Ur. 247. flbonncmcnts-Bcdingung««: Abonnements- Preis vränumerando! Zicrlcljährl. 3,10 Ml, monall. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Pfg. frei WS Haus. Einzelne Nnmmer 5 Pig. Sonntogs. Nummer mit illusirierter Sonntags- Beilage.Tie Nbue Welt' 10 Pfg. Post- Zlbonnemenl! 1.10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Posl-ZeinmgS. Preisiisic, Unter Kreuzband iüi Deutschland und Oeslerreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland g Marl pro Monat, BostabonnemcntS nehmen am Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. vie Insertionz-Levlthr beträgt sür die scchSgcspallenc Kolonel» zeile oder deren lliaum 00 Psg„ sür politische und gewerkschaftliche BerclnS- und VeksnmmlungS-Zlnzcige» so Psg, „Kleine Hnreigen", das seitgedrillkte Wort 20 Psg.(zulässig Lfettgedrmkte Worte), jedeo weiierc Wort 10 P-'g. Slcllcilgesiichc und Schlasslellenan- zeigen das erste Bort 10 Pfg„ jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über lö Buch- fiaben zählen für zwei Worte, Jnscraie für die nächste Niunmer müssen bis li Uhr nachniittags in der Expedition obgcgeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet, Crfdltlnt tüglld) außer lilcntags Verlinev Volksblnkt. Zentralorgan der rozlaldemokrati fchen parte» DeutPchlands. Telegramm-Adresse: „Soiialdtmoiirat Rerllo". Redahtion: 8 Tl. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morinplatz- Nr. 1S83. Dienstag, den A3. Oktober 1912» Sxpeditton: 8 Tl. 68, Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Moriffplat!, Nr. 1S84. Wm zu Kläffer und zu Cande. Obwohl über die bisherigen Aufklarungs- und Anmarsch- gefechte nur amtlich abgestempelte und je nach der Herkunft tendenziöse Nachrichten vorliegen.— die Kriegskorrespondenten sitzen noch immer weit vom Schuß und machen ihrem Taten- drang durch feuilletonistische Plaudereien über allerlei sich hinter der Front abspielende Lappalien Luft— läßt sich doch mit einiger Sicherheit annehmen, daß die Entscheidung auf dem ausschlaggebenden östlichen Kriegsschauplatze imnier näher ruckt. Die Hauptmacht der Bulgaren rückt in verschiedenen Heeresabteilungen gegen die Linie Mustafa Pascha— Adria- nopel— Kirkilisse vor, ein Gebiet, das von zahlreichen Gebirgsketten und Kämmen, mit tiefeingeschnittenen, von Bergflüssen durchströmten Tälern durchzogen wird, lieber den Aufmarsch und die Absichten der in diesem Gelände zusammengezogenen, über 200000 Mann zählenden türkischen Armee unter dem Kommando Abdullah Paschas (Generalissimus der gesamten türkischen Streitkräfte ist Nazim Pascha) herrscht noch völliges Dunkel. Wollen die Türken die bulgarische Armee über die Grenze konimen lassen, um sie dann unter Anlehnung an das befestigte Adrianopel durch strategische Umgehungsinanöver zu umfassen und ihr eine Entscheidungsschlacht zu liefern? lieber den Stand der Dinge auf den anderen Kriegs- schauplätzen ist bei den einander widersprechenden Nachrichten ein klares Urteil nicht zu fällen. Sicher ist nur, daß die Montenegriner nach kurzer Pause wieder regere Tätigkeit ent- falten, und daß die Griechen ihre Streitkräfte auf türkischem Gebiete zu entwickeln beginnen. Die Türken verhalten sich aus diesen Kriegstheatern absolut defensiv. Inzwischen nehmen auch die allerdings ziemlich winzigen maritimen Streitkräfte Griechenlands, Bulgariens und der Türkei tätigen Anteil an den Kriegsereignissen, sei es-durch Blokaden, sei es durch wenig bedeutende Beschießung feind- licher Hafenstädte. OePtlicbei* Rnegsfchauplatz. Der bulgarische Bormarsch. Sofia, 21. Oktober. Die bulgarische» Truppe» setzen de» Bormarsch nach allen Richtungen fort. Die türkische Bevölke- rung hat zahlreiche Ortschaften an der Grenze verlassen. Kinder, die von ihren Eltern verloren wurden, irrten umher und wurden von bulgarischen Soldaten aufgenommen. Die bulgarischen Borposten find bis in die unmittel- bare Umgebung von Kirkilisse vorgeschoben und berühren die Linie der Forts von A d r i a n 0 p e l. Bei Mustafa Pascha haben die Bulgaren hunderttausend Kilo Getreide erbeutet. Kein bulgarischer Soldat ist von den Türken gefangen genommen worden. Die türkischen Gefangenen sind gut aufgenommen und werden von den bulgarischen Truppen gut behandelt. Bon kompetenter Stelle eingegangene Nachrichten versichere daß bulgarische Truppen in der Nähe von Malko Tirnowa eine türkische Eskadron eingeschloffen und gefangen genommen haben. Ein bulgarisches Dementi. Sofia, 20 Oktober.(Meldung der„Agence Tolsgraphique Bulgare".) Die von Konstantinopler Blättern gebrachten Meldungen, wonach türkische Truppen auf bul- garisches Gebiet vorgedrungen wären und eine Reihe von strategischen Positionen und Punkten, insbesondere in der Gegend von Tamrasch genommen hätten, beruhen auf Erfindung. Es hat kein einziger türkischer Soldat die Grenze überschritten. Die Türken denken nicht daran, in Bulgarien einzudringen, sondern sammeln sich bei Adrianopel. Ein Kavallericgesccht. Konstantinopcl, 21 Oktober. Nachrichten aus türkischer Quelle zufolge ging vorgestern bulgarische Kavalle- r i e, etwa ein Ztegiment stark, bei Balkuchlu im Bezirk.Kirf- kilisse über die Grenze und begann, einige verlassene Dörfer zu zerstören. Türkischen Truppen gelang es, die Bul- garen zurückzudrängsn, die unter Zurllcklassung zahlreicher Toten flohen! ein bulgarischer Reiter wurde ge- fangen. Nach dein Jkdam hatten die Bulgaren 400 Tote.(?) Sieben Bulgaren in Kumanovo, die versucht hatten, die Tele- graphenleitungen zu zerstören, wurden verhaftet. Serbische Geschütze in türkischen Händen. Konstantinopel, 21. Oktober. Fünfzig serbische Geschütze mit Munition, die hierher gebracht wurden, werden von der türkischen Armee verwendet werden. Vom nordwestlichen Kincgsfchauplatze. Ter serbische Aufmarsch. Belgrad, 21. Oktober. Nach Privatmcldungen rücken die perbi- scheu Truppen in drei Hauptkolonnen vor, und zwar eine östlich unter dem Kommando des Kronprinzen von Wranja nach Kumanowo gegen Uesküb, eine mittlere unter General Nankatvitsch gegen Prischtina und eine westliche unter General Zivkovitsch über Wawarcs, mit der Tendenz, sich bei Priepolje mit den Montcne- grincrn zu vereinigen und nach Aufnahme der Kolonne des Generals Dankowitsch über Mitrovitza gegen Ilcsküb vorzustoßen. Gestern befanden sich diese drei Kolonnen in der Linie Bujan- Podujewo-Nowawaros. Grenzkämpfe. Belgrad, 21. Oktober. Nach einer offiziellen Meldung haben die serbischen Truppen die türkischen Blockhäuser längs der Grenze in der Nähe von Ristowatsch sowie den Ort Bujanowitze genommen. Sodann besetzten sie die strategisch wichtige Höhe Bujan, 15 Kilo- mrter südlich der Greiizr. Belgrad, 21. Oktober. Aus Kurschumlje wird amtlich gemeldet: Am Sonnabendabend erstürmten mehrere serbische Ban- den unter dem Schutze des Nebels die Schanzen um Podujevo, in der darauf folgenden Nacht verließen die türkischen Truppen ihre dortigen Positionen. Podujevo wurde gestern von s e r- bischen Truppen besetzt, wobei eine türkische Bataillons- sahn«, 80 große Fcldzelte, 10 000 Kilogramm Zwieback, mehrere Kisten Munition, 80 Ochsen und Kriegsmaterial beschlagnahmt wurden. Kriegsgefangene erzählen, daß an den bisherigen Kämpfen an der Grenze zwei Nizam-Regimentcr, sechs Abteilungen Albanesen uitd drei Batterien teilgenommen haben. Die Albanesen seien unter Zurücklassung reichlicher Mengen Lebens- und Futtermittel mit ihren Familien aus dem Gebiete von Lab ausgewandert.— Die Stimmung bei Offizieren und Mannschaften ist vorzüglich. Ein Vorstoß im Sandschak. Paris, 21. Oktober. Der„Agence Havas" ist folgendes, heute mittag ausgegebenes Telegramm aus Nifch zugegangen: General Z) a n k 0 w i t s ch traf im Sandschak Novi- b a z a r bei M e r d a r a mit Scharen von A r n a u t e n zu- stimmen und zerstreute sie. Tie benachbarten Blockhäuser wurden in Brand gesteckt. Tie Verluste der Serben betragen 7 Tote und 120 Verwundete. Türkische Meldungen. Konstantinopel, 21. Oktober. Heftige Kämpfe werden von der serbischen Grenze von Rokowice und Aumurdia ge- meldet. Auf beiden Seiten sind die Berluste bedeutend. Der frühere albanrstsche Deputierte Safi ist an der Spitze eines Bataillons von Freiwilligen an die serbische Grenze abgegangen. Abdul Hamid. Konstantinopel, 21. Oktober. Abdul Hamid ist in der letzten Nacht hierher übergeführt und im alten Polais in der Nähe des abgebrannten Parlamcntsgebäird�s untergebracht worden. Tie kaltgestellten Kriegsberichterstatter. Belgrad, 21. Oktober. Tie Kriegskorrcspondenten sind gestern nach dem Kriegsschauplatz abgegangen. Der serbische Gencralstab hat entschieden, daß vorläufig weder die fremden Militärattaches noch fremde Offiziere in deni Operationsgebiet der serbischen Armee zu zu- l a s s en seien. Vom montcnegrimfchcn Kriegs fchauplatze. Montenegrinische Erfolge. Podgoritza, 20. Oktober. Der heutigen Einnahme von G u s i n j e ging am 19. d. M. die Besetzung der Stadt(?) P l a w a voraus. Dabei zerstreute die montenegrinische Rard- kolonne die dortigen türkischen Truppen, die hauptsächlich in der Richtung auf Djakowa flohen. In Gnfinje, gegen da» dann die Nordkolonne die Operationen eröffnete, standen 15 000 Türken mit den ihnen verbündeten Arnauten. Die gestern nach Podgoritza gebrachten 280 Gefangenen wurden heute in das Lager hinter der Stadt gebracht. Unter den Gefangenen sind Arnauten. Von Angova und Roshai werden weitere 270 Gefangene erwartet. Die Christen ans Beranc wurden zu sieben Bataillonen unter dem Kommando montenegrinischer Offiziere formiert. Im Beranc ist montc- negrinische Verwaltung, Post und Telegraph eingerichtet worden. Die Kämpfe in türkischer Darstellung. Koustautinopel, 2l. Oktober. Wie Meldungen vom Kriegsschauplatze besagen, haben am Sonnabend an der m 0 n t e n e g r i n i s ch e n Grenze bei den Höhen von Grevitza, Kirtschiska und Ograkimine heftige Gefechte statt- gefunden. Die Montenegriner sind geflohen und haben ihre Munition und ihre Zelte im Stiche gelassen. Sechs Offiziere und fünfzehn Soldaten sind auf montene- grinischer Seite gefallen. Auch bei Berane und Bjelopolje dauern die Kämpfe mit den Montenegrinern fort, die hier große Verluste gehabt haben sollen. Die türkischen Truppen haben nach diesen Berichten die Höhen von Kronitza, Takmanli und Tretitsche an der montenegrinischen Grenze besetzt und Munition und Vieh erbeutet. Vom südlichen Kriegsschauplätze. Rückwärtsbewegung der Türken. Konstantinopcl, 21. Oktober. Die griechischen Truppen haben Riskata besetzt, das t�ü r k i s ch e Hauptquartier wurde daraufhin nach Serfigde verlegt. Keine Griechenausweisungen. Konstantinopcl, 21. Oktober. Wie verlautet, denkt die Pforte für den Augenblick nicht daran, die in der Türkei lebenden Griechen, deren Zahl sich auf etwa 200 000 Seelen bcläuft, auszuweisen. Diese Maßregel würde für den Fall vor- behalten werden, daß die griechische Flotte einen Angrisf gegen die Inseln des Archipels unternimmt. Auf eine Vorstellung des russischen Botschafters ver-l länge r te die türkische Regierung die viertägige Frist für die Durchfahrt von Schiffen unter griechischer Flagge durch die Dardanellen um weitere drei Tage. Oer Scchmg. Aktionen der türkischen Flotte an der bulgarischen Küste. Konstantinopel, 20. Oktober. Die Pforte hat die Mächte amtlich von der B l 0 ck a d e von Warna in Kenntins gesetzt. Tie Türken bombardieren Warna. Sofia, 21. Oktober.(Meldung der„Agence Bulgare".) Heute vormittag begannen zwei türkische Kreuzer Ubss'5'iLktLksr'te zum Sslksnfder Man- dschurei, Mongolei und am Balkan: „Jetzb n>c> die Temperatur am Balkaii> wieder gestiegen ist emd die blutige Gefahr eines europäischen Krieges wegem der Valkanbeute vor ben Völkern Europas steht, wird die Sozial- demokratie mit verdoppelter umd verdreifachter Energie in den Kamps treten gegen den Militarismus« und Chauvinismus, gegen die lügnerisch- patriotischen Hetzreden, gegen das liberal-slawophile Slbeickeurertum." In einem anderen Artikel schreibt dasselbe Blatt:„Die Arbeiter Rußlands würden ihrer Pflicht gegenüber dem internationalen Proletariat nicht nachkommen, wenn sie nicht gegen das herannahende Gemetzel ihre Stimme erheben wür- den." Und die„ P r a v d a" präzisiert den Standpunkt der russischen Arbeiterpresse gegenüber den demagogischen Beein- flussungsversuchen einer pseudo-demokratischen Presse: „Nur die Arbeiterpresse, in Rußland wie in den Balkanstaaten selbst, bleibt dem kriegerischew Hasardspiel und den offiziös- patrio- tischen Manifestationen ablehnend gegenüber. Weshalb? Würdi- gen denin die Sozialisten, diese glühenden« Kämpfer für die Frei- heit, nicht die Interessen der slawischen Bevölkerung in Maze- dornen, an der die türkische Regierung und die Albanier ihr Mütchen kühlen? Nein, hier wie überall treten« die Sozialisten für die Freiheit ein, für die Freiheit der Christen und der Moham- medaner, aber sie glauben nicht an die Freiheit, die von den Ministerkanzeleien verkündet wird." Bedeutungsvoll ist auch die Stellungnahme des ,. M c- t allist", des Organs der Petersburgar(Metallarbeiter. Nach einer eingehenden Schilderung der Vorgeschichte des Battankrieges geht das Blatt zu den Gefahren über, die der Krieg für das ganze Wirkschaftslellen Europas aufgerollt hat, und schließt folgendermaßen:„Die Pflicht eines jeden Arbesters ist es, sich diese Folgen deutlich vor Augen zu führen und gegen das neue Spiel mit dem Ge- wissen, dem Blute und dem Besitz des Volles laut seine Stimme zu erheben!"__ Die Neuerung. Wirkt die Durchkühlung des Fleisches schädlich? Aus Landwirtschafts- und Fleischerkreisen wird noch iinnier die Behauptung wiederholt, daß Fleisch durch den Kühl- oder Gefrierprozeß an Wohlgeschmack und Nährwert verliert. Da die Ersahrungen des Auslandes nicht als Be- weise des Gegenteils anerkannt werden, weisen wir die „Deutsche Tageszeitung" auf folgende Tatsache hin: Bis 1903 mußte das« Fleisch kranker(einfinniger) Rinder als minderwertig auf der Freibank verkauft werden. Durch eine Aenderung des tz 40 der Ausführungsbestimmungen zum Fleischbeschaugesetz wurde dies Fleisch vom Jahre 1906 ab als tauglich ohne Beschränkung frei- gegeben, falls es einer vorgeschriebenen einundzwanzig- tägigen Durchkühlung unterworfen wird. Nicht nur gesundem Fleisch schadet der Kühlprozeß nichts, sondern selbst krankes wird dadurch unbedingt tauglich, so daß es ohne weiteres in den freien Verkehr übergeführt werden darf! Welche Bedeutung die Aenderung des tz 40 hatte, lehrt eine Angabe Rothes über Köln: während im Jahre 1904 3283 solcher Fleischstiicke auf der Freibank verkauft werden mußten, fehlten sie im Jahre 1906 vollständig. A» dir Ausschaltung des Zwischenhandels gehen jetzt die ostpreußischen Agrarier; sie gründen Viehzentralen, die das Vieh entweder direkt e»der durch die Vermittlung der Land- wirtschaftskammcr den Städten liefern sollen. Man hat auch bereits feste Preise auf einige Jahre festgesetzt. So beschloß der Zentralvercin in Nikolaikcn, Schweine für 40 M. pro Zentner ab Station Nikolaiken zum Versand zu bringen. Di« Viehverwertungs- gcnossenschaft in Lätzen faßte den Beschluß, die Schweine direkt an die Städte zum Preise von 45 M. pro Zentner auf die Tauer von drei Jahren abgeben zu wollen; jährlich sollen zirka 650 fette Schweine geliefert werden. Gegenwärtig werden in Ostpreußen auf«dem Markt 56 bis 60 M. für den Zentner Schweine— Lebendgewicht natürlich— bezahlt. Also selbst die unzureichenden Maß- nahmen der Regierung haben bereits bcwirit,«daß die Junker bc- ginnen, mit den Preisen herunterzugehen. Sie erklären jetzt, der Landwirtschaft liege nichts an hohen Preisen; sie wolle nur mittlere, aber nicht schwankende Preise'haben. Die agrarischen Blätter in Ostpreußen behaupten, daß die von der Regierung bewilligten Zollermäßigungen schon jetzt, ehe noch russisches Fleisch über die Grenze gekommen- sei, die Preise drückten; aber nur die Viehpreise. Nach einem Marktbericht wären die Schweinepreise seit dem letzten Monat um 10 bis 13 M. gefallen. Aehnlich sei es auch an anderen Plätzen. Die Fleischpreise dagegen wären nicht um einen Pfennig heruntergegangen. Dem Händler» tum wird nachgewiesen,«daß es„ungeheure Gewinne" erziele. So sollen ausgeschlachtete Hammel von den Landwirten- zum Preise von 50 bis 65 Pf. pro Pfund abgekauft worden sein. Fracht. Ueber- führung und den Preis für die Schlachtkarten hätten noch die Land» Wirte zu tragen gehabt, und trotzdem wäre das Hammelfleisch zu 00 Pf. bis 1,10 M. in«den Läden verkauft worden. Auf dem Wege vom Landwirt bis zum Fleischer würden also, obgleich der Landwirt noch einen Teil der Unkosten! trage, 35 bis 40 Pf. an jedem Pfund Fleisch verdient. Städtische Maßnahmen- Der Lübecker Senat gab die Einfuhr von frischem Rind- fleisch aus Belgien, von Rind- und Schweinefleisch aus Rußland und von Schlachtrindern aus Holland frei, falls das Fleisch zu bc- höidlicherseits festzusetzenden Preisen unmittelbar an die Vcr- braucher verkauft wird. Dänisches Fleisch wird durch das Polizei- amt bereits verkauft. Die Wirkung davon ist,«daß die Schlächter ihre Fleischpreise erheblich herabsetzten. In Karlsruhe sind die Preise für Ochsen-, Rind- und« Schweinefleisch infolge der Einfuhr von wöchentlich 150 Ochsen aus Holland und entsprechenden Verhandlungen«des Stadtrats mit der Metzgerinnung um 10 Pf. für das Pfund herabgesetzt wooden. Der Stadtrat in F r c i b u r g hat eine städtische Kommission beauftragt, wöchentlich etwa 50 Stück Großvieh in Holland cinzu» kaufen. Ferner wollen Stadt und Metzgerinnung gemeinsam wöchentlich 40 bis 50 Stück geschlachtete Schweine und entsprechende Mengen von Ochsenfleisch aus Holland beziehen. Durch großes Entgegenkommen gegen die Wünsche der Fleischer scheinen die städtischen Maßnahmen in Gotha ihren Zweck zu verfehlen. Trotzdem von der gothaischen Regierung Fracht und auch der durch den Transport und das AuSwiegen entstehende Verlust bezahlt wird, erhalten die Fleischer ein so hohes Aufgeld für den Verkauf holländischen Fleisches, daß die Preise sich noch ebenso hoch stellen wie ohne staatlicbe und städtische Beihilfe. Protestversammlungcn. In einer gut besuchten öffentlichen Frauenversammlung zu K a r l s h o r st referierte am 16. d. M. Genossin Fuchacz über:„Die Hausfrauen und Mütter im Kampfe gegen die Teuerung", poUtifchc dcbcrHcbt. Berlin, den 21. Oktober 1912. Was sich die Junker herausnehme». In der„D e u t sch« n Tage sze i t ung" und«dem„R eich?» boten" lädt ein Zerlenreitzer, dessen Handwerk auch sonst in kläg- lichen Verunglimpfungen der Sozialdemokratie besteht, einen Schwatz über die Demonstration in Treptow ab, der so läppisch ist, daß man ihn einfach mit verächtlichem Schweigen übergehen würde, wenn nicht gerade das Organ« der agrarischen Volks- ausplünderung ihn abdruckte. Nicht zur Charakterisierung dessen, wessen eine bemitleidenswerte kapitalistische Reporterseele fähig ist, sondern zur Kennzeichnung«der junkerlichen Frech» heit nehmen wir von dein verächtlichen Geschreibsel Notiz. Wenn da den nach dem Zeugnis eines bekannten- Mitarbeiters der„Deutschen- Tageszeitung" minider intelligenten Lesern des OertelorganS vorgefabelt wird, daß an der Demonstration sich ein» schließlich der Kinder nur 65 000 bis 70000 Personen beteiligt hätten— selbst die„B e r I. N e u e st e n Nachr." sprechen von „weit über 15000 0"—, so ist dos noch das geringste. Im Gegenteil, eine solche Darstellung könnte am Gnde noch als fchüch» terner Versuch, die Wahrheit nicht zu hähnebüchen zu vergewaltigen. aufgefaßt werden. Behauptete das Junkerblatt«doch von der vorigen Demonstration in Treptow, daß an ihr nur 40 000 Personen be- teiligt gewesen seien. Echt agrarische Geisteskost wird den Lesern des Junlerorgans aber damit vorgesetzt,«daß es bei der Demon- stration zugegangen sei„wie hinter Paul Singer seinen Sarch". Wenn man freilich glauben wollte, daß diese geschmack- volle christlich-germanische Wendung bedeuten sollte,«daß die Stim- MÜNK der Demonstranten eine gedrückte gewesen fet, so wird man ein pMc Zeilen später eines Besseren belehrt. Da wird nämlich erzählt,>daß sich die Demonstranten„rauchend, schwatzend, lachend" nach Treptow bewegt hätten, daß in Treptow selbst die Hälfte der Versammelten in„vergnügter Unterhaltung" sich hin uich her be- wcgt habe, daß man„tüchtig gefuttert", Witze gemacht und sich mit allem möglichen Unfug amüsiert habe. Und wie hätten die Demon» stranten gegen Volksverelendung„ausgesehen?