Nr.S4i». Hbonnemcnts-Bedingungen; Slonncnienl«- Preis tränumetonio: Piertcljährl.:!,30 2K(„ ntonofl. 1,10 Ml., wöchentlicki 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- »ummec mit illustrierter Sonntags- Scilagc„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Stbonnemcnl: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post> ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband stir Dentichland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland Z Marl pro Monat. Postabonnemems »ehinen an: Belgien. Dünemarl, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. VIe lnIerNonz-Ltbühf vekägt sür die scchZgcspaltcnc kolonel- geile oder deren Raum so Pfg., für politische und gewcrlsck»astliche Vereins- und Bersammlungs-Anzeigen 30 Pia. „Kleine»n-cigen", das fettgedruckte Wort 20 Pjg. tzulässtg 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 PIg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jede: wettere Wort S Pfg. Worte über lö Buch- 1 laben zählen für zwei Worte. Inserate iir die nächste Nummer müssen bis » Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expeditioil ist bis 7 Uhr abends gcosfnct. Criicint täglich aofitr tnontag». Vevlinev VolksblÄtk. Telegramm-«drcffe: ..S«li>Ill«lv»l!Nl Kirim". �entralorgan äer fo2ialäem okrati f chcn Partei Deutfcblanda. Redaktion: öd. 68, Linden Strasse 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Oer Mampf um billiges fleisch. Das hat wirklich gerade noch gefehlt! Seit Monaten beherrscht eine wachsende Erbitterung die arbeitenden Massen dieser Stadt und ganz Deutschlands. Die Teuerung lastet unerträglich auf jedem einzelnen Arbeiterhaushalt. Immer lauter wird der Ruf nach Ocffnung der Grenzen. Aber die Regierung ist der Gefangene der Agrarier. Namentlich ist es der millionenreiche Großgrund- besitzer, der als preußischer Landwirtschaftsminister auch die egoistischesten und anmaßendsten Begehren der Agrarier zur Sache der„über den Parteien stehenden" Regierung macht. Und Herr v. Schorlemer hat ja den Erfolg für sich und die Anerkennung im Hause der Dreiklassenschmach ist ihm sicher. Statt Hilfe gegen die Not zu schaffen, hat die Regierung sich begnügt, dem armen Volke ein paar elende Brosamen, ein paar Almosen zuzuwerfen und den Städten gnädigst zu erlauben, aus den Balkanländern, wo es der Krieg als Bundes- genösse der Agrarier unmöglich macht, und aus Rußland frisches Fleisch zu beziehen. Die wichtigste Forderung, dem billigen australischen und argentinischen Fleisch die Einfuhr freizugeben, die verweigert aber die Regierung nach wie vor. Und nun müssen es die Notleidenden und Erbitterten noch erleben, daß eine Schar übelberatener Zwischenhändler der Obstruktion der Regierung zu Hilfe kommt und den Agrariern noch die Mauer macht! Die Fleischer haben gestern ihr dem Magistrat gegebenes Wort gebrochen und den Verkauf des endlich angelangten russischen Fleisches aus den kleinlichsten Profitinteressen verweigert. Während Hunderte von Arbeiterfrauen vergeblich in den Hallen warteten, blieb das russische Fleisch in den Lagern, der Gefahr des Ver- derbens ausgesetzt, bloß weil ein paar Händler ihr schäbiges Privatinteresse über das der Gesamtheit zu stellen beliebten. Kann man sich eine schärfere Verurteilung der kapitalistischen Marktversorgung denken? Es ist erfreulich, daß der Magistrat allem Anschein nach gewillt ist, mit der gebotenen Energie gegen die Urheber des Skandals vorzugehen. Nur darf es nicht bei einer Maß- «ahme gegen einzelne Händler bleiben. Wenn irgend etwas, so beweist der heutige Vorgang, daß der Standpunkt des Städtetages, die Lebensmittelversorgung sei keine Sache der Städte, unhaltbar ist. Die Kommunen müssen endlich gerade dieses Gebiet energisch in Angriff nehmen und nirgends ist die Durchführung des Muuizipalsozialismus dringender als gerade hier. Und schon deshalb müssen die Städte für die kommunale Approvisionierung Vorsorge treffen, damit endlich der Regierung und den Agrariern ihre letzte Ausrede genommen und der Kampf, ohne Ablenkungen de- fürchtungen zu müssen, um so energischer gegen die Haupt- schuldigen geführt werden kann: gegen die Agrarier und die regierenden Aushungerungspolitikerl Der gestrige Tag, an dem mit dem Verkauf russischen Fleisches in den Markthallen begonnen werden sollte, hat weiten Kreisen große Enttäuschung gebracht. Tausende von Albeiterfrauen. die billiges Fleisch kaufen wollten, mußtee die bittere Erfahrung machen, daß vielfach der angekündigte Ver- kauf nicht stattfinden konnte, iveil die Schlächtermeister, die ursprünglich zum Verkauf sich bereit erklärt hatten, in letzter Stunde anderen Sinnes geworden waren und den Magistrat ini Stiche ließen. Die Folge war eine wachsende Empörung der Massen, die noch gesteigert wurde durch das unverschämte Verhalten einzelner Schlächtermeister gegen das kaufende Publikum. Ueber die Vorgänge in den Markthallen wird berichtet: Nichts konnte die herrschende Not besser illustrieren, als die gestrige Hunger- und Elendsparade vor den bekanntgegebenen Verkaufsstellen. Wir haben vor Wochen geschildert, welcher Jammer sich vor den Freibankstellen ab- spielt, wo viele Hunderte die ganze Nacht hindurch in Wind und Wetter ausharren, um ein paar Pfund mindertvertigen Fleisches zu erhalten, das die allermeisten, da die Nachfrage größer als das Angebot ist. nicht mal bekommen. Gestern war es noch viel schlimmer. Die Tausende, die sich ausgemacht hatten, um russisches Fleisch zu erstehen, konnten gar nicht gezählt werden. In den großen Arbeitervierteln des Nordens und Ostens standen die Massen Vor den Markthallen am Wedding, in der Wörther, Acker- und Andreasstraße in dichten Scharen schon von 6 Uhr morgens an. obwohl erst in der neunten Stunde geöffnet werden sollte. Nach der Eröffnung entstand ein lebensgefährliches Drängen und Schieben. Um so größer war die Enttäuschung, als man die Verkaufsplakate für russisches Fleisch an den einzelnen Ständen nirgends sah und bald merkte, daß russische Ware überhaupt nicht da war. Die Hungernden, denen nun schon seit Monaten auf dem Magen herumgetanzt wird, sind abermals in der unverfrorensten Weise genarrt worden! Immer neue Menschenmengen strömten hinzu und wollten die traurige Wahrheit nicht glauben. Die Erregung war grenzenlos. Wilde und berechtigte Empörung brach sich Bahn: Fauler Zauber... Schwindel... Schiebung! Und die Menge wich und wankte nicht, weil sie imnier noch hoffte, daß die Fleischtöpfe Rußlands sich doch öffnen würden. In der elften Vormittagsstunde harrten vor den nördlichen und östlichen Markthallen noch inimer Taufende. Nur in der Wörther Straße, wo in der sonst anderen Zwecken dienenden Halle keine Schlächterkonkur re uz ist, gab es russisches Fleisch, aber auch hier bloss an einem einzigen Verkaufsstande und in mäßiger Menge. Schutzleute und Markthallen- beamte wurden mit Fragen bestürmt— alles vergebens. Kaum war es in der Ackerstraße bekannt getvorden, daß es in der Wörther Straße Fleisch gebe, als ein wildes Jagen begann. Zu spät— längst war der kleine Vorrat ausverkauft. In der Zeutralmarkthalle war es nicht anders. Oberbürger- nieistcr Wermuth und Stadtrat Berndt, die sich von dem Fortgang des Verkaufs überzeugen wollten, mutzten manche bitteren Worte aus dem Publikum hören, obivohl beide sich die größte Mühe um die Beschaffung billigen Fleisches gegeben haben. Am tollsten ging es am W e d d i n g p l a tz zu. Hier hatten sich in der zehnten Stunde nündestens 4000 Menschen angesammelt, vorwiegend Frauen. Die Erregung»var auf den Siedepunkt gestiegen. Nur, dem Eingreifen beherzter Männer und der diesmal glücklicherweise vernünftigen Haltung des zahlreichen Schutzmannsaufgebots ist es zuzuschreiben, daß erheblichere Unruhen noch ausblieben. Den ersten Anlaß zu der empörten Stimmung soll hauptsächlich der in der Wedding- halle seßhafte Schlächtermeister M. gegeben haben, der sich die unerhörtesten Beleidigungen erlaubt haben soll. Die Situation wurde kritisch, als Plötzlich der Befehl kam. die beiden Markt- hallencingänge, die sofort von Schutzleuten besetzt wurden, zu schließen und die Halle zu räumen. Auf diese geniale Art war stundenlang der gesamte Markthallenbetrieb lahmgelegt. Weshalb wurde das russische Fleisch, daS tatsächlich in Berlin eingetroffen ist und auf dem Viehhof lagert, zurück- gehalten? In letzter Stunde streikten die- jenigen Schlächtermeister, denen städttscherseits der Verkauf übertragen Ivorden war. Viele haben schon am Dienstag auf dem Viehhof erklärt, daß sie das Fleisch nicht ab- nehmen wollen, weil ihnen der Verdienst— 8 M. pro Zentner— zu gering sei und ihnen außerdem von Berufskollegen mit Ausschluß aus der Innung gedroht worden sei. Auf alle Fälle liegt ein planmäßiges, von profitsüchtigen Meistern inszeniertes Manöver und Wortbruch vor, von dem der Magistrat vollständig überrascht worden ist. Zum Unglück für die Hungernden kam noch hinzu, daß gestern auch kein Tag für den Seefischverkauf war. Außerdem hatten viele so sicher auf das russische Fleisch gerechnet, daß sie die Frei- dank nicht besuchten und nun auch um das minderwertige Fleisch kamen. Das Verhalten der schuldigen Schlächter, die für die Volksnot noch gemeinen Hohn übrig haben, kann nicht scharf genug gebrandmarkt werden. Eine Darstellung des Magistrats. Der Magistrat gibt folgende Darstellung der Sachlage:„Der von der Stadt Berlin mit großen Opfern an Geld und Mühe unter- nommene Verkauf von frischem, aus Rutzland eingeführtem Fleisch hat gestern morgen in verschiedenen Markthallen, die in den Zeitungen und an den Anschlagsäulen bekannt gegeben sind, begonnen. Der Andrang des Pnblikuins und der Verkauf waren enorin, so daß die Abnahme des Fleisches absolut gesichert ist. Die vorhandenen Vorräte hätten vielfach größer sein müsse», um der Nachfrage genügen zu können. Seitens der Stadt ist alles geschehen, um eine glatte Abwickelung des Verkaufs zu sichern. Es ist mit der hiesigen Fleischerinnung ein günstiges Abkommen über den Vertrieb des Fleisches geschlossen worden. Danach darf in den in den Markhallen zur Verfügung gestellten Ständen anderes als ausländisches Fleisch nicht verkauft werden. Eine Miete für diese Stände wird von der Stadt nicht erhoben und ebenso kein Wasser- geld. Die Einrichtung der Stände wird umsonst überlassen. Die Metzger haben nur Hackklotz, Wage und das zum Zerteilen des Fleisches notwendige scharfe Handwerkszeug, wie das erforderliche Papier zum Einwickeln zu stellen. Die Verkaufspreise sind so kalkuliert, daß die Verkäufer einen angemessenen Verdienst durch den Verkauf erzielen. t2S Metzger hatten sich bereit erklärt, den Berkauf zu bewerkstelligen. Wider Erwarten hielt sich aber am Mittwoch- morgen das Fleischergewerbe in einzelnen Markthallen von dem Ver- kauf zurück. Bon de» 128 Metzgern hatten 22 ihre Zusage erfüllt. die anderen hatten versagt. So kam cS, daß in der Zentralmarkt- halle und in den Markthallen V(Magdeburger Platz), VI(Ackerstraße), VllI(AildreaSstratze) und XIV(Reinickendorfer Straße) Mittwoch- Expedition: 8Äl. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1384. morgen bei der Eröffnung kein Fleisch verkaust werden konnte. Die Erregung des Publikums über das Verhalten der Metzger war groß; nur mit Mühe war die Ordnung aufrecht zu erhalten. Es ist inzwischen nach geeigneten Ersatzmännern gesucht worden, damit der Verkauf auch an den offenen Ständen baldigst beginnen kann. Falls die Metzger den regelmäßigen Verkauf nicht vollziehen wollen, so wird der Magistrat durch andere oder eigene Leute den Verkauf be- Werkstelligen müssen. In den Markthallen II(Lindenflraße), IV(Dorotheenstraße, VII(Dresdener Straße), IX(Pücklerstraße), X(Arminiusplotz), XI(Marhcinikeplatz) und XTTT(Wörthcr Straße) konnte der Verkauf pünktlich eröffnet werden. Der Absatz gestaltete sich sehr lebhaft; die Schlächter wie die Käufer waren mit der Qualität des Fleisches zufrieden: die Bestände waren in kurzer Zeit erschöpft, haben aber bei weitem nicht ausgereicht, um die überaus starke Nach- frage zu befriedigen. Es hätte daS vielfache Ouautum umgesetzt werden können. Ein unliebsamer Vorfall muß noch erlvähnt werden. Ver- schicdcne Schlächtermeister, die sich an dem Verlauf des russischen Fleisches nicht beteiligten, haben von ihren Verkaufsständcn auS das kaufende Publik»», mit höhnenden Zurnfen bedacht. Gegen diese Schlächter wird seitens der Markthallenverwalwng energisch vor- gegangen werden; nian erwägt, ob man ihnen nicht die Verkaufs- stände entziehen fall. Inzwischen sind sowohl gestern wie heute wieder weitere Sen- düngen frischen Fleisches aus Rußland eingetroffen und für morgen (Donnerstag) fünf Waggons angemeldet." » Diese Darstellung des Magistrats bcstättgt unsere Mit- teilungen, nach denen die Schlächtermeister durch ihr Ver- halten die Maßnahmen der Stadtgemeinde, der Bevölkerung billiges Fleisch zu liefern, illusorisch machen wollen. Nach der Hallung des Magistrats dürfte der Plan der Schlächtermeister kaum gelingen. Es wäre besser gewesen, der Magistrat hätte von vornherein die Schlächtermeister ganz äüsgeschältel und den Verkauf in eigener Regie besorgen lassen. Allzu schwierig ist' das nicht! Schließlsch wird er öhnehin genötigt werden. den von uns geforderten Weg zu gehen. Aber er soll nicht auf halbem Wege stehen bleiben. Bei seiner Anttittsrede hat Oberbürger- meister Wermuth mit allem Nachdruck erklärt, daß eine der wichtigsten Aufgaben der Gemeinde die Versorgung der Be- völkerung mit Lebensmitteln ist. Und er hat recht! Eine Gemeinde mit einer Zweimillioncnbevölkerung hat die Aus- gäbe, eine rationelle Lebensmittelversorgung zu schaffen. Auf die Dauer kann die Gemeinde sich der Erfüllung dieser Pflicht nicht entziehen. Der Zwischenhandel verteuert die Lebensmittel in erheblichem Maße..Besorgnis um den Zwischcnhändlergewinn war auch der Grund für die Schlächtermeister, das städtische Unternehmen zu Nichte zu machen und es bei der Bevölkerung in Verruf zu bringen. Die Herren werden sich darin täuschen und erkennen müssen, daß die Empörung der Bevölkerung sich nunmehr auch gegen sie selber richtet. Der Magistrat aber sollte endlich das große Gebiet der Lebensmittelversorgung mit allem Ernst ohne Rücksicht auf die Interessen des Zwischenhandels in die eigene Hand nehmen. Bingen um Msnopel. Die türkische Ostarmee. die die Bulgaren durch das Maritzatal bis Mustafa Pascha und lveiter östlich bis vor Kirkttlisse Vordringen ließ, hat jetzt den Kämpf aufgenommen. Auf einer Linie von zirka 50 Kilometer Ausdehnung hat das Ringen, dessen Ausgang für den weiteren Verlauf des Krieges von größter Bedeutung ist, eingesetzt. Natürlich darf nian sich bei einem Kampfe,' bei dem auf beiden Seiten Hundert» tausende eingesetzt werden, nicht die Vorstellung einer simplen Gefechtsübung im Regiments- oder Brigadcvcrbande machen; es handelt sich vielmehr um verschiedene Schlachtfelder, auf denen das Kriegsglück nicht immer auf die gleiche Seite zu fallen braucht. Das Kampffeld wird in den heutigen Kriegen auch noch durch dick gewaltige Feruwirkung der Geschütze und Gewehre gegen früher erweitert. Auf dem Kriegsschauplatz um Adrianopel kommt noch in Be- tracht, daß es sich um stark koupiertcs Terrain mit Bergen und Flußtälern handelt. Unter diesen Umständen kann es sehr leicht vorkommen, daß kleinere Truppendetachements. besonders in vorgeschobenen Positionen, unizingelt, aufgehoben und vernichtet werden. Solche Teilerfolge, die auf bulgarischer wie auf türkischer Seite verzeichnet werden können, darf man aber nicht, wie es die Sensationspresse tut, als glänzende und ausschlaggebende Siege auffassen. Der Gesamterfolg deS gegenwärtigen Ringens wird sich erst nach längerem Ringen auf dem ganzen Kampffelde herausstellen. Vorläufig wird vor Kirkkilisse, im Tale des Flusses Tundsa und östlich von Adrianopel im Maritzatale gekämpft. Ueber den Ausgang dieser Känipfe ist aber noch nichts Genaueres bekannt. Auf dem nordwestlichen Kriegsschauplätze ist der Offensiv- vorstvß der serbischen Armee von Erfolg gekrönt gewesen. Pristina und Novibazar sollen, was amtlich allerdings noch nicht bestätigt ist. schon in serbischem Besitz sein. Aber auch hier ist anzunehmen, daß die bis- herige zurückhaltende Kriegführung der Türken von einer Angriffsaktion abgelöst wird, die auch auf diesem Kriegsschauplatze zu entscheidenden Schlachten führen wird. Das Vor- dringen der serbischen Heeresabtei-. lungen auf türkisches Gebiet schließt nicht aus, daß albanesische Banden an ungeschützten Punkten über die serbische Grenze gehen pnd die Kriegsgreuel in friedliche Dörfer tragen. Die Schwäche der türkischen Streit- kräfte auf dem südlichen Kriegsschau- platze ermöglicht den Griechen ein leichtes Vordringen über die Grenze. Aber auch diese Erfolge haben noch keine ausschlaggebende Dörfer Gornasuchitza, Dolnasuchiha, Metschkul, Vakanov, Kresna und andere kleine Dörfer sind eingeäschert. Bedeutung. OeltUcher Kmgsfcbauplatz. Tie Kämpfe bei Adrianopel. Die türkische Offensive. Konstantinopel, 22. Oktober, Mitternacht. Amtliche Mel- dung. Die türkische» Streitkräfte an der Maritza, welche zur Offensive übergegangen sind, trafen heute gegen Mittag östlich vom Flusse T u n d j a auf starke bulgarische Ab- teilungen. Die Türken gingen zum Angriff vor und es entwickelte sich eine heftige Schlacht, die für die türkische Armee einen günstigen Verlauf nimmt. Die türkischen Streitkräfte im Westen stießen vor Kalimame(?) ebenfalls auf bulgarische Truppen und wurden mit ihnen in ein Gefecht verwickelt, das noch andauert. Bulgarische Banden, die aus Bulgarien gekommen waren, und denen sich bulgarische Landleute der Kasa Osmanje an- geschlossen hatten, operierten in der Kasa Djumaibala in der Nähe des Defilös von Kresna und griffen die dortigen türkischen Soldaten an. Die Türken antworteten mit einem heftigen Angriff und vernichteten die Banden fast vollständig. Einigen Bulgaren gelang es, in die Berge zu entfliehen. Die Banden hatten alle umliegenden Dörfer in Brand gesteckt. Weitere türkische Siegesuachrichte«. K o st a n t i n o p e l, 23. Oktober. Die türkischen Blätter veröffentlichen ein Telegramm ans Adrianopel mit Einzelheiten über den heute«acht amtlich gemeldeten Kampf zwischen de» Flüffeu Tuudja nud Maritza. Der Kampf soll bei Marasch, sechs Kilometer westlich von Adrianopel statt- gefunden und nenn Stunden gedauert haben. Die bulgarischen Streitkräfte beliefeu sich auf 30 000 Mann. Die Bulgaren sollen m der Richtung auf Kara Aga unter Zurücklassuog von Tausenden von Toten geflüchtet sein. Die Blätter melden weiter eine» Sieg der Türken bei K a d i« k ö i, 25 Kilometer nordwestlich von Adriauopel. Die Türken erbeuteten 11 Kanonen und machten einen bulgarischen Major und mehrere Soldaten zn Gefangeneu. Weitere Kämpfe haben bei Kiretschdschi-Hasköi, Jspinli, Tschali und Kanak stattgefunden. Ueberall sollen die Bulgaren geschlagen worden sei».— Eine amtliche Mitteilung über den Ausgang des großen Kampfes bei Adrianopel wird für heute nachmittag erwartet. Ausdehnung des Kampfes. Saloniki, 23. Oktober. Bon zuständiger Stelle wird versichert, daß bulgarische und türkische Truppenteile auch im Strumatale In Klausthal- Zellerfeld war der jetzt in der Versenkung ver» schwundene Reichstagsabgeordnete Külle 1908 bestrebt, ein Mandat zum Landtage zu erhalten. Die Nationalliberalen stellten als Land» ragskandidaten den Bcrginspektor Spinzig auf, der darauf er- klärte, sich der s r e i k o n s e r V a t i v e n Partei anzuschlictzen. Auf dieie Weise entstehen übrigens auch sonst freikonservative Ab- geordnete. Nach der Wahlmännerwahl war eS sehr zweifelhaft, wer die Mehrzahl der Stimmen erhalten würde, Kölle oder Spinzig. Im Kreise Ilfeld waren auch vier sozialdemokratische Dahlmänner ge- wählt. Um nun seinen Gegner zu schlagen, ließ Herr Spinzig durch den sozialdemokratischen Kreisvorsitzenden an die Wahlmänner der Sozialdemokratie 40 M. aushändigen, damit sie nach St. Andreasberg fahren und dort am Wahllage für Spinzig ihre Stimnie abgeben konnten. Die Wahlmänner haben das freikonservative Geld leider auch angenommen und haben Spinzig gewählt, weniger aus Liebe für ihn, als ans Hah gegen Kölle. Spinzig wurde aber nicht Ab- geordneter, sondern Kölle. Die Wahl ist später für ungültig erklärt worden und bei der Nachwahl siegte dann Spinzig; derselbe Spinzig, der für die sozialdemokratische Hilfe nicht nur Geld opferte, sondern auch das Versprechen einging, für das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahl' recht zu st i m m e n. Sonst würde ihm ja auch die sozialdemo kratische Hilfe 1908 sofort verweigert worden sein. Trotz dieser Liebeswerbung bei der Sozialdemokratie i st Herr Spinzig mit Freude ir in der sreikonservativen Fraktion begrüht worden und die Freikonservativen halten ihn auch jetzt noch in der Fraktion, obgleich dieser Borgang von 1903 den Freikonservativen im Abgeordnetenhause vom Abgeorfr neteu Leinert schon vorgehalten worden ist, als Freiherr v. Zedlitz mit Bezug auf unser Stichwahlabkommen mit den Freisinnigen er klärte, in ihrer Partei hätte jemand, der mit der Sozialdemokratie Vereinbarungen treffe, keinen Platz. Da die Fraktion der Freikonservativen im Reichstage gerade noch ausreicht, um einen Kegelklub zu bilden, begreift man schon, daß sie im Abgeordnetenhause jeden Mann mit aller Gewalt in der Fraktion halten und seine politische Vergangenheit gern mit in den Kauf nehmen. Ist das aber der Fall, dann soll die.Post" auch ihre Unverfrorenheit nicht zu weit treiben, man könnte ihr sonst bewußte politische Heuchelei vorwerfen. Ei« bayerisches Kriegs- und Staudrechtsgesetz. Mittwoch vormittag ist dem bayerischen Landtage der Eni- wurf eines Gesetzes über den Kriegszustand zu- gegangen. Der Entwurf führt das preußische Gesetz über den Be- lagerungszustand vom 4. Juni 1861 ein snur daß es sich bloß auf den Kriegsfall und nicht auch auf Aufruhr bezieht), und verbindet es, hinsichtlich des Verfahrens, mit den Aufruhr, und Standrechts- Bestimmungen des bayerischen Strafgesetzbuches vom Jahre— 1813. In der Begründung wird darauf verwiesen, daß bisher gesetzgeberische Matznahmen unterblieben, weil man mit der rcichs- gesetzlichen Regelung rechnete. Diese steht jedoch, jedenfalls in näher Zeit, nicht in Aussicht. Die bayerische Staatsregierung halte es deshalb für geboten, daß Bayern die in seinem Recht be- stehende Lücke, wenigstens was die dringendsten Matznahmen be- trifft, bis zur reichsrechtlichen Regelung selbst ausfülle. Der zu diesem Zwecke vorgelegte Entwurf gestatte, datz nach Ausbruch eines Krieges oder bei unmittelbar drohender Kriegs- gefahr durch den König der Kriegszustand verhängt wird. Die Verhängung habe zur unmittelbaren Folge, datz gewisse Hand- lungen, welche die Sicherheit der Mobilmachung gefährden, schwerer als sonst, beziehungsweise soweit sie nach dem gemeinen Recht nicht strafbar sind, überhaupt bestraft werden. In dieser Be- ziehung schließe sich der Entwurf aufs engste an das preußische Recht au. Mittelbar solle die Erklärung des Kriegszustandes zur Folge haben, datz durch die Anordnung des Stgndrechls die ordent- liche Strafgerichtsbarkeit außer Wirksamkeit gesetzt werden kann. Bezüglich de» Kreises der strafbaren Handlungen, für welche das Standrecht zuständig ist, lehne sich der Entwurf gleichfalls dem preußischen Gesetze an. Die Verfassung und das Verfahren der standrechtlichen Gerichte aber ist nach