Nr. 356. nbonnemtntS'Bedlngnnseo: ITOoratemcnlä- Preis ttänumeiflnho: SicrlelilS�tL 3,30 MI., mortolL 140 MI, iroöciiHiA 23 Pfg, frei ins HauZ. Sinzeine Nununer S Pfg. SonntagZ- nmnmer mit illuitrierier Sonntags- Scilage.Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- ktkonnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Poft-ZeitungS- PtcUIistc. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen am Belgien, Dünemarl, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 89. Jahrg. Crfdxlnt täglich anBtr montag«. Berliner Volltsblnkk. Zentralorgan der rozialdemohratifchen parte» Deutfchlande. Die TnfertlotiS'GebDIjr kcträgt für die sechZgespaltene kolonel- Zeile oder deren Raum 00 Pfg,, für politische und gewcrlschastlichc Pcrein?- und VcrfnmmmngS-Anzeigen 30 Pfg, „Alclne ltnreigen", daS fettgedrulkte Wort 20 Pfg, tzuläfsig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg, Etellengcfuche und Echlnfstcllcnan- zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort S Pfg, Worte über 15 Luch- stoben zählen für zwei Worte, Juscralc für die nächste Rümmer»lüssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „SozialiUmckrat Ktrlla" Redaktion: 8Rl. 68, Lindcnatrasac 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1383. Freitag, den 1. November 191Ä. Expedition: 8M. 68, Lindenatraaae 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1381. IPfui! Ini Haus der Dreiklassenschmach, dessen Nennung allein in der überwältigenden Mehrheit des preußischen Volkes das Gefühl der Erbitterung und der Beschämung auslöst, ertönten in den beiden letzten Tagen wieder die stürmischen Pfuirufe und wieder galten sie einem schändlichen Ausnahmegesetz und seiner Verteidigung durch die Regierung. Diesmal war es keine Wahlrechtsdebatte, war es nicht eine Rede des preußi- scheu Ministerpräsidenten, die die Entrüstungsstürme ent- fesselten, sondern das ebenso törichte wie nichtswürdige Kapitel, über das geschrieben steht: Preußische Polen- Politik. Wir Sozialdeniokraten haben sicher nichts dagegen ein- zuwenden, wenn die preußische Regierung die Enteignung als eine unentbehrliche Waffe anerkennt und wir sind die letz- ten, die die schmarotzenden Rentenbezieher schützen wollen. Der Großgrundbesitz ist nie etwas anderes gewesen als Ra u b a m Volkseigentum und Raub und Gewalttat sind seine Grundlage. Für eine Politik der Enteignung dieser längst überflüssig gewordenen Schicht der Großgrundeigentümer sind lvir Sozialdemokraten lieber heute als morgen, und die Aufhebung des Privateigentums an Grund und Boden, seine Vergesellschaftung und Bewirtschaftung durch landwirtschaft- liche Produzcnten-Genossensckiasten ist ein Ziel, das wir aufs Innigste wünschen. Die preußische Regierung aber, diese Hörige der preußischen Junker, denkt fürwahr zuletzt daran, dem Großgrundbesitz zu Leibe zu gehen. Sie verschleudert Stuergelder. die sie dem Volk, das entrechtet ist, ohne es zu befragen, abnimmt, um eine ebenso törichte wie gehässige Politik der Quälerei gegen die Polen zu treiben. Sie ver- treibt polnische Besitzer gegen ihren Willen aus ihrem Eigen- tum und verklchrt den' sozialen Gedanken der Enteignung des Großgrundbesitzes zu einer gehässigen Zwangsmaßregel. Soll man über das Törichte der preußischen Polenpolitik erst noch ein Wort verlieren. Ihre einzige Wirkung war die sinnlose Verschleuderung einer Milliarde Steuergelder, ein künstliches Hinauftreiben der Bodenpreise, die Entfesselung einer zügellosen Bodenspekulaffon und schließlich eine außer- ordentliche Verschärfung der nationalistischen Stimmung so- wohl- bei hen Deutschen als bei den Polen. Den Polen hat diese Politik weder wi-rtschaftlich noch politisch das Geringste aijl)aben können. Im Gegenteil! Trotz der starken Gegen- fätze, die die kapitalistische Entwicklung auch in den polnischen Landesteilen geschaffen hat, hat die preußische Regierungs- Politik die Polen künstlich zusammengeschweißt und in den Bauern, Handwerkern und Arbeitern den falschen Wahn ge- nährt, daß ihre Interessen bei ihren klerikalen und adligen Wortführern am besten aufgehoben sind. Es ist nicht nur nicht gelungen, die Polen moralisch zu erobern— Preußen und moralische Eroberungen!—, man züchtet künstlich in Polen den Haß gegen den Staat, der ihnen nur als nationaler Unter- drücker und Feind erscheinen kann. Ist diese Politik schon in nornialen Zeiten töricht und verächtlich und nur dadurch erklärlich, daß eben die starke Steigerung der Bodenpreise wilde Erwerbsinstinkte wachgerufen hat, die auf Kosten sowohl des deutschen wie des polnischen Volkes um jeden Preis ihre Befriedigung suchen, so wird sie völlig unglaublich in so kritischen Zeiten wie den jetzigen. Vier Jahre hat man nicht gewagt, das Enteignungsgesetz anzuwenden. Selbst die Konservativen des Abgeordneten- und Herrenhauses haben gegen dieses Ausnahmegesetz starke Bedenken erhoben, wenn auch bei ihnen die nichtsnutzige nationalistische Demagogie Heydebrands die bessere Einsicht schließlich besiegt hat.- Trotz aber hakatistischen Agitations- arbeit aber hat die Regierung vier Jahre lang die Anwendung des Gesetzes abgelehnt, hat sie alle Angriffe auf ihre Haltung mit den stärksten Gründen zurückgewiesen. � Und gerade jetzt dieser Umschwung! Es ist eine jener Plötzlichkeiten. wie sie bei unS gewöhnlich nur durch das Eingreifen W i l h e l m s II. zustande kommen und Graf P r a s ch m a, der Redner des Zentrums, hat ja allerlei leider nur- zu unklare Anspielungen gemacht, daß persönliche Einflüsse maßgebend gewesen seien, daß Ministersessel gewackelt hätten. Anders ist ja auch(i>ieser plötzliche Umfall nicht zu erklären. Wir müssen offen gestehen: Als wir zum erstenmal die Nachricht lasen, daß jetzt in Polen enteignet werden solle, wollten wir nicht recht daran glauben. Wir haben sicher keine gute Meinung von den politischen Fähigkeiten der Herren von Bethniann Hollweg und Kiderlcn-Waechter. Aber daß sie gerade in einem Augenblicke, wo die auswärtige Situation so gespannt ist, wo die Möglichkeit eines euro- päischen Krieges am Horizonte auftaucht, zu einer so unge- heuerlichen Provokation der Bewohner eines wichtigen Grenz- landes geraten hätten, das muß man doch für ausgeschlossen halten. Und wenn schon die Rücksicht auf Volksstimmungen preußischen Ministern fern liegt, so hätten sie doch daran denken müssen, daß die Polen Qesterreichs dort die Mitregierenden sind, daß namentlich auch die österreichische aus- wärtige Politik nicht länger deutschfreundlich orientiert sein könnte, wenn die österreichischen Polen sich auf die Seite der übrigen slawischen Nationen Oesterreichs stellten. So bliebe dieser neueste Streich, den die preußische Re- I gierung mit ihrer Gewaltpolitik gegen die Ehre und das l Ansehen des deutschen Volkes verübt hat unbegreiflich, wenn 'man nicht eben annehmen müßte, daß die Herren Bethmann "und Kiderlen-Waechter, um nicht von ihren Ministersesseln zu stürzen, gegen ihr Gewissen, gegen ihre ibessere Ueberzeugung sich einem Machtgebot �von außen gefügt hätten. Das paßt in das Bild dieser Minister und so erscheint die Kette geschlossen. Die preußische � Polenpolitik ist nur möglich aus dem Boden der Dreiklassen- schmach und sie kann nur durchgeführt werden unter den Seg- nungen des persönlichen Regiments. -1- Heber den Verlauf der gestrigen Sitzung wirb unS aus dem Abgeordneteithause noch geschrieben: Eine Probe ihres Mutes legte am Donnerstag wieder einnial die Zentrumsfraktion des Abgeordnetenhauses an den Tag. Zu dem Arsenal ihrer vergifteten Waffen gehört die fortgesetzte De- hauptung, die Sozialdemokraten hätten nichts für die Hebung der Lage der Unterbeamten getan, sie hätten überhaupt für die Beamten nichts übrig. Schon neulich hat ein Zentrumsredner diese Lüge hergestottert. Die Möglichkeit zu sofortiger Erwiderung war uns damals genommen. Um so mehr hätte man erwarten können, daß man unseren Rednern diesmal die Gelegenheit zur Antwort geben würde, zumal da derselbe Zentrumsabgeordnete-seinen Lügenfaden weiter gesponnen und eine ganz« Reihe unwahrer Behauptungen über die Sozialdemokratie in den Parlamenten und außerhalb der- selben nach dem Muster des berüchtigten Reichsverbandes hergezählt hatte. Aber der Begriff des An-standes ist dem Zentrum unbekannt. Es trieb seine Schamlosigkeit sogar so weit, daß es selbst einen Schlußontrag einbrachte, durch den die sozialdemokratischen Redner mundtot gemacht wurden. Nicht einmal die Konservativen waren für diesen Schlußantrag zu haben. Das Zentrum weiß, warum cS so operiert hat, in seiner Feigheit wollte es der Erwiderung au? dem Wege gehen, um nachher mit srommem Augenaufschlag hcuch- lerisch zu verkünden, die Sozialdemokraten hätten auf die„nieder- schmetternden" Anklagen nichts entgegnen können. Aber die Herren täuschen sich, die Antwort ist zwar aufgeschoben, aber nicht aufge- hoben. Was von unserer Seite zu sagen ist, wird gesagt werden, ob das Zentrum will oder nicht. Vorher hatte das Haus die Besprechung der polnischen Jnter- pellation über die Enteignung ländlicher Besitzungen zu An- siedelungszwecken zu Ende beraten. So bequem wie es sich die haka- tistischen Redner gemacht hatten, konnten es die Gegner der Polen- polstik, die Abgg. Graf P r a s ch m a(Z.), Dr. P a ch n i ck e(Vp.), B 0 r ch a r d t(Soz.) und Nissen(Däne) nicht machen, sie konnten sich nicht mit kurzen Erklärungen begnügen, sondern mußten aus- führlich die Verfassungswidrigkeit der Polenpolitik darlegen. Bc sonders Genosse Borchardt unterzog sich dieser Aufgabe mit großem Geschick in fast einstündiger Rede, die auf allen Seiten de? Hauses mit gespannter Aufmerffamkeit verfolgt wurde. Seitens der Negierung griff Minister v. Dallwitz in die Debatte ein. Seine provokatorischen Ausführungen entfesselten bei den Polen einen Entrüstungssturm, der sich wieder in anhaltenden Pfui-Rufen Luft machte. Dem Präsidenten gelang es. ohne daß er von den Mitteln der Geschäftsordnung Gebrauch machte, ja sogar ohne An- drohung dieser Mittel, durch einige beschwichtigende Worte die Ruhe wiederherzustellen. Man sieht, es geht auch so. Die nächste Sitzung ist erst Montag. Auf der Tagesordnung stehen Initiativanträge und Petitionen. €in vernichtender Schlag. Drei Tage hat daS Massenmorden gedauert und das bulgarische Heer ist Sieger geblieben. Wie groß der Sieg der Bulgaren ist, welche Widerstandskraft die geschlagene Armee noch entwickeln kann, ist allerdings nach den vorliegenden Nachrichten nicht mit'Sicherheit zu beurteilen. Bewahrheiten sich freilich die Meldungen aus Sofia— und sie haben große Wahrscheinlichkeit für sich— dann hat sich der Rückzug der Türken in Flucht verwandelt; die Bulgaren drängen stürmisch nach und hoffen, den Weg nach Konstanttnopel-Zarigrad offen vor sich zu haben. Das Ringen begann am Dienstag früh. Die Türken standen auf der Linie Bunar-Hissar. Ihr Heer lehnte sich mit dem rechten Flügel an das Jstnanza-Gcbirge, mit dem linken an die Flüsse Maritza und Ergene an und beschränkte sich in der Hauptsache auf die Defensive. Die bulgarische Armee griff in zwei Gruppen an. Die Ostgruppe ging an der Straße Wisasarei vor. Infolge der schlechten Wege ging der Vormarsch nur langsam vor sich und hier bei Wisa scheinen die Türken wenigstens im Anfang erfolgreichen Widerstand geleistet zu haben. Die Entscheidung erfolgte durch die Gruppe des rechten bulgarischen Flügels, der bei Lüle-Burgas das türkische Zentrum durchbrochen hat. Die Bulgaren haben hier den türkischen linken Flügel offenbar vollständig umklammert, denn ihre Kayallerie schwärmt bereits bis Rodosto am Marmarameer vor. Gelingt es, die türkische Hauptarmee hierhin abzu- drängen, so wäre ihr die Verbindung mit Konstanttnopel ab- geschnitten. Dann wäre nur noch ein letzter Widerstand auf der Tschataltschalinie denkbar. Als ob es an dem Balkanproblem noch nicht genug wäre, werden heute noch Unruhen aus der asia- tischen Türkei gemeldet und französische Kriegsschiffe haben die Ausreise nach Syrien augetreten. In der Tat kann auch die schwere Niederlage der Türkei nicht, ohne Rückwirkung in Kleinasien bleiben und zur Schicksalsfrage der europäischen Türkei werden sich bald Fragen von schwerster Bedeutung in der asiatischen Türkei gesellen. Denn daß eine aus Europa verdrängte Türkei ihre Herrschaft in Kleinasien erst neu begründen müßte, falls sie dazu überhaupt imstande ist, ist ohne weiteres klar. Aber auch hier werden die imperialistischen Bestrebungen der Großmächte sich durch- zusetzen trachen und damit einen neuen Krisenherd schaffen. Die Schlacht bei LUlc-Burgao. Wien, 31. Oktober. Der Kriegsberichterstatter der Rcichspost meldet aus dem Hauptquartier der bulgarischen Hauptarmee vom 3l). Oktober: Der Angriff begann gestern auf beiden Flügeln. Der Anmarsch der bulgarischen Armee zur Schlacht erfolgte in zwei Gruppen, die eine Gruppe des rechten Flügels ging in Richtung Lüle-Burgas— Corlu vor. Zu dieser Gruppe war der größte Teil der Kavallerie vnd drei Brigaden der Armee des Generals Iwanow, der vor Adria- nopel steht, herangezogen, die ihrerseits durch Reserveforma- tionen ersetzt wurden.— Stärkere bulgarische Kolonnen sind von Havsa und über Pawlokoj und Alaplje auf das südliche Ergencufer dirigiert. Die Türken sind hier nach heftigen Kämpfen bereits. in der Richtung auf Cifliköj zurückgc- wichen, sollen aber mit stärkeren Streitkräften nördlich Usun- köprü vorgehen.— Die Ostgruppe ist im Vorgehen durch die Wälder an der Straße Bisa— S a r a j begriffen; bei ihr ist infolge der schlechten Wege und des ungünstigen Wetter» Ciii Türken '0 5 10 15 zo 25 30 35 Wfm. Hiui i r i i i i i Tschorlu 9350; Karte zur türkisch-bulgarischen fntscheidungsschlachtfc tm Vormarsch eine Stockung elugetreten. Vormittags wird aber der allgemeine Vormarsch wieder beginnen. Starke Ko- lonncn sind ferner im Anmarsch über Achmcdbcj und Gecerler und auf Midia und in der Richtung auf Jstranja. Tic türkische Armee soll ihre neuen Stellungen noch nicht erreicht haben und versuchen, unseren Vormarsch durch Gegenangriffe aufzuhalten. Bon Saraj und Gcccrler haben, wie gemeldet wird, türkische Truppen den Vormarsch über Bisa in der Rich- tung auf Vunar Hifsar aufgenommen. Tie Türken auf der Flucht. Sofia, 31. Oktober, 1 Uhr 20 Minuten nach«. mittags. Tie Schlacht auf der Linie Lüle- Burgas-Saraj war sehr erbittert. Die türkische A r m e e unter dem Befehl Nazim Paschas wurde völlig in die Flucht geschlagen und zog sich eiligst gegen T s ch o r k u zurück. Tie Türken liehen eine große Z a h l v o n T o t e n u n d V e r w u n d e t e n auf dem Platze. Lüle-Burgas genommen. S o f i a, 31. Oktober. Nach zweitägigem Kampfe hat die bulgarische Armee einen vollständigen Sieg über die Hanptstrcitkräfte des türkischen Heeres davon- getragen. Tie Türken zogen sich in völliger Unordnung zu- rück. L ü l c- B n r g a s ist von den Bulgaren e i n g e- n o m m e n worden. Der bulgarische Sieg. Sofia, 31. Oktober, 6 Uhr 30 Minuten abends. (Meldung der Agence Bulgare.) In der Schlacht, die mit den Hauptstreitkräfteu der türkischen Armee in Stärke von 150000 Mann auf der Linie Bunnr-Hissar— Lüle-Burgas seit drei Tagen allgemein im Gange ist, hat die bulgarische Armee den Feind geschlagen und ihn gezwungen, sich aus seinen befestigten Stellungen unter stürmischem Nachdrängen der Bulgaren zurückzuziehen. Die bulgarische Armee hat die energische Verfolgung des Feindes aufgenommen, der in Unordnung und P a n i k sich auf Rasbj und Tschorlu zurückzieht. Eine große Zahl von Kanonen, Fahnen, Mnnition und anderen Kriegs- trophäen ist den Bulgaren in die Hände gefallen, ebenso zahl- reiche Gefangene. Tie bulgarische« Verluste sind Verhältnis- mäßig unbedeutend. Tie Dörfer Aiwali bei Lüle-Burgas und Marach im Westen von Adrianopel sind von den Türken eingeäschert, die gesamte christliche Bevölkerung niedergemacht worden. Auch sämtliche Dörfer in der Gegend von Melnik haben die Türken in Brand gesteckt. Auch der rechte Flügel geschlagen. Wien, 31. Oktober. Die„Neue Frei, Presse" meldet auö Sofia vom 31. Oktober: Infolge der Ginnahme von Lüle- Burgas durch die Bulgaren ist auch der ö st l i ch e t ü r k i s ch e Flügel auf dem Rückzug gegen Serai und Stranza be- griffen. Die türkischen Reserven, neun Divisionen, die West- Jjch.pou Jcniköj gestanden haben, sind gegen das Zentrum der Schlachtsrout verschoben worden, um einem weiteren Vordringen der Bulgaren Einhalt zu tun. Die Schlacht- front, die gestern Lüle-Burgas-Wisa war, ist heute Tschorlu. S'eküi- Stranza. Türkische Verstärkungen. Konstaniinopel, 30. Oktober. 10 Uhr abends. Das in Wisa kämpfende Armeekorps hat große Nachschübe erhalten. Außer der bereits in Midia gelandeten Redifdivi- siou von Trapcznnt sind dort die asiatischen Redifdivisionen von Malatia und Baiburt ausgeschifft worden. Sie gelangten über das Gebirge nach Wisa, wo gegenwärtig sehr starke Streitkräfte vereint sind. Weitere asiatische Truppen werden hier abends wahrscheinlich mit derselben Bestimmung eingeschifft werden. Die Türken an Zahl überlegen. Wien, 30. Oktober. Die„Neue Freie Pvesse" meldet aus Konstantinopel: Die Kämpfe dauern seit gestern vormittag an, eine Entscheidung ist nahe bevorstehend. Sie ist am ö st l i ch e n Flügel zu erwarten, wo sowohl die Türken wie auch die Bulgaren ihre Hauptstreitkräfte ein- sehen. Die Schlachtfront ist70 Kilometer lang. Ter westliche Flügel ist ungefähr bei Lüle-Burgas. der öst- liche Flügel beider Arineen dehnt sich vom Jstrandzagebirge bis in die Nähe des Schwarzen Meeres aus. Die Türken sind an Infanterie bedeutend stärker, an Artillerie sind beide Gegner gleich. Türkische Meldung. Paris, 31. Oktober. Die„Agence HavaS" meldet aus Konstan- ttnopsl: Nazim Pascha telegraphierte auS Adrianopel, die türkischen Truppen hiitten die Bulgaren auS USkudar und Lefke vertrieben und die Verfolgung der Flüchtigen auf» genommen. Vom McUicKen KHegfalcbauplatze. Die Griechen in Grevena. Athen, 31. Oktober. Wie amtlich hier bekannt gegeben wird, haben die griechischen Truppen gestern Grevena beseht, ohne Widerstand zu finden. Eine brennende Stadt. Athen, 31. Ottobe.r Die Stadt Metzowo in EpiruS ist von den Türken in Brand gesteckt und durch die Feuersbrunst der- nichtet worden. Vom montenegi'lnifcken Ifc'ugsl'cfoaiiplatze. Eine Schlappe der Montenegriner. Wien, 31. Oktober. Wie die„Reichspost" meldet, haben die Montenegriner bei Berhica, Beltoja und Truschi in der Bojana-Ebene eine Niederlage erlitten. Der Angriff der Türken machte das südliche Vorfeld von Skutari frei. Die Venetianerbrücke vor der Stadt ist auf Befehl des Stadt» konimandanten in die Luft gesprengt worden. Die Mir- d i t c n(daö sind katholischb Albaner, die unter dein Einfluß Oesterreichs stehen) haben es abgelehnt, sich den Montene- gnnern anzuschließen. Brand in Skutari. R j e t a, 30. Oltobcr. Seit 3 Uhr nachmittags ist um S k u- t a r i heftiges Geschütz, und Gewehrfeuer hörb.ar. Ueber der Stadt sind st a r k e R a u ch w o l k e n zu bemerken, die offenbar von einem Brande herrühren.. Jpek genommen. R j c k a, 31. Oktober. Heute vormittag 10 Uhr 50 Mi- vutcn traf die amtliche Meldung ein, daß I p e k von den Truppen des Generals Wukotitsch genommen worden sei. Abdul Hamid. Konstantinopel, 31. Oktober. Die Ankunft des deutschen Stationsschiffcs„Loreley", auf dem bekanntlich der frühere Sultan Abdul Hamid nach Konstantinopel gebracht werden soll, soll am Quai Tscheragan erfolgen, von wo sich Abdul Hamid direkt in das kleine an der Küste gelogene Palais begeben kann. Es verlautet, daß Abdul Hamid später nach Angora gebracht werden wird. Erregung in der asiatischen Türkei. London, 31. Oktober.(P.-C.) Aus Syrien hier eingetroffene Aach richten melden, daß sich infolge der türkischen Niederlagen unter der dortigen Bevölkerung und unter den Truppen eine bedenk- liche Gärung gegen die türkische Herrschaft bemerkbar macht. In Beirut wurde von den Behörden ein Komplott entdeckt, das ein Blutbad unter den Europäern bezweckte, um auf diese Weife die europäischen Mächt« zur Intervention zu zwingen. Der französische Konsul, der von diesem Plane Kenntnis erhielt, ist bei seiner Re- gierung um die sofortige Entsendung eines Kriegsschiffes vorstellig geworden, um die französischen Staatsangehörigen zu schützen. Französische Kriegsschiffe nach Syrien. Paris, 31. Oktober. Die Panzerkreuzer„Leon Gambetta", „Victor Hugo" und„Jules Ferry" haben Befehl erhalten, nach Syrien zu gehen. Sie werden bereits heute abend Toulon ver- lassen. Der Panzerkreuzer„Bruix", der gegenwärtig vor Samos liegt, wird sich nach Saloniki begeben. Bedrohliche Stimmung in Konstantinopel. Konstantinopel, 31. Oktober. Die Stimmung unter der hiesigen Bevölkerung ist aufs äußerste erregt. Man erwartet fieberhaft Nachricht über die Kämpfe bei Lüle BurgaS und Wisa. Da bei Eintreffen von ungünstigen Meldungen Ausschreitun. gen zu befürchten sind, haben die Vertreter der Großmächte ihre Stationsschiffe angewiesen, alles zum Schutze ihrer Staatsangehörigen vorzubereiten. Die(lnemlgkeit und Planlosigkeit der Diplomatie Paris, 31. Oktober.(P r i v a t t e l e gr a m m des „V o r w ä r t s".) Der„Temps" schreibt: Die Stunde für die Intervention naht, aber die Mächte sind über die Form und Tragweite ihrer Aktion noch nicht ins Klare gekommen. Die Siege der Valkanstaaten hätten alle bisherigen Projekte umgestürzt. Die Intervention müsse, um entscheidend zu sein, schnell sein, aber die Mächte des Dreibundes und der Tripel- entente müßten als kollektive Gruppen auftreten. Nicht die vergängliche Identität der lokalen Interessen entscheide, sondern die allgemeinen Interessen, die die Gruppen for- mierten. Eine Verhandlung zwischen zwei Ländern wäre möglich, wenn der Dreibund und seine Freunde daran teil- nehmen. Der starke Dreibund und die Tripelentente seien die besten Bürgschaften für den Frieden. Auch das„Journal des Debats" polemisiert gegen Son- derverhandlungen. Das Programm sei von den Balkanvölkern auf dem Balkan durchführbar, wenn die Sieger die Lasten der eroberten Länder übernehmen und die Großmächte sich einer Anteilnahme an der Aufteilung der Türkei enthalten, da sonst das europäische Gleichgewicht gestört werde. Die Polemik ist, trotzdem sie nur Oesterreich und Italien nennt, offenbar auch auf Rußland gemünzt. Der„Temps" berichtet aus Wien, daß die Wiener Verhandlungen zwischen den Großstaaten Schwierigkeiten zu erleiden scheinen durch passive Widerstände, berechnete Abwesenheiten und ver- zögernde Gegenprojelte. Aus Berlin wird telegraphiert, daß Deutschland auf Oesterreich mäßigend einwirke, wie dieses in vorjähriger Marokkokrisis auf Deutschland einge- wirkt habe, weil die Vertragsklausel des Dreibundes eine Unterstützung Oesterreichs durch Deutschland bei einer russi- schen Offensive vorschreibt. Heute scheinen die B e z i e h u n- gen Wiens mit Belgrad und Cetinje schlechter zu sein und die Wien-Petersburger Vereinbarungen seien jäh vertagt worden. Der„Temps" veröffentlicht Mitteilungen der bulgari- schen und griechischen Gesandtschaft über türkische Greuel. Zahlreiche Adrianopler Einwohner seien in Ketten weggeführt, 20 Dörfer des Bezirks Janina angezündet und Frauen und Kinder massakriert worden. Oesterreich und die Balkanstaaten. Wien, 31. Oktober. In einem offiziösen Artikel registriert das„Fremdcnblatt" angeblich« sympathische Stimmen der s e r- bischen Presse und fährt oann fort: ES ist ein neuer, unge- wohnter Ton, den wir da zu hören bekommen, und es ist nur daS Gebot der Gerechtigkeit, dem wir folgen, wenn wir diese A n- zeichen eines Umschwunges zur Kenntnis nehmen. Wir stellen aber gleichzeitig fest, daß von einem Uinschwung in un- s e r e r öffentlichen Meinung zu sprechen, eine Veranlassung nicht vorliegt, denn von unserer Seite ist dem benachbarten Königreiche niemals Mißgunst oder gar Feindseligkeit entgegengebracht worden. Auf den Appell, der aus dem Nachbarstaate zu uns herüberdringt, haben wir nur zu erwidern, daß nach unserem Dafürhalten auch heute keine Sindernisse vorhanden sind, die eine Wiederherstellung des Verhältnisses, wie es seinerzeit bestanden hat. uninöglich machen müssen. Oesterreich-Ungarn hat stets großes Wohlwollen für die Balkanvölker und ein hohes Maß von Interesse und Verständnis für ihre Entwickelung bewährt mit dem angestrebten und voll erreichten Resultate, daß sich zum Beispiel in den letzten Jahren zwischen uns und Bulgarien die freundlichsten Beziehungen entwickelt haben. Die günstigen Dispositionen auf unserer Seite waren und sind auch Serbien gegenüber vorhanden. Wir wollen auch nicht zwei.» fein, daß dies dort entsprechend eingeschätzt, daS notwendige Ver- stand ins für unsere Interessen bekundet und im gegebenen Falle betätigt werden wird.(Fragt sich eben nur, waS Oesterreich verlangt.) Erklärungen Greys. London, 31. Oktober.(Unterhaus.) Auf eine Frage an den Staatssekretär des Aeußern, ob er mitteilen könne, wie die AuS- sichten für eine baldige Beendigung des Balkankriegs und für das Zustandebringen eines dauernden Friedens zwischen den Kriegführenden seien, antwortete Sir Edward G r e y: Ich fürchte, ich kann nichts sagen, außer daß ich nichts über die internationale Lage gehört habe, was den Friedensaussichten hinderlich sein könnte, sobald die militärische Lage einen Friedens- schlutz möglich macht.