N-.Ä5S. nbonnement$'Bcdingun9in: Ubonnemeitts- Preis vrünumermido! Lierteljährl. i!,Z0 Mk, monaU. l.lv Mk., wöcheiiÄck 2S Pfg> frei ins Haus. Einzelne Rümmer 5 Psg. Soimiags- ttummct mit illuslriertcr Eonntags- BeUagc„Die Reue Welt" 10 Psa Post- MonnemeM: 1.10 Mark pro Monat. Eingelragcn in die Posl- Zeitungs- Preisliste. Unter Krcujband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für ras übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonnemems Nehmen au: Lclgi-�i. Dänemark. Holland. Italien. Luxemburg. Porwgal, Lumänicn, Schweden und die Schweiz. 29. Jahrs. Crfdieint tsgllch außer montags. . Verltnev Volksblcltt. Sie Insertion!-Lebiih? Netrigt für die fcchsgespaltenc Kolonel» zeile oder deren Raum M Pfg.. für politische und gewerlschastlichc Pcrein.s. und Versainmlungs-Anzeigen ZV Pfg. »Ktefnc Mnzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. tzulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort tv Pig. Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Worts Pfg. Worte über IS Puch- i laben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nummer müssen bis t» Uhr nachmittags m der Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adreff« „Sozialäcnoiint Rcrll»". Zentralorgan der fdzialdemokratf leben parte! Deutschlands. Redaktion: SM. 68, Lindcnstraaae 69. Fernsprecher: Amt Morihplast, Nr. 1983. Sonntag, den 27* Oktober 1912. Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Parteigenossen! Der Pnrteitag der Sozillldcmokratie Preußens findet am Montag, den 6. Januar 1913 und folgende Tage im Saal IV des Berliner Gewerkschaftshauses, Berlin, Engelufer 15, statt. Die vorläufige Tagesordnung lautet: 1. Bericht des geschäftsführenden Ausschusses. Referent: Genosse Eugen Ernst. 2. Bericht der Landtagsfraktion. Referent: Genosse Heinrich S t r ö b e l. L. Die bevorstehenden Landtagswahlen und der Wahlrechts- kämpf in Preußen. Referent: Genosse Paul Hirsch. 4. Die Landarbeiterfrage in Preußen. Referent: Genosse Georg Schmidt- Berlin. 6. Die Sozialpolitik im preußischen Landtage. Referent: Genosse Robert L e i n e r t. 6. Beratung der eingegangenen Anträge. Für die Beschickung des Parteitages gelten folgende Be- stiminungen des Statuts: Zur Teilnahme an dem Parteitag sind berechtigt: ») Tie Delegierten der Wahlkreise. Die Wahl der Delegierten ' erfolgt nach Maßgabe der Mitgliederzahl. Es können ge- wählt werden: in Wahlkreisen bis loOV Mitglieder ein Delegierter, bis 3 Offensive einen geschlossenen und zähen Widerstand entgegensetzen, � nicht ausgeschlossen. Aber alle strategische Weisheit, mit der man jetzt in Konstantinopel die Welt zu bluffen sucht und mit der auch deutsche Militärschriftsteller in der Militär- frommen Presse der türkischen Generalität vom grünen Tisch aus zu Hilfe kommen wollen, kann nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, daß dieser Widerstand auf der Linie Adria- nopel Kirkkilisse wirksamer gewesen wäre. Hier hätte die bulgarische Offensive an einer einheitlichen und kompakten Defensivaktion zerschellen müssen. Von Tag zu Tag muß man mehr zu der Ueberzeugung kommen, daß vieles faul ist im türkischen Heere. Auf die kritischen Zustände im Offizier- korps usw. haben wir bereits gestern hingewiesen. Die deutschen Redaktionsstrategen, die besonders in der reaktiv- nären Presse den türkischen Schüler in Schutz nehmen möchten, sollen doch nicht vergessen, daß sie es gerade waren, die die Armee von Adrianopel als die Kerntruppe des türkischen Heeres hingestellt haben. Dazu kommt noch, daß schon lange vor Kriegsausbruch in der Gegend von Adrianopel Truppenkonzentrationen stattgefunden haben, die als angebliche Manöver gerade den casus belli abgaben. Und trotzdem diese Dircktionslosigkcit tmd Zerrissenheit gegenüber dem Vorstoß der Bulgaren, deren Mobilisation wahrlich Zeit genug in Anspruch genommen hat I Wie mag es da erst mit der Verpflegung, dem Sanitätsdienst usw. im türkischen Heere stehen? Die für die Türkei so verhängnisvollen Kämpfe um Kirk- kilisse und Umgebung haben auch noch eine andere, besonders in Deutschland verbreitete Legende zerstört, nämlich die von der Ueberlegenheit der türkischen Artillerie mit ihrem zum größten Teile deutschen Material. Wie schön las es sich, wenn deutsche Offiziere schrieben, daß gerade bei dieser Waffe die Traditionen der Helden von Plewna lebendig seien. Da- bei läßt sich mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß die bulgarische Artillerte sowohl bei Einleitung wie bei Durch- ührung der Kämpfe, dann aber auch im Znsammenwirken mit der Infanterie der türkischen weit überlegen war. Wie die bulgarische Hauptmacht auf dem östlichen, so sind die s e r b i s ch e n A r m e e n auf dem nordwestlichen Kriegs- schauplatz, sowohl in Mazedonien wie im Sandschak in erfolg- reich im Vordringen begriffen. Amtliche serbische Mel- düngen besagen, daß sie Uesküb schon genommen haben. Auch hier äußerst sich die türkische Strategie in fortgesetzten Rückzugsbewegungen. Dasselbe gilt auch dom südlichen Kriegsschauplatze, auf dem die griechische Armee noch keinen ernsthaften Widerstand gefunden hat. Auf deni montenegrinischen Kriegsschauplatze wird um den Besitz von S k u t a r i weiter heiß gekämpft. Unbedingt sicher ist bei allen Meldungen über strategische Schachzüge auf der einen und bei allen SiegeSfanfaren auf der anderen Seite, daß das Ringen schon jetzt gewaltige Opfer gekostet hat. Zuverlässige Zahlen über die Verluste werden nicht vekanntgegeben; daß die Zahl der Toten und Verwundeten sich schon auf Zehntausende beziffert, kann ohne weiteres angenommen werden. OcftUcher Knegsfchauplatz, Die Zernierung von Adrianopel. Wien, 26. Oktober. Der Kriegsberichterstatter der Reichs- Post meldet iiber die Einschließung A d r i a n o p e l s auf der West- und Nordfront durch die Truppen des Generals Iwanow: Tie durch flüchtige Befestigungen verstärkten bulgarischen Zer- nierungslinicn beginnen»ärdlich vom Maritzaflusse, südwestlich von Ltadingköi, gehen in nördlicher Richtung über die Höhenzahl 171 der Generalstabskarte 1:200 666(bei Enkckciköi) sodann östlich über die Höhen von Hnvaras am Tundjaflus!. Jenseits der Tundja führt wie bulgarische Stellung weiter im allgemeinen nördlich des TravodislicaflnsscS etwa einen halben Kilometer nörd- lich von Arnautköi, und verläuft dann in südöstlicher Siichtung bis Musubejli an der Straße nach Kirkkilissc. Die schwere Ar- t i l l e r i e der Bulgaren beschießt zurzeit mit günstigem Erfolge die Eataldzagrupye auf der Nordwestfront von Adrianopcl. Heute unternahmen die Türken einen neuen Ausfall in der ßlichtung auf Arnautköi, welcher aber ebenso wie der gestrige mit großen Berlnsten zurückgeschlagen wurde. Zur Ein- schließ» ng Adrianopcls ausder O st front rückt eine starke bulgarische Kolonne über Travodija und Gadera heran, um östlich von Musubejli bis an die Straße nach Konstantinopel vor- zugehen. Bon Westen ging bereits gestern auf dem rechten Ufer des MarihafiusseS eine starke Kolonne gleichzeitig mit der Arda- grnppe vor und erreichte»ach heftigen Kämpfen bei Jurusch und Knjurli die Höhen westlich von Marasch. Beide Gruppen haben jetzt gemeinsam die Aufgabe, die Einschließung Adrianopcls auf der Südwcstfront im Knie der Marina durchzuführen und bei Bosnaköi die Berbinduug mit den bulgarischen Truppen aus dem östlichen Ufer der Maritza herzustellen, womit der Ring um die F e st» n g geschlossen sein wird. Adrianopcl in Brand aeschossen? London, 26. Oktober. Dem Rcntcrschcn Bureau wird aus Sofia gemeldet: Nach Privattclegrainmcn, die ans der Hingebung von Adrianopel stammen, ist ein T e i l dieser Stadt durch die bulgarische Artillerie in Brand g c- schössen worden. Die Bulgaren sollen drei Forts ge- nommen haben, das Fort Marasch, i» dem 1800 Gefangene gemacht wurden, das Fort Havaras und das Fort Snfilar sowie den außerhalb der Stadt gelegenen Bahnhof. Sofia, 25. Oktober. Eingeweihten Kreisen zugegangene, amtlich noch nicht bestätigte Meldungen besagen, daß die Bul- garen bereits das Fort Pascha Bunar beim Bahnhuf von Adrianopcl eingenommen haben und daher nun noch 4 Kilometer von der Festung entfernt seien. Ein Stadtteil Von Adrianopcl soll in Flammen stehen. Man hält es nicht für unmöglich, daß auch Adrianopel im Sturm g e n o m- m e n wird. Ein bulgarischer Sturm aus Adrianopel? Sofia, 26. Oktober.(Meldung des Wiener K. K. Telegr. Korr.- Bureaus.) In der Oeffentlichkeit befestigte sich die Annahme, daß Adrianopel nicht planmäßig belagert, sondern wie Kirktilisse durch ungestümes Draufgehen erstürmt werden soll, um so mehr, als aus verschiedenen Meldungen hervorgeht, daß die Verbindung der feindlichen Adrianopcler Armee mit der aus Kirkkilisse zurück- gezogenen Armee wie auch mit den gegen Dimotika konzentrierten Truppen vollkommen abgeschnitten und daher A d r i a n o p e l völlig isoliert ist. Alan erwartet die Entscheidung für die nächsten Tage. Weitere bulgarische Erfolge. Sofia, 23. Oktober.(Meldung der Agence Bulgare.) In dem Kampfe bei Jurusch hatten die Türken un- gcfähr 300 Tote, 300 Türken wurden gefangen genommen. Die Bulgaren erbeuteten drei Schnellfeuergeschütze und zwölf Munitionswagen. In K i r d s ch a l i beschlagnahmten die Liae llliteehsltung mit dem kekbilchen Finanzroiniller. Das Finanzministerium befindet sich irr einem alten vernach- lässigten Hause in der Tiefe eines Gartens. Vor dem Tore und im Hofe stehen Reservisten in geflickten Bauernkleidern, mit Ge- wehren— auf der Wache. In dem langen Korridor kommt mir hinkend ein alter Diener entgegen, ohne Kragen und Halstuch, in Halbschuhen ohne Hacken. In der Empfangsstube ist der Möbel- Überzug sowie die Portieren aus serbischem Teppich. Durch das Fenster wird man einen herrlichen alten Garten gewahr. Eine ganze Gartenecke neben dem Hause ist von einem Haufen alter Bretter und verrosteten Röhren verlegt. Nach fünf Minuten kommt ein zweiter Diener diesmal mit Krawatte und Kragen aus- gerüstet, der uns in das Ministerkabinett führt. Lasa Patschu ist über 66 �ahre alt. Von dunklem Teint, grau, nervös, trotz der Körperfülle, mit energischer Stimme und klugen Augen; er hört nicht auf zu rauchen eine Zigarette an der anderen anzündend, ein„Kettenraucher". Patschu ist der beste Finanz- kenner der regierenden altradikalen Partei, ein Kenner der ökono- mischen Literatur und besonders des Marxismus. Er ist auch jetzt niäit abgeneigt, sich für einen Marxisten zu halten und beruft sich in der politischen Polemik oft auf Matx. Jedenfalls war er in den K6er Jahren, in der Epoche der ersten Internationale Marxist, da- mals als Herr Nikola P a s ch i t s ch, der heutige Premierminister und wie Patschu ein Genfer Student, ein eifriger Anhänger Baku- ninö war. Aber der Marxismus des einen, wie auch der Bakunis- muS des anderen fanden ihre höchste Versöhnung in der Schicksals- leitung Serbwnv. Ich spreche von der„Schicksalsleitung" nicht des schönen Wortes willen. Denn, was die inneren Faktoren der serbischen Politik betrifft, so laufen alle Fäden in den Händen dreier Menschen zusammen: Nikola Paschitsch', Lasa Patschus und Swjan Protitsch'. Der König ist eine rein dekorative Figur ohne moralische Autorität und politische Bedeutung. Und wenn Nikola Paschitsch in diesem diktatorischen Triumvirat die Rolle eines be- hutsamen Kunktators spielt, und Stojan Protitsch,— ein Kampf- Journalist, die„eiserne Faust" verkörpert, so ist Lasa Patschu zweifelsohne der geistige Inspirator der altradikalen Partei. — Der Krieg? Selbstverständlich, daß wir alle gegen den Krieg sind. Wer kennt die Vorzüge des Friedens nicht. Friede be- beutet Arbeit, wachsenden Reichtum, Wissenschaft und Kultur. Wer hat mehr Bedürfnis dafür alS Serbien? Aber— man läßt uns Bulgaren ein Depot von einer Million Patronen, 40 Kisten' Granaten, 18 000 Kilogramm Mehl, 60000 Kilogramm Korn und 30 000 Kilogranim Gerste., Im Distrikt R a z l o g bemächtigten sich die bulgarischen Truppen der Gebiete am oberen Mcstafluß. In der Um- gebnng von M e h o m i a wurde ein türkisches Jnfanteric- reginient vernichtet. Ein in dieser Stadt eingeschlossenes Bataillon, bestehend aus regulären Soldaten und Baschibozuks, hat sich in der Nacht vom 23. zum 24. ergeben. Die Stadt P e t s ch e w o wurde von den Bulgaren eingenommen. Türkische Beschwichtigungsmanöver. Konstantinopcl, 26. Oktober. Nach zuverlässigen Nachrichten ist es Mahmud Mukhtar Pascha gelungen, seine Streitkräfte zu sammeln. Er hat in der Richtung auf Kirkkilisse die O f f e n- sibe wieder ausgenommen; seine Lage ist befriedigend. Unstimmigkeiten in der türkischen Heeresleitung? Konstantiuopel, 23. Oktober, 9 Uhr abends. In türkischen Kreisen wird versichert, daß der gestrige Rückzug des rechten türkischen Flügels unter Mahmud Mukhtar Pascha auf ein falsches Manöver des Generals A s i s Pascha, der die Kavallerie kommandierte, zurückzuführen ist. Man sagt, daß zwei starke Kolonnen unter Iaver Pascha und Torahut Schcfket Pascha den rechten Flügel verstärkt haben, dessen Lage jetzt sehr günstig geworden ist. Auch der linke Flügel bei Tschermen und das Zentrum sind sehr stark geworden. Sehr starke Truppentransporte, täglich etwa 13000 Mann, kommen fortdauernd in Europa an. l�orchvertUcber Kncgsfchauplatz. Tie Serben auf dem Vormarsche nach Uesküb. Belgrad, 25. Ottober. Nach einer amtlichen Meldung ist Brrissovitsch von serbischen Truppen eingenommen worden. Wie amtlich aus Branja gemeldet wird, sind B» u c i t r o u und G h i l an von den serbischen Truppeu eingenommen worden. Gestern nachmittag ist hier der dritte Verwundete»- tran Sport eingetroffen. Die Schlacht bei Kumanowo. Belgrad, 26. Oktober. Amtlich werden folgende Einzel- Heiken über die Schlacht bei Kumanowo gemeldet: Die serbischen Truppen, die am Kainpfe teilnahmen, waren 35 000 Mann stark. Der Vormarsch ivar infolge des starken Regens sehr schwierig, besonders für die Artillerie. Das 18. und das 7. Infanterieregiment traten zuerst in den Kampf ein und zwangen 300 Albanesen, sich zu ergeben. Trotzdem die Illba- nesen Zeichen zurUebcrgabe gegeben hatten, eröffneten sie doch aus 15 Schritt Entfernung das Feuer auf die serbischen Truppen. Ein furchtbares Blutbad folgte, bei dem die Serben große Verluste erlitten und. samt- liche Albanesen getötet wurden. Serbische Frei- willige trieben die türkische Kavallerie zurück. Der Kampf dauerte zwei Tage; endlich wurden die Türken in die Flucht geschlagen. Die serbischen Truppen eroberten 30 Kanonen. Unter den bei Kumanowo Gefallenen befinden sich zahlreiche Offiziere und Soldaten aus Belgrad. Die Türken bestätigen die serbischen Erfolge Konstantinopel, 26. Oktober. Es wird amtlich be- stätigt, daß die Serben Prislina besetzt haben. Die Verbindung zwischen Uesküb und Muroloitza ist unterbrochen. Einnahme von UeSkiib. Belgrad, 26. Oktober. Der Kreispräfekt von Branja meldet, daß Uesküb um 2 Uhr nachmittags von den s e r- bischen Truppen eingenommen worden ist. Tie amtliche Bestätigung. Belgrad, 26. Oktober. Um 7 Uhr 20 abends ist die a m t- liche Bestätigung von der Einnahme Ueskübs eingetroffen. Die fremden Konsuln gingen dem serbischen Kronprinzen entgegen und erbaten seinen Schutz für die Be- völkerung der Stadt Uesküb. Vom Niälicken Kriegsschauplätze. Der griechische Vormarsch. Athen, 23. Oktober. Eine griechische Kavalleriebrigade hat C e z a n i besetzt, das sie von den Türken geräumt fand. doch keine Wahl. Sie weisen darauf hin, daß der Außenhandel Serbiens in den letzten vier Jahren um mehr als ein Drittel zu- genommen habe und schließen daraus, daß die ökonomische Eni- Wickelung Serbiens auch auf friedlichem Wege möglich sei. Aber wo haben wir Garantien dafür, daß dieser friedliche Weg uns morgen noch offen bleibt? Die Türkei mit ihren blutigen Wirr- nisscn ist für uns kein geographischer und politischer Begriff, son- dern unser nächster Nachbar und beständige Gefahr. Die vier- jährige Erfahrung des konstitutionellen Regimes in der Türkei überzeugte uns endgültig, daß die Muselmänner, die nur eine re- gierende militärischbureaukratischc Kaste darstellen, total unfähig sind. Bedingungen für ein friedliches Zusammenleben mit den die Türkei bewohnenden christlichen Völkern zu schaffen. Keine Schulen, keine Gerichte und Wege,— das alte Chaos, wie in den Zeiten Abdul Hamids; es lam nur der parlamentarische Kampf der Parteien hinzu, die gleich unfähig sind, das Land zu gesunden. Wir zeigten genug Geduld, jetzt ist sie erschöpft. Unsere südöstliche Grenze ist beständig allen Ueberraschungen ausgesetzt. Das Morden von serbischen Bauern und Geistlichen, der unaufhörliche Zufluß von Flüchtlingen, die wir gezwungen sind zu ernähren, die unauf- hörlichen Zusammenstöße an der Grenze— kann denn das Land bei solchen Bedingungen normal leben und gedeihen? Europa weiß das alles, es kümmert sich aber nicht darum. Europa ist für den Frieden. Frieden gibt es aber nicht. Der Valkanfriede— das ist ein unaufhörlicher ermattender Krieg. Europa ist für den Statusquo. Aber der StatuSquo— das ist das Chaos. Und sind denn wirklich diese 12 Millionen europäischer Bajonette, von denen man uns erzählt, für den Statusquo? Wo war denn der StatuSquo, als Oesterreich Bosnien und Herze- gowina annektiert hatte? Warum bewahrten die Großmächte den Statusquo nicht, als Italien Tripolis annektierte? Folglich gibt eä für die Mächte ein Statusquo nicht. Sie erinnern sich nur dann daran, wenn es sich um unsere Nöte und Bedürfnisie handelt. Sie behandeln uns wie Mirokka- ner. Sie verschwören sich hinter unserem Rücke» und zeigen uns ihre Noten, richtiger ihren Auf'chrei vor:„Still, Ihr dort auf dem Balkan!" Wir sind aber keine Marokkaner und hoffen es Europa zeigen zu können. Europa betrachtet die Türkei als ihr>Erbgut, über das aber die Machte nicht zur Verständigung gelangen können, und daher be- schützt Europa die Türkei. Wären die Mächte sicher, daß wir Niederlagen erleiden und mit blutigen Köpfen heimkehren werden, so würden sie die weitere Entfaltung der Ereignisse ruhig abwar- tcn. Sie fürchten aber, daß nicht wir besiegt werden.' Die Mächte furchten für.ihre" Türkei. Ariechische Verluste. Atheu, 26. Oktober. In dem Kampfe beim Sarau da- poron-Passe fielen auf feiten der Griechen 18- Offiziere und 166 Soldaten; verwundet wurden 46 Offiziere und 1637 Soldaten. Die Verluste der Türken sind sehr groß. Vom montenegrimlcken Kncgslchauplatzc. Der Kampf um Skutari. Riecka, 25. Oktober. Bon militärischer Seite wird über die Kämpfe bei Skutari gemeldtet: Die montenegrinische rechte Fliigelkolonne unter General Martinowitsch ist bereits im Besitze der Höhen westlich des T a r a b o s ch und beherrscht so die türkische Hauptstcllung, die auch ans südlicher Richtung von Oblika aus be- droht wird. Sobald die mit 15 Zentimeter-Mörsern ausgerüstete Aiigriffsartillerie auf wirksame Ewtseruung herangerückt ist, dürfte« sich die türkischen Befestigungen trotz tapferer Gegenwehr kaum länger halte» könne». Nordöstlich vom Skutarisce ist die Kolonne Mä Kronprinzen Danilo bis in die Gegend von Braks vorgedrungen und steht nur noch 4 bis 5- Kilometer von den tür- fischen Berschauzungcn bei Schtoi uördlich von Skutari; sie wird im Laufe des heutigen Tages noch näher heranrücke». Die schweren Geschütze haben ihr Feuer schon gestern gegen die tür- fischen Berschanzuligen und gegen die Lagerplätze aus der östlichen Seite gerichtet; nur ciu zuwcitgehenbes Geschoß siel innerhalb des Stadtgebietes nieder. -i»". Not und Elend! Aus Konstantinopel schreibt' UNS. Genosse Parvus:.'. Die erste Konsequenz des Krieges ist die Teuerung der Lebensmittel, die in wenigen Tagen um 20 Proz. gestiegen sind. Die Zufuhr stockt, weil die Eisenbahnen uM'Schiffe von der Mobilisierung in Anspruch genommen wurden. Auch fehlt es gelegentlich an Arbeitskräften. So gab es in ein- zelnen Stadtvierteln Tage, da das Brot fehlte, da die meisten Bäcker zum Militärdienst eingezogen wurden. Außerdem macht es sich sehr fühlbar, daß die meisten Schlffe. die die Verbindung mit dem Schwarzen Meer unterhielten, griechi- scheu Reedereien gehören. Diese, zogen noch lange- vor der Kriegserklärung ihre meisten Schiffe zurück. Infolgedessen befürchtet man, wie mir aus bestunterrichteten Geschäfts- kreisen versichert wird, einen P e t r o le u m h u n g e r. Denn das Petroleum kommt nach Konstantinopel zum größten Teile aus Rußland. Die meisten für den Petroleumtransport ver- frachteten Schiffe waren griechische, die nunmehr vvon ihren Verträgen zurücktraten, und die Petroleumimporthäuser be- zweifeln, ob sie genügenden Ersatz best den russischen Reede- reien finden werden. Während also durch den Krieg' zahlreiche Geschäfts- transaktionen unmöglich gemaclff werden und die Geschäfte unter dem allgemeinen Notstand leiden, sorgt die Regierung in keiner Weise dafür, die Zahlungsverhältniffe zu erleichtern. In den übrigen kriegführenden Staaten wurde ein Mo- ratorium erlassen, das die Termine der Schuldverschreibungen bis drei Monate nach Verkündung des Moratoriums hinaus- schiebt. In der Türkei verlangen die Geschäftsleute ebenfalls dringend ein Moratorium, aber die Regierung befindet sich vollkommen im Banne der Banken und anderer Geldleute, die sich gegen das Moratorium erklären. Diese wollen es in ihrer Hand haben, von Fall zu Fall zu entscheiden. ob"7ie'den Kredit verlängern oder nicht— auf diese Weise haben sie es offenbar leichter, die Geschäftswelt von sich abhängig zu machen, die größeren auszuwuchern. die kleineren zu der- Nichten,, s � jjjg ejne düstere Stimmung schaffen. Diese konnte bis jetzt durch die Nachrichten vom Kriegsschau- platz schon jedenfalls nicht aufgeheitert werden. Obwohl man in hiesigen Militärkreisen von vornherein darauf vorbereitet war, daß die bulgarische Armee bis nach Adrianopel vor- dringen werde, so scheinen doch die Dinge sich viel zu rasch zu entwickeln. Die Kriegszensur, die alles Unangenehme unter- drückt, läßt der Phantasie erst recht freien Spielraum. Die christliche Bevölkerung wünscht fast ausnahmslos, daß die Türken Schläge kriegen. Das bezieht sich sowohl auf die Griecljen wie auch auf die Armenier. Dagegen sind die jüdischen Geschäftsleute Patrioten. Denn mit den Türken haben sich ja die Juden seit Jahrhunderten recht gut ver- tragen: dagegen befürchten sie, und wohl auch nicht ohne Grund, daß das völkerbefreiende Christentum antisemitische Das war einer Agitationsreve unvergleichlich ähnlicher als einem Interview, einer Rede, die mit ihrer Leidenschaftlichkeit und Schärfe mehr für eine Volksversammlung oder für die Skupschtina paßt. Fragen brauchten fast gar nicht gestellt werden. Was wir wollen? Keine territorialen Eroberungen, sondern wirkliche Garantien für eine kulturelle Entwickelung der christlichen Völker der Türkei. Wir werden, wenn die Zeit kommt, schon sagen, worin nach unserer Meinung diese Garantien bestehen sollen. Unsere Finanzen sind in gutem Zustand. Womit erreichten wir eS? Mit welchen Finanzmitteln? Mit einem sehr einfachen: dem konstitutionellen Regime. Wir haben unsere Fi- nanzwirtschaft auf eine streng parlamentarische Basis gestellt. Strenge Rechenschastsablegung, Oeffentlichkeit. parlamentarische Kontrolle— das sind die wirklichen Ursachen der Wiederherstellung unserer Finanzen. Wir schätzen hoch unser parlamentarisches Regime und heben die konstitutionellen Garantien jetzt nicht auf, in einer solchen kritischen Zeit, wo die ganze männliche Bevölkerung von 26 bis 55 Jahren unter dem Gewehr steht. Ich glaube meinen zu dürfen. daß die Tatsache, daß wir jetzt das Land ohne jegliche Ausnahme- zustände regieren, Serbien zur Ehre gereicht. Der bulgarische Zar Ferdinand proklamierte den Kriegszustand aus Furcht vor Unruhen im Lande—, natürlich in dem Fall, wo der Krieg nicht erklärt werden sollte. Wir aber glauben an die Vernunft unseres Volkes, welches weiß, die Regierung kann sich nicht mit dem abfinden, was bis jetzt Ivar. Die Mobilisierung kommt uns auf 1 Million Dinare täglich. Wir haben bedeutende Geldvorräte und sehen ruhig dem nächsten Tag entgegen. An Anleihen denken wir nicht. Unsere Vorräte reichen schon für sechs Monate. Rußland? Seine Politik den christlichen Balkanvölkern gegen- über unterscheidet sich nicht von der Politik der übrigen europäi- scheu Mächte— unterscheidet sich ga r nicht. Das schmerzt unS; das widerspricht den traditionellen Hoffnungen un- seres Volkes, wir können aber nicht umhin, diese Tatsache fest- zu stellen., Die Unterhaltung dauerte über dreiviertel Stunden. Die stbri- gen berührten Fragen hatten einen mehr speziellen Charakter; mit Hilfe des Herrn Patschu, der zum Unterschied von nmnchem seiner westlich- und östlich-curopäischen Kollegen nicht nur Finanzminister, sondern auch ein gebildeter Oekonom ist, orientierte ich mich näher über die wichtigsten statistischen Daten über die ausländische Han- delspolitik Serbiens im Zusammenhang mit der internationalen Lage des Landes. -' Belgrad, Mitte Oktober. 81. Trotzky. O Unwandlungen mit sich bringen könnte. Der moderne Kreuz- zug, den der Zar Ferdinand verkündet, müßte die Juden an die geschichtlichen Kreuzzüge erinnern, die von den Juden- Metzeleien begleitet waren. Tas M a n i f e st des Zaren Ferdinand hat den muselmanischen Fanatismus in einer Weise angestachelt, wie es kein verrückter Mullah, kein exaltierter Derwisch je hätte zustande bringen können. Der Satz vom Kampf zwischen dem Kreuz und dem Halbmond wirkte auf die muselmanische Be- völkerung wie die Provokation zum heiligen Krieg, und diese Provokation scheint auch ihr Zweck gewesen zu sein. Wie vor dem Krieg bulgarische Banden auf den mazedonischen Märkten Bomben zur Explosion brachten, um Christenmetze- leien zu provozieren, so provoziert jetzt Zar Ferdi- nand selbst, dessen Emissäre jene Banden organisierten und bezahlten, den Fanatismus der Mohammedaner, um Christenverfolgungen hervorzurufen. Denn er sieht darin ein Mittel, sich die Sympathien Europas zu er- werben. Es scheint, daß es in einzelnen muselmanischen Dörfern bereits zu Z u s a m m e n st ö ß e n z w i s ch e n d e r m u s e l- manischen und christlichen Bevölkerung ge- kommen sei. Andererseits wird schon mit Beginn der bul- garischen Mobilisation von Drangsalierungen berichtet, denen die türkische Bevölkerung Bulgariens unterworfen wird. Ich habe diese Berichte nachgeprüft. Ich habe russische Partei- genossen gesprochen, die aus Bulgarien kamen und dort Zeugen der Mißhandlungen waren; ich sah die türkischen Flüchtlinge, die zu vielen Hunderten nach Konstantinopel kamen, und die noch an ihrem Körper die Spuren der Miß- Handlungen hatten; ich sprach init Flüchtlingen, die meinen hiesigen Freunden von ihrer Heimat aus als rechtschaffene Menschen bekannt sind. Ja, es sind von den Bulgaren an der friedlichen türkischen Bevölkerung Drangsalierungen, Miß- Handlungen und Bestialitäten begangen worden. Allerdings nicht auf Kommando der Regierung. Aber mit der Modili- sation hörte in der Provinz die Regierung auf zu existieren. Die Militärbehörden und die Reservistenmassen beherrschten alles. Die letzteren waren es, die die erwähnten Scheußlich- leiten begangen hatten. Das geringste noch, wenn sie sich mehr oder weniger große Summen auszahlen ließen. Sie schleppten die Männer aus den Häusern weg unter dem Vor- tvand, sie vor das Militärkommando zu bringen, worauf dann die Häuser ausgeraubt und die Frauen vergewaltigt wurden. Indessen hat die Tätigkeit der bulgarischen Bau- d e n in Mazedonien mit dem Krieg keineswegs aufgebort. Während die Armeen, auf türkischer wie auf bulgarischer Seite, auf ihrem Zuge die Dörfer niederbrennen— man kann sich denken, wie das aus die Bevölkerung wirkt, die ohne Unterkunft für sich und das Vieh und ohne Subsistenzmittel für den Winter bleibt fahren die bulgarischen Banden fort, Bomben unter die nichts ahnenden Einwohner, Kinder und Frauen zu placieren. Welchen anderen Zweck kann das haben, als Zusammenstöße zwischen der christlichen und musel- manischen Bevölkerung hervorzurufen, den Krieg von Po- groms folgen zu lassen? Von armenischer Seite wird mir versichert, daß zugleich die Lockspitzel des russischen Zaren sich alle Mühe geben, die Armenier in Ostanatolien. aufzureizen. Sie sagen ihnen offen:„Gewiß, wenn Ihr Euch rührt,-werden Armenier- Massakers die Folge sein. Ihr verliert eine Anzahl Leute. Dafür aber wird dann Nußland eingreifen können, und Ruß- land wird Euch befreien." So wird gearbeitet— nach alten Mustern! ** * Kriegssolgen Konstantinopel, 26. Oktober. Die Zollverwaltung gibt bekannt, daß Waren aus Bulgarien, Griechenland, Serbien und Monte- negro von? Tage der Kriegserklärung ab, einem Einfuhrzoll von 166 Proz. unterworfen sind. Waren aus anderen Ländern müssen mit Ursprungszeugnissen versehen sein. In der gestrigen Nacht sind 15 bei den Kämpfen im Nord- Westen von Kirkkflisse Verwundete hierher transportiert wor- den, darunter ein Major, ein Hauptmann und ein Leutnant, ferner 17 vor Adrianopel Verwundete. Bis jetzt sind im ganzen etwa Lb0 Verwundete und Kranke hierher geschafft worden.. Der Kommandant von Adrianopel hat eine strenge Ver- ordnung über den Belagerungszustand der Stadt veröffentlicht. Ten Einwohnern ist verboten, große Mengen Lebens- mittel zu kaufen. Greise und Ktranke und diejenigen, die kein Geld oder Lebensmittel für zwei Monate besitzen, sowie verdächtige Per- soncn werden entfernt. Dw kriegstüchtige Bevölkerung wird, wenn es erforderlich sein sollte, gezwungen, die Truppen zu unterstützen. Personen, die beunruhigende Gerüchte verbreiten, sollen erschossen werden. Da heute morgen die Pferde der Straßenbahn re- auir i ert wurden, mußte der P f e rde b a h n b e t r i e b in Pera eingestellt werden, während der Verkchr in Siambul aufrechterhalten wurde. Infolge der Bemühungen der deutschen Botschaft wurde jedoch eine Abmachung mit der Behörde getroffen, nach der die Regierung nur ein Fünftel der Pferde requiriert. In- folgedeffen können die drei Gesellschaften, die den deutschen Schutz in Anspruch genommen haben, den Betrieb aufrechterhalten. Lege» den Krieg. Aufruf des Zentralkomitees der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands. Genossen, Arbeiter und russische Bürger! Auf dem Balkan ist der Krieg ausgebrochen Ein ällgeMeiner. «urapäischar Krieg ist im Anzüge. Man rüstet zum Krieg trotz aller lügenhaften Dementis der russischen und österreichischen Regierung. Die Börsenpanik in Wien und Berlin, in Paris unto London zeigt, daß die Kapitalisten in ganz Europa keine Möglichkeit sehen, den europäischen Frieden zu wahren. Ganz Europa will an den Ereignissen am Balkan teilnehmen! Alle treten für„Reformen" und selbst für die„Freiheit der slawi- schen Völker" ein. In Wirklichkeit will Rußland ein Stück der asiatischen Türkei entreißen und sich in den Besitz des Bosporus setzen, Oesterreich schielt auf Saloniki hinüber, Italien be- gehrt Albanien, England— Arabien, Deutschland schläft »licht ruhig wegen Anatoliens. Die Krise wird immer drohender. Hunderte, Tausende und Millionen, der Sklavenmietlinge des Kapitals und der von Feudalen ausgesaugten Bauern sollen hinge- schlachtet werden wegen der dynastischen Interessen einiger gekrönter Räuber, wegen der Profitgier der Bourgeoisie, der es nach fremden Ländern gelüstet. Die Bälsankrise ist eines der Glieder in den Kette der Ereignisse, die vom Beginn des 20. Jahrhunderts zur Ver- ischärfung der Klassen und Bölkergegensptze, zu Kriegen und Revolu- tionen führt. Der russisch-japanische Krieg, die russische Revolution, die Reihe der asiatischeir Revolutionen, die sich immer verschärfende Rivalität und Gegnerschaft zwischen den europäischen Staaten� die Ariedensgefährdung wegen Marokkos, der italienische Raubzug nach Tripolis— dies ist die Vorbereitung zur heutigen Krise. Die Kriege mit allen ihre».Greueln erzeugt der Kapitalismus, der Millionen der Arbeitenden knechtet; er verschärft den Mettkampf der Nationen und verwandelt die Sklaven des Kapitals in Kanonenfutter. Nur die internationale sozialistische Armee des revolutionären Proleta- riatS ist imstande, dieser Versklavung�der Massen, diesen Hinschlach- tungen im Interesse der Sklavenbesitzer ein Ende zu setzen. In Westeuropa und Amerika wird indessen immer heftiger der Kampf des sozialistischen Proletariats gegen die imperialistischen Regierungen der Bourgeoisie, die immer geneigter wird, sich in ver- zweifelte Abenteuer zu stürzen, angesichts des unaufhaltsamen Siegeszuges der Millionen von Arbeitern. Diese Regierungen Hetzen selbst zum Krieg und'fürchten sich zugleich vor ihm. Denn sie wissen» daß ein Weltkrieg— eine Weltrcvolution bedeutet. In Osteuropa, am Balkan, in Oesterreich und Rußland sehen wir neben den Gebieten, wo der Kapitalismus bereits hoch entwickelt ist. die Unterdrückung der Massen durch den Feudalismus, Absolutismus, durch taufende Reste des Mittelalters. Der Bauer in Bosnien und Herzegowina, an den Ufern des Adriattschen Meeres, ist noch bis heute vom den feudalen Gutsbesitzern ebenso wie die so vielen Millionen der Bauern in Zentralrußland unterdrückt. Die Dynastien der Habsburger und Romanows erhalten diesen feu- dalen Druck. Sie streben danach, die Feindschaft zwischen den Völkern, zn schüren, um die Gewalt der Monarchien zu stärken, um die Unterdrückung einer ganzen Reihe von Nationalitäten zu ver- ewigen,.... In Osteuropa teilen noch bis heute die Monarchen ihre Völker, sie treiben Tauschhandel mit ihnen, flicken in ihren dynastischen Interessen die Staaten aus Fetzchen verschiedener Nationen zu- samtnen. Ganz ebenso taten eS einmal die Gutsbesitzer zur Zeit der Leibeigenschaft mit. ihren Bauern, sie teilten und setzten Bauern- familien ihrer Untertanen zusammen....