Kr. 257. Nboimements-Keckingungen: Iffionncmenlä- Preis pränumerando! «ierteijährl. Z,Za Mk�. Mona», l.lv Mk., wöchcnllich 23 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Psg. Sonntags- nummcr mit illustrierter TomiIagS- Beilage„Die Neue SSelt" 10 Psg. Post- Abonnenicnl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Poft-Zeitungs» Prei-listc. Unter Kreuzband siir Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland g Mark pro Monat. PostabonnementS nebmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz, 39. Jahrg. Sie Tnlertions'Gebäftr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeilc oder deren Raum 00 Psg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und Vcrsnrmillungs-Anzeigen SO Psg. „Kleine Hnzeigen", das settgedrinkie Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen Las erste Wort 10 Psg., jedes wettere Worts Psg. Worte über ILBuch- {laben zählen für zwei Worte. Inserate sur die nächste Nummer niüsscu bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. krlchkliit täglich außer montags. Berliner Volksblntt. Telegramm- Adreff« „Soaialdemcsirat RerliD1*. Zcntratorgan der fozsaldemohratifcben Partei Deutfcblande. Redaktton: 8 Li. 68» Ltndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritiplat!, Nr. 2983. Sonnabend, den Ä. November 19 lÄ. Expedition: 8M. 68» I�indenstrasse 69. Fernsprecher: Avlt Moritzplatz, Nr. 1984. Verschlechterung /z Proz. der Vollreute am 19. 0. 1888 einem Bergmann.. 30„„„ am 18. 5. 1889 einem Lehrling... 35„„„ am 1. 10. 1891 einem Dreher... 25„„„ am 2. 3. 1895 einem Fabrikmaurcr. 30„„„ am 13. 1. 1898 einem Seemaschinist.35„„„ am 3. 11. 1900 einem Ziegeleiarbeiter 30„„„ 2. nach der neuesten Auflage: am 3. l. 1902 einem Handlanger.. 25„„„ am 20. 4. 1908 einem Bauarbeiter. 20„„„ am 7. 12. 1910 einem Zwirnmeistcr. 20„„„ Außer den Fingern sind u. a. auch die A u g e n m der Wertschätztmg des Reichsversicherungsamts gesunken. Als Beleg dafür seien die Entschädigungen angeführt, die das Reichsversicherungsamt für den Verlust eines Aitges festgesetzt hat. In der 3. Auslage der Zusammenstellung finden wir 1 Fall mit einer Entschädigung von 50 Proz. der Vollrente 4 Fälle...„„ 40„ 1 Fall„„.„„ 3o„„„ 13 Fälle„„„„ 33'/°„„ 9„»„•„ 30„ ,,„ 13„„„ ,, 2a ,,.»„ Zus. 41 Fälle. Die neueste Auflage der Zusammenstellung dagegen hat 5 Fälle mit einer Entschädigung von 33'/° Proz. der Vollrente 4„„„„ m 90»»» 19„„„„ 1, 95„„ Zus 24 Fälle. Fälle, in denen das Reichsversicherungsamt 35. 40, 50 Proz. der Nollrente bewilligt hat, fehlen in der letzten Auflage der Znsamntenstellung, da das Reichsversicherungsamt in den letzten Jahren den Verlust eines Auges so hoch über- hatipt nicht mehr anrechnet. Aber auch die Fälle mit einer Rente von 33'/° Proz. sind verhältnismäßig seltener geworden. In der 3. Auflage der Zusammenstellung sind sie ebenso häufig wie die Fälle mit 25 Proz., in der letzten Auflage da- gegen beträgt ihre Zahl noch nicht einDrittelderFällemit25Proz. Selbst, wenn ivir in der letzten Auflage die Fälle mit 33'/° Proz. und die Fälle mit 30 Proz. zusammennehmen, bleiben sie noch weit hinter der Zahl für die Fälle mit 25 Proz. zurück. Am wichtigsten ist aber die Tatsache, daß von den Fällen in der letzten Auflage der Zusammenstellung im ganzen 10 aus der Zeit nach dem Jahre 1900 sind. In zwei dieser Fälle hat das Reichsversicherungsamt 33'/° Proz. bewilligt; der erste dieser Fälle ist aus dem Jahre 1901, der ziveite aus dem Jahre 19 lO. In den acht anderen Fällen hat das Reichs- versicherungsamt nur 25 Proz. gewährt. Aus dem Jahre 1909 sind drei Fälle angeführt und aus dem Jahre 1911 ebenfalls drei Fälle: alle diese Fälle aber sind solche mit 25 Proz. Offenbar ist es jetzt beim Reichsversicherungsamt die Regel, für den Verlust eines Auges nur 25 Proz. zu bewilligen. Diese Beispiele lassen darüber keinen Zweifel, daß das Reichsversicherungsamt im Laufe der Zeit die Folgen der Unfälle immer geringer einschätzt. Je weiter sich die Rechtsprechung nach dieser Richtung entwickelt, um so schwerer werden die Arbeiter geschädigt. Stellt sich später unzweifelhaft heraus, daß der Verunglückte doch viel mehr geschädigt ist, als das Reichs- versicherungsamt angenommen hatte, dann Hilst ihm das nichts, er kann eine höhere Rente nicht mehr erlangen. Ein Bäcker z. B. soll sich die Finger verletzt haben. Er bleibt in dem Geschäft, in dem er verunglückt ist, und hat hier keinen oder nur einen geringen Ausfall am Verdienst. Daun dauert es nicht lange, die Berufsgenosscnschaft setzt die Rente herab, weil sich der Arbeiter an seinen Zustand gewöhnt habe: die Gewöhnung werde durch den Lohn des Arbeiters bestätigt. Solche Fälle haben den Anlaß zur Herabsetzung der Renten gegeben. Hat aber das Reichsversichenmgsamt in einem Falle die Rente herabgesetzt, dann berufen sich die Berufsgenossenschaftcn darauf auch in solchen Fällen, in denen der verunglückte Arbeiter tatsächlich in seinem Verdienst sogar mehr geschädigt ist, als der höheren Rente entspricht. In diesen Fällen weisen die Berufsgcnossenschasten auf den Fall mit der niedrigeren Rente hin und schließen daraus: der Verunglückte müsse sich an seinen Zustand gewöhnt haben; wenn er trotzdem so wenig verdiente, sei es seine eigene Schuld. Inzwischen ist vielleicht in dem ersten Fall der Arbeiter aus seiner bisherigen Arbeitsstelle heraus und kann wegen setner Fingerverletzung eine ebenso günstige Arbeitsstelle nicht mehr finden; er muß mit einem viel gc- ringeren Verdienst vorlieb nehmen. Das kommt aber für die Entscheidung der Rentenansprücho gar nicht in Betracht. Die niedere Rente bleibt bestehen, und nach ihr werden auch die anderen Renten herabgedrückt. Dieses Verfahren ist daher eine arge Ungerechtigkeit gegen die Arbeiter. Gegen die Arbeiter— nur gegen die Arbeiter. Wird ein Nichtarbeiter verletzt, so entscheiden die ordentlichen Ge- richte. Und diese, insbesondere das Reichsgericht, haben trotz eifrigen Drängens mancher Versicherungsgesellschaften sich zu dem Unfug nicht verleiten lassen, die Theorie von der Ge- wöhnung eines Menschen an den Verlust von Gliedmaßen anzuerkennen oder Taxen für den Verlust wertvoller Glieder einzuführen, die wie eine Verhöhnung der Verletzten anmuten. Die Verschiedenheit der Rechtsprechung ist nicht u verwundern. Das Reichsgericht hat auf Grund von esetzen zu entscheiden, nach denen auch seine Mitglieder unter Umständen Recht zu nehmen haben. Das Reichsver- sicherungsamt entscheidet über eine zuungunsten fahr- lässig verletzter Arbeiter geschaffene Gesetzgebung. Statt diesem Klassencharakter des Unfallversichcrungsgesetzes nach Möglichkeit entgegenzutreten, vertieft ihn das Reichsversiche- rungsamt seit dem Abgang Dr. Bocdikers, der stets versuchte, sich an die Stelle des Arbeiters zu setzen und so sich die Möglichkeit eines gerechten Maßes zu schaffen. Das Bergabgehen der Rechtsprechung des höchsten Gerichts für dio Anwendung der sozialpolitischen Gesetze geht Hand in Hand mit der Hochachtung vor Berufsgenossenschaften, deren Wirken ans Herabdrückung der schmalen Rechte der Arbeiter gerichtet ist. Aas will das werden? Die Hoffnung, die die Türkei auf ihre Ostarmee gesetzt hatte, ist mit dieser zertrümmert worden. Selbst wenn die zersprengten und flüchtigen Truppen an der Tschadaltscha- Linie, die mit ihren Feldbefestigungen die schmale nach Kon- stantinopel führende Landzunge durchquert und den letzten Schutz der Hauptstadt des osmanischen Reiches bildet, noch einmal zum Stehen kommen und den Ansturm der Bulgaren abzuwehren suchen, wird an den Dingen nicht mehr viel zu ändern sein. Die durch die Märsche und Kämpfe ermüdeten Bulgaren sollen Verstärkungen von Testen des serbischen Heeres erhalten, das auf dem westlichen Kriegsschauplätze keinen ernsthaften Gegner mehr vor sich hat. Die hier operierende türkische Armee muß sich in völliger Auflösung befinden. In Konstantinopel scheint man sich auch keine Mühe wehr zu geben, die Welt über den völligen Ziisammenbrnch hinwegzutäuschen. Man sieht das Heil in der Intervention und in einem mit Hilfe der Mächte abgeschlossenen Frieden- Jetzt, nachdem drei Tage lang der Massenmord auf den Höhen und in den Tälern am Ergenefluß Hekatomben von Menschenleichen aufgetürmt hat. regen sich die Diplomaten wieder eifriger denn je. Aber dieselben Diplomaten haben vorher ihre Unfähigkeit gezeigt, den Krieg zu verhindern. Die Völker haben daher allen Grund, dem Wirken dieser Herren sehr mißtrauisch gegenüber zu stehen. Denn jetzt wollen diplo- malische Jntriguen, hinter denen die widerstreitenden Interessen des internationalen Finanzkapitals, die Ansbeutungslüste der Großindustrie und dynastischer und militaristischer Ehrgeiz stehen. das Ergebnis des Waffenganges nach Kräften ausnutzen. In ihren offiziellen Kundgebungen sind die Kabinette höchst friedfertig und bereit zu einer Intervention. Dahinter aber lauern die Eifersüchteleien und der Machthunger der einzelnen Großmächte. Und gerade nach dem dreitägigen Schlachten am Ergenefluß müssen die Völker mehr denn je ihren Regierungen auf die Hände sehen. Schon jetzt dampfen Kriegsschiffe aller Staaten nach Konstantinopel. Man be- fürchtet angeblich Fremden- und Christcnvcrfolgungen durch die erbitterten und verzweifelten Osmancn. So ganz unbe- rcchtigt mag diese Befürchtung nicht sein, wäre sie doch nur die Folge der Kreuzzug-Proklamationcn der christlichen Balkan- fürsten. Der Hauptgrund stir die internationale Flotten- aktion vor Konstantinopel wird aber sein, daß man mit ent- sprechenden Machtmitteln zur Stelle sein will, wenn die Hinter- lassenschaft der niedergeschlagenen Türkei geteilt werden soll. Dem Proletariat sind in dem Manifest des Jnternatio ttaTcu Sozialistische!» Bureaus die Nichilimen gegeben, wie es den Krieg und die Jnterventionsaktionen zu beurteilen hat. Es hat sich weder für das Schicksal der türkischen herrschenden Klassen, noch für das der Dynastien der Balkanstaaten zu ent- scheiden. Ihm muß die Besserung der Lage der Balkauoölker am Herzen liegen, vor allem hat es aber aus der Wacht zu sein, daß das unehrliche Spiel der Diplomatie den Kriegs- brand nicht noch über den Balkan hinausträgt. OeMicker Knegsfcbauplatz. Der Berlanf der Schlacht am Ergenefliih. Wie», 1. November. Der Kriegsberichterstatter der „ N e i ch s p o st", der sich im Hauptquartier der b u l g a- rischeu Armee befindet, telegraphiert: Die Vulgaren haben bei der entscheidenden Schlacht gegen die türkische Ost- armee auch die auf den übrigen Fronten versammelten Truppen herangezogen. In der Schlacht von Wisa und Lille- Burgas standen zirka 230 lMX) Mann. Der ursprüngliche Plan des Hauptquartiers>var, die türkische Armee aus der Stellung bei Batasch zurückzutreiben und den Augriff auf Saraj-Bunar Hissar vorzunehmen. ES trat aber insofern eine Aendcrung ein, als schon vorher der linke Flügel der Vulgaren mit den vorgehenden Türken zusammenstieß. Hier kam es zu heftigen Rencontres und zu erbitterten Wald- kämpfen, bei denen die auatolischen Rebifs un- gcstünr vorgingen. Die türkische Truppenlinie wurde voll- ständig durchbrochen und durch gleichzeitige Umfassung zu fluchtartigem Rückzüge gezwungen. Es zeigte sich die gleiche Erscheinung wie bei Kirkkilisse; anfänglich mutiges Vorwärtsgehen der Türken, dann baldige Lösung aller Ver- bände u n d F l u ch t, die die ganze Armee mit fortriß. Vier türkische Divisionen sind zersprengt. Auf dein anderen Flügel kam es zum Feuer aus befestigten Positionen, die die Türken dann räumten. Hier wirkte namentlich die bulgarische Armee durch flankierende Beschießung der feindlichen Stellungen. Die bulgarische Infanterie kämpfte mit beispiellosein Helden- mut und setzte den flüchtenden Türken auf der ganzen Rückzugs- linie nach. Die Niederlage der türkischen Armee ist eine voll- ständige Katastrophe. Mau rechnet hier schon mit dem Fall von T s ch a d a l a s ch a l i n i n. Weitere Erfolge der bulgarischen Armee. Sofia, 1. November. Die bulgarischen Truppen haben D i m o t i k a besetzt. Serbische Verstärkungen für die bulgarische Ostarmce. London, 1. November. Das Neutersche Bureau meldet auS Sofia: Die im nördlichen Mazedonien überflüssig gewordenen serbischen Truppen sind nach Bulgarien abmarschiert, um sich den bulgarischen Streitkräften vor N d r i a n o p e l anzu- fchlietzen. Größere Massen serbischer Infanterie haben bereits Sofia passiert. Die Wirkung der Niederlage in Konstantinopel. Konstantinopck, gl. Oktober, 7 Uhr abends. Seit gestern mittag bis jetzt hat das Kriegsminifterium keine amtliche Nachricht über die Schlacht auf der Linie Wisa— Lille— Burgas veröffentlicht, Das Fehlen von Nachrichten verursach! bei der türkischen V e« Völker ung große Unruhe, alles wartet ungeduldig aus Nachrichten aus den Ausgang der Schlacht. Den ganzen Nachmittag über stand eine große Menschenmenge vor der Pforte, wo die Minister Beratung abhalten, und vor den Zeitimg-Zredattionen. Türkische Friedenösehnsncht. Konstantinopel, 31. Oktober, 10 Uhr abends. Vom Kriegs- schanplatze sind ernste Nachrichten eingegangen. Der Ministerrat, dessen Sitzung noch andauert, scheint sich bereits mit der Fricdensfrage zu beschäftigen. Vergebliche Kraftanstrengmigen. Konstantinopel, 1. November. Zweiunddreißig Ba- taillone auS Syrien sind nach dem Kriegsschauplätze unter- wegS. Da die Truppcntrauspvrte fast beendet sind, ist der Personen» und Güterverkehr auf den auatolischen Bahnen teilweise wieder auf- genommen worden. Das Elend der friedlichen Bevölkerung. Konstantinopel, 1. November. Die Zahl der türkischen Familien, die aus den Ortschaften des Kriegsschauplatzes hjer- her flüchten, nimmt beständig zu und soll bereits mehr als zehntausend Familien betragen, Sie kommen in elendem Zustande an und werden in den verfügbaren Häusern einlogiert, ja sogar in den Moscheen von Stambul. Die Negierung und die private Wohltätigkeit organisieren Hilfsmaß- nahmen. Meftlicker Kriegs fekaiiplatz. Weiteres Vordringe» der Serben. Belgrad, 1. November. Nach einer amtlichen Meldung aus Ghllan sind zahlreiche serbische Truppen mit Trains auf dem Marsche über das A m s e l f e l d nach Süden begriffen. Die von Köprülü gegen Prilep vorrückenden serbischen Truppen haben gestern Kalkandelen eingenommen. Auch Prizrend ist von den Serben genommen worden. Die türkischen Soldaten in Oesterreich. Wien, 1. November. Die aus dem S a n d s ch a k über die österreichisch- ungarische Grenze geflüchteten türkischen Truppen, 60 Offiziere und 1300 Mctnn, sind zu etwa gleichen Teilen nach vier größeren Garniionen Obcrnngarns sowie nach Neichenberg in Böhmen und Znaim gebracht worden. Während die Mannschaften hier unter Bewachung i» den Kaiernemeitts gehalten werden, dürfen sich die Offiziere gegen ihr Ehrenwort nicht zu flüchten, in den Garnisonen frei bewegen. Die Offiziere erhalten die Bezüge ihres Dienstgrades, die Mannschaften gleiche Löhnung wie die österreichisch-ungarischcn Soldaten. Die Türken bleiben bis zum Friedensschluß in Oesterreich-Ungarn. In gleicher Weise werden etwa noch eintreffende Flüchtlinge behandelt werden. Vom McjUcden Fknegsfcbauplatze. Die thessalische Armee Griechenlands im Vormarsch auf Saloniki. Athen, 31. Oktober. Die griechischen Truppen marschieren auf Saloniki. Erfolge der griechischen Epirus-Armee. Athen, 1. November. Die Armee von EpiruS hat ihren Vormarsch fortgesetzt und. ohne Widerstand zu finden. daS Dorf Anogi bei Pcntcpigadia, das sie verbrannt vorfand, be- setzt. General Sapundjakis hat ferner mehrere strategische Positionen bezogen. Griechische Verwaltung im eroberte« Gebiete. Athen, 31. Oktober. Die griechische Regierung hat in den er- oberten Gebieten mehrere Kommiffare eingesetzt. Ehomatianos. Shtrilungschef im Ministerium des Innern, wurde zum General- kommiffar mit dem Sitz in S erfi d sch e ernannt. Eine große Zahl von Vcrwaltungs- und Finanzbeamten sind für die neuen Kom- miffariate ernannt worden. Der Seekrieg. Vernichtung eines türkischen Krenzers durch griechische Torpedos. Athen, 1. November. Das griechische Torpedoboot Nr. 12 drang in der Nacht in den Hgjen von Saloniki ein und feuerte mit Erfolg einen Schuß gegen den türkischen Kreuzer „Feth-i-Bülend" ab. Der Kreuzer neigte sich auf die rechte Seite und sank. Das Torpedoboot kehrte unversehrt nach Katerini zurück. Die türkische Flotte an der bulgarischen Küste. Sofia, 31. Oktober.(Meldung der„Agence Bulgare".) Der türkische Kreuzer„Hamidis" feuerte heute neun Granaten gegen den Leuchtturm auf Kap Emineh zwischen Burgas und Varna und Geschädigte diesen. Die Regierung wird gegen diese Beschießung eines Gebäudes, daS ausschließlich friedlichen kulturellen Zwecken dient, Protest einlegen. Die cliplomatifcbe Interventionsmtrige. Eine Erklärung des russischen Ministers SsasonowS. Petersburg, 1. November. Der Minister des Aeußern S s a s o n o w gab einem Redakteur der„Nußkoje Slowo" gegenüber folgende Erklärung ab: Bor Ausbruch des Krieges haben die Großmächte gemeinsam beschlossen, eine Acndernng des Statusquo nicht zuzulassen. ES lag aber aus keiner der Mächte eine besondere Berpflichtmig, aktiv eine Vergrößerung der Territorien der Balkanstaatcn zu hindern. Wenn daher die Notwendigkeit entstehen sollte, irgend eine Balkanmacht in Wirklichkeit zu hindern, fremdes Gebiet zu behalten, so müßten die Großmächte sich einzeln hierüber besonders verständigen. Die Siege der Balkanstaaten haben eine neue Lage geschaffen. mit der man rechnen mich; Diese Siege sind tief in daS Bewußtsein der europäischen Gesellschaft eingedrungen, das beweist die über- einstimmende Haltung fast der gesamten russischen und aus- ländischen Presse. Die österreichische Presse bildet in dieser Beziehung keine Ausnahme. In Anbetracht des festen Ent- schtnsseS aller europäischen Mächte, mit Bezug auf den Balkankonflikt in voller Uevcreinstimmnng und gemeinsam zu handeln, wäre ein selbständiges Vorgehen einer einzelnen Macht. mit der Begründung, daß die Formel der Er- Haltung der territorialen Unantastbarkeit der europäischen Türkei überlebt sei, ihre frühere Bedeutung verloren habe und in der Praxis unbrauchbar erscheine, unangebracht. Jedenfalls ist es unzweifelhaft, daß alle Großmächie- den Wunsch gemeinsamen Handelns bewiesen haben und daß meiner Meinung nach zu ernste Interessen sie veranlassen, auch künstig dieses Verhalten nicht auf- zugeben. Die öffentliche Meinung Europas und Rußlands bringt zweifellos den siegreichen Verbündeten Sympathien cnrgegen, aber die Regierungen können sich nicht von Sym- pathien leiten lassen, sie haben Verpflich- 'tun gen, die sie nicht vergessen dürfen. Die jetzt auftauchenden verwickelten wirtschaftlichen und poli- tischen Fragen müssen die erizstesten Bemühungen der Groß- mächte hervorrufen. Ebenso beschäftigen Zukunfts- fragen die Aufinerlsamkeit der europäischen Ka- b in e tt e ohne Rücksicht auf ihre Zugehörigkeit zu den politischen Gruppen. Es ist unzweifelhast, daß das solidarische Vorgehen der Kabinette den europäischen Frieden bestens garanliert und gegen» wärtig Meinungsverschiedenheiten einzelner Mächte vorbeugt. Man kann nicht von einer Sonderpolitik des Dreibundes oder der Triple- entente sprechen, die der gemeinsamen europäischen Politik entgegen» gesetzt sei. Auch die Friedensliebe des weisen rumänischen Königs muß hervorgehoben werden. Der europäische Charakter der r u m ä- nrschen Politik erscheint als ein wichtiger Faktor, der von den Großmächten wie auch den Nachbarn Rumäniens gewürdigt werden muß. Ich bin überzeugt, daß Rumänien hierdurch tatsächlich nur gewinnt, daß in Zukunft die alt-traditio- nellen ruistich-rumänischen Beziehungen von neuem befestigt und gemeinsame ruhmreiche Erinnerungen geschaffen werden, die durch vorübergehende Meinungsverschiedenheiten niemals verdunkelt Iverden können. Ich zweifle nicht, daß Bul» g a r i e n den vollen Wert feiner gegenwärtigen Beziehungen zu Rumänien versteht, daß es keine Lage schaffen wird, die cS Rumänien erschweren würde, seine loyale Halrung bis zu Ende zu bewahren. Jedenfalls müssen die Balkauvölker mit Rumänien als mit einem wichligen politischeu Faktor rechnen. DaS Gegenteil wäre Leichtsinn, den bei ihnen anzunehmen lein Grund vorhanden ist., Die Meinung, daß die Besetzung deS Sandschals durch Oe st erreich jede Minute bevorstehe, erscheint unbegründet. Solche unbegründeten Vermutungen werden zum Teil durch die russische Presse ausgesprochen, was bedauerlich ist. Eine Einmischung der Großmächte in den Krieg ist nur nach gemeinsamer Verständi- gung möglich, aber ohne eine Einmischung wird kaum eine Liqui- dation des Krieges erfolgen. Wie aber auch der Krieg ausgeht, daS Miiidestergebniö werden Reforme» sein, über deren Einführung bei genügenden Garantien die eriropälichen Mächte sich verständigt haben. Bon einer Rückkehr zum Alten kann man aber jetzt kaum noch sprechen. Die Ruhe vor dem Sturm? London, 31. Oktober 1912. Aus allen Hauptstädten Europas laufen in London beruhigende Meldungen ein, in denen von dem guten Einvernehmen der Mächte, der korrekten Haltung Oesterreichs und Nußlands und dem günstigen Fort- schreiten der Pläne zur Intervention die Rede ist. Auch das Organ des Auswärtigen Anites beniüht sich, dem nervösen Publikum Vertrauen und Zuversicht einzuflößen, ohne jedoch auf die Frage einzugehen, die jedermann auf der Zunge liegt. Mittlerweile versuchen die Blätter, einen Blick in die nahe Zukunft zu tun. Diejenigen, die auf die Niederlage und gänzliche Vernichtung der Türken in dem in Thrazien tobenden Kampfe rechnen, sind mit dem Problem schnell fertig und ver- teilen gar schon, wie es die„Daily News" tut, die asiatischen Provinzen der Türkei unter die Großmächte. Auf der anderen Seite jedoch stehen Leute, die sich sagen, daß ein entscheiden- der Wendepunkt in dem Liriege oder das Ende des Krieges unmittelbar die jetzt latenten Gegensätze zwischen dem österreichischen und dem russi- scheu Imperialismus wieder erwecken muß. Wird die hilflose Einmütigkeit der Mächte den Status- quo überdauern? Werden England, Frankreich und Deutsch- land ihre Freunde vor einem Schritte zurückhalten können, der mit Sicherheit den Weltkrieg entfachen wird? Das ist die Frage, die die Gemüter verständiger Menschen hierzulande augenblicklich am meisten beschäftigt. Der letzte klägliche Zusammenbruch der europäischen Diplomatie spricht nicht für eine glückliche Lölung. Und schon beobachten wir deutlich, wie die Mächte wieder in ihre alte Gruppierung zurückfallen. Der einzige Netter, der dem Frieden erstehen kann, ist das europäische Proletariat. Das neue englische Arbeiterblatt „The Daily Citizen" schreibt zu dem Thema:„Die Herrschen- den sind stark, die Finanz ist stärker, aber ein erwachtes und einiges Volk ist am stärksten von allen. Die Arbeiter aller europäischen Länder müssen sich weigern, an dem riesenhaften Verbrechen teilzunehmen. Der Kampf der Arbeiter darf nicht gegeneinander geführt werden, sondern darf nur gegen jede Art Knechtschaft und Unterdrückung geführt werden. Ter Krieg ist der Feind der sozialen Freiheit wie der Frieden ihr stärkster Freund ist." * Was ist an der Sache? Man schreibt uns aus Bremerhaven; „In den Unterweserorten ist ein Gerücht im Umlauf, das besonderer Beachtung wert ist. Schon seit einigen Tagen wird erzählt, daß Reservisten, die der seefahrenden Bevölke- rung angehören, bei den Heuerbureaus nichtmehr ange- m u st e r t werden dürfen. Auf das Gerücht legte man zu- nächst keinen Wert: jetzt aber ist einwandfrei festgestellt, daß es auf Wahrheit beruht. Nicht allein werden Reservisten nicht angemustert, sondern auch schon angemusterte sind von Bord wieder zurückgewiesLn worden. Hierbei handelt es sich nicht nur um Schisse, die größere Reisen machen und bei denen, vom Standpunkt der Militärbehörden aus betrachtet, eine solche Maßnahme Verständnis finden könnte, sondern auch um die Danipfcr der Hochseefischerei, die doch nur verhältnismäßig kurze Reise machen und immer gar bald in den Hafen zurück- kehren, ist diese Maßregel ausgedehnt worden. Dem gegenüber hat der in bürgerlichen Blättern unter- nommene Dementierungsversuch keine Bedeutung, da Tat- fachen nicht weggeleugnet werden können. Dieser Versuch ist auch zwecklos, da genug zurückgewiesene Reservisten vorhanden sind, denen man doch den Mund nicht verbinden kann." Angesichts der politischen Situation hat die Regierung die Pflicht, sich schnell und klar über diese beunruhigende Ge- rüchte zu äußern. � • Das örtermeMfehe Proletariat und der Krieg. Wien, 31. Oktober. Im Saale des Arbeiterheims(in Favoriten) trat heute abend der Parteitag der deutschen Sozialdemokratie in Oesterreich zusammen. Eiwa dreihnndert Delegierte und sehr viele Gäste au-s dem Ausland sind erschienen. Zum erstenmal haben England und Fvankreich Delegierte entsendet. Tic deutsche Sozialdemo- k r a t i e ist durch den Genossen E b e r t vertreten. D a z h n s k i und Diamond repräsentieren die polnische. Wityk die ruthcnische, Petric die südslawische, Oliva die italienische und Stein die tschechische Sozialdemokratie(Zentralisten) in Oesterreich. Dann erklärt S c a r e t den Parteitag für eröffnet. Perncr- storfer, Tomschik und Mälzer werden zu Vorsitzenden mit gleichen Rechten gewählt. In seinen EinlcituingÄvortcn. weist Perner st orfer aus die stürmische, ereignisreiche Zeit hin, in der der Kongreß zusammentritt. Die Kriegsfurie tobt und eine Nachricht jagt die andere. Allgemein ist die Besorgnis, daß aus- dem Balkonseuer ein Wcltbrand entsteht. Die sozialdemokratischen Parteien Europas können das Verdienst für sich in Anspruch nehmen-, alles getan zn haben und zu tun, daß es zu einem solchen Weltkriege nicht kommt. Der fest« und unerschütterliche Wille des europäischen Proletariats geht dahin, daß der Friede aufrecht erhalten bleibt, der Friede, den alle Völker notwendig brauchen. An erster Stelle der Tagesordnung soll verhandelt werden über: Der Krieg und die Internationale. Wir müssen bor allem über die Frage sprechen, die alles andere in den Hintergrund drückt, über die drohende Kriegsgesahr und was wir als österreichische Sozialdemokraten, und was die Internationale dazu zu sagen hat. So dringend unsere Geschäfte sind, vor allem gilt es, auszusprechen, was der Augenblick erfordert. Es folgen die Begrüßungsansprachen. Walsb, der Vertreter der englischen Arbeiterpartei: Wir bc- grüßen die deutsche Sozialdemokratie als die größte- sogialdcmo- (ratischc Bewegung der Welt. Einen Teil davon bildet die deutsche Sozialdemokratie Oesterreichs, die nach den gleichen Grundsätzen arbeitet. Als wir im vorigen Jahre tiefe Besorgnis um die Er- haltu-nq des Friedens hegten, war es der große Sieg der deutschen Sozialdemokratie, der uns in unseren Hoffnungen bestärkte. Auch die englischen Arbeiter haben sich zu einer kräftigen Partei ent- wickelt. ThomaS-Paris: Die österreichische Sozialdemokratie hat schneller für den Frieden mobilisiert, als die österreichische Regie- rung für den Krieg. Wir alle sind bereit. Eurem Beispiele zu folgen und auf die öffentliche Meinung Einfluß im Sinne des Friedens auszuüben. Eine chauvinistische Bewegung in Frankreich könnte heute die Kricgslust Rußlands erwecken, und in diesem Sinne hängt heute vielleicht der Friede von dem Willen Frank- reichs ab. Da ist es mir eine große Freude, Ihnen sagen zu können, daß es nicht nur die Arbeiter und Sozialisten sind, die für den Frieden eintreten, sondern daß ganz Frankreich den Frieden will, auch die Radikalen und die gemäßigten Republikaner. Es bc- steht volle Einmütigkeit des ganzen Volkes. Unsere, der franzö- fischen Sozialdemokratie Aufgabe wird eS sein, dafür zu sorgen. daß an Stelle dieser augenblicklichen Stimmung eine dauernde friedliche Gesinnung tritt, und daß nicht jene chauvinistischen Stim- men Oberhand gewinnen, die daraus hinweisen, daß die Schüler Frankreichs, die Bulgaren, die Schüler Deuschlands, die Türken, besiegt haben. Ich sehe hier mit Freude auch einen Vertreter der deutschen Sozialdemokratie, den Genossen Ebert, und erinnere mich dabei der gewaltigen Demonstration im Parke von Treptow, die zur Zeit der Marokkogefahr den Frieden forderte. Sie hat ernst- hast an der Erhaltung dieses Friedens mitgewirkt. Die franzö- fischen Sozialisten werden mit an der Spitze marschieren. Arm in Arm mit Euch, wenn es heißt: Grierre ä la guerre!— K r i e g d e in Kriege! lStürmischer Beifall.) Ebert-Deutschland: Im Auftrage der Sozraldemokratre Tcut'ch- lands überbringe ich die herzlichsten Grüße. Wohl legt unsere Partei großen Wert darauf,.mit allen Bruderpartcien in engster Fühlung zu bleiben, aber mit Oesterreich einigen uns Bande innigster Kameradschaft. tLebhafter Beifall.)� Als besonders an- genehm empfinden wir bei Ihnen den mustergültigen Geist, in dem Sic gewohnt sind, die Parteiarbeiten zu erledigen. So interessiert uns auch die Organisationsfrage lebhaft, die Sie beschäftigen wird. Ich bin sicher, daß die Beschlüsse dieses Parteitages. das oraanisa- torischc Rüstzeug stärken und die Schlagkraft der Partei steigern werden. Auch auf politischen! Gebiete haben wir vieles gemeinsam. In erster Linie den Kampf gegen dre internationale agrarisch-kapitalistische Hungerpolitik der Herr- schenden Klassen, gemeinsam d-e provokatorische Gleichgültigkeit geäen die Not des Volles und die Begünstigung der Lcbensmittclwucherer. Gemeinsam aber auch die Empörung und Verzweiflung des Volkes hüben und drüben. Bewundernd haben wir Eure Teuerungsdemonstrationcn im vorigen Jahre gesehen und helle Entrüstung hat auch uns gepackt, als die Reaktion ihre Mittel aeaen Euch versuchte. Gemeinsam vor allem ist uns der Kamps aegen das volksverwüstende Rüstungstreiben. gegen die verbrecherische Kriegshetze und die Raubpolitjk des Imperialismus.,..„ v. Leider hat das Proletariat noch nicht die Macht gehabt, zu verhindern, daß am Balkan die Kriegsfurie ausbrach; wohl der erhebendste Moment war eZ. als damals in den Parlamenten Bul- garicns und Serbiens die wenigen sozialdemokratischen Abgeord- neten, umtobt vom Liriegsgeheul, die Friedenspolitik der Jnter- nationale vertraten und unerschrocken sich zum Völkcrfriedcn bc- kannten. Die Diplomatie hat leider völlig versagt. Der Bot- schafter einer Großmacht in Konstantinopel soll, als der Krieg ausbrach, gesagt haben: Eigentlich müßten wir alle in Pension gehen, wir haben wieder einmal nichts gemerkt. Run fordert der Massenmord ungeheure Opfer. Das Blut fließt in Strömen und der Ausgang oes Krieges steht dahin. Ob es gelingt, ihn zu loka- lisiercn oder ob nicht bei der Verteilung oer Beute Komplikationen eintreten, die den Frieden Westeuropas gefährden, weiß niemand. Aber-das deutsche Proletariat hat in machtvollen Demonstrationen die Negierung auf diese Gefahr hingewiesen und mit aller Ent- schiedenheit verlangt, daß Deutschland alles tut, üm den Frieoen zu erhalten und im gleichen Sinne auf die übrigen Großmächte einwirkt. Wir deutschen Sozialdemokraten stehen alle auf dem Standpunkt Adlers in Brüssel: Wir haben auf dem Balkan nichts zu suchen. Darin ist das internationale Proletariat einig. Das haben die Verhandlungen in Brüsiel und das Manifest des Jnter- nationalen Bureaus bewiesen. Der Kriegshetze oes Jmperialis- mus und des Chauvinismus muß die geschlossene Friedenspolitik des Proletariats gegenübergestellt werden. Entschiedener denn je müssen wir fordern die Ueberwindung der Barbarei des Krieges durch die Kultur des Sozialismus. Pilsudski(Nuss.