Ur. 355. HbonnementS'ßcdingungen: NbonnementS- Preis»ränumerando: Viert eljährl. Z.Z0 Ml» monatl. l.io Ml. wöchentlich 28 Psg. srei inS Haus. Einzelne Nummer S Pig. Sonntags. nummcr mit Musiricrtcr Sonntags- Beilage„Die Neue Well" 10 Psa, Post» Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-zeitungs- Prelsliste. Unter Kreuzband lür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland Z Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, tluxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 29* Jahrg. CrfdKlnt»glich ililötl montags, Verlinev VolkcsblÄtk. Zentratorgan der rozialdemokrattfchen partes Deutfchlands. Die TnfertionS'Gcbüljr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 60 Psg,. für politische und gewerkschaftliche Vereins- und VersnmmiungS-Anzcigen 80 Psg. „Kleine Mnsetgen". das fettgedruckte Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes iveitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Psg, Worte über IS Buch- ftabcn zählen für zwei Rorlc, Inserate für die nächste Nuinmer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition �abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adreffe: „Soitalilcnolint Rtrtln". Redaktion: SAl. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Donnerstag, den 31. Oktober 19 1£. Expedition: 63Q. 68, Lindenatraesc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Die Jnteruatwuale gegen den Krieg. An die Arbeiter aller Länder! Das Internationale Sozialistische Bureau spricht seinen tiefsten Abscheu aus vor dem Massenmord, der sich zurzeit auf dem Balkan vollzieht, und sendet den Sozialisten der Balkan ländcr die tuärmste Anerkennung für den Heldenmut und die Prinzipientreue, die ihnen die Kraft verliehe» hat, unter den schwierigsten Verhältnissen gegen den Krieg zu protestieren. Wir erklären, daß hinter den berechtigten Bedürfnissen der Völker des Balkans nach nationaler Einigung und Selbstbestimmung und nach Beendigung des bisherigen Zustandes, der sie zu Vasallen Rußlands und Oesterreichs degradiert, sich die Interessen der Dynastien und die Begehrlichkeit der Kapitalisten verbergen. Es sind nicht die Interessen der arbeitenden Klassen, sondern der Kapitalisten und Fürsten des Balkans, die dahin drängten, politische Ver- änderungen auf dem Wege des Krieges herbeizuführen. Die Interessen der arbeitenden Klassen, die auch die Selbstbestimmung der Nation in sich schließen, erheischten nicht den Krieg, sondern die fortschreitende Demokratisierung und Revolutionierung der Staaten des Balkans— eingeschlossen die Türkei. Nur auf diesem Wege war ohne Völkerverhetzung, ökonomischen Ruin und Blutvergießen so viel an Völkeremanzipation auf dem Balkan zu erreichen, als unter den gegebenen Verhältnissen überhaupt möglich ist. Die kapitalistischen und nionarchischen Interessen waren unvereinbar mit dieser Methode der Befreiung der Balkanvölker; schon dies machte den Krieg unvermeidlich, für dessen Greuel jene herrschenden Klassen verantwortlich sind. Außerdem trägt daran eine schwere Schuld der russische Absolutismus, der seit jeher sich der nationalen Aspirationen der Balkanvölker bediente, um aus ihrem Blut, wie im eigenen Lande aus dem seiner Völker, Kräfte zu sailgen. Endlich klagen wir an als Schuldige die kapitalistischen Mächte Europas überhaupt, die durch ihre Habgier und Brutalität, Gewalttaten und Treulosigkeiten in Marokko, Bosnien und Herzegowina, Tripolis und Persien, durch ihre perfide Lähmung jeder Bestrebung zur Wiedergeburt der Türkei, sowie durch das Wechselspiel zwischen den Intrigen des Zarismus und den Gelüsten der österreichischen Monarchie ihrerseits die Entstehung des Krieges gefördert haben. Dieser Konflikt kann jeden Augenblick die Schrecken eines Weltkrieges gebären. Die Pflichten aller Proletarier, aller Parteien der Internationale, sind in dieser Stunde größer wie je. Im düstern Feuerschein der Ereignisse tnüssen auch dem Rückständigsten die tiefen Ursachen dieses Regimes der Unsicherheit, der Brutalität und des Raubes, das die Welt zerfleischt, klar werden. Daraus muß die Pflicht des Proletariats erhellen, alle Kraft daran zu setzen, die Vertvirklichung des Sozialismus zu beschleunigen, der allein die Beziehungen der Nationen zueinander auf die dauernde Grundlage der Ehrlichkeit stellen wird, während diese Beziehungen heute preisgegeben sind der kapitalistischen Anarchie, der Habgier der hohen Finanz, dem chauvinistischen Wahnwitz, dem Nänkespiel der Diplomatie und den Gewalt- täfigkeiten der Reaktion. Es ist dringend notwendig, daß die klassenbewußten Proletarier sich jedem Versuch, den Krieg auszudehnen, und jeder interessierten und selbstsüchtigen Intervention, die ihn aus- dehnen würde, mit aller Kraft widersetzen, und daß das Proletariat der kriegerzeugenden Politik mit der ganzen Kraft seiner Organisation und mit wuchtigen Kundgebungen entgegen- tritt. Das sozialistische Proletariat muß mit größtem Nachdruck seine Stimme erheben und durch sein Verhalten bezeugen, daß es sich nicht in die Politik der rohen und blutigen Konflikte hineinziehen läßt. Um diesem Protest und diesem Vorgehen gegen den Krieg die höchste Einheitlichkeit und Wirksamkeit zu sichern, hat das Internationale Sozialistische Bureau die Einberufung eines AufisroräenMoksn Sntevtiationalen Kongresses beschlossen. Die beste Vorbereitung des Kongresses wird in einer systematischen und intelisiven Agitation aller sozialistischen und proletarischen Organisationen gegen alle jene Elemente bestehen, die an dem Verbrechen des Konflikts schuld tragen. Die nächste Zukunft wird wahrscheinlich an die sozialistischen und proletarischen Parteien die größten Anforderungen stellen. Wir zweifeln nicht, daß sie sich auch dem Schwersten gewachsen zeigen werden, mit dem Mute, dessen glänzendes Vorbild uns bereits die Genossen im Brennpunkt des Konflikts gegeben haben. Mögen die Regierungen eingedenk sein der Gefahren, die das Spielen mit dem Feuer mit sich bringt, und daß dies Feuer imstande ist, die ganze kapitalistische Welt in Brand zu setzen. Krieg dem Kriege! Hoch die Internationale! Brüssel, 30. Oktober 1912. Jas internationale Sozialistische Surean. Und was lagt Deutschland? Aus Wien wird uns vom 29. Oktober geschrieben: Zu den erstaunlichsten Dingen, die im Gefolge des Balkankrieges wahrzunehmen sind, gehört ohne Zweifel die Haltung der bürgerlickjen Presse im Reich. Daß die Reichs- regiernng mit ihrer Meinung über das, was nun auf dem Balkan werden will, über unbestimmte und oberflächliche Redensarten nicht hinausgeht, ist am Ende noch zu begreifen. Denn einesteils ist der Zusammenbruch der Türkei ein furcht- bares Gottesgericht auch über die deutsche Politik, die ihr Spiel im Orient ausschließlich auf die Karte der Uncrschütter- barkeit des Osmaneureiches gesetzt hatte, und die militärische Unzulänglichkeit der Türkei, die der Verlauf des Krieges so schrecklich enthüllt hat, istjün Fiasko auch für ihre deutschen Lehrmeister, auf deren Schulung sich vorwiegend die gute Meinung über die türkische Armee aufbaute und deren niili- tärische Erziehungskunst in die türkischen Niederlagen deshalb mitverflochten ist. Und zum zweiten ist die deutsche Ne- gierung in der Lage, dem österreichisch-ungarischen Verbünde- ten auch ohne Benutzung der Oeffentlichkeit reinen Wein ein- zuschcnken und ihm ihre Abneigung, wegen der Balkanhändel in kriegerische Unternehmungen hineingerissen zu werden, so deutlich als nötig kundzugeben. Aber warum redet das� in- offizielle Deutschland nicht, warum nimmt sich insbesondere die bürgerliche Presse des allerersten Bedürfnisses des Reiches, von den Fährlichkeiten der Balkanwirren verschont zu bleiben, nicht mit der gebotenen Entschiedenheit au? Denn die Gefahr, in diesen Strudel zu geraten, scheint für Teutschland in höherem Maße zu bestehen, als die öffent- liche Meinung noch ahnt. Welche Situation bildet sich auf dem Balkan heraus? Die Möglichkeit, daß sich die Türken der vier Gegner, die sie von allen Seiten überfallen ljaben, die sie überfielen, da sie zur Gegenwehr am schwächsten war. noch erwehren werden, die schwindet immer mehr und bevor zehn Tage vergehen, können die siegreichen Scharen des Balkanbuudes, die kein ernstlicher Widerstand mehr hemmt, vor den Toren Konstantinopels sein. Daß sich nun die Dalkanstaaten, die sich um die Meinung Europas nicht ge- kümmert hatten, als sie den Krieg begannen, von dieser Meinung nicht mehr anfechten lassen werden, da sie gesiegt haben, ist selbstverständlich: zumal da sich die Großmächte über! eine eigene Forniel, unter der der Balkanstrcit zu schlichten wäre, noch lange nicht geeinigt haben, Ivahrscheinlich gar nicht einigen werden können. Von der Wiederherstellung des Statusquo wird also natürlich keine Rede mehr sein: die guten Großmächte würden ja ausgelacht werden, wenn sie sich mit der Forderung, daß etwas gelten solle, was der Krieg beseitigt hat, ernstlich her- vortrauen würden. Wie- ja überhaupt nur die Diplomatie der Albernheit fähig war, zu meinen, die Balkanstaaten an ihr„Versprechen", sie wollten keinen Landerwerb, nur Reformen, nach einem Siege mit Erfolg erinnern zu können. Die Wahrheit zu sagen, hat in Europa auch keine Macht, und noch weniger ein ver- nünftiger Mensch, ein Interesse an dem Statusquo oder überhaupt ein Interesse daran, daß die Türkei„erhalten" werde, und daß den Balkanstaaten das, was sie sich erobert haben, nicht verbleibe. Man könnte den ganzen Balkanhandel ruhig dem Balkanbund zur Lösung überlassen— er würde ihn jeden- falls besser lösen als die Herren Diplomaten— und man würde ihn den Siegenden auch wahrscheinlich ruhig über- lassen, wenn eben nicht Oe st er reich- Ungarn seine albernen Sandschakwünsche in den' Vordergrund stellte. Daß die Vereinbarungen dahin gehen, daß Serbien den Sandschak und so viel dazu bekomnie, als nötig ist, daß sein heißester Wunsch, ans Meer zu gelangen, erfüllt werde, wird wohl nirgends mehr einem Zweifel unter- liegen. Es wird um so deutlicher, je gründlicher die Serben den Sandschak erobern und sich dort, wie es schon geschieht, häuslich niederlassen. Dagegen will nun Oesterreich-Ungarn uni des sagenhaften„Weges nach Saloniki" willen Einspruch erheben und dann könnte allerdings ein gefährlicher Moment kommen. Denn daß die Serben vor einem bloßen Ein- s p r u ch zurückweichen, sich auf das Diktat vom Ballplatz zu- rückziehen werden, ist nicht zu erwarten, ist nach allem. Was man sieht, ausgeschlossen. Wenn sich aber die Großmacht auf das gefährliche Gebiet des Forderns einmal begeben hat, wenn sie die grenzenlose Torheit schon begangen, etwas zu be- gehren, worauf sie erstens kein Recht hat und was ihr ohne Zweifel verweigert werden Wird, dann könnte es leichthin z u spät werden: denn dann könnte ihr Verzicht der Großmacht als Zurückweichen vor Serbien gedeutet werden. Tie Auf- gäbe ist also die, Oesterreich-Ungani von seinem unverständigen und unberechtigten Einspruch zurückzuhalten, Die Schwarzgelben, die weder fähig noch willens sind, den Not- lvendigkeiten Rechnung zu tragen zur Vernunft zu bringen. Und das ist nun die Aufgabe, die allein Deutschland leisten kann und danim auch leisten soll. Denn es ist selbstverständlich und es wird auch kein Hehl daraus gemacht, daß bei der schwarzgclben Rechnung der Hauptposten die ni i l i t ä r i s ch e Kraft Deutsch» lands ist. Man rechnet hier eigentlich auf eine Wieder- holung der Situation, wie sie sich im Jahre 1999, nach dem Abenteuer mit der Annexion, ergeben hatte. Damals glätteten sich die brandenden Wogen, Wie inan weiß, auf das Geheiß der Wilhelmstraße: daß Deutschland den Machthabern in Petersburg erklärte, die Sache Oesterreichs gegebenen Falls zu der seinen zu machen, reichte aus, um Ritßland zur Auer- kennung der Annexion zu veranlassen, was mit der Abrüstung Sinbiens und mit der Erledigung der ganzen Sache identisch war. Die guten Leute, die da meinen, die Weltgeschichte werdo sich für die schwarzgelbc Herrlichkeit alle fünf Jahre bemühen und wiederholen, vergessen bei dieser Annahme freilich die nicht unwesentliche Kleinigkeit: daß die Sache heute eben nicht die gleiche wie vor fünf Jahren ist. Mit der Um- Wandlung der Okkupation in die Annexion hatte Oesterreich- Ungarn an bestehenden Machtverhältnissen faktisch nichts ge- ändert— was man sagen kann, wenngleich man die An- nexion für einen politischen Fehler hält—, weshalb ja der Widerspruch, den die Annexion entfesselt hat, nicht besonders ernst und in gar keiner Hinsicht tiefgehend war, eigentlich nur ein diplomatisches Manöver der Tripelentente gewesen ist: am allerwenigsten hatte Serbien Grund zur Klage. Aber mit dem Einspruch, den Oesterreich-Ungarn jetzt erheben will, steht es ganz anders. Da steht reale Macht auf Seite des Balkan- bundes, und Serbien kann für sich heilte mehr anführen als die lärmvollen und schwindelreichen Demonstrationen in Belgrad ini Jahre 1908, kann sich heute auf blutig erkämpfte Siege berufen und ist überdies nicht allein, sondern ihm zur Seite steht das Wafsenglück des gesamten nichttürkischen Balkans. Wer nun meint, daß sich Rußland einem Eintreten Teutschlands für Oesterreich so blindlings fügen müßte und würde, wie es dessen Rat im Annerionsjahre gefolgt ist, der würde die gründlich geänderte Sachlage verkennen und könnte sich gröblich irren. Und in diesen Irrtum darf Deutschland nicht verfallen und die öffentliche Meinung Deutschlands wäre berufen und verpflichtet, die Reichsregierung vor der Begehung dieses Jrrtuins eindringlich zu warnen. Deutschland darf sich nicht bloß auch für die romantischen Phantastereien der.Schwarzgelben nicht de- geistern— es gibt, so unglaublich das scheint, auch Zeitungen in Deutschland, die das tun— es muß nicht bloß ihre Heber- nähme aus das deutsche Konto ablehnen, es muß auch den überschnappten Schwarzgelben rechtzeitig klar machen, daß es diese Uebernahine höflich, aber entschieden ablehnt, �n den achtziger Jahren war es eine beliebte Wendung m Teutschland, wenn die unruhigen Franzosen verwarnt wurden, von einer„kalten Dusche" zu sprechen. Diese kalte Tusche würde den Schwarzgelben sehr nötig sein, und von Berlin aus gute Wirkung üben. Um so mehr ist zu ihr ein Anlaß, als das Gerede von dem „Wege nach Saloniki" wirklichBnur ein Gerede ist, ein romantisches Hirngespinst, in dem nicht ein Hauch ernstlicher Jnter- essen steckt. Ist es nicht einfach Tollheit, daß die Schwarz- gelben von der absoluten Unerläßlichkeit dieses„Weges" erst jetzt, also just in dem Augenblicke zu reden begannen, da er endgültig verrammelt wird? Vor fünf Jahren hat Oester- reich den Sandschak. durch den der besagte Weg doch führt, freiwillig geräumt, hat Oesterreich auf den Besitz aus eigenem Willen und ohne jede Nötigung von außen ver° zichtet: und nun soll der türkische Sandschak Oesterreichs Lebensinteresse sein! Vor fünf Jahren hat Achrenthal über den angeblick>en Weg nach Saloniki als von einer von den Feinden Oesterreichs genährten Legende gesprochen, der ein Ende zu machen Oesterreichs Bedürfnis sei und nun soll um dieser Legende willen Oesterreich, und womöglich auch Deutsch- land, wenn es nicht anders geht, in den Krieg ziehen! Dieser Weg nach Saloniki ist von den Einbildungen der schwarz- gelben Hausmacht die letzte und die nichtigste: und wenn sie von den früheren, wie es die Bewahrung ihrer Herrschaft in Italien und die Bewahrung ihrer Vorherrschaft in Deutsch- land waren, nur mit blutigen Kriegen kuriert werden konnte, so wird man ihr diese letzte ihrer Ueberspanntheiten wohl schon durch eine ernste Mahnung austreiben können. An dieser ernsten, gemessenen und entschiedenen Mahnung sollte es aber in Deutschland nicht fehlen! ** * Vor dem Kingen am Crgene-fluß. Der erwartete Kampf am Ergene-Fluß hat noch nicht begonnen, da der Aufmarsch der Hauptstreitkräfte offenbar noch nicht beendet ist. Die Konstantinopeler Meldungen über den Beginn der Schlacht entspringen der Absicht, die öffent- liche Meinung zu beschwichtigen. Immerhin mag es zwischen vorgeschobenen Detachemeuts schon zu Gefechten gekommen sein. Ueber die Zustände und die Kampffähigkeit in den ein- zclncn Heeren läßt sich nichts Bestimmtes sagen, da beide Teile mit tendenziös gefärbten Nachrichten arbeiten. Beachtenswert ist, daß der bisherige Oberbefehlshaber der türkischen Ostarmee abgesetzt worden ist. Das Kommando hat der Generalissimus Nasim Pascha übernommen. Die europäische Diplomatie tut unterdessen sehr ge- schäftig. Aber es ist sicher, daß vorläufig nichts dabei heraus- gekommen ist. Bemerkenswert ist nur, daß die öffentliche Meinung Englands jede Intervention zuungunsten des Balkan- bundcs mit Entschiedenheit verwirft und es scheint, daß auch die englische Regierung dieselbe Haltung einnehmen will. OefUicKei* KriegsFchauplatz. Die türkische Stellung. Sofia, 29. Oktober. Nach hier vorliegenden Meldungen soll sich die türkische Hauptmacht in der Linie Tschorlu- Karischtiran ssüdöstlich von Lüle-Burgas) konzentriert haben und daselbst eine große BerteidignngSstcllnng beziehen, so daß dort die Hauptschlacht zu erwarte» ist. Wechsel im türkischen Oberbefehl. Koustantinopcl, 30. Oktober. An Stelle von Abdullah hat Nasim Pascha das Kommando über die Ostarmee übernommen. Ein Ausfall aus Adrianopel. 5lo»stantinopcl, 30. Oktober. Am Dienstag machten die türkischen Truppen aus Adrianopel einen Ausfall an der westlichen Seite gegen Marrasch und warfen die Vulgaren, die ungefähr die Stärke einer Brigade hatten, mit vielen Verlusten in der Richtung auf Serail und Kemalskoej zurück.(?) An demselben Tage hat die türkische Armee auf dem östlichen Flügel bei Wisa die Offensive ergriffen und hat den Feind zurückgeschlagen. Tie bulgarische Division, die im Zentrum vorging, wurde auch zurückgedrängt. Die türkische Armee hatte 800 Tote und Vcr- w u n d e t e. Die bulgarische Meldung. Sofia, 30. Oktober. Die türkischen Truppen von Adrianopel machten mehrere Ausfälle nach verschiedenen Richtungen, wurden aber überall von den Bulgaren zurück- geschlagen. Eine türkische Darstellung der Schlacht bei Kirkkilisse. Konstantinopel, 30. Oktober. Ueber den Verlauf und die Be- deutung der Schlacht bei Kirkkilisse liegen nunmehr nachfolgende Einzelheiten von privater Seite vor: Am Tage vor der Schlacht von Kirkkilisse standen in Adrianopel etwa 3 0 0 0 0 Mann als Besatzungsarmee dieser Festung. Unabhängig hiervon standen in der Linie Kirkkilisse— Baba-Eski drei Korps in der Reihenfolge drittes, erstes, zweites, wobei das zweite nur zwölftausend Mann, die beiden anderen je zwanzigtausend Mann stark waren. Die Front war also parallel dem Bosporus. Rück- wärts von Baba-Eski bei Tschorlu und Tscherkcßköi standen vier weitere Armeekorps, die zum Teil noch im Aufmarsch begriffen waren. Zwischen Kirkkilisse und Adrianopcl standen nur schwache Lorposten. Nach dem Kriegsplan sollte die Armee von Kirkkilisse ohne ernstere Kämpfe auf die Linie Visa— Lüleh-Burgas zurück- gehen, nachdem die Bulgaren zur EntWickelung gezwungen und durch den Angriff auf die Verschanzungen bei Kirkkilisse geschwächt Waren. Dort waren am 20. und 21. Oktober in ununterbrochener Arbeit ausgedehnte Feldbefestigungen aufgeworfen worden. Zwei Flugapparate sollten aufklären, konnten jedoch wegen an- dauernden Regens nicht aufsteigen. Tie Apparate verdarben im andauernden Regen infolge des Mangels an einem Schuppen. Am Dienstag, den 22. Oktober, war in Kirkkilisse noch alles ruhig, nur nördlich und nordwestlich war Kanonendonner zu vernehmen. In der Nacht vom 22. zum 23. Oktober hat nun anschcincnd Asis Pascha den Feind selbständig angegriffen und sich dabei zu stark exponiert. Als er zurückgehen mußte und die ersten bulgarischen Granaten in Kirkkilisse einschlugen, begann unter den Bewohnern der Stadt, die bereits in hellen Haufen auf Ochsen- wagen und Mauleseln aus der Stadt flüchteten, eine große Panik, in die auch einige zurückgehende Redifregimentcr hinein- gerissen wurden. So wälzte sich am Mittwochnachmittag, wie Augenzeugen berichten, ein kilometcrlanger Zug von Flüchtlingen aus Kirkkilisse. Ein mit Zivilflüchtlingen besetzter Bahnzug wurde von Redifs gestürmt und zur Abfahrt gezwungen, obgleich noch ein anderer Zug auf der Strecke vor Baba-Eski lag. Erstcrcr fuhr auf abschüssiger Strecke, da er ohne Bremse war, auf den anderen auf und zertrümmerte dessen letzte Wagen. Die wilde Flucht erstreckte sich bis Lüleh-Burgas. Während bei Bada Eski zeitweilig vollkommene Verwirrung herrschte, vollzog sich offfenbar der Rückzug der regulären Truppen unter Mahmud M u k h t a r, wie vorher festgelegt, in Ordnung nach Visa. Die Linientruppen sollen sich vorzüglich geschlagen haben. An diesem und dem folgenden Tage zeichnete sich besonders Oberst Hilm, aus, der zum General ernannt wurde. Hilmi hat in Teutschland gedient, das Exerzier-Rcglemcnt übersetzt und galt immer als einer der befähigsten Offiziere. Von den geflüchteten Redifs wurden vorgestern mehrere Offiziere und Mannschaften stand rechtlich erschossen. Auf bulgarischcrSeite wurde der Erfolg vom Mittwoch in keiner Weise ausgenutzt. Anscheinend haben die Bulgaren weder gewußt, wie die Dinge lagen, noch die Kraft gehabt, weiter zu kämpfen. Ihre Untätigkeit in den folgenden Tagen deutet darauf hin, daß sie sehr gelitten haben. Ob sie Kirkkilisse wieder verloren haben, ist allerdings sehr zweifelhaft, da die Türken jetzt eine Entscheidungs st eilung Midia— Tschorlu eingenommen haben und bei Visa und Lüleh-Burgas an geblich gekämpft wird. Die Türken mußten ihre beiden Flugapparate beim Rückzug aus Kirkkilisse verbrennen. Ihr Hauptquartier liegt jetzt rückwärts von Tschorlu unweit Tscherkcßköi. Die Bulgaren sind in vier großen Kolonnen vormarschiert, eine westlich Adrianopel, eine bei Adrianopel und die beiden anderen westlich und östlich von Kirkkilisse. Die E n t- scheidurtgsschlacht soll unmittelbar bevorstehen. Vielleicht in Rücksicht darauf, vielleicht auch, weil anscheinend von jungtürkischer Seite Unruhen geplant sind, wurde gestern abend der Belagerungszustand in Konstantinopel ver- schärft. Alle Zeiwngcn sind der st r e n g st e n Zensur unter- worfen. Ganze Stadtteile waren bereits gestern nach 10 Uhr ge- sperrt und heute abend ist auch in Per« nach 10 Uhr verboten, auf die Straße zu gehen. Da in Saloniki sich ernste Ereignisse ab- gespielt haben müssen, will man hier anscheinend vorbeugen. Seit drei Tagen fehlen fast alle Nachrichten auS Saloniki. In dem Stadtviertel Fatich in Stambul sind vorgestern nacht bedenk- liche Schlägereien vorgekommen. Zensurverschärfungen. Konstantlnopel, 30. Oktober. Die fremden Kriegs- korrespondenten beklagen sich über die ihnen von der Behörde bereiteten Schwierigkeiten. Die ver» stärkte militärische Zensur der Zeitungen ist jetzt auch auf die nichttürkischen Zeitungen ausgedehnt. Der Kommandant von Konstantinopcl veröffentlicht eine Verordnung zur Verschärfung des Belagerungs- z u st a n d e s. Mestlicker Kncgsfchauplatz. Serbische Schlachtberichte. Belgrad, 30. Oktober. Aus Vranja wird amtlich ge- meldet: Die ganze türkische Armee Mazedoniens in einer Stärke von 80(190 Mann hat an der Schlacht von K u- m a n o v o teilgenommen. Die Serben hatten 4 0 0 Tote und 2000 meist leicht Verwundete. Die Türken hatten 16 0 0 0 Tote; sie verloren fast ihre ganze Artillerie.— Im Kampfe bei Velcsch(Köprülü), der kurz aber erbittert war, hätten die Türken 5 0 0 0 Tote. Die türkischen Trup- pen wurden von neuem in Verwirrung gebracht und in die Flucht geschlagen. Die Kämpfe der bulgarischen Westarmee. Sofia, 29. Oktober.(Meldung der„Agence Bulgare".) Nach vom„Mir" veröffentlichten Detailberichten war die Schlacht vor Kotschana(im Bregalnitzatale) eine der mörderischsten unter allen Kämpfen und dauerte beinahe drei Tage und zwei Nächte. Während des ersten Tages und der darauf folgenden Nacht leisteten die Bul- garen, welche anfangs aus nur wenigen Abteilungen bestan- den, 12 türkischen Bataillonen Widerstand, welche nach und nach durch Truppen von Jschtip verstärkt worden waren. Der Kampf wurde besonders infolge zahl- reicher Bajonettangriffe erbittert. Die Türken wurden trotz ihres Widerstandes zersprengt und fluch- teten in voller Unordnung. Vor dem Kampfe hatten die Türken 200 Bulgaren gefangen genommen, welche von den siegreichen Truppen befreit wurden. Der Einmarsch der bulgarischen Truppen in Kotschana löste bei der Bevölkerung großen Jubel aus. Türkische Ucberlänfer auf österreichischem Gebiete. Wien, 29. Oktober. Die„Neue Freie Presse" meldet aus Serajewo: Heute trafen hier mit zwei Militärzügen 1300 türkische Soldaten mit 69 Offizieren ein, die aus dem Sandschak geflüchtet sind. Sie wurden um Mitter- nacht zusammen mit den übrigen hierher geflüchteten türkischen Saldaten über Bosnisch-Brod weiterbefördert. Unter den Offizieren befindet sich auch ein Oberstleutnant. Vom rUcüicken Kncgefcbauplatze. Griechische Siegesmeldungen. Athen, 30. Oktober. Ter König hat aus K o s ch a n s an den Ministerpräsidenten Venizelos folgende Depesche gerichtet: Nachdem der linke Flügel der Armee heute den Feind geschlagen hatte, verfolgte er ihn bis nach Nalbanköi. Nach erbittertem Kampfe hat er die Fahnen von zwei tür- tischen Bataillonen erobert, die mir ein Abgesandter hierher gebracht hat. Auch der Kronprinz hat mir eine türkische Fahne des Bataillons von Drama zugesandt, die in der Schlacht von Sersidsche erbeutet worden ist. Diese rühm- reichen Trophäen der tapferen Armee haben mich mit Freude und Stolz erfüllt, und ich beeile mich, Sie und mein Volk daran teilnehmen zu lassen. Nach der dreistündigen Schlacht vom letzten Sonntag wurde K a t e r i n i gestern morgen von der griechischen Armee besetzt, die die Verfolgung des Feindes fortsetzt. Tie Zahl der in der Schlacht bei Nalbanköi Ver- mundeten belauft sich ans etwa 100. Die Griechen nähern sich Saloniki. Athen, 30. Oktober. Wie aus Koschanej telegraphiert wird, ist V e r r i a gestern durch die griechische Armee ohne Widerstand besetzt worden. Die muselmanischen Familien sind in der Stadt geblieben. Die muselmanischen Notabeln erschienen vor dem Kronprinzen, um ihre Unter- wersung zu bezeugen. Die Eisenbahnverbindungen zwischen Verria und Monastir sind unterbrochen. Ein letzter Freundesdienst. Konstantinopcl, 30. Oktober. Auf Bitte der türkischen Rc- gierung hat sich das Schiff„Loreley" mit Genehmigung Kaiser Wilhelms nach Saloniki begeben, um eventuell den Exsultan Abdul Hamid, dessen persönliche Sicherheit in Saloniki ge- fährdet scheint, nach Konstantinopel zu bringen. Hier soll ihm ein Palast am Bosporus als Aufenthalt angewiesen werden. *» * Die BrülTeler fnedensdemonrtratioii. Brüssel, 29. Oktober.(Gig. Ber.) Ueber die bereits tekcgraphisch heute gemeldete internationale Protestkundgebung gegen den Krieg wollen Ivir noch folgendes nachtragen. Nach den Vertretern Rußlands, Englands, Hollands. Italiens sprach für Oesterreich Viktor Adler: Der österreichische Staat ist an den Dingen im Balkan sehr beteiligt. Die Südslawcn sind die Blutsverwandten derer, die unten am Balkan kämpfen. Die Diplomaten behaupten, Oesterreich habe große Wirtschaft» liche und politische Interessen am Balkan und daran, daß sich die Serben, Bulgaren usw. der Herrschast der Türken entziehen.—• Gewiß, auch wir sagen, cS gibt keinen größeren Feind alles dessen, was uns heilig ist, als den ZariSnius. Die Gegenwart hat in der Tat keinen größeren Feind. Es gibt kein Verbrechen, wo das Zarat nicht seine schmutzigen Hände drin hätte. Aber das soll nicht zu der Ansicht verführen, zu glauben, daß der russische Zar und Rußland die einzigen Schuldigen sind. Die Herren sprechen von der Herstellung des Friedens, von einer Vermiticlung zugunsten des Statusquo. Ja, wir fragen: auf Grund welcher morali» schcn Autorität wollen die Leute vom Frieden reden? Ich spreche nicht von Rußland, das blutbcdeckt ist vom Wirbel bis zur Sohle.— England hat seine Hände in Indien und Aegypten und hätte sie morgen gern in Kreta; F r a n k r e i ch hat das Abcn» teuer von Marokko»och nicht erledigt und Italien— hat die tripolitanische Räuberei am Gewissen. Und nun unser Oesterreich- Ungarn, das vor vier Jahren kein Anhänger des StatuSqno war und deponierte Provinzen gestohlen hat! Wer damals nicht für den Frieden mar, hätte es nüt Oesterreich zu tun gehabt.