Nr- SSI. Bbonnements-Bedingungen: TOünnemenlS- Preis vränumerando! Bicrteljährl. SPV Mk, monall. UV SRI, wöchenllich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nunoner S Pfg. Sonntags- nunmier mit Mustricricr Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post» Abonnement: l.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post.Zcitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutjchland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen aiu Belgien. Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. kllcheivt tagüch außer Rlcntags, Verlinev Voll!!>blnkk. 29. VIe snkeMons-Sedilh? beträgt für die sechsgefpaltene Kolons!. zcile oder deren Raum 60 Pfg.. für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Bersmnmlungs-Anzeigen LO Pfg. „Kleine Mnieigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellcnan- zeigen das erste Wort 10 Pfg. jedes weitere Worts Pfg. Worte über IS Buch- Naben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer'Müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Exvediiion abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „Sozialdcmcllrat BerUa" Zcntralorgan der fozialdemokratircben Partei Deutrchlands. Redaktion: 8 AI. 68, Lindenstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. IS8S. Sans iv sie Husen! Wer cttva noch geglaubt hat, daß der preußischen Staats- rcgierung bei ihren berannten Maßnahmen gegen die Teue- rung ernstlich die Absicht vor Augen geschwebt hat, dauernd die Ernährung der Bevölkerung sicher zu stellen, der wird durch die Freitagsitzung des Abgeordnetenhauses eines anderen belehrt sein. Dem Volke Sand in die Augen zu streuen, den Anschein zu erwecken, als ob etwas geschieht, während doch iin Grunde genommen alles beim alten bleibt, das war der Gedanke, von dem Bethmann Hollweg sich leiten ließ. Ter Reichskanzler weiß sehr wohl, warum er den Reichstag nicht einberuft. Weit leichter als in diesem aus allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlen hervorgegangenen Parlanient sich zn verantworten, ist es natürlich, Rede zu stehen dem preußischen Dreiklassenparlanient, dein eigentlichen Träger unserer heutigen einseitig auf die Bedürfnisse der Agrarier zugeschnittenen Wirtschaftspolitik. Ganz besonders hat man dann von vornherein gewonnenes Spiel, wenn man den agrarischen Führern das Konzept seiner Rede unter- breitet und mit ihnen vereinbart, bis zu welcher Grenze der Zugeständnisse man gehen darf. Wie die Masse der Kon- sumenten bei diesem abgekarteten Spiel zwischen König Heyde- brand und seinem Minister Bethmann fährt, das freilich steht auf einem anderen Blatte. Etwas weniger zahm als die nationalliberale Jnter- Pellation, die sich auf die Frage nach dem Erfolg der bis- herigen Regierungsmaßnahmen und nach den Mitteln be- schränkt, die die Regierung zur Steigerung der inländischen Fleischproduktion zu treffen gedenkt, war die der Fortschrittler gehalten, die, ausgehend von der Erklärung, daß die bisher getroffenen vorübergehenden Maßnahmen unzulänglich sind. die Regierung fragt, ob sie bereit ist, im Bundesrat aus weitere Maßnahmen gegen die Teuerung hinzuwirken. Als solche Maßnahmen werden bezeichnet die Abänderung des Fleischbeschaugesetzes, die Aufhebung der Futtermittelzölle und die Förderung der inneren Kolonisation. War schon die Interpellation der Nationallibe- ralen nichtssagend, so gilt das in noch viel höherem Maße von der Begründung durch den Abg. Schiffer. Daß die Nationalliberalen ausgerechnet diesen aus dem äußersten rechten Flügel stehenden Herrn vorschickten, ist bezeichnend. Zwar las er im Eingang seiner Rede der Regierung den Text, daß sie sich erst so spät zum Einkreisen entschlossen habe, zwar betonte er, daß die Flcischnot kemc vorübergehende Erscheinung ist, aber andererseits wnsitt vp ükW genug die Politik des Schutzes der nationalen Ä�?e?'' zii preiseii und das Festhalten seiner�reunde ain Schützender«andtvirtschaft in den Vordergrund seiner Betrachtungen zu rücken. Warum interpellieren die Nationalliberalen eigentlich die Regierung? Diese Frage mußte man sich unwillkürlich vorlegen, wenn man Herrn Schiffer sogar gegen die bescheidenen Maßnahmen Bethmanns SssßflTm äußern hörte, namentlich wenn nian hörte, wie er sich siir das Fortbestehen des Fleischbeschau- gesetzes ins Zelm legte, dessen Aenderung bekanntlich die erste Voraussetzun«f>»f>tr'Verbilligung der Fleischpreise bedeutet? Schärfer ü«flr die Kritik, die der Fortschrittler Dr. Wiemcr an d:w Haltung der Regierung iibtc, obwohl auch er in UcberechstiMMung mit den Beschlüssen des Mannheimer Parteitags dr. Fbrtschrittlichen Volkspartei auf halbem Wege stehen blgihs. keine Aufhebung, sondern nur eine schrittweise Herabsetzung her � Zölle fordert und sich gegen die Auffassung wendet, qls ob. es grundsätzlich die Aufgabe der Kommunen sei, dauoruv i» die Gestaltung der Lebensmittelpreise einzu- greisen. Herr W i e in e r sagte, war in keinem Punkte neu, es waren die altbekannten Forderungen des Freisinns/ die innchns �Kolonisation zu fördern und die Domänen auf- znteilru. Und' nsiti kam der„große Moment". Herr v. B eth- manu, der an der Spitze fast des gesamten Staatsministeri- ums erschienen war, erhob sich in seiner ganzen Länge, um vor dem Lande die Politik der Rcgierung zu rechtfertigen, sie zu rechtfertigen einmal gegenüber dem hungernden Volke, das mit Recht darüber erbittert ist, daß man es mit Steinen abspeist, und zweitens gegenüber den agrarischen Heißspornen, die schon in den dürstigen Maßnahmen eine Rückkehr in die ihrer Meinung nach so unheilvolle Aera Caprivi erblicken. Tie Agrarier hatten ihrem Handlanger die Arbeit wesentlich er- leichtert. Mehr noch als die Rede Bethmanns ließ die spätere Erwiderung Hepdebrands darauf schließen, daß sie ihm gegen das Zugeständnis, daß er an eine Abkehr von der agrarischen Zoll- und Wirtschaftspolitik nicht denke, Pardon geben werden. lind in der Tas wurde seine Erklärung, daß von einem Bruch mit unserer Zollpolitik und unserem Vetcrinärschutz nicht die RodL sein kann, mit verständnisvollem Beifall begrüßt, einem Beiwll, der sich noch steigerte, als er nachdrücklichst seine Be- reiuoilligkeit in Aussicht stellte, wenn der keuchen- stand im Auslande es erfordere, die bisher getroffenen Maßnahmen wieder rückgängig ' Rick che n. Nicht die Wahrnehmung der Bedürfnisse der Nnentcn, sondern einzig der Interessen der agrarischen zenten liegt dem Ministerpräsidenten am Herzen, und änn, ohne sich in Prophezeiungen zu verlieren, schon ooraussagen, daß die Zeit nicht allzu fern ist, wo diese ihm die Notwendigkeit der Aufhebung der Negierungsmaß» nahmen beigebracht haben dürften. Schwerer als vor den Agrariern wird Herr v. Bethmann Hollweg sich vor dem Volke rechtfertigen können. All seine philosophischen Betrachtungen, mit denen seine Rede mehr als nötig gespickt war, all seine theoretischen Erwägungen und Erörterungen werden darüber nicht hinwegtäuschen, daß er � Durchgreifendes zur Linderung der Not zu tun nicht bereit ist. ' Gewiß hat er nicht unrecht, wenn er auf die Notwendigkeit einer kommunalen Fleischversorgung hinweist, aber er vergißt, � daß die Gemeinden ohnniächtig sind, solange die Regierung die Grenzen gegen das Ausland sperrt und die Veterinär- polizeilichen Vorschriften schikanös handhabt. Wie sollen die Gemeinden durch den Verkauf von Nahrungsmitteln preis- regulierend wirken, wenn der Markt von Nahrungsmitteln entblößt ist? Wenn auch die prinzipiellen Bedenken des leitenden Staatsmannes gegen jede Aenderung der Zölle heute noch viel stärker sind als iin vorigen Jahre, so ist Herr v. Bethmann doch kein Unmensch; die Landesgesetze zu ändern, ist er bereit, natürlich so, daß es den Agrariern nicht wehe tut. Die Fonds zur direkten Unterstützung der Viehzucht sollen nicht unwcsent- lich erhöht, die innere Kolonisation soll durch allerhand Mittel gefördert, die Kolonisationsgesellschaften sollen vermehrt, es soll dafür gesorgt werden, daß immer zahlreichere Existenzen mit dem heimischen Boden fest verankert werden. Wenn ihm nur die Großgrundbesitzer bei der Ausführung dieser Pläne, die die Fortschrittler freudig begrüßten, die aber an der heutigen Teuerung nicht das geringste ändern, keinen Strich durch die Rechnung machen Täuschen wir uns doch darüber nicht, daß die Bethinannsche Rede trotz oder vielleicht gerade wegen des Beifalles, den sie bei allen bürgerlichen Parteien fand, rein akademischer Natur war und daß, wenn man sie der oratorischen Floskeln entkleidet, Positives, jp gu� wie nichts übrig bleibt! Wichtig ist das Zugeständnis dl Debcktte, des Abg. Dr. von He wärtige Fleischteuerung über' lich hinausgeht, was anderen Produkten.r servative Führer in der die gegen- nicht unerheb- Preise auch bei w Wenn aber der koiv r des Konsumentenstand- Expedition: 8CCl. 68, Lindcnatraasc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1.384. Punktes aufspielte, so hat er dazu nicht das mindeste Recht, und ebensowenig steht es ihm zu, den Kommunen irgendwelche Vorschriften zu machen. Die Zensuren, die er in dem Gefühl seiner Bedeutung der Regierung und der bürgerlichen Linken erteilte, zeigen, so komisch sie auch nach außen hin tvirkcn, wie überhebend sich die Konservativen dort gebärden, wo sie über eine, wenn auch künstlich geschaffene Mehrheit verfügen. Zwar hörte das Haus die Ausführungen Heydebrands mit Jnteresfe an, aber das Interesse bezog sich nicht so wohl auf das, was er sagte, als vielmehr auf das, was man zu hören erwartete, aber nicht zu hören bekam. Die erwarteten An- griffe auf die Regierung blieben aus. Unter großer Unaufmerksamkeit sagte sodann der Zentrumsagrarier Herold sein Sprüchlein her. Was Herr Herold sagen wird, weiß man gewöhnlich im voraus, und so waren es auch diesmal nur seine Allergetreusten, die es fertig. bekamen, seinen Worten, die auf eine Mahnung an die Städte hinausliefen, bis zu Ende zu lauschen. Nachdem hierauf der Abg. Engelbrccht von den Freikonservativen vor einer Aushebung des 8 12 des Fleisch- beschaugesetzes gewarnt und Abg. K 0 r fan t y(Pole) unter überaus scharfer Kritik der Polenpolitik die von dem Minister- Präsidenten angekündigten Maßnahmen zur Förderung der inneren Kolonisation besprochen l)atte, ergriff in vorgerückter Stunde der Landwirtschaftsminister v. Schorlemer das Wort, um seinem bedrängten Herzen Luft zu niachen. Der Hinweis darauf, daß er den Arbeitern empfahl, nichtmehrwiebishertäglichFleischzuessen, genügt zur Charakterisierung des Gedankenganges dieses Herrn, der es nach diesen herausfordernden Worten noch wagte, sich seiner Fürsorge für das Wohl der arbeitenden Klassen zu rühmen. Am Sonnabend soll die Debatte beendet werden. Erster Redner in der bereits um 10 Uhr beginnenden Sitzung ist Genosse Ströbel. »* * Zu Beginn der Sitzung wählte das Haus durch Zuruf den Grafen Schwerin-Löwitz zum Präsidenten. Die Rede, mit der er sein Amt antrat, wirkte sympathisch. Hoffen wir, daß er seinen Worten die Tat folgen läßt und wirklich die Minderheit schützt. .:.Ä rn n'j Der verdunkelte Halbmond. Der Fall von Kirkkilisse. Adrianopel gefährdet. Die Bulgaren auf dem Lormarsch. Die Verworrenheit und Unzuverlässigkeit des Nachrichten- dienstes zwang dazu, hinter die gestrige Meldung von der Einnahme Kirkkilisses durch die Bulgaren ein Fragezeichen zu setzen. Heute inuß die türkische Rcgierung den Verlust dieses wichtigen strategischen Punktes selbst zugeben. Sie macht zwar den Versuch, den Rückzug ihrer Ostarmee durch allerlei stra- tegische Erwägungen zu begründen, das kann aber nichts an der Tatsache ändern, daß die Sache der Türkei einen schweren militärischen, noch mehr aber einen verhängnisvollen mo- ralischen Stoß erlitten hat. Wir haben wiederholt darauf hingewiesen, welche hervor- ragende strategische Bedeutung Kirkkilisse hatte. Der Fall dieses befestigten Kriegslagers bringt die schwache Ostfront Adriaiwpels in Gefahr und ermöglicht den Bulgaren einmal die Umklammerung dieser Festung dann aber auch einen weiteren Vorstoß nach Süden aus die Bahn nach Konstanti- nopel. Trotz des zweifellos glänzenden Erfolges der bul- garischen Armee nmß der Zugang zur türkischen Hauptstadt noch mit sehr großen Opfern erkauft werden. Es klingt sehr wahrscheinlich, daß die türkische Heeresleitung, nachdem Adria- nopel seine östliche Flankendeckung verloren hat, auf die Be- haupwng der Festung, deren Verteidigung eine starke Truppenmacht absorbieren würde, keinen Wert mehr legt. Einige Tausend Mann werden Adrianopel zu halten suchen, solange es eben geht. Die Hauptmacht der türkischen Ost- armee wird aber versuchen, in kompakter Staffelung auf der Linie Maritzatal, Baba-Eski, Lule-Burgas den bulgarischen Vonnarsch zum Stehen zu bringen. Voraussetzung hier- �fiir ist, daß es dem türkischen Oberbefehlshaber gelingt, seine 7 oder 8 Armeekorps rechtzeitig zu einer einheitlichen und groß angelegten Defensivaktion aufmarschieren zu lassen. Der Fall von Kirkkilisse zeigt aber, daß es mit der Bewegungsfähigkeit der türkischen Armeeteile nicht sonderlich gut bestellt sein muß, sonst hätte man zur Behauptung dieses Punktes sicherlich starke Reserven heranrücken lMen. An die angeblich frei- willige Aufgabe Kirkkilisses gMibt doch kein Mensch, es ist das nur die Beschönigung einer schweren Niederlage. Die Bulgaren sind offenbar weit beweglicher als die türkischen Truppen, denn ihre Aufklärungsabteilungen dringen immer weiter nach Süden vor, sowohl im Maritzatal an der Bahn entlang wie auch ganz östlich in der Nähe der Meeresküste. Auf jeden Fall ist das blutige Ringen um Kirkkilisie nur der erste Akt des Völkerdramas auf dem östlichen Kriegsschauplatz, dem aber noch andere weit blutigere folgen werden. Ist also die militärische Lage der Türkei nach dem Fall von 5tirkkilisse alles andere als günstig(selbst wenn dio-Bul- garen die Folgen ihres Sieges, die Zahl der Gefangenen, der Kriegsbeute usw. übertreiben), so ist die moralische Einbuße der Türkei doch größer. Die nationalen Volksheere dckr Die militärische läge b& ffirJf-KWsse, Balkanskaalm werden durch den ersten grasten Erfolg natür- lich angefeuert und.8» weiteren Kraftanstrengungen'hiir- gerissen werden. Auf die türkischen Truppen, die von den strategischen Schachzügen ihrer Führer blutwenig verstehen, wird aber die fortwährende NückwärtZkonzcntration � deprimierend wirken. Eine weitere Folge wird sein, dast die Ver- bitterung auf beiden Seiten gröster, die Kämpfe desto blutiger werden. Da kein unberufenes Auge bis jetzt die Kämpfe bei Kirkkilisse usw. beobachten konnte, kann über die Höhe der Verluste keine zuverlässige Angabe gemacht werden. Daß die Zahl der Schlachtopfer aber sehr hoch ist, muh ohne weiteres angenommen werden. Vor allem hat der Fall von Kirkkilisse aber den Nimbus zerstört, den die öffentliche Meinung der türkischen Heeres- leitung gewoben hatte, und der anscheinend durch die Taten eines Enver Bei und anderer Offiziere in Tripolis gerecht- fertigt wurde. Deutsche Zeitungen und deutsche Militär- schriftsteller waren es vor allem, die der Welt nicht genug von der Tüchtigkeit türkischer Generäle und Offiziere, die angeblich alle Finessen moderner Kriegskunst beherrschten, er- zählen konnten. Der Oberbefehlshaber der türkischen Armee von Kirkkilisse, General Mahmud Mukhtar Pascha hat in seinem militärischen Bildungsgange ganz unter deutschem EinfliH gestanden. Er war ein Schüler des General von der Goltz, hat die deutsche Kriegsschule besucht und hat im General- stabe und im 2. preußischen Garderegiment Dienst getan. Unsere schriftstellernden Offiziere wußten viel Rühmliches von ihm zu berichten, vor allem betonten sie seine rücksichtslose Energie. Der Ausgang der Kämpfe um Kirkilisse spricht aber gegen ihn. Allerdings zeugt eine Niederlage noch nicht gegen die Fähigkeiten eines Feldherrn; Mahmud Mukhtar Pascha mag sich Schwierigkeiten gegenüber gesehen haben, die zu überwinden über die menschliche Kraft ging. Nichts- destoweniger ist sein Mißerfolg dazu angetan, daß die öffent- liche Meinung den Respekt vor dem Gloriensthein türkischer Feldherrnkunst verliert. Und ein Teil dieser moralischen Einbuße kommt auch auf das Konto des deutschen Militaris- mus. Schon hat die deutsche Diplomatie am Bosporus abge- wirtschaftet, wird dort jetzt auch das militärische Renommee des deutschen Lehrmeisters in die Brüche gehen? Man hat es dem General von der Goltz dort vor einem Jahre schon übel vermerkt, daß er zur militärischen Entblößung von Tripolis geraten hatte, was seiner weltpolitischen Einsicht kein glän- zendes Zeugnis ausstellt: weitere Mißerfolge der Türken würden seine Autorität erst recht in Frage stellen. Wie die Dinge sich jetzt entwickelt haben, ist die Ver- mutung nicht von der Hand zu weisen, daß es im türkischen Heere nicht zum besten aussieht. Auf die Schwierigkeiten, unter denen Mobilisation und Aufmarsch zu leiden hatten, haben wir wiederholt hingewiesen. Wie steht es aber mit der Einheitlichkeit des Ofsizierkorps? Ist der politische Zwist, der vor wenigen Monaten die Offiziere in zwei feindliche .Lager schied, vor dem Feinde verstumint? Arbeiten Komitee- offiziere und Ligaoffiziere im Felde Hand in Hand? Ist das Verhältnis zwischen„Aghas", d. h. Offiziere, die ohne besondere Bildung aus dem Mannschaftsstande hervor- gegangen sind, und den„Effeiidis", chen gebildeten und modernisierten Offizieren in den letzten Jahren noch gespannter geworden? Ist vor allem das verelendete Bauernvolk der europäischen wie der asiatischen Türkei den Anforderungen eines modernen Krieges auf die Dauer gewachsen? Alles das sind Fragen, die durch den türkischen Mißerfolg lebendig werden und auf die die Ereignisse der nächsten Zeit Anttvort geben werden. OeftlicKer Kncgsfchauplatz. Vordringen der Bulgaren nach Süden. Stara Zagora, 24. Oktober. Tie Bulgaren haben gestern auf der Südfront die Arda überschritten und nach Einnahme der vorderen Bescstigungslinie bei Marasch Adrian opel von Süden eingeschlossen. Zwei türkische Bataillone machten einen Ausfall, die Bulgaren unternahmen einen Gegenangriff, erbeuteten drei Schnell- feuerbatterien und machten 12W Gefangene. Privatnachrichten besagen, daß ein bulgarischer Vorposten bis nach W i z a am Annafluß im Süden des Jstrandza Dagh angekommen ist. Wiza liegt auf dem Wege nach Konstan- tinopel und ist nur noch etwa 100 Kilometer von der türki- schen Hauptstadt entfernt. Die Einnahme von Kirkkilisse. Sofia, 24. Oktober.v ä r t".) Dem Internationalen Sozialistischen Bureau ist ein formeller Protest von: Zentralkomitee der griechischen sozialistischen Partei zugegangen. der sich gegen die im„Berliner Tageblatt" und im„Tcnips" erschienene Verleumdung richtet, wonach die griechischen Sozialisten den Krieg billigen sollen. Die betreffenden Stach- richten sind nichts weiter als ein p l u m p e s M a n ö v c r. Die griechischen Sozialisten erklären sich vielmehr solidarisch mit dem Manifest der Soziali st en des Balkans und verurteilen den durch die kapitalistischen Interessen der Mächte heraufbeschworenen Krieg. Keine Neutralitätserklärung Rußlands und Oesterreichs? Paris, 25. Oktober. Der Petersburger Korrespondent des„Temps" will von berufener Seite erfahren haben, daß die russische Regierung keinerlei amtliche Neutralitätserklärung verlautbaren werde, da dieselbe nur dann eine Berechtigung hätte, wenn sie in doppelseitiger Form zugleich mit Wien erfolgen würde. Ei« Appell des rote« Halbmonds. Das türkische Generalkonsulat ersucht uns um Auf» nähme folgender Bekannlniachung: Aus allen Kreisen des edlen befreundeten deutschen VolkeS laufen täglich eine große Anzahl Anfragen ein, die dem humani- tären Zweck der Hilseleistung an verwundete o s« manilche Soldaten gelten. Da die Zahl der Verwundeten leider außerordentlich groß ist. so hat die Zentrale des Roten Halbmondes die kaiserliche Regierung veranlaßt, die Otto- manischen Konsulate zur Annahme von Spenden und Geld- beitrügen zu ermächtigen. Demgemäß ist bei dem unter- zeichneten Generallonsulat. Berlin. Behrenstr. 0/13, eine Liste er- öffnet, wohin Beiträge gerichtet werden können. poUtifche ücb er ficbt. Berlin, den 25. Oktober 1912. Der Zwiespalt im Zentrum. Während die Blätter der OpperSdorff-Roeren-Kaufftnann- NieburowSli-Gruppe das Zentrum von der religiösen Seite bombar- dieren, greift die in einem klösterlichen Verlage im Rheinland erscheinende Halbmonatsschrift„Die S t ä n d e o r d n u n g" die herrschende ultramontane Richtung vom sozial-wissenschaftlichcn Standpunkte an. In seiner neuesten Nummer(20) beschuldigt das Blatt die Zentrumssührer, daß ihre ganze Politik den päpst- lichen Absichten und Kundmachungen in schroffster Weise zuwiderlaufe. Dcp Zentrum treibt eine unvcrhüllt kapitali- sttsche Politik. Es heißt da z. B.: „Unfern Kirchenfürsten sind leider die Hände gebunden, und unfähige, zum Teil sogar gewissenlose Führer. die durch eine weitverzweigte Cliquenwirtschaft auf Schleichwegen das Vertrauen des Volkes ergattert haben, machen sich breit." Von einem.tiefreligiösen Arbeiterführer von Mj-Gladbach" berichtet der Verfasser, daß er ihm gesagt habe: „Wir haben nichts mehr zu verlieren als unsere kapitalistischen Fesseln; die katholischen Kapitalisten beuten uns oft noch mehr aus als die Anders- gläubigen." Wer denit hier nicht an die katholischen Bcrgherren Ober- schlesiens, die Textilbarone, TabakflSrikanten, Papierindustricllcn des Westens! Bezüglich der Stellung deS Zentrums zum preußischen Wahl- recht sagt die„Ständeordnung", daß Zentrum und Konservativen nur,„um das politische Heft noch eine Weile länger in Händen behaltet! zu können, die Ueber- tragung des Reichstagswahlrechts auf Preußen und eine gerechte Einteilung der Wahlkreise" abgelehnt haben. Die jetzige Zollpolitik nennt die„Ständeordnung" unglückselig und ungerecht". Sic erklärt: „Die bisherige Steuerpraxis birgt mancherlei antisoziale Ungerechtigkeiten in sich; vor allein muß mit dem in- direttcn Äen.jijüun möglichst gebrochen werden, weil gerade dadurch oic rüitercii und miUImn Stände über Verhältnis... Gleichzci.ig leistet sich die strengkatholische antibachemilische „Kölner Korrespondenz" im Anschluß an einem pon ihr erwähnten Hintenschreiben schweizerischer Bischöfe folgende niedliche Charak- teristik der aus der Seite der„Köln. PtrtWztg." kämpfenden Zentrumsblätter: ffjjj »Man kann die Blätter der Kölner Richtung in drei Klassen einteilen: Da ist zuerst das Hauptorgan der n,h«>chcn„s chlauen Opportuniste n", die„Kölnische Voltszmtung", mit den unter ihrer Regie stehenden Organen und Äex.'gutbarungen der M.-G!adbacher. der Windthorstllunde und dcö MM« Augustinus- Vereins. Sie wissen, was sie wollen, aber ihre.Allfgab- ist außer- ordentlich heikel. Einerseits verfolgen sie'ttr Ziel der Eni- konfessionalisterung unentwegt, aber mit viel ick und Schlau- Herl, während sie andererseits Rom geg«nüt>»r andauernd ans dem Qui vive sind und ihre unfreiwilligen Bitu.-ugungen nach dem Vatikan machen miissem Sic verfügen üver einige gute Köpfe. Männer von umfassendem Wissen und wcitgreifcndem personlichem Einfluß. Ihre Kenntnisse beruhen isd-nh mehr auf Erfahrungen als auf einheitliche systematischer Durchbildung. Eine etgentliche Philosophie besitzen sie nicht, weil sie/Oppoitu- nisten, keine Männer von eisernen Prinzipien sind;-sie wissen rnulta, nicht rnultum. Gewiegte Dogmatiker sitw' unter ihucn nicht, nur der eine oder andere Hilfsthcologe, der die Dinge theologisch zurechtstutzt.... Die zweite Klasse besteht aus Mitläufern. Sierber ge- hört das Gros der Augustiimsvercinsprcsse zweiter bis fünfter Gute:„Augsburgcr Postzeitung".„Reißer Zeitung".„Essener Vlolkszeitung".„Tremonia".„Aachener Volkssrcund" usw. bis herunter zu bedeutungslosen Bläitchen der Dcrfintelligenz. Tkse Organe spielen in der Kolner Richtung natürlich keine siibrende Rolle, größtenteils wissen sie überhaupt nicht, worum sich der Zcntrumsstrcit dreht, sie schimpfen aber um so kräftiger mit. weil die„Kölnische VolkSzcitung" auch schimpft. Auf eine fach- liche Auseinandersetzung lassen sie sich natürlich nech viel weniger ein, als die Generalstäbler in Köln. Sie wären �dazu wirklich nicht in der Lage und sind sich dessen auch wohl bcioußr.«m privaten Verkehr gelingt es jedoch bisweilen, einen Journalisten dieser zweiten Klasse auf die Kernfrage zu ssclteix. Läßt man die Diskussion nicht auf Ncbenfragen abweichen, son- dcrn hält man den Gegner beim springenden Punkte scsQchavn kommt eS zu recht amüsanten Situationen..... Viele unter diesen Gcsinnungshclden würden über die Bachemften schiuv-ft», wenn sie dafür bezahlt wärem Eine dritte Klasse bilden die Limonadenblätte«. Re- daktionell bedeutungslose Organe, die nicht kalt und nicht werui sind und es aus gefchäfilick�cn Gründen uiit niemanden vssttbozden möchten. Natürlich neigen sie aber zur Kölner Nichtuug, jl sie von dieser Seite einen größeren materiellen Vorteil ertogc« und auch inhaltlich auf den AbNatsch aus Kölner Blätteen gn, gewiesen sind. Im übrigen beziehen sie ihre geistig« NiMirig von Herrn Erzberger, der einmal so und einmal so ist. Was ihnen vorgeseHt wird, has schlucken sie unk» man kann ihnen schon etwas zutrauen, denn sie haben einen guten Magen. Ihre ..Redaktcure"— so nennen sich diese Quintaner— geraten manch- mal in eine Augustinusvereinsversammlung und bringen dann einige Kraftausdrücke gegen die„Quertreiber" mit heim, die sie auch wohl verwenden, wenn es ihnen einmal gelingt, einen Artikel zusammenzubringen. Sonst sind sie brav und unschädlich; dafür sorgt schon der Herr Pfarrer." Miftlungene Ausflüchte. Die«Post' führt als Beweis gegen die Behauptung, dah auch Freikonlervative den Weg zur Sozialdemokratie gefunden, an, das; Graf Bernstorff in Lauenburg 1886 nur nationalliberaler Sammelkandidat gewesen ist und daß AmtSgerichtSrat Franke vielleicht ein National- liberaler gewesen sei. Zunächst muß doch festgestellt werden, daß die Konservativen in Lauenburg tatsächlich Freikonservative sind. Alle in Lauenburg gewählten konservaliven Reichstagsabgeordneten schlössen sich der freikonservativen Fraktion an, 1367 v. Bülow, 1884 Herbert Bismarck und später Graf Bernstorff. Es war diese Partei auch kein Gemisch von Nationalliberalen, Freikonservativen und Konservativen, denn die liberalen Kandidaten, z.. B. Wulff, Krüger, Dr. Hammacher und Westphal waren Nationalliberale. Und gerade in der Agitation gegen den Nationalliberalen fanden die Freikonservativen zum ersten Male den Weg zur Sozialdemokratie. Der Abgeordnete des Kreises, der nationalliberale Finanzrat Krüger, war 1885 zum Pcovinzialsteuerdireklor ernannt. Am 26. Juli fand eine Nachwahl statt. Bei dieser Nachwahl erhielten Graf Bernstorff(Np.) 1755, Krüger snatl.) 1686 und Finn iSoz.) 1670 Stimmen. Vor der Stichwahl sollten im ganzen Kreise die Sozialdemokraten Stellung zur Stichwahl nehmen. Für Sonnabend war die Versammlung in Lauenburg, für Sonntag in Möllen, Natzeburg und einigen anderen Orten angesetzt. Plötzlich wurden das sozialdemokratische Wahlkomitee und die für Sonnabend angezeigten Redner eingeladen, am Sonnabendnachmiltag im Warte- saal 2. Klaffe in Blichen zu erscheinen. Dort trafen unsere Gc- «offen den Grafen Bernstorff und eine Anzahl anderer Herren, die ihnen als Mitglieder des WahlkomiteeS der Freikonfervativen vor« gestellt wurden. Man sagte ihnen, daß sie doch für den Grafen Bernstorff eintreten müßten. Die Nationalliberalen seien Vertreter des Mancheslertums. Wohin diese Politik führe, das habe der Gründerkrach bewiesen. Gras Bernstorff hielt dann eine sehr arbeiterfreundliche Rede. Schließlich sagte ein Herr des Komitees:«Wenn Sie für Graf Bernstorff eintreten und er gewählt wird, dann wird man Ihnen die sämtlichen Wahlunkosten ersetzen." Die Sozialdemokraten gingen nicht auf den Leim. Man gab als Parole aus, bei der Stichwahl nur weiße Zettel abzugeben oder gegnerische Stinmizettel durch Hinzuschreiben von anderen Namen ungültig zu machen. Es wurden dann auch zirka 666 ungültige Stimmzettel abgegeben, und Graf Bernstorff, der«nationale Sammelkandidat", unterlag dem nationalliberalen Krüger._ Zwei konservative Politiker gestorben. Der frühere konservative preußische Landtagsabgeordnete Pro- frffor Dr. Bernhard Jr m er ist in Greifswald gestorben. Jrmer rst 62 Jahre alt geworden. Er war bis zum Jahre 1893 Profeffor an dem Königistädtischen Gymnasiuin, in Berlin. Zu Beginn der Stöckersche« christlich'ozialen Bewegung schloß er sich dieser an. in der HoHnung, durch sie nach oben getragen zu werdem Er wurde auch in das Berliner Stadtverordnctenkolleg-ium gewählt und übernahm da die Führung der sogenannten Bürgerpartei, brachte es aber viel weiter als er je gehofft, denn« er zag nicht nur als Vertreter von Qbcrbarnim in den preußischen Landtag eitt. er wurde 1898 sogar in das Kultusministerium gerufen, um dort eine äußerst roaktiowäre Haltung einzunehmen!. Dann stolperte er über die Kanalvorlage. Einer der heftigsten. Heißsporne der Konservativen, stimmte er mit den Landräten gegen das Regierungsprojekt und wurde dafür zwangsweise aus dem Kultusministerium hinausbefördert. 