dem Muster des für innere Unruhen geltenden rechtsrheinischen bayerischen Rechtes gestaltet, damit das bei inneren Unruhen und das im Kriegsfalle geltende Ausnahmerccht auf wesentlich gleichen Grund- sätzen beruht. Datz der Entwurf im gegenwärtigen Zeitpunkte und im Schluß einer langen Landtagstagung«ingebracht worden ist, scheine auf den ersten Blick geeignet zu sein, eine gewiss« Beunruhi- gung zu erwecken. Hierzu bestehe indessen kein Grund. Den Anlaß zu dem Entwürfe gäbe nicht die Besorgnis einer gegen- wältigen Kriegsgefahr, sondern nur die Erkenntnis, datz das deutsche Heer in Bayern nicht der Möglichkeit von Sicherungs- maßregeln entbehren darf, die es im übrigen Reiche besitze. Der Gesetzentwurf geht einem besonderen Ausschusie zur Vor- beratung zu. Damit ist der Landtag bis in den November hinein wieder beschäftigt. Ob wirklich die Einbringung des Gesetzes ge- rade jetzt so ganz unabhängig von gewissen Befürchtungen ist, bleibt uns immerhin zweifelhast. Die Vossin als Kronzeugin der junkerlichen Scharfmacher. Auf unsere Festnagclung ihrer ebenso törichten wie unanständi- gen Schilderung der Treptower Demonstration antwortet die .Deutsche Tageszeitung" recht kleinlaut. Sie gibt ihren famosen Gewährsmann vollständig preis und beharrt nur bei der Behaup- t'Ung, datz die Demonistranten die � polizeilichen Bedingungen mißachtet und Verkehrsstörungen herbeigeführt hätten. Und zum Be- weis für diese ihre Darstellung beruft sie sich auf die—„V o s s i- sch e Zeitung"! Das brave Freisinnsblatt als Kronzeugin für das Ocrtelorgan ist nun ein arges Pech; aber wir müssen schon ge- stehen, datz das freisinnige Organ sich keineswegs über mißbräuch- liche Zitierung beschweren darf. Hat es doch einen Reporterwisch abgedruckt, in dem behauptet wurde, datz die Sozialdemokratie ihre Zusicherung gebrochen habe, da sich doch„Züge bis zu 3000 Personen gebildet" hätten. Diese Zugbildungen hätten aber auch größere Verkehrsstörungen zur Folge gehabt, nämlich:„einige der zum Teil recht jugendlichen Ordner ließen sich mehrfach Ucbergriffe zuschulden kommen. An der Oberbaumbrücke wurde ein Eiswagen angehalten, an der Schlesischen Brücke zwei Autos zum Umkehren gezwungen, an derDanzigerStratze, Ecke der Prenzlauer Allee, ein Straßenbahnwagen län- gere Zeitander Weiterfahrt gehinder t". Kann man es dem Junkerorgan verdenken, daß es aus solchen„Ausschreitun- gen" eine Pflicht zu polizeilichem Einschreiben herleitet, wenn doch sogar die eigentlichste Repräsentantin des Berliner Fortschritts solch schlimme Verkehrsstörungen stirnrungelnd registriert? Was die frelsinni�agrarischeti Vorwürfe anlangt, so sei nur soviel bemerkt: Solange nicht Hunderttausende von Menschen mit Flugmaschinen befördert werden können, wird es natürlich ganz unvermeidlich sein, datz sich aus den kleinen Trupps von Versamm- lungsteilnehmern, die sich von tausend Orten aus durch Hunderte von Straßen nach einem gemeinsamen Sammelpunkt hinbegeben, an den großen Zugangsstratzen allmählich größere Menschen- ansammlungen bilden. Wenn sich Sonntags durch die Linden ein Strom von Menschen nach dem Tiergarten ergietzt. bildet sich die Linden entlang g e n au e i n s o l ch e r„Z u g". oder wenn sich durch die Königsallee im Grunewald die zahlungsfähige Gesellschaft per Auw kutschieren läßt, so entsteht nicht minder ein„Zug", ein Zug, der obendrein das denkbar lebensgefährlichste Ver- kebrshindcrnissüralleJutzgän gerbildet. Esge- hört also schon freisinniger Ueber-Polizeigeist oder agrarische Scharf- macherwut dazu, aus einer ruhig und zwanglos ihres Wege? gehenden Menschenmenge„Züge" im Polizei sinn zu machen. Und nun gar die Verkehrsswrungen! Ganze drei Fälle werden da ausgesührt, wo einzelne Fahrzeuge aufgehalten worden seien. Daß sie durch Ordner zmn Halten ge- z wungen worden seien, mutz natürlich die„Vossische Zeitung' erst beweisen. Sollte aber hier und da ein Wagen einmal durch den Menschenstrom— der s i ch nach dem Zeugnis von Hunderttausenden überall redlich st e Mühe g« geben hat, jede Stockung oder auch jede nur vor- übergehende Störung der Passage zu v er meiden — ein Fuhrwerk zu einer kleinen Verzögerung gezwungen worden sein, so wäre das etwas, was der tägliche Verkehr stündlich tausendfach mit sich bringt. Aber die„Vossische Zeitung" scheint wohl gleich der„Deutschen Tageszeitung" der Meinung zu sein, datz die Berliner Straßen nur dazu da sind, um durch Paraden und Fürstenempfänge halbe Tage lang gesperrt zu werden, daß sie aber nicht existieren, um der großen Masseder Ber- liner Bevölkerung zum Verkehr zu dienen! Denn da s Recht wird sich sich das Berliner Volk schwerlich verkümmern lassen, seinen Weg dorthin zn lenken, wo es ihm patzt. Um- zöge nnd Verkehrsswrungen kann die Polizei wohl verhindern, aber nimmermehr kann sie Versammlungsteilnehmern verbieten, Straßen zu passieren, die zu einem Versammlungsorte führen. Daß daS unseren Junkern nicht paßt, finden wir ganz begreiflich, daß aber ein freisinniges Blatt wie die„Voffische Zeitung" geradezu nach einer Beschränkung selbver ständlichster bürgerlicher Rechte schreit, ist etwas so Unglaubliches, daß wir die ehr liche Entrüstung verstehen können, mit der liberale Männer uns den denunziawrischen Erguß der.Vossischen Zeitung" in die Hand gedrückt haben! Badischer Landtag.> Der am Dienstag zur Beratung der Mürzwerkvorlage zusammen. getretenen H. Kammer des badischen Landtages legte die sozial' demokratische Fraktion zwei Interpellationen bor. Die erste bezieht sich auf die Fleischteuerung und fordert eine gründliche Abhilfe durch Aufhebung des§ 12 des Fleischbeschaugesetzes.— Im zweiten Falle handelt es sich um eine kleine Anfrage an die badische Regierung wegen der Wahrung der badischen Tariffteiheit in der nach Berlin einberufenen bundessiaatlichen Konserenz zur Umgestal tung der Gütertarifzonen. Im Seniorenkonvent ist wenig Neigung bei den bürgerlichen Parteien, die Anträge der Sozialdemokralen zu verhandeln. Die Fraktion wird deshalb auch darauf bestehen, datz die eingegangenen Beamtenpetitionen verhandelt werden. Die Organisation der nationalliberale« Partei. Nach dem soeben herausgegebenen Organisationshandbuch der naiionalliberalen Partei ist die Gesamtzahl der nationalliberalen Vereine von 940 im Jahre 1907 auf 1874 im Jahre 1912 ge stiegen. Von den 1874 Vereinen sind 109 jungliberal. Für die Parteiorganisation sind insgesamt 67«Sekretäre tätig, zu denen noch die Beamten deS Zentralbureaus kommen. Die nationallibc rale Presse vertreten über 300 Zeitungen und Vcrbandsorgane. Parlamentarische Vertreter besitzt die Partei im Reichstage 44, in den Landtagen der Einzelstaaten 264. In der Zahl der national- liberalen Vereine steht("von Gesamtprcutzen abgesehen) das Groß Herzogtum Baden mit 223 Vereinen an der Spitze, dann folgen Westfalen mit 203, die Rheinprovinz mit 173, das Königreich Bayern rechts und links des Rheins mit 162, das Königreich Sachsen mit 160, Hannover mit 142 usw. Die Organisation der Partei erstreckt sich auf sämtliche Provinzen Preußens sowie auf alle Bundesstaaten. Nur daS Reichsland Elsaß-Lothringen ist noch mit keinem Verein vertreten, obgleich die Partei auch hiev starken Boden hat. Ein Dementi der„Kreuzzeitung". Die„Kreuzzeitung" bestreitet die von der„Täglichen Rund schau" gebrachte und von uns wiedergegebene Mitteilung, daß sie in den Besitz des Deutschen Verlags übergegangen sei. DaS agrar- konservative Matt hat der„Tägl. Rundschau" folgend« Berichtigung zugesandt: „Es ist unwahr, daß die„Kreuz-Zeitung" mit der„Borussia, Druck- und Verlagsanstalt, G. m. d. H. zu Berlin", verschmolzen worden ist oder jgmals verschmolzen werden soll. Es ist unwahr, datz die„Kreuz-Zeitung" mitsamt der„Borussia-Druckerei" an den „Deutschen Verlag" verkauft worden ist. Es ist unwahr, daß die „Kreuz-Zeitung" in ein Tauschsatzverhältnis mit andern Blättern treten wird und datz eine Uebcrnahme der„Kreuz-Zeitung" durch den„Deutschen Verlag" in Aussicht genommen worden ist. Di« „Kreuz-Zeitung" ist und bleibt vielmehr nach wie vor im alleinigen Besitze der selbständigen Gesellschaft„Neue Preußisch«(Kreuz-) Zeitung, G. m. b. H. zu Berlin". An den Besitzverhältnissen dieser Gesellschaft hat sich nichts geändert, außer, daß laut notariellem Protokoll vom 17. Oktober 1912(Nr. 379 des Notariatsregisters für 1912) das Gesellschaftskapital von bisher 36 000 M. auf 420 000 Mark erhöht worden ist. An der Erhöhung des Stammkapitals ist weder der„Deutsche Verlag", noch irgendeine ander« Druck, und Verlag sgesellschaft beteiligt, sonder» die neuen Stammanteile sind lediglich von Herren gezeichnet worden, die von jeher zum Gremium der„Kreuz-Zeitung" gehört haben." Steuerbelastung der Aermsten durch ZentrumSparteiler. In Neudorf i. E. beschloß der Gemeinderat Mitte Oktober 1912 die Heranziehung der bis dahin steuerfreien Lohneinkommen von 600 bis 700 M. zu den Gemeindesteuerzuschlägen. Die schwarze„Oberels. Landeszeiluttg" suchte den Anschein zu erwecken, datz die Verantwortung für diesen Beschlutz(von dem das Blatt boffte, daß er schleunigst wieder rückgängig gemacht werde) nicht dem Zentrum zufiele. Sie faselte von„Grotzblocktendenzen" im Neudörfel Gemeinderat usw. Die„Mülhauser Volkszeitung' stellt demgegenüber in ihrer Nummer vom 13. Oktober fest, daß zwar die Liberalen auch für die Verschlechterung gestimmt haben, datz aber das Zentrum einschließlich der klerikalen Höchstbesteuerten im Neu dorfer Gemeinderat die Mehrheit hat und somit für diesen arbeiterfeind- lichen Beschluß die Verantwortung trägt. Im Neudörfel Gemeinderat sitzt kein einziger Sozialdemokrat! Rückwirkung unserer Zollpolitik. Gegen Deutschlands hohe Schutzzollmauern, kämpfen zusammen mit der deutschen Sozialdemokratie erfreulicherweise jetzt auch einige ausländische Staaten an. So geht Rußland mit dem Plan um. aus deutsches Getreide, dessen Ausfuhr durch unser Einsührscheinsystem Prämien erhält, erhöhte Zölle zu legen. Auch Nordamerika fühlt sich durch Deutschlands Agrarzölle gehindert. Die Einfuhr von Mehl und Splißerbsen will es durch Strafzölle erschweren: auf Vorstellun- gen der deutschen Regierung hin ist die Erhebung dieses Zolles nur vorläufig aufgeschoben worden. Jetzt meldet der offiziöse Draht ein Verbot der amerikanischen Regierung gegen die Kartoffeleinfichr: Nach einer Mitteilung New Uorker Importfirmen hat das Ackerbauamt in Washington angeordnet, daß Kartoffeln jeder Art aus Deutschland, Oesterreich, Großbritamiien und verschiedenen anderen Ländern wegen folgender Krankheiten Warzen, Fäule, Pilz nicht gelandet werden dürfen. Die Zollbehörde führt die Anordnung strengstens durch. Ein Gesuch einer New Dorker Firma, deutsche Saatkartofseln auszunehmen, wurde abgelehnt. Die Amerikaner haben von unseren Agrariern gelernt: die an- geblich gefährdete Gesundheit muß der Maskierung schutzzöllnerischer Bestrebungen dienen. Eine harte Strafe verhängte das Kriegsgericht der I. Marineinsvektion über den Matrosen Schlicht von der I. M«üroseiü>ivision in Kiel, der des tätlichen Angriffs auf einen Vorgesetzten angeklagt war. �Schlicht hatte mit zur Entlassung kommenden Reservisten in der Stadt ge- zecht und oerübte dann,_tu die Kaserne zurückgekehrt, auf seiner Stube allerlei Unfug. Schließlich wurde der Unteroffizier vom Dienst, ein Exerzierscrgeant, herbeige riefen, der in einen Wortwechsel mit Schlicht geriet und diesem den Mund verbot. Bei der Gelegen- heit schlug Schlicht den Sergeanten gegen die linke Kopffeite. Der Dcckoffizicr voni Kasernendienstc. der nun herbeigeholt wurde, sah die Sache anscheinend nicht so schlimm an, denn Schlicht wurde nicht festgenommen. Ter Angeklagte sagte vor Gericht aus, er sei sinn- los betrunken gewesen und erst am andern Morgen zur Besinnung gekommen. Ein Teil der Zeugen sagte aus. Schlicht sei stark, ein andcver, er sei nur leicht betrunken gewesen. Der Anklagevertreter beantragte 6 Jahre Gefängnis. Er wollte angenommen wissen, daß die Tat im Dienst ge schaben sei. Das Gericht erkannte aufZJahre Gefängnis. Schlicht habe gewußt, was er getan, aber die Tat sei nicht im Dienst geschehen. Bemerkt sei. daß ein ärztlicher Sachverständiger nicht geladen war. Mit dem Urteile vergleiche man die Urteile gegen Soldaten- schinder._ Spanien. Ein Todesurteil. Madrid, SS. Oktober. Ramon Folch, radikale» Mitglied de« Stadtrats von Barcelona, der wegen seiner Teilnahme an den Er- eignissen im Juli 1909 angeklagt war. ist vom Kriegsgericht zum Tode verurteilt worden. Dänemark. Der Entwurf einer LerfassavgSLndernng. Kopenhagen, 23. Oktober. Der Ministerpräsident hat im Folkething einen Gesetzentwurf über eine Acnde- rung der Verfassung eingebracht, deren wichtigste Be- stimmungen folgende sind: den Franeu wird daö aknve und passive Wahlrecht zum Follething gewährt, das Wahlrechts- alter ist auf das 25. statt wie bisher auf daS 90. Lebensjahr festgesetzt, die Zahl der Mitglieder des Folkethings. die jetzt 114 beträgt, kann auf 132 steigen, die Sessionsdauer wird auf vier Jahre statt der bisherigen dreijährigen Dauer erhöht, das privilegierte Wahlrecht zum Landsthing soll abgeschafft werden, ebenso die Bestimmung, daß der König 12 Mitglieder des Landsthings ernennt, von den 66 Mitgliedern deS Landsthings werden 54 von den städtischen Vertretungen gewählt und die auf diese Weise gewählten 54 Mitglieder wählen ihrerseits die fehlenden 12 Mitglieder. Mexiko. Der Kampf am Veracruz. New Jork, 23. Oktober. Nach einem Telegramm an« Veraeru z haben die RegierungStruppen gestern mittag den Vormarsch gegen Veracruz begonnen. Der Kommandeur hat sich geweigert, den Nichtkombattanten eine weitere Frist zur Uebersiedelung nach der neutralen Zone zu gewähren. Auf den Schiffen im Hafen befinden sich jetzt 10 000 Mexikaner und 6000 Ausländer, darunter die aus» ländischen Konsuln._ Der kslßsickrleg. sck Weitere Erfolge der Serben. Belgrad, 23. Oktober.(W. T. B.) Amtlich wird ge» meldet, daß die dritte serbische Armee gestern abend trotz hef» tigen Widerstandes der Türken P r i s ch t i n a, und die erste Armee das zwischen Egripalanka und Kumanovo gelegene S t r a t s ch i n genommen haben.— Die von den türkische« Truppen auf der Eisenbahnlinie Ristovats— Kumanovo zerstörten Brücken sind von den Serben wieder in gebrauchsfähi- gen Zustand gesetzt worden. Serbische Meldungen. Belgrad, 23. Oktober.o ä s s e r r e i n i g u n g des R a w a- resp. des l i n k s n i e d e r r h e i n i s ch e n I n d u st r i e g e b i e t e s. Abg. Göbel(Z.) bleibt bei der groffen im Hause herrschenden Unruhe, die Vizepräsident Dr. Porsch zweimal vergeblich ein- zudämmen versucht, auf der Tribüne völlig unverständlich. Landwirtschaftsminister v. Schorlemer: Ich hoffe, dag die Vor- lagen hier ebenso freundliche Aufnahme finden werden wie im Herrenhause. Die Ausführungen des Vorredners habe ich zwar bei der herrschenden Unruhe und der schlechten Akustik nicht verstehen können, aber ich glaube annehmen zu können, daß auch er sich den Vorlagen sympathisch gegenübergestellt hat.(Heiterkeit.) Auf Einzel- hcitcn der Vorlagen will ich nicht eingehen, sondern nur betonen. dag eine Lösung der Materie in dem bevorstehenden Wassergesetz nicht angängig war, da die Verhältnisse eine sofortige Regelung er- heischen. Abg. Wcstermann snatl.) stimmt den Vorlagen im allgemeinen zu und beantragt Ueberweisung des RawagejetzeS an eine Kom- Mission. Abg. Frhr. v. Loe(Z.) beantragt Einsetzung einer gemeinsamen Kommission für beide Gesetze. Abg. Borstrr(sk.) dankt d» Regierung für die Einbriugung der Vorlagen und wünscht Ueberweisung an eine Kommission von 21 Miigliedern. Abg. Schiilbc-Pelkum stimmt dem Vorredner zu. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Ich habe noch selten eine gröstere Selbstgefälligkeit gesehen, als wie sie sich hier gezeigt hat. Die Parteien danken der Regierung für die Vorlegung der Gesetze. Der Minister selbst betont, sie kämen zur rechten Zeit und dabei muff die lltegierung selbst in der Be- gründimg der Vorlagen zugeben, daß bereits seit den 7 Oer Jahren sich in diesen Gebiete» die größten Mißstände heraus- gestellt haben, unter denen die Bevölkerung Jahrzehnte gelitten hat, ohne datz etwas dagegen geschehen wäre. Erst nachdem die Mist- stände einen solchen Umfang angenommen haben, daß sie gemein- gefährlich und auch eine Gefahr für die Interessen der herrschenden Klassen geworden sind, will man jetzt einschreiten. Der dortigen Grostindustrie must der Vorwurf gemacht werden, dast sie ohne jede Rücksicht auf das Gemeinwohl und die öffentlichen sani- tären Interessen ihre Abwässer in öffentliche Flustlänfe ab- geleilet hat. Gegen einen solchen Raubbau an Natur- schätzen und an der Volksgcsundheit hätte die Regierung längst entgegentreten �müssen, zumal dazu schon die bestehenden Gesetze eine Handhabe geboten hätten. Wenn die Industrie sich jetzt ab- lehnend verhält gegenüber den Lasten, die sie übernehmen soll, so ist das ein betrübendes Zeichen für den Mangel an Verantwortlich- keitsgesühl in diesen Kreisen der Grostindustrie, die die Hauptvortcile aus unserem Wirtschaftssystem auf Kosten der Massen der Bevölke- rung ziehen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn in deni Ausschust des zu schaffenden Zweckverbandes dieselben ober- schlesiichen Jndustriemagnaten den Haupleinflust erhalten sollen, die die Miststände verschuldet haben, so heistt das doch wirklich, den . Bock zum Gärtner machen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Es wird Gewicht daraus zu legen sein, dast in dem Ausschust auch die Stimmen zur Geltung kommen, die die hygienischen I n t e r- essen der Gesamtbevölkerung, insbesondere des ärmsten Teils der dortigen Bevölkerung zu vertrete» berufen sind.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.)' Auf jeden Fall bedeuten die Vorlagen nur eine geringe Abschlagszahlung auf eine Schuld, die bereits ein Mcnschenalter besteht.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Beumer(natl.): Herr Liebknecht ist gewist der letzte, der über Selbstgefälligkeit anderer zu reden das Recht hat. Im übrigen sollte auch er wissen, dast eine Kohlenförderung ohne schmutzige Abwässer nicht möglich ist. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.j: Die persönlichen Angriffe des Vorredners gehören zu dem Niveau des Hauses, das man am besten in der Oeffentlichkeit kleines feiäUeton. Hinter den Kinokulissen. Man schreibt uns aus Wien: Nun hat auch diese jüngste Kunstform, diese letzte und vielleicht auch in anderem Sinne letzte Art des Theaters, ihre Ausstellung bekommen. Die e r st e internationale K i n o e x p o s i t i o n diesseits des Rheins hat in den Sälen der Gartenbaugesellschaft sich eingenistet. Das ist die ernüchterte Welt hinter den Kinokulisien: schwarze Kinoapparate, an denen sich die Filmtrommel rasend dreht, Aus- nahmevorrichiungen, die unseren Kodaks aufs Haar ähnlich sehen, dann die Filmlochstanzmaschinen und die Reinigungsapparate. die Kopierinstrumente und die feuersicheren Filmkassetten, das Dekoralionsdepot möchte man lagen, dies ist die Welt hinter den Kinokulisien: eine ungeheuere Industrie, ein Lebenserwerb von Hunderlen und Tausenden, eine statistische Angelegen- hcit, die uns zeigt, wie das Ergötzen von zwei Milliarden jährlichen Besuchern das Geschäft von 120 000 anderen ist. Theater- ausstellung: und man denkt an den ganzen Plunder veegilbter Lorbeerkränze, abgeblatzter Szenenbildchen in Form kolorierter Kupfer von anno dazumal. Hier aber ist alles funkelnagelneu, ist ohne Ge- schichte, ist unsentiinenlalische Gegenwart, die nicht mehr als 17 Jahre zurückreicht und wie ein triumphierender Geschäftsmann einfach das Hauptbuch ausschlägt. Eine statistische Angelegenheit: 30 000 Kino- thealer aus der ganzen Welt. Herz, was begehrst Du noch Flitter und Tand! Da sind die Rohfilmfabriken, 12 an der Zahl, die ihre Bänder au 110 Filmfabriken liefern. Wieviele Bänder fragt ihr gleich. Und diese unabsehbar in die Höhe schnellende Ziffer verblüfft, läuft zweimal um den Aequator und erreicht im Jahre ein Ausmast von 120 Millionen Meter. Immerhin aber, man begreift: die längsten Films, die Filmsstars sozusagen messen v ier Kr l o m e t e r. Die aber sind nur in Maschinenstars vorsührbar. In dieser mechanischen Präzifionskunst ist die Wertung eine Ziffer und die Entwickelung auch, denn der erste ProduktionSapparat konnte nicht mehr als 20 Meter abspulen. Und— wie in jeder anderen Industrie war zuerst Handbetrieb, ehe die menschliche Muskelkraft durch den Elektromotor ersetzt wurde. Indessen, da ist die allerneueste Errungenschaft: ein Miniaturapparat für Schule und Hau?, und der braucht keine besondere Beleuchtung, die Hand, die die Filmspule abwickelt, setzt ein Dynamo in Bewegung, der gleich- zeitig die Apparatlampe aufglühen lästt. Ein atavistischer Rückschlag sozusagen, der der Wohlseilheit zugute kommt. Denn solch ein Puppe nkino" kostet nur ein Siebentel eines voll aus- gewachsenen: 150 M. Ein geringes weniger, und morgen vielleicht oder übermorgen werden die Kinder der Reichen in ihren Stuben ein Minioturkino haben, das ihnen die faszinierenden und phantasti- schen Bilder der Wirklichkeit vorspielt, das wunderbare Leben der Mikroben und das seltsame Treiben der Menschen in unterirdischen Schächten, das alltäglich Nächste und Kleinste in unserem Leibe wie dos weltbewegend Groste, das sich irgendwo abspielt. Die Dahlemcr Forschungsinstitute für Chemie und für Physikalische Chemie und Elektrochemie, die von der nicht erörtert.(Unruhe rechts.) Dast bei der Kohlenförderung Ab- Wässer entstehen, ist selbstverständlich: aber es handelt sich um die Art, wie die Industrie diese Abwässer rücksichtslos in öffentliche Fluhläufe abgeleitet hat. Damit schliestt die Debatte. Die Vorlagen gehen an eine Kom- Mission von 21 Mitgliedern. Es folgt die erste Beratung eines Gesetzes betreffend Ab- änderung der rheinischen ZusammenlegungS- und Gemeindeein teil nngSgesetze. Die Vorlage wird nach ttnwesentlicher Debatte an die Gemeinde- kommission verwiesen. Es folgt die erste Beratung deS Gesetzes betreffend Dienst- Verhältnisse der Beamten der Amtsanwaltschaft. Justizminister Besclcr: Das Gesetz entspricht einem mehrfach geäusterten Wunsche des Hauses. ES handelt sich um die Beseitigung der Bestimmung, dast die etatsmästigen Staatsanwälte auf Widerruf anzustellen sind. Geschieht das, so müssen auf der anderen Seite der Justizverwaltung diesen Beamten gegenüber all die Befugnisse gegebeir werden, die sie den anderen Justizbeamten gegenüber hat. Abg. Brchmcr(k.) dankt namens seiner Freunde der Regierung für die Vorlegung des Gesetzes. Abg. Witzmanu(natl.) äustert einzelne Bedenken gegen die Vor- läge und beantragt ihre Ueberweisung an die Justizlommission. Nach weiterer kurzer Debatte geht das Gesetz an die Justiz- kommission. Nach Erledigung mehrerer Petitionen vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung: Freitag 11 Uhr.