— Diese Länder besitzen keine Autorität, vom Frieden zu rede». Es könnte geschehen, daß die siegreichen Montenegriner, Serben usw. ihnen die Antwort gäben: beute sind wir für den Statusquo I Es ist kein Zweifel: wenn es uns nicht gelingt, einen Stur«, eine moralische Erhebung in ganz Europa zu erzeugen, sind wir in Gefahr, daß der Krieg die Grenzen überschreitet und wir einen Vernichtungskampf erleben, der uns eine Probe geben würde dessen, was die modernen Mordwerkzeuge zu leisten imstande sind. Es wäre ein Morden, ein Verderben, eine Bernichtung, wie sie in der Welt»och nicht da war, gegen die das Wüten der Horden Attilas, Tamerlans wie eine klägliche Idylle erscheint. Zu den verzweifelten Sorgen von heute: der Lebensmittelteuernng, dem Wohnungswucher, der Not in allen Formen käme nun der Krieg mit allen Konsequenzen und Greueln I Und es wäre ein Krieg ohne Ende, weil jedes dieser Verbrechen antoniatisch ein neues mit sich zöge. In all dem bleibt der Sozialismus als einzige zielsicher wirkende Mackt. Allen Respekt vor den Friedens- reunden! Aber bei allem Einfluß nach oben und allen Ver- bindmigcn haben sie nicht vermocht, die Raubtiere in Bege» tarier zu verwandeln. Ich fürchte, daß der Krieg, der uns droht, nicht in Haag ent- chicde» würde. Da obliegt dem sozialistischen Proletariat die Aufgabe, in jedem Lande seine Pflicht zu tun und dem Kriege entgegenzurücken. Auch wir in Oesterreich haben alles getan, nnr der Regierung klar zu macyen, daß es das größte Verbrechen wäre, wenn sie den Sandschak reklamierte, die Völker auf- hielte, in ihren Kampf sich einmischte und den Ve- drängten zu Hilfe eilte. Hände weg vom Balkan, sagen wir, und de» Balkan den Balkanvölkern! Wir sagen aber, „Hände weg" nicht nur zu Rußland, sondern ebenso sehr zu Oester- reich, nicht nur den Balkanvölkern zuliebe, sondern auch den Völkern zuliebe, die in Oesterreich leben. Die beschlossene Konferenz wird die Einheit des Proletariats bekunden und den Staatsmann, der so geivisseuloS wäre, den Brand in Europa zu werfen, würde der Fluch des intcruatioualen Proletariats treffen. Hanse. Ueber dem ganzen Proletariat Europas lastet schwere Sorge. Die europäische Diplomatie freilich geberdete sich, als wenn kein Wölkchen den Himmel trübte und verkündete, daß die Völker Europas ei» Herz und eine Seele sind. Und sie verkündete weiter, daß es ihr gelungen ist, den Frieden zu sichern— Ibis die Kanonen donnerten.... Nein, wir haben das tiefste Mißtrauen gegenüber der europäischen Diplomatie. Von ihr die Lösung des Konflikts erwarten, ist der Suche nach der Quadratur des Zirkels gleich- zustellen. In dieser Hoffnungslosigkeit bleibt uns nur die Macht und das Gewicht des Proletariats— an diesem Fels werden sich die Kriegswogen brechen. Je stärker diese Macht anwächst, je fester die Teile des Proletariats zusammengeschmiedet sind, um so stärker wird das Gewicht sein, das cS in die Wagschale des Friedens werfen wird; um so sicherer wird dann der Frieden sein. Der Imperialismus erweckt bei dem Proletariat nur tiefsten Abscheu und es bleibt von der patriotischen und chauvinistischen Woge unberührt. D i t vier Millionen sozialistischer Kämpfer werden in Deutschland das Ihre tun, die Ausbreitung deS Kriegsbrandes zu verhindern. Das Proletariat kennt allen politischen Vorstellungen gegenüber nur eine Treue: die Treue zu dem Bruderproletariat. Und wo den Herrschenden ein solches Proletariat entgegentritt, werden sie cS sich überlegen, ihr frivoles Spiel mit dem Leben der Völker zu treiben. Der Redner schließt in französischer Sprache: DaS deutsche Proletariat verdammt den Krieg gleich Ihnen und wird mit allen Kräften den Kampf der Völker gegen den Krieg unterstützen. Unsere Devise ist: Nieder mit dem Krieg! Nieder mit dem Kapitalismus! Jaiirds: Unsere Gegner erklären sophistisch, eS sei ein Widerspruch, für den Frieden zwischen den Völkern und den Krieg zwischen den Klassen einzutreten. Aber der Kampf der Arbeiterklassen gegen poli tische und soziale Unterdrückung und ihr Kampf gegen den Krieg dienen beide der Kultur. Welchem Fortschritt dient aber der Krieg? Die Acra der großen Kriege für Ideen ist geschlossen, eS gibt leine nationalen Kriege mehr, sondern nur noch Kriege der Hab» gier. Man hält uns den Balkan entgegen. Ich bestreite nicht die Gewalt der Gefühle, die dort ihren Ausbruch gefunden haben. Aber mit den Gefühlen der Völker mischt sich der Ehrgeiz der Herrscher, die von einer Krönung in Konstantinopcl träumen und die Habgier der Kapitalisten. Europa könnte ohne Gewalt und Blutvergießen den Ballanvölkern ein wohnliches HauS bieten— unter einer Bedingung: nämlich, wenn e S einig wäre. Die Ballanfrage ist zur Gewalttat und Verwirrung gediehen, weil Europa uneinig und ohne moralische Autorität ist. Ich beklage es im Interesse der menschlichen Kultur, daß vielleicht der Tag kommt, wo� der Islam nach Asien. in die endlose Nacht deS fanatischen Hasses, zurückgeworfen wird. Europa ist der Schuldige. Gegenüber der Türkei war Europa gefällig, als eS Abdul Hamid zu den blutigen> Füßen lag. Er verteilte ja Eisenbahn- und Hafenkonzessioncn. Der Blutstrom, der ans dem Balkan fließt, hat sciuc Quelle im Hirn unserer Finaiizlente.(Beifall.) Ich weiß nicht, welche Wendmiz die Dinge nehmen werden, aber waS ich weiß, ist, daß der Kreis des Schreckens immer größer wird. Gestern hieß es Marokko und Tripolis, heute Balkan— was wird m argen sein? Ich weiß nicht, ob der Krieg kommt. Man würde ja lieber ohne Krieg Beute machen. Gin deutscher Staatsmann hat vor einigen Tagen gesagt: ES ist die Minorität, die den Krieg macht. So verkündet man, daß unter der Herrschaft einer Scheiudemolratie die bourgeoise Anarchie so groß ist, daß Gruppen imstande sind, den Krieg zu ent- fesseln. Uird da wähnt man, daß sich die Völker in einen Rausch hineintreiben lassen werden! Nein, das wird nicht geschehen! Das internationale Proletariat wird doppelt wachsam sein. Unser Kongreß wird den Staatsmännern und Herrschern die notwendigen Warnungen erteilen. Und nicht durch eitle Prahlereien bereiten wir uns aus die Verantwortlichkeilen von morgen vor. Mit Stolz dürfen wir sagen, daß wir unsere Pflicht erfüllt haben: in Italien, in Serbien und Bulgarien. Schwere Prüfungen harren auch auf unsere Herrschenden. Adler sagte: Ich prophezeie nicht, aber ich e r i n n e r e mich. Ich erinnere mich, daß dem Krieg von 1870 die Kommune folgte, dem russisch-japanischetl Kriege die russische Revolution. Wenn die Herrschenden uns die Hoffnung rauben wollen, eine friedliche Revolution zu vollbringen, wenn sie den Boden auf dem sie stehen, unterminieren, sind sie nicht nur Verbrecher, sondern auch Wahnsinnige. (Stürmischer Beifall.) Die Versammlung schließt in großer Bewegung mit dem Gesänge der„Internationale". Potttiscbe(leberlickt. Berlin, den 30. Oktober 1912. Sturm im Abgeordnetenhause. Feierlich hielt am Mittwoch Herr Mugdan, der von den Wohlhabenden des Tiergartenviertels, soweit sie gläubige Christen sind, zu ihrem Vertreter Erkorene, seinen Einzug ins Dreiklassenparlainent. Ob die auf der Tagesordnung stehenden Gegenstände das jüngste Mitglied des Hauses sonderlich interessiert haben, wissen wir nicht. Der Gesetzentwurf betreffend die Anlegung von Sparkassenbeständen in Jnhaberpapieren, dessen zweite Lesung zunächst zu Ende geführt wurde, gelangte im wesentlichen nach einem Kompromißautrag der bürgerlichen Parteien zur Annahme. Ein sozialdemokratischer Abände- rungsantrag, der festgelegt wissen wollte, daß von den zur Verwendung stehenden Sparkassenbeträgen in allen Fällen die Hälfte zur Erhöhung des Zinsfußes der Spareinlagen zu verwenden ist, fand keine Gnade vor den Augen der Mehr- heit, die für die kleinen Sparer nichts übrig hat. Eine Reso- lution der Fortschrittlichen Volkspartci, die die Regierung er« sucht, möglichst noch in dieser Session einen Gesetzentwurf vor- zulegen, durch welchen die öffentlichen Sparstellen gegen das Kursrisiko tunlichst sichergestellt werden, das ihnen der Zwangsbestand an Inhaberpapieren aufbürdet, wurde einer besonderen Kommission zur Vorberatung überwiesen. Diese Resolution bildet im Grunde genommen die schärfste Ver- urteilung des Gesetzes, und es ist charakteristisch für die Art der preußischen Gesetzesmacherei, daß man sich in derselben Sitzung, wo man eine Vorlage genehmigt, für die Notwendig- keit ausspricht, ein neues Gesetz zur Beseitigung der durch das eben geschaffene Gesetz zu erwartenden Schäden zu schaffen. In vorgerückter Stunde erhielt der Pole Korfan ty das Wort zur Begründung der Interpellation über die E n t- e i g n u n g ländlicher Besitzungen zu Ansiedlungszwecken. Seine Rede war eine flammende Anklage gegen die gemalt- same, gegen Recht und Verfassung verstoßende Polenpolitik der Regierung, deren unheilvolle Folgen für den Staat er in scharfen Worten brandmarkte. Der Landwirtschaftsminister Freiherr von Schorlemer beschränkte sich auf die Ver« lesung einer kurzen Erklärung des Staatsministeriums, die das Vorgehen der Regierung formell als zu Recht bestehend anerkennt. Ihm schlössen sich in zustimmenden Erklärungen die Vertreter der beiden konservativen und der national- liberalen Parteien an. Die vollzählig erschienene polnische Fraktion begleitete die Ausführungen sowohl des Ministers als auch der Hakatistischen Redner mit stürmischen Pfui-Rufen. Wenn es trotzdem am Ende der erregten Sitzung zu keinen Szenen gekommen ist, wie sie unter Kröcher und Erffa an der Tagesordnung waren, so ist das der beste Beweis dafür, wie« viel von der präsidialen Führung abhängt. Die Besprechung der Interpellation wird am Donnerstag fortgesetzt. Dann folgen Petitionen. Der neue Erzbischof von Köln. Wir haben gestern bereits der Meldung, daß der bis- herige Bischof von Münster, Dr. Felix v. Hartmann, zum Erzbischof von Köln erwählt sei, die Charakteristik hinzuge- fügt, daß der Neuerwähste der intransigenten ultramontanen Richtung angehöre und seine Wahl einen Sieg der Berlin- Breslauer Richtung über die Bachemiten und ihre geistliche Gefolgschaft bedeute. Diese Auffassung wird jetzt von ver- schiedenen rheinischen und westfälischen Zeitungen bestätigt. So schreibt die„Rhein.-Westf. Ztg.", die sich bisher immer als sehr genau unterrichtet über die Vorgänge im klerikalen Lager erwiesen hat: „Die Wahl des neuen Erzbischofs bedeutet die größte Ueberraschung für die Führer der Kölner Rieh- tun g. Die Wahl ist ein Beweis, daß Rom nicht gewillt ist, ihnen irgendwelche Konzessionen zu machen. Dr. Felix v. Hart- mann auf den Kölner ErzbischofSstuhl, heißt nichts anderes, alS einen Vertreter der strengsten kurialen Richtung zum päpstlichen Wächter über die Kölner Richtung zu machen. In der Riarzellenstraße in Köln kennt man ganz genau die Ge- finnung des Neuerwählten, der langjährigen rechten Hand deS verstorbenen münsterischen Bischofs Dingelstadt. Von dieser seiner intimsten Gegnerschaft gegen die„Kölnische Volkszeitung" hat er auch mit seinem Freunde Domkapitular Professor Hüls und dem früheren Seminarregens, jetzigen münsterischen Weihbischof Jlligens, niemals Hehl gemacht. Jedermann kennt ebenso die Stellung, die der von diesen drei Freunden nebst dem verstorbenen Bischof gestützte„Westfälische Merkur" dem Kölner Blatt gegenüber eingenommen hat und noch einnimmt. Es ist zweifelsohne, daß die Wahl nicht dic erste Willens- äußerung des Kölner Domkapitels darstellt. Schon im August wußte bereits der Mailänder liberale„Corriere della Sera", der sehr häufig durch die Prälatur direkt aus dem Vatikan bedient wird, daß die Kurie einen von dem Domkapitel in Aussicht genommenen Kandidaten nicht wünsche. Dieser war Weihbischof Dr. Müller, entschiedener Anhänger der Kölner Richtung. Nun hat Rom, wie die wiederholten außerordent- lichen Sitzungen des Kapitels in den allerletzten Stunden be- weisen, dem Kapitel seinen Willen aufgedrängt." Aehnlich schreibt die„Köln. Ztg.": „Wir haben zur Zeit der Berufung Felix v. HartmannS auf den Bischofsstuhl von Münster einer Zuschrift Raum gegeben, die im Juteresse des Friedens zwischen Staat und Kirche sowie im Interesse unseres modernen Kulturlebens die Kandidatur des Herrn v. Hartmann um deswillen bekämpfte, weil unter ihm ein äußer st strenger, allen modernen Regungen feindlicher U l t r a m o n t a n i s m u s in der Diözese Münster um sich gegriffen hatte. Wir erinnern nur, an die Haltung, die sich die Herrn v. Hartmann nahestehende Presse gegen den Försterkursus in Münster erlaubte, und an die schroffe Stellungnahme, die er zum Modernismus einnahm. Wurde doch von den Professoren der Theologie in Münster verlangt, daß sie trotz des erhalte- neu päpstlichen Dispenses den Bischofseid l e i st e t e n. Es kommt mit ihm ein Mann auf den Kölner Bischofsstuhl, dem man gerade nicht nachsagen kann, daß er ein Anhänger der Kölner Richtung wäre. Insofern bedeutet seine Wahl eine Ueberraschung, und' seine Wirksamkeit wird gewiß in manchen Dingen von der des verstorbenen Erzbischofs ver- schieden sein." Kardinal Kopp wird nicht mehr über den„faulen Westen" zu klagen haben' er hat einen Partner erhalten. Pfarrer Hackenberg gestorben. Der nationalliberale LandhagAabgeordnete Hackenberg ist am Mittwoch vormittag einem Herzleiiden erlegen. Hackenberg war seit 1888 Mitglied des Abgeordnetenhauses, zu dessen besten Rednern er gehörte. Er vertrat namentlich in pädagogischen und religiösen Fragen seine Fraktion und verstand jedesmal durch seine geistvolle, nichts weniger als pastovale Art das Haus zu fesseln. Die noble und verbindliche Form, in der er sich mit seinen politischen Gegnern auseinandersetzte, sicherte ihm auch bei der sozialdemokratischen Fraktion lebhafte Sympathien. War es doch Herr Hackenberg, der, als einmal Herr von Kröcher während einer Rede Hackenbcrgs einen sozialdemokratischen Abgeordneten um Unterlassen seiner Zwischen- rufe ersuchte, sofort bemerkte, daß er sich durch die Zwischenrufe keineswegs belästigt gefühlt habe. Die anständige Form seiner sachlich doch durchaus entschiedenen Polemik, die sich allerdings von den ultrainontanen Klopffechtereien himmelweit unterschied, fand freilich nicht überall Beifall. Brachte es doch der Zentrumsabgeord- nete Dr. Bell einmal fertig, Herrn Hackenberg vorzuwerfen, daß er einen sozialdemokratischen Redner wie seinen Lieblingssohn be- handelt habe. Herr Hackenberg war freilich nicht nur bei den bür- gerlichen Parteien überhaupt, sondern auch innerhalb seiner eigenen Fraktion ein weißer Rabe. Die Sozialdemokratie empfindet angesichts des überraschenden HinscheidenS des geistig so rüstigen Mannes nicht nur menschliches Mitgefühl, sondern sie bedauert auch aufrichtig das Ausscheiden eines so ritterlichen Kämpen aus der parlamentarischen Arena. Eine neue Reichstagsersatzwahl. In der vergangenen Nacht ist im Alter von 69 Jahren der Reichstagsabgeordnete v. Bonnin gestorben, der den Wahlkreis Neu- stettin seit 1893 im Abgeordnetenhaus und seit 1893 im Reichstag vertreten hat. Bei der letzten Wahl erhielt er 8746. der sozial- demokratische Kandidat 1419 und der Nationalliberale 2943 Stimmen. Kriegshetze und Riistnngsmanie. Die Alldeutschen und Leiter des neugcgründeten Wehrvereins scheinen die gespannte Lage, in die Europa durch den Balkankrieg geraten ist, für eine günstige Gelegenheit zu halten, eine rege Agitation für Heeres- und Flottenvermehrungen zu betreiben. Sie haben eine Anzahl von ausrangierten Offizieren auf die Agitation ausgeschickt, die als militärische Wanderapostel von einer Stadt zur anderen reisen und das schöne Evangelium von der segcns- reichen Wirkung vermehrter Rüstungen verkünden. Darunter be- findet sich der Generalleutnant v. W r o ch e m. Er reist zurzeit am Niederrhein umher. In Mülheim a. d. Ruhr, wo er am Sonnabend im„Deutschen W e h r v e r e i n" redete, trat er auf, als ob Deutschland bereits am Vorabend eines Krieges stände. Natürlich war es England, auf das er es abgesehen hatte; aber auch einem Kampfe mit Frankreich ist er nicht ab- geneigt. Nicht langer mehr dürfe sich, erklärte er, Deutschland der englischen Machtprobe unterwerfen. Frankreich habe wenigstens Grund, uns zu zürnen, da es sich seit 1879 in seiner Ehre verletzt fühle. Seit dieser Zeit beweise es auch eine Opferwilligkeit für die Stärkung des Heeres, die beispiellos dastehe. Es werde deshalb bestimmt früher oder später mit Frankreich zum Kampfe kommen. Aber auch aus Rußland weiß merkwürdigerweise der Herr General für Deutschland nichts Gute? zu melden. In Rußland sei, erzählte er. das Offizierkorps dem Panslawismus verfallen und der hasse Deutschland. Also habe Deutschland drei Groß- mächte gegen sich. Dazu sei Italien ein sehr unzuverlässiger Bundesgenosse und Oesterreich nicht imstande, uns Rußland bcm Halse zu schaffen. Der Herr Generalleutnant sieht also den politischen Horizont Deutschlands für äußerst bedrohlich umwölkt an. Diese Situation findet er aber keineswegs betrübend, denn eine lange Friedenszeit könneDeutschland nicht vertragen. „Die Welt", sagte er,„muß wissen, daß wir den Krieg zwar nicht wollen, aber auch nichtfürchten, der jeden Tag eintreten kait n." Den Gipfel der Generalsphilosophie aber erreichte der Herr Generalleutnant, als er meinte:„Der gerechte Krieg ist nicht ein Uebel, sondern ein großer Kultur- und Machtförderrr.(!) Der ewige Friede würde bald zur Entartung führeck." Schließlich ließ der Redner folgende Resolution annehmen, die dem Reichstage, dem Reichskanzler und dem Kriegsminister zugesandt werden soll: „1. Die bei der jüngsten Wehrvorlage bewilligten 196 Maschinengewchr-Kompagnien nicht allmählich in mehreren Jahren, sondern sofort jetzt aufzustellen. Es hat in der Armee starkes Befremden, im Volke lebhaste Unruhe erregt, daß dieses am 1. Oktober nicht geschehen ist; 2. dem Beispiel der Franzosen entsprechend die deutsche Kavallerie schon im Frieden in Divisionen zu gliedern und diese mit Infanterie mit Rädern oder Kraftwagen auszustatten; 3..den ungeheuren Bvrsprung. welchen Frankreich in der Friedenbespannung seiner sämtlichen Geschütze und Munitionswagcn vor uns hat, durch eine be- deutende Erhöhung des Pferdcbestandes bei unserer Feldartillerie einzuholen und auch für sämtliche deutschen Geschütze schon im Frieden die Bespannung zu schaffen. Vor allen Dingen verlangt das deutsche Volk, zu der Nötigen Mehrleistung bereit, daß zum Ausgleich des zahlenmäßigen Uebergewichts unserer mutmaßlichen Gegner alsbald im Deutschen Reich das Gesetz der allgemeinen Wehrpflicht zur vollen Durchführung kommt." Eine recht ansehnliche Agiiationsleistung. Fragen möchten wir nur den Herrn Geckeral v. Wrochem, woher er weiß, daß das Volk zu der nötigen Mehrleistung bereit ist. Gerade jener Teil des„Volkes", der dem Wehrverein nahesteht, hat es bisher immer meisterhaft verstanden, sich zu drücken, wenn es galt, dem Vater- lande finanzielle Opfer zu bringen. Jedenfalls sind die Wehr- vereine am allerletzten befugt, im Namen des deutschen Volkes zu sprechen. Vertagung des bayerischen Landtages. Der bayerische Landtag hat heute seine Session beendet. Der Minister des Jimern verlas die Botschaft, durch welche der Landtag bis auf weiteres vertagt wurde�_ Wieder ein christlicher Schwindel zertreten. Nach dem letzten Reichstagswahlkampfe wurde von den.Christen" im Kreise Essen geflissentlich die Lüge verbreitet, der dortige I Konsumverein„Eintracht" habe der sozialdemokratischen Partei in Essen 1899 M. zu Wahlzwecken zur Verfügung gestellt. Zweck der Hebung war, dem durch das Erstarken der„Eintracht" stark ins Hintertreffen geratenen„christlichen" Konsumverein„Wohlsahrt" Mit- glieder zuzutreiben. Obwohl die Behauptung vor dem Schöffen- aerichl in Essen als lügnerisch erwiesen wurde, kam dieses zur Frei« sprechung. Die Strafkammer als Berufungsinstanz verurteilte hin- gegen den Urheber des Schwindels zu 29 M. Geldstrafe. OelUmicb-CliigaMi. Parlamentscröffnung unter dem Schutze der Bajonette. Budapest, 39. Oktober. Abgeordnetenhaus. Für die heutige Sitzung des Abgeordnetenhauses waren von feiten der Quästur ent- sprechende Vorkehrungen getroffen worden. Um einer Ueber- rumpelung vorzubeugen, waren noch gestern abend Polizei- Mannschaften im Parlamentsgebäude untergebracht worden, die heute früh abgelöst wurden. In den frühen Morgenstunden nahmen Abteilungen von vier Jnfanterie-Regi- mentern vor dem Parlamentsgebäude Aufstellung, ferner 299 Schutzleute zu Fuß und 69 berittene Schutzleute. Die oppositionellen Abgeordneten versammelten sich um ,9 Uhr lm Klublokal der Justhpartei, von wo sie geschlossen vor das Abgeordnetenhaus zogen. Sie erschienen unter Führung der Abgeordneten Apponhi, Batthiany und des Grafen Michael Karolyi. Dcr Kommandant der Militär- abteilung, die den Eingang abgesperrt hieltz kommandierte: „Bajonett auf!" Es entspann sich ein kurzer Wortwechsel zwischen den Abgeordneten und dem Offizier. Aus der Menge von Neugierigen, die die Abgeordneten begleiteten, erschollen Rufe gegen die Soldaten:„Schämt Euch, Ihr seid ja auch Ungarn, Ihr seid ja unsere Brüder!" Man hörte auch Rufe:„Es lebe die Republik!" Schließlich entfernten sich die Abgeordneten vor 11 Uhr. Von den oppositionellen Abgeordneten betrat Graf Julius Andrassy als einziger das Haus. Um 19fh. Uhr eröffnete Präsident Graf Stephan Tisza die Sitzung. Die Regierungspartei und das Kabinett sind vollzählig erschienen. Snglanct. England und Deutschland. London, 23. Oktober.(Eig. Ber.) Der alte Lord Roberts verfällt in den Fehler so mancher Unglückspropheten, an deren Reden man sich allmählich gewöhnt, ohne eine Gänsehaut zu be- kommen, und die man eben aus Achtung vor ihrem Alter reden lassen muß. Seine letzte Rede hat wohl in Deutschland mehr Beachtung gefunden als in England. Der Versuch, die Furcht vor den angeblichen Plänen Deutschlands zur Förderung des Ge- dankens der allgemeinen Wehrpflicht auszunützen, beweist nur, daß all die schlagenden Argumente, die von den ersten Fachmännern gegen die Vorschläge der Militaristen angeführt worden sind, auf den alten General nicht den geringsten Eindruck gemacht haben. Das liegt sicher nicht an dcr Güte der Gründe. Die Alternative zu der Politik, die England von all den angedrohten Schrecken erlösen soll, wird heute sehr klar und deutlich in dem„Manchester Guardian" skizziert. Dieses fortschrittlichste und am kühlsten er- wägende Organ des englischen Liberalismus schreibt heute zu der Rede:«Je ernsthafter wir das Wachstum der deutschen Macht betrachten, um so größer sind die Gefahren, denen diejenigen Eng- länder, die den unvermeidlichen Krieg predigen, ihr Land aussetzen. Zwar schlägt auch Lord Roberts eine Versicherung gegen die Ge- fahren des Geredes vor, dem er selbst frönt. Aber wie würde uns die allgemeine Wehrpflicht für die Landesverteidigung helfen'! Wenn der Dienstzwang wirklich für den Zweck der Landes- Verteidigung ist, würde er an unserer Stärke nichts ausmachen, bis unsere Flotte besiegt wäre. Zu der Zeit würde cS für uns keine Hoffnung mehr geben. Und wenn andererseits das Hecr der allgemeinen Wehrpflicht für den Dienst im Auslande bestimmt wäre, würde es uns viel eher in einen Krieg verwickeln, als uns davor bewahren. Denn die verhältnismäßige Schwäche unseres Heeres und der insulare Charakter unseres militärischen Systemö sind die eine Bedingung, zu der man sich in unsere Vorherrschaft zur See fügt. Wir könnten nur eine kontinentale militärische Macht werden, indem wir unsere insularen Vorrechte verlieren und unsere Vor» Herrschaft zur Sc« gefährdeten. Als Versicherung gegen das Risiko des Krieges mit Deutschland sind Lord Roiberts Vorschläge aus diesen und anderen Gründen, die wir oft im einzelnen diskutiert haben, fast wertlos. Was bleibt uns nun übrig? Gewiß dürfen wir nicht fortfahren, wie jetzt vom Kriege zu reden und mit einem europäischen Allianzshstem gegen Deutschland zu kokettieren. Wir erkennen vollkommen die Gefahren dieser Politik. Wir würden ihr ein freimütiges Einvernehmen mit Deutschland über alle Punkte, wo sich unsere Interessen berühren, entgegenstellen. DaS ist zu einem weit geringeren Preise zu haben als dem, den wir jetzt für das Einvernehmen mit Rußland bezahlen, und es würde ungeheuer viel schwerer in die Wagschale fallen als irgend- etwas,-was unS Rußland geben kann. Die Rivalität zwischen England und Deutschland ist zu weit gegangen, als daß sie durch schöne Worte oder den Glauben an die guten Absichten des andern gemildert werden könnte.. Taten und nicht Worte sind notwendig und irgendeine Regierung, ob liberal oder konservativ, die so wenig Sinn für politische Realitäten besitzt, daß sie keine Grundlage für ein politisches Uebereinkommen mit Deutschland finden kann, ist des Vertrauens des Landes unwürdig." k�ußland. Die Dumawahlen. Petersburg, 39.Oktober.(W. T. B.) Heute würden die ReichSdumawahlen zweiten Grades in sämtlichen Gouvernements des europäischen Rußland beendet. Es sind S912 Wahlmänner gewählt worden. Davon sind 2542 Nationalisten, 139 ge» hören der gemäßigten Rechten an, 247 sind russische Nation«» listen, 68 unabhängige Nationalisten, 698 Oktobristen und Progres» sisten, 424 Kadetten und 343 Wilde. Die anderen politischen Gruppen sind nur schwach vertreten. Die Vertreter jeder dieser Gruppen stellen höchstens ein Prozent der Gesamtzahl der Wahl- männer dar. Die Rechte erzielte eine Majorität in 29 Gouver- ncmcnts, die Nationalisten und Oppositionellen hatten in je acht Gouvernements eine Majorität. In 15 Gouvernements hängt der Wahlausgang von den Oktobristen ab. In Sibirien, dem Kaukasus und in Polen gehört die Majorität wie früher den Oppositionsparteien, deren Vertreter in der Mehrzahl einheimische Nationalisten sind. China. Das Verhältnis zu Tibet. Peking, 29. Oktober. Hier ist ein Erlaß veröffentlicht worden, durch den der Dalai Lama in seine früheren Würden und Titel wieder eingesetzt wird. Das Amtsblatt erklärt, da« mongolische und tibetanische Bureau, das unter der Leitung des 5A>binetts sieht, fordere die notwendigen Mittel für die Entsendung von Agenten nach Tibet, die die Lage untersuchen und sich bemühen sollen, die Tibetaner zu überreden, in das Lehnsverhältnis zu China wieder einzutreten. Es wird vorgeschlagen, daß diese Agenten, die tibetanisch sprechen müssen, tibetanische Kleidung anlegen und von drei Seiten in Tibet einziehen sollen. Gcwerhrchaftlicbca. Gewerhfcbaftcn und Vereinsgcfetz. Eine große behördliche Aktion gegen verschiedene Sagancr Gewerkschaften wegen Einreichung der Statuten und des Mitgliederverzeichnisses ist im ersten Akt zugunsten der Arbeiter entschieden worden. Die beiden Polizeibcamten, die in der Sache vernommen wurden, sagten aus. über die Or- ganisation der Verbände in Sagan wüßten sie nichts, die Polizei habe sie als politische Vereine nicht angesehen. Es sei auch nicht wahrscheinlich, daß in den Gewerkschaften Politik betrieben werde, da politische Organisationen vor Händen seien, in den es den Gewerkschaftlern freistehe, Politik zu treiben. Diesen ganz vernünftigen Deduktionen setzte der Amtsanwalt entgegen, die Politik der GeWerk schaften bestehe darin, daß sie einen Druck auf die Unternehmer ausübten. Außerdem hätte die Polizei zu b e st i m m e n. ob die Gewerkschaften politische Vereine seien oder nicht. Dieser„Bestimmung" müßten die Vorstände nachkommen und deshalb die Statuten und das Mitglicderverzeichnis der Polizei ausliefern. An dieser amtsanwaltlichen Anschauung dürfte manches auszusetzen sein. Möglich, sogar wahrscheinlich ist es, daß es beim Entscheid erster Instanz nicht bleiben wird. Der Amts anwalt hat erklärt, er werde die Sache dem Staatsanwalt unterbreiten, ob nicht Berufung eingelegt werden solle. Und hierzu dürfte es voraussichtlich kommen, da hinter der großen Aktion anscheinend geheime und einflußreiche Kräfte wirken. Berlin und Umgegend. Tarifabschlüsse im Gastwirtsgewerbe Grost-Berlins. Trotz aller gegenteiligen Bestrebungen gewisser scharfmache rischer Kreise, kristallisiert im„I n t e r e s s e n v c r ba n d d er Gastwirte und verwandten Berufe E. V.", schreitet der Verband der Gastwirtsgehilfen mit seinem Bestreben auf tarif liche Festlegung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse von Erfolg zu Erfolg. Von den zahlreichen Tarifabschlüssen der letzten Wochen mit einzelnen Unternehmern seien als besonders erfreulich hervor- gehoben: Ein Vertrag mit dem Inhaber des Ausschanks der G s- uossenschafts-Brauerei in Friedrichshagen, Herrn Gastwirt Richard Büttner, Secstr. 22. welcher allerdings erst nach langwierigen Verhandlungen zustande kam. Nicht minder bedeutungsvoll ist ein Vertragsabschluß mit Hern Traiteur Ludwig Lob er, Berlin W., Unter den Linden 17/18, welcher für die be- teiligten 25 Kellner außer den üblichen Nebenabmachungen die Gewährung einer baren Entschädigung für die bisher in natura ge- währte Beköstigung brachte._ Deutscher Bauarbeitervcrband. Nach dem Bericht in Nr. 253 des„Vorwärts" über die Mitgliederversammlung unserer Organi- sation, die am Sonntag, den 27. Oktober, in Kellers Festsälen tagte, soll ich gesagt haben:„Eine Beitragserhöhung ist zunächst nicht bc- absichtigt." Und zwar soll dieser Ausspruch im Zusammenhang mit meinen Aussührungen über die Einführung der Erwerbsloseuunter- stützung im Bauarbeiterverband gefallen sein. Hierin muß sich der Berichterstatter geirrt haben. Ich habe vielmehr ausdrücklich hervorgehoben, daß der jetzige Beitrag zur Erhaltung der Kampfesfähigkeit unserer Organisation unbedingt notwendig sei. Wollen wir die in unserem Berufe sehr schwer ein- zuführende Arbeitslosenunterstützung durchführen, so sei hierzu eine Beitragserhöhung notwendig, die der Hauptvorstand mit 20 Pf. pro Woche berechne. Ich ging dann auf die Einzelheiten der in Berlin sich hierdurch notwendig machenden Beitragserhöhungen ein, die aus örtlichen Ursachen auf 30 bis 35 Pf. pro Woche berechnet tverden müßten und nannte ausdrücklich als künftige Beitrags- --klaffen 95 Pf., 110 Pf. und 125 Pf. als Höchstsatz. Dieser Satz werde wahrscheinlich nicht erreicht, jedoch wolle der Zweigvereins- vorstand später sich nicht den Vorwurf machen lassen, er hätte die Dinge zu rosig gemalt, um dadurch der Vorlage des Vorstandes zur Annahme zu verhelfen. Nur wenn die Mitglieder gewillt sind, auch diese neue Last auf sich zu nehmen, sei es möglich, die Erwerbslosenunterstützung durch- zuführen. Da die sehr stark besuchte Versammlung bei der Darlegung der zu erwartenden Beitragssätze zeitweise so unruhig wurde, daß ich am Weitersprechen verhindert war, ist es sehr erklärlich, wenn der Berichterstatter meine Ausführungen falsch aufgefaßt hat. Es liegt aber im Interesse der ganzen Sache, dies richtigzustellen, um in den Lesern aus unseren Mitgliederkreiscn kein falsches Bild hervorzurufen. Otto Hanke. Streik der Mcssingputzer der Firma Carl Legel. Die Firma Carl Legel scheint von der Absicht abgekommen zu sein, von ihren Lehrlingen die Arbeit der streikenden Messingputzer verrichten zu lassen. Sie hat sich aber an einen der sauberen Streikbrecher- agenten gewandt, der dann auch mit einem Trupp Bassermannscher Gestalten ins Feld rückte. Daß diese die Firma Legel, soweit Messingputzavbeit in Frage kommt, nicht aus der Patsche reißen, ist wohl hinlänglich bekannt. Den Herren Arbeitswilligen ist es ja in der Hauptsache darum zu tun, in Streikfällen mühelos Geld zu verdienen, im übrigen aber der Arbeit soweit wie möglich aus dem Wege zu gehen. Wer Gelegenheit hatte, diese Herren bei der Arbeit heute zu beobachten,-wird das Vorhergcsagte bestätigt ge- sunden haben. Aber selbst diesen„nützlichen" Elementen scheint man nicht recht zu trauen, da man sie doppelt und dreifach beauf- sichtitzt. Hier wie so oft zeigt es sich aber, daß man für die Arbeits- willigen väterlich besorgt ist. Ihren ständigen, gut eingearbeiteten und anständigen Arbeitern verweigert die Firma Legel den ge- forderten Tariflohn, der wie schon gestern berichtet, von allen anderen Unternehmern Berlins anstandslos gezahlt wird. Jenen Elementen zahlt man aber weit über den Tariflohn. Wie uns gemeldet, sollen die Arbeitswilligen je 7,50 M. und der Streikbrecher- '�tzent 10 M. pro Tag erhalten. Wundern muß man sich nur, daß die Kundschaft der Firma Legel, die durchweg als bessere bc- zeichnet werden muß, es sich gefallen läßt, wenn derartige Baffer- mannsche Gestalten ihre Schaufenster verunzieren, selbst der gestern von uns benannte� Kolonnenführer Müller schämte sich, mit den Arbeitswilligen zusammen zu arbeiten. Wenn die Finna Legel aber glaubt, die streikenden mutlos zu machen, so strrt sie sich ganz gewaltig. In den Reihen der letzteren herrscht musterhafte Ordnung und jie stnr gewillt, in Ruhe der weiteren Entwickelung der Dinge zuzusehen,-lach wie vor wird gebeten, strengste Solidarität zu üben und Zuzug fernzuhalten. Deutscher Transportarbeitervcrband. Bezirk Groß-Bcrlin. Ter Streik der Vergolder mit Erfolg beendet! Nach einer Dauer von drei Wochen ist der Streik der Vergoldcr rn.t Erfolg beendet worden In einer Branchenversammlung, die am DieiiStagabend in der„Alhambra" stattfand, leqkd Westphal die Ergebnisse der Bewegung vor. Die Unternehmer baben in der Frage der Arbeitszeit von 50 Stunden pro Woche nachacben müssen Trotzdem der Arbeitgebetschutzverband für das Holzgewerbe es als Sachs des Prinzips erklarte, nicht unter 51 Stunden als Arbeitszeit zuzugestehen. Die Unternehmer haben nach manchen schwierigen Verhandlungen den Spezialtarif anerkannt und in einzelnen Betrieben sind Lohnerhöhungen und anders Ver- besserilngen durchgeietzt worden. In der Frage der Ablaufsdauer des Tarifs haben die Arbeiter nachgeben müssen: sie forderten die Dauer bis zum Februar 1916, während der abgeschlossene Tarif bis zum 15. Februar 1917 gilt. � An der Bewegung waren etwa 400 Personen beteiligt, die sämtlich wieder eingestellt wurden Bei dem Abschluß des Vertrages auf dem Gewerbegericht wurde den Vertretern der Arbeiter die Verpflichtung auferlegt, dafür zu sorgen daß die Arbeit in vollem Umfange wieder aufgenommen wird. Diese Verpflichtung übernahmen die Verbandsvertreter, forderten aber, daß aus Anlaß des Streiks keinerlei Maßregelungen stattfinden dürften, was von den Vertretern der Unternehmer zugestanden wurde. Die Ver- kürzung der Arbeitszeit scheint bei den Unternehmern besonders schwer empfunden zu werden, und manche versuchen sich dadurch schadlos zu halten, daß sie auf die Ausfüllung jeder Minute achten und auch die bisher bewilligte Waschzeit fortfallen lassen. Das letztere bezeichnete der Branchenlciter als nicht zulässig und forderte dazn auf, an der Waschzeit wie bisher festzuhalten, denn nach dem Vertrag bleiben alle günstigeren Arbeitsbedingungen in Geltung, Pflicht aller Arbeiter sei es, an den Bestimmungen des Tarifs streng festzuhalten und auch dafür zu sorgen, daß die tarifliche Regelung aus alle Betriebe ausgedehnt werde, die bisher noch nicht davon erfaßt werden konnten!