„Abgezehrte, hungernd« Menschen hätte man erwarten" müssen, aber„über- wiegend gut, oft sehr gut gelleidete. oft sehr gut genährte, ja nicht selten geradezu behäbige Menschen" habe man sehen können. Und nicht nur„massenhaft Liebcspärchen" hat der Beobachter entdeckt, sondern die Frauen trugen auch enorme Federhüte,„ja selbst das entsetzlich enge Kleid Pariser Schnitts war doch verhältnismäätzig recht häufig zu treffen". Kurz:„wer sich einmal Mujjc nahm, diese verelendeten Massen gewissenhaft und genau zu betrachten, den mußte ein Zorn überkommen ob jenen infamen Schwindel von der Verelend un g". Was das Junkerorgan mit diesen tölpelhaften Unverfroren heiten eigentlich bezwecken mag? Ob es seine Leser wirklich für so töricht hält, um sich einzubinden, ihnen die Lage der Berliner Ar- beiterschaft als ein wahres Schlaraffenlos schildern zu können? Oder ob es gar den Regierungskreisen ein solches Matz politischer und sozialer Einfalt zutraut? Jedenfalls beweist dieser grenzenlose Hohnergutz den Arbeitern von neuem, datz es allerhöchste Zeit ist, dieser D r oh n en last e, die sich in Prcutzen allem Kulturfortschritt zum Hohn n och immer Herrenrechte an m atzt» so rasch und so gründlich als möglichdas Handwerk zu legen! * Auch ein zweites Elabort der gleichen, Herkunft wird vom „Reichsbotcn" und der„Deutschen Tageszeitung"— in der letzteren gar als Leitartikel— wiedergegeben. Es wivd darin der Berliner Sozialdemokratie der Vorwurf gemacht, datz sie entgegen ihren Zu- sicherungen auf Berliner Boden„große geschlossene Umzüge" vcran staltet habe. Es wird dann versucht, die Berliner Polizei dahin zu beeinflussen,'daß sie„künftig nicht mehr das immer schrankenlosere Recht auf die Stratze" dul- den möge. Dies Scharfmachergchcul schlägt den vorher gc brachten Herabsetzungen der Demonstration geradezu mit der Faust ins Gesicht. Denn wenn es sich nur um 65 000 bis 70 000 Personen gehandelt und wenn die ganze Demonstration einen so äbge- schmückten Verlauf genommen hätte, wie die agrarischen Blätter ihren Lesern es vorschwindeln, so wäre doch die Aufputschung der Polizeibehörde wahrhaftig überflüssig! Gegen die Scharfmachereien selbst zu protestieren, halten wir freilich für überflüssig. War doch die Haltung der Demonstranten ohne jode Ausnahme eine geradezu mustergültige. Und für so grenzenlos frivol möchten wir denn doch auch preußische Polizeibehörden nicht halten, datz sie Herrn Oertcl und seinen Kumpanen zu Liebe durch Ver- Weigerung gesetzlicher Rechte Zusirmmenstötze provozieren möchte, für die nur Tollhäusler die Verantwortung übernehmen könnten! Krieg, Börse und Zwangsanleihe. Zum Kriegführen gehört bekanntlich nach Montecuculis weisein Ausspruch Geld. Besonders würde ein Krieg zwischen den europäischen Großmächten ganz enorme Geldmittel verbrauchen. Sachverständige haben ausgerechnet, daß das Deutsche Reich zur Führung eines großen Krieges mit den kmodernen technischen Kampfmitteln mindestens pro Jahr zehn bis 12 Milliarden Mark gebrauchen würde— also pro jT a g u n g e f ä h r 28 bis 30 Mill. M. Woher soll dieses Geld genommen, wie soll es zusammen- gebracht werden? Diese Frage ist schon häufig auf- geworfen worden. In der Sonntagsnummer des roten„Tag" sucht der General der Infanterie v. Blume sie kurz zu beantivorten. Er weist auf die Erfahrung hin, daß im Jahre 1870, als kurz nach Ausbruch des Krieges, am 3. und 4. August, die preußische Regierung die erste Kriegsanleihe im Betrage von 100 Millionen Thalern zu dem niedrigen Kurse von 88 Proz. und zu 5 Proz. Zinsen auflegte, trotz aller Kriegsbegeisterung nur 08 Millionen gezeichnet wurden. Die Herren Finanziers undKapitalisten hielten dieTaschcn zu. Und auch erst jüngstwieder, als der Krieg auf der Balkanhalbinsel ausbrach und die Gefahr eines europäischen Krieges drohte, fielen die deutschen Börsen sofort einer wilden Panik anHeim. General v. Blume meint deshalb, daß das Deutsche Reich im Falle eines ernsten Krieges nicht hoffen könne,„die dazu erforderlichen Geldmittel unter erträglichen Bedingungen mit Hilfe der Börse zu beschaffen". Er schätzt also den„Opfermut" und die„Vaterlandsliebe" unserer Kriegsenthusiasten und Imperialisten verflucht niedrig ein— nach den bisherigen Erfahrungen aber mit vollem Recht. Wie soll dann aber das nötige Geld beschafft werden? General v. Blume antioortet darauf: Die Geldmittel für die Mobilmachung und für die ersten ihr nachfolgenden Wochen besitzen wir in dem ReichökriegSschatz und in verfügbaren Beständen der Reichs- und Staatsverwalmngs- lassen. Sie werden eine wertvolle Vermehrung erfahren, wenn der neuerdings mehrfach angeregte Gedanke, einen Ausgleichsfonds für die Reichsverwaltung iin Betrage von 500 Millionen Mark zu kreieren, verwirklicht wird. Ein Teil des weiteren Geldbedarfs wird durch Vorschüsse der Reichsbank unter Verstärkung ihrer Notenausgabe gedeckt werden können. Die Geld- , Nittel für die nachfolgende Zeit müssen auf autzerordentlichen, Wege beschafft werden, zumal die laufende» Ausgaben der laufen- den Staatsverwaltung sich nur in verhältnismntzig geringem Matze beschränken lassen und die Zolleumahinen sich im Kriegsfalle verringern werden. Danach kommen Kriegssteuern, Kriegs anleihen und schlietzlich die Ausgabe von Papiergeld in Frage. Die Ausgabe großer Mengen unfundierten Papiergeldes hält General v. Blume in solchem Kriegssalle nicht für ratsam; und durch Kriegssteuern könnten auch nur kleine Teile des enormen Geldbedarfs gedeckt werden, da sie nur langsam eingingen und außerdem einen empfindlichen Druck auf die Volks- Wirtschaft ausübten. Das Hauptmittel sei demnach die Auf- nähme von Kriegsanleihen, und zwar von Anleihen auf ausländischen neutralen und l ei st u n g s- fähigen Geldmärkten. Da aber das Deutsche Reich auch in dieser Hinsicht vermutlich keine große Aus- Wahl haben werde, und da ferner der Abschluß solcher aus- ländischen Anleihen nur dann möglich sein werde, wenn das Reich den Geldgebern ganz erhebliche Vorteile biete, so bleibe als einträgliches Mittel der Geldbeschaffung nur die innere Zwangsanleihe. General v. Blume erklärt kurz und bündig: '„Das geeignetste Mittel hierfür und zugleich oas sicherste für pünktliche Geldbeschaffung durch Inlandsanleihen bietet sich in der Form der Zwangsanleihe dar, die unter matzvollen. der Billigkeit entsprechenden Kurs- und ZinS- bedingungen dem Lande, und zwar am zweckmäßigsten nach dem Vermögens stände auferlegt wird. KriegZleistungen, zu denen die Besitzer von Pferden, Fahrzeugen, Gebäuden. Nahrungsmitteln und ähnlichen Kriegsbcdarfsgegen- ständen gesetzlich, meistens unter Stundung der Entschädigung, verpflichtet sind, und ist weniger belastend als die Erhebung hoher Kriegssteuern, der das erleichternde Moment der Aussicht auf Rückerstattung und Verzinsung nicht zur Seite steht." Also Zwangsanleihen, und zwar in hohem Maße; denn Milliarden werden die ausländischen Anleihen auch nicht hereinbringen. Herr v. Blunie meint allerdings, die nötigen Milliardensummen seien gar nicht so schwer durch Zwangs- anleihen zu beschaffen, denn Teutschland habe ein National vermögen von 250 Milliarden Mark, und es gehöre gar keine übermenschliche Kunst dazu, jederzei einen für alle Anforderungen des Kriege ausreichenden Teil vorübergeh eitd mobi z u mache n". Man sieht, General v. Blume urteilt in Geldsachen recht optimistisch. In Wirklichkeit bedeutet die Aufbringung»ich rerer Milliarden Mark durch ZwangS-Kriegsanleihen eine völlige Zerrüttung des Wirtschafts lebcns, um so mehr, als ohnehin der Krieg viele Betriebe völlig brachlegen und Arbeitslosigkeit, Hungersnot und gratr siges Elend zur Folge haben würde. Doch, was quält das alles jene, die als Lieferanten von Waffen, Munition, Lebcns Mitteln auf reiche Profite rechnen oder die auf schnelles Avancement hoffen. Sie hetzen iveitcr zum Kriege. Der Zusammentritt des Dreiklassenhauses. Am Dienstag tritt der preußische Landtag wieder zu samnien. Von den wichtigeren Gesetzesmaterien, mit denen er sich zu beschäftigen haben wird, gehört in erster Linie das S t e u c r g e s c tz, in dessen zweite Beratung die Koin- missioi- am Donnerstag eintritt. Wesentliche Verbesserungen dieses echt kapitalistisch gestalteten Gesetzes wird auch die zweite Lesung und die Plenarberatung schwerlich noch bringen. Alle Hoffnungen, daß endlich die bereits vor zwanzig Jahren sogar von der Regierung vorge schlagencn Steuerbefreiungen der untersten zur nacktesten Notdurft nicht mehr ausreichenden Einkoinmensklassen durchs gesetzt werden würden, dürften zuschanden werden. Statt der Steuerermäßigung sür die Nichtbesitzenden wird es da gegen zu einer schikanösen Steuerbelastung der Konsum vereine kommen! Preußische Gesetzesmacherei! Auch das Wassergcsetz und das Schlepp Monopolgesetz ferner das Parzellierungsgesetz werden eingehender Beratungen benötigen. Auf die Tagesordnung einer der nächsten Tage wird die Interpellation über die F l e i s ch n o t gelangen, die von den Nationalliberalen ein- gebracht worden ist. Daß das Junkerhaus die Regierung nicht zu einschneidenderen Maßnahmen gegen die agrarische Volksauswucherung drängen wird, versteht sich am Rande! Eine Wahlrechtsvorlage soll dem Hause nach den bisher vorliegenden Mitteilungen nicht zugehen. Die nichtbesitzenden Klassen sollen auch ferner als rechtlose Heloten dem Jnnkerübermut und dem kapitalistischen Terror preis gegeben sein. Sie sollen auch zu den Neuwahlen in dem er hebender: Bewußtsein gehen, zwar die weitaus zahlreichste, abtr zugleich rechtloseste und am verächtlichsten behandelte Wählerklasse zu bilden. Das Volk der schaffenden Arbeit oll sich auch für abermals fünf Jahre mit einer lächerlich winzigen"Wrtreterzahl begnügen, während die paar Bäcker- blitzend freikonservativer erstklassiger Wähler wiederum über mehr als ein Schock Abgeordneter entsenden können. Es ist ein Lust, in Preußen zu leben! Der Kaiser und das Zentrum. In der am gestrigen Morgen erschienenen„Extra Ausgabe" des„Vorwärts" haben wir bereits darauf hinge wiesen, daß die antiklerikale Rede des Kaisers bei der Ein weihung des Coligny-Denkmals in Wilhelmshaven in den ullramontanen Kreisen Anstoß erregen und wahrscheinlich die Zentrumspresse veranlassen werde, an den Geschichts kenntnisscn des Kaisers allerlei schöne Korrekturen vorzu- nehmen. Tatsächlich beginnt denn auch bereits die„Germania", Wilhelm II. allerlei Geschichtsfehler anzustreichen. So Ichreibt sie zum Beispiel: „Was die„Treu e" betrifft, die Admiral v. Coligny seinem Landesherrn und seinem himmlischen König bis zu seinem letzten Atemzuge gehalten haben soll, so entspricht die Darstellung, die der Kaiser davon gegeben hat, nicht den geschichtlichen Tatsachen. Coligny war kein treuer Sohn der katholischen Kirche, sondern, der Kirche längst entfremdet, trat er 1559 offen zum Calvinismus über, leitete als Haupt der Hugenotten mit wechselndem Glück deren kriegerische Unternehmungen gegen die Guisen und rechtfertigte auch die Ermordung des Franz v. Guise, der 1563 vor den Mauern von Orleans erschossen worden war. Seinem Landesherrn Karl IX., einem schwachen und unfelb- ständigen jungen König, war er mehr Beherrscher als Berater. In den Bürgerkriegen, die damals in Frankreich wüteten, verbündete sich v. Coligny mit deutschen und englischen Hilfstruppn. Nach der Bartholomäusnacht er- hob der König gegen Coligny im Parlament die Anklage, er habe sich gegen ihn und den ganzen Hof verschworen gehabt, und durch Parlamentsbeschluß, der allerdings 1599 wieder aufgehoben wurde, wurde Coligny nachträglich des Hochverrats sür schuldig erklärt. Mit der Treue des Admirals v. Coligny gegen- über seinem Landesherrn und seinem himmlischen König i st es also eine sehr zweifelhafte Sache, lieber die „Schreckcnsnacht von Bartholome" haben wir erst vor kurzem in dem Bericht über die Erstaufführung von Albert Lindncrs„Blut- Hochzeit" uns mit Anführung der geschichtlichen Tatsachen gc- äußert. Als ein„Schandfleck" in der Geschichte mag die Bartholomäusnacht immerhin angesehen werden; aber es ist vom geschichtlichen Standpunkt auS nicht gerechtfertigt, sie dein „Christentum" aufzubürden, da sie wesentlich aus politischen Gründen veranlaßt wurde." Die„Germania" ist verhältnismäßig zahm; die bayerischen und rheinischen Zentrumsblätter werden die Rede noch etwas derber anpacken. Der vornehme Freisinn. Der Freisinn verzichtet bekanntlich darauf, als politische Partei für das Mandat im ersten Berliner ReichStagSwahlkreise zu fechten. Ans Entwürdigung vor RegierungSmacht und KönigSglänz fetzt er feine Hoffnung. Sein Jammer gilt der Gefahr, datz der Kreis, in deni— man denke— ein KömgSschlotz liegt, von der Sozial- demokratie erobert werden könnte. Schrecklich, schrecklich l Das ver- wände der Freisinn nicht! Die Nachricht, datz die Konservativen und Antisemiten einen eigenen Kandidaten aufgestellt haben, läßt die„Voisin"— Nr. 534— greinen. Sie unterstellt den Machern der Kandidatur Ulrich die Absicht, den Kreis an die Sozialdemokratie auszuliefern— im Unterstellen ist der Freifiuu überhaupt groß. Nach einem Bericht in demselben Blatte über den Verlauf deS Eine solche Anleihe steht auf demselben Nechtsboden wie andere| Parteitages der fortschrittlichen VolkSpartci für Groß-Berlin wies Herr Kopsch auf die bevorstehende ReichStagSwahk im 1. Berliner Wahlkreise hin; er machte hierbei Mitteilung von der wenig vor- nehmen Kämpfesweise der sozialdemokratischen Organe. Dabei haben die sozialdemokratischen Organe sich bisher aus einfache Mitteilungen über die MandatSniederlegung usw. beschränkt; die sozialdemo- kratische Organisation im 1. Kreise ist bisher überhaupt noch nicht n, den Wahlkamps eingetreten, ihr erstes Flugblatt wurde erst nach der Rede verbreitet, ihre erste Versammlung wird am Dienstag ab- gehalten. Da wäre es interessant zu erfahren, welche Mit- teilungen über„wenig vornehme Kampfesweise' der Sozial- demokratie man gemacht hat. Sie dürsten sicki auf dem- selben Niveau der„Vornehmheit" bewegen, welche das erste flugblatt des Freisinns auszeichnet, in dem er als matzgebender aktor auf dem Rathause droht, datz in Zukunft alle die Personen, welche wegen Arbeitslosigkeit oder wegen der herrschenden Teuerung Unterstützung in Anspruch genommen oder für welche auS öffentlichen Mitteln Kosten für ärztliche Bemühungen, Medikamente oder Kranken- hanSpflege gezahlt worden seien, zu keiner Wahl mehr zugelassen würden— aus Rackie dafür, datz die Sozialdemokratie in ihrem Protest ungesetzliche Wahlpraltiken des Freisinns aufgedeckt I Wahrlich, besser, als wie er selbst tut, kann der Freisinn gar nicht demaskiert werden. Sein Sclbstkonterfei genügt, ihn— verachten zu lernen. H In einer ärgerlichen Polemik bemerkte die„Freisinnige Ztg.", ein im Wahlprotest speziell angeführter Bankdirektor habe tatsächlich zwei Wohnungen, auch ein Student„wohne" ebenfalls seit 1910 in demselben Hause im ersten Kreise. Beide Personen hätten an keiner anderen Stelle gewählt. Die„Freisinnige Ztg." will anscheinend den Eindruck erwecken, als hätte der Protest behauptet, die betreffenden Personen hätten doppelt gewählt. Das ist eine gehässige Unterstellung, die man doch lieber vermeiden sollte. Dergleichen Demmziatioiicn überlätzt die Sozialdemokratie neidlos ihren Gegnern. Der Protest behauptet, unter Benennung von Zeugen, folgendes: „Sodann führt die Wühlerliste des 18, Bezirks unter Nr. 236 den Studenten Wilhelm Busse als Wähler auf. Dessen Wohnung befindet sich im 6. Wahlkreise. Er fungierte sogar als Beisitzer im Wahllokal Jägerstr. 69. Dort rühmte er sich, er wohne zwar auswärts, weil aber dort seine Stimme nicht zur Geltung komme, habe er sich als Inhaber einer Schlafstelle in der Votz- strotze 9, wo er als Hanslehrer tätig sei, eintragen lassen." Busse selber hat ganz ausdrücklich erklärt, datz er im 1. Kreise �gemeldet" sei, tatsächlich aber nicht wohne, nur um hier wählen zu können.— Das Busse der einzige auf diese Art gemachte Frei- siimswähler gewesen sei, glaubt selbst die„Freisinnige Zeitung" nicht. Einzig durch solche Schiebungen hat der Freisinn das Mandat ergattert. Fast scheint es so, als ob er bei der Verteidigung des Mandats noch schofler vorgehen wollte. Die„Kreuzzeitung" ist. samt der Borussia-Drucker! Auf abschüssiger Bahn. wie die„Tägl. Rundschau" berichtet, mitsamt der Borussia-Druckerei an, dem Deutschen Verlag, den söge- nannten Büxenstein-Konzern,, verkauft worden. Das Blatt, das bis vor kurzem einer selbständigen,„KreuzKeitungS"-Gesellschaft gehörte, wurde vor wenigen. Monaten mit der Verlagsgcstllschaft Borussia vereinigt und ihm eine neue finanzielle Unterlage durch Zuziehung neuer Gesellschafter gegeben. Trotzdem mackste sich jetzt der Verkauf nötig, den Generalsekretär Schröter vermittelt haben soll. Ter „Deutsche Verlag" umfaßt bisher die Blätter„Deutsche Zeitung", Deutsche Nachrichten",„Deutsche Warte" und„Berliner Neueste Nachrichten", zu denen, jetzt die„Kreuzzeitung," treten soll.„Deutsche Zeitung" und„Berliner Neueste Nachrichten" werden seit geraumer "cit mit konservativem Gelde gestützt und haben zmn Teil gleichen atz. Auch die„Kreuzzeitung" soll sn Zukunft an diesem Tausch- satzverhältnis teilnehmen. Die Uebernahme des alten konservativen Blattes durch den neuen Verlag soll am 1. Januar 1913 erfolgen. Ucberraschcnjd kommt die Nachricht nicht. Wenn, auch über den Rechnüngsabschlutz der„Kreuzzeitung" in den letzten, Jahren nichts Näheres bekannt geworden ist, und die GcschäftSleitung sogar in weiser Vorsicht vermieden hat, ihre Abrechnungen, in der eigenen Offizin drucken zu lassen, so weiß man doch, daß das j unterliche Blatt mit starken llnterbilanzen, gearbeitet hat. Auch die Er- nennung des Herrn Müller-, Führer zum Chef der journalistischen Kapazitäten v. Wangenheim und Loeck vermochte daran nich:: zu ändern._ Gnade vor Recht. Der Hamburger Senator von Bercnberg-Gotzler hatte wegen des bekannten Duells mit dem Grafen Königsmark sein Eni- lassungsgcsuch eingereicht. Der Senat hat das Gesuch ab- gelehnt. Da Wilhelm II. inzwischen auch die drei Monate Festungshaft, die über den Senator verhängt waren, im Gnaden- lvege erlassen hat, ist die Affäre für alle Beteiligten bis auf den verwundeten Rechtsanwalt— schmerzlos erledigt. Wiederum ein Spionageprozeh. In dem Spionageprozeß gegen Banchclin und Genossen aus Metz ist Sonnabend abend vor dem Reichsgericht dos Urteil verkündet worden. Der frühere Brieftaubenwürter an der Fortifikation Metz, Banchclin, wurde auf Grund des§ 1 des Spionagegesetzes zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt, der Stelnhauer. Thiöbaut aus Grund des gleichen Paragraphen zu sechs Jahren Zuchthaus. Der äühere Fortifikationsschreiber Bergcr erhielt auf Grund des tz!> des Spionagegesetzes eine Strafe von sechs Jahren Zuchthaus. Außerdem wurde gegen, sämtliche Ungeklagte aus zehn Jahre Ehr- Verlust und Stellung unter Polizeiauffichk erkannt. Mildernde Umstände wurden nicht bewilligt. Die beiden Angeklagten Banchelin nrtd Thiebaut hatten seit Jahren mit Agenten des französischen Nachrichtenburcaus in Ver- bindung gestanden und ihnen allerlei Nachrichten über die Bc- estigung von Metz zugestellt. Berger hatte sich heimlich eine Anzahl von Plänen verschafft und diese versteckt, um sie gelegentlich nach Frankreich zu bringen. Hierbei hatte er versucht, verschiedene Helfer'anzuwerben, die aber auf seine Wünsche nicht eingingen. Somit war es bei Bergcr also nicht zu einer vollendeten Spionage gekommen._ Oeltemich. Ein schwerer Verlust. Wien, 21. Oktober.(P r i v a t te le g r a m m de« V o r wä r t s".) Die österreichische Sozialdemokratie hat eitlen schweren Verlust zu beklagen. Reichsratsabgeordneter Genosse Anton S ch l i n g e r ist heute V2I2 Uhr vormittags gestorben. Samstag schien es, daß der bedenkliche Zustand, in dem sich der Kranke nach der Blinddarinoperation befand, überwunden sei. Man hoffte aus baldige, und völlige Genesung. Am Sonntag trat in der Krankheit eine jähe Vendung ein und alle Kunst der Acrzte vermochte den Ver- all der Kräfte nicht mehr aufzuhalten. In da« gesamten Wiener Arbeiterschaft wird der Tod dieses treuen Genossen, I>es lieben, guten Menschen wie des ninimermüden Kämpfers den tiefsten Schmerz auslösen. Größte Trauer erfüllt die Florisdorfer Arbeiterschaft, in deren Mitte Schlinger seit Jahren geweilt und gewirkt hat. Schlinger war ein treuer Berater, ein äußerst tüchtiger Organisator und Führer, der beste Freund und der hingebungsvollste Arbeiter gewesen. Er ist uns im blühendsten Mannesalter, in der Fülle seiner Kraft entrissen worden. Schlingcr stand im 42. Lebensjahr. Er war Mitglied des Wiener Gemeinderats. vom vierten Wahlkörper des Bezirks Florisdorf entsendet, und Reichs- ratsabgeordneter als Vertreter des niederösterreichischen Städtebezirks Klosterneuburg-Stockerau-Krems. Er hinter- äßt eine junge Gattin und vier Kinder. Gcwerkfcbaftlichcs. 6m Chnftcnftrcicb auf dem Dresdener Gewerhfcbaftsftongreß. Die schwarzgelben Gewerkschaften fjaben auf ihrenr letzten Kongresse in Dresd'en sich ein Kunststückchen geliefert, das ein bezeichnendes Licht auf diese Organisationen und den Kongreß wirft. Auf dein Kongreß waren bekanntlich fast alle bürger- lichcn Parteien durch Abgesandte vertreten, von überall bcr hatten die Schwarzgelben sich Gäste erbeten und zum Teil waren die letzteren auch freiwillig gekommen. Geheim- rate, Bischöfe, Junker, Generaldirektoren, Scharfmacher, K o n s i st o r i a l r ä t e, E x z e l l e n- z e n, Fabrikanten, B ü r g e r in e i st c r. Stadt- und Hosräte, Richter, Geistliche und wer weiß wer sonst noch waren auf dein Kongreß anwesend, um den christlichen Kongreß herzlich zu begrüßen und ihre Interessen- solidarität mit den christlichen Gewerkschaften kundzugeben. Aber es waren auch Leute auf dem Kongreß anwesend, die etwas anderes zu den Verhandlungen hingetrieben hatte, als den Kongreß zu protegieren. So hatte sich zur Information auch der sozialdemokratische sächsische Landtags- abgeordnete Krautze zu den Verhandlungen cinge- funden. Krautze war lange Jahre Bergmann und ist seit 10 Jahren als Beamter in der Gewerkschaftsbewegung tätig. Er hatte also ein großes Interesse an den Verhandlungen. Am Begrüßungstag und auch nach am 1. Verhandüings- tag ließ man ihn Unter herablassender Verbeugung ein und wies ihm, dem Abgeordneten, sogar einen Platz an der Ehren- tafel an. Hier aber saßen die vorgenannten Protektoren, denen die Anwesenheit Krautzes sedenfalls unbequem war. Oder aber die Kongreßlcitung hatte inzwischen hcransgcfun- den, wer unser Genosse war. Als dieser am zweiten VerHand- lnngstage den Saal betreten wollte, wurde ihm der Ein- tritt verwehrt! Er wurde überhaupt nicht mehr zum Kongreß zugelassen! Und das zu einem Arbeitcrkongrcß. Dieser Christenstreich zeigt uns, wie die Verhandlungen selbst, daß es den Schwarzgclben in Gesellschaft andersdenkender Arbeiter und Arbeiter-Vertreter iricht mehr Wohl ist. Ihnen geht die Protektion fchliinmster Arbciterfeinde über alles. Von dieser Protektion erhoffen sie Stärkung der christlichen Streikbrcchcrgewerkschaften, indem Arbeiter in diese durch Machtmittel aller Art hineingepreßt werden. Wir sehen, die Gelben haben schwere Konkurrenten in den christlichen Gewerksckraftcn sich gegenüberstehen. Wer von beiden Richtungen die schmutzigste und gewerkschaftlich die vcrlumptestc ist, kann nicht auseinandergehalten werden. LerUn und klmzegcnd. Buchbinderstreik. Weil der Buchbindertarif keine schriftliche Anerkennung fand, sind am gestrigen Tage 15 Gehilfen und 23 Buchbindereiarbeite- rinneu der Finna Ileo, Barthold u. Dürnfeldt, Mauer- strotze 80, in den Ausstand getreten. Die Firma bestreitet, dätz Mißstände in ihrem Betriebe bestehen, obwohl erst vor einigen Wochen uugerechtfertigterweise Lohnabzüge wegen angeblich zu viel angeschriebener Arbeit gemacht wurden. Auch behauptet die Firma, den Tarif zu bezahlen, wenngleich den ganzen Sommer hindurch Millionen von Prospekten weit unter den Preisen des Akkordtarifes hergestellt wurden. Es scheint aber auch den Herren Gebrüdern Leo, welche jetzt die einzigen Inhaber der Firma sind, aus dem Gedächtnis entschwunden zu sein, daß vor kurzem Vertreter des Verbandes sturtdenlang mit Herrn Leo in Amvcsenheit des Arbeiterausschusses verhandelt haben, loobei die Mißstände besprochen und deren Abilfe zugesagt wurde, ebenso wie die unterschriftliche Anerkennung des TarifeS. Nach einer noch- maligen schriftlichen Aufforderung seitens des Verbandes um Er- fülluug der Forderungen drohte die Finna mit dem Staatsanwalt, und endlich ging auch dem Personal die Geduld aus und es beschloß wie oben berichtet. Wir hoffen, daß die Arbeiter, seien es Buch- biuder, Buchbindereiarbeitcrinncn oder Hausdiener, den Streikenden nicht in den Rücken zu fallen. Die Hausdiener haben sich in anerkennenswerter Weise dem Ausstand angeschlossen, da auch sie zum größten Teil mit Buchbinder- arbeiten beschäftigt werden, teilweise zu Löhnen, die noch unter unseren tariflichen Arbeiterinnenlöhnen stehen. Die Vereinigung der Buchbindereiprinzipale hat uns ihre Unter- stützung in weitgehendstem Maße zugesagt, so daß sich hoffentlich die Firnia bequemen wird, das was in Berlin für 95 Prozent der Buch- bindereiarbciterschaft gilt, die Anerkennung und Bezahlung des be- stehenden Tarifvertrages, auch für sich gelten zu lassen. Durch Inserate im Arbeitsmarkt der„Berliner Morgenpost" suchte die Firma schon am Montagnachmittag Rausreißcr. Wir wünschen ihr Glück dazu. Ein Herr, der„Korporation der Buchhändler" glaubte sich be- sonders zum Schutze des Kapitals aufwerfen zu müssen, indem er die Streikposten mit Verhaftung bedrohte, wenn sie nicht schleunigst den Hof des Grundstückes„Buchhändlerhof" verlassen würden. __ Die Ortsvcrwaltung. Achtung, Tapezierer! Wegen Tarikdifferenzen ist die Firma Zachareck u. Colar, NW., Falksir. 