1966 erhielt er schließlich als einer der letzten Kanalrebellen auch seinen TrostPosten. er wurde zum Kurator der Universität Greifswald er- nannt. Politisch ist er seitdem nicht mehr hervorgetreten. Der andere konservative Politiker, den der Tod ereilte, ist der bekannte Sckiarfnmchcr im Baugewerbe, Bernhard F e l i s ch, der als konservativer Abgeordneter, auch dem preußischen Landtag angehörte. Feilsch ist weniger als Politiker wie als Gegner der Arbeiter, ins- besondere der Bauarbeiter, hervorgetreten. In all den großen Kämpfen, die das Baugewerbe gegen die Unternehmer auszufechten hatte, spielte Fclisch insofern eine unheilvolle Rolle, als er gegen jede verständige Einigung wirkte. In den letzten Jahren war er, der 73 Jahre alt geworden, ist, etwas zurückgedrängt worden, und seitdem war es auch eher möglich, Verständigungen zwischen Arbei- tcrn und Unternehmern im Baugewerbe zu treffen. Felisch vertrat im preußischen Landtage den Wahlkreis Teltow. Der Balkankrieg vor der Bayerischen Kammer. In der bayerischen Kammer fand Freitag die Verhand- lnng der Interpellation unserer bayerischen Genossen über die Einberufung des Bundesratsausschusses für auswärtige An- gelegenheitm statt. In der Begründung führte Genosse Adolf Müller unter anderem aus:. „Die erste Meldung des Münchener Regierungsorgans, daß Herr v. H e r t I i n g bereits Schritte getan hätte, um die Ein- berufung des Auswärtigen Ausschusses zu veranlassen, ibeftätigle sich nicht. Wir verfolgen mit unserer Interpellation lediglich den Zweck, der Beruhigung des deutschen Volkes und der Erhaltung desWeltfriedens zu dienen. Wir erwarten, daß der Minister» Präsident jetzt, wo er in der Lage dazu ist, die Konsequenzen aus seinen früheren Handlungen zu ziehen, die geeigneten Schritte unternimmt, damit im Deutschen ReichSiagc vor dem ganzen Volke klarer die Lebensfrage unseres Volkes, die Not- wcndigkeit der Erhaltung des Friedens, erörtert werden kann, nachdem es nicht gelungen ist, den Ausbruch des den Weltfrieden bsdrobenden und nach der Meinung der sehr bedächtig urteilenden„Kölnischen Volkszeitung" von Rußland angezettelten Balkankrieges zu verhindern. Zum mindesten hätte der Aus- wärtige Ausschuß einberufen wenden müssen. Einem Staatsmann, der an der Spitze des zweitgrößten Bundesstaates steht, kann cS doch nicht genügen, aus den Berliner Telegrammen post lestum zu erfahren. Was durch die Zeitungen längst bekannt ist. Wenn in den Zeiten so ungeheurer politischer Spannung dieser Ausschuß seine Aufgabe nicht erfüllt, wenn in der kritischsten Periode, die das Reich seit seinem Bestehen erlebt, dieses von der Reichsverfassung gewährleistete Instrument unbenutzt bleibt, dann allerdings wird die Bcruhigungsarbeit der ernsthaften Presse ver- gebliche Mühe bleiben. Redner gibt>dann Informationen wieder, die darlegen, welche schweren Schädigungen die deutsche Volkswirtschaft schon jetzt erlitten hat, unter denen zunächst die Arbeiter leiden. Die modern organi« sierte Arbeiterschaft aller Kulturländer hat aus Abscheu vor dem Massenmord in der entschiedensten Weise für Er- haltungdes Weltfriedens demonstriert. Unsere Freunde im österreichischen Abgeordnetenhaus verlangen soeben Auskunft, ob die Regierung geneigt sei, durch Nichteinmischung in den Balkan- krieg den Frieden für Oesterreick zu sichern. Leider wirken imperia- listische und kriegshetzerische Kräfte dein entgegen. Dankbar ist es anzuerkennen, daß der französische Staatsmann Poinaie fach mit Eifer und Geschick bemühte, an der Dämpfung der Balkan- tvirren mitzuwirken. Der Redner schließt: AuS der Form und dem Inhalt feiner Begründung werde man entnommen hoben, daß unZ lobe agitatorische Nebenabsicht bei dieser Interpellation gefehlt hat. Dies noch einmal zu betonen, halte ich für notwendig angesichts des nervösen Umsturzgeschreis und der überspannten Bekämpfung der Sozialdemokratie, wie sie nun auch in Bayern Mode geworden ist. Wir haben das Recht, im Namen des Vaterlandes zu fovdern, daß alles darangesetzt wird, einen Krieg zu vermeiden, der angesichts der Wirtschaftlichen und industriellen Verhältnisse und im Hinblick auf die durch unsere verfehlte innere Politik schon in Friedenszeiten schwierige Ernährung des deutschen Volkes zu einer, uwge- heuren Katastrophe führen muß. Ministerpräsident Freiherr v. Hertling erklärte, die bayerische Regierung habe in der gegenwärtigen Zeit, in der äußerste Zurück- Haltung geboten sei, keinen Anlaß gefunden, die Einberufung des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten zu verlangen. Es widerspreche dein Bundesgcidanten, bei joder Gelegenheit immer ? seich die Einberufung des Ausschusses fordern zu wollen. Ebenso prach sich der klerikale Minister gegen die Einberufung des Reichs- tags aus. Man könne, erklärte er zum Schluß, das volle Ver- trauen haben, daß das Deutsche Reich sein Gewicht an Macht und Einfluß nie vergebens in die Wagschale des Friedens logen werde, an dessen Aufrechterhaltung alle Großmächte übereinstimmend das größte Interesse hätten.— In seiner von Müller zitierten. Rede im Reichstage ha'be er auch geäußert, daß bei Besprechung äußerer Angelegenheiten innere Zwistigkeiten zurückzutreten hätten. Wenn bei der Begründung der Interpellation hervorgehoben worden ist, daß den Interpellanten jode agitatorische Wsicht ferngelegen habe, so wüvde er das, sofern darin eine Anerkennung seines damaligen Ausspruches liege, mit großer Befriediguug begrüßen. Für das Zentrum erklärte sein Vorsitzender Lern», die Ant- wort des Ministers sei erschöpfend und befriedigend. Mehr brauche man gegenwärtig nicht zu sagen, da wir keine Zeit haben, weil nämlich das Zentrum in der nächsten Woche nach Hause gehen will. Der Liberale Cassclmann erklärte die Gründe für die Nicht- einberufung des Auswärtigen Ausschusses für nicht stichhaltig und betonte die Friedenslieb« des deutschen Volkes. Genosse Adolf Müller will aus die Ausführungen Hertlings und die darin enthaltenen Widersprüche nicht näher eingehen, um den Wert der beruhigenden Erklärung nicht abzuschwächen. Nur dagegen will er Verwahrung einlegen, daß der Minister die einzige Errungenschaft der Verträge von 1876, den Diplomatischen Aus- schuß, vollständig preisgegeben hat. So geht in Bayern das eine nach dem andern hin. Damit ist die Besprechung der Interpellation erledigt. Vorher wurde das Budget gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. Der Hunger vor Gericht. Das Schwurgericht in Konstanz verurteilte den 62jährigen Ge- meinderechner Ortlieb wegen Unterschlagung von 836 M, Gemeinde» geldern zu 6 Monaten Gefängnis. Der Angeklagte war»eben seiner Tätigkeit als Gemeinderechner noch Fleisckbcschauer, Desinfektor, Leichcnbeschauer, Holzhauer und Steinklopfer und bezog für alles zusammen das erbärmliche Gehalt von jährlich 466 M, Das reichte natürlich zum Lebensunterhalt nicht, und so vergriff sich Ortlieb an den Gemeindegeldern. Vor Gericht wurde konstatiert, daß der Angeklagte infolge des ständigen Hungers krank geworden sei; der geladene Bezirksarzt Dr. Staatsmann nannte ihn ein menschliches Wrack. Der Mißerfolg der Ansiedelung von Landarbeitern. Die Ostprcußische Landgesellschaft in Königsberg gibt soeben ihren Bericht über ihre Besiedelungstätigkeit heraus. In dem Be- richt wird vor allem konstatiert, daß die Güterpreise wiederum stark in die Höhe getrieben worden seien� und daß ein Stillstand auch trotz der nicht genügenden Erntedcrhältniss« nicht zu erwarten sei. Da die Ansiedl er das Bestreben haben, ihre Stellen mit Ge- W i n n z u verkaufen, um größere Grundstück« zu'erwerben, so hat die Oftpreußische Landgvsellschaft, wie sie mitteilt, zur Er- schwerung des Besitzwechsels nachträglich für sich das Recht festgelegt, im Verkaufssalle die für sie eingetragene und im übrigen zehn Jahre unkündbare Resthypothek sofort fällig zu machen- Von diesem Recht ist in den meisten Besitzwechselfällen Gebrauch gemacht worden. Im letzten Geschäftsjahre sind auf diese Weise insgesamt 81 683 M. an Resthtzpotheken an die Landgesellschaft zurückgeflossen. Angekauft wurden im Berichtsjahre zehn Grundstücke in der Größe von zu- sammen 2335,33 Hektar zu einem Gesamtkaufpreis von 3 316 595 M. Der Durchschnittskaufpreis beträgt für den Hektar 1176 M. gegen 1087 M. im Vorjahre. Im Berichtsjahre wurden 225 Ansiedler an- gesetzt. Insgesamt hat die Landgesellschast bis zum 1. April 1912 1616 Ansiedler auf 14 791,25 Hektar angesetzt. Es sind gebildet worden: 28 Proz. Arbeiter- und Handwerker- stellen mit einein Besitz bis 2,5 Hektar, 63 Proz. Kleinbauerstellen mit Besitz zu 25 Hektar und 9 Proz. Grohbouernstellen und Rest- gütern, deren Größe über 25 Hektar hinausgeht. Diese Austeilung beweist, wie gering bisher der Erfolg der Ansiedelung von Arbeitern ist. Im wesenllichen sind Bauern angesetzt worden. Ganz und gar hat die Arbeiteransiedlung der KreiSkom-munalverbände Fiasko er- litten. Der Bericht der Landgesellschaft sagt, diese Ansiedelung nehme leider nicht den erhofften Fortschritt, da die Besetzung der Arbeiter- steelln andauernd die größten, Schwierigkeiten mache. Mehrere Kreise wurden die bebauten Stellen trotz der grötßen Bemühungen, nicht los- Man könne sich daher nicht wundern, daß sie den Mut zur Wciterarbeit auf diesem Gebiet verloren hätten. Bis jetzt hätten die Kreise von 66 ausgelegten Stellen 39 verkauft. Von den verkauften 39 Stellen sei bei sieben das Verfahren soweit abgeschlossen, daß die Staatsbeihilfe durch den Oberpräsident, en ausgezahlt werden könnte. Es soll nun noch der Versuch gemacht werden, KlcinsiedelungSgesell- schaffen zu bilden um zu sehen, ob mit diesen die Arbeiteransiede- lung in flotteren Gang gebracht werden kann. Aus diesen Mitteilungen ist ersichtlich, daß sich auch die ostelbi- schen Landarbeiter scheuen das Joch der modernen Hörigkeit auf sich zu nehmen. General Keim, der Macher de? neuen Wehrvereins, hat kürzlich einen Werbeaufruf erlassen, an dem er indessen in den eigenen Kreisen wenig Freude erlebt In dem Keimschen Elaborat kam die schöne Stelle vor: „Für einen deutschen Mann sollte es keine höhere Auszeichnung geben, als gedient zu haben; auch in der st a a t s b ü r g e r- tichen Stellung des Einzelnen sollte das zur Geltung kommen. Der Wehrverein siebt es als seine Aufgabe an, solche Ge- sinmmg zu pflegen und zu verbreiten." Gegen diese allpreußische Bevorzugung deS Kommißwesens protestiert ein Lehrer des in Siegen erscheinenden«christlichen" Blaites«Das Volk". Er bezeichnete sich als Theologe und meint, der Aufruf bedeute gerade für ihn eine schwere Beleidigung, er habe früher immer am Sedanfeste eine schmetternde Kaiserrede gehalten und könnte natürlich das jetzt nicht mehr t u n. Was bedeute denn der Aufruf? „Aladcm ker, die, wenn sie nicht gerade geistig minderwertig sind, eo ipso patriotisch gesinnt sind, sollen, wenn sie zufällig nicht gedient haben, Menschen zweiter Klasse sein, Sozialisten dagegen, die gezwun-gen Soldat waren, Menschen erster Klasselll" Das„Volk", daS diese Entrüstungskundgebung abdruckt, bemerkt dazu, der Aufruf entstamme der Feder des Generals Keim, dem wohl zu empfehlen sei. in Zukunft solche beleidigenden Ent- g l e i s u n g e n zu vermeiden. Der geistig vollwertige Akademiker scheint des Generals Keim würdig zu sein, wenigstens mit seinem Sozialistenhaß. Kein Akademiker, der so ipso Patriot ist, hat das Recht, sich über Sozial- demokralcn zu erheben; vielmehr wird jeder Werkmeister einer Fabrik und jeder Hauptmann einer Kompagnie gern bestätigen, daß die Sozialdemokraten überall die geistig regsamsten Staatsbürger sind. , Rekruten-Selbstmord. Anfangs boriger Woche sind die neuen Mannschaften eingekleidet worden, und schon am Sonntagabend hat sich in Erfurt ein Rekrut der 2. Batterie deS 19. ArtillcrieregimentS, ein wohlhabender Bauernsohu, auf entsetzliche Weise selbst gelötet. Er schnilt sich mit einem Messer die Pulsadern an beiden Händen aus und brachte sich eine schwere Wunde am Halse bei. Nack kurzer Zeit war der junge Mann, der sich freiwillig zum Militär gemeldet harte, eine Leiche. Ueber die Ursache zum Selbstmord verlmllet nichts. Unserem Erfurter Parieiblatte wird zlvar berichtet, daß die jungen Soldaten schon gleich von Anfang an tüchtig angestrengt werden, und auch am Sonntag seien sie so stark beschäftigt gewesen, daß sie kaum Zeit zum Essen gefunden hätten. Indessen ist wohl kaum anzunehmen, daß die Anforderungen schon so unerträglich waren, daß sie Ursache zum Selbstmord gaben. Kampftage in R-ußlanck. Die Wahlkampagne in Rußland nähert sich ihrem Höhepunkte, und immer deutlicher tritt aus den bruchstück- artigen Mitteilungen über den Verlauf des langwierigen, vielstufigen Wahlprozesses die Tatsache hervor, daß sogar das Schandgesetz vom 16. Juni 1967 machtlos ist, die Mobilisation der demokratischen Kräfte aufzuhalten. Selbst die„Nowoje Wremja" hat kürzlich eingestehen müssen, daß die jetzigen Dumawahlen, ungeachtet des bestehenden� Wahlgesetzes, eine Volksvertretung nach dem Muster der ersten oder der zweiten Duma geliefert hätten, wenn nicht die Geistlichkeit auf Befehl des Oberprokurators des heiligen Synods in geschlossc- neu Reihen an die Wahlurnen niarschiert wäre. Hält man diese Meinung sogar für etwas übertrieben, so muß dennoch festgestellt werden, daß das Votum der breiten Wählermassen sich trotz des oktroyierten Wahlgesetzes, trotz der Fallgruben der Wahli.erläuterungen" und Wahlfälschungen unzweideutig gegen das herrschende Regierungssystem ausgesprochen hat. Den besten Beweis dafür liefert der Ausgang der Wahl« männerwahlen, die jetzt in den meisten Gouvernements schon abgeschlossen sind. Die Arbeiter haben durchweg sozialdemo- kratisch, die Städte liberal und sozialdemokratisch, die Grund» besitzer fast durchweg konservativ gewählt. Unklar ist die Zu« sammensetzung der bäuerlichen Wahlmänner, die sich unter dem Druck der Administration„parteilos",„gemäßigt" usw. nennen. Aber schon die Tatsache, daß die Reaktionäre keine sonderliche Freude über den Ausgang der Bauernwahlen zur Schau tragen, und daß 46—56 Proz. der bäuerlichen Bevollmächtigten aus den dörflichen Amtspersonen bestehen, die zur junkerlichen Gefolgschaft direkt gepreßt werden, spricht eine deutliche Sprache über die wahre Stimmung der Bauern- schafft Eine ungemein schmähliche Rolle bei den jetzigen Wahlen spielt die Geistlichkeit, die aus Befehl ihrer obersten Behörde ausgerückt ist, um durch Zurückdrängung der Klein- gruudbesitzer eine ausschlaggebende Stellung in den Wahl- männerversammlungen einzunehmen und die bedrohten Man- date für die sckMärzeste Reaktion zu retten. Jetzt, nach dem Abschluß der Wahlmännerwahlen treten die Absichten der klerikalen Wahlstrategen deutlich hervor. Die Geistlichen bil- den ungefähr 15 Proz. sämtlicher Wahlmänner und sind dahin instruiert, den zu wählen, den die Administration ihnen vorschreiben tvird. Es würde zu weit gehen, wollte man auf die schanilose Beeinflussung der Geistlichen durch die vor- gesetzten Behörden näher eingehen. Es genüge der Hinweis, daß die gesamte russische Presse darin einig ist, die Rolle der Geistlichkeit bei den Wahlen als die des S t i m m v i e h s zu bezeichnen. In einzelnen Gouvernements revoltieren sogar die Junker gegen die Uebermacht der Popen, die bei ihrer Wahlstrategic den Sonderzweck verfolgen, selbst die Kandi- daten der Regieruirgspartcicn in klerikalem Sinne zu bcein« flussen, d. h. sie für die unersättlichen Appetite der heiligen Väterchen gefügig zu machen. Die Wählerschaft in den Städten zeigt einen unverkenn- baren Ruck nach links. Das geht weniger daraus her- vor, daß die städtischen Wahlinännerwahlen eine überwiegende oppositionelle Mehrheit(58 Proz. in der ersten und 73 Proz. in der zweiten Kurie) ergeben haben, als aus der nicht hoch genug zu veranschlagenden Tatsache, daß die Sozialdemo- kratie selbst unter den städtischen Wählern, die sich zumeist aus der Bourgeoisie und Kleinbourgeoiste rekrutieren, den Liberalen erfolgreich Konkurrenz macht! Bis zum 21. Oktober hat die Sozialdemokratie in den städtischen Kurien zirka 66 Wahlmänner durchgebracht und befindet sich in einer ganzen Reihe von Gouvernements in recht aussichtsreicher Position für die Endwahlen. Sieht man aber auch von dem End- ergebnis ab, das infolge der ungeheuerlichen Wahlkassierun« gen der Regierung vorläufig noch unabsehbar ist. so sind die Erfolge der Sozialdemokratie in den Städten von enormer politischer Bedeutung. Einmal weisen sie darauf hin, daß die beträchtlichen Schichten der Angestellten endlich den Weg zu ihrer Klassenpartei gefunden haben, dann aber auch, daß zahlreiche Elemente des Bürgertums den Glauben an den Liberalismus verloren haben, und der konseguenten zielbewuß- ten Politik der äußersten Linken Gefolgschaft leisten. In welchem Maße der Prozeß der Radikalisierungides städtischen Bürgertums vorgeschritten ist, dürfte sich bei den bevor» stehenden Wahlen in den sieben größten Städten mit direkter Wahl noch deutlicher zeigen als bisher. Der Ausgang der Wahlinännerwahlen in der Arbeiter- kurie bestätigt die bei den UrWahlen ausgesprochene Ansicht, daß die Arbeiterkurie die Domäne der Sozialdemokratie darstellt. Mit geringen Ausnahmen sind aus diesen Wahlen Sozialdemokraten oder„äußerste Linke" oder„Linke" hervor- gegangen. Auch die Arbeiterkurie in Polen, wo die polnischen Nationaldemokraten unseren Genossen bisher erfolgreich Kon- kurrenz machten, ist diesmal mit einem Schlage erobert wor- den. Bemerkenswert hierbei ist, daß die Arbeiterbevollmäch- tigten in Marschall, ungeachtet der geringen Anzahl der jüdischen Bevollmächtigten, als einen ihrer drei Wahlmänner den jüdischen Arbeiter Josef Bronowsky wählten, um dadurch ihren Protest gegen die antisemitische Hetze der polnischen bür- gerlichen Parteien zum Ausdruck zu bringen. Am bedeutungsvollsten gestalten sich die Arbeiterwahlen in Petersburg. Unmittelbar vor der Wahlmännerwahl am 18. Oktober kassierte die Regierung aus einem nichtigen formalen Anlaß, der nicht einmal in dem herangezogenen Artikel des Wahlrcglements begründet ist, die UrWahlen in den größten Petersburger Betrieben. An Stelle von 185 Be- vollmächtigten wurden bloß 56 zum Wahlakt zugelassen. Diese wählten aus ihrer Mitte 6 Wahlmänner, sämtlich Sozial» demokraten, aber trotz dieses eindrucksvollen Votums der Ar« beiterbevollmächtigten, die sich durch den infamen Schlag der Regierung nicht desorganisieren ließen, war die Erregung in den„kassierten" Betrieben so gewaltig, daß es schon am selben Tage zu Arbeitsein st ellun gen. Meetings und M a n i f e st a t i o n e n kam. Auf den Putilowwerken allein streikten 14666 Arbeiter, insgesamt dürften am 18. und 19. zirka 66666 Arbeiter gestreikt haben. Auf den streikenden Betrieben wurden Protestresolutionen ange- nommen, wobei die Arbeiter besonders ihre Einigkeit bei der Führung der Wahlkampagne hervorhoben. Der Erfolg dieser Manifestationen war der, daß die Gouvernementswahlkom- Mission die Wahlen der Wahlmänner als nichtig er- klärte, weil die Bevollmächtigten der größten Fabriken an ihnen nicht teilgenommen haben! Die Konsequenz aus diesem Beschluß muß die sein, daß den Petersburger Arbeitern noch einmal Gelegenheit gegeben werden muß, die Wahlen ihrer Vertreter vorzunehmen. Die Petersburger Arbeiter haben durch ihre eindrucksvolle Manifestation gezeigt, daß sie keines- Wegs gewillt sind, den„kleinen Staatsstreich" vom 17. Okto- der widerstandslos über sich ergehen zu lassen, und der weite- ren Verkümmerung ihres Wahlrechtes ihre passive Zustim- mung zu geben. Welche Tücken und Schliche die Regierung auch ersinnen sollte— ihr Mandat von der Hauptstadt wer- den sich die Arbeiter nicht rauben lassen. KuITifdie Spionenarbeit in Ocrtcrmcb. Ein Subjekt von der„Ochrana" erfindet ein österreichisches Attentat auf den Zaren! Krakau, 25. Oktober.(Privattelegramm des „Vorwärts".) Nach dein russisch-japanischen Kriege be- gann der große Zug der russischen militärischen Spione nach Oesterreich, vor allem aber nach G a l i z i e i?. Der russische Generalstab wollte seine Wissenschaft über österreichische Zu- stände auffrischen, nachdem fast alle früheren„Informatio- uen". die lange vor dem Kriege des Jahres 1904/05 gesam- inelt worden waren, nun veraltet und untauglich gewor- den sind. Schon im Jahre 1907 begann eine wahre Pilgerschaft von militärischen Spionen nach Galizien, aber das Gedränge wurde erst auffallend nach dem Jahre 1908(Annexion von Bosnien und Herzegowina) und nach deni im Jahre 1909 in Prag gefeierten Feste der„neoslawischen Verbrüderung", die den russischen Nationalisten Ostgalizien erschließen sollte. Direkt von Prag über Ostgalizien heimkehrend, knüpfte der bekannte Graf Bobrinskyj in Oesterreichs Grenzen„ver- trauliche" Bekanntschaften an, die nachher in den Gerichts- sälen sich als Spionenwerbungen erwiesen! Ein Umstand komplizierte diese Arbeit des russischen Generalstabes, und dieser Umstand liegt in dem Bestreben der politischen Polizei, der„Ochrana", neben der rein „militärischen", auch eine„politische" Arbeit durch die Spione verrichten zu lassen. Es handelt sich um das Ausspio- nieren der russischen und polnischen Sozialisten, die nach Oesterreich vor dem Galgen sich geflüchtet haben. Von Zeit zu Zeit handelt es sich auch um direkte Provokation, die ja im Interesse eines jeden Spiones sowieso liegt, damit er sein Gewerbe lukrativer gestalten kann. Wie provokatorisch und frech diese„Arbeit" auf dem österreichischen Gebiete gerade in der letzten Zeit betrieben wird, wollen wir an dem neuesten Beweise zeigen, dessen Schauplatz Krakau war. Seit einigen Tagen sitzt im Krakauer Gefängnis ein schurkischer Provokateur, ein gewisser Stephan Gra- b o r s k i j, ein zugleich militärischer und politischer Spion, dessen Tätigkeit zu den ungeheuerlichsten Konsequenzen führen hätte können. Graborskij verrichtete früher— nach seinem Geständnis den„Dienst" auf dem Grenzabschnitt der Nordbahn zwischen T r z e b i n i a und O i w i e c i m, bis er zu den wichtigeren Aufgaben von der Warschauer„Ochrana" herangezogen wurde. Er begann nun ein riskantes Spiel, indem er sich direkt der Krakauer Polizeidirektion vorstellte und ihr wichtige In- formationen über Rußland zu liefern versprach. Wie es mit diesem Versprechen in Wirklichkeit war, können wir nicht beur- teilen, aber plötzlich kam nach Wien die äußerst alarmierende Nachricht, daß in Krakau eine Verschwörung gegen den Zaren existiere, die den jetzigen Aufenthalt des Zaren aus dem Boden Russisch- Polens in Spala zu einem Atten- täte ausnutzen wolle! Fast gleichzeitig wurde aber Graborskij durch die Krakauer Polizei verhaftet, da seine Tätigkeit— trotz der erwähnten Versprechen— ziemlich verdächtig erschien. Bei dem Verhafteten würde aber eine frische I n st r u k- tion der„Ochrana" vorgefunden! Von der Polizei bedrängt, legte nun Graborskij ein Geständnis ob, das wahrhaftig schauerlich klingt. Er gestand, daß er der„Ochrana" aus Krakau vollständig untvahre und erlogene Berichte über verschiedene Parteiver- sammlungen sendete, um sich„nützlich" zu machen. Aber sein Meisterstück war die fruktifizierte„Verschwörung" gegen den Zaren, worüber er genaue Berichte nach Warschau lieferte. Nach diesen Berichten sollten drei„Verschwörer", ein gewisser „Richard" und„Brzecek"(den Namen des dritten konnte er angeblich nicht erfahren!) bereits von Krakau nach Russisch- Polen abgesandt worden sein und sich in dem Städtchen T o m a s z o w versammeln. Er selbst ging auch nach Tomaszow, wo ihn schon die „Ochrana"-Löute erwarteten: da aber„Verschwörer" nirgends zu finden waren, ersann er die zweite Lüge, daß die„Ver- schwörer" Wind bekommen hätten und sich nach Krakau zurückflüchtsten... Alle diese Lügen sind natürlich nach Spala an das Zarenhoflager übermittelt worden sein. Welchen Eindruck sie dort machten, können wir nicht beurteilen. Das Krakauer ueueste Beispiel ist gar nicht vereinzelt. Politisches Spionieren und Provokation schreiten sehr häufig neben der militärischen Spionage einher.. Cbina. Der Kamps um die Anleihe. London, 25. Oktober. Die„Times" melden aus Peking vom 21. dieses Monats: Die chinesische Regierung befindet sich gegenüber den sechs Mächten in einer schwierigen Lage, weil sie kürzlich die Einkünfte aus der Salzsteuer in Ticntsin für die Deckung der Crispschcn Anleihe angewiesen hat. Da die Salzstcuer als Sicher- best für die Bezahlung der Entschädigung aus dem Boxerfcldzug verpfändet ist, so kann China über keinen Teil davon verfügen, bevor alle anderen Ansprüche befriedigt sind. Die sechs Mächte haben gestern der chinesischen Regierung mitgeteilt, daß ihr Vorschuß im Betrage von 1800 000 Pfund eine Vorzugsstellung habe. Ein for- mcller Protest gegen das Verfahren der chinesischen Regierung ist ausgesetzt worden. flmenka. Vom mexikanischen Bürgerkriege. New Kork, 25. Oktober. Nach einem Telegramm aus Vera- c r u z sind zwei aufständisch« Offiziere, die nach der Wiederbesetzung der Stadt gefangen genommen wurden, vom Kriegsgericht zum Tode verurteilt und gestern abend von Bundestruppen erschossen worden. Felix Diaz wird heute nachmittag vor dem Kriegsgericht erscheinen. Verantw Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw.: OewerKseKaMicKes. Der Konhurrenzhampf zwifeben den evangelischen Hrbeitervereinlem und den Gelben im Ruhrgebiet zeitigt immer tollere Blüten. War da in Herne eine Kon- ferenz Von Vertretern evangelischer Arbeitervereine„aus dem ganzen Industriegebiet" zusammen, um von neuem zu be- ratschlagen, wie die böse gelbe Konkurrenz aus dem eigenen Gehege ferngehalten werden könne. Und die guten Leutchen wußten am Ende wieder nichts Besseres zu tun, als eine neue Protestresolution zu bauen. Diese stellt entschieden das Verrückteste dar, was man sich an Selbstironisierupg vorstellen kann. Deshalb verdient dieses Angstprodukt hier wiedergegeben zu werden: „Die Konferenz erblickt in den sogenannten gelben Gewerk- schaften eine große Gefahr für die evangelischen Arbeiter- bereine. Die Tatsache, daß die katholisch« Arbeiterschaft in ihren konfessionellen Vereinen straffe, zentralisierte, unter geistlicher Leitung stehende Organisationen habe und ferner die Tatsache, daß diese Vereine aus ihren Delegiertentagen sich scharf gegen die„Gelben" ausgesprochen und die Mitgliedschaft bei diesen unter Ausschluß aus den eigenen Bereinen gestellt haben, ergibt, daß die katholischen Arbeitervereine kein Rekrutierungsobjekt für die„Gelben" sein können und daß dadurch die evangelischen Arbeitervereine als Agitationsgebiet angeschen werden müssen. Abgesehen von der Tatsache, daß die evangelischen Arbeiter- vereine schon jahrzehntelang programmatisch sich als Ziel das- selbe gesetzt haben, was die Werkvereine angeblich wollen, müssen bei der heutigen Lage innerhalb unserer Arbeitervereine durch die gelbe Werbearbeit Reibungen und Verstimmungen schlimmster Art entstehen. Die„Gelben" entsprechen weder einem wirklich vorhandenen Bedürfnis der Arbeiter, noch sind sie nach ihren Grundsätzen sähig, eine wirkliche Arbeiterinteressenvertretung zu sein. Die gelbe Bewegung erzieht den Arbeiter nicht zum selbst- bewußten Menschen, der sich seiner Pflicht und seines Rechtes be- wüßt ist. Im Gegenteil bedeutet sie die Züchtung von Charakter- losigkeit' und zeugt Arbeiteruntugenden(Schmarotzertum) schlimmster Form. Ferner erblicken wir in der gelben Bewegung eine sehr ernste Gefahr für die nationalliberale Partei. Eine Arbeiterschaft, welche unter Verzichtleistung einer natürlichen Rechtsstellung grundsätzlich jeden Kampf verwirft, kann als überzeugte Kämpferschar politisch nicht in Frage kommen. Unser national- liberales Bürgertum wird durch die tiefen politischen Absichten der gelben Hintermänner nach links, dem radikalen Fahrwasser, zugcdrängt. Die Folge davon ist die schließlicbe Bedeutungs- losigkeit der Partei im Gegensatz zu der scharfen Konkurrenz des Zentrums und der Sozialdemokratie. Unserer evangelischen Ar- beiterschaft kann nur der Anschluß an die christlichen und natio- nalen Gewerkschaften dringend empfohlen werden." Fast möchte man meinen, die guten Leutchen wären das Opfer eines Witzboldes geworden, denn jeder Satz der Re- solution paßt auf die evangelischeu Arbeitervereinler, als ob sie bestimmt wäre, diefc zu persiflieren. Den vollendetsten Blödsinn leistet sich die Resolution mit dem Satz, in dem die Befürchtung ausgesprochen wird, daß das nationalliberale Bürgertum durch die politischen Absichten der gelben Hinter- mänuer dein linksliberalen Fahrwasser zugedrängt würde. Und diese selben Leute empfehlen den Beitritt zu den christlichen Streikbruchgewerkschaften, durch die das Zentrum gestärkt wird. Dieselben Leute auch sind für die Wahl des Reichstagsabgeordneten H e ck in a n n eingetreten, der auf ein gelbes Wahlprogramm gewählt worden ist. Die Angst vor den gelben Werkvereinen muß den gelben evangelischen Arbeitervereinlern bereits alle Besinnung ge- raubt haben. Sie werden sich damit abfinden müssen, daß ihre Zeit vorüber ist. Die gelben Wcrkvereine entsprechen aber den Wünschen und Interessen der Werksherren besser als die evangelischen Arbeitervereine. Deshalb ist es auch um die wohlwollende Unterstützung und Gönnerschaft geschehen, deren sie sich so lange durch die Werksgewaltigen zu erfreuen hatten. Berlin und dmgcqend. Zum Streik bei der Mrma Johannes Gerold Die Firma hat bisher erklärt, sie habe von dem Bestehen der gelben Organisation im Betriebe kein« Kenntnis und bevorzuge dieselbe nicht. Demgegenüber erscheint es eigentümlich, daß sich Arbeitskräfte in größerer Zahl vom„Bund deutscher Werkvereinc, Kartell Berlin"«Gelber Arbeitsbund), Holzmarktstr. 50d, bei der Firma melden und auch engagiert werden. Die sich meldenden Arbeitswilligen sind junge Leute von 13— 20 Jahren und werden mit 20 M. Wochcnlohn eingestellt. Den sich meldenden Arbeits- willigen wurde bedeutet, daß sie Mitglieder des Betriebsvcrcins „Zufriedenheit" werden müssen, wo sie bei 23 Pf. Wochenbeitrag in Krankheitsfällen nach 12wöchentlicher Mitgliedschaft auch Kwanken- gelb erhalten würden. Einige Arbeiterinnen haben sich schon im Streiklokal gemeldet und erklärt, daß sie die Schande, Streik- brecherinnen zu sein, nicht auf sich ruhen lassen und sich den Strei- kenden ebenfalls anschließen wollen. Verschiedene große Betriebe haben der Firma ihre Kundschaft gekündigt und ihre Bestellungen zurückgezogen._ In der Färberei und Chemisch-Wäschcrei Max Bloch, Brun- nenstraße 73, legten am 24. d. M. 35 Plätterinnen die Arbeit nieder. Der Grund war, daß sie neue Kleider für 20 Pf. das Stück plätten sollten; der bisherige Lohn war 35 Pf. Pro Stück wurde also ein Lohnabzug von 15 Pf. vorgenommen. Da sich der Inhaber Bloch nicht bewegen ließ, trotz aller Verhandlung von dieser ungerechten Zumutung zurückzugehen, kam es zum Ausstand. Es blieb nicht eine Plätterin im Betrieb. Die Plätterinnen mögen vorläufig diesen Betrieb meiden. Die Branchenleitung. Oeurftkes Reich. Wahlen zur Angcstelltenvcrsicherung. In Köln a. Rh. erhielten Stimmen: Freie Vereinigung 1433, Vereinigte Fraucnorganisationen 374, Deutschnationale 330, Werk- meisterverband 820, Katholisch-kaufmännische Vereinigung 663, Vcrsichcrungsbcamte 450, Leipziger Verband 421, 58cr Verband 238, Privatbeamtcnverein 223. Die Freie Vereinigung erhielt zwei Vertrauensmänner, sowie einen ersten und zwei zweite Ersatz- männer. Bei der Arbeitgeberwahl wurde ein Vertreter des GeWerk- schastskariclls gewählt. Im hessischen Bezirk Friedberg-Vilbel wurden von der Liste des vereinigten nationalen Mischmasch fünf, und von der Liste der Freien Vereinigung vier Vertreter(neun waren im ganzen zu wählen) gewählt, darunter zwei Sozialdemokraten, nämlich der Werkmeister Armburst und der Landtagsabgeordnete Busold. Streik der Trahtspinner in Hannover und Hildesheim. Wie an dieser Stelle schon gemeldet, haben am 16. und 17. Oktober die Drahtspinner bei der Firma L. Hentschel in Hannover die Arbeit eingestellt wegen horrender Reduzierung der Akkordpreise infolge Einführung einer Neuerung an den Arbeits- Maschinen. Obgleich die Arbeiter sich klar waren, daß sie bei den reduzierten Preisen nichts verdienen konnten, erboten sie sich, ver- suchsweise zu arbeiten. In 4l-h Tagen erzielten die an den ge- änderten Maschinen beschäftigten Spinner Verdienste von 21,28 M., 16,64 M. und 13,36 M. Von diesen Summen sollten auch noch TW Gl-cke. Berl.n. Druck u. Verlag Vorwärts Buchvr. u twrlagsauital«' die LrbettSdurschen bezahlt werden. Da ne»«gevaHute DoHanv» lungen nicht zu einem Resultat führten, erfolgte die LrbeitSein- stellung. Es wäre nun billigerweis« zu erwarten gewesen, daß den Spinnern für die geleistete Arbeit der im Tarif festgesetzte Mindestlohn mit 47 Pf. pro Swnde bezahlt worden wäre. Aber weit gefehlt. Die Firma genierte sich nicht, den Leuten von dem geringen Verdienst auch noch den Lohn für die Arbeitsburschen in Abzug zu bringen. Es erhielten die drei zuerst in Frage kommen, den Spinner am Lohntage ausbezahlt für\1h. Tage Arbeitsleistung nach Abzug der Versicherungsbeiträge 12,08 M., 3,43 M. und 0,06 Mark, also sechs Pfennige! Zu beachten ist dabei, daß es sich um lange Jahre in der Branche tätige, gut eingearbeitete Leute handelt. Mit der Auszahlung des Lohnes am letzten Zahl- tag erhielten sämtliche Spinner in Hannover die Papiere aus- gehändigt. Die Firma Hentschel hatte große Hoffnungen auf die in dem HildÄheimer Zweigbetrieb(in Firma Wolfs u. Hahn) beschäftigten Spinner gesetzt. Bisher wurden die Arbeiter in den beiden Betrieben bei Akkordabzügen immer gegenseitig ausgespielt. Dies ist anders geworden, seitdem die Hildesheimer Spinner voll- zählig der Organisation beigetreten sind. Nach erfolgter Arbeits- einstellung in Hannover wurde sofort ein Teil der Arbeiten nach dem Hildesheimer Betrieb abgegeben. Die dortigen Drahtspinner weigerten sich, diese Arbeiter anzufertigen. Andererseits hatten sie aber auch ein großes Interesse an der Regelung der Differenzen in Hannover, da in Hildesheini ebenfalls die Maschinen geändert und die Preise reduziert werden sollten. Als deshalb die Hildes- heimer Drahtspinner am 21. Oktober vorstellig wurden und eine Regelung der Angelegenheit verlangten, dabei aber abgewiesen wurden, stellten sie ebenfalls die Arbeit ein. Es sind damit alle in beiden Betrieben beschäftigt gewesenen Drahtspinner ausständig. Zuzug von Drahtspinnern nach den Firmen Hentschel in Hannover und Wolfs u. Hahn in Hildesheim ist unter diesen Umständen streng fernzuhalten! Streik in de« Kistenfabriken in Hambnrg-Mtona. Die Maschinenarbeiter und Kistenmacher in Hamburg-Altona stehen seit drei Wochen im Ausstände. Die bestreikten Firmen inserieren jetzt in allen burgerlidbeil Blättern nedb Arbeitswilligen. Auch in der Arbeiterpresse versuchen sie unter Deckadressen Arbeits- willige für die bestreikten Betriebe anzuwerben. Es werden meisten« teils Hobelmeister usw. gesucht bei sehr hohen Löhnen, die dann den Streikbrecher machen sollen. Die Kistenmachcr werden dringend davor gewarnt, auf derartige Inserate hereinzusallen. In Hamburg-Altona-WandSbek ist die Arbettsvermitteliing für die Holzindustrie auf neuer Grundlage ge- regelt. Ohne Benutzung des Nachweises kann kein organisierter Arbeiter in geregelte Betriebe in Arbeit treten. Achtstundentag im Frankfurter Elektrizitätswerk. Die Stadtverordnetenversammlung in Frankfurts. M. beschloß, auch im großen Elektrizitätswerk den Dreischichtcnwechftl (Achtstundentag) einzuführen. 