_ Kutscherstreik. Die Rollkutscher bei bei Speditionsfirma A. Kinkel, Hamburger Jnnenbahnhof, Jnvalidenstraße 51, haben am Dienstag einmütig die Arbeit niedergelegt. Anlaß zur Arbeits- niedcrlegung war die Entlassung eines Kutschers, der bereits über 4 Jahre im Betriebe der Firma tätig war und als Bctricbsvcr- traucnsmallu fungierte. Nach Ansicht der Kutscher ist die Entlassung zu unrecht erfolgt, sie sehen darin eine Maßregelung ihres Per- trauensmannes. Da auf die Vorstellung der Kutscher die Firma auf eine Zurückuahme der Entlassung nicht einging, legten die Leute die Arbeit nieder. Als darauf ein Vertreter des Transport arbeitcrverbandcS bei der Firma zu vermitteln suchte, Ichiitc die selbe jegliche Verhandlung ab. Die Firma sucht durch Annoncen in bürgerlichen Blättern und durch Säulenanschlägc unorganisierte Kutscher als Arbeitswillige. Die Kutscher Berlins werden ersucht, Solidarität zu üben. Deutscher Transportarbeitervcrband versuchten, ihre Kollegen zu befreien. AkS die Polfzeimemnfchasten Miene machten, gegen die Streikenden vorzugehen, fiel plötzlich aus deren Reihen ein Revolverschutz. Dies war das Signal zu einem regelrechten Feuergefccht. lieber 100 Schüsse wurden hin und her gewechselt. Ein Arbeiter wurde durch einen Schuß in die Brust sofort getötet, mehrere andere wurden schwer verletzt, doel) hofft nian, die Verletzten sämtlich am Leben zu erhalten. Auf feiten der Aus- ständigen müssen zahlreiche verwundet worden sein, denn der Platz, auf dem sie standen, weist mehrere Blutlachen auf. Die Polizei nahm bei dem Handgemenge noch 20 weitere Verhaftungen vor. Doch haben die Streikenden ihre verwundeten Kollegen vom Kamps- platz mit fortgeschleppt, um sie einer Verhaftung zu entziehen. 'Nach anderen Mitteilungen ist die Ursache der Vorkommnisse ein Streik unter den Arbeitern am Rhonckanal in Estaquc. Auch diese Mitteilungen bestätigen, daß einer der Streikenden das Leben bei dem Gemetzel einbüßte. veutkcbes Reich. Wahlen zur Angestelltenvcrsicherung. In M a n nch e i m erzielte die Freie Vereinigung einen schönen Achtungserfolg. Sie erzielte 909 Stimmen, während es der Haupt- ausschuß auf 1468 Stimmen brachte. Die Verbände, die sich letzte- rem anschlössen, beteiligten sich getrennt an der Wahl. Die Freie Vereinigung erhielt 2 Vertrauensleute und 3 Ersatzmänner, der Hauptausschuß 9 Vertrauens- und 5 Ersatzleute. An der Wahl beteiligt haben sich 30 Proz. der Wahlberechtigten. In Augsburg entfielen auf die Liste des Hauptausfchusses (Deutschnationaler Verband und weitere 14 Vereine) 1078 Stimmen, auf die Liste der Freien Vereinigung und der damit verbundenen Liste des Vereins deutscher Kaufleute 511 Stimmen. Der Haupt ausschuß erhält 2 Vertreter und 4 Ersatzmänner, die Gegner des Hauptausfchusses 1 Vertreter und 2 Ersatzmänner. Das Resultat ist für die Freie Vereinigung sehr erfreulich, wenn man bedenkt, daß gerade in Augsburg jeder freiheitlich denkende Beamte in der rücksichtslosesten Weise bekämpft wird. In Nordhausen übten von 913 Wahlberechtigten 521 ihr Wahlrecht aus. Wie nicht anders zu erwarten war bei dem in den Angestelltcnkrcisen Nordhausens vorherrschenden kleinbürgerlichen Geiste, siegten die bürgerlichen Verbände. Die Freie Vereinigung konnte nur 43 Stimmen auf ihre Liste vereinigen. Die Deutsch- nationalen, der Leipziger Verband, der 53er Verband, eine vereinigte Liste des Deutschen Technikerverbanides, die Werkmeister und der Deutsche Bureaubeamteuverband erhielten je einen Vertrauens- mann und einen Ersatzmann. Zu den Wahlen für den Stadtkreis Krefeld erschienen von 3300 Wahlberechtigten 1772 oder etwa 63 Proz. zur Wahl, darunter 430 weibliche Angestellte. Auf die sämtlichen Listen des Hauptaus- schusses entfielen 1480 Stimmen, während die Liste der Freien Vereinigung 287 Stimmen auf sich vereinigte. Auf die Liste der Freien Vereiliigung entfiel ein erster und ein zweiter Ersatzmann, die verbundenen Listen des Hauptausschusses erhielten 4 Vertrauensmänner und 6 Ersatzmänner. In Eisenberg erhielt die Liste des Hauptausschnsses 177 Stimmen, die der Freien Vereinigung 36; die Freie Vereinigung erhält einen Ersatzmann. In A r n st a d t i. T h. erhielt der Hauptausschuß 229, die Freie Vereinigung 87 und eine Liste der Grubcnbeamten 42 Stimmen; die Freie Vereinigung hat einen VertraucnSnurnn und einen Ersatz- mann zu stellen._ Der Tcppichweberstreik in O e l s n i tz i. V. bei der Firma o ch u. d e K o ck ist beendet. Der Firmeninhaber und die Kam Mission der Streikenden haben sich dahin geeinigt, daß die Arbeit wieder aufgenommen wird. Es wird ein Arbeiterausschuß gewählt, mit dem Herr Koch sofort in Verhandlung tritt, um über die strittigen Punkte eine Verständigung herbeizufiihren. Von 278 Ehcnillewcbern stimmten 237 dieser vorläufigen Verständigung zu. Die Arbeit ist wieder aufgenommen. Die gelben Gewerkschaften. Wie die„Arbeiterbewegung", das neueste Organ der gelben Organisationen mitteilt, sollen diese zurzeit ruiid 175 000 Mitglieder in mehr als 500 gelben Vereinen zählen. Diese Bereine sind zu acht Verbänden zusammengeschlossen, die auf je 5600 Mitglieder einen Vertreter in den sogenannten Hauptausschuß, der die Führung der gesamten gelben Bewegung in der Hand hat, entsenden. Zum„Hauptausschuß" gehören zurzeit 1. Der Bund deutscher Wcrkvereine. 2. Der Bund vaterländischer Arbeitervereine. 3. Der Verband der vaterländischen Arbeitervereine des Herzogtums Alten- bucg. 4. Deutsches Arbeiterkartell.Unterelbe". 5. Der Zentral- verband seemännischer Berufsvereine. 6. Der Bund der Bäcker (Konditoren-) Gesellen Deutschlands. 7. Der deutschnationale Fleischer gesellenbund. 8. Der Bund der Handwerker der kaiserl. kgl. techn. Institute Deutschlands. Wenn auch die angegebenen Zahlen stark übertrieben sein werden, so ist doch der gelben Bewegung Beachtung zu schenken. Nicht, weil diese Organisation der Schmierlappen und Angsthasen den frei- gewerkschafllichen Verbänden gefährlich werden könnte, immerhin aber ist nicht aus den Augen zu lassen, daß die ehemaligen unorganisierleu Streikbrecher jetzt als solche organisiert auftreten. Gcfährlicki werden für die Arbeiter die gelben Organisationen, sobald sie sich brüderlich mit den christlichen Gewerkschaften, mit denen sie ja sehr'nahe verwandt sind, zusammenfinden, wie sich das beim Bergarbeiterstreik gezeigt hat. Die freien Verbände tun also gut, die gelbe Bewegung unter Kontrolle zu halten und im Kampfe gegen sie nicht zu erlahmen. Nebenbei wollen wir mitteilen, daß das genanarte Organ der Gelben,„Die Arbeiterbewegung", ein kleines, inhaltsarmes wie geistloses gelbes Produkt ist, aber den Unternehmern für einen Abonnementspreis von 5 M. vierteljährlich' angeboten wird. Dabei erscheint das Blättchen wöchentlich nur zweimal. Wir sehen, die Gelben'stellen an ihre Geldgeber, die Unternehmer, nicht geringe Ansprüche. Das Organ ist nach seinem Inhalt und Umfang.zu rechnen, selbst unter Brüdern gerechnet, jährlich keine 50 Pf wert. Hustond. Straßenschlacht in Marseille. Unter dieser Ueberschrift berichtet die P r e ß- C c n t r a l e mit dem Datum vom 30. Oktober: Zu einer förmlichen Straßcnschlacht kam es gestern zwischen der Polizei und ausständigen Werft- arbeitern. Seit einigen Tagen befinden sich die Arbeiter der Werften von Chagniaud wegen Lohndifferenzen im Streik. Gestern versuchten mehrere Ausständige„die Streikbrecher' tätlich anzu- greifen, und es kam daraufhin zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen beiden Parteien, �cr Polizei gelang es aber, die Kämpfen- den ausciiianderzutreiben und mehrere Verhaftungcu vorzunehme». Jetzt zog der ganze Trupp der Ausständigen, � ungefähr 400 Manu, vor das Polizeigebäude, wo die Verhafteten interniert waren, und ver Kalßanßrleg. Ein türkischer Ueberfall. R j e k a, 30. Oktober. Unweit von Barbanjolt, östlich von Stutari, unternahmen gestern die Türken einen N c b c r- fall auf montenegrinische Truppen, die Aus- klärungsdicnst versahen. Eine grössere Abteilung von Weiss- t ü r k e n, die zwar serbischer Zunge, doch Anhänger des Islam sind, gab durch mehrere weiße Fahnen ihre Bereitwilligkeit zu Unterhandlungen kund, worauf ein starker Trupp von Monte- »egrinern vorging. In einer Entfernung von dreißig Schritt gaben die Weisstürken unvermittelt eine Salve ab. Vierzig Montenegriner wurden getötet, mehrere hundert verwundet. Das Feuer der Angreifenden wurde sofort erwidert. Die WcihtLrkrn, die grosse Verluste erlitten, wurden zersprengt. Rjcka, 20. Oktober. Bei dem Zwischenfall von Bardanjolt stan- den Zwei montenegrinische Bataillone der Division Niksyc dem Feind gegenüber. Tie� Verluste der Montenegriner sollen 30 0 Mann an Toten und Verwundeten betragen. Die Türken wurden umzingelt und bis auf den letzten Mann niedergc- macht. Die Verwundeten wurden zum Teil dem Spital in Eetinjc zur Pflege übergeben. Türkische Tendenznachrichten. Konstantinopel, 30. Oktober. Eine amtliche Depesche des Kriegsministers von gestern meldet, daß seit Mittag die Armee in eine Schlacht verwickelt sei. Die Armee zeige Widerstandskraft und Entschlossenheit, was beweise, daß der die Truppen beseelende Geist ausgezeichnet sei. Eine zweite Depesche des Kriegsministers von gestern meldet, daß die mittags begonnene Schlacht mit Heftigkeit fortgesetzt werde. Die Schlacht entwickele sich für die türkischen Truppen sehr günstig, die im Vorrücken bc- griffen seien. Ter Kriegsminister drückte die Hoffnung aus, daß die türkischen Armeekorps mit Gottes Hilfe die Schlacht gewinnen werden. Türkische Siegesmeldung. Frankfurt a. M., 30. Oktober. Die„Frankfurter Zeitung" meldet aus Konstantinopel von 1 Uhr 20 Minuten nachmittags, daß der rechte Flügel der türkischen Armee unter Mahmud Mukhtar Pascha, wie nach Koiistantinopcl berichtet wurde, nach zwölf- stündigem Kampfe am Abend dir Vulgaren unter starken Verlusten zurückgeschlagen hätte. Freigabe der Dardanellen? London, 30. Oktober.(W. T. B.) Nach einer Lloydmeldung aus Konstantinopel zieht die türkische Regierung die Entfernung der Minen aus den Tardanellen in Erwägung. Tic Situation am Tarabosch. � Cetinje, 30. Oktober.(P. C.) Die unter dem Kom- mando des Generals Jurowitsch stehende Division hat gestern von Oblika aus ein Vorwerk deS Tarabosch gestürmt und den Türken grosse Verluste beigebracht. Gestern wurde auch das Bombardement von Udica fortgesetzt. Die Um- zingclung des Tarabosch und Skutaris wird immer erdrückender und der Widerstand der Türken immer unmöglicher. Türkische Ausfälle aus Adrianopel. Stara Zagora, 30. Oktober.(P. C.) Im Verlauf des heutigen Tages unternahmen die in Adrianopel cingeschlossciicn türkischen Truppen mehrere Ausfälle nach verschiedenen Richtungen, wurden jedoch immer zurückgeschlagen. Letzt* ftachricbtcn. Bnrgermeisterwahl in Charlottenburg. Zum zweiten Bürgermeister ist heute Magistratssyndikus Dr. M a i e r- Charlottcnburg mit 66 von 67 abgegebenen gültigen Stimmen gewählt worden. Keine Beschränkung der Fleischausfuhr aus Rußland. Frankfurt a. M., 30. Oktober.(P. C.) Dem Agenten de» kaiserlich russischen Handels- und Jndustrieniinistcriums für Süd- West- und Süddcutschland in Frankfurt a. Rl. ist ein Telegramm von dem Direktor des kaiserlich russischen Handclsdepartcments zu- gegangen, nach dem die im Auslande verbreiteten Gerüchte über ein angebliches Verbot oder eine Einschränkung der Flcischausfuhr aus Rußland jeder Begründung entbehre. Eine Amnestie. München, 30. Oktober.(W. T. B.) Der Prinzregent begna- digte aus Anlaß seines Nameiisfcstcs eine Anzahl von zurzeit ihre Strafe verbüßenden Verurteilten. Die Begnadigten� werden am 31. Oktober entlassen. Unter ihnen befinden sich zwei Gefangene. die zum Tode verurteilt und dann zu lebenslänglicher Zuchthaus- strafe begnadigt worden waren. Brandkatastrophe in Texas. New Aork, 30. Oktober.(P. C.) Durch eine riesige Feuers- brunst ist das römisch-katholische St. Johns Waisenhaus in San Antonio lTcxas) vollständig zerstört lvorden. Fünf Schwestern, die in. das brennende Gebäude drangen, um die noch in demselben bc- findlichcn Kinder z» retten, sind verbrannt, unter ihnen die Vor- steherin des Waisenhauses Mary Rossitcr. Eine Schtvcstcr namens Kildare wurde von der Feuerwehr noch lebend aus dem Gebäude bcrausgcholt, doch hatte sie bereits tödliche Brandwunden erlitten. Das Waisenhaus selbst ist bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Die Kinder tonnten sämtlich gerettet werden. Unruhen auf San Domingo. Wastzington, 30. Oktober.(W. T. B.) Angesichts der zuiichmeu- den Unordnung auf«an-ronungo und der verzweifelten Strassen- tämpfc in den äusseren Strasscnvicrteln von Puerto Plata, wobei Leben und Eigentum aincrikanischer Bürger gefährdet sind, hat das Marinedeparteiiieiit angeordnet, daß sofort zwei Kriegsschiffe dorthin abgehen sollten. Bevantw. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw.: Zh. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag.'Vorwärts Buchdr.u Verlagsanstalt iß«ml Singer.V Co., Berlin LW. Hierzu 3 Beilagen u. UntcrhaltungsbU |Ir. 255. 29. Jahrgang. 1. Mm Ks Jotirtilf fttlintt Bollislilült. Donnerstag, 31 Oktober 1912. Der Berliner NalMampi. Die pmatangertclltcn und die Sozialdemokratie. Eine Versammlung mit diesem Thema hatten die Parteigenossen de» ersten Wahlkreises zum Zweck der Wahlagitation unler den Privatangestalten am Dienstag nach Dräsels Saal in der Neuen Friedrichstraße einberufen. Der sehr gute Besuch der Versammlung gab Kunde von dem lebhaften Interesse, welches der Wahlkampf im ersten Kreise hervorruft. Als Referent fungierte Julian Borchardt. Er betonte, daß es sich im Wahlkampf nichl um die Person des Kandidaten handelt, sondern um die politischen Grund» anichauungen, welche auf der einen Seite die Fortschriltliche Volks» Partei, auf der anderen Seite die Sozialdemokratie vertritt. Dann legte der Redner dar, daß sich die Fortschrittliche Volksparlei zu den staatserhaltenden Parteien rechnet und daß sie von den Privat- angestellten erwartet, sie, als gebildete Männer könnten sich doch nicht auf die Seite der Sozialdemokratie stellen. Der Redner zeigte nun, wie der Staat beschaffen ist, den die Fortschrittliche Volkspartei erhalten will. Es ist der kapitalistische Staat, in welchem mehr als die Hälfte der Einwohner ein Einkommen von weniger als WO Mark haben und 94 Prozent Einkommen von weniger als SlXX) M. jährlich haben, während sich der Reichtum in wenigen Händen anhäuft. Auch die Privatangestellten gehören zum weitaus größten Teil zu denen, deren Einkommen nicht aus- reicht, um den notwendigen Lebensunterhalt zu bestreiten. Wenn man fragt, ob-in gebildeter Mann sich der Sozialdemokratie an- schließen kann, so muß man auch fragen, ob ein gebildeter Mann für die Erhaltung eines solchen Staates sich entscheiden kann. Vor dem Zukunftsstaar, den die Sozialdemokratie.machen" will, sucht man die Privatangestellten bange zu inachen. Kann denn ein ge« bildeter Mann annehmen, daß die Entwickelung bei den Verhält- nissen, die wir heute haben, stehen bleibt? Die EntWickelung geht ihren Gang. Sie wird gegenwärtig durch die großen Geldmänner und Finanzmächte beeinflußt. Unter der Herrschaft dieser Mächte geht die Entwickelung dahin, daß Kapital auf Kapital, Profit auf Profit, Zins auf Zins gehäuft wird, und die soziale Folge dieser Kapitalsanhäufung in immer wenige Händen ist die, daß die Zahl der selbständigen Existenzen abnimmt, während sich die Zahl der wirtschaftlich Abhängigen ver- mehrt. So kommen ivir zu einer vollständigen Vernichtung der freien Persönlichkeit. Die größte Zahl der Privatangestellten sind bereits ebenso abhängig wie die Arbeiter. Wenn die Entwickelung in dieser Weise weiter geht, dann kommen wir zu den grauenhasten sozialen Konsequenzen des kapitalistischen Zukunftsstaatess. Es fragt sich, was wir tun können, um diese schauderhaften Konsequenzen zu vermeiden und die Rechte der freien Persönlichkeit zu erhalte». Da gibt es nur eine Antwort: Wir müssen d'ie wirtschaftliche» Vorteile dieser Entwickelung beibehalten, aber ihre sozialen Konsequenzen vermeiden, und dazu gibt es nnr ein Mittel: die Enteignung der Kapitalisten im Interesse der Gesamtheit. Das ist das große Ziel der Sozialdemokratie, die durch die kapitalistische Entwickelung ver- koren gegangene Freiheit der Persönlichkeit zu retten und wieder zu gewinnen. In diesem großen Kampf müßte sich jeder Gebildete aus die Seite der Sozialdemokratie stelle». Denselben Gedankengang vertrat Genosse D ü w e I l. Unter anderem zeigte er, daß die Privalangestelllen, die früher Vertrauens» leute der Unternehmer waien, heute in ihrtt übergroßen Mehrzahl nichts anderes sind als Arbeiter, die meistens nicht besser bezahlt. aber schlechter behandelt werde» wie die industriellen Arbeiter. Auch die Angestellten werden, wenn sie ihre Kräfte im Dienste des Unter» nehmers verbraucht haben, einfach auf die Straße gesetzt. Die Aus- Übung des Koalitionsrechts wird ihnen untersagt. Die Fabrikanten und Bankdirekloren, welche den Angestellten das Koalitionsre cht ver- sagen, sind Anhänger des Freisinns. Die Konkurrenzklausel, diese Fessel für die Handelsangestellte», hält die Freisinnige Volkspartei für notwendig. Der Vertreter der Fortschrittlichen Volkspartei aus dem Handwerkskammertag hat den dort angenommenen reaktionären Forderungen ausdrücklich zugestimmt. Die Gesetzes- bestimmung, welche die Arbeitgeber verpflichtet, das Einkommen der Arbeiter und Angestellten, soweit es 8000 M. nicht übersteigt, Kleines feuilleton» Was Konstantinopel vom Kriege hört. Aus Konstantinopel wird UNS geschrieben: Ja, ihr in Konstantinopel, ihr habt jetzt immer die neuesten Meldungen über die Kriegslage auS erster Hand. Ihr seid nun am nächsten dabei 1� So klingts aus den Briefen der Freunde, die das ernste Waffenspiel aus weiterer Ferne betrachten. O ja, wir sind am nächsten dabei I Und jeden Morgen, ehe wir an die Tagesarbeit gehen, bringt uns unser kleiner Türkenjunge, der natürlich selbst nicht einen Buchstaben lesen kann, den.Osmanischen Llohd". Und wir lesen von den neuen Siegen und Märschen ins Feindesland hinein. Und bald nach Mittag kaufen wir uns auf der Straße den„Stamboul", der die französischen Interessen mit derselbe» Lebhaftigkeit vertritt, wie der.Llohd" die deutschen. Oder wir kaufen den englischen.Levant Herald" oder den französisch ge- schriebenen, aber griechisch gesonnenen„Moniteur oriental". Wer's lesen kann, nimmt auch tvohl den„TachhdromoS" oder den„Amero- liptos", eins der meistgelesenen griechischen Blätter. Seltener sieht man einen Europäer, der die türkische» Schriftzeichen zu entziffern vermag. So bilden ,wir uns den» auf Grund der Zeitungslektüre, die hier sehr billig ist(eine Zeitung kostet immer 1(3 Para gleich B Centimes), unsere„Ansicht" über den Verlaus deS Krieges. Dann aber lommt dreimal wöchentlich der rumänische Dampfer hier an, unsere einzige schnelle Verbindung mit Europa: und kaum liegt er am Kai, so springen schon die Abgesandten der fremd- ländiichen Postanftalten an Bord und eilen, mit großen Postsäcken beladen, zu den Postaustalten. Tann bekommen wir auch die europäischen Zeitungen und lese» nun zu unserem größten Erstaune». daß die anderen Staaten— nein, wirklich? Die haben auch von Siegen zu melden? Die Türken sind nicht Sieger auf der ganzen Lüne? Sie sind noch nicht aus den Straßen Bulgariens? Ah so I Und ivir lernen, daß wir unsere hiesigen Zeitungen mit etwas kritischen Mienen, mit ein klein wenig Skepsis und Vorsicht lesen müsten. ES läßt sich nicht leugnen: die Türken haben von Anfang an mit einem Angriffskrieg gerechnet. Sie haben an einen schnellen Spaziergang nach Sofia geglaubt, lind da setzen die türkischen Zeitungen ein und berichten vom ersten Tage an und dann ftistemolisch weiter vom Vormarsch der Türken. Und nnr Siege gab es. Wenn all- Waffenerfolge, von denen die türkischen Blätter schon berichtet baben, wenn alle gefangenen und gefallenen Bulgaren, Serben. Montenegriner, wen» alle eroberten Geschütze, Munitions- listen, Gewehre usw. zusammengezählt würden, die� Feinde hätten nach wenigen Kriegstagen schon nicht mehr viel übrig behalten. Und wie ein nach jeder Strophe wiederkehrender Refrain stand unweigerlich am Ende jeder Notiz über ein Zusammentreffen der Heere' der Satz: Der Feind wurde vollständig geschlagen und mußte die Flucht ergreifen. Aber eines Morgens steht im Morgenblatt die dickgedruckte Ueberschrift: Die Kämpfe um Adrianopel. Adrianopel? Nicht Pbilippopel? Nein nicht Philippopel I Adrianopel ist aber doch türkisches Gebiet, gar nicht iveir von Konstantinopel! Ganz richtig! Hätten Ivir nur besser verstanden, die Zeitungen zu lesen. wie man sie in Krieaszeiten lesen muß, dann wären wir nicht gar so überrascht. der Steuerbehörde anzugeben, damit die niedrigsten Einkommen bis zum letzten Pfennig versteuert werden können, während die Leute mit höheren Einkommen einer solchen Kontrolle entzogen sind, ver- danken wir den, Freisinn. Immer war der Freisinn dabei, wenn es galt, reaktionäre Taten zu verrichten. Deshalb kann niemand, der für Freiheit und Fortschritt ist, der fortschrittlichen Volkspartei seine Stimme geben. Die Ausführungen der Redner fanden allseitigen Beifall. Ein Ingenieur erklärte in der Diskussion, er sei kein Sozialdemokrat, aber den Ausführungen Borchardts über die wirtschaftliche Eni- Wickelung stinime er zu, er ersuche auch alle Privatangestellten, dem sozialdemokatischen Kandidaten Düwcll ihre Stimme zu geben. * Die Partei der zweideutigen Politik 1 Der Freisinn, als die ausgesprochene Vertretung des Börsen-, Bank- und Handelskapitals, sucht aller Welt Sand in die Augen zu streuen. Er spielt sich auf als Dulder des KoalitionS- und Streik- rechts und gibt seinen Segen dazu, daß die freistimigen Fw brikanten und Bankdirektoren das Koalitionsrecht mit Füßen treten. Durch seinen Hansabund und die ihm ergebenen Handelskammern fordert er sogar verschärsten Schutz sür streikbrecherische Hintzebrüder. Die tollste Komödie spielt er in der Frage der Lebensmittelzölle. Den schutzzollbegeisterten Bauern gibt er sich als Anhänger der Schutz' zöllnerei, die Konsumenten dagegen sollen glauben, er kämpfe nach wie vor gegen Lebensmittelverteuerung. In Wirklichkeit treibt er mit dieser doppelgesichtigen Politik Stimmen- und Wählerfang. Auf diesen zweideutigen Wegen hat er sich bei dem Wahlkampfe in Berlin I ertappen lassen und steht nun vor der ganzen Welt als politischer Heuchler, der nirgends Vertrauen verdient. Wie unwahr sein Ber> halten in der Frage der Lebensmittelzölle ist, das hat der Abgeordnete Wiemer in der schon gestern glossierten Verteidigung des Mann heimer EchaukelspieleS wider Willen gezeigt. Entrüstet be- hauptet er, der Fortschritt sei nicht zur agrarischen Schutzzollpolitik abgeschwenkt. Kurz vorher aber setzte er auseinander, daß die Bildung einer Agrarkommission notwendig sei, um über„die als schädlich zu erachtenden Wirkungen der Getreidezölle in den einzelnen Landesteilen und nach der Größe des landwirtschoftlichen Besitze« Erhebungen zu veranstalten und das Ergebnis bei den Vorarbeiten für das geplante ausführliche Agrarprogramm zu verwerten". Bisher hatte der Freisinn sich als unentwegter Freihändler gegeben. Nun auf einmal hält er es erst noch für notwendig, eine Agrarkommission zu bilden, die die Wirkungen der Getreidezölle untersuchen soll. Demnach hat der Freisinn bis'dahin in unverantwortlicher, leichtfertiger Weise den Freihandel propagiert, um gegen die Agrarier Hetzen zu können, oder aber, die Einsetzung der Agrarkommission ist eine freche Komödie zu dem Zwecke, die Bauern für den in der Stadt allen Vertrauens baren Freisinn als Wähler einzufangen. Dem Freisinn mit der Politik der Zwei deutigkeiten muß ganz eindeutig der Stuhl vor die Tür gesetzt werden. Die Teuerung. wir Agrarische Angebote. Vom Nachrichtenamt des Magistrats Berlin erhalten folgende Zuschrift: „Die„Deutsche Tageszeitung" verbreitet sich in ihren Ausgaben vom Montag, den 28. d. M. abends und Dienstag, den 29. d. M. morgens eingehend über Verhandlungen, welche zwischen dem pommerschen ViehverwertungSverband und der Stadt Berlin über die Lieferung von Schweinen angeknüpft sein sollen. Dem gegen- über muß zunächst festgestellt werden, daß Verhandlungen überhaupt nicht stattgefunden haben, sondern daß dem Magistrat lediglich ein Angebot des Verbandes vorliegt. Dieses Angebot wird man für die Stadt als zu ernsthafter Erwägung geeignet nicht bezeichnen können. Der Verband bietet nämlich der Stadt Berlin tvöchentlich Die Ursachen des Kropfes. Es ist eine alte Volksanichauung, daß das Auftreten der Kropfkrankheit, die in manchen Gegenden, z. B. Steiermark, epidemisch ist, mit dem Trinkwasser zusammen- hängt. Man hat deshalb das Wasser jener Landstriche auf seine chemische Zusammensetzung untersucht, um Anhaltspunkte dafür zu gewinnen, ob die kropfige Entaitnng der Schilddrüse durch einen Mangel eines wesentlichen Wasserbestandteiles verursacht wird. Neuerdings aber macht sich mehr die Anschauung geltend, daß man es hier mit einer durch einen Mikroorganisinus hervorgerufenen Infektionskrankheit zu tun hat. Djeser soll seinerseits in gewissen Beziehungen zu den in jenen Gegenden vorkommenden Gesteinsarten stehen, so daß in der Tat auch die geologische Beschaffen- heil des Bodens, die man bisher in letzter Linie für das Ent-, stehen des Kropfes verantwortlich machte, einen Einfluß ausübt. Daß es sich aber um eine Infektion handelt, machen die Unter- suchnngen der Erlanger Professoren Schiiten Helm und Weichardt in den Kropsgegendcn Bayerns wahrscheinlich. Die Forscher haben zwar nicht den Bazillus der Kropfkrankheit entdeckt, allein es gelang ihnen, nachzuweisen, daß mit Kcopswasser be- handelte Tiere in ihrem Blutserum Antikörper bildeten, die die von der Wasiermannschen Reaklioii bekannte Konyxementableitkniig zeigten. Diese Erscheinung weist auf eine organische Ursache hin, sei es. daß es ein Bakterium oder ein Protozoon sei.— Im übrigen sind schon früher Beobachtnnaen gemacht worden, die ähnliche Schlüsse ziehen ließen. Durch kropskranke Kretins wurden z. B. ge- sunde Hunde mit Kretinismus angesteckt. Theater. Lessing-Theater.