„Eine föderative Balkanrepublik!" DieS ist der Kampfruf, unserer Genossen, der Sozialisten der Balkanländer. Sie verfechten dabei das Selbstbestimmungsrecht und die volle Freiheit der Völker, um so den Boden für einen groß- zügigen Klassenkampf, für den Sozialismus zu ebnen. In diesen Kampsruf der wahrem Demokraten, der wahren Freunde der Arbeiterklasse müssen wir ganz besonders einstimmen angesichts der russischen zarischen Monarchie, einer der grausamsten Stützen der Reaktion in der ganzen Welt. Die internationale Polittk des russischen Zarismus ist eine un- unterbrochene Kette der unerhörtesten Verbrechen und Vergewalti- gungen, der schmutzigen und niederträchtigsten Intrigen gegen die Volksfreiheit, gegen die Demokratie, gegen die Arbeiterklasse. Der Zarismus würgt und unterdrückt Persien mit Hilfe der„liberalen" Führer Englands» er unterwühlt die chinesische Repuhlik, er schleicht sich heran, um den Bosporus zu rauben und„seine" Länder auf Kosten der asiatischen Türkei zu erweitern.— Die zarische Monarchie war der europäische Gendarm im IS. Jahrhundert, als das Heer der russi. schen Leibeigenen, den Aufstand im Ungarn niederkämpfte. Die- selbe zarische Monarchie erscheint jetzt im 20. Jahrhundert in derselben Rolle des europäischen und asiatischen Gendarmen. Zar Nikolaus der Blutige, der die erste und zweite Duma auseinander- gejagt, der in Rußland Blutbäder angerichtet, der Polen irnd Finnland unterdrückt, der im Bunde mit dein„Schwarzen Hundert" die Politik der Erwürgung der Juden und sonsttger„fremdländischer Elemente" führt, dieser Zar, dessen Getreue die Arbeiter an der Lena niederschossen und die Bauern in ganz Rußland an den Rand des Hungers trieben, dieser Zar gibt sich für den Verteidiger der Freiheit und Unabhängigkeit der Slawen aus! Seit 1877 hat aber das ruffische Volk etwas gelernt und weiß jetzt, daß'die„inneren Türken", der Zar und seine Knechte, viel schlimmer als die„ä u ß e r e n T ü r k e n" sind. Aber die Guts- besitzer und die Bourgeoisie, die Nationalisten und Oktobristen unter- stützen mit allen Mitteln diese abscheuliche provokatorische Lüge von dem freiheitliebenden Zarismus. Zeitungen, wie„GoloS Mos- kwh" und..Nwoje Hremja" setzen, an der Spitze einer ganzen Armee der RegierungAblätter, eine unverschämte Hetze gegen Oesternich ins Werk, um Rußland aus Oesterreich loszuhetzenc Als wenn der russi- sche Zarismus nicht hundertmal mehr mit Blut und Schmutz be- sudelt wäre als die HctbSburgssche Monarchiel Aber nicht nur die rechtsstehenden Parteien, sondern auch die oppositionelle liberale Bourgeoisie führt mit allen Kräften eine chauvinisttsche imperiali- stischc Propaganda, die kaum durch diplomatisch ausweichende heuch- lerische Phrasen verdeckt wird. Nicht nur die parteilose liberale Zeitung„Rußtoje Slowo", fondern auch das offizielle Organ der Partei der„Konstitutionellen Demokraten"(in Wirklichkeit aber der konterrevolutionären Liberalen)„Retfch" greift eifrig den zarischen Minister Ssasonoff deshalb an, weil er sich angeblich überreden läßt, tveil er„Zugeständnisse" an Oesterreich macht und für den„Schutz" der„Grofiniachtinteressen" Rußlands nicht genug tut. Die„Kadet- ten" greifen die eifrigsten Nationalisten-Reaktionäre nicht wegen ihres Jmper.ialiSmiuS an, sondern deswegen, weil sie die wichtige Bedeutung der„großen" Idee der Eroberung Konstantinopels durch den Zaren geschwächt haben! Die russische sozialdemokratische Arbeiter- Partei erhebt im Namen der LebenSinteressen aller arbeitenden Massen ihren entschiedensten Protest gegen diesen nieder- trächtigen Chauvinismus und brandmarkt ihn als Verrat an der Freiheit. In einem Lande, wo 30 Millionen Bauern hungern, wo die zügellosest? Willkür der Behörden vor der Hin- metzeluny von Hunderten Arbeitern nicht zurückschreckt, wo man in den sibirischen Zuchthäusern Tausende von Freiheitskämpfern foltert und martert, in einem solchen Lande tut es vor allem Not, sich von dem Druck des Zarismus zu befreien. Der russische Bauer hat daran zu denken, wie er sich von den feudalen Gutsbesitzern und der zati scheu Monarchie losreißen kann. Die lügenhaften Reden der Gutsbesitzer und der Kaufleute von den „slawischen Aufgaben" Rußlands können ihn von diesem lebensnot- wendigen Befreiungskampf nicht ablenken» Mag der imperialistische Liberalismus auf der„ftiedlich-konstitutionellen" Arbeit bestehen, weil er sich mit dem Zarismus versöhnen will, mag ev dem Volke imaginäre Siege und konstttutionelle Reformen unter Beibehaltung der zarischen Monarchie vorgaukeln! Das sozialdemokratische Prole- tariat weist diesen Betrug mit Entrüstung zurück. Nur die revolutionäre Nieder werfung des ZariS- muS kann die freie Entwicklung sowohl Rußlands wie ganz Ost- europas sichern. Nur der Sieg der föderativen Republik auf dem Balkan neben dem Siege der R e p u b l i k i n R u ß- land kann hunderte Millionen von den Greueln des Krieges und von dem qualvollen Druck und der Ausbeutung in den sogenannten Friedenszeiten befreien. In den ersten fünf Monaten des Jahres 1018 haben, mehr als eine halbe Million der Arbeitor Rußlands sich zum politischen Streik aufgerafft und ihre Kraft nach den schüversten' Jahren der Konter- revolution wieder bewiesen. In- einer Anzahl von Orten haben sich Soldaten und Matrosen gegen den Zarismus er- hoben. Zum revolutionären Massenkampf, zur weiteren und kräfti- geren Vorbereitung des entschiedenen gemeinsamen Auftretens der Arbeiter, der Bauern- und des besseren Teils des Militärs, dazu fordern wir. auf! Darin liegt die einzige Rettung Rußlands, dqs durch den ZariS- muS äuSgcplüiidert und niedergetreten wird. Die Sozialisten der Balkanläuber traten mit der entschiedensten Verurteilung des Krieges hervor. Die Sozialisten Italiens und Oesterreichs und ganz Westeuropas hoben, sie geschlossen- unterstützt. Gesellen wir auch unsere Stimme zn den übrigen, entfalten wir weiter die Agitation.gegen die zarische Monarchie! Nieder mit der zarischen Monarchie! Es lebe die russische, demokratische RepublikZ- Es lebe die föderative Balkanrcpublik! Nieder mit dem Krieg, nieder mit dem Kapitalismust ES lebe der Sozialismus, es lebe die interuationatc. revolu tionäre Sozialdemokratie! Zentralkomitee der Sozialdemokratischem Arbnterpartei Rußluads. Das finde der fleiichnotdedatten. So ist denn die Besprechung der Interpellationen über die Fleischnot ausgelaufen wie das Hornberger Schießen. Zwar haben die sogenannten Vertreter des preußischen Volkes der Erörterung dieser wichtigen Frage, da sie ihr nun einmal nicht aus dem Wege gehen konnten, zwei Tage ihrer so kostbaren Zeit gewidmet, aber herausgekommen ist dabei nichts. Es wird alles beim Alten bleibe», die Großgrundbesitzer lverdcn weiter Riesenprofite einheimsen, und das Volk wird weiter hungern. So will es die gottgewollte Ab- hängigkeit des leitenden„Staatsmannes" vcm den Junkern, die ihm vorschreiben, was er zu tun und zu lassen hat. Ein charalteristisches Licht, auf die preußische Regierung wirft es, daß zu Beginn der SoN'nabendsitzüng, als Unser' Genosse Ströbel zu sprechen anfing, die Ministersessel leer wexren. Erst nach und nach erschienen einige der Herren, darunter auch der Ressortminister, der sich allerdings nur zeitweise im Saal« aufhielt. Aber Herrn v. Bethmann Hollweg sah man nicht, er ließ sich den ganzen Tag über nicht blicken, gleichsam als gehe ihn die Sache nichts an. Aber wenn er auch die Stimme des wirklichen Volks- Vertreters nicht vernommen- hat, vor der Stimme des Volkes wird er sich seine Ohren nicht verstopfen können. Das Volk wird noch lauter und vernehmlicher sprechen und. ihm bei gegebener Zeit deutlich die gebührende Antwort erteilen. Ströbel war der einzige, der das Problem der Volksernährung prinzipiell und erschöpfend behandelte. Die Kritik, die er an der agrarischen Wirtschaftspolitik übte, war vernichtend, an der Hand eines einwandfreien Materials, gestützt auf die Ergebnisse wissen- schaftlicher Forschungen, wies' er nach, wie das heutige System mehr und mehr zur Verelendung der Massen führt, wie auf der einen Seite ungeheure Vermögen angehäuft werden, während auf der anderen Seite das Volk darbt und Tausende und Abertausende von Kindern in. zartem Lebensalter dahingerafft werden, weil sie und ihre Erzeuger unterernährt sind. Herrn v. Schorleiner aber, dem Manne, der den traurigen Mut hatte, dem Volke den Verzicht auf Flcischnahrung zu empfehlen, gab er eine Antwort, die dieser sich wohl nicht hinter den Spiegel stecken wird. Nach Hervorkehrung des Standpunktes, daß an eine wirkliche Hebung der Lage der Arbetterklasie erst nach Erfüllung des sozialistischen Endziels zu denken ist, schloß er mit einem warmen Appell an alle, die es ernst mit dem Wohl« der Gesamtheit meinen, zu einer gesunden und vernünftigen Entwickelung-des Volkscharakters bei- zutragen, damit die Arbeiter sich immer mehr bewußt werden, daß sie nicht- rechtlose Heloten, sondern vollberechtigte Bürger deS Staates sind.,. Der Minister des Innern machte sich seine Erwiderung leicht, er griff aus der Rede Ströbels einen einzigen Punkt heraus und merkte dabei noch nicht einmal, wie'sehr er sich und die Regierung dadurch bloßstellte. Unser Genosse hatte sich u. a. auf die- Unter- sunchungeN de? Kreisarztes Dr. Thomallä in Altena bezogen, der zu dem Resultat kommt, daß die steigenden Fleischpreise eine stärkere Erkrankung der Schulkinder an Skrophulose zur Folge gehabt habe. Aber Herr Thomälla hatte seine Rechnung ohne Herrn von Dallwitz gemacht, /der nicht niur preußischer Polizeiminister. sondern auch Minister für Medizinalangelegenheiten ist und der sofort eine Kommission nach Altena mit dem Auftrage entsandte, die Ergebnisse der Thomällaschen Forschungen als falsch nachzu- weisen. So etwas nennt man bei uns m Preußen- vorurteilslose Wissenschaft, und das, was diese Kommission„ermittelt" hatte, trug der Minister dem darob befriedigten Dreiklässenhause vor. So war mit einem Schlage nicht-»um Dr. Thoiyalla, sondern auch Ströbel .»widerlegt", dum wenn- die. Angaben deS Kreisarztes falsch sind, so sind nach der ministeriellen Logi! auch alle Angaben von Ströbel falsch, so daß es sich erübrigt, darauf einzugehen. Etwas mehr hätte man selbst von einem Dallwitz erwarten können. An der weiteren Debatte,. die neue Momente nicht mehr zutage förderte, beteiligten sich noch die Abgg. Heine(natl.). Hoff (Vp.), Dr. Hahn(kons.) der sein agrarisches Sprüchlein her- sagte, und G i e s b e r t S, einer.der Arbeitervertreter des Zentrums, dem die schwierige Aufgabe zugefallen war, die Wucherpolitik des Zentrums reinzuwaschen von dem nur allzuberechfigten Vorwurf, daß sie schuld an dem Elend der Massen ist.--Gelungen ist ihm das nicht, um so weniger, als- er- in seinen Ausführungen von einem waschechten Agrarier kaum zu unterscheiden war. Unserem Genossen schnitt, die Mehrheit in bekannter Liebens- Würdigkeit das Wor? zur Erwiderung ab. Montag: Schleppmonopolgejetzentwurf, Petitionen« Antrag betr. Schulpflicht.. � politische(leberliedt. Berlin, den 26. Oktober 1912. Nationalliberal-nltramontane Wahlbündnisse. Die zum Zwecke der Femhaltung der Sozialdemokratie auS den Stadtkollegien zwischen Zentrum und Ncitionalliberalen abgeschlossenen kommunalen Wahlbiindnisse mcbren sich in Rheinland-Westfalen recht beträchtlich. Ultramontanismus und Nationalliberalismus entdecken mehr und mehr', daß ihre sogenannten„Weltanschauungen" im Grunde genommen gar nicht so bedeutend sind, wie sie früher angenommen baben, und deshalb eine gemeinsame Abwehr der den Profit ge- fährdenden wachsenden Ansprüche der Arbeiterschaft dringend geboten ist. Außer von einigen in Essen, Bochum und Mülheim am Rheiü abgeschlossenen Abkommen w-.'ß die»Kölnisch- Zeitung" von einem solchen Bündnis zwischen Zentrum und Nationalliberalen in Gelseiikirchen zu berichten. Es ist dort zwischen den oeiden Parteien für die beiden Wablbezirke Alt- und Neustadt zustande gekommen. während in den arideren Stadtteilen, wie Gelseiikixchen-Schalke und Gelsenkirchen-Bismarck, um di« drei Mandate in der dritten Ab- teilung gekämpft, werden Muß. Man wird älfa daS schöne Schauspiel erleben, daß die beiden würdige» Brüder in rührender Treue sich an dem einen Ort in den Armen liegen, während sie eine Viertel« stunde weiter entfernt als größte Feinde sich in die Haare geraten. Diese Abkommen in den drei großen Industriestädte», so stellt das rheinische Blatt der Nationalliberalen mit Genugtuung fest. scheinen auch flir kkeinere Städte vorbildlich zu werden. Z.B. haben auch in der Industriestadt Hilden bei Düsseldorf. Zentrum und NationaNiberale ein Kompromiß für die Stadtverordnetenwahlen i» » der 2. und 3. Abteilung unter Wahrung des Besitzstandes geschlossen, lediglich j,u dem Zwecke, um eine Vermehrung der sozialdemo- kratiichen Abgeordneten zu verhindern. Die„Kölnische Zeitung" prophezeit schon ganz heiter:„Diese neuen Kompromisse zwischen Nationalliberalen und Zentrum in diesen Bezirken dürften gewiß nicht ohne Bedeutung für den Verlauf der bevorstehenden Landtags- Wahl im Jndustriebezirk sein." Sie muß aber wenige Zeilen weiter zugebe», daß die Bochumer Zentrumspartei, die dann über elf Mandate im Stadtverordnetenkollegium verfügen wird, die national- liberale Partei habe wissen lassen, daß sie für die späteren Jahre sich keineswegs mit elf Mandaten begnügen werde, denn diese Zahl entspreche nicht der Größe der Bochumer Zentrumspartei und der von ihr vertretenen Bevölkerung.— Danach scheinen die besten An- zeichen vorhanden zu sein, daß beim Teilen der Beute die schöne Einigkeit bald wieder in die Brüche geht. Doch das macht nichts: Pack schlägt. Pack verträgt sich._ Der Entwurf des Petroleummonopol-Gesetzes. wird in den Ausschüssen des Bundesrates in den ersten Tagen des November beraten werde», da der Referent für diese Materie, das sächsische Bundesratsmitglied v. Sichort den Bericht in den nächsten Tagen fertiggestellt haben wird. Die Bundesregierungen haben dem Entwurf in seinen Grundzügen bereits zugestimmt und für die endgültige Beratung im Bundesrat ihre Vertreter mit entsprechen- den Instruktionen versehen. Die Verabschiedung des Entwurfs im Plenum des Bundesrats soll möglichst noch im November er- folgen, damit der Entwurf dem Reichstage bald nach seinem Wieder- zusammentritt zugehen kann. Man hofft, daß der Reichstag den Entwurf bis Ostern verabschieden wird, da beabsichtigt ist, ihn mit dem 1. Oktober 1913 in Kraft treten zu lassen, und einige Monate Zeit vorhanden sein muß, um die Ausführungsbestimmungen zu dieser Materie auszuarbeiten und bekanntzugeben. Der Entwurf wird nach seiner endgültigen Annahme im Bundesrat amtlich ver- öffentlicht werden. Ultramontane Films. Als die München-Gladbacher systematisch für die von ihrer Film-Verleihanstalt auf den Markt gebrachten Kinofilms agitierten, wurde von der sozialdemokratischen Presse darauf hingewiesen, daß das Zentrum bestrebt sei, das Kino in den Dienst des Klerikalismus zu stellen. Daraus heulmeierte die schwarze Presse über die bösen Roten, die von„ultramontanen FilmS" schrieben, obgleich es doch M.-Gladbach nur darauf ankomme, sittlich einwandfreie, Partei- Politisch neutrale Films zu liefern. Daß diese Heulmeierei eitel Humbug war. wird bestätigt durch die Verhandlungen des VerbandstageS der katholischen Männer- und Jünglingsvereine Elsaß-Lothringens. Nach dem Bericht des„Elsässer" vom 23. Oktober war ein besonderer M.-Gladbacher Abgesandter, Kcppi, erschienen, der über„Schmutz und Schund" referierte. Im Anschluß an seinen Vortrag wurde vom Generalsekretär Oberle erklärt: „Solange wir auf die Films der anderen Fabriken angewiesen, können wir nicht in jeder Beziehung einwandfreie Films liefern. Das wird ober bald anders werden. Es sind Verhand- lungen im Gange, dahingehend, daß ivir für unsere Richtung eine eigene Filmfabrik be- kommen." Also doch echt ultramontane Films! Freisinniger Sturm gegen die Wahrheit. Unter den« üblichen Aufwand von Entrüstung über die böse unwahrhaftige Sozialdemokratie widmet die„Freisinnige Zeitung" dem„Vorwärts" und einem sozialdemokratischen Flugblatt einen ausgewachsenen„Leid"- und Wehartikel— Nr. 2S1—. Was wir von der Rechtsschwenkung des Freisinns konstatierten, das soll alles nicht wahr sein. Zur Verteidigung des freisinnigen Militär- fanatismuS behauptet der freisinnige Parteimoni teur, die sozial- demokratische Fraktion Hobe nur schwächlich und nur zum Schein gegen die letzte Militärvorlage opponiert. Gegen solche unverschämte Unterstellung polemisiert man nicht, es genügt, sie niedriger zu hängen! Unsere Feststellung, daß die freisinnige Partei keine so- fortige Einberufung des Reichstags verlangt habe, beantwortet die Freisinnige mit der folgenden kecken Behauptung: Da verweisen wir auf die in Mannheim einstimmig an- genommene Resolution Gothein, in der es heißt:„Da diese Maß- nahmen zum Teil nur durch Reichsgesetz getroffen werden können, fordert der D e I e g i e r t e n t a g die ungesäumte Einberufung des Reichstags." Daß die Behauptung keck, sehr keck ist, kann jeder Leser aus der nachstehend wörtlich abgedruckten Resolution Gothein entnehmen. Sie lautet: „Der Delegiertentag der Fortschrittlichen Volkspartei erblickt in der wachsenden gegenseitigen Zollabsperrung, wie sie durch den Zolltarif von 1902 gezeitigt worden ist, eine schwere Schädigung des deutschen Wirtschaftslebens, insbesondere eine Schädigung der Verfcinerungsindustrie. Diese in ihrer Ausfuhrsähigkeit zu stärken. ist eine der wichtigsten Aufgaben der deutschen Handelspolitik. Die gegenseitige Herabminderung der Zollschianken durch langfristige Handelsverträge ist im Interesse des deutschen Erwerbslebens dringend geboten." Kein Wort steht darin von der„ungesäumten Einberufung des Reichstages"! Man weiß nicht, soll man mehr die Keckheit oder die Phantasie der Freisinnigen bewundern I? Unwahr soll unsere Bemerkung sein, der Freisinn habe ein Be- kenntnis für den Schutzzoll abgelegt. Wie kühn solche Behaupdo-g ist, das kann man im heutigen Leitartikel des„Vorwärts" nachlesen. Hier sei nur noch dar- auf verwiesen, daß die„Freisinnige Ztg."— Nr. 23S— selbst kon- statiert: Im übrigen wurden der Antrag und die Forderungen Got- Heins mit Ausnahme der Forderung der Ermäßi- gung der Getreidezölle angenommen. Aber ausgerechnet den Passus, der eine Ermäßigung— und eine Ermäßigung der Getreidezölle fordert, hat der Partei- tag der ehemals unentwegten Freihändler aus der Resolution Gothein entfernt! Trotzdem soll der Freisinn keine Schutzgarde der Lebensmittel- Wucherer sein! Um das zu verstehen, muß man erst in das Ge- heimnis freisinniger Logik eindringen, die aber wohl eine Spezialität der„Freisinnigen Zeitung" bleiben wird. In ihrer Naivität bemerkt die„Freisinnige" noch, die Ver- Weigerung der politischen Gleichberechtigung der Frau sei kein Akt der Volksentrechtung, denn die Frauen hätten ja das Recht noch nicht! Mit demselben Recht könnten die Konservativen behaupten: die Ablehnung des Reuhstagswahlrechts für Preußen sei keine Volksentrechtung, denn das Recht existiere noch nicht! Zeugniszwang gegen Redakteure. Aus Hamburg wird uns telegraphiert: «Nachdem in emein Disziplinarverfahren wegen eines im„Hamburger Fremdenblatt" veröffentlichten Artikel« der verantwortliche Redakteur Dr. Obst wegen Verweigerung der Zeugnisaussage über den Verfasser bereits zu einer Geldstrafe von zweihundert Mark verurteilt worden war, wurde Dr. Obst auch in der heutigen Hauptverhandlung vernommen. Da er bei seiner Zeugnisverweigerung beharrte, be- vttantw.»edakt.:«lsrw»kfadfe»tnloOn. veranttv antragte der Erste Staatsanwalt die Zwangs- Haft. Das Gericht sah von der Zwangshaft ab und erkannte auf eine Geld st rase von hundert Mark oder zehn Tage Haft. Es sei guf eine niedrigere Geldstraw als im Strafverfahren erkannt, weil Dr. Obst mit Bezug auf die Berufs- standesehre und die in seinen Kreisen geltende Auffassung sein Zeugnis verweigert habe" Der Antrag des Staatsanwatls, einen Redakteur durch Freiheits- entziehung zu einer unanständigen Handlung zu zwingen, ist für die Auffassung der Anklagebehörde charakteristisch. Das Gericht hat sich der heute herrschenden Rechtsauffassung gebeugt, die einen Zeugnis- zwang für zulässig erachtet. Bis in die Mitte der SOer Jahre hinein herrschte die Ansicht, daß insbesondere für Disziplinarsachen ein Zeugniszwang eines Redakteurs dann nicht besteht, wenn er durch Ablegung des Zeugnisses die durch seinen Beruf ihm obliegende Schweigepflicht verletzt. DaS unablässige Drängen der Verwaltungs- behörden brachte der gegenteiligen Ansicht den Sieg, nach der ein Gericht verpflichtet sei. einen Redakteur durch Geldstrafen zu zwingen, die unanständige Handlung des Treubruchs zu begehen. Noch immer stehen wir auf dem Standpunkt, daß ein solcher Zwang nicht nur mit dem Berufe eines Redakteurs, sondern auch mit der Stellung des Gerichts unvereinbar ist. Ein Gerichtsverfahren soll der Auf- rechthaltung der Rechtsordnung dienen, darf daher niemals selbst gegen die durch die Sitte aller anständig denkenden Menschen be- tätigte Auffassung verstoßen. Es wäre angebracht, endlich— vielleicht bei Gelegenheit des Entwurfs über Jugendgerichte— den durch eine falsche Rechtsprechung geschaffenen Zeugniszwang gegen Re- dakteure zu beseitigen._ Konkurrenzklauscl und Duellmordversuch vor dem Lübecker Kriegsgericht. Ein Prozeß, der nicht nur in Lübeck Aufsehen erregen dürfte, kam am 24. und 25. Oktober vor dem Kriegsgericht der 17. Divi- sion in Lübeck zur Verhandlung. Angeklagt waren der Ingenieur und Leutnant der Reserve Hugo Wachen feld wegen Heraus- forderung zum Zweikampf mit tödlichen Waffen und der Reserve- leutnant Schmidt wegen Kartelltragens. Wachenfeld hat in den politischen Kämpfen in Lübeck eine gewisse Rolle gespielt, indem er als Verfechter des liberalen Mischmaschkandidaten öffentlich aufirat, wobei er allerdings meistens Heiterkeitserfolge erzielte. Für seine „fortschrittliche" Auffassung von dem Recht der lleberzeugung andrer spricht die Tatsache, daß er einen alten pensionierten Ober- Postsekretär, der sozialdemokratisch gewählt hatte, vor aller Oeffent- lichkeit mit Zustimmung des„liberalen" Reichstagskandidatcn Klein, im lübischen Amtsblatt verungliinpfte. Den Gegenstand der An- klage bildete eine Herausforderung des Hauptmannes der Landwehr Rechtsanwalt Dr. Wittern in Lübeck zum Zweikampf mit scharfen Waffen: 15 Schritt Distanz, gezogene Pisto- len mit Visier und Kugelwechsel b i s zur Kampf- Unfähigkeit. Rechtsanwalt Dr. Wittern, Mitglied der Lübeckcr Bürgerschaft und gesuchter Verteidiger, lehnte die Forderung ab, da er als Familienvater mit sechs Kindern nicht Lust hatte, sich niederknallen zu lassen. Die Differenzen zwischen Wachen- seid und Dr. Wittern entstanden dadurch, daß Dr. Wittern als An- walt der Firma G. Posschl u. Co.. deren Inhaber ein lübischer Senator ist, dem Wachenseld, der früher bei Possehl tätig war, Vor- Haltungen über einen Bruch der Konkurrenzklausel macht«, die zwischen Wochenfeld und der Firma Possehl vereinbart. Nach dieser Konkurrenzklausel durfte Wachenfeld innerhalb dreier Jahre nach seinem Austritt aus der Firma nicht bei der Konkurrenz ein- treten. Diese Abmachung ist auf Verlangen von Possehl u. Co. durch Wachenfeld ehrenwörtlich bekräftigt worden. Trotzdem teilte Wachen- feld einige Zeit nach dem Ausscheiden aus seiner Stellung einem Vertreter des Hauses Possehl mit, daß es seine Absicht sei. der Finna Possehl Konkurrenz zu machen. Darauf hin schrieb Dr. Wittern an Wachenfeld im Auftrage von Possehl einen Brief, in dem er ihn ausforderte, sein Ehrenwort zu halten, auch wenn das Reichsgericht solche Verträge, wie Wachenseld mit Possehl abgeschlossen habe, miß- billige. Diese und einige weitere Aeußerungen in dem Briefe Dr. Witterns faßte Wachenfeld als Beleidigung auf. Er verklagte jedoch seinen Gegner nicht, sondern machte dem Ehrengericht Mit- teilung. Die Folge war das Duell mit Bedingungen, die einem Mordversuch gleichkommen. Die Prozeßverhandlungen, die durchweg unter Ausschluß der Öffentlichkeit geführt wurden, endeten damit, daß Wachenfeld zu 14 Tagen Festungshaft und Schmidt zu einem Tag Festungshaft verurteilt wurde. Die Verhandlung zeigte mit aller Deutlichkeit die ll n s i n- nigkeit des Duellzwanges und die Unmoral der Konkurrenzklauscl._ Cnglanck. Das Verhältnis zu Teutschland. Londou, 2ö. Oktober. Der Präsident des Ackerbauamts R u n c i- man nahm gestern in einer Rede in Aorkshire Bezug auf eine kürzlich von Lord Roberts gehaltene Rede, in der dieser einen Krieg zwischen England und Deutschland als un- vermeidlich erklärt hatte. Runciman führte aus, es gebe nichts für England, um dessentwillen es in den Krieg ziehen müßte. Da es von allergrößter Bedeutung sei, niemals die öffentliche Meinung aufzureizen und niemals Mißstimmung zu erregen, bedauere er die Rede Lord Roberts tief. Roberts habe sich ym sein Vater- land große Verdienste erworben, aber damit leiste er seinem Lande keinen Dienst, wenn er in einer öffentlichen Versammlung etwas sage, was tatsächlich auf die Erklärung hinauslaufe, daj� der Krieg zwischen England und Deutschland unvermeidlich sei. Runciman schloß: Ich glaube nicht, daß dieser Krieg unver- m e i d l i ch ist, und meine, eine Acußerung wie die Lord Roberts ist nicht nur beklagenswert und schädlich, sondern auch gefährlich, wenn sie in Deutschland Widerhall findet. Ich wünsche. daß man auch in Deutschland erfahre, daß die Aeutzerung auch in England keinen Widerhall gefunden hat �onvegeu. Tic Storthiugswahlen. Nach den bisher vorliegenden Nachrichten hat die Sozial- demokratie bei den Storthingswahlen einen weit größeren Erfolg zu verzeichnen als die ersten Meldungen vermuten ließen. Es sind(die amtlichen Wahlresultate liegen noch nicht vor) für die Sozialdemokratie 077 Stimmen abgegeben worden. Diese Zahl dürfte sich noch um etwa 4— 5000 erhöhen, da die� Schlußziffern für einige Kreise noch nicht be- kannt sind. Seit dem Jahre 1906 hat unsere Partei demnach ihre Stimmenzahl verdreifacht. Damals betrug die sozial- deniokratische Stimmenzahl 42 000, sie stieg aus 91 268 ini Jahre 1909 und aus über 120 000 im laufenden Jahre. Das ist ein glänzender Aufmarsch. Was aber diese Erfolge unserer norwegischen Bruder- Partei um so wertvoller macht, ist der Fortschritt auf dem PlattenLande. Zum erstenmal ist die sozialdemokratische Wählerschaft der Landbezirkc größer als die der Städte. 1909 wurden 43 274 sozialdemokratische Stimmen in den Landbezirken abgegeben, gegen 47 994 in den Städten. Dies- mal ist die Zahl der sozialdemokratischen Stimmen in den Landbezirken auf 60 379 gestiegen, gegen 59 698 in den Städten. Die Landbevölkerung beginnt demnach in immer größerem Maße sich der Sozialdemokratie zuzuwenden. Zu einem Teile niag das auf die industrielle EntWickelung zurück- : Th- Glocke. Berl>n. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u Verlagsanstal: zuführen sein. Industrielle Betriebe entstehen immer mehr in ländlichen Bezirken, wo die Vorbedingungen dafür günstig sind. Insbesondere Bergbau und in Verbindung damit Eisen- industrie, ferner Holz- und Holzmasserndustrie siedeln sich dort an, wo die Rohware vorhanden oder günstig zu erlangen ist. Die hier tätigen Industriearbeiter werden naturgemäß bald zu Pionieren der Sozialdemokratie unter der Landbe- völkerung. Aber darüber hinvus müssen die� sozialdemokratischen Forderungen großem Verständnis bei der Land- bevölkerung begegnet sein, sonst könnte der Fortschritt nicht so groß sein wie er ist. Tie große, von uns bereits skizzierte wirtsä)aftliche Frage des letzten Wahlkampfes, die Kon- zessionsgesetzgebung, hat bei der Landbevölkerung lebhaftes Interesse erregt' die Landbevölkerung fühlt natur- gemäß eine starke Abneigung gegen die Börsenjobber, die aus den Naturreichtllniern des Landes großen Profit heraus- schlagen, Land und Leute aber in Abhängigkeit bringen. Sie hat daher bei der jetzigen Wahl den konservativ-fortschritl- lichen Mischmasch nach Hause geschickt und neben den Links- liberalen in steigendem Maße Sozialdemokraten gewählt. Ueber die diesbezügliche Stellung der Parteien unter- richten folgende Zahlen. Es haben Stimmen erhalten: Insgesamt Landb�rt�Srädten Linksliberale....... 170 943 134 646 36 297 Konservative u.„Fortschrittler" 160 909 100 624 60 285 Sozialdemokraten..... 120 077 60 379 59 698 In den Städten, wo die Börsenjobber und Hausagraricr init ihrem Anhang dominiert baben, ist die Sozialdemokratie auf besteni Wege, die stärkste Partei zu werden. Es fehlen ihr nur 300 Stiinmen und sie hätte die Konservativen über- flügelt gehabt. Wie dm Stimmung der Wähler umgeschlagen ist, dafür ist die Wahl in Kristiania, der bisherigen konser- vativen Metropole, ein zwingender Beweis. 1909 erhielten hier die Konservativen 27 302 Stimmen, die Sozialdemo- kraten 19 093. Außerdem entfielen auf die Liberalen 6465 Stimmen. Bei der jetzigen Wahl haben die Konservativen nur 24 650 Stiminen erhalten, die Sozialdemokraten dagegen 23 791, während 9000 Stiminen zersplittert sind(Liberale, Reichssprachenverband und Wilde). Tie Konservativen haben hier also fast 3000 Stimmen verloren und die Sozialdemo- krafte fast 5000 Stimmen gewonnen, trotz der von dem ehe- nialigen sozialistischen Pfarrer Eriksen betriebenen Zerspliltc- rung. Unsere Partei ist in der Hauptstadt jetzt die stärkste Partei und die Stichwahlen ani 4. Noveniber werden diesem Stimmenverhältnis hoffentlich auch den mandatmäßigen Aus- druck verleihen. Von den fünf Kristianiakreisen kommen 3 in Stichwahl: davon stehen 2 für die Sozialdemokrafte günstig. Die Zahl der Stichwahlen ist außerordentlich groß. Nur 57 Wahlkreise wurden am 21. Oktober endgültig besetzt: es werden 62 Stichwahlen nötig. Gewählt sind bisher 33 Links- liberale, 15 Konservative und 9 Sozialdemokraten. Gewerkschaftliches siehe 3. Beilage. ver ßaUtanftrleg. Die Griechen bei Strivina geschlagen. Konstantinopel, 26. Oktober.(28/ T. 23.) Authentische Nachrichten bestätigen, daß die griechische Armee, die auf dem Bormorsch nordwestlich von Arta begriffen war, gänzlich zurückgeschla- gen worden ist. Die Griechen mußten Strivina aufgeben und die Höhen von Gribowo räumen. Die ganze griechische Armee geht in der Richtung auf den Artafluß zurück. Die Türken erben- teten eine Menge Lebensmittel. Reiche Kriegsbeute. Sofia, 26. Oktober.(Meldung der Bulgarischen Tel.-Agentur.) Tic Bulgaren haben bei K i r k k i Ii s s e 7 Schnellfeuerbatterien samt Muuttionswagen, ferner eine große Menge Patronen, 18 gc- wohnliche Geschütze, 12 Belagerungsgeschütze, im ganzen 58 Stück. erobert. Ferner fielen ihnen mehrere Lebensmittel- und Equi- pierungsdepots in die Hände. Belgrad, 26. Oktober.(W. T. B.) Wie amtlich gemeldet wird, erbeuteten die serbischen Truppen bei K u m a n o w o 55 türkische Feldgeschütze, 6 Gebirgsgeschütze, 6 Mitrailleusen, 80 große Zelte und große Mengen sonstigen Kriegsmaterials. Bei der Einnahme von Sienitza wurden 13 türkische Geschütze und zahlreiche Ge- wehre sowie Munition erobert.— Aus Kumanowo ist eine Anzahl Verwundeter hier eingetroffen. Die Greuel des Krieges. Belgrad, 26. Oktober.(W. T. B.) Gestern sind 324 Ver- w u n d e t e aus den Kämpfen auf dem we st lichen Kriegs- s ch a u p l a tz und 578 Verwundete aus der Schlacht bei Kumanowo eingetroffen. Die Gesamtverluste der serbischen Truppen sollen sich aus 2000 Tote und 900 Verwundete be- ziffern. Die Türken hatten 8900 Tote. Die Zahl der Verwun- deten ist unbekannt. Nach Erzählungen von serbischen Verwunde- ten haben die serbischen Truppen die größten Verluste bei der Erstürmung der von der türkischen Artillerie besetzten Anhöhen erlitten, welche infolge der vortrefflichen militärischen Positionen durch Bajonettangriff genommen werden mußten. Erst nach Eroberung dieser Positionen konnte die serbische Artillerie in Wirksamkeit treten und richtete unter den türkischen Truppen ein sö r m l i ch e s Blutbad an. Unbestätigten Nächrichten zufolge soll der Albanesenführer Jssa Boljetinac, welcher sich anfänglich den serbischen Trup- Pen angeschlossen hatte, mit seinem beträchllichcn Anhang an der crbischen Armee Verrat geübt haben und mit einer großen Anzahl von Albanesen getötet worden sein. Authentische Nachrichten fehlen. General Jankowitsch, der Kommandeur der dritten Armee, ließ auf dem Amselfeld(unweit des Grabes des Sultans Murat) für den in der Schlacht vom Jahre 1389 gefallenen Zaren Lazar und die gefallenen serbischen Krieger ein feierliches Requiem abhalten. In den er- oberten Städten fanden Dankgottesdienste für den Sieg der serbischen Waffen statt. An den Gräbern des Zaren Lazar und des Sultans Murat wurden serbische Ehrenwachen ausgestellt. Letzte ISacfirichten. Blutige Sühne. New Aork, 26. Oktober. iW. T. B.) Nach einem Telegramm aus Mexiko sind achtzehn Anbänger des Generals Felix Diaz in Veracruz vor das Kriegsgericht gestellt worden. Zwei weitere An- Hänger Diaz' wurden standrechtlich erschossen. Diaz erklärte, er allein sei für den Auf st and verant- w o r t l i ch. Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 5 Beilage»,~ 9r251 29. Z.H.-.., j. Ktilllgt des„Nmlirts" Sttliner UllldstlM �«"btt Bmutfaku oMu-ftordm lifantzik S�y-rj/Warna _ /giw'g/g*»«-/4—--—- BJahgrada) idJTiüse/yaya KaHStia � wfa ¥°P lerhoyica\ yte'i �S/disarai Vratja vc.' sSiaiii � JT.'or l~ /d ypalß fcferen Trojan| .MafLoMop H 0 iJ �f572»� � f�amrTste/toAsdo /dm traboyo-. Tssafincd, a b �fe�Sliven0�� ) Äzr/�a T&tywar o« "Wöshendil i msots ii5l fißrik 1 �' ,1«! fcggaa -'Drin Los _ �ffocfcm/\ ==V3»em�; fosf&VÜ joN 4W« 'njffneyrckop�-�.' J Sehtincai N 07711 nnsj tmtertöi tecßm£< �Vliac te&onv Tdaladsto M/znn �rfbhpyrvY.£ Mhm 'efiidie I '/jarorna sd, 1550/ rawra dof/nd� ? vo t�oft/yendos» eryia-, s„o) Samothi latamona. '/.Mer/era- A Ve/i'/m/r/�r Siamänta} �dxMi � Upiifa0*®. V��fJannig: lanan- 'U/iuri. mjjjjrdti�\K * BtrtsikaKi r( hsrl i\rf3 Wyrajdm)yu\g3i t&rjfe/fnpn jp/Sm Übersichtskarte der Kriegsschauplätze auf der Balkanhalbinsel. Die sleischteuerung vor dem vreiklalsenhause. 8 6. Sitzung, Sonnabend, den 26. Oktober 1912. Vormittags 19 Uhr. Am Ministertisch niemand. Die Besprechung der Interpellationen über die Fleischteuerung wird fortgesetzt. Abg. Ströbcl(Soz.). Es hat offenbar etwas mißliches, wenn die Sitzung so früh einberufen wird. Nicht nur, daß im Hause so wenig Leute an- wesend sind, auch die Herren Minister scheinen nicht so früh auf- stehen zu können. Es ist bemerkenswert, daß der ganze Minister- tisch absolut leer ist, geraden dem Zlugenblick, wo der V c r t r e tc r der Mehrheit des Volkes das Wort nimmt.(Lachen rechts.) Eine schlimmere Mißachtung des Volkes durch die Regierung kann gar nicht gedacht werden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Herren, die da lachen, werden doch kaum ernstlich bestreiten Wollen, daß hinter der Sozialdemokratie eine ganz andere Bevölke- rungsziffcr steht, als hinter irgendeiner anderen Partei. Wenn man die Nationalliberalen, Konservativen, Freikonservativcn mit all ihren Anhängseln zusammennimmt, haben wir Sozialdemo- traten trotz allen Terrors, der von Ihnen geübt wird, imnier noch mehr Stimmen, als Sie alle zusammen. Wenn wir wirklich einmal das gleiche Wahlrecht in Preußen hätten, und wenn erst einmal die schöne agrarische Wahlkreisgcomctric verschwunden wäre, dann würden viele von Ihnen nicht anwesend sein, das wäre dann allerdings ein Segen für das Volk.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Diese Rücksichtslosigkeit der Regierung gegenüber dem Volk beleuchtet am besten den Ernst der ganzen Debatten, die hier ge- pflogen werden. Wenn es wirklich darauf ankäme, die Volksnot zu lindern und dafür zu sorgen, daß die Lebensmittelpreise einen ver- nünftigen Stand erreichen, so daß dadurch der Fleischverbrauch des Volkes erhöht wird,(der L a n d w i r t s ch a f t s m i n i st e r er- scheint im Saal) dann würden die Herren Minister wohl anwesend sein— zum Glück hat sich ja jetzt wenigstens einer von ihnen eingefunden. Es War ja schon eigentümlich, daß überhaupt die Herren Nationalliberalen vor dies Drciklassenparlament mit ihrer Interpellation gekommen sind. Die Herren sind doch nicht so naiv, daß sie sich einbilden könnten, daß Dreiklassenhaus würde irgend- eine Aktion unternehmen, um die Not des Volkes wirklich in höherem Maße zu lindern. Nun die gestrige Rede des Herrn Schiffer hat das Rätsel gelöst. Es hat sich gezeigt, daß die Jnter- pellation der Herren nichts anderes War. als eine Hilfsaktion für die Junker, (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten) nicht eine Aktion zu- gunsten des Voltes, sondern sogar gegen die schwächlichen Maßnahmen, die von der Regierung jetzt endlich zugestanden worden sind. Herr Schiffer hat darüber keinen Zweifel gelassen, als er erklärte, die Maßnahmen der Regierung gingen bereits bis Hart an die Grenze dessen, was seine Freunde als zulässig er- achteten. Anders konnte es Herr v. H c y d c b r a n d auch nicht sagen, und er hat ja auch Herrn Schiffer seine freudige Auer- kennung für diese Haltung ausgesprochen. Die Spitzen gegen die Konservativen am Anfang der Rede des Herrn Schiffer sollten offenbar nur die allgemeine Haltung der Äationallibcralcn mas- kieren, sollte?', nur verbergen, daß eigentlich gar kein Unter- schied zwischen der Stellungnahme der Nationalliberalen und der der Konservativen gegenüber den Maßnahmen der Regierung und gegenüber dem Notstand überhaupt besteht. Zuerst betonte Herr Schiffer, daß der Notstand nicht nur die Arbeiterklasse, sondern auch den gewerblichen Nt i t t c l st a n d treffe. Da hätte man winen sollen, daß er mindestens so wie Herr W i e m c r gegen die Regierung vorgegangen wäre und Maßnahmen gefordert hätte, um dem Notstand auck in Zukunft vorzubeugen. Aber das hat Herr Schiffer nicht getan. Die schöne Rede über den Notstand der kleinen Gewerbetreibenden und Beamten war wohl nur fürdicWahlcn berechnet. Nachher drehte sich das Blättchen vollständig und es blieb eine reine agrarische Rede übrig, in der Herr Schiffer die Regierung beschwor, um Gotteswillcn ja nicht weiter zu gehen. ES ist eigentümlich: wenn man die Artikel der„National- z c i t u n g" in den letzten Wochen gelesen hat, da stand eigentlich ctivas ganz anderes darin, als was Herr Schiffer ausgeführt hat. (Zuruf bei den� Nationalliberalen: Das ist ja gar nicht unser Parteiblatt.) Sic schütteln ja jedes Blatt ab, wenn es Ihnen un- hequem ist. Nun, die Wähler werden dafür sorgen, daß Sic selbst abgeschüttelt werden bei den nächsten Wahlen und recht gründlich. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Reichskanzler hat nun die Nationalliberalen und Konser- vativcn beruhigt. Es handele sich nur um eine vorübergehende Aktion, die sofort ausgesetzt werden würde, wenn die Preise ein wenig hcrabgcgangen wären. Es liege eine anormale Flcischtcucrung vor. Man sollte annehmen, daß die Herren Minister sich solche Prophezeiungen allmählich abgewöhnen könnten, nachdem sie so oft damit hereingefallen sind. Schon 1999 wurde die Fleischteuc- rung als vorübergehende Erscheinung bezeichnet, ja 1996, 1997, 1919, 1911 und noch im September dieses Jahres erklärte die„Nord- deutsche Allgemeine", daß der Notstand durch besondere m o m e n- tanc Umstände heraufbeschworen sei. Vier Wochen später sah sich dann dieselbe„Norddeutsche Allgemeine" gezwungen, zuzugeben, daß in der Tat ganz abnorme Preise herrschten und es nötig sei, wenigstens etwas zur Beseitigung des Notstandes zu tun. Auch diesmal wird sich die Prophezeiung des Ministerpräsidenten nicht erfüllen, die Fleischnot wird bestehen bleiben, solange das System der Schnyzollpolitik und der Grenzsperren nicht beseitigt wird. Es fragt sich nur, wie man den Begriff der Fleischnot auslegt, denn die Herren von der Ntehrheit.und der Regierung sind darüber natürlich anderer Meinung, als die große Masse des Volkes, die die Hohen Preise bezahlen muß. Die Herren meinen, die Fleischnot wäre vorüber, wenn die Preise um einige Pfennige heruntergehen. Daß die Fleischpreisc dann immer noch viel höher sind, als in an- deren Ländern, kümmert die Herren nicht,«ic behaupten, die Preise müßten so hoch sein, damit die Landwirtschaft, insbesondere die kleinen Landwirte, dabei bestehen können. Der Ministcrpräsi- dent hat offen ausgesprochen, das Volk müsse Opfer bringen für dir nationale Wohlfahrt. Die nationale Wohlfahrt abör wird dadurch gewahrt, daß eine möglichst gute Ernährung der breiten Volksmasscn vorhanden ist. In der Tat können die Fleischpreisc ganz erheblich herabgehen, ohne daß die Landwirtschast dabei einen Schaden erleidet. Die Preise sind in den letzten Jahrzehnten so enorm gestiegen, z. B. für das Kilo Rindfleisch von 1,14 auf 2.29 M., Kalbfleisch von 1,20 auf 2,20 M. usw., daß. wenn das Fleisch auch um 19 Pf. billiger ist, sie immer noch viel zu hoch sind. Das Sächsische Sta- tistischc Amt hat noch im August 1912 geschrieben, daß an eine erhebliche Erniäßiguug der Fleischpreisc riicht zu denken ist. Die deutsche Vichproduktion ist absolut unzu- reichend. Wenn man darauf hinweist, daß sie sich seit 1816 um das S!4faa,e vermehrt har, so vergißt man ganz, daß sich inzwischen die Verhältnisse völlig umgewandelt haben, daß infolge der Industrialisierung Teutschlands der Flcischbcdarf der Bevölkerung viel stärker geworden ist. Während noch 187! nur 8 große Städte mit zusammen 2 Millionen Einwohnern in Deutschland vorhanden waren, betrug die Zahl der Großstädte 1919 bcröits 49 mit 1ö Milli- onen Einwohnern. Ein Unfug sondergleichen ist es, wenn man behaupten will, daß eine überwiegend vegetarische l Nahrung für das Volk ausreiche. Die Ernährungsweise richtet sich, | wie jeder Physiologe und einsichtige Nationalökonom weiß, nach den Lebensbedingungen. Der Landarbeiter kann sich eher mit wenig I Fleisch ernähren als die industrielle Arbeiterschaft. Ich glaube kauni, daß einer von den Herren Landwirten von der Rcchnn vegetarisch leben wird; Wenn bic_ Herren ehrlich sind, werden sie zugeben, daß auch ihnen ein Stück Fleisch besser mundet, als Hülsenfrüchte.(Lachen rechts.) Wenn üsie so ernste Fragen ein- fach durch ej n Lächeln abtun wollen, beweisen Sie nur, daß Ihnen die Sache gar nicht ernst ist, sondern daß Sie einfach auf dem Standpunkt stehen: wir wollen höhere Fleischpreise, weil wir unseren Vorteil daraus ziehen,(«ehr wahr! bei den Sozialdemo- kraten.) Am wenigsten verstehe ich, wie Herr G i c s b e r t L darüber lächeln kann, die sogenannten A r b e i t e r v e r t r c t e r des Zentrums hätten doch alles Interesse daran, dafür zu sorgen, daß sich auch die Arbeiter ein anständiges Stück Fleisch leisten können. Wie weit man auf jener Seite geht, hat der Hinweis eines Pfarrers bewiesen, der meinte, im Vaterunser sei nur davon die Rede, daß wir unser täglich Brot haben, nicht aber unser täglich Fleisch. Deshalb haben wahrscheinlich die G e i st l i ch c u vor kurzem eine Gehaltsaufbesserung von 699 bis 1299 M. für sich verlangt.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Es gibt sehr viel Land- und auch Stadtarbeiter, die nicht so viel verdienen, wie diese jährliche Gehaltsaufbesserung für die Herren Geistlichen betrug. Diese halten es noch immer mit dem Heineschcn Wort: Sie trinken heimlich Wein und predigen öffentlich Wasser. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Fleischkonsum der Bevölkerung beträgt heute p r o Kopf und Tag 99 Gramm. Das ist viel zu wenig. Nach Professor R u b n e r bedarf der Er- wachsene 191 Gramm pro Tag und auch das Reichsgesundheits- büchleiu hält m i n d e st e n s 150 Gram m Fleisch täglich für notwendig zur angemessenen Ernährung eines Erwachsenen. Daher müssen die Fleischpreisc verbilligt werden, damit die ar- bettende Bevölkerung in Höherem Maße Fleisch konsumieren kann. Was soll man aber dazu sagen, wenn der L a n dw i r t s ch a f t s minister, der leider gegenwärtig wieder nicht anwesend ist, gestern erklärt hat, der Arbeiterhaushalt würde viel besser ans kommen, wenn die Frauen mehr Gemüse kochen wollten, aber es gäbe im Arbeiterhaushalt Fleisch, Fleisch und nochmal Fleisch. Die Arbeiter müssen das als die blutigste Verhöhnung ansehen.(Sehr wahr! bei den Sozialdenwkraten.) Woher hat den» der Minister seine Kenntnis über den Fleischverbrauch der Arbeiterfamilien. Hätte er ein wenig die offiziellen Untersuchun- gen über den Fleischkonsum der Arbeiterfamilien studiert, wie das seine verdammte Pflicht gewesen wäre, so hätte er eine solche Bc- hauptung nicht aufstellen können. Ist er etwa in einer Volks- küchc gewesen oder hat eine Schlafstelle bei einer Arbeiter- familic gehabt? Es gibt eigentlich gar keinen parlamentarischen Ausdruck, um eine derartige Unvorsichtigkeit, wie ich mich parla- mentarisch ausdrücken will, zu kennzeichne». Ein Minister, der außerdem noch Millionär ist, sollte sich genieren, etwas der- artiges dem Volke ins Gesicht zu sagen.(Lachen rechts.) Daß er Ihnen damit aus dem Herzen gesprochen hat, glaube ich. Sie beweisen durch Ihr Lachen nur, daß Sie in derselben Meise glau- ben, das Volk verhöhnen zu können. Ich erinnere daran, wie wirkliche Kenner der Verhältnisse über die Dinge ur- teilen. So hat Kreisarzt Dr. Thomalla in Altena auf Grund von Untersuchungen von Schulkindern nachgcwicsc», daß die Zahl der Skrop hu lösen infolge der schlechten Er- n ä h r u» g immer mehr z u n i m m t. Wenn das ein Kreis- arzt in einem Kreisblatt schreibt, so hört sich das doch wohl fach- kundiger an, als das, was gestern der LandwirtschaftSministcr uns 20" i 1"'«•„>0-�,7183* v z erzählt hat. Und weiiii dieser Kreisarzt zu dem Schluß kotniuti daß die zunehmende Verbreitung der Skrophulase infolge der Unterernährung die Vorbedingungen für die Äkitervsr- breitung der Tuberkulose und der Uebcrtragung von Jnfekticms- krankherton fördert, so dürfte das schon ein Grund für die Staats. rcgianmg sein, der Bekämpfung der Teuerung ein ernsteres Augen merk zuzuwenden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Unsere tN a r i n e s o l d a t e n bekommen täglich 3 I ö Gram m F l e i s-ch, doppelt soviel, als manche ganze Arbeiterfamilie zu ver zehren hat, und die Marineverwaltung wird keine Veranlassung Hachen, den Mannschaften mehr Fleisch zu geben, als zu einer auÄcichendan Ernährung notwendig ist. Tie ständige Zunahme des Pserdefleischkonsums ist ein weiterer Beweis dafür, daß nicht nur von einer augenblick- lichen 0Mslichnot gesprochen werden kann, sondern daß die Fleisch- tenerung in den letzten Jahren andauernd war, und wenn nicht energische Maßnähmen getroffen werden, auch in den nächsten Jahren vo rhande» bleiben wird. Freilich, auch bei diesen trau- rigen Tatst. vfcsn sehe ich einen Zentrumsmann, den rühm- lichst bekam.üen Abgeordneten Gronowski, lächeln.(HörtI hört? bei den' Sozialdemokraten.)> An der Teuerung des Fleisches und der Lebensmittel tragen die Einfuhrzölle die Hauptschuld. Nach einer Besprechung des Professor? Lujo Brentano in München hat das deutsche Volk in drei Jahren für das von ihm verbrauchte Getreide 3058 Millionen Mark mehr ausgeban müssen, als wenn wir nicht die Schutzzölle hätten, und nicht lvenvger als 2336 Millionen Mark sind nach Brentano in die Taschen des Großgrundbesitzes geflossen. sHört! bort! links— Lachen rechts.) Das ist ja auch die Absicht, die mit den Hochschutzzöllen verfolgt wird. Die lllegierung selbst roünscht ja, wie sie in einer Denkschrift an den Reichstag hat ertevncn lassen, daß der ganze Zollbetrag auf den Preis des Getreide ausgeschlagen wird. Während die Groß- grundbesitzer Millionen umd Milliarden einsacken, wird durch die Zölle die arbeitende Bevölkerung ausgebeutet. Nach Brentano beträgt die B r o t st e u e r lg M. pro Kopf der armen Bevölkerung, also 76 M. für eine vierkitpfige Familie. ILachcn recht s.) Die Einkommensvermehrung der landwiri schaftlichen Bevölkerung durch die Zölle kommt aber auch nur den Großgrundbesitzern zugute, da nach der deutschen„Agrar zcitung" selbst 66'proz. der deutschen landwirtschaftlichen Bevölke. rung von der Einkommensteuer frei sind. Die Sta- tistik ergibt, daß das Gesamtvermögen der landwirtschaftlichen Be- völkerung nicht gestiegen üjt, aber die Gruppe mit einem Einkom- men von 30 000 bis 50 000 M. im Jahr von 7,7 Proz. auf 13 Proz. des landwirtschaftlichen Gqsamtvermögens angewachsen ist; in der Tat haben ungefähr 700 Ob ostagraricr eine BcrmögenSvcrmehrung um 2236 Millionen Mark �u verzeichnen. Auch gestern haben wir wieder das schöne Berhälmis beobachten können, daß die Vertreter der Großindustriellen, die Nationalliberalen und Frei- konservativen, den Agrariern in der Zollpolitik beistehen, damit die Agrarier auch umgekehrt wieder die Zollwünsche der Großindustriellen unterstützen. Dieses Zu- sammenwirken habe« wir� ja längst auf allen Gebieten, nament- lich auf dem der sozialen Scharsmacherei. gerade hier im preußischen Abgeordnekenhaus genügend beobachten können.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Auch dem Minister muß pflickstgemäß die Wirkung der Agrar- zolle bekannt sein, und trotzdem erklärt er hier, daß es sich dabei um nationale Interessen handele! Die Einnahmen des Reiches aus Steuern und Zöllcm sind von 273 Millionen Mark im Jahre 1878 auf mehr als 1500 Millionen Mark gestiegen, und dazu kommen noch Steuerreformen wie die Finanzrcform des schwarz- blauen Blocks. Wollen Sie beliauptcn, daß die Masse der landtvirt- schaftlichen Bevölkerung von diesem System Vorteile hat? Die zahllosen Zwerg- und Parzellenbetriebe, die zusammen nur einen winzigen Prozentsatz der gesamten Bodcnfläche bedecken, und nicht einmal die Bauern, die nur 7 Proz. der Bodensläche besitzen, haben davon gar keine Vorteile; diese kommen vielmehr ausschließlich den landwirtschaftlichen Großbetrieben zugute. Ich stütze mich bei diesen Behauptungen auf a m t l i ch e Zahlen, die beweisen, wie berechtigt die Forderung der Sozialdemokratie aus Beseitigung der Getreide- zölle ist. Leider war ja der Spott, den gestern Abg. Schiffer über den Freisinn ausgegossen, der nicht mehr ans dem Standpunkt rascher Beseitigung der Getreidezölle stehe, sondern nur auf dem. sie abzubauen, nicht ganz unberechtigt.(Sehr wahr! bei den So- zialdemokraten.) Das Interesse der Kleinbauern und der deut- scheu Viefwersorgiing erfordert unbedingt mindestens die Beseiti- gung der Futtermittelzölle. Das System der Einfuhrscheine ist schuld daran, daß gerade die guten Ernten nur dem Ausland zugute kommen. Im letzten Jahr wurden 1 Million Doppelzentner Roggen und 1,2 Millionen Doppelzentner Weizen mehr aus Teutschland aus- als eingeführt.«Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.)- Durch die Getreide- und Futtermittelzölle wird die Fleischproduk- tion im Inlands direkt vermindert. In dem bekannten Werk des Professors Eßlen- Zürich ist auch diese Tatsache festgestellt. Der Minister hat zwar aus diesem Werk einiges, was ihm in den Kram paßte, zitiert, aber auf diese Angaben und Forschungsergebnisse ist er nicht eingegangen. Steht er etwa aus dem Standpunkt des Abg. v. Arnim-Züsedom. der hier einmal erklärte: Ja. ich zitiere nur das, was mir paßt.(Heiterkeit.) Gerade in dem Zeitraum von 1890 bis 1900, wo wir mäßigere Zölle hatten, ist die Fleischproduktion um 50 Prozent gestie- a e n.(Hört! hört! links), und zwar nicht nur die Produktion an Schweinefleisch. Es kann aber kein Zweifel darin bestehen, daß die gemischte Fleisckmabrung fiir das Volk gesünder ist. als bloß das ewige Schweinefleisch, noch dazu so fettes Schweinefleisch, wie es der Protelarier gewöhnlich bekommt. Die Zunahme der fleisch- Produktion in der Zeit mäßigerer Agrarzölle widerlegt aber scklla- gend die agrarische Behauptung, daß eine Ermäßigung der Zölle den Ruin der Viehzucht bedeuten würde. Gerade in der billi- gen Einfuhr ausländischer Futtermittel beruht die Förderung unserer Viehzucht. Unsere Landwirtschaft hat aber nicht nur keinen Nutzen, sondern geradezu Schaden von den hohen Zöllen, die eine enorme Steigerung der Bodenpreise zur Folge haben, die gestern der Ministerpräsident zwar als Schaden bezeichnete, von der er aber nicht angegeben hat. wie ihr abzuhelfen ist. Jeden- falls wird diese Steigerimg der Bodenpreise solange zunehmen, als das gegenwärtige System der Getreideschutzzülle besteht. Der kleinere Landwirt kann nur von niedrigen Bodenpreisen Profi- tieren, weil er sonst nicht in der Lage ist, mehr Land zu kaufen. Uebrigens ist der Bodcnpreis bei den Gütern unter 5 Hektar um 11 bis 12 Proz., von 20— 100 Hektar um 23 Proz., von 100—600 Hektar um 36 Proz. und icher 500 Hektar um 34 Proz. gestiegen. Die Steigerung der Bodenprcise kommt also in der Tat nur dem Großbcsitz zugute. Infolge der hohen Kaufpreise muß aber auch immer höheres Kapital angelegt werden, das sich verzinsen und da? herausgcwirtschaftet werden muß. Die Folge ist eine wei- tere Preissteigerung, so daß wir vier eine Schraube ohne Ende in Tätigkeit sehen. Selbst der Generalsekretär des Deutschen Landivirtschaftsrats hat seinerzeit nur für ein Jahrzehnt die Höhe- ren Zölle verlangt, damit die Bodenrente nicht allzu jäh herabsinke/ Das Jahrzehnt ist längst abgelaufen, das Volk wünscht, daß endlich die Hochlchulizille beseitigt werden. Nicht nur die Arbeiter, auch weite Kreise des Bürger- tinns und selbst der Landwirtschaft erheben gegen die Fortdauer dieses Systrms immer lauter Einspruch: so zum Beispiel schrieb ein praktischer Landwirt am �-.Äug,,st d. J. im..Görlitzer Anzeiger": ieht vo s.uidcne RährungSmikteNeueturz wird zweifel!-* br- �«Vrs durch die Futtcrmitteltcuerung noch verschärft. we die viel, haltende-- kleinen Landwirte zur Verteuerung der Vieh- «reise swwat. Es besteht hier der größte Gegensatz zwischen kleinen Landwirten. Jeder rechtlich denkende Mensch mulT beute einsehen, daß die Futtermittelzölle der Allgemeinheit Nn«n Nutzen, sondern Schaden bringen,(Hört! hört! links.) Der praktische Viehzüchter, der dies schrieb, hat sicher soviel Sachkennsi ms als die Koryphäen der konservativen Partei. Wir fordern aber nicht nur die Aufhebung der Einfuhrzölle auf Lebens- und Futtermittel und die Beseitigung der Einfuhr scheine, sondern auch die Oeffnung der Grenzen fiir die Einfuhr von Vieh und von gesundheitlich einwandfreiem konserviertem Fleisch. Der Vorstand des deutschen Siädtetages, dem die Ober- bürgermesster der größten deutschen Städte angehören, die Leitung des die kleineren Städte umfassenden Reichsverbandes deutscher Städte und verschiedene Männer der Wissenschaft haben erklärt, daß ohne die Zulassung der Einfuhr ausländischen Fleisches eine ausreichende Fleischversorgung unmöglich ist. Der Minister- Präsident hat uns ersucht, darüber doch kein Urteil abzugeben, son- dern zunächst die Wirkung der Regierungsmatznahmen abzuwarten. Wenn aber feststeht, daß gerade in denjenigen Ländern, aus denen die Regierung die Einfuhr gestattet, auch nicht mehr Fleisch vorhan- den ist als bei uns, dann brauchen wir den Erfolg dieser Erlaubnis nicht abzuwarten, sondern wir können nickt mir, sondern wir müssen auch schon jetzt erklären, daß die Regierungsmaßnahmen absolut unzulänglich find. Während aus den Balkanstaaten jetzt selbstverständlich nichts ausgeführt werden kann und der Viehstand in Rußland auf den Kopf der Bevölkerung auch nicht höher ist als bei uns, besteht in Argentinien pro Kops der Bevölkerung ein Rindvichstand von 5,2(in Deutschland 0,3!). Es sind pro Kops der Bevölkerung 21,23 Schafe vorhanden(in Deutschland 0,12) und selbst die Zahl der Schweine ist in Argentinien nicht viel niedriger als bei uns. Und sowie wir die Grenzen öffnen und Argen- tinien, Australien und K: an a d a die Möglichkeit geben, sich auf die Lieferung nach Deutschland einzurichten, kann in diesen Ländern der Viehstand noch um Millionen Stücke erhöht werden. Dringend notwendig aber ist vor allem, daß ausländisches Gefrier- fleisch nach Deutschland eingelassen wird. Der Vorwand der Ge- sundheitsschädlichkeit ist geradezu abgeschmackt. Dieses Fleisch ist doch in England und anderwärts seit vielen Jahren als keineswegs gesundheitsschädigend reichlich erprobt. Und wenn Herr v. Hey de- brand ans Versuche hingewiesen hat, die unsere Militärverwal- tung vor 20 Jahren gemacht hat und von denen sie abgekommen ist, weil das deutsche Volk keinen Geschmack an diesem Fleisch findet, so ist mir allerdings neu, daß bei der Zubereitung der Kost für die Soldaten auf ihren Geschmack in erster Linie Rückficht genommen wird.(Lachen rechts.) Aber eine Gesundheitsschädlichkeit hat selbst Herr v. Heydebrand nicht behaupten können. Versuchen Sie es doch mal, ob nicht der Geschmack des deutschen Publikums sich nicht ebenso dem Gefrierfleisch anpassen wird, wie es in England längst der Fall ist.