(Beifall.) Der Liberale King richtete folgende Anfrage an die Regie- rung: Erstens, ob die Großmächte vor Ausbruch des Krieges auf dem Balkan übereingekommen seien, den Statusquo aufrecht» zuerhalten. Zweitens, ob ein solcher Beschluß den Balkanstaaten mitgeteilt worden sei. Trittens, ob infolge der Erfolge der Ver- bündeten weitere Mitteilungen über diesen Gegenstand zwischen den Großmächten ausgetauscht worden seien, und ob es die Politik Großbritanniens und der Großmächte fei. die territoriale Herr» schast der Türkei über Macedonien aufrechizuerhalten, WaS auch das Ergebnis des gegenwärtigen Krieges sein möge. Sir Edward Grey erwiderte: T-ie Antwort auf die ersten beiden Fragen ist bejahend/ und das steht nicht im Widerspruch zu den Erklärunzen, die die Balkanstaaten selbst am Borabend des Krieges abgegeben haben. Was die dritte Frage anbetrifft, so sind Mitteilungen zwischen allen interessierten Großmächten ausgetauscht worden über die Veränderung der Lage, die sich aus dem Verlauf des Krieges ergibt, und im Hinblick darauf wäre es im gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ratsam, irgendeine Erklärung über die Politik der britischen Regierung und der anderen Mächte zu machen, die, wie ich mit Vergnügen sagen kann, den von Anfang an angenommenen Kurs, sich untereinander zu verständigen, beibehalten. Das HanS kann versichert sein, daß ich Erklärungen abgeben werde, sobald es möglich ist. Aber ich hoffe, das Haus wird die Schwierigkeit würdigen, gesondert Erklärungen über unsere eigenen Ansichten abzugeben, in dem Augenblick, wo eS unser erstes Ziel ist, uns in Verbindung mit den anderen Mächten zu halten und eine Einigung unter ihnen zu fördern. Der Liberale King fragte weiter, ob vom Auswärtigen Amte Schritte unternommen würden, um zu verhütein daß Finanz« l e u t e den Kriegführenden auf dem Balkan Geldmittel liefern. Staatssekretär Grey erwiderte: Die Antwort laute nein. Er glaube, daß es in solchen Fällen gebräuchlich sei, die Finanzleute ihren e ige nen Weg geihen zu lassem Eine Rüstungsrede Churchills. London, 31. Oktober. Marinemmister Churchill hielt gestern in Sheffield eine Rede, in der er der Hoffnung Ausdruck gab, alle Nationen würden nach Beendigung des Balkankrieges in dem Entschlüsse einig sein, daß die Angelegenheiten, die den gegen- wärtigen Krieg entfacht hätten, nicht ein zweites Mal Ursache eines Krieges sein dürften. Alle Regierungen ohne Ausnahme seien ehrlich bemüht, eine Formel zu finden, die den Kriegführenden Gerechtigkeit widerfahren lasse und den in Betracht kommenden Völkern von Nutzen sei. Der Krieg sei mit der ganzen Kraft einer spontanen Explosion ausgebrochen. Wer wäre angesichts einer der- artigen Willenskundgebung kühn genug zu behaupten, daß Stärke nie ein Heilmittel gewesen sei. oder wer wäre unaufrichtig genug, um zu erklären, daß kriegerische Tugenden keine vitale Rolle im Lrfien gefunder und ehrliebender Völker spielen, oder wer schließlich wäre töricht genug, um anzunehmen, daß ein langer Antagonismus, der sich aus der Geschichte und der Zeit erklärt, stets durch glatte, an der Oberfläche bleibende Konventionen von Politikern und Tiplo- maten ausgeglichen werden könnt«? Großbritannien müssefüralleFällegerüstetsein. Es sei gut, geduldig, bedächtig, friedliebend zu sein, aber es sei nicht genug.„Wir müssen", schloß Churchill,„auch stark, voll Selbstvertrauen med einig sein."'_ Die Heuerling. Rückgang des Fleischkonsums. Die Lügen agrarischer Blätter über die reichliche Versorgung Deutschlands mit Fleisch werden wieder einmal durch die amtliche Statistik ins rechte Licht gerückt. Das Statistische LandeSamt ver- öffenilicht soeben die Ergebnisse der Schlachtvieh» und Fleischbeschau für das Jahr 1911. Mit Ausnahme der Schlachtungen von Schweinen, Pferden und Ziegen find die aller anderen Tier- gattungen ganz erheblich zurückgegangen. Nach Abzug der als un« tauglich verworfenen Tierkörper wurden im Jahre 1811 gegen lölv weniger geschlachtet: DaS bedeutet einen ganz außerordentlichen Rückgang de« Fleischangebots. Er wird auch nicht im entferntesten aufgehoben durch die Zunahme der Schweinescblachtungen von 1 353 259 Stück (14 Proz.). Denn an verwertbarem Fleisch sind etwa erst vier Schweine einem Rind gleichzusetzen. Allein die Ab- nähme der Ochsenschlachtungen wiegt die Zunahme der Schweineschlachtungen auf. DaS preußische Volk hat also im vergangenen Jahr wesentlich weniger Fleisch verzehrt als im Jahre 1910. Denn infolge des Bevölkerungszuwachses sinkt die Konsumquote pro Kopf noch rascher, als die absoluten Zahlen«S zeigen. Das Volk leidet unter einer sich jährlich verschärfenden F l e i s ch n o t. Die heimische Landwirtschast— daS zeigen diese Zahlen deutlich— ist nicht imstande, den Fleischhunger zu be- friedigen. Auf mit den Grenzen für ausländisches Fleisch l Keine weiteren Regierungsmaßnahmen. Württemberg hatte beim Bundesrat eine Abänderung des BundeSratSbeschlusseS vom April diese» Jahres beantragt, nach welchem die in den Ouarantäneanstalten eingestellten Rinder außer auf andere übertragbare Seuchen auch darauf untersucht werden, ob sie mit Tuberkulose behafiet sind. In solchem Falle müssen die Tiere wieder ausgeführt werden. Die württembergische Regierung versuchte nun, Erleichterungen in der Richtung zu erlangen, daß die Tiere nicht ausgeführt werden müßlen, sondern ihr Fleisch unter voller Beobachtung der Fleischbeschauvorschriflcn als bedingt tauglich zugelassen würde. Der Bundesrat hat jedoch diesem Antrage keine Folge gegeben. Masmahmeu gegen die Teuerung. Die Stadtverwaltung von Alten bürg hat den Bezug von dänischem Rindfleisch in die Wege geleilet. Die erste Sendung dänischen Fleisches, einige 60 Zentner, traf am Monlag dieser Woche «in. Fast die Hälfte wurde an die Städte Ronneburg, Schmölln und Gößnitz abgegeben. 80 Rinderviertel blieben zur Verreilung an die Fleischerinnung Altenburg, die den Verkauf übernommen har, übrig. Auf den Allenburger Konsumverein, der die größte Schlächterei am Orte hat. einfielen zwei Rniderviertel im Gewichte von 250 Pfd. Und davon sollen 5000 Menschen satt werden! Ein Tropien auf den heißen Siein. In Ronneburg, Schmölln, Lucka und Gößnitz haben sich die Fleischer geweigert, den Beikauf des ein- geführten dänischen Fleisches zu übernehmen. Die Berivaltungen dieser Städte müssen nun das Fleisch durch Landschlächter, zum Teil auf der Freibank verkaufen lassen. In Kahla hat die Stadtverwaltung den Verkauf des eingeführten Fleisches von vorn- herein selber übernommen. In O r l a ni ü n d e hat die Stadt- Verwaltung vom Bezüge dänische» FleiicheS Abstand genommen. nachdem einige Schlächter den Fleischpreis aus 90 Pf. ermäßigten. Das von der Stadl Alten bürg eingeführte dänische Fleisch ist von bester Oualiläl und wird je nach Art, ob Brate, ifleisch oder Suppenfleisch erster und zweiter Güte zu 80. 75 und 65 Pf. ab- gegeben. Zoll- und Transportiosten trägt die Staatskasse. Der Stadlmagistrat Augsburg halt« vor einiger Zeit be- schlössen, dänisches Fleisch einzuführen und den Metzgermeistern zuin Einkaufspreis zu überlassen. Diese sollten da« Fleisch mit einem Aufschlag von l2 Pr. pro Pfuud weiter verkaufen. Bon diese»» An» gebot machten indessen so wenig Metzgermesster Gebrauch, daß die Slndtgemeinde Veranlassung nahm, den Verkauf des eingeführten Fleiiches selbst in die Hand zu nehmen. Der Verkauf de« Fleisches erfolgt in drei städtischen Fleischverkaufsstellen, der Absatz geht zum Preise von 74 Pf. pro Psund flott von statten. Die Stadtgemeinde hat dann auch ledendeZ Schlachtdieh aus Holland eingeführt. Soweit diese Tiere von den Metzgern nicht der- kauft werden, erfolgt die Schlachtung und der Verkauf des Fleisches durch die Stadtgemeinde selbst. Der Preis dieses Fleisches stellt sich auf 86 Pf. für Ochsenfleisch und 82 Pf. für Mastrindfleisch und ist um IS bis 25 Pf. niedriger als das von einheimischen Tieren. Der Senat in Hamburg beabsichtigt, Linderung der Fleisch- not 100 000 M. aus Staatsmitteln bereitzustellen zum Ankauf von dänischem Rind- und Hammelfleisch, das durch Vermitlelung der Schlächterinnung zum Selbstkostenpreise wieder verkaust werden soll. politilcbc Qebcrlicbt. Berlin, den 31. Oktober 1912. Nationalliberale Wahlrechtsfeinde. In einer Polemik gegen Fortschrittler und Jungliberale führt die„Altnationalliberale Reichs-Korrespondenz" des Herrn Fuhrmann aus: „Es ist nicht richtig, toie Herr Dr. Kauffmann sagt, dah in in den Reihen unserer preußischen Parteifreunde eS nur eine geringe Anzabl wäre, die sich mit dem Gedanken der Uebertragung des Reichstagswahlrechts auf Preußen nicht zu befreunden vermöchle. ES i st viel nt ehr die ganze preußische national- liberale Partei. Jedem jungliberalen Versuche, hier die heute noch vollgültigen, einstimmig gefaßten Beschlüsse des Magde» burger Parteitages zu erschüttern, werden wir in Uebereinstimmung mit der gesamten Landtagsfraktion den schärfsten Widerstand ent- gcgensetzen.'_ Allerlei Erbauliches über die Kölner Erzbischofswahl. Wie aus Köln berichtet wird, hatten sich bei der Erzbischofswahl zunächst sämtliche abgegebenen 14 Stimmen auf den gegenwärtigen Kölner Weihbischof Dr. Müller vereinigt, der sich selber der Stimme enthielt. Dr. Müller lehnte dann die auf ihn gefallene Wahl ab und nun wählte man den münsterischen Bischof Dr. Felix v. Harlmann. Hochinteresiant ist in diesem Zusammenhang, daß das Straß- burger Zentrumsblalt„Der Elläsfer" den Weihbiscbof Dr. Müller als gewählt verkündet hat und sogar dessen Bildnis brachte. Dr. Müller soll die Wahl deshalb abgelehnt haben, weil er nicht auf seine Bestätigung rechnen durfte. Der Kölner Domprobst Dr. Berlage hat nämlich schon früher die Aeußerung getan, daß er in Berlin dafür sorgen werde, daß keiner von den Kölner Kirchen- oberen bestätigt werde. Es wird auch jetzt bekannt, daß im vorigen Jahre, als Dr. v. Hartmanns zum Bischof von Münster gewählt wurde, zwei Zenlrunrsführer im Kultusministerium gewesen sind, um Dr. Hartmanns Bestätigung zu verhindern, da Hartmann be- kanntlich ein Gegner der Bachem-Richtung im Zentrum ist. Tie Kandidatenaufstellung für die Nachwahl in Greifenberg-Kamin. ist erfolgt. Nachdem die Konservativen im Kreise ihres verstorbenen Führers v. Normann den Gutsbesitzer v. Flemming zum Kandidaten proklamiert haben, stellten die Nationalliberalen den Hauptmann a. D. v. Puttkamer auf, der schon bei früheren Wahlen nationalliberaler Kandidat gewesen ist._ Landtagswahl in Teltow-Beeskow. Im Wahlkreis Teltow-Beeskow, der infolge des Ab- lebens des konservativen Abgeordneten Fetisch verwaist ist, präsen- tieren die Fnrtichrittler als Kandidaten bei der Ersatzwahl den Pfarrer a. D. Friedrich Naumann. Bei der letzten Wahl erhielt der fortschrittliche Kandidat 482 Stimmen, der Sozialist 402 und-der Konserdative- 61s-Sümmen Protest der Polen gegen die erste Enteignung. Am Sonntag fand in G n e s e n eine von etwa 1000 Polen besuchte Versammlung gegen die erste Enteignung in der Provinz Posen statt. Zahlreiche Abgeordnete, Geistliche, A-rzte, Ritterguts- besitzer wohnten der Protestversammlung bei. Die Redner fanden recht kräftige Ausdrücke. Die Versammlung nahm einen stürmischen Verlauf, weil einem Vertreter der polnischen Sozialdemokratie das Wort verweigert wurde. Im Schlußwort forderte der Referent, Rechtsanwalt K a r p i n s k i, die polnischen Abgeordneten auf, gegen den Etat, gegen dieZivilliste zu stimmen und den Ministern die Gehälter zu verweigern. In einer Resolution wurde gegen die Enteignung protestiert. Im Saal war ein großes Schild mit den Worten:„Enteignung die Schande des 20. Jahrhunderts' angebracht. Der sächsische Landtag tritt am 11. November zu einer kurzen Nalbselsion zusammen, die noch vor Weihnachten beendet sein soll. Am 23. Mai wurde er ver- tagt, damit wichtige gesetzgeberische Arbeiten, die bis zum üblichen Schluß nicht erledigt waren, weitergeführt werden konnten. In der Hauptsache war eS der Volksschulgesetz-Entwurf, der die Vertagung nötig machte. Die für dieses Gesetz gewählte Kommission l.Zwiichen- Deputation') ist jetzt mit ihren Arbeiten zu Ende. Der Entwurf kommt wesentlich verändert an das Plenum. Gegenwärtig hat ihn die Erste Kammer in Arbeit. Ueber ihre Beschlüsse erfährt man nichts, sicher ist jedoch, daß dort die von der Kommission der Zweiten Kammer beantragten Verbesserungen keine Zustimmung finden werden. Im Plenum sind deshalb heftige Kämpfe um die Schul- reform zu erwarten. Sehr umstritten ist auch das Gesetz über eine G e m ei n d e- steuer- Reform. Die Umsatzsteuer ist durch das energische Vorgehen unserer Genossen von der Mehrheit der Kommission aus dem Entwurf entfernt. Gesetzlich ist diese Steuer bis jetzt überhaupt nicht geregelt. Auf Grund von ministeriellen Ver- ordnungen ist jedoch ihre Einführung den Gemeinden möglich Die Regierung wollte sie in das neue Gemeindesteuergcsetz als fakultative Steuer aufnehmen. Die Kommission hat nun ein direktes Verbot der rohen Umsatzsteuer'in die Vorlage gebracht. Nach ihren Be- schlttsscn würde nur eine mildere, mit der Einkommensteuer verquickte Umsatzsteuer möglich sein, von der die Konsumvereine nicht getroffen werden. Die sozialdemokratische Fraktion lehnt die Steuer als fort- schrittsfeindlich und rückschrittlich alt An gesetzgeberischen Arbeiten sind noch zu nennen ein neues Schul- und ein Kircbensteuergesetz. Auch harrt eine Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion über das Wohnungswesen»och der Erledigung, und auch die Teuerungsfrage wird die Nachsession be- schäftigen._ Keine Manöveropfer. In unserer Nummer vom IS. September meldeten wir, daß das Manöver in der Bütower Gegend zwei Opfer gekostet habe. Es seien do-» zwei Soldaten des 141. Regiments beim Aus- schwärmen im Torfmoor des Gutes Petrrsdors umgekonimen und nach mehreren Tagen als Leichen ausgesunden worden. Das Gericht des Kutmer Jnfanterie-Regiments Nr. 141 ersucht unS nun um Richtigstellung dieser Meldung. Es seien allerdings zwei Musketiere am 6. September während eines Gefechts bei Bütow von ihrer Truppe abgekommen, jedoch hätten sie sich nach sechs Tagen bei ihrer Truppe wieder eingefunden. Die Ankündigung eines Zeitungsartikels eine„militä- rische Widersetzung". Mysteriöse Einzelheiten über Mißstände beim Zielbaukommaudo in Königsbrück lagen einer umfangreichen Verhandlung vor dem Dresdener Oberkriegsgericht zugrunde. Unter den zum Zielllaulommando in Königsbrück(Truppenübungsplatz V ob- kommandierten Soldaten herrschte schon seit längerer Zeit eine gewisse Unzufriedenheit über dort bestehende Mißstände. Es wurde mehrfach über zu langen Dienst, schlechte Behandlung und schlechtes Essen geklagt. Durch die Anzeige eines äbgelösten Unteroffiziers kam endlich der Stein ins Rollen. Wegen der den Soldaten zu- gefügten Behandlung wurde gegen den Vizefeldwebel Trommer eine Untersuchung eingeleitet. Ein Oberleutnant führte die Unter- uchung. Er war von Anfang an der Meinung, daß die vom Vize- eldwebel gebrauchten Aeußerungen nicht ernst gemeint waren, viel- mehr als scherzhafte Redensarten aufzufassen seien. Dabei sind die in Frage stehenden Ausdrücke so ordinär und unflätig, daß man sie nicht einmal wiedergeben kann. Der Oberleutnant nahm auch in der Angelegenheit ein nicht allenthalben der Wahrheit entsprechendes Protokoll auf. Die Art der Ver- nehmung war ebenfalls nicht einwandfrei. Es blieb aber immerhin so viel hängen, daß der Vizefeldwebel bestrast werden mußte. Im Sonimer d. I. trat die ganze Affäre in ein neues Stadium. Am 3. Juni gingen bei dem Oberst Ullrich und dem Kommandeur des Truppenplatzes Oberst Starck anonyme Briefe ein. Der eine beginnt mit den Worten:„Da wir keine Gelegenheit haben, mit dem Herrn Oberst persönlich in Berührnng zu kommen, sehen wir uns veranlaßt, auf diesem Wege unseren Herzen Luft zu machen!" Vom Oberst Starck wird behauptet, er sieht alles, nur nicht was er soll. In einem Briefe heißt es zum Schluß:„W e n n h i e r nicht bald eine Aenderung eintritt, dann er- scheint ein langer Artikel in der„Volkszeitung" über die Mißstände und über die Art, wie man Sol- baten auf Arbeitskommando behandelt und füt- tert!" Mit Bezug auf die Untersuchung gegen den Vizefeldwebel wird behauptet:„Wir sind gezwungen worden, die Un- Wahrheit zu sagen"; und wenn der Oberst gerecht sein wollte, wäre es auch anders. Dann würde noch gefragt, warum sich der Vizefeldwebel einen Burschen halten kann, der nur Haus- mädchen spielt. Der Anonymus war anfangs völlig unbekannt, durch Schrift- Proben kam man aber dann auf den Soldaten Vettke, der jedoch entschieden bestritt, die Briefe geschrieben zu haben oder auch nur mit ihnen in Verbindung zu stehen. Das Kriegsgericht als erste Instanz erachtete aber Vettke als den Anonymus überführt und erkannte auf die horrende Strafe von 8 Monaten Gesang- nis! Es hat in der Ankündigung des Zeitungs- artikels eine— militärisch e Widersetzung er- blickt, we.il der Angeklagte durch die„Drohung" — e s werde ein Artikel in der„Volkszeitung" er- scheinen, wenn nicht bald Aenderung eintritt— einen Vorgesetzten zu einer Diensthandlung zu bestimmen versucht habe. Für die Androhung dieses „Uebels" hat das Kriegsgericht eine Einzel st rase von sechs Monaten ausgeworfen. Gegen seine Verurteilung legte Vettke Berufung ein und er- strebte seine Freisprechung. Das Oberkriegsgericht gelangte zu denselben Feststellungen wie die Vorinstanz und bestätigte die aus- geworfene 8monatige Gefängnisstrafe. OeltcmidvCItigam. Die letzten Urteile wegen der Mairevolution in Budapest. Die dritte Gruppe der wegen der Mairevolution angeklagten Personen wurde am Donnerstag abgeurteilt. 7 Personen wurden zu je einem Monat, 16 Personen zu je 14 Tagen Gefängnis, eine zu 1000 Kronen Geldstrafe verurteilt; die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. Dänemark. Die Verfassungsrevisio» im Parlament. Die von uns ausführlich geschilderten Vorschläge zu einer Ver- fassuugsrevlsion HÄ die Regierung inzwischen dem Reichstage unter- breitet und die parlamentarische Beratung der Vorschläge hat in erster Lesung bereits begonnen. Soweit bisher ersichtlich, ist die Opposition gegen die vorgeschlagene Reform der Zweiten Kammer (Folkething) minimal. Man scheint sich allgemein mit der Ge- Währung des aktiven und passiven Wahlrechts an die Frauen unter gleichen Bedingungen wie für die Männer abgefunden zu haben, nachdem das kommunale Wahlrecht der Frauen nun bereits seit einigen Jahren eingeführt ist. Die Wirkungen des Frauenwahl- rechts haben für die konservativen Elemente nichts Abschreckendes mehr; eine wesentliche Aenderung in der Kommunalpolitik konnte das Frauenwahlrecht ohnehin nicht bedeuten, so lange die ein- schränkenden Bestimmungen betreffend Steuerbezahlung und zwei- jährigen Wohnsitz für alle Wahlberechtigten bestehen bleiben, wo- durch die Arbeiterklasse, darunter natürlich die Arbeiterfrauen und Arbeiterinnen, in ihrem Wählrecht beeinträchtigt werden. Aber darüber hinaus haben die bisherigen Erfahrungen gelehrt, daß die politische Teilnahme der bürgerlichen Frauen bei den Kommunal- wählen eine regere war als die der Proletarierinncn. Das hat anscheinend den Konservativen den Schrecken vor dem Frauenwahl- recht abgetrieben. Zudem kann man in Dänemark schließlich den Frauen nicht Rechte vorenthalten, die in den andern skandinavischen Ländern teils anerkannt sind, teils nahe vor der Anerkennung stehen. Auch gegen die allgemeine Herabsetzung der Altersgrenze der Wahlberechtigung von 30 auf 2S Jahre ist keine ernsthafte Opposition entstanden. Dagegen macht sich eine starke Opposition gegen die Reform der E r st e n Kam m e r geltend. Insbesondere wollen die Konser- vativen nicht eine Reform wie vorgeschlagen gutheißen. Auch inner- halb der liberalen Regierungspartei sind Strömungen im Gange, die eine andere Grundlage für die Reform der Ersten Kammer durchsetzen möchten, etwa durch direkte Wählen mit einer Alters- grenze für die Wahlberechtigung von 35 Jahren, wodurch der Ein- fluß der Arbeiterklasse paralysiert oder gar auf ein Nichts be- schränkt werden sollte. Aber der liberale Redner in der ersten Lesung, S l e b s a g c r, erklärte die Zustimmung seiner Fraktion zu dem Regierungsentwurf, auch wenn innerhalb der Partei noch andere Wünsche vorhanden seien. Die radikale Linke ließ durch ihren Redner die Zustimmung erklären. Ihr gehen einzelne Bestimmungen nicht weit genug, aber sie will, um zu einem Resultat zu kommen, die vorgeschlagene Reform akzeptieren. Von feiten der Konservativen wurden Bedenken laut gegen die vorgeschlagene Reform des Landsthings. Sie wollen die Erste Kammer als eine Institution des Besitzes er- halten wissen und die weitere Demokratisierung des Landes er- scheint ihnen nicht mit ihren Interessen vereinbar. Wenn schon einer Demokratisierung der Zweiten Kammer nicht zu entgehen ist, dann soll wenigstens die Erste Kammer ein Bollwerk gegen den Volkswillen bilden. Daher können sich die Konservativen auch nicht mit der vorgesehenen gemeinsamen Abstimmung in strittigen Finanzfragen recht befreunden, weil hierdurch das Veto oer Ersten Kammer beseitigt wird. Immerhin glitt der konser- vative Hauptredner nicht ungeschickt an einigen dieser Fragen vor- bei, in der ganz richtigen Erwartung, daß in den kommenden Kommissionsverhandlungen sowohl als in den Beratungen der jetzigen Ersten Kammer der Vorlage mancher..Giftzahn" gezogen werden kann. Eine klare und deutliche Stellung nahm der Redner der Sozial- demokrati«, B o r g b j« r g, zu der Vorlage ein. In einer zündenden Rede wies er die Halbheit der Ersten-Kammerreform treffend»ach. Eine auf 8 Jahre von Mmeindevorjtändeitz die selbst vielleicht nur Nif 3 ober'4 Jahre geivahkt jssurben, geMlilie Erste Kammer, wird hinter der Entwickelung der Zweiten Kammer etwa um ein Jahrzehnt zurückbleiben. Aus diesem Grunde hielt Borgbjerg auch die gemeinsame Abstimmung in strittigen Finanz- fragen für nicht ohne Bedenken. Er forderte gemäß den sozial- demokratischen Anträgen die Abschaffung der Ersten Kammer und Einführung des Referendums bei wichtigeren Gesetzesbeschlüssen des aus einer Kammer bestehenden Parlaments. Da aber die Regierungsvorlage einen großen Fortschritt bedeute, erklärte Redner die Bereitwilligkeit der Sozial- demokrati e, auf der vorgeschlagenen Grundlage in i t z u- arbeiten, um die dringende Reform durchzuführen. Damit gibt die Sozialdemokratie ihre eigenen Forderungen nicht auf, sondern sie hilft nur, das allgemeine Wahlrecht durchzuführen, mit dessen Hilfe sie dann den Kampf um ihre weiteren Ziele fortsetzen wird. Die Vorlage wird nun in Kommissionsverhandlungen weiter beraten werden. Was dabei herauskommen wird, ist schwer voraus- zusagen. Wahrscheinlich werden die Konservativen in der Ersten Kammer, wo sie über eine knappe Majorität verfügen, große Schwierigkeiten machen. Aber in diesem Falle scheint die Regierung die Absicht zu haben, eine Auflösung dieser Kammer zu verfügen. Da dann die 12 vom König erwählten Mitglieder auch neu er- wählt würden, könnte die Regierung auch hier eine Majorität erlangen, Das heißt, wenn sie selbst bis dahin standhaft bleibt« Jius der Partei* Friedenskundgebung in Dresden. Wie uns telegraphisch mitgeteilt wird, fand in Dresden gestern nachmittag um 3 Uhr, eine imposante Friedenskundgebung statt. Millen durch die schöne Elbstadt zogen von 1 Uhr ab tausende und abertausende Proletarier und Proletarierinnen aus allen Bezirken der Stadt und ihrer Umgebung naw dem großen öffentlichen Spiel- platz an der Leipziger Straße gegenüber dem Erfurter Platz. Gegen a/48 Uhr war der große, etwa IS 000 Quadratmeter umfassende Platz so stark gefüllt, daß viele nur auf der Umrahmung des Platzes Stellung nehmen konnten. Auf ö Tribünen sprachen je 2 lliedner: Die österreichische» Reichsratsabgeordneten G l ö ck e l und Hille» brand, die Mitglieder des deutschen Reichstags Gradnaner, Scheidemann, Stadthagen und Wurm sowie die sächsischen Landtagsabgeordneten Fleiß»er, Fräßdorf, Riem und W i r i h. Die Kopf an Kopf gedrängte Menge lauschte den Darlegungen der Redner mit größter Aufmerksamkeit.- Wahre Beifallssalven begleiteten insbesondere die Stellen, in denen die internationale Geschlossenheit der proletarischen Interessen sowie der uncrichütterliche Wille des Volkes zum Ausdruck kam, den Kriegs- Hetzern jeglichen Landes entgegenzutreten. In der einhellig zur Annahme gelangten Resolution bekannten die Versammelten sich erneut zum Ideal des BölkerfriedenS und entboten den auf dem Balkan um den Frieden ringenden Klassen« genossen brüderlichen Gruß und Solidarität. Ein mächtiger, un» vergeßlicher Eindruck war es, als die SO 000 Versammlungs» teilnehnier zum Zeichen der Zustimmung ihre Hand erhoben. Noch nie hat in Dresden an dem Reformativnsfest. daS gestern in Sachsen offiziell gefeiert wurde, eine so imposante Kund- gebung für die Kulturbewegung stattgefunden. -t- Auf Mittwoch waren in der ungarischen Hauptstadt 14 und in 20 größeren Provinzstädten ebenfalls Protestversammlungen angesetzt mit der Tagesordnung: Der Krieg und die Eröffnung des Reichstages. Den Versammlungen lag eine gemeinsame Resolution vor. tu der dagegen protestiert wird, daß sich Ungar» in die Wirren de« Balkankrieges einmengt: Es ist Pflicvt der ungarischen Regierung, vor allem im eigenen Lande Ruhe zu schaffen und die Ausnahme- zustände in Ungarn und Kroatien endlich einmal aufzuheben. ES wird ferner dagegen protestiert, daß zurzeit der Regierung ein Mann vorsteht, der mit dem Gesetzbuch in Konflikt geraten ist. Solange keine gesetzlichen Zustände in Ungarn einlreten, solange der Militär» kordon das ReichSlagsgcbände umsteht, können die Beschlüsse dieses Hanfes nicht geachtet werden. Die Regierung müsse einsehen, daß sie im Auslande keine Erfolge haben kann, solange sie im eigenen Lande nicht geachtet wird. Das arbeitende Volk Ungarns verlangt in der Resolution weiter, daß den grausamen gesetzlosen inneren Zuständen ein für allemal durch Schaffung des allgemeinen gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts ein Ende gemacht wird._ Bezirksparteitag für Oberschlrsie». Am Sonntag fand im Gewerkschafislokal zu Kattowitz der diesjährige Parteitag für den oberschlestschen Agitationsbezirk statt. Aus den neun zum Bezirk gehörenden Reichstngswahlkreisen waren 38 Delegierte anwesend. Die Bezirksleitung war vollständig ver- treten. Außerdem wohnten den Verhandlungen bei die Genossen Braun vom Parteivorstand, Schütz und W o l s f- Breslau als Vertreter des mittelschlesischen Bezirks und der Redaktion der„Volks» wacht" sowie Mieczkowski für den Vorstand der P. P. S. Den Geschäftsbericht der Bezirksleitung, der nur die ersten i drei Quartale des Geschäftsjahres umsaßt, erstattete Genosse H ö r s i n g, der dabei die unglaublichen Schwierigkeiten, die unserer Bewegung im oberschlesischen Jndnstrierevier von Behörden und dem Gruben- und Hüttcnkapital bereitet werden, besonders hervorhob. Mit Einschluß der ReichstagSivahlen kamen 1V4 Millionen Flugblätter und 2S0 000 Volkskalender und Broschüren zur Verbreitung. 13g Volks- und 6 Frauenversammlungen, viele davon unter freiem Himmel, fanden in der Bcrichtszeit statt. Die Fluktuation der Mitglieder ist eine überaus große durch die Masscnabwanderungen»ach dem Westen. Bon 849 Neuaufnahmen waren nur 224 zu halten. Die Miigliederzahl stieg von 1310 auf 2064, darunter 197 Frauen. Die Beitragsleistung»st stabiler ge- worden. Die Zahl der„Volkswacht"- Leser stieg von 1818 auf 3016. Polizeiliche Anzeigen gegen führende Genossen wurden insgesamt 86 erstattet, von denen etwa*/6 durch die Gerichte wieder aufgehoben wurden. Die Reichstags» mahlen bravten einen Gewinn von 21 000 Stimmen, die fast samt» lich den Nationalpolen abgenommen wurden. Die Kosten deS Wahlkampfes betrugen 20 600,80 M. Die Bezirkskasse balanciert inklusive der Reichslagsivahlkosten in Eimiahme und Ausgabe mit 35 377, SO M. Der BezirlSlciiung wurde für die Tätigkeit Eut- lastung erteilt. Die weiteren Verhandlungen betrafen die Gründung e i u e S eigenen deutschen Parteiblattes für den ober» schlesischen I n d u st r i e b e z i r k, über die ebenfalls der Be- zirkssckretär Genosse H ö r s i n g referierte. Bon allen Delegierten des Parteitages wurde die Noiwendigkeit hervorgehoben, wenn die Agitation in Oberichlesien Fortschritte machen soll. Der Vertreter des Parteivorstandes versprach, die gehörte» Wünsche dem Partei- Vorstande zu unterbreite». Wenn die Vorbedingungen zum Erscheinen eines eigene» Blattes erfüllt sind, dann ist der Parteivorstand dem Projekt durchaus nicht abgeneigt.