8o2iales. Arzt und Unternehmer. Dr. Artur Bornstein aus Hamburg teilt im Oktoberheft der„VierteljaHrsschrift für gerichtliche Medizin und öffentliches Sanitätswesen" seine beim Bau eines Elbtunnels in Hamburg während der Jahre 1909 und 1310 au mehr als 800 Einzel- erkrankungen gewonnenen Erfahrungen über Preßlustkrankheit mit. Die Krankheit tritt bei Arbeitern aus, die unter erhöhtem Luft- druck(unter Wasser) arbeiten müssen und kann schwere Gesund- heitsschädigungen, selbst den Tod zur Folge haben. Nach Herrn Dr. B. ist von ausschlaggebender Bedeutung für die Verhütung dieser Krankheit die ärztliche Ueberwachung. E. schreibt:„Während bei niedrigen Drucken eine einfache Untersuchung der Arbeiter und gelegentliche Inspektion der Arbeitsstätte durch den Arzt als genügend angeschen werden mutz, muß von l'A Atmosphären U eberdruck an eine ständige Ueberwachung durch den Arzt ge- fordert werden. Das wichtigste Postulat, demgegenüber alle anderen von untergeordneter Bedeutung sind, ist die Unabhängigkeit des Arztes vom Unternehmer, sowie Anstellung und Entlassung des- selben durch die Aufsichtsbehörde, die sich natürlich die entstandenen Kosten beim Unternehmer einzuziehen hat. Diese Unabhängigkeit fordere ich nicht im Interesse des Arztes— der sich sogar beim Unternehmer pekuniär vielleicht besser stellen würde— als vielmehr im Interesse einer wirklichen, hygienischen Versorgung und Boaufsichtigung deS Baues. Ein vom Unternehmer abhängiger Arzt wird— es ist menschlich— nicht in dem nötigen Maße für die genaue Ausführung der Sicherheitsvorschriften eintreten können, wenn diese Borschriften dem Interesse seines Brotherrn zuwider- laufen.... Der unabhängige Arzt wird selbst bei laxeren Vor- schriften Herr der sanitären Situation bleiben könne», während ein abhängiger Arzt die strengsten Vorschriften nicht mit Erfolg wird anwenden können..... Ebenso wie der Arzt müssen auch die Gehilfen des Arztes vom Unternehmer unabhängig sein. Ich selbst habe mit Sanitätsgehilfen zu arbeiten gehabt, die abhängig waren, und habe erst nach langen Kämpfen die Unabhängigkeit durchsetzen könnest. Ein Sanitätsgehilfe, der jeden Augenblick vom Unternehmer entlassen werden kann, ist natürlich für' den Arzt in der Unterwachung der Sicherheitsvorschriften kein zuverlässiger Mitarbeiter." Was hier Herr Dr. Bornstein für einen bemerkenswerten Spezialfall feststellt, gilt allgemein. Acrztliches und anderes Sanitätspersonal im Dienst von Krankenkassen und Bernfsgenosjen- schaften, das von Unternehmern abhängig ist, kann seine hygienischen Aufgaben nicht in vollem Umfang erfüllen. (Siehe auch 1. Beilage.) Hetzte Nachncbteii. Verhaftung eines ungetreuen Kassenboten. Bonn, 25. Oktober.(H. B.) Die Kiesige Kriminalpolizei ver- haftete gestern den Kassenboten Gustav S l o ck i ng c n aus Berlin- Slbönebcrg, der der Maschinen- und Fcldbahnfabrik von Dolberg 2400 Marl unterschlagen hgttc. Er hakte noch 800 M. in seinem Besitz. In seiner Begleihstig befanden sich ein Freund aus.Stutt- gart und zwei 16- und 18jährige Mädchen, die die beiden aus Köln mitgenommen hatten.__ Grubenbrand. Tortmund, 23. Oktober.(H. B.) Auf der Zeche„Präsident" des Bocbumcr Bergwerkvereins brach im Flöz Dickbank ein Brand aus. Es gelang, das Feuer einzudämmen. Wahlunrnhcn aus Kuba. New Jork, 25. Oktober.(H. B.) In Havanna kam es zu blu- tigen Wahlkrawallen. Es gab 20 Schwerverletzte. Folgen eines Orkans. Odessa, 25. Oktober. �(H. B.) Hier wütet ein furchtbarer Sturm. Sämtliche Bäume in den hiesigen Parks wurden umgeknickt, über 400 Telegraphen st an gen umge- rissen und viele Dächer abgedeckt. Die Stadtbahn mußt» den Verkehr einstellen. Die Dampfer nach Cherson und Nikolajew konnten nicht abfahren. Zaul Singers Co.. Berlin 81V. Hierzu 5 Beilagen u. Unterhaltungsbl. |t. 251. 29. 1. Scil-P des Jotnörtü" Skilinn Ssllisdlnll.. Sm«»k«». 2«. WM Mi. Die fleilchteuerung vor dem DreiIMcnljaufe. 85. Sitzung. Freitag, den 26. Oktober 1912, vormittags 11 Uhr. Am Minister tisch: v. Bethmann Hollwcg und Landwirt- schastSminister v. Schorlemer. Die Wahl des Präfidenten. Abg. Frhr. v. Zedlitz sfk.) schlägt die Wahl deS Abg. Graf S ch w e r i n- L ö w i tz tf.) durch Zuruf vor. Sie erfolgt ohne Widerspruch. Abg. Graf Schwwin-Lütmtz: � Ich weiß das durch die Einmütig- keit der eben vollzogenen Wahl mir entgegengebrachte Vertrauen und die hohe Ehre des mir zugedachten Amtes voll zu würdigen; ich bin mir aber auch der Schwere der inir dadurch zugefallenen Aufgabe voll bewußt. Wenn ich mich dennoch entschließe, dies Amt zu übernehmen, so nur in dem Pflichtgefühl, nicht zu ver- sagen, wenn der Dienst des Vaterlandes ruft.(Bravo I) Ich werde dies Amt selbstverständlich mit der unbedingtesten Unparteilich keit führen(Bravo I> und ich werde, wie ich das für die Aufgabe des Präsidenten halte, auch be- müht sein, überall unbedingt die Rechte der Minder- heit zu toahren.(Lebhafter Beifall links.) Ich werde aber auch meine ganze Kraft dafür einsetzen, nicht nur die Geschäfte zu fördern, sondern auch unter allen Umständen die Würde unserer Verhandlung zu wahren.(Bravo 1) Ich vertraue zuversichtlich, daß ich in dieser Hinsicht von Ihnen allen einmütig unterstützt werden werde, denn wir alle haben das gleiche Interesse daran, das Ansehen einer Körper- schast, der wir angehören, auch gewahrt zu sehen.(Lebhafter Beifall.) Mit diesem Versprechen und in dieser Erwartung nehme ich die auf mich gefallene Wahl mit Dank an. Die fleircbnotsInterpcUationen. Der Ministerpräsident erklärt fich zu sofortiger Beant- Wartung bereit. Die Fragen der Nationalliberalen lauten: a) In welcher Art und mit welchem Erfolge sind die von der Regierung angekündigten vorübergehenden Maßregeln gegen die Fleischteuerung durchgeführt? b) Welche Maßregeln denkt die Regierung im einzelnen zur Steigerung der inländischen Fleischproduktion zu treffen, um der Fortdauer oder baldigen Wiederkehr der Fleischteuerung vorzu- beugen? Die Volksparteiler fragen: Ist die Regierung bereit mit Rücksicht darauf, daß die bisher getroffenen vorübergehenden Maßnahmen gegen die Fleischteuerung unzulänglich sind und die Gemeinden nicht dauernd die außer- halb ihres Wirkungskreises liegende Aufgabe übernehmen können. in die Gestaltung der Lebensmittelpreise einzugreifen. a) im Bundesrat für weitere Maßnahmen gegen die Teuerung. insbesondere für die Abänderung des Fleischbeschau- g e s e tz e s und der Aufhebung der Futtermittelzölle einzutreten, b) zwecks Steigerung der inländischen Fleischproduktion auf die Vermehrung des mittleren und kleineren bäuerlichen Besitzes durch zweckmäßig und nachdrücklich betriebene innere Kolonisation derart hinzuwirken, daß die Deckung des heimischen Fleischbedarfs durch die deutsche Viehzucht möglichst gesichert wird? Abg. Schiffer(natl.): Die Regierung konnte angesichts der Wucht der Tatsache nicht untätig bleiben, auch wenn der Bund der Land- wirte bereits von dem Wege zu einer zweiten Aera Caprivi spricht. Gegenüber der Fleischnot mußten alle zulässigen und Er- folg versprechenden Maßnahmen ergriffen werden. Die Zuläsfigkeit beurteilen wir danach, ob sich die Maßnahmen im Rahmen der gellenden Schutzzollpolitik bewegt. Wir würden es für unverantwortlich halten, an dieser für die Entwickelung Deutschlands so erfolgreichen Politik zu rütteln. (Bravo I rechts und bei den Nationalliberalen.) In der Viehproduktion gibt es für uns nur eine Losung: Los vom Auslandel Der Forderung des deutschen StädtetageS auf erleichterte Einfuhr von Gefrierfleisch können wir nicht zustimmen. Eine erhebliche Aende- rung des Fleischbeschaugesetzes kann nicht in Frage kommen. Welch schwere Last die Regierungsmaßnahmen den Kommunen aufbürden, zeigen die Vorgänge in Berlin. Hoffentlich findet die Re- gierung auch bei anderen Gelegenheiten, wo nicht bloß Opfer zu bringen sind, den Weg zu den Städten.(Bravo I bei den National- liberalen.) Die Regierung hält es für ihre vornehm st e Aufgabe für die nächsten Jahre, weitere Maßnahmen zur Beseitigung der Teuerung zu ergreifen. 1908 wurde als die vornehmste Aufgabe der Regierung bezeichnet die Aenderung des Wahlrechts.(Sehr gut! links.) Da die Schwierigkeiten in beiden Fragen auf derselben Seite liegen, werden wir auch hier vor Illusionen bewahrt bleiben. Die wirksamste Maßnahme gegen die Teuerung ist die Durchführung der inneren Kolonisation.(Bravo I bei den National- liberalen.) Wenn wir die Viehproduzenten vermehren, vermehren wir die Viehproduktion, und es gibt noch viele Domänen, die parzelliert werden könnten.(Sehr wahr l links.) Natürlich muß auch der fortgesetzten Bildung neuer Fideikommisse entgegengetreten werden.(Bravo! links.) Wir brauchen selbständige Menschen auf mittleren und kleineren Bauerngütern. Der Fleischhunger und der Landhunger des Volkes muß endlich befriedigt werden.(Bravo l bei den Nationalliberalen.) Abg. Dr. Wiemer(Vp.): Die Landbündler behaupten, unsere Interpellation habe nur den Zweck, das parlamentarische Regiment einzuführen.(Heiterkeit links.) Ich kann feierlich erklären, daß wir so schreckliche Pläne nicht haben. Wir sind zwar Anhänger des par« lamentarischen Regimes, doch liegen uns zurzeit andere Sorgen näher. Die bestehende Fleisckinot muß schleunigst beseitigt werden. Wir wollen nicht etwa die plötzliche einseitige Aufhebung der Lebensmitlelzölle. sondern verlangen ihrenAbbau Wieden der Jndustriezölle. Die Fleischnot besteht mit kleinen Schwan- lungen seit 1>/, Jahrzenten. Bei abertausenden Familien ist die Sorge um die Ernährung täglicher Gast.(Sehr wahr! links.) Die Altion der Regierung kam zwar spät, aber sie ist doch ein erster Schritt und das Anerkenntnis, daß ein Notstand besteht. Schon ruft der Bund der Landwirte dem Kanzler bereits ein.Kreuziget ihn 1" zu. Vielleicht wünschen sie auch ihm bereits das Wort: Werft d a S Scheusal in die Wolfsschlucht.(Heiterkeit links.) Viel praktische Bedeutung haben die Maßnahmen der Regierung nicht. Sie erlaubt die Fleifibeinfuhr aus dem Balkan, ausgerechnet!(Heiterkeit.) Diese Erlaubnis hat gar keinen Wert. Auch von Rußland ist nicht viel zu erwarten. Den Gemeinden ist die Hauptlast zu- geschoben, eine ehrenvolle, aber undankbare Aufgabe. Den Städten kann nicht grundsätzlich die Aufgabe werden, dauernd in die Ge- staltung der Lebensmittelpreise einzugreifen, sonst müßten sie auch entscheidenden Einfluß aus die Ursachen der Teuerung haben. (Sehr richtig!) Die Städte sind zu Opfern bereit, aber sie lehnen jede Verantwortung für einen Mißerfolg ab. In Magdeburg sind die Fleischer verständiger gewesen, als in Berlin. Wir haben daS Fleischergewerbe stets gegen ungerechte Vorwürfe verteidigt, aber die jetzige Haltung eines Teils der Fleischer, insbesondere in Berlin, kann nur Wasser auf die Mühle derer treiben, die die Schuld an der Fleischteuerung dem Zwischenhandel zuschieben. Als wirksamste Maßnahme gegen die Fleischteuerung erscheint UNS die Aenderung d«S Fleischbeschaugesetzes. Wir verlangen vor allem erweiterte Zulassung des argentinischen Gefrierfleisches, mit dem in anderen Ländern gute Erfahrungen ge- macht worden find. Man kann beamtete Tierärzte zur Untersuchung deS Fleisches nach Argentinien schicken, kann es hier nochmals unter- suchen lassen. In England wird 59 Proz. des Fleischbedarfs durch ausländisches Gefrierfleisch gedeckt und dabei befindet sich die englische Landwirtschaft in blühender Entwickelung. (Lachen rechts.) Das hat erst kürzlich die.Kreuz-Zeitung" nachgewiesen, Sie müssen sich eben auch etwas um die neuere Eni- Wickelung kümmern I(Sehr gut I links.) Die Aufhebung der Futter- mittelzölle ist weiter dringend geboten, um dem Bauer die Vieh- Produktion zu verbilligen. Wir werden immer als Feinde der Landwirt- schuft verschrien. Ich möchte sagen: wer nicht mit uns für Aufhebung der Futtermittelzölle ist, der ist ein Feind der Bauern.(Sehr gut! links. Lachen rechts.) Die Ausführungen des Vorredners über die innere Kolonisation können wir nur unterstreichen. Wer die innere Kolonisation ernst nimnit, mutz der Fideikommisbildung entgegentreten.— Also der erste Schritt ist getan. Möge der leitende Staatsmann auch vor weiteren Schritten nicht zurückweichen, damit es von ihm heißt: ..Der wackere Kaitzler forcht fich nicht. Ging seines Weges Schritt vor Schritt' gegen Sonderintereffen für das Gemeinwohl.(Lebhafter Beifall links.) Ministerpräsident Dr. v. Bethmann Hollweg: Die außergewöhnliche Höhe der Fleischpreise, von der zahlreiche Existenzen schwer bedrängt werden, hat es der Regierung zur Pflicht gemacht, helfend einzugreifen, soweit eS in ihrer Macht steht. Die Erfüllung dieser Pflicht entspricht nicht nur Rücksichten menschlicher Hilfstätigkeit, sondern liegt im Interesse der Gesunder- Haltung des gesellschaftlichen und staatlichen Lebens.(Sehr richtig! links.) Gleichzeitig hat die Regierung die Pflicht, die heimische Fleischproduktion dauernd in Unabhängig- keit vom Auslände zu stellen und zu erhalten. Mit dieser wirtschaftlichen Unabhängigkeit steht die Unabhängig- keit der politischen Weltstellung im engsten Zusammenhang. (Lebhaftes Sehr richtig! rechts und im Zentrum.)'Unsere geogra- phische Lage, die Wandelbarkeit aller politischen Konstellationen sollte diesen Satz allen Deutschen als unbestritten gelten lassen(Lebhafte Zustimmung bei den Nationalliberalen), welcher Wirtschaftspolitik sie auch sonst huldigen mögen. Wenn wir in Zeiten einer anormalen Weltlage unsere wirtschaftliche Unabhängigkeit mit höheren Preisen bezahlen, dann bringen wir diese Opfer nicht einer wucherischen Schutzzollpolitik, sondern wir entrichten dem Vaterland für unsere Sicherheit einen Tribut. Aufgabe der Regierung und unser aller ist es deshalb, die heimische Fleischproduktion, soviel wir es bermögen, weiter zu fördern, und bei einer Aktton, welche bestimmt ist, einer akuten Fleischteuerung zu steuern, alle Maßnahmen aus- zuschalten, welche die Grundlage unserer Viehzucht zu er- schüttern geeignet sind.(Lebhaste Zustimmung rechts.) Ich freue mich, daß der Abg. Schiffer für seine Partei diesen Satz stark unter- strichen hat. Nach der Stellung, die die Nationalliberalen in dieser Frage bisher eingenommen haben, war das nicht anders zu er- warten. Aber freudig überrascht worden bin ich durch die Forderung der fortschrittlichen Interpellation, daß der heimische Fleischbedarf durch die deutsche Viehzucht möglichst gesichert werden soll. Das ist ein neues Postulat des alten fortschrittlichen Programms. Aber wenn Sie das Ziel wollen, müffen Sie auch die Mittel wollen. Und wie Sie dieses Ziel erreichen wollen, wenn Sie gleichzeitig aussprechen, unsere Schutzzollpolitik, unter der sich die Landwirtschast zu ihrer gegenwärtigen Höhe entwickelt hat, müsse allmählich abgebaut werden, das verstehe ich nicht.(Große Heiterkeit rechts und im Zenttum.) Ich verstehe weiter nicht, wie Sie in der Interpellation, indem Sie die Regierung auffordern, dafür zu sorgen, die heimische Viehzucht so stark zu machen, daß sie unseren heimischen Fleischbedarf befriedigen könne, gleich- zeitig die Abänderung der Wirtschaftspolitik fordern können.(Erneute Zust. rechts u. im Zentr.) Der Abg. Wiemer hat dem Abg. Schiffer zum Vorwurf gemacht, daß er sich in der Frage der Abänderung des Fleischbcschaugesetzes nicht klar ausgesprochen habe. Ich habe dem Herrn Abg. Schiffer ganz klar dahin ver- standen, daß er gegen eine Aenderung des§ 12 des Fleischbeschaugesetzes ist.(Sehr richtig! bei den National- liberalen.) Und die lebhafte Zustimmung aus den Kreisen der Herren Nattonalliberalen zeigt mir. daß ich ihn richtig verstanden habe. Dagegen ist es mir trotz genauen ZuHörens unmöglich ge- wesen, klar zu erkennen, was der Abg. Dr. Wiemer will.(Sehr richtig rechts und im Zentrum. Lebhafter Widerspruch links.) Der Herr Abg. Dr. Wiemer hat unter Zitierung einzelner Paragraphen des Fleischbeschaugesetzes gesagt, es müsse geändert werden, gesetzliche Maßnahmen aber seien nicht notwendig, das könnte im Verwaltungswege geschehen. Ich habe leider nicht hören können, was für Aenderungen er iin Ver- waltungswege wünscht. Eigentlich ist es ja nicht meine Sache als preußischer Ministerpräsident, auf diese Frage hier zu antworten, da es sich um eine stieichsangelegenheit handelt. Aber ich möchte doch fragen, in welcher Beziehung will der Abgeordnete Dr. Wiemer den§ 12 geändert wissen, und inlvieweit soll durch diese Aenderungen, die er eventuell, wie ich annehme, den, Reichstag vorschlagen wird, die Einfuhr deS Gefrierfleisches erleichtert werden. Ich muß offen gestehen, eine klare Antwort habe ich aus der Rede des Abg. Dr. Wiemer nicht herausgehört, wie er fich eigentlich dazu stellt, ob daS Gefrierfleisch eingelassen werden soll oder nicht, ob eS erwünscht ist, es zu tun, ob große Bedenken dagegen ob- walten— darüber hat sich Dr. Wiemer nicht mit der Klarheit und starken Entschiedenheit ausgesprochen, die sonst seinen Aeußerungen eigen ist.(Lebhafter Widerspruch links— Zustimmung und Heiterkeit rechts.) Ich will hier nur folgendes erwähnen: Preußen ist der größte Fleischlieferant Deutschlands, und in der preußischen Fleischproduktion spielt die Schweinehaltung die größte Rolle. Wenn wir unseren Fleischbedarf selbst decken wollen, dürsen wir unter keinen Umst än d en dieserSchweine- Haltung zu nahe treten.(Lebhafte Zustimmung rechts.) Der Abg. Dr. Wiemer hat gegenüber den Bedenken nach dieser Richtung aus die blühende Landwirtschaft Englands verwiesen und gesagt, man solle nicht immer von den vergangenen Zeiten der eng- tischen Landwirtschaft sprechen, sondern von den gegenwärtigen. Ich weiß sehr wohl, daß England sehr entschiedene Anstrengungen nament- lich in Irland macht, um die Landwirtschaft zu heben, und daß die? auch mit großem Erfolge geschieht. Aber was die Ein- Wirkungen der Gefrierfleischkonsnmtion auf die Viehzucht anlangt. so scheinen mir doch die Verhältnisse anders zu liegen wie der Abg. Wiemer glaubt. Das Gefrierfleisch hat sich in England einen sehr großen Markt erworben, ich glaube 59 Proz. der ge- samten Ernährung. Aber in demselben Zeitraum, in welchem daS Gefrierfleisch sich England erobert hat, ist die Viehhaltung Englands hinaufgegangen, dann stationär geblieben, ja sogar im Rückgang be- findlich. Das sind keine alten Zahlen, die ich hier mitteile, sondern Zahlen aus der allerneuesten Zeit. In England entfielen im Jahre 1873 auf 1999 Einwohner noch III Schweine, im Jahre 1311 lvaren es nur noch 84. In Preußen haben wir für die gleichen Jahre eine Steigerung um 173 auf 1999 Ein- wohner zu verzeichnen.(Hört! hört!) Ich weiß sehr wohl, man soll Nationen mit verschiedenen Lebens- und Wirtschaftsbedingungen nicht ohne weiteres vergleichen und soll bor allem m>S dem Vergleichen keine zwingenden Schlüsse ziehen, aber das eine werden Sie mir zugeben: Sie kennen die Entwicklung unserer Viehzucht, das starke Wachsen unserer Viehzucht und Sie kennen auch die Verpflichtung unserer Landwirtschaft, den Viehstand nicht nur stationär zu halten, sondern zu erweitern, weil unsere Bevölkerung wächst und weil unser Fleischkonsum wächst. Da ist es doch sehr bedenklich, ein Experiment zu machen, das nach aller menschlichen Berechnung auf den Haupt- zweig unserer Viehzucht, die Schweinehalttmg, einen verringernden Einfluß ausüben wird, und das infolgedessen die Produktion, statt sie steigen zu lassen, verringert. Wenn in unserer Schweinezucht es erst einmal zu stationären Verhältnissen und zu einen: Rückgänge kommt, dann ist die Zukunft unserer Viehzucht verloren. Bedenken Sie, an der Schweinezucht sind gerade unsere kleinsten Wirtschaften beteiligt. An 25 Proz. entfallen auf Wirtschaften unter 2 Hektar und an 75 Proz. auf Wirtschaften unter 29 Hektar. Da ist es eine sehr ernste Pflicht der Staatsregierung, diese wirtschaftlichen Verhältnisse zu schützen und für die Zukunft zu sichern.(Sehr richtig!) Ich kann jedenfalls für meine Person nicht die Hand zu einer Maßregel bieten, die vielleicht im Moment einen starken Druck aus unsere Preise ausüben könnte, die aber für die Zukunft unserer Entwickelung verderblich ist.(Sehr richtig I) Ich weiß sehr wohl— das will ich ganz offen und freimütig aussprechen—, daß man mir einen Strick daraus drehen wird. Man wird mir vorwerfen, ich hätte kein menschliches Mitgefühl mit den Armen und Aermstcn. Ich weiß sehr wohl, welche Existenzen von den hohen Fleischpreisen bedrückt werden. Ich kenne die praktischen Verhältnisse genau genug, um sagen zu können: ich habe menschliches Mitgefühl mit den Bedrängten ebenso gut wie irgend einer, aber trotzdem darf ich nicht bloß auf den Moment sehen, sondern ich muß auf die Zukunft sehen, und ich habe auseinandergesetzt: in nationaler und wirtschaftlicher Beziehung warne ich vor jedem Schritt, der unsere Unabhängigkeit, die stärkste Fundamentierung unserer Landwirtschaft, irgendwie in Frage stellt. (Lebhafter Beifall rechts.) Wir haben den Versuch machen müssen, auf anderem Wege in zahlreichen Orten mit ungenügendem Angebot die Fleischzufuhr zu erleichtern. Zu diesem Zwecke dienen die Tarifermäßigungen zur Erleichterung der Zufuhr von frischem Fleisch und Vieh über unsere Grenzen. Die finanzielle Bedeutung der Tarifermäßigungen erhellt daraus, daß sie im vorigen Jahre der Staatsbahnverwaltung rund 33 Millionen Mark gekostet haben.(Hört! hört! rechts.) Bei der Zulassung von Vieh oder frischem Fleisch über die Grenzen kam es darauf an, Vorsorge zu treffen, daß die zugefnhrten Mengen nicht verzettelt werden. da ein Massenimport, der daS ganze Land erfaßt haben würde» nicht inS Auge zu fassen war. Diese Borsorge ist jetzt noch viel notwendiger als zur Zeit deS Erlasses der Anordnungen, weil der inzwischen ausgebrochene Balkankrieg die Zufnhrmöglichkeiten verringert. Es kam weiter darauf an, eine zweckmäßige Verwertung der zugeführten Menden im Interesse der Konsumenten zu sichern. Das ivar mir möglich, indem wir uns an die Mitwirkung der Kommunen wandten, der großen Kommunen, die mit ihren Märkten siir die Preisbildung bestimmend sein können. Ilm den Kommunen die Mitwirkung zu er- leichtern, sind ihnen Tarifermäßigungen bewilligt, sind diejenigen Zollrückerstattungen geplant worden, über die der Reichstag dem- nächst zu beschließen haben wird. Das ist der Grundgedanke der Aktion. Sie ist von beiden Seiten angegriffen worden. Von agrarischer Seite hat man in unseren Maßnahmen einen Bruch mit unserem Beterinärschutz und mit unserer Zollpolitik er- kennen zu müssen geglaubt. Mit Unrecht! Ich gebe zu, daß wir bei der Erleichtemng der Zufuhr an Vieh und Fleisch bis an das äußer st e dessen gegangen sind, was wir gegen- über unserer Pflicht deS Veterinärschutzcs verantworten können. Wir haben nach sorgfältiger Prüfung des Seuchenstandes in den Nachbarländern Erleichterungen eingeführt, soweit wir eben konnten, Erleichterungen, die wir wegfalle» lassen werden, sobald der Seuchenvestand in den Nachbar- ländern dies notwendig erscheinen läßt. Von einem Bruch mit unser Zollpolitik kann gleichfalls nicht die Rede sein. Es handelt sich nicht um Zollaufhebung, um Zollsuspension, es handelt sich um eine zeitlich und sachlich streng be- grenzte Stundung von Zöllen und ihre teilweise Rück- erstattung, nicht an jeglichen Import, sondern nur an diejenigen Kommunen, die unter Erfüllung der festgesetzten Bedingungen durch die Zufuhr von Fleisch oder Vieh auf die Marktlage regulierend ein- zuwirken bereit sind.* Von der anderen Seite ist der Einwand erhoben worden, die Kommunen seien nicht dazu da, in die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln einzugreifen, jedenfalls nicht dauernd einzugreifen und auf diese Weise Fehler unserer Wirtschaftspolitik gut zu machen. Bei einer akuten Schwierigkeit kommt es meiner Ansicht nach nicht auf Theorien an, sondern auf die Frage, ob die Kommunen imstande sind, durch ein Eingreifen einen Druck auf übermäßig hohe Fleischpreise auszuüben.(Sehr richtig!) Erfahrungen aus der Vergangenheit haben gezeigt, daß das sehr wohl möglich ist. und ich bin überzeugt, daß es auch jetzt der Fall sein wird. Die Kommunen haben sich deshalb, und dafür weiß die Staatsregierung ihnen aufrichtig Dank, auf den praktischen Boden gestellt und haben sich bereit erklärt, diejenigen Aktionen eintreten zu lassen, die wir für zweckmäßig gehalten haben. Schon bevor die Erleichterungen der königlichen Staatsregicrungen bekannt waren, haben es zahlreiche Kommunen aus eigenem Antriebe getan. So ist das namentlich der Fall gewesen in Köln, Frankfurt am Main, Halle, Magdeburg, Hannover, Kassel und an anderen Orten. Nach Bekanntwerden der Erleichtemngen ist die Zahl dieser Städte außerordentlich gewachsen. Es sind Einfuhr- genehmigungen bisher erteilt ivorden, für holländisches Schlacht- Vieh, abgesehen von außerpreußischen Städten, an Aachen, Frank- furt a. M.. Köln, Düsseldorf. Duisburg, Essen, Elberfeld, Barmen. Krefeld, Oberhausen, Reklinghausen, Saarbrücken und andere Städte. Das ist eine sehr stattliche Anzahl von großen Kommunen. Für Rindfleisch und Schweinefleisch wurde die Ge- nehmigung erteilt an Berlin und Vororte, Königsberg. Danzig, Posen, Bromberg usw., für Schweinefleisch aus Rußland an Bromberg und Elbing. Die Preise für den Vertneb des Fleisches werden von den Stadtverwaltungen selbständig festgesetzt und zwar nach dem SelbkostenpreiS. wozu Einkaufspreis. Fracht, Zoll, Untersuchungsgebühr, aber nicht der Anteil an den Verwaltungskosten kommen. Mt der Einfuhr des zugelassenen Fleisches ist sofort begonnen worden. Die Verlaufspreise haben sich, soweit bisher berichtet ist, in allen Fällen unter dem sonstigen Marktpreise für Fleisch gehalten, bei einzelnen Orten bis 49 Pf. pro Pfund. Im ganzen liegen bisher von mehr als 49 preußischen Städten aus allen Teilen der preußischen Monarchie Nachrichten vor. Fast überall wird gemeldet, daß der unter städtischer Mitwirkung ein- gerichtete Verkauf sich ohne Schwierigkeiten vollzieht und von der Bevölkerung mit Dank begrüßt worden ist. Daß Ausnahmen vor- gekommen sind, wissen wir aus Berlin.(Hört I hört! und Heiter- keit.) Nun bin ich gefragt worden, welche Einwirkungen die ge- ttoffenen Maßnahmen auf die allgemeine Preislage hätten. Bei einer Aktion, die soeben erst eingesetzt hat, werden Sie nicht er« warten, daß diese Einwirkung sich sofort in groben, Masje geltenb macht. Wir werden in dieser Beziehung einige Zeit vergehen lasse» müssen. Ich kann aber mitteilen, daß Köln, Bonn, Mülheim, Tilsit. Barmen, Essun. Elberfeld, Hantborn, Solingen und andere Städte ei» Herabgehen der allgemeinen Fleischpreise infolge der Maßnahmen der Komniunen melden. Ich will hieran? keine großen Schlüsse weder für die Gegenwart, noch für die Zu- kunft ziehen, denn wir können nicht schon jetzt erwarten, daß sich der Erfolg der Maßregeln unmittelbar zeigt. Ich möchte davor warnen, daß, wie es der Abgeordnete Dr. Wremer getan hat, und wie es auch von anderer Seite geschehen ist, schon jetzt das Verdikt abgegeben wird, das, was geschehen sei, hätte keinen Erfolg gehabt. Wir müssen, wie gesagt, zunächst einmal abwarten, welche Erfolge sich ergeben. Ich kann es als einen außerordentliche» Gewinnst schon jetzt begrüßen, daß so zahl- reiche, gut verwaltete.Kommunen so tarkräftig eingegriffen haben, um einer übermäßigen Höhe der Marktpreise entgegen zu treteu, Außer den vorübergehenden Maßregeln haben bereits die Stadtver- waltungen auch dauernde Waßnahmen teils schon getroffen, teils in Aussicht genommen. Es handelt sich dabei beispielsweise um Schweinemästerei im großen. Ans der Presse wissen Sie, daß man in Köln mit diesem Gedanke» umgeht, aber auch andere Städte haben ähnliches in Allssicht genommen. Ich rechne weiter dahin folgendes: Mehrere landwirtschaftliche Viehvenoertungsgenosseir schaften, namentlich die Pommersche, haben den großen Städten, wie zum Beispiel Berlin und Stettin, das Angebot gemacht, wöchentlich eine bestimmte Anzahl von Schweinen auf den Markt zu liefern und zwar zu Preise», welche für die Dauer von fünf Jahren festgesetzt werden. Zu einer Verständigung darüber ist es»och nicht gekommen. Ich gebe zu, daß es sich dabei für die Städte vielleicht um Fragen handelt, die noch nicht nach jeder Richtung geprüft worden sind. Aber ich bin der Ansicht. daß man es sich ernstlich überlegen sollte ob nicht i-urch derartige Verbindungen von landwirtschaftlichen Genossenschaften mit den Städten eine wesentliche Verbesserung unseres Fleischlnarktes herbeigeführt werden kann.