(Sehr wahr! links.) Aber das sind ja alles nur fadenscheinige Vorwände. Es muß auch damit gebrochen werden, daß veterinärpolizeilichc und hygienische Gründe vorgeschoben werden, um eine wirksame Be- kämpfung, der künstlich gesteigerten Fleischteuerurng zu verhindern. Der§ 7 des Reichsviehseuchengesetzes ermächtigt die Regierung, die Grenzsperre auch dann zu verfügen, wenn im Ausland nicht Seuchen in bedroylichem Umfang aufgetreten sind. Diese Bestim- mung kann dem Ministerpräsidenten, die willkommene Gelegenheit geben» die soeben getroffenen kümmerlichen Maßnahmen jederzeit wieder aufzuheben. Und solche Reden, wie wir sie gestern von der Rechten und den Nationallibcralen gehört haben, können die Regie- rung nur in einem solchen Beginnen bestärken. Rein schikanös ist der bekannte§ 12 des Fleisckbeschaugesetzes, der bestimmt, daß bei der Einfuhr von Gefrierfleisch auch gewisse, leicht verderbliche und zum UeberseetranAport fast ungeeignete Teile des Tieres mitgebracht werden müssen. Dadurch kann nur der Zuitand des zum mensch- lichen Genuß bestimmten Fleisches nachteilig beeinflußt werden. Uns Sozialdemokraten werden Sie nicht zumuten, daß wir unsere Wählermaffcn durch schlechtes, ungesundes Fleisch etwa krank machen wollten, dergleichen überlassen wir gewissenlosen Fabri- kanten von Methylalkohol und Back- Mar garine. Auch wir Sozialdemokraten wollen natürlich für den gesundheitlichen Schutz der deutschen Bevölkerung alles tun. Aber wenn gestern von dem Ministerpräsidenten, dem Abg. v. Heydebrand u. a. dem Abg» Wiemer immer wieder entgegengehalten wurde, was er denn tun -volle, und wie er sich die Einfuhr des Gefrierfleisches denke, dann ist daraus zu antworten-, daß ja die Untersuchung dieses Fleisches 'ehr wohl vorgenommen werden kann durch beamtete deutsche Tier- ärzte an Ort und Stelle in Argentinien, und daß wir dadurch vor der Uebertragung von Krankheiten aus das deutsche Volk vollkommen gesichert würden.(Sehr gut! links.) Tie Kommunen machen es ja chon jetzt so, und die Stadt Berlin läßt das Fleisch, das sie in Rußland kauft, an Ort und Stelle untersuchen. Man öffnet die Grenzen gegen Länder, aus denen nichts eingeführt werden kann, hält sie aber geschlossen gegen Länder wie Frankreich, Norwegen usw., wo der Seuchenschutz ebenso streng öder noch besser gchandhabt wird, wie bei uns. Wenn man wirtlich durch die Greugsperre die Verseuchung der deutschen Bevölkerung hintanhalten will, warum läßt man es dann an einer schärfe y.en Seuchenbekämpfung i in Inland fehlen, und worum haben die Agrarier den gesetzlichen Beschauzwang bei den Hausschlachtungen abgelehnt?(Sehr wahr! links.) Das bewerft, daß gar nicht die vor- geschobene Absicht eines wirklichen Seuchenschutzes, sondern- nur die Prositinteressen der Agrarier maßgebend sind-.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Streng ind sie nur in der Seuchenbekämpfung im Inland, wenn es gilt, eine sozialdemokratische Versammlung zu verbieten, weil durch das Zusammenkommen der Teilnehmer Viehseuchen verschleppt werden könnten.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Wissenschaft beweist, daß an den Folgen der Unterernährung und schlechten Er- nährung zahlreiche Menschen zugrunde gehen, ungleich mehr, als vielleicht durch Viehseuchen. Von den 28 000 Menschen, die an den Folgen der Unterernährung im Jahre sterben, könnten wir viele Tausende am Leben erhalten, wenn wir der großen Masse der Be- völkerung durch billige Nahrungsmittel ein menschenwürdiges und den Anforderungen der Hygiene entsprechendes Leben ermöglichen würden. Es ist übrigens festgestellt, daß Maul- und Klauen--, Lungenseuche usw. von Schlächterläden aus unübcrtragbar ist. Wenn auch gestern wieder dem Zwischenhandel ein Teil der Schuld an der Teuerung zugeschrieben wurde, so wollen wir keines- wegs bestreiten, daß durch die Z'wischenhändlcrringe, die Vichkom- missionärc und Großhändler an der Verteuerung mitgewirkt wird. Aber diese Erscheinungen können nur dadurch bekämpft werden,, daß die Ko n k u r r e n z des ausländischen Fleisches im weiten Maß zugelassen wird.(Sehr gut! links.) Be- bitigen Sie also die Einsuhrerschwerunpen und Sie werden diese Ringe gesprengt haben. Im übrigen steht es aber gerade den Agrariern nicht sehr an, sich über solche Dinge zu entrüsten, da doch gerade von landwirtschaftlichen Kreisen Milch-unge und andere Kar- tclle zu dem oflenkundigen Zweck der Teuenlng geschaffen worden ind. Wenn es möglich ist, den Zwischenhandel auszuschalten und sie landwirtschaftlichen Genossenschaften mit den Kommunen, den Konsumgenossenschaften usw. in direkte Verbindung zu bringen, und dadurch die Fleischpreise herabzusetzen, so wird uns das nur will- kommen sei». Mein Fraktionskollege Hirsch bat in der„Kommu- nalen Praxis" Ausführungen hierüber gemacht, durchaus in dem Sinne der gestrigen, Ausführungen von- Heydebrands und des Riinisterpräsidenten. Bilden Sie sich nur nickt ein, daß die Be- ieitigung der Händlerringr im Rahmen der jetzigen Agrarpolitik möglich ist. Dazu gehört m erster Linie, daß wir jenen Ländern, wo ein großer Viehstand vorhanden ist. die Fleischeinfuhr er- möglichen.. Es ist gestern«ehr viel über die innere Äolonisation gesprochen worden. Wenn es möglich wäre, alle die armen, Land- Proletarier,--ich: nur die Knechte und Tagelöhner, sonder» auch die kleine» und ParzeUenbauern so anzusiedeln, daß jeder genug hätte, um sich anständig' und menschenwürdig ernähre» zu können, so wür- den aum wir Sozialdemokraten dafür eintreten. Aber die Bauern- ansiedclung, wie Sie sie planem ist wieder nichts, als' Sand in die Augen der Niassen der Beoolkerung, und. namentlich der Kleinbauern. Von„freien Männern", wie Herr Schiffer sie trollte, kann da- bei leine Rede sein. Es ist auch unrichtig, vaß der Klciudctrieb noi- wendig sein wird, um mehr Fleisch erzeugen zu, können. Der Groß- betrieb ist zweifellos, wenn er ordnungs-ger.aäß betrieben wird, in jeder Beziehung der rationellste. Und wenn- dre Statistik betveisr, daß die Kleinbetriebe mehr Schweine liefern, als die Großbetriebe, so liegt das eben daran, daß die Großbetriebe sich mehr dem Körner- bau widmen. Der Großbetrieb ist technisch dam Kleinbetrieb auch in der Landwirtschaft unter allen Umständen überlegen. Damit lege ich natürlich durchaus- keine Lanze noch fiir den Großgrundbesitz ein. Tie Großgrundbesitzer halten wir Sozialdemokraten für wirtschaftlich und politische Schädlinge der Ration, ihnen gegenüber sollte die Ente ignnngzuerft an- gewandt werden. Es wird früher oder später auch kommen. Wenn wir aber einmal enteignen, so werden wir das nicht- in kapi- talistischem Sinne, sondern in sozialistisch c m Sinne tun. Es würden dann Genossenschaften l a ndwi r tschastl i ch« r Arbeiter ge- schaffen werden, die ausgezeichnet florieren würden, denn die Ar- bciter würden um so lieber dieser Arbeit nachgehen, wenn sie wüßten, daß sie nicht mehr für den Gutsherrn oder dessen Hypochekengläubi- aer arbeiten., sondern fiir sich selbst und- ihre Farwilien. Ob, wie inan behauptet, der antikollektivistische Bauernschädel von diesen Dingen nichts wird wissen wollen, das wollen wir abwarten. Es werden dann ganz andere Möglichkeiten für die Kultur aus der großen Masse der Landbevölkerung geschaffen, werden. Sie(nach rechts) haben allevdings kein Interesse für die geistigen Bedürfnisse des Volkes. Die Vorlage über die ländlichen Fortbildungsschulen ließen, Sie scheitern, weil die Regierung sich Ihrem Wunsche nicht fügen wollte, den Religionsunterricht als Lehrcwgenswnd in diesen Schulen einzuführen. Das Zentrum hält eS noch heuie mit Thomas, von Aquino, der meinte, die ländliche Bevölkerung müsse st a- r k a n K ö r p e r. a b e r s ch w a ch a n- Ge- i st sein. Aehn- lich hat sich ja auch ein konservativer Vertreter im Herrenihmlse ge- äußert, der meinte, den Landarbeitern sei es ganz gleichgültig, was aus ihrer Arbeit hervorgehe. Das Wort Schillers „Das ist ja. was den Menschen zieret Und dazu ward ihm der Verstand, Daß er im innern Herzen spüret,» Was er erschafft mit seiner Hand," meinen die Herren, trifft für die Landarbeiter nicht zu. Die Not der großen Masse der Bevölkerung wird erst dann wirtlich beseitigt werden können, wenn die kapitalistische Gc- sellschaftsordnung überhaupt beseitigt ist. denn die letzte Ursache der Not ist dock, die. daß die breiten Massen nicht kaufkräftig genug sind, weil sie allzu sehr ausgebeutet werden. Bei dieser Ausbeutung Marschiert ocr preußische Staat selbst in erster Reihe. Als sich herausstellte, daß 408 Mark unbezahlte Arbeit auf den Kopf der staatlichen Bergarbeiter entfielen, war das der Mehrheit dieses Hauses noch viel zu wenig. Sie faßte damals den Beschluß, daß der Staat als Arbeitgeber keine anderen sozialen Pflichten kennen solle, als jeder Privat- arbeitgeber auch. Das wa-r die Bankrotterklärung der staatlichen Sozialpolitik. Vergeblich wies damals unser Berghauptmann von Velsen darauf hin, daß nicht behauptet werden könne, daß die geringeren Ueberschüsse etwa durch geringem- Fleiß der Arbeiter verschuldet werden, sondern daß der Grund darin liege, daß der Abbau schwieriger geworden sei. Gerade gegenüber der erwähnten un- begreiflichen Aeußerung vom Ministertisch muß klar hervorgc- hoben werden, wie daL Volk darbt und verkümmert. Statt sich um die Speisezettel der Arbeiter zu kümmern, möchte ich Ihnen empfehlen, sich mehr die Menüs der besitzenden Klas-- sei, anzusehen. Der Schweiß der Arbeiter wird von den Herr- schenden Klassen verschlemmt und verpraßt. Sehen Sie sich die Auslagen in den Ju-velierläden, in den Pclzgeschäftcn an. Glauben Sie denn, daß Proletarier fdicse Edelsteine und Pelze kaufen? Nein, die werden von dem Mehrwert bezahlt, den die Arbeiter nicht erhalten, den die besitzende Klasse sich an» geeignet hat. Nicht die Arbeiter sind es, die schlemmen und un- nütz vergeuden, sondern die Besitzenden mit ihrem sinnlosen, cm- pörendcn Luxus, ihrer Schlemmerei und mützigen Zeitvertreib. Ehe der Sozialismus nicht durchgeführt toird, wird vou einer durchgreifenden Besserung der Lage der breiten Masse des Volkes keine Rede sein. Hier im Hause hat sich der konservative Redner ja eine gewisse Mäßigung auferlegt. Freilich die Her- ren könne» es sich ja leisten, weil sie der Regierung und der Mehr- heit des Dreiklassenhauses sicher sind. In den agrarischen Or- ganen draußen im Lande tvird diese Zurückhaltung nicht geübt. Mit welchem Hohn schrieb kürzlich die„Deutsche Tageszeitung", das führende Organ des Bundes der Landloirte, über die De- monstranten in Treptow, es seien meist gutgekleidete und gutgenährte Leute gewesen. Ein solcher Hohn ist um so un- erhörter, als gestern Herr von Hevdebrand selbst zugeben mußte, daß die Fleischpreise eine ganz ungebübrliche Höhe er- -reickü haben. Die Arbeiter erheben A n s p r u ch darauf, sich auch anständig kleiden zu können, und namentlich die Arbeiter, die sich der Sozialdemokratie und den Gewerkschaften angeschlossen haben, gehören nicht zu den rückständigsten und sozial verküm- inertsten. Durch die politische und gewerkschaftliche Tätigkeit ist es gelungen, das Los gewisser Arbeiterschichten ein wenig zu ver- bessern. Nach dem Ägrarierblatt könnte offenbar von einem Not- stände erst gesprochen werden, wenn die Arbeiter als verhungerte Gespenster herumlaufen. Nein, die Arbeiter erheben Anspruch darauf, sich anständig kleiden und ernähren zu können. Der Ministerpräsident sprach von einer verhängnisbollen Entwicklung zum Jndustrialismus und nannte das eine elementare Eni- Wicklung. Diese Entwicklung wird nicht aufhören und sie ist sehr nützlich gewesen. Denn unter dieser Entwicklung hat sich die Einwohnerzahl in Deutschland erheblich vermehrt. Wenn der Ministerpräsident sagte, daß sich dadurch der Voltscharattcr ver- ändere, so trifft das glückl sich er weise zu: Glücklicher- weise betrachtet sich die Masse des Volkes nicht mehr als rechtlose Heloten, sondern beanspruchen die gleichen Rechte wie die Besitzenden. Wir werden alles dazu beitragen. daß diese gesunde nnd vernünftige Entwicklung des Volkscharakters weiter fortschreiten wird zum Wohle der Nation. Erst wenn die sozialistischen Ziele durchgeführt werden, wird das Wort in Er- füllung gehen: „Solch ein Gewimmel mächt' ich söhn. Auf freiem Grund mit freiem Volke stehnl" (Lebhhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Minister des Innern v. Dallwitz: Der Vorredner hat auf einen Artikel des Kreisarztes Dr. Thon, all« Bezug genommen, der behauptet hat, daß in Altena die Zahl der skrophulösen Volksscbul- k-nder sich um 100 Prozent infolge der ungenügenden Fleisch- ernährung seit einem Jahre vermehrt hat. Dieser etwas auf» fallende Artikel hat zu einer Nachprüfung Anlaß gegeben. Die Untersuchung bat ergeben, daß sich unter etwa 1800 Volksschul- kindern 40 fanden.' die nach ihrem ganzen Habitus als skrophulös zu bezeichnen waren.(Hört, hört! rcck'ts.l Im übrigen unterschied sich das Aussehen der Kinder bezüglich Gesichtsfarbe. Ernährungs- zustand usw. in keiner Weise-von dem übliche» sich den Schulärzten bei Unter, uchung von Volks- schulkindern darbietenden Bilde.(Lachen bei den Sozialdemokraten.— Zuruf: 9la also.) Auf Grund des vorliegen- den Materials kann nicht behauptet werden, daß die Fleischcrnäh- rung der dortigen Bevölkerung in nennenswertem Grade zurückgegangen sei. Die Behauptung des Dr. Thomalla ist dadurch widerlegt und fiinc lve-tcrcn Schlußsolgerungen aus dieser unrichtigen Behauptung sind v m m c d i- zi nischen Standpunkt aus als unhaltbar zu bezeichnen. �Lachen bei den Sozialdemokraten.) Wenn Herr Str öbcl für alle seine Behauptungen so zuverlässig« Zeugen hat, kann man sich über die überraschende» Ergebnisse, die er l�ute vorgetragen hat, nicht weiter wundern.(Bravo! rechts.) Daß eine Aufhebung der 12 und 13 des Fleischbeschaugesetzes die einheimische Viehzucht schad igen würde ist schon nachgewiesen worden. Auf eine gründliche und gewissenhafte Untersuchung des cinzusiihrcndcn argentinischen Fleisches können ivir unmöglich verzichten. Das würde einen kulturellen Rückschritt bedeuten, den die Regierung nicht wird verantworten können.(Zuruf bei dm Sozial- deinokraten.) Was die Stellungnahme der Kommunen anlangt, so halte ich es für meine Pflicht, zu betonen, das; sich die großen Städte in überaus dankensiverter Weise aus freien Stücken bereit erklärt baben, von den Maßnahmen der Regierung Gebrauch zu machen, Das energische und umsichtige Porgchen des Berliner Magistrats und der Magistrate von Groß-Bcrlin ist bekannt. Es kann keine Rede davon sein, daß die Regierung ein« Last auf die Städte ab- gewälzt und ihnen Ausgaben zugeschoben habe, die nicht zu ihrer Zuständigkeit gehören. Die Städte können alles in ihren Wirkungs- kreis einbeziehen, was der Wohlfahrt des Ganzen förderlich ist. Diese Rechtslage steht im Gegensatz zu der in England, wo die Städte nur Aufgaben sich zuivenden dürfen, die ihnen durch be- stimmte Gesetze überwiesen find. Das Prinzip, daß die Städte ihren eigenen Bürgern nicht Konkurrenz machen dürfen, ist auf anderen Gebieten schon durchbrochen. Es ist geradezu Pflicht der Sfadtgemcinden, den weniger bemittelten Bürgern bei der Beschaffung ihres Fleischbedarfs behilflich zu sein. Eine der- mittelnde Tätigkeit der Städte kann in Zeiten hoher Spannung zwischen Vieb- und Fleischpreisen immer von Nutzen sein. Wenn die Herren W i e in e r und S t r ö b e I die Maßnahmen der Re- gierung als unzulänglich und erfolglos bezeichnet haben, so zeigt sich darin ein unberechtigter Pessimismus. Bisher hat sich gezeigt, daß in allen Städten, wo die Magistrate sich an der Fleischversorgung beteiligt haben, die Preise ganz erheblich zu- rückgegangen sind.(Bravo!) Abg. Seine kNatl.): Ein Hauptgrund der Teuerung ist die große Ausdehnung der Maul- und Klauenseuche im vorigen Jahre. Sic ist jetzt zurückgegangen, hoffentlich wird sie durch die Mast- nahmen der Regierung nicht wieder eingeschleppt. Auch die schlechte Ernte dieses Jahres und die Steigerung der Landarbeiterlöhne hat zur Verteuerung der Biehproduk- tion beigetragen. Das Fleischbeschaugesetz darf unsere Landwirte nicht schlechter stellen, als da? Ausland.(Bravo! bei den National- liberalen.) Abg. Hoff(Vp.): Für den Schutz der deutschen Landwirtschaft sind wir immer eingetreten. Wir haben auch am Viehseuchcngcsetz reichlich mitgearbeitet und haben z. B. beantragt, daß aus dem Kalifonds M llvg M. zur wissenschaftlichen Erforschung der Maul- und Klauenseuchen genomuien würden. Dr. R o e s i ck e vom Bund der Landwirte lehnte diesen Antrag ab.(Hört! hört! links.) Der Z 12 des Flcischbeschaugesctzes, der jetzt als der Eckpfeiler des Seuchenschuhes hingestellt wird, war in dem damaligen Re- gierung sentwurf gar nicht enthalten.(Hört! hört! links.) Die Futtermittelzölle müssen im Interesse der kleinen Landwirte aufgehoben werden. Das System der Einfuhrscheinc muß verändert werden, damit sie keine Exportprämie sind. Wäre es t9l>2»lach dem Bund der Landwirte gegangen und wäre der Sack Futtergerste um 6 M. verteuert, so hätten wir heute keine Teuerung, sondern die Hungersnot.(Sehr wahr! links.) Als Miguel t00 Millionen Mark für die innere Kolonisation fordern wollte. lehnten das die Konservativen ab.(Hört! hört! links.) So lange das jetzige Wahlrecht besteht, das 140 Groß- grundbesitzer in dieses Haus schickt, wird nichts Nachhal- tiges geschehe»u Die Bauernschaft wird hoffentlich bald er- kennen, daß wir ihre wahren Freunde sind.(Bravo! links.) Landwirtschaftsminister Dr. Frhr. v. Tchorlemer erklärt, daß er dem Vorredner in vielen Punkten entgegentreten müßte, er nehme aber an, daß der nächste Redner(Dr. Hahn) den Abg. Hoff schon eines Besseren belehren werde.(Heiterkeit.— Zuruf links: Hahn als Regierungskommifsar!) Dann hebt der Minister hervor, was für die iunere.Kolonisation bereits geschehen sei.. Die Landwirtschaft wird noch längere Jahre unseren Fleisch- bedarf decken können. Die beiden letzten Jahr« können infolge der Viehseuchen hierbei nicht herangezogen werden. Die Maßnahmen der Städte haben bereits die Fleischpreise herabgesetzt. Aus ver- schiedenen Briefen entnehme ich, daß die Landwirte ihr Vieh gar nicht absetzen können. Der Minister erklärt dann gegen den Abg. S t r ö b e l, daß er dem Fleischkonsum nicht habe entgegentreten wollen, sonst würde er ihn doch nicht zu erleichtern versuchen. Ich habe selbst ober- italienische Arbeiter gehabt, die sind sehr kräftig, essen aber kein Fleisch außer Sonntags.(Zuruf der Sozialdemokraten: Da geben Sie eben zu wenig Lohn!— Heiterkeit.) Ter„Vorwärts" hat meinen Küchenzettel ab- druckt. Nun ich esse winde st ens drei Tage in der Woche kein Fleisch, auch nicht Kaviar als Ersatz und sehe doch wohl ebensowenig unterernährt aus wie die, die letzte» Sonntag geschlossen oder wenigstens ohne Tritt durch die Wilhelm- stra ße nach Treptow marschierten.(Heiterkeit.) Am z 12 des Fleischbcschaugesetzes wird nichts geändert. Dir L««»- Wirtschaft kann»ersichert sein, daß nichts geschehen wird, waS die deutsche Biehpriduktia» schädigen könnte. Ihren berechtigten An- sprächen Wird Rechnung getragen.(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Dr. Hahn(Bund d. Landw.) wendet sich mit Witzen gegen Abg. Hoff, dem er vorwirft, daß der fortschrittliche Abg. Kopsch eine Bauern-, eine Städtcrredc und eine katholische Siede zu halten verstehe.(Der Präsident mahnt den Roduer, zum Haus, nicht zum Abg. Hofs zu sprechen.) Diese Reden sind für Konsumenten und Produzenten bestimmt. Das gehe so lange, bis einer der beiden Teile bemerkt, daß er an der Nase herumgeführt wird. Die Rode Hoffs mutz auch Herrn Hoffmann sehr gefallen haben.(Heiterkeit rechts.) Ten Kampf gegen Herrn Hoff nimmt mir übrigens die Rede.Korclls auf dem Mannheimer Fortschrittsparteitag ab, ebenso die dort gehaltene Rede Dr. Bluncks für die Zölle.(Sehr gut! rechts.) Herr Hofs, der Lehrer ist. und Herr Wie wer, der es war, wollen uns belehren. Ich war auch ein halbes Jahr Lehrer, Will aber davon keinen Gebrauch machen, meine Herrschaften.(Große Heiterkeit.) Ilitfere Agrarpolitik rüstet uns viel besser für den Kriegsfall»vie England. Unser Viehftand wächst viel schneller als der englische, und zwar ist in England daran schuw die Einsuhr des argentinischen Gefrierfleisches, die bei uns eben- falls einen Stillstand in der Viehproduktion zur Folge haben würde. Die gestrigen Ausführungen des Ministerpräsidenten haben uns doch nicht so ganz befriedigt. Das, was er zugelassen hat, ruft die ernstesten Bedenken der Landwirtschaft hervor und das Ver- trauen des Bundes der Landwirte zur Regierung und unsere Zuversicht für die Zollkämpfe von 1317 fini) dadurch nicht gestärkt. Wir können die große Aufregung der Land- Wirte nur beruhigen, wenn wir wissen, daß die Regierungsmaß- nahmen in dem Augenblick, wo ein« Gefahr für Mensch oder Vieh entsteht, sofort aufgehoben werden. Die Regierung sollte die Aufklärung der Bevölkerung ebenso energisch betreiben, wie B ü l ow 1303 die über die Notwendigkeit der Erbanfallsteuer. (Heiterkeit rechts.) Vielleicht wird dazu wieder der Professor Lev h v o n H a l l e engagiert und ein eigenes Ressort für Polksaufklärung eingerichtet.((Sehr gut! rechts.) Die Reden der nationalliberaleu Abgg. Schiffer und Heine haben mich sehr gefreut, nur scheine»» sie noch mcht namens aller ihrer Freunde gesprochen zu haben.— Der Freisinn fordert die Aufteilung der Domänen. Aber die frei- sinnige Stadtverwaltung von Görlitz hat ein« von ihm erworbene Domäne nicht aufgeteilt, sondern lve»ter verpachtet, llnd die freisinnig-sozialdcmokratische Stadtverwaltung von Charlotten- bürg hat die Beteiligung mit 10 000 M. an der„Freien Scholle" abgelehnt.(Hört! hört!)— Für die Moorkultur und die innere Kolonisation sind wir seit langen Jahren eingetreten. Der Pom mersche Provinziallaiidtag hat 5 Millionen für diese Zwecke aufge Wandt. Statt auf die Junker zu schimpfen, setzen Sic eiligst Ihren Hut auf, Herr Leiner t, um ihn abziehen zu können vor diesen pommerschcn Junkern!(Heiter- keit.) An die Caprivizeit denkt jeder deutsche Landwirt heute noch mit schmerzlichem Bedauern und mit Entrüstung.(Lebhafte Zu- stimmung rechts.) Abg. Gicpberts(Z.): Herr Ströbel hat auf ein Lächeln von mir Bezug genommen, mn daraus zu folger», daß wir die Frage der Teuerung mcht ernst nähmen. Herr Ströbel, ich habe nicht Aber Ihre sachlichen Ausführungen, sondern über Ihren Witz, die Herren auf der Rechten seien wohl keine Vegetarier, gelacht. Wenn der sogenannte Arbeitcrvcrtrctcr Ströbel solche unlautere»» Mittel braucht, um Sensation zu»»»achen, so gestatte ich mir, das hier festzunageln.— Die Steigerung der Inlands- Produktion ist auch für»lich die Hauptsache. Es»nutz eine mög- lichst große kaufkräftige Bevölkerung auch auf dem Lande wohnen. Der Agrar schütz dieni nicht den einzelnen Landwirten/sondern der Volksernährung. Die geplairte Kommission im Reichsamt des Innern sollte vor allem die Produktionsmöglichkeitcn für Vieh und Fleisch untersuchen, die Voraussetzungen für eine vermehrte Viehhaltung und die Produktionskosten ermitteln. Das landwirt- schaftliche Genossenschaftswesen sollte sich der Viehverwrrtung mehr annehmen. Mit der Stellung der Konservativen zu der Teuerungsfrage steht ihre AuSnähmebeskruerung der Arbeiterkonsumvereine in Widerspruch.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokratc».) Bon großer Bedeutung ist auch die Schaffung eines seßhaften Landarbeiterstandes. Ein großer Unftig ist die viehlose Wirtschaft mancher Landwirte. Dem G c frierflcisch st ehe ich aus eigener Erfahrung in Amerika und England nicht ablehnend gegen über. Aber bevor»vir den Import aus dem Ausland ermög- lichen, muß alles getan werden, um die inländische Produktion zu heben. Daher bin ich auch gegen die Aushebung des§ 12 »es FleischbeschaugesctzcS. Die Sicherung gesunden Fleisches»st mir wichtiger als eine Herabsetzung dcö Preises. Einen Ersatz für die Aufheburig des 8 k2 hat Herr Ströbel nicht genannt. Als einen erfreulichen Fortschritt möchte ich eS bezeichnen, daß diese Debatte nicht»vie früher ähnliche in parteipolitisches Ge- zänke ausgelaufen ist.(Bravo! bei dem Zentrum.) Ein Antrag auf Schluß der Debatte Wird äuge n o m m c n. Abg. Hsffmann(soz.): Ich will nur feststellen, daß, nachdem unser Redner am Schluß der ersten Serie gesprochen hat, sämtliche nachfolgenden Redner sich mit seinen Ausführungen beschäftigt haben, und man nun, wo unser zweiter Redner herankommen soll, »ins abermals das Wort abschneidet in einer Frage, in der wir als Vertreter von über 000.000 Wählern jedenfalls doch ein Interesse haben, auf die Angriffe zu antworten.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Ströbel(persönlich): Der Minister v. Dallwitz hat gesagt, ich wollte das Gefrierfleisch ohne jede Kontrolle ins Land hinein- kommen lassen. Ich koi»statiere, daß ich g e n a u d a s G e g c»» t c i l gesagt habe.— Durch das peinliche Disziplinarverfahren gegen- über dem Kreisarzt Dr. T h v m a l l a ist nichts von den persönlichen Feststellungen Thomallas»viderleg». worden. Dies Disziplinar- Verfahren betveist nur dasbösc Gewissen der Regierung. (Unruhe rechts.— Präsident Graf Schwcrin-Löwitz: Das ist nicht persönlich.)— Gegenüber der Tatsache, daß ein großer Teil der Arbeiter an Unterernährung leidet, kommen die subjektiven Erfahrungen des Landwirtschaftsministers nicht in Betracht. An meinem Urteil über seine Ausführungen mutz ich festhalten. Gegenüber Herr»» G i e s b e r t s stelle ich auf Grund des Stenogranuns fest, daß meine Tarstellung über sein Lachen die richtige gewesen ist. Abg. Giesberts(Zentr.): Mein Lächeln kann im stenographischen Bericht nicht enthalten sein, da es die Stenographen nicht gehört haben. Abg. Ströbel: Der Zusammenhang erweist, daß es Herr G» c s- b e r t s gewesen sein muß, der gelacht hat, bevor ich die von ihm er- »vähnte Bemerkung machte.(Unruhe.) Die Tagesordnung ist erschöpf t. Nächste Sitzung: Montag 11 Uhr(Schleppmonopol, Pcti- tiouen). Schluß 5 Uhr. Soziales. Der Landrat als Aufsichtsbehörde. Wieder einmal hat das OberverwaltungSgerichl cilie laudrät- liche Verfügung aufhoben müssen, die in die Rechte einer Orts- krankcnklisse entgegen dem Gesetz eingegriffen hatte. Die Ortskrankenkassc für den Kreis Striegau zu Striegai» wurde 1910 aufgelöst und aus dem Kreise der ihr Zugehiörigcu sollten zwei Krankenkassen gebildet»vevden, eine für gewerbliche, die andere für landwirtschaftliche Arbeiter. Die Wahlen der Ver- tretcr für die Generalvcrsauiinluiigen der beiden neuen ins Leben zu rufenden Kassen hatte nun der Landrat für die Tage vom-5. bis 0. Dezember 1910 angesetzt. Zum Stellvertreter des Wahl- kominissars ernannte er den Kassenführer Teubner von der auf- gelösten Kasse, die zu der Zeit ihre Geschäfte noch erledigen mußte, bis die beiden iwnen Kassen geschäftsfähig wurden. Der Kassen- vorstand erfuhr davon durch die Bekanntmachung der Vertreter- Wahlen in den öffentlichen Blättenu Da die zu erledigenden Gc- schäfte drängten und die Wahlen mehrere Tage in Anspruch nehmen sollten, so beschloß der Vorstand der aufgelösten Kasse, den Ren- danten Teubner ftir die fraglichen Tage nicht zu beurlauben. Der Landrat wollte aber seinen Willen durchsetzen. Am ö. De- zember, dem ersten für die Vcrtretcrwahlen angesetzten Tage, er- schien inorgcns im Kassenlokal, wohin er den Vorsitzenden bestellt hatte, im Auftrage des Landrats der KrciSauSschußsekretär und händigte dem Vorsitzciiden eine Verfügung des Landrats als?luf- sichtsbehövde aus,»vodurch dem.Kasscnoorstaiid aufgegeben wurde, den Rendanten zu beurlauben und die Liste der Wahlberechtigten auszuhändigen. Mit Rücksicht auf den Voiytandsbcschluß vom 1. Dezember lehnte der Vorsitzende die Beurlaubung des Renldanten ab. Nun langte der Kreisausschußsekretär eine zweite Verfügung des Land- rats aus der Tasche, durch die der Vorstand seiner Amtsführung enthoben und der Kreisausschußsekretär damit betraut wurde. Dem Landrat hatte bei der Ausfertigung der Berfügungen die Bestiminung des 8 4S Slbj.,:/ des Kranienvcrsicherungsgesctzes vorgeschwebt,»vonach die Aufsichtsbehörde die Befugnisse und Ob- licgenheiten der Kassenorgane selbst oder durch von ihr bestellte Ver- trcter auf Kosten der Kasse»vahrnehmen kann, solange die Organe der Kasse die Erfüllung ihrer gesetzlichen oder statutenmäßigen Obliegenheiten verweigern. 'Der Vorstand, vertreten durch den Vorsitzenden Döring, klagte nun gegen den Landrat. Ter Bezirksausschuß wies die Klage ab. Das ObcrvcrwaltungSgrricht hob dies Urteil dieser Tage auf und setzte die landrätlichen Verfügungen außer Kraft. Begründend ivuvd« ausgeführt: Der Senat ist der Anficht, daß die Beurlaubung des Kasscnrcndairten der Kasse nicht aufgegeben werden konnte. Ihre Verweigerung hätte somit zu einem Einschreiten der Auf- sichtsbehörde nicht berechtigt. Und>vas die Anordnung der Heraus- gäbe der Liste der Wahlberechtigten aiigehe, so sei diese an sich gar nicht Vevtveigert»vovden, die Verfügung also insofern gegen- standslos. Aper selbst wenn die Herausgabe der Liste verweigert »Vörden»väre, giirge doch die Verfügung auf Uebergabe der Kasse»»- gcschäfte an einen Vertreter der Aussichtsbehörde viel zu weit. Wenn eine Verpflichtung, die einer Kasse Micge, verweigert »verde, so habe die AufsichiSbehörde nur das Recht, bezüglich der Vcnveigerung jener Verpflichtung die Funktionen des Vorstandes zu übernehmen oder einem andern zu übertragen, nicht aber samt- liehe Funktionen des Vorstandes. Schute öe�en Crkatf ung sind unsere Stiefel mit Doppele Korkzwischensohlen Für Damen u. Herren; ® AAVertheim® G« sn*«A»*»• Leipziger Sir.!||r|? König. Sir. Rosenthaler Strasse Or an len-Strasse In dieser Woche: Versand-Abteilung: Berlin W. 66, Leipziger Strasse 132.137 Die Firma A. 