(Das neue Blatt für Obcrschlesien ist als Kopfblatt der„Breslauer Volkswacht" vorläufig gedacht.) Partciausschuß. Von der Bezirksleitung der sozialdemokratischen Partei Nieder» r h e i n wurde als Mitglied deS ParteiausschusseS Genosse Wilhelm Gewehr« Elberfeld, als dessen Stellvertreter Genosse Karl Haberland- Barmen gewählt. AnL den Organisationen. Als nassauischer Provinziatsekretär wurde a» Stelle des nach Jena verziehenden Genossen Rudolph der bisherige Hanauer Partetselretär Robert D i ß in a n n gewählt. Gcw�fefcbaftHcbea. Der Cerror der Zwangsinnung. Die Magdeburger Zwangsinnung der Barbiere ist hartnäckig bemüht, den Ruf, daß sie sich auf das Terrorisieren versteht, zu befestigen. Erst kürzlich entlieh sie einen Selbständigen kurzerhand aus seinem Amte als Fachschullehrer, und der Vorstand der Jnnungs krankenkasse nahm dem Mann den Posten als Kassierer, weil er aus Anlaß der Lohnbewegung der Friseurgehilfen eine dem Jnnungs vorstände unbequeme Bemerkung gemacht hatte. Am Mittwoch voriger Woche setzte dieser selbe Jnnungsvorstand in einer außer- ordentlichen Generalversammlung der Innung den Beschluß durch daß kein Mitglied bei einer Ordnungsstrafe von 1» M pro Tag sl) Einzelverträge mit dem Verbände der Friseur- gehilken oder Vertretern desselben weder für sich noch in ge- schlosscner Weise abschließen dürfe. Obwohl unzweifelhaft dieser Beschluß ungesetzlich ist, weil er gegen die guten Sitten und vor allem auch gegen§ 153 der Gewerbeordnung verstößt, nahm doch die Lohnkommission der Gehilfen von einer Veröffentlichung der Geschäfte Abstand, deren Inhaber den Tarifvertrag anerkannt haben 'Statt dessen erschien in der Zeitung eine von einer größeren An- zahl Meister unterzeichnete Erklärung, daß sie auf Grund des Jnnungsbeschlusses von einer Unterzeichnung des Tarifvertrages Abstand nehmen, aber die Forderungen der Gehilfen an« erkennen. Die Lohnkommission beschloß, diese Erklärung als ausreichend zu betrachten, und hängte ihr eine entsprechende Mitteilung an, wobei sie noch ausdrücklich bekannt gab, daß auf den Abschluß von Verträgen verzichtet werde. Die Erklärung verstößt also auf keinen Fall gegen den Jnnungsbeschluß. Trotz dem hat jetzt der Jnnungsvorstand jedem Unterzeichner eine Straf- Verfügung über zunächst 20 M. zugestellt wegen Verstoßes gegen jenen Beschluß I Innerhalb drei Tagen soll Zahlung erfolgen, widrigenfalls zwangsweise Einziehung erfolgt. Gegen die Recht- Mäßigkeit jenes Beschlusses sowohl, als auch jetzt gegen die Straf- Verfügungen ist Beschwerde bei der Aufsichtsbehörde, dem Magistrat der Stadt Magdeburg, erhoben worden. Wenn Recht und Geses noch Geltung haben in deutschen Landen, dann muß diese Be- schwerde zugunsten der Beschwerdeführer und gegen die skrupeUosen Jnnungsterroristen erledigt werden, die nicht davor zurückschrecken, ihren Kollegen den wirtschaftlichen Ruin anzudrohen, weil sie sich den Forderungen der Gehilfen freundlich gegenüberstellen. Berlin und Umgegend. Die Jalousiearbeiter, organisiert im Deutschen Holzarbeiter- verband, kamen am Mittwochabend bei Boeker in der Weberstraße zu einer Besprechung zusammen, um Stellung zum Ablauf ihres Tarifvertrages zu nehmen. Mit den bestehenden Verhältnissen sind die Arbeiter sehr unzufrieden, weil der Tarif von den Unter- nehmern, die ihn abgeschlossen haben, nicht immer eingehalten wird. Besonders scharf wurden die Arbeitsverhältknisse bei den Firmen Wohlfahrt und Kotz u. Möller kritisiert. Natürlich ist es auch die Schuld der Arbeiter, die nicht straff genug organisiert sind, wenn der Tarifvertrag ungestraft verletzt werden darf. Der Ob- mann ermahnte darum dringend, die Organisation nicht zu ver- nachlässigen. Für die Frage der Verlängerung des Vertrages kommen noch mancherlei Umstände in Betracht, unter anderem die Verhältnisse auf dem Baumarkt. Der Tarifvertrag läuft am 1. April 1913 ab und gilt auf ein Jahr verlängert, wenn er nicht am 1. Dezember gekündigt wird. Die Angelegenheit wird noch in - weiteren Versammlungen erörtert werden. Die Tarifbcwegung der Perlmutter-, Horn- und Steinnuß- knopfarbeiter hat bis jetzt ein günstiges Resultat gezeitigt. In 6 drei von fünf maßgebenden Betrieben ist es, wie der Branchen- leiter Schulze in einer am Mittwoch abgehaltenen Versammlung mitteilte, zu einer Verständigung gekommen, so daß hier die Bc- wegung einen Abschluß erreicht hat, dem die in Betracht kommen- den Arbeiter zustimmen konnten. Außer einer Verkürzung der Arbeitszeit um 2Vh Stunden pro Woche, sind auch Zuschläge auf die Akkord- und Wochenlöhne bis zu 49 Proz. erfolgt. Bei zwei weiteren Firmen(bei einer davon ist eS zu einer Arbeitseinstellung gekommen), jedoch konnte, abgesehen von einzelnen Zugeständnissen, eine Anerkennung des von den Arbeitern unterbreiteten Vertrages nicht ganz erzielt werden. Ein Unternehmer verlangte eine Ver- tragsdauer von— 6 Jahren. Was die übrigen vorhandenen Be- triebe betrifft, so sind dort die Verhandlungen noch nicht so weit gediehen, daß eine Verständigung, bzw. ein Tarifabschluß in greif- bare Nähe gerückt wäre. Ter Streik der Messingpuber der Firma Legel dauert unver- ändert fort. Verhandlungen, die gestern stattgefunden haben, sind ergebnislos verlaufen Die Firma lehnt es ab, mit dem Deutschen Transportarbeiterverband einen Tarif abzuschließen, sowie sie es auch weiter ablehnt, mit der Organisation überhaupt zu verhandeln, und zwar, wie sie angibt, aus Prinzip. Darum waren auch die gestrigen Verhandlungen, wiederum nach Ansicht der Firma, als rein private Unterhaltung anzusehen. Herr Legel scheint sich von dem Herrn-im-Hause-Standpunkt nicht trennen zu können. Von gleichem Standpunkt aus betrachtet die Firma auch das durchaus berechtigte Vorgehen der Arbeiter. Man wunderte sich, daß die Arbeiter in den Streik getreten sind, ohne die Firma Legel davon zu benach- richtigen. Daß aber auf das höflich gehaltene Schreiben der Or- ganisation eine Antwort nicht erfolgte, betrachtet die Firma als selbstverständlich. Wir allerdings gestatten uns darüber anderer Meinung zu sein. Im übrigen zeigte sich heute das gleiche Bild wie gestern; die nützlichen Elemente konnte man wie gestern arbeiten sehen. Nachdem wir erfahren haben, daß die Arbeitswilligen dem berüchtigten internationalen Streikbrechertrupp a la Hintze ange- hören, an deren Spitze ein„rühmlichst" bekannter Streikbrecher- agent steht, wundern wir uns nicht, daß diese unter dem Schutze der Polizei ein außerordentlich provozierendes Verhalten an den Tag legten. Wir beneiden die Firma um eine derartige Gruppe von Arbeitern nicht. Es werden aller Voraussicht nach noch weitere Verhandlungen stattfinden, ob und inwieweit diese von Erfolg gekrönt sein werden, wird sich erst noch zeigen müssen. Die Streikenden stehen noch ge- nau so einmütig, als wie am ersten Streiktage. Deutscher Transportarbeiterverband, Bezirk Groß-Berlin. Ter Streik � der Rollkutscher bei der Speditionsfirma A. Kinkel dauert fort. Die Firma hat sich mit polizeilichem Schutz umgeben. Die angeworbenen Arbeitswilligen, ungefähr acht Mann, werden nicht nur bei der Herunterfahrt vom Speditionshof von Schutzleuten begleitet, sondern auch in den angrenzenden Straßen achten die Schutzmannsposten auf die Fuhrwerke der Firma Kinkel. Die streitenden Kutscher sind weit entfernt davon, die lieben Ar- bcitswllllgen in ihrer rausreißerischen Tätigkeit zu behindern. Es ist festgestellt, daß diese angeworbenen Auchkutscher nicht im ent- ferntesten imstande stnd, die einesteils schwere aber auch zu gleicher Zeit viel Umsicht erfordernde Arbeit des Ausrollens von Gütern zu leisten. Es liegt unter diesen Umständen selbst im Interesse der Firma, wenn sie sich mit ihren alten Leuten, einge- arbeiteten Kutschern, einigen würde. veutkcbes Keid,. Wahlen zur Angestelltenversicherung. In Chemnitz wurden insgesamt 4300 Stimmen abgegeben von denen 1539 auf die Liste der Freien Vereinigung, 2761 auf die verbundene Liste der Hauptausschußverbände fielen. Die Freie Vereinigung erhielt 2 Verlrauens- uud 3 Ersatzmänner; ihr Erfolg ist über alles Erwarten groß. An dem Wahlresultat der Verbündeten ist besonders bemerkenswert, daß der Kaufinännische Verband weib- Ncher Angestellten weder einen Vertrauensmann, noch einen Ersatz- mann erhalten hat, wohl aber durch seine 236 Stimmen dem Deutsch- nationalen Handlungsgehilfenverband zu zwei Sitzen mehr verholfcn hat, als er sonst bekommen hätte. In Frankfurt a. M. erzielte die Freie Vereinigung ein glänzendes Resultat. Sie vereinigte 1463 Stimmen auf ihre Liste, die im Hauptausschuß vereinigten Verbände 4766 Stimmen. Die Freie Vereinigung stellt einen Vertrauesmann und drei Ersatz- männer, der Hauptausschuß fünf Vertrauensmänner und neun Ersatz- männer. In R ü d e s h e i m a. Rh. erschien zum Protest gegen das schlechte Gesetz kein einziger Wähler zur Wahl. In H ö ch st a. M. erhielt der Hauptausschuß zwei Vertrauens- männer und fünf Ersatzleute, die Freie Vereinigung einen Vertrauens- mann und einen Ersatzmann. In Sonneberg erhielt die Liste der Freien Vereinigung 154 und die Liste des Hauptausschusses 183 Stimmen. Gewählt sind von der Freien Vereinigung ein Vertreter und drei Ersatzleute, vom Hauptausschuß zwei Vertreter und drei Ersatzleute. Die Be- teiligung betrug 50 Proz. Sogar im„schlesischen Rom", inNeisse, errang die Freie Vereinigung einen durchschlagenden Erfolg. Sie erhielt 176, der Hauptausschutz nur 72 Stimmen. Die von allen katholischen und nationalen Vereinen gestützten Rückwärlser müssen sich mit einem Vertreter und einem Ersatzmann begnügen, während die bösen.De- mokraten" zwei Vertreter und fünf Ersatzmänner bekamen l Ein schlimmes Zeichen für's Zentrum 1 Lohnbewegung in der Binnenschiffahrt. Die gesamten Schiffsmannschaften, soweit die Stromgebiete Elbe, Moldau, Saale, Havel, Märkische Wasserstraßen und Oder in Betracht kommen, befinden sich in einer Lohnbewegung. Für das Gebiet: Elbe, Moldau, Saale, Havel und Märkische Wasser- straßen wurde im Jahre 1909 zwischen dem Arbeitgeberverband für Binnenschiffahrt, dem Transportarbeiterverband und dem Zentral- verband der Maschinisten und Heizer ein Vertrag abgeschlossen bis zum 31. Dezember 1912. Für die Oderschiffahrt schlössen dieselben Organisationen dann 1911 einen Vertrag ab, ebenfalls bis zum 31. Dezember dieses Jahres. Der erste Vertrag sah eine Kündi- gungsfrist nicht vor, läuft also ohne weitere Formalitäten ab, wo- hingegen der Odervertrag von den Arbeitnehmerorganisationen zum 1. November gekündigt ist. Zu gleicher Zeit werden dem Arbeitgeberverband die Forderungen unterbreitet. Die Forderungen, die der Transportarbeiterverhand für die Steuerleute und Bootsleute auf der Elbe, Saale, Havel und Mär- kische Wasserstraßen stellt, sind äußerst minimal. Die Lohnforde- rung beträgt durchweg 5 M. pro Monat. Jetzt beträgt der Lohn für Bootsleute 115 M. pro Monat, gefordert werden pro Tag 4 M., also 120 M. monatlich. Im Durchschnitt wird für Steuerleute auf Kähnen 140—150 M. gefordert; bisher wurden 135— 159 M. gezahlt. Die minimalen Forderungen haben ihre Ursache darin, daß das Hauptgewicht auf die Arbeitszeitregulierung während der Fahrt gelegt wird, also Einführung der Nachtruhe in der Binnenschiffahrt. Weiter sind Forderungen gestellt, die die größten Mißstände in der Sonntagsruhe beseitigen wollen. Die Deckleute fordern eine höhere Entschädigung für Ueber- stundenarbeit beim Löschen und Laden in den Häfen und auf den Umschlagsplätzen. Die übrigen Forderungen— der Entwurf weist 12 Positionen auf— sind nicht von einschneidender Bedeutung. Die Forderungen der Steuerleute und Bootsleute auf der Oder bewegen sich in gleicher Richtung. Auch hier ist die Haupt- forderung Einführung der Nachtruhe. Die Lohnforde- rung beträgt 9 M. Zulage pro Monat im Durchschnitt. Jetzt er- halten die Bootsleute 102 M. monatlich, gefordert werden pro Tag 3,70 M., also III M. monatlich(Sonn- und Feiertage werden in der Binnenschiffahrt mitbezahlt). Die Steuerleute bekommen 115 bis 125 M. Sie fordern 130—140 M., was unter Berücksichtigung der Verantwortung, die sie für Schiff und Ladung haben, sicher nicht zu hoch ist. Trotzdem die Forderungen auf der Oder etwas höher sind, erreichen sie doch nicht das, was auf der Elbe gezahlt wird. Auch die Odermannschaften fordern eine bessere Bezahlung der Ueberstunden, wenn auch nicht in der Höhe, wie auf der Elbe. Prozentual sind die Forderungen auf der Elbe geringer. Die Organisation hat berücksichtigt, daß die Elbschiffahrt in den letzten Jahren und besonders 1911 infolge der Niedrig-Wasserkatastrophe unter schlechten Verhältnissen gearbeitet hat. Alle diese Umstände stnd in vollstem Matze berücksichtigt worden. Die etwas höheren Forderungen auf der Oder haben ihre Ursache in den dort für die Mannschaften herrschenden schlechten Lohnverhältnissen. Die Bewegung hat in er st er Linie sozialpoli- tische Bedeutung. Das Hauptgewicht wird auf die Ein- uhrung der Nachtruhe gelegt. Die Organisation der Boots- und Steuerleute ist in den letzten Jahren vorzüglich ausgebaut, die Mitgliedschaft Elbe, Oder und Märkische Wasserstraßen zählte am 1. Oktober 9419 Mitglieder. Die meisten und namentlich die Großbetriebe sind fast vollständig orga- nisiert. Unter diesen Umständen und unter Berücksichtigung der minimalen Forderungen ist anzunehmen, daß die Bewegung ebenso wie 1909 und 1911 friedlich verlaufen wird. Die Forderungen des Zentralverbandes der Maschinisten und Heizer für das Maschinenpersonal weisen dieselbe Tendenz auf, wie die für die Deckleute. Auch hier wird in erster Linie das Haupt- gewicht auf die Einführung der Nachtruhe gelegt. Im ElbevertragK- Entwurf wird ein Lohn für die Heizer von 126 M. pro Monat gefordert. Die jetzigen Monatslöhne sind verschieden, weil die jetzige Lohnberechnung auf der Grundlage des Kilometergeldes ge 'chieht. Es sollen also feste Lohnsätze eingeführt wenden. Dies trifft auch für die Maschinisten zu. Hier schwanken die Löhne ungemein. Es werden je nach den jetzigen Löhnen gefordert: 140, 145 bis 185 Mark. Außer dem Entwurf für die Elbe werden drei Spezialtarife eingereicht, und zwar für die Finnen: Berliner Lloyd, Aktiengesell- 'chaft; C. Rothenbücher-Berlin und Burmester u. Basedow in Lauen. bürg. Das macht sich erforderlich, weil die Betriebe zu viele Diffe. renzierung aufweisen. Der Entwurf für die gesamte Oderschiff- ahrt fordert in erster Linie die Nachtruhe. Die Lohnforderung für >ie Maschinisten beträgt 10 M. pro Monat und Heraufsetzung des Anfangslohnes auf 150 M. Für die Heizer wird ein Lohn von 115 M. gefordert. Außerdem wird ebenfalls eine bessere Bezahlung der Ueberstunden verlangt und des weiteren eine Reihe Neben. orderungen, die den technischen Dienst des Maschinenpersonals regeln. Die schwere Arbeit und die in der Regel ungesunden Ar- bcitsverhältnisse, verbunden mit den unmenschlich langen Arbeits- zeiten berechtigen und bedingen eine durchgreifende Reform. Wird das von den Unternehmern anerkannt, so ist auch hier eine Einigung möglich. Auch die Organisation der Maschinisten und Heizer hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt. Im Elbe-Odergebiet betrug die Mitgliederzahl am 1. Oktober d. I. zirka 2500. Die Bewegung ist von allergrößter Bedeutung, und der Unter- nehmerverband muß— will er den Frieden nicht gefährden— die geforderten Reformen vornehmen, in der Frage der Nachtruhe so- wohl wie auch in der Lohnfragc. Die Bewegung wird vom Zentralverband der Maschinisten und Heizer und dem Transportarbeiterverband gemeinsam geführt. Die ersten Verhandlungen dürsten in der zweiten Hälfte des November stattstnden.__ Zur Aussperrung der christlichen Metallarbeiter ,n Minden(Wests.). Nach den vorliegenden Nachrichten ist bis jetzt etwa 1200 Metall- arbeitern gekündigt worden, die, wenn die Aussperrung zur Tatsache wird, am 9. November entlassen werden. Ein Teil der Unternehmer hat den Beschlüssen ihrer Organisation nicht Folge geleistet und nicht ausgesperrt. Von den 386 beichäfrigten Arbeitern der Firma Schmäle u. Co. sind bis jetzt 296 bereits wieder im Betrieb, darunter ein guter Teil früher christlich organisierter; diese werden von der Firma mit eintägiger Kündigungsfrist weiter beschästigt. Der Bürgermeister Dr. Schanz im Lichte der Oeffcntlichkeit. In Voytsberg und Raschau bei Oelsnitz i. V. tagten am 28. Oktober zwei überfüllte Versammlungen der Einwohner und Arbeiter von Oelsnitz, um Stellung zu nehmen zu dem Partei- ischen Verhalten des konservativen Bürgermeisters und Gewerbe- gerichtsvorsitzeuden, Landtagsabgeordneten Dr. Schanz im gegen- wärtigen Weberstreik. In Oelsnitz selbst steht den Arbeitern kein Saal zur Verfügung. Der Schützenhaussaal tourde den Arbeitern vom Bürgermeister abgetrieben. Die beiden Vorsitzenden des Textilarbeiterverbandes, Hübsch und I ä ck e I- Berlin, referierten unter stürmischem Beifall über:„Der Streik der Schußweber von Oelsnitz, der jiampf der Behörden gegen die Arbeiter und das Ver- halten des Bürgermeisters Dr. Schanz." Einstimmig angenommen wurde nachstehende Resolution: „Die sehr zahlreich versammelten Arbeiter uno Einwohnei von Oelsnitz und Umgegend betonen erneut die Berechtigung der Forderungen der streikenden Schußweber der hiesigen Teppichfabriken. Sie erblicken in der Verweigerung des der Stadtgemeinde gehörigen Schützenhaussaales für Streikver- sammlungen eine Brüskierung der Arbeiter. Die Versammlung nimmt mit Entrüstung Kenntnis von dem Verhalten des Bürger- Meisters und Gewerbegerichtsvorsitzenden Dr. Schanz gelegentlich der Besprechungen der Arbeiterkommission mit den Unternehmern und erblickt darin eine Parteinahme zugunsten der letzteren. Das Bureau der Versammlung wird beauftragt, diese Ent- schlietzung zur Kenntnis der vorgesetzten Behörde des Dr. Schanz zu bringen und erwartet Erinnerung des Bürgermeisters und Gowerbegerichtsvorsitzenden an seine Pflicht." Austand. Der Streik der Mailänder Buchdrucker. Rom, 29. Oktober.(Eig. Ber.) Am 28. Oktober lief der Tarifvertrag der Mailänder Buchdrucker ab. Da die Verhandlungen zwischen der.Kommission der Arbeiter und der der Unternehmer über den neuen Vertrag noch nicht abgeschlossen waren, sind die Drucker und Setzer durck Referendum befragt worden, ob sie eine Verlängerung des Termins gewähren wollten. Die Abstimmung hat 965 Stimmen gegen und 847 für diese Verlängerung ergeben; die Verlängerung ist also verworfen und der Streik scheint unvermeidlich. Das Resultat der Abstimmung erklärt sich daraus, daß die schwebenden VerHand- lungen selbst einen Verlauf nahmen, der den Arbeitern drohend erschien. Die Unternehmer streben dahin, für die Drucker der Tageszeiwngen besondere Tarife einzuführen, wie da? in den anderen italienischen Großstädten geschehen ist. Di« Arbeiter sind dagegen, weil sie sehr gut wissen, daß die Unternehmer gerade dcg Streik in den Taaesblättern fürchten. Sie wollen den Vorteil, durch Geschlossenheit Pressionen ausüben zu können, nicht aus der Hand geben. Der Ausstand, dessen Beginn noch nicht festgesetzt ist, wird rund 3500 Arbeiter betreffen. Hus der Frauenbewegung. Die österreichischen Genossinnen gegen den Krieg. Das Frauewreichskomitee hat nach dem im September statt- gefundenen eucharistischen Spektakelkongreß beschlossen, eine große Reihe von Versammlungen zu veranstalten, in denen die Beweg- gründe der Klerikalen zur Veranstaltung ihres pompösen Kongresses besprochen werden sollten. Der klerikalen Weltanschauung sollte die sozialistische entgegengestellt werden. Mitten in die Vorbereitung dieser Agitation kam die aktuelle 5hriegsgefahr und aus den Ver» sammlungen gegen den Klerikalismus wurden Versammlungen gegen den Krieg. Schon haben mehr als 20 Frauenversammlungen mit dieser Tagesordnung stattgefunden und alle gestalteten sich zu großen Kundgebungen gegen jeden Versuch, in Oesterreich«ine Stimmung für den Krieg, für die„Wahrung der Ehre auf dem Schlachtfeld" zu erzeugen. Die Tatsache, daß in der Delegation die militaristischen Forderungen des Kriegsministers auch an den katho- lischen Priestern Befürworter fanden, gab Gelegenheit, darauf hin- zuweisen, wie gut sich die Kirche mrt dem Morden auf den Schlacht- feldern verträgt. Außer dieser Versammlungstätigkeit, die weiter- geführt wird, haben die Genossinnen beschlossen, ein Flugblatt herauszugeben. das ebenfalls gegen den Krieg gerichtet sein wird und das die Proletarierinnen über die Schrecken aufklären soll, die ein Krieg mit sich bringt._ Der BaUlanßrkg. letzte Nachrichten. Bergmannslos. Essen, 31. Oktober.(P. C.) Auf der Zeche„Ewald", Schacht Z und 4 in Buer, wurden zwei verheiratete Bergleute durch herab- fallende Gesteinsmassen verschüttet. Einer war sofort tot, der zweite verstarb unmittelbar nach seiner Bergung au de« schwere» ______________...„_„____......_________. Berlctznngen. Berantw. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil veaantw.: Tb- Glocke. Berl'N. Druck a. Verlag; Vorwärts iSuchdr. u, VerlogSanstalt ß�ul Singer a Co.. Berlin LW. Hierzu 3«,i lagen n. llnterh-,,nnMl7 Der Balkankrieg im österreichischen Abgeordnetenhaus. Wie», 31. Oktober.(W. T. B.) Das Abgeordnetenhaus hat den Staatsvoranfchlag dem Budgetausschuß überwiesen. Im Laufe der Debatte erklärte der tschechische Realist M a s a r y k bei Besprechung der auswärtigen Lage, daß die österreichischen Lebensinteressen ausschließlich in Oesterreich, nicht auf dem Balkan zu suchen seien. Der gegenwärtige Balkankrieg beweise, daß Oesterreichs ganze Politik im Inner« und nach außen verfehlt sei. Redner hätte ge- wünscht, daß die Balkanvölker ihre historischen natürlichen Rechte anf friedlichem Wege gefunden hätten. Es sei nicht richtig, daß Rußland oder der Panflawismus die Hauptschuld an dem Kriege habe. Es seien Fehler gegenüber Bulgarien und Serbien gemacht worden. England, dessen Regierung eine türkenfreundliche Politik vom Standpunkte der Börse treibe, trage auch Schuld an dem Kriege. Deutschland schweige sehr beredt in diesem Krieg« und in der Kampagne der Publizistik. Er glaube nicht, daß die Oester- reicher dieses Schweigen in einer für sie günstigen Weise auslegen können. Oesterreich müsse die Politik verfolgen: Der Balkan de« Balkanvölker«! Europa habe kein Recht, sich einzumischen. Oester. reich müsse seine falsche cmtislawische Politik aufgeben.(Beifall.) Ein neuer serbischer Sieg. Belgrad, 31. Oktober.(P. C.) Serbische Truppen' haben Prizrend im Sturm genommen. Sie erbeuteten eine größere Menge Kriegsmaterial. Serbien annektiert. Belgrad, 31. Oktober.(P. C.)„Pravda" meldet heute, die serbische Regierung beabsichtige in Uesküb eine Skuptschina«inzu- berufen, die die Annexion der bisher von den serbischen Truppe« eroberten Gebiete aussprechen soll. Besetzung türkischer Inseln durch die Griechen. Athen, 31. Oktober.(W. T. B.) Vizeadmiral Cunduriottis, Kommandant des Geschtvaders im Aegäischen Myer, hat an das Marineministcrium folgende Depesche gesandt: ThasoS und Jmbro? sind besetzt worden. Auf beiden Inseln wurde die griechische Flagge gehißt. Heute früh wurde der Kreuzer„Canaris" mit einigen Torpedobooten zur Besetzung der kleinen Insel Strato abgeschickt. Dr. 256. 29. Jahrgang. 