(Beifall.) Es sind auf unserem Fleisännarkt noch eine ganz« Anzahl weiterer Maßnahmen zu prüfen. Unsere Fleischpreise, namentlich die Preise für Schloeine- fleisch, zeichneten sich durch ganz ungewöhnliche Schwankungen seit einigen Jahren aus, Schwankungen, die ihr« Erklärung nicht finden in den natürlichen Schwankungen zwischen Angebot und Nachfrage, in den Schwankungen der Kosten der Produktion in den einzelnen La»deSteilen. Ich glaube, daß diese.Schwankungen noch darüber hinausgehe» und daher kommen die sich immer wiederholenden Klagen über unnatürliche Spannungen zwischen Vieh- und Fleisch- preisen. Man führt zum Teil diese Erscheinungen mit zurück auf die Kredit« und Abhängigkeitsverhältnisse, welche sich namentlich auf de» großen Märkten zwischen den am Geschäft be- teiligten Personen, zwischen Komniissioliäre», Händlern und Fleischern ergeben. Ich halte es für erforderlich, daß diesen Kragen, über die seit Jahren gesprochen und geschrieben wird, daß man versucht, diesen Fragen auf de» Grund zu gehen. ES wird zu diesem Zweck in kurzer Zeil im ReichSamt des Innern eine Kommission zusammentreten, in der alle Beteiligten vertreten sein werden. (Beifall.) Ich hoffe, daß die Arbeit dieser Kommission manches aufhellen und dadurch Nutze» in die Gel'aniihcit bringen wird. Ich komme nunmehr zu den Maßregeln, mit denen die Regierung die Viehzucht fördern soll. Die fortschrittliche Jitterpellalion fordert in dieser Beziehung die Aufhebung der Futter- m i t t e l z ö l l e. Auch das ist eine ReichSangelegenheit. und ich muß daher davon Abstand nehmen, mich dazu in extenso zu äußern. Ich tan» um so mehr darauf verzichten, als ich meine Stellung zur Frage der Suspension und Aufhebung wiederholt im Reichstage und noch vor einem Jahre dargelegt habe. Ich habe mich bei all diesen Gelegenheiten als ein Gegner der Zollsuspcnfione« und der Aufhebung der Futtermittelzölle üt zeichnet. Das babe ich auch im vorigen Jahr« getan, zu einer Zeit, wo wir bekanntlich unter einem Futtermangel für das Vieh litten. Heute stehen wir glücklicherweise einer reichen Futtermittelernle gegenüber, und außer den gewonnenen Futter mittel» ist ja leider manches sonstige Getreide so schlecht geerntet worden, daß es nicht mehr eine verkaufsfähige Ware dar stellt, sondern verfüttert werden muß. Also wir befinden uns in dieser Beziehung heute jedenfalls in einer sehr viel günstigeren Position wie im vorigen Jahre. Deshalb sind die prinzipiellen Bedenken, welche ich gegen jede Aenderung der Zölle habe, heute noch sehr viel stärker als im vorigen Jahre. Ich möchte mich unter dem Vorbehalt, daß ich doch wahrscheinlich im Reichslug noch über diese Sachen zu sprechen haben werde, heute auf diese wenigen Worte beschränken. Ich glaube also, daß dies kein Weg ist, welcher geeignet sein würde, unsere Viehzucht weiter zu fördern. Bei der Vergrößerung unseres Viehbestandes spielt die Kullivierung unserer Moore, der Oedländereien eine sehr wichtige Rolle. Neue große Fulterinengen können unzweifelhaft gewonnen werden, wenn wir diese Niederungsmoore in entsprechender Weise kulti« Vieren. Es sind von solchen Niederungsmooren bereits ent- wässert 1500�)0 Hektar, für weitere 300 000 Hektar sind Entwässerungsprojekle fertig oder in Vorbereitung. Wir werden für die Kultivierung solcher Moore sowohl von Staats wie von Provinz wegen noch mit sehr viel größeren Mitteln eingreifen müssen, als es bisher der Fall gewesen ist.(Sehr richtig!) Wir werden deshalb beträchtliche Erhöhungen der betreffenden Fonds im Etat vorsehen und hoffen auf Ihre Zustimmung.(Bravo I) Für die nötige Aufsicht über diese entlvässerien Wiesen soll durch eine der« mehrte Anstellung von Kreiswiesenbamneistern Sorge gelragen werden. Wir werden außerdem un, eine nicht unerhebliche Erhöhung fast aller derjenige�» Fonds bitten, welche zu einer direkten Unterstützung der Viehzucht bestimmt sind.(Bravo I rechts.) Für eine Hauptaufgabe halte ich auch die Förderung der inneren Kolonisation. (Bravo I) Es ist bekannt und erwiesen, daß für die Mengenproduktion von Schlachtvieh die Leistungsfähigkeit des Grundbesitzes ungefähr im umgekehrten Verhältnis zu seiner Größe steht. Ich habe Ihnen bereits über den An- teil unseres KleinvesitzeS an der Schweinezucht die Zahlen ange- geben. An der Grenze seiner Leistungsfähigkeit ist der Kleinbesitz meiner Uederzeugung nach noch lange nicht angelangt. E« ist nur erforderlich, daß er sich der Schweinezucht unter gesicherten Verhält- Nissen widme» kann(Sehr richtig I recht»), und daß ihm keine über- mächtige, überseeische Konkurrenz entgegeustebt.(Sehr richtig I) Ge- schähe das, so würde der Aulrieb. die Viezncht zu vergrößern, schwinden. Vermehren wir unsere» Kleinbesiy, so bin ich uberzeugt, wird sich auch der Umfang der Fleischprvduktion in stark auf- steigender Kurve entwickeln. Die Hauplsorge ist die Beschaffung de? nötige» Landes. Zu diesem Zweck werden wir zu- nächst etwa 12 Millionen Mark von Ihnen erbitten, die uns in den Stand setzen sollen, die staatlichen Hochmoore in O st s r i e s l a n d, die etwa 16 000 Hektar umfassen, urbar zu niachen. Wir werden außerdem geeignete Domänen reich- sicher als bisher den Siedelungögefellichasten für die Zwecke der inneren Kolonisation zur Verfügung stellen.(Bravo I) Außer den Domänen, welche der ÄnsiedelungSkommission überwiesen worden sind, find im Jahre 1312 rund 4000 Hektar Domanialland zur Besiedelung verkauft worden. Aber wie getagt, ich bin überzeugt, daß wir ,n dieser Beziehung mehr tun müssen, als wir bisher getan haben(Sehr richtig I), namentlich in denjenigen Landesteilen, wo der kleine und mittlere Besitz schwach vertreten ist. Wir beabsichtigen ferner. den bestehenden Siedelungsgesellschaften den Landankaus da- durch zu erleichtern, daß wir ihr Stammkapital durch Uebernahnie größerer StaatSanteile vennehre». Wir wollen weiter für de» Zwischenkredit in der Zeit zwischen dem Ankauf des Gute» und seiner Besiedelung stärker sorgen als bisher. Es wird sich ferner empfehlen, daß die Beleihung neu zu bildender Rentengüter bis zu«,.0 gestattet wird und daß Schwierigkeiten beseitigt werden, welche sich dem Abverkauf befledekungßfähtger Güter aus der Hypothekenbelaftung entgegenstellen. Wir werden Ihnen in all diesen Beziehungen demnächst Borlagen machen, und ich hoffe, daß Sie diese Vorlagen annehmen werden. Den be stehenden KolonisalionSgesellschaften beabsichtigen wir eine neue in Schlesien hinzuzufügen. Sie ersehen daraus, wir wollen das bestehende System für unsere innere Kolonisation stärken und ver- bessern. Ich halte das für zweckmäßiger, als wenn wir etwa mit deni Projekt der Gründung einer neuen staatlichen Anfiedlungs- behörde an Sie herantreten wollten, die wir vielleicht mit einer großen Summe nach außen hin ausstatten und die dann ä tont prix kolonisieren soll. Einem solchen Projekt wurde entgegenstehen, daß wir damit den G r u n d b es i tz noch mehr mobilisieren als er bisher leider schon ist und die Grundvreise in ungesunder Weise steigern würden, und daß es wahrscheinlich sehr schwer sein würde, au diesem Weg« leistungsfähige Ansiedler zu schaffen, und darauf kommt es doch an, daß sie unter wirtschaftlich gesunden Bedingungen nicht zu teuer arbeiten. Mir scheint auch, daß sich unser bisheriges System der inneren Kolonisation doch nickt so schlecht bewährt hat, wie man das vielfach aussprechen hört. Neben 20 000 Stellen, die die An siedelungskommisfion neu geschaffen hat, stehen IS 000, die in den letzten 20 Jahren unter Mitwirkung der Generalkommissionen zustande gekommen find. Durch die Siedelungsgesellschaften in Ost« Preußen, Pommern, Brandenburg, von denen die letztere noch ganz jung ist, wurden 131 l rund 600 Stellen neu gegründet. Daneben geht die ohne behördliche Mitwirkung erfolgende private Koloniiation. Ich erwarte mit Bestimmtheit, daß die Tätigkeit der Ansiedlungskominission mit den Maßnahmen, von denen ich sprach, und die zum größten Teil von den in den SiedelungSgesell- schaften selbst rätigen Personen angeregt worden sind, eine bessere und umfangreichere sein wird als bisher. Die BefiedelungsgeseE schaffen können und müssen im Laufe der Zeit dahin kommen, ihre Tätigkeit, ich will einmal sagen, in jedem Jahr« zu verdreifachen Geschieht das, dann werden wir in derZeit eines Men- schenlebrnS— eS hanorlt sich um eine(s�age, die nicht rn einem Tage gelöst werden kann— doch zu Resultaten kommen, die fich sehen lassen köimen. Anlaß zu diesen Bemerkungen über die innere Kolonisation gab die Frage der Vermehrung der Fleischvcrsorgung. Die große Be- deutung der inneren Kolonisation reicht aber weit darüber hinaus (Sehr richtig!) Wir stehen einer starken Abwanderung der Bevölkerung vom platten Lande gegenüber, einem Still« stand, ja Rückgang vieler kleiner Landstädte und einer Zusammen Pressung großer und immer größerer Meuschenmassen in großen Städten. Diese neue Völkerwanderung, die sich in der Verschiebung unserer Bevölkerung vollzieht, bringt Umwälzungen mit fich. die man versucht sein könnte, als von elementarer Natur zu bezeichnen. Physisch und moralisch, wirtschaftlich und sozial wandeln sich Volkscharakter und Struktur des Volkskörpers um. Man sagt mit Recht, daß ein Staat abstirbt, der nicht immer wieder aufs neue aus seinem Landvolk sich verjüngen kann.(Sehr richtig!) Uiisere stark wachsende, vielfach allein auf den AuSlandSexport angewiesene Industrie bedarf mit ihren Hunderttauienden von Arbeitern eines Gegengewichts in einer kräkligen, fest fundamentierten und vom Auslaiide möglichst unabhängigen Ackerbau treibenden Bevölkerung.(Sehr wahr!) In den Großstadtzentren zwingt die Menschenmassierung zu kolonisatorischer Wohnungspolitik in den Bezirken der Städte und ihrer Vororte. Für den Gesamtstaat erwächst die Aufgabe, der Abwanderung vom Lande und dem Aufsaugung� Prozeß, der von den großen Städten ausgeht, mit allen Mitteln ein Paroli zu bieten.(Sehr gut I bei den Nationalliberalen und rechts.— Zuruf des Abg. Ströbel(Soz.): Paroli ist gutl Enteignen I) Diese« Problem hängt eng zusammen mit der Gründl besitzverteilung.(Sehr gut l links.) Das ist, wie ich glaube, durch die Darlegungen namentlich des Professor« S e r i n g unwiderleglich nachgewiesen.(Sehr richtig I links.) Der Adflutz hat fich al« besonder« stark dort gezeigt, wo der Groß- grundbesitz ein« absolut vorherrscheudr Stellung hat. (Lebhafte Zustimmung links.) Wollen wir die Landbevöllerung stärken. so können wir es nur durch eine Verstärkung und Vermehrung unserer Bauernstellen.(Erneute lebhafte Zustimmung und Beifall links.) Diese Aufgabe steht hoch über allen parteil politischen Gegensätzen.(Sehr richtig!) Wer innere Koloni- s a t i o n treiben will, weil ihm der Stand des Großgrundbesitzes ist, und ihn am liebsten ausrotten möchte, der der würde unserer Landwirtschaft und unserem und Uebel zufügen.(Lebhafte Zustimmung er einer Utopie nach. Worauf es ankommt. en politisch zuwider denkt unhislorisch, Staat nur Verderben rechts.) Praktisch jagt mittleren und des Kleinalle dein Grundbesitz zu« ist die Mischung de» großen, de« betriebe«(Sehr richtig!) Sie kommen gute.(Sehr richtig!) E« ist unmöglich, im Rahmen der beutigen Debatte das Problem der inneren Kolonisation in seinen Hauptzügen oder auch nur an- deutungsweise zu behandeln. Aber wir stehen vor einer Aufgabe, an der der Staat mit allen seinen Beamten und an der alle Parteien freudig und tatffästig mitarbeiten sollen. Friedrich der Große hat gesagt:.Menschen erachte ich für den größten Reichtum". Und wie er diesen Satz verwirklicht wissen wollte, hat er durch seine großartige kolonisatorische Tättgkeit gezeigt. Aus dein friderizianische» Preußen mit seinen 6 Millionen Einwohnern ist ein Staat mit 40 Millionen Einwohnern geworden. Sorgen wir dafür, daß immer zahlreichere Existenzen in diesem Staat mit dem beimische» Boden fest verankert werden; damit werden wir unseren Staat gesund und stark erhalten.(Lebhafter Beifall bei den Nattonalliberalen, dem Zentrum und recht«.) Das Haus beschließt einstimmig die Besprechung der Interpellation. Dr. v. Heydebrand(l.): Vom Standpunkt de« Konsumenten aus muß ich bekennen, daß die gegenwärtige" Fleischteuerung nicht unerheblich höher i st, als durch die Steige- rung der Preise anderer Produkte gerechtfertigt werden könnte.(Hört, hört l) Wir haben es in der Tal mit einer Kalamität zu tun. die weite Kreise der Bevölkerung sehr be- drückt. Wir sind der Regierung dankbar, daß sie mit allen Mitteln, die ihr zu Gebote stehen, vorgegangen ist. Ich bin erstaunt, daß seitens der Kommunen die Initiative der Regierung nicht überall bereiiwillig enigegenaenommen ist, die doch so überraschend günstige Erfolge in der Herabminderung des Preises gehabt hat. Auch die Erleichlerungen für die Zufuhr de« Fleisches und Vieds billigen wir. Aber die Regierung hat noch nichl alles gelan. Sie hatte auf- klärend und belehrend auf die Bevölkerung wirken müssen, (Heilerkeit links.) Wir haben bei der F i n a n z r e s o r m gesehen, wohin eS führt, wenn diese Aufklärung unterlassen wird. Bei den Reichstagswahlen haben wir ja die Quittung bekommen. (Abg. Hoffmann(Soz.): Es schmerzt immer noch!— Heiterkeit) Die amtliche Feststellung der Lebensmittelpreise würde den inneren Markt wirksam beeinflussen können.— Unsere Landwirlschaft liefert so viel Vieh und Fleisch, daß das Angebot nur um wenige Prozent hinter dem Konsum zurückbleibt. Der Fehler ist nur. daß das Fleisch nicht in die richtigen Bahnen geleitet wird. Für die Er« klärung deS Ministerpräsidenten. daß er an unserer Politik der Schutzzölle nicht rütteln lassen wird. bin ich ihm aufrichtig dankbar im Interesse der Landwirtschaft. Versucht-inserer Militärverwaltung anfcng« der 30er Jahre mit efrierfleisch sind gescheitert. Auch gehört zu seiner Ein- sührung und Verarbeitung erhebliches Kapital. Wir machen also unsere Volksernährung nicht nur abhängig vom Auslande, sondern auch von dem Großkapital. Für die innere Kolonisation sind auch wir, aber sie nützt gar nichts, wen» nicht gleichzeitig ein aus- reichender V i e h s ch u tz da ist. Wenn Sie dielen Schutz lahmlegen, treiben Sie die kleinen Landwirte nur in das Proletariat.(Sehr richtig! rechts.) Die Versorgung unseres Volkes mit gesunden, ausreichenden, vom Ausland unabhängigen Nahrungs« mittel» ist eine nationale Frage ersten Ranges. So be- dauerlich die jetzige Kalamität ist, sie wird doch die Erkenntnis fördern und Wege weisen, um vorzubeugen, daß ähnliche Verhält- nisse nicht wieder vorkommen. So wird auch die jetzige Zeit, die 1 wir alle beklagen, am letzten Ende hoffentlich dem preußische» Volk zum Segen gereichen.(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Herold(Z.): Wir sollten in solchen Zeiten der Teuerung nicht immer nach dem Ausland rufen, sondern unser Ziel muß sein, unsere einheimische Produktion so zu fördern, daß wir vom Auslande unabhängig werden. Für die Fleischversorgung ist die Hauptsache die Stärkung des kleinen Besitzes. Allein durch die Kultivierung der Moore könnten jährlich 10 000 Doppelzentner Fleisch produziert werden. Das Fleischbeschaugesetz wollen wir nicht abändern. Das Vorgehen der Städte ist erfreulich. Es ist anzuerkennen, daß die Regierung praktische Mittel angewandt hat. Ob alle vorteilhaft sind, muß man abwarten. Wir hoffen. daß wieder normale Zeiten kommen. Dazu müssen alle Parteien helfen. Man sollte solche Notstände n'cht politisch aus- nutzen. Das deutsche Volk hat groß« Probleme gelöst. Es wird auch mit dem Teuerungsproblem fertig werden.(Beifall im Zentrum.) Abg. Dr. Engelbrecht(fl.); Wir erkennen einen Notstand an. haben aber nach den Erklärungen des Ministerpräsidenten das Ver- trauen, daß die Teuerung nur vorübergehend sein wird. Er- freulich ist. daß sich auch die Regierung klar gegen eine Aufhebung des z 12 des Flei,chbeschaugesetzes ausgesprochen hat. Abg. Korfanty(Pole): Man spricht von innerer Kolonisation, dabei vernichtet man unseren Bauernstand in Oberschlefien, man treibt unsere Leute von der Scholle. Der Land- wirtschaftsminister sorgt mit seiner Zustimmung zur Enteignung dafür, daß künstlrch Sozialdemokraten geschaffen werden. Die innere Kolonisation wird von der Mehrheit dieses HauseS und von der Regierung zu politischen Zwecken miß- braucht.(Unruhe rechts.) Konservative Leute treten das Privat- eigenwm mit Füßen.(Lachen rechts.) Auch in den Ostmarken machen fich die Junker breit. Im Kreise K a t t o w i tz besitzen der Herr von Ti e l e- W i n ck l e r und der Fürst He n ckel« DonnerSmarck zusammen allein 5000 Hektar. DaS sind die geeignetsten Objekte zur Enteignung. Ueber die Schande ihre« EnteignungSgesetzeS wird unsere Bevölkerung mit«bscheu hinweggehen.(Unruhe rechts, Vizepräsident Dr. P o r s ch ruft den Redner zur Ordnung.) Landwirtschaffsmmister Freiherr v. Schorlemer: Man hat der Regierung vorgeworfen, sie hätte nicht rechtzeitig für Belehrung der Bevölkerung Sorge getragen. Aber w o soll die Regierung aufklären. In der„Norddeutschen Allgem. Zeitung' ist es ge- schehen. Wer da? gelesen hat, weiß ich nicht(Heiterkeits. Im übrigen teht die Presse in der Hauptsache im Dienste einer bestimmten Anschauung. DerReglerung ist es nicht möglich, selbst durch die KreiSblätter beruhigend zu wirken. Aufgeklärt haben wir soweit wir konnten, oder sollten wir etwa zu Publikationen lan den Litfaßsäulen greifen. (Heiterkeit.) Durch die Maßnahmen der Regierung ist an den gesetz- lichen Bestimmungen nichlS geändert, auch nichts durch Interpellationen. £8 bandelt sich n u r um Abänderungen veterinärpolizeilicher Vor- .chriften über die Einfuhr von Fleisch auS dem Auslände. Die Hauptsache war. rasch zu helfen durch Zulassung von Ausnahmen, die erstens nur vorübergehend sein sollten und zweiten« nur unter beffimmten Bedingungen eintreten. Holland ist vollständig seuchenfrei. Die Tätigkeit der Kommunen ist sehr dankenswert. Ich hoffe, die Städte werden in weiterer Vereinbarung mit den landwirtschaff- lichen Absatzgenossenschaffen dauernd auf die Preisbildung an den größeren Märkten einwirken. Von einer allgemeinen Notlage kann mau nicht sprechen, denn wir habe« reichliche Vorräte an Gemüse nnd Kartoffeln, deren Preise so günstig sind, wie wir fie lange nicht gehabt habe». Leider verstehen viele Frauen nicht die Zu- bereitung dieser Nahrungsmittel und werfen ich lediglich au« diesem Grunde auf dt« Zu- bereitung de« Fletsche», und dann gibt e« Fleisch, Fleisch«nd immer wieder Fleisch. Such eine Förderung der Kaninchenzucht würde dem Fleischmangel vorbeugen. In Pari« werden jährlich 300 000, in London 500 000 Kaninchen verzehrt.— Auf die Ausführungen deS Abg. Korfanty werde ich bei der Interpellation über das EnieignungSgesetz ein- gehen. Jedenfalls hat er mit seinen Uebertreibungen seiner Sache nicht gedient.(Beifall.) Die weitere Besprechung wird auf Sonnabend 10 Uhr vertagt. Auf eine Anffage deS Abg. Liebknecht erklärt Präsident Graf Schwerin-Löwitz, daß er die Petitionen der Justiz- unterbeamten für die Tagesordnung de« Montag vorschlagen werde. Schluß 5 Uhr._ Clnc fortgesetzte Versammlung- oller eine neue? Bereinsrechtliche«. Gegen boS RrichSvereinsgesetz sollen unsere im sechsten Berliner ReichStagSwahlkreiS tätigen Genofsen, Alfred Paersch und Johann Russow verstoßen haben, als Leiter von zweien jener Protest- Versammlungen, die in ganz Berlin nach dem im preußischen Land- tag gegen unsere Abgeordneten. Borchardt und Leinert verübten Ge- tvaltakt einberusen, wurden. Wegen des übergroßen Andranges der Versammlungsbesucher, von denen. Tausende keinen Zutritt mehr zu den rasch gefüllten Sälen finden konnten und draußen warten mußten, sahen im„Stadttheater Moabit" Genosse Paersch und in den„Pharussälen" Genosse Russow sich gezwungen, die Versamm- lungen in Nebenräumen fortzusetzen, damit alle Erschienenen daran teilnehmen könnten. Pckdrsch setzte die im Saal begonnene Versanian- lung mit demselben Bureau und demselben Referenten im dicht be- 'etztero Garten fort, wohin auch der überwachende Polizeileutnant olgte. Ebenso ging Russow zur Fortsetzung der im großen Saab begonnenen Versammlung mit dem Bureau und dem Referenten, in einen von Versammlungsteilnehmern gefüllten anderen Saal und dann auch noch in den, gleichfalls gefüllten Garten, immer begleitet von dem überwachenden Polizeileutnant. Daß, die Versammlungs» leitet nicht für die Fortsetzung der nur verlegten, Versammlungen, noch die Erfüllung besonderer Formalitäten für nötig gehalten hatten, wurde hinterher von der Polizei als Verstoß gegen Bestimmungen des Vereinsgesetzes aufgefaßt. Sie meinte, Paersch hätte ür die angeblich neue, im Garten abgehaltene Versammlung eine Genehmigung einholen müssen� wie sie für Versammlungen unter reiem Himmel erforderlich ist. Auch Russow habe die Pflicht ge- habt, für die angeblich neuen Versammleingew zuvor noch die Polizei zu bemühen, für die Versammlung im zweiten Saal durch eine Au- Meldung, für die im Garten durch Ersuchen um Genehmigung. Die Staatsanwaltschaft war derselben Meinung und erhob Anklage gegen Paersch und Russow. Nachdem vor dem Amtsgericht Bcrlin-Mitte(Abteilung 137) in einem früheren Termin wegen Ausbleibens der beiden als Zeuge geladenen PolizeileubnantS die Sach- vertagt Wörde:" war, kam es gestern zur Entscheidung. Die Verhandlung drehte sich um die frage, ob die Veranstaltungen in den Nebenräumen nur als Ver- sammlungsfortfetznngrn oder als neue Versammlungen anzusehen eiea. In, der Beweiserhebung wurden über den Sachverhalt ver- nomrnen, die beiden, Referenten, Laudtagsvbgeordneter Genosse, Liebknecht für die„Pharussäle" und Landtagsabgeordneter Genosse Hirsch für„Stadttheater Moabit", sowie mehrere an der Leitung der Versammlungen, beteiligte Personen, für die„Pharussäle" die Genossen, Steffler und Glowe und für„Stadtthcater Moabit" Gr- nasse Fröhlich. Keiner wwßte davon, daß die Versammlungen schon in de» Hauptsälen wirklich geschlossen Warden seien« und eS hatte auch lt!ftnftnt> diese Absicht gehabt. Festgestellt Vurbe,, bah man. kutg dfft Eröffnung der Versammlungen sich sogar noch mit der Polizei— teils mit den zur Ueberwachung kommandierten Leutnants, teils auch mit den Beamten des zuständigen SRctners.— in Verbindung gesetzt hatte, um ganz sicher zu sein, daß gegen eine Verlegung der Versammlungen nichts eingetvendet werden würde. Die AuÄünfte lauteten zustimmend. Die beiden Polizeileutnants, die gleichfalls vernommen wurden, haben den Eindruck gehabt, dah. die Versamm- lungen in den Hauptsälen zu Ende gelangt seien und neue Ver- sammlungen gefolgt seien, während die Teilnehmer der ersten Ver- sammlungen in ihren Sälen bliebem Der Staatsanwalt hielt nach den Aussagen der Polizeileutnants für erwiesen, daß. in beiden Lokalen die Versammlung, zunächst ge- schloffen und dann neue Versammlungen abgehalten worden seien. Tie Sache sei von prinzipieller Bedeutung. Auf die Höhe der Strafe komme es nicht an, aber Strafe müsse sein. 3 Mark Geldstrafe seien ausreichend. Ter Verteidiger, Rechtsanwalt Heine, forderte Freisprechung. Er führte aus, daß tatsächlich nur von Fortsetzung einer verlegten Versammlung die Rede sein könne. Zur Verlegung sei keineswegs erforderlich, dah sämtliche Teilnehmer mitgehen. Entscheidend sei. daß das Bureau und der Referent sich in den anderen Raum be- geben. Bei der Beratung des Reichsvereinsgesetzes sei in der Reichs- tagskommission ausdrücklich auf den oft vorkommenden Fall Bezug genommen worden, dah nach Füllung eines Versammlungssaales die übrigen Versammlungsteilnehmer im anschliehenden Garten bleiben. Die Verlegung einer Versammlung sei gerade deswegen zugelassen worden, um ein Verfahren wie es in den hier vorliegenden Fällen geübt worden sei, zu ermöglichen. Falsch sei es, schon im Saal die Versammlung zu schließen, denn dann handle es sich um keine Ver- legung mehr. Aber gerade das sei von den Angeklagten mit Be- dacht vermieden worden, weil sie sich vorher vergewissert haben, dah sie so nicht verfahren durften. Für den Schluh einer Versammlung sei nicht die Annahme einer Resolution erforderlich, die ja nicht immer das Ende zu bedeuten brauche. Der Schluh erfolge mit der offiziellen Erklärung:„Ich schließe die Versammlung", an die auch das Vereinsgesetz ganz bestimmte Folgen geknüpft habe. Zweifellos bestehe zwischen den auf demselben Grundstück befindlichen Sälen und dem Garten ein enger Zusammenihang. Bezüglich der „Pharussäle" stellte der Verteidiger sich auf den Standpunkt, dah sämtliche Säle des Lokals für die angezeigte Versammlung benutzt werden konnten, weil kein bestimmter genannt war. Bei der Berkündung des Urteils hob der Vorsitzende hervor, auch er müsse die Sache als prinzipiell wichtig bezeichnen� Das Gericht hatte den Sachverhalt dahin beurteilt, dah in allen Fällen eine neue Versammlung anzunehmen sei. Russow müsse bezüglich der Versammlung in dem zweiten Saal von der Uebertretung des VereinsyesetzeS freigesprochen werden, weil die Versammlungsanzeige nicht vom„PharuSsaal", sondern von den „Pharussälen" gesprochen habe. Da sei eine Mehrheit von Oertlich- keiten anzunehmen gewesen, so dah im ZweifelSfall die Polizei fragen konnte, welcher Saal gemeint war. Anders aber liege die Sache für Russow wie für Paersch bezüglich der Versammlungen in dem Garten; hier sei ein Vergehen gegen das Vereinsgesetz erwiesen, und es müsse daher Verurteilung erfolgen. Di« durch das Vereins- gefetz zugelassene Verlegung einer begonnenen Versammlung setze voraus, dah nicht in dem anfänglich benutzten Raum schon Schluh der Versammlung erfolgt sei. Für den Schluß der Versammlung seien keine Formalitäten vorgesehen, daher müsse man diesen Be- griff logisch dahin auslegen, dah Schluh eintrete, wenn der Zweck der Versammlung erreicht sei. In den beiden hier vorliegenden Fällen sei mit der Beendigung der Rede der Zweck der Versammlung — nämlich die Erörterung der Angelegenheit, die zur Einberufung den Anlatz gegeben hatte— erreicht gewesen. Nachher habe ja auch der Neftrent nicht steine Rede fortgesetzt, sondern dieselbe in abge- kürzter oder etwas geänderter Form wiederholt. Eine Resolution könne vielleicht formeller Schluh sein, aber nötig sei eine solche nicht, um den Schluh herbeizuführen. Die bereits beendete Versammlung habe nicht mehr verlegt werden können. Was darauf gefolgt sei, müsse als neue Versammlung angesehen werden. Die Angeklagten seien zu bestrafen, S Mark Geldstrafe seien ausreichend. )Ziis der Partei. Kommunalwahlsieg. Frankfurt a. M., LS. Oktober.(Privattelegramm des„Vor- wärts".) Bei den heutigen Stadtverordnetenwahlen eroberte die Sozialdemokratie S von 7 Mandaten. Eine Niederlage des Zentrums. In dem Arbeiterdorfe Gleuel bei Äöln, das bisher un- bestrittene Domäne des Zentrums war, mutzten. für sechs erledigte Gemeinderatsposten die Nachwahlen vorgenommen werden. Sämt- liche sechs Sitze hatten sich im Besitze des Zentrums befunden. Die Kommunalwirtschaft des Zentrums hatte aber sogar im Bürger- tum eine lebhafte Opposition gegen die schwarze Partei entfacht, die zur Ausstellung von ZentrumSgegnern geführt hatte. Die Sozialdemokraten hatten in der zweiten und dritten Klasse Kandi- daten aufgestellt. Die Wahl endete mit einer völligen Niederlage des Zentrums. Die schwarzen Herrschaften brachten keinen einzigen ihrer Kandidaten durch. In der dritten Klasse siegten unsere Genossen H a m b l o ch und Klein mit er- heblicher Mehrheit. In der ztveiten und ersten Klasse wurden die Kandidaten der Zentrumsopposition mit bedeutender Stimmen- Mehrheit gewählt. Die Kandidaten der Sozialdemokratie erhielten auch in der zweiten Abteilung Stimmen, und zwar 1!) und 11. Ein Bürgermeister mit Grundsätzen. In K rossen(Oder) sollte eine Versammlung gegen d,e Teuerung stattfinden, die in einem Orte, wo die Arbeiterschaft unter den denkbar schlechtesten Lohnverhältnissen dahinvegetieren muh, für die Bevölkerung von doppelter Bedeutung war. Aber der Stadtgewaltige, der von der Not des Volkes und von politischer Gleichberechtigung eigenartige Vorstellungen zu haben scheint, hatte es anders bes.bloisen. Das Gesuch um Ueberlassung eines Platzes, auf dem die Versammlung ohne jede Hinderung des Verkehrs vor sich gehen konnte, hat der Cato von Krossen mit folgendem UkaS beantwortet: Krossen(Oder), am 24. Oktober 1S12. Der Bürgermeister.' (Stadtwappen.) J.-No. I. 4008. Auf Ihr Gesuch vom 10. ds. Mts. erwidere ich Ihnen, dah die Versammlung auf dem hiesigen Neumarkt üicht stattfinden kann, da ich grundsätzlich städtische Plätze zur Abhaltung von sozialdemokratischen Versammlungen nicht hergebe. Dr. jur. S t r a u h. Herrn Oswald Grauer Lichtenberg-Berlin, Frankfurter Chaussee 144. Bemerkt sei hierzu, dah eS unseren Genossen in Krossen un- möglich ist, einen Saal zu Versammlungen zu erhalten, was zum Teil auch auf die„Grundsätze" des Herrn Bürgermeisters zurück- zuführen ist. Ter Herr wird mit der Zeit aber merken, dah sein „grundsätzliches" Stadtregiment den„Geist der Rebellion" nicht ertöten kann. Die Sozialdemokratie ist mit ganz anderen Leuten fertig geioorden, als es das prinzipienstarre Oberhaupt der Kom- mune Krossen ist. Russisches. Ein bemerkenswerter Prozeh fand dieser Tage in Falta(Krim) statt. Der Schriftsteller Sikorsky muhte sich vor dem Appellhof wegen der Anschuldigung verantworten, Mitglied der sozialdemo- kratischen Partei zu sein und während der Wahlkampagne für die zweite Duma(vor 6 Jahren!) für den sozialdemokratischen Kan- didaten agitiert zu haben. Das Gericht verurteilte ihn zum Ver- lust der bürgerlichen Ehrenrechte und zur lebens- l ä n gl ichen Deportation nach Sibirien! Während der Telegraph diese ungeheuerliche Nachricht(die keineswegs vereinzelt dasteht) über ganz Ruhland verbreitet, bringen die Zeitungen täglich Dutzende von Mitteilungen über oie Aufstellung offizieller sozialdemokratischer Kandidaten, über die Wahl sozialdemokratischer Wahlmänner usw. Welchen Beweises bedarf es noch, um darzutun, dah die Sozialdemokratie, dem angeführten Bluturteil zum Trotz, sich selbst unter dem Regime des Staatsstreiches nicht aus dem öffentlichen Leben verdrängen lähtA Eben weil sie der Gefabren bewutzt ist, der sie ihre einzelnen Mitglieder aussetzt, ist ihre Energie doppelt bewundernswert, mit der sie unter dem Kugelschauer der Feinde ausharrt und, Zoll um Zoll vordringend, sich ihr Existenzrecht im öffentlichen Leben verteidigt. Parteiliteratur. Das Protokoll über die Verhandlungen des Parteitages der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, abgehalten in Chemnitz vom IS. bis 21. Sep- tcmber 1912, ist im Verlag der Buchhandlung Vorwärts, Paul Singe: G. m. b. H., erschienen. Das Protokoll umsaht 658 Seiten. Die Ausgabe auf besserem Papier kostet broschiert 2.50 M.. gebunden 3,50 M.; die Vereinsausgabe broschiert 1,25 M., gebunden 1,75 M. poUzeiUcbea, Omchtlicheo ulVo. Das„geistige Eigentum" des Menschenhändlers. Am Donnerstag stand vor der Strafkammer Halle der Re- dakteur des„V o l k s b l a t t s". Genosse Könen. Dieser hatte im Mai d. I. gelegentlich des Hafenarbeiterstreiks zwei für Streik- brecher angefertigte Arbeitsverträge im„Volksblatt" veröffentlicht, um den Menschenhandel in seiner ganzen Verwerflichkeit zu zeigen. Der angebliche Verfasser dieser Verträge, Kaufmann und Arbeits- Willigenvermittler Adolf Hehberg aus Blankenese be- trachtete die Verträge als sein„geistiges Eigentum" und stellte Strafantrag wegen— Verletzung d e S Urheberrechts. In einem Begleitschreiben zu den Verträgen war die Vermittelungs- firma Hehberg als erstklassig bezeichnet worden. Die Streik- brecher mußten sich schriftlich verpflichten, die Stellen der Streikenden zu besetzen und erhielten im Falle einer„siegreichen" Beendigung des Streiks eine Gratifikation. Genosse Könen erklärte vor Gericht, bei der Veröffentlichung der Verträge gar nicht daran gedacht zu haben, sich deS unerlaubten Nachdrucks schuldig zu machen; die Verträge seien nur abgedruckt worden, um daS Gebaren der Streikbrcchervermittler zu kriti- sieren.