-Polen): Gerade unser Land ist von den Schrecken eines Krieges zwischen Rußland und Oesterreich beson- dcrs bedroht. Das revolutionäre Polen spürt noch die Mißhand- lungen oer Schergen des Zarats. Aber wir werden nicht zurück- schrecken bor den neuen Gefahren, die unserer warten. Vielleicht kommt der Tag, wo in den freien Mauern Warschaus ein inter- nationaler sozialdemokratischer Kongreß tagen kann. Buchingcr(Ungarn) versichert, daß auch �das ungarische Proletariat bei dem Teile der Aktion gegen den Krieg, der auf seine Schultern fällt, seinen Mann stellen wird. Es ist in seiner Stellung zur Kriegsgefahr eines Sinnes und eines Willens mit dem ganzen internationalen Proletariat Europas. Das Organisationskomitee der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands hat ein Begrüßungsschreiben geschickt, in dem es heißt:„Aus dem zu neuen Kämpfen erwachen- den Rußland, mitten aus einem schtveren Wahlkampf senden wir dem Parteitag brüderliche Grütze. In dem Augenblick, wo die Kriegshetzer hüben und drüben ihre verbrecherische Arbeit der- richten, die die Völker Oesterreichs wie Rußlands mit* allen Schrecken eines brudcrmörderischen Krieges bedroht, empfinden wir besonders stark die Unerschütterlichkeit der Bande der internatio- nalen Solidarität, die das Proletariat aller Rationen Rußlands und Oesterreichs zusammenknüpft. Wir begrüßen die von Euch mächtig entfaltete Aktion gegen den Krieg. Keine Ein- Mischung in den Balkan krieg. Der Balkan den Balkan- Völkern! Erhaltung des Friedens! Das sind cmch die Losungen der russischen Arbeiterklasse, oie ihre Stimme gegen die diebische und heuchlerische Balkanpolitik des Zarismus erhebt. Die russische Ar- beiterschaft versteht die lügnerischen Phrasen ülier die Slawenbe- frciungsmission des Zarismus zu schätzen, desselben Zarismus, der vom Blute des eigenen russischen Volkes trieft, der im eigenen Lande die Polen bedrückt, die Ukrainer knebelt, die Juden verfolgt, Finnland knechtet und seine Ban- ditcnhande nach Persicn, der Mandschurei, der Mongolei, dem Balkan streckt. Auf diesen räuberischen Imperialismus in der auswärtigen Politik und den mörderischen Nationalismus in der inneren hat das Proletariat nur eine Antwort: Nieder mit dem Zarismus.(Stürmischer Bcifalll) Mit Freude können wir Ihnen die Kunde senden, daß das Proletariat Rußlands trotz aller Gewalt- tätigkeitcn und Verfolgungen der Gegenrevolution wieder sein Haupt erhebt. Bald wird cS wieder von der Verteidigung zu>m Angriff übergehen. Ter Kampf um die Koalitionsfreiheit reißt immer breitere Arbeitermassen mit. Als in'den letzten Tagen die Regierung den Versuch machte, die Petersburger Arbeiter ihres so elenden Wahlrechts zu berauben, zwangen sie durch einen groß- artigen politischen Proteststreik die Regierung zum Rückzug. Diese Stimmung der Arbeiterklasse kam auch best den Dumawcchlen selbst zum, Vorschein. Trotz aller Dranysalierungen hat die Sozialdcmv- kratie in der Arbeiterkurie über Ä> Proz. aller Stimmen auf sich vereinigt. Als ihre erste Pflicht in der kommenden Duma wird unsere Fraktion betrachten die Kriegshetzer öffentlich zur Verant- wortung zu ziehen und von der Dumatribllne laut die Losung der Völkerverbrüderung erschallen zu lassen. ES lebe die österreichische, es lebe die internationale völkcrbesrcicndc Sozialdemokratie. Für das Zentralkomitee der bulgarischen Sozialdemokratie schreibt Janko Sakasoff: Ihr Kongreß tagt in einer Zeit, die schwanger an großen Bewegungen ist. Wir Balkansozialistcn freuen uns von ganzem Herzen über die mannhafte Haltung, die die ge- samte und die deutsche Sozialdemokratie Oesterreichs gegen den Krieg und den Kriegsalarm, wie zu erwarten war, eingenommen haben. Wir fanden in Ihrer der Balkanbevölkerung gegenüber gc- rechtfertigten Haltung einen weiteren Stützpunkt für unseren Kampf gegen die nationalistischen und chauvinistischen Treibereien unserer herrschenden Klasse». Für die serbische sozialdemokratische Partei schreibt ihr Se- kretär Tragischa Laptschcwitsch: Eurer Einladung können wir leider nicht folgen. Wir sind heute in solcher Lage, daß wir kaum die gewöhnlichsten und nötigsten Angelegenheiten führen können. Unsere Organisationen sind verwüstet, und fast alle Genossen sind an der Grenze, selbst die Parteileitung, der Vorstand der Landes- zentrale upd die Reduktion unseres Parteiorganes. Das alles hat die Militärgclvalt von uns getrennt und in den Krieg eingegliedert. Nur einige Genossen, die wogen hohen Alters oder wegen physischer Sckwächc vom Kriegsdienst befreit sind, sind geblieben, um in unserem Volkshanse die Dokumente der Partei und der Gcwerk- schasten zu hüten, das Organ zu redigieren und die laufenden An- gelrgenhcitcn zu erledigen. Wenn wir also nicht den Posten ver- lassen können, sind wir doch im Gefühle und in der Uebcrzengung mit Ihnen einig, die Sie durch Ihre energische Aktion unsere schivere Lage zu erleichtern suchen, in die uns ein von Rußland in- H sp i r i c r t e s und durch die Raubpokitik der Groß- mächte ermöglichtes KriegSabenteuer versetzt hat.(Stürmischer Beifall.) Daszynöki: Seit beinahe einem Vierteljahrhnndert schreitet das polnische Proletariat Arm in Arm mit Euch. In jener großen Kri'c, die durch die Revolution in Rußland auch in Oester- reich aktuell wurde, war die österreichische Sozialdemokratie der beste Diplomat in Europa und die einzige Partei, die die russische Revolution für sich durch die Eroberung des allgemeinen Wahlrechts realisierte. Wir Polen waren nicht die letzten bei der Arbeit. Das polnische Proletariat empfindet auf Schritt und Tritt die Not- wendigkeit einer aktuellen Solidarität der ganzen Internationale. nicht bloß der'Solidarität der Festtage. Wohin soll es führen, wenn ackü Nationen sich zerfleischen, weil sie sich in irgendeinem Punkte nicht einigen können. Wir negieren die nationale Frage nicht. Wir bedienen uns der Macht der nationalen Kultur, damit unsere Internationale allen Völkerschaften ihre Lehre in ihrer Sprache predigen kann. Wir kräftigen die Sozialdemokratie im Schöße der Nation, indem wir ihr den Weg gewiesen haben, im Herzen der Nation das rote Banner zu erheben. Roch ein paar Worte zum B a l k a n k r i e g. Die österrcichi- scheu Diplomaten sind wirklich ihr Geld nicht wert. Eine so von Blindheit geschlagene Diplomatie haben wir in der ganzen Welt noch nicht gesehen. Dabei bildeten sie sich ein, daß es ohne Oester- reich keinen Krieg aus dein Balkan gibt. Trotzdem donnern jetzt die Kanone» und die serbischen und bulgarischen Bauern stürmen gegen alle Regeln der Kriegskunst Lebensmittel aus drei Tage im Sack init dem Bajonett die Betonwerke der Türken. Es können trits sche Tage und Wochen kommen und wir müssen fragen, ob nicht auch die großen Armeen marschieren werden. Unser Volk sitzt zwischen Rußland und Oesterreich. Drei Fünftel von ihm lebt ohne Recht und Gesetz. Unser Volk ist verurteilt, im Falle eines Krieges zwischen Nußland und Oesterreich seinen Boden zum Schlachtfeld zu bieten unodasSchrecklichstekannkommen.: Polen soll gegen Polen um fremder Tyrannen willen ihr Blut vergießen. Wir sind Gegner des Krie- gcs, obwohl dieser Krieg uns vielleicht Perspektiven eröffnet, daß unsere Ketten leichter werden. Trotzdem erhossen wir nicht allzu viel, denn es ist schwer, die Hoffnung eines Volkes auf die öfter- reichischc Diplomatie oder Dynastie zu bauen. Das eine aber soll man wissen. Wir sind nicht gesonnen, die willenlose Beute irgend- einer Großmacht zu sein, so wie Euch die Knochen eines Proletariers zu wertvoll sind, um wegen der Balkanwirrcn zerschossen zu wer- den, so ist uns ein Krieg zwischen Oesterreich und Rußland unsere Knochen nicht wert. Es dämmert in vielen Hirnen der Gedanke, daß wir ettvas inachen müssen, um im Ernstfälle nicht wie ein Aas auf den Schlachtfeldern zu sein. Das sind die Keime einer revolutionären Bewegung, die jeder Krieg, besonders aber ein unglücklicher Krieg in sich birgt. Ein unglücklicher Krieg bringt die Revolution, das lehrt die Geschichte, er rüttelt die Völker auf, um die Schuldigen unter den Herrschenden zur Rechenschaft zu ziehen. Ans diesen Elementen entsteht der revolutionäre Geist, der aber leider Gottes noch sehr schwach bei uns ist. Ihr braucht nicht zu fürchten, daß wir im Ernstfalle den Schießprügel in der Hand, über die russische Grenze rücken werden. Aber Ihr könnt sicher sein, daß wir, falls der Krieg auf unserem Gebiet sich ab- spielt, alles tun werden, um das Volk auf seine Sache aufmerksam zu machen, drimit das Blut, das fließen muß, im Interesse der Freiheit und der Zukunft dieses Volkes vergossen wird. ES halten nach W i t Y k für die ruthcnische und Petric für die südslawisckw Partei kurze Begrüßungsansprachen, dann werden nach 10 Uhr die Weiterverhandlugen aus morgen vertagt, politische(leberkickt. Berlin, den I. November 1912. Die katholische Renaissance und der Balkankrieg. Der Balkankrieg treibt gar seltsame Blüten in der Presse der Patrioten und Frommen. Das Kurioseste ist jedenfalls. daß sich der hypcrkatholischen Blätter, die in niittelalterlich- feudaler Romantik von einer sogen.„Rekatholisierung Europas" träumen, ein ivütender Kriegsenthlisiasmns bmächtigt hat. Mit innerer Befriedigung jubeln sie über die Mcnschenschlächtcrei auf den türkischen Schlachtfeldern. Selbst die Entfachung eines Weltbrandes schreckt diese edlen Brüder in Christo nicht; und zwar ist es nicht der Haß gegen den Halbmond, der sie zu solcher Freude am Blutvergießen treibt, nicht die Hoffnung, daß der Islam aus Europa hinausgeworfen wird, sondern der Haß gegen die Sozialdemokratie und den Liberalismus. Das hinter diesen Blättern stehende nltramontane Gesindel rechnet nämlich darauf, daß in dem Meer von rotem Blut, das es herbei- sehnt, die sozialistischen und liberalen Gedanken erstickt werden und in Europa, wie so oft nach gewaltigen Aderlässen, eine reaktiv- näre Umkehr, ein völliger Umschlag der freiheitlichen Bestrebungen erfolgt, aus dem dann in mittelalterlicher Pracht eine neue „katholische Renaissance" ersteht. Und um dieses hehre Ziel zu erreichen, scheuen diese nioralisch verkommenen „Nachfolger des Herrn" selbst vor der Hinopferung Hundert- taufender von Menschenlcibcrn nicht zurück. Als Beispiel dieser vertierten ultrnmontnnen Presse mag„Oesterreichs katholisches Sonntagsblatt" dienen, das jüngst in seinem Streben nach einer„Reaktion des katho- tischen K u l t u r g e d a n k e n s" offen verkündete:„Unser Ideal ist nicht die Aufrechtcrhaltung des Besitzstandes der europäischen Türkei, sondern die Errichtung eines dauernden Besitzstandes des katholischen Oesterreichs und der katholischen Kirche auf der Balkanhalbinsel." Und diese seine saubere Politik begründet das Blatt fol- gendermaßen(Nummer vom 27. Oktober): „Ein gründliches Gewitter erfrischt und reinigt die drückende Atmosphäre und wir halten Hpfür, daß, wenn es zum Schlagen kommt, der sittliche und Wirt- schaftliche Gewinn Enropas schließlich groß sein wird. Noch ist die Sozialdemokratie nicht stark genug, einen Krieg zu hindern. Und unter den Gefühlswerten eines Enropakriege« bricht sie zusammen ntit ihren Millionen von Mitläufern. Und unter den Gefühlswerten solchen Krieges bricht auch der moderne Liberalismus zusammen. Es schadete Europa nicht, wenn seine Verhältnisse einmal gründlich durchgerüttelt würden. Stur einen würde eS auch wirtschaftlich tödlich verwunden, einen mächtigen Faktor, der die Presse und die Kabinette beherrscht, den Bankliberalismus der Geldmagnaten. Darum werden auch in seinem Solde die Presse und die Kabinette sich bis zum letzten Augenblicke wehren, und wenn die rechte Hand des Diplomalen erleichtert den Säbel lockert, so darf die linke eS nicht wissen." Aber nicht nur das Blatt der österreichischen Hyper- katholiken, auch das Organ der deutschen katholischen Aktion, das„Katholische Deutschland" hetzte bereits in seiner Nummer vom 6. Oktober folgendermaßen: „Doch Oesterreich darf und wird nicht träge sein. ES hat schon erklärt, nicht dulden zu wollen, daß Serbien die Hand ans den Sandschank Rovibazar legt, der eigentlich schon längst öster- reichisch sein sollte— und cd wird das Ländchen daher nehmen. Da Oesterreichs Truppen bereit sind, wird der Spaziergang viel« leicht bis Konstantinopel gehen, und wir können nur sagen: Glückauf. Oe st erreichl— Mögen endlich die verrotteten Türken, die zu ihrem schmutzigen JSlam auch noch Freimaurer geworden sind, und jetzt deswegen das Christentum doppelt hassen, endlich einmal aus Europa vertrieben werden. K o n st a n t i n o p e l dem westeuropäischen Christentum, nicht ober den Russen oder den Türken. Möge Oesterreich als Schiedsrichter zwischen den Balkanstaaten wollen, wozu eS wie lein anderer Staat berufen ist, möge eS den Ruhm haben, wieder das katholische Kreuz auf der Sophienkirche aufzupflanzen. ES hat ihn durch jahrbundertelaiigen blutigen Kampf gegen den islamitischen Kulturzerstörer wahrhaftig verdient! Also Glückauf, Oesterreich, laß dich nicht stören— England fürchtet sich vor uns, Rußland vor der Meuterei,— Frankreich hat verdorbenes Pulver und neues noch nicht erfunden, Und Dentfchland steht hinter dir, jetzt oder nie wird den Russen das Spiel verdorben I" Dieselbe Nummer brachte ferner folgendes Gedicht: Krcuzfahrer-Ruf. Run krachts am Balkan wirklich loZ— Mit Freibettsruf, mit KampfgetoS— .Der Serbe knallt und der Bulgar— Der Grieche und der Skipetar— Voran, du tapfres Oeslreich l Zu lang schon drückt des Türken Joch, Nun ward er Freimaurer gar noch, Und mordet nicht für Mohammed, Nein auch für Fetrer. früh und spät— Voran, du christlich Oestreich! Du sätest deiner Söhne Blut Jahrhundertelang in edler Flut Vor'm Haldmond für den Glauben auS; Nun kommt die Ernte wohl nach HauS— Voran, du edles Oestreich!— Der Russe zittert,— Albion Blickt bangend auf die Reichskanon'-- Nun greife zu, nimm auch Byzauz Und wahr dein Christentum cS ganz, Voran, Du sieghaft Oestreich I— Gib jedem Volk, was ihm gebührt, Mit Liebe, die dich stets geziert, Du, DemscheS Reich, halt christlich Wort Und wttf des Türken Freundschaft fort, Und wahr dein Christentum es ganz l" Und diese ultramontanen Hnndeseelen, die zur Erreichung ihrer hierarchischen Zwecke einen Riesen-Masscnmord für recht nützlich halten, beanspruchen, als Nachfolger Christi zu gelten. Das überzeugungstreue Kölner Kapitel. Nach und nach werden die sonderbaren Untstände, unter denen die Wahl des Herrn Dr. Felix von Hartinann zum Erzbischof von Köln erfolgt ist, näher bekannt. So hat die „Frankfurter Zeitung" von einem„Eingeivcihten", allem An- schein nach einem Geistlichen, folgende Mitteilung über die Wahl erhalten: Das Kölner Kapitel wurde vergewaltigt, v. Hartmann kam auf die Liste durch Betreiben feines intimen Freundes, des KapitularvikarS Kreutzwald. Aussichten auf Wahl hatte er im Kapitel aber nichtf obschon Regierung und einige wenige Kapitulare, welche stets durch dick und dünn mit der Regierung gehen, sich für ihn einsetzten. Der Oberpräsident hat alle Wähler besucht, aber der Erfolg schien sehr zweifelhaft. Bis in die letzten Tage hinein hatte Hartmann keine Aussicht. Dock, man hatte auf seiner Seite noch einen Trumpf in der Hand. Unter der Hand war Rom um Hilfe angegangen worden. Rom wollte, da Weihbiichof Müller als Anhänger der Kölner Richtung borten gilt, unter allen Umständen einen Kandidaten, der mehr Verlaß bot, und deshalb wurde v. Hartmann freudig unterstützt. In der ersten Hälfte des September ließ man ein Schreiben an das Kapitel los, in dem Hartmann.gewünscht' wurde. Dieses Schreiben sollte aber nur im Notfall verwendet werden, es wurde deshalb auch erst Ende voriger Woche, wenige Stunden(soll wohl heißen: Tage, D. Red.) vor der Wahl dein Kapitel zur Kenntnis vorgelegt. Man hattte richtig kalkuliert: Die Kapitulare waren platt. Müller konnte nicht mehr akzeptieren, auch wenn er gewählt würde, denn wie könnte ein Bischof gegen Rom ankämpfen. Und so kam es, daß v. Hattmmtn nicht gewählt. sondern den Kölnern aufgezwungen wurde." Es ist ja begreiflich, daß die geistlichen Anhänger Bachems und des unterlegenen Weihbischofs Müller über die Vorgänge bei der Wahl entrüstet sind— aber diese nachträgliche Ent- rüstung im Geheimen ist absolut wertlos und ändert nicht das geringste an der Tatsache, daß als die römische Kurie einen Wunsch äußerte, das ganze Kölner Kapitel, die Bnchemiten wie die Antibackemiten, diesen Wunsch sofort als Befehl auffaßte und ohne Bedenken der römischen Weisung folgte, mochten auch manche Wähler das stärkste Miß- trauen gegen den bisherigen Bischof von Münster haben. Der Vorgang zeigt, wie Rom den deutschen Klerus beherrscht und wie wenig Wert das alberne Geschwätz von der Selbständig- keit des deutschen Episkopats und des Klerus hat. Wenn Rom bcsiehlt, liegt der ganze Klerus, wie der Einsender der „Ftankf. Ztg." sich ausdrückt,„platt" auf dem Bauch. Reichspartei und Sozialdemokratie. Kürzlich wiesen wir nach, daß die„Post" mit ihrer Bchauptuna, von ffreikonservativer Seite sei die Sozialdemokratie nie um Wahl- Hilfe angegangen, nichts weiter als Heuchelei treibt. Ihr mußte bekannt sein, daß 1908 bei der Landtagswahl an einzelne sozial- demokratische Wahlmänner 40 M. bezahlt worden sind, damit diese nach St. Andreasberg reisen und dort am Wahltage für den frei- konservativen Kandidaten stimmen konnten. Für uns genügte diese Feststellung, so daß keine Veranlassung vorlag, weiter auf die Sache einzugehen. Damit ist aber die„Post" nicht einverstanden. Sie macht, in ihrer Nr. 502 vom 25. Oktober allerlei Mitteilungen über die„wahren Vorgänge" und spricht die Hoffnung ans, daß der„Vorwärts" von diesen„Feststellungen" Notiz nehmen werde. Die„Post" behauptet, weder der Abgeordnete Spinzig, noch die „aus nationalliberalen und freikonscrvativen Wählern bestehende politische Organisation im Oberharz hätten von der Hergabe dieses Betrages etwas gewußt". „Der sozialdemokratische Kreisvorsitzende in GoSlar," erzählt sie,„war nach Lautenthal gekonimen und hatte zwei Anhängern von Spinzig, die keiner Organisation angehören, erklärt, die vier sozialdemokratischen Wahlmänncr würden keinesfalls Köllc, der bei seiner ersten Wahl sozialdemo- tratische Stimmen erhalten hatte, wiederwählen; sie würden Spinzig wählen, wenn sie die Reise- kosten nach St, Andreasbcrg ausgezahlt er- hielte». Die beiden Spinzigschen Wähler haben dann ohne S p i n z i g s Wissen, der zu der Zeit gar nicht in Lautenthal anwesend war, die geforderten 40 Mark gezahlt... „Es ist ferner unwahr, daß Spinzig erklärt hat, er werde für das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht stimmen. Vielmehr ist von Spinzig in einer Wahlversammlung in Wildemann gesagt worden, daß er für ein direktes und geheimes Wahlrecht u haben sein würde; wofür er, wie wir auf Anfrage erklären önnen, heute nach seinen parlamentarischen Erfahrungen für Preußen nicht mehr zu haben ist." Diese Darstellung ist völlig unrichtig. Herr Spinzig hat in der Wählerversammlung in Wildemann— nachdem er in seiner Rede das Wahlrecht nicht erwähnt hatte— auf Anfrage des Bürger- Vorstehers Genossen.Müller gesagt: „Ich erkläre feierlich güd auf Ehrenwort, für den w e i t- gehend st cn WahlrechtSantrag, der im Abgcordncten- hause gestellt wird, c i n z u t r e t e n." Einen Vorbehalt, nur für das direkte und geheime Wahlrecht einzutreten, hat Herr Spinzig nicht gemacht. Daß er heute nicht mehr dafür zu haben ist, wissen wir längst, hatte er doch bei der Wahlrechtsvorlage 1010 im Abgeordneten'hause sein gegebenes Ehrenwort bereits vergessen. Erst auf Grund dieser ehrenwört- liehen Versicherung, die die bedingungslose Zustimmung zum Reichs- tagswahlrccht enthielt, hat sich dann das weitere zugetragen. Herr Spinzig war Königlicher Bcrginspektor in Lauten- thal. Am Sonntag vor der Wahl kamen nun die Herren Hagen- dorn und Baum, die hei der Berginspektion in Lautenthal angestellt waren, in die Wohnung unseres Vorsitzenden Schropp in Klausthal und suchten ihm klar zu machen, daß Spinzig mit seiner ehren- wörtlichen Erklärung unseren Bedingungen völlig entsprochen. Sie> erhielten zur Antwort, daß Spinzig zunächst eine schriftliche Er- klärung abgeben solle, dann werde Schropp mit der Kreisleitung in Goslar sich verständigen. Beide Herren erklärten darauf, da Spinzig sein Ehrenwort gegeben habe, stehe einer schrift- lichen Erklärung nichts im Wege. � Sie vereinbarten darauf die Verhandlung in Lautenthal am Nachmittag. Schropp holte dazu den Kreisvereinsvorsitzenden Knoblauch aus Goslar. In dieser Verhandlung wurde von beiden Beamten erklärt, sie hätten vergebens alles aufgeboten, Spinzig telephonisch zu er- reichen. Er sei im Kreise Ilfeld. Sie handelten aber ganzundgarimEinverständniSmitSpinzig! Man möge sich mit der vor 200 Männern abgegebenen Erklärung eines Ehrenmannes begnügen. Er werde sein Wort bestimmt halten. Darauf einigte man sich schließlich. Die Forderung, daß Spinzig aber die Unkosten tragen müsse, wurde sofort erfüllt. Einer der Herren holte aus dem königlichen Jnspektionsgebäude 40 M. und tibergab sie dem Genossen Knoblauch, der noch an demselben Tage die Wahlmänner aufsuchte, ihnen das Geld aushändigte und später dem Beamten eine Abrechnung zusandte, worauf er den Rest der Unkosten in Höhe von 5 M. zugeschickt bekam. Das ist der wahre Sachverhalt. Wenn die„Post" der Welt glauben machen will, daß Spinzig nichts von der Sache gewußt habe, so scheint sie bei ihren Lesern eine starke Portion Naivität vorauszusetzen. Die beiden Herren haben selbst erklärt, im Einverständnis mit Spinzig zu handeln, was um so glaubhafter ist, da sie Untergebene des Herrn Spinzig waren und das Geld aus dem Jnspektions- hause holten. Und wenn die„Post" die beiden Unterhändler da- mit abtun will, daß sie behauptet, diese gehörten keiner Organi- sation an— soll doch wohl heißen, keiner freikonservativen, denn sonst hat die Bemerkung keinen Sinn—, so ist auch dies nur ein Fälschertrick; denn im Oberharz gibt es überhaupt keine frei- konservativen Organisationen. Staatlicher Terrorismus. Die Eisenbahndirektion in Altona hat ihren technischen Angestellten verboten, dem Deutschen Technikerverband oder dem Bunde technisch-industrieller Beamten als Mitglied an- zugehören. Dieses Verbot lvird damit begründet, daß die ge- nannten Verbände die Anwendung des Streiks nicht ablehnen. Zur Nachwahl in Greifenberg-Kammi». Die Kandidatenfrage für die Ersatzwahl zum Reichstage ist nun- mehr von allen Parteien als gelöst zu betrachten. Unsere Genossen stellten den bisherigen Kandidaten Genossen W. Meyer, Geschäfts- führer des Stettiner Konsunivercins, wieder auf. Die Wahlarbeit von unserer Seite hat begonnen. Am Sonntag finden bereits die ersten Versammlungen im Kreise statt. Petroleummonopol. Am Mittwoch hat sich der Bundesrat, wie eine Korrespondenz wissen will, mit dem Gesetzentwurf über das Reichs-Petroleummonopol beschäftigt. Dabei haben sich die Vertreter Bayerns, Württembergs und Hamburgs gegen die Fassung des vorgelegten Entwurfs ausgesprochen. Bayern wünscht zwar ein Reichsmonopol, doch keine Monopolgescllschasl. Der Gesetzentwurf wurde angenommen. In seiner jetzigen Form sieht das Gesetz nur die Schaffung eines Petroleummonopols vor, dagegen werden die Nebenprodukte, wie Benzin, Schmieröl usw., dem freien Handel überlassen bleiben. Der Präsident des Deutschen Handelstages, Herr Kaempf, hat an den Bundesrat eine Eingabe gerichtet, die Beschlußfassung über daS Monopol auszusetzen, damit den interessierten Kreisen, ins- besondere dem Deutschen Handelstage und den Handelskammern Ge- legenheit gegeben wird, zu dem Entwurf Stellung zu nehmen. Gleichzeitig wird der Wunsch ausgedrückt, den Gesetzentwurf in seiner vorläufigen Fassung zu veröffentlichen,.weil erst dadurch eine eingehende Prüfung ermöglicht wird. Die Polizei gegen den Austritt aus der Laudeskirche. In Königsberg i. Pr. veranstaltete das Komitee�„Kon- f e s s i o n s l o s" zwei Versammlungen, in denen es Propaganda für den Austritt aus der Kirche ninchte. Die Versammlungen wurden durch Plakate bekannt gemacht, die zugleich zum Austritt aus der Landeskirche aufforderten. Einen Tag klebten die Plakate an den Anschlagsäulen, dann ließ die Polizei sie herunterreißen! Wahrscheinlich hatten die„Positiven" die Polizei scharf gemacht, der- artige Plakate nicht zu dulden. Die Polizei stützte sich bei ihrem Borgchen auf längst veraltete preußische Bestimmungen, deren Be- seiligung die Sozialdemokratie wiederholt gefordert hat. Snglancl. Lord Roberts Rede. London, 31. Oktober.(Eig. Set.) Die Brandrede des Feld- Marschalls Roberts ist in England mit ganz verschwindeiiden Aus- nahmen von Freund und Feind verurteilt worden. Die Freunde des Redners strafen ihn entweder mit Mißachtung oder verurteilen ihn offen. So schreibt die konservative„Evening Standard", deren Mililärfrömmigkeit über jeden Zweifel erhaben ist, folgende sehr vernünftige Sätze: „So sehr wir auch mit Lord Roberts in seinem großen Unter- nehmen, die Nation für die Zeit der Prüfung, die ihr bevor- stehen mag, zu erziehen, sympalhisieren, bedauern wir doch, daß er sich für Aussagen verantworilich gemacht hat. die der Sache, die ihm am Herzen liegt, nur schaden können. Der Feldmarschall machte einen Angriff auf Deuischland und einen Angriff auf die Territorialarmee. Seine Sprache in bezug auf ein Land, mit dem wir, wie man annimmt, auf freundlichem Fuße stehen, wäre kaum zu rechtfertigen, wenn es mit uns offen Krieg führte. ES ist so sicher, sagte er,„wie irgend etwas nach menich- lichem Ermessen sein kann", daß Deutschland nur darauf wartet, bis seine Rüstungen vollständig sind, um unS anzugreifen. „Deutschtand schlägt, wenn die Stunde Deutschlands schlägt." Er sagte nicht, warum Deutichland auf uns einschlagen sollte oder was Deutschland durch den Schlag zu gewinnen hat. Er versteckt sich hinter albernen Allgemeinheiten. Deuischland strebt„nach einer vollständigen Oberherrschaft zu Wasser und zu Lande". Wenn die deutschen Staatsmänner wirklich diese Idee hegen, müssen sie wahnsinnig sein. Welche Macht kann in diesen Zeiten der Nationen in Waffen und der ungeheuren Flotten und Heere nach einep vollständigen Oberherrschaft zu Wasser und zu Lande streben? Wie könnte das wirklich erreicht werden? Selbst wenn Deutschland uns erdrückte, hätte es noch mit 40 Millionen Franzosen, 45 Millionen Oesterreichern, 160 Millionen Russen ohne noch andere zu erwähnen, zu rechnen.... Laßt uns diese Dinge in dem richtigen Maßstäbe und den richtigen Per- Hältnissen betrachten. Geben wir ruhig zu, daß Deutschland ge- wisse ehrgeizige Pläne hat, die mit unseren Interessen zusammen« stoßen mögen und die deshalb, wenn nicht Staatsmänner, Diplomaten und Publizisten auf beiden Seiten mit Vorsicht und Erwägung handeln, einen Streit oder selbst einen Konflikt zwischen' uns herbeiführen könnten. Abep reden wir nickt, als ob der Kaiser die Rolle eines Dschinghis Chan oder Attila spielen könnte und an der Spitze bewaffneter Horden in der Welr wüten und Kaiser- reiche und Königreiche verschlingen könnte.... lind zu einer Zeit, wenn sich alle vernünftigen Leute auf beiden Seiten der Nordsee bemühen, zwischen den beiden Völkern bessere Beziehungen her- zustellen, kann man es nur als eine mulwillige Hetze bezeichnen irvanton misbik-walrin�), wenn ein Mann von dem unverglcich- lichcn Prestige des Lord Roberts Worte gebraucht, die jeden Deutschen, der sie liest, erbittern müssen." So das englische Junkerblatt, die in der feinen Gesellschaft Londons gelesene„Evening Standard and St. James' Gazette". Es wäre nur zu wünschen, daß die konservative Presse mit dem General Keim und Konsorten in gleicher Weise verführe. Rußland. Die Dumawahlen. Petersburg, 1. November. Gestern haben die Wahlen zur Reichsduma begonnen. Bis heute vormittag um 10 Uhr sind im europäischen Rußland gewählt 54 Mitglieder der Rechten, 16 Ska- tioiialisten. 16 Oktobristen, ein Progressist, zwei Kadetten und zwei S ozialdemokrateit 6ewerftfchaftUche9. „Rlrfcbe" und„Berliner" in cbriftUcber Beleuchtung. Franz H ü s k e s, dieser redselige und offenherzige chrisd liche Agitator war aus dem Gewerkverein«hristlicher Berg arbeiter herausgemaßregelt worden, weil er einerseits den Gewerkverein an die Einlösung von Versprechungen an streikende christliche Bergarbeiter erinnert hatte und anderer- seits, weil er der Gewerkvereinsleitung durch seine Redereien unbequem geworden war. Kein Mensch wußte, wo der einst so selbstbewußte„Edelanarchist" hingeraten war; wo der Mann geblieben, der einst der deutschen Industrie androhte, sie mit 35 Millionen Gewerkschaftskapital zu ruinieren! Jetzt haben War ihn wiedergefunden als wohlbestellten christlichen Kartell- sekretär in Düsseldorf und er hat in dieser Stadt auch schon sein erstes Debüt gegeben. Am 29. Oktober sprach er über den christlichen GeWerk- schaftskongreß in Dresden. Er gab einen Rückblick auf die letztjährigen Kämpfe der christlichen Gewerkschaften und stellte fest, daß die sozialdemokratischen Forderungen bei der Reichs Versicherungsordnung 3999 Millionen Mark(!) beansprucht hätten. Das hätte die deutsche Industrie nicht ertragen können. Dann band er sich im weiteren Verlauf seiner Rede auch die„H i r s ch e" und die„B e r l i n e r" vor. Von den ersteren meinte er, daß an ihnen Hopfen und Malz verloren seien! Bei den Hirschen steige mit deui Atter die Duinmheit. Sie seien nur noch Anhängsel der sozialdemokratischen GeWerk- schaften! Die christlichen Zuhörer quittierten nnt wieherndem Vergnügen. Offenbar gilt ihnen wie Herrn H ü s k e s das Bünd- nis nichts, das die„Hirsche" noch kürzlich mit den christlichen Gewerkschaften auf dem christlich-nationalen Krankenkassen tag in Köln abgeschlossen haben. Die christlichen Gewerb schaften haben nur Hohn und Spott übrig für die sozialisteir fresserische Hilfe, die die„Hirsche" den Christen leisten. Die „Hirsche" haben es auch gründlich verdient. Den„Berlinern" warf Hüskes vor, daß sie das Blei gewicht aitjier christlich-nationalen Arbeiterbewegung bildeten. „In saarabicii könnten die christlichen Gcwerkschasten anstatt heute 15 600 Mitglieder(sie haben in Wirklichkeit kaum 10 000 von mehr als 20 000, die sie vor einigen Jahren zählten. D..Red.) deren 56 666 haben, wenn sie nicht durch die Schuld der„Berliner' daran gehindert worden wären! Die„Berliner" haben die Sozialdemokraten in den letzten 10 Jähren am meisten gestärkt; sie tragen die Hauptschuld an der Erstarkung der Sozialdemo- kratie." Die„Berliner" werden Herrn Hüskes die Antwort nicht schuldig bleiben. Wir wollen nur betonen, daß Herr Hüskes den„Berlinern" zuviel Schuld für die Erstarkung der Sozial- demokratie zuschreibt. Politisch stehen doch die„Berliner" auf demselben Boden wie dib M.