(Wahl des Präsidenten, Interpellationen über die Fleischtcuerung). Abg. Dr. Liebknecht(Soz.) ersucht den Präsidenten um Auskunft. wann einige Petitionen von I u st i z n n t e r b e a m t e n, die wieder- holt schon auf der Tagesordnung gestanden hätten, zur Erledigung kommen sollen. Vizepräs. Dr. Porsch erwidert, sie würden am Sonnabend auf die Tagesordnung gestellt werden. Schlutz 5 Uhr._ Die KeicHstagswalsiagitaflon im ersten Kresse setzte ein mit einer stattlichen Versammlung, die unsere Partei- genossen am Dienstag nach dem„Marinehaus" einberufen hatten. Der sehr zahlreiche Besuch, sowie die lebhafte Anteilnahme an den Ausführungen der Referenten Hugo Haase und Wilhelm D ü w e l l zeigte, dast die Parteigenossen mit gewohnter Kampfes- freudigkeit in den erneuten Wahlkampf eingetreten sind. Für uns Sozialdemokraten ist es immer ein Lust zu kämpfen — sagte Genosse Haase— wir wünschen die Gelegenheit herbei, um mit unseren Gegnern die Klinge zu kreuzen. Mit Begeisterung treten die Genossen auch rn diesen Wahl kämpf ein. Die Fort- schrittler haben es verstanden, die günstigen Chancen, die ihnen der Wiahlkamps gegenwärtig noch bietet, für sich auszunützen. Herr Ä a e m p f hielt den gegenwärtigen Zeitpunkt für geeignet, sein Mandat niederzulegen, weil seine Freunde sagten, jetzt habe er noch die besten Aussichten, weil auf Grund der alten Listen gewählt wird. Viele von unseren Wählern sind seit der Hauptwahl aus dem Wahlkreise verzogen. Ein Umstand, der allerdings den Fort- schrittlern zugute kommt. Trotzdem aber haben unsere Gegner keinen Grund, den Tag vor dem Abend zu loben. Wir wollen ab- warten, wie es am Abend des Wahltages aussehen wird. Was an uns liegt, das werden wir tun, damit die Fortschrittler am Abend des Wahltages mit langen Gesichtern enttäuscht dastehen. Ob Herr K a e m p s in den Reichstag zurückkehren loird, das hängt zum großen Teil von Ihnen ab, die Sie als Wähler Ihre Stimme in die Wagschale zu legen haben. Nicht aus die Person des Kandidaten kommt es an, sondern auf die Grundsätze, welche seine Partei vertritt. Wenn wir sehen, welche Haltung die Fortschrittliche Volks- Partei sowohl früher wie im jetzigen Reichstage eingenommen hat, dann kann es nicht zweifelhaft sein, daß kein Freund des politischen Fortschritts, kein Freund der Freiheit, kein Anhänger demokratischer Grundsätze einem Mitgliede der Fortschrittlichen Volkspartei seine Stimme geben kann. Vorbei sind die Zeiten, Ivo die Fortschrittler die Forderungen für den Militarismus und Marinismus grund- sätzlich bekämpiften. Sie haben ja jetzt den Ehrgeiz, positive Arbeit zu leisten und werden deshalb, wenn eS zur Entscheidung über die neue Forderung von 650 Millionen Mark für Heer und Flotte kommt, sich denen anschließen, die bereit sind, dem Volke diese neuen Kaiser-Wilhelm-Gesellsckaft begründet sind, wurden am Mittwoch eingeweiht. Ueber die weiteren Pläne der Gesellschaft teilte Professor Harnack in der sich anschließenden Hauptversammlnng mit: Die Gründung weilerer Institute steht unniittelbar bevor. So wird im Rheinland mit Mitteln, die die Stadt Mülheim zur Verfügung gestellt hat. ein Institut für K o h le n f o r s ch u n g errichtet werden. Ferner werde ein klinisches R a d i u m i n st i t u t geplant zur Erforschung deS Einflusses der Radiumstrahlen auf den gesunden und kranken Menschen. Luftschiffahrt' und Lustflug sollen in ihren theoretischen Grundlagen durch Unterstützung einer Studien- gesellschaft gefördert werden. Eine Hauptaufgabe sieht die Gesell- schaft in der Förderung der biologischen Studien. Zu diesem Zweck hat die Gesellschaft die Zoologische Station in Rovigno übernommen. Es sollen ferner gegründet werden ein Institut für experimentelle Therapie, zweitens ein Institut für Arbeitsphysik und Arbeitshygiene. Hier soll der schädliche und der nützliche Einfluß der Arbeit auf den Körper untersucht werden. Es sollen Forschungen über die Erhaltung und die Verlängerung der Arbeits- fähigkeit angestellt werden. Die Gesellschaft hat ferner eine Expedition zur Bekämpfung der Schlafkrankheit in Ren- kamerun mit ausgerüstet; ebenso fördert sie die Ausgrabungen in Samara. Da bei Jud und Christ für die kaiserliche Gründung mit Hoch- druck gesammelt wurde, verfügt sie über 14 Millionen Mark Ver- mögen und eine halbe Million Mark jährliche Einnahmen. Die Be- geislekung der Kapitalmagnaten für die Wissenschaft ist also flau genug, zumal wenn man in Rechnung stellt, daß Orden und Titel in reichem Maße winken. Eine Verdrängung der französischen Sprache aus Elsaß-Lothringen will eine in„Petermanns Mitteilungen" soeben veröffentlichte Statistik konstatieren. Danach benutzten die deutsche Sprache als Muttersprache im Jahre 1900: 1492 000, 1905: 1575 000 und 1910: 1 634 000 Personen. Entsprechende Zahlen für die französisch sprechende Bevölkerung sind 1900: 199000, 1905: 200 000, 1910: 204 000. Ans 1000 Einwohner berechnet ergibt das im Jahre 1900: 868 deutsch und 116 französisch Sprechende, 1905: 868 und 110 und 1910: 872 und 109. Wir übernehmen diese Statistik mit der Be- merkung, dast sie nur mit größter Vorsicht zu benutzen ist. Wie das Beispiel von Oesterreich-llngarn, den Vereinigten Staaten und anderen LMidern mit gemischter Bevölkerung zeigt, werden solche Statistiken öfter dazu benutzt, die in Wirklichkeit gar nicht ver- schwinden wollende fremde Bevölkerung theoretisch absterben zu lassen. Möglich ist es deshalb, daß auch den Franzosen und ihrer Sprache in Eliast-Lothringen von unserer patriotischen Statistik ein ähnliches Schicksal bereitet wird. Das erste Cafe Europas. Der, Balkankricg veranlaßt einen Zttitarbeiter des„Siecle" daran zu erinnern, daß Europa sein erstes Cafehaus, sozusagen den Urahn sämtlicher heute bestehenden Cafes, indirekt den Türken und einem Türkcnkriegc verdankt. Es war während der Belagerung Wiens im Jahre 1682; es stand schlimm um die StM und trotz der heldenmütigen Verteidigung mußte man Lasten aufzulegen. Wir haben nicht vergessen, wie regicrungs- ' freundlich sich die Fortschrittlcr in der Bülowära benahmen. Wir erinnern uns, daß sie beim Zustandekommen der volksfeindlichen Bestimmungen der Reichsversichcrungsovdnung mitwirkten. Herr K a e in p f hat sich ja bei der Abstimmung über die Reichsversiche- rungsvrdnung der Stimme enthalten. Er sagte weder„Ja" noch „Nein". Solche„Volksvertreter" können wir nicht gebrauchen. Wir brauchen Männer, die bei der Abstimmung über reaktionäre Gesetze ganz entschieden und kräftig„Nein" sagen. Die Fortschrittlcr waren doch in der Bülowära bereit, die Finanzrcform mitzumachen und das Volk init schweren Steuern zu belasten. Sie sind als Gegner des Frauenstimmrechts aufgetreten und haben, wen» es galt, libe- ralc Forderungen zu vertreten, eine unsichere, schwankende Haltung gezeigt. Wir wollen einen Vertreter in den Reichstag senden, der nicht schwankt, sondern fest und sicher auftritt. Darum wählen wir den Genossen Düwell. Wenn wir jetzt in den Wahlkampf treten, so wollen wir nicht nur den IlO Sozialdemokraten einen hundertelften hinzufügen, sondern wir richten den Blick auf die Ideale der Arbeiterklasse und führen unseren Kampf im Interesse der Freiheit.(Lebhafter Beifall.) Hierauf nahm unser Kandidat, Genosse Düwell, das Wort. Für den Freisinn mit seinen reaktionären Konsequenzen, oder für die Sozialdemokratie, der Vertreterin der politischen Freiheit und des kulturelle» Fortschritts— das ist die Frage, welche in diesem Wahlkampf zu entscheiden ist. Das Bürgertum hat seine liberalen Forderungen eine nach der anderen fallen lassen. Die kümmerlichen Ueberrcste liberaler Grundsätze wurden in den Silbcrschrank gestellt und werden nur bei festlichen Gelegenheiten als Prunkstücke hervor- geholt. Aber an ihre Verwirklichung denken die Vertreter dcZ Liberalismus schon lange nicht mehr. Im Gegenteil. Sie bemühen sich, die spärlichen Rechte der Arbeiter einzuschränken. Sehen wir doch jetzt wieder, daß es Anhänger des Freisinns sind, die in Reu- köll» und in Lichtenberg Beeinträchtigungen des kommunalen Wahl- rechts durchsetzen wollen, um den Einfluß der Arbeiterklasse auf die Gemeindeverwaltung möglichst auszuschalten. Je mehr sich die Klassengegensätze verschärfen, desto mehr geht der Freisinn nach rechts. Weit kann er übrigens in dieser Richtung nicht mehr kommen, weil er schon ziemlich am Ende der abschüssigen Bahn an- gelangt ist. Wo der Freisinn auftaucht, da siegt die Reaktion. Die Entscheidung kann den Wählern nicht schwer fallen. Wer für Demo- kratie und Sozialismus, für Freiheit und Fortschritt cintreten will, der mutz sich am Wahltage für die Sozialdemokratie ent- scheiden.(Lebhafter Beifall.) Mann für Mann werden die Parteigenossen dafür cintreten und ihre ganze Kraft in der Agitation dafür einsetzen, daß Genosse Düwell diesmal mit einer Mehrheit, die nicht angezweifelt tverden kann, als Sieger aus dem Wahlkampf hervorgeht.— Das ist der Gedanke, der in der Diskussion zum Ausdruck kam und mit dem auch der Vorsitzende die Versammlung schloß. Preuß)f(l)er Hjandwerkshamiacrtag. Berlin, 22. Oktober 1912.(Eig.©er.) In Anwesenheit von etwa 50 Landtagsobgeovdnetcn aller bürgerlichen Parteien und Vertretern der preußischen Handwerks- kammern fand heute nachmittag ein Preußischer Handwerts- kammertag statt, um zu einem„Ha n d w er k c r p r o gr a m m" Stellung zu nehmen. Dieses Handwerkerprogramm soll den Kandidaten der bürgerlichen Parteien bei den kommenden Land- tagswahlen unterbreitet werden. Im Auftrage der Kommission, die das Handwerkerprogramm eingehend beraten hat, berichtete der Vorsitzende der Magdeburger Handtverkskammer T h i e r k o p f: Wenn wir verlangen, daß mehr Handwerker in den Landtag einziehen sollen, dann soll damit nicht gesagt werden, daß alte bewährte Abgeordnete nun durch Handwerker ersetzt werden sollen. Aber wir wünschen, daß Man- date, die frei werden, in Zukunft mehr durch Handwerker besetzt werden. Wir verlangen auch, daß mehr Rücksicht genommen wird auf das Großl)andwerk. Redner erläuterte sodann eingehend die Forderungen des von der Kommission beschlossenen Programms und verbreitete sich aus- führlich über die Forderungen des Schutzes der Arbeits- willigen und der Handwerker vor Boykottierung. Der Staat muß dafür sorgen, daß jeder in Ruhe und Frieden seiner Arbeit nachgehen kann. Aber mancher Handwerker möchte heute gern zur Wahl gehen und kann es nicht, weil er durch der Uebergabe ins Auge sehen. Man beriet schon über die Kapitu- lalionsbedingungen, als ein junger Pole, namens Kulzhcki, sich er- bot, sich durch die feindlichen Linien zu schleichen und dem Ersatz- Heer die furchtbare Lage der Stadt zu schildern. Das Angebot wurde angenommen und als serbischer Händler verkleidet, gelang es dem findigen Polen, die Wachsamkeit den Türken zu täuschen: er kam durch. Wenige Tage später überfiel Karl von Lothringen die Türken und schlug sie in die Flucht. Als man nun Kulzhcki fragie, welche Belohnung er für seine kühne Tat verlange, antwortete der Pole, er wolle sich mit den von den Türken auf dem Schlachtseid zurückgelassenen Kaffccvorräten begnügen. Der Kaffee war damals in Europa noch völlig unbekannt, aber der Pole wußte, was die Türken mit den braunen Bohnen anfingen, und als unternehmender Geschäftsmann beschloß er seine Kenntnisse sofort zu verwerten. lind in Wien begann er Kaffee zu brauen und das heiße dustende Getränk an die Bewohner zu verkaufen. Zuerst verschenkte er seinen Kaffee auf der Straße; dann, durch den Erfolg ermutigt, mietete er sich ein kleines Lokal: das erste Wiener Cafehaus. Der Kaffee führte sich rasch ein, er wurde populär und Kulzhcki starb als schwerreicher Mann und als dgr Besitzer des ersten Wiener Cafehauses.___ Notizen. — Neue Dramen. Herbert Eulenbergs Liebeslragödie „Be linde" hatte bei der Uraufführung in Leipzig und München Erfolg, während in Dresden der letzte Akt bestritten wurde. Ein Gastspiel des Pariser Theater de l'Oeuvre, veranstaltet vom„Journal d'Allemagne", findet Freitag abend im Boarding-Palast statt unter der Leitung Lugnü- PoeS. Man wird„Le Coeur a ses raisons" von de FlerS und Caillavet und„Los Kornanesques" von Rostand spielen. Herr j Lugno-Poe hält einen Bortrag über das moderne Theater und rezitiert Fabeln von Lafontaine. — K u n st ch r o n i k. Im Kunstsalon Paul C a s s i r e r wird heute Donnerstag eine neue Ausstellung, die erste nach dem Umbau deS HauseS und der Vergrößerung der Räume, eröffnet. Die Aus- stellung wird einen Ueberblick über die im Salon Cassirer seit seinem Bestehen vertretene Kunst geben. — Als Burgtheaterdirektor ist nach Wiener Mel» düngen der Regisseur Hugo Thimig in Aussicht genominen. — L i s z t- M e in o i r e n. Lina R a m a n n. die verdiente. jüngst Heimgegangene Liszt-Biographin, hat unter dem Gesamttitel „Lisztiana" interessante Memoiren in Form wertvoller Tage- bnchaufzeichnungen über ihr persönliches Verhältnis zu dem Meister mit zahlreichen noch ungedruckten Briefen Liszts, auch einigen der Fürstin Wittgenstein, Hans von Bülows usw., handschriftlich hinter- lassen, mit deren Herausgabe fie Professor Artur Seidl in Dessau betraut hat. � Die vollständige Sonnenfinsternis vom 10. Oktober, die nur an entlegenen Orten der südlichen Halb- kugel genau zu verfolgen war. ist nach den bisher vorliegenden Nach« richten für die Wissenschaft ein völliger Fehlschlag gewesen. Ben Zw ans'der Sozialdemokratie Karän gehin- d e r t wird. Ebenso geht es oiclen Tansenden von Arbeitern, die gern in Frieden ihrer Arbeit nachgehen möchten und die von den Radauszcnen, wie wir sie an vielen Orten erlebt haben, nichts wissen wollen. Wir müssen verlangen, dag Handwerker und Ar- heiter in Frieden arbeiten könne», und das; sie nicht befürchten müssen, daß ihnen ihre Knochen entzweigeschlagen werden.(Zu- stimmung.) Redner unterbreitete sodann der Versammlung das von der Kommission beschlossene Programm. In diesem Programm heitzt es, dasi die geringe Zahl von Angehörigen des Handwerkerstandes im preußischen Abgcordnetenhause in auffälligen: Widerspruch steht zu der großen Bedeutung eines gesunden und kräftigen Hand- wcrkerstaudcs im Staatsleben, lvic sie stets von den Behörden, von allen bürgerlichen Parteien und nicht weniger von der Wissen- schaft anerkannt worden ist.„Mehr Handwerker in den Landtag l" muß daher im Handwerk und bei allen Handwerks- freundlichen Parteien die Losung scinl Die riun folgende Zusammenstellung fordert im einzelnen Würdigung des Handwerks in seiner wirtschaftlichen Eigenart, Pflege des Genossenschaftswesens, die Ausbildung der Handwerker, eine Reform des Verdingungswesens. die Eindämmung Parasiten- ähnlicher Erscheinungen im Gewerbclcben, Schulz des soliden Bau- Handwerks und Schaffung einer besonderen Handwerksabteilung im Handelsministerium. Auf dem Gebiete der Reform des Vcr- dingungswesens, zu der kürzlich das Abgeordnetenhaus einstimmig im Sinne der Handwerkerforderungen Stellung genommen hak, Ivird verlangt Vergebung zum angemessenen Preis, strikte Beach- tung der staatlichen Verdingungsordnungen durch die nachgeord- neten Stellen und Einwirkung zur Verbesserung des kommunalen Submissionstvesens gelegentlich der Gewährung von Staatszu- schüsscn. Bei der Forderung der Eindämmung parasitenähnlichcr Erscheinungen im Gcwerbelcben verlangt das Programm vor allem Betäinpfung des Wanderlager- und Hausier- Unwesens, Llusbau der Warenhaus st euer unter Berücksichtigung von Ilmsatz und Anlagekapital, Verbot des Warcnhandels durch Beamte, sogenannte„g e r e ch t e Besteuerung" der Konsumvereine und Reform der Gefängnisarbeit und der staatlichen sowie kommunalen Betriebe. Schlichlich verlangt das Programm, daß der zweite Abschnitt des Gesetzes zum Schutz der Bauforderungen überall da, wo ein Be- dürfnis dazu besteht, eingeführt wird zur Beseitigung des ruinösen Boden-»nd Bauschwindels. Es gelte hier eine Lücke des deutschen bürgerlichen Rechts auszufüllen, die andere mtfderne Gesetzgebungen vermieden haben. Endlich verlangt das Programm, daß dahin gewirkt wiro, daß die Gewährung der großen Unter- stützungcn, die Bauvereine, namentlich B ea m- tcnwohnungsvereine seitens des Reichs, der Bundes st aaten und der Landesversicherungs- Anstalten erhalten, von dem Nachweis des Woh- 'n u n g s m a n g e l s abhängig gemacht wird und davon, daß die beabsichtigten Bauten lediglich der Wohnungsfürsorge oder einem dringenden sozialen Bedürfnis dienen. HandwerkStaimnervorsitzenider Herzog- Tanzig dankte allen bürgerlichen Parteien des Abgeovdnetenhauscs für ihr Entgegen- kommen auf dem Gebiete des Subuüssionswesens.— B o tz- Arnsberg wanidte sich gegen die Bevorzugung der Aauvereine bei der Gewährung Von Unterstützungen. Reichstagsabg. Malkewitz- Stettin: Ich spreche nicht als Abgeordneter, sondern inr Auftrage Ihres Ausschusses. In unserem Programm haben wir die Sozial- Demokratie, die größte Feindin des deutschen Handwerks, zwar nicht erwähnt; aber es besteht kein Zweifel darüber, daß wir nach wie vor die Sozialdemokratie als den gefährlichste» Gegner des Handwerks an- sehen müssen. Heber allem Zank und Streit unter den bürgerlichen Parteien müssen wir die Wege finden, die uns von der Sozialdemokratie trennen. Die Sozialdemokratie ist nicht nur auf politischem, sondern auch auf wirtschaftlichem Gebiet unser Feind, und deKhakb darf es füriden preußischen Hand- werkSmanu auch in Zukunft kein Paktieren mit der Sozialdemokratie geben.(Beifall.)— Vom Land- tagsabg. W e n k e- Hirschberg(freis.) geht ein Antrag ein, die For- derung der geheimen und direkten Wahl in das Programm auf- zunehmen.— Vorsitzender Nahardt: Wenn wir uns aus dieses G e b i est begeben, dann hört unsere Einig- keit sofort auf.(Zustimmung.) Wir sollten uns auf die Forderung des Verbots jeden Bopkotts beschränken.— Abg. Menke: Gerade die öffentliche Wahl ist die Veranlassung, daß ein Handwerker überhaupt boykottiert werden kann, und daher ist die öffentliche Wohl die schlimmste Feindin des Handwerks. Doch ich will den Frieden hier nicht stören und ziehe meinen Antrag zurück.(Beifall.)— Abg. S ch r öd e r-Kassel inatl.): Gerade weil Mittelstand und Handwerk das wichtigste Bollwerk gegen die Sozialdemokratie sind, wird meine Partei ihnen in diesem Kampfe Helzen. Ich kann für meine Partei versichern, daß wir bei der Durchführuirg des Programms mithelfen werden und in den Endzielen mit Ihnen einverstanden sind.(Beifall.) — Abg. Malkewitz: Für die konservative Fraktion des Abge- ordnetenhauseS gebe, ich dieselbe Erklärung ab.(Beifall.)— Abg. Dr. Hitze(Z.): Da auch wir hier in anständiger Zahl vertreten sind(Abg. Trimborn: Aber sehr anständig! Heiterkeit), erkläre ich, um die Geschlossenheit nach außen zum Ausdruck zu bringen, daß auch wir mit den Forderungen des Programms einverstanden sind. l Bei fall.)— Namens der freikonservativen Partei gäb dann»och Abg. Brütt dieselbe Erklärung ab.— Mg. Menke: Auch meine polltischen Freunde sind bereit, allen handwerkerfreundlichen For- dcrungen zuzustimmen. Ich persönlich werde nach wie vor im Kreise meiner Partei das Interesse für Handwerkerfragen zu mehren und zu fördern suchen.(Beifall.)— Referent Thier- köpf: Hoffentlich bleibt es nicht bei den Versprechungen l Das Programm wurde Darauf einstimmig angenommen, ebenso eine das Submissionswesen betreffende Resolution. Das aufgesiellte und angenommene niedliche Programm des Handwerkertages dient nur dazu, den eigentlichen Zweck der ganzen Mache zu verschleiern. Der bekannte„Volks- und Handwerker- freund" M a l kewi tz- Stettin hatte durchaus recht, als er er- klärte, im Programm stände zwar nichts voll der Sozialdemokratie, aber diese sei der eigentliche Feind, der zunächst bekämpft werden müsse. Tatsächlich hat die ganze Be- wogung lediglich den Zweck, die konservativen Reihen im prcu- ßischen Abgeordnetenhaus zu verstärken unld ferner die Regierung zur Vorlegung eines sogen. Anbeltswilligenschutzgcsetzcs zu nötigen. Daß sich an solchen Bestrebungen das Zentrum und die National- liberalen beteiligen, ist begreiflich; weniger aber, daß auch die Fortschrittliche Volkspartei— wenn auch nur scheinbar— mitmacht und für ein konservatives„H a nd w e r k e r p r og r a m m" ein- zutreten verspricht, dessen Forderungen zum großen Teil ihrem Parteiprogramm widersprechen. Oder gedenkt tatsächlich Der Freisinn für die Aufhebung de» Hausier- und Wanderverbots, hohe Warenhaussteuern, Erdriickung der Konsumverein«, Beschränkung der Baugenossenschaften usw. einzutreten? JDarwmeMAriscbes. Anfechtung amtlicher Verfügungen. Der Abq. Schiffer-Magdeburg beantragt mit Unterstützung der nationalliberalsn Fraktion den Entwurf eines Gesetzes betreffend die Anfechtung amtlicher Verfügnil- aen Der Entwurf hat zolgenden Wortlaut: Alle von Behörde» oder Beamten eingehenden Entscheidungen. Bescheide. Beschlüsse. An- ordnunaen Verbote und nnderweU-n Verfügungen, deren Anfechtimg an die Innehaltung einer Frist gebunden ist. müssen am Schluß der Eröffnung enthalten, innerhalb welcher Frist, in welcher Fomi»nd bei welcher Stelle die Anfechtung anzubrmgen lst. S-hlt die Eröffnung, oder ist fie unvollständig oder unrichtig; so beginnt die Fnsterst zu lausen. sobald sie nachgeholt, ergänzt oder berichtigt ist; in den beiden letzteren Fällen jedoch nur daun, wenn inzwischen eine Anfechtung erfolgt ist, die de» in der Eröffnung gegebenen Weisungen genügt. Die Interpellationen über die Fleischteuernug werden im Abgeordnetenhause am Freitag durch den Minister- Präsidenten beantwortet werden, die näheren Erläuterungen über die Maßnahmen der Regierung zur Hebung der Fleisch- teuerung gibt der Landwirtschaftsminister Freiherr v. S ch o r- l e m e r. /■Jus der Partei. Gegen Teuerung, Kriegsgefahr und Junkertum. Die Friedensdemonstration der Chemnitzer Arbeiterschaft sollte auch am Sonntag, und zwar auf einem großen städtischen Platz stalifinden. Durch Verweigerung des Platzes wurde das ver- eitelt. Nun versammelte sich die Arbeiterschaft am Montag nr den sechs grüßten Sälen der Stadt, die zum Teil überfüllt waren. Scharre Kritik richteten die Redner gegen den Rat und seine klein- liche Nadelslichpolitik. Die Redner schilderten die gegenwärtige Lage und forderten die Einberufung des Reichstages. Eine gleichlautende Resolution fand einstimmige Annahme. Gera. Am Dienstag, den 22. Oktober, fanden in den drei größten Lokalen der Stadt Protestversammlungen„gegen Teue- rung, Krieg und Kriegsgefahr" statt. Die Bersamm- Inngen waren überfüllt. Ungefähr 4000 Personen hatten sich ein- gefunden. Referenten waren die Reichstagsabgeordneten Wurm und S t ü ck l e n und der Landtagsabgeordnete Leber. Die Aus- führungen der Referenten fanden bei den Versammelten stürmische Zustiinniung. In allen drei Versammlungen wurde einmütig einer Resolution zugestimmt, die sich scharf gegen die bestehende Teuerung und gegen die Kriegsgefahr wendet. Bemerkenswert ist, daß auch viele Frauen au den Versammlungen teilnahnien. In H i r s ch b e r g i. Schl. fand am Montag im Konzcrthause, dem größten Saale der Stadt, eine von über 800 Männern und Frauen, darunter vielen Bürgerlichen, besuchte Protestversammlung gegen Bollsentrechtung, Volksaushungerung und Kriegsgefahr statt. Nach einem Referat des Genossen Hans Weber- Berlin wurde die Berliner Resolution ein st immig angenommen. Auch ein Zeichen der Zeit ist eS, daß vor wenigen Tagen zu einer frei- sinnigen Versammlung, in der der Neichstagsabgeordnete des KceiseS Dr. Ablaß und die Landtagsabgeordiieten Buchte in a n n und Menke referierten, sich ganze 200 Getreue eingefunden hatten. Sozialdemokratischer Gcmcindewahlcrfolg. Bei der Gemeinderatswahl in dem Städtchen Idar(Fürsten- tum Birkenfeld) wurden zum erstenmal zwei Sozialdemokraten, die Genossen Dreher und Meng, neben drei bürgerlichen Vertretern gewählt._. Der mecklenburgische Parteitag wurde Sonntag und Montag in Parchim abgehalten. Er legte allein schon durch seine starke Beschickung Zeugnis ab von dem Er- starken der Parteivereine, die jetzt 10007 Mitglieder, darunter 1706 weibliche, aufweisen. Der durchschnittliche Abonnentenstand der „Mccklcliburgischen BolkSzeitung" im Berichtsjahr ist um 1600 größer als im Vorjahre. Die Gesamtauflage beträgt rund 11000. Ab 1. Januar wird daS Parteiblatt in eigener Druckerei hergestellt werden. Parteisekretär Kröger referierte auf dem Parteitage über die ReichstagSwahlen, Redakteur Starosson über die Zoll- und Steuer- Politik, Abg. Dr. Herzfeld über Imperialismus und Balkankrieg sowie über die mecklenburgische VerfassnngSrevision. Zu letztem Punkte fand eine Resolution Annahme, die das mecklenburgische Proletariat zum Verfassungskampf aufruft. Zum Imperialismus winde eine Resolution angenommen, in der die werktätige Bevölke- rung gewarnt wird, sich in einen Kriegsrausch hinetnhetzen zu lassen. und in der sie aufgefordert wird, der Ausdehnung des Krieges mit allen zu Gebote stehenden Mitteln entgegenzuwirken. Zu den russischen Dumawahle». Genosse E. R uba n o m i t sch, der Vertreter der Partei der russischen Sozialisten-Revolutionäre im Internationalen Bureau, schickt uns ein längeres Schreiben, das auf unseren Artikel vom 16. Oktober:„Sieg der russischen Sozialdemokratie in der Arbeiter- kurie" Bezug nimmt. Er weikdct sich gegen unsere Bemerkung, daß die Bohkottpropagnnda der sozial-rebolutionären Gruppen nur in wenigen Orten in der politischen Rückständigkeit der Arbeiter- sckmft einen dankbaren Boden gefunden habe. Er stellt zunächst fest, daß in der sozial-revolutionären Partei zwei Strömungen vorhanden seien; während die Minorität für eine Teilnahme an den Wahlen eintritt, hat die Majorität die Wahlen boykottiert. Genosse Rnbanowitsch bestreitet zunächst, daß man die Arbeiter, die die Boykottparole befolgte», rückständig nennen könne. Sowöhl in Baku als in Petersburg sei ein erheblicher Teil der Arbeiter dieser Parole gefolgt. Begründet wird die.Boykotttaktik einmal mit der Schlechtigkeit� des Wahlrechts, das die Arbeiter fast völlig entrechte; ferner mit der Unmöglichkeit, offen sozial-revolutionärc Kandidaturen zu proklamieren, da die bloße Angehörigkeit zu der Partei mit Deportation, ja sogar mit Zwangsarbeit bestraft werden kann. Auch sei eine Wahlagttation sehr erschwert und ebenso die Verbreitung der Reden der Dumaabgeordneten. Wir selbst brauchen wohl nicht erst hinzuzufügen, daß wir den Standpunkt der russischen Sozialdemokratie, die trotz aller Hinder- nisse und mit Erfolg sich an den Wahlen beteiligt, für den richtigen halten._ Hus Industrie und Rande!. Die Finanzen der Balkanstaatcn. DaS Wort„Finanzen" muß eigentlich im negativen Sinne verstanden werden, da es sich dabei in der Hauptsache um Schulden, großenteils um»Schuldentilgung" durch Staatsbankerott handelt. Und auch dort, wo von einem Staatsbankcrott, d. h. einer amtlich erklärten Weigerung der Schulbrückzahhmg und Zinszahlung nicht die Rede ist, ist die Finanzwirtschaft, die im wesentlichen in der Auf- nähme fremder Kapitalien und ihrer Verwendung zu Kriegsvor- bereitungen bestanden hat, von einer Bankerottierwirtschaft nicht weit entfernt. In der„tzumanite" gibt Lysius, der tiefe Kenner des französischen Finanzwesens, daS ja in der Hauptsache in der Hingabe französischer Kapitalien ans Ausland besteht, eine lehr- reiche Uebersicht über das ganze Getriebe, mit dem auf der Balkan- Halbinsel halb'- und ganzasiatische Zustände durch/ modernen Mili- tarismuS und internationale Finaiizabeutcuerei beeinflußt worden find. Die Türkei hat unter Abdul Hamid nrehrmals Bankerott gemacht. 187S, als die Staatsschuld fast 41- MilliariRn Mark be- trug, wurden die Zinsen auf die Hälfte herabgesetzt, während die andere Hälfte in Schuldscheinen bezahlt werden sollte. 1881,»ach dem russischen Kriege, wurde dann im Einvernehmen mit den Bei- tretern der fremden Gläubiger das Schuldkapital selbst auf 2166 Millionen herabgesetzt und 1006 wieder ein Teil von 1520 auf 66-1 Millionen Mark. Also eine„Bccmindevnng" der Schuld um über zwei Drittel! Für den Rest lzastet ein uumitlclbar von den Gläubigern vcrtoalteler Teil der StaaLseinnahmen. Auch Griechenland hat mehrere Staatsbankerotte hinter M Seit isvö sind auch hier die Einnahmen zum Teil unter Auf- ficht einer ssott 6 Mächten gebildeten Kommission für den Schulden- dienst bestimmt. Die äußere Schuld beträgt heute rund 600 Millio- nen Mark, wozu noch eine innere in Form von Papiergeld in Höhe von 130 Millionen kommt. Allein die Verzinsung erfordert 25 Proz. der Staatseinnahmen. Dazu kommt, daß das Budget durch die ständigen Militäraufwendungen in dauerndem Defizit aufgeht. Bulgarien hat scheinbar geordnete Verhältnisse. Aber neben! seinem offiziellen Budget gibt es Spezialetats, deren Einzelheiten nicht bekannt werden. Auch hier herrscht ständiges Defizit, wie aus der alle 2—3 Jahre erforderlichen Aufnahme von Anleihen! hervorgeht. Insgesamt sind 7 Anleihen in Höhe von 560 Millionen Mark aufgenommen, deren Verzinsung zusammen mit den Militär- ausgaben— denen natürlich auch sie au dienen hatten— rund 50 Proz. des Etats erfordern. Auf den Kopf der Bevölkerung kommen 124 M. Staatsschulden. Serbien hat trotz geringerer Bevölkerung fast genau soviel Schulden, 540 Millionen Mark, 200 M. auf den Kopf. Mit den Heeresausgaben sind die jährlichen Ausgaben hierfür— 52 Proz. des Etats! Uebrigens steht die T ü r ke i in dieser Hinsicht noch viel schlimmer. Denn auch die Jungtürken haben keine Ordnung in die Finanzen gebracht, vielmehr die Rüstungsausgaben noch bedeutend erhöht, wenn auch weniger davon in die Taschen des Sultans und seiner Günstlinge geflossen ist, als unter Abdul Hamid. Ihr Defizit belänft sich jetzt auf 113 Millionen Mark. Ihre Milttärausgaben erfordern 33 Proz., der Schuldendicnst 27 Proz. des Etats: zu- sammen also 65 Proz., fast zwei Drittel der Gesamteinnahmen für unproduktive Zwecke! Die Aufnahme einer geplanten weiteren An- leihe wurde bisher durch den Tripoliskrieg verhindert. Insgesamt wurden am 31. Dezember 1910 für 4218 Millionen Frank(3420 Millionen Mark) Anleihen der Balkanstaaten(Man- t e n e g r o ist fast schuldenfrei) an der Pariser Börse notiert. Nahezu drei Viertel davon ist von französischen Kapitalisten dar- geliehen. Noch im Juli haben fKlnzösische Banken Bulgarien eine Anleihe von 25 Millionen Frank bewilligt, und eine große bul- garische Anleihe von 180 Millionen Frank wurde nur durch die sich überstürzenden Kriegsereignisse verhindert. Erhöhung der Kali-Propagandagelder. In der Bussichtsratssitzung des Kalisyndikats wurde der Etad der Propagandagelder auf V'/z M i l li o u e n Mark erhöht. Be« gründet wurde diese Festsetzung mit dem Hinweis darauf, daß eine Verstärkung der Propaganda, besonders in Nordamerika, erforderlich sei, um zahlreichen neuen Kaliwerken genügenden Absatz zu schaffen. Hoffentlich wird nicht der Mißbrauch wiederholt, politischen, daS beißt natürlich konservativen Vereinen größere Summen zur Ver» fügung zu stellen._ Soziales. Unsummen für„Ehrenämter" in der Nobdöstlichen BaugewerN- Berufsgenossenschaft. „Die Komödie von Kottbus" könnte man die Vorgänge auf der Genossenschaftsversammlung benennen, in denen der Vorsitzende Felisch seinen Stellvertreter, den Zimmermeister Büsscher-Ebers- Walde, reinzuwaschen versuchte. Am 5. Mai brachten wir eine Darlegung über die unglaublichen Zustände bei dieser Berufs- genossenschaft, unter anderem darüber, wie Büsscher als stellver- trotcnder Vorsitzender des GenossenschaftSvorstandcs sowie gleich» zeitig als Vorsitzender der Sektion II seine Aemter versieht und doppelt liquidiert. Angeführt hatten wir, daß Büsscher häufig nachmittags oder morgens früh zum Genossenfchaftsbureau in Berlin herankam, und dort nur einige' Forrnularunterschristeli vollzog; Diäten aber, wenn er im Reichsversicherungsamt an dem- selben Tage war, bei diesem und der Genossenschaft erhob, auch wenn er auf Kosten seiner Sektion in Berlin War, ebenfalls bei der Genossenschaft, also aus einer Kasse doppelt liquidierte. Felisch erklärte, Büsscher sei ein hervorragend tüchtiger Kollege, seine Liqui- dationen über doppelte Diäten entsprächen zwar nicht dem guten Geschmack, seien aber nicht strafbar, die doppelten Reisekosten habe er irrtümlich genommen, die müsse er zurückzahlen. Büsscher hat denn auch die hohe Summe von 70 Mk. zurckgezahlt. Die seit Jahrzehnten erhaltenen Beträge von 6— 8000 MI. jährlich hat er behalten. Uebrigens bezieht Büsscher auch für mehrere Unfälle. die er zum Glück während der von der Bcrufsgenossenschaft ver- sicherten ehrenamtlichen Tätigkeit erlitt, Renten, geht aber seiner gewöhnlichen Tätigkeit ungehindert nach. Nach der Kottbuser Mohrenwäsche und dem Felischschcn Eier- tanz wird die Berufsgenossenschaft ihren Büsscher nun schon be- halten müssen. Werden im nächsten Jahre, wenn nach der Reichs- Versicherungsordnung die Grundsätze der Verhältniswahlen in Kraft treten, die jetzigen Vorstandsmitglieder nick Kassenprüfer hinweg- gefegt werden und geeigneteren Männern Platz gemacht? Die Berufsgenossenschaften sollen doch nicht dazu da sein, Vorstands- Mitgliedern als Versorgungsanstalt zu dienen, fondery sollen für die verletzten Arbeiter eintreten. Seriems-Reitling. i Vermittlung Arbeitswilliger. Vor dem Landgericht II in Hamburg hatte sich am Montag der Stellcnvermittler Ludwig Emil Knoth wegen Betruges zu vcr- antworten. Es ist einer derjenigen Stellenvermittler, der dem be- drängten Unternehmertum, wenn in ihren Betrieben ArbeitScinstel- lungen stattfinden, mit Arbeitern zu Hilfe eilt. Mit dem zu- gesandten Menschenmaterial waren aber in vielen Fällen die Unter- nehmer nicht zufrieden, sondern sogar seelenftoh, wenn sie die Ge- sellschaft wieder loS waren. In einer Schuhfabrik in Breslau war beispielsweise ein Streik ausgebrochen. Der Unternehmer wandte sich vertrauensvoll an Knoth. K. kam dem bedrängten Fabrikanten auch zur Hilfe, indem er ihm 37 Arbeitswillige zusandte. Trotzdem nur eingearbeitete Leute verlangt worden waren, waren von dem ganzen Transport nur 8 zu gebrauchen. Wie behauptet wird, soll der Agent die Arbeitswilligen zum Teil im Berliner Asyl zu» sammengesucht haben. Durch Vermittluugsgcbühr. Rcisespesen usw. fühlt sich jetzt der Unternehmer um 060 M. geschädigt. Der Arbeitgcbcrverband in Bürgel verlangte im Januar 1011 Rausreiher. Von den ihm übersandten 45 Leuten waren 36 gänzlich unbrauchbar. Durch diesen Transport ist der Arbeitgeberschutz- verband um 600 M. geschädigt worden. Im März d. I. verlangte die Wagenfabrik in Stolp 50 Metall» arbeiter und 2 Spezialarbeiter. Die von Knoth hinbeorderten Leute waren sämtlich unbrauchbar, so daß der Transport sofort wieder ab- geschoben lourde. Der Fabrikbesitzer, der sich um 1000 M. geschädigt fühlt, teilt in feiner vor Gericht verlesencn Aussage mit, daß die Leute Berbrecher. Rowdis, Messer- und Revalverheldeu gewesen seien. Er tvae froh, als er dieselben wieder los war. Knoth hat Handlungsgehilfen. Kellner. Schriftsetzer, Privatdetektivs. Maurer. Schlächter. Sattler, Hausdiener. Schauspieler und viele Leute ohne Beruf einfach den bedrängten Unternchmerir zugesandt. Ein Arbeiter ging beispielsweise als Bergarbeiter. Holzarbeiter. Bohrer. Koch und Hausdiener. Von einem früheren Angestellten wird behauptet, daß K. sogar Leute veranlaßt hätte, auch ihre Jnvalidenkartcn umändern zu lassen, damit der Beruf, der gerade erforderlich war, auch auf den Karlen stand. Der Staatsanwalt beantragt gegen den Angeklagten, der wegen Unterschlagung und Betruges schon vorbestraft ist. eine Gefängnisstrafe von 9 Monaten, 1 Jahr Ehrverlust. Das Urtril des Gerichts lautet aus eise Gr- fSngniSstrafe vtn 8 Msnälet» und 1 Jahr Ehrverlust. Es hält ihn in 3 Fällen des Betruges für schuldig, da er den Unternehmern bclvugt andere Leute zugeschickt hatte, als er sich nach den Verträgen verpflichtet hatte. Das Gcdacen des Angeklagten verstört in jeder Beziehung gegen Treu und Glauben, da er die Rotlage der Unter- nchmcr in betrügerischer Absicht mißbraucht hat.— Da noch mehrere derartige Betrugsfälle gegen Knoth schweben, werden sich die Gerichte noch mehrfach mit ihm zu beschäftigen haben. Mehr Schutz solch famosen Staatsstützen, rufen die Scharf- macher, oder sind sie endlich zu der Ansicht gelangt, daß nicht ein Schutz der Arbeitswilligen, sondern ein solcher gegen Arbeitswillige vonnötcn ist?_ Konfusion in der Streikjustiz. Die Ehefrau des Bergmanns Pozibilski aus Stcrbraide wurde 12 Tage nach einem angeblichen Streikvergehen von der Ehefrau des.Arbeitswilligen" Friedrich Glocke bei der Polizei denunziert, ihrem Mann, als er von der Arbeit gekommen sei, zugerufen zu baben:„Streikbrecher, Bummelant, Pfui!" Die beschuldigte Bergmanusfrau erhielt darauf von der Eterkrader Polizeiverwai« tung einen Strafbefehl über IS M. mit der Begründung, daß sie dem Bergmann Glocke ihre Berachtung bekundet hob« durch das AZort.Streikbrecher", auch habe sie sich der.Störung der ösfent- lichen Ordnung" schuldig gemacht. Die mit dem polizeilichen Strafmandat bedachte Bergmannsfrau beantragte richterliche Eni- fcheidung. Das Schöffengericht erkannt« auch insofern den Ein- spruch als berechtigt an, als eS gerade das Wort„Streikbrecher". worauf die Polizei Gewicht gelegt hatte, als nicht erwiesen aus- qchiod. Auch der.Bummelant" wurde nicht nachgewiesen, blieb nur das„Pfui", das die Denunziantin selbst gehört haben wollte, obwohl andere Zeugen bekundeten, daß die Angeklagte zur ange- gebcnen Zeit überhaupt nicht zu Hause golveseu war. Das Schöffengericht erkannte nun auf 5 M. Geldstrafe tvegen„groben Unfugs". Im Bewußtsein ihrer Unschuld legte die Beschuldigte Berufung ein, so daß sich die Strafkammer in Duisburg mit der Sache zu befassen hatte. Das Berufungsgericht erkannte auf Ein- stellung des Verfahrens, weil nicht eine„Uebertretung", sondern entweder ein Vergehen nach§ 18S R.St.G. s Beleidigung) oder ein Bergehen nach§ 153 R.G.O. vorliege, dieserhalb aber kein Straf- antrug gestellt sei. Nun hätte man>doch wohl erwarten sollen, die arme Frau habe Ruhe gehabt vor weiterer Verfolgung. Doch weit gefehlt. Nachdem We 5 M.-Sache die Revisionsinstanz im Sinne des Staatsanwalts passiert hatte, mußte sich das Schöffengericht abermals damit befassen. ES verurteilte jetzt die Angeklagte zu 15 M. Geldstrafe und begründet« das sowolss mit 8 ISS St.G. als auch mit§ 153 G.O. Nun schien man aber wohl erst Geschmack an der Sache zu bekommen, denn jetzt legte der Amtsamvalt wieder Berufung ein. Er will jetzt wenigstens eine Gefängnisstrafe für die Sünderin dabei herausholen und begründet daS damit, daß § 163 GjO. nur Gefängnisstrafe kennt. Dazu konnte sich nun aber das Berufungsgericht doch nicht verstehen. Es verwarf die Be- rufung des Amtsanwalts und meinte großmütig, daß die erkannte Geldstrafe von 16 M. als„ausreichend" erachtet worden sei. Wenn Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichte mit solchen Lappalien sich monatelang beschäftigen müssen, ist eS nicht verwunderlich daß ihr Blick für Verfolgung wirklich im öffentlichen Interesse zu verfolgender Straftaten sich trübt und genicingefähr- iiche Verbrecher immer seltener gefaßt iverden können. Der Angeklagte bestreitet die Annahme, daß er Verkreter der Firma Lusson sei, und behauptet, daß er die unter strengem Ver- schluß gehaltenen Bücher und Bilder nur für sich s-Ibst habe kommen lassen.— Da in allen Prozessen dieser Art die Bücher ver- lesen werden müssen, wird die Strafkammer wieder auf längere Zeit der Erledigung anderer Anklagesachen entzogen sein. lieber den Ausgang des Prozesses werden wir berichten. Hiid aller UXdU Wucher und Betrug.. Der Prozeß gegen Rardenkötter und Kaltfeick, über den wir am 19. d. M. berichteten, ging gestern zu Ende. Das Gericht ver- urteilt« Rordenköttcr zu 1 Jahr Gefängnis unter Anrechnung von 7 Monaten Untersuchungshaft und entließ ihn aus der Haft. Der Mitangeklagte wurde freigesprochen. Raub und Betrug. Eine recht gefährliche Schwindlerin mußte sich gestern in der Person der Näherin Hedwig Gutheil vor dem Schwurgericht des Landgerichts l verantworten. Wie seinerzeit mitgeteilt, war die Angeklagte verhaftet worden, als sie in der blähe des Schlesischen Bahnhofes einem Schulmädchrn, welches für seine Mutter Einkäufe machen sollte, das Portemonnaie entriß und damit flüchtete. ES stellte sich heraus, daß sich die An- gettagte auch in anderen Fällen an Kinder herangedrängt und ihnen unter der Vorspiegelung, sie sollten für sie einen Auftrag erledigen, das Portemonnaie abgeschwindelt hatte unter>dem Bor- geben, cs solange ausbewahren zu wollen, bis sie zurückkämen. Vor Gericht erbat Rechtsanwalt Hllssencr für die Angeklagte die Zubilligung mildernder Umstände, da sie in Not gehandelt hahe. Das Gericht erkannte wegen Raubes und Betruges unter Zubilligung mildernder Umstände auf 1 Jahr und 4 Monate Ge- fängnis unter Anrechnung von 2 Monaten der erlittenen Unter- fuchungShaft. Wiederholt möchten wir gegenüber ähnlichen und noch schlimmeren Fällen die Eltern daraus hinweisen, ihren Kindern einzuschärfen, dritten Personen gegenüber die größte Vorsicht zu üben._ Unsittliche Schriften? Ein neuer umfangreicher Prozeß wegen Verbreitung, unzüchtiger Schriften und Bilder begann gestern vor'der 1. Strafkammer des Landgerichts III unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Bahr. Tie Person'des Angeklagten fällt aus dem Rahmen der sonstigen Prozesse dieser Art etwas heraus; die Anklage richtet sich nämlich gegen den Sekretär der Lagereibcrufsgenossenschaft in Leipzig. Max Baumbach, der beschuldigt wird, in Eharlottenburg und Leipzig solche unzüchtigen Sachen vertrieben zu haben. Die An- klagcbehörd« hält ihn sogar für einen Mittelsmann der Firma H. Lusson in Paris die dafür bekannl ist, daß sie obslöne Werke und Bilder, die sie aus Paris, Haag, Budapest und Barcelona bezieht, mit Hilf« von Mittelspersonen in den verschiedenen Länden, vertreiben läßt. Eine bei dem Angeklagten vorgenommene Haus- suchung förderte über 80 Bücher. Ansichtspostkarten. Kataloge und zahlreiche Photographien zutage, welche sämtlich unter den Z 184 Et.G.B. fallen.__ Hgranfebe ßefchcidcnbeit. Landjunker und ländliche Arbeiter bilden eine große Familie. So kann man es bis zuin Ueberdrutz tagtäglich in der konservativen Presse lesen. Dagegen ist die sss Sozialdemokratie, die ja bekanntlich die Zerstörung der Familie auf ihr blutrotes Pannier geschrieben hat, natürlich der ärgste Feind des kleinen Bauern und ländlichen Arbeiters. Und nur aus Haß gegen das harmonische Verhältnis zwischen Gutsbesitzer und Landbevölkerung treibt sie ihre verhetzende Agitation. Hell erstrahlen läßt sein Mit- gefühl für die wirtschaftlichen Sorgen des kleinen Mannes der auf K o l z i g sSchlesien) residierende Rittergutsbesitzer Herr V. K l i tz i n g, der im„Neusalzer Stadtblatt" vom 22. Oktober seinem gepreßten Herzen wie folgt Luft macht: „An die Bewohner von Grünwald, Jeschane und G l a s h ü t t e I Täglich erhalte ich von Euch Gesuche um W a l d st r e u. Nun leiden aber unsere geschäfttichen Beziehungen, wenn Euer Gemeindevorsteher Rad an, jetzt fast täglich an niemer Grektze jagt, um die nur lveniaen Fasanen usw. noch ab- znschießeir Hätte Radam Verständnis und Mitgefühl für die Bedürfnisse seiner Gemeinde, so würde er solche Handlungen unterlassen, durch welche Ihr der Wald- stxeu verlustig geht. Sobald Radam das Jagen an meiner Grenze unterläßt, will ich meinen Wald schädigen und Waldstreu nach Bedarf Euch verkaufen. Kolzig, im Oktober 1912. W. v. K I i tz i n g." Wie wir hören, will die konservative Fraktion im Preußischen Landtage den Herrn Landwirtschaftsminister darüber iüter- pellieren, ob eS überhaupt angängig sei, daß das edle Waidwerk von Bürgerlichen ausgeübt werden dürfe. In der Be- gründung wird der Redner gleichzeitig das durchaus berechtigte Verlange» aussprechen, daß der widersetzliche Gemeindevorsteher Radam sofort seines Amtes entsetzt werde. Radam habe sich durch seine unqualifizierbare Handlungsweise dringend sozial- demokratischer Umtriebe verdächtig gemacht, denn eS sei eine nur Sozialdemokraten zuzutrauende Gefühlsroheit, dem Rittergutsbesitzer v. Klitzing die für die gutsherrliche Tafel dringend nötigen Fasanen wegzuschießen. Sollte, was ja als selbstverständlich angesehen werde, die Regierung den berechtigten Wünschen der Interpellanten Rechnung tragen, so werde Herr v. Klitzing noch einmal Gnade walten lassen und trotz schwerer Schädigung wieder Waldstreu ver- kaufen._ Des Grubeudramas letzter Akt. Die furchtbare Katastrophe auf der N o r t h- L y e l l- Grude auf T a S m a n i a hat den von uns befürchteten Ausgang gebracht. Trotz der Versicherung des Grubendirektors, daß die von der Oberwelt abgeschnittene Mannschaft sich retten würde, befinden sich noch 42 Bergleute in dem brennenden Schacht. Die Versuche, zu ihnen zu dringen, sind vergeblich geblieben. Um die Grube nicht ver- nichten zu lassen, hat sich die Behörde entschlossen, den Uitglncksschacht unter Wasser zu setzen. Mit den in die Grube eindringenden Wasserfluten entschwindet den Angehörigen zwar jede Hoffnung auf Reitung ihrer Lieben, aber sie haben wenigstens die tröstliche Zuversicht, daß den Aktionären der Grube kein allzu großer pekuniärer Schaden erwächst. Und das ist doch die Hauptsache! Gute Kundschaft. Vor dem Landgericht Leipzig hatten sich die Schutzleute Klemm und B r o s ch wegen Hehlerei zu verantworten, da sie in einem Kolonialwarengeschäft Waren entweder zu niedrigem Preise oder nur gegen ein Trinkgeld von den Verkäufern entnommen hatten. Der Schutzmann Brosch wurde zu vier Monaten Gefängnis und zwei Jahren Ehrverlust verurteilt. Da- gegen wurde Schutzmann Klemm freigesprochen, da man ihm nicht nachweisen konnte, daß�er gänzlich umsonst gekauft hatte. Die angeklagte» vier Verkäufer und noch zwei andere Männer erhielte» GesängniSsirafcn von einer Woche bis zu drei Moiiaten. Natürlich ist der Schutzmann Brosch eine seltene Ausnahme unter de» Schutzleuten, trotzdem schlechte Leute behaupten. Paß ähn- liche billige Einkäufe öfter vorkämen. Ja, sogar soweit versteigt sich die Bosheit, einzelnen Schutzleuten nachzureden, daß neben der Ruhe, der sie an den Straßenecken pflegen, die billigen Einkäufe an Speisen und Getränken wesentlich zu ihrem gewichtigen Leibesumfang bei- tragen. Natürlich ist daS nur haltloses Geschwätz I Ein Postpascha. In geheimer Sitzung verhandelte die Disziplinarkammer in Leipzig gegen den Postverwalter Hermann Bär in Göppers- d o r f bei Burgstädt. Bär hatte sich in den AnitSräilmen sittliche Verfehlungen gegen zwei ihm unterstellte Postgehilstnnen zu- schulden kommen lassen. Er wurde zu D i e n st e n t l a s s u n g ver- urteilt, ihm aber zwei Drittel der Pension aus drei Jahre zugebilligt._ Kleine Notizen. Eiscubahiluufall. Am Dienstagabend streifte bei der Einfahrt in den Bahnhof K i r ch h a i n die Lokomotive eines Güterzuges eine stehende Lokomotive und brachte sie zur Entgleisung. Durch den cillgleisten Tender wurde die S ch r a n k e n w ä r t e r in M i ch a e l i s getötet. SonstjgeS Personal wurde nicht verletzt. Beraubter Geldtrausport. Als die Kopenhagener LaiidinannSbank gester» erneu kleinen Geldiack von einer Pariser Bank erhielt, zeigte sich, daß von den 19 009 Frank, die der Sack enthalten sollte, 0400 Frank fehlten. Um eine vorzeitige Entdeckung zu ver- hindern, hatte der Dieb die unterwegs gestohlenen Goldstücke durch Ein- und Zweipfennig stücke ersetzt. Fünf Kinder vergiftet. In der spanischen Ortschaft Z a m o ra vergiftete ein Mann namens Ter ero seine fünf Kinder. Em Kind ist bereits g e st o r b e n, der Zustand der vier anderen ist bedenklich. Der unmenschliche Vater wurde verhaftet. Ein blutiges Ehedrama spielte sich am Dienstag in Hamburg e rtfV i OTllflftTi It'TtlP linn llllll ab. Dort versuchte der Gärtner Siegfried Worth seine von ihm lve Ehefrau dazu zu bewegen, sich mit ihm wieder in vevtragen und die gemeinschaftlich� Wohnung wieder aufzusuchen. 28., die sich gerade bei einer Freundin aufhielt, schlug aber die Bitte ihres Ehemannes rundlv-eg ab und es entspann sich ein erregter Wortwechsel, in dessen Verlauf Worth einen Revolver zag und auf seine Frau mehrere Schüsse abgab. Von einer Kugel in den Unterleib getroffen, sprang die Unglückliche in ihrer Tod«- angst auf das Fensterbrett und. che ihr Mann noch früh genug hinzuspringen konnte, von dort aus in den Hof hinab, wo sie mit gebrochenem Arm liegen blieb. Worth, der jetzt einsah, tvas er angerichtet hatte, richtete die Waffe auf sich selbst und tötete sich durch einen Schuß durchs Herz. r Unserem Genossen - HVtiyz Ostei-loli nebst ® Braut Klara iüklrl jjj Ä die besten Glückwünsche- Vermahlung. Die Genossen des 329. Bezirks 4. Kreis. 217« V • I ur Z ... 1 Todes-Anzeigen| SozialilemoMsctierWalilvereiii LöJ.Berl. Relcbslagswatilkreis. Am 22. Oktober verstarb unser Genosse, der Gastwirt Oeorg Stucke Schlicmaiinstr. 45, Bezirk 550. Ehre feinem Audenten! Die Beerdigung studct am Freitag, den 25. d. Ms., nach- niiitags i'l, Uhr, von der Halle des Gethsemane- Kirchhofes in Nordend aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Ikvr Vomtand, Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schleifer Ulbert Kupfer am 21, Oktober gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdiguiia findet am Frei- tag, den 25. d. MtS.. nachmittags 3a/4 Uhr, von der Leichenhalle des j AuserstehungS-KirchhoseS, Säcijjcn- |iee aus statt. Rege Beteiligung erwartet j 126/15 Die Ortsvcrwaltung. Verlianii iler Fabrikarbeiter Deiitsclilanös. Am Sonnabend, den lü. Ollo- ber verstarb unser Mitglied Iveoltor Scbwantke. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet heule Donnerstag, den 24. Oktober, nach- mittags 4 Uhr, von der Haue des Borsigwalder Friedhofes aus statt. Di« Ortsverwaltung. Arbeiter-Älbieten-ßunil ßeulscblands. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Ricdart Seiiwentorat v. Sportklub.Arkona-. Lichtenberg nach kurzer Krankheit gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute DonnerSlag, den 24. d. MIS., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle in Marzahn aus statt. Treffpunkt der Kollegen um 3 Uhr am Bahnhos Lichteilberg- FricdrichSseide. S12b Um zahlreiche Beteiligung bittet Der Vorstand. ko Nach jahrelange» schweren Leiden oerstarb am 22. d. M. meine liebe rau, unsere gute Mutter, Schwester ochter und Tante Klars Kärting geb. Mchnert. Die Beerdigung findet am 25. d. M., nachmittag» 3 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Pauls- lirchhosS In Piötzcnsee aus statt. DieS zeigt an 26a Max Körting nebst Kindern. Deutseber Transportarbeiter•Verband. Bezirksverwaltung GroB-lerlin, Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Bierfahrer Christav Ambrosat am 20. d. Mis. im Alier von 43 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 24. d. MIS.. nach- mittags 4>/„ Uhr, von der Leichen- Halle des St. Georgen-Kirchhoscs In der Landsberger Allee au« statt. 67/13 Die Bezirksverwallung Für die Beweise herzlicher Teil- nähme und den vielen Kranzspenden bei der Beerdigung unserer lieben Tochter und Schwester Martlia sagen wir allen Beteiligten unseren besten Dank. LA Familie Ptischcl. Danksagung. Hiermit sagen wir sür die zahl- reichen Kranzspenden anläßlich des Hinschcidens unseres lieben Bruders, Schwagers, Onkel« und meines lieben Bräutigams VA Karl Knapp allen Verwandien, Freunde» und Äe> kannten, insbesondere dem Verband der Buch- und Stcindruckerei-Hitss- arbellcr, dem Bergschen Ouarlett so- wie Herrn Melle sür die trostreichen Worte an der Babre des Enlschlasciien unseren licsgesühllen Dank. M iramta IMIielHL Ol*. Siitimel Spezial-Arrt für Haut- und Harnleiden. Prlnzeuslr. 41, 10— 2. 5—7. Sonntags 10—12. 2—4 Ratenzahlung wöchentlich 50 Pf« Schillers Werke herausgegeben vonMEHRING 8 elegante Leinenbände Preis 4 Mark Bestellungen nimmt unser Zeitungsbote entgegen. ;U">i• fv■*■ /t'• v' i-*-*•' ■.■-A: f*'■•,.«'.liv;, ■. mtiM-W ■Mmkm, i*?' 1 Würfel für 2*3 Teller Mehr als 40 Sorten. die besten! Vierter Wahlkreis. Heute abend 8'/z Uhr: knoke VoiksHssvi'sammIung in Kellers Festsälen, Koppenstraste AK. Tagesordnung: i.„Der städtische Fleisehverkauf und der Versuch der Verhinderung und Verekelung.(< Referenten sind die Stadtverordneten Genossen Dr. A. Bernstein und A. Hoff mann. 2. Freie Aussprache. === Frauen! Erscheint in Massen! Eintritt frei. Der Elnberofer. P. Hoffmann, Königsberger Stra ge 28. Getragene Monatsgarderobe. Heute und folgende Tage: Verkauf von gebrauchten Maßanzügen, Maßpalelots, Ulster etc., welche teils von ersten Schneidern sind, auch einzelne auf Seide gearbeitet. prima Ausführung: Jackett-Anzüge» Herren-Paletots. Ulster.. Rock-Anzüge. 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Tagesordnung: 1, Geschäfts- und Kassenbericht vom Z. Quartal ISIS. 2. Vcrbandsangelegenhellen. 43/20* 9t ist Pflicht jedes Mitgliedes, zu der General-Versammlung zu erscheinen. Mitgliedsbuch oder Karte legitimiert; ohne diese keinen Eintritt. Die Ortsverwaltung. Achtung!! Heute!! Ortshranhenhasse des Kaurergewerbes zu Berlin, Sophienstr. K. 9416 Heute Donnerstag, den 24. Oktober 1912, abends von S'/z bis 10 Uhr findet im Gewerkschaftshause, Engelufer 15(Saal 5), für die Kassen- Mitglieder Slufstellung der Kandidaten zu den Generalversammlungen sür die Jahre 1913/1914 statt. Die Mitglieder der Kasse werden um zahlreiches Erscheinen ersucht, damit Kandidaten zur Wahl gestellt werden können, die auch unter der ReichSveisicherungsordnung ihre Kräfte zum Wohle der Kasse nnd ihrer Mitglieder einleben. Bei den auszustellenden Kandidaten ist die Nummer der Mitgliedskarte nnd die Wohnung sowie Name und Wohnung des derzeitigen Arbeitgebers anzugeben._ Der Einberufer. An alle Milglieder des Gchmt-IioklDnmg! Sonntag, den 27* Oktober 191�, vormittags 10 Uhr: iftneitie Iii Varnung vor Nachahmung des echten gesetzt, gesch. Kapitän- Kautabaks dringend geboten. Jedes einzelne Stück wird nnr verpackt und mit Aufschrift: *„Kapltttn-Kaatabak" geliefert. Carl BOcker, Berlin, Grüner Weg 110. Amt KlnlgstadtSMI Ueberau zu haben liz, großen Dosen& SO Pf. Fabrikanten; liObszynskl A Co.. 6. m. b. H., Berlin-Lichtenberg. ET An diesem Schild sind die Läden erkennbar, "E in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. JInstergültkg in Konstruktion nnd AnsCührnng, gleich vorzüglich für Uansgcbrancb u. Industrie. Singer Co. Nähmaschinen Act. Qes. , UEUUIX, Leipziger Straße 9«. 1— � 1 Läden in den verschiedenen Stadtteilen. I+ in Kellers Festsälen, Koppenstraße 29. Tagesordnung: 1.„Die Arbeitslofemmterstützung im Bauarbeiterverband". 2. Aufstellung von Kandidaten zur Delegiertenwahl für die am 8. Dezember 1912 stattfindende Gaukonserenz. 3. Verschiedenes. Eine äußerst wichtige Frage für die Organisation, ja— für alle Bauarbeiter— besonders aber für alle Mitglieder, ist durch den Entwurf aufgerollt, der seitens des Hauptvorstandes in Nr. 40 deS „Grundstein' veröffentlicht wurde. Wichtig genug, um bei allen Mitgliedern das regste Interesse auch in der jetzigen Zeit hervorzurufen. Wir erwarten darum daS Erscheine» aller Mitglieder l ——— Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Eintritt.- Die Delegierten zur Generalversammlung machen wir darauf aufmerksam, daß die nächste Ordentliche General-Versammlung Sonntag, den 1. Dezember, vormittags 19 Uhr, im Saal 1 des Gcwerkschaftshauses, stattfindet. Donnerstag, den 7. November, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15: Austerordentliche General-Versammlung. Der Borstaud des Deutschen Bauarbeiter-Berbandes. 142/16* Zweigverein Berlin. JlilJ KSnigstrasse 33 CA Chaussee str. 113 brenninkmetergmbh Preis© sind billi��* iiiiiiiiiitilllll Den„Vorwärts"-I-esern gewähre Kabatt. echter Riesenluger Perserleppichs Stnil Lefivre Berlin, Oranienslr. 158 Abgepaßte Fenster, weiß med creme p. Fenster 235, 3, 4-60 m. Imit. Point-Iace-Künstler- 4C75 Gardinen, p. Fenster M." Elegante Sezessions-Tilil- f 85 Stores...... M.* Gestickte echte Spachtel- �75 Stores..... M.« Goldfarbige reichgestickte D85 Band-Stores,.. M.** Tüllbettdecken, Größe V50 160/220 cm... M. Reichgest. Erbstüll-Bett- /»7Z decken r.... M." Elegante Tüll-Bettrück- Ä75 wände...... M." Brise-Bise(Scheibenscbleier) 25, 35, 40, 50 Pfennig. Nach auswärts p. Nachnahme. Der neue Katalog" mit bunten Teppiotimustern 750Abbil(Jungen gratisu.tr. fSpezialiirzt f. Haut-, Harn-, Franenteide», nerv. Schwäche, Beinkranke jeder Art, Ehrlich Hata< Kuren i-Dr.Homeyer»;?: Untersuchung., Fäden i. Harn usw. fi!-liii°iiw, si, Spr. 10—2, 5—8, Somit. 11—2. Honorar mästig, auch Teilzahl. 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Wir wollen im Nachfolgenden Einzelheiten wiedergeben, wie sie uns im Laufe des Tages von den verlchiedensten Seiten mitgeteilt worden sind. In der Markthalle am lÄrünen Weg wäre es nahezu zu ernsten Zuiammenstößen gekommen, wenn es nicht dem Genossen Stadtverordneten Hofsmann gelungen wäre, die mit Recht er- regten etwa ftinfhundert Frauen zu beruhigen. Hier halten nicht nur alle zehn Fleischermcister, die den Verkauf des städtischen Fleisches zu übernehmen sich verpflichtet hatten, im letzten Augenblick den Dienst verweigert, sondern man reizte auch von feiten einiger Fleischermeister in der brutalsten Weise die armen Frauen; einer ging sogar so weit, den Leuten zu- zurufen:«Ihr Schweinehunde freßt doch Knochenfleisch!" Der Mann mutzte, von Schutzleuten geschützt, seine Ware einpacken und wurde von vier Schutzleuten unter Verwünschungen der Menge nach Hause transportiert. Sechs andere Fleischermeister haben sich zur Uebernahme des Berkaufs städtischen Fleische« in der Markthalle des Ostens bereits gemeldet. Zehn Stände sind zu besetzen. In der Acker- und P ii ck l e r st r a tz e kam eS ebenfalls zu unliebsamen Auftritten. In der Marktholle in der Invaliden- st ratze waren die Fleischer über den Erfolg des Verkaufes so entrüstet, datz sie vielen Leuten das Fleisch entrissen und in den Schmutz warfen. Die Verwaltung mutzte, um weiteren unliebsamen Zwischenfällen zu begegnen. Aufseher heranziehen, die für Ordnung Sorge tragen mutzten. Auch in der Markthalle VII(Dresdener— Buckower Strotze) hatten sich Hunderte von Käufern eingefunden. An fünf Ständen gelangte das Fleisch zum Verkauf. Unseres Erachtens waren die Stände sehr unglücklich gewählt, denn die Käufer wurden von allen Seiten eingekeilt, so datz ein geradezu beängstigendes Gedränge ent- stand. Zwei Frauen wurden von einer leichten Ohnmacht befallen und mutzten ins Freie gebracht werden. Auch für die Verkäufer schien die Lage hinderlich gewesen zu sein, denn die Befriedigung der Käufer wollte nicht recht von statten gehen. Zahlreiche Käufer, insbesondere Arbeiterfrauen, verlietzen nach langem Warte» die Halle ohne Fleisch. Ihre Zeit ist zu kostbar und die Vorteile auf der einen Seite würden auf der anderen Seile wieder weit ge- macht. Ein.Mann bahnte sich siegesbewutzt mit zwei Pfund Fleisch in der Hand einen Weg durch die Menge, erklärte jedoch, datz er volle zwei Stunden habe warten müssen, ehe er an die Reihe kam. Das Fleisch selbst wurde von den Frauen im allgemeinen gelobt, freilich drängten sich auch mehrere Interessierte unter die Käufer, die— wohl aus Furcht, datz ihnen der Gewinn entgehen könnte— in nervöser Aufregung erklärten, in den Läden könne man bessere Qualitäten für-- das gleiche Geld erhalten.... Auf einmal? Auf dem Wedding vor der Markthalle war der Andrang besonders stark, aber weil eS sich mich hier herausstellte, datz russisches Fleisch nicht vorhanden war, wuchs die Empörung der Arbeitet frauen von Stunde zu Stunde. Nach Berichten bürger- licher Blätter soll es hier zu einer.grotzen Revolte" gekommen sein. Wer die Arbeiterfrauen kennt, wcitz, datz sie sich manches gefalle» lassen, aber verspotten lassen sie sich nicht auch noch. Und das leisteten sich verschiedene Schläckitermeister. Grotze Aufregung entstand, als sich die Nachricht verbreitete, datz ein Schlächtermeister gesagt habe:„Bringt Euch Sch.... nach Hause statt Fleisch, dann habt Ihr was zu fresse nl" Ein Schlächtermeister, vor dessen Berkaufs>land die Frauen sich sam- mclten und in erregten Worten ihre Entrüstung kundgaben, griff wütend zu einer Wurst und warf sie in die Menge. Die stürmischen Szenen erreichten vor dem Verkaufsstand des Meisters Walter Metzner ihren Höhepunkt. Herr Metzner stellte sich mit seinem Personal vor seinem Stand auf, um die Flauen zurückzudrängen. Als dabei ein Räucher- stock zum Vorschein kam, suchte eine Fron den Stock abzu- wehren, damit es nicht noch zu einer Schlägerei käme. Plötz- lich erhielt eine Frau mit diesem Stock eine» Hieb über den Kops. In dem Tumult, der dann entstand, fiel sie in einen benachbarten BlumenverkausSstand hinein. Polizei griff schlietzlich ein, drängte die Frauen auS der Halle und sperrte dse Zugänge. In der Bevölkerung de« Weddings hielt die Erregung den ganzen Tag über an. Am Abend war die wieder geöffnete Halle von zahlreichen Schutzleuten besetzt, die besonders in den Gängen vor den Fleischvertaufsständen patrouillierten. Der Vcrkaufsstand des Meisters Metzner war geschloffen, und drei davor aufgestellte Schutzleute sorgten dafür, datz Neugierige nicht stehen blieben. Der Zugang zur Halle war nur von der Schönwalder Strotze aus gestattet, als Ausgang durfte nur das Tor an der Reinicten- dorfer Straße benutzt werden. Die Fleischermeister suchen ihr schmähliches Verhalten durch alle möglichen Ausreden zu beschönigen. Sie behaupten zunächst, datz sie bei dem Fleischverkauf nicht genug verdienten. Der Magistrat hat schon nachgewiesen, datz den Schlächtern immerhin noch ein angemessener Verdienst bliebe. Dann wird behauptet, das eingeführte Fleisch sei minderwertig, es besitze einen sehr starken Fettansatz und sei fleiichleer. Auch diese Behauptung ist unbegründet, wie sich jeder überzeugen konnte, der das Fleisch gesehen hat. In den verschiedenen Markthallen wurde das Gerücht verbreitet, datz die Fleischergefellen an die Meister, die russisches Fleisch ver- kaufen wollten, Forderungen gestellt hätten, die diese unmöglich er- füllen konnten. Wir stellen hiermit fest, datz dies unwahr ist. Der Verband der Fleischer hat nie daran gedacht, diesen Meistern Forderunge» zu unterbreiten, zumal er dieselben nicht einmal kannte. Die Fleischermeister haben, als sie sahen, datz daS Publikum ihr Verhalten nicht billigte, versucht, die Schuld auf die Gesellen zu wälzen. Wenn die Herren in der letzten Zeit wiederholt in der S)xffentlichkeit behauptet haben, sie wollen das Fleisch des Magistrats verkaufen, so haben sie. wie jetzt emwandfrei festgestellt, ein falsches Spiel gettieben. Bemerkenswert ist, datz dieselben Fleischermeister, die immer nach Ausnahmegesetzen schreien, ihren Kollegen erklärt hatten, wenn sie das Fleisch verkaufen würden, wollten sie ihnen die Knochen kaput schlagen. Ebenso verwerflich ist es, datz sich die Herren über das Publikum, das billige? Fleisch haben wollte, noch lustig gemacht haben. Ferner ist zu bemerken, datz sehr diele Fleischer ihr Fleisch um 10 und 1b Pf. billiger verkansi u ott am Sonnabend. Die Hauptschuld an der Kalamität in den Markthallen trägt die Berliner Fleischerinnung, deren Führer dem Magistrat als fach- männische Berater zur Seite gestanden. Es hat den Anschein, als ob es die Herren nicht ehrlich gemeint haben. Die Stimniung der Fleiichermeister war gegen den Fleischverkauf. Bedauerlich ist, datz I die Nebenprodukte nicht zum Nutzen der Allgemeinheit verkauft werden. * Der Zentralverband der Fleischer hat an den Magistrat folgendes Schreiben gerichtet: „Da sich die Fleischermeister weigern, das eingeführte russische Fleisch zu verkaufen, so erlauben wir uns Ihnen höflichst mit- zuteilen, datz wir jederzeit gern bereit sind, der Stadtverwaltung Fleischergesellen, die den Fleischverkauf besorgen können, kostenlos zu vermitteln. Durch unseren Arbeitsnachweis sind wir in der Lage, innerhalb kurzer Zeit eine genügende Anzahl brauchbarer Gesellen in die verschiedenen Hallen zu senden." » Der Magistrat teilt ferner mit: Der Verkauf des russischen Fleisches in den städtischen Markthallen hat sich in erfreulicher Weise im.Verlauf de« gestrigen Tages weiter entwickelt. Die am Montag und Dienstag auf dem Zentralviehhof eingetroffenen Sendungen sind zum grötzten Teile von den Fleischern, welche den Vertrieb über- nommen haben, abgeholt und nach den Vcrkaussständen gebracht worden. Im ganzen waren bis gestern nachmittag bereits über 400 Zentner abgegeben worden, die auf sämt- liche Markthallen, wenn auch nicht in gleichen Quantitäten verteilt sind. Es ist selbstverständlich, datz bei der Verteilung auf die ver- schiedenen Stadtteile bezüglich der Qualität kein Unterschied gemacht worden ist und auch nicht gemacht werden kann. Die gegenteilige Be- hauptung, die gestern niorgen in einigen Markthallen auftauckite, ent- behrt jeder Grundlage. Das an die Fleischer abgegebene Fleisch ist in den gestrigen Abendstunden, wie uns die Markthallendirektion mitteilte, in sämtlichen Markthallen zum Verkauf gebracht worden. Nur in den Markthallen V(Magdeburger Play) und XIV(Reinickendorfer Slratze) konnte der Verkauf gestern nachmittag nicht mehr beginnen: er wird aber aller Voraussicht nach Donnerstag früh eröffnet werden können. Es haben sich im Verlaufe des gestrigen Tages zahlreiche und offenbar auch tatkräftige Bewerber ge- meldet, welche den Verkauf zu bewerkstelligen gerne bereit sind. Im ganzen find bisher zirka 40 bis 60 Verkaufsstände eröffnet. Das zum Verkauf gestellte Fleisch wurde allgemein selbst von der Konkurrenz als sehr gut anerkannt. Das gestrige Nach- mittagsgeschäft war fast noch lebhafter als der Verkauf am Vor- mittag. Auch in der Zentralmarkthalle wurden die vorhandenen Mengen in kürzester Frist abgesetzt. An der Verteilung des Fleisches auf dem Viehhof war auch Charlottenburg, Schöneberg. Tempelhof beteiligt. Vom Nachrichtenamt des Berliner Magistrats erhalten wir schlietzlich noch folgende Zuschrift: „Wie uns nachträglich telephonisch mitgeteilt wird, ist gestern in der Marschälle VII!(Andreasstratze). ein Flugblatt an das Publikum, verteilt worden, in welchem die Behauptung aufgestellt sein soll, datz das für die dortige Markthalle bestimmte russische Fleisch minderwertig und zum Teil schon abgewascheneS Fleisch gewesen sei, das teilweise sogar zunächst von den Flcischbcschauern als für den menschlichen Genutz unbrauchbar zurückgewiesen und als ungeeignet für den Verkauf einer Freibank bezeichnet loorden war, nachträglich aber wieder freigegeben sei. Deshalb sei der Verkauf von den Fleischern, die sich dazu anfänglich bereit er- klärt hatten, hinterher abgelehnt worden. Das Flugblatt liegt uns im Wortlaut noch nicht vor. Datz die Behauptungen über die schlechte Qualität des Fleisches aber jeder Begründung ent- behren, braucht nicht besonders hervorgehoben zu werden. Es sei aber bemerkt, datz am gestrigen Nachmittage in der Andreas- stratze in einem Stande russisches Fleisch zum Verkauf gebracht worden ist und schnellen Absatz gefunden hat." Partei-?Zngelegenkeiten. Vierter Wahlkreis. Heute abend 8V3 Uhr findet in Kellers Festsälen, Koppenstratze 29, eine Volksversammlung statt. Tagesordnung: Der städtische Fleischverkauf und der Versuch der Ver- Hinderung und Verekelung. 2. Freie Aussprache. Frauen erscheint in Massen. Eimritt frei. Der Borstand. WilmrrSdorf-Halensee. Zu den Stadtberordnetenwahlcn wird morgen Frcilag. abends Z'/i Uhr, im Kursiirstenpark, Kurfürsten- dämm 119 zu Halensee, eine Volksversammlung abgehallen, in der Stadtverordneter G r 0 g e r- Neukölln über„Sozialpolitik im Rat- hauie" spricht. Um Agitation für zahlreichen Besuch bittet daS Wahlkomilee. Reinickendorf-West. Heute abend S1/* Uhr findet der 2. Vortrag des Genosien Baege„Vom Urlier zum Menichen" in HartmannS Brauerei, Scharnweberstr. 101—104. statt. Billett 20 Pf. Mühlcnbcck(Bezirk Niederschönhausen). Die ain Sonntag, den 27. Oktober, fällige Wahlvereinsverfammlung fällt aus. Dle Ge- nassen, die an der öffentlichen Versamnilung am 27. Oktober in Schildow teilnehmen, treffen sich um I Uhr im„Gasthos zur Sonne". Schildow(Bezirk Nieder-Schönhausen). Am Sonntag, den 27. Oklober, nachmittags 2 Uhr, findet auf dem Grundstück des Genossen Karl Pritzkow, Hauplstr. 2ö, eine öffenltiche Versammlung für Männer und Frauen iniler freiem Himmel statt. Tagesordnung: „Hungersnot uns Kriegsgefahr". Referent: Genosse Dr. Moics- Berlin. Die Einwohner der Orte Schönstietz, Summt, Mühlen- deck und Blankenfelde sind zu der Versammlung cingcladen. Die Teilnehmer von Blankenfelde treffen sich um 1 Uhr bei Stab. LerUner I�adrncKten. Das Reinmachegeschäft � rentiert sich anscheinend recht hübsch. Für die Reinmache- frauen zwar, die um kargen Lohn ihre Arbeit zu leisten haben, sind bei dieser Beschäftigung keiiie Reichtümer zu sammeln. Aber für die sogenannten R e i n i g n n g s i n st i t u t e, die um hohen Profit nur die Lieferung der von„Herr- schaften" verlangten Rein machefrauen über- nehmen, fällt dabei offenbar ein tüchtiges Stück Geld ab. Diese Institute betreiben ihr Geschäft nicht so, ivie die gewöhnlichen Stellenvermittler. Das für den HanShalt ge- lvünschte Personal, das sie den„Herrschaften" besorgen, soll nicht dauernd beschäftigt werden. Da die Rcinmachefraiten, Wasch- frauen, Plätterinnen, Ansbesserinnen usw. nur für einzelne Tage oder höchstens für mehrere auf einander folgende Tage geliefert werden, fo wird auch die von den„Herrschasten" an das Reinigungsinstitut zu zahlende Vergütung nach Tagen be« rechnet. Tag für Tag beansprucht das Reini- gnngsinstitut für gehabteMühe seinenProfit an dem gezahlten Betrag, den die Reinniachefrau täglich von der„Herrschaft" einzukassieren, aber stets ungekürzt an das Institut abzuliefern hat. Nachdem der Inhaber des Instituts sich seinen Teil abgezogen hat, bucht er das Uebrige der Reinmachefrau als Tagelohn, der am- Wochenschlutz ausgezahlt wird. Im„VorlvärtS" ist schon früher und mebrfach die Geschäftspraxis der Reinigungsinstitute geschildert worden. Wir halten es aber für nötig, aufs neue die öffentliche Auf- merksamkeit auf diese Zustände zu lenken. Eigenartig scheint ein R e i n i g u n g s i n st i t u t zu sein, das unter der Firma„Alles rein" von Frau Elise S ch l e g e r(Berlin, Kastanienallee 2) betrieben wird. Frau Schleger ist gewerbsmätzige Stellenvermittlerin für Dienst- personal, daneben erbietet sie sich aber noch zur Lieferung von Arbeitskräften für den Haushalt, die nicht auf die Daner verlangt werden. Sie nimmt z. B. für eine Reinmachefrau 1,75 M., für eine Waschfrau 2,25 M.. antzcrdem mutz die „Herrschaft" noch 20 Pf. Stratzenbahngcld und 5 Pf. Versicherungsbeitrag zahlen, so datz im ganzen für eine Reinmachefrau 2 Mark, für eine Waschfrau 2,50 M. genommen werden. An Lohn für den von 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends dauernden Arbeitstag werden der R ein m a ch ef r a u nur 1,50 Mark, der Wasch- f r a u nur 2 M a r k gezahlt, wozu noch die von der„Herr- schaft" zu gewährende Beköstigung kommt. Stratzenbahngcld wird den„Herrschaften", wie ein ihnen vorgelegter Schein sagt,„auch in nächster Nachbarschaft" abgefordert. In der „Saison", die bei Frau Schleger die erste Hälfte des Monats Oktober sowie die Zeit vorWeihnachten, Ostern. Pfingsten umfatzt, mutz die„Herrschast" an das Institut noch 50 Pf. mehr pro Tag zahlen, aber die Reinmachc- und Waschfrauen haben sich immer mit demselben Lohn zu begnügen. Hiernach kann man sich leicht ausrechnen, wieviel jede etwa Tag für Tag beschäftigte Arbeitskraft im Laufe ciii°s Jahres dem Institute als Profit für gehabte Mühe ein- bringen müßte. Dem Institut der Frau Schleger sollen gegenwärtig acht Frauen zur Verfügung stehen, die sie bei Bedarf als Reinmachefranen, Waschfrauen, Plätterinnen usw. liefert. Nebenbei bemerkt: wenn eine Arbeitskraft wegen Mangel an Nachfrage ungenutzt bleibt, dann kann die betreffende Frau nach Hanse gehen und erhält für den Tag keinen Lohn. Diese Frauen sind eben keine Angestellten, sondern müssen sich für jeden Tag ihre Stellen neu vermitteln lassen, wofür dann immer Tag für Tag die Abzüge in der oben angegebenen Höhe gemacht werden. Sie könnten die Abzüge sparen, tvenn sie von den„Herr- schaften", die mit ihnen zufrieden gewesen sind, bei späterem Bedarf durch private Abmachung wieder in Arbeit genommen würden. Den Frauen wird aber verboten, ihre Adresse den„Herrschaften" anzugeben. Für Uebertretung dieses aus eigcnekk Macht- Vollkommenheit gegebenen Verbotes hat Frau Schleger sogar eine Geldstrafe von I.Mark festsetzen zu dürfen ge- meint. Sie hielt sich auch für berechtigt zu folgender Warnung, die auf dem der„Herrschast" überreichten Arbeits- schein steht:„Ich habe selbst ein tadelloses Kontrollsystem und warne jeden, einen meiner Leute zum Vertragsbruch bei mir zu verleiten, da ich sofort gerichtlich vorgehe. Wer von mir beschäftigtes Personal für sich engagieren möchte, wollg mir das gefälligst mitteilen und hat dann die vorgeschriebene Ge- bühr zu bezahlen." Was für ein„Vertrag" das sein soll, der da„gebrochen" werden könnte, ist nicht klar. In einem richtigen Vertragsverhältnis stehen zu dem Institut diejenigen Frauen, die von der Inhaberin tatsächlich „angestellt" worden sind. Das sind junge Mädchen, die bei Frau Schlegel sogar Wohnung und nötigenfalls auch Beköstigung haben, wozu dann noch ein entsprechend niedrig bemessener Monatslohn komnit. Gegenwärtig soll Frau Schleger 18 solche Mädchen zur Verfügung haben. Sie schickt sie z. B. auch auf Neubauten, die vom Bauschmutz gereinigt werden sollen. Von älteren Frauen wird eine Neubaureinigung nicht gern übernommen. Für dieses Personal hat Frau Schleger sich ein besonderes Reglement zurecht gemacht, in dem es auch an Strafen nicht fehlt. Aus den Strafgeldern werden die Kosten einer Landpartie gedeckt. Wer vor der Haustür umhersteht, zahlt 1 M. Wer am späten Abend über die festgesetzte Ausgehezeit wegbleibt, zahlt 50 Pf. Frau Schleger kann die Verspätungen bequem feststellen; sie gibt zwar Hausschlüssel, aber keine Korridorschlüssel, so datz die Rückkehr kontrolliert werden kann. Wundern wird sich mancher, datz für ein derartiges Un- ternehmen sich noch Frauen und Mädchen finden, die ihre Arbeitskraft hergeben wollen. Nur der Mangel an Be- schästigung erklärt es. datz sie unter den geschilderten Bedingungen arbeiten und noch froh sind, wenn sie wiederkommen dürfen._ Wie gelogen wird. Unter dieser Uebersckrift meldet die„Berliner Volkszeitniig". einer ihrer Leser habe ihr mitgeteilt, datz am Sonn« tag bei der WahlreckitSdemonstralion in Treptow ein Redner auf die bürgerliche Presse im allgenieinen und ans die„Berliner Volksztg." im besonderen geichimpst hätte,„weil wir(die„Votlszeitung") von der Tatsache der abzuhaltenden Demonstration nichts gemeldet hätten." Entrüstet schreibt die„Volkszeitung" dazu: „Es ist nicht das erste Mal, datz in dieser Weise aus sozialdemokratischen Parteirücksichlen unter Fälschung derWahr- Herl gegen die.Volkszeitung" gehetsi wird. Aber zur Kenn- zeichnung der Verwerflichkeit dieser unehrlichen Hetze stellen wir fest, datz wir. weil es sich immerhin um ein politisches, be- merkenswertes Ereignis handelte, von der beabsichtigten Dentonstrationsversamn, lung tatsächlich an demselben Tage Mitteilung gcntacht haben, an dem der „Vorwärts" mit dieser Mitteilung herausgerückt ist, nämlich in unseren, Abendblatt vom 11. Oktober.— Das ist die„bürger- liche" Wahrheit gegenüber der Unwahrheit in der sozialdemokratischen Rede!" So die„Volkszeitung". die nicht notwendig hatte, siw über die fragliche Redewendung erst„von einem rrircr Leser" benchren zu lassen. In unserer Extranummer vom Montag. auS der sich auch die Redaktion der„Volkszeitung" von ihrem leichtsiimigen Hereinfall informieren konnte, ist die fragliche Redewendung wiedergegeben: Sie lautet: „Wen» auch daS„Berliner Tageblatt" und die„Volks- zeitung" in ihrenLeitartikel»„Das njchteingelösle Königs wort" nicht den Mut besatzen, das Bürgertum auf die Kundgebung der Sozialdemokraten am Sonntag aufmerksam zu mache».. Und nun Bitten wir die„Volks-Zeitung", aus ihrem Seit- «rtikel vom Sonntag die Stelle zu zitieren, an der sie auf die Kundgebung der Sozialdemokratie Verivieien hat. Sie wird das nicht können. Vielleicht leilt sie ihren Lesern aber— diesmal nicht unter„ftalschung der Wahrheit"—■ auch mit, wer im vorliegenden Falle gelogen hat. Vom Präsidenten der Akademie der Künste geht uns in Bezug auf die Unterschlagungen des Rechnungsrais Schuppli folgende Darstellung zu: „Die königliche Akademie der Künste hat es bisher, vor allem mit Rücksicht a"f die Angebörraen des verstorvenen Inspektors der Akademie, Rechnungsrats Schuppli, vermieden, öffentlich Stellung zu den Aeuherungen der Presse über die Affäre Schuppli zu nehmen. Neuerdings sind aber von einer Korrespondenz so bedenkliche, für den Nichttnfoimierlen unkontrollierbare Gerüchte und Kombinationen, die auch Aufnahme in mehrere Zeitungen gefunden haben, verbreitet worden, dost die Akademie sich gezwungen sieht, in folgendem kurz das Tatsächliche der Angelegenheit Schuppli darzulegen: Die Entdeckung der Unregelmäßigkeiten des Rechnungsrats Schuppli erfolgte durchaus nicht so plötzlich und unerwartet, wie es mehrfach dargestellt worden ist. Das Präsidium der Akademie hatte vielmehr schon seit längerer Zeit Anlaß zu ernsten Klagen wegen SchuppliS Geschäftsführung auf allen Gebieten. Da wiederholte Verwarnungen und Bestrafungen keinen Erfolg hatten, besonders aber da dem Rechnungsrat Schuppli in der letzten Zeit einige ernst- liche Verfehlungen in der Kassensührung nachgewiesen wurden. gab das Präsidium den Anstoß zu einer eingehenden Unter- suchung seiner Geschäftsführung, die dann durch den vorgesetzten Herrn Minister eingeleitet wurde. Im Verlaufe der Untersuchung ergab sich, daß sich Schuppli neben seinen bereits bekannten Verfehlungen auch Unterschlagungen in beträchtlicher Höhe hatte zu- schulden kommen lassen. Die Tatsache der Unterschlagungen, die durch Buchungsfälschungen verdeckt waren, ist einwandfrei bewiesen. Die bisherigen Ermittelungen haben eine Höhe derselben von rund 30 000 M. ergeben. Schuppli verschwand nach dem ersten Tage der gegen ihn eingeleiteten Untersuchung aus Berlin und ist dann, wie ermittelt, für einen Tag nochmals hierher zurückgekehrt, hat jedoch das Akademiegebäude nicht betreten und einer ihm übermittelten Aufforderung, sich in seinen Dienst wieder einzufinden, nicht Folge geleistet. Eine Woche später wurde er in Ravensbrück in Mecklen- urg tot aufgefunden. Die Pfandscheinschieber, die sich seit geraumer Zeit von Berlin fern hielten, weil es ihnen hier nicht besonders gut ging, lasten jetzt wieder einmal von sich hören. Besonders in der Umgebung der Bahnhöfe treten wieder zwei dieser„Spezialisten" auf und locken Fremde ins Garn. Sie scheinen von auswärts hierher gekommen zu sein, vermutlich aus Hamburg. Der eine ist ein Mann von etwa Zh Jadren, der andere vielleicht fünf Jahre jünger. Einer der beiden fragt irgend einen Mann, dem er den Fremden ansieht, nach einem Dienstniann. Weil der Fremde ebensowenig Bescheid weiß wie er selbst, so rückt er nun mit seinem Anliegen heraus. In einem Lokal in der Nähe, so erzählt er dem Fremden, sitze ein junger Mann, der gern einen Pfandschein über eine versetzte wertvolle Uhr verkaufen möchte. Er selbst habe sich schon darum beworben, der junge Mann habe ihn jedoch, aus welchem Grunde wisse er nicht. als Käufer abgelehnt. Nun solle ihm doch der Fremde den Gefallen tun, den Vermittler zu spielen und den Schein für ihn zu kaufen. Geht der Fremde auf diesen Vorschlag ein, so verspricht ihm der Mann 5—10 M. für seine Bemühungen, gibt ihm zugleich das Geld, das er dem Pfandscheinbesitzer bieten solle, und nimmt ihn dann mit in das Lokal. Hier zeigt er ihm unauffällig den Pfandscheinverkäufer. Der Fremde spricht diesen an und beide gehen nun aus die Straße, um das Geschäft abzuschließen. In diesem Augenblick kommt der Geldgeber wieder heran. Er verlangt sein Geld ziiriick, weil er doch nicht wissen könne, ob der Fremde auch wiederkommen werde, und stellt diesem anheim, den Beirag aus- zulegen, wenn er sich die versprochene Vermittelungsgebühr ver- dienen wolle. Das tut er gern mit Rücksicht auf den leichten Ver- dienst. DaS Ende ist, daß er für teures Geld einen Pfandschein über eine ganz minderwertige Uhr erwirbt. Wenn er ihn semem Austraggeber gegen Rückgabe des ausgelegten Kauf- Preises übergeben will, so ist der Gauner längst aus dem Lokal verschwunden. Harmlose Durchreisende seien vor diesen„Spezialisten" gewaritz. Am besten wäre eS, wenn sie diese gleich festnehmen ließen. Schwerer Unfall auf dem Bahnhof Gesundbrunnen. Ein auf- regender Vorfall spielte sich am Dienstagabend auf der Station Gesundbrunnen ab. Der ölljährige Schuhmacher Willi Lange aus der Posewalker Str. 11 hatte gegen'/,10 Uhr einen Nordringzug zur Fahrt nach Hause benutzt. To er es sehr eilig hatte, wollte er schon während der Einfahrt den Zug verlassen. Dabei kam L. zu Fall, wurde zwischen Trittbrett und Bahnsteig eingeklemmt und mehrere Meter weit mitgeicvleift. Nur mit Mühe konnte der Ver- unglückte aus seiner entsetzlichen Lage befreit werden. Er wurde in besinnnngslosem Zustande nach der Unfallstation in der Badstraße gebracht, wo festgestellt wurde, daß das rechte Bein vollständig zer- malmt war und Longe auch schwere innere Verletzungen davon- getragen hatte. Naw Anlegung von Notverbänden wurde der Swwer- verletzte na-v dem Moabiter Kranlenhause geschafft; sein Zustand ist sehr bedenklich. Faßexplosio» in der Bockbrauerei. Als gestern vormittag auf einem freien Platze der Berliner Vyckbrauerei in der Fi dizin- st r a ß e ein großes etwa 35 Hektoliter haltendes Bierfaß ausgepicht werden sollte, entwickelten sich im Innern de» Fasses größere Mengen Gas. die zur Explosion kamen, als man das zum Auspicken benutzte Peck anzündete. Die Gewalt der Explosion war so stark, daß der Boden des Fasses weit weggeschleudert und in tausend Stücke zetristen wurde. Glücklickerweise wurde von den anwesenden Arbeitern nur einer ganz leicht verletzt. Der Vorfall hatte auch eine Alarmierung der Feuerwehr zur Folge. Bei einer ähnlichen Explosion wurden vor einigen Jahren mehrere Arbeiter getötet.— Außerdem wurde die Feuerwehr noch nach der Ritterstr. 8» gerufen, wo in der Metallbrennerei einer Lampenfabrik Feuer ausgebrocken war. Die Flammen hatten Kisten und den Fußboden erfaßt, konnten aber durch kräftiges Wassergeben aus einer Schlauchleitung bald gelöscht werden. Die Ursache des FeuerS ist nicht ermittelt. Berschüttet. Ein schwerer Unglücksfall bat sich vorgestern am Ronnendamm ereignet. Dort werden gegenwärtig die Kanalisations- arbeiten für einen Wohnhansbau der städtischen Gasanstalt aus- geiührt. Bei den AusschachtungSarbeiien war auch der Arbeiter Hans Gusche aus Spandau tätig. Als G. gestern nachmittag in einer etwa drei Meter tiefen Grube arbeitete, gab plötzlich die Ab- steifung nach, und der Arbeiter wurde von den herabstürzenden Sandniasten begraben. Obwohl die übrigen Arbeiter sofort zur Rettung herbeieilten und den Verschütteten bald aus seiner entsetz- ltckcn Lage beireien konnten, hatte dieser doch schwere innere und äußere Verletzungen, unier anderem einen doppelten Bruch des rewten Unterschenkels davongetragen. In bedenklichem Zustande mußte der Verunglückte dem Spandauer Krankenhause zugeführt werden. Fortbildutigskurse werden, wie in jedem Semester, so auch im kommenden Wuitersemester von Studenten der Technischen Hochschule veranstaltet und zwar wird gelehrt: Deutsch in 5 Stufen und Rechnen in 4 Stufen, ferner Algebra. Geometrie. Zeichnen, Schönschreiben und die Anfangsgründe der Buchführung. Die Kurie finde» an 4 Wochentagen in den von der Stadt Charlottenburg zur Verfügung aest lllen Räumen der Gcmeindeschule III, Schloßstr. 2. statt. Die Anmeldungen finden statt am 24.. 25. und 26. Oktober, abends 8>/z bis 9'/2 Uhr. vorher beim Vorsitzenden Johannes Schaer. Westend, König>n-Elisabeth-Str. 52. Feuer in einer Lampenfabrik. In der letzten Nacht wurde die ?leu erwehr nach der Ritterstr. 85 gerufen, wo in der Metall- rennerei einer Lampenfabrik Feuer anSgebrochen war. Die Flammen hatten Kisten und den Fußboden erfaßt, konnten aber durch kräftiges Wassergeben aus einer Schlauchleitung bald Beseitigt werden, Die Ursache deS Feuers ist nicht ermittelt. Gefunden. Ein Schirm ist am Sonntag auf dem Marsch nach Treptow gefunden worden; abzuholen Bei Wichert, per Adr. Müller, Siemensstr. 8, vorn II. Wer ist der Tote? Das Polizeipräsidium teilt mit: Am 20. d, M. früh 8 Uhr ist am Burgwall in Spandau eine etwa 35—40 Jahre alte unbekannte männliche Leiche aus dem Wasser gelandet. Die- selbe ist zirka 1,65 bis 1,70 Meter groß, Hai blonden Schnurrbart und ist bekleidet mit dunkelblauem Jackeltonzug. dunkler seidener Weste mit hell- und dunkelgrün gemusterten Glasknöpfen, blau- schwarzem Winterüberzieher mit blaugestreistem Futter sMonogramm i» gelber Seide 8!. N.). weißleinenem Hemde, gez. ID. N., schwarzen Schnürschuhen und schwarzen Strümpfen. Bei der Leiche wurden gefunden: vier Revolverpatronen, eine Doubls-Uhrkette ohne Uhr, zehn Pfennige, ein blaues Taschentuch, ein grünes Halstuch, ein Paar schwarze Lederhandschuhe. Die Leiche weist an der rechten Schläfe eine Schutzwunde auf. Mitteilungen werden bei der Polizei- Verwaltung in Spandau sowie hier bei der Kriminalpolizei, Zimmer 409 III zu Nummer 4144. IV. 50. 12. mtd auf allen Polizeirevieren entgegengenommen. Die Ortsgruppe Berlin des Arbeiter-RadfahrerbundeS„Solidarität" feiert am Sonnabend, den 26. Oktober, in der„Neuen Welt" ihr diesjähriges Stiftungsfest. Mitwirkende: Karl- Heinzius- Ensemble (4 Künstlerinnen und 6 Künstler); die Reigenmannschaft der Orts- gruppe sowie das verstärkte Neue-Welt-Orchester. Nach der Vor- stellung findet eine Gratisverlosung prattischer Geschenke statt. Er- öffnung 8 Uhr. Eintntt inkl. Tanz 60 Pf. Vorort- JSadrncbtci)« Charlottenburg. Bei der am Sonntag stattgefundenen Wahl der V e r- trauensmänner erhielten die Listen der Freien Ver- eimgung 1207 Stimmen= 50,6 Proz. Weiblicher Hilfsverein 274; Verein der deutschen Kaufleute und Hilfsverein 211; D. H.-V. 156; Leipziger 142; Techniker(gelb) 142; Verband der 58er 138; Katholiken 21; Siemens u. Halske 58; Versich.- Beamte 36. Von den zu wählenden fünf Vertrauensmännern und zehn Ersatzmännern entfielen auf die Liste der Freien Vereinigung drei Vertrauensmänner und vier Ersatzmänner. Die Niederlage der im„Hauptausschutz" vereinigten Re- akttonäre reiht sich der Neuköllner Niederlage würdig an. Es zeigt sich auch hier wieder, datz die Reaktionäre auch in den Kreisen der Angestellten keine Erfolge mehr erzielen können. Uebrr Lebensmittelteuerung und Konsumvereine sprach am Dienstag im Volkshaus der Reichstagsabgeordnete P e u S- Dessau. Die gutvesuchte Versammlung folgte mit gespannter Aufmerksamkett den zweistündigen trefflichen Ausführungen des Referenten, der den Wert und die Notwendigkeit der Konsumvereine an der Hand von Tatsachen nachwies. Starker Beifall folgte dem Referat.— In der Diskuifion sprach die Genossin L o d a h l. die besonders auf die gute EntWickelung der Koniumgenofienschaft Berlin und Umgegend hinwies, weiter die Genossen K l a w o n und A b r a h a m s o n. Mit der Ausforderung, im Sinne deS Referats zu wirken, schloß Genosse Schulz die Versammlung. Zeugen gesucht. Personen, welche gesehen haben, wie am 10. Oktober, abend» nach 5 Uhr, ein Schlächtermeister in der Osnabrücker Straße 3 einen Knaben von neun Jahren geschlagen und dann Hingeivorfen hat, werden gebeten, sich bei R. Frunzie, Charlottenburg. Osuabrücker Straße 30, vorn 4 Treppen zu melden. Auch wird der Mann, welcher einen Sack bei sich trug und den Schlächter ansprach, um Einsendung seiner Adresse gebeten. Neukölln. In unserer gestrigen Mitteilung über das Ergebnis der Wahl zur A n g e st e l l t e n v e r s i ch e r u n g hat sich ein Druckfehler ein- geschlichen: Der Verein der deutschen Kaufleute, der Leipziger Ver- band und der 63er Verband haben nicht je einen Vertrauensmann, sondern nur je einen Ersatzmann erhalten. Friedenau. Den Bericht vom Parteitag erstattete in der Generalversammlung des Wahlvereins der Genosse F e l l e r- Neukölln. Seine Aus- führungen waren im wesentlichen dieselben, die er vor den Neu- iöllner Genossen machte, über deren Versammlung damals ausführ- lick im„Vorwärts" berichtet wurde. In der Diskussion betonte Ge- nosse Kusiel, daß man in Chemnitz der Behandlung vorwiegend parteitaktiicher Fragen, die unbedingt vor dem Forum des Partei- tages der Klärung bedürfen, aus dem Wege gegangen sei, nur um nach außen bin etnig zu erscheinen. Auch sei in der Göppinger An- getegenheit sehr vieles um des lieben Friedens willen vertuscht tvorden. Das Verhalten der Delegierten unseres Kreises dem Gen. Pieck gegenüber sei auss schärfste zu verurteilen. Genosse Paulus bedauerte die Aufhebung des Nürnberger Beschlusses betreffend die Maifeier. Auch er ist mit dem Verhalten der Kreisdelegierten gegen Pieck nicht einverstanden. Genosse Otto Braun tritt den Aus- führungen Kussels bezüglich der Göppinger Angelegenheit ent- gegen. Cr habe von Anfang an die Sacke mit bearbeitet und müsse erklären, daß vom Parteivorstand in dieser Sache auch nickt das geringste vertuscht worden sei. Genosse Kamrowsky bedauerte den Äusichluß Hildebrands und hofft. daß ein späterer Parteitag dies Unrecht wieder guimacken werde. Genosse Hagen führte aus, daß bei dem sonst vorzüglichen Referate des Genossen Haase über:„Jmprialismus" die Frage der Umwand- lung des stehenden Heeres in eine Volksmiliz allzusehr in den Hinter- grund gedrängt worden sei. Bei der außerordentlich großen Be- deutung, die dem Militarismus von den Herrschenden im Kampfe gegen den inneren Feind beigemessen werde, sollten wir nur bei unseren grundsätzlichen Forderungen, welche eine Aenderung des ganzen Systems bedingen, verharren. Um Vorkommnissen, wie sie sich auf dem Parteitag zwischen unseren Delegierten ab- gespielt haben, in Zukunft vorzubeugen, sei es notwendig. daß den einzelnett als Delegierte zum Parteitag vor- geschlagenen Genossen auf der Gencralveriammlung des Kreises Gelegenheit gegeben werden müsse, sich über die zur Be- ratung stehenden parteitaktischen Fragen auszusprechen. Wenn dieS bisher so gehandhabi worden wäre, wären nach seiner Ansicht in unserem Kreise auch bei der letzten Wahl verschiedene Genossen nicht gewählt worden, die sich zur Abgabe einer solchen Erklärung her- gegeben haben. Genosse Pieck sei von den Delegierten der einzige gewesen, der vorher vor den Genossen seine Stellungnahme klar- gelegt habe. Daß er gewählt worden sei, beweise, daß die Ge- nosiei» des Kreises seine Auffassung teilen, was von den anderen nicht festgestellt sei. In seinem Schlußwort trat der Referent den von den DiskuisiouSrednern gemachten Einwänden im einzelnen ent- gegen. Die Erklärung gegen Pieck sei mehr eine Angelegenheit persönlicher Natur, im übrigen werde dasjenige, was darüber noch zu sagen sei, auf der nächsten Kreisgeneralversammlung gesagt werden. Wilmersdorf-Haleusee. Zu einem Schauturnen, verbunden mit Elternunterhaltungs- abend der I. Jngendabtetlung der hiesigen Freien Turncrschaft wird die Arbeiterschaft mit ihrem jugendlichen Anhang freundlichst ein- geladen. Das Schauturnen findet am kommenden Sonntag, den 27. d. M.. nachmittags von 4—7 Uhr, in der ftödtiichen Turnhalle, Berliner Str. 40, statt. Der Elternabend, der sich hieran schließt, wird im Lokale von Selke, Brandenburgische Sir. 09, abgehallen. Der Eintritt ist gänzlich frei. Mariendorf« Der Seefischverkauf durch die Gemeinde ist mm endlich eröffnet worden. Den Berkauf hat der Kaufmann Otto Jahn, Königstr. 29 (Ecke Chausseestraße), übernommen. Die Verkaufslag« sind zunächst auf Donnerstag und Freitag jeder Woche festgesetzt. Die Preise sind: Schollen 211/.J Pf. und Kabeljau 24'/z Pf. pro Pfund. Wünschenswert ist, datz die Gemeinde nun auch techt bald den Verkauf von Fleisch in die Wege leitet. Die Preisunterschiede bei Seefischen find gegenüber dem privaten Handel nicht sehr groß. Besonders not tut daher der Verlauf von billigem Fleisch. Weitzensee. Wo bleiben ote Maßnahmen gegen die Teuerung? Obwohl die Vertreter sich in verschiedenen KommissiynSsitzungen mit der gegenwärtigen Teuerung beschäftigt haben, ist eS zu einem positiven Ergebnis noch nicht gekommen. Helsen wollen die Herren, jedoch es darf nichts kosten. Der Kattoffel- und Seefischverkaus tn einen, eigens dazu eingerichteten Laden war bereits so gut wie de- schlossene Sache. Jetzt wiederum hat man entdeckt, daß die Kartoffeln so billig sind, daß ein Verkauf derselben durch die Gemeinde nicht lohnt. Mit dem Seefischverkauf will man einen ansässigen Seefisch- Verkäufer betrauen, trotzdem im vorigen Jahre damit keine guten Erfahrungen gemacht worden sind. Zudem ist man mit diesem Manne noch nicht handelseins, so datz die Bevölkerung sich einst- weilen noch gedulden muß. Zu dem Fleischverkauf, der mit Groß» Berlin gemeinsam geregelt ist, kommen die Berliner Preise nicht in Frage, weil außer den Transportkosten von Berlin nsch hier noch ein Gewinn für die mit dem Verkauf betrauten Schlächter in die Fleischpreise eingerechnet wird. Von Berlin will man wöchentlich 40 Zentner zur Hälfte Rind- und Schweinefleisch beziehen und mit dem Verlrieb zwei ansässige Schlächier betrauen. Nach vorläufiger Rechnung dürfte auf diese Weise der Preis fiir Rindfleisch im Durchschnitt auf 83 Pf., für Schweinefleisch auf 91 Pf. zu stehen kommen. Sache der Gemeindevertretung ist es, nun endlich durchgreifende Entscheidungen zu treffen. Die bis jetzt gettoffenen Maßnahmen reichen bei weitem nicht aus, die Teuerung zu lindern. Adlershof, Alt-Glienicke, Bohnsdorf, Grüna», Johannisthal usw. Die Wahlen der Vertrauensmänner zur Privatangestellten- Bcrficherung für den Stimmbezirk IL des Kreises Teltow finden Sonntag, den 27. Oktober, statt. Der Stimmbezirk umfaßt die Orte AdlerShof, Alt» Glienicke. Bohnsdorf, Grünau, Johannisthal, Müggelheim, Berlin-Nieder-Schöneweide und Grünau-Dahmer Forst. Sämtliche in den angegebenen Ortschaften wohnhaste und wahlberechtigte Privatangestellten haben ihr Wahlrecht in AdlerShof, Restaurant Ratskeller, Bismarckstr. 37, auszuüben. Die Wahlzeit ist von 12—6 nachmittags festgesetzt. Der WablauSschuß für diesen Bezirk richtet noch einmal den Appell an die Privatangestellten beiderlei Geschlechts, sich geschlossen an der Wahl zu beteiligen und nur für die Liste k. der Freien Ver- einigungzustimmen. Auskunft über sämtliche Wahlangelegenheiten wird am genannten Tage von vormittags 10 Uhr ab im Wahlbureau, Restaurant KaUl, Bismarckstr. 16, Tclef. AdlerShof 57, erteilt. Die Wahlhelfer werden aufgefordert, daselbst pünktlich zu er« scheinen. Der Obmann: Fritz Rader, AdlerShof, Kronprinzenstr. 42. .Neuenhagen(Ostbahn). Di« letzte. Gcmeurdevcrtreterfitzung beschloß, den zwar schon jahrelang nur im Kalender gesübrten Viehmarkt für Nelienhageli auf- zuHeben, weil in den letzten Jahren tatsächlich gar kein Viehanflrieb stattgesunden bat.— Als Teilnehmer an einer Konferenz über unsere Teuerungspeiition gab der Gemeindevorsteher bekannt, daß leider nur den unmittelbaren Vororten Berlins Gelegenheit gegeben sei, frisches, russisches Fleisch einzuführen. Den kleineren, weiter von Berlin entfernt liegenden Vororten seien nur solche winzige Mengen zugesprochen worden, daß sich nicht mal das Holen lohne.— DaS neue, im Stil bald zu einfache Projekt der neuen achtklassigen Vollschule ist endlich von der Regierung genehmigt worden. Zu diesem Neubau mußte die Gemeinde eine Anleihe von 100 000 M. aufnehmen und hat dafür nicht mal das Recht, durch ihre Vertretung irgendwelche Bedingungen zu stellen. Das ist alles Sache des Sckulverbandes. Vom Genoffen Köseling wurde aber doch der Gemeindevorsteher, wohl im Einverständnis der gesamten Ver- tretung, ersucht, als Mitglied des SchulvorstandeS seinen ganzen Ein- fluß für Einrichtung des Brausebades, welches erst vorgesehen war, geltend zu machen.— Die Bahnhofstraße soll wegen hindernder Terrainbesitzverhältniffe vorläufig nur bis zur Niederheidenstraße ge» pflastert werden.— Der Zuschlag zur Pflasterung der Dahlwitzer Siraße wurde der Berliner Straßen- und Tiesbaugesellfchast als Mindestforderiide erteilt. Nieder» Tchönhause«.• Mit der Lebensmittelteuerung beschäftigte sich die am Dienstag stattgefundene Gememdeverttelersitzung. Bürgermeister Abraham er- siailete den Bericht der Kommission. Er wandte sich zunächst gegen die Schreibweise der linlsstehenden Blätter, die die bürgerlichen Per- treter. weil sie es in der letzten Sitzung abgelehnt hatten, eine Pe- tition an die Regierung zu senden, als unmündige Kinder bezeichnet hätten; eine Zeitung jedoch habe den Beschluß anerkannt und zwar die agrarische„Deutsche Tageszeitung". Die Kommission sei bezüg- lick des Verkaufes von russischem Fleisch auf große Schwierigkeiten gestoßen. Dem Magistrat von Berlin sei mitgeteilt worden, daß die hiesige Gemeinde sich an dem Fleischverkauf beteilige, jedoch müsse die Möglichkeit gegeben sein, im Falle eines Fiaskos von dem Ver- trage zurücktreten zu können. Schöffe Thormann sei in der Sitzung mit Berlin anwesend gewesen, doch sei über diesen Punkt keine be- stimmte Auskunft erteilt worden. Damit der Vorwuif nicht erhoben werden könne, die Gemeinde wolle die Schlächier schädigen, habe die Kommission sämtliche Schlächter zu einer gemeinsamen Sitzung ein- geladen. Die Scklächter hätten sich nur unter der Bedingung zum Verlaus des Fleisches bereit erklärt, wenn die Preise um 10 bis 20 Pfennig pro Pfund des Einkaufspreises erhöht werden dürfen. Außerdem hätten dieselben extra für je 100 M. verkauften Fleisches 10 M. als Geichäftsunkosten verlangt. Diesem Verlange» habe die Kommiifion nicht nachkommen können, da ja dann von einem Ver» kauf billigen Fleisches nicht mehr hätte die Red« sein können. So» mit wären die Verhandlungen mit den Schlächtern leider gescheitert. Für die Kommisston habe es nun nur noch eins gegeben, und zwar den Verlaus in eigene Regie zu übernehmen. Hierzu müsse ein Laden gemietet werden, serner mache sich die Anstellung eines Schlächiers notwendig, dadurch würde der Preis des Fleisches gegenüber Berlin pro Pfund um 2 bis 3 Pf. teurer. Die Kommiikivn ersuche um Bewilligung der dazu uolwendigen Summe für den Em» kauf, die zunächst pro Woche 1700 M betragen würd" außerdem noch um 1000 M. für ein etiva entstehendes Defizit. Voraussetzung sei, daß Berlin den kleinen Gemeiildeu das Reckt zubillige, im Falle eines Fiaskos nach einer dreiwöchentlichen Kündigung von dem Ver- trage zurücktreten zu dürfen. Der Bürgermeister ersuchte dringend, den Verkauf im Interesse der Bevölkerung nicht abziilebiien. In der mehr als zweistündigen Debatte wies zunächst Genoffe Hellrich darauf hin. daß dte Kommission vor eine fchivietige Aufgabe gestellt worden sei. Bedauerlich fei es, daß die hiesigen Schläckter so wenig Entgegenkoiiimen gezeigt hätten; die Bevölkerung werde davon gebührend Kenntnis nehmen. Redner bat dringend, den Vorschlag der Kommission anzunehmen, da dies der einzige Ausweg sei- Herr Hermann Kuhlmann kam über die Teuerung schnell hinweg indem er sagte: wegen dem Sechser, für den man das Fleisch billiger kauft/ wird ein solch großes Geschxei gemacht. Die Herren Thormann, Dr. Pratsch mtd Jeratsch sprachen fich fBr den KommisfionSbeschluß aus. Genoffe Hiepe machte dm Vorschlag, dah, wenn alle Mittel versagen sollten, man mit dem hiesigen Konsumverein in Verbindung treten sollte. Unter all- gemeiner Heiterkeit betonte Genosse Breitmann, dah Herr Hermann Kuhlmann die Schuld an der Teuerung den Schriftstellern, die das Volk verrückt machen, zuschreibt. Dem Vorschlage der Kommission wurde hieraus mit großer Mehrheit zugestimmt und derselben alle weiteren Maßnahmen übertragen. Mit der Frage der Einschränkung der Sonntagsarbeit im Handelsgewerbe hatte sich die Vertretung nochmals zu beschästigen. Da Pankow sich jetzt für die Einführung der Groß-verliner Regelung ausgesprochen hat, wurde beschlossen, sich dem Berliner Statut ebenfalls anzupassen. Hierauf folgte eine längere nichtöffentliche Sitzung. Pankow-Niedcrschöuhause». Eine öffentliche Privatangestelltenversammlung, einberufen vom Wahlausschuß der Freien Vereinigung, findet heute, Donnerstag, den 24. Oktober, abends 8V2 Uhr, Bei Roczycki. Kreuzstr. 8/4, statt. Tagesordnung:.Das VersicherungSgesetz für Privatangestellte— Hauptausschuß oder Freie Veceinigun.g" Referent: Herr Redakteur Kuttner. Freie Aussprach«. Schönow(Kreis Niederbarnim). Am Montag ertrank daS dreijährige Töchterchen de« hier, Wandlitz« straße. wohnenden Monteurs Rendel. Das Rind lief in einem un« bewachten Augenblick in den kaum vier Meter vom Haufe gelegenen nicht eingezäunten Karpfenteich und fand dort seinen Tod. Alle Wiederbelebungsversuche waren erfolglos. Potsdam. Der städtische Fleischverkauf wurde gestern an den bekannten sechs Stellen fortgesetzt. Im ganzen hatte die Stadt drei Ochsen mit zusammen 47 Zentner Schlachtgewicht gekaust. So ganz ist man von dem Ergebnis' nicht bestiedigt. da das städtische Fleisch mehr i, für die von den Bevölkerungsschichten begehrt wurde, e» weniger bestimmt war. Man führt das auf die immerhin im Vergleich zu Berlin noch nicht genug reduzierten Preise zurück. Die Stadt ist leider in dem Bestreben, mehr ausländisches Fleisch einzukaufen, vorläufig durch die Verfügung des LandwirtschaftsministerS ge» hindert. Auf die von der Stadt hiergegen eingelegte Beschwerde ist eine Antwort noch nicht erfolgt. Sitzungstage von Stadt« und«Semeindevertretungeu. Hcrmsdors b. Berlin. Freitag, den 2S. Oktober, abend« 8 llhr. Martendorf. Donnerstag, den 24 Oktober, nachmittags 5 llhr, im ZlathauSsitzungSiaale. Nieder-Tchöneweide. Heute Donnerstag, den 24 Oktober, nachmittag« S Uhr, im Sitzungssaale des Gemeindehauses, Grünauer Straße t. Friedrichohagen. Freitag, den 2S. Ollober, nachmittag« S Uhr, im GemeindesitzungSsaal, Fricorichstr. 87. Ties- Sitzungen sind öffentlich. Jever«emeindeangehörige ist be- rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen._ BrUfhaften der Redaktion. Die joriftische eprc«stände findet Ltndcnstratzc SS, vor» vier Trevveo — Fahrstuhl—, niocheutSglich von iMt bis Uhr abends, Sonnabends, »o»«Zv bis S Ith» abend» statt. Jeder für dru Briefkasten bestimmten Anfrage ist ew Buchstabe»ad eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Brtrfltche Antwort wird nicht erteilt. Aufragen, denen keine AbanucmentSguittnng beigefügt ist, vcrbeu nicht beautwortet. Eilige Fragen trage man tu der Sprechstunde vor. Alter Abonnent. 1. Für den Todessall hätten die Kinder Ansprui auf Waisenrente bis zum 16. Lebensjahr, außerdem die Witwe Anspru Witwenrente, fall« sie Invalidität nachweist. 2. Die Invalidenrente unterliegt leider wegen derartiger Ansprüche der Beschlagnahme. Immerhin empfiehl sich ein Antrag an die Armenverwaltung unter Schilderung der bedrängten Lage der Familie aus Rückzablung eines Teils des gekürzten Betrage«.-- A. B. 200. Die Einwilligung des Vaters ist noch not- wendia.— P. 3)1. 10. Den Termin müssen Sie wahrnehmen: andern- fall« könnte ein Dersäumnisurteil -gen Sie ergehen. Erscheint Kläger Dermin, so haben Sie jedenfalls das Recht. Bersäumnisürteil gegen denselben zu beantragen.— C. 48. 8. Ihre Tochter kann von der zuständigen Ortskrankenkasse sechs Wochenraien nicht oder nicht rechtzeittg in diesem ii«urieU g« nn von de>. WI. fordern, fall« fit im letzten Jahre vor der Entbindung sechs Monate einer "•-------- �g-Aussor — F. M. 27. Die Erllärung der künstigen Frau Ihres Onkel« erscheint Man kann sie nur al« Bürgsil Zwangskasse angehört hat.— R. B. 100. - F. M. 27. Die Erl....... nicht rechtsverbindlich. fassen, di- der Schriftsorm unterliegt. aussichtsvoll, falls Sie Ihre Bi' beweisen können. Wenn Sie Schuldner den Eid zuschieben.— F. Einmalige Aussorderung genügt. "*~""H'chein' auf' 253. Durch die Rücknahme de« GeschästS hat die Verkäuferin, falls nicht andcrweite Vereinbarungen vorliegen, sich des Recht« aus Zahlung de« Kaufpreises begeben. Ihr Ge» halt unterliegt nicht der Beschlagnahme, erst dann, wenn Sie mehr al« werden.— M. 1. 1. Wenn Genehmigung erteilt wird, ja. 2. An die StaatSanwallschast. 3. Schriftlich oder zu Protokoll. 4 In ewigen Tagen. — E. H. 100. Da« Gesuch, da« nicht aussichtslos erscheint, ist an da« RegimenISkommando zu richten.— 45 W. 3)1. Fordern Sie den Schuldner unter Setzung einer Frist zur Einlösung des Rade« auf unter der Androhung, daß Sie nach erfolglosem Ablauf der Frist die Versteige- runa veranlassen werden. Verstreicht die Frist ersolgloi, so ersuchen Sie die VerteiwngSstelle beim Amtsgericht Potsdam, emen Gerichtsvollzieher New. lt. bei Mitgele WWWWM lie die KindeSmutter geheiratet haben, 4. Da« Standesamt, cm der Geburttsall gemeldet ist.— M. B 23. An einen Rechtsanwalt.— Prostauer Straffe. Die Witwe bat Anspruch aus Hinter- blebenenrente, falls sie im Swne des Gesetzes invalide ist und fall« der Verstorbene nicht etwa am 1. Januar 1312 cbenialls invalide im Sinne des Gesetzes gewesen ist.— W. 48. Nein. — H. F. 12. l. Ihre Tochter hat nur dann und insoweit Anspruch an die Gläubiger, al« der Erlös des Geschäft» die Forderungen der Gläubiger etwa übersteigt. 2. Die Frage läßt sich nur nach Einsichtnahme in den Vertrag beurteilen. Handelt e» sich lediglich um einen Psandvertrag, so er» scheint derselbe mangels lörperlicher llebergabe rechlSunwirkfam.— F. S. Der Zeitpunll ist noch nicht bestimmt, wahrschewlich der 1. Januar 1214 Die»' wo il tivuj tnu;«| wi-i<\>i4tiuu4 x-j l-x, Heimarbeiter unterliegen alsdann der Vcrilchcrnngspflicht, aleichgüMg, hr Wohnfitz ist.— R. E. 5. Ist die Kontoristin in einem kausmänni- schen Betrieb tätig, so hat sie Anspruch aus Fortzahlung de« Gehalt» im on S Wochen.— 1012 A. B. 1. Soweit age kommt, gehen die Hvpothetensorde- rungen der Wechseliorderung vor. Amtsgericht Bernau, Landgericht III ErlrankungSsalle bis zur Dauer von« der Erlös des Grundstücks in Frage kommt, verlw,- P. 52. 1. Dt« Ladung bewirkt nicht da« AmtSgertcht, sondern muß sellens des Vormunde« beim Amtsgericht eingereicht werden. Der Schuldner ist zur Angabe feiner Arbeitsstelle verpflichtet. 2. Ja. sosern er die Ableistung des OffenbarungSeides verweigert.— B. 100. Wenn die Frau die Wirtschast eingebracht hat oder aus eigenen Mitteln während der Ehe angeschafft hat, so ist sie ihr Eigentum.— M. M. 48. 22. Nein. Ramm 02. 1. Tausschein oder KonsirmationSschew. 2. Die Kosten der Urkunden sind verschieden. 3. Ja.— 3)t. 81. artiger Urkunden sind verschieden. 3. Ja.— 3)1. 81. Wir halten die Stadtgemeinde für haftbar.— P.®. 89. Wiederholen S« Ihre An- fragen und geben Sie noch an, welche Tätlgkeit Sie noch ausgeübt haben. Briefkasten der Expedition. Patienten in Beelitz, Buch und anderen Heilstätten. Diejenigen unserer Abonnenten, die noch während de« ganzen nächsten Monats in der Hellstätte bleiben,«ollen uns wegen der Ueberweisung von Frei» exemplaren sosort ihr««dreffe einsenden, da bei verspäteter Bestellung dt« ersten Nummern des neuen Monats von der Post nicht geltesert werden. All« Adreffen müssen jeden Monat neu«tngesandi werden. WitterungSübersicht vom 23. Oktober 1012. Swmemde. Tita Franks n.M München Wien Ii 752 748 749 749 751 750® Ii ONO O O S« SA «euer bedeckt bedeckt 2 bedeckt 3 bedeckt 2 heiter 1 bedeckt üi Stationen c O B« Haparanda Petersburg Scilly Aberdeen Paris il Bettet 774 S 772 ONO 747!WNW. 749;SD i i L...... 750® 5© i( bedeckt LNebel 1 Nebel e.woirig ** ei- 9 11 I-s SM —3 0 11 4 6 Wetterprognose für Donnerstag, den 24. Oktober 1012. Ziemlich kühl, vorherrschend wolkig mit leichten Regensällen und frischen östlichen Winden. Berliner W e t te r b u r« a o. WafferstandS-Rachrichten der Landesanstalt sllr Gewässerlunde, mitgeteilt vom Berliner Wetierburcan. Wasserstand Memel, Tilsit P r e ge l, Jnfterburg Weichsel, Thorn Oder, Rattbor , Krassen , Frankfurt Warth«, Schrim« , LandSberg Netze, vordamm Elb«, Leitmerttz . Dresden , Barby , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree, Spremberg') , BeeSkow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximllianSäu , Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main, Hanau Mosel, Trier ')+ bedeutet Wuchs.— Fall.—•) llnterpegel. Ausnahmepreise forWinter-joppen Sehr preiswerte Pelz-Joppen mannigfaltige Fell- Arten schöne Exemplare in groQen Spezial-Abteilungen Loden-Pelerinen Loden-Mäntel Loden- Anzüge Loden-Hüte Dauer vom 24. bis 31. Oktober Außergewöhnlich billige Angebote! Winter-Joppen SSS. 720 Winter-Joppen 920 p-».» Winter-Joppen frlT: II20 Winter-Joppen ÄS 1420 Winter-Joppen,*: 1720 Posffioo 1 Poritioo U BaenSohn Berlin, n Gegründet 1891. Chausseesfraße 29-30 Gr. Frankfurter Straße 20 Sonntag nur von 12-2 geöffnet An Wiederverkäufer werden obige Artikel nidii abgegeben. 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Von Anfang an packt er nn», von Seite zu Seite wird er interessanter. Immer lebendiger(teigern sich die Erlebnisse, immer hingerissener hören wir ihm zu. Kein über- flüseiges Wort; kurz, schneidig, klar, packend»tobt alles und jeder seiner Lebensgefsthrten vor ans." Buchhandlung Vorwärts Lindenstraße 69 247/8* Verantwortlicher Reöalteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Jnseratentetl verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Uerlag: Vorwärt» Puchdruckerei». Verlagsanstalt Paul Singer u. So, Berlin ZW. gw- Heute verkaufen wir Seefische m nachfolgenden Freisen: Schellfisch... pro pm. 30 h. I Seeaal.... Kabllau(ohne Kopf).„ n 30 n Goldbarsch Schollen......, 25 n Knurrhahn pro Pfd. 30 Pf- n» 25» » n 24» Konsum'Genossensebaft Berlin und Umgegend. E. 6'. in. b. U.— Zentrale: Lilchtenberg, RIttergutstr. 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Mein Freund Teddy. Letiing. Die Frau vom Meere. Köuiggrätzer Strafte. Die süns zranlsurter. Iler O. Die Kinder der ' Exzellenz. Schk»�i. tssdarlottenburq. DeS Pfarrers Tochter von Sireladors. Berliner. Filmzauber. Kleines. Magdalena. Residenz. Gemütsmenschen. Deutsches Schauspielhaus. Der gutsitzende Frack. Kroll. Glücksschmied. Tlmlia. Slutoliebchen. Theater am Nollendorfplaft. Or- vheus w der Unterwelt. Surkiirften-Oper. Der Kuhreigen Montis Operetten. GoldnerLeicht- finn. KomödienhauS. Die Harw. Luisen. Die Meineidgrafin. Rvse. Von Stufe zu Stufe. Herrnfeld. DieSllpcnbrüder. Endlich allein. Btetropol. Chauffeur— ins Metropol. Trianon. Liebesbarometer. Easino. Der Großsürst. ReichShallen. Die Macht der Töne. Könlgitadt-Kasino. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Apollo. Svezialitäten. Passage. Spezialitäten. Ansang 8'/« Uhr. Friede.- Wilh. Schauspielhaus. Die keusche Susanne. LustspielbauS. Mein alter Herr. Folies Gaprice. Der leujche Joseph. Der Rehbock. Ansang 8>/, Uhr. RtueS BoltSlheater. Lore.— Die Spieler.— Der Kammersänger. Ansang 10 Uhr. Admiralspatast. Eisballett: Joanne. Sternwarte. Jnoalidenstr. 07—02. Sedliler-Ideslero.TheAer! Donnerstag, abends 8 Uhr: Zum erstenmal: Die Kinder der Exzellenz. Freitag, abends 8 Uhr: vor Talisman. Sonnabend, abends 8 Uhr: Flacbsmann als Erzieher. Sehiüer-theaier ChVurn" Tolinerstag, abends 8 Uhr: Oes Pfarrers Tochter von Streladorf. Freitag, abends 8 Uhr: Flachsmann als Erzieher. Sonnabend, abends 8 Uhr: HUnig Ecar. Berliner Theater. 6 Uhr: Filmzauber. Tiieaterio der Köfliggrltzer Straße 8 Uhr: Die tünl Prankförtor. Deutsches Schauspielhaus /Komische Oper). Sln allen Tagen der Woche 8 Uhr: ver irnt sitzende Frack. OSE=THEATE Große Frankfurter Str. 132. Ansang 3 Uhr. Ns» Stufe zu Atufe. Lebensbild mit Gesang und Tanz in 6 Bildern von Hugo Müller. Freitag: Bau Stufe zu Stufe. Sonnabendnachm. 4 Uhr: Aschenbrödel Theater am Nollenborkplaft (Neues Schauspielhaus). Täglich abends 8 Uhr: Gastpiel des Münchener Künstler- Theaters: Orpheus tu der Unterwelt. biontis Operetten-Theater (früher Neues Theater) 8 Uhr: Goldener Leichtsinn. Freitag, z. 1. Mal:»er Frauenfresser. Residenz-Theater. 8 Uhr: 8 Uhr: üemütstnenseben. Schwank in 3 Akten von Fritz Friedmann-Frederich. Morgen und folgende Tage: (■emtltsmensehen. Luisen-Theater. Donnerstag: Tie Meineidgräsin. Freitag: Das Käthchen von Heil- bronn. Sonnabend nachm.: Kindervorst.: König Droffelbart. Abend? 8 Uhr: Des andern Ehre. Metropol-Theater. Wends 8 Uhr: Rauchen gestattet. Ühsuffeur-illZ}ffetropol! Große JabreSrevue mit Gesang und Tanz in>0 Bildern von I. Freund, Mussk v. Rud. Nelson. Tänze arrang. von Will Bishop. In Szene gesetzt vom Direktor R. Schultz. Ad 8 Uhr 10 grandiose Novitäten! Bernhard Mörbitz als Ehepaar Pietsch Am 1. November: Feier des irigen Bühnen-Jubiläums lartin Bendix. Vorverkauf 10—2 Uhr. HCPM 8 Uhr: Die mtt beispiellosem Lacbertolge aufgenommene Novität Die Alpenbrüder. 10 Ehr: Endlich allein! Beide Stücke mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Vorverkauf 11— 2(Theaterkasse). Biereabaret Im lilchtprunksaale der Passage. Jeden Abend'/a9 Uhr: Hermann Funke Hansy Petra Putzi Cassani Mizzi Dressl Werner Goldmann Otto Bellmann 20 Künstlerinnen u. Künstler. Einheitspreis 1 M. Passage-Panoptikum »am der größte Entfesselungskünstler der Zeit. Der Mann mit dem eisernen Schlund! die anatom. Unmöglichkeit. Lebend! ßlme Extra-Entree! Freitag, den 25, Oktober, abends SVa Uhr, im Gewerkschaftshause: Cweneral-Tersammlnng. Tagesordnung; Herr SchriftsteUer Rudolf Breltscheld über Wagners„ParSifftl"»d der RllüZlllSpilSliSIMIS. Geschäfts- und Kassenbericht des Vorstandes. Bericht der Revisoren. Diskussion. Der Eintritt ist nur gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte gestattet. Sonnabend, den 16. November, abends SVa Uhr, in den Konkordia-Festsäien: j? fjerbst-fest. Festmarken vom 1. November ab in den Zahlstellen. Abend»Abteilungen. Nächste Aufführungen 8 Uhr abends am 21. und 28. Oktober, 4. und II. November im Deutschen Schauspielhause: Der gutsitzende Frack. Satirische Komödie von Gabriel Dregely. II Nur zu den Abend- Abtellangcn sind in den II || Zahlstellen noch einige Mitgliedskarten erhältlich.|| 243/18 Der Vorstand. I.V.: G. Winkler. Theater Königstadt-Gasino, Holzmarktstr. 72, Ecke Sllexandcrstr. 1 Min. v. Bahnh. Jannowitzbrücke. Tägl. abends 8, Sonnt 5 Uhr: Das große Novitäten-Pro» gram in und Marsch aufs Standesamt. Große Poffe in 1 Akt. Ak»«on« •™* O* MauerstraBe 82.— Zi :: Berliner:: Konzerthaus ZimmerstraBe 90/01. peute! Großes DoppelsKonzert. Heute! Berliner Konzerthaus-Orchester v Bio!: Komp, Musikc. Kaiser Alexander-Regts. kgi. jfSr1 Brase. Anfang 8 Ehr. Eintritt 50 Pf. Anfang 8 Ehr. An allen Wochentagen nachm. Gr. Promenaden-Konzert bei freiem Eintritt._ Urania TaabcnstraDc 48/40. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Aufs Matterhorn! Hörsaal 8 Uhr: Konstruktions-Ing. A. Keßner: Elektrostahlwcrkc. Casino-Theater Lotbringer Str. 37. Täglich 8 Uhr: Das sensationelle Ottobcr-Programm Ködert Hfeeaemann, Berlins Lieblingshumorist mit neuen Schlagent. Riesen- Lachcrsolg des lustigen Stückes Der Großfürst. Heute letzter Tag der dieswöchentlichen Elite-Programma mit den ersten optischen Spozialberichten über den Original- Kinematogramme aus Serbien, Rumänien, Montenegro usw. Land. Volk und iilir. Robert Leonard, der bekannte Berliner Künstler als kinemato- graphischer Karikaturist: Das Pulverlaß auIOalkau. Freireligiöse Gemeinde. Dienstag, den 29. Oktober, abends SVe Uhr, in den Sophienstraße 18: Sophien-Sälen", Richard Wasner.Abend. OeffenfHcher Vortrag Or. Max Brie mit ergänzenden gesanglichen und musikalischen Einlagen. Gesang; Fr. Else Himmcl-31aneho. Harmonium: Organist Hr. EVnst Iflmmel. OV Kein Garderobenzwang! Programm auf den Billetts. Eintrittspreis 30 Pf. Billetts sind zu haben: Geschäftsstelle Pappel-Allee 15— 17. H. Peege, Rüdersdorfer Straße 48; A. Wendt, Neukölln, Münchener Straße 22; A. Räder. Rodenborgstraße 29. M'-M A'e« eröffnet Cafe Leitmeyer Petersburger Straße, Ecke der Frankfurter Allee. Auf das modernste ausgebaut und vergrößert.------- Parterre, I. Etage.= CeselisEhaltsziinnier dir 100 Personen» Erstklassiges Künstler-Konzert» Tag und Hacht geölinet. Triano« Theater. Abends 8 Uhr: Liebesbarometer. Zirkus Bnseh. Heute Donnerstag, 24. Oktbr., abends 7'/j Uhr: Gr. Gala-Vorxtcllnng. Hondtni der Ausbrecher-König. Neu! The 3 Blackburns Neu! konkurrenzl. Luftleiter-Akrobaten auf dem Schiffsmast. Das Kriegsluitschiff der Zukunft. (Ingenieur H. Bohle). Schluß: Unter Gorillas. Große Pantomimen-Burleske in 4 glänzenden Bildern. Zirkus Merl Schuttiann. Heute Donnerstag, 24. Oktbr., abends?>/, Uhr: Gr. Gala-Torstellang mit vollst, neuem Programm. Um O1!« Uhrs Der unsichtbare Mensch. Vier Bilder aus Indien. GröStcs und schönstes Ausstattungsstück der Gegenwart. FoliesCaprice." Zum 54. Male Die drei Schlager: Der keusche Joseph."BWW — f Der Nchbock."VB Ter Einbrecher. ReieiisballeD-Theater Stettiner Sänger, Wr: Die Macht der föne. Sonntag- nachm. 3 U. Der Kompagnieball Voigt-Theater. Desuildbruinien Sadstraße SB. Freitag, den 22. Oktober: ?\m\ und Sängerin. Komödie in 3 Akten von schwarz und Winkelmann. Kaffeneröffn. 7 Uhr. Ans. 3'/. Uhr. Coucordia-Festsäle. Inh.: M. Wendt u. A. Schütze. 64 Andreasstr. 64. Jeden Donnerstag: Große Soiree der allgemein beliebten und bekannten Hoffmaiios Sänger. Direktion Fr. Fanther mit vollständig neuem Programm Anfang 8 Uhr. Sät«) Frei-Tanz. Vorzugskarlen haben Gültigkeit, Nlßles Fest-Säle Dennewitzsiraße 13. Jeden Donnerstag: tanzliränzchen. 9436 c. Wißlc. Für von Inhal» ver Jniera»e übernimini die Aedaktiou dem Vnblikum gegenüber teiuerlet Verantwortung' ilf.249. 29. Jahrgang. 