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Für Düsseldorf(Stadt und Land) ist die Einfuhr von wöchentlich ötl Stück Rindvieh aus dem Auslände gestattet worden. Die kleineren Gemeinden des Landkreises sind nun in mehreren Fällen noch selbständig vorgegangen und haben Schlachtvieh im Auslande angekauft. So hat die etwa 24 OOS Einwohner zählende Gemeinde Benrath 1b Ochsen in Holland erworben und noch weitere 83 bestellt. Dieses Vieh steht nun im Düsseldorfer Schlachihause und darf nicht geschlachtet werden, weil die Regierung verfügt hat, daß Benrath nur wöchentlich zwei Stück von den für den Kreis Düsseldorf eingeführten 60 Stück schlachten darf. Da sich die Metzger auf das von der Stadt bezogene Fleisch eingerichtet haben, so war nach Erlaß der Rcgierungsvcrfügung Benrath von Fleisch ganz entblößt. Fn der Bevölkerung herrscht über dieses Bureaukratcn- stück tiefgehende Erregung. t Tchlächtcrmeister und städtischer Fleischverkaus. Auch in Görlitz weigern sich jetzt die Fleischermeistcr. das von der Stadt bezogene ausländische Fleisch zu verkaufen, nachdem sie den Ankauf bereits bei zwei Sendungen in die Hand genommen und das Fleisch, das reißenden Absatz fand, sehr gelobt hatten. Die Weigerung des weiteren Verkaufs ist nach einer Erklärung des Bürgermeisters in der letzten Stadtratssitzung erfolgt, weil die Fleischer bei dem dänischen Fleische die inneren Organe nicht mit- bekämen, die sie zur Wurstfabrikation benötigen, und tveil sie Schwierigkeiten beim Abschluß von Verträgen mit den Engeos- Händlern befürchteten. Nun wird die Stadt i>aS Fleisch zu noch billigerem Preise selbst verkaufen. Auf Anfrage teilte der Magi- stratsvertreter mit, daß der Stadtverwaltung von einer pommcrschen landwirtschaftlichen Organisation das Angebot gemacht worden sei, allwöchentlich eine bestimmte Anzahl von Schweinen zu liesern zum Preise von 70 M. pro Zentner Lebendgewicht, abzüglich 20 Proz., also 06 M. pro Zentner. Der Pferdefuß besteht aber darin, daß sich die Stadt auf mindestens drei, am liebsten aber auf fünf Jahre zur Abnahme verpflichten solle, und darauf könne die Stadt nicht eingehen. Wie wir schon berichteten, hatten die Schlächtermeister in K ö l n daS von der Stadt bezogene Fleisch boykottiert, so daß die Stadt sich gezwungen sah, es auf den Freibankstellen zu verkaufen. Die Stadt hätte noch einen Schritt weitergehen und das Fleisch, wie es von sozialdemokratischer Seite gefordert wurde, durch eigene Verkaufsstellen in allen Stadtteilen feilbieten müssen. Statt dessen hat sie, als die Metzger aus Furcht vor der Erfüllung der letzteren Forderung zu Kreuze krochen, diesen das Fleisch weiter in die Hände gegeben, obwohl erwiesen und von der Jnnungslcitung zu- gegeben worden ist, daß die Schlächtermeister den gemeinsten Betrug mit dem städtischen Fleisch getrieben haben. Den Metzgern waren die Verkaufspreise vorgeschrieben. Sie gingen nun hin. schnitten von den guten Stücken die städtischen Stempel ab und legten an die Stelle des dänischen Fleisches„deutsche" Knochen, Fett und Abfälle von ihrem eigenen Fleisch. Sogar Kalbsknochen hat man aus Versehen zu dem städtischen Rindfleisch gelegt. Höhnisch wiesen sie dann auf die Beschaffenheit des städtischen Fleisches hin, das letztere den Käufern auch auf andere Weise verekelnd, um sie zun. 5rauf des viel teureren hiesigen Fleisches zu veranlassen. Auch konnten die Schlächter und Händler dann auf einmal billigeres hiesiges Fleisch zum Verkauf bringen: man brachte cZ fertig, lue Stadt zu unterbieten. ES handelte sich um«in Komplott der Metzger und Händler, das nur durch die sozialdemokratische Forde- rung der eigenen Regie zunichte gemacht wurde. Als dieser Tage die Stadtverwaltung in Brühl bei Köln beschloß, gleichfalls ausländisches Fleisch einzuführen, machten die dortigen Metzger sofort eine Eingabe, worin sie sich bereit erklärten, das Fleisch des hiesigen Viehs im sämtlichen Sorten um 10 Pf. pro Kilo billiger als bisher zu verlaufen! Wertvoll ist das Eingeständnis, das der stellvertretende Ober- mcistcr der Kölner Ochscnmctzgcrinnung in der jüngsten General- Hriadnc auf JVaxos in Stuttgart Der allmächtige, die bürgerliche Presse beherrschende Strauß« Trust mit dem komponier-sichcrcn Stiljoiigleur und arlistisch-technisch- inüriiinentalen Welt-Cbampion Richard Strauß, dem in alle klassiscben Häute schlüpfenden Wiener Dekadenten und Moliöre- Vercbrer Hof mannSthal. dem seit dem szenischen Rosenkavalier« erfolge dem Äomponisten eng verbundenen Berliner Theaiergcwaltigcn Max Reinhardt, dem geschäftstüchtigen Verleger F ü r st n e r und einigen journalistischen Holzböcken an der Spitze, versteht vortrefflich den EngroS-Bühnenverschleiß Straußscher Opern. Nun ist Strauß auch in Stuttgart in die Wochen gekomme», und die biedere Schwabenmeiropole hat ihre„Strauß-Woche", nach Dresden, Frankfurt, München, Heidelberg. Die Stadt der Danneckerichen pantherreitenden Ariadne hat damit endlich Anschluß an den Slrauß-Trust bekommen, wenn auch die Stuttgarter selbst sich recht wenig um das„europäische Ereignis* kümmerten und das außen dorische, innen biedeimeiernde„Kleine HauS* des von Architekt L i l t m a n n- München neu erbauten Stuttgarter Hof- theo'.«« bei Hauptprobe und Premiere von„Ariadne auf Naxos" fast nur Fremde. Mnsikzünsller, Theaterleute und freiwillige oder noigcdrungene Mitläufer des Strauß-Reinhardt-Klüngeis ver- sammelt sah. Aber die Schwaben werden ja bekanntlich erst mit 40 Jahre» gcscheit!.„ Dank der Diskretion, die lange vorher mehrere Reklame« Pressebureous mit täglichen Notizen fütterte, ist ja anch der musikalische Spießbürger fern vom Schuß längst orientiert über da« neuen« von Reinhordt, Hosinannsthal, Grete Wiesenthal und Strauß gcmeiniom ausgebrütete Straußenei. Er hat mit Staunen gehört. daß oo. 60 ein Rekord an Intimität. H-iterkeu und Scbwiengteit sein soll, daß ein erlesenes, von neun Zehntel Berliner, ein Zehntel Stuttgarter Musikern besetzte« Kammermusik-Orchester. wo„jeder seine eigene Stimme sp'elt". die iieue Oper auf.teilweise iieuerfiindenen, aus der ganzen Welt zusammen- getragenen Instrumenten im Gesamtwert von 300 000 Marl" den Hläubiaen blasen und geigen soll. Unsere Zeit verlangt inbrünstig nach der Reiiaisiance der Kölnischen Over, nach Genesung vom Wogner-PathoS, von der mythologischen Wagner-Oper, deren kalte Schemen wir allmählich satt bekommen. d'Albert. Wolf-Ferari gaben uns lchon beinahe die HrsüIIung solcher Sehnsucht. Tue 23clt traute dem„beklat�chtesten Europäer", dem nichts unkomponierbar ist, ganz gerne auch eine Komische Oper zu. R.Strauß, der stets auf den Ereignissen ichaukelt. schrieb also daraufhin den Roienkavalier, die Wiener Walzer-Ope� eine komische Oper, obwohl ihm dazu Verschiedenes fehlte. Strauß repräsentiert bekanntlich die„moderne deutsche-sec.c, den„Typ de« Erschöpften", die„überreife, blasicrtc, übersättigte Dekadenz in der Tonkunst" und sonst noch allerlei. Für eine komische Oper im Stil unserer Zeit fehlen ihm Humor, natürliche Heiterkeit. Un- Befangenheit, Einfalt. Unschuld. Natürlichkeit in gleicher Weise. Wer die weanerische Note im„Rosenkavalier" siegte trotzdem im Versammlung machte. Nach dem Berichte des Kölner«Lokal- Anzeigers" erklärte er nach Verlesung eines Artikels unseres Partei- ergatis:„Es könne„nicht verkannt werden, daß manche Metzger mit dem dänischen Fleisch großen Unfug(k!) getrieben hätten; da müsse man in Zukunft ehrlicher(!I) sein." Hier werden, wenn auch in zarter Form, die Betrügereien der Kölner Schlächtermeister offen zugegeben. Wie in Berlin, so haben auch in München die Metzger ver- sagt. Sie sollten vereinbarungsgemäß das von der Stadt ein- geführte dänische Fleisch zu 70 Pf. das Pfund beziehen und für 82 Pf. im Laden verkaufen. Von 76 Vierteln erwarben sie aber nur sage und schreibe 19 Viertel. Der Nest blieb unverkauft. Die Stadt ist so gezwungen, den Verkauf selbst zu übernehmen. Es wurde damit in der Freibank begonnen. Durch ihr Verhalten haben sich die Metzger nun selbst ausgeschaltet. Maßnahmen gegen die Teuerung. In Braunschweig beschlossen die Stadtverordneten auf sozialdemokratischen Antrag die Speisung armer Schul- linder im Winter aus Kosten der Stadt. Dem Magistrat wurde unbeschränkter Kredit hiefür zur Verfügung gestellt. Den bedürf- tigen Kindern soll ein warmes Milchfrühstück verabreicht werden. Protestversammlungen. In Tegel ldemonstrierte am Montag eine gut besucht« öffent- liche Frauenvcrsammlung gegen die Teuerung. Genossin Mathilde Wurm hatte das Refrat übernommen. Eine Anzahl von Neuauf- nahmen war der Erfolg. Hus der partei. Kommnnalwahlsieg. In Frankfurt a. Oder(nicht in Frankfurt a. Main, wie gestern irrtümlich gemeldet wurde) wurden bei den vorgestrigen Stadwerordnetemvahlen der 3. Abteilung in zwei Bezirken fünf Parteigenossen gewählt. In einem Bezirk siegten die Gegner mit 30 Stimmen Mehrheit. Für unsere Genossen wurden 1952, für die Gegner 1198 Stimmen abgegeben. Die Zahl unserer Mandate ist von 9 auf 12 gestiegen. Ein sozialistischer Bürgermeister im Kampfe gegen den Alkohol. Genosse L a s o n t. Bürgermeister der Industriestadt F i r- m i n h im Loire-Departcment, der in der Alkoholdebatte des letzten Parteitages den energischen Kampf gegen das Ueberhandnehmen der Schankwirischaften proklamiert hat, setzt in seiner neuen Amts- tätigkeit seine Forderung nach Möglichkeit in die Wirklichkeit um. Da er die Verminderung der Trinkgelegenhcit als ein Hauptmittcl zur Einschränkung des Alkoholmißbrauchs betrachtet, hat er durch drei Erlasse im August deren Einschränkung unternommen. Zu- nächst setzte er einen Umkreis um alle öffentlichen Ge- bände: Schulen, Kasernen usw., fest, innerhalb dessen keine Wirtschaft errichtet werden darf. DaS ergab schon eine erhebliche Einschränkung für die Zukunft. Tann verbot er den Ausschank an Minderjährige. Schließlich ordnete er, um die Durch- führung des letzten Verbots kontrollieren zu können, an, daß die Wirtschaften von außen zu übersehen sein müssen, verbot mithin undurchsichtige Fenstcrvorhänge und dergleichen. Die Wirte haben gegen diese Verfügungen den Rechtsweg betreten, aber der Staats- rat hat die Rechtsgültigkeit dieser Polizeiverordnungen anerkannt. Daraus wurden gegen widerspenstige Wirte Geldstrafen verhängt, gegen die Widerspruch erhoben wurde, so daß das Strafgericht noch malS zu entscheiden hat. Das großbürgerliche„Journal des Debats" schreibt dazu, man könne daraus ersehen, wie es mit der Freiheit im Zukunfts- staaie bestellt sein würde. Dazu schreibt die„Humanite":„Die Debats" sind also für die Freiheit, das Volk zu alkoholisieren! Sind sie auch für die Freiheit der Mädchenhändler? Lafont und mit ihm die ganze s o z i a l i st i s ch e-P a r t e i hat den Mut, zu erklären, daß sie gegen diese Freiheit sind. Wir wollen nicht, daß man das Volt vergiftet— und wir suchen auch unter dem kapita- listischen System die schmutzige Prostitution einzuschränken. Unsere Alkoholgegnerschast ist nicht wie die der Bourgeoisie reiner Schein. Schon stehen übrigens die Proletarier und namentlich die prolc' tarischcn Frauen, die den Pferdefuß bei dem Protest der Schank Wirte, die man in ihrem Ausbeutungsgeschäfte stört, entdeckt haben, operettenfrohen Deutschland. Die skrupellose Walzerpolitik des Rosenkavaliers hat so gute Früchte getragen, daß Strauß beschloß, endgültig vom stilisierten Pathos als Opernzweck zu genesen und auf Reinhardtschem„Blumensteg" ins Land der komischen, hier der galanten Schäfer-Oper zu balanzieren. Er wußte: die tonangeben- den Kunst- und Musiksnobs geben ja mit. Sie werden auch mit- gehen bei dem aus Ariadne folgenden Russischen Ballett, bei der dann fälligen artistischen Operette, bei der Pantomime, beim Sketsch, beim musikalischen Film. Je entschiedener die„leichten Töne" den weiland Nietzscheaner Strauß ins musikalische Flachland tragen, desto beglückter trabt die Meute der Scnsationshungrigcn hinlerdrein. Denn R. Strauß repräsentiert ja, siehe oben, und er kennt mit Reinhardt ganz genau die drei großen Begierden der erschöpften Bourgeoisie: die Begierde nach dem Erotischen, nach dem Sentimentalen und dem Brutalen. Er ließ also Hofmannsthal den Ochs von Lerchenau in der neuen Oper ausschalten und nur mit dem Erotischen und Senti- mentalen arbeiten. Sein Wiener Librcttist hat es sich diesmal viel Schweiß kosten lassen müssen. Er mutzte die ursprüngliche fünf- aktige M o l i e r e s ch e Ballettkomödic„Bürger als Edel- mann in der der dummstolze Tölpel und Parvenü Jourdain von dem ebenso dummstolzen französischen Adeligen genasführt wird— ein noch heute gültiges Motiv— in 2 Akte zusammen ziehen, er mutzte einen neuen Dialog schmieden, der von Bofr leiten, Anspielungen, Improvisationen, Beziehungen auf den Kom ponisten nur so strotzt. Er mußte schließlich die von Hofmannsthal zum einaktigen Lpernbuch ausgearbeitete klassische Fabel von Fräu Ariadne in das Molierschc Stück hineinarbeiten. Dieses Spiel von der Frau, die der wetterwendische Minotaurus-Töter TheseuS auf dem wüsten Felsen NaxoS sitzen läßt, bis sie, die Todbereiie, das Sinnbild menschlicher Verzweiflung, der junge Gott Bacchus in einer echt Rcinhardtschen elektrisch beleuchteten Blumenschaukel zu ehelichen Freuden entführt, wird von Jourdain einer adeligen Dame zu Liebe in seinem Hause ausgeführt und soll durch vieler- lei innere Beziehungen zu den Akteurs Molicrcs als innerlich dazu- gehörig erscheinen, als der Zlbschluß der Komödie, ja als der eigen! liche dritte Akt von„Bürger als Edelmann". Der besondere Trick der Oper ist nun folgender: Strauß und �Sofmannsthal haben sich die— übrigens in der Geschichte der Oper nicht neue(vergleiche Don Juan, Hoffmanns Erzählungen)— Aufgabe gestellt, Pathos und Komik, Ernst und Scherz zusammen zuspanncn. Die irdische und die himmlische Liebe, die Treue»rnd die Flatterhaftigkeit, Ariadne und Bacchus hier, die Tänzerin Zcr- binetta und ihre vier Liebhaber, Typen aus der alten italienischen Maskenkomödie, dort, die Vertreter also der überlieferten Kunst- formen, Opera seria und Opera buffa, erscheinen und bekämpfen sich in gleichzeitigem Gegenspiel. Das gibt natürlich zu mancherlei parodistischen Mnsikscherzen dem Till Eulen- spicgcl Strauß willkommenen Anlaß. Er parodiert Wagner und die Wagner-Affen(ob bewußt oder unbewußt, ist an manchen Stellen freilich nicht klar), er zitiert sich selbst(die Salomefanfare), er macht" kcckc?lnleihen bei Schubert(Wiegenlied), bei altjüdischex hinter ihrem tapferen Erwählten. Sache der sozialistischen Partei ist es, ihn mit voller Kraft zu unterstützen." Tie Anteilnahme für die„Humanite" ist prächtig zustandegekommen. Während die Parole ausgegeben war, 150 000 Frank zur Deckung des für die Erweiterung auf sechs Seiten er- forderlichen Zuschusses aufzubringen, ist dieser Betrag schon über- schritten, und noch immer gehen neue Zeichnungen ein. Nach den letzten Quittungen sind auf Vollanteile über 137 000 Frank, an Teilzahlungen über 19 009 Frank, zusammen nahezu 157 090 Frank eingegangen. Die Franzosen, die bisher stets zu kühner Tat bereit waren, haben nun erkannt, daß Idealismus sich auch im.Gcldauf- bringen bewähren kann._ Parteilitcratur. Handbuch für sozialdemokratische Wähler. Zur Landtagswabl 1912. Herausgegeben vom LandcSvorstand der Sozial- demokraten Württembergs. Stuttgart. Druck und Ver- lag der„Schwäbischen Tagwacht", G. m, b. H. 393 Seite»». pollzeillcbts» Gerichtliches ulw. Nadelstichpnlitik. Der Bildungsausfchutz in Hemelingen bei Bremen beranstaltete am 30. Juli einen Spaziergang für die Kinder der Angehörigen des Bildungsausschusscs nach einem benachbarten Orte. Tagsüber wurden hier allerhand Spiele für die Jugend ver- anstaltet und abends ging es nach Hemelingen zurück. Alles ver- lief in schönster Harmonie. Aber bald meldeten sich preußische Bc- Hörden. Die Veranstalter des Kinderausflugs, zwei Hemelinger Genossen, wurden mit einem Strafmandat über 50 M. resp. 30 M. bedacht, weil sie zu dem Ausflugc nicht die Genehmigung der Bc- Hörden eingeholt hatten. Dev gegen das Strafmandat von den beiden Genossen erhobene Widerspruch wurde vom Schöffengericht in Achim zurückgewiesen. Das Urteil ist um so unverständlicher, je mehr man sich die Duldsamkeit der preußischen Behörden gegen die Ausflüge der bürgerlichen Jugendvereine, bei denen bekanntlich oft so viel unerhörter Unfug verübt wird, vergegenwärtigt. Soziales. Ausbeutung von BluscnnLhcrinnen. Toß Schmiergelder von Blusennciherinncn abgepreßt werden. zeigte eine vor dem hiesigen KaufmannSgericht jetzt verhandelte Klage. Der Chef einer Bluscn-EngroSfirma hatte kurz vor dem Abgang seiner Direktrize in Erfahrung gebracht, daß diese sich von den Blusennäherinnen ganz systematisch und regelmäßig„schmieren" ließ. Wer bei ihr Arbeit haben wollte, der mußte der Direktrize fünf Prozent vom Verdienst zahlen. Aus Furcht hatte keine der Frauen den Mut, das Schmiergeld zu verweigern oder den Chef aufzuklären. Auf diese Weise hatte sich die Werkstattleiterin einen Nebenverdienst von 200 M. in einigen Monaten geschaffen. Von ihrem Gehalt zog der Chef nun 150 M. ab. Er halte sich, wie er in der Verhandlung ausführte, für berechtigt, die Summe vom Gehalt einznbehalten, da sich die Klägerin um diese Summe ungerechtfertigt bereichert habe. Das KaufmannSgericht sprach sein Bedauern darüber auS, daß der Beklagte zur Zahlung der 150 M. verurteilt werden müsse. Nicht die ungerechtfertigte Bereicherung allein fei in einem solchen Falle maßgebend, sondern es müsse auch ein Schaden des GeschästShcrr» vorliegen. Einen solchen Schaden habe aber Beklagter nicht nach- weisen können. Die Arbeiterinnen hatten trotz des Schmicrgoldcs ihre Lohnforderungen nicht erhöht. Die Entscheidung ist zutreffend. Zur Klage auf Rückzahlung wären die geprellten Blusennäherinnen berechtigt. Wären sir orga- nisiert, so lsätte ein solches AusbeutungSsystem nicht Platz greifen können._ Lohn für Krankheitstagc. Von der Bewachungsgesellschaft für Berlin und Vororte for- derte der ehemalige Bauwächter W. durch Klage vor dem Gewerbe- gericht den Betrag von 20,75 M. für geleistete Ueberstunden und rückständigen Lohn. Wie Kläger angab, ist er in einer Nacht iväh- rend des Dienstes krank geworden und hat sich am nächsten Tage einen Krankenschein gefordert. Die Gesellschaft habe ihn daraufhin entlassen. Die Beklagte behauptete, der Kläger habe sich erst nach der Entlassung krank gemeldet und daher sei sie nicht verpflichtet gewesen, die Kündigungszeit einzuhalten. Im Vertrag war be- Ariadne bald Tristanisch, bald Gluckisch seufzen und stöhnen und Ariadne bald tristianisch, bald gluckisch seufzen und stöhnen und freut sich wie ein Schalksnarr, wenn der Bürger Jourdain im Proszenium als das Sprachrohr der Bürger im Parkett das sehr eintönig und langweilig findet. Er schreibt der Zerbinetta eine große Koloraturarie in Rondo-Form auf den Leib, von so ungc- heurer Schwierigkeit der Passagen, Triller, Rouladen und Höhe, daß Mozarts Arie der Königin der Nacht dagegen verblassen müßte (sie tuts aber nicht). Er schreibt ein Frauenterzett von so trivialer schmalziger Melodik, daß es in drei Wochen ganz gewiß„populär" »st. Stets unterstützt von den begierig aus Effekte und Sensation- chen ausgehenden Herren Reinhardt und Hofmannsthal, läßt er dem Jourdain nach dem Takte der Musik ein läppisches Prunkrleid an- niessen, läßt er die Tänzerin Wiesenthal als Küchenjunge aus einer Omelette springen, er serviert uns getreulich und kleinlich ton- illustrierend Hammelrücken auf italienische Art und Drosseln und Wachteln auf Salbei. Er tut alles, weil er alles kann. Er macht alles aus dem Handgelenk und nichts mit dem Herzen. Er spottet seiner selbst und weiß nicht wie. Er wollte eine schäfcrlich-galanie Melodien-Oper schreiben, etwas für die„nach greifbarer Melodie lechzenden Banausen", etwas füts Geschäft. Aber seine schöpferische Potenz erscheint bedenklich erschöpft, namentlich da, wo crS ernst meint, wo er einen dionysischen Aufschwung nehmen, bacchisch rasen will, versagt er fast völlig und bleibt im Abschreiben von sich selbst stecken. Neues, Großes, Umwerfendes, einen Fortschritt in Straußcns Entwickelung bringt also Ariadne nicht, aber sie ist als Ganzes betrachtet eine Lmclptte aur surprises, ein Leckerbissen für musikalische Detaillistcn, eine witzige Kulturkuriosität, schließlich ein Stilpotpourri wider Willen. Doch halt, seien wir nicht ungerecht. Ein Neues hat Richard II. ja auch hier geschaffen, das ist der instrumentale Stil der Kam- m e r m u s i k o P e r, mit kleinem, förmlich einschmeichelnden, con- certant und virtuos behandeltem Orchester von nur 42 Spielern, bei denen Streichquartett und Klavier die Hauptrolle spielen. Hier sind Keinie zur Genesung von dem Schwulst und Lärm der mo- dernen übcrkomplizieren Orchesteropcr gegeben, die hoffentlich weiter wachsen werden. In der Uraufführung, die dem Komponisten, Textdichter und Regisseur einen mehr lauten wie begeisterten Erfolg brachte, trat das Mißverhältnis zwischen Schauspiel und Oper erdrückend zutage. Mokiere drückte HofinannSthal an die Wand und im Haus war das Publikum durch zu spät gespomiene Spähe Jourdains (Viktor Arnold) ermüdet, ehe Strauß und die Musiker und Sänger recht zu Worte kamen. Für die Folge muß das Schauspiel noch mehr gekürzt werden. Die„ersten Künstler der Welt" hatten sich Strauß auf, hinter und vor der Szene zur Verfügung gestellt. Die Kammersängerin Siems- Dresden sang die schwere Zcr- binetta-Arie vortrefflich, Frl. I e r i tz a- Wien als Ariadne war zu soubrettenhaft, Jadlowker- Berlin als Bacchus konnte aus der leeren Tenorrolle wenig machen. Das kleine Orchester spielte sehr fein abgetönt unter des Komponisten befeuernder Leitung. W, U, stimmt, das; lleberstmiden nicht bezahlt werben. Kläger mngte deshalb mit dem auf Zahlung der Ucbcrstunden gerichteten Teil der Klage abgewiesen werden. Im übrigen wurde die Beklagte ver- urteilt, insgesamt 17 M., nämlich den rcstiercndcn Lohn und Eni- gel: für drei Tage zu zahlen. Drei Tage waren als Kündigungs- frist vereinbart. Nach§ 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches geht der Arbeiter des Anspruches auf die Vergütung dadurch nicht verlustig, daß er für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne sein Verschulden an der Dienstleistung verhindert wird. Den ohne sein Verschulden er- krankten Arbeiter tonnte die Gesellschaft zwar nach§ 123 der Gewerbeordnung entlassen, sie hatte aber in Gcmäßheit des Z 616 für drei Tage zu zahlen. (Siehe auch 1. Beilage.) Hus Indurtric und Handel. Gegen das Ausstekuilgsweseil haben die Arbeiten der seit Anfang Oktober tagenden Ersten Diplo- matischen Ausstellungskonferenz ihren Abschluß gefunden, an der amtliche Vertreter von Deutschland, Oesterreich-llngarn, Belgien, Dänemark, Spanien, Frankreich, England, Italien, Japan, Nor- wegen, Niederlande, Portugal, Rußland, Schweden, Schweiz und den Vereinigten Staaten von Amerika teilgenommen haben. Eine der wichtigsten Bestimmungen des geschlossenen Ucberein- kommcns b e s,ch r ä n k t die Zahl der großen allgemeinen Aus- st e l l u n g e n, die von den Vertragsstaaten nur noch dann beschickt werden dürfen, wenn sie nicht häufiger als alle drei Jahre und innerhalb desselben Landes nicht häufiger als alle zehn Jahre ver- nnstaltet werden. Außerdem ist durch eine genaue Klassifikation festgelegt worden, welche internationalen Ausstellungen als amtliche oder amtlich anerkannte gelten sollen. Für die Art der Einladung zu solchen Ausstellungen, für ihre Organisation und Dauer, fiir die Einrichtung der fremdländischen Abteilungen und besonders für die Zusammensetzung und das Verfahren des Preisgerichts und die Verteilung von Auszeichnungen sind gewisse Grundsätze vereinbart worden. Das Uebereinkommcu erstreckt sich zwar nicht unmittelbar auf private Ausstellungen; man hofft aber, daß seine Grundsätze auch auf diesem Gebiete in den Vcrtragsstaatcn Bedeutung gewinnen werden. Man wünscht auch auf diesem Wege die Zahl der Aus- stellungen und Preisverteilungen zu verringern. Uebrigens enthält die Konvention ausdrückliche Abreden zur Bekämpfung der Echwindclausstcllungen und des Medaillenhandcls. SencKts-�eitung. Seine Majestät Arbeitswilliger. .Nicht zu richten, z» rächen sind wir da", das ist in Kürze die Begründung, mit der das Wiesbadener Schöffengericht eins drakonisch harte Strafe wegen einer Lappalie gegen einen gewcrlschaftlich organisierten Arbeiter zu rechtfertigen suchte. Das .Wiesbadener Tageblatt" berichtet über die Gerichtsverhandlung wie folgt: „Der Parkettbodenleger Ernst Gaffner von Wiesbaden ist Mitglied des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes, und er soll nicht gut zu sprechen sein auf den Parkettbodenleger A. Diefenbach, weil dieser bei einem Ausstand vor zwei Jahren nicht mit seinen Kaineraden streikte und weil er mehrfachen Aufforderungen, dem Verbände beizutreten, keine Folge geleistet hat. Am 19. August arbeitete D. in einem hiesigen Hause, als plötzlich Gasfuer vor ihm erschien und ihm eine elwaS derbe Siandrede hielt. Er fei ? ein Streikbrecher, ein Lump, soll er ihn angeredet haben, er müsse außer Arbeit gebracht ivcrdcn usw. Das S ch v s s e u g e r i ch t § Verhängte wegen Beleidigung eine Gefängnisstrafe von einem Monat über G., weil es Aufgabe der Gerichte sei, mit aller Entschiedenheit die Arbeitswilligen gegenüber dem Terroris- muS der Organisierte» zu schützen." Mag fein, daß Gaffner den Diefenbach beleidigt hat. Dafür muß er, weim ein Strafantrag gestellt ist, bestraft iverden. Das Gesetz läßt wegen Beleidigung Geldstrafe von 3 Mark an z». Sicher hat das Wiesbadener Schöffengcrichr schon Hunderte von Be- leidigungsfällen abgeurteilt, in denen es wegen Iveit gröberer Schimpf- Worte Geldstrafe» von 3 bis 26 Mark auswarf. Weshalb hier Ge- Musik. Dieselbe Couleur in Grün. Tarauf kaun man im voraus wetten, und man gewinnt die Wette auch bei der Operette„Der F r a u e n f r e s s e r", die am Freiing in M o n t i s O p e- rette ntheatcr zum erstenmal für Berlin aufgeführt wurde. Im zweiten Akte das Tanzduett, das wiederholt werden muß— und was die sonst noch auf der Walze habe». Der Text bedeutet eine weder allzu anspruchsvolle»och allzu anspruchslose Posse. Eni- täuschte Männer bilden einen Verein der„F. F.", d. i. der Frauen- fresser, und werden natürlich bald von den Frauenzimmern kirre gemacht. Ein Medaillon und ein in einem alten Korbe stecken ge- bliebener Brief helfen dem dritten Akt zu seinem glücklichen Ende. Der Komponist der„Schützenliescl", des„KünstlerblnteS" und deS ..Bruders Straubinger". Edmund Eyslcr, gibt hier nichts Neues, nur einiges Nette, besonders bei melodramatischen Charakte- ristikcn. Und das vom Reitsport singende Quartett mag als ein Zug- und Kunststück gepriesen sein. Tann wieder die alte Geschichte: gutes Spiel � das aber doch noch durch eine griffigere Regieführung gehoben werden könnte— und meist leidlicher Gesang! Gustav Matzner in der Rolle eines Majors, der schlichlich von seiner Jugendgeliebten cingefangcn wird, Fritz V e r b e ck, Potdi Deutsch ur.v Franz Groß in komischen Chargen, Grete Liebreich in der einer„chronischen Blondine", Vera Schwarz als die gesetzte und Else Adler als die noch ungesctzte Liebhaberin— Toiletten aus dem Atelier so und so— und nächstens wirds kaum anders sein. sz. Theater. Strindbergs„Königin Christine", die im Februar ihren Einzug in die Königgrätzer Straße hielt, wurde dort wieder neu aufgenomme». Der(Äesamteiudruck blieb der gleiche.wie da- mals: kühl bis kalt. Gelesen wirkt das lose Szcncngefüge cnt- schieden eindrucksvoller; mancher dramatische Aphorismus, der auf der Bühne kurzatmig erstirbt, wird in der Phantasie ein fruchtbarer Keim. Auch Frau T r ic schens großes Talent vermochte dieses komplizierte Geschöpf Christine nicht recht lebendig erstehen zu lassen: schönen Teilen fehlte das gemeinsame Band. Zudem scheint ihrer schwereren Natur das Leichte, Spielerische, Kapriziöse dieser Figur durchaus nicht zu liegen, während sie in der dramatisch verfehlten Schlußszene sich prachtvoll ausrecken konnte.(Neben- frage: Warum entdecken unsere Direktoren nicht neue Talente für neiie Rollen— oder warum nutzen sie die gegebenen nicht richtig aus? Siehe auch den Fall Bassermann.) Die im übrigen tüchtige Darstellung wies zwei Neubesetzungen auf, wovon die des verliebten Jünglings Tott durch Fritz D e l i u s problematisch blieb.— r. Humor und Satire. Der Freiheit eine Gasse! Die Morgenröte der Freiheit steigt über Mecklenburg empor! Der Grohhcrzog von Mccklenburg-Schwerin hat für sein Land den 87 Verfassungsentwurf ausgearbeitet. In diesem Entwurf feiort die Freiheit wahnsinnige Orgien, aus ihm spricht ein blutwatcndes Nll�obincrtum, Kaum ein Staat Europas oder Amerikas hat eine so freiheitliche Verfassung, wie sie jetzt für Mecklenburg vorgeschlagen Wird. Die Kammer soll aus 34 WgeAk�neW beWen) 20 mMst fängnisstrafe?„Weil es Ausgabe der Gerichte ist, mit aller Eni- sckiicdenheit die Arbeitswilligen gegenüber dein Terrorismus der Organisierten zu schützen." Mit Verlaub: in welchem Gesetz ist— ganz abgesehen von der Tatsache, daß die Behauptung von einem Terrorismus Organisierter hinfällig ist— eine solche Pflicht dem Richter auferlegt? Kein Gesetz mutet für die Fälle nach einein Streik dem Richter eine derartige Ungerechtigkeit zu. Es wäre das ja auch der Gipsel einer Teudeuzgesetzgebung. Vor dem Gesetz, sagt im Gegenteil die von dem Richter beschworene Verfassung, sind alle Bürger gleich. Ein Gesetz, das auf einem anderen Standpunkt stünde, schlüge der Gerechtigkeit ins Gesicht, würdigte die Justiz zu einer Dirne herab, die feil sein soll den jeweiligen Wünschen und Interessen hart- herziger Unternehmer oder anderer Kreise. Unabhängig soll der Richter sein, nach oben wie nach unten. Er soll nicht als Vertreter einer Klasse, sondern als Vertreter der ohne Ansehen der Person zu nrteilendcn Justiz seines Amtes walten. Was heißt eS aber anders, als den Arbeitswilligen die Stellung einer Majestät zu geben, wenn gegen sie gefallene Beleidigungen anders, höher gewertet werden als solche gegen ehrliebende Arbeiter, die im Interesse ihrer selbst, ihrer Familien, der Gesamtheit und der Kultur bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen anstreben? Nur bei Beleidigungen gegen eine Majestät schließt das Strafgesetz Geldstrafe aus. Eine aus einer Erregung heraus gefallene Beleidigung ist minder hart zu beurteilen, als eine ohne jeden Anlaß frivol erhobene, sagt das gesunde Rechlsgefühl und hat sicher in Hunderten von Fällen das Wies- badener Gericht erklärt. Weshalb geht es hier den entgegengesetzten Weg? Wegen der Personen, wegen der Ivirtschaftlichcn und politischen Richtungen der Prozeßparteien— oder läßt die Be- gründung deS schöffengerichtlichen Urteils eine andere Deutung zu? Eine der vornehmsten Pflichte« des Richters soll es aber sein, ohne Ansehen der Person lediglich nach Maßgabe der abzuurteilenden Tat zu richten, und je ferner er der Ivirtschaftlichen oder politischen Richtung des Angeklagten steht, sich zu hüten, daß seine wirtschaftliche oder politische Auffassung ihn verleite, die Wirtschaft- licke oder politische Auffassung des Angeklagten, statt allein des An- geklagten Tat, zum Gegenstand seiner Aburteilung zu machen. Sonst muß. er den Anschein erwecken, daß er nicht die Tat des Angeklagten richten, sondern an dessen wirtschaftlichen oder politischen Auf- fassungen Rache üben will. Der Angeklagte vertritt offensichtlich die Ansicht aller anständigen und ehrliebenden Arbeiter, daß der Streik- brecher für die Arbeiterklasse das ist, was ein Landesverräter für sein Vaterland. Hat er dieser Ansicht in beleidigender Form Raum gegeben, so darf er nur wegen der Beleidigung, aber nicht wegen seiner Ansicht bestraft werde», insbesondere dann nicht, wenn- der Richter seine Ansicht nicht teilt. Steht der Richter ans einem von der Klasseninoral der Arbeiterklasse abweichenden Standpunkt, dann übt er Klassenjustiz, wenn er die Anschauung des Angellagten nicht als mildernden, sondern als strafschärfenden Umstand berücksichtigt. Er übt sie unbewußt, insbesondere dann, wenn, wie hier, der Richter als eine seiner Pflichten etwas betont, was nicht zu üben die Gebote der Gerechtigkeit vorschreiben. Solche Urteile und die offene Anerkennung der Gründe, ans denen heraus sie gefällt sind, zeigen, loie notwendig der Ersatz der heutigen Richter durch Richter ist, die aus allen Teilen der Bevölkerung von dieser selbst gewählt werden._ Eine vom Popen ringeweihtc Zigarettenfabrik. In der Betrugsaffäre des Zigarettenfabrikauten Aron Koghen, der nach VerÜbung von Betrügereien in Höhe von annähernd einer Million Mark nach Paris geflüchtet war, ist vor einigen Tageg, nack>- dem die Epmittelnngen durch Ken UntersuchungSrichwr, Landrich� ter Scheifers zu Ende geführt-sind, die Anklage erhoben worden. Diese richtet sich neben Koghen auch gegen den Kaufmann' Josef Jneubowitz und den Kaufmann Markus Gelhor». Die aus Betrug bczw. Beihilfe lautende Anklage behauptet, daß Koghen mit Unter- stntzung der beiden Mitangeklagten einen ganz systematisch ange- legten Krcditschwindcl größten Stils angelegt habe, bei welchem eine imaginäre Erbschaft von 2 Millionen Rubel, die Koghen an- geblich in Aussicht stand, die Hauptrolle spielte. Koghen eröffnete bekanntlich, nachdem er, wie behauptet wird, nach Verübung von Wcchselfälschungeu aus Rußland geflüchtet war. unter Aufwendung großen Pomps in Berlin mehrere Zigarettengeschäfte, welche er als Filialen der in Rußland hochgeachteten und gutfundierten Ziga- von den großhcrzoglichen Kammerherren aus ihrer Mitte gewählt; 26 ernennt der Garnison-Aelteste von Rostock aus den Unteroffi- zieren der mecklenburgischeis Regimenter; 26 wählt der Hofmarschall ans der Reihe der großherzoglichen Lakaien; 16 wählen die Hof- lieferanten aus ihrer Mitte; 16 wählen die Minister; 3 müssen Mitglieder der Regierung sein und einer geht sogar aus allgemeinen Volkswahlen hervor. Wahlberechtigt sind die mecklenburgischen Untertanen, deren steuerpflichtiges Jahreseinkommen über 16 666 M. beträgt. Die Urwähler werden in drei Klassen eingeteilt; jede Klaffe eines jeden Wahlbezirks wählt fünf Wahlmänncr. Zwei Wochen nach der UrWahl treten alle Wahlmänner in Rostock zu- sammen, um aus dem Munde des grotzherzoglichen Wahlkommissa- rius den Namen des Abgeordneten zu erfahren. Die Ernennung des letzteren liegt nämlich dem Großherzog ob. (Frida in der„Jugend".) Notizen. — Das Deutsche Opernhaus in Charlotten- bürg wird am 7. November vor geladenem Publikum mit „F i d e l i o" eröffnet werden. — Die Musikalische Volksbibliothek, die sich nunmehr Berlin W.67, Zietenstr. 27, 1. Etage, befindet, ist täglich — außer an Feiertagen— von" 11 bis 12 Uhr, sowie Mittwochs al?ends von 8 bis 9 Uhr geöffnet. Die Zweiganstalt in Charlotten- bnrg, Savigiiyplatz 1, ist Dienstag, Donnerstag und Sonnabend von i bis 7 Uhr geöffnet. — Das V o l k S o r ch e st c r veranstaltet Konzerte zu kleinen Eintrittspreisen am 29. Oktober in„Brauerei Friedrichshain", am 4. November in den„Gcrmaniasälcn", am 8. November in den „Concordiasälcn", am 14. November in„Happ-oldtS Brauerei" und am 15. November in der„Brauerei Königstadt". — Vortragsabende. All?ert Bassermann hält seinen Vortragsabend am 28. Oktober im Bccthovensaal ab.— Maria H o l g c r S spricht am 29. Oktober im Choralionsaal Dich- tnngen von Emile �Verhacren und ein Mysterium von Bsla Baläszs. — I m Museum für Naturkunde, Jnvalidenstr. 43, werden im November und Dezember d. I., Sonntags von 16lh bis 12 Uhr, folgende Vorträge und Führungen mit Lichtbildern und Demonstrationen abgehalten werden: 16. Nov. Prof. Bclowsky: Edelsteine und Dr. Aulmann: Ter Flug im Tierreich. 17. Nov. Prof. Str. mme: Das Eiszeitalter. 24. Nov. Prof. BelowSty: Die deutschen Kalisalzlagerstättcn und Dr. Aulmann: Staatenbildcndc Insekten. 1. Dez. Prof. Strcmme: Vulkanismus. 3. Dez. Pros. Belowsky: Das Vorkommen und die Verwendung der Porzellan- erde. 15. Dez. Prof. Stremme: Tie Riesensaurier von Deutsch- Ostasrika und Dr. Aulmann: Ticfseefauna. Karten sind zu jedem Vortrag für 36 Pf. beim Pförtner des Museums von jetzt � ab zu kauxen. Vereine können �besondere Führungen für 26 Pf. pro Person bei einer Mindestbeteilignng von 25 Personen nach vorheriger Anmeldung beim Verivaltungsdirektor erhalten. — Neues über Hans v. M a r s e S. Der Bildhauer Artur V o I k in a n n veröffentlicht im Verlage von E- DiederiwS in Jena unter dem Titel„Leben und Gestalten" Bekenntnisse über seine Kunst, die eng verkiiüpft sind mit persönlichen Erinnerungen an HanS v. Marees.* rettenfabrik in Kiew ausgab. Ein in der Friedrichstraße cröffnekcs Geschäft, weches mit Rauch- und Lesezimmer ausgestattet war. lieg er, um der Sache einen soliden Anstrich zu geben,_ sogar von dem Popen der hiesigen russischen Botschaft feierlich einweihen. Nach dieser Einweihung gab er seinen Geschäftsfreunden im Hotel Bristol ein Diner, welches die„Kleinigkeit" von 1766 Mark kostete. Er vergaß allerdings auch später, diele Kleinigkeit zu bezahlen; die Klage schtrebt noch. Nachdem Kvghen auch verschiedene größere AuSlunfteien durch einen persönlichen Besuch genügend vorbereite! hatte, soll, wie die Anklage behauptet, der eigentliche Schwindel losgegangen sein. Unter Hinweis auf die angebliche Erbschaft und sein eigenes großes Vermögen gelang es ihm unter anderem, eine Frau Th. allein um 266 066 M. zu schädigen. Die Firma Emil Heinicke Aktiengesellschaft, bei der Koghen fünf Ladenausbauten zum Preise von 166 666 M. hatte fertigstellen lassen, gab ihm weites ein Darlehen von 166 666 M. bar. so daß diese Firma insgeiamt um 266 666 M. geschädigt ist. Hiervon geht allerdings eine von einem Oberleutnant in Dresden geleistete Bürgschaft von 156 666 Mark ab. Dieser Offizier, der. wie die Anklage behauptet, durch die Machinationen des Angeklagten finanziell völlig zugrundegerichtet worden ist, ist inzwischen in Konkurs geraten. Andere Personen, mit denen Koghen durch die beiden Mitangeklagten und durch ein« ebenfalls geschadigte Frau B. bekannt geworden war. sind ebenfalls um Beträge bis zu 36666 M. geschädigt worden.— In der Vor- unteriuchung hatte Koghen behauptet, daß ihm tatsächlich jene Erb- schaft in Aussicht stehe. Die von seinem Onkel ausgesprochene Eni- crbung sei nur zum Schein geschehen, um das Vermögen vor dem Zugriff seiner früheren Gläubiger zu bewahren. Koghen, wie auch die beiden Mitangeklagten bestreiten jede Sckuld. Die Berhand- lung, für welche mehrere Sitzungstage in Aussicht genommen sind, wird Mitte November vor der 3. Strafkammer des Landgerichts I stattfinden._ Ter Dackel der Frau Hauptmann. Eine Affäre„Dackel kontra Reh" bildete die Grundlage zu einer Anklage wegen Sachbeschädigung, welche den Kutscher Frie- drich Glücksmann vor die Berufungsstrafkammer des Landgerichts II führte. Ein Fräulein W. besitzt in Schlachtensee ein sehr umfang- reiches Villengrundstück, auf welchem sie sich aus Liebhaberei einen Tierpark eingerichtet hat. Zu diesem gehört unter anderem auch ein niedliches junges Reh, welches so zahm ist, daß es frei im Gar- tcn herumläuft und auch ganz dicht an den Drahtzaun herankommt und sich von Vorübergehenden füttern läßt. Dieses Idyll wurde schon wiederholt durch vagabondicrende Hunde gestört, die plötzlich von Jagdeifer gefaßt-wurden und sich Eingang zu verschaffen wuh- ten. Vor einiger Zeit war das Reh erst von einem Dobermann- Pinscher trotz aller Vorsichtsmaßregeln angefallen und gebissen worden. Im Juni d. I. ging die Frau Hauptmann R. mit ihrem Dackel Namens„Manne" an der W.schcn Villa vorbei. Kaum war „Mänuc" des Rehes ansichtig geworden, als in ihm der Jagdcifcr erwachte. Im Nu hatte er den Zaun unterwühlt und mit lautem Gebell raste er hinter dem Reh her. Als die Besitzerin des Rehes die wilde Jagd zwischen Dackel und Reh bemerkte, gab sie den Be- fehl„Friedrich schieß!" und Friedrich— der jetzige Angeklagte schoß auch dem armen Dackel eine volle Ladung auf den Pelz, so daß dieser laut heulend den Rückzug antrat. Diese Szene hatte eine— Anklage wegen Sachbeschädigung zur Folge. Das Schöffengericht Groß-Lichterfclde erkannte jedoch auf Freisprechung mit der Be- gründung. daß der Angeklagte lediglich einen rechtmäßigen Befehl seiner um ihr Eigentum besorgten Dienstherrin ausgeführt habe, um einen rechtswidrigen Angriff abzuwenden. Gegen dieses Ur- teil legte der Staatsanwalt Berufung ein mit der Begründung, daß ein„Angriff" gar nickst mehr vorgelegen habe, da der Hauptmanns- Manne infolge der Rufe seiner Herrin sich bereits aus dem Rück- wcge befunden habe, als der Angeklagte schoß. Es bekundeten meh- rere Zeugen, daß die Frau Hauptmann R. ztvar fortgesetzt„Manne" gerufen habe,„Manne" sei jedoch trotz aller Rufe nicht gekommen, sondern hilster, dem Reh weiter hergejagt.— Das Gericht kam deS* halb wiederum zu einer Freisprechung des Angeklagten. War es.wirklich erforderlich, wegen des Dackels dex Frau Hauptmann zwei Instanzen in Bewegung gu setzen? Euq der frauenbcwcgung. Ter Sieg des Frauenwahlrcchts in Täncmark. Dänemark steht vor einer bedeutsamen Vcrfassungsreform: Die politische Gleichberechtigung der Frauen wird zur Wahrheit! Das wichtigste in der Verfassungsvorlagc, die vom Konseilspräsidenten Klaus Bernken dem dänischen Folkcihing am Mittwoch vor- gelegt wurde, ist die Einführung des Wahlrechts und die Wählbar- keit für die Frauen. Schon 1968 wurde im Prinzip das allgemeine Frauenivahlrecht anerkannt, indem das neue kommunale Wahlgesetz Wahlrecht und Wählbarkeit der Frauen bei Kommunaltvahlcn vorsah. Durch dieses Gesetz bekommen die Frauen gleiche Rechte mit den Männern. Wenn sie die allgemeinen Bedingungen erfüllen(nur Stcucrzah- lende sind kommunale Wähler!, haben sie das Recht, ihre Stimme abzugeben und können auch Mitglied kommunaler Körperschaften werden. Das neue Verfassungsgesetz gibt nunmehr auch politisch den Frauen dieselben Rechte wie den Männern. K 36 der Verfassungsvorlage bestimmt: Wahlrecht zum Folkething hat jeder unbcschol- tene Mann und jede Frau, die Eingcoorencnrccht haben, 25 Jahre alt sind und festen Wohnsitz im Wahlkreise haben. Ausgenommen sind: a) Wer Armcnnntcrstütznng bezieht oder bezogen hat und diese Unterstützung nicht zurückbczahlt hat, b) wer in Konkurs ist. Der Konkurs des Mannes berührt nicht das Wahlrecht der Fran. K 31 bestimmt: Wählbar zum Folkething ist jeder, der das Wahl- recht hat. Das Landsthing wird von den kommunalen Körperschaften ge- wählt, und» da das kommunale Wahlgesetz, wie erwähnt, schon das Frauenivahlrecht und die Wählbarkeit enthält, sind die Frauen auch wahlberechtigt zum Landsthing, der dänischen Ersten Kammer. In der Rede, womit der Konseilspräsident die Verfassungs- Vorlage überreichte, führte er über daS Frauenwahlrecht aus: Die GesctzeSvorlage gibt, den Frauen Gleichberechtigung mit den Män- nern. Die Frauen haben hier im Lande ohne größere Kämpfe das kommunal« Wahlrecht bekommen, und alle am kommunalen Leben Beteiligten müssen zugeben, daß diese Ausdehnung des Wahlrechts auf die Frauen für die Gemcindckörpcrschaften von großer Beden- tung gewesen ist. Wenn loir jetzt zu einer Verfassungsänderung schreiten, ist es nur eine natürliche Folge jener Ausdehnung des Wahlrechts aus die Frau und eine selbstverständliche Gerechtigkeit. Ich sehe es alS eine Selbstverständlichkeit an, daß das neue Landesgrundgesctz angenommen und somit das Wahlrecht der Frauen zur Tatsache wird. Welchen Einfluß das Frauenivahlrecht auf die Stärke der Par- teien und ihre Stellung zueinander haben wird, läßt sich jetzt noch nicht mit Sicherheit sagen. Gewisse Schlüsse lassen sich nur aus den Kommunalwahlen von 1969 und 1912 ziehen, den beiden Wah- len, an denen sich bisher die dänischen Frauen beteiligten. Als im Jahre 1969 das Frauenwahlrecht bei den Gemeindewahlen zum ersten Male in Anwendung kam, stimmten in Kopenhagen 69,4 Proz. der Frauen, gegen 86.5 Proz. Wahlbeteiligung der Männer. Die Arbeiterfrauen standen unter diesen 69,4 Proz. leider noch nicht an erster Stelle. Den größten Teil der Wählerinnen der Arbeiter- klasse stellten die verheirateten Frauen. Charakteristisch ist. daß gerade die ärmsten Arbeiterfrauen sehr zurückhaltend in der Be» teiligung an der Wahl waren. Schon bei der Wahl im Jahre 1912 ist der prozentuale Anteil der Arbeiterfrauen bei der Stimmenabgabe-bedeutend gestiegen. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß bei den nächsten Wahlen die Beteiligung der Arbeiterfrauen jene der besitzenden Klassen bedcn- tend übersteigen wird. Die Arbeiterklasse begrüßt die Gleichberech- tignng der Frauen nicht nur vom Staudpunkt der Gerechtigkeit aus. sie wird auch in den Frauen einen starken politischen Mgchtzuwachs crlgngeg, Leseabende. (Soweit nichts anveres angegeben, findet der Leseabend am Montag statt.) Erster Wahlkreis, t. bis 4. Abteilung bei Weihnacht, Griinstr. 21; 5. Abteilung bei Rothe, Flensbnrger Str. 24. Zweiter Kreis. Die Leseabende finden statt: Biilowsir. 33 bei Wiemer; Hornstr. 2 bei Saß; Markgrasenstr. 88 bei Löhrich und Fontane-Promenade, Ecke Blüchcrstrahe. bei Fröhlick. Dritter Kreis. 1., 2.. 5. Abteilung bei Schramm, Ritterstrahe 123; 3., 4., 6., 7. Abteilung bei Baum,.Stallfihreiberstrahc 47; 8., 9., 10. Abteilung in der Spreehofkantine, Wnsterhausener Strahe 16: Vortrag über„Kinderschutz und Kinderarbeit". Referenten Genossin Knappe, Genossin Sclinger und Genosse Sickert. Fünfter Kreis. Der Frauenleseabend findet bei Thiel, Rücker- strahe 7 statt. 6. Wahlkreis. Wir bitten unsere Genossinnen zu beachten, dah folgende Abteilungen ihre Leseabcnde verlegt haben: Die I. Ab- teilung nach dem Lokal von Shdow, Schwedter Strahe 11; die HI. Abteilung nach demLokal von Grandel, Wvrther Strahe tö; die IV. Abteilung nach den Berolina- Sälen, Schönhauser Allee 28; die VI. Abteilung zu Mittelstadt, Schivelbciner Strahe 10; die XXI. Abteilung nach dem Lokal von Ähmus, Brüsseler Strahe 17. Laumschulenweg, Ernststrahe 22. Genossin Siedel über„Bürgerliche und proletarische Frauenbewegung". Franz. Buchholz, 8'/z Uhr bei Kähne, Berliner Strahe 3V. Vortrag des Genossen F. Horn über„Konsum-Genosscnschaftswesen." Köpenick. Dienstag, den 29., 8 Uhr, im Stadltheatcr: Vortrag des Genossen Schubert-Kvpenick. Friedenau. 8>/z Uhr im Lokal Mcchelke, Handjerystr. 60/61. Friedrichöhagc». Friedrichsir. 60, 2. Hof parterre links: Vortrag des Genossen Joh. Hah über:„Die Frauen und der Krieg". Alt- Glienicke. Dienstag, den 29. Oktober, beim Genosien W. Dürre, Kvpcnicker Str. 6. Referent: Genosse Hildebrandt- Berlin. Lichtenberg. 1. Viertel bei Heine, Friedrich-Karl-Str. 11. Genosse Alfr. John:..Volksbildung". 2. Viertel bei Schulz, Kronprinzenstr. 47. Genosse Hebold:„Er- läuterungen zum Erfurter Programm". 3. Viertel bei Simon, Wilhclmstr. 86. Genosse Gäbe!:„Die sozialistische Erziehung des Kindes im Hanse". 4. Viertel bei Hostmann, Möllendorfstr. 54/55. Genosse Nitschke: „Die EntWickelung des Menschen". 6. Viertel bei Blume, Alt-Boxhagen 56. Genosse Zimmermann: „Das Erfurter Programin". 6. Viertel bei Krüger, Türrschmidtstr. 40. Genosse Krüger:„Das Erfurter Prograinnr". Pankow. Jni Restaurant„Zum Kurfürsten", Berliner Str. 102. Rcinickcndorf-Wcst.� Bei Halmann, Scharnweberstr. 54. Referent: Genosse Max- Schütte. Schöncberg. Im 5. Fraucnbezirk, Referent Genosse Elajus. Oberschöncweide. Im Vereinshaus, Neue Post. Tegel. Schliepersir. 30: Vortrag des Genossen Sassen über Für- sorgeerziehung. Kaufmann, kapital- und tat- kräftig, erst kürzlich aus Provinz her- gezogen, sucht nachweisbar gute Existenz als Käufer oder Beteiligter, eventuell kleineren Fabrikations- oder Handwcrlsbctncb. Offerten sub „Hai. B 2ö3u Rudolf Mosse, Halensee, Menriettenplaiz. 174/9 Treptow. Schmidt, Kiefholzstr. 22. Genosse A. Meihner über:„Die Vermehrung der Bevölkerung im Verhältnis zur Nahrungs- menge."_ Versammlungen— Veranstaltungen. In Bohnsdorf findet Montag, den 28., 8l/z Uhr, im Restaurant Villa Kahl druck verleiht: Krieg durchtobt die Balkanlande, �. Gegenseitig lägt die Bande sich zur Ader. Pferdekuren find für solcherlei Naturen schliehlich einzige Medizin-... Laht sie in den Krieg nur zieh'n. Die„Bande", die auf den Schlachtfeldern verröchelt, besteht in ihrer Mehrheit aus Christen, die zu demselben Gott beten, für den das fromme Zentrumsblatt seine Tinte verspritzt. Kleine Notizen. Der Winter naht. Wie ein Telegramm aus G I e i w i tz meldet, ist in ganz Oberschlesien seit der vergangenen Nacht heftiger Schneefall eingetreten. Stellenweise liegt der Schnee fuhhoch. Begnadigter Attentäter. Der Student I u k i c s, der am 8. Juni auf den kroatischen BanuS C u v a j ein Revolverattentat verübt und dabei den Banalrat Hervo-i-cs getötet hatte, ist zu lebens- länglichem Zuchthaus b e g n a d i'g t worden. Das Urteil deS Gerichts hatte aus Tod durch den Strang gelautet. Pulverexplosion. Wie aus Riga gemeldet wird, erfolgte bei der Beförderung von fünfzehn Pud Pulver vorn Bahnhof nach der Rigaer Patronenfabrik aus unbekannter Ursache eine Explosion, wobei ein Arbeiter getötet, ein zweiter und zwei Frauen verletzt wurden. Inhaber Friedrich Fürstenberg Frankfurter Alice Wo. lOO Fernspr. Amt Königstadt Nr. 6335. iMrai! reooviert. Elektr. IM Saal mit Bühne für Griverkschasten und Vereine noch einfge soun- nbriihc und Sonntage frei. 973b 99999999999999999999 Stoffe für elegante Maßanzüge, Ulster, Paletots, Mtr. 4.—, 6.—. 8— M. etc. Damenkostürn- und Ulslerstoffe, Mtr. 3.—, 4.—. 5.— M. etc. Loden f. W etterpelermen, Mtr. 1.50, 2.50 M, Persianer, imit, Mtr. 6.50, 6 50. 15— M etc. Velour du Nord-Plüsche, Seiden-Seal, Mtr. 5.50, 9.50, 15.— M. etc. für elegante Damenpaletots. Tuchlager Koch dt Seeland G. m. b. H. Gertrauiltenstr. 20/21 vis-ä-visdor Petrikirche. Wurst billiger! Ceroelatwurst. pr. Pjd. 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Für den önjeratentetl verantw.: Tb. 6JI»iamit-„Fund" dem anderen, und obwohl die Arbeiterführer von Anfang an erklärten, es handle sich um nichts anderes, denn um Teuseleieu des Wolltrusts, wurden unschuldige Arbeiter dutzendweise eingekerkert. Immerhin ging den kapitalistischen Dynamitardcn schließlich die Sache nicht ganz nach Wunsch. Das Dynamit wollte in keinem Falle rechtzeitig explo- dieren, und am Ende wurde ein Freund des Wolltrust-Präsidenten. der Schulkommissar und Bürgermeistersohn Breen, dabei abge- fangen, wie er Dynamit in ein Arbeiterlokal ein- zu schmuggeln versuchte! Mister Wood, der erwähnte Trustpräsident' selber, wurde nicht lange danach mitsamt einem anderen Tcxtilfabrikanten als Komplice und Anstifter der Dynami- tereien verhaftet, nachdem noch ein�anderer der kapitalistischen Verschwörer, namens Pitman, Selbstmord begangen hatte. Breen kam zwar als geständiger Dynamitard mit 59 Dollar Geldstrafe(!)'davon, und die beiden Trusthäupt-linge gar wurde» gegen Barbürgschaft vorläufig auf freien Fuß gesetzt, und das durch denselben Richter, der in den ersten Tagen des Streiks„Ueberzeit arbeitete", um zwei Dutzend der Streiker ohne die Umständlichkeit der Untersuchung in Zeit von ein paar Stiindlein zu je einem, manche sogar zu je zwei Jahren Gefängnis zu verurteilen. Diese ganze Vorgeschichte des Falles, die selbst in den rückständigste» Ländern Europas als unerhört und ungeheuerlich empfunden wer- den würde, läßt keinen Zweifel über die Gefahr der Situation. Dasselbe kapitalistische Gauner- und Verbrechertum, das sich im Klassenkampfe des Dynamits bedient, trachtet jetzt zwei Arbeiter» nach dem Leben, denen es mit Hilfe hirnverbrannter Konstruktionen eines korrupten Staatsanwalt die Schuld an der Bluttat eines Polizeistralches aufbürdet. Tie Wachsamkeit des amerikanischen Proletariats wird den ruchlosen Anschlag auf das Leben Eiters und Giovannittis zuschanden machen, das sonst bei der Un- geheuerlichkeit amerikanischer Zustände so wenig sicher wäre, wie das irgendeines anderen Arbeiterführers im Uankeelande. �----—, vai Hm Industrie und Handel. Elscnbahnwagenmangel. Alljährlich im Herbst kehren die Klagen der Industrie über den lästigen Wagenmangel bei der preutzisch-hessischen Staatseisenbahn wieder. In Hochkonjunkturjahren mit gesteigertem Güterverkehr wächst sich dieser chronische Mangel zu einer außerordentlichen Ka» lamität aus. Ueber den Umfang dieses durch den preußischen Fiskus verschuldeten Mangels unterrichten einige wenige Zahlen: Am 22. Oktober d. I. fehlten allein im Ruhrbezirk 9177 Wagen. Die Zahl der von den Unternehmungen augeforderten aber nicht gestellte» Wagen belief sich an den 7 Wochcntagcn�zwischen dem 15. und 22. d. M. im Ruhrbezirk bereits auf 43 665! Aber in sämt» lichen Jndustrierevieren klagen die Fabriken über ganz erschreckende Lücken. Für Rheinland-Westfalen berechnet man den Ausfall am Kohlenmarkt auf 487 426 Tonnen Kohlen. Während die Air- forderungen der Verbraucher steigen, können die Werke nur deshalb nicht der Nachfrage genügen, weil die Eisenbahnvernxiltung versagt. Da. ist von gleichem Nachteil für die Unternehmer, die Arbeiter und die Konsumenten. Die hohen Kohlenpreise erfahren bei schneller Lieferung noch besondere Aufschläge, die der Verbraucher mitbe- zahlen muß. Bei den Unternehmern häufen sich die Vorräte an, während in normalen Zeiten die geforderten Mengen sofort ver- frachtet werden. Neben diesen Kosten verursacht die Lagerung auch Schädigungen in der Beschaffenheit insbesondere- von Koks. Die A r b e i t e r, die beim Verladen beschäftigt werden, müssen un- nützerweise Stunden feiern, um auf die unregelmäßig und unge- nügend einlaufenden leeren Wagen zu warten. Um die Vorräte nicht zu sehr anwachsen zu lassen, haben einzelne Zechen früher ausfahren lassen, oder gar Feierschichten einlegen müssen. Schon seit Jahren ist von der Industrie auf diese Uebelstände aufmerksam gemacht, schon seit Jahren der EisenbahnfiskuS auf- gefordert worden, seinen Wagenpark und seine Betriebsanlagen zu vergrößern. Aber bisher hat die Verwaltung sich im wesentlichen darauf beschränkt, den Wagennicmgel zu bestreiten oder ihn auf andere Ursachen abzuschieben. So behauptete man im vergangenen Jahr, die notwendig schleunige Beförderung der Rübenernte ab- sorbiere für kurze Zeit die Wagen, der niedrige Wasserstand der Flüsse nötige die Frachtgüter zum Eisenbahnverkehr. Aber die Klagen treten auch in Jahren und Monaten auf, für die jene Ein- wände nicht zutreffen. Zur teilweiscn Beseitigung der Wagennot fordern die beteiligten Interessenten billigere Tarife für die. verkehrsarmen Sommermonate. Dieses Zugeständnis sei um so berechtigter, als gerade die Hausbrandkohlen eine längere Lage- rung und daher frühe Beförderung gestatten. Jetzt dagegen müßten die Hausbrandkohlen im Herbst zurückstehen, weil Jndustriekohlen in größeren Mengen und von dauernden Abnehmern angefordert würden, die man zuerst berücksichtigen müsse. Die Interessenten verlangen weiter eine Beseitigung der Ursachen, die im ganzen Be- triebe der Eisenbahnverwaltung begründet sind. Es fehlt in gleichem Maße an Wagen, Lokomotiven, ausreichenden Bahnhofsanlagen und Personal. Die Stationsvorsteher wichtiger Rangierbahnhöfe inüsseii Wagen oft nur deshalb verweigern, um den Personenverkehr aufrecht erhalte» zu können. Die Gleise sind vollgestopft mit Zügen aus leeren und beladcnen Wagen, ohne daß der Raum eine Trennung möglich macht. Ebenso schlimm ist es mit dem Per- sonalmangel. Die Betricbsbeamtcn sind überbürdet, über- müdet. Für M hrleistungen, Ueberstunden und Sonntagsarbeit werden nicht einmal besondere Vergütungen gewährt. Das Prin- zip, möglichst viel aus Material und Personen herauszuwirt- schaften, hindert eine den Bedürfnissen entsprechende Verkehrsent- Wickelung. Zwar findet im Frühjahr eine Konferenz statt, auf der die Industrie die Verwaltung über den im Herbst notwendigen Bedarf unterrichten soll. Aber die Festsetzung der zu stellenden Wagen geschieht auf Grund der im Vorjahre bereits ungenügenden Wagenzuteilung. So glaubt die Bureaukratie im Dienste der staat- lichen Plusmachcrci über die Bedürfnisse des Verkehrs hinweggehen zu können. (Siehe auch 2. BeilageA Thealer und Vergnügungen nun iSiehe Wochen-Spielplan.) Freie Volksbühne. Sonntag, den 27. Oktober, Zlnfang 2'/, Uhr: DentscheS Lchaulplelhaus S. Abteilung (Gruppe ZL— 40): E g m o n t. Ansang 3 Uhr: Herrnseld-Tbeater. 5./6. Abteilung. (Gruppe 21—23): Der Vate r. Thalia- Theater. 2/3. Abteilung. (Gruppe 6—10): Des BsarrcrS Tochter von Streladorf. Residenz» Theater. 6. Abteilung. (Gruppe 2S— 27); Francillon Abend-Abteilung: Montag, den 28. Oktober, 8 Uhr: Deutsches Schauspielhaus. 15.(II.) Abcndabteilung: Der gutsitzende Frack. Neue Freie Volksbühne. Sonntag, 27. Oktober, nachm. 2'/, Uhr: Deutsches Theater: Penthefiiea. Rammerspielhaus: Erdgeist. Nachm. 3 Uhr: NeucS VoliS-Theater: Literatur.— Liebelei. Schiller-Theater O.: Zopi und Schwert. Schiller-Theater Charl: Die Jüdin von Toledo. Theater in der Königgrätzer Straße i Die Ahnsrau. Neues Theater: Wiener Blut. Kleines Theater: Und daS Licht scheint in der Finsternis. Trianon-Theater: Der selige Toupinel. Metropol-Theoter: Tata Toto. ÄomödienhauS: Der rote Leuwant. Blülhner-Saal: Sinsonic-Konzert. Abends 8 Uhr: Neues VolkS-Theater: Die Doppel- gängertomödie. Abends 3',z Uhr: NeueS Volks- Tbeater: Montag, Mittwoch: Doppelgängerlomödte. Dienstag: Lore.— Dte Spieler.— Der Kammersänger. Donnerstag, Freitag: Literatur.— , Liebelei. Sonnabend: Mutter Landstraße. Schiller-Theater O.ÄV. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Zopf and Schwert. illbendS 8 Übt: Die Kinder der Exselleuz. Montag, abends 8 Uhr: Flaohamnnn ala Erzieher. Urania Tanbcnatraße 48/49. Wissenschaftliches Theater. Sonntag 8 Uhr: Aufs Matterhorn! Montag 8 Uhr: Anfa Mutterhorn! SI$jnr LOCISCHER�J GARTEN U llentc 8oiiiitae: EV! Eintritt 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte Ab nachm. 4 Uhr; Großes Militär-Konzert. Täglich nachm. 4 Uhr: Großes Militär-Konzert. Donnerstags: Joh. Strauß. Passage-Panoptikum mnö | der größte Entfesselungs- 1 Künstler der Zeit. Oer Mann mit dem I eisernen Schlund!| die anatom. Unmöglichkeit. libendlOtineExtra-Entree! Sehlller-Thealer Chcrn Sonntag, mittags 12 Uhr: Kammermusik. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: .Die Jttdln von Toledo. Abends 8 Uhr: vos Ptarrers Tochter von Streladorf. Montag, abends 8 Uhr: _ HOntg Lear._ Berliner Tbeater. 8 Uhr: Filmzauber. Freireligiöse Gemeinde. Dienstag, den 29. Oktober, abends SVUhr, in den..Sophien-Salen", Sophienstraße 18-: Richacd Wagner-Abend. OeffsntHeher Vortrag Dr. Jtax Brie mit ergänzenden gesanglichen und musikalischen Einlagen. Gesang; Fr. Else Himmel-Manebe. Harmoniüm: Organist Hr. Ernst Himmel. DV Kein Garderobenzwang! Programm auf den Billetts. Eintrittspreis 30 Ff. IM Billetts sind zu haben; Geschäftsstelle Pappel-Allee 15— 17. H. Peege, Rüdersdorfer Straße 48; A. Wenrif, Neukölln, 55/15* Münchener Straße 22; A. Räder. Rodehbergstraße 29. Blüthner-Saal. Konzert des Bilmer-Oreliesteps. Dir.; Br. Weyersborg. SoL: Kotelmann-Heese(Ges.), Mersson(Violine). Anfang 7'/, Uhr. Entree 75 Pf. 1 Etttzowetr. 76 BlÜthnCT-SäSl Etttzowatr. 76 p Sonnabend, den 2. Movember 101%, abends S'/j(ihr: Konzert des iiir-Gesaivereins LiMil Berlin-West M. d. D. A.-S.-B. Chormeister; Fritz Stempel. MHorirVonHo. Professor Emil Prill, kgl Kammorvirtnos(Flöte), JVUiWlrKenae. Max zz,, legi. Kammermusiker(Harfe). Konzertflügel: Blüthner. Eintrittskarten ä 1 M. bei den Mitgliedern, an der Kasse 1 M- 25 Pf. Saalöffnung 7'/, Uhr. 56/4 Kindern unter 10 Jahren ist der Eintritt riioht gestattet. ' J Biereabaret Im ElchtprunkMaale der Passage. Jeden Abend'1,9 Uhr: Hermann Funke Hansy Petra Putzi Cassani Mizzi Dresel Werner Uoldmann Otto Bellmann 20 Künstlerinnen u. Künstler. Einheitspreis 1 M. Exeelsior- Lichtspielhaus Neukölln ÄÄS Passage --------——----— Vom 26. Oktober bis I. November inkl■ ZIGA, die Gamargua-Königin Ein Abenteurer-Roman in. 2 Akten. Um Haaresbreite Drama aus deri� Leben. In 2 Al�ten. � J Metropol-Theater. Nachmiitags 3 Uhr: Tata Toto. Abends 8 Uhr: Rauchen gestaltet. Chauffeur- ins JKetropolI Große Jabresrevue mit Gesang und Tanz in 10 Bildern von I. Freund, Musik v. Rud. Aelson. Tänze arrang. von Will Bisbop. In Szene gesetzt vom Direktor R. Schultz. <«#?»Clou '»M I»>»!> a/lKUHnstrsKe Z2.- M:: Berliner Konzert haus • vhr: Die fünf Franlifutter. Deutsches Schauspielhaus (Komische Oper). An allen Tagen der Woche 8 Uhr: Dor gnt sitzende Erack. Theater am Nollendortplah (Neues Schauspielhaus). Täglich abends 8 Uhr: Gastpiel des Müncheuer Künstler> Theaters: Orpheus in der Unterwelt. Atoutis Operetten-Theater (srüher Nencs Theater) 8 Uhr: Der Frauenfresser. Nachmittags 3 Uhr: Woner Blut. Residenz-Theater. « Uhr: 8 Uhr: üemiitsmensehen. Schwanl in 3 Alten von Fritz Friedmann.Frederich. Moraen und salzende Tage: Gemtltsmensehea. Luisen-Theater. Goiinlag nachm. 8 Uür; Das Sittliche» von Heilbronn. Abends 8 Uhr: De« andern Ehre. Montag: Des andern Ehre. Dienstag: Dte gelbe Gefahr. Boigt-Theater. Eetmidbriuinen Badttraße 58. Heute Sonntag, den 27. Oltobcr: 3°8w �rsk und ttirtm. ?uhr1 Pfarrer U«d Sängerin. Komödie in 3 Akten von Schwarz und Winlelmann. Kasseueröffn. 10 Uhr. Ans. 3 u. 7 Uhr. lOM-THEATEi |«rnhe Frantsurtei Str. 188. Nachmittag« 3 Uhr: SEapfonstrelch. Abend« 8 Uhr: Von Stufe zu Stufe. Montag: Bon Stuse zu Stus«. Trianon-Theater. Abends 8 Uhr: SteheSbarometer. blauorstrsbo 32.— HimoiorslraLo 30/21.; Heuu,! Großes DoppelaKonzert. ässi61 Musiko. Kaiser> Franz-- Regts. ob?msBn6cker. Berliner Konzerthaus-Orchester Bio*: Komp, Anfang 41/. Ehr. Eintritt SO Pf. InfanR t1/. Uhr Morgen Montag; Operetten- und Walzer-Abend. Letzter 8onnta«k l große Vorstellungen. Nachmittags 3'/, Uhr; Halbe Preise! Abends ab 8 Uhr! In beiden Vorstellungen Die gesamten Attraktionen mit Bernhard HOrbltz. Folies Capriee. Zum 57. Male Die drei Schlager: Mf Der keusche Joseph. IDg aar Der wciiboct.-mm Mir Der ffiitbrcriicr.-MW 8 Uhr: Relchshalleo-Theater Stettiner Sänger. U6inba Die Macht der THöe. Sonntag- nachm. 3 U. Der Kompagnieball PIiams-Äftl© Müllcrstr. II». Jeden Sonntag: Wilb. Wolfis iainburg. Sänger. Aiisang 61/, Uht. 8«ets neues ProBi-nmm. Aachoem: �amtlienkranzchen. Rermania-fraehtsäle! N., Chautteeslr. 110. Karl Richter.| tiento Sonntag PaulMantheys! lustige Sänger[ Anf. ö'/j Uhr. Eintritt 50 Pf. i Ajischtieß.; Famllienkränzcban, i Im weißen Saale von 5 Uhr ab| AM- Großer Ball J Jeden Mittwoch: Paul Manthejre i t lustige Sänger Jeden Donners- i tag: Gr. nilttürkonisert. Vwiir». Markgrafen-Säle 84. Markffrafen-Dainm 34 --------- An der stralauer Allee.------- Täglich: Gr. Kino-Norsttlluns. Im Restaurant täglich musikalische Unterhaltnug. Der Spielplan dringt Mi! dem Kaiser in Norwegen und täglich die neuesten Aufnahmen vom |Kriegssciiauplatz.{ Charlottenburger Testsäle Charluttenburg, Kalser-PrlcdrlchMtr.»4. Empfehle 2 große Säle f. Versammlung., Familien- u, Vereihsfeste. ÄÄ'Ä but! Sonntag! 6r. Ball".K?"_ Sonnabend, den 30. November: Saal für Vereine frei 4374L* I Ferner: Das Wiegenlied, dram. Erzählung mit [ Gesang: Mme. Derrot aus Warschan. _" Anfang 8 Uhr. Kinder nachmittags halbe Preise. 219/1 Zum Kackepeter Hauptgeschäft: Gr. Frankfurter Straße 106 i. Filiale: Große Frankfurter Straße 102 Ecke Krautstraße 2. 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Beide Stücke mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Vorverkauf 11—2(Theaterkasse). Admlralspalast am Bahnhof Friedriohstraße, WWW- Eispalast. TM Einzig in der Welt mit seinen prunkvollen Elsballetts. MP*. Honte rW 10 Vorstellnngen Z nachmittags, und abends da» sensationelle Eisballett „Vvonne" 100 Mitwirkende. Fabelhalte Ausstattung! Die kleine Charlotte. Bis 6 Uhr und von 10'/, Uhr abends halbe Kassenpreise. Restaurant 1. Ranges! Wein- und Bier-Ahteilung. Rosonthaler Tor. Ql| Ohn-I | Allabendlich präz. 6 4 Ulli.| Polnische I Wirtschaft.! Tunnel: Militär-Konzert Burglheater- Kino und CoctcÜla SohSnhauser Allee 129. rcdlofllc, gäie für Hochzeiten Ü. Vereinsvergnügen. 4 hooholeg. Kegelbahnen. Täglich Gr, Künstler- Konzert im Hauptrescauraut. Rudolf Herz. Berliner Prater-Theater Aastaiilenallee 7—9. Der Dieb. jtomidie in drei Akten von H. Bernstetn. Ansang 8 Ubr. Zirkus Werl Sehutnatm. Heute Sonntag, 27. Oktober: 3 große Vorstellungen Nachm. 3'/, u. abends 7'/, Uhr. In beiden VorsteUungen Auftreten sämÜ. Attraktionen. Nachm. hat jed. Erwachs, ein Kind unter 10 Jahren frei auf allen Sitzplätzen auß. Galarie. G- Em»■/, Ehr:-W Der unsichtbare Mensch. Vier Bilder aus Indien. GröBtes und schönstes Aus- statlungsstllok dar Gegenwart. Dienstag, den 29. Oktober,«>/, Uhr: Einmaliges Gastspiel de« Berliner Baudeville-EnsembleS: „Der Tanzanwalt" Operette in 3 Alten von PardeS-Milo und Urban. Musil von Wäller Schutt. Volks-Theater Renkölln, Hermannstr. 30. Sonntag, den 27. Oktober: Krone nnd Fessel. Mllitürausstattungslomödie tu 6 Bild. von Howard und Lutz. Montag, den 28. Oktober: Preslosa, Romant. Rtttcrlchausptel mit Gesang in 4 Allen von Wolff. Ihsslgf KünigslBlU-Gssino. Holzmarktftr. 72, Ecke Alexanderstr. 1 Min. v. Bähnh. Jannowitzbrücke. Dägl. abends 8, Sonnt 5 Ubr: Das große Novitäten-Pro- gramm und Marsch ansS Standesamt. Große Posse in 1 Att. Kösliner Fest-Säle »saliner Dtrahe«. lonutag: Großer Ball. Saalbestellungen sür die Wintersaison werden täglich unter den kulantesten Bedingungen entgegengenommen. Varl BehrOder. Konkordia-Festsäle. Jnh.: M. Wendt und A. Schütze. Andreasstr. 64 Jeocn Sonntag: Militär-Slreieli-Konzert und die beliebte« Holfmanns Sänger, Jede Woche neues Programm. Ansang des Konzerts S Uhr. der Vor. slellung 7 Uhr. Im oberen Saale von 5 Uhr an: (ZroLer öull. MSrkischer Hof, Adrnlralstr. 18 c. Jede« Sonntag: Gr. Ball. EmpleHle meine Säle und Vereins- »immer sür Hochzeiten. Bersamm- hingen usw. Umständehalber ist der 14. Dezember und 1. Selhnachts- seiertag frei geworden._* Alhambra Wallner-Tbealerstraße 15. Jeden Sonntag; Große» Orchester Ansang SonnlagS 5 Ubr. A. Zainoltat. ei»»tucuieLULttöc 10. Großer Ball Nißles Fest-Säle Dennewitzstraße 13. Jeden Sonntag: tanzhränzlhen. 9446 C. Nlßle. Schultheiß-Sprudel Moabit, Wldelstr. 17.' Jeden Sonnabend und Sonntag: Ellnzller-llovierl. Sebramniol» Quartett „Berliner Spatzen64 ES ladet freundlich em Ksorg ßelhlöl-ll, Gastwirt. Für den Inhalt»er Jnierare llberuimm« die Redaktton dem Vnvlltu« g-gruijh« ttinerlei Berantwormng' KranktllUlltttMtzungs- unb Ktgräbnis-Verem gewerd- licher Arbeiter z» Kerlin. Sonnabeud, den ii. November. abends 8>/, Uhr. im„Dresdener Garten". Dresdener Straße 4ö: Vellersl-VersMinliillg. Tagesordnung: 1. Rechnungslegung pro III, Quartal 1912. 2. iintrog des Vorstandes: Beilragsrecht zur Frauenstcrbelalse. S. Verschiedenes. 2S8/1 Im Anschluß hieran: Gemüt' licher Abend. Freunde und Bekannte sind gerne gesehen. Friedrich Freudenreich, Vorsitzender Britz. Jdeal.Siedelung, Ausgang 41. Orts- Krankenkasse der Kilbhlluer.Stlikklltellre und vtw. Gwerde zu Kerli». Bekanntmachung. Die stawtenmär.ige General. Versammlung findet am Moniag de» t. November d. I.. abends S Uhr. im GewerkschaftShanS. Engelufer IS, Saal S, statt. Tagesordnung: 1. Wahl von vier Vorstands Mitgliedern(ein Arbeitgeber, drei Slrbeilnchmer). 2. Wahl von drei Revisoren zur Prüsung der Jahre». rechnung 1912. 3. Nochmalige Be. schlugsassuna über den Antrag aus Weiterbestehen der Kasse nach den Bestimmungen der Reichsversiche ruiigS-Ordnuna. 4. Antrag des Bor. flandcS aus Abänderung des§ 13 — Erböbung des Krankengeldes, oder dcS fi 2g— Herabsetzung der Beiträge, sowie deS§ 22 deS Statuts. b. GcschästlichcS. 280/11 Berlin, den 27. Oktober 1912. Der Borstand. 8. A.: Frib Waldeyer, Vorfitzender. Gemeinsame Orts-Krankenkasse für Nowawes u. Umg. Am Montag, den 11. November, abends tt Uhr. findet im Restaurant von Schmidt. Wilbclmstr. 41/43. eine 0nlentl. General-Versammlung statt, zu der die Delegierten hiermit ergebenst eingeladen werden. Von 8— 8V,»hr findet in trennter SiNnna die Wahl von 2 Arbeitgeber:' und 4 Arbeitnehmern zum Vorstand statt. Um 8'/-»hr � 28t./ 7 Grmrilisame Sitzung. Tag srrdnung: 1. Geschästlia/e Mitteilungen. 2. Wahl deS Rechnungsausschusses pro 1912. 3. Bcschlnßsajsuna über den Antrag aus Ausgestaltung zur Allge- meinen LrtSlrankenkaste. 4. Bericht vom Krantentasscntag w Franlsurt a. O. S. Bericht von der JahreSversanun- lung in ktöln. 8. Verschiedenes. Anträge zu dieser Generalversammlung müssen 10 Tage vor derselben bei dem Vorsitzenden eingereicht werden.(§ 61 des Statuts.) Nowawes, den 27. Ottober 1912. VI. Kersten, Vorfitzender. Privatangestellte, Kandlnngsgehilfen, Techniker IwlM Wähler des 1. Kreises!---------- Dienstag, den 29. Oktober 1912, abends 8�z Uhr: Oessentliche Versammlung in Haverlands Festsälen(früher Dräsel), Neue Friedrichstr. 35 Tagesordnung: PrivstsngesteUte und Sozialdemokratie. Referenten: Landtagsabgeordneter Julia« Borchardt und der Kandidat Stadtverordneter Wilhelm Düwell. Zahlreichen Besuch erwartet Der MnHInusschutz der Priontangestkllttn. 206/16_____ I. A.: Karl Bublttz, Dortmunder Str. 3. Sozialdemokratiseher Wahlverein für den 6. Berliner Keichstagsroahlkreis. Der diesjährige wissenschaftliche Vortrags- Zyklus bestehend aus 6 Vorträgen mit Lichtbildern beginnt am Freltas, den 1. Wovember, abends pünktlich 81/, Ihr, in den„Germania- Pracbtattlen"(großer Saal), Chausseostr. 110. BV Dae Thema lautet; JUdlNCllClll't UlldC. Vortragender: Genosse Dr. Drucker. Die Vorträge finden am Freitag, den t., 8., 15., 22., 28. November und 6. Dezember statt. DM- Preis der Teilnehmerkarte(ttr alle 6 Vortrüge 60 Pf. Karten sind noch im Wahlvereinsbureau, Neue Hochstr. 23 I, bei den Funktioniren sowie am Eingang«loa Saales zu haben. Der Vorstand. 9., 10. und II. Abteilung; Volkstümlicher Lieder-Abend am Sonnabend, den 2. November in den„Germania-Prachtsälen", Chausseestr. 110. Mitwirkende: Herr Emil Thilo, Einleitender Vortrag.— Frau Wlchmann-Vogt, Lieder für Sopran. Perr C. Kurckhardt, Lieder kür Bariton. Jverr Emil Thilo, Klavier. „Hünnerchor Weddlog", Chonneister Herr Emil Thilo. Anlang abends 88/4 Uhr.- Eintritt 50 PL ,,,,______.. Tartrw Daran teilnehmende Herren zahlen 60 Pf. nach. Lach dem Konzert. 1 ctllZ. Kinder unter 10 Jahren haben keinen Zutritt. Aehtanc t Am 8. Dezember findet die QoneralTersammlans, welche Stellung zum Preußischen Parteitag nimmt, statt. 233; 13* Allgemeine Orts- Krankenkasse Spandau. Aus Grund des§ 66 de« Siawi» macheu wir hiermit bekannt daß die in der Außerordentlichen General. Versammlung am 1. Juli 1912 b«< schlossene Statutenänderung, Bezah- lung de» Krankengeldes auch fiir die Sonntage(ß>3 des Slatuis), rm 80. Zeplember 1912 vom Bezirksausschuß In Potsdam genehmigt fit und am 1. November 1912 in Krast tritt. Der Vorstand. 180/12 R. A p p o l d t, Vorsitzender. Orts-Kra»»kenkasse für d. KarbiergeWerbe zu Berlin. DieuSkag. S. November ISIS. abendS 9>/, Uhr. im»Rosenthaler Hos-, Roienthalerstr. 11/12: General-Versanunlang. 1. Wahl deS PrüsungSauSschusseS sür die Jobresrechnung 1912. 2. Beschlußsassung über den Antrag deS Vorstandes aut Zulassung der Kaste nach den Bestimmungen der Reichs- oerficherungSordnung. 3. Beschhißlassung über dl- Ver- schmelzung mit einer anderen Kasse. 280<10 Der Vorstand. I. A.: Paul Schrotte, 1. Vorsitzender. ftafh Meyer Dresdener Str. 128/129. Kaffee 10 u. 1 5, Sier. hell. u. dunl. lVPs. ca. 50 Teilungen: aillard Std. Sv Ps Eahlslelle der Freien Volksbühne. !!vkUl8MjllbM-8gMliliiill.!! Lsu vorlln unck vinxoxonN._ Sonntag, den 3. November 1912, vormittags 10 Uhr, im großen Saale der Branerol Erledrlchnhaln: Uebnngs-Stiinde"HW für den Bezirk 1(Berlin). Geübt werden folgende Lieder: Tord Foleson v. Uthmann. Empor zum Licht v. Uthmann. Freundschaft und Liebe v. Flemming. gmr* Wir machen die Vereine nochmals auf den Beschluß der Generalversammlung(50 Pros.) aufmerksam. Zur Einführung in die Ohorführerschule findet mittags 12 Uhr im kleinen Saal eine Prüfung der Teilnehmer statt. 17/13 Der Vorstana. Verband der Hut- und Filzwarenarbeiter und -Asbeiterinnen Deutschlands -------------------- Ortsverwaltung Berlin.---------------- Am Mittwoch, de» 30. Oktober, abend« 8'/, Uhr, in SSiltcfi Jestsälen. Sebastianftr. 39: Mltglleöel'-verlZwmIUllg Tagesordnung: t. Kassenbericht vom dritten Quartal. 2. Die GewerbegerichtS- wählen. Referent: Genosse A. Körslen. 3. Verband sangclegenheiten. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ttl-b das Erscheinen aller Mit glieder erwartet. 7ö/:.6 Die OrtSverwaltnug. Deutscher Buchbinder-Verband. Engeluser 15 II. Zahlstelle Berlin. Zimmer 39/40. Dienstag, den SS. Oktober ISIS, abendS S'/, Uhr: Kranchenversammliing aller in den Berliner Geschäftsbücher-Fabriken beschäftigte» Arbeiter und Arbeiterinnen im Aabllstement„Slaniker-güle", Kaiser-Wilhelm-Straße 18 m (Grofter Saal). Tagesordnung: I. Der Darifbrnch der Arbeitgeber im Slchlichtungsausschuft! 2. Branchenaiigclegcnhciten. Itglledtibiich legitimiert, wwm» Zahlreichen Besuch erwartet 25/18 Die Branchcnlettung. ir Filiale G! roß-Berlin. L. Granmanns Testsäle SO. 26, Naunynstr. 27. Fernsprecher: Amt Moritzplatz No. 7324. GIHnzend renoviert! Elektrisches Licht! Sonnabend, d. 23. November, freigeworden! I Clemtns Königstädtisches Gasino Graste Frankfurter Ttr. 7(8. Fernsprecher: Königstadt 12801. Empfehle den geehrten Vereinen meinen Saal m. gr Bühne, 300 Pers. 7. Dezember. Silvester, 4. und 5. Januar noch frei. Donnerstag, de» SI. Oktober, abends S'/z Uhr: (avn«PsIir«i's»mmluBg Im„Gewerkschaftshans", Ängelufer 15. Tagesordnullg: 1. VerbandSangelegenheilen lAnträgc aus Ausschluß von Mitgliedern). 2. Kassenbericht sür das 3. Vierteljahr 1912. 3. Nenberatung der Organi- sationS-Satzungcn der Filiale. 4. Ersatzwahl sür die Oilsoei waltung. Zutritt nur gegen Vorzeigung deS Mitgliedsbuches. 35/19 Die Ortsverwaltung. Borpanns Andreas-}estsäle Andreasstr.*1. Tel. Ktfnlgstadt 85S0. Freigeworden: Sonntag, 15. Dezember. Noch frei Silvester sowie Sonnabende und Sonntage im Frühjahr Um gütige Berücksichtigung bittet H. Borgmann. nm-mm. Verwaltung Berlin. Dienstag, de« IS. November, abends 8 Uhr, im GewerkschaftShanse, Engclufer IS, Saal 4: oraentllche Generalversammlung. Anträge müssen bis Freitag, den 1. November, an das Bureau eingereicht sein._ Einsetzer. Heute Sonntag, 27. Oktober, vormittags 10 Uhr, bei Merkowski, Andreasstr. 2ß: Branchen»Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht vom III. Quartal. 2. Verbands- und Branchenangelegciiheiten. Heute Sonntag, den»7. Oktober, vormittags 10 Uhr: Tlschbranchen-Versammlung ~ in den Comenins-Festsäleu, Memeler Str. 67.~ Tagesordnung 1. Bericht der Branchenkommlsslon. 2. Branchenanitclegenheltcn. SßF" Alle in der Dischbranche beschäftigten Tischler, Pplierer. Moschinenarbeiter, Drilarbeiler und auch die ungelernte» Hilfs- arbeiter müssen erscheinen» ebenso auch die Kollegen, welche dem Transportarbeiter, Uerband angehören. WM- Zwecks Kontrolle wird der Besuch der Versammlung im Mit- glicdsbuch durch Stempel legitimiert.— Die Vers aminlung wird pünktlich erössnet._ JltnsikinstrumentenarbeUer Montag, den SS. Oktober, abends 8 Uhr, im Gewerkfchaftshause, Engelufer IS, grofter Saal: Branchen»Versammlung. Tagesordnung: 1. Die am 17. und 18. November in Berlin staitfindendc Konferenz der deu.fchen Musikiiiswumentenarbelter und Beratung der Hierzu gestellten Anträge. 2. Wahl von Delegierten zur Konserenz. 3. Die gegenwärtige Siwativn In unserem Berufe. DU Anwesenheit sämtlicher Verbandsmitglieder aus der Musil- nstrumenteninduftrle ist dringend ersorderlich. -------------- Mitgliedsbuch legitimiert!> �--- Um pünllllches Erscheinen ersucht Die Drnnelienleltnnx. AuS Anlaß der Klavlerarbeilerkonferenz findet am»onntag, den 17. November, ew Eestkommera stall, zu welchem am nächsten Sonnabend Billetts a 80 Pf. in solgenden Zahlstellen zu haben find: Bieberstein, Adalbertstraße 59: Merkmann. Kroße Frankfurter Straße 16; Grosse, Neukölln, Münchener Straße 53; Lerche, Gleimflraße 70. Küehenmöbel- Branche. Moutag, 88. Otlober. abends 6 Uhr, in Haberlands Jestsälen, Nene Jriedrichstrafte 3V: Branchen»Versammlung. Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben. WM- Mitgliedsbuch legitimiert k-WW Iranckc der VcrgcMcr. Dienstag, de» SS. Ottober, abendö 8'/. Uhr, in der„Alhambra", Wallner. Theater-Dtr. IS. Branchen»Versammlung. Tagesordnung: Bericht über nnferc Streikbewegung. ZUstcmnaclicr. Dienstag, de» 20. Oktober, abends pünktlich 8 Uhr, bei Boeter, Webersir. 17: Branchen»Versammlung. Tag esordnuug: 1 Die Konsum-Genossenschaft alö Kampfmittel. Reserent Kollege Wilb. N i t s ch l e. 2. Bericht der Kemnussion. 3. VerbandsuiigelegenHeiten. f Auch die Jraur« der Kollegen find Hierzu eingeladen.-Mg Bezirk Charlottenburg. Mittwoch» den SS. Oktober. nachm. S'/, Uhr. im»volkshans*, Eharlottenburg, Stofinenstr. 3: Aiißeruldkull. Milglikdtr-Rersuuiuiluug. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen I o h. G e r m r o i h über daS Thema: Sturmzeichen". 2. VerbandSangelegenheiien. Largtiscwcr. Mittwoch» den 30. Oktober, abends pünktl. 8 Uhr, bei Merkman», Graste Frankfurter Ttr. 16: Branchen»Versammlung. Tagesordnung: I. Vortrag de» Kollegen Jahn über:.Die Aufgaben des deutschen Arbeiters». 2. Bianchenangelegenheiten. Die Frauen der Kollegen find hierzu eingeladen.-WW Sranchc»er Salonsicarbeiter Mittwoch, den 30. Oktober, abends 8'/, Uhr, bei Anton Boeter, Weberstr. If: TageSordnun arbeiter zum Ablauf Versammlung. Welche Stellung nehmen Sit Jalousie, des Tarifs ein. Um 8 Uhr: Sitzung der Bertrauensmänner. Stellmaeher. Donnerstag, 31. Oktober, abends 8'/- Uhr, im«Rosenthaler Hof«, Rosenthaler Ttr. 11/1S: Branchen»Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Redakteur K i ß n e u 2. Bericht vom 3. Quartal. 8. Bericht deS(SesellenauSschnsfeS von der Jnnungsversammlung. 90/11 Die Ortsverwaltun«. Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den gnseratentetlverantw.: TH. Glocke, Berlin. Druck u. Berlag:»liorwärt» Buchdrucker»» u. B, elagSanstalt Paul Smger n-Äo., HertlnSiA� ri [vWl nur 975 Ulster enol' fUnk'e stOffe slmf rt m,t mod- Samtgarn/erung 975 1175 1 050 1375 1550' '** usw nur 1 780 Samtmäntel Oüte Ware m/t reicher Tressen- gsrnierung lyso 2150 2550 2950 3400 � usw nur 4850 Kostüme das Modernste In Perm und Schnitt, b'aue u.Fant. Stoffe 2250 2750 3500 4150 48®° usw nur 21 50 Ülsier gute flauschart/ge Diagonalstoffe in Favoritfarben 1750 21 50 2550 2875 3300 � usw BRENNINKMErERGHBH> nur 4750 P'üschmänfel If®r V; lours du Nord.melsta Seide hochefeg garniert 3825 4250 4750 54°° ßS00 usw Haben Sie je etwas gesehen, was so bequem— so Kleidsam— so wintermässig— und so durch und durch behaglich aussah wie unsere Ulster? Ans weichen, molligen Stoffen in modernen Farben hergestellt— selbstverständlich offen und geschlossen zu tragen— mit grossen bequemen Taschen versehen— gut verarbeitet und reich ausgestattet, schmiegen sich unsere Ulster einer jeden Figur an und geben ihr eine schicke, moderne Erscheinung. Und wenn Sie unsere fast unglaublich niedrigen Preise bedenHen, Können Sie noch zögern, sich auch die wohlige BehaglichKeit und das moderne Aussehen zu verschaffen, die ein solcher Ulster bietet? Konigstrasse Chausseestrasse 33 Am Bhf. Alexanderplatz. 113 EcHe Invaliden Strasse IT =3 VX. aS-V•: Dieser ausser- gewöhnlich fescha Ulster auswarmem, flauschartigem Stoff mit bequemen Taschen und breitem Riegel, offen und g» schlössen zu tragen, ca 135 cm lang nur 1550 St. 352. 39. Jahrgang. 4. WM des Jutmärte" ßttliittt WstlÄ Sonntag, 37. Oktober t9l3. Montag, den 28. Oktober, grauen-- Cef cabcnd in Groß-iMn. Partei-?Zngelegenkeiten. Verband der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend. Zur Erledigung der in der Generalversammlung am 23. August 1912 zurückgestellten Anträge beruft der Zentral- vorstand eine außerordentliche Generalversammlung zum Sonntag, den 10. November 1912, nach den Germania-Sälen, Berlin dl., Chausseestraße 110. Die Versammlung beginnt vormittags 9 Uhr. mit folgender Tagesordnung: 1. Beschlußfassung über die zurückgestellten Anträge. 2. Wesen und Aufgabe der Arbeiterbildung. Referent: Reichstagsabgeordneter Heinrich Schulz. 3. Beratung des Voranschlages für das Bildungswesen, für Jugendschutz und für die Kinderschutzkommission. 4. Wahl eines Bildungsausschusses. 3. Kommunalpolitische Fragen. 6. Erledigung der eingegangenen Anträge. Anträge der Kreise sind möglichst umgehend an das Verbandsbureau einzureichen. Zutritt zur Generalversammlung haben nur die mit Legitimationskarten versehenen Delegierten. Parteigenossen. die derselben als Gäste beiwohnen wollen, erhalten Gast- karten durch den Vorstand ihres Kreises resp. durch die Bezirkführer.' _ Der Zentralvorstaud. Bicrtcr Kreis(Stralauer Viertel). Am Dienstag, den 29. d. M.. abends SV» Uhr. findet in den Markgrafensälen, Marlgrafendamm 34 eine öffentliche Versammlung stall. Tagesordnung:„Ich bin ein Preuße!" Referent ist der Redakteur Genosse Barth. 2. Diskussion. Zahlreichen Besuch erwartet Die Viertelsleitung. Charlottenburg. Das diesjährige Stiftungsfest findet am Sonn- abend, den 9. November, in allen Räumen des Volkshauses. Rosinen- straße 3, statt. Wir bitten die Genossen, sich rechtzeitig mit Billetts zu versehen; dieselben sind bei den Bezirksführern und den Komitee- Mitgliedern zum Preise von 30 Pf. inkl. Tanz zu haben. Schöneberg. Die Versammlung des sozialdemokratischen Wahl- Vereins findet ain Dienstag, den 29. d. M., abends 8l/z Uhr, in den Neuen RathauSsälen, Meininger Str. 8 statt. Tagesordnung: 1. Vor- trag des Genossen Dr. Wilhelm Brumach über die Land- arbeiterfrage. 2. Diskussion. 3. Einführung der HauSkasfierung. 4. VcreinSangelegenheiten und Verschiedenes. Lichterfclde. Dienstag, den 29. Oktober, abends S'/q Uhr, im Lokal von Erpel, Berliner Str. 129: Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: Bericht vom Parteitag. Referent Genosse A. Mohs. Lankwitz. Mittwoch, den 30. Oktober, bei Schulz, Mühlen- straße 21: Generalversammlung des Wahlvereins. AdlerShof. Am Heuligen Sonntag, vormittags 8 Uhr, vom Jugendheim aus: Wichtige Flngblattverteilung. Ain Dienstag, den 29. Okiober, abends S'/g Uhr, im Lokale Von Thieltstr. 107, Eike Marslrahe. WilmerSdors, vormittags 11 Uhr im ZeiiNalwahlbureau, Nestaurant Laucnburg, Wilmersdors, Laueiiburger Str. 21, Elle Uhland strabe. KreiS Teltow, vormittags 9 Uhr im Z e n t r a I w a h l b u r e a u, Nestaurant AilhelmSaarten, Berliner Str. 9 in Tcnipelhoj, Telephon 3079, und in den Uiitcrwahlburcaus Friedenau, Gasthaus Klabe, Handjery. straste S0, Telephon V91, Steglitz, Marli 3, Nestaurant Kaiscr-Hallen, Telephon 175, Zehlendorj, Tcltvwer Str. 23, Restaurant Giese, Telephon 958, A dl e r S h os, Bismarcks. 16, Restaurant Kaul, Telephon 57, Königswu st erHausen, Psuhls Hotel, Trebbin, Schützenhaus, Telephon 30. Parole: Jede Stimme der Freien Bereinigmig! Neukölln. Ter Bezug des ausländischen Fleisches von der Stadtgemeinde Berlin, der gestern beginnen sollte, wickelt sich, so schreibt der Magistrat, nur unter großen Schwierigleiten ab. Die für gestern bestellten 40 Zentner konnten gestern früh durch die städtische Ber- waltung nicht in Empfang genommen werden, da nach den Angaben der Direktion des Viehhofes die Fleischbeschan sich so langsam ab- gewickelt hat, daß auch für Berlin nicht genügend untersuchtes Fleisch vorbanden war. Anderen Bororten ging es ebenso. Ans sofortige Vorstellung bei dein Dezernenten wurde dem Magistrat zugesagt, daß das genannte Quantum mittags ausnahmsweise noch an Neukölln abgegeben werde. Eine Garantie für die regelmäßige Abgabe bestimmter Quantitäten Fleisch kann Berlin nach seiner An- gäbe zurzeit nicht übernehmen. Daß dadurch der Vertrieb in den Vororten außerordentlich erschwert wird und das Publikum sich leicht zu trügerischen Hoffnungen über den Umfang des Fleisch- Verkaufes verleiten läßt, liegt auf der Hand. Jedenfalls liegt es weder an der Bereitwilligkeit der Stadtverwaltung, noch an der- jenigen der beteiligten Schlächtermeister, wenn vor allem im Anfang die Organisätion des Verkaufes manches zu wünschen übrig läßt. lieber den abgehaltenen orthopädischen Turnunterricht wurde in der letzten Sitzung der Schuldeputation Kenntnis gegeben. Hiernach haben sich zur ärztlichen Untersuchung im ganzen 103 Mädchen und 63 Knaben eingefunden, von denen etwa die Hälfte als geeignet für den Turnunterricht befunden ivurden. Die durchschnittliche Beteiligung betrug bei den Mädchen 6V, bei den Knaben 10. Köpenick. Den Bericht über dir Tätigkeit der Stadtverordnetenfraktion gab in der letzten Wahlvereinsversammlung Genosse Herbst. Wie Redner bemerkte, habe die ungünstige Finanzlage die Durchführung unserer Wünsche begrenzt. Alsdann besprach er in großen Zügen das Wirten unserer Genossen im Stadtparlament. Die Klassen- frequenz in den Volksschulen sei im Rückgang begriffen. Leider habe die Stadtverordnetenversammlung nur ö00 Mark zur Speisung bedürftiger Kinder in den Etat eingestellt. Wie notwendig die von unseren Vertretern fortgesetzt propagierte Schulzahnpflege ist, beweise am besten die Feststellung der Schulärzte, daß die Kinder zum großen Teil schlechte Zähne besitzen. Am 1. April wurde daher eine Zahnklinik errichtet. Infolge der Kurzsichtigkeit d�, bürgerlichen Vertreter sei sowohl die von unseren Genoffen beantragte Arbeitslosenversicherung wie auch die Ausdehnung der Sonntagsruhe abgelehnt worden. Für die städtischen Arbeiter habe die Fraktion das möglichste zu erreichen gesucht. Nachdem Redner noch die leidige Friedhofsfrage erörtert hatte, gab Genoffe W i ß l e r Bericht über die am 4. November beginnenden Stadtverordnelen- wählen. Kandidaten der III. Abteilung sind folgende Genossen: Gabriel, Niel», Herb st, Wißler. Als Hausbesitzer kommen die Genoffen K i e h l und Junglau« in Betracht. Die beiden neuen Mandate in der III. Abteilung solle» durch die Genossen Zabian und Galle, beide Hausbesitzer, besetzt werden. Die fünf Kandidaten der U. Abteilung werden in einer am Freitag, den 8. November, stattfindende»! Versammlung aufgestellt. Der Fleischverkanf der Stadt erfolgt in einem im Zentrum der Stadt gelegenen Laden durch zwei Schlächiergesellen und einen Meister. Zum Verlauf gelangen wöchentlich 40 Zentner. Wilmersdorf-Haleusee. Der Bildungsausschuß veranstaltet Montag abend Punkt 8 Uhr im kleinen Saal des Victoriagartens, Wilhelms- aue IIS, einen Vortragsabend. Redakteur Däumig hält hier seinen erste» Vortrag über deutsche Literaturgeschichte. Der Eintritt beträgt für Erwachsene 10 Pf. Marieudorf« Ju der letzte» Gcmeindevcrtretersitzung machte der Gemeinde- Vorsteher zunächst Mitteilung über den Ausfall des VevwaltungS- streitverfahrens wegen der Ungültigkeitserklärung der im März ftattgesundenen Wahlen für die zweite Klasse. DaS Oberverwal» tungsgericht hat die Wahl für ungültig erklärt. Begründet wurde 'cinerzeit der Einspruch bekanntlich damit, daß entgegen den Be- timmungen der Larfdgemeindeordnung die Wahlen zu gleicher Zeit .n zwei Lokalen unter einem Wahlvorsteher stattgefunden haben. Von unseren Genossen wurde schon damals der Einspruch zu Recht aner» lanut. Tie Mittel für die BeiWiige zur Lehrer, und Ruhegehalts- lasse sowie zur Volksschullehrer-, Witwen- und Waisenkasse haben im letzten Etat nicht genügend Deckung gefunden, so daß für beide Positionen eine Nachbewilligung notwendig wurde. Genosse Webep führte Beschwerde über die Langsamkeit, mit der der billige Fleisch- verkauf in die Wege geleitet wird. Obgleich die Gemeinde viel früher als die Nachbargemeinde Tempelhos Beschlüsse gefaßt und größere Mittel bereitstellte, habe Tempelhof bereits mit dem Fleisch- verkauf begonnen. Ter Vorsitzende der Kommission gab die Er- klärung, daß nicht alles so schnell ginge, denn der Vertrag mit Berlin müsse doch erst unterschrieben sein. Ist vielleicht der Grund deS langsamen AvbcitenS darin zu suchen, daß die Kommissionsmit- glieder bis auf unfern Genossen Reichardt Rentiers sind, die nicht diel von Teuerung und Flcischnot spüren? Genosse Reichardt führte denn auch in der öffentlichen Sitzung Klage darüber, daß in der Kommission seine Meinung nicht genügend Gehör finde. In letzter Stunde ist noch ein Laden in der Kurfürstenstraße gemietet und auch ein Schlächter für das Aushauen des Fleisches gewonnen worden. Vielleicht hat die Feststellung in der Oeffentlichkcit dazu beigetragen. daß in nächster Woche der Fleisch verkauf beginnt. Lankwitz. Der Bildungsausschuß veranstaltet an se«S aufeinander folgenden Mittwowen einen BorlragSzylluS mit Lichtbildern über.Einführung in die Biologie". Beginn Mittwoch, den 6. November, abends 8'/2 Uhr. bei Dobn«. Kaiser-Wilhelm-Ltraße. Vortragender ist Ge- nvsse Dr. med. S. Drucker. Es werden an den einzelnen Abenden folgende Thematas behandelt: 1. Der unbelebte Stoff- seine chemischen und physikaltschen Eigenschaften. Was ist Leben? Die Urlebewesen. 2. Die Bakterien, ihre Rolle im Haushalt der Natur. Die Zellenlehre: Aufbau und Verrichtungen der Zelle, Zusammensetzling aller Lebewesen ans Zellen. 3. Die Unterschiede zwischen Pflauze und Tier. Die gegenseitige «bhängigkeit der beiden Reiche. Der Kreislauf des Leben». 4. Die Fortpflanzung der Lebewesen. BererbungSgefetze. Zweck der «rennung in Geschlechter. Urzeugung. Die«ntstehung de« ersten Lebens. 5. Die Abstammungslehre. Beweise aus der Anatomie, Entwickeluugsgeschichte und Versteinerungskunde..Lebende und aus- gestorbene Zwischenglieder. 6. LamarckismuS und Darwinismus. Neuere Versuche, die Entstehung der Tier- und Pflanzenarten zu erklären. Teilnehnierkarten zum Gesamtpreise von 60 Pf. für alle sechs Abende find bei den Bezirksführern und den Funktionären des Aus- schusseS zu haben. Gleichzeitig wird darauf aufmerksam gemacht, daß am nächsten Mittwoch, von 6—8 Uhr, bei Schulz, Kurfürstenstraße, die dritte Märchenvorlesuug für Kinder über zwölf Jahre stattfindet. Es kommt zur Vorlesung: Die Teichrohrsänger von Karl Ewald. Eintritt sur Kinder und Eltern frei. Lichterfelde. Am Montag, den 28. Oktober, abends 3 Uhr, beginnt Genosse Borchardt den vom Bildungsausschuß arrangierten Vortrags- zyklus über Wesen des Sozialismus. Billetts sind noch zum Preise von 40 Pf. bei den Bezirksführern und an der Kasse des Vortragslokals, Wahrendorf. Bakestratze 7, zu haben. Für Jugend- liche ist. der Eintritt frei. Eichwalde- Schmöckwitz. Was haben wir vom preußischen Landtag zu fordern, lautete das Thema eines Vortrages, den GewerkschaitSiekreiär Georg Schmidt in einer von, biesigen Wahlverein einberufenen Volksversammlung hielt. Seine Rede klang aus in der Aufforderung, nicht zu er- müden in der Aufklärung der noch Indifferenten und unaufhaltsam fortzuschreiten im Kampf zur Erringung deS allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts auch für Preußen. Die Versammlung be- kündete ihr Einverständnis mit den Forderungen des Referenten durch reichen Beifall. Hierauf behandelte Gewerkschasts- sekretäc A. Pattloch itt einem zweiten Referat„die bevorstehenden Wahlen zur Angestelltenversicheruiig". Er be- mängelte die vielfachen Unklarheiten in dem Gesetz, die einen schier unerträglichen Zustand der Ungewißheit in allen be- teiligten Kreisen hervorgerufen haben, ferner die Rechtlosigkeit der Versicherten bei Besetzung der Verwaltungsämter und die unzu- länglichen Renten, die im schreienden Gegensatz zu den enorm hohen Beiträgen ständen, um schließlich zur Wahl der freigewerkschaftlickien Liste aufzufordern. Genosse A l l r i tz verwies in der Diskussion des sehr beifällig aufgenommenen Vortrages auf die ungeheure Stupidität der zahlreichen Angestellten der Schwartzkopff- und Maffeiwerke in Wildau, von denen'viele in Eichivalde wohnen, daß sie sich die Gelegen- heit. über ihre vitalsten Interessen aufgeklärt zu werden/ durch Nicht- besuch der Versammlung entgehen ließen. Freilich, die Herren dünken sich, etwas Besseres zu sein als andere Lohnarbeiter; durch dieses Gesetz würde ihnen jedenfalls von der Regierung ein Licht aufgesteckt werden, das sie sehr bald zur Erkenntnis ihrer Klaffen- läge bringen dürste. lZustimmender Beifall.)