-Gladbacher. Beide unterstützen die reaktionäre und die junkcrlich-zentrümliche Politik in Deutschland, die so manchem christlichen Arbeiter die Augen geöffnet und zur Sozialdemokratie geführt hat. Beide Rich- tungen haben also reichlich für das Anwachsen der sozialdemo- kratischen Partei mitgesorgt. Hüskes konnte sich in der Versammlung nicht ver- kneifen, den sozialdemokratischen Abgeordneten L e d e b o u r einen„Fatzke" zu heißen. Diese persönlichen Beschimpfungen und Verleumdungen gehören zur Natur dieses christlichen Sekretärs, von dein wir jetzt ja noch mehreres hören werden. Kerlin und ünigcgcnd. In der Vcrliner Mlisitlnstrumentenindiistric waren in den letzten Wochen in einer Reihe Betriebe Disferenzc» ausgebriMen, die bis jetzt größtenteils ibre Erledigung gefunden haben. Tic Arbeitgeber haben die gestellten Lohnforderungen ganz oder teil- weise bcüvilligt. Bei den Firmen, Ivo dies erst nach kurzemA&treik geschehen ist, wie zuletzt bei der Firma Lehmann u, Becken- Hagen, ist mit dem Tage der Arbeitsaufnahme seitens unserer Kollegen auch die Sperre über diese Betriebe aufgehoben. In der Pianofabrik Gebrüder Schmechten dauert der Streik noch unverändert fort uno ist vorläufig an eine Einigung nicht zu denken, Ebenso befinden sich die Kollegen der Firma F r a t i u. Co. noch immer im Abwehrstreik gegen die von der Firma beabsich- tigten Lohnabzüge in Höhe von 5 bis 20 Proz. Zuzug ist von den bestreikten Betrieben fernzuhalten. _ Tie Branchenlcitung. Der Kampf im Tachdeckergewerbe dauert bereits 14 Wochen und wird in der bisherigen Weise weiter geführt. Die Zahl der Ausständigen ist die gleiche"geblieben, ebenso hat sich die Zahl der bestreikten Betriebe nicht verändert. Die letzte Versammlung der Dachdecker und Hilfsarbeiter hatte beschlossen, daß die Kommission der Arbeiter mit den Unternehmern in Verbindung treten möge, um über Beilegung des Streiks und der Aussperrung zu verhandeln. Dies ist inzwischen geschehen und teilte Höppner in einer Versammlung am Donnerstag mit, daß sich die Unter- nehmer bereit erklärt haben, mit den Arbeitern einen Tarifvertrag abzuschließen. Gegenwärtig wird an der Ausavbeiwng einer Tarif- Vorlage gearbeitet und wird diese einer demnächst einzuberufenden Versammlung zur Beschlußfassung unterbreitet werden. Eine ein- gehende Erörterung fand noch über die an die Streikenden nnd Ausgesperrten zu zahlende Mietsentschädigung statt. Schließlich erklärte man sich aber mit den vom Vorstand getroffenen Maß- nahmen einverstanden. Beschlossen wurde serner, eineni Mitglieds wegen seives unkorrekten Verhaltens die Streikunterstützung für drei Tage zu entziehen. Oeurkckies Reich. Achtung, HeizungSmontcure, Rohrleger, Installateure und Helfer! Die Kollegen der Firma O. I u d c n b e r g, Magdeburg, Spezial- geschält für Zentralheizungsanlagc», stehen wegen Ablehnung des Tarifvertrages im Streik. Zuzug ist fernliihallen. Deutscher Melallarbeiterverbaiid. Verwaltung Magdeburg. Wahlen zur Angestelltenversicherung. In H a n n o v e r- L i n d e n erhielten die Freie Vereinigung 1811, der Hauptausschuß 3783 Stimmen; die Freie Äereinignng erhält fünf Vertreter, der Hauptausschuß zehn. In B r a u n s ch w e i g kam es am Mittwoch bei der Wahl zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Wählern und der Wahl- leitung. Für über 3000 Wähler war nur eine Wahlstelle und nur fünf Stunden Wahlzeit vorgesehen: nachmittags von 4— g Uhr. Dabei mußte sich jeder Wähler legitimieren und er wurde dann in eine Liste eingetragen. Alle Forderungen der Freien Vereinigung auf Einrichtiliig weiterer Abfertigungsstellen fanden keine Berück- sichtigung: ja die im Wahllokal eingepferchte Menge wurde noch aufs höchste gereizt, als die Wahlleitung zu ihrem Schutze Polizei requirierte, deren Tätigkeit sich aber vernünftigerweise nur darauf beschränkte, den Straßenverkehr zu regeln. Schließlich wußte sich der Wnhllciter nicht anders zu helfen, als daß er um 6Vo Uhr den Wahlakt abbrach, und daS Wahllokal verließ. Gegen"die Wahl wurde von der Freien Vereinigung sofort Protest erhoben. Bei der Wahl in D r e S d e n- A l t st a d t erhielten die im Hauptausschuß verbundenen 11 Listen 6367, die Freie Bereinigung 1423 Stimmen. Auf den Hauptausschuß entfallen 6 Vertrauen?- männer, 6 erste und 5 zweite Ersatzleute, auf die Freie Vereinigung 1 Vertrauensmann, 1 erster Ersatzmann und 2 zweite Ersatzmänner. Tie grüßte Stimmenzahl hatte die durch den Hauptausschuß vertretene Liste der Frauen: 1629; die Liste der Deutschnationalen wies 1572 Stimmen auf. In Bochum wählten von zirka 2800 Wahlberechtigten 1931, Die sieben Gruppen, die dem Hauptausschutz angeschlossen sind, erhielten auf ihre Listen insgesamt 1492 Stimmen, die Freie Ver- einigung 192 und der„Zweckverband" sWerkskandidaten) 247 Stimmen. Zu wählen waren vier Vertrauensmänner und acht Ersatzmänner. Die Freie Vereinigling erhielt einen Ersatzmann, der Zweckverband gleichfalls einen Ersatzmann. Die übrigen Sitze verteilen sich auf die Nachläufer des HallptauSschusses. In Görlitz entfielen auf die Liste der Freien Vereinigung zwei Ersatzmänner. Drei Vertrauens- und vier Ersatzmänner ver- teilen sich" auf vier im Hauptausschuß vereinigte Listen. Bei der Wahl der Arbeitgeber fehlten einer von Parteigenossen aufgestellten Liste nur zwei Stimmen, um einen Ersatzmann zu erhalten.— Tie Beteiligung der Angestellten an der Wahl war eine außerordentlich starke: 1ö59 gültige Stimmen wurden abgegeben. In Minden in Westfalen war die Wahlbeteiligung äußerst schwach; es wurden nur 235 Stimmen abgegeben. Die Liste deS HanptauSschusses erhielt 207 Stimmen, die der Freien Vereinigung 26 Stimmen. Die Freie Vereinigung bekommt einen zweiten Ersatz- mann. In Dortmund wurden insgesamt 2377 Stimmen abgegeben. Davon erhielt die Freie Vereimgilirg 618, einen Vertrauensmann und zwei Ersatzleute._ Lohnbewegungen in der sächfisch-thüringischea Tcxtilindnstrie. Das große Webereigebiei Sachs en-Thüringens mit den Städten Gera, Greiz, Mecranc, Glauchau, Ronneburg, Mylau, Netzschkau. Rcichuibach und Elsterberg ist das bedeutendste Fabrikationsgebirt für deutsche Damenftoffc. Seit 1905 bestehen dort für die gesamten Webereien von Rohstoffen(Danienstoffe) und für die buntfarbigen Stoffe Meeranes und Glauchaus Mindesrlohntarife. Diese Mindest- lohntarife sind durch die Arbetterorgairisation sechsmal, generell nnd für einzelne Positionen, aufgebessert wordeir. Die letzte dieser Lohn- erhöhungen wurde-am 4. Oktober d. I. gewährt, sie betrug 5 bis 20 Proz. Die Unternehmer waren der in der Oeffentlichkeit ange- kündigten Lohlifordcrung der Arbeiter zuvorgekomnicn. Sie wurden zu der Lohnerhöhung gezwungen infolge sich immer stärker bemerk- bar inachendcr Abwanderung der Arbeiter in andere Industrien. Diese Tatsache wird setzt auch von dem Geschäftsführer des„Weberei Verbandes", Herrn P o st cl t- Gera, in der„Sächsischen Industrie" zugestanden. Er konstatiert dort, daß die von 280 Mitgliedern der Unternehmerorganisation besuchte Versammlung den Beschluß der Lohnerhöhung einstimmig gefaßt habe,„um sich einen wirtschaftlich gesicherten Arbeiterstamm zu erhalten. Lohnendere Industrien und nicht zuletzt die schon lange nicht mehr auf Plauen selbst beschränkte Plauensche Stickerei griffen mehr und mehr mit ihren Arbchitcr ab- sorbierenden Ausläufern in das Gebiet des Wcbereiverbandcs." Desgleichen konstatiert Herr Postclt ein Nachlassen des Lehr- lings Nachwuchses. Er meint:„Hier müßte energisch eingegrisfcn werden.... auf einen lebensfähigen Arbeiterstamm baut sich nicht zuletzt die Prosperität eines sonst gesunden Betriebes aus." Die Sorge uni den„lebensfähigen Arbeiterstamm" scheint jedoch den Unternehmern weit weniger Veranlassung zu Lohnerhöhungen gegeben zu haben, als die Gefahren der Abwandcrmtg. Nur so läßt sich ihr Verhalten gegenüber den Herrenstoffwebern begreifen. Außer Damcnstoffen> verden in Gera auch sehr viel Herrenstoffc fabriziert. Etwa 25 Proz. der Geraer Produktion sind Herrenstoffe. Für diese Herrenstoffweber existiert ein vom Webereiverband diktierter Lohntaris nicht. Die Herrenstoffweber habet« infolgedessen auch an den sechsmal erfolgten Lohnerhöhungen� nicht partizipiert. Ihre Löhne sind niedriger als in der Damerrstoffbranchn Herren- srofse sind aber, schwerer zu weben als Tamcnstofse; die körperlichen Atistrengun-gen sind dabei bedeutend größere.' Das macki es erklär- lich, daß in Gera, wo das Zweisnchlsystem eingeführt ist, die Arbeiter nur in ihren besten JahmrHerrcnstoffe weben in der Lage sind. Sie weben zehn Jahre lang Herrenstoffe, und ivemi sie dann älter geworden sind und die Kräfte nachlassen, gehen sie wieder zur leichtereu Arbeit der Damenstoffwebcrei über. Tie teueren Zeiten veranlaßten nun die Herrenstoffweber einer Firma, Lohnforderungen zu stellen. Die Firma bewilligte 5 bis 7 Proz. Die beteiligten Arbeiter glaubten, ein größeres Entgegen- kommen erwarten zu dürfen. Sie blieben deshalb auf ihrer ur- svrünglichen Forderung von zirka 15 Proz. Lohnerhöhung ftehcn. Daraufhin beschloß die Ortsgruppe Gera des Unternehmerver- bandcs' die Aussperrung sämtlicher Weber und Weberinnen. 22 Webcreifirmen küttdigten 3048 Arbeitern. Mit Rücksicht auf die momentan nicht günstige Geschäftslage zogen die Arbeiter ihre Kün- digung zurück. Ter Kamps selbst dürste aber früher oder später aufs neue ausbrechen. Die Herrenstoffweber können nicht dauernd dulden, daß sie bei allgemeinen Lohnerhöhungen übergangen werden, zumal allgemein bekannt ist, daß Gera in der Hcrrcnstoffbranche den übrigen Tuchstädten Schmutzkornkurrenz bereitet. Den Arbeitern ist anzuempfehlen, bei Arbeitswechsel nur Arbeit auf Rohware anzunehmen, zweistühlige Herrenswffatbeit aber zu verweigern. Im übrigen dürste jedoch ein Abwandern in die auf- blühenden Nachbarindustrien den weiteren Kampf der Arbeiter wirksani unterstützen._ Der Balßankrieg. Die vorsichtige Türkei. Paris, 1. November.(W. T. B.) Dem„Temps" wird aus an- geblich guter Quelle von Samos gemeldet, die Uebergabe der Aegäi- chen Inseln an die Türkei werde nicht so erfolgen, wie man nach dem Wortlaut des türkisch-italienischen Friedensvertrages annehmen könne. Diesem Vertrage ist nämlich eine Klausel hinzurgefllgt, nach der die Italiener sich verpflichten, die Inseln an die Türkei erst dann zurückzuerstatten, wenn diese sie selbst verlangen würde. Die Gcheimklausel wurde am Tage nach der griechischen Kriegserklärung auf Ansuchen der Türkei selbst hinzugefügt, die im Hinblick auf die Ucberlegenheit der griechischen Flotte vermeiden wollte, daß ihr die Inseln in einem Augenblick zurückgegeben würden, wo sie dies als unzweckmäßig, ja sogar gcsährlich für sie ansehe. Letzte Naebridtten. Bergrutschkatastrophc in der Bukowina. Czernowitz, 1. November.(P. C.) Aus Petrovic wird gemeldet: Am Berge Dealui ereignete sich eine furchtbare Katastrophe. In- folge der Regengüsse der letzten Tage geriet das Erdreich ins Nut-- scheu und ein großer Teil des Berges stürzte ab, wobei 56 Häuser verschüttet wurden. Eine aus 5 Köpfen bestehende Familie wurde getötet, zahlreiche andere Personen werden vermißt und dürsten gleichfalls getötet worden sein. Berunglücktc Polarexpedition? Archangelsk, 1. November.(W. T. B.) Der Dampfer„Ob- nowka", der von Norwegen hier eingetroffen ist, meldet, daß der Dampfer„Heilige Phoka", der am 27. August mit den Mitgliedern der Polarexpedition des Kapitäns Ssedow an Bord von hier abgc- gangen war, verunglückt sei. Eine Bestätigung dieser Nachricht fehlt.__ Eine mexikqnische Stadt durch einen Orkan zerstör� San Juan dcl Sur tRitaragua), 1. November.(W. T. B.) Wie drahtlos hierher gemeldet wird, hat ein Orkan den größten Teil der H a s e n st a d t A c a p u l c o-(Mexiko) zerstört. Eine An- _________________ zahl Eingeborener wurde dabei verletzt._ verantw. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw.: Tb- Glocke. Berl.n. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Verlagsanstäjs Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 5 Beilagen u.UnterhaltungSbU ir 257. 29.1.�. 1.|fj|(i(|e des„iotMiöttö"§ti\\ui Aölllsllllllt. Der Aahlkampf in Berlin. freisinnige„Ketzcrricbterei". Dem Kandidaten der Fortschrittlichen Volkspartei im I Berliner Reichstagswahlkreise, Herrn K a e m p f. hat es beliebt, in einer seiner Wahlreden das von seiner Partei in der Presse bereits sattsam breitgetretene Märchen von der „Ketzerrichterei" der Sozialdemokratie gegenüber Herrn Hilde- brand auch seinerseits durchzukauen. Was es mit der Ehrlichkeit dieser freisinnigen Entrüstung auf sich hat, dafür kam uns gerade jetzt ein amüsantes Beweisstück in die Hände, das wir der Oeffentlichkeit nicht vorenthalten wollen. Es trifft sich nämlich, daß ausgerechnet das„Berliner Tageblatt", der eifrigste Schreier über angebliche„sozial- demokratische Ketzerrichterei", vorJahresfrist den Ausschluß seines Parteigenossen Dr. Eickhoff aus der Fortschrittlichen Volks- Partei mit Argumenten betrieben hat, die die helle Entrüstung des Jerusalemer erregt haben, als sie ähnlich in der sozial- demokratischen Presse gegen Hildebrand vorgebracht wurden. Am 7. August 1911 veröffentlichte nämlich das„B. T." einen Leitartikel mit der Ueberschrist: Adieu, Herr Eickhoff! Der ganze Artikel zielt auf den Ausschluß dieses Abgeordneten aus der Fortschrittlichen Volkspartei ab. Die entscheidenden Schlußworte lauten: „Um Kleinigkeiten braucht sich eine Partei im allgemeinen nicht zu kümmern. Handelte es sich nur um die Person deS Herrn Eickhoff, dann könnte man die ganze Parteiaffäre unter den Miszellen abhandeln. Aber Herr Eickhoff droht durch seine störrische Haltung Unfrieden im Westen zu säen, er droht auch der blauschwarzen Reaktion mehr als einen Hasen in die Küche zu treiben. Das sollte man ihm doch nicht stillschweigend hingehen lassen. Deshalb muß ihm bedeutet werden, daß er nicht länger innerhalb der Parteivertretung des entschiedenen Fortschritt« geduldet werden kann, und da Herr Eickhoff auch längst über die nationalliberale Partei sich hinausentwickelt hat. so darf man ihm wohl den guten Rat geben. es noch weiter rechts, vielleicht bei der Reichspartei zu ver- suchen. Mit dem entschiedenen Liberalismus bat Herr Eick- hoff jedenfalls nichts mehr zu tun. ES geht nicht länger, daß er die Fortschrittliche Volkspartei kompromittiert und deshalb sollte auch diese Partei nicht säumen, zwischen sich und Herrn Eickhoff daS Tischtuch zu zer« schneiden und ihm ein freundliches„Adieu, Herr Eick- hoff!" zuzurufen." Run bestreiten wir gar nicht, daß es das gute Recht des „Berliner Tageblatt" war. so zu schreiben, wenn das Blatt glaubte, daß Herrn Eickhoffs Verhalten riicht mehr mit seiner Zugehörigkeit zur Fortschrittlichen Volkspartei verttäglich sei. Welche Heuchelei gehört aber dazu, einer anderen Partei das zum Vorwurf zu machen, was man selbst un- bedenklich tut! Und was soll man von Herrn Kaempf halten. der trotz dieser frischen Eickhoff-Erinnerungen. die auch ihm zweifellos bekannt sein müssen, daß Geschwafel des„Berliner Tageblatt" über»sozialdemokrattsche Ketzerrichterei" unbedenk- lich nachbetet! Der freisinnigen Worte und Catoi. In Versprechungen war der Freisinn nie zaghast. Sein Tun steht mit dem, was er verspricht, meistens in schreiendem Widerspruch. In einem zur ReichStagswahl im ersten Kreise herausgegebenen Flugblatt verspricht er unter anderm das Eintreten für die volle Gleichberechtigung aller Staatsbürger. Das wagt er zu sagen kurz nach dem Mannheimer Patteitage, wo sich seine kleines feuilleton. Karl Haider. Der in seinem stillen sonnigen Bauernhaus dm grünen Schliersee, fernab vom Lärm der jagenden Geschäfts-, Genuß- und Sensatiotiswelt, im lauwarmen Sonnenschein späten Altersruhms gestorben« große Münchener Maler Karl Haider war der Besten einer aus seiner Kunst. Ein ebenso keuscher und tiefsinniger, wie schlichter und wahrhastiger Naturpoet, deffen Palette direkt an die Art der altdeutschen Meister erinnert, darf dieser kernhafte Oberbayer in einem Atem mit Wilhelm Leibi und Hans Thoma genannt werden. Seine herrlichen Voralpenland- schaften mit ihrem liebevollen Blumenteppich von den im Föhn blau wuchtenden oder im Frühlingssonnenschein hell leuchMden Bergwänden mit den wie geballten Federwolken darüber gehören zu den bedeutendsten Tafeln großer deutscher Naturmalerci. Auch feine Figurenbilder, wie die prachtvolle„Monika" oder die berühmte „Stutzenprobe", suchen an beseelter Naturtreue, an farbiger Cha- rakteristtk ihresgleichen nur bei Leibi. Wie dieser lebte auch Haider ein abseitiges trotziges Bauernkünstlerleben am Rande der Kultur- Metropole. Er hatte viel Gemeinsames auch mit Anton Bruckner. Auch die Liebe zur Musik. Aus dem dürftigen Piano in seinem Atelier holte er sich bei seinem Lieblingen Bach und Beethoven die Anregungen und Visionen zu seinen schönsten Bildern. Haider bat bis vor ungefähr 8—10 Jahren hart entbehren und kämpfen müssen, bis der Ruhm seiner Kunst in die laute Welt drang. Bis die Kenner wie Pauly, Wilhelm Weigand,(der eine kostbare Haider- Sammlung besitzt) und die großen Museen von München. Berlin, Frankfurt. Leipzig, Budapest ihre Abgesandten in seine stille Klause schickten, um das noch nasse Bild von der Staffelei weg zu kaufen. Nur wenige gute Bilder von dem sparsam schaffenden Meister sind im Umlauf. Rasch wird eine wütende Haider-Hausse auf dem internationalen Kunstmarkt einsetzen und�mit dem Hundertfachen des ursprünglichen bettelhaften Verkaufswertes werden Haider- Landschaften aus seiner besten Zeit aufgewogen werden. Eine eigentümliche Geschichte hat das lebendige große Figuren- bild„Die Stutzenprobe". Defregger, der beliebte Genremaler im Salontirolerstil, kaufte es einst für ganze 600 Mark dem in Be- drängnis schaffenden größeren Kollegen ab. Den Wert des Bildes erkannte er zwar sofort, aber er versteckte es 10 Jahre lang auf seinem Speicher. Dann verkaufte er es weiter für 6000 Mark nach Innsbruck, ohne dem armen Haider von dem Profit etwas abzu- geben. Heute sind dem dritten glücklichen Besitzer des Bildes schon oOOOO Mark vergebens geboten. Von Todesahnungen gequält, ging Haider im Juli dieses Jahres an zwei ernste Werke:„Im Tal des Todes" und„Gefilde der Seligen". Sie blieben unvollendet. Haiders künstlerischer Nachlaß wird im Winter in der Münchener Sezession ausgestellt werden. m. Konstantinopels Schicksale. Wieder einmal nähert sich eine feind- liche Armee Konstantinopel und bedroht die Sicherheit der ronian- tischsten aller Städte der Erde, deren Besitz nach einem längst nicht mehr zutreffenden Ausspruch Napoleons die Herrschasl der Welt be- deutet. Konstantinopel, mit Ausnahme Athens die älteste der eurd- päijchen Hauptstädte, die an Ruhm und historischer Erinnerung sogar die„Ewige Stadt" übettrifft, hat eine denkwürdige und reichbewegte Vergangenheit. Als griechische Kolonie im 7. Jahrhundert v. Chr. Kapazitäten grundsätzlich gegen die politische Gleich« berechtigung der Frauen erklärten. Er verspricht eine Reform des Kominunalwahlrechts unter Beseitigung der Klassen- Wahlen und der öffentlichen Stimmabgabe. In Neukölln und Lichtenberg aber ist den Freisinnsgrößen das b e st e h e n d e Kommunalwahlrecht noch zu gutl Durch frechen Wahl- rechtsraub verkümmern sie den Wählern der zweiten und dritten Abteilung noch daS bißchen Klassenwahlrecht. Derselbe Freisinn paradiert im Abgeordnetenhause fiir die Forderung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für alle Volksvertretungen des Reiches und der Einzel- landtage. Diese Forderung ist, wie man weiß, sehr unschädlich. Bei der Landtagswahl in Berlin wurden die Staats- und Kommunalbeamten vom Freisinn öffentlich als Förderer der Sozialdemokratie denunziert, weil sie nicht— den Freisinn gewählt! So liebt der Freisinn das„geheime" Wahl- recht. Er begeistert sich theoretisch für gerechte Verteilung der Staatölasten nach der Leistungsfähigkeit der Steuerzahler. Derselbe Freisinn aber verpflichtete sich, 400 Millionen Mark neue Steuern auf Lebens» und Genußmittel zu bewilligen. Einem freisinnigen Ab- geordneten verdanken die Arbeiter und Angestellten auch die Anzeige- Pflicht der Hausbesitzer, durch welche die Denunziationspflicht der Arbeitgeber noch verschärst wurde, jene Denunziationspflicht, durch die die Personen mit kleinem Einkommen mit dem letzten Pfennig ihres Einkommens von der Steuer er- faßt werden.— Die schwerreichen freisinnigen Fabrikanten und Bankdirektoren dagegen haben die Möglichkeit, den Staat um viele Millionen zu betrügen. Nun erklärt sich der Freisinn für den Ausbau des Arbeiterschutzcs vor allem zugunsten der Frauen und Kinder sowie der Hausindustriellen. Dabei lehnten Freisinnige die Erfassung der Frauen von kleinen Bauern und Pächtern sowie der Hausgewerbetreibenden durch die Reichsversicherungsordnung ab. Sie verweigerten auch die unentgeltliche Lieferung von Heil- und Hilfsmitteln für Kranke, ferner die Stellung von Hauspflsgerinnen und schließlich auch höhere Renten für die Witwen Unfallverletzter. Der Freisinn fordert auch Mahnahmen zur Sicherung gegen un- verschuldete Arbeitslosigkeit. In den Kommunen jedoch sind die Freisinnigen die schlimmsten Feinde der Arbeitslosenversicherung. So ist aus allen Gebieten der Freisinn in der Praxis ganz anders als in der Theorie, auf die er sich meistens auch nur bei Wahlen besinnt l Liebeswerben um die Studenten. Aus studentische» Kreisen schreibt man uns: Vor der Universität läßt der Hansabund einen Aufruf an die„Herren Studierenden" verteilen, in dem er zu tättger Mitarbeit für die Wahl Kaempfs auf- fordert. Er erinnert daran, daß es nicht zum mindesten ihr Werk sei, daß Berlin I nicht auch durch die rote Flut über- schwemmt ist. Er fährt dann fort: „Die rote Fahne darf nicht auch über diesem letzten der sechs Berliner Wahlkreise aufgepflanzt werden, auf dem alten historischen Boden des königlichen Schlaffes.(!) der Berliner Alma mater und der Hauptpflege von Kunst und Wissenschaft." Wenn die Herren Fortschrittler die Studenten gebrauchen können, dann finden sie die nötigen Phrasen, um ihnen den Mund wässerig zu machen und sie zu keilen. Dann sind sie sogar die„Herren Studierenden". Wenn dagegen die„Herren Studierenden" nun auch mit Forderungen kommen, als da sind Reform der Disziplinargesetze(die Studenten sind bekanntlich Staatsbürger zweiter Klasse, die Freistudentcn sogar vierter Klasse), Ausschuß, Anteilnahme an der Verwaltung der Hochschule, Hochschulreform, oder gar das Wahlrecht für Land- tag und Reichstag, dann sind sie die dummen Jungen, die nur die Nase ins Buch stecken sollen oder ihre freie Zeit mit Pauken und Saufen totschlagen mögen. unter dem Namen Byzanz gegründet, soll ihre Lage durch den Spruch des Delphischen Orakels bestimmt worden sein. ES wnchS rasch zu Macht und Größe, und Griechen und Perser kämpften im peloponesischen Kriege um seinen Besitz. ES wurde dabei wechselseitig bald von Athen, bald von Sparta gehalten. In den Tagen des griechischen Versalls geriet Byzanz zunächst in die Gewalt Mazedoniens und dann in die Roms und Kaiser Konstantin wählte es im Jahre 326 zu seiner Hauptstadt und gab ihm seinen Namen. Er war eS auch, der den Plan zu seiner Befestigung entwarf. 1204 wurde die christliche Hauptstadt des oströmischen Reiches von den Kreuzfahrern genommen und im Jahre 1261 von den Griechen zurückgewonnen. In der Folge wurde es noch 27 Mal belagert, aber die Kräfte der barbarischen Bulgaren und Türken wurden an dem Doppelgürtel seiner Befesti- gungen. deren Stärke ihre verfallenen Trümmer noch heute erkennen lassen, immer wieder zu schänden. Das Schicksal brach über die gewaltige Stadt im Jahre 1453 herein, als die Türken sie unter Mohammed II. von der Verbindung mit Thazien abschnitten und die Belagerung begannen. Ihr Glanz war in jener Zeit schon arg ver- blichen, sie zählte nur noch 100000 Einwohner. Am 29. Mai schritten die Moslem zum Sturm, der Szenen von grauenhafter Wildheit entrollte. Sie drangen in die Stadt, überwanden den sckiwachen Widerstand der Griechen und machten die schwergeprüfte Stadt unter Blut und Strecken zur Hauptstadt des osmanischen Reiches. Unter den Sultanen wuchs Konstantinopel allmählich wieder zur Größe. Es zählt heute über 800 OO0 Einwohner. von denen indessen nur etwa 360000 Türken sind. Bor dem gegenwärtigen Kriege sah sich in neuerer Zeit Konftantinopel schon zweimal von Armeen des Westens bedroht. Im Jahre 1829 be- fanden sich die Russen, nachdem sie Adrianopel und Kirkkilisse ein- genominen, bereits auf dem Wege nach Lule Burgas. als der Sultan eiligst Frieden schloß. Und im Jahre 1878 war eine russische Armee unter Skobeleff wieder im Anzüge aus der Tschataldja-Straße: und ihren Einzug in Konftantinopel verhinderten damals nur die Bewegungen der englischen Flotte unter Admiral Hornby und die Drohung einer gemeinsamen englisch-österreichischen Aktion. Maupassant und Zola über den Patriotismus. Einen inter- essanten Einblick in das Wesen Maupaffants und auch in die Denkweise Zolas geben die Aufzeichnungen einer Freundin Mau- passants, die jetzt in der„Grande Revue" veröffentlicht werden. Es war im Juli 1887, in Medan. Maupassant begann von den Leiden des Jahres 1870 zu sprechen und sprach von der Revanche. „Aber Zola widersprach, schüttelte den Kopf, behauptet?, daß die Preußen den Franzosen gelvachsen seien, vor allem aber betonte er den höheren menschlichen Standpunkt; Preußen wie Franzosen seien nur Menschen; ein neuer Krieg sei ebenso verabscheuungS- würdig wie unnütz. Maupassant widersprach:„Gewiß, vom Standpunkt der reinen Vernunft dürste ich auch Frankreich nicht mehr lieben als Preußen; aber ich bin als Franzose geboren; die Feinde haben uns leiden und dulden gemacht in den Gefühlen, die uns die teuersten sind, und daher ist es natürlich, daß ich sie verabscheue. Das sind Gefühle, die nur mein Herz angehen und die kein Verstand und keine Ueberlegung jemals wandeln können." Zola blieb gelassen, und mit dem Tonfall einer gewissen ruhigen Ueberlegcnheit behauptete er, Vaterlandsliebe sei nur ein Zeichen der Minderwertigkeit; ein gebildeter Mensch dürfe nur der Logik gehorchen,»Nur so dürfen wir hoffe«. d.jx Wahrheit zu fittdell Auch der Herr Universitätsrichter, der„ruhende Pol in der Erscheinung Flucht-Nektoren", erfährt oder sieht nichts von den Flugblättern; er fürchtet nicht, daß die Studenten grün anlaufen könnten, wenn es nur gegen den Umsturz geht. Wenn dagegen die„Freie Studentenschaft" Vorträge, wie: Wie studiert man rattonell" usw. durch Flugblätter an- kündigt, gleich ist die hohe Behörde auf dem Plan! Ja, sie verlangt sogar, daß obige Organisatton ihren arten Herren auf dem Wege der Klage verbieten soll, Flugblätter zu ve» teilen! Herr Richter, wie wär's, wenn Sie den Hansabund verklagten? Es wäre doch interessant, festzustellen, wie lange es wohl dauerte, bis der Herr Nichter es erfahren hätte, wenn sich Düwell mit einem ähnlichen Aufruf an die Studenten wenden würde. Es lohnte«wahrhaftig des Versuchs. Hoffentlich sind die Studenten Manns genug, sich nicht durch so öde Phrasen fangen zu lassen. freiNnniger Byzantinismus. Nicht mit einem politischen Programm, sondern durch geradezu wider- lichen Byzantinismus sucht der Freisinn das Mandat im ersten Berliner Wahlkreise zu behaupten. Fortgesetzt liest man in der freisinnigen Presse den Konservativen den Text. Der Wahlkreis,„in dessen Grenzen das Schloß des Kaisers und die Paläste der Prinzen und Minister" lägen, dürfe nicht„von der roten Flut verschlungen werden". DaS beschwört der Freisinn-- die Konservativen I Für seinen Monarchismus weiß der Freisinn gar gewichtige Gründe anzuführen. Man höre nur: Wilhelm II. hat ihm— ihrem Kandidaten— einen Orden mit der königl. Krone verliehen. Wilhelm II. hat seine Treue besonders anerkannt. Der König muß eS besser wissen als die Rechtsstehenden, ob Kaempf der richtige Mann ist. Der Kaiser hat seine Befriedigung über Kaempfs Wahl ans- gesprochen. Kaempf ist im alten Hohenzollernschloß empfangen worden, ohne daß ihn der Kaiser als entpuppten Sozialdemokraten behandelt hätte. Minister und Staatssekretäre sind einer Einladung in die Prä- sidialwohnung gefolgt. Also belehrt die„Vossische Zeitung" die vor Freude purzelbamn- schlagenden Byzantiner. Jetzt wird wohl jeder hungernde Proletarier, jeder mit Sorgen kämpfende Angestellte, jeder unter dem Drucke der Teuerung und Schutzzöllnerei seufzende Handwerker und Klein- gewerbetreibende— freisinnig wählen, nur damit die Fortschritts- Helden sich weiter der königlichen Huld und kaiserlichen Herablassung in ersterbender Demut gebührend erfreuen. Selbstverständlich ist dem Liberalismus der widerlich zur Schau getragene Monarchismus nur das Aushängeschild zur Wahrnehmung großkapitalistischer Interessen. Die Wähler, die gegen den mahn- sinnigen, die Völker bedrohenden Militarismus, gegen Zollwucherei. gegen Lebensmittelteuerung, gegen indirekte Steuern, gegen Wahl- rechtsraub demonstrieren wollen, werden sich durch die byzaittinischcn Tiraden der Bank- und Börsenmatadore nicht beeinflussen lassen. Gerade das heuchlerische Getue des Freisinns wird ihnen sagen, hgß man sich von ihm jeder Bcrräterei zu versehen hat. Bindiftbe Hnmaßung. DaS„Berliner Tageblatt" ist so naiv, der Sozialdenlö- kratie den«freundschaftlichen" Rat zu erteilen, freiwillig auf das Mandat im ersten Kreise zu ver- z i ch t e n I Nach seiner Meinung wäre es eine Verzerrung, wenn das Bürgertum Groß-Berlins im Reichstag nicht ver- treten sei. Nicht übel verspottet Richard Gädke im„Kleinen Journal" das alberne Tageblattgeseires: „ES ist töricht, behaupten zu wollen und kann nur auf ganz und ihr gerecht zu werden." Maupassant wandte ein, die Wahrheit sei nicht eine einfache Frage der Logik und erklärte, er für seine Person könne niemals seinen Patriotismus aufgeben.„Sie haben Unrecht", entgegnete Zola,„es ist unsere Pflicht, die Pflicht aller Schriftsteller, Vorurteile zu bekämpfen, und vor allem jene Vor- urteile, die Völker verhängnisvolle und gewaltige Fehler und Sünden begehen lassen." Bei der Verschiedenartigkeit der Tempern- mente konnte die Auseinandersetzung naturgemäß zu keiner Eini- gung führen, und da Zola nur die eherne Macht der Logik a»- erkannte, mußten alle Gründe subjektiven Gefühles an ihm abprallen. Aber in Maupassant wirkte die Unterredung nach; er kam am nächsten Morgen wieder auf seine Debatte mit Zola zu sprechen.