„Gabriel Schillings Flucht" von G e r h a r t Hauptmann. Das.Stück, für das Hauptmann die Motive dein Schicksal eines ihm in der Jugend befreundeten Künstlers entnahm, ivurde, schon vor einer Reihe von Jahren ge- schrieben. Ueber die Erltaufführnng in dem kleinen Lauchstädter Theater im Sommer ist hier austührlich berichtet. Damals hieß es, Hauptmann gedenke sein Werk, bei dessen ganz intimem Charakter den großen öffentliche» Bühnen überhaupt nicht auszuliefern. Nun ist es, wenige Monate später, in dem Dresdener und jetzt im Berliner Lessing-Theater. das alle anderen Dramen Hauptmanns aus der Taufe hob, erschienen. Das Publikum hat am Schlüsse demonstrativ applaudiert, doch war die Ehrung offenbar eine Dank- bezengung sür Hauptmanns ganze« Schaffen, schwerlich Widerhall eines unmittelbar lebendigen Ergriffenseins. Wohl leuchten, namentlich in den zwei ersten Akten im Dialoge Worte von echt Hauptmannschem Gepräge auf, Wendungen, in denen Stimmung und Charakter der Personen zu tiefbewegtem, die Phantasie des Hörers in mitschwingende Bewegung setzend»» Ausdruck gelangt. Das Liebesglück der beiden gesunden Menichenkinder. des schaffens- frohen fest ans sich selber stehenden Bildhauers und seiner starken, ihr Gefühl vor jeder eifersüchtige» Entartung hütenden Freundin; die Kraft, die ihnen auf einsamem Jnselstrand vom Meere zuströmt; ihre Hilfsbereitschaft dem arme» Freunde und verpfuschten Maler gegenüber, der sich in selbstgeschaffenen Fesseln windet— all das ist dichterisch geschaut und festgehalte». Aber es kann doch nur ein Einschlag im Gewebe sein, ein Moment in dem Gemälde, das daS Schicksal Schillings und die Notwendigkeiten, aus denen es erwuchs, vor unserem Blick entfalte» soll. Und hier in dein Ent- scheidenden versagt das ZSers. Merkwürdig ist, wie Hauptmann sich 12VV Schweine zum Preise von 86 M. für 100 Pfd. Lebendgewicht abzüglich 20 Proz. Tara frei ViehhofSrampe Berlin bei einem fünf- jährigen Liefcrungsvertrag an. Wenn man den Preis von 66 M. für 100 Pfd. Lebendgewicht für 100 Pfd. Schlachtgewicht umrechnet, so ergibt sich unter Hinzurechnung der auch für die Stadt Berlin durch den Weiterverkauf entstehenden Kosten, die mit 4,05 M. pro Zentner nicht zu hoch berechnet sind, ein Schlacht- gewichtSpreis von 68,30 M. Die JahreSdurchschnitlspreise für fleischige Schweine haben in ganzen Zahlen für 100 Schlachtgewicht betragen: Jahr 1907 289-57.80 rd. 53 M, � ö 1910 1911 Jahr 1902 1903 1904 1905 1906 M. 59■ 50 49 64 57 M. 55 58 72 66 57 308= 61,60 rd. 62 M. 5 Der Durchschnittspreis 507 nach-jq-— 59,70 oder tb, der letzten 10 Jahre belauft sich dem- 60 Marl. Die Stadt Berlin soll also dem Verbände gegenüber sich auf eine Lieferung für fünf Jahre zu Preisen binden, welche den Durchschnitt aller Preise seit dem Jahre 1902 weit übersteigen und in diesem ganzen Zeitraum nur ein einziges Mal überholt worden sind. Bei Annahme des An« gebotes würde die Mitwirkung der Stadt dazu dienen, die Fleischpreise zu verteuern, anstatt sie zu ver- billigen. Die„Deutsche Tageszeitung" gibt in ihren Ausführungen selbst zu, daß die Durchschnittspreise für Schweine in den letzten 10 Jahren am Berliner SchlachtviehmarN niedriger gewesen seien, als der im Angebot normierte Preis. Sie meint dazu, daß die Preise in den letzten Jahren z u niedrig gewesen seien und hält es für notwendig, baß den Schweinezüchtern höhere Preise zugesichert würden, als diese in den letzten Jahren erhalten hätten. Hierbei mitzuwirken lehnt die Berliner Stadtverwaltung entschieden ab. Sie hält es nicht für ihre Aufgabe, das in ihrem Gemeinde- bereich ansässige Fteischergewerbe wie den Zwischenhandel überhaupt auszuschalten und dagegen den Produzenten höhere Preise zu ver- schaffen. Die deutschen Fleischer in Warschau. DaS„Berliner Tageblatt" teilte gestern mit. daß der Versand russischen Fleisches nach Berlin neuen Schwierigkeiten unterliege, da die dort weilenden deutschen Fleischergesellen in den Streik ein- getreten wären. Die Tatsache selbst wie auch die vermuteten Gründe sind falsch. Tatsächlich liegt folgendes zu gründe: Nach Warschau waren acht Fleischergesellen mitgegangen, um dort die Schlachtung zu überwachen. Sie sollten 100 M. Lohn pro Woche und außerdem noch„Biergeld"(Prozente für Abfälle) erhalten. Es wurden ihnen aber nach einer Woche bloß 75 W- gezahlt und ein„Bier- geld" überhaupt nicht gewährt. Dennoch einigten sich die Fleischer mit dem Vermittler Aron. Ein anderer russischer Händler Silbermann hat nun billigere Arbeitskräfte besorgt. Die Berliner Fleischer wurden darauf regelrecht entlassen, und sind gestern in Berlin eingetroffen. Von einem Streik ist nie die Rede gewesen. Falsch ist auch die Nachricht, daß die deutschen Fleischer die Arbeit niedergelegt hätten, weil sie von den russischen bedroht worden wären. Durch einige jüdische Gesellen, die gebrochen deutsch sprachen, hatte sich vielmehr ein sehr freundliches Verhältnis zwischen den russischen und deutsche» Fleischergesellen gebildet. Von einer Konkurrenz der Berliner konnte um so weniger die Rede sein, als überhaupt nur acht deutsche Ge- sellen in Warschau tätig und auch sie hauptsächlich mit der Beauf- sichtigung beim Verladen des Fleisches beschäftigt waren. Vermutlich hat der deutsche Händler die Notiz in bürgerliche Blätter lanziert. Der Wille der Agrarier ist maßgebend. Die Stadt A l l e n st e i n. eine große Garnisonstadt Ost- preußens, darf kein Fleisch aus Rußland einführen. Die Stadt- verordnetenversammlung hatte einen Betrag von 16 000 M. zur verhehlen konnte, daß dieser Stoff drainatischer Formung wider» strebt. Der Zank der beiden Rivalinnen, der lamentierenden spieß- bürgerlichen Gattin und der skrupellos brutalen russischen Jüdin am Krankenbett des Sterbenden, diel- grausige Szene kann mit voller Wucht nur wirken, wenn sie als Schlußpunkt einer Entwickelung anstrift, die uns der Dichter zwingend miterleben läßt. Mit der Darstellung der Katastrophe zugleich die vielgliedrige Ber- gangenheit, in der sie wurzelt, zu überzeugend klarer Anschauung zu bringe», dazu hätte cS einer Jbsenscheu Kunst dramatisch koiizeii- trierender Verdichtung bedurft, die Hauptmann nicht gegebe» ist. Nur in dem freien novellistischen Rahmen, der vom Zwang fort- laufender zeitlicher Einheit entbindet, hätte er die Aufgabe bcmeistern können. In seinem Drama hört man vom Vergangenen nur er- zählen, man sieht eS nicht. Die Russin bleibt in einer vagen Un- bestimmtheit, die unerklärt läßt, wie sie diesem Menschen zum Verhängnis werden konnte. Alles was Gabriel dem Freunde über sie sagte, atmet Abscheu. Kalt weist er die ausdringliche Berfolaorin. die ihm nachgeschlichen, zurück, um sie dann eine Viertelstunde später plötzlich berauscht an seine Brust zu ziehen. Der Umschlag machl den Eindruck eines Zufalls, keines Schicksals. Das psychologische Interesse, das die Schilderung von Schillings seltsam zerrissenem Wesen am Anfang wachrief, verflüchtigt sich nach dieser Szene, die absolute Leere seiner Willenslosigkeit mit den endlos wieder- holten Selbstvorwürfen fällt peinigend aus die Nerven. Und dabei reckt und dehnt Hauptmann die Situationen, um den Theaterabend auszufüllen. Die Aufführung bot Treffliche?. Ausgezeichnet traf Theodor So o 9 das unstät Flackernde, die Mischung von Ekstase, hoffnungS- loser Depression und zynischer Ironie im Gabriel. Ebenbürtig stand WarrS gutherzig freundschaftlicher, erdenschwerer Bildhauer ihm als Partner zur Seite. Lina Lossens Lncie strahlte in festlich seelenvollem Schönheitsschimmer. Die kleine, nur mit ein paar Strichen angedeutete Rolle der hysterischen Frau Schilling wurde von Mathilde S u s s i n mit großem Feingefühl ausgeführt; sie dämpfte den Ein- druck des Abstoßenden durch LeidenSzüfje, die warmes Mitgefühl hervorriefen. Frau D u r i e u x hatte die Russin zu einem Typus extremer tierischer Häßlichkeit stilisiert. Sie fesselte durch Eigenart. aber die Macht, die die Person im Stück über Gabriel ausübt, mußte so noch unbegreiflicher erscheinen. ät. Notizen. — Dichterabend. Im Charlottenburger Schillersaal findet am Sonntag ein„Gerhart H a up t m a nn- Abend" statt zur Vorfeier des 50. Geburtstages deS Dichters. — Enripides im Zirkus. Man schreibt unS aus Ham- bürg: Im Hamburger ZirkuS Busch gastierte am Sonnabend und Sonntag daS Ensemble des neuen, mit nicht allzu großem Glück eröffneten Berliner Deutschen Schauspielhause«. Matt spielte die Hipp o l y t- Tragödie des Enripides, der damit auch in die Reihe der glücklichen Autoren gerückt ist, die reif für den Zirkus getvorden sind. Das Ergebnis war nicht sehr erfreulich. Vermochte schon die weitab von unserem modernen Empfinden liegende Tragödie des griechischen Klassikers nicht zu fesseln, so brachten Regie und Dar- stellung Enttäuschung und Mißstimmung. Das Ganze erwies sich als eine ziemlich plumpe und gedanknlose Reinhardt-Jmitatio» mit un- zulänglichen Mitteln. Einfuhr russischen SchleinefleischeS bewilligt. Dem Magistrat wurde jedoch die nachgesuchte Erlaubnis zur Einfuhr von Fleisch aus Rust- land nicht erteilt. Die Regierung erklärte dem Magistrat einfach, sie gebe das Gesuch an den Minister nicht weiter, da sie es nicht befürworten könnte I! Man führt dieses Verhalten der Regierung auf den aus agrarischen Kreisen laut gewordenen Protest gegen die Fleischeinfuhr zurück. Das ist geradezu unerhört, zumal in den ost« preußischen Städten die Fleischpreise genau so hoch sind, wie in den Großstädten. Eine auffällige Bummelei. In der gestrigen Stadtverordnetenversammlung in Herne, die sich mit den von der Stadt ergriffenen Matz- nahmen gegen die Teuerung befaßte, teilte der Vorsitzende die kaum glaubliche Tatsache mit, daß trotz der Verordnung deZ Reichskanzlers bereits seit drei Wochen d i e Z o l l- und Eisenbahnbeamtelt an der holländischen Grenze noch keine Anweisung über die Zoll- und Frachter mätzigung erhalten hätten. Die Stadt habe Zoll und Fracht voll bezahlen müssen. Regierungshilfe für die Junker. Der Landwirtschastsminister lehnte den Antrag der Stadt Osnabrück auf Einfuhr holländischen Schlachtviehs ab. Eue der Partei. Internationales Sozialistisches Bureau. Am Schlüsse der Sitzung vom Dienstag wurde mit allen Stimmen gegen die der tschecho-slawischen Delegation beschlossen, die z e n t r a I i st i s ch e tschechische Partei als Untersektion der tschechischen Sektion der Internationale anzuerkennen. Ein Abtrünnige» Wir lesen in der„Mecklenburger Bolkszeitung": Paul B r ö ck e r, der jetzt eine Zeitschrist„Der Hamburger" herausgibt, deren Verlag auch die Flugblätter des Hamburgischen Verbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie druckt, war einstmals So- zialdemokrat, wenigstens behauptete er es zu sein, als er von der sozialdemokratischen Partei eine Stellung wünschte. In den neun- ziger Jahren hatte er für den„Wahren Jakob" eine preisgekrönte Maifeierskizze geschrieben, und auf Empfehlung der Preisrichter, der Genossen August Bebel, Klara Zetkin und Franz Mehring wurde er Redakteur am„Harburger Volksblatt". Als er dort fürs Arbeiten nicht zu gebrauchen war und mehrere Monate sein Gehalt ohne Gegenleistung eingesäckelt hatte, wurde ihm gekündigt. Wieder auf Empfehlung der genannten Genossen kam er dann an unser Solinger Parteiblatt. Doch auch hier dauerte die Herrlichkeit nicht lange. Er kam in Zwist mit seinem Kollegen, indem er es schließ- lich sogar zu einer Handlung brachte, die einer Denunziation des Kollegen und Parteigenossen bei der Polizei mindestens sehr ähnlich sah. Daß damit auch seine Solinger Laufbahn ein Ende nahm, ist selbswerständlich. Aber er hatte den Geschmack, doch noch dre� Mvnate sein Gehalt von der sozialdemokratischen Partei entgegen- zunehmen, ohne etwas dafür zu leisten. Als weitere Versuche, ick der sozialdemokratischen Partei und ihren Instituten und Organen Geld zu verdienen, fehlschlugen, wandte er sich der bürgerlichen Journalistik zu, freilich einem durchaus unpolitischen Genre, das ihn mit seiner ehemaligen Parteizugehörigkeit nicht in Konflikt brachte. Aber der Mensch wächst mit seinen höheren Zwecken. Jetzt hak er in Hamburg sein Herz ganz entdeckt. Und er haut mit .Karsten Brand, Günther, Thomas Hübbe und Konsorten auf heg dortigen I u ge nds chr i f t e n° A u s schu ß wegen dessen angeblich vaterlandsloser Bestrebungen los. Und wörtlich sagt der Exsozialdemokrat:„Wir wollen gerade Lesestoff, für unsere Jugend, der die Erziehung zur vaterländischen Gesinnung ten- d e n z i ö s anstrebt."_ Gemeinderatswahlerfolge in Baden. In der industriellen Gemeinde K i r ch h e i m bei Heidelberg eroberte die Sozialdemokratie bei den Bürgerausschutzwahlen, die nach dem Dreiklassenproporz stattfinden, 21 Mandate, die Nationqp liberalen ebenfalls 21, die.Bürgervereine sKonservativc und Jen- trum) 13, die Fortschrittler ö. In der dritten Klasse erhielt die Sozialdemokratie 226 von 367 Stimmen. In der zweiten Klasse eroberte unsere Partei sechs Sitze. DolizeUicbes, Hmchtlicbes ulvo. Preßprozeß. Zu 50 M. Geldstrafe wurde vom Schöffengericht in H o f i. B. der verantwortliche Redakteur unseres dortigen Parteiblattes, der Genosse Seidel, verurteilt, weil die„Oberfränkische Volks- zeitung" in einem Bericht über die Entlassung eines Arbeiters in der Spinnerei und Weberei zu Schwarzenbach a. S. den Ausdruck gebraucht hatte, die Entlassung sei„in wenig humaner Weise" erfolgt. Dem Angeklagten wurde der Schutz des§ 193 des Strafgesetzbuches versagt, obwohl das Landgericht Hof im Mai 1911 in einem ähnlichen Falle dem Redakteur des lokalen Teiles der Ar- beiterpresse das Recht zugestanden hatte, Mißstände in der Be- Handlung von Arbeitern in Hofer Betrieben zur Wahrung der Interessen der Arbeiter in der Zeitung-ux besprechen und zu kritisieren._ Soziales. Der erpreßte Ausgleichsrevers. Es kommt leider immer noch recht häufig vor, daß Arbeit- geber bei sofortiger Entlassung eines Gehilfen die Auszahlung des verdienten Gehaltes svow dem Unterschreiben eines Ausgleichs- reserves abhängig machen. Eine derartige Abnötigung einer Aus- glcichsquittung kennzeichnet das Landgericht Leipzig in einem jetzt in der Berufung entschiedenen Urteil als eine„widerrechtliche Drohung", da der Prinzipal kein Recht hat, eine Verzichterklärung zu verlangen. Di« betreffende Firma, gegen die sich die Klage richtete, hatte einen Arbeiter sofort entlassen, und ihm bei der Entlassung erklärt, sie würde ihm den Restlohn von 36 M. nur zahlen, wenn er sich mit allen Ansprüchen für abgefunden erklärt. Wolle er das nicht, dann ließe sie es auf eine Klag« ankommen. Das Landgericht sprach dem Kläger trotz des erteilten Aus- glcichsreverses den Lohn bis Ablauf der Kündigungsfrist zu, und zwar mit folgender Begründung: Der Kläger hat diese Verzicht- crklärung mit Erfolg aus Z 123/124 angefochten. Unstreitig hat die Beklagte die Auszahlung des verdienten Lohnes von der Abgabe der Vcrzichtserklärung abhängig gemacht. Darin aber liegt die Inaussichtstellung eines Uebels gegenüber dem Kläger, die wohl geeignet war. ihn zur Abgabe der geforderten Verzichtserklärung zu veranlassen. Bei Verweigerung der Unterschrift muhte er be- fürchten, auf Auszahlung seines verdienten Lohnes länger zu warten oder ihn gar erst im Klagewege einfordern zu müssen. Daß die Drohung für den Kläger tatsächlich bestimmend war. zu unter. schreiben, ist angesichts der Tatsache, daß er seinen Lohn zum Lebensunterhalt nötig brauchte und als gewerblicher Arbeiter andere Mittel zur ehrlichen Lebensführung offenbar nicht besaß, �s�märe zu wünschen, daß Gewerbe- und Kaufmannsgcricht«, die noch oft der..Ausgleichsquittung" entscheidenden Wert bei- weisen« iZre NeKspreKuus revidieren. Sin Arbeitgeber kjal ein Recht auf eine Quittung über die geleistete Zahlung, aber nicht auf eine Generalquittung oder Ausgleichsquittung. Mrd eine solche dennoch verlangt, so spricht die Vermutung dafür, daß sie dem Arbeiter durch Drohung widerrechtlich abgenötigt ist, auch wenn nicht ausdrücklich mit Nichtzahlung des verdienten Lohnes für den Fall gedroht ist, daß die Unterschrift nicht geleistet werde. Wiederholt haben wir Urteile auch aus den hiesigen Gerichten als irrig bezeichnen müssen, die den Kläger mit seinem Anspruch auf Zahlung mit Rücksicht auf die„Ausgleichsquittung" abwiesen. Elendsbilber aus dem Klassenstaat. Vor dem sächsischen Oberverwaltungsgericht in Dresden schwebt zurzeit ein Prozeß, der auf das heutige System der Armenpflege ein grelles Streiflicht wirft. Die Frau des Invalidenrenten- empfängers Z. in Freiberg«ahm die im September 1897 geborene Else T. lihre Nichte) etwa vier Monate nach der Geburt zu sich und zog das Kind groß. In der ersten Zeit zahlte der Vater des Kindes einen kleinen Erziehungsbeitrag, der aber bald wegfiel. Trotzdem und obwohl die Pflegeeltern selbst in dürftigen Verhält- nissen lebten, sorgten sie für das Kind weiter, ohne fremde Unter- stützung zu beanspruchen. Das ging bis zum Jahre 1910, da wurde der Pflegevater invalide und konnte nunmehr natürlich von seiner kärglichen Rente nicht noch das Kind unterhalten. Der Stadtrat gewährte vom 1. März ein Pflegegeld von 80 M. jährlich, verlangte aber vom Landarmenverband, als dem endgültig zur Für- sorge Verpflichteten, Ersatz, jedoch nicht den tatsächlichen Aufwand, sondern nach Höhe des 1876 er Tarifs ftäglich 40 Pf.). Auf diese Weise würde also der Stadtrat mit seiner Armenfürsorge ein glänzendes Geschäft machen; während er die Pflegeeltern mit einer Unterstützung von 80 M. abspeist, würde er 144 M. in die Tasche stecken, also ein Plus von jährlich 64 M. machen. Man kann es deshalb begreifen, daß der Landarmenverband nur den tatsächlichen Aufwand erstattete und sich wegen der Mehrforderung verklagen ließ. Die Kreishauptmannschaft wies Freiberg mit seiner Klage ab, weil die 80 M. auf keinen Fall zur vollen Verpflegung des Kindes ausreichten(nur in diesem Falle würde nach dem Tarif Ersatz zu leisten sein), sondern nur als Erziehungsbeihilfe ange- sehen werden könnten. Auf die Berufung des Stadtrats zu Freiberg hörte das Ober- Verwaltungsgericht die Pflegemutter als Zeugin, die natürlich bestätigen mußte, daß man von 80 M. nicht ein 13 jähriges Kind kleiden und sattsüttern, daß man mindestens poch 100 M. mehr rechnen könne. Der Vertreter des Ortsarmenverbandes. Bürger- mvister Dr. Naase, behauptete demgegenüber steif und fest, daß mit 80 M. sehr wohl da? zum Lebensunterhalte eines Kindes unbedingt Notwendige beschafft werden könne. 70 Pf. täglich für den Unter- halt eines Kindes(soviel hatte die Pflegemutter in Anrechnung gebracht), sei viel zu hoch gegriffen. Im Waisenhause würden pro Kopf und Tag nur 20 Pf. berechnet, und da gebe es sogar viel Fleisch und Buttor. Die öffentliche Armenpflege dürfe nicht über denjenigen Betrag hinausgehen, den die ärmsten der armen Fa- Milien für ihre Kinder aufzuwenden vermögen. In Freiberg gäbe es zahlreiche Arbeiterfamilien mit sechs Kindern und mehr und mit nur einem Einkommen von 900 bis 1000 M., die also noch nicht einmal 80 M. für ein Kind aufwenden könnten. Wäre also nicht mit 80 M. auszukommen, müßte die Mehrzahl dieser Familien der Stadt zur Last fallen. Es gäbe auch immer Leute, die bereit seien, für 80 M. ein Kind in Pflege zu nehmen. Wer nicht mit 80 M. zpfxieden fpj..bekomme eben kein Ziehkind. Der Bürger- meister erbot sich, eine Anzahl Freiberger Arbeiterfamilien nam- Hrffl zu machen, die sich-in den geschilderten traurigen Verhältnissen befinden.---- �- Das Oberverwaltungsgericht ging auf diesen Beweisantrag ein und so wurden im neuen Termin drei der bezeichneten Fa- milienväter als Zeugen vernommen. Der Bergarbeiter Sch. hat noch für acht schulpflichtige Kinder zu sorgen: er arbeitet auf der Königlichen Grube Himmelfahrt und erzielt bei zehnstündiger Schicht einen Tagclohn von 3 M., was einem Jahresarbeitsverdienste von 840 M. entspricht. Im Jahre 1911 habe er das abör noch gar nicht einmal gehabt, da 131 Krankheitstage abgingen. Sein Einkommen stellte sich mit der jdrankenunterstützung auf rund 700 M., das zum Lebe-nsunterhalt einer zehnköpfigen Familie (zwei Erwachsene, acht Kinder) ausreichen mußte. Die Frau kann bei der großen Zahl der Kinder selbstredend nichts mitverdienen. Für Miete zahlt der Mann 60 M. jährlich. Was das für ein Loch von Wohnung sein mag, in der zu vegetieren zehn Menschen ver- urteilt sind, kann man sich vorstellen. Auf die verwunderte Frage eines Richters, wie es denn überhaupt möglich sei, mit einems solchen kleinen Einkommen bei den vielen Kindern durchzukommen, antwortete der Zeugo<„Unsere Nahrung besteht hauptsächlich in Kar- toffeln, Hering und Leinöl; Fleisch und Butter kommt gar nicht auf den Tisch." Nicht besser liegen die Verhältnisse bei den beiden anderen Zeugen, von denen einer als Schuhmacher wöchentlich 16 bis 18 M. verdient und für neun schulpflichtige Kinder zu sorgen hat, und der andere, der Zigarrensortierer ist, einen Jahresarbeits- verdienst von 736 M. erzielt; er hat ebenfalls neun Kinder im Alter bis zu 14 Jahren. Als das Gericht einen der Zeugen über seine Wohnungsverhältnijse näher befragen wollte, bat er, davon abzusehen, das sei ihm unangenehm; er gab aber zu, daß Betten in der Familie- überhaupt nicht existieren. Das Beweisergebnis war also ein Triumph für den Bürger- meister. Eine andere Frage ist es allerdings, ob sich nicht eine Be- Hörde genieren sollte, auf solche skandalösen Zustände Bezug zu nehmen, um in der Gewährung von Erziehungsgeldern geizen zu können. Der Vertreter von Freiberg blieb dabei, daß mit 80 M. das schlechterdings zum Lebensunterhalt eines Kindes Unentbehr- liche zu beschaffen sei. Es wäre volkswirtschaftlich und erzieherisch ein großer Fehler, wenn die Pflegeeltern besser gestellt würden als die Leute, die sich ohne fremde Hilfe durchs Leben schlügen. Man würde dann die ganze Arbeiterbevölkerung auf den Hals be- kommen. Für das Oberverwaltungsgericht scheint der vorliegende Streit- fall eine harte Nutz zu sein: es konnte sich noch zu keiner Ent- scheidung durchringen, setzte diese vielmehr aus» Geriedts- Deining. Majestät Arbeitswillige. Der Spandauer BezirkÄeiher des Deutschen, Metallarbeiter- Verbandes, Genosse Richter, hatte sich wieder vor bem Landgericht wegen angeblicher Beleidigung des Arbeitswilligen Pätzold aus Spandau, Seeburger Straße, zu verantworten. Die Anklage legte, ursprünglich dem Angeklagten zur Last, An- fang September 1910, zur Zeit des Klempnerstreiks, auf einem Neubau Rohrleger durch Ehrverletzung, au der Teilnahme zum Streik zu bewegen versucht, zu haben. Rohrleger Pätzold. ein Mit- glicd>des katholischen, Gcscllenvercins, auf dessen Betreiben die An- klage zustande gekommen ist. soll von Richter beleidigt worden sein. Genosse Richter stellte unter Beweis, daß er vom Polier GalincwÄi die Erlaubnis zum Betreten des Baues erhalten hatte und nach Betreten des Baues, um einen Aus-trag der Berliner Verwaltung auszuführen., nur erklärt hatte:„Alle, die hier arbeiten, sind Ar- beitswillige." Die BMeiMUifnahiiie d.rchte sich hauj-tjächlich darum, ob däS Wort Arbeitswillige vom Genossen Richter in hämischer Weise gebraucht worden ist. Vom Spandauer Schöffengericht war Genosse Richter in dieser Sache am 4. Februar 1911 wegen Vergehens gegen§ 153 der Ge» wevbeordnung zu drei Woche» Gefängnis verurteilt worden. Tie Strafkammer hatte seinerzeit das Urteil bestätigt. Auf eingelöste Revision hob das Kammergcricht das Urteil auf, weil keine Nötigung vorlag und wies die Strafsache an das Landgericht zurück. Die jetzige Verhandlung vor der Strafkammer des Land» gerichts III endete abermals mit der Verurteilung des Genopen Richter zu 3 Wochen Gefängnis. Das Gevicht nahm nur formelle Beleidigung als vorliegend an und warf dennoch die exorbitant hohe Strafe aus. Ter Verurteilte hat auch gegen dies Urteil durch seinen BclD teidigcr, Rechtsanwalt Dr. Heinemann, Revision eingelegt, Euq der frauenbenegung. Ter verweigerte päpstliche Segen. Ter Katholische Frauenbund, der vom 13. bis 16. Oktober in Straßburg sein« 5. Generalversammlung abhielt, hatte den Papst antelegraphiert und seinen, Segen erbeten. Die Antwort, darauf war nicht der erbetene Segen, sondern ein kühles Telegramm des römischen, Kardinal-Staats-sekretärs, daß der Heilige Vater den Aus» druck kindlicher Ergebenheit genehmige und dafüri danken lasse. Weshalb die katholischen, Frauen- auf den päpstlichen Segen verzichten mußten, verrät Lenore in Oppersdorffs„Wahrheit und Klarheit", indem sie fragt, ob die Frauen denn geglaubt hätten, „der Apostolische Stuhl sei über jene Bestrebungen- innerhalb des Katholischen, Frauenbundes nicht orientiert, die darauf abzielen, die päpstlichen Weisungeni unwirksam zu machen? Dann'hat hoffentlich das Telegramm des Kardinal-Staatssekretärs die nötige Aufklärung gebracht". Lenore findet die Verweigerung des Segens selbstverständlich. Die Leitung des Katholischen, Frauenbundes betätige sich in der Ge- werkschastsfrag«! in striktem Gegensatz« zu den Weisungen des Apo» stolischen Stuhls, indem sie für die christlichen Gewerkschaften ein. trete. Auch gegen die Freimaurer habe der Bund keine entschiedene Stellung eingenommen, aus Angst, daß dann dieser„leider so mächtigen und in allen Kreisen vertretenen Organisation" vielleicht mehr Anhänger in Teutschland erwüchsen, als das heute der Fall sei. Aus dieser Segensbcrweigerung darf man Wohl schließen, daß der Papst keine Courage hat, in den betreffenden Fragen� ent» scheidende Schritte zu tun, daß er aber doch den unbotmäßigen Kindern seine Unzufriedenheit ausdrücken will. Sozialdemokratie und Lehrerinnen, Es ist gewiß eine interessante Erscheinung der wirtschaftlichen und sozialen Entwickelung, daß bürgerliche Kreise, die sonst der Sozialdemokratie gleichgültig oder direkt feindlich gegenüberstehen, nun in ihr ihren Retter erblicken und ihr deshalb öffentlich Dank» barkeit und Anerkennung bezeugen müssen. Das ist jetzt geschehen im Kanton Zürich von den Lehrerinnen, deren Lebens- interessen in der Volksabstimmung vom 29. September nur durch das tatkräftige Eintreten der sozialdemokratischen Partei für sie ge» rettet wurden. Denn ohne die schweizerische Sozialdemokratie wäre das Lehrerinnenzölibat nicht, abgelehnt worden. Zu der sozialdemokratischen Rettung der verheirateten Lehrerin schreibt die „Schweizerische Lehrerinnen-Zeitung" u. a.:„Um den Ve-rsanmn- lungen den Besuch der Stimmberechtigten zu sichern, suchten wir die Mithilfe einflußreicher Referenden. Nachdem die Versammlungsorte bestimmt waren, gelangten wir an die politischen Ortsvereini» gungen, um sie zur Mitunterzeichnung des Einladungsinferates zu �gewinnen. Wir fanden auch hier freudiges Entgegen» kommen bei der Arbeiterpartei, höfliche Abwei» sung bei den bürgerlichen Bereinen. Wenn auch die Versammlungen nicht überall sehr zahlreich besucht waren, so ge» lang es doch den überzeugenden Gründen der Referenten, die re» gierungsrätliche Weisung zu widerlegen. Wir sind auch in unserer besonderen Propaganda wieder fast ausschließlich von Referenten der sozialdemokratischen Partei unterstützt worden. Wir haben bei dieser Gelegenheit erfahren, daß die sozialdemokratische Partei mit einer ihrer Programmforderungen, der Gleichstellung von Mann und Frau, wirklich Ernst macht."— Von der ängstlichen Scheidung der deutschen Lehrer und Lehrerinmen von der Sozialdemokratie sticht diese Haltung wohltuend ab. Die bürgerlichen Frauenvereine haben in dieser Kampagne mit ihrer bürgerlichen, Politik geradezu Bankerott gemacht. Die Männer dieser bürgerlichen Frauen, im KantonSrat. in der Regierung, in, den bürgerlichen Parteien, ihren Vereinen und Zeitungen, haben sie im Kampfe für die Gleichberechtigung beider Geschlechter schmählich im Stiche gelassen. Arbeiter, Sozialdemokraten waren es. die die von bürgerlichen Frauen einberufenen Versammlungen füllten� und Sozialdemokraten waren es, die referierten und, die Zustimmend« Diskussion führten._ ivcrsammlunge«— Veranstaltunge«. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Heuie, Donnerstag. lAQ Uhr, in Kellers„Neue Philharmonie", Disku- ticrarbend über den Vortrag:„Die Frau und die Qualitäis- arbeit". Referenten sind anwesend. Montage den 4. November, 8V6 Uhr, in Kellers„Neue Philharmonie", Köpenüker Straße Nr. 96/97, Vortrag:„Die Fabrikarbeit-der verheirateten Frau." Referentin: Luise Zietz..Gäste. Männer und Fraue-g, will» kommen«. Versammlungen. Tabakarbeiterverband. Eine Branchenv>rsammlung der Ar» heiter und Arbeiterinnen in der Zigarettenindustrie beschäftigte sich nach einem instruktiven Referat des Reichstagsabgeordneten Alwin Körst en über:„Die Bedeutung des Arbeitsnachtveiies" mit der beendeten Lohnbewegung in der Zigarettenfabrik„Manoli". Krumvow schilderte den Verlauf derselben. Die Zigaretten. arbeiter der Firma batten für einige niedrig entlohnte Sorten Lohnforderungen gestellt, ebenso verlangten sie eine Aenderung der bisherigen Arbeitereinstellung. Durch Verhandlungen mit der Firma sind ein Teil der Forderungen bewilligt worden. Mit den gemachten Zugeständnissen beschäftigten sich die in Frage kommen. den Arbeiter obiger Firma in einer Werkstattbesprechung und erklärten sich mit den Zugeständnissen einverstanden. Tscheuschner ging auf die Mißstände in der Zigarettenfabrik Garbaty in Pankow ein. Die Lohnverhältnisse für die Zigarettenarbeiter wären bei der Firma für einen großen Teil Arbeiter schlechter als in größeren Fabriken. Die Hilfsarbeiterinnen erhalten wahre Hunqerlöhne. Auf die Ausnutzung jugendlicher Arbeitskräste richte die Firma ihr besonderes Augenmerk. Im Frühjahr und Herbst. wenn die Schule ein Teil Arbeitskräfte entlaßt, sucht die Firma in den Zeitungen Arbeiterinnen für dauernde Beschäftigung und zu gutem Lohn. Der gute Lohn beträgt 6,50 M. und 7.50 M. pro Woche. In anderen Zigarettenfabriken wird für dieselbe Arbeit ein Anfangslohn von 11 M. und 12 M. gezahlt. Diese jungen Mädchen unter 16 Jahren haben entgegen den Bestimmungen der Gewerbeordnung keine Frühstück- und Besperpause. Es ist ihnen aufs strengste verboten, ibren Hunger während der Arbeitszeit zu befriedigen. Die Behandlung der Arbeiter und Arbeiterinücn im allgemeinen läßt in diesem Betriebe alles zu wünschen übrig. Der Geschäftsführer Herr Junge kommandiert im Kasernenton. Für geringe Versehen werden Zigarettenarbeiter auf Tage hinaus aus- gesperrt. Zu Hause können sie über Pas Wohlwollen der Firma nachdenken. Solch hohe Löhne zahlt die Firma wirklich nicht, daß ihre Arbeiter es sich erlauben können, tagelang zu feiern. Nur durch die Organisation werden bessere Verhältnisse auch bei biein Firma Platz greifen» Heute verkaufen wir Seefische n nechfolgendon Preisen: Schellfisch... vrovu. 24vi. Kabliau(ohne Kopf).,„ 22„ Schollen.....„„ 22, Seelachs Ohne Kopf pro Pfd. 26 Goldbarsch■■.