1. ffilnjf i>es Lmick" Sttliiitt Oolhlilnll. Freitag, 1. Davember 1912. Der Nahlkamps in Berlin. Weitere Korrektur des Glückes! Im freisinnigen Lager scheint man weniger siegesgewiß zu sein, als man nach außen sich den Anschein gibt. Anders wäre es kaum zu verstehen, daß man auch jetzt noch eine weitere Korrektur des Glückes für notwendig erachtet. Be- kanntlich hat die Wahlprüfungskommission des Reichstages einstimmig beschlossen, Streichungen aus der Wählerliste durch amtliche Organe und nach Schluß der Wählerliste für unzulässig zu er- klären. Trotzdem werden sogar jetzt noch aus der Wähler- liste Streichungen vorgenommen. Man darf wirklich gespannt darauf sein, wie der Magistrat dieses mit den Beschlüssen der Wahlprüfungskommission in Widerspruch stehende Verhalten rechtfertigen wird! Jedenfalls ersuchen wir die Wähler, die eine Benachrichtigung von ihrer Streichung aus der Wähler- liste erhalten, trotzdem zur Wahl zu gehen und die Zurückweisung protokollieren zu lassen. Tasselbe muß auch in solchen Fällen geschehen, wo Wähler erst im Wahlbureau Kenntnis von einer Streichung aus der Liste erlangen. Zupfer unter Husfchluß der Oef fentUcbheit! In seinen Versammlungen schießt der Freisinn mit den größten Schimpflanonen gegen die Sozialdemokratie, aber er hat n i ch t den Mut, eine freie Aussprache zu gewähren. Bei der vorigen Wahl hatte das sozialdemokratische Wahlkomitee den Frei- sinn ersucht, eine gemeinschaftliche Versammlung mit uns zu arrangieren, in der nur die Kandidaten über ihr Programm respektive das ihrer Partei referieren sollten, damit sei die beste Ge- währ gegeben, daß die Wähler sachlich informiert und nach politischen Erwägungen ihren Entscheid treffen könnten. Der Freisinn lehnte das Arrangement ab. Der Abgeordnete Kaemps hat auch später keine öffentliche Versammlung abgehalten, um über seine und seiner Partei Tätigkeit Rechenschast abzulegen. Und auch jetzt bei der Wahl meidet der Freisinn die Oeffentlichkeit. Er ladet zu seinen Versammlungen ausdrücklich nur An- Hänger der freisinnigen Kandidatur ein. Jeder andere ist demnach schon vorweg aus den Versammlungen verwiesen. Dadurch sichert sich der Freisinn gegen unbequeme Kritiker, macht es Gegnern unmöglich, in den Versammlungen zu erscheinen und den freisinnigen Tiraden entgegenzutreten. Der Freisinn ist aber auch zu feige, um in den sozialdemo- kratischen Versammlungen zu erscheinen und von der dort gewährten freien Diskussion Gebrauch zu machen. Daß eine Partei, die es nicht wagt, öffentliche Versammlungen zu veranstalten, sich auf den Boden der steien Diskussion zu stellen, kein Quentchen Vertrauen verdient, muß jeder denkende Wähler einsehen. Der Freisinn weiß selber, daß sein Verhalten unter aller Kritik ist und deshalb geht er jeder Kritik vorsichtig aus dem Wege, führt er den Wahlkampf persönlich oder mit grobem Geschimpfe auf die Sozialdemokratie. fortfchnttler und Zollwucber.' Im 5. mecklenburgischen Wahlkreis(Rostock— Doberan) verbreitete bei der letzten Reichstagswahl der Vorstand der Fortschrittler ein Flugblatt, das in der Hauptsache bestand aus einer Abschrift des von dem(Berliner)„geschäftsführenden Ausschuß" der Gesamtpartei der Fortschrittler veröffentlichten Aufruf für das ganze Reichsgebiet. Aus jenem(Berliner) Aufruf war aber alles herausgestrichen worden, was irgendwie auf die �Haltung des liberalen Kandidaten kleines feuilleton. Im belagerten Skutari. Nach großen Mühen ist es dem Kriegs- berichterstatter des„Journal" gelungen, auf unwegsamen Gebivgs- Pfaden der Wachsamkeit der Vorposten an entgehen, und in das hart 'belagerte Skutari einzudringen'. Die Nacht brach schmv herein» als er die Stadt mit den engen Straßen erreichte. Einsamkeit aus allen Gasse»!. Die Türen verrammelt, vor den Pforten Ketten. Eine beängstigende lähmende Stille liegt rings über dieser Totenstadt. So schlummert Skutari einen hoffnungslosen Schlaf inmitten seiner beiden hohen Festen, inmitten Tarabosch und Tepe. Dort liegen sie vor uns mit ihren gewaltigen Wällen, ihren Schutzwehren, hinter denen 6t) Geschütze lauern: zwei wirkliche moderne Forts. Und jeder erzählt es einem, vor zwei Jahren ließ sie ein Meister des Festmngs- baues, der Deutsche v. d. Goltz, nach allen Regeln uioderner Kriegs- kunst erbauen. Aber wenn man die Zugbrücke überschreitet, dann ist das Bild mit einem Zauberschlag verwandelt, dann sieht das Auge nur noch die Unordnung, ein Umherirren von Gruppen, ein Chaos umliegender Dinge, Orient, reiner Orient. Gegen 15 000 Soldaten bilden die Besatzung. Der Mut ist ihnen Natur, gleich wie die Verachtung des Todes. Aber nirgends waltet Begeisterung. Sie hocken oder sie liegen umher, Menschen-, die ihre Ruhepause aus- nutzen, um eintönig den Rosenkranz oder die Gebetslette durch die Finger gleiten zu lassen. Resignation herrscht überall und eine dumpfe Melancholie. Am Tage ersteht dann eine Aufgabe, die gelöst werden muß: man will, man muß etwas essen. Alle Straßen nach Skutari sind abgeschnitten, eine Woche ist vergangen, seitdem der letzte Transport -in die belagerte Stadt kam. Der Telegraph ist zerstört, die Brücken stürzten unter Axtschläger, zusamuien, und jetzt umgürten Geschütze und Dynamit Skutari mit einem furchtbaren Gürtel bitterster Not. Ueberall fehlen die Nahrungsmittel. Unsev Brot ist. nur noch eine undefinierbare Masse, das Fleisch ist eine Seltenheit, unerschwiug- lich reuer, ein Huhn nicht zu bezahlen. In der Küche wärmt man sich. Zum Feueranzünden ist alles gut genug, die Holzbalustraden vom Hause, die Pfähle des Gartengaunes. Und wie ernähren sich nun die Truppen� Undurchdringliches Geheimnis. Die Herden von Hämmeln und Ochsen, die man in den ersten Tagen in aller Hast aus der Umgebung herbeitrieb, sind bis auf die Knochen abgenagt. In zwölf Stunden erobert der Soldat nu-r eine Mahlzeit. Wasser und ein wenig Reis. Hin und wieder schafft«in glücklicher Zwischenfall Erleichterung. Und man erfährt. daß auch einige Häuser geplündert wurden, die Nahrungsmittel verbargen. Und der Krieg? Ach, er ist da draußen irgendwo zwischen bc- festigten Hügelgruppen'. Heute, iir der Abenddäinmerung, erreichte uns" wieder sein Ruf. Bon Hügel zu Hügel donnert es, Gewehr- fouer knattert, im Halbdunkel sehen wir es weiß und gelbrot ans- blitzen. Dann plötzlich wieder atembeklcnnneirde Stille, bis mit einem Schlage 20 Geschütze zu gleicher Zeit ihre Stimme aufs neue «üheben. In solchen Stunden ist Skutari ein Grab. Kein Mensch tft«ff de? Slxaße. Später« vier«por sünj Stiuiw mch der zur agrarischen Zoll wucherpolitik hinweisen k ö n n t e l 1 1 Schon in dem bewußten(Berliner) Aufruf des„geschäfts- führenden Ausschusses" der fortschrittlichen Gesamtpartei war nicht die Rede von der doch programmatischen Forderung auf Abbau der agrarischen Zollmauer. Darüber wuiHe ge- schwiegen! Immerhin wurde wenigstens angeführt, daß die Fortschrittler die Beseitigung der Futtctmittel- zolle anstreben. Der Vorstand des liberalen Wahlvereins für den 5. meckl. Wahlkreis hat nun in seinem Aufruf auch den Absatz über die Landwirtschaftspolitik aus dem bewußten(Berliner) Auf- ruf der fortschrittlichen Gesamtpartei übernommen, er hat aber den Satz von der Forderung auf Beseitigung der Futter mittelzölle dckraus gestrichen!!! Zum Beweise drucken wir nachstehend die bezüglichen Absätze ab. Aufruf des(Berliner) geschäfts- führenden Ausschusses: „Die Landwirtschaftspolitik hat der Förderung der Bauernschaft zu dienen. Statt Fideikommisse und Domänen Bauernhöfe und Arbeiterstedelungen. B e s e i t i- gung der Futtermittel- z ö l l e. Schutz des Viehbestandes gegen Einschleppung von Seuchen. Ersatz des durch Schutzmaßregeln entstehenden Schadens." Aufruf deSBorstandeS des libe- ralen Vereins in Rostock. «Herr Heimsoth wird eintreten für die Schaffung mittleren und kleineren ländlichen Grundbesitzes, für Förderung des Bauernstandes, statt Fideikommissen und Domänen Bauernhöfe und Arbeiterfiede- lungen. Für Schutz des Vieh- standes gegen Einschleppung von Seuchen; für Ersatz des dem Viehbesitzer durch Schutzmaßregeln entstehenden Schadens.' Der liberale Borstand in Rostock hat also sogar das Ber- langen auf Beseitigung der Futtermittelzölle gestricheu!! Eine Wäblerverlammluncf. Die Nachwahl zum Reichstage im ersten Wahlkreise ist von außerordentlich hoher BodeutunM tote weit über(die Grenzen Berlins hinausgeht. Wurde doch bei den allgemeinen Wahlen das Mandat an eine Partei ausgeliefert, die keine Berechtigung zur Annahme hatte. Von großer Bedeutung ist die Nachwahl aber auch, weil die Fortschrittliche Volkspartei, die bei den allgemeinen Reichstagswahlen nicht ein Mandat aus eigener Kraft erringen konnte— den ersten Wahlkreis als unumstrittene Hochburg be- trachtet. Daß die Wähler jedoch fest entschlossen sind, die Fort- schrittler aus ihrer„Hochburg" zu verdrängen, bewiesen Besuch und Verlauf der bisher von unseren Genossen abgehaltenen Wühlerversammlungen. Mittwochabend fand wieder eine sehr gut besuchte Versamm- lung im Cafe Gärtner statt, in der Landtagsabgeordneter Ge- nasse L c i n e r t referierte. Redner wies vor einer aufmerksamen Zuhörerschaft nach, daß das Vertrauen der Volkspartei immer mehr dahinschwinde. Bürgerliche Freiheit und demokratisches Bürgertum hätten heute keine Stätte mehr in der Volkspartei! diese mache vielmehr bei jeder Gelegenheit den Schleppenträger der konservativen Reaktion. Er rief den Anwesenden das schmäh- liche Verhalten der freisinnigen Manneshelden zur Zeit des Bülow- blocks nochmals ins Gedächtnis zurück. Um nur ein wenig von der Regierungssonne beschienen zu werden, habe man sich völlig dem Willen der Reaktionäre unterworfen. Noch heute brüstet man sich mit dem in der Blockära geschaffenen Reichsvereinsgesetz: da habe der Freisinn mitgewirkt, daß das öffentliche politische Leben unter polizeiliche Kontrolle gestellt wurde. Bei der Beratung der Reichs- Versicherungsordnung habe man mitgewirkt,-den Arbeitern Rechte zu nehmen. Im besonderen habe man Material geliefert zur Auf- Hebung des Selbstverwaltungsrechts in den Krankenkassen. Ein einflußreiches Mitglied jener Partei, Herr Dr. M u g d a n, habe besonders dazu beigetragen, daß den Arbeitern Rechte genommen wurden. Als Dank für sein damaliges Verhalten habe ihn die Fortschrittliche Volkspartet im Abgeordnetenhause beigesetzt. Dort — wv der Jungbrunnen aller konservativen Anschauungen zn finden sei— habe er heute seinen Einzug gehalten. Wenn der Fortschritt solche Männer in seiner Partei dulde, so beweise er, Kanonade, bringt man auf den schmalen Steigen von den Forts die Verwundeten hinab, auf primitiven, rasch iinprovisierten Trag- bahren. Nirgends hört man ein Wort der Klage. Die Verwundeten liegen aus Stroh, auf Matten, kein Chirurg ist da, der diesen schweig- samen und resignierten Patienten Hilfe brächte. Arrztekiinst in Kriegszeiten. Auf dem Kongreß der franzö- fischen Chirurgen hat sich der Generalinspektor des Gesund- hcitsdiensteS im französischen Heere Professor Delorne in interessanter Weise über die moderne Aerztekunst im Kriege ausgesprochen. Er erklärte, daß die Mtlitärchirärgen in viel zu kleiner Anzahl vorhanden find, um allen Aufgaben des Feld- dienstes zu genügen. Die Verhältnisse in dieser Hinsicht seien bei allen Armeen der Welt dieselben. Wohl reiht man in KriegSzeiten alle Aerzte und Chirurgen des Zivilstandes in das Heer ein, aber sie können nach Delornes Ansicht nicht dasselbe leisten, wie die Militärärzte.„Ein Schlachtfeld ist kein Krankenhaus: in einem Krankenhaus ist alles vorhanden, auf einem Schlachtfeld muß alles erst geschaffen werden. Die Ausgaben des Arztes auf der Walstatt bestehen vor allem darin, die durch die Kugeln geschaffenen Einschuß- und Ausschußöffitungen zu reinigen, durch das Anlegen von Wer- bänden jede Infektion zu vermeiden. Operationen soll der Arzt auf dem Schlachtfelde nur bei Lebensgefahr vornehmen; er darf sich nicht damit aufhalten, tiefer liegende Fremdkörper zu suchen, sondern mutz im Prinzip operative Eingriffe der späteren Behandlung überlassen." Nach der Meinung des großen Chirurgen ist es unaussührbar,„bei der modernen Bewaffnung und Taktik, der außerordentlichen Gefahr, in der sich jeder in der Nähe des Feindes befindet, in geringer Entfernung vom Feind den Ver- wundsten sofortige Hilfe angedeihen zu laffen. Die Hilfsstationen, die Ambulanzen sind immer weiter vom eigentlichen Kampfe entfernt. Das Aufheben der Verwundeten kann erst spät vor sich gehen, bei Ruhcpunkten, die in den Gefechten eintreten, nach dem Vordringen der Truppen, bei Gelegenheiten und auf Oertlichleiten, über die der Zufall entscheidet". Mustk. Volkstümliche Konzerte bedingen ein verständig ge- wähltes Programm und künstlerisch einwandfreie Durchführung der dargeboteiten Musikstücke. Schund, wie man ihn täglich in Kaffee- Häusern hören muß, bleibt von vornherein ausgeschlossen. Von diesem Standpunkt aus läßt sich denn schon mit dem ersten Konzert, das das Berliner Volksorchester unter Leitung seines Dirigenten Alfred Hirsch am vergangenen Dienstag im großen Saal der Brauerei Friedrichshaitt veranstaltete, rechten und rechnen. Die starke Kapelle kann sich höre» lassen. Freilich, die Gesangs- einlagen, für die Margarete W a g e tt e r verantwortlich zeichnete, mochten höheren Anforderuttgett launr genügen. Außerdeiwsollte seichter Brettlsiitgsang vom Schlage des Aletterschen„Kttckttck" feriwleiben. Auch eine dreizehnjährige Violinvirtuosin wirkte solistisch mit. Es ist zu konstatieren, daß die beiden„Reißer" von Saint-Saöns und Rehfeld mit Verve und respektabler Fingerfertigkeit exekutiert wurden. Es wäre aber sehr zu wünschen, daß Irena de Monteverde— so heißt geheimnisvoll das musikalisch, Wunderkind— vor dem Schicksal daß er keine Partei für freiheitliche Bestrebungen sei, sondern alle gegen die Arbeiterklasse gerichteten Bestrebungen mit in den Kauf nehme.— Der Fortschritt habe aber auch im neuen Reichstag ge- zeigt, daß er allen Gesetzen, die gegen die große Masse des Volkes gerichtet sind, zustimme. Habe er doch die Mittel für die größte M i l i t ä r v o r l a g e, ohne dagegen zu opponieren, bewilligt. Der Fortschritt sei bei de« Wahlen nicht anders zu behandeln lvic jede andere bürgerliche Partei. Ter große prinzipielle Gegen- satz, der zwischen der Sozialdemokratie und den bürgerlichen Par- teieu bestehe, müsse gerade in diesem Wahlkampfe besonders her- borgehoben werden. Der Kampf werde geführt, damit endlich der erste Berliner Wahlkreis eine Vertretung im Reichstage erhält, wie sie ihm nach der ganzen Struktur des Kreises gebühre; dabei sei es ohne Bedeutung, ob der Hauptgegner ein fortschrittlicher oder konservativer Kandidat sei. Der Fortschritt führe ja keinen prinzipiellen Wahlkampf, sondern drücke sich davor, wo er irgend könne, tzervorgehöbc» müsse auch werden, daß der Kandidat des Fortschritts. Herr Kaemps, ein einflußreiches Mitglied des Hansabundes sei. Schon bei der Geburtstagsfeier des Bundes habe man gesagt, daß die Industrie unter den hohen Arbeiterlöhnen und einer übertriebenen Arbeiterschutzgesetzgebung zu leiden habe. Arbeiter und Angestellte könnten demnach schon aus diesem Grunde Herrn Kaemps ihre Stimme nicht geben. Redner erinnerte weiter daran, wie die Fortschrittler Beamte denunziert haben, die für die Sozialdemokrcklie gestimmt hatten, und wie man die vom Ministertische im Abgeordnetenhausc gegen Beamte gerichteten Be- schimpfungen kalten Herzens hingenommen habe. Die Beamten hätten jetzt Gelegenheit, dagegen zu protestieren und müßten am 5. November sozialdemokratisch wählen, sonst würden auch sie be> weisem daß sie sich diese unerhörten Beschimpfungen gefallen ließen. Aus diesen und vielen anderen Gründen sei die Wahl am 5. No» vember von ganz autzerordentlichcr Bedeutung, und so forderte Redner auf, durch die Wahl des sozialdemokratischen Kandidaten Düwell für Freiheit und Gleichheit zu demonstrieren. Die Wahl des Genossen Düwell wäre auch ein gewaltiger Protest gegen die„gepanzerte Faust", von der das Volk nichts wissen wolle. In der Diskussion lvandte sich Frau Rüben mit warmen Worten an die anwesenden Frauen, die an der Wahl genau so interessiert seien als die Männer. Die Frauen, die Gleichberechti- gung verlangen, müßten alles daran setzen, daß der 1. Kreis sozial« demokratisch vertreten würde. Die Fortschrittler hätten erst in den letzten Wochen abgelehnt, die volle Gleichberechtigung der Frauen in das Programm aufzunehmen. Dafür müsse ihnen die gebührende Ohrfeige gegeben«Verden.— Nachdem ein weiterer Redner für die Wahl des sozialdemokratischen Kandidaten plädiert hatte, nahm Genosse Wilhelm Düwell das Wort. Er zeichnete in treffenden Ausführungen ein Bild unserer heutigen Gesellschafts- ordnung. Während auf der einen Seite die Reichtümer bis inS Unermeßliche anwachsen, falle die große Masse immer mehr der Besorgnis anHeim, ob das Stückchen Brot für heute noch reiche. Neber Menschen, über Existenzen schreite der Kapitalismus hinweg, die Reichtümer würden immer mehr in die Hände, in die Geld- schränke einiger weniger gelegt, während das soziale Niveau der großen Masse sich nicht hebe, sondern immer schlechter werde. Be- sonders die früher besser gestellten Angestellten und Handwerker würden immer mehr herabgedrückt in die Reihen der Besitzlosen.— Diese Gesellschaftsordnung wolle der Fortschritt mit aller Macht aufrechterhalten, wahrend die Sozialdemokratie eine Gesellschafts- ordnung anstrebe, in der alle Menschen eine vernunftgemäße Existenz erhalten. Nach einer scharfen Verurteilung der Kriegs- gelüste forderte auch er auf, durch Abgabe der Stimme für die Sozialdemokratie für Freiheit und Frieden zu demonstrieren. Stürmischer Beifall wurde allen Rednern gezollt. Der Vor- sitzende appellierte noch an die Anwesenden, alles daran zu setzen, damit es am Abend des 5. November heiße: Gigyählt ist Stadt» verordneter Wilhelm Düwell. Sitzung des Tnternatloualen Sozialistischen Bureaus. 8"'' Sriifitt lo. DItote.(«8.«tt.) Vandervelde eröffnet die Sitzung und begrüßt den ein« getroffenen Genossen Dr. R a k 0 w s k i, dessen Verdienste um den einigen Protest der sozialistischen Parteien des Balkans gegen den konzertmätziger Auspowerung bewahrt bleibe. Schließlich brachte das Programm noch eine Ueberraschung: nämlich Lieder zur Laute, die Dr. Heinz C a s p a r h vortrug. Diese vollstümlichen Konzerte versprechen einen guten Fortgang. 0. k. Humor und Satire. Der StatuSquo. Die Herren Diplomaten verkünden freudenfroh: Am Balkan bleibts beim alten, denn er wird uns erhalten: Der gute StatuSquo I Eine Kugel kam geflogen von Montenegro; sie hat ihn weggerissen, er lag zu meinen Füßen: Der gute StatuSquo l Wollt' mir die Hand noch geben, dieweU man ihn bedroh', da ritten die Bulgaren in großen Heeresscharen über den Statusquo l Kann ihm die Hand nicht geben— denn von Kumanowo— Da kamen an die Serben und schlugen ganz in Scherben den guten Statusquol Das sahen die Hellene» vom Berg Olympia. Trotz aller seiner Wunden ward er nochmal geschunden der gute StatuSquo I Die Herren Diploinate« Verkünden nunmehr so: Am Balkan bleiblS beim Wir werden ihn erhalten: den toten StatuSquo. Gand. alten: Notizen. �Jm„Theater am Nollendorfplatz' tritt Freitag Henry Bender sein Engagement als Jupiter im Orpheus an. Der Orpheus wird von Eugen Albert gesungen, der die Rolle im Münchener Künstler-Theater iimehatte. — Bühnenchronik. Paul W e g e n e r tritt Ende Februar in den Verband der Meinhard-Bernauerschen Bühnen. Als Antritts- rolle wird er voraussichtlich den„Macbeth" spielen. Irene T r i e s ch wird die«Lady Macbeth" darstellen. — Berliner Theatergründungen. ES ist ein offenes Geheimnis, daß manche Berliner Bühnen, die nicht von großen Vertriebsanstalten gehalten werden, sehr riskant dastehen. Die Schicksale des ehemaligen Hebbel-Theaters, der Kurfürstenoper und des Halmschen Schauspielhauses sind noch in frischer Erinnerung. Auch das eben erst eröffnete Komödienhaus des Herrn Lothar muß bereit? auf eine neue geschäftliche Basis gestellt werden. — 30 000 Bühnenangehörige. Das Deutsche Theater- Adreßbuch 1S12/t3. das der Deutsche Bühnenverein berausgibt, führt in diesem Jahr zum erstenmal jedes Theatermitglied, auch jedes Orchester-, Ballett- und Chormitglied und die festangestellten tech- nischen Vorstände in seinem Register auf. Es gibt danach mehr als 30 000 Biihnenangehöxige, die engagementslosen Schauspieler nicht eingerechnet. — Strindbergs Nachlaß, in dem sich eine größere An« zahl von fertigen Manuskripten und Entwürfe» fandeit, soll sorg- fältig geprüft und erst in gehöriger Auswahl veröffentlicht«verden. Auch ein Strindberg-Museum, für das der verstorbene Dichter 20 000 Kronen gestiftet hat, soll zustande kommen. Krieg er herdorhebt. Der Sekretär HuhZmanI derliest zwei Bnefe, die von den Genossen L a p t s ch e>v i t s ch und S a k a s o w ein- gelaufen sind. Auf Antrag Vandervcldes werden die Briefe in das vom Internationalen Bureau vorbereitete Bulletin, das olle die Kriegssrage betreffenden Dokumente samnieln wird, �aufgenommen werden. Genosse Laptschewiisch schreibt aus Belgrad unter dem 1V. Oktober: „Unsere Partei ist nicht imstande, sich in der Sitzung des Bureaus vertreten zu lassen. Fast alle unsere Genosien sind an der Grenze und unsere Organisationen einfach verwüstet. Die Regierung hat Alt und Jung an die Grenze geschickt. Zwei Alle und drei Junge das ist alles, was geblieben ist, um das Vermögen und die Dokumente der Partei und der Gelverkschasten zu Hilten und das Parteiorgan, das jetzt zweimal wöchentlich statt wie bisher täglich erscheint, zu redigieren. Unter diesen Umständen sind wir keinen Augenblick im stände, uns von unserem Volkshaus, wo wir Tag und Nacht verbringen, zu trennen. So müssen wir uns begniigen, den Genossen des Internationalen Bureaus unsere herzlichen Griisje zu senden. Wir halten eS für unsere Pflicht, folgende Erklärungen zu geben: Noch vor der Mobilisation hat unsere Partei in einer großen Versammlung gegen die zum Krieg führende Politik protestiert und, im Einklang mit der Resolution der ersten sozialdemokratischen Balkankonferenz von 1S09 eine demokratische Balkanföderation gefordert. In diesem Sinne hat auch unser Parteiorgan in der kritischen Zeit energisch ge- schrieben und demgemäß hat sich auch � die Partei im Parlament verhalten. Nußland hetzt die Balkanstaaten zum Krieg— Rußland, dessen zaristische Politik dieses Blutbad braucht, um durch die Schwächung der Völker ihre imperialistischen Zwecke zu fördern. Der Krieg auf dem Balkan lähmt die orientalische Revolution, hetzt die Nationen, die in jedem Ort eine Mosaik darstellen, durcheinander und bedroht den Weltfrieden. Deshalb bitten wir die Genossen, sich mit der .Vage der Balkanvölker zu beschäftigen, vor allem die Genossen in »c.n Äroßstaaten, die mit ihrer iniperialistischen Politik die Situation verschärfen und durch ihre Diplomatie eine perfide Rolle spiele», vor allem Rußland und Oesterreich, in der Presse und in den Parka- menten den Imperialismus und Kolonialismus zu bekämpfen. Denn die europäischen Regierungen wecken die Kriegsgelüste der Balkan- staaten und hindern dadurch ihren Zusammenschluß zu einer demo- kratischen Republik." Genosse S a k a s o w schreibt aus Sofia unter dem 10./23. Oktober über die Erfahrungen der jüngste» Zeit folgendes:„Jede sozialistische Partei soll ihre Maßnahmen gegen den Krieg schon lange vor der Mobilisationsorder treffen. Es ist notwendig, daß die Sache de» Kriegs unpopulär tverde. Darum ist eS die Pflicht der Sozia- listen, in Ariedenszeiten eine möglichst starke Propaganda gegen den Krieg zu betreiben, um die Völker über die Argumente der bürger- lichen Parteien und den Mißbrauch, der mit den sogenannten Lebens- interessen getrieben wird, aufzuklären und die Auffassungen, die zu Konflikten führen können, zu widerlegen. Ein Krieg mit einem Nachbarn, gegen den die Argumente, die man gegen die bürgerliche Perhetzungspolilik ins Feld führt, nicht wirken, wie dies jetzt der Fall ist, wird ein populärer Krieg und die Sozialisten können gegen ihn nichts ausrichten. Dagegen wird ein Krieg für koloniale. imperialistische und kapitalistische Interessen immer unpopulär bleiben und den Sozialisten gute Aussichten in ihrem Kampf und Protest und selbst in ihrer WiderstandSaktion bieten." Der vierte Punkt der Tagesordnung betrifft Anschlüsse an das Internationale Bureau. Die zu diesem Punkt eingebrachten Anträge T r o e l st r a und Kautsky über das Vertretungssystem werden zurückgezogen. Die englische Frage wird»ach einer Diskussion vertagt. Hierauf wird die Frage der„Sozialdemokratischen Partei Hollands" behandelt. Als Vertreter dieser Organisation wohnen G o r t e r und W i j n- k o o p der Verhandlung bei. Dem Exekutivkomitee wird das Mandat erteilt, zugunsten der Einigung zu vermitteln. Als Basis wird auf Jaurös' Vorschlag die Freiheit der Kritik, aber auch das Maßhalten in dieser anerkannt. Damit ist diese Angelegenheit erledigt. Rachmittagssitzung. Die Verhandlung über die AngliederungSgestiche wird fort gesetzt. Es kommen hierbei die Streitfragen der russischen Organisation zur Sprache. H a a s e unterstützt den von P l e ch a n ow geäußerten Wunsch nach einem Aufruf zur Einigung. Er betont, daß die Einigungßbewegung nicht dadurch gestört werden dürfe, daß sich Einzelpersonen als Vertreter der Gesamtpartet ausspielen. Auch dürfen die sog.„Liquidatoren" von den Einigungsverhandlungen nicht ausgeschlossen werden. Aus Kanada, A u st r a l i e n und Südafrika sind zahb reiche Ansuchen uin Aufnahme in die Internationale eingelaufen. Das Bureau erteilt dem Exekutivkomitee die Vollmacht, zwischen den verschiedenen Organisationen dieser Länder zu vermitteln, um eine kanadische, australische und südafrikanische Sektion zu konstituieren. Eine lebhafte Diskussion entspann sich über das Ansuchen der tschechischen Sozialdemokratie, von der Internationale aufgenommen zu werden und eine Stimme im Internationalen Bureau zu erhalten. B u r i a n verlritt das Ansuchen, Dr. Adler unterstützt es. Für die Tschechoslawen sprechen Nemec und S o u k u P. Das Bureau beschließt, die tschechischen Sozialdemo- lraten als Untersektion der tschechischen Sektion zuzulassen. Dagegen stimmen nur die Tschechoslawen. Hierauf gelangt das gestern von Kautsky im Entwurf vorgelegte. von einer aus Vertretern der verschiedenen Nationen zusammen- gesetzten Subkommission durchberatene und umgearbeitete Manifest gegen den Krieg zur Verlesung. Es wird ein- st im m ig angenommen. Eine von P l e ch a n o w und Rubano witsch eingebrachte Resolution, die gegen die in den zarischen Gefängnissen verübten Greuel protestiert und das Erwachen der russischen revolutionären Bewegung begrüßt, das sich auch bei den Wahlen kundgegeben hat, wird gleichfalls einstimmig angenommen. Desgleichen eine von Agnini undBalabanow iJtalien), Emilio Corralez und Fabra RibraS iSpanien), P l e ch a n o w(Rußlandj, Kautsky (Deutschland), N a h u m(Türkei) und Rosa Luxemburg (Polen) unterzeichnete Resolution, die gegen die willkürliche Ver« Haftung der Organisatoren Ettor und Giovanitti unter dem Borwand der moralischen Mitschuld an einem gemeinen Verbrechen Einspruch erhebt. Sie erklärt das gegen sie eingeleitete Gerichts- verfahren als ein offenkundiges Attentat auf die Rede- und KoalitionS- freiheit und lenkt die Aufmerksamkeit des Proletariats auf die reaktionäre Politik der Vereinigten Staaten, wo sich die Justiz zynisch in den Dienst des Kapitalismus zur Bekämpfung des durch Propaganda und Organisation die Verbesserung seiner Lage anstrebenden flroketarlats stellt. Sie fordert die sozialistischen Parteien aller ander zu einer energischen Protestbewegung auf und zählt be- sonders auf die energische Intervention der amerikanischen Arbeiter. Die Sitzung wird vom Vorsitzenden Aandervelde um 7 Uhr ge- schlössen. Hböfcordnetenbaus. 90. Sitzung. Donnerstag, den 3t. Oktober 1913 vormittags 1t Uhr. Am Ministertisch: v. S ch o r I e m e r, V.Dallwitz. Da» Hau» ehrt da« Andenken de» verstorbenen Abg. V.Hacken« Seeg(natt.) in der üblichen weise. Die Besprechung der polnischen Interpellation über die Enteignung wird fortgesetzt. Abg. Graf Praschma(Z.): Die bisherigen Redner au? dem Hause haben sich die Besprechung der Interpellation leicht geinacht. Aber mit der Behauptung, daß es sich um eine rss juätcata handelt, ist die Sache nicht erledigt.(Sehr wahr! bei den Polen.) Das Gesetz kann geändert werden, die Enteignung selbst ist wie ein vollstrecktes Todesurteil nicht wieder gut zu machen.(Sehr richtig I im Zentrum und bei den Polen.) Herr v. Zedlitz freute sich gestern über die Einigkeit der„nationalen" PaAeien. Bei der Beratung des Enteignungsgesetzes war von dieser Einigkeit und Begeisterung nichts zu merken. Von allen Seiten wurde oiese Vorlage, für die die Regierung ihre ganze Autorität einsetzte, aufs schärfste kritisiert und die größte Partei stimmte ihm schließlich zu unter einer Motivierung, die einer Ab- lehnung verzweifelt nahe kam.(Sehr wahr I bei den Polen.) Die Vornahme einer Enteignung aus politische» Gründen ist irispiellos, ist unerhört in der preußischen Geschichte.(Sehr richtig! bei den Polen.) Wenn auch die Form der Ausführungen des Abg. Korfanth manchmal über das Ziel hinausging, so können wir doch vieles von dem was er sagte, nur unterschreiben. Für mich als ch r i st l i ch- konservativen Mann war es schmerzlich, daß ein Mann wie der Abg. Korfanth solche Dinge hier vorbringen konnte.