„Dieser Mann ist ein sehr großer Romandichter", meinte Maupassant,„aber er scheint an nichts zu zweifeln. Er spricht von der Wahrheit mit einer völlig unerschütterlichen Sicherheit. Ich schätze ihn wie kein anderer Mensch auf der Welt, und doch miß- fällt mir sein Charakter. In allem, was er tut, offenbart sich ein aufreizender Starrsinn und eine unerschütterliche Unbeugsamlcit. Man kann bei ihm jede Bewegung» jedes Urteil schon vorher be- rechnen. Ihm fehlt die Ursprünglichkeit und die Impulsivität des Herzens. Sagte er mir nicht erst neulich, das Mitleid bei den Menschen müsse unterdrückt werden wie das gefährlichste aller Laster? Er selbst will nur die Gerechtigkeit. Das ist recht lui lisch. aber schließlich muß man den Menschen betrachten, wie er ist. und nicht, wie er sein sollte und nie sein wird. Zola ist ein Utopist, und wie allen sozialen Utopisten fehlt ihm die Psychologie..." Wenn Maupassant die Friedensdemonstrationen deS mobcrmu Proletariats noch miterlebt hätte, würde er sich davon überzeugt haben, daß Zola der bessere Psychologe war und daß die Menschheit sich über die nationale Englierzigkeit hinaus entwickelt zum leuch- tenden Ziel der Utopie,__ Notizen. — Kunstchronik. Die Pathetiker, eine Gruppe junger schlesischer Maler, werden vom 2. bis 15. November ihre Gemälde und ihre Graphik auf der achten Ausstellung der Zeitschrift„Der Sturm", Berlin W., Königin-Augusta-Str. 51, zeigen. — Engagement auf Beteiligung. ES ist vielfach üblich geworden, daß Schauspieler, Regisseure, Kapellmeister usw. nur noch engagiert werden, wenn sie sich mit Bareinlagen beteiligen. Daß eine solche Methode zu ganz ungesunden Folgen führt, ist ja ohne Zweifel. Aber kapitalschwache Unternehmer greifen immer wieder zu solchen Mitteln. Das K o m ö d i e n h a u S, da« vor einer Krisis steht, hat alle seine Schauspieler, wie man hört, zu solchen Bedingungen engagiett. Die Beteiligten laufen unter Umständen Gefahr, außer der Gage eventuell auch noch ihre Einlagen zu ver- lieren. Die Organisation sollte solche Vetträge verhindern. — Eine Zyklamen- und Chrysanthemum- Ans- st'e l l u n g der Deutschen Gattenbaugesellschaft wurde im Reichstags« gebäude eröffnet. — Holland und das Urheberrecht. Die Niederlande haben ihren Beitritt zur revidierten Berner Uebereinkunft betreffend das Urheberrecht an Werken der Literatur und Kunst vom 13. No- vember 1908 erklärt. Die holländischen Werke sind also von jetzt ab in Deutschland geschützt. kindliche Gemüter einen Eindruck machen, daij daZ„fortschrittliche� Bürgertum Berlins ein Anrecht habe, im Reichstage vertreten zu sein. Das ist die naive selbstsüchtige Negierung deS Prinzips der Mehrheit, auf der alles verfassungsinäßige Leben beruht. Die ganz überwiegende Menge der Berliner Bevölkerung ist sozial- demokratisch gerichtet; geht man davon aus, so hätte zweifellos die Sozialdemokratie das volle Recht, allein die Vertretung von Berlin zu stellen. Es ist nur der Wahlkreisgeometrie zu danken, wenn bisher über dem Zwergwahlkreis Berlin I noch das fort- fchrittliche Banner weht." Der Freisinn begnügt sich aber nicht damit, die gute Konjunktur der Wahlkreisgeometrie für sich wirken zu lassen, durch das Manöver der Mandatsniederlegung raubte er auch noch einer grojzen Zahl von Wählern die Möglichkeit oder daS formale Recht, sich an der Wahl zu beteiligen I Mit diesem Wahlrechtsraube nicht zufrieden, versucht man weiter, durch eine Korrektur der Wählerlisten, die eigenen Chancen zu verbessern. �ackbann, 6ucr flälckcben! Das„ B e r l. Tageblatt" muh eine*Heideuangst um seinen Kaempf haben, denn nur auS diese« beängstigenden Augstzusiäuden heraus lägt sich sein hysterisches Gekreisch erklären. So faselt es heute wieder von der„beispiellosen Verrohung des Wahlkampfes", deren sich der„Vorwärts" und der sozialdemokratische Kandidat des ersten Wahlkreises, Genosse Düwell, schuldig mache. Und zwar soll die beispiellose Roheit in der„Unwahrhaftigkeit der Angriffe" gegen Kaempf und den Freisinn im allgemeinen bestehen. Dabei bringt jode Nummer des„Vorwärts" neue, erdrückende Belege der Nichtigkeit der sozialdemokratischen Vorwürfe. Statt die dort bündelweise beigebrachten Tatsachen zu widerlegen, begnügt sich daS Blatt, das ehemals bessere Tage gesehen hat, mit ohnmächtigem Keifen. Sollte es sich wirklich eindildeii. mit seinen kuriosen EiitrüstungsauSdrücken etwas anderes auslösen zu können, als Heiterkeit oder bestenfalls Mitleid? Und wenn es gar Genossen Düwell als Ueberradikalen und Kaiastrophenpolitiker denunzieren zu können glaubt, so beweist es damit nichts, als den katastrophalen Zustand in der Redaktion deS Mosse-BlatleS, hervorgerufen durch die Furcht vor einer FreistnnSkatastrophe im ersten Wahlkreis. Die Teuerung. Neber die Lage des ViehmarkteS schreibt die„Amtliche Zeitung des Deutschen Fleischer-vervandeS": Die Leerung der Weiden, die in der Regel sich im Monat Oktober vollzieht, wurde in diesem Jahre durch plötzlich eintretenden Frost beschleunigt. Da hiermit fast gleichzeitig die Wirkung der Re- gierungSmaßuahmen zur Vermebrung der Vieh- und Fleischeinfuhr in Erscheinung trat, ist es nicht überraschend, wenn die Statistik für den Monatsdurchschnitt einen schwachen Rückgang der Preise für alle Rindergattnngen verzeichnet. Allerdings hält sich dieser Rückgang in bescheidenen Grenzen. Er betrug für Ochsen nur in zwei Fällen L M.. an allen übrigen Märkten weniger; für Bullen erreichte der Preisnachlaß nur in Berlin 2 M., sonst blieb er darunter; Kühe büßten nur in Köln reichlich 2 M. ei», alle anderen Märkte tendierten fester, wenn auch festzustellen ist, daß die minderen Qualitäten etwas stärker zurückgegangen sind, als die besieren. Dies ist die Folge der vermehrten Einfuhr von Fleisch, während die Vicheinsuhr aus Holland keinen eigentlichen Druck auf den Markt ausgeübt hat. In Frankfurt a. M. sind sogar wiederholt holländische Kühe stehen geblieben, weil sie gegenüber deutschen nicht preiswert genug waren. Das will durchaus nicht besagen, daß Vieh auf dem heimischen Markt nun tatsächlich billiger geworden ist. Die Teuerung be st ehi noch fast uneingeschränkt fort. wenn ihr auch jetzt die Spitze abgebrochen ist. Der geringe Rück- gang von höchstens 2 M. kann sich nicht messen mit der Preis- steigerling, die allein vom Januar bis September für Großvieh 8, Kälber 10, Hammel 16 und Schweine 24 M. pro Zentner Schlacht- gewicht betragen hat. Auch ein Rückblick auf die Durchschnittspreis- bildnng in den neun Monaten von Januar bis September ergibt, daß e« sich noch sehr ändern muß, wenn wir von erträglichen Ver- hältnissen sprechen wollen. Dabei ist die Marltversorgung in fast allen Viehgathmgen im dritten Quartal schlechter gewesen als in der gleichen Zeit des Bor- jahres. Ungünstiger noch wie der Marktauftrieb gestaltete sich daS Verhältnis be, den Schlachtungen. Gegenüber dem Vorjahr- blieben im dritten Quartal die Schlachtungen in Rindern um 7'/z. in Kälbern um 12. in Schweinen um 6. in Hammeln um 2 Proz. zurück. Neben schlechter Versorgung anS dem Inlands litt die Fleisch« Versorgung unter dem Rückgang der ausländischen Vieh- einfuhr. Die Einfuhr von Schlacht, indem ist in den ersten drei Vierteljahren um reichlich Lö 000 Stück zurückgegangen. Die Rind- fleischeinfuhr weist gegenüber dem Vorjahr« eine ganz er- hebliche Steigerung auf. Die Einfuhr betrug bis zum t. Oktober über Vz Million Zentner, und war fast genau doppelt so groß als 1011. Trotzdem läßt fich nicht feststellen, daß die Einfuhr im dritten Vierteljahre etwa größer gewesen ist wie in den beiden ersten Quartalen, sondern sie verteilte sich ziemlich gleichmäßig. Nur die Einfuhr von frischem Schweinefleisch hat im letzten Bierteljahre eine stärkere AnfwärtSbewegung erhalten. Die Gesamtfleischeinfuhr war bis zum 1. Oktober mit 843 446 Doppelzentner allerdings erheblich größer als in den voraufgegangenen Jahren. Beschränkung der Viebeiufuhr. Der Landwirtschaftsminister hat das Gesuch der Stadt Minden um die Gestattung der Einfuhr hon holländischem Bich abschlägig beschieden. Die Agrarier können mit der Handhabung der geringfügigen Regierungsvergünstigungen nur zufrieden sein. PommerfcheS Vieh fär Berlin. Der Magistrat hat daS Angebot des Pommerschen Vieh- verwertungS-VcrbandeS auf Lieferung von 1200 Schweinen wöchent- lich zum Preise von 66 M. für S0 Kilogramm Lebendgewicht abzüglich 20 Proz. Tara, über das wir vor einigen Tagen berichlelen, abgelehnt. Obstruktion der Fleischer. Die Fleischerinnung in S t r a ß b u r g i. E. hat allen Gehilfen die Entlassung angedroht für den Fall, daß sie sich beim Verladen oder beim Verkauf ausländischen Fleisches beteiligen sollten. Rückgang des Fleischkonsums. In unserer gestrigen Notiz ist un« ein Irrtum unterkaufen. Ein Rückgang der Koniumquote pro Kopf für 1011 ergibt sich erst dann, wenn man die Minderschlachtungen an Großvieh und Schafen zusammen berücksichtigt. Rechnet man 1 Rind--- 4 Schweine---- b Kälber---- 10 Schafe bezw. Ziegen, so wurde« sauf Großvieh bezogen) geschlachtet: ... 0 880»12 Stück ... 0 277 027. ... 9 668 898. also ein absoluter Rückgang des Fleisch- Von 1000 auf Ivll zwar eine Steigerung um 2,86 Proz.. mit dem Bevölkerungszuwachs von 2,82 Proz. nicht 1000 1010 1011 Bon 1000 bis 1010 konsums I die aber Schritt hält. Protestversammlungen. In Hohen-Schönhausen und Reinickendorf-Osi protestierten die Hausfrauen und Mütter in öffentlichen Versamm- lungen gegen die agrarische Politik der Regierung. Der Aufforderung der Refcrentinnen Wurm und Juchacz, der Partei beizutreten, folgte eine größere Zahl der ZuHörerinnen. Hub der parte!* Bon der schweizerischen Sozialdemokratie. Die Referenten über die BildungSfrage rniK das Frauen st immrccht auf, dorn Parteitage in Neuenbürg ver- öffentlichen in der Parteipress« ihr« Thesen, die folgende Fest» stellnngen und Forderungen zuen Ausdruck bringen. Di« Thesen des Genoffen Greulich lauten: „Die politische und gewerbschastliche Arbeiterbeweamug wächst immer mehr in» Breite, neue und größer« Schichten werden von ihr erfaßt. Mangelhaft geschult und früh inS Arbeitsjoch gespannt. konunen die Arbeiter wohl zur Erkenntnis ihrer Klaffenlage und zum Drang nach Hebung und Befreiung, ermangeln aber der tieferen Einsicht in das Wesen der Gesellschaft und Wirtschast. 2>aS Be- tonßtsein der Massen folgt wer langsam der rapiden EntWickelung der ProduftionZverhättnisse und der damit steigenden Ausbeutung und Unterdrückung. Ein starker Drang nach Weiterbildung und höherer Kultur ist in der kämpfenden Arbeiterklasse. Versuche, ihm zu genügen, machte man seit Jahrzehnten. Aber der Kräfte sind wewge und ihr Ver- brauch ist planlos. Erst sett einiger Zeit verfolgt man in größeren Städten systematische BiloungSbeftrebungen. Dringend notwendig ist planmäßige und energische Förderung dss BildnngswesenH für das gange Land, und zwar durch: 1. Bil- dnngSknrse für solche, die Zeit dafür verwenden können; 2. Vor- tragsreihen und Einzelvorträge für größere Kresse; 3. Förderung und Verbreitung belehrender Literatur und zweckmäßigen Biblio» thekwesenS; 4. Vermittelung künstlerischer Darbietungen. Zu diesem Zweck haben Partei und GewerkschaftSbund einen gemeinsamen schweizerischen A r be i t e rb i l d u n g»a u S- s ch u ß gewählt und ihm vorläufig nur bescheidene Mittel zur Ver- fügung gestellt. Er wird sich bemühen, seiner Aufgabe nachau- kommen; das kann er aber nur. wenn die Gesamtheit dar Mit- glieder ihm kräftig zur Seite steht. Der Parteitag zu Neuenburg macht eS allen Parteigenossen zur Pflicht, den Bestrebungen des Arbeiterbildunmsausschuffcs allen Vo-r- schub zu leisten, ihn moralisch und materiell zu unterstützen Die kämpfe n& Är5eii«r7!asse ist llnrch Zahl und wirtschaftliche Bedautlung eine materielle Macht. Die Hebung und Befreiung des «niaen Proletariats erringt sie aber erst mit der geistigen Macht des Wissens."__ Aus der französischen Partei. Die organisatorische Kräftigung der französischen Partei macht Fortschritte. Zwar konnte der Bericht de? VertvaltungSvates an den Parteiausschutz nur von einer Zunahme der zahlenden Mit- glieder von 60 000 im Borjahre auf 72 000 berichten, und zwei Ab- geordnete der Partei haben sich wieder als unsichere Kantonisten erwiesen, aber die finanzielle Kräftigung und der Mut zur Schaffung eigener Unternehmunaen schreiten rasch«"ran. Wie Genosse Bracke namens der Verwaltung der„Humanite" mitteilen konnte, hat die Kapitalbeschaffung für die Erweiterung des Blattes durch Eröffnung einer Anteilzcichnung vollen Erfolg gehabt. Statt der geforderten 150 000 sind mit Einrechnung danach nicht voll bezahlten Anteile rund 200 000 Frank gezeichnet, wozu noch die von der Parteikasse bewilligten 50 000 Frank kommen. So wird das Zentralorgan von Mitte Januar an in 6 Seiten großen Formats erscheinen. Zugleich aber wurde«in weiterer Schritt von großer Wichtigkeit beschlossen. Wie Compäre, Morel berichtete, hat der Berwaltungsrat berechnet, daß bei Herstellung des Blattes in eigener Druckerei jährlich 35—40 000 Frank gespart werden können. Dazu bedürfe man 240—260 000 Frank für Maschinen und 30 000 bis 40000 Frank für Einrichtungskosten. Zunächst komme nur der Druck der Zeitung in Betracht, die Erweiterung zu einer allge- meinen Druckerei großen Stils könne der Entwickclung überlasseit bleiben. Dazu wird die Aufnahme eines von der Partei zu garan- tiercnden Darlehns von 300 000 Frank gefordert. Der Antrag wurde nach kurzer Erörterung, in der namentlich einige Bedenken DeloryS widerlegt wurden, einstimmig angenommen. Nament- lich Ja uriS trat mit voller Wucht für die Vorlage ein. Er wies darauf hin, wie dringend nötig die Schaffung eines eigenen Volks- Hauses in Paris sei, und daß die Druckerei als Hauptmieter diesem eine sichere Grundlage geben könne. Auf dieTagesordnungdesnächstenParteitages, der in Brest stattfinden wird, setzte man u. a.: Die Agrarfrage,— die Stellung zur Staateform des bürgerlichen Staates,— Antrag Keir Hardie-Baillant betr. Maßnahmen zur Verhinderung des Krieges,— der Imperialismus.— Zur Prüfung der Dezentrali- sationsfrage für die Landesverwaltung wurde em Ausschuß ein- gesetzt. An die Kammersraktion wird die Aufforderung gerichtet werden, die Zustände in den nordafritanischen Kolonien durch Abgeordnete prüfen zu lassen. Gemeindewahlerfolge. In Nahbohlenbach(Fürstentum Birkenfeld) haben unsere Genossen trotz des schlechten Wahlrechts von den 12 Gemeinderats- sitzen sechs erobert. polizciUches, Gcnchtllchee ukw, Aufgehobenes verbot eine« Maifcstumzuge». Der Kieler Polizeipräsident hatte den Maisestumzug in DietrtchSdorf bei Kiel verboten, da er eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit noch besonders daraus folgerte, daß die „Schleswig-Holsteinische VolkSzeitung" einmal geschrieben hatte, die Arbeiterschaft werde trotz aller Polizeimaßnahmen daS Rechtauf die Straße behaupten. Der Bezirksausschuß in Schleswig hat jetzt das Verbot aufgehoben. Sericbts- Reitling* Das Martyrium eines Lehrlings. Unsagbare Quälereien eines Lehrling» kamen am Mittwoch vor dem Schöffengericht Magdeburg zur Sprache. Angeklagt war der 25jährige Schmiedemeister Wilhelin Schmelzer wegen Mißhandlung des Lehrlings Franz Wehr. Die Beweisaufnahme ergab, daß Schmelzer den Jungen fast täglich geohrfetgt und geprügelt halte. Einmal warf er ihm eine Handvoll Schraub«, ins Gesicht, weil er einen Auftrag nicht richtig auSgoMrt hatte. Der geringsügigsteiir Versehen wegen schlug deo Meister aus den Jungen mit einem Eisenhammer, mit anderen Eijenstücken, mit ein«m starken Knüppel ein, trat ihn mit Füßen und sticß ihn in einem Falle einen schweren Radreifen aus die Schulter, so daß der Jimge zu Bode», fiel und blaue und braun« Spuren der Mißhandlung davontrug. Einmal zwang er den Jungen, zwischen die Beine eine» ftörrigen PferdeS zu treten, das beschlagen werden sollte und dem Jungen schon einen Hustritt versetzt hatte. Das Pferd warf sich hin lind siel dabei so aus den Lehrling, daß dieser einen Beinbruch davontrug. Mit bv- sondeuer Vorliebe zog der Meister den Jungen an den Ohren, so daß sie einrissen und bluteten. AIS der Lehrling wieber einmal durch Faustschläge usw. derart mißhandelt war, daß Gesicht und Kops mit Beulen bedeckt waren, ging er tum, Arzt und dann zu seinen Eltern, die ihn nunmehr an« der Lehr« nahmen. Vom November 1010 bis August 1012 hatte die LeidenSzoit deS Jungen gedauert, dem von Zeugen nachgesagt wurde, daß er ein guter williger Junge gewesen se,. Da» Urteil gegen den Schinder von Meister lautet«— auf 200 M. Geldstrafe. Gefängnisstrafe nicht unter zwei Monaten ver- langt die StrafgesetzbuchnodUle in solchen Fällen als Regel.' halb ist von der Regel hier abgewichen? ----- Verdsm! der Bureauangestellten| Deiitsctilands. Ortsgruppe Groft Berlin. Den Kollegen zur Nachricht. daß unser langjäbriges Mitglied| Aloys Xaiif (Ortslrankeiilasse der Schneider) i am 3l. Ottober an Schlagansall verstorben ist. 47/17 Ehre seinem Unbeiiten! �Dic Beerdigung findet morgen Sonntag, den 3. November, nach.' mittag« 2 Uhr, in BohnSdors bei Grünau statt. Zahlreiche Beteiligung envartet __ Die Ortotefviualtuiifl.| Danksagung. Für die vielen Beweise'kerzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau und gulen Mutter, Schwester, Schwägerin und Tante, 1034b Frau KlOS geb. Böhm sagen wir allen Freunden, Bckarmten und Verwandten sowie den Mietern unseres HanseS herzlichen Dank. Rlos nebst Kindern. ras größte Abonnementshaus feinster Herren-Moden J. Stock A Co. verkaolt seine Monats- Garderobe direkt an Private. Anzüge ond Paletots von 10 M. an. Friedrlchsfr. 108, Bing. Jofiannisstr., vis-a-vis der Karlstr ffut-ArnoId Hut und Cinzelverkaut zu Dresdenerstr. 116 (Kelnladen)ainOranlenplats Mützen Engrosgeschäft anfialleod hillixen aber festen Preisen I Weiche Herrenhötev. 1,50-6,0« SkelfeHerrenhfltev, 2,00-7,80 tlur lehlertrcie moderne Ware Nur fehlerfreie modern« Wate- CrSsste Auswahl In MQlzen und Paizworen. •• (foUfltcniwHcC 10586 Nur für Monatsgarderobe: ■ B IwT öl® W h■Änaiaf«fi««eir5«ii«nhen»Vof»lci H.& P. Uder, r«»'!: Tahak-txroßhandlnng und Tabakfabrik. Rauch-, Kau-, Schnnpllabak«.»««"?"• Z|f»retten."MW Vorteilhofteste Bezugsquelle für Wiederverk&ufer. 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Die süns skrantsu' irr. «riiin». Gabriel EchlllingS Flucht. « a», m erspieic. Mein Freund Teddy. Schiller<>. Des PsarrerS Tochter von Streiadors.. Scti.�tiariottendnrg. Komg Lear. Bertiner. Filmzauber. nteiues. Magdalena. Residenz. Gemütsmenschen. Uomödi, nhaus. Die Generalseae. Deutsches Schauspielhaus. Der gutsitzende Frack.) «ho in. ilutoliebchen. � «brater am SioUeudorfPlatz. Dt» vdeuS in der Unlcrwell. »uriürften-Ouer. Der Kuhreigen. «�oll. Der Prinz Natzi. Wionti. Operetten. Der Frauen- ireiser. Luisen. Tei andern Ehre. Roir. Deutsch. Amerikaner. Metropol. Chausseur- ins MetropoL Drianon. Liebexbaromeier. Kasino. Der GrogsürsL Reichshallen. Die Macht der Töne. Wintergarten. Sveziaiitäten. Apoll«, irveziaiitälen. «intang h'l� Ubr. Luftiptelhaus. Mein alter Herr Salles Eaprice. Der teuscheZosevb Der Nehbock. öinsana S'i, Uhr. ��Lmbsttabe,6'6*01**' i£,hmet Ansang 10 Uhr. AdmiralSpoiast. Eisballett: Dvonne. '.' Sternwarte. Jnvalidenftr. 61— 82. Passage. Sveziaiitaten Schiller-TheaierO.ÄS: Sonnabend, abends 8 Uhr: Des Piarrers Tochter von Streladori. Sonnlag, nachmittags 3 Uhr: Zopf and Schwert. Abends 8 Uhr: Flacbamann als Erzieher. Montag, abends 8 Uhr: Die Kinder der Exzellenz. Sehlller-Thealer ChabruT' Sonnabend, nachmittags 3.10 Uhr: Waiiensteins Lager. Die Piccolomlni. Sonzabend, abends 8 Uhr: Kttnig Eear. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die Jüdin von Toledo. Abends 8 Ubr: Die Kinder der Exzellenz. Montag, abends 8 Ubr: Zum 1. Male: Im wellten KSDI. Berliner Thealer. 8 Uhr: Filmzauber. Theater io der Köoiggrätzer Straße uhr- pif fünf Frankfurter. Deatzches Schaaaplelhaaz tKomische Oper). Heute nachnutlag 3'/, Uhr: Egmont. An allen Tagen der Woche 8 Uhr: Der xat«Itzende t'rack. Montis Operetten-Theater (früher Xeueis Theater) AbendS 8 Uhr: Der Frauenfrcfser. Dheatcr am Nollrndorfplatz (Neues Schauspieldaus). TägLch abends 8 Uhr: Gastpiel des Münchener Künstler> Theaters: Orpheus in der Unterwelt. Uiisen-TIieatei'. Sorawbcnt» ncr�ni. 4 U�r: Jcinbcr» Vorst.: König Drosselbart. Abends 8 Ubr: Des andern Ehre. Sonnlag nachm. 3 Uar: Der Walterkonig. Abends 8 Uhr. Des andern Ehre. Montag und folgende �.age: Des andern Ehre._ Trianon-Theater. Abends 8 Uhr: Liebesbarometer. Residenz-Theater. 8 Uhr: 8 Uhr: Gemütsnienseheii. Schwant in 3 Akten von Fritz Friedmann-Frederich. Moraen und folgende Tage: Demtitzmenaehen. OSE=ThEATE Groge Frankfurt er Str. 132. Nachmittags 4 Uhr: HanNcl and Gretel. Abends 8 Uhr: Ton Stafe zu Stufe. Sonntag 3 Uhr: Von Stufe zu Stufe. 8 Uhr: Deutlch-Amerikancr. WWW I 8 Uhr: Metropol-Theater. Abends 8 Uhr: Raucken geflarttL Chaufieur- ins JHetropol! Erohe üabresrevue mit Gesang und Tanz in 10 Bildern von I. Freund, Musik v. Rud. weisen. Tänze arrang von Will Bishop. In Szene gesetzt vom Direktor R. Schultz. Morgen nachm. 3 Uhr: Tata Toto. Ab 8 Uhr. Vollständig neues Programm! .Tille. Kumn.v's Wunderhunde i als Rechenkünstl. u. Akrobat. 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Der Korn- pagnieball :: Berliner:: Konzerthaus MauerstraSe 82.— Zimmerstraße 90/91. Heute: Doppel-Konzert! Berliner Konzerthaus-Orchester vÄ�p. Musikc. Königin- Elisabeth-Regts. obeÄHSkmann. Anfang 8 Ehr. Eintritt 59 Pf. Anfang 8 Ehr. Großes Konzert b"Är Zirkus Busch. Heute Sonnabend, 2. Not, abends T'/i Uhr: Grolle Gala-Sports- Vorstellung. Kapt. 8paalding! Schein oder Wirklichkeit? Neu! Ken! Albas sensationelle Kopffahrt durch den Zirkusraum. Die unvergl. Toarbtllons, akrobatische Lady Cyclists, sowie das große Programm. sÄ: Onler Gopillas. Avis! Sonntag 31/, Uhr: Unter Gorillas ungekürzt.] Volks-Theater Neukölln. Herinannttr. 20. Sonntag, den 8. November: Die Grille. Volks stück in 5 Akten von Charlotte Birch-Pseiffer. Montag, den 4. November: Die 8tinde de» Priesters. Schausp. In 4 Akten v. Ad. Steinmann. Das größte Naturwunder I Die HEILIGE WEISSE NEGERIN und ihre»chwarzo Priester- Schwester. Beide lebend ohne Extra- Entree zu sehen. «Tnterhaltangs- " Etablissement Sendix Dir. 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Dürfen Beiträge für gelbe Unterstützungsvereine vom Lohn abgezogen werden? Diese Frage beschäftigt, wie Miseren Lesern erinnerlich, seit länger als einem Jahre die Kammer 6 des hiesigen Gewerbegcrichts. Seit September 1911 klagt der Arbeiter S. gagen die Firma Siemens u. Halske auf Zahlung eines Restlohncö, der ihm als Beitrag für den gelben Unterstützungsverein einbchalten w-urde. Der Kläger, der im Wcrnerwerk am Nonnendamen be- schästigt war, hatte bei feinem Eintritt einen Ausnahmeschein für den gelben UnterstützungKwrein und zugleich einen Revers unter- schrieben, wonach rhm außer den gesetzlich zulässigen Abzügen auch die Beiträge zu dem Unterstutzungsvvrcm abgezogen werden sollten. Bei seiner Entlassung hatte er wiederum einen Revers unter- schrieben, wonach er keinerlei Forderungen mehr an die Firma habe. Der Kläger wollte nun durch Urteil festgestellt wissen, daß der Abzug des Lohnes dem Recht und Gesetz widerspricht und klagte deshalb auf Zahlung der zu Unrecht abgezogenen 6 SR. 40 Pf. „Werner Siemens und der alte �Halske," schrieben wir an, 9. März 1912,„hätten den für geistesgestört gehalten, der es als möglich hingestellt hätte, ein Angestellter ihrer Nachfolger würde einer Lohnklage gegenüber Einwendungen erheben, die wie Ver- schleppungsmanöver aussehen." Der Vertreter der Firma Siemens u. Halske hat aber eine Verschleppungstaktik gegenüber der einfachen Klage eines Lohnarbeiters erhoben, wie sie in ähnlicher Weise selbst von solchen Firnren noch nicht erhaben ist, die sich in Zahlungs- schwierigkeiien befinden und an deren Ruf nichts mehr zu verderben tst. Erst gestern hat endlich ein Urteil— und zwar ein Versäumnis- urteil— gefällt werden könncm Ist die Firma mit diesem Ver- halten ihres Vertreters einverstanden, so würde sie zeigen, daß sie sich jenseits der Regeln des Anftondes bewegt, die Werner Siemens und der alte Halske sich zur Richtschnur nahmen und deren Bc° folgung ihnen Weltruf unid Achtung auch bei ihren politischen Etegnern eingebracht haben. Wie liegt die Sache? Erst erhob der Vertreter der Firma Siemens u. Halske, ein Dr. jur. Burhenne, den Einwand der örtlichen Unzuständigkeit des Berliner Gcwcrbegerichts. Da» Wcrnerwerk liege auf Spandauer Gebiet und deshalb sei auch das dortige Gewerbcgericht zuständig. Da jedoch der Hauptsitz der Firma, auch der Sitz der General- direktion, in Berlin ist und verschiedene andere Umstände dartun, datz die einzelnen Werke nicht selbständig, sondern zu einem gemeinschaftlichen Werke bereinigt sind, mußte dieser Einwand abge- wiesen werden. Sowie der Gerichtsbeschluß über diesen Einwand verkündet war, lehnte der Vertreter der Beklagten die vier Bei- sitz er der Kammer 5 als befangen ab, weil sie Sozialdemokraten seien. Eine Woche später— am 16. März— sollte mit anderen Bei- fitzern über das Ablehnungsgesuch verhandelt werden. Der Vertreter der Beklagten erklärte, daß er auch diese Besetzung des Gerichts be- anstanden und die Arbeiterbcisitzer als befangen ablehnen müssen Diese seien Mitglieder des sozialdemokratischen Wahlvereins und ständen in einem DiensiverhällniS zu dein am Ausgange d«S Rechts- streites stark interessierten Metallavbeitevvorband. Unter Hingu- zidjung von zwei anderen Beisitzern wurde am 21. März der Ab- kehnungsantrag als unbegründet abgelehnt. Am 20. März wurde über den ersten Ablehnungsantrag verhandelt. Auch'dieser wurde als unbegründet abgelehnt. Gegen diese Beschlüsse deS Gcwerbegerichtö legte die Beklagte Beschwerde beim Landgericht ein. Zur Begründung der Beschwerde führt die Beklagte unter anderem die Welt erschütternde vevolutio- näre Tatsache an. daß der Vertreter de» Klägers(Adolf Cohens und ein Beisitzer vor Beginn einer Sitzung— Handschlag getauscht und in einem anderen Falle in den SitzungSpausen im„vertraulichen Du" Scherzworte gewechselt haben. Die 8. Zivilkammer des Landgerichts l wies die Beschwerde in ihrem ganzen Umfange als völlig haltlos in längeren Ausführungen zurück. Infolge allerlei Einwände und Beschwerden der Beklagten, diie wie eine Furcht bor einer materiellen Entsckwidung des Rechtsstreites aussrhcn, wurde die Sache wieder monatelang hingezögert. Am 18. Oktober fand vor der Kammer V unter Borsitz des Magistratsrats Wölbling und Hinzuziehung der Beisitzer Wille, Zeidlcr, Fickwriler und Körsten wiederum ein Termin statt, in dem zum ersten Male in die materielle Belxindlung des RechtSstveitS eingetreten wurde. Der Vertreter des Klägers, Adolf Cohen, führte etwa aus: Der Arbeiter S. war vom 12. Oktober 1910 bis 30. Juni 1911 im Wernerwerk am Nonnendamm beschäftigt. Während dieser Zeit seien ihm wie jedem anderen Arbeiter wöchentlich 32 Pfi als Beitrag für die sogenannte UnievstühungAvereiniguna(gelben Vereint) abge- zogen worden. Dieser Abzug sei zu Unrecht erfolgt. Er verstofe gegen 8 394 deS Bürgerlichen Gesetzbuches. Tie Firma Siemens u. Halske wende mm ein, daß sie die Gelder nicht für sich abziehe, sie sei vielmehr nur Jnkässompndan.tin des Vereins. ES sei nicht richtig, daß die Firma nur den Kassenboten des Vereins mache, sie Hab? vielmehr auch ein eigenes materielles Interesse an dem Unter- fdützungsvcrein, denn je mehr Beiträge eingingen, um fo geringer fei der Betrag, den die Firma zuzahlen müsse. Unterhalte sie doch von der Kasse u. a. den gelben Arbeitsnachweis in der Holzmarktstraße. Auf die Unterstützungsvcrcinigung müsse nach Ansicht der Beklagten der Z 117 der Gewerbeordnung angewandt werden. Selbst bei lichalster Auslegung könne dies nicht geschehen, denn genannter Paragraph wolle nicht, daß die Unternehmer die Beiträge zu den Gewerkschaften abziehen, Der gelbe Verein solle ja zwar nur eine Untcrstützungsvcreiniflung sein, aber selbst der Syndikus Dr. Fellingcr habe gesagt:„Die gelben Vereine seien die Organisa- tionen der Zukunft." Auf der einen Seite wolle man also den Gelben den Charakter der Gewerkschaften zusprechen, während sie auf der anderen Seite nur Untcrstützungsvereinigungen sein sollten. Mit viel größcrem Recht könnten dir freien Gewerkschaften das Prädikat..Unterstützungsvereinigungen" beanspruchen, denn sie zahl- ten viel höhere Unterstützungen an ihre Mitglieder. Die Frage, «b die gelben NnterstÜtzungSverrinigungen Wvhlfahrtscinrichtungen im Sinne des ß 117 der Gewerbeordnung sind, also lediglich eine Einrichtung zur Verbesserung der Lage der Arbeiter und ihrer. Familien darstellen, behandelte der Privatdozcnt an der Universität Berlin, Dr. Walter Zimmermann, ausführlich in einem Gutachten. Es heißt darin u. a: Die Tatsache besteht, daß sich die gelben Arbeitervereine vielfach Unterstützungsvcreine nennen, und daß eine ganze Reihe von Ar- beitergruppen ihre Interessen durch die gelben Vereine zum minde- sten zeitweilig gefördert sieht und es für vorteilhaft erachtet, diesen Vereinen anzugehören. Es ist eine gutbeglaubigte Tatsache, daß zahlreiche Mitglieder nicht freiwillig den gelben Werkvereinen an- gehören, sondern nur, einer bitteren Notwendigkeit folgend, die Mitgliedschaft bei ihnen erwerben, während sie innerlich in scharfem Widerspruch zu den Tendenzen dieser Vereine stehen. In einer großen Zahl sogenannter„gelber Betriebe" werden bei Einstellung von Arbeitern die Mitglieder gelber Organisationen derart bevor- zugt, daß es.Nichtgelben" ka»m möglich ist, hier Arbeit zu er. halten, zumal wenn«in gelber Arbeitsnachweis, wie z. B. der von den Siemenswerken in Berlin lange Zeit unterstützte, die Zulassung neuer Ärbeitskräste mit kontrollieren hilft. Wie weit die Unfrei- Willigkeit der Mitgliedschaft bei den gelben Vereinen reicht, mag die Tatsache bezeugen daß nach Aussagen in einer Werlmcisterbersamm- lung der hier gerade in Rede stehenden Siemensbetriebe daselbst im gochoe 1909 ujit« 6000 MHorgaMerten etwa 8000—2500 NotgeKe 2, KilM des Jcniiiitiö" fttlintt UiilWWl Sonnabeud, 2. Novembtl 1912, waren, die unter Verleugnung ihrer Gewerkschaftszugehörigkeit des besseren Fortkommens halber die gelbe Maske vorzubinden für rat- sam hielten. Das zeugt davon, das) der reine Wohlfahrtscharakter dieser Bereine erheblichen Zweifeln unter den Arbeitern begegnet. Dieser subjektiven Kritik der gelben Vereine lassen sich noch objektive Momente zur Beurteilung ihres Wesens anreihen.„Auf die Satzungen und Programme ist nicht das entscheidende Gewicht zu legen," wie der bisherige Hauptführcr der Gelben, Herr Lebius, in einem Briefe an den Direktor Dr. Budde von den Siemens- werken ausgesprochen hat.„Es kommt ja nicht darauf an, wie wir etikettiert sind, sondern wie wir in Wirklichkeit sind." Das heißt: daß aus den Satzungen und Programmen nicht mit Deutlichkeit hervorspringt, daß die gelben Vereine keineswegs bloße Unter- stützungsorganisationen sind, sondern in erster Linie'Abwehr- oder Kampforganisationen gegen die unabhängige gewerkschaftliche Ar- beiterbewegung und ihrer Streikpolitik sind. Nach Erörterungen über das Zusammenwirken der Unternehmer und Arbeiter bei den Unterstützungseinrichtungen fährt das Gut- achten fort:„Die gelben Gewerkvcreine sollen nicht nur die über- mäßige Strciksucht und den Tcrrorismus der selbständigen Gewerk- schaften oder die Einmischung sozialdemokratischer Einflüsse in die BerufsvcrcinStätigkeit der Arbiter bekämpfen, sondern sie streben danach, den gelben Arbeiter übRchaupt vom Gebrauch seines freien Koalitionsrechts— zu dem als ultima ratio das Streikrrcht gcbört — abzuhalten und dem Bannkreis sozialpolitisch unabhängig denken- der Arbeiterorganisationen aller Richtungen zu entziehen. In der ganz überwiegenden Mehrzahl der Satzungen der gelben Unter- stützungsvereine steht bemcrkenswerterweise nicht nur das Verbot der Zugehörigkeit zu den freien, sondern auch zu den christlichen und Hirsch-Dunckcrschen Gewcrkvereinen; ja, sogar die Zugehörig- keit zu den evangelischen und katholischen Arbeitervereinen ist viel- fach untersagt. Ueberhaupt jede Berührung mit irgendwie anders- organisierten Arbeitern wird den Arbeitern, wenn sie der Vorteile deS„Unterstützungsbereins" teilhaftig werden wollen, verwehrt. Auch die Satzungen des UnterstützuugsvcreinS der Siemenswerke enthalten die Bestimmung:„Aufnahmefähig ist jeder, der keiner Organisation angehört, die auch in außerhalb der Firma stehenden Betrieben beschäftigte Personen umfaßt und keine dieser Organi- sationen in irgend einer Form unterstützt." Eine Reihe von Beweisen werden in dem Gutachten dafür angeführt, daß die UnterstützungSkasse bei den Gelben oder Unier- stsitzungsvereinen nicht Selbstzweck ist. Obendrein müsse auch den Arbeitern, die auL den freien Gewerkschaften austreten, not- gedrungen für den Verlust der dort erworbenen Untcrstützungs- ansprüche ein Aequivalent geboten werden. Die Schlußfolgerung des Gutachtens geht dahin, daß ein gelber Verein, auch wenn praktisch seine UnterstützungSeinrichtungen einen großen Teil seiner Tätigkeit ausfüllen und seine Unterstützungs- leistungen dem jeweils bedürftigen Mitgliede erhebliche Vorteile gewähren, unter sozialwirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht als ausschließlickw Einrichtung zur Verbesserung der Lage der Zlrbeiter angesehen werde» kann, wie sie die Auslegung des ß 117 der Gewerbeordnung forderte. Aus all dem gehe hervor, wie Cohen weiter betonte, daß der Werkverein in den Siemenswerken nur gegründek wurde als Gegen- gewicht gegen alle Arbeiterorganisationen, die der Firma Siemens u. Halske unangenehm seien. Es mußte etwas gegründet werden, dessen Spitze sich in der Hauptsache gegen eine Partei richtete, die ihr ganz besonders unangenehm sei; kurz: eine neue Richtung sollte gegründet werden. Auch sei ja Herr Lebius der angestellte und bezahlte Agitator der Firma gewesen. Die Behauptung, der Werk- verein sei nur eine Untcrstützungseinrichtung, sei demnach hinfällig. Der Klageantrag selbst ging dahin, dem Kläger die widerrecht- lich vom Lohne abgezogenen Beiträge für 20 Wochen im Gesamt- betrage von 0,40 M. zu zahlen. Dr. Burhcnne, als Vertreter der Firma Siemens u. Halske, ging auf die Sache selbst und auf die?lusführungen Cohens nicht ein, sondern stützte sich auf den Revers, den der Klqger bei seinem Austritt aus dem Wernerwerk unter- schrieben habe. Kläger habe seinen Restlohn erhalten und durch Unterschrift bescheinigt, daß er keinerlei Forderungen mehr an die Firma habe. Der Beklagte wünschte durch Urteil festgestellt zu sehen, daß der Reverseinwand zutreffe. Cohen bezeichnete die Unterschrift des Reverses als einen Zwang. Der Arbeiter brauche wie am Wochcnschluß, so auch bei dr Entlassung seinen verdienten Lohn. Unterschreibe er nicht, so erhalte er den Lohn nicht und müsse mit seiner Familie hungern. Er befinde sich daher in einer Zwangslage und deshalb sei der Revers als ungültig zu bezeichnen. Das Gericht vertagte die Verhandlung auf den 30. Oktober zur Verkündung deS Urteils oder eventuellen Weiterverhandlung, Wer nun annahm, daß der Rechtsstreit, der gerade 13 Monate schwebt, an diesem Tage seine Erledigung fand, wurde gewaltig enttäuscht. Denn der Vertreter der Beklagten erschien im Termin nicht. Da ja dem Vertreter, der sein Nichterscheinen nicht vorher mitgeteilt hatte, irgendein Unglück zugestoßen sein konnte, daS ihn an der Erfüllung seiner Pflicht hinderte, wurde Versäumnisurteil nicht gestellt und neuer, schleuniger Termin auf gestern anberaumt. Gestern, im Schlnsjtemin, griff der Vertreter der Beklagten, Herr Dr. Bnrhcnnc, zu einer Art Obstruktion. Nachdem der Vor- sitzende, MagistratSrat Dr. Wölbling, mitgeteilt hatte, daß daS Ge- richt beschlossen habe, weiter zu verhandeln, gab er eine schon vor- her fixierte Erklärung ab, daß er jede weitere Verhandlung mit der Kammer V ablehnen müsse. Die vier Beisitzer, die der sozialdemo» kratischen Partei angehörten, hätten aufS neue gezeigt, daß sie zu. gunsten einer Partei urteilten, also befangen seien.