— Der Staatsanwalt war jedoch der Meinung, die Verträge seien„Geistesprodukte" Hehbergs und beantragte gegen Genossen Könen 50 M. Geldstrafe eventuell 10 Tage Gefängnis.— Das Gericht kam jedoch zu der Ansicht, dah es sich bei den Verträgen nicht um ein schutzfähiges geistiges Werk handle und sprach Könen frei._ Verurteilt, trotz alledem! In einer Rede während des Bergarbeiterstreiks im Lugau- Oelsnitzer Revier soll Genosse Redakteur Max Müller von der „Chemnitzer Volksstimme" die Gendarmen beleidigt haben. Im Prozeß vor dem Sjollberger Schöffengericht wurden nur zwei Belastungszeugen vernommen, die vom Genossen Müller geladenen Zeugen wurden abgelehnt. Unter den Belastungszeugen befand sich auch der Oelsnitzer Wachtmeister, der gar nicht in der Ver- sammlung war und sich nur auf das stützen konnte, was ihm der Schutzmann, der am Büfett gestanden hatte, mitteilte. Genosse Müller bestritt entschieden, den in Frage kommenden Ausdruck ge- braucht zu haben. Das half ihm nichts, er wurde zu einem Mo- nat Gefängnis verurteilt. Die dagegen eingelegt« Berufung wurde vom Landgericht Chemnitz verworfen. Diesmal'hatte die Staats- anwaltschaft an Stelle des Oelsnitzer Wachtmeisters den Stollberger Obergendarm geladen, der allerdings auch nicht in der Versamm- lung war. Den Belastungszeugen standen vier Entlastungszeugen gegenüber. Genosse Müller wies darauf hin, daß er in seiner Rede sogar das besonnene Verhalten der Gendarmen anerkannt habe. Half alles nichts, das Urteil wurde bestätigt. Die Aus-« sagen der beiden Beamten und eines Postassistenten, der den AuS- druck nicht bestimmt angeben konnte, wogen schwerer als die Aus- sagen der Zeugen deS Genossen Müller. Von der preußischen Rechtsgleichheit. Wegen Beleidigung hatte sich am Donnerstag der Verantwort- liche der..Görlitzer Volkszeitung". Genosse Oswald, vor dem Schöffengericht in Görlitz zu verantworten. Er hatte eine Notiz aus Weißwasser aufgenommen, in der zwei Gerichtsurteile gegen- übergestellt waren: Ein Generaldirektor, dessen Einkommen auf mindestens 150 000 M. jährlich geschätzt wird, erhielt wegen einer persönlichen Beleidigung eines im öffentlichen Leben stehenden Mannes 10 M. Geldstrafe; dagegen wurde ein Lagerhalter, der als Herausgeber eines Wahlflugblattes ohne nähere Angabe von Per- fönen das Wort Clown gebraucht hatte, zu 50 M. Strafe ver- urteilt. An diese Gegenüberstellung war die Bemerkung geknüpft: „Aber trotzdem ist jeder Preuße vor dem Gesetz gleich. Klassen- j u st i z gibt es nicht." Durch die letzten Wort« soll der Amtsgerichtsvorsitzende beleidigt worden sein und der Landgerichts- Präsident in Görlitz stellte Strafantrag. Das Urteil lautete auf 50 Mark Strafe._ Aufdeckung von Schulmißständen und trotzdem Strafe. Im..Volksblatt für Mühlhausen i. Th." waren die sehr harten Züchtigungen eines Volksschullehrers kritisiert werden. DaS führte zu einem Strafprozeß gegen die Genossen M a r k e w i tz als Verfasser und G o ß n e r als verantwortlichen Redakteur. In der Verhandlung wurde durch ein großes Zeugenaufgebot die Züchtigungsmethodc des Lehrers beleuchtet und der Wahrheits- beweis erbracht. Trotzdem verurteilte das Gericht Markewitz zu 100 M.(der Staatsanwalt beantragte vier Monate Gefängnis) und Goßner zu 20 M. Geldstrafe, weil in dem Artikel von einem „prügelnden Pädagogen" und„einer sehr beachtenswerten Prügel- leistung" die Rede war. Doch erkannte das Gericht an. daß die Verhandlung ein Bild ergeben habe, das nicht sehr erquicklich sei. Soziales. Versteigerung anner Kinder an den Mindestfordernden. Noch heute im sogenannten Jahrhundert des KindeS suchen Behörden, die zum Schutze der Kinder bestellt sind, nicht diese möglichst gut zu versorgen, sondern sich ihnen so billig, wie es geht, zu entledigen. Als vor zwei Jahren eine uneheliche Mutter in Glatz wegen Ermordung ihres Kindes zum Tode verurteilt war, sah sich infolge unserer Darlegung deS Falls der Minister des Innern durch das haarsträubende Verhalten mehrerer Polizei- behörden, das hierbei zutage trat, veranlaßt, alle diese Behörden auf ihre Pflichten besonders aufmerksam zu machen und dabei in einem amtlichen Erlaß festzustellen, daß jene Kindesmörderin zu ihrer unseligen Tat gekommen sei, weil sie sich durch Maßnahmen einer Polizeibehörde und verschiedener Armenverwaltungen in einer Notlage befand, also durch Verschulden gerade der Behörden, die gesetzlich berufen waren, solchen Notlagen abzuhelfen, nicht sie zu schaffen. Ueber einen ähnlichen Fall mußten wir erst jüngst be- richken. Dense«Was AeMfDeS: Dx»S Jahrbuch der Fürsorge, dessen nächster 4. Band in diesen Tagen im Verlage von I. Springer- Berlin erscheint, veröffentlicht jetzt eine Annonce aus der Sulinger Kreiszeitung, dem offiziellen Organ des Kreises, in der ein Waisen- rat mitteilt: Er tverde am Sonntage im Gasthause zwei kleine Mädchen von 2 und 4 Jahren mindcstfordernd in gute Pflege unterbringen. So geschehen nicht vor 100 oder 200 Jahren, sondern am 14. Februar 1912. Bedenkt man, daß die deutschen Armenverwaltungen etwa für eine Viertel Million unmündiger Kinder zu sorgen haben, so fühlt man, welch wichtige Reformen hier durchzuführen sind, bis diese Kinder ihre richtige Verpflegung haben, die ihnen auch durch die Papiere des Gesetzes feierlich zugesagt ist._ Schädigung eines OrchestermitglicdeS durch die Hitze einer elektrischen Lampe. Der Z 618 deS Bürgerlichen Gesetzbuches gibt dem Dienstherrn auf, Räume, Gerätschaften oder Vorrichtungen, die zur Dienst- leistung erforderlich sind, so einzurichten und zu unterhalten, daß der Verpflichtete gegen Gefahr für Leben und Gesundheit so weit geschützt ist, als die Natur der Dienstleistung das gestattet. Diese Vorschrift gilt für alle Arbeitsverträge, gleichviel, ob es sich um einen gewerblichen Arbeiter, um einen Handlungsgehilfen, um einen Landarbeiter, um Gesinde, um Bühnenmitglieder, Orchester- Mitglieder, Bureauangestellte, Kontoristen, Ingenieure usw. handelt. Am Dienstag hatte das Reichsgericht über eine auf Grund des § 618 des Bürgerlichen Gesetzbuches gegen die Stadtgemeinde in Freiburg, als Inhaberin des dortigen städtischen Orchester?, ge- richtete Klage zu entscheiden. Der Kläger M. ist Mitglied des Stäbtischen Orchesters in Frei« bürg in Baden, wo er Baßklarinette spielt. Im Alten Stadttheater steht hinter ihm der Fagottist. Am 24. September 1908 ist am Pult des Fagottisten eine Lampe angebracht worden, die nur 15 Zenti- meter vom Kopfe des M entfernt war und eine bedeutende Hitze verbreitete. Schon am ersten Abend hat M. den Kapellmeister auf die Lampe und die Hitze aufmerksam gemacht. Der Kapellmeister soll darauf erwidert haben, daß er die Lampe dann wieder weg- nehmen müsse. Obgleich M. noch mehrfach daran erinnert hat, ist nichts weiter mit der Lampe geschehen. Nach 5 Proben und 10 Vorstellungen hat M. sich krank gemeldet und angegeben, bah er durch die Hitze der Lampe eine NervenstSrung erlitten habe. Die Aerzte haben eine Art Neuralgie festgestellt. Nunmehr hat M. Klage gegen die Stadt Freiburg erhoben und Entschädigung für allen Schaden begehrt, den er durch die Einwirkung der Lampe erlitten hat.> DaS Landgericht Freiburg und Oberland eSgericht Karlsruhe haben die Ansprüche des Kläger« dem Grunde nach als berechtigt anerkannt und die Stadtgemeinde verurteilt. Das Oberlandes- gericht stellt in seinen Entscheidungsgründen zunächst fest, daß das Nervenleiden des Klägers auf die Einwirkungen der Lampe am Pulte des Fagottisten zurückzuführen ist. DaS Gericht berücksichtigt dabei den Umstand, daß der Kläger schon nervös disponiert war und führt aus, daß die Lampe und ihre Hitze zum großen Teile mitwirkende Ursache des Leidens sind. Die Haftpflicht der Stadt- gemeinde gründet das Oberlandesgericht auf den Dienstvertrag und die Bestimmungen des 8 618 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Als ver- fassungsmäßig berufener Vertreter der Stadtgemcinde— so heißt es in der Urteilsbegründung weiter— kommt der Theaterdirektor B. in Betracht. Für ein Verschulden des Direktors B. hat die Gemeinde zu haften. Der Theaterdirektor B.. dem die Be- schwerde des Klägers vom Kapellmeister mitgeteilt worden war, hatte die Sache zu untersuchen und für Abhilfe zu sorgen. Auch der Umstand, daß der Kläger oft nörgelte, durfte ihn von der Untersuchung nicht abhalten, besonders dann nicht, als er erfuhr, daß Kläger über Schmerzen geklagt hat. Auch die ArbeitSüber- Häufung gibt keinen berechtigten Grund dazu, Maßregeln zu unter- lassen, die im Jnteress� der Gesundheit ven Dienstverpflichtete« nötig sind. Das Reichsgericht hat daS Urteil des Oberlandesgerichts KarlS- ruhe bestätigt.(Aktenzeichen: III. 58/12.) Noch lange nicht in ausreichendem Maße machen insbesondere Landarbeiter. Bureaugehilfen und Handlungsgehilfen von dem Recht auf Schadenersatz Gebrauch, das ihnen bei Mißachtung der Borschriften des§ 618 des Bürgerlichen Gesetzbuches zusteht. Die Säuglingssterblichkeit unter den Armen und unter de« Reiche«. Das statistische Amt der Stadt Königsberg hat eine interessante Schrift über den Einfluß des Berufs und der Sozialste ttung auf die Bevölkerungsbewegung der.Größstödte(nachgewiesen an Königs- berg i. Pr.) herausgegeben, ityder auch der Nachweis geliefert wird, daß die Säuglingssterblichkeit unter den Armen viel größer ist als unter den Reichen. So betrug sie im Jahre 1907 in Industrie und Handwerk: a) Selbständige, Betriebs-, Geschäftsleiter usw. 3,0 vom Tausend der Gesamtbevölkerung, d) technisch und kaufmännisch ge- bildctes Aufsichts- und Buroaupcrsonal 2,4, c) Gesellen, Gehilfe», Lehrlinge und andere mit berufs- oder gewerblicher Ausbildung usw. 4,8. In Handel und Verkehr: a) Selbständige. Betriebs-, Geschäftsleiter usw. 2,3, b) kaufmännisch gebildetes Bureau- und Rech- nungspersonal 2,7, c) Handlungsgehilfen. Kellner, andere Hilfs- Personen. Packer usw. 5,2. Militarpersoncn, Beamte usw.: a) Offiziere, höhere Boa-mte, Anwälte usw. 1,8, d) Unteroffiziere und Ge» meine, Bureau- usw. Personal 2,0, Kastellane, Portiers, Boten, Ar« beiter usw. 3,8. Die höchste Säuglingssterblichkeit ist also in den Kreisen der Handlungsgehilfen. Kellner und kaufinännifchen Hilfs- Personals zu verzeichnen, die niedrigste in den Kreisen der Offiziere und höheren Beamten. Man sieht, wie sehr die soziale Stellung auf die Säuglingssterblichkeit einwirkt. Will man diese vermindern, so muß man die Lage der schlechtgestellten Arbeiter, Handwerker und Angestellten verbessern._ Versammlungen. Eine Branchenversammlung der Klempner nahm am Donners- tag den Jahresbericht des Branchenleiters Devigneux entgegen. Er gab ein« eingehende Darstellung von denLohnbewegungen der ver- schieden«« Spezialbrcmchen und Betriebe. Besonders konnte in diesem Jahre für die Werkstattklempner etwas getan werden. In einer Reihe von Betrieben wurden ohne Arbeitsniederlegung Tarife abgeschlossen, wodurch eine Erhöhung der Stundenlöhne auf 65, 67 fü und 70 Pf. eintrat. In der Badewannenbvanche, wo die Arbeiter sehr gut organisiert sind, konnte die achtstündige Arbeits- zeit durchgesetzt werden. Auch war die Beteiligung an der Maifeier eine sehr gute. In einem Betriebe wurde der Lohn auf 80 Pf. erhöht und die Arbeitszeit auf 8 Stunden verkürzt. Die Lohn- beweaung in der chirurgischen Branche währt bereits 8 Wochen. Bei orei Firmen wird noch gestreikt. Die Streikenden stehen fest und werden aushalten bis zum Siege. Die im Frühjahr durch- geführte Bewegung in der Bicrdruckbranche nahm einen befriedi- aenden Abschluß.— Es ist beabsichtigt, die Tärife, welche noch Einstellungslöhne von 50— 55 Pf. enthalten zu kündigen, um eine entsprechende Lohnerhöhung durchzusetzen.— Die Zahl der organi- sierten Klempner beträgt 3600.— Die Versammlung erklärte sich mit der Tätigkeit des Branchenleiters und der Kommission ein- verstanden. Devigneux sowie die übrigen KommissionSmitglieder wurden wieder mit der Leitung der Branche betraut. Es wurde noch mitgeteilt, daß die Klempnermeister mit der Absicht umgehen, eine Jnnungskrankenkasse zu errichten. Eine Branchenversammlung wird sich nächstens mit dieser Angelegenheit beschäftigen. .000 Speiseteller tief oder flach 'Pt A.3andorf&6 Belle-Alliancestr. Grosse Frankfuriersfr. ( i Wurstwaren Cervelat- od. Salamivurst Schinkenwurst.........— 1,40 ThOringor Knoblauchwurst— Ptod 1 ,40 Leberwurst ff.............. p�l.05 Landleber e. Rotwurst I......... iw AZ? Rouladenwurst............. p�nd gg Zwiebel- od. Rotwurst.... PAmd 00 Sehlnkenspeck...»........? 1.20 Nusschlnken................ 1.Z0 Lebensmittel Die mit K bezeichneten Artikel sind von der Zusendung ausgeschlossen. Soweit Vorrat Butter und Käse Brunnenstr. Kottbuser Damm Kolonialwaren Victoria-Erbsen............ Pfand 18 Tafelbutter..........'/,p»md.pat°t 66� Ailerfelnste Molkereibutter A?0 Emmenthaler Käse....... Fimd 1.20 Schweizer Käse...»....... Pfand 95pt Tilsiter Käse................. p�-s 85 pi. Llmburger Käse............. Pfand 58pf. Romatour Käse.............. et-ci-ZA". Harzer Käse............. 4 smek 10? pt geschält 23 Pf. Erbsen �Knnd 20� Linsen------ Pfand 16, 20, 2Ep Bohnen.................. Pfund 18, 22 k Reis............. Pfand 20, 24, 28k Gries.................... Pfand 22, 25k Kunst-Honig 5 Pfand-Eimer 1,25 Gemischte Marmelade 5 1.35 Haushalt-Schokolade..... Pfand \ » pt "Kassier............................ � SS "Gänse........................ �»-ES, 75 pt. 'Suppenhühner I.45, 1.95, 2.so uCker eemahl«.......................5 Pfund 1.00 Kakao....................... �„6 68,95 pr. l�Sfätfee.......................... Pfund 1*30, 1.40 s'Frisches Obst und Gemüse I ! I 1 Kochbirnen------------ pw 5 k Essbitnen..u«.. n...».»»....Pfand 1�� Pf. Kochäpfel................... Pfand(t) Pf. ESSäpfd Pfand Ff. Bananen------------»..» Pftmd18 K Rosenkohl............ Pfand 15?� Maronen»..»»»....»....... Pfand 18? Zwiebeln.....»..».».______ 5 ptnnd 15k Blumenkohl— E«pf 5, 10, 15k Spittelmarkt Frisches Fleisch Hammeldannung........... 70fl Dicke Rippe........«and 75k Hammelkeule..�80� Kalbskeule!" GarWnd 80» Kalbskamm oder Bug... Pfand 80» Pökelkamm Kalbsbrust------- 75» Schweine-Schinken...... pf°»- 85» Koteletts............. 95pt Kamm oder Schuft �.�Annd 90» Gehacktes........... K°°- 60» im Qinzen OK». .......... Pfand ÖO» Konserven Brech-od.Schnittbohnen'bDo«« 35» Kohlrabi.................... 30» Spinat......................... tive 40» Gemischtes Qemdse.... 48» Suppenschoten.......—%bom 38» Junge Schoten----- i,v«° 45» Bruchspargel<>w>« Kopf... 1,0— e 88» Bruchspargel=« Kopf.... 00m 1,00 Stangenspargel........»'i.v°-«1.25 Belle-Alliancestrasse Grosse FranKfarterstrasse Brunnenstrasse Kottbuser Damm 15.000 Schürzen Wirtschaftsschürzen 58, 90 1 Kinderschürzen vci� 8Chvar? oder gestre,,t' »R •II« Hl III III ausserordentlich billig IIK»OIKS» III* pt 95» 95 pt Teeschürzen vei»» oder farbig, mit Trlgera 95y 1»25 111�» IHM» lll«M III HIMMw VolautQ.I'szebe »cbvarz oder verscbiedeue QrSzseu Binsenschürzen bflbacb garniert i 1 I I I I I |O Tadelloy IM. »wöclientliclieTeiizalilung liefere elegante fertig und nach Mass. Garantie für tadellosen Sitz und feinste Verarbeitung, I. 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H. die Verkaufsart „An Jeder Mark nur 10 Pfennig Nutzen" eingeführt, wodurch die Käufer auch erhebliche Ersparnisse machen. Qemlaa Ihren beim Qerleht niedergelegten Statuten let die Deutsche Be kleidungsgeseilSChafft Hl. b. H. an obige Vertriebsart gebunden und macht sieh strafbar, wenn aie mehr als 10 Prozent auf den Selbatkeatenprele aufschlagt. Wir liefern z. B: Heppen-Ulster— Paletots- Anzüge Selbstkostenpreis: 18. Verkaufspreis: 19.80 25.— 27.50 30.- 33.- 39. 42.90 Deutsche Bekleidungsgesellschaft Ebl Chausseestr» 27("»be invaiidenstr.) Grosse Frankfurter Str» 4(Ecke Frucht» tr.) Turvnstr» 50(nehsn kleinem Ilergsrte») Achtungl In der Turmstrasse haben wir nur das eine Geschäft Nr. 80. Wieletzp, Neukölln. Kür d«n Jnjeratenteil verafttw.; TH. Glocke, Berlin. Druck«.Bertagt iSorwärtg Buchdrucker«». VeclugKunftalt S-nger».Ku, Kcrltg LW, Nr. 251. 29. Jahrgang. 2. Sfilngc des.Kmiirls" Strlintt üolbM Sonnabend, 26. Oktober 1912. Die Teuerung. Anr Frage der Fleischeinfuhr. Die Fleischermeister sind grundsätzliche Gegner der Fleisch- einfuhr, sei es in frischem oder gefrorenem Zustand. Auf ihren Bezirkstagen unid auf dem letzten VerbandÄag in Trier haben sie diese Tatsache zum Beschlutz erhoben. Sie sind im Gegensatz hierzu für die Oeffnung der Grenzen für Schlachtvieh. Warum, wird der Laie fragen sind die Fleischermeister nicht auch für die Einfuhr von Fleisch, denn dadurch wird der Preis für das einheimische Schlacht- Vieh natürlich zurückgohen? Die Fleischermeister sind aus Gründen des Profits gegen die Einfuhr von Fleisch Bei der Fleischeinfuhr kann den Fleischermeistern der Profit genau nachgerechnet werden, weil das Fleisch zu einem bestimmten Preis gehandelt wird und an dem Matzstabe der Detailpreise sich der Profit des Zwischenhandels leicht feststellen lätzt. Beim Schlachtvieh ist daZ im Gegenteil recht schwer festzustellen, weil hier durch die Nebenprodukte, Häute, Talg, Därme, Leber, Jungem Blut, Knochen usw. außerordentlich gute Preise durch die genossenschaftliche und kapitalistische Ne«p>ertung dieser Produkte, die sich durchweg in Händen der Innungen befinden, erzielen. Wenn ein Fleischermeister als seinen Verdienst an einem Stück Großvieh nur die Haut und das Innere rechnen kann, so kommt er schon sehr gut zurecht dabei. Ganz ungemütlich werden besonders die Fleischermeister dann, wenn von Gefrierfleisch die Rede ist. Hier fürchten sie auch, daß Warenhäuser oder auch gemein- nützige Institutionen die Bevölkerung mit billigerem Fleisch versorgen könnten. Die Fleischermeister werden auch von Männern ge- führt, die agrarfreundlich gesinnt sind. Einer der Herren war früher agrarischer Redakteur, und auch der Vorsitzende des Meisterverbandes steht den Agrariern nicht ablehnend gegenüber. Im Jahre 1906, als die Wogen des Protestes gegen die hohen Fleischpreise schon einmal ziemlich hoch gingen, fand ein Briefwechsel zwischen dem Fleischer- meisterverband und dem Oekonomierat Rind, dem Leiter der agrari- schcn Viehzentrale, statt, zu dem Zweck, die Fleisch- und Viehpreise in der Höhe zu erhaltene Der Verbandsvorsitzende der Fleischer- Meister schrieb damals an den Ockonomierrat Rind: „Ich habe diese Bestrebungen, die vor der Hand geheim ge- pflogen sind(gemeint ist damit der Protest der Fleischer gegen sie Fleischpreise) gern unterstützt, denn Sie wissen ja, auf welchem Standpunkte ich stehe. Ich habe das getan, obgleich ich mir nicht verhehle, daß die Zeitverhältnisse einem solchen Beginnen äußerst gefährlich sind. Durch die Viehteuerung, die noch immer nicht ab- fällt, und in kurzer Zeit zu noch größeren Kalamitäten führen wird, ist das Fleischerhandwerk stark gereizt. Ich habe, solange es eben nur möglich war, bis persönliche Verdächtigungen den Ver- band zu zerreißen drohten, zum Matzhalten geraten. Und der Deutsche Fleischerverband hat sich auch wirklich, das werden Sie anerkennen;, äußerst zurückhaltend benommen, bis es eben nicht mehr ging. Hätte die Regierung nur ein ganz klein wenig Eni- gegenkommen gezeigt, das oberschlesische Kontingent etwas früher erhöht, wobei doch ganz gewiß nichts verloren gegangen wäre, eventuell auch eines der maßgebendsten Mitglieder des Fleischerverbandes durch Titel oder Auszeichnungen, den Verbandsmitgliedern gegenüber ihre Anerkennung gezeigt, wäre die Position leichter geblieben." Dieser Brief zeigt deutlich, wie Fleischermeister und Agrarier Verbündete zur Ausplünderung des Volkes sind. Ein Beispiel aus neuerer Zeit: In Sachsen sind die Fleischermeister dahin übereingekommen, die Gesellen nicht mehr zu beschäftigen, die einer Stadt beim Ver- kauf des eingeführten dänischen Fleisches Hilfe geleistet haben. Die Fleischermeister haben auch eine täglich erscheinend« Fachpresse, die seit der Einfuhr von fremdem Fleisch nicht müde wird, das Fleisch so schlecht als möglich hinzustellen. Indirekt weiden die Meister auf- gefordert, sich auf den Verkauf des Fleisches nicht einzulassen, weil dadurch die Gefahr besteht, daß das Fleischergewerbe ausgeschaltet kleines feuilleton. Kaiscr-Wilhelm-Ehemie. Bei der Einweihung der Kaiser-Wilhelm- Institute in Dahlem sagte der Kaiser in einer Rede:....Aus Anlaß der furchtbaren Katastrophen, die in den letzten Jahren in nnleren Kohlenbergwerken eingetreten sind, habe ich mich an die Chemie gewandt... und sie veranlaßt, mir Arbeiten einzu- reichen.... prophylaktische Einrichlungen..., um die unter Tag arbeitende» Leute zu schützen. Ich denke dabei an unschädliche chemische Präparate...■' Sagen wir: unschädlich gemachte. Und das würde sich auf die gematzregelten Arbeiterkontrolleure beziehen. In der Zeche Lothringen wurde der Sicherheitsmann zwei Jahre lang schikaniert und ge» schädigt, bis er eS aufgab, das Vorhandensein von Schlagwettern zu beanstanden. Dem Kaiser ist kein Vorwurf zu machen; ihm wurde der einzige nicht.zuverlässige" Zeuge des Unfalls nicht vorgestellt; bereits die an den Türen postierten Gendarmen wiesen den Mann zurück. Diese soziale Forschung ist verlogen. Begründet mtt dem Geld adslssüchtiger Streber, werden die Kaiser Wilhelm-Jnstitute niemals mehr sein als kostbare Repräsen- tationsräume einer Wissenschaft, die um ihrer selbst willen betrieben wird. Die Bergherren bezahlen nichts für die Sicheiheit ihrer Leute und werden auch die neuen Präparate nicht bezahlen. Gesetze und Verordnungen in Fülle, aber leine Durchführung. L6 824 Ver- letzte�jäh� keinen Schutz Pulver wert, aber weißer Rauch wirbelt auf, die bürgerliche Presse bringt die kindischen Witze unge- wandter Professoren, notiert jedes„Kolosial" des kaiserlichen Laren - und unten in der Erde Bauch hocken die Eingeschlossenen, zer- fleischen sich mit den Nägeln und heulen... Kunst und Demokratie. SnS Pari« wird uns geschrieben: Bor ein paar Wochen unternahm eine Gruppe von Pariser Chan- sonniers, die der Gruppe„La Chanson du Peuple"(das Lied des Volkes) angehören, eine Rundfahrt durch die Provinz. Ihr Streben war. die widerwärtige Mischung von Schweinerei und fauliger Sentimentalttät, die das Programm der Tingellangel ausfüllt, durch künstlerische Darbietungen höheren Stils und durch einen voltstüm- lichen Appell an den Idealismus der Masten zu ersetzen. Nun wird zwar in Frankreich offiziell viel Wesens über die Verbindung von .Kunst und Demokratie" gemacht, tatsächlich aber ist, ganz wie anderswo, die Polizei, gegen Obszönitätsgeschäste viel duldsamer als gegen Unternehmungen, die das Volk rniS der kannibalischen Wohligkeit des Sauglockengeläutes herausreißen könnten. In diesem Falle wurde der Vorwand zum.Einschreiten" darin gefunden, daß die politische und soziale Tendenz einiger Miglieder der dem Kreise der„Guerre Sociale" näherstehenden Künstleraesellschast keine Pflege des im Cafö chantant so beliebten trivialen Chauvinismus versprach. Gleich nach den ersten Vorstellungen in Südfrankreich, die eine er- sreuliche Empfänglichkeit vor allem der Arbeiterschaft für die dar- gebotenen Proben älterer und neuerer freiheitlicher Dichtungen zeigten, setzten Verbote der Präkekten ein, die das Unternehmen schließlich zum Scheitern brachten. Der Minister des Innern hatte wiederholt zugesagt, den Beschwerden Rechnung zu ttagen, aber der Leiter der Sicher- wird. Wenn durch die Einfuhr des russischen Fleisches in Berlin die Preise bei den Schlächtermeistern für hiesiges Fleisch um IS bis 29 Pf. pro Pfund herabgingen, so ist hier zweifellos der Schlüssel zur billigen Fleischversorgung gegeben. Die nächste Forderung muß die Aufhebung des§ 12 des Fleischbeschaugesetzes sein, damit auch die Einfuhr von Gefrierfleisch möglich ist. Lebensunterhalt in Nordamerika und in England. In einem großen Lande, das feine Lebensmittel selbst erzeugt, sollten die Preise eigentlich niedriger sein als in einem Lande, das den größten Teil der Lebensmittel erst von auswärts beziehen mutz. Unter normalen Verhältnisten müßte der Lebensunterhalt in den Vereinigten Staaten erheblich billiger sein als in Großbritannien. Das Umgekehrte ist der Fall. Eine bekannte amerikanische Zeitung, „The World To-Dah", bringt nach den.Mitteilungen des Handels- vertragsvereins" hierüber neuerdings folgende bemerkenswerte Fest- stellungen: Dieselbe Menge Brot, die in London 19 Cent kostet, kostet in New Jork 22 Cents, d. h. 129 Proz. mehr. 7 Pfd. Kartoffeln kosten in London b8/« Cents, in New Dork lSBlt Cents, d. h. 2S9 Proz. mehr. Dabei ist das Londoner Brot größtenteils hergestellt auS Weizen, der aus den Vereinigten Staaten(Dakota) eingeführt ist. Eine Familie des englischen Mittelstandes braucht zum Lebens- unterhalt mindestens 277 Pfd. Sterl. für das Jahr. Der Sekretär der Londoner Board of Trade, der diese Schätzung vorgenommen hat, stellte gleichfalls fest, daß eine amerikanische Familie bei der gleichen Lebenshaltung 999 Pfd. Sterl. jährlich brauchen würde. Diese Angaben illustrieren vortrefflich die agrarischen Lügen, daß nicht die Zölle, sondern daS Anwachsen der Produktionskosten die Lebensmittel verteuern. Den Bock zum Gärtner gemacht. Von Danzig aus wurde eines Tages die Nachricht in die Welt gesetzt, die nach Rußland entsandte Kommission zwecks Ein- kauf« russischen Fleisches sei ergebnislos zurückgekehrt, weil sie billiges Fleisch nicht hätte auftreiben können. Inzwischen ist die Ursache dieser vergeblichen Reise aufgeklärt; die Fleischerinnung hat nämlich strikte abgelehnt, den Verkauf russischen Fleisches zu übernehmen, und die Kommission, die von der Stadt nach Ruß- land gesandt wurde, bestand aus dem Obermeister der Fleischerinnung und dem Schlachthofdirektvr. Dieser ist ein Herr mit einer konservativ-agrarisch gerichteten Anschauung, der meint, es sei gar nicht so schlimm mit der Fleischteuerung, und die Schuld habe im wesentlichen die— Presse. Der Obermeister der Innung hat, als die Matznahmen der Regierung zur Linderung der Fleischnot bekannt wurden, in der„Fleischerzeitung" erklärt, daß er„nie und auch nicht zeitweise" für eine Einfuhr von ge- schlachtetem Vieh für den Osten des Reiches zu haben sei. Und Leute mit solchen Anschauungen, die allgemein bekannt waren und auch dem Magistrat nicht verborgen sein konnten, wurden mit dem Aufkauf von ausländischem Fleisch betraut! Die Kölierr Schlächtermeister lenken ein. Die Kölner Schlächtermeister haben ihren Boykott gegenüber dem von der Stadt bezogenen Fleisch aufgegeben, nachdem die Stadt daS eingeführte dänische, von den Metzgern nicht abgeholte Fleisch auf der städtischen Freibank feilbieten ließ und nachdem unser Kölner Parteiorgan forderte, daß die Stadt in allen Stadt- vierteln und Vororten eigene Verkaufsstellen errichtet. Die Metzgerinnung beschloß darauf, sowohl das aus Dänemark bc- zogene Fleisch, als auch das Fleisch von den von t>er Stadt wöchent- lich aus Holland zu beziehenden hundert Stück lebenden Rindern zu verkaufen. Maßnahmen gegen die Teuerung. Da der Bezug schwedischer Ochsen sich nicht bewährte, führt die Stadtverwaltung von Hannover jetzt holländische Rinder ein. Außerdem ist erstmalig die Einfuhr von 199 holländischen Schweinen in geschlachtetem Zustande in die Wege geleitet worden. Der Ver- kauf des Fleisches erfolgt durch eine von der Schlächterinnung be- stellte Anzahl Schlächter.— Am Donnerstag beschlossen die städti- heitSpolizei im Ministerium kümmerte sich nicht um diese Ber- sprechungen, und der schwächliche Minister wagte mit dem mächtigen Hüter so vieler gefährlichen Geheimniste nicht anzubinden. Wie die „Guerre Sociale" mitteilt, wird die.Chanson du Peuple" vom Minister Schadenersatz fordern. Die Affäre beweist jedenfalls, daß im heutigen Frankreich nicht mehr, wie das alte Wort sagt, alles mit einem Chanson endet: nämlich wenn dem Chanson selbst der Polizist ein Ende macht. Theater. Schiller-Theater v. WolzogenS„Kinder der Exzellenz" wandern nun schon seit zwei Jahrzehnten über so manche Bühne, und man merkt es an ihren„Krähenfüßen", wie schwer es ihnen wird, umzulernen, vertrackte Standesanschauungen und Vorurteile zum alten Eisen zu werfem Heutzutage gelingt solches verarmten Edelingen oder verschuldeten Offizieren schon weit leichter und schmerzloser, weil Vorrechte der Geburt oder eines exklusiven Standes vor dem Urteil einer demokratischen Welt nichts mehr gelten. Was damals als soziale Dichtertat gepriesen wurde, mutet jetzt schon altmodisch an. Und das ist auch bei diesem Lust- spiel so. Immerhin kann Wolzogen einige Verdienstlichkeit dafür zugesprochen werden, daß er in verschiedenen seiner Romane, die Kinder der Exzellenz nicht zu vergesseni, die Hoch- und Edelgeborene» manchmal ziemlich unsanft gezaust hat. Was nun dies Lustspiel angeht, so vermochte zwar die Aufführung nicht alles Verjährte daran zu beseitigen. Die Figur des Literatuvagenten Eberstein ist ohnehin— apokryph, so emsig Max Reimer ihre Glaubhaftigkeit versicherte. Corad W i e n e als Professor war ein etwas fadiger Liebhaber. Hedwig Pauly als Generalswitwe zeigte vergilbte Vornehmheit. Hilde Engel war ein quecksiwernlustiges Trudchen. Vorzügliche Charaktertypen gaben Richard W i r t h als schnauz- bärtiger Major und Paul B i ld t als in Sohn und Schwiegertochter vernarrter Musikprofessor. Das Publikum amüsierte sich anscheinend vortrefflich. e. K. Kunst. Vonber Revolution zur Klassik.(Bei Paul Cassirer, Viktoriastr. 