(Sehr gut l im Zentrum.) Dabei nmcht die Art, wie die Enteignung vor- genommen wird, auch noch den Eindruck der Schwäche auf feiten der Regierung: man scheut sich, energisch das Gesetz anzuwenden und will nur irgendwie den Halatisten den Mund stopfen. (Sehr wahr! bei den Polen) Das Ziel erreichen Sie doch nicht und ebensowenig werden die Polen jemals nachgeben. (Sehr wahr I bei den Polen.) Die Politik, die Sie treiben, ehrt nicht die Grenzen deS Eigentums, darum ruht nach den Worten Octavio Piccolominis an seinen Sohn kein Segen darauf, und sie wird nicht zum Segen führen.(Lebhafter Beifall im Zentrum und bei den Polen.) Präsident Graf Schwerin-Löwitz: DaS Wort Hai... Abg. Graf Praschma: Ich bin noch nicht ganz fertig.(Heiterkeit.) Es kommt hinzu, daß diese Maßnahme der Regierung eine Briiskierung Oesterreichs bedeutet, die gerade im jetzigen Moment am wenigsten angebracht ist. Und endlich widerspricht die Enteignung den christlich-konservativen Grundsätzen und den sonstigen Maßnahmen zur inneren Koloni- satiou.(Sehr gut! im Zentrum.) Statt sie zu enteignen, müßte man die Polen zwangsweise ansiedeln. Die Herzen der Polen ge- Winnen Sie durch diese Politik niemals.(Sehr wahr I bei den Polen.) Sie stärken nur den Radikalismus unter den Polen, Sie treiben sie in die Industriezentren, wo sie dem Sozialis- muS verfallen.(Sehr wahr! im Zentrum.) Alles, was kon- s e r v a t i v bleiben will in Posen, treffen Sie in erster Linie und schaffen einen Herd des Radikalismus mitten im Osten. Aus deutsch-nationalen Gründen rufe ich der Regierung zu: Noch ist eS Zeit, den letzten Schritt nicht zu tun. An den Grundlagen der Bodenständigkeit und des Eigentums sollte man in Preußen-Deutsch- land nicht rütteln. Wenn die jetzige Regierung nicht den Mut hat. von der Politik der Enteignung wieder zurückzugehen, so müssen wir auf einen zweiten Bismarck warten, der mit eisernem Besen mit dieser Politik ausräumt. Die große Mehrzahl des deutschen Volkes wird er als Bundesgenossen auf diesem Wege finden.(Lebhafter Beifall im Zentrum und bei den Polen.) Minister deS Innern v. Dallwitz: Die Polenpolitik der Regierung ist eine notwendige Konsequenz der geschichtlichen Eni- Wickelung. Der großpolnischen Propaganda muß entgegengetreten werden, die Regierung muß diese separatistischen Bestrebungen ab- wehren. Sie findet nicht genug Land zu freihändigem Ankauf. Bon einer besonderen Harte den Enteigneten gegenüber ist keine Rede.(Abg. Hoffmann sSoz.j: Das werden wir uns merken!> Ich war zu diesen Ausführungen genötigt, um den maßlosen Ueber- treibunge» und krassen Entstellungen entgegenzutreten, die von polnischer Seite der Regierung ins Gesicht geschleudert worden sind. (Stürmische Pfui-Rufe bei den Polen.— Beifall rechts Präsident Graf». Schwerin-Löwitz(zu den Pole»): Ich.ver- stehe Ihre Eregung, wenn Sie glauben, daß Ihnen unrecht geschieht. Aber sein Recht vertritt man um so wirksamer, je ruhiger und leidenschaftsloser man vorgeht. Unterlassen Sie also bitte solche Zwischenrufe, die der Würde uiiserer Verhandlungen nicht entsprechen. sLebhafter Beifall.) Abg. Dr. Pachnicke(Vp) bekämpft die Enteignung aus poli tischen und wirlschafllichen Gründen. Der Justizminister hat seiner zeit erklärt, verfassundswidrig würde es sein. Polen am Erwerb von Boden zu hindern. DaS fft nun der Fall, denn vom Erwerb ist der Besitz nicht zu trennen. Ganz im Gegensatz zu der heutigen Rede deS Ministers b. Dallwitz sagte uns Minister v. Schorlemer, daß noch bis 1913 genug Land zum freihändigen Ankauf vor- Händen ist. Der Weg von Berlin nach Posen ist mit Fehlern ge pflastert. Statt die vernünftige AnstedelungSpolitik auf die ganze Monarchie auszudehnen, beschränkte man sich auf zwei Provinzen und gab ihr dadurch eine nationale Spitze. So hält man die polnische Welle nicht auf. Wer sich eine deuffchtreue Bevölkerung im Osten heranziehen will, darf nicht abgehen von der Linie deS Rechts und der Gerechtigkeit.(Beifall bei der greis. Volkspartei.) Abg. v. Trampczynski(Pole): Die maßgebenden Persönlichkeiten haben daS Unterscheidungsvermögen für Mein und Dein verloren. Jedes von Polen neu gekaufte Land wird jetzt ohne weiteres enteignet, und in der Verfassung steht, daß jeder Staatsbürger das Recht hat, Grundbesitz zu erwerben! Wir wären die größten Esel, würden wir der Regierung freiwillig Land zur Ansiedelung deutscher Bauern verlaufen, aber sobald sie polnische Bauern ansiedeln will, wird sie genügend Land zur Ver- fügung haben. Wir wollen nur als Nationalität weiter leben und uns entwickeln. Wer uns daran hindert, ist unser Todfeind. Eine Politik, die im Zeitalter der allgemeinen Wehrpflicht leiden- schaftlichen Haß in einem großen Teil der Bevölkerung erregt, ist heller Wahnsinn.(Beifall bei den Polen.) Ludwigs XVI., Necker: hat sich in die Erde um sich gegen die Masse gegen wilde Tiere schützt." Abg. Borchardt(Soz.)i Die Art, wie gestern die Interpellation von selten der Regierung und der großen Parteien behandelt worden ist, ist außerordentlich bedauerlich. Man hätte sich doch fragen sollen: Ist eS richtig, in einer solchen Frage, die große Massen der Bevölkerung erregt. eine so ostentative Mißachtung zu zeigen. Man könnte beinahe auf die Idee kommen, daß die Absicht, zu provozieren, dabei vorlag. Einen solchen Gedanken werden die großen Parteien dieses Hauses aber natürlich niemals haben, niemals!(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Lag diese Absicht nicht vor, dann bleibt nur übrig ein ganz sträflicher Leichtsinn. Denn die Folgen eines solchen Vorgehens mußten jedem Poliiiker klar fein. Die Hauptfrage, zu deren Beantwortung die Regierung verpflichtet ge- Wesen wäre, ist die: warum hat man die Enleignung gerade gegenüber diesen Güter» und gerade in diesem Augenblick zur Ausführung gebracht. Hinter die Ansiedelunaslommission kann man sich nicht verslecken, denn eS liegt ein Beschluß deS StaatsminifteriumS vor. Die Regierung hätte die Antwort auf diese Fragen umsomehr geben müssen, als der Abg. Korfanty ihr den Borwurf der sc e i g h e i t gemacht hatte.(Präsident Graf Schwerin-Löwitz: Das hat derAbg. Korfanty nicht getan, sonst würde ich daS gerügt haben.) Jedenfalls hat Herr K o r fa n t y gesagt, man habe gerade m diesem Augenblick das Gesetz zur Anwendung gebracht, weil man gehofft habe, unter dem Donner der Balkankanonen werde die Sache keine Beachtung finden in der weiten Welt. Ans jeden Fall hat er also den Vorwurf des Versteckspielö erhoben. Heute hat ja nun die Regierung wenigstens etwas mehr gesagt, nachdem ein Ver- treter de» Zentrum» gesprochen hatt». Aber aus die politische Frage, waMM mät» gdkab« jetzt die Enteignung bornehmen will, auf diese Frage, die u»S alle angeht, ist die Regierung wieder die Antlvort schuldig geblieben. Von großem Interesse ist auch die Preissrage bei dieser Enteignung. 190? sagte Fürst Biilow, es handele sich bei dem Enteignungs- gesetz in der Hauptsache darum, das Steigen der Güter- preise durch unlautere Spekulationen zu verhindern. Danach mußten zunächst einmal vor allem die Besitzer der deutschen Güter enteignet werden, die sich von der Ansiedelungs- kommission ihre Güter zu hohen Preisen abkaufen lasten. Und wie liegt die Sache bei diesen speziellen Gütern? Eins davon hat einen Wert von höchstens SOOOVO M. Für diesen Preis hätte es die Ansiedelungskominission schon lange haben können. Inzwischen hat es ein P o l e gekauft, es sind zuletzt 920 090 M. dafür bezahlt worden, und nun soll es für 950 000 M. enteignet werden.(Hörtl hört!) DaS sind Dinge, über die die Regierung uns sehr viel hätte sagen können, wenn sie etwas hätte sagen wollen. Bei all diesen Enteignungsdebatten erleben wir ei» merkwürdiges Schauspiel. Beide Seiten beteuern, daß sie den Frieden wollen, aber jeder ver- langt, daß der andere den Anfang macht. Ist denn das christlich? Dabei stehen auf der einen Seite christliche Priester und auf der anderen die Vertreter des angeblichen chri st lichen Staates. Wenn die Regierung sagt, die Staatsnotwendigkeit erlaubt es nicht, den Polen entgegenzukommen, so beweist sie damit, daß mit christ- lichen Grundsätzen nicht regiert werde» kann, daß die Staats- Notwendigkeit über dem Christentum steht, wir also in einem christ- lichen Staat gar nicht leben.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokr.) Sehr interessant war ein Wort des Herrn v. Heydebrand bei den Debatten über das Enteigmmgsgesetz. Er sagte am 16. Januar 1908:„Es gibt Verhältnisse, in denen die Ge- setze schweigen, wir können in Verhältnisse kommen, wo wir nicht anders existieren können, als wenn wir Grundsätze, die wir sonst festhalten, die unverrückbar bleiben, der Notwendigkeit in den gegebenen Grenzen unterzuordnen imstande sind, es gibt Verhält- niste, wo man nehmen muß, weil man es nicht anders bekommt."(Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Das sind Sätze, die wir Sozialdemolraten uns merken werden.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Sie bedeuten. daß über alles Recht und über alle Gesetze die StaatSinteressen gehen. daß eS also ein unverrück« bares und heiliges Recht gar nicht gibt. Weiter besagen diese Worte, daß gerade das Privateigentum nicht so heilig und unverrückbar ist. wie Sie eS uns gegenüber immer behaupten. Nur solange die Staatsinteressen es erlauben, soll danach das Privat- eigentum heilig und unverletzlich sein. Wer bestimmt aber darüber. was Staatsinteressen sind? StaatSinteressen sind allemal die Interessen und Wünsche derjenigen, die im Staate die Macht haben. Also nach Herrn v. Heydebrand soll das Recht immer nur verbindlich sein, soweit eS den Wünschen der Machthaber entspricht. Sie sind schon von anderer Seite darauf hingewiesen worden, daß die Machtverhältnisse sich im Laufe der Geschichte ändern. In ver- gangenen Jahrhunderten sind Machthaber gestürzt und andere an ihre Stelle gekommen, und in der gukuiisti wird es ebenso sein. Also in den Worten des Herrn v. Heydebrand liegt das klare Zugeständnis, die Gesetze sind nur geschaffen, um die je« weiligen Machthaber zu schützen, diese selbst brauchen sich daran nicht zu halten. Eine solche Ansicht ist nicht etwa So- zialismuS. nein, das ist reiner Nihilismus.(Sehr wahr! bei den Sozialdemolraten.) Es stimmt vollständig überem mit einem Wort deS Finanzministers „Eine kleine Anzahl von Menschen geteilt und hinterher Gesetz« geinacht, der übrigen zu schützen, wie man sich_. Dem Sinne nach hat ein kom'erväliver Mann, wie Herr von Heydebrand, genau dasselbe gesagt. Und da verlangen Sie von uns, daß uns Recht und Privateigentum heilig sein soll. Wir werden dem Volke deutlich mitteilen, daß Sie die Gesetze nur zn Ihrer Verteidig, mg machen, sich selbst aber nicht daran gebunden haben.(Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) Daß Sie im übrigen mit all diesen Dingen nur unsere Geschäfte besorgen, brauche ich Ihnen nicht noch zu sagen.(Hört! hört! bei den Polen.) Ganz dasselbe wird die Eni- eignung, die wir vornehmen werden, allerdings nicht sein, und aus politischen Gründen, um einzelne Personen oder Nationen zu treffen, werden wir Sozialdemokraten nicht enteignen, sondern nur aus wirtschaftlichen Gründen in allgemeinen Interesse, weil wir im Privateigentum die Quelle des Elends und der Not sehen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemolraten.) Aber es hat mich doch gefreut, aus der Debatte von vor fünf Jahren zu ersehen, wie weit selbst ganz rechtsstehende Mitglieder des Hauses unseren sozialistischen Anschauungen zuneigen. Gegenüber einem Zentrums- Mitglied, der eine scharfe Verurteilung des Gedimkens der Eni« eignung aus früherer Zeit mitteilte, meinte Herr Dr. Friedberg: Ja, das mag richtig gewesen sein für damals, das sind Aeußerungen verstorbener Parlamentarier, aber ich glaube Ihnen gezeigt zuhaben, daß man in bezug auf die Enteignung heute auf einem moderneren Standpunkt steht."(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wir werden Herrn Dr. Friedberg zu gegebener Zeit an diese Aeuße- rung erinnern»nd wir hoffen, daß er in seinen inneren Anschauungen immer moderner werden wird, so daß er schließlich für eine völlige Enteignung allen Privateigentums eintritt, und wir ihn eines schönen Tages als unseren Genossen begrüßen können.(Große Heiterkeit. Zuruf.) Herr Dr. Röchling meint, er wäre auch für die Eni« eignung, unter der Bedingung voller Entschädigung, also Sie sehen, wir kommen uns schon näher.(Beifall.) Bei alledem verkennen wir nicht, daß die preußische Regierung sich in einer schwierigen Lage befindet. Die Polen vermehren sich, und die preußische Regierung hat Angst, daß sie schließlich ganz West- Preußen und Posen fast allein besetzen werden und folgert daraus Befürchtungen für die militärische Sicherheit Preußens. Diesen Kernpunkt der Frage hat Herr v. Rheinbaben 190? ganz richtig erkannt. Diese EntWickelung hängt auch garnicht vom guten Willen der Polen ab. Wir Sozialdemokraten verkennen also nicht, daß die preußische Regierung wohl berechtigt ist, in irgend einer Weise eine Lösung zu suchen, um aus(diesen Schwierigkeiten herauszukommen. Aber ist denn das, was die preußische Regie- rung tut, eine wirkliche Lösung? Wir sagen mit Herrn V. Heydebrand: wir wollen doch nicht Versteck tpielen I Wenn die preußische Regierung nach ihrem Programm wirklich bandeln will, muß sie darauf ausgehen, das polnische Bolkswm zu vernichten; dann sind alle ibre bisherigen Matznahmen, auch die Enteignung. nur halbe Mahnahmen. Zur Ausrottung der Polen süyien sie nicht, wohl aber erzeugen sie bei den Polen einen unauslöschlichen nationalen Haß. Wie furchtbar ein solcher Haß fich in Kriegszeiten entladen kann, sehen wir jetzt auf dem Balkan. Aber gibt es denn überhaupt Mittel zur Lösung dieser Schwierigkeit. Es gibt wohl eine Lösung, aber die kann der preußische Staat nicht ergreifen, diese Lösung heißt nämlich nicht Völkerhaß, sondern Völker« Verbrüderung, diese Losung heißt Internationalismus, heißt Sozialismus. Diese Lösung bedeutet, daß jedes Volk das Recht seiner nationalen Existenz hat. sein Bolkstum wahren. seine nationalen Eigentümlichkeilen pflegen darf und daß alle Böller «vir in einer großen Vülkerfainilie brüderlich beieinander leben. Diese Lösung wird der preußische Staat nicht eher finden und ver- wirklichen können, als bis er einmal zum Sozialismus weiter entwtckelt ist.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Riffen(Däne): Unser Rechtsempfinden ist durch die Eni- eignung aus politische» Gründen aufstief st e verletzt worden. Wir können darin nur eine Gewalttat erblicken, gegen die wir aufs schärfste protestieren.(Bravo! bei den Polen.) Di, Debatte schließt, der Gegenstand ist erledigt. Es folgen Petitionen, zunächst solche auf Verbesserung der VorrückungS- und Einkomm enS- vsrhSltniff« der Htlk»g,rtcht»diev«r sowie aus Teuerung»« zulagen, unliwdvare Anstellung und GehaltSbervesseeuNg der Unterbeamten. Die Kommission beantragt zum Teil Ueber- gang zur Tagesordnung, zum Teil Ueberweisung als Material. Ein sreikonservativer Antrag wünscht Ueberweisung zur Erwägung, Anträge der Sozialdemokraten und Fortschrittler, Ueberweisung zur Berücksichtigung. Dies wünscht auch bezüglich der Teuerungs- zulagen ein Zentrumsantrag, der verlangt, daß die Zahl der zu versorgenden Angehörigen berücksichtigt werde. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Die Bezahlung der Hilfsgerichtsdiener bleibt noch unter dem ortsüblichen Tagelohn, und da spricht die Regierung von aus- reichender Bezahlung I Für die Unterbeamten hat sie immer nur wohlwollende Redensarten, denen keine Taten folgen. Die Regierung und die großen Parteien des Landtages tragen die volle Verantwortung dafür, daß die Besoldungsordnung gegenüber den Unterbeamten jedes soziale Verständnis vermissen läßt. Die- selben Faktoren haben die Teuerung verschuldet, namentlich auch das Zentrum. Sie raten den Unterbeamten, mit Gott für König und Vaterland den Hungerriemen enger zu schnüre n. sOho! rechts.) Soll ein Volk, das der Staat aushungern läßt und unterdrückt, für ihn begeistert sein? Wir stellen Sie auf die Probe, ob Sie wirklich Wandel schaffen wollen, was Sie durch ein energisches Votum für die Petitionen tun können. Der Zentrums- abgeordnete B a r t s ch e r hat uns vorgeworfen, daß wir bei der Besoldungsordnung keine Anträge gestellt hätten. Damit will man die Sache nur verdunkeln, denn die entscheidende Frag« ist. wer für die Beamten eingetreten ist: das waren wir; und wer für seine Anträge keine Energie aufgewandt hat, das waren Siel(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Bartschcr(Z.): Die Sozialdemokraten wollen immer nur die anderen Parteien übertrumpfen. Die Behauptung, daß die Unterbeamten unterdrückte Proletarier seien, ist eine Ver u n g l i m p f u n g.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Die Be- amten haben auch das Recht, sich zusammenzuschließen und an das Parlanient zu petitionieren. Abg. Frhr.». Zedlitz(fk.): Das beste wäre die Ueberweisung der Petitionen an die Budgetkommission zur grundsätzlichen Prüfung. Die Verhältnisse der Unterbeamten sind nicht so schlecht, sonst wären nicht so viel Anwärter da. An der Be- soldimgsordnung darf für eine Reihe von Jahren nicht ge- rüttelt werden. Die sozialdemokratische Presse will nur die Beamten begehrlich und unzufrieden machen. Der Redner spricht weiter von Heuchelei, Gewissenlosigkeit. UnWahrhaftigkeit, Verhetzung der Sozial- demokratie, die nur den Kriegshetzer» in Frankreich Wasser auf die Mühlen liefere.(Abg. Dr. Liebknecht: Sie find der Ober- kriegshetzerl) Aon Unterernährung ist keine Rede. man kann aber erwägen, kinderreichen Beanitenfamilien Teuerungs- zulagen zu gewähren.(Beifall rechts.) Abg. Delius(Vp.): Dazu, daß sich der preußische Beamte als freier Mann fühlen kann, fehlt noch viel! Ei» Rcgicrungskommissar: Bei dem Kinderreichtum der meisten Beamten würden Teuerungszulagen unter Berücksichtigung der Kinderzahl sehr große Summen beanspruchen. Durch Teuerung«- zulagen würden wir die Teuerung als dauernd anerkennen. Bon den Maßnahmen der Regierung ist aber Abhilfe zu er- warten. Zunächst kann nur der lknterstützungsfonds angemessen dotiert werden. Die Unterbeamten sind pensionsberechtigt, also leine Proletarier, und sie sind auch nicht rechtlos. Wenn Herr Liebknecht andere Mitteilungen bekommen hat, so müssen sie aus Kreisen stamme», die infolge von Unfähigkeit ein böses Gewissen haben und die Kündigung befürchten. SuS disziplinarischen Gründen müssen wir an der Kündbarkeit der Unterbeamten festhalten. Abg. Heine(natl.) ist für eine einmalige Teuerungszulage. Den sozialdemokratischen Sirenenrusen werden die Beamten nicht folgen. (Brabo I bei den Nationalliberalen.) Ein RegierunzSkommissar aus dem Justizministerium betont, daß die ständige Vermehrung der Unterbeamtenstellen da? warme Herz der Justizverwaltung bewiesen habe. Abg. Schulze.Pelkum(k.): Die Besoldungsordnung kann nicht durchbrochen werden. Beamtenwünsche in vernünftigen Grenzen prüien wir wohlwollend. Die wichtige Frage der unkündbaren Anstellung der Unterbeamten muß in der Budgetkommisston geprüft werden. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird an- g e n o n» m e a. Abg. Wolkowski(k.) bedauert, durch den Schluß verhindert zu sein, seinen von dem seiner Freunde abweichenden Standpunkt darzulegen. Abg. Ströbel(Soz.): Auch ich muß bedauern, verhindert zu sein, auf die Angriffe des Abg. B a r t i ch e r zu antworten. Ich stelle fest, daß das Zentrum den eigentümlichen Anstand bewiesen hat, für den Schluß der Debatte zu stimmen, uns also die Entgegnung abzuschneiden. Ein solches Verhalten zeugt von außerordentlich viel Courage der Herren vom Zentrum. Sogar die Konservativen haben nicht für Schluß der Debatte gestimmt, sondern gerade die Herren vom . e n t r u m, die dabei engagiert waren und befürchten mußten, aß ihre Argumente widerlegt werden würden, haben nicht den Mut gehabt, die Antwort von sozialdemokratischer Seite zu er- warten. Das ist eine Handlungsweise, wie wir sie vom Zentrum ja gewohnt sind, aber die Antwort wird Ihnen doch nicht erspart bleiben. Es wird sich bald Gelegenheit finden, die Argumente des Herrn Bartscher als elende Klopfsechterei nachzuweisen. Vizepräsident Krause: Das letzte war keine zulässige Bemerkung zur Geschäftsordnung. Abg. Graf Praschma(Z.): Wir haben lediglich deshalb für Schluß der Debatte gestimmt, weil wir die Fragen für reichlich ge- klärt hielten: für die Beaipten draußen haben die polltischen Au§- einandersetzungen zwischen den Herren Bartscher, Ströbel und Hirsch kein Interesse. Abg. Hirsch(Soz.): Bestehen bleibt trotzdem, daß Herr Bartscher uns direkt provoziert und das Zentrum uns dann die Möglichkeit ge» nommen hat. auf diese Provokationen zu antworten. Abg. Bartschcr(Z.): Eher könnte von einer Provokation meiner- seits durch den Abg. Liebknecht gesprochen werden. «hg. Hirsch(Soz.): Herr Bartscher hat eine Menge neuer Argumente gegen uns vorgebracht. Er hat u. q. auf eine angebliche Aeußergng Bebels Bezug genommen, die er vollkommen aus dem Zusammen- hang gerissen hat und hat uns dann selbst die Möglichkeit ge- nommen, darauf zu erwidern. Das Urteil darüber überlasse ich dem Hause. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): DaS Vorgehen des Zentrums ist ein Beweis von Feig« heit(Vizepräsident Krause: Sie dürfen einen solchen Vorwurf einer Partei gegenüber nicht erheben!), jedenfalls ein Beweis von bösem Gewissen uuS gegenüber. Urber die Petitionen aus Gehaltserhöhungen wird zur To g«S, Ordnung übergegangen. Die Wünsche auf Teuerungszulagen werden zur Berücksichtigung überwiesen. Die Frage der Un- kündbarkeit der Unterbeamten wird an die B u d g e t k o m m» s s i o n verwiesen. Das Hau» vertagt sich. Nächste Sitzung Montag. 12 Uhr: Interpellation Dr. Arendt(sk.) über den Wagenmangel, Pe- titionen, Anträge. Schluß 4 Uhr. �_ Die KonsWgtnosstnschüft Kerliu lind Umgegeud hielt am Mittwoch ihre Generalpersammlung ab. Der Andrang der Mitglieder war so stark, daß der große Saal der Brauerei KriedrichShain kaum ausreichte, um alle Teilnehmer zu fassen. Schölt zu BögiNn Lei VkrsMKIuklg Mchkcn sich in eitler ku?z?N Geschäftsordnungsdebatte gewisse Gegensätze bemerkbar. Es wurde beantragt und schließlich auch beschlossen, die als ersten Punkt der Tagesordnung angesetzte Wahl zum Aufsichtsrat hinter den Geschäftsbericht zu setzen. Der erste Geschäftsführer Junger erstattete den Vorstands bericht, der gedruckt vorliegt und in Nr. 253 des„Vorwärts" im Auszuge veröffentlicht ist. Der Redner konstatierte eine außer- ordentliche Vorwärtsentwickelung im abgelaufenen Geschäftsjahre sowohl hinsichtlich der Mitgliederzahl als des Warenumsatzes. Eine Erweiterung der Produktionsbetriebe sei in Aussicht genommen, derart, daß die Verkaufsstellen nicht mehr von der Lichtenberger Anlage allein, sondern von drei Stellen aus versorgt werden können. Wenn man die Mitgliederzahl der Genoffenschaft mit den Mitgliederzahlen der Gewerkschaften vergleiche, dann zeige sich, daß noch ein großer Teil der letzteren der Konsumgenossenschaft bei- treten könnte, ohne es bisher getan zu haben. Der Redner schloß seinen ausführlichen Bericht mit dem Wftnsche, daß sich die Ge- noffenschaft weiter entwickeln werde, so daß Berlin an der Spitze des deutschen Genossenschaftswesens steht. Hierauf gaben die Vertreter des Aufsichtsrats, der Revisions- kommission und des Genossenschaftsrats ihren Bericht. Dann folgte eine sehr lebhafte Debatte.— Der erste Redner kritisierte die Ver- waltung, weil sie seiner Meinung nach nicht genug getan habe, um auf eine Senkung des Preises der Lebensmittel einzuwirken. Er verlangte, daß in der jetzigen Zeit der Teuerung mehr getan werde. Der Anfang, der mit dem Verkauf von Seefischen gemacht worden sei, befriedige die Mitglieder nicht. Die Mitglieder in Neukölln wünschten, daß durch Abgabe von Fleisch- und Wurstwaren zum Einkaufspreise auf die Verkaufspreise in den Schlächterläden herab- setzend eingewirkt werde. Der Wunsch sei nicht erfüllt worden, weil die Neuköllner den Genossenschaftsrat übergangen hätten. Der Genossenschaftsrat scheine es als seine Aufgabe zu betrachten, An- träge aus Mitgliederkreisen abzulehnen. Die Verkaufspreise seien teilweise so hoch, daß sehr viele Arbeiter in der Genossenschaft nicht kaufen könnten. Den Fleischbezug aus dem Auslande, den jetzt die Kommunen betreiben, hätte die Genossenschaft ebenfalls in die Hand nehme» können. Die Versorgung mit Kartoffeln hätte schon früher in Angriff genommen werden müssen. Die Genossenschaft könnte schon mehr Mitglieder haben, wenn sie hinsichtlich der Preis regulierung mehr getan hätte.(Beifall.) Adolf Ritter betont, auch er freue sich über den Auf- schwung der Genoffenschaft. Aber das sei nicht ein Verdienst der Verwaltung, sondern eine Folge der aufsteigenden Erkenntnis in Arbeiterkreisen von der Notwendigkeit der Organisierung des Kon sums. Man darf die Genossenschaftsftage nicht nur von der wirt schaftlichen Seite auffassen, sondern man muß auch ihre ideelle Seite berücksichtigen. Man soll den Mitgliedern nicht zu viel an wirtschaftlichen Vorteilen versprechen, denn wenn nicht alles, was versprochen wird, durchgeführt werden kann, dann schadet man der Bewegung. WaS nun die ideelle Seite der Genossenschastsbeweaung betrifft, so begeht die Verwaltung den Fehler, daß sie sich scheut, zu sagen, was ist. Der weitaus größte Teil der Mitglieder sind Arbeiter. Die sozialdemokratische Arbeiterschaft ist es, auf der die Genossenschaftsbewegung beruht. Wir mögen der Regierung gegen- über hundertmal betonen, wir find neutral, das glaubt man uns doch nicht.(Sehr richtig!) Man soll deshalb nicht so ängstlich sein, sondern sich ein Beispiel an den Gewerkschaften nehmen, die sich nicht scheuen, sich sozialdemokratisch zu nennen. Die Aengstlichkeit zeigte sich auch darin, daß man keinen Vertreter der Propaganda- kommission zum letzten Genossenschaftstag geladen hat. Kaufmann hat das ja zu entschuldigen versucht, indem er anführte, man hätte doch nicht die Propagandakommission von ganz Deutschland einladen können. An diesen Blödsinn, daß so etwas verlangt werden könnte, wird Kaufmann selber nicht geglaubt haben. Die Berliner Pro- pagandakommission hätte man einladen müssen, weil der Genossen- schastStaa in Berlin stattfand. Daß es nicht geschah, das liegt nur an den Personen.(Sehr richtigi) Als Mitglied der Propa- gandakpmmissiou muß ich es als eine Unanständigkeit bezeichnen. daß sie nicht eingeladen wurde. Mirus sagte, wir haben jetzt so viele Mitglieder, daß wir die Propagandakommission nicht mehr brauchen. Also sie soll überflüssig sein, nachdem sie ihre Schuldig- keit getan hat. Man hatte wohl die Befürchtung, wenn die Propa- gandakommission eingeladen würde, dann könnte auf dem Genossen- schaftstag eine zu radikale Begrüßungsrede gehalten werden, die Kaufmann unangenehm gewesen wäre.