43 gesperrt. Die Schlichtungskommission. Achtung, Fleischergcsellen! Wegen Tarifbruch ist der Betrieb des Fleischerineisters H. Hoff m a n n, Dolziger Straße 8, für organisierte Kollegen gesperrt. Herr H o f f m a n n hatte sich unter-" schriftlich verpflichtet, den kostenlosen Arbeitsnachweis des Ver- bandes anzuerkennen, hat aber trotz Einspruch einen unorganisierten Gesellen eingestellt. Der Fleischermeister R. Kreutz mann, Samaritcrstraße 16, hat ebenfalls den Tarif gebrochen. Wir ersuchen dies zu beachten. Zentralvcrband der Fleischer. Oeutkcbes Keieb. Auftakt für die nächstjährige Lohnbewegung der Maler. tz. Am 15. Februar 1913 läuft im ganzen Deutschen Reiche der Tarif ab, der zwischen dem Gesamtvcrband der Maler und Weiß- biuder und ihren Arbeitgebern geschlossen worden ist, und schon rüstet man sich innerhalb der organisierten Arbeiter, um die Unter- lagen für die nächsten gegenseitigen Verhandlungen zu bekommen. Zu diesem Zivecke war am Sonntag von dem zweiten Bezirk eine Konferenz nach Frankfurt a. M. einberufen, an der 20 Lohngebicte beteiligt waren, die 36 Delegierte entsandt hatten. Außerdem war die Agitationskommission vollzählich vertreten. Das Referat hatte Gauleiter Z i m m e r m a n n-Frankfurt a. M., der eine Uebersicht über den Stand der vorzubereitenden Lohnbewegung gab. Aus den mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen war zu ent- nehmen, daß bereits sämtliche Lohngebietc ihre Forderungen for- mutiert und daß sie dabei den Grundsatz vertreten haben, daß an- gesichts der immer weiteren Verteuerung der Lebenshaltung, die seit dem letzten Tarifabschluß eingetreten ist, eine Lohnerhöhung eine der dringendsten und gerechtesten Forderungen ist. Hand in Hand damit soll eine Verkürzung der Arbeitszeit eintreten. Diese Forderung sei vor allen Dingen aus beruflichen und sozialen Gründen zu stellen. Im'Laufe der Zeit haben sich aus dem Tarif manche praktischen Aenderungen einzelner Bestimmungen als not- wendig erwiesen, in dieser Beziehung sind in den Abänderunas- Vorschlägen die Erfahrungen niedergelegt und in entsprechenden An- trägen verdichtet worden.___ Verantw. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil vcrantw.: Tie Forderungen der elnzeknen Lohn gebiete waren bereits in einer vorliegenden Vorlage des Beirates berücksichtigt und lagen der Konferenz zur Beschlußfassung bor. Es schloß sich eine sehr leb- hafte Diskussion an. die sich viele Stunden hinzog, in der die Vor- Bereitungen allgemein anerkannt und die Vorlage einstimmig an- genommen wurde. Zu dem Ausschuß, der über alle Maßnahmen vor und nach den Verhandlungen zu wachen und zu beschließen hat, wurden drei Kollegen gewählt, die Verhandlungen selbst werden von der zentralen Bcrhandlungstommission, die aus den Bezirks- lcitern, den Mitgliedern des Hauptvorstandes und dem Verbands- Ausschuß besieht. Der Zeitpunkt, wann die gegenseitigen Ver- Handlungen beginnen, ist noch nicht bekannt. In der Konferenz wurden außerdem noch eine Reihe interner Punkte erledigt, die kein allgemeines Interesse haben. Nach neunstündigen Verhandlungen, die von dem besten Geist getragen waren und eine Einmütigkeit in allen grundlegenden Fragen zeigten, wurde die Konferenz gc- schloffen._ Wahlen zur Angestclltenvcrsicherung im Landkreise Dessau. Bei den Wahlen der Vertrauensmänner zur Angestclltenvcr- sicherung im Landkreise Dessau wurden 165 Stimmen abgegeben. Davon erhielten der Leipziger Handlungsgehilfcnvcrband 62, der Deutschnationale Handlungsgehilsenvcrband 47, die Freie Ver- cinigung 43 Stimmen, die Beamten der Zuckerfabrik in Alten 10 und die Gütcrbeamten 3 Stimmen. Die Freie Vereinigung hat den dritten Vertrauensmann und sämtliche zweiten Ersatzmänner erhalten. Ausland. Das Erwachen der russischen Arbeiter. Ein Fahrzehnt brauchte die französische Arbeiterbewegung, um nach dem furchtbaren Aderlaß der Maitagc des Jahres 1871 wieder den Kampf gegen den Kapitalismus aufzunehmen. Und in wie schüchternen Formen tat sie es, wie lange dauerte es. bis sich um die von der„Parti ouvricr" gehißte rote Fahne größere Prolc- tariermasscn sammelten. Um wieviel schneller geht es in Rußland »ach der gewiß nicht minder blutigen Niederlage in der Jeu der Konterrevolution. Kaum mehrere Jahre sind verstrichen, seitdem die kapitalistische Konterrevolution zusammen mit der zarischen Siegesorgien feierte, noch sind die Gefängnisse von den Opfern dieser Jahre überfüllt, noch lastet der eiserne Druck über dem ganzen Reiche, und trotzdem, trotz alledem beginnt neues Leben in den Massen zu pulsieren. Die großen siegreichen Streiks der letzten Jahre, der Maurerstrrik in"Warschau, der Hafenarbeitcrstrcik in Odessa und Petersburg, die hunderte partieller Streits in der Textil- und Metallindustrie— das alles sind Etappen auf diesem Wege. Kaum hat sich die wirtschaftliche Konjunktur unter dem Einfluß der guten Ernten im Reich gebessert, kaum bedarf das Kapital einer größeren Anzahl von Arvcitshändcn— und schon hebt das Proletariat sein gehetztes und verfolgtes Haupt. Es be- gnügt sich hierbei nicht mit dem Kampfe um die ökonomischen Er- rungenschaftcn der Revolutionsjahrc, die ihm das Kapital in den letzten Jahren entrissen hatte. Es hißt gleichzeitig die rote Fahne der Internationale und bekundet durch die grandiose Maifeier dieses Jahres in Petersburg, daß es den Losungen treu geblieben ist, für die es in den glorreichen Jahren der Revolution gekäinpsi. Verdutzt steht das Bürgertum diesem Erwachen der Arbeiterklasse gegenüber. Hat es doch die Sozialdemokratie für ausgerottet be- trachtet und ihr blutgetränktes Grab tagein tagaus besudelt. Was die Kalmücken der„fremden" Regierung durch Gefängnis und Verbannung nicht zu vernichten vermochten, das glaubten die Preßkalmückcn der„nationalen" Bourgeoisie durch ihren Verleum- dungsfeldzug gegen die aus dem öffentlichen Leben verbannte Ar- beiterpartei erreicht zu haben. Und siehe da, sie lebt noch, erhebt öffentlich ihre Stimme, und die Arbeiterschaft bekundet ihre Treue und Gefolgsckaft."' Aber nicht nur die ökonomischen Streiks und die Maifeier sageü, was die Stunde geschlagen hat. In den von der Bourgeoisie selbst geschafsencn Organisationen, die zur Dcsorgainsation der Arbeiterklaffe dienen sollten, fühlt die Bourgeoisie, � wohin der Kurs geht. Die agrar-kapitalistischen Elemente schufen ch r i ft- l i ch e Arbeiterorganisationen, in deren Diensten der Pfarrer von der Kanzel herab die Agitationsarbcit leistete. Durch Geselligkeitsunternebmungen und Sparinstitute, wie die Unter- stützung seitens der Unternehmer sollten die Arbeiter nicht nur von der„zwecklosen Politik" ferngehalten, es sollte auch fedcr Gedanke an den ökonomischen Kampf in ihren Reihen ausgerottet werden. Aber weder die Sporpropaganda, noch das Aufpeitschen der Spiel- lust, noch die zuletzt immer intensiver angeschlagene antisemitische Note halfen den Demagogen der christlichen Arbeiterorganisationen. Mit dem Augenblick, wo sich die Massen zu regen anfingen, be- gönnen die christlichen Organisationen sich zu leeren. Es hilft kein Schelten, es hilft kein Flehen. Und es wird auch nicht helfen, daß die Kapläne mit Strcikgcdanken zu spielen anfangen. Während in den von der offenen Reaktion gegründeten Orga- nisationcn die steigende Welle der Arbeiterbewegung nur Blut- armut verursacht, beginnt sie in die B i l d n n g so r ga n i s a- i i o n c n, die von einer Handvoll bürgerlich-libcralcr Ideologen gegründet worden sind, neues Leben hineinzutragen.� Man würde aber gründlich fehlgehen, wenn man annehmen würde, daß auf dem Baum des verdorrten, von Fäulnis zersetzten Liberalismus neue Acste zu sprossen beginnen. Das hofften die liberalen Herren natürlich, als sie diese Vereine gründeten. Aber sie verrechneten sich gewaltig! Solange die Reaktion die Massen niederhielt, herrschte in diesen Vereinen öde Stille, die nur von Zeit zu Zeit durch Vorträge für das liberale Kaffeehausvolk unterbrochen wurde. Als aber die Arbeitermaffen aus der Lethargie erweckt, einen Bildungs- dürft verspürten und infolge der Unmöglichkeit, sich eigene Vereine zu schaffen, in die Bildungsorganisationen der Herren Liberalen einzutreten begannen, da zeigte sich, daß das russische Proletariat keinesfalls geneigt war. die ihm von den Liberalen gnädigst servier- ten Wassersuppen mit Entzücken entgegen zu nehmen. Es beginnt im Gegenteil von den.Bildungsvercinen zu fordern, die Herren mögen durch Vortragende jenes Wissen vermitteln, was für den Kampf des Proletariats von Bedeutung ist, und das ist der Sozia- lismns. Das ist der frisch aufgewühlte Boden, auf dem die Saat der Sozialdemokratie jetzt schneller aufgeht, als man es anzunehmen wagte.___/ Versammlungen. Deutscher Bauarbeitcrvcrband.(Tettion der Putzer.) In der Mitgliederversammlung, die am Donnerstag in den Arminhallen tagte, erstattete Kaiser zunächst den Bericht von der ReichSkonsc- renz der Stukkateure, indem er eine Uebersicht über deren Verband- lungen gab. Von einigen Diskussionsrednern wurde angeregt, der Sektionsvorstand möge bei der Hauptleitung die Zulassung einer deutschen Konferenz für Putzer zu erwirken suchen. Als zweiter Punkt stand auf der Tagesordnung:„Geschäftshaudhabung der Putzcrgenoffenschaft m. b. H.(Terressina) und Ausschlußantrag". Nach den Ausführungen des Vorsitzenden Neu mann und den Darlegungen verschiedener Diskussionsredner handelte es sich um folgendes: Die genannte Genossenschaft wurde von Mitgliedern der Sektion gegründet und besteht offiziell als eingetragene Genossen- schaft seit dem 15. August. Seinerzeit, als der Zusammentritt der Kollegen in die Wege geleitet wurde, wurde aus Bedenken aus der Mitgliedschaft der Sektion von jetzigen Mitgliedern der Genossen- schaft gesagt, daß man sich im Rahmen kollegialer Solidarität halten wolle. Aus einem bestimmten Anlaß wurde kürzlich festgestellt, daß von höheren Gewinnen nur im Verhältnis dazu sehr g e- ringe Beträge unter den mitarbeitenden Kollegen, die nicht Genossenschaftsmitglieder sind, vorteilt wurden. Tic übergroße Hauptsumme verblieb der Genossenschaft. Ter Vorstand der Sektion beschäftigte sich damit und kam zu der Auffassung, daß die Genossenschaft anzusehen sei als ein privatkapitalistisches Unter- LH. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Verlagsanstalt nehmen, wie jedes andere, und daß' nach Lage der Dinge die Te- noffcnschafter nicht mehr Mitglied des Verbandes sein könnten. Daraus entstand der Antrag auf ihren Ausschluß. Verschiedene Genossenschaftsmitglieder traten freiwillig aus dem Verband aus. Äohlschreiber, Bergcrt und Rockmann traten nicht aus. Rock- mann, der int Krankenhaus liegt, hat beantragt, sein« Sache zu vertagen. Das soll mit der Maßgabe geschehen, daß bis zur Entscheidung gegen ihn seine Anrechte ani Verbände ruhen.— Bergcrt hat erklärt, er sei gewillt, seinen aus ihn entfallenden Gc- winnantcil jederzeit herauszuzahlcn und mit den bei der Arbeit be- teiligtcn Kollegen zu teilen. Auch hat Bergert seinen Austritt aus der Genossenschaft zum 1. Oktober erklärt, gilt aber nach dem Gc- nosseuschaftsgesctz noch bis Ende 1913 als Mitglied der Genossen- schaft. Für sich und seinen Solui hat er ein neues Gewerbe augc- meldet und einen von ihm abgeschlossenen Putzvcrtrag den bei der Arbeit beteiligten Kollegen zur Einsickt vorgelegt. Nach langer Debatte wurde Kohlschreibcr als Geitossenschafts- Mitglied ausgeschlossen. Den Ausschlußantrag gegen Bergert lehnte die Versammlung gegen 35 Stimmen a b. Rockmanns Sache wurde mit der mitgeteilten Maßgabe zurückgestellt. Tann wurden die Kandidaten zur Gaukonferenz nominiert. lieber den Ausschlußantrag entscheidet endgültig die Generalversammlung des Zweigvcreins. Verband der Tapezierer. In der Ouartalsversammlung, die am Donnerstagabend in den Jndusirie-Festsalen stattfand, legt« Z i tz c w i tz den Geschäftsbericht für das dritte Ouartal 1912 vor. In der zweiten Hälfte der Bcrichtszeit war eine merkliche Besse- rung in der allgemeinen geschäftlichen Lage zu verspüren, nachdem die Tapezierer seit dem letzten Winter schon unter einer nieder- gehenden Konjunktur zu leiden hatten. Für die Einhaltung des Tarifs hatte der Perband einen zähen Kamps zu führen, wobei es leider sehr oft an der genügenden Unterstützung durch die Arbeiter selbst mangelte. In einigen Betrieben mußte durch Arbeitsniedcr- Icgung die Anerkennung des Tarifs erzwungen werden, in den meisten Fällen wurden die Tisfcrenzcn durch die Schlichtungskom- Mission, die sehr viel Arbeit zu leisten hatte, ausgeglichen. Der Verband zählt 2040 Mitglieder, darunter 80 Näherinnen. Ter Zu- gang während des dritten Ouartals betrug 366. der Abgang 246 Personen, am Schlüsse des zweiten Quartals zählte der Verband 1920 Mitglieder. Zitzcwitz cmpjahl, der Organisation der Nähe- rinnen, von denen 350 im Beruf tätig sind, mehr Aufmerksamkeit als bisher zu schenken. Dringend forderte er auch dazu auf, die unorganisierten männlichen Kollegen dem Verbände zuzuführen, denn etwa 1500 ständen noch abseits. Jede Werkstatt sollte durch einen Vertrauensmann mit der Bcrbandslcitung in steter Verbin- dung stehen. In der Berichtszeit fanden statt 3 allgemein« Ver- sammlungen, 2 Magazinarlicitcr-, 2 Kleber-, 2 Näherinnen-, 2 Be- zirksvcrsammlunge», 2 Vcrtraucnsmännersitzungen, 9 Sitzungen der Ortsvcrwaltung und eine kombinierte Sitzung mit dem Haupt- vorstände. Die Abrechnung für das dritte Ouartal 1912 legte der Kassierer Sczilinski vor. In der Lokalkasse betrugen die Einnahmen 7181,17 M., die Ausgaben 4195,34 M., der Bestand 36 103,47 M., gegenüber einem Bestand von 33 117,64 M. am Schlüsse des zweiten Quartals. Aus der Lokalkassc wurden unter anderem 44 M. Reife- Unterstützung und 170 M. Notsiandsuntersiiitzung gezahlt. Tie Hauptkassc zeigt in Einnahmen und Ausgaben eine Bilanz von 13 525,75 M. Unter den Ausgaben stehen verzeichnet für Reise- Unterstützung an 63 Mitglieder 126 M., Arbeitslosenunterstützung an 126 Mitglieder 2025 M., Krankenunterstützung an 33 Mitglieder 660 M., Sterbegeld für 10 Mitglieder 350 M., für Lohnbewegung an 1 Mitglied 25 M. Für die Kleber veranstaltete der Verband eine Bautenkontrolle in der Zeit vom 1. Mai bis 1. Oktober. Darüber berichtete Heck mann: Von 765 festgestellten Bauten wurden 457, die für die Kleber in Betracht kamen, während der Arbeit ton- trollicrt. Von 427 angetroffenen Klebern waren 223 organisiert stuh.204 unorganisiert. 27 Maler arhciteten auf diesen Bauten als .Kleber. In'81 Fallen würden Perstöße gegen den Tarif festgestellt, 52 mal wegen Umgehung des Arbeitsnachweises, 29 mal wegen Nichteinhaltung der. Tarispreise. 27 Fälle der crsiereu Art fanden ihre Erledigung durch dsc Schlichtungskommission, 18 Fälle der letzteren Art wurden durch Verhandlungen beigelegt. 5 Sperren mußten verhängt wenden,'davon sind drei mit Erfolg beendet und zwei bestehen nocli. 106 Kleber wurden bei der Kontrolle in den Verband aufgenommen. Eine Diskussion über die Berichte wurde nicht beliebt. Als Beisitzer der Ortsvertvaltung und Mitglied der Schlichtungskom- Mission wurde Thu rann gewählt. Die Versammlung beschäftigt« sich zum Schluß mit internen V crba ndsa ngc lege nhe i tc n. ver IltolKanKrieg. Die Serben auf dem Vormarsch. Belgrad, 21. Oktober. sP. C.) Die Truppen der serbischen Hauptarmee sind heute entlang der Bahnlinie Rietovatz-Uesküb weiter borgedrungen und haben in Rajuci die große t ü r- kischc Zentral-Grenzkascrne nach kurzem Wider- st a it d eingenommen. Die Türken zogen sich gegen Kunm- nowo zurück. Am Vormittag bombardierte serbische Artillerie die befestigte Ortschaft Biljaca, welche den wichtigen Punkt Pre- j o v o beherrscht. Belgrad, 21. Oktober. lW. T. B.) Räch einem heute abend eingelaufenen amtlichen Bericht befinden sich die Serben in erfolg- reichem Bormarsch gegen Kumanovo und Pristina. Ferner haben die Serben heute früh Zärevosclo und die wichtige Position Sul- tantepe auf dem Gebirge Osigovo Planina eingenommen und gehe» gegen Egripalanka vor. Die Türken sind von dem Berge Rujan und von Straba gegen Tabano Tabanovce zurückgedrängt worden. Drei in den gestrigen Kämpfen verwundete Offiziere und 50 ver- wundrte serbische Soldaten sind nach Ristovac gebracht worden. Xetzte Nachrichten. Verlängerung des bayerischen Landtages. München, 21. Oktober.(P. C.i Die Verhandlungen des Land- tage» werden, wie der„Bayerische Kurier" zu melden weiß, zu An- sang November zu Ende gehen. Sollte sich dies bewahrheiten, dann würde eine neue Landtagsverlängerung auf dem Wege der Ver- ordnung notwendig werden. Wagenmangcl im Ruhrrevirr. Essen(Ruhr), 21. Oktober.(P. C.) Wegen Wagenmangels feierte heute die ganze 1400 Mann starke Belegschaft der Zeche Helene-Amalie. Entgleisung eines Güterzuges. Trier, 21. Oktober.(P. C.) Auf der Strecke Trier-Ehrang entgleiste heute nachmittag ein Güterzug. 16 Wagen wurden aus den Schienen geworfen und zum Teil völlig zertrümmert. Ter Materialschaden ist ganz bedeutend. Da die Gleise und der Bahndamm schwer beschädigt sind, mußte der Verkehr auf dieser Strecke vorläufig eingestellt werden. Per» soncn wurden nicht verletzt. Politischer Massenstreik in Petersburg. Petersburg, 21. Oktober. Wegen Kassierung der Djima- wählen sind die Arbeiter der Metallfabriken Petersburgs in einen Proteststreik getreten� Es handelt sich um rund 50 000 Arbeiter. Es wurden Straßen de mon st rationen veranstaltet, bei denen es zu Zusammenstößen mik der Polizei kam.___ Kaul Singer& Eo., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. UntrrhaltungSbl. Hr. 247. LS.Iahrgans. 1. Stütze des Jorroitto" Srtlinet WksdlM. Aietlstllg. 22. Gkiobtl 1912. Die Demonltrationen im deiche. lieber die Massenkundgebungen des ibentschen �Volkes gegen politische Entrechtung, Teuerung und Kriegsgefahr gingen uns heute noch folgende Meldungen zu: In Wandsbek versaminelte sich die Arbeiterklasse zu einer wuchtigen Demonstration. Im Wahlkreis Düsseldorf fanden acht gut besuchte Ver- fammlungen statt. Tin östlichen Westfalen fanden acht stark besuchte Demon- strationsversammlungeil statt, darunter zwei in Bielefeld, an denen 4009 Personen teilnahmen. Im Wahlkreis Hagen-Tchwelm fanden zwei Versamm- lungen unter freiem Hiinmel statt, und zwar m Haspe und Schwelm. Die erstere war von über 3000 Personen besucht, wahrend in der letzteren etiva 2500 Teilnehmer gezählt wurden. Referenten tvaren Reichstagsabgeordneter König und Stadtverordneter Ludwig. Zwischenfälle haben sich nicht er- eignet. In Unna nahmen au der Demonstration etwa 3000 Personen teil. In Osnabrück Niteiligten sich 3000 Menschen an der Versammlung unter freiem Himmel. Aus Dortmund wird der glänzende Verlauf einer Ver- sammlung unter freiem Himmel gemeldet, an der etwa 12 000 Personen teilnahmen. Durch eine Ansprache wurde das An- denken Bömelbnrgs geehrt. Die Versammlung war eine ge- waltige Kundgabe für ein freies Wahlrecht und gegen den Völkerkrieg. Zum drohenden Weltkrieg hat die Bremer Arbeiterschaft Freitagabend in acht starkbesuchten Versammlungen Stellung genommen. Der Vortruppe der Sozialdemokratie auf dem Balkan und in der Türkei sprachen die Versam- melten für ihr mutiges Vorgehen ihre Anerkennung aus und sandten ihnen brüderliche Grüße.— Nach Schluß der Ver- sammlung zogen einige Tausend Demonstranten nach dein Zentrum der Stadt. Tie Polizei verhielt sich zurückhaltend. Im 7. schleswig-holsteinische» Wahlkreise fanden fünf Versammlungen statt, davon vier unter freiem Himmel, und zwar in Kiel, Neumünster, Rendsburg und Preetz. Die Ver- sammlung in Kiel war von 15 000 Personen besucht. Re- ferent war Reichstagsabgeordneter S ch e i d e m a n n. Eine entsprechende Resolution wurde einstimmig angenommen. In Köln fand auf dem Schübenplatz im Vororte Deutz eine von 7000 Personen besuchte Versamnilung statt. Die Rede Dr. B r e i t s ch e i d s, der die Wahlrechtsschmach brandmarkte und die Unfähigkeit der Diplomatie kenn- zeichnete, die den Kriegsausbruch auf dem Balkan nicht zu hindern verstand, fand stürmischen Beifall. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. In iinposantein Zuge marschierten die Versammlungsteilnehmer nach Schluß der Versammlung über die Kölner Schiffsbrücke in die Stadt hinein. Die zahlreich bereitgehaltene Schutzmannschaft fand keine Gelegenheit zum Einschreiten. Die Elberfeld-Äarmcr Genossen protestierten in einer riesig besuchten Versammlung, welche im Barmer Zirkusgebäude stattfand, gegen die Hungerpolitik und die Wahl- rechtsfeindschaft im Junkerstaate Preußen. Etwa 5000 Ar- beiter und Arbeiterinnen lauschten den beredten Worten des �andtagsabgeordneten Genossen L e i n e r t und gaben der bekannten Resolution einmütig ihre Zustimmung. Eine glänzende Demonstration war es, als sich nach Schluß die Menschenmassen in losein Zuge durch die Stadt bewegten. In Solingen sprach Genosse L e i n e r t in überfülltem Saale des größten Lokals. Im Lause der Woche hatte schon Genosse Scheideinann im Wahlkreise Solingen in sechs überfüllten Versammlungen gesprochen. Essen. In zwei Lokalen demonstrierten 4000 Personen. kleines feuilleton. Anleitung für das Monarchcugewerbe. Die„Revue de deux Mondes" veröffentlicht jetzt daS Tagebuch des Grafen Rudolf SI p p o n y i. der zur Zeit der Julirevolution österreichischer Bot- fchaftSattachs in Paris ivar. Die Schilderungen ApponyiS geben ein außerordentlich anschauliches Bild der Ereignisse vom Gesichts- Punkt der feudalen Gesellschaft, der der junge Aristokrat angehörte. Charakteristisch ist ein Gespräch des Tagebuchverfassers mit LouiS Philipp, dem neugebackenen König.