlrechtsraub. Nach Schluß der teilweise der recht stürmischen Debatte wurde der Einspruch des Genossen John in namentlicher Abstimmung gegen sämtliche bürgerliche Stimmen z u r ü ck g e- wiesen, ferner alle anderen Einsprüche nach dem Antrage des Ausschusses. Der Wahlrechtsraub ist perfekt, die Wähler geben die Antwort. Zeuthen. In einer gut besuchte» Versammlung im Lokal.Dorfaue" referierte die Genossin Greifenberg über das Thema:.Teuerung und Junkerregiment". Der l'/zstündige Vortrag, in dem die Referentin die im einseitigen Interesse der Junker betriebene Politik grell be- leuchtete, fand lebhaften Beifall. Hierauf stimmte die Versammlung einer den Forderungen der Referentin angemessenen Protestresolution zu. Nachdem Genosse Feiertag die Versammlung davon unterrichtet hatte, was die Gemeinde in der Frage der Teuerung beschlossen, wurden die Anwesende» aufgefordert, in die Organisationen einzu- treten. Britz-Buckolv. In der Generalversammlung des Wahlvcreins«rstatiete Gen. Kapke den Vorstandsbericht.-Er betonte, daß die Neueinteilung der Bezirke sich bewähre; die Mitgliederzunahme lasse jedoch zu wünschen übrig. Der Mitgliederbestand beträgt 509( 418 männliche, 91 weib- liche). Der Kassenbeftand weist eine Einnahme von 656,70 M., eine Ausgabe von 600,07 M. auf. Der„Vorwärts" hat 660( 632) Won- nenten. Lebhaste Entrüstung rief die von uns bereits kurz er- wähnte Tatsache hervor, daß der Kreis Teltow mit der B. E. G. einen Vertrag abgeschlossen hat, wonach über die Brücken des Teltow- kanals keine Kabel gelegt werden dürfen. Die Wirkungen dieses der Privatgesellschaft zugestandenen Monopols habe-die Stadt Neu- kölln und die Baugenossenschaft„Ideal" zu fühlen bekommen. Als die Stadtgemeinde Neukölln zwecks Lieferung elektrischen Stromes die Kabel bis zum Teltowkanal gelegt hatte— was einen Kostenaufwand von etwa 15 000 M. erforderte— häbe die Kreisverwaltung die weiter« Legung der Kabel über di« Brücke inhibiert. Die Ge- meind« Britz, die sich an idem Neuköllner Elektrizitätswerk beteiligt, um billigere Beleuchtung für sich zu schaffen, will nun zusammen mit Neukölln im Verwaltungsstreitvcrfahren auf Beseitigung des betr. Passus in dem Vertrage vorgehen. Unter anderem wurde darauf hingewiesen, daß die Parteigenossen mit Abschlüssen von Lebensversicherungen bis Januar warten sollten, da begründete Aussicht vorhanden sei. daß die Versicherung..Volkswohl" Anfang nächsten Jahres ins Leben trete. Rüdersdorf. Die Gemeindevertretung beschloß in ihrer letzten Sitzung zu- nächst, für die Deckung der für die Instandsetzung der neuen Brücke und der neuen Straße an der Brücke benötigten Summen eine An- leihe von 25 000 M. aufzunehmen. Die Errichtung eines Bollwerkes bei dem GaSanstaltSgrundstück und eines solchen an der neuen Brücke wurde von der Vertretung einstimmig genehmigt. Dem Antrage betr. Errichtung eines Geländers an der Brückenböschung wurde stattgegeben. Reinickendorf. Der erste von der Gemeinde veranstaltete Flcischvcrkauf findet heute von 8 Uhr morgens ab auf dem Grundstück des Feuerwehr- depots, Koppenhagener Str. 98, statt. Zum Verkauf gelangt frisches Hammelfleisch zum Preise von 70—80 Pf. Die Tiere stammen von den der Gemeinde gehörigen Gütern.» Prenden(Kreis Niederbarnim). Ueber die allgemeine Teuerung und wie stellt sich die Regierung dazu? referierte in einer Volksversammlung unter freiem Himmel Genosse Fritz Carl-Berlin. Der Referent zeigte den Anwesenden, daß die Teuerung von Jahr zu Jahr sich immer verhängsnisvoller ür die minderbemittelte Vollsmasse gestellt. Die Maßnahme der Re- gierung sei vollständig wirkungslos. Nach den mit reichem Beifall aufgenommenen Ausführungen forderte der Borsitzende noch auf, der gewerkschaftlichen und politischen Organisation beizutreten; als- dann schloß er mit begeisterten Hochrufen auf die Sozialdemokratie die Versammlung. Spandau. Sein 20. Stiftungsfest feiert morgen Sonnabend der Arbeiter- Gesangverein„Hoffnung". Da der Verein weder Kosten noch Mühe gescheut hat. so verspricht dasselbe den Besuchern einen genußreichen Abend. Den Parteigenossen ist der Besuch des Festes schon deshalb zu empfehlen, weil der Verein bei jeder Veranstaltung der Partei mitwirkt. Der Eintrittspreis betragt 50 Pf. Nowawe». Theaterabende veranstaltet in der bevorstehenden Wintersaison wiederum der Jnhab«r des..Volksgarterw", Genosse M. Singer. Es ollew durch das„Berliner Schauspielensemble"(Dir. Heuser u. Sohn), das sich im vorigen Jahre mit den Werken„Sasernenluft" owie„Glaube und Heimat" gut eingeführt hat, außer dem am Sonnabend zur Aufführung kommenden Schwank„HanS Huckebein" von Blumenthal und»adelburg noch eine Reihe ernsterer Werke zur Aufführung kommen, so z. B.