O ZK. 260. Bbonnements-Bedingungen: toomismcntS- PrciZ vränumerando! Kiertcljährl. 3,30 SKI., monall. 1,10 SKI, wöchentlich 28 Psg. frei WS«aus. Einzelne Nummer S Pfg. SoimiagS- Nummer niit illustrierier Sonntags» Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfa. Post- ? In den Abendstunden kam es auf dem W e d d i n g zu Ansammlungen in der Schcrerstraße vor dem Morgensternschen Ge- sck)äft und in der Schönwalder und Reinickendorfer Straße in der Umgebung der Markthalle. Die Polizei war zahlreich zur Stelle und bemühte sich, die Straßen frei zu halten. Unter der Menge sah man viele halbwüchsige Personen und schul- Pflichtige Kinder, die sehr überflüssigerweise umherstandcn und von Zeit zu Zeit ihrem Uebermut in Schreien und Pfeifen Luft machten. Von Erwachsenen wurde, wie wir mehrfach zu hören Gelegenheit hatten, dieses Treiben durchaus mißbilligt. Auch die Vorgänge, die sich am Vormittag vor dem Morgensternschen Geschäft ereignet hatten, wurden vielfach besprochen. Sie wurden von be- sonncnen Arbeitern und Arbeiterfrauen bedauert und verurteilt. Ernste Ruhestörungen sind uns aus den Abendstunden nicht bekannt geworden. Nach 8 Uhr ließen in der Schönwalder und Reinickendorfer Straße und auch in der Schcrerstraße die Ansammlungen nach, und bald nach 9 Uhr zeigten die Straßen fast wieder ihr ge- wohnliches Aussehe» Die preisdruckende Tendenz der ausländischen Fleischeinfuhr macht sich bereits in verschiedenen Preisherabsetzungen einheimischen Fleisches bemerkbar, wenn auch nur vereinzelt. Verschichene Fleisch geschäfte in der an der Zenlralmarkihalle belegenen Gontardstratze haben rote Plakate angebracht, welche folgenden Inhalt haben: In folge Einfuhr ausländischen Fleisches verkaufen wir unsere an erkannt guten Qualitäten hiesigen Fleisches bedeutend billiger. Wir hoffen, die Fleischpreise demnächst noch niedriger stellen zu können. In der Tat wurden in diesen Läden Hammelkeule mit SS Pf. das Kottelett mit 20 Pf. per Stuck, dicke Stippe mit 8ö Pf., Hammel dllnnung mit 70 Pf., Schnitzel per Pfund mit 1 M. verkauft. Auch Rindfleisch wurde dementsprechend billiger verkaust, wenn auch immer noch höher als das russische Fleisch. Die Fleischermeister wollen sich jetzt von der Veranuvortung ihrer Handlungsweise drücken. Der Borstand der Berliner Fleischerinnung veröffentlicht folgende Erklärung. Gegenüber den Vorgängen in den städtischen Markthallen beim Verkauf des vom Magistrat der Stadt Berlin bezogenen russischen Fleisches erklärt der Vorstand der Fleischerinnuug, daß der Magistrat den Verkauf des russischen Fleisches in den Berliner Fleischerläden grundsätzlich abgelehnt und ausschließlich Personen übertragen hat, die kein Geschäft haben. Eine Verantwortung für die Auswahl und das Verhalten der vom Magistrat Mit dem Ver kauf betrauten Personen muh der JnnungSvorstand ablehnen. Der Grund zum Rücktritt mehrerer Bewerber für den Verkauf russischen Fleisches war, weil sie nicht kapitalskräflig genug waren, um gegen bar. wie es seitens des Magistrats vertangt wurde, einzukaufen. Der Vorstand der Fleischerinnung: A. Kriesche. Obermeister. Demgegenüber erklärt der Magistrat folgendes: „Der Verlauf ausländischen Fleisches in Fleischerläden ist nach den Voraussetzungen, welche regierungsseitig an die Zulassung der Einfuhr und den Vertrieb ausländischen Fleisches durch die Städte geknüpft sind, unzulässig. Da der Verlauf bei den Berliner Ver- Hältnissen in Fleischerläden der Kontrolle durch die städtischen Be Horden entzogen würde, so ist grundsätzlich anerkannt worden, daß die Gemeinde den Verkauf in der Hand behalten mühte: sich aber bei dem Verkauf in den Ständen her städtischen Markthalle der Ver- Mittelung des Flcischergewerbes bedienen sollte. Auf dessen Bereit Willigkeit war man nach den' eigenen Erklärungen seiner Vertreter zu hoffen berechtigt. Was die Angaben anbelangt, der Verkauf sei an mangelnder Kreditfähigkeit der Bewerber gescheitert, so stehen dem sehr ent schieden die Erklärungen gegenüber, die die Schlächter gestern zunächst in aller Oeffentlichkeit abgegeben haben, sie lehnten den Ver. trieb um deswillen ab, weil das Fleisch minderwertig, schlecht und gesundheitsschädlich sei. Die Unrichtigkeit dieser Angabe und die vortreffliche Beschaffenheit des Fleisches haben sich inzwischen für jedermann in vollster Ueberzeugungskraft herausgestellt. Daß ausschlietzlich solche Fleischer, die kein Geschäft haben, herangezogen seien, ist nur insofern zutreffend, als man sich be- müht hat, zum großen Teil auch solche Fleischer heranzuziehen, welche wegen der Ungunst der Zeiten ihr Geschäft halten aufgeben müssen. Diese Mittelspersonen sind, so viel bekannt, in tunlichstem Benehmen mit der Fleischerinnung und deren Vorsitzenden von den Vertretern der Stadt ausgewählt worden. Daneben aber � ha t die M a r k t h a l l e n v e r w a l t u n g die sämtlichen Standinhaber aller Markthallen— zum großen Teil sehr kapitalkräftigeGewerbetreibende— zur e-Beteiligungam Verkaufaufgefordert, aber diese "haben teils von vornherein ab gelehnt, teils find sie, wie bekannt, nachträglich und unerwarteter Weise zurückgetreten. Inzwischen scheint sich jedoch, wie die Tatsachen vermuten lassen, ein Umschwung anzubahnen und eS besteht die erfreuliche Hoffnung, daß das Schlächtergewerbe nun- mehr den gehegten Erwartungen entsprechend, sich an den für das Wohl der Gemeinde so wichtigem Vorgehen der Stadt beteiligen wird. Deshalb darf man hoffen daß die Auseinandersetzungen über die anfängilche Beteiligung jetzt gegenstandslos und überflüssig sind." Krkgsbrkfe vom Balkan. IV. »tisch. Nisch, IS. Oktober. So wäre man denn endlich nach hundert Laufereien von Pontius zu Pilatus und nach tausend Scherereien und Schwierig- keilen dem flatternden Entennest von falschen Gerüchten, als das sich Belgrad mit jedem Tage mehr darstellte, entronnen und stünde dem Schauplatz der Ereignisse mehr denn zweihundert Kilometer . näher als in der Hauptstadt, ohn« freilich mehr davon zu gewahren. Kaum den Pulvergeruch der Kämpfe von Ristowatz hat der Wind hierhergetragen, und doch ist dieser Grenzort in friedlicheren Tagen mit knapp drei Stunden Bahnfahrt zu erreichen. In friedlicheren Tagen trägt auch der Zug den friedlichen WanderSmann in sechs bis sieben Slnnden von Belgrad nach Niich. Jetzt aber machte sich daS Perfonenzügle. das feit Montag die einzige Verkehrsmöglichkeit mit dem Innern Serbiens und mit Sofia darstellt, um 7 Uhr früh auf die Sohlen und landete, nach- dem es sich auf jeder Dreihauferstation einmal ordentlich ver- schnauft, um 8 Uhr abends verdrossen und erschöpft im Bahnhof von Nisch. Einen ganzen Tag in ungefedertem türkischen Wägel- che» über die mazedonischen Berge geschaukelt zu werden, ist sicher ein härteres Schicksal— o ihr tückischen Feldsteine und Löcher auf der Straße Werissowitsch— Prizrendl Wer auch«in« dreizehn- stündige Eisenbahnfahrt auf der offenen Galerie des Postwagens — wegen Ueberfüllung des Zuges der letzte Zufluchtsort— gehört zu den bleibenden Erinnerungen des Lebens. Doch besser im Frischen und Freien als in der überhitzten Stickluft der voll- gepfropfter. Äbteile, und da bei der überwältigenden Geschwindigkeit von einem Kilometer in drei Minuten weder der Hut vom Kopfe noch der Kopf vom Rumpfe flog, lieh sich die Bummelfahrt durchs Kriegsland schon, zumal mit dem offenen Rundblick inS Gelände und dem Ausblick auf das bunte Durcheinander der Stationen, ertragen. In einem kleinen interessanten Werkchen über Serbien, das von der Regierung zur Ausstellung im Jahre 1911 in Turin her- ausgegeben wurde, wird von den landschaftlichen Reizen des Königreiches viel Rühmens gemacht.„Ter Serbe", heißt e» da,„pflegt in alle Welt hinauszugehen, aber immer wieder treibt ihn das Heimweh zur Scholle zurück." Wer im milden Scheine einer herbst- iichen Sonne durch die sanfte, fast thüringische Hügellandschaft »wischen Belgrad und Nisch gefahren ift, an deren Horizont Eichen- Wälder in den Wammen de» roten Oktoberlaubes brannten, wird immer, fast mit Wehmut, der Schönheit dieser Gaue gedenken und jene offiziellen Sätze unterschreiben. Wer traurigen Herzens ahnt man über dieser reizvollen Natur die Gewitterwolken de» nahenden Krieges nicht nur an den Posten- und Feldwachen, braunbehoster und bejackter Landstürmer, die aller Nasen lang die Mobilmachung am Schienenstrang aufgepflanzt hat— jeder steht da wie der stand- haste Zinnsoldat in Andersens Märchen und schaut den rollenden -Wagen nach—, fondern mehr noch an den Kukuruzfeldern, in denen der Mais noch auf den Halmen ist unld sich keine Scharen rüstiger Ferner keilt der Magistrat noch folgendes miki Das auf dem städtischen Schlachthof bisher eingckroffene russische Fleisch war gestern nachmittag, soweit bis dahin die staat- lich vorgeschriebene AuslandSsleischbeschau hatte vorgenommen werden können, an Fleischer, welche den Betrieb übernommen haben, gegeben. Gestern abend waren sämtliche Markthallen, mit Ausnahme der Markthalle am Magdeburger Platz, mit Fleisch versehen; in der letzteren konnte der Verkauf nicht eröffnet werden, weil kein untersuchtes Fleisch zurzeit mehr vorhanden war. In der Markthalle in der Reinickendorfer Straße, wo bisher der Verkauf noch nicht hatte eröffnet werden können, fand abends der Verkauf in 8 Ständen, in der Zentralmarkthalle in 2 Ständen statt. Das Geschäft wickelte sich überall glatt ab, doch reichten die vorhandenen Vorräte nicht aus, um der lebhaften Nachfrage zu genüge». Die Qualität des Fleisches wurde allerseits als ausgezeichnet an- erkannt. Auf dem Schlachthof lagerte gestern noch ein Teil der Mittwoch früh eingetroffenen Fleischsendung, dessen Untersuchung durch die mit der Auslandsfleischbeschau beauftragten Beamten im Gange war. Heute(Freitag) früh sind wieder vier Waggons mit Fleisch aus Rußland für die Stadt eingetroffen, unter denen diesmal zwei Waggons mit Schweinefleisch sind. Ueber die Beschaffenheit des eingeführten Fleisches waren von den Schlächlermeistern und ihren Bannerlrägern die unglaublichsten Behauptungen verbreitet worden. Darauf antworte: der Magistrat: „Gegenüber der Behauptung in der gestrigen Ausgabe der „Allgemeinen Fleischer- Zeitung", daß das russische Fleisch äußerst geringwertig sei, muß nochmals nachdrücklich hervorgehoben werden, daß von einer Minderwertigkeit des Fleisches überhaupt nicht die Rede sein kann; das Fleisch ist vielmehr von guter Qualität, wie allgemein vom Publikum als auch von der Konkurrenz anerkannt worden ist. Die Stadtverordneten Rentier Feuerstein und Direktor der Markt- und Kühlhallen. Krüger, welche als Sachverständige der tädtischen Kommission für die Abnahme des russischen Fleisches an gehören, hatten sich heute früh wiederum nach dein Schlachthof be geben, um die Beschaffenheit der neu eingetroffenen Sendungen genau zu prüfen. Sie haben dem Oberbürgermeister berichtet, daß das Fleisch durchaus gut, einwandfrei und frisch sei. und daß die er« hobene» Bemängelungen in keiner Weise begründet seien. Gegen die Verbreiter des vollständig unzutreffende An gaben über die Beschaffenheit und die Verteilung des russischen Fleische« im städtischen Schlachihof enthaltenden Flugblattes, von dessen Verteilung in der Markthalle Andreasstraße wir gestern be richtet haben, wird die Stadt geeignete Schritte unternehmen. Im übrigen sei noch bemerkt, daß die Kontrollvorschriflen über den Vertrieb russischen Fleische« jetzt in dem Sinne verschärft sind, daß die Fleischer, welche solches Fleisch auf dem Schlachthofe er- halten, es auch tatsächlich nur an den städtischen Verkaufsstellen und nicht etwa in eigenen Berkaufsgelegenheiten vertreiben können.' Der Fleifchvcrkauf in den Vororten. In Charlottenburg sind bereit» zwei Sendungen des auSländi- schen Fleisches, ungefähr 90 Zentner, unter Mitwirkung einer fach verstäiidtgen Kommission in der Hall« in der Spreestraße an 26 Fleischer zum Weiterverkauf verteilt worden. DaS Fleisch darf zu keinem höheren als im Laden ausgehängten Preise verkauft werden. Um irrigen Nachrichten entgegenzutreten, fei»och ausdrücklich bemerkt, daß eS sich um frische« Fleisch, nicht um Gefrierfleisch handelt. Leider haben sich einige der am Verkauf beteiligten Schlächter u unlauteren Manipulationen verleiten lassen; diese •leischer sind in Zukunft von dem Verkauf deS ausländischen Fleisches uSgeschlossen. Bon heute Freitag ab �teht da« Fleisch zum Verkauf. Die Preise stellen sich für Rostbeef auf 1,10 M,, Fehlrippe 0,80 M., Roulade 1,10 M., Oberschale 0,90 M.. Blume 0.90 M., Schwanzstück 0,90 M., Kamm 0,76 M., Bug 0,76 M„ Brust 0,76 M., Querrippe 70 M,. Leber 0,36 M. Ernter tummelten. Die Männer hat alle der Besen der Mobil- machung zusammengefegt, und der Tod rüstet ihnen schon daS Erntefest. Auf dem Felde kriechen nur vereinzelte Weiiber umher. entkernen di« Maishalme und schichten die reifen Kolben zu leuchtend gelben Haufen... Auf Landsttatzen, die ein paar Kilometer landeinwärts der Bahnstrecke zur Seite laufen, schieben sich zäh und eigenwillig endlos lange Proviantkolonnen dem Süden zu. Hunderte und wieder Hunderte von Büftelwagen, alle turmhoch bepackt mit Hau und Mais unld Mehl. In den Stationen werden immer noch Militär züge verfrachtet und weiter gesendet. Alles vollzieht sich mit preu ßischer Maschinenmäßigkeit; in Reihen stehen die Mannschaften da, ein Kommando und sie erklimmen die Viehwagen, deren Auf- schrift„0 Pferde oder 40 Mann" jetzt Bedeutung gewinnt, hocken sich auf jsie Streu des BcidenS, das Gewehr zwischen den Knien, und dann führt sie eine Gewalt, die unerbittlich ist wie daS Schicksal, von damren in Viehwagen, in denen sonst wohl Schweine und Rinder transportiert werden und in denen ietzt menschliches Schlachtvieh zum Schlachthause gebracht wir>d. Und in der nächsten Station steht al» eine grause Ergänzung ein gleichfalls endlos langer SanitätSzug, Personenwagen, in denen man die Bänke durch zwei übereinanderstehende Lagen von Tragbahren ersetzt hat. Und auch der setzt sich in Bewegung, um in ein paar Tagen vielleicht schon mit zerfetzten und zerrissenen Leibern zurückzukehren... unter einem lachenden und leuchtenden Himmel, unter dem man die wilde Sinnlosigkeit menschlichen Massenmordes als zehnfach sinnlos empfindet. Was im Zuge sitzt, hat irgendwie Beziehungen zum Kriege. Ein hübscher junger Hauptmann mit seiner hübschen jungen Frau fällt auf, er fährt zu seinem Regiment, und sie gibt ihm noch eine Strecke Weges das Geleite. Und als er seinen Bestimmungsort erreicht hat, ausgestiegen und ihren festhaltenden Micken ent- schwunden ist, da sitzt sie da, hält das Taschentuch vors Gesicht gepreßt.., und schluchzt... und schluchzt... und Hunderttausende haben so in diesen Tagen W schied genommen. Es lebe der Krieg! Doch auch seltsame Käuze bringt der Krieg aus die Beine. Ein geheimnisvolles Subjekt streicht im Korridor scheu an uns vorbei und slüstert uns mit geheimnisvoller Miene zu, er sei Kurier der österreichischen Regierung. Und drin in einem Abteil sitzt in breiter Behaglichkeit ein leibhaftiger Sachse aus Dresden, dem kein Mensch ansieht, daß ihm der Massenmovd zum Geschäft wird. Und doch erzählt er lächelnd und mit Fouer den deutsch- sprechenden Mitreisenden, daß er Vertreter einer großen chemischen . Fabrik sei und beim serbischen Kriegsminister erheblich« Be- stellungen auf ein Präparat für antiseptische Wundbehandlung durchgesetzt habe... und er demonstriert mit ein paar Hand- griffen: eine Tablette, in Spiritus gelöst, auf die Einschußöftnung, ein« zweite aus die Aiisscknißöffnung, und eine Kugel im Bauch wird fast zur Wonne und Wohltat... Jetzt fahre er übrigens nach Sofia zum bulgarischen KrieoKministcr. Es lebe der Krieg, damit die Dividenden und die Speien steigen! Nisch! Endlich Nisch! Einen Fiaker, hallo, und in die Stadt! Ueber Frauen und� Städte soll man lieber schweigen als Söhlechtes reden. Für Nisch. die zweitgrößte serbisch« Stadt mit rund 20 000 Insassen, ist demnach Schweigen die rücksichtsvollste Aufmerksamkeit. Im Hotel Orient es ist zienflich das„feudalste" der Stadt— Neukölln wird mit dem Verkaufe de? von der Stadt Berlin bezogenen russischen Fleisches in den nächsten Tagen, spätestens am Montag, den 23. Oktober, abends beginnen. Zum Ver- kaufe des Fleisches hat sich eine größere Anzahl Fleischer bereit erklärt. In einer Besprechung, die ün Rathause am heutigen Freilag stattfindet, werden den- Fleischern: die nötigen Instruktionen über die Abnahme und den Verkauf deS Fleisches erteilt. Gleichzeitig sollen einige Vertrauensleute mit der städtischen Kam- Mission zusammen die Oberleitung und Kontrolle des Verkaufs über« nehmen und die Preise für den Detailverkauf festsetzen. Die Verkaufsläden werden durch besondere Plakat« kenntlich gemacht werden. Von dem von Berlin importierten Fleisch entfallen aus den hiesigen Verkauf nach den getroffenen Abmachungen vorläufig 180 Zentner, die aber nach Möglichkeit vermehrt werden sollen. DaS Fleisch ist von einigen Mitgliedern der hiesigen Kommission im Berliner Schlachthofe besichtigt und von guter Qualität befunden worden. Zu dem in Tempelhof in der Ringbahnstr. 60 am Mittwoch er« richteten Rindfleischverkauf herrschte ein starker Andrang. Bereits eine Stunde vor Schluß der angesetzten Verkaufszeit war das Fleisch ausverkauft. Unter den Käuferen befanden sich selbst besser situierte Frauen. Boraussichtlich findet der Verkauf des Fleisches jeden Mon« tag, Mittwoch und Sonnabend statt. Auch in Spandau soll der Verkauf russischen Rind- und Schweine» fleisches, das durch Vermittelung der Stadt Berlin bezogen wird, in den nächsten Tagen stattfinden. Die dortige Schlächterinnung hat sich bereit erklärt, das Fleisch zu den von einer gemischten Kam- »nssion festgesetzten Preisen getrennt vom inländischen Fleisch zu ver- kaufen. » Liegt der Weigerung der Fleischer ein System zugrunde? Die Stadt Düsseldorf hat den Bezug von Rind- und Schweinefleisch in die Wege geleitet. Zweimal bereits sind größere Mengen von Rindfleisch angekauft worden und durch Vermittelung der Fleischerinnuug durch Düsseldorfer Metzger zu festgesetzten Preisen verkauft worden. Am Mittwoch sollte nun auch Schweine- fleisch zum Verkauf kommen. Kurz vor dem Vorkaufstermin zog die Stadtverwaltung die den Zeitungen erteilten Jnseratenaufträge zurück mit dem Bemerken, die Fleischerinnung hätte sich geweigert, den Verkauf des Schweinefleisches durch seine Mitgliedor in die Hand zu nehmen. Vor kurzem noch wurde in einer von der In» nung arrangierten Versammlung der Metzger von dem Vorsitzenden konstatiert, daß„keine Stadt in Deutschland die Fleischermristei: so in Schutz genommen habe wie Düsseldorf". Trotzdem nun diese Weigerung! Die Düsscldorfor Verwaltung ist übrigens noch be- kannt geworden durch den Ausspruch ihres Oberbürgermeisters. man wolle keine dauernden Einrichtungen zur Regulierung der Preise schaffen, da das zum Kommunalsozialismus hinführe. Auch in München haben die Fleischer es abgelehnt, das au? Dänemark eingeführte Rindfleisch zu verkaufen, so daß der Fleisch- verkauf nach der Freibank verlegt werden mußte. Der Münchener Magistrat beabsichtigt, jetzt eigene Fleischverkaufs» st e l l e n einzurichten. Die Fleischerinnung in Dan zig lehnte eS ab, ausländische» Fleisch zu verkaufen. « Die Fleischpreise sind noch nicht znm Stillstand gekommen. In der ersten Hälfte des Oktober stellten sich die Preise für Schweinefleisch auf 186,7 Pf. für daS Kil-gramm gegen Ißß.S�Pf. in der zweiten Hälfte des September. Teuerer geworden ist in dieser Zeit außer dem Sckweinefleisch noch das Kalbfleilw um 0,6 Pf., der Speck um 3,8 Pf., der Schinken um 0,4 Pf. und das Roßfleisch um 0,1 Pf. für das Kilogramm. Billiger ist nur daS Rliidfleiich um 1,3 Pf. und das Hammelfleisch um 2,2 Pf. geworden. Wie kolossal die Preise im letzten Jahre gestiegen sind, zeigt folgende Gegenüberstellung der Preise in der ersten Hälfte deS Oktober und die Preise in der ersten Hälfte deS September v. I. ES kosteten daS Kilogramm, in Pfennigen ausgedrückt: Rindfleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Schweinefleisch 1912.. 194,0 206.4 196,6 186.7 1911.. 169,9 187,6 149,8 149,8 wurde das Nachtlager aufgeschlagen. ES genüge die eine Fest» tellung: es hieß nicht nur Hotel Orient, es war auch Hotel Orient. Doch still, denn der Mensch begehre nimmer zu schauen, was die Götter gnädig verhüllen mit Nacht und Grauen! Neben ein paar großen Häusern europäischer Bauart, zwei oder drei Fabriken, sehr viel Kasernen ist Nisch ein langgestrecktes Ge- wimmel niedriger Baracken— auch türkische Häuser mit Holz- Veranden find nicht selten. Aber das Wesentliche sind doch die Ka- «rnen, denn auch in Friedenszeiten ist Nisch ein Waftenplatz ersten Ranges. ES beherrscht die Straßen nach Bulgarien und Maze- donien und ist nicht, wie unkundige Thebaner behaupten, durch modern« Sperrforts geschützt, sondern aus den hohen Berghängen, in deren Talkessel Nisch sich au»dehnt, erheben sich nur drei isestungSwerke älteren Systems, die sich— o Ironie!— mit der Mündung ihrer Kanonen gegen den bulgarischen Bundesbruder richten. In den letzten Tagen vollends glich die Stadt einem Heerlager, Regimenter um Regimenter wurden hindurchgeschoben. und immer noch wimmelt es von Nachzüglern... Bei der Pionier- kaserne kampiert ein Ersatzbataillon, und eS entwickelt sich hier. mit Zelten und Bivuakfcuern, mit Spanferkeln, die am Spieß ge- braten werden, und großen Suppenkesseln, daS. was man Lager- romantik nennt, eine Romantik, die sich mit dem Augenblick in Grauen und Entsetzen wandelt, da daS erste Schrapnell in die dampfende Suppe in Gestalt von Bleikugeln sein Pfeffer und Salz schüttet. Wo so unbedingt daS Militär herrscht wie in Nisch, wird jeide» remde Menschenkind, zumal wenn es mit einem Photographen- apparat umherläuft, zum Brennpunkt des allgemeinen Mißtrauen?. Was in Deutschland chronisch ist, die Spionenfurcht. daS ist in Serbien seit dem Tage der Mobilmachung akut, und in jedem lowakischcn Mausefallenbändler wittert man einen verkappten österreichischen Generalstäbler. Wo so unbedingt das Militär berrscht, war auch keinerlei Aussicht, weiter zu gelangen, nach Vranja oder gar nach dem schon historischen Ristowatz. Alle Ver- uche, eine Möglichkeit zu schaffen, prallten an der Unerschütterlich- keit der Kommandobehörden ab. Da gab es interessante Typen. Nummer«in» war ein Oberleutnant der Kavallerie. Der sprach etwa wie«inst der-Herr Gröber im Deutschen Reichstag von der Presse.