— Auch über den Aufsichts- rat ist manches zu sagen. Die Propagandakommisfion hat auch die Aufgabe, Beziehungen zwischen der Genossenschaft und den Bemerk- schaften herzustellen. Mücke und ich sind die einzigen, die diese Beziehungen hergestellt haben. Mücke aber ist jetzt aus seiner Stellung in der Verwaltung entlassen. Da er gekündigt hat, so ist formell alles in Ordnung. Aber damit ist diese Angelegenheit nicht erledigt. Meiner Ansicht nach hat der Aufsichtsrat den Genossen Mücke zur Kündigung provoziert. Man sagt, Mücke sei nicht kauf- männisch genug gewesen. Aber in Wirklichkeit scheint es Mückes Haltung in der Neutralitätsfrage gewesen zu sein, die zu Diffe- renzen mit dem Aufsichtsrat und zur Kündigung Veranlassung gegeben hat. Mücke hat bei seinem Abgang ein Zeugnis bekommen, was den Aufsichtsrat bis auf die Knochen blamiert hätte, wenn sich Mücke an das Kaufmannsgericht gewandt hätte. Ich halte auf- recht, was ich früher in der Gewerkschaftskommission gesagt habe: her Aufsichtsrat hat die Fühlung mit den Gewerkschaften verloren. Wir haben Hypotheken herbeigeschafft und sind nicht einmal benach- richtigt, was daraus geworden ist.— Wenn wir weiter kommen wollen, ist ein besseres Zusammenarbeiten zwischen der Genossen- schaft, den Gewerkschaften und der Partei notwendig, sonst gehen wir in Berlin wieder den Krebsgang,(Starker Beifall.) Der Vorsitzende S t ü h m e r bemerkt unter Widerspruch aus der Versammlung, was Ritter über den Genossenschasstag sagte, gehöre nicht zum Geschäftsbericht, und die Stellung der Genossep- schaft zur polttischci, Partei gehöre ebenfalls nicht hierher. Das Gesetz verbiete den Genossenschaften, sich mit politischen Angelegen- Helten zu beschäftigen. Wenn wir aussprechen, wir sind eine sozial- demokratische Genossenschaft, dann begeben wir uns auf das polt- tische Gebiet. Das dürfen wir nach dem Gesetz nicht. Stadthagen, mit lebhaftem Beifall begrüßt, führt aus: Nach dem Gesetz ist die Generalversammlung die höchste Instanz in allen Angelegenheiten der Genvssenschaft. Wir haben das Recht, die ganze Geschäftsführung des Vorstandes, des Aufsichtsrats imd anderer Organe oer Genossenschaft nach allen Richtungen hin zu besprechen. Ritter hat also in keiner Weise den ß 148 des Ge- Nvssenschaftsgesetzes verletzt. Dieser Paragraph spricht von An- trägen, die auf öffentliche Angelegenheiten gerichtet sind- Das geht ja nvch über Jagow hinaus(großer Beifall), wenn Ritter Handlungen und Unterlassungen des Vorstandes und Aufsichtsrats erörtert und der Vorsitzende sayt, das darf nicht fein, sonst werden wir bestrast,— Meine Ansicht ist. daß wir endlich in der General- Versammlung Stellung zu nehmen haben zu inneren Schäden, durch welche die Genossenschaftsbewegung in Berlin, die durch andere als den Vorstand und den AufsichtSrat außerordentlich gefördert worden ist, leidet. Wir müssen eine andere Art der �Verwaltung der Generalversammlung. Bei so wichtigen Dingen muß der Generalversammlung das Reckt der Entscheidung überlassen bleiben, gleichviel, was das Statut mit dem Gesetz oder vielleicht gegen dasselbe zuläßt. Da» muß um so mehr gefordert werden, da der Fall Mücke die tiefste Erbitterung hervorrufen mußte, weil hier die gewerkschaftlichen und genossenschaftlichen Grundsätze auf das fchiverste verletzt worden sind. Geht man so um mit einem Manne, der für die GenossenschaftSbewegung die größten persönlichell Opfer gebracht hat? Gewiß, das formale Recht ist gegen Mücke. Aber wer sich daraus beruft, der steht auf dem Standpunkt der Unternehmer und befindet sich in Widerspruch mit dem sozialistischen Gedankengang.— Im Geschäftsbericht ist der GenossenschastStag erwähnt, aber keiv Wort darüber, wie sich die Verlvaltung zu Gichtigen Dingen gestellt hak, die den Genossen� schaftstag beschäftigten. Wir finden nichts über die Ansicht der Verwaltung hinsichtlich dessen, was Stornier über die Arbeits« vermittelung vorgebracht hat. Den konservativen Abgeordneten und Vertreter des Bundes der Landwirte, Dr. Dade, einen der schlimmsten Scharfmacher und Arbeiterfeind, hat man zum Ge« nossen schaftstag geladen. Es war die Pflicht des Vorstandes und Aufsichtsrates, dagegen Stellung z». nehmen und zu erklären: Wir verlassen das Lokal, wenn solch ein Hetzer hier bleibt.(Beifall.)! In einem genossenschaftlichen, Liederbuch wird Schnlze-Delitzsch als Ideal hingestellt. Das hält man nicht für politisch. Aber jede Ver- bindung mit den roten Brüdern wird ängstlich gemieden. Das ist der Wind, der von Hmnburg, von Kaufmann und Müller, kommst Dagegen machen wir Front. Wir verlangen, daß andere Männer kommen und andere Statuten gegeben werden. Jetzt sagt man, wir haben nicht genug Mitglieder aus den Gewerkschaften. Als aber nach dem GenossenschastStag die Propagandakommission arbeiten wollte, da wurde ihr gesagt, wir haben jetzt einen so großen Mit« gliederzuwachs, laßt uns nur ein wenig Ruhe, wartet mit der Agitation. Als die Mitglieder in Kaulsdorf die Errichtung einer Verkaufsstelle beantragten, antwortete die Verwaltung, das ginge jetzt nicht, weil sie mit Ein- richtirng anderer Verkaufsstellen viel zu tun habe, man möge deshalb in diesem Jahre von einer weiteren Agitation, Abstand nehmen, Wenn dem Vorstande die Geschäfte über den Kopf wachsen, dann muß die Generalversammlung eine Aerfderuug verlangen. Gegenüber der Teuerung muß ein so großer Verein wie die Konsmn- genoffenschast mehr tun. Kleinere Vereine sind in dieser Hinsicht im vorigen Jahre mit Erfolg vorgegangen. So wurden in Noivawes Kartoffeln für 2,80 M. geliefert, als sie bei uns 4,40 M. kosteten. Uns fehlt der großzügige Geist, sozusagen ein Stück Werthcim. Auch die Abhängigkeit von der GroßeinkaufKgesellschaft wirkt hindernd in dieser Beziehung. Als vorhin ein Redner den Bezug von Fleisch aus dem Auslände verlangte, wurde gelacht. Ja, warum denn? Sind wir denn nicht eine Macht? Warum verlangen Sie nicht von der Regierung dieselben Vergünstigungen, die jetzt den Kommunen gewährt werden?— In einigen Kreisen, die nur Genossenschafter sind, sieht man mit Naserümpfen aus die Genossenschaster, die auch Sozialdemokraten sind. So ängstlich sind nicht einmal die Gerichte. Nach einem Landgerichtsurteil ist es durchaus zulässig daß Mit- glieder als Sozialdemokraten in den Vorstand gcwahli werden, Das ist, wie das Gericht anerkennt, kein Verstoß gegen das Ge- nossenschaftsgesetz. Also lassen Sie doch diese Furcht, man könnte uns als politischen Verein erklären. Das ist ja ausgeschlossen. Wir wollen selbstredend hier keine sozialdemokratische Agitation treiben, aber unsere Genossenschaft mit genossenschaftlichem, sozia- listischem Geiste erfüllen. Das Recht haben wir nach dem Gesetz. So demokratisch wie das Gesetz ist. muß auch unser Statut und unsere Verwaltung sei». Das alte Kleid paßt nicht mehr für die beutigen Verhältnisse; aber wir wollen keine Burcaukratie, sondern Demokratie in der Verwaltung, der heute jeder großzügige Zug fehlt. Ich beantrag«: Es ist baldigst eine außerordent- liehe Generalversammlung oinzube rufen, welche den Bericht der Siatutenberatungskommisston entgegenzunehmen und Stellumg zur Aenderung des Statuts zu nehmen hat. Ferner schlage ich zur Wahl in den AufsichtSrat den Genossen Ritter vor, der gcwrrk- schaftlich, und den Genossen Lau San t. der politisch tötig ist. Wir wollen frisches Blut in die Verwaltung hineinbringen und eine» innigen Zusammenhang zwischen den verschiedenen Organisationen der Arbeiterbewegung herstellen�(Sehr starker Beifall.) Mirus: Eine Vetternwirtschaft gibt es bei uns nicht. Das Statut sagt, daß die Vorstandsmitglieder und- die Angestellten durch den Genosse nschastSrat gewählt werden. Dieser wird von den Mitgliedern tzer einzelnen Abteilungen gewählt, er ist also eine dem«»- kratische Einrichtung. Da es nicht möglich ist, daß 60 000 Mit» glieder an der Generalversammlung teilnehmen,, so müssen Zwischen* glieder geschaffen werden. Derartige Einrichtungen haben ja auch die Gewer tschasten. Was das Verhalten zur Propagandakammiission betriffst so betone ich: In der ganzen Verwaltung ist niemand, der wünschen würde, tiaß das frühere Verhältnis zwischen der Ver- waltung und der Propagandakomimission gelöst wird. Keiner steht auf dem Standpunkt, daß wir mit der Propagandakommission nichts zu tun haben wollen. Wenn man behauptest wir stören das gute Verhältnis, so kann man dasselbe auch von der anderen Seite sagen. Die Einladungen zum Genossenfchaftstag sind nicht von uns, sondern vom Zentralverband ergangen. Wir sind also nicht verantwortlich dafür, daß die P r op a gan eakommi ssion nicht einge- laden wurde. Die Annahme, daß ich vielleicht von der Partei ab- gerückt wäre, weife ich mit aller Energie zurück. Auch ich wünsche ein Verhältnis der Genossenschaft zur Partei und die Einigkeit der ganzen Arbeiterbewegung. Was Störmer auf dem Genossenfchostsi- tag vorgebracht hat, beruht auf einem Irrtum. Wir stellen unsere Arbeiter nur durch die gewerkschaftlichen beziw. paritätischen Ar- beitsnachweise ein. Die angenommene Kündigung Mückes- war be- reits die zweite, ffr hatt« schon früher einmal gekündigt. Ich habe mich mit Händen und Füßen gegen den Eintritt in seine Stellung gesträubt und sie nur auf Zureden angenommen. Schon lange be- vor an meine Anstellung zu denken war, habe ich die Ansicht ver- treten, daß derjeniae, der für die Agitation angestellt wird— und das ist meine Stellung—, dem Vor stände angehören muß. DaS habe ich denn auch bei meiner Anstellung verlangt.— Der Redner widerspricht der Annahme, daß die Agitation nicht großzügig be- trieben werde und daß die Verwaltung keine Agitation mehr wolle. Falsch sei auch die Annahme, der GenossenschastSrat sei nur zum Abwimmeln da. Daß Anträge abgelehnt werden� komme doch über» all vor.— Wenn gesagt wurde, Kaufmann und Müller seien Leute, welche die Sozialdemokratie bskämpfen, so ist das nicht zutreffend. Beide sind Mitglieder der sozialdemokratischen. Organisation und waren hervorragend in der Partei tätig. Wenw die andere Seite bemüht ist» die guten Beziehungen mit uns aufrechtzuerhalten, so soll eS an uns nicht fehlen. Auch wi-r sind für Auffechterhaltung der guten Beziehungen und werden weiterarbeiten im Interesse der konsumierenden« Bevölkerung.(Schwacher Beifall.) Hierauf wurde die Versammlung vertagt und der Verwaltung anheimgegeben; zur Fortsetzung der Debatte, wenn möglich an einem Sonntagp ein« neue Versammlung einzuberufen. Marktbericht von Verlin am 80. Oktober 1918, nach Ermittelung de» kinigl. Polizeiprästdiums. Martthallenpretse.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—50,00. Speisebohnen, weis,«. 3«.00-eo.00. Linsen 85.00—60,00. Kartosseln lKI-inhdl.) 5,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchflcilch l. 50— 1,80. Schweinefleisch 1,60-2.20. Kalbfleisch 1.40-2,40. Hammelfleisch 1,40—2,40. Butter 2,40-3,00. 60 Stück Eier 4,20-6.50. 1 Kilogramm Karpsen 1,40—0,40. Aale 1,60— 8,90. Zander 1,40—3,60. Hechte 1,40—2,80. Barsche 1.00-8,40. Schleie 1,60-3,20. Bleie 0,80-1,40. 60 Stück Krebse 2,00-30.00. sM-lllM Frack— ** Borchardt. Friedrichstr 1181. am Oranienb. Tor. Tel.: Nord 741». 87140* Frack. Smoking. Gedrockanzüge, Chopeauelaque. surtedeFigurVass., vorrätig in oerschiedenen Pieislageii. SeKr groBe Auswahl, wäBige Preise. Von Job. Schulze, Greiz I, V. kauf. Sie sehr gut und billig neueste Kleiderstoffe iLfen. Reste n. Gewicht u. I. Kommission! 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In den Ausschutz zur Vorberatung des Antrags Arons(Soz.) betr. die Feuerwehrleute und die Feuerpolizei sind auch die Stadt- verordneten Brückner, Dr. Rosenfeld, Schneider, Stadthagen deputiert worden. In gemeinsamer Sitzung mit dem Magistrat unter Vorsitz des Oberbürgermeisters Mermuth erfolgt zunächst durch Zuruf die Wahl von 26 Mitgliedern und 12 Stellvertretern der Einkommen- steuer-Berufungskommission. Zur Beratung steht zunächst die Vorlage wegen Zahlung von Abfindungen aus dem Nachlasse der Witwe Stock- Haus. Die Vorlage hat schon in der geheimen Sitzung am 17. Ok- tober zur Beratung gestanden. Stadtv. Dove(A. L.): Es wird uns hier angesonnen, Ab- findungen zuzustimmen, die zwei im Testament nicht bedachten Personen zufallen sollen. Wir haben eine Aussprache darüber in öffentlicher Sitzung für nötig gehalten, weil die Praxis der Ver- waltungsbehröden die Testierfreiheit völlig aufzuheben droht. Im vorliegenden Fall ist die eine der beiden Personen überhaupt nicht mit dem Testator verwandt, die andere, eine verwandte Person, ist wegen Undanks des früher ausgesetzten Legats vom Testator wieder beraubt worden. Die Behörde verlangt nun die Berück- sichtiguna dieser angeblich zu Unrecht enterbten Person. Damit schreckt man von der Testierung zu gemeinnützigen Zwecken gerade- zu ab und führt eine Art Bevormundung ein, die wir uns nicht gefallen lassen sollten. Stadtv. Galland(A. L.): Das Gesetz, dessen Tendenz durch- aus zu billigen ist, wird auf diese Weise in seiner Tendenz über- trieben. Die Aufsichtsbehörde geht jetzt über die Berücksichtigung der Geschwister hinaus, sie verlangt auch die Berücksichtigung der Kinder der Geschwister und noch fernerstehender Verwandter. Vor- aussetzung des Gesetzes ist und bleibt, datz es sich um hilfs- bedürftige Angehörige und um Fälle besonderer Härte und Un- billigkeit handelt. Die Feststellung dieser Voraussetzungen erfolgt doch aber einseitig durch die Verwaltung und ohne eidliche Ver- nehmungen. Die Behörde weitz aber sehr wohl: der Bien mutz; wenn wir dem Zwange nicht weichen, bekommen wir zu der Schenkung die landesherrliche Genehmigung nicht. Hoffentlich führt diese öffentliche Erörterung Remedur herbei. Stadtv. Ladewig(N. L.): Seit dem Inkrafttreten des Bürger- lichen Gesetzbuches kennen wir auch nicht einmal ein Pflichtteils- recht der Geschwister. In der Praxis lehnt aber der Oberpräsident ob, die Genehmigung nachzusuchen,>wenn nicht alle, die einen An- spcuch geltend machen, berücksichtigt werden. Dabei geht der Ober- Präsident so weit, auch die ZKoral der Testatoren zu zensieren. Uns aber wird die Pistole auf die Brust gesetzt! Verständigerweise hat der Magistrat gegen die Verfügung des Oberpräsidenten re- monstriert. Um die Sache dem allgemeinen Urteil zu unterbreiten, sind wir in die Oeffentlichkeit geflüchtet. Stadtv. Dr. Rosenseld(Soz.): Ich kann durchaus den Vor- rednern beipflichten. Wir haben bei den verschiedensten Gelegen- heiten, wo ähnliche Vorlagen an uns kamen, erwogen, wie Beste- rung geschafft werden kann; auch wir meinen, nur der Appell an die Oeffentlichkeit kann helfen. Auch der Magistrat hat sich ja oft genug gesträubt, die Bedingungen des Oberpräsidenten zu akzeptieren, aber ihm ist schlietzlich auch nichts übrig geblieben. als dein Zwange sich zu fügen. Eine Denkschrift des Magistrats sollte über die grotzen Schädigungen, die die Stadt dadurch er- leidet. Auskunft geben. Allein in den letzten zehn Jahren sind den Armen oder sonstigen Bedürftigen auf diesem Wege Hundert- tausende entgangen. Mit Hilfe einer solchen Denkschrift können wir vieNeicht auch eher einen Erfolg erreichen. Stadtv. Mommsen(Fr. Fr.) verspricht sich von dem Wege über die Oeffentlichkeit und die Presse nicht allzu viel. Man sollte den Magistrat ersuchen, die landesherrliche Genehmigung erneut und ohne Annahme der oberpräsidialen Bedingungen zu erbitten, dann wäre abzuwarten, ob der Minister wagen werde, die Ge- nehmigung nicht zu befürworten. Die heutige Vorlage solle man ablehnen. Stadtv. Dave wünscht noch nähere Auskunft über die Trag- weite des Antrags Mommsen.. �, Stadtv. Dr. Rosenfeld beantragt zu diesem Zweck Ausschutz- beratung. Stadtv. Mommsen hält solche für überflüssig. Stadtv. Cassel(A. L.) ist der gleichen Meinung und schlagt vor, die Vorlage dem Magistrat mit dem Ansuchen zurückzugeben, von neuem darüber zu verhandeln, datz die Genehmigung ohne diese belastende Bedingung erteilt wird. Aehnlich äutzert sich Stadtv. Galland. Stadtv. Dr. Rosenseld: Drei bedeutende Juristen haben soeben etwa vier Meinungen geäutzert.(Heiterkeit.) Das spricht doch um so mehr für Ausschutzberatung; nur diese verbürgt e,ne ein- heitliche Beschlutzfastung. � 1... Bürgermeister Dr. Reicke: Wenn der Magistrat noch wertere Eck, ritte in der Sache tun soll, so mutz ihm die Vorlage zurück- gegeben werden.. � Nach weiterer Debatte wird im Sinne des Antrags Cassel oe- schlössen; auch Stadtv. Dr. Rosenfeld hatte sich zuletzt dafür ausgesprochen...... Durch Vorlage vom 17. Oktober hat sich der M-aglstrat dem Bcschlutz der Ver'ammlung vom 27. April auf Schaffung der Stelld eines besoldeten städtischen Medizinal- rats angeschlossen: die Stelle soll mit 15 000 M. Gehalt errichtet und gleichzeitig auch eine neue Stelle für einen u n b e s o l- beten Stadtrat geschaffen werden. Oberbürgermeister Mermuth: Die Vorlage will einen Streit auskehren, welcher die städtischen Körperschaften geraume Zeit m Anspruch genommen. Mein Amtsvorgänger ivar der-festen Ueber- zeugung, datz eine Vermehrung der Mitglieder des Magistrats grundsätzlich bedenklich sei. und suchte nach einem andcrweiten Aus- weg. Er führte die Direktorenvorlage unter Ihrem lebhaften Bei- fall hier ein. Aber gerade weil diese weitaus umfassender und bedeutender ist. kann sie der Beilegung der alten Meinungsver-- schiedenheit gefährlich werden. Die Organisation der städtischen Exekutive, die Minderung der Reibungen zwischen so vielen Or- flauen, die Vereinfachung, Erleichterung und Beschleunigung des Geschäftsganges, das alles sind Aufgaben, welche nickst nur eines kraftvollen Entschlosses, sondern auch eines bis ins- einzelne sorg- fältig durchgearbeiteten Planes bedürfen. Davon kann man die Erledigung der Medizinalratsfrage nicht abhängig machen; der Streit darüber möchte sich dadurch vielleicht mir verschärfen. Diese Erwägungen haben den Magistrat veranlatzt, trotz der fortbestehen- den Bedenken gegen eine Vermehrung seiner Zahl der EntWickelung des Medizinalwesens nicht weiter hinderlich zu sein. Er bletek Ihnen die Hand zu einer alsbaldigen und vorbehaltlosen Regelung. (Lebhafter Beifall.) Das Gleichgewicht zwischen besoldeten und unbesoldeten Mitgliedern soll zur Wahrung der Parität und der Selbstverwaltung beibehalten werden. Durch Ihre Zustimmung bitte ich Sie, die baldige Abfertigung der Vorlage zu ermöglichen. Auch der'neue unbesoldete Stadtrat soll sich über Mangel an nutzbringender Beschäftigung nicht zu beklagen haben.(Heiterkeit.) Die Vorlage trägt einem lange gehegten Wunsche der Versamm- llung im Geiste der Selbstverwaltung Rechnung, durch ihre baldige Erledigung werden wir einen Stein aus dem Wege räumen und den Weg zu neuer praktischer Zlrbeit eröffnen.(Wiederholter lebhafter Beifall.) Stadtv. Dr. Wehl(Soz.): Heute vor 14 Tagen haben wir aus anderem Anlatz anerkennen können, datz der Magistrat unter dem neuen Herrn grotze Umsicht und Tatkraft bewiesen hat; heute habe ich der auftichtigen Genugtuung Ausdruck zu geben, datz auch diese bedeutungsvolle Frage so schleunig erledigt werden soll.' Ich glaube, wir können frei nach Goethe bekennen: ,tEr gefällt uns wohl, der? neue Bürgermeister!"(Heiterkeit.) Die Sache ist nicht nur bedeutungsvoll dadurch, datz ein alter Stein des Anstotzes aus dem Wege geräumt wird. Schon 1856 stand auf Anregung der Armendirektion die Frage zur Erörterung. Was lange währt, wird gut; und datz die Frage heute spruchreif ist, darüber braucht nicht mehr des längeren gesprochen zu werden. Besonders bedeut- sam aber ist die Frage ihres inneren Wertes halber. Zur Er- Haltung des guten Rufes unserer hygienischen Einrichtungen, zur Förderung der gesundheitlichen Bedürfnisse unserer Bevölkerung ist es dringend notwendig, an die Spitze unserer vorzüglichen Einrich- tungen einen vollbesoldeten verantwortlichen Mann zu stellen. Sehr häufig haben wir ihn in der Krankenhausdeputation ver- mitzt. Wir haben ja schon einmal einen Mann in unserer Mitte gehabt, Rudolf Virchow, der zeitlebens als solcher gewirkt hat; nach seinem Tode aber mutzte unsere Fürsorge nach einem Ersatzmann um so lebhafter werden, und diesen Ersatz glauben wir in dem Stadtmedizinalrat zu finden. Die Staatsregierung hat unser Ver- langen, die Wohlfahrtspolizei uns zu übergeben, stets abgelehnt; jetzt wird uns wohl diese Uebertragung nicht mehr so leicht vor- enthalten werden können. Datz ein solcher Mann an der Spitze des städtischen Sanitätswesens sehr verdienstvoll wirken kann, sehen wir an dem Beispiel einer grotzen Menge anderer Kommunen. Die jammervolle Zersplitterung vieler unserer sanitären und hygie- nischen Einrichtungen wird jetzt planvoll konzentriert werden mit einer Organisation, an deren Spitze der Medizinalrat steht. Wir hoffen, datz für den Posten eine hervorragende Kapazität ge- Wonnen-werden kann. Er soll nach unserem Wunsch das Gehalt der technischen Magistvatsmitglieder erhalten. Der Magistrat hat 15 000 M. eingesetzt; dem von anderer Seite gestellten Antrag, ihn nach 3 fahren mit 18 000 M. zu dotieren, stimmen wir zu. Wir haben die Abschlagszahlung des Medizinaldirektors abgelehnt auch aus dem Grunde, weil sich ein hervorragender Mediziner als Untergebener des Magistrats sehr schwer finden würde. Wir stimmen auch dem neuen unbesoldeten Stadtrat zu, der der Parität wegen hinzugelvählt werden soll; aber es ist doch etwas Prinzipien- reiterei. gerade in den unbesoldeten Stadträten die besonderen Wahrer der Selbstverwaltung zu erblicken. Der neue städtische Medizinalrat mutz ein allseitig gut durchgebildeter Arzt sein, der auch insbesondere auf dem Gebiete der sozialen Hygiene mit Ver- ständnis und Interesse sich betätigt und unter allen Umständen ein grotzzügiger Organisator. In dem Wahlausschutz werden wir uns entsprechend mit dafür einsetzen, datz der richtige Mann gefunden wird. Stadtv. Cassel: Wir haben nicht geglaubt, datz diese Vorlage Bavanlassuiig! zu einer so langen Rede geben würde. Jedenfalls müssen wir dem Magistrat entgegenkommen, wenn- er die Parität zwischen besoldeten und unbesoldeten Mitgliedern wahren will. Wir können die Vorlage nur mit Freude begrützen. Wenn Kollege Dr. Weyl sagt, der neue Bürgermeister gefalle ihm, so können wir uns nur freuen, datz gerade e r das gesagt hat. Aber auch der ver- storbene Kirschner hat zuletzt der Meinung Ausdruck gegeben, er werde sich einem erneuten Versuch der Versammlung, einen Stadt- medizinalrat zu erlangen, nicht widerfetzen. Unsere Aufgabe wird es sein, die einlaufenden Meldungen genau zu prüfen, um so mehr, als man schon die Namen der angeblich in Betracht kommenden Kandidaten wissen will. Die Stelle mutz etwas besser dotiert werden. Von weitergehenden- Forderungen absehend, werden wir dafür stimmen, datz, entsprechend dem Antrag Mommsen-Kyllmann. das Gehalt nach drei Jahren auf 18 000 M. erhöht wird. Ich glaube, der Magistrat hat sich ein Verdienst erworben, datz er uns diese Vorlage gebracht hat, und spreche die sichere Hosfnuug aus. datz der- selben viel Heil und Nutzen für unsere Bürgerschaft entspringen wird.(Beifall.) Stadtv. Mommsen: Wir haben alle den Eindruck, datz aus samt- lichen Reden der Geist der Selbstverwaltung gesprochen hat. Da wir nicht alles allein machen dürfen, sondern die Genehmigung des Oberpräsidcntein dazu gehört, möge alles getan werden, um eine möglichst grotze Beschleunigung dieser Angelegenheit herbeizuführen, damit der Wahlausschutz eingesetzt werden kann. Stadw. Dr. Jsaac(N. L.): Auch wir begrüßen die Vorlage mit Freude und großer Genugtuung und sprechen dem Oberbürgermeister unsere Anerkennung aus. Es wird sich ja bald herausstellen, ob wir den richtigen Mann gefunden haben; be- währt er sich, so sind auch wir nicht abgeneigt, ihm sein Gehalt auf 18 000 M. zu erhöhen. Die Vorlage wird darauf mit dem Antrag Mommsen- K Y l l m a n n einstimmig angenommen. Die Erweiterung des Kuratoriums der Hand- werker schulen und der Baugewerkschule wird nach dem Magistratsantrage ohne Debatte beschlossen. Mit der Einsetzung einer gemischten Depu- tation zur Prüfung der R ea lk r e d i tf r a g e hat der Magistrat sich einverstanden erklärt. Der Errichtung eines ArmenamteS im Süden der Stadt gibt die Versammlung ihre Zustimmung. Schluß der öffentlichen Sitzung%8 Uhr. Der Minister weist ferner darauf hin, datz die Spareinlagen bei den Postkassen im Kriegsjahre um 42 Millionen gewachsen find, datz der Fleischkonsum der Großstädte zugenommen hat. datz das Aktien- kapital neugegründeter Gesellschaften in sechs Monaten des Kriegs« jahres 90 Millionen mehr betrug als in den vorbergehenden sechs Friedensmonaten und schließt mit dem üblichen Hoch auf die ita- lienische Rente, die in der Tat an Kursfestigkeit unter den ll�pro- zenligen Papieren ihresgleichen sucht. Aber was beweisen diese Zahlen? Den winschasilichen Aufschwung Italiens? Der ist eine unverkennbare Tatsache. Ebenso unverkennbar ist es aber, datz die durch den Krieg veranlasste Verwüstung sozialen Reichtums diesem Aufschwung schädlich gewesen ist und weiter sein wird. Datz sie es nicht vermochte, diesen Aufschwung lahm zu legen, beweist durchaus nichts gegen den ungünstigen wirtschaftlichen Einfluß des Krieges. Im übrigen ist die Bilanz eines Kolonialunternehmens nicht gleich nach seinem offiziellen Abschluß aufzustellen. Da wird sich noch manche recht komplizierte Rechnung zeigen. ) Huq Induftm und Handel. Ueber die italienische Volkswirtschaft im �riegsjahr. Die Zeitschrift.Finanza Jialiana" wird demnächst ein Interview mit dem Ackerbauminister, dem Rabikalen Nitti, über die Oekonomie Italiens im Kriegsjabr veröffentlichen. In den zwölf Monaten voin 1. September 1911 bis 31. August 1912 belief'sicv die Handelsbilanz des Landes auf 5602 Millionen Lire„mit einem Zuwachs gegenüb« der entsprechendeii Periode des Vorjahrs von 125 Millionen. Dieier Ziiwachs bleibt nur um weniges biuter dem des Jahres 1911 zurück, das nur drei Monate Krieg einschloß. Wichtig ist, datz die Ber- mehrung nicht die Einfuhr sondern die Ausfuhr betrifft. Die Aus- fuhr italieniicher Waren stieg um 178 Millionen, während die Einfuhr aus dem Auslände um 53 Millionen zurückging! Diesen Rück- gang führt N tti darauf zurück, daß das Vorjahr einen übermäßigen Zuwachs der Einfuhr gebracht hätte. Bon ausgeführten Fabrikwaren befinden sich nur die der Textilindustrie auf dem Abstiege; alle anderen haben ihre �Ausfuhr vermehrt. Im ganzen, meint der Herr Minister, übertriebe man die Schädigungen des Krieges. Allein'in der Lombardei und in Ligurien fielen in einem Jahre der Tuberkulose mehr junge Leben zum Opfer, als der Krieg vernichtet hat. Das mag zugegeben werden, aber was beweist das? Teils fällt der Tuberkulöse seiner geringeren organi- scheu Widerstandsfähigkeit zum Opfer, und fein Tod ist also für die Gesundheit und die Wirtschaft eines Volkes ganz anders zu beurteilen als das sinnlose Hingemähtwerden der Ge- sunden auf dem Schlachtfelde. Teils ist das ungünstige Milieu Ueberarbeit, Unterernährung, Luftmangel, also das soziale Elend für die Entsiehung der Tuberkulose verantwortlich, und gerade auf diese Steiblichkeit sollte sich Nitti am wenigsten berufen.! Mit den Hunderten von Millionen, die der Krieg verschlungen hat, hätte man in der Lombardei und in Ligurien Arbeiterwohmuigen bauen, Seeholpize schaffen, öffentliche Gärten anlegen können, die dauernd einen Teil der heute von der Tuberkulose Hingerafften hätten loskaufen können. Der Krieg dagegen hat Menschenleben und so-. zialen Reichtum zerstört und die Gewähr geschaffen für eine weitere Zerstörung an Leben und Besitz.> 1 Sozialea. Die öffentliche Verteilung von Wahlschriften für Gewerbegerichts-. wählen betrifft eine wichtige Entscheidung des Kammergerichts. Sechs Bergleute(Kauermann, Wohlgemut und Genossen) hatten anfangs Dezember vorigen Jahres unter den Bergleuten zweier Zechen bei Bochum Druckschriften verbreitet, die sich auf die Wahlen zum Berg« Gewerbegericht bezogen. In den Schriften waren unter anderem die Gründe erörtert, die für die Wahlen bestimmter Kandidaten und gegen die Wahlen anderer Kandidaten sprachen. Die Verteiler wurden angeklagt, weil sie gegen die KZ 10 und 41 des preußischen Pretzgesetzes verstoßen hätten, indem von ihnen eine polizeiliche Erlaubnis zu der Verteilung nicht eingeholt worden sei. Der 8 1� des preußischen Pretzgesetzes hat nach der Judikatur noch Gültig- keit in etwas abgeänderter Fassung, die er durch§ 30 Absatz 2 dcS Reichspretzgesetzes erlangt hat. Danach ist die öffentliche, nicht- gewerbsmäßige, unentgeltliche Verteilung von Plakaten, Bekannt- machungen und Aufrufen an eine vorherige polizeiliche Erlaubnis gebunden. Und die neuere Judikatur des Kammergerichts gcht dcu von aus, datz eine Unentgeltlichkeit dann vorliegt, wenn der Ve« teiler vom Publikum kein Entgelt erhält. Das Landgericht ia Bochum als Berufungsinstanz stellte fest, datz die Angeklagten vom „Publikum"— von ihren Abnehmern— kein Entgelt erhalten hatten. Es sprach gleichwohl die Angeklagten frei, aber lediglich im Hinblick auf Z 43 Absatz 4 der Geweickeordnung, wonach eine polizeiliche Erlaubnis nicht erforderlich sei für die nichtgewerbs- mätzge Verteilung von Stimmzetteln und Druckschriften zu Wahl« zwecken in der Zeit von der amtlichen Bekanntmachung des Wahl« tags bis zur Beendigung des Wahlakts. Hier habe es sich um Druckschriften zu Wahlqwecken gehandelt, und die Verteilung sei auch nicht gewerbsmätz�; gewesen, da die Angeklagten sie nur ein- mal und lediglich aus gewerkschaftlichem Interesse vorgenommen hätten. Datz es sich hier nicht um eine Wähl zu gesetzgebenden Körperschaften handelte, sondern um eine Wahl zum Gewerbe- gericht, sei vorliegend gleichgültig, da der hier in Betracht kommende Absatz 4 des Z 43 der Gewerbeordnung nur von Wahlzwecken allgemein spreche und nicht, wie Absatz 3, von Wahlzwecken bei der Wahl zu gesetzgebenden Körperschaften. Aus diesen Gründen recht« fertig« sich die Freisprechung. Das Kammergericht gab der hiergegen eingelegten Revision der Staatsanwaltschaft statt, hob die Vorentscheidung auf und ver» wies die Sache zu nochmaliger Verhandlung an das Landgericht zu» rück. Das Gericht führte aus: Das Landgericht würdige die Be» deutun« des Absatz 4 des§ 43 der Gewerbeordnung falsch, indem es ihn für sich allein betrachte. Er sei in Verbindung mit Absgtz 3 desselben Paragraphen zu beurteilen.- Absatz 3 besage:„Zur Per» teilung von Stimmzetteln und Druckschriften zu Wahlzwecken bei der Wahl zu gesetzgebenden Körperschaften ist eine polizeiliche Cr« laubnis in der Zeit von der amtlichen Bekanntmachung des Wahl. tages bis zur Beendigung des Wahlaktes nicht erforderlich." Nun füge Absatz 4 hinzu, daß dasselbe auch gelten solle bezüglich der nichtgewerbsmäßigen Verteilung von Stimmzetteln und Druck« schriften zu Wahlzwecken. Wlenn nun auch in diesem Absatz 4 wörtlich nur von Wahlzwecken gesprochen werde, so ergeben doch seine Verbindung mit Absatz 3 und die Materialien zum Gesetz. datz auch Absatz 4 sich nur beziehe auf Wahlzwecke bei Wahlen für gesetzgebende Körperschaften. Der Wortlaut des Absatzes 4 spreche nicht dagegen.' Somit entbinde auch Absatz 4 bei Wahlen, die nicht gesetzgebende Körperschaften beträfen, nicht von der polizeilicheir Erlaubnis zur Verteilung von Wahlschriften, sofern sie sonst er» forderlich wäre. Hier, bei der festgestellten, nichtgewerbsmätzigeii� unentgeltlichen Verteilung wäre sie nach§ 10 des preußischen Preß« gesetzes erforderlich, wenn sie zugleich eine öffentliche gewesen wäre. Daß sie öffentlich erfolgte, habe aber das Landgericht noch nicht festgestellt. Das Landgericht müsse dies nachprüfen. Werde die öffentliche Vornahme der Verteilung in der neuen Verhandlung festgestellt, dann seien die Angeklagten zu verurteilen, denn es se» bereits festgestellt, datz die Angeklagten von den Empfängern der Druckschriften nichts erhalten hätten, es sich also gemäß der neueren Judikatur um eine unentgeltliche Verteilung im Sinne des preutzi» scheu Pretzgesetzes handelte. Arbeitertouristenverein»Die Naturfreunde«. Ortsgruppe Berlin. Sonnlag, den 3 November, Wanderung von Barulh nach Paplitz, Forsthaus Wunder und Adlersborst, Neuhof. Abfahrt nach Baruth früh 6°° vom 9In» Halter Bahnhos(4. Älasse). Arbeiter- Wnnderverein»Berlin«. Wanderfahrt am Sonntag, den 3. November, nach Dahlewitz, Groß- und Klein-Kienitz, Mittenwalde, Schcnikendors, Königs-Wusterhausen. Abfahrt 8°' Uhr Potsdamer Vorort» bahnhof. Gäste willkommen. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeite» (G. H. 29), Hamburg.(Filiale Berlin 7). Mitgliederversammlung am Sonntag, 3. November, vorm. 10 Uhr, Pasewalter Str. 3, bei Preppernau. Tonischer Arbeiter< Abstinrnien- Bund. Oessentliche Ver- sammlung heute, Freilag, den 1. November er., im Gewerkschastshans, Engelufer 15, Saal V- Vortrag des Genossen Franke über:.Darwinismus und Marxismus". Diskussion.__ Eingegangene Druchrcbnften. Von der»Neuen Zeit« ist soeben das 5. Heft de§ 31. Jahrgang» erfchienen. AnS dem Inhalt des Heftes beben wir hervor: Nach dem Kriege. Von Friedrich Austerlitz(Wien).— Gülerprelfe und Schutzzoll. Von Ernst Andrse.— Das, was war. Eine Erwiderung von Rudolf Hilserdlng.— Teckmisch-wirlschaslliche Rundschau.— Literarische Rundschau.— Notizen.— Zeltschiistenschau. Von G. E. Die„Neue Zeil" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch» bandlungcn, Postmistalten und Kvhp ort eure zum Preise von 3,23 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Hest kostet 2ä Pf. Vom»Wahren Jacob« ist weben die Nr. 23 deS 29. Jahrgange» zugegangen, die u. a. ein Porträt des verstorbenen Genossen Bömcl, bürg enthält. Der Preis der Nummer ist 10 Pf. Probenummern find jederzeit durch den Verlag von I. H. W Dietz Nachs. G. m. b. H. in Stuttgart, sowie von allen Buchhandlungen und Kolporteuren zu beziehen. Bon der.. Gleichheit«, Zellschrist für die Interessen der Arbeiteritmen, ist uns soeben Nr. 3 deS 23. Jahrgangs zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Fortschrittliche Volkspartci und bürger» liche Frauenbewegung.— Die Frauen und die Wahlen zur Angestellten» Versicherung. I. Von F. 0. II. Von A. R.— Lebensmitteltcuernng und Unterernährung. Von L. Haasc-Frisch.— Der freie Sonnabeudnachinittag. Von Maria Hoppe. Schluß.— Das prolelansche Kind. Von Ick.— Wie die Beilagen: Für unsere Mütter und Hausfrauen und Für u«Je r e Kinder. Die.Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Ps., durch die Post bezogen beträgt der Wonnementspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pf.; unter Kreuzband 85 Pf. LabreSabnunemenl 2.60 38. Gvts-Krimltettkasse des Mattrergewerdes zu Berlin. Hierdurch wird auf Grund des S 67 des Stalut» bekannt gemacht, daß die Koise zurzeit 10 087 Mitglieder hat und nach ß SO des Statuts daher 1. aus der Zahl der Kaffenmitgliedcr 101 Vertreter, !i. aus der Zahl der Arbeitgeber 50 Vertreter für die Jahre 1913 und 1914 neu zu wählen sind. Wahlberechtigt und wählbar sind nur solche Personen, welche grob« jährig und im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte sind. Die Wahl der Vertreter der Kassenmitglieder findet statt am Tonntaa. den 3. November I91Ä, vormittags von 10— IS Uhr, im i7?ivertschaftsho!rs?. Eugelufer 15, Saal III, und die Wahl der Vertreter der Arbeitgeber am Montag, den 4. November iOlS. abends von 8—10 Uhr, Herrenhosen S- S— 6— M. w. ---------------" ach. tSeteNlcha Verleihung von elegante» ftrait« «eNlchaftsanziigeo. J.Wand er.rraitortMStr.116, �WWWgIWW>WWMWN»»> Sonnlgg» nur von 12—2 Uhr gegHnet.———8 Tli-s-Til Uasenatr. Offeriere in nur frischer, schöner Ware: Vnr ein Preis! Fette, junge pro Pfd .73. 8-16 Pfund schwer. 176118« Nur allererste Qualität! Gänserümpfe, V2 Gänse, fette Suppenhühner, junge Brathühner. Wezaer. K.r°»n-a.w.'«. Theater und Vergnügungen Freitag, 1. N o o e m der 1912. Anlang 7 Uhr. «gl. Opernhaus. Tristan und Aolde. Ansang VI, Uhr. Könlal. Schauspielhaus. Ein Wnssengang. Deutsches. König Heinrich IV. 2. Teil. Zirkus Albert Schumann. Gala- Vorstellung. Zirkus Wusch. Gala-Vorstellung. Aniang 3 Ubr. Urania. Daubenstrafte 48/49. Auf's Matterhorn. Hörsaal 8 Uhr: Profeffor Dr. P. Schwahn: Die Bewegungen der Himmelskörper.(Teil I: Von PlolemäuS bis Kepler.) Königgräner Strafte. Die sllns Franlfurier. Lefiing. TantriS der Narr. Kammrrspiele. Mein Freund Teddy. Schiller D. Die Kinder der Exzellenz. Srbt»»Vbarlottenburg. Flachs« mann al« Erzieher. Berliner. FUmzauber. Kleine». Magdalena. Residenz. Gemütsmenschen. Komödirnhaus. Die Generalsecke. Deutsches Schauspielhaus. Der gulsitzende Frack. Dbaiia. Auioliebchen. Theater am Nollendorfplatz. Or« pdeuS in der Unterwelt. Kurfürsten. Over. Der Kuhretgen. Kroll. Der Prinz Natzi. Montis Operetten. Der Frauen« sreffer. Luisen. Die gelbe Gefahr. Rose. Deutsch«Amerikaner. Herr» selb. Die Aipendrüder. Endlich allein. Metropol. Chauffeur-- inS Metropol. Trianon. Liedesbarometer. Easino. Der Grotzsürst. ReirtfShallen. Die Macht der Töne. Köntgftadt-Kaslno. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitaten. Apollo. Spezialitäten. Ansang 8'/, Uhr. Friede.- Will). Schauspielhaus. Geschlossen. LustlPirlliauS. Mein aller Herr. Folie» Enprice. Der keusche Joseph. Der Aehbock. Aniaug 8'/, Ubr. Neues Volksiheater. Liebelei.— Literatur. Antang 10 Uhr. Admiralspalast. Eisballett: Ivonne. »» Sternwarte, Jnvalidenftr. 57— 62. Passage. Spezialitäten. Schlller-TliealerO.nSS Freitag, abends 8 Uhr; Die Minder der Exsellens. Sonnahend. abend» 8 ilhi: Oes Pfarrer» Toohter von Streladorf. Sonntag, nachmittags 8 Uhr: Zopf and Schwert. Abends 8 Uhr: PlaeUuinan» als.Ersieher. Schiller-Theater""V«??."" Freilag. abends 8 Uhr: Plaolinniann als Erslelier. Sonnabcich. nachmittag« 3.10 Uhr: Voritell. des Vereins.Klaff. Theater": Wallentteln« Lager. Di» Picoolomini. Sonnabend, abends 8 Uhr: Ktfnlr Eear. Sonntag, nochmiltags 3 Uhr: Die JUdln von Toledo. Abend« 8 Ubr: Die Minder der Exsellens. Berliner Theater. 8 Uhr: Filmzauber. Montis Operetten-Theater (früher Senes Theater) Ab-nbS 8 Uhr: Der Frauenfreffer. kesitieni-Theater. 8 Uhr: 8 Uhr: (Semiitsmensehen. Schwank in 3 Allen von Fritz Friedmann-Frederich. Morgen und folgende Tage: Clenttttsmensehen. Luisen-Theater. Anfang 8 Uhr. Freitag: Die gelbe Gefahr. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Kinder« Vorst.: König Drosselbart. Abends 8 Uhr: Des andern Ehre. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Walzerksutg. Abend« 8 Uhr: Des andern Ehre. Montag: DeS andern Ehre. IOSE:THEATE Grotze Franllurter Str. 132. Abend« 3 Uhr: DtM-Amerikantr. Lebensbild in 5 Allen o. Georg Berger. Metropol-Theater. Abends S Uhr: Stau wen gestattet. Chauffettr-ins Jltetropol! Grohe JahreSrevu« mit Gesang und Tanz tn 10 Bilder» von I. Freund. Musik v. Rud. Wilson. Tänze arrang von Will Bisbop. In Szene gesetzt vom Direktor R. Schultz. Ab 8 Uhr. Feier des 50jähr. Bühnen-Jubiliiums Martin Bendtx. Zur Aufführung gelangt; Unsere Marine, die alte bekannte American- Theater-Posse. Oat populäre Finkenduett mit M. Bendia und E. Schnabel usw. MSIll 8 Uhr: Die mit beispiellosem Lacherfolge aufgenommene Novität Die Alpenbrüder. 10 Uhr: Endlich allein! Beide Stücke mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Vorverkauf 1t— 2(Theaterkasse). Reichshailen-Theater Stettiner Sanger. fZ*. Die Macht der Töne. Sonntag- nachm. 3 U. Oer Kompagnieball Passage-Panoptikum 8 Uhr: Die ffiüf Iranhfurtfr.■ Dat Naturwunder! Theater am Nollendorfplatz (Neues Schauspielhaus). Täglich abends 8 Uhr: Gaftpiel des Müncheuer Künstler-Tveater»: Orpheus tn der Unterwelt. Deutsches Schauspielhaus (Komische Oper). An allen Tagen der Woche 8 Uhr: Der Fat sltseode Frack. Die HEILIGE WEISSE NEGERIN und ihre»chwarre Priester- Schwester. Beide lebend ohne Extra- Entree zu sehen. Deutsches Opernhaus Charlottenburg.— Direktion: Georg Hartmann.— Bismarck, tr. 34/37. EröffnungsaVorstellung Freitag, den 8. November 1912, abends 8 Uhr: Pidelio. Sonnabend, den 9. November 1912, 8 Ubr abends: Fldello. Sonntag, den 10. November 1912, 8 Uhr abends: Fldello. Den Aktionären werden aal sohriftUches Ersuchen cu diesen Vorstellungen Billetts reserviert. Diese bis zum 2. November vorbestellten Billetts müssen bis 11 Uhr vor- mittsgs des der Vorstellung vorhergehenden Tages an der Theaterkasse gegen Kassenpreis abgenommen werden, da sonst anderweitig über dieselben verfügt werden müßte. Montag, den 11. November 1912, 8 Uhr abends: Erste Abonnementa-Vorstellung: Fldello. Beginn des Billettverkanfa für sämtliobo Vor- steUungen am Montag, den 4. November 1912. Die Theaterkasse ist geöffnet vormittags von 10—2 und naohmittags von 5—7. 175/2* Prelae der Plfttne: Orobestersita.. 8,— M. 2. Rang.... 3,30 M. 1. Parkett... 4,60 M. 3. Rang.... 1,70 M. 2. Parkett,.. 4,— M. Galerie.»,> 0,80 M. 1. Rang.... 6,— M. Eintrittskarten sind außerdem zu haben bei Hermann Viele, Leipziger Straße, und beim Invalidendank, Unter den Linden 24 i»WWWWWWWWWWWWWW wwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwv 1 Sonntag, den 3. November, in der Brauerei Frledrlchshaio: mr Konzert Mitwirkende: Berliner Konzerthaue-Oroheeter, 40 Musiker Dirigent: Franz v. Blon. Herr Julius Thornberg— Violine, 1. Konzertmeister des Philharmonischen Orchesters. — Kinder unter sechs Jahren haben keinen Zntritt.— Anfang pünktlich 6 Uhr- Eintrittspreis 75 Pf. Im Vorverkauf 00 Pf. l-tttaowatr. 76 BlÜthnCf" Sflfll LOtsowstr. 70 Sonnabend, den S. Siovbr. 1912, nbenda S'/i Uhr: SSKK Konzert des inner- Gesaiigiin LieUIel Berlin-West M. d. D. A.-B.-B. Chormeister: Fritz Stempel. Mitu/irlrcnHA• Prof- Em" Trlli, kgl. Kammervirtuos(Flöte), MltWirKenae. Max kRl Kammermusiker(Harfe). Konzertflügel: Blüthner. Eintrittabarten ä 1 M. bei den Mitgliedern, an der Kasse 1 M. 25 Ff. Saalöffnung 7>/, Uhr. 56/5 Kindern unter 10 Jahren ist der Eintritt nicht gestattet. Uraitia Tanbenatrafie 4(4/40. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Aufs Matterhorn! Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. P, Schwahn: Die Bewegungen der Himmelskörper.(Teil I: Von Ptole- mäus bis Kepler.) Theater Königstadt-Gasino. Holzmorflstr. 72, Ecke Alexauderstr. 1 Min. n. Bahnh. Jannowitzbrücke. Tägl. abends 8, Sonnt 5 Ubr: Das große Novitäten-Pro- gramm und Marich aufs Staudesamt. Groge Posse tn 1 Akt &..Clou" Mauftrsfraßft 89. Z •• •• :: Berliner Konzerthaus MsuerstraBe 82.— Zimmerstraße 90/91. Heute: Doppel-Konzei*i! Berliner Konzerthaus-Orchester v.S;:K�p. Musiko. l. Garde-Drag.-Regts. ob®mgBiirz. Anfang 8 Ehr. Eintritt 50 Pf. Anfang; 8 Ehr. An allen Wochen- I�AteToae*!- hei freiem tagen naohmittags: mAJlJPO BVmiAvrt. Eintritt. Union- Theater Haitia io allen(ttzif UcUlc t'nlon-Theatorn Uraufführung: Wenn die Maske fällt. Schauspiel in 3 Akten von Urban Oad. In der Hauptrolle: Außerdem die übrigen Film-Neuheiten. Casino-Theater Lotdringer Sir. 87. Täglich 8 Uhr: DaS jenjattonelle Oktober-Programm Robert Nieeoemann, Berlins Liebiingshumorist mit neuen Schlagern. Riesen. Lacherjoig de« S- Der Großfürst. Sonntag 4 Uhr: v diese Männer! Boigt-Theater. «eiundbrunnen vadstrahe 58. Freitag, de» 1. November 1312: Ueber'n großen Teich. Lebensbild mit Gesang in 4 Alten von A. Philipp. Kaffeneröffnung 7 Uhr. Ans. 8»/. Uhr. öerlillerXilllll'vfsuerMuszekM HermannstraBe 214/18. IVenkÖlln Fernspr.: Neukölln 79. Ab heute, I. November cr.s_ Z? Neue Bewirtschaftuns-ZU Gute Küche u. Getränke. Anprenehmer Familienaufenthalt. 4 Kegeibahnen. „"Sil Künstler-Konzert Den verehrl. Vereinen, Gewerkschaften, Korporationen usw. stehen Säle zur Abhaltung von Versammlungen, Konzerten, Festlicbkeiten nsw. zur Verfügung. Um geneigten Zuspruch bittet hochachtungsvoll Robert Bergner, oekonom. Zirkus jllbert Schumann. Heute Freitag, 1. November, abends 7'/, Uhr: Gr. Gala-Vorslellang. ü. a.: Xcu tttr Berlin! Reiter-Pbantasie Kamelen und 1 arabischen Sobimmelstute anter Leitung v. HL A. Blumenfeld. TIN»& Dolly, Diabolospielerinnen. Em O1/, Ehr: u. JVCU Tripolitiinlselie auf 8 Kamelei Oat griKte und sohöntie Aua- stattungsstQok der Gegenwart Zirkus Busch. Heute Freitag, 1. November, abends 7'/, Uhr: DKaptt.! Spaulding. Die Experimente Spauldlngs sind ennnto mysteriös wie unerreleht. Um sie zu glauben, muß man sie gesehen haben. Debttt! Alban sensationelle Kopffahrt dorob den Zirkusraum. Debüt! Die nnvergL Toarblllon«, akrobatische Ladv Cyolists. Neueste Produktionen! Ferner: Die 8 Blackbnrna, neue freistehende Luftdeiter- »rbeit aal dem SohiSsmast, sowie das gesamte groBe Gala-Programm! Zum Schiaß; Unter Gorillas Große Pantomimen• Burleske in 4 glänzenden Bildern. Avis! Sonntagnachmittag; (Jäter Gorilla« ungekürzt. z irkus Barum| nebst großer Erstki Erstkl. Plenieniaterial! Neukölln{ÄrÄi s. 1' No. 1763. Täglich abends 8'/, Uhr: Vorstellung:. GroUattadtprosranini. AM" Zirkus ist geheizt."BAS Folies Caprice. Zum Male Die drei Schlaoer: - Der keusche Foseph.-- Der Rehbock. Der Einbrecher. Trianon-Theater. Abends 8 Uhr: LiebeSbarometer. Für den Jnbat» ! die der Jniera»« übernimmt die Redakttou dem Vublikum gegenüber teineriei Berautwortnng- Todes-Anzeigen Sozialdemokratischer Wahlvereio I.d. 2. Berl. Reiehstagswalilkreis. Am Mittwoch verstarb unser Mitglied, der Bauanschläger JuBius E&etz Kotwuser Damm 6, Bezirk 137. Die Beerdigung findet Sonn» abend, nachmittags 4 Uhr. von der Halle des ThomaS- KirchhoseS. Hermannstrabc, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 208/18 Der Vorstand. SozialdemokratiseberWaiilyerein Id. UerLReichstagswahlkreis Görlitzer Viertel. Bez. 146 I. Den Mitgliedern zur Nachricht. dab unlere Venosfin Ldaflotte Mauff Naunynstr. 68, gestorben ist. Ehre ihrem Andeuten i Die Beerdigung findet am Montag, nachmittags lJ,i Uhr. von der Halle des Luisen-Kirch. hoseS, Bergmannstrabe, aus statt. 220/16 Der Borstand. SoziaidemokratiseiierWablyerein I, d. 6. Berl. Reictislagswahlkreis Am 28. d. M. verstarb unser Genoss«, der Gchleiser Franz Janke Liebenwalder Str. 43. Ehre seinem Andeuten l Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 2. d. SR., nachmittag» Z'l, Uhr, von der Halle des städt. Fr>edhoss. Seestrabe. Ecke Müller. strabe, au» statt. Um rege Beteiligung- ersucht 233/16 Der Borstand. DeatseherMetailarhfMerband Verwaltungestelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dab unser Mitglied, der Monteur WUK. Martinke Driesener Str. 6 am 28. d. R.«rMterenlekden gestorben ist Die Beerdigung findet am Frettag, den 1. November, nach mittag» 2'/, Uhr. von der Leichen- Halle de» Gelhsemane-Kirchhos«» in Ntederschönhausen» Nordend au» statt.___ Ferner starb unser Ritglied. der Schleiser Franz Janke Liebenwalder Str. 43 »m 29 d.M. an Nierenleiden. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 2. November, nachmittag» 3'/, Uhr. von der Leichenhalle de« städtischen Fried. hose« in der Müllerstrabe, Ecke Seestrabe. au» statt. Ferner starb unser Mitglied. der Bauanschläger Julius Metz Kottbuser Damm 6 am 00. d. M., an Magenleiden. Dt« Beerdigung findet am Sonnabend, de» L. November, nachmittag« 4 Uhr. von der Leichen- Halle de» Thomas-Kirchhose» in NsükSlln, Hermannftr., au» statt. Ehre ihrem Andenten! Rege Beteiligung erwartet 126/7 Die Ortsverwaltung. Zentral-Kranken- n. Sterbekasse der deutseben Wagenbauer. •£. H. Filiale NeuaBlln II. Nachruf. Am 25. Oktober verstarb unser Mitglied, der Tischler Willi MachoW (Weichselplatz 3). Ehre seinem Andenke« k 258/6 Die Ortsverwaltung. Für die vielen Beweise herzlicher- Teilnahme bei der Beerdigung unseres lieben Sohne» Fr wss in sagen wir allen daran Beteiligten herjlichsten Dank. 66A Familie Radtke. Billige Angebote kaltfcarsz, bswihrter aad r«t*ItaoB4«r Berufs-Kleidung Manchester-Anzüge II on w � 60, fi 75 Marke Gambrinus. AenBerst dauerhaft, warmget. Wesle�/�W/ Hose\/s'-� M frlfn I PC- f n Allein- Verkauf. Gestreift oder. nCIKUlca i-iCUCI-I lUacn gjokarbig. Kernig und stark. A CO Beste Arbeit. Bund ans einem Stück. Schwere Taschen........ M. 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M. im Alter von 36 Jahren durch Unlall verstorben ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 8. November, nach. mittag» 2>/, Uhr. von der Leichen. Halle de» Matthias. Friedhoie», Martenböhe bei Mariendorf. au» statt. 68/3 01. Bezlrksverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die herrlichen Kranz. wenden bei der Beerdigung meine» lieben Manne» und guten Vater» Kodons Rosin sagen wir allen Verwandten Freunden und Bekannten sowie dem Gesangverein.Namenlos-, w« besonder« Herrn Wiehl« sür die trostreichen Worte am Grabe de« Entschlasenen unseren tietgesühlteften Dank. 75A Agnes Rosin geb. Eeksrt. Slarthn Rosin. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meine» lieben Manne», unseres guten Bater» und GrobvaterS Koni Anders sagen wir allen Beteiligten, vor allem der Hauptexpeditton, den Alten, den Spediteuren, den Botenfrauen uud den Funkttonären Moabits, den Be- zirken des 6. Wahlkreise» und dem .Männerchor von Moabit- unseren heizlichilen Dank. 41a vis trauerniieD HinterbliebeneD Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meine« lieben Manne» sage ich Verband besten Dank. Alfred Enlgk allen Kollegen, sowie dem « der EtaatSarbetter meinen 37A irrmi EnlgU. Or.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prlnienstr. 41,.'SA 10—2. 6—7. Sonntags 10—12. 2—4 Nachruf. Hierdurch erfüllen wir die traurige Pflicht, bekannt zu geben, daß am Mittwoch, den 30. Oktober 1912 unser Belriebsleit« Friedrich Appelt aus dem Leben geschieden ist. Dir verlieren In ihm«wen humanen und gerechten Vor. gesetzten und werden demselben ein ehrende» Andenten bewahren! vi« Arbeiter der Firma Deatscb-Oesterrcichiscbe Geldschrank- and Aatomatenbau. Gesellschaft a. d. H. Berlin-WelBensce. 1061b Ist» i» Zwelgveretn Berlin. Sektion der Bauhilfsarbeiter. Sonntag, den 3. November, vormittags 10 Uhr: Mitglieder-Versammlung in Anton BoekerS Festsalen, Weberstrabe 17. Tagesordnung: 1. Vortrag de» Genossen Dr. Mose»:»Der Kinderreichtum im Nrbeiterbaus.- 2. DtSkussion. 3. Vorschläge zu VerbandStagSdelegierten. 4. SeltionSangelegenheiteu. 147/1 _ Die SektionSleitung. Sonntag, de« 3. November, vormittags 10 Uhr. in den Industrie Festsalen, Beuthstrabe 19/20: Mitglieder-Versammlnug der Mordroaurer. i. Die Lohn- maurer. 2. Die Vorgänge Zehlendorf. 3. Verschi Tagesordnung: und Arbeitsbedingungen der Akkord auf de« chiedene». j Bauten der Aktiengesellschaft in Die Sekttouslettnng. Oeffentliche Frage: & Wo» Wie in Berlin N die vorteil hafteste Bezugsquelle für ■r Brunnen- e Otto Str. 120 Nur Piehl Otto Piehl liefert reell und kulant Billigste Kassaprefse, trotzdem kulante Teilzahlung KOchen. 48-180 M. Sofas.. 52-480 M. Büfetts 125 550 M. Vertikos 38-72 M. Betten nn 35-75 M an Stühle von 2.00 M. an Komp!. EinricMung von 230 M. an. 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Vortrag de« Kollegen S t e r i n g über:„Rnllrnnllrleg nn«» Wirtschaftskrise". 2. Diskussion. 3. vranchenangelegenhiiten und Verschiedene». Der wichligen Tagesordnung wegen ist e» notwendig, dab die Kollegen und Kolleginnen zahlreich und pünktlich erscheinen. Sonntag, den 8. November vormittags 10 Uhr: Versammlung ollft im 15. Ktzirlt btslhöstigtev Eisen-, Metall- und Revolverdreher somit Kundschlelfer in dem Lokal von Sachon, Müllersttatze, Ecke Seestratze. Tagesordnung: 132/6 1. Die Lohn, und Arbeitsbedingungen der Dreher in den Berliner Betrieben und welche Maftnahmen wüsten z« einer Bcsteriing ergriffe« werden. Reserent: Kollege Müller. 2. Diskussion. 3. Wahl de» BezirkSobmanne». 4. Verschiedene». Kollegen In Anbetracht der sehr wichtigen Tagesordnung erwarten wir. dab alle rgen unbedingt pünlMch erscheinen.| Die Ortsvcrwnltnng. Zeitnngs-Ausgabestellett und Inseraten-Annahme. Zücntrun«: Alberl Höhnisch, Rckerftr. 174, am Koppenplatz. 8. Wahlkreis. W.: Gnst. Schmidt. Kirchbachttr. 14. Hochparterre. S. und 8Vf.: Hermann Werner. Gneiienaustr. 72. 3. Wahlkreis: St. Frttz. Vrinzenstr. 31. Hos recht« Part. 4. Wahlkreis: Oft« n: Robert W«n g el». Gr. Franksurterstr. 120. — Richard Hackelbusch, PelerSdurgerplatz 4(Laden). 4. Wahlkreis. Südosten: Paul Böhm. Laufitzerplatz 14/15. v. Wahlkreis: Leo Zucht, Jmmanuelkirchstr. 12(Hos). «. Wahlkreis(Ülcahit): Karl Ander», Salzwedelerstr. 8. Weckcklng: I. H ö n i< ch. Razaretbkirchitrab« 49. Rosenthaler und Oranienhnrgor Vorstadt: Wtlhetm B a u m a n n, Rheinsbergeritr. 67, Laden. vesnackhraanen: Fischer, Basttanftr. 6, Laden. dtehhiihaaser Vorstaat: Karl Mar», GreisenHagentr Str. 27, �«Ilershof: Karl Schwarzlose, Bismarckstr. 50. glt-vllenteke: Wilhelm Dürre, Köpenickerstr. 6. Raninsehatenweg: H. Hornlg, Marienlhalerstr. 13, 1. Beraa», Köntgental, Zepernick, SchOnow, Schon- brück und Buch: Heinrich B r o s e, Mühlenstr. 5, Laden. Bohnsdorf, Valkeuherg und Valkenhezrst: Alois Laus, BobnSdors, WenossenschastSHau».Parodie»-. Charlotten!»»rg: fflustav Scharnderg, SesenHeimerftrab« 1 Eichwalde, Schinttckwltz: OSkar Mahle, Slubenrauchstr. 99. Erkner, Xeu- Zittau: Enist Hossmann, Frildrich«hagener Chaussee. PrederMdort-Petershagen, Eggersdorf: E. H ö s e l b a r t h, PelerShagen. Eriedenun, Stcglltx, Südende, BrcB- l/lchterfcldc, l.ankw itz: H. B« r n i e e, Alsenstr. 5 w Sieglitz. ErtcdHehshagcn, Elchtenua, Rahnsdorf, Sehvaelehe, Kl.-Schviiebeck: Ernst Werkmanu, Köpenick» Strabe 13. «rünan: Franz Klein, Friedrich str. 10. ■Johnnntsihat, Rudow: Pteticke, Kaiser-Wllhelm.Platz 6. Karlshorst: Richard Stüter, Rödelftr. 9, II. Künlgs• Wnsterhausen, Wildau: Friedrich Baumann, vahnhosstr. 13. livpentek: Enfil W ibler. Kietzerfir. 6, Laden. Elentenherg, Erfedrteksfelde, Bohensehvnhaasen: Otto Settel, Wartenbergwabe 1(Laden). Aaklsdorf, Banlsdorf, Biesdorf: P. Hebberg, KaillS« dors, Ferdinandstrabe 17. Rartendorf: August Leip, Cbausseestr. 296, Hos. Bartenfelde: Emil Weinert, Berliner Str. 114 II. �caenhagen, Boppegarten: Gustav L e y. Wolterstrahe. SicaküIIn: M. Heinrich, Neckarstr. 2, im Laden: Neukölln. Britz: Rohr, Siegsriedstratze 28/29. Fleder-Eehine: Karl Freitag. hieder-Sehünewelde: Wilhelm Unruh, Brückenstr. 10, II. ow aw es: Wilhelm I a p p e, Friedrichstr. 7. vher-Sehvneweide: Alfred Bader, Wilhelmwenhosstr. 17, II. Pankow, h'federsehvnhansen, Kordend, Frz.-Bnch- hol«, Blankenburg: R i b m a n n, Mühlenstr. 30. Reinickendorf- Ost, Wilhelmsrah und Schvnhol«: P. G u r s ch, ProvWzftr. 56, Laden. Buninielshurg, Bombagen, Stralau:A. Rosenkranz, Alt. Bombagen ä«. Sehenkendork b. KönigS-WusterHausen: Chr. Hantschke, Dorf- strage 10. Schüneberg: Wilhelm B ä u m I e r. Marttn Littherstr. 69, im Laden. Spandau, Nonnendaium, Staaken, Seegefeld und Falkcnhagen: Koppen, Breiiesu. 64. Tegel, Borsigwalde, Wittenau, Waidniannaluat, llernisdort. Hohen• Keucndorf, Birkenwerder, Freie Scholle u. Keinlckondorf- West: Paul ttienast, Borsigwalde. Räuichstrab« 10. Teltow: Wilhelm B o n o w, Teltow, Berliner Str. 16. Tempelhol: Job. Krohn. Borusfiastr. 62. Treptow: Rvb. Wramenz, Kaesholzstrabe 412, Laden. Welüensee, Belnersdorf: K.Fuhrmann, Sedanstr. 105, Part. Wilmersdorf, Ualensoe, Schmargendorf: Paul Schubert, WihelniSaue 27. Zeuthen, Blersdork: Ernst H Ü t t i g, Zeuthen. Miersdorfer Str. 14. Eätnttiche Parteitileratur sowie alle«illenlchasllichcn Werke werdcll geliesert. v �Gipp/Sfes.S&ku}iwctpeii&ii& ftir-, G e/e gfer zA g//ö Aa u/b JRafcnihalet*£ir ffaf7nfJOI- ßörse i Z. Geschäft: Grosse Prankfurtar-Str. 110 xwlscben Andreasstrasse und Strausberg«- Platz. 3, Geschäft; Charlottenburg, Nehring- Strasse 34(Ecke Magazinstr.). Kaufen Sie jetzt! 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Wahl des Vorstande«(8 Arbeit- geber, 6 Arbeitnehmer). S. Wahl von 8 Revisoren zur Prä, sung der Rechnungen des Jahre» 1912. 4. Beschlntzfafsuna üb» den Antrag deS Borstand« uf Zulaffung der Kasse gemätz Artifel 17 und 18 deS SmsührungsgesetzeS zur R.-V.�. S. Verschiedenes. 280/13 Gustav Laetfch, Robert Trestler, Vorsitzender._ Schristsührer. Ortskrankenkasse für Folgender Nachtrag hat die Seneh. migung des BezirksauSauSschusie» erhallen und tritt mit dem heutigen Tage w Kraft: Sechster Nachtrag zu den Gahuugen der Ortskraukeukaffe s. Ottober 1903 für Pankow vom ig.J�1904 beschlösse» in der Generaloers amm- lung vom 27. November 191L § 14, Absatz 3. Die Worte von .die Hälfte' bis.Betrages' werden gestrichen und dafür folgende Worte eingesetzt:.den im§ 13, Ziffer 8 al» Kranlengeld festgesetzten Betrag.' § 14, Absatz 4. Statt.10. Teil» soll gesetzt werden ,5. Teil'. § 20, Absatz 1 erhält folgende Fassung: Für den Todesfall eine» Mitgliedes gewährt die Kasse ein Sterbegeld, und zwar: a). Für Mitgl. d. 1. Klasse 135— R. d)... 2.. 105.-. c)...6.» 76,—. d),,. L, 52,50, ). 5. 60,- Vorstehender Nachtrag tritt nach erfolgter Genehmigung mit dem Tage der Veröffentlichung durch den Vor. stand in Kraft. 280/17 Serlin.Panlo«, 1. November 1912. Ott« Ristmanu, Vorfitzender. Neitei'-llsMei'- Mi Solidarität Ortsgruppe Berlin. Tonren zum Sonntag, de» 3. November. 1. Abt.: 1 Uhr: Mönchmühle. Start: Bülowftr. 58. 2. Abt.: 7 Uhr: Alt-Töplitz. 1 Uhr: Wannlee(Fürftenhof).«tart: Schön. leinstratze 6. 3. Abt: 12 Uhr: Hirfchgatten(Kar. iossel- und Heringstour) j bei schlechtein Wetter per Bahn. Statt: Laufitzer Platz 12. 13/5 5. Abt.: 2 Uhr: PichelSwerder (Alter Freund). Start: Elystum. 6. Abt.: 10 und 1'/, Uhr: Adler». Hof(Wöllstein). Statt: Oderberger Strasse 28. 7. Abt.: 1'/, Uhr: WeidmannSlust (.SchwelzerhauS'j. Statt: Schul- ftratze 29. 8. Abt.: 12»/, Uhr: Buch. Start: Stephanstr. 11. 10. Abt.; 1 Uhr: Zehlendott(Be- sichttaung de« Erziehungsheim». Statt: Gr. Frankfurter Str. 30. Achtung!. Durch die Ereignisse auf der Ballanhalbinfel veranlasst, haben wir das Thema zu dem am B u ss t a g in der.Neuen Well' stattfindenden Lichtbildervortrag geändert wie folgt. Reisebilder aus dem Balkan u. a. auch aktuelle Bilder am Kriegs. schauplatz.— Näheres: Inserat am 17. November im.BorwättS'. Charlottenburg 2 Uhr nachmittags: Bannfee. Zahnarzt Dr. med. Wilhelm Klausner in Wien approb. :: verzogen nach:: Flensburger Str. 28 Sprechstunden für Kassenpatienten 9-10, 3-4. |!t.256. 29. IahtMtz. 3. Dtilagt des Jimirts" Knlim litluMilt. Ittitits, 1. Dweindcr 1913. Zur Grfatzwal)) im I. Berliner ßei(l)$tag$wal)ll November, stattfindenden Wahlen zu der Privatangestellten-Veesichernng wollen sich diejenigen Ge- Nossen, die an den Wahlarbeiten teilnehmen wollen, am Sonnabend abend 8 Uhr bei Nickenhagen, Scharniveberstr, 80, zwecks Informierung einfinden. Schildow(Kreis Nlederbarnim). Neber Tcucrnng und Kriegsgefahr referierte in der am 27. Oktober stattgefundenen öffentlichen Versammlung unter freiem Himmel Ge- nosse Dr. lbtoses, Berlin. Dem Vortragenden wurde von den zahl- reich erschienenen Besuchern, die sich trotz strömenden Regens ein- gefunden hatten, reicher Beifall gezollt. Eingeleitet und geschlossen wurde die Versammlung durch Gesang des Gesangvereins„Zukunft", Nieder-Schönhausen. Z»r Aufrechterhaltung der Ordnung waren nicht weniger als fünf Polizisten erschienen. Köpenick. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Im Juni 1906 stellten untere Genoffen den Antrag aus Einführung des achtstufigen Schul- systems in den Gemeindeschulen, und nachdem dieser Antrag ab- gelehnt worden war, beantragten sie die Errichtung von Selekten; dieser Antrag fand Zustimmung. Jahre vergingen, ohne daß der Beschlug, trotz wiederholter Mahnungen unserer Genossen zur Aus- führung gelangte. Angeblich sollte das Provinzialschulkollegium gegen die Errichtung von Selekten sein, so lange nicht die Frage des Schulsystems für Grog- Verlin geregelt sei. Da nunmehr die Sache entschieden ist, beantragte der Magistrat, die Selekten zum 1. April 1913 zu errichten und die hierzu nötigen Kosten zu bewilligen. Die Versammlung stimmte dem zu. Zum Zwecke der Jugendpflege ersuchte der Magistrat um Bewilligung von 509 M. für das Jahr 1913. Unsere Genossen plädierten für Ablehnung der Forderung. Die Jugendpflege bestehe heute in hurrapatriotischen Kriegsspielen und dergleichen; dafür, daß Kinder nicht gewerblich tätig zu sein brauchen, werde nicht gesorgt. Auch sei kein Geld dafür vorhanden, arme Kinder, die des Morgens ohne warmes Frühstück zur Schule müssen, mit solchem zu versorgen. Wie vorauszusehen, wurden die bOO M. von der bürgerlichen Mehrheit bewilligt. Zur Beschaffung russischen Fleisches ersucht der Magistrat um Bewilligung eines Vorschusses von 1009 M. Es sollen wöchentlich 25 Zentner Rind« und 15 Zentner Schweinefleisch be- zogen werden. Der Verkauf geschieht durch zwei von der Stadt an- gestellte Schlächtergesellen unter Aufsicht eines früheren Schlächter- meisters. Verkauft soll in Mengen von einhalb bis fünf Pfund werden, und zwar ist dazu ein Laden in der Altstadt in Aussicht genommen. Mit dem Verkauf soll am 1. November begonnen werden. Die Versammlung stimmt dem zu. Zum Schluß wurden noch 1909 M. zur Aufstellung eines Bebauungsplanes für das vordere und mittlere Dammfeld bewilligt. Pankow. Wahlhelfer zu den am Sonntag, den 3. November, stattfindenden Ange st ellten-Bers icher ungswahlen wollen sich heute Freilag, abends 8 Uhr, im Wahlbureau, Restaurant Mücke, Grunow- straffe 1, melden. Adlershof. llrber Sozialismus und Konfession referierte in einer gut be- suchten öffentlichen Versammlung Genosse Dr. Alfr. Ber'nstein. Nach dem inhalireichen Vortrage, in welchem der Referent die hemmenden Einflüsse der Kirche auf die Emanzipationöbestrebungen des Proletariats hervorhob, fand eine rege Diskussion statt, in welcher sich sämtliche Redner in zustimmendem Sinne äufferten. Mitgeteilt wurde, daff die Genossen Noske, Oppenstr. 54, Gundel, Hakenbergstr. 29, Doggenreiter, Bismarckstr. 25, und Robert Meil, GenossenschaftSstr. 14, Austrittserklärungen aus der Landeskirche entgegennehmen. Bis jetzt haben sich bereits 79 Personen an obige Genossen mit Anstrittserklärungen gewandt. Genosse Neumann weist dann noch auf die am kommenden Sonntag im Lokal von Kaul stattfindende Jugendfeier hin und appellierte an die Anwesenden, recht zahlreich dort zu erscheinen. Mit einem anfeuernden Schlußwort des Genossen Klodt und einem Hoch auf die Sozialdemokratie fand die Versammlung ihr Ende. Heinersdorf. Aus der Gemeindevertretung. Zunächst wurden die beiden neu- gewählten Vertreter, die Herren Hoffmann und Barthel eingeführt. Der Protest der Gemeindevertretung gegen die Wahl der Herren Witte und Haenel ist vom KreiSausschnß als unbegründet zurück- gewiesen worden. Die Versammlung beschloff nunmehr, die Klage weiter zu führen. Die Abrechnung für 1911 ergibt eine Einnahme von 147 445,92 M. und eine AiKgabe von 149 757,94 M. Von dem SS87,93 M. betragenden Ueberschuff sollen dem Betriebsfonds für die Gemeindekaffe 3993,38 M., der Rest dem Reserve- und Ausgleichs- fonds überwiesen werden. Bei diesem Punkt machte sich, wie üblich. Herr Heim bemerkbar. Er wollte wieder einen Rechenfehler ent- deckt haben. Auf die Frage deS Vorsitzenden, wo denn der Fehler wäre, antwortete er: Die anderen Vertreter sind ja auch im Befitze der Abrechnung, sie könnten ja auch suchen. Diese Bemerkung ver- anlaßte Herrn Mulack, ihm zuzurufen, er solle doch nicht glauben, dumme Jungen vor sich zu haben. Dieser Zuruf brachte Herrn Mulack einen Ordnungsruf ein. Spandau. Der Wcitcrvau der Straßenbahn von der Seegefelder Straffe bis zur Fabrik von Orcnstein u. Koppel in der Hamburger Straffe scheint nun doch in ernste Erwägung gezogen zn werden. Der Ma- gistrat hat sich damit einverstanden erklärt, daß bei dem jetzt statt- findenden Neubau der Nauener Straffe die Schienen, uitb zwar doppelgleisig, in den Fahrdamm mit eingebaut werden.- Die Errichtung einer öffentlichen Ausladestelle nebst Stätteplatz ist am Spandauer SchiffahrtSkanal geplant, der auf der Strecke Oberhavel bis einige hundert Meter an die Mäckeritzbrücke heran der Stadt Spandau gehört. Als Ort dieser Anlage ist eine Fläche nördlich der Haselhorster Brücke in Aussicht genommen. Die ge- plante Ausladestelle zum Transport von Kies nach dem Bau der Zentralverwallung von Siemens u. HalLke soll nur zur vorüber- gehenden Benutzung dienen. Jugendveranstaltunge». Neukölln. Sonniag, den 3. November: Partie nach Strausberg und dem Blumental. Fahrgeld 1,35 M. Abs. vom Schlesischen Bahnhos 6" Uhr. Fireie Jugendorganisation Lichterfelde. Am Sonntag, den3. No- vember, Besichtigung des BerkehrSmuscums. Treffpunkt Uhr am Händel- platz. Karten 20 Pj. Veruau. Am Sonntag, den 3. November, findet im Saale deS Herrn Hermann eine öffentliche Jugendversammlung statt. . Air fordern alle Eltern am. ihre schnlenilaffenen Söhne und Töchter zu dieser Versammlung und außerdem zum Besuch unserer alle Freitag- abend von 8 bis 10 Uhr stattsindenden Spiel- und Leseahcnde auszuwrdern. Der Be!»» dieser Abende iit frei und es dürsen wählend derselben keinerlei Gewäni, rtilnommen wert--». ßencbts- Zeitung. Ter Einbrecher in Lackstiefcln und Zylinderhut. Eine Diebes- und Hehlerbande, die lange Zeit hindurch die südlichen Vororte, insbesondere Friedenau und Steglitz, unsicher gemacht hatte, wurde gestern der 2. Strafkammer des Land- gerichts II vorgeführt. Wegen schweren Diebstahls im Rückfalle bezw. wegen gewerbsmäßiger Hehlerei im Rückfalle waren ange- klagt der Maler Richapd Lange, der Maler Vinzent Ostrowski und der Produktenhändler Karl Thiel.— Am frühen Morgen des 9. September d. I. beobachtete ein Arbeiter L. drei Männer, die vor dem Hause Admiralstratze 23 aus einer Automobildroschke fünf große und anscheinend schwere Pakete abluden und in den Pro- duktenkeller des Angeklagten Tbiel hineintrugen. Da ihm dieser im Morgengrauen geschehene Transport verdächtig vorkam, er- stattete er Anzeige. Mehrere Kriminalbeamte drangen in die Räume ein und entdeckten hier ein ganzes Wiarenlager gestohlener Sachen. Die fünf Pakete entpuppten sich als Stoffe im Werte von 2999 M., die in der voraufgegangenen Nacht dem Schneidermeister Piehler in der Kaiser-Allee 99 gestohlen worden waren. Während die Beamten die übrigen Räume durchsuchten, erschien plötzlich ein elegant aekleideter Herr in dem Prodvktenkeller. Dc>l Kriminal- beamte Nippe fragte höflich nach seinem Begehr und erhielt von dem eleganten Herrn die Auskunft, daff er einen steifen Hut kaufen wolle. Der Beamte sah sich nunmehr den mit Lackstiefeln und Zylinderhut bekleideten Herrn etwas näher an und erkannte in ihm einen„alten Bekannten", den jetzigen Angeklagten Ostrowski, wieder. Einige Zeit darauf erschien auch der„Dritte im Bunde", der Angeklagte Lange, der ebenfalls von dem Kriminalbeamten in Empfang genommen wurde.— Mit Rücksicht auf die hohe Gemein- gcfährlichkeit des Treibens der Angeklagten erkannte die Straf- kammer gegen Lange auf lA Jahre Zuchthaus, gegen Ostrowski auf 3 Jahre Zuchthaus und gegen den Hehler Thiel auf L'/e Jahre Zuchthaus. Zu einer exemplarischen Strafe. wurde gestern einer jener Schwindler verurteilt, welche in der ver- werflichsten Weise die Vertrauensseligkeit heiratslustiger Mädchen ausnutzen. Wegen Betruges im strafvcrschärfendcn Rückfalle hatte die 1. Strafkammer des Landgerichts II unter Vorsitz des Land- gerichtsdirektors Kanncnblcy gegen den Schreiber Wilhelm Taue zu verhandeln.— Der schon wiederholt wegen Heiratsschwindels vorbestrafte Angeklagte machte vor einiger Zeit die Bekanntschaft einer Köchin Sch., der er sich als Oberpostassistent vorstellte. Wie die als Zeugin vernommene Betrogene vor Gericht unter Tränen erzählte, wurde sie von dem Angeklagten in der schändlichsten Weise beschwindelt und um ihre geringen Ersparnisse betrogen. Unter der Vorspiegelung, Möbel kaufen zu wollen, lockte er ihr nach und nach mehrere hundert Mark ab. Der 75 jährigen Mutter der Sch. erzählte der abgefeimte Schwindler, daß er alles tun werde, um ihr einen ruhigen und sorgenlosen Lebensabend zu bereiten. Gleich hinterher legte er bei der alten Frau einen Pump an. so daff diese ebenfalls um ihre geringen Ersparnisse gebracht wurde. Als der Angeklagte etwa 1999 M. auf diese Weise erbeutet hatte, verschwand er auf Nimmerwiedersehen. Nachdem die Sch. festgestellt hatte, daß das Grundstück Arnimplatz 8, in welchem Dane angeblich wohnen wollte, gar nicht existierte, ging sie zur Kriminalpolizei, wo sie zu ihrem Entsetzen das Bild ihres„Zukünftgen" in dem Verbrecher- album wiedersah.— Der Staatsanwalt beantragte mit Rücksicht auf die Vorstrafen des Angeklagten 2 Jahre Zuchthaus. Das Ge- richt ging jedoch noch über diesen Antrag hinaus und erkannte auf 3 Jahre Zuchthaus, 159 M. Geldstrafe event. noch 15 Tage Zucht- haus, 5 Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Hu 9 aller Weit. Das Blutbad von KirkhlUffc. Der Balkan wird mit Blut gedüngt! Mit dem Blute der armen fanatisierten Menschen, die in dem furchtbaren Ringen um den Sieg die Arbeit verrichten für die Fürsten von GottcS Gnaden und die kapitalistischen Nutznießer der politischen Um- wälzung auf dem Balkan. Während sonst die Wissenschaft alles aufbietet, kranke Menschen dem drohenden Tode zu entreißen, der höchste Ehrgeiz edler Menschen darin besteht, bei Feuers- und Wassernot Menschenleben zu retten, sind hier alle Begriffe verkehrt: Ruhmreich und preiswert der, der als M e n s ch e n s ch l ä ch t e r sein blutiges Handwerk am besten betreibt. Und es macht keinen Unterschied in der Art der Menschenabschlachtung, ob sie von sogenannten kultivierten christ- lichen Völkern oder von halbwilden Stämmen betrieben wird. Alle beten sie um Sieg zu ihrem Gott und sehen bann in der Vernichtung des Ebenbildes Gottes die Erfüllung ihres Lebens. Eine furchtbare Anklage ist ein Schlachtbericht von Kirkkilisie, den ein deutscher Krankenpfleger vom Roten Kreuz, der auf dem Schlachtfelde von Kirkkilisse tätig war, in den„Leipz. Neuesten Nachrichten" veröffentlicht. Die grausige Schilderung entging der bulgarischen Zensur, die sich auch auf Privatbriefe er- streckt, dadurch, daff der Krankenpfleger nach der Schlacht nach Ruft schul an der Donau geschickt wurde, um weiteres Ver- bandsmaterial hcranzuschaffen. Dort gelang es ihm, den Brief durch die rumänische Post befördern zn lassen. Wir entnehmen dem Bericht folgende Stellen: ... Durch das rasende Schnellfeuer aus den Weingärten kam hier im Norden der Festung der Angriff der Bulgaren ins Stocken und artete schlietzlich, als die Baschi-Bozuks und Kurden aus den Deckungen hervorbrachen und alle Verwundeten vor der Fcuerlinie in barbarischer Weise massakrierten, in fluchtartigen Rückzug aus, wobei die Kanonen der Forts ein scharfes, gutgezieltes Feuer auf die Zurückgehenden unter- hielten. Zahlreiche Granaten platzten inmitten der bul- garischen Jnfanteriemaffen, Tod und Verderben ver- breitend. Trotz der anfeuernden Reden und heldenhaften Beispiele vieler Offiziere war es nicht möglich, die Bulgaren erneut zum Sturm auf die festen Verteidigungslinien der Türken zu bringen. Die Pause, die unwillkürlich eintrat, wurde jetzt von uns benutzt, unser trauriges Amt zu versehen. In mehreren Kolonnen suchten wir das Schlachtfelo ab. Welcher Jammer, welches entsetzliche Elend! Ueberall Stöhnen und Schreien, Wehklagen und Röcheln! E i n fürchterlicher Blutgeruch, giftige Pulver- dämpfe, Tod und Verwüstung überall, wohin man blickte! Glücklich noch diejenigen, die sofort tot waren, als das verhängnisvolle Blei sie traf, denn entsetzlich waren die Verstümmelungen, welche die kurdischen Teufel an den armen Verwundeten ausgeübt hatten. Meistens waren den armen Opfern die Augen ausgestochen, Nase und Ohren abgeschnitten, vielen der Leib aufgeschlitzt! Gegen Abend erneuerten die Bulgaren den Angriff auf die Befestigungen, man hoffte vielleicht die Türken zu überraschen. Llber gleich nach den ersten Schüssen flammte es auf sämtlichen Forts auf, blendend weiße Lichtkegel der elektrischen Schein- Werfer erhellten das Kampfgelände, und wieder mufften sich die Bulgaren unter ungeheuren Verlusten zurück- ziehen. Ein neuer, dritter Angriff brachte endlich das Vorderterrain in die Hände der Stürmenden. Ein furcht- barer Nah kämpf, Mann gegen Mann, entspann sich in den Weingärten. Das Knattern des Gewehrfeuers verstummte mehr und mehr, mit der blanken Waffe eroberten die Bulgaren die Weingärten, während die Gegner jeden Schritt breit Landes hartnäckig und zch? verteidigten. D a t aga n s. Hand schars. Messer und Gewehrkolben, Tatarenbeile, selb st die bloße Faust und die Zähne benutzten die Verteidiger. Wir haben später mehr als einen Bul- garen gefunden, dem die Gurgel durchgebissen war. Viele gefangene bulgarische Soldaten waren auch von den Kurden gepfählt worden. ... Nun galt es, die Stadt seihst anzugreifen. Die Re- serven wurden vorgezogen, und dann ging es- durch die Wein- gärten, über Hecken, Gräben und Mauern gegen die Festung selbst. Hier in dem überaus schtvierigcn Terrain hatte der zurückgeworfene Feind noch einmal Posta gefaßt. Ein grau- siger Nahkampf, Mann gegen Mann, in stock- finsterer Nacht, wogte in den Weingärten hin und her. Die bulgarische Artillerie schoß Teile der Stadt in Brand, während die Jnfanteriemaffen schweigend, nur mit dem Bajonett, in die Weingärten eindrangen, Ein grauen- Haftes G c m ctzel auf beiden Seiten entspann s i ch h i e r. So oft auch die Bulgaren in geschlossener Kolonne heranstürmten, immer und immer wieder warfen, die Türren die Eindringenden ans den Weingärten hinaus, ihrerseits selbst mit dem Bajonett die Zurückflutenden verfolgend. Bajonett, Messer, Handschar und Heidukenbeil machten hierbei fürchte» liche Arbeit. Das Blut floß in Strömen. Es war für die Bulgaren der verlustreichste Abschnitt des ganzen Kampfes. Untevdessen waren Verstärkungen hwangekommen. Die Artillerie setzte das Bombardement ans die Stadt fort, unl, nochmals traten die Infanteriekolonnen zum Storni an. Der Tag dämmerte herauf, als die letzten Positionen der Türken angegriffen wurden. Der verzweifelte Mut der Osmanen hielt noch stundenlang stand, auch wurde das Vordringen der Vul- garen sehr erschtveri durch die Entzündung zahlreicher E r d m i n e n, welche die Türken angelegt hatten, und deren Explosion schreckliche Verheerungen unter den Angreifern an- richtete. Endlich aber, es war zwischen 7 und 8 Uhr vormittags, drangen die Stürmenden von drei Seiten, Norden. Nordosten und Westen, in die Stadt ein. Damit war der Fall von Kirkkilisse besiegelt. Das ist der Krieg, der von den Hurrapatrioten gepriesene und besungene Krieg Glücklich, wer tot blieb! Braucht er doch nicht zu sehen, wie die zu wilden Tieren gewordenen Menschen sich mit den Zähnen zerreißen' Auch eine Erinnerung an das Sozialistengesest. In Frei bürg i. Br. starb der frühere Besitzer des dortigen Hotels„Römischer Kaiser", L. S p r e t e r. der unter dem Sozialisten- gesetz zu den wenigen aufrechten Männern ans dem bürgerlichen Lager gehörte, die der Polizeispionnge und dem Spitzeltnm wirknngs« voll entgegentraten. Als Genosse Bebel im Jahre 1887 in Spreters Hotel logierte, erschienen sofort die Schutzleute Bär und Schuler auf der Bildfläche, um Bebel zu überwachen. Schüler patrouillierte vor dem Hotel auf und ab und Bär wagte es sogar, im Hotelzimmer den Genossen Bebel zu belästigen. Spreter machte jedoch kurzen Prozeff; er warf Bär hinaus und verw res S ch u l e r vor seinem Hause weg. Dafür erhielt er einen Strafzettel in der beträchtlichen Höhe von 25 M. Seine Berufung an das Gericht war vergebens, er muffte die 25 M. bezahlen. Nach dem Befinden des Genossen Bebel aber hat er sich zeitlebens«» kundigt, wann immer sich ihm Gelegenheit bot. Der Richter...„in anderen Umständen". Eine interessante Anekdote aus der neapolitanischen Revolution vom Jahre 1799 veröffentlicht Benedetto C r o c e in einem Geschichts« werk über diese Periode. Die revolutionäre Bewegung gegen die Bonrbonen war niedergeschlagen und ihre Führer ins Gefängnis geworfen worden, wo sie des rächenden Galgens harrten. Unter den Verurteilten fand sich eine Frau, Luisa Sanfelice, die, um dem Scharfrichter zu entgehen, fälschlich angab, schwanger zu sein. Es wurde ein Sachverständigenkollegium berufen, und die wackeren Aerzte, die sich weigerten. dem Henker in die Hände zu arbeiten, bestätigten die Schwangerschaft. Die bourbonische Rache verstand eS aber zu warten, und so stellte sich der fromme Betrug heraus. Einer der blutdürstigsten Richter der Reaktion, der Rat Speciale, der von Anfang an die Schwangerschaft der Unglücklichen bezweifelt hatte, sagte nun triumphierend zu seinem Hansarzte, einem der Mitglieder� der Sachverständigenkommission:„Ich hab'S ja gleich gesagt, daß die Schwangerschaft fingiert war." Der Hausarzt gab ihm zur Ant- wort:„Wissen Sie. Herr Rat, wenn es einen Menschen auf der Welt gibt, der den Galgen verdiente, so sind Sie das. Trotzdem, wenn Sie zum Tode verurteilt wären, auf Ehre und Ge- wissen, ich bezeuge Ihnen sofort, daff Sie schwanger sind." � Die Frau entging übrigens ihrem Schicksal nicht. Kleine Notizen. Selbstmord eines Leutnants. Der Leutnant Fritz Kunkel vom Infanterieregiment Herzog Ferdinand von Braunschloeig in Wesel hat sich Mittwochabend in seiner Wohnung erschossen, nachdem er einige Stunden vorher im Kreise seiner Kameraden in fröhlichster Stimmung verweilt hatte. DaS Motiv dürfte in einer Liebes- a f f ä r e zu suchen sein. Selbstmord des Brüsseler Obligationenfälschers? Wie aus New Jork gemeldet wird, hat sich an Bord des im New Uorker Hafen eingetroffenen Postdampfers„Niagara" ein Passagier entleibt, der unter dem Namen Labarque eingetragen war,»ach der Personen- beschreibung jedoch vielleicht mit dem belgischen Finanz» schwindler Wilmart identisch gewesen ist. Briefkasten der Redaktion. P. P. 33. 1. In dem veräußerten Teil ja. 2. n. 3. Soweit dieser Teil in Frage kommt, nein. In Ihrem vcrbliclieiien Besitztum haben Sie natürlich nach wie vor das Jagdrccht.— W. 8. 25. Diejenigen, welche den Aujlrag übernehmen und ausrichten— Karlellträger— werden mit Festungshast bis zu 6 Monaten bestrast.—!\f. D. 100. 1. Heimatsschcin und Militärpaß. 2. Nicht seststcllbar. 3. Ihre Auffassung, daß Sie vierzehn- tägige Kündigung haben, erscheint zutreffend. Da Sie aber, soweit aus Ihrem Brief ersichtlich ist, dem Verlange», auszusetzen, nicht lvidersprochen haben, können Sie für die bisherige Zeit u. E. Ihren Lohn nicht be- anspruchen. Sie müßten dem Unternehmer am zweckmäßigsten in Zeugen- gegenwart Ihre Dienste anbieten; weigert er sich, Sie zu bcschästigen, so können Sie, salls Sie nickt anderweit Arbeit erhalten, von dem Tage, loa Sie Ihre Dienste angeboten haben, bis zur Dauer von l4 Tagen Lohn- zahlung verlangen.— I. Z. 13. Wir raten, sich an den Transport- arbciteroerband, Sektion Krastwagensührer, Engeluser 14/15, zu wenden und, salls Sie gewerlschastlich organisiert sind, doriselbft Rechts. schütz zu beantragen. Die in Frage kommenden Vorschriften werden Sie voraussichtlich dort im Bureau einsehen können. WitterungSübersicht vom 31. Oktober ISIS. Swwemde. Hamburg Berlin Franks.a.M München Wien 751 743. 752 753 758 757 W Sß SSW SSO SW SW SW Wetter 2 wolkig I! bedeckt llbedcckt 5wolNg SlRegcn 2chedeckt 0« »N i* Wi «tattonen Haparanda Petersburg Scillh Aberdcen Paris Sll ~ E b2 LZ Bf 748 SSO 753 SO 754WNW 753 NNW 753 SW Wette» 2 Schnee 1 bedeckt 6 wolkig halb bd bedeckt ** 1* —5 -1 12 4 10 Wetterprognose für Freitag, den l. November ISIS. EtwaS kühler, teilweise ausklarend, vorwiegend trübe mit leichten Regensällen und srischm südwestlichen Winden. Berliner Wetterburcau. WasserstandS-Nachrichten der LandeSanslalt st? Gewässerkunde, mngetetli vom Beriwrr Wetterburcau. Wasserstand Memel, Tilsit Pregel, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Natibor ,» Krassen , Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe. Leitmeritz , Dresden , Barbh Magdeburg 'j-ff bedeutet Wuchs.— Fall—•) Untcrpegel. 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