— Hierauf ergriff er seine Aktenmappe und verlieh den Sitzungssaal. Durch Bcrfänmnisurteil wurde dann die Firma Siemens u. Halske dem Klageantrage entsprechend verurteilt. So ist denn nach mehr als einjähriger HinauSzögerung der Entscheidung durch den Vertreter der Beklagten die Firma ver- urteilt. Die frivolen, bis zu sinnlosen Beleidigungen gesteigerten Einwände deS Vertreters der Beklagten baben die Entscheidung wohl hinauszögern, aber doch schließlich nicht verhindern können. Kennzeichnend für den Vertreter der Firma war sein ungebühr» licheS Verhalten im gestrigen Termin. Er erhebt am 18. Oktober — ein Jahr nach Erhebung der Klage— den Einwand, ein Aus- gleichSrevers liege vor. AIS Jurist muß er wissen, daß solch Aus- aleichSrevcrs, wie erst jüngst vaS Leipziger Landgericht entschieden hat. nicht rechlöbeständig ist. Gleichwohl erhebt er ihn, als er die Verurteilung der Firma vor sich sieht. Es ist also keine ernstliche Einwendung, sondern eine von der Art, wie sie jener faule Schuld- ner erhob, der die Klagesorderung bestreitet, und als Zeugen den Klageanspruch bekundet hatten, mit dem Einwand vortrat, die Forderung sei gestundet. Diesen Schuldner übertrumpfte der Ver- treter von Siemens u. Halske, als er gar verlangte, eS solle erst durch Urteil oder Beschluß festgestellt werden, daß der Revers rechts- beständig sei. Ihm mußte, auch wenn er nur über die Kenntnisse eines Winkeladvokaten verfügen würde, bekannt sein, daß das Ge- setz auch formal einen solchen Anspruch nicht billigt. Er erhebt ihn trotzdem, um, wie sich bei der gestrigen Verhandlung herausstellte, in der sicheren Voraussicht, daß seinem albernen Einwand nicht stattgegeben würde, eine sorgsam präparierte Stinkbombe gegen das Gericht loszulassen und dann zu verduften. Das Gericht hätte ihn wegen dieser Ungebühr strafen können. Es hat gut daran getan, von seiner Befugnis keinen Gebrauch zu machen."Der bcdeutungs- lose Herr hätte die Strafe gar als ein Zeichen dafür ausgelegt, daß seinen Expektorationen Wert beigelegt werde. Lv der Sache selbst hat das Gericht, das ja auch bei Ersaß Mes Versäumnisurteils die gesamte ihm vorgetragene Sach- und Rechts- läge prüft, dem Kläger recht gegeben. In der Tat ist der Abzug vom Lohn für den gelben Verein aus den oben wiedergcgebcncn und deshalb vom Kläger angeführten Gründen rechtsividrig, weil, wie die Vertreter der Reichsrcgierung und aller Parteien in der Kommission zur Vorbcratung des Bürgerliche» filcsetzbuchs an- erkannt haben, Abreden, die die Koalitionsfreiheit beschränicn, gegen die guten Sitten verstoßen und deshalb nichtig sind. Die zugunsten des gelben Werkvereins den Arbeitern vom Lohn abge- zogenen Beträge sind rechtswidrige Abzüge. Die Nötigung des Ar- beiters, durch einen Revers sich mit den Abzügen einverstanden zu. erklären, ist nach der Judikatur des Reichsgerichts eine glatte straf- bare Erpressung. Konnte man bislang vielleicht der Ansicht sein, daß die juristischen Berater der Firma Siemens u. Halske die glechtswidrigkeit dieser Nötigungen nicht erkannten, so geht das nun nicht mehr. Das Gesamtverhalten des Vertreters der Firma vor dem Gewerbegericht ist nur erklärlich durch das böse Gewissen, das ihm zurief: Du vertrittst ja hier eine strafbare Erpressung als etwas Rechtmäßiges. Und das Zivilgericht hat durch die Ver- urteilung der Firma die Rechtswidrigkeit des Vorgehens der Firma anerkannt. Wird nun endlich die Staatsanwaltschaft in den Fällen, in denen Arbeiter zu Beiträgen für den gelben Werkverein von Per- tretern der Firma genötigt werden— mso alle Fälle,>„ denen Re- verse abverlangt werden— Anklage wegen vollendeter Erpressung erheben?_ Soziales. Eine Genossenschaft für billiges Fleisch. Die Handelsgesellschaft„ProdMiow" hatte sich bereit erklärt, das von Hamburg zu beschaffende billigere dänische Fleisch auch in ihren VcrkaiuMäden abzugeben. Anfänglich zeigte sich die Stadt- Verwaltung dem geneigt und wollte 3000 Pfund dänischen Fleisches der„Produktion" überlassen. Von ihrem Weg zu vernünftiger Ge- barung hat sich die Stadtverwaltung jedoch durch das Interesse dor Schlächter! rmung und durch Scharftnacher vom Schlage der„Ham- burger Nachrichten" abdrängen lassen: die„Produktion" erhält durch die Stadtverwaltung kein Fleisch. Inzwischen ist die Handelsgesell- schaft„Produktion" mit anerkennenswerter Energie daran ge- gangen, selbständig Einrichtungen zw treffen, um die Bevölkerung von Hamburg und Umgegend mit billigerem, und zwar deutschem Fleisch zu versorgen. Sie stellt für jede Woche zunächst 35 000 Pfund besten deutschen Rindfleisches in zwei Preislagen zu 70 und 82 Pf. pro Pfund zum Verkauf. Mögen andere große Kons u me n tenvere inigungen dem tat- kräftigen Beispiel bald folgen! Soziale Aestrebungen in England. London, 12. Oktober 1912. Der„Krieg gegen die Armut, um jedem ein Mindestmaß des zivilisierten Lebens zu verschaffen", das war die Parole einer Konferenz, die gestern in London unter dem Vorsitz Sidneh WcbbS abgehalten wurde. Es hatten sich gegen 300 Vertreter der I. L. P., der Fabischen Gesellschaft, verschiedener Ge- wcrkschaften, Genossenschaften, religiöser Vereinigungen und an- derer an der Lösung sozialer Fragen interessierter Körperschaften eingefunden; die B. S. P. war nicht eingeladen worden. Der Zweck der Konferenz war, ein Programm für die Propaganda zu cnt- Iverfen, die mit einer am Abend in der Albert Hall abgehaltenen Versammlung ihren Anfang nahm. Man einigte sich, die Oeffeni- lichkeit auf die Lösung folgender Fragen, die dem Parlament in der nächsten Session vorgelegt werden sollen, vorzubereiten: einen gesetzlichen Mindestlohn für die Arbeiter der Landwirtschaft und aller Industrien; den Achtstnndcntag für alle Arbeiter; Verbinde- rung der Arbeitslosigkeit; vollständige Versorgung aller in Krank- heitSfällen; Kinderschutz und Abschaffung des Armengesetzes. Der Vorsitzende bemerkte in seiner Einleitungsrede, daß es in der Macht der Regierung stehe, in der nächsten Session die Armut, der man jetzt vergeblich durch da? Armengesetz beizukommen sucht, aus der Welt zu schaffen. In der Diskussion über den Minimallohn wurde darauf hingewiesen, daß der Minimallohn im Bergbau, in der Schneiderei und in der Fabrikation von Ketten, Spitzen und Schachteln schon gesetzlich geregelt worden sei, und Stadtrat Hause, ein Vertreter der Durhamer Bergarbeiter, erklärte, daß das Mini- mallohngesctz der Bergarbeiter den niedrig bezahlten Untertags- arbeitern eine Lohnerhöhung verschafft habe, wie sie nie durch die rein gewerkschaftliche Aktion erzielt worden sei. Besonders ein- drucksvoll waren in der Abcndversammlung die Ausführungen SIdney WcbbS. der das Los einer hilfsbedürftigen Familie also beschrieb:„Ich sehe vor mir eine anständige Familie, die um Unter- stützung bittet. WaS stellen wir mit ihr an? Wir, die Regierung Englands, zerstören die Familie. Wir entblößen jedes Individuum der Dinge, die ihm das Leben wert machen. Ehe der Mann das ArbeitSl>aus betritt, werden ihm die bürgerlichen Rechte genommen: man hält ihn für zu ehrlos, um das Stimmrecht auszuüben. Ist er einmal im SlrbeitShauS, so lassen wir ihn unter Verhältnissen arbeiten oder umherlungern, die ihn so demoralisieren, daß er nicht nur unfähig wird, für ein Parlamentsmitglied zu stimmen, fon- dern auch selbst unfähig wird, für ein Parlamentsmitglied zu ar- beiten. Dann berauben wir die Frau ihrer Kinder. Wir schicken die Frau an den Waschtrog oder in das Nähzimmer, wo sie mit Prostituierten und Schwachsinnigen umgehen muß. Und die kleinen Kinder— wenn sie weniger als 5 Jahre alt sind— schicken wir in die Kinderstube des Arbeitshauses, wo sie von Prostituierten und Schwachsinnigen verwahrt werden. Dort bleiben sie tagein, tagaus, ohne je über die Schwelle des Arbeitshauses zu kommen, bis sie für die Armenschule alt genug sind oder bis sie infolge der schrecklichen Sterblichkeit unter ocn Babys der Arbeitshäuser in ihren Sarg gelegt werden. DaS ist der Pfuhl des Armcngcsetzes. das heute noch so schändlich ist als zur Zeit, als die mächtige könig- liche Kommission, in der Konservative und Liberale vorherrschten, einstimmig erklärten, daß es als für einen zivilisierten Staat un- schicklich hinweggefegt werden sollte." Steht es in Deutschland besser? Mus der frauenbeweefung. Eheschliesznngen, Geburtenrückgang und Säuglings- stcrblichkcit. AuS den fast 600 Seiten füllenden Zahlentabellien des kürzlich erschienenen Statistischen Jahrbuchs für das Deutsche Reich (33. Jahrgang) greifen wir einige h-erauS, die für die Frauenwelt von unmittelbarem Interesse undi deshalb einer kritischen Beleuch- tung an dieser Stelle wert sind. Die Zahl der Eheschließungen hat abiermals eine Keine Abnahme erfahren. 1008 zählte man noch über eine halbe Million Eheschließungen— auf 1000 Einwohner 8— in Deutschland. Jan Jahre 1910 waren es nur noch 496 390 oder 7,7 auf 1000 Einwohner. Sinkende Heirat szissern pflegen mit steigenden Lebensmiittelpreisen Hand in Hand zu gehen, daS ist eine alte statistische Erfahrung. Verminderte Eheschließungen bedingen aber auch sinkende Gc- burtenziffcrn. Allein der hierdurch herbeigeführte Gc- burtenrückgang ist nicht so erheblich, wie die freiwillige Beschrän- kung des Zuwachses, die als Folge der erschwerten Lebenshaltung heute in zahllosen»Familien geübt wird und eine Ausdehnung an- zunehmen beginnt, die zu den sattsam bekannten Alarmvufen vor drohendem Bevölkerungsrückgang geführt hat. Der Geburtcnübcr- jchufc. dos heißt die Zahl« die angiht» wieviel mehr MenW» in cittem Jahre geboten werben ate fterbeit, ist von 14,9 im Jahre 1906 altmählich gesunken auf 13,6. Aus 1000 Einwohner kamen 1910 30,7 Geburten, 1909 waren es 32, 1908 33 und, 1906 noch 34. Glerch- heitig hat jedoch der Prozentsatz der unehelichen Gebu-rden, der sich in den letzten Jahren überhaupt in aufsteigender Linie bewegte, abermals eine Erhöhung erfahren. Der Anteil der Unehelichen an den Geborenen hat sich von 8sh Prag, im Jahre 1906 auf 9,1 Praz. im Jahre 1910 erhöht. Von 1 982 886 Gebotenem waren im letzten Berichtsjahre 179 S84 ohne staatliche Erlaubnis zur Welt gekommen. Rückgang der privilegierten ehelichen bei gleichzeitigem Anwachsen der verfemten unehelichen Fruchtbarkeit— das sind ohne Iweifel beachtenswerte Zeichen der Zeit. 179 584 uneheliche Geburten be- deuten Tausende von zertretenem Frauenexistenzen, fast immer aber Rot, Elend, Bedrängnis jeder Art für die Mutter, die so unvorsichtig war, ohne Trauschein dem Werben eines Mannes und dem eigenen übermächtigen Naturtrieb nachzugeben. Noch mehr: in der bürger- lichen Gesellschaft, der die Ehe die einzige gesetzlich anerkannte Form der Geschlechtsverbindung ist. haben nur die ehelich erzeugten Kinder Wert; die anderen, aus ungesetzlichen Verbindungen, hervorgegan- genen, sind von geringerem Wert und, minderen Rechts. Wenn sie nicht völliger Verwahrlosung anheimfallen, ist es sicher nicht das Verdienst der Gesellschaft. Mit grausamer Deutlichkeit redet hier die Statistik von der Not, der die Unehelichen erliegen. Gewist ist die Säuglingssterblichkeit auch untev den ehelich Geborenen in Deutschland noch immer erschreckend hoch, weit höher, als sich mit unserer sonst so vielgepriesenen, Kultur verträgt. Von den nahezu 2 Millionen Geborenen, des Jahres 1910 sanken noch vor Ablauf eines Jahres 267 171 eheliche Kinder ins Grab. Das sind im Durchschnitt des Reiches 16,2 Proz. im ersten Lebensjahre Gestorbene, 0,8 Proz. weniger als im Jahre 1909. Man weist, dast hauptsächlich die arme Bevölkerung mit, ihren überbürdeten, Frauen, ihrer minderwertigen Ernährung, ihren elenden Wohnungen diese Todesopfer bringt. Stirbt von den ehelich Geborenen jeder sechste Säugling hinweg, so wird von den Unehelichen gar jeder vierte im ersten Lebensjahre zum Friedhof getragen. Die natürliche Lebens- gefährdung des Säuglings kommt nach Ansicht der ärztlichen Wissen- schaft in einer Sterblichkeit von- 7—8 Proz. zmn Ausdruck. In einzelnen Landesteilen- Deutschlands, zum Beispiel im rechtsrheini- scheu Bayern, sterben 20.2 Proz., in Med[« nfm rg-St relitz 21,1 Proz. ehelich Geborene, von den unehelichen in Ostpreu-sten gar 31,2 Proz., in Westpreusten 36,9 Proz., in Posen 35,2 Proz, im Säugking-salter. Wahrhaftig! Deutschland must sich schämen vor anderen Ländern, in- denen eine vernünftigere Meus-chenökonomie herrscht, Ländern wie der Schweiz mit einer Säuglingssterblichkeit von 9,3 Proz., Dänemark mit 9,8 Proz.. Schweden mit 7,2 Proz., Norwegen mit 7,1 Proz., dem australischen Staatenbund mit IVs Proz. und Neuseeland, das mit 6,8 Prvz. nach wie vor die niedrigste Säuglings- sterblichkeit der Welt hat. Warum ist Deutschland hinter diesen Ländern so weit zurück, warum rangiert es mit seiner Vergeudung kindlicher Menschenleben, die weit schlimmer ist. als der so heuch- kerisch beklagte Geburtenrückgang, noch immer an vierter Stelle der internationalen Statistik, dicht hinter Rustland, Oesterreiöh-Ungarn und Rumänien? Aus diese Fragen, die vernichtende Anklagen in sich schliesten, gibt das grüne Buch mit den Zahlenreihen des Statistischen Amts keine Antwort. Die Antwort geben wir uns selbst, und sie lautet: weil das von Militarismus, Marinismus und Jmperialis- mus ausgeplünderte Deutsche Reich kein Geld übrig hat für eine wirkliche Kulturausgabe, wie es die durchgreifende Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit durch einen umfassenden Mutter- und Säug- lingsschutz wäre. Versammlungen. Bewegung der Anwaltsangestellten. „Gehaltsabzug anstatt Teuerungszulage" lautete das Thema, über das Genosse Karl Freier am Donnerstag in einer in den„A r m i n h a l l e N" abgehaltenen öffentlichen Versammlung der Anwaltsangestellten Grost-, Berlins sprach. Im Frühjahr dieses Jahres hätten die Angestellten ihre Forderung aus eine fünfzehn- prozentige Gehaltszulage unterbreitet. Daraufhin erhob der An- ,, waltsverein den formellen Einwand, dast er nicht als legitimierter Vertreter der Anwälte gelten könne. Bei anderen Gelegenheiten habe derselbe Verein jedoch keinen Anstand genommen, sich als zu- ständige Vertretung der Anwälte zu bezeichnen. Auf wiederholtes Borhalten hin habe der Verein dies auch zugegeben, aber hinzu- gefügt, dast er keinerlei Zwangsmittel gegenüber den Rechts-- anwälten besitze, sondern nur moralisch einwirken könne. Auch könne er nicht so allgemein eine sünfzehnprozentige Gehalts- zulage befürworten, doch solle darauf hingearbeitet-werden, dast da, wo es notwendig erscheint, ein« Aufbesserung der Gehälter er- folge. Mit solchen Versprechungen aber sei, wie der Referent be- tonte, nichts anzufangen, hätten doch die Anwälte in anderen Fällen ihre Versprechungen und Zugeständnisse nicht gehalten und in zirka 75 Proz. der Anwaltsbetriebe sei bis jetzt noch nicht der L'/zsründige Arbeitstag durchgeführt, obgleich derselbe von den An- walten doch längst schon zugestanden worden sei. Nachdem die Verhandlungen mit dem Anwattsverein das geschilderte Resultat gezeitigt hatte, wandte sich die Gehilfenvertretnng mit einem Zirkular an die Einzelanwälte, das dieselben Forderungen ent- hielt. Der grötzte Teil der Betreffenden habe gar nicht, ein Teil ablehnend und nur die wenigsten hätten zustimmend geant- wertet. Dieses Ergebnis sei um so mehr zu bedauern und zu -verurteilen, als die außerordentlich gesteigerten Lebensbedingungen eine solche Zulage gerechtfertigt hätte und nahezu die Hälfte der Anwaltsgehilfen, auf das ganze Reich gerechnet, bis 50 M. monatlich verdiene. Redner schildert die überaus traurige Lage dieser Arbeiterkategorie an der Hand eines reichhaltigen, unanfechtbaren Tatsachenmaterials. Nicht genug damit, komme nun auch noch vom 1. Januar n. I. ab ein Gehaltsabzug hinzu, da die Anwälte beschlossen haben, die Hälfte der Angestellten- Bersicherungsbeiträge den Angestellten vom Gehalt abzuziehen. Andere Zustände könnten nur dann geschaffen werden, wenn sie Anwaltsangestellten sich bemühen werden, ebenso wie die In- dustriearbeiter, wie die Techniker usw.. durch gewerkschaftlichen Zusammenschluß und Kampf ihre Interessen zu verfechten. Die -Furcht-vieler Angestellter vor der wirtschaftlichen Organisation sei unbegründet."Allerdings-hätten die gewerkschaftlichen Organi- sationen unter ihren Kampfesmitteln auch die Arbeitsverweige- rung und das sei gut. Dieses letzte Mittel müsse den Unter- nehmern immer zum Bowusttsein bringen, daß hinter den berech- tigten Forderungen der Arbeitnehmer auch Kraft und Macht stehen. Des weiteren ging Redner auf die gegnerischen Angestellten- Organisationen ein, die er als Sumpfpflanzen bezeichnete, die, so Oer Wiesbadener Verband, ausgehalten würden von denselben Unternehmern, gegen die der Kamps der Arbeit- nehmer sich richte oder richten müßte. Speziell ging Redner auf den„Leipziger Verband" ein, dessen verräterisches, s-peichelleckerisches Verhalten er gebührend charakterisierte. Mit den„Harmonievereinen" sich jemals wieder zu gemeinsamer Ueberreichung von Forderungen zusammenzufinden, müsse man, so erklärte der Referent, nach den bisher gemachten Erfahrungen strikte ablehnen. Von dieser Seite sei ernstliche Unterstützung nicht zu erwarten,-wie Redner an treffenden Bei- spielen nachwies. Die Gruppe der Änwaltsgohilfen im Bureauangestelltenverband habe in den letzten zwei Jahren ihre Mit- gliederzahl verdoppelt, und-wenn dies auch ein schönes Re- sultat sei, so genüge es doch nicht, sondern bis aus den letzten Be- rufsangehvrigen müßten sich die Reihen schliesten, auf i>aß mit der Anwaltskammer Verträge erzwungen werden können, die den Angestellten menschenwürdige,-befriedigende Lebensbedingungen garantierten.(Großer Beifall.) In der Diskussion traten zwei Mitglieder des Bureauvor- stehervereins(der eine ist Vorsitzender desselben) auf, die die Aus- führungen des Referenten zu bemängeln suchten, allerdings mit wenig Erfolg, wie die Stimmung der Versammlung bewies. Sie wurden denn auch von den nachfolgenden Rednern gründlich ab- geführt. Freier ging in seinem Schlußwort auf die Einwände der gegnerischen Diskussionsredner ein und wies kli-pp und klar noch einmal nach, dast die gegnerischen Berbänoe ihrem ganzen Cha- rakter-nach gar nicht in der Lage seien, den Kampf um die Besser- stellung der Angestellten mit Ernst und Nachdruck zu führen. Des weiteren charakterisierte Redner auch die Tendenzen des Bureau- vorstehervereins, dessen Mitgliedes erst recht die Pflicht und die Möglichkeit hätten, für ihre schlechtergestellten Mitarbeiter ein- zutreten. Mit einem eindringlichen Appell, dem Verbände der Bureauangestellten beizutreten, schloß der Referent. Deutscher Buchbinderverband. Gegen den Tarifbruch der Ar- beitgeber im Schlichtungsausschust sollte in einer Branchenver- sammlung aller in den Berliner Geschästsbücherfabrrken beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen Stellung genommen werden. In letzter Stunde ließen jedoch die Unternehmer mitteilen, dast sie am Mittwoch mit der Verhandlungskommission des Tarifs in Verhandlungen eintreten wollen. Aus Vorschlag der Branchen- leitung und Ortsverwaltung wurde daher über diesen Punkt der Tagesordnung nicht beraten. Einen Tätigkeitsbericht über das dritte Quartal gab Klar. Nach einer vorgenommenen statistischen Umfrage betrage die Zahl der Beschäftigten in der Branche 789 Arbeiter(297 männliche und 483 weibliche); organisiert sind 256 männliche und 494-weibliche, zusammen 669 Arbeiter. Die Zahl der Organisierten ist um 5lb Proz. gestiegen. Ausführlich verbreitete sich Redner über den Konflikt in der Buchdruckerei Moritz u. Kummer, Landsberger Straße. Dort hatten be- kanntlich am 15. August 18 Arbeiter und Arbeiterinnen die Arbeit plötzlich niedergelegt. Mehrere Tage vorher beschäftigte sich eine Werkstattversammlung mit dem unkollegialen Verhalten ver Arbeiterin Berta Bock, die später aus dem Verbände ausgeschlossen wurde.-Am 15. August, vormittags 9 Uhr, wurde wegen dieser Bock eine Arbeiterin entlassen und-die B. gleichzeitig als Direktrice vorgestellt. Diese Nachricht schlug wie eine Bombe ein, und die Arbeiterinnen erklärten, die B. als Vorgesetzte nicht aner- kennen zu können; um 19 Uhr verließen sie dann den Betrieb. Als die Verbandsleitung von dem ihres Erachtens vorliegenden Bruch des Vertrages Kenntnis erhielt, machte sie der Firma das Angebot, daß bis Mittag die Arbeiter in den Betrieb zurückkehren würden. Diese lehnte jedoch ab und verklagte die Arbeiter beim Schlichtungsausschust wegen Kontraktbruch. Außerdem forderte sie durch Klage vor dem Gewerbegericht je drei Tage Lohn für entstandenen Schaden. Das Gewerbegericht hat die Klage jedoch abgewiesen, denn nach der Arbeitsordnung sei gegenseitige Kün- digung ausgeschlossen. Durch erhobene Widerklage wurde die Firma-dagegen verurteilt, den Arbeitern den Lohn für je drei Stunden, die sie am 15. August gearbeitet hatten, zu zahlen, denn nach§ 394 des Bürgerlichen Gesetzbuches darf der verdiente Lohn nicht einbehalten und nicht aufgerechnet werden. Das Urteil des Gewerhegerichts wurde am 3. Oktober gesprochen, aber bis heute habe die Firma den �Arbeitern diesen Lo-Hn noch nicht aus-> bezahlt. Die Firma Moritz u. Kummer klage viel über un- geübte Arbeiterinnen, aber in der„Morgenpost" suche sie„un- gelernte Arbeiterinnen". Das beweise doch, daß sie keine gelernten Arbeiterinnen haben will. Es sei ihm(Klar) mitgeteilt, daß die Firma per Deckadresse geübte Arbeiter suche. Obwohl sich die Firma in der Oeffentlichkeit gern als tariftreu und tariffreund- lich gebe, komme dies einer Umgehung des Tarifes sehr nahe. Man wolle eben am liebsten nur unorganisierte Arbeiter, weil diese sich alles bieten, sich besser drücken und ducken lassen. Redner unterzog einige Entscheidungen der Schlichtungskommission einer näheren Erörterung und wies an Beispielen nach, wie sich die Unternehmer gegen die strikte Einhaltung des Tarifes zu sträuben suchen. Verband der Gemeinde- und StaatSarbeiter. In der am Donnerstag abgehaltenen Generalversammlung teilte der Vor- sitzende W u tz k y mit, dast die Anträge auf Lohnaufbesserung der Berliner Gemeindearbeiter und auf Abschluß eines Tarifvertrags, nachdem sie von der sozialdemokratischen Fraktion in der Stadt- verordnetenversammlung vertreten wurden, einer Kommission überwiesen worden sind. Da in der Plenarsitzung der Stadtver- ordneten von liberaler Seite der Standpunkt vertreten wurde, der Abschluß von Tarifverträgen sei für kommunale Betriebe nicht zweckmäßig, so hat die Verbandsleitung eine Reihe von bekannten Sozialpolitikern aufgefordert, Gutachten über die Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit von Tarifverträgen für kommunale Betriebe zu erstatten. Die Gutachten sollen der Kommission, welche die Tariffrage zu beraten hat, eingereicht werden. Ein Gutachten von Prof. Dr. Francke ist bereits in Händen der Ortsverwaltung. Es spricht sich unbedingt für den Abschluß von Tarifverträgen für städtische Arbeiter aus. Auf Ersuchen der Ortsveavaltung hat sich die Stadtverordnetenkommission bereit erklärt, ein Gut- achten über die Tariffrage vom Ausschuß des Gewerbegerichrs einzufordern. Der Magistrat hat der Kommission mitgeteilt, dast er eine Vorlage, die Arbeiterausschüsse betreffend, fertiggestellt hat. die das Ziel verfolgt,-den Arbeiterausschüssen in den städtischen Betrieben eine größere Selbständigkeit zu geben.— Den städtischen Arbeitern in Neukölln sind auf ihren Antrag Lohnaufbesserungen gewährt worden.— Auf Antrag der Ortsverwaltung beschloß die Versammlung, für die Angestellten der Filiale Berlin den vollen Beitrag zur Angestelltenversichcrung zu zahlen. Der Hauptvor- stand tut dasselbe für die von ihm Angestellten. Der Kassenbericht für das dritte Onartal zeigt eine Einnahme von- 91 888,93 M., eine Ausgabe von 23 638,18 M., einen Bestand von 68 259,75 M. Für Unterstützungszwecke wurden aus- gegeben an Kranke 9729 M., an Arbeitslose 1659 M., an Skrei» kende und Gemaßregelte 53 M., bei Sterbefällen 3949 M., in Notfällen 692 M.. für Rechtsschutz 439 M.— Die Zahl der M: glieder ist gegen das zweite Öuartal unverändert geblieben, sie beträgt 9533, darunter 339-weibliche und 119 jugendliche. Hierauf beschloß die Versammlung einige Aenderungen des örtlichen Statuts. Die hauptsächlichsten derselben sind folgende: Die Agitationskommission wird aufgehoben, statt dessen wird eine Bibliothekkommission eingesetzt. Damit die Ortsverwaltung durch weitere Anstellung von Beamten nicht zu umfangreich wird, ist nunmehr festgesetzt, daß die Ortsverwaltnng aus dem Bevollmäch- tigten, dem Kassierer, den fünf Leitern der Agitaftonsgruppen und acht unbesoldetn Beisitzern besteht. Die nicht der Ortsverwal- tung angehörenden Angestellten unterliegen alljährlich der Be- stätigung durch die Generalversammlung. Den Beitragssammlern. die bisher 1 Pf. für jede abgesetzte Marke erhielten, bekommen in Zukunft 2 Pf pro Marke, jedoch werden verlorengegangene Marken nicht mehr ersetzt. Die Versammlung nahm einen Antrag an, welcher den Ma- gistrat und die Stadtverordneten ersucht, den in Stundenlohn stehenden städtischen Arbeitern die in die Woche fallenden Feier» tage nicht vom Lohn abzuziehen, sondern in Anbetracht der Herr- schenden Teuerung den Wochenlohn voll zu bezahlen.— Der An- trag soll der Stadtverordnetenkommission übersandt werden, Briefhaften der Redaktion. turMIlche epttfliftnnbt findet Staden«» aße 69, vor» vier Ttevten — F a h r ft u h l—, wochciitäftltlii von tMi bts 7Mi När abends. Eonnadenos, von«M, bis 6 U»r abends ftatt. Jeder skr den Bricflastrn dekimmten Änsrane ist ein Suchsiave und eine Zam als Mertzeiwen beijuskgen. Briefliche«nlwort •oird nicht erteilt. Slnfragen, denen leine Abonncmcnisiiutttuilg detgesiigt ist, Verden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. X. 777. 1. New. Die Berichtigung der Karte erfolgt aus Antrag durch das Polizeirevier oder die LandeSverflcherungsanstalt. 2. Nein.— B. T. 1. Die Kiünde ericheinen nicht ausreichend. Wenn der Mann für allein schuldig erklärt wird, nein. 3. Wir raten, beim Bormundlchaslsgcricbt den Antrag zu stellen, das Gericht möge anordnen, daß das Kind bei der Multer verbleibt. Falls der Aufentbalt des Baters nicht zu ermitteln ist, raten wir, ebenfalls beim Vormundschastsgericht den Antrag aus Bestellung eines Pflegers zu stellen, damit dieser die Unterhaltsklage gegen den Vater erbebt.— O. K. 64. Die Landesversicherungsanstalt bat leider leine gesetzliche Verpflichtung. Heilbehandlung eintreten zu lassen. Wir ralcn, einen Antrag an den Ausschutz der Landcsversicherungsanstalt emzureichen. — Afrikanerin. t. Ja. 2. Etwa 40 M. monatlich. 3. An das Landgericht. in dessen Bezirk der Mann sewen Wohnfitz bat oder seinen letzten 'Wohnsitz in Deutschland gehabt bat, nachdem Sie sich ein Armenattesi be- schafft haben. Der Anwalt, der dann beigeordnet wird, besorgt dann das weitere. 4. Nach dem Gesetz kann allerdings der Mann den Wohnsitz be- stimmen und die Frau ist verpflichtet, den von dem Manne bestimmten Wohnsitz zu teilen; jedoch würde der von Ihnen angedeutete Fall einen Mitzbrauch des Bestimmungsrechts darstellen, in welchem Falle die Fron den Wohnsitz nicht zu teilen braucht. Die Unterhaltspflicht des Mannes bleibt in solchem Falle bestehen.— M. St. 10. Ihre Angaben reichen nicht aus, insbesondere fehlt die Mitteiwng darüber, wo der erste Ehe« wobnsitz gewesen ist. Kommen Sie in die Sprechstunde.— W. ILO. 1. Zunächst an den Schiedsmann, falls der Beklagte ebenfalls in Berlin wohnt. Nachdem ist die Privalklagc bei dem Amtsgericht, tn dessen Be- zirk der Beschuldigte seinen Wadnfitz hat, oder bei dem Amtsgericht, w dessen Bezirk die Tat geschehen ist. zu erheben. 2. Es liegt im Ermessen des Richter»; wahrscheinlich ewe Keldstrase von 10 bis 20 M. Gen. 7583. Die Steuerpflicht hört mit Ende Dezember d I. auf, reklamieren Sie, soweit sie iür das Quartal Januar/März 1913 veranlagt sind. 2a. Fordern sie den Wirt durch eingeschriebenen Bries auf. für Be- feitigung der Ruhestörung innerhalb t4 Tagen Sorge zu tragen und drohen ihm an. datz Sie nach Ablauf der Frist am Bertragslolung klagen werden. Das können Sie auch tun, sofern Sie Ihre Behauptung beweisen lönnen. b) Gegen den Berew haben Sie persönlich keinerlei Rechte, es ist Sache deS Wirtes, gegen den Verein vorzugehen. Der Verein— im Sinne des Gesetzes eine geschlossene Gelellschast— ist an die Polizeistunde nicht gebunden, o) Die Polizeioerordnung können Sie in unserer Sprechstunde einseben. Ein Einschreiten der Polizei wäre nur möglich, wenn ,öffent- lichc Ruhestörung' vorliegen würde. Dazu wäre notwendig, datz nicht nur Sie, sondern auch mehrere Mitbewohner sich bei der Polizei beschivc-.en. — H. B. 76. 1., 2. und 3. Nein. Sie sind grotzjährtg und können über Ihr Einkommen selber verfügen, auch Ihren AuscnthaliSort selbst be- stimmen.- Bromberg, N. 75. Das Patentamt befindet sich Gitichuier Stratze 95/103. Es entscheidet auch über Patentlchutz für das Ausland. 2. Nichten Sie ewe Anfrage an die Itaalsaiiwaltschast in Altona.— O. M. lOO. Sie haben Anspruch aus Erlatz der Steuer. Wird Ihr Antrag abgelehnt, so beschweren Sie sich bei dem Finanzminister.— Z. Z. 99. 1. Etwa 25 M. wöchentlich. 2. Da es sich nach Ihrer Darstellung um ein Darleben handelt, war die Beschlagnahme wegen der Alimentensorderung zulässig. Die Kürzung seitens des Arbeitgebers ist rechtlich nur insoweit zutässtg, als unter Berücksichtigung des wegen der Alimente gepfändeten Betrages noch mehr als 28,85 M. wöchentlich ver- bleiben. Ist daS nicht der Fall, so brauchen Sie sich die Kürzung seitens des Arbeitgebers nicht gefallen zu lassen.