„Nachher können die Zeitungen schreien, jetzt schreien wir!' Und er schrie wirklich nicht unbeträchtlich... bis sich herausstellte, daß der Mann im Hauptberuf das unkriegerisch« Gewerbe eine» Bankiers ausübte und bis er artig und nett wurde. Dann war da ein Reiteroberst, lang und kühl wie die Tugend. Der war die Korrektheit selbst und sagte eisig:„Sie tun am besten, wenn Sie 'osort nach Belgrad zurückkehren!" Unld dann war>da ein Pracht» füll, ein alter Divisionär, ein eisgrauer General, ein braver General, ein wackerer General, kurz und gut. ein General, wie er im Buche steht. Der hob sich ans die Zehenspitzen, krächzte ein phantastisches Französisch, rasselte dräuend mit den furchtbar vielen Orden und war im übrigen ein so sympathischer alter Herr, daß noch mancher Sliwowitz für ihn im Lande Serbien wachsen möge. Wer aller Reden klangen in einem zusammen: Halt! Nicht weiter! So heißt es denn wieder einmal, sich in der echt orientalischen Tugend der Geduld üben.„Jawasch!" sagt der Türke, zu deutsch: Gemach! Jawasch! Jawasch l! Kampf an allen Snden. Auf dem östlichen Kriegsschauplatze wird das Ringen um das Gebiet von Adrianopel fortgesetzt, ohne dem einen oder anderen Gegner einen zuverlässig verbürgten Erfolg zu bringen. Im wesentlichen handelt es sich immer noch um Kämpfe zur Behauptung des Vorgeländes von Adria- nopel sowohl wie auch höchst wahrscheinlich von Kirkkilisse. Daneben versuchen dje Bulgaren auch westlich von der Maritza Terrain zu gewinnen und bulgarische Detachements mögen auch versuchen, in dem Räume zwischen Kirkkilisie und der Küste des Schwarzen Meeres den Türken in die Flanke zu kommen. Ob der letzte Endzweck der bulgarischen Oberleitung in einer Um- gehung von Adrianopel besteht, oder ob diese Festung zerniert und genommen werden soll, läßt sich aus der Ferne nicht be- urteilen. Vorläufig spielt sich der Kampf noch außer Schuß- weite der schweren Positionsgeschütze der Forts von Adrianopel ab. Die Höhen von Kadinskoj, um die sich die Kämpfe der letzten Tage besonders abspielten, liegen rund 8 Kilometer von dem äußersten Fortgürtel von Adrianopel entfernt. Dieser hat einen Umfang von 35 Kilometer und besteht aus 27 Redouten, die auch wieder 3—6 Kilometer von der eigent- lichen Stadt entfernt sind. Die Redouten sind, wie von früheren deutschen Jnstruktionsoffizicren im türkischen Heere behauptet wird, mit sehr starker und Moderner Positions- artillerie auSgefmM.��Mh;arW.«ü�»�, �mßgH�r Eroberung Adrianöpels entsprechendeWillagdmngsgeMöU m Stellung' bringen, wovon aber bis setzt'noch nichts verlautet. .'K kkilllsf e ist ein befestigtes Lager mit estiem ihtf- fange von 27 Kilometer, ohne besondere Vorbefestigungen. Die Bulgaren behaupten, diesen Waffenplatz eingenommen zu haben: sehr wahrscheinlich klingt das aber nicht. Kirkkilisse ist von Adrianopel rund 50 Kilometer entfernt und beide Punkte werdeü durch eine gute Straße verbunden. Bei einer Gefährdung des strategisch so wichtigen Kirkkilisse hätte die türkische Oderleitung sicherlich alle ihr zur Verfügung stehenden Kräfte dorthin dirigiert. So ist also das Kampfbild heute nicht klarer als die Tage vorher. Rur das eine steht fest, daß die letzten Kämpfe sehr verlu st reich gewesen sind, daß aber noch Sttöme von Blut fließen werden, ehe eine wirkliche Entscheidung fällt. Ebenso unklar wie vor Adrianopel liegen die Dinge auch auf dem nordwestlichen K r i e g s s ch a u p l a tz e. An dem Vordringen der serbischen Armeen bis in Höhe von Pristina wird nicht zu zweifeln sein. Das weitere Vordringen nach Uesküb wird aber auf zähen türkischen Widerstand stoßen. Schon heute wird von einer Schlacht bei Kümanomo an der Eisenbahnlinie Vranja-Uesküb, zirka 20 Kilometer nördlich Uesküb. berichtet. Ob sie, wie Telegramme aus Konstantinopel behaupten, mit einem Siege der Türken geendet hat, ist heute auch nicht festzustellen. Der Vorstoß der Montenegriner auf Skutari kommt auch nicht von der Stelle. Rur auf dem südlichen Kriegsschauplatze erfechten die Griechen wohlfeile Siege, da ihnen die Türken aus eigenem Antriebe das Terrain über- lassen und sich auf eine mehr nach Saloniki zu gelegene Ver- teidigungslinie zurückziehen. OeftUchcr Kncgsfchauplatz. Die Kämpfe um Kirkkilisse. K o n st a n t i n o p e l, 23, Oktober, 19 Uhr abends. D e Kämpfe auf der Linie Kirkkilisse— Adrianopel, die noch andauern, gestalten sich sehr blutig. Nach den im Kriegsministerium eingelaufenen, jedoch nicht veröffent- lichten Nachrichten sind die beiderseitigen Verluste sehr beträchtlich. Die Zahl der LZcrwundetcu, die hierher ge- schafft werden sollen, ist so groß, daß die im hiesigen Militär- und Regierungsspital verfügbaren Räume nicht ausreichen. Heute nacht wurde die Räumung des Universitätsgebäudes angeordnet, um es in ein Spital umzuwandeln. Kirkkilisse von den Bulgaren genommen? Sofia, 24. Oktober. Wie die Agence Bulgare meldet, haben die bulgarischen Truppen Kirkkilisse genommen. Sofia, 24, Oktober.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Dsie Bulgaren nahmen Kirkkilisse und machten dabei 50 000 Mann met zwei Paschas zu Gefangenen.-- |Sk>rdwertUcber Knegafchauplatz. Ein türkischer Sieg bei Kumanowo? Sonst-atinopel, 24. Oktober, S Uhr 43 Minuten vor- mittags. Amtlich« Meldung. Die bei Kumanowo zusammen- gezogene türkische West arme« hat die Serben, die vier Divisionen stark waren, angegriffen. In einer blutigen Schlacht wurden die Serben unter ungeheure« Verlusten volkstindig geschlagen. Die Türken haben die Verfolgung aufgenommen. K» n st a n t i» o p e l, 24. Oktober. Nach weiteren amtlichen Meldungen stand die serbische Hauptarmee, die von den türkischen Truppen in der Gegend von Kumanowo angegriffen und geschlagen wnrde, unter dem Kommando des Kronprinzen Alexander. Die überaus blutige Schlacht erstreckte sich von Berakli bis Cukarka. Konstantinopel, 24. Oktober. Die türkischen Blätter melden Einzelheiten über die Kämpfe mit den serbischen und bul- garischen Truppen, die sich in der Gegend von Kumanowo zu ver- einigen suchten. Danach nahmen die türkischen Truppen vier bul- garische und sechs serbische Kanonen sowie eine serbisch« Fahne weg und machten mehrere Gefangene. Der Feind ist bis Biljatsch,� 23 Kilometer nördlich von Kumanowo, geflohen. Die Serben in Rovibazar. Vranja, 23. Oktober. General Jankowitsch hat heute 3 Uhr nachmittags Rovibazar nach erbittertem drei- tägigen Kampfe gegen die Befestigungen eingenommen. Die Verluste sind noch nicht bekannt. Vom montenegriniscken Krngsrcbauplatze. Eine Verlegenheitsmelduug. Podgoritza, 23. Oktober. Die Operationen vor dem Berge Tarabosch sind auch heute fortgesetzt worden. Die Türken befinden sich in ungünstiger Lage, da sie von mehreren Seiten umstellt sind. Die Nachricht, daß die Türken in Skutari 20 000 Mann zusammengezogen hätten, bestätigt sich nicht. �■! ,Der russische Rubel.' Köln, 24. Oktober.? Die' �Kölnische Zeitung" meldet aus ?C e t i n j e:' Her'" r u s slsch e Mil NL r i n' st r ü k t e u r P o t a p o w ist zur Armee abgereist, trotzdem er ursprünglich von Petersburg aus die Weisung hatte, in Cetinje zu bleiben. Potapow hat drei. Tage vor dem Ausbruch des. Krieges � die diesjährige russische Heeresunter st ützung im Betrage von 1000000 Rubel ausbezahlt. Vom rUdltcben KrugsFchauplatze. Griechische Siegesfanfaren. Athen, 24. Oktober. Der griechische Gene- r a l i s s i m u s telegraphiert aus Khani Vigla unter dem 23. Oktober, 8 Uhr 50 Minuten abends: Unsere Truppen haben den Feiird auf allen Seiten von Cambunia bis Serfidje und. auf der Ebene Aliakmon verfolgt. Die türkische Armee ist zersprengt worden. Wir haben 22 Feld- kanonen mit den Protzen sowie eine große Menge von Munition und zahlreiche Munitionswagen erbeutet. General Danglis telegraphiert unter dem 23. Oktober, 9 Uhr 30 Minuten abends: Die Türken hatten große Verluste. Wir haben zahlreiche Gefangene gemacht, dar- unter einen Oberstleutnant. Eine Abteilung von zwei Evzanen-Bataillonen, die unter dem Kommando des Pionier- Oberstleutnants Constantopulo stand, griff bei W l a ch o L i v a d o zwei türkische Bataillone an, vernichtete einen Teil und zetstreute dön Rest. Die Besetzung von Serfidje. A t h e u, 24i Oktober, 1 Uhr 40 Minuten früh, s Meldung der Agence HavaS.) Die griechischen Truppen haben Ger- f i d j« und eine Brücke bei Aliakmon besetzt und so den Türken den Rückzug abgeschnitten. Diese haben, bevor sie Serfidje verließen, 70 Griechen und einen Priester ermordet. Der verunglückte Militärzug. Konstantinopel, 23. Oklober. Der Zusammenstoß der Militärzüge, auf der � Linie Smhrna— Aidin � hei der Station Azizia wurde durch den Bruch einer Kuppelung verursacht. Die Lokomotive blieb im Tunnel stehen, während der Zug bis zum Bahnhof von Azizia'hinunterrollte, wo er mit einem andere» wallenden Mililärzuge zusammenstieß. Mehrere Waggons wurden zertrümmert,. Die Zahl der getöteten oder verletzten Personen wird auf 200 bi« 300 geschätzt. Die Regierung, die einen bös- willigen Anschlag vermutet, hat an alle Eisenbahngesell- schaften ein Zirkular gerichtet, worin sie diese auffordert, das Per- sonch der Militärzüge zu überwachen. Die Dardanellen. London, 24. Oktober. Unterhaus. Auf eine Anfrage C a r l i l e S, ob die türkische Regierung der britischen Zusicherungen über � eine dauernde Ofsenhaltung. der Dardanellen ge- geben habe, antwortete Sir Edward Grey: Wir sind uns der. schweren Un zuträglichkeiten bewußt,,.die die Schließung der Straße dem britischen Seehandel bereitet hat, und wir tun genau wie bei einer früheren Gelegenheit alles mögliche, um dem neutralen Handel die Durchfahrt zu sichern," aber ehe ich endgültig sagen könnte, es sei keine Gefahr vorhanden, daß die Dardanellen geschlossen würden, wäre ein Ein- Verständnis mit beiden kriegführenden Parteien notwendig. Wir sind mit beiden kriegführenden Parteien in Ver- bindung getreten, aber das Haus weiß, was sich in diesem Jahre bereits ereignet hat, so ist eS sehr schwer, vollkommen sicher zu sein über das, wa« sich weiterhin. zutragen wird. Die Neuerung. Der Städtetag zu den Regierungsmaßnahme«. Auf eine Eingabe des Städtetages hatte der Reichskanzler auf die.Maßnahmen verwiesen, welche die preußische Regierung im Einverständnis mit der Reichsregierung getroffen hat. In einem neuen Schreiben nimmt der Vorstand des Städtctages zu diesen Maßregeln kritische'Stellung: „Wir gestatten uns zu erklären, daß wir die neuen Maßnah- men für unzureichend in ihren. Wirkungen und, insofern sie eine Mittvirkungder Stqdte vorsehen, grunosätzlich nicht für richtig halten. Wir können es nicht als die Aufgabe deutscher Stadtverwaltungen ansehen, dauernd in die Preisgestaltung von Lebensmitteln einzugreifen und Mängel der Wirt- schaftspolitik durch kommunale Matznahmen auszugleichen. Wenn trotz dieses grundsätzlichen Standpunktes die Städte... sich insbesondere zum Bezüge von Fleisch und Vieh für eigene Rechnung verstehen werden, so weit sich das überhaupt al§ mög- lich darstellt, so lehnen sie doch jede Verantwortung für einen Mißerfolg dieser Maßnahmen ausdrücklich ab. Daß ein irgendwie durchschlagender Erfolg mit den ge- troffenen bezwl beabsichtigten Anordnungen nicht erzielt werden kann, halten ivir nach den vorliegenden Erfahrungen und In- förmationen für sicher. Insbesondere kann die— übrigens befristete und bedingte Zülassüng von Fleisch aus Rußland, Balkan- ländern und Belgien sowie" von Vieh aus Holland für eine aus- reichende Fleischversorgung nicht in Frage kommen.... Betrachtet man dagegen die entsprechenden Zahlen für Argentinien und Australien, wo ans den Kopf der Bevölkerung bis zu 3,28 Stück Rindvieh(Deutschland 0,33) und 21,23 Schasc (Deutschland 0,12) kommen, so, wird auf den ersten Blick klar, daß dieses die gegebenen Länder für FleischauS- fuhr sind. Nur eine Einfuhr aus diesen Länder« kann eine da u e r n d e und nachhaltige Entlastung des deutschen Fleischmarktes bewirken. Und zwar wird diese, sofern die Ein» fuhr von lebendem Vieh aus veterinärpolizeilichen und Wirt- schaftlichen Gründen zurzeit nicht möglich ist, i« Form deS Ge- fr i e r fl e i sche s zu geschehen haben. Es wird nun zwar von der Reichsregierung beabsichtigt, durch teilweise Erstattung des Flxisc�olles den Stedten die Einfuhr gefrorenen Hammelfleisches für 1)4 Jahr zu erleichtern. Aber abgesehen davon, daß eine längere Mitwirkung von Gemeinden unangebracht erscheint, kann die Einfuhr von Hammeln allein nicht nützen, zumal da Hammelfleisch in Deutschland wenig begehrt ist. Wir halten daher weiter auch die Freigabe der Ein- fuhr von gefrorenem Rindfleisch bei gleichem Zoll- Nachlaß für unerläßlich. Die Einfuhr von Rindfleisch aus Argentinien ist, wie auch die Reichsregierung anerkennt, durch den§ 12 des Fleischbeschaugesetzes vom 3. Juni 1900 prak- tisch unmöglich gemacht.. .Wir stellen, hiernach den wiederholten An- trag auf entsprechende Aenderung des ß 12 des Fleischbeschauge sctzes. Daß gegen den Genuß von gefrorenern Fleisch keine sani- tären Bedenken bestehen, haben unsere nach England zur Unter- suchung dieser Frage gesandten Sachverständigen ausdrücklich be- stätigt. Andererseits haben sie festgestellt, daß der Preis des ein- heimischen Fleisches in England erheblich höher geblieben ist. Sollten bei der Reichsregierung aus wirtschaftspoli- , tischen Gründen gegen die allgemeine Gestattung der Ein- fuhr von Gefrierfleisch Bedenken bestehen,' so könnte die Erlaub- nis einstweilen von einer besonderen Konzession abhängig gemacht werden, die bestimmten, zu diesem Zweck— eventuell sogar unter Beteiligung der'Städte— zu gründenden Gesell- "i schaften W-Ktesien�äre.''Mch- kÄMs-Wri'DsklarationÜzwaug für das eingcfühxti gefroren« Fleisch angewendet' werden. Einer . Schädigung der, Interessen der deutschen'Landwirtschaft würde, wenn sie über�iupn zu b�sAchktzn'H, däNÄch'zü begegnest'iem. daß nötigenfalls die Menge des einzuführenden Fleisches nach gewissen Gesichtspunkten hin festgelegt wird." Die Forderungen der große« Städte sind so bescheiden, daß nur eingefleischte Agrarier-Interessenten sie nicht bewilligen können. Wollen doch die Städte sogar mit einer Kontingentierung und Konzessionierung der Fleischeinfuhr zufrieden sein, wenn nur überhaupt der Mangel an Fleisch und zu erträglichen Preisen be- seitigt wird! Die heutigen Vevhandlungen im Landtag werden ja beweisen, wie selbst so eingeschränkte Forderungen von der Rc- gierung und den agrarischen Parteien beachtet werden. Maßnahmen gegen die Teuerung. In Mühlhausen i. Th. beschloß die Stadlverwaltung auf Antrag des sozialdemokratischen Vereins, gemeinsam mit der Stadt Erfurt frisches Fleisch vorzugsweise aus Holland zu beziehen und durch die Fleischerinnung zum Verkauf zu bringen. politilcbc dcberHcbt. Berlin, den 24. Oktober 1912. Der heuchlerische Freisinn! In dem von der Freisinnigen Volkspartei herausge- gebenen Flugblatt wird der Sozialdemokratie vorgeworfen, sie raube den Armen das„kostbare Gut. des Wahlrechts". Zu dieser frechen Behauptung versteigt man sich, weil im Wahlprotest auch darauf hingewiesen worden ist, daß einigen Empfängern von Armenunterstützüng durch Eintragung in die Wählerliste die Abstimmung ermöglicht worden sei. Andere, die nur eine vorübergehende Unterstützung erhalten hatten, konnten die Eintragung nicht bewirken. Ja, frei- sinnige Wahlvorsteher versuchten sogar, auf eigene Faust Wahlberechtigten die Ausübung des Wahlrechts unmöglich zu machen, indem sie' erklärten, verschiedene der Eingetragcilen hätten Unterstützung erhalten, sie könnten nicht wählen und würden auch nicht zugelassen. Solche Machinationen verhinderten allerdings nicht, daß verschiedene Armenunterstützungsempfänger, die man als frei- sinnige Wähler betrachtete, per Auto von freisinnigen Schleppern an die Wahlurne gebracht wurden. Drei solcher Fälle sind im Wahlprotest neben den großen Schiebungen mitgeteilt. Das ninimt der Freisinn nun zum Anlaß, die Drohung auszustoßen, in Zukunft werde, kein Wähler mehr, der durch Arbeitslosigkeit oder infolge der herrschenden furchtbaren Teuerung aus öffentlichen Mitteln Unterstützung in Anspruch genomnien habe, zu irgendeiner Wahl zugelassen werden. Um: NUN dieses heuchlerische Getue und offenbar Volks- feindliche Gebaren des Freisinns gebührend zu kennzeichnen, sei auf folgende Tatsache hingewiesen: Im Wahlkreise Bingen-Alzey ist bei der letzten Wahl der freisinnige Kandidat mit- einer geringen Minorität gegen Dr. Becker(wild) unterlegen. Die Parteileitung der Volks- Partei hatte einen Wahiprotest eingereicht. Die Wahl des Dr. Becker wird darin angefochten, weil angeblich 24 W ä h I e r das Wahlrecht ausgeübt haben, obwohl sie laufend oder i m v e r f l o s s e n e n I a h r e A r m eu- u n t e rst ützung erhalten hätte.in Unterzeichnet ist dieser freisinnige Protest von den Mit- gliedern des Wahlkomitees Der Freifinnigen Volkspartei des Wahlkreises Alzey-Bingen: R. W. May, Sekretär der Handelskammer, Richard Strauß Gustav Loeb, D. Roschinka, Harte der Umgebung ron Adrianopel. Fabrikdirektor, und Gustav Gümbel.— Aktenstück 350 des Reichstages. Diese Tatsache, sowie der Wahlrechtsraub der Freisinni- gen in Rirdorf und Lichtenberg zeigen recht deutlich, welch elende Heuchelei der Freisinn mit seinem Flugblatte getrieben bat. Tie Wähler werden nicht versäumen, ihm dafür die rechte Antwort zu erteilen! Verwandte Seelen finden sich. DaS zwischen den Rechtsnationalliberalen des rheinisch-westfälischen Industriegebietes und dem Zentrum abgeschlossene Reichs- tags-Wablkompromih scheint zu einer dauernden wahltaktischen Ver- einigung der beiden Parteien führen zu sollen. Nachdem bereits aus Bochum über Abmachungen dieser Art zur bevorstehenden Stadtverordnetenwahl berichtet wurde, kommt die gleiche Meldung jetzt aus Esse n. Hier ist das Kompromiß auf der Grundlage der Erhaltung des beiderseitigen Besitzstandes abgeschlossen worden. Zwei Mandate werden von jeder Partei ausgetauscht. Der Stadtver- ordneienversammlung gehören an: SO.Nanonale", 20 Zentrumsleute und 2 Sozialdemokraten. Man sieht, daß das Zentrum in seiner Sorge um die Erhallung der Mandate der brüten Abteilung, die von der Sozialdemokratie aus bedroht werden, sehr bescheiden sein kann. Das ganze Kompromiß ist lediglich von der Furcht vor weiteren Eroberungen der Sozialdemokratie diktiert worden. Das Koalitionsrecht der Eisenbahner vor dem bayerischen Landtage. Die DonnerstagSsitzung der Abgeordnetenkammer gehörte zu den erregteste» der ganzen Session. Bei Erörterung der Verhält- nisse der slaatsarbeiter kam Genosse R o ß b a u p t e r auf die An- griffe des Verlchrsministers gegen den süddeutschen Eisenbahner- verband zurück. Er griff den Minister aufs schärfste an und wies ihm nach, daß er beweislose Behauptungen gegen den Eisenbahner- verband aufgestellt habe. Namens der Sozialdemokratie nahm Roßhaupter grundsätzlich das volle Koalitionsrecht einschließlich des Streikrechts für die Eisenbahner in Anspruch. Das beste Mittel gegen den Streik sei eine gute soziale Politik der Verwaltung und des Parlaments. Die Verfolgung der freien Gewerkschaften sei lediglich ein dem Zentrum erwiesener Dienst. Der Minister wolle sich von dem Zentrum die Inschrift auf den tteichenstein verdienen:„Ein frommer Knecht war Fridolin." Die Rede Roßhaupters wurde durch die Ankunft des neuen „Zeppelin" über München unterbrochen. Nach einer viertelstündigen Pause fuhr Roßhaupter fort. Er berief sich auf das Urteil des Vor- gängers des jetzigen Ministers über den süddeutschen Eisenbahner- verband und charakterifierte die Hetze der christlichen Sekretäre in der Eisenbabnverwaltung. Zentrumsführer erklärten in Versammlungen, man müsse, wenn der Finanzminister auf dem Säckel sitze, mit den Revolver knacken. Der indirekte Vorwurf des Ministers, daß wir im Falle eines Krieges einen Eisenbahnerstreik planen, ist der Vorwurf des Hochverrats, den wir mit aller Entschiedenheil zurück- weisen. Die Antwort des Ministers war sehr matt. Er suchte seine Haltung zu verteidigen und berief sich für die Möglichkeit eines Eisenbahnerstreiks' im Kriegsfalle auf den Artikel des Karlsruher „Volksfreund", in dem die Möglichkeit einer sozialen Umwälzung in Zelten des Weltkrieges angedeutet worden ist. Präsident v. Orterer rief den Genossen Auer zur Ruhe, der zu einer Bemerkung des Ministers den Zwischenruf„unerhört" machte. Ueber diesen Ordnungsruf entspann sich am Schluß der Bor- mittagSsitzung eine längere Geichäüsordnungsdebatte. Auer protestierte gegen den Ordnungsruf; V. Orterer beharrre auf ihn,.denn er meinte, die ganze Art, ivie Auer sich provokatorisch in der Nähe des Ministers hingestellt habe, beweise die Berechtigung seiner Rüge. Bei dieser präsidialen Erklärung brach auf der Linken ungeheurer Lärm aus. Auch die Liberalen protestierten gegen diese Art präsidialer Geschäftsführung. Auer legte schließlich gegen den Ordnungsruf Berufung an das Haus ein. ES soll darüber am Freitag namentlich abgestimmt werden. Da das Zentrum das Verfahren des Präsidenten billigt, wird keine Präsidial- krise entstehen. P i ch l e r deckte namens des Zentrums die Haltung des Ministers, der die Pflicht habe, der Verhetzung der Eisenbahner durch gewissenlose Agitatoren ein Ende zu machen. Freitagvormitiag wixd die Interpellation über den Balkan- krieg verhandelt werden. Der Ausschuß für den Entwurf betreffend den Kriegszustand hat sich Donnerstag konstituiert. Genoffe Segitz ist Vorsitzender. Die Verhandlungen werden Freitag.beginnen und zum Teil vertraulich sein. Polizeilicher Schutz des Sonntag-Nachmittagsschlafs. Mit welchen Mitteln die oberschlesischen Behörden die dortige Arbeiterbewegung oder ihre Wortführer verfolgen, dafür ein neues Beispiel, das sicher Heiterkeit bei den Genossen auslösen wird. Im Mai d. I.. an einem Sonntag, fand in Mikult schütz(Ober- schlesien) eine öffentliche Frauenversammlung statt. Redner waren die Genossen Bieniskiewicz und Podemski. Das Organ des letzteren hat es einem Dutzend der dortigen Spieß- und Pfahl- bürger angetan. Ihrer Meinung nach ist es zu laut, und weil sie sich dadurch in ihrer Sonntag-Nachmittagsruhe„beunruhigt" fühlten, niackucn sie eine gemeinschaftliche Anzeige gegen Podemski. Sie er- reichten auch tatsächlich, daß die Polizei Genossen P. ein Strafmandat über 00 M. zuschickte, weil er zu laut gesprochen und dadurch— groben Unfug mit seiner Stimme begangen haben soll. Selbstverständlich wurde gegen diesen seltsamen Strasbefehl richterliche Entscheidung beantragt. Interessant waren die Zeugenaussagen vor dem Swöffen- gerichl in T a r n o lv i tz. Dem überwachenden Beamten ist die laute Stimme des Genossen Podemski in der Versammlung selbst nicht aufgefallen. Erst auf Veranlassung mehrerer Z e u g e n hat er in seinem Bericht an seinen Vorgesetzten daraus hingewiesen. Ein anderer Zeuge fühlte sich hingegen durch die laute Stimme„beunruhigt", ein dritter war dadurch in seinem Sonntag-Nachmiliagöschlaf beeinträchtigt, ein vierter konnte während der Rede Podemskis durckmiis keinen Schlaf finden. Ein weiterer Zeuge hat zwar keinen Anstoß an das laute Organ des Redners genommen. er wurde aber„beunruhigt" durch die Unterhaltung der dem Ver- fammlungsplatz zuströmenden Leute. Trotzdem der Versammlungsplatz nicht direkt unter den Wohnungen der„beunruhigten" Zeugen liegt, beantragte der Staatsanwalt die Bestätigung des Strasbefehls. Das Gericht war jedoch der Meinung, daß ein Versammlunzsredner mit einer lauten Stimme sich noch lange nicht des groben Unfugs schuldig macht. Es sprach Podemski frei. Die Kosten trägt die Staatskasse, nicht etwa die zimperlichen Leute, die die Anzeige erstattet haben. Eine kleine Freude bereitete ihnen das Gericht aber doch. Im Urteil wurde gesagt, daß sich der Platz, auf dem die Versammlung stattfand, nicht zu öffentlichen Ver- sammlungen eignet. . In Zukunft werden sich also unsere Versammlungsredner und Veriammlungsbesucher Maulkörbe anlegen müssen damit sie nicht den Nachmittagsschlaf der ehrsamen Bürger stören. Das hamburgische Staatsbudget. ' Der Entwurf des hambnrgischen Staatsbudgets für das Jahr ISlij ist in diesem Jahre, mit Rücksicht auf die bevorstehende Bürger- schaftsneuwahl. ausnahmsweise früh erschienen. Der Fehlbetrag im Ordentlichen Etat ist auf rund 9 Millionen Mark veranschlagt. Dieses rechnerische Defizit reduziert sich nach den Erfahrungen früherer Jahre infolge der Ucberschüsse, die sich nacki dem Rechnungs- abschluß ergeben, auf ungefähr die Hälfte. Zum Reichshaus- h a l t s e t a t trägt Hamburg nur noch 845 002 M. bei, an den R-ichseinnahmen hat es infolge der Anrechnung des Reinertrags der Branntweinsteuer auf die Matrikularbeiträge keinen Anteil mehr. Der Gesamtetat schließt ab mit 218 76l 24k M. gegen 213 820 819 verantw. Redäkt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw.: Mark im Jahre 1912. Nach der Höhe seines Budgets steht Hamburg heute bereits an dritter Stelle unter den deutschen Bundesstaaten. Zur Ueberwachung der Staatsfinanzen, soll jetzt an Stelle des veralteten Kontroll- und Revisionsbureaus ein Rechnungsho errichtet werden. Gleichzeitig wird zur Entlastung des Staatshaus- Halts eine Vereinfachung der Verwaltung angestrebt, die aber beim Senat auf zähen Widerstand stößt. Oefterrekb-CIiigani. Der Staatsvorauschlag. Das Abgeordnetenhaus ist Mittwoch wieder zusammen- getreten. Der Finanzminister unterbreitete den Etat, der die zweite Milliarde der Ausgaben überschritten hat und einen scheinbaren Ueberschuß von ganzen 278 973 Kronen aufweist. Die von den Delegationen soeben beschlossenen 250 Millionen-Rüstungen kommen in diesem Etat natürlich noch gar nicht zum Ausdruck. Unter den Einnahmen sind wegen ihrer Merkwürdigkeit der Münzprägegewinn— was die neugeprägten Münzen weniger wert sind, als sie gelten— von 7 Millionen— und die Zunahme des Gewinnanteils des Staates an der Oesterreichisch- Ungarischen Bank mit 5,6 Millionen zu nennen. Die Einnahmen aus Steuern, Staatsbetrieben und Monopolen werden sehr viel höher ver- anschlagt als im Vorjahr.