3S.) Vor fünfzehn Jahren, als Paul Cassirer seinen Salon auftat, um die französischen Impressionisten und deren «deutsche Schüler den Berlinern nahe zu bringe», sprach man von Revolution. Längst nennen die Jüngsten diese Richtung reaktionär. In bedeutend erweiterten Räumlichkeiten nimmt jetzt der Salon Cassirer eine Parade derer von Gericault und Coufbet bis zu van Gogh und Hodler ab. Wir bekommen den Extrakt jener fünfzehn- jährigen Arbeit zu sehen. Wir empfinden es, und nicht erst seit gestern— als eine neue Klassik, würdig den Meistern aller Zeiten zugereiht zu sein. Deutlich sehen wir die EntwickelungÄinien und damit die Notwendigkeit, daß kommen mußte, was einst ein Frevel schien. Das ist der wahrhaft große Atem, den uns diese Aus- stellung vermittelt: daß wir die unzerstörbare Verwandtschaft der großen Hollänider, der ruhmreichsten Italiener und der vollkommen- slen Engländer, hinzugenommen die akademisch reifsten Franzosen, mit Delacroix und Mänet zu erleben vermögen. Solche Zusammen- hänge und Entwickelungslinien noch einmal und zwar mit Werken, deren jedes herrlich und einzig ist, darzutun, wurde die Auswahl vorgenommen, wurden aber auch«die Bilder gehangen. schen Kollegien, der Stadtverwaltung weiter einen Kredit von 59 999 M. zum Bezüge australischen Fleisches zur Verfügung zu stellen. Bitter geklagt wurde darüber, daß die Regierung die Matz- nahmen der Städte in völlig ungenügender Weise unterstütze. Der Stadtdirektor(Oberbürgermeister) Tramm meinte, die Vieh- bestände in den einzelnen Ländern, die auf die Ausfuhr in solchem Umfange plötzlich nicht vorbereitet seien, würden bald aufgekauft sein. Und da die Maßnahmen der Regierung nur.U? vorübergehende gedacht seien, so sei es nicht möglich, dauernde Verträge mit Händlern, Züchtern usw. abzuschließen. Notwendig sei zwar eine gesunde Bauernpolitik, aber die Aufhebung des§ 12 des Fleischbeschaugesetzes, der das auswärtige Fleisch s? gut wie ab- gesperrt, sei notwendig; ebenso die Beschränkung der großen Güter und Fidcikommisse. Die Negierung müsse dafür sorgen, daß die Fleischpreise so bemessen seien, daß den Massen die Befriedigung ihres Fleischbedürfnisses gewährleistet sei. Die Stadtverordnetenversammlung in Breslau genehmigte am Donnerstag den Vorschlag der Teuerungskommission, wöchent- lich etwa S9 999 Kilogramm Fleisch aus Rußland zu beziehen. Es wurden 79 999 M. Kredit bewilligt. Der neue Bürgermeister Matting betonte, daß die Maßnahme nur Erfolg haben könne, lvenn sie nicht nur provisorisch, sondern dauernd durchgeführt werde. Freilich müsse dazu der§ 12 des Fleischbeschaugcsetzes aufgehoben werden. Nicht geringes Aufsehen erregte es, als ein konser- vativer Stadtverordneter John ausdrücklich konstatierte:„Wir haben zu wenig Vieh. Schuld daran ist die Rückständigkeit des Großgrundbesitzes und seine Bauernlegerei. Für die Landwirt- schaft sei von Staats wegen gerade genug getan worden." Kleri- kale und konservative Redner bemühten sich vergebens, den Ein- druck dieses Eingeständnisses zu verwischen. ver Kortbnich der fleiichermeMer. Der vierte Wahlkreis hatte aus Anlaß der Obstruktion der Fleischer zu einer Versammlung nach Kellers Festsälen eingeladen. Der große Saal mit seiner geräumigen Galerie reichte nicht im entferntesten aus, die Massen zu fassen. Alle Tische waren schon von vornherein aus dem Saale genommen— kurz nach 8 Uhr erging die Aufforderung an die Männer, den Sc»! zu verlassen, damit die Frauen Platz erhalten. Bald waren auch die in großer Zahl freigewordenen Plätze durch Frauen besetzt und immer ström- ten neue Massen heran. In drangvoller Enge waren Saal und Galerie gestillt, während eine große Menge auf die Straße den Schluß der Versammlung erwartete. DaS Thema des Abends:„Der städtische Fleischver« kauf und der Versuch der Verhinderung und Ver- e k e l u n g" behandelten die Stadtverordneten Dr. Alfred B e r n st e i n und Adolf Hoffmann. Beide Redner be- schränkten sich in ihren Ausführungen auf das allernotwendigstc, um in der Diskussion besonders den Fleischermeistern Gelegenheit zu geben, sich zu äußern, ihre Obstruktion zu verteidigen. Beson- ders Adolf Hoffmann kritisierte das Verhalten, das jetzt die Herren Fleischermeister belieben. In Köln und Frankfurt am Main habe diese Gesellschaft das eingeführte Fleisch in die Sonne gebracht, damit es schwarz werde. Dann habe man es neben daS inländische Fleisch gelegt. Damit hier nicht auch derartige ver- wcrfliche Mittel angewandt werden könnten, habe man den Flci- scher» in den Hallen eigene Stände zur Verfügung gestellt, dort erhalten sie Licht und Wasser gratis, außerdem erklärte sich der Magistrat zu weiterem Entgegenkommen bereit. Redner teilte dann mit, mit welch großer Vorsicht man beim Aufkauf des Flei- sches zu Werke gehe und wie eingehend und oft es untersucht werde. Als man es endlich so weit hatte, daß Fleisch eingeführt wurde, schlugen die Sozialdemokraten vor, die Stadt möge das Fleisch in eigener Regie verkaufen, tüchtige Gesellen könnte sie zu jeder Zeit bekommen. Da sei es aber speziell Herr Cassel gewesen, der den sozialistischen Zukunftsstaat an die Wand malte, in den die Kom- mune hineinfahre. Die Fleischerinnung habe sich dem Magistrat nun angeboten und mit diesem verhandelt. Sie habe erklärt, daß ihre Mitglieder das Fleisch verkaufen würden. Nachdem sie dem Magistrat das Wort gegeben hatten, wären sie auch zur Ein- lösung verpflichtet gewesen. Er(Redner) hätte es den 128 Schläch- tern nicht übel genommen, wenn sie zu Anfang erklärt hätten, sie Wir treffen gar pikante Familienverhältnisse. Vor einem Karren des Gericault denkt man einen Augenblick an WauwermanS; um gleich darauf durch das Bild eines Schimmels zu erfahren, wie das Dämonische, die Gewalt, die Nüstern zittern und die Flanken dröhnen zu machen, den französischen Enthusiasten über den hol- ländischen Illustrator hinaushebt. Ein andermal, vor GericaultS mehr-als lebensgroßem Bildnis eines Kürassiers spürt man ein Nachwirken jenes Barock, das vom Sturm des Michel Angelo gebläht wurde; auch gleich darauf bei einem Delacroix, den„Kindern des Ugolino", herrscht noch spürbar die Komposition der Hochrenaissance. Soweit zurück greift die Verwandtschaft dieser Revolutionärc. Daß sie aber wahrhast umstürzten, was nicht mehr gedeihen konnte, und daß sie vorhandene Keime gewaltig antrieben, da? künden die Manifeste des Courbet. Dessen„Whc an der Tränke" mahnen noch an Potter; dessen„Grotte" zeigt, wie er im Sturm über Ruhsdael gekommen ist. Durch welche Mittel? Durch die Kraft der Malerei. Wie in dieser Grotte die Materie des Steines Wesen bekam, wie das dämmernde Licht den in«die Dunkelheit sich hinein- dehnenden Raum füllt, so etwas gab eS nicht bis dahin. Courbct, der Maler, nicht irgendein Theoretiker siegte über seine Väter. Es hängt von ihm hier ein„Schoßhund"; das weiß« seidige Fell gegen das rote Kissen ist von sprühender Sinnlichkeit. Der Maler siegte; das zeigt sich umgekehrt an der Art und an dem Grad, wie etwa Corot den Leibi oder Manet den Slevogt beeinflußte, ja zeugte. Der Maler! Unsere Jüngsten aber meinen, daß sich Malerei durch Worte erneuern lasse. R. Br. Notizen. � Theaterchronik. Die Shakespeareserie de« D e u t s ch e n Theaters soll mit„Heinrich V." fortgesetzt werden. Die AuS- beutung des Erfolges von„Heinrich IV." läßt aber die Aufführung erst in der zweiten Hälfte der Saison zu. — Vorträge. Auf der Treptow-Sternwarte spricht Dir. Archenhold am Sonntagnachmittag 5 Uhr über:„Eine Wanderung durch das Weltall" und Montagabend 7 Uhr über:„Die Beschaffenheit derSonne". Mit dem großen Fernrohr wird der Mond abwechselnd mit dem Saturn gezeigt. — Wedekind— hostheaterfähig. Frank Wedekind ist. nachdem bereits die Hosbiihnen in Dresden, Kassel, München und Stuttgart Werke von ihm in ihr Repertoire aufgenommen haben, nunmehr auch in Wien hofburothcaterfähig geworden. Man will dort seinen„Kammersänger" aufführen. — Die Reversseite. Jedes Patriotenherz mutz bei dem Bild höher schlagen, das die erste Seite der Illustrierten Unterhaltungsbeilage des„Tag" schmückt. Man steht da den Prinzen Heinrich von Preußen, umstellt von mehreren strammstehenden Ge- Haltsbeziehern des Reichs im ostasiatischen Schutzgebiet eine Eiche pflanzen. Dies kann nicht gut geschehen, ohne daß Seine Königliche Hoheit sich zur pp. Erde zu bücken geruhen. Und hinwiederum ist die Folge solcher Körperbewegung.' daß einem hinter dem eiche- pflanzenden Sproß unseres Herrscherhauses stehenden Offizier daS Ende des prinzlichen Rückens deutlich in die Erscheinung tritt, denn auch Hohenzollern sind Menschen. Aber, so fragt der naive Be- trachter des Bildes, warum salutiert der freundlich drein- blickende Offizier diesem A— nblick? Muß das sein?? Ist auch daS im Reglement vorgesehen? wollten das Fleisch nicht verkaufen, so aber hätten sie ein ganz fri- voles Spiel getrieben. Die Innung und Vereine suchten nun die luoralische Verantwortung für das Vorgehen ihrer Mitglieder ab- zulehnen, aber ihm sei von mehreren Seiten mitgeteilt worden, eine Versammlung habe beschlossen, den Verkauf nicht vorzunehmen. Es stehe demnach fest, daß man gemeinsame Sache gemacht habe. Tie Fleischer hätten sich aber selbst den größten Streich gespielt. Sie hätten doch froh sein sollen, wenn die Masse sich wiüer an den Fleischgenuß gewöhnen würde, denn sie würden doch das beste Geschäft dabei machen. Seit LS Jahren beständen die Markthallen, aber noch nie wären so viel Käufer anwesend gewesen als in den letzten Tagen. Wieviel andere Produkte würden dabei doch ge- tauft werden. Blind und töricht haben diese Herren gehandelt, den Junkern haben sie den größten Gefallen durch ihre Frivolität getan. Die Art und Weise, wie diese Fleischer vorgegangen, beweise aber auch, daß sie an der Teuerung ein groß Teil Schuld tra- gen. Wenn sie russisches Fleisch verkaufen, könnten sie nach den vom Magistrat gestellten Bedingungen täglich IM Mark ver- dienen und dies in einigen Stunden. Den Höhepunkt der Umoahrheit, der bewußten Lüge, habe jedoch das Vorgehen der Händler in der Markthalle VIII(Andreas- straße) erreicht. Mit dreister Stirn hätten diese Leute ein Flug- blatt verbreitet und darin die geradezu ungeheuerlichsten Behaup- tungen aufgestellt. Redner kritisierte mit treffenden Worten den Inhalt des Flugblattes und teilte mit, daß er sich das russische Fleisch in den verschiedensten Hallen angesehen habe und wäre nur zu wünschen, daß die Berliner Fleischermeister kein schlechteres Fleisch zum Berkauf brächten. Bis heute sei noch kein Stück Fleisch — nur ein Kopf, eine Lunge sowie eine Leber, tvaS überall in erhöhtem Maße vorkomme— beanstandet worden. Mit lebhaftem Interesse wartete man, was die Herren Flei- schermeister auf die gegen sie gerichteten heftigen Anklagen erwidern würden. Aber obgleich einige dieser Herren anwesend waren, fand niemand von ihnen den Mut zur Verteidigung. Sie schwiegen.— Die Diskussion brachte weitere vernichtende Anklagen gegen die Fleischermeister. Vom Zentralverband der Fleischer sprachen die Genossen Bergmann und H e n s e l. Ihre Angriffe, die beide Redner gegen die Fleischermeister sowie die Innung schien- derten, zündeten, sie riefen Empörung und Erbitterung hervor. Als Fachleute gaben die Redner ihrem Unwillen über das schamlose Vorgehen Ausdruck. In Berlin zähle man SM arbeitslose Flei- schergesellen. Würde man den Gesellen den Verkauf übertragen, fo würden statt 8 nur etwa Vi Pf. Unkosten auf das Pfund Fleisch entfallen. Das Fleisch selbst könnte also noch bedeutend billiger verkauft werden. Warum solle in den Zeiten der Not das Volk auch noch den raffgierigen Unternehmern die Profite erhöhen? H e n s e l teilte noch mit. daß das Warenhaus T i e tz billige Fleisch- Verkaufstage veranstalte. Vom Arbeitsnachweis seien acht Gesellen verlangt worden. Als diese sich zur Arbeitannahme im Bureau meldeten, habe man ihnen gesagt, sozialdmeokratische Ge- seilen beschäftige man nicht. Schließlich forderten die Redner unter lebhaftem Beifall zum Beitritt in den Konsum- verein auf, damit eine Aenderung der unleidlichen Zustände herbeigeführt werde. In seinem Schlußwort verurteilte Genosse Hoffmann noch- mals die Feigheit der Fleifchermeister und Standinhaber der Halle VIII.®r forderte d-ie Frauen aus, sich in den Havrt» durch unlautere Elemente provozieren zu lassen, denn eine Revolte könnte der Junkersippe jetzt sehr angelegen sein. Eine Resolution schlage das Bureau nicht vor, denn damit sei die Welt nicht zu erobern. Für die Frauen aber sei die Losung: Hinein in den Po- litischen Kampf, hinein in die sozialdemokratische Partei! Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch fand nach 11 Uhr die eindrucksvolle Kundgebung ihr Ende. Wasserstands-Nachrichte» der LandeZanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburea». Wasserstand Kemel, Tilsit Pregel, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder. Ratibor . Krassen Frauklurt Warthe, Schrimm . Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitrneritz , Dresden , Barby Magdeburg am 24.10. cm 187 —14 132 169 133 136 26 4 22 -100 145 118 seit 23.10. cm1) —3 +6 —2 +24 +2 +1 0 —2 +1 —1 +4 0 -4 Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') , Rathenow f) Spree. Svremberg') , Beesko« Weser, Münden , Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub , Köln Neckar, Heilbronn Main, Hanau Mosel. Trier am 24.10. am 88 40 47 96 81 202 234 420 190 161 134 160 43 seit 23.10. am') —1 +2 +« 0 +3 +34 +10 +24 +19 +9 +36 +� —6 l)+ bedeutet Wutfiä.— Fall.—*) Untervegel. NUR 10% NUTZEN berechnet die„H. K. Q." bei allen Waren auf ihren Selbstkostenpreis. Zur Erklärung folgende Beispiele: Hsnon" Ulster; Selbstkostenpreis 30 H. Verkaufspreis 33 H. 3WW Mten Selbstkostenpreis]! H. Verkaufspreis 16 Herren-Paletot; Selbstkostenpreis Z5 H. Verkaufspreis Z 7 m HnaOen-PWIl; Selbstkostenpreis 5 N. Verkaufspreis 5 Der Selbstkostenpreis besteht nur aus den baren Auslagen für Ware und Unkosten, irgend einen anderen Gewinn wie 10 Prozent Umsatzgebühr hat die H. K. G nicht PliCIlflWtiCCO erzie'� also jeder, der seinen Bedarf an Herren», Jünglings» und Knaben» SB IllSlaällsSIttS KB JlKH BBB jjIS Bekleidung Jeder Art, fertig oder nach Mass, bei der H. K. C, deckt. »50 >50 Herren- Kleider- Vertriebs■ Ges. m. b. H. Neue Schönbauser Str. 1, Ecke Weinmeister- und MOnzstrass« Sonntags geöffnet 12-2 Uhr Anfertigung nach Ma& In eigenen Ateliers Turmstrasse 73, Moabit, vla-ä-vis der Emdener Strasse. J» Unserem Genossen& V? Paul SItan und der Ge. W � nosfin Klara Reckllng � <1/ die herzlichen Glückwünsche zur W Vermählung.$ Die Genossen des Bezirks 512 JG � des 6. Wahlkreises. � «ägieeesew»»»»aasas� (1/ Dem Genossen � August Rennke nebst Braut HD die herzlichsten Glückwünsche fv zur Hochzeit. S8A � Die Genossen des 650. Bezirks � g» 6. Kreis. r,/ o V c zkHES««« Unsenn alten, lieben Genossen Karl W nebst Frau I zur Silberhochzelt ein dreimal W donnerndes Hoch I � Nieder- Schöneweide. E Genossen und Genossinnen de» � II. Bezirks. K [ Todes-Anzeigen|j Die Beerdigung des Bretterlrägers Friedrich Heinrich findet bereits beute Sonnabend, 1 Uhr nachmittags, statt. StomlilenuMzcliei' Watilverein I. d. 8. Berl. Reictistagswahlkreis. Am Mittwoch, den 23. Oktober, verstarb unser Genosse, der Me- tallarbeiter Paul Messinger (Engeluser 6, Bezirk 246). Ehre seinem Andenken! Die Beeidigung findet heute Sonnabend, den 26. Ottober, nach- mittags 4 Uhr. von der Leichen- halle des allen Thomas-Kirchhoses, in Neukölln, Hermannstrasie' aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 211/5 Hei- Verstand. Sozialdemokratiscber Wahiverein 1.16. Berl. Reichstagswahlkreis. Am Mittwoch, den 23. Oktober. verstarb unsere Genossin, Frau Msipröllie Hörsing Wichertstrahe, Ecke Lychener Str. Ghre ihrem Slndenten k Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 26. d. Mts., nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Gethsemane- Kirchhofes in Nordend aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 233/11 Her vomtand. Sozialdemokratischer Wahlverein !. d. 6. Berl. Reiehstagswahlkreis Am 23. d. M. verstarb unser Genosse, der Gastwirt Rosin (Müll-rstr. 163, Bezirk 750.) Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 28. d. M., nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des städtischen Friedhofes in Friedrichsselde aus statt. 233/12 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Am 23. 0. Mts. verschied nach kurzem Krankenlager unerwartet mem lieber Mann, unser gutet Sohn, Btuder, Onkel, der Maler Kulans Kühn im 53. Lebensjahre Um stilles Beileid bittet im Namen der Hinterbliebenen Frau Ida Kühn. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 27. d. Mts., nachm. 4 Udr, von der Leichenhalle des Friedenauer GemeindesriedhoseS aus statt. 9 Ob I Deutscher Boizarheiter-VerhaDd. . /stelle Berlin. Den ÜRitglieoern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Polierer Puäolk VVilsch im Alter von 31 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Sonntag, den 27. Oktober, nach- mittags 3% Uhr. von der Halle des Lichtenbergcr Gemeindesried- Hajes in Marzahn aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 90/9 die Ortsverwaltung. Sozialdemokratischer Wahiverein Friedenau. Den Genossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Maler Mus Kühn am Mittwoch, den 23. Oktober, abend« 11 Uhr. im Alter von 53 Jahren an Lungenentzündung gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Sonntag, den 27. ONober, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Friedcnauer Gemeinde-Fried- Hosts aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 203/3 Der Borstand. Verband d.Gemeimie-Q.Staatsarb. Filiale Grofi-Berlln. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz der Kollege Xlkroc! Enigk welcher im Betriebe der itädlischen Gaswerke, 36. Rcoier-Jnsoektion, beschästtgt war verstorben ist. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Bestattung findet heute Sonnabend, den 26. Oktober, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen« halle des Gemeinde-Friedhoses in Ahiensselde aus statt. 35/17 Olo Ortsverwaltung. Deutscher Buchbinder- Verband. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern die traurige Nachricht, daß unser Kollege kriedlM Qravert nach kurzem Leiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 26. Oktober, nach- mittags'IJä Uhr, aus dem Zentral- Friedhos in Friedrichsselde statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Bcrband der Schneider, Schneiderinnen und Wäsche- arbeiter(Filiale Berlin III). Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Wäsche- zuschneider EriLk Körte (Firma Wols u. Glaserseld) am 23. Ottober er. nach langem, schwerem Leiden im 54. Lebens- jähre gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet Sonntag. den 27. Oktober, nachm. 3 Uhr, von der Halle des Wilmersdoi ser Ge- meindesriedhoses aus statt. Rege Beteiligung erwartet 252/10 Oie Ortsverwaltung. Am 24. d. Mts. starb meine liebe Frau, unsere gute Mutter Lnrnm Daüichau geb. Baiser. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 27. d. MtS., nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- Halle des Neuköllner Friedhofes am Mariendorser Weg auS statt. Qtt» Dallcbaii l2A nebst Kindern. Danksagnng. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines inniggeliebten Sohnes und unseres Bruders sagen wir dem Verband der Buchdruckerei- Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands, der Firma Lenz und deren Personal, dem Ge- sangverein„Rostige Stimmgabel", dem Vergnügungsverein„Dalles- sowie Freunden und Bekannten unseren aus- richtigsten Dank. S59b Witwe I*aiiiliie Kaiser nebst Kindern und Braut. Danksagung. Für die rege Beteiligung bei der Betsetzung meines lieben Gatten sage allen Verwandten. Bekannten, den Kollegen der Firma) R. Mertens, dem Holzat bctter- Verband sowie dem Lotlerie-Berein.Armor- meinen ver- bindlichsten Dank. 967b Witwe Hiidesard Wolff geb. W e tz. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teil- nähme und vielen Kianzspenden bei der Beerdigung meiner inniggeliebten Frau. Mutter, Grofimutter und Tochter Skathiide T-ehaiann geb.Otzdors sagen wir allen Beteiligten, insbesondere der Firniä Witking u. Güldner unseren besten Dank. 958b Familie Lehmann, Schönow. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teil- nähme und die vielen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und guten VaterS kokend Flüs sprechen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, WS- hesondere der Firma Dr. Paul Meyer, sowie. den Kollegen und Kolleginnen unseren ttesgesühltcn Dank auS. Augufte Flüs und Tochter. Pankow. Schmidlstr 20. 968b —»IM«! IIIIIM—— Staakschalon, ÄÄ it. 1,60 m lang, billigst frei Waggon Berlin abzugeben. 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Uhrmacher und Juwel.«, B-unnenstratze 118, Ecke r/ebomilrgRe 1026«* Deuiseherlietallarheiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Drücker Mlhelm Hoeck Charlottenburg. Berliner Str. 134, am 24 Oktober an Darmleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet Sonntag. den 27. d. MtS., nachm. 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Luisen Kirchhoses, Westend, Fürsten brunner Weg, auS statt. Rege Beteiligung erwartet 126/19 Oie Ortsverwaitung. ,. MohrensfrSZa.,, Heute beginnt der Verkaul einer grossen Anzahl hervormgend schicker Modelle zu herabgesetzten Preisen bis SO Proz. Ulkter......... l-IO-rNmantel, kurs und lang....... Hoktltme....... CieaeiUcliaf takleid. KOcke......... Btuxen........ PeUmfinlel...... IS, U, 18, et bis TS». SO, es, 80. SS dl,«M M. IS. 18. K, es hl, 175 u, es, 80, 45, 5S dl»-00 n. 8, 8, 10. te dt, 45 M. S, 5, 8, 10 bis 86 n. 100, ItO, ISO. 180 bU ist»». Bot* Stoffel Fe.chute Feteon»! Sonntag getffnol 12- 2, Solldetl« Verarbeitung' Eigens Fabrikation! Alle Wettenl Alle Grösseni Arbeitsnachweis: Los L Amt Norden, Nr. 1233. VerwaltiiDgsstelie Berlin EharitSstrafte B. Hauptbureau: Hos in. Amt Norden, Nr. 1387. Montag, den S8. Oktober, abends SVa Uhr: Sranehen- Versammlung der Elektromontenre und Helfer in den Mnsiker-Festsälen, Kaiser-Wilhelm-Straße 13m (großer Saal). Tagesordnung: 1. Vortrag bei Genossen Dr. Julius MoseS über: Der allzurelche Kindersegen im Arbeiterhaus. 2. Diskussion. 3. VerbandZangelegm» Helten. 4. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. Es wird erwaitet, daß in dieser Versammlung alle Kollegen erscheinen, niemand dars schien. Crttrtler! Crürtler! Montag, de» 28. Oktober, abends 6 Uhr: Große Versammlung aller in den Miiebeit der sRilltäreffclitenbrancbe bekräftigten Kollegen u. Kolleginnen in den Rittersäle», Ritterstraße 75. Tagesordnung: 126/18 1. Tarifangelegenheiten und die Stellung einzelner Unter. «ehmer zum Tarif. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zu dieser Versammlang find besonders die Kollegen und Kolleginnen von Imme u. Sohn, Couvreux, sowie MattyeS und Schwabe ein geladen. vis vrtnverv»It»0Hs. m r und anderer perblielier Arbeiter (kleinerer Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit) (früher„E. H. 3 in Hamburg") in Hambnre. Mitglieder- Versammlungen der örtlichen BerwatwngSstelleu: Berlin A: Am Tonntag, den 27. Oktober, vorm. 10 Uhr. im Lokal von Wählisch, Skalitzer Str. 22. Berlin B: Am Sonntag, den 27. Oktober, vorm. 10 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engeluser IS, Saal 3. Berlin v: Am Sonntag, den 27. Ottober, abends 8'/, Uhr, bei Habel, Vergmannstr. S— 7. Berlin B:"km Sonntag, den 27. Oktober, vormittags 10 Uhr, in der Panenhofer-Brauerei, Turmstr. 24/25. Berlin E: Am Sonntag, den 27. Ottober, vormittags 10 Uhr, bei Herr» Gwatd, Schulsir. 29. Berlin F: Am Sonntag, den 27. Ovober. vormittags 10 Uhr, bei Herrn Lbiglo, Schwedter Straße 23. Berlin O: Am Sonntag, den 27. Ottober, vormittags 10 Uhr, w MannS Foriuna-Slite», Strausberger Straße 3. Berlin B: Am Sonntag, den 27. Oktober, vormittags 10 Uhr, bei Herrn Neidhardt, Görlitzer Straße 58. Berlin J: Am Sonntag, den 27. Ottober, vormittags 10 Uhr, bei Herrn H. Greive, Romintener Straße 2. Berlin-Brirzi: Am Soiinabend, den 26. Ottober, im Lokal oon Zilz, Werderstraße, Ecke Ruugiusstraße. Berlin» I.ietitenberg: Am Montag, den 28. Ottober, abends S'/j Uhr, im Lokal von Pickenhagen, Scharnweberstr. 60. Berlln-Schüneberg: Am Sonntag, den 27. Ottober, vormittags IG/, Uhr. bei Herrn Grosser, Meininger Straße 8, Tunnel. CharloUcnbai-g:: Am Donnerstag, den 31. Oktober, abends 8 Uhr, im Holtshaus, Rosinenstr. 3. Tagesordnung: 1. Kassenberichte 2. Verschiedene Kassenangelegenheiten. Außerdem w Berlin v, Berlin-Britz und Charlottenburg Bericht über die Verhandwngen der Generalversammlung in Hcilbron a. N.; in Berlin E Wahl eines Revisors; in Berlin Q Vortrag über„Aus dem Lande der Sozialresorm': in Berlin H„Die Vorteil« der Notstandskasse in Sterbesälleu". 184/4 - Mitgiieiisbuch legitimiert. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen der Mitglieder ersuchen Die Ortsvcrwaliungen. r mm- rt und verwandter Berufs genossen Zubtisteiie Berlin. Geschäftsstelle: C. 54, Mulackstr. 10 I. Fernsprecher: Amt Norden 4518. Sonntag, den 27. Oktober 1912, nachmittags 2 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 13(großer Saal): General-Versnmmlung. Tagesordnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht vom B. Quartal 1912. 2. Vel bandsangelegenheiten. 43/20* ES ist Pflicht jede» Mitgliedes, zu der General-Verfammwng zu erscheinen. Mitgliedsbuch oder Kurte legitimiert: obne diese leinen Eintritt. Die Ortsverwaltung. Dciilsilitl TrliiiSMrllirbciicr-Dcrbliiid. Be�. Groß- Herl in. Sektion 5, Industriearbeiter. Gewertsltinftshaus. Engelufer 15 II, Zimmer 31—*4. Gcössn. 8-6 Uhr. Bur.au: Tcteph.-Stmt Morihplah 2H8g. 4747. Achtnnar} Kollegen u. Kotteginnen! Aobtnn?: Sonntag, den 27. Oktober 1912, vormittags 9Vz Uhr. im gr. Saal der Gcrmania-Prachtsäle, Chausscestr. 119: Große öffentliche Versammlung für alle in den Berliner Metallbetrieben tätigen Packer, Bezieher, Lager-, Betriebshilf-, Hof- und Transport- arbeiter und-Arbeiterinnen usw. Tagesordnung: 1. Bnnaeribbne in den Berliner Hetalibetrlcbcn and uncere Forderungen auf ElnfUbrnng gesunder Zustünde. 2. Diskussion. In Anbetracht der so äußerst wichtigen Tagesordnung erwarten wir, daß kein Kollege und keine Kollegin cS versäumt, in dieser Versammlung bestiinml und pünktlich zu erscheinen. Ein jeder ist verpflichtet, sür einen recht starten Bemch zu agitieren. Da die Versammlung eine ossentsiche ist, find auch die unorgaiiisierlcn Kollegen sreundlichst eingeladen. 67/20 Mit kollegialem Gruß Die TeltlonSleitung. L A-- fori Fromke. Deutscher Danarbeiter- Verband. Zweigverein BeHin.----------- |n olle Mitglieder des Gesmt-Zlmgnerkiils! Sonntag, den 27* Oktober 1912, vormittags 10 Uhr: in Kellers Festsälen, Koppenstraße 29. Tagesordnung: 1.„Die Arveitslosennnterstützimg im Bauarbeiterverband". 2. Aufstellung von Kandidaten zur Delegiertenwahl für die am 8. Dezember 1912 stattfindende Gaukonferenz. 3. Verschiedenes. Eine äußerst wichtige Frage für die Organisation, ja— für alle Bauarbeiter— besonder? aber für alle Mitglieder, ist durch den Entwurf aufgerollt, der seitens des Hauptvorstandes in Nr. 40 des .Grundstein' veröffentlicht wurde. Wichtig genug, um bei allen Mitgliedern das regste Jntereffe auch in der jetzigen Zeit hervorzurufen. Wir erwarten darum daS Erscheinen aller Mitglieder! Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Eintritt. � Die Delegierten zur Generalversammlung machen wir daraus aufmerksam, daß die nächste Ordentliche General-Versammlung Sonntag, den 1. Dezember, vormittags 19 Uhr, im Saal 1 des GewerkschaftShauseS, stattfindet. Donnerstag, den 7. November, abend? 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15: Außerordentliche General-Versammlung. Der Vorstand des Deutsche» Bauarbeiter-BerbandeS. 142/16« Zweigverein Berlin. Orts- Krankenkasse der Kupferschmiede. Sounabcnd, 8. November ISIS, abends 8-/, Uhr. Rosenthaler- strafte U-iS: Generalvers ammlung. Tagesordnung: Siehe übersandte Einladung des Vorstandes. 280/5 Grtskrankenkaffe sür das Tepfergewerlie Die z« Berlin. ordentliche General-Versammlung wird anberaumt aus Montag, de» 4. November 1912, abends 8 Uhr, im Königstadt-Kafino, Holzmarkt« strafte 7S. Tagesordnung: 1. Geschäftliche Mittellungen. 2. Wohl des Ausschusses zur Prü» sung der Jahresrechnung sur 1312. 3. Wahl von 6 Vorstands» Mit» gliedern(2 Arbeitgeber, 4 Arbeit» nehmer). 4. Veschlußsassung über den An» trag des Vorstandes auf Zulassung der Kasse als„besondere" Orts- ttankenkasse im Sinne der Reichs» Versicherungsordnung. 5. Verschiedenes. 230/8 Als Legitimation ist die schriftliche Einladung mitzubringen. Der Vorstand. M. narkmann, 1. Vorsitzender. A. Genscb, 1. Schriftführer. Orts-Krankenkasse der Kchimldttu.vtw.Gtmrbe zu Berlin. Dienstag, den 5. November 1312, abends 8 Uhr, im Gcwcrkschafts- haus. Engelufer 15, Saal 1: Osdenti. Generalversaminlung. Tagesordnung: 1. Verlesen des Protokolls der Ge» neralversammlung vom 23. April 19! 2. 2. Ergänzungswahl zum Vorstande, 2 Arbeitgeber, 4 Arbeitnehmer. 3. Beschlußsassung über das Weiter« bestehen der Kasse als besondere Ortslrankenkasse nach Artikel 17 und 18 des Einsührungsgesetzcs zur R.-V.-O. 4. Antrog des Vorstandes: Erhöhung der Beiträge aus 4-/, Proz. 5. Verschiedenes. 280/6 K. Gottesmann, Vorsitzender. F. K e e s e, Schlistsührer. Zklitriil-Krauken- u. Kterbe- Kasse d.DtuW.WngtlliilNler Filiale Neukölln I. Sonntag, 27. Ollober, vorm. 10 Uhr: Kdjtgiieöerversswmluvg bei G r i e g e r, Lessingftraße 3. � 258/7 Die OrtsverwaHung. JUigemeiue Kranken- u. Sterbekasse der deutschen Drechsler und deren Berufsgenossen(E. H. 86 Hamburg). Mitglirder-Uerjammlnngen am Sonntag, den 27. Oktober 1S12. Beslrk A.: Gewertschaftshauö. Saal 9, 10'/, Uhr. „ B.; Restaurant Fhlert, Koitbuser Straße 19, 10'/, Uhr, „ C.:, Ww. Angnstin, Oranicnstr. 103, 10 Uhr. „ D:. Huinniel, Sophieustr. 5, 10'/, Uhr. TageS-Ordnung: 1. GeschästltcheS. 2. Kassenbericht vom 3, Quartal 1312. 3. Ergänzung;» wähl des Vorstandes. 4. Verschiedenes. 237/1? Die Ortsverwaltungcu. Wurst billiger! Cervelatwurst. pr. Psd. M.!,30 Feine Leberwurst Braunschweiger Jagdwurst... Flcischwurst.. Sülzwurst... Polnische.... Thüringer Rot» Wurst..... Zwiebelleberwurst J. Kubitz Berlin C., Gontardstraße — Eike rechtS— 9756* vordem Eing. d.?entralmarlitbal!s ! 0,90 0,30 0.30 0.70 0.70 1,00 0,55 Garderobe Möbel Zur Herbst» und Winters Saison unvergleichlich große Auswahl in Herren-, Damen- u. Rinder-Bekleidung auf bequeme Teilzahlung— geringe Anzahlung. Komplette Wohnungs= Einrichtungen. ■ITA VF Af K•. Aach einzelne Ersatzteile.===== Ortskrankenkasse Lichtenberg. 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Vorlegung des ElatS sür daS Kc. nesungSheim Feldbcrg und für die Badeanstalt der Kasse pro 1313. 5. Statutcnabäuderungen. 6. Kassenangelegenheiten, 230/9 Oer Voralund. O. Settel, Lorsitzender. Großes l'artcilokal, nahe Bertin, 500 Tonnen Bier mit geringer Anzahiung zu vcrk. oder zu vcrm, Osscrien„Lips 100'. Exped. 0. .Fürftenw. Ztg.', Fürstenwaide/Spree. VorjSstrlgs teinste Anzüge, Lslelots, schicke 1/lster,(lehroclianriige Smokings aui Seide 30— 70 M. liersaniaus Germania 21. Unter den Uinden 31. Dr.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. PFinzenstr. 41, 10— 2. 5— 7. Sonntajfs 10— 12. 2— 4 Ratenzahlung wöchentlich 50 Pf. unsere Sdiluget! Heines herausgegeben von MEHRING 3 elegante Leinenbände Preis 4 Mark Bestellungen nimmt unser Zeitungsbote entgegen. 2. Geschäft: Gr. 