* 22* Farbenzungen,„ 24, Konsum-Genossenschaft Berlin und Umgegend. 107/12 £.<*. m. b. H.— Zentrale: Lichtenberg, Rittergutstr. LS ZtS. Der Vorstand. ♦J An diesem Schild sind die Läden erkennbar, in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. Sfnstergtiltlg in Konstruktion nnd AnsfUhrnng, gleich vorzüglich für Hausgebrauch n Industrie. EI Singer Co. Nähmaschinen Act. Oes. KFItl/IN. Leipziger StraUe 02. Läden in den verschiedenen Stadtteilen. J3 Zeitimys-Ansgatiestene» und Inseraten-AnnaHme. Zentrum: Sllbevt Habiiisch. Ülckerstr. 171. am Koppenplatz. 2. WahikrciM, W.:(Suft. Schmidt, Kirch bach/tr. 14, Hochparterre. S. und SW.: Heunann Werner, Gneisenaustr. 72. R. Wahlkrei«: St. Fritz. Brinzeiistr. 31, Hos recht» pari. d. H�'ahikrei«,: Oit e n: Ziobert W e n g e l». Gr. Franlsurterstr. 120. — Richard H a ck e I b u s ch. Pelersburgerplatz 4(Ladeii>. 4. �Vuhlkreii«. S ii d o st e» i Paul Böhm, �ausitzervlatz It/Ib. 6. M ahlkrcia: Leo Zucht, Jnmiaiiutlkirchftr. 12(Hos). B.>H'abIkrei«» r i q, Rcnaistr. 2, im Lade»; Neukölln. Britz; Rohr. Siegsried straste 28/29. Kicder-Lehme: Karl Freitag. Xicder-Schöitcweldu: Wilhelm Unruh, Brückenstr. 1l>, II. X«wawes: Wilhelm I a P p e. Friedrichslr. 7. Ober-Schöncweide: Als red Bader. Wilhclmiiieiihosltr. 17, II. Pankow. XicderMchöiiiiaiisen, Nordend, Frz.-ltnch- holz, Itlankcnburg: 3t i st m a u ii, Mühle» str. 30. Reinickentlorf- Ost, Wilhelmsruh und Schönholz: P.(Rurich, Provinzstr. 56, Laden. Rumniclsbnrg, Uoxhageu, Stralau: A. R o s e n l r a n z, All- Bopliagen 56. Sohenkendorf b. KönigS-WusterHausen: Chr. Hanls chle, Dorf- straste 10. Schöneberg: Wilhelm B ä u m l e r. Marli» Lutherstr. 69, im Laden. Spuixiau, Noniiendanim, Staaken, Seegefeld und Fnlkeiiiiagcn: K ö p p e u, Breileslr. 64. Tegel. Itorsigwnldc, Wittenau, WuidiiiunnsluHt, llermsdorf, Hohen- N'eucndorf, Uirkcnwcrdcr, Freie Sckolle u. Iteinickcndorf- West: Paul Sticnast, Borsigwalde. Ränichslraste 10. Telto»: Wilhelm B o u o w, Teltow, Berliner Str. 16. T'empeihof: Joh. Strohn, Borussiastr. 62. Treptow: 3iob. Gramenz. Stiesholziiraste 412, Laden. 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Und doch ist es so. Warum kann Kuorr für wenige Pfennige so viel bieten? Weil in dem großen Fabrikbetrieb alle Vorteile des Einkaufes, der Herstellungsweise und des Vertriebes sich vereinigen, so daß jeder, der für 10 Pf. einen I�ßHss-Suppenwürfel kauft, aus allen diesen Vorteilen Nutzen zieht. Interessantes»der Knorr's Fabrikbetried. Knorr hat eigene Mühle Knorr hat eigene DörrgeroUse Fabrik Knorr hat eigene Ekr'Iiudelfabrik IKnorr hat eigene Blürze'fabrik IKraft'Zsntrale 45 Sorten Knorr' Suppenwürfel Uochanmwing z» Knorr' Suppenwürfel Sorgfältig ausgesuchte Rohmaterialien, wie Erbsen, Grünlcrn, Reis, Gerste usw., werden in großen Mengen gekauft und vermittelst moderner Maschinen nach bewährten, in annähernd 40 jähriger Praxis erprobten Methoden zu Mehl verarbeitet, das sür die Suppenwürfel gebraucht wird. Ein wesentlicher Bestandteil der Knorr- Suppenwürfel sind getrocknete Gemüse aller Art. Viele Tausende Zentner Karotten, Wirsing, Weißkraut, Blumenkohl, Lauch, Zwiebeln usw. werden in der Knorr- Gcmüsefadrik getrocknet, um dann für die Knorr-Suppemvürfel Verwendung zu finden. Neben der größten Makkaronifabrik Deutsch- länds besitzt Knorr eine sehr große Eier- nudelfabrik, in der all die Eierfadennudeln, Eicrriebele, Eiersternchen usw. hergestellt werden, die nian für die Suppenwürfel- Fabrikation braucht. Um den Suppen einen würzigen Fleischbrühe- Geschmack zu geben,> Verden den Suppenivürfeln verschiedene Arten von Würze beigesetzt, die tmch eigenem Verfahren in der Knorr- Würzefabrik erzeugt werden. Einen Begriff von der Größe der Fabrik- einrichtung bekommt man, wenn man hört, daß in der Fabrik von Knoxr, Hcilbronn. . 2 Dampfinaschiiten und 1 Dampfturbine mit zusammen über 2800 Pferdekräften arbeiten, um die vielen Maschinell in Betrieb zu setzen, die in dem weitverzlveigtcn Betrieb not- wendig sind. Knorr macht 45 verschiedene Sorten Suppen- Würfel. Jede Sorte hat ihren Eigengeschmack, jede Suppe ist wohlschmeckend, kräftig und nahrhaft. 39 Sorten Suppenwürfel werden ä 10 Pf. 6„ pikante„„ k 15„ verkauft und sind in jedem besseren Geschäft erhältlich. Jeder Suppcmvürfel genügt für 3 Teller Suppe. Die in den Suppenwürfeln enthaltene Masse wird zerbröckelt, mit etwas kaltem Wasser angerührt und dann mit a/t Liter Wasser 15 bis 20 Minuten langsain gekocht: weder Gewürz noch Fleischbrühe noch sonst etwas soll zugegeben werden, die Suppe enthält alles, was zu einer kräftigen Fleischbrühsuppe nötig ist. Bitte, machen Sic einen Versuch und verlangen Sie bei Ihrem Kaufmann ausdrücklich einen 1111$ X X Snpp emv nrfei üe'st?: Slrttftit. Blumenkohl-, Frankfurter-, Pariser-, Spargel-Suppe LfniV IGJVXrllt 1 Würfel 3 Teller 10 Pf. =ms=s=sassssssssssssmsss Feine Julieune- Tnppe 1 Würfel 3 Teller 12 Pf. ih r iftlTilflliiiilii i lillllii 1 lilWüliil WBBMiiHIIIIHMIIIIIIII III! Hill"1 llilill'ml I Ein guter Rat in teurer Zeit. Ohne teures Fleisch kann die Hausfrau wohlschmeckende, nahrhafte Suppen herstelle», wenn fie die Vekannten I�aggls Suppenwürfel zu 10 Pfg. für 2—3 Teller kauft. I�aggis Suppen stehen den besten mit Fleischbrühe zubereiteten Suppen in inchts nach.— Mehr als 40 Sorten.— Beim Einkauf achte man aber auf den Namen stlagAl und die Schutzmarke.Kreuzstern". Thealer und Vergnügungen Donnerstag, 31. Oktober 1312. .Anfang 3.10 Ubr. Schiller- Charlottenburg. Zopf und Schwert. Ansang VI, Ubr. Kal. Opernhaus. Tannhäuser. Rontgl. Schauspielhaus. Der große König. Deutsches. König Heinrich IV. 1. Teil. Köniagrqtzer Strafte. HerodeS und Mariamne. Zirkus Albert Schumann. Gala» Vorstellung. Zirkus Busch. Gala-Vorstcllung. Ansang 8 Ubr. Urania. Taubenstrafte 48/49. Aus's Matterhorn. Hörsaal 8 Uhr: KonstruktionS« Ingenieur A. Keßner: Hammerwerke und Preßwcrke. Lein»,,. Gabriel Schilling? Flucht. »taniiilersviele. Mein FreundTeddy. Schiller O. Der Talisman. SN)» Erzieher. Sonnabend, nachmittags 3.ll> Uhr: Vorstell, des Vereins„Klaff. Theater«: Aastensteins bager. die Piccolomini. Sonnabend, abends 8 Uhr: _ König Eear. Berliner Theater. 8 Uhr: Filmzauber. Theater in öerllöDiggrätzer Straße VI, Uhr: Herodes und Mariamne. Theater am Nollendorfplatz (Neues Schauspielhaus). Täglich abends 8 Uhr: Gasipicl des Miinchener«ünsiler- Theater?« Orpheus tu der Unterwelt. McIms Schauspielhaus (Komische Oper). An allen Tagen der Woche 8 Uhr: Der gnt nitzende Frack. Montis Operetten-Theater (früher Wenes Theater) Abends 8 Uhr: Der 5?rauenfrefser. Besilievi-I'healer. ««Hr, 8 Uhr» kemütmenZekeu. Schwank in 3 Akten von Fritz Friedmann-Fredertch. Morgen und folgende Tage: GemUtamonscheiA_ �verantwortlicher maiim: Alst-d Luisen-Theater. Anfang 3 Uhr. Donnerstag: Des andern Ehre. Freitag: Die gelbe Gefahr. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Kinder- Vorst.: König Drosselbart. Abends 8 Uhr: Des ander» Ehre. IOSE=THEATE Grolle Frankiurte, Str. 182. Zum ersten Male: Deutsch-Amkniiliukr. Lebensbild in S Akten v.Georg Berger. Anfang 8 Uhr. Freitag: Deutsch-Amcrikancr. Metropol-Theater. Abends 8 Uhr: Rauchen gestattet. Chansseitf-uts Ketropol! Grohe Jahresrevue mit Gesang und Tanz in t0 Bilder» van I. Freund, Musik o. Rud. Nelson. Tänze arrang. von Will Bishop. In Szene gesetzt vom Direktor R. Schultz. Sotmabenä, den 16. November, abends SVi Uhr, in den Konkordia-Festsalen: J3F Rcrbst-fcst« J3F Heiterer Konzert-Abend. Frl. Clairc Waldoff vom Fassage-Theater. � Das Wene Tonkünstlerinnen-Orcheater. Dirigent: Herr Iwan FrSbel. Festmarken in allen Zahlstellen a 60 Pf. inkl. Programm and Zettel. Bessiug-Theater Vom 15. Dezember ah: Glaube u. Heimat. Die Tragödie eines Volkes. Ab 8 Uhr. Letzter Tag mit Bernhard Kürbitz. Freitag, den 1. November: Fest- Vorstellung. Martin BendiXz in Unsere Marine, sowie M. BendU— Emil Schnabel als Droschkenkutscher u. Fiaker. S Thalia-Theater Dreyer: Des Pfarrers Tochter von Streladorf. Schauspiel in 3 Aufzügen. fssnpiä 8 Uhr: Die mit beispiellosem Lacherfolge aufgenommene Novität Die Aipenbrüder. lO Uhr: Endlich allein! Beide Stücke mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Vorverkauf 11—2(Theaterkasse). Trianou-Theater. ÄbendS 8 Uhr: Liebesbarometer. jlbendabteilungen Deutsches Schauspielhaus. 8 Uhx; Strindberg: Ostern. Goethe: Egmont. Z'l, Ehr: ftesidettz-Theater Dumas: Franciilon. Schauspiel in 3 Aulzügen. }(errnfelii-Theater Strindberg; Der Vater. Trauerspiel in 3 Aufzügen. SMOBy** Die Vorstellungen, die bisher im Neuen Schau- gyastp spielhause gegeben wurden, finden bis auf weiteres im Deottiehen Hchauaplelhaaae, Friedrioh- strafio 104(an der Weidendammer Brücke) statt. Anfang der Vorstellung im Deutschen Schauspielhause 21 oUtir Jf»Clou" il /frr**Phmnmiiiii. Mail ArSiräßA K?— i :: Berliner:: Konzerthaus MauerstraBe 82.— Zimmerstraße 90/91. Heute! Doppel-Konzert. i Anfang 8(ihr. Eintritt 50 Pf. Anfang) 8 Ehr. An allen Wochen- bei freiem tagen nachmittags: LI t.l C a IWllACa I. Eintritt. Sozialdetnokratiseher Wahlverein für den 6. Berliner Keichstapvahlhreis. Der diesjährige wissenschaftliche Vortrags»Zyklus bestehend aus 6 Vorträgen mit Lichtbildern beginnt am Freitag, den 1. Nloveniber, abenita pünktlich HP/, Ehr, in den„Kermanla- Praclitsaien"(großer Saal), Chausseestr. 110. VA- Das Thema lautet; Meiischenkandc« Vortragender: Genosse Dr. Drncker. Die Vorträge finden am Freitag, den 1., 9, 15., 22., 29. November und 8. Detemfcer statt. VM- Preis der Tellnehmerknrte für alle 6 Vortrüge«O Pf. Karten sind noch im Wahlvereinsbureau, Neue Hochstr. 23 I, bei dan Funktioniren ßywio am Eingang des Saales zu haben. Der Vorstand. 9., 10. und II. Abteilung; Volkstümlicher Lieder-Abend am Sonnabend, den Z. November in den„Qermania-Prachtsälen", Chausseestr. 110. Mitwirkende: Herr Emil Thilo, Einleitender Vortrag.— Frau Wichmann-Vogt, Lieder für Sopran. Herr C. Burckhardt, Lieder für Bariton. Herr Emil Thilo, Klavier. „Süngerchor Wedding", Chormeister Herr Emil Thilo. Eintritt 50 Pf. Anfang abends S3/. Ubr. rp Daran teilnehmende Herren zahlen 50 Pf. nach. Nach dem Konzert: 1 cUlZ- Kinder unter 10 Jahren haben keinen Zutritt. Achtang I Am 8. Deneniber findet die GeneralTersainmlnag, welche Stellung zum Preußischen Parteitag nimmt, statt.» 233/ 13* Zirkus Busch. Hondlni nochmals gefordert! Nachdem man Hm. Harry Houdini den Vorwurf gemacht hat. daß er bei seinem letzten sensationellen Ausbrechen aus einer vernagelt. u. verschnürt. Kiste sich einer fertigen Kiste bediente, hat der Genannte u. a. zahlreichen ähnl. Schreiben auch folg. Aufforderung erhalten: Herrn Houdini, z. Z. Zirk. Busch, Berlin. Die unterzeiohn. fach- männ. Engrospacker fordern Sie hiermit auf, eich aus einer von uns selbst im Beisein des Publikums gefert. Kiste, welche vernagelt u. verschnürt wird, zu befreien. Die Kiste wird währ, der Vorstell, von uns in der Manege gesohnitt. u. fertiggest., so daß Ihrereoits irgendwelche Maohinat. ausgeschl. sind. Wir stellen die Beding., daß uns währ. d. Herstell. der Kiste niemand hindern darf. Bretter, Nägel, Hammer, Schnur bringen wir selbst mit. Ihrer sehr geschätzt. Nachr. sehen wir entgeg. Hoohaohtungsvoll gez. Karl Wilkendorf, Steinmetzstr. 8. Franz Antzsiak, Köpnickerstr. 25. Albert Antzsiak. Lyohenerstr. 5. Reinh. Peck, Raabestr. 13. Packer einer d. renomm. Engrosfirmen Berl., der.Name nicht gen.sein will. Houdini wird heute, 3t. Oktober, abends dieser Aufford, naohk. u. das in obig. Form unmögl. erscheinende Euper, der Selbstbefreiung versuchen. Hierzu das gr. Galaprogramm u. d. Pant.-Burleske„Unter Gorillas". Siereabaret Im Xilcfatpraakuaale der PasHage. Jeden Abend'/,9 Uhr: Hermann Fnnke Hansy Petra Putai Oassani Mizzi Dressl Werner Doldmann Otto Bellmann 20 Künstlerinnen u. Künstler. Einheitspreis 1 M. P: aam der größte Entfesselungs- Künstler der Zeit. Der Mann mit dem leiseruen Schlund!j die analem Unmdgllehkeit. Lebend! Ohne Eilra-Eotree! Voigt-THeater. Donnerstag, den 31. Oktober 1912: Gastspiel In Puhlmanns Theater, Schönhauser Allee 148: Ueber'n großen Teich. Lebensbild mit Gesang in 4 Akten von A. Philipp. Kaff eneröftnung 7 Uhr. Ans. 9'/, Uhr. Concordia-Feslsäle. Inh.; M. Wandt u. A. Schutze 64 Andreanatr. 64. Jeden Donnerstag: Große Soiree der allgemein beliebten und bekannten MmaDDs Sänger. Direktion Fr. Fanthor mit vollständig neuem Programm Anfang 8 Uhr. W-Ä Frei-Tanz. Vorzugskarlen haben Gültigkeit. Urania Taabenstrafie 48/40. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Aufs Matterhorn! Hörsaal 8 Uhr: Konstruktions-Ingen. A. Keßner: Hammerwerke und PreBwerke. Zirkus Wert Schumann. Heute Donnerstag, 31. Okt., abends T'/i Uhr: Große Novitäten-Vorstellung. U.a.: OebUt; Vollständig neu für Berlin! Die großartige exotische Tiernummer 8 dressierte Xatnele betitelt: In der Wüste der Sataarab! Debüt: Tllly A Dolly, Diabolospielerinnen. Em 9'/« Ehr:"WesZ Der unsichtbare Mensch. Das grBSte und schSnste Ausstattungsstück der Gegenwart. z irkus Barum! nebst großer RaiMertaiirseliaiL Erstkl. Kunstkapazitäten Erstkl. Plerdematerlall U Olli# Kl In Terrain Pflügerstr. ncUKUIIU Tel. Amt Neukölln Ho. 1753. Täglich abends 81/, Uhr: Vorstellung:. GroBatadtprogramm. IMT* Zirkus ist geheizt.~ Polles Caprice. Zum 61» Male Die drei Schlager: Der keusche Joseph. � Der Rehbock.— Der Einbrecher. Theater Königstadt-Casino. f olzmorktttr. 72, Eck, Alexanderstr. Min. v. Bohnh. Jannowitzbrücke. Tagt, abends 8, Sonnt 5 Ubr: DaS grofte Novitäten-Programm und Marsch ausS Standesamt. Gräfte Passe in 1 Akt. Casino-Theatei* Lothringer(Sir. 37. Täglich 8 Uhr: Das sensationelle Oktober-Programm Robert Veeaeniann, Berlin» LieblingShumonst mit neuen Schlagern. Riesen- Lacheisolg des IIIS D-r Gr°Mist. Sonntag 4 Uhn O diese Mtfiiiicrk Reichshallen-Thealer Stettiner Sänger. Die Macht der Tine. Sonntag- nachm. 3 U. Der Kompagnieball NiQles Fest-Säle Dennewltzstraße 13, Jeden Donnerstag; tanzWimhei). W06 C. VIBIe. 1 Cyclamen- und Chrysanthemu m- Ausstellung Vom 1. bis 3. November im Reichstags-Qebäude Eintritt I Mark. s G © © 8 'Wielepp. Neukölln. Kür dttt Inseratenteil verantw.: rh-Glöckchiverltn. Druck u.Lettatzi vo«oäU» Vuchdcu?»"© S 10�»** I" löst** 2*** Nr. 255. 29. Iahrglmg. 2. fnlHt Ks Jormärts" Klllim Wlksdlall Aonnerstilg, 3!. Oktober 1912. )Zbgeoränetendaus. 8S. Sitzung. Mittwoch, den 30. Oktober 1912, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. D a l I w i tz, Dr. L e n tz e. Tie zweite Beratung des Sparkasscngesrhes wird beim Z 1 fortgesetzt. Abg. Wamhoff snatl.) spricht für einen Teil seiner- Freunde gegen die Vorlage. Die Sparkassen sollten eine sichere Niederlage für Spargelder sein, aber nicht ein Institut zur Hebung des Kurses der Staatspapiere. Abg. Waldstei»(Vp.) wendet sich unter andauernder großer Unruhe des Hauses ebenfalls gegen das Gesetz, bleibt aber im einzelnen auf der Tribüne unverständlich. Die Debatte wird geschlossen. Unter Ablehnung aller anderen Anträge wird der Kom- P r o in i tz a n t r a g W i» ck l e r angenommen. Nach Z 2 sollen drei Fünftel der mündelsicheren Jnhaberpapiere Reichs- oder preußische Staatspapiere sein. Minister v. Dallwitz wendet sich gegen die bei der Beratung des 8 1 von verschiedenen Rednern aufgestellte Behauptung, daß die Hauptsache bei der Vorlage nicht die Liquidität der Sparkassen, sondern die Hebung des Kurses der Staatspapiere sei. Die Bestimmung des ß 2 liege im Interesse der Sparer selbst, da die Staatspapiere jederzeit realisierbar seien. Abg. Hoff und fördert außerdem den Spartrieb der kleinen Leute. Wenn Sie unser Ziel billige», nehmen Sie den Antrag vorläufig an und suchen Sie bis zur dritten Lesung eine andere Fassung. Einen ichwankenden Zinsfuß kann man dadurch vermeiden, daß die Hälfte deslleberschusses den Einlagen zugeschrieben wird Unser Antrag hat große soziale Bedentnng für die Sparer. Er liegt ganz in der Richtung Ihrer Ziele, den Sparlrieb zu fördern, entspricht nicht einmal ganz unseren Prinzipien. Wir wollen nur. daß das Gesetz so weil wie möglich auch den kleinen Leuten zugute kommt.(Bravo I bei de» Sozial- demokraten.) Abg. v. Hasse»(k.) spricht für den Kommissionsantrag. Der Antrag Borchardt würde prallisch den kleinen Leuten wenig helfen. im Gegenteil, er würde sie indirekt schädigen, den» die Ueberschüsse werden jetzt von den Gemeinden zu sozialen Zwecken, Bau von Krankenhäusern usw. verwendet, die gerade den kleinen Leuten zu gute kommen. Damit schließt die Debatte. Der K ompromißantrag wird unter Ablehnung aller übrigen Anträge angenommen. Der Rest des Gesetzes wird'debattelos angenommen. Ei» Antrag Waldstein(Vp.), die Regierung zu ersuchen, möglichst noch in dieser Session einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen die öffentlichen Sparkassen gegen das Kursrisiko tunlichst sichergestellt werden, das ihnen der Zwangsbestand an Jnhaberpapieren aufbürdet, wird an eine Kommission von 21 Miigliedern verwiesen. Es folgt die Interpellation der Polen über die geplante Enteigiiiliig verschiedener polnischer Güter. Abg Korfanty: In dem Augenblick, wo die christlichen Balkan- Völker durch ihren Ansturm gegen die Türkei sich unsere Sympathien erwerben, hält es die christliche preußische Regieuing für angebrocht, die Rechte der polnischen Mitbürger nrit Füßen zu treten.(Sehr wahr! bei den Polen. Unruhe rechts.j Der Besitzer eines der für die Enteignung ausersehencn Güter ist der Nachkomme eines Mannes, der auf dem Schlachtfelde von König- grätz wegen besonderer Tapferkeit befördert worden ist(Lebhaftes Hört! hört! bei den Polen), ein anderes dieser Güter gehört einer Witwe mit unmündigen Kindern.(Hört! hört! bei den Polen) Seit dem März 1908 hatte die Regierung das Machtmittel der Enteignung in der Hand, aber bis heute hat sie sich gescheut, in unsere Rechte einzugreifen. Lediglich aus politischen Gründen wird die Enteignung jetzt vor- genommen, man konnte es nicht mehr aushalten vor dem Ansturm der patentierten Patrioten, der Hakatisten, und warf ihnen die vier Güter in den Rachen. Dabei lag ein Bedürfnis zur Enteignung absolut nicht vor, sind doch der Regierung in den letzten Jahren 157 000 Hektar angeboten worden.(Hört! hört! bei den Polen/ Wir leben unter einer Gewaltherrschaft, man hat uns politisch und national alles genommen, jetzt jagt man uns von Hof und Heimat. In dem Dokument, das unsere Einverleibung in Preußen aussprach, hat uns der König versprochen: „Ihr werdet in die preußische Monarchie einverleibt, ohne Eure Nationalität verleugnen zu müssen. (Hört! hört! bei den Polen.) Eure persönlichen Rechte, Euer Eigentum kehren wieder unter den Schutz des Gesetzes zurück.' (Hört! hört! bei den Polen.) Was ist aus diesem Königswort ge worden? Welche Achtung sollen wir vor einem Staate haben, in dem Königsworte einen solchen Wert haben?(Lebhafte Zustimmung bei den Polen.) Ich stelle weiter fest, daß uns F ü r st B ü l o w seinerzeit versichert hat, das Enteignuiigsgesetz werde niemals zur Anwendung komme».(Hört! hört! bei den Polen.) Wir halten nach wie vor das Enteignungsgesetz für verfassungswidrig, aber die jüngste Tat der Ansiedelungskommission verstößt ja sogar gegen die Bestimmungen dieses Gewaltgesetzes. Das Gesetz läßt die Enteignung nur zu in Gebieten, wo das Deutschtum gefährdet ist und zur Abrundung vorhandener deutscher Ansiedelungen. In den bclreffenden Gebieten aber ist die Zahl der Polen zurück- gegangen und es werden Stücks ans rein polnischen Gebieten herausgegriffen.(Lebhaftes Hört! hört I bei den Polen.) Also Sie verhöhnen Ihre eigenen Gewaltgesetze.(Sehr wahr! bei den Polen.) Man erzählt sich, daß der Kultusminister, der Land- wirtschastsminister und selbst Herr v. Dalltvitz im Staats- Ministerium überstimmt wordeiij'eie». Wenn ich aber zu entscheiden hätte, ob die Grundfesten des Staates erschüttert werden sollen, und ich würde überstimmt, so würde ich für ein weiteres Verbleiben in einem' derartigen Ministerium danken.(Lebhaftes Bravo! bei den Polen.) Den Hakatismus werden Sie auch durch diese Gewalttat nicht zur Ruhe bringen. Die Alldeutschen, die immerfort den internationalen Frieden stören, wollen auch die Ruhe im Innern nicht.(Sehr wahr I bei den Polen.) Das Prinzip der llnverletzlichkeit des Eigentums hat im preußischen Staate aufgehört, Geltung zu haben. Es können andere Mehrheiten kommen, die die Enteignung über Westpreußen und Posen ausdehnen auf die r o ß g r u n d b e s i tz e r überhaupt.(Sehr wahr I b. d. Soz.) Der Vater des Landwirtschaftsministers, von Schorle m er- Alst, sagte einst, er hätte gewünscht, daß das Wort Enteignung nicht ausgesprochen tvorden wäre, aber Freiher von Schorle m er Lieser verteidigte die Expropriation. Man kann uns von Haus und Hof treiben, aber unsere Gesinnung können Sie uns nicht nehme n. Diese neue Gewaltsmaßregel kann bei der polnischen Bevölkerung nur Haß, Erbitterung und Verachtung er- zeugen. Wir sind ein Volk von 20 Millionen, wir haben unsere eigene Kultur, die Sie nicht vernichten werden. Wir werden den Kampf bis aufs äußerste durchkämpfen und unser wird der Sieg sein, denn auf unserer Seite ist die Gerechtigkeit. Gottes Mühlen mahlen langsam, aber auch unsere Henker wird die gerechte Strafe ereilen.(Lebhafter Beifall bei den Polen.) Landwirtschaftsminister v. Schorlemcr-Lieser: Zur Beantwortung der Interpellation habe ich namens der StaatSregierung folgendes zu erklären: Es ist der Regierung bekannt, daß die Ansiedelungs- kommifsion eine Reihe von Gütern gemäß dem Enteignungsgesetz zu erwerben beschlossen hat. Die gegenwärtigen Eigentümer dieser Güter haben gegen den Beschluß der Kommission, die nach dem Gesetz zulässige Beschwerde innerhalb der gesetzlichen Frist erhoben. Da über diese Beschwerde von den zuständigen Ministern zurzeit noch keine Entscheidung getroffen tvorden ist, kann seitens der Regierung eine Beantwortung der Frage, inwie- weit die Voraussetzungen des Gesetzes von 1908 bei dem Be- chluß erfüllt worden sind, nicht erfolgen. Auf jeden Fall kommen nur Güter in Frage, die in letzter Zeit durch Veräußerung ihren Besitzer gewechselt haben.— Die Bedenken gegen das Ent- eignungSgesctz sind bei der Beratung dieses Gesetzes eingehend widerlegt worden(Stürmisches Gelächter bei den Polen und Sozialdemokraten), die Regierung kann sich daher auf eine»och- malige Erörterung dieser Bedenken nicht einlassen.(Lebhaftes Bravo! rechts und bei den Nationalliberalcn. Andauernde Pfui-Rufe bei den Polen.) Präi. Graf Schwerin-Liiwitz bittet, derartige Rufe zu unterlasse». Sie können Ihre» Widerspruch auf andere Weise kundgeben. Auf Autrag der Konservativen und Polen wird die B e- p r e ch u n g der Interpellation geschlossen. Abg. v. Gosiler(k.): Wenn auch Abg. Korfanty die ganze Polcnfrage wieder aufgerollt hat, so wünschen wir doch keine neue Polendebalte. Wir ziveifeln nicht daran, daß die Voraussetzungen ür das Vorgehen der Ansiedelungsrommission gegeben waren, und wollen der Regierung nicht in den Arm fallen.(Beifall rechts und bei den Nationaltiberalen. Gelächter und Pfuirufe bei den Polen und Sozialdemokraten.) Ein Vertagungsantrag des Abg. Dr. M i z e r S k i(Pole) wird abgelehnt. Abg. Dr. Fricdbcrg(natl.): Auch wir sehen keinen Anlaß zu einer großen PolendebaUe. Die Frage der Verfasfungsmäßigleit des EnteignungsgesctzcS ist für unS res juckioata(durch Gesetz ent- chieden).(Beifall recbtö und bei den Nationllibcralen.— Zurufe der äußersten Linken: Eckt nationalliberal I) Abg. Frhr. v. Zedlitz(st.): Es ist von Wert, festzustellen, daß in dieser Angelegenheit alle deutschnationalen Parteien einig sind. Wir zweifeln nicht daran, daß alle hier vorgebrachte» Beschwerden dem Gesetz entsprechend geprüft und erledigt werden.(Zuruf des Abg. Korfanty: Preußisches Recht!) P r e u ß i s ch e s R e ch t i st das beste der Welt!(Stürmische Heiterkeit bei den Polen und ozialdemokratcn. � Großer Beifall rechts und bei den National- liberalen.— Abg. H o s s m a n n sSoz.): lind da wollen Sie noch mehr Jesuiten?!) Es liegt gar kein Anlaß vor, über die An- gelegenheit noch ein Wort weiter zu verlieren.(Beifall rechts und bei de» Nationallibeialen.) Ein V e r t a g u n g s a n t r a g des Zentrums wird nunmehr angenommen. Bei der Feststellung der Tagesordnung für die morgige Sitzung wird ein Antrag des Abg. Dr. F r i e d b e r g(natl.), die Fortsetzung der Enteignungsdebatte erst hinter die Petitionen zu stellen, gegen die Partei des Antragstellers abgelehnt.(Lachen bei den Polen.) Nächste Sitzung Donnerstag, 10 Uhr: Fortsetzung der Enteignungsdebattc und Petitionen. Schluß 43/4 Uhr._ Angriff« gegen die tsrüIIch-MlMischen flrbeilsnachweife. Kürzlich machten wir Mitteilung von einem Eingriff des Ministers des Inner» in die Geschäfte des paritätischen Arbeits- Nachweises der Maler in Hannover. Das Statut dieses Arbeits- Nachweises enthielt die auf tariflicher Vereinbarung beruhende Be- stimmung, daß Mitglieder der Organisationen, welche den Tarif ab- geschlossen haben, bei der Arbeitsvermittlung den Vorzug vor Un« organisierten erhalten. Der Minister verlangte die Streichung dieser Bestimmung, die denn auch erfolgt ist, weil sich die Arbeitgeber dem Verlangen des Ministers fügten. Die Arbeiter wollten an der Be- stimmung festhalten.— Wie der Minister in Hannover, so geht Dr. Freund als Vorsitzender des Zentralvereins für Arbeits« Nachweis in Berlin gegen die genannte Bestimnmng der paritätischen Facharbeitsnachweise vor. Dr. Freund will, daß für die Verwaltung der an die öffent- lichen allgemeinen Arbeitsnachweise angeschlossenen paritätischen Fach- arbeitsnachweise folgende Grundsätze gelten: 1. Offene Arbeitsstellen und Arbeitsgesuche müssen allen hierzu geeigneten und sich meldenden Personen zugänglich ge- macht werden. 2. Eine grundsätzliche Bevorzugung b e st i m m t e r Personen kreise, sei es unter den Arbeitgebern oder Arbeit- nehmern, bei der Durchführung der Arbeitsvermittlung ist un- zulässig. Dies schließt nicht aus, daß— nach näheren Be- stimmungen des Arbeitsnachweisreglements— bei der Zuweisung von Arbeitslräften die Dauer der Arbeitslosigkeit beziehungsweise der Wartezeit Berücksichtigung findet, daß ferner aus besonderen Anlässen(Krisis auf dem Arbeitsmarkt)— nach näheren Bestimmungen des Arbeitsnachweisreglements— eine Bevorzugung der einheimischen Arbeiter vor den Zugewanderten, der ver- heirateten vor den unverheirateten stattfindet, daß endlich ein- heimische Arbeitgeber bei der Zuweisung von Arbeitskräften vor auswärtigen bevorzugt werden. 3. Ist für ein bestimmtes Gewerbe ein allgemeiner das gesamte Gewerbe umfassender Tarif- vertrag abgeschlossen worden, so kann durch Beschluß des Kuratoriums bestimmt werden, daß die Arbeitsvermittlung nur zu den tariflichen Arbeiisbedingnngen erfolgt. Ob die Voraus- fetzungen dieses Beschlusses vorliegen, entscheidet der Träger des allgemeinen Arbeitsnachweises(Zcntralverein). 4. An die den Arbeitsnachweis benutzenden Arbeitgeber und Arbeiter darf eine Frage nach der Zugehörigkeit zu einer Organisation nicht gestellt werden. Die Vermitt- lung hat unparteiisch und ohne jede Rücksicht auf die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Organisation zu erfolgen. Eine besondere Gebührenerhebung von Personen, welche keiner bezw. keiner bestimmten Organisaiion angehören, ist nicht zulässig. Wird der Facharbeitsnachweis durch Zuschüsse von feiten be- stimmter Arbeilgeber- und Arbeitnehmer- Organisationen init unterhalten, so ist der Träger des allgemeinen Arbeitsnachweises (Zentralverein) verpflichtet, zum Ausgleich für die keiner Organi- sation angehörenden Personen einen besonderen Zuschuß zu den Kosten zu leisten. Fach-Arbeitsuachweise, welche die obigen Grundsätze nicht be« folgen, können, auch wenn sie paritätisch organisiert sind, als„öffent- liche" und„im ausreichenden U m f a n g e b e st e h e n d e" im Sinne des Stellenvermittlergesetzes nicht angesehen werden. Zu diesem Vorgehen de» Herrn Dr. Freund nahm amTiens- tag eine Konferenz der GcwcrkschaftSvorftändc und ArdeitSvermittler Stellung. Der Referent K ö r st e n führte aus: Das Vorgehen gegen den Arbeitsnachweis der Dialer in Hannover ist zurückzuführen auf die Tätigkeit W i s ch u ö w s k y s, des bekannten Agenten der gelben Bäcker. Wischnöwski hat sich, gedeckt durch die Bäckcrinnung, an den Polizeipräsidenten gewandt, dieser hat die Sache an den Minister weitergegeben. Der Minister hat mit Dr. F r e u u d Rück- spräche genommen und ist dann in der bekannten Weise gegen den Arbeitsnachweis der Maler in Hannover vorgegangen, dein die Alternative gestellt wurde, entweder den besagten Passus aus dem Statut zu streichen oder das Lokal im Gebäude des städtischen Arbeitsnachweises auszugeben. Auf dem Verbandstag der Arbeits- nachweisvereine in Hamburg wurde Dr. Freund wegen dieser An- gelegenheit interpelliert. Er sagte, der Verband der Arbeitsnachweis- vereine habe nicht mit dem Minister konferiert, er selbst könne keine Auskunst geben, ober der Verbaudstag werde Stellung nehmen, um eine Aussprache mit dem Minister herbeizuführen. Wir waren nun etwas verdutzt, als kurz nach dem Hamburger Ver- bandstage die Vertreter im Kuratorium des Arbeitsnachweises von Dr. Freund die Grundsätze zugestellt bekamen, die in der Ver- folgung der paritätischen Facharbeitsnachweise noch viel loeiter gehen als man in Hannover gegangen ist. Bisher, auch noch auf dem Verbandstage in Hamburg, hat Dr. Freund auf dem Standpunkt gestanden: Was die Gewerkschaften hinsichtlich der Arbeitsvermittelung mit den Arbeitgebern vereinbaren, das geht den Zentralverein nichts an. Der Passus III der Grundsätze widerspricht aber dieser Auf- fassung. Da heißt eS, daß eS erst eines Beschlusses des Kuratoriums bedarf, wenn die ArbcitSvermittelung zu den laiiflichcn Bedingungen erfolgen soll. DaS schlimmste ist der letzte Absatz, wo Dr. Freund in Aussicht stellt, daß gegenüber den Arbeitsnachweisen, die sich seinen Grundsätze» nicht fügen, das Stellenvermittlergesetz An- Wendung finden soll.