— Der Steuerdruck und die An- trciberei in den Staatsbetrieben werden also blühen und ge- deihen. Die Konjunktur, namentlich der Rohstoffindustrie, schilderte der Minister als ziemlich günstig, bis auf den Schatten, den der Balkankrieg darauf werfe. Ei« Reichs-Seuchengesetz wird gegenwärtig vom Parlament beraten. Obgleich eZ recht milde ist und namentlich den Impfzwang nicht enthält, in der Hauptsache vielmehr die bestehenden Landesgesetze über Desinfektion usw. ver- einheitlicht und eine öffentliche Ver'orgung der Hinterbliebenen der im Seuchen dienst gefallenen Aerzte und Krankenpfleger vorsieht, wird gegen das Gesetz seit Jahr und Tag von den Jmpfgegnern und Nawrheilern eine starke Agitation betrieben. In Nordböhmen, wo diese Bewegung unter den Arbeitern viele Anhänger hat, arbeitete diese Agitation besonders auch mit Schimpfereien auf unseren Ge- nassen Dr. V i k t o r A d l e r, der als Arzt nie gezögert hat. seine Ueberzeugung von der Notwendigkeit dieses Gesetzes auszusprechen. Den deutschfreiheitlichen.Jntelligenz"parteien ist der Appell an Vorurteile natürlich ganz gelegen, wenn sie glauben, damit Ver- wirrung unter die Arbeiter tragen zu können. JSbrwegcn. Die Storthingswahleo. Die am Montag stattgefundenen Parlamentswahlen in Norwegen haben der konservativ-fortschrittlichen Rcgierungs- koalition eine schwere Niederlage gebracht. Noch liegen zwar die Gesamtresultate hier nicht vor, aber aus den ein- gelaufenen Nachrichten geht unziveifelhaft hervor, daß die Wähler entschieden nach links marschiert sind, Bis Mittwoch früh war das Resultat von 114 der 123 Kreise be- kannt. Gewählt sind 31 Abgeordnete der radikalen Linken, 15 Konservative und 7Sozialdemokraten. 51 Stich- wählen sind notwendig, wobei die Sozialdemokraten in 28 Kreisen gute Aussichten haben. In 13 dieser Stich- Wahlkreise haben sie bei den Hanptwahlen die höchste Stimmen- zahl auf sich vereinigt, in den anderen 15 Kreisen stehen unsere Genossen an zweiter Stelle. Wenn die bürgerliche Linke, die auf Grund des Wahlresultats in kurzem die Regierung wird übernehmen müssen, bei den Ssichwahlen ihre Schuldigkeit tut, kann der konservative Mischmasch definitiv geschlagen werden. Die bisher festgestellten Stimmenzahlen zeigen den radikalen Aufmarsch der Wählermassen. Tie Linke hat demnach 157 000. Stimmen erhalten, die Sozialdemokraten 87 000 und die bisherige Regierungsmajorität demgegenüber nur 124 500. In Kristiania ist die Sozialdemokratie mit 23 000 Stimmen die st ä r k st e Partei geworden. Auch der Versuch des„Rcichssprachenpfarrers" Eriksen, die sozial- demokratischen Wähler im Ostokreis zu zersplittern, hat nicht das erwünschte Resultat gehabt. Unser Kandidat, der Partei- sekretär Nielsen erhielt 5384 Stimmen gegen 3262 für Eriksen, 2346 liberale und 600 konservative Stimmen. Die Stichwahl muß hier über das Mandat entscheiden, die Aus- sichten Nielsens sind vorzüglich. Die Folge des Wahlausfalls dürste ein baldiger Re- gierungswechsel sein. Die Linksliberalen werden wieder ans Ruder kommen. Wahrscheinlich werden sie versuchen, mit zwei Majoritäten zu regieren. Sie haben daher ein Interesse daran, daß aus den Stichwahlen die Sozialdemokratie �mög- lichst erstarkt hervorgeht, damit der konservative Flügel er- heblich geschwächt wird. Bisher hat dieser neun Mandate verloren. « Kristiania, 24. Oktober.chie Singakademie, um drei Klavierkonzerte von ihm zu hören, eip Wcethovensches(das be- sonders melodische vierte) und zwei neueiH. Die P h i l h a r- m 0 n i k e r taten mit; O. Gabrilo witsch dirigierte mit Sorg- sali für Genauigkeit und SSeichheit. Nur wenn wir einmal für loeiteste Kreise der Bevölkerung eine ausgedehnte Musikpflege bekomme» sollten, dann möchten wir doch hoffen, daß dabei das Solistentum ebenso in den Hintergrund käme. wie's jetzt un Vordergrunde steht. Die Mupk ist nun einmal die sozialste der Künste und kann es in so mannigfaltiger Weise sein, daß man viel hören mag, ehe man nach einem Solisten langt— und dann wohl mit erhöhtem Interesse. se. Theater. M ü n ch e n e r Theater: Herbert Eulenberg:„Be- linde". Uraufführung im Residenz-Theater(gleichzeitig in Dresden und Leipzig). Roger, der entflammte Jüngling, entzündete sich an Belindes reifer, sanfter Schönheit, und Belinde entbrannte mit. Die morgige Hochzeit soll ihr Glück legitimieren. Doch wehel Ein Versammlung des Zcntralverbandcs der flerzte. Am Dienstag, den 22. Oktober, tagte im Langenbeckhause die konstituierende Delegiertenversammlung des Zcntralvcrbandes der Kassenärzte von Berlin. Eröffnet wurde die Versammlung durch den Vorsitzenden des Ausschusses, Dr. Moll. Er führte in seinen einleitenden Worten aus, daß der HauptMnkt des Programms des Zentralverbandes die Verhandlungen mit den Krankenkassen betreffs Abschluß von Verträgen bilde; es sei keineswegs die Ab« ficht des Verbandes, den Krankenkassen irgendein Arzt« system vorzuschreiben; im Ausschuß seien die Vertreter aller kassenärztlichen Systeme vertreten. Der Zentralverband wünsche durchaus keinen Kampf mit den Krankenkassen; er denke auch nicht, irgendwie in die Selbstverwaltung der Kassen einzugreifen. Vcr» langen müßte er dagegen, daß die Aerzte als gleichberechtigte Kon» trahenten bei Vertragsabschlüssen von den Kassen angesehen würden. Es sei keineswegs die Aufgabe des Zentralverbanides, den Kaffe» das Arztsystem vorzuschreiben; das bleibe den Versicherten über« lassen; diese hätten, während sie früher in Berlin in ihrer Mehr- zahl für die freie Arztwahl eingetreten waren, sich in letzter Zeit vielfach von der freien Arztwahl zu anderen Arztshstemeii gewandt; das solle den Zentralverband absolut nicht berühren. Es gebe eine Reihe von Punkten, die alle Kassenärzte, ohne Rücksicht auf das Arztsystem, gleichmäßig angehe, das seien vor allem die Fragen des Honorars, der Kündigung, der Schiedsgerichte usw. Auch die Frage des Anstellungsmodus, die zurzeit noch viel« fach keineslvegs befriedigend gelöst sei, würde sicher, obwohl sie bis jetzt noch kein Programmpunkt des Verbandes sei, diesen später beschäftigen. Von den Kassen nehme er mit Sicherheit an, daß sie in Vertragsverhandlungen mit dem Ausschutz des Zcu- tralverbandes eintreten würden; man habe bereits teilweise An» schluß an die Kassen gesucht und auch Verständnis gefunden. Der allseitige Beifall, den diese programmatischen Ausfüh« rungen fanden, zeigte deutlich die Zustimmung aller Anwesenden. Die Versammlung ivar besucht von Delegierten aller kaffenärzt- lichen Gruppen Berlins, die, wie der Vorsitzende mitteilte, an der Behandlung von über 1 Million Kassenmitglieder, ohne Familien» angehörige, beteiligt sind. Die vom provisorischen Ausschuß ausgearbeiteten und borge, legten Statuten werden nach kurzer Diskussion angenommen. Von allgemeinem Interesse sind folgende Bestimmungen. Der Zweck des Verbandes wird folgendermaßen festgesetzt: Der Zentralverbcmd hat den Zweck: 1. Grundsätze für kassen- ärztliche Verträge auszuarbeiten, 2. mit den Krankenkassen(im Sinne der§§ 225 und 563 der Reichsversicherungsordnung) oder einer Zentralstelle derselbe» über diese Grundsätze in VerHand- lungen zu treten, 3. die Interessen der ihm angehörigen lassen. ärztlichen Vereinigungen bei Verträgen mit den Krankenkassen nach Möglichkeit zu fördern. Die Mitgliedschaft wird folgendermaßen stipuliert: Mitglied des Zentralverbandes kann, ohne Rücksicht auf das durch sie vertretene kassenärztliche System, jede kaffenärztliche Gruppe iverden, die mit einzelnen innerhalb des Versicherung�. amtes Berlin zugelassenen Krankenkassen, Krankenkassenverbändc» oder Krankenkassenvereinigungen im Wcrtragsvcrhältnis steht. oder ein solches eingehen will. Ueber die Pflichten der Mitglieder sagen die Statute« folgendes: Die dem Zentralverbande angehörigen kaffenärztliche» Gruppen verpflichten sich: 1. seine Satzungen anzluerkennen, 2. über kassenärztliche Verträge nur auf dem Boden der Bestim» mungen des§ 1 zu verhandeln, 3. ihre Verträge vor endgültigem Abschluß der Grotz-Berliner Vertragskmnmission der Aerztckammer für die Provinz Brandenburg und den Stadtkreis Berlin zur Genehmigung vorzulegen, 4. in offizielle Verhandlungen mit Krankenkassen, die bisher nicht mit ihnen in vertraglichen Bezic- Hungen gestanden haben, nicht einzutreten, ohne dem Ausschuß des Zentralverbandes davon Kenntnis zu geben. Bei der Aufnahme in den Zcntralvcrband ist eine Punkt 1 bis 4 umfassende, schriftliche Verpflichtungserklärung zu Händen des Ausschusses abzugeben. Ein Verstoß gegen die eingegangenen Verpflichtungen hat den Ausschluß aus dem Verbände zur Folge. zweiter Enoch Arden kehrt Eugen, der totgeglaubte Mann BelindcS, in der letzten Nacht zurück und fordert, ein steinerner Mahner, fein verbrieftes Recht auf Liebe. Die aufgewühlten Schmerzen des Jünglings ringen mit der finstern Zähigkeit des Mannes. Im amerikanischen Duell zieht Roger den Tod. Seine Leiche im Arm, flucht Belinde dem Sieger? Das wäre der normale Gang. Aber Eulenberg wollte in seiner von dichterischer Phantasie umflossenen Liebes-Romanze die Wandelbarkeit der Liebe rechtfertigen. Wie Zeit und Umstände das Menschenherz verwandeln, ohne daß Treulosigkeit oder Schuld das verwandelte Herz trifft. Der Einzelfall. Belinde aber, vor der Machtlosigkeit ihrer eigenen Gefühle erschauernd, gibt sich den Tod, um ihren Wille» zur Treue für Eugen zu besiegeln. Um diesen romantischen Stamm rankt der Dichter Arabesken blühender Poesie aus dem Garten der blauen Wunderblume. Dazu seine realistische Note. Daß er diesmal weniger mit bizarren Versionen und grotesken Situationen ausschlug, hat ihm, wenigstens in München, das Auditorium erobert, das ihm bis dahin, wie seine Durchfäll« mit„Alles um Liebe" und„Alles uni Geld" bewiesen, als tragt- komischen Aestheten-Typ zu tief eingeschätzt hatte. Man ist jetzt von seiner dichterischen Kraft überzeugt. m. Humor und Satire. Die Schlächter. Wer wird bei uns noch über Fleischnot klagen?— Der Bürger winkt bequem und faul: schon wirft man ihm den fetten Schweinemagen direkt ins Maul. Hat Gott gewollt, daß man als Wurfgeschosse benütze jenes Ochsen Hinterteil, das brave Kalbshirn, Wurst vom Rosse, und was da sonst noch feil?— Das spielt und wettet und ist ganz versessen auf„Toto" und Äarlshorst und Weißensee... „Daweilen kennt ihr Bande Rieben fressen I Wir ham den Speck— int Purtmonai l" „Fangt euch doch eene dicke Katze I"— Und wenn ihr Aermsten noch so kläfft: Am Balkan und am Alexanderplatze— die Schlächter machen det Geschäft l— Kurt. Notizeu. — Prof. Wilhelm Ebstein, einer der führenden Männer der inneren Medizin, ig im 76. Lebenchahre in G ö t t i n g e n ge« starben, wo er von 1874 bis 1966 die Poliklinik und Klinik leitete. Er beherrschte das ganze Gebiet der inneren Medizin, deren ver« schiedenste Gebiete er forschend und lehrend darstellte. Luch die Ge» schichte der Medizin hat er vielfach bereichert. — Ein neuer Erfolg des Salvarsans. Wie Dr. Koch- Surinam in der Berliner Medizinischen Gesellschaft berickitete, ist es in Niederländisch- Indien geluugoii, die Franibösia, eine besonders unter Negern verbreitete tropische Krankheit, durch Salvarsan völlig zu heilen. Das für diese Krankheit bestimmte Hospital konnte sogar geschlossen werden, weil leine Kranken mehr da waren, Tie Organe des ZentSrrlbövdandes sind? I. die Delegierten verscmrnilrurg, 2. der Slusfdiufe. Die Delegiertenversammlung setzt sich zusammen aus Vertretern der dem Zentr-rlderband angehörigen tassenärzt- lichen Gruppen, und zwar so, dag jede mindestens 200 Aerzte umfassende Gruppe 3, jede 100 bis 199 Aerzte umsirssende 2, jede kleinere Gruppe 1 Delegierten entsendet. Voraussetzung für die Entsendung von 2 Delegierten ist für die betreffe, we Gruppe, daß. sie mindestens 10 000 Kassenmitglieder versorgt, von 3 Delegierten, daß sie mindestens 100 000 Kassenmibglieder versagt. Jeder Dele- gierte darf bei Abststnmung nur eine Gruppe vertreten. Der Ausschuß setzt sich zusammen aus 16 Mitgliedern. Von diesen müssen je fünf Vertreter der organisierten freien, der be- grenzten freien Arztwahl und des Systems der fixierten Kossen»- ärzte sein. Je drei Vertreter dieser Systeme werden in den Ausschuß durch den Verein der freigewählten Kassenärzte, den Berein der Berliner Kasienärzte mit freier Ärztwahl und den Verein Ber- liner Gewerksärzte entsendet. Von den übrigen sechs hat jedes der genannten tassenärztlichen Systeme Ansprmch auf zwei Ver- treter. Diese werden von den Delegierten gewählt, die den Gruppen des betreffenden Systems angehören. Hierbei wird die Gruppe der Tarifkassenärzte iL. V.j der organisierten freien Arzt- Ivahl zugerechnet. Von diesen 15 Mitgliedern des Ausschuffes wird als 16. Mitglied der Borsitzende gewählt, der nicht Kassenarzt zu sein braucht. Außerdem wählt der Ausschutz aus der Reihe seiner Mit- glieder zwei stellvertretende Vorsitzende und einen Schriftführer, die zusammen mit dem ersten Vorsitzenden die laufenden Geschäfte besorgen. Der Ausschuß hat die Aufgabe, die Verhandlungen mit den Krankenkassen oder einer Zentralstelle derselben(§ 1, Nr. 2) zu führen, de« Verband nach außen hin zu vertreten und die Be- schlüffe der Delcgiertenversammlung auszuführen. Im übrigen liegt ihm die Wahrnehmung aller Maßnahmen zur Förderung der Jnteceffen des Zentralverbandes ob. Tic Abstimmungen innerhalb des Ausschusses erfolgen mit einfacher Majorität. Tie Versammlung bestätigte noch zum Schluß den Prodi- sorisch gewählten Ausschuß und beauftragte ihn, unverzüglich an die Ausarbeitung von Normalverträgen zu gehen.— Hoffen wir, daß dabei recht Ersprießliches kür die Krankcnkaffen und Aerzte herauskommen möge und daß dadurch endlich«in Freundschaftsbund zustande kommen möge ztvischen den Krawkenkaffen und A ersten, der von jedem sozial empfindenden Menschen nur als äußerst lvünschenswert bezeichnet toerden kann. Ob der Leipziger Verband den Frieden störe» wird, bleibt abzuwarten. Die Frau und die Qualitätsarbeit. Zu diesem Thema sprachen Gertrud Hanna und Robert Breuer am Montag im Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklaffe. Die Ausführungen der ersten Referentin waren etwa folgende: In den letzten Jahren hat die Frage der weiblichen Oualitäts- arbeit vielfach die Oesfentlichkeit beschäftigt. Dazu trugen mehr- fache Umstände bei. Unter anderem behauptete die Statistik der Berufszählung von 1907 ein Ansteigen der ungelernten gegen- über der gelernten weiblichen Arbeit, während danach die gleiche En- scheinung unter den männlichen Arbeitern nicht festzustellen ist. Dieses statistische Ergebnis erscheint indessen durchaus unsicher, sobald man die vielfachen Fehlerquellen berücksichtigt. Bei einer Gruppierung der Berufe nach 4500 verschiedenen Gewerben sind die abweichendsten Huffaffunflen an sich nicht auszuschließen; dazu kommt, daß die von den Arbeitgebern herrührenden Auskünfte nicht einwandfrei sind, und endlich lassen sich bei einzelnen Ge- werben die Fehlerquellen direkt aufdecken. So rechnet die Statistik unter den Arbeiterinnen der Schuhwarenbranche 88 Proz. als ge- lernte; sie gewinnt dieses Resultat, indem sie durchweg Steppe- rinnen, Gamaschcnftepperinnen usw. als qualifizierte Arbeite- rinnen bezeichnet, während man von qualifizierter Arbeit tatsäch- lich fast nur noch in der Kleinarbeit sprechen kann und 50 Prozent aller Arbeiterinnen des Gewerbes in Großbetrieben tätig sind. In Wahrheit ist der weitaus überwiegende Teil der weiblichen, aber ebenso der größte Teil der männlichen Fabrikarbeiter heut unge- lernt. Bei den Frauen kann man nicht einmal sagen, die Einfüh- rung der Maschinen hätte die Qualitätsarbeit vernichtet; es gab vielmehr von jeher nur eine geringe Zahl weiblicher Qualitäts- arbeiter; selbst in den Berufen, die sich der hauswirtschaftlichen Tätigkeit der Frauen angliedern, wie in der Schneiderei, stellen die Gelernten nur einen geringen Bruchteil. Die Geschichte der Frauenberufsarbeit macht dies erllärtlich. Als die Frauen zuerst in Massen in che Berufsarbeit eintraten, geschah dies nicht in den Gewerben, die bis dahin die Männer innehatten, wie in den Hand- Werken, sondern sie wurden für neue Gewerbctätigkeiten, besonders an die Maschinenarbeit herangezogen. Nun ist es sicher, daß Frauenarbeit fast stets weitaus geringer bewertet wird als Männerarbeit. Doch ist nicht, wie die Verfechter der Frauenqimlitätsarbeit stets betonen. Frauenarbeit billig, weil sie nicht qualifiziert ist; sie ist vielmehr billig, infolge der allgemein geringeren Schätzung der weiblichen Leistungen. Gesetzliche Schran- ken für die Heranbildung zu irgendeiner Qualitätsarbeit bestehen auch für Frauen nicht, in Wirklichkeit liegen dagegen allerdings oft starke Hemmnisse vor. Von einer Ablehnung der weiblichen Qualitätsarbeit durch die Gelverkschaften kann nicht die Rede sein. Auch als 1910 die bürgerlichen Frauen den„Verein für fachgewerb- liche Ausbildung der Frau" gründeten und für allgemeine berufliche Schulung der Arbeiterinnen eintraten, haben sich die Gewerkschaften nicht dagegen erklärt; sie können nur nicht olles Heil in diesem Punkt allein sehen. Die Bürgerlichen fordern Ausbildung nicht ctlva nur für bestimmte Handwerke, in denen sie vielleicht notwendig ist. sondern für sämtliche Arbeiterinnenberufe; sie erhoffen von größerem Allgcmciiiwisse», von genauerer Kenntnis der Maschine, an der sie stehen, für die Arbeiterin die tiefgreifendsten psychischen Wandlungen; erhöhtes Persönlichkeitsgefühl, verstärkte� Liebe zu ihrer Tätigkeit usw. Eotche Erwartungen halten wir für verfehlt. Die Arbeiterfamilie sträubt sich gegen eine mehrjährige Bcrufsvor- bildung der Töchter, well sie alle verfügbaren Mittel bereits für die Ausbildung der Söhne hergibt. Darin liegt gewiß gegenüber den oft reicher, oft mindestens gleich begabten Töchtern eine starke Un- gerechtigkejt; doch hängt das auch unauflöslich mit dem Problem des Doppclberufs der Frau zusammen. Noch immer sieht man naturgemäß in der Berufsarbeit nur ein vorübergehendes Sta- dium, in der erhofften Ehe den eigentlichen Beruf des Mädchens, wädrcnd der junge Mann unbedingt so vorgebildet sein mutz, daß er später eine eigene Familie erhalten kann. Ist nun die mehrjährige Lehre, die nach den Berechnungen eines bürgerlichen Qckonomen die Familie zirka 780 M. kostet, für eine tüchtige Berussstellung überhaupt von so bedeutendem Wert? Sie ist aus praktischen Gründen natürlich notwendig für alle Jnnungsberufe mit Lehrlingsmonopol. Für die Mehrzahl der modernen Grotzbetriebsberufe dagegen ist sie ziemlich wertlos. Auch die Hoffnung der Verfechterinnen der weifcliclzcn Qualitätsarbeit aus ein rasches Ansteigen der Frauenlöhne lFräulein Dr. Baum nimmt sogar an, daß die gelernte verheiratete Arbeiterin später in HalbtagSschicht den gleichen Verdienst erreichen könnte wie jetzt die Arbeiterin für volle Tagesarbeit) können wir nicht teilen. Die unglaublich niedrigen Löhne in so schwer erlernbaren Berufen wie im Jngenienrfach sprechen sebr stark dagegen; ebenso erreichen die fast durchweg gelernten Arbeiterinnen in Norwegen und Scbweden durchaus kein entsprechend hohes Lohnniveau. Ferner hat schon Naumann in einer Diskussion des erwähnten Vereins richtig entgegnet: Wer soll