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Der verkauf des russischen fleische! vollzog sich gestern in sämtlichen Markthallen ruhig und ohne jede Störung. Die Polizei und die städtische Verwaltung hatten Vorkehrungen getroffen, damit das Publikum von einer Seite zu den Verkaufsständen gelangen konnte. Nach- dem eine Gruppe der Käufer den Eingang passiert hatte. wurde dieser bei großem Andrang von einem halben Dutzend Schutzleuten mittels starker Stricke abgesperrt. Die abgefer tigten Käufer und Käuferinnen mußten dann in der entgegen� gesetzten Richtung die Gänge verlassen. Auf diese Weise wurde die Ordnung aufrecht erhalten. In einzelnen Markt' hallen waren 20 Schutzleute mit der Aufrechterhaltung des Verkehrs beschäftigt. Während sich das Publikum an den städtischen Fleischverkaufsständen drängte und die Vorräte schnell abnahmen, hatten die übrigen Schlächter in den Hallen nichts zu tun. Die Stände hingen voller Fleisch, gekauft wurde es aber nicht. In der gestrigen Sitzung des Magistrats machte der Oberbürgermeister über die bisherigen Zufuhren und den Absatz des russischen Fleisches Mitteilung. Der Verkauf hat gestern vormittag an 79 Ständen in den Markthallen stattge funden. Die Nachfrage des Publikums nach dem Fleisch ist andauernd stark. Für diese Nacht sind wieder sechs Waggons mit Rind- und Schweinefleisch aus Rußland angemeldet. Die Nachrichten aus Warschau lauten günstig, und es besteht die Hoffnung, daß von Anfang November an wöchentlich regcl mäßig 3000 Zentner eintreffen werden. Leider geht die von den staatlichen Organen ausgeführte Untersuchung etwas langsam von statten. Der Oberbürgermxister machte gestern verschiedenen Pressevertretern, gegenüber die fob genden Mitteilungen: An der Fleischeinfuhr arbeiten jetzt etwa 40 bis 50 Personen Geschlachtet wird speziell in Warschau, und zwar in der Stadt selbst an zwei Stellen von 12 Berliner Schlächtergesellen und gleich- falls außerhalb Warschaus. Zum Schlachten kommt gutes und mittelgutes Fleisch. Der Bezug an Schweinen gestaltet sich recht erfreulich; eine große Sendung ist erst gestern eingetroffen. Die Meinung der mit der Aufgabe betrauten Herren geht dahin, daß Anfang nächster Woche der regelmäßige Be- trieb einsetzen dürfte. Dieser regelmäßige Betrieb wird zunächst in einer Einfuhr von 3000 Zentnern Fleisch wöchentlich bestehen; wobei nicht das Tages-, sondern nur das Wochenquantum garantiert ist. Anfang November soll dieses Quantum nach Möglichkeit auf die doppelte Höhe, nämlich 6000 Zentner wöchentlich gebracht, werden. Erfreu- lich ist dabei die Tatsache, daß es gelungen ist, für unseren Fleisch- bczug, erste Quellen zu erschließen; wir sind darin besser dran als andere Städte. Wir haben eben einen sehr geschickten Mann in Warschau, der nach Ucberwindung großer Schwierigkeiten jetzt eine gute Verladung erwirkt hat. Er schreibt, daß von nun an die Wagen sauber mit Matten belegt werden, daß das Schweinefleisch belle, zarte, junge Ware sei und daß es bestimmt gut und sauber ankommen würde. Nach diesen Ausführungen kam der Oberbürgermeister auf die Fleischkrawalle und ihre Begründung zu sprechen. Er meinte, daß es ein großer Irrtum sei, zu glauben, daß.ganz Berlin" nunmehr billiges Schweinefleisch und Rindfleisch haben könne,„wenn die Fleischer nur wollten!" Das ist durchaus falsch!„Ich selbst", fügte Oberbürgermeister Mermuth besonders betonend hinzu,„habe es immer ausgesprochen, daß die getroffenen Maßnahmen nicht annähernd ausreichend sind!" Bei aller unglaub- licher Anstrengung zur Erschließung neuer Quellen— Anstrengungen, die gewiß gute Resultate zeitigten— ist und kann immer nur eine verhältnismäßig kleine Versorgung erzielt werden. Die Hausfrauen stellen sich die Einfuhr des russischen Fleisches als ein Allheilmittel vor. Sie irren sich aber darin! Gewiß, ein Rückgang im Preise einheimischen Fleisches dürfte durch die Einfuhr auch erzielt werden. Aber auch nach dieser Richtung hin ist es bezeichnend, daß der Preisrückgang bisher nur in der Nähe der Fleischhallen eingetreten ist. Dort allerdings gleich so bedeutend, daß es schon etwas Tendenziöses zu haben scheint.. Im großen und ganzen aber genügen 3000, und selbst zweimal 3000 Zentner Fleisch pro Woche nicht, auf die allgemeinen Fleisch- preise irgendwie einzuwirken. Wie diese Menge auch nicht dazu genügt, um jeder Berliner Hausfrau den Fleischtopf zu füllen, ob- wohl wir einen Vorsprung in Warschau haben. Was sehr schade ist; die Briefe, die hier einlaufen, zeigen wie schad� Da schreibt eine Frau, sie habe nun endlich ihrem Manne ein Stück Fleisch vorsetzen können; der Tag habe sich zu einem förmlichen Familien- fest gestaltet; sie sei unaussprechlich dankbar usw. Diese Zuschriften sind rührend. Unter den Umständen sind die Ansprüche des Nor- dens und Ostens Berlins besonders berücksichtigt tvorden. Der gegenwärtige Stand ist folgender: Es haben sich 79 Ver- käufcr gemeldet, die auf die Hallen 2 bis 14 verteilt sind; mit Aus- nähme der Halle 5. Daß Halle 1 und 5 kein Fleisch haben, liegt wohl am Fleischmangel. Wahrscheinlich kamen sie zu spät. Es berrscht eben jetzt kein Mangel an Verkäufern mehr, sondern am Verkaufsobjekt. Ein Mangel an Verkäufern dürfte auch kaum noch einmal eintreten; im schlimmsten Falle haben wir noch immer das Angebot der Flcischergescllen. Die Preise für russisches Schweinefleisch, das eben eingetroffen, sind, wie folgt festgesetzt: Kopf und Beine 45 Pf., Schulter und Brust 75 Pf.. Bauch»0 Pf., Kamm und Schuft 85 Pf., Rückcnfctt und Liesen 80 Pf., Kotelett 90 Pf., Leber 1 M. Ter Verkauf in den Hallen beginnt heute. � Wenn das städtische Unternehmen gelingen soll, muß die Stadt unter allen Umständen den Verkauf selber in die Hand ncbmen. Es mehren sich die Klagen, nach denen die Verkäufer des russischen Fleisches die Käufer nicht in der vom Magistrat vor- geschriebenen Weise bedienen. Mit der Vcnvendung der Knochen als Beilage wird Unfug getrieben; auch mit den anderen Fleisch- sorten, die nicht genügend auseinandergehalten werden. Dem- entsprechend werden mich die höheren Preise für Fleisch gefordert, das eigentlich Suppenfleisch ist. Gestern wurde uns von einer Arbeiterfrau Fleisch vorgelegt, das als„Blume" mit 84 Pf. bezahlt wurde, aber zur Hälfte aus Talg bestand. DaS Fleisch war im Stand 98 in der Lindenhalle verkauft worden. Aehnliche Fälle wurden aus einigen anderen Hallen gemeldet. Es liegt nahe, daß Leute, die anfänglich den Verkauf des russischen Fleisches ver- weigerten, ein Interesse daran haben, nunmehr auf andere Weise dem kaufenden Publikum den Fleischbezug zu verekeln. Dagegen sollte der Magistrat mit allen Mitteln vorgehen. Im Publikum wird allgemein dem Unternehmen des Magistrats große Sympathie! entgegengebracht. Wenn die ersten Schwierigkeiten behoben sind, wird der Verkauf des Fleisches glatter vor sich gehen als bisher; aber der Magistrat sollte den Schlächtermeistern den Verlaus nicht überlassen. Partei-?Znge!egenkeiten. Erster Wahlkreis. Sonntag, den 27. Oktober, früh 8 Uhr: Flugblattverbreitung von folgenden Lokalen: Schulz, Parochialstr. 36. Weihnacht, Grünstr. 21, Dorn, Mittelftr. 39, Bartusch, Kanonierstr. 6, Rothe, Flensburger Str. 24. Hilfskräfte aus anderen Kreisen sind sehr erwünscht und bitten wir die Genossen, sich in den angegebenen Lokalen zu melden. Neukölln. Sonntagvormittag findet eine Flugblattverbreitung verbunden mit Hausagilation für die Wähler der II. Abteilung statt. Diejenigen Genossen, welche sich für die II. Abteilung zur Ver- fügung gestellt haben, müssen vollzählig erscheinen. Das Wahlkomitee. Strausberg. Sonntag, den 27. Oktober, nachmittags 4 Uhr, im Lokal des Herrn Rose: Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Bericht über die Tätigkeit der sozialdemokratischen Stadlverordnelen- fraktion. 3. Kassenbericht vom Hl. Quartal. 4. Bericht über die Parteispedition. 5. Vereinsangeleg«nheiten. Königswusterhansen. Sonntag, den 27. Oktober, nachmittags 3 Uhr, findet in Gussow beim Gastwirt Schuft eine V olks- Versammlung statt, in der Genosse Kluß über„Volkscnt- rechtung, Volkselend und Kriegsgefahr" sprechen wird. Die Ge- nassen der umliegenden Ortschaften werden ersucht, für zahlreichen Besuch Sorge zu tragen. KSnigSwusterhausen. Die Genossen treffen sich zur Kalender- Verbreitung am Sonntag früh 8 Uhr in folgenden Lokalen: Wildau- Hoherlehme bei Kodanek; Königswusterhausen bei Heidrich, Ber- liner Straße; T�utschwusterhausen bei Großmann. Stralau. Am Sounlag, den 27. d. M., vormittag? 8 Uhr, von den BezirkSlokalen aus: Flugblattverbreitung. Am Dienstag, de» 29. d. M., abends 8 Uhr, in den Markgrafen- sälen: Oeffentliche Versammlung. Genosse Dr. Breitscheid referiert über: Ich bin ein Preuße. Rciuickcndors-Ost. Am Sonntag ftüh von 8 Uhr ab findet eine Flugblattverbreitung statt. Tasdorf-Nüdersdorf-Kalkbrrge. Sonntag, den 27. Oktober, nach- mittags 3 Uhr: Oeffentliche Versammlung im Lokal von Hening, Kalkbcrge, Heinitzstr. 35(Restaurant zum Bergwerk). Redakteur Geuoffe Eichhorn- Berlin lptichi über„Nieder mit dem preußischen Dreiklossen-Wahlrecht l Fort mit den Agrarzöllenl"— Genossen, sorgt kür Massenbesuch. Alt-Landsbrrg. Sonntag, den 27. Oktober, nachmittag» 6 Ubr- bei Thomas Schmidt, Ali-Landsberg Süd: Mitgliederversammlung- Tagesordnung: Die bevorstebenden Stadtverordnetenwahlen. NowaweS. Eine öffentliche Versammlung findet am Sonntag, nachmittags 3 Uhr, in den Deutschen Festsälen(Ernst Schmidt) statt, in der die Genossin Zetkin aus Stuttgart über das Thema„Was für ein Interesse haben die Frauen am Wahl- recht?" referieren wird. Staate» Am Sonntag, den 27. Oktober, früh 7'/z Uhr. von Gnädigs Gasthof aus: Wichtige Handzettelverbreitung. Kerlmer Nachnchten* Einen erfreulichen Beschluß hat gestern der Berliner Magistrat gefaßt. Er hat beschlossen, von einer Bebauung des Exerzierplatzes an der einsamen Pappel Abstand zu nehmen und auf dem Platz nach Durchlegung der Sonnenburger nach der Schönflietzer Straße eine Spielwiese mit Zubehör herrichten zu lassen. Dieser Beschluß kommt unserer Forderung nahe, die unsere Genossen in der Berliner Tiefbaudcputation und wir an dieser Stelle im Anfang dieses Jahres erhoben haben. Tiefbaudcputation und Magistrat standen bisher auf dem Standpunkt, daß der Exerzier- platz eine Randbebauung erhalten sollte unter Freihaltung einer größeren Grünfläche für die erholungfuchende Bevölkerung. Unsere Genossen in der Tiefbaudeputation verlangten die Herstellung des Platzes zu einem Volkspark. Das sei um so mehr erforderlich, weil durch die Vcrschandelung der Schönhauser Allee durch die Hochbahn der dort wohnenden Bevölkerung Ersatz für entgangene Erholungsmöglichkeit geschaffen werden müßte. Demgegenüber wurde aber von der Tiefbaudeputation und vom Magistrat bis vor kurzem an der Randbebauung festgehalten; noch in der vor- letzten Sitzung der Tiefbaudeputation waren die Modelle für die Bebauung ausgestellt. Wenn der Magistrat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen hat, von einer Bebauung Abstand zu nehmen und das Gelände zu einem Spielplatz herrichten zu lassen� so ist das ein Umschwung der bisherigen Haltung, der van der Bevölkerung des Nordens nur freudig begrüßt werden wird. DaS Kuratorium der Julie-Oppenheim-Stiftung hat der städisiben chuldepululivn aua> für vieles Jahr wieder die Mittel zu neun Tbeateraufsühruligen im Scknller-Theaier sür die ersten Klassen der Gcineindescbulen zur Verfügung gestellt. Gegeben loird Lessiugs „Minna von Banchelm". Die Aussührungen finden im Laufe des Wintersemesters 1912/13 statt. Die Straßenbahnlinie 164 soll über den Ringbahnhof Landsberger Allee hinaus bis Hoheiischöiihtrnien geführt werden unter Verlegung des Endpunktes in die Warlenbergstraße. Die Fahrpreise stellen sich für die ganze Strecke Charlottenburg. Bahnhof Juugfernheide— Hohen- Ildöiihauien aus 20 Pf., flir Cdarlvitenburg, Knie bis Landsberger Allee, Ecke Rölerstraße und für Bali» bor Jungfernheide bis Ring- babuhof Landsberger Allee auf je l5 Pf und auf je 10 Pf. für folgende Strecken: Babnbof Zoologisckier Garten— Ringbahnbof Landsberger Allee; Cbartoirenbnrg, Knie-Alexanderplay; Cbailotten» bürg. Luisenplay— Spilielmarkt und Bahnhof Jungfernheide— Jerusalemer Kirche. Zwei tödliche Strasicnunfälle werden vom Donnerstagnachmittag gemeldet. Auf dem Heimwege von der Schule kam der 8 Jahre alte Sohn Hans des Wcrkführcrs Löwenhagen aus der Beussel- straße 59 um das Leben. Der Kleine spielte unterwegs an der Ecke der Wclcfstraße und Beusselstraße mit. Schulkameraden- und achtete nicht auf seine Umgebung. Hierbei fiel er so unglücklich hin, daß er unter einen Mrhlwagen geriet. Der schwerbeladene Wagen ging ihm über die Brust und drückte sie ein. Ein in der Nähe wohnender Arzt konnte nur noch den Tod deS Knaben, dem die Leber zerrissen worden war, feststellen. Ter Verunglückte ist der einzige Sohn seiner Eltern.— Ein unbekannter Mann wurde um 9 Uhr beim Urberschrcitcn des Fahrdammes der Gcrtraudtcn- straße von einem einspännigen G-schüftswagen überfahren und so schwer verletzt, daß er aus der Hilsswache am Spittelmarkt, wohin man ihn brachte, gleich nach der Ankunft verstarb. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht-. Ter! Mann, seinem Aeußeren nach Wohl ein Händler, ist ungefähr 65 Jahre alt, mittelgroß und schlank, hat dunkelblondes Haar und einen grauen Vollbart und trug einen schwarzen Winterpaletot, ein graues, tleinkarriertes Jackett und eine graue, großkarricrte Hose. Seine Wäsche ist nicht gezeichnet. Der Räuber und Messerstecher Pank Mino«, der den Ueberfall in der Franseckistraße verübte, wurde gestern von der Kriminalpolizei dem Untersilckmngsrichter vorgeführt. Er bleibt nach wie vor dabei, daß er die Tat allein verübt und nicht die Absicht gehabt habe, die betagte Verkäuferin zu töten. Ein schwerer Straßenbahnunfall trug sich Donnerstag nachmittag auf dem Potsdamer Platz zu. Als die Rentiere Pielsch den Play überschreiten wollte, geriet sie, durch den starken Verkehr und den Lärm verwirrt, gegen einen Straßenbahnwagen der Linie 52 und wurde umgestoßen. Die Verunglückte erlitt eine Gehirnerschüllcrnug sowie Oueischwunden am Hinterkopf. Sie erhielt auf der nächsten Unfallstation die erste Hilfe und wurde dann auf Wunsch der An- gehörigen nach der Wohnung gebracht. Selbstmord einer Fünfzehnjährigen. In der letzten Nach-I hat das 15 Jahre alte Dienstmädchen- Johanna Phrickc, das bei einem Schriftsetzer B. in der Neuen Königstraße in Stellung war, seinem Leben ein Ende gemacht-, indem es den Verschluß ein-cS Gasrohrs, das in fein Zimmer führt, öffnete und das ausströmende Leuchtgas einatmete. Als es gestern früh von seiner Dienstherrin aufgefunden wurde, war es bereits zu spät. Das Mädchen hinter- ließ zwei Briefe, die an ihren Vater gerichtet waren und von der Polizei beschlagnahmt wurden. Die Lebensmüde schreibt darin, daß sie die Tat begehe, weil sie es bei ihrer Herrschaft, die sie auch geschlagen habe, nicht aushalten- könne. Früher hatte daS Mädchen davon auch schon anderen Leuten erzählt und dabei auch Selbstmordgedanken geäußert. Die Tote stammt aus Harzburg und kam von dort bor einem Jahre zu der Familie B. in Stellung. Zwei schwere Stratzcnunfälle ereigneten sich gestern abend in der achten Stunde. Als kurz nach 7 Uhr der Pensionsinhaber Leo Rummel aus der Wilhelmstraße 59 an der Ecke der Mauerstraße den Fahrdamm der Leipziger Straße überschreiten wollte, übcr'ah er einen Straßenbahnwagen. Ehe der Führer diesen zum Stehen bringen konnte, lag er unter der Plattform. Er erlitt schlverc Quetschungen und erhebliche Kopfverletzungen. Die herbeigeholte Feuerwehr befreite ihn aus seiner gefährlichen Lage und brachte ihn nach der chirurgischen Abteilung der Charite, wo er schwer da- niederlegt.— Der zweite Unfall trug sich auf der Kottbuser Brücke zu. Hier wurde der 16 Jahre alte Arbeitsbursche Friedrich Neu- mann aus der Köpenicker Straße von einem Lastfuhrwerk über- fahren. Mit einem Schädelbruch und schweren inneren Berletzun- gen wurde er mit einem Rünzelschen Krankenwagen nach dein Krankenhaus am Urban gebracht. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Feuer kam in einer Baubude in der Urbanstr. 169 durch eine Petroleumlampe aus. Als die Wehr erschien brannicn dort Kleider, Petroleum u. a. In der Lützowstraße 105 und Potsdamer Str. 7g mußten zwei Brände gelöscht werden. Sirohhülsen, Tische, Kleider u. a. brannten dort. Wegen eincs Kellerbrandes rückte der 7. Zug nach der Hausburgstr. 6 auS. Säcke, HanSrat u. a. standen dort in Flammen. Der Turnverein Fichte als der Förderer der Gesundheit und frischen Lebenskraft deS Berliner Arbeiters und seiner Kinder führt zum 11. Stiftungsfest der 11. Männer-Abteilung am Sonntag, den 27. Okiober, im Gewerkschaflshaus. Engelufer 15,„Abenteuer eines Junggesellen" und„Die fromme Helene" von Wilh. Busch feinen Freunden mit Rezitationen vor. Beginn 6 Uhr. Zeugen gesucht. Personen, die am Mittwoch, den 23. d. Mts., nachmittags 3/42 Uhr, vor dem Hause Weberstraße 12 den Omnibusunfall(Linie 29, Wagen Nr. 1299) bemerkt baden, bei dem ein Ar- beiter einer Pappenfirma umgefahren wurde, werden um Angabe ihrer Adressen an Julius Neumann. Gubener Str. 61, gebeten. Fußballspiele der Arbeiterturn- und Sportvereine. Am kommenden Sonnlag finden folgende Spiele statt: Fichte I gegen Fichte IX nachmittags auf dem Turnplatz in Treptow, Köpenicker Landstraße; Schöneberg-Rummelsburg nachmittags in Mariendorf, Bessemerstraße (Blanke Hölle); Fichte XVIl Charloltenburg vormittags in Remicken- dors. Lette-Alle«. Die Spwle am Vormittag beginnen um 10 Uhr, am Nachmittag um 3 Uhr. Arbeiter-Bildunggschule. Wir erinnern, daß die Sonn- tagskurse des Genossen Grunwald morgen(Sonntag) ihren regelmäßigen Fortgang nehmen. Vororr- ad) rlcbtcm Charlottenburg. Eine Umgestaltung des DernbnrgplatzeS bezweckt ein Entwurf» den der Magistrat den Stadtverordneten unterbreitet. Für die Her« stellung einer Anlage zur Spülung des LietzenseeS waren durch den Etat von 1912 64 000 M. zur Verfügung gestellt worden, davon 19 000 M. für eine Kaskadcnanlage auf dem Dernburgplatz. Der Entwurf sah neben der Anlage eines Wasserbeckens im oberen Teil des Platzes eine Kaskade in einer Breite von 4 Metern und die Vermittelung deS Wasserabflusses in den Lietzensec durch eine Rohrleüung vor, sab aber von einer gärtnerischen Umgestaltung der Anlagen ab. Da jedoch, wie sich später herausstellte, die KaSkade in einer Breite von 4 Metern nicht genügte, war eine Erweiterung auf 5 Meter erforderlich, und zur Herbeiführung eines natürlichen Abflusses in den See wurde die Anlage eines zweiten. unteren Wasserbeckens sür notwendig erachtet. Da nun die Kaskade den Platz beherrschen wird, soll auch die Gartenaulage ihr angepaßt und zur Erzielung eines harmonischen Ganzen von Grund auf gc- ändert werden, wobei auch auf die Anlage zahlreicher Sitzplätze und eines Kinderspielplatzes Bedacht genommen ist. Der Magistrat beantragt bei den Stadtverordneten, die Mehrkosten für die Anlage» der Kaskade und für die gärtnerische Ausgestaltung in Höhe von 41 700 M. zu bewilligen. Desinfektion bei ansteckenden Krankheiten. DaS Pressebureau dcS Magistrats teilt mit: Es ist in vereinzelten Fällen wieder darüber geklagt worden, daß die polizeilich vorgeschriebene Desinfektion bei ansteckenden Krankheiten«on der städtischen Desinfektionsanstalt nicht so schleunig ausgeführt wurde, als es den Beteiligten erwünscht er- schien. Es handelte sich hierbei fast stets um den Todesfall eines Angehörigen oder um die Ueberführung eines anderen in ein Krankenhaus, und es lag das berechtigte Verlangen vor, die bisher verschont gebliebenen Angehörigen durch Vornahme der Desinfektion so schnell wie möglich zu sichern. In solchen und ähnlichen Fällen empfiehlt es sich stets, die städtische Anstalt um Vornahme der Desinfektion u n» mittelbar zu ersuchen, anstatt abzuwarten, bis bei dieser die polizeiliche Anzeige eingelaufen ist Da diese Anzeige vom Eingang der Meldungen de» behandelnden Arztes und von anderen Um- ständen abhängig ist. so ist der Verlust eines gewissen Zeitraumes unvermeidlich. Die städtische DesinsektionSaiistalt nimmt die DeS» infeklion von Wohnungen und Gegenständen auch vor Eingang der polizeilichen Anzeige auf private Aufforderung vor. Sie bedarf der polzeilicheu Mitteilung allerdings, um je nach der Art der ge- meldeten Erkrankung feststellen zu können, ob die verlangte DeS» infeklion gebührenfrei oder gebührenpflichtig war. Diese Feststellung aber kann natürlich auch nachträglich erfolgen. Lichterfelde. Einen Sieg zu erringe», gelang Miseren Genosse» Vei der am Freitag stattgefundenen Gemeindevertretcrwahl der dritten Abteilung im Osten. Bon den abgegebenen Stimmen erhielt der sozial- demolratische Kandidat Genosse Wenzel 312, während der gegnerische Kandidat, Oberfaltor Knlbe, nur 304 Stimmen auf sich vereinigte. Genosse Wenzel ist somit gewählt. Steglitz. Der erste Schritt zur Bekämpfung der Fleischteuerung, den unsere Gemeindeverwaltung unternahm, hat mit einem vollen Er- folg geendet. Es ist ihr gelungen, die Preise derart herabzudrücken. daß erstklassiges Fleisch den Verbrauchern völlig umsonst verabreicht wenden konnte. Doch selbst-damit war unsere Venwal- tung, die ja bekanntlich immer in der Sorge um das Wohlergehen der Bürger ausgeht, nicht zufrieden. Um der großen Masse den Beweis von der völligen Unschädlichkeit selbst reichlicher Fleisch- nahrung z-u erbin-gen, ging man-weiter und ließ- es einev Anzahl mutiger und opferwilliger Männer in-delikater Zubereitung, sogar mit einigen Bor« und Nachspeisen servieren, wobei man nur die eine Vorsicht gebrauchte, jedem einige Flaschen älteren Weines als eventuelles Gegengift zur Verfügung zu stellen. Wenn man den Berichten der Lokalpreste über die Veranstaltung Glauben schenken 'darf, scheint das Gegengift viel in Anwendung gekommen zu sein, denn cS wird ausdrucklich sesigestcllt, daß es bei einigen„sehr lwftig" gewirkt habe. Im übrigen scheint aber das Probeessen, als dessen Vorwand man die E i n w e i y u n g d e S L Y z e u m s in der Nothenburgstraße genommen hatte, völlig unschädlich verlaufen zu sein-. Hoffentlich spornt das Resultat nun aber-die Herren vom Rieselgutausschuß an, sich ihrer Ausgabe mit doppeltem Eifer zu widmen, uni auch der übrigen Steglitzer Bevölkerung Ge- legenheit zu verschaffen, einen Versuch mit billiger Fleischnahrung zu machen. Ausgerechnet dem Nieselgutausschuß wurde nämlich in der Gemcindevertretersitzung vom 4. Oktober die weitere Be- ratung von Maßnahmen gegen die Fleisch- teuerung überwiesen. Was haben die Herren bis jetzt getan? Haben sie überhaupt schon„beraten"? Wie steht es mit der Zusage des GemcindcvorftandcS,„auch fernerhin in Gemeinschaft mit Berlin alles zu tun, der nicht zu leugn-enden Fleischteuerung ent- gegenzu-wirken"? Berlin verkauft schon- seit einigen Tagen billiges Fleisch, Charlottenburg, Schöneberg und Tempelbof sind nach dem gestrigen„Vorwärts" gleichfalls Ab- nehmer. Wo bleibt Steglitz? Sollen wir etwa warten, bis auf dcni Ricsclgut ein neuer Schweinestall gebaut ist und dann ein halbes Dutzend Ferkel großgezogen sind, um mit deren Fleisch -dem Notstand abzuhelfen? Die arbeitende Bevölkerung verlangt dringend sofortige Maßnahmen. Der Gemeindcver- ordnete Schlächtermeister Preutz hat in öffentlicher Sitzung die Be- reitwilligkeit seiner Kollegen zum Verfalls russischen Fleisches er- klärt, warum beteiligt sich die Gemeindeverwaltung nicht an dem gemeinschaftlichen Bezug? Unsere Gem-eiitdewähler erwarten von ihren Vertretern, daß sie alles aufbieten, um«n-dlich auch in Steglitz erschwingliche Fletschpreise zu schaffen. Lichtenberg. Die Frage der Fleischversorgung stand vorgestern in der S t a d t- verordnete nsitzung wieder auf der Tagesordnung. Der Magistrat verlangte einen Kredit von 10000 M. Aus Anfrage unserer Genossen gab Bürgermeister Unger einen Bericht über die Verhandlungen niit den Fleischern. Danach hatten sich 21 von ihnen bereit erklärt, Fleisch für die Stadt zu verkaufen-. Eine Festlegung der Preise habe noch nicht erfolgen können. Die Materie sei außer- ordentlich schwierig. Von unseren Genossen wurde dagegen geltend gemacht, daß die hier obwaltenden- Verhältnisse doch auch in Berlin, Charlottcnburg und Sck>Sncberg bestünden, dort aber sei man mit den- Vorbereitungen fertig und der Verkauf bereits aufgenommen worden. Daraus könne man schließen, daß vielleicht doch die Fleischer Schwierigkeiten machen-. Die Vorgänge in Berlin ließen- besondere Vorsicht geraten« sein. Bürgermeister Unger erklärte, irur sachliche Schwierigkeiten verlangsamten- die Verhandlungen. Es fei zu be- rückfichtigen, daß hier keine Markthallen zur Verfügung stunden, die Fleischer nicht so billig verkaufen- könnten, als wie in Berkin, wo das russische Fleisch in den mietfreien- Ständen abgegeben würde. Stadt- verordneter Platen machte Mitteilungen- von allerhand Treibereien der Fleischer in den- Markthallen, die den Vertrieb des Fleisches» ve» hindern möchten. Man suche die Kunden abzuschrecken«. Das Fleisch würde als schlecht, madig-, krank und viel zu teuer bezeichnet. Frauen, die nach den- Verkaufsständen frügen, würde fixatorisch hin und her geschickt; ja, selbst ihren Eintritt in die Halle habe man zu verhüten gesucht. Gegen solches Verhalten müsse der schärs-ste Einspruch erhoben werden. Auch von anderer Seite würde der Magistrat dringend ersucht, es nicht an der notwendigen Vorsicht fehlen zu lassen. Stadt- rat Tiedke, als ehemaliger Fleischer, bemerkte, nach seinem Befund sei das russische Fleisch gut, aber der Preis zu hoch. Dagegen wäre dänisches Fleisch von ausgezeichneter Qualität von- einem hiesigen Fleischer zu erstaunlich billigen Preisen abgegeben. Man toerde Ilmschau halten müssen, ob man nicht solches Fleisch bezichen- könne. Bürgermeister Unger gab die Versicherung, daß, wen-n die Fleischer Sckwicrigkcitcn machen, würden-, die Stadt durch geeignete Matz- nahmen den Vertrieb des Fleisches sicher stelle.— In- einer noch am Abend abgehaltenen- Besprechung mit den Fleischern wurde nach Mit- teilung ein Einverständnis erzielt auf der Basis, daß die Fleischer pro Zentner verkauften Fleisches nicht gM? 4 M. Ueberschuß erzielten. Wahrscheinlich könne man den Verkauf am Montag auf- nehmen. Sodann stand die Vorlage- betreffend Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse zur Erörterung. Die Bürgerlichen begannen gleich. Verschlcchterungsanträge einzubringen. Die Mehrheit be- schloß denn auch zu Punkt 1, die Chauffeure von der Bestimmung einer neunstündigen Arbeitszeit auszunehmen. Außerdem wurde auf Antrag des Magistrats auch das Kutscherpersonal von der Ver- besserung ausgenommen-. Ferner beantragten- die Bürgerlichen-, die Bestimmungen für Ueberstunden. zu verschlechtern. Namens der sozialdemokratischen- Fraktion erklärte Genosse Grauer, die Fraktion wäre geneigt gewesen, obwohl die Beschlüsse der Kommission längst nicht ihren- Forderungen- entsprächen, auf die erneute Einbringung ihrer Anträge zu verzichten; das sei aber in der Voraussicht ge- schehen, daß von den bürgerlichen Herren keine Verschlechterungen versucht würden. Ihr Verhalten»lach« die Voraussetzung hinfällig und daher sehe man sich gezwungen, zu jeder Position die ent- sprechenden VerbesscrungSanträge einzubringen. Daraufhin ließ man sich herbei, die Verschlcchterungsanträge zurückzuziehen. Das hielt die Herren allerdings nicht ab, den Beschluß der Kommission, betreffend Zahlung der Differenz zwischen, Lohn und Krankengeld, durch einen Berschlechterungsantrag ummodeln zu wollen. Es solle bleiben, wie es bisher gewesen. Nach den Beschlüssen der Kommission soll die Differenz in Zukunft regelmäßig- bezahlt, werden, nur ganz beson-d-cr? Umstand« sollen- ein Abweichen von der Regel rechtfertigen. Ein energische? Eingreifen unserer Gcnosstn- veranlasste die Herren Bürgerlichen schließlich, auch diesen Verschlechterungsantrag zurück- zuziehen-. Daraufhin gelangte die Vorlage nach den vor 14 Tagen -Im„Vorwärts" mitgeteilten Bestimmungen zur Annahn, c.— In geheimer Sitzung kam dann die Besoldungsordnung für die Lehr- Personen- in höheren und Volksschulen zur Verhandlung. Auch hier versuchten die Bürgerlichen gegenüber den Beschlüssen der Kommis- ficrn Verschlechterungen durchzusetzen. Doch gelangte, von- einigen Abweichungen abgesehen, die Vorlag« nach diesen Beschlüssen im wesenilicken zur Annahme. Bei den kleinlichen- Versuchen, Pfennig- ersparnisse durchzusetzen, hatten- sich die Bürgerlichen solange auf. gehalten, daß die Beratung über die GehaltSregelung der Beamten sowie des Magistrates nicht erledigt werden konnte. Ein schrecklicher Unglücksfall hat. sich am Donnerstag abend in der Mainzer Straße 1a zugetragen. Die dort wohnende Sattlerfrau Radtke mußte nachmittags eine eil,� und wichtige Besorgung machen und deshalb ihren dreijährigen Sohn Erwin in der im vier- ten Stockwerk belegenen Wohnung zurücklassen. Während der Ab- Wesenheit der Mutter kletterte das Kind auf etne», an dem Küchen. feu-stee stehenden Stuhl, BffneTc 5�5 Fettsset ifttB sah auf Li« Strafe hinaus. Dabei beugte sich der Knabe zu> weit über das- Sim-s-; er verlor das Gleichgewicht und stürzte kopfüber in> die Tiefe, wo er mit zerschmetterten Gliedern liegen- blieb. Der Kleine wurde zu einem in der Nähe wohnenden Arzt gebracht, unter dessen Händen er verstarb. Trcptow-Baumschulenweg. In der Gcnieindevertretersitiung betichiefe der Bükger Meister zunächst, daß-dem Vaterländischen Frauenverein für den- inzwischen n-eu errichteten Kinderhort mehrere Räume des Gemeindehauses in -der Ernststraße kostenlos zur Verfügung gestellt sind. Für ein- neu zu errichtendes Schu-lgebäude in der Wildenbruchstraße be- willigte die Gemeindevertretung sodann die Baukosten im Betrage von 375 000 M. In dieser Summe sind- die Kosten für den Ausbau -der dort bereits vorhandenen Turnhalle enthalten, die dann in drei Stockwerken übereinander benutzt uwd für die Schulen IV. V und VI genügen soll. Der Aus-bau der F e u e r b e st a t t u n g s a n l a g e auf dem neuen Gemeindefriedhof erfordert voraussichtlich 45 000 M., die einstimmig bereitgestellt wurden. Vorgesehen ist der gleichzeitige Einbau zweier Einäscherungsöfen im Gesamtbeträge von 21 000 M. Die Restsumme wird durch die würdige Ausstattung der Neben- räume, Anlage eines Gewächshauses und dcrgl. mehr bedingt. Die Frage der F 1 e i s ch v e r s o r g u n g, deren Dringlichkeit den Anlaß zu-dem außergewöhnlichen SitzungStage gegeben hatte, löste eine rege Aussprache aus, als deren Ergebnis die Vollmacht an den Gemeinde- vorstand hervorging, sich an den Maßnahmen Berlins zu beteiligen und den Vertrieb deS Fleisches in zweckmäßiger Weise in die Wege zu leiten. Zur Deckung der Unkosten-und eines etwaigen Ausfalls wurden vorläufig 2000 M. zur Verfügung gestellt. Geplant ist. in jedem Ortsteil nur einen Schlächter mit dem-Vertrieb zu betrauen, der sich verpflichten muß, an- den Verkaufstagen von der betreffenden Fleischgattung jeweils nur das ihm zugeteilte billige Fleisch zu führen. Auf dies« Bedingungen haben sich bereits zwei Schlächter gegen Stellung einer Kaution verpflichtet. Der Vertrieb beginnt in der ersten Nove-mberwoche, es ist zunächst die Zufuhr von wöchent- lich vier Schweinen und zwei Rindern vorgesehen. Mit Rücksicht auf die Vorgänge beim Beginn des Berliner Fleischvertriebs am Morgen des Sitzungstages wurde auch die Möglichkeit des direkten Vertriebes durch die Gemeinde erwogen. Gemeindevertreier Hartrath stellte für diesen Fall einen leerstehenden- Schlächterladen kostenfrei zur Verfügung, welches Anerbieten der Gemeindevorstand dankend annahm. Ein Dringlichkeitsantrag-der Grundbesitzervertreter forderte die Einsetzung einer Kommission, die die Möglichkeit der Beschaffung von Baugeldern durch Vermittlung der Gemeinde prüfen- soll. Jnter- essant war'das Zugeständnis, daß die Auswüchse deS kapitalistischen System»-den hypothekensuchenden.Hausbesitzern den Kragen mnz-u- -drehen-drohen. Es soll nun versucht werden, den unnötig ver- teuernden Zwischenhandel auf dem Geldmarkt auszuschalten. Das ist ein Beginnen, das die gleichen Kreise oft den Arbeitern bei der Anwendung auf ihre Lebensbedürfnisse verargen. Zur Prüfung dieser Frage soll sich der Gemeindevorstand Fachkundige kooptieren. Für eine kurze Spanne Zeit fühlte sich die Gemeindevertretung an diesem Abend auch als A-misausschuß, indem sie einer Polizeiver- ordnung über die Instandhaltung des HeidekampgrabenS zustimmte. Dieser soll überall auf eine Normal /sohlcnbre i te von 1,75 Meter erhalten werden. Die Schaukommission soll sich aus 4 Treptower und 2 Neuköllner Mitgliedern zusammensetzen, die alljährlich zwei- mal den Wasserlaus auf die Einhaltung«der Vorschriften zu besich- tigen haben. Bei der-Verordnung handelt es sich um den Ersatz einer bisherigen Kreispolizeivorschrift, die sich durch das Eingehen zweier weiterer Gräben infolge Wasserentzugs durch den Teftow- ianal überlebt hatte. Spandau. AuS Verzweiflung über seine elende Lage hat fich der alte Kriegs- Veteran und pensionierte Eisenbahnbeamte August N. vorgestern in seiner Wohnung, Goethesir. 