„Nachtasyl" von M. Gorki, Johann isfeucr",..Muttersegen"..Kasernenluft" usw. Die Aufhebung des Sonnabendsmarltes ist in der letzten Ge- meindevertretersitzung mit 14 gegen 11 Stimmen beschlossen worden. Dafür stimmten die ganze zweite Wteilung sowie einige Vertreter der ersten Wteilung. Die sozialdemokratische Fraktion hatte nicht nur die Beibehaltung, sondern die Ausdehnung des Marktes in die Pätcren Abendstunden beantragt, um den Arbeiterfrauen aus- reichende Gelegenheit zu Einkäufen zu bieten. Am Sonnabend indel der Markt zum letzten Male statt. Der Turnverein„Freiheit", der gegen das Verlangen der Orts- leibehörde auf Einreichung der Mitgliederliste Beschwerde beim Landrat des Kreises Teltow erhoben halle, hat einen ablehnenden Bescher? erhaltet?, Ter Lcrndrak sagi trt seinem Schreiben, des Verein gehöre dem Arbeiterturnerbund Teutschlands an und sei dahcr� nach einer Entscheidung des Oberberwaltungsgerichts vom 7. März 1911 als politischer Verein anzusehen. Hiernach und ins- besondere, da sich der Verein wiederholt an den Veranstaltungen einer bestimmten politischen Partei beteiligt hat, könne er die Bc- hauptung in der Beschwerde, der Verein habe nur den Zweck,„seine Mitglieder durch Turnen und Turnspiele körperlich auszubilden" für nicht zutreffend erachten. Er ersucht daher,„der zu Recht be« stehenden Verfügung des Amtsvorstehcrs binnen zwei Wochen nach« zukommen." Der Verein hat natürlich gegen diesen Bescheid weitere Beschwerde beim Regierungspräsidenten eingelegt und sieht dem Ausgang der Angelegenheit mit um so größerer Ruhe entgegen, als die Maßnahmen der Behörde auf den Mitgliederzugang eine äutzerjti günstige Wirkung ausgeübt hat, so tmß er sich bald genötigt sehen wird, eine zweite Abteilung einzurichten. Die Turnstunden des Vereins finden nach wie vor jeden Dienstag und Freitag in Singers Volksgarten von 8sh bis 10 Uhr abends statt. Sitzungstage von Stadt- nnd Gemeindevertretungen. Rnhnsvorf. Heute Freitag, abends 8 Uhr, im Restaurant Schatze, Rahnsdors-Mühle. Eichwalde. Sonnabend, den 19. Oktober, abends 7 Uhr, im Rathaus. Tchenkendorf bei Königs-Wusterhausen. Sonnabend, abends 7'/, Uhr, im Lokal von Robert Patsch. Diese Sitzungen sind öffentlich. Jeder Gcmeindcangchörigc ist be, rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Bus aller Welt. Regierungsweisheit. Eine ganz merkwürdige Entschließung, hat die bayerische Re» gierung in Sachen der ländlichen Sonntagsarbeit er» lassen. ES wird darin gesagt, daß bei der Beurteilung der Frage, ob die Voraussetzung zur Vornahme von Erntearbeiten an Sonntagen gegeben sei, in Betracht gezogen werden müsse, ob zur Zeit der Vornahme der Erntearbeit das baldige Ein« treten ungünstiger Witterung mit einer gewissen Berechtigung befürchtet werden konnte. Die Berechtigung einer solchen Befürchtung sei jedenfalls als erwiesen anzunehmen, wenn noch am Sonntag selbst oder doch am nächsten Werk- tag Regen eintritt. Erachtet die Gendarmerie trotzdem die Anzeigeerstattung für veranlaßt, so ist auch darin noch zu er- wähnen, ob nach Ansicht der Gendarmerie der An- gezeigte den nahen Eintritt ungünstiger Witterung mit Recht be- ürchten konnte. Ein wahres Meisterstück zentrümllcher Regierungsweisheit! Die Idee, den Gendarmen zum Obergutachter für Wetter" Prophezeiung zu ernennen, ist so genial, daß die bayerische Regierung sich darauf ein Patent geben lassen müßte. Ein Korruptionsprälat. Der Präfekt des Verwaltungswesens des römischen BikariatS. Monseigneur Cisterna, ist wegen Verschwendung