bei allgemeiner Vorbildung für Qualitätsarbeit die dringend notwendige unqualifizierte Arbeit leisten? Trotz aller dieser Einwände müssen wir freilich zugeben, daß die unqualifizierte Frauenarbeit schwere Schäden ausweist. Wie sind sie zu heilen? Wie kann man die Proletarierin zu größerer Wertschätzung der außerhäuslichen Tätigkeit gegenüber dem Beruf der Ehefrau und Mutter erziehen? Ver- schiedem, oft zitierke ErfahrungSbeispiele, die zu beweisen scheinen, daß den Frauen für feinere Leistungen im Jabrikbetrieib intensivere Fachausbildung fehlt, zeugen in Wahrheit nur von einer allgemeinen geistigen Rückständigkeit gegenüber dem Mann, die wir durch bessere Schulen, obligatorischen Fortbildungsunter- richt usw. zu bekämpfen suchen muffen. Zusammenfassend wendet sich die Referentin nochmals gegen die Propaganda des Vereins für fachgewerbliche Ausbildung, die bereits im Schneider- und Friseurfach schlimm gewirkt habe, da sie die Bestrebungen für eine obligatorische mehrjährige Lehrzeit und damit die Lehrlingsausbeutung fördere. Ter Korreferent Breuer faßt die Frage von einem gänzlich anderen Standpunkt an. Ich kann, so führt«r aus. im Gegensatz zu meiner Vorrednerin hier nur von theoretischen Gesetzen sprechen. Wie entstand das Problem der Qualitätsarbeit? Zugrunde liegen rein wirtschaftliche Ursachen. Während der Herrschaft des Man- chestertums, dce einen Raubbau an Menschen- und Arbeitermaterial begünstigte, galt für die deutsche Exportidustrie die zu trauriger Berühmtheft gelangte Devise: Billig und schlecht. Mit diesem Prinzip wäre schließlich die deutsche Industrie, die auf den Export von fertigen Fabrikaten angewiesen ist. aus dem Weltmarkt zu- gründe gegangen. So wandte sie sich der Oualitätsarbeft zu, die zudem durch die immer höhere EntWickelung des Kunstgewerbes gestützt wurde. Gerade in Deutschland mit seinem an Schulbildung und Ra sse nv c ra n lagung relativ sehr hoch stehenden Menschenmaterial würde ein Ueberwiegen unqualifizierter Arbeit auch Kraftver- schwendung bedeuten. Die Frage, ob alle Industrien Qualitäts- arbeit herstellen, und ob die Mehrzahl der Bevölkerung Qualitäts- Produkte kaufen kann, kommt dabei erst in zweiter Linie. Was ist Oualftätsarbeit? Es klingt vielleicht phantastisch, wenn ich sage: Es ist solche Arbeit, bei der in jedem Stück des hergestellten Produkts ein Stück der Seele des Arbeiters steckt. Daß dies« Erklärung dennoch richtig ist, geht z. B. aus den Resul- taten einer von mir bei einer Reihe bedeutender Unternehmer veranstalteten Umfrage hervor, die ganz ähnliche Antworten aus sich heraus gaben. Das können wir ebenso auf die anscheinend für das Ganze gleichgültigste Teilarbeit anwenden. Gerade von der unendlich exakten Herstellung der kleinsten Teile hängt das Gelingen des Gesamtprodufts ab. Die Maschine mechanisiert nicht nur, wie man oft gesagt hat. die Arbeit des Menschen; sie erzeugt umgekehrt auch völlig neue Kuäfte; sie schafft direkt neue Menschentypen. Freilich bezieht sich das nicht aus sämtliche Maschinen, auch nicht aus die Mehrzahl der Arbeiterinnen und Arbeiter. Nun hängt Qualitätsarbeit nicht etwa vom Prüfungen und dergleichen ab; sie beruht vortoiegend auf dem bewußten Willen des Arbeiters, Qualität zu erzeugen. Qualitätsarbeit ist organisierte Arbeit; da die deutsche Arbeiterschaft eine in hohem Grade orga- nisierte ist, muß sie notwendig auch zur Oualftätsarbeit kommen. Umgekehrt erwachsen aus der gewerksthaftlichen Organisation nach Aussage von Arbeitgebern auch gewisse der Qualitätsarbeit feind- liche Tendenzen. Alice Solomons Wort: die Frauen suchten nicht einen Beruf, andern einen Verdienst, trifft für viele Fälle den Kern der Sache. Hinzu kommen die bekannten Erschwerungsgründe der weiblichen Qualitätsarbeit: Geringere LebenSansprüche, mangelnde Beweg- lichkeit im Wechsel des Berufsorts, schlechtere Allgemeinbildung der Frauen usw. Ich glaube nicht, daß die Frau unter wirklich gleichen Ausbildungsbedingungen zu schlechterer Oualitätsarbeft veranlagt ist. Für sie sind im Gegenteil die Zukunftsperspektiven weit reichere, da ihre Kräfte noch völlig unausgeschöpft sind. Der Zwang d«r Berhältniffe wird dann die Frauen zur Qualitäts- arbeft erziehen und eine Erhöhung der Löhne als weitere Folge eintreten. Wollen wir dieser Entwickelung vorarbeiten, so müssen wir freilich auch bessere Ausbildungsmöglichkeiten für die Arbeite- rinnen schaffen. Zwar bin ich bezüglich des Vereins für fach- gewerbliche Ausbildung der gleichen Meinung wie die Vorrednerin. Er wirkt im Sinne eines Zwangs zu mchriähriger LehrlingsauS- billmng und Lehrlingsausbeutung. In dieser Hinsicht war schon das eifrige Eintreten der Handwerksmeister für den Berein ver- dächtig. Dagegen müssen meiner Ansicht nach andere Wege zu tüchtiger fachlicher Schulung für Frauen gesucht werden. Ich kann sie im einzelnen nicht angeben; die Organisationen der Arbeiter werden auch hier die Aufgabe am besten lösen können. Weiden Vorträgen folgte die stark besuchte Versammlung mit äußerst regem Interesse. Da die Zeft inzwischen sehr vorgerückt war, konnte eine Diskussion nicht mehr stattfinden. Dagegen er- klärte sich die Versammlung für die Ansehung eines besonderen Abends zur Diskussion der zahlreichen hier aufgerollten Probleme. (Donmrstag, den 31. d. M.. 8 Uhr, in Kellers Neuer Philharmonie.) Soziales. Bis in? hohe Alter... Attenplathow liegt im Kreise Jerichow 2, unweit der Stadt Genthin. Der Ort hat über 2000 Einwohner und wird schlecht und recht in altpreußischer Art verwaltet. Besonders in der viel- gepriesenen, und wenig geübten Sparsamkeit ist man dort geradezu unübertreffliche wie der dort beheimatete ehemalige Stellmacher August Stiibing zu seinem Leidwesen erfahren muß. 82 Jahre— zweiundachtzig— hatte sich Stübing durchs Leben geschlagen, als er sich an die Gemeinde Altenplathow um Armenunterstühung wandte. Da kam der alte Man.» aber schön an. War es nicht genug, daß er von der Gemeinde im Armenhaus freie Wohnung erhielt? Jetzt wollte dieser Parasit auch noch Geld! Das Gesuch wurde glatt ab- geschlagen. Indessen Hunger tut weh. Stübing wandte sich am 4. April 1911 beschwerdeführend an den Kreisausschuß von Jerichow 2. Hier 'and er denm auch fühlende Herzen, die sich nach etwa zchnwöchiger Erhebung und Beratung zugunsten des 82 jährigen folgendes Kulturdokument preußischer, ländlicher Armenpflege abrangen: Genthin, den 14. Juni 1911. Äreis-AuSschuß des Kreises Jerichow 2. Geschäftsnummer 2853 I.. Auf die unterm 4. April d. I. zu Protokoll erklärte Be- schwende wider den dortigen OrtSarmenverband wegen verweiger- ter Armenunterstlltzung hat der Kreisausschuß in seiner Sitzung am 10. d. M. beschlossen, Ihnen vom 1. Juni d. I. ab eine laufende Armenunterstützung von wöchentlich 2 Mst. 50 Pf. zu gewähren. Eine Unterstützung in dieser Höhe hält der KrciSauSschub um so mehr für ausreichend, als Sie noch freie Wohnung im Armenhaus haben und durch Verrichtung leichterer Holzarbeiten noch einigen ArbeitSvxrdtenst erzielen. Der Vorsitzende des Kreisausschusses. (Name.) An den Arbeiter Herrn August Stübing in A�cnplathow. August StübiiH in Altenplathow hatte in seinem langen Leben Bescheidenheit gelernt. Man sollte es nicht glauben, aber es ist Tatsache. er freute sich über seine erkämpften 2,50 Mk. königlicher, als etwa ein König» dem seine Zivilliste um einige Millionen auf- gebessert wird. Mit dem Nebenverdienst war es freilich so so. Denn der Me war mit nicht weniger als drei Brüchen geplagt, die er wahrhaftig nicht beim Faulenzen erworben hatte. Aber je vergnügter der Invalide mit dem Bruchleiden war, desto mißvergnügter war der Gemeindevorsteher von Altenplathow. Am 6. September wurde Stübing durch folgendes Schreiben bc- glückt: Den Stellmacher August Stübing weise ich hierdurch an, für die freie Wohnung im Armenhause, und für die Armenunter- stützung die Sie von der Gemeinde empfangen, bei den Straßen- reiuigen» die die Gemeinde zu machen hat jedes mal mit Tätig zu sein. Hierbei bestimme ich den Anweisungen des Wegewärters Wilhelm Anderson genau folge zu leisten. Be! eine Nicht Bs- folgung dieser Anweisung, wird die Anzeige zur Bestrafung nicht ausbleiben. Altenplathow, d. 6. September 1912, Der Gemeindevorsteher Raeck. So war denn August Stübing nach etwa 70 Jahren Arbeit glücklich auf den Besen gekommen. Und wenn er den nicht auf Befehl gehorsam schulterte, hatte er nach dem vom Landtag be- schlossenen Ausnahmegesetz gegen Arm« Bestrafung zu gewärtigen. Herr Raeck konnte es wohl nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, das Geld der Gemeinde ohne Gegenleistung auf di« Straße zu werfen. Daß er damit aber zugleich dem alten Manne die Ge- legenheit erschweren oder nehmen wurde, den vom Kreisausschuß vorausgesetzten Arbeitsverdienst durch„leichtere Holzarbeiten" zu erwerben, hat er wohl nicht bedacht. Oder aber er hält den jetzt 83jShrigen Greis für fähig, auch noch diese Arbeit zu verrichten. Der einzigen in Burg wohnenden Tochter Stübings hat Herr Raeck verboten, ihren Bater im Armenhaus zu besuchen, ihm die Wäsche zu säubern und dergleichen. Weshalb? Stübing steht doch nicht unter Polizeiaufsicht; er ist nur ein armer, alter, nicht mehr ar- beitsfähiger Mann, der sich gegen eine Verfügung wehrt, di« ihn unter Umständen zum Hungertod verurteilt. Stübing hat Be- schwerde beim Landrat erhoben. Wir wollen abwarten, welchen Schlußakt dieser zu dem schlichten Drama eines preußischen Land- arbeiters schreiben wird, das als Motto tragen sollte: „Für die deutschen Arbeiter ist eine gesicherte und gute Existenz« bcdingung geschaffen bis ins hohe Alter hinein.� Hus Industrie und ftandel. Tripolis-Aktien. Kaum ist der italienisc�türckische Krieg zu Ende, da meldet sich schon das kolonial„patriotische" Interesse der wirtschaftlichen Afrikaausbeutcr. Auch der Reichsverbandsgeneral von Liebert ist wieder dabei, trotzdem er eben erst bei einer deutschen Kolonial- gründung wieder einmal als„vielversprechender" Mann angenagelt worden ist. Bei der zu gründenden Deutsch-Tripoli« tonischen Handels A.-G., Hamburg, ist er als Mit« glied des Aufsichtsrates vorgesehen. Die neue Gesellschaft soll sich unter Errichtung von Filialen in Tripolis und Benghasi in der Hauptsache mit der Finanzierung der an der Küste von Tripolis im großen betriebenen Schwamm- sischerei und dem Schwammhandel befassen, selbstverständlich auch mit dem sonstigen Export- und Jmporthandel. Die Schwammfirma Michel A. Kousemetis will für 110 000 SR. ihr ganzes Geschäft gern und willig an die neue Aktiengesellschaft abgeben. Durch die Ge- Währung von Vorschüssen an die SchiffSeigentümer und Lieferung von Proviant auf Kredit und den Vertrieb der Schwämme will die neue Aktiengesellschaft laut ihrem Prospekt genau 23?4 Proz. Dividende bezahlen, nicht einen Pfennig mehr und kein Viertelprozent weniger. Was es mit solchen Prospektversprechungen auf sich hat, ist ja durch verschiedene Kolonialschwindelaffären ge- nügend bekannt._ Wirtschaftliche Kriegsfolgen. Der Krieg im Orient verursacht eine viel stärkere Benach» teiligung Frankreichs, als man anfänglich angenommen hatte. Be- sonders stark betroffen ist Südfrankreich. Die Getreideschiffe. welche bisher den Getreidetransport aus Rumänien und Rußland besorgt haben, sind abgehalten worden. Dadurch haben viele. Mühlen in der Umgebung von Marseille kein Getreide mehr. Sie stellten den Betrieb ein. Die Getreidekais sind vollständig leer; Hunderte von Arbeitern mußten entlassen werden. � Bon den Mühlensyndikaten in Marseille wurden Petitionen an den HandeSminister und den Minister des Auswärtigen ge- richtet, mit dem Ersuchen, Schritte zu tun, damit die griechischen Schiffe, welche im Bosporus ankern, freigegeben werden. Roggen und Mehl beginnt bereits im Preise zu steigery. 5 Prozent Reichsbankdiskont. Die Reichsbank hat den Wechselzins um'/$ Proz. auf 5 Proz. und den Lombardsatz auf 6 Proz. heraufgesetzt. Mit dieser Maß- nähme hatte das Institut sehr lange gezögert. Es wollte aus rein politischen Gründen den Beweis erbringen, daß auch ohne einen solchen Schritt sich der Goldmarkt regeln ließe. Diese Beweis- führung wurde naturgemäß durch die Kriegsergeignisse außer». ordentlich erschwert. In letzter Zeit haben sich die Wechselkurse derart verändert, daß der sogenannte Goldpunkt zuungunsten Deutschlands stand und dcch die Gefahr umfangreicher Goldexporte vorlag. Trotzdem hat die Reichsbank den Diskontsatz nur um Vi Proz. erhöht, während man vielfach mit einer Heraufsetzung um 1 Proz. gerechnet hatte. Die Maßregel hat viel weniger ihren Grund in den Ansprüchen des inneren Goldmarltes als vielmehr darin, daß das Zcntralnoteninstitut den Eoldabsluß nach Möglich- keit verhindern will. Eine ganze Reihe anderer Banken ist der Reichsbank mit Diskonterhöhungen vorausgegangen. Die Bank von England hat schon in der vorigen Woche die offizielle Rate erhöht. Einzelne Zentralnoteninstitute haben noch schärfere Maß- nahmen zur Verhinderung des Goldabflusses getroffen. So haben die Bank von Frankreich und die Oesterrcichisch-Ungarische Bank die Ausgabe von Goldmünzen eingestellt. Sericdts- Leitung. Kommunalkonflikte vor Gericht. Drei Kommunaltonslifte waren am Mittwoch Gegenstand dek Verhandlung beim Schöffengericht Wtihcnsce. 1. Der Lehrer Frommont hatte gegen die Genossen Fuhrmnn« und Taubmann Privcftklage erhoben, weil diese in der Gemeinde- Vertretung den Kläger bei seiner Wahl zum Schiedsmann beschul» d igten, in dem„Weißenseer Tageblatt" Artikel geschrieben zu haben, di« sich gegen die Stellungnahme unserer Genossen richteten. Bei einem anderen Tagesordnungspunkt wurde die Regelung des Milchvertrages mit Birkholz besprochen und hierbei die gehässigen Angriffe des„W. T." auf unsere Genossen und den Bürgermeister in derber Art vom Genossen Fuhrmann beleuchtet. Ausdrücke wie: „Kübel voll Dreck",„anonymes Gesindel".„Preßkloake",„Maul- schellen verdienten diese Zeilenschinder" bezog der Lehrer Frommont auf sich, trotzdem sein Name nicht genannt war. Durch die Zeugen- Vernehmung wurde erwiesen, daß Frommont wirklich Artilel ge- schrieben habe. Demi der verantwortliche Redakteur hafte in einer seligen Stimmung aus der Schule geplaudert, indem er in einem bürgerlichen Restaurant anderen gegenüber äußerte:„Herr Könitz hat bei uns nichts zu bestellen, der Schreiber der Artikel wohnt Streustraße Ecke Berliner Allee."„Das macht alles Frommont" usw. Auch Ausdrücke wie:.Ihr seid Sch... kerls» Ihr geht mit, den Roten zusammen!" wurden seslgestellt. Die Berteidigung unserer Genossen lag in den Händen des Genossen Haase, der mit aller Schärfe die Angriffe des„W. T." geißelte, die in derbe« Worten von den Angellagten hätten beantwortet werden müssen. Das Urteil lautete auf Freisprechung und Ueberbürdung der Kosten auf den Privatkläger. Tie Ausdrücke, hieß es im Urteil, waren viel- leicht zu scharf gewesen, aber im Effekt gehe man gewöhnlich etwas weiter. Der Borwurf, die Sozialdemokraten seien die Prätoriancr- garde des Bürgermeisters, der Bürgermeister sei der Regisseur und di« Sozialdemokraten die Marionetten, sind geeignet, zumal et nicht zutrifft, die Betreffenden in Erregung zu bringe� 8. Der zweite Konflikt betraf einen Heinersdorfer Bürger, der>das ,.W. T." verklagt hatte, weil er-durch fortwährende Anwürfe sich in seiner Ehre gekränkt fühlte. Hier spielte die letzte Genreittdevertreterwahl in Heinersdorf eine Rolle, wo der Grund- besitzer- und Bürgervercin sich befehdeten. Festgestellt wurde hier- bei, bajj das ,,W. T." in Weißensee den Grundbesitz vertritt, in Heinersdors dagegen die Bürgerpartei. Das Resultat war die Verurteilung des Redakteurs des„W. T." zu 59 M. Geldstrafe, Tragung der Kosten und Veröffentlichung des Urteils im„W. T.". 3. Die dritte Sache war eine Beleidigungsklage des in letzter Zeit berühmt gewordenen Rcgierungsbaumeisters Sonnenfeld gegen Genossen Fuhrmann. Auch hier war der Tatort die Gc- meindevertretersitzung, wo gelegentlich der Besprechung der Allers- Sonnen feldschen Angelegenheit Fuhrmann in die Debatte eingriff und von„Juden" und„Schiebern" sprach. Die Verhandlung nahm «inen sonderbaren Abschluß. Ein vom Kläger angetragener Ver- gleich wurde nicht angenommen. AlS dann in die Verhandlung eingetreten werden sollte, erklärte Sonnenfeld den Vorsitzenden für befangen, indem er zu Protokoll gab:„In der Auslegung des § 193 in Sachen- Frommont gegen Fuhrmann und Genossen lege ich die größten Bedenken gegen die Unbefangenheit des Vor- sitzenden ab." Das Gericht beschloß darauf die Verhandlung zu vertagen. Die„Nagelrunde". Einen- itark humoristischen Anstrich hatte eine Verhandlung vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts III. Angeklagt wegen Betruges war der Hauseigentümer Köppel. Der Angeklagte wurde beschuldigt, bei dem Verkauf der in seinem Hause gelegenen Eck- dcstillation-dem Käufer falsche Angaben über den Umsatz in dem Lokal gemacht zu haben. Wie die Anklag« behauptet, soll K. dem Käufer, einem Gastwirt Schönseld, vorgespiegelt haben, das Lokal lcche einen täglichen Umsatz von mindestens 59 V?-. während cS tatsächlich nur eine Hochstciimahme von 28 M. brachte. Zu derBerhand- lung waren eine Reihe Zeugen geladen- wortzen, deren Bekundungen wiederholt lebhafte Heiterkeit hervorriefen. In Uebereinstimnrung mit den Angaben- des Angeklagten wurde von den Zeugen bestätigt, daß in dem Lokal unker dem Namen„Brüder von der Nag'elrunbe" eine fidele Gesellschaft getagt habe, die allein den behaupteten Um- satz gebracht habe. Diese Gesellschaft habe in ihren Satzungen die Bestimmung gehabt, daß jeder, der in einen bestimmten Tisch einen Ilagel einschlug, für jeden Ilnwesenden ein Glas Bier bezahlen mutzte. Auf diese Weise sei häufig ein täglicher Umsatz von 299 M. erzielt worden. Häufig wurde auch ein fremder Gast animiert. Den Tisch durch einen Nagel zu„verzieren", der dann unter allgc- meinem Gelächter zu der sog.„Stubenlage" verurteilt worden sei. Auf eine Frage eines Beisitzers kam ferner zur Sprache, daß bei Geburtstagen ein 19- oder 29-Markstück auf den Tisch genagelt werden mußte. Auf diese Weise fei der Tisch mit der Zeit ziemlich 1999 M.„wert" geworden. Die Platte wurde dann an der Wand befestigt und sollte einen eisernen Bestand bilden/ um die Dkit- glisder, wie es in den Statuten hieß, vor„Krieg und Pestilenz" zu schützen. Das Gericht kam auf Grund der sehr umfangreichen Beweis- aufnahm« zu der Freisprechung deS Angeklagte», dem bestätigt wurde, daß er tatsächlich eher geringere als zu hohe Angaben ge- macht habe._ Ein Mordversuch an der Ehefrau beschäftigte gestern das Schwurgericht des Landgerichts I. An-ge- klagt war der Portier Alfred Ahmann. Der Angeklagte ging im Jahre 1899 die Ehe mit seiner jetzigen Frau ein. Anfang April dieses Jahres verließ die Frau mit ihren Kindern die Wohnung und mietete sich in der Mariannenftraße eine kleine Stube, nachdem sie, nach ihrer Behauptung, erfahren hatte, daß ihr Mann zu ihrer ältesten Tochter in Beziehungen getreten war. Der Angeklagte unternahm wiederholt Annäherungsversuche, die aber von- der Frau abgelehnt wurden. Als er am frühen Morgen des 8. April d. I., dem zweiten Osterfeiertage, wicher abgewiesen wurde, nachdem er die ganze Stacht auf der Bodentreppe zugebracht hatte, zog er Plötz- lich einen Revolver hervor und gab auf die Frau einen Schuß, der sie in den Hinterkopf traf. Er flüchtete dann sofort nach der Tat in seine Heimat, die er aber auch wieder verlassen mußte, da die Kunde von seiner Tat durch-die Zeitungen auch dorthin gelangte. Er wurde schließlich in Eberswa-lde verhaftet und legte ein Gestand- nis ab. In der gestrigen Verhan-dlung trat er plötzlich mit der Be- hauptung hervor, er habe sich erschießen wollen, versehentlich aber seine Frau getroffen._ Die GesiWoktü?« besahken mt die Schukdfrag« Vach ve?« suchte« Totschlag. Das Urteil lautete auf 3 Jahre Gefängnis unter Anrechnung von drei Monaten der erlittenen Unter- suchungShaft._ Unsittliche Schriften. Der gestern begonnene Prozeß gegen den Sekretär Baumbach in Leipzig, der sich wegen Verbreitung unsittlicher Schriften und Bilder vor der ersten Strafkammer des Landgerichts III zu verantworten hatte, ist wider Erwarten schnell zu Ende gegangen, da das Gericht von der Tortur einer Verlesung der Bücher verschont blieb. Auf eine solche Verlesung wurde allseitig verzichtet, da über den Charakter dieser Bücher ein Zweifel nicht obwaltete. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten 9 Monate Gefäng- nis und 2999 M. Geldstrafe. Der Gerichtstwf erkannte auf 3 Monate Gefängnis und 399 M. Geldstrafe. Zcitungsabonnement mit Berficher««» Dem Unfug, ein Zeitungsabonnement mit Versicherung zu verquicken, ist-der Reichstag wiederholt entgegengetreten. Noch in der letzten Session nahm er eine von der sozial-demokrati-schen Fraktion eingebrachte Resolution- an, die ein Verbot der Ver» quickung von Abonnement und Versicherung verlangte-. Da? Reichsgericht hatte sich am Dienstag mit einem Urteil des Land- gcrichts Beuthe» zu beschäftigen, daS den Herausgeber-und Ver» leger der in Kattowitz erscheinenden-„Oberschlesischen Neuesten Nachrichten", Dr. Otto Gabriel, wegen unlauteren Wettbewerbs zu 199 M. Geldstrafe verurteilt. Die Zeitung enthielt die bekannte reklamhafte Ankündigung:„Jeder Abonnent ist mit 1999 M. gegen tödlichen Unfall versichert". Tatsächlich sind aber durch die Unfall» bedingungen eine Reihe von Unfällen ausgenommen. Die Witwe sieht in der Praxis zu spät ein, daß sie sich durch die Reklame hatte täuschen lassen-. Das Wonnementsgeld ist sie los, die VersicherungS» gelder werden nicht gezahlt. Das Reichsgericht bestätigte dir Ver- urteilung. Im Interesse der ärmeren und der arbeitenden Bevölkerung läge es, wenn endlich durch ein gesetzliches Verbot diese mehr oder weniger schwindelhafte Verkoppelung von Abonnement und Ver» sicherung beseitigt würde. Deotseiier BauarbeiteneM. Zweigverein Berlin. Am 20. Oktober starb unser Mitglied, der Bauarbeiter MetiasI Andrzejewski (Bezirk Moabit). Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den LS. Oktober, vor- mittags 11 Uhr, ans dem Fried- hos der Sebastian- Gemeinde in Reinickendors- West, Humboldt- strahe, statt. 