21, vergiftet. Wie man uns mitteilk, hatte N. als Gardeschütze die Feldzüge von 1866 und 1870/71 mit» gemacht. Außerdem war er 37 Jahre als Hilfsschaffner. Bremser usw. bei der kgl. Ostbahn tätig. Er wurde infokge schwerer Erkrankung vor zirka drei Jahren als gänzlich erwerbsunfähig mit 1:8,65 M. pro Monat pensioniert. Da seine Frau vor zwei Jahren starb, geriet der Mann in Rot und Verzweiflung, so daß er seinem Leben ein Ende machte. Uns will eS fast unmöglich erscheinen, daß die kgl. Eisenbahnverwaltung einen Mann, der 37 Jahre unter ständiger Lebensgefahr seine Kraft in den Dienst deS Staate» gestellt hat, mit einer so niedrigen Pension entlassen hat. Nowawe». Die Kosten für die Grmeindebauten im laufenden EtaiSjahr, die mit i-nSgesa-mt gl 000 M. veranschlagt waren, jedoch eine wirk- liche Ausgabe vo-n 92 147,43 M. ersondert hatten, verteilen sich auf die einzelnen Bauten wie folgt: Turnhalle für Gcmeiirdeschule IV: 32 824,22 M. veranschlagt 35 000 M.); Turnhalle für das Lyzeum: 35 505,83 M.(35000 M.s; Umbau des Lyzeums: 12 300,01 M. (10 000 M.); Umbau-der Fortbildungsschule: 11517,37 M.(11000 Mark). Da sich nach Fertigstellung-der Bauten herausstellte, daß die zu-den Heizräumen der Turnhallen führenden Treppen eines Glas- dachschutzes gegen>die Einflüsse der Witterung bedürfen, so sah sich die Gemeindevertretung gezwungen,-dafür sowie für die Herstellung zweier Blitzschutzanlagen noch die Summe von 2000 M. nach. zubewilligen, so daß die tatsächlichen Baukosten 94 147,43 M. be- tragen._ Fttgendveranstaltungea. Nowawcs. D i e Arbeiterjugend veranstaltet heut«(Sonnabendabend) im Restaurant.Volksgarten" unter M-iwirkung von Fräulein Marianne Geyer(Lieder zur Laiite), deS.Freien MänncrchorS", des Man- dollnenklubS.Espana" und deS StuweorcheUns eine Jugendfeicr. deren auSerles-neS Programm einen feiten gebotenen Kunftgenutz verspricht, Die Festrede hält Herr Dr. Siegsried Weinberg-Berlin.— Eintritt 30 Ps. Kassenöffnung 7'/, Uhr. Ansang S>/,7Uhr. Huö aller Mclt. fleifcb, fletfch und immer wieder fleifch. Im preußischen Abgeordnetenhause hat der Landwirtschafts- minister v. Schorlemer gestern gründlich mit der Legende auf- geräumt, daß wir in Deutschland im Zeichen der Fleischteuerung leben. Die wahre Ursache des Fleischmangels sei vielmehr, daß die Hausfrauen nichts weiter als Fleisch zu kochen verstehen und daher Fleisch, Fleisch und immer wieder Flcischauf den Tisch bringen, das Unverstand- nis der Hausfrauen sei so groß, daß sie Kartoffeln und Ge- müse nicht zu kochen verstehen und darum- ihre stärkeren Ehehälften mit den zubereiteten Teilen von Tierleichnamen zu Tode füttern. Unser Spezialkorrcspondent hat Herrn v. Schorlemer interviewt und zur Schande der Hausfrauen müssen wir gestehen, daß Herr v. Schorlemer aus purem Mitleid für die beteiligten Frauen entsetzliche Einzelheiten in seiner Rede ver- schwiegen hat. So ist amtlich festgestellt worden, daß eine Bahnwärterfrau ihrem Mann tagtäglich Braten vor- gesetzt hat. In seiner Verzweiflung und seinem Elel vor der immerwährenden Fleischnahrung hat sich der Mann vor einen Güterzug geworfen. Mit einem Fluche auf Kalbsfilet und Schweineschnitze! hauchte der Bedauernswerte sein Leben aus. Ein anderer Fall— er betrifft einen Hausdiener— führte bei dem Opfer unmäßiger Fleischfresserrt zllm verfol« gungswahn. Der Unglückliche sieht endlose Herden von Käl- bern, Rindern und Schweinen auf fich eindringen und mußte in eine ÄnflaTf gebracht ivektze».®w flklfft Spegkakveikcht. erstatter noch erfuhr, schweben zurzeit allein beim Amtsgericht Berlin-Mitte 758 6 Ehescheidungsklagen wegen unübcr- windlicher Abneigung gegen die resp. Ehefrauen, die in ihrer Un- kenntnis der Gemüse- und Kartoffclkochkunst die Ehegatten mit Rehkeulen- und Gänsebraten fütterten. Wie statistisch festgestellt wurde, betreffen der Klagen Eheleute mit einem- Einkommen unter 1500 M. Aber noch eine andere überraschende Tatsache erfuhr«nser Spezialbcrichterstatter. Bisher war in den unteren Klassen allge- mein die Ansicht vorherrschend, daß die Ehefrauen in den Kreisen der Erstklassigen die Sorge um die Hauswirtschaft der Diener- schaft überlassen, während in der Küche ein akademisch ge- schultcr Koch sein Szepter schwingt. Als unser Spezialbericht- erstatter gegen Herrn v. Schorlemer diese irrige Ansicht äußerte, schaute der Landwirtschaftsminister ihn zunächst mitleidig an und lud ihn dann in sein Heim ein. Spartanische Einfachheit, trotzdem Herr v. Schorlemer einer der reichsten Grundbesitzer Deutsch- lands ist. Da gerade eine frische Ladung Wirfingkohl abgetragen wurde, war der Weg zur Küche leicht zu finden. Mit einer blauen Schürze umgetan, saß in dem engen Küchengelaß die Gattin deS Ministers und verputzte gerade Mohrrüben, die mit Wasser und etwas Pflanzenfett ein lukullisches Mahl abgeben sollten. Wie die gnädige Frau auf Befragen gern erklärte, sei das Pflanzenfett jedoch nicht durchaus nötig, da nur mit Wasser gekochte Mohrrüben durch die Beigabe von Kartoffeln genügend schmackhaft seien. Um den in der höheren Kochkunst leider Gottes so wenig erfahrenen Arbeiterfrauen ein würdiges Beispiel zu geben, ließ sich die gnädige Frau herbei, unserem Spezialkorrespondent-en- den Speisezettel fürdiekommende Woche mitzuteilen. Und der sieht so aus: Montag: Wirsingkohl gestopft mit Kartoffeln. Dienstag: Mich- reis gekocht in abgerahmter Milch. Mittwoch: fällt auS. da Schor- lemers zu Bethmanns zu Gaste geladen sind. Donnerstag: ReiS- kuchen aus den Milchreisrestcn des Dienstag mit Beigabe von Kar- toffelklößen. Freitag: Kohlrüben mit Schweinsschwarten. Sonn- abend: Kartoffeln in der Schale mit Rindertalgtunke. Da für Sonntag eine Einladung zu Kaisers zu erwarten ist, ist das Sonn- tagsmen-ü noch nicht aufgestellt.> Aus den angeführten, durchaus wahren Tatsachen werden die perblendeten Hausfraueiy hoffentlich erken-nen, daß neben der Sozial» demokratie das Fleisch der ärgste Feind und Zerstörer der Fa- milie ist,_ Das Urteil im Bccker-Prozest. Nach zweiwöchiger Verhandlung hat das New{forker Schwurgericht gestern vormittag das Urteil gegen den Polizeileutnant Becker gefällt. Die Geschworenen bejahten nach achtstündiger Beratung die Schuldstagen und erklärten Becker de» Mordes im ersten Grade schuldig. Becker wurde zum Tode verurteilt. Im Gerichtsgebäude und auf der Straße herrschte große Austegung. Das Urteil wirkte auf alle überraschend. Nur der Angeklagte nahm das Urteil ruhig entgegen und legte gegen das Urteil Berufung ein._ Immer standesgemäft. Würdige Mitglieder der erstklasfigen Gesellschaft scheinen 8« Herzog von Talleyrand und seine Gattin, die Tochter deS amerikanischen Milliardärs Jay Gould, zu sein. Nachdem die Dollarprinzcssin die Freuden ehelicher Liebe zunächst mit dem Baron de Eastellane durchgekostet hatte, legte sie sich im Jahre 1908 den Herzog von Tallayrand als Gatten zu, der außer der zackigen Krone ein leeres Portemonnaie und zahl- reiche Schulden mit in die Ehe brachte. Die wurden auch nicht weniger, da die neugebackene Herzogin das Geld mit vollen Händen ausgab und, wegen Verschwendung entmündigt, mit lumpigen drei Millionen Mark pro Jahr den .Hausstand führen mußte. So kam es. daß in verhältnismäßig kurzer Zeit sich 2 4 Millionen Mark Schulden an- sammelten. Im Jahre 1911 mußte das Unglück das Herzogspaar nach Berlin führen, wo ein Glaubiger auf der Lauer stand und den Herzog wegen der Lappalie von 425 000 M. eines Morgen» aus dem Hotel Bristol durch den Gerichtsvollzieher zum Per- sonalarrest abholen lassen wollte. DaS Unglück wurde verhütet. da die trostlose Gattin für die Schulden ihres Mannes Bürg- schaft leistete. Gekriegt hat der Gläubiger natürlich nichts. denn die Frau Herzogin erhob, vertreten durch ihren Vormund, Klage auf Herausgabe deS unterschriebenen Wechsels, da sie zur Zeit der Ausstellung entmündigt war. Das Landgericht. Kammer- gcricht und am Donnerstag das Reichsgericht haben zugunsten der Herzogin aeurteilt. Das herzogliche Ehepaar ist fein heraus. Nur in Berlin darf sich der Herzog nicht sehen lassen, sonst macht er doch noch Bekanntschaft mit Nummer Sicher. Die besorgte Polizei. AuS Anlaß einer Tauffeierlichkeit am Weimarer Hofe weilte am Donnerstag außer einer Reihe anderer Fürstlichkeiten auch der Kaiser in der Musenstadt. Am Donnerstagmorgen nahm die Kriminalpolizei eine Razzia nach Verdächtigen vor. Zwei Ge- nossen befanden sich geschäftlich in Weimar und wurden in ihrem Hotel in frühester Stunde von einem Kriminalbeamten heraus- gepocht, der sich nach dem Zwecke ihre» Dortseins erkundigte. Auf die Frage, ivarum sich die Polizei dafür interessiere, erklärte der Beamte: e» sind jetzt so viel Fürstlichlichkeiten hier und deshalb müsse die Behörde wissen, was jeder Fremde hier wolle. Man müsse fich aus diesem Grunde dm Anordnungen der Behörde fügen. Dank der weisen Fürsorge ist die Tauffeierlichkeit ohne irgend- welche Störungen vorübergegangen. Aber was hätte nicht alles passieren können! Kleine Notizen. Bergmanns Los. Auf der Zeche.KaroluS Magnus' gerieten ffoei Bergleute unter fallendes Gestein. Einer wurde s o« ort getötet, der andere erlitt lebensgefährliche Ver« letzungen. KindcSmord im Eisenbahn,«ge. Wie auS Oberhausenge- meldet wird, wurde gestern morgen in der Nähe der Stadt aus einem Wagenfei, ster veS Vlissinger Schnellzuges ein neuge» 5 o r c ii e s Kind männlichen Geschlechts geworfen. Das Kind war sofort tot...... Verschollene Fischcrbarkcn. Zwei Fischerbarken au» Brest, die ie 11 Mann an Bord hatten und sett einem Monat über- fällig sind, gelten nunmehr als vollständig verloren. Eine dritte Fischerbarle mit ö Mann an Bord ist ebenfalls über- fällig und vermutet man. daß auch diese während eines SturmeS an der französischen Küste umgekommen rst. BrUfkaton der Redafctfon. Rctorteukauinchen. Der anonyme Einsender dieses KedichlS wird eriiilbt lein bie-ber verkanntes Talent öster geltend zu mache». A B 100. Da der(Gewerbebetrieb al» handwerksmäßiger Betrieb imzuleben ist. steht nach§ 129 der Gewerbeordnung die Befugnis zur An- lcituiia von Lehrlinyen nur denjenigen Personen zu, welche da» 24. Lebens. jähr vollendet und eine Melsterprüsiing b-yanden haben, ferner denjenigen. welche die Lehrzeit zurückgelegt und dl« Gesellenpnisung bestanden haben. oder S Jahre hindurch persönlich das Handwerk selbständig ausgeübt haben oder während einer gleich langen Zeit m ihrem Berufe in leitender Stellung tätig gewesen sind. Treffen die beiden letztere» Voraussetzungen nicht zu so muh dli Meisterprüfung abgelegt werden.— Gesek t8tZ. Sie können die AuStrittscrNärung abgeben.— M. I. 37. Die Versicherungsanstalt ist zu einem höheren Beitrag nicht verpflichtet. Ob eine solche Verpflichtung der Ortslrankenlasse vorliegt, kann nur an der Hand des Kassenstatuts be- urteilt werden.— L. L. 13. 1. Nein.[2 bis 5. Wir halten die Firma G. nicht für ersatzpflichtig.— M. M. 6. Mein.—®. X. 9. 1. Ja. 2. Nein. — St. 9. 7. HcimatSschein.— B. Z. 19. Ihre Tngaben reiche» Nicht aus, cS mutz noch angegeben werden, aus welchem Rechlsgrundc die Schuld vorhanden ist, ferner, ob das Mädchen zur Zeit der Entstehung der Schuld einen Erwerb oder Verdienst hatte, der zu ihrem Unterhalt ausreichte. — E. SC. 100. Für einen solchen Fall inug das Kind in dem daraus folgenden Jahre noch einer dritten Impfung unterzogen werden. — Badeort 897. Bereits in der Nummer da« SO. d.«. veemtwsrtet. — Paul 080. 1. Ja, sofern nicht bereits eine Beschlagnahme für die Alimentenschuld dem ersten Kinde gegenüber vorliegt. 2. Unseres Erachtcno nicht. Geschieht eS, so müssen Sie innerhalb 1t Tage» nach Zu- stellung des PsSndmigS« und UeberweisungSbeschluffcs bei dem Gericht welches diesen Bcschlutz erlassen hat, Beschwerde einlegen. 3. Nein 8ekr preiswerte Relz-joppen mannigfaltige Fell- Arten schöneExemplarc in großen Spezial-Abteilungen Loden-Pelerinen Loden-Mäntel Loden-Anzüge Loden-Hute wvwuvw%eww%/, Uhr. Kgl. Opernhaus. Carmen. .«gl. Schauspielhaus. Em Dassen- gang. Deutsches. König Heinrich IV. 1. Teil. Komödienhaus. Die GeneralSecke. Zirkus Albert Schumann. Gala- Vorstellung. ZirknS Busch. Gala-Borstrlluug. Anfang 8 Ubr. Urania. Taubenftrafte 48/49. Aus'S Matterhorn. Hörsaal 8 Uhr: Pros. Dr. V.Donath: Thermische und chemische Strom- quellen. »tammerspiele. Mein Freund Teddy. Leiiiug. Tantris der Narr. Schiller O. Flachsmann als Erzieher. Sa,»>..Sharlottenbnrg. König Lear. Berliner. Filmzauber. Kleines. Magdalena. Residenz. Gemütsmenschen. Deutsches SchanspiclhauS. Der gutsitzende Frack. Thalia. AutoUebchen. Theater am Nollendorfplatz. Or< pbeuS w der Unterwelt. Kurfürsten-Oper. Der Kuhreigen. Kroll. Der Herrgottschnitzer von Aminergau. Königgrätzer Strafte. Die süns Franksurter. Montis Operetten« Der Frauen- Luiden! DeS andern Ehre. Rose. Von Ewse zu Stuse. Hcrrn feld. Die Alpenbrüder. Endlich allein. Metropol. Chauffeur— WS Mctropol. Triauon. Licbesbarometer. Eastno. Der Grotzsürst. Rcichshallen. Die Macht der Töne. Konigstadt-Kasino. Svcziatitäten. Winrergarten. Spezialitäten. Apollo. SdezialUälen. Passage. Spezialitäten. Ansang 8'lt Uhr. Fricdr.. Wilh. Schauspielhaus. Di« keusche Susann«. Lnftspielhaiis. Mein alter Herr. Folies Caprtce. Der keuscheJojeph. Der Rehbock. Ansang 8»/, Wr. Reue» BolkSiheater. Lore.- Die Spieler.— Der Kammer. janger. Anfang 10 Uhr. AdmiralSpalast. SiSballctt: Yvonne. Sternwarte. Jnvalidenstr. 57—«2. Theater am Rollendorsplav (NeueS Schauspielhaus). Täglich abends 8 Uhr: Gaftpiel des Illnchener Künstler< Theaters: Orpheus tu der Unterwelt. Sehiller-ThealerOÄt: Sonnabend, abends 8 Uhr: Flachnmann als Erzieher. Sonntag, Nachmittags 8 Uhr: Zopf nnd Schwert. Abends 8 Uhr: Die Kinder der Exzellenz. Montag, abends 8 Uhr: Flachsmann als Erzieher. Sehlller-Thealer chlbru£eD" Sonnabend, abends 8 Uhr: König Lear. Sonntag, mittags 12 Uhr: Kammermusik. Sonniag, nachmittags 3 Uhr: Die dttdln von Toledo. Abends 8 Uhr: Oes Pfarrers Tochter von Streladorf. Montag, abends 8 Uhr: _ König Eear.__ Berliner Theater. 8 Uhr: Filmzauber. TlieaterinderKöDissrätzerStraBB s Uhr: Die fünf Frankfurter. ßöiil8ctie8 Schauspielhaus (Komische Oper). 3*1%: Egmont. An allen Tagen der Woche 8 Uhr: Der gat sitzende Frack. Montis Operetten- Theater (früher Wenes Theater) 8 Uhr: Der �rauenfrefser. Resilleni-Thealer. 8 Uhr: 8 Uhr: Gemiitstnenschen. Schwank in 3 Akten von Fritz Friedmann-Frederich. Morgen und folgende Tage: tiemütsmcnschcn.__ Luisen-Theater. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Kinder- Vorst.: König Drosselbart. Abends 3 Uhr: DeS ander«rirgerLadcn'�'i'ä'rT�illFl.i:n �BSokcralen, KondMorTj �iottnep's Großbäckerei Geschäfte In Berlin, CharlottenburB« Schönebere, Wiiniersdopf. Bohndorfs Bäck.,Kctiig!berger!tr Z» faul Delly, MnrkusstraBo 15._ S�rot-taDrik„Vorwärts"! 1 B'ermar.n Pllrich, Köpenick�J l-'rani raalv/etter.MaiiteuWstr.bV. E. Frever, Elümtnalr. 72, K. 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Nr.M. 39. Jahrg. KeDs Ktilizt des Lmirls" fiir MWM Zk� muin 1912. Ashlen zur klngeslellten-verlicherung finden ani S o n n t a g, den 27. Oktober, in Schöneberg, Wilmersdorf und im Kreise Teltow statt. Nachstehend veröffentlichen wir das Tableau für die Wahlen: 8timmbe2irke uncl CHahllobale. Schöneberg. »Ott 1 bis 5 Uhr nachmittags. Es wählen die Angestelltett, die im Bezirk:»1 des 1. Polizeirevier?— Stimmbezirk A— wohnen, in der Turnhalle der XII. Gcmeindeschule, Hohenstausenstr. 49, b) des 2. Polizeireviers— Stimmbczirk B— wohnen, m der Turnhalle der X. und XI. Gemcindelchule, Feurigstr. 57, Eingang Ebersstrabc, c) des 3. Polizeireviers—«timmbezirk C— wohnen, in der Turnholle der VII. Gemeindeschule, Rubensstrabe, d) des 4. Polizeireviers— Stimmbezirk V— wohnen, in der Turnhalle der IV. Gemcindcschule. Turnholle der VII. Gemeindeschule, Rubensstrabe, d) deS 4. Polizeireviers— — eurk D—'''~"......... ziolonnenstr. U2I23, e) des 5. Polizeireviers— Stimmbczirk K— wohnen, *" der VI. und VII-''"' i 7'"' Strabe 10/11, t) deS 6. Polizeireviers— Stimmbezirk?— wohnen, in der Turnhalle der II. jinb III. Gcmeindeschule, Kyfshäuserstr. 33, g) des in der Turnhalle der VI. und VII. Gemetndeschulc, Apostel- Paulus- Kti.'rttt«' 10/11 fl hrS ß. iPnlTipirphipfS— �timmbpalrf Tr— wohnen ivr . WW,.., Z, g) 12. Polizeireviers— Stimmbczirk G— wohnen, in der Turnhalle der XV. Gemeindeschule, am Tcmpclhofer Weg, b) des 13. Polizeireviers— «timmbeztrk H— wohnen, in der Turnhalle der Hohenzollernschule, Bei- ziger Str. 48/52. Wilmersdorf. Bon IS bis 4 Uhr nachmittags. im deS 8. Polizeireviers) im Restaurant Pittoriaaartcn, WilhelmSaue'114/15, für Stimmbezirk III(Bezirke des 9. und 11. Polizeireviers) im Restaurant von Gebell. UHIandstrabe 138/39, für Stimmbezirk IV(Bezirk des 10. Polizei- reviers) im Restaurant Johann-Georg-Haus, Johann-Gcorgstrabe 19. Kreis Teltow. Mittags IS Uhr bis nachmittags K Uhr. Gewählt wird: Für den Stimmbezirk A in Steglitz: a) di e Vahlbcrechtiglen mit den Ansangsbuchstaben A bis? im groben Sihungssaal des Rathnuses, b) die Wahlberechtigten mit den Zlnsangs- buchstaben G 614 K in der Turnhalle des Gymnasiums Heesestrabe, c) die Wahlberechtigten mit den Ansai gsbuchstaben I, bis R w der Turnhalle der Realschule Florastrahe, d) die Wahlberechtigten mit den Anfangsbuchstaben L bis Z in der Turnhalle der Oberrealschule Elisenstraße. Für den Stimmbezirk B Friedenau: a) für die Wahlberechtigten mit den Slnsangsbuchstaben A HS L in der Turnballe des Gymnasiums Handjervstrabe. b) für die Wahlberechtigten mit den Anfangsbuchstaben bl bis Z in der Turnhalle deS Resormreal- gymnasiums Homuthstrabe. Für den Stimmbezirk C Schmargendorf: im Rathaussitzungssaal. Der Stimmbczirk umsagt: Schmargendorf, Grunewald, Grunewaldforst und R u h l e b e n. Für den Stimmbezirk v Lichterfelde: a) die Wahlberechtigten mit den Anfangsbuchstaben A bis L im Rat. Hause, Zimmer 27, 1 Treppe; b) die Wahlberechtigten mit den Anfangs- buchstaben dl bis Z in der Turnhalle des Gymnasiums Berliner S trage, Ecke Wllh-lmslrage. Der Stimmbezirk umfaßt: Lichterselde, Dahlem und Osdorf. Für den Stimmbezirk kl Lankwitz: jN der Turnhalle des Realgymnasiums, Kaulbachstr. 53/57. Für den Stimmbezirk P Tempelhof: im Gemeinde-Sitzungszimmer, Dorfstr. 42. Der Stimmbezirk umsaßt: Tempelhos, Mariendors, Marienselde. Für den Stimmbezirk G Treptow: a) die Wahlberechtigten mit den Ansangsbuchstaben A bis L ich Rathause, Gewcrbegerichtssaal, Zimmer Nr. 50, I. Stock, b) die Wahlberechtigten mit den Anfangsbuchstaben dl bis Z im Rarhaufe, Kommissionszimmer Nr. 55, I. Stock. r'luskunssstcllen: Zentralwahlbureau in Treptow. Restaurant Park- schläßchen. Am Treptower Park 66, Ecke Parkstraße Auskunst ertcstt Veiht, Tel. Moritzplatz 3474. Baumschulenweg: W. Erbe, Baumschulenstr. 14. Auskunst erteilt Amann, Tel. Moritzplatz 13480. Für den Stimmbezirk H Britz: im Gasthaus von Raddatz, Chausseestr. 39. Der Stimmbezirk umsaßt: Britz, Buckow, Groß-Zieten, Rudow, Schineseld, Selchow, Waßmannsdorf, Diepensee und Klein- Ziethen. Auslunst in sämtlichen Wahlangelcgenheiten wird von 11 Uhr ab im Wablburcau Restaurant Möbius, Ehaiisseestr. 125, erteilt. Wahlhelscr wollen sich dort einsitlden. Für den Stimmbezirk.1 Zehlendorf: im Restaurant Fürstenhos. Der Stimmbczirk umfaßt: Zehlendvrs, Nikolassee, Teltow, Gütergotz, RuhlSdvrs, StahnS- darf, Düppel und Kleinmachnow. Auskunft über Wahlangelegenheiten erteilt von vormittag» 11 Uhr ab im Wahlbureau Zehlendors, Restaurant Wilhelm Schulz«, Teltower Str. 23, Tel. 958, der Obmann P. Röhn, Zehlendors, Hauptstr. 29. Für den Stimmbezirk I< Adiershof: im Restaurant Ratskeller, Bismarckstr, 37. Der Stimmbezirk umsaßi: Adlershos, Altglienicke, Bohnsdorf. Grünau. Ja- hanniSthal, Müggelheim, Niederschöneweide und Grünau-Dahmer-Forst. Für den Stimmbezirk I- Rowawes: im Gemcindcsaal in der Gemeindeschule IV, Scharnhorslstr. 1. Der Stimm- bezirk umsaßt: Nowawes, Ahrensdorf, Drewitz, Fahlhorst, KIcinglienicke, Rudow, Philippsthal, Scheu kendors bei Großbeeren, Sputendorf bei Großbceren, Wann- see, Babelsberg, Psaueninsel und Potsdamer Forst. Für den Stimmbezirk bl Zossen: im Gasthos„Zum Hohenzollern". Der Stimmbezirk umfaßt: Zossen, Alexcknderdors, Blankenselde, Dabendorf, Dahle« witz, Dergischow, Diedersdors, Egsdors, Fernneuen- dors, Glasow, Glienick bei Zossen. Großmachnow, Großschulzendors, Jachzenbrück, Juhnsdors, Kai- linchen, Klausdors, Kummersdors, Lichtenrade, Mahlow, Mellen, Motzen, Nächftneuendors, Ne-uhos, RangSdors, Rehagen, S a a l o w, Schöneiche, Schünow, Spcrenberg, Telz, Töpchin,Wünsdors,HauS Zossen, KummerSdorser Schießplatz, Kummersdorser Forst und ZehrenSdors, Für den Stimmbezirk X Trebbin: im RathaussitzungSsaal. Der Stimmbezirk umsaßt: Trebbin. Christinendors, GadSdors, Genshagen, Gröben, Großbceren, Großbeuthen, Jütchendors, Kerzen- dors, Kleinbeeren, Kleinbeuthen, Kleinschulzend ors, Kliestow, Löwenbruch, Lüdersdorf, Neuendors bei Trebbin, Nunsdors, Schöneweide bei Luckenwalde. Siethen, Thyrow, Wendisch-Wilmersdors, Wietstock und Lenzburger Forst; Für den Stimmbezirk O Königs-Wusterhansen: 'm Schloßrestaurant, Bahnhossir. 17. Der Stimmbezirk uNifaßt: Königs- Wu st er Hausen, Mitten walde, Teuditz, Brusendors, Deutsch-Wusterhausen, Eichwalde, Freidors, Galluns Gräbendors, Großbesten, Grotzlienitz, Großtöritz, Gussow, Halbe, Hoherlehme, Kiekebusch, Kleinbesten, Kleinkienitz, KleinköriS, Krummensee, Löpten, Miersdors, Neuendors bei Teupitz, Pätz, Ragow, Rotzi»,«che n kendors bei Königs-Wusterhausen, Schmöckwitz, Schulzendor s bei Waltersdors, Schwerin, Senzig, Sputendors bei Teupitz. Staakow, Teurow, Tornolv, WalterSdors. Zeesen, Zernsdorf, Zeuthen, BoddinSseldc.Hammcrsche Forst, Karlsbos, Königs- Wusterhausen Amt und Forst und S e m m« l e i. Die Liste der Freien Vereinigung hat im Kreise Teltow die Bezeichnung in Schöneberg G, in Wilmersdorf H erhalten. Wahlhelfer werden dringend erbeten fiir Schöneberg, vormittags 11 Uhr im Zentralwahlbureau AltcS Bürger- Kasino, Schöneberg, Hauptstr. 107, Ecke Maxftraße. Wilmersdorf, vormittags 11 Uhr�im Zentralwahlbureau Restaurant Laucnburg, Wilmersdorf, Lauenburger Str. 21, Ecke Ublandstraßc, Teltow, vormittags 9 Uhr im Zentvatwablbureau Restaurant Wilhelmsgarten, Berliner Str. 9 in Tempelhos, Telephon 3079, und in den Unlcr- wahlburcauS Friedenau, Gasthaus Klabc, Handjeryftr. 60, Telephon 691, Zehlendors, Teliowcr Sir. 23, Restaurant Giese, Telephon 958, Königs- Wusterhausen, Pfuhls Hotel, und Trebbin, SchützenhauS, Telephon 30. Das Wahltableau fiir den Kreis Niederbarnim, in dem die Wahl erst am Sonntag, den 3. November, stattfindet, der- öffentlichen wir später._ BUia der frauenbewegung. Die Frauenfrage in den englischen Kolonien von Australien und Südafrika. Unsere Genossin Dora Montefiorc berichtet in der„Justice" über einige Gindrücke von ihrer kürzlich beendeten Studienreise durch die englischen Kolonien. Einem längeren Artikel entnehmen wir die Ausführungen, die sich auf die wirtschaftliche und politische Lage der Frau in Australien und Südafrika bezichen. In Australien und Neuseeland haben die Frauen das Stimmrecht für Staat und Gemeinde. Sic können sogar gewählt werden fiir das australische Bundesparlament und für das Staats- Parlament in Süd-Australien. Die Frauen sind in der politischen Arbeiterpartei ziemlich gut organisiert, doch trotz des Stimmrechts und trotz ihrer Organisation ist es ihnen bisher nicht gelungen, einen Mindestlohn für alle Schichten weiblicher Arbeiter zu erlangen. Die Arbeiterinnenorganisationen agitieren auch für das Recht, in die Staatsparlamente gewählt zu werden, allein bei dem Jahres- der Arbeiterpartei von Ncu-Süd-WalcS, dem Dora Monte- iorc beiwohnte, wurde eine Resolutin zugunsten des passiven Frauenwahlrechts abgelehnt, obgleich sie von den Rednerinnen sehr geschickt befürwortet wurde. Die Bundesregierung geht insofern mit einem guten Beispiel voran, als sie ihren männlichen und weiblichen Angestellten gleiche Bezahlung für gleiche Leistung gibt; aber in anderen Berufen werden die Frauen meistens niedriger entlohnt als die Männer; besonders unter den Lehrerinnen und Staatsbeamtinnen herrscht große Unzufriedenheit. Die Frauen der kleinen ländlichen Ansiedler haben ein entsetzlich schweres Leben. Wird ein Kind geboren, so ist geschulter Beistand oder Hilfe in der Häuslichkeit kaum aufzutreiben. Das Gesetz, das kürzlich vom Bundcsparlamcnt angenommen wurde, wonach jede Mutter bei der Geburt eines Kindes 5 Pfund Sterling— 100 M. erhalten soll, wird dazu beitragen, daß viel« Frauen sich geschulte Hilfe für die Entbindung und die Möglichkeit, sich auszuruhen, verschaffen; aber dies ist nicht entfernt ausreichend. Was geschehen muß, ist, daß der Staat den Müttern ausgebildete und geprüfte Pflegerinnen kostenlos zur Verfügung stellt. In S ü d a f r i k a ist eine kräftige Bewegung für das Frauen- stimmrccht in Fluß gekommen, Ihre besten Agitatorinncn sind die ge- bildeten und intelligenten Holländerinnen. Die Grundlage des Männerstimmrechis ist in den verschiedenen Staaten verschieden, und nach der Verfassung kann diese Basis nicht vor Ablauf einer bestimmten Reihe von Jahren geändert werden. Allein es ist der Gedanke aufgetaucht, daß, wenn es geändert werden kann, auf die Kapkolonie eingewirkt werden soll, den Farbigen, die in der Kapkolonic das Stimmrecht haben, alle bisherigen politischen Frei- heiten zu nehmen. Wenn diese Politik durchdringt, kann sie leicht die bestehenden Frauenstimmrcchtsorganisationcn spalten, die gegen- wärtig das Stimmrecht fordern„unter denselben Bedingung wie die Männer". Viele aufgeklärte Frauen würden ein so eigen- mächtiges Versahren bekämpfen, wie es das Rechtlosmachen der farbigen Mitglieder der Gemeinschaft ist. Kindersterblichkeit im Wolltrustbezirk. In der Provinz Massachusetts(Nordamerika) befinden sich große Wollsabrikcn, dir alle im Wolltrust vereinigt sind. Zahlreidie Arbeiter, Männer, Frauen und Kinder, arbeiten hier für eine Handvoll schwerreicher Trustmagnaten. Furchtbar lange� Arbeits- zeit und niedriger Lohn in Verbindung mit der schamlosesten Aus- beutung zehren am Marke der Proletarier. In Cawrence he- finden sich Knaben und Mädchen, die für die Woche 2 und 3 Schilling bekommen, die Väter und Mütter müssen für 5 unh 6 Schilling lange Stunden die Woche schaffen. Hier hat die Kindersterblichkeit «ine geradezu erschreckend hohe Zahl erreicht. Unter 100 Todes- fällen sind 47 von Kindern unter fünf Jahren und von diesen sind 35 solcher unter einem Jahre. In Fall River, ebenfalls eine Hochburg des Wolltrusts, kommen durchschnittlich 50 Kinder unter 5 Jahren auf 100 Todesfälle. Während die durchschnittliche Sterblichkeit in den ganzen Vereintsten Staaten sich auf 19 Proz. beziffert, beträgt sie in Massa. chusetts 27 Proz. Diese Angäben aus dem Wolltrustbezirk beweisen, daß die hohe Kindersterblichkeit ihre Ursachen in der langen Arbeits- zeit, in den gesundheitswidrigen Verhältnissen der Fabriken hat. Diese Tatsache ist auch schon längst von Aerzten durch Untersuchungen festgestellt worden. Di« Wolltrustmagnalen, die sich durch den Schutzzoll ein Mono« pol verschafft haben und dem Publikum doppelt hohe Preise für Wollstoff anrechnen, haben noch die Stirn, den Arbeitern gegen- über zu erklären, sie seien durch den Zoll vor der„europäischen Pauperarbeit geschützt"! In Wahrheit aber werden diese Be- dauernswerten in ihrer elenden Lage erhalten, und dabei schreit man jetzt in Washington noch nach höheren Zollraten. Leseabende. 6. Wahlkreis. Wir bitten unsere Genossinnen zu beachten, daß folgende Abteilungen ihre Leseabende verlegt haben: Die Hl. Abt.: nach dem Lokal von Gründel, Wörther Str. 15; die IV. Abt.: nach den Berolina-Sälen, Schönhauser Allee 28: die VI. Abt. zu Mittelstädt, Schivelbeinerstr. 10. Marktbericht von Berlin am 34� Oktober 1913, nach Ermittelung des königl. Polizeipräsidiums. M a r i t b a I l e n p r e i s e.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—50,00. Speljebohnen, weiße, 36.00—50.00. Linsen 35,00—60,00. Kartoffeln(Kleinbdi.) 5,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,50—1,80. Schweinefleisch 1,60-2.40. Kalbfleisch 1.40—2,40. Hammelfleisch 1,40—2,40. Butter 2,40-3,00. 60 Stück Eier 4,20—6,00. 1 Kilogramm Karpjen 1,40—2,40. Aale 1,60-8,20, Zander 1,40-3,60. Hechle 1,40—2,80. Barsche 1.00-2,40. Schleie 1,60-3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 2,00—30,00. WitterungSüberftcht vom 35. Ottober ISIS. Swinemde. 758 OSO Samburg; 753!d erlin 1 75510 Franks.a.M.!750!SO München 752 SO Wien /755SSO öbedeckl 4 bedeckt 3 bedeckt 1 Regen 3bedcckt 1 /Nebet Saparanda clcrsburg 772O Scilla l719W Abcrdeen /749O Paris 752/SW unst halb bd. luolkig wolkcnl Bletterprognole für Tonnabcnd, den 36. Oktober 1913. Kühl und vorwiegend trübe oder nebelig mit geringen Niederschlägen und ziemlich frischen südöstlichen Winden. Berliner Wetterburea». HERREN KNABEN KLEiDUNO ' CHARLOTTENBURG , SCHARREN STR. 35. 1 Kühlräume mit maschinellem Betrieb! 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