3. KilU Ks Junuiirts" lolliilntt. Dovnerstag. 24. Oktober 1912. GcwcrhrcbaftUcbcs. Ein neues Lobniyrtcm für die Staats- werhrtätten? Man schreibt uns; Bei den sämtlichen Staatseisenbahn- tverkstätten i'.t ein neues Lohnsystem eingeführt worden. Bis- her wurde für jede Arbeit, die ein Arbeiter im Akkord leistete. ein bestimmter Preis, der sogenannte Stückpreis, gezahlt. Der Verdienst des Arbeiters ergab sich dann einfach durch Addition der Preise, die für die von ihm geleisteten Arbeiten festgesetzt waren. Der einzige Wertmesser für die Bezahlung war also die Menge der geleisteten Arbeit. Bei dem neuen Lohnsystem sind zlvar auch wieder für jede Arbeit bestimmte Werte fest- gesetzt, doch werden diese jetzt zunächst mit dem Lohn des Arbeiters multipliziert und dann erst addiert. Da nun der Lohn so eingerichtet ist, daß er mit dem zunehmenden Alter steigt, so erhöht sich der Arbeitsverdienst der Staatsarbeiter mit dein zunehmenden Dienstalter. Es ist also künftighin nicht allein die Arbeitsleistung, sondern auch das Alter des Arbeiters für die Höhe seines Verdienstes maßgebend. Durch das neue Lohnsystcm wird die Arbeiterschaft in höherem Maße als bisher an die Staarswerkstätten gefesselt und namentlich verhütet, daß etwa bei den älteren Arbeitern sich Streikgelüste und der- gleichen einstellen._ Berlin und Qmgegcnd. Streik bei der Firma Johannes Gerold. Vei der bekannten Kaffee- und Kolonialwareni-Engros-Firma Johanne» Gerold, Lützowstraße, welche in einem Tarifvertrags- Verhältnisse mit dem Deutschen Transportarbeiterverbande steht, haben am gestrigen Tage 21 Packer und. 17 Arbeiterinnen, Mitglieder des genannten Verbandes, ihre Kündigung eingereicht. Die Ursache dieser Massenkündigung seitens der Arbeiterschaft ist auf das organisationsfeindliche Verhalten, toelchcs die Firma in letzter Zeit gegenüber ihren Angestellten zum Ausdruck brachte, zurück- zuführen. Wie wir vor einigen Wochen berichteten, wurde in diesem Betriebe unter Führung eines Fahrstuhlführers Pröhdol eine sogenannte Betriebsorganisation mit dem Namen„Verein Zufriedenheit", also eine gelbe Organisation, ins Leben gerufen. Diesem Verein traten die»och im Betriebe befindlichen unorgani- sicrten Arbeiter und Arbeiterinnen bei.' Die Leiter dieses Ver- eins erfreuten sich der Aufmerksamkeit und des Wohlwollens der aufsichtsührcnden Angestellten. Das bis dahin bestehende Arbeits- Verhältnis der Mitglieder des Deutschen Transportarbeiterverban- des und einiger noch ebenfalls im Betriebe befindlichen Mitglieder der Geschäftsdiener- und Packer-Vereinigung verschlechterte sich nun von Tag zu Tag. Die Mitglieder des gelben Pereins unter Füh- rung ihres Obcrgelbcn Pröhdol erlaubten sich allerlei Schikanen und Verhöhnungen gegenüber den freiorganisierten Arbeitern. Durch allerlei Einschüchterungen mit der Drohung, daß sie nicht alt im Betriebe werden, versuchte man die Arbeiter zum Austritt aus ihrer Gewerkschaft zu bewegen. Und in der Tat fanden denn auch Entlassungen von Arbeitern und Arbeiterinnen der freien Gewerkschaft statt, natürlich immer„wegen Arbeitsmangel". Einige Arbeiterinnen, Mitglieder der Gelvcrkschaft, wurden dadurch gc- maßregelt, daß sie aus dem Packraum, Ivo sie in Wochenlohn stan- den. nach dem Kaffecverleseraum versetzt wurden, wo sie daim in Akkord arbeiten mußten. An deren Stelle wurden dann Arbei- tcrinnen gestellt, die dem Betriebsverein angehörten. Diese Ver- sctzung war mit einer Einbuße am Lohn für die elfteren verknüpft. Man versprach ihnen, zwei Wochen den bisherigen Lohn zu zahlen, wenn sie aber bis dahin nicht denselben Lohn, 14 Mark pro Woche, im Akkord erreichen würden, müßten sie entlassen werden. Diese Einschüchterungen hatten zur Folge, daß nach und nach mehrere ängstliche Arbeiter und Arbeiterinnen dem gelben Verein beitraten. Als dann der im Betrieb bestehende Arbeiterausschuß, der aus Mit- gliedern der freien Gewerkschaft zusammengesetzt ist, tvegen dieser Drangsalicrungen bei der Geschäftsleitung vorstellig wurde, wurde ihm bedeutet, daß er in den Maßnahmen, welche die Betriebs- leitung bezüglich der Versetzung und Entlassungen von Arbeitern treffe, nicht zuständig sei. Daraufhin wurden Vertreter des Trans- portarbeitervcrbandes bei der Firma vorstellig. Diesen wurde zu- nächst erklärt, daß die Firma von dem Bestehen des Bctriebsver- eins erst-aus dem„Vorwärts" Kenntnis bekommen hätte. Schließ- lich endete diese Aussprache damit, daß der Firmeninhaber ver- sprach, dafür sorgen zu wollen, daß seitens der Aufsichtsbeamten sowohl als auch von den Mitgliedern der Betricb-organisation keinerlei Schikanen noch sonstige Agitation betrieben werden sollten. Mit diesem Versprechen gaben sich die Mitglieder der freien Gc- werkschaft in einer Betriebsversammlung zufrieden. Die Stiche- leien in dem Betriebe hörten aber nicht auf. Es wurde von den gelben Führern gehöhnt,„die Roten, sollten doch mal streiken, dann hätten wir sie doch raus; aber sie sind zu feige dazu". Es hatte auch den Anschein, als wolle die Betriebsleitung die organisierte Arbeiterschaft mit Gewalt zum Streik provozieren. Das ging noch besonders aus folgendem hervor: Einige Tage nach der stattgehabten Verhandlung mit den Or- aanisationsvcrtretern erschien im Betriebe am schwarzen Brett folgender Anschlag der Betriebsleitung: „Infolge der andauernden schlechten Konjunktur werden nach und nach für die erwachsenen Packer Jugendliche im Packraum eingestellt. Die mit Packen beschäftigten� Arbeiter wollen sich beizeiten nach anderen Arbeiten umsehen." In der Packerei arbeiten nur organisierte Arbeiter. Die Ent- lassungen setzton dann auch seit Freitag vergangener Woche ein. Am Dienstag wurden auch die beiden Obleute des Arbeiteraus- schusses entlassen. Die Arbeiterschaft trat sofort zusammen und wünschte, daß die Obleute nicht entlassen werden möchten; sie beauftragten ihre Verbandsvertreter, mit der Firma dieserhalh so- gleich in Verhandlungen einzutreten. Auf diese Verhandlung ließ die Firma sich nicht ein; sie wollte darüber am Donnerstag, also zu einer Zeit, wo die Obleute bereits aus dem Betriebe entfernt waren, verhandeln. Taraufhin begaben sich am Mittwoch die noch im Betriebe verbliebenen drei übrigen Arbeiterausschußmitglieder zur Betriebsleitung und forderten im.Auftrage der Arbeitskame- raden die Zurücknahme der Entlassung der beiden Obleute. Das lehnte aber die Firma ab. Da in dem Betriebe eintägige Kündi- gungsfrist zu jeder Stunde besteht, kündigten sofort am Mittwoch früh die Mitglieder der freien Gewerkschaft ihre Stellung zum Mittwochabend. Der Betrieb Gerold gilt bis auf weiteres für alle organisierten Arbeiter als gesperrt zu betrachten. Deutscher Transportarbeiterverband. Die Winterarbeitszeit auf den Bauten wuvde in einer Ver- sammlung der Marmorarbeiter besprochen, die am Diens- jagabend bei Wilke in der Sebastianstraße stattfand, einberufen vom Zentralvcvband der Steinarbeiter. Laut Tarif sollen sich die Marmorarbeiter auf den Bauten nach den Maurern richten. Diese Bestimmung läßt aber eine verschiedenartige Deutung zu. Zum Beispiel soll die Arbeitszeit der Maurer vom 1. Dezember bis zum 1. Februar 7 resp. T/j Stunden betragen. Dann spielen aber die Lichtverhältnisse noch eine Rolle, und die Arbeitszeit der Maurer kann bis zu 9 Stunden ausgedehnt werden. Dabei taucht die Frage 'für die Marmorarbeiter auf. welche Stuirden als Ueberzeit gelten und ob nicht die Arbeitslosen zu berücksichtigen seien.— Nach 'längerer Diskussion wurde der Vorstand beauftragt, mit den Unter- nchmio eine Bespreshuns Sur Kigruvs dieser Frage abzuhalten. I„Buden rechte" oder Werkstattversanunlungen sollen sich ebenfalls l damit beschäftigen. Die Versammlung faßte einmütig den Be- I schluß, daß keine Ueberstunden geleistet werden dürfen. Aus- nahmen von dieser Regel sollen nur mit der Zustimmung des Scktionsvorstandes, die einzuholen ist, gestattet werden. Zum Kampf im Dachdeckergewerbe. Es sind bereits IL Wochen, daß die Dachdecker und Hilfsarbei- tcr mit ihren Arbeitgebern einen erbitterten.Kampf um den Ab- schluß eines neuen Tarifvertrages führen. Von den Unternehmern werden nach wie vor die größten Anstrengungen gemacht, Arbeits- willige zu bekommen. Ihre liebe Not mögen die Arbeitgeber mit ihren Arbeitswilligen schon haben, weil es größtenteils unbrauch- bare Elemente sind. Trotzdem verkünden sie in ihrem Organ, daß sie imstande sind, mit den Arbeitswilligen ihre laufenden Arbei- ten fertigstellen zu können. Daß dein doch nicht so ist, beweist der Bericht von der letzten Junungsversammlung. ES heißt dort:„Der Oberincistcr hat eine Eingabe an die Schuldircktion gemacht, in welcher er gebeten, während der Aussperrung die Lehrlinge vom Schulbesuch zu dispensieren."— Hoffentlich hat sich die Schuldirektion ablehnend verhalten. An anderer Stelle des Meisterorgans heißt es dann:„Auf Wunsch der beiden Altgesellen wollen die Meister demnächst in Verhandlungen mit diesen eintreten behufs Beilegung der Aus- sperrung." Auch wir wollen hoffen, daß der Kampf im Dachdeckcrgewerbe endlich seinem Ende entgegengeht. Der Frieden hätte schon längst wieder hergestellt sein können, wenn es den Unternehmern wirklich darum zu tun gewesen wäre. Den Arbeitern lag nichts am Kampf. Sie sind aber durch die Aussperrung in den Kampf ge- drängt worden. Da die Arbeiter absolut nichts gefordert hatten, war es für sie unmöglich, den Verschlechterungen der Arbeitgeber zustimmen zu können. Es ist nun notwendig, den Kampf in der bisherigen Weise weiterzuführen. Ein„Zurück" darf es jetzt erst recht nicht geben. Jeder hat nach wie vor. und zwar bis zum äußersten seine Schul- digkeit zu tun. Niemand darf die Reihen seiner kämpfenden Brü- der verlassen, wenn der Sieg ein endgültiger werden soll. Es ist auch dringend notlvondig, Berlin zu meiden. Kein Dachdecker oder Hilfsarbeiter darf sich verleiten lassen, vor der vollständigen Er- ledtgung des Kampfes nach Berlin zu kommen. Haltet deshalb den Zuzug nach Berlin fern! Zentralverband der Dachdecker. Der Fensterstreik der Töpfer. Wie alljährlich, so hat auch in diesem Jahre der Streik am IS. Oktober auf den Bauten begonnen, deren Räume durch Ver- glasuug nicht geschützt waren. Aus dem von S e g a w e in einer Mitgliederversammlung des Töpferverbandes erstatteten Bericht geht hervor, daß nur noch auf zwei Bauten gestreikt wird. Am Donners- tag glaubt man jedoch auch dort die Arbeit wieder aufnehmen zu können, so daß mit diesem Tage der Fensterstreik seine Erledigung finden dürfte. Die Zahl der Slreikeuden betrügt gegenwärtig noch 36, außerdem sind 394 Arbeitslose in die Streiklisten eingetragen, so im ganzen 430 Arbeiter zu unterstützen sind. Die Versammlung beschloß, die Streitunterstützung noch bis Sonnabend, den 26. Oktober, zu zahlen. veutfehes Reich. In der Honigkuchen- und Schokoladenfabrik von Bernhard M o st in Halle a. d. S. beschlossen die dort Beschäftigten am 21. Oktober einmütig, zur Verbesserung ihrer Lage in den Streik einzutreten, nachdem die Firma allen Versuchen, auf gütlichem Wege eine Einigung zu erzielen, widerstanden hatte. Die Forderungen der Arbeiterschaft sind so niedrige, daß die Firma diese ohne weiteres hätte bewilligen können. Aber ein neuer Direktor, der beweisen wollte, daß er„Herr im Hause" ist. trägt die Schuld an diesem Kampf. Unter dem Regime dieses Herrn ivurde besonders in letzter Zeit den Beschäftigten eine Behandlung geboten, die sie sich nicht stillschweigend gefallen lassen konnten. Man bat weiter versucht, und auch in einigen Abteilungen schon durchgeführt, daß die bisher im Stundenlohn geleistete Arbeit alle im Akkord ausgeführt werden soll. Die Löhne, die bisher durchschnittlich 16—17 Ps. pro Stunde betrugen, wurden dadurch in einzelnen Fällen um 50 Proz. reduziert. So verdiente eine Arbeiterin, die erst 16 Pf. die Stunde verdiente, dann nur noch 7 Ps. die Stunde. Der Unternehmer hat dann ver- sucht, die Arbeiterschaft mit allen Mitteln von der Organisation ab- zubringen, indem er im Betriebe alle Beschäftigten, etwa 259, in einem großen Arbeitssaale zusammenkommen ließ, ihnen dort den Wert eines gelben Werlvereins vor Augen führte. Unbegreiflich ist dieses Vorgehen der Firma, die doch gern ihre Produkte in Konsum- vereinen und Arbeiterkreisen absetzt. Die Streikenden ersuchen, jetzt unter keinen Umständen Arbeit dorthin anzunehmen. In Striegau haben die im Deutschen Holzarbeiterverbande organisierten Arbeiter der dortigen S t u h l f a b r i k am Montag «die Arbeit niedergelegt. Die Verhandlungen über die eingereichten Forderungen führten zu keinem annehmbaren Resultat. Die Fabrik beschäftigt rund 299 Arbeiter. Die gröstte christliche Gewerkschaft auf dem Abstieg. Im Saarrevier, wo der„Gewerkverein christlicher Bergarbeiter" schon einmal 29 099 Mitglieder zählte, ist er im Laufe eines Jahres weit unter 19999 Mitglieder geiunken. Im rheinischen Braunkohlen- bezirk zählt er heute auch nur noch ein Drittel der Mttgliedcrzahl vor einigen Jahren. Im Wurmrcvier geht es jetzt eher abwärts wie aufwärts und auch im Siuhrgebict kracht es an allen Ecken und Enden. Hier hatte der Gewerkverein schon unter der Führung A u g u st B r u st' S 48 999 Mitglieder unter der Gewerkvereins- sahne gesammelt,»nd unter der jetzigen glorreichen Leitung" ging es selbstverständlich stets„vorwärts", bis für den Monat August 1912 nur noch 33 999 Mitglieder ihre Beiträge abgeliefert haben. Rechnen wir die Vollbeiträge a 49 Pf., dann sind gar nur für rund 29 909 Mitglieder-Beiträge eingezogen. Nun zählt der Gewerkverein Invaliden und auch jugendliche Arbeiter als Mit- glieder, aber wir greifen ganz gewiß hoch, wenn wir die Zahl der gesamten BeitragSzahler im Ruhrgebier im Monat August auf 33 909 bemessen. Recknen wir dein Gewerkverein auch noch ein Heer Papiersoldaten dazu, so bleibt es doch dabei, daß er seit zwei Jahren im Ruhrbecken zirka 19 999 Mitglieder eingebüßt hat, wovon der Hauptanteil auf de» letzten Strcikbruch fällt. Nur in wenigen, aber unbedeutenderen Bergrcvicrcn erfreut sich der Gewerkverein noch des Stillstandes oder des Fortschritts. Wie lange noch, dann kracht's auch hier, da der Gewerkverein in ernsthaften Kämpfen die Bergarbeiter auch in diesen Revieren im Stiche läßt. Es ist darum nur zu begrüßen, wenn die schlimmste Streikbrecherorganisation allmählich die Mitglieder verliert. Je weniger der Gewerkverein an Mitgliedern zählt, um so weniger vermag er bei Lohnkäinpfe» und Streiks seine verräterische und ver- logene Streikbruchtaklik auszuüben. kZusland. Der Kohlenarbeiterstreik in Kladno und Schlau ist, wie aus Prag gemeldet ivird, beigelegt. Sämtliche Arbeiter sind zur Frühschicht wieder erschienen. Eue der fraucnbcwegiing. Verbot von Äindersaugflascheu mit Rohr. Nach dem Beispiele eines französischem Gesetzes tvom April 1919) will auch die deutsche NeickMegicrung die Herstellung und den Vertrieb von Äinbcrsaugflaschen mit Rohr gänsi'lh verbicten. Die Begründung des Gesetzentwurfes, der demnächst dem Reichstage zur Beschlußfassung zugchen wird, führt u. a. aus: Da nahezu der dritte Teil aller Todesfälle der Sauylrn« auf Krankheiten der Verdauungsorgane zurückgeführt werden muß, so ergibt sich ohne weiteres die Wichtigkeit der Ausgabe, dem zartesten Kindesalter alle schädigendem Einflüsse fernzuhalten, die mit der Ernährung im Zusammenhange stehen. Als ein Gegenstand, der solche Schädigungen! zu veranlassen be» sonders geeignet ist, werden von den tilerzteiv allgemein die Kinder saugflaschen mit Rohr oder Schlauch ange- sehen. Diese Eaugßlasche» sind in weiten Kreisen beliebt, weil man die Kinder mit ihnen sich selbst überlassen! kann. Man gibt sie ihnen in das Bett, läßt sie nach Belieben daraus saugen und ist inzwischen au anderen Verrichtungen nicht behindert, während die Flaschen ohne Rohr oder Schlauch von den Kinderpflegerinuen zur Zeit des Saugens in> der Siegel mit der Hand festgehakten werden müssen. Die bei dem Gebrauch der Saugflaschen! mit Rohr beobachteten S ch ä d i g u Ii g e n sind teils auf die Einrichtung, teils auf die Art der Verwendung zurückzuführen. Zunächst sind anerkanntermaßen die Flaschen mit Rohr oder Schlauch schwer zu reinigen und keimfrei zu halten. Daß beim Verkaufe, wie es vielfach geschieht. den Flaschen zur Reinigung der Röhren ein Bürstchen beigegeben ivird, nützt wenig. ,Denn abgesehen davon, daß es selbst leicht zu einer Brutstätte werden kann, bleibt die Reini-guny mittels eines solchen Bürstchens immer unzulänglich Die allein zuverlässige Reinigung durch Auskochen! unterbleibt aber meist aus Mangel an Zeit und Verständnis, oft wohl auch aus Scheu vor Beschädigung der Flaschen, Metallrohre haben überdies gleich den Schläuchen den Nachteil, daß ihrer Undurchsichtigkeit wegen der Erfvlg der Reinigung nicht nachgeprüft werden kann. Die Gefahr, die sich hieraus für in« mit solchen Flaschen aufgezogemen Kinder ergibt, besteht darin, daß Milchreste in den Rohre» und Schläuchen! haften! bleiben, hier gc» rinn«» und zur Sammelstätte von Mikroben verschiedener Art wer- den, Letztere zersetzen die Milch und wirken, da sie mit der Milch beim Saugen fortgeschwemmt werden und in den kindlichen Organis» mus gelangen, auch unmittelbar schädigend auf diesen ein. Auch sterilisierte Milch ist solcher Zersetzung ausgesetzt. Der Mißstand der schwer auszuführenden Reinigung mit der Folge, daß die Flaschen vielfach unrein benutzt werden, ist um so höher zu veron- schlagen, als diese Flaschen! aus Bequemlichkeit gerade in denienigen Bevölkerungskreisen gern gebraucht lverden, welche für die Hygiene der Kinder überhaupt wenig Verständnis besitzen und überdies nicht Zeit genug haben, die Reinigung der Flaschen ordnungs!- mäßig vorzunehmen.(Dieser Angriff auf Acheiterfrauen ist völlig umbegrünibct; es« fehlt ihnien ruicht an» VerstmibmiK, sondern ein Sk» lehrung, die unsere Schule versäumt hat. Und nicht aus Bequem- lichkcit, sondern nur aus Mangel an Zeit wird die notwendige Vor» ficht oft unterlasse», Höherer Lohn, billigere Lebensmittel und wirk- samerer ArbeUmnnenschutz werden d-aA„Verstnnd-mA" so hetaiv day unsere Arbeiterinncnfrauen sogar der Hilfe beruflicher Pflege- rinnen werden entbehren können, die heute der Bequemlichkeit der Begüterten gegen geringen Lohn dienen.) Zu diesen Nachteilen der Einrichtmig, denen sich bei Glasröhren die Gefahr der Verletzung durch Splitter zugesellt, treten die Bedenken! hinzu, die sich aus der Art der Verwendumg der Saugflaschen mit Rohr ergeben. Werden sie den Kindern über- lassen» so leidet daruaiier einerseits die bei der Ki ndc re rn äh» rung überaus wichtige Regelmäßigkeit der Mhrungsaufnahmc, und es besteht andererseits die Gefahr dev Ueberfütterun«. Die Kinder trinken sozusagen den ganzen Tag. Sie schlafen mit der Flasche ein und wachen mit der Flasche auf. Daß dabei die Milch, auch wenn sie frisch und warm eingefüllt wurde, allmählich säuert; verdirbt oder mindestens kalt wird, ist ohne weiteres klar. Dazu kommt, daß schwächliche Kinder die Milch namentlich bei nur noch geringer Füllung der Flasche' schlvcr hochziehen können und dann leicht Luft statt Milch schlucken und infolgedessen von Mähungen be- fallen werden, Liegen sonach die Gefahren, die Mit dem Gebrauch von. Saug- flaschcw mit Rohr oder Schlauch verbunden sind, klar zutage, so ist es doch incist schwierig, einzelne Erkrankungs- und Todesfälle mit Sicherheit darauf zurückzuführen. Nach den in allen Teilen des Reichs eingezogenen Erkundigungen besteht aber kein Zweifel, daß häufig Erkrankungen und Todesfälle dadurchver» anlaßt worden sind. Insbesondere wird dies neben den häufigen Krankheiten der Verdauungsorgane, den Magen- und Darmkatarrhen und Breckdurchfällen, berichtet von Krankheiten der Mund- und Rachenhöhle, wie Soor, aphthösen und gefchwürfsa» Prozessen auf der Mundschleimhaut, ferner von Schluckpneumcmien, Skrofulöse, Ueberfütteruilg, Auszehrung, Dahinsiechen. Der Gesetzentwurf selbst lautet:§ 1. Kindersaugflaschen mit Rohr oder Schlauch sowie Teile zu solchen Flaschen dürfen weder gewerbsmäßig hergestellt, noch zum Vc-rkaufc vorrätig gehalten, ver» kauft oder sonst in Verkehr gebracht oder aus dem Ausland einge- führt werden.—§ 2. Wer der Vorschrift des ij 1 zuwiderhandelt, wird mit Geldstrasc bis zu cinhundertfünfzig Mark oder mit Haft bestraft. Daneben kann aüf Einziehung der Gegenstände erkannt werden ohne Unterschied, ob sie dem Verurteilten gehören oder nicht. Ist die Verfolgung oder Verurteilung einer bestimmten! Person nicht ausführbar, so kann auf die Einziehung selbständig erkannt werden. —§ 3. Das Gesetz tritt drei Monate nach seiner Verkündung in Kraft. Bekanntlich sind, wenn die für die Entwicklung des KindeS außerordenilich wichtige Ernährung au der Brust gar nicht oder nur zum Teil durchführbar ist. für die künstliche Ernährung nur Gummisauger, die sich direkt, über den Hals der Flasche streifen lassen, hygienisch einwandfrei. Vollkommen täuschen würde man sich natürlich, wenm man von diesem Gesetz, gegen das wir nichts einzuwenden haben, irgendwie einen nennenswerten Rückgang der Säuglingssterblichkeit erwarten würde. Es versucht, an einer Wirkung des Proletariermilieus zu bessern, wo doch nur die radikale Beseitigung der Ursachen Helsen kann. Brot und Zeit für die Mütter ist das A und O aller Säuglingspflege._ Leseabende. Adlcrshof. Freitag, den 25. Oktober. 8'/z Uhr, im»Jugendheims Vismarckstr. 11. Tagesordnung:„Die Frauen und der politische Kampf". Referentin: Genossin Röhl. Berfammlunge«— Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Die Diskussion über den Vortrag:„Die Frau und die OualitätS» arbeit" findet' am Donnerstag, den 31. Oktober, in KellerS „Neue Philharmonie". Köpenicker Straße 96/07, 8l/a Uhr, statt. Beide Referenten sind anwesend. Am 4. November cr. spricht Luise Zieh über das Thema:»Die Fabrikarbeit der verheirateten Frau". Arbctter-Wanderbund„Die Naturfreunde". Am Sonntag, dm 27. Ottober: Wandersahrten. 1. Ausflug nach dem GrofschissahrlSweg, Be» sichtigling der Schleusenanlngen. Abs. Stettiner Fernbahnhos 5,59 Vorm. nach Niedersiiiüiv(Sonntagstarte). 2. Historische Exkursion durch Alt-Berlin. Treffpunkt 2 Uhr nachm. am Mäikischen Museum. Gäste willkommen. Marktbericht von Berlin am SS. Oktober 191S, nach Ermittelung des lönigl. Polizeipräsidiums. Marktballenpreise. lKleinhandey 199 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 39,99— 59,99. Speis ebohnen, weife, 36.99—59,99. Linsen 35,99—69,99. Kartoffeln(Kleinbdl.) 5,99—8,09 1 Kilogramm Rilldsleisch, von der Keule 1,79—2,49. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,59— 1,80. Schweinefleisch 1,60—2,40. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,40—2,40. Butler 2,40-3,00. 60 Stück Eier 4,29—6,00. 1 Kilogramm Karpfen 1,40-2,40. Aale 1,69—3,20. Zander 1,40-3,60. Hechle 1,40—2,80. Barsche 1,90-2,40, Schleie 1,60-3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 2,00-30,00. d •■f /./r: tÄSp**-■ v-�r�A'-v� �sinsts WAMWW Zpecislmarke Mn« Ü!O s Pf. »Isciss Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig afettgedruckte Worte). Stellengesuche und Schlafsfeilen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg. 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Zuzug ist streua sernzuhaiien. vle Örtsverwaltung Berlin des Deutschen Holzarbeiterverbandes. Berlin. Druck n. Vertag! Vorwärt» fWMMWWWMWWWWWMDg Deutscben Holzarbeiterverban Luchbruckeret u. BerlaaSanstalt Paul Singer u. T», Berli» SViL