142/17 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Yerbaoii VerwalturBtilelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schleiser Paul �essmxef am 23. Oktober an Influenza ge- starben Ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonliabe»d>den 26. d. M. nach- mittag« 4 Uyr, von der Leichen- halle des neuen Thomas> Kirch- hoseS, Neukölln, Hermannstraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet Deutscher frauspertarhelter-lferhani!. Bezirksverwaliuno GroS-Berlin Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Rollkutscher Lrnst ttirsek am 23. d, MS. im Alter von 51 Jahren verstorben ist. Di« Beerdigung findet am Sonnabend, den 26, d. Mi«., nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- hall- deS EmmauS- KirchhoseS. Neukölln. Hermannstr,, auS statt. Ferner den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Breiteriräger kriedrick Heinrich am 23. d. Mt«, im Alter von S2 Jahren verstorben ist, Die Beerdigung findet am Sonntag, den 27. d. M.. nachm. 1 Uhr, von der Leichenhalle des Nazareth- KirchhoseS. Reinickcn- dors-West, Berliner Str., aus statt. Ehre ihrem Andenken k Um rege Beteiligung ersucht 67/19 Die Bezirksverwiliung Zestralvereln der Bildhauer Deulschiands. Verwaltung Berlin. Am 22. d. M. verstarb unser altes und treues Mitglied, der geichner Karl Trautvetter im 54. Lebensjahre. Die Beerdigung findet heute Freitag, den 25, Oktober, nach- -nittagS'/,2 Uhr, von der Leichen- Halle deS Neuköllner Nemeinde- Friedhofes am Mariendorser Weg luä statt. Um Beteiligung ersucht 10/14 ver Vorstand. Nach schwerem Leiden verschied am 22. d. M., nachmittags 109, Uhr, mein inniggoliebter Mann, mein guter Vater, unser Bruder und Onkel, der Gastwirt Robert Rosin im 55. Lebensjahre. Dies zeigen tielbetrübt an Agnes Rosin geb. Eckart. ülartba Rosin. Die Beerdigung findet am Montag, den 28. d. Mte., nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle des Zentral-Friedhoies in Friedrichsfelde aus statt. Am Dienstag verstarb insolg« Herzschlag meine liebe gran, unsere gute Mutter, Gcoßmuncr, Schwie- germutter und Tante 4543L Mm Leidig g°°. Vittver. Friedrich Leidig u. Kinder. Beerdigung Sonnabend, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des HeUlgkreuz-Kirchhose« aus. ür die vielensBeweise herzlichersTeil- nähme sowie sür die Kranzspenden bei der Beerdigung unseres Bruder« sagen allen Kollegen und Bekannten sowie dem Deutschen Textilarbeiter- verband(Filiale Berlin) unseren innigsten Dank. 54A Geschwister Schmidt. Tankia�_ Für die vielen Beweise herzlicher Telinahme bei der Beerdigung meine« lieben Mannes Max Liebhardt sagen allen Kollegen und Bekannten unseren herzlichen Dank. ö4A Minna Ltebhardt und Kinder. jKostSnl««» ediglich durch Empsedlung können sich Damen und Herren zwei sehr praktische, im Haushalt unent- behrlichc Artikel anschasscn. Für rege Empfehlung noch Ernaverdienst. Gest. Zuschiiste» bes. u. G. t3A0 Aniioncen-Expcd. 91ax Sprotte, Berlin W. 9, Potsdamer Str. 4. Bund Solidarität Ortsgruppe Berlin. Tonren zum Soontag, de« 27. Oktober. Alle Mteilungenl'/zUhr: Spandau, Seedurger Str. 26. Morgen Sonnabend, den SS. Oktober, in der»Neuen Welt«: 8. StlftnngNfest Mitwirkende u. a.: Karl Heinzlut- Ensemble.(4 Damen u. 6 Herren.) Nach der Vorstellung findet eine Gratisverlosung praktischer Ge, schenke statt. Eröffnung S Uhr. Eintritt 59 Pf. InNustve Tanz. Die heutige Zentralfahrwart- sthuug fällt auS. 13/4 1 Uhr nachm.: Rowawe oellersI-VerssmmIlillv! Donnerstag, den»f. Oktober. abds. S'/.Ubr, bei Beeker, Meberstr.17. Wichtige Dagesordnung. Die Bersammlung wird pünktlich eröffnet. Mitgliedsbuch legitimiert. Für die herzliche Teilnahme und besonders sür die rege Be< teiligung bei der Beerdigung unseres lieben, unvergeßlichen söhne« und Bruders gzyb (�nstnv Freyer sagen wir unsere» herzllchsten Dank. Dir tieftraurrndeu Eltern und Geschwister, Familie Freyer, Reinickendorf, Berliner Str. 69. Vertretung und Lager 200/13* bei Hermann Knnder, NeukSlle, Herrfurthitr,<5. /JtfUeidtyUui* Wer. 36965* 0»... 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Pflaumen ptd. 40, 48 pt Kaliforn. Birnen ptd. 48, 58 pt. Kallforn. Aprikosen pti 65, 80 pt, Kaliforn. Pfirsiche ptd. 46, 58 pt Sultaninen....... Pfund 65 pi. Hühner-Bouillon-Würfel Do»e 10 20 50 5ft>"ttlrk 42 80 Pf. 1.90 18.00 Olympia- Bouillon• Würfel D.10 20 so 100 sonst 28 55 pt. 1.35 2.60 12.40 Bourbon-V anxlle Glas 3 Stangen... 40, 75 Pf., 1.15 Qlai 50 Gramm 2.30, 2.50, 2.80 Kakao u. Schokolade Deutscher Kakao ptd. 60 pt.. 1.00 Haushalt-Schokolade Deutscher Kakao ptd. 1.40, l.70 1>fund 70 w. Block-Schokolade,. prund 80 pr. Vanille- Schokolade 1.20, 1.30 Verkäufe. Bette«, Stand 9,—. stiatze 70, im Stellet. Brunnen» 120051* Moritzplatz 58« ittbillia von Kava Leihhaus fauien Sie spottbillig von Skavalieren Ivenig getragene Jackettanzüge, Rock- anzöge, Paletots, grögtenleiis aus Seide, 9—18 Marf GelegenheitS- fäuse in Damen> Plüsch- Mänteln, Kostömen. Kleidern(hochelegant). Grobe Posten Pelzstola», Pelzganu- tuten, früher bis 150, jetzt 15—40 Marl. 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Bernaus Aus Anlaß des 22. Stiftungsfestes veranstaltet der � Wahlverxin Sonnabend, den 26. Oktober, abends 8 Ubr, im Saale von Salzmann, BaSdorier Straße, einen heiteren Kunstabend. Mit- wirkende: Frau Elsa Kühne-Berlin. Rezitation: Herr Emil Kühne. Sänger: Arbeilergesangverein.Freiheit", Bernau, Musikdirektor O. Pslug-Bcrnau. Darauf folgt Ball. Programm 30 Pf. Tanz 50 Pf. Hcrmsdorf, Waidmannslust und Glienicke. Sonntag, den 27. Ok- tober, früh 8 Uhr, von tcii bekannten Lokalen aus: Flugblatt- - Verbreitung. Hohen-Rcucndorf. Am 27. Oktober, nachmittags i Uhr. in der »Waldschänke" sJnhaber Blessin): Oeffentliche Frauenversammlung. Oranienburg. Am Sonntagnachmittag 4 Uhr im Lokal.Wald» hauS-Sandhausen", Schützenstr. 34: Mitgliederversammlung. Tages- ordnung: Ausnahme neuer Mitglieder. Bericht vom Parteitag. Kommunales. Besprechung der WeihnachtSbescherung für die Kinder. Parteiangelegenheiten._ Berliner Nachrichten. Herbstbilder. Der Frühling, der vor Monaten ins Land zog, hat sich in einen müden Mann verwandelt. In grauen, feuchten Schleiern, die immer seltener ein warmer Strahl durchsonnt, bietet die Landschaft sich dem Auge dar, das festzuhalten sucht, was von Erinnerungen an einem grünen, aber schon herbst- lich kühlen Sommer nöch zu halten ist. In der Stadt haben die Nlinen und Linden längst ihr Laub geworfen. Platanen und Ahornbäume sind fast die letzten, die ihre schön geformten Blätter den Passanten langsam vor die Füße segeln lassen. Besonders die Platanenblätter kommen oft in grüner, saftiger Frische herab, weil sie in unserem kurzsoninicrigen Klima ihr natürliches Ende nicht schon in der Baumkrone finden konnten. Im Tiergarten sind es besonders die feingezackten Blätter nordamerikanischer Ahornarten, die in Massen den Boden bedecken. Nicht lange mehr, und freier wird der Blick durch die entlaubten Kronen dringen. Im neuen Botanischen Garten zu Dahlem geht das Entblättern nicht so rasch von statten, weil die Zahl ausländischer Ge- wüchse dort sehr groß ist und manches Bild verfärbender Kronen winterhärterer Bäume sich länger erhält. Aber die Pracht der Schaublumenbeete, die sonst gleich hinter dem Eingang den Beiucher fesseln, ist dahin. Verdorrte Standen bilden ge- bräunte Büsche, und fast nur noch blaue Astern entfalten munter immer neue Strahlenblüten, während der größte Teil des Laubes schon vergilbt und verdorrt an der Mutterpflanze hängt. Der einst voni Chor der Frösche, vom Gewimmel der Goldfische und vom Glänze der Seerosen belebte Teich hat den größten Teil seines Wassers verloren. Ein Bild des winterlichen Niederganges schaut uns hier entgegen. Vor den hohen Gewächshäusern liegt ein niedriger Stein- Haufen. Hier standen im Sommer die Kübel mit exotischen Agaven und anderen Gewächsen mit großen, starren, fleischigen Blättern. Der Steinhaufen ist leer, denn die Kübel sind längst in den Warnihänsern in Sicherheit gebracht worden. 'Doch bakt! Ein Gewächs jfi zurückgeblieben. Es ist die mexiktinifchc Agave lgen, ähnlich Aloe genannt), die hier im Sommer blühte. Mehrere Meter hoch hatte sie ihren Blüten- .schast getrieben, der sich oben wie ein Armleuchter verästelte. Jetzt sieht man grüne Früchte daran. Unten der Schopf der großen stacheligen Blätter ist vergilbt. Nun ivissen wir auch, warum dieses mächtige Kind der Tropen hier einsam und verlassen draußen belassen wurde. Diese Pflanzen wachsen langsam, Jahrzehnte hindurch ohne zu blühen: dann Mötzlich entwickelt sich der gewaltige Blütenschaft. Ein einziges Mal und nicht wieder, denn mit der Reifung der Samen stirbt die ganze Pflanze ab. Sie hat ihr Ziel erreicht, diese sterbende Agave, und sie hat es doch nicht erreicht, denn ihre Früchte reisen nicht bei uns. Draußen, Meilen von Berlin, ist die Entlaubung nicht so rasch fortgeschritten. In den Laubwäldern bei Finkenkrug, Strausberg, Eberswalde und Chorin, an Stellen wo z. B. Buchen und Eichen herrschen, halten die Aeste ihr Laub noch fest, und man sieht, wenn die Sonne hervorkommt, an hohen Bäumen Garben von Farbensinfonien neben dunkelgrünen Kiefern i.. die Höhe schießen. So mag ed auch in den nächsten Tagen noch bleiben, und wer es kann, der mache dem Herbste seinen Besuch im farbengeschmückten Walde! Der Nachtfernsprechvcrkehr zwischen Potsdam und Berlin wird am 1. November vom Telegraphenamt in Potsdam aufgenommen. Für Nachtgespräche, die in die Zeit von l0 Uhr abends 7 Uhr morgens idileii, wird eine Gesprächsgebühr von 20 Pf. erhoben. Die Stadt hat die Garantiesumme von 2400 M., von denen die persönlichen Kosten bestritten werden, übernommen. Schwerer Bauunfall in Charlottenburg. Ein verhängnisvoller Bauunfall hat sich am gestrigen Vor mittag in der Reichstraße 2 in Charlottenburg zugetragen. Durch ein herabgestürztes Aufzugsgerüst wurde der Bauarbeiter Paul Tummer aus der Arndtftraße 33 in Berlin getötet, die Arbeiter Karl Kringel aus der Tauroggenerstraße 4 in Charlottenburg und Michael Selowski aus der Augustastraße 18 in Wilmersdorf schwer varletzt. Ueber den bedauernswerten Unfall erfahren wir folgende Einzelheiten:» Auf dem Grundstück Reichstraße 2 läßt der Fabrikbesitzer Oskar Lange, Reichstraß« 5 wohnhaft, gegenwärtig ein großes vierstöckiges Wohnhaus aufführen. Das Gebäude war bereits bis zum Dach geschotz gediehen und sollte in den nächsten Tagen im Rohbau von der Aufsichtsbehörde abgenommen werden. Um eine rechtzeitige Fertigstellung des Baues bis zu diesem« Termin zu ermöglichen, wurde mit fieberhaftem Eifer gearbeitet. Gestern vormittag gegen Uhr, als die Frühstückspause vorüber war und die Arbeiter wieder emsig ihrer Beschäftigung nachgingen, brach plötzlich das eiserne Gerüst des Lastenaufzuges, der zum Emporwinden der Bau- Materialien aufgestellt worden war, in der Höhe des vierten Stock- Werkes und der oberste Teil des Eisengerüstes, der gerade eine schwere Last an Steinen, Balken und Eisenteilen trug, kippte vorn über und stürzte, die sämtlichen Decken und Fußböden durchs schlagend bis in das Erdgeschoß hinab, wo gerade zahlreiche Arbeiter beschäftigt waren. Die Bauarbeiter Dummer, Kringel und Selowski wurden von den unter furchtbarem Krachen herabsausenden Eisen- teilen und Mauerstücken vollständig verschüttet. Unter Aufbietung aller Kräfte machten sich die übrigen auf dem, Grundstück de- schäftigten Personen sofort an die Befreiung der Verunglückten, die aber erst nach großen Anstrengungen gelang. Inzwischen war bereits von der telcphonisch benachrichtigten Unfallstation in der Berliner Straße ein Arzt auf der Unfallstelle erschienen, der die Verletzten sofort in Behandlung nahm. Die Arbeiter Selowski und Kringel hatten Arm- und Beinbrüche, Kopfwunden und schwere innere Verletzungen erlitten und wurden nach Anlegung von Not- verbänden nach dem Krankenhause Westend geschafft. Bei dem 40jährigen Arbeiter Paul Dummer konnte der Arzt jedoch nur noch den infolge Bruches der Wirbelsäule eingetretenen Tod fest- stellen. Die Leiche des Verunglückten wurde polizeilich beschlag- nahmt und nach der Leichenhalle gebracht. Dummer hinteMäßt eine Frau und sechs unerwachsene Kinder. Von der Charlottenburger Polizei ist sofort eine strenge Unter- suchung eingeleitet worden. Die genaue Ursache des Unfalles konnte bisher noch nicht einwandsfrei festgestellt werden. Es heißt, daß in den letzten Tagen das Gewicht der von dem Aufzug zu be- wältigcnden Lasten weit über das zulässige Rüaß hinaus erhöht worden ist, um möglichst schnell die Bauarbeiten ausführen zu können. Eine andere Meldung besagt: Der Neubau ist bereits bis zum vierten Stock gediehen. Dort waren gestern früh Arbeiter damit beschäftigt, in das obere Stackwerk Materialien zu transportieren. Dazu benutzten sie Wagen, die auf Schienen laufen. Entgegen der polizeilichen Vorschrift waren die Wagen überlastet und ver- mutlich war auch das Näauerwerk noch nicht genügend gefestigt. Eine der Kappen brach plötzlich durch ustd alle vier Arbeiter fielen mit dem Wagen in das dritte Stockwerk. Aber auch hier gab die 5tappe unter dem Druck der einstürzenden Massen nach und die Leute stürzten weiter bis in das Erdgeschoß. Die Rettungsgesellschaft der Wassersportvercine von Berlin und Umgegend gibt bekannt, daß die Rettungsstationen am Müggelsee, Wolzigcr See, Wannsee sowie die Warnungsstationen in Köpenick, Fricdrichshagen, Erkner und Woltersdorfer Schleuse am Sonntag. den 27. Oktober er., zum letzten Male in diesem Jahre in Betrieb sind.- Die Wassersportler werden deshalb ersucht, beim Befahren der Spree- und Havclgcwässer die größte Vorsicht zu beobachten, da auf eine Hilfe der Rettungsstationen nicht mehr gerechnet werden kann. Todesstvrz eines Kranführers. Auf dem Kohlenplatz der be« kannten Kohlenfirma Cäsar Wollheim in der Eicheiistraße in Treptow stürzte gestern nachmittag gegen 2 Uhr ein Kranführer von einem zehn Meter hohen Kran herab und fiel auf einen vorüberfahrenden Svreckabn. Der Mann hatte oben aus dem Kran in der sogenannten Laufkatze" gesessen und eS versäumt, die Maschinerie rechtzeitig zum Stehen zu bringen. Mit ihm stürzte ein Hilfsarbeiter in die Tiefe. Er zog sich durch die nachstürzenden Eisenteile lebensgefährliche Ver- letzungen zu. Da auch die mehrere Zentner schwere Laufkatze auf den Epreekahn stürzte, wurde dieser so besckiädigt, daß er nach wenigen Minuten zu sinken begann. Der Schiffseigner mußte mit seiner Familie schleunigst die Flucht ergreisen und konnte nur noch sein Mobiliar in Sicherheit bringen. Die Treptower Feuerwehr war schnell zur Stelle. Nach langer Arbeit konnte sie die Leiche des Ver- unglückten bergen. Der schwerverletzte Hilfsarbeiter wurde nach dem Krankenhaus Bethanien gebracht. Der Untergang des Kahnes konnte nicht verhindert werden. Ein schwerer Straßenbahnunfall hat sich am Mittwoch abend kurz vor 8 Uhr in der Leipziger Straße ereignet. An v-» i�cke der Markgrafenstraße wollte ein etwa 70jähriger Mann, desien Person- lichleit bisher nicht festgestellt werden konnte, kurz vor einem Straßenbahnwagen der Linie 9E das Gleis überschreiten. Obwohl der Führer des Wagens mit aller Kraft bremste, tonnte er doch nicht mehr verhindern, daß der Greis umgestoßen und unter den Borderperron geriet. Der Verunglückte erlitt eine üiehirn» erschütterung, sowie erhebliche Quetschungen am Kopse und wurde in bedenklichem Zustande nach der Charit« geschafft. Raulmbcrsall. In dem Cckhause Franseckistraße 23 und Weißen» burger Straße 54/55, in der Papierhandlung einer Frau S. Müller» wurde gestern vormittag gegen 9l4 Uhr ein Raubübe rsall unter» nommen. In dem Laden genannten Geschäfts erschien ein junger Mann und forderte von der Verkäuferin, Fräulein Gerlach, einige Sachen. Als sich diese umwandte, schlug der Mann ihr mit einer in Tuchstücke«ingewickelten Eiscnstange über den Kopf, so daß� sie taumelnd zu Boden sank. Sic konnte aber noch um Hilfe rufen, worauf der Täter, ohne etwas geraubt zu haben, die Flucht er» griff. Er wurde aber von Passanten und Hausbewohnern verfolgt» ergriffen und zur Wache des 98. Polizeireviers gebracht. Hier stellte mair ihn als den am 19. Januar 1885 zu Berlin geborenen Buchdrucker Paul Miitoto, Schliemannistr. 7 wohnhaft, fest und brachte ihn nach seiner Vernehmung nach dem Polizeipräsidium. Das schwerverletzte Fräulein Gerlach mußte nach dem- Krankenhau? am Friedrichshain gebracht werden. Der verhaftete Räuber ist kein anderer als jener Buchdrucker Paul Minoiv, der am 26. Juli 1907, nachmittags, in einer Zeit von 20 Minuten im Nordosten der Stadt drei kleine Mädchen. Grete P., Elly K. und Hertha S, mit dem Messer überfiel und schwer ver- letzte. Grete P. blieb, zweimal in das Herz getroffen, auf der Stelle tot liegen. Die beiden anderen lagen wochenlang im Krankenhause, bis sie geheilt waren. Minow war wegen epileptischer Krärnpf« wiederholt in einer Anstalt gewesen. In Herzberge ließ er Aeußerungen fallen, die ihn sehr verdächtig erscheinen ließen. Er schrieb an die Kriminalpolizei, bat um seine Vernehmung und be» schuldigte sich selbst derBluttaten im Nordosten derStadt.Mon begegnete seinen Angaben mit starken Zweifeln. Es ergab sich jedoch, daß Mmow Mitteilungen machte, die er aus den Zeitungen oder sonstwie nicht wissen konnte, und daß sich alle diese Angaben bei einer Ortssührung» die man mit ihm vornahm, bestätigten. Das Mordwerkzeug war sein Taschenmesser gewesen. In seinem Geständnis behauptete er. er habe seiner Mutter und seiner Schwester, die ihn.verrückt machen" wollten, einen Streich spielen wollen. Nach einem heftigen Auftritt sei er voller Wut weggelaufen und habe blindlings auf die Kinder eingestochen. Minow, der bis dahin noch nicht für geisteskrank erklärt worden war, kam jetzt nach der Irrenanstalt Buch. Dort blieb er bis Pfingsten dieses Jahres. Dann kam er wieder zu seiner Mutter. Diese setzte ihn aber vor die Tür. Seitdem wohnte er, ohne sich um Arbeit zu kümmern, in der Schlieinannstraße 7 in Schlafstelle._ Eine sehenswerte Ausstellung. Zu den Gewerben, welche eine schnelle und riesenhafte Eni» Wickelung durchgemacht haben, gehört auch das Buchdruckgewerbe. Ungeheuere Auflagen von Zeitungen, Zeitschriston. Katalogen und Prospekten werden täglich in kürzester Frist hergestellt und in die Welt hinousgcsandt. Äie prächtigsten Illustrationen verlassen die Buchdruckmaschine, um das Auge ungezählter Menschen zu erfreuen. In welcher Weise die moderne Technil sich dem Bedürfnis an« gepaßt hat. gute und billige Druckschriften zu erzeugen, das will eine Ausstellung veranschaulichen. die der Verein Berliner Buchdruckmaschinenmeisler in dieser Woche im großen Saale der.Neuen Welt" in der Hasenheide veranstaltet hat. Der Haupt- onziehungspuntt der Ausstellung dürfte das Modell der im Jahr« 1812 zum erstenmal in Deutschland aufgestellten Schnellpresse sein. Di« Vervollkommnung derselbensbis zur neuesten und leistungsfähigsten Rota« tioiisiiiasckine wird durch mehrere Tableaus dargestellt. Mannigfach« an den Wänden aufgehängte Druckproben zeugen von dem vollendeten Zusammenwirken guter Maschinen und guter Drucksarben, ob nun die Drucke vom Satz, von der Autotypie oder im Licht- und Tief« druckberfahren hergestellt sind. Vorzügliche Fachschülarbeiten, in Bilderausschnitten und Tonplaltenschnitteii bestehend, zeigen zugleich auch die Tätigkeit des Vereins aus dem Gebiete, seine Mitglieder technisch zu vervollkommnen. Nicht unerwähnt bleiben dürfen auch die ausgestellten Druckerzengnisse früherer Jahrhunderte, die alten Bibeln. Legendenbücher, Historikcn, säst ausnahmslos in starkem Holz- oder Sckiweinslederembande. Wer sich für den Fortschritt des GewerbefleißeS interessiert und Vergleiche zwischen einst und jetzt machen will, dem kann die AuS» stellung nur dienen. Leider ist heute der letzte Tag, da die Räum- lichkeiten nicht länger zur Verfügung stehen. Die Ausstellung ist aber von vormittags 10 Uhr bis abends 10 Uhr geöffnet, so daß mancher noch Gelegenheit zum Besuch derselben haben dürste, der mit keinerlei Kosten verknüpft ist. Der Verein für Kindervolksküchen und Bolkskinderhorte hat in seinen 16 Anstalten im Monat Septeiwber 1912 232 371 Portionen Mittagessen an bedürftige Kinder verteilt, welche demselben von der städtischen Schulbehörde, von den städtischen Säuglingsfürsorge- stellen, den Auskunfts- und Fürsorgestcllen für Lungenkranke und anderen Wohltätigkeitsbereinen überwiesen wurden. Gesunden. Am Sonntag ist am Bahnhof Treptow ein Herren» schirm gesunden worden. Abzuholen bei Schwarz, Bellermaim» straße 8/10, linker Seitenflügel I, abends von 6—8. Der Gesangverein.MSnnrrchor Ost" veranstaltet am Sonntag, den 27. Oktober, in der Brauerei Friedrichshain ein Herbstfest unter Mitwirkung des.Nordischen Trios", Frau I. Thornberg(Klavie�, Herrn I. Thornberg. erster Konzertmeister des Philharmonischen Orchesters(Bioline), Herrn Bache sCello) und deS Kammersängers Herrn Kalweit lTenor), Begleitung der Gesänge: Herr E. Thilo. Programm und Liedertexte 50 Pf. An der Kasse 60 Pf. Kinder unter 6 Jahren kein Zutritt. Saalöffnung 5 Uhr. Beginn de? Konzerls präz. 6 Uhr. Großfeuer in Charlottenburg. Die gesamte Charlottenburger Feuerwehr hatte am Mittwoch früh in der W i I nie r s d o r f er Straße 3 9, Ecke Bismarckstraße, ein Großfeuer zu bekämpfen. Der Brand wütete in dem Bodenlager der ElektrizitätSzählersabrik von H. A r o n G. m. b. H. und hatte sich bei Ankunft des ersten Löschzuges schon auf den Dachftuhl des Fabrikgebäudes ausgedehnt. Nur langsam konnte daher dem verheerenden Element Terrain ab- genommen werden. Erst naäh zweieinhalbstündiger angestrengter Tätigkeit war das Feuer vollständig gelöscht. Das Bodenlager der Firma Aron, in dem sich hauptsächlich Rohmaterielien befanden, ist größtenteils ausgebrannt und vom Dachftuhl ist nichts übrig geblieben. Die Aufräumungsarbeiten dürften sich bis in die Nach- Mittagsstunden hineingezogen haben. Eine Betriebsstörung wird in der ElektrizitätSzählersabrik nicht eintreten«. Die Ursache deS Feuers steht noch nicht fest. Unfälle sind bei den Löscharbeiten nicht vorgekommen: Zeugen gesucht. Personen, die gesehen haben, wie am Mitt« woch, de» 23. Oktober, nachmittags 5� Uhr, eine Frau Polizei« beamten nach der Wache der Weddinghalle gebracht wmve, weil sie angeblich ein Stückchen Wurst vom Fußboden aufhob, werden ge- belcn, sich bei B. Kubcnz: Antonstr. 