— Eine Sitzung des Kuralorinms hat sich kürzlich mit dieser Angelegenheit beschäftigt. Dr. Freund halte in der Verteidigung seines Vorgehens einen schweren Stand. Ihm wurde vorgehalten, daß er früher die Ge- werkschaften bestärkt hat in der Haltung, die er jetzt bekämpft und daß er den Gewerkschaften geraten hat, sich in ihren Grundsätzen der ArbeilSvermittelung nicht durch die Innungen oder außerhalb des Gewerbes Stehende beeinflussen zu lassen. In der Sitzung des Kuratoriums haben sich auch Vertreter des Magistrats und Gewerberichter gegen Dr. Freund gewandt und betont, daß nicht nur die Arbeiter, sonder» auch die Arbeitgeber ein Interesse daran habe», daß den tariftreuen Gehilfen ein Vorzug vor den außerhalb der Tarifgcmeinschaft stehenden Arbeitern eingeräumt wird. Die Sitzimg des Kuratoriums endete damit, daß der Wunsch aus» gesprochen wurde, eine Kommission einzusetzen, welche den Entwurf des Hcrni Dr. Freund neu zu bearbeiten hat.— Wenn wir diese Angelegenheit in der heutigen Konferenz zur Sprache bringen, so wollen wir dadurch auf dir Gefahr aufmerksam machen, welche den paritätischen Facharbeilsnachweiscn droht und wir lvollen von Ihnen hören, ob wir uns au der Kommission beteiligen solle»,— Dr. Freund sagte, er habe eö Jahr und Tag mit angesehen, ohne etwas zu sagen. Aber jetzt seien so viele Beschwerden über die Arbeitsvermitielung eingelaufen, daß er eingreifen rnüsse. Richtig ist ja, daß bestimmte Personen systematisch mit Denunziationen vor- gehen. Ein allgemeiner Mißstand ist aber dadurch nicht erwiese». Es handelt sich hier um eine Angelegenheit, die große Bedeutung für die Gewerkschaften hat und uns deshalb veranlaßt, Stellung zu nehmen. Den Ausführungen des Referenten folgte eine sehr eingehende Aussprache. H e tz s ch 0 l d verwies darauf, daß der Verband dei� Bäcker im Jahre 1904 auf dringendes Anraten des Dr. Freund einen paritätischen Arbeitsnachlocis errichtet hat, bei dem die tarif- treuen Arbeitgeber sowohl wie die tariftreuen Arbeiter den Vorzug haben. Diese Bestimmung ist deshalb notwendig, damit wir eine Kontrolle darüber haben, daß die von uns vermittelten Arbeits- kräfte dem Arbeitgeber gegenüber durchaus zuverlässig sind. Eine solche Kontrolle können wir nicht ausüben und eine Garantie für die Zuverlässigkeit der Vermittelten können wir nicht geben, wcuu wir an jeden Beliebigen, den wir gar nicht rennen, ohne Unterschied Arbeit vermitteln sollen. Dadurch, daß wir die'Arbeitgeber in jeder Beziehung zufriedenstellen, haben wir dreiviertel der ge- samten Arbeitsvcrmittelung au uns gezogen. Tie Arbeitsvermittc- lung der Innung hat keine Bedeutung mehr. Die Innung hat aber beschlossen, daß seder Geselle, auch wenn er von unserem Ar» ieitknachweis gtnoiumen wird, dem Nachweis der Innung gemeldet werden und Gebühren bezahlen muh. Dadurch kommt der Ar- beitsnachwciö der Innung in seiner Statistik zu viel höheren Ziffern als er tatsächlich vermittelt.— Jetzt will uns Dr. F r e u n d Ausnahmegesetze vorschreiben, nachdem er seit Jahren die Art der tliermittelung befürivortete, die unseren Arbeitsnachweis in die Höhe gebracht hat. Dr. Freund, der durch zu weitgehendes Vertrauen van Arbeitern hochgekommen ist, greift jetzt die Tarif- freiheit der Gewerkschaften aii. Er hat gar kein Recht, in dieser Weise Zensur su üben. Z e i s ke wies darauf hin, dah Dr. Freund in Aussicht ge- stellt habe, paritätische Arbeitsnachweise mit den Gelben und Christ- liche» zu machen, wenn die freien Gewerkschaften seine Grundsätze nicht annehmen würden. Der letzte Passus in dem Schreiben des Dr. Freund beziehe sich auf die Bestimmung des Stellender- mittlergcsetzes, wonach in Orten, die eine öffentliche Arbcitsver- Mittelung in ausreichendem Umfange haben, Stcllenvermittlcr nicht konzessioniert werden dürfen. 2>r. Freund will also die gewerbs- mäßigen Stellenvermittler gegen die paritätischen Arbeitsnachweise, die sich seinem Willen nicht fügen, ins Feld führen. Hinter dieser Absicht stehe jedenfalls die Polizei. Eugen Brückner bezeichnete die Grundsätze Dr. Freunds als undurchführbar. Im Buchbindergewerbe gebe es eine Reihe von Firmen, die ausdrücklich organisierte Arbeiter verlangen. Es sei doch selbstverständlich, oah die Mitglieder der Organisationen, ivclche die Kosten für den Arbeitsnachweis aufbringen, auch den Vorzug haben. Bei den Buchbindern müssen laut tariflicher Ab- machung die Unorganisierten eine Gebühr für die Arbeitsvermittelung zahlen. Das würde undurchführbar sein, wenn man, wie Dr. Freund will, nicht nach der Zugehörigkeit zur Organisation fragen soll. Mit aller Kraft müsse man sich gegen die Absichten Dr. Freunds wehren. Schneider bemerkte, daß die Bäckerinnung nur an solche Gesellen Arbeit vermittelt, die bei einem Meister des Jnnungsver- bandcs„Germania" gelernt haben. Das gehe noch viel weiter als die angefochtene Bestimmung der paritätischen Arbeitsnachweise. Der Arbeitsnachweis der Bäckerinnungen sei durchaus nicht un- abhängig. Der bekannte Arbeitsvermittler Vogel gebe Anweisung, wer durch den Arbeitsnachweis der Innung eingestellt werden soll. Das sei eine Parität im Sinne Dr. Freunds. Die angefochtene Bestimmung im Statut der paritätischen Arbeitsnachweise müsse bestehen bleiben, weil sie auf tariflichen Abmachungen beruht und besonders die Großbäckereien laut Tarif nur BerbandSmitglicder beschäftigen. Klotz verwies darauf, daß in den Publikationen des Per- bandes märkischer ArbeitSnachtvcise, dem Dr. Freund nahesteht, fortgesetzt unorganisierte Arbeiter durch Unternehmer gesucht werden. Wenn die Unternehmer dies Recht für sich in Anspruch nehmen, dann solle man doch den Arbeitern nicht verbieten wollen, von demselben Recht in ihrem Sinne Gebrauch zu machen. Zur Bekämpfung-»r Schmutzkonkurrenz sei eS notwendig, daß der Ar- veitSnachlveis(ich in den Händen der Vertragsparteien befindet. Pötzscha An die vielen Beschwerden, die an Dr. Freund gekommen sein sollen, wird niemand glauben. Es liegt so: Die Gelben und die Christlichen hetzen schon lange gegen die pari- tätischen ArbeitSnachiveisc, weil diese angeblich die freien Gcwerk- schaften fördern. Das ist eS. was Dr. Freund nach einem Wink von oben zu feinem Vorgehen veranlaßt hat. Die paritätischen Ar- beitsnachweise sind das Ergebnis langer Kämpfe. Es ist durchaus berechtigt, daß diejenigen, Ivelchc zur Erhaltung dieser Einrichtung beitragen, auch ein Vorzugsrecht genießen. Wie kann man denn verlangen, daß die Unorganisierten ohne weiteres von den tarif- lichcn Einrichtungen, für die sie nichts getan haben, profitieren sollen. Dr. Freund hat ja, wie Z e i S t e schon sagte, die zahl- reichen Unternehmervereine im Gastwirtsgewcrbe zum Anschluß an den paritätischen Arbeitsnachweis, der jetzt in Vorbereitung be- griffen ist, zu bewegen. Der Verband der Gastwirtsgchilfcn hat sich bereit erklärt, zu den Kosten dieses Arbeitsnachweises ll)CKX> M. beizutragen. Der Verband wird diese Absicht wohl nicht ausführen, wenn Dr. Freund auf der Durchführung seiner Grundsätze be- J'harrt. Mit den Gelben wird er nichts erreichen, wenn er den Ver« band der Gastwirtsgchilfcn, der die meisten Tarifverträge hat, auS- schließen will. Es ist ja nicht unbedingr nötig, daß die Facharbeits- nachweise den städtischen Arbeitsnachweisen angeschlossen sind. So gut wie die Buchdrucker können auch andere Gewerkschaften die Kosten des Arbeitsnachweises tragen und diese Einrichtung ohne Dr. Freund weiter betreiben. In: Interesse der möglichen Wciterentwickelung der paritätischen zu städtisck>en Arbeitsnachweisen ist das Eingreifen Dr. Freunds zu bedauern. Aber die Ent- Wickelung muß nicht notwendig in dieser Richtung gehen. Entweder Dr. Freund zieht sein Verlangen zurück oder das Tischtuch zwischen ihm und uns wird zerschnitten. Massini: Mir scheint, daß Dr. Freund eine Einrichtung, die seit langer Zeit erstrebt und nach schweren Kämpfen ins Leben getreten ist, mit einem Schlage vernichten will, um eine neue Maß- nähme zum Schutz der„Arbeitswilligen" zu sckmffen. Dr. Freund maßt sich Rechte an, die er nicht besitzt. Er will in die Ausführung der Tarifbcstimmungen hineinreden. Wir können noch gar nicht ermessen, welche Absichten Dr. Freund eigentlich hat; aber das hat er gesagt, daß absolute Unparteilichkeit sein Wille ist. Wenn eS ihm gelingt, seine Absicht in Berlin durchzuführen, dann werden alle städtisch subventionierten Arbeitsnachweise im Reiche seinem Beispiel folgen. Die Vorschläge Dr. Freunds sind nicht an- nehmbar. Das Mitbestimmungsrecht werden wir uns nicht nehmen lassen. Nachdem E tz k o r n in gleichem Sinne gesprochen hatte, be- merkte Körsten im Schlußwort unter anderem: Dr. Freund glaube, die Gewerkschaften, die schon öfter nachgegeben hätten, würden auch in diesem Falle nachgeben. Das sei ein Irrtum Dr. Freunds. In diesem Falle ständen die Gewerkschaften, wie die Aussprache gezeigt habe, geschlossen auf einem ablehnenden Standpunkt. Der Vorsitzende Maas; stellte fest, daß die Konferenz voll- kommen einig ist in der Ablehnung der von Dr. Freund aufgestellten Grundsätze für die Arbeitsvermittelung, daß die Gc- werkschaften aber ihren Vertretern die Beteiligung an der Kom- Mission, welche diese Grundsätze neu bearbeiten soll, nicht versagen. * Geschäftliche Verbindungen einzelner Gewerkschaften mit der Berliner Paketfahrtgefellschaft bildeten den zweiten Punkt der Verhandlungen der Konferenz. Eine SeklionSversammlung des TranSportarbeitervcrbandcS hat «in 22. September eine Resolution angenommen, welche die Ge- werkschaften, die ihre Zeitungen durch die Paketfahrtgesellschast bestellen lassen, des unsolidarischen Verhaltens beschuldigt. Eine dieser Getverkschaften hat aus Anlaß dieser Resolution eine Be- schwcrde an den Ausschuß der Gowcrkschaftstommission gerichtet. Dazu hat der Ausschuß folgenden Beschluß gefaßt: Der Ausschuß der GewerkschaftSkoinmission hat auf Einspruch einzelner Gewerkschaften gegen den Vorwurf der Versammlung der Transportarbeiter vom 22. September, in welcher einzelnen ' Gelverkschasten unsolidariscbcs Verhalten insofern vorgeworfen wird, daß sie noch immer Verträge mit der Paketfahrtgescllschaft haben, erkannt, daß der Vorwurf ungerechtfertigt erhoben worden ist. Die Gewerkschaften konnten nach der letzten Vorstände- konfercnz vom 29. September 1909 Spcditionsverträge mit der Paletfahrtgesellschaft eingehen, nur war ihnen aufgegeben worden. in Zukunft nur kurzfristige Verträge abzuschließen, damit eventuell diese schnell gelöst werden können. Eiu erneuerter Antrag vom Verband der Transportarbeiter war inzwischen nicht gestellt, mithin konnten auch keine gerecht- fertigten Anklagen aus Abschluß ,olcher Verträge erhoben werden. ' Diese Angelegenheit rief eine längere Aussprache hervor, deren Ergebnis war. daß der Ausschuß beauftragt wurde, sich nochmals mit der Frage zu beschäftigen, ob den Gewerkschaftcn die Lösung ihrer geschäftlichen Verbindungen mit der Paletfahrtgesellschaft zur Pflicht gemacht werden so?. In einer späteren Versammlung soll der Ausschuß über das Ergebnis seiner Beratung Bericht erstatten. » Zu den bevorstehenden Gcwerbcgerichtswahlen machie Körsten folgende Mitteilungen: Es ist ein Flugblatt zur Wahlagitation fertiggestellt. Die Gewerkschaften werden ersucht, recht bald mitzuteilen, wieviele Exemplare des Flugblattes sie haben ivollen und wann sie es wünschen. Ferner möge jede Ge- werkschaft zwei ihrer Mitglieder angebe», die wahlbcrccktigt sind und als Beisitzer im Wahlburcau fungieren können. Da bei dieser Wahl bedeutend mehr Wahlhilfe gebraucht wird als das vorige Mal. so werden die Gewerkschasten ersucht, je nach ihrer Größe dem Bureau der Gewerlschaftskommission 2, 10, 20 und 50 Personen anzugeben, die bereit sind, am Wahltage Helferarbcit zu verrichten. Das Wahlmaterial finden die Betreffenden in den 48 Bezirks- lokalen vor. Der Wahlkampf wird lebhafter werden wie im vorigen Jahre, darum ist ausgiebige Wahlarbcit notwendig. Es sind sechs Kandidatenlisten aufgestellt. Die Liste der freien Gewerkschaften trägt die Nummer 5. Für Meldungen, die am Wahltage an die Gewerkschaftskommission eingehen, sind die Telephoniuimmern Moritzplatz 2141, 2297 und 4407 zu benutzen, «ranllheit und soziale Lage. Der Einfluß der sozialen Lage auf Krankheiten ist auch dem Laien nicht unbekannt. Wer sich auch nur oberflächlich mit diesem Problem beschäftigt hat, der weiß, wie sehr die Entstehung und Entwickelung der meisten Krankheiten durch die soziale Lage be- cinflußt wird und wie recht der verstorbene Sozialhygienikcr 2. Neumann hatte, als er die materielle Not als die gleich fruchtbare und furchtbare Ursache der Krankheiten bezeichnete und hinzufügte, es bedürfe keines Beweises, daß der größte Teil der Krankheiten, welche entweder den vollen Lebensgenuß stören oder gar einen beträchtlichen Teil der Menschen vor dem natürlichen Ziele dahinraffen, nicht auf natürlichen, son- dcrn auf künstlich gezeugten, gesellschaftlichen Verhältnissen beruht. Gerade in der heutigen Zeit, wo Gemeindeverwaltungen und vereinzelt auch Regierungen unter dem Einfluß der Sozialdcmo- kratie sich mehr und mehr auf ihre Pflichten auf sozialhygienischem Gebiete gestoßen werden, wo Millionen aufgewendet werden, um den schlimmsten Volksseuchcn, der Tuberkulose und der Säuglings- sterblichkeit, Einhalt zu gebieten, wo man angesichts des drohenden Gespenstes des Geburtenrückganges und der damit verbundenen Entvölkerung nach Mitteln sucht, um das Menschengeschlecht gesund- heitlich widerstandsfähiger zu machen, ist es doppelt und dreifach zu begrüßen, daß eine Reihe hervorragender Aerzte und Hygieniker, darunter Männer wie Blaschko, Gottstein, Lennhoff u. a. sich zu- sammengcsunden haben, um in volkstümlicher Weise den Anteil zu schildern, der bei Entstehung und Verlauf der Krankheiten dem sozialem Faktorenkomplex zukommt, und zu zeigen, welcher Faktor dieses Komplexes jedesmal von hervorragender Bedeutung ist. Man muß den Leitern des Werkes,*) Herrn Professor Dr. M. Mossc und Herrn Dr. G. Tugendreich zugestehen, daß sie in der Auswahl ihrer Mitarbeiter— nach den bis jetzt vorliegenden beiden ersten Lieferungen zu urteilen— eine glückliche Hand gehabt haben. Selbstredend ist es in dem Rahmen eines Artikels nicht möglich, die Leser auch nur annähernd mit dem reichhaltigen Material bekannt zu machen, das uns hier geboten wird. Wir beschränken uns auf einige wenige Andeutungen und müssen«s den Jnter- essenten, vor allfcm unseren Abgeordnetem Gemeindevertrctern, GewerkschaftSbeamten und nicht zuletzt dem großen Kreise der in den Instituten der sozialen Gesetze tätigen Personen überlassen, sich durch eifriges Studium in den Inhalt des Werkes zu ver- tiefen. Das wird nicht nur ihnen selbst zum Vorteil gereichen, sondern mehr noch der Gesamtheit, deren Interessen wahrzunehmen sie berufen sind.- Unter dem besonders lehrreichen Abschnitt über die sozialen Ursachen der Krankheiten steht obenan eine vorzügliche Darstellung des Geheimrats Dr. E. Wernicke-Posen über die Wohnung in ihrem Einfluß auf Krankheit und Sterblichkeit. All das, was von sozialdemokratischer Seite von jeher betont ist. der schädliche Ein- sluß ungesunder und übcrfüllter Wohnungen, wird hier wissen- jchaftlich zusammengefaßt und den Regierungen die Notwendigkeit einer durchgreifenden Wohnungsreform so warm ans Herz gelegt, daß sie, wenn sie nicht die Geschäftsträger der besitzenden Klassen, andern die Sachwalter der großen Masse der Bevölkerung wären, eS als ihre vornehmste patriotische Pflicht betrachten müßten, endlich Hand ans Werk zu legen, um dem furchtbaren WohnungS- elend zu steuern. Aufs neue wird uns bestätigt, wie die Tuber- kulose in erster Linie eine WbhnungSkrankheit ist. daß die schweren, zu Schwindsucht führenden Kindheitsinfektioncu hauptsächlich inner- halb der Wohnungen, innerhalb der Familie stattfinden. Bestätigt wird uns das furchtbare Bild des Wohnungselendcs, das u. a. Albert Kohn in seinen Enqueten vor unseren Augen entrollt hat. Wir erfahren weiter, daß auch die eigentliche Ursache des Broch- burchfalls, an dem Tausende von Säuglingen dahingerafft werden, weniger in mangelhafter Ernährung liegt, als in Schädlichkeiten, die in letzter Instanz in den Wohnungen begründet sind, und daß insofern die Sommersterblichkeit der Säuglinge ebenso wie die Tuberkulose in erster Linie ein Wohnungsproblem ist. Fürwahr: diejenigen, die mit der Sozialdemokratie dafür kämpfen, daß die 400 000 Kinder, die von den etwa zwei Millionen alljährlch in Deutschland geborenen Kindern vor Vollendung des ersten Lebens- jahres sterben, am Leben erhalten bleiben, erweisen sich im kleinen Finger tausendmal patriotischer als diejenigen, die fort und fort oas Wort Patriotismus im Munde führen, in Wirklichkeit aber durch die Vernachlässigung ihrer sozialen Pflichten, durch die künst- liche Verteuerung der Mieten und der Preise für Nahrungsmittel, ich als schlimmste Feinde, als Ausbeuter des Volkes und somit als antinational erweisen. Aber nicht nur mit der Tuberkulose, andern auch mit den beiden anderen großen VolkSkrankheiten unserer Zeit, mit dem AlkoholiSmuS und der Syphilis, hängt die Wohnungsfrage aufs engste zusammen. Mit vollem Recht kommt der Verfasser zu dem Schluß, daß die Wohnung die Grundlage 'ür das geistige und körperliche Wohlbefinden eines jeden Menschen ist, und daß somit die Lösung des Wohnungsproblems mit die dringendste soziale Forderung der Gegenwort bildet. Mögen unsere „Staatsmänner" sich das gesagt sein lassenl Nicht minder interessant sind die Arbeiten von Professor Dr. Felix Hirschfeld-Berlin über die Ernährung in ihrem Einfluß auf Krankheit und Sterblichkeit sowie von Dr. Franz Koclsch-München über Arbeit bczw. Beruf iu ihrem Einfluß auf Krankheit und Sterblichkeit. Zeigt uns Hirschfeld, ein wie großer Teil des Volkes unterernährt ist. während auf der anderen Seite in den wohlhabenden Klassen durch das Uebermaß an Speisen Krankheiten der verschiedenen Art erzeugt werden, so führt uns der Münchcner Landcsgewerbearzt Dr. Koelsch i» das große Gebiet der Berufs- krankkeiten, die von der Berufstätigkeit weit mehr beeinflußt wer- den, als man gewöhnlich anzunehmen geneigt ist. Wir hören aus autoritativem Munde, was schon ein Marx und Engels immer *) Krankheit und soziale Lage. I. F. Lehmanns Verlag, München 1912. 18 M- und itfitffet ivieder tclonf hassen, daß die sseivunssern'Swürdigen Fortschritte der Maschinentechnik, die Vertiefung unseres Wirt- schaftslcbens, zwar Intensität und Rhythmus der Arbeit, gleichzeitig damit aber auch die Abnützung der menschlichen Arbeitskraft außer- ordentlich gesteigert haben, mit anderen Worten, daß die Arbeiter- klasse von den Errungenschaften der Kultur keinen Vorteil, sondern eher Nachteil hat. Wir finden bestätigt unsere Behauptung von der Schädlichkeit der Nacht-, Frauen- und Kinderarbeit, von der zunehmenden Unfallhäufigkcit infolge von Nebermüdung. Wir sehen, wie die Gesundheitsschädigung der Mutter sich besonders bei gewerblichen Vergiftungen auch an der Nachkommenschaft rächt, wie Fehlgeburten, Totgeburten, lebensschwache oder degenerierte Kinder und große Sterblichkeit im ersten Lebensjahre die Folge sind. Wenn man auf 1000 Geburten im Mittel 33 Totgeburten rechnet, so hat man bei schädlichen Betrieben oft 180 bis 170 zu erwarten. Zu diesen gesundheitsschädigenden Momenten treten dann noch i» den verschiedensten Berufen eine Anzahl spezifischer Schädlichkeiten hinzu, welche Krankheit und Sterblichkeit ganz wesentlich zu bc- einträchtigen vermögen, Schädlichkeiten, die im einzelnen aufzu- zählen, zu weit führen würde, die aber die Notwendigkeit eines wirklich durchgreifenden ArbeiterschutzeL klar beweisen. Wenn Koelsch mit Rücksicht darauf, daß für manche Arbeitsverrichtungen die achtstündige Arbeitszeit schon zu viel ist, während für andere Beschäftigungen die Arbeitskraft selbst in 12 Stunden noch nicht ausgenutzt ist, die Forderung des achtstündigen Normalarbeitstages als ein soziales Unding bezeichnet, so vergißt er, daß wir den Acht- stundentag ja nicht allein aus gesundheitlichen Rücksichten fordern. Doch wollen wir an dieser Stelle mit ihm nicht darüber rechten, zumal da er selbst zugibt, daß nach dieser Richtung hin unsere Kenntnis von der Physiologie der Arbeit und deren Umsetzung in die Praxis noch weiterer Förderung bedarf. Beipflichten können wir ihm in seiner Forderung auf Abschaffung der Nachtarbeit, auf Gewährung mindestens eines vollen Ruhetages in der Woche sowie eines alljährlichen mehrtägigen ununterbrochenen Urlaubs, „um Körper und Geist die gewisse Menge von Spannkraft zu er- halten, ohne welche ein vorzeitgcr Energieverbrauch unausbleib- lich ist". Speziell mit dem Einfluß der sozialen Lage auf Krankheit und Sterblichkeit der Frau befaßt sich Sanitätsrat Dr. Wcinbcrg-Stutt- gart. Auch hier wieder dasselbe Bild des mangelnden Arbeiter- schutzes. Daß wir feine Anregung aus Einführung einer Mutter- schaftsbersicherung, namentlich einer besonderen Fürsorge für un- eheliche Schwangere und Wöchnerinnen warm befürworten, bedarf ebensowenig einer Betonung, wie, daß wir übereinstimmen mit dem leitenden Arzt einer städtischen Fürsorgestclle in Berlin Dr. Tugendreich, der den Einfluß der sozialen Lage auf Krankheit und Sterblichkeit des Kindes untersucht und dabei in Einfiang mit dem Hygieniker Professor Gruber zu dem Ergcbni kommt, daß man nie vergessen darf, daß alle sogenannten sozialen oder Wohl- fahrtseinrichtungen nur Surrogate sind für die Sicherung des gefunden Gedeihens des Nachwuchses der Kinder wie der Erwach- jenen im Schöße der Familie selbst. Es ist, wie gesagt, unmöglich, an dieser Stelle den reichen Inhalt des Werkes auch nur annähernd zu erschöpfen. Wohin wir auch blicken, gleichviel, ob wir die Arbeit des Hamburger Schul- arztcs Dr. Fürst über den Einfluß der sozialen Lage auf die Schultauglichkeit zur Hand nehmen, oder den Artikel von Dr. Voß über den Einfluß der sozialen Lage auf Nerven- und Geistes- trankhritrn, Selbstmorde und Verbrechen, allüberall stoßen wir auf die sozialen Verhältnisse als die Hauptursache sowohl von körpcr- lichen und geistigen Gebrechen aller Art, als auch von anderen Uebeln, wie Landstreichertum, Prostitution und Verbrechen. Welche Rolle in dieser letzten Beziehung der Berus spielt, weist Voß über- zeugend nach. Wenn auch vieles von dem Inhalt deS Werkes für uns nichts Neues ist, sondern nur die Behauptungen der Sozialdemokraten bestätigt, so wird doch ein jeder, der im öffentlichen Leben steht und sich mit sozialen Fragen befaßt, manche Anregung daraus schöpfen und niemand wird es unbefriedigt auS der Hand legen. Hoffen wir, daß sich der dritte und letzte Teil, der die soziale Therapie der Krankheiten umfassen soll, den beiden bisher er- schienen«! Teilen würdig an die Seite rcihtl?. H. Der Untergang der Titanic" vor dem Schöffengericht. Bor der 145. Abteilung des Schöffengerichts Bcrlin-Mitte, unter Borsitz des AmtSgerichtsratS Wollner, stand gestern Termin in einer Privatklage an, in welcher die..Titanic".Katastrophe zur Erörterung gelangte. Privatkläger sind Herr Guglielmo Marconi, der bekannte Er» Inder der drahtlosen Telegraphie, und der geschäftsführende Di- rektor der Marconis Telegraph-Company, Godfrcy Charles Jsaacs, Angeklagter ist der verantwortliche Redakteur der„Welt am Mon- tag", Alfred Scholz. Die„W. a. M." veröffentlichte am 29. April unter der lieber- sehnst»Der Gemütsmensch Marconi" einen Artikel. In diesem wurde u. a. behauptet, der geniale Erfinder Marconi habe skrupcl- los bei der„Titanic"-Katastrophe den Schmerz und die Oual Tausender zugunsten seiner Gesellschaft in bar gemünzt. Er habe bel der Unters uchungStommission in Washington selbst zugegeben, daß mit seinem Wissen und Willen die Gesellschaft zu selbstsüchtigen� Zwecken die Katassrophe ausgebeutet habe. Von der Marconi-Gc- sclls�ft seien, weiin die Berichte der amerikanischen und englischen Presse richtig seien, absichtlich die Folgen deS Unglücks verschnnegen worden,(»« habe zu diesem Zweck den Telegraphisten des Schiffes „Carpathia bestochen und Marconi selbst habe hinter diesem pcin- vollen Schweigen gestanden, welches tagelang über dem Schicksal der 2500„Titanic"-Passagiere lag und die vielen Tausende der Angehörigen auf den Gipse! der Verzweiflung trieb. Marconi sei der grauiamste aller Profitjäger, der unbekümmert um die Zweifel über Namen und Schicksal der Geretteten seelenruhig den aus Tod und Verzweiflung herausspringenden Profit berechnet habe.— Letztere Behauptung des Artikels bezieht sich darauf, daß die Marconi-Gesellschaft. wie behauptet wird, angeblich mit der„New Bork Times" ein Abkommen getroffen habe, wonach nur diese Zeitung allein Nachrichten über das Unglück erhalten solle und da- für ein kolossales Honorar an die Marconi-Gesellschaft bezahlen müsse. Angekl. Scholz erklärt, daß der Artikel nur das wiedergebe. tvas iu zahlreichen anderen deutschen Zeitungen auf Grund der Berichte englischer und amerikanischer Blätter gleichfalls besprochen und mit dem Ausdruck der Empörung kritisiert worden sei AIS Dolmetscher der englischen Sprache ist der vereidete Dolmetscher beim Kammergericht Julius Haackv geladen worden. Von feiten der Privatkläger ist der Marconi-Telegraphist Harold Sidney Bride zur Stelle gebracht. Dieser war bei der Katastrophe auf der „Titanic", er befand sich unter den Geretteten, die von dem Taiiipfcr„Carpathia" aufgenommen worden sind, und hat frei- willig dcni Telegraphisten der„Carpathia" in Ausübung seines Amtes geholfen.~ Vcrteidiycr Rechtsanwalt Dr. Löwcnstcin: Er wolle alles, was in dem Artikel stehe, als durchaus wahr und zu- treffend beweisen und habe jolche Beweise schon in seinen Schrift- sähen angeboten. Er berief sich auf den Redakteur Fuercdi zu New Aork und den Chefredakteur Adolf Och» zu New Uork. Diese würden bekunden, haß nach dem Untergang« der„Titanic" fast drei Tage lang keinerlei bestimmte Nachricht über das Schicksal der Passagiere zu erlangen war, obgleich die mit Marcom-Zlpparatcn ausgerüstete„Carpathia" über den Umfang der Katastrophe genau unterrichtet war. Der Telcgraphist der„Carpathia", Cottain, habe schon vor dem Untersuchungsrichter Senator Smith bekundet, daß die Marconi-Gesellschast mit der„New Aork Times" eine Vcrab- redung dahin getroffen hatte, daß diese Zeitung allein die Berichte über das' Unglück gegen Zahlung eines hohen Honorars erhalten sollte und daß auS diesem Grunde jegliche Auskunft an Angestellte verweigert wurde. Der Telegraphist Cottam werde außerdem bc- künden, daß er zu seinem Verhalten durch zwei Depeschen, von denen die eine mit„Marconi" gezeichnet war, bestimmt worden sei. Die eine Dep-fche habe gelautet:„Hör' mal, alter Junge, Marconi- Gesellschaft nimmt Deine Interessen wahr, halte Mund und halte Bericht zurück, es ist arrangiert, daß Tu viel Geld dafür be- kommst." Die zweite Depesche habe gelautet:„Triff Marconi Strandhotel 14, halte Mund." Der Verteidiger verweist darauf, daß es in Amerika eine üble Sitte sei, daß bei solchen Katastrophen sich eine einzige Zeitung die Berichte sichere. Von den Vertretern der Privatkläger, Justizrat Leonh. Fried- mann und Rechtsanwalt Sachs werden in längeren Ausführungen alle Behauptungen des Artikels als völlig unzutreffend zurückgc- wiesen. Richtig sei es. daß die beiden erwähnten Depeschen sich in den Akten befinden; sie seien von der Seagate-Station ausgc- gangen, deren Beamte absolut nicht unter der Oberhoheit Marconis stehen. Sie seien ferner dein Tclcgraphisten der„Carpathia" erst zugegangen, nachdem von diesem schon zahlreiche Telegramme über das Unglück, die Geretteten usw. abgesandt worden waren und die „Carpathia" nur noch eine Stunde vom New Dorker Hafen ent- fernt gewesen.— Rechtsanwalt Dr. Löwenstcin behauptet dagegen: Cottam habe schon vorher eine entsprechende Anweisung erhalten und habe in Ausführung dieser Anweisung Schiffen, die zur Rettung herbeigeeilt waren, ausweichende Antworten gegeben. Die Verteidigung wolle beweisen, daß Marconi hinter den Telegrammen gestanden habe. Das Gericht beschließt, zunächst den anwesenden zweiten Tele- graphisten der„Titanic", Bride, der solange telegraphiert hatte, bis ihm das Wasser an der Kehle stand, und dann gerettet wurde, zu vernehmen. Ter Zeuge bekundet u. a.: Er sei im letzten Mo- mcnt von der sinkenden„Titanic" ins Meer gesprungen, habe sich schwimmend üher Wasser gehalten, bis er von einem Rettungs- boot aufgenommen und auf die„Carpathia" gebracht wurde, wo er zunächst einige Stunden im Lazarett sich erholen mußte. Er habe dann dem Tclcgraphisten Cottam beim llebertragen der Tele- gramme geholfen, die in großer Zahl— über 300— von den Ucbcr- lebenden der Katastrophe ausgegeben wurden. Infolge dieser über- mäßigen Beschäftigung mit dem Absenden sei nur ein ganz ge- ringer Prozentsatz von Telegrammen, die an die„Carpathia" auf- gegeben wurden, aufgefangen worden. Bei der Vernehmung Marconis vor der Untersuchungskommission in Washington sei er zugegen gewesen, könne sich aber auf dessen Aussage nicht genau besinnen, doch glaube er nicht, daß— wie behauptet werde � Marconi zugegeben habe, eine solche Berschwcigungsanweisung ge- geben zu haben. Was die beiden Telegramme betrifft, so handele es sich dabei nicht um eigentliche Telegramme, sondern um Privat- gespräche zwischen dem Telegraphisten der Seagate-Station und dem Telegraphisten der„Carpathia". Das sei aber erst eine Stunde vor dem Einlaufen der„Carpathia" in den Hafen von New Jork geschehen, während von der„Carpathia" aus schon vier Tage vorher die Depeschen über das Unglück und die Geretteten abgegangen seien. Justizrat Leonh. Friebmann und Rechtsanwalt Sachs bc- streiten, daß eine der beiden Anstoß erregenden Depeschen mit dem Namen Marconi unterzeichnet gewesen sei. Justizrat Friedmann hält die Sache durch die Aussage des Zeugen Bride für vollständig geklärt, denn durch den Zeugen sei festgestellt, daß zahlreiche De- pcschen über das Unglück und die Geretteten ausgegeben worden sind und es absolut nicht zutreffe, daß Marconi Anweisung ge- geben habe, mit Nachrichten über das Unglück zurückzuhalten, weil die„New Jork Times" gegen hohes Honorar das Recht erworben habe, allein solche Berichte zu erhalten. Rechtsanwalt Dr. Löwcnstein ist im Gegenteil der Ansicht, daß durch die Vernehmung des Zeugen Bride schon mit einer an Ge- wißheit grenzenden Wahrscheinlichkeit festgestellt sei, daß die Marconi-Gescllschaft hinter den Heiden Depeschen stehe, durch welche das Verschweigen aller Nachrichten hervorgerufen worden sei. Die Empörung darüber sei in zahlreichen Organen der Presse zum Ausdruck gebracht worden. Halte das Gericht die Sache noch nicht für genügend geklärt, so werde die Vernehmung des Chef- redaktenrs Adolf Ochs zu New Jork beantragt; dieser werde be- künden, daß die Marconi-Gesellschaft hinter den beiden Tele- grammcn stehe und ihr ein Honorar von 5000 Dollar dafür be- zahlt worden sei oder bezahlt werden sollte. Wenn das erwiesen werde, so ergebe sich, daß eine der entsetzlichsten Katastrophen, die die Geschichte der Menschheit zu verzeichnen habe, von einer Mil- liarden-Gesellschast ausgenützt worden sei, um einen bagatcll- mäßigen Prosit zu erzielen, ferner, daß hier ein Unglück ausgc- beutet worden sei auf Kosten der Angst, des Entsetzens und des Mitleids der ganzen Welt. Es werde ferner auf die Akten der llntcrsuchnngskommission Bezug genommen; diese würden ergeben, daß Marconi zugegeben: Das Verhalten des Cottam sei mit seiner Zustimmung erfolgt und das Zurückhalten der Depeschn auf An. Weisung der Marconi-Gescllschaft zurückzuführen sei. Borsibender Amtsgerichtsrat Wollner wünscht von dem Zeugen Bride Auskunft darüber, wie es denn zu erklären sei, daß angeblich so viele Einzcldepeschen von Angehörigen der„Titanic"-Passagierc zu erledigen waren und nicht ein einziges Telegramm mit den Namen der Geretteten abgesandt worden ist.