— L. K. 19. Ja.— G. K., Niederlehme. Ohne Einsichwahme w das Kassenstatut lätzt sich die Frage nicht beantworten. Eine gesetzliche Verpflichtung zur Zahlung eweS sogenannten Taschengeldes hat die Kasse nicht. — Brer 1090. 1. Nein. Aber für die Monate Juli bis eiidchlietzlich September. 2. An den Vorsitzenden der Einlommensteuer-Veranlagungs- lommission, dessen Adresse Sie aus dem Veranlagungsjchreibcn finden.— Marktbertcht von Berlin am 31. Oktober 191», nach Ermittelung des konigt PolizeipräsidwmS. Martlballenprelse.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.00— 50,00. Speiiebohnen, weitze. 36.00-60,00. Linsen 35.00—60.00. Karlosseln(Klcwhdl.) 5,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchflcjsch l.40— 1,80. Schweinefleisch 1,60—2,20. Kalbfleisch 1,40—2.40. Hammelfleisch 1.40— 2.40. Butter 2,40-3.00. 60 Stück Eier 4.20—6.50. f Kilogramm Karpien 1,40—2,40. Barsche 1,00—2,40. 2,00-30,0a Aale 1,60— 320. Zander 1,40—3,60. Hechte 1.40—2,80. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1,40. 60 Stück Krebse Wafserstands-Nachrtchte» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, milgetetll vorn Berkwer Wetterbureau. Wasserstand Memet, TilfU Pregel, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder. Rattbor , Strosse» , Frankfurt Warthe. Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden » Barby . Magdeburg Wasserstand Saale, Srochkttz Havel. Spandau') , Rathenow') Spree, Svrcmberg') , BeeSlow Weser, Münden Minden St h e t n, MaftmMcmsau Kaub ' Stow Neckar. Heilbrot« Main. Hanau Mosel, Tri« ').4- bedeute« Wuchs.— Fall.—*) Untervegel. Lassen Sie sieh nicht beirren: � MAGGI' Suppen sind die besten! .MM �S€€€€««e» «f Unserem Genossen � Alfred Holder nebst Braut iil> bringen die besten Glück- Ä wünsche zur Vermählung � Die Genossen und Genossinnen des 348. Bezirks 4. Kreis. w ae ssssESsessss' ß se.® r» g-« « Sj, «s HS) W W Unserem werten Kollegen und Ä ehemaligen Branchenleiter k?icksr«I �Volter und seiner jungen freu die berzlichsten Glückwünsche zur Eheschlietzung. 88/6 Dil Branchenleitung und Schlichtungskommission der Hausdiener der Wäsche verleih-... branche. j|t' &&&&&&£$£* �SASSSSOH k.lj. Bei Frankfurter Viertel. Bez. 385 II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Gastwirt �uZust peiereis Höchsteslr. 4, gestorben ist. Ehre seinem Andenken: _Sie Beerdigung findet am Sonntag, den 3. November, nach. mittags 3 Ubr,-von der Leichen- halle des Pius. Kirchhojes in Wilhelmsberg aus statt. 220/16 Der Vorstand. Am Donnerstag, den 31. Ol» tober, verstarb nach kurzem Krankenlager ii solge eines Herz- schlagcs unser lieber Freund und Kollege 1078b Itant' im 50. Lebensjahre. Sein ruhiger, gerader Charakter wird ibm bei allen Kolleaen ein dauerndes Andenken bewahren. Oie Kollegen der Ortskasse der Schneider, Schneiderinnen u. verv». Gewerbe zu Berlin. Die Beerdigung findet am Sonn- 1 tag, den 3. November, nachmittags I 2 Uhr, von der Leichenhalle des i Friedhofes in B. hnsdors bei! Grünau aus statt, MHcknik. Am Donnerstag, den 31. Oktober, | verstarb plötzlich unser langjähriger| Spediteur sür Bohnsdorf lattriL. Seine in treuer Pflichterfüllung! ! bewiesene Kewissenhastigkeit sichert\ ihm bleibend ein ehrendes An- I denken. 1086b! Die Hanptexpedition des„Vorwärts". Deutscher Transportarlieiter- Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeits- 1 futscher Ferdinand Richter am 30. Oktober im Aller von 63 fahren verstorben ist. Ehre seinem Audenken k Die Beerdigung findet am! Sonnabend, den 2, November. nachmittags 3 Uhr, von der Leichen. balle des Markus- Kirchhofes in Wckhelmsbcrg aus statt. 68/7 j 0!e Bezirksverwaltung. IVeriianii der Utbographen, Stein- ürucker u. lerw. ßerule. (Cheiniicraphcn.) , Am 27. Oktober verstarb plötz. I lich unser Mitglied, der Positiv- ] Ne-oucheur Otto Heppner i im Alter von 28 Jahren. J Die Beerdigung findet am I g November, nachmittags 3 Uhr, Idon der Leichenhalle des Ge- meinde-Friedhoses in«ritz aus j 109/19 Die Verwaltung. Zentralverband der Zimmerer tafcoub. ÄÄ" Bezirk 20. Neukölln. Den Berussgenossen zur Nach- richt daß unser Mitglied Lmii Qedta am 30. Oktober verstorben ist Ehre seinem Andenken k � Die Beerdigung findet am Sonntag, den 3. November, nach- mittags 2 Uhr. von der Leichen- Halle des Gemeinde-FriedhoseS in Neukölln, Maricndorser Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 254/20 Der Vorstand. Verband der Fabrikarbeiter Deutscblands. Zahlstelle Groß-Berün.| J�acbruf. Am 28. Oktober verstarb unser| Mitglied 58/10 1 Robert Leutner. Ehre seinem Andenken k Die Ortsverwaltung. Sage allen Verwandten. Freunden und Bekannten, den Kollegen der Turbinenfabrik, den Kollegen und Kolleginnen von Abt. 7(Meister Flügge) und den Hausbewohnern Buchslraße 4 für die Beweise berz- lichcr Teilnahme bei der Beerdigung meines Mannes meinen verbind- lichsten Dank. t033b ülartha Zletzoldt. 7 VI 1,„_ Plomben, beste Aus- zäune,*■* Olga Jacobson,.'�ÄZsli. Dr. Simmel Spezial-Arzt kü? Haut- und Harnleiden. PFinzeustr. 41, mXwz 10—2. 5-7. Sonntags 10-12. 2-4 MralbausmoOeTObekleidtinti L: Sleoe Fried i-iciiMtr. 35 an der Zentral-Markthalle H.: Vurrn�tv. S7, I. Etage, liefert an jedermann elegante ReFFen-LsFdeFoben IMM"»»ob naB unter Garantie für tadellosen Sitz gegen wöchentliche Teilzahiung von 1 JMai'k an. Zuschnciderei».Werkstatt imHause. Aus Wunsch Besuch des Reilenden mit neuesten Stoffmustern. BcHondere Abteilung für tertige t-arderobe. 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Oktober, stattgefundenen Wahlen hatten folgendes Ergebnis: Freie Vereinigung: 1 Vertrauensmann und 3 Ersatz- inänuer. Hauvtausschuß: 2 Vertrauensmänner und 3 Ersatzmänner. 1707 Stimmen vereinigte die Freie Vereinigung auf ihre Liste, der Hauptausichuv 1880. Ueber das Wahlergebnis au? Wilmersdorf wird uns noch geschrieben: Die Wahlen erscheinen besonders günstig, wenn man die auf die einzelnen Listen gefallenen Stimmen betrachtet. Am meisten Lärm hatte natürlich der Deutschnationale Hand- lungsgehilfen verband gemacht, jedoch mit dem Ergebnis einer geradezu vernichtenden Niederlage. Von allen 695 am letzten Sonntag abgegebenen Stimmen fielen ganze 66 auf die Liste A der Herren Antisemiten. Schlechter noch schnitten zwar die übrigen Liste» bürgerlicher Handlungsgehilfen ab. Der Verein deutscher Kaufleute brachte es mit Liste v aus 59, der Verband deutscher Hand- lungsgehilfen mit Liste B auf 86 Stimmen, und ein iin Ver- borgenen blühender Verein katholischer Kaufleute errang mit seiner Liste B ganze 7 Stimmen. Die Liste F der technischen Angestellten, die sich ebenfalls dem Hauptausschuß angeschlossen hatten, erhielt 56 Stimmen. Am rührigsten war von allen dem Hauplausschuß angeschlossenen Vereinen der Kaufmännische Verband für weibliche Angestellte; auf seine Liste 6l vereinigte» sich 154 Stimmen. Es ist dies eine besondere Ironie des Schicksals, da die Antisemiten in ihrer Blindheit erklärte Feinde der Flauenarbeil im Kausmannsgewerbe sind. Alle diese Stimmen werden jedoch bei weitem überragt von den aus die Liste Ll der Freien Bereinigung gefallene»; sie steht mit 254 Stimmen an der Spitze; auf die ihr angeschlossene Liste J des Vereins der Handlungsgehilfen von l 853 entfielen 57 Stimmen. So sehen wir, daß nnch in Wilmersdorf die Privatangestelltcn pflichtbewußt auf dem Posten waren. Partei- Angelegenheiten. Zur Reichstagsersahwahl im ersten Kreise. Erster Wahlkreis. Morgen Sonntag, früh 8 Uhr: Zslngblattvcrbreitung im Kuvert von folgenden Lokalen: Schulz, Parochialstr. 36, Weihnacht, Grünstr. 21, Dorn, Mittelstr. 39. Bartusch, Kanonierstr. 9, Rothe, Flensburger Str. 24. Hilfskräfte sind sehr erwünscht und bitten wir die Genossen, sich z"a h l r c i ch einzufinden. Morgen Sonntag, nachniittags 2 Uhr. im Restaurant Kröning, An der Stralauer Brücke 3: P o l e n° V e r s a m m- Inn g. Diejenigen Genossen, die mit Polen zusammen- arbeiten, werden gebeten, diese darauf aufmerksam zu machen. Atn Tage der Wahl befindet sich daS Zentralwahlbureau bei Weihnacht, Grünstr. 21. Amt Zentrum 1787; die iii übrigen Wahlburcans bei; Kröning, An der Stralauer Brücke 3; G r u n e r t. Fischerstr. 9. Amt Zentnim 1322; Dorn. Mittelstr. 39, Amt Zentritm 16157; B a r t u s ch, 'a'' Kanonierstr. 9, Amt Zentrum 1175; SÖ ehrend, Klopstock- stratze 23, Amt Moabit 8371. Zur Lokalliste. In Rudow bei Johannisthal<7..».) steht uns nunmehr das Saallokal„Lindenparl", Veudastr. 52, zu allen Vetanstaltungen zur Verfiiguug. Gleichzeitig machen wir nochmals daraus aufmerksam, daß das Lokal von Mcrche. Ziegenhals-NiederUhme. nur irrtümlich von der Liste gestrichen worden ist; das Lokal ist frei. In Nownwes hat das Lokal„KarlSgarten", Kaiser- Wilhelm- Straße 27, den Besitzer gewechselt. Der jetzige Inhaber, W. Pruschtnski. stellt uns dasselbe nach wie vor zur Verfügung. __ Die Lokalkommission. WilmerSdors-Halensce. Die Parteigenossinnen und Genossen werden dringend ersucht, sich heule Sonnabendabend 7 Uhr in den Vezirkslokalen einzufinden; die H a l e n s e e r treffen sich bei Piche, Paulsborner Str. 26. San» tagvor mittag 11 Uhr finden sich die Genossinnen und Genossen ebenfalls in den Bezirkslokalen ein; die Halensecr treten bei Jnhule, Westfälische Str. 65 zusammen. Der Vorstand. Schinargrudorf. Am Sonntag, den 3. November, früh 7 Uhr, von Pölicher. Spaudauer Straße, wichtige Flugblattverbreitiing. Friedrichsfelde. Soimlagvonnillag von den Zahlstellen aus Flugblaliverbreiiung. Zu der am Dienstagabend 8>/z Uhr bei Bansdorf. Berliner Sir. 18, stattfinoendeii öffeiitlicheii Frauen- versammlung wolle» die Parteigenossen eine eisrige Propaganda entfalten. Bohnsdorf. Sonntag, den 3. November, nachmittags 4'/» Uhr. im Restaurant.Fallenruh"(Villa Kahl) große öffeiitliche Berlamm- lung. Zagesordming:»Der Mißbrauch der Religion zur Unter- drückung des Volkes"' Resereiuen; Landiagsabgeordnerer Adolf Hoffmann und«doli Harndt.— DiSkusfio».— Die Vorlragsknrse des Genossen Julian Borchardt beginnen am Montag, den 4. No- vember, abends 8'/, Uhr in Villa Kahl. Eichwaldc-Schmöckwitz. Sonniag. den 3. November: Land- agitaiion. Kalender- und Flugblattverbreitiing. Ausgabe deS Materials Sonnabendabend 8 Utir im Restaurant Liiidner, Bahnhof-, und Giünauer Straßen Ecke. Um recht zahlreiche Beteiligung eriucht Der Vorstand. Bernau. Dienstag, den 5 November, abends 8 Uhr, beginnen im Lolal von Richard Wüniche. Kaiser- und Chauiieestroßcn Ecke die Vorträge des Genossen Ziinmerinaliii-Karlshorst über Genofien- schaslswesen. Der Beiuch der Vomäge ist kostenlos. Es wird um recht rege Beteiligung besonders der Frauen ersucht. _ Die Bezirksleitung. Berliner I\Tachrfchten. Rundweg im Grunewald Wir verlassen den Bahnhof Grunewald in der Fahrt- richtung nach links und wenden uns zum Hundekehlensec hinab. Im Geiste sehen wir schon die Eisläufer, die sich viel- leicht rechts bald hier tummeln werden— wenn die vicl- beklagten Seen bis dahin nicht schon ausgetrocknet sind. Ehe wir das Restaurant erreichen, steigen wir nach rechts durch den Wald wieder in die Höhe, bis in die Nähe des Bahndamms, den wir nun weiter verfolgen. Wir kommen zu einem Bahn- Wärter, warten an der Schranke, bis einer der zahllosen Vor- ortziige uns den Weg freigibt, überschreiten die Gleise und Ks Lsmäck" Dttlim gehen nun geradeaus auf breitem Reitwege oder neben ihm im Wald. Die Chaussee nach Paulsborn wird gekreuzt. Weiterhin zeigt uns eine Tafel am Baume die Richtung nach Wannsee, die wir nach links einschlagen. Eine breite Schonung flankiert bald unseren Weg, ein mächtiger Riß im Walde, in dem die vereinzelten hohen„Saatkiefern", die in solchen Schonungen regelmäßig stehen gelassen werden, und einige alte Eichen um so stärker auffallen. Dann folgt im schroffen Gegensatz eine ältere, dichte, schwarzgrüne Schonung, die dem Himmel schon einige Meter näher gekommen ist. Nach einigen Minuten folgen wir der Weisung einer neuen Weg- tafel an einem Baume, indem wir uns rechts ab gegen die Havelberge wenden. Wir kreuzen einen Fahrweg, und nicht lange hernach verändert sich das Bild, denn unser Pfad senkt sich in ein schluchtenreiches Hügelland. Taufrisch liegt es auf deil grasigen Hängen, braunrote Flecke verdorrten Adler- farrns durchbrechen reizvoll das trotz des'Herbstes frische Grüit. Bei einer Gabelung halten wir uns links, folgen dem Wegweiser nach Lindwerder, gehen geradeaus und bei der nächsten Gabelung wieder links. Durch die Stämme schimmert eine Senkung, die Havel blitzt auf und steil hinabsteigend er- reichen wir die Havelchaussee. Schräg zur Linken liegt Lind- Werder. Eine breite Wiese trennt uns vom Ufer, das wir aber, ein paar Schritte rechts wandernd, leicht durch den Wald hindurch eGreichen können. Wenn wir uns sattgesehen und die frische Brise vom Wasser her uns genügend aufgefrischt hat, gehen wir zur Chaussee zurück, um sie nach Norden zu verfolgen. Es ist eine kurvenreiche Bahn, aber die Motorräder und Autos knattern trotzdem lvie lvahnsinnig um die Ecken. Bald rechts von der übrigens jetzt staubfreien Chaussee ab, dein Schilde„Sau- bucht" folgend. Es ist der breite Weg zur Rechten, der uns in kurzer Zeit zu den idyllischen Häuschen der Kaffeewirtschaft Saubucht leitet, die ein Schwärm von Tauben umflattert und ein Teckel behütet. Ein Gatter zieht sich hier entlang, an dessen Rande nach links der Weg zuni Pechsee führt. Die Seerosen sind verschwunden, im schlaminigen Grunde reifen ihre Früchte. Schwarz und melancholisch ist das Wasser, und man bleibt wohl einmal stehen, um träumerisch über die Fläche zu blicken. Aufwärts, am Gatter entlang, geht der Weg weiter heim« wärts. Wir aber biegen oben, über dem kleinen Moor am See, den Weg zur Linken ab. In schlängeligen Kurven führt er in die Nähe des Teufclsees, und der bekannte Schildhorn- weg bringt uns von hier in etwa 25 Minuten zum Bahnhof zurück.— Ter beschriebene Weg nimmt imr einige Stunden in Anspruch, läßt sich aber durch den Aufenthalt an der Havel beliebig verlängern. Besonders im Gebiet der Havelberge zeigt er schöne Waldbilder und außerdem führt er uns von einem Gewässer zum andern. Die Nachfrage nach russischem Fleisch war Donnerstag so stark, daß die Vorräte!n den Verkaufsstände» der städtischen Marktballen in kurzer Zeit erschöpft waren. Inzwischen sind wieder 8 Wagaons mit russiscbem Fleisch auf dem Schlachthof eingetroffen, die nach der gestern vormittag erfolgten Zoll- abfertigung und Fleischbeschau gestern abend in den Markt- hallen zum Verkauf gelangten.— Für gestern abend waren 4 Waggons mit etwa 4666 Zentnern Rind- und 1 Waggon mit etiva 186 Zentnern Schweinefleisch angemeldet. Am Sonnabend soll eine größere Sendung mit etwa 1566 Zentnern Rind- und 566 Zentnern Schweinefleisch eintreffen. Tie Kriegsspiele des„Jngendkorps" scheinen jetzt ständig die Umgegend unsicher zu machen. So wird uns aus Wilhelms- Hägen geschrieben: Am letzten Sonntag waren wieder die Pütt- berge der Schauplatz einer Rcvolverschießerei. die stets den Höhe- punkt der„patriotischen" Jugendspiele darstellt. Natürlich machen die Schuljungen von diesem zweifelhaften Sport den ausgiebigsten Gebrauch, einen Sport, den nur die schlotternde Angst vor der sozialdemokratischen Jugendbewegung gebären konnte. Da den Jungens die Platzpatronen zu ihren„Feuergcfcchtcn" nicht mehr geniigen, füllen sie ihre Revolver bereits mit Scharfgcschossen und knallen in ihrer jugendlichen Dummheit ins Blaue Hinein, ohne sich der Tragweite und Gefährlichkeit ihrer Handlungen bewußt zu sei». So passierte es einem vor seinem Wohnhause stehenden Parteigenossen, daß ihm ein paar Kugeln an seinem Kopf vorbei- sausten, ohne glücklicherweise Schaden anzurichten. Die Feststellung der jugendlichen Revolvcrschützcn, die sofort die Flucht ergriffen, war leider nicht möglich. Unerhört ist es aber, daß derartige Zu- stände unter der Schuljugend überhaupt einreißen können, die nicht nur für die gesamte Bevölkerung, sondern auch für die jugendlichen Schützen schwere Folgen zeitigen können. Wie stellt sich übrigens die Schiilbchördc dazu? Billigt sie diese„patriotische Jugendpflege", die geeignet ist, in dem jungen Mcnschenkinde schon während der Schuljahre systematisch die Achtung vor dem Mitmenschen und vor dem Menschenleben abzutöten? Hält' die Polizcivebörde diese Zu- stäube für gefahrloser, als einen, Ausflug der FreiheitSlieder singen-- den Arbeiterjugend? Anscheinend ist das der Fall, denn von einem behördlichen(Migriff ist bisher nichts bekannt geworden; im Gegen- teil: das„Jugriidkorps" wirbt durch die Amtspresse öffentlich um stärkere Beteil-gung von„Schülern, die Lust zum fröhlichen Kriegs- spiel babcn". Die ausgeklärte Arbeiterschaft wird selbstverständlich ihre Kinder von derartigen verrohenden„Spielen" fernzuhalten wissen. Unsere Aufgabe wird es- sein, die Jugend unseren mit den gewagtesten Mhtelu arbeitenden Gegnern zu entreißen und zu gesitteten Menschen zu erziehen. Das Ortsstatut, betr. die gewerbliche und kaufmännische Pflichtfirtbildungsschule für Mädchen wurde gestern vom Magistrat in dritter Lesung beraten und endgültig angenommen. Der Ma- g'strat hat beschlossen, dies Ortsstaiut am 1. April 1913 in Kvft treten zu lassen. Der Stadiverordnctenversammlung wird alsbalo hierüber eine Vorlage zugehen. Zeit wird es, nachdem schon vor etwa 7 Jahren die Stadt- vcrordnetcnversammlung im Sinne der MagistratSvorlage votiert hat. Eine neue Bah» zum Schnrmützelsee. Mit aller Macht wird an der Ausschließung der Landschaft am Scharmützelsee für den Verkehr und die Kolonisation gearbeitet und zu den vorhandenen Vcrkehrsmöglichkeiten tritt als Hauptfaktor eine Eiscnbahnvcrbin- dung. die von der Saarower Seite her direkt zum Scharmützelsec geführt wird. Abzweigend von der Station. Saarow-West über- quert die Trace der neuen, im Bau begriffenen Bahnlinie die Chaussee und passiert dann die Liegenschaften deS Rittergutes Silbcrbcrg, wo ihr Endpunkt errichtet wird. Die neue Bahnvcr- bindung wird voraussichtlich zwei Haltestellen auf Terrain deS Dominium» erhalten und damit in erheblichem Maße zur völligen VTrschließung der für die Obstkultur bereit gehaltenen Ländereien beitragen. Der Bahnbau wird so gefördert, daß im nächsten Früh- jähr die Betriebseröffnung stattfinden kann. Die Unregelmäßigkeit in der Eharlottenburger Stabthanptrasse. Die Revision aller städtischen Kassen hat bis auf den Defekt von 37 000 R. in der Stadthauptkasse die völlige Ordnungsmäßigkeit SrnmaM. 2 November 1912. aller Kassen ergeben. Freitag nachmittag ist die eingehende Prü- fung der Depots durch die Kassen- und Finangdeputation beendet worden und hat ergeben, daß die Depots ganz in Ordnung sind. Die bei dem Eisenbahnzusammenstofi auf der Jannowitzhriicke Verletzten, auch die Schwerverletzten bezw. Schwererkrankten befinden sich außer Lebensgefahr. Ihr Befinden hat sich wesentlich gebessert. Drei von den Erkrankten liegen noch im Krankenhaus. Trotzdem der Unfall noch viel glimpflicher verlaufen ist, als im ersten Augen- blick angenommen wurde, wird er der Eisenbahn teuer zu stehen kommen und für den Schuldigen noch böse Folgen haben. Der Materialschaden ist nicht bedeutend, wohl aber die Ansprüche der Verletztsn, von denen schon eine Menge angemeldet worden sind und noch mehr zu erwarten sein dürften. Freisinns-ByzantinismuS. Der Kaiser hat am Donnerstag der Synagoge in. der Fasanen- straße einen Besuch abgestattet, welcher der Besichtigung der Gips- Modelle für die Wandbekleidung im Trausaal galt,-die aus Kacheln der Kaiserlichen Tonfabrik in Cadinen hergestellt werden soll. Ueber diesen Besuch dieser jüdischen Kapelle ist die Freisiunspresse außer sich vor Freuden.„Tageblatt" und„Vossische Zeitung" halten den Vorgang für so wichtig, alle Einzelheiten des Besuchs genau wiederzugeben. Man lese nur, in welcher Weise das geschieht. In der„Bossischen Zeitung" steht zu lesen: „Der Kaiser spendete das höchste Lob dem herrlichen Bau und äußerte:„DaS ist ja süperb, ich habe selten etwas Schöneres gesehen." Er bewunderte die Malerei der Kuppeln, besichtigte das Allerheiligste und ließ sich die heilige Lade öffnen und eine Thorarollc aufwickeln. Bei Betrachtung der hebräischen Schrift auf dem Pergament erkundigte sich der Kaiser nach den ältesten Doku- mentcn, die vorhanden wären, und nahm mit großem I n t e r- esse von den ihm hierdurch gemachten Aufklärungen Kenntnis. Unter denen, die dem Kaiser im Trausaal vorgestellt wurden, befand sich auch der Borsitzende des Vorstandes der Synagoge Fasanen- straße Herr Bcnas Levy. Der Kaiser begrüßte alle Herren auf das freundlichste mit Handschlag und gab auch beim Ab- schied jedemdieHand. Besonders zeichnete er durch Ansprachen den Bureauvorsteher Herrn Sally Salinger aus, der im 1. Garde- regiment gedient hat, als der Kaiser dort Oberleutnant war. Der Herrscher war sichtlich erfreut, den früheren Soldaten zu sehen, den er sofort wiedererkannte." Die Welt hätte ja etwas verloren, wenn sie nicht erfahren hätte, wem der Kaiser die Hand gegeben hat. Und daß er die Hand jüdischen Mitbürgern gereicht hat, wird als besonders geschicht- liches Ereignis dargestellt. Vorher hatte der Kaiser auch dem Zoologischen Garten einen Besuch gemacht. Soweit wir unterrichtet sind, ist der Kaiser vor- her wohl noch nicht im Zoologischen Garten gewesen. Sein Besuch galt auch nicht einer Besichtigung des Gartens, sondern einer solchen der Gipsmodelle für die Wandbrunnen, die nach Entwürfen des Baurats Lesscr gleichfalls in Majoliken aus der kaiser- lichen Ziegelei in Cadinen ausgeführt werden sollen. Ein tödlicher Straßenunfall ereignete sich Donnerstag nach- mittag an der Ecke der Hermannstraße und der Hasenheide zu Neu- kölln. Der Buchhalter Erich Steiniger aus der Hermannstraße lief dort über den Fahrdamm, um auf einen in boller Fahrt befindlichen Straßenbahnwagen zu springen. Dabei übersah er das Heran- kommen eines Kraftwagen. Ehe es dem Chauffeur gelang, seinen Wagen zum Stehen zu bringen, war dieser schon über dem Unglück- lichen hinweggegangen. Beim Hinfallen kam. dieser so zu liegen, daß die Räder der Länge nach über seinen Körper fuhren. Er starb infolge der starken Verletzungen auf der Stelle. Der Scknoindler mit dem Preßtohlenpaket tritt seit vier Wochen wieder auf und sucht Zigarrew-rKoHlen-, Milch- und andere kleinere Geschäfte heim. Neuerdings„arbeitet" er auch mit anderen Tricks. Aber auch sein alter Schwindel gelingt ihm fast in den meisten Fällen. Diesen führt er wie folgt aus: Er stellt sich in den Ge- schäften als neu zugezogen vor und bestellt je nachdem die Liefe- rung der Milch, des Feuerungsmaterials oder der Backwaren-. Die Geschäftsleute borgen dann gern dem neuen Kunden, wenn er nach einiger Zeit zurückkommt und um ein Darlehen bittet, da ihm augenblicklich das Geld ausgegangen ist, 10 bis 30 M., um so eher, als er stets eine Kiste oder ein Paket als Pfand dazulassen pflegt, in dem wertvolle Maschinenteile enthalten sein sollen. Damit seine Opfer nicht daran zweifeln, daß auch tatsächlich wertvolle Sachen in dem Paket sind, gibt er zugleich eine Pakrtadress« ab, die an eine Maschinenfabrik in Danzig gerichtet ist. Werden die Leute nun doch schließlich stutzig, weil sich der neue Kund« nicht wiedersehen läßt, oder sich die Adresse, ckn die sie liefern sollen, als fingiert herausstellt, und die Kiste oder das Paket auf ihren Inhalt prüfen, so finden, sie stets anstatt der wertvollen- Nkaschinentcile Preßkohlen darin. In einigen Fällen kommt der Schwindler auch mit einem Fuhrwerk oder einem Handwagen vorgefahren und bittet um Vor- streckung einer kleinen Summe, mit der er den Spediteur bezahlen müsse. Immer aber läßt er zum Pfand sein Preßkohlcnpaket zurück. Dieses spielt auch bei einem größer angelegten Trick eine Rolle, den er hin und wieder anzuwenden Pflegt. Bei diesem stellt er Zigarren- Händler für sein neu zu errichtendes Jnstallationsgeschäft an und bittet diese vorläufig nur, etwa eingehende Zahlungen für ihn in Empfang zu nehmen. Es erscheint dann auch stets ein Mann, der für den angeblichen Installateur eine Rechnung über 4 M. begleicht. Bald darauf wird das Geld dann von dem Schwindler selbst ab- geholt. Bei dieser Gelegenheit pumpt dieser sich dann noch, wieder unter Zurücklassung des Prcßkohlenpaketes, in dem sich jetzt Teile für elektrische Anlagen befinden sollen, 10 bis 20 M. In einem Falle lieh er sich sogar noch einen Regenschirm auf. Nimmerwiedrr- sehen. Der Gauner, der in den verschiedensten Stadtteilen austritt, steht in der Mitte der zwanziger Jahre, ist nicht ganz mittelgroß und schlank und hat ein hageres blasses Gesicht und einen kleinen, englisch gestutzten Schnurrbart. Ein aufregender Borfall spielte sich Donnerstag abend auf dem Bahnhof Gesundbrunnen ab. Der Arbeiter Franz Berger aus der Brunnenstraße, der von der Station aus«inen Stadtbahnzug bc- nutzen wollte, wurde, als er dicht am Rande des Bahnsteiges stand. von Krämpfen befallen und stürzte auf den Bahnkörper des Nord- rings. In diesem Augenblick wurde auch schon ein fälliger Zug, der auf demselben Gleis einlausen sollte, sichtbar. Da sprang kurz- entschlossen der Stationsvorsteher auf den Bahnkörper und gab mit einer Laterne dem anfahrenden Zuge Warnungssignale. Glücklicher- weise gelang es dem Lokomotivführer, auch den Zug etwa einen Meter vor dem Unglücklichen und dem Beamten zum Stehen zu bringen. Der Erkrankte erhielt von einem inzwischen telephonisch herbeigerufenen Arzte die erste Hilfe und konnte, nachdem er sich erholt hatte, nach Hause geschafft werden. Bei dem Sturz auf das Gleis hatte sich B. keinerlei Verletzungen zugezogen. Zahlreiche Augenzeugen des aufregenden Vorfalles brachten sowohl dem Stationsvorsteher wie auch dem LokomotivfiMer lebhafte Beifalls- bezeugungen dar. Im städtischen Obdach gestorben ist ein Mann, besten Persönlich- keit sich nicht feststellen ließ. Der Unbekannte, der morgens ans seiner Lagerstätte tot aukgesunden wurde und wahrscheinlich eincin Herzschlage erlegen ist. ist ungefähr 40—45 Jahre alt, mittelgroß und krästig. hat volles, rnndeS Gesicht, dunkelblondes, kurz- geschnittenes Haar, einen rötlichen Schnurrbart, hellbraune Augen, zusammengewachsene Augenbrauen, dicke, breite Naie und vollständige Zähne und trug ein graues Jackett, eine ichwaze Weste, ein dunkel- gestreifteS Beinkleid, eine braune Strickjacke, ein Trikothemd mit den Buchstaben El. W., eine blaue Schirmmütze mit Krouenabzeichen und s-ütvarze Segeliu�sckiuhe.(seine Leiden Arme sind siark tätowiert. Ans dem linken Unterarm hat er ein Herz mit Anker und an- scheinend die Buchstaben T. V. und die Zahl 1367, darüber die Buchstaben>1. b'., am Handgelenk ein Herz, darin anscheinend die Buchstaben?. 0., umgeben mit Eichenlaub nebst Anker mit den Buchstaben E. E., auf dem Oberarm einen Stern, darunter zwei gekreuzte Kugelstangen und einen Damenkopf mit Eichenlaub und auf dem rechten Unterarm eine Figur. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. F» siballspiele der Arbeiterturu- und-Sportbereine. Am Sonn- tag, 3. November, finden folgende Spiele statt: Spandau— Weißen- fee nachmittags in Spandau, Exzerzierplatz Seeburger Straße. Fichte IX— Fichte XVII vormittags in Reinickendorf, Lette-Allee. Spielbeginn: vormittags 16 Uhr, nachmittags 3 Uhr. Wer ist der Tote? Im Tiergarten, in der Nähe der Schleusen- insel, wurde heute vormittag gegen 9 Uhr die Leiche eines un- bekannten Mannes aus dem Landwehrkanal gelandet, die schon längere Zeit im Wasser gelegen haben muß. Sie wuxde.nach dem Schauhause gebracht. Die Persönlichkeit des Toten, der keine Papiere bei sich hatte, ließ sich nicht feststellen. Es ist ein Mann von ungefähr 40 Jahren, der seinem Aeußeren nach dem Mittelstande angehört zu haben scheint. Er ist ungefähr l,7b Meter groß und korpulent, hat ein frisches, volles Gesicht und dunkelblondes Haar und Schnurrbart und trug«inen dunklen Sommerüberzieher, ein schwarzes Jackett und Weste, eine graugestreifte Hose, ein Normalhemd mit aufgenähtem Vorhemdchen, einen sehwarzen, breiten Schlips, schwarze Schnürstiefel mit Schnallen und graue Strümpfe. Der Arbeiter-Schwimmer-Bund, Kreis I, hält am Sonntag, den 10. November, nachmittags 3 Uhr, sein Herbst-Schwimmen in der Städtischen Badeanstalt Charlottenburg. Krumme Straße, ab; be- stehend in Damenreigen, Gruppenspringen, Riegenschwimmen, Rettungsvorführungen, Vereinsmehrlampf u>. a. m. Einzelne Kon- kurrenzen im Schwimmen und Springen finden nicht statt. Der Schwimmverein„Vorwärts" Berlin 1897 ladet die Berliner Arbeiterschaft zu dem am Sonntag, den 3. November, in der neuerbauten Schwimmhalle der Städtischen Badeanstalt„An der Schillingsbrücke" stattfindenden S ch w i m m f e st, bestehend in Herren-, Damen- und Jugendschwimmen, Springen, Tauchen, Reigen, Wasserballspiele und Rettungskonkurrenzen, ergebenst ein. Beginn des Festes 3 Uhr nachmittags. Eintritt b0 . Vororr-JSacbricbten. Neukölln. Eine traurige Aufklärung hat das Verschwinden der ISjährigen Meto S. aus der Bendaslr. 14 gefunden. DaS junge Mädcden hatte vor mehreren Tagen nach einem geringfügigen Streit mit der ältere» Schwester die elterliche Wohnung verlassen. In einem Briefe an die Mutter teilte die Schülerin mit, daß sie sich das Leben nehmen werde. Die Nachforschungen nach dem Verbleib des Kindes waren zunächst vergeblich; jetzt ist die Leiche des Mädchens aus dem Teltowkanal gelandet worden. Lichtenberg. Stadtverordnetenversammlung. Am letzten Donnerstag wurden endlich die Besolduugsvorlagen verabschiedet. Damit ist wenigstens ein. Teil langgehegter Wünsche in Erfüllung gegangen. Die OrlS- znlagen der Rektoren und Lehrer werden um je Ibv M. erhöht, die der wissenschaftlichen Lehrerinnen wurden wie folgt festgesetzt: Erste Ortszulage 250 M., dann steigend um je 60 M. bis 400 M. Die technischen Lehrerinnen erhalten bis zum 7. Jahre 100 tvi.. dann einmal ISO M. und dann 200 M. Ortszulage. Das Gehalt der Direktoren an den höheren Schulen ist auf 0500 M. bis 3300 M. normiert worden, einschließlich 600 M. Amtszulage und der bisherigen Mietsenlschädigimg. Das Gehalt der Lehrer an de» Lyzeen wird im Grundgehalt um 100 M. erhöyt. Das Gehalt der Lehrerinnen an den höheren Schulen wird im Ansinah der Aufbesserung der Bezüge der Lehrerinnen an den Volksschulen erhöhl. Für die Elememailehrer. an der Knaben-Mittelichule werden die Bezüge um 150 M. erhöhl; für die übrigen Lehrer gelten dieselben Gehaltsanfbesserungen wie für die Lehrer an der Volksschule. Für die Beamten bestehen teil- weise Gruppen mit feststehenden Skalen. Im großen llmsange ist jedoch das Gehalt der Beamten nach einzelnen Skalen festgesetzt. Die erste Gruppe der Beamten wird im Gehalt um 300 M., die zweite um 350 M., die dritte um 200 M. und die vierte um 100 M. ausgebessert. Bei den einzelnen persönlichen Skalen ergeben sich Anfbessenrngen von 100 bis 2000 M. Das Gebalt des Ober- biirgermeisterS beträgt jetzt 18 000 M, das der übrigen besoldeten Mngistratsbeamten wurde um 1000 bis 1300 M. erhöht. Die Zu- lagen gelten ab 1. Okiober 1912, so daß für den vergangenen Monat noch Nachzahlungen erfolgen. Dnsselbe gilt von den beschlossenen Erhöhungen der Arbeiterlöhne. Stadtverordnetriiwahle». Die WahlbezirkSgeometriker auf dem Rathause haben ihr Teil dazu beigetragen, um der durch den Wahl- rechtsraub für die Bürgerlichen verbesserten Situalion eine, noch elwaS freundlichere Note zu geben. Die Bezirke sind so geschnitlen worden, daß auf einige der dritten Abteilung eine verhältnismäßig große Zahl von Beamten entfällt. Durch diese Konstruktion er- muntert, hoffen die Bürgerlichen, in der dritten Abteilung Erfolge erzielen zu können. Im bürgerlichen Lager ist man sich jedoch über die Verteilnng des Raubes noch nicht einig. Ob die sogenannten Liberalen, die mit den riickichrittlichsten Mittelständlern paktieren, oder die Vorschnßbonkgruppe den Löwenanteil ergattert, kann uns gleichgültig sein, die Erfahrung hat schon gelehrt, daß die Herr- schafien bei entscheidenden Fragen doch zusammengehen. Jetzt katz- balgt sich die Gesellschaft herum. Die Hausbesitzer empfehlen sich als die nützlichsten Mitglieder der Gesellschaft, weil sie die meisten Stenern zahlen müßten. Die kaufmännisckicit Beamten reklamieren für sich die Wertung als die wichtigsten Träger der Volkswirtschaft. Empört fragen die Lehrer, welcker Stand bedeutungsvoller sein könne als der ihrige und dUKommunal' und Staatsbeamten bringen sich als die Maschinisten an der Ordnnngsmoschinerie in empfehlende Erinnerung. So tobt der Kampf in der bürgerlichen Presse hin und her, die man aus de» Kreisen der Interessenten mit Eingesandts bombardiert. Auch im Bürgerverein entbrannte der Krieg unter den Konkurrenten. Bor- läufig hört man nur, daß die lieben Brüder noch zu keiner Einigung gekommen seien!— Die Festbesoldeten geben sich ganz besondere Mühe, um der Sozialdemokratie Mandate streitig zu inachen. Schon diese Tatsache läßt deutlich genug erkennen, daß die Herren keine soziale Politik fördern, keine allgemeinen Interessen vertreten. Ihr Verhalten ist aber auch vom Standpunkt ihrer Berussinteressen- Vertretung sehr unklug. Was sie von der Gruppe der Vorschuß- bankleute zu erwarten haben, das könnte ihnen die Vergangenheit doch eindringlich genug sagen. Wenn sich die Leute von strebsamen Führern als Hilssrruppen an die Seite ihrer harlnäckigsten Widersacher bringen lassen, dann dürfen sie sich nachher nicht beklagen, wenn sie von ihren.guten Freunden" Fußtritte bekommen. lieber Wahlrechtsraub und Stadtverordnetenwahlen referierte in gut besuchter Versammlung am Donnerstag im Schwarzen Adler der Genosse W. D ü w e l l. Von der wirlschastlichen Entwicklung ausgebend, zeigte der Referent die Nolwendtgkeit kommunaler Betätigung und kritisierte mit Zynismus die kommunalen Belhältnisse und die Handlungsweise der bürgerlichen Stadtverordneten. Der lebhafte Beifall bewies, daß die Versammlung mit den Aus- fübrnngen des Refäwirteii eins war. Gegner meldeten sich nicht. Am Sonntag, d e n 17. N o v e m b e r, findet die Wahl für 3. ßlbieilung statt, bis dahin gilt es, alle Kraft anzuspannen, um Ukorgenluft in das Lichtenberger Rathaus zu bringen. Die Sammelliste Nr. 115 für dis Stadtverordnetenwahlen ist verloren gegangen. Es wird gebeten, dieselbe anzuhalten und an Attred Linke. Lichtenberg, Fmowstrage 4, abzugeben. Gchöneverg. In der letzten Sitznng der Gewerkschaftskommission beschäftigten f«P die Delegierten mit den in, Dezember statlfindeyden Veitreter- lvahlen zur Generalbersaminlung der Ortskrankenkasse. Um unlieb- same Vorkommnisse, wie sie sich bei den vorhergehenden Wahlen bei der Verteilung der Mandate bemerkbar gemacht hatten, zu der- meiden, empfahl Genosse Schenk, bei diesen Wahle» so zu verfahren, daß jeder Verband die Anzahl der Delegierten erhält, die im Ver- hälinis zu den Gesamlmitgliedern der Versicherten auf die Miigliederzahl der bei der Kasse versicherten Berufs angehörigen entfallen. Dieser Borschlag wurde von allen Delegierten akzeptiert. Nach dieser Einteilung entfallen ans die Handels- und TranSportarbeiler seinschließlich Handlungsgehilfen) 25, Metallarbeiter 24, Bauarbeiter 22, Schneider 12, Gemeindearbeiter und Graphisches Gewerbe je 7, Buchbinder und Gastmirtsgewerbe je 3, Brauerei und Holzgewerbe je 2, Bureauangestellten, Schuhmacher und Fleischergewerbe je 1 Delegierter. Genosse Henkel wies noch daraus hin, daß ebensoviel Ersatzdelegierte wie Delegierte zu wählen sind, mithin jeder Verband die doppelte Anzahl von Mandaten zu besetze» hat; die Adresien derselben müssen bis spätestens den 20. November in Händen des Obmanns sein. So- dann teilte Genosse Henkel das Ergebnis der Wahl der Vertrauens- leute zur Angestelltenversicherung mit. Er bemerkte hierzu, daß die Angestellten der hiesigen Ortskrankenkasse der Aufforderung der GewelkschaftSkommission, sich am Tage der Wahl dem Wahl- aussichuß zur Verfügung zu stellen, bis auf einen, leider nicht nachgekommen sind. Genosse Becker, der im Wahlansschuß tätig war, sowie die Delegierten kritisierten daS Verhallen vieler Angestellten. Insbesondere wies Genosse Becker darauf bin, daß Vertreter des Verbandes der Bureauangestellten sich die größte Mühe gegeben haben, um die Beamten de, Kasse zu veranlaffen, ihr Wahlrecht auszuüben. Trotzdem haben sie sich weder an den Arbeilen nocb an der Wahl beteiligt. Ja, selbst der vom Bureau- angestelllenverband ausgestellle Beamte auS dieser Kasse als Ber- tranensmann habe es nicht für notwendig gehalten, sein Wahlrecht auszuüben. Der Vertreter der städtischen Arbeiter verlangt Aus- kmift, ob die Kommiision die Berichte auS den SitzuHgen auch dem „Schöneberget Tageblatt" zustelle. In einer ihrei� letzten Versammlungen ist daS.Schöneberger Tageblatt" Gegenstand der Kritik gewesen. Der Redakteur dieser Zeitung, der zugegen war, habe erklärt, daß er stets auch die Berichte der GcwerkichaflS- konnniision aufnehnie. Von den in Betracht kommenden Delegierten ivurde erklärt, daß sie noch niemals an diese Zeilung Berichte gesandt hätten. Der Ausspruch des Redakteurs sei so zu verstehen, daß er die Berichte aus dem„Vorwärts" ausschneidet, sie für die Leier seiner Zeitung zurechtstutzt und dann zum Abdruck bringt. Genosse Schulz, Vertreter der Schneider, wies aus zwei am Orte vorhandene Herrengarderobengeschäfte hin, die sich bei der Arbeiter- sckmft dadurct» beliebt zu machen versuchen, indem sie zur Weihnacbts- zeit einige Anzüge an Hilfsbedürstige verschenken, den mit dem Ver- band per Schneider abgeschlossenen Vertrag nach Möglichkeit aber zu umgehen versuchen; er ersuche deshalb die Delegierten nur aus den bekannten tarifireuen Geschäften die Garderobe zu beziehen. Martendorf. Die letzte Bertretersitzimg, die durch Abwesenheit des Vorstehers vom Schöffen Machon geleilet wurde, stand so recht im Zeichen der Redseligkeit und erinnerte an vergangene Zeiten unter dem alten Vorsteher. Bei der Besprechung über den Erfolg des ersten Fleisch- verkausstageS und der Beibehaltung der festgesetzten Preise, die in jetziger Höhe ein Defizit von rund 35 M. pro Tag ergebe», wurde zunächst von bürgerlicher Seite verlangt, daß die Fleischpreise unter allen Umständen erhöht werden muffen, da sie beinahe eine Existenz- Vernichtung der Schlächtermeister bedeute. Unsere Genossen wandten sich ganz entschieden gegen ein solches Ansinnen und betonten, daß die Existenz« und Ernährungsmöglichkeit von Hunderten von Familien gegenüber ein paar Schlächtermeistern auf dem Spiele stehe; das müsse hier ausschlaggebend sein. Auch des geringen Defizits wegen soll man die Preise nicht erhöhen. Die Vertretung habe seinerzeit 6000 M. bewilligt, die auch zur eventuellen Deftzitsdeckung verwendet werden müsse». Wie stark die Nachfrage nach billigem Fleisch sei, lasse die Talsache erkenne», daß trotz der kurzen Bekanntmachungssrist schon am..... erste» Tage 620 Käufe« vorbanden gewesen seien, die leider nicht olle hätten befriedigt werde» können, WaS gemacht werden müßte, fei vielleich, die Verringerung des abzugebenden Ouantunrs von B auf 2 Pfd. Schließlich einigte man sich, die Preise beizubehalten.— Die Privat- vorschnle des Direktors Zander, die jetzt eine gemischte Schule ist, soll mit dem 1. April nächsten Jahres aufgelöst und die Schüler in das Gymnasium bezw. neue Lyzeum eingeschult werden. Hiervon wollen die Südender Herren nichts wissen, da nach ihrer Auffassung die Schüler von den Eltern des weiten Weges wegen nicht in Marien- dorf, sondern in andere Gemeinden eingeschult werden. Mit dein Versprechen, daß bis zum April die elektrische Kreisbahn von Steglitz bis Mariendorf, Kaiserstraße, in Betrieb sei, stimmten sie schließlich der Auflösung zu.— Bei dem Vertrage mit Marienfelde betreffs niietsweifer Ueberlassung von Arrestzellen verlangte Genosse Reichardt die Beschaffung geeigneter Transportmittel, damit nicht ein armer Teufel, der vielleicht mal beim Betteln ertappt wird, den langen Weg zu Fuß machen müsse und der Spott- und Schaulust preis- gegeben werde. Auch einem im Orte bekannten Gemeinde- niiigliede kann es passieren, aus irgend welchen Gründen verhaftet zu werden, und auch dieses müsse sich dann dem beschämenden öffentlichen Transport unterwerfen. Bezahlt Ivird für die Häftlinge 0.75 M. pro Tag Verpflegungsgelder und 15 Pf. sog. Sitzgebühr. Für die Anschaffung eines Transportmittels oder wenigstens den Beschluß, daß die Arrestanten in geschlossenen Wagen eingebracht werden müssen, war leider keine Mehrheit zu haben. Um für das neu errichtete Lyzeum i» der Ringstraße viel Schüler zu erwerben, wurden für Herstellung und Aushang von Plakaten 500 M. gefordert. Die Vertretung erklärte sich im Prinzip für die Reklame. Weihense«. Aus der Genieindevertretung. Zum Kühlen der Erzengnisse deS Musterkuhstalles sowie zur Wirtschaft wurde biShss Leitungswasser verbraucht, das ziemlich erhebliche Kosten verurmcht. Um diese Kosten zu verringern, soll ein Tiefbrunnen hergestellt werden, der mir allen Vorrichtungen und den nötigen Veränderungen 6000 M. kostet. Diese Summe wurde bewilligt.— Zu Gewerbegerichtsvorsitzenden wurden Beigeordneter Dr. Klamroth, Gemeindeassessor Knothe und Rechisanwalt Dr. Weinberg gewählt.— Der schleckt« gewordene Fußboden des kleinen Turnsaals der Gemeinde- Turnhalle, in welchem der orthopädische Turnunterricht stattfindet, soll mit Linoleum belegt werden, weil die Kinder Kriechübungen machen müssen. Da Zweifel über die Zivcckinäßigksit des Linoleum- belages für eine Turnholle geäußert wurde», verwies die Vertretung hie Vorlage an die Hochbankommission zurück. Nach dem Säuglings- krankenhause wird nun endlich eine Verkehisveibindung geschaffen. Diese ist jedoch noch sehr primitiv, und sie soll auch nur als Pro- visorium gellen, weil nach dem Ausbau der Hohenschönhauser Straße'zugleich eine Straßenbahiwerbindung mit dem Nachbarart geschaffen werden soll. Ein Fuhrherr stellt einen Break in der Zeit von 11 Uhr bis>/zS Uhr zur Verfügung, womit von der Pfarrkirche aus zweimal stüudl'ch der Verkehr hin und zurück zum Säuglingskrankenhans hergestellt wird. Hierfür verlangt er die Summe von 1440 M. pro Jahr oder für die Stunde 75 Pf. Der Fahrpreis beträgt tür eine Fahrt pro Person 5 Pf. Genosse Frentz kritisierte die Unzulänglichkeit dieser Verbindung, wobei er sich von Herrn Könitz den Vorwurf gefallen lassen mußte, daß er bei jedem Punlte der Tagesordnung in einem halbstündigen Vortrage olle Maßnahmen der Gemeinde bekrittele. Sein Fraklionsgenosse Schwartz unterstützte jedoch die Ausführungen unseres Redners Frentz und darauf schwieg dann der große Pan. Der Vertrag mit dem Fuhrherrn wurde nach längerer De- batte gutgeheißen und auf ein Jahr cbgeichlössen. Die Entschädigung der Beisitzer des Versicherungsamtes wurde wie beim Gewerbegericht feitgeietzt und zwar 5 M. für eine Vormittags- und 3 91. füe die Nachmiltogssitzung. Ei» Antrag, diese Sätze zu erhöhen, wurde abgelehnt, da man erst noch Erfahrungen iannneln will.— Die Gretfsivalder sätrage wird noch in diesem Jahxe bis an die Grenze ausgebaut, infolgedessen muß die Fluchtlinie Ecke Berliner Allee und Gürtelstraße geändert werden, damit der Ver- kehr nicht gehindert wird. Dieser Aenderung wurde einmütig zu- gestimmt.— Ausgerechnet Herr Könitz interpellierte außerhalb der Tagesordnung den Gemeindevorstand, wie es mit der Jahres- rechnung von 1910 stehe, denn in der Oeffentlichkeit habe man häufig den Vorwurf erhoben, daß die Abrechnung des Gemeinde- Hausbaues, dessen Rendant Herr Könitz ist, recht lange aus sich warten lasse. Nachdem dieser Vorwurf in der Vertretung wiederholt wurde, schwieg Herr Könitz. Reinickendorf. Ein tödlicher Straßenbahnunfall ereignete'fich am Donnerstag« abend gegen 6 Uyr in der Scharnweberstraße. Dort geriet der Arbeiter Äilhelm Reumann, als er den Fahrdamm überschreiten wollte gegen einen Straßenbahnzug der Linie 25 und wurde um« gestoßen.'N. schlug mit dem Kopf so heftig auf daß Straßen- pflaiter auf, daß er eine klaffende Wunde an der Stirn und einen Schädelbruch erlitti Der Verunglückte erhielt von einem in der Nähe wohnenden Arzt einen Notverband und wurde dann nach dem Krankenhause geschafft. Dort ist der Arbeiter bald nach seiner Ein- lieserung verstorben. Hohen-Schönhause». Maßnahmen zur Teuerung sind auf Antrag unserer Genossen in der Gemeindevertretung getroffen worden. Mit Berlin wird ein Vertrag abgeschlossen wegen Lieferung russischen Fleisches. Da Berlin aber keine Garantie übernehmen kann auf regelmäßige Lieferung und die hiesigen Fleischermeister sich auch weigern, russis-bes Fleisch zu verkauscn. so ist mit letzteren versuchsweise ein besonderes Abkommen getrossen worden. Demnach verkaufen die Schlächter Fleisch zu folgenden Preisen: Kamm und Kotelett 80 Pf., Schmorfleiscb 90 Pf., Scbweinebauch 80 Pf., Hammelfleisch 65 Pf., Liesen und Rnckenfett ohne Schwarte 75 Pf. Den Differenzbetrag. der zwischen dieien Preisen und den mit der Kommune ab- geschlossenen Preisen besteht, zahlt letztere zu. Abgegeben wird das Fleisch allerdings nur an solche Familien, die 21 M. StaotSsteuer und darunter zahlen. Familien bis zu zwei Kindern erkalten zwei- mal 1 Pfund, über zwei Kinder zweimal l'/z Pfund Fleisch wöchent- lich. Bei Familien, die mehr als 21 M. Einkommensteuer zahlen, soll die„Bedürftigkeit" festgestellt werden. Der Bertrag mit Berlin betreffs russischen Fleisches bleibt aber trotzdem bestehen. Für Seefiichverkauf hat die Gemeinde 400 M. eingestellt. Die Seefische werden ohne Berücksichtigung des Steuersatzes verkauft. Die Verkaufsstelle wird noch bekanntgegeben. Genosse Thiele be- antragte, zu den getroffenen Abmachungen eine Bcschwerdekommission einzusetzen. Dem wurde stattgegeben; der Kommission gehört auch Genosse Thiele an. Oder-Tchönetveide« Die Wahlen zur Angestelltenversicherung für den Stimmbezirk k7 finden Sonntag, nachmittags von 12—5 Uhr, statt. Für die Buch- staben A— L im Ratskeller, Wilhelminenhofstr. 42; M— Z im Restaurant„Bürgerheim", Besitzer Berndt. Der Stimmbezirk um« faßt: Wuhlbeide, Ober-Schöneweide, Rahnsdorf, Köpenick-Forft. Wahlbureaus: Restaurant Imberg, Wilhelminenhofstr. 84 (A— L). Restaurant Barowsky, Schillerpromenade 13<51— Z). Personen, die gewillt find, bei der Wahl ihre Kraft zur Ver« fügunig zu stellen, wollen sich am Wahltage meldew in den Wahl» vureaus: bei Imberg, Wilhelmincnhofstratze 34, und bei Prochowshi, RathauSstraße 10. Für die Freie Vereinigung gilt die Liste H, Niedcr-Schönhausen, Nordend. Den Bericht vom Parteitage gab Genoffe Küter- Karlshorst in der Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Redner ermahnte am Schlüsse feines Vortrages die Genossen, nicht zu rasten, sondern weiter zu agitieren. In der darauf folgenden Diskussion sprach sich Gsnvsss Eising unter anderem für die Aufhebung des Antrags 90 ans, Genosse Küter war gegenteiliger Meinung. Den Bericht von der kreisgeneraiversammlung gab Genoffe Eising. Von der An- regung des Kreises, eine Wandschmuck- uud Bücherausstellung zu arrangieren, soll Abstand genommen werden. 11 Genossen und 9 Ge- nossimien wurden neu aufgenommen. Alt-Stahnsdorf(bei Storkow i. M.). Eine trotz des schlechten Wetters gutbesuchte Versammknng für Frauen und Männer fand am Sonntag unter freiem Himmel statt. Die Genossin Röhl- Neukölln referierte über„Volköentrechtung, Volkselend und Kriegsgefahr". Redners» erntete nach einstündigem Vortrage lebhasten Beifall. Eine Resolution im Sinne de« Vor- träges wurde einstimmig angenommen. Gegner meldeten sich nicht zum Wort. Tegel. Aus der Gemeindevertretung. Die Tegeler DeSinfektionS» a n l a g e im Amtshause war vor der Sitzung besichtigt worden; Herr R e i ch e l t erklärte, daß hierbei Reinickendorf als Vorbild ge- dient habe. Ucber die zu erhebenden Gebühren äußerte sich Genosse Lichtenberg dahin, daß die Gemeinde die Kosten zu trage» habe, zumal diese für den einzelnen immerhin recht hohe seien. Dr. H e n n i ck e dagegen meinte, daß die Gebühren doch zum größten Teile der Polizeiverwaltung zufielen, da auf deren Ber- oiilassung die Desinfektionen vorgenonnnen würden. Auch seien die Säge ziemlich niedrig bemessen' und nur Teilbeträge zu zahlen. Seiner Meinung nach könnte diese Anstalt zu einer Einnahineqnelle werden. Genosse Lichtenberg verlangte nun wenigstens bei zwnngS« weisen Desinfektionen Gebiihrenfreiheit. Ihm entgegneie Herr 9leichelt, daß auch bei diesen die bemittelten Leute bezahlen. Per« sonen mit einem Einkommen bis 1500 M. seien befreit. Gegen die Stimmen unserer Genoffen gelangte die Gebühren- ordnung zur Annahme. Die notwendige' Erweiterung der Maschinen im Wasserwerk erläuterte der Gemeindebaumeister. Bei der Betriebsart handele c« sich darum, ob man einen so- genannten Dieselmotor, Elektrizität oder Gas bevorzuge. Bei ersterem müsse man besonders mit steigenden Rohölpreiien rechnen, Elektrizität sei zu teuer. Gas also vorzuziehen. Ein solcher in ÄuS- ficht genommener Motor liefere 500 000 Kubikmeter pro Jahr, was zunächst genüge. Auch sollte man hierbei das Gaswerk unterstiitzen, das doch nun Gemeindeeigenium sei. Der Kostenpunkt der Erweite« rung'beträgt etwa 29 000 M. für Pumpen. 12 000 M. für Gas- motor, 2000 M. für Nebenanlage», 3000 M. für Rohöl, auch ein neuer Sammelbrunnen sei nötig, insgesaint rund 70 000 M. Die vorberalende Koinmission hat sich für GaSantrieb er- klärt. Die Vorlage wurde einstimmig angenommen.— Die jetzigen Unternehmer des Wochenmarktes haben einen Antrag aus Stundung von Straßenherstellungskosten gestellt; der Vorbentzer Müller hatte nacb Verkauf des TerrninS seine restierenden 1002 M. bezahlt. Die Stundung dieser Summe von ca. 8000 M. wurde fast einstimmig abgelehnt, da die Besitzer sehr gut situiert seien.— Der KrankenhauSverbandSauSschuß macht gegen die Ge- meinde Tegel einen Beitragsanspruch geltend in Rücksicht auf die Insassen des Strasgesängniffcs, die er der Gemeinde zurechnet. waS letztere aber nicht anerkennt, denn das Gesängnis steht außerhalb der Gemeinde und bildet auch politisch einen selbständigen Bezirk. unterhält auch ei» eigenes Lazarett mit emigeu 40 Bellen. Die Irrenanstalt' Dalldorf ist gletchfall» selbständig. Der Beitrags- onspruch wurde abgelehnt.— Aus die Verunstaltung von Ortschaften weist eine Verfügung des Land- ratS an die Gemeinde Tegel hin; durch Erlaß elnes Ortsstatut», daS der Kreisausichun zu genehmigen bat und durch welches erst das Gesetz selbst in Anwendung gebracht werden kann. soll der Verunstaltung vorgebeugt werden. Die Ueberlassung an die Gemeinde anstatt an die Polizei wird zunächst verlangt und eine Kommission von vier Personen mit der Prüfung der Materie und Wiedervorlcgnng in nächster Sitznng bcauslragt.— Für den Knaben- hqndarbeilZnnlmicht wird im Schulhause Schön«derger Str. 4 ein Kellerraum gegen eine jährliche Gebühr bon IM M. zur Verfügung gestellt— Die Seminarangelegenheit zeiligte eine längere Debatte. Die Regierung verlangt die allmähliche Ein- zichung dieser Präparandenkurse, die Gemeinde möchte sie aber bei- behalten bei einem Zuschntz bon 4600 M. Herr Gntstein schilderte unter großer Heiterleit gewisse burschenhafte Szenen dieser jungen Leute ans der Stratze, auch hält er diese Anstalt für Tegel nicht für nötig. Da die Anstalt schon eingerichtet, bemüht sich Herr Reichelt, dieselbe zu retten; die Vertretung lehnte dies jedoch mit neun Stimmen gegen sechs Stimmen ab.— An der Humboldt-Ober- realschule soll Ostern die letzte Klasse„aufgesetzt" werden; die Oberprima mir fünfzehn Schülern. Bemängelt wurde die vorzeitige Bestellung der Lehrpersonen, gmsomehr als die Stelle selbst erst geschaffen werden soll. Die Kosten werden auf den Erat für 1913 übernommen. Die Sitzung wurde mit einer vertraulichen beschlossen. WaidmannSlust. Eine imposante von 400 Personen, zum großen Teil Frauen, besuchte Versammlung protestierte am Dienstagabend im Bergschloß- restaurant gegen Teuerung und Kriegsgefahr. Mit einem warmen Appell an die Frauen, nicht abseits zu stehen, sondern mitzuhelfen, unsere elenden Zustände zu bessern, sich der sozialistischen Organi- sation anzuschließen und den Männern in ihrem wirtschaftlichen Kampfe treu zur Seite zu stehen, schloß die Reserentin Frau Böhm- S ch u ch ihren mit großem Beifall aufgenomnienen lemperament- vollen V'trag. Nach kurzer Diskussioil wurde eine Resolution, die billige gesunde Lebensmittel durch Oeffnung der Grenzen fordert, einstimmig angenommen. Es erfolgten 10 Neuaufnahmen, Wittenau-Borsigwalde. Ein Berkaus von frischem Hammelfleisch findet heute Somrabend von 8—12 Uhr im Feuerwehrdepot der Gemeinde statt. Der Preis beträgt für Keule 60 Pf., Rücken und dicke Rippen 75 Pf., Dünnung 60 Pf. Abgegeben werden bis 6 Pfund. Spanvan. Aus der Stadtverordnetenvrrsammluug. Zu stürmischen Debatten führte der Bericht des 7. Ausschusses über das Gesuch der Vereinigung königstreuer Männer. In demselben wird verlangt, daß beim Ver- kauf von städtischem Gelände der Vermerk eingetragen werden soll, daß auf städtischem Gebiet niemals ein Warenbaus errichtet werden dürfe. Gleiche Gesuche hatte die hiesige Rabatt-Sparvereimgung sowie der Bezirksverein„Stresow" eingereicht. Der 7. Ausschuß war diesen rückständigen Gesuchen beigetreten und empfahl dieselben zur Annahme. Genosse Pieck geißelte in scharfen Worten diesen unzeitgemäßen Beschluß und machte sich mit beißendem Spott über den Verein lönigstreuer Männer lustig, deren Mitglieder felber in den Warenhäusern kaufen. Die Stadtverordneten Schob und R e u s ch traten gegen die Warenhäuser ans. Letzterer hielt eine antisemitische Rede und erweckte dadurch den Unwillen der Versammlung. Oberbürgermeister K o e l tz e be- merkte, es handle fich hauptsächlich um das alte Rathaus, für welches ein Käufer vorhanden'sei, der eine Viertclmillion Mark dafür zahle« wolle. Unmöglich sei rS. einen Vermerk ins Grundbuch ein- tragen zu lassen, daß kein Warenhaus auf dem Grundstück errichtet werden dürfe. Die Stadt müsse danach trachten, so vorteilhast als möglich zu verkaufen. Die Stadtverordnelen Pieper, Weber und Kai, torowicz wandten sich gegen die Stadtverordneten Schob und Neusch mit dem Bemerken, daß das Warenhaus für Armee und Marine doch auch von königstreuen Männern errichtet sei. Stadtv. Kantorowicz bezeichnete die Ausführungen von Neusch eine elende Verleumdung eines Teiles der Spandaner Bürger; dafür wurde er zur Ordnung gerufen. Ruf Antrag des Genossen Pieck wurde über den Antrag deS 7. Ausschusses Uebergang zur Tagesordnung beschlossen. Nach dem Bericht deS 7. Ausschusses über die Gesuche deS AuS- schusies der Bezirksvereine und des BezirlsvercinS Klosterfelde be- treffend Ausbau der Seegefeldcr Straße und Weiterführung der Straßenbahn vom Bahnhof Spandau-West dnrch die Seegefelder. Sku neuer bis zur Ham- burger Straße wurde Zurückverweisung an denselben Ausschuß beschlosiem Ferner sollen sich die Straßenbahn- und Tiefbau- deputation erst gründlich mit diesen Projekten beschäftigen. Gen. Pieck gab alsdann den Bericht über den Antrag deS städtischen ArbeiterausschusfeS um Gewährung einer Teuerungszulage. Er bemängelte hierbei, daß der Arbeiterausschuß sein Gesuch bereits am 9. April an den Magistrat eingereicht, während der 7. Ausschuß erst Ansang Oktober davon Kenntnis erhalten habe. Der 7. Ausschuß befürwortete das Gesuch, und er. Redner, ersucht den Magistrat, dasselbe noch vor Weihnachten zu berücksichtigen. Stadtv. Schob erstattete den Bericht deS ersten Ausschusses über daS Gesuch der städtischen Arbeiter um Gewährung einer Teuerungszulage. Der Ausschuß empfehle Ablehnung des Ge- fncheS. Wenn das Gesuch der Arbeiter beriickstchligt werde, fühlten sich die kleinen Beamten benachteiligt. Den städtischen Arbeitern würden überhaupt schon die höchsten Löhne gezahlt. Genosse Pieper betonte demgegenüber, die Teuerung habe so um sich gegriffen. daß eine Zulage unbedingt nötig sei. Wenn die Unterbeamten dabei zu'kurz kämen, so müsse auch ihnen eine Zulage gewährt lverden. Die Privatbetriebe zahlen heute schon höhere Löhne wie die Siadt. Redner beantragt, jedem städtischen Arbeiter zu Weibnachten eine Teuerungszulage von 30 M. z» gewähren. Stadtv. Grätsche! sprach sich gegen die Teuerungszulage aus; desgleichen Oberbürgermeister Koeltze. Er habe die Ueberzeugung. daß eS den städtischen Arbeitern ut gehe. Genosse Pieck betonte, der Oberbürgermeister und die tahtvv. Grätsche! und Schob hätten sich auf den Standpunkt deS satten Unternehmers gestellt. Schob, ein Vertreter der drillen Ab- teilung. spreche von einer vollen Kompottschüssel, wo heute Not und Elend herrsche. Die Siadt verpulvere sonst Hunderttausende, hier handle eS sich um eine Verhältnis- mäßig geringe Summe. Es sei unsere Pflicht, die Arbeiter i bor Not und Elend zu schützen. Es gebe heute städtische An- gestellte, z. V. die Straßenbahnschaffner, die nur 3,20 M. täglich verdienen. Redner beantragt, allen städtischen Arbeitern und Unter- beamten bis zu einem Einkommen von 2500 M. je nach der Anzahl der Kinder eine Teuerungszulage zu gewähren. Die Vorlage wurde einer gemischten Kommission überwiesen. Für die Pflasterarbeiten im Stadtteil Nonnendamm wurden zu den bereits bewilligten 28 000 M. weitere 56 000 M. bewilligt. Dieser Betrag wird mit je 28 000 M, von der Firma Siemens u. HalSke und. der Märkischen Bodengesellschaft wieder erstattet. Die Mittel für die Aüfhöhung der Rustivtesen werden um 44 000 M. aus dem Kapitalvermögen erstattet. Durch Beschluß vom 11. Junt 1909 waren von der Sladtverordtietenversammlnug 119 000 M. bewilligt. Oberbürgermeister Koeltze bemerkte hierzu, daß Herr Heinel sich vertraglich verpflichtet habe, bei Zustandekommen des Waldverkaufs 150 000 M. für den Stichkanal und für die Auf- höhungen der Rnstwiesen zu zahlen. Da nun Heinel nach den Abmachungen mit dem Zweckverband nicht das ganze beabsichtigte Gelände kaufen könne, müsse die Stadt von dieser Summe etwas ablassen. Die Vorlage, betreffend Ankauf von Gelände an der Dörnicker Laake und Bewilligung des Kaufpreises von 103 185 M. aus dem GrundstückerwerbungssondS, wurde auf Antrag der Stadt- verordneten Pieck und Werner aus der geheimen auf die öffent- liche Sitzung gesetzt. Der Berichterstatter bemerkte, es handele sich um die Anlegung eines Südparkes für die Wilhelmstadt. Bisher find 80 000 Quadratmeter zu diesem Park erworben, während noch 40000 Ouadratmeler erivorben werden müßten. Stadtv. Werner, kritisierte, daß die Stadt für diesen Sumpfboden 4,50 pro Quadrat- meter bezahlen solle, während das zuerst erworbene Terrain nur 2 M, pro Quadratmeter gekostet habe. Sladtv. Kantorewicz tritt für Umgestattung des Birkcnwäldchens in einen Park ein. Nachdem noch mehrere Stadtverordnete sich gegen den zu hohen Preis des zu erwerbenden Geländes ausgesprochen hatten, wurde die Magistrats- Vorlage einstimmig abgelehnt. Eine Reihe kleinerer Vorlagen wurden genehmigt bezw. vertagt. Jugendveranstaltungea. Für die arbeitende Jugend Neuköllns finden zwei Befichllgungen der Elasmosaikfabrtl von Puhl u. Wagner statt, und zwar am Sonntag, den 3, und 17, November, vormiltagS'I�IO Uhr, Sammelpunkt ist der Hcrtzbergptatz, der Abmarsch erfolgt von' dort Punkt S Uhr, Teilnahme nur durch Eintritlskarte möglich., die im Jugendheim kostenlos erhält» lich sind, Tchöneberg.-Zur Errichtung eines Jugendheimes gingen bei dem Unlerzeichnetci, folgende Beitrage ein: Lan Arbeitern der Optifchcn Jndustriegefellfchaft 25,—. Buchbinder und Arbeiter der Leipziger BuchdindercijvormalS Fritzfche 14,40, Angestellte der Wurstfabrik Bchr 6,—. Buchdrucker der Buchdruckcrci Scholen! IS,—. Arbeiter der Fa. Opel IS,—. Buchdrucker der Buchdruckerei Sayffaerth 1,80, Weitere Beitrage nimmt entgegen: Karl Henlel, Wartburgstr, 40. Protesiversammlnng. Slrbciterjugend von Pankow— Nieder, Schönhaufcn. Sonntag, den, 3, November, mittags 1 Uhr. findet in, Pankgrafen, Schloßftr. 6. eine öffenlliche Protestversammlung statt. Tagesordnung: Die Hetze gegen die Ärbeiterjugend. Die Arbeiterxltcrn beider Orte werden ersucht, ihre schulentlassenen Kinder aus diese wichtige Versammlung aufmerksam zu machen und selbst zahlreich zu erscheinen. Es gilt Protest einzulegen gegen die immer un- erträglicher weisende Verfolgung der proletarischen Jugendbewegung. Die Veriammlung wird sich auch deS Näheren mit der„christlichen' Demul- ziaiionsmeihode dcö Schönhauser JüiigliugsvminS befassen. Die betreffenden Herren sowie di- Jngendklublciier und Pallore» find schriftlich eingeladen Die Nachbarorte und-Bezirke werden gebcken, zu dieser die iklllgemetnhett interessierenden Versammlung Vertreter zu entsenden. Eue aller Weit. Dr. Ocrtel auf der 8uche. DaS Leiborgan der notleidenden Agrarier kann seinen Lesern manches bieten, was ein Blatt mit geistig regem Leserkreis seinem Publikum nickt auftischen dürfte. DaS ist die Meinung eines lang- jährigen Mitarbeiter« der„Deutschen Tageszeitung", des Dr. Lim an, der als armer Donk im Oertelblatle agrarische Politik machte. Lima«, der seine Pappenheimer kannte, erklärte gelegentlich, daß ein großer Teil der Leser der„Deutsch. Tagesztg." schwerfällig von Begriff sei. Der stete Umgang mit den Gesinnungsgenossen scheint auch ans die Redaktcure abgefärbt zu haben, sonst wäre eine journa- listische Glanzleistung der Ocrteljllnger au» der letzten Zeit undenkbar. Vor kurzem brachte der„VorivärtS" uuter der Ueberschrift „Großbauer und Teuerung" eine Notiz, in der über die bei einer niedersächsischen Großbauernhochzeit verzehrten Speisen und Getränke berichtet wurde. Zwar bestreitet da? Agrarier- blatt bei jeder Gelegenheit sonst krampfhast die bestehende Teuerung. aber die Notiz erregte ob des darin geschilderten Ueberflusses an Speisen doch sein Mißfallen. Ztpei oder drei Tage darauf bewies das Blatt die„Lügenhaftigkeit" deS„Vorwärts". Unter der Spitz- marke„Eine unauffindbare Hochzeitsfeier" teilte die Zeitung der geistig schwerfälligen Leser mit, daß die Redaktion, angeregt durch die unglaubliche Notiz deS„Vorwärts", an den Hochzeitsvater Johannes L o h m a n n, Sottrum bei Hildesheim sHannover) eine Anfrage gerichtet habe, der Brief sei aber als u n b e st« l l b a r zurückgekommen. Beweis: Der„Vorwärts" schwindelt. Doch gemach. Beweis ist vielmehr: Die Redakteure der„Deutschen Tageszeitung", die unter der geistigen Leitung eines leibhaftigen ehemaligen Oberlehrers stehen, scheinen als Nachschlagewerke zur Aus- befferung ihrer mangelnden Kenninis die Leitfäden für Mittelschnlen zu benutzen, die Dr. O e r t e l aus seiner Glanzzeit in die Redaktion der„Deutschen Tageszeitung" eingebracht hat. Schon, daß wir von einer nieder sächsischen Hochzeit sprachen, hätte den Schlaubergern klar machen müssen, daß unmöglich das im s ü d l i ch st e n Z i p f e l der Provinz Hannover liegende Sottrum gemeint sein könne. Ein Blick in ein brauchbares Nachschlagewerk der Neuzeit hätte ge- nügt, festzustellen, wo das nieder sächsische Sottrnm zu suchen ist r Sottrum, Bahnstation der Hamburg-Bremcr Bahn, Regier ungs- bezirk Stad�, Provinz Hannover. Vielleicht adressiert Herr' Dr. O e r t e l einen Brief an diese Adresse und er wird unsere An- gaben bestätigt finden. Sollte Herr Dr. Oertel den Drang verspüren, auch ähnlichen Festivitäten nachzuspüren, so möge er sich noch an das Gut Koczick bei Kirschewo, Kreis Obornik wenden, wo jüngst die Hochzeit eines anderen Notleidenden stattfand. Den unS gewordenen Nachrichten zufolge wurden dabei vertilgt: 6 Rinder, 9 Schweine, 19 Hammel, 75 Gänse, 120 Enten, 230 Hühnchen, 13 Faß Bier. 430 Flaschen Wein und 1800 Flaschen Limonade. Feldgeschrei auf der Hochzeit war: Fleisch, Fleisch und immer wieder Fleisch! Bitte, Herr Dr. Oertel, lasten Sie auch diesen Fall bon einem ihrer jungen Leute untersuchen I Aber nehmen Sie nicht wieder den Naivus, der das angebliche Pantasiegut Holte in Hannover Sie erinnern sich doch l— bis heute nicht finden konnte! Gehorsam ist des Schutzmanns Pflicht. Ein echt russisches Kulturbild wird der„Franks. Zlg." au» Petersburg gemeldet. Der Polizeihauptmann M i ch a i l o w, der ein hiesiges Revier leitete, litt in den letzten Monaten an schweren Krankheiten, die anscheinend auch sein Nervensystem- untergraben haben. Plötzlich brach mitten in der Nacht bei ihm der Wahnsinn aus. Er zog seine Paradeuniform an, nahm alle Waffen zu sich und ließ aus dem Polizeirevier alle verfügbaren Schutzleute in seine Wohnung kommen. Hier befahl er, seine eige- neu Sachen genau zu durchsuchen, und die Schuhleute, die dem Befehl nicht zu widerstehen wagten, brachten die Wohnung des kranken Offiziers in chaotische Verwirrung. Seine Familie war in aller Hast geflohen. Nach Mitternacht ließ der Hauptmann die Schutzleute Kerzen entzünden; er selber ergrhfs eine Fahne und so zog er mit den Leuten über die Straße bis zu einer Teebude, in die er eindrang, um eine neue Durchsuchung vorzunehmen, die etw» zwei Stunden dauerte. Inzwischen waren auf seinen Befehl noch Schutzleute aus einem anderen Polizeirevier geholt worden; ebenso mußten die Kutscher der auf den umliegenden Straßen stehenden Lohndroschken sich der abenteuerlichen Gesellschaft an- schließen. Als endlich die Durchsuchung abgeschlosten war, stellte sich der Hauptmann, den bloßen Säbel in der Hand, an die Spitze seiner Mannschaft und führte sie ins Dachgeschoß eines Hinter- Hauses, Ivo er in die Wohnung hineinzuschießen befahl. Als ein Schutzmann bemerkte, sie stehe leer, Änderte er seinen Plan und kehrte in seine Wohnung zurück, wo er die Mannschaften an die Fenster stellte und um Hilfe rufen lies». Endlich nahm er ein Heiligenbild und zog nun, wieder von der ganzen Schar Beivaff- neter gefolgt, aufs Revieramt. Es war inzwischen fünf Uht morgens geworden. Hier warteten schon Ossiziere anderer Polizei- bezirke, die von den tragikomischen Vorfällen gehört hatten, und einem von diesen gelang eS, den Geisteskranken zu entwaffnen, der sofort in eine Heilanstalt gebracht wurde. Von der Mannschaft hatte während der ganzen Nacht niemand gewagt, dem tolle!