„Ehedem", schreibt Apponyi,„hatten sich unsere Unterhaltungen gewöhnlich um die hübschen Frauen der Ge- sellschaft und— die anderen, sowie um unsere kleinen Abenteuer dieser Art gedreht. Diesmal begann er. zu mir von seinem„Fürsten- Handwerk"— dies sein eigener Ausdruck— zu sprechen." LouiS Philipp legte Apponyi die Grundsätze dar, die er bei der Erteilung Von Audienzen beobachtete: „Man hat drei Regeln dabei zu beobachten: erstens soll man die Suppliken oder Briefe, die der Bittsteller überreicht, nie lesen, denn er hat Zeit gehabt, darüber reiflich nach- zudenken und ist auf alle möglichen Einwürfe vorbereitet. Man müßte ihm also aus dem Stegreif auf eine vorbereitete Rede antworten. Zweitens versprechen s i e nie etwas: die Antworten sollen immer ausweichend sein, zum Bei- spiel: wir werden sehen, ich werde daran denken, ich werde zur gegebenen Zeit und am gegebenen Ort davon sprechen usw. Solche Antworten verpflichten zu nichts, und wenn man in der Lage ist. Erfüllung zu gewähren, so ist das eine Gnade die man erweist, wo- gegen im Fall, daß man dem Bittsteller etwas versprochen hat, die Gunst wie eine Pflicht angesehen wird. Und drittens stützen sie sich auf einen Stuhl in der Art. daß er sich zwischen Ihnen und dem Bitt st eller be- findet. Sie sind verwundert, Graf Rudolf— ich will ihnen also meine Gründe auseindersetzcn. Die Mehrzahl der Audienznehmer kommen nahe heran, bis zu einer Distanz, die eine traurige Er- sahrung mir als zu gefährlich gezeigt hat, um mich dabei behaglich zu finden. Seit dieser Entdeckung bleibe ich immer hinter dieser Verschanzung." Daß der„Bürgerkönig", der seine Krone den Barrikadenkämpfern zu verdanken hatte, es für nötig hielt, bei seinen Audienzen selbst eine Barrikade zu errichten, ist sicher amüsant. Immer pünktlich! Der Polizeipräsident, von dem Eifer beseelt, für das Wohl seiner Schutzbefohlenen, immer das neueste und ingeniöseste herauszufinden, hat seinem Lorbeerkränze ein neues Ruhmesblait eingefügt. Neidisch schauen seine früheren Kulturtaten als da sind: der Erlaß gegen die Hutnadeln, die zum geflügelten Wort avancierte Warnung an die Neugierigen, die llmlackierung der SutoS, aus die jüngste. Und mit Recht. Denn ist eS nicht ein ganz polizeiwidriger Zustand, daß die Theater und Zirkusse oft früher oder später aus sind, als angekündigt wurde. Wie oft ging eine Verabredung, die geeignet gewesen wäre, auf die BevölkerungS- Eine Versammlung unter freiem Himmel ist nicht ge- nehmigt worden. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. In Altona fand unter freiem Himmel eine von etwa 15 000 Personen besuchte Demonstration statt, in der die Genossen Dr. Herz und Bartels sprachen. Tie De- monstranten versuchten dann nach dem Rathausmarkt zu ziehen, wurden jedoch von der Polizei, die einige Verhaftungen vornahm, zunächst zersprengt, doch gelang es einer großen Zahl Demonstranten, auf Umwegen den Rathausmarkt zu erreichen, wo die machtvolle Demonstration dann ihr Ende erreichte. In Lübbcn im Spreewald fand die Protestversammlung ans dem Hofe des Genossen Dommain unter freiem Himmel statt und war von über hundert Männern und Frauen be- sucht. In Cottbus nahmen 1800 Personen an der Versamm- lung teil, an die sich ein Um�ug durch die Straßen der Stadt schloß. Zwischenfälle ereigneten sich nicht. In Fürstenwalde beteiligten sich 1500 Personen an der Demonstration. Der Bezirkstag für den Agitationsbezirk Halle als Ver- treter von 25 000 politisch Organisierten und acht Reichs- tagswahlkreisen mit III 000 Reichstagswählern nahm am 20. Oktober in Halle a. S. einstimmig eine Protestresolution an gegen W a h l e n t r e ch t u n g, Nahrungsmittel- Verteuerung, gegeil Kriegshetze und Krieg. Bochum. An der glänzend verlaufenen Demonstration beteiligten sich etwa 4000 Personen. Redner tvar Abg. Pens- Dessau. Görlitz. Die Protestversammlung, die von 1000 Per- sonen besucht war, nahm nach einem mit Beifall aufgenommenen Referat des Genossen Löbe-Breslau eine Resolution an, in der den Genossen in den Balkanstaaten volle Sym- pathie für ein Eintreten gegen den Krieg ausgesprochen wird. Gotha. In einer stark besuchten Versammlung pro- testierte Sonntagnachmittag die Arbeiterschaft Gothas gegen Imperialismus und Kriegsgefahr. Genosse Wilhelm Bock- Gotha referierte. Die Versammlung erklärte sich einverstan- den mit der scharfen Stellungnahme unserer Partei gegen die imperialistische Politik der herrschenden Klassen. In Stettin wurden zwei Protestversainmlungen abgehalten. Die Arbeiter hatten sich an verschiedenen Prrnkten der Stadt versammelt und zogen dann in kleineren und größereil Trupps nach den Versammlungslokalen. In kurzer Zeit waren die geräumigen Säle überfüllt, so daß die Ver- fammlungen im Garten abgehalten werden mußten. Hier sprachen von zwei Tribünen die Genossen Vogtherr, Decker. Schumann und Hanisch.— Recht gut besuchte Versamm- lungen haben noch in solgendeir Orten Pommerns stattgefunden: Auklam, Torqelow, Ueckermünde, Ahlbeck, Stralsund, Barth, Gollnow, 5löslin, Äolberg, Schivelbein, Stolp, Neu- stettin und Stargard._ Hua der Partei. Theodor Bömelburgs Begräbnis. Montag niittag 12 Uhr fand in dem großen Saale des Hamburger Gewerkschaftshauses eine große Trauerfeier statt. Der Saal lvar mit Lorbeer und Palmen reich geschmückt. Die Leiche Bömelburgs lvar, von Kerzen umstrahlt, hinten im Saale aufgebahrt. Reichstagsabgeordneter Fr ahme hielt eine ergreifende Gedächtnisrede, in der cr den lauteren Charakter und das unermüdliche Wirken Bömelburgs im Dienste der Arbeiterbewegung würdigte. Dann sprach im Namen der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands Genosse Baue r. Jhni folgte Genosse Fritz Ebert vom Parteivorstand, der in tiefempfundenen Worten daran erinnerte, tvelch guter Kamerad im Partei- lvie Vermehrung einzuwirken, dadurch in die Brüche. Wieviele Braten ver- koren m vergeblichem Harren ihre Gemlltswärme. Das hat in Zu- lunft zu unterbleiben! Man denke nicht klein von solcher Fürsorge. denn im kleinen kann sich auch Größe zeigen. Wie wir vernehmen, will Herr v. Jagow einen ähnlichen Erlaß auch an die Gerichte, die Zeugen oft stundenlang loarten lassen, an gewisse Redner, die nie aufhören, an alle unpünktlichen Zahler, an den Storch, der sich nicht rechtzeitig einstellt, ergehen lassen. Immer pünktlich heißt die Devise. Manche alte Taschenuhr wird sich das merken muffen. Sonst kommt Jagow. Theater. Berliner Theater:„Filmzauber". Posse mit Gesang und Tanz von R. B e r n a u e r und R. S ch a n z e r. In» Berliner Theater, das in Nachahmung des Metropol feinen Saisonbedarf mit einem einzigen Stück zu decken sucht, ist das Regime der„Großen Rosinen" durch einen Treffer abgelöst. Wenn anschlägige Pariser Spekulanten des Schwankfaches in der lustigsten französischen Posse der letzten paar Jahre: in der„Million" das Kino nutzten, um mit seiner Hilfe die Bühnenhetzjagd in den Zwischenakten auf dem Vor- hange init noch beschleunigtem Automobiltempo fortzwetzen— inspirierten sich die Hausdichler der Charlottenstraße an der Idee, einen der große» Sensationsstrategen der neuen Kunst unmittelbar bei seiner Arbeit zu zeigen. Es gab Effekte von ausgelassen parodistischer Komik. Ein früher ewig abgelehnter Dramenschreiber, der seinen Genius jetzt in dem nahrhafteren Filmgewerbe leuchten läßt, führt seine angelvorbenen Mannschaften auf das Terrain der Leipziger Völkerschlacht, um die Weltgeschichte, be- reichert durch die rührend schöne Anekdote von Napoleon und der Müllerstochter, nachträglich an Ort und Stelle aufzunehmen. S a b o war überwältigend drollig. Den Glanzpunkt bildete die Licbesmimik des Tyrannen, der sei» Feldherrnfernrohr auf die vor ihm knieeude Müllerin richtet. Sie fleht um das Leben ihres wackeren deutschen Bräutigams, der. als Spion verhaftet, ini Hinter- grund minutenlang erschossen wird. Der friedfertig mitleidsvolle sächsische Hofbesitzer, aus dessen Grund das Furchtbare sich abspielt, wird so vom Schreck gepackt, daß auch er sich vor dem Kaiser aus den Boden wirft. Die Szenen dieses zweiten Aktes entschieden den Erfolg. Die Erfindung in den späteren Bildern fließt sehr viel spärlicher, aber hält sich von den breiten Langweiligkeiten der vielgerühmlen sogenannten guten alten Berliner Posse im ganzen fern. Wo die Autoren in Verlegenheit geraten, da schieben sie in geschicktem Arrangement Couplets und Tänze ein, die von Herrn S a b o als Filmchef und Fräulein Weise sehr flott und temperamentvoll ausgeführt wurden. Für die Kosten der„Handlung", so weit der Schein einer solchen überhaupt noch aufrecht erhalten war, � hatte der gemütvolle Sachse aufzukommen. So hoch betagt die Sachsenscherze sind, Direktor Meinhard, dem die Rolle auf den Leib geschrieben war, brachte die harmlosen Pointen mit höchst eigenartigem Humor heraus. Aus den armseligen Fetzen des Textes wuchs etwas ganz Anderes, Neues hervor, das Bild eines Kauzes, dem man ob seiner altmodisch freundlich-bcscheidenen Vergnüglichkcit von Herzen gut wird. ckt. im Gewerkschaftsleben Bömelburg jederzeit gewesen. Genosse Scheidemann überbrachte die letzten Grüße der Reichs- tagsftaktion. Nach dem Gesänge des Liedes„Ein Sohn des Volkes" wurde unter Harmoniumklängen der Sarg geschlossen. Und dann ging eS in langem, ernstem Zuge durch die von Proletariermassen umsäumten Straßen hinaus nach dem stillen, in den Farben des Herbstes prangenden Toten- Hain des Ohlsdorfer Friedhofes. Hier sprach am offenen Grabe Genosse W i n n i g, der noch einmal daran erinnerte, was die deutschen Bauarbeiter und die gesamte Arbeiterbeivegung an Bömelburg verloren haben. Dann senkten sich, während Genosse Frohme einen letzten Nachruf sprach, die Fahnen über dem frischen Grabe. Blumen- spenden, die aus allen Teilen des Reiches eingelaufen waren, wälzten sich über dem Hügel. Der Herbstabend war herein- gebrochen, als die nach Tausenden Mhlende Trauergemeinde das Grab verließ, in dem einer der Besten der deutschen Arbeiterbewegung von seinem Lebenswerke ruht. Unter den auswärtigen Trauergästen befand sich auch Dr. E r d m a n n, der Bömelburgs Nachfolger im Reichstage ist. Auf den ineisten Bauten in Hamburg hat die Arbeit am Montag geruht. Ein Bezirkstag, zu dem acht Wahlkreise des Regierungsbezirks Merseburg gehören, fand am Sonntag in Halle a. S. statt. Anwesend waren 68 Delegierte inkl. Preßkonunissioneli, Redaktionen usw. Nach dem Bericht des Bezirksvorstandes ist ein gutes Fortschreiten der Be- wegung zu verzeichnen, lieber die preußische Landtags- Wahl referierte der Genosse Leopold- Zeitz, der sich energisch gegen eine eventuelle Dämpfung, gegen die Verbindung mit dem Liberalismus und für eigene Wahlmänner nach den Beschlüssen des Mainzer Parteitages aussprach. In den Parteiausschuß wurde der Genosse Redakteur Hcnnig und als Stellvertreter der Reichstags- abgeordnete Genosse A l b r e ch t gewählt. Eine interessante Handidatcnaufstellung. Aus Stuttgart wird uns berichtet: In Württemberg finden am 16. November die Landtagswahlen statt. Die übergroße Mehrheit der Bezirke hat bereits die Kandidaten noiniiiiert. In Stultgart wurden die Kandidaten durch llrabstimuiung gewählt. Diese fand in den einzelnen Bezirken am Fccnag und Sonnabend statt. Beide Rickitungen in- der Partei hatten eine geschlossene Liste. Revisonisteu lvie Radikale lvaren aufs eifrigste bestrebt ihren Kandidaten zum Siege zu verhelfen. Die Wahl» beteiligung war aus diesen Gründen enorm. Nach dem vor- läufigen Ergebnis haben ohne Zweifel mehr als 4666 Genossen an der llrwahl teilgenommen. Vorgeschlagen waren insgesamt 13 Ge- nossen. Sechs waren zu wählen. Das mit fieberhafter Spannung erwartete Resultat ist folgendes: Westmeyer 2»l6, Dr. Linde- mann 2825, Engelhardt 2314, Ma nz 2166. A st e r 2081, S ch i m m e l 2018. Diese sechs Genossen sind somit als Kandidaten für Groß-Stuttgart aufgestellt. Fünf von den Erwählten standen aus der Liste der Radikalen. Von den bisherigen Abgeordneten steht Hey m a n n mit 1873 an siebenter und Reichel, zweiter Vorsitzender des Metallarbeiterverbandcs, mit 1610 Stimmen an neunter Stelle. Einzig und allein Genosse Dr. Lindemann, der bis- herige Abgeordnete für Göppingen, erhielt als Kandidat der Revisio- nisten eine ausreichende Stimmenzahl. Ihre verhältnismäßige Höhe ist wohl als Nachwirkung der breiten Agitation bei der vorjährigen Oberbürgermeisterwahl zu erklären. Die sozialdemikratische Landcsorgauisatio» der intcrnittiouale» Arbeitervereine in der Schweiz veröffentlicht soeben ihre» Tätigkeits- bcricht für den Zeitraum vom 1. Juli 1910 bis 30. Juni 1912, dem wir einiges Wichtige zur Orieiltieruiig über die beziiglichen Verhältnisse cutnchmen. Einleitend wird konstatiert, daß heute und übrigens schon seit längerer Zeit die in der Hauptsache aus AuS« ländern als Mitgliedern bestehenden Arbeitervereine für die aus- ländifche Arbeiterbewegung, wobei iiameiitlich Deutschland und Oesterreich in Betracht kommen, nicht mehr die große Bedeutung haben, die sie in der Vergangenheit besaßen. Die durch die Re- orgauisativn der schWeizerischeu sozialdemokratischen Partei ge- schaffene Gleichberechtigung der ausländischen mit den schweizerischen Genossen innerhalb der Partei erlcicktcrt den Ausländern die aktive Beteiligung und Betätigung in der Schweiz. Neues Bolkstheater(Erste Vorstellung des Vereins „Versuchsbühne"): Walter Volk von A. Fedorow. Alleso- genannten„Versucksbühnen" erfüllen ihren Zweck nur dann, wenn sie entweder den öffentlichen Theatern neue gangbare Dramen bis- her unbekannter Talente zuführen oder Stücke vorbringen, die, ob- zivar sie von der Zensur und vielleicht zugleich aus ntaleriellcu Gründen ferngehalten»verde», doch literarisches Interesse»vach- zurnfen vermögen. Ob die Leitung der Volksbühne gut beraten tvar, indem sie dies„Drama", zu dessen Baterschaft sich ein russisch- sibirischer Professor bekennt, erivählte, muß zieinlich zweifelhaft er- scheinen. Fedorow ist nicht unbegabt. Aber ivaS er darbietet, ist kein Drama, sondern ein Gemisch aus Murgcr, Hebbel, Gorki, Wedckind. In den lose aneinander gehängten Bildern blitzt»»mich- mal eine respektable dramatische Kraft auf, die sich jedoch sofort wieder in langstielige öde Dialogszenen spurlos ver- flüchtigt. Fedoroiv beabsichtigte»vohl, Menschen der llebergangs- Periode zu malen, Geschöpfe also. die, weil sie sich zwar als über der gegenwärtigen menschlichen Gesellschaft stehend dünken, doch ihre Unfähigkeit fühle»,„ZukunftSineiischen" zu werden, und daher einen sogenannten„Unmenschenklnb" bilde». Der Titelheld, dem die Frau, um Sängerin, an der Seite eines anderen, zu»Verden, entlaufen ist, endigt als Selbstmörder, weil er sich von dem„unsagbar" geliebten Weibe weder loszureißen, noch über ihre Untreue hmlvegzukommcu vermag. Man»veiß nicht:»vollte der Verfasser eine satirische Komödie oder eine unfreiwillig parodistische Tragödie schreiben. Alles ersäuft schließlich in Zynismus und tiradenhaftem NihiliSums: Liebe und Moral— alles ist Lüge, gar nicht vorhanden. Hätte das unmögliche Stück nicht eine wirklich meisterhafte Darstellung gefimden, so hätte eL ein klägliches Fiasko erlebt.__ e, k. Notizen. — Musikchronik. Raoul KoczalSkiS zweiter Chopin» Liszt-Abend findet Mittwoch 8 Uhr im großen Saale der kgl. Hochschule für Musik statt. — Operettenkonzerte. Als ob wir an den modernen Operetten„melodien", die uns auf Schritt und Tritt verfolgen, noch nicht genug hätten,»verde» jetzt in den Ausstellungshallen am Zoo solche Genüsse konzentriert geboten. Und dainit auch der sensationelle Einschlag nickt fehle, dirigieren(an verschiedenen Tage») die Fall. Strauß, Lincke, Lehar und Hollaender ihre Tantiemenstücke selber. Das Volk ka»»n sich amüsieren(tvirklich?) und wer's dazu hat, kann seine Toiletten zeigen. ES jibt Promenadcjelegenheit. — Ein neues Drama von H. Bahr:„Das Prinzip" hatte bei der Uraufführung in D a r m st a d t einen Heiterkcitserfolg. — Für Arbeitergesangvcreine. Im Musikverlage von I. Günther in Dresden ist ein iteueS PerlagSverzeichuis er- schienen, das als Nachschlagebuch praktische Bedeutung hat. — Die Polarsucht. Bei einem Diner des Pearl» Arctie Club in New York wurde bekannt gegeben, daß der Forscher S t e f a n S s o n eine neue arktische Expedit, on unternehmen wird. Die Parteireoraanisation hat für die Landesorganisation eine verhängnisvolle Folge gefiabt. Die Förderung der Parteieinheit und die neue finanzielle Mehrbelastung der einzelnen Vereine haben die Frage der Auflösung der Landesorganisation gezeiligt, die im Jahre 1881. unter dem Drucke des deutschen Sozialistengesetzes, von 17 Vereinen mit 1113 Mitgliedern gegründet wurde und 1911 42 Sektionen mit 3899 Mitgliedern zählte. Eine Umfrage des in Zürich domizilierten Landesausschufies bei den Sektionen hat ein fast einstimmiges Votum mit 3662 Stimmen für die Auflösung ergeben. Für die am 16. und 17. November in St. Gallen stattfindende Konferenz der Landesorganisation bildet diese Frage der Auflösung den Hauptpunkt der Tagesordnung. Einen sehr erfreulichen Aufichwung hat in der Berichtsperiode das B i l d u n g s w e s e n erfahren und zwar in quantitativer wie qualitativer Beziehung. Seine Zentralleiiung ist vom Landesaus- schuh übergegangen an den zentralen Bildungsausschuh der Partei und des Gewerkschaftsbundes. Im allgemeinen Teil deS Berichtes werden auch die deutschen Reichstagswahlen erwähnt, die durch Genossen in der Schweiz in verschiedenen Formen zugunsten unserer Partei gefördert wurden. Die bezüglichen Geldsaminlungen in den Sektionen ergaben 2835,17 Fr. Auch die Derreichische Bruderpartei erhielt für ihren Wahlfonds einen Beitrag von 599 Fr. Die Rechnung bilanziert in Einnahmen und Ausgaben mit 6939,97 Fr. in 1919/11 und mit 6438,98 Fr. in 1911/12! die des Flüchtlingsfonds mit 3843,43 Fr. in 1919/11 und mit 2536,98 Fr. in 1911/12. Das Vermögen der Landesorganisation einschliehlich des Flüchtlingsfonds beträgt 7541,36 Fr. Senei'Zlvel'sammlWg lies kunÄe; lier fndiiftrlellen. Der Bund der Industriellen hielt in Stuttgart am Sonnabend und Sonntag seine Generalversammlung ab. Die Hauptgegenstände der Verhandlungen betrafen die Zollpolitik, die soziale Gesetzgebung und— Arbeitswilligenschutz. Der Bund der Industriellen vertritt im Gegensatz zu dem von den Interessen der Rohstoffindustriellen beherrschten Zentralverband Deutscher Industrieller die Interessen der verarbeitenden Industrie. Er behauptet, liberal gerichtet zu sein. Wie seine letzte Tagung aber zeigte, eifert er jetzt seinem brüderlichen Scharfmacherverband�in dem Bestreben in wachsendem Mahe nach, der sozialen Gesetzgebung Einhalt zu gebieten, die Or- ganisationen der Arbeiter zu bekämpfen und die Arbeiterklasse mit Ausnahmegesetzen unter dem Motto„Schutz der Arbeitswilligen" zu bedenken. Bei dem Referat über Stellungnahme des Bundes der Industriellen z» den handelspoli tischen Fragen führte der Generalsekretär Dr. Tchneider-Berlin unter anderem aus: I „Die Handelsverträge von 1996 haben eine Weiterentwickelung der deutschen Ausfuhr nur unter steigenden Schwierigkeiten und bei Verminderung des Gewinns erzielen lassen. Mehrere der seit 1996 abgeschlossenen Verträge, so die Handelsabkommen mit ten Vereinigten Staaten und mit Kanada bringen zahlreiche Verschärfungen der Bestimmungen, Erhöhungen der Zollsätze, die weitere Schwierig. leiten für die deutsche Ausfuhr bedeuten. Gleichzeitig hat der deutsche Zolltarif seit 1996 zu einer Verteuerung der Lebenshaltung geführt, die umfangreiche Lohnerhöhungen zur Folge haben mußte. Für dje Rohstoff produzierenden Gewerbe haben sich die Lohn- erhöhungen durch Preiserhöhungen ausgleichen lassen, während dies für die verarbeitende Industrie nur selten möglich war, die neben den höheren Löhnen auch höhere Rohstoff-, besonders auch Kohlen- preise und neben zunehmenden Schwierigkeiten auf dem Weltmarkt eine empfindliche Schwächung der inländischen Kaufkraft infolge der Teuerung zu tragen hatte. Als der Zolltarif von 1992 und die Handelsverträge von 1996 vorbereitet wurden, war der Schutz der Landwirtschaft der ausschlaggebende Gesichtspunkt für die Regie. rung. Dies verschuldete, daß viele wohlbegründete Wünsche der Industrie unberücksichtigt geblieben sind. Um so mehr erwarten die verarbeitenden und an der Ausfuhr in erster Reihe beteiligten Industrien von der Vorbereitung der neuen Handelsverträge, daß diesmal in erster Reihe dem notwendigen Schutz der Industrie und der Ausfuhr erhöhte Aufmerksamkeit zugewandt wird. Die ver- arbeitenden Industrien sind an der deutschen Ausfuhr mit einem Anteil von 5J4 Milliarden Mark jährlich beteiligt und sie beschäfti- gen 7% Millionen Arbeiter. Die verarbeitenden Industrien müssen daher bei der Vorbereitung der künftigen Handelsverträge in aus- gedehntem Maße zur Mitarbeit herangezogen werden und ihre Ver- treter müssen in vergrößertem Maße in den Wirtschaftlichen Aus- schuß berufen werden, welchem jetzt fast nur die Vertreter der Roh- stoffgewerbe und der Landwirtschaft angehören, die an der Ausfuhr nur wenig oder nur einseitig beteiligt sind." Die Ausführungen des Referenten wurden beifällig aufgenom- men. Seine Resolution wurde vom großen Ausschuß nach einigen Aenderungen angenommen. Ihr wesentlichster Teil geht dahin: „Die verarbeitende und an der deutschen Ausfuhr in erster Reihe beteiligte Industrie erlvartet für die Vorbereitung der künfti- gen Handelsverträge, daß diesmal vor allem dem notwendigen Schutz der Industrie erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet wird. Es muß auf Beseitigung bestimmter Mängel der jetzigen Meistbegünstigung hingewirkt werben. Insbesondere wird die Meistbegünstigung nur bei voller Gegenseitigkeit zu geivährsn sein. Mehr als bisher muß vermieden werden, daß einzelne Tarifzugeständnisse an Staaten gewährt werden, welche an der betreffenden Tarifposition weniger als andere beteiligt sind, denen alsdann eine Ermäßigung für ihre weit größere Einfuhr durch bloße Meistbegünstigung ohne Tarif- vertrage zugute kommt. Von Vorteil kann auch eine weitergehende Spezialisierung, sei es im Zolltarif, sei es in den Positionen der Handelsverträge sein. Dabei wird auch die Reihenfolg« der Ver- tragsverhandlunqen mit den europäischen und nichtcuropäischen Ländern zu Prüfen sein. Die handelspolitische Stellung Deutsch- lands wird gegenlvärtig geschwächt durch die Notwendigkeit der Ein- fuhr bestimmter Rohstoffe, in erster Reihe von Baumwolle. Mit allen Mitteln ist daher die EntWickelung der deutschen Kolonien als Absatzgebiet der deutschen Industrie und ihrer Erschließung für die deutsche Rohstoffversorgung anzustreben und von der Industrie zu unterstützen, um wenigstens zum Teil ihre Abhängigkeit und deren Folgen zu mildern. Der Bund der Industriellen spricht sich gleich- zeitig aus gegen die Verschleuderung inländischer Rohstoffe an das Ausland, welches jetzt zum Rachteil unserer verarbeitenden In- dustrie vielfach durch sehr billige Ausfuhrtarife der StaatSbahnen besonders für Kohle, durch Einfuhrscheine und durch billige Ausfuhr, preise des Syndikats gefördert wird. Der Bund der Industriellen fordert demgegenüber Erleichterung der Rohstoffversorgung und Ausbau des Veredelungsverkehrs daneben durch Ermäßigung der Tarife, durch Rohstoffzufuhr und Ausbau der deutschen Wasser- straßen." Dr. Stapff-Berlin sprach über die grundsätzliche Stellung der verarbeitenden Industrie zu den Arbeiterorgani- sationen. Gr begründete einen Beschlußantrag, in dem die Forderung des BrbeitSwilligcnschutze» aufgestellt wird. Die Frage wurde nach längerer Besprechung— dem Ausschuß zur wei'eren Beratung überwiesen. Der Abgeordnete List-Reutlingen ließ sich in einem Vortrag .Industrie und Parlament" auch über die Sozialpolitik und über Arbeitswilligenschutz aus. In echt nationalliberalcm„zwar— aber" trat er beileibe nicht für Stillstand auf dem Gebiete der Sozialresorm. aber für einen„lang- samen vorsichtigen Kurs", nicht für Ausnahmegesetze, aber für strenge Bestrafung und„stärkeren Schutz der persönlichen Freiheit" ein. Er führte zu diesem Punkte aus: �„Man begegnet ja heute bielfach in industriellen Kreisen der pessimistischen Auffassung, daß der Staat die Industrie lediglich als milchende Kuh betrachtet, die ihm alle Einnahmen schaffen müsse und daß er zum Dank dafür sie nur noch mit kleinlichen Berwal- tungsmaßnahmen bedrücke.