— Zenge Bride bekundet hierzu: Er habe selbst mit Cottam zwei Telegramme mit den Namen von 700 Geretteten abgesandt. Das eine Telegramm mit 200 Namen habe drei Stunden in Anspruch genommen. Diese Telegramme seien von einem amerikanischen Kriegsschiff und einem Transportschiff aufgefangen worden. Rechtsanwalt Dr. Löwenstein: Diese BehSuptung sei ganz neu und würde weiterer Nachprüfung bedürfen. Das Gericht beschließt hierauf, die Sache zu vertagen und dem Angeklagten aufzugeben, sich auf den von den Klägern einzu- reichenden Bericht der tlntersuchungstommission in New Jork bezw. Washington zu äußern. Im Anschluß daran soll dann in einem neuen Termin über die etwa notwendig werdende Erhebung weite- rer Beweise Beschluß gefaßt werden. Marktbericht von Berlin am 2». Oktober 1»lS, nach Ermittelung des königl. Polizeipräsidiums. Markthallenpreise. �Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—50,00. Speis ebohnen, weihe. 36,00—60,00. Linsen 35,00—60,00. Kartoffeln lKlcinhdl.) 5,00—7,00. 1 Kilogramm Nindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchfleih 1,50— 1,80. Schweinefleisch 1,60—2,20. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfteisä 1,40— 2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 4,20—6,50. f Kilogramm Karpfen 1,40—2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,40-3,60. Hechte 1,40—2,80. Barsche 1,00-2,40. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80-1,40. 60 Stück Krebse 2,00-30,00. 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Januar 1912(Kaisers Geburtstag), abends etwa 8 Uhr, ist an der Ecke der Turm- und Ottostratze ein Alaun, nachdem er aus einer Apfelsinenschale ausgeglitten und gefallen war, durch einen AutoomnibuS angefahren und verletzt worden. Zeugen, welche den Vorfall beobachtet haben, werden gebeten, sich bei dem Unterzeichneten unter genauer Angabe ihrer Adresse zu melden. Etwaige Unkosten werden erstattet. Scbalx, Verwalter, Berlin-Moabit, Reuchlinstratze 5, vorn IL Bekanntmachung. Den Arbeltgebern und Milalicdern der Allgemeinen OrtS-Krankentasse, Knaben'AuzQge, FI«tcr— Pyjuks, einfache u. elegante machen, letzt billig direkt In der Fabrik Hoher«tciistvoip 15, III. gegenüber Nathan«.— Daselbst auch einzelne Herren-AnzBge weit unt. Preis der OrlS-Krankenkaste der s andwerker er Tischler und der OrtS-Krankenkassc zu Spandau zur Nachncht, daß die An- und Abmekdungen sowie die Ein- zahlungen der Beiträge an allen Wochentagen. auch dcS Tonn- abendS. vom L November 1912 ab staltfinden. Auch wird vom 1. November 1912 ab daS Krankengeld nicht nur des Sonnabends, fondern täglich, d. h. immer mit Ablauf der Krankenwoche oder an dem Tage, an welchem der Kranke gesund geschrieben wird, ans- gezahlt. 280/16 Die Vorstände. Vorjährige feinste Anzüge, Paletots, sebteke Ulster, Ochrockanzüge, Smokings aul Seide 30— 70 M. VersaDtta Germania 21. Unter den Linden LI. Zahnarzt Dr, med. Wilhelm Klausner in Wien approb. verzogen nach Flensburger Str. 28 Sprechstanden für Kassenpatienten 9-10, 3-4. Reparaturen. Tpez. Liäft"'-- ____ i Iln- eriähiich saubere Mensur für Schüler» Tonverbcssc- rung, aus Wunsch auch solche, die dem alt-italieiiischenToiic täuschend ähnlich ist. Wcscnl- liche Vorteil« und cvintiicllc Ratenzahlung für Vorwärts- Abonnenten. Ungewöhnlich ehrende Anerkennungen. SmU Toussaint. Werkställe für Kunstgelgenbau in Berlin N. 24, Kl. Hambiirgcrstr. 17. Varnung vor Hachahmnng des echten eesetzl. ecacli. Kapitän- Kautabaks dringend geboten. Jedes einzelne Stück wird nnr verpackt und mit Äafscbrift: *„Kapltttn-Kantabak" geliefert. Carl Btf eher, Berlin, GrttnerWegllO.AmtKinigttadiSSSl | Todes-Anzeigen j SozialdemokratiscIierWalilverein f.il.4.Ber!.Reic!istags-Wahlkreis. Stralauer Viertel. Bezirk 289. Den Mitgliedern zur Nachricht, | daß unser Genosse, dre Gastwirt Kr« 8t |(Andreasstr. 77) gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet morgen Freitag, den 1. Nooember, nach- mittags I Uhr, von der Halle des Gcorgen-Kirchhojes, Landsberger Allee, aus statt. 220/14»«R- Vorstand. ■SBB Dentschef Transportarheiter-Yerlianii. Bezirksverwaitung GroS-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Straßen- b ahner �uxust KuKrts am 27. d. MtS. im Silter von 46 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, 31. Oktober, nachm. S'l, Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Friedhofes Scestraße, Ecke Müllerstraßc, aus statt. 63/3_ Die BezirksverwallunB. iZentraiveM der Maschinisten in. Heizer sowie Beruisg. Deutschi. Verwaltungsstelle GroS-Berlin. Am 24. Oktober verstarb insolgc ! eines Unsallcs bei seiner Arbeit j unser Mitglied, Kollege (illstsv Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am I Donnerstag, den 31. Oktober, nach- i mittags 21/. Uhr, von der Leichen- j Halle des Äummelsburger Fried- hoseS, Lückstraße, aus statt. 1 116/12 Die Ortsverwaltung. Zentraiverh. d. Handlungsgehilien Bezirk Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht- daß unser Kollege, der Ver- sichcrungsbeamte Mred Bredow ant 28. d. M. nach schwerem Leiden verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet Freitag, nachmittags 2lJ, Uhr, aus dem Thomas- Kirchhos in Neukölln, Hennannstraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht 298/4 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metaliarheiter-Verbud Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Gürtler Otto l.ekrke!dt Kottbuser Damm 39 am 28. d. M. an eitriger Mandel- cntzülidung gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 1. November, nach- mittags 2'/. Uhr, von der Leichen. halle des'Zcntral-Kirchhojes in Friedrichsseldc aus statt. N-ge Beteiligung erwartet 132/5 Die Drtsverwaltung. Zentral-Verhand der Wer o. Beruisoenossen Deutscldands. Filiale Groß-Berlin. Den Kollegen zur Nachricht. daß am 29. Oltober 1912,- der Kollege Wilhelm Pielack (Bezirk Gesundbrunnen) an Lungentuberkulose verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 2. November, »achmiltagS 4 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofes der Friedensgemeinde in Nordend aus statt. Hei- Vorstand. Am Montag, morgens 7 Uhr, enlschlies nach langem, schwerem. mit großer Geduld ertragenen Leiden im 48. Lebensjahre mein lieber Mann und unser Herzens- guter Beter 1057b Aug usi Wiesemann. Dies zeigen ticsbetrübt an Emilie Wieicinann geb. Ubniiz nebst Kindern, Kohendagencr Straße 33. Die Beerdigung fitidcl Donners- tag, mittags 12 Uhr, vom Trauer- Hause ans statt._ Verband der Ireien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Frau des Kollegen Thadei-, Made geb. Plckardt Cuvrystraße 30, Bezirk 4, verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 31. d. Mts., nach- mittags 3>/iUhr, von der Leichen- Halle des Zentral- Friedhoscs in Friedrichsseldc aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 74/5 Die Örtsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, Vaters, Bruders, OnkelS, Cousins und Freundes Wilhelm BoeeK sagen wir allen Beteiligten, ins« besondere den Kollegen und Kol« leginiien der Firma Bosse u. Co., dem Sparverein„Tip-Top", den Be- amten der Metallarbeiter- Kranken- kasse von Charlottenburg, dem Deutschen Metallarbeiter-Vcrband so- wie dem Wahlverein unseren herz- lichstcn Dank. 45A Witwe Auguste Hoeck und Tochter. Danksagnngt. Für die rege Beteiligung bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, des Gastwirts Kvoi'g Stucke> sagen wir allen Bekannten und Ge- »ossen des 550. Bezirks unseren tväcnljten Dank. 32a Die tnauermlen Hinterbliebenen. Danksagung. Statt jeder besonderen Meldung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau und guten Mutter sagen wir allen Freunden und Bekannten sowie un- seren früheren Gästen aus der Swine- münder Straße und Umgegend, serner dem Freien Kaftwirteverband und dem FriedrichSvcrein unseren lies- gesühltestcn Dank. 22a Pnt7 Becker u. Sohn, Choriner Straße 9, I. Dankttasnng. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Freunden, Kollegen und Bekannten meinen herz» lichstcn Dank. 62A Wiiwe Elise Kehdenbnrg nebst Kindern. Ortshrankenkafle der Schiltitde lind vem. Kertife zu Berlin. Freitag, den 3. November 1912, abends S'/s Uhr: = Ordentliche=== General-Versaniinluflg bei Fröhlich, MuSkauer Straße 1. 1. Neu- rcsp. Wiederwahl der auS- cheidenden BorstandSmilglieder; a) ein Arbeitgeber aus 3 Jahre, d) zwei Ar beitnehmer aus 3 Jahre. 2. Wahl der Revisoren zur Prüjung der Jahreörcchnung 1912. 3. Antrag wegen weiterer Zulassung unserer Kasse. 4. Verschiedenes. 280/15 Oer Vorstand. I. A.: Ad. Pilgrim, Vorsitzender. Orts- Krankenkasse fnr das Bäcker- n. Konditor- gewerbe zu Berlin. Me Genksglvessaimnlijng der Ortskrankenkasse für das Bäcker- uiid Konditorgctverbe z» Berlin findet am Tieiistag, den 5. November 1912, abcndS 8 llhr, im iScwerkschaslshause, Enqeluser 14/15, Saal V, statt, wozu die Herren Kassen- Vertreter hiermit ergebenst eingeladen werden. 280/14 Tagesordnung: l. Bericht des Vorsitzenden. 2. An- trag aus Zulassung als besondere Orlskranlenkasse nach den Bestimmungen der Ncichsversicherungs- ordnung. 3. Ergänzungswahlen zum Vorstände. 4. Wahl von drei Revi- sorcn zur Abnahme der Jahres- abrechnung sür 1912. b. Kassen- angelcgenheiten. Oer Vorstand. I. A.: Karl Hetzschold, Vorsitzender. er ißiair Arbeitsnachweis: Amt SRoScn/kt. 1239. Verwaltiiiipsstelle Berlin Charitestrahe 3. Hauptbureau: Hos III. Amt Norden, Nr. 1937. Sonnabend, den S. November, präzise nachts 12 Uhr: Sranehen- Versammlung der Klnn-Opernttme Groß-Kertins in Wwe. Augnstins Festsälen, Oranienstrahe 103. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Verbands- und Branchenangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Pünktliches Erscheinen sämtlicher Kollegen ist erforderlich. 132/4__ Die Örtsverwaltung. Achtung! Gewerhsehaften! Achtung! Vereine! Komitees! Hierdurch zur gefl. Kenntnis, daß der Gastwirt lvlax Pavel, Kaiser-Wilhelm-Straste 18 in(Musikersäle), bei Festlichkeiten Stich t- mitglieder beschäftigt hat, trotzdem seitens der Komitees Mitglieder unseres Verbandes gewünscht worden sind. KM- Wir bitten nun, alle Bestellungen an unsere Geschäftsstelle: Wilhelm Scheel, Wrangelstr. 107, Morit'pl. 10 381, gelangen zu lassen. 200/4 TatizleHremrband„Solidarität" 1892. Folgende Blitglieder gehören unserem Verband nicht mehr au: Willi Keller, Otto Klatt und Felix Hoppe. » Filiale Berlin. Zentralarbeitsnachweis: Andreasstr. 17, in der Geschäftsstelle. — Geöffnet 8—1 und 5—7 Uhr. außer Mittwochnachmittag.— _ Telephon: Amt Königstadt, Nr. 1873._ All die Arbeiterschaft der hiejigen Strickereien und Mirberejenz Zwirnereieu und Haspeleien! Am Sonnabend, den 3. November 191S, abends S'/a Uhr: = Versammlung s aller in obigen Betrieben beschäftigten Personen. in den Andreas-Festsälcn(oberer Saal), Andreasstr. 21. Tag eSordnung: 1. Was lehrt uns die jetzige Zeit? Vortrag des Kollegen Haz Ornhl.— 2. Diskussion. 197/11 Die nrancbenlcltnne. SopUen-Säle Inhaber Joseph Heidrich, Sophienstr. 17-18 12 Säle in ailen Grölten mii Bflhne zu allen Gelegenhelten passend. = An Sonnabenden und Sonntagen noch frei!= Kleine Versinszimmer und 5 Kegelbahnen noch zu vergeben I Pulzmännchen fühlt sich immer wohl. Denn olle Well putzt mit Blendol Dem besten flüssigen netallputx. In Clasfl. zu 10. IS und LS Pfg., in BlochtL aller! GröOon überall erhältlich. FABRIK■ URBAN.. fcC/7/7•■ CHA(lLOTTEN&Ufl& IRöbel-Cohn 58 Gr, Frankfurter Str. 58 unweit der Kaiserstraße. IM- Bitte genau auf Hausnummer 58 zu achten.' tgugj Möbel auf Kredit MU" Riesen=Auswah! 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Am Sonnabend abend 8 Uhr in Kablow im Lokal von Käbe: Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Dort wollen gleichzeitig die Genossen das Material zu der am Sonntag, den 3. November, im Lokal von I. Knorr in Zernsdorf stattfinoenden öffentlichen Volksversammlung in Empfang nehmen. _»er Vorstand. Berliner IVacfmcbten. Der Verkauf des russischen Fleisches in den Berliner Markthallen nahm gestern einen ruhigen und glatten Verlauf. Es waren 124 Verkaufsstände geöffnet. Die Fleischbestände wurden im Laufe des Vormittags so gut wie ausverkauft. Die für Dienstagabend angemeldete Fleischsendung von 5 Waggons ist nicht rechtzeitig eingetroffen. Da die Vorräte russischen Fleisches auf dem Schlachthofe an die Fleischer voll- ständig abgegeben sind, so wird am Donnerstag vormittag kein russisches Fleisch in den Markthallen zum Verkauf ge- bracht werden können. Die für Mittwochabend angekündigte Fleischsenduny ist indessen nach eingegangener Meldung unterwegs. Dieses Fleisch kommt Donnerstag vormittag zur Verzollung und tierärztlichen Untersuchung und kann deshalb erst Donnerstag nachmittag an die Fleischer verteilt werden. Es ist infolge- dessen leider nicht möglich, vor heute Donnerstagabend die neue Fleischsendung in den Markthallen zum Verkauf an das Publikum bereit zu stellen. Schweinemast auf städtischen Güter». In der gestrigen Sitzung der Deputation für die städtischen Güter wurde über die Errichtung weiterer Schweinezuchten auf städtischen Gütern verhandelt. Es bestehen jetzt bereits auf sechs stadbischen Gütern Einrichtungen für die Anzucht von jährlich 3— 4000 und die Mast von 4— 5000 Schweinen. Die Vermehrung der Schweinezucht! und-mast soll nach wie vor unter Beachtung der wittfchastlichen Vorbedingungen erfolgen. Zunächst sollen zwei weitere Schweinezuchten auf Stadtgütern er- richtet werden. Sonderbaren Manipulationen bei der Stadthauptkasse in Char- lottenburg ist man im Laufe des vorgestrigen Tages auf die Spur gekommen. Nach den bisherigen Untersuchungen ist festgestellt, daß sich der Stadthauptkaffenrendänt Bartels, der Borsitzender des Kreiskriegerverbandes Charlottenburg ist. von dem Kassierer Sacht leben 37 000 Mark aus der Stadthaupd- kasse hat zahlen lassen. Bartels hat dem Kassierer zugleich dagegen zwei für ihn als Gläubiger ausgefertigte Hypothekenbriefe über 40 000 und 25 000 M. als Pfandsicherheit zugunsten der Stadthiaupt- lasse übergeben. Hierbei ist Bartels folgendermaßen vorgegangen: Bartels kam mit den beiden genannten Hypothekenbriefen zu dem Kassierer Sachtleben und verlangte den Betrog von 37 000 M. gegen Hinterlegung der Hypothekenbriefe. Sachtleben verweigerte die Zahlung ohne Genehmigung des Kämmerers. Der Stadthaupt- kaffenrendant erklärte dem Kassierer, daß er diese Genehmigung ein- holen werde und entfernte sich aus den Kassenräumen, nach einiger Zeit kam er mit der Erklärumg zurück, daß der Vertreter deS auf einige Tage beurlaubten Kämmerers die Genehmigung zuo Zahlung der 37 000 M. gegen Uebergabe den Hypothekenbriefe erteilt habe. Die Bedenken des Kassierers, daß eine schriftliche Genehmigung fehle, beschwichtigte Bartels� indem er wiederum wchrheitswidrig erklärte, der Vertreter des Kämmerers habe ihm erklärt, eine schrifd- liche Anweisung sei nicht nötig. Hierauf hat der Kassierer der Stadt- Hauptkasse den Betrag an den Stadthaupttassenrendanten ausgezahlt. Einige Tage später kam Bartels und erklärte, daß er die Hypothekenbriefe gegen einen auf die Commerz- und Diskontobank als Zahlstelle lautenden� von ihm ausgestellten Scheck über 37 000 M. umtauschen wolle, indem er dem Kämmerev die unwahre Mit- teilung machte, daß der Gegenwert des Schecks vorhanden sei, und daß der Scheck eingelöst werden würde. Hierauf wurden die Hypo- thekenbriefe dem Bartels gegen den Scheck ausgetauscht. Diesen Scheck schickte der Hauptdassenrendant Bartels vor der am 21. d. MtS. stattfindenden Kassenrevision zur Deutschen Bank, die eine Quittung über den Scheck wie üblich unter Bezeichnung der Nummer, nicht des Namens des Ausstellers und des Betrages des Schecks der Stadt- hauptkaffe zusendete. Diese Quittung lag bei der Kasseirrevision am 21. Oktober d. I. vor. Nach Beendigung der Kassenrevision trat der Hauptrendant den Rest des Sommeruirbaubs von einer Woche an. Den Urlaub wollte er in Chattottenburg verleben. Nachdem der Kämmerer vom Urlaub zurückgekehrt war, hat am Donnerstag darauf der Hauptrendant dem Kämmerer davon Mitteilung gemacht, daß er für eine Zahlung des Kreiskriegerverbandes der Hauptkaffe einen Scheck über 37 000 M. in Zahlung gegeben habe. Auf die Frage deS Kämmerers, um was für eine Zahlung es sich handele, erklatte er, daß es sich um eine Zahlung zu einem Grnwdstucks- ankauf handele, den der Verband mit der Stadtgemeinde getätigt habe. Auf die weitere Frage des Kämmerers, wer die Deckung des Schecks zu geben habe, Nnn&e ihm der Naue eines als zahlungsfähig bekannten Mannes genannt und der noch nicht erfolgte Eingang der Deckung mit einer Reise des letzteren erklärt. Unter diesen Um- ständen genehmigte der Kämmerer, daß der Scheck noch einmal nach 24 Stunden und auf Bitten des Rendanten erforderlichenfalls noch- mals nach 48 Stunden präsentiert werden sollte. Sodann sollte mangels Einlösung seitens des Kreiskriegerverbandes zur ander- weiten Zahlung aufgefordert werden. Bei dieser Anweisung war auch der Vertreter des Rendanten zugegen. Als der Scheck auf wiederholte Präsentation nicht eingelöst wurde, erschien! der Ver- treter des beurlaubten Rendanten beim Kämmerer und stellte durch Rücksprache beim Kämmerer fest, daß dieser über den Sachverhalt frtfS KMels W-WWg Mch Wfsiieii VW, lchstige Revision der Kasse ergab, daß außer den 37 000 M. ein Fehlbetrag nicht vorhanden war. Aus einer Berliner Mietskaserne. Im Hause Exerziek» stra ße 2a besteht schon seit längerer Zeit ein recht unerquickliches Verhältnis zwischen der P c r t i e r f r a u und mehreren Mietern. Das ist bei den Mietskasernen der Großstadt ja nichts Seltenes, aber in dem genannten Haufe scheinen sich die Gegensätze ganz be- sonders scharf zugespitzt zu haben. Die feindselige Stimmung die hier herrscht, hat bereits dem Gericht zu tun gegeben. Frau Starzeck i, die im Hause Exerzienstraße 2s den Posten der Portierfrau innehat, wird beschuldigt, aus Haß gegen eine Mieterin eine vorsätzliche Sachbeschädigung verübt zu haben. Sie soll eine dieser Mieterin gehörende Blume, die am Fenster der Par- terrewohuung stand, vom Hofe aus zerstört haben. Vor dem Amts- gericht Berlin-Wedding bestritt die Angeklagte die Vorsätzlichkeit und wollte höchstens als möglich zugeben, daß sie vielleicht mit dem Kehrbesen versehentlich gegen die Blume gekommen sei._ Ein« Mieterin des Hauses sagte aber unter Eid aus, Frau Starzecki habe, während sie Kehricht ausschüttete, sich vorsichtig umgesehen und dann zweimal zufasfend die vier Stämme einer Georgine zerknickt. Die Angeklagte suchte sich vor Gericht auch damit zu verteidigen, daß sie behauptete, die Georgine habe überhaupt ihr gehört, sie selber habe ja früher die Knolle dazu hergegeben. Demgegenüber wurde von derjenigen Mieterin, die sich die Knolle eingesetzt und die Pflanze gepflegt hatte, bekundet, Frau Starzecki habe die Knolle als wertlos in den Müllkasten werf«n wollen und sie dann ihr überlassen. Diese Zeugin schien sich über die Zustände im Hause Exerzier straße 2s noch näher auslassen zu wollen, aber der Vorsitzende winkte ab. Das Gericht sprach die An- geklagte schuldig und erkannte für die Tat, die in der Urteils- begründung als ein Akt der Rachsucht bezeichnet wurde, auf dir vom Amtsanwalt beantragte Geld st rase von 5 Marl Das Entlohnungssystcm im Berliner Priv.atbadcgewerbc erfährt mit dem 1. November eine Aenderung entsprechend einem Schieds- spruch des Einigungsamts des Berliner GewerbegWichts. Der Verein der Badeanstaltsbesitzer für: Berlin und die Vororte ersucht uns, folgendes mitzuteilen: Während bisher von den Badegästen durch vi« Bademeister ein Bedicnungsgcld für jedes verabfolgte Bad erhoben wird, welches für Wannenbäder 10 Pf., für Schwitzbäder 50 Pf. beträgt, wird nunmehr dieses Bedienungsgeld an den Kassen der Badeanstalten erhoben und täglich zwischen den Bademeistern und den Besitzern verrechnet werden. Eine Verteuerung des BadeS findet durch diese Aenderung nicht statt, Krankenkassenpatienten haben kein BedienungSgeld zu zahlen, da dieses in die durch die Kassen gezahlten Bädervreise eingeschlossen ist. Die Annahme von Trinkgeldern ist dem Bavepersonal nicht gestattet. Ein schwerer Unfall, bei dem zwei Personen nicht unerheblich ver» letzt wurden, hat sich am Mittwochmittag gegen 2 Uhr auf der Charlottenburger Chaussee zwischen dem Bahnhof Tiergarten und der Lesstngstraße ereignet. DaS Privatautomobil der Gräfin Wartensleben passierte die Charlottenburger Chaussee in schneller Fahtt, als an dem Automobil plötzlich der Luftschlauch de? rechten Hinterrades platzte. Der Chauffeur wollte den Wagen schnell zum Stehen bringen und zog dabei die Bremse zu scharf an. Da- durch gettet der Kraftwagen ins Schleudern und prallte gegen den Borderperron eines Straßenbahnwagens der Linie dl. an. Der Zu« fammenstoß war so heftig, daß der Chauffeur Walter Loebel von seinem Sitz geschleudett wurde und durch die vor ihm befindliche Windschutzscheibe hindurchfiel. L. erlitt dabei sehr schwere Wer» letzungen am Halö und im Gesicht. Durch einen GlaS- fplitter wurde ihm das rechte Augenlid, sowie der Sehnerv durch« schnitten. Der Schwerverletzte wurde nach der Unfallstatton in der Berliner Straße geschafft mid von dort nach Anlegung eines Not- Verbandes in das Krankenhaus Westend gebracht. Der Diener G n i e t f ch, der neben dem Chauffeur faß und der nur leichtere Schnittwunden davongetragen hatte, konnte sich in seine Wohnung begeben. An dem Straßenbahnwagen wurde der Vorderperron eingedrückt, während da» Automobil völlig zertrümmert wurde. vermißt wird seit Donnerstag, 24. Oktober, die fünfzehnjährige Amii Witzenhusen, Neukölln, Kalser-Friedrich-Straße 9, bei d«i Eltern wohnhaft. Das junge Mädchen trug bei seinem Fortgange von Hause einen schwarzen- Faltenrock und schwarz-weiß karierte Bluse und hatte zu einer Kollegin geäußert ,nL Wasser gehen zu wollen. Wer Angaben über den Verbleib des MädchegK gehen kann, wird gebeten, diese deg.Estern mitteilen zu wollen. Vorort-JVadmdrtem Neuköll«. Der Magistrat erklärte in seiner letzten Sitzung die Fortführllvg des Eiswerksbetriebes auf dem städtischen Grundstücke am Mittelbuschweg 26/27 zur Erhaltung der übernommenen Werte für erforderlich und beschloß, das jetzige Dienst- und Arbeitspersonal unter den bisherigen Bedingungen weiter zu beschästigen.— Dem Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung vom 14. Oktober d. I. betreffend die anderweite Regelung der Dienstbezüge für die Omnibusangestellten trat der Magistrat genehmigend"bei. Für die in der Hermannstraße zu errichtende neue Sparkassen« zweigstelle sollen die im Hause Hermannstraße, Ecke Neue Jonasstraße angebotenen Laden- und Kellerräume unter den Bedingungen des Vertragsentwurfes angemietet werden.— Ueber die vorbereitenden Maßnahmen betreffend die Versorgung der Bevölkerung mit billigem Fleisch wurde eingehend bettchtet. Der Magisttat erklärt sich mit den getroffenen Maßnahmen einverstanden und beschloß, die vom Magistrat Berlin geforderte Erklärung über die Beteiligung beim Verkauf und die dabei zu übernehmenden Ber- pflichtungen abzugeben.— Der Magisttat ist damit einverstanden, daß von den Aerzten der SäuglingSsiirsorgestelle vier Vorträge über Aufgaben und Leistungen der Säuglingsfürsorgestellen usw. gehalten werden. Die Aula der Gemeindeschule in der Kaiser-Friedrich- Straße soll hierfür unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden. Schöneberg. Die Wahlen zur«ngestelltenverficherung am Sonntag zeitigten folgendes Ergebnis: 8reie Vereinigung.. 493 Stimmen— 2 vertrauenSm., 8 Srsatzm. aufmännisch. verband für weibl. Angestellte 884.°- 2, 2. Deutschnationale.. 126, 1 Leipziger verband.. 114„ 1» Verein der deutschen Kaufleute.°. IIS. 1« 1S58er verein... 70„ Deutsch. Technlkerverb. 53 versicherunaSbeamten. 35« Kathol. kaufm, Verband 15« Verein junger Kaufleute und Bankbeamte.. 5. Die Freie Vereinigung kann mit diesem Resultat zufrieden sein, um so mehr als die hoho Stimmenzahl ber nächsten Lifte nur da« durch zustande gekommen ist, daß die Angestellten des Lettevereins truppweise, mit dem Stimmzettel in der Hand, zur Wahlurne ge« führt wurden. Ueber die Landarbeiterfrage refenerte in der letzten Mitglieder« Versammlung des Wahlvereins Genosse Dr. G r u m a ch. In aus- führlicher Weife verbreitete sich der Referent über die verschiedenen Kategorw» der Lgndaxdxittr sowie deren Verhältnisse und schilderte die schwere Zugänglichkeit der Landarbeiter für unsere Ideen. Gleich- wohl müsse es im Laufe der Zeit möglich sein, unter dem ländlichen Proletariat festen Fuß z» fassen. Ein Beispiel hierfür biete der Landarbeiterverband, der es in den drei Jahren seines Bestehens bereits auf 16 000 Mitglieder gebracht habe. Vor allem müsse in der Agitation unter den Landarbeitern mehr als bisher geleistet werden. Die Genosien G o l l m i k und C h i m i n s k i unterstrichen die Ausführungen des Referenten und gaben die Erfahrungen aus ihrer praktischen Tätigkeit auf dem Lande zum besten. Alsdann machte Genosse K ü t e r Mitteilung von dem Beschluß der Zahl- abende betreffs Einführung des HauSkassierenS. Nach einer längeren lebhaften Debatte hierüber wurde beschlossen, die Hauskassierung am 1. April einzuführen. Der„mißhandelte" Einbrecher. Ein geriebener WohnungS- einbrecher ist am Mittwochmittag festgenommen und der Schöne- berger Polizei übergeben worden. Seit langer Zeit machte ein Diebesspezialist die Häuser im Westen Berlins sowie Schöuebergs und Wilmersdorfs durch seine raffinierten Einbrüche unsicher. Der Gauner, der nie anders als in hocheleganter Kleidung und im Zylinderhut arbeitete, verlegte sich aufs.Klingelfahren". Jetzt aber ereilte ihn das Schicksal in der Gestalt einer sehr resoluten Dame im Hause Monumentenstr. 11. Dort hatte der Gauner, der LKjäbrige Tischlergeselle Otto Robert, eine Gelegenheit ausgekundschaftet und stattete dem Heim einer Kaufmannsfrau einen Besuch ab. In dem Augenblick, als er mit seiner Beute die Wohnung verließ, hörte er, daß eme Treppe über ihm eine Tür zugemacht und verschlossen wurde. Gleich darauf kam eine Frau mit der Markttasche am Arm die Treppe herunter. Der Einbrecher begab sich nun nach oben, um auch dort zu plündern. Er hatte sich jedoch in der Tür geirrt und die Inhaberin der Wohnung hörte mit Erstaunen, daß jemand sich am Schloß zu schaffen mache. Einige Minuten später hatte R. die Wohnungslür geöffnet und drang in die Wohnstube ein. Kaum hatte er jedoch die Tür hinter sich geschlossen, als ein Hagel von wohlgezielten Hieben auf ihn herabsauste. Ehe er noch recht jsur Besinnung kommen konnte, stand die Wohnungsinhaberin vor rhm und hielt den Gauner mit vorgehaltenem Revolver in Schach. Mit der Waffe in der Hand zwang die mutige Dame den Eindringling, sich aus der Wohnung zu entfernen, die Treppe hinabzugehen und rief dann vom Hausflur ans mehrere Paffanten zu Hilfe. Bei seiner Verhaftung verlangte N. durchaus auf die Unfallstation gebracht zu werden, da er.mißhandelt" worden fei und später gegen die Danie Strafantrag wegen Körperverletzung stellen wolle. Bei dem Verhafteten wurden zahlreiche Pfandscheine von goldenen Damenuhren, Ringe usw. gefunden. Steglitz. Der Verkauf von russischem Fleisch durch die Gemeinde zeigt auch in uiiserein Beamtendorf dieselben Erscheinungen wie in Berlin: einen riesigen Andrang von Kauflustigen. Schon lange vor 3 Uhr, der festgesetzten Verkaufszeit, hatten sich hunderte Frauen und Kinder vor dem Laden in der sonst so stillen Miguel- straße angesammelt, um wieder einmal Fleisch zu erschwinglichen Preisen zu erstehen. Wie Ironie wirkt diese Käuferschar vor dem Fleischerladen, den der frühere Inhaber verlassen mußte, weil ihm niemand da« feilgehaltene Fleisch abkaufen wollte oder konnte, da die Preise zu hoch waren. Polizeibeamte überwachen den Ver- kehr auf der Straße und sorgen ain Eingang des Ladens dafür, daß kein Gedränge entstehen kann. Das Slraßenbild blieb den ganzen Nachmittag bis in die Abendstunden dasselbe, die ab- gefertigten Käuferinnen wurden immer wieder durch neu hinzu- kommende ersetzt. Viele Hausfrauen, die nicht Zeit hatten, stunden- lang zu warten, gingen mit leeren Taschen wieder davon. Hoffent- lich zieht die Gemeindeverwaltung daraus die Konsequenz und richtet m dem Ortsteil jenseits der Wannseebahn noch einen Berkauf ein, um eine schnellere Abfertigung zu ermöglichen. Mariendorf. Der Fleisch-erkauf durch die Gemeinde ist nun auch bei uns eingerichtet. Die VerkausStage werden jedesmal durch rote Anschlag«- zettel bekannt gegeben. Für den Verkauf ist in der Kurfürsten- straße 24, Ecke Schützenstraße ein Laden gemietet, in dem jedesmal in der Zeit von 8—11 Uhr vormittags und soweit der Vorrat reicht auch von 4—6 Uhc nachmittags das Fleisch an Gemeindemitglieder verkauft wird. Hierzu ist ein Ausweis notwendig, der jedem Gemeindemitglied unter Vorzeigung des Steuerzettels werktäglich im Rathaufe, Zimmer 11, von 8—3 Uhr, ausgestellt wird. Ohne diesen Ausweis wird kein Fleisch verabreicht. Verkauft wird in Quanten von>/z— 3 Pfund. Der Preis ist für Rindfleisch a) Bratfleisch auf 88 Pf. und d) Kochfleisch auf 65 Pst festgesetzt. Schweinefleisch kostet durchweg 80 Pf. das Pfund. Der' Seefischverkauf findet wieder am Donnerstag und Freitag beim Kaufmann Jahn, Könlgstr. 29 statt. Die Preise sind wie vordem. Hierbei ist keine besondere Legitimation nötig. AdlerSHof. Großfcuer. Gestern nachmittag kam in der Berliner Metall- Warenfabrik von H.A. Jürst u. Co., Aktiengesellschaft, ein Großfeuer zum Ausbruch, und zwar stand bei Ankunft der OrtSwehr das oberste Stockwerk des Fabrikgebäudes mit dem Dachstuhl in Flammen. Da die Gefahr immer größer wurde, alarmierte man schließlich auch die Neuköllner Berufsfeuerwehr, die mit einer Dampf- und Gas- spritze zu Hilfe eilte. Außerdem waren inzwischen auf der Brand- stelle auch noch eine ganze Reihe freiwilliger Feuerwehren aus der Umgebung von Adlershof angerückt. Obgleich ungeheure Waffer- mengen in die Glut geschleudert wurden, war von dem Obergeschoß des Fabrikgebäude« und vom Dachstuhl nichts mehr zu retten. Die vollständige Ablöschung und Aufräumungsarbeiten dauerten bis zum späten Abend. Die Snlstehungsursache de« Feuer» wird auf die Unvorsichtigkeit eine» Lehrlings zurückgeführt. Wetstensee. Aus der Gemeindevertretung. Bei der Rotstandsdebatte ging der Leiter des Wohlfahrtsamtes auf den von unseren Genoffen ge- stellten Antrag sowie dessen Behandlung in der Kommission mctit ein. sondern beschränkte sich lediglich auf seine Verbandlungen mit Berlin. Danach hat sich die Gemeindeverwaltung verpflichtet, vom I.November ab wöchentlich 40 Zentner Fleisch vom Berliner Magistrat zu beziehen; das sind ungefähr 5 Proz. des örtlichen Gesamtverbrauches. Dieses Quantum, täglich zirka 7 Zentner, soll an sechs Schlächter, die sich bereit erklärten, das Fleisch zum Verkauf zu bringen, ver« teilt werden. Sollten diese fechS Schlächter in letzter Minute noch abspringen, so hat das Wohlfahrtsamt Sorge getroffen, daß der Berkauf in eigene Regie übernommen wird. Ein täglicher Seefisch- verkauf wird vom Fischhändler Reimann übernommen. Vorgesehen ist, daß täglich 1'/, Zentner zum Verkauf kommen. Eine Kommission von sünk Personen ist beaustragt, die Preise für Fleisch und Fische festzusetzen! dieselben sollen in den Verkaufsläden zum Aushang kommen. Zur Deckung der Ausgaben wurde ein Vorschuß von 3000 M. gefordert. Als erster Redner sprach Genosse Schlemminger, der die gewoffenen Mahnahmen als unzulänglich be- zeichnete. Der mit Berlin getroffene Abschluß sei so gering, daß man sich nach weiteren Hilfsquellen umsehen müßte. Auch dre An- sichi des Obermeisters der hiesigen Schlächterinnung. daß die ärmere Bevölkerung sich mit dem Freibankfleisch begnügen solle, sei zu ver- urteilen. Des weiteren mllffe die Zumutung der Schlächter, die eventuell für den Zentner de» zu beschaffenden Gefrierfleisches mit 5 Mark weniger zahlw wollten als die Gemeinde, außerdem aber noch einen Gewinn von 15—20 Proz. beanspruchen. mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen werden. Schlächtermeister Liesen erklärte, daß da« Gestierfleiich minderwertig se«, daher wären die Forderungen gerecht; man müsse anerkennen, daß die Scdlächter mit einem verminderten Verdienst arbeiten wollten. Der Bürger- meister will weitergehende Maßnahmen noch durch die Wohlfahrts- kommiifion erledigt wissen. Genosse Fuhrniann rechnete aus. wie aerina der für die Einwohner aus der ganzen Aktion heraus- ivrinaende Vorteil sei. Genosse Taubmann hob vor allem den ickilevvenden Gang der Behandlung im Wohlfahrtsamt hervor, einmal gefaßte Beschlüsse habe man w der nächsten Sitzung wieder ver- warfen. Der geringfügige Vorschuß zeige, daß der ernstliche Wille fehle. Die Teuerungszulage an die Arbeiter lehne man ab, weil man glaube, daß es diesen bester gehe, wie den übrigen Arbeitern. Die Erhöhung der Armeuunterstützungssätze, die schon seit zwanzig Jahren dieselben sind, lasse man unberücksichtigt. Schöffe Mewes nahm den Gsmeiiidevorstand und das Wohlfahrts- amt in Schutz. Es sei alles bestens erwogen und getan, um dem allergrößten Notstand entgegen zu steten. Herr König empfahl im Jntereffe des kleinen Geschäftmannes sich nicht wieder auf den Verkauf von Kartoffeln einzulassen. Und dem Kohl- rübenbauer Schwartz aus dem alten Dorf war von einer so großen Teuerung gar nichts bekannt. Kohl und Kartoffeln wären so billig wie nie. Daß das Karloffelessen ganz gesund sei, beweise doch seine Beleibtheit. Seine Arbeiter bekommen täglich 3,50 M. und seien sehr zufrieden damit. Unsere Genoffen Fuhrmann und Frentz beschäftigten sich noch mit den Ausführungen des letzten Redners. Die Abstimmung ergab die Annahme de? An- träges des Wohlfahrtsamtes, zur Deckung der Unkosten einen Vorschuß von 3000 M. zu bewilligen. Abgelehnt wurde gegen die Stimmen unserer Genossen, den Gemeindearbeitern eine Teuerungszulage von zwei Mark pro Woche zu gewähren. Die Er- höhung der Armengeldunterstützungssätze wurde der Armenkommisston überwiesen, jedoch wird auch hier nichts herauskommen, da, wie der Dezernent Dr. Klamroth betonte, die Sätze keine bestimmte Höhe haben, sondern die Armenvorsteher nach Belieben die Sätze vor- schreiben können. Grünau. Am Sonnabend, den 2. November, feiert der hiesige Arbeiter- gesangverein„Sangeslust"(M. d. A.-S.-B.) sein 8. Stiftungsfest im Restaurant„Jägerhaus", Bahnhofstratze, Ecke Friedrichstraße. Da der Verein fich bei allen Gelegenheiten der Partei zur Verfügung stellt, wäre eine rege Beteilung der Parteigenossen sehr zu wünschen. Neu-Zittau(Kreis Beeskow). Bor gutbesuchter Versammlung referierte Genoffe Groger- Neukölln über„die Junkerherrschaft im Klassenstaat". Dem sehr bei- fällig aufgenommenen Vortrag folgte eine anregende Diskussion. Eine daran anschließende Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins erledigte geschäftliche Angelegenheiten, worunter auch ein Teil Aufnahmen, hauptsächlich Frauen, verzeichnet wurden. Bon einem Brandstifter wird seit einiger Zeit unser Ort heim- gesucht. Hauptsächlich sind e« Häuser mit Strohdächern, die der Bösewicht in Brand setzt. Vor zirka acht Wochen brannte da« Haus des Schiffers Schuster ab, vor vier Wochen das der Witwe Rumewix und des Kolonisten Löwe z in der Nacht vom Sonnabend zum Sonn- tag brannten die Häuser des Arbeiters Gräbert und der Witwe Feld, die nur durch einen Giebel getrennt sind. Es läßt sich denken, daß die übrigen 12 Besitzer von Strohhäusern ob der fortgesetzten Brände jetzt in ständiger Unruhe leben. Kalkberge-Rüdersdorf. Nieder mit dem preußischen Drelklassenwahlrecht! Fort mit den Agrarzöllenl lauleteDdas Thema, über das Genoffe Eichhorn in einer von etwa 800 Personen besuchten Protestversammlung referierte. Nach Schluß des beifällig aufgenommenen Referat« fand eine Reso- lution einstimmige Annahme, in der die Versammlung mit aller Entschiedenheit die Beseitigung des Dreiklassenwahlrechts sowie der Zölle auf Lebensmittel fordert. Am Schluß der Resolution wird die sofortige Einberufung des Reichstags verlangt. Hierauf wurde einem Antrag zugestimmt, der die Einführung von russischem Fleisch und die Abgabe desselben zum Selbstkostenpreise von der Gemeinde fordert. Bereits am 15. September hatte sich eine öffentliche Ver- sammlung mit der Teuerung beschäftigt. Maßnahmen hiergegen sind um so notwendiger, als 00 Prozent der Einwohner Arbeiter sind, die die Lebensmittel am Ort noch mit höheren Preisen bezahlen müssen wie in Berlin. Eine später einzuberufende Versammlung wird sich mit der auf den Antrag von der Gemeinde erfolgten Snt- wort beschäftigen. Die landeSpolizclliche Abnahme der Straßenbahn Kalkberge— Schöneiche— FrirdrichShagen wird am kommenden Montag erfolgen, so daß wahrscheinlich der Betrieb am darauffolgenden Tage eröffnet werden kann. Zurzeit sind allerdings nur eine Lokomotive und zwei Anhängewagen vorhanden. Aus diesem Grunde kann vorerst nur ein zweistündlicher Verkehr eingeführt werden. Die drei frühesten Züge fahren jedoch in Zwischenräumen von IV, Stunden. Dies ist aber nur dadurch zu ermöglichen, indem bei den ersten beiden Zügen in Schöneiche umgestiegen ivird. Bei den übrigen ist das nicht er- forderlich, da diese bi» Friedrichshagen durchfahren. Nach Eintreffen der bestellten zwei weiteren Lokomotiven und der sechs Anhänge- wagen, die im Dezember geliefert werden sollen, werden alle Züge stündlich nach Friedrichshagen abgehen. Die Fahrzeit für die ganze Strecke soll vorläufig 50 Minuten, der Fahrpreis 40 Pf. betragen. Die Züge gehen vorerst folgendermaßen ab: Bon Kalkberge(Martt- platz) um 5,35, 7,06, 8,30 und dann alle zwei Stunden bis 10,36 abends. Sie haben sämtlich Anschluß an die Züge nach Berlin. Der erste Zug 5,35 verkehrt nur Wochentag». Tegel. Die Bekämpfung der Teuerung war unter anderm Gegenstand der Beratung in der letzten Gemeindevertretersigung. In der Er« Wartung, der Erörterung dieses besonders die Hausfrauen instr- eisierenden Themas beiwohnen zu können, hatten sich rechtzeitig vor Beginn der Sitzung über 50 Frauen im Gemeindehause ein- gesunden, die trotz ihres Protestes aber nicht in den Zuhörerraum hineingelaffen wurden. Der Zuhörerraum wurde vielmehr in Rück- ficht auf einen vermeintlichen Ansturm durch den beauftragten Ge- ineindediener zeitweilig unter Verschluß gehalten. Auch daS Ver- langen, den Vertreter des Bürgermeisters sprechen zu wollen, wurde abgeschlagen mit dem Hinweis, daß nur männliche Personen als Zuhörer zulässig seien, was allerdings im Z 100 der Landgemeinde- ordnung ausgesprochen ist. Die ebenfalls zu den Gemeindelasten bei- rrogenden abgewiesenen Frauen gaben über diese Verweigerung ihrer Empörung Ausdruck. Zur Sache selbst machte Herr Reichel« als Vorsteher Mitteilung über die mit dem Berliner Magistrat und den Borortgemeinden gepflogenen Unterhandlungen. Für Tegel glaube man aus 10 bis 12 Zentner wöchentlich rechnen zu können. Der Gemeindevorstand hat mit den hiesigen Schlächtermeistern über den Verkauf unterhandelt; die Gemeinde stellt den Verkaufsraum, die Meister lösen sich beim Berkauf ab und erhalten 10 Proz. Provifion vom Einkaufspreis. Die Preise sollten mit Berlin die gleichen sein. Herr R e i ch e l t warf nach diesen Ausführungen die sonderbare Frag« auf, ob die Gemeinde hierbei einen wesentlichen Vorteil zu erwarten habe oder nicht schließlich ein Nachteil herausspringe; ob es überhaupt einen Zweck habe, von Gemeinde wegen Fleisch einzuführen, das wolle er der Vertretung zur Beurteilung überlassen. Der Gemeindesekretär gab sodann noch eine detaillierte Schilderung über Sin- und Ver- kaufswert der verschiedenen Teile deS geschlachteten Vtehe«. Genosse Lichtenberg hob darauf zunächst hervor, daß die enorme Höhe der Fleiichpreise denn doch wohl all- gemein anerkannt werden müsse, und jeder einzelne mit- Helsen sollte, daß fie herabgedrückt würden. Mindestens zwei bis drei Tage wöchentlich sei der Verkauf nötig; auch wünsche er einen anständigen Verkaufsraum. Gemeindevertreter Dr. H e n n ick e wollte zunächst da« ziffernmäßige Risiko, das die Gemeinde bei diesem Versuch einginge, erfahren, doch konnte der Vorsteher diese Wißbegier beim besten Willen nicht befriedigen, wie er sagte. Herr Direktor U n g e r vom Borfigwerk war für den von Berlin verlangten Ver- trag, der doch nur ein dreiwöchentliches Risiko bedeute, olto für dtp Gemeinde kaum großen Schaden bringen könnte, aber er befürchtete, daß Tegel leider öfter nichts oder doch zu wenig erhalten dürite. Genosse Halses betonte, daß die Gemeindeverwaltung nur ruhig in den Lieferungsverttag mit Berlin eintteten solle, wenn gutes und billiges Fleisch geliefert wird. Die Vertretung stimmte dem Ab- ichluß des Vertrages zu. Es sollen zunächst 20 Zentner verlangt werden, da ein bestimmte? TageSquantum nicht gewährt wird. Der verkauf wird durch Plakate bekannt gegeben.— Unter großer Erregung wurde später der Punkt Abrechnung des Baues der Humboldt-Oberrealschule verhandelt, von dem einleitend Herr Reichelt bemerkte, daß man„allgemein hiervon nicht gerade angenehm berührt sei. es tief schmerzlich empfindet, aber doch notgedrungen hineinbeißen müsse". Bei diesem Bau ist nämlich der Bauleitung ein bedeutender Rechenfehler passiert: sie hat in ihrer Kalkulation nicht weniger wie 2400 Kubikmeter Maurerarbeiten einzustellen vergessen und die Ver« tretung mit hohe» Ueberichreitungen des Etats in Schrecken versetzt, der sich nun in derben Worten Lust machte. Zum Beispiel sind bcim Hoch- bau 126000 M., beim Innenausbau 20000 M. mehr verbraucht worden, als veranschlagt war. Wie der Gemeindebaumeister Fischer recht resigniert erläuterte, find diese enormen Mehrkosten entstanden da- durch, daß, entgegen dem Projekt, bedeutend mehr Raum bebaut wurde, die Materialkosten in dem langen Zeitraum, wo der Bau ruhte, gestiegen, auch während des Baues kostspielige Aenderungen verlangt wurden, so die Stellung einer Heizerwohnung. die Ver- größerung der Schuldienerwohnung usw., was alles die Difftz» renz von etwa 50000 Mark ergibt.„Es sei eben hier zu wenig gefordert; daß zuviel ausgegeben, sei nicht der Fall." Herr G u t st e i n, der Senior der Gemeindevertretung, wandte sich iu einer scharfen, aber berechtigten Anklagerede gegen diese Wirtschaft beim Bau der Realschule; besonders rügte er die hohen Neben- kosten: die kostspieligen Ausschmückungen, die Aufwendungen für den Ruderklub und noch vieles andere.„Wie will der Gemeinde« vorstand diese Wirtschaft rechtfertigen, wie stellt er sich an- gesichtS besten zur Erhöhung der Gemeindeeinkommensteller? Wenn da noch die 125 Proz. ausreichten, dann erst sei er beruhigt", so eiferte der alte Herr leidenschafilich, der sonst so leicht mit allem, waS er und die Bürgermeistertreuen fich leisteten, einverstanden war. Herr Reichelt suchte diese Bedenken zu beschwichtigen und sang ein Loblied aus„alle die schönen Einrichtungen, die das Schulkuratorium geschaffen". Ja er verstieg sich sogar zu der ungeheuerlichen Aeußerung:„10 000 M. mehr Schulden spielten bei solchem Objekt von ca. einer Million(die Bau- und Vodenkosten der Realschule) keine Rolle I" was aber den lebhaften Widerspruch aller Vertreter hervorrief. Genoffe Lichtenberg betonte, daß fich die Gemeinde- Vertretung eben einen höheren Einfluß bei allen derartigen Bau- ausführungen sichern müsse; die sozialdemokratische Fraktion werde gegen die Abnahme dieser Rechnung stimmen. So wurven denn schließlich ganze 10 000 M. für ein Bootshaus abgesetzt und nach« träglich die verbleibenden 165 000 M. Mehrausgaben gegen die Stimmen unserer Genossen bewilligt. Die Summe soll auS Anleihemitteln gedeckt werden. Herzfelde. Ein« vereitelte Drehofcnanlage. Von dem Rittergut Rüdersdorf. G. m. b. H.. deren Hauptbeteitigter der Großindustrielle August Thyssen ist, ist die Einrichtung einer Drehofenanloge auf einem ihr gehörigen Terrain in Hennickendorf geplant. Gegen diesen Plan der Firma ist nun in dem am 19. d. MtS. im Amtsbureau zu Herzfeldo staltgehabten Termin von verschiedenen Seiten, hauptsächlich der Gartenstadt und dem Grundbesitzerverein Hennickendorf Protest er- hoben worden. Begründet wurden die Einsprüche damit, daß die durch die Drehöfen eintretende Staubplag« eine Wertverminderung der Grundstücke herbeiführe. Die Erteilung der Baiikonzession ist deshalb noch sehr ungewiß. Die Folgen dieses Vorfalls äußern fich in der am letzten Sonnabend von der Firma erfolgten Entlassung von zirka 70 Hennickendorfer Bauarbeitern, die mit der Drehofen- errichtung beschäftigt waren. Zu der am Sonntag stattgefunbenen Volksversammlung hatte sich trotz des schlechten Wetters eine stattliche Teilnehmerzahl ein- gefunden, um Protest einzulegen gegen den Brot- und Fleischwucher, gegen die Ausbeutung und Rechtlosmachung des Volkes. Die vor- trefflichen Ausführungen der Referentin, Genossin Käthe Duncker. wurden mit großem Beifall aufgenommen. Ein Beweis dafür, daß der sozialistische Geist auch unter den hiesigen Ziegeleiarbeitern, die bisher leider zum großen Teil infolge der miserablen sozialen und wirtschaftlichen Berhältniffe schon so sehr der Gleichgültigkeit ver- fallen waren, immer mehr Boden gewinnt, ist die Aufnahme von zehn männlichen und sechs weiblichen Personen, die am Schlüsse der Versammlung erfolgte. Retnickendorf. Ein schrecklicher Unglücksfall mit tödlichem Ausgang hat fich gestern auf dem Bahnhof Reinickendorf-Rosenthal zugetragen. Der 38 Jahre alte Zugführer Ferdinand D r ä g e r auS der Provinzstraße hatte einen von Reinickendorf nach Liebenwalde abfahrenden Güterzug zu begleiten. D. sprang, während sich der Zug bereits in Bewegung gesetzt hatte, auf einen Güterwagen, um in das Brems- Häuschen zu gelangen. Er glitt aber ab und fiel so unglücklich zu Boden, daß ihm dt« Räder des Zuges über Brust und Arme hinweggingen. Der Tod trat auf der Stelle ein. Der Ver- unglückte wurde noch«ine ganze Strecke mstgeschleift, ehe man den Unfall bemerkte. RowaweS. Als eine wirksame Demonstration gegen die Aufhebung de» öffentlichen Sonnabendmarktes kann der Besuch des«nn vorigen Sonnabend zum ersten Male im Singerfchen Garten abgehaltenen Privatmarktes gelten. Der Andrang der Besuchter war zeit- weilig so stank, daß der große Garten einer imposanten Volksver» sammlung glich. Obwohl sich auch viele Neugierige eingefunden hatten, war die Kauflust eine so rege, daß einzelne Händler wegen völligen Ausverkaufs ihre Stände bereit? frühzeitig räumen konnten. Damit dürfte Wohl der Bewei» erbracht sein, daß die Beibehaltung des Marktes durchaus notwendig und das kaufende Publikum nicht gewillt ist. sich der Willkür einiger' konturrenz- neidischer Geschäftsleute bedingungslos preiszugeben. Mit den örtlichen Fleifchpreisea beschäftigten sich in einer ge- meinsamen Konferenz im Rathause die von der Gemeindever- tretung eingesetzte Kommission für Beschaffung billiger Lebensmittel und die Marktkommiffion. Scharfe Verurteilung fand daS Gebaren der Fleischermeistervereinigung, die ihre Mitglieder unter Androhung wirtschaftlicher Nachteile zur Jnnehaltung der fest- gesetzten Preise zwingt und so jede Konkurrenz unter sich aus- schließt. Nur für Kalbfleisch soll keine Fleischvorschrift bestehen, auch sollen billigere Lieferungen an Kantinen, Gesellschaften usw. gestattet sein. Von einigen Kommissionsmitgliedern wurde be- sonders darauf hingewiesen, daß die Vereinigung im Vorjahre, als die Schweinepreise für länger« Zeit eine erhebliche Herabsetzung erfuhren, nicht daran gedacht habe, die Ladenpreise gleichfalls zu ermäßigen. DieS Verhalten der vereinigten Fleischermeister habe den lebhaftesten Unwillen der Bevölkerung erregt, die mit Recht eine Verbilligung der Fleischpreis« fordere. Da nun selbst ein- zelnen Mitgliedern der Vereinigung der Preistaris auf die Dauer unbequem wird, beschlossen die beiden Kommissionen, an den Vor» stand der Vereinigung bezw. der Innung die Anfrage zu richten, ob er gewillt ist, auf eine angemessene Preisherabsetzung hinzu- wirken. Sollte sich der Vorstand ablehnend verhalten, dann wird die Gemeindeverwaltung die Einführung ausländischen Fleisches und Wiederzulassung von Fleisch und Fleischtvaren zum Sonn- abendnachmittagmartt beschließen. In der Sitzung wurde noch mitgeteilt, daß an Seefischen seit dem 20. August d. I. rund 10 000 Pfund umgesetzt wurden; der Prei» schwankte zwischen 20 und 25 Pf. pro Pfund. Epandau. Die Wahl der Vertrauensmänner und Ersatzmänner für die An- gestelltenversicherung ruft eine lebhafte Agitation unter den Handels» angestellten hervor. Der Hauptausswuß bat bisher noch keine öffentliche Versammlung abgehalten, läßt dafür aber Flugblätter in großer Anzabl verteilen. Die Freie Vereinigung hält am Freitag- abend 8Va Uhr in Kochs Bismarcksälen schon die zweite öffentliche Versammlung ab. Ingenieur Licckefett wird über das� Thema referieren:„Welche Bedeutung haben die Vertrauensmäniierwahlen für die Angestelltenversicherung!" Ein reger Besuch der Versammlung ist sehr zu wünschen. Sitzungstage von Stadt« und Gemeindevertretungen. Tempelhof. Heute, Donnerstag, den 3t. Oktober, nachmittags 5 Uhr, miffi ligung besonderer Mttel auS Anlaß der Fleischteuerung. Biesdorf. Heute, Donnerstag, den 31. Ottober, nachmittag» 7 Uhr, im iL GenSIerschen Lokale, hier, Dorfftr. 64. Diese Sitzungen sind össentlich. Jeder Kemeindeangehirige ist de- rechtigt, ihnen als ZuhSrer beizuwohnen. Hiis aller Alelt. Brandkatastrophe in Texas. Ein schweres Brandunglück meldet der Telegraph aus der texanischen Ortschaft Santa Rosa. In dem dortigen Hospital kam ein Brand aus. der sich mit unheimlicher Schnelle verbreitete. Sechs Krankenschwestern und ein Kind sind in den Flammen umgekommen. Mehrere Kinder werden vermißt; es ist wahr- scheinlich, daß auch sie dem Brande zum Opfer gefallen sind. Mngdans Einzug. Herr Mugdan, der am DienStag gewählt worden war, ist am Mittwoch bereit» pflichteifrig im Abgeordnetenhause erschienen. Nachdem er sein Görlitzer Reichstagsmandat an die Sozialdemo« kratie eingebüßt hatte, vermochte ihm der Freisinn wenigstens in de» alten Traeger ehemaligem Wahlkreis zu einem Landtags- Mandat zu verhelfen. So ist denn jetzt der Mugdan von Gnaden de» Dreiklassenwahlrechts preußischer Volksvertreter. Als Platz hat man Herrn Mugdan einen Sitz in der roten Ecke, inmitten der sechs Sozialdemokraten, angewiesen. Und unsere Genossen wußten diese Ehre denn auch zu schätzen. Als höfliche Menschen fühlten sie sich verpflichtet, ihren neuen Nachbar, der bekanntlich orthodoxer Christ ist, durch ein Plakat mit einem frommen Spruch- lein zu bewillkommnen. Leider schien Herr Mugdan an die Auf» richtigkeit dieser Bewillkommnung nicht zu glauben, wenigsten? ließ er sich schleunigst einen anderen Platz anweisen, fern der Bank, auf der die Spötter fitzen. Schade, der Willkomm war doch so gut gemeint gewesen! Das böse Gewisse«. In einem New Uorker Kinematographentheater spielte sich kürz- lich eine höchst ergötzliche Szene ab. An der Kasse erschien ein er- regier Mann, der unter heftigen Gestikulationen der Kassiererin mit einem Revolver vor dem Gesicht herumfuchtelte und ihr erklärte, er habe in Erfahrung gebracht, daß sich seine Frau mit einem fremden Mann im Theater befände..Aber passen Sie nur auf", schloß er rollenden Auge»,.ich warte hier, bis die Ungetreue herauskommt, und, xoääam, dann passiert etwa» I' Dabei ließ er den blanken Lauf seines Revolvers im Scheine der elektrischen Lampen spielen. Die verängstigte Kassiererin telephoniert« sofort dem Direktor und teilte ihm unter Angabe de» Sachverhalte« mtt, daß nach dem aufgeregten Gebaren des Mannes durchaus die Wahrscheinlichkeit gegeben sei, daß er seine Frau niederschieße. Der Direktor jedoch, der ein Interesse daran hatte, daß sein Theater nicht der Schauplatz einer Bluttat würde, betrat das Podium und teilte dem Publikum mit, wa« er von der Kassiererin gehört hatte..Aber fürchten die be- treffenden Herrschaften nichts', fuhr er fort,.ich habe Borkehrungen getroffen, daß Sie da» Theater durch einen RebenauSgang unouf- fSMg verlassen können, und nun bitte, folgen Sie mir N— Da? Resultat dieser Aufforderung war überraschend: e« erhoben sich nicht weniger a l S elf Paare, die alle mit mehr oder weniger Hast den Ausgang zu erreichen suchten. Unangenehme Folge«. Unter dieser Ueberschrift hatten wir in unserer Nummer vom 22. Oktober eine Notiz gebracht, in der die Erlebnisse einer An- zahl Münchener Zimmerleute, die für die Firma Ackermann u. Cie. Tiefbauarbeiten auf dem Balkan ausführen sollten, geschildert werden. Zu der Darstellung der beteiligten Arbeiter erhalten wir folgende Berichtigung: „Wir führen nicht in Serbien, sondern in Bulgarien umfang- reiche Bauten aus. Unrichtig ist, daß diejenigen Münchener Zimmerleute, welche am S. Oktober von Sofia fortfuhren, unter der Leitung zweier Ingenieure unserer Firma standen. Ingenieure oder sonstwie Leute, welche auch nur moralisch für die Arbeiter verantwortlich waren, waren nicht dabei. Es ist durchaus un- richtig, daß die Arbeiter von ihren Vorgesetzten verlassen wurden; richtig ist es lediglich, daß es zweien der Arbeiter gelang, durch Bekanntschaft mit dem Speisewagenkellner sich durchzuschmuggeln. Unrichtig ist eS weiterhin, daß, als Bulgarien nach Ausbruch des Krieges ein dreimonatliches Moratorium proklamierte, ein Ver- treter der Firma erklärt habe, dieses Moratorium beziehe sich auch auf die Arbeiter und sie hätten zunächst auf drei Monate keinen Anspruch auf Lohn. Richtig ist, daß der Chef der Firma, Herr Regierungsbaumeister Ackermann, den Arbeitern erklärte, es könne bei der Schwierigkeit der Geldbeschaffung, da die Banken gesperrt seien, vorkommen, daß sich eine Lohnauszahlung gelegentlich um einige Tage verschieben könne. Selbstverständlich garantiere er für die Lohnzahlungen in vollstem Umfange. Unzutreffend ist e» endlich, daß die Firma versuchte, die Ar- beiter abzufinden. Die Firma hat trotz der schwierigen Geld- beschaffung noch in Bulgarien selbst ihre vertraglichen Verpflich- tungen erfüllt und weitergehende Ersatzansprüche abgelehnt.' (Unterschrift unleserlich.) Da über die weiteren Ansprüche, wie wir erfahren, zurzeit zwischen den Anwälten der Firma und der Arbeiter verhandelt wird, wollen wir auf die Angelegenheit nicht weiter eingehen. Kleine Notizen. Freiheitssehne«. Aus dem Hamburger Zuchthause brach gestern vormittag der zu acht Jahren Zuchthaus verurteilte Schlosser Büssing aus. In einem unbewachten Augenblicke erkletterte er die UmfriedigungSmauer des GefängniShofeS und sprang von dort aus aus die Straße und lief davon. Es entspann sich eine Jagd nach dem Verbrecher, an der Polizei und Passanten teilnahmen. Mit Mühe gelang es endlich, den Flüchtling in einem HauS- flnr festzunehmen. Todessturz eiueS Militärfliegers. In München ist gestern vor- mittag der der Fliegerabteilung zugeteilte Leutnant Hamburger vom 16. Jnfanterie-Regiment abgestürzt. Er erlitt einen Schädel bruch, sowie einen Bruch deS rechten Oberarms und des linken Unterschenkels. Ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, ist er nach einigen Stunden im Garnisonlazarett gestorben. Begnadigung eine? Mädchenmörders. Wie die Münchener Blätter melden, hat der Prinzregent den Mörder Speckner, der ein acht« jährige? Mädchen umgebracht hatte und infolgedessen zum Tode verurteilt worden, zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt. Das Urteil gegen Becker. Entsprechend dem Wahrspruch der Geschworenen de« New A orker Schwurgericht», die den Polizei« leutnant Becker de» Morde» schuldig sprachen, haben die Richter den Polizeileuwont zum Tode durch Elektrizität verurteUt. Chedragtzdie. Im Dorf« Tangein bei Salzwehe! erschoß der Altsitzer Roloff seine Ehefrau und versuchte sich alsdann zu er- hängen. Durch hinzukommende Nachbarn wurde aber diese Tat vereitelt. Der Mörder ist hierauf in das Amtsgericht Beetzendorf eingeliefert worden. DaS Motiv dieser Tragödie konnte noch nicht festgestellt werden._ Bnefkaften der Redaktion. - Ida 7. 13. und R. B. 3«. ES besteht keine Gefahr.— M.«. SO. 1. Ja, sosern dem anderen Tell der Ehebruch erst später bekannt geworden ist und seit Bekanntwerde» noch nicht 6 Monate verstrichen sind, oder salls der unschuldige Teil vor Abiaus von 6 Monaten nach Bekanntwerden sich getrennt hat. 2. Darüber entscheidet der Prozeßrichter, zuläsflg ist es. 3. Nicht notwendig.— O. H. 23. Dagegen läßt sich nichts tun.— W. S. 23. 1. Ja. 2. Durch die Antwort unter 1. erledigt.— Arbeiter-Wanderbund„Die Naturfreunde'. Wandersahtten am Sonntag, den 3. November er.: l. Briefen— Pillgramm. Abfahrt: Bahnhos Friedrichstraße 6" Uhr, Schlesischcr Bahnhol 7" Uhr vormittags. II. Tiefcn- see— Strausberg. Absahrt: Schlestscher Bahnhos(Wriczencr Bahn) st" Uhr vormittags. III. Nikolassee— Pcchsee— Spandau. Slbsahrti Bahnhos Friedrich» straße 7" vormittags. IV. Fichtengrund— Stolpenhagen— Wandlitz. Absahrt: Stettincr Fernbahnhos 7" vorm. V. Eichhornstraßc(Reinickendors-West)— Fürstenbrunn. Treffpunkt 2 Uhr nachm., Eichhornstraße, Ecke der Schorn» Weberstraße. Zentralverband der' Handlungsgehilfe«, Bezirk Nenttlln. Sitzung Freitag, den 1. November, abends 8'/, Uhr, in den Bürgerfälcn. Bcrgstr. 147. 1. Vortrag:.Königliche' Kausieute(vom Länder- und Handel deutscher Fürsten); Referent: Dr. N e st r t e p l«. 2. Die zur Angcstelltenverficherung. Gäste willkommen. Wttterungsüberstcht vom 30. Oktober 1912. cn- ilcit ftatfrnicn Swinemde. Franks.a.ll München Wien »! [2i ii bL B— 766 754 757 754 758 762,. if SW SSO S SW S SSO ~ Vetter i Sbedeckt LDimst Ibedeckt LMegen Zsbedeckt INebel a« 1 <4 wj f, Etationen taparanda eterSburg Jeilly Aberdee» Paris Wetterprognose für Donnerstag, de« 31« Oktober 1912. Etwa» kühler, zunächst vorwiegend trübe und regnerisch bei lebhaste» südlichen Winden; später langsam aufklarend. Berliner Wetterbnrean. WasserftandS-Nachrichte« der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburea«. Wafferstand Memel, Tilstt P r e g e I, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krossen , Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leidnerttz , Dreiben , Barby , Magdeburg st+ bedeutet Wulb».— Fall.— st Unterpegel Was man für ■ bei uns beKommt! Specialmarke Phänomen- Club 0 n Phänomen-Gold«s. \. 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