und allerlei Mißbräuchen seines Amtes enthoben worden. Diese plötzliche Maßnahme wird darauf zurückgeführt, daß der Prälat die von dem Papst gewünschten Verwaltungsreformen nicht verwirllicht hat, andern vielmehr zahlreiche unnütze Stellen geschaffen und große Gehaltserhöhungen eingeführt hat. Sobald Gerüchte über Mißstände dieser Art laut wurden, beauftragte der Papst die Kardinäle Vives h Tuto, BiSleti und Van L o s s u m mit einer Enquete, die sehr zuungunsten des Präsekten ausfiel. Jetzt hat nun der Papst alle überflüssigen Beamten entlasten und den anderen das Gehalt gekürzt. An Stelle Monseigneur Cisternas ist der Prälat Schüller getreten. Der Abgesetzte hat sich ge- weigert, da« Amt semem Nachfolger zu übergeben und hat gegen die Absetzung protestiert._ Kleine Notizen. Bier Kinder erstickt. In der märkischen Ortschaft GieShofen erstickten vier Kinder eines Arbeiters, die sich allein in der Wohnung befanden. Die Kinder hatten mit Streichhölzern gespielt, wodurch ein Stuben br and entstand. Als man in die Wohnung eindrang, waren die Kleinen bereits tot. Zur Grubenkatnstrophe in Australien. Von den in der North- Lyell-Mine verschütteten Bergleuten sind gestern insgesamt 51 Mann gerettet worden. Die Zahl der Toten dürfte sich auf 42 belaufen._ Jngendveranstaltunge». Arbeiterjugend Tteglitz-Friedeuau. Sonntag. '~ b— Liel"VM~" >■__ den 20. Oktober! Taacsausflug nach Buch— Liepnitzsce— Bernau. Treffpunkt>/,8 Uhr morgens Bahnhof Steglitz. Abfahrt vom Stettincr Bahnhof 8.44 Uhr. Genügend Proviant ist milzubrinacn. Liederbücher nicht vergessen. Die Arbeiter. jugend ivird gebeten, sich an diesem Ausflugc sowie an den anderen Jugend» Veranstaltungen rege zu beteiligen. Die Kosten sind nur gering. Baumfchuleuweg. Am Sonntag, den A>. Oktober, findet ein Ausflug nach Tegel, verbunden mit Besuch des dortigen Jugendheims, statt. Ab» fahrt>/i2 Uhr Bahnhos Baumschulenweg. Fahrgeld 40 Pf. Die jugend» lichen Arbeiter und Arbeiterinnen werden ersucht, sich recht rege an dieser Veranstaltung zu beteiligen._ Ntarktbericht von Berlin am 1«. Oktober ISfS, nach Ermittelung de? lönigl Polizeibräsidiums. Marlthallenpreise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbten, gelbe, zum Kochen 30.00—50,00. Speifebohnen weiße, 36,00—50,00. Linsen 35,00—60,00. Kartoffeln(Kieinhdl.) 5,00— 8,00! 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule t,30— 2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,50—1,90. Schweinesleisch 1,60—2,40. Kalbfleisch 1,50—2,40. Hammelfleisch 1,40—2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 4,00—6,00. 1 Kilogramm Karpfen 1,40—2,40. Aale 1,60— 3,20. Zander 1,60—3,60. Hechte 1 60—2 80 Barsche 1,00—2,40. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 2,00—30,00._ WitterungSSberjicht vom 17. Oktober 1912. Stationen Swwemdr. Hamburg Berlin Franks.a.M München Wien L l ~ I 1- £-- L o - 5 c H Bf 763'® 70-1 ZW 766SW 768 NO Vetter »» i? m2> Stationen £e r C 2 ih Z? 766® 765N 767 NW 758'SW 765W Wetter 4 bedeckt Ichcdcckt 4 wolkig Lwolkenl l'bedickt . Oktober 1912. und veränderlicher ** C« f* L» » & 12. » 18 762 SO 3 wollenl 6 Haparanda 759 S 4 Regen 9 Petersburg 2mollenl' 4 Scillq INebel 9 Aberdeen 2 wolkig 9 Paris livoikenl 3 Wetterprognose für Freitag, den 18 .Ziemlich kühl bei frischen westlichen Winden wollung ohne erhebliche Niederschläge.. Berliner Wetterburea». rSafserftandS-Nachrtchte» der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berkwer Detterbureau. Bc- Wasserstand Memel. Tilsit P r e g e I, Jnstcrburg Weichsel. Thor» Oder, Ratibor , Strossen , Franlsurt Warthe, Schrimm Landsberg Netz«, Vordamm � Elbe, Lcitmeritz , Dresden Barby Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree, Spremberg') , Beeskow Weser, Münden . Minden Rhein, Maximilians au , Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main, Hanau Mosel. Trier [unui it(________________ i______________________») ��Leianjwoitlikher Reöalteur: Alfred Wielcpp, Neukölln. Für ien Inseratenteil verantw.: Tb- Glocke. Berlin. Druck». Verlag; Vorwärts tLuchdruckerei u. Verlagsavitalt Baiil Sujqsc u. Co., Berlin SWT