— Ein. dritter Punkt der Tagesordnung,„Gemeindeangelegenheiten", wurde wegen vor- gerückter Zeit vertagt. Weiffensee. Tie Dclegiertcnwahlen zur hiesigen Ortskrankenkasse finden am Montag, den 28. Oktober, statt. Es wählen die Arbeitnehmer in der Zeit von abends 5— 8 Uhr und die Arbeitgeber von abends 0— 10 Uhr. Das Gewerkschaftskartell ersucht Arbeitgeber sowie Ar- beitnehmer, sich rege an dieser Wahl zu beteiligen. Gleichzeitig werden die Genossen, welche am 3. November von mittags 12 Uhr ab bei der Wahl der Vertrauensmänner zur Angestelltenversicherung helfen wollen, ersucht, ihre Adressen beim Obmann des Gcwerk- schaftskartells, Genossen Rieh. Daeschner, Weißensee, Sedanstraße 50, oder beim Obmann des Wahlausschusses der freien Vereinigung, Genossen Joh. Zieger, Weißensee, Streustraße 71, abzugeben. Pankow-Niederschönhansen. Zu einer imposanten Kundgebung für die Freie Vereinigung stir soziale Versicherung gestaltete sich die am Donnerstag abgehaltene öffentliche Versammlung. Der Referent Herr Wilhelm übte eine vernichtende Kritik an der Tätigkeit des HauptanSschuffeS und seiner ihm angeschlossenen Organisationen. Eine Ironie sei eS, daß auch der Berein der weiblichen Angestellten hierzu gehöre, trotzdem der D. H.-B. der schärfste Gegner der weiblichen Kollegen sei. Dem gegenüber stellte er die Tätigkeit der Freien Bereinigung, welche stets bemüht gewesen sei, die Interessen der Angestellten wahrzunehmen. Niemand, der noch auf Selbstachtung halte, könne seine Stimme der Liste de» Houptausschusses geben. In der Diskussion wurden die Ausführungen wirkungsvoll ergänzt durch die Herren Eichner, Meitzner und Schulz. Letzterer beleuchtete an der Hand eines Ein- gesandt die Fähigkeit de« Deutsch-nationalen HandlungSgehilfenver- bände«, die Wahrheit in da« Gegenteil zu drehen. Genosse Kubig forderte gleichfalls die Wahl der Liste der Freien Vereinigung. Gütig ersuchte alle diejenigen, welche noch nicht im Besitz der Bersicherungs- karte sind, sich diese zu beschaffen, damit niemand am Tage der Wahl seines Wahlrechts verlustig gehe. Eine Resolution, welche das Verhalten de« Haiivtansschnsies verurteilt und zur Wahl der Liste der Freien Vereinigung anfsordert, wurde einstimmig angenommen. Der Bildungsausschuß veranstaltet am 1., 3., 15., 22. und 20. November einen Vortragszyklus des Herrn Julian Borchardt über..Einführung in den wissenschaftlichen Sozialismus". Die Genossen wollen sich an diesem Kursus vollzählig beteiligen. Auch die Genossen von Nieder-Schönhausen sind hierzu cinge- laden. Der Eintrittspreis deträgt für die fünf Abetche 75 Pf. Karten sind zu haben bei Ritzmann, Mühlenstratze 30. und bei den Mitgliedern des Ausschusses. Vortragslokal ist das Türkische Zelt, Breitestrahe 14. Nieder- Schönhause«. Ten Fleischverkauf in eigener Regie zu übernehmen, hat die Teuerungskommission in ihrer letzten Sitzung beschlossen. Als Verkaufslokal ist der augenblicklich leerstehende Schlächterladen deZ Herrn Gemeindevertreters August Kuhlmann in der Tretkow- strahe 64 bestimmt»vorden. Die Verkaufszeit ist von 8— 12 Uhr vormittags und von 5—7 Uhr nachmittags festgesetzt. Ten Verkauf haben zwei hiesige ehemalige Schlächtermeister gegen eine tägliche Entschädigung übernommen. Das Fletsch kann in Stücken von bis 6 Pfund bezogen werden. Die Verkaufspreise find durch Plakate im Verkaufsraum kenntlich gemacht und sind dieselben wie in Berlin. Ter erste Verkauf hat bereits gestern(Sonnabend) stattgefunden. Mit Rücksicht auf die unregclmäAg eintreffenden Jleischsendungen steht noch nicht bestimmt fest, an welchen Tagen der weitere Berkauf stattfindet. Näheres hierüber wird durch Plakate an den Säulen bekannt gemacht werden. Rosenthal. Aus der Gemeindevertretung. In Abwesenheit deS Gemeinde- Vorstehers Dr. Kruse wurde in einer früheren Sitzung eine Kom- Mission zwecks Regelung der Beamtenbälter gewählt. Bald darauf wollte der Gemeindevorsteber eine andere Zusammensetzung der Kommission herbeigeführt wissen. In der hierüber sich entspinnenden Diskussion betonte Genosse Milbrodt unter Hinweis auf einschlägige Bestimniungen der Landgeiiieiudeordinmg. daß der Gemeindevorsteher sich in seine» Vorlagen aus keine, lei rechtliche Bestiuimuiige» stützen könne; durch diesen Zwischenfall seien nur die Autrogsteller, Beamte und Arbeiter die Leidtragenden. Die übrigen Gemeindevertreter träte» für die alte Besetzung der Kommission einstimmig ein. Hierauf teilte der Vorsitzende mit, daß er diese Angelegenheit seiner vor- gesetzten Behörde, dem Kreisousschuß, melden müsse Die ein- gesetzte Kommission zur Linderung der Teuerung, der auch unsere Genossen angehören, beantragte, probeweise fünf Zentncr Seefische kommen zu lassen. Den Verlaus hat unser Genosse Milbrodt unentgeltlich übernommen; falls sich der Verlauf als cur Bedürfuis herausstellt, soll damit fortgefahren »verde». Ein Antrag, die Gemeindevertreteisitzungen an bestimmten Tagen festzusitzen, wurde vom Genossen Milbrodt begründet mit dem Hinweis, daß die Tassesordnungen der nur alle vier Wochen stattfindenden Sitzungen meist überlastet seien. Milbrodt schlug vor, den Donnerstag nach dem 1. und 15. jeden Monats als Sitzungstag zu bestimmen. Falls vorher dringende Sachen zu erledigen sind. könnte man die fällige Sitzung ausfallen lassen. Der Gemeinde- Vorsteher und sämtliche Vertreter waren damit einverstanden.— Der Pflasterung deS Verlängerten Kaiserweges wurde zugestimmt.— Genosse Milbrodt fragte hierauf an, ob der Schulplatz, der Eigentum der Gemeinde ist. nicht der erwachsenen Jugend zu Spielztvecken zur Verfügung gestellt werden könne. Der Gemeindevorsteher sagte dies zu mit dem Bemerken, daß Vereine diesbezügliche Antrage an die Gemeinde zu stellen haben. Wie der Gemeindevorsteher noch irnt- teilte sind von 16 Kindern 10 mit vollem Erfolg von der Ferren- reise an der Ostsee Zurückgekehrt. Von der hierfür ausgeworseuen Summe von 1500 M/ wurden nur 1350 M. verbraucht. Nowawes. Mit der Aufhebung des Sonnabendmarktes beschäftigte sich am Dienstagabend eine vom Ortsverband der Hirsch-Dunckevschen Gc- wcrkvcrcine nach den„Deutschen Festsälen" einberufene Protestver- sammlung. Von den eingeladenen Gemeinidevertretern lvaren nur die der dritten Abteilung erschienen. Ter Referent, Arbeiter- sckrctär Potthof-Berlin kennzeichnete mit scharfen Worten die soziale Rückständigkeit der bürgerlichen Mehrheit der Gemeindever- ordneten, die durch Aufhebung des Marktes ihre nackte Interessen- Politik klar erwiesen hätten, und forderte gemeinsames Vorgehe» der Organisationen, um die Wiedereinführung des Marktes durch- zusetzen. In der Diskussion kamen außer dem Genossen Neumann, der um zahlreichen Besuch des jeden Sonnabend im Singerschen Garten stattfindenden P.vvatmarktes und um Unterstützung der im Umlauf befindlichen Petition zwecks Wiedereinführung des Marktes ersuchte, noch verschiedene Redner zu Worte, die alle ihrer Entrüstung sowohl über den Egoismus der GeschäftÄleute, beson- dcrS der Fleischer, wie über die willfährige Mehrheit der Gemeinde- Vertretung Ausdruck gaben. Zum Schluß fand nachfolgende Reso- lution Annahme:„Die im Lokal von Schmidt tagende Protestver- sammluiig der Einwohner von Npwcrwes erblickt in der Abstimmung der 15 Gemeindevertreter eine schwere Schädigung der erwerbs- tätigen Bevölkerung. Die Anwesenden protestieren insbesondere gegen das Verhalten des Gemeindeverordneten und Obermeisters der Fleischcrinnung Bosse, das nicht anders als einer Jnteressenver- tretung der hiesigen Schlächtermeister entspricht, worunter das An- sehen der Gemeindevertretung besonders leidet. Die Anwesende» ersuchen die Vorstände aller Organisationen am hiesigen Orte, gemeinsame Schritte einzuleiten, um den Sonnabend-Wochenmarkt wieder einzuführen. Endlich verpflichten sich die Versammelten, die gemeinsam getroffenen Maßnahmen der Organisationen strikte zu befolgen."_ Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Tegel. Am Montag, 28. Oktober, nachmittags 5 Uhr, tm Amtshausc: Veitstr. 2/3. 1 Treppe. Weißensee. Montag, 28. Oktober, abends 6 Uhr, RathauS, Alber- tinenttr. 6. Stralau. Am 29. d. M., uachmittagS S Uhr, im RathauSsaale. Lichterfelde. Am Montag, den 28. Oktober, nachmittag» 6 Uhr. U. a. steht aus der Tagesordnung:'Ausgestaltung der Orlskrankenkasse, TeuerungS- matznahmen. Diese Sitzungen sind ösfentlich. Jeder GemelndeangehSrige ist be rechtig«, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Arbeiter-Samariterbnnd. Kreis Brandenburg. Lehrabend haben in dieser Woche: Berlin. Am Montag 1. Abtellung in den Rlttersäle», Ritterstr 75, abends 8'/, Uhr. Neukölln. Am Freitag, Weichselstraße 8, abends 8lU Uhr. Wilhelmsruh. Am Donnerstag bei Barth, Vtktortastratze 7, abends 8>/, Uhr. Schönewetde. Am Montag bei Schulz, StevienSstr. 12, abends 6'!, Uhr. N o w a w e». Am Montag bei Schmidt. Friedrich-, Ecke Wilhelm- stratze, abend» 8'/, Uhr. Gäste haben an den Lehravenden Zutritt. Briefbaften der Redafttion. Die tnriftische epreWunde findet Lindenftrabe SS, vorn vier Trebbe» — Fahr stuhl—, wochentäglich von tlh bis 7� Uhr abends, EonuabendS, von 4Vj bis 6 Uhr abends statt. Jeder sür den Briefkasten bestimmten Ansraec ist ein Buchstabe und etile Zahl als Merizetchen betzafügen. Briefliche Autwort wirb nicht erteilt. Antragen, denen keine«»»nnementsqutttnng beigeiügt ist, Verden»ich« deantwortet. Eilige yrageu«rag« man in ber«»rechstunde vor. )+• bedeutet Wucht.— Fall.—•) Unterpegel. Gpöß/es Sc/iuhvscLPenJiäus für ßelegGXiheifshäiizfe . JRolentiialGir/jfjr. 2. Geschäft Grosse Fraakfurterstr. 110 Strausberger Platz. ? Haekeaeho* ftaekt 3. 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Am Frei wo Kotten sie eine Wählerversommlung nach dem Cafe Gärtner am Bahnhof Bellevue einberufen. Der«aal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Einen so starken Versammlungsbesuch haben wir in jener Stadtgegend selbst bei den Hauptwahlen nicht bemerkt. Man sieht also, daß die sozialdemokratischen Wähler auf dem Posten find und daß ihre Kampslust einen Strich machen wird durch die Rechnung der Mannen des Herrn K a e m p f, die sich be- kanntlich auf die Aussichten stützt, welche die alten Wählerlisten den Freisinnigen eröffnen. Ter Vortrag, den Genosse S ch c i d e m a n n hielt, begann mit einer Skizzierung der kapitalistischen Jnteressenpolitik, die uns die unerhörte Lebensmittelteuerung beschert hat und durch ihre im- perialistischen Bestrebungen zum Kriege treibt. Tann führte der Redner den Nachweis, daß auch die Fortschrittliche Volkspartei, der unser Kampf im ersten Wahlkreise gilt, diese Politik mitmacht. Militärfrom-» sind die liberalen Parteien geworden. Sie werden die Forderungen für Heer und Flotte, mögen dieselben auch noch so hoch sein, bewilligen. Sie können gar nicht anders, nachdem sie die Kolonialpolitik mitgemacht und ihre Gegnerschaft gegen den Militarismus aufgegeben haben. Wenn die„Freisinnige Zeitung" sagt, die Sozialdemokratie sei im innersten Herzen von der Not- wendigkeit der militärischen Rüstungen überzeugt und sie wäre froh, daß dieselben auch ohne ihre Zustimmung bewilligt wurden, so ist das der Gipfel der Gemeinheit, denn die Sozialdemokratie ist nach wie vor eine unbedingte Gegnerin des Militarismus. Es ist bezeichnend, daß die Fortschrittliche Volkspartei mit solchen Mitteln gegen die Sozialdemokratie arbeitet. Man sieht daraus, daß ihr im ersten Berliner Wahlkreise das Wasser bis an den Hals steht. Wenn sie glaubt, sie könne den Kreis nur auf Kosten der Wahrheit hallen, dann sollte sie doch lieber der Wahrheit die Ehre geben und den Kreis schwimmen lassen. Aber nicht nur hinsichtlich der Militärforderungen, sondern auch in der Zollpolitik hat die Fort- schrittliche Volkspartei ihre frühere Stellung geändert. Früher waren die Fortschrittler Freihändler. Nachdem sie aber aus den Großstädten und den Jndustriebezirken durch die Sozialdemokratie verdrängt worden sind, und nur noch in ländlichen Kreisen einige Aussichten haben, wollen sie es mit den Landwirten nicht verderben und erkläre»-., die Schutzzöllc seien nicht schädlich, womit sie ihrem eigenen Programm ins Gesicht schlagen. Hat man doch jüngst auf dem Mannheimer Parteitage der Fortschrittlichen Volkspartei den Satz, welcher die schrittweise Herabsetzung der Zölle verlangt, aus der Resolution gestrichen, ehe sie angenommen wurde. Dadurch hat sich der Fortschrittliche Parteitag in Widerspruch zum Programm seiner Partei gesetzt. Die„Freisinnige Zeitung" behauptet zwar, der Parteitag habe sich für die schrittweise Herabsetzung der Zölle erklärt, aber das ist nicht wahr. Der angeführte Satz ist aus der Resolution gestrichen worden. Der Abgeordnete W i e m e r hat jetzt wieder im Landtage erklärt, seine Partei sei für schrittweise Abtragung der Zollschranken. Diese Erklärung paßt aber nicht zu dem Beschlutz des Fortschrittlichen Parteitages. Wenn die Fort- schrittler so tun, als ob sie immer noch die alten wären, dann muß man ihnen den Schleier vom Gesicht reißen und dem Volke zeigen, wie sie in Wirklichkeit sind. Die große Masse der Bewohner Berlins hat ein Interesse an billigen Lebensmitteln. Sie können sich also nicht für den Vertreter einer Partei entscheiden, die mit Rücksicht auf ihre ländlichen Wahlkreise auch in der Zollfrage eine Schwenkung nach rechts gemacht hat. Im ersten Wahlkreise wohnen auch Privatbeamte. Sie haben das größte Interesse daran, daß ihr Koalitionsrecht nicht geschmälert wird. In ihrem Programm tritt die Fortschrittliche Volkspartei für das Koalitionsrecht ein. Aber wie sieht es in Wirklichkeit aus? Als vor wenigen Wochen Bank- beamte in Leipzig gemaßregelt wurden, und in Berlin eine Ver- sammlung der Angestellten Protest dagegen erhob, waren auch die Abgeordneten zu dieser Versammlung geladen. Erschienen waren nur sozialdemokratische Abgeordnete. Die Fortschrittler fehlten. Aber einer von ihnen hatte in einem Briefe ihr Ausbleihen be- gründet. Darin hieß es, seine Partei sei allerdings gegen die un- gesetzliche Beeinträchtigung des Koalitionsrechts, aber sie könne den vorliegenden Fall nicht zum Anlaß einer Aktion machen. Also die Fortschrittliche Volkspartei kann nichts tun. Das ist begreiflich. Stehen doch auf der einen Seite Bankdirektoren, die das Koalition»- recht der Angestellten mißachten. Gegen ungesetzliche Beschränkung des Äoalitionsrechts erklären sich also die Fortschrittler, aber nicht gegen die gesetzliche, wo unter Beachtung der Kündigungsfrist die Angestellten, welche für ihre Rechte eintreten, gemaßregelt werden. So hat die Fortschrittliche Volkspartei in allen wichtigen das Volks- interesse berührenden Fragen eine Schwenkung nach rechts gemacht. Sie kann also nicht als Vertreterin der Interessen des Volkes gelten.— In einer Versammlung hat Herr K a e m p f kürzlich seine Rede mit den Worten geschlossen, er habe in seiner Jugend ge- sungen:„Sie sollen ihn nicht haben, den freien deutschen Rhein." Heut singe er:„Sie sollen ihn nicht haben, den ersten Berliner Wahlkreis." Alle Achtung vor den Gesangsleistungen des Herrn K a e m p f. Aber selbst, wenn sie hinter den Leistungen eines Caruso weit zurückstehen sollten, dann würden sie immer noch besser sein als die Politik seiner Parteifreunde. Wir können den Wählern versprechen:„Wenn unser Genosse Düwell gewählt wird, dann soll er nicht singen, sondern er soll im Reichstage die Grundsätze der Sozialdemokratie vertreten. Wir werden alles daran setzen, daß die Fortschrittliche Volkspartei am Abend des Wahltages sagen kann:„Nun hat auch den letzten Berliner Wahlkreis der Dcubel geholt."(Lebhafter Beifall. j Unser Kandidat, Genosse Düwell, trug nunmehr unter allseitiges Beifall noch ein reichhaltiges Tatsachenmaterial zur Kennzeichnung des lendenlahmen Freisinns vor. Mit einer zur regen Wablarbeit auffordernden Ansprache des Vorsitzenden und lebhaften Hochrufen auf die Sozialdemokratie schloß die Versammlung._ Mocken-Spielplan der Berliner Cheater. König!. Opernhaus. Sonntag: Der Prophet. Montag: Madama Bulterfly. Dienstag: Fidclio. Mittwoch: Violetta. Donnerstag: Tann- bäuser. Freitag: Tristan und Isolde.(Anfang 7 Uhr.) Sonnabend: Mignon. Sonntag: Der Roscnkavalicr. Montag: Die Stumme von Porlici. (Anfang V/, Uhr.) Königs. Schauspielhaus. Sonntag: Ein Waffcngang. Montag: Der graste König. Dienstag: Ein Waffengang.(Ans. 7>/z Uhr. Mittwoch; Maria Stuart.(Amang 7 Uhr.) Donnerstag: Der groste König. Freitag: Ein Waffengang. Sonnabend und Sonntag: Die Hcrrmannsschlacht. Montag: Ein Waffengang.(Ansang 7'/, Uhr). Neues Qpern-Thcater(Krollt. Sonnlagnachmittag ll'/j Uhr: Der Glücksschmied. Abends: Jägerblut. Montag: Im Austragstllbcr'I. Dienstag: Der Amerikaseppll. Mittwoch: Der Prinz Natzi. Donnerstag: Der Glücksschmicd. Freitag. Sonnabend und Sonntag: Der Prinz Natzi. Montag: Jägerblut.(Ans. 8 Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag: König Heinrich IV, 2. Teil. Mon- lag: Totentanz. Dienstag: König Heinrich IV, I.Teil. Mittwoch: König Heinrich IV., 2. Teil. Donnerstag: König Heinrich IV.. 1. Teil. Freitag: König Heinrich IV., 2. Teil Sonabend: König Heinrich IV., t. Teil Sonntag: König Heinrich IV., 2. Teil Montag: Totentanz.(Ansang Uhr). Kammerspiele. Allabendlich: Mein Freund Teddh.(Anfang 8 Uhr.) Lesfing-Theater. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Glaube und Heimat. Abends: Hedda Gabler. Momag: Wenn der junge Wein blüht.(Ansang 8 Uhr.) Dienstag: Gabriel Schilling« Flucht.(Ans. 7>/, Uhr.) Mittwoch: Hedda Gabler.(Anfang 8 Uhr.) Donnerstag: Gabriel Schillings Flucht. (Ansang 8 Uhr.) Sonn- (Ans, 7'/- Uhr.) Montag: (Ansang Tb Uhr.) Freitag: Tantris der Narr. abend und Sonntag: Gabriel Schillings Flucht. Hedda Gabler.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Aktienbudttcr. Allabendlich: Filmzauber.(Ansang 8 Uhr.) Nächsten Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Kabale und Liebe.. � Kleines Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Und dai Licht scheinet in der Finsternis. Allabendlich: Magdalena.(Anfang 8 Uhr.) Theater in der Königgraher Straffe. Sonntag: Die süns Frank- snrter. Montag: Königin Christine. Dienstag und Mittwoch: Die süns Franksurter.(Ansang 8 Uhr.) Donnerstag: Herodes und Rtttamn«.(An- ,ang 7'/, Uhr.) Freitag, Sonnabend und Sonntag: Die süns Franksurter, Montag: Königin Christine,(Ansang 8 Uhr) Trinnon-Thcater.«onntagnachmittag 3 Uhr: Der selige Toupinel. Allabendlich: Licbesbarometer.(Ans. 8 Uhr.) Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der selige Toupinel. Schiller-Thcater v. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Zops und Schwert. Abends: Die Kinder der Exzellenz. Montag: Flachsmann als Erzieher. Dienstag: Die Kinder der Exzellenz. Mittwoch: Flachsmann als Erziehet-. Donnerstag: Der Talisman. Freitag: Die Kinder der Exzellenz,«onn- abend: Des Psarrers Tochter von Streladorf. Ionntag: Flachsmann als Erzieher. Montag: Die K:nder der Exzellenz.(Ansang 8 Uhr). Schiller- Theater Gdarlottenburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Jüdin von Toledo. Abends: Des Pfarrers Tochter von Streladorf. Montag: König Lear. Dienstag: Flachsmann als Erzieher. Mittwoch: König Lear. Donnerstagnachmittag 3 Uhr: Zops und Schwert. Abends: und Freitag: Flachsmann als Erzieher. Sonnabend: König Lear. Sonntag- nachmittag 3 Uhr: Wallensteins Lager. Die Piccolomini. Abend!: Die Kinder der Exzellenz. Montag: Im weihen Röhl.(Ansang 8 UhrJ Neues BolkS- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Liebelei. Literatur. Abends und Montag: Die Doppclgängerkomödie. Dienstag: Lore. Die Spieler. Der Kammersänger. Mittwoch: Die Doppelgänger- lomödie. Donnerstag und Freitag: Liebelei. Literatur. Sonnabend: Mutier Landstrahe. Sonntag: Die Doppelaängerkomödic.(Ans. 8>/, Uhr.) Friedrich< Büilhclmstädt. Schauspielhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr und allabendlich bis Donnerstag 8*1, Uhr: Di« keusche Susanne. Freitag: Geschlossen. Sonnabend, Sonntag und Montag: Gngri. Ansang 7ll3 Uhr.) Thalia-Theater. Allabendlich: Autoliebchcn.(Anfang 8 Uhr.) Lust spielhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: So'n Windhund. All- abendlich: Mein alter Herr.(Ansang S1/, Uhr.) Komödienhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der rote Leutnant. Allabendlich: Die Generalseckc.(Ansang 8 Uhr.) Residenz-Theatcr. Allabendlich: Gemütsmenschen.(Anfang 8 Uhr). Deutsches Schauspielhaus. Mittwoch- und Sonntagnachmittag 3 Uhr: Egmont. Zlllabcndlich: Der gutsitzende Frack.(Anfang 8 Uhr.) Theater am Nollendorfplaff. Allabendlich: Orpheus in der Unter- weit.(Anfang 8 Uhr.) Gashio- Theater. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Papas Seilensprung. Mabendlich: Der Großfürst.(Ansang 8 Uhr.) KU o»tis Lperetteu-Thcater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Wiener Blut. Allabendlich: Der Frauenfresser.(Ansang 8 Uhr.) Kurfiirsten-Opcr. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Troubadour. Sonntag bis Freilag: Der Kuhreigen. Sonnabend: König Harlekin.(An- sang 8 Uhr.) Sonntag und Montag: Unbestimmt. Rose> Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Zapfenstreich. Abends bis Mittwoch: Von Stufe zu Stufe. Donnerstag bis Montag: Deutsch- Amerikaner.(Ansang 8 Uhr.) Luiscii-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das Käthche« von Heil- bronn. Abends und Montag: Des andern Ehre. Dienstag: Die gelbe Gefahr. Mittwoch und Donnerstag: DeS gelbe Gefahr. Sonnabend, Sonnlag und (Ansang 8 Uhr.) Hcrrnfeld- Theater. Allabendlich: allein.(Ansang 8 Uhr.) Sldmiralspalast. Eisballett: Bvonne. ReichShallen-Tdrarer. Allabendlich: fang 8 Ubr. Sonnlags TL Uhr.) llrania- Theater. Täglich: AusS Mattcrhorn.(Ansang 8 Uhr.) Zirkus Busch. Sonntagnachmittag 3'ls und allabendlich 711, Uhr: Galavorstellung. ZirkuS Schumann. Sonntagnachmittag 3'J3 Uhr und allabendlich 7'/, Uhr: Galavorstellung. andern Ehre. Montag: Des Freitag: Die andern Ehre. Die Alpenbrüder. Endlich (Ansang 10 Uhr.) Die Macht der Töne.(An- Unsere Kleider WerRe liefern die tonangebenden Moden und die besten Erzeugnisse Modernste Ulster Modernste Paletots Hochmoderne ßolluelourMtate in Teller- oder Kniff. Form bcijfe, resede, jften und jrCn 4.90 3.75 2.90 Baer Sohn Kleider-Werke. Deutschlands gröUte Fabrik dieser Art. Chausseestraße 29-30—Berlin— Brückenstraße 11 Gr. 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Die Beerdigung findet am Dienstag, den 29. Oktober, nachmittags 2 Uhr, auf dem städtischen Friedhof in der Seestraße statt. Abmarsch vom Tranerhause, Salzwedeler Straße 8, nachmittags l'Uhr. 1023b Unserem langjährigen guten Spediteur Karl.Anders die letzten Scheidegrütze. 41a Ehre seinem Andenken! Die Zeitungsausträgerinnen der Spedition Moabit, Salzwedeler Sir. 8, Nachruf. Am Freitag, den 25. Oftober, verstarb nach langer Krankheil unser treuer, langjähriger Mit- arbeitet, der Spediteur Karl Anders. Sein offener, ehrlicher Charakter, I seine stets bewiesene Gewissen- hasligleit und Pflichttreue sichern ihm ein ehrendes, dauerndes An- denken.. 980b I Die Hauptexpcdition des„Bvrwärts". Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutsehlands, Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Rodert Rosin| Müllerslratze 163, Bezirk 2 verstorben ist. Ehre seinem Andenke» k Die Beerdigung sindet aln i Montag, den 23. d. MtS., nach- mittags 3Ubr, von der Halle des| Zcntral-FricdhojcS in Friedrichs- sclde aus statt. Den Mitgliedern zur Nachricht daß die Frau des Kollegen Becker, Ida g-s. mcdci Choriner Slrasie 9, Bezirk 2 verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung sindet am Montag, den 28. d. MtS., nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Zcntral-FricdhoseS in Friedrichs- jelge aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 74/4 ßio Orlsvcrwallung. Todes-Anzeige. Nach hartem Kampfe erlöste ein sanfter Tod meine liebe Frau und gute Mutter 22a Ida Lecket' geb. Zlicdcl von all ihrem schweren Leiden. Stets aus das Wohl ihrer Familie bedacht, wird uiiscrc teuere Tote unvcrgcglich bleiben. Im Namen der Hinterbliebenen Fritz Becker und Sobn. Die Beerdigung sindet am Montag, den 28. Oktober, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Zentral- griedhoscs in FricdrichSsclde aus statt. Verband der Maler, Lackierer etc, Filiale Berlin. Unseren Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Maler Julius Kühne (Bezirk Steglitz-Fricdenau) verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Sonntag, den 27. Oktober, nach- mittags 4 Ubr, von der Halle des Gcmeindc-Friedhoscs in Friedenau aus statt. Um rege Beteiligung eriucht IM/ 12 Bio tlrlsverwaltiing. Am Freitag, den 25. Oktober, verstarb unser lieber Kollege, der Schriftsetzer emil Tölk. Ein ehrendes Andenken werden ihm bewahren Die Kollege» der Buchdruckcrei Paß u.(Sarled. Die Beerdigung findet am Dienstagnachmittag llstz iibr von der Leichenhalle des Elisabeth. Friedhof-s, Prinzenallee, aus statt. Deutscher Bauarheitemrband. Zwclgvereln Berlin. Am 24. Oktober starb unser Mitglied, der Maurer Knmo Fährmann (Bezirk Nordost). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigimg sindet am Sönntag. den 27. Oktober, nach- mittags 2'/» Uhr, von der Halle der Pius-Gemeinde in Wilhelnis- berg aus statt. 142/18 Der Borstand. Deutscher Dauarbeiterferband. Znclgvcrein Berlin. Am 24. Ottober starb unser | Mitglied, der Maurer Friedrich Hin?e (Zahlstelle Tcmpclhof). Ehre ieinem Andenken k Die Beerdigung sindet am ! Montag, den 28. d. M., nachm. 4 Uhr. von der Halle dcS I Tempclboser Gcmeinde-Friedhofs. 1 Britzer Weg, aus statt. 142/19 Der Voratnnd. Verband d.GEffleiiide-fl.Staatsar!i. Filinlc GroQ-llcrlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag der Kollege .Joseph Sfriemann welcher im Betriebe der Etiglischen Gaswerke(Gaswerk Gitschiiier Slrasie) belchästigt war, ocr- storden ist. Wir werde» ihm ein ehrendes� Andenken bewahren. Die Bestallung findet am Soun- tag, den 27. Oktober, nachmittags| 3 Uhr, von der Leichenhalle des j Hcilig-Kreuz-Kiichboscs, Marien« Doif, Eisenacher Str. 62, aus statt.| 35/18 Die Ortsvcrwaltung. Todes-Anzeige. Am Freitag verstarb im Kranken- hause nach 18wöchigem Leiden I unser jüngster Sohn und lieber| Bruder, der Drehcrlehrling Fritz Ahr aham in seinem 18. Lebensjahre. In ticsftcm Schmerze Familie Wilhelm Abraham, Berlin-Lichtenberg, Frankfurter Chaussee 79. XL. Ort lind Zeit der Bc- crdigung werden wir am DicuS- tag an derselben Stelle an- zergen. 56a Deutscher Holzarheiter-Verliand. Zahlstelle Berlin. De» Mitgliedern zur Nachricht,| dasi unser Kollege, der Tischler Julius k.sngsn� Memeler Strasie 78 im SM-r von 51 Jahren ge- storben ist. Die Beerdigung findet ain Dienstag, den 29. Oktober, nach- mittags 31/. Uhr. von der Halle des Lazarus-KirchhoseS in AhrenS- selde aus stall. Ferner starb unser Mitglied, der Stockarbeiter Collis Kedenburg Grünauer Strasie 27 im Alter von 54 Jahren. Die Beerdigung findet morgen Montag, den 28. Ollober, nachm. 4'/- Uhr, von der Leichenballe deS EmmauS-Kirchhoses in Neukölln, Hermannstrasie, aus statt. Ehre ihrem Andenke»! «„H? lt8c Beteiligung ersucht 90/10 Die Ortsverwaltung, Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau Klara Karting jage ich allen Bekannten und den Kollege» der Firma Schwartzkopfs meinen herzlichsten Dank. 26A «» Kärtinj Ä. Berliner Irbeller-Scliiciiili. Nachruf. Im Kampfe mit dem All- bezwinger Tod wurde unser Ob- mann Karl Irautvetter am Dienstag, den 22. d. M., un- erivartet für immer schachmatt gesetzt. Wir verlieren in ihm einen liebenswürdigen und orbeils- sreudigen Förderer des edlen Spiels. Er wird uns stets unvergesilich bleiben. 298/2 Abt. Rixdorf III. Danksagung. Für die vielen Belveise herzlicher Teilnabme bei der Beerdigung meines lieben Mainies sagen hiermit allen Freunden, Kollegen und Bekannten unsern innigsten Dank. 9ll9b llorotdea Kupfer nebst Kindern. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise herz- licher Teilnahme und die prächtigen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben MaimeS, unseres guten Vaters und Schwiegervaters sagen hiermit allen Berwandlen und Be- kannten sowie der Deutschen Wagen- bauerkasse unseren ausrichtigsteii Dank. Frau II. Höhuer Bettclj. Leeser geb. Höhner Gustav Höhncr Fritz Leeser. Tanksaaunfl. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage ich allen Verioandten und Be- kannten, insbesondere Herr» Stocker nebst Frau, Kollegen und Kolleginnen, dem Wahloerein, der 12. Frauen- Abteilung des vierten Kreises, den Kollegen der Firma Unioersal-Rund- lauf-lltzaschine, den Sängern und dem Genossen Emil Hampel meinen herz- lichsten Dank. Ulbert O'nn«t nebst Kindern. Für die Beweise herzlichster Teilnähme und die vielen Kranz spenden bei der Beerdigung mi iu er lieben fsgu und guten Mutter sagen wir allen Beteiligten unseren liesgesühlte», herzlichsten Dank. Otto Bache Ä, Berlin, Stettin er Str. 28. Sitae Uli Fortie am Lager: Gehio�MigesS:«:36 m Sraotinj'MgeK'AOM fradt-flnzöge�lUOM SgiiiklBißer ll-Jo5: 8m- Fcrtiffe schwarze Kleidung I für Knahon und Jüncrlingc| :: in größter Auswahl Feine Maß• Anfertigung| :: in ca. 10 Stunden:: Baer Sohn Kleider- Werke, Chausseestraße 29— 30. 11. Brückenslraße 11. Gr. Frankfurter Str 20. Schöneher�, Hauptsir. 10. Möbel jeder Art WohnungseinFichtiingen Kronen f. Gas u, Eloktr. in jeder Preislage von den billigsten bis zu den allerfeinsten neu und gebraucht. Speiiitions-Speielier Neue Friedrichstr. S— 8, alte Kaserne, Hof. �P>>, J. Baer Herron- und Knaben- l»»�/_gPf Moden, Berufskleidung. Ltt Ele0 Pa'elols. Ulster. Grobes Stofflager:: zur Anfertigung n. HaB. Einsegnungsanzüge in jeder Preislage. Allerbilligslo, streng feste Preise. IWestansfpauemiaiiD] Kxtra- Abt oll uns i I. Gesch.; Barlin W.. Mohren- StraBc37a(2 Haus von der Jerusalomer Straße). II Gesch.: Berlin NO., GroBe Frankfurt. Str. IIS(2. 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Werner hat noch nie bewilligt. 40/10 Hausfrauen! Arbeiter! Parteigenosse»! Unterstützt die Bäckergesellen in ihren gerechten Forderungen._ Bertraneusmaun der Bäcker und Konditoren Berlins u. Ilmg. Berlin. AndreaSstr. 35, Kirschke. Änklamer Str. 26. Esmarchstr. 14, Frauke. Greifeuwalder Str. 167, Hoff. Kopenhagener Str. 39, Sedner. Mctzer Str. 17, Block. 0 Pasteurstr. 12, Zeislei. Neukölln. Bürknerslr. 9, lirnrn. Pflügerstr. 57. Sandersir. 31, Timm. Schönebcrg. Mberlftr. 12. Weistenfe«. LanghanSstr. 142. protestieren Sie wenn man Ihnen einen anderen Kautabak verkaufen will! Fordern Sie den echten Grimm&Triepel Kosenthaler Hof Rosenthaler Str. 11/12. JnH. Otto Schillins:- Telephon: Amt N. 2438. 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