« Hauptmann zu«viderftchen? nur ein glücklicher Zufall hat es ge- fügt, daß der Kranke keine verhängnisvollen Befehls gab, die wahr- scheinlich ebenso stupid ausgeführt worden wären, wie die verhält- niSmäßig harmlosen Launen deS Kranken. Vielleicht auch unterschieden sich die Amtsbefehle des wahnsinnigen Polizeiosfizicrs so unwesentlich von manchen Befehlen gesunder Vorgesetzten, daß den Untergebenen gar nicht der Gc- danke kam, daß sie es mit einem Verrückten zu wn hatten. Aleine Notizen. Masernepidemle. In S n ch t e d a bei Düfleldorf ist unter den Schulkindern eine Masernepidemie ausgebrochen, der bisher vier Kinder erlegen find. Insgesamt sind bisher 50 Kinder erkrankt. Neun Personen ertrunken. Ein schrecklicher Automobilunfall hat sich in der spanischen Ortschaft Alicanle ereignet. Dort stürzte ein mit nenn Personen besetzte? Automobil den Kai hinab ins Wasser. Trotz der sofort in die Wege geleiteten Rettungsversuche konnten sämtliche Insassen nur noch als Leichen geborgen werden. Brand anf einem französischen Unterseeboot. vorsicktigkeit eines Unterquartiermeisters brach gestern sranzösischen Unterseebootes Feuer auS. Das Schiff wurde g c- r ä u m t und in die Mite des Cherbourger Hafenbeckens gebracht: die Schotten wurden geschlossen. Dadurch gelang es, das Feuer zu ersticken._ Freirellgtöle(Yemeindc. Sonntag, den 3. November, vormlttaz» 9 Uhr, Pappel-Allee 15/17, Neukölln:.Jhealpaffage" und Tegel: Schltcper- straffe 30: FreircllglSsc Vorlesung. VormitlagS 11 Uhr. Kleine Franksnrtir Straffe 6: Vortrag von Herrn Dr. B. Wille:„DaS freie Selbit". I.— Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. Landsmannschaft Ilcckennüude. Usedom- Wolli». Sonntag, den 3. November, nachmittags 4 Uhr, Versammlung bei Rodrigo, Borsigstr. 24. AuS dem Wahlkreis Ueckermünde-Usedom-Wollin stammende Parieizenosscii und Genossinnen als Gäste willkommen. Infolge der Un- rn a» Bord eines HK t-r Bedeutende Ersparnisse! Ausschaltung willkürlicher Preisforderung u. Gewinnberechnung sind die grossen Vorteile unseres Verkaufssystems; Selbstkostenpreis+ 10% Im Selbstkostenpreis sind die Unkosten schon einbegriffen, die t00/o Umsatzprovision bilden den einzigen Gewinn der Gesellschaft Die H. K. G. führt Herren-« Jünglings- und Knaben- Bekleidung jeder Art in allen Preislagen und Grössen. Linzel•Verkauf nur an Private! Herren- Kleider- Vertriebs- Ges.*: Neue Schönhauser Str.!| naß 1> bfoabit,Turinstrasse73 Ecke Welnmeleter- u. 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Walter jr., Lüwct tr. 18 IttiiMiteillte'Sn WilhalmaS™;;,.». Otto Winkler, Nannynstr. 73. E. Wollt, Grüner Weg 75. c Badeanstalten :) Arkona-Bad, Anklamer-Str. 84. HL» Q r* Landsbergerstr. 107 S3£flC8 Gollnowstr. 41. Börgerhad aÄ�.«w! Canitz-Bad, Münzstraße 2. [sntral-Bail 1 Neukölln, I Münchenerstr.51 Bad Frankfurt, Or.Frkft.8tr. 136. Lieferant sämtl, Krankenkassen Bad Friedrichshain, Undib.AlloelS3 Badeanstalt, Hascnheide 18. Bad Hufeiand, Hufelandstr. 45. Kaiser-Frledrlcus-Bad.Charl.aBb. 1 früher Mflnael. AVallstr. 70,71 National-Bad, Brunnenatr. 9. Bad Ostend Passage- Bad Reform-Bad, Wiener Str. 65. löiM-ßad ÄÄt6!' ■ S cd dg sä b Ofldi■§■■■■ �9Ib wShm Schlesische Str. 31. \ fiktonla- Bad Kottbuaer Damm 75 V Friedrich Wilholmsbad Chausseestr. S7._ �Band�enTGummiwr� R. Bänke, Stralauer Str. 56. Berkholz, Köpenickerstr. 70. Lange, A. E., Brunnenatr. 167. Liep 3, Schöneberg, GrnnewaldjIr.SO. Meyer, P.,Milln.,Borlinerst?>l9— 50 J. Ch. f ollmann, Lolfaiingentr. 60. PaipHp A Seydelstraße 15. IVCILIIC, H. Lief.allerKaaaen Fr.Schnlte, Adlershnf.Biamarckil.S Wende, A., �oTtik'."- 7ar0inha AVelnbergsweg 1 ijQl �lillid Drosr.,hygr. Artikel. � Beerdig-Wnst., Sargm.� BredIowEbenwil(lent.l(Wiirtberit.29 Otto Bü»tner, NeabölIg.RingbahnatSt. BFirriinr Kblln, UohenzollernpI.il .rioUlci Bnekowt. Klid Knitenliaa«. HaXFB[ljaÄ,l.el70 Hanlzcb/VciReiseePrenilanerPioiii.l�l Hiekel, Fr.» Gr. Hamburgerst. 37 Gost. Nobert, Potsdamerstr. 115a H. Peterraeier, Strelitzerstr. 8. Peter-Schley, WUh., ZuMBeratr.ll. tf, hrliail, Nana?°a?.� 7 nk. 28» ���BvlouvbL»Be»»n»t�� Grüner AVeg 15 ___, an dar Marknsitnle Büttner, A'., Danzigeratr. 96. W. Schröder"ÄL Erscheint 2 mal «r&chentlieh. C Berufskleidung Bezugsquellen-Verzeichnis. Untenstehende Geschalte empfehlen sich bei Einkäufeh Keiner, Otto, Oerichtatraße 86. RoterLadenjSchflnelVjHiapljlr�OS � Bettfedern u. BettenJ O. Behrends, N'eik. Kneiebcckstr. 100 Bullnakl.FebrbLlliDarstr. 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IS- A.Rehmet,Moab.lPerleberger8t.2 W. Segilng. Christburgeratr. 43. Max Schlade, Langestr. 67. Th. Scheunemann, HelmholtzstL Otto Schmaizl, Jahnstr. 1. L.Schramm,Euderstr.23,T.UpI. 11707. OttoSchleusener, Nklln. Msiatsni. 8 Koppeostr. 93. Spez.Wurst-Geach, Ale, Ufalmar Alexandrinenstr. 14 HIKA nulilul Beicbenbergerat.100 (Inh. Otto Janke). f Fahrräd., Hähmaaoh.) fa&rreil-LeibliaDS loliaisnD Nene Scbänhauser-Str. 11. Fnlirrad-Ilaus,Friscliaur Brunnenatr. 35. Gründung und Eigentum der radfohrenden Arbeiterschaft. Ang.SzczygleLKUIi.TeafiUenl.IlO' Otto Schreiber E. Schauer. Huttenstr. 70. E. Scherzberg, BeUiekeidf.. nauut. 9. Max Schubert SUrgird.Fleüeli.ZeitnIe,Stttgtrdtrat.l3 nPhürisg. Fleisch. Warst-Ksbr S F. Sommerinssa, BoikagaseritSl E.Tr«pp,WiritzegtrsIe,W>ldeDsenti.I9 Tacherbner, Straßmannstr. 8. Max TQmmel,Cbristburgcrstr.24. I�nrl I Int» Nannynstraüe 17 ivan unie ff.fi-ucii.i.wani». Utzlg, Faul, Koppenstr 28. G. 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Line Meckerlsge cker Polizei im kismpf gegen Sie Ziigemldwegiing. Zwei Fälle von angeMcher Uebertretung bes Vereinsgesetzes beschäftigten gestern die vierte Strafkammer des Landgerichts III unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Ehreckc. In beiden Fällen bandelt es sich um Versammlungen für Jugendlich«, welche die Polizei als politische erklärt hat, obwohl sie es nicht waren. Tischler Hoest, der beide Versammlungen einberufen'und geleitet hat, ist vom Schöffengericht Lichtenberg in einem Falle freigesprochen, im andern Falle verurteilt worden, weil er die an- geblich politische Versammlung nicht angemeldet hatte. Drei Jugendliche unter 18 Jahren, die wegen Teilnahme an dieser Ber- sammlung unter Anklage gestellt sind, wurden vom Schöffengericht freigesprochen, weil ihnen die Erkenntnis, es handele sich um eine politische Versammlung, gefehlt habe.— Hoest hat gegen seine Verurteilung, die Staatsanwaltschaft gegen die freisprechenden Urteile in beiden Fällen Berufung eingelegt. Wie die Beweisaufnahme in der gestrigen Strafkammerver- Handlung ergab, fand die erste Versammlung am 22. Oktober 1911 in RummelSburg statt. Die Polizei hatte zwar keinen offiziellen Vertreter in die Versammlung geschickt, wozu sie auch nicht berech. tigt war, da ja die Versammlung sich nicht mit Politik beschäf- tigcn wollte. Aber einen Agenten hatte die Polizei in die Ver- sammlung geschickt. Er heißt Putzler und bezeichnet sich als Ar- beiter. Als Zeuge verschwieg Putzlcr zunächst seine Beziehungen zur Polizei und erklärte mit harmloser Miene, er sei rein zu» fällig hingekommen. Auf Vorhalt des Verteidigers Dr. Kurt Nosenfeld gab Putzler dann aber zögernd zu, daß er„teilweise im Austrage der Polizei" die Versammlung besuchte. Eine wertvolle Akquisition hat die Polizei mit ihrem Agenten Putzler keineswegs gemacht. Er stand vor dem Zeugentisch wie die personifizierte Einfalt. Von dem, was in der Versammlung gesprochen worden ist, wußte Putzler nichts und. was er zu wissen vorgab, war un- gereimt. Er will aus dem Munde des Referenten Domnick eine Aufforderung zum Eintritt in einen Jugendverein und zur Zahlung rückständiger Beiträge gehört haben. Eine solche Auf- forderung kann natürlich niemand gemacht haben, weil es be- kanntlich in Groß-Berlin keine Jugendorganisationen mehr gibt, seitdem sie durch die Polizei aufgelöst worden sind. Was der Polizeiagent Putzler über die Versammlungsreden nicht wußte, das konnte merkwürdigerweise der Polizeikommissar Baumann, der nicht in der Versammlung war, aber ein Protokoll mit Putzler ausgenommen hatte, in fließender Rede vortragen. Warum sollte der Kommissar Baumann auch nicht wissen, was er picht gehört hat? Die angebliche Aufforderung zum Beitritt zu einem Verein nnd Zahlung rückständiger Beiträge erklärt Kom» urissar Baumann mit größter Sicherheit so: In Lichtenberg be- steht eine Vereinigung der Wonnenten der„Arbeitcr-Jugend". Die Miiglieder haben grüne Karten, darauf steht gedruckt:„Ver- «inigung der Abonnenten der.Arbeiter-Jugend"." Diese grüne Karte mit rote» Beitragsmarke» dient als Ausweis beim Ein- tri»" in das Arbeiterjugendheim, welches vom Ausschuß des sozialdemokratischen Wahlvereins unterhalten wird.— So die phantastevolle Darstellung des Polizeikommissars Baumann.— Der Verteidiger machte sich sofort an die Zerstörung dieses Polizei- lichen PhantafiegebildeS. Einer der Zeugen zog aus seiner Tasche die grüne Karte mit roten Marken hervor. Polizeikommissar Bau- mann erkannte sie als die von ihm bezeichnete. Es stellte sich her- aus, daß es die Abonnementskartc der Zeitschrift»Arbeiter- Jugend" ist und daß die Worte:„Vereinigung der Wonnenten der„Arbeiter-Jugend"" natürlich nicht darauf bestehen.— Rechts- arnvalt Rosenfeld bezeichnete die Angabe Baumanns als ein äußerst leichtfertiges Umgehen mit der Eidespflicht. Nun wollte der Verteidiger auch die andere ebenso bestimmt ausgesprochene Behauptung des Kommissars, der Ausschuß des sozialdemokratischen Wahlvereins unterhalte das Jugendheim, als unwahr nachweisen. Er stellte deshalb die Frage an den Polizeikommissar Baumann, ob er bei dieser Angabc bleiben wolle.— Baumann lehnte die Antwort al>. Der Verteidiger beantragte einen Gerichtsbeschluß. Die Frage wurde abgelehnt, weil sie für die Beurteilung der Handlung des Angeklagten unerheblich sei.— Polizeikommissar Bau mann war also in der angenehmen Lage, eine unbeweisbare Behauptung nicht ausdrücklich als unwahr zugeben zu müssen.— Im übrigen drehte sich die Beweisaufnahme um den Inhalt der Rede des Referenten, außer dem niemand in der Versammlung gesprochen hatte. Die zweite Versammlung fand am 21. April 1912 in Lichten- berg statt. Hoest war Einberufer und Leiter. Bernhard Düwcll sollte über daS Thema sprechen:„Ans Vaterland, ans teure, schließ' dich an". Vor Eröffnung der Versammlung erschien Polizei- leutnant F l e s ch n e r nnd erklärte, das Thema, also auch die Versammlung, sei politisch, denn es sei schon früher einmal eine Versammlung, in der Stadthagen über dasselbe Thema sprach, als politisch erklärt worden. Der Einberufer erklärte zwar, der Be- amte müsse doch erst abwarten, ob die Versammlung einen politischen Charakter haben werde. Aber der Polizeilentnant glaubte nun mal, er wisse das schon im voraus und deshalb ver- langte er die Entfernung aller Personen unter 18 Jahren. Der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe änderte nun der Referent das Thema und sprach über Lehrlingswesen. Die Ver- sammlung konnte nun allerdings unter polizeilicher Bewachung zu Ende geführt werden. Di« Folge aber war die Anklage gegen den Einberufer und drei jugendliche Besucher. Der Inhalt der Ver- sammlungSreden wurde durch das Zeugnis deS Polizeileutnants Flefchner und des Referenten Bernhard Düwell festgestellt. Hier« bei kam zur Sprache, daß«in Diskussionsredner auf das politische Gebiet abzuschweifen begann, aber vom Versammlungsleiter sofort zurückgewiesen wurde. Der Staatsanwalt beantragte Verurteilung in alle» Fällen. Die angeklagten Jugendlichen— meinte er— hätten Wohl beurteilen können, daß die Versammlung eine politische gewesen sei. Denn als hier vor Gericht nach der grünen Karte gefragt wurde, — griffen alle drei in die Tasche, um die Karte hervorzuholen. Sie wüßten also Bescheid. Ja— sagte Rechtsanwalt Rosenfelb—, heute, ein halbes Jahr nach jener Versammlung, da haben die jungen Leute allerdings die grüne Karte. Man müßte sich wundern, wen» es anders wäre, nach- dem Polizei und Gericht aus Anlaß des Besuchs jener Versamm- lung gegen sie vorgegangen sind. DaS ist immer die Folge des polizeilichen Vorgehens gegen Jugendveranstaltungen, daß die jungen Leute nun erst recht auf die Sache hingelenkt werden und dann natürlich bestrebt sind, von der ihnen verbotenen Politik etwas kennen zu lernen. Aus dem Grunde werden sie dann Abonnenten der„Arbeiter-Jugend", ivas ja nicht verboten ist, und sind im Bc- sitz der grünen Karte. Nach längeren rechtlichen Ausführungen über den Begriff„politische Versammlung" kam der Verteidiger zu einem Antrage auf Freisprechung sämtlicher Angeklagten. Das Gericht kam denn auch zu einem freisprechenden Urteil. Die Begründung ging im wesentlichen dahin: Eine politische Versammlung liegt nur dann vor, wenn in ihr politische Angc- legenheiten erörtert werden. Erörtern heißt, eine Sache nach Grund, Wesen und Wirkung auseinanderzusetzen. Das ist in beiden Fällen nicht geschehen. Es handelt sich also nicht um politische Ver- sammlungen. Der Zeuge Putzler hat nur eine mangelhafte Vor- stellung von dem, was er in der Versammlung gehört hat. Seine Intelligenz kann auch nicht ausgereicht haben, um zu erfassen, waS politisch ist und WaS eS nicht ist. Wer selbst wenn man daS durch seine Angaben zustande gekommene Protokoll zugrunde legt, welches dem Polizeikommlffar Baumann diktiert, aber nicht von diesem verfaßt ist, so kann eine Erörterung politischer Ange- legenheiten nicht angenommen werden. Die Versammlung wird auch nicht dadurch zu einer politischen, daß zum Abonnement auf ein politisches Blatt, die„Arbeiter-Jugend", aufgefordert wird. In einer Versammlung ist zwar eine Entgleisung eines Redners ans das politische Gebiet vorgekommen, aber es ist nicht zu einer Er- örtcrung politischer Angelegenheiten gekommen, weil der Vorsitzende rechtzeitig eingegriffen hat. Aus diesen Gründen mußte die Be- rufung der Staatsanwaltschaft verworfen, der Berufung des An- geklagten Hoest aber stattgegeben und dieser fteigesprochen werden. Also eine völlige Niederlage der Polizei, die sich in dem einen Falle auf die Angaben ihres nicht mit ausreichender Intelligenz begabten Vertrauensmannes, im anderen Falle aber auf die Dar- stellung eines zweifellos intelligenten Beamten stützt. Sollte die Polizei nicht über soviel Intelligenz und Gesetzeskenntnis verfügen können, daß sie die durchaus gesetzlichen BildungZbestrebungen der proletarischen Jugend unbehelligt läßt und so haltlose Anklagen nicht veranlaßt? Hoffen wir's für die Zukunft. WitterungSübcrstcht vom 1. November ISIS. vtiMonen Swwemde. tomburg erltn Franrl.a.M. 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Ganz anders steht es aber, soweit die Arbeiter- s ch a f t im weiteren Sinne in Betracht kommt. Durch den von der Stadt angenommenen Vertrag von 1006 ist die Bevölkerung auf die Teltower Kreiskrankenhäuser in Grosi-Lichter- selbe und Britz angewiesen. Können die sich aus der beträchtlichen Entfernung ergebenden Schwierigkeiten zur Not eingeschränkt werden, so wollen allen Beschönigungsversuchen zum Trotz die Klagen über Abweisung von Kranken kein Ende nehmen. Nun hat sich die Stadt zwar vor einigen Monaten endlich zu dem Entschluß der Erbauung eines eigenen Krankenhauses aufgerafft; aber auch hier ist vom Willen bis zur Tat kein kurzer Schritt. Das Haus soll am 1. April 1916 bezugsfertig sein; und da eine Heilanstalt nicht so leicht aufgemauert ist, wie eine Mietskaserne, drängt die Zeit. Doch bis jetzt ist man sich noch nicht einmal über die P l a tz- frage im klaren; die einzige Tatsache, auf die man sich stützen kann, besteht darin, dasi die Stadtverordnetenversammlung ihre Zu- stimmung dazu gegeben bat, daß im äußersten Süden der Stadt: hart an der Dahlemer Grenze, ein zum Bau einer Heilanstalt geeignetes Grundstück erworben wurde. Steht eS so um eine sehr dringliche Angelegenheit, so sind die Aussichten für die Verwirklichung anderer kaum minder wichtiger Aufgaben sozialpolitischer Natur erst recht unbestimmt. Die Stadtverordnetenversammlung begnügte sich bis jetzt damit, den Bau einer Badeanstalt, eines Kinder- ferien heimS im Prinzip zu beschließen; aber in allen diesen Angelegenheiten sind seit der Beschlußfassung Monate, ja zum Teil Jahre vergangen, ohne daß die Sache vom Fleck kam. Die beiden Sozialdemokraten im Stadtparloment geben sich, wo sie nur können, ' redlich Mühe, um die Interessen der Arbeiterschaft zu fördern; aber was sind zwei Mann unter achtundvierzig? Nach dem Beispiel der Nachbarorte ist es auch in Wilmersdorf not- wendig, daß die Bevölkerung zu erkennen gibt, wie unzufrieden sie mit der wichtigen Selbstgefälligkeit ist, die sich unter den Herren von der Mehrheit breit macht, und hierzu bietet die Stadt- verordnetenwahl am Sonntag die beste Gelegenheit. Die Wahl möglichst vieler Sozialdemokraten gibt die einzige Gewähr, daß der heutige Schneckengang in sozialpolitischen Dingen einem rascheren Tempo Platz mache. Lichterfelde. Bon der reichhaltigen Tagesordnung der letzten Gemeinde- Vertretersitzung waren es besonders zwei Punkte, denen von der Allgemeinheit das größte Interesse entgegengebracht wird: die Maßnahmen gegen die Teuerung und die zweite Lesung über den Bau des Klassenwirtshauses. Den Bericht über den ersten Punkt gab Schöffe Dr. Domino. Nach Beschluß der Kommission erfolgt der Bezug russischen Fleisches gemeinsam mit Groß-Berlin. Zunächst sollen für Lichter- selbe 30' Zentner wöchentlich zur Verfügung gestellt � und mit dem Berkauf des Fleisches die kleinen Schlächtermeister des Ortes betraut werden. Der Preis bewegt sich innerhalb des Kalküls der Stadt Berlin. Da die Kosten für den Einkauf und die sonstigen notwendig werdenden Einrichtungen auf die einzelnen Ge- , neinden nach dem von ihnen entnommenen Quantum repartiert werden, kommt auf Lichterfelde keine nennenswerte Summe. Ge- meindevertreter Dietrich empfiehlt ein Abkommen mit der Vieh- vcrwertungsgenoffenschaft, die ein besseres Fleisch liefere, nur sei es um 1 Pf. teurer pro Pfund. Allerdings müsse sich die Gemeinde auf längere Jahre binden. Genieindevertreter G e r s b a ch gab den ge- nußiüchtigen Leuten den Rat, nicht zu viel Fleisch zu essen; es würde um die Gesundheit des Volkes besser stehen, wenn weniger Fleisch und Wurst konsumiert würde. Worauf Gemetndevertreter B l e l I treffend erwiderte, daß es Sache jedes einzelnen sei, wie er es damit halten wolle. Jedenfalls müsse dem bestehenden Notstand wenigstens einigermaßen gesteuert iverden. Für die vorläufigen Ausgaben wurde die Sumnre von 2000 M. bewilligt. Die zweite Lesung betr. den Bau des Lichterfelder Klasienwirts- Hauses hatte einige Zuhörer angelockt— eine Seltenheit im Lichter- selber Rathaus—, das sonst gemieden wird wie die lybische Wüste. Wir können die erfreuliche Mitteilung machen, daß die Herren L e n z n e r und Lange vom Gemeindcvorstand zwischen den beiden Lesungen umgelernt haben. Sie betonten jetzt mit besonderem Nachdruck, daß es sich ja gar nicht um eine Einrichtung für die feinen Leute, sondern für die breiteste Masie der Bevölkerung handle I Eine Einrichtung lediglich für die wohlhabende Bevölkerung würde sogar gesetzwidrig sein! Mau wird sich verwundert fragen: woher auf einmal die Erleuchtung? Die Antwort ist nicht schwer. Zwischen der ersten und zweiten Lesung war nämlich eine Gemeindeersatzwahl, die für den sozialdemokratischen Kandidaten erfolgreich war. Im sozialdemokratischen Flugblatt war der Beschluß der Gemeindevertretung über die Errichtung eines feinen Restaurants für die„Reichen" und„Vornehmen" einer scharfen Kritik unterzogen, als eklatante Gesetzwidrigkeit hervor- gehoben und festgenagelt worden. Die jetzige llebereinstimmung in diesem Punki freut uns also außerordentlich. Aber die Erklärungen der beiden Mitglieder des Genieinde- Vorstandes ändern natürlich nichts an der Tatsache, daß das sogenannteKommnnalwirtShauS eine Einrichtung für die v o r n e b m e n Kreise in Lichterfelde werden soll und wird. SchöffeL e n z n e r entwarf sodann ein farbenprächtiges Bild von der EntWickelung, all den Vorteilen und Vorzügen, die Lichterfelde»ach dem Bau des Klassen- Wirtshauses erleben werde. Sogar die Frage der Stadtwerdung sei sodann leichter zu lösen! Seine eigenen Freunde lachten über diesen Scherz nicht wenig. Gemeindeverlreter Meyer meinte, man müsse schon etwas Besonnenheit bewahren und rät angesichts der allgemeinen politischen Lage, niit dem Gelde sorgsam umgehen und den Bau, für den er an sich durchaus sei, auf ein spätere Zeit zu vertagen. Gemeindevertreter R a u p e r t ging für die Borlage mächtig WS Geschirr. Ihn kümmert die Stimmung der Bevölkerung absolut nicht.„Wir sind die Bevölkerung, die darüber zu bestimmen hat", rief er aus, ganz wie seinerzeit der berühmte Sonnenkönig Lud- wig XIV.:„Der Staat bin ich!" Aber Herr Raupert gibt doch wenigstens einen stichhaltigen Grund für den notwendigen Lau eines Gemeindetvirtshauses an: das Bedürfnis der Herren Gemeindevertreter nach eigenen Räumen, die für sie reserviert werden sollen. Es handelt sich also um ein Reservatrecht für eine Anzahl Gemeindeverordneter— eine Extrawurst, die aber mit 200 000 M. doch etwas zu hoch be- zahlt ist. Ueber die R e n t a b i l i t ä t des Unternehmens macht man sich überhaupt keine Kopfschmerzen.„Die Bierschwemme muß es bringen"meinte Gemeindevertreter G e r s b ach, deren Gäste die„Möbel- und Klamottenkutscher" sein werden, wie ein anderer Redner sich ausdrückte. Die Proletarier sind also wenigstens gut genug, in der Schwemme unten das Defizit abzusaufen, das in der Beletage zur höheren Ehre einer Handvoll vornehmer Leute allmählich erwachsen wird. Vielleicht gibtS eine große Enttäuschung in dieser Beziehung, Ein Gegner deS ganzen Projekts ist offenbar der Gemeindevorsteher Schulz, der in kurzen, aber eindringlichen Worten darauf hinwies, daß keine Mittel für den Bau des Wirtshauses vorhanden seien, daß deshalb Anleihen aufgenommen werden•»» ü ß t e n, was mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden fei. Die jetzigen Anleihen reichten nicht einmal für die Zwecke, für die sie bestimmt seien. Aber auch dieser Einwand ivar erfolglos; die Mehrheit bestand auf Errichtung des Klassenwirtshauses mit der einzigen Modisikation, daß die Zeit der Ausführung dem Gemeindevorstand überlassen bleibt. Kur sechs Genreindeverordnete stimmten dagegen. Eine Ausgabestelle für Antischundliteratur ist am hiesigen Ort eingerichtet. Die Ausgabe von Antischundliteratur für Arbeiter-- kinder findet allsonnabendlich von 8— 10 Uhr, Bäkestraße 7, statt. Die„Arbeiterbücherei Lichterfelde", welche alle im Orte befind- lichen Arbeiterbibliotheken vereinigt, wird auch noch eine Abteilung Jugendliteratur für die schulentlassene Jugend haben. Die Arbeiter- bücherei wird sofort eröffnet werden, wenn die in der letzten Mit- gliederversammlung des Wahlvereins beschlossene Sitzung aller Vor- stände der Partei und der Gewerkschaften Lichterfeldes stattgefunden nnd alles Notwendige organisiert hat. Solange müssen sich die Ge- nosien und Genossinnen noch damit begnügen, daß jetzt einstweilen für die Kinder etwas geschaffen wurde. Die Arbeitereltern werden daher ersuchr, gute Bücher für ihre Kinder zu holen. Der Büchereiausschuß. Tempelhof. Aus der Gemeindevertretung. Für Lehrmittel der katholischen Schule, welche im Gebäude der ersten Gemeindeschule in der Friedrich-Wilhelmstratze untergebracht ist, nnißten zunächst 1300 M. bewilligt werden. Zum Frühjahr wird die sechsklassige Schule separat untergebracht. Syndikus Wiesner erstattete alsdann Bericht über die Arbeiten der Kommission für den Seefisch- und Fleiichverkauf und gab einen Ueberblick über die Verhandlunge», welche in Verbindung anderer Gemeinden mit dem Berliner Magistrat gepflogen worden sind. Dieser habe seine Einrichtungen mit Bezug auf Seefisch- und Fleisch- Versorgung auch der Gemeinde Tempelhos in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt. Zunächst habe die Kouimission beabsichtigt, das Fleisch durch die hiesigen Schlächter vertreiben zu lassen; wegen der geringen Quantität, 25 Zentner pro Woche, und der schwierigen Verteilung hpbe man diese Absicht aber wieder fallen gelasien. In Anbetracht der Höhe des Quantums könne von einer großen Schädigung dieses Gewerbezweiges, wie die Schlächtermeister in einer Interpellation in dieser Sache beim Bürgermeister behaupteten, keine Rede sein. Kämen diese Herren mit besseren Vorschlägen, so sei die Verwaltung zur Annahme derselben gern bereit. In 3 Tagen seien 2157 Pfd. Rind- und 17o Pfd. Schweinefleisch verkauft worden. Die Nachfrage sei bedeutend größer gewesen und das Fleisch als durchaus gut bezeichnet worden. Außer den vorgesehenen Unkosten durch den Vertrag mit Berlin habe die Gemeinde pro Tag 10 M. an den Verkäufer und die Kosten für die Herbeischaffung zu zahlen. Der See- fischverkauf sei bereits zurückgegangen und am Donnerstag seien etwa 230 Pfund übrig geblieben. Dieselben werden freihändig ver- kauft oder versteigert. Syndikus Wiesner, der noch betonte, daß ein Unterschied in der Person der Käufer und eine Kontrolle durch Steuerzettel nicht angängig sei, bat, die Einrichtung nachträglich zu genehmigen und noch 2000 M. nachzubewilligen. Ein großes Risiko sei nicht vorhanden. Bürgermeister Mussehl glaubte annehmen zu kixöorker WUral« Zietenstr. 85, Ecke Bergstraße. 3«W«] n rn Turban von 7 rill Mark an Locken j L,UU »ÄSmUadatt! M Große Ausstellung von 50 verschiedenen Farben und Formen in meinen Schaufenstern. Beachten Sie diese vor Ihrem Einkaufe Eigene Fabrikation, direkter Einkauf fast der gesamten Rohstoffe in ersten Fabriken ermöglichen Beste Qualitäten Sehr billige Preise 65, 54, 48, 42, 34. 32, 28. 23, 18 M. Qott&eO IPclß Schöneberg, Hauptstraße 161, Ecke Sfubenrauchs/raße Die Maßanf ertig'ung erfolgt ohne Preisaufschlag', falls die passende Größe nicht mehr vorhanden ist. 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Bürgermeister Mussehl sprach Abhilfe zu.— lieber das Matz der östcntlichen Armenpflege hinaus bewilligte die Berlretung 1800 M. — Von Stratzenangelegenheiten sei mitgeteilt, datz bei dem Ausbau der Attilaftratze(Chaussee nach Lankwitz) ein 10 Meter breiter Damm und ein 8 Meter breiler Bürgerlteig vorgesehen ist, letzterer soll mit einem 2>/z Meter breiten Rasenstreisen belegt werden. Tempelhof-Mariendorf-Marienfelde. Ein Fortschritt in postalischer Beziehung hat Tempelhof er- rungen. Vor längerer Zeit brachten unsere Genossen im Dorf- Parlament die postalische Rückständigkeit zur Sprache. Namentlich kamen die Klagen aus dem Industrieviertel, wo besonders grotze Fabriken sich niedergelassen haben. Dort würden die Postsachen, die Zeder andere in Tempelhof bereits früh morgens erhält, erst mittags ausgetragen und zwar durch den— Landbriesträger. Auch in anderer Weise hatte dieser Landbestellbezirk seine Nachteile. Durch die Gemeindeverwaltung wurde um Abhilfe dieser Mißstände ge- beten. Diese ist nun zwar erfolgt, aber die Wißstände in Timpelhof selbst sind noch recht große. Wohl ist es nichts Neues, datz man am Schalter an langes Warten gewöhnt ist und eingehende Telegramme liegen gelassen werden. Eine Abhilfe täte auch hier unbedingt not. Allzu grotze Sparsamkeit läßt wobl auch darauf schließen, datz der neue OrtSteil„Tempelhofer Feld" noch nicht einmal einen Brief- kästen besitzt. NowaweS. Feuer brach am Donnerstagabend in der achten Stunde in dem Hause Priesterstratze 76 aus, in dem sich die Butterhandlung von Bruno Freche befindet. Durch die Gasflammen im Laden war die Deckenkonstruktion in Brand geraten, so daß Einsturzgefahr bestimd. Der herbeigerufenen Feuerwehr gelang es bald, das Feuer zu er- sticken, obwohl beim Durchschlagen der Decke die Klammen hell empor- loderten und das ganze Haus zu vernichten drohten. Der entstandene Schaden scheint recht beträchtlich zu sein, da die meisten Waren durch Rauch und Wasser stark gelitten haben. Die Preiskoalition der Fleischermeister, die bisher jegliche Kon- kurrenz ausschloß und daher für die hohen örtlichen Fleischpreise mit verantwortlich zu machen ivar, ist durch den Druck der öffentlichen Meinung wie auch infolge der Ankündigung der Gemeindeverwaltung, bei Ausrechterhaltung der gegenwärtigen Preise ausländisches Fleisch einzuführen und auch auf dem Sonnabendnachmittagsinarkt wieder Fleisch und Wurstwaren zum Verkauf zuzulassen, aufgelöst worden. Es steht somit zu hoffen, datz die Fleischpreise jetzt endlich eine Er- mätzigung erfahren, die allerdings schon längst notwendig gewesen wäre. Mankiewitz& Lewertoff Qoethesfr. ZZ CHARLOTTENBURG Wallstr. 46 Billige 95-Pfcnnig-Tage 2 oder 1 Samtgürtel... 95?k. 3 od. 2 Paar Damen-Strümpfe a r- Wolle plattiert....... ww 4, 3 od. 2 Paar Herr.-Soeken pf- schwer Vigogne resp. 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