6, 2. Hof 2 Treppe», zu melden. Insbesondere werden diejenigen Zeugen des Porganges um Angabe ihrer Adresse ersucht, die sich der bedrängten Frau sofort als Zeugen zur Verfügung stellten. Auch die beiden Frauen, die die Sistierte an der Wache erwarteten und ihre Adressen abgaben, werden, da dieselben wieder' verloren gegangen, um ihre Adresse gebeten. Vorort- Nachrichten. Charlottenburg. Die Charlottenburger Bürgerweisterwahl. Die Mehrheit be» Ausschuffes, der gestern unter dem Vorsitz des Stadtverordneten« Borstehers Kaufmann tagte, hat beschlossen, in der Stadtverordneten- Versammlung die Wahl des StadtsyudikuS Dr. Adolf Mai er in Charlottenburg zu empfehlen. Friedenau. Die Teuerungsfrage beschäftigte in'der letzten Tagung unsere Gemeindevertretung. Schöffe Lichtheim, der als Beauftragter des Gemeiwdevorstandes den Verhandlungen mit Berlin betgewohnt hat, berichtete über die bisher von Berlin tn die Wege geleiteten Schritte in dieser Angelegenheit. Trotzdem von den Vertretern von - Eharlottentmrg, Schöneberg usw. größer« Abschlüsse betr. Lieferung von. Fleisch mit der Stadt Berlin gemacht worden seien, habe er sich nicht zu einem solchen Schritt entschließen können, da nach seiner Meinung das eingeführte Fleisch, das mit 0,65 M. pro Pfund ein- getauft werde, nicht billiger verkauft weöden könne, als es auf dem Privatmarkt an der Bornstraße schon jetzt geschieht. Auch habe er sich durch Umfragen bei den hiesigen Schlächtern sowie auch persönlich auf dem Markt davon überzeugt, daß das billige Fleisch bei der Friedenauer Bevölkerung verhältnismäßig wenig Abnehmer finden werde. Ter größte Teil dieser Bevölkerung gehöre dem oessersitnierten Mittelstande an, der für ein gutes Stück Fleisch -gern etwas höhere Preise zahle. Hinzu käme noch, daß der Vertrieb om Ort noch allerhand Schwierigkeiten bereiten würde. Er habe -ungefähr 30 Friedcnaner Schlächter zu einer Besprechung in dieser Angelegenheit geladen. Zehn der Herren seien erschienen und ■ hätten ihm erklärt, daß sie den Vertrieb des Fleisches nur über- ' nehmen würden, wenn sie von der Gemeinde für all das Fleisch, was sie nicht frisch verkaufen könnten, entschädigt würden. Der - erweiterte Marktausschuß, dem diese Sache zur Bearbeitung über- wiesen Worden war, schlage aus allen diesen Gründen vor, für Friedenau von dem Bertrieb russischen Fleisches Abstand zu nehmen. Dem trat Genosse Huhn entschieden entgegen. Wenn auf den hiesigen Privatmärkten so billiges Fleisch, wie Herr Licht- heini anführte, verkauft würde, so sei doch das ein Beweis dafür, daß auch für unfern Ort ein Bedürfnis vorliege. Wenn die hie- sigen Schlächter den Vertrieb des Fleisches nicht zu denselben Be- dingungen, wie es in den andern Orten geschieht, übernehmen wollen, so müsse die Gemeinde den Vertrieb selbst in die Hand nehmen. Der Hunger und die Unterernährung herrsche in Friedenau bei der ärmeren Bevölkerung genau so wie in den anderen Orten. Er beantrage, dem Marktausfchuß noch' einmal die Prüfung der Sache anheimzustellen, da unbedingt etwas, ge- schehen müsse. Gem ei nd e ve r o rdnete r Dr, Tänzler unterstützte diesen Antrag. Für eine(Gemeinde wie Friedenau würde es einen schlechten Eindruck machen, wenn sie sich bei einer derartigen Hilfs- � akiion der Groß-Berliner Gemeinden ausschließen würde. Nach 'kurzer Aussprache wurde der Antrag des Genossen Huhn ange- nommen. Die Gemeindevertretung wird sich daher in ihrer nächsten Sitzung noch einmal mit der Angelegenheit beschäftigen. Als Waisenrat wurde an Stelle des Apothekers Freund, der Apotheker 'Fiebrantz und' als Armcnausschuß Mitglied der Lehrer, Braunschweig gewählt. Auf Antrag des Gemeindevorstandes wurden WSOO-M. uneintreibbarer Armenpflegekosten niedergeschlagen. Lichterfclde. Heute nachmittag von 4—8 Uhr findet in„Hennings Festsälen". Jungfernstieg 5, di»»G emeindevertreterwahlfllr den Osten statt. Unser Kandidat ist Genosse Kaspar Wenzel. Die Arbeiterschaft Groß-BerlinS wird gebeten. Lichterfelder Ar- bester auf ihre Wahlpflicht aufmerksam zu machen. Genossen, welche an der Wahlarbeit teilnehmen wollen, treffen sich rechtzeitig im K a i s e r h o f. Kranoldplatz 1. Am Montag, de» 28. Oktober, nachmittags von 6 i s 8 Uhr findet die Delegiertenwahl zur OrtSkrankenkasse seitens der Arbeitnehmer statt. Wahllokal: Restaurant Wahrend o r f, Baeke st ratze. Gchöueberg. Der Arbeiterradfahrcrverein Schöneberg begeht am Sonnabend, den 26, Oklober, in den„Neuen Nathaussälen", Meininger Str. 3. fein 9. SlistungSfest. Der Berein hatte geplant, vorher eine Korso- fahrt zu veranstalten. Die Polizeibehörde hat dieselbe jedow ver- boten. Der Verein glaubte, daß, wenn eS der Swützengilde gestattet Ist, in Reih und Glied durch die Straßen zu ziehen, den Arbeiter- radfahrern nicht verboten werden kann, auf ihren Rädern durch die Siraßen zu raveln. Er hak sich in dieser Annahme wieder einmal geräuscht. Die Arbeiterschaft wird gebeten, das Fest durch regen Besuch zu unterstützen, um so mehr als der Arbeiterradfahrerverein fi-d bisher jederzeit bereit erklärt hat, durch seine Mitwirkung Arbeiter- feste zu verschönern. Ober-Schönewiide. Gemcindevcrtretersttzung. Vom Gemeindevorsteher wurde mitgeteilt, daß der Vertreter Liefegang(Soz.) wegen Verzuges fein Mandat niedergelegt hat; ferner kam die Antwort des Reichs- ckanglers auf die von den Gemeinden Groß-Berlins an ihn gerichtete Petition betreffs der Fleischteuerung zur /Verlesung. So- dann wurden die von der Teuerungskommission getroffenen Maß- nahmen zur Kenntnis gebracht, welche darin bestehen, daß unent- geltltche Seefischkochkurse abgehalten- werden und ein Ver- kauf der von der Gemeinde beschafften Seefische an zwei Tagen der Woche durch ortsansässige Händler zu von der Gemeinde angesetzten Preisen stattfindet. Die Abgabe frischen Fleisches. welches durch die Stadt Berlin aus Rußland eingeführt wird, soll demnächst erfolgen. Die Schlächterinnung hat sich bereit erklärt, gegen angemessene Entschädigung dieses Fleisch in einem von der Gemeinde bereitzustellenden Laden an drei Tagen der Woche zum Verkauf zu. dringen;,.das wöchentlich« Quantum soll 30 Zentner be- tragen.'Die Vertretung erklärte sich mit diesen Maßnahmen ein- verstanden und bewilligte einen Kredit von 1000 M. zu deren Durchführung. Vom Genossen M u t h wurde noch angeregt, die Bekanntmachung dieser Maßnahmen durch Plakate zu bemerk- stelligen, da die Publikation i-m Ortsblatt in keiner Weife genüg«; dieser Anregung soll Folge gegeben werden. Durch das Aus. fcheiden von Lichtenderg und Rummelsdurg aus dem Kreise macht fich eine andere Besetzung des Kreistages notwendig; die Neu- Wahlen, welche von den Gemeindevertretungen vorzunehmen sind, werden im Laufe des Winters stattfinden. Auf die Gemeinde fallen bei der Neuzuieilung der Mandate dann 3 statt 2 wie bisher. Sine ausgedehnte Debatte zeitigte die Vorlage des Neubaues «iner 4 0klassigen Gemeinde schule. Nachdem die ver- tchiedensten Projekte von den dafür zuständigen Kommissionen durchberaten worden sind, ist jetzt ein übereinstimmender Beschluß für das vorliegende Projekt zustande gekommen, wonach auf dem Hinterland zwischen Watt- und Nalepastraße-der Bau errichtet werden soll. Auf dem Schulg-rundstück in der Wattstraße soll auch eine Turnhalle errichtet werden, die, losgelöst vom Schul- betriebe, den verschiedenen Vereinen zur Verfügung stehen soll. Es darf wohl erwartet werden, daß dann auch der Arbeiterturnverein darin ein Heim finden wird. Die Vertretung stimmte der Vorlage zu mit der Maßgabe, daß der Berkauf des Grundstückes zu den festgelegten Bedingungen vor sich geht. In die neugewählten Park- und Finanzkommissionen wurden auch die Genossen Braune und � Mu t h delegiert. Ein Dringlichkeitsvntrag des Vertreters Benz verlangte eine energische Einwirkung der Gemeinde auf die zu- ständigen Behörden in der Angelegenheit der Anlage eines Personenbahnhofes aus Gemeindegebiet für die geplante südliche Umgehungsbahn, welche in der Nähe von Köpenick die Spree überquerend die Ostbahnen mit der Görlitzer Bahn verbinden soll. Vom Gemeindevorsteher wurde eingehend über die getroffenen Verhandlungen in dieser Sache'berichtet, woraus zu entnehmen ist, daß der Personenverkehr auf dieser Bahr, nur nebensächlich in Frage käme. Was die Ausgestaltung der Ei'sendahn-Spveebrücke fstr Fuhyänger- und Fuhmrlehr anlangt, so sind diesbezügliche ' Schritte, seitens der interessierten Gemeinden unternommen;'die Fahrbrücke würde jedoch wegen der notwendigen steilen Anrampung an den Ufern scheitern müssen. Friedrichshage«. An de» hiesige» Säulen sind Plakate für die am Sonntag im Kreise Teltow statlfindeiiden Wahlen zur Versicherung der P r i v a t a n g e st e l l t e ii angeschlagen. Damit Jrrlllmet vermieden werden, weisen wir besonders darauf hin, daß hier am Orte, wie im ganzen Wahlkreis Niederbärnun, die Wahlen am Sonntag, d en 3. N o v e m b e r, in der Zeir von 12 bis 5 Uhr nachmiitagS stattfi-uden. Der Slimmbezirk b' umfaßt Friedrichshagcn, Münchebofe, Schöneiche, Klein Schönebeck, also auch die dazu gebörenden Orte Fichtenau, Grätzwalde. Privaiangestellle, welche gewillt sind, sich an den Wahlarbeiren für die Freie Ver- einigung zu bemligen, wollen sich an R. Aßmann, Friedrichshagen, Köpenicker Straße 18 oder an Otto Metz, Fichienau, Mottle- straße wenden. Martenfelde. Den Bericht vom Parteitage erstattete in der letzten Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins Genosse F e l l e r- Neukölln. Nach Erledigung einiger Vereinsangelegenheiien machte Genosse Greulich darauf aufmerksam, daß am Sonntag, den 27. Okiober, die Land, agitation statlsindet. Und zwar soll, wie üblich, Genshagen von den radfahrenden Genossen belegt werden, wählend die Genossen nach Löweubruck per Bahn gelangen sollen. Es sei hierzu eine recht rege Beteiligung erforderlich. Reinickeiidorf. Ein schwerer Automobilunfall ereignete sich vorgestern nachmittag in der Schärnweberstraße/' Don war ein Privaimiiomobil plötzlich defekt geworden und bewegte sich nicht von der Stelle Alle Be- mühungen der Leiden Insassen, den Kraitwageu wieder in Bewegung zu setzen, blieben zunächst vergeblich, obwohl eine Beschädigung des Motors nicht zu erkennen war. Als nach einiger Zeit der Chauffeur den Motor wiederum ankurbelte, funkliönierte dieser plötzlich wieder. das Auto setzte sich rasch in Bewegung und riß den Eigentümer des Autos, den Kaufmann Albert Schneider, der in diesem Augenblick vor dem Wagen stand, um. Das schwere Gefährt ging dem Sch. über Brust und Beine und verletzte ihn schwer. Der Verunglückle, der u. a. einen komplizierten Bruch deS rechten Unterschenkels, Rippenbrüche und anscheinend auch innere Verletzungen davongeiraAen hatte, erhielt von einem in der Nähe wohnenden Arzt Notverbände und wurde dann nach dem Verbandskrankenhause übergeführt. Tegel. In der Tegeler Polzeiverwaltung ist abermals eine Veränderung eingerreien, indem der bisherige Leiter, der an Stelle des vor nun- mehr 7 Monaten vom Landrät iuspendierten und von der Gemeinde- verlretung pensiöincrten Bürgermeisters Weigert amlierte. Herr Forstmeister Badstübner om 11. Oktober seine Amts- »iederlegung beim Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg an- gezeigt hak, die bereits am 17. bestätigt worden ist. An seine Stelle ist der Amtsvorsteher von Wittenau, Herr Witte, getreten, in dessen Behinderung hinwiederum der Amtsvorsteher von H e r m S- dorf, Herr Che.emu, mit der Wahrnehmung der Polizeigeschäfte vom Kreisausschuß des Kreises Niederbarnim beauftragt worden ist. Daß unter so wandelbaren Umständen die Amtsgeschäfte eines Polizeiverwalters für die Gemeinde und hauptsächlich für diejenigen ihrer Einwohner, die mit der Polizei öfter zu tun haben, nicht in dem gehöligen Tempo erledigt, sondern leider zu häufig geradezu „langweilig" werden, liegt auf der Hand. Die Einwohnerschast hat ein lebbastes Interesse daran, daß das Disziplinarverfahren gegen Herrn Weigert beschleunigt wird, damit wieder Ruhe zur kommu- ualen Arbeit, lue jetzt wirklich eines stärkeren Jmpulies bedarf, cin,:; tritt. Diese„herrenlose" Zeit in dem AmtS- und Gemeindevorsteher-" hause mutz aufhören, sonst lehrt der Ruf nach dem �Staatskommissar" notwendigerweise wieder. Lübars-Waidmannslust. AuS der Gemeindevertretung. Der Vorsteher teilte zunächst mit, daß der Gemeindeverordnete Nölte sein Amt wegen Verzug« nieder- gelegt hat. Die Feststellung des ersten AnsbaneS der Kanalisation erfolgte auf Grund eines vorgelegten Planes, aus dem ersichtlich ist, daß das gesamte Straßennetz westlich der Oranienburger Chausiee kanalisiert wird. Mit der Verlegung der Röhren in der Oranien- burger Chaussee wird unverzüglich begonnen, die Lieferung derselben soll derLirma Schwondors übertragen werden, wenn dieselbe von ihrer Offerte, welche 3278,86 M. beträgt, 2 Proz. abläßt. Diese Angelegenheit wurde auf Anttag des Genossen Luscher nicht öffent- lich verhandelt, da der Gemeinoevorsteher die Wißbegierde unseres Genossen nach den Namen der übrigen Submiitenien öffentlich nicht befriedigen wollte. Für die Vergebung der Erdarbeiten kam unter vier Offerten die der Firma Exner in Betracht.— Der Straßen- reintgungsvertrag läuft am 1. Januar ab, der bisherige Unter- nehmer bekam jährlich 3000 M.. er fordert bei Erneuerung des Ver- trageS eine Erhöbung auf 4500 M. Unsere Genossen beantragten. um eine öftere und bessere Reinigung zu gewährleisten, dieselbe in eigene Regie zu übernehmen. Zur Abstimmung und Annahme kam aber der von der Baukommiistoit gestellte Antrag: Die Reinigung straßenweise, wie eS der Zweck erfordert, dem bisherigen Unter- nedmer Klein zu übertragen.— Von den in der Planianenstraße gepflanzten Bäumen sind zirka 150 eingegangen; die Firma Späth ist laut Vertrag verpflichlet, Ersatz zu schaffen, lehnt dies aber ab mit der Behaupmng, daß die Bäume von dem starken Frost des letzten Winters vernichtet worden sind, sie ist aber bereit, die Neupflanzung vorzunehmen, wenn drei Mark pro Baum Zu- schuß geleistet wird. Die Sache wurde vertagt, um fest- zustellen, ob diese Behauptung begründet ist.— Die Kirchengemeinde soll verklagt werden wegen Herausgabe des Schullandes. Das in Lübars belegene 4Vz Morgen große Gelände, welches katasteramtlich für die Schulgemeinve LüoarS eingetragen ist, nimmt die Kirchengemeinde auf Grund«ineS Gesetzes von 1836 für sich in Anspruch. Da aber die Einkünfte aus diciem Lande in den früheren Jahren einen Teil des Lehrergebaltes bildeten, welches die politische Gemeinde zahlen mußte, erhebt dieselbe Eigentums« ansprüche. dieselben sollen nun im Klageweg geltend gemacht werden. Bei der Anstellung einer Lehrerin am 1. April kritisierte Genosse Kestin die„fliegende Klasse", er fragte den Gemeindevorsteher, wie lange dieser unleidliche Zustand noch andauern soll, der Unterricht könnte doch in den Raum des BelsaaleS, welcher vormittags leer sei, abgehalten werden. Der Vorsteher erwiderte, daß er mit dem Kirchcnooistand über die Abhaliung des Unterrichts in dem Betsaol verhandelt habe, derselbe verhalte sich aber ablehnend; somit würde wohl die fliegende Klasse erst nach einem Iahte beseitigt werden können. Genosse Lnscher meinte, man solle dann Ränine mieten und die hierbei einstehenden Kosten von den 3000 Mi, welche die Kirchengemeinde vo» uns noch zu bekontnien habe, in Abzug bringen. Im übrigen wurde das Verhalten deS Kirchenvorftandes von unseren Genossen noch entsprechend gewürdigt. Ttze andere» Herren hatten hierzu nichts zu sagen— es handelte sich ja auch nur um eine Volksschuiklasse. Ipanvau. Mii der Privatbcamtenversichrrung beschäftigte sich eine vom Zentrülverband der Handlungsgehilfen am Mittwochabend bei Krause einberufene Venammlung. M. Hi rs ch fe l d- Berlin erläuterte die Angestelltenversicherung, welche den Angestellten bei vrihältnismäßig hohen Beiträgen wenig leistet,.Das eine Gute habe die Versicherung gebracht, sie rüttele die Angestellten auf und habe eine reinliche Scheidung bervorgerufeii. Auf der einen Seile stehe u. a. der reaktionäre Hauptausschuß, auf der anderen Seite die Freie Ver- eiitigiing, welche die wirkliche Jnkeressenvertretnitg der Angestellten sei. Wie die versicherten Männer, so sind auch die weiblichen An- gestellten wahlberechtigt, welche das 21. Lebensjahr vollendet haben. Es müsse alles getan werden, um hauptsächlich die weiblichen An- gestellten aufzuklären, damit auch in Spandau bei der Wahl am 3. November die Liste der Freien Vereinigung den Sieg davontrage. Genosse Richter ersuchte gleichfalls die Anwesenden, alles daran- zusetzen, um der Freien Vereinigung zum Srege zu verHölsen. Der Leiter der Versammlung ersuchte noch, für den Zentralverband der Haudlungsgehilsen zu agitieren. Ueber den Selbstmord eines hiesigen Gemeindeschülers wird folgendes gemeldet: Unter eigenartigen Begleitumständen Hot sich gestern früh der 13 Jahre alte Gemeindeschüler' Hans Obermann aus der Lhuarsiraße das Leben genommen. Gegen 11_ Uhr vor» mittags sahen Passanten am Nordhafen des Spandauer Schtsfahrts- kanals den Jungen aufgeregt hin- und hergehen, kümmerten sich aber nicht weiter um ihn. In einem Aiigenblick, als der Verkehr weniger lebhaft war, entledigte sich der kleine O..blitzschnell seiner Kleidungsstücke, ordnete sie am Ufer, zeichnete daneben etn Kreuz auf den Erdboden und sprang dann kopfüber in die Fluten. Ein Herr Beruicke, dem das sonderbare Benehmen des Jungen aus- gefallen war, sprang ihm sofort nach und konnte ihn auch mit eigener Lebensgesahr wieder ans Land bringen. Er hielt aber nur noch einen Toten in den Armen; ein Herzschlag hatte dem Leven des unglücklichen Schülers ein Ende bereitet. Weder der Rektor der neunten Gemeindeschule, der der Knabe angehörte, noch seine Eltern können sich erklären, aus welcher Ursache der Knabe den Tod gesucht hat. Potsdam. Ein Straßenunfall ereignete fich vorgestern abend in der Neuen Königstraße. Ein achtjähriges Mädchen namens Lehmann, deren Eltern in der Weißenburger Str. 1 wohnen, spielte dort und hing .siäi an einen vorbeifahrenden Möbelwagen. Als die Kräfte sie im Stich ließen, fiel die Achtjährige herunter und brach den Arm. Das Mädchen.wurde ins städtische Krankenhaus gebracht. JugenÄbevc'egung. „Arbeiter-Jugend". AuS dem Inhalt der soeben erschienenen Nr. 22 deS vierten Jährgangs heben wir hervor: Imperialismus.— Kaiser, Bundesrat und Reichstag.— Jugenderinnerungen eines Arbeiter«. Von Robert Rudolph.— Im Mannheim-Ludwigshafener Industriegebiet(Mit Abbildungen). Von L. R.— Aus der Jugendbewegung(Lübeck, München. Oberfranken, Wien). Die Gegner an der Arbeit. Vom Kriegsschauplatz. DeS Lehrlings Leidenschronik. Beilage: Die letzte Stunde. Erzählung von Karl Busse.— Vom Schicksal deS Nibelungenliedes. Von Otto Koenig.— An der Wiege der Meliscbheit. Reiseskizzen aus Turkestan von Oslar Jahnke(Mit Abbildungen).— Heinrich von Kleist(Schluß). Von Fritz SlSner.— Bücher für die Jugend.— Die Konlurrenten. Er- zählung von Robert Grötzsch. )Zus äer Frauenbewegung. Ueber Kinderlosigkeit und künstliche Befruchtutzg sprach it« Bund für Mutterschutz(nach einem Vortrag von Professor MichelS über Hunger und Liebe) Dr. Rohleder-Leipzig. Er führt« u. a, aus: Die eheliche Kinderlosigkeit ist eine erschreckend hohe. Rund 10 Pro- zent aller Ehen bleiben kinderlos. Das sind in Deutschland bei zirka 500 000 Eheschließungen jährlich 50 000. Die Medizin hat in längster Zeit ein viel erörtertes Mittel dagegen gefunden: die künst- liche Befruchtung, die darin besteht, das Keimprodukt des Mannes -direkt in die Gebärmutter der Frau einzuführen. Nicht jede Kinderlosigkeit ist durch künstliche Befruchtung zu heilen. Diese setzt gesunde Geschlechtsorgane der Eheleute und deren Untersuchung durch den Arzt voraus. Die Hauptsache ist richtige Auswahl der Fälle seitens des Arztes. Die künstliche Befruchtung selbst ist fin vöstig schmerzloser, ohne Narkose vorgenommener ärztlicher Eingrifs, und zwar, ein auf physiologischer Grundlage basierter, völlig ein» .waudfreier Versuch- ein ärztlich-und auch reichsgerichtlich an- erkanntes Heilverfahren. Ein durch künstliche Befruchtung mit Einverständnis beider Ehegatten erzeugtes Kind ist ein ebenfalls reichsgerichtlich ehelich anerkanntes mit sämtlichen Rechlen des» selben.— Zirka 10 Prozent der kinderlosen Ehen, d..h. ein Prozent aller Ehen, d. h. in Deutschland rund 5000 pro Jahr, könnte durch künstliche Befruchtung zu Nachkommenschaft verholfen werden.(Die Zahlen scheinen uns vollkommen willkürlich, da auch nur eine Schätzung über das Verhältnis gewollter und natürlich bedingter Kinderlosigkeit in der Ehe nicht möglich ist.) Versammlungen. Verband der Töpfer und Berufsgcnosscn. In der allgemeinen Mitgkiederversammlung am Dienstag beschäftigte man sich zunächst mit dem Fensterstreik, dann hielt Genosse G i r b i g. einen äußerst interessanten und lehrreichen Vortrag über die Entstehung und EntWickelung der Trusts. Kartelle, sowie Syndikate, der lebhaften Beifall fand. Hierauf berichtete S e g a w e über die Ofensetzer- konferenz in Chemnitz. Ueber den von der Leipziger Lohnkommission vorgelegten Miusterlarif hätte man sich nicht einigen können und sollen durch eine andere Kommission neue Vorschläge gemacht wer- den. Bei Behandlung der Arbeitsnachweisfrage wäre viel darüber geklagt worden, daß ein so großer Zuzug nach Leipzig stattfände, wodurch für die Organisation unhaltbare Zustände geschaffen würden.— Unter Verschiedenem wurde beschlossen, die Sperre über die Firma Jankofski aufzuheben.— Lebhafte Klage wurde über die Tachschutz- und Ofeninstandhaltungsgesellschaft geführt. Einem älteren Töpfer hatte man den Lohn für fünf Tage im Be- trage von 35 M. einbehalten, weil er seine Arbeiten angeblich nicht sachgemäß ausgeführt habe. Wie mitgeteilt wurde, übernimmt die Gesellschaft die Instandhaltung eines OsenS für 40 Pf. An den Arbeitern sucht man sich dann schadlos zu halten; von ihnen solle man verlangt haben, an einem Tage 30 Oefen auszubessern. Nach- dem die Gesellschaft vor die Lohnkommission geladen wurde, hat sie die zuerst einbehaltenen 85 M. wieder ausbezahlt.— Für einen alten kranken Berufskollegen wurden noch 60 M. Extraunierstützung bewilligt,_ Klus aller Älelt. Vätereben! Nene Zarenschande wurde gestern durch den Telegraphen aller Welt verkündet. Wie schon gemeldet, hatte bei der M o s k a u e r Parade ein Soldat es gewagt, vor die Front zu treten und dem das Regiment abschreitenden Zaren ein Vitt« gesuch entgegenzuhalten. Väterchen, wie der Reuße im .stunipfsiuing dahinlebenden Volke genannt wird, sollte dem armen Schacher helfen. Vielleicht hing das Lebensglück einer ganzen Familie von der Gnade Väterchens ab. Vielleicht wartete fern auf dem Dorfe ein armes altes Mütterchen auf die Befreiung ihres Sohnes vom Militärdienst. Väterchen wird schon helfe», wenn er den Wunsch nur erfährt, dessen Kenntnis ihm durch die Umgebung vörenthälten wird! Und so wagte der Soldat bangen Herzens ben diszipliilividrigen Schritt. Furchtbar muß er den Glauben an seines Herrschers Gnade büßen. Zu lebenslänglicher Zwangs- arbeit hat ihn das SmolenSker Militärgericht verurteilt. Offenbarer Wahnsinn kann nur das entsetzliche Urteil diktiert haben, das ein Menschenleben mit einem Federstrich ausstreicht. Wie furchtbar, muß der durch solche Verbrechen au der. Justiz erzeugte Haß sich dereinst auf die Herrschenden in Rußland entladen? Die brutale Willkür, diktiert von der. schtotternden Angst, bereitet den Boden vor für revolutionäre Erhebungen. Den Kameraden.deS Verurteilten müßte ja jedes Hirn fehlen, wenn sie aus dem Justiz» mord nicht ihre Lehren zocken. So sorgen die russischen Machthaber dafür, dah die revolutionäre Stimmung unter dem Militär immer weitere streite ergreift. Ein Thron, der sich auf die Bajonette stützt, und durch furchtbare Bluturteile die Bajonette zum Denken bringt, muß zusammenbrechen. Wieviel Verbrechen mag bis dahin das väterliche Regime noch auf sich laden?