Redaktion: 8M. 68, Litidcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Mittwoch, den ÄA. Oktober 191�. Expedition i öd. 68, Lindenetrasse 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Südwcttdcurtcbc Airtichaftssragen. L Der auf Grund des Gesetzes über die Verfassung Elsaß- Lothringens vom 31. Mai 1911 erstmalig gewählte Landtag hat sich in seiner ersten Session mit einem Eifer der Beratung sozialpolitischer und volkswirtschaftlicher Probleme hingegeben, der lebhaft kontrastiert mit dcr geruhigenSanftlebigkeit des seligen Notabelnausschusses. Man merkt daraus, daß das Wahlgesetz trotz seiner Mängel immerhin einer breiten Wählermasse die Möglichkeit gegeben hat, den Deputös eventuell bei der Neu- Wahl eine unliebsame Quittung über ihr Verhalten auszu- stellen. In rascher Reihenfolge hat der elsaß- lothringische Landtag, zumeist auf Veranlassung der elf Mann starken sozialdemokratischen Fraktion, zu wichtigen, vom alten Notahelu- ausschuß vernachlässigten sozialen Fragen Stellung genommen. Zur Erörterung bezw. gesetzgeberischen Vorbereit-i�g kaiüen Anträge oder Anregungen betr. B a u a r b e t t'c rTch n tz, Gewerbegerichte, Arbeiterkammcrn, Ar- beiterschutz in den Bergwerken, Sllrtu-ttsna ch- weise, Arbeitslosigkeit, um nur die- bedeiitsamsten Verhandlungsgegenstände zu nennen., r'"" Von symptomatischer Bedeutunss sü? die Stimmung in Elsaß-Lothringen, zugleich auch sehr merkwürdig hinsichtlich der in ihm sich manifestierenden volkswirtschaftlichen Anschauungen, ist aber der„Antrag Zimmer"(Lothringer Gruppe) betreffend die Verhüttung der in Elsaß- Lothringen gewonnenen Erze. Es lohnt sich, diesen Antrag und seine Begleitumstände näher zu beleuchten, weil wir in ihm ein Produkt des protektionistischen, insbesondere auf den einseitigen Schutz der großagrarischen und gewisser groß- »»«dustrieller Interessen zugeschnittenen Systems vor unö haben, als dessen hartnäckigste offizielle Vertretung das preußische HaydelS- und dito Eisenbahnministerium anzusehen sind. Die Antragstever verlangen von der Regierung,„bis zur nächstjährige» Tagung des Landtags Vorschläge dahin zu machen, daß die im Lande stattfindende Ver- h ü t t u n g der in Elsaß-Lothringen gewonnenen Erze, sei es auf dem Gebiete der Steuergesetzgebung, sei es auf andere(!) Weise. zwecks Hebung der inländischen Industrie möglichst begünstigt wird". Der Antrag will ein Wieder- aufleben des Merkantilismus einleiten. Die Ausfuhr der heimischen Erze /soll, sei es durch direkte oder indirekte Be- steuerung oder Verzollung erschwert werden. In Luxemburg besteht seki einigen Jahren eine steuerliche Begünstigung der inländischen ErzVerhüttung, worauf sich der Abg. Zimmer auch berief, was aber an der Tatsache, daß 1911 noch über 47 Proz. der luxemburgischen Eisenerze außerhalb des Landes verhüttet wurden, nichts ändert und nicht aus der Welt schafft, daß die Einführung eines Verhüttungszwanges ein Rückfall in die mittelalterliche kleinstaatliche Handels- und Verkehrserschwerung ist. dessen Schädlichkeit auch für Elsaß- Lothringen offenbar wird, wenn wir uns die industrielle Lage der Reichslande vergegenwärtigen. In Deutsch-Lothringcn wie in den Nachbarländern Luxem- bürg und Französisch-Lothringcn befinden sich riesige Erz- ablagerungen. Dies sogenannte„ M ine tte gebiet" ist mit seinen auf über fünf Milliarden Tonnen Eisenerzvorrat, wovon 1800 Millionen auf Deutsch-Lothringen kommen, das bedeutendste der bekannten Erzreservoire der alten Welt. Nach- dem die Minette durch die Erfindung des Entphosphorrmgs- Verfahrens für den modernen Verhüttungsprozeß brauchbar geworoen war. warf sich die Spekulation mit Macht auf jene Fundgebiete. 1872 wurden in Elsaß-Lothringen erst zwanzig Eisenerzfelder verliehen. Im Betrieb standen mir 7 Gruben mit einer Förderung von 684 600 Tonnen. 1882 betrug die Zahl der verliehenen Felder 230 und 1909/10 stnlt laut Regierungsangaben 360 vergeben worden, so daß heute det mineralhaltige Boden ElsaKLothringens in der Haupt- suche imter privatkapitalistischer Kontrolle resp. Ausbeutung steht. Es stehen an 60 Erzbergwerke im Betrieb. Die Minetteförderung Lothringens belief sich 1911 auf 17.73 Millionen Tonnen, mit der luxemburgischen zusammen aus 23.79 Millionen Tonnen. Lothringen und Luxemburg liefern heute' zirka 80 Proz. der im deutschen Zollgebiet geförderten Eisenerze, ist also unser weitaus bedeutendstes Erzversorgungs- gebiet geworden. Von der lothringischen Förderung gingen 1911 nach dem Saargebiet 14.66 Proz., nach dem übrigen Rheinland- Westfalen 15.96 Proz., im Lande verblieben 64,37 Proz. f-n 6002 Proz. im Jahre 1903(Bericht des elsaß-lothrin- >en Grubenbcsitzervereins). Die gesetzgeberische Verwirk- mg des Antrages Zimmer würde also unmittelbar ein lag gegen die Hütten im deutschen Zollinlande außerhalb iß-Lothringens sein. Denn die französischen und die luxemburgischen Hochöfen bedürfen keiner Erzzufuhr aus Lothringen, weil im Lande selbst überflüssige Eisenerze ge- Wonnen werden. Dagegen lvurden 1911 in niederrheinisch- westfälischen Eisen- und Stahlwerken über 3,17 Millionen Tonnen Minette verhüttet. Es unterliegt auch kaum einem Zweifel daß der Antrag Zimmer gegen die durch die Reicks- vsfassunq(Artikel 33) garantierte Zoll- und Handelsfreiheit Hmerhalb der deutschen Reichsgrenzen verstößt und deshalb schon von der Regierung nicht akzeptiert werden kann. Der Bericht des elsaß-lothringischen Grubenbesitzervereins wendet sich deshalb auch gegen den„Verhüttnngszwang" und spricht die Erwartung ans, daß„Preußen" e v e n t l. mit Repressalien antworten würde. Diesen Hilferuf nach„Preußen" hätte der Zechenbesitzer- verein besser nicht ausgestoßen, denn der Antrag Zimmer ist ein Niederschlag der großen Mißstimmung, die in Elsaß- Lothringen infolge der einseitigen Haltung gerade der preußi- schen Regierung in Sachen der Moselkanalisierung Platz gegriffen hat. Das durch keine sachlichen Gründe zu rechtfertigende Vorgehen der Regierung bei der Beratung des Schiffahrtsabgabe ngesetzes hat den Parti- kularistischen Bestrebungen einen beträchtlichen Resonanzboden in der Bevölkerung verschafft. Die meisten Befürivorter des Verhüttungszwanges unter- schätzen oder kennen die zwischen den in Betracht kommenden Wirtschaftsgebieten herrschenden natürlichen Wechselbeziehungen nicht. Der Erzreichtum im Minettegebiet ist zwar ungeheuer, aber dafür sind im Rcichslande für Verkokung geeignete Kohlen nur in geringem Maße vorhanden. Den»veitaus größten Teil ihres Koks müssen die Hüttenwerke im Minette- revier aus dem Ruhrbezirk beziehen. Wohl erklärte der lothringische Abgeordnete Engel in der Landtagssitzung vom 20. Juni d. I.:„Unsere lothringer Kohle wird jetzt verhüttet zu Koks und der Koks bewährt sich ganz gut. Es ist dies eine große Neuerung". Aber gerade der Abg. Engel, der sich im Par- lamentsalmanach als Bergwerksdirektor bezeichnet (Firma de Wendel, Groß-Moyeuvre), muß wissen, daß auf absehbare Zeit die lothringischen Kohlengruben, auch wenn ihre ganze Förderung verkokt würde, (was schlechterdings unmöglich ist), nicht imstande sind, den enormen Koksbedarf der Eisen- und Stahlwerke im Minette- gebiet zu decken. Der Herr Abgeordnete und Bergwerks- direkor Engel hätte aber auch dem Landtag mitteilen sollen, daß sich die lothringischen Kohlen gw üben so gut wie ganz in ddn Händen der Firmen de Wendel, Thyssen und Stinnes befinde nl Wenn also ein irgendwie gearteter gesetzlicher Zwang auf die Verhüttung der lothringischen Erze im Ge- stehungslande ausgeübt würde, worauf das geschädigte östliche Wirtschaftsgebiet wahrscheinlich mit Erschwerungen der Kohlen- und Kokszufuhren antwortete, dann bedeutete dies keine Förderung der elsaß-lothringischen Landesinteressen, sondern die den Herrn Abg. Engel und seinen rakt ionsgenossen am nächsten stehende roßindustriellenfamilie. De Wendel sowie Thyssen-Stinnes erhielten eine ArtMonopol. Und der elsaß-lothringische Landtag, der soeben erst gegen die schranken- und lastenlose Ueberantwortung der Bodenschätze an großkapitalistische Spekulanten Stellung nahm, und sogar eine„vorläufige M u t u n g s s p e r r e" beschloß, hätte durch den Verhüttungszwang den Firmen de Wendel, Thyssen und Stinnes ein Bombengeschäft verschafft. Merkwürdig ist es überdies, daß sich ausgerechnet ein zu dem größten lothringischen Gruben-, Eisen- und Stahl- Werksbesitzer(de Wendel) in enger Beziehung stehendes Par- lamentsmitglied, der Herr Bergwerksdirektor Engel, so energisch für die Sperrung der Mutungen ins Zeug legt. An sich ist natürlich vom sozialistischen Standpunkt gegen die Aufhebung der Bcrgbaufreiheit— die in Wirklichkeit nur ein Privileg weniger Großunternehmer ist— nichts einzu- ivenden. Der sozialdemokratische Redner hat denn auch die Zustimmung seiner Fraktion zu dem Not-Gesetzentwurf, der vom 31. Dezember 1912 an die Annahme von Mutungen (Beanspruchung von Bergwerksfeldern) bis zur anderweitigen gesetzlichen Regelung untersagt, ausgesprochen. Unser Frak- tionsredner hat aber auch sogleich mit Recht darauf ver- wiesen, daß der selige Landesausschuß auf dem Gebiete der volkstümlichen Bergwerksgesetzgebnng völlig versagt habe. Ob die Mntungssperre jetzt noch überhaupt das Volksvermögen vor Schaden bewahren könne, sei sehr fraglich. Wie kommt aber ausgerechnet ein Wortführer der Berg- Werksunternehmer, deren Vereinigungen sich sonst stets für unbeschränkte Aufrechterhaltung der„Bergbaufreiheit" aus- sprechen, dazu, ihrer Einschränkung das Wort zu reden. Dieses Novum verdient eine nähere Betrachtung. Herr Berg- Werksdirektor Engel, Mitglied der Metzer Handelskanimer für den de Wendelschen Werksbezirk Groß-Moyeuvre. bringt einen Antrag auf„Modernisierung" des ganzen elsaß-lothrin- gischen Berggesetzes ein und begründet speziell die Mutungs- sperre bezw. Einstellung weiterer Bergwerksfelderverleihung I Dabei teilt er die Tatsache mit, daß seit Jahren die Bohrgesellschaften in Elsaß-Lothringen wie auch in Baden eine umfangreiche Tätigkeit entfalten: besonders die Jnter- nationale Bohrgesellschaft(Schaaffhausener Bankverein) habe an 150 oder 160 Mutungen erreicht. Diese Mutungen würden aber nicht kurz nach der Verleihung in Betrieb genommen, sondern die Felder„mit sehr großen Gewinnen verkauft, sogar sehr große Flächen an A u s l ä n- der und bis jetzt ist eigentlich nichts in Betrieb".(Stenogr. Bericht über die Landtagssitzung vom 26. Juni 1912.) Das heißt, die betreffende Bohrgesellschaft nutzt die„Bergbau- freiheit" durch Inangriffnahme Hunderter von Bohrungen aus, läßt sich die Felder gleich hundertfach verleihen und ver- kaust sie mit Riesenprofit. Betriebe toerden aber nicht er- öffnet. Erreicht ist so die Beschlagnahme dieser wertvollen Bergwerksfelder(Erze, Kali, Kohle) durch einige Unter- nehmergesellschaften. Die Bergbaufreiheit ist nur ein Märchen. Wie es gemacht wird, zeigt das Beispiel des Kaliberg- Werks„Amelie" in Oberelsaß. Die Kosten seiner Anlagen inklusive Felderwerb haben sich auf rund 4 Millionen Mark belaufen: aber für 29 Millionen Mark sind die Anlagen an die Gesellschaft„Deutsche Kaliwerke" A.-G. Bernterode, ver- kauft worden. Nun weigern sich die smarten Profitmacher sogar, die Wertzuwachssteuer zu bezahlen! Nach dem Statistischen Jahrbuch für Elsaß-Lothringen betrug 1910 der Flächeninhalt der verliehenen Bergwerks- felder zirka 2399 Quadratkilometer, aber der Flächeninhalt der im Betrieb befindlichen Felder belief sich auf nur 742 Quadratkilometer. Von 761 verliehenen Feldern wurden nur 84 ausgebeutet! Das privatkapitalistische Spekulanten- tum hat die elsaß-lothringischen Bodenschätze okkupiert, hat ungeheure Komplexe des Landes förmlich beschlagnahmt. Und die Regierung wie die Notablenkammer haben das ruhig ge- schehen lassen. Jetzt erst kommt die schwächliche Maßregel der bedingten Mutungssperre, statt eines Gesetzes, das alle noch nicht in Betrieb befindliche Bergwerksfelder(höchstens gegen Erstattung der wirklich aufgewendeten Kosten) zum Staatseigentum erklärt. Bezeichnend für unsere Zustände ist auch die in der Land- tagssitzung vom 20. Juni dieses Jahres erfolgte Mitteilung des Abg. H a u ß, die Internationale Bohrgesellschaft habe „offenbar infolge einer Indiskretion"(I) Wind bekommen von der Absicht des Landtages, die Mu- tungssperre nur für solche Felder eintreten zu lassen, wo die Schürfarbeiten nach dein 19. Juli dieses Jahres begonnen wurden. Daraufhin habe die Äohrgesellschaft an 15 Stellen einfach ein Rohr von 2 Meter Größe in den Boden getrieben, um glaubhaft zu machen, sie hätten ernstlich Schürfungen vorgenommen! Warum zog gerade Herr Engel gegen die massenhafte privatkapitalistische Beschlagnahme der Bcrgwerksfelder los? Ihm kann doch nicht unbekannt sein, daß die Firma de Wendel allein mehr Felder in Besitz genommen hat, als alle„ausländischen" rheinisch-wcstfälischcn Hütten zu- sammengenommen. Der de Wendelsche Felderbesitz beträgt 8411, die der genannten„ausländischen" Werke(9) zusammen 7118 Hektar. Fast das ganze kolossale erzreiche Gebiet zwischen Fentsch und Orne hat de Wendel okkupiert. Selbst- redend hat auch er nur erst den kleinsten Teil der ihm ver- liehenen Felder in Betrieb genommen. Nachweislich würde der angeblich zum Landcsnutzen eingeführte Verhüttungszwang dann auch vornehmlich eine lukrative Sonderbegünstigung der drei Firmen bedeuten, die ihrerseits die unheilvollen Versäumnisse in der elsaß-lothrin» gischen Wirtschaftsgesetzgebung durch Aneignung der bedeu- tendsten reichsländischen Kohlenfelder und umfangreicher Erz- lager ausgenutzt haben. Da wie gesagt die lothringischen Kohlenfeldcr allein den Brennstoffbedarf für die lothringische Hüttenindustrie nicht liefern können, so kommen als weitere Begünstigte die Firmen mit eigenen Kohlengruben an der Ruhr in Betracht, worunter sich wieder die drei schon mono- polisierten Gesellschaften befinden! Nach Lage der Sache würde sich also das„volkstümliche Heilmittel" Verhüttungs- zwang darstellen als eine staatliche Subvention einiger Groß- firmen auf Kosten der anderen, vornehmlich der mittleren und kleinen Unternehmungen im Lande. Und mit der bloßen Mutungssperre verhält es sich ebenso. Sie kann an der Monopolstellung der Großunternehmungen gar nichts än- dern, wenn nicht auch die Verstaatlichung wenigstens der am 31. Dezember dieses Jahres nicht im Betrieb befind- lichen Felder, ihre Reservierung für den Staatsbetrieb, mindestens aber für einen Betrieb nüt entscheidender staatlicher Beteiligung, gesetzlich festgelegt wird. Es dürfen daher nicht unter der Deckadresse„Förderung der reichsländischen Interessen" die elsaß-lothringischen Bodenschätze völlig und dauernd dem privatkapitalistischen Spekulantentum aus- geliefert werden. JDer Entscheidung entgegen. Die Konjetturalstrategen und Bierbankfcldherren haben jetzt gute Tage. Bei dem Chaos der täglichen Widerspruchs- vollen Meldungen, die teils von den amtlichen Nachrichten- bureaus der einzelnen kriegführenden Staaten mit bestimmten politischen und militärischen Hintergedanken in die Welt lanziert werden, teils dem Hirn sensationslüsterner Kor- respondenten entspringen, teils aber auch aus dem schmutzigen Dunkel der Börsenkulissen zu kurzem Lügenfluge aufflattern, ist der von keinerlei Sachkenntnis getrübten Phantasie taten- durstiger Zeitungsschreiber und Leser der weiteste Spielraum gelassen. Da kann man lesen und hören, wie die Türken operieren werden oder müßten, wie Bulgaren und Serben durch geniale Marschkombinationen den Feind in eine Mause- falle treiben müßten und was dergleichen Kriegstaten mehr sind, die sich hinterm warmen Ofen so schön austüfteln lassen. Die bürgerliche Presse, die solchen blutrünsttgen Phan- tastereien Raum gibt,— unsere Parteiprefse verhält sich er- fmilidjcrlüeife dem Wust von Kriegsmcldimgen und Kom binationen gegenüber zun» größten Teil recht kritisch— hält es aber nicht für nötig, darauf hinzuweisen, daß alles, was sich bis jetzt auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen abgespielt hat, erst die blutige Onverturc des Völkermordes ist, daß diese aber schon vielen Hunderten von Menschen den Tod ge bracht und einige Tausend verwundet und zu Krüppeln ge macht hat, daß eine ganze Anzahl von Dörfern und Wohn stätten in Flammen aufgegangen und friedliche Einwohner zu heimatlosen Bettlern gemacht sind. Diese Greuel und dieses Elend wird aber verhundertfacht, wenn die Heere erst in ihrer ganzen Stärke aufeinander Prallen und der Massenmord seine tollsten Orgien feiert. Es wäre viel besser, wenn die bürger liche Presse Nachdruck auf die Forderung legte, daß diese Massenabschlachtungcn sobald als niöglich beendet würden eine Forderung, für die das internationale Proletariat mit aller Energie eintritt. Eine recht unwahrscheinlich klingende Meldung über die militärpolitischen Ziele der Valkanstaaten verbreitet die„Franb furter Zeitung", die da schreibt: Ueber die Operationen des wichtigsten der vier Balkangegner herrschte bisher ziemliche Ungewitzheit. Man nahm allgemein an wenn die Griechen, Serben und Montenegriner in Mazedonien operieren, werde Bulgarien den Hauptschlag in Thrazien ausführen. Dies scheint nicht der Fall zu sein, denn die bulgarische Haupt armce ist ebenfalls nach Mazedonien abmarschiert. Die vier Balkanstaalen sind übereingekommen, die Stellungen zu besetzen, die sie vor dem Abschluß ihres Bündnisses als unter ihrem Sin fluß stehend vereinbarten. Die Balkanstaaten hoffen, sobald ihnen dieser Plan gelungen sei und sie sich in Mazedonien festgesetzt haben, werde eine ihnen günstige Intervention der Großmächte erfolgen. Der Plan wäre sehr schön, wenn die türkischen Armeen und Generale nicht da wären, die den Verbündeten die Kollektivannexion von Mazedonien arg versalzen würden. Das bisherige passive Verhalten der Türkei darf nicht zu falschen Schlüssen veranlassen. Die Kriegsgeschichte zeigt, daß fast in allen Balkankriegen die Türken anfangs hinhaltend und anscheinend wenig entschlossen operiert haben; ihr späterer Widerstand war aber umso zäher und tapferer. Selbst wenn man, wie wir, für die türkischen Machthaber und deren Klassen Politik nicht die geringsten Sympathien hegt— unsere Ge fühle für die Balkandynasticn und deren Bourgeoisie sind natürlich die gleichen—, kann man den Türken militärische Tüchtigkeit nicht absprechen. Die gegenwärtige Zurück� Haltung der türkischen Armeen hat viele Ursachen: Das Heer war vor dem Kriegsausbruch noch durch- zuckt von schweren inneren Zwisten im Offizier- korps, der albanische Aufstand hatte viele Kräfte absorbiert, der Kriegszustand mit Italien zwang zu einer starken militärischen Sicherung Kleinasiens usw., alles Dinge, die auf Mobilmachung und strategischen Aufmarsch verzögernd einwirkten. Dabei darf man nicht vergessen, daß es sich um Länder handelt, in denen die Kommunikationsmittel sehr im argen liegen. Eisenbahnen sind zur Heranziehung der Reserven und für Beschleunigung des Aufniarsches nur wenig vorhanden, und die Straßen sind meist in schlechtem Zustande und werden durch das Herbstwetter noch schlechter. Der Mitteilung der„Frankfurter Zeitung" widerspricht auch die Tatsache, daß die bulgarische Hauptarmee sich auch weiterhin in der Gegend von Adrianopel vor Kirkkilisse engagiert hat. Hier hat es Gefechte um Vorbefestigungen gegeben, von öiner Einnahme von Kirkkilissa kann aber noch nicht die Rede sein. Oeltlicker I?mgsfduiiplat2. stampfe vor Kirkkilisse. Sofia, 21. Oktober. Sicherem Vernehmen nach fanden gestern und heute vor der Festung K i r k k ill i s s e, in deren Umgebung sich die türkische Hauptmacht befinden soll, änsierst harte Kämpfe statt, welche bisher unentschieden blieben. Erfolg eines türkischen Detachements. K o n st a n t i n o p e l, 22. Oktober. Amtlich wird ge- meldet: Der Befehlshaber eines türkischen Detachements hatte festgestellt, daß bulgarische Streitkräfte bei Hanlar im Bezirk Dospat an der bulgarischen Grenze zusammengezogen waren. Da an die bulgarische Stellung wegen der Unzngänglichkeit des Geländes nicht heranzukommen war, täuschte der türkische Be- fehlshaber den Feind, indem er einen Scheinrückzug unternahm. So zog er den Feind auf türkisches Gebiet und griff dann plötzlich seinen linken Flügel an, der völlig anfgcrieben wurde. Die Türken haben zwei Geschütze genommen. Die bulgarischen Berlnste sind beträchtlich. Das Dctachement setzt die Verfolgung des Feindes fort. Vom nordwertUcbcn Kmgsrcbauplatze. Erfolgreiche serbische Offensive? Belgrad, 22. Oktober. Die erste serbische Armee drang gestern bis vor K u m a n o lv o sauf der Straße nach PriStina) vor. Die Höhe von Rujan wurde nach heftigem Artilleriekanipfe durch einen Bajonettangriff erstürmt. Der König besichtigte gestern die Truppen bei Gilan und wurde begeistert begrüßt. Die dritte Arinee rückte gleichfalls erfolgreich vor. Die Vortruppen erreichten die Ebene von M a l o- kt o s o v o(an der wichtigen Eisenbahnlinie Nii'ch— Uesküb). Die Kolonne vom Jbar lvurde bisher durch den starken Nebel am schnellen Vormarsch gehindert. Die serbischen Vorposten sind bis vor Sjenitza vorgeschoben. Serbische Erfolge im Sandschak. Belgrad» 22. Oktober. Der offizielle Bericht meldet: Unsere dritte Armee und die Jbararmce hatten auf dem Terrain von Belja Glava bis Naska und in der Umgegend von N o v i- b a z a r gegen die Türken und Albanescn erbitterte Kämpfe zu bestehen. Die Stärke des Feindes wird auf 40 000 Albancsen und zehn Nizam-Abteilungcn mit vier Batterien geschätzt. Gestern früh begann die dritte Armee eine energische Offensive, warf den Gegner zurück und erreichte Malokosovo. Der Feind zieht sich eilig zurück. Bezüglich der Jbararmee, deren Borposten sich vor Sjenica befinden, sind vom Javorgebirge günstige Meldungen ein- getroffen. Alle türkischen Blockhäuser sind bereits eingenommen. Der Geist der Truppen ist vortrefflich, das Armeehauptquartier be- findet sich in Wranja, wohin sich auch der König begeben hat. Albanefische Bandeneinfälle in Serbien. Koustautinopel, 22. Oktober. Wie der„Alemdar" erfährt, haben die Albanesen Kurschumlje besetzt. Eine amtliche Be- stätigling fehlt noch. Eine Freilvilligeiitruppe von Albanesen hat die Grenze südlich Kruschcivatz überschritten. Sie zerstörte einige serbische Dörfer und vereinigte sich bei Kurschumlje mit der Abteilung Hassan Beys. Die Verluste. Belgrad, 22. Oktober. Heute vormittag sind 293 meist leicht Verwundete hier eingetroffen. Sie wurden von Abgeordneten und einem zahlreichen Publikum stürmisch be grüßt. Die serbischen Verluste in den letzten Kämpfen sind beträchtlich, die türkischen außerordentlich groß Die Flucht vor dem Kriege. Sofia, 22. Oktober. Mazedonische Flüchtlinge sind in den Grenzstädten Küstendil und Dubinitza eingetroffen und in das Innere des Landes geschafft worden. Einige türkische Gefangene sind heute nach Sofia eingebracht worden. Ncbertritt türkischer Soldaten auf österreichisches Gebiet Wien, 22. Oktober. Gestern trafen in Sarajewo ein tür« ki scher Offizier und 34 türkische Soldaten ein, die »ach den Kämpfen mit den Montenegriner» im Sandschak über die österreichisch-uiigarische Grenze geflüchtet waren, wo sie sich den Be- Hörden stellten und ihre Waffen ablieferten. Die Türken werden bis auf weiteres in Sarajewo von der Militärbehörde untergebracht. Vom montenegrinilcken fonegsscbaiiplatze. Nikita der Unbesiegbare. Cetinje, 22. Oktober. Amtliche Meldung. Die Nach richten über einen Sieg der türkischen Truppen bei P o d � g o r i tz a sind unbegründet. Die montenegrinische Armee hat bis jetzt nur Erfolge zu verzeichnen. Der Sieg der montenegrinischen Truppen war selbstverständlich mit b e deutenden Verlusten verbunden, deren Zahl der Oeffentlichkcit nntgeteilt wurde. Die Verlustziffern sind er klärlich durch die Zahl der türkischen Truppen, von denen über 6000 Mann(?) in Montenegro kriegs gefangen sind. Oer Seekrieg. Das Bombardement von Warna und Kawarna. K o n st a n t i n o p e l, 21. Oktober. Eine vom Komman danten der Flotte im Schwarzen Meere eingelangte Depesche meldet, daß während des Bombardements Warnas drei bulgarische Torpedoboote auslaufen wollten, jedoch unter dem kombinierten Feuer der türkischen Flotte b e- schädigt in den Hafen zurückkehren mußten. Das Bom- bardement dauert fort. Sofia, 22. Oktober. Ueber die gestrige Beschießung von Kawarna meldet die„Agence Bulgare" folgende Einzelheiten: Das Bombardement begann um 7 Uhr früh und dauerte drei Stunden. Der Landungsversuch der Türken wurde durch das Gewehrfeuer der kleinen Garnison, die ans 11 Mann bestand, vereitelt. Um 10�2 Uhr dampften die beiden Kreuzer ab. Der eine, der sich mit dem übrigen Ge- 'chwader vereinigte, erschien dann mit demselben gegen 11 Uhr vor Warna und eröffnete hier sofort das Feuer. Es ist nach- zutragen, daß eine Kinderheilanstalt, über der die Flagge des Roten KrcuzeS wehte, von den Türken b e- ' ch o s s e n wurde..Das Bombardement dauerte mit einigen Unterbrechungen bis 4 Uhr nachmittags. Es richtete in Warna keinen Schaden an.», Besetzung von Lemnos durch die Griechen. Athen, 21. Oktober.(Meldung der Agence Havas.) Das von dem Admiral Coundourio befehligte griechische Ge- ' ch w a d e r im Aegäischcn Meer kam gestern vor Kastro, der Hauptstadt von Lemnos, an und forderte die Behörden auf, sich zu ergeben. Das Geschwader warf heute in dem Hafen von Mudros Anker und setzte dort Truppen ans Land, die zur Besetzung der Stadt vorrücken. Der Kommandant der "lotte verkündete die effeksive Blockade über die Häfen der Insel von heute ab und forderte die neutralen Schiffe auf, binnen 24 Stunden die Häfen von Lemnos zu verlassen. Der„heilige" Krieg. London, 22. Oktober.(Privattelegramm des Vorwärts".) Die„Times" kritisiert heute die von den Königen von Serbien und Bulgarien veröffentlichten M a iu f e st c. die sie als nicht sehr klug aufgefaßt bezeichnet. Die serbische Proklamation bedeute praktisch die Einverleibung Mazedoniens im Falle des Sieges. Es heiße, die Serben wollten den unterdrückten Provinzen Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Ruhe und Fortschritt bringen; das seien bewundernswerte Ziele, aber nicht gerade die, für die die Balkanliga ursprünglich in den Krieg zu ziehen vorgab. An der Proklamation König F e r d i n a n d s tadelt das Blatt den direkten Appell an die religiösen Leidenschaften, der in peinlichem Kontrast stehe zur Zurückhaltung der Türkei in ihrem Hinweis aus die religiösen Differenzen. Nicht als Soldaten des Kreuzes hätten die Mitglieder der Balkanliga den Segen Europas erfleht. Wie der religiöse Haß ausgenutzt werden wird, erhellt aus einem Telegramm des Korrespondenten der„Times" aus Sofia, der mit der bulgarischen Regierung enge Beziehun- gen unterhält. Es heißt dort in bezug auf die Beschießung des Klosters Konstantin bei Varna: Was auch die russische Regierung sagen mag, das russische Volk wird zur Ent- rüstung getrieben werden, die die Zerstörung des geheiligten Gebäudes kaum mildern wird. Das Echo des Krieges im österreichischen Abgeordnetenhaus. Wien, 22. Oktober. Abgeordnetenhaus. Am Schlüsse der Sitzung richtete der kroatische Abgeordnete Biankini an den Präsidenten eine Ansiragc,, in der er auf die Fortdauer des Regimes C u v a i in Kroatien trotz der versprochenen Intervention des Mi- nisterpräsidenten hinwies. Gegen eine Militärdiktatur in Kroatien müsse als eine Schande und ein Rechtsbruch von vornherein protestiert werden. Biankini schloß: Indem wir den Balkanbrüdern von ganzem Herzen den Sieg wünschen, denken wir tief erbittert und' gedemüiigt, aber nicht hoffnungslos, an nnser Mazedonien!, unser türkisch verwaltetes Kroatien, und fragen die maßgebenden Staatsfaktorcn, wie lange die kroatische Schande noch fortdauern wird. Pcrner st orfer(Soz.) und Gen. interpellieren über die Beunruhigung der öffentlichen Meinung durch die Kriegsgefahr. ES wird darin angefragt, ob die Rc- gierung bereit sei, ihren verfassungsmäßigen Einsluß auf die ge- meinsame Regierung dahin auszuüben, daß Ocsterreich-Un- garn sich unter keinen Umständen in den Balkan- krieg einmenge, die Regelung der staatlichen Verhältnisse auf dem Balkan den Balkanvölkern überlasse, sich selbst aber in jedem Falle in Frieden verhalte und die öffentliche Meinung dar- über beruhige, daß der friedliche Charakter der österreichisch-ungg rischcn Politik in jedem Falle erhalten bleibe.— N ein c c(Soz.js fragt an, ob die Regierung durch ihre Erklärungen alle Gerüchts der Lüge zeihen wolle, als wollte sich Ocsterreich-Ungarn aus be- stimmten Ursachen, hauptsächlich wegen des Sandschak-, in die Balkan an gclcgcnheitcn einmischen. Die Türkei hofft aus England. Dem Vertreter des„Daily Chronicle" gegenüber beklagte sich K i a m i l Pascha bitter, daß König Ferdinand in seinem Manifest den Krieg des Kreuzes gegen den Halb- mond predige und die schlimmste aller Leidenschaften, den Religionshaß. zu entfachen suche. Nichts liegt der Türkei ferner, als einen Religionskrieg zu führen. Hoffentlich tuird das englische Volk sich nicht irreführen lassen. England hat zwar den Ausbruch des Krieg nicht ver- hindern können, aber wir werden vielleicht sehr bald die Intervention von Englands starkem Arm brauchen, damit wir nicht vollständig erdrückt werden. König Ferdinand ist bloß eine Puppe, um im Interesse gewisser Mächte (gemeint ist natürlich Rußland) auf die Türkei los- zuschlagen, doch glaube ich, daß England stark genug ist, zu verhindern, daß wir nicht auch von anderer Seite angegriffen werden. Als alter Mann, der bereits mit einem Fuß im Grabe steht, drücke ich überlegt die Furcht aus, daß der Balkan- krieg nur das Vorspiel zu einem riesenhaften, Europa hereinziehenden Ringen ist. Ich warne England als alten Freund des unversehrten Bestandes der Türkei, daß wir von einem neuen Feind bedroht sind. Wir können vom Krieg nicht profitieren, aber auch Bulgarien nicht, ivenn es den Mächten ernst mit ihrer Be- hauptung ist, daß sie den Statusquo erhalten wollen. Ob- wohl provoziert, sind wir bereit, auf Friedensrat zu hören, wenn unsere nationale Ehre und Würde ge- wahrt bleiben. Die deutsche Sanitäts-Hilfsaktion im Balkankrieg. Das Zentralkomitee der Deutschen Vereine vom Roten r e u z entsendet je eine Expedition nach der Türkei, nach Griechen« land und nach Bulgarien. Außerdem wird der Deutsche Wohffahrts« verein(Deutsches Krankenhaus) in Konstantinopel, soweit seine Ein- richtungen und die von dem Kaiser zur Verfügung gestellten Räume der Deutschen Botschaft ausreichen, Verwundeten und Kranken Auf- nähme, Pflege und ärztliche Behandlung geloähren. Die für die 'thruilg der Hilfsaktion erforderlichen erheblichen Mittel er- i dprch ansehnliche Zuwendungen bereits gesichert; eine öffent- üung ist nicht beabsichtigt. . u? z in Verkehrsstörungen. L»»d»», üz.'jöfitober. Infolge de- Krieges habe» die En na rd». die ElleeW»m-, die Papaya nni- und die Moß-Linie die Fahrt von' Liverpool nach Korfu, Patras, Syrien, Smyrna, Konstantinopel pnd dem Schwarzen Meer e i n g e st e l lt. Russische Truppenkonzentration. London, 22. Oltober. Rußland konzentriert an der r u s s i s ch- türkischen Grenze in Klein-Asien, besonders in der Nähe von KarS-Solkadrio große Truppenmas seu. Es treffen täglich zwei Militärzüge dort an der Grenze ein. Absturz eines türkischen Militärzuges. Smyrna, 22. Oktober.(P. C.) Von einem schweren Un- glück ist gestern die türkische Armee betroffen worden. Em Eisenbahnzug mit 800 türkischen Reserven aus Kleinasien, die sich auf dem Wege zum'Kriegsschauplatz befanden, ist gestern abend in der Nähe von ,Ep h c s n s mit einem Güterzug zusainmengest wß«st. 250 SoldatiM wurden getötet oder verwundet. q- 7"- lim IKiegstaumel. M'- übW Aus Konstantinopel schreibt uns Geneisi' Di!trv uS: Nachdem der erste Strom der Mobilisation.'�e'?' äuD schmäch- tigen, ausgemergelten, verhungerten. Leuten best{sti$. börbci ist. kommt jetzt aus dem Innern des türkischen Asiens ein ganz anderer Menschenschlag: große, knochige, sehnige Gestalten. Tos geht so Tag ür Tag und will gar nicht aufhören. Ein Riesengezchlecht nach dem anderen! Man bekommt den Eindruck: je weiter von dein Handels- verkehr des Kapitalismus, desto kräftiger sind die Mensche». Mit den? Kraftbelviußtsein tragen diese Hünen auch eine gewaltige Ruhe in sich. Auffallenderweise hat mit diesem Wechsel im Charakter der einziehendem Rebifs(Reserven) auch der Straßcnrumnwl aufgehört, den die Rebifs im Vorgefühl der ihrer harrend«:» Heldentaten auszuführen beliebt hatten, Das merkwürdigste Schauspiel war, wenn vor einem Hausen Rediss, die sich patriotisch rot und heiser schrien, der Mann mit der Daul, der getvaltige» Keffcltrommel, voranging. Da?' ggb ein dumpfes, monotones Getöse— duinb, dumb, du ml»— iwmsr das- elbe, mit einer wahnwitzigen Zähigkeit, die die kriegerischen ,)ric die religiöse» Schauer des Mittelalters nachempfinde» ließ.' Einzelne Trupps hatten Vortänzer. Da ging einer im Zickzack' tanzend dem Trupp voran und schwang eine» Stock— in ErmayHclpM des Schwertes, das einsd i» solchen Fällen gebraucht wurde.', In diesem Lärme» und Poltern zeigte sich aber bereils die nervöse Unruhe der Stadt und der von ihr beeinflußten Ewmente. Anders die Riesenlcute aus dem Gcbirgsland Änato)iei!� Sie marschieren mit einer eiserne» Ruhe, man hört kaum ein.«), Laut, die Gesichtszüge sind unbeweglich, wie aus Erz ge gösse», ihre Pljcke üil» finster und fremd— fremd und feindlich schon dieser ganzen großstädtische» Umgebung gegenüber. Man hat diese L'eule in weiter Ferne von hier i» ihrer gewaltigen Ruhe aufgestört" tnd entschlossen, zu länipfou, um dem Zustand der Unruhe.ein zu machen. DSU Gewiß, soweit es aus Kraft, Ausdauer und Entschlossenhl'' kommt, haben diese Türke» Asiens ein großes Uebergewicht. iin modernen� Krieg sind andere Faktoren entscheidend: Wissenschast und Waffe». In den ersten Tage» der Mobilisation wurde viel Artillerie, Munition und Pferdrmaterial versandt. Jetzt dominiere» die Menschenmassen. Bon alle» Seiten ströme» sie herbei, mit der Eisenbahn, zu Schiff, zu Fuß, um in die Militärzüge, die nach dem Kriegsschauplatz abgehe», verpackt zu werde», Daneben sieht.ff"" aus knatternden Frachtsuhrwerken, die von schwarzen Büffeln zogen werde», in Säcke» verpackt, große Ladungen Militärzi Mensche» und Brot, Mensche» und Brot! Immer nach ders> Richtung Rumclien ist mit Militärmasse» vollgepackt, wie ei» Sack. Da? geht ganz vorzüglich. Immer mehr und mehr! Wie wird eS fein, wen», diese Masse» einst werden zurückkehren müsse»?, in welcher Verfassung werden sie zurückkehren? Immer aber über Konstantinopel. Hier ist der Dur Punkt, hier muß der Bosporus überquert werden. Es wird geladen und aufgeladen, dazwischen durchziehen die Masse! I Stadt. Ueber Konstantigopel wird der Sack ausgeschüttet wer! Taö ftnS fcitfc Perspeltiven für die SfoM, Kefcn w'chtmrisclmanische Bcvöskcruny jetzt schmi iir Angst und Sorge vor Pogroans lebt. Siegt die Türkei, danir lvcrdcn die siegreichen Oslnancn> mit erwachten Hcrrschcrgelüsten und bluttrunken von den. Schlachten zurückkehren. Unterliegt die Türkei, so wird die Stadt von vcr- zweifelten und tvÄtendew Horden überflutet werden. Siegt die Türkei, so wird bei der Demobilisierung eine gewisse Ordnung ausrechterhaltenl werden können, obtvohl unter allen Um- ständen der Rücktransport in die Provinz sich schwieriger gestalten wird, als die Konzentration nach dem Kriegsschauplatz. Unterliegt die Türkei, so versinkt alles in einem Chaos und die Gegensätze zwischen Muselmanen und Christen, spitzen sich auf das Höchste zu. Von Kricgsbegeisterung ist unter der nichtmuselmanischenl Be- völkerung von Konstantinvpel nichts zu merken. Seit der Konstitution sind bekanntlich auch die Nichtmuselmanen militärpflichtig. Da jedoch das türkische Militärgesetz den Loskauf vom Militärdienst zu- läßt, haben die meisten gestellungspflichtigen Christen und Juden davon Gebrauch gemacht. Der Loskauf ist aber nur ein bedingter — er befreit nicht vom Militärdienst im Falle einer Mobilisation. Doch kann man sich zum zweiten Male loskaufen. Das kostet 4V türkische Pfund, etwa 750 Mark. Die Regierung hat nun die Jahrgänge bis zum 28. Lebensjahr einberufen, auch Christen und Juden, lim loszukommen, zahlen die Nichtmuselmanen, und wenn sie sich auch dadurch eine schwere Schuldenlast, auferlegen. Oder sie fliehen aus dem Lande. Oder sie verstecken, sich. So habe ich neu- lich einen jungen Mann, von dem es hieß, er sei über der Grenze, recht munter im Hause seiner Verwandten gefunden. Er geht nicht aus der Wohnung, wagt sich nicht einmal an das Fenster heran und hofft, in dieser freiwilligen Gcspngenschaft die schwerste Zeit über- dauern zu können. Zwar gilt er als Deserteur, dock) ist erst der Krieg vorbei, dürste sich schon ein Arrangement treffen, lassen. Da- für sind wir in der Türkei. politifcke deberllcdt. Berlin, den 22. Oktober 1912. Reaktion auf der ganzen Linie! DaS preußische Abgeordnetenhaus hat gleich bei seinem Wicderzusammentritt am Dienstag aufs neue Proben seiner reaktionären Gesinnung an den Tag gelegt. Zur De- batte standen zunächst Petitionen verschiedener Frauenvereine, von denen die eine das allgemeine, gleiche, direkte und gc- Heime stommunalwahlrccht für die Frauen verlangt, tvährend sich andere mit bescheidenen Wünschen auf Reformen der Städte- bezw. Landgemeindeordnungen begnügen. Aehnliche Petitionen haben in den letzten Jahren wiederholt den Landtag beschäftigt, ohne aber daß die Frage des Frauenstimmrechts dadurch auch nur einen Schritt iveitergekommen wäre. Die preußische..Volksvertretung" bringt solchen Fragen kein Ver- ständnis entgegen. Auch in diesem Jahre hatte die Kom- Mission sich auf den Antrag beschränkt, die Petitionen der Regierung als Material zu überweisen, d. h. sie in den Papier- korb zu versenken. Im Gegensatz dazu beantragten die Sozialdemokraten, alle Petitionen, und die Fortschrittler, alle Petitionen niit Ausnahme derer, die das allgemeine Wahlrecht verlangen, der Regierung zur Berücksichtigung zu überweisen. Die Forderungen der Frauen fanden einen Für- sprecher in dem Genossen i r s ch und zum Teil auch in den fortschrittlichen Rednern Dr. ch e P p und L i p p m a n n, während Herr T r i ni b o r n vom Zentrum im Verein mit deni Konservativen Strosscr und dem Frcikonservativen Graf M o l t k c sich mit den sattsani bekannten Ar- gumcnten scharf gegen die Betätigung der Frauen am politischen Leben wandten. Da nun dank dem Drciklassen- Wahlsystem die konservativ-klerikale Gesellschaft, obwohl sie nur die Minderheit des Volkes hinter sich hat, über die große Mehrheit im Junkerparlamcnt verfügt, so war das Schicksal der Petitionen von vornherein besiegelt, es wurde ihnen ein stilles Begräbnis bereitet. So bedauerlich dieser Beschluß ist, so wird er hoffentlich wenigstens das eine gute zeitigen, daß den Frauen die Augen über die Rückständigkeit dieses Parla- rneiits geöffnet werden, damit sie nach Kräften zu einer anderen Zusammensetzung beitragen. Noch weniger Gnade vor den Augen der dreimal Ge- siebten als die Petitionen der Frauen fand eine Petition um Beseitigung des Hausbesitzerprivilegs, jener ver- alteten, unsinnigen und gemeinschädlichen Bestimmung, die die Regierung früher einmal selbst beseitigen wollte, während sie heilte um so zäher daran festhält, je siegreicher der Vormarsch der Sozialdemokratie in den Kommunen ist. Man erblickt darin eines der Mittel, um die Sozialdemokratie von den Gemeindevertretungen fernzuhalten; wenigstens glaubt man darin ein solches Mittel gefunden zu haben. Richtete doch der Junker Frhr. v. M a l tz a h n offen die Aufforderung an die Regierung, die Städteordnungen noch zu verschlechtern, um den Sozialdemokraten den Einzug in die Verwaltungen zu erschweren! Wie töricht ein solches Beginnen ist, wie sehr die Kommunen im Interesse der All- gemeinheit auf die Mitarbeit gerade der Sozialdemokraten angewiesen sind, führte Genosse Hirsch der Mehrheit vor Augen. Natürlich ohne Erfolg, da die Mehrheit dieses Parla- mcnts unbelehrbar ist. So beschloß sie denn, unter Ablehnung eines sozialdemokratischen Antrages auf Uebenvcisung zur Berücksichtigung und eines nationalliberalen Antrags auf Ueberweisung als Material, über die Petition kurzer Hand zur Tagesordnung überzugehen, um nur ja nicht den An- schein zu erwecken, als ob sie Reformgedanken zugänglich ist. Am Mittlvoch stehen kleinere Vorlagen und Petitionen auf der Tagesordnung. Der Donnerstag soll sitznnasfrei bleiben und für Freitag ist zunächst die Wahl des Präsi- deuten und dann die Besprechung der Teuerungsinterpcllationen geplant._ Eine Anfrage der freikonservativcn„Post". In der freikonservaliven»Post' befindet sich fam Montagabend) in einem Leitartikel mit der Ueberschrift:„Unwahre Be- h a u p t u n g e n" folgende Slelle: „Wann und wo, einzeln oder gesamt, hat jemals die frei- kziiservaiive oder Reichspartei den Weg zur Sozialdemokratie ge» fmiden? So lange diese Frage nicht beantwortet wird, inünen wir die Behauptung, alle Parteien hätten getan, was der Jung- liberalismuS in Baden und Bayern durch den Großblock ver- krochen hat, als unwahr bezeichnen!" Da möchten wir der„Post" doch raten, etwaS vorsichtiger zu sein. Wir erinnern nur an solgenden Vorgang: Am 2l. Augiyl 1886 fand im 10. schleswig-holsteinischen Wahlkreise eine Nachwahl zum Reichstage statt, die folgendes Resultat ergab: Berling(freis.) 3520, Graf Bernstorff(Rv.) 2909, Molkeiibuhr(Soz.) 656 Stimmen. ES hatte also eine Stichwahl zwischen Bernstorff und Berling stattzufinden. Am 29. August erhielt Molkenbuhr einen Brief folgen- den Inhalts: „Ratzeburg, den 28. August. Herrn Molkenbuhr in Kelliiighusen. Ich erlaube mir ohne Umschweise die ergebene Anfrage, welche Vergütung Sie verlangen, wenn eS Ihnen gelingt, die in Mölln, Lanenburg und Lehmrade abgegebenen Stimmen auf den konservativen Kandidaten zu vereinigen. Ganz ergebenst H. Boye, Schuhmachermeister." Genosse Molkenbuhr gab eine Antwort, und zwar öffentlich, in der er ohne Umschweife zur Wahl des Freisinnigen Berling auf- forderte. Die Herren vom Wahlkomitee des Grafen Bernstorff behaupteten darauf, daß der Name des Schuhmachermeisterö Boye gefälscht war. Es stellte sich auch tatsächlich später heraus, daß eine Fälschung der Unterschris: borlag- denn nicht der Bote des Konservativen Vereins, der Schuhmacher Boye, sondern das Vor st ands Mitglied, der Anitsgerichtsrat Franke, war der Schreiber des Briefes. Das wurde in einem Disziplinarverfahren gegen Franke festgestellt, der für diesen unbefugten Gebrauch fremder Namen zur Strafe von dem schönen Städtchen Ratzeburg nach einem abgelegenen Städtchen versetzt wurde. Sollte das der„Post" noch nicht genügen, dann sind wir auch erbötig, einige Erinnerungen aus einer Unterhaltung aiifzusrischen, die Graf Bernstorff und sein Wahl- koniitee am Sonnabend vor der Stichwahl im Jahre 1886 im Warte- saale erster und zlveiter Klasse im Bahnhof von Buchen mit mehreren Sozialdemokraten hatten. Bemerkenswert ist übrigens noch, daß bei dem Streit um den Verfasser des Briefes das„Verl. Tageblatt" ein Faksimile des Briefes brachte. Zum sozialdemokratisch-freisinnigen Ttichwahlabkommen. Genosse Scheidemann schreibt uns unter dein 22. d. M.: „Von einer längeren Reise zurückgekehrt, las ich heute früh in der Abendausgabe des„Berliner Tageblatts" vom 21. Oktober, daß ich auf dem Niederrheimscheir Parteitage in Hagen den„schwarzblauen Brüdern" eine große Freude bereitet haben soll durch die Bemerkung, die Freisinnigen hätten sich durch das Stichwahl- abkoinnien mit uns bei den übrigen bürgerlichen Parteien kompro- inittiert. Ich inuß die Freude der Schwarzblauen eimgeruiatzcn dämpfen. Ich habe nämlich, wie auch aus dem demnächst er- scheinenden ausführlichen Protokoll zu ersehen sein wird, in Wirk- lichkeit gesagt: „Die Jenaer Resolution verpflichtete uns, für die Freisinnigen zn stimmen. Gerade der Jenaer Beschluß war deshalb für uns eine unbequeme Bindung. Man sollte übrigens auch die großen politischen Gesichtspunkte in Betracht ziehen. Es ist ein nicht zu uitterschätzendes politisches Moaueni. daß es durch das Stichwahl- abkommen gelungen ist, eine geschlossene Phalanx aller birrger- lichen Parteien gegen uns,, wie sie 1907 zustande gekommen war, zur Unmöglichkeit zu machen. Darauf habe ich schon, in Chemnitz nachdrücklich hingewiesen. Und auch für die Zuikunft dürfte ein solches geschlossenes Vorgehen aller Parteien gegen, uns kanin noch möglich sein. Beachten Sie doch, wie die scbwarzblane Presse auf die Freisinnigen maßlos schimpft, wie die Freisinnigen hin- gestellt werden als Menschen, die sich von den Sozialdemotvaten� diesen„vatcrlandsloscn Gesellen", kauni noch nniterscheideir. I n den?l ii g e n der Schwarzen und Blancir haben die Fortschrittlcr durch das Abkommen mit uns sich eben für alle Zeiten heillos koinproinitttcrt. Wir haben mit dem Stichwahl- abkommen Bresche gelegt und für uns die Bahn weiter gc- ebnet...." „D i e" Berichte über nieine Ausfiihrnngen in Hagen stimmen deshalb„wörtlich" übercin, Iveil überhaupt nur c i n Bericht, und zwar ein sehr knapper, für die Presse gemacht worden ist." Das Zentralkomitee der Nationallibcralen Partei Westfalens hat nach einem Telegramm der„Kölnischen Zeitung" auS Dortmund in einer sehr stark besuchlen Sitzung die kommenden Landtagswahlen besprochen. Wie die„Westfälischen Politischen Nachrichten" mit- teilen, wurde einstimmig beschlossen, überall da, wo dem ältere Vereinbarungen nicht entgegenstehen, eigene Kandidaten aufzustellen, und bei den Urwahlen völlig selb- ständig und unabhängig von anderen Parteien vorzugehen. Der jimgliberale Verein Essen wurde in die Provinz-Organiiation aufgenommen. Obgleich dieser Verein die vorgeschlagene Mitgliederzahl von 500 nicht erreicht hat— zur- zeit gehören ihm nicht mehr als 100 an—, wurde ihm doch einstimmig Sitz und Stimme im Zentralkomitee der Provinz zu- gebilligt._ Die Erziehung zum Hurrapatriotismus. Während die Behörden in Preußen die Jugendbildungs- und Jugendpflegebestrebungen der organisierten Arbeiterschaft auf alle Art zu unterdrücken suchen, sieht man auf der anderen Seite, wie die sogenannte nationale Jugend gehegt und gehätschelt wird, besonders von den Militärbehörden. Damit wird die nationale Jugendbewegung offensichtlich auf das politische Gebiet hinüber- getrieben, was der Arbeiterjugend bekanntlich als größtes Vergehen angerechnet wird. Der preußische Kultusminister hat in diesen Tagen den Re- gierungspräsidenten einen Auszug aus den vorläufigen Bestim- mungen über die militärische Unterstützung der nationalen Jugendpflegebestrebungen zugehen lassen. Danach sind für die Ent- schcidung über alle die militärische Förderung der Jugendpflege bezweckenden Anträge die Garnisonkommandos, auf den Truppen- Übungsplätzen aber die bekannten Kommandanturen zuständig. Jugendwanderabtcilungcn und ihren Führern kann in Kasernen, Exerzierhäusern oder sonst geeigneten militärfiskalischen Räum- lichkcitcn Unterkunft und bei Benutzung der Militäreisenbahn eine Fahrpreisermäßigung gewährt werden. Auch die Militärschwimni- anstalten dürfen dieser Jugend kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Die bisher schon gewährten sonstigen Vergünstigungen. z. B. die Ucberlassung von Exerzierplätzen und Turnhallen, die Be- teiligung an Uebungen und Paraden usw. behalten auch weiterhin ihre Gültigkeit. In den Garnisonlazaretten und Kaseriienkranken- stuben darf ferner von den Militärärzten bei Verletzungen und Erkrankungen die erste ärztliche Hilfe geleistet werden. Der Militärverein als konservative Schutztruppe. In Belgershain, einem Dorfe des elften sächsischen Reichstagswahlkrcises. besitzt der Fürst von Schönburg-Waldeiiburg ein Rittergut mit zwei Vorwerken, außerdem hat er noch 16 Güter in Sachsen. Sein sächsischer Besitz umfaßt 9663 Hektar Land und Wald. In dem Dorfe hat seit einem Jahr die Sozialdcniokratie festen Fuß gefaßt und zählt die Ortsgruppe 37 Mitglieder. Am 19. Oktober veranstaltete der Kreisvorstand im Gasthof zur� Eiche eine Versammlung, in der Genosse L i P i n s k i über die Sozial- dcmokratie, was sie ist und was sie will, sprach. Der Militär- verein hatte nun per Brieflein seine Mannen eingeladen, sich am selben Abend im Gutshof zu versammeln und unter Führung des Gcmcindevorstaiides zogen sie von hier nach dein Gasthof zur Eiche zur sozialdeinokratischcn Versammlung. Zur Sicherheit hatten sie lich einen Herrn Nötzold, Redner der konservativen Partei, fnitge- bracht, der denn auch von der Redefreiheit IVi Stunde Gebrauch machte und abgestandenes Zeug vom Reichsverband vorbrachte. Bis nachts Z�l Uhr dauerte der Disput, dann mußten beide Redner zur Bahn, um das letzte Zügle zu erreichen. Ten Bauern schien aber die Sache gefallen zu haben, denn sie machten den Borschlag, in einer weiteren Versninmlung so eine Art Disputation zu veranstalten. Dieser Vorgang wird beachtet wcrdeik müsseck, tckeckck f®Tc5Ä einmal von den unpolitischen Kricgervereincn die Rede ist. Drakonische Militärjustiz. Das Kriegsgericht der 19. Division verurteilte am 21. d. MtS. einen Musketier vom Jnsanterieregiment Nr. 78 sGarnison Osnabrück), der sicki unter der nicht ganz neuen Vorspiegelung, seine Großmutter sei gestorben, einen viertägigen Urlaub erschwindelte und diesen Urlaub vornehnilich zur Feier seiner Verlobung benutzte, wegen vorsätzlicher unrichliger Erstattung einer diensttichen Meldung unter Berücksichtigung seiner Vorstrafen und frivolen Handlungs- weise sowie Verneinung der Annahme eines minder schweren Falles zu der„ M i n d e st st r a f e" v o n sechs Monaten Gefängnis und Versetzung in die zweite Klasse des Soldaten« st a ii d e s. Die von dem Verurteilten hiergegen erhobene Berufung wurde vom Obcrkriegsgerickt glatt verworfen. Man versteht dieses Schreckensurteil, das mit den üblichen milden Sühnen für Mißhandlungen in keinem Einklang steht, um so weniger, als der herangezogene 8 139 des Militärstrafgesetzbuches auch bei Annahme eines minderschlvereii Falles dem Militärgericht gestattet hätte, den Schwindel genügend scharf zu bestrasen. Ocftemicb-Cliigarn. Eine sozialdemokratische Kriegsinterpellatio«. Wien, 22. Oktober. Der Klub deutscher sozialdemo» kratischer Abgeordneten beschloß, an die Regierung eine Jnter» pellation über die durch die Kriegsgefahr geschaffene Be» unruhigung zu richten. Ferner wurde beschlossen, die Re» gierung über die von der Regierung für den Fall eines Lohn- kampfes der Eisenbahner vorbereitete Militarisierung deS Eisenbahnpersonals zu interpellieren. ßcbwefc. Äriegswirkungen. Bern, 20. Oktober.(Gig. Ber.) Die Schweiz ist eint neutrales Land und spielt im Konzert der europäischen Mächte keine Rolle. Nichtsdestoweniger greift der Balkankrieg tieß in die Lebensbedingungen des Landes ein und die Ar» beiterklasse spürt seine Wirkungen in erster Linie. Zu kleiir und geographisch zu ungünstig gelegen, als daß sie mit ihrer Eigenproduktion die Lebensmittelversorgung selber be- wältigen könnte, muß die Schweiz die wichtigsten Gegen- stände für den täglichen Bedarf aus anderen Ländern impor- tiercu, wie umgekehrt ihre Industrie auf die Produktion füp den Auslandsmarkt angewiesen ist. Mit den Balkanstaaterl unterhält sie einen regen Handelsverkehr, der in den letzten Jahren eine rasche Steigerung erfuhr. Rumänien liefert vor- nehmlich Getreide, Bulgarien, Montenegro, Serbien und die Türkei exportieren bedeutende Quantitäten Eier, die in der Teigwarenfabrikatioli Verwendung finden. Griechenland schickt hauptsächlich Südfrüchte. Alle Balkanstaaten bilden für die Textil- nild Uhrenfabrikate wichtige Abnehmer, so daß sich die durch den Krieg hervorgerufene Unterbindung des wirtschaftlichen Lebens blitzartig der Schweiz mitteilen mußte. Die erste Folge des Krieges war ein sofortiges Anziehen der Getreidepreise. Innerhalb acht Tagen ist der Preis um einen Frank per 100 Kilo gestiegen. Dauert der Krieg längere Zeit, werden die D a r d a n e l l e n, die für die Zufuhr von Getreide nach der Schweiz in Be- tracht kommen, geschlossen, so wird eine Kalamität über daS Land hereinbrechen. In ihrem Bestreben, mit dem Mili- torisinns Geschäfte zu machen, haben die herrschend� Klassen den Militäretat gewaltig gesteigert, aber sie unter- ließen es, die nötigen Maßnahmen zu einer ausreichende» Getreideversorgung zu treffen. Gegenwärtig übersteigen die Getreidevorräte in den Schweizer Lagerhäusern nicht 1000 Wagenladungen, so daß kaum für zehn Tage genügend Brot- frucht vorhanden ist. Die Folge wird eine Steigerung der Brotpreise sein, die um so empfindlicher wirkst, als der Verband der Teigware nfabriken mit dem Hinweis auf die gestörten Handelsbeziehungen zwischen der Schweiz und den Balkanstaaten einen Preisaufschlag durchführte. Dazu kommt, daß in der Uh r e n in d u st r i e wie in den T e x t i l f a b r i k e n größere Aufträge aus den Balkanländern rückgängig gemacht wurden, so daß die Ver- schärfung der Teuerung mit einer Zunahme der Ar» beitslosigkeit begleitet sein wird. So ist die Situation für die Arbeiterklasse eine außerordentlich drückende. Bereits fordert die Parteipresse zur Veranstaltung von Massen- de in an st ratio neu gegen den Krieg auf. und es besteht kein Zweifel, daß sich das schweizerische Proletariat nicht nur aus Gründen internationaler Solidarität, sondern aus ihrem unmittelbaren Lcbewsinteresse heraus dem Protest der Internationale in machtvollen Per- saminlungeil anschließen wird. Mexiko. Der Kampf um Veracruz. New Dork, 22. Oktober. Ein Telegramm auS Veracruz meldet, daß der Befehlshaber der Bundeötruppen versprochen habe. die Stadt nicht vor 24 Stunden anzugreifen, um den Fremden Ge- legenheit zu geben, sich in Sicherheit zu bringen. Der Kapitän deS amerikanischen Kreuzers teilte dem Führer der Aiisständischen Diaz mit, daß, falls er sein Versprechen bei seinem Vorgehen, die Völker- rechtlichen Grundsätze zu beobachten, brechen würde, er diesen Bruch als eine feindselige Handlung den Vereinigten Staaten gegenüber ansehen müsse.— Eine der Werften im Hafen soll zum Schutze der fremden Angestellten in den Handelshäusern neutrale Zone sein und dem Kapitän des amerikanischen Dampfers Seguranca unterstellt werden. Der deutsche Dampfer„Steigerwald" soll die Fremden an Bord nehmen. Llritia. Die russischen Intrigen in der Mongolei. London, 22. Oktober.(Privattelegramm des„Vor- wärts".) Stach einer Meldung des Korrespondent deS „Daily Telegraph" aus Peking hat Rußlands Auer- kennung der Unabhängigkeit der Nord» Mongolei in China große Entrüstung hervorgeruseiy. Das offziose Pekinger Blatt bezeichnet die Nachricht als erste Frucht des Besuchs Ssasonows in England. Der Korrespon- dent beschreibt den mongolischen Großfürsten als u n- fähigen W ü st l i n g, der von noch unfähigeren, des Lebens und Schreibens unkundigen Duodezfürsten umgeben ist. Er weist dann auf das unaufhaltsame Vor» dringen des russischen Einflusses bis an die Gren» zen Tibets und Nordwest-Jndiens hin und benierkt, daß irgendeine Beeinträchtigung der chinesischen Grenze Fragen von ungeheurer Bedeutung aufrollen werde, die nur durch Gewalt gelöst werden können. Es ist bemerkenswert, mit welch fatalistis�->r Ergebung die englischen Imperialisten die Meldungen des aufgeregten Korrespondenten über die russische Expansion in Asien auf» nehmen. Hua der Partei. Gegen Teuerung, Kriegsgefahr unh Junkertum. In W e st p r e u ß e n hielt das arbeitende Volt am Sonntag 21 Protestversammlungen ab, die zwar zuni Teil verregneten, trotzdem aber gut besucht waren. Polizeiliche Störungen sind nirgends bekannt geworden. Eine von über 2000 Personen besuchte Volksversammlung in Lübeck erhob am Montag entschiedenen Protest gegen die Un- tätigkeit der Regierung aus Anlag der Teuerung. Ferner pro- testierte sie gegen den Balkankrieg und forderte in einer Re- solution von der deutschen Reichsregierung Jnnehaltung striktester Neutralität. Im Reichstagsivahlkreise Randow-Greifenhagen fanden gutbesuchte Protcstversamnilungen in Löhnitz und Boock statt, in denen der Abgeordnete des Kreises, Genosse Körsten, sprach. Ii« Mörs am Niederrhein nahmen S00 Personen an der Dcmonstrationsversammlung teil. Die Resolution wurde ein- stimmig angenommen. Soziales. Aus einem ländlichen Paradiese. Ein düsteres Elendsbild wurde dieser Tage vor dem Schöffen- gericht in Könnern lSaalkreis) entrollt. Angeklagt war ein junger Knecht Lewinsky wegen Vertragsbruchs. Er soll den Dienst bei dem Gutsbesitzer R. Sturm in Hihenedlau ohne Grund vorzeitig verlassen haben. Die vom Angeklagten für sein Recht, den Dienst aufzuheben, geltend gemachten Gründe wurden durch zwei Zeugen in vollem Umfange bestätigt. Danach gab es bei Sturm häufig gänzlich ungenießbares Essen. Einmal habe ein halb verrecktes Huhn auf dem Misthaufen herumgelegen. Die Frau Sturm habe die Leiden des Tieres durch den Todesstoh verkürzt. Darauf hätten die Katzen das tote Vieh auf dem Hof herumgezerrt. Trotz- dem habe es mittags von diesem Huhn Hühnersuppe mit Reis gegeben. Nach Genuß dieser Suppe wäre dem Zeugen entsetzlich übel geworden. Frühstück für die Knechte sei vom Gutsbesitzer oft als Luxus betrachtet worden. Trotzdem habe man den Zeugen mittags dann noch zugemutet, Kartoffelsuppe von halbverfaultcn Kartoffeln zu essen. Auf ihre Beischwerde habe ihnen die Frau Sturm geantwortet:„Ach was, Ihr seid ja nichts anderes als ÄartoffclbamS gewöhnt." Schlafen muhten die Knechte in dem Pferdestall, der kaum Platz für 8 Pferde bietet. Der strenge Dunst habe das Atem kaum gestattet. Ein Lohn wäre wohl ausgemacht, aber außer einigen Vorschußbeträgen haben die Zeugen sowohl wie der Angeklagte nichts erhalten. Diese Bekundung veranlaßt« den Gerichtsvorsitzenden zu der Aeußerung: Ja, warum lassen Sie sich daS gefallen! Sturm wußte es vielfach so einzurichten, daß er die Leute kurz bor Quartalsschluß hinausekelte, oder daß er am Zahltag nicht da war. Einmal seien die Zeugen zum Mittag hinbestellt worden; sie stellten sich pünktlich ein und sahen Sturm auch ins Haus gehen. Als sie aber hineinkamen, um Lohn und Papiere zu holen, war der Herr wieder nicht da. Darauf sei der junge Herr Sturm herausgekommen, habe sie fortgejagt und verfluchte Sozialdemokraten genannt. Die Frechheit, Lohn zu ver- langen, übersteigt ja auch alle Grenzen. Der Angeklagte Lewinsky ist vom Gutsherrn niemals bei seinem Namen gerufen, sondern immer dummer Polack genannt worden. Der Zeuge Sturm suchte die ganze Sache als recht harmlos hinzustellen. Von dem schlechten und ungenügenden Essen habe er nichts gewußt. Der eine Zeuge habe sogar mehrere Male bei ihm gearbeitet. Die Leute seien nur„verhetzt". Der von Sturm benannte Zeuge bekundete darauf folgendes: wenn er hinausgeekelt worden war, erhielt er niemals seine Papiere. Ohne solche habe ihn aber niemand eingestellt, und nach Verlauf einer Woche, wenn der Hunger zu groß war, habe er doch wieder zu Sturm zurück gemußt. Daraus habe dieser wieder einen Grund entnommen, ihm den Lohn auch für die übrige Zeit zurückzubehalten. Der Angeklagte wurde auf Grund dieser Aussagen frei- gesprochen. Dem Gutsbesitzer Sturm wurde vom Gericht noch der Rat mit auf den Weg gegeben, künftighin mit seinen Anzeigen etwas vorsichtiger zu sein. Schade, daß ihm nicht die Kosten wegen fahrlässiger Denunziation auferlegt wurden. Solch empörendes Elendsbild mitten im Herzen Deutschlands! In dieser Weise wird mühsam Arbeitenden der schmale Lohn ge- kürzt, ihnen eine Beköstigung und Behandlung zuteil, die zum Himmel schreit. Fort mit den Ausnahmegesetzen gegen das Gesinde und die ländlichen Arbeiter, ist eine Forderung, die jeder billig Denkende erheben müßte. Aber freilich die Leute vom Schlage des Gutsbesitzers Sturm, die Herrn Agrarier, Konservativen und Mit- glicder des Bundes der Landwirte verlangen Verewigung der Aus- nahmegefetze und Vermehrung schmachvoller Fesseln gegen die Land- arbeiter und das Gesinde, ja darüber hinaus gegen gewerbliche Arbeiter. Um bessere Zustände in Deutschland zu schaffen, ist es dringend erforderlich, diese Agrarier im konservativen und Zentrumslager zu bekämpfen. Sie rauben dem Arbeiter das schmale Recht, das er hat, sie würdigen den ihnen als Mensch voll gleichberechtigten Arbeiter, unter die Stellung eines Sklaven herab. Sic, deren Mund von Vaterlandsliebe heuchlerisch über- fließt, rauben den Arbeitenden ihr Vaterland. Der Wille, diese Kultur- und Vaterlandsfeinde zu bekämpfen und zu besseren Zu- ständen im Vaterland zu gelangen, kann nur dadurch verwirklicht tvcrden, daß die Arbeiter, insbesondere auf dem Lande, in noch weit größerem Maße als bislang sich politisch und gewerkschaftlich organisieren. Landarbeiter, die den empörenden Uebermut bc- seiligen wollen, mit dem solche Leute von Besitz die Arbeiter hudeln, mißhandeln und verhöhnen, müssen der politischen Organisation der Sozialdemokratie und dem Landarbeiterverband beitreten. Eure Peiniger, Landarbeiter, werden durch Euch erhalten. Ihr habt es in der Hand, durch Zusammenschluß mit Euren Leidens- genossen, mit allen Arbeitern, die Zwingburg zu zertrümmern, die agrarischer Hochmut und freche Raffgier gegen Euch errichtet hat. Tretet den Organisationen bei! NiizulSssige Aufrechnungen. In unzähligen Fällen müssen Arbeiter und Angestellte erst zum Gericht laufen, um durch einen Urteilsspruch in den Besitz des ihnen zustehenden Lohnes zu gelangen. Vor dem Ge Werbegericht klagten deshalb wieder mehrere Personen. 1. Der Friseur P. verlangte von seinem früheren Arbeitgeber F e tz n e r Zahlung von 12 M. Restlohn. Der Beklagte hatte dem Kläger ein Reisegeschenk im Betrage von 12 M. gemacht, und da dleser nicht die ganze Saison über bei ihm in Stellung geblieben sei. glaubte er berechtigt zu sein, die 12 M. vom Lohne abzuziehen. 2. Fräulein M. forderte vom Restaurateur Becker, bei dem sie als Büfettdame angestellt war. den Betrag von 40 M.' der ihr zu unrecht abgezogen sei. Der Beklagte gab an daß' die Klägerin sich Unregelmäßigkeiten habe zu schulden kommen lassen. Ilm sich schadlos zu hallen, habe er die Summe einbehalten. Die Klägerin bestritt die ihr zur Last gelegten Unregelmäßigkeiten und lehnte mit Recht einen ihr angebotenen Vergleich ab. In beiden Fällen erfolgte die Verurteilung dem Klage- antrage gemäß, da dem Arbeiter und Angestellten der verdiente Lohn nicht vorenthalten werden darf. Eine derartige Aufrechnung oder Einbehaltung ist durch§394 des Bürgerlichen Gesetzbuches verboten. Verantw. Redaktzl Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw Se�erKfcKaftUeKes. Der 8egen der ÖSohlfahrtseiimchtungcn. In dem württembergischen Orte Kuchen sind die Textil arbeiter ausgesperrt, nachdem in einer Fabrik in Göppingen Differenzen nicht beigelegt werden konnten. Die Fabrik in Kuchen hat für einen Teil ihrer Arbeiter Arbeiterwohnhäuser erbaut; der Segen dieser Wohlfahrtseinrichtung kommt nun drastisch durch nachstehendes Schreiben zum Ausdruck, das die Fabrikleitung an die ausgesperrten Inhaber von Fabrik- Wohnungen gesandt hat: „Kuchen, 14. Oktober 1S12. Herrn...... Wir machen Sie darauf aufmerksam, daß Ihr Mietsvertrag init uns am Sonnabend, den 12. Oktober d. I., erloschen ist, und daß Sie von Rechtswegen unsere Wohnung zu räumen hätten. Wir bemerken, daß Arbeiter, welche bis Ende der Woche nicht ausgezogen sind, ab nach st er Woche den doppelten M i e t s z i n s zu zahlen haben, ferner behalten wir uns vor, die Wohnungen räumen zu lassen, sobald wir dieselben durch Arbeitswillige besetzen müssen oder für den Fall, daß gegen die Interessen der Firma agitiert bezw. Arbeitswillige behindert oder belästigt werden. Achtungsvoll Süddeutsche Baumwollindustrie." So sieht die vielgepriesene Wohnungsfürsorge der Fabri- kanten aus. Erlaubt sich ein Arbeiter, sich seiner Haut zu wehren und bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen anzu- streben, so wird er nicht bloß arbeits-, sondern auch obdachlos gemacht._ Berlin und IXtngcgend. Gärung in der Tamenmäntel-Konfektion. Vor einigen Tagen haben wir bereits berichtet, wie die Damen- mäntelfabrikanten und Zwischenmeister sich bemühen, ihren Vertrag mit den prozentualen Lohnzulagen zur Einführung zu bringen, und daß es ihnen nicht möglich war, bis dahin das im Vertrage verein- barte Schiedsgericht zustande zn bringen. Am Montagabend nahmen in vier gutbesuchten Konfektionsarbeiterversammlungen die Ar- beiter und Arbeiterinnen zu dem Bemühen der Fabrikanten und Zwischenmcister Stellung. Die Referenten Bartsch, Kunze, Frau Weimann und Sabath erwähnten das Vorgehen der Zwischenmeister vom Vorjahre während des Streiks, und daß dieser- halb der Streik abgebrochen werden mußte, als Aussicht vorhanden war, einen günstigen Abschluß zu erzielen. Die gelben Zwischen- meister müßten heute selbst zugestehen, daß der mit ihnen ver- cinbarte Vertrag gar keinen Wert habe und auch nicht ein- mal von 6 Proz. der Mitglieder des gelben Verbandes gehalten werde. Wenn die Zwischenmeister und Fabrikanten bestrebt seien, den Vertrag durchzuführen, so liege das Verlangen vor, der Branche für die nächsten 4 Jahre Ruhe zu verschaffen, ohne der Arbeiter- schaft zu geben, was ihr zusteht. Nach dem Vertrag der gelben Zwischenmeister erhielten die Arbeiter und Arbeiterinnen, wenn ihnen die Prozente gezahlt würden, keinen höheren Lohn, als wenn sie nur Nettolöhne ohne jeden Zuschlag erhielten. Die gegcnivärtige Teuerung müsse Anlaß geben, die Einführung von Lohntarifen erneut zu fordern, und damit die Grundlage für ein geordnetes Lohnverhältnis zu schaffen. In den letzten Jahren während der Krise sei vielfach von den Zwischenmeistern die Notlage der Heim- arbeiterinnen ausgenützt worden mit dem Hinweis darauf, daß ja die übrigen Familienmitglieder arbeitslos seien und die Frau und Tochter zur Heimarbeit gezwungen sei. Dieser Umstand müsse doppelt dazu anspornen, auch in der Damenkonfektion Zustände zu schaffen, die denen in anderen Berufen ivürdig an die Seite ge- stellt werden können. Es gehe nicht an, daß die Schneiderin hin- sichtlich ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse als vogelfrei erklärt werde, während die übrigen Familienangehörigen in ihrer Organi- sation bestrebt sind, ihre eigenen Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu bessern. Gerade in den Zeiten der schwersten Not, der Arbeits- losigkeit, komme es darauf an, daß auch die Löhne in der Damen- konfektion geordnet seien, damit nicht die Arbeitslosigkeit der anderen Familienangehörigen einen weiteren Lohndruck der Heimarbeite- rinnen begünstge. Der Schneidcrvcrband sei nach wie vor bereit, die seit Jahren angestrebte Besserstellung der Heimarbeiterinnen zu verwirklichen, wenn von diesen die Voraussetzungen hierfür durch den Beitritt zur Organisation, dem Schneiderverband, gegeben seien. Die Aus- führungen fanden lebhafte Zustimmung und wurde in allen Ber- fammlungen folgende Resolutton angenommen: „Die heute, den 21. Oktober 1312, versammelten KonfektionS- arbeiter und Schneiderinnen erneuern ihren Beschluß vom 13. Dezember vorigen Jahres und erklären erneut, daß sie die ist dem Vertrage mit den gelben Zwischenmeistern und Fabrikanten vereinbarten prozentualen Lohnzulagen ablehnen. Sie betonen dabei insbesondere, daß sie hierin eine durchgreifende und ihren Interessen entsprechende Aufbesserung ihrer Löhne nicht erblicken können. Dies wird auch von den gelben Zwischenmeistern selbst be- stätigt, die jüngst in einer Versammlung erklärt haben, daß von 1600 Zwischenmeistern, die den Vertrag unterschrieben haben sollen, nur 400 ihrem Verbände angehören, und daß von diesen 400 nur 6 Proz. die Lohnzuschläge zahlen. Dabei betonen die Zwischenmeister des gelben Verbandes selbst, daß die Löhne bei Auszahlung des prozentualen Zuschlages sich auf derselben Höhe bewegen, als wenn der Zuschlag nicht gewährt werde. Mit dieser Feststellung der gelben Zwischenmeister ist das bewiesen, was im Vorjahre von der Streikleitung gesagt wurde. Die Versammelten erkennen daher erneut an, daß die Streik- leitung durchaus im Interesse der Arbeiterschaft handelte, als sie die Ablehnung der Angebode der Unternehmer empfahl. Demgegenüber verpflichten sich die Versammelten dahin zu wirken, daß in kürze st er Zeit den Zwischenmeistern selb st Forderungen in Gestalt eines Tarifes überreicht werden können, indem sie für die Stärkung der Organisation So�ge tragen, damit in der Konfektion Zu- stände Platz greifen, die eine wirkliche Besserstellung der Arbeiter- schaft bedeuten." Achtung, Tapezierer! Wegen Tarifdifferenzen ist die Firma Zacharech u. Colar, Waldstr. 43. gesperrt. Die Schlichtungskommission. Oeutkcbes Reich. Zur Zigarrenarbeiterbewegung. Aus Finsterwalde wird uns von der Gaulcilung über die Lohnbewegung folgendes mitgeteilt:„Die dem Arbeitgcberbunde angehörigen Fabrikanien scheinen die Absicht zu hegen, die Tabakarbeiter in den Streik zu treiben, oder sie wollen die Arbeiter verhöhnen. Denn als eine Verhöhnung sind die lächer- licki geringen Zugeständnisse 10— 45 Pf pro Mille für Minimal- arbeit zu betracknen. Die Finsicrwalder Tabakarbeiter wiesen m einer Versammlung diese Zugeständnisse einmütig mit Entrüstung znrück und Ivolllen sofort die Arbeit niederlegen. Davon wurde jedoch von der Leitung abgeraten und ist das Gewerbegerichl als Einigungsamt angerufen worden.— Die Firmen Oskar S ch r ö t e r, Adolf H a r t m a» n, Max Richter haben nicht nur die Forde- rungen der Arbeiter voll anerkannt, sondern haben mit dem Ver- band der Tabakarbeiter einen Tarif abgeschlossen. Ein Verzeichnis gewerkschaftlicher Literatur. Zur vierten Ausgabe des Verzeichnisses der in deutscher Sprache vorhandenen gewerkschaftlichen Literatur, im Auftrage der General- komiliission der Gewerkschaften Deutschlands bearbeitet von Jo- Hannes Sassenbach, Kommissionsverlag Buchhandlung Vorwärts, Berlin(213 Seiten 60 Pf), ist soeben ein 137 Seiten starker Nach- trag herausgekomniett. Dieser Nachtrag ist ebenfalls im Verlage der Buchhandlung Vorwärts erschienen und kann zum Preise von 40 Pf. durch jede Buchhandlung bezogen werden._ ; LH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts B uchdr. n VerlagSanstalj Der Nachtrag cifthält zunächst die feit Erschernen der vierten Ausgabe des Verzeichnisses im August 1910 herausgeromnienen neuen Bücher gewerkschaftlichen Inhalts. Dann sind die früher vorhandenen Lücken bezüglich älterer gewerkschaftlicher Literatur so viel wie möglich ausgefüllt worden. Zn den bereits bisher fiir das Verzeichnis durchgearbeiteten 29 Zeitungen und Zeitschriften sind neu hinzugekommen: Die Arbeiterrechtsbeilage des Korre- spondenzblattes der Generalkommission, die in diesem Jahre neu gegründet wurde, dann die„Gleichheit" seit 1891, die österreichische Zeitschrift„Der Kampf" seit 1907 und der„Vorwärts" seit 1884. Dem Nachtrag ist ein ausführliches Inhaltsverzeichnis und ein 34 Spalten uiiifasscndes Autorenvcrzeichnis beigefügt. Beide, sowohl Inhaltsverzeichnis wie Autorenvcrzeichnis tvcisen gleichzeitig auf den Inhalt der vierten Ausgabe und des Nachtrags hin, so daß diese beiden als ein einheitliches Ganzes benutzt werden köimcn. Wer sich in der gewerkschaftlichen Literatur schnell zurecht- finden oder wer sich über besondere Fragen der Gewerkschaftsbelve- gung unterrichten will, dem sei die fleißige Arbeit des Genossen Sassen dach bestens empfohlen. Für Bibliotheken erscheint die Anschaffung des Verzeichnisses absolut notwendig. Eine bittere Lehre für organisierte Arbetter! Bei den in Zeitz vorgenommenen Wable» der Vertreter zu den Ortskranlenkassen der Bäcker, Brauer und Tischler wurden die bis- herigen freiorganifierten Vertreter hinausgewählt, weil von vielen Tausenden freiorganisierten Mitgliedern sich nur 19 an der Wahl beteiligten! 22 Unorganisierte und Gelbe wählten ihre Leute und rissen somit den Sieg an sich, obwohl sie sonst ein ganz verborgenes Dasein führen.— Ein sehr schlechtes Zeugnis für die Zeitzer organi- sierten Arbeiter, die so wenig Verständnis für den Wert der Vertreter- wählen zu sozialpolitischen Einrichtungen beweisen. Die Anstellung eines Gewerkschaftssekretärs m Bielesekd wurde in- einer Sitzung des Gewerkschaftskartells und der Gewerk- schaftsvorstände beschlossen. Gleichzeitig wurde beschlossen, die Kartellbeiträge von 10 auf 15 Pf pro Quartal und Mitglied zu er- höhen. Die einzelnen Gewerkschaften werden diesem Beschluß sicher zustimmen. In Bielefeld und Umgebung zählen die Gewerkschaften gegenwärtig 17 500 Mitglieder. Bei der Wahl zur Angestellteuverficherung erhielten am Dienstag in Nüstringen(Oldenburg) bei Wilhelmshaven von 700 Wahl« berechtigten die Liste der Freien Vereinigung 367, die Liste des Technikerverbandes 72 und diejenige des Hauptausschusses 55 Stimmen. Es erhielten Beisitzer: die Freie Vereinigung sechs, der Techniker- verband zwei und der Hauptausschuß einen.— Der Hauptausschuß hat also hier einen glänzenden Reinfall erlebt. Auch die vileen kleinen Beamten, die auf der kaiserlichen Werst beschäftigt find und in Rüstringen wohnen, haben dem Hauptausschuß die Quittung erteilt. Ser ßzlkzitkiiej). Bulgarische Meldungen. Sofia, 22. Oktober.(W. T. 33.) Die bulgarischen Truppen setzten ihren Vormarsch fort. Die Ufer der B-regalnitza, Struma und Mesta sind in ihrem Oberlauf von Bulgaren besetzt. In dem Kampfe bei D s ch u m a j a am 18. d. M. eroberten die Bulgaren drei Feldgeschütze mit Munitionsvorräten und machten 10 Ge- fangene. In M e h o m i a haben sich zwei türkische Kompagnien er- geben. Die bulgarischen Truppen haben die kleine Stadt Doulen in der Zone von Kirdschali besetzt, wo ihnen eine Fahne, 25 Kisten Patronen, 8 Mausergewehre und eine Menge von Monturen und Ausrüstungsgegenständen in die Hände fielen. 45 Mann wurden zu Gefangenen gemacht. Die Stadt Kirdschali ist ebenfalls ge- fallen. Dort wurde ein türkischer Major mit seiner Abteilung ge. fangen genommen. Die zum Islam übergetretenen Bulgaren empfangen die bulgarischen Truppen als Brüder und liefern ihre Waffen ab. Vorrücken der Serben. Konstantinopel, 22. Oktober.■(SS. T. SB.) Nach verläßlichen Informationen haben die serbischen Truppen den Ohilevopaß im Labtal, 15 Kilometer nordwestlich von Prischtina, passiert und marschieren gegen Prischtina. Landungsversuch der türkischen Truppen in Warna. Budapest, 22. Oktober.(P. C.) Nach hier eingetroffenen Nach, richten haben die Kämpfe bei Warna großen Umfang angenommen. Das Bombardement richtete an Stadt- und Hafenanlagen zwar nur geringen Schaden an, doch gelang es den Türken, eine Abtei, lung von 4000 Mann zu landen Es kam zu einem heftigen Kampf mit der 8000 Mann starken Besatzung von SBarna. Das türkische Landungskorps wurde jedoch zurückgeschlagen und mutzte sich unter dem Schutz de? türkischen Artilleriefeuers wieder einschiffen. Der Hafen von Cavarna wurde gleichfalls bom- bordiert und in einen Trümmerhaufen verwandelt. Ein Anschlag auf die Orientbahn. Sofia, 22. Oktober.(P. C.) Bulgarische, durch Mazedonier verstärkte Freischaren operieren bereits im Rücken der tür- kischen Linien. Es ist ihnen heute gelungen, hinter Adria- nopcl an die Bahnstrecke der Orientbahn zu gelangen und die Schienen auf eine Entfernung von 230 Metern von dem Bahndamm herunterzuwerfen. Bei der Annäherung überlegener tür- kischer Streikkräfte mußten sich die Freischärler zurückziehen. Ihre Späher berichteten ihnen später, daß türkische Pioniere in aller Eile herangezogen wurden, um die SBahnliuie wieder auszubessern._ Letzte Nacbrkbten. Die Nachfolge im Präsidium des Abgeordnetenhauses. Frankfurt a. M., 22. Oktober.(P. C.) Die„Frankfurter Zeitung" läßt sich aus Berlin melden: In Abgeordneteukreisen de- müht man sich, den Grafen Schwerin-Löwitz zu bewegen, daß er die Wahl zum Präsidenten des Abgeordnetenhauses an Stelle des verstorbenen Freiherrn v. Erffa annimmt. Es ist sehr wahr- scheinlich, daß Graf Schtverin-Löwitz zum Präsidenten gewählt und er die Wahl annehmen wird. Auflösung des Lehrersyndikats. Paris, 22. Oktober.(W. T. B.) Fünfundzwanzig Angehörige des Lehrershndikats des Seinedepartements, Mitglieder der Lei- einsvorstände und des Syndikatsvorftandes, wurden heute vom Zuchtpolizeigericht wegen Vergehens gegen das Syndikatsgesetz zu je fünfzig Frank Geldstrafe verurteilt. TaS Gericht e r. klärte das Syndikat für ungesetzlich und ver- fügte dessen Auflösung. Erfolge des spanischen Eisenbahnerstreiks. Madrid, 22. Oktober.�(H. 35.) Die syndizierten Eisenbahnangestellten der Gesellschaft Madrid-Saragossa wurden bcnachrich- tigt, daß die Gesellschaft eine Summe von 5 Millionen Pesetas zur Slnfbessernng der Löhne für ihre Angestellten auswerfen wird. Auch die Mehrzahl der übrigen F o r d e r u n g e» der Eisenbahner ist von der Direktion angenommen worden. Von ciuer Sturmflut verschlungen. Lissabon, 22. Oktober.(P. C.) Eine Sturmflut im Hafen von M u s o l in der Nähe von Gijo», der gegenwärtig im Bau be- griffen ist, hat 11 Personen, darunter den leitenden Ingenieur der Hafenbauten, weggespült._ MaulSinger a Eo., Berlin L�V. Hierzu Z Beilagen m. UuterhaltungSbt. Dr. 248. 29. Iahrgavg. 1. KilM dkg.Kmiirls" Serliiitt NgldsblM Much. SZ. Sdt-dn lSIZ� MgeorcknetenKaus. 83. Sitzung. Dienstag, den 22. Oktober 1912, mittags 12 Uhr. Am Miniitertisch: Kammissare. Vizepräsident Dr. Porsch eröffnet die Sitzung mit folgenden Wollen(die Abgeordneten erheben sich von den Plätzen): Meine Herren! Mit tiefer Bewegung bin ich jetzt an diese Stelle getreten. Als wir am Donnerstag vor Pfingsten, am 23. Mai, auseinandergingen, sprach der Präsident unseres Hauses zu mir beim Abschied die Hoffnung aus, datz er in seiner Heimat das Fieber, das körperliche Uebelbefinden. das ihn in den letzten Tagen beschwert hatte, verlieren würde. DaS ist nun eingetreten, aber leider in einer anderen Art, als er und ich damals hofften und wünschten. Am 19. Juni ist der Kamurerherr Dr. Freiherr v. Erffa in seiner Heimat im Alter von 67 Jahren durch den Tod uns entrissen worden. Leider war es ihm nur kurze Zeit vergönnt, an der Stelle als Präsident dieses Hauses zu wirken. Ich möchte ihm aus meiner genauen Kenntnis der Sachlage heraus de- zeugen, dafi er mit peinlichster Gewissenhaftigkeit bemüht war. den schweren Anforderungen seines Amtes zu entsprechen. Das Andenken des Entschlafenen wird uns immer teuer sein. Eine Fügung der Vorsehung hat es dann herbeigeführt, dafi nicht lange nach dem Präfldenlen auch der liebenswürdige Alter« Präsident dcS Hauses uns entrissen wurde. Staatsminister a. D., Wirklicher Geheimer Rat Hobrecht ist am 7. Juli im patriarchalischen Alter von nahezu 88 Jahren durch den Tod abberufen worden, nachdem wir uns bis in die letzte Zeit an seiner Jugendfrische erfreut hatten. Ich darf an dieser Stelle weiter auch des Ableben« eines Mannes gedenken, der sich um das Haus ebenfalls grohe Verdienste erworben hat, des Erbauers dieses Hauses, Geheimrat Schultz«, der im Alter von 69 Jahren verschieden ist. Weiter hat das HauS Verluste erlitten durch den Tod der Abgg. Ghtzling und Nor mann. Ich stelle fest, dafi Sie sich zu Ehren der Verstorbenen von Ihren Plätzen erhoben haben. Das HauS tritt nuninehr in die Tagesordnung ein. Zunächst werden eine Reihe von Petitionen auf Gewährung des Gemeindewahlrechts au Frauen gemeinsam zur Debatte gestellt. Die Kommission beantragt in allen Fällen Ueberweisung als Material. Ein sozialdemokratischer Antrag fordert Uebcsweisung der Petitionen zur Berücksichtigung. Abg. Hirsch-Berlin(Soz.): Die vorliegenden Petitionen beweisen daS rege Interesse der Frauen an den kommunalen Fragen, sind aber auch ein erfreuliches Zeichen des Erwachens des politischen Lebens unter den Frauen. Wir beantragen Ueberweisung der Petitionen an die Staatiregierung zur Berücksichtigung, nicht etwa� weil wir mit den Petenten in jeder Beziehung übereinstimmen, sondern weil cö nicht genügt, die Petitionen als Material— in den Papierkorb zu über weilen. ES ist höchste Zeit, die Regierung einmal au f> zufordern, die veralteten Stadt- und Landgemeindeordnungen der Neuzeit entsprechend zu ändern. Wir fordern Gewährung des allgenr einen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für Männer und Frauen und zwar sowohl deS aktiven wie des passiven Wahlrechts. Würde nun, wie eS eine Petition verlangt, den Frauen das Wahlrecht unter denselben Voraussetzungen gewährt werden, wie eS die männlichen Gemeinde angehörigen haben, fo würde dadurch lediglich«in neues Privileg für die besitzenden Klasse« geschaffen werden. Dafür find wir nicht zu haben. Wenn der Regierungsvertreter in der Kommission erklärt hat, daß die geforderte bedmgungSlose Uebertragung des FrauenstimmrechtS kaum einen hinreichenden Resonanzboden finden würde, so sind wir unS alle darüber klar, daß diese Forderung den Resonanzboden hier im Hause nicht findet, aber ob nicht im Volke, darüber ist der RegieruitgSkoinmissar wohl nicht genügend unterrichtet. Die große Mehrzahl des preußischen Volkes steht sicher auf dem Standpunkt, daß auch den Frauen mindestens daö Gemeindewahl- recht erteilt werden muß.(Sehr richtig! bei den Soz.) Es müßte auch gar nicht zur Erfüllung dieser Forderung eine vollständige Aenderung unserer Städte- und Landgemeindeordnungen stattfinden, wie kleines Feuilleton. Weltgeschichte. Die Bücher, aus denen wir in unserer Jugend Historie lernten, sahen seltsam genug aus: chronologisch standen in Tabellen die Begebnisse ausgezeichnet. Welche Begebnisse?— Doch wohl die. die wichtig lvarcn für die Leute damals und fiir uns, wohl solche, die für die Geisteswissenschaften oder die Wirtschaft von Bedeutung waren... Man höre: 1613—1648. Der Dreißigjährige Krieg. 1618—1623. l. Periode: Böhmisch-Pfälzischer Krieg. 1623—1629. U. Periode: Dänischer Krieg. 1623— 163S. III. Periode: Schwedischer Krieg. 1633— IS48. IV. Periode: Französischer Krieg. Und dazwischen viele verwirrende Einzelheiten. Friedensschlüsse, Bündnisse, Schlachten, Generale... Und nun denke man sich, daß so ein Geschichtsbuchblatt unserer Zeit einmal so aussehen wird: 1911-1912.. Tripolitanischer Krieg 1912.... Friede von Ouchy. 1912.... Ausbruch des BalkankriegeS. 1912.... Schlacht von Berane. Und dazwischen das andere kriegerische Zeug. Bon all den Sorgen und Mühen de« Volkes aber, von unseren Sehnsüchten, unseren Kämpfen in den Gruppen, Parteien, Be- wcgungen— von dem, waS unser Leben ausmacht, wird lein Wort darin stehen. Vortragsabende. Es kommt seit einigen Jahren immer mehr in Ausnahme, daß Bühnenkünstler von Namen und Klang sich ohne Kostüm und Maske und ohne die Konkurrenz ihrer Kollegen im BomagSfaale vernehmen lassen. Meistens überwiegt der dramatische Akzent und daS Repertoire ist von vornherein auf starke dramatische Wirkung zugeschnitten. Man kann erhebliche Ein- Wendungen gegen diese Art erheben und darauf dringen, daß ein episches und lprischeS Kunstwerk die Gesetze ihres Vortrag« in sich trage», daß sie ihren eigenen Stil der Wiedergabe verlangen'und vor allem envr gewissen Stilisierung bedürfen,� die von der lauteren, unruhige» Bühnenart weit entfernt ist. Indes die dramatischen Vortragskünstler beherrschen das Feld, und die An- Hänger von Baffermann, Moisst und andere» wollen ihre Lieblinge auch auf dem Podium wiedersehen. Zu den Schauspielern, die sich ein Publikum herangezogen habe», gehört auch Friedrich K a y ß l e r, der in der vorigen Woche seinen Abend gab. Seine kraflvoll-männliche, dabei mehr verhalieuc, aber dann auch stürmisch hervorbrechende Art zeigte sich in mamiiafacher Schattierung. Die Ballade mit knappem Dialog und starken Effekten findet an ihm einen Meister, der in Blitz und Donner ein Drama daraus gestaltet. Aber auch die gehaltvollere und nachdenkliche Lyrik liegt ihm, und in einer japanischen Erzählung von Loscadio Hearen los er ganz ruhig und schlicht, um dann an dem einen Höhepunkte der Regierungsvertreter fürchtete, aber wir wünschen die Ueberweisung .zur Berücksichtigung, weil die Städte- und Laudgemeindeordmmgeu »samt und sonders veraltet sind.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten,) Die Gesetzgebung hat auf kommunalem Gebiete mit der Wirt- schafilichcu Entwickelung ebenso wenig Schrui gehalten wie auf allen übrigen Gebieten in Preußen. ES werden eben nicht Gesetze ge- macht, die den tatsächlichen Verhältnissen entsprechen, sondern solche, die einer 50 und 100 Jahre hinter uns liegenden Zeit vielleicht angepaßt wären. 1853, als die Städteordnung erlassen wurde, gab es verhältnismäßig sehr wenig erwerbstätige Frauen, Heute gibt es im Deutschen Reich, neben IS'U Millionen Männern, 9V» Millionen Frauen, die im lrrwerbS- leben stehen. Die Hälfte aller erwachsenen Frauen verdient ihren Lebensunterhalt selbst und der dritte Teil der Er werbsarbeit in Deutschland wird von den Frauen geleistet.(Hört! hört!) In der L a u d w i r t s ch a f t sind 4,5 Millionen Frauen tätig, nur 700000 weniger als Männer, und in der Industrie hat sich in den letzten 25 Jahren die Zahl der beschäftigten Frauen verdoppelt, in Handel und Industrie sogar verdreifacht. Ebenso ist es in den freien Berufen, Wollen Sie nun wirklich allen diesen Frauen das Wahlrecht vorenthalten? Glauben Sie, daß diese große Anzahl von Frauen gar kein Interesse am öffentlichen Leben hat oder sind Sie nicht vielmehr überzeugt, daß die politischen und besonders die kommunalpolitischen Ange- legenheite» für die erwerbstätigen Frauen von allergrößtem Jntereffe sind? Ich halte die Wünsche der Frauen nach einer Erweiterung des Wahlrechts also für durchaus berechtigt. Ich bedauere nur, daß die meisten Petitionen so unendlich bescheiden sind, sich mit ganz geringfügigen Forderungen zu begnügen. Man kann»och so oft die Redensart gebrauchen, daß die Frau ins HauS gehöre usw., die wirtschaftliche Entwickelung zwingt eben Millionen und Lbermillioncn von Frauen, außerhalb ihres Hauses ihren Erwerb zu suchen, weil da? Einkommen deS Mannes zu gering ist, so datz sis mitverdienen müssen und sich nicht so um ihre Familie kümmern können, wie es jeder von unS wünschen möchte. Die nackten Tatsachen beweisen, daß infolge unserer ganzen wirtschaftlichen Verhältnisse in weiten Teilen des Volkes von einem wirklichen Fa> milienlcbcn kaum noch die Rede ist.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Auf den Einwand, daß die Frauen nicht das ge- nügende Verständnis haben wurden, war ich gefaßt. Glauben Sie wirklich, datz alle diejenigen, die auf Grund ihres Ein- kommens Wähler e r st e r oder zwerter Klasse sind, mit dem Geldbeutel gleichzeitig auch daS Verständnis für die größeren GesickitS- punkte erlangt haben?(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Man könnte im Gegenteil sagen, daß gerade die besitzlose Masse im all gemeinen ein weit größeres Verständnis für die Aufgaben einer Stadtverwaltung hat als die Besitzenden, denen es gewöhnlich an dem Gcmeinfinn und der Opferwilligkeit fehlt.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Wenn man aber schon ein solches Argument anführt, wie ist es dann berechtigt, daS Stimmrecht noch weiter Gesellschaften zu gewähren, die gar nicht in der Gemeinde wohnen und kein Jntereffe an ihrem Gedeihen haben. Da müßte konse- quentcrweisc daS Stimmrecht der Forensen und der Höchstbestenerten vollkommen beseitigt werden. Bon einer Beschränkung des Wahl- rechts der Besitzenden will die Regierung nichts wissen, wohl aber sträubt sie sich mit Händen und Füßen gegen eine Erweiterung des Wahlrechts der Nichtbefitzenden. Die zweite Petition verlangt lediglich, daß den Frauen die per- sönliche Ausübung des Wahlrecht? in den Gemeinden verliehen wird. Aber selbst von der bescheidenen Reform, daß sich dir in einer Reihe von Gemeindeverfassungsgesetzen wahlberechtigten grundbesitzende» Frauen nicht mehr durch einen. Mann vertreten lasten müßten. will der Regierungsvertrerer in der Kommission nichts wissen.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Es soll sich für eine Frau nicht schicken, auf die politische Bühne zu steigen. Die Frau soll sich nicht um Wählen, politische Angelegenheiten, Äemeindesachen kümmern dürfen, aber Steuern darf sie zahlen, dieses Recht räumt man ihr allergnädigst ein. Das Erhabene soll der Frau dadurch verloren gehen I Das Hineintreiben der Frau in die Industrie, den Bergbau, das Bauwesen, die Heim- industrie, hat leider den deutschen Frauen dieses„Erhabene" l ä n g st genommen. Aber das, was an unseren Frauen uns erhaben dünkt, wird wiederkommen, wenn ihnen die Möglichkeit ge- geben ist, die Gemeiuden durch ihr« Mitarbeit alle Schleusen zu öffnen. Aber bei aller Differenzierung der Stimmen und Stimmungen behält das ganze bei ihm doch den Grundcharakler. So belebt er charakterijlerend und ausgestaltend, ohne aufzulösen. Ein Vcrwandlungskünstler, ein Fregoli der Rezitation, ein Virtuos der Stimmen und des EffeliS ist Marceil Salzer, den wir am Sonntag im Beethovensaal sein Stammpublikum er- heitern und erschüttern hörten. Hier ist von irgend einer Stilisierung keine Rede mehr, hier herrscht der nackteste Naturalismus. Salzer agiert mit Händen und Füßen, er unterstreicht und übertreibt vis hart an die Parodie. Alles ist quecksilberne Unruhe. In dem zappelnden kleinen Manne steckt ein ganzes Orchestrion(mit einigen verstimmten, näselnden und treniolierenden Tönen). Die Zllhörerschaft läßt er nicht einen Moment zur Ruhe kommen; immer weiß er noch einen neuen Effekt auf- 'zusetzen und die Spannung zu steigern. Die literarische Qualität ist Nebensache. Neben populären Sachen von Twain, Thoma und Rosegger gibt'S in dem gewürzten Ragout eine feine Geschichte der Lagerlöf. Schnurren und Schwänke von Bicrbaum und Presber wechseln mit einer literarisch unmöglichen Schaudergeschichle eines untergegangenen Unterseeboots und einer Belanglosigkeit von Rideamus. Aber den Leuten gefällt das. Solzer will unterhalten und da nimmt er es nicht ja genau und mischt das Viele, das inanchem etwas bringt.— r. Mazedonische Banden. In der.Oesterreichischen Monatsschrift für den Orient" finden wir folgende lehrreiche Statistik über die Bandeniäfigkeit im Jahre 191l, die einen Vorgeschmack kommender KriegSgreuel gibt. Die Zahl der Banden verschiedener Nationalität betrug, nach türkischen amtlichen Berichten, im ganzen 359. Hiervon waren 169 Banden Bulgaren mit 1886 Mann, 107 griechische Banden mit 922 Mann. 46 türkische Banden mit 3l4 Mann, 35 albanesische Banden mit 983 Mann und 7 serbische Banden mit 97 Mann. Die meisten Banden(91) waren im Bilajet von Saloniki. Dann kam das Vilajet Koffovo, der Sandschak UeSküb mit 82 Banden, Vilajet Monastir und Janina mit je 68 Bänden. Es fanden im Jahre 1911 151 Zusammenstöße zwischen türkischen Truppen und den verschiedenen Banden statt, in denen 27 Bandenführer, 419 Banditen, 13 Offiziere, 221 Soldaten und 207 Bauern sielen. Es wurden 202 Morde verübt; hiervon entfielen 64 auf Bulgaren, 54 auf Griechen, je 32 auf Serben und Türke». 18 auf Mukedorumänen und 2 auf Albanesen. In dieser Staiistik sind die in Altserbien befindlichen 23 albanesischen Banden nicht berücksichtigt. Geisterglauben und Zeugungöhypothese. In der letzten Sitzung der Pariser Akademie der Inschriften berichtete S. R e i n a ch über die„raputas" oder„Ahnenseelenträger". Einige inner- australische Stämme, deren Erforschung erst 1899 begonnen hat, nennen„rapatus" oder auch„ratapas" vorgestellte Embryonen, die nur den Zauberen: sichtbar die Lüste bewohnen und hauptsächlich Bäume, Felsen und Sümpfe aufsuche». Die„rapatas" gelten als Träger der Ahnenieelen, die eine neue Verkörperung suchen und sie werden von den Stämmen als die einzigen wirkenden Faktoren der mit sozialem Geist zu erfülle», die Männer zu vernünftiger Sozialpolitik anzueifern.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Regierung hat in der Kommission sich sogar gegen die Zulasiung der Frauen als Z u h ö r e r zu de» Gemeindeversamm- lungen mit der stereotypen Redensart gewandt, daß diese Frage nur generell sich regeln lasse. Indessen ist dieses Recht den Frauen schon in zahlreichen Gemeinden eingeräumt und es sind heute Ausnahmefälle, wenn die Vorsitzenden die Frauen von der Tribüne entfernen. Der RegierungSverlreter scheint ja hiernach die Petition nicht einmal geles e n z u haben, jedenfalls beweist die ablehnende Haltung der Regierung, daß sie auch nicht das allergeringste Verständnis für die Anforde- ru»g der Zeit hat.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wer die segensreiche Mitarbeit vieler Frauen in der Armen- und Waisenvcrtoaltung kennen gelernt hat. wird sie nicht mehr entbehren wollen. DaS gleiche gilt von der Mit- arbeit der Frauen auf dem Gebiete deS Schulwesens, und die Kommission hat ja auch im Gegensatz zu ihrer sonstigen ablehnenden Haltung erfreulicherweise wenigstens die Petitionen um Zu- ziehung der Frauen zu den Schulkommissionen zur Be- rücksichiigung zu überweisen beantragt. Und wer wollte de» Wert der Mitarbeit der Frauen auf dem Ge- biete des Gesundheitswesens, der Bekämpfung der Säuglings- sterblichleit usw. leugnen. Die Folgerung daraus ist aber die Vcr- lcihung des passiven Wahlrechts an die Frauen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) UebrigenS konnten nach der Städteordnung von 1808 unverheiratete Personen weiblichen Geschlechts das Bürger- recht erlangen, erst 1831 wurde dieses Frauen recht beseitigt. ES ist doch ein unhaltbarer Zustand, daß man den mit den Interesse» der Gemeinde verknüpften und lebhaften Anteil an den Ge- schicken der Gemeinde nehmenden Frauen daS Wahlrecht vorenthält, während man es andererseits de» Forensen einräumt, die absolut keine persönliche Beziehung zur Ge- m e i n d e haben. Wir halten es für dringend notwendig. die Städte- und Landgemeindeordnung zu ändern und in einem einheitlichen Gemeindeverfassungs- g e s e tz das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht für die Angehörigen der Gemeinde ohne Unterschied des Geschlechts einzuführen. Ich glaube ja selbst nicht daran, daß Sie unseren Antrag auf Berücksichtigung annehmen werden. Da« wäre etwas viel verlangt von einem Parlament, daS feine Herrschaft selbst nur auf einem plutokratischen Wahlsystem begründet. Aber genau so, wie daS Dreiklassenwahlsystem zum Landtage heute schon erschüttert ist, genau so. wie dre Beseiligung dieses veralteten, un« gerechten Wahlsystems heute nur noch eine Frage der Zeit ist, wird eS auch die Wahlrechtsforderung der Frauen lein. In Olden- bürg hat der Landtag erst in diesem Jahre aus fortschrittliche» Antrag die Regierung ersucht, einen Gesetzentwurf einzubringen, der das passive Gemcindewahlrecht allen im Besitz der bürgerlichen Ehren« rechte befindlichen weiblichen Gemeindeangehörigen zu verleihen, die das 24. Lebensjahr vollendet, seit drei Jahren der Gemeinde an- gehört haben und verheiratet oder seit drei Jahren Steuerzahler sind. reußen ist auch auf diesem Gebiete hinter den anderen Bundesstaaten zurück. Beschließen Sie Berück- sichtigmig, um zu erklären, daß Sie ein wirklich freies Gern ei n de lv ahlrecht für eine der wichtigftenAus- gaben der Gegen>o ort halten!(Bravo I bei den Sozial- demokraten.)-nff: Abg. Straffer(l.): Wir werden niemals dafür zu haben fein, daß die Frauen ii» die politische Arena durch die Gewährung„tef FrauenstimmrechtS hineiligezogcn werden und beantragen daher Uebergang zur Tagesordnung über die vorliegenden Petitionen. Abg. Dr. Schepp(Vp.) tritt kurz für den Antrag auf Ueberweisung der Petitionen zur Berücksichtigung ein. Abg. Trimborn(Z.): Niemand kann behaupten, daß die Frauen heute politisch ganz ohne Einfluß und mundtot wären. Ihr indirekter Einfluß ist vielmehr so stark,, daß mancher Manu seine liebe Not bat, sich ihm zu erwehren.(Heilerkeit.) Würde eine geheime Ab- stimmung unter den Frauen vorgenommen werde», so bin ich fest überzeugt, würde die Mehrheit der Frauen dagegen stimmen.(Wider- spruch links.) Die heutigen Verhältnisse sind nicht reif für daS Frauenstimmrecht. Zu gegebener Zeit werden auch wir auS der zunehmenden Beteiligung der Frauen am Erwerbsleben und an Empfängnis angesehen, deren natürliche Ursachen ihnen unbekannt sind. Diese Vorstellungen müssen aber in der Urzeit deS Menschen eine große Verbreitung gehabt haben. Denn aus manchen Kunst- lverken der Renntierepoche sind„rapatas" dargestellt. So auf dem Stab von Teyjat(im Deport. Dordogne), auf dem man bisher mit Tierfcllen bekleidete Menschen in rituellen Tänzen zu sehen glaubte. In Wahrheit tanzen die kleinen Wesen nicht. Sie werden von den Luftströmungen getragen, die, wie die australischen Frauen heute noch glauben, die Mutterschaft bringen. Wie telegraphiere ich drahtlos? Die Deutsche Betriebsgesell- schaft für drahtlose Telegraphie m. b. H.(Debeg), Berlin LIV. 61. die auf den größeren Paffagierdampfern der deutschen Reedereien Stationen für drahtlose Telegraphie unterhält, gab kürzlich eine kleine Schrift unter diesem Titel heraus, die als Anleitung zur richtigen Abfaffmig von Radiotelegrammen zu dienen hat. Folgende Bestimmungen daraus sind von allgemeinem Interesse: Die Adresse deS Telegramms muß enthalten: den Namen des Passagiers, an den eS gerichtet ist, den Namen und die Ratio- nalität des Dampfers, den Namen der Küstenstntion, über die das Telegramm an den Dampfer befördert werden soll. Dieser letzte Punkt wird im Zweifelsfalle von der annehmenden Tele« graphenanstalt festgesetzt. Zur Annahme von Radiotelegrammen sind alle Telegraphenansiallen deS In- und Auslandes verpflichtet. Dir Gebühr setzt sich zusammen: aus der Landgebühr für die lieber- miiielimg auf den Linie» deS Telegraphennetzes(in Deutschland für 1—10 Worte 50 Ps.), auS der K ü st e n g e b ü h r. die der Küsten- station für ihre Dienste zukommt(in Deutschland für 1 bis 10 Worte 1,50 M.) und aus der B o r d g e b ü h r, die der Station an Bord des Schiffes für Annahme und Aushändigung des Telegramms zusteht(1—10 Worte 3,50 M.). ES beträgt somit die Gesamtgebühr für ein Radiotelegramm auS Deulschlaiid an einen Dampfer über eine deutsche Küfteiistation, falls das Telegramm 10 Worte nicht überschreitet, 5,50 M. DaS gleiche Telegranim kostet über eine französische Küstenstation 8,20 M., englische 10 M., hollän- dische 6 M._ Notizen. — Musikchronik. Mittwoch, abends 8 Uhr, findet in der Singakademie das Konzert von F? e d e r i c L a n. o n d mit dem Philharmonischen Orchester statt. — Bühnenchronik. Die Bauarbeiten beim Theater r o ß- B e r li n am Zoologischen Garten sind jetzt so weit vor- geschritten, daß das Theater aller Voraussicht nach in den ersten Tage» des Novembers eröffnet werden kann. — Vorträge. Im L e s s i n g- M u s e u m(Brnderstr. 13) spricht Donnerstag, abends 8 Uhr. G. R. Kruse über L o r tz i n g s Leben und Schaffen. ES folge» Gesänge auS Lortzings Werken. Eintritt frei. — Neues von Hebbel. Zwei Wiener Liieraturforscher haben allerlei unbekannte Fragmente, Gedichte und Briese von Hebbel entdeckt und werden jie demnächst im Verlage von Schuster u. Loefflcr herausgeben. öffentliche» Sfemtcvn die richtigen Konsequenzen ziehen. Einstweilen stimmen wir für den Koinmissionsantrag. Abg. Graf Moltke(frf., auf der Tribüne schwer verständlich) spricht gegen das Frailcnstiinmrecht. Älig. Hausmann fiiatl�): Meine freunde werden ebenfalls für den Roininifsionsbeschlufz stimnicil. Ich bestreite nicht, daß in absehbarer Zeit der Augenblick kamnren lvird, wo man auch die Zrage deS FrauenwahlrechtS wird erlvägcn müssen, aber heute ist für uns dieser Zeitpunkt noch nicht gekommen. Die Kommission ist nicht etwa über die Frage zur Tagesordnung übergegangen, sondern sie hat nur die Materie nicht für so dringend gehalten, daß man die Pjegicrung zu einem sofortigen Beschluß drängen müßte. Abg. Lippmaun sVp.): Neun Millionen Frauen stehen heute im ErtoeibSlebcu. Da ist es doch selbstverständlich, daß die Frauen teilnehmen wollen an der Festsetzung der Gesetze, die über ihr Erwerbsleben bestimmen. Hier handelt es sich nur um die Frage, ob die Frauen teilnehmen sollen au den kommunalen Wahlen, und da sagen wir nicht wie die Konservativen:„niemals 1", auch nicht wie Zentrum und Nationalliberale:„noch nicht I". sondern wir sagen:„schon jetzt I" Wir sollten endlich die alte Fessel beseitigen, die uns verhindert, die Frauen an den Verwaltungsangelegenheiten, der sozialen Fürsorge und den Schulangelcgenheiten in den Gemeinden zu beteiligen. Heute sind die Frauen nur Objekte der Gesetzgebung, ivir wollen sie zu Subjekten der Gesetzgebung machen.(Bravo! links.) Damit schließt die Debatte. Die Petitionen iverden als Material überwiesen. Eine Petition des Katholischen Frauenbundes in Köln auf Zuziehung der Frauen zu den Schultour Missionen wird zur Berücksichtigung überiviesen. Eitie Petition um Einführung der S t ä d t e o r d n u n g in N e u v o r p o m m e r n und N ü gen beantragt die Kommission, zur Berücksichtigung zu überweisen. Abg. Rewoldt(sk.) spricht für Uebcrweisung der Petition zur Erwägung. Ein Rcgierungskonimissar betont, die Berechtigung des Wunsches werde von der Regierung anerkannt, aber es habe sich bisher noch nicht das dringliche Bedürfnis gezeigt, dies auch gegen den Willen der städtischen Behörden zu tun. Gerade die größten Städte, wie Stralsund und Greifswald, hätten sich dagegen erklärt. Daher sei die lleberweisung zur Erwägung das beste. Abg. Heine snatl.) tritt für den Kommissionsbeschluß ein. Abg. LiPPMaim Großmutter das Kind gegen ihn einge- nominew hat. Anstatt die Schule zu, besuchen, ging Erna eines Tages zu ihrer Großmutter. Tann erfuhr W., daß die Großmutter mit dem Kinde beim Wäisenrat war. Er wollte nun von seiner Tochter wissen, was die Großmutter beim Waisenrat vorgebracht habe. Das Kind sagte nichts und bekam deshalb die Prügel mit dem Rohrstock, die den, Gegenstand der Anklage bildcm Das Gericht hielt die Mißhandlung des Kindes für erwiesen, es hielt dem Angeklagten aber seine durch die gange Situation er- klärliche Erregung zugute'und meinte, er sei sich nicht bewußt ge- Wesen, daß er sein Züchtigungsrecht überschritten, habe. Der Ange- Nagte wurde deshalb freigesprochen. Bedeutungsvoller als das hier abgeurteilte Vergehen des An- geklagten, ist das Schicksal des Kindes, welches im Mittelpunkt der Affäre steht. Zwei Parteien, die sich augenscheinlich sehr feindselig gcgeniübcrstehen, kämpfen um den Besitz eines Kindes, als ob es sich um eine Sache und nicht um ein menschliches Wesen handelt, dessen Empfindungen— mögen sie durch Tatsachen! begründet sein oder nicht— doch auch Berücksichtigung verdienem Auf der einen, Seile steht die Großmutter, die seit Jahren an der Erziehung des Kindes mitgewirkt hat. Sie hängt a» dem Kinde und glaubt, daß es nirgends besser ausgehoben! sei als bei ihr. Dem Vater ist die alte Frau nicht wohlgesinnt. In seiner jetzigen Frau erblickt sie— viel- leicht mit Unrecht— die märchenhafte böse Siiefmuttcr, die dem Kinde das Leben zur Hölle macht. Was ist begreiflicher, als daß die alte Großmutter, die gewiß das Beste des Kindes will, der Kleinen Widerwillen gegen deu Aufenthalt beim Vater einflößt?—Nun kommt der Vater, und nimmt, gestützt auf sein formales Recht, das gegen ihn beeinflußte Kind, zu sich Kau» sich unter diesen Um- standen in kurzer Zeit ein gutes Verhältnis zwischen Vater und Kind herausbilden? Gewiß nicht. Liebendes Verständnis würden wohl mit der Zeit das Herz des Kindes dem Vater zurückerobern,. Aber daran fehlt es. Vom Augenblick an, wo das Kind in das ihm völlig fremde Vaterhaus tritt, soll alles gleich nach Wunsch gehen. In den kleinen Unarten des zehnjährigen Mädchens sieht der Vater den Einfluß seiner ehemaligen, Schwiegermutter, der er nicht minder feindselig gegenübersteht wie sie ihm. Die Erbitterung gegen die feindliche Schwiegermutter ist es, die den, Vater zum Zorn gegen das eigene Kind entflammt und! ihm den Rohrstock in die Hand drückt, mit dem nun oie Folgen des großmütterlichen Einflusses heraus- geprügelt werden sollen.. Es ist zu begreifen, daß sich das Kind dieser gewiß gut ge- meinten, aber doch gänzlich verMtew väterlschc»„Erzichgugs, Methode" entzog und Lüed'ek zur Großmutter ging.� Vergebens hak sich Herr W. seitdem bemüht, sein Kind wieder in seine Gewalt zu bringen. Im Laufe der gestrigen Verhandlung, wo die Großmutter und die kleine Erna Zeugnis gegeu den Angeklagten ablegten, er- suchte dieser de» Richter, ihm zur Wiedererlangung seines Kindes behilflich zu sein. Der Richter konnte in dieser Angelegenheit nichts tun. Er verwies Herrn W. auf den Prozeßweg.— Während, das Gericht im Beratungszimmer weilte, schickte die alte Frau das weinende Kind hinaus. Nach Schluß der Verhandlung suchte der Vater im Gerichtsgebäude vergebens nach seinem Kinde. Die Kleine war spurlos verschwunden.— Mit feindseligen Drohungen gegen seine Schwiegermutter verließ Herr W. das Haus. Der Kampf um den Besitz des Kindes wird also wohl mit ge- steigerter Erbitterung fortgesetzt werden. Wie er ausgeht, kann nicht zweifelhaft sein. Hinter dem Vater steht die Staatsgewalt, die ihm zur Wiedererlangung seines Kindes behilflich sein wird, wenm er sie anruft. So kommt der Mann zwar zu seinem formalen Recht auf das Kind, aber das Leben des Kindes kann dadurch vergällt werden. Um das Glück eines Kindes handelt es sich Da sollte sich der Vater, von dem wir annchuwu, daß er das Beste seines Kindes will, nicht so sehr auf sein Recht stützen, als vielmehr durch liebe- volle und verständige Einwirkung auf das ihm entfremdete Kind ein neues und festes Band zwischen. Vater und Tochter zu knüpfe» bemüht sein. Nicht mit dem Rohrstock, sondern mit Liebe, Nachsicht und Geduld erwirkt man das Vertrauen eines Kindes. Herr W., dem ja— wie der Ger ichtsvo rfitzende konstatierte— die besten Leu m und szc ug n i ss e zur«Seite stehen, möge es mit diesen Mitteln versuchen._ Ei» Schlafstcllcndieb. Zu 16 Jahren Zuchthaus, 16 Jahren Echverlust und Stcllungj unter Polizeiaufsicht wurde gestern der angebliche Kaufmann Paul Magnus verurteilt, gegen, den die 4. Strafkammer des Land- gerichts I eine Anklage wegen Rückfallsdiebstahls zu verhandeln hatte.— Der AngeklaHe, der als gewerbsmäßiger Schlafstelle ndi ob schon Zuchthausstrafen bis zu 8 Jahren hinter sich hat, hatte jetzt wieder in ca. 50 Fällen gleichartige Diebstähle verübt.— Mit Rücksicht daraus, daß es sich um einen unverbesserlichen, gewerbsmäßigen Verbrecher handelt, erkannte die Strafkammer, um die Mitwelt auf recht lange Zeit vor ihm zu sichern, auf diese Strafe. Trotz des eigenem Geständnisses freigesprochen, Vor der 12. Strafkammcv des Landgerichts l waren gestern wegen Verbrechens gegen den§ 218 StrGB. der Kaufmann Bruno Holz und die Näherin Paula Konczak angeklagt.— Ter Angeklagte H. lernte vor drei Jahren die jetzige Mitangeklagte kennen. Zwischen beiden entwickelte sich ein Liebesverhältnis, welches später von feiten des H. wieder gelöst wurde. Die K. soll von nun an ihren che- mahigen Geliebten mit dem wütendste» Haß verfolgt haben. W,ie dieser behauptet, habe ihn die K. wiederholt auf der Straße attakicrk und sei mit ihren Hutnadeln auf ihn losgegangen,. Nebenbei habe es sich H. gefallen lassen müssen», täglich mit den unglaublichste» Schmähbriefen bombardiert zu werden. Wie ein als Zeuge ver- nommcner Portier Tripfch bekundete, sei die K. eines Tages auf den Hof des Hauses gekommen� in welchem H. seinerzeit wohnte, und habe hier einen Mordsspektakel gemacht. Da sie sich wie un» sinnig gebürdete und einen großen Auflauf verursachte, habe er sich, da sie freiwillig nicht ging, gezwungen gesehen» den Sprengschlauch an den Hydranten anzuschrauben und die K. gewissermaßen vom Hofe„herunterzuspritzen". Eines Tages wurde H. durch eine Vorladung zur Polizei über- rascht. Als er dgrt erschien, erfuhr er zu seinem Entsetzen, daß die K. sich selbst eines Verbrechens wider das keimende Leben und ihn der Anstiftung bezichtigt habe.— In der gestrigen Verhandlung ließ H. durch Rechtsanwalt Dr. Puppe geltend mache», daß jene Anzeige lediglich den grimmigen Rachegelüsten der K. entsprungen sei. die vor keinem Mittel zurückfchcue, um ihren ehemaligen Geliebten ins Verderben m ziehen« Das Gericht kam ebenfalls zu der Ueber- zeuglmg, daß es sich um eine falsche Srlbstbczichtigung handelt urd sprach beide Angeklagte frei. Der Staatsanwalt hatte je 4 Mpnate Gefängnis beantragt._ Hus der frauenbewegung. Frauenwahlrecht und Handelskammern. Vor einiger Zeit, hatte der Deutsche Handelstag auf Ver» anlassung mehrerer Handelskammern den Handelsministev ersucht, den Frauen, die Inhaber von im Handelsgewerbe eingetragenen Firmen sind, das persönliche Wahlrecht zu gewähren. Zurzeit dürfen sie sich mir von einem Manne vertreten lasse», ohne die Ge- wißheit zu habe», daß' er seine Stimme nach den Aufträgen der Inhaberin abgibt. Der preußische Minister für Handel und Gewerbe hat darauf geantwortet, daß es sich einstweilen erübrige, zu dev An- regung Stellung zu nehmen, da zurzeit eine Abänderung des preußischen Gesetzes über die Handelskammern»i cht in Frage steh«. Die Antwort ist echt preußisch: obgleich die gesetzlich berufene» Vertreter des Handelsstandes sich für eine Aeuderurig erkläre» kommt für einen Minister die Anregung gar nicht in Frag«, so lange ex sich nicht damit beschästigen will. Hud aller Melt. Der feapitaliftifcbe 6rand-8eigmur von gestern. Man schreibt uns aus Brüssel: In der„guten Gesellschaft" ist vorige Woche eine gründliche Stinl« bombe geplatzt. Ein Finanzier im Stile Isidore Lachats, der Allmächtige eines kapitalistischen Unternehmens, ein Mann, der die Hand in einer Unzahl von geschäftlichen Unternehmungen hatte, der im Privatleben in Hunderttausenden wühlte und ein dementsprechendeS Ansehen genoß, hat sich als ein allercrstrangiger Schwindler ent« puppt und die Flucht ergriffen. Die Untersuchung hat bisher über den Umfang und die Operationen der Gaunereien Wilniarts, der übrigens auf den für einen Spitzbuben humoristische»! Bor- namen Nestor hört, noch lange kein ausreichendes Licht gebracht, aber auch die oberflächlichen Schätzgungen zeigen den Mann al» einen etwa der Humbert ebenbürtigen Genoffen, wenngleich weder die Person des Belgiers noch das Milien seiner Operationen— an» zeschmierte Banken und Wechselagenturen— so amüsant sind wie im -ranzöfischen Fall. Nur zeigt vielleicht auch der Fall Wilmart nicht weniger gleich der der Madame Humbert, auf wie einfache Weise im Grunde die Welt zu bestchlen ist— nämlich, wenn es im großen geschieht. Und der Herr Verwaltungsdirektor und Industrielle Wilmart hat eS au„Größe" und„Schmiß" in dieser Beziehung wahrhastig nicht fehlen lassen. Man schätzt bisher den Umfang seiner Gaunereien auf rund vierzig Millionen. Es heißt, daß Wilmart etwa 60 000 bis 70 000 gefälschte oder wertlose Obligationen in Verkehr gebracht hat. Unter den Geldinstituten die„hineingelegt" wurden, befinden sich n. a. die„Socists Generale", die„Societe du Crödit In- dustriel", die„Union du Credit", die Banque international". Die Sparkasse soll für 400 000 Fr. Papiere haben, die wertlos sind. Eine Wechselagentur soll mit 1800 000 Fr. hängen bleiben.... Alles in allem spricht man von 30 Einzelpersonen, 60 Agenturen und etwa 30 Banken, die Wilmart„hineingelegt" hat. Nestor Wilmart»st aber eine gefallene Größe. Gestem noch ein Grand-Seigneur, vor dessen Namen die„gute" Gesellschaft in Ehrfurcht erstarb, um dessen Gruß und Händedruck man buhlte, dessen Einladungen auf Schloß und Jagdfitze man erpicrte, dessen erlesene Weine man schlürfte, dessen Maitrcssen man bestaunte— ist Wilmart heute ein Verleugneter, mit dem man»m Gotteswillen nichts zu tun gehabt haben will...„Nein, wer hätte so was ge». dacht," fragen sich die unzähligen Schmarotzerfteunde, die ohne Arg- wohn jahrelang den rätselhaften Goldstrom fließen sahen, mit derselben Unschuldsmiene, mit der das Mädchen bei seiner Mama nach dem Leutnant fragte. Warum sollte gerade Nestor Wilmart ein Gauner sein und Obligationen fälschen? War Wilniart nicht ein Finanzgeiüe, ein kapitalistischer Tatenmensch, würdig ein Balzqcscher Held zu sein? Wo hatte der Mann nicht alles sein« yoldzeugende, geschaftssichere Hand im Spiele! Er sah in einem ijeiluilgsunternehme», hatte eine Flaschensabrik, eine Brauerei; da „interessierte" er sich für ein Theaterunternehmen, dort für ein luxuriöses Restaurant, heute für Stahl, morgen für künstlichen Dünger, dann wieder für flüssigen Zucker. Vor allem aber war er der allmächtige die Geschicke„seiner" Eisenbahngeiellschaft lenkende Verwaltungsdirektor... Meiner Treu, da kann sich einer schon was leisten und mit dem Golde klimpern... Kann sich einen Pracht- Hengst iin Werte von 300 000 Fr. im herrlichst besetzten Stalle ballen; kann seinen Maitressen in Spa oder sonstwo ein Giitchen schenken und favorisierten Schauspielerinnen Blumenpräsente täglich schicken, die manchmal das Jahreseinkomnien eines„seiner" Arbeiter überstiegen haben.— Kann Jagdgründe für Hunderttausende pachten, sich Schlösser sürstlich möblieren und sich zahlreicher ukld der lost- spieligsten Maitressen rühmen. Es hängt aufs innigste mit unserer sauichen Gesellschaftsordnung zusammen, dah ein Mensch, ohne Ver- dacht zu erwecken, den wahnsinnigsten Luxus entfalten darf; würde jeder nur von seiner Arbeit leben, wäre die Grenze leicht und klar gesetzt und man wüßte, wo der ehrliche Mann aufhört, aber die Wilmarts mögen das Gold auf die Straße schütten, so brauchts darum noch keinen Argwohn: dann arbeiten eben Fabriken für sie, dann sind die Aktien gestiegen, ist das arbeitslose Einkommen ge- wachsen. Auch Wilmart hätte trotz alledem ei» ehrlicher Mann im Simre der bürgerlichen Gesellschaft sein können. Die Gesellschaft hatte diesmal Pech und ist nun um den bielbelvunderten Grand- seigneur, Lebemann, Zechgenoflen und— Finanzier äriner. „Allah jacta est!" Im„Zofinger Tagblatt" beginnt ein Artikel„Der Türke und seine Stadt am Goldenen Horn" mit folgenden schönen Sätzen: Allah jaot« est! Allah soll lebe»! In bewunderungs- würdiger Kaltblütigkeit und Ruhe hat der Sultan Mehemed V. den Gang der Ereignisse an sich herankommen lassen. Er und sein Volk leben den muselmannischen Fatalisnms, der mit den obigen Worten alles Schwere und alle Heimsuchungen als etwas llnabänder- liches über sich ergehen lassen(I), weil Allah es will. Allah soll leben. Diese fremdländischen Redensarten, bemerken dazu die, Basler Nachrichten", denen wir das Zitat entnehmen, sind doch heimtückisch; wer hätte gedacht, daß das lateinische geflügelte Wort vom gefallenen Würfel mit dem türkischen Ausruf Allah jasoha! sAllah soll leben!) fortzeugend solch einen Wechselbalg gebären konnte. Kleine Notizen. Zwei Personen vom D-Zug überfahren. Ein furchtbarer Unglücksfall ereignete sich nach einer Meldung aus Osnabrück auf dem Bahnhof Bentheim. Der Berliner D-Zug überfuhr dort bei der Durchfahrt zwei Personen. Eine Person wurde sofort getötet, die andere trug schwere Verletzungen davon. Zusammenstosi. In der Nacht zirtn 22. Oktober stiefj auf der Strecke Negensburg— Neu mark der Postzug 4Sl) mit dem Güter- zug 1934 zusammen. Neun Personen wurden leicht! verletzt. Ein Postschaffner erlitt eine leichte Kopfwunde. Der Materialschaden ist bedeutend. Erhebliche Betriebsstörungen traten auf der Strecke Ocbis« fclde— Gardelcgen dadurch ein, daß auf der Station Solple eine Maschine mit einem Packwagen entgleiste und längere Zeit beide Gleise sperrte. Die D-Züge mußten infolgedessen über Magdc- bürg geleitet und der Verkehr der Personenzüge durch. Umsteigen an der Unfallstelle aufrechterhalten werden. Keine Belästigung des belgischen Luftschiffers Gerard. Die in Frage kommenden Amtspersonen bestreiten mit aller Entschieden- heit, den belgischen Lnftschisfer Gerarv ungebührlich belästigt zu haben. Er und sein Begleiter seien vielmehr mit aller Höflichkeit behandelt und nicht länger aufgehalten worden, als zur Feststellung ihrer Personalien und Haftbarmachung für einen verursachten Flur- schaden notwendig gewesen sei. Bon einer Flutwelle wurden nach einer Meldung aus Spanien bei Hafenbauten im Musel(?) ein Ingenieur und elf Arbeiter erfaßt und hinweggespült. Ausbreitung der Pest in Rußland. In einem Dorfe in, der Umgebung von Astrachan ist nun auch ein Arzt an der Lungen- pest, der gefährlichsten Form der Pest, erkrankt und gestorben. HKeeE««« ftT Unserem Genossen vi) Karl Bartsch nebst Frau Kf herzlichen Glückwunsch zur Silberhochzeit. � Bezirk 545 des 6. Kreises. �SSSSSSSSSSSSSSSi «v A 1 Todes-Anzeigen| Am 19. b. Mts. l'l, Uhr starb unerwartet mein heißgeliebter Mann, unser lieber Sohn, Bruder, Schwiegersohn, Schwager und Onkel, der Dreher Kustsv Freyer im 28. Lebensjahre, DieS zeigen liesbetrübt an � ,.... Oora Freyer.geb. vlil Familie Freyer Familie Ohl. Beerdigung: Mittwoch nachmittag 4 Uhr von der Leichen- halle des Gcmeinde-Friedhoics, Huinboldtstraße._ K8A DeuiseherHeiatlaiiieiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Dreher Cusla? Freyer (Reinickendorf, Provinzstraße) am 19. Ottobcr an Lungenleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den 23. d. M., nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Gc< meindejricdhojS in Reinickendors, Humboldlstraße, auS statt. Ferner starb unser Mitglied, der Schlosser ködert Fllis (Pankow, Schmidtstraße 20) am 19. Oktober an Rlppensell- entzündung. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 23. Ottober, nachm. 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des 3. GemeindesricdhosS in Pankow, Schönholzcr Heide, aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet 126/14 Die Ortsverwaltung. Am Sonnabrnd, den 19. Oktober, verlchied nach langen, mit großer Geduld erlraacnen Leiden mein inniggeliebler Mann, unser auler Vater, Sohn, Schwieger- söhn, Bruder und Schwager, der Buchbinder Frost fteever! im 39. Lebensjahre. Die Beeidigung findet am Mit- woch. den 23. Okiober, nachmittags '/,4 Uhr, von der Leichenhalle des Georgcii-Kirchhuses, Landsberger Allee, aus statt. Dies zeigen ticsvetrübt an im Namen der trauernden Hinter' blicbenenen S8A Helene Stecher! nebst Tochter, _ Danziaer Str. 78._ Zähne Plombrn. beste Aus- jührung, billigste Preise. Gegr. 1869. oigg taeobson.'trTi'isfii. Deutseber Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Otto Wolff Zwinglistraße 6, im Alter von 22 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen, Donnerstag, den 24. Oktober, nach- mittags 4 Uhr. von der Halle des Heilands«KirchhoseZ in Plözensee aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 90/5 vis Ortsverwaltung. Verband der Steinsetzer, Pflasterer u.BeruIsg.Deutsebiands Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Rammer »ermium Günther verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute, Mittwoch, den 23. d. MIs., nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Simeons-Kirchhofes in Britz aus statt. Rege Beteiligung erwartet 175/8 Der Vorstand. Warum-mm. Kredit-Feder Zentrale Norden: Brunnenstrasse 1 Filiale Osten: I Filiale Süden: Frankfurter Allee 89| Kottbuser Damm 103 eine Sonderstellung unter den Berliner Kredithäusern elnT Weil bei Kredit-Feder sämtliche Einzelmöbel und kompletten Wohnungs-Einrichtungen in allen gewünschten bi eirund Stilarten, sämtliche Waren, wie: Damen-Ulster, Sammet-Mäntel, Kostüme, Kleider, Röcke, Damen-Hüte, Schuhwaren, Pelzwaren, Herren-Ulster,-Paletots und •Anzüge in Jeder gewünschten Qualität und Grösse stets am Lager vorrätig sind und der Kunde nicht nötig hat, wie es in den meisten Kredithäusern infolge Mangels genügender Auswahl üblich ist, mit entsprechenden Anweisungen Speziai- Geschäfte aufzusuchen. Bei Kredit-Feder ist die Auswahl unerschöpflich. Jede Abteilung gleicht einem Spezialgeschäft. Kulant auf Kredit Anzahlung nach SJebereinkunft Billig gegenKasse 3 Deutscher Transportarbeiter-Verbanil. Bezirksverwaltung GroB-Bsrlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Haus- diener Karl Lorenz von am 21. d. Mis. im Alter 66 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 24. d. Mts., nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Zionskirchhoses, Nieder- Schönhaujen-Nordcnd, aus statt. 67/17 0!s Bezirksverwaltung Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines so plötzlich ans dem Leben geschiede- »en Mannes, unseres Vaters und pchwagerK, sagen allen Freunden und Sekannten sowie den Kollegen der A. E.-G.. der Freien PolksbühNe, dem 6. Wahlvereiii(Abt. 601) und dem Metallarbeiteroerband unseren aus- richtigsten Dank 17A Martha Franke und Kinder. Verband der Maler, Uckierer etc. Filiale Berlin. Unseren Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Maler Hermann Weber (Bezirk Charlotienburg) verstorben ist. Ehre seiuem Andenke» k Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 24. d. Mts., nachmittag« 3 Uhr, von der Halle des Frieohoses, Fürstenbrunner Weg, Charlottenburg, aus statt. 130/11 Oie Ortsverwaltung. Verleih-iDstitut T I dLK"**. Berg Nachf. * WVIK Borchardt. Friedrichstr 1151, am Oranienb. Tor. Tel,: Nord 7402. 37142* Frack. Smoking. Gebrockanzüge, Chapeau elaquc, sü»; jede Figurpass., vorrätig in verschiedenen Preislagen. Sehr grolle Auswahl, mällige Preise. Extra- Abtellunc; 1 1. Gesch.: Berlin W., Mohren- 1 StraBe37a(2. Haus von derl Jerusalemer Stralle). II. Gesch.: Berlin NO., Grolle I Frankfurt. Str. 115(2. Haus I von der Andreasstralle). I Selirgr.Ausw.fert. Kleider, I 1 Hüte, Handschuhe, Schleier| letc. v. einfachsten bis zum I 1 hochelegant.Genrez.äuüeretj niedrigen Preisen. Sonder-Abteilung: naßanfertigung; in 10 bis 12 Stunden. Baer Ecke Prinz.-Allet Herren- und Knaben- Moden, Berufskleidung. Eleg. Paletots. Ulster. :: Grolles Stofllagez ,a zur Anfertigung n.Mall. EinsegnungsanzUge in jeder Preislage. 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Lindcke, Warscbanerstr. 80l H. Ra senke, Birkenstr. 22. Wiffo Mgv Muskauerstr. 16 TT lllC, mdA£c6e Haaleallejitr. W.Wettztädt.Stralsunderstr.lä Berantwortlicher Redakteur: Alfred Witlepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Coiwärt# lvuchoruckerei u. ßt rtagSanstalt Paul Singer u. tta,»verlm SW. » Dr. 248. 29. Jahrgang. 2. KcilM Ks Juraitls" Kerlim NslKsdlÄ Miooch. 23. Oktober!9l2. Sie Neuerung. Zentrumsschwindel. Auf dem soeben abgehalteneu christlichen Gewerlschaftskongreb legten die Hörigen deS Zentrums noch ein uneingeschränktes Be- kenntnis zu unserer.herrlichen" agrarischen Wirtschaftspolitik ab. Immer noch versuchen sie die Fiktion aufrecht zu erhalten, als ob die Teuerung zum Teil auf nur vorübergehenden Erscheinungen be- ruhe, zum anderen Teil die Folge wucherischer Händlerpraktiken sei. Deshalb soll die Forderung der Sozialdemokratie auf Oeffnung der durch Zollschranken, schikanöse Einfuhrbcstimmungen und direkte Ver- böte gesperrten Grenzen zwecklos, nur von agitatorischen Bedürfnisien diktiert worden sein. Dieselbe Litanei leiert auch die.Westdeutsche Arbeiterzeitung", das Organ der M.-Gladbacher Demagogie und Streikbruchtheorie, in ihrer Nr. 42 vom 19. Oktober. Schließlich aber vergreift man sich im Material und veröffentlicht eine Tabelle. die alle ultramontanen Behauptungen als aus dem Reich der Fabel entlehnt charakterisiert. Es handelt sich um die Fleischpreise in der Kruppschen Konsumanstalt. Sie zeigen diese Entwickelung: Es kostete 1 Pfund Pfennige, in der Periode: 1372/89 1831/90 . 75 77 58 68 67 60 59 53 Rindfleisch. Sckweinefleisch Kalbfleisch. Hammelfleisch Schmalz.. 71 58 67 57 1890/1900 75 62 69 63 56 43 1901/10 66 82 82 63 62 1911 85 75 90 Ivo 65 61 Das Blatt bemerkt dazu, in diesen Kreisen komme„der Ein« fluß der Produktion ohne den Aufschlag des Zwischen- Handels und der Zwischengewerbe am klarsten zum Aus- druck".--- Weiter wird auch noch bemerkt, daß im laufenden Jahre.noch eine weitere Steigerung" eingetreten sei. Die Kon statierung dieser Tatsachen enthüllt am deutlichsten die verlogenen Redensarten von den vorübergehenden Erscheinungen und der Bor züglichkeit der agrarisch-ultramontanen Wirtschaftspolitik. Vom internationalen Kampf gegen den Agrarwucher. Die internationale Erscheinung der LebenSmitteltenerung macht sich seit langem auch in Schweden bemerkbar. Verschärft wird die Teuerung auch hier durch die hohen Agrarzölle wie durch die seit 25 Jahren betriebene protektionistische Wirtschaftspolitik überhaupt. Unter dem Schutz der Zölle haben sich Kartelle und Trusts gebildet, die besonders in der Lebensmittelindustrie sich die intensive Ausbeutung der Konsumenten zum Ziel gesetzt haben. Dazu kommt in neuerer Zeit(seit der Eröffnung der Fährver- bindung Saßnitz— Trelleborg) eine gesteigerte Ausfuhr von Agrar- Produkten nach Deutschland, die eine Förderung der Preissteigerung zur Folge hatte. Die Arbeiterklasse leidet unter dem Druck der Teuerung außerordentlich, und die gewerkschaftlichen Organi. sationen sind zurzeit nicht in der Lage, den notwendigen Ausgleich herbeizuführen. Der Parteivorstand der schwedischen Sozialdemokvatie ver- ösfentlicht soeben ein Manifest an das arbeitende Volk-Schwedens, das Maßnahmen gegen die Teueruug verlangt. Vom Staat und den Gemeinden wird gefordert, daß sie unverzüglich die Frage der Teuerung beraten und notwendige Maßnahmen ergreisen. Zunächst sind provisorische Anordnungen notwendig, die die Zufuhr der Lebensmittel erleichtern und den Verkauf ohne verteuernde Zwischenhände ermöglichen. Sodann wird eine Acnderung der ganzen Wirtschaftspolitik deS Staates den Interessen der Kon- sumenten entsprechend gefordert. Den Arbeitern wird nahegelegt. sich den politischen, gewerkschaftlichen und genossenschaftlichen Orga- nisationen anzuschließen. Zum Schluß werden die Massen aufge- fordert, in Massenversammlungen im ganzen Reiche zur Teuerungs. frage Stellung zu nehmen. Keine Frachtermäßigung für Konsumvereine. Die preußische Regierung hat bei ihrer Stellungnahme zu den Maßnahmen gegen die Teuerung unter anderem erklärt: „Die Vergünstigungen, die zugunsten von Gemeinden und gemein- nützigen Organisationen beim Bezug von Seefischen bestehen (Frachtnachlah von 20 Proz.) bleiben auch für da? Jahr 1913 in Kraft." Die Konsum-Genossenschaft Berlin und Umgegend hat sich auf Grund dieser Erklärung an die jtönigl. Eisenbahn- direktion Berlin gewandt mit dem Ersuchen, ihr diesen Fracht- Nachlaß ebenfalls zu bewilligen. Sie wies in der Begründung darauf hin, daß sie über 60 000 Mitglieder zähle, die sich meist aus den Kreisen der minderbemittelten Bevölkerung zusammensetzen und daß sie in ihrer Organisation nicht auf irgendwelchen Privat- erwerb ausgehe, sondern lediglich im Interesse dieser ihrer 60 000 Mitglieder wirke. Die Konsumgenossenschaft glaubte, daß sie mit Rücksicht auf die große Zahl und vor allem mit Rücksicht auf die Grundsätze der genossenschaftlichen Betätigung auf Entgegenkommen der Eisen- bahndirektion rechnen dürfte. Die Eiscnbahndirektion ist jedoch anderer Meinung; sie teilte mit. daß die Vergünstigung keinen Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften gewährt werden dürfe. Eine Genossenschaft, die sich die Förderung der Wirtschaft ihrer Mitglieder angelegen sein läßt, hat unseres Dafürhaltens einen durchaus gemeinnützigen Charakter und es dürfte schwer halten, das Gegenteil zu beweisen. Die Eisenbahirdirektion aber stellt sich auf den Standpunkt, daß den Konsumvereinen der ge- meinnützige Charakter fehlt und daß infolgedessen die Konsum- Genossenschaft nicht dieselben Rechte eingeräumt bekommen kann als andere gemeinnützige Vereine. Dieser Standpunkt ist von demselben Geist beseelt als jener, der die Konsumvereine durch A u s na h m ebcsteuerung belasten und sie in ihren Bestrebungen unmöglich machen will. Die Konsum-Genossenschaft Berlin und Umgegend wird, wie sie uns mitteilt, trotzdem den Bezug von Seefischen beibehalten. und an den Mitgliedern wird es liegen, ihre Geschäftsleitung in diesem Bestreben zu unterstützen. Maßnahmen von Charlottcnburg. Obgleich der Magistrat die von der Regierung vorgeschlagenen Matznahmen als ein ausreichendes Mittel zur Minderung einer auch nur vorübergehenden Fleischnot nicht ansehen kann, will er doch versuchen, inwieweit die erteilte Genehmigung für die Be- völkerung nutzbar gemacht werden kann. Der Magistrat hat für die Stadt Charlottenburg beim Berliner Magistrat einen Anteil in Höhe von 8 Proz. de? aus Rußland zu beziehenden Rind- und Schweinefleisches angemeldet, das in einer Gesamtmenge von 8000 Zentner allwöchentlich vertragsgemäß im Berliner Zentral- Viehhof zur Abgabe kommen soll. An den durch Bezug des Fleisches entstehenden Unkosten, die sich hauptsächlich aus den Ausgaben für die Errichtung eines einfachen Schlachthauses an der Grenze fzirka L0 000 M.) und den Ausgaben für einen Tierarzt und zwei den Lieseranten beizugebende Kassenbeamte zusammensetzen, sind die 5. 6. Vororte im Verhältnis zur Größe ihres Bezugsanteils beteiligt. Die Charlottenburger Fleischer haben sich bereit erklärt, den Vertrieb des Fleisches zu übernehmen und eine siebengliedrige Kommission gewählt, die bei der Abnahme des Fleisches, bei der Bestimmung des Preiszuschlages und der Kontrolle mitwirken soll. Die Schlächter, die ausländisches Fleisch zum Weiterverkauf über nehmen, sind verpflichtet, im Schaufenster ihres Ladens ein vom Magistrat geliefertes, auf den Verkauf ausländischen Fleisches hinweisendes Plakat anzubringen, ferner das ausländische Fleisch in deutlich erkennbarer Weise getrennt von den übrigen Fleischsorten aufzubewahren, und es nicht zu höheren als zu dem vom Magistrat festgesetzten Preise zu verkaufen. Das Fleisch darf nur in Mengen von'A bis 4 Pfund und Nur an Selbswerbraucher abgegeben werden. Nur für den Fall, daß die Forderungen der Fleischer der Stadtverwaltung die Einhaltung der ihr auferlegten Bedingungen. Verkauf zu Selbstkostenpreisen und angemessenem Zu schlag, unmöglich machen sollten, hat der Magistrat eine selbständige Abgabe des Fleisches an die Verbraucher, unter Umgehung der Fleischer, in Aussicht genommen und dafür alle Vorkehrungen getroffen._ Die ßerllner GewerkfchaMommisslon nahm in einer am Montag abgehaltenen Versammlung Stelluny zur Errichtung eines Bezirks-BildungsausschusseS für Groß-Berilin. Der Referent Ritter erinnerte daran-, daß der Parteitag in, Jena den ZentralbilduuAouSschuß für Deutschland ins . Leben gerufen hat und daß sich demzufolge die Einsetzung von Bezirk-BildumgsvuSschüssen nötig macht, t»ie auch in verschiedenen Bezirken bereits bestehen und in Tätigkeit sind. Daß die Förderung des BildungswesenS unter den Arbeitern zu den Ausgaben der Partei- und Gewerkschastsorganisatiowen gehört, haben sowohl die Kongresse der Partei als auch der Gewerkschaften anerkannt. Dem zufolge ist ein gemeinsames Zufaanmenorbeiten vou> Partei und Gewerkschaft auf diesem Gebiet notwendig. Die Errichtung eines Bezirks-Bildungsausfchulsses für Groß-Berlin beschäftigt schon seit längerer Zeit die Partei- und GewerkschastSinstangem Es ist nun zwischen dem Aktionsausschuß der Partei u-md dem Ausschuß der Gewerkschattskommission eine Vereinbarung auf folgender Grundlage zustandegekvminen«: 1. Zur planmäßigen Anregung und Förderung deS Bildungs- Wesens der organisierten Arbeiter Groß- Berlins wird ein Bezirksausschuß Groß-BerlinS eingesetzt. L. Der Bezirks-BildungSausschuß besteht auS 9 Mitgliedern, von denen vier, die Gewerffchwftem vier die politischen Organisationen bestimmen; daS neunte Miiglied ist der besoldete Sekretär des Bezirksausschusses. 3. Der BezirkSÄZildungsousschuß hält nach Bedarf, mindestens aber jährlich einmal, eine Konferenz mit den Vertretern der Bildu-ngsausschüsse der Wahlvereine und der Gewerk schaften ab. 4. Sämtliche Bildungsveranstaltungen, mit Ausnahme der Un-terrichtskurse. sind organisatorisch und finanziell Sache der cingelnen Wahlvereine und Gewerkschaften. Der Bezirks- BildungSausschuß ist verpflichtet, den Wahlkreis», und Ge- werkschasts-Bildungsausschüssen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Tic Kosten, des Bezirks-BildungSauSschusseS tragen die poli- tischen und gewerkschaftlichen Organisationen, Groß-SLerlins zu gleichen Teilen. Der BczirkS-BildungSauSschuß ist der Gewerkschaftskommission und dem Verbände der Wahlvereine veraniwortlich und hat ihnen alljährlich Bericht zu, erstatten. Weiter führte der Referent aus. daß den eiiiyelnen Wahl- Vereinen und Gewerkschaften in den Arrangements ihrer festlichen Veranstaltungen keine Schranken, durch den BildungSausschuß gesetzt werden sollen. Anfangs war beabsichligt. auch die Arbeiter- Bildungsschnle in den KreiS der vom Bezirksausschuß unierhaltenen Einrichtungen eingubeziehem Man. hat aber davon Abstand ge- nonrinem weil sich dadurch die finangiellen Aufwendungen so ge- steigert hätten, daß die Gewerkschaftskommission den auf sie cnt- fallenden Anteil nicht ohne Beitragserhöhung hätte übernehmen können. Die ArbeiterbildungSschule soll deshalb eine eigene Jnsti tution bleiben. Die in der angebenen Vereinbarung in Aussicht ge- nommenen Ausgaben des BczirkS-Bildu na SauSschusseS lassen sich ohne Erhöhung des Beitrages zur Getrerkschastskoinmission durch- führen. Manche erstrebenswerten Einrichtungen, die jetzt noch nicht verwirklicht werden können, müssen der Zukunft vorbehalten bleiben. — Gleichzeitig mit dem Tilduugswesen sollen auch die Veranstail- tungen für die Jugend sowie die Arbeiten der Kinbcrschutzkommission selbständig, das heißt nicht mehr im Nebenamt, ausgeführt werden. Für diese drei Tätigkeitsgebiete ist die Anstellung von zwei Per- sonen in Aussicht genommen. Die Kosten dieser Einrichtung sind aus 80 000 M. veranschlagt. Davon übernehmen die Gewerkschaften 10 000 M. Das ist nur weniig mehr, als sie bisher schon für, nannten Zweck ausgegeben haben Die Partei ist bereit, den gros ren Anteil dieser Summe zu übernehmen. TktS ist, nach Ansicht des Referenten nur gerecht, da die Partei für sozialpolitisch« An» gelegenheiten bi» jetzt nicht viel ausgegeben hat und da sie auch in der Lage ist, für lokale Zwecke mehr als bisher auszuwenden.— Der Redner ersuchte um Annahme der folgenden Resolution: „Die am 21. Oktober 1912 versammelten Vertreter zur Ber. ltner Gewerkschastskvmmission erteilen dem Ausschuß die Er- mächtigung. die von diesem in Vorschlag gebrachten Mittel zur Errichtung eine» BildungSausschusses und Anstellung zweier Sekretäre für die Bildungsarbeit, die Jugendbewegung und den Kindcrschntz bereitzustellen." Massini erklärte, daß er die, vom Referenten vertretenen Bestrebungen billige, aber er sei nicht in der Lage, den vorgeschlage- nen weitgehenden Maßnahmen heute schon zuzustimmen. Den Vor- ständen der Gewerkschaften müsse Gelegenheit gegeben werden, die Sache zu prüfen. Die Abstimmung könne in nächster Zeit in eiper neuen Versammlung vorgenommen- werden. Müller stellte sich ebcnsalls auf den- Standpiink-t MaffiniS. Ritter trat für sofortige Erledigung der Angelegenheit ein. Die Salbe sei für die Gewerkschaften nichts neues; die Vorstände könnten informiert sein, denn beim letzten Jahresbericht der Ge- Werkschaftskommission sei die Angelegenheit bereits behandelt worden. Den Vertretern sei auch ein Protokoll über die Veehond» Hungen zwischen AktionSnnSslbnß und GeWerks chaftSausschuß zugeschickt worden Die Angelegenheit müsse jetzt endlich zum Abschluß kommen. Die heutige Versammlung sei kompetent, eine endgültige Entscheidung zu, treffen. Hierauf wurde die Resolution Ritter— wie der Vorsitzende Körst en konstatierte— gegen die Stimmen der Buchdrucker und der Buchdruckercibilfsarbeiter angenommen-. Nunmehr machte Körsten einige Ausführungen über die Mitarbeit an der deutschen Zentrale für Jugendfürsorge. Es handelt sich hier in der Hauptsache um Bestrebungen, die darauf hinauslaufen, die Verhältnisse der Jugendlichen die mit den Straf- gesehen in Konflikt gekommen sind, zu erforschen, sie vor Gericht ins rechte Licht zu rücken und dadurch zu einer gerechten Beurteilung und zu bessernder Einwirkung auf die beireffenden Jugendlichen. Ver- anlassnng zu geben. Wie der Redner betonte, handelte cS sich hier um Arbeiten von hoher sozialer Bedeutung. Deshalb haben sich auch die Gewerkschaften seinerzeit bereit erklärt zur Mitarbeit an den Be- strebungen der Zentrale für Jugendfürsorge. Sie haben eine An- zahl von Helfern gestellt, die zum Teil ein großes Maß von Arbeit mit Recherchen haben.� Die Ausführungen des Redners givft-lten darin) daß er die Gewerkschaften ersucht«, ihren Angestellten, die sich mit Arbeiten für die Jugendzentrale befassen, die erforderliche Zeit zu gewähren und nicht— wie es in manchen, Fällen vorgekommen sei— zu- verlangen, daß die Betreffenden diese Arbeiten in ihrer fteien Zeit machen. ES würde einen, schlechten, Eindruck machen, wenn Gewerkschaftsangestellte aus, Maugel an Zeit von den, an- erkenncnSwertcn, Arbeiten.für die Jugendzentra-le zurücktreten müßten. Die Versammlung nahm, diese Ausführungen ohne Debatte zur Kenntnis. Durch Verzug des Metallarbeiters H a n d- k e nach außerhalb ist ein Sitz im Ausschuß freigeworden», den die Versammlung durch die Wahl Cohens besetzte. Mit Ausforderungen, zur regen Beteiligung on den, Gewerbegerichtswahlen und den Wahlen zur Angestelltenversicherung endete die Versammlung. Es fehlten, dir Vertreter der Blumen- und Blättcrarbeitcr, Gärtner, Cafeangestellten, Handlungsgehilfen, Holgarbeiter, Lager- Halter, Porzellanarbeiter, Textilarbeltcr. Xylographen sowie der Unterkommisstonen von Erkner. Neukölln, Weißens«, Wilmersdorf, Tegel, Hennigsdorf a. H. Em Induftne und ftandel Der deutsche Außenhandel im September 1912. Der neueste Ausweis vom deutschen Warenverkehr mit dem Ausland bietet ein fast restlos befriedigendes Bild. Soweit die Einfuhr wesentlich gestiegen ist, kommen durchweg Rohstoffe in Frage, deren stärkere Zufuhr ein sehr günstiges Licht auf die Fort« dauer der aufsteigenden Konjunktur in den nächsten Monaten wirft. So ist der Import von Erzeugnissen der Forst- Wirtschaft, d. t. in erster Linie von Bau- und Nutzholz, ge- wachsen; ferner wurden Erze im September in weit stärkerem Umfange als im Vorjahre eingeführt. Andererseits nahm der Export von fossilen Brennstoffen einen ganz un- gewöhnlichen Umfang an; im September 1911 wurden 29,64 Millionen Doppelzentner, im September 1912 aber 35,76 Mill. Doppelzentner dieser Produkte aus dem deutschen Zollgebiet aus- geführt. Bei der chemischen Fabrikation und der Eisenindustrie hat sich die Ausfuhrsteigerung in ungeschwächtem Grade fortgesetzt. ES verdient besondere Erwähnung, daß auch die Maschinen- industrie, deren ausländisches Geschäft im Sommer bedenklich still lag, seit Beginn der Herbstsaison kräftige Fortschritte auf dem Weltmarkt gemacht hat. Daß der Import von landwirtschaftlichen Produkten entschieden nachzulassen beginnt, ist die unmittelbare Folge davon, daß daS bessere Ergebnis der heimischen Ernte einen größeren Teil des Bedarfs als im Vorjahre zu decken vermag. Die Gesamtmenge der im September 1912 importierten Waren ist gegen den borjährigen Korrespondenzmonat um 1,09 Millionen Doppelzentner gestiegen. Dem Werte nach erhöhte sich die reine Wareneinfuhr von 786,34 auf 789,65 Millionen Mark. Die Ausfuhr von Waren aller Art erhöhte sich im Sep- tember 1912 gegen 1911 von 50,55 Millionen Doppelzentner auf 58,05 Millionen Doppelzentner. Während die Einfuhr nur um 1,8 Proz. wuchs, dehnte sich der Export, der Menge nach, um 14,8 Proz. aus. Der Wert der Warenausfuhr stieg gleichzeitig von 713,79 Millionen Mark auf 766,10 Millionen Mark. Die Ausfuhr der wichtigsten Warengruppen gestaltete sich im September, verglichen mit dem Vorjahr, in Doppelzentnern folgendermaßen: 1911 4 622 762 35 172 084 3 618 271 4 587 822 523 804 850 772 Die Ziffern der letztgenannten Position bestätigen, daß das Textilgewerbe am allgemeinen Ausschwung nicht teilnimmt. Im einzelnen sank die Ausfuhr von Seidenwaren von 12 685 Doppel- zentner auf 11 165 Doppelzentner, die Ausfuhr von Wollware,. von 67 860 Doppelzentner auf 61 287 Doppelzentner; ebenso bekundete der Export von Baumwollerzeugnissen einen Rückgang von 111684 Doppelzentner auf 103 085 Doppelzentner. September Land« u. Forstwirschaft.. Mineral, u. fossile Rohstoffe. Chemische Erzeugnisse... Unedl. Metalle u. Waren dar. Maschinen, elektrot. Erzeugn. Spinnstoffe u. Waren daraus 1912 3 808 369 42 145 577 4 000 234 5 232 701 781 440 344 873 -j- oder— — 814 393 4-6 973 493 -- 381963 694 879 -- 208 136 — 5 899 Berliner Elektrizitätswerke. Das Geschäftsjahr 1911/12 schließt mit einem Bruttogewinn von 21,743 Millionen Mark ab. Nach Abzug der Steuern. Zinsen, Ab» schreibungen usw. verbleibt ein Gewinn von 11,078 Millionen. Der Hauptantcil davon fällt den Aktionären als Dividende zu: die Vorzugsaktien erhalten 4A Proz., die Stammaktien 12 Proz., insgesamt 6,192 Millionen. Dem gesetzlichen Reservefonds fließen 548 000 M. zu. Während die 10 Mitglieder des Auffichtsrats an Tantieme einschließlich Tantiemcsteuer über 205 000 M. erhalten, werden an Gratifikationen für Beamte, an die Krankenkassen- und Pensionsfonds nur 200 000 M. überwiesen. Der Stadt Berlin fallen als Gewinnanteil nur 3,74 Millionen zu, nebst einer 10prozentigen Abgabe von 3,04 Millionen, die unter Geschäftsunkosten gebucht werden. Versammlungen. Deutscher Metallarbciterveriand. Die Schlosser Berlins und der Umgegend hielten am Montagabend eine Branchenversammlung ab. in der Adolf Cohen einen mit lebhaftem Interesse verfolgten Vortrag über die„Bedrohung des KoalilionSrechteS" hielt. AuS dem Bericht der Kommission sei erwähnt, daß die Schlosser nur den Arbeitsnachweis in der Rückertstraße benutzen dürfen, der errichtet werden mußte, weil die Unternehmer die Arbeiter zwingen wollten, nur ihren Nachweis zu benutzen. Die Verhandlungen über Errichtung eineö paritätischen Arbeitsnachweises waren bisher er- algloS. Der Schluß der Arbeitszeit konnte, bis auf wenige Ans- »ahmen, auf 5 Uhr festgesetzt werden.— Im großen und gnnzen würden die neuen tariflichen Bedingungen eingehalten. Die Arbeiter der Oberlichtbranche sind in eine Bewegung eingetreten und ardern die Einführung eines TarifeS, ebenso wird versucht, für die Eiienmöbelbronche einen Tarif abzuschließen.— Die Mitgliederzahl ist erfreulicherweise in stetem Steigen begriffen und ist e» im Jnler- esse einer gedeihlichen Weiterentwickelimg notwendig, eine Trennung der Branche vorzunehmen. Der Versammlung wurde ein Vorschlag uiilcrbreitel und angenommen, wonach drei selbständige Branchen gebitdet werden sollen und zwar: 1. Branche der Bau- und Geldschrankschlossier(5000 Mitglieder). 2. Eisen« k o ii st r u k t i o n s- und F a h r st u h l b r a n ch e(5000 Mitglieder), 3. Eisen in öbel-, Schwarzblech» und Möbelschlosser- brauche<2000 Mitglieder). Die neuen Branchen sollen bald- möglichst eine Versammlung einberufen. Lese- und DisN itterklub„Wilhelm Liebknecht". Heule Mittwoch, abends 9 Uhr- Sitzung bei Karl Eichhorn, Danziger Str. 93. Vortrag. Gäste willkommen._ Marktbericht von Berlin am 21. Oktober 1»lS. nach Ermittelung deS könlgl. Polizeipräsidiums. Marttballenp reite.(Kielnbandel) 100 Mogramm Erbten, gelbe, zum Kochen 30.00—50,00. Speisebohnen, weitze, 33.00— 50,00. Linien 35,00-60,00. Kartoffeln(Klcinfibl.j 5,00—3,00. 1 Kilogramm Nindfleitch, von der Keule 1,80-2.40. Nindilcilch, Bnuchsteisch 1,50—1,80. Schweinefleisch 1,60—2,40. Kalbfleisch 1,50—2.40. Hammelfleisch 1,40-2,40. Butter 2,40-3,00. 60 Stück Eier 4,20-000. 1 Kilogramm Karpjen 1,40—2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,40—3,60. Hechte 1,40-2,80. Barsche 1,00-2,40. Schleie 1,60—3,60. Bleie 0.80-1,60. 60 Stück Krebs« 2,00-30,00. Den Lesern wird hierdurch ergcbenst init aeteüt, dag eine reich illusirierte Wochenschrift unter dem Titel«Welt und Wissen" erscheint. 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Urania. Daubenftraß« 48/49. S Uhr: Dr. Paul Sarrafin-Basel: Wissenschastlicher Verein. Hörsaal 8 Uhr: Dr. Wilh. Berndt: Tiere als Parafiten und Krank- heitserreger. Auf's Matterhorn. Sammerspiele. Mein Freund Teddy. Lessiug. Hedda Gabler. Söniggrätzer Straße. Die fünf Frankfurter. Schiller O. Flachsmann als Er- zieher. Schi« er. Eharlottenburg. König Lear. Berliner. Filmzauber. Steines. Magdalena. Residenz. Gemütsmenschen. Deutsches Schauspielhaus. Der gutsitzende Frack. Sroll. Almenrausch und Edelweiß. Thalia. Autolicbchen. Theater am Nollendorfplatz. Or- ' pbeuS in der Unterwelt. Surfürsten-Oper. Der Kuhreigen. Moutis Operette«. GoldnerLeicht- sinn. SomödienhauS. Die Zart«. Luisen. Die gelbe Gefahr. Ros«. Die Jüdin von Toledo. Herrnseld. Die Alpenbrüder. Endlich allein. Metropol. Chauffeur— WS Metropol. Drianon. Liebesbarometer. «asino. Der Großsürst. Reichshalle». Die Macht der Töne. Königstadt. Kasino. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. «Poll». Spezialitäten. Paffage. 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Freitag: DaS Katche» von Heil- �Sonnabend: DeS ander» Ehr«. Theater am Rollendorfplav (Neues Schauspielhaus). Täglich abends 8 Uhr: Gastpicl des Münchcner Künstler- Theaters: Orpheus in der Unterwelt. �Otitis Operetten-Theater (srüher BTenes Theater) 8 Uhr: Goldener Leichtsinn. Freitag, z. 1. Mal: Der Prauenfresser. Residenz-Thealer. 8 Ilhr: 8 Uhr: llemntsmeiischen. Schwank in 3 Akten von Fritz Friedmann-Frederich. Morgen und solgende Tage: tiemtttamennehen. OSE=THEATE Große Frankfurter Str. 132. Ansang 8 Uhr. J\ Die Jüdin von Wo. Histor. Trauersp.inöAkt. v. Grillparzer Donnerstag: Bon Stufe zu Stufe. Sonnabendnachm.4Uhr: Aschenbrödel 1 Je„Clou" ■™■ MaiiflrstraÖfl 82.— Zil Berliner:: Konzerthaus MauerstraBe 82.— ZimmerstraSe 90/91. Heute; Großes DoppeUKonzert. He"te! Berliner Konzerthaus-Orchester v.mSkomp, Musikc. II. Garde-Regts. z. F. oS.eGi�. Anfang 8 I7hr. Eintritt 50 Pf. Anfang 8 Ehr. An allen Wochentagen nachm. Cr. Promcnaden-Konsert bei freiem Eintritt. Neu eröffnet! 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Ktüllgt des Jsniiijrts" Jerlinet lollislilntt. Partei- Mgelegcnkeiten. Britz- Buckow. Am Donnerstag, den 24. d. M.. avendS 8'/z Uhr, im großen Saal bei Raddatz: Demonstrationsvortrag. Thema: „Das Gas im modernen Haushalt". Gleichzeitig werden die modernsten GaSapparate ausgestellt. Kostproben werden gratis ver- teilt. Die Parteigenosten und-genossinnen wollen diesen uncntgelt- lichen Vortrag besuchen. Reinickendorf- Ost. Eine Vorstellung der Hackenberg-Gesellschaft veranstaltet morgen Donnerstag, abends um 8 Uhr, der Wahlverein in den„HubcrtuSsälen", Provinzstr. 74/76. Billetts zum Preise von Pf.(an der Kaste 30 Pf.) sind noch bei den Bezirksführern und in den mir Plakaten belegten Handlungen zu haben. Friedrichshagcn. Morgen, Donnerstag, abenS S3/« Uhr, findet im Restaurant Lindengarten, Friedrichstr. 74, der zweite Vortrags- abend statt. Genosse Martin Kahle spricht über L e s s i n g. Köpenick. Heute, Mittwoch, den 23. Oktober, abends 8 Uhr, im Wilhelmsgarten(Jnh. L. Scheer): Wahlvereinsversammlung. Tages- ordnung: Vierteljabresbericht des Kassierers, Aufnahme neuer Mit- glieder. Bericht der Stadtverordnetenfraktion, Aufstellung der Kandl- baten für die Stadiverordnetenwahien. Verschiedenes. Hohcn-Schönhausen. Am Donnerstag, den 24. Oktober, abends 7 Uhr, von den Bezirkslokalen aus: Wichtige Flugblattverbreitung. Am Freitag, den 25. Oktober: Oeffentliche Versammlung bei Rehher, Berliner Str. S3. Tagesordnung:„Die Hausfrauen und die Mütter im Kampfe gegen die Teuerung". Referentin: Genossin Mathilde Wurm. Berliner rtodmcbten. Auch eine Beterancnfiirsorge. Vor einiger �eit wurde über einen Verein für Veterauenfürsorge berichtet, dessen eifrigstes Bestreben sich darauf richtete, recht schnell recht viel Geld zu sammeln, um dann, nachdem bereits Tausende ein- gelaufen waren, einen Veteranen großmütigst mit 25 M. zu unterstützen. Mit dem Porsitzenden dieses famosen Vereins beschäftigt sich jetzt die Staatsanwaltschaft. Vor kurzem ist ein anderer Verein zur Unterstützung von Veteranen gegründet worden, der zwar auf einem anderen Pfade wandelt, aber doch dieselbe Richtung hat, nämlich die Veranstalter zu bereichern. Es handelt sich um den Verein„Humanitas"— Veteranenspende—, von einem Versicherungsagenten inS Leben gerufen, der durch feine Satzungen die Unterstützung bedürftiger Veteranen aus den Feldzügen 1864. 1866 und 1870/71 verfolgt. Die Mitiel hierzu sollen aufgebrocht werden durch den öffentlichen Verkauf einer bunten Ausichlspostkarle durch angeworbene Frauen. Der Verkaufspreis der Karte beläust sich auf 20 Pf.' Von diesen 20 Pf. sollen enifallen 5 Pf. für die Veteranen, 5 Pf. für die Verkaufsdame als Verdienst, S1/* Pf. für den Druckereibesitzer, der zugleich Vor- standsmitglied ist,' und 6'/� Pf. sollen für die Vereinskosten(Vereins- bureau usw.) und als Reingewinn unter die Vorstandsmitglieder(I) verteilt werden. Den Vorstand bilden ein Versicherungsagent, der wegen Urkundenfälschung, Unterschlagung und Betrug mit Gefängnis und Zuchthaus wiederholt bestraft und die Seele des Geschäfts ist, ein Druckereibesitzer, der den Druck der Karten besorgt, und eine adlige Dame, die früher Sprachlehrerin war. zurzeit aber ohne feste Stellung ist und sich mit schriftstellerischen itobeiten ihr Brot zu ver- dienen sucht. Dieses WohltäligkeirSunternehmen ist danach ein auS- gesprochenes Erwerbsgeschäft und betrachtet den Hinweis auf die armen Veteranen als Mittel zum Zweck. Nach der Per fön» l i ch k e i t des Geschäftsführers wird jedermann diesem HumanitaS- vereine nicht mehr Vertraue» entgegenbringen, als er es verdient. Hoffentlich genügt diese„zarte Mahnung" an die beteiligten Personen, den Verein aufzulösen, da sie sonst in eine— wiederum zart ausgedrückt— unangenehme Situation geraten könnten. Delegicrtenwahlen z« den Ortskrankenkasseu der ver- schiedensten Berufe finden anfangs November statt. Stach der neuen Reichsversicherungsordnung sind die Rechte der General- Versammlung, später Ausschutz genannt, erweitert worden, wie z. B. Prüfung und Genehmigung, des vorher zu veraiv schlagenden Etats und Ueberwachung der Kranken durch Fest- legmi«, der Kraukeuordnung. m ist daher dringend notwendig, datz die Kafsenmitglieder sich ernstlich um die Delegiertenwahlcn bekümmern, damit Personen gewählt werden, die mit den Verhältnissen ihrer Kasse vertraut sind und bei denen vorausgesetzt werden kann, datz sie die Interessen ihrer Mitkollcgen auch zu wahren ver- stehen. Im'Inseratenteile unseres Blattes erscheinen jetzt fort- gesetzt die Ankündigungen der einzelnen Ortskrankenkassen, die sich auf die Delegiertenwahlcn bezichen. Wir möchten die Kassenmitglieder um besondere Beachtung dieser Ankündigungen ersuchen. Nebcr Uebelstände in Privatklinikcn, über die wir in unserer Sonnlagsnummer berichteten, schreibt uns ein Angestellter einer Krankcnkaste:„Eine ganze Reibe Privatkliniken befinden sich direkt auf größeren Fabrikgrundstücken, ja sogar in Fabrikgebäuden. Von früh bis spät haben die Kranken unter dem fortwährenden Lärm zu leiden. Hinzu kommt, daß die meisten Patienten solcher Kliniken chirurgisch behandelt werden und nach Operationen besonderer Ruhe bedürfen. Auch die sanitären Einrichtungen find oftmals äußerst mangelhaft. ES fehlen genügende Wascheinrichlmigen, nicht zu reden von Badeeinrichtungen. Die vorhandenen Klosetts sind im Hinblick auf die Zahl der Patienten zu gering, zum Teil müsten Frauen und Männer ein Klosett benutzen. Ein anderer Uebelstand liegt in der Beköstigung. Die Privatkliniken sind in erster Linie auf Privatpatienten bedacht. Um aber ständigen Betrieb zu haben, sind auch minder gut gelegene Räume direkt für Kastenpatienten eingerichtet. Wird schon in größeren Krankeiihäulern die verschiedenartige Behandlung sowie Beköstigung für diejenigen, welche nicht über ein gefülltes Portemonnaie ver- fügen, unangenehm empfunden, so fällt in den räumlich be- schränkten Privatkliniken dieser Umstand noch mehr auf. Mitunter tritt dicke verschiedenartige Beköstigung in Erscheinung in einem ein- zigcn Zimmer von 3�-4 Betten. So wird bei jeder Mahlzeit dem Kranken der Klassenunterschied sichtbar gemacht. Auch das Fehlen des Arztes während eines Teiles des Tages und voll- ständig während der Nacht ist nicht ideal zu nennen. In den meisten Kliniken ist der Arzt nur zwischen 9 Uhr bezw. 10 Uhr vormittags bis gegen 3 Uhr nachmittags anwesend. Die Privatwohnung des Arztes befindet sich größtenteils im Westen, während die Kliniken sich meistens in Berlin t). oder 80., der Miete wegen, befinden. Abgesehen von ganz dringlichen Fällen mutz der Patient eben warten, bis der Arzt zur gewöhnlichen Zeit kommt. Infolge des chronischen.Betienmangels in den größeren Kronkenhäusern ist es den Krankenkassen äußerst schwer, einen Kranken unterzubringen. Frauen mit Kindbetifieber wurden wegen Platzmangel einfach ab- gewiesen, trotzdem der behandelnde Arzt die sofortige Aufnahme für geboten erachtete. Mir sind Fälle bekannt, wo der Tod dann mit- leidiger war. Er nahm die Erkrankte auf. Diese Fälle sind nicht etwa vereinzelt. Jede Krankenkasse könnte mit gleichartigem Material dienen. Auf Grund dieses chronischen Bettenmangels in den größeren Krankenhäusern blühen die Privatkliniken. Die Kastenverwaltungen müssen froh sein, wenn in einer Privatklinik überhaupt noch Auf- nähme erreicht werden kann. Trotzdem die mißlichen Verhältnisse bekannt sind, muß man, wenn auch schweren Herzens, die Kranken dorthin schicken. Erst wenn Staat und Gemeinde ihrer Pflicht sich bewußt werden und für mehr Betten sorgen, wird dieser Mißstand der Privatkliniken verschwinden, weil dann lein Raum mehr für sie vorhanden ist."_ Aus dem Krankenhaus ins JrrcnhauS! Wieder wird uns gemeldet, daß ans einem Krankenhaus eine Patrentin wegen Vermutung einer Geisteskrankheit in ein Irrenhaus überwiesen worden ist, obwohl daS keineswegs den Wünschen der Angehörigen entsprach. Eine Frau Sch., bei der ein Krankheitszustand aufgetreten war, der sich in starken Zuckungen der Gliedmaßen äußerte, wurde nach mehrwöchiger, zu Hause versuchter Behandlung fchließlich in das Urban- Krankenhaus gebracht. Ein Kassenarzt, der die Kranken- hauspflege empfahl, nahm hochgradige Hysterie an, im Urban- Krankenhaus aber scheint man aus dem Verhalten der Patientin aus nock> Schlimmeres ges-blosscn zu haben. Dem Ehemann wurde, als er sie im Krankenhaus nach einigen Tagen besuchte, von einem Arzt gesagt, daß man sie werde wegbringen müsten, wenn die vor- gekommenen Anfälle sich«..ederhoien sollte». Uns versicheee der Ehe- mann, er wisse nichts davon, daß dabei etioa offen und klar von einem Irrenhaus gesprochen worden sei. Im übrigen habe er dem Arzt deutlich genug erklärt, daß er seine Frau, wenn man sie aus dem Krankenhaus in eine andere Anstalt bringen wolle, lieber nach Hause nehmen werde. Der Arzt muß wohl gemeint haben, seine dem Ehemann gemachten Mitteilungen seien eine hinreichende Ankündigung der beabsichtigten Ueberweisung in eine Irrenanstalt. Wie er aber auch annehmen konnte, datz die Einwilligung des Ehemannes hinreichend gesichert sei, das erscheint im Hinblick auf die von Herrn Sch. gegebene Darstellung nicht recht klar. Herr Sch. versichert uns, daß er nach der Unterredung mit dem Arzt nicht der Meinung war, man werde gegen seinen Willen seine Frau in eine andere Anstalt überweisen oder gar in ein Irrenhaus stecken. Doch ohne daß ihm noch irgendeine besondere Nachricht gegeben wurde, brachce man Frau Sch. an dem auf den Besuch des Ehemannes folgenden Tage nach der Irrenanstalt Herzberge. Als nach weiteren zwei Tagen eine Schwester ahnungslos die Kranke im Urban-KraukenhauS besuchen wollte, erfuhr sie, daß Ueberweisung nach Herzbcrge erfolgt sei. Im Bureau erhielt sie die Auskunft, die Kranke sei ja mit Einwilligung des Ehemannes weg- gebracht worden, der Arzt habe es ihm doch vorher gesagt und er habe nichts erwidert, also sei es ihm doch gleichgültig ge- wesen. Gegenüber diesen Angaben bleibt der Ehemann bei seiner Darstellung. In Herzberge forderte er, daß seine Frau sofort e»t- lassen werde, und das geschah dann am zweiten Tage nach ihrer Aufnahme. Der Arzt, der sie jetzt zu Hause behandelt, soll den Zu- stand nur als Veitstanz bezeichnet haben. Wir können nickt wissen, ob das Verhalten der Patientin im Kronkenhause die Ueberweisung in ein Irrenhaus rechtfcrligte. Aber daS ist zweifellos, daß in jedem Fall die für die Ueber- Weisung verannvorllichen Personen sich zuvor der Ein- willigung des Ehemannes vergewissern mußten. Wenn der Ehemann den Arzt und der Arzt den Ehemann nicht richtig verstanden hat, so ist das keine Entschuldigung für die ver- antwortlichen Personen. Warum begnügt man sich, über derartige Dinge nur mündlich zu verhandeln? Warum wird nicht mit dem nächsten Angehörigen ein kurzes Protokoll aufgenommen und eine zu unterschreibende Einwilligungserklärung bor- gelegt, die in nicht mißzuverstehenden Worten sagt, um was es sich handelt? Wenn man daS gegenüber Herrn Sch. getan hätte, so hätte er durch Verweigerung der Unterschrist seinen Widerspruch erklärt. Da die Krankenhausverwaltung der Stadt Berlin dieses Verfahren nicht an� wendet, so müssen wir an das geschilderte Vorkommnis die öffent- liche Mahnung knüpfen, daß in ähnlichen Fällen Angehörige von Patienten dem Krantenhauspersonal eine etwaige Berweige- r u n g der Ueberweisungserlaubnis in allerbe stimmte st er Form auszusprechen, die keine andere Deutung zuläßt. Auch empfehlen wir, bei jedem derartigen Vorkommnis die KrankenhauSdeputotion des Magistrats durch eine schriftliche Eingabe davon in Kenntnis zu setzen, damit sie ihre Erfahrungen bereichert. Die auS dem Irrenhaus herausgeholte Kranke hat ihrem Gatten nock allerlei Sonderbares über ihre Erlebnisse im Kranken- Haus und über die a» ihr versuchte Behaudlungsweise erzählt. Nur das sei daraus mitgeteilt, daß Frau Sck. angibt, fie sei aus dem im Erdgeschoß gelegenen besonderen Zimmer, in das man sie schließlich gelegt hatte, im Morgengrauen mit einem Sprung aus dem Fenster entflohen. Gehörte auch dieser Fluchtversuch im Nacht- gewand zu den„Anfällen", aus denen auf die Notwendigkeit einer Ueberweisung in ein JrrenhauS geschloffen worden ist? Wenn der Fluchtversuch wirklich gemacht wurde und nicht bloß Einbildung einer Fieberkranken war, so wird zu untersuchen sein, warum er nicht verhütet wurde._ Eine neue Polizeiverordnung für den Berliner Straßrnhandcl wird gegenwärtig im Polizeipräsidium vorbereitet. Nach der jetzt gültigen Verordnung ist der Siraßeirhandel nur dort verboten, wo die Verkehrsinteresscn eS erfordern. Die neue Verordnung nimmt jetzt auf den Handelsverkehr in hygienischer. Hinsicht bezug und wird solchen Straßenhäiidlern die Erlaubnis zur Ausübung des Straßen-. Handels verweigern, die nicht dafür Sorge tragen, daß ihre Ware in hygienisch einwandfreier Weise zur Auslage gebrocht ist. Ganz besondere Rücksicht wird auf den Straßenhandel mit Fleisch und Fleischwaren, Räucherwaren, Backwaren usw. genommen. Solche Waren müssen, wie wir hören, gegen die Einwirkung der direkten Sonnenstrahlen, vor Nässe und Staub durch eine Ucberlage geschützt sein. Auch für die Beschaffenheit der Wagen werden besondere Be- stimmungen geschaffen. Zwei Pompadourräuvcr, beides junge Burschen, wurden gestern auf frischer Tat ergriffe» und hinler Schloß und Riegel gebracht. Ein Maschinist Karl Güterbach sprang in der Möckernstraße an eine Dame heran, entriß ihr mit einem Ruck die Handtasche und entfloh mit der Beute nach dem Tempelhofer Ufer zu, wo er aber gefaßt wurde. Bei dem Verhafteten fand man auch noch andere Sachen, die er wohl auf ähnliche Weise geraubt hat. Ein Heizer Karl Beyer, der es in der Vellevuestraße ans die Handtasche einer Dame abgesehen hatte, kam nicht über den Versuch des Raubes hinaus. Er wurde gleich ergviffen. Auch er besaß noch fremdes Eigentum und gestand, einer anderen Dame ein Portemonnaie mit 45 M. und einen Schirm entwendet zu haben. Diese Dame ist noch nicht be- kannt. Sie wird ersucht, sich bei der Kriminalpolizei auf Zimmer 623. zu melden. Die beiden Räuber wurden dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Skandalszcnen vor dem Kaiscrin-Friedrich-Hause. Herr Profesior Blasckko schreibt uns hierzu: Die Klagen über die untiebsamen Er- eignisse gelegenllich der JahreSveriammlung der Deutschen Gesell- schaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten sind vollkommen berechtigt; doch trifft uns kein Verschulden. Wir hatten die Räume des Kaiieriu-Fricdrich-Hauscs, die bei früheren Veranstaltungen der Gesellschaft sich stets als ausreichend erwiesen hatten, über-, und unsere Anziehungskrast unterschätzt; und der übereifrige Beamte, auf dessen Entschließungen wir keinen Einfluß hatten, war wohl dem un- gewohnten Ansturm nicht gewachsen. Wir sind aber durch den Schaden unserer Freunde klug geworden und werden unsere nächste Versammlung, in der Herr Senatspräsident Schmölder aus Hamm über die Prostitutionsfrage sprechen wird, im großen Bürger- saale des Rathauses veraustalten. Aus der Selbstmordchronik. Am Rande des Grabes hat der 87 Jahre alte Hospitakit Julius Kiene Hand an sich gelegt.' Der Greis war in der Kaiser-Wilbelm- und Augusta-Stiftung in der Schulstraße 93 untergebracht. Die Gebrechlichkeiten des Alters ver- leideten ihm das Leben so, daß er ihm in der Nacht zu gestern ein Ende machte, indem er sich an einem Wandhaken in seinem Zimmer erhängte. Als man ihn gestern vormittag auffand, war er schon starr und kalt.— Der 57 Jahre alte Metallschleifer Albert Kupfer auS der Ebertystraße 4 war bisher immer noch so rüstig, daß er ständig arbeiten konnte und lebte in guten wirtschaftlichen Verhält- nissen. In der letzten Zeit aber machte ihm sein rheumatisches Leiden die Arbeit schwer. Gestern vergiftete er sich in der Küche mit Gas. Seine Frau fand ihn tot auf. Sechster Wahlkreis! Bei der Demonstration am Sonntag ist im Treptower Park eine Monatskarte der Stadt- und Ringbahn ge- fanden worden. Dieselbe kann im Bureau, Neue Hochstr. 23 I, in Empfang genommen werden. Bei der Demonstration am Sonntag ist vom Versammlungspkatz bis zum Karpfenteich ein weißer Kinderpelzkragen verloren worden. Bitte abzugeben in der Spedition Neukölln, Neckarstr. 2. Vorort- Nadmebteih Neukölln. Die Wahl der Vertrauensmänner und deren Ersatzmänner zur Angestelltenversicherung, die am letzten Sonntag in Neu- kölln stattfand, brachte der Freien Vereinigung einen großen Erfolg. Es wurden- insgesamt LM) Stimmen abgegeben. Davon erhielten: Freie Bereinigung........ I 335 Deutschnationale......... 222 Verein der deutschen Kaufleute.... 187 Leipziger Verband........ 155 Kaufmännischer Hilfsverein..... 134 b8er Verband.......... 128 Verband für weibliche Angestellte... 116 Versichernngsbeamte...... 74 Katholiken........... 19 Von der Freien Vereinigung sind gewählt 3 Vertrauens- Männer und 5 Ersatzmänner, der Deutschuationale Verband erhielt 1 Vertrauensmann, während der Verein der deutschen Kausleute, der Leipziger Verband und der Wer Verband je 1 Vertrauensmann erhielten. Dieses Resultat beweist wohl zur Genüge, daß in Neukölln für die reaktionären Verbände kein Boden ist._ Die Folgen des vereitelte» WahlrcchtSraubeS zeigt die jetzt revidierte Wählerliste. Nach der ursprünglichen diesjährigen Wählerliste deS Magistrats wählten von den 44 952 Wählern 306— 0,68 Proz. in der I., 8096--- 18,2 Proz. in der kl. Abteilung, und die übrigen in der HL Abteilung... Die Streichung der Stadt als Steuerzahler führte folgende Aenderung herbei: In der I. Äbteilung inrnhlen jetzt 44A Wähier� 0,98 Proz. und 9026--- 20 Proz. der Wähler in der U Abteilung. Mithin sind durch die Streichung 1067 Wähler auS der III. in die II. Wählerabteilung und 137 aus der Ll. in die I. Abteilung hinaus- gerückt. Auf die einzelnen Bezirke verteilt sich die Summe folgender- maßen: I. Bezirk 168, II. Bezirk 192, in. Bezirk 156, IV. Bezirk 188, V. Bezirk 190, VI. Bezirk 174. Damit haben wir eine Abgrenzung der Wählerliste erreicht, die der vorjährigen fast gleichkommt. ISlo 1911 L Abt. 528 Wähler--- 1,19 Proz. 443 Wähler--- 0,98 Proz. Ll.„ 8864,— 19.98„ 9026.= 20 Zus. 9892 Wähler--- 21,17 Proz. 9469 Wähler= 20,98 Proz. Vorläufig ist nun allerdings der neue Wahlrechtsraub vereitelt worden, aber auf wie lange steht noch nicht fest. Hat doch der Magistrat erklärt, daß er im nächsten Jahre ebenfalls wieder die Stadt in die Wählerliste einsetzen werde. Man kann vielleicht der Auffassung sein, daß der Magistrat damit seiu;n Rückzug decken wollte, aber besser ist es schon, unsere Genossen sind beizeiten bemüht, dem mit aller Energie entgegen- zuarbeiten. Macht der Magistrat im Jahre 1913 wieder da? Experiment und findet er eine gefügige Stadtverordnetenversammlung, die dem zustimmt, dann ist nämlich gleich das Schicksal der Wählerliste des Jahres 1914 bestimmt. Denn es ist nicht möglich, wenn die Liste 1913 im Oktober erst angefochten wird, schon bis zum August nächsten Jahres, also 1914, die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts herbeizuführen. Dann würde der Magistrat natürlich wieder im Jahre 1914 den„ehrlichen Seemann" mimen und erklären, so lange noch, keine prinzipielle Entscheidung vorliegt, halten wir unsere Alis- fassung, daß die'Stadt als Wähler fungieren darf, aufrecht. Es ist also schon notwendig, daß die Sozialdemokratie bei den diesmaligen Wahlen für das Zustandekommen einer Stadtverordneten» Mehrheit sorgt, die ein für allemal den Magistrat mit seinen fortwährenden Wahlrechtsbetrügereien � gehörig nach Hause schickt. Diese Mehrheit ist aber nur zu erreichen, wenn die Neuköllner Parteigenossen alle Hebel in Bewegung setzen, um die Pähler über diese neue geplante Machination aufzuklären. Die Wähler müssen von ihren Kandidaten die Beantwortung der Frage verlangen, ob sie Berschlechterungen des Wahlrechts zustimmen würden. Wenn die. bürgerlichen Kandidaten ehrlich sind,. muffen sie er- klären, ja, wir sind bereit, neuen Wahlrcchtsbeschränkungen zuzu- stimmen. Denn baS geht ja aus der Erklärung hervor, welche die bürgerlichen Fraktionen in der letzten Stadtverordnetensttzuiig ab- gegeben haben. Sie sind bereit, im nächsten Jahre die Stadt als Steuerzahler stehen zu lasten, nur in diesem Jahre haben sie gegen die Streichung nichts einzuwenden, wejl Wahlen auf Grund dieser Listen vorgenommen werden. Anstatt dem Protest der Sozialdemo« kraten, daß die Stadt aus der Wählerliste gestrichen werden muß, zuzustimmen und damit zu bekunden, daß die bürgerlichen Herren aus den Vorkommnissen der letzten Jahre etwas gelernt, haben sie sich der Abstimmung enthalten. Datz die bürgerlichen Fraktionen dem Protest der Sozialdemokraten durch. Stimmenthaltung zur An- nähme verhalfen, dazu haben sie also nicht prinzipielle Gegner- schaft gegen den beabsichtigten Wahlrechtsraub, sondern nur wahltakiische Momente veranlaßt. Man fürchtete die Ausnutzung dieses AgitationsmomeniS seitens der Sozialdemokratie im bevor- stehenden Wahlkampf. Allem Anschein schwebte den Herten vor Augen, welche bösen Erfahrungen sie mit dem Wahlrechtsraub hon 1903 im eigenen bürgerlichen Lager-gesammelt hatte. DaS mußte diesmal vermieden werden. Aber im nächsten Jahre, wenn die Wahlen vorüber sind und keine neuen im selben Jahre bevorstehen, können es die Herren schon riskieren, dann haben sich die Wähler bereits wieder durch Versprechungen einlullen lassen. Lichterfelde. Die Gcmcindcvertretcrersavwahl für de» Osten findet Freitag, den 2S. Oktober, nachiiiitlags von 4—8 Uhr in Hennings Festsäle», Jungfernstieg S/6, statt. Unser Kandidat ist Genosse Kaspar Wenzel. Da die Gegner alles aufwenden, um das Mandat zu behaupten, ist es Pflicht eines jeden Parteigenossen, auf dem Posten zu sei». Heute abend 8>/z Uhr findet im„Kaiserhof", Kranoldplatz 1, eine öffentliche Gemeiiidewählerversainnllung statt. Donnerstag 7 Uhr Kuvertverteilung. Lichtenberg. llcbrr die beabsichtigte Fleischvcrsorgung Lichtenbergs verbreitet sich des Magistrat des näheren in einer Vorlage für die auf Donnerstag einberufene Versammlung. Die von der Regierung ge- währten Verglinsligungen bezeichnet der Magistrat gegenüber den einer„Krise gleich kommende» Verhällnisscu" als„nickit aus- reichend", aber um kein Mittel unversucht zu lassen, um die Not wenigstens zu mildern, habe der Magistrat im Einverständnis mit der TeueruiigSkommission beschlossen, die Stadt im größeren Um- fange an denjenigen Maßnahmen zu beteiligen, welche von der Stadt Berlin zwecks Versorgung der Bevölkerung mit frischem Fleisch in die Wege geleitet worden sind. Mit den Lieferungen soll ver- traglich am 1. November, eventuell am 8. November d. I. begonnen werden, aber tatsächlich werden sie bereits in dieser Woche anfangen. Der Höchstpreis einschließlich aller bis zum Monat der Ablieferung de« Schlachtfteisches in Berlin frei Waggon Schlachthof sich er- gebenden Ausweiidungen für Transport, Schlachtung. Verladung, Versendung, Verzollung und dergl., der Besoldung des Personals und der eigenen Provision' der Vermittler soll betragen SS Pf. pro Pfund Rindfleisch und 71 Pf. pro Pfund Schweinefleisch. Teueruiigskommissiou und Magistrat haben nach eingehender Beratung beschlossen, für die Stadt Lichten- bcrg 73 Zentner pro Woche sich überweisen zu lassen. Zur Bezahlung dieses Ouantums sowie zur Bestreitung der nament- lich beim Vertrieb des Fleisches innerhalb der Stadt sich ergebenden, zurzeit»och nicht zu übersehenden Unkosten ist ein Kredit erforder- lich, der vorläufig auf 16 066 M. angesetzt worden ist. Was den' V er tr ie b selbst anlangt, so hat man von einem solchen in eigener Regie abgesehen, um das Schlächtergewerbe, das angeblich unter der herrschenden Teuerung schwer zu leiden habe, nicht zu schädigen.'Die Verhandlungen mit der hiesigen Schlächterinnung sind aufgenommen, aber noch nicht zum Abschluß ockomnien. Die Verständigung mit den Schlächtern scheint sehr schwierig zu sein. NebrigenS kann die zu beschaffende Menge als irgendwie ausreichend nicht gelten, kommt doch im Durchschnitt auf den Kopf der Bevölkerung für die Woche Vio Pfund. Eharlottenburg. Beihilfe für Schwangere. Minderbemittelten Tchivangeren werden von dem Charlottenburger HauSpflegeverein vier Wochen vor der Entbindung und für die Zeit des Wochenbettes Beihilfen gewährt, meist in Gestalt eiues kräftigen Mittagessens in folgenden Speisungs- stellen: Charlottenburger Ufer 16, Königsweg 34, Wilmersdorfer Straße 111, Berliner Straße 137 und Alt-Moabit 39. Meldungen nimmt die Ernährungsabteilung des Hauspflegevereins, Marchstr. 7k, Dienstags und Freitags zwischen 16 und 11 Uhr vormittags, mög- lichst 6 Wochen vor dxr zu erwartenden Entbindung entgegen. Steglitz. Ein tragischer Unglücksfall hat sich vorgestern in der Schlotzstraße ereignet. Eine unbekannte Dame im Alter von. etwa 32 Jahren hatte gegenüber dem Cafe Kurfürst mit ihrem Kinde, einem vier- jährigen Mädchen den Fahrdamm überschreiten wollen, als ein Privat- automobil von Potsdam kommend heranfuhr. Ehe es der Mutter gelang, sich und ihr Kind in Sicherheit zu bringen, wurden beide vom Auto umgerissen und schwer verletzt. Sie wurden mit demselben Automobil nach dem Groß-Lichterfelder Kreiskrankenhause gebracht, wo sie besinnungslos daniederliegen. Wilmersdorf. Eine öffentliche Privatbramtenversammlung, vom Wahlausschuß der Freien Vereinigung einberufen, findet am heutigen Mittwoch den 23. d. Mts., 8Vz Uhr abends, im Viktoriagarten, Wilhelms- aue 114—115, statt. Ingenieur Geiser spricht über das Thema: Welche Bedeutung haben die VertrauenSmännerwahlen für die Au- gestelltenversicheruiig. Zu gleicher Zeit und in demselben Lokale haben die gegnerischen Vereinigungen eine Versammlung einberufen. Obwohl die Ver- sammluug in einem anderen Saale stattfinden soll, wird eS gut sein, daß die von der Freien Vereinigung einberufene Versammlung schon früh stark besucht ist. um etwaigen gegnerischen Plänen aus Sprengung der Versammlung vorzubeugen. Auch die Angestellten der angrenzenden Nachbarorte sind zu der Versammlung eingeladen. Weiftensee. In der gnt besuchten Mitgliederversammlung des Wahlvereins referierte Genosse S t a d t h a g e n über den Chemnitzer Parteitag. Eine Resolution, die sich mit dem Verhalten ihrer Delegierten ein- verstanden erklärt, wurde einstimmig angenommen. Zur Frage der Reorganisation der Groß-Berliner Verhältnisie regte' Schlemminger an, schon jetzt die Hauskassierung für Weißensee einzuführen, da auch am Ort die Fluktuation der Mitglieder sehr be- deutend sei. Nach längerer Diskussion wurde Schlemmingers Vor- schlag angenommen.• Da der bisherige Schriftführer Geisel verzogen ist, wurde an seiner Stelle Neumaun und an Stelle des 4. AbteiluugsführerS Lüdicke geloqhlt., Die Mitglieder wollen beachten, daß vom November ab, jeden Sonntag vor dem Zahlabend, der jetzt Gruppenabend genannt ist,. die Hauskassierung durch den Gruppenführer und seine Helfer statt- findet.- Mahlsdorf an der Ostbahn. In der Mitgliederversammlung des WahlvereinS erstattete der Genosse Küter-Karlshorst Bericht vom Parteitag in Chemnitz. Ein- stimmig und ohne Diskussion erklärte sich die Versammlung mit den Ausführungen-des Referenten und den Beschlüssen deS Parteitages «tnverstaudeu. Alsdann erstattete der Genosse Thomas den Kassenbericht vom verflossenen. Quartal. Genosse Wiedemann berichtete hierauf über die letzte Kreiskouferenz. Mit den Vorschlägen zur Besetzung des Selretärposlens und der einzelnen Vorstandsämter erklärte sich die Bersamnilung einverstanden.— Sodann sprach Genosse Käming über die bevorstehenden Wahlen der Vertrauensmänner zur Privatbeamten- versichermig und forderte zu reger Agitation auf. linier Vereinscmgelegenheiten wurde beschlossen, am Sonnabend, den 28. Dezeniber, ein WeihnachtSvergnügen im Lokale deS Herrn Anders abzuhalten. Zum Schluß wurde noch ein Vorgang vom letzten Zahläbend erörtert. Hohen-Schönhausen. Die Eingemeindungsfrage. Zu der von dem Grundbesitzer- verein„H�-u-Schön Hausen" eingereichten' Resolution zwecks Ein- gemcinduug''nach Lichtenberg nahm die Gemeindevertretung in ihrer ietzicn Sitzung Stellung. Genosse Obermcyer betonte hierzu, daß die Soziaidemokratie grundsätzlich für Schaffung größerer Ge- meiriweseni eintrete, weil die letzteren aus kommunalpolitischem Ge- biet leistuiiKssähig-er seieni, vorausgesetzt, daß die Verwaltung dazu willens ist. Wenn der Grundbesitzerverein aber in seiner Reso- tution zum Ausdruck bringe, die Eingemeindung nach Weißensce fei mit allen Mitteln zu bekämpfen, weil diese für alle Einwohner höhere Lasten mit sich bringe, so könne sich die erivcrbstätige Be- volle rur.g dem nicht anschließen. Weißepsee erhebe denselben Ein- kommensteuerzuschläg wie Hohe n-Schönha usc it. Ter Grundbesitzer- Verein ließe überhaupt' vermissen, warum er eine Eingemeindung propagiere. Nur im Verborgenen läßt er in seinem Ausruf durch- blicken, daß das Ortsstatut für Erhebung der Anlicgerbciträge be- tresfs Straßenousban und Regulierung der wahre Grund sei. Die Grundbesitzer, durften sich aber, schwer täuschen, wenn' sie glauben, diesen Lasten bei Eingemeindung nach Lichtenberg zu entfliehen. Wenn der Grundbesitzcrverein die koncmunalen Verhältnisse in Weißensce auf das äußerste herabsetze, so sei daran zu erkennen, daß seine Gründe eigennütziger Natur sind. Gerade Weißensee habe aus sozialpolitischem Gebiete Anerkennenswertes geleistet und sei im Begriff, noch Durchgreifenderes zu schaffen. Lichtenberg könne dem nichts Gleiches entgegenhalten. Das sei für die über- große Mehrheit der Ortsbewohner, die Arbeiterschaft, entscheidend. Tieselbe werde daher den Grundbesitzervercin in seinen Bestie- bu iigen. entschieden bekämpfen. Nachdem der Gemeindevorsteher die bürgerlichen Herren er- munterte, auch ihre Meinung zu äußern, erklärte Gcmcindevertrcter Kirclchofsinspcktor Riedel eine Eingemeindung nach Lichtenberg für günstiger, weil Weißensee auf sozialpolitischem. Gebiet viel zu w c i t"v o r a u s f e i. Dem Zuzug der armen Leute würde dadurch Vorschub geleistet. Genossen Obermeycr war es ein leichtes, diese rückständigen Ansichten zu widerlegen Ein von ihm gestellter Antrag, die Gründe des Grun'dbcsitzerbereins für eine Eingemeindung nach Lichtenberg als nicht stichhaltig anzuerkennen, ebenso, daß die Verhältnisse von Hohen-Schönhausen die vorläufige Selbständigkeit erheischen, wurde einstimmig angenommen. „Religion und Kirche" war das Thema der gutbesuchten öffent- lichen Versammlung, welche vor einigen Tagen im Paradiesgarten statlfand. Der Referent Genosie Dr. G o l d b e r g beleuchtete das Verhalten aller drei staatlich anerkannten Kirchengemeinschaften der Arbeiterschaft gegenüber. Die Diskussion bewegte sich in zustimmen- dem Sinne. Alsdann meldeten 28 Versammelte ihren Austritt aus der Kirchengemeinschaft an. Adlershof. Bei der am gestrigen Dienstag hier stattgefundenen Wahl der Arbeitnehmer zum Kcmfmannsgericht entfielen auf den ö3er Verband 18 Stimmen gleich 1 Beisitzer, Zentralverband der Handlungs- gehilfen �13 Stimmen gleich 1 Beisitzer, Verein der Deutschen Kauf leute 7 Stimmen gleich 1 Beisitzer und Leipziger Verband S Stimmen gleich 1 Beisitzer. Der Dentschnationale Verband vereinigte zwei Stimmen auf sich und ging leer aus. Tempelhof. Ein Rindfleischverkauf durch die Gemeinde findet heute Mittwoch, früh von 8— 1 Uhr und von 6—8 Uhr abends im Laden Ringbahn straße 66 statt. Der Preis ist je nach Qualität auf 36 bis 96 Pf. pro Pfizud festgesetzt. Rahnsdorf. In der letzten Glmeindevertretersitzung begründete der Gemeinde Vorsteher Aenderungen im Bebauungsplan damit, daß die Möglichkeit bestehe, daß das dem Privatunternehmer Weiß gehörige Gaswerk in Rahnsdorf Zentrale des projektierten Kreisgaswerkes werde. Die günstige Lage dxs Gaswerkes, feine Erreichbarkeit vom Wasser könne diese Annahme nur stützen und wahrscheinlicher machen. Damit wäre unsere Gemeinde von einem Privatimternehmen befreit, an dem sie auf die Dauer keine Freude und Nutzen gehabt hätte. Und Herr Weiß, dessen Ausbreitungsbezirk durch die Gemeinde Klein Schönebeck und besonders durch unsere dortigen Gemeindevertreter stark begrenzt wurde, wird auch nicht der Leidtragende dabei sein. Geplant wird die Pachtung der Eisfläche des Müggelsees teilweise oder im ganzen durch die Gemeinde im Zweckverband mit Friedrichs Hägen. Ober-Schönekveide. Bon der Gemeinde eingerichtete Serfischkochkurse finden an jedem Dienstag und Freitag abends in der Zeit von S'/z bis 9 Uhr in der Schulküche der Gemeindeschule in der Kepplersttaße statt. Zur Teilnahme sind alle weiblichen Personen berechtigt; eine Gebühr für den Unterricht, der sich für die Beteiligten auf drei Abende erstreckt, wird nicht erhoben. Kalkberge- Rüdersdorf. Eine Schießerei, wobei ein Beteiligter schwer verwundet wurde. trug sich in der Montngnacht in der C. O. Wegenerschen Arbeiter- kaserne zu. Unter den dort beherbergten fremden Arbeitern war ein Streit ausgebrochen. Im Verlauf« desselben wurde einem Arbeiter eine Revolverkngel in den Mund geschossen; der Getroffene stürzte syfort zu Boden und wurde kurz darauf ins Krankenhaus gebracht, wo er in bedenklichem Zustande daniederlegt. Die am vorigen Freitag eingetroffene Benzolbahn hat bereits am Sonntagnachmittag kurz nach 3 Uhr und am Montag um die- selbe Zeit Probefahrten unternommen, die ohne Störungen ver- liefen. Herzfelde. Die Gemeindevertretung im benachbarten Lichtenow beschloß in ihrer letzten Sitzung, auf dem Friedhofe eine Leichenhalle zu er- richten. Mit dem Bau derselben soll im nächsten Frühjahr begonnen werden.— Die- Mängel des Eisenbahnüberganges am Heideweg sollen beseitigt worden.— Sodann wurde beschlossen, den Abfluß- graben der Lichtenower Dampfziegelei G. m. b. H. aus dem Fließ- wege zu entfernen und den Weg nach den sogenannten„Aßkuten" frei zu lassen. Schöneiche(Nieder-Barnim). Die GaS- und Wasserversorgung durch die Stadt Lichtenberg scheint nun doch zur Ausführung zu kommen, nachdem der Landrat infolge eines Abkommens zwischen der Stadt Lichtenberg und dem Kreise Niederbarnim wegen Gas-, Wasser- und Stromversorgung verschiedener Vororte seinen Einspruch zurückgezogen hat. In diesem Abkommen verpflichtet sich die Stadt Lichtenberg u. a., den Gas- und Wasserliefernngsvertrag mit der Gemeinde und dem Gut Schön- eiche auf Verlangen des Kreisausschusscs jederzeit an den Kreis Niederbarnim oder an einen vom Kreisausschuß bezeichneten Dritten unentgeltlich abzutreten. Tritt dieser Fall ein, dann gibt Lichtenberg das Verteilungsnetz für GaS und Wasser in Schöneiche nebst Zu- behör an den Kreis oder an den vom Kreis bezeichneten Dritten zum Buchwerte ab. Durch diese Vereinbarung hat sich der Kreis die Einbeziehung miserer Gemeinde in die projektierte Zenttalgas- und Wasserversorgung für die östlichen Vorortgemeinden des Kreises Niederbarnim gesichert. Spanvan. Die Privatangcstellten-Bersichcrung. Mit diesem Thema wird sich eine heute abend 9 Uhr im Lokal von Konrad, Schönwalder Straße 2, taggnde öffentliche Versammlung beschäftigen, welche vom Zentralverband der Handlungsgehilfen veranstaltet wird. Referent: Kollege Martin Hirschfeld-Berlin. Jeder, der Interesse an der AufNärung über diese Sonder- Versicherung hat, möge erscheinen. Auf das vom Wahlverein an den Magistrat gerichtete Ersuchen um Ueberlassung des städtischen Turnplatzes zu einer Protest- Versammlung ist am Sonnabendnachmittag folgender Bescheid ein- gegangen-: „Die Benutzung des städtischen Turnplatzes zur Abhaltung einer öffentlichen Volksversammlung am 26. d. M. wird abgelehnt. Außerdem ist auch der Antrag durch die Bekanntmachung an den Anschlagsäulen, daß die öffentliche Versammlung zu derselben Zeit in dem Garten der Brauerei Pichelsdorf stattfinden soll, als erledigt anzusehen."__ von Magistratsarbeitern Hause geschickt werden Platzfrage noch immer Es kennzeichnet so recht den reaktionären Geist des Magistrats, daß man es nicht einmal für nötig befunden hat. Gründe dafür an« zugeben, weshalb der Platz verweigert wurde. Der � Wahl« verein wird sich mit diesem Bescheid nicht zufrieden geben, sondern bei der Stadlverordnetenversammluug die ständige Ueberlajjullg eines städtischen Platzes zu Vcrsammlungszwecken beantragen. Potsdam. Aus der Stadtoerordnetenversammluiig. Das Eichamt ist durch die neue Eichamtsorduung am 1. Januar d. I. in Potsdam ein« gegangen und es müssen daher jetzt die Eichungen in Berlin aus« geführt werden. Um die Unzuträglichkeiten, die durch diesen Um- stand entstanden sind, zu beseitigen, ist die Stadt mit dem Ober- Präsidium in Verbindung getreten, um wieder ein eigenes Eichamt zu erhalten. Die Stadl will dem Eichbeamten eine Vierzimmer« Wohnung, die erforderlichen Normale stellen sowie zum Gehalt des Beaniten 1060 M. jährlich zusteuern. Der Rathausbau macht recht langsame Fortschritte, trotzdem in eine« der letzten Sitzungen der Oberbürgernieister die Erklärung � abgab, daß der Raumniangel im Rathause schon so weit sei, daß zum Tagen einzelner Kommissionen Zimmer benutzt und diese einstweilen nach müssen. Leider ist man sich in der nicht recht einig, trotzdem die Mehrheit für den jetzigen Rathansplatz� der allerdings nach dem vorliegenden Raumprogramiu zu klein ist, zu haben sein wird. Denselben Schneckengang wie die Rathausbau« frage geht eine Vorlage betr. Neuorganisation der gewerblichen Forlbildungsschule. Diese Vorlage hat man schon durch über ein Dutzend Sitzungen geschleppt, ohne zu einem Resultat gekommen zb sei». Die letzte Sitzung mußte diese Vorlage abermals vertagen, weil man sich noch nicht recht einig ist und vor allen Dingen den Handwerksmeistern nicht wehe tun will. Zur Beratung der Be- banungsplniifrage für das Gelände an der Glienicker Brücke wurde eine gemischte Konimission eingesetzt. Der Stadwerordnele Neuber wünscht die Stiefschen Wiesen einer Terraingesellschaft zur Be- bauung mit Einfamilienhäusern zu überlassen und den Preis auf 13 M. pro Quadratmeter festzusetzen. Er fand hierbei allgemeines Entgegenkommen, da die Stiefschen Wiesen sich für diese Bebauung am besten eignen. Der Magistrat wird diese Anregung weiter bearbeiten und gab die Erklärung ab, daß der Preis der Baustellen hierbei eine untergeordneie Rolle spielen solle, da die Stadt ein große? Interesse an der Bebauung dieses Terrains habe. Ein DringlichkeitS« antrag des Magistrats verlangt die Ernennung von drei Stadtver» ordneten und einigen Magistratsvertretem als Studienkommission, welche die Krematorien einiger Städte besuchen und für ein später in Potsdam zu errichtendes Krematorium Erfahrungen sammeln sollen. Der erste städtische Fleischvcrkanf hat am Montag stattgefunden und fast überall wurde der Borrat geräumt, nur wenige Rest« blieben übrig und auch diese Ueberbleibsel sind nur auf die nach« mittägige Verkaufszeit zurückzuführen. Für die Brandenburger Bor« stadt wurde in der Waldemarstraße, für das Zentrum und die Nauener Vorstadt in der Lindensiraße und auf dem Bassinplatz und für die Teltower Vorstadt auf dem Schlitzenplatz verkauft. Die Verkaufsstände waren von Käufern umringt. Das Fleisch wurde von einem Charlottenburger Grossisten bezogen, der es aus Holstein eingeführt haben soll. Zum Verkauf gelangte nur Rindfleisch. Für jeden Stand wurde je zwei Schlächtermeistern ein Ochse übergeben. Die Fleischpreise betrugen pro Pfund: Bauchfleisch 76 Pf.. Fchlripp« und Kamm 86, Schmorfleisch 93 Pf. und Rostbeaf und Filet 1 M. Gegen die ortsüblichen Ladenpreise differierte der städtische Verkaufs« preis um zirka 16—26 Pf. pro Pfund. Kein Käufer erhielt mehr als 3 Pfund. Das Fleisch hatte gute Qualität und wurde reißend begehrt. Urberfahren und schwer verletzt. Beim Ueberschreiten des Fahr» dammes Ecke Charlottenstraße und Nauener Straße wurde am Sonntag der 62jährige Oberpostschaffner Alfred Lützow aus der Schockftt. 2 von einem die Straße passierenden Motorzweirad erfaßt und zu Boden geschleudert. L. erlitt einen komplizierten rechts» feitigen Unterschenkelbruch. Der Verletzte wurde im Krankenwagen nach dem St.-Jofeph-Krankenhaufe übergeführt. Sitznngstage von Stadt-«nd Gemeindevertretungen. Lichtenberg. Am Donnerstag, den 24. Oktober, nachmittags 6 Uhr, in der Aula des Cecilien-Lnzeums. Ivriedrichsfrlne- Karlshorst. Freitag, den 25. Oktober, abendS 6'L Uhr, in Karlshorjt, Gundelsingerstr. 10/11(TreSkow Allee), Schulgebäude, 2 Treppen. Köpenick. Freitag, den 25. Oktober, nachmittags 5 Uhr, im RathauS» (aale. Diese Sitzungen find öffentlich. Jeder GcmcindeangrhSrige ist(tu rcchtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. S« iß ♦% Bmfkarten der Redaktton. Die luristische Sprechstunde flndrt Linden st raste SS, dorn vier Tredde» — Kah» stuhl—, wochentaglich von t>z, bis 7% Uhr adends, Sonnabend«, vo» SVj bls 6 Uhr abendS statt. Jeder für den Brieflastrn destimmten Anfrage ist ei» Buchstade und eine zahl als Merkzeichen deiznfstgen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen«eine Adonnementsgnlttuug delgefiig« ist. »erden nicht beantwortet, irilige Fragen trage man tn der Sprechstunde dar. Reukök». 1. Ja. 2. Da Sie die Straße nicht bezeichnet haben, kann die Frage nicht benniwortet werden. 3. und 4. Nein. Möglicherweis« bei der von der Stadt eingerichteten NechtSauSkunstSstelle in Neulölln, Jsarstr. 12, Sprechstunde weritäglich von 3°/, bis 7 Uhr.— H. H. 25. E« besteht keine Gefahr.— S. IV. 1. und 2. Die Stempelung braucht erst nach dem Tode des Erblassers bei der Eröffnung des Testaments zu er« sotaen.— H. S. 18G5. Der Spiegel nur dann, wenn noch ein weilerer Spiegel vorhanden ist. Die Nähmaschine erscheint pfändbar.— Weber 22. 1. und 2. Ja, sosern die Frau nicht noch anderweile Beschästigung hat und dort mehr verdient._ Witterungsübersicht vom 22. Oktober 1912. fftttttoitai Swinemde. Hamburg Berlin Franff.a.M. München Wien *£ I5 if 756 DSD 753OSO 754 D 751 Still 750W 753:SD Wetter 3 halb bd. swotkig chhalb bd. Regen 4 Nebel tzvolkenl »ai ü £« Stationen Haparanda Petersburg Seilly Aberdeen Paris St « l Li 15 vs 760D 768 D 751 RW 752NW 748,2323 S Wette, 4 wolkig 1'bedeckt Iwolkig 4wolkenl Sbedeckt 3 t« *3 1 1t 9 6 Wetterprognose für Mittwoch, den 23. Oktober 1912. Nachts sehr kühl, um Mittag ziemlich mild, teilweise heiter, aber ver. änderlich mit etwas Regen und sehr lebhasten südöstlichen Winden. Berliner Wetterbureau. WafferstandS-Rachrtchte» der LandeSanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berllner Detterburea». Wasserstand M e m e l, Tilfi» Pregel, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krassen . Frantsurt Warthe, Schrimm . Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz . Dresden . Barbh Magdeburg am i seit 21.10.20,10. 191 — 22 132 154 137 143 24 — 1 _ 2 20 -107 139 116 cm') +4 _ 2 —6 —6 —4 0 _ o +1 +10 +2 —1 —4 +2 Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') , Rathenow-) Spree, Spremberg') , Beeslow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximilianSmi , Kaub , Köln Neckar, HeilbrcnM Main, Hanau Mosel, Trier AetzlUteui: Alfred Wielepp. NeuWn. L.ük dw ')+ bedeutet WuchS.— Fall.— 1 Unterpegel.