(Lebhafte Zustimmung.) Unsere Volks- Vertretung hat allen Anlaß, solche Klagen zu berücksichtigen und die Rückwirkung von Belastungs- imd Verwaltungsmaßnahmen auf die Konkurrenzfähigkeit der Industrie auf dem Weltmarkt in Be- tracht zu ziehen. Dem neuen Reichstag kann die Anerkennung nicht versagt werden, daß er Rücksicht auf die Bedürfnisse unserer Industrie genommen hat. Redner erinnert an die Stellungnahme des Reichstags beim Branntweinsteuerkontingent und bei den Be- sitzsteuern. Die Industrie hat mit der Uebernahme der Lasten der Sozialversicherung ein glänzendes Zeugnis ihrer Opferwilligkeit abgelegt. Aber für die Volksvertretung wird es nun auch Pflicht lein, bei ihren sozialpolitischen Maßnahmen die Wirkung aus die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu prüfen und lieber langsamer vorzugehen, als sie zu beeinträchtigen. Wir wollen nicht Stillstand der Sozialversicherung, sondern wo weitere Maßnahmen notwendig sind, wie z. B. die Herabsetzung der Altersgrenze, Witwen- und Waiscnversickerung, müssen allgemeine Mittel bereitgestellt werden, ohne neue Belastung der Industrie. Wenn wir auch gemäß der Forderung der Thronrede nicht einen Stillstand sozialer Matznah- men wollen, so liegt doch aller Grund vor, einen langsamen, vor- sichtigen Kurs zu steuern und einer Ueberspannung des sozialen Wohlwollens entgegenzuwirken.(Lebhafte Zustimmung.) In be- zug auf die Frage des Arbeitswilligenschutzes vertrete ich den Standpunkt, daß der Reichstag dem Ruf nach Ausnahmegesetzen nicht nachgeben darf, sondern daß er sich lediglich für strenge An- Wendung der bestehenden Gesetze und für stärkeren Schutz der per- sönlichcn Freiheit auf Grund der geltenden Bestimmungen aus- sprechen muß."(Lebhafte Zustimmung.) Der Bund der Industriellen hat so deutlicher als je gezeigt, daß er mit den gegen Sozialreform und für Ausnahmegesetze gegen die Arbeiterklasse gerichteten Bestrebungen des scharfmacherischen Zentralverbandes Deutscher Industrieller eins ist. Ihn trennt nur der handelspolitische Gegensatz der verarbeitenden zur Rohstoff- Industrie. Auf dem Gebiete der Sozialreform und des Arbeiter- schutzes unterscheidet ihn von dem offenen Scharfmachervcrband nur noch der Ton; die brutale Offenheit des Zentralverbandes hat er noch nicht erreicht. Sein Ziel ist dasselbe. Die Arbeiterklasse wird auf ihrer Hut sein müssen: sie ist im Kampf für Sozialpolitik und Koalitionsrecht mehr als je auf sich allein angewiesen. Induftne und RandcL Das französische Kapital ans dem Balkan. In der.Humanitö" legt Lysts die schlechte finanzielle Situation der Türkei, Bulgariens, Serbiens und Griechenlands dar und zeigt, wie die Budgets dieser Staaten durch die Verzinsung der Staats- schulden und das Militärbudget zum größeren Teil in Anspruch ge- nommen werden. Keiner der Ballanstaaten hat die Mittel zum Krieg und sie werden zur Ausgabe von Papiergeld mit Zwangskurs ge« nötigt sein. Wenn sie bisher einen gewissen Kredit bewahrt hatlen, so war eS der ihrer Gläubiger, vor allem der französischen Banken, die immer dazu herhalten mußten, ihr Defizit zu decken. Wenn sie sich auch wirtschaftlich entwickeln, so doch nicht in dem Maße, als ihre unproduktiven Ausgaben steigen. Abgesehen von den Verlusten, die den französischen Sparern von dem Krieg aus dem Balkan drohen, verdient die Politik der französischen Banken gegenüber den stets rüstenden Balkanstaaten Aufmerksamkeit. Nach den Berechnungen NeymarckS hatte von den 4218 Millionen der türkischen, bulgarischen, serbischen und griechischen Fonds, die am 31. Dezember 1919 an der Pariser Börse kotiert waren, Frankreich 79 Proz. der otto» manischen Fonds(d. h. an 1399 Millionen) und 75 Proz. der serbischen, bulgarischen und griechischen(975 Millionen) in Händen und dazu über 599 Millionen rumänischer Staatspapiere. Im ganzen also an drei Milliarden, ohne Hinzurechnung seiner Beteiligung an kommerziellen und industriellen Unternehmungen in diesen Ländern. Vor wenigen Tagen noch, als die Kriegsabsichten Bulgariens zweifellos waren, verhandelten die französt- scheu Banken mit seiner Regierung über eine Anleihe von 139 Millionen. Und im letzten Juli haben sie Bulgarien 25 Millionen vorgeschossen, die jetzt die Kosten der Mobilisation gedeckt haben. Man spricht vom friedlichen Charakter deS Finanzkapitals, das die Interessen der verschiedenen Länder mit einander verquicke. Aber man übersehe nicht die Gefahr, die darin liegt, daß das exportierte Kapital zur Vorbereitung und Finanzierung von Kriegen dient! Und unterdes ist in Frankreich kein Geld vorhanden für den Ausbau der Häfen und Kanäle und für die Entwickelung der Großindustrie I Aktionärsgeschenke. Wie wenig die jeweilig verteilten Dividenden einen Maßstab für die Rentabilität eines AklienunternehmenS bilden, lehrt«ine Kapitalserhöhung bei der Dittersdorfer Filz- und Kratzentuchfabrik (bei Chemnitz). Die Fabrik will ihr Aktienkapital von 2 auf 2Vz Miß lionen Mark erhöhen. Den Altionären sollen die neuen Aktien zum Kurse von 119 Proz. angeboten werden. Da die alten Aktien äugen blicklich auf 475 stehen, wäre das schon e>n Geschenk von 13,25 Mil> lionen Mark an die Aktionäre. Die Gesellschaft will aber noch weitere fünf Millionen aus dem Reservefonds decken, so daß die Aktionäre tatsächlich nur 19 Proz. oder 59 999 M. für einen Gewinn zuwachS von 23,75 Millionen Mark zu zahlen haben. Die ganze Kapitalserhöhung stellt somit nichts anderes an die Sklionäre in Höhe von 23,7 Millionen. die Gesellschaft überdies in den letzten zehn gezahlt. dar als ein Geschenk An Dividende hat Jahren je 29 Proz. So2iales. Aus der Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Im Hörsaal deS Kaiferin-Friedrich-Krankenhaiises hielt am Sonnabend die Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrank- heilen ihre mit.Fincm Rückblick auf das zehnjährige Bestehen der Gesellschaft verbundene Jahresversammlung ab. Der Zudrang zu der Versammlung war so stark, daß leider bald nach 8 Uhr das Hau» geschlossen wurde. Professor Blaschko gab einen Rückblick auf die Wirksam- keit der Gesellschaft. Von Anfang an hatte man erkannt, daß ohne Mitwirkung breiter Kreise der Bevölkerung die Waffen zur Be- kämpfung der großen Seuche nicht geführt werden können. Millionen von Flugblättern und Merkblättern zur Aufklärung über die Ge- ähr und Aiisteckungsmöglichkeit der Syphilis und anderer Ge- chlechtslranlbeiten sind verbreitet. Populär wissenschaftliche Broschüren dienten demselben Zweck. Ein Netz von Ortsgruppen ist mit auf- klärenden Vorträgen und Ausstellungen vorgegangen. Die Gesell- sckaft war bestrebt, für bessere Ausbildung der Mediziner und bessere Behandlung der Erkrankten Sorge zu tragen. Ter Vortragende rechnete der Wirksamkeil der Gesellschaft die Streichung jener ge- häsfigen und rückständigen Vorsidrisl aus der Krankengeietzgebnng zu. durch die Geschlechtskrankheiten vom Behandlungszwang ausgeschlossen waren. Richtig ist. daß die Gcsellickast dahin gerichtete Vorstellungen bei der Regierung und dem Reichstage gemacht hat. Indes ichon Jahrzehnte vor der Geburt der Gesellschail hat die Sozialdemokratie die Streichung jener der Verbreitung der GeschletvtSkrankheiten Vor« .chub leistenden Vorschrift beantragt. In diesem Kampfe ist sie u. a. durch das Streben der Gesellschaft wirlsan, unterstützt. Die Gesellschaft hat beim fiarnpf gegen die Prostitution, führte der Redner weiter aus, auf den engen Zusammenhang der Wohnungsverhältnisse mit der Prostitution hingewiesen. Der Vortragende bezeichnet den Ministerlalerkaß vom Dezember 1997, der an Stelle polizeilicher ärztliche Kontrolle einführen oder dieser Einführung die Wege ebnen wolle, als einen Erfolg. Liegt in der Tat da ein Erfolg vor? Der Jahresbericht meint, die Wirkungslosigkeit des Ministerialerlasses sei auf mangelnde Fähigkeit der unteren Polizeiorgane zurückzufiihren. Der Vortragende führte, ebenso wie Ministerialdirektor Kirchner an, die Wirkungslosigkeit resultiere aus Mängeln des Strafrechts, die der Entwurf zum Teil abstellen wolle. Hier vermögen wir den Ausführungen des Vortragenden nicht beizutreten. Mit Polizei, Strafgesetz und Ministerialerlassen bekämpft man nicht die Prostitution. Deren Ursachen liegen, wie auch Prof. Blaschko erwähnte, weit tiefer. Ihre letzte Ursache liegt auf wirtschaftlichem Gebiete. Der Verein gerät auf eine abwegige Bahn, wenn er Folgeerscheinungen der Prostitution bekämpft, ohne den Ursachen der Prostitution selbst entgegenzutreten. Kann er den Ursachen der Prostitution nicht entgegentreten— der Charakter der Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten macht das allerdings unmöglich—, so sollte er sich hüten, Wege zu beschreiten, die trotz aller Namensänderungen zu nichts weiter führen können, als dazu, das Risiko der Gefahr einer Ansteckung durch Prostituierte im Interesse ihrer Nutznießer lediglich auf diese armen Opfer der Gesellschaftsordnung abzuwälzen. Als Hauptaufgabe der Gesellschaft bezeichnete der Referent wiederholt die Aufklärung, und man kann ihm sicher darin beistimmen, daß hierin viel, sehr viel Segens- reiches erzielt ist. Das schwierige Problem der Sexualaufklä- rung hat in den letzten 19 Jahren immense Fortschritte gemacht. Die Gesellschaft will mit Pädagogen und den Eltern zwecks Weiter- fortführung der sexrellen Aufklärung in Verbindung, treten. Schwankte früher und noch oft heute die„Aufklärung" des Kindes, wie der Referent sehr zutreffend betonte, zwischen den Extremen, die sexuelle Betätigung zur Sünde. oder jpir Zote zu stempeln, so gilt es endlich, in der Erziehung der Sexllalfrage die ihrer Wichtig- keit entsprechende Stellung zu geben. Eine verständige Aufklärung ist der beste Schutz. Zahlenmäßig läßt sich, wie der Referent betonte, noch nicht erfassen, ob und welche Fortschritte durch den Kampf gegen die Geschlechtskrankheiten erreicht sind. Die letzte allgemeine Statistik ist am 39. April 1999 aufgenommen. Aus der Statistik über die Rekruten entnommenen Zahlen ließen sich aber immerhin günstige Schlüsse unternehmen. Professor N e i s s e r- Breslau warf einen Rückblick auf die er- staunlichen Entdeckungen auf dem Gebiete der Geschlechtskrankheiten während der letzten zehn Jahre. Vier Erscheinungen sind es, die geradezu eine Revolution auf diesem Gebiet hervorriefen: t. die Entdeckung der Ueberlragbarkeit des SyphiliSgifteS von Menschen auf Tiere durch Mentschikoff und Roux; 2. die Ent- deckung der Syphiliserreger, der Lpiroebeteu, durch Schau- dion, 3. die Wassermannsche Reaktion zur Diagnose und 4. das Ehrlichsche Salvarsan. Müsse man auch vor einer allzu sanguinischen Ueberschätzung des Salvarsan als.sofort wirkenden Allheilmittels warnen, so seien, wie der Referent'des näheren dar- legte, die Erfolge dieses neuesten Heilmittels doch von noch nie er- reichter Wirkung. Der Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten ist lebhaft zu wünschen, daß ihr die Aufklärung über die Geschlechts- kranlheiten im kommenden Jahrzehnt noch besser als im abgelaufenen gelingen._ Alters- und Jnvalidenrentncr der LandcsversichcnmgSanstalt Berlin im Jahre 1911. Nach dem soeben erschienenen Bericht der Landesversicherungs» anstalt Berlin waren insgesamt 397 Anträge auf Altersrente im Jahre 1911 zu erledigen: davon waren Z8S im Berichtsjahr neu gestellt. Davon wurden 374 bewilligt, 42 abgelehnt, 3 anderweitig erledigt, 78 blieben am Jahresschluß 1911 unerledigt. Durch Ent- scheidung des Schiedsgerichts wurde den Rentenbewerbern in drei Fällen die Altersrente zuerkannt, so daß insgesamt 377 Alters- reuten 1911 bewilligt wurden. Bon 199 Renten entfallen 99 auf Männer und 19 auf Frauen. Der Durchschnitt von 1891 bis 1911 ist für die Frauen günstiger, denn hier entfallen von 199 Renten 89 auf die Männer und 70 auf die Frauen. Nach Jndustriegruppen die Altersrentner geordnet, kommen an erster Stelle die Metallarbeiter mit 56, dann folgen die Holzarbeiter mit 38: der Handel mit 35; die Bau- a r b e i t e r mit 7?; die D i e n st b o t e n mit 78; die T e x t i l« i n d u st r i e mit 73; alle übrigen Berufe haben kleinere Anteile. Insgesamt wurden von 1891 bis 1911 bei den Männern 6258 und bei den Frauen 1571 Altersrenten bewilligt; hiervon wurden in derselben Zeit durch den Tod bei den Männern 3580, bei' den Frauen l 030 Renten eingestellt. Der Prozentsatz der Gestorbenen be- trägt demnach bei den Männern 65,8 und bei den Frauen 71,5. Jnvalldenrentenanträge wurden im Jahre 1911 5904 gestellt, auS dem Vorjahre kommen 611 unerledigt gebliebene hinzu, so daß insgesamt 6515 Anträge zur Bewilligung vorlagen. Hiervon wurden 4710 bewilligt und l689 abgelehnt. Die Bewilligungen der Invalidenrente gehen von Jahr zu Jahr zurück. Zur besseren Nebersicht stellen wir„Anträge, Bewilligungen und Ablehnungen seit 1999 gegenüber. Es wurden Anträge gestellt: 1909 1991 1992 1993 1994 1996 3574 1996 4596 1997 5777 1998 6368 1999 6516 1919 6580 1911 6308 5845 7049 Hiervon wurden bewilligt: 6873 6400 5904 1999 1991 1992 1993 1994 1995 3323 1996 3939 19d7 5139 1993 5832 1999 5778 1919 5369 1911 5984 4942 Abgelehnt wurden: 1999 1991 ö110 5994 4393 4219 1992 1993 1994 1995 246 1996 275 1997 390 1998 541 1999 692 1919 947 1911 1129 1467 Zum Vergleich ist 1971 1820 1836 1689 das Jahr 1992 am geeignetsten, denn die gestellten Anträge von 1992 haben nahezu dleselbe Höhe wie 1911. 1992 wurden 5727 Anträge gestellt 1911. 5994,.(+ 177). Bewilligt wurden: Abgelehnt wurden: 1902.. 5 1 3 0--- 89,69 Proz. 390=- 6,80 Pro», 1911.. 4210= 71,30, 1689= 28,62,* Demnach ist die Zahl der Rentenbewilligungen bei der fast gleichen Zabl von Anträgen 1911 um 13,89 Proz. gegen 1992 gefallen, die Zahl der Ablehnungen dagegen um rund 22 Proz. gegen 1992 g e st i e g e n. Das ist für die Landesversicherungs- anstalt Berlin eine recht beschämende Tatsache. Der Bericht sucht die Sache zugunsten der Anstalt zu beschönigen. indem et_ als Vergleichsjabr nur bis 1999 zurückgreift und sagt, daß die Berhältniszahlen sich seil 1999 im wesentlichen gleichgeblieben sind. Das ist eine seltiame Methode! Es ist für die Anstalt Berlin auch nicht gerade besonder? rühm-' lich, daß sie mit de» Rentenbewilligungen recht erheblich hinter dem Reichsdurchschnitt zurückbleibt. Während im Reich auf 199 Renten im Jahre 1911 auf Festietzungen 77 und auf Ab- lehnungen 73 entfallen, kommen in Berlin 7l Festsetzuilaen und 7S Ablehnungen. Der Bericht sagt dann auSdrücklicb, daß die Anträge mit er- schöpfender Ausklärung nachgeprüft werden, um eine richtige Beurteilung deS Falles erlangen zu lönneu. Denn die reichsgesey- liche Juvalidenveriicherung dürfe nicht als Versorgung gegen Mangel an ausreichender und geeigneter Arbeitsgelegenheit angesehen werden. Die„erschöpfende" Aufklärung der Berliner Anstalt ist in der Tat so eingehend, daß das von den Rentenbewerbern angerufene Schiedsgericht in 216 Fällen die AblehnungSbescheide der Auslalt aufgehoben hat und dieselbe zur Zahlung der Rente der- ur teilte. Und da schreibt der Bericht noch von wohlwollender Prüfung der Anträge. Bon den 1689 Ablehnungen entfallen allein l?5S— 74,3 Pro�. auf noch nicht vorhandener Erwerbsunfähigkeit. Mit dem Begriff„Invalidität im Sinne des Gesetzes" wird geradezu grober Unfug getrieben. Nicht selten sind die Fälle, datz der Rentenbewerber vom Arzt noch nicht als erwerbs- unfähig angesehen wird, während schon nach ganz kurzer Zeit der Tod eingetreten ist. Wie man sieht ist Theorie und Praxis von der„gefüllten Kompottschüssel" zweierlei. In Wirklichkeit ist es nur eine Bettel s u p p e, die die Arbeiter sehr teuer zu bezahlen haben. Insgesamt waren am Jahresschluß 2275 Altersrentner und 31816 Jnvalidenrentner vorhanden. 85 Prozent der Schulkinder leiden an Unterernährung! In Altena in Westfalen stellte der Kreisarzt Dr. Thomalla fest, daß der schlechte Gesundheitszustand der Schulkinder in Altena au Unterernährung zurückzuführen sei; 85 Prozent der Kinder seien skrophulös! Auch eine der„herrlichen" Blüten unseres„bewährten Wirtschaftssystems"._ Gerichts-Zeitung» Gleiches Recht? 1. Bon der I. Breslauer Strafkammer wurde der I s o lierer Berger zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt, weil er zwei Arbeitswillige„Streikbrecher" genannt und einen geschlagen haben soll. Obwohl Berger ganz entschieden bestritt. auf der Baustelle, wo die Mißhandlung des Arbeitswilligen erfolgt sein soll, gewesen zu sein und seine Angaben von zwei Zeugen eidlich erhärtet wurden, schenkte das Gericht dem Arbeits- willigen als einzigen Belastungszeugen mehr Glauben und erkannte auf die außerordentlich hohe Gefängnis st rase von fünf Monaten. 2. Der christliche Ortskrankenkassenvorsitzende Beining und der christliche Agitator Niehus aus Recklinghausen überfielen den Schreiner Roder, schlugen ihn mit einer dicken Holzlatte auf den Kopf und traktierten ihn mit Fußtritten. Nach dem ärztlichen Attest war auf dem Kopf eine sechs Zentimeter lange blutende Quetschwunde, die geschwollen und sehr schmerzhaft war. Ferner hatte der Verletzte viele Hautabschürfungen, auch im Gesicht und an den Armen. Die eine Gesichtsseite war an- geschwollen. Der Mißhandelte war längere Zeit arbeits- unfähig und verlangte 250 M. Bußcgeld. Der Staatsanwalt hatte Anklage erhoben. Das Schöffengericht erkannte auf eine Geldstrafe von zehn bezw. fünf Mark. Die Zahlung der Buße wurde abgelehnt. Gerecht sein heißt mit gleichem Maß meffen, ohne Ansehen der Person, die zur Aburteilung steht, lediglich nach Maßgabe der Tat ein Urteil fällen. Ist gleiches Maß in den vorstehenden Fällen angewendet oder ist die Hochschätzung der gemeingefährlichen Gattung Arbeitswilliger und ihrer Borarbeiter sowie Abneigung oder Haß gegen organiflerte Arbeiter als Gewicht auf die Wagschale der Gerechtigkeit geworfen? Ein Totschlag auf offener Straße lag einer Anklagesache zugrunde, mit deren Verhandlung gestern unter Vorsitz des LanogcrichtSdirektors Splettstößer eine neue Schwurgerichtsperiode vor dem Landgericht I begann. Aus der Untersuchungshaft wurde der 2gjährige Gelegenheitsarbeiter Mfred Reumann vorgeführt, um sich wegen Totschlag« und Zuhälterei zu verantworten.— Der Vater des Angeklagten war„Zauberkünstler" und zog mit seiner Familie auf dem Lande umher. Als dieser starb, arbeitete der Angeklagte, der nichts Ordentliches gelernt hatte, einige Zeit als Zicgeleiarbeiter und kam dann nach Berlin. Hier wurde er bald Zuhälter, dann Einbrecher und machte schließlich auch mit dem Zuchthaus« Bekanntschaft. Am Abend des 18. Mai d. I. hatte der 25jährige Kutscher Karl Rüper mit mehreren Bekannten verschiedene Schanklokale aufge- sucht. In einem Lokal in der Maldaistratze trat plötzlich der An- geklagte Neumann an ihn heran und beschuldigte ihn, ihm sein Portemonnaie gestohlen zu haben. Rüper verbat sich diese Be- schuldigung, wurde aber von dem Angeklagten, dem es offenbar darauf ankam,«inen Streit anzufangen, weiter belästigt. Auf der Straße trat N. wieder an ihn heran und verlangte von ihm in barschem Tone eine Zigarette. Es kam zu einem Streit, in dessen Verlauf N. eine Ohrfeige erhielt. Rüper ging dann ruhizj weiter, wurde jedoch von dem Angeklagten eingeholt, der ohne«ui Wort zu sagen, eine Pistole hervorzog, sie dem Rüper auf die Brust setzte vnd abdrückte. Rüper sank, von der Kugel mitte» ins Herz ge- troffen, tot zu Boden. Der Angeklagte wurde von den Begleitern des Getöteten halbtot geschlagen und dann der Polizei übergeben. Auf der Polizeiwache äußerte der rohe Patron zu dem Kriminal- schutzmann! Sucker. auf dessen Hinweis, daß man doch nicht so ohne lveitcrcs einen Menschen niederknalle:„Um den Lumpen ist eS nicht schade. Ich kriege dafür höchstens ein Jahr Gefängnis. Wenn ich rauskomme und treffe wieder solchen Kerl, dann schieße ich ihn auch über den Haufen."— Vor Gericht ließ der Angeklagte durch den ihm als Offizialverteidiger gestellten Justizrat Galland geltend machen, daß er zur Zeit der Tat sinnlos betrunken gewesen sei und auch einen Angriff des R. habe befürchten müssen. Nach längerer Verhandlung sprachen die Geschworenen den Angeklagten des Totschlags und der Zuhälterei schuldig und versagten ihm die mildernden Umstände. Der Gerichtshof verurteilte ihn zu 6'A Jahren Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust, Stellung unter Polizeiaufsicht und Ueberweisung in das Arbeitshaus nach ver- bützter Strafe._ Ein Hilfsschutzmann als Anstifter eine« Straßenraubes. Eine Verhandlung vor dem Schwurgericht in Bochum entrollte den sauberen Plan eines Schutzmanns. Der Maurer Fach aus Herne hatte sich wegen Straßenraub und vorsätzlicher Körper- Verletzung zu verantworten. Dieser hatte in Gemeinschaft mit dem Gastwirt Löns, zu dem sich noch eine Anzahl Männer und -Frauen gesellten, mehrere Wirtschaften besucht, wobei der Wirt stets die Zeche bezahlt hatte. AuS Dankbarkeit verabredeten nun die Zechgenoflen, unter denen sich der Schutzmann in Zivil befand, den Wirt tüchtig auszunehmen. Die Frauen sollten sich mit ihm scheinbar einlassen und, wenn er Geld herausrücke, plötzlich ver- schwinden. Wenn sich der Wirt nicht ruhig verhalte, sollte er Prügel bekommen. Den Plan hierzu hatte, wie in der VerHand- lung festgestellt wurde, der Hilfsschutzmann Äauffer angegeben, der jetzt nicht mehr im Dienst ist. Der Wirt durchschaute das Spi»!t wurde aber trotzdem von dem Angeklagten mit einem Rohrstock niedergehauen. Bei dieser Gelegenheit soll er ihm die Uhr ent- rissen haben. Der Angeklagte behauptet jedoch, und es konnte ihm nicht widerlegt werden, daß die Uhr bei der Schlägerei ent- fallen und er sie dann an sich genommen habe. Auf Grund dieser Annahme kam er, da nur Diebstahl und Körperverletzung an- aenommen wurde, mit einem Jahr Gefängnis davon. Nun wird ja der saubere Schutzmann an die Reihe sein! Pensionierte Bolksschullchrer find als Stadtverordnete wählbar. Der Mitrektor a. D. Brödler war in Driesen(Regierungsbezirk Frankfurt a. O.) zum Stadtverordneten gewählt worden. �Der Magistrat focht die Wahl als ungültig an, weil nach der Städte- ordnung Volksschullehrer nicht zu Siadlverordneten wählbar seien. DaS treffe auch auf pensionierte Bolksschullehrer zu, wie B. einer sei. Und zwar komme in Betracht, daß nach der Verordnung vom 23. September 1867 Elementarlehrer von allen direkten Gemeinde- abgaben auch hinsichtlich der Pension(des Ruhegehalts) befreit seien. Der Kreisausschuß und der Bezirksausschuß in Frankfurt a. O. wiesen aber die Klage des Magistrats ab. Das Oberverwaltungsgerichtbestätigte dieser Tage das Urteil mit folgender Begründung: B. sei wählbar. Die Bestimmung, daß Bolksschullehrer nicht zu Stadtverordneten wählbar seien, beziehe sich nur auf die im Amte befindlichen Volks- schullehrer. Nach der Pensionierung stehe ihrer Wählbarkeit nichts im Wege, auch nicht der Umstand, daß sie nach der Verordnung von 1867 von der Pension keine direkten Gemeindesteuern zahlen brauchten. Somit sei die Wahl gültig. Huq aller Melt. Ein Freiballon abgestürzt.— Die beiden Insassen getötet. Zu den zahlreichen Katastrophen, die der Lust-, insonderheit der Flugsport, in der letzten Zeit gefordert hat, ist nun auch ein schwerer Unglücksfall hinzugetreten, der sich durch den Absturz eines Freiballons ereignete. Die Freiballons gelten noch als Verhältnis- mäßig sichere Luftfahrzeuge. Entfällt doch von der langen Liste der bei der Eroberung der Luft ums Leben Gekommenen trotz der zahlreichen Freiballonfahrten nur ein geringer Bruchteil auf die Passagiere dieses ältesten Systems der Luftfährzeuge. Ueber die Katastrophe wird gemeldet: Spansberg(Amtshauptmannschaft Großenhain), 20. Oktober. Ein in Bitterfeld aufgestiegener Freiballon explodierte heute nachmittag gegen 2 Uhr plötzlich in der Nähe von Spansberg. Er war in Gewitterwolken geraten und dort wahrscheinlich von einem Blitzstrahl ge- troffen worden. Die beiden Insassen des Kor- des, deren Hilfeschreie man aus der Luft noch hören konnte, wurden von den zu Hilfe Herbeieilenden bereits t o t aufgefunden. Sie hatten sich in die Stricke des Ballons verfangen und hingen über den Korbrand hinaus. Der eine hatte das Genick gebrochen, während dem anderen eine Sauerstoffflasche das Bein zer- schmettert hatte. Aus vorgefundenen Papieren stellte man fest, daß es sich um Leutnant Stieler und Ingenieur Gericke handelt. Die Uhr der Toten zeigte 1 Uhr 51 Minuten nachmittags. Das Höhenbaro meter, das stark beschädigt war, ließ das rasche Aufsteigen des Ballons auf 3000 Meter und dann plötzlich auf 5000 Meter erkennen. Augenscheinlich hatte der Führer den Gewitterböen entgehen wollen, und dadurch die Katastrophe herbeigeführt. Die Leichen wurden nach Spansberg ge bracht. Stach einem späteren Bericht soll der Absturz nicht durch eine Explosion, sondern auf andere verhängnisvolle Umstände zurück zuführen sein. Hülle und Netzwerk sollen nämlich vollkommen un- versehrt geblieben sein, so daß der Absturz lediglich den, ordnungs mäßigen Aufteißen der Reißbahn zuzuschreiben wäre. Daß es dennoch zur Katastrophe kam, wird darauf zurückgeführt, daß sich die Lustschiffer in so enormer Höhe befanden, daß sie das Be- wußtsein und damit jeden Einfluß auf das Nieder- gehen ihres Fahrzeuges verloren hatten. Der Ballon soll, als man ihn aus den Wolken austauchen sah,«uS 1000 Meter Höhe wie ein Stein in die Tiefe gefallen fein. Die Gasentleerung der Hülle war danach zu rasch eingetreten und der vielleicht durch Aus- werfen von Ballast noch zu verlangsamende Absturz dadurch zur Katastrophe geworden._ Das Ergebnis des süddeutschen Fluges. Nach Zurücklegung der letzten der vier Etappen Ulm- München hat der süddeutsche Flug sein Ende erreicht. Von 14 am ersten Start beteiligten Fliegern haben nur vier. darunter der Zivilflieger Hirth, sämtliche Etappen vor- schriftsmäßig zurückgelegt. Drei Etappen absolvierte ein Zivilflieger, zwei Etappen ein Offiziersflieger und ein Zivil- flieger, während sieben Flieger nur eine Etappe bewältigten. Während des Fluges wurden mehrere Maschinen durch Ab- stürz zertrümmert. Dabei ereignete sich auch jener verhäng- nisvolle Absturz, bei dem die Leutnants Beisbarth und Lang ihren Tod fanden._ Ei» rechtskundiger Bürgermeister. Der rechtskundige Bürgermeister der naussauischen Stadt K ö n i g st e i n fungiert im Nebenberuf auch als A m t s a n w a l t. Am Donnerstag hatte sich ein Frankfurter Gewerkschaftsführer, der von dem katholischen VolkSblatt denunziert worden war, in Königstein wegen Vergehens gegen§ 153 der Gewerbeordnung u verantworten. Nach Beendigung der Beweisaufnahme erhob ich der Herr AmtSanwalt und beantragte„die Mindest- st rase von drei Monaten Gefängnis!" Aber nein, erwiderte der Vorsitzende, das ist ja die gesetzlich vor- gesehene Höchst st rase!— Der Herr Staatsanwalt zupfte sich nervös am Schnurrbart„Na, dann beantrage ich eine Woche Gefängnis."— Das Urteil lautete auf einen Tag Hast. Unangenehme Folge« hatten die kriegerischen Wirren am Balkan für eine Anzahl Münchenier Arbeiter(Zimmerleute), die am 6. Oktober unier der Leitung zweier Ingenieure nach Serbien abgegangen waren, wo die Münchener Firma Ackermann derzeit umfangreiche Tiefbauarbeiten vorzunehmen hat. Gleich bei Ankunft an der serbischen Grenze in Picot wurden sie unter militärische Bewachung genommen und hatten von dem Augenblick an unter den größten Entbehrungen zu leiden. Die Arbeiter wollten nun beim deutschen Konsulat inter- vcnieren, eS wurde ihnen aber eine Fühlungnahme mit demselben ohne Grundangabe verweigert. Schließlich gelangten sie nach Sofia, waren aber inzwischen von ihren Vorgesetzten im Stiche gelassen Wordelt, die mit Hilfe des Schkaflsagenperfonals über die Grenze entkommen waren. Da die von den Angehörigen abgesandten Briefs unbeantwortet blieben, geriet man über das Schicksal der Arbeiter in Sorge und der Zentralverband der Zimmerer wandte sich an den hiesigen Rechtsanwalt Dr. Nußbaum, der sich mit dem Ministerium des Aeußern in Verbindung setzte. Dieses ordnete hierauf beim deutschen Konsulat in Sofia an, daß die Arbeiter auf Staatskosten zurückzubefördern seien. Von den 25 Arbeiter» waren inzwischen 14 bereits abgereist. Die übrigen 11 Arbeiter sind nun am Freitag nachts in München angekommen. Sie be- haupten, daß, als Serbien nach Ausbruch der kriegerischen Ver- Wickelungen ein Moratorium proklamierte, wonach die finanziellen Verbindlichkeiten auf 3 Monate eingestellt werden, ein Vertreter der Firma erklärt habe, dieses Moratorium beziehe sich auch auf die Arbeiter; sie hätten also zunächst auf 3 Monate keinen Anspruch auf Lohn. Die Firma versuchte nun, die Arbeiter abzufinden. Diese gingen jedoch nicht darauf ein und werden ihre Ansprüche beim Gewerbegericht einklagen. Das Goldsteber. Die Goldsucher kennen keine Hindernisse, wenn es sich um die Aufsuchung des kostbaren Metalls handelt. So hat es genügt, daß ein Polarforscher das Vorhandensein goldhaltiger Felsen i in Norden der B a f f i n s b a i ankündigte, um drei Ex» p e d i t i o n e n zur Eroberung dieses neuen Klondike ausziehen zu lassen. Leider ist der Erfolg den Anstrengungen nicht ent- sprechend gewesen. Die eine der Expeditionen, die von einem Kanadier Scott organisiert worden war, ist unverrichteter Sache zurückgekehrt. Sie stieß in den arktischen Gebieten wohl auf u n» geheure Lager von Kohlen- und Eisenmine» r a l i e n. aber Gold hat sie nicht gefunden. Die zweite Expedition, die von einem früheren Begleiter des Nordpolentdeckers Pearys, L. Bartlett, geführt wurde, mußte infolge eines Unglücks vorzeitig abgebrochen werden. Das Schiff Bartletts, die„Algerine". wurde zwischen zwei Eisfeldern zermalmt und sank in wenigen Minuten. Die Riannschaft konnte nur sieben Kästchen Bisquit und 3 Tonnen Bier retten, litt entsetzlich von Hunger und Kälte und wurde aus ihrer furchtbaren Situation endlich durch den„Neptun", das Schiff der Expedition Scotts. gerettet, das die Schiffbrüchigen aufnahm. Die dritte Unter- nehmung der Goldsucher leitete ein Kanadier, der Kapitän B e r n i e r. Genaue Nachrichten sind von seiner Expedition noch nicht bekannt, aber das Gerücht geht, er habe große Gold- selber im Norden der Baffinsbai gefunden, ebenso gewaltige Kohlen- und Eisenlager, und sei in diesen Gebieten überwintert. Kleine Notizen. Unfall auf einer elektrischen Kleinbahn. Auf der Strecke Kloster- mansfeld— Mansfeld sprang, vermutlich infolge zu raschen Fahren«, ein Wagen der elcktrischeni Kleinbahn aus ven Schienen, wodurch er umstürzte. Fünf der Insassen- erlitten, dabei nicht unerhebliche Verletzungen. Deutsche Gastlichkeit. Ein befremdlicher Empfang wurde einem Teilnehmer an der bevorstehenden Gordon-Benncit-Fahrt der Frei- ballonS zuteil. Als der belgische Luftschifser Gerard, der sich auf dem Lustwege nach Deutschland begab, in der Nähe von Heil- b r o n n landete, wurde er, trotzdem er sich und seinen Begleiter durch Ausweispapiere legitimieren konnte, von zwei Landjägern in Empfang genommen, fünf Kilometer weit zu Fuß nach Heilbronn transportiert und dort der Polizei übergeben. Dort sollen die Luft- schiffer noch drei Stunden lang festgehalten und sogar einer pein- lichen Leibesvisitation unterzogen worden sein. Der Vorfall er- innert an den ähnlich freundlichen Empfang, der seinerzeit dem Flieger Abramowi-tsch während seines Fluges Berlin— Petersburg in Danzig bereitet worden war. Moralische Eroberungen macht man durch solche Kindereien sicherlich nicht. Abgestürzter Tourist. Vom Teufelsgrat ist, wie aus Wien ge- meldet wird, ein unbekannter Tourist abgestürzt und schwerverletzt bewußtlos aufgefunden worden. Da er keine Legitimation bei sich trug, konnte feine Persönlichkeit noch nicht festgestellt werden. Ehedrama in Wien. Am Montag nachmittag hat in einem Hotel der inneren Stadt der W jährige Oekoiwmiebeamte Robert Kettner seine 21 jährige Gattin Marie erschossen und sich dann selbst durch einen Schuß in den Kopf tätlich verletzt. Das Motiv ist gänz- lich unbekannt; es wurden bei dem Erschossenen keine Briefe auf- gefunden. Zugzusammenstoß in Spanien. I« Huesca stieß ein Personenzug mit einem Güterzug derart heftig zusammen, daß 14 Wagen voll- ständig zertrümmert wurden und in Brand gerieten. Die Kata- strophe forderte sechs Todesopfer und eine Anzahl schwerer Verletzungen. Brfcfkaften der Redahtton. Die turlstlsq« Vprewstunde findet Linden st raste so, vor» vier Treppen — Fahrst«hi—, ivochcntö glich von tVi VIS TV, Uhr abend?, Sonnabend», von«V, bis 6 Uhr abend» statt. Jeder fttr den Briefkasten bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Mertzetche» beizufitgen. Briefliche Antwort wird nicht«rteUt. Anfragen, denen keine Abouncmentsgutttnng beigefügt ist, Verden nicht beantwortet. Eilige Frage» trage man<» der Sprechstunbr dar. <6. 1910. Wenden Sie sich an die Niederländische Gesandschafts» kanzlet, Bofftr, 16, eventuell an das Auswärtige Amt, Wilhclmstr. 7S/7i>. M. K. 100. 1. Nein, 2. Die Stoffe ist nur dann verpflichtet, wenn ein gerichtlicher Pfändung»- und UeberweifungSbefchlug zugestellt ist, der aul Grund eines vollstreckbaren Schuldtitels beim Amtsgericht zu beantragen Ist.— M. B Äl. Nein,— 3. E. 18. 1. Die Kosten richten sich nach der Höhe des Objetts, 2. und 3. Nein, Da» Testament kann auch durch eigeiidändige Niederschrlst. die mit Orlsbezeichnung, Datum und Unterschrist verschen sein muß. errichtet und zu Hause ausbewahrt werden. Nach dem Tode de» Testator« ist das Testament unverzüglich dem Nachlaßgericht— Amtsgericht, in dessen Bezirk der Erblasser verstorben ist— eingereicht werden.— Treptow 14. Nein.— Neukölln 100. Ja, sofern die Frau die Zustimmung erteilt hat.— M. X. 48. Warten Sie die Zustellung der Klage ab. Falls Sie Einwendungen gegen die Stlagebehauptuug oder Widerklage erheben wollen, müssen sie sich einen Rechtsanwalt bestellen. —&. Hein 411. Nesselwang. Bayern, Regierungsbezirk Schwaben.— I. P. 09. Nicht eine Maschine, sondern Maschinen.— O. H. 300. Annonce oder Arbeitsnachweis. 2. Statu» quo ante: früherer Stand der Dinge.— F. 8. O. 14 Richten Sie Ihre Ansrage an das Bureau de» 4. Wahlkreises, Stralauer Platz 1/2.— A. H. 26. Königlich aus städtische Kosten.— Wcglverth 07. Halle a. S., Reilftraße.— E. 1. Ja. ytOCW o <8W movjV Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prlnzenstr. 41,«ohÄ 10— 2. 6—7. Sonntag» 10—12. 2— 4 Wenn nicht g) fcftö|te la p. Nachn./ retour I«er. RiesenrotlfflBpse, Laohsheringe, Oase 32 Heringe Milohsauce, Geleeaal, ®0!e 7ft norto- Qo«-rl Brather, ca. Del»""' i"» Geleeher., Stifte 40 SP-Bückig. oder Stifte grotze Bücklg. 9 Sorten zusammen 3,95 M. E. Kapp, Altona-Otteus. 105. Aale Klmutn- nnd KriiNiliiiidkrti von Koben Mexer.' Jnh.: P. Golletz Ulli MllrmnnkN'Ztraße 2. Telephon: Moritzplatz 346. _______ man KornfrancK?« Wie Kaffee und MalzKaffeel Bei besonderen GcschtnaeKsricbtun�en entweder» Mit einer Kleinen Beimiscliting vqi� Aecht FrancK-Kalfeezusatz oder 2/3„KornfrancK" mit%„Aecht FrancK" oder'/a..KornfrancK"» Va BohnenKaffee und Va„Aecht FrancK*V Wer diese verschiedenen Arten ausprobiert, findet leicht heraus» welches Getränk seinem Geschmack am meisten zusaflt. Milch und Zucker nimmt man nach Gewohnheit. j69 Unserem Partei-Veteran Leopold Renkwitz die Herzlichsten Glückwünsche zum 74. Geburtstage. 75A Du schlugst einst Schlachten, Ersüllt'st auch dort die Pflicht, Vergrubst dann Orden, Gesang- buch und die Bibel, Kamst zur Partei, wurd'st aus- gewiesen Und Frau und Kinder mutzten bützen. Für Recht und Wahrheit strittst Dn bis aus den beuiigen Tag, Ja, Alter, so war's brav! vis Genossen und Genossinnen des Bezirk. 76Ga. 6. Kreis. -Ml z6 yt a st> « V. eeeee«»«sssssss� Unserem lieben alten'' Freund und Parteigenossen Wilbelm Krause nebst Frau die herzlichsten Glückwünsche zur Silberhochzeit. vis funktionZre und mobrere Genossen und Genossinnen der 20. AM, IV. Wahlkr. ssssssseeeeesss� Todes-Anzeigen ZentralverliaDdilerDaeliiieeker Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege Hermaim Hanß verstorben ist. Ehre seinem Andenke»'. Die Beerdigung sind?t beute, Dienstag, nachmittags 4'i2 Uhr, von der tteichenhalle des Heilig- ikreuz-Kirchhofes in Mariendors, Eisenacher Str. 62, aus statt, Recht rege Beteiligung erwartet 52/9 Der Verstand. SozialdemokratiseherWaMverein «iedepharnira. Bezirk Lichtenberg. Am 20. Oktober stüh verstarb nach schwerem Krankenlager unser Mitglied, der Friseur ;Pzml Klose Neue Bahnhosstratze 3(Bezirk 74). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mitt- woch. den 23. Oktober, nachmittags i'l2 Uhr, von der Leichenhalle des Genieinde-Friedhoses, Liick- stratze, aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Bezirksleitung. veutzckepIüetallaröeiMi'Iiaiii! Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, datz unser Mitglied, der Metallarbeiter Max Liebhardt Friedrichshagen, Friedrichstratze 55, am 19, Oktober an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seine», Andenken: Die Beerdigung findet Diens- tag, den 22. Ottober, nachmittags 3'/. Uhr, von der Leichenhalle des Gemeindesriedhoses in Friedrichs- Hagen ans statt. Rege Beteiligung erwartet 126/12 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die rege Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters dulius piscker sagen wir allen Beteiligten unseren herzlichsten Dank. 7021 Luise Fischer nebst Kindern. Yeriianil der Bueli- und Stein- rtruekerei- Usarbeiler und Arbeiterinnen Deutschlands. Ortsverwaltnng Berlin. Am 20. Oktober verstarb nach kurzem Krankeulager unser Mit- glied Willi Kaiser im Alter von 25 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet an, Mittwoch, den 23. d. Mts., nach« mittags 4 llhr, aus den, neuen Jerusalenis-Kirchhof in Neukölln, Hermannstratze, statt. 28/14 Oie Ortsverwaltung. Am Sonnabend, den 19. Ok- tober 1912, starb unsere Mit- arbciterin Martha paust. Sic war uns stets eine liebe .Kollegin und werden wir ihr ein ehrendes Andenken bewahren. Karl Storker nebst Frau und Kollegen. Tailksagung.- Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sagen wir allen Freunden und Bekannten unseren innigsten Dank. S22b Witwe Scholz und Sohn. Für die Beweise herzlicher Teil- nähme bei der Beerdigung meines lieben, so plötzlich aus dem Leben ge« rissenen Mannes ,?os>eph Bein sage ich allen Freunden und Be- kannten sowie den Parteigenossen meinen Herzlichen Dank. S27b Frau Auguste Rein u. Kinder. VnmmMMmnIIIIIIHIhmmmlüMIIIIinWf Danksagung. Für die vielen Beweise Herzlichen Mitgefühls bei der Beerdigung memes lieben Mmmes, unseres herzensguten Vaters und Großvaters sagen allen Verwandten und Bekannten sowie dem Zentralverband der Dachdecker aufrichtigsten Dank 7SA Barle Kunger und Kinder. Elegante llM-Mll fsrtlg u« naeh Maaal von 1 Bade wBcbentliche Tellzalriiiag. S.Boltuch Frankfurter Allee 75 Eingang TilelterStraase E. Cr. m. b. H. SO. 16, Köpenicker Straße 98 b (zwischen Neander- und Neue Jaiobstraße). Gegründet am 1. Juli 1907 von organisierten Bandagistel. Empfiehlt sich allen Arbeitern und Parteigenossen zur An« fertignng von allen Äxten Bruchbandag-en, Leibbinden, Gerade- h altern, künstl. Gliedern, Orthopäd. Apparaten, Stützkorsett», Suspensorien sowieLagervou sämtlichen Artikeln zur Krankenpflege, Alle Arbeiten werden in eigener Werkstatt ausgeführt. 'IM- Für Damen weibliche Bedienung."Mg• 103/2 Lieferant der Krankenkassen Berlins und Vororte und der Konsum- Genossenschaft Berlin und Umgegend(E. G. m. b. 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An allen Tagen der Woche 8 Uhr: Der gut sltxende Frack. Theater nm Rollendortplatz (Neues Schauspielhaus). Täglich abends 8 Uhr: Gastpiel des Müucheuer Künstler> Theaters OrphcuS in der Unterwelt. �outis Operetten-Theater (srühcr Acnes Theater) s Uhr: Goldener Leichtsinn. Freitag, z. 1. Mal: 0er Prauentreseer, Residenz-Theater. 8 Uhr: 8 Uhr: (tetmitetisehsn. Schwank in 3 Akten von Fritz Friedman». Fredcrich. Morgen und folgende Tage: ftemlitsmcnschcn. Jf»Clou" Maiiarittrafin 82.—> Ti :: Berliner Konzerthaus MauerstraSe 82.— Zimmerst raBe 90/91. Großes DoppeUKonzert. Berliner Konzerthaus-Orchester T b�k/omp, Musikc. Kaiser- Franz- Regts. owÄcU, Anfang 8 l'hr. Eintritt 60 Pf. Anfang 8 Öhr. Eintritt 60 Pf. An allen Wochentagen nachm. Gr. Promenaden-Konxert bei freiem Eintritt. Wintergarten, Mittwoch, den 23., und Donnerstag, den 24. ds. Mts., nachmittags 4 Uhr Eintritt frei! Eintritt tr ei! Oeffentlicher Vortrag mit Demonstrationen •••• •••• •••• ••»• G. J. iflacanra, F. R. 8. A., der Erfinder de«„PCLSOCOBW. Am kommenden Mittwoch und Donnerstag, den 23. und 24. ds. Mts., wird der 'Erfinder des„IPCXLOCCWN'" einen öffentlichen Vortrag nebst Vorführungen im Berliner Wintergarten bei gänzlich freiem Eintritt halten. Herr Macaura hat vor einem 20000 köpfigen Auditorium in der Royal Albert Hall in London einen Vortrag gehalten, bei dem die Geistlichkeit und die medizinischen Autoritäten vertreten waren, und die Vorführungen erwiesen sich höchst erfolgreich. Der Vortrag nebst Vorführungen wird sich sehr interessant gestalten und empfiehlt es sich, rechtzeitig zu erscheinen, um sich einen guten Platz zu sichern. Jeder einzige wird bei vollständig freiem Eintritt Gelegenheit haben, mit eigenen Augen die großartige Wirksamkeit dieser Erfindung zur Erlösung von Rheumatismus verschiedener Art. Lähmung sowie Schwerhörigkeit verschiedener Formen wahrzunehmen. Wem daran gelegen ist, eine Anwendung des ,.PULöOCOKN''-3ltwarateS an sich zu probieren, mutz Mittwoch rcsp. Donnerstag nachmittag um 2I/a Uhr dort sein, woselbst ihm ein Freibillett dazu eingehändigt werden wird. Jeder Leidende kann den Apparat näher besichtigen. Urania Tanbenstrafie 48/40. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Aufs Matterhorn! Hörsaal 8 Uhr: Professor Dr. B. Donath: Di« Entstehung des musikalischen Tones u. der Tonleiter. Luisen-Theater. Dienstag: Die gelbe Gefuhr. Mittwoch: Die gelbe Gefahr. Donnerstag: Die MciueibS- grafiu.__ IOSE=THEATE Grotze Frankfurt et Str. 1W. j Ansang 8 Uhr. 1 Komödie in 5 Akten von Shakespeare- Mittwoch: TieJübin von Toledo. nBeii�l-Thealer. Abends 8 Uhr: Rauchen gestattet. ebanftenr- ins JKetropol! Große ÜahrcSrevue mit(Sefang und Tanz In tv Bilder» von I. Freund, Musik v. Rud. Aelson. Tänze arrang. von Will Bishop. In Szene gesetzt vom Direktor R.>vch>iltz. Ad 8 Uhr 19 grandiose Novitäten! Bernhard Mdrbitz als Ehepaar Pletach Am 1. November: Feier des rigen Bühnen-Jubiläums (artin Bendtx. Vorverkauf 10—2 Uhr. Siereabavet im lilchtprnnkaaale der Paaaagc. Jeden Abend'/,9 Uhr; Hermann Flinke Hansy Petra Putsi Cassani Mizr.i Dresel Werner Ooldmann Otto Reilmann 20 Künstlerinnen u. Künstler. Einheitspreis 1 M. asino Lothringer Sir. 37. Täglich 8 Uhr: Da« sensationelle Ottober-Programm Robert Neesemann, Berlins Lieblingshumorist mit neuen Schlager». Riesen- Lachcrsolg des lustigen Stückes Der Großfürst. Itisglel Königstadt-Casino. Holzmarktstr. 72, Ecke Alexanderstr. 1 Mm. o. Bahnh. Jannowitzbruckc. Tägl. abends 8, Sonnt. S Ubr: DaS graste Novitäten-Pro- gramm und Papa lat krank. Graste Posse in 1 Akt. Zirkus Wert Schumann. Heute Dienstag. 22. Oktober, abends f'/t Uhr; Gr. Gala-Vorstellung. Um O1!« Uhr: Der unsichtbare Mensch. Vier Bilder aus Indien. GrüBtes und schönstes Ausstattungsstück der Gegenwart. Zirkus Busch. Heute Dienstag. 22. Oktober, abends 7l/t Uhr: Gr. Gala-Vorstelinng. Die chinesische Wasser-Folter Houdinis neueste Kreation! Das Kriegsluftsohlff der Zukunft. (Ingenieur H. Bohle). Das unvergloichl. Paris-Trio. Auftreten v. Frl. Martha Mdhnke, Sohulreiterin, Zwergklown Frangoisi. sein, neuest. Entrees, Herr Ed. Wulff jr., Freiheitsdr, und das große Galsprogramm. rcm™: Unter Gorillas. hsopm 8 Uhrs Die mit beispiellosem Lachertolg« aufgenommene Novität Die Atpenbrüder, 10 Ehr: Endlich allein! Beide Stllcke mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld In den Hauptrollen. Vorverkauf 11— 2(Theaterkasse). Trianon-THeater. Abends 8 Uhr: Liebesbarometer. Folies Capriee. Zum 52* Male Die drei 8chlager: Der keusche Joseph.-Mf — Der Rehbock.-M Der Giubrecher. Reicbsballen-Theater Stettiner Sänger. I6®' Die Macht Sonntag- naohm. 3 U. Der Kompagnieball Boigt-Theater. Dienstag, den 22. Oktober: Gastspikl in der»Reuen Welt-, Hasenheide 108—111. Rubelt«ildKertram. Komödie m. Gesang in 4 Att.v.G.Räder. Kasseneröst». 7 Uhr. Ans. 8-,. Ubr. itür den Inhalt der Juierare obernimnll die Redaktion dem DuMitum gegenüber keinerlei verautworwug- n Arbeitsnachweis: Amt SBorfccn, Nr. 1239. Eharit«straftc 3. Haupibureau: Hos III. Amt Norden, Nr. 1987. Mittwoch, den SS. Oktober ISIS, abends 8'/° Uhr: �Versammlung der Graveure u. Ziseleure in den Corona-Prachtsälen, Kommandantenstr. 72. Tagesordnung: 1. Vortrag de? Genossen M. über:»Weltwittschaft und Weltpolitik». L. Diskussion». Verschiedenes. Um rege Beteiligung wird ersucht. Mittwoch, de« SS. Oktober ISIS, abends« Uhr: KeÄrlisvel'samwIuog für Tegel in Nördes Festsälen, Reinickendorf, Eichborn-, Eck« Waldstraße. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen A. Cohen über:»Arbeitsnachweise in der Metallindustrie». 2. Diskussion.». BczirkSangelegcnheiten. 4. Ver- schiedeneS. In Anbetracht deS wichtigen Vortrages werden die Kollegen und Kolleginnen ersucht, zahlreich in der Versammlung zu erscheinen. 126,11____ IMe Ortwverwaltnny. Charlottenburg! Dienstag, de» 22. Oktober 1912, abends 81/. Uhr: Oeffentliche Versammlung im grostcu Saale des Volkshauses, Rosinenstr. Z. Tagesordnung: 10710 „Lebensmittelteuernng und Konsumverein". Res.: RcichitagSabg. Gen. Pens-Dtssnit. Freie Diskussion für jedermann Manner und Frauen! Erscheint zahlreich in dieser Ver- sammlnng._ Per Eintoernfer. JlratnilottM der Glasarbeiter«ab -Arbtitcriaaea Dentschlaabs. Achtung! Glasschleifer? Glasbläser! DonnerStag, den LI. Oktober 1912, abendS 8 Uhr» bei Bocber, Weberstraste 17: Quartals-Versammlnng der Zahlstelle Berlin. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal 1912, Bericht. 2. Vorwag des Genossen Lück über:»Gewerbrgerichtswahlen unter dem Verliattniswahlsystem». 3. Verschiedenes. 71/S ES ist Pflicht, dag jeder Kollege erscheint. Die Ortsve rwaltnng. H. Greifenhasen Höcht. Berlin N, Brunnenstrasse 17-18 » wöchentliche Teiizatilung liefere elegante ' fertig und nach Klaas. Garantie für tadellosen Sitz und feinste Verarbeitung. I. 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Wege» Streit oder Lohn- differeuzen sind gesperrt: Korbmacherei ICrttckcr, Zln- klamer Straffe II. l*lr»»«»tnbrllc von(ZebriickQl- Gc-lirs Wilhelm straffe II«. Da» Berliner ArbeitStvilligen- vermitreinngshiircan d. gelben .Handwerkerschiittverbandes«. Arbeitsnachweis d. Stellmacher- iiiiinng und der Wagenfavri- kaute», Kaiser-Fronz-Grenadier» Platz. Für Kltitcniiiachci- sämtliche Beiriebe in Hamburg. Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Holzarbeitervcrbandes. Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Lnseratenteil verantw.: TH.Gi«cke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. Verlugsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. It. 247. 29. IahtMg. 3. Stilnp des Jotiiiätte" Kcrlim MMIiitt. Dienstag. 22. Oktaber l9t2. Partei- Hngelcgenbeiten* Erster Wahlkreis. Heute Dienstag: Oeffentliche Wähler� Versammlung im MarinehauS, Brandenburger Ufer. Referenten: ReichstagSabgeordneter Hugo Haafe und der Kandidat Stadlverord- neter Wilh. Düwell. Fünfter Kreis. Versammlung der i., 5., 6. und 7. Abteilung am Mittwoch, den 28. Oktober, abends S1/» Uhr, im Rosenthaler Hof. Rosenthaler Str. 12/13. Thema über Feuerbestattung mit Vor- führung eines modernen Krematoriummodells. Referent: Dr. Pauli. Gäste willkommen. Schimeberg. Kommenden Freitag, den 2ö. Oktober, abends S'/o Uhr, findet im„Gesellschaftshaus des Westens", Hauplstr. 30/31, eine Theatervorstellung der Theatergesellschaft des Neuköllner Theaters unter Leitung des Herrn Julius Türk statt. Zur Auf- führung gelangt„Kabale und Liebe", ein Trauerspiel von Friedrich Schiller. Zahlreichen Besuck erwartet Der Bildungsausschutz. Zchlendorf(West). Heute Dienstag, abends S'/o Uhr, bei Benno Mieklei: Mitgliederversammlung. Tagesordnung:"l. Bericht vom Parteitag. 2. Diskussion. 8. Vereinsangelegenheit. Pankow. Wegen der am Donnerstag, den 24. Oktober, bei Rocziki, Kreuzstratze, stattfindenden öffentlichen Versammlung der freien Vereinigung wird der englische Unterrichtsabend diesmal Freitag, den 25. Oktober abgehalten. Zwecks Reorganisation ist das Erscheinen aller Teilnehmer unbedingt erwünscht. Der Bildungsausschutz. Hohenneucndorf und Birkcnwcrdcr. Donnerstag, den 24. Oktober, abends 7 Uhr von den bekannten Lokalen aus: Flugblattverbreitung. Herzfelde. Eine Volksversammlung für Männer und Frauen findet am Sonntag, nachmittags 4 Uhr, im Restaurant zum goldenen Stern, Hauplstr. 57 Hierselbst, statt. Referentin ist die Genossin Frau Käthe Duncker. Genossen! Agitiert für Massenbesuch dieser Versamnilung. Zossen. Am Donnerstag, den 24. Oktober, abends 8>/z Uhr, im Lokale von Kurzner: Wahlvereinsversammlung. Tagesordnung: Vortrag des Parteisekretärs Genossen Max G r o g e r- Neukölln über»Die Grundidee des Sozialismus". Berliner I�aebricbten. Die Locknik. In weitesten Kreisen hat das fiskalische Finanzprojekt, nun auch das Gebiet der Löcknitz hinter Erkner durch in- dustrielle Ausscklachtung zu verschandeln, geradezu Bestürzung erregt. Wohl kaum ein idyllcrisches, lieblicheres Landschafts- bild gibt es in der ganzen Mark. Wenn im Sommer zu Tausenden die Fremden nach der deutschen Reichshauptstadt kommen und nach den sehenswürdigsten Naturschönheiten der Umgebung fragen, sagt man ihnen: Vergeht nicht den ungemein dankenswerten Besuch des Löcknitztales! Was das heute in aller Welt berühmte märkische Havel- scengebiet im Berliner Westen den Naturfreunden be- deutet, das ist im Osten weniger imposant, aber viel eindrucks- voller die um eine krümmungsreiche, wie eine riesenlange Eidechse sich durch Wald und Flur schlängelnde Löcknitz und die anschließende Kette träumerisch stiller, zauberhaft schöner Walöseen. Moderne und ältere Meister des Pinsels und der Feder hat es mit Allgewalt hingezogen zu diesem Schmuckkästchen der Natur. Hier schuf ein Walter Leistikow feine wundervollen Landschaftsgemälde, hier fanden gemütstief August Trinius, Johannes Trojan und vor allem Theodor Fontane, was das übervolle Herz in Poesie und Prosa mit dem Griffel festhält. Schon am Ausgang des Flakensees mit Wolters- dorfer Schleuse, am„Krönchen* bei den letzten Häusern von Erkner entlang, beginnt die Herrlichkeit und läßt mit jedem Schritt die Bewunderung wachsen. Bald liegt der lieblichste der märkischen Flußläufe völlig eingebettet in sattem Waldes- grün. Immer zahlreicher und schöner werden die kurzen Win- düngen. Sanft fallen die buschigen Waldhänge zum Ufer ab, tief hängen Erlen und Birken über den Wassern. Ruderboote gleiten über die kaum merklich rinnende Flut. Mit einem Schlage wäre das entzückende Idyll zerstört,»venu in das einzigartige Flußtal rücksichtslos, profitsüchtig Handel und Gewerbe einziehen, plumpe Zillen und fauchende, funken- sprühende Schlepper. Fast noch berückender wirken auf empfängliche Sinne die Seen am Löcknitztal. Der Wupatz, mit der Löcknitz durch einen schmalen Bach verbunden, ist wie ein Märchen in seiner traumverlorenen, rings von hohen Kiefern um- standcnen Einsamkeit. Düsterer blickt der nahe Heidereutersee. Mächtige Tannen reichen bis dicht an die Ufer heran, strecken wie schützend die breiten Wedel über die dunkle Flut. Wieder ein anderes, reizvolles Bild gibt der an einem Jagdschloß waldumschattet gelegene Priestersee. Und so geht es an Fangschleuse, Bergluch, Gottesbrück, Grünheide vorbei, zum Teil begleitet von der Löcknitz, von See zu See. Es ist eine nicht kleine Fußwanderung, die sich aber mit Zinsen an Körper und Gemüt überreich belohnt und selbst im Winter ihren köstlichen Frieden zeigt. Hinter den Abhängen des großen Werlsees mit dem Lindwall und der Einschnürung bei Grünheide, das wie ein wieder- erstandenes Vineta anmutet, schimmert das smaragdene Grün des Peetzsees und an seinem Ende die aufblühende Kolonie Alt-Buchhorst. Und abseits windet sich an Bergluch und Gottesbrück dicht vorbei die Löcknitz, die vielbesungene, durch Wiesen und Felder bis hinauf nach Kicnbaum. Nichts ist bezeichnender für die beabsichtigte Vcrschande- lung als die Höhe des Schacherpreises. Für dreißigtausend Mark jährlich, im Verhältnis zu dem Millionenetat Preußens ein Pappenstiel, will der Plusmacher im Ministerium der Finanzen ein märkisches Naturdenkmal zerstören. Und derselbe Staat richtet an Kreise und Gemeinden das Ersuchen, Ortsstatute gegen Verunstaltung von Orten und Naturdenkmälern zu erlassen. Die erste Sendung russischen Fleisches ist gestern stüh in fünf Waggons in Berlin eingetroffen, sofort ent- laden, verzollt und untersucht worden. Die von uns gerügten, vom Ministerium bereiteten Schwierigkeiten sind inzwischen behoben worden, indem das Fleisch in der FleischengroShalle am Alexander- platz ärztlich untersucht wird. Vorher wird das ankommende Fleisch durch eine städtische Schaukommisfion darauf geprüft, ob eS den Be- dingunge» in bezug auf Qualität entspricht. Fleisch, das den ge- forderten Bedingungen nicht entspricht, mutz aus Verfügung des Ministeriums entweder nach Rutzland zurückgesandt oder ver- nichtet werden. Es darf nach ministerieller Anordnung auch nicht der Freibank überwiese« werden. Von den 1000 ein- getroffenen Zentnern bleiben zwei Drittel in Berlin, ein Drittel kommt auf die Bororte. Die Ware ist von guter Mittelsorte und wird in Markthallen zum Verkauf gestellt werden. Es sollen etwa 100 Verkaufsstände eingerichtet werden, in den Hallen im Norden und Osten etwa 10 bis 20 Stellen, im Westen entsprechend iveniger. Morgen Mittwoch wird mit dem Verkauf begonnen, der unter Aufsicht von städtischen Beamten steht, und zwar in der Zentral- Markthalle, Neue Friedrichstr. 27, außerdem in folgenden Hallen: II. Lindenstr. 97/98, IV. Dorotheenstratze, V. Magdeburger Platz, VI. Ackerstr. 23/26, VII. Dresdener Str. 27, VIII. Andreas- strotze 56, IX. Pücklerstr. 34. X. Armiuius- Platz. XI. Mar- heinicke- Platz, XIII. Wörther Straße, XIV. Reinickendorfer Straße 6. Der Verkauf findet in Stücken von Vs bis 6 Pfund statt. Die Verkaufsstände und Preise sind durch Schilder und Plakate kenntlich gemacht. Es gelangen zum Verkauf: Talg pro Pfd. 40 Pf., Kopfleifch pro Pfd. 40 Pf., Herz pro Pfd. 30 Pf., Milz pro Pfd. 20 Pf., Kamm und Bug pro Pfd. 68 Pf., Suppenfleisch(Hesse Stich und Dünnung) pro Pfd. öö Pf., Brust und Querrippe pro Pfd. 73 Pf.. Fehlrippe pro Pf. 78 Pf., Oberschale, Schwanzstück Blume pro Pfd. 84 Pf.. Roastbeef pro Pfd. 90 Pf.. Filet pro Pfd. 100 Pf.. Zunge pro Pfd. 100 Pf._ Einen deutschen Kinderhort-Verband beabsichtigt die Deutsche Zentrale für Jugendfürsorge ins Leben zu rufen. Alle bisher bestehenden Kinderhortvereine sollen in den Verband zusammengeführt werden. Unsere Genossen in den Gemeindevertretungen und Stadt- verordnetenversammlungen haben seit Jahr und Tag die Ein- richtung von Kinderhorten als eine Aufgabe der Gemeinde» bezeichnet, während heute sogenannte Wohltätigkeitsvercine die Träger der Kinderhorte sind. Diese Wohltätigkeitsvereine, die von den Gemeinden subventioniert werden, haben aber nur zu einer großen Zersplitterung auf dem Gebiete des Hortlvesens bei- getragen, zumal verschiedene Vereine mit dem Horte auch konfessionelle Zwecke verfolgen. Soll das Hortwcsen eine durchgreifende Regelung und Besserung erfahren, so darf es nicht in die Hände von Wohltätigkeitsvereinen gelegt werden, sondern die Gemeinden müssen endlich ihre Pflicht erfüllen und Kinderhorte in eigener Verwaltung errichten. Der Spandancr Waldverkanf kam in der gestrigen Sitzung des Verbandsausschusses des Zweckverbandes zur Sprache. Das mit Spandau getroffene Abkommen hinsichtlich der Er- Haltung von Freiflächen wurde als nicht genügend erachtet. Es wurde aber vom Oberbürgermeister Költze-Spaudau eine Erweiterung der Bedingungen in der vom Verbandsausschuß gewünschten Form in Aussicht gestellt. Unter der Voraus- setzung, daß diese Bedingungen von Spandau angenommen werden, stimmte der Verbandsausschuß dem Abkommen zu. Ein Reklame-Lustschisf hat dieser Tage die Firma„Stall- w e r ck" vom Johanuisthaler Flugplatz aus in, die Lust steigen lassen. Am Sonntag sollte„Stollwcrck" eine neue Fahrt machen. Kaum war das Luftschiff aus der Halle ins Freie gekommen, als plötzlich eine heftige Bö einsetzte, unter deren Druck das Luftschiff empor- gehoben und etwa 100 Meter weit fortgerissen wurde. Glücklicher- weise hatten sich die Haltemannschaften an den Tauen festgeklam- inert, so datz dev Ballon nach seiner unfreiwilligen Fahrt als Frei- ballon schließlich sanft aufsetzte. Da der Wind an Stärke zunahm und die Mannschaften alle Kräfte aufbieten mutzten, um den Lenk- baren zu halten, ließ der Führer das Schiff schließlich wieder in die Halle zurückbringen. Raffinierte Taschcndiebinnen, die seit einiger Zeit besonders die hiesigen Warenhäuser unsicher machten, wurden jetzt endlich er- tappt und entlarvt. Es fiel zuletzt auf, datz jedesmal, wenn einer Kundin die Handtasche oder das Portemonnaie gestohlen worden war, eine Krankenschwester in der Tracht des russischen Roten Kreuzes in der Nähe gestanden hatte, aber es wagte doch niemand, diese Dame zu verdächtmen. Die Krankenschwester war wieder dabei, als jetzt KriminaMamte der Sonderpatrouille beobachteten, wie eine Frau einer Kundin, die in einem Warenhaus der Leip- ziger Straße einkaufte, das Portemonnaie mit 114 M. aus der Tasche holte, ohne datz sie etwas merkte. Die Beamten nahmen die Diebin fest und fanden bei ihr einen Zettel mit ihrer Woh- nung, nicht aber das gestohlene Portemonnaie. Während sie nun die Behausung durchsuchten, erschien dort plötzlich die Kranken- schwester mit einem 14jährigen Knaben, der sie immer begleitet hatte. Jetzt war der Zusammenhang durchschaut. Bei dev „Schwester" fand man eine Menge bares Geld, über dessen Her- kunft sie sich nicht ausweisen konnte. Wer die Verhafteten sind, bedarf noch der Feststellung. Die Diebin, die der„Kranken- schwester," jedesmal ihre Beute sofort zusteckte, gibt sich für eine russische Artistin aus. Der Knabe, den di'e„Schwester" immer mitnahm, um den Anschein zu erwecken, datz sie im einem vornahmen Hause beschäftigt sei, ist der Sohn der Artistin. Alle drei wurden dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Der ehemalige Rektor Bock, der im März des Vorjahres wegen Sittlichkeitsvergehen an Schülerinnen zu 1 Jahr 3 Monaten Ge- sängnis verurteilt wurde, hat eine Broschüre geschrieben, in der er nachzuweisen versucht, unschuldig verurteilt worden zu sein. An- geklagt war Rektor Bock in fünfzehn Fällen, von denen das Gericht drei Fälle für erwiesen erachtete. Der ehemalige Rektor Bock erhebt in seiner Broschüre heftige Anllagen gegen den mit der Untersuchung betrauten Kriminalkommissar Toussaint, dem er Zeugenbeeinflussung vorwirft..„ Skandalszenc» vor dem Kaiserin- Fricdrichhause. Uns wird ge- schrieben: Bei Gelegenheit der Sonntag abend im Kaiserin-Friedrich- Hause abgehaltenen Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung dev Geschlechtskrankheiten ereigneten sich vor dem Eingänge zum Kaiserin-Friedrichhause am Luisenplatz Skandalszeuen, die geeignet' sind, die Verhältnisse in der deutschen Reichshauptstadt in ein recht hätzliches Licht zu setzen, aber andererseits schon mit Rücksicht auf die Gäste des In- und Auslandes nicht verschwiegen werden dürfen. Es handelte sich um das zehnjährige Jubiläum dieser wichtigen Gesellschaft, die sich zur Aufgabe gemacht Hai, eine der schlimmsten Geißeln der Menschheit zu bekämpfen. Es'war angekündigt, datz der auf diesem Gebiete unermüdliche Forscher Professor Dr. Blaschko als Geschäftsführer der Gesellschaft einen Ueberblick über die bisherige Tätigkeit und die Erfolge der Gesellschaft geben und der erste Vor- sitzende, Geheime Medizinalrat Professor Dr. Reisser(Breslau) über die Fortschritte der Sypbilisbehandluiig in den letzten zehn Jahren sprechen wird. Es war infolgedessen leicht vorauszusehen, datz der Andrang ein sehr starker werden wird, zumal die Ver- sammlung als eine öffentliche angekündigt war und die Gesellschaft erfreulicherweise sowohl in wissenschaftlichen als auch in Laienkreisen, aber auch bei den Behörden immer größere Anerkennung findet. Der nur etwa 200 Personen fassende Saal soll schon vor 8 Uhr abends, zu welcher Zeit die Versammlung laut An- kündigung eröffnet werden sollte, derartig überfüllt gewesen sein, datz zwei Damen ohnmächtig wurden. Die Richtigkeit kann ich nicht nachprüfen. Als ich wenige Minuten nach 8 Uhr— angesichts der Entfernungen und Verkehrsverhältnisse in der Weltstadt Berlin kann man nicht immer ganz pünktlich sein— ich wiederhole, als ich wenige Minuten nach 8 Uhr vor dem Kaiserin-Friedrich-Hause er- schien, war der Eingang von einer großen Menschenmenge umlagert,< die Eingangstür aber verschlossen. Nach längerem heftigen Pochen öffnele sich ein kleines Seitenfenster und ein behäbiger Kastellan, namens Becker, rief den Einlatzbegehrenden in barschem Kasernen- ton zu:„Machen Sie. datz Sie nach Hause kommen, ich lasse niemand rein, der Saal ist überfüllt." Eine Anzahl Leute, unter diesen eine Polizeiärztin, die vom Berliner Polizei- Präsidium beauftragt war, der Versaminlung beizuwohnen; ein Arzt aus Petersburg, der von der russischen Regierung zu der Versamm- lung gesandt war, ein bekannter Reichstagsabgeordneter und Arzt, der von weiter Ferne im amtlichen Auftrage zur Versammlung ge- reist war, ein Arzt aus Köln, der zum Ausschutz der Gesellschaft ge- hört, ein Abgesandter des Charlottenburger Magistrats, ein Ver- treter der deutschen Jugendvereine, mehrere Berliner Aerzte, Aerztinnen, Studenten und Studentinnen und auch ich gaben dem Kastellan unsere Karten mil den, Ersuchen, uns beim Vorstand zu melden. Ob Herr Becker die Namen aus den Kartei, gelesen hat, bezweifle ich. Er hätte wohl sonst die Ablehnung des Gesuches, die Karten dem Vorstand zu überreichen, in etlvas höflicherem Tone ge- äußert. Nach kurzer Zeit verließen etwa 20 Personen die Versammlung. Es lveilten noch etwa zehn Personen, zu denen die oben Bezeichneten gehörten, vor dem Eingang. Sie ersuchten den Kastellan, ihnen nunmehr den Zutritt zu gestatte». Sie wurden aber in der brutalsten Weise zun, Verlassen des Hauses aufgefordert und ihnen mit»Hinaus- werfen" und Anzeige wegen Hausfriedensbruchs gedroht. Es ist selbstverständlich nicht zu verlangen, datz ein akademisch gebildeter Mann als Kastellan im Kaiserin-Friedrich-Hause angestellt wird. Allein die Verwaltung eines Hauses, das der ärztlichen Fortbildung eine Stätte bietet und in dessen Räumen wissenschaftliche Ver- sammlungen stattfinden, sollte ihren Kastellan, dem die Rechte eines Hausherrn übertragen sind, wenigstens in den Anfangsgründen des Anstandes und der Höflichkeit unterweisen. Der Petersburger Arzt gab mir die Versicherung, datz in Rutzland ein derartiger Vorgang unmöglich wäre. Wenn die Polizei eine politische Versammlung als überfüllt erklärt und den Saal sperrt, dann gestatten die vor dem Versammlungslokale postierten Polizeioffiziere den Vertretern der Presse und» wohl auch Personen von ähnlicher Eigenschaft tvie die bezeichneten den Zutritt. Zu einer wissenschaftlichen Versammlung wird aber selbst mit einer amtlichen Mission betrauten Personen und Vertretern der Presse von einem Kastellan in unhöf- licher Weise der Zutritt verwehrt. Wie mir versichert wird, trifft den Vorstand der Gesellschaft keine Schuld. Pflicht der Hausverwaltung wird es jedenfalls, schon im Interesse ihres eigenen Ansehens sein. dafür zu sorgen, datz ei» solches Vorkommnis sich nicht wiederholt." Uns selbst ist kürzlich ein Uebergriff des Kastellans gemeldet Ivorden, indem dieser Mann den Zutritt verweigerte, obwohl im amtlichen Führer die Besichtigung bestimmter Räumlichkeiten ohne Erlaubnis gestattet ist. Aus der Irrenanstalt Buch sind gestern drei in Verwahrung be» findliche Verbrecher entkommen. Sie entwanden eine», Wärter R. die Schlüssel und entkamen durch Benutzung einer Leiter über die Anstaltsmauern. Mutter und Kind im Schiffahrtskanal. Die 28 Jahre alte Frau Dunmisch aus der Ackerstratze fuhr gestern morgen mit einem Vor- ortzuge„ach Borgsdorf und stürzte sich dort mit ihrem siebenjährigen Söhnchen Erich in den Berlin— Stettiner Schiffahrtskanal. Die Leichen von Mutter und Kind konnten nach etwa einer Stunde geborgen werden. Frau Dumnisch lebte seit drei Jahren von ihren, Manne getrennt und hat wohl wegen diesen unglücklichen Verhält- nisjen ihrem Leben ein Ende gemacht. Weil seine Kinder ins Waisenhaus gebracht worden sind, hat der 44 Jahre alte Bauarbeiter Michael Andrzejcwski aus der Gerhardtstratze 14 seinem Leben ein Ende gemacht. Der Viani, kam vor drei Jahren mit seiner Familie' aus seiner Heimatstadt Gnesen in Posen hierher, und wohnte hier zwei Jahre lang, zuletzt in der Rathenower Straße. Dann zog er mit seiner Familie nach Gelsenkirchen, wo er Arbeit auf einer Zeche fand. Dort blieb er aber nur sechs Monate und kam dann wieder nach Berlin. Ilm die Reisekosten bestreiten zu können, verkaufte er seine ganze Wohnungseinrichtung bis auf wenige Stücke. Hier angekommen, mietete er sich in der Hcwelberger Straße 24 eine kleine Wohnung, bestehend ans Stube und Küche. Außer einigen Kleinigkeiten besaß er nur ein Bett, einen Tisch und drei Stühle. Einen Monat lang, bis zun, 1. Juni d. I. hauste er hier mit seiner Frau und sieben Kindern im Alter von sieben Monate» bis 16 Jahren. Da er keine Arbeit hatte und zudem noch stark trank, bot die Familie ein schreckliches Elendsbild. Dies bewog Hausbewohner, sich an einen Pfarrer zu wenden, der die nötigen Schritte zur Unterbringung der Kinder in ein Waisenhaus einleitete, um diese vor völliger Ver- Wahrlosung zu schützen. Am 1. Juni hatte nun Andrzejewski im Hause Gerhardtstratze 14 eine Portierstelle erhalten. Hier bewohnte er zwei Stuben und Küche. Auch hatte er sich schon mehrere Möbel- stücke und einige Betten angeschafft, als am 13. desselben Monats fünf seiner Kinder, das jüngste und das älteste ausgenommen, von Schutzleuten abgeholt und nach dem Waisenhause gebracht wurden. Wahrscheinlich war dem Antrage des Pfarrers, den dieser gestellt hatte, als die Familie noch in der Havelberger Straße wohnte, erst jetzt stattgegeben worden. Der Mann, der inzwischen Beschäftigung als Bauarbeiter' gefunden hatte und nicht mehr so stark dem Trünke ergeben war, glaubte seine Kinder jetzt selbst ernähren zu können und war über ihre Wegnahme sehr aufgeregt. Als es ihm persönlich nicht gelang, die Kinder wieder zurückzubekommen, wandt« er fich an einen Rechtskonsulenten, dein er 33 Mk. zahlte, damit dieser die nötigen Schritte einleiten solle. Der Konsulent versprach ihn, auch,' in spätestens 4 Wochen die Angelegenheit ge- regelt' zu haben/ Er wandte sich auch an einen Reckstsanwalt, um die Herausgabe der Kinder zu bewirken. Als Grunde wurden an- geführt, datz der Mann kein Trinker mehr sei und weil er, seine Frau und seine 16 Jahre alte Tochter arbeiten, er jetzt sein« Kinder auch wohl ernähren könne. Die Angelegenheit zog sich aber länger hin, wie dem Manne versprochen worden war. Dieser äußerte, als er keinen Bescheid erhielt, wiederholt, daß er sich das Leben nehmen würde, wenn ihm seine Kinder nicht bald wieder zugeführt werden. Da ihm auf seiner Arbeitsstelle auch noch ein Unfall zustietz, der ihn arbeitsunfähig machte, wurde er von Tag zu Tag schwermütiger. Am Sonntagmittag zog er plötzlich einen Strick aus der Tasche und erhängte sich im Beisein seiner Frau und seiner beiden Kinder. Als seine Frau ihn daran hindern wollte, wehrte er sich aus Leibeskräften. Seine Tochter lief in- dessen zu Nachbarn. Als diese erschienen, hatte die Frau ihren Mann bereits abgeschnitten, doch war dieser, che sie dazugekommen war, schon gestorben. Wiederbelebungsversuche, die ein Arzt an» stellte, blieben ohne Erfolg. Reiche Beute machten Einbrecher, die im dev vorletztem Nacht der Handlung für Kunstgegenstände von A. Rosenfeldt sen. in der Potsdamer Straße 124 einen Besuch abstatteten. Die Diebe ver- schafsteu sich vom Hofe aus durch Erbrechen zweier Türen, von denen die eine mit Eisen beschlagen ist, Eingang in dem unter dem Laden befindlichen Keller. Durch eine von hier aus in die Verkaufsräume führende Tür gelangten sie in diese und stahlen für ungefähr 3000 M. Lcderwaren und kunstaewerhliche Wgcn» Wiide. Mit der Leute cuttanen ist untostlU Der Revolver spielte gestern morgen auf dem Gesundkrunuen eine Rolle. Dort waren Gäste mit dem Gastwirt Hilbrecht, Grün- thaler Str. 28, beim Bezahlen der Zeche in Streit geraten. H., der sich angegriffen glaubte, meinte sich nicht anders wehren zu können, dag er zmn Revolver griff und zwei Schüsse abseuerte. I» den Hinterkopf getroffen brach der Arbeiter Schwund ans der Bornholmer Strage besinnungslos zusammen. Ein hinzngerufener Schutzmann brachte den Schwerverletzten, der starke Blutverluste erlitten, schleunigst nach dem Virchow-jirankenhans. Die Kugel ist so tief in den Kop� eingedrungen, dag sie vorlänfig nicht entfernt werden kann. H. versichert, datz er lediglich im Augenblick der höchsten Gefahr zu seiner eigenen Verteidigung zum Revolver gegriffen habe. Ein aufregender Vorgang spielte sich gestern vormittag ni Eharlottenburg ab. Dort sprang vom Siemenssteg plötzlich ein seinem Aeugeren nach den besseren Ständen angehörender Mann in die Spree und ging sofort unter. Auch seine Leiche ist bis jetzt noch nicht zum Vorschein gekonnnen. Der unbekannte Lebensmüde lieg am Ufer einen schwarzen steifen Filzhut zurück, der die Firmen- bezeichnnng Schörp, Wilmersdorfer Str. 46, trug. Die Persönlichkeit des Toten, der von Leuten, die ihn ins Wasser springen sahen, nur als kräftig gebaut und gut gekleidet bezeichnet werden konnte, liefe sich noch nicht feststellen. Nicht rekognosziert werden konnte die Leiche eines unbekannten ungefähr 45 Jahre alten Mannes, die vorgestern in Eharlottenburg aus der Spree gelandet wurde. Der Tote ist ungefähr l,64 Meter grofe und kräftig gebaut, hat einen starken, blonden Schnurrbart und braune Augen und trug einen dunklen Jackettanzug, ein schwarz- weifegestreiftes Barchenthcmd, grüne, baumwollene Strümpfe und abgeschnittene Schaftstiefel. Die Leiche, die etwa zehn Tage im Wasser gelegen haben mag, befindet sich im Schauhause zu Chav lottenburg. Eine Brandstiftung rief gestern die Berliner Feuerwehr nach der Alexanderstr. 34, wo im Erdgeschofe des OuergebäudeS Regale und Kartons brannten. Brandmeister ThilinS war mit dem Löschzuge schneller zur Stelle, als der Brandstifter wohl angenommen hatte. Die Flammen konnten schnell gelöscht und dann die Brandstiftung festgestellt werden. Von einer Autodroschke überfahren und schwer verletzt wurde am Montagabend in der Ackerstrafee der fünfjährige Sohn des Acker- strafee 114 wohnhaften Bäckrrnieisters Nigul. Bon dem Chauffeur des Automobils wurde der schlververletzte Knabe nclch dem Lazarus' lrankenhause gebracht. Ein Mitglied der Falschspielergesellschaft„Baron Korff König' ist in London auf Veranlassung des hiesigen Amtsgerichts veo haftet worden. Es handelt sich um einen Falschspieler Cramer, der unter dem Namen von Bredow reiste. Bekanntlich reiste die Gesellschaft in der Welt umher, um mit Leuten aus Hosseren Ge- scllschastskreisen Spiele zu entrieren und sie gehörig zu rupfen. Das Geschäft war sehr einträglich und viel Spielratten sind böse hineingelegt worden. Eine wüste Szene spielte sich gestern auf einem Neubau am Hohenzollerndamm ab. Ein Tischlermeister konnte für seine für den Bau gelieferten Tischlerarbeiten kein Geld bekommen, und er be- nuftragte Tischler, die Arboiten wie Türen usw. wieder abzuholen. Die Arbeiter fuhren mit Wagen vor. um die einzelnen Stücke auf- zuladcn. Dabei kam es zwischen den Tischlern und dem Leiter des Baues, einem Herrn Vetter, im Verein mit Polieren und Arbeitern zu Differenzen. Herr Vetter drohte wiederhclt mit dem Revolver und gab schliefelich auf offener Strafee zwei Schüsse auf die Arbeiter ab, wobei ein Tischler verletzt wurde. Polizei wurde geholt und einzelne Personen festgestellt. Es dürfte sich an die Affäre noch ein gerichtliches Nachspiel knüpfen. Arbeitersängrr-Konzert im grofeen Saal der Brauerei Friedrichs- Hain. Konzertveranstalter waren die„Sänger-AbteilungI S ü d- O st" und„Männerchor Norden", die unter ihrem gemeinsamen Dirigenten Paul Ku rz bei einer offensichtlich straffen Schulung sehr Tüchtiges leisten. Allenthalben merkt man das Streben nach künstlerischem Vortrag, der ja nur durch restlose lieber- Windung aller technischen Behelfe erreickit wird. Uebrigens besitzen diese Chöre in Herrn Kurz einen Musiker, der. wie sein ungemein farbiger Chor„Zur neuen Welt" dartut, auch als Komponist ausgetretene Pfade vermeidet. Mit Recht darf dieser Chor„dra- malisch" heifeen. Die Tonmalerei darin ist oft von origineller packender Art; und diese Kongiosition, die allerdings ziemlich be- deutende Anforderungen an die Sänger stellt, wird man wohl als eine wertvolle Bereicherung der Arbeitersängerprogramme zu be- zeichnen haben. Aehnliches mag von dem Männerchor„Nur Zeit" von Hubert Crossin gellen. Dieser Liedtext läfet allenfalls noch eine chormäfeige Verarbeitung zu; wohingegen Wilh. Heinemanus „Auf dem Meer" die lyrische Zartheit des Heineschen Liebchens durch Lbermäfeige Malerei veräufeerlicht. Nach und nach ist es Brauch geworden. den gesauglichen Teil der Konzerprogramme durch instrumentale Musikstücke zu unterstützen. Werden diese von einem Orchester ausgeführt, so entspricht es der Massen- Wirkung. Für Werke im Kammerstil wird sich ein Niesen- saal stets ungeeignet erweisen, weil die intime Geschlossenheit verloren geht; dies um so mehr bei Teller- und Gläsergeklapper. Das Servieren von Trinkstoff sollte während der Vorträge streng vermieden werden-, es ist ein grober Unfug I Drei Meister ihres Instruments: Ernst Ferner(Klavier), Max Zeidler(Violoncello) und Oskar Schubert, dieser unvergleichliche Klarinettist, dem Felix Wein- gartner in seiner eben erschienenen Kampfschrist„Erlebnisse eine« Königlichen Kapellmeisters" in Berlin' noch ein Lied in hohen Tönen singt, hatten sich zur Darbietung herrlicher Kammermusik- stücke von Beethoven und Mendelssohn-Bartholdy vereinigt. Dazu gesellte sich Frau Hertha G e i p e l t mit künstlerisch ebenbürtigen Vorträgen einiger Gesänge von Weber. Schubert, Wolf und Her- »rann. So reizend Hans Hermanns Kinderliedchen„Wenn es schummert" auch ist— Texte mit dem Köhlerglauben vom Jenseits möchten wir- doch sozialdemokratischen Arbeitern nicht zugemutet wissen. Es würde sich überhaupt empfehlen, wenn künftighin dre Dirigenten aller konzertierenden Arbeitergesangvereine immer zuvor ins Einvernehmen treten, um ihre Programme nach gegenständlich- künstlerischen wie praktischen Gesichtspunkten zu beraten und festzu- fetzen, damit der schablonistische Anstrich unserer VollSkonzerte ver- mieden wird. DaS moderne Warenhaus beschränkt sich nicht allein darauf, den Warenverschleife in der umsassendsten Weise zu betreiben, sondern legt grofeen Wert darauf, auch äufeerlich nach Möglichkeit in die Er- scheinung zu trete». Dieses Besweben zeigt sich wieder augenfällig bei dem Erweiterungsbau der Firma Tietz am DönboffSplatz. der gestern seiner Bestimmung übergeben wurde. Schon lange war eS das Bestreben der Firma Tietz, das in der Leipziger Strafee eingekapselte Warenhaus möglichst'sichtbar an den Dönhoffsplatz zu rücken. Durch Erwerbung mehrerer Gebäude ist das gelungen. Und»"-r erhebt sich in diesem Verkehrszentrum ein Monumentalbau, wie ihm nur wenige an die Seite gestellt werden können. Als eine Sehenswürdigkeit kann der grofee Lichtbof angesprochen werden, den man vom Dönhoffsplatze aus betritt. Die Fenster wie die riesige Glasdecke sind mit Machtvollen Malereien veriehen. Sech? Stockwerke umsäumen den Lichlhos und dienen dem Verkauf einzelner Warengruppen. Bemerkenswert ist die Ausstattung der LebeuSmittelabteilung. Wände uudPfeiler sind mit�bläulichen Fliesen und reichen goldenen Majoliken bekleidet, verziert mit einer reichen Ornamentik aus Fruchtkränzen. Moietten' und plastischen Stilleben. Der neue Bau greift mit dem alten vollständig ineinander und legt Zeugnis ab von der gewaltigen EntWickelung von Handel und Industrie. Ein dreister Nanbüberfall wurde gestern abend in der Lange- strafee 8 verübt. In einem Bäckerladen der Bäckerei„Nordstern" erschien dort kurz vor Geschästsschlufe ein junger Bursche und ver- langte zwei Brote. Als sich die Verkäuferin umwandte, um das Verlangte aus einem hinter dem Ladentisch befindlichen Schrank zu holen, nahm her Bursche ein Gasrohr, das ee Mker seinettt Jackett versteckt gehalten hatte, hervor und schlug damit dem Mädchen mit so großer Wlucht auf den Hinterkopf, das; es zu- sammenbrach. Trotz der Heftigkeit des Schlages verlor die Ver- käuferin das Bewußtsein nicht. Als der Bursche sich dabei machte, die Ladenkasse zu berauben, schrie sie laut um Hilfe. Der Räuber versuchte jetzt die Flucht zu ergreifen, wurde aber durch Leute, die durch das Hilfcgeschrei der Ueberfallenen aufmerksam geworden waren, daran gehindert. Sie nahmen ihn fest und übergaben ihn einem Schutzmann, der ihn nach der Wache brachte. Hier wurde der Räuber als ein 17 Jahre alter Arbeitsbnrsche Friedrich Krause aus der Litthauer Strafee 6 festgestellt. Das Überfallene Mädchen wurde nach der nächsten Hilfswache gebracht und dort verbunden. Brandunglück. In der Berliner Maschinen-Treibriemenfabrik Adolf Schwartz u. Co. entstand heute nachmittag in dem Fabrik- gebäude Müllerstrafee 171a/172 infolge Kurzschlusses in der elek- irischen Leitung'eine Explosion. Eine Gummilösung, die aus Kautschuk und Benzin hergestellt war, fing Feuer, das aber dank dem schnellen Eingreifen der alarmierten Feuerwehr auf seinen Herd beschränkt blieb. Einer der Arbeiter des Betriebes, Franz T a b b e r t, Müllerstrafee 6 wohnhaft, erlitt erhebliche Brand wunden an beiden Händen und Unterarmen. Die Samariter der Feuerwehr legten ihm die ersten Verbände an und transportierten ihn dann nach seiner Wohnung, wo für weitere ärztliche Hilfe ge sorgt wurde. Radrennen auf der Olympiabahn, 20. Oktober. Die Schlufe- rennen des Jahres brachten ein von zwölf Fahrern bestrittenes Aus- scheidnngsfahren und ein Zweistundenrennen mit Motorführung, in dem der Holländer Dickentman, der Kopenhaaener Kjeldsen, der Breslauer Thomas und die Berliner Nettelbeck und Gnilka ihre Kräfte mafeen. Infolge eines am Nachmittag einsetzenden Regens wurde die ohnehin schon feuchte Holzbahn unfahrbar, so dafe das Rennen nach 106 Kilometer, die von Ncttelbeck in 1 Stunde 15 Min. 4g�/z Sek. mit weitem Vorsprunge vor Thomas, Kjeldsen, Dickentman und Gnika zurückgelegt wurden, etwa 44 Minuten vor der festgesetzten Zeit endete. Ergebnisse: Ausscheidungsfahren. 4400 Meter. 30, 20, 10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2 und 1 M. Der Letzte einer jeden Runde scheidet aus. 1. Pawke in 5 Min. 20>/z Sek.; 2. Rudel; 3. KrupkaS; 4. Kudela: 5. Grünebcrg; 6. Freiwald; 7. Behrendt; 8. Gottes leben; 9. Rehra; 10. Jakob; 11. Schräge; 12. Kropidlowski. Zweistundenrennen mit Motorführung. Preise für die erste Stunde 500, 400, 300, 200, 100 M.; 2. Stunde: 1000, 600, 400, 300, 200 M. Stand bei 100 Kilometer: N e t t e l b e ck in 1 St. 15 Min. 49% Sek.; 2. Thomas, 4430 Meter; 3. Kjeldsen. 5870 Meter; 4. Dickentman, 9040 Meter; 5. Gnilka, 11 140 Meter zurück. In der Reihenfolge Gnilka, Nettelbeck, Thomas, Kjeldsen, Dickentman beginnt das lange Rennen. Dickentman kommt nicht in Schwung und hat bis zum 10. Kilometer schon drei Runden vsrloren. Nettelbeck hat sich vorgearbeitet und alle Gegner überbolt. Gnilka bleibt zurück, so dafe Kjeldsen ihn passieren kann. Nettelbeck dehnt seinen Vorsprung immer weiter aus: Thomas, der bis zum 40. Kilometer an vierter Stelle gelegen, rückt vor, er überholt Gnilka und Kjeldsen, so dafe er vom 60. Kilometer an Zweiter ist. Gnilka wird immer langsamer; er mufe sich vor Dickentman beugen und marschiert vom 80. Kilometer ab als Letzter, während Nettelbeck mit 4930 Meter Vor' sprung vor Thomas dem sicheren Siege zusteuert, Kjeldsen ist 6140 Meter, Dickentman 6920 Meter und Gnilka 7744 Meter zurück. DaS regelmäßige Umkreisen der Bahn erleidet kurz vor dem Schlufe der ersten Stunde eine Unterbrechung, der Motor Nettelbecks kommt infolge eine? Reifenschadens zum Sturz, Nettelbeck mufe einige Runden allein fahren, ehe er hinter einem anderen Motor Anschluß erhält; doch ist sein Vorsprung so grofe, dafe er) noch als Erster die Stunde mit 80,640 Kilometer beendet; in der Reihenfolge der Fahrer tritt bis zum 100. Kilometer keine Aenderung mehr, und das Rennen wird infolge des einsetzenden Regens abgebrochen. Nadrennen in Treptow. Sonntag, 20. Oktober. Ein 60 Kilo meter- Nennen mit Motorführung gab der Bahn im Treptower Park nack langer Pause wieder einmal ein volles Haus, 'oweit dies bei den räumlich beschränkten Verhältnissen zulässig ist, und mancher Teilnehmer der Demonstrattonsversammlung mag seine Schritte zur Rennbahn gelenkt haben, die einst bessere Tage gesehen hat. Die Dauerrennen hatten mit Demke und Schelling eine gute Besetzung gefunden; der dritte TeWehmer Hoffmann versagte ganz. Demke gewann den 20« und 30-Kilometer-Lauf und endete 'tets dicht auf. Die Fliegerrennen gewann W, T h e i fe vor Miinzner und Rabe. Ardeiter-BildungSschule. Morgen Mittwoch, den 23. Ottober, beginnt der Kursus in Einführung in den Wissenschaft- lichen Sozialismus.(1. Teil.) Vortragender: Julian Borchardt. Dieser Kursus findet im König st adt-Kasino, Holzmaristrafee 72 statt. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Vorort- l�ackricbten. Neukölln. Im Bett verunglückt sind in der vergangenen Nacht die Frau und zwei Kinder des Werkmeisters Mittelstädt aus der Teupitzer Strafee 102. Während die Eltern und die beiden kleinen Kinder von 1% und 3% Jahren im tiefsten Schlafe lagen, lösten sich plötzlich grofee Stücke vom Putz der Zimmerdecke loS und fielen auf Mutter und Kinder. Diese wurden am Gesicht und an der Brust so schwer verletzt, daß der Mann, der unversehrt blieb, sofort einen Arzt holen mußte. Dieser verband alle drei, konnte sie aber in der Wohnung belassen, um sie hier weiter zu behandeln. Die Polizei leitet eine Untersuchung darüber ein, wie der Unfall entstanden ist und ob emand dabei ein Verschulden trifft. Die Neuköllner Feuerwehr wurde am Sonntagabend um 8 Uhr nach dem Eckhause JuliuSstrafee 1(an der Walterstrafee) alarmiert. Es brannten nahe dem Treppenaufgang zwei Bodenverschläge mit Inhalt und die Dachkonstruknon. Wie daS Feuer entstanden ist, konnte bisher nicht festgestellt iverden. Das diesjährige Herbstfcst der arbeitenden Jugend veranstaltet der Jugendausschufe der Arbeiterschaft Neukölln» am Sonntag, den 27. Ottober, nachmittags 5% Uhr, in den.Hohenstaufensälen", Kott- buser Damm 76. Die Festrede hat Genosse Max Grunwald übernommen und in dem gewählten, künstlerischen Programm wirken die Konzertsängerin Frl. Meta Zlotnicka und ein Doppel- Streichquartett des Berliner Sinfonieorchesters mit. Die Ausgabe der Eintrittskarten erfolgt für Jugendliche(bis zu 18 Jahren) un- entgeltlich im Jugendheim. Jdealpaffage 8. für Erwachsene zum Preise von 30 Pf. im Zigarrengeschäft von Zirkel, Jdealpaffage 6, bei Karl Bergmann, Allerstr. 46, und im Restaurant„Jdeal-Klause". Mareschstr. 14. Wilmersdorf. Eine öffentliche Privatbeamtcuversammlung, vom Wahlausschuß der Freien Vereinigung einberufen, findet hier am Mittwoch, den 23. d. M t s.. 8% Uhr abend», im Bikioriagarten, Wilhelms- aue 114— 15 statt. Ingenieur Geiser spricht über da» Thema: Welche Bedeutung haben die VertrauenSmännerwahlen für die An- gestelltenversicherung. Die Wahlen selbst finden in Wilmersdorf am kommenden Sonntag, den 27. Oktober, von 12-4 Uhr statt. Adlershof. KansmamiSgerichtSwahl l«m heutig«, Dienstag, mittags von 12% bis l'/4 Uhr finden zum ersten Male die Wahlen der Beisitzer für das neuerrichtete Kaufmannsgericht statt. Wahlberechtigt ist laut Ortsstatut jeder Handlungsgehilfe, der am Tage der Wahl das 25. Lebensjahr erreicht hat und im Orte wohnt oder beschäftigt ist. Das Wahlbureau befindet sich im Gemeindeamt. Zimmer 4, Bismarck- strafee 1. Als Wahllegitimation gilt eine Bescheinigung des Prin- zipals oder der Polizeibehörde. Die Liste des Zeutralverbandes der Handlungsgehilfen trägt die Nummer 3. Pflicht eines jeden aufgeklärten Handlungsgehilfen ist es. diese Liste zu unterstützen. Stimmzettel sind vor dem Wahl- bureau erhältlich. Schöneiche(Nieder-Barnim). Gegen Bolksentrechtung, Teuerung und Kriegsgefahr protestierte hier am Sonntag eine gut besuchte Volksversammlung. Die treff- lichen, zu Herzen gehenden Ausführungen der Referentin Genosin Bohm-Schuch wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Reinickendorf. Ein Berkauf von frischgeschlachteten Hammel» durch die Gemeinde findet heute wieder von 8 Uhr früh bis 1 Uhr mittags aus dem Depotgrundftück in der Kovenhagener Str. 93 statt. Der Preis be- trägt, je nach Qualität, 70 bis 80 Pfg. pro Pfund. Der Fleisch- verkauf findet bis auf weiteres an jedem Dienstag und Freitag statt. Gleichfalls an jedem Dienstag erfolgt in den bekannten fünf Ver« kaufsstellen unter Kontrolle der Gemeinde der Verkauf frischer See- fische. Auch hier werden die Preise von der Gemeinde festgesetzt. Nowawe?. Gegen die Schmach des Dreiklassenwahlrechts, gegen die Volks- aushungernng und für den Frieden demonstrierte die Arbeiterschaft am Sonntagnachmittag in einer imposanten, von etwa 1500 Per« sonen besuchten öffentlichen Versammlung in den„Deutschen Fest« sälen". Nach einem einleitenden Liebe des„Freien Männerchors' erhielt der Referent Genosse Grunwald das Wort zu seinem Vortrage. Anknüpfend an das vor vier Jahren gegebene königliche Versprechen einerz Wahlreform, das bis heute noch nicht eingelöst ist, schilderte er mit packenden Worten die Wirkungen der politischen Rechtlosigkeit des preußischen Volkes: die Knechtung und Aus- hungerung durch die Regierung, die Kapitalistenklasse und das Junkerttnn. Wenn der König fich seines gegebenen Versprechens nicht erinnere, so werde ihn die Geschichte, die Lenkerin der Geschicke von Ländern und Völkern, daran gemahnen. Die Eroberung der politischen Macht bedeute aber auch die Ver- wirklichung der Friedensidee, die von dem Proletariat aller Länder ersehnt wird. Zum Schlufe forderte Redner zum Kamps auf für die Erringung eines fteien und gerechten Wahlrechts in Preußen, gegen die Anshungerungspolitik der heutigen Machthaber und gegen die Gefahr eines Weltkrieges. Die vorgelesene Resolution fand ein« stimmige Annahme.— Nach dem Vortrage nahm Genosse Neu« mann das Wort, um den Anwesenden eine kurze Darstellung über den in letzter Zeit so lebhaft geführten Kampf um den Sonnabend- Wochenmarkt, der schliefelich durch Beschluß der Gemeindeverttetung aufgehoben wurde, zu geben, wies auf die am Dienstag, den 22. d. M., im Schmidtsckien Saale stattfindende. von fteisinniger Seite einberufene Versammlung hin, die fich gleich- falls mit der Marktfrage beschäftigen werde, und machte ferner die anwesenden Frauen darauf aufmerksam, dafe am nächsten Sonnabend trotzdem ein Markt stattfinden werde, und zwar aus dem Grundstück des Genossen Singer, Priefterstrafee 31. Eine rege Inanspruchnahme dieses Marktes sei schon aus dem Grunde zu wünschen, damit der bürgerlichen Mehrheit im Gemeindeparlament gezeigt werden könne, dafe die Aufhebung des Marktes nicht die erhoffte Wirkung haben wird. Auch eine ausreichende Unterstützung der jetzt im Orte zirku- lierenden Petition für Wiedereinführung des Marlies sei dringend erwünscht. Nach einem Schlufeliede des„Freien MännerchorS" wies der Vorfitzende noch auf die am nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr im Schmidischen Saale stattfindende Frauenversammlung hin, in der die Genossin Zetkin referieren werde. Hierauf schloß er die Ver» sammlung mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie. Der völligen Aufklärung harrt ein Todesfall, der bis Pfingsten dieses Jahres zurückliegt. Am ersten Pfingstfeiertag wurde der in Gaidellen. Kreis Heydekrug, Regierungsbezirk Gumbinnen geborene Arbeiter David Bublin mit eingeschlagenem Schädel im Potsdamer Forst aufgefunden. Im Oberlin-Krankenhaus ist der Schwerverletzte nach acht Tagen gestorben. Der Bruder des Verstorbenen, der erst vor etwa fünf Wochen Kenntnis von dem Tode des letzteren erlangte, hat versucht, Aufschlufe über die Ursache des Todes zu erlangen. Zunächst wandte er sich an die hiesige Polizeibehörde. Von dieser erhielt er ein Schreiben, worin mitgeteilt wird, dafe von Bewohnern des Hauses Lindenstr. 24, wo der Verstorbene gewohnt hat, mit» geteilt worden sei, Bublin sei in angetrunkenem Zustande die Treppe hinuntergestürzt, wodurch er fich seine Verletzungen zugezogen habe. Bon dem Gendarm, auf dessen Beranlassung der Schwerverletzte in das Krankenhaus übergeführt worden ist, will der Bruder die Auskunft erhalten haben, dafe der Aufgefundene nach seiner damaligen Angabe überfallen worden sei. Wie er in den Wald gekommen sei, habe er nicht mehr gewußt. In der Schlafstelle, wo der Verstorbene vom 4. März bis 25. Mai gewohnt hat, habe man ihm, dem Bruder gesagt, dafe er des Nachts um 3 Uhr die Treppe heruntergestürzt und dort in einer grofeen Blutlache liegen geblieben sei. Diese ein» ander stck, widersprechenden Aussagen haben selbstverständlich die Verwandten des Verstorbenen erheblich beunruhigt, so dafe sie an der völligen Aufklärung über die Todesursache ein dringendes Inte» esse haben._ Eharlottenburg. Eine öffentliche Versammlung findet heute abend 8% Uhr, im Volkshause, Nosinenstr. 3, statt Reichstagsabgeordneter Ke- nosse PeuS aus Dessau spricht über„LebenSmittelteuerung und Konsum» oereine. Reger Besuch der Versammlung ist dringend notwendig. WttterungSüberstcht vom 21. Oktober 1912. Ctafioncn Swinemde. Un Franks.a.M München Wien 757 753 SSO SO 757S 75691 759 SO 76ll$tin Vetter 3wolki 4 bebet 1 bald bd. INebel 2wolklg > heiter »ai AU t* mS> «tationcn ,5,2 Saparanda eteriburg Scilly Aberdeen Paris ßZ 76V O 763 O 748 RB 743 W NW 743SIW Vettee Swolkenl Schnee 7 wolkig heiter egen 4R *¥ B* ti —7 —2 8 9 9 Wetterprognose für DienStag, den 22. Oktober 1918. Ein wenig wärmer, veränderiltch, vielsach wolkig mit Regen und sehr lebhasten südlichen Winden. Berliner Wetterbureau. WafferstaudS-Nachrichte» der LandeZanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memet. Tilfit B r e g e l, Jnslerburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krossen , Frankfurt Warthe, Schrinn» . LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmentz , Dresden . Barby , Magdeburg am 20. 10. cm 187 20 138 160 141 143 24 —2 -12 18 •106 143 114 s-it 19.10. cm') +8 0 0 0 —2 —4 +4 +5 0 —2 H-4 _ 2 —2 Wasserstand Saale, Kroch litz Havel. Spandau*) , Natbenow*) Spree, Svremberg*) , Biestow Weser, Münden » Mmdcn Rhein, Maximilians«! . Kaub . Köln Neckar, Heilbron» Main, Hanau Mosel. Trier am 20 l0 om 78 34 24 90 8t 154 210 386 166 144 50 130 36 seit 19.10. cm') —2 —2 0 0 0 +24 —8 +12 +2 —3 -10 +3 +6 Q+ bedeutet Wuchs.— Fall.—*) Unterpegel. «— m-dakieur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Bsrlia. Druck It. Verlag: Vorwärt» vuchdruckerei u. Verlagsanstalt Laut Singer Berlin SW.