_ Ein Niesen-Versammlungs lokal. Man schreibt uns: Frankfurt mag in manchen Dingen den ersten internationalen Großstädten noch nicht völlig ebenbürtig sein, einen Ruhm bat es aber neuerdings allen voraus, nämlich den, eines der größten Versammlungslokale der Welt zu besitzen. Der Frankfurter Arbeiterschaft war es gelungen, diese Riesenhalle für ihre Proteslversammlung am verflossenen Sonntag zu gewinnen. Es war das erste Mal, daß eine sozialdemokratische Ver- sammlung in der Festhalle, die aus städtischen Mitteln erbaut ist, tagte. Unter dein Regime des Oberbürgermeisters Adickes war die Halle den Arbeitern zu Versammlungen stets unter den nichtigsten Vorwändcn verweigert worden. Doppelt groß war die Freude unserer Frankfurter Genossen, daß sie nun endlich einmal die Halle in ihrem Sinne einweihen konnten. Dort also, von der Stelle, wo vor kurzem anläßlich des Schützenfest- rummels ein Hohenzollernprinz eine.herausfordernde Rede" hielt, sprachen am Sonnlag vor einer Riesenmenschenmenge sozialdemo- kratische Redner. Ungefähr 20 000 Menschen füllten den gewaltigen Raum. Die weite Fläche des Parterres besitzt schon eine gewaltige Aus- dchnung, ringsum steigen die Ränge bis zur Höhe des Daches hinauf. Erhebend war der Anblick, der sich bei der Abstimmung der Resolution bot. als vom Parterre bis zur höchsten Galerie sich die vielen, vielen tausend Hände emporreckten. Glanz- volle Feste hat die prächtige Halle schon verschiedentlich gesehen, aber ob es dabei zu einem so imposanten Anblick gekommen ist, möchte man mit Recht bezweifeln. Mit dieser Protestkundgebung legte auch die Riesenhalle ihre Feuerprobe als Versammlungslokal ab.„Wo wird sich der Redner finden, dessen Stimme in diesem großen Räume durchdringen kann", hatte einst Herr Adickes gemeint, als man schon einmal eine Versammlung darin abhalten wollte. Diese Befürchtung hat sich als nichtig erwiesen. Die Akkustik der Niesenhalle ist so vorzüglich, daß man im entferntesten Winkel einen Redner noch deutlich und ftar verstehen kann. Erwähnt sei noch, daß das Dach dieses weiten Raumes vollständig von den Wänden ge- tragen wird, die Mitte wird also durch keinerlei Stützsäulen derun- ziert. Der Erbauer des stolzen Bauwerkes ist der bekannte Städte- bauer Bruno T h i e r s ch. Fürwahr, er hat mit dieser Festhalle eins« prächtigen Beweis seines Könnens erbracht. Kleine Notizen. TodcSfiurz eines amerikanischen Fliegers. Der amerikanische Aviatiker Louis Mitchell stürzte, als er am Mittwoch in Montgommery in einem Gleitfluge landen wollte, aus einer Höhe von ungefähr 100 Metern ab und war sofort tot. Ei« Ehedrama. In Erdeborn bei EiSleben wurde Mittwoch früh der Straßenmeister Würzburg in seiner Wohnung erschossen auf- gefunden. Im Hausflur fand man seine Ehefrau mit einer schweren Kopfwunde. Die Frau starb im Laufe des Nachmittags. Würzburg hatte infolge ehelicher Zwistigkeiten seine Frau erschlagen und dann Selbstmord verübt. Im Zeitalter der Zivilisation. Im Hofe des Bielefelder Gerichts- gefängnisies wurden gestern morgen 1 Uhr die beiden 2S und 24 Jahre alten Brüder Alex und Anton Gtadtkewitz, die am 28. April vom Bielefelder Schwurgericht wegen Mordes zum Tode verurteilt worden waren, durch den' Scharfrichter Gröpler aus Magdeburg hin- gerichtet. Die beiden Mörder haben in Gemeinschaft mit dem Gelegenheitsarbeiter Wiellich im November 1911 in Herzenbrock den! Polizeibeamten Ellermann erschossen. Erschiittsrndes Familieodrama. In Zerbst erschoß gestern mittag der Getreidehändler Paul Siebert seine Frau, seine beiden Knaben im Alter von 8 bis 0 Jahren und dann sich selbst. Als Motiv zu der Tat wird ungünstige Geschäftslage angegeben. Jugendveranstaltungeu. Tempelhof-Marieudorf. Sonntag, den 27. Oktober: Kartoffel- und Heringspartic nach Heiligensee(Dorf), Cass Windbock. Treffpunkt für Äiariendori'/28 Uhr Kanalbrücke. Für Tempclhoj'/,8 Uhr Kaiserin- Auguslaftraße. Für Nachzügler den ganzen Tag inHeUigcnsce, Gase Wind- bock Fahrgeld hin und zurück 4» Ps. Eine Portion Kartoffeln und Hering 30 Pf. Die Arbeiters chast wird ersucht, ihre schulentlassenen Söhne Mld Töchter aus diese Veranstaltung aufmerksam zu machen. Pankow-Niedcrschönhauscn. Eine Herbstscier sür die schulentlassene Jugend in Form eines Bollsliederabends veranstaltet am Sonnabend, den 26. Ottober, im.Pankgrasen". Schloßstr. 6, der Jugendausschuß. Nach den allgemein anerkannten guten Darbietungen früherer Veranstaltungen wird aus rege Unterstützung der hiesigen Arbeiterschast gerechnet. SInsang 81/, Uhr. Entree 30 Ps., Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Zutritt. Die Eltern wollen ihre schulenllaffenen Söhne und Töchter aus diese Ver- anstaltung ausmerksam machen. Reinickendorf-Oft. Die jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen treffen sich am Sonntag, den 27. Oktober, Mittags 12 Uhr, bei B i e w a l d, Proomzstr. 92, Ecke Grünerweg, zum gemeinsamen Besuch der Arbelterwohlsahrts-AuSste.IIung in Gharlottenburz. Um recht rege Betelligung ersucht Der Jugendausschuß. Arbeiter. Wauderverein„Berlin". Sonntag, den 27. Oktober: Besichtigung Bernaus und der Marienkirche. Waldkater, Ledeburg, Bernau. Abfahrt 7,30 Stettiner Vorortbahnhos. Teilnehmerkarten sür Mitglieder 30 Ps., sür Gäste 4v Ps. inkl. Nachmittagskaffee sind bei Wählisch, Skalitzcr Straße 22, G. Weihnacht, Grünstr. 21 und beim Führer zu haben." Arbeitertouristenverein„Tie Naturfreunde", Ortsgruppe Berlm. Sonntag, den 27. Oktober: Wanderung nach dem Gr. Klobigsce, Prictz- Hagener Mühle, Buckow(Märkische Schweiz). Absähet nach Müncheberg vom Alexanderplatz srüh 6.48, Schlesischer Bahnhos 7 Uhr. Deutscher Arbeiter- Abstiuentcndund. Ortsgruppe Groß-Berlin. Bezirlsverjammlung Norden, Danziger Str. 93, Freitag, den 2S. Oktober, Vortrag des Genassen Brannthal über: Kunst und Sozialismus. Diskusston. Gäste willkommen.— Versammlung Osten, Freitag, den 2S. Oktober, „Andreas-Festiäle", Andreasstraße 21, Vortrag des Genoffen Frank: „Darwinismus und Marxismus". Eingegangene vrucksckriften. Von der„Reuen Zeit" ist soeben das 4. Hest deS 31. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Hefte» heben wir hervor: Theodor Bömel- bürg. Von P. U.— England und die Balkankrise. Von Th. Rothftein (London).— Das Reichspetroleummonopol. Von Spectator.— Gefahren für das Kapital. Von H. Molkenbuhr.— Die Kapitalskonzentration im Ruhrbergbau. Von G. Werner(Essen).— DaS, was ist. Auch ein Epilog zum Parteitag. Von Emil Kloth.— Bayern und die Getreide- zölle. Von Kaspar Schmidt.— Literarische Rundschau: Republiken. Von ew. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- bandlungen, Postanstaltcn und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Hest tostet 25 Pf. Bmffurten der Expedition. Patienten in Beelitz, Buch und anderen Heilstätten. Diejenigen u»serer Abonnenten, di» noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätl« bleiben, trotten uns wegen ver Ueberweisung von Frei- exemplaren sofort ihre wvreffe einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des n»pen Monats von der Post nicht geliefert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. Briefkasten der Redaktion. Dir fnristiichr Eprechstundr findet Ltnden strotze SS, vorn vier Treppen — yntzrstnpr—, woqrn«Sglich von sz-, dt» 7r-> Uhr abend», Eonnabends, von 4M> bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Briefkasten bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zaht als Mertzeichen betznfiigen.»titflicht Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen leine Abonncmentsqulttnng beigefügt tft, , erden nicht deanlwortel. Eilige Fragen trage man tn der eprrchstundc vor. Schloffer IVO. Die Behandlung muß durch einen Kassenarzt erfolgen, wenn nicht die Kaffe ihre Zustimmung zur Behandlung durch einen an- deren Arzt erteilt. DaS stniutenmäßige Kranlengcld ist zu zahlen.— — H. H. 19. Sie können die Scheidungsklage einreichen, welche Aussicht aus Erfolg hat. Falls für Ihre Frau ein Vormund oder Pfleger noch nicht bestellt ist, stellen Sie einen dahingehenden Antrag beim Amtsgericht Char- lottcnburg. Die Scheidungsklage ist beim Landgericht Berlin III durch einen bei diesem Gericht zugelassenen Rcchtsanwall zu erheben und muß dem Pfleger oder Vormund Ihrer Frau zugestellt werden.— H. 53. Ist Ihre Tätigfeil diejenige eines gewerblichen Arbeiters, so bleiben Sie auch bei einem Einkommen von mehr als 2000 M. weiterhin versicherungs- p süchtig, lieben Sie eine andere Tätigkeit an», so empsehlen wir sreiwillige Weitervcrsicherung, indem Sie innerhalb zweier Jahre 2V Marken einer beliebigen Lohnklasse verwerten und die Karte jedesmal vor Ab» laus der zwei Jahre umtauschen; dadurch erhalten Sie Ihre Rechte. Marttbcrtcht von Berlin am 23. Oktober 1912, nach Ermittelung des lömgl Polizeipräsidiums. Markthallenpreise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbjen, gelbe, zum Kochen 30,00—80,00. Speisebohncn, weiße, 86,00—60,00. Linsen 85,00—60,00. Kartoffeln(Kleinbdl.) 6,00—7.00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch ILO— 1,80. Schweinefleisch 1,60—2,40. Kalbfleisch 1.40—2,40. Hammelfleisch 1,40—2,40. Butter 2,40—8,00. 60 Stück Eier 4,20—6.00. 1 Kilogramm Karpten 1,40—2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,40—3,60. Hechte 1,40—2,80. Barsche 1,00—2,40. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 2,00—30,00._ WitterungSüberstcht vom 24. Oktober 1912. Wetterprognose für Freitag, de« 25. Oktober 1912. Ziemlich kühl, vorwiegend nebelig aber wolkig bei mäßigen südöstlichen Winden! keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. WafferftandS-Rnchrtchten der LandeSanstalt für Gewäfferwndr, mitgeteilt vom Berliner Wellerbureau. ')+ bedeutet Wuchs.— Fall.—») Unterpegel. Leipziger Str. Alexanderpl. Pf. Ramm II. Querrliipe 70 Brust ii. Fahlrippe■><- 80» Schmorfleisch» r-.-»™ Roulfläe......... pi««" Schlerhrafen...... Röhrhrafen....... Schoufelhraten.... p™« Oorderfliet..... Pfund 1° r 1°° l00 |30 Otst- und(jemiise Kochäpfel........ 5 ptund 45 pl Grosse Reinetten— Pfund 1 0 Pf ÄOpfel kalifornische... Piund 3 5 Pf- Essäpfel.........» piund 45 Pf. Kochhirnen.......» piund 30pf Riesenblank......- Phmd 25 Pf. Almena-Weintrauben piund 33pf. Traubenrosinen.... Pfund 65 pi Schalenmandeln.... pfund 7 0 Pf. Feigen........... Kiste 30 Pf. Maronen.......... p�d 16 n Blumenkohl... Kopf 20, 25 pl Rosenkohl.......»piund 20pf. Grünkohl........ 3 Pfund 20 Pf. Rote Rüben...... s Phmd 20 pi Wtiss-, Rot-, Wifsingk ohl Kopf 3,5,3 Pf Räucherwaren Flundern.......... Pfund 35 pl Kieler Sprotten... Pfund 60 pt. Lachsbücklinge.... stuck 5pf Aale.............. Pfund I05 Bücklinge......... Kiste 40 Pf Bund Aale........ Bund 40 pt. Sprottbücklinge.,. Pfund 30 Sardellen....... pfund 75. 95 pi. Frisches Fleisch Bratiaarst......... 80» kr. Schlnhen......."««<> 85» Kalbskeule........ l00 Schuelnekotelett•"■«<< 95 fr.Schuelnekamm: apS SO PMamm.......-><«90--,, Rflckenfelt........«««<- 85->- Kassler......-->««<- 85, so Wild und Gefidfiel 1 Ragout Blatt ROoken Keule.. Kirsch pm 35«. 70?< so pi. l°» Bratsanse.... PI--- 52,58 .... Stack 18 Pt . 80 pt dt- 200 Rehkeulen.,,,st.-kk°°bt-8 Fasanen....... s.« rvz 50 75 RramtsvSiel BrathQjmer Oderbracher Silase 75» Suppenhühner..... 1 bis bis Fische Leipziger Str. Alexanderplaix Leb. Rechte üb.7Pfd scbver.Pfd 7 5 PL Leb. Rechte unt 7Pfd schwer.pfd 8 8 Pf Leb.Schttpp,-Karp{enpfd7 5, 60 Pf Leb. Spiegel-Karpfen pfd7 3, 35 Pf Leb. Ääl mittelstark..... Pfd. 9 3 Pf ' Leb. Rlütten........ p-d. 45 Pf Schellfisch.......... 17,25 pi. Kabeljau fm Ganz, ohne Kopf Pfd. 1 9 Pf. S66laChS im Ganzen. Pfd 1 3, 22 Pf. Goldbarsche......... Pfd. 2 2 pf. Fr. Forellen u. Saiblinge Pfd. 5 5 pl Rotzungen.......... Piund 20 pl Gr. Schollen....... Pfund 3 0 pi. Tafellachs 55 98 pi. Frischer Haffzander.. Pfund 65 pl Frische Barsche pwd 20 pl Gänse-Artikel Gänsekeulen...... stuck 70 pl Gänseklein mit Magen.,... 85 Pk. Gänsebrust....... Pfund 1 10 Stückenfielsch..... pfund 65 pf. Gänseliesen...... pfund I20 Gänsehautfett..... Pfund 85 p, Gänseleber........ Pfund I50 Gänserümpfe.« M. pfund 1 00 HERMANN HEIZ LEIPZIGER STRASSE ALEXANDERPLATZ FRANKFURTER ALLEE • tS-A a« fltlfiffe ßebemmiM s Utr (naiiinijssieiiu IM orde" Amt Rorde». 3!t. 1239. Eharitvstrasse B. Amt Norden, Nr. 1987. ScheMelie pMseke Vmsmmlmgm. aStoffe Achtang! Rohrleger u. Vetter. Achtang l Sonntag, den 37. Oktober, vornnttsgs 10 Uhr: Sranehen'Versammlung der Rohrleger und Helfer im großen öhial des Gewerkschaftshauses, Engelufer i5. Die Tagesordnung wird in der Bersammlung bekanntgegeben. - Mitgliedsbuch legitimiert.- Jedes Mitglied wird dringend eriucht, bestimmt und pünktlich zn erscheinen Sonntag, den 37. Oktober, vormittags 10 Uhr: Kranchen-Nersammlung aller Wickelei- und Jsolationsarbeiter und-arbeiterinneu im Voigt-Theater» Badstraße 58. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Wissrll. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird erwartet. Sonntag, den 37. Oktober» vormittags 10 Uhr: SH-aneKen»Versammlung der Eisen-, Metall- und Revolverdreher sowie Rundschleiser in bell Musiker-Festsäleu, Kaiser-Wilhelm-Straße 18m (großer Saal). Tagesordnung: 1. Bortrag des Genossen Eduard Bernstein:.««lernte und nn» gelernte Arbeiter in der deutschen Metallindnftrie'. 2. Stellungnahme znr Gründung einer Branche füt die Metalldreher. 3. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. IM- mtgliedsbach legitimiert."W ES wird erwartet, daß in dieser Versammlung alle Kollegen erscheinen, niemand darf sehlen. Sonntag, den 37. Oktober, vormittag? 10 Uhr: Dranchen- Versammlung der Mtchkugmcher(SchuMbauer, Fehrenbauer, Schneid- ieuglullcher. Einrichter, ScharWeifer) sowie oller iv den KuchdttickmßschinenfllbriKen beschästigte» Kollege« in den„Arminhallen", Kommandantenstraße 58/59. Tagesordnung:» 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verbands- und Branchenangelegen. hellen. UM- Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt!-W» In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist eS Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Sonntag, den 37. Oktober, vormittags 10 Uhr: sottiet�ung der Mitglieder-Uersammwng für Kaumichulenmg vom 13. Oktober ISIS in Serpentins Festsälen(vorm. Speer). Vaumschulenweg, Baumschulenstraße 78. Tagesordnung: 128/18 1. Einführung der Hanskassiernng für Baumschuleuweg. 2. Wahl der Hauskassterer. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen erwartet vle Ortsverwaltang. wöthentliche Teilzalilung liefere elegante Sehiffseiper, Boots-«. Stenerlenie jieizer«> Maschinisten! Sonntag, den 27* Oktober 1912, nachmittags BV« Uhr, in Kellers„Neue Philharmonie", Köpenicker Str. 96/97(Ecke Jnselstr.), zu Berlin: Oeffentliche Schiffer- Versammlung. Tagesordnung: „Volkssntrevbwns. Volksslenä unä Krisgsgöfsbr". Referent: ReichSIagSabgeordneler«eerg lldavldaali».— Diskusston. 20518 Der Etnberufer: Richard Herbst, Berlin, Lettestr. 7. für elegante HaflanzDge, Ulster, Paleto's, Mtr 4,—, 5.—. 6.— M. etc. Damentuche, KostQmstaffe, Flausch, Mtr. 3.—, 4.—. 6.— M. etc. Loden f. Wetterpelennen, Mtr. 1.50, 2.50 M, Persianer, imit, Mtr. 6.50, 8.50. 11.5U M. Plüsche, seiden• Seal, für elegante Oamenpaletots Mtr. 9.50, 16.- M. Tuchlager Koch& Seeland G. m. d. H, ßertrauilteastr. 20/21 ÄÄ" Möbel jeder Art WobQQiigseiDrietitunseii Kronen f. Gas u. Elektr. in jeder Preislage von den billigsten bis zn den allerfeinsten neu und gebraucht Speditioiis-Speieiier Neue Friedrichstr. 5—8, alte Kaserne, Hof. feinste 2 Pfennig Cigarette Biendax Pf ft dem Sdteuemanncheii r Verwaltang Berlin. Die Sitzung der Ortsverwaltung fällt heute aus. SRusikinstrumentetiarbetter Montag, den 28. Oktober, abends 8 Uhr. im Gewcrkschaftshans«. Engelnfer IS. großer Saal: Bvanthcn»Versammlung. 1. Die am 17. TageSordnnng: und 18. November in Berlin stattfindende Konferenz der deutschen Musikinstrumentenarbeiter und Beratung der hierzu gestellten ~""-——_...-•" Die gegenwärtige Anträge.' 2. Wahl von Delegierten zur Konserenz. Situation in unserem Berufe. Die Anwesenheit sämtlicher BerdandSmitglieder iustrumentenindustrie ist dringend erforderlich. Mitgliedsbuch legitimiert k 3. aus da Musik» Um pünktliches Erscheinen ersucht Die Branchenleitnng. Aus Anlast der Klavierarbetterkonferenz findet am Sonntag, den 17. November.«In Fetttkommers statt, zn welchem am nächsten Sonnabend Billett» o 30 Pf. in folgenden Zahlstellen zu habe» sind: Bieberslein, Adalbertstraste 59; Merkmann, Droste Frankfurter Straße 16; Grosse, Neukölln, München« Straße 53; Lerche, Gleimstrast« 70. Kfiehenmdbel- Sratiehe. Montag, 28. Oktober, abend» 6 Uhr, in Hnbcrlands Festsälea, Nene Friedrichstraße SS i Branchen»Versammlung. Tagesordnung wird in d« Versammlung bekannt gegeben. Mitgliedsbuch legitimiert! Die Moinint«»«!»». am Sonnabend- S. November. statt. Billetts NB. uns« Herbft-Vergnttgen Dnderlsnckn Feftsälen. Reue Friedrichstr. 3S, Vers« in werden noch in der Friedrichstr. ersammlung ausgegeben. Lckeuett- Reinißt- Putzi Alles Blitzblank Pakete zu 10 u.20 P£g: Fabrik: Urban c Lemm. Qiarlollenbur� Knaben-Änziige, Diäter— P.vjaks, einfache u. ele> ante Sachen, jetzt billig direlt in der sabrik Datier Stelnsveg IS, III, gegenüber Nathans.— Daselbst auch einzelne Herren-Anzüge weit unt. Preis. Dr.Simmel Spezial-Arzl für Haut- und Harnleiden. PrinzenstF. 41, 10—2. 5—7. Sonntags 10—12. 2—4 Verkauf nur Im Fabrikgcbiludc! I Sie sparen Geldllr ÖbeR ti'ti Möbelfabrik 35 Ii Einsetzer. Sonntag, 27. Oktober, vorm. 10 Uhr, bei Merkowskl. AudreaSstr. 26; Branchen-Verfatntnlung. Tagesordnung: 1. Bericht vom III. Quartal. 2. Verbands» und Branchenangelegenheite». Sonntag, den 37. Oktober 1013, vormittags 10 Uhr! MbMlUN-VksSWMlllllg ~ in den Comenius-Festsälen, Memelcr Str. 07. Tagesordnung 90/8 1. Bericht der Branchenkonmilsttlon. 2. Branchcnanjjeleijonhclten. Alle in der Zischbranche beschäftigten Zischler, Polierer, Maschinenarbciter. Tcilarbetrer und auch die ungelernten HilfS» arbeiter müssen erscheinen, ebenso auch die Kollegen»«eiche dem Xt ansvortarbeiicr-Uerband angehören. IMF" Zwecks Kontrolle wird der Besuch der Bersammlung im Mit- gliedsbuch durch Stempel legilimierL— Die Versammlung wird pünlilich «ösinei._ Die Ort.verwaltnng. Verband der Hausarzt-Vereine Bezirk Wedding-Gesundbrunnen! Vorsitzender und Geschäftsstelle: Otto Wölke, Berlin N. 31, Bninnenstr. 84.- 6. Stiftungsfest» Sonnabend, den 20. Oktober 1012, < in Ballschniledero KaKtanlensvIlldchcn, Badstr. 10: J > > Konzert. □□□□□ Theater. □□□□□ Ball.! Gastspiel des Voigt-Theaters, Badstr. 58. Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf.[ 297/20 Der Vorstand.» fertig und nach Mass. Garantie fUr tadellosen Sitz und feinste Verarbeitung, J. Kurzberfi Mass-Schneiderei aMsssm���Äi™ Rosenthaler Strasse 36, I, am Hackesche» Markt Frankfurter Allee 104, pari, Ecke Friedenetraeee Reinickendorfer Strasse 4, am weddingpiatz Nerantworilicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Lnferatenteil verantto.: Th. Glocke, Betlin. Druck».Vertag: Vorwärl»�iöuchdruckere> tüVerlagSanstalt Paul Singer u. To.. Bertin SV/, m H. Walter m Willi Maaß, ,eä 35| II Tel.: A. III. 5157 kaufen. Verkauf, nnr im Fabrik gebände— eigene B Tischlerei und Polsterei.— AufWunsch Teilzahlung. 35 H Permanente Musterzimmer-Ausstellung. HH 35 $ .4° ig/! -? \ Achtnn jteisemuster Ulster, Paletots Anzäse und Hosen gebe an Private zu Fabrikpreisen ab. HerrenkIeider=Fabrik J. Coper, Alexanderstr. 55 Fahrstuhl (■neben der Alexundcr-Kascrno) Geöffnet bis 7 Uhr abends, öonntags von 1Ä— Ä Uhr. ♦ Nr. 250. 29. Iahrganz. 3. WM kä Jmüättö" Inlinrt Boltelilnlt. krettag. 25. Oktober 1912. Gcwerkrcbaftlicbca. Der„lästige" Husländer. Wer kennt nicht die Methoden der Bergbaugesellschaften, Arbeiter unter den schönsten Versprechungen aus dem Aus- land hereinzulocken und sie dann zu erheblich niedrigeren Löhnen, wie sie die einheimischen Arbeiter erhalten, zu be- schäftigcn. Werden die so Herbeigelockten dann die Täuschung gewahr und fliehen sie die gepriesene Arbeitsstätte ohne Einhaltung der vorgeschriebenen Kündigungsfrist, so verfallen sie der Ausweisung. Das mutzte erst wieder ein Arbeiter Jan Mraz erfahren. Ein Agent hatte ihm die Grubenarbeit in Hamborn als ein paradiesisches Leben geschildert und ihm hohen Verdienst ver- heitzen. Der Arbeiter fiel auf die Versprechungen, wie so viele andere, hinein. Nachdem er sechs Wochen schwer und ehrlich geschuftet hatte, zahlte man ihm für 36 Schichten als Arbeitsverdienst ganze 13 M. aus. Das übrige wurde für die Menageverpflegung, die selbst diesen unverwöhnten Gaumen nicht befriedigte, in Abzug gebracht. In seiner Em- pörung über diese Art Entlohnung verlietz der junge Mann das Grubeneldorado ohne Einhaltung der vicrzehntätigen Kündigungsfrist. Er suchte und fand in Benrath bei Düsse!- dorf andere Arbeit und lebte ruhig für sich, keinem Menschen in den Weg tretend. Die ihm durch Vermittelung der dortigen Bürgermeisterei zugestellte Steuerrechnung der Stadt Hamborn zahlte er bereitwillig. Aber das alles konnte ihn vor der Ausweisung nicht retten. Eines� Tages flog ihm folgendes, die preußische Gastfreundschaft bezeichnende Kulturdokument zu: Ausweisungs-Versügung. Mit Genehmigung des Herrn Landrats zu Düsseldorf wird der Fabrikarbeiter Jan Mraz, geb. am 4. Dezember 1892 zu Sokove Sany, Kreis Budejovice. wegen Kontraktbruchs aus dem preußischen Staatsgebiet ausgewiesen und ersucht, dasselbe binnen drei Tagen zu Verlasien.— Uebertretungeu dieser Vorschriften ziehen nach§ 132 des Landesverwaltungsgesetzes vom 30. Juli 1883 eine hiermit angedrohte Geldstrafe von 60 M. enventuell eine Woche Haft nach sich. Benrath, den 17. Oktober 1912. Die Polizeiverwaltung. Der Bürgermeister. Mehliß. Die Moral von der Geschichte ist: Preußen duldet nur solche ausländischen Arbeiter, die willige Knechte der Unter- nehmer sind und sich als ergiebige Instrumente der Aus- beutung gebrauchen lassen. verlin tincl Omgcgend. Zu dem Streik in der Bonbonfabrik von Seifert«. Haake, Lietzniannstr. 20/21, wird uns mitgeteilt, daß die Firma in bürger- lichen Zeitungen erklären läßt, der Streik sei beendet. Dies trifft in keiner Weise zu. Freude hat die Firma an ihren arbeitswilligen Swäschen noch nicht erleben können. In den Fabrikräumen steht der Absall zentnerweise herum. Die Konsumenten verzichten ebenfalls auf den Genuh der Seifert u. Haakeschen Zuckerwaren. Der Absatz der Firma ist um die Hälfte zurückgegangen. Die Reisenden geben sich die größte Mühe, die Kundschaft zu beschwatzen. Märchenhafte Löhne sollten die Streikenden verlangt haben, die keine Firma be« willigen könnte. Wir wollen nur feststellen, daß für Arbeitsburschen 12 M. und für gelernte Arbeiter, darunter sind ein groher Teil Verheiratete, 2ö M. Lohn verlangt wurde. Diese Lohnforderungen find gewiß mehr als bescheiden. Trotzdem lehnte die Finna jede Verhandlung ab. Die Streikenden stehen fest, wie am ersten Tage. Zur Aussperrung der Zigarettenmacher in �k»ukfurt a. M. Vor einigen Wochen wurden von der ägyptischen Zigaretten- firma Nestor G i n a k l i s in Frankfurt a. M., die dort beschäftigten Zigarettenmacher ausgesperrt, weil sie eine ihnen von der Geschäfts- leitung aufoltroiyerte Arbeitsordnung nicht unterschreiben wollten, die ihnen erhebliche Verschlechterungen im Lohn- und Arbeitsverhältnis bringen sollte. Weiter wurde von der Geschäftsleitung mit allen Mitteln versucht, die mühsam aufgebaute Organisation der be- schäftigten Arbeiter zu zerstören. Nun wird aus den Reihen der bei G i n a k l i s beschäftigten Arbeitswilligen versucht, hier in Berlin namentlich o r i e n t a- lisch e Zigarettenmacher unter Vorspiegelungen verschiedener Art nach Frankfurt a. M. zu locken. So gibt man vor, daß ein Streik bei der Firma Nestor Ginaklis nicht bestehe. Demgegenüber weisen wir darauf hin, daß die vom Deutschen Tabakarbeiterverband über den Betrieb verhängte Sperre nach wie vor besteht. Von den zuständigen Instanzen in Frankfurt c»> M. ist über die Waren der Firma der Boykott verhängt worden. Wir ersuchen dafür Sorge zu tragen, daß der Zuzug von Zigarettenmacher» nach Frankfurt a. M. streng ferngehalten wirb. Die SektionSleitung der Zigarettenbranche Berlins. Oeutlehea Reich. Die Wahlen zur Angestelltenversicherung. In Würzen i. S. erhielt der Hauptausschuß 180, der Werk- meisterverband 85, die Freie Vereinigung 76 Stimmen.— In Glauchau i. S. erhielt der Hauptausschuß 229, die Freie Ver- einigung 59 Stimmen.— In Nordenham erhielt der Deutsch- nationale Verband 25, der Werkmeisterverband 44, die Fabrik- bcamten 16, die Freie Vereinigung 26, eine Werkangestellten- Vereinigung 69 und die Beamten den- vereinigten Seekabelwcrke � 33 Stimmen. Erhält auch in den letztgenannten drei Orten die Freie Vereinigung nur einige Ersatzmänner, so ist selbst dieses Wahlresultat für die Freie Vereinigung kein schlechtes. In den großen Bezirken aber scheinen sich die Wahlen für die Freie Ver- einigung in Anbetracht der unter den Privatangestellten zerrissenen Organisationsverhältnisse schier unerwartet günstig zu gestalten. Zur Aussperrung in der Uniongießerei in KSnigsberg. Die Direktion wollte den streikenden Hilfsarbeitern eine Teuerungszulage von 21 M. bewilligen, die jetzt, zu Weihnachten und zu Ostern auS- bezahlt werden sollte. Nack Ostern sollte es nichts mehr geben, da dann nach Meinung der Direttion die Teuerung beendet fein wurde!! Ein recht hübscher Aprilscherz. Die Arbeiter gingen aber darauf nicht ein. Verlangt wurde eine Umrechnung der Zulage, die dann auf die laufenden Löhnungen geschlagen werden sollte. Doch davon wollte die Direktton nichts wrisen. Selbst der Vertreter der Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine erklärte, es gehöre eine starke Naivität der Direktioir dazu, von einem Abflauen der Teuerung zu reden. Eine Versammlung der ausgesperrten und streikenden Arbeiter bekundete in einer Resolution, daß die Teuerung nicht als eine vorübergehende Erscheinung betrachtet werden könne. Daher wären die Teuerungszulagen von beschränkter Dauer ohne jeden Wert für die Arbeiterschaft. Es müsse daher der bisherige Standpunkt, eine dauernde Lohn- erhöhung zu fordern, aufrechterhalten werden. Inzwischen ist die Arbeiterschaft zu weiteren Maßnahmen geschritten. Die Heizer ßBd du» dem Betriebe gezogen worden und die Hafenarbeiter haben die Koksentladungen eingestellt. Auch die auswärts arbei- tenden Monteure wurden von der Organisation zurückberufen. Die Fabrik— das größte industrielle Unternehmen in Königsberg— wirft den Aktionären jährlich 20 Prozent Dividende ab und doch weigert sich die Direktion, den Hilfsarbeitern den Stundenlohn von 35 auf 40 Pf. zu erhöhen._ Streik bei der Weltfirma Schlesische Holzindustrie in Langenöls. Tic Firma hatte in voriger Woche zwei Arbeiter, darunter den Vorsitzenden der Zahlstelle des Holzarbeiterverbandes, gekün- digt, angeblich wegen Arbeitsmangel. Mit Recht aber vermuteten die Arbeiter des Betriebes hinter diesem Vorgehen ein Vorspiel zu der im nächsten Jahre erfolgenden Tariferneuerung und den bevorstehenden Kämpfen in der Holzindustrie. Bisher hat es die Weltfirma immer abgelehnt, durch die Organisationen Tarife ab- zuschließen. Das gelang ihr 1907 und 1910, wo sie die Arbeiter veranlatzte, einzeln die Verträge zu unterzeichnen. Dabei ist die Firma selbst organisiert. Schon im Frühjahr versuchte die Firma ganz nach ihrem Belieben den Arbeitern eine Verlängerung der täglichen Arbeitszeit aufzuzwingen. Dank der Einmütigkeit der Arbeiter wurde dieser Anschlag abgewiesen.— Nach mehrfachen ergebnislosen Verhandlungen des Arbeiterausschusses mit der Di» rektion wegen Zurücknahme der Kündigungen, und nachdem der Direktor geäußert hatte, daß die Tariferneuerung wiederum nur mit den einzelnen Arbeitern abgeschlossen werden würde—„er wolle doch einmal sehen, wer Herr ün Hause sei"— beschloß in einer Versammlung am Dienstagabend die� übergroße Mehrheit der bei der Firma beschäftigten Arbeiter den Streik. Ueber 400 Ar- beiter haben am Mittwoch früh die Arbeit nicht aufgenommen. An dem Streik sind außer dem Holzarbeiterverbande auch der Hirsch- Dunckersche Gewerkverein und die Christlichen beteiligt. Zuzug von Holzarbeitern aller Art ist streng fernzuhalten. Ein infames Spiel treibt der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter mit den Berg- leuten. Noch steht die ganze Welt unter dem Eindruck des schimpf- lichen Verrats des GewerkvereinS beim Ruhrbergarbeiterstreik. Trotzdem inszeniert diese Streikbrecherorganisation in den ver- schieden«« Bergrevieren Lohnbewegungen. Im Saarrevier hat der Getverkvcrein jetzt die Ausschutzmitglieder vorgeschickt, um vom Fiskus eine Lohnerhöhung zu erbetteln. Denn mehr wie betteln darf der Gewerkverein nicht, sonst treibt ihm der Fiskus noch die letzten paar Tausend Mitglieder im Saarrevier ab. Der Fiskus weiß auch, wie„ernst" er die„Lohnbewegung" des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter zu nehmen hat und richtet sich danach ein. Die Saarbergleute, die seit Jahren ständig fordern und betteln, mit negativem Erfolge, werden auch jetzt leer ausgehen, da der GeWerk» verein dem Fiskus mit einem Streik nicht kommen darf. Vor einigen Monaten erließ der christliche Generalsekretär Effert an die Siegerländer Bergleute einen Aufruf, in den Kamps um bessere Löhne einzutreten. Der„Gewerkverein christ- licher Bergarbeiter" würde mit seinen Machtmitteln sich hinter die Bergleute stellen. Bewilligt wurde nichts und der Gewerkverein tat nichts. Jetzt treibt die Streikbrecherorganisation ihr frivoles Spiel in Oberschlesien weiter. In Oberschlesien gibt es rund 120000 Bergleute, hiervon hat der Gewerkverein ganze 150' Mann organisiert! Und nun lese man. was die„Schlesische Volkszeitung" zu berichten weiß. In ihrer Nummer vom 16. Oktober 1912 schreibt sie: „Die Vertreter des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter haben sich in einer Konserenz am Sonntag, an der, wie gemeldet, Landtagsabgordneter I m b u s ch aus Essen teilnahm, mit der Lage der Bergarbeiter befaßt und einsttmmig folgende Resolution angenommen: „Die am 13. Oftober 1912 in Kattowitz tagende Konferenz von Vertretern des Gewcrkvereins christlicher Bergarbeiter, welche aus dem ganzen Industriegebiet besucht war, befaßte sich eingehend'mit den wirtschaftlichen Verhältnissen der ober- schlesifchen Bergarbeiter und besonders ausführlich mit der Lohnfrage. Tie Konferenz erklärt: 1. Nach den amtlichen Zahlen aus den Berichten des„Reichs- arbeitsblattes" betrug die durchschnittliche Steigerung der Löhne im zweiten Vierteljahr 1912 gegen das erste Vierteljghr 1912 für eine Schicht:'' a) für die Häuer 19 Pf. b) für die sonstigen unterirdisch und im Tagebau be- schäftigten Bergleute 13 Pf. c) für die über Tage beschäftigten erwachsenen männ- lichen Arbeiter 9 Pf. 6) für die jugendlichen Arbeiter unter 16 Jahren 1 Pf. Der durchschnittliche Vierteljahrsverdienst auf alle Ar- beiter berechnet stieg aber nur von 253 auf 254 M. Diese Steigerung der Löhne ist aber viel zu gering und bedeutet praktisch keine Verbesserung der Lage der Arbeiter. Wir fordern deshalb eine ausreichend« Erhöhung des regel- mäßigen Verdienstes für eine Schicht, unbeeinflußt durch das Verfahren von Ueber- und Nebenfchichten. Diese Lohnerhöhung ist um so notwendiger, als die in den letzten Monaten be- sonders stark eingetretene Verteuerung notwendigster Lebens- mittel die schlecht entlohnten Bergarbeiter besonders schwer schädigt. Wir sind auch überzeugt, daß die oberschlcsische Berg- Werksindustrie sehr wohl in der Lage ist, höhere Löhne zahlen zu können. Die Preise für die Bergwerksprodukte sind gestiegen, der Geschäftsgang ist bedeutend besser geworden. 2. An die Bergardeiterschast richten wir die ernste und dringende Mahnung, werdet Mitglied des Gewerkvereins christ- licher Bergarbeiter; diese Organisation ist bereit, entschieden und nachd ücklichst für Eure wirtschaftlichen Interessen einzutreten. Durch eine genügend starke Organisation wird der Weg geschaffen, auch»eben der Lohn- frage die Arbeitszeit, das Strafwesen und die sonstige Be- Handlung der Arbeiter, soavie das Knappschaftswesen so zu regeln und auszugestalten, wie es den berechtigten Forderungen der Bergleute entsprich�"" Der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter ist bereit, für die 150 Mann„entschieden und nachdrücklichst" in die Lohnbewegung zu treten! Vielleicht gar mit Ausschaltung der übrigen Organisa- tionen, denn das schlesische Blatt meldet nichts davon, daß sich der Gewerkverein der jetzt eingeleiteten Lohnbewegung der polnischen Berufsvereinigung anzuschließen gedenkt. Di« ganze Aufmachung der Forderungen zeigt, daß der Gewerkverein allein„kämpfen" will. Und da stellt sich Herr Giesberts in Dresden hin und erklärt jeden für einen Betrüger, der sagt, daß der Kumps im Ruhrbecken nach gewerkschaftlichen Regeln erfolgt sei. Gemach, Herr Giesberts! Im Ruhrbecken hat der Bergarbeiterverband versucht, mit allen Organisationen gemeinschaftlich in die Lohnbewegung zu treten. Nach der gewerkschaftlichen Regel auch mit dem christlichen Gewerkverein. Dieser aber wollte nicht, und ging allein vor— nach der christlichen Regel, nicht nach der gewerkschaftlichen! Das weiß Herr Giesberts so gut wie wir, daß durch diese Sonder- bündelet des Gewertvereins diese und keine ander« Organisation die gewerkschaftliche Reges durchbrach. Menü uujj die übrigen drei Verbände trotzdem in den Kampf eintraten, dann deshalb, weil sie nicht warten konnten, bis der Gewerkverein mitstreiken wollte. Dann mußten sie auf den Nimmerleinstag warten. Der Gewerkverein christlicher Bergleute wird im Ruhrbecken nicht streiken, sondern nur streikbrechen. Die Verbände befanden sich im Recht, wenn sie die günstige wirtschaftliche Situation schließlich auch ohne den Gewerkverein ausnutzten. Wenn Giesberts also Betrüger suchen will, mag er unter seinen, von ihm gestützten Freunden Umschai» halten. Da hat er sie. Auch die„Lohnbewegung" der christlichen oberschlesischen Bergleute ist nichts weiter als christlicher Schwindel. Der Streik in de»«schrrslebenrr Papierfabriken dauert nunmehr bei der Firma H. C. B e st e h o r n 5 Wochen und bei den Firmen G e r s o n und Hopse u. U n g e r 4 Wochen. Obgleich es sich vor» wiegend um Arbeiterinnen handelt, ist der Zusammenhalt der Streikenden ein guter. Der Streik gewinnt insofern mehr und mehr an Ausdehnung, als immer mehr Heimarbeiterinnen die Arbeit ein- stellen. Da sich eine große Zahl der streikenden Heimarbeiterinnen nicht zur Einzeichnung in die Streiklisten meldet und auf Streik- Unterstützung verzichtet, ist deren Zahl mcht genau festzustellen, doch beträgt die Zahl der Streikenden insgesamt zirka 600. Die Firma H. C. B e st e h o r n hat ihren Reisenden aufgegeben, ihren Ab- nehmern mitzuteilen, die Differenzen seien beigelegt. Tatsächlich bestehen sie noch weiter und wird um Fernhaltung des Zuzuges ge» beten._ Angedrohte Aussperrung in der Metallindustrie. Der Streit des christlichen Metallarbeiterverbandes bei der Firma S ch m ö l e u. C o. in Menden, an dem auch der Deutsche Metall- arbeiterverband gering beteiligt ist, scheint weitere Ausdehnung an- zunehmen. Der dortige Unternehmerverband hat nach einer Meldung des dortigen„Märkischen Bolksblatt" beschlossen, daß, wenn von den streikenden Arbeitern der Firma Schmöle u. Co. bis den 25. d. M. sich nicht so viele zur Ausnahme der Arbeit gemeldet haben, um den Betrieb wieder voll aufnehmen zu können, dann soll am Sonnabend den 26. d. M. sämtlichen organisierten und un- organisierten Arbeitern der dem Arbeitgeberverbande angehörenden Firmen gekündigt werden. In Frage kommen 2500 Arbeiter. Die Ursache des Streik« ist bekanntlich in der Entlassung des Vorsitzenden der ckristlichen Organisation zu suchen. Dieser hatte sich einer Tätlichkeit gegen einen seiner Mitarbeiter schuldig gemacht. Er wurde deshalb vom Gericht wegen Körperverletzung mit 15 M. und zu 30 M. Schadenersatz verurteilt.— Die Erbitlerung der Arbeiter gegen die Führer des christlichen MetallarbeiterverbandeS wegen rhrer genialen GewerkichaftStaktik ist groß. Man darf auf den AuS- fiang des Kampfes und auf die Haltung der christlichen Gewerkschafts- trategen gespannt sein._ Sonderbare Vermittelungstätigkeit. Während des Teppichweberstreiks in Oelsnitz i. V. haben die Streikenden wiederholt Versuche unternommen, um durch Ver- Handlungen eine Verständigung mit dem Unternehmer herbeizu- führen. Da diese Versuche fehlschlugen, haben sie sich an der» Bürgermeister Dr. Schanz gewandt, um von ihm eine Vermitte- lung zu erlangen. Zwar übernahm der Herr Bürgermeister auch die Vermittelung: aber die Art, wie er sich dieser Pflicht unterzog, war nicht geeignet, die Gegensätze auszugleichen, sondern sie mußte eine Verschärfung des Kampfes hervorrufen. Den beiden Arbeiter- Vertretern gegenüber, die den Bürgermeister um die Vermittelung baten, äußerte er, daß er die Lohnlisten der Weber eingesehen und daraus erkannt habe, daß die Löhne ausreichend wären. Die Verhandlungen selbst hat dann Herr Dr. Schanz in der» selben parteiischen Weise geführt. Die Lohnfrage hat bei der ganzen Verhandlung eine recht untergeordnete Rolle gespielt. Herr Bürgermeister Dr. Schanz glaubte sich als Vermittler am besten dadurch einzuführen, daß er der Arbeiterkommission Vorlesungen über angeblich unwahre Behauptungen des„Sächsischen Volks- blatts" hielt. Und seine Auffassung über die Berechtigung d«S Streiks faßte er dahin zusammen, daß er den Streik für eine sozialdemokratische Machtprobe erklärte. Die Löhne seien feit 16 Jahren immer gestiegen. Er könne deshalb gar nicht begreifen, wie die Arbeiter für einen Verband nach Berlin Beiträge bezahlen könnten. Das Geld könnte doch in Oelsnitz viel besser augelegt werden. Und er fragte die Kommission: Glauben Sie, die Herren Arbeitgeber können etwas verlieren durch den Streik? Niemals! Nur die Arbeiter sind die Geschädigten. Im weiteren verwies Dr. Schanz noch darauf, daß die Stadtbehörde streng darauf achten werde, daß Ausschreitungen und Belästigungen Arbeits- williger nicht stattsinen würden. Die Unternehmer haben selbstverständlich nach solcher Ver- harchlung den Arbeitern erklärt, daß sie keine Lohnerhöhungen ge» währen würden. Dr. Schanz hat als Bürgermeister seiner Ge- ineinde einen schlechten Dienst erwiesen und recht sonderbare Auf» fassungen über die den Gewerbcgerichten und Bürgermeistern zu- gewiesene eimgungsamtliche Tätigkeit bekundet. Die Arbeiterschaft wird sich aber in aller Zukunft für die Dienste eines Dr. Schanz bedanken. Bemerkt sei noch, daß der Hinweis auf die strenge Auf- rechterhaltung der Ruhe völlig unnötig ist, denn die nach Oelsnitz beorderten Gendarmen muhten wegen Mangel an Arbeit wieder abberufen werden. Kuslsnck. Aus der schweizerischen Geiverkschaftsbewegung. Die 21 schweizerischen Gewerkschaftsverbände, die dem Gewer?- schaftsbund angehören, hattest im Jahre 1911 1879 311 Fr.(1910: 1815 213 Fr.) Einnahmen und 1409 763 Fr. Ausgaben, wovon allein 606 761 Fr., ein volles Drittel der Einnahmen, auf die fiinf Unterstützungszweige: Reise, Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität und Sterbefälle, 210 384 Fr. auf Streiks und Mstßrcgelungen cnt- fielen. Das Bundeskomitee hatte 26 391 Fr. Einnahmen und 24 407,18 Fr. Ausgaben, sein Vermögen vermehrte' sich um 630,71 Fr. auf 12 963,34 Fr. An freiwilligen Geldsammlungen für Streiks usw. gingen beim Bundeskomitce 10 950 Fr. ein. Von den 368 Lohnbewegungen verliefen 283 friedlich, 79 waren Streiks.und 6 Aussperrungen. Daran waren total 39 793 Personen(35 815 männliche und 3978 weibliche) beteiligt, die in 4179 Betrieben an 392 Orten beschäftigt waren. Organisiert waren 27429, unorganisiert 12 364 der an den Lohnkämpfen be- teiligten Arbeiter. Die Lohnbewegungen zählten 35 773, die Streiks 3735 und die Aussperrungen 285 Beteiligte, so daß neun Zehntel derselben sich mit der friedlichen Erledigung ih�er Forderungen begnügten. Dadurch wird die Behauptung der kapitalistischen Scharfmacher und ihrer schtvarzgelben Streikbrecher von den„fri- volen und leichtfertigen Streiks" der„roten Gewertschaiten" pnedcr einmal gründlich widerlegt. Für 55 870 Streiktage wurden von den betroffenen Gewerkschaften 177 000 Fr. Unterstützungen bezahlt. In 78 Fällen erreichten 7335 Arbeiter in 1156 Betrieben 15 882 wöchentliche und 825 864 jährliche Stunden Arbeitszeitverkürzung. In 174 Fällen wurden für 13 526 Arbeiter in 1688 Betriebe» 25 807 Fr. wöchentliche und 1 341 964 Fr. jährliche Lohnerhöhung erreicht. Tarifverträge wurden 152 abgeschlossen für 10 864 Ar- beiter in.1843 Betrieben. Trotz aller Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen haben. ist es also den freien Gewerkschaften in der Schweiz doch gelungen, die Arbeits- und Lohnbedingungen, die Existenz- und Lebensvcr- Hältnisse für Tausende ihrer Mitglieder zu verbessern und so neuer. dings den anschaulichen und überzeugenden Beweis zu erbringen, daß die Gelverlschaft für die Arbeiter die beste Sparkasse ist. SCHOKO StouwercH IWW jL GOLD SILBER KURFER Drei Grössen Alle drei Marken.glckh rein undnährkräffig unterscheiden sich, wie die deutschen Edelweine, nur durch Ihr Aroma. 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SchHler-Ttieaier Chs;;~ Freitag, abend» 8 Uhr: Flachsniann als Eraieher. Sonnabend, abends 8 Uhr: König; I-ear. Sonntag, mittags 12 Uhr: Kammermusik. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die Jüdin von Toledo. Abends 3 Uhr: llo» Pfarrer» Tochter von StrelaJart. Berliner Theater. 8 Uhr: Filmzauber. ?'/. Uhr: Deutsches Schauspielhaus (Komische Oper). An allen Tagen der Woche 8 Uhr: Der xnt sitzende Frack. Theater am Nollendorfplan 'Neues Schauspielhaus). täglich abend» 8 Uhr: Gaftviel de» Münchener Künstler. Theaters: Orpheus in der Unterwelt. Montis Operetten-Theater (früher Menes Theater) TVa U.. ,. I.M.: Der Frauenfresser. Besllleni-TheAter. 8 Uhr: 8 Uhr: demiitstnenselten. Schwank in 3 Akten von Fritz Friedmann-Frederich. Morgen und folgende Tage: <2eniütsmensQhen. Luisen-Theater. Freitag: Das Kathchen von Heil- bronu. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Kwder- Vorst.: König Drosielbart. Abends 8 Uhr: Des andern Ehre. Sonntag nachm. 2 Uhr: Das Kathchen von Hetlbronn. Abends 3 Uhr: DeS andern Ehre. Montag: DeS andern Ehre. osc-Tn�ic Große Frankfurt« Str. 132.| Ansang 8 Uhr. Von Stufe;u Stufe. Lebensbild mit Gesang und Tanz in 6 Bildern von Hugo Müller. Sonnabend 4 Uhr: Aschenbrödel. 8 Uhr: Bon Stufe zu Stufe. Metropol-Tdester. Abends 8 Uhr: Raucken gestattet. Lksuffeur- ins Zlletropol! Grosie Iahrcsrevue mit Gesang und Tanz in 10 Bildern von I. Freund. Musik v. Rud. Nelson. Tänze arrang. von Will Bishop. In Szene gesetzt vom Direktor R. Schultz. üb 8 Uhr lll geansioeo Novitäten! Bernhard MÖrbitz als Ehepaar Fletsch Am 1. November: F�ier des | 50 jährigen Bühnen-Jub iläums Martin Bcndix. Vorverkauf 10—2 Uhr. Trianon-THeater. Abends 8 Uhr: Liebesbarometer. Turnverein„Fichte" 111-I.-B. Sonntag, 27. Oktober 1912, Im groten Saale dea Gewerkachaftt- Hauses, Engel-Ufer 15; Busch-Abend, tu. stiitnncsrest.) Zur Aulführung gelangen:„Dlefpomme Helene11 m.150 Lichtbildern u.„Abenteuer eines Junggesellen1- m. 184 Lichtbildern. Tartt Herren, welche daran teilnehmen, Nachdem: I UUL. zahlen 50 Pf. nach. Anfang 6 tThr. 186)8 Eintritt 80 Pf. Während des Programms wird gebeten, nicht zu rauchen. Um zahlreichen Besuch bittet Gas Komitee. 13 Jf...Clou« »h mm MauerstraBe 82.— ZI :: Berliner:: Konzerthaus MauerstraBe 82.— Zimmeratrate 90/91. Hente: Dirig.: Prz. v. Blon, Komp., Berliner Konzerthaus-Orchester und Oastspiel von Serafln Alschansky Posaunen- Yirtnose nnd Komponist. Anfang 8 Uhr. Eintritt SO Pf. Anfang 8 Chr. Schioßbrauerei Schöneberg == Hauptstraße 121.== Freitag, den 85. Oktober 1018, abends SVi Uhr: ssb Kabarett-Abend.« Mitwirkende: die Herren Jnllns Türk, Hans Krftly, Hans Mortlns, Ferd. Walter; die Damen Klara Türk, Gabriele Frcdl-Elndner, Frida Ward. -—— Eintritt 60 Pf. 111■ Inhaber von Theater-Karten des Blldungsautschusses freien Eintritt. Voigt-Theater. Freitag, den 25. Oktober: Gastspiel in Puhlmanns Theater, Schönhauser Allee 148: Masses und Sängerin. 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