Ur. 258. Nbonneinentz-IZeckinzllngiN: ÄbonnementS- Preis pränumerando: Lierteljährl. Z.ijii iv».. Mona«. 1,10 Mk,. wöchentlich LS Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags» nuninier mit Mustrierter SomitagS- BeUage.Die Neue Welt" 10 Pfa. Poft» Wonncment: 1,10 Atark pro Monat. Eingetragen in die Poft-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband lür Deullchland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. ewnl täglld) außer Glontast. f. Vevlinev Volkrsblctkt. vie Mettiens-Ledah? beträgt für die sechsgefpaltene Kolonef» geile oder deren Raum W Psg„ für politische und oetvsrlschaslliche Vereins» und Lersammlungs-Anzeigen 30 Pfg, „Kleine Hnrclgcn", das seltgedruclic Wort 20 Pfg.(zulässig Lfcttgedruclte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort o Pfg. Worte über 15 flach- J laben zählen für zwei Worte/ Inserate ür die nächste Nummer müsicn bis i Uhr nachmillags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ij' bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „ßozialdtinesirat Rcrlin". Zcntralorgan der rozialdcrnokrattfcben Partei Deutfebtands. Redaktten: 8Nl. 68, Lindcnstrassc 69. Fernspreckjer: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Sonntag, den 3. November 19Z.Ä. Expedition: LM. 68» tindenstrasse 69« Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981. Holt den 1. Berliner Reichstags» Wahlkreis! Am 5. November wird die Entscheidung darüber fallen, ob der erste Berliner Neichstagswahlkreis auch künftig durch den Herrn Kaempf im Reichstage vertreten sein soll oder durch den von der Sozialdemokratie präsentierten Ncichstagskandidaten D ü w e l l. Hätten lvir eine der- nünftige Wahlkreisgeomctrie, wären die Berliner Wahlkreise auch nur einigermaßen ihrer Bevölkerungsziffer entsprechend gleichmäßig eingeteilt, so hätte der Frei- sinn längst auch seinen letzten Berliner Sitz ein- gebüßt und an die Sozialdemokratie abgetreten. Nur der geradezu lächerlichen und abgeschniackten Wahl- kreiseinteilung ist es zuzuschreiben, daß im ersten Berliner Reichstagswahlkreis der Freisinn mit der Sozial- dcmokratie noch ernstlich in Konkurrenz treten kann. Im winzigen ersten Wahlkreis, tvo das Berlin der Arbeit nur in bescheidener Weise vertreten, das Berlin des k a p i- talistischen Profits dagegen um so einfluß- reicher ist. kann der Freisinn, der von der Berliner Gesanitbcvölkerung nur einen Vers 6) windenden Prozentsatz zu seinen Anhängern zählt, uoch ernstlich mit der Vertreterin der Interessen der arbeitenden Schichten in Konkurrenz zu treten ivagen. Trotz der günstigen Chancen, die eine geradezu absurde Wahlkreisgeometrie ihm bietet, und trotz des Vorteils, der aus der Wahl nach den alten Wählerlisten für ihn cnt- springt, scheint der Freisinn seines Sieges nichts weniger als sicher zu sein. Im Gegenteil I Mehr denn je scheint der Freisinn im ersten Wahlkreise um sein Los zu bangen. Leistet er doch an Versammlungen undFlugblattverbreitungen geradezu abnormes. Eine Versammlung, ein Flugblatt jagt das andere. Und eS sind nicht gewöhnliche Versammlungen mit ein oder zwei Referenten, die der Freisinn veranstaltet, sondern auf das» Sensationelle zugeschnittene Veranstaltungen mit vier oder gar sechs Rednern! So marschieren für eine einzige Ver- sammlung drei Reichs- und Landtagsabgeordnete, ein Landtagsabgeordneter, ein Geheimer Justizrat und Pro- fessor und der Reichstagskandidat Herr Dr. Johannes Kaempf auf. Trotz dieses Massenaufgebots von freisinnigen Rednern werden nur Anhänger der Kandidatur Kaempf eingeladen und zugelassen I Eine offene Aus- spräche findet also nicht statt l Und ebensoviel Sensation wie durch seine Versammlungen versucht der Freisinn durch seine Flugblätter zu machen. Keine reichsverbändlerische Verleumdung ist so schäbig, keine Lüge so oft widerlegt, daß sie nicht in den freisinnigen Flugblättern ihre Wiederholung fände. Nicht einmal der alte tausendfach widerlegte Schwindel, daß der Betrieb des„N orivärts" ein„Zuchthaus ersten Ranges" sei, ist dem Freisinn zu schlecht, uni ihn nicht in seinem neuesten Flugblatt zu wiederholen. Dabei heulmeiert die Berliner freisinnige Presse, von der„Freisinnigen Zeitung" bis zum„Berliner Tageblatt", tagtäglich über die„Un- anständigkeit" der sozialdemokratischen Wahlagitation und der polemischen Auslassungen des„Vorwärts". Wir nehmen dem Freisinn seine verächtlichen Tricks und unehrlichen Äahlmanöver nicht allzusehr übel. Wir wissen ja, daß er das Messer am Halse fühlt, daß er mehr denn je in der Furcht lebt, auch seinen letzten Berliner Neichstagswahlkreis zu verlieren. Aber auch deshalb schon registrieren wir mit einer ge- wissen Genugtuung die schäbigen und nichtswürdigen Wahlmanövcr des Berliner Freisinns, Iveil dadurch wieder einmal auch, den Naivsten die ungeheuere Kluft gezeigt ivird, die zwischen der Sozialdemokratie und dem Liberalismus gähnt. Und weil so der Freisinn selbst die Aufgabe übernimmt, den breiten Volksmassen dar- zutun, daß trotz gelegentlichen Zusammengehens von Sozial- demokratie und Fortschritt bei Wahlen von einer dauernden Verständigung«zwischen Nichtbesitzenden und kapitalistischen Klassen keine Rede sein kann. Nicht weil das Proletariat einer ehrlichen Waffenbrüder- schaff bürgerlicher Schichten argwöhnisch widerstrebte. sondern weil auch die äußerste Linke der Bourgeoisie in jedem Ernstfalle wieder in ihre arbeiterfeindlichen Rücken und Tücken zurückfällt. Im Grunde kennzeichnen ja alle freisinnigen Reden und Flugblätter selbst am besten den Unterschied, der zwischen der Vertreterin der auswärtsstrcbenden ausgebeuteten Volksschichten, der Sozialdemokratie, und den politischen G�- schäftSträgern der liberal gerichteten kapitalistischen Schichten besteht. Denn während die Arbeiterklasse ans der politischen Rechtlosigkeit und der sozialen Gebundenheit zu Freiheit und Gleichheit emporstrebt, ist eS der Freisinn, der ini großen und ganzen sich allen b est e h e n d e n V erh ä l tn i ss e n niehr und mehr anpaßt. Welche Anpassungsfähigkeit unser Fort- schritt beimesen hat. zeigt am besten ein Vergleich mit den National- liberalen. Ehedem mar der Freisinn im Gegensatz zum Nationalliberalismus ein Vertreter des Freihandels und ein Gegner der Schutzzölle, insbesondere der agrarischen Schutz- zollpoUtik. Diese Unterscheidungsmerkmale sind heute so g u t wie völlig geschwunden! Als bei der letzten Fleischnotdebatte im preußischen Abgeordnetenhause der agrarische Redner Dr. Diederich Hahn dem Freisinn all die agrarzollfreundlichen Leistungen hervorragender Freisinns- großen entgegenhielt, war es der letzte freisinnige Redner, Herr Hoff, der Herrn Hahn durch Zwischenrllfe das Kon- zept verderben zu können glaubte. Als aber Herr Dr. Hahn an Herrn Hoff die schlichte Frage richtete, wie denn e r sich zu der Forderung der Beseitigung der Getreide- z ö l l e stelle, da blieb dieser freisinnige Ver° treter zum st ür mischen Gaudium der Rechten die Antwort schuldig! Der Freisinn hat sich eben in schutzzöllnerischer Beziehung zum Nationalliberalismus hinübergemausert. Und ebenso wie sn wirtschaftspolitischer Beziehung keine erkennbare Grundlinie zwischen Frei- sinn und Nationalliberalismus vorhanden ist, so wenig auch auf dem Gebiete des N ü st u n g s w e s e n s. Längst dahin sind die Zeiten, da der Freisinn Heeres-, Flot- ten- oder Kolonialrüstungen abzulehnen wagte. Er b e w i l- ligt nicht nur jede imperialistische Forderung, jede vom Rüstnngswahnsinn diktierte Mehrausgabe. sondern er wagt sogar in seinen Flugblättern angesichts der Balkankrise der Sozialdemokratie den Vorwurf zu machen, daß sie noch im letzten Jahre die Ausgaben für Heer und Flotte verweigert habe! Dafür, wie ungeheuer gerade der Rüstungswahnsinn die Abenteuerlust un- serer Kriegsfanatiker zu verstärken vermag, hat der Freisinn trotz der verruchten Kriegstreibereien wäh- rend des Marokkokonflikts also keine blasse Ahnung! Wie der Freisinn sein wirtschaftspolitisches Programm völlig preisgegeben hat, wie er auf dem Gebiete der Aüstungs- und Wcltpolitik bedingungslos kapituliert hat vor dem bor- niertcsten und skrupellosesten imperialistischen Draufgängertum, so hat er auch ans innerpolitischem Gebiete längst jeden Kampf sür den ernstlichen Forlschritt aufgegeben. Sollen wir wirklich noch an die unendlich traurige Figur erinnern, die der Freisinn bei den W a h l r e ch t s k ä nr p f e n der Vergangenheittsowohl wie der jüngsten Gegenwart gemacht hat? Feige und entnervt hat er es abgelehnt, auch nur an den Wahlrechtsdemonstrattonen teilzunehmen! Nicht von der Energie und dem Kampfesmut der Enttechteten, der Kämpfer für das gleiche Wahlrecht er» wartet er die Reform des unsäglich verrotteten preußischen Dreiklassenwablrechts, sondern von der Gutmütigkeit und der Opferwilligkeit der Junker und Jnnkergenossen I Feige und heuchlerisch ist er sogar auf dem letzten Parteitag noch der rein programmatischen Stellungnahme zum Frauenwahlrecht ausgewichen, um ja nicht dem allzu starken reaktionären Klüngel im eigenen Parteilager vor den Kopf zu stoßen! Und die gleiche Halbheit und Rückständigkeit, die das politische Programm des Fortschritts kennzeichnet, charakterisiert erst recht sein sozialpolitisches Verhalten. Oder wann wäre er jemals rückhaltlos für die Rechte und materiellen Forderungen der Arbeiter, der Jndustrieangestcllten und der staatlichen Unierbeamten eingetreten! Den Wählern des ersten Wahlkreises kann deshalb der Entscheid zwischen Düivcll und Kaempf nicht schwer fallen. Wer zu den Nutznießern des kapitalistischen Regimes gehört, wer im Frieden oder Kriege an der Börse oder bei sonstigen Unternehmungen Spekulativ ns- und A u s b e u t c r g c w i n n erhoffen kann, wer sich auf Kosten der politisch und sozial entrechteten Schichten emporschwingen zu können rühmt, dem wird der Freisinnskandidat Kaempf der geeignete Kandidat sein. Wer dagegen sein Wohl verknüpft fühlt mit dem Wohl der breiten Volksmassen, wer gegen agrarische und kapitalistische Volksausbeutung, gegen Volks- kiiebelung und Volksentrechtung protestieren will, wer der sozialen EntWickelung im Innern den Vorzug gibt vor einer konfliktsschwangercn imperialistischen Abentenrerpolitik nach außen, der kann nur den Kandidaten der Sozialdemokratie Düwcll wählen! Der Freisinn hat durch den pfiffigen Trick der Mandats- niederlegung vor dem endgültigen Spruche der Mandats- prüfungskonimission sein Glück zu korrigieren und möglichst proletarische Wähler ihres Wahlrechts zu berauben versucht. Doppelte Pflicht der Wähler aller ehrlich arbeitenden Schichten ist es daher, das freisinnige Manöver zu vereiteln! Wählt sozialdemokratisch! Wählt Düwcll! Vewimg auf dem Kampfplätze und In den DiplomatenHen» Die Welt wurde am Sonnabend durch türkische Sieges- Meldungen überrascht. Aus diesen klang heraus, daß das türkische Heer im dreitägigen Ringen am Ergenefluß nicht geschlagen sei, vielmehr jetzt erfolgreich gegen die Bulgaren die Offensive ergriffen habe. Aber alle Anzeichen sprechen dafür, daß diese Siegesnachrichtrn erlogen' sind, oder daß einige Teilerfolge der auf dem Rückzüge begriffenen türkischen Armee gegen die nachdrängenden Bulgaren als große Siege aufgebauscht werden. Solche Täuschungsmanöver sind an- gesichts der verzweifelten Lage der türkischen Regierung be- greiflich. Diese muß dem eigenen, aus so vielchi widerstrebenden Elementen zusammengesetzten Volke den Ernst der Lage zu verschleiern suchen. Die aus dem Innern Asiens noch eintteffenden Redifbataillone sollen nicht entmutigt, die im Zurückgehen befindlichen Truppenteile müssen zu neuem Widerstande aufgestachelt werden. Außerdem versucht man auch das Ausland zu täuschen, um durch daS Ränkcspiel der internationalen Diplomatie Zeit zu gewinnen, und zu retten, was noch zu retten ist. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die türkischen Armeeführer alle Energie aufwenden, um die nach zweifellos tapferen Kämpfen erlittene Niederlage durch offensive Rückszugsgefechte minder schiver oder gar wieder gut zu niachen. Ihnen kommt zu statten, daß die bulgarischen Truppen jedenfalls durch den dreitägigen Kampf, durch Gewaltmärsche usw. ebenfalls ani Rande ihrer Kräfte angelangt waren, so daß die Türken mit den Truppen, die sich hier und da samnieln ließen, den Kampf aufnahmen und an einzelnen Punkten Terrain gewinnen konnten. Die Auffassung, daß sich zwanzig und mehr Divisionen geschlossen in panikartigem Sturmlauf nach rückwärts kon- zenttteren, wäre auch gar zu naiv. Solche Rückzugsgefechte werden aber in Konstantinopel als großer Sieg verkündet. In den Kabinetten der Großmächte glaubt man auch gar nicht an die türkischen Siege. Die Diplomatie ist vielmehr drauf und dran, am Sterbelager der europäischen Türkei Erbschleichcrkünste zu praktizieren. In den offiziösen und halboffiziöscn Orgauen der einzelnen Regierungen Ivird je nach den eigenen Wünschen oder nack> dem Standpunkt ini Dreibund oder der Tripelcntente über die„Intervention" orakelt. Aber kein Mensch kann aus dem Wirrwarr der Meinungen voraussetzen, was der nächste Tag bringen wird. Ein Lichtblick in dieser verwirrten und düsteren Situation ist nur die Stellungnahme des österreichischen Partei- t a g e s zu Balkankneg und Kriegsgefahr. OcftUcbcr Kriegsrcbauplalz. Tie türkischen Siegesmeldungen. Konstantinopel, 1. November. N a z i m Pascha tele- graphierte heute 2 Uhr nachmittags: Der rechte Flügel unseres Heeres rückt seit gestern in nordwestlicher Richtung vor. Die Armee Mahmud Mukhtars hat die Bulgaren geschlagen und viele Kanonen und Munition erbeutet. Ich habe allen Armeekorps befohlen, die Offensive zu ergreifen und vor- zugehen.— Eine andere Depesche Naziin Paschas von 4 Uhr 46 Minuten nachmittags besagt: Wir haben Bunar Hissar wiedergenonimen und bedrängen die bulgarischen Truppen in der Gegend von Bunar Hissar von allen Seiten. 5lonstalitlnopcl, 1. November. Um Mitternacht teilte die Pforte den türkischen Blättern folgende auf einem Tele» gramm des Generalissimus beruhende Informationen mit: Die Kämpfe, die vor vier Tagen begonnen haben, danern fort. Die im Norden von Lüle-Burgas konzentrierten ottoniani- schcn Armeekorps halten dem von dieser Seite her vorrücken- den Feind kräftig Stand. Die Fortifikationcn von Adria- nopel verteidigen sich andauernd mit Entschiedenheit. Die bei Wisa vereinigten Korps rücken vor. Konstantinopel, 1. November. Dgs Ministerium des Aeußern hat an die türkischen Vertreter im Auslande ein Telegramm gerichtet, in dem es die Depesche des Gcneralissi- mus bestätigt. Das Telegramm schließt mit den Worten: Wir haben den Feind in der Gegend von Wisa siegreich zurück- geworfen. Der Verlauf der Schlacht bei Lülc-Vurgas. London, 2. November.(P r i v a t t e l e g r a m m des „Vorwärts".) Den schönfärberischen Berichten Nasini Paschas aus Konstantinopel wird hier wenig Glauben ge- schenkt. Im allgemeinen hält man das Schicksal der Türkei für besiegelt. Die„T i m e s" veröffentlicht heute einen Be- richt ihves Korrespondenten aus Lüle-Burgas. Der Bericht dieses Augenzeugen der Schlacht ist aber offenbar vom türkischen Zensor stark verstümmelt worden. Er telegraphiert unter dem 30. Oktober, daß der Kampf des linken türkischen Flügels furchtbar bitter gewesen sei. Montag abend sei cS klar geworden, daß die aus drei Divisionen geschätzten Vul- garen die Eisenbahn zwischen Baba Eskri und Lüle-Burgas anzugreifen beabsichtigten. Der türkische Generalstab hatte mit großer Eile Verstärkungen von Tschorln vorgeschoben. Der Widerstand der Streikräfte unter T 0 r g u t S ch c w k e t Pascha zwang die bulgarischen Divisionen zur Entfaltung aller ihrer Kräfte und Montag rückten sie zum Angrtsf gegen. die i�tadt Lüle-Burgas vor. Torgut Schewket Paschas wirk- liche Stellung sei hinter der Stadt auf Abhängen belegen KeWefett. Die Bulgaren hätten anscheinend sechs Batterien in diese Front gebracht; Montag abend hätten die Geschütze die türkischen Positionen mit Schrapnells bestrichen und selbst die bulgarische Infanterie habe die Stodt vom äußersten Ende des Tales, in dem sie liegt, angegriffen. Ter Angriff wäre jedoch erfolglos geblieben. Am Dienstag habe sich dann die bulgarische Artillerie zu c-iner.»ethodischsn Beschießung aller türkischen Stellungen vor Lüle-Burgas eingerichtet. Tie türkische Artillerie habe energisch erwidert und in dieser Hinsicht sei keine Ueberlegenheit auf der einen oder der anderen Seite wahrzunehmen gewesen. Am Dienstag nach- mittag Hab das unaufhörliche Feuer der bulgarischen In- fanterie an Umfang zugenommen und es sei klar geworden, daß die Bulgarchr große VcrstärkungSmassen! vorgeschobchr hatten, nur ihren Angriff mehr Gewicht zu geben. Dies babe bedeutet, daß die Stellungen vor Lüle-Burgas unhaltbar geworden seien. Die türkische Avantgarde sei in bewundernsiverter Ordnung auf Torgut Schewket Paschas Hauptstellung zur Linken zurückgefallen. Die eiserne Eisen- bahnbrücke über die Ergene bewachte die Stadt selbst, sie sei dann von beiden Parteien während des Dienstagsabe�ds und den ganzen Mittwoch unbesetzt geblieben, aber von den Bulgaren in Brand geschossen wordein Bei Tagesanbruch des Mittlvoch setzte der 5kanipf in dieser Gegend ein. Das schwere Geschützfeiler bei der klaren Luft eines frostigen Morgens habe gezeigt, daß der Kanipf mit gleichem Ungestüm auf der ganzen türkischen Front von 20 englischen Meilen entbrannte. Der Korrespondent beschreibt dann, wie die Bulgaren mit entschlossenem Bei such die Eisenbahnbrücke zu nehmen begannen.„In einer Lmidschast, die mit außergewöhnlicher 5Uarfyeit vor uns lag, hoben sich ein Torf und einige Plan- tagen hervor, die den Zugang des nördlichen Endes der Brücke verdeckten. Die feindliche Infanterie besetzte diesen domi- nierenden Punkt, aber Torgut Schewket Pascha parierte den Schlag zeitig genug und die bewachenden Türken, die in der Nähe der Brücke verschanzt lagen, trieben die Bulgaren mit einem Streichseuer zurück. Gegen Mittag jedoch konzentrierte die bulgarische Artillerie das Feuer auf das Zentrum. Bon daN zwölften Division wurde dann eine Stellung einge-j nommen, die als Vorspiel zur Erstürmung gelten konnte. Das Schrapnellfeuer war vollkommen akkurat berechnet und ich konnte sehen, daß die türkische Infanterie schwer litt, während diese Bewegung ausgeführt wurde. Nichtsdestoweniger standen hier wie anderswo ans dem Schlachtfeld die Verluste nur im Verhältnis zur Heftigkeit der dreität-igen Schlacht. Als ich zurückeilte, um die vielen Meilen zurückzulegen, die ich reisen mußte, ehe ich diesen Bericht schicken konnte, kam ich an langen Zügen Verwundeter vorbei, die in Ochsen- wagen gezogen oder zu Pferde getragen wurden, oder sich selbst erschöpft und zu Fuß nach den Spitälern schleppten. Alle von ihnen trugen Notverbände. Aber moderne Schlacht- felder können bei ihrer weiten Ausdehnung nur mit aual- vollen Szenen erfüllt fein, die die furchtbare Entscheidung des Krieges kennzeichnen!" Der„TimeS"-Korrespoiide>it scheint der einzige zu sein, der sich beim türkischen Heere auf- hält. Andere Korrespondenten beklagen sich bitter über Zu- rücksetzung. Eine Darstcllnng auS dem bulgarische,, Lager. Wie», 2. November. Ter Kriegsberichterstatter der„Reich S- p o st" meldet aus dem Hauptquartier der zweiten bulgarischen Armee vom 3t. Oktober, 7 Uhr 30 Minuten abends, über die drei- tägige Entscheidungsschlacht: Die große dreitägige Eni- schcidungsschlacht trat nach den Einleitungskämpfen des Montag am Dienstag früh in ihr entscheidendes Stadium, als die Bulgaren bei Bunar Hissar mit einem gewaltigen Vorstoß zur Offensive übergingen. Auf diesem Flügel hatten die Türken den Versuch gemacht, der ihrer Rückzugslinie infolge des eingeleiteten bul- garischen Vorrückens über Saraj-Kataldscha drohenden Gefahr durch ein ossensives Vorgehen von Saraj über Wistt gegen den linken bulgarischen Flügel zuvorzukommen. Es war den Türken auch bereits gelungen, die Vortruppeu der Bulgaren bis über den Kara- gaschfluß und Bunar Hissar hinaus zurückzudrängen, als am Dienstag gegen ihren rechten Flügel dicm achtvolle Gegenoffensive der Bulgaren auf der Linie Uesküb-Hadzifakli einsetzte. Die vordere Linie der Türken wurde durch diesen überraschenden und mit bei- spiclloscin Elan durchgeführten Angriff einfach überrannt, doch gelang es ihnen, durch immer neue Reserven das Gefecht zeitweilig wieder herzustellen. Gleichzeitig griff der bulgarische rechte Flügel von Baba-Eski und Jeniköj her die türkischen Positionen bei Lüle Burgas an und warf die Türken aus ihren befestigten Stellungen am Telan-Fluß, Ajvnlc-Fluß und Ergene-Fluß gegen Lüle Vurgas zurück. Die bulgarische Infanterie nahm die meisten türkischen Positionen im Sturm mit dem Bajonett, hierbei vor- züglich unterstüßt von ihrer Artillerie, die die Türken in dem entscheidenden Augenblick durch vernichtendes Feuer niederzuhalten wußte. Die blutigen Kämpfe des Dienstag hatten den Bulgaren sowohl bei Bunar Hissar wie bei Lüle Burgas Erfolge gebracht, doch war noch keine Entscheidung gefallen, da die Türken alle verfügbaren Reserven eingesetzt hatten, um das Vordringen der Bulgaren aufzuhalten. Da griffen die Bulgaren Mittwoch früh mit starten Kräften, die sie zum Teil in Gewaltmärschen von Adrianopel herangezogen hatten, über Kavatderc— Ivanköj zu einem Dnrchbruchversuch daS Zentrum der feindlichen Positionen an. Der Stoß traf teils auf die in der Waldzonc südlich der Straße Kirlkilissc— Wisa stehenden türkischen Truppen, teils auf die ver- schanzten Feldpositionen der Türken nordwestlich Lüle Burgas. In heftigen Waldkämpsen und immer neuen blutigen Bajonettstürmen gelang es den Bulgaren, hier bis Mittag die türkische Stellung zu durchbrechen und im Verein mit dem gleichzeitig gegen Lüle Burgas angesetzten Augriff den ganzen türkischen linken Flügel aufzurollen, In den ersten Nachmittagsstunden des Mittwoch begann hier dech allgemeine Rückzug auf der Linie Lüle Vurgas— Aöderköj längs der Bahnlinie in der Richtung Tschorlu. Tie Bulgaren nahmen hier sofort d!c Verfolgung auf und setzten sie mit großer Energie auch während der Nacht fort, was die vollständige Auflösung der türki- scheu Truppen dieses Flügels herbeiführte." Gleichzeitig hatten die Bulgaren auf dem eigenen linken Flügel südöstlich Bunar Hissar die Türken von. Nordost her vollständig umfaßt, und im Morgen- grauen des Donnerstag erfolgte hier auf der Linie Nrun.Bejli— sistisa der entscheidende Angriff gegen die rechte Flanke der Türken. Die durch die vorangegangenen Kämpfe bereits schwer erschütterten türkischen Truppen vermochten dem übermächtigen Flankenangriff der Bulgaren nicht zu widerstehen, und ihre Rückzugslinie über Saraj preisgebend gingen die fast völlig aufgelösten türkischen Massen über Kongara und Topkiköj in oirekt südlicher Richtung auf Tschorlu zurück. Auch hier wurde seitens der Bulgaren die sofortige Verfolgung aufgenommen und durch die Parallelverfolgung und die beständige Neberflügelung längs der Hauptvcrbindungs- linie der Türken über Saraj— Tatarköj—Tschcrkesköj diesen der Rückzug hinter die Kataldschalinie abzuschneiden versucht. Wie die Verhältnisse heute lTonncrstag abend) liegen, werden voraus- fichtlich nur Bruchteile der türkischen Armee Hinte? die Katakdschalinie gelangen, und damit ist der auf die Vernichtung der türkischen Ostarmce abzielende Plan der bulga- rischen Heeresleitung trotz der Gegenmaßnahmen, mit denen Nazim Pascha ihn zu vereiteln suchte, als vollständig gelungen anzusehen. Ein aligeschlagener türkischer Umgchungsversnch. London, 2. November. Die„T i m e s" meldet aus Sofia: Schefket Torgut landete mit 20 000 Mann in Media und versuchte den linken Flügel der Bulgaren am 31. Oktober zu umgehen, wurde aber von den Bulgaren unter Kulinscheff vollständig geschlagen. Es ist unbekannt, ob es den Türken gelang, wieder auf die Schiffe zu kommen. Bulgarische Berichte über türkische Grausamkeiten. Sofia, 2. November. �Meldung der Agence Bulgare.) Auf ihrem Rückzüge von Baba-Eski nach Lülc-Burgas verübte» die türkischen Triippen vor drei Tagen in dem fünf Kilometer nordwestlich von Lüle-Burgas gelegenen Dorfe Aivali Greueltaten, deren Opfer gegen zweihundert Personen, darunter Frauen und Greise, sowie Kinder im zartesten Altec, Ivaren. Sofia, 2. November. Da? Blait„Mir" berichtet au§ zul verläfsiger Quelle, daß die Türken, bevor sie Demir Hissar verließen, in der dortigen Kaserne 200 Bulgaren eingeschlossen und die Kaserne dann in Brand gesteckt hätten, sodaß sämtliche Bulgaren umgekommen seien. Im Strumatale hätten die Türken bulgarische Einwohner gruppenweise angebunden und niedergemetzelt. CCleMidie? Knegsfcbauplatz. Bevorstehende Bereinigung der serbischen und griechischen Truppen. Belgrad, 2. November. Aus U e s k ü b wird amtlich ge- meldet, daß die fcrbischr» Truppen heute G o st i v a r und P r i l e p besetzen dürften. Die serbische Armee stößt auf keinen nennenS- werten Widerstand; nur ganz vereinzelt feuern die Türken aus einem Hinterhalt, um dann sofort die Flucht wieder fortzusetzen. Tie serbischen Truppen dürften bei Prilep mit den griechi- schen Truppen zusammentreffen. Vom montettegnrnsdien Kncgafchauplatzc. Die Beschießnng von Skntari. Rjcka, t. November. Die Beichießung von Skutari dauert an. Mehrere Granaten fielen in die Stadt und richteten dort Schaden an. Die Bevölkerung sucht sich panikartig in Sicherheit zu bringen- Oer Seekrieg. Die Türken geben die Vernichtung ihres Kreuzers zn. Konstantinopel, 1. November. Der Kommandant der türkischen Panzerkorvette„Feth-i-Bülcnd" meldet aus Saloniki über den bereits bekannten Vorfall, daß gegen Mitternacht ein griechisches Torpedoboot sich in den Hafen von Saloniki hineinschlich und ztvei Torpedos gegen die Korvette abschoß, welche nach Explosion des Dampfkessels bald sank. Die Be- satzung sei größtenteils gerettet worden. Griechische Flottenaktion vor Saloniki. Paris, 2. November. Nach einer Blätternieldung aus Athen hat ein griechisches Torpedoboot einen türkischen Schlepp- dampser gekapert, der die griechische Flagge gehißt hatte, um nach Solonikt zu fahren, wo er versuchen wollte, den ge- sunkenen türkischen Kreuzer„Feth-i-Bulend" wieder flott zu machen. Der Schleppdampfer wurde von dem griechischen Torpedoboot nach dem Piräus gebeacht. Vie cliplomatilcke Interventionsmtnge. Eine deutsche Stimme über die Bermittelungsaktio». Die«Kölnische Zeitung" meldet aus Berlin: Die hier vorliegenden Nachrichten vom Kriegsschauplatz lassen darauf schließen, daß die Türken noch immer kämpfen und ferner, daß sie noch nicht zurückgeworfen sind. Solange die Dinge noch so liegen, sind Nachrichten, daß die Pforte um die Ver- Mittelung der Mächte gebeten hätte, verfrüht. Der Augen- blick für das Eingreifen der Mächte ist noch nicht gekommen. Ob es in den nächsten Tagen dazu konimen wird, müssen die Ereignisse lehren. Türkische Aeußcrungen gegen eine Jntervenhon. Konstantinopel, 2. November. Die türkische Presse fährt fort, sich gegen eine Intervention auszusprechen.„Tanin" sagt, die Annahme der Intervention der Mächte in einem Augenblick, wo die ottomanischen Truppen noch nicht in feindliches Gebiet eingedrungen sind, einer Intervention, die jedes Band zwischen Rumelien und der Türkei zerschneiden würde, wäre für die Türkei Selbstmord. Pflicht der Re- gierung sei es, der Intervention Europas zuvorzukommen. Wenn die Regierung keinen Erfolg habe, werde sie trachten müssen, ohne neue Verpflichtungen davonzukommen, sonst müsse sie eine Intervention ablehnen. Wir glauben nicht, schließt der„Tanin", daß Eurppa wie im Jahre 1877 Nuß- land beauftragen wird, uns Gewalt anzutun. Inzwischen werden wir noch viele Militärtransporte durchführen können. Kiamil Paschas Hoffnungen. Paris, 2. November. Der Konstantinopeler Sonderberichterstatter des„Matin" meldet, daß Kiamil Pascha ihm unter anderein folgendes erklärt habe: Frankreich und England haben in Konstantinopel ungeheure militärische und moralische Interessen. Sie haben sich in bedeutungs- vollen Stunden unserer Geschichte als treue Freunde der Türkei gezeigt. Ich hoffe, daß sie uns auch heute alle beide einen Beweis dieser Freundschaft geben werden, und daß durch ihre Einigkeit auch Europa in einem Gefühl der Sym- pathie für mein Land geeinigt werden wird. Kriegsschisse der Mächte in türkischen Gewässern. London, 2. November. Das Rentersche Bureau meldet aus Malta, daß die englischen Kreuzer„B a r h a m",„W e y- m o uth" nnd„M ed e a", die sich auf der Fahrt vom Orient nach Malta befanden, gester» nacht mittelst drahtloser Telegraphie Be- fehl erhielten, nach dem Orient zurückzukehren.„Bar- Harn" ging in die Snda-Bai,„Wehniouth" und„Medea" gehen an andere Punkte, von wo sie bei Zwischenfällen schnell eingreifen können. Haag, 2. November. Ter geschützte Kreuzer„Gclderland" hat Befehl erhalten, vorläufig von Majorka nach S m y r n a zn fahren und daselbst den Befehl zur Fortsetzung der Fahrt nach Konstantinopel zu erwarten. „Handelsblad" erfährt, daß der Panzer„Kortenaer" am Mon- tag nach Smyrna auslaufen wird. ** Ein lendenlahmes, halboffiziöses Dementi. Telegramm der„Kölnischen Zeitung" aus Berlin vom 2. November: Ter„Vorwärts" verbreitet ein Gerücht, das in den Unterweserorken in Umlauf sein soll, wonach Reservisten, die der seefahrenden Bevölkerung äuge- hören, auf dem Henerbureau nicht angemustert werden dürfen. Der Urheber dieser Nachricht glaubt dies auf Maß- nahmen der Militärbehörden zurückführen zu können. Wie wir hierzu von zuständiger Stelle erfahren, sind dieie An- nahmen völlig unzutreffend. Die Verwirrung in Konftantuiopd, Genosse Parvus schreibt uns aus K o n st a n t i- n o p e l vom 30. Oktober: Der Eindruck der Niederlage von Kirkkilisse war fürchterlich. Die Regierung selbst bekam einen gewal- tigen Schrecken. Nicht bloß wegen de» Verlustes der Posi- tionen, vor allem wegen der Desorganisation und P a n i k i m H e e r e. Es ist Tatsache, daß türkische Batail- lone aufeinanderschossen, daß Mannschaften samt Offizieren in wilder Angst davonliefen. Die Presse wurde selbstver- ständlich von den Vorgängen in Unkenntnis gehalten. Tele- gramme wurden nicht durchgelassen, so daß wir erst ans den ausländischen Zeitungen die volle Wahrheit erfuhren. Darauf beeilte sich die Regierung, die Preßverordnungen zu ver- schärfen. Die Redaktionen der Konstantinopler Zeitungen haben bereits ihre Wände mit Zuschriften des Militärkommandos austapeziert, die sich darauf beziehen, was alles in die Zeitung nicht gebracht werden darf. Nunmehr wurde ganz einfach verordnet, daß alle Nachrichten über den Krieg und was damit zusammenhängt, einer Präventivzensur unterworfen werden. Es ist also von nun an das Militärkommando selb st, das die Zeitungen redigiert. Die Sache wird dadurch nicht verbessert, sondern ver- schlimmert. Denn in Ermangelung sicherer Zeitungsnach- richten finden die tollsten Gerüchte Verbreitung und Glauben. llni schließlich auf tausend verschlungenen Wegen erfährt das Publikum doch die Walirheit. Nun kommen auch noch jeden Tag die Flüchtlinge, die meistens mehr zu er- zählen haben als was sie wissen. Schon das Erscheinen selbst der Flüchtlinge hat die Un- rule in der Stadt gesteigert. Eigentlich mußte man darauf gefaßt sein, daß sie komnien werden. Denn da. wo die Schlachten geliefert werden, ist kein Platz mehr für friedliche Einwohner: außerdem hat die Armee auf ihrem Wege zahl- lose Dörfer niedergebrannt. Auch wußte man schon seit mehreren Tagen, daß die Einwohner auf dem Wege sind nach Konstantinopel und die Eisenbahnstationen be- lagern. Viele kamen übrigens zu Wagen, auf denen ganze Familien mit ihrem armseligen Hab aufgeladen waren, viele zu Fuß. Bei alledem wirkte ihre Ankunft, dazu noch in Verbindung mit den Nachrichten von den erlittenen Nieder- lagen, erschütternd. Sie kamen verängstigt und verhungert an und sammelten sich sofort um die Bäckerläden, die zum Teil, gerührt von dem traurigen Anblick, umsonst Brot her- gaben. Zugleich wurden die Bäckerjungen an die Einwohner verschickt:„Bestellt Brot, sonst gibt es keins mehr, denn die Muhadschire(dje Flüchtlinge) nehmen alles weg." Es wurden unter den Flüchtlingen auch einige desertierende Soldaten angehalten, die bis nach Konstan- tinopel kamen.„Wie kommst Tu her?" wurde ein Deserteur von der Polizei gefragt.—«Alle flüchteten, so flüchtete ich denn auch mit." Aus Militärkreisen wird das Gerücht verbreitet, daß es christliche Mannschaften waren, die die Waffen streckten. Das wurde später in der Weise eingeschränkt, daß die Arme- n i e r ausgenommen wurden, von denen das Kriegsmim- steriunl öffentlich erklärt, daß sie sich äußerst brav halten. Bleiben also nur die Griechen und Bulgaren. Daß diese nicht gern den Krieg mitmachen, ist begreiflich genug; es war deshalb von vornherein eine ausgesuchte Brutalität und eine Dummheit obendrein, sie in die Avantgarde zu schicken. Wenn es aber nur die Christen wären, die flüchteten, so würde das sicher der Regierung wenig Kopfzerbrechen verursachen.,,,. �, Um den Mut der Armee zu heben, hat das Mlsttarkom- mando 53 Mann. Soldaten und Offiziere, standrechtlich erschießen lassen. Ich weiß aus sicherer Quelle, daß weitere 150 Mann Deserteure vonu Kriegsschauplatz in der hiesigen Militärschule gefangen ge- halten werden. Die Regierung hat ein Manifest an die Beamten er- lassen, die aus den Ortschaften des Kriegsschauplatzes fliich- ten; sie bedroht diese Flüchtlinge mit schweren Strafen. Das zeigt doch wohl deutlich genug, daß auch die Türken nur dann der Kriegsgefahr sich aussetzen, wenn sie nicht anders können. Die Massen müssen eben in den Krieg. Die Wohl- habenden, soweit sie nicht zum Berufsmilitär gehören, suchen loszukommen. Ich kenne eine ganze Reihe junger Leute aus der türkischen Intelligenz, die sich vom Kriegsdienst los- gekauft haben, ohne deshalb ihren wortstarken Patriotismus auch nur im geringsten einzuschränken. Es heißt, daß eine neue große Schlacht im Gange sei. Der Generalissimus Nazim Pascha hat sich ja persönlich nach dem Kriegsschauplatz begeben, um die Entscheidung� schlacht zu leiten. Mahmud Schefket Pascha hat sich seit einigen Tagen mit einer bedeutenden Truppenmacht em- geschifft, um vom Schwarzen Meer aus eine Landung zu versuchen. Wie das Ergebnis dieser Schlacht auch sein mag von einer türkischen Parade in Sofia kann nicht mehr die Neda sein. Gelingt es, die Bulgaren bei. Adnanopel festzuhalten, so ist damit das Aeußerste getan.„ -vsin übrigen verschiebt sich das Schwergewicht wieder vom militärischen auf das diplomatische Gebiet. Man erwartet die Einmischung der Großmächte, man hofft vor allem die Gegensätze zwischen Oesterreich und Rußland ausiprelen zn °""Der Kabinettswechsel hat ebenfalls einen ausgesprochen diplomatischen Zweck. Kiamrl Pascha ist ein eng- lisches Aushängesch lld... Indessen dauert die Mobiftiafton fort. Unaufhörlich, wie ein Herbstregen, trotten die Mannschaften in langen Reihen durch dm©trasien, dem Bahnhofe zu. Ihr Charakter hat sich aber wieder verändert. An Stelle der stämmigen Gebirgs- bewobner sind wieder verwachsene, verelendete Gestalten ge- treten die den Eindruck machen, daß sie aus den Siechen- und Krankenhäusern Zusammengelesen wurden Es scheint, daß der Verwaltnngsrat selbst der Armee nicht mehr so gut funktioniert wie im Anfang. Es wird im Publikum geklagt. daß die eintreffenden RedifS ohne Nahrung bleiben, daß Passanten von Soldaten mit dem Verlangen nach Brot und selbst nach Geld angehalten werden. Die türkischen Zeitungen berichten, daß die Soldaten bei strömendem Regen in offenen Waggons, selbst ohne Segeltuchdecken, befördert wurden und daß es an Zelten fehlt. Unter der christlichen Bevölkerung wird viel von der Möglichkeit der Massakers gesprochen. Eines Abends taten sich eine Anzahl Albaner zusammen, die gegen die Christen losgehen wollten. Sie wurden aber sofort von einer streifenden Patrouille verhaftet. Im Vorort Skutari predigte ein Mullah Christenverfolgung. Er wurde auf der Stelle verhaftet. Im allgeineinen glaube ich. daß die Gefahr für die Christen in diesem Augenblick eher abgenommen als zu- genommen hat. Denn die Stimmung der muselmanischen Bevölkerung ist nrehr deprimiert als erbittert. Aus den Kreisen der russischen Gesandtschaft werden die Massakergerüchte geflissentlich verbreitet. Nach bekannten Mustern ist zu befürchten, daß man vielleicht von hier aus Pogroms organisiert. Die„Lorcley", das bekannte deutsche Kriegsschiff, holt den entthronten Sultan Abdul Hamid in Saloniki ab. So ändern sich die Schicksale! Ter Sultan, der dem deutschen Kaiser so üppige Gastfreundschaft gewährte und init ihm den Bruderkuß tauschte, wird nun auf S. M. Schiff als türkischer Gefangener transportiert! Der Belagerungszustand ist verschärft worden. Nach 1l) Uhr abends darf in Stambul niemand mehr ausgehen. Ter eigentliche Grund ist jedoch der. daß man viele Taufende Verwundete nach ßonstmrtinopel zu bringen hat, dies aber in der Nacht und ohne Zuschauer ausführen will. » Konstnntinopcl, 2. November. Abdul Hamid ist heute früh 7 Uhr an Bord der„L 0 r e l e y" hier eingetroffen. Er und der Harum wurden im Palast Beyler Bey an der asiatischen Küste des Bosporus untergebracht. »* « Die Internationale und der Krieg. Am Freitag behandelte der Parteitag der deutschen sozial- demokratischen Arbeiterpartei Oesterreichs als ersten Punkt der Tagesorouung das zurzeit so außerordentlich wichtige Thema: Ter Krieg und die Internationale. Der Referent, Genosse Dr. Vittoe Adler, führte aus: In dem Atoinentc, wo wir in die Verhandlung dieses Gegen- standcs eintreten, der alle verantwortlichen Vertrauensmänner der Arbeiterschaft in allen Länocrn auf das ernsteste beschäftigt, müssen wir unS vor allem einen guten und erhebenden Gedanken vor Augen'halten. Was auch geschehen möge, was auch geschehen ist, die unverbrüchliche Solidarität, die unzer- reißbare Geschlossenheit der gesamten sozia- l i st i s ch e n Internationale i st heute eine Tat- fache.(Beifall.) Wir Oejterrcicher sind in einer ooppett schwierigen Lage. Einmal sind wir in unmittelbarer Nähe des Kriegsschauplatzes und jede Erweiterung, die er etwa erfahren sollte, triffl uns zunächst, zweitens sind wir anch aus dem Grunde mehr als die anoern interessiert, weil die natio- nale Entwickclnng auf dem Balkan, wo Nationen hinaustreten ans Licht der Geschichte, analoge Vorgänge in Freundschaft und Feindschaft innerhalb Oesterreichs findet. Wir stehen vor Oer Gefahr, daß die Greuel des Krieges über das Becken des Balkans zu uns hinübergeschleppt werden und wir in einen Krieg hinein- getrieben werden, der verwüstet, was das Resultat jahrzchnte- langer Arbeit ist, daß die mühsam ausgebauten Einrichtungen im Interesse der Lebenshaltung der Arbetterschaft in dem Moment wie weggeblasen sind, wo die Barbarei des Krieges auftritt. Auf unabsehbare Zeit können unsere kulturellen und politischen Zu- stände zurückgeworfen werden. So wie wir jedem Volke freie Eniwickelung und Selbstvestimniung wünschen, so bringen wir auch den Serben, Bulgaren und Montenegrinern auf dem Balkan gewiß unsere Sympathie entgegen. Wir wünschen ihnen, daß sie nach ihren Kräften in oie Reihe der Kulturvölker einrücken, daß sie sich wirtschaftlich und politisch autonom ausleben; aber andere Interessen sind nicht minder mächtig für uns, auch wir sind ein Teil oer Internationale, so wenig wir es wünschen, daß die Völker des Balkans in ihrer EntWickelung gehindert werden, so sehr müssen wir darauf bedacht sein, daß die Entwicke- lung, die die tvestlichen Länder bereits gc- schaffen haben, nicht ourch den Krieg geschädigt werde. lLebhaft: Zustimmung.) Es ist begreiflich, daß man bei aller internationalen Soli- darität zunächst an sich denkt uud daß der nächste Gedanke ist: wenn ein Krieg beginnt, wie wird man ihn am siclsersten von un- sercn Grenzen fernhalten. So tag uns zunächst die Vorstellung sehr nahe, als die Erhebung der Balkauvölker unter der Führung ehrgeiziger Fürsten, angestachelt durch russische In- trtgen, begann: wir wollen Ruhe haben. Und aus diesem Wunsch heraus glaubten viele auch bei uns: ein rascher Schlag auf den Kopf der Balkanvölker durch die Türkei und wir haben die Ruhe. Das war keine Sympathie mit der türkischen Herrschaft, aber eine sehr starke Antipathie gegen den Krieg. Dazu kommt, daß der blutbcdcckte Zarismus gewohnt ist, sich als Anwalt der Völkerfreiheit auf dem Balkan aufznspieleit, während er tatsäch- lich nur der Anstifter des Völkermordes im Dienste seiner Jntcr- essen ist.(Lei hafte Zustimmung.) Gegen den Zarismus aber, den wirklichen Feind der europäischen Demokratie, ivar die Türkei der Tradition nach wie ein Vorposten, und deshalb erschien es bis zur Diu igen Woche der allgemeinen Empsindung, als sei ein schnelles Ende des Balkankriegcs unter Abweisung der slawischen Ansprüche das teste für den europäischen Frieden. Jetzt aber hat sich gezeigt, daß die Geschichte im Begriffe i st, eine starte Wendung zu mache'n. Wir dürfen sagen: Seit acht Tagen sieht Europa anders a u S. Was immer den momentanen Anstoß zum Kriege gegeben hat, ob der Bund der Balkanstaatcn von Rußland angestiftet ist, ob er auf eigenem Boden gewachsen ist, und'sich nur oez Protektorats Rußlands be- dient, ob Oesterreich, wie man sogar hier und da hört, der in- telle.'tuclle U.Heber ist(ich glaube nicht daran), sicher ist, daß sich Tatsachen vollzogen haben, deren Kommen jeder sicher erwartet hat, von dem ur aber„ich! gewußt haben, daß es so nahe ist. Die Föderation de r B a l k a n st a a t e n ist der diplomatisch ver- kleincrte. versälschte und verschlechterte, aber doch auch von oer Sozialdemokratie stets als notwendig angesehene Bund der Balkan- Völker. Wir haben diesen Bund uns anders vorgestellt, ihn unS als freie Födcrativ-Republik gedacht, aber die Welt- geschlchte geht nicht so vor, daß sie unsere Wünsche auf einmal er- füllt. Wir wünschen rasch, die Wellgeschichte arbeitet langsam. Unter diesen veränderten Umstände» müssen wir anderen Geoanken Raum gebe». Wir brauchen den Widerstand gegen die russischen Uebergnffe. den Schuh gegen das russische Znrat und sein Vor- dringen auf dem Balkan nickt mehr zu suchen in der zusammen- stürzenden osmanischen Herrschast. sondern wir suchen und hoffcnt- lich finden ihn in dem neuen selbständigen Verband der slawischen Böller auf dem Balkan.(Lebhafter Beifall.) Was ich sage, geht selbstverständlich über den Rahmen dieser Stunde hinaus. Ich möchte Sie bitlen. mir für diese Erwägungen alle Nachsicht angedeihen ,» lassen angesichts der Schwierigkeit, die darin licgb daß Europa von Tag zu Tag vor neue Tatsachen gc- stellt wird. Unser Interesse liegt klar: Der russische Einfluß darf mcht mächtig werden. Wir wollen, daß daS Prestige des Zarismus weder im Norden, noch im Süden Europas, noch besonders tn Nußland selbst vermehrt wird. Hoffentlich ist wenigstens die Gefahr überwunden, die in einem zweifelhaften Ausgange cincS KwegeS gelegen hätte. Ein schlechter Sieg der Türken, oder ein schlechter Sieg der Bulgaren wäre gleich gefährlich gewesen, cr hätte die Möglichkeit zu einem Eingreifen Nußkanos, oder zu einem Eingreifen Oesterreichs geboten. Da die Hoffnung, daß der Krieg rasch zu Ende gehen wird, sich nicht erfüllt hat, so muß man jetzt im Gegenteil hoffen, daß endlich einmal mit der ganzen orientalischen Frage reiner Tisch gemächt wird.(Lebhafte Zu- stimmung.) Es scheint, daß die Balkanvölker im stillen gewachsen sind, daß man sie mit einem gewissen Vertrauen sich selbst über- lassen kann. Es scheint, daß Rußland auch diesmal sein Spiel ver- lieren wird, weil die Balkanvölker sich sagen: jetzt sind wir für den Stntusquo, und der Statusquo ist die unbedingte Herrschaft der Völker über den Balkan, die den Balkan bewohnen.(Lebhafte Zustimmung.) Wir Oester- reicher sind gewissermaßen Spezialisten in balkanähnlichen Zu- ständen.(Große Heiterkeit.) Wir wissen, daß für die Balkan- staaten auch nicht bloß Annehmlichkeiten vorhanden sein werden, es wohnen genug Volksstämme durcheinander, in Mazedonien und Albanien, die mit sich fertig werden müssen. Aber das sind zu- nächst nicht unsere Sorgen. Ter Balkan den Balkanvölkern. mögen sie alle Vorteile mit allen Sorgen divseo Herrschaft über- nehmen. Neben diesen wirklichen Dingen aber stehen Visionen, stehen Einbildungen, steht die Gefahr, daß Oesterreich heute auf dem Balkan zu nehmen versucht, was es in früherer Zeit nicht hat finden können. So wie wir in Nußland neben der offiziellen Friedenspolitik Sassanoffs eine Politik� der schwarzen Hundert haben, deren kriegerischen Einflüsterungen auch der Zar unterliegen kann, so haben wir auch in Oesterreich unsere schwarzen Hundert. Neben der� offiziellen Landes- politik haben wir eine kleine aber mächtige Partei, der man mit Recht oder Unrecht nachsagt, daß sie v 0 m Belvedere aus befehligt wird, und dieses Sandschaks wegen zum Kriege reizt. Nur zäsarcnwahnsinnige Phantasie kann daran denken, das Blut unserer Kinder dafür zu opfern, aber es gibt auch Zäsarewitsche, die Iv ahnsinnig sind. lStürmischer Beifall.) Dem haben wir uns entgegenzusetzen. Was wir in unserem Manifest aussprachen, ist seit acht Tagen bei uns Gemeingut der einst so säbelrasselnden Presse. Die Erhaltung des Statusguo, die Besetzung des Sandschaks wird aufgegeben und übrig geblieben ist als Forderung ein guter Handels ver- t r a g m i t S e r b i e n. Ich bin nicht so töricht, diese rasche Be- kehrung auf unsere Argumente zurückzuführen. Das Verdienst an dieser Umkehr haben die bulgarischen Kanonen. Wenn aber heute auch die offiziösen und offiziellen Stimmen sehr friedlich lauten, wollen wir doch dem Landsrieden nicht trauen Wenn Europa erst zur Sprache kommt, kann es zu höchst gefähr- lichen Verwickelungen kommen. Man spricht schon von der Mediation, von der Vcrmittelung durch die Großmächte, die den Frieden stiften und allzu großen'Ansprüchen entgegentreten wollen. zugunsten des Statusquo. O, die Großstaatcn sind jetzt sehr tugend- hast. Sie sind sehr gegen den Landranb(Heiterkeit)� Welch moraliscke Autorität haben sie auch. Da ist Frankreich, das soeben Marokko verzehrt, aber lange noch nicht verdaut hat, da ist Italien, der Räuber von Tripolis, da ist Rußland, daS nimmt und nimmt, dos mit blutbedecktcr Faust Polen und Finn- land umklammert und jetzt nach Pörsten seinen Arm ausstreckt, wobei es zum Raube noch die Felonie gegen seinen Verbündeten England begeht. Da ist O e st e r r e i ch, das vor vier Jahren Bosnien und die Herzegowina, die ihm als Depot anvertraut waren, defraudiert hat.(Große Heiterkeit.) Alle diese Räuber— um von den übrigen zu sckweigen— haben ja jetzt genug moralische Autorität, um sich über Landraub aus dem Balkan zu entrüsten. Ich zweifle nicht, daß nicht mir wir Abscheu gegen den Krieg empfinden, sondern auch die Herrschaften oben, ich zweifle nicht daß nicht auch die finanziellen Cliquen sich sehr überlegen, ob ein solcher Krieg die Kosten deckt. Frankreich ist ja so reich, daß es sich jetzt den Luxus gestattet, den 5irieg auf beiden Seiten mit französischem Gelde führen zu lassen, es hat Serbien, Bulgarien', aber auch der Türkei Geld geliehen und die Kriegführenden haben sich Kanonen dafür angeschafft. (Heiterkeit.) In bewundernswürdiger Unparteilichkeit unterstützt Paris beide Parteien mit seinem Gelde, natürlich nur so lange, als es glaubt, daß dieses Geld gut angelegt ist. Wir Oesterreicher können ja den Bulgaren und Türken nichts leihen. Wir sind schon froh, wenn iniS jemand selber etwas borgt.(Große Heiterkeit.) Aber wir liefern wenigstens'Kanonen. In dieser Zeit des aktu- ellsten Jiiteressengegen-atzcs.zwischen Rußland und Oesterreich lc�en wir von einer finanziellen, von einer wahrhaft kapitalistischen Idylle, daß nämlich die S k o-d a w e r k e in Pilsen in Rußland eine Kanoncngießevei, eine Fabrik zur Anfertigung von Kricgsinstru» mentc» errichten, also Rußland mit Geschützen ali» mentieren, die auf©est erreichet schießen werden.(Heiterkeit.) Ich glaube schon, daß man den Krieg nicht sehr leichtsinnig anfangen wird, denn man ahnt schon, daß ein Krieg in Westeuropa ganz etwas anderes wäre als einer auf dem Balkan. Keine menschliche Phantasie kann sich einen solchen Krieg vorstellen, der sich auf einem Boden abspielt, Ivo jeder Quadratmeter ein Stück alter Kultur ist, wo jeder Zoll breit gedüngt ist vom Schweiße der Arbeit. Ich glaube schon, daß man sich oben bedenkt. Und wenn sie sich nicht bedenken, wollen wir sie erinnern. Man denkt vielleicht auch daran, daß die Schafsaeduld der Völker denn doch auch eine Grenze hat!(Stürmischer wiederholter Beifall.) Wir können uns einen Krieg zur Verteidi- gung der Selbständigkeit der Nation vorstellen, aber wir können uns nicht vorstellen, daß sich Hunderttausende gegen ihren Willen nur für imperialistische Interessen hinschlachten lassen, die noch dazu cinge- bildet sind, für Phantome zäsaristiscycr Phantasie diverser Höfe Europas. Keiner von uns wird die Verantwortung übernehmen wollen, zu drohen mit der Empörung, äber es ist ein ehernes Gesetz der Psychologie der Völker, ein Gesetz, das erhärtet ,st durch die Geschichte, daß jedes Verbrechen der Regierenden sich gerächt hat durch die Rebellion der Völker gegen diejenigen, die das Verbrechen begangen haben. (Stürmischer Beifall.) Ein Krieg ist— was immer die Herren da oben sich darunter borstellen mögen—, cr ist, des sollen sie sicher sein, ein Sprung i n s Dunkle, Düstere, Unabsehbare. ES ist nicht, daß wir sagen, wir werden die Revolution entzünden, aber wir verweisen die Mächtigen ans die Vergangen. heit, aus der sie für die Zukunft l e r n e n"kö n n e n. (Stürmischer Beifall.) Auf die Ahnungen und hoffentlichen Erleuchtungen unserer Mächtigen dürfen wir nicht allzu sehr bauen. Das Wort Intern essen sphäre kann nächstens eine sehr verhängnisvolle Bedeutung erlangen. Wir haben die österreichischen Staats- männer auch verantwortlich zu machen für das, was in R u- m ä n i e n geschieht. Auch diejenigen wollen speisen, die nicht beim Kochen waren, und Rumänien scheint Oesterreich die Kastanien aus dem Feuer holen zu sollen. was aber nur besagen würde, daß wir auch uns dabei die Finger verbrennen würden. Wenn Herr Carol kriegerische Reden hält, dürfen wir den Grafen Berchtold dafür verantwortlich machen, denn Herr Carol hat aus eigenem gar nichts zu reden. Es ist also ein ernstes Symptom, wenn dort gezündet wird. Für uns heißt es, die öffentliche Meinung gegen den Krieg einzunehmen. Wir müssen die Stimme des Proletariats stark, laut und deutlich macken. Der einzige wirkliche moralische Friedcnsfaktor in Europa ist die internationale Sozialdemokratie. (Lebhafter Beifallö Und es gilt ,'chncll zu bandeln. Redner ver- weist auf die Brüsseler Beschlüsse und auf den'Kongrcß, der zwischen Weihnachten und Neujahr in Basel oder Zürich die Internationale zu machtvoller Demonstration für den Frieden zusammenführen wird. Man führt heute keinen Krieg mehr, wenn man spürt, daß das ganze Volk in seiner Tiefe den Krieg nicht will. Man wird auch die österreichischen Völker nicht wie Lümmer zur Schlachtbant führen können. Bevor die Kanonen donnern, wollen wir reden. Wir haben das Wort, und ganz Oesterreich soll es hären.(Stürmischer Beifall.) Redner legt folgende Resolution vor: Der Parteitag weist mit Abscheu und Entrüstung zedcni Gedanken au eine Einmengung Österreichs in den Balkankrieg zurück. Er betrachtet jeden, der eine solche Einmengung, unter tvelchem Voriwande immer, sondert, als eimen Todfeind der Völker Oesterreichs. Er fordert die Erhaltung des Friedens unter allen Umständen und um jeden Preis. Den Beschlüssen der Internationale enispvechend, fordert der Parteitag olle Organisationen auf, die Agitation' gegen Kriegs? nüsiuing und Kriiegöhetze in die breitesten Volksmassen zu tragen. In der aUernächsten Zeit, insbesondere aber am 10. November, sind in allen größeren Städten und Industriezentren, wo die ort-' lichen Verhältnisse dies gestatten; große Massenkundgebungen gegen die Einmcngung Oesterreichs in den Balkankricg zar veranstalten. Oesterreich hat weder im Sandschak, noch in Albamen etwas zw suchen. Wir haben am Balkan keine anderen Interessen, als die, im freundschaftlichen Verhältnis mit den Ba'Ikanvölkern zu leben und unsere Waren mit ihnen friedlich auszutauschen. Keine Einmengung in den Balkankvicg. Der'Balkan den Balkan- Völkern! Erhaltung des Friedens!" In der Diskussion verweist Dr. Vauce-Wien darauf, daß auch die großkapitalistischen Kreise OesteroeichS wenig Interesse am Sandschak nehmen könnten; wv im Jahre ganze Li 000 Tonnen europäischer Ware eingeführt werden. Des Sandschaks wegen würde man nicht in den Krieg ziehen, auch nicht wegen der nörd- lichen Hälfte Albaniens. Wenn trotzdem die Kriqgsacsahr besteht, so deshalb, weil alte Vorurteile genährt werden; Wir müssen an die Oe-fsenllichleit heran, aber unsere Versamimlungc'ni schweigen die großen Wiener Blätter tot, so wia sie unsere Jn�rpellation im Parlament tolgeschtviegen haben. Wir müssen also so Massen- Haft sichtbar� auftreten, daß uns niemand mehr totschweigen kann.(Stürmische v Beifall.) Die anderen haben die Bajonette, das ist richtig, aber wir haben einen nicht geringen Teil der Leute, die die Bajonette tragen.(Erneuter Beifall.) Es ist ein Vorurteil, daß im modernen Kriege nur die Technik entscheidet und nicht die psycho- logische Beschaffenheit der Köpfe. Bei den ungeheuren' Vevlusi-en, die die modernen Wafsen> bedingen, ist die entscheidende Frage die, ob die Truppen, auch wenn sie Fehn! Prozent Verlust gal>abt haben, aus der Deckung ausspringen und dem Feinde im gogebenen Moment entgcgenlanscn. DaS hängt aber wieder davon ab, in welcher Stimmung die Leute in den Krieg gehen, ob sie ihn süv ihre Sache halten oder nur einem Zwange gefolgt sind. Wenn wir die Stiin- nnrng erzeugen: Wir wollen diesen Kriog nicht, wir branchon' ihn nicht, dann wird niemand wagen. Krieg zu führen, weil er verloren wäre vor der ersten Schlacht.(Stürmischer Beifall. s Dr. Ludo Hartmann: Wenn das untaugliche Element der Diplomatie nicht existierte,»vürdcu wir viel bessev dastehen. Diese Diplomtie ist das rückständigste, was man sich denken kann. Sic arbeitet noch nach Metternichschen Rezepten. Als vor hundert Jahren die Grieckcn aufstanden, setzte Metternich Europa in Bewegung, um ihnen das Konzept zu verderben. Es ist eine allgemeine Tendenz in der Diplomatie, zu intervenieren im Interesse scheinbarer Glei chgewichtSerhaltung gegen alle lobonldigen historischen Interessen. Das ist das große Geheimnis der Miß- erfolge unserer Diplomatie. Unsere österreichischen Diplomaten sind in der Regel hochgeborene Herren� die nicht allzuviel gelernt hwen, nur in hockMboreneN' Kreisen verkehren und gelegentlich salsche Dokumente kaufen, aus denen sie sich orientieren.(Große Heiter- keit.) DaS Land, in das sie geschickt werden, lernen sie trotz aller MilitärattachceS nicht kennen; Und so haben sie keine Ahnung von dem, was in Vorbereitung ist. Bereits im Frühjahr nahmen die Versicherungsgesellschaften keine Versicherung auf die bulgarische Ernte mehr auf. weil sie wußten, daß es losgehen werde. Die Diplo» matei» vciuhren erst im Oktober davon.(Große Heiterkeit.) Ich glaube nicht an den Erfolg der Türken; eS war ihnen nicht möglich, sich ibre Verfassung zu erhalten und sie gehen zugrunde, weil sie auch die christlichen Untertanen in die Armee gesteckt haben. Ein guter Kenner der Türkei hat darauf hingewiesen, daß die Türkei zwar ein großes Eisenbahnnetz hat, daß aber kein Türke Lokomotw- führet sei. Die Türken können sich an die moderne Vcrsasftdng und an die moderne Technik nicht anpassen. Sie haben die schönsten Kaiwncn und wissen nichts damit anzufangen. Wir müssen denken. was stürzen soll, das stürzt, damit darauf das neue Gebäude der Zukunft sich erhebt.(Lebhafter Beifall.) Du Schacherl-Graz: Die bürgerliche Presse bemüht sich, Blut» rausch zu erzeugen. Dem müsse, r wir entgegentreten und jeden Anlaß benutzen, um die Schrecken, die Schändlichkeit und Greuel des Krieges zu schildern. Hüten wir unS, daß so wie 1908 oinie antiserbische Stimmung einriß, sich jetzt eine antirufsische Stirn« iming auÄöst. Unserer Erbitterung über den Zarismus jetzt Ans« druck zu geben, wäre nicht sehr angebracht, denn im Kriegsfälle wäre es ja das> russische Volk, das gegen uns anrückt. Vielleicht haben wir aus dem Gebiet der Bekämpfung de? M i l i t a r i S m u S zu wenig getan. Auch beim Wehrgesetz haben wir die furchtbare Belastung für das Volk nicht genügend betont. Ein Körnchen Salz von Hcrve könnte unS nicht schaden. Also etwas mehr AntimilitariSinus.(Lebhafter Beifall.) Dr. Renner- Wien: Wenn wir eine Freude an der türkischen Niederlage empfinden, so die, daß das Türkenregiment als ein Junkerregiment besiegt worden ist.(Lebhafter Bei» fall.) Der auch von den preußischen Junkern verbreitete Aber- glauben, als seien gerade die Junker zu Führern der Volkshecre berufen, ist durch die türkischen Niederlagen abgekracht und zu» sammengeorochen.(Lebhafter Beifall.) Die Befreiung der Aal« kanvölker wird so, wie die Tinge liegen, für sie nur einen Aus« tausch der Herren bedeuten. An Stelle des Junkerregiments der Türken wird ein militaristisch-zäsaristisches Regiment treten. Die Befreiung der Völker muß von unten her und von innen heraus erfolgen.(Lebhafter Beifall.) Leuthncr- Wien: Ich habe das Gefühl, als ob alle meine Vor« redncr zu sehr die erleichternden Momente ins Auge gefaßt und die erschwerenden übersehen hätten. Oesterreich ist nur der in Staatsform gebrachte Grundbesitz der Familie Habsburg. Nur wer das nicht vergißt, kann die Dinge richtig sehen. Heute sieht alles friedlich aus, aber wie wird es in vierzehn Tagen sein, wenn die Sieger von Kirkkilisse in die Hauptstadt zurückkehren, wenn die Skupschtina zusammenkommt und der beispiellose Haß gegen Oesterreich vom SiegeSgcfühl herausgetrieben wird. Und was für ein Echo wird er finden in Agram, Zara, Laibach und nicht zuletzt in Prag. Dann wird eintreten, was schon 1908 geschah, man wird energisch werden und mit großen drohenden Worten die Angst ver- bergen. Der Gegensatz zwischen Serbien und Oesterreich läßt sich durch Handelsverträge nicht überbrücken. Verantwortlich dafür ist die Okkupation von Bosnien. Wird das siegestrunkene Volk an der Dorna d:e Augen senken vor. denen, die drüben siiehew, vor ocm jauchzenden Jubel der orthodoxen Serben Bosniens. Bosnien gehört nur so lange zu Oesterreich, als österreichische Soldaten dort stehen. Oesterreich ist nur ein« künstliche Großmacht, darum muß cö besonders sein Prestige bewahren, und an dem österreichischen Lebenszweck festhalten, einen barschen Ton gegen die Kleinen an» zuschlagen. Die öffentliche Meinung ist bei uns keineswegs so ge- schlössen, wie es scheint. Reden Sie doch einmal mit den Mittel- bürgern. Gewiß, gegen den Krieg sind alle, aber das Gefühl fehlt ihnen, daß anocrc Völker nicht croberbar und unterdrückbar sind. Wenn man heute zu dem verbohrtesten ostelbischen Grundbesitzer sagen würde, ihr ssabt kein Hinterland für euer Ostpreußen, ihr braucht Äongreßpoten, so würde er erwidern, wir werden mit vier Millionen Polen nicht fertig, Gott behüte uns vor weiteren acht Millionen. Fragen Sie aber bei uns: Weshalb habt ihr 1908 Bosnien genommen, so wird jeder antworten:»Ja, wir habe» das Hinterland doch gebraucht. Das Gefichl, daß daS Hinterland Menschen hat, die nicht wie eine Schafherde irgenoeinem andern Großgrundbesitzer gegeben weroen können, dies Gefühl hat die große Masse in Oesterreich nicht. Wir sind in Bosnien mit nn- serer Kultur weit hinter Serbien zurückgeblieben. Wir haben vier Mittelschulen dort, Serbien hat zwanzig. Aber so wie der Wiener Spießer überzeugt ist, daß nur das österreichische Rindfleisch gut ist und es nur in Wien schöne Frauen gibt, so meint jeder, der den schwarzgelben Fleck trägt, daß die Völker sich nur beglückt fühlen von unserer gemütlichen Umarmung.(Große Heiterkeit.) ItKV hat aller Wahrscheinlichkeit nach nur Teutschland Oesterreich verhindert, Serbien einzustecken. Weiß der Himmel, was wir mit den Millionen Serbokroaten angefangen hätten. Ich über- schätze nicht die Kraft proletarischer Demonstration, die erstickt werden kann durch einen Strom nationaler Empfindung. Das fehlt zum Glück bei uns ganz. Was wir aber haben, ist ein halb- bewußtes Fortleben von Großmachtvorstellung. Soll Oesterreich, nachdem es sein Schicksal gewesen ist, das deutsche Volk bei seinem Drang nach Freiheit und Einheit an der Gurgel zu packen, zum zlvciten Male dieselbe Rolle Serbien gegenüber spielen? 1878 hat sich Oesterreich herangeschlichen und aus dem russisch-türkischen Leichenhaufen hervorgezogen, lvas seinen Appetit gereizt hat. Soll Oesterreich zum ztveiten Male der Aasgeier der Weltgeschichte Iverden, das Gehässige dieses Unrechts müssen wir in lebhaften Farben malen.(Lebhafter Beifall.) Austerlitz: Kein. Mensch kann behaupten, daß eine besonders kriegerische Stimmung in Oesterreich obwaltet. Keine Spur da- von, daß der Ehauvinismus unter schmetternden Fanfaren die Gc- walt der Volksleidenschaften aufzupeitschen suchte. Woher kommt da die Angst, daß doch die weltgeschichtliche Dummheit eines Krieges gemacht werden könnte. Es muß bei den Kreisen, die mit dem Gedanken an einen Krieg spielen, nicht anders sein, als die Furcht vor dem größeren Serbien, das seine Anziehungskraft auf die serbischen Völker in Oesterreich ausübt. Oesterreich ist eben eine urreaktionüre Macht kraft seines Bestandes; das wird darin osfeirbar, daß es immer in Gegensatz tritt zu den Entwickelungs- Notwendigkeiten der Völker. Wenn das größere Serbien Gefahren für den Bestand Oesterreichs bietet, so toegen der Summe von Fehlern und Verbrechen, die das Sein Oesterreichs an allen Völkern verübt. So wie Oesterreich im Süden regiert, muß es Unzufrieden- heit, Erbitterung und Verzweiflung bei den Regierten hervor- rufen.(Lebhafte Zustimmung.) Ja, in diesem Augenblick hat man nicht einmal die Einsicht, die Schande des kroatischen Ausnahme- zustandes zu beseitigen.(Lebhafte Zustimmung.) Es ist sehr will- kiirlich, das Jahr 1873 herauszugreifen. Ich vermute, daß der Fehler Oesterreichs viel weiter zurückliegt. Wenn es wahr ist, daß die Existenz Oesterreichs keine Station zu befriedigen vennag, so wird es auch wahr, daß Oesterreich je länger je mehr unfähig wird, einen Krieg zu sühnen, und das ist gewiß ein Vorteil für die Völker, daß die Existenz Oesterreichs die Schwäche Oesterreichs zu einem Kriege bedingst. Ein Menschenaltev erst ist es her, daß Oesterreich Krieg gegen die Idee des geeinigten Deutschtands führte, das kann sich kein Mensch heute mehr vorstellen. Die Welt hat sich geändert. Heute läßt sich kein Krieg mehr führen, weil er von oben befohlen wird. Das Militärreglement kann wohl Disziplin bedingen, aber nicht Tapferkeit.(Stürmischer Beifall.) Deshalb: So hirzfichtig ist man oben sicher nicht, wie ein Redner auf dem Parteitag heut« sie geschildert hat(Heiterkeit), daß mau glaubt, mau könne einen Krieg führen, den jeder Meufch auf das tiefste verabscheut. Das eine ist sicher: All die eingebildeten Gefahren, bor denen Oester- reich graut, sind nur Ausflüsse seines schlechten Gewissens. Sie sind nur Beweise für die Unmoral, das Unrecht und die Vergewaltigung der kapitalistischen Gefellschaft. Daß aber wir, die wir Oesterreich find, die österreichischen Serben überreden sollen, sich nach dem Bflllcin zu wenden, das ist keine Vorstellung für die österreichische .Sozialdemokratie. Hier arbeiten wir, uni diesen kapitalistischen Staat in einen sozialistischen umzuwandeln, dies Oesterreich zu einem Bunde wirklich freier, unabhängiger Völker zu machen. Wir wollen uns nicht einreden lassen, daß wir ein Balkanstaat sind. Wir gehören zum Kulturverband des Westens.(Stürmischer Beifall.) In seinem Schlußwort hebt Adler hervor, daß die Redner in der Debatte denselben Gedanken von verschiedener Perspektive aus entwickelt hätten. Meinungsdisserenzen über das, was wir wollen, bestehen nicht, sondern vielleicht nur darüber, wie groß die Gefahr des Krieges ist, den wir nicht wollen. Wenn die Herrschen- den nicht Vernunft annehmen, kann es kommen, daß nach der Lösung der Orientfrage mit der�Geivalt der Waffen die österreichische Frage an die Reihe kommt. CStürmische Zustimmung.) Der Referent er- sucht, den zu Weihnachten geplanten Kongreß der Internationale so stark als möglich zu besuchen und jetzt sofort in eine Periode um- fasseickster Demoustration und energischer Agitation gegen den Krieg und die Kriegsgefahr einzutreten. Tie Resolution wird hierauf einstimmig au genommen. pobTifcbc Ocbcrficbt* Berlin, den 2. November 1912. Kampftage in Württemberg. In 14 Tagen, am 16. November, findet der erste Wahlgang zu den Landtags» ohlen statt. Bei den gegebenen parteipolitischen Ver- Hältnissen ist mit einer großen Zahl von Nachwahlen(zweiten Wahl« ganzen) zu rechnen, die auf den 29. November festgesetzt sind. Etwa am 29, Dezember folgt dann der dritte Wahlgang, in dem die 17 LandeSproporzvertreter gewählt werden. In den Dezember fallen aber auch die Bürgerausschußwahlen in allen Gemeinden des Landes, deren Termin in Stuttgart auf den 13. Dezember festgesetzt ist. Es fehlt also in Württemberg für die nächsten Wochen nicht an Arbeits- und Kampfgelegenheit. Der Aufmarsch der Parteien ist vollendet bis auf die Kandidaten- schwierigkeilen, die den bürgerlichen Parteien da und und dort noch erwachsen. Während in einigen Bezirken ein so starkes Angebot an Kandi- baten vorhanden ist, daß sowohl das Zentrum als die liberale Koalition sich verschiedener Doppelkandidaturen nicht zu erwehren vermag, herrscht in anderen ein Mangel. Die Konservativen vermochten ihre Drohung, den vereinigten Liberalen gehörig auf den Leib zu rücken, nur dadurch wahr zu machen, daß sie in zahlreicben Bezirken aus- gesprochene Zählkandidaturen aufstellten. Trotzdem besetzten sie von insgesamt 79 Bezirken kann, 49 mit Kandidaten. Dein Zentrum gegenüber verzichten sie fast auf der ganzen Linie aus ein selb« ständiges Vorgehen. Bis in die letzten Tage schien es sogar, als wollten sie den bisher konservativ vertretenen Bezirk Neckarsulm ohne iLchwcrlstreich dem Zentrum einräumen, das sich bei allen früheren Wahlen vergeblich um dieses Mandat bemüht hat. Der bisherige Vertreter Vogt,(der Neichstagsabgeordnete für Hall-Wein§bcrg) ließ verkünden, daß er aus„Gesundheitsrücksichten" die ihm wieder angetragene Kandidatur ablehne. Da darauf die konservativen Bauernbündler des Bezirks lange nichts von sich hören ließen, lag die Annahme nahe, daß� sie ihre protestantischen Bauern dem Zentrum zutreiben loollten. Jetzig ist nun doch noch ein konservativer Kandidat für Neckariulm aufgetaucht, er darf sich aber keinen großen Hoffnungen hingeben, zumal auch die Sozialdemokratie hier zu Bedeutung ge- langt. Der gesundhenlich so stark angegriffene Vogt aber der sich vor 8 Tagen noch von seinem Arzt öffentlich bezeugen ließ, daß es wirklich ganz schlecht um sein Befinden stehe, sucht nun Erholung in dem rein prolestaiitischen Bezirk Weinsberg, in dem er eine neue Kandidatur angenommen hat. Vogt ist derselbe Kartcnmischer, von dem vor einiger Zeit bc- kanut wurde, daß er bei den letzten Landtagswahlcn oec Sozial- denrokratie konservative� Hilfe gegen die Volkopartei in Göppingen Verantw. RedaktTT Alfred Wiclcpp, Neukölln. JnseratensiisvcIantwI7 und an demselbcA Tage der?ok?spartei konservative Hilfe gegen die Nationalliberalen in Sulz antrug, um für sich die Volkspartei- lichen und sozialdemokratischen Stimmen in Ncckarsulm cinzuhan- dein. Dieser unerbittliche Bekämpfer des„Umsturzes" hofft nun in Weinsberg ohne sozialdemokratische und bolksparteiliche Hilfe zum Sieg zu kommen. Es kann aber auch anders kommen. Das Zentrum hat mit lebhaften persönlichen Kämpfen in den eigenen Reihen zu rechnen. Die von der Leitung geplante Ab- sägung einiger alter Fraktionsmitglieder, auf deren Mandate junge Streber reflektieren, läßt sich nicht schmerzlos vollziehen. Nur bei dem alten Vertreter von Rottenburg war mit einem sanf- ten Druck die unterschriftliche Erklärung zu erlangen, daß er nicht wieder kandidiere. An seine Stelle wird der neugebackene Reichs- tagsabgeordnete Bolz treten. Im Bezirk Laupheim traten dem neuen offiziellen Bewerber des Zentrums gleich zwei Konrurrenten aus dem eigenen Lager gegenüber. Von diesen drei Zentrumskandidaten wurde einer glücklich wieder zum Rücktritt gedrängt, die beiden anderen fechten den 5iampf aus. In Biberach mußte der alte Abgeordnete nach heftigen Rünkespielen einem jungen Postbeamten Platz machen. In Horb ist dem bisherigen Zentrumsabgeordnetcn, der sich seiner Abschiebung hartnäckig widersetzt und auf eigene Faust kandidiert, ein offizieller Zentrumskandidat gegenübergestellt worden mit der Ankündigung, daß der seitherige Abgeordnete im Falle seiner Wiederwahl in die Zentrumsftaktion nicht aufgenommen werde. Auch die vereinigten Liberalen stehen in Schorndorf und in Besig- heim vor Doppelkandidaturen. Das Bemühen der bürgerlichen Parteien, die Differenzen in der Sozialdemokratie für ihre Zwecke auszuschlachten, wird also einigermaßen gehemmt durch das Her- vortreten der Mißhelligkciten in ihren eigenen Reihen. Die Versammlungstätigkeit ist jetzt in vollem Umfang ausge- nommen. Von unseren Parteigenossen wird im ganzen Lande mit Hochdruck gearbeitet. Kein Dorf, in dem ein Lokal zur Verfügung steht, wird übergangen. Das Zentrum übt allerdings den Terra- rismus der Lokalabtreibung in seinen Domänen noch in brutalster Weise und geniert sich nicht, in seiner Presse zu der Brutalität noch den zynischen Hohn hinzuzufügen, wenn es berichten kann, daß die Sozialdemokraten in einem Ort unverrichteter Dinge wieder abziehen mußten, weil der vom Kaplan bearbeitete Wirt das Reden in seinem Lokal verboten habe. Trotzdem sprechen alle Anzeichen dafür, daß wir gerade in den Zentrumsgebieten gute Fortschritte machen werden. An der früher schon dargestellten Konstellation der Parteien hat sich nichts geändert. Drei fast gleich starke Heere stehen sich gegenüber: Konservative und Zentrum, Volkspartei und National- liberale, beide eng verbündet, und die Sozialdemokratie in voller Selbständigkeit._ Neue militaristische Forderungen. Die nationalliberale Presse drängt in neuester Zeit ebenfalls darauf hin, eine weitere Vermehrung der Armee eintreten zu lassen. Früher haben die bürgerlichen Parteien im Reichstage geprüft, ob die Heeresverwaltung bei ihren Forderungen nicht über das unumgänglich nötige Maß hinausgeht. Heute liegen die Dinge genau umgekehrt, die Heeresverwaltung kann vom Reichstage ver- langen, was sie will, sie setzt sich immer den schwersten Vorwürfen von bürgerlicher Seite aus, daß sie mit ihren Ansprüchen zu be- scheiden sei. Schon einmal ist von sozialdemokratischer Seite der Vorschlag gemacht worden, der Kriegsminister solle einfach er- klären, er brauche mehr Soldaten oder mehr Kanonen und solle dann die Höhe der Bewilligungen ruhig in das Belieben des Reichs- tags stellen. Aus finanziellen Gründen käme dann zweifellos der Kriegsminister in die Lage, den Bewilligungsdrang des Reichstags etwas zügeln zu müssen. Waren es doch bei der letzten Militär- Vorlage nur die Sozialdemokraten, die mit aller Entschiedenheit gegen die Heeresfordcrungen ankämpften. Gegenwärtig wird nun in den liberalen Blättern Stimmung gemacht für eine militärische Ausbildung der E r sa tz r e s e rv e. Die Ersatzreserve diente früher zehn, sechs und vier Wochen. Im Jahre 1893 wurde diese Dienstpflicht der Ersatzreserve aufgehoben, weil eine Vermehrung der aktiven Mannschaften stattgefunden hatte. Gegenwärtig wird alljährlich nur ein kleiner Teil det: Ersatzreserve zu bestimmten Diensten eingezogen. Die überzähligen tauglichen Mannschaften werden der Ersatzreserve überwiesen, und so kommt es allerdings, daß wir in Deutschland eine ungeheuer starke, militärisch aber nicht ausgebildete Ersatzreserve haben. Die Heeresverwaltung will sich nicht darauf einlassen, die Ersatzreserve wieder in dem früheren Maße militärisch auszubilden; sie begründet ihre Bedenken damit, daß es nicht angebracht sei, Soldaten mit zweierlei Ausbildung zu haben. Die gesamten tauglichen Mannschaften jedoch in der zwei- resp. dreijährige Dienstzeit auszubilden, würde so ungeheure Summen verschlingen, daß auch aus bürgerlicher Seite ein solcher Vorschlag nicht gemacht wird. Es tritt nun ein Oberst a. D. b. Kurnatowski, auch einer der vorzeitig aus- rangierten Offiziere, dafür ein, daß die Ersatzreserve in drei auf- cinandersolgenden Jahren zu Uebungcn von drei, anderthalb und einem Monat eingezogen werden soll. Wenn jeder taugliche Mann in Deutschland militärisch aus- gebildet werden soll, dann mutz mit dem heutigen System des stehenden Heeres gebrochen tv erden. Die Ausnutzung der gesamten Wehrkraft des Volkes ist nur durch das Milizshstem im proletarisch-�emokratrschen Sinne möglich. Davon allerdings wollen weder die Heeresverwaltung noch die bürgerlichen Parteien etwas wissen, und deshalb wird es schon an den Kosten scheitern gm sie n, das Ziel zu erreichen, für das sich heute bürgerliche Zeitungsschreiber so ins Zeug legen. Eine Hiobspost aus Deutsch-Ostafrika. Wie der»Kolonialen Korrespendenz" aus T a n g a gekabelt wird, herrscht nach den Feststellungen der Scuchenkommission, be- stehend aus dem velerinärärztlichen Bakteriologen des Gouvernements Dr. Wülfel und mehreren Tierärzten unter Hinzuziehung von Dr. Sckörnig und Dr. Höring in Umbugwe und Süd-Umbulu die Ziinderpcst. ES werden Maßnahmen getroffen, um eine weitere Ausbreitung der Seuche zu verhindern. In den Kulturdistrikten am Kilimandscharo und am Meruberge ist mit der Durchimpfung des gesamten Viehstandes begonnen worden. Es fehlt jedoch an ge- nügenden Mengen von Serum, das großen Teils erst aus Südafrika bezogen werden muß. . Umbugwe liegt an der Südwestecke des Bezirks Moschi am Fuße deS Hochlandes von Jraku, etwa 159 Kilometer westsüdwestlich von Aruichu. In den Jahren 1399/91, als die Rinderpest sich nahe- zu über ganz Ostafrika verbreitet hatte, wütete sie gerade in dieser Gegend unter den zahlreichen Herden der Massai besonders heftig. Etwa zwei Drittel der Gesamtbevölkerung dieses Stammes starben damals e i>l e s elenden Hungertodes, denn die Massai sind gewöhnt, fast ausschließlich von Milch und Fleisch ihrer Vieh- Herden zu leben.__ Ehre Sc», Ehre gebührt. Wie aus Rybnick gemeldet wird, hat der Vorstand des dortigen Kriegervcreius den Hauptmann z. D Kammler am 29. Oktober zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt. In dem bekannten Th. Glocke. Berlin. Drucku.Verlag: Vorwärts Bstchdr. iT VeilagSarstälT 1 Prozeß Knittcl gegen Kanunler ha! das Gericht die Behauptung, Hauptmann Kammlcr sei ein„bösartiger Geiste»» schwacher", vor dem man sich in acht nehmen müsse, und der ioahre Freude am Bestrafen habe, fiir erwiesen erachtet. Diesen Mann hat der Vorstand des Rybnicker Kriegervereins für so würdig und schätzenswert erachtet, daß er ihn sich zu seinem Ehrenmitglied ausersehen hat. Mehr als lange Artikel es ver- möchten, zeigt diese einfache Tatsache, welche erzreaktionäre Politik in den Kricgervereinen getrieben und für welche schönen Zwecke sich die größtenteils völlig gedankenlose, von den Machern an der Leine geführte Mitgliedschaft dieser Vereine mißbrauchen läßt._ Ter verurteilte Austauschspion. Das Kriegsgericht in Warschau hat den preußischen Artillerieleutnant Dahin aus Braunschweig wegen Spionage zu fünf Jahren schwerer Zwangsarbeit und Verlust aller Ehrenrechte verurteilt. Das Kriegsgericht nahm als erwiesen an, daß der verurteilte Offizier seinen Urlaub dazu benutzte, um für den preußischen Generalstab Spionage zu treiben. Trotz der hohen Strafe wurde der Ver- urteilte gegen eine Kaution von 30000 Mark auf freien Fuß gesetzt. Mau nimmt natürlich au, daß der Offizier die Kaution im Stiche lassen und sich dadurch dem Strafvollzug entziehen wird.— In der nächsten Zeit findet in Berlin gegen den russischen Haupt- mann K o st e w i t s ch die Verhandlung statt, der ebenfalls der Spionage angeklagt und auch gegen eine hohe Kaution auf freien Fuß gesetzt tvorden ist. Wird der russische Offizier verurteilt— und daran ist kaum zu zweifeln—, dann wird er natürlich auch auf freiem Fuß belassen und erhält damit die Möglichkeit, s i ch zu drücken. Es wäre unter solchen Umständen doch entschieden einfacher, man würde nicht c r st den kost- spicligen Apparat der Kriegsgerichtsvcr- Handlung in Bewegung setzen, sondern würde ge- fangene Spione einfach von Zeit zu Zeit aus- tauschen� Da alle Staaten spionieren, Deutschland nicht ausgeschlossen, so würde sich da im Laufe der Zeit ein über- aus reger Austauschverkehr entfalten. Ser Balhanßrieg. Türkische Lesarten über die Schlacht bei Lüle-BurgaS. Konstantinopcl, 2. November.(W. T. B.) Die Blatter be- stätigen die Wiedereinnähme von Bunar Hissar durch die türkischen Truppen. Die„Jeni Gazetta" bringt folgende Einzelheiten über die Schlacht: Nach dem Kampf am 22. Oktober entwickelte die zweite bulgarische Armee ihre Front mit dem rechten Flügel auf Baba Eski, das Zentrum vor Bunar Hissar, den linken Flügel vor Wisa. Die Armee bildete so einen weiten Bogen. Die türkische Armee war gegen Lülc-Burgas konzentriert über Tschürenli, Ta- tarli, Ahmedbej und Sakizköj bis Baba Eski. Die Tage vom 22. bis zum 25. Oktober vergingen mit den Vorbereitungen und Er- kundungen auf beiden Seiten. Die Schlacht begann am 26. mit dem Vorrücken der türkischen Truppen auf Wisa und dehnte sich auf die ganze Linie bis Lüle Burgas aus. Vorgestern und gestern leisteten die türkischen Streitkräfte heldenhaften Widerstand gegen die Bulgaren, welche die Verteidi- gungslinie Wisa-Lüle Burgas sprengen wollten. Gestern gingen die vereinigten Streitkräfte bei Lüle BnrgaS zum Angriff über und warfen die Bulgaren bis Tschongara zurück nach einem heftigen Kampfe bei Karagatsch und drangen bis Bunar Hissar vor. Nach in der Nacht eingetroffenen türkischen Meldungen besetzten die tür- tischen Truppen Kawaklü südwestlich von Kirkkilissc. Die bulgarischen Streitkräfte wichen aus der ganzen Linie gegen Kirkkilisse zurück. Es glückte den Türken, sich zwischen Bunar Hissar und Kawaklü festzusetzen. Der„Tanin" schreibt, daß nach der Ansicht militärischer Kreise Kirkkilisse bis zum Slbend wiedergenommen sein wird. Tic Bulgaren haben sehr große Verluste erlitten. Skntari in Flammen. Cetinje, 2. November. � wäre genug Fleisch da; dann müßte es doch und vor allen Dingen auf dem Lande billiger statt teurer werden. Ich habe diese Tat. fachen Ihnen mitgeteilt, obwohl ich keine Sozialistin bin, da von konservativen Blättern dieselben bewußt totgeschemegen werden. Mit vorzüglicher Hochachtung! Eine Pfarrfrau. Massnahmen gegen die Teuerung. In Ausführung eines auf Antrag der sozial>demok�tnchen Fraktion gefaßten Beschlusses der Hamburger Bu�erf�ft hat der Hamburger Senat beim Bürgerausschuß 100 000 M. BettubS- kapital eingcworben, um dänisches Fleisch in größeren-�vge� anzukaufen und zum Selbstkostenpreis an die Hanwurger-�evot- kerung abzugeben. Es sollen wöchentlich neun Wriagotis � Icisq aus Dänemark beschafft werden. Verhandlungen über Einfuhr von argentinischem Gefrierfleisch(Hammel) haben sich zerichlagen, weit die argentinischen Firmen, mit denen man verhandelte, n u r Ge- frierfleifch nach Deutschland exportieren»ollen, wenn dafür du Bestimmungen des§ 12 des FleischbeschaugefetzeS aufgehooen würden. Sic wollen nicht das Risiko des völligen Verlustes lausen, 'der eintreten ivürd«, wenn nach den Bestimmungen des ß 12 das importierte Fleisch vernichtet werden müßte. Auch deutsche Firmen, die das Risiko tragen würden, haben sich nicht finden lassen.— Außer diesen staatlichen Maßnahmen importiert seit Mittwoch auch der große Hamburger Arbeiterkonsumverein„Produk- tion", wie wir gestern schon berichteten, allwöchentlich 36 000 Pfund billiges Rindfleisch aus dem Auslände. Der Stadtmagistrat Bayreuth erklärte sich im Prinzip be- reit, mit der Verwaltung einer genossenschaftlichen Schweinemästerei einen Vertrag aus LieferuiNg von jährlich 1000 bis 1500 Schweinen an die Stadt Bayreuth abzuschließen. Die Schweine sind mit 63 Pf. pro Pfund Lebendgewicht von der StoM zu bezahlen. Durch eine Anzahl Metzger soll das Fleisch dann abgegeben werden. Den Mebgern ist ein Kredit von 30 000 M. zur Aufzucht von Schweinen zur Verfügung zu stellen. Tie Lieferanten, die einen entsprechenden Vertrag auf fünf Jahre abschließen wollen, während sich die Siadt nur auf einen einjährigen Vertrag verstehen will, verpflichten sich. SallS der Marktpreis pro Pfund Lebendgewicht'beim Sä weinefleisch rinter 63 Pf. sinkt, eine entsprechende Preisermäßigung eintreten zu lassen Ehe der Vertrag endgültig abgeschlossen wird, will die Stadt an den oberfränkischen Landrat, der demnächst zusammentritt, den jänirag stellen, in der Äre>S-»Ilkerhaufchu!e bei Bayreuth selber eine Schweinemästerei einzurichten. Ein solches Gesuch hat die agrarische Mehrheit des Landrats vor zwei Jahren abgelehnt. Sollte dies wieder geschehen, dann wird die Stadtverwaltung in der geschilderten Weise vorgehen. Tie Konsumvereine von Zeitz, Weißenfels, Mensel- Witz, Gera u. a. suchen der Fleischnot entgegenzutreten, indem sie aus Australien Kaninchenfleisch in gefrorenem Zustande kommen lassen und das Stück zu 00 Pf. verkaufen. Die erste Sendung wurde an einem Tage vergriffen. In Nürnberg Halle ursprünglich ein Führer der Metzger- meister, der auch Magistratsrat ist, den Vorschlag gemacht, die Stadt möge groß« Lieferungen Fleisch ausschreiben, wie es beim Militär geschieht und es dann zum Selbstkostenpreis an die Kon- fumenten abgeben lassen. Der Magistrat ging auf diesen Vor- schlag ein, als es aber zum Klappen kommen sollte, verweigerten die Fleischer einmütig ihre Mitwirkung. Die Stadt ging nunmehr selbständig vor und bezog ein größeres Quantum dänisches Fleisch. Es konnte um 16 bis 20 Pf. pro Pfund billiger gegeben werden, als«s bei den Metzgern kostete. Nun wurde auch deutsches Fleisch von Händlern angeboten; auS Holland konnte sehr gutes Schweine- fleisch bezogen werden, so daß die städtischen Verkaufsstellen fast ständig gut versorgt sind. Ter Erfolg der städtifchen Einrichtung inachte sich alsbald dadurch bemerkbar, daß auch die Metzger mit ihren Preisen heruntergingen. Auch ein von der Stadt eingerich- teter Seefischverkauf findet großen Anklang. Hus der partcU Die Sozialdemokratie und die Hamburger BürgerschaftSwahlen. Die LandeSverfammlung der fozialdemokra- tischen Partei Hamburgs hat sich am Donnerstag mit den im Februar kommenden Jahres stattfindenden Neuwahlen zur Bürgerschaft beschäftigt. Es hat alle drei Jahre eine Hälfte des Staatsgebietes ihre Vertreter zur gesetzgebenden Körperschaft neu- zuwählen. Diesmal findet die Neuwahl für das Staatsgebiet öst- lich der Alster statt. DaS Hamburger Wahlrecht ist ein Pro- portionalsystem„mit allen Schikanen". Es ist ihiü nämlich noch eine Klassenteilung und ein Privilegiertenwahlrecht aufgepfropft. Die Hälfte der 160 Bürgerschaftssitze ist den Privilegierten(No- tabeln und Grundeigentümern) vorbehalten. Es sind demnach bei der halbschichtigen Erneuerung der Bürgerschaft immer nur 40 Mandate durch allgemeine Wahlen zu besetzen. Aber auch bei der „allgemeinen" Wahl darf nur wählen, wer länger als fünf Jahre in Hamburg gewohnt und mehr als 1200 M, jährliches Einkommen versteuert hat. Außerdem findet noch eine Teilung dieser Wähler statt: wer 1200— 2400 M. Jahreseinkommen versteuert, gehört zur zweiten, wer über 2400 M. Einkommen hat, zur ersten Klasse. Die erste Klasse besetzt zwei Drittel, die zweite Klasse e i n Drittel der erledigten Mandate. Bei der Verteilung der Mandate auf die einzelnen Parteien setzt dann erst noch der Proporz ein, das heißt, es werden jeder Partei nur soviel Mandate zuge- teilt, wie sich nach dem Stimmenverhältnis ergibt. Auf diese Weise ist verhindert, daß die Sozialdemokratie auch nur in der zweiten Klasse einen glatten Sieg davontragen kann. So sind die Geldsäcke der„freien" Republik doppelt und dreifach vor dem„Umsturz" ge- sichert. Genosse Stalten, der in der Landesversammlung das Refe- rat über die bevorstehende Bürgersäwftswahl hielt, wies auf diese Schikanen des Wahlgesetzes hin und betonte, die feit der Ein- führung dieses Wahlsystems stattgefundenen BürgerschaftSwahlen hätten bewiesen, daß der beabsichtigte Zweck, die Arbeiter auf eine winzige Minorität in der gesetzgebenden Körperschaft zu be- schränken, vollständig gelungen sei. Unsere Partei habe keinerlei Aussicht— solange dieses Wahlgesetz besteht—, über eine bestimmte Anzahl von Mandaten hinauszukommen. Unter diesen Umständen wird eS sich bei der bevorstehenden Neuwahl nur darum handeln, die Mandate zu behaupten, die wir bis jetzt besessen haben. Und auch darum wird noch ein heftiger Kampf entbrennen. Denn die reaktionären Parteien haben große Anstrengungen gemacht, damit möglichst viele nichtsozialdemokratische Wähler zweiter Klasse da? Bürgerrecht erwarben. Aus den Ergebnissen früherer Wahlen ist aber ersichtlich, daß wir fast nur aus den Kreisen der Arbeiter Stimmen für unsere Kandidaten zu erwarten haben. Nun ist zwar die diesmal zur Neuwahl kommende Stadlhälfte insofern günstiger für unS, als sie die hauptsächlich von Proletariern ve- wohnten Stadtviertel umschließt(Barmbcck, Hammerbrook, Bill- wärder), aber es ist auch mit ungünstigeren Veränderungen zu rechnen, z. B. wird das allmähliche Verschwinden der kleinen Haus- besitzer, die zum Teil wenigstens früher für uns gestimmt haben. unsere Aussichten, bei den Grundeigentümerwahlen etwas heraus- zuholen, immer mehr verschlechtern. Gleichwohl werden unsere Genossen mit gewohnter Energie den Kampf aufnehmen und ihre noch stets bewährte Disziplin wird un» den Erfolg verschaffen, der unter diesem infam ausgeklügelten Wahlunrecht nur irgend zu erreichen ist. Von den 20 Mandaten, die unsere Partei bisher inne hatte, stehen elf zur Neuwahl. Drei der bisherigen Abgeordneten(Bärard, Köhnke, Stengel«) haben eine Wiederwahl abgelehnt. Die übrigen acht(Stalten, Krause, Hoffmann, Stubbe, Grucnwaldt, Schaum- bürg, Schräder, Weinheberj wurden wieder als Kandidaten auf- gestellt; außerdem die Genossen Hüffmeyer, Lüth, WieSner, Winnig als Kandidaten. Birner, Elvers, Blume, Hegemann, Krüger und Haack als Ersatzmänner.— Ein Antrag der Staats- und Ge- meindearbeitcr, einen Angestellten dieses Verbandes mit auf die Vorschlagsliste zu nehmen, wurde abgelehnt mit der Begrün- dung, daß zwar an sich ein Vertreter auS dieser Berufsgruppe durchaus erwünscht sei, daß aber in erster Linie nicht die berusliche, sondern die Parteitätiakeit der Kandidaten maßgebend bleiben müsse. Die Parteigenossen wünschen nicht eine Wahl nach Be- rufsinteressen, sondern nach Parteigrundsätzen. Im Anschluß hieran wurde von der Landesversammlung die Anstellung eines dritten Parteisekretärs beschlossen. Genosse Stubbe begründete dies unter Hinweis auf die infolge des steti- gen Wachstums der Organisation immer mehr anschwellende Ver- waltungstätigkeit. In den letzten seckis Jahren ist die Zahl der Parteimitglieder in Hamburg von 21 000 auf 61 000 gestiegen. Dem Wunsche der weiblichen Mitglieder, zur engeren Wahl unter allen Ilmständen eine Genossin mit zu stellen, wurde in dieser Form nicht stattgegeben, weil eine derartige Bevorzugung das Prinzip der Gleichberechtigung verletzen würde. Die neue Sckretärstelle wird ausgeschrieben und die Anstellung wird nach den Bedingungen dcö Vereins Arbeiterpresse erfolgen. Der erste Parteitag der italienischen Reformiste». Für den 8., 9. und 10. Dezember hat das Exekutivkomitee der reformistischen Partei deren ersten Parteitag in Rom einberufen. um die folgende Tagesordnung zu diskutieren: 1. Bericht des Zentralkomitees: a) Organisation und Propaganda, d) Parteipresse; 2. Parteiprogramm und Organisationsstatut; 3. Vertreter der Partei in der GcwerkschaftS- und Ge- irossenschastsbewegiing; 4. Wahlprogramm: a) Abgabenreform, d) Zollpolitik, c) Ar» beiterfchutzgefetzgebung. ch I e I. Thorn Oder, Ratibar , Krolien , Frantlurt Warthe, Schrtmm LandSberg Netze, Vordamm Slbe, Leilmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg Sasserftand Saale,«rochlttz Havel. Spandaus » Natdenow») Spree, Svrembergst » Biestow Weser. Mauden . Minden Rhein. MaximUianSau » Kaub » Köln Neckar. Heilbron» Main. Hanau Motel, Irl« am 1. II orn 92 44 28 86 88 337 384 480 305 876 103 105 (eil 31.10. ein1) +8 0 —8 +2 +1 +53 +24 —12 +85 +4 +9 +71 *)+ bed«tet Wuchs.— Fall.—•) Unterpegel. Herren-Lacks ticfel in Ganzlack. Ladtbesatz, mit Samtkalb-, Wcstingstoff-, Maftleder- Einsätzen zum Schnüren und Knöpfea—■ Neueste französische und amerikanische Modelle Ballschuhe für Damen In den apartesten und modernsten Ausführungen in Lack, Samt, Samtkalb. 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Druck».Verlag: Borwärti» iöuchdrnde� � LerlagSanstalt Paul Singer tt, 60, Serlin SW. M MM« W$$ß' 1 X v-.s..\ J Heinrich Pranck t�.i Amts. Ja, ste seien, sehr arme Leute, und die Kundschaft könne jetzt nicht mehr kaufen; wenn die Leute früher für 20 Pf. Zwiebeln lauften, so kaufen sie.heute nur für 5 Pf. In den Vororten Sofias gähnen kahl und verlassen die Baugerüste. Kahle, halbhohe Mauern, Back- stcinhaufcn, Sandhaufen, aber alles tot und verlassen. Die Maurer sind im Kriege. Und so stockt alles, so ruht alles, die Stille legt sich wie ein Alp über Stadt und Land. Das Volk ist im.Kriege." Preßfreiheit im klassischen Weimar. Vor hundert Jahren lebte in München der Ritter Karl Heinrich von Lang. Er versah da? Amt eines Direktors des k. b. RcichsarchivS von 1811 bis 1815. Da er aber ein Filou war, dem nichts als heilig galt, litt eS ihn nicht in einer Situation, die ihm die natürliche Pflicht de? ReipektS gegen die Geschichte auferlegte. Kaum war er ins. Privatleben zurück- gekehrt, da brachte er eine sattrische Schrift heraus, in der er die wunderbaren Zustände in Deutschland der Reaktionsperiode einer ebenso drolligen als boshaften Kritik unterzog. Der Ritter Lang betneb die Geschichte um der Gegenwart willen, auS einem akttven politischen Geist heraus. Die Schrift hat den putzigen Titel: „Merkwürdige Reife über Erlangen, Dresden, Kassel und Fulda nach Hammelburg." Sie erschien in München und zwar mit Genehmigung de» k. b. Zensurkollegii. Obwohl sich das Zensurkollegium so liberal gezeigt hatte, geriet der Ritter von Lang doch nicht in Verzückung über die Liberalität der deutschen Regierungen. Ja, er war sogar respektlos genug, an der durch die offizielle Begeisterung de» Zeit fast unantastbar ge- wordenen Echtheit des weimarischen Liberalismus zu zweifeln. Der besondere Gegenstand der Begeisterung des zeitgeiiölsischen Bieder- meierliberalismu».war die durch die weimarische landständische Ver- sassung garantierte.Preßfreiheit". Nun war aber leider Tatsache, daß ungetähr in keinem Lande verhältnismäßig so viel strafrechtliche Verfolgungen von„Libellvergehen"— Preßvergehen— stoltfanden, wie just rm Großherzogtümlein Weimar. Binnen kurzem war der gesamten weimarischen Publizistik aus dem Wege des Strafverfahrens das Handwert gelegt. Die Preßfreiheit blühte. Die Preßfreihen hatte es nun dem Ritter Lang angetan. Und er schrieb in seiner Hammelburger Reise folgende überaus zweck- lyäßige Vorschläge nieder: .Diese Preßfreiheit könnte noch viel weiter über da? herrliche Edikt von Weimar ausgedehnt werden, wenn man alles das, was füglich zu sagen ist, in gewisse Elementargedanken, Sätze oder Sprich- Wörter zerlegte. anS welchen man, wie au» schon gehauenen Quader- steinen, den Redebau beliebig zusammensetzt. Wenn also eine Regierung durch eine Sektion des Staatsrats, sofern solcher eben nichts dringendes zu tun hätte, eine Anzahl Elementarfätze oder Sprichwörter, welche in jeder Beziehung richtig und zulässig sehen. festsetzen, und im Regierungsblatt bekannt machen ließe, so wäre da- bei zu erlauben, alle diese Sprichwörter in allen möglichen Kom- binalionen und Juversionen(Umslellungen)»ohne alle Zensur zu ge- brauchen",.dagegen aber alle nicht gestempelten und privilegierten Gedanken unterbleiben müßten". und 151— t62. Kl. Kirchgasse 4, Unter den Linden 25-47, Lindengasst. Mark- grasenstr. 51a-52a, Mittelstr 1, 5—25 und 43-66, Platz am Opernhause, Rosmarinstraße, Universitätstc. 6—9(1990). Wahllokal:„Hohenzollernhos", Mittelstr. 46. 12. Stadtbezirk. 11. Wahlbezirk. Bauhosstraße, Charlottenstraße 42, Dorotheenstr. 1—15 u. 73-80. Friedrichstr. 93-l04a u. 137—142 Georgen- straße l-17a und 28—48, Hegelplatz, Am Kupsergraben, Mittelstr. 2—4, Monbijoubrücke von der Straße Am Kupsergraben bis zur Milte des �.auseS des letzteren. Monbijoustraße von der Straße Am Kupsergraben biS zur Mitte des Lauses des letzleren. Prinz Friedrich-Karl-Straße. Prinz Loms- Ferdinand-SIraße. ReichstagSuser 17—19, iltibersiläistr. 1—5, Stadtbahnhol .Friedrichstraße-. Stadtbahnbogen Nr. 177—205. Weidendamm(3397) Wahllokal: Dorotheeiistädt. Realgymnasium, Georgenstraße 30/31, Turnhalle. 13. Stadtbezirk. 12. Wahlbezirk. Dorotheenstr. 16— 22 und 58 bis 72, Friedrichstr. 143-150, Gcorgenstr. 19-27. Mitlelsw 26-29 und 34 bis 42, Neustädtische Kirch straße ausschließlich Nr. 19, Reichstagsuser lo bis 16(1758). Wahllokal: Markthallenrestaurant, ReichstagSuser 14. — 13. Wahlbezirk. Bunsenstraße. Dorotheenstr. 23-57, Mittelstr. 30 biS 37, Rcichstagsplatz, ReichstagSuser 4—14, Schadowstr. la Bir 13, Schlüter steg, Sonrmerftr. 3—10, Neue Wilhelmstr. 1—8 und 9—16(183o). Wahlotal- Junker» Weinstuben. Neue Wilhelmstr. 5. 14. Stadtbezirk. 14. Wahlbezirk. Behrenstr. 1—26 und 50—72. Französische Str. 51 und 65-68, Friedrichstr. 163-165, Kaisergalerie. Kanonierstr. 21-23, Kleine Kirchgasse cxkl. Nr. 4, Köniagratzer L>tr. 140 und 141, linker den Linden 1— 24 und 48 bis 78, Mauersir. 29— 33, Kleine Mauerstraße, Neusläd lisch e Kirchstr. 19. Pariser Platz, Schadowstr. X und 14. Sommerstr. 1 und 2. Wilhelmstr. 63-706, Neue Wilhelmstr. 8a und 8b, Platz vor dem Brandenburger Tor(2689). Wahllokal: Siechen, Behrenstr. 24. 15. Stadtbezirk. 15. Wahlbezirk. Behrenstr. 29a, Eharkottenstr. 32» bis 34 und 48—60, Französisch« Str. 20— 33a und 34— 49a, Friedrichstr. 65a bis 81 und 166—186, Gendarmcnmarkt(der Deutsche Dom. der Französische Dom), Hedwigskirchgasse, Jägerstr. 15—31 und 45-62a. Hinter der katho. tischen Kirch«, Markgrasenstr. 39-51 und 53-56, Mohrcnbrücke, Mohren- straße 17—37 und 41—51, das königl. Schauspielhaus, Schillerplatz. Tauben- straße 11-40 erkl. 236(2340). Wahllokal: Filiale der 16. Gem.-Schule, Hinter der katholischen Kirche 3, Turnsaal. 16. und 17. Stadtbezirk. 16. Wahlbezirk. Charlottenstr. 22»— 32 und 61—72, Friedrichstr. 56-65 und 186-199, Jerusalemer Str. 14—22 und 25-41, Krausenstr. 4—33 und 44—71, Kronenftr. 14-60, Leipziger Straße 27— gOa und 80—103, Martgrafenstr. 81—38 und 57—65(1896). Wahllokal:„Mönchshos", Krausenstr. 8. 18. und 1V. Stadtbezirk. 17. Wahlbezirk. Französtsch« Str. 1— IV. 50 und 52—64, Jägerstr. 1—14 und 63—76, Kanonierstr. 1-20 und 24—45, Krausenstr. 2-3 und 72-77. Kronenftr. 1—13 und 61-76, Leipziger Straße 19—26 und 104-112. Mauerstr. 8—28, 34-51, 61—68 und 76—77. Mohrcnstr. 6-16 und 52-6«. Taubenstr. 1—10 und 41—54(3056). Wahllokal:„Zur Hütte-, Taubenstr. 7. 20. Stadtbezirk. 18. Wahlbezirk. Könlggrätzer Straße 126-139, Leipziger Platz, Leipziger Straße 1—18 und 113—137, Mauerstr. 52—60 und 69—75, Mohrcnstr. 1—5 und 65—66, Voßstraße, Wilhelmplatz, Wilhelm- Platz. Wilhelmstr. 57—67 und 71-81, Zietcnplatz(2130). Wahllokal:„Deckels Festsäle-, Jägerstr. 69. j»83. Stadtbezirk. 661. Wahlbezirk. Alsenstraße, Beetdoveisstrake, Fürst. Bismarck- Straße, Fttedentzallee, Herwarthstraßc, Hindersinstraße, KönigZpIatz, Kronprinzenuscr, Molttestraße, Gr. Ouerallee zmischcn Zelten- allee und In den Zelten, ReichstagSuser 1—3, Richard-Wagner-Straße, Roonstraß«, SiegeSallee nördlich der Charlottenburger Chaussee, Simson- straße, In den Zelten(2868). Wahllokal:.KrollS Etablissement-, Am Königsplatz 7..Korbsaal- rechtS. Stadtbezirk S84A. 662, Wahlbezirk. Claudiusstraße. Flensburger- Straße 4 und 5 und 30, Holsteiner User 15 und 16, Klopstockstr. 16—35, Stadtbahnbogen 422— 423(2763). • Wahllokal: Restaurant Bcllevue, FlcnSburger Sttaße— Stadtbahn» bogen 411. — 663. Wahlbezirk. Brückenallee 1— 35, Stadtbahnhof Bellevue, Flens- burger Str. 1—3 und zwischen Klopstockstraße und Brückenallee, Holstciner User 17—29, Stadtbahnbogen 411—421(2316). Wahllokal: Restaurant Franke, Brückenallee 20. 284 8. Stadtbezirk. 664. Wahlbezirk. Altonaer Straße, Brücken» allee 36, Cuxhavener Str. 4—11, Hansaplatz, Klopstockstr. 12—15 und 86—39, Darauf läßt der Ritter Lang eine Berechnung folgen, die zeigt, welche ungeheure Menge erlaubter Gedanken nur ans hundert antt- lich approbierten Sätzen verinittelst aller möglichen Zusammen- setzungen herauskäme. Ein weltbeglückender Plan. Es geht nichts über den Mut eine» Amerikaners, wenn er eine neue Idee hat. So erbietet sich setzte ein Ingenieur aus Brooklyn namens Riker, gleichzeitig das Klima der ganzen nördlichen Erdzon« umzugestalten. Er will alles Ei» um den Nordpol zum schmelzen bringen, so daß die Festländer und Inseln der Nordpolarzone zu den schönsten Sommerkurorten werden und nach Belieben in Parks und Gärten, verwandelt werden können. Damit soll sich auch das barbarische Klima deS nördlichen Nordamerika, insbesondere an der atlantischen Küste zum guten verwandeln, ebenso das von Sibirien, Schottland soll mit dem südlichen Japan wetteifern, Labrador mit Kalifornien. Der Wohltäter der Menschheit hat auch bereits ausgerechnet, was das kosten wird, zwar nicht auf Heller und Pfennig, aber doch wenigstens auf einige Millionen genau. Er macht sich nämlich anheischig, all diese erstaunlichen Umwälzungen hervorzubringen. wenn ihm jemand dafür die kleine Summe von 760 Millionen Mark einhändigen würde. Ob er dabei überhaupt noch ein Ge- schäft machen würde, geht uuS der Aufstellung nicht hcrvar. Man sollte eS aber vermuten, da er nur ein verhältnismäßig gering- fügigcS Bauwerk zur Erreichung seiner Ziele benötigt, nämlich einen Damm von etwa 40 Kilometer Länge, der sich von Neu- frmdland ostwärts über die Untiefen der Küstengewässer inS Meer erstrecken soll. Dadurch hofft der kühne Amerikaner den alten Labradorstrom aufzuhalten und ihn daran zu verhindern, sich in den Golfftrom zu ergießen, diesen abzukühlen und außerdem nach Süden zu drängen. Es scheint, daß nach dieser Idee da» kalte Polarwasser nach unten abgelenkt werden soll, damit da» warme Wasser des Golfstroms ungeschwächt darüber hinwegflicßen kann. Da ein so schöpferischer Geist nichts halb macht, so ist In diesem Fall auch gleich daran gedacht worden, daß das katte Wasser dann weiter nach Süden abgelenkt wird und zur Abkühlung der heißen Zone am Aequator dienen könnte. Humor und Satire. DerKriegSberichter statter. Ich bin ein Kriegsberichterstatter, Den Gott in seinem Zorn erschuf. Ich höre kein Geschützgeknatier, Geschwätz nur hör' ich und Geschnatter, Ach, welch' ein kläglicher Beruf! Der Abonnent will sieben Spalten Depeschen lesen Tag für Tag.— „Wozu muß ich dort diesen alten, Hoch honorierten Kerl mir halten?" So murmelt wütend der Verlag. Nun schreib' ich und telegraphier' ich. Das Publikum leiht mir sein Ohr. Und ist es oft auch etwas schivierig, So komponier' und phantasier' ich Dem dummen Leser etwas vor. Auf einmal— nicht'ne Viertelseite Weiß ich I Ich weiß heut nicht?— o Grau» I Ich A-rmster bin heut gänzlich pleite. Was schreib' ich nun vom Balkanltreite?' Die Zeitung aus Berlin blieb aus I (Frido in der»Jugend".) Lisfingslr. 6—9 und 48—48, SchlcZwiger UJer 9—12, Stadibahndogen 440 W« 458(2921). Wahllokal i 13. Realschule, Schleswiger User 14— Turnhalle. — 665. Wahlbezirk. Bachslrasje, Cuxhavener Str. 12—17, Flotowstratze, Schleswiger User 1—8, SiegnimidShos, Stadldahubogen 459— 487, Wegely- siraße(2619). Wahllokal: Händelstr. 21, bei Lorenz. — 666. Wahlbezirl. Charlottcnhos. Cuxhaven er Str. 1—3» und 18—21, Händelstrage, Jvseph-HnliiZn-Slraxe, Klopstockstr. 1—11 und 40—59, Lesfing- siratze 1—5 und 49-57(2603). Wahllokal:„Charlottenhos", Händelstrage. 284 t). Stadtbezirk. 667. Wahlbezirk. Flensburger Str. 6—14, Holsteiner User 5— 14. Lessingslr. 19—31(2245). Wahllokal:.Zum kühlen Grunde", Lessingslr. 23. — 668. Wahlbezirk. Flensburger Str. 15—29, Holsteiner User 1— 4, Lessingslr. 10-18 und 32—45, Schlcswiger User 13—17, Stadtbahnbogen 424 bis 439(2330). Wahllokal:»Hansareflaurant', Lessingslr. 14. Sozialem Die Polizei im Dienst des Unternehmers. Ait der rechtswidrigen Zuwendung von Vorteilen an Polizei- beamte durch Unternehmer wegen der zum Schutze von Arbeits- willigen und Verhinderung Streikender geleisteten„Arbeit" mutz es in Preutzen weit gekommen sein. Der preuhische Minister des Innern hat deshalb in einem Erlatz betont, datz solche Zuwendungen strafbar(8 331 des Strafgesetzbuches) sind. In dem Erlatz heitzt es u. a.: Es mutz,„wie bereits im Einzelfalle wiederholt be- tont worden.ist, als unzulässig erachtet werden, zu ge- nehmigen, datz für Polizei beamte, die anlätzlich von Streikbewegungen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung oder zum Schutz von Arbeitgebern oder von Arbeitswilligen heran- gezogen worden sind, von den beteiligten Unter- nehmern Geldgeschenke oder andere Vorteile, wie freies Quartier. Verpflegung usw. gewährt werden. Werden die Unternehmer nun das Schmieren unterlassen? Die einträgliche Lehrstelle. Ein drolliges Mitzverständnis erregte vor der 2. Kammer des Berliner Kaufoiannsgerichts grosse Heiterkeit. Ein Vater klagte für seinen Sohn, der als Lehrling in dem Geschäft des Beklagten an- getreten war, eine Riesensumme ein. Wie der Vater zu dieser grossen Summe kani, das sollte sich in der Verhandlung bald heraus- stellen. Er gab seinen hoffnungsvollen Sprötzling in die Lehre, nachdem ihm der Chef zugesichert hatte, der Junge bekäme„in den drei Jahren Lehrzeit eine regelmässig um 10 M. steigende Ver- gütung". Natürlich meinte der Lehrchef damit„von Jahr zu Jahr steigend", der Vater des Lehrlings faßte die Abmachung in dem Sinne auf, daß sein Sohn eine von Monat zu Monat um 10 M. steigende Vergütung erhalten solle. Würde das so drei Jahre fort- geführt, dann käme allerdings im letzten Lehrmonat eine für einen Lehrling immerhin ganz ansehnliche Vergütung von 360 M. heraus, und der Prinzipal konnte mit Recht die bange Frage stellen, was er denn diesem Lehrling nach d»r Lehrzeit als Gehilfen zahlen solle. Der Vater belprrte aber bei seiner Auffassung und rief die Entscheidung des Kanfmannsgerichts an. Auch dort blieb er trotz des Vorhalts der Richter bei seiner eigenartigen Staffelrechnung. Er fand auch nichts Auffallendes dabei, denn die Tatkraft und Intelligenz seines Sohnes sei eben so hoch zu„bewerten". »statt der verlangten 7000 M. verließ der von Vaterstolz allzu erfüllte Kläger mit einem vergleichsweise erzielten Fünfzig- markschein den Gerichtssaal, nicht ohne vorher emphatisch zu er- klären, er werde jetzt für seinen Sohn eine bessere Lehre suchen. Vielleicht findet er jetzt eine, wo das hoffnungsvolle Söhnchen in jedem Monat immer das doppelte vom vorigen Monat als Ver- gütung bekonimt. Dann können sich nach beendeter Lehrzeit wenigstens Vater und Sohn gleich zur Ruhe setzen. Eidgenössisches Amt für Sozialversicherung. Der schweizerische Bundesrat beantragt bei der Bundes- Versammlung die Schaffung eines Bersicherungsamtes, das aber nichts mit der Privatversicherung, sondern nur mit der neuen Kranken- und Unfallversicherung und den weiter hinzukommenden staatlichen Versicherungen(Alters- und Invaliden-, Witwen- und Waisenversicherung) zu tun haben soll, deren Einführung es vor- zubereiten und zu fördern hätte. Besonders soll es sich auch mit der Versicherung der in den eidgenössischen Betrieben beschäftigten lltonzen. — Die Winterausstellung der Sezession, die Sonnabend eröffnet wurde, bringt wieder wie üblich Werke der zeichnenden Künste. Man sieht die alten Sezeisionsleute in den gewohnten Bahnen. Ohne Ueberraschungen, die ja anch nicht erwartet werden. Neben ihnen nehmen einige Expressionisten starke Anläufe, aber nur Pechstein ist mehr denn ein Wollender. Einen Zyklus russischer Begebenheiten führt Barlach in schwerem Ernst vor. als Hühnerepikcr debütiert Potlner. Unter den„Simpticissimus'-Zeichnern erweist sich Heine als der überragende, weil er seine technischen Talente zu Grösserem ausmünzt. Viel ,u viel Raum ist der pervers-widerlich- süsslichen Dekadenz eine« Pascin eingeräumt. Die Plastiker der Sezession sind diesmal auch mit Zeichnungen und Radierungen ver- treten(beinahe klassizistisch sind Gauls Tiersriese). Als Palen dienen der Ausstellung: Menzel(Bleistisizeichnungen) und Daumier, der Un- vergleichliche, der als Schaffender so gross ist, weil er seine grosse Seele des Kämpfers und Hassers in sein dramatisch gesteigertes Werl legte. — DasKestenberg-Trio gab am Freitag seinen zweiten Abend. Das Programm war Dvorak und Tschaikowsky gewidmet. zwei moderne» Slawen, die westeuropäische Tradition durch Volks- tümliches bereichern) Eine Eroica im Kleinen ist Tschaikowskys Trio dDpul 50), die prachtvolle Klangfarbigkeit. slovische Temperament. fülle und echte Tiefe i» sich vereinigt. DoS Trio � entfaltete alle diese Schönheilen in nachschöpferischer Hingabe mit vollem Ge- lingen. — Borträge. Im Institut für Meereskunde (Georgen-Stratze 34— 36) spricht Dienstag Prof. Grund- Prag: Zwei Jahre Adriaforschung, Prof. Thietz-Danzig: Die inter- nationalen Schisfahrtsverbände und ihre Organisation. Beginn 8 Uhr abends. Eintrittskarten zu 0,25 M. in der Geschäftsstelle. — Das zweite Gewerkschaftskonzert, dessen Pro- gramm Äainmermusikwerke und Lieder von Joh. Brahms enthält. findet Freitag abends 8V(> Uhr statt. Billetts zu 30 Pf. sind zu haben: im Bureau des Gewerkschaftshauses und bei Horsch, Engel- ufer. 12. — Dichterabend c. Johannes Schlaf liest Mittwoch, den 6. November, im Choralionsaal aus eigenen Werken vor. — Roald Amundsen wiederholt Sonntag, den 10. Nov.. im Konzertsaal der Hochschule für Musik seinen Vortrag über seine Reise zum Südpol. — Z u dem Richard-Wagner-KursuS, den der Volkschor veranstaltet, werden folgende Musikdramen mit musikalischen Erläuterungen von 3—5 Uhr im Gewerkschaftshause be- handelt: Sonntag, den 3. November: Tannhäuser, Sonntag. den 24. November: Lohengrin. Sonntag, den 1. Dezember: Die Meistersinger. — Die Diwter kapitulieren vordemKino. Der Verband der Bühnenschrislsteller hatte dem Kino seinerzeit den Krieg bis aufs Messer angekündigt. Natürlich aus idealen Motiven. Das deutsche Volk... die Kunst... usw. Nachdem aber eine Filmgesellschaft genug geboten ha,, sind die Dichter schnellstens um- «fallen. Geschäft ist Gelchast: Max Halbe. Ernst v. Wo l- zoaen. Gerbart Hauptmann haben bereits Dramen überlassen. Andere werden folgen. Das Wort ist nichts mehr, G-ste und Mimik alleS. Russen d,e Dichter ihr Werk hoch «wschätzen I Arbeiter. Angestellten und Beamten befassen und weiter den Bundesrat bezw. das Jndustriedepartement, dem es direkt unter- steht, bei der Ausführung des Versicherungsgesetzes unterstützen. Das Personal der neuen Abteilung soll aus einem Direkwr, Adjunkten. Experten sowie Sekretär, einem Bersicherungs- Mathematiker und zwei Kanzleigehilfen bestehen. Es sind bereits in das Budget pro 1913 dafür 81 000 Fr. eingestellt. Ruq der fraucnbewegirng. Arbeiterbewegung und Dienstboten. Unzufriedenheit und Erbitterung gehen um unter der Arbeiter- schaft. Das ist nicht schwer zu verstehen und zu erklären. Die Kapitalisten beschränken ja die Ausbeutung der Besitzlosen keines- Wegs darauf, ihnen für die intensivste Ausnützung ihrer Arbeits- kraft im Produktionsprozesse einen möglichst schundigen Lohn zu zahlen und so körperliche und geistige Kräfte vorzeitig zu zerstören. Sie verweigern ihnen auch auf das hartnäckigste einen durchgreifen- den gesetzlichen Schutz für Leben und Gesundheit, und sie sind es, die ausserdem mit allerlei Ränken und Kniffen die Preise für Nahrungs- und Gebrauchsartikel immer höher treiben. Was die lohnarbeitenden Massen als Produzenten schaffen, was sie als Kon- sumenten darben und entbehren müssen, fließt in reichem Strome den Besitzenden zu. Der Selbsterhaltungstrieb zwingt die Arbeiterschaft zum Kampfe gegen diese Verhältnisse. Sie tut dies auf wirtschaftlichem Gebiete mit Hilfe ihrer gewerkschaftlichen Organisationen, deren vornehmsten und wichtigsten Forderungen lauten: Kurze Arbeitszeit, auskömmlicher Lohn, grotzzügige Arbeiterschutz- g e s e tz e. Laufe» die Proletarier auch nicht mit Siebenmeilenschritten auf die Verwirklichung dieser Forderungen zu, so kommen sie ihr doch in demselben Matze näher, in dem die Zahl und Kraft ihrer Or- ganisationen wächst. Nun war es bis vor kurzem hauptfächlich eine Kategorie der Arbeiterschaft, die von Feinden eingekreist dem Rin- gen ihrer Klassengenossen und auch dem eigenen Elend mit ver- bundenen Augen und gefesselten Gliedern gegenüberstand: D i e Dienstboten. Seit Jahrhunderten klangen wohl viele Klagen über die Dienstboten. Sie wurden und werden hingestellt als faul uud verstockt, als lügnerisch, leichtsinnig und liederlich. Man sagte ihnen nach, datz sie zum Stehlen neigen und gerne die unflätigsten Redensarten im Munde führen. In allen Tonarten wurde über ihre angebliche Schlechtigkeit gesprochen und gepfiffen. Aber es käme» wenig Klagen von ihnen selbst, obwohl sie wahr- lich allezeit tausend Gründe dazu gehabt hätten. Ungebildet, weltfremd und verschüchtert, zu wenigen in den einzelnen Haushaltungen isoliert, wo ihnen stets ein fremder Wille aufgezwungen wurde, fanden sie nur mühselig den Weg in die Oeffentlichleit und ein Sprachrohr für ihre Klagen. Erst das Er- starken der Arbeiterbewegung in den letzten Jahren, das Aufblühen der proletarischen Presse brachte es mit sich, datz heute den Ver- bältnissen der Dienstboten die Beachtung zugewendet wird, die sie finden müssen, wenn das Elend gelindert werden soll. Nun sündigen gerade in diesem Punkte noch sehr viele Ar- beitcr und Arbeiterinnen i» Gedankenlosigkeit. Tausende junger Proletariermädchen treten jährlich in Dienst, viele davon sind die Töchter, die Schwestern, die Bräute von organisierten Arbeitern. Aber denen fällt es gar nicht bei. das junge Ding hinzuweisen auf die Notwendigkeit der Organisation. Trotzdem es deren Schutz schon infolge seiner grötzeren Rechtlosigkeit noch in höherem Matze braucht als die Augehörigen anderer Kategorien. Eine Arbeitszeit von durchschnittlich 14 Stunden, ein Stunden- lohn von 2— 3, wenns hoch kommt von 4— 5 Pf. In unzähligen Fällen ungenügende Kost, der oft genug eine brutal rücksichtslose Ausbeutung der jungen Kraft sich zugesellt. Keine Pflege, keine Gemütlichkeit, keine Freiheit! So flietzt das Leben der meisten Mädchen trübe dahin und vielen kommt es noch nicht einmal zum Bewutztsein, datz sie so um das Beste betrogen werden. Tag um Tag sind sie zu einer bedingungslosen Preisgabe des eigenen Willens gezwungen, der dann oft genug als letztes Glied einer hätzlichen Kette die Preisgabe der Mädchenehre folgt, Da unter den Dienstboten Unwissenheit uud Schwäche mehr als anderswo herrschen, darf gerade ihnen gegenüber die proletarische Solidarität nicht versagen. Wenn jeder Organisierte es sich zur Pflicht macht, seine Angehörigen und Bekannten, die als Dienst- boien, Wasch- und Aufwartefrauen tätig sind, auf den Zentral- verband der H ausange st eilten Deutschlands hin- zuweisen und sie zum Beitritt zu veranlassen, dann wird es dem Verbände in absehbarer Zeit möglich sein, seinen Mitgliedern einen grötzeren Teil zu erringen von dem. was das Leben schön und lebenswert macht. Dann wird der Verband auch in den Staied gesetzt werden, wenigstens die empörendsten Ausnahmegesetze des Gesinderechts autzer Wirksamkeit zu setzen und so den Sumpf trocken zu legen, aus dem immer neues Elend für die Dienenden quillt. Arbeiter, Arbeiterinnen, sorgt dafür, imtz auch die letzte eurer dienenden Schwestern ihrer Organisation sich zuwendet, dem Zentralverband der Hausange st eilten Deutsch- l a n d s.(Sitz Berlin S.O. 16, Engelufer.21.) Leseabende. Borsigwalde. Montag 3'/z Uhr in den Lorsigwalder Festsälen Vor- trag der Genoisin Fricdländer. Lankwitz. Montag 8'/.� Uhr bei Adler, Charlottenstr. 34: Bortrag: Die Mutter als Erzieherin. Euq aller Sielt. Cm Beitrag zur Preßhorruption. Am 5. November haben die Bürger WestvirginienS über einen Antrag auf Verbot d es Alkohols durch die Verfassung zu entscheiden. Da in dieser Frage viel von der Haltung der Presse abhängt und der Zusammenhang zwischen Alkoholkapital und einem grossen Teile der Zeitungen autzer Zweifel steht, wurde einmal eine Probe aufs Exempel genmcht, über deren Ergebnis Professor H e r c o d in der Lausanner Zeitschrift„L'Abstinence" berichtet. Vor einigen Monaten wandte sich ein„Schriftsteller C. L. Trewitt in Washington" an die Zeilsungen des Staates, um ihnen Artikel gegen das Alkoholverbot anzubieten. Merkwürdigerweise aber forderte er kein Honorar dafür, sondern bot solches für den Abdruck seiner Artikel an. Welche Antworten erhielt er darauf? Von 70 Redaktionen wiesen nur 10, darunter selbstverständlich auch die sozialistische, das saubere Anerbieten ab. Die übrigen 60 wollten das Geschästchen mit Handkuh machen. Manche Aeuße- rungen sind dabei sehr interessant. Ein Herr, der zugleich Leiter einer frommen S o n n t a g s s ch u l e ist, schrieb:„Ich bin auf dem Markt, um zu handeln... Je eher Sie Ihre Artikel mit einem kleinen Scheck senden, um so besser." Ein anderer, der sich einen großen Einfluß auf die Pressekollegen z)»- schreibt, fordert 3000 Dollar, die Hälfte vorauszahlbar. Eine Dame erbietet sich, die Artikel zu 25 Dollar das Stück aufzunehmen. Um aber unparteiisch zu erscheinen, wolle sie eine Diskussion über die Frage eröffnen, jedoch den Gegnern des Verbots den besseren Platz geben und nötigenfalls eigene Argumente hin- zufügen. Ein Vierter, Herausgeber einer grossen Rundschau, fordert für Notizen S. für Leitartikel 10 Cents(zu 4 Pf.) die Zeile, ver- langt aber Vorauszahlung. Wieder ein anderer erklärt, datz die Leser seines Blattes nichts von Wirtschaften wissen wollen. Er lönne nicht mehr tun, als Neutralität zu üben. Dafür fordert er nur 1000 Dollar. Neutralität werde in diesem Falle besser wirken, als direkte Vertretung der McHolinteresse� Weder einer, Herausgeber des„Fortschritts", der erklärt,„un- entwegt und unabhängig für alles Gute einzutreten", verlangt einen genauen.Kostenvoranschlag". Ein anderer bietet 1 b.S 2 Spalten wöchentlich für 8 Monate für 2000 Dollar, vierteljährlich vorauszahlbar. Eine ganze Anzahl verlangt übereinstimmend für Notizen 6, für Leitartikel 10 Cents pro Zeile. Nur 10 lehnen das Anerbieten ab. Der sozialistische Redakteur Boswell erklärt, datz seine Spalten um keinen Preis zu haben seien. Aehnlich einige andere. Alle diese Briefe wurden abgedruckt in„Delliers Wochenzeitung". Ter Absender des Anerbietens hatte im Einver- ständnis mit einem Anhänger deS Verbots, der die Presse auf eine Probe ihrer Ueberzeugungstreue in dieser Frage stellen wollte, gehandelt. Natürlich handelt es sich um eine rein amerikanische Geschichte. Bei uns wäre etwas Derartiges unmöglich. So wenig eS bei uns Börsenredakteure gibt, die sich„beteiligen" lassen; so wenig die Arbeiterfeindschaft oder Kriegsbegeisterung zahlreicher patriotischer Blätter irgend etwas mit potenten Hintermännern zu tun hat, ebensowenig wäre es möglich, daß deutsche Zeitungen dem Alkohol- kapital in irgend einer Form gefällig wären. Aber die Amerikaner — ja, die sind korrupt. Explosionskatastrophe auf einem deutschen Kriegsschiffe. Eine schwere Explosion, die zwei Todesopfer forderte, hat sich gestern vormittag bei M i n e n s u ch- Übungen in der Kieler Bucht zugetragen. Bei den Hebungen, die von einem Boote des grossen Kreuzers„Jork" aus veranstaltet wurden, kam eine Mine vorzeitig zur Explosion. Hierb'ü wurden Kapitänleutnant Ja Oobsen und Torpedobootsmatrose Wilhelm Fuchs aus Lyck getötet. Schiv erverletzt wurde Leutnant zur See Werner Wilscheck(Bruch beider Beine), leicht verletzt Torpedobootsmatrose Wilhelm Puls aus Altona- Bahrenfeld._ Kriegskorrespondent oder Kriegsgefangener? Der Korrespondent des Londoner»Daily Chronicle" im türki» scheu Hauptquartier hat seinem Blatte einen Bries gesandt, der der Zensur entgangen ist. Dieser Brief enthält lebhafte Klagen über die Behandlung, die den Zeitungskorrespondenten durch die türkischen Behörden zu teil wird. Der Korrespondent berichtet darüber u. a.: Unsere Lage ist eine überaus mitzliche, die Türken begehen schwere Verletzungen deS internationalen Rechtes. Einer meiner Kollegen, der Vertreter eine« englischen BlatteS, wurde von den türkischen Behörden so brutal behandelt, datz er seinen Patz verlangte. Dieser wurde ihm verweigert. und man drohte, ihn zu verhaften, wenn er versuchen sollte, zu entkommen. ES eigentlich nutzlos hier zu bleiben, wir sollten wieder abreisen, doch werden wir mit Waffengewalt zurück- gehalten. Die auswärtigen Regierungen sollten bei der Türkei wegen der Behandlung der Korrespondenten appellieren, datz diese nicht gleichsam gefangen gehalten würden. Als wir ankamen, willigte das Kriegsministerium ein. unS mit der Armee ins Feld ziehen zu lassen, der Minister erklärte sogar, datz er die Gegenwart von Korrespondenten wünsche, da die türkische Armee vor dem Auslände nichts zu fürchten habe, und er versprach den Korrespondenten, für sie zu sorgen, doch ist davon ebensowenig elwaS zu sehen, wie von den mazedonischen Reformen. Die türkischen Behörden haben sich an diesen Versprechungen in keiner Weise gekehrt, im Gegenteil, sie habe» sogar versucht, Korrespondenten englischer, fr an» zösischer, russischer, deutscher und österreichischer Blätter ihrer Freiheit zu berauben. Für diese schmachvolle Behandlung dürfen die Korrespondenten ihren Blättern allerlei sensationelle Meldungen über Siege kabein. die nie erfochten wurden. Auch für das Kriegfnhren gilt das Wort: Klappern gehört zum Handwerk I Ein unangenehmer Namensvetter. Ein amüsantes Geschichtchen von einem brasilianischen Schulinspektor in Soo Joaquim da Costa da Terra entnimmt die„Weserzeitnng" der.Koloniezeitung" in Joinville. In die neugegründete Schutllasse kommt der neugebackene Schulinspektor, als der vortragende Lehrn eben griechische Mythologie doziert. Um dem Schulgewaltigen zu imponieren, lätzt der Lehrer die Knaben wiederholen.„Also, wir haben gesehen, datz die alten Griechen für jede Tugend, jedes Laster oder jede Naturbeschaffenheit oder Naturereignisse ihre besondere Gottheit schufen. Sagen Sie mir zum Beispiel(auf einen Schüler zeigend), was ist Diana?" Scküler:.Diana ist die Göttin der Jagd." Lehrer zu einem anderen:„WaS ist Minerva?" Schüler:„Minerva ist die Göttin der Weisheit." Lehrer zum andern:»Was ist Hermes?" Schüler:»Hermes ist der Gott der Kaufleute, Diebe, Spitz- buben und..." „W— a— as sagen Sie da?" schreit entsetzt der Schulinspektor, „wiederholen Sie das!" Schüler:„HermeS ist der Gott der Kaufleute, Diebe, Spitz» buben und..." »Hält'S Maul I!" schreit der autzer sich geratene Inspektor. „Herr Lehrer, wie können Sie es wagen, unserer Jugend, den zu- künftigen Trägern unserer glorreichen Republik, solche Schmähungen gegen unseren allverehrten Herrn Präsidenten ein- zuflötzen l(Brasiliens Geschicke werden gegenwärtig von Marschall Hermes geleitet. D. Red.) Sie find Zivilift.., ein Zivilist. ja... noch schlimmer al» ein richtiger Zivilist l Ich... ich werde Sie verklagen, ich... ich... suspendiere Sie... Sie Ungeheuer ... ich... werde Sie kleinkriegen... l' Wutentbrannt üürzt er auf seinen Zylinder und seinen Stock zu, und schimpfend und fauchend verlätzt er den Schulsaal, gefolgt von«eil« verdutzten, teils höhnisch lachenden Gesichtern der in die griechische Sötterlehre Eingeweihten. Tage vergehen, lange, bange Tage; der Inspektor telegraphiert; der Lehrer telegraphiert; Behörden telegraphieren; Freunde tele- graphieren; Feinde telegraphieren. Endlich nach langen, qualvollen liini Tagen kommt ein mächtig grotze« Handschreiben an den be- geisterten Mythologen. in dem ihm huldvoll mitgeteilt wird, datz er ohne Kürzung des Gehalts ruhig weiter dozieren soll, mit der leisen Andeutung, in Zukunft stall HermeS das Wort Merkur zu gebrauchen, da dieses eben doch weniger brasilianisch klänge! Kleine Notizen« Hochwassergefahr im Moselgebiet. Infolge des andauernden Regenwetters führt die Mosel Hochwasser. Seil gestern abend ist der Wasserstand am hiesigen Pegel um S Meter gestlegen. Man be- lürchlet eine Hochwasserkatastrophe. Ermordung einer Pr»stitu,erte». Gestern wurde im BoiS de Bonlogne bei Pari« eine Frau erdrosielt ausgefunden. ES handelt sich um die 20 jährige Prostituierte Julrette«ouavin. Der Mörder suchte sie zu verscharren, wurde aber von zwei Begleitern der Prostituierten, die sie suchten, gestört. ES gelang ihm zu ent- kommen. Die Nochforschungen der Poliz« find bisher ergebnislos g�«»Ä'r»ch eines SSreu auS dem Käfig. In dem Wiener Etablisse- menl Ronacher entkam gestern ein Bär au» einem Käfig im Keller, drang in die Küche ein und brachte einer Abwaichsrau und einem Sckiankburschen schwere Verletzungen bei. Schliesslich versetzte ein Dienstmann mit einer Keule dem Bären einen Schlag aus den Kopf, worauf das Tier betäubt in den Keller zurückliek, wo eS durch etwa 60 Schüsse von herbeigeeilten Polizisten getötet wurde. HBahabot Börse i. Geschart: Grosse Fran furter«Str. 110 zvlscben Andreasstrasse und>transbeiger Pitta 3. Geschäft; Charlottenburg, Mehring» Strasse 34 t.Ecke Magazinstr.), üau'en Sie letzt I Kaulen Sie letzt I ensatlonelli blliiSiennge&oteB ■olsnqe Vorrat# 1000 Pttiir hocheieionte Damenstlefel s in den chicksten Fassons, streng moderne Formen, imit. 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Dieser Versuch ist durch den einmütigen Protest des Petersburger Proletariats sofort zurück- geschlagen worden; den„kassierten" Betrieben! ist ihr Wahlrecht wieder zurückgegeben, und die Neuwahlen der Bevollmächtigten sind unter weit größerem Andränge wieder vorgenommen worden. Aber die einmal begonnene Protestbewegung ist über das anfangs gesteckte Ziel hinausgegangen und hat die Massen— auch die bisher gleichgültigen— nicht nur gegen das Wahlgesetz des Staats- streiches mobil gemacht; sie hat auch den aufgespeicherten Groll der Massen gegen die Verfolgungen der Arbeiterorganisationen, gegen die arbeiterfeindliche Gesetzgebung der Herrenduma usw. zum Ausbruch gebracht. In allen Resolutionen, in allen Kundgebungen, die sich an den Protest der Petersburger Arbeiter knüpften, klingt neben der Forderung eines freien Wahlrechts der laute Protest gegen die Unterbindung aller freien Regungen der Arbeiterklasse durch. Nach den gewaltigen Massenstreiks aus Anlaß der Lenamctzelei und der grandiosen Maifeier ist eS in diesem Jahre schon das dritte Mal, daß die Petersburger Arbeiter in einen spontanen Protest- streik eingetreten sind. Es war keine Kundgebung, die, von einer Zentrale beschlossen, an einem Tage durchgeführt wurde. Die Initiative ergriffen, wie schon oft in der revolutionären Arbeiter- bewegung Petersburgs, die Putilow-A?«rke mit ihren 14(XK) Arbeitern; ihnen schloffen sich mit jedem Tage immer neue Betriebe an, bis der Proteststreik, von einem Stadtteil auf den anderen überspringend, den größten Teil der Petersburger Arbeiterschaft ergriff. Die Streikwoche vom 18.— 24. Oktober wird der Petersburger Bevölkerung noch lange unvergeßlich bleiben. Während die»Leuch- ten." des Liberalismus, die Herren Miljokow, Schingarew, Rodi- tschew usw., von den Sozialdemokraten hart um ihre Macht bedroht, mit den unanständigsten Mitteln um die Gunst der Wähler buhlten und ihren Teil lieferten für die kriegsfrcundlichc, slavophile Agitation in der Petersburger Gesellschaft, demonstrierten in den Fabrik- vierteln die Arbeiter für politische Freiheit, für Frieden« uni» Recht. Obgleich von allen Seiten von Polizei und Militär he- droht, veranstalteten die Arbeiter in den Fabrikhöfen oder vor den Fabriktoren vieltausendköpfige Meetings, deren Teilnehmer nach Schluß der Versammlung mit revolutionären Liedern, oft mit roten Fahnen den Zugang zur inneren Stadt zu erzwingen suchten. Die imposantesten Meetings fanden statt: am 13. und am 19. auf den Putilow-Werken, am 21. auf der Newawerft(6509 Teilnehmer), auf der Fabrik von Leßner usw. Bon den Demon- strationen seien genannt: die Demonstration von 2900 Putilow- Arbeitern am 18.; der Zug von 3S90 Manifestanten längs dem Schlüsselburger Prospekt, an dem sich die Arbeiter der Newawerft und der Fabrik von Pähl beteiligten; ferner ckine ganze Reihe von Manifestationen am 22., die zu gleicher Zeit in verschiedenen Fabrikvierteln stattfanden und insgesamt zirka lövSO Teilnehmer zählten. Hervorgehoben sei, daß sich an den Streiks sowie an den Manifestationen in großer Anzahl auch Frauen beteiligten. So bildeten unter den Demonstranten, die am 23. von der Garnfabrik Newka mit einer roten Fahne und revolutionären Liedern die Helsingforser Straß« heraufzogen, die grauen die Mehrheit, und auch auf der Baumwollspinnerei von Huck, von wo 699 Streikende am 24. mit revolutionären Liedern auf die Straße zogen, bildeten die Arbeiterinnen die übergroße Mehrheit der Manifestanten. Man könnte die angeführten Beispiele noch um zahlreiche andere vermehren, aber schon aus den angegebenen geht deutlich hervor, welch frischer Kampfesmut in den Petersburger Arbeitern lebendig ist. Wenn es noch eines Anstoßes bedurft hat, um den breiten Schichten der Petersburger Arbeiterschaft die letzten. Reste des politischen AbsentiSmus und eines übclverstandenen Revo- lutionarismuS auszutreiben, so haben die infamen Gewaltstreiche der Regierung dieses Werk vollbracht. Und wenn die Soldschre'ber der Regierung nun über die roten Manifestationen der'Arbeiter zetern, so können diese ihnen erwidern:„Du hast es gewollt, George Dandin!"_ GewerkrcbaftHcbca. CcrronsmuG der Grubenberren. Auf der Zeche„Freie Vogel und Unverhofft" bei Hörde, die vor einigen Monaten in den Besitz der Unglückszeche „Lothringen" übergegangen ist, ereignete sich wieder ein unglaublicher Fall, der zeigt, daß in der Tat.gesetzliche Maß- nahmen gegen den unerträglichen Terrorismus der Gruben- Herren notwendig sind. Am letzten Sontage hatte eine Be- legschaftsversammlung der genannten Zeche stattgefunden. Ein Mitglied der Belegschaft hatte sich erlaubt, in der Bcr- fammlung das Wort zu nehmen. Daraus wurde det Berg- mann unter Auszahlung des Lohnes für sechs Schichten ent- lassen. Nebenbei bemerkt, ließ man ihn ganz unverblümt wissen, daß er wegen seines Auftretens in der Versammlung entlassen worden sei. Bis hierher hat die Sache nichts Un- gewöhnliches: ähnliches passiert sehr oft. auch auf anderen Zechen. Die Zeche„Freie Vogel.und Unverhofft" tat aber mehr. Sie schrieb dem Gemaßregelten auf seine Karte für den Arbeitsnachweis den Vermerk, daß er, der Gemaßregelte, kontraktbrüchig geworden sei. Natürlich völlig der Wahrheit zuwider, sonst hätte die Verwaltung der Zeche dem Bergmann den Lohn für sechs Schichten abgezogen und nicht, wie geschehen, ihm den Lohn für sechs Schichten freiwillig ausgezahlt. Diese Karte mit dem wahrheitswidrigen Ver- merk ,st ein Uriasbrief. der den Betroffenen vogelfrei macht, ibn von der Arbeit aussperrt. Tatsächlich wurde ihm auf dem Arbeitsnachweis nach Einsichtnahme der Karte mitgeteilt, daß er für drei Monate ausgesperrt sei.' Ueber diesen Fall, der drastisch zeigt, was sich die Bergleute bieten lassen müssen, dürfte noch mehr geredet werden. >- Berlin und Omgcgcnd. Achtung, Ftciftfjcvflcffßen! Wegen Tarifbruch sinb_ gesperrt: Hoffmann, Dolziger Straße 8, Kreutzmann. Samariter- straße 16. In Neukölln haben nackstehende Fleischermeisicr den Tarif anerkannt: H. Hudy, Stenimetzstr. 75, R. Nethling, Emfer Straße. Otto Z e i n. Fuldastraße(Jdealpassage). j P. M e i e r, Reuterstr. 84, Albin V o l l a n d, Heidelberger Str. 89. l In Berlin haben folgende Fleischermeister den Tarif unter'chrieben: F. Glankschnig, Königsberger Straße S/6, B. Schulz, Lithauer Straße 7, W. Winke, Zorndorfer Straße 19, G. Esch lag, Petersburger Straße S9, F. Klarholz, Pintfch- straße 6, G. Hermann, Gürtclstr. 26s, N u f f e r t. Gürtel- straße IS. Zentralverband der Fleischer. Ortsverwaltung Berlin. Zum Streik in der Bonbonfabrik von Seifert u. Haake, Lietz- mannstraße 29/21, ist zu berichten, daß die Hoffnung dieier Firma, der Streik werde zusammenbrechen, sich nicht erfüllt. Die Strei- kenden haben auch diesen Monat eine hohe Mietsbeihilfe erhalten und werden von der Organisation so unterstützt, daß dieselben ge- trösten Mutes weiter aushalten. Die Firma hat infolge der Zurückhaltung der Kundschaft enormen Schaden. Jetzt legt sich der Eabrtkantenverband ins Mittel und sendet an alle cinschlägigesi ieschäfte Flugblätter. Dies alles dürfte aber der Firma das verlorene Terrain nicht wiederbringen. Achtung, Friseurgehilfen! Beigelegt sind die Differenzen bei Oberländer, Neue Hochstr. 42. Wegen Tarifbruch für Ver- bandsmitglieder gesperrt: Greie, Kuglcrstr. 1, Mitzig, Prenz- lauer Allee 174, Grundmann, Sonnenburger Straße 4, A n d e r s ch, Naugarder Straße 3, Grund, Adalbertftr. 96, Strock«, Breslauer Straße Iis, Laube, Lichtenberg, Herzberg- straße 159. Verband der Friseurgehilfen. Deutlches Reich. Der Kampf um die sechstägige Arbeitswoche im Bäcker- und Konditorengewerbe. Vom Zentralverbande der Bäcker und Konditoren wird in den kommenden Tagen dem Reichstage eine Petition unterbreitet, in der. für alle Beschäftigten in den Bäckereien und Konditoreien die volle Sonntagsruhe oder ein wöchentlicher Ruhetag von 36 Stunden Dauer durch Erlaß von gesetzlichen Bestimmungen gesondert wird. Der Kampf um die gesetzliche Regelung«der sechstägigen Arbeits» wache datiert bis zum Jahre 1899 zurück, wo auf einem Bäcker- kongreß in Altenburg zum ersten Male die Forderung an die Ne- gierung gestellt wurde.. Das Ergebnis dieser Bewegung war, daß in allen Bundesstaaten mit Ausnähme von Bayern Bestimmungen erlassen wunden, nach welcher an Sonntagen die Arbeiter nur 19 Stunden beschäftigt werden dürfen. Dadurch konnte aber von einer Sonntagsruhe keine Rede sein. 1993 wurde auf einer Generalver- fammlung der Organisation die Forderung dahingehend abgeändert, «daß die Sonntagsruhe oder die 36stündige Ruhezeit an Wochen- tagen von der Regierung reichSgesetzüch eingeführt werden soll. 199S wurde eine diesbezügliche Petition an den Bundesrat ein- gereicht. Der Bundesrat aber trug nicht den Arbeiterwünschen, sondern, denen der Unternehmer Rechnung, indem er die Gegen- Petition'der Bäckermeister wie folgt, beantwortete: Da der Bundes- rat in seiner Sitzung vom 19. Juni d. I.(1998) beschlossen, den Eingaben emer Reihe von Bäckergehilfenversammlungen um die gesetzliche- Festlegung eines Wftündigen'Rehutages bezw, Einfüh- rung«der Sonntagsruhe im Bäckcrgewerbe keine Folge zu geben, sehe ich die dortige Eingabe als erledigt an. 199jS wurde dann die Petition dem Reichstage unterbreitet, die jedoch infolge des Sefsionsschlusses nicht mehr zur Beratung ge- stellt wurde und demzufolge 1919 nochmals dem Reichstage zuging. In«der Plenarsitzung am 39. Januar 1911 wurde beschlossen, das Ansuchen dem Reichskanzler als Material' zu überweisen'. Die Organjsatiyn tritt jetzt, erneut an den' Reichst«sg mit dieser Forhe- rung heran. Es ist ein schlechtes Zeichen für das Land der Sozial- reform, daß infolge der Bestimmungen des Z 105e der Reichsgewerbeordnung weit mehr als hunderttausend Menschen in der Woche an sieben Tagen ausgebeutet«werden dürfen, dazu noch in einem Gewerbe,«das bei der Erzeugung des hauptfächlichsten Nah- rungSmkttelS weitgehendsten Schutz für«die Beschäftigten im Jnter- esse der Konsumenten haben müßte. Es ist ohne weiteres erklär- lich, daß durch«die mörderisch lange Arbeitszeit die Beschäftigten frühzeitig an Geist und Körper zugrunde gerichtet werden. Nach der letzen Gewerbe- und Berusszählung 1997 hatten von sämtlichen Erwerbstätigen 88,63 Proz., also mehr als die Hälfte, ein Alter bis zu 39 Jahren; nur 9.37 Proz. erreichten ein Alter von mehr als S0 Jahren. Die Schädlichkeit der langen Arbeitszeit kann nicht besser illustriert werden, als«durch diese amtlichen Zahlen. Die Arbeiterorganisation hat cS sich daher vornehmlich zur Auf- gäbe gemacht, auf dem Wege der Selbsthilfe die Arbeitszeit zu ver- kürzen. Sie erreichte durch Tarifabschlüsse mit«den Unternehmern, daß in 6499 Betrieben mit 14 972 Personen eine kürzere Arbeitszeit als die zulässige von täglich 12 Stunden nach der Bundesraisver- ordnung vereinbart wurde. In 2993 Betrieben mit 9947 Deschäf- tigten ist tariflich die 6tägige Arbeitswoche festgesetzt. Hinzu kommen dann noch die Regierungsbezirke des öiheinlandes und Westfalens, wo durch Verordnungen did Arbeit an Sonntagen ver- boten ist. Tie praktische Durchführung der 6tägigen Arbeitswoche ist heute schon gelöst, indem fast 29 999 in Bäckereien und Kondi- toreien Beschäftigte in dem Genuß«der 6tägigen Arbeitswoche sind. — Die Unternehmer und die mit ihnen verbündeten Gelben setzen alle? daran, di-e gesetzliche Regelung zu vereiteln. Di« Unternehmer versuchen mit allen möglichen fadenscheinigen Gründen nachzu- weisen,«daß«das Gewerbe be.i der 6tägig«n Arbeitswoche z«weiselloS dem Ruin entgegengetrieben wird;«die Gelben reden den Gesellen vor, hei der Einführung her 6tSgigen Arbeitswoche werde ihnen die Möglichkeit' zum Meisterwerden genommen. Dem Reichstage wird es somit nicht schwer fallen, seine Entscheidung im Sinne«der Petenten zu treffen, denn die Forderung liegt nicht allein im Jnter- esse der Berufsangehörigen, sondern auch« der Konsumenten. Vom 3. bis 17. November finden im Reiche öffentliche Ge- hilfenvcrfammlungen statt, in«welchen zu der Petition Stellung genommen wird._ Wahlen zur Angestelltenversicherung. In Stuttgart war die Wahlbeteiligung eine sehr schlechte. von 29 999 Wahlberechtigten stimmten nur 5738; von den weiblichen Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab. Die Freie Vereinigung erhielt einen Vertrauensmann und drei Ersatzleute, die Gegner drei Vertrauensmänner und vier Ersatzleute. Auch in Lübeck war die Beteiligung gering; von S999 Wahlberechtigten stimmten 1338. Die Freie Vereinigung erhielt 238 Stimmen, einen Ersatzmann, der Hauptausschuß drei Ver- trauens- und fünf Ersatzmänner.' Im Kreise Wittmund erhielt die Freie Vereinigung einen Vertrauensmann und drei Ersatzmänner, der Hauptausschuß zwei Vertrauens- und drei Ersatzmänner. In Elberfeld waren die sieben Listen der gegnerischen Ver- bände zu einer- vereinigt. Sie erhielten 1331 Stimmen, somit 3 Vertreter' und 8 Ersatzmänner, während die Freie Vereinigung 480 Stimmen, 1 Vertreter und 2 Ersatzmänner erhielt, J>n Wahlbezirk L e Ä b ä u s e n« F r i e d b e r g- M e ri N g er- hielt die Liste der Freien Vereinigung 66 Summen, die de? Haupt- ausschitsses 39 Stimmen. Die Freie Vereinigung bekam zwei Beisitzer und vier Ersatzmänner, die Deutschnationalen und ihre Verbündeten einen Beisitzer und zwei Ersatzmänner. I» Zeitz entfiel auf die Liste der Freien Vereinigung ein Er- satzmann._ Ansschluh freigewerkschaftlicher Arbeiterführer vou christlichen Generalversammlungen. Bekanntlich wurde auf dem Kongreß der christlichen Geiverk- schasten in Dresden der sächsische Landtagsabgeordnete und Berg- arbeiterführer Genosse K r a u s s e zu den Verhandlungen des Kon- gresscs als Gast nicht zugelassen. Dasselbe geschah mit dem Vertreter des Bergarbeiterverbandes und des Sozialdemokratischen Bureaus für Rheinland-Westfalen seitens der letzten Generalversammlung des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter in Köln. Neuerdings hat der Christliche Verband der Gemeinde-, Staats- Land- und Fabrikarbeiter sich in Hannover das gleiche Kunststückchen geleistet. Dieser Verband hielt vom 29. bis 23. Ok- tober seinen Verbandstag in Hannover ab. Zu den Verhandlungen erschien auch ein Vertreter des Deutschen Fabrikarbeiterverbandcs und ersuchte um Erlaubnis, der Tagung beiwohnen zu dürfen. Diese Erlaubnis wurde verweigert, aber nicht für den ganzen Berbandstag, sondern nur für die Zeit, in dem der Geschäfts- her ich t durch. den Vorstand gegeben werden sollte! Daß der Ver- band sich für diesen Punkt keinen gegnerischen Beobachter auf den Hals laden wollte, kann man nach all den Erfahrungen, die man mit dieser christlichen Organisation gemacht hat, wohl verstehen. Man kann nicht anders als glauben, daß der christliche Verband manches zu verdecken und zu verdunkeln bat. Wenn nicht, warum dann der Ausschluß des Vertreters der Gegenorganisation? Aber daß der Verband nicht nur beim Vorstandsbericht sich der öffentlichen Beobachtung und einer nachträglichen Kritik zu entziehen suchte, darüber gibt uns der„Proletarier", das Organ des Deutschen Fabrikarbeiterverbandes, nähere Auskunft. Das Blatt gibt zu- nächst Kenntnis von dem Ausschluß von der Vorstandsdebatte und schreibt u. a. weiter: „In echt menschlichem Verständnis für die wirklich klägliche Position des christlichen Verbandes nahm unser Kollege von der christlichen Abweisung einfach Kenntnis und gestattete sich nur noch die bescheidene Frage, wann denn die geschlossene Verhandlung aushören und die offene beginnen würde. Darauf neue Verlegenheit.„Dann werden wir Sie tele- phonisch benachrichtigen," hieß es schließlich.�„Schon, dann vergessen Sie unsere Telcphoimummer nicht; es ist 2992." Weil wir der Zuverlässigkeit der Tclcphonleitung ebenso sehr Mißtrauen wie dem Gedächtnis der Christen— ihrem guten Wällen selbstverständlich nicht—, erkundigten wir uns am späten Nachmittag desselben Tages noch einmal, ob und wann denn nun eigentlich Hörer zugelassen würden. Die tapferen Christen wußten e s n i ch t. Nachdem wir noch einen ganzen Tag auf. die telphonische Nachricht gewartet hatten, ließen« wir noch einmal schüchtern und höflich, wie das so unsere Art ist, an das Versprechen erinnern, und zwar mit dem ausdrücklichen Hinweis, . daß für uns hcsondcrs der Punkt der Tagesordnung, der sich mit der Arbeitsgefahr in der chemischen Industrie beschäftigt, von Interesse sei. Die Antwort hätte uns beinahe überrascht. Sie lautete:„D e r P u n k t i st s ch o n e r l c d i g t!" Di� neuere Frage unseres Vertreters.« ob denn nun der Rest der der Verhandlung öffentlich sei, wurde entschieden ver- neintll!" Dieses feige Gebaren, das die Oeffcntlichkeit ebenso« gebührend einschätzen wird, wie den Ausschluß der Oeffentlichkeit selbst, zeigt uns die. ganze Erbärmlichkeit der christlichen Gewerkschaftsbewegung. Allerdings, einige christliche Verbände haben bisher noch Scham- gefühl genug gehabt, auch. Gegner zuzulassen«. Das wollen wir an- erkennen... Wer sich aber vor der Oeffentlichkeit drückt, der erkennt an. daß er auch alle Ursache-Hat,. sich der. Oeffentlichkeit zu entziehöu dessen« Karten sind nicht rein. Wiederum ein betrügerischer Streikbrecheragent. Bei der Firma Metallindustrie Schönebeck a. E. streiken die Arbeiter seit einigen Wochen, weil die Firma an« den ohnehin schon niedrigen Akkordverdiensten noch weitere Abzüge vorgenommen hat. Als Ersatz für die Streikenden wurden auch hier Hintzemänner angeworben. Dieser Tage fand nun vor dem Amtsgericht Schöne- beck a. E. eine Verhandlung statt, veranlaßt durch die Klage eines Arbeitswilligen gegen die Firma wegen plötzlicher Entlassung. Der Kläger war als Vorarbeiter eingestellt worden und wurde plötzlich entlassen, als die Firma erfuhr, daß der Agent, der die Arbeits- willigen vermittelt hatte, sie betrogen hatte.' Hierüber teilte die Firma dem Gericht folgendes mit: Bon den durch den Agenten vermittelten 38 Arbeitswilligen reisten 27 wieder«ab; der Agent Möller reiste ebenfalls wieder ab, um dem Auftrage der Beklagten gemäß etwa weitere 79 Ar- beiter' zu engagieren. Er erhielt zu diesem Zwecke auf seinen Antrag 799 M. gezahlt, um diese als Reisekosten für die zu cn- g'agierenden Arbeiter zu verwenden. Er ist jedoch mit diesem Geld« flüchtig geworden, hat irgendwelche Arbeitslräfte für die Firma nicht engagiert und ist auf Veranlassung der Beklagten vor einigen Tagen in Königsberg in Ostpreußen wegen Betruges verhaftet und in Untersuchungshaft genommen worden. In wie vielen Fällen mag der ehrenwerte Herr Streikbrecher- agent wohl ähnlich so gehandelt haben? Denn in der Regel werden wohl die solchermaßen Beschädigien ganz verschwiegen sein, um zu dem Schaden nicht auch nach den Spott zu haben. Eine Lehre hat übrigens die Firma Metallindustrie in Schönebeck a. E. aus ihren üblen Erfahrungen nicht gezogen, denn sie verhandelt schon wieder mit anderen Streikbrechervermittlern, die ihr gelbe Arbeits- willige vermitteln sollen._ Die Textilarbeiter führen gegenwärtig.lebhafte Kämpfe»m Erhöhung ihrer Löhne. Die enorme Teuerung zwingt auch die Textilarbeiter zu Forderungen an die Unternehmer. Leider ist die Geschäftslage in der Textilindustrie seit langem eine außer- ordentlich schlechte. Die Textilindustrie nimmt an' der für alle Zweige der Volkswirtschaft vorhandenen Hochkonjunktur nicht teil. Der Kampf der Arbeiter um bessere Arbeitsbedingungen wird da- durch sehr erschwert. Die geiamte Wollcnindustrie— Herren- und Damenstoffbronche— liegt danieder. Schleppend ist der Geschäfts- gang in der Boumwollweberei. In zahlreichen Orten wurde mit verkürzter Arbeitszeit oder mit Aussetzen gearbeitet. In Schlesien stehen große Firmen vor dem Zusammenbruch. Der Balkankrieq verschärft die Situation. Zahlreiche Aufträge aus dem Orient sind annulliert. Bemerkenswert ist auch die durch die Krise hervor- gerufene starke Abwanderung zahlreicher Arbeiter in andere In- dustrien. Im Langenbielauer Bezirk vollzieht sich die Abwanderung ichon seit dem Jahre 1998. In letzter Zeit haben wiederum mehrere hundert Textilarbeiter den schlesischen Staub von den Pantoffeln Wirkergebiet, das momentan- besieren Geschäftsgang hat. In anderen Orten, wie Wittenberge, gehen die Arbeiter in- die Eisen- Industrie. Aussicht auf Besserung ist nicht zunächst vorhanden. Immerhin wirken die Kämpfe den sonst unausbleiblichen Löhnreduktionen ent- gegen, Dort, wo die Geschäftslage günstig ist,' werden d weite Lohnerhöhungen �durchgesetzt. So in der Str.umpfbrauche, wo, von der Mode begünstigt, sehr gut in den dünnen Mnsselinstrümpsen. zu tun ist. Es ist gelungen, in fast allen Orten des Erzgebirges Lohnerhöhungen« von etwa 19 Proz. durchzusetzen. Der itombf wird ferner noch von den Baumwollwebsrn und deren Hilfsarbeitern in Göppingen, Schwarzenbach i. Sa., Ostritz, den Kammgarnspinnern in Mülhcrnsen im Elsatz und den Teppich- Webern einer Fabrik in Oelsnitz i. V. geführt. In Bewegung stehen Zittau und Cunewalde. Erfolgreich beendet wurde die Be- wegung in Neudamm; die Arbeiter erhielten 5 Proz. Lohnerhöhung. Zweifellos wird der durch die Teuerung verschärfte Kampf ums Dasein in der Textilindustrie zu weiteren wirtschaftlichen Kämpfen führen. Tiusfoncl. Wendung im Mailänder Buchdruckerstreik. Rom, 31. Oktober.(Eig. Ber.) Der Streik der Mailänder Buchdrucker und Setzer hat insofern eine Wendung erfahren, als das Personal der Zeitungsdruckereien nach eintägigen! Streik aufgehört hat, mit den übrigen Berufs- kollegen gemeinsame Sache zu machen. Es ist auf den Vorschlag der Unternehmer eingegangen, einen besonderen Vertrag für das Personal der Tagesblätter abzuschliehen und verpflichtet sich in diesem Vertrag, dessen Wortlaut noch nicht bekannt ist, keinen Solidaritätsstreik zu proklamieren. Dieses Zukreuzekriechen des am besten organisierten und wirtschaftlich am günstigsten gestellten Teils der in Frage kommenden Arbeiterschaft erklärt sich daraus, daß die Unternehmer es fertig gebracht haben, dank langer Vor- bereitung die Zeitungen auch nach dem Streik erscheinen zu lassen. Diese Tatsache hat das Personal der Tagesblätter entmutigt, so daß sie sich entschlossen haben, ohne Rücksicht auf die übrigen Streiken- den Frieden zu schließen. Dadurch ist die Lage dieser letzteren wesentlich verschlechtert. Uebrigens dauern die allgemeinen Tarif- Verhandlungen zwischen den Kommissionen der Arbeiter und der Unternehmer fort, so daß eine baldige Beileauna des Ausstandes zu erwarten steht._ Hus Induftrie und Handel. Häliöhaltungsrechnungen aus einer deutsche» Großstadk. Das Statistische Amt Breslau bietet in seiner neuesten Veröffentlichung einen interessanten Sonderbericht über die im Auftrage des Statistischen Amtes auch für Breslau angestellten Er Hebungen von Wirtschaftsrechnungen minderbemittelter Familien. Das Breslauer Amt hat die Erhebungen spezialisiert und durch L2 nachträgliche Haushaltungsrechnungen für 1307 und 25 für 1908 noch ergänzt. Die Resultate bestätigen im allgemeinen die Er- gebnisse der Reichsstatisttk. Leider fehlen in der Breslauer Statistik Haushaltungsrechnungen von Arbeitern mit dem landesüblichen niedrigen Einkommen. Vielleicht die Mehrheit der schlesischen Lohn- arbetter hat weniger als 4 M. täglichen Verdienst, in der Stadt Breslau weniger als 5 M. täglich. Es befinden sich jedoch unter den 89 genau Berichtenden nur 2 mit durchschnittlich nur 782 und 20 mit durchschnittlich 1471 M. Jahreseinkommen. Dagegen be- finden sich in der Liste 10 Haushaltungsvorstände mit 2635 und 13 mit 3318 M. Jahreseinkommen. Infolgedessen beläuft sich das berechnete Durchschnittseinkommen aller zur Statistik berichtenden Haushaltungsvorstände auf 2138 M., eine Summe, die der un- geheueren Mehrheit der Breslauer Einwohnerschaft längst nicht für die Bestreitung ihres Lebensunterhaltes zu Gebote steht. Im Vergleich zu der Reichserhebung fällt der für Breslau stärkere Prozentsatz der mitverdienenden Frauen und Kinder auf. Zu dem Einkommen des ärmlichsten Haushaltes(unter 1200 Mark) trägt die Ehefrau nicht weniger wie 23 Prag, bei! Auf- fallenderweise ist dann in der Einkommenstufe von 2500— 3000 M. die mitverdienende Frau am zweitstärksten vertreten; hier tragen auch die Kinder verhältnismäßig am meisten zu den Haushaltungs- kosten bei. Augenscheinlich handelt es sich hier"nv Familien- angehörige, die als„bessere" Heimarbeiter tätig sind. Was frühere Erhebungen offenbart haben, nämlich: daß mit steigender Einnahme die Ausgaben für Nahrung und W o h- n u n g meistens prozentual abnehmen, das bestätigt auch die Bres- lauer Statistik. Von je 100 M. wurden verausgabt für Einkoinmenstuken Nahrung und Wohnung und Heizung und Elnkoinmenstufen Genußmittel Instandhaltung Beleuchtung unter 1290 M... 50.1 21,9 7.1 1200—1000„. 54,4 17,3 4,9 1600—2000„. 50,4 16,6 4.7 2000—2500„. 47,5 17,6 3,8 2500-3000„. 44,3 18,0 4,1 8000—4000„. 29,4 20,4 3,8 Tie ärmsten Familien geben den verhältnismäßig größten Teil für Nahrung, Wohnung, Heizung und Beleuchtung aus; es bleibt ihnen darum für die Befriedigung ihrer höheren Kulturbedüzfnisse und für Aufsparung eines Notgroschens so gut wie nichts übrig. Scheiden wir die unterste Einkommenstufe aus. betrachten wir die Einkommen von 1200— 1500 und die von 3000—4000 M., so ergibt sich, daß von den ersteren für Nahrung und Genußmittel, Wohnung und Instandhaltung derselben, Heizung und Beleuchtung 76,6 Proz., von den letzteren nur 66,6 Proz. verausgabt wurden. Die drei Haushaltungsgruppen mit den niedrigsten Einkommen müssen davon über 50 Proz. allein für Nahrung ausgebenl So versteht man, warum die Verteuerung der-Lebensmittel gerade die Familien mit dem geringsten Einkommen am stärksten treffen muß. Natürlich leiden die kinderreichsten Familien unter der Nah rungsverteuerung am meisten. Nach der Breslauer Statistik kamen auf den Kopf einer Familie mit 1200 M. Einkommen 154 M. Jahresausgabe für Nettonahrung(ohne Genutzmittel); die niedrigste Ausgabe pro Kopf mit 115 M. hatte eine siebenköpfige Familie mit einem Einkommen von 1200—1600 M., während eine gleich starke Familie mit 3000—4000 M. Einkommen und eine sieben- köpfige Familie mit 2500—3000 M. Einkommen 183 M. pro Kopf für Nahrung ausgeben konnte. Hier kommen interne Verhältnisse in Betracht, die von der Statistik nicht genügend erfaßt werden können. Die Regel aber ist: sinkende Ausgabe pro Kopf für Nah rungsmittel mit zunehmender Familienstärke. Darum konnten Familien von zwei Personen durchschnittlich 299— 368 M. für Nah rung ausgeben, hingegen die 7—«köpfigen Familien nur 115—116 Mark. Was speziell die Fleischteuerung anlangt, so sagt darüber der Bearbeiter der Breslauer Statistik:„Es scheint, daß das bei den Nahrungsausgaben hervortretende Gesetz der Ein- schränkung. wonach bei steigender Kopfzahl und gleichbleiben dem Einkommen die Nahrungsausgaben pro Kopf sich nicht cnt- sprechend erhöhen, besonders beim Fleischverbrauch sich kenntlich macht." So ist es denn auch nicht verwunderlich, daß bei Der- gleichen der Ausgaben pro 1907 und 1908 sich die stärkste Belastung der ärmeren Familien infolge der Preissteigerungen für Nahrungs- mittel herausstellte. Eine Familie mit 2000— 2500 M. Einkommen zahlte 1908 gegen 1907 für Ernährung mehr 7,9 Proz. des Ein kommens. wogegen eine Familie mit unter 1200 M. Einkommen 14,5 Proz. davon mehr für Nahrung verausgabte. Die Wagengestelluna in Oberschlesien. In Oberschlesien wurden laut offizieller Meldung im Oktober dieses Jahres zum Kohlenversand 290 453 Wagen gegen 232 244 in der gleichen Zeit des Vorjahres gestellt Nicht gestellt wurden 42 588 Wagen gegen 56 088. Wahrend alle anderen Kohlenbezirke über erhebliche Schädigungen durch den selten in solchem Maße hervorgetretenen Wagenmangel klagen, liefert die Königliche Eisen- bahnvcrwaltung nach Oberschlesien so viel rollendes Material, daß man in Interessentenkreisen dieser sonderbaren Erscheinung mit Kopfschütteln gegenübersteht- 2as Wagenmanko in Oberschlesi'en ist im Oktober gegenüber dem Lorjahre um 13 500 zurückgegangen. wodurch dieser Bezirk vor den anderen Kohlenbezirken außerordent- lich bevorzugt erscheint. Eine hervorragende Persönlichkeit der Kohlenindustrie äußert sich zu diesen Verhältnissen folgendermaßen: „Das Verhalten der Königlichen Staatseisenbahn gegenüber den oberschlesischen Werken ist mir unerklärlich. Man kommt geradezu auf die Vermutung, daß gewisse Persönlichkeiten ihre Beziehungen zu Regierungskreisen ausnützen. Während wir alle die größten Lieferungsunannehmlichkeiten mit unseren Abnehmern haben, während die Gesuche, die wir an die Staatseisenbahnverwaltung richten, von dieser kaum beantwortet werden, von einer Abhilfe gar nicht zu sprechen, ist es vorgekommen, daß man leere Wagen durch ganz Deutschland laufen ließ, um sie nach Oberschlesien zurückzutransportieren. Ein derartiger Zustand darf nicht an- dauern, und man muß an die Eisenbahnvertoaltung die Aufforde- rung richten, alle Bezirke gleichmäßig zu bedienen. Sollte der Wagenmangel in dem bisherigen Maße anhalten, so würde z. B. für Berlin eine Braunkohlennot die Folge sein, da die Braun- kohlenläger der Berliner Händler bereits jetzt völlig geräumt sind und bei der jetzt für den Braunkohlenhandel günstigen Witterung an ein Ansammeln bzw. Beibehalten der Bestände für den Winter nicht gedacht werden kann."— Die Wagenbevorzugung Oberschlesiens ist tatsächlich auffällig und es wird am Montag bei der Behandlung der Interpellation über den Wagenmangel der Re- gierung im Landtag Gelegenheit gegeben werden, sich zu dieser Tatsache zu äußern._ Soziales. Augen- Merkblatt. Das Bayer. Arbeiter-Museum in München veröffentlicht als lfd. Mitteilung Nr. 12. Nr. 3 des Jahres 1912 folgendes Merk- blatt: Arbeiter, schützt Eure Augen! Merkblatt, verfaßt von K. o. Univ.-Prof. Dr. O. Eversbusch und Landesgewerbearzt Dr. Fr. Koelsch. Wie für jeden Menschen, so ist auch für jeden industriellen und gewerblichen Arbeiter ein gesundes und tüchtiges Auge außer- ordentlich wichtig, zudem dies bei den gewerblichen Berufen be- sonders vielen Schäden und Gefahren ausgesetzt sein kann. Neben der nachteiligen Einwirkung zu heißer und staubiger Arbeitsräume auf das Auge und neben einer Ueberanstrengung der Augen durch feinere Naharbeit bei schlechter Beleuchtung kommen von unmittelbaren Schädlichkeiten vor allem in Betracht: 1. VeÄremmngen des Auges durch offene Feuerflammen, Pulver, heiße geschmolzene oder glühende Metalle, flüssige Schlacke, geschmolzenes flüssiges Glas, heiße oder glühende Kohlen. Holzstücke, Asche oder siedende Flüssigkeiten und Dampf. 2. Verätzungen des Auges durch Kalk, Pottasche. Soda, Seifenstein, Schwefel-, Salz-, Salpeter-, Fluß- oder Karbolsäure, durch Anilinfarbstoffe, Nitronaphthalin, Dimethhlsulfat und andere künstlich dargestellte organisch-chemische Körper. 3. Verletzungen des Auges durch stumpfe Gewalt, Explo- sion, Schutz und dergl., sowie durch Fremdkörper aller Art. Durch entsprechende Vorsicht bei der Arbeit, durch Gebrauch von Schutzmitteln und rechtzeitige ärztliche Behandlung können diese vielfachen Gefahren, wenn auch nicht immer ganz beseitigt, so doch bedeutend vermindert werden. Darum beherzigt die nachstehenden Merkworte und leset sie auch öfters durch damit Ihr völlig inne werdet, wie Ihr den für das Erwerbsleben kostbarsten Sinn gut und leistungsfähig er- halten könnt. Im einzelnen beachtet vornehmlich folgendes: 1. Macht Euch klar, bevor Ihr einen Beruf ergreift, ob Eure Augen dazu taugen. Denn nicht wenige Gewerbe und Betriebe verlangen besonders gute Augen. Befragt also darüber immer vorher einen Arzt: also den Arzt Eurer Familie, den Schularzt, je nachdem auch einen Augenarzt oder den Landesgewerbearzt I 2. Bemerkt Ihr Störungen oder eine Abnahme Eurer Seh- kraft, so laßt Euch gleich gründlich von Eurem Arzt, bezw. wenn dieser es nötig findet, von einem Augenarzt untersuchen! Kauft kein Augenglas ohne deren Rat? 3. Augenarbeit ohne genügendes Licht— also in der Dämme- rung. bei Zwielicht oder bei mangelnder künstlicher Beleuchtung — ist sehr nachteilig. Besonders gilt das für die Feinarbeiter, Schreiber und Zeichner, Lithographen, Setzer. Graveure, Fein- Mechaniker, Näherinnen, Stickerinnen und dergleichen Berufe mehr. Wollt Ihr, daß die Augen nicht kurzsichtig und schwach- sichtig werden und die etwa bei Euch schon vorhandene Kurzsich ti�keit nicht noch zunimmt, so müßt Ihr das Auge möglichst weit entfernt von dem zu bearbeitenden Gegenstand halten! Der Ab- stand Mischen ihm und den beiden Augen soll mindestens 33 Zentimeter betragen! Laßt nach getaner Arbeit, auch in den Arbeitspausen, die Augen ausruhen, besonders durch Blick in die Fern«, ins Grüne! An Sonn- und Feiertagen aber übt die Augen bei Bewegungsspielen und Fußwanderungen! 4. Blutandrang zum Kopf kann auch das Auge in Mitleiden- fchaft ziehen. Drum tragt weite Halstragen, lockere Kleidung; vermeidet gewürzte Speisen, starken Kaffee und Tee. Auch Tabak und geistige Getränke sind Gifte, die besonders bei übermäßigem Genuß die Sehnerven empfindlich und dauernd schädigen können. Sorgt auch für regelmäßigen Stuhl und warme Füße! 5. Strahlend« Hitze, wie sie besonders bei Arbeiten am offenen Feuer, an Schmelzöfen und dergl. das Auge trifft, wird wirksam durch große Schutzbrillen, Hitzeschleier, Schutzwände und dergleichen vom Auge abgehalten. 6. Sehr gefährlich wirkt auch eine zu starke Belichtung des Auges durch Sonnenlicht oder grelles Tageslicht. Von den künst- lichen Lichtquellen ist beim Hineinschauen vor allem das elektrische Bogenlicht gefährlich Auch glühende Massen, autogenes Schweißen, hell beleuchtete weiße Flecken(Schnee, Papier, Wäsche usw.)' können außer Kopf- und Augenschmerzen eine„Blendung" ver- Ursachen, die in einzelnen Fällen eine dauernde schwere Schädi- gung und sogar völlige Erblindung des Auges herbeiführen. Schützt daher die Augen vor alledem durch eine genügend große raudhgraue muschelförmige Schutzbrille oder durch Schirme und dunkle Gläser. Vermeidet es, mit ungeschütztem Auge in helles Licht zu schauen oder feine Arbeiten im Sonnenlicht zu machen. Auch die Betrachtung einer Sonnenfinsternis ohne passende Schutz- Vorrichtung kann die Sehkraft dauernd beeinträchtigen. 7. Ihr wißt, wie viele Augen schon im Kindesalter durch „Messer, Gabel, Schere und Licht" zugrunde gehen. Um wieviel mehr müßt Ihr Erwachsene Euch vor Augenverletzungen behüten. Das tut Ihr schon sehr ivirkfam, indem Ihr Euch bei den gewerb- lichen und industriellen Betrieben, bei denen Augenverletzungen besonders häufig sind, vor Staub und Rauch, die das Auge reizen, durch Reinlichkeit und durch Schutzbrillen schützt. Auch müßt Ihr deshalb Entzündungen der Bindehaut, des Lidrandes und vor allem des Tränensackes gleich sachgemäß'durch den Arzt behandeln lassen. Denn so manche anfangs anscheinend unbedeutende Verletzung des Auges geht übel aus, wenn diese Teile des Auges nicht mehr unversehrt sind. 8. Von den gewerblichen Giften vermögen das Auge zu schädigen unmittelbar Gase und Dämpfe. Ammoniak, Chlor, For- malin und ähnliches. Auch kann das Auge mittelbar durch die Folgen einer allgemeinen Vergiftung in Mitleidenschaft gezogen werden. Das ist z. B. bei Blei-, Arsen-, Schwefelkohlenstoff-, Nitrobcnzol-, Anilin- und dergl. Vergiftungen der Fall. Schützt Euch daher vor den reizenden Gasen ourch die bor- geschriebenen Schutzmasken und Schutzhelme; und vor den mittel- baren Folgeerscheinungen der Vergiftungen mit den letztgenannten Metallen und Stoffen durch die genaue Beachtung der Euch jeweils bekanntgegebenen Verhütungs- und Schutzmaßregcln. Auch eine peinliche Reinlichkeit� ist sehr wichtig. Also eßt nichts innerhalb der Blei-, Arsen- usw. haltigen Fabrikräume! Auch müßt Ihr Euch vor jeder Mahlzeit Hände und Mundhöhle auf das gründlichste waschen! 9. Für Sie erste Hilf« Sei A�AenverletzSttg« gW jtA&tSSi Selbst eine unscheinbare Verletzung eines Auges kann nicht jmi} die Sehkraft eines AugeS, sondern auch die beider Bugen gefayr> den. richtige und rasche Hilfe aber auch in schweren Fällen den» verletzten Auge die Sehkraft erhalten. Deshalb tut Ihr allemal gut, wenn Ihr bei Fremdkörpern im Auge sogleich den Arzt auf- sucht. Versucht nicht den Fremdkörper selbst herauszuholen! Auch wenn das Auge sonstwie verwundet ist, gilt das Wort:„Wog mit den Fingern, mit schmutzigen Taschentüchern, Schürzen und der» gleichen!" Laßt vielmehr das verwundete Auge unberührt und laßt Euch sogleich zum Arzt führen! Kleinere Verletzungen brauchen keinen Verband, da das Auge einen natürlichen Schutz in den Augenlidern besitzt. Ein richtiger, keimfreier Notverband ist nur nötig bei größeren Verletzungen des Auges. Bei Verätzungen mit Seifenlauge, Säuren, Kalk, Kalkmilch oder Mörtel ist es sehr nützlich, bei auseinander gehaltenen Lioern sofort längere Zeit reichlich frisches Wasser über das Auge laufen zu lassen. Der Verletzte liegt dabei auf dem Rücken! Dann ihn so schnell als möglich zum Arzt führen! Denn die Entfernung der Kalk- und Mörtelteilchen, die ins Äuge gerieten, und die Anwen- düng von Mitteln, die eine Aufhellung der dadurch bewirkten Hornhauttrübung bezwecken, kann nicht frühzeitig genug erfolgen. 10. Endlich denkt immer daran, daß auch bei den sogenannten innerlichen Krankheiten Blutarmut, Tuberkulose usw. ebenso bei und nach Haut- und Geschlechtskrankheiten das Auge früher oder später in der einen oder anderen nicht unbedenklichen Weise mit erkranken kann. Auch hierbei ist die schnellste ärztliche Hilfe immer das allerbeste. Denn nicht umsonst heißt eS im Buch der Bücher: „Das Auge ist des Leibes Licht." Eine Wohlfahrtseinrichtung. Heber die Motive industrieller WehlfahrtSeinrichtungen be, steht heute nirgends mehr ein Zweifel. Geben doch die„Wohl- täter" selber zu, daß die Wohlfahrtseinrichtungen'den Zweck hätten, die Arbeiter von der Benutzung des Koalitions- und Streikrechts abzuhalten. Wie auch solche Einrichtungen beschaffen sein mögen, immer sind sie von lohnpolitischen Erwägungen diktiert. Das gilt auch von der Schweinemästerei der Harpener Bergbaugesellschaft. Sie soll den Arbeitern billiges Fleisch garantieren, einmal, um sie arbeits- und leistungsfähig zu erhalten, dann aber auch, um dem durch fortgesetzte Verteuerung der Lebensmittel verstärkten Druck der Arbeiter nach Lohnerhöhungen entgegen zu wirken. Uns interessiert jetzt weniger die Wohlfahrtseinrichtnng, als wie Das wirtschaftliche Unternehmen. Es kann konstatiert werden, daß die Bergbaugesellschaft mit ihrer Schweinemästerei den Beweis er- bringt, daß die Viehzucht ohne Schutzzölle rentabel ist, die be- stehende Teuerung der sachlichen Grundlage entbehrt. Das Gut Geeste war bei der Uebernahme durch die Harpener Bergwerksgesellschaft zumeist Oedland. Im Berichtsjahre jedoch erbrachte es als Folge sachverständiger Behandlung eine sehr gute Kartoffel- und Roggenernte, während die Wiesen- und Weiden- ertrüge trotz großer Dürre befriedigend waren. Am 30. Juni 1912 betrug der Zuchtschweinbeftand 615 Eber und Sauen, 1055 Ferkel und 1000 Läufer. Auf Mast lagen 3587 Tiere, so daß im ganzen 6317 Schweine vorhanden waren. Die Zucht entwickelte sich gut und wird bald den Jungschweinebedarf der Mastanstalt decken können.— Neu erbaut wurden drei Zuchfftationen. eine Feld- scheune, ein Beamtenwohnhaus für drei Familien, ein großer Bureauanbau sowie eine Wurstfabrik. Ueber die Organisation des Fleischversandcs und die Ren- tabilität der Anlagen gibt der Bericht folgende interessanten Aus- künfte: „Anfang April 1911 wurden die regelmäßigen Lieferungen an einzelne Zechengruppen aufgenommen, jetzt kommen wöchcnt- lich 200 Schweine zum Versand. Im verflossenen Geschäfts- jähre sind im ganzen 7982 Schweine geschlachtet worden... Die zum Fleischverkauf geeigneten Teile werden fünf, und zehn- pfundweise in Schachteln verpackt und gehen in imserin Kühlwagen nach den Zechen. Die übrigen Teile gehen in die Wurst- fabrik und werden hier verarbeitet bezw- geräuchert und mit dem frischen Fleisch an die Zechen versandt. Den Arbeitern werden die vorher bestellten Fleisch- und Wurstwaren direkt durch Zechenbeamte ausgehändigt.... Hierdurch sind wir iir der Lage, zurzeit 25 Proz. unter Ladenpreis zu liefern und trotz- dem eine angemessene Verzinsung des Anlagekapitals zu er- zielen.... Anfang des Jahres kaufte die Gesellschaft noch 250 Hektar Fischteiche, die eine günstige Ausnutzung der Schlacht- Hausabwässer gewährleisten sollen." Wenn die Verwaltung selber sagt, daß sie eine angemessene Verzinsung erziele, dann darf man gewiß sein, daß sie über die von den Agrariern immer betonte niedrige Rentabilität der lano- wirtschaftlichen Betriebe hinausgeht. Die Gesellschaft arbeitete aber nicht nur eine angemessene Verzinsung heraus, sie verkaust auch noch um 25 Prozent unter dem üblichen Ladenpreise. Daraus kann man ersehen, was es mit der Not der Landwirtschaft auf sich hat und wie notwendig es wäre, durch Aufbebung der Futtermittelzölle die Versorgung der Bevölkerung mit billigem Fleisch zu erleichtern. Hoffentlich findet die Wohlfahrtseinrich- tung rationeller Viehzucht Nachahmung in größerem Umfange. (Siehe auch 2. Beilage.) SericKts- Deining. Kampf um die persönliche Freiheit. Wie unseren Lesern erinnerlich, wurde die Entmündigung de» gegen seinen Willen in der Dr. Weilerschen Irrenanstalt stationiert gewesenen und von dort entflohenen Ingenieurs Wahl aufgehoben. Die Entmündigung des in derselben Anstalt zurückgehaltenen Studenten Hagen ist erst kürzlich vom Amtsgericht Schöneberg zu- rückgewiesen. In beiden Fällen hatten die Aerzte Dr. Weiler und der Kreisarzt Dr. Kosten die Entmündigung un!d Zurückbehaltung der durch das Gericht für nicht geisteskrank Erklärten als geboten begutachtet. In beiden Fällen vertrat der Rechtsanwalt Dr. Ehren» fried die in ihrer Freiheit Bedrohten, und in beiden Fällen entsprach das Gericht seinen Anträgen. Irrtümer, wird man sagen, können jedem Arzt passieren, das ist nichts Auffälliges. Ganz recht. Aber ist es schon bedauerlich. wenn durch Irrtümer geistig Gesunde als Gemeingefährliche ein, gesperrt werden können und ein hinreichender Schutz gegen solche Irrtümer nicht besteht, so kommt im Fall der Doktoren Weiler und Kosten ein geradezu ungeheuerliches Nachspiel. Es hat nämlich Dr. Weiler einen ernst gemeinten Antrag auf Herbeiführung des polizeilichen Jnternierungsverfahrens gegen den Rechtsanwalt Dr. Ehrenfried beim Charlottenburger Polizeipräsidium mit der Be- gründung gestellt: Dr. Ehrenfried sei gemeingefährlich geisteskrank und querulantenwahnsinnig, weil er— gegen bie Jnternierung und Entmündigung des Ingenieurs Wvhl und des Studenten Hagen ankämpfte und einen geladenen Revolver bei sich stagx. Das Polizeipräsidium ersuchte den Kreisarzt Kosten um eine Aeuße- rung. Der Kreisarzt Dr. Kosten sandte den Jnternierungsantrag mit folgender Erklärung dem Polizeipräsidium zurück:„Der Rechts- anwalt Dr. Ehrenfried ist zweifellos geisteskrank, und zwar leidet er an Querulantenwahnsinn, nach den im vorliegenden Schreiben aufgeführten Tatsachen mutz auch Gemen»gefährlichkeit als vor- liegend erachtet werden. Das Polizeipräsidium lehnte verständiger- weise trotz dieses geradezu gemeingefährlichen Gutachtens den An- trag des Anstaltsbesitzers Dr. Weiler ab. Ob eine Person gesund oder krank rst.»nteressiert die Oeffent- lichkeit nicht ohne weiteres. Wohl hat sie aber das allerlebhafteste Interesse daran, daß derartige Gutachten unmöglich gemacht werden, deren einzige„wissenschaftliche" Grundlage eine gemeinschädliche SelbfWtthettliHuild iss. W?N ein Anwalt aperer Anlicht über Geisteskrankheit und Gemeingefährlichkeit anderer Personen ist, machten ihn die Herren für querulantenwahnsinnig und gemein- gefährlich! Haben die Herren etwa auch gegen die Richter, die der Ansicht des Anwalts beitraten und die der genannten Aerzte ver- warfen, einen Antrag auf Jnternierung gestellt. Hier ist dringend Remedur erforderlich. Besitzt der Anstaltsbesitzer Dr. Weiler und der Kreisarzt Dr. Kosten nach dieser Probe Urteilsfähigkeit die zum Halten einer Anstalt und zur Ausübung der Funktion eines Kreisarztes erforderlichen Qualitäten? Ueber diese Frage möge der Minister die weitere, wichtigere nicht vergessen: sind nicht ge- schliche Maßnahmen dringend erforderlich, um der Gefahr der Ein- sperrung geistig Gesunder als gemeingefährlich Geisteskranker vor- zubeugen? Im vorliegenden Fall hat das Polizeipräsidium den Antrag abgelehnt— die Möglichkeit liegt aber nach dem heutigen Stande der Gesetzgebung vor, daß in ähnlich gearteten Fällen Be- Hörden Gutachten folgen, die sich auf dem Boden der angeführten bewegen. Die wahrsagende Bibel. In das Reich des krassesten Aberglaubens führte eine VerHand- lung, welche gestern die 5. Strafkammer des Landgerichts II unter Vorsitz des Landgerichtsrats v. Schmiedeberg beschäftigte. Ange- klagt wegen Beleidigung war die Hauseigcntiimerin Frau Adelheid Gebhardt aus Bohnsdorf. Als Kläger trat der Schlächtermeister Schneider auf. Der der Anklage zugrunde liegende Sachverhalt zeigte wieder einmal, daß selbst in der unmittelbarsten Nähe der Großstadt Berlin noch ein so blöder Aberglaube existiert, den man im Zeit- alter der Aeroplane und des Radiums bald nicht mehr für möglich halten sollte.— In dem in der Nähe von Grünau liegenden Dürf- chen Bohnsdorf wurden vor einiger Zeit zahlreiche Biehdivbstählc verübt, die dort allgemeines Tagesgespräch bildeten. Die Ortöpolizei wie auch der zuständige Gendarm stellten alle möglichen Ermitte- lungen an, konnten jedoch jene Diebstähle nicht aufklären. Als olles erfolglos war, beschloß die Angeklagte, die in Bohnsdorf eine Bäckerei und mehrere Grundstücke besitzt, ihre wahrsagende Zauber- bibel zu befragen, die sich in ihrer Familie von Generation zu Generation vererbt hatte und von ihr wie ein Heiligtum verehrt wurde. Diese Bibel, welche die Angeklagte zu der gestrigen Ver- Handlung als Beweisstück mitgebracht hatte, war ein stark vergilbtes altes Exemplar, welches von außen mit einem blauen Seiden- bändchen umwickelt war. Zwischen den Blättern steckte in der Mitte ein Schlüssel, der von dem Seidenband festgehalten wurde. Wie die Angeklagte vor Gericht erklärte, sei sie mit Hilfe dieser Bibel imstande, die Zukunft vorauszusehen, insbesondere aber auch bei begangenen Straftaten die Täter zu ermitteln. Sie habe seiiierzeit, als die Polizei den Diebstählen machtlos gegenüber- gestanden habe, ihre Bibel zu Rate gezogen. Sie habe die Bibel erst angcpustet und dann den hervorstehenden Ring des Schlüssels zwischen ihre ausgestreckten Zeigefingerspitzcn gelegt, so daß die Bibel nach unten hing. Sie habe dann die Namen sämtlicher in Frage kommender Ortseinwöhner vor sich hergesagt und, als sie den Namen des Schlächtermeisters Schneider ausgesprochen habe, wären plötzlich ihre Fingerspitzen, wie von einer geheimnisvollen Macht getrieben, auscinandergczogcn worden und die Bibel sei zur Erde gefallen. Dies bilde für sie das„Bejahungszcichcn". Sie sei auch heute noch der Ueherzeugvng. daß Schneider als Täker in Frage komme. Wie die Beweisaufnahme ergab, hatte es sich in dem Dorfe seinerzeit bald herumgesprochen, daß die„wahrsagende Bibel" der Angeklagten den jetzigen Kläger als Dieb bezeichnet hatte. Da hierdurch der heimlichen Verleumdung Tor und Tür geöffnet wurde und Schneider auch schwere geschäftliche Schäden erlitt, blieb ihm schließlich nichts anderes übrig, als gegen die Besitzerin der Zauberbibel gerichtlich vorzugehen. Das Schöffengericht Köpenick kam zu einem recht eigenartigen Urteil: Es sprach die Angeklagte mit der Maßgabe frei, daß diese von der Wahrsagekraft ihrer Bibel derartig überzeugt war, daß man bei ihr weder die Absicht, noch überhaupt das Gefühl einer Beleidigung feststellen könne. Gegen dieses Urteil wurde von Rechtsanwalt Klein-Köpenick Berufung eingelegt, so daß sich die Strafkammer nochmals mit dieser«Sache beschäftigen mußte. Auf Antrag des Rechtsanwalts Rothe, als Verteidiger der Angeklagten, wurde dieser gewissermaßen zum Be- weise ihrer Gutgläubigkeit gestattet, jenes Experiment mit der Zauberbibel im Gerichtssaale vorzunehmen. Die abergläubische Angeklagte murmelte, vor dem Zeugentisch stehend, eine Reihe von Namen vor sich her, und als sie den Namen des Klägers aussprach, fiel die Bibel, vermutlich durch Auslösung eines bestimmten Re- flexes, der sich den Handnerven mitteilte, zur Erde. Das Gericht billigte der Angeklagten zu, daß sie an das „Wunder" ihrer Bibel geglaubt habe. Dennoch enthalte jene Ver- dächtigung, die völlig grundlos sei, den Tatbestand einer schweren Beleidigung, Mit Rücksicht auf die ganze Sachlage lautete das Urteil jedoch nur auf 1l) M. Geldstrafe. Ist es ein Wunder, wenn in dem Lande, in dem Aufklärungs- arbeit insbesondere unter der Jugend mit Polizei, Staatsanwalt- schaft und Gericht verfolgt wird, der blödeste Aberglaube bereiten Boden findet?_ Unsittliche Schriften. Der Prozeß gegen die Buchhändler Otto und Hans Gerickc wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften, der vor zwei Wochen vor der 12. Strafkammer des Landgerichts I begonnen hatte, ist endlich zu Ende gegangen. Die Angeklagten sollen in ibrer in der Friedrichstraße gelegenen Buchhandlung ein ganzes Warenlager von Erzeugnissen der Schmutzliteratur in einem Geheimschrank versteckt gehalten haben.— Das Gericht erkannte gegen Otto Gericke mit Rücksicht aus den kolossalen Umfang seines Treibens auf sechs Monate Gefängnis und övll M. Geldstrafe; gegen den nur gering- fügig beteiligten Hans Gericke lautete das Urteil auf 300 M. Geldstrafe._ Wegen eines Bogen Schreibpapiers ins Gefängnis! Wegen welcher Lappalien die Gerichte mit Erfolg angerufen werden, wenn es sich um den Anspruch einer Eigentumsfanatikerin handelt, die zu den Berggewaltigen gehört, zeigt ein unlängst vom Oberlandesgericht in Hamm in dritter Instanz erledigter Prozeß. Ein auf dem Bureau der Teutsch-Luxemburger Bergwerks- gescllschaft besckzäftigter Angestellter hatte einem Kuxenhändler in Dortmund Angaben über den Stand der Gesellschaft gemacht. Das mag nicht recht gewesen sein, strafbar tvar's aber nicht. Indes die Gesellschaft fand heraus, daß die Angabe auf einem Bogen des ihr gehörigen«Schreibpapiers gemacht war. Mithin hatte der Angeklagte eine fremde bewegliche«Sache, nämlich den Bogen Schreibpapier, einem anderen in der Absicht, sie sich rechtswidrig anzueignen, fortgenommen, also— gestohlen. Flugs wurde An- zeige wegen Diebstahls crstatkek. Da? Schlfsengeriiht Utk? bis Strafkaiilincr in Bochum verurteilten den Bogendieb zu einvr gee ringen Gefängnisstrafe. Das Oberlandesgericht Hamm bestätigte das Urteil. Hatte wirklich der Angeklagte das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit, als er den Bogen der Gesellschaft nahm? Aus dem schwarze» Bayerischen Eisenbahnerverband. Die Anklagebank der Regensburgcr Strafkammer betraten dis Eiscnbahnarbeiter Buchen und Fuchs. Ersterer war Obmann, letzterer Vorstandsmitglied des schwarzen Bayerischen Eisenbahner- Verbandes. Beide bekleideten auch Ehrenstellen in einer Neben- gründung des Verbandes, dem Unterstützungsvcrein der Bahn« arbeite» der Güterstation Regensburg. Hier war Bucher Borstand, Fuchs Kassierer. Diese Stellungen mißbrauchten sie dazu, um sich gegenseitig Bereinsgelder zuzuschanzen. Durch Fälschung von Sparkassenbüchern wurde der Verein um mehr als 100 M. ge- schädigt. In der Verhandlung suchte jeder der beiden Christen den anderen hineinzutunken, um sich selbst reinzuwaschen. Es half aber nichts, Bucher erhielt drei, Fuchs vier Monate Gefängnis. Haftung de? Staatsfiskus wegen Mangelhaftigkeit vo» Dienstwohnungen. Der Kläger M. war seit 1. Oktober 1909 Zollaufscher in Sa?« Nitz und hatte als solcher eine Dienstwohnung inne. Kurze Zeit nach seinem Einzug, am 21. Oktober 1909, ist seine Frau beim Fensterputzen dadurch verunglückt, daß der obere Flügel des Doppel- fensters sich loslöste und die Frau infolgedessen vom Fensterbrett herabfiel. Der Unfall ist dadurch verursacht, daß die Angel, in der sich der Fensterflügel bewegte, nicht durch Schrauben oder Nägel festgemacht war. Der Kläger erhob gegen den preußischen Steuer- fiskuS aus eigenem Rechte und aus dem Rechte seiner Frau eine Schadensklage. Er begehrt Ersatz des ihm selbst entstandenen Schadens(Kurkosten, Aufwendungen für ein Dienstmädchen und dergleichen); zugleich verlangt er Ersatz des seiner Frau dadurch entgehenden Verdienstes, daß diese nicht mehr ihr Gewerbe als Schneiderin ausüben kann. Der Beklagte bestreitet ein Verschulden seiner Vertreter; er macht geltend, daß das Haus im Jahre 1906 unter Leitung des Kreisbauinspektors erbaut und die Fenster- arbeiten einem zuberlässigen Tischlermeister übertragen worden seien. Vom Landgericht Stettin ist die Klage abgewiesen worden. Da- gegen hat das Oberlandesgericht Stettin den Klagcanfpruch dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt. In seinen Entscheidungs- gründen führt das Oberlandesgericht aus: Die vom Kläger aus eigenem Rechte geltend gemachten Ansprüche sind vertraglicher Natur; dem widerspricht es nicht, daß diese Ansprüche aus einem Unfall der Ehefrau des Klägers herrühren. Es ist eine Haftung des Beklagten aus dem mit dem Kläger abgeschlossenen Dienst« vertrage gegeben, wenn den Beklagten ein Verschulden an dem Unfall trifft. Das ist aber anzunehmen. Der Beklaute hat nach Z 278 B.G.B, ein Verschulden aller Personen zu vemeten, deren er sich bei der Erfüllung seiner Vcrtragspflicht bediente. Ein sol- chcs Verschulden fällt dem Krcisbauinspcktor Baurat B. zur Last, der den Neubau abgenommen hat. Bei gehöriger Sorgfalt hätte dieser den Mangel erkennen müssen, bevor die Fenster mit Farbe gestrichen wurden. Daß das Fehlen der Schrauben oder Nägel die Ursache des Unfalls war, bedarf keiner Ausführung. Für den Klageanspruch kommt Haftung aus tz 823 B.G.B, in Betracht. Das Reichsgericht hat dieses Urteil des Oberlandcsgcrichts be« stätigt und die ilievision des SteucrfiskuS zurückgewiesen.(Aktenzeichen: III. 142/12.— Urteil vom 1. November 1912.) Todes-Anzeigen SoziaideniokratiseiierWatilvereioj Hieileriiarniin. Bezirk I-Ichtenberg:. Eicrmit zur Nachricht, dag unser glied, Frau EmmaJakubaschke Travestragr 1(Abt. 6) verstorben ist. 1108b Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle in Marzahn aus statt. Abfahrt um 2.20 Lichtenberg- Friedrichsseide. Rege Beteiligung erwartet Die Bezirksleitung. Am Freitagabend 7 Uhr ent- schlief noch kurzem, schwerem Leiden im Alter von 49 Jahren mein lieber Mann, unser herzensguter Vater, der Einsetzer 37A BencHoi' Dies zeigen liesbctrübt an .lueuate BrnckI«r,gb.Gudd nebst Kindern. Die Beerdigung findet anl Dienstag, nachiniltags 3'ls Uhr von der Leichenhalle des Zentral- Friedhoss, Fricdrichssclde.aiis holt £j Am 1. November verstarb Plötz. Itch meine liebe Frau, unsere gute Mutier. Schwlegcr-j Grogmuttcrl und Schwester.- Anna Breiski geb. Brzoza im 50. Lebensjahre. 1109b lim stille Teilnahme blttet im Nomen der tranernden Hinter- bliebenen �'ellx BrelsUl als Sohn. Die Beerdigung findet Diens- tag, den 5. Novbr., nachm. 3 Uhr, von der Halle dcS Gemeindest ied- böses in Fricdrichssclde auS statt SozialiiemokFatiscIier Waiilverein !. d- 6- BfiFl. üeieiislaoswalilkreis 51m 1. d. Atts. verstarb unser Genosse, der Buchdrucker Hermann Müller Nykcstr. 30(Bezirl 517). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Man- tag, den 4. d. M., nachm. 2 Uhr von der Halle dcS Friedhofes der Segens-Gemeiade in Weifiensec Gustav-Adolj-Strage, ans statt.' Um rege Beteiligung ersticht 233/17 Der Vorstand. Am Freitag, den 1. November. morgens 5 Uhr, entschlief nach langen schweren Leiden im 46. Lc- bensjahre nieine liebe Frau, un- sere gute Mutter und Schwester Alma Brnuk geb. I,ubloa. Dieses zeigen hierdurch tief- betrübt an Bermemn Brnnk, nebst Kindern und Geschwistern,! Friedrichsfelde, Prinzen-Allee 59.! Die Beerdigung findet am j Montag, den 4. November, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen-! Halle des neuen Gemeindc-Fried.' Hofes, TreLkow-Allee aus statt. ■MMimiiSi jji Iii ° Vei-daail öer freien Gast- und Schankwirte Deutsehlanils.| Ortsverwaltung Lichtenberg. Den Mitgliedern zur Nachricht,! daß die Kollegensrau Unna Brunk �rinzcnallee 59, verstorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 4. November 1912, nachmitlags 4Uhr, von derLeichen- lle des neuen Gemeindc-Fried- Hofes in Friedrichsselde, Treslvtv- allee, aus statt. Die Kollegen versammeln sich um 3'/z Uhr vor dem Kirchhos, Rege Beteiligung ist Pflicht, 1107b Der Borstand. .Rallislirer-Buni! „SolKiarität", Ortsgr. Friedrichsfelde. Am Freitag verstarb nach langem,! I ichivcrcm Leiden im Alter von I j 46 Jahren unsere Genossin, Frali| Anna Brunk. Ebrr ihrem Andenke»: Die Beerdigung findet Montag.. I den 4. d. MtS., nachm. 4 Uhr, aus! I dem Fried, ichSselder Friedhof in der s I Treskowallee statt.— Treffpuntt der j I Geiiofsen 3 Uhr bei Sudbrink. | Am Freitag verschied nach langer Kranlhcit unser langjähriger Mit- arbciter, der Schristletzerinvalide »ermann Müller im 46. Lebensjahre. Zein kollegiales Verhalten sichert ihm ein ehrendes Gedenken. Berlin, 3. November 1912. Die Kollegen öer ehein.ERii! BilligseheB Druckerei. ISozialdeniokratischerWahtvefein Kreis iieöer-BarninL Bezirk Friedrichsleide. Am Freitag früh verstarb nach langem schweren Leiden unsere eifrige Millämpserin, Genossin Anna Brnnk. Wir werden ihr ei» ehrendes Andenken bewahren! Die Beerdigung findet Montag- nachmittag 4 Uhr von der Leichen- balle des neuen Gemeinde-Fried- Hofes aus statt. 245/2 Die Bezirksleitung, g Soziaidemokratisclier Wahiverein Neukölln. Den Parteigenossen zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Zimmerer Bmil Oede (Emser Str. 27, 15. Bezirk) verstorben ist. Die Beerdigung findet heute Sonntag, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Neuköllner Gemeinde- Friedhofes, Marien- dorser Weg, auS statt. Um rege Beteiligung wird ersucht. �lacknit. Feener ist unser Parteigenosse, der Tischler Kar! Iranfavetter (8. Bezirk) verstorben und bereits zur letzten Ruhe bestattet. S Ehre ihrem Andenken! Der Vorstand. Dsutsclier Transporiarheiter-Yerbanil. Bezirksverwaltung GroS-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter Augns! Klingenberg am 30. Oktober im Alter von SO Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Montag, den 4. November er., nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Markus- Kirchhofes in Wilhelmsberg aus statt. 63/8 iVsethru?. • Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiler Mfreü Brieger am 29. Oktober er. im Aller von 32 Jahren durch Unfall ver- storbcn ist. Ehre seinem Andenken! Die Bezirksverwallung. I Sozialdemokratiseher Wahlverein Bohnsdorf(Kreis Teltow). Am Donnerstag, den 31. Okt., abends II Uhr, verschied plötzlich am Herzschlag unser langjähriges Mitglied und Spediteur, der Genosse .Alois Lauf im 50. Lebensjahre. Ehre fetncm Andenke» k Die Beerdigung findet am Sonntag, den 3. November, nach- mittags 2 Uhr. vam Trauerhause (Bahiihosstr. 3) aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 203/5 Der Vorstand. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daß am Sonnabend, den 3. November, nach langem, schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter und Großmutter Berta Qülde Leußb?Sch im 50. Lebensjahre verstorben ist. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 5. Nobember, nachmittaqs 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Friedenauer Friedhofes, Stubenrauchstraße, aus statt. lllOb Die trauernden Hinterbliebenon. Hermann Gülde. Martha Gülde. Hannchen Guide. Danksagnns- Allen lieben Freunden, Verwandten und Bekannten, die meinem ver- stvrbcncn Manne 1112b Otto Lehrfeld die letzte Ehre crlvicscn, sage herzlichen Dank. Vikitwo kranziska Lehrfeld. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben ManneS, unseres guten Vaters �uxust Wiesemaim sagen wir allen Beteiligten, vor allem seinen Kollegen der A. E.-G.»Nieren ticsgesühltcstcn Dank. 1094b Die trauerniien llintephliehenen. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Freunden und Be- kannten meinen herzlichsten Dank. Witwe Marie Schadow. Danksagung. Für die vielen Beweise herzsicher Teilnahme und herrlichen Kranz- spenden bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes, Bruders, Schwagers und Onkels Wüll Gruhlke sagen wir hiermit dem Metallarbeiter- verband und dem Wahiverein des 6. Berliner Reichstags- Wahlkreises unseren tiefgefühltesten Dank. Ludwig Grnlilk© nebst Familie, Grcnzstr. 18. Danksagung. Aller Verwandten, Freunden und Bekannten, welche unseren so früh dahingeschiedenen Sohn und Bruder Fritz die letzte Ehre erwiesen haben, insbesondere Herrn Dr. M. Schütte, für die trostreichen Worte am Sarge, dem„Gesangverein Lichtenberger Männerchor", dem Meister und den Lehrtollegen der Finna Fritz Andree u. Co., der Freien Arbeiterjugend so- wie den Mietern des Hauses Frank- surtcr Chaussee 79 und Egmontstr. 4 unseren innigsten Dank. 56A Berlin-Lichlenberg, 30. Oktober 1912. Familie Wilhelm Abraham. Fertig am Lager: ÄMm fraüi- Anzüge M 40 m üeiiikieiiierll'to; 8« Fertige schwane Kleidung 1 für Knaben und JUnglinge I :: in gröBter Auswahl Feine Ms B■ Anfertigung 1 :: in es. 10 Stuudeu Baer Sohn Kleider- Werke. Chtusseestraflo 29— 30. 11. Bruckensüaßa 11, Gr. Frankfurter otr 20. Schöncbrn, Hauptstr 10. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die herrlichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner lieben, herzensguten Frau Mrle Tliäfler rÄrt sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, sowie dem von den Freien Gastwirten gestellten Gesang- verein und auch den anderen Quartett- sängern, insbesondere aber dem Vor- sitzenden vom Verbände der Gast- Wirte, Herrn Paul Liifin, für die schönen, trostretchcn Worte in der Leichenhalle des städlischen Fried- bojeS in Friedrichsselde unseren tief. empsundcncn Danf. Ii 13b Franz Thaeder nebst Familie. Staakschalen, u. 1,60 m lang, billigst frei Waggon Berlin abzugeben. Anfragen er- beten unter F. 1 an die Expe- dilion des„Vorwärts".* Junger Kaufmann taust oder be« " eyiedmg. Ausführliche Offerten sub B. 8 Hauptcxpcdilion des„Vorwärts". iffestonsTranenaagaziDl Extra- Abteilung j I. Gesch.: BerlinW.. Mohren-[ Strafie37a(2. Haus von der| Jerusalemer Straße). III. Gesch.: Berlin NO., Große 1 Frankfurt. Str. 1 1 5(2. 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November, ihren Fortgang, und zwar wird im Kreise Niederbarnim von 12—0 Uhr nachmittags und in Lichtenberg von 12—4 Uhr nachmittags gewählt. Die Liste der F r e i e ü Vereinigung ist im Kreise Niederbarnim mit dem Buchstaben„1!" und in Lichtenberg mit deni Buchstaben„D" ausgezeichnet. Als Wahllegitimation gilt die Versicherungskarte. Die Stimmbezirke und Wahllokale haben wir in unserer Sonnabendnummer veröffentlicht. Wahlauskünfte und Stimmzettel, die den Aufdruck„Freie Vereinigung" tragen, sind zu haben im Zentral-Wahlbnrea« der Freien Vereinigung in Lichtenberg: Rest. W. Schulz, Kronprmzenstr. 47, Tel. Amt Kgst. 854, und in den Unlerbureaus: Bezirk A Restaur. Silchow, Wvhlischstr. 54, Ecke Böcklinstr. Tel. Kgst. Nr. 1288. „ B„ Jakobi, Kronprinzenslr. 42,, Kgst., 11596. „ C„ Mielkc. Möllcndorffstr. 14,„ Licht.„ 421. IJ„ Erteil, Psarrstr. 74,, Licht.„ 262. „ E. Klee, Lückstr. 78.. Kgst.. 8049. Für den Kreis Niederbarnim im Zentral- W>a h l b u r e a u, Restaurant Richard Herrmann, ReinISen- dors-Ost, Markstrage 4. Telephon: Neinickendors 114 und in den Unter« bureaus: Reinickendorf: Buchstaben A— L Restaurant Paul Anders. Haupt- strahe 51. Buchstaben Ül-Z Restaurant Kieckhöser, Pankower Allee I2s. Weisiensec: Restaurant Hugo Hepe, Parlstr. 3. Telephon: Weißen- fee 262. Tegel: Restaurant Friedensrichter. Ecke Veit- und Berliner Straße. Pankow: Restaurant Mücke, Grunoivstr. 1. Ecke Schulstraße. Ober-Schöneweide: Ziestaurant Imberg, Wllhelmincnhojstr. 34(A— E), Restaurant Barowsky, Schillerpromcnade 13(bl—Z). Wittenau: Kcscllschastshqus, Ecke Haupt- und Charlottenburger Straße. Telephon: Reinickendorf 162. Kalkberge: Wiegener, Schulzenhöhe. Telephon: Friedrichshagen 63. Zhriedridisfelde': Restaurant Feustel, Karls Horst, TreSkow-Allee 75. Telepdon: Ober-Schöneweide 41. Birkenwerder: Zenlral-i-chlepplokal Restaurant Boddensee, direkt am Bahnhos, Schlrpplokal: Gesellschastsbaus, Hauptstr. 99. Bernau: Hotel zum Schwarzen Adler. Lübars-Waidniannslust: Restaurant SchwelzerhauS, Daidmanus- lust, Dianastraße, Restaurant Kuchcnbecker, Waidmannslust, Waidmann- straße. f ermsdorf: Forsthaus, Schloßstraße. riedrichshagen: Restaurant Eiskeller, Friedrichstr. 96, Telephon: Friedrichshageu 71. Stralau: Restaurant Paul Schoeps, Mt-Stralau 17. Alt-LandSberg: Gastwirt Funke, Klosterstr. 5. Hilfskräfte, namentlich weibliche, werden dringend gebraucht und wollen sich dieselben in den vorgenannten Lokalen möglichst frühzeitig einfinden. Privatangestellte Niederbarnims und Lichtenbergs! Gebt auch am heutigen Wahltage den Herren vom„Hauptausschust" die gebührende Antwort auf ihr Verhalten. Die Resultate von Neukölln, Charlottenburg, Teltow u. a. müssen Euch ein Ansporn sein, alles aufzubieten, damit auch der letzte fort- schrittlich gesinnte Angestellte an die Wahlurne tritt und seine Stimme abgibt sür die Liste der Freien Vereinigung. Partei- Angelegenheiten. Steglitz. Montag, den 4. November, abends 8 Uhr: Hand- zettelverbreitung von allen Bezirken aus. Das Material tann schon Sonntag an der bekannten Stelle abgeholt worden. Steglitz. Die Bibliothek des Wahlvereins ist nutzer am Tage der Milgliederversammlung auch an jedem Montag von%8 bis Uhr geöffnet. Der Vorstand. Lichtenberg. Am Dienßtag. den 5. November, findet im„Caf� Bellevue", Hauptstr. L, eine autzerordentliche Generalversammlung statt.— Mitgliedsbuch legitimiert; wer länger als drei Monate mit den Beiträgen im Rückstände ist, hat keinen Zutritt. Die Bezirksleitung. Treptow-Baumschulenweg. Dienstag, den 5. November, abends SVi Uhr, im Sportrestaurant zur Rennbahn, Elsenstr. 115/116: Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Wichtige Tagesordnung. Marienfelde. Der Bildungsausschuh für Maricnfelde-Lichten- rade veranstaltet am ö., 8., 12. und 15. November im Lokal von Fricke, Kiepertplatz 7, einen VortwagÄursus. Dr. Duncker spricht über: Grundlagen des Sozialismus.. Der Eintritt für alle vier Vorträge beträgt 56 Pf. Friedrichsfelde. Die Genossen, die sich an der Beerdigung der Genossin Brunk beteiligen wollen, treffen sich am Montagnachmittag 3 Uhr bei Bürger, Prinzen-Allee. Pankow. Heute, Sonntag, von 8 llhr vormittags an wichtige Kuvertverbreitung von den bekannten Stellen aus. Am Dienstag, den 5. November er., abends 7 Uhr: Handzettel- Verbreitung zur Versammlung am Donnerstag, den 7. November er., in welcher Genosse Scheidemann referiert. Die Parteigenossen werden ersucht, zu dieser Versammlung eine rege Propaganda zu entfalten. Die Bezirksleitung. Spanbau. Der Wahlverein hält Sonnabend, den 9. November, in den Räumen der Brauerei Pichelsdorf sein diesjähriges Stif- tnngsfest ab. Anfang 9 Uhr abends. Eintrittspreis 25 Pf. Der Verein hat weder Mühe noch Kosten gescheut, den Teilnehmern einen gemitzreichen Abend zu verschaffen. Wir ersuchen daher die Genossen, sich recht rege daran zu beteiligen und dafür zu agitieren. Eintrittskarten sind in den Bezirtslokalen, bei sämtlichen Funktionären und an der Kasse zu haben. Der Vorstand. Lerlmer j�ackrichten. Äinosteuer und Biersteuer i» Sicht. Der neue Stadtkämmerer von Berlin ist bei der Arbeit, die Rerliner Bürgerschaft mit einem eigenartigen Weihnachts- gcschenk zu überraschen. Er will uns mit einer Kinosteuer und mit einer Biersteucr beglücken. Der Herr Kämmerer und der Magistrat, wenn letzterer den Plänen des neuen Finanzministers zustimmt, können sicher sein, daß die neuen Steuerplänc auf heftigen Wider- stand in weiten Bevölkerungskreiscn wie bei den Interessenten stoßen werden. Besteuert werden sollen die einzelnen Plätze in den K i n o t h e a te r n, in den Zirkussen und in allen o__........__________________ Varietes. Dabei sollen auch die allerbilligsten Plätze mit um so mehr ins Gewicht, da in dem letzten Jahrfünft die Gesanw einer Steuer belegt werden. Unser neuer Stcucrsucher will � zahl der auS der Schulpflicht entlassenen Gemeindeschulkinder Berlins so radikal vorgehen, daß er selbst Plätze zum Preise von i keineswegs besonders stark zugenommen hat. Entlassen wurden s 13 Pfennigen mit einer Steuer von 5 Pfennigen belegen will. j Es wird großes Befremden erregen, daß eine solche Steuer in Vorschlag kommt, nachdem die Stadtverordneten- Versammlung erst im Vorjahre die Lustbarkeitssteuer dem Magistrat vor die Füße geworfen hat. Dem Magistrat sckseint nach neuen Niederlagen zu dürsten; er scheint darauf aus- zugehen, der vorjährigen eine neue anzufügen. Denn eine Niederlcige dürfte er sich holen, wenn die Bevölkerung sich gegen die neue Steuerbelastung zur Wehr setzt. Nicht weniger kühn erscheint uns das Unterfangen, eine B i e r st e u e r für Berlin einführen zu wollen. Bisher wurde von den Brauereien der sogenannte Braumalzsteuer- Zuschlag erhoben. Dieser soll zu einer Biersteuer unirefor- iniert werden. Die jetzige Malzsteuer beträgt 53 Pf. für den Zentner Malz. Jetzt will man das am Orte hergestellte und nach Berlin eingeführte Bier einer Besteuerung unter- werfen. Je nachdem es sich um obergärige oder untergärige Biere handelt, will der Magistrat das Liter Bier mit einer Steuer von% bis% Pfennig besteuern. Genaue Angaben liegen noch nicht vor. Der Magistrat ist der Meinung, daß diese„kleine Steuer" nicht gut abgewälzt werden könne. Unserer Meinung nach ist es ein Irrtum. In letzter Linie werden immer die Konsumenten neue Lasten zu tragen haben, wobei die Bierfabrikanten vielfach noch ein besonderes Ge- schüft machen. Das haben die Ersahrungen gezeigt. Die Hinweise des Magistrats auf die Biersteuer in einer Reihe von Vororten dürften nicht geeignet sein, den Steuerplan sympatischer zu machen. Auch der Einwand, daß man geneigt sei, das Aufkommen aus diesen neuen Steuern zur Deckung der Kosten der Pflichtfortbildungsschule für Mädchen und für etwaige Lohnerhöhungen für die städtischen Arbeiter benutzen zu wollen, dürfte die neuen Pläne nicht schmackhafter inachen können. Was notwendig ist, muß ausgeführt werden und wenn es nicht anders mehr geht, muß eben die Allgemeinheit zur Deckung des Gemeindebedarfs weiter herangezogen werden. Einen anderen Weg gibt es nicht! Leider sind die Finanzverhältnisse der Stadt Berlin zur- zeit keine rosigen. Dos ist aber Schuld der kommunalfrei- sinnigen Herrsckxlst im Ratbause. Zu einer Zeit, wo die Wertzutvachssteuer in Berlin noch ertragreich getvesen wäre, lehnten die Freisinnigen die sozial- demokratischen Anträge ab mit der Motivierung,„man wolle keine Steuern auf Vorrat bewilligen". Dieser Standpunkt hat sich bitter gerächt. Die Finanzen der Stadt Berlin sind imnier ungünstiger geworden. Wie ein Bankrotteur seine Bilanz verschleiert, so wirtschaftete in den letzten Jahren die Stadt Berlin. Das erklärte im Vorjahre gelegentlich der Etatsberatungen selbst der dieser Toge verstorbene Stadtrat N a m s l a u im Etatsausschuß, weil man von dem Etat der Gaswerke eine Million sortnahm a konto des im neuen Jahre zu machenden Ueberschusses der Werke. Auf die Dauer haben diese Manipulationeu nicht geholfen, im Gegenteil: die Finanzen wurden immer unsolider. Diese Misere kann aber nicht beseitigt werden durch Vor- schlage, wie sie der neue Stadtkämmerer eben macht. Das ist eine recht kleine, der Stadt Berlin unwürdige und schäd- liche Finanzpolitik: ein Fortwursteln im alten Gleise. Steuern, wie die vorgeschlagenen, haben einen schikanösen, einzelne Erwerbsgruppen besonders treffenden Charakter. Sie sind ungerecht und sind nicht geeignet, eine ernste Reform herbeizuführen, ganz abgesehen davon, daß sie nicht unerheb- liche Erhebungskosten verursachen. Wir möchten dem neuen Herrn Kämmerer schon heute den gutgemeinten Rat geben, die Hände von diesen neuen Steuern fortzulassen. Er wird sich dann eine Blamage er- sparen und der Berliner Bürgerschaft die Aufregung eines neuen Steuerfeldzuges. � lieber die Berufswahl der Gemeindeschulkinder Berlins wird alljährlicki von der Sckiuldepulation eine Statistik aufgenommen. Wie sie zustande kommt, darüber ist uns nickls bekannt. Vernrutlich ivird sie zusammengestellt aus Angaben, die die Schule den Kindern selber abfragt, bevor sie aus der Schulpflicht entlassen werden. Das Ergebnis dürste nicht ganz zuverlässig sein, zum Teil ickkon deshalb, weil oft erst nach dem Ansiritt aus der Schule endgültig über die Wahl des Vernfes entschieden wird. Wohl mit Rücksicht hieraus spricht auch die Sckiuldeputalion in ihrer Statistik nur von der„ b e« absichtigten Wahl eines Berufes." Im Schuljahr 1911/1912 nmfatzte die Statistik 25 123 Kinder, die nach Erfüllung der Schulpflicht entlassen, dazu 1959, die noch vor Erfüllung der Schulpflicht dispensiert wurden, zusamnwn 27 682 Kinder, darunter 13 146 Knaben und 13 942 Mädchen. Von den 13146 Knaben sind 1323 abzuziehen, die zunächst noch im Elternhaus verbleiben wollten, ohne sich schon einem Berus zuz»- wenden. Autzer Betracht lassen mutz man auch 36, die»och in höhere Lehranstalten eintraten, und 273, die auf Berufsschulen übergingen. Für die übrigen 11 565 Knaben wurden die folgenden Berufe angegeben: 4663 mal„Handwerker", 2666 mal„Ar- beiler", 255 mal„Fabrikarbeiter", 127 mal„Landbau, Garten- bau. Forstbetrieb", serner 1298 mal„technische Gewerbe", 342 mal ..Krnistgcwerbe", 1886 mal„Handel", weiter 182 mal„Gastwirt- schaft". 662 mal„Schreibdienst". Von den 13 942 Mädchen wollte annähernd die Hälfte, 6366 Mädchen, zunächst noch im Eltern- haus bleiben, während 152 in höhere Lehranstalten eintraten. Für die übrigen 7496 wurde angegeben: 1857 mal„Dienst in fremdem Hanshall", 445 mal„Fabrikarbeit". 1754 mal„private Handarbeit", 3464 mal„kaiifmännischer Betrieb". 22 mal„Kirnst", 8 mal„Staatsdienst". Die sehr große Zahl von Mädchen, die zunächst noch im Elternhaus bleiben, verdient Beachtung im Hinblick auf die dem- nächst einzurichtende Pflichifortbildungsscinile für Mädchen. Bei einer Vergleichung mit den Zahlen auS den vorhergehenden Jahren zeigen sich Schwankungen, die sich nicht ohne weiteres erklären lassen. Auffallen mutz z. B. bei den Knaben die Schwankung der Ziffern für die Berufsangabe„Handwerker", die in den letzten fünf Jahren in 4644. 4192, 4215, 4618, 4693 Fällen ge- macht wurde. In denselben fünf Jahren wurden gezählt:„Ar- heiter" 1884, 2644. 1677, 2696, 2666 Fälle,„technisches Gewerbe" 1177, 1136, 1248. 1123, 1298 Fälle.„Kunstgewerbe" 446, 434, 376. 399, 342 Fälle.„Handel" 1366, 1486. 1722, 1838. 1886 Fälle,„Schreibdienst" 627, 689, 723, 711, 662 Fälle. /Von den kleineren Gruppen kann abgesehen werden.) Hier fällt be- iondcrS auf der Rückgang beim„Kunstgewerbe" und die andauernde Zunahme beim„Handel". Bei den Mädchen läßt' die Gruppe „Dienst in fremdem Haushalt" mit 1892, 2162, 1893, 1861, 1857 Fällen leine deutliche Abnahme der Zuwendung zum Dienstmädchen- beruk erkennen. Andererseils zeigt„Fabrikarbeil" mit 271, 314, 341, 384, 445 Fällen eine sehr entschiedene Anfwärlsbewegung. Daneben steht „private Handarbeit" mit 1424, 1347, 1425. 1614. 1754 Fällen. Wie den Knaben die Gruppe„Handel", so hat bei den Mädchen die Gruppe„Kausinäiinischer Betrieb" mit 23t5, 2444, 2666, 29ll, 3464 Fällen eine sehr beträchtliche Zunahme gehabt. Beides fällt überhaupt 12 663, 12 496, 12 437, 13 146, 13 146 Knaben und 13 546, 13 273, 13 463, 13 994, 13 942 Mädchen. Die Statistik hat, wie schon oben gesagt wurde, gewiß nur einen bedingten Wert. Sie kann aber als ein immerhin bcachtenS- werter Beitrag zur Beantwortung der Frage gelten, welchen Be- rufen die Gemeindeschullinder Berlins sich zuwenden. Aus der Gewerbebeputation. In der letzten Sitzung der Gewerbedeputation wurde über einen früheren Antrag der hiesigen Bäcker-(Zwangs-)Jnnung, die verweigerte Zustimmung des Gesellenausschusses zum§ 7 der von der Innung zum Arbeitsnachweis beschlossenen Bestimmungen, ge- mätz s 95 der Gewerbeordnung zu„ergänzen", weiter verhandelt. Die fragliche Bestimmung setzt eine staffelmätzige Gebühr von 25 Pf. bis 1 M. für die einzelnen Kategorien der Arbeitnehmer fest und wird nicht als Einschreibegebühr, sondern als Vermitte« lungsgebühr erhoben. Der Gesellenausschutz hatte in der Begrün- dung seiner Ablehnung sich für die Erhebung einer einheitlichen Einschreibegebühr ausgesprochen, eine Einrichtung, wie sie seitens der Arbeitsnachweise gehandhabt wird, die dem hiesigen Verein für Zentral-Arbeitsnachweis angeschlossen sind. Für die„Ergänzung" der verweigerten Zustimmung legte sich insbesondere der der De- putation als Mitglied angehörende Obermeister der Bäckerinnung, Herr Schmidt, ins Zeug. Er versuchte die schon früher von unseren Genossen geltend gemachten Einwände, daß die für einzelne Kate- gorien vorgeschriebenen Gebühren verhältnismäßig hoch und daß dieselben in den meisten Fällen von den Gesellen nicht gleich be- zahlt und später in ungesetzlicher Weise von den Meistern vom Lohn in?lbzug gebracht werden würden, unter Hinweis daraus zu zer- streuen, daß die soziale Lage der Bäckergesellen in den letzten zehn Jahren sich außerordentlich gebessert hätte. Die Bäckergesellen Berlins dürften hierin von einer Seite, die sonst den Erfolg ge- werkschaftlicher Seite zu bestreiten bemüht ist, den Wert der gewerk- schaftlichen Organisationsarbeit indirekt bestätigt finden. In der Sache selbst beschloß die Deputation mit Mehrheit, die verweigerte Zustimmung des Gesellenausschusses zu„ergänzen". Die Petitionen an die Gewerbedeputation wegen Abände« rung des Ortsstatuts betreffend die Sonntags- ruhe wollen kein Ende nehmen. Der Borstand des Reichsver- bandes der Hutdetaillisten Deutschlands beantragte die Erweite- rung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe um eine Stunde event. eine anderweite Verlegung der Stunden, in denen die Geschäfts- lokale offen gehalten werden können, vorzunehmen. Der Vorstand des Vereins Berliner Zeitungsverleger, an dessen Spitze der Stadt- verordnete Ullstein steht, wünscht eine Aenderung dahingehend, daß der Verkauf von Zeitungen an den Sonn- und Feiertagen in der Zeit von 8— 16 Uhr und von 12— 2 Uhr gestattet werde. Die all- mächtige Presse unter Führung des obengenannten Herrn Ullstein und der namhaftesten Zeitungsverleger Berlins glaubten einen ganz besonderen Druck auf die Deputation dadurch ausüben zu können, daß sie sich vorher an die einzelnen Fraktionen im Rat- haus gewandt hatten und daß sie ferner darauf fuhten, der Mi- nister für Handel und Gewerbe hätte sie auf eine Beschwerde hin erneut an die Deputation zur endgültigen Beschlutzfassung der- wiesen, die nun eine Entscheidung zu treffen hätte. Die Depn- tation stellte sich einmütig auf den Standpunkt, daß hier das Feld verschoben sei; wäre der Minister für Handel und Gewerbe um eine Entscheidung angegangen, so müsse von jener Seite auch eine solche gefällt werden, und es gehe nicht an, die Deputation von neuem zu behelligen und ihr die Verantwortung auszuladen. Wie in der Sitzung festgestellt wurde, waren mit Ausnahme einer bürgerlichen Fraktion sämtliche übrigen dagegen, den Zeitungs- Verlegern entgegenzukommen und an dem jetzt bestehenden Orts- statut Aenderungen vorzunehmen. Die Zustiinmung könne nur zur Folge haben, daß andere Kreise von Gewerbetreibenden sofort mit ähnlichen und event. mit noch berechtigteren Wünschen als die Zeitungsverleger kommen würben. Auch sachlich wurde ein Be- dürfnis, datz an Sonntagen der Verkauf von Zeitungen für daS Publikum notwendig wäre, nicht anerkannt, es wurde dabei ins- besondere auf die Erfahrungen in den Großstädten des Auslandes verwiesen. Unter Berücksichtigung, datz dem Reichstage ein Gesetzentwurf über eine anderweitige Regelung der Sonntagsruhe demnächst zu- gehen wird und datz es nicht angängig ist, ein vor kurzer Zeit be- schlossenes Ortsstatut einer Abänderung zu unterziehen, wurden beide Anträge abgelehnt. Es wurde dann noch die Fefffetzung der Tage vorgenommen, an welchen im Jahre 1913 gemäß tz 139 c der Gewerbeordnung die Bestimmungen über die den Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern in offenen Verkaufsstellen zu gewährenden Mindcstruhezeit und Mittagszeit außer Anwendung kommen; serner gemäß § 139l der Gewerbeordnung die Tage, an denen offene Berkaufs- stellen für den geschäftlichen Verkehr bis 6 Uhr abends geöffuÄ sein dürfen. Nach erfolgter Verständigung mit dem Prolizeipräsidium wird die VeröffentlicPing der Daten dieser Ausnahmetage erfolgen. Drei Kinder von der Mutter aus Feuersgefahr gerettet. In der Kurfürstenstr. 16 brach gestern nachmittag gegen 5 Uhr in der im Kellergeschoß des Seitenflügels gelegenen Wohnung des Portiers Lange ein Brand aus, der mehrere Möbelstücke erfaßte. In der Wohnung hielten sich nur die drei Kinder der Familie im Alter von 1 bis 5 Jahren auf. Die Mutter war gerade mit dem Reinigen des HaufeS beschäftigt, als Feuerrufe laut wurden. Ticke Rauchwolken drangen schon aus der Kellerwohnung heraus. Ohne die Ankunft der Feuerwehr abzuwarten, stürzte die Mutter der Kinder in die brennende Wohnung und holte ihre drei Lieblinge auch noch glücklich heraus. Bei dem Rettungswerk zog sie sich nur einige geringfügige Brandwunden an den Händen zu, die ihr von den Samaritern der Feuerwehr verbunden wurden. Das jüngste Kiind wurde außerdem kurze Zeit mit Sauerstoff behandelt. da es unter der Einwirkung des Rauches schon etwas gelitten hatte. Das Feuer selbst konnte schnell abgelöscht werden. Ein. Teil der Möbel ist verbrannt. Eine traurige Aufklärung hat das Verschwinden des 76 Jahre alten DrechslermeisterS Karl Beßler aus der Lankwitzstraße 14 ge- funden. Der Greis war schon seit längerer Zeit Wissver und wohnte bei seinen erwachsenen Töchtern. Bor 14 Tagen kehrte Beßler von einem Ausgange nicht wieder in die Wohnung zurück. Alle Nachforschungen blieben ohne Erfolg. Vorgestern landete man ihn nun an der Schöneberger Brücke aus dem Landwehrkanal. Ob der alte Mann, der ein Augenleiden hatte und deshalb sehr schlecht sah, in das Wasser gefallen ist, oder den Tod freiwillig gesucht hat, läßt sich nicht mehr genau feststellen. Feuer im königl. Opernhaus. Während einer Generalprobe im königl. Opernhaus haben sich gestern nackimittag 5'/, llhr zwei Iln- fälle zugetragen. Bei einer Blitzlichtanfnabme zog sich ein Gehilfe der Firma Rcmbrandt in Charloltenburg /Atelier für künstlerische Ausnahmen) Brandwunden im Gesicht und der rechten Hand zu. Bei einer zweiten Aufnahme geriet der nicht imprägnierte Schirm in Brand und wurde zum größteuteil zerstört. Die Gefahr wurde durch die anwesende Sicherheitswache der Feuerwehr beseitigt. Das Publikum blieb ruhig. «Von unten aus", ein neues Buch der Freiheit ist der Titel eines Prachtwerkcs seinem Inhalt und seiner Ausstattung nach. ES ist gesammelt und gestaltet von Dr. Franz Diederich und mit 26 kiinstlerisch bedeutende», sozialen revolutionären Bildern und Bild- werken von Klinger, Meunier, Delacroix, Menzel, Millct, Kollwitz, FiduS, David, Rethel, Stciiilen, Thoma, Dorö, Crane und anderen ausgestattet. In zwei geschmackvollen Bänden präsentiert sich diese Anthologie, in der unsere Arbeiterschaft einen wahrhaften Schatz revolutionärer pro in DIchinng von wnlidci barster Fülle bat. Möchte cS dach in aller Hände kommen, um seinen goldenen Scgen�strom unaufhörlich aus- Nigiehe» in fedcs Her�, daS nach Freiheit und Sckönheit verlangt. Unsere Hanplexpedition, Lindenstr. 69, sowie alle Filialexpeditionen erleichtern den Abonnenten die Anschafsling des Werkes, dessen Preis 6 M. ist. dadurch, das; sie eS gegen Natenzabluugen von 50 Pf. p™ Woche ohne Prcisanischlag abgeben. Mau beachte den Prospekt der hetttigen Nummer unseres Blattes. Vom städtischen Seefischverkauf. Anfang dieser Woche fand im Berlirucr Rathaus unter Vorsitz des Stadtrats Vcnzky eine Konferenz mit Vertretern verschiede- ner Bororte sowie der Handelskammer der Stadt Geestemünde und der mit dem Sccfischeinkauf für die Stadt Berlin und die Vororte bcanstragten Einkäufer statt über die Frage, ob der Bezug von Seefischen für die Kommunen Grotz-Berlins einheitlich zu regeln sei. Aach längerer Beratung kam man dahin überein, die weitere Entwickelung des städtischen Scefischverkaufs vorläufig noch abzu- warte». Bei dieser Gelegenheit wurde die vorzügliche frische Qualität der bisher zum Verkauf gebrachten Seefische allerseits lobend anerkannt._ Wissenschaftlicher Vortragszyklus. Der sechste Berliner Reichs tagswahlkreis hat auch in diesem Winterhalbjahr seine Bildungs- arbeit wieder aufgenommen und einen wissenschaftlichen Zyklus ver anstaltet, der sich über 6 Abende erstreckt. Am Freitag haben die Vorträge ihren Anfang genommen, die das Gebiet der Menschen- künde behandeln. Vortragender ist Genosse Dr. Drucker. Der Redner verstand es gleich am ersten Abend, seinen zirka 600 Per- sonen— Frauen und Männer— umfassenden Zuhörerkreis von Anfang bis zu Ende seiner Ausführungen zu fesseln und in die Mysterien des menschlichen Organismus einzuführen. Nach dem einleitenden Vortrage unterstützte und erläuterte Dr. Drucker das Gesagte au der Hand von guten und scharf wiedergegebenen Lichtbildern, die bei den Anwesenden ein ganz besonders reges Interesse auslösten und es auch dem Laien ernröglichten, den viel gcstaltigen Bau und komplizierten Prozeh des Ernährens und Ver- dauens bis ins einzelne zu verfolgen. Akademiker, die vor Ar- beitern dozierten, haben schon oftmals ihre Verwunderung aus- gesprochen über die erstaunlich« Frische und Spannkraft, mit der Leute, die eine neun- und mehrstündige Arbeitszeit hinter sich haben und denen die betreffenden Gebiete meist fremd sind, der- artigen wissenschaftlichen Veranstaltungen beizuwohnen pflegen. Diese eigenartige Erscheinung war auch an dem Eröffnungsabend des erwähnten Zyklus festzustellen, und es ist somit für die Leiter und Arrangeure dieser Darbietungen die Genugtuung und Gewähr geboten, dag auch die übrigen Abende denselben Besuch aufzuweisen haben werden. Die Arbeiterbewegung zeigt auch hier wieder, dah sie bestrebt ist. Wissen und Bildung zu verbreiten und Kulturarbeit im besten Sinne des Wortes zu leisten. Das Komitee„Konfessionslos" bittet unS mitzuteilen, daß am Montag, den 4. November, abends Uhr, in der Brauerei Friedrichshain eine neue Versammlung stattfindet,, in der Dr. Georg Krämer sprechen wird. Der Eintritt ist frei. Für die Diskussion ist die Geistlichkeit aller Konfessionen eingeladen. Während der Versammlung werden Kirchenaustrittserklärungen entgegengenommen. Der Zeltzirkus Barum hat sich seit'einigen Tagen aus dem Eisbahnplatz, Pflüger- Ecke Pannierstraße in Neukölln, an der Grenze des Südosten Berlins niedergelassen. Neben der Raubtierdresslir kommt bei den allabendlich S'/z Uhr beginnenden Vorstellungen auch die Pferdedressur, sowie die Afirobalik usw. zu ihrem Neckt. Heute Sonntag finden nachmittags 4 Uhr und abends 7 Uhr Bor- stellungen statt. Gesunde» wurde beim Stiftungsfest des Arbeiter-Radfahrer- Verein„Groß-Berlin" bei Kliems 1 goldene Spange, l silbernes Medaillon, selbiges ist abzuholen bei Ed. Packheiser, Vritzer Str. 16, vorn 2 Treppen._ Yorort-Naefmebtern Neukölln. Auf zur Stadtverordnetcnwahl! Am heutigen Sonntag von vormittags 10 bis 6 Uhr nachmittags finden die Sladtverordnctenwahlcn für die III. Abteilung in den schon bekannt gegebenen Bezirken statt. Wir erwarten nicht nur, daß unsere Genossen, soweit sie wählen können, sämtlich zur Wahl gehen, sondern daß sich jeder auch am heutigen Tage in)?cn Dienst der Organisation stellt, um die säumigen Wähler an den Wahltisch zu bringen. Die Kandidaten und Schlepplolale sind folgende: Kandidaten Scklepplokale 1. Wilks. P a e tz e l, Buchhändler, Kirmse, Schinkestr. 12/13 Hobrecktstr. 26,27 4. E. W u tz k y, Gewerkschastsbeamter, Gntsche Peserstr. 26 Mareschstr. 14 5. Wilh. S chu ch, Maurermeister, Jdeal-Kasino, Weichselstr. S Okerstr. 3 9. Wilh. Z i e ch m a n n, Eigentümer, Schenk, Rosenstr. 24 Weichselstr. 59 12. Gust. Behrens, Eigentümer, Müller, Thüringer Str. 5 Knesebeckstr. 106 16. Herrn. Bredow, Eigentümer, Piechnick, Okerstr. 5 Steinmetzstr. 7 20. Dr. Silber st e isti, Arzt, Müller, Ziethenstr. 29 Berliner Str. 93 23. Wilh. Conrad, Wolf, Reutcrstr. 2 Hermannstr. 50 Niemand versäume seine Pflicht! Die Wahlen für die II. Wnhlcrabtciluug finden am Dienstag, den 5. N o v e m b e r, in der Zeit von vormittags 11 biZ 8 Uhr abends statt. Ten Mahlen liegt folgende Bezirkseinteilung zugrunde: I. Wahlbezirk. Abstiinmungsdezirt a. Bürknerstrahe, Frledelsw. 23 bis s-tl, Hobicchtstr. tt— 74, Kotlbusir Damm. Leuaullr. t— 10/11 und 20- 28/29. M.Njbachiiser 1-29, Pslugerflr. 1—12 und 67—82, Sander- in" elfte, Schinkestraße, Spremberger Strafte, Wclerstrafte von 1—6 und 211 bis 216/17. Wayllotal: G. Fischer,.Hobenstausensäle", Kottbuser Damm 76. Abstimmungsbczirt b. Framstrafte. Fricdelstr. 1—22 und 42—61, Jansa- strafte, Lenauslr. 12/18- 19. hiberdastrafte. ManitiuSstraß«, Maybachuser 30 bis 08, Nanienslraftr Cssaiiv. 1—8 und 43- 50, Pnnniersir 4—60, Pslnger- straft- 18- 66�Ncui«pIa�«euterstr. 27-65, Rittlistrafte, Tellslrafte. Weser- Wahllokal: Turnhalle der 17.. 33. und 34. Gemeiiideschule, Weser- strafte 12/13. Kaudidatea: Rob. Dichte. Wpperstr. 6; Wilhelm Ziech- mann, Weichielstr 59. 0 3. Wahlbezirk. AbstimmnnnSbezlrk a. BcrgNr. 1-58 und 119-163, Donanstr. 54— 85, Eartnersti afte, Geygerstrafte. Goelhestrafte, Herftbera- strafte. Hohenzollcrvplatz, Jnimr. 24-30 Kirchnasse. Kirchhosstr. 1-9 und 35— 49, Richardvlatz. Richwdstr. 9-53 und 64-107, Noseggerstr. 1-12 und 42—65, Nasenstraße, Schöneweider Strafte, Treptower Str 1—9 und gV—Igti, Zirape 17 b. Wahllokal: Will! Zemlin,..Deutsches Wirlshaus». Bergstr. 136/137. Abftimmungsbezirt b. Bcrnstr. 5 9— 113. Böhmische Strafte. Brusen- ...«Dir-n, nltkis'.l'. Liftei'slraikc'. �..r...�4..�.-.. Thüringer Strafte, Ünstrulstraße, Walterstr. 27— IL, Wipperstrafte, Zeitzer Strafte. Wahllokal: Oskar Wolff,„AcsellschastShauS'. Kirchhosstr. 41, Ecke Wipperftr. t3. Kandidaten: Karl Berger, Eigentümer, Herftbcrgftr. IS.: Karl Richter, Gastwirt, Mahlower Str. 7/8. 4. Wahlbezirk. Abstimmungsbezirk a. Bendastrafte, Bodestrafte, Bruno. Bauer. Sir,>fte. Dctbrülkilrafte, Edmundftrafte, Emser Strafte 1—37 und 107/8— 140. Glasowltrafte, Hcrihastraftc, Jlsestrafte, Jonasstiafte, Julius strafte. Kirchhosstr. 10/11— 33/34.' Knesebeckstr.>—34 und 120—150. Kranold, plah. K, unoldstraftc Rogalstrafte. Reinholdstrafte. RIngbahustraft«, Rübcland strafte. Schierkestrafte. Selkcswaftc, Siegsriedslr. 1—23/24, Stubenrauchplatz, Thomasstrafte, Walterstr. 1—26 und 43—55. Wahllokal: Turnhalle der Albrecht» Dürer»Ober-Realschule, Emser Straft- 133/137. Abstimmungsbezirk b. Bambachltrafte, Bobcrftraße, Emser Strafte 33 bis t-, 5/106. Eschrrshcimcr Strafte. Grüner Weg, Hcrmannslrafte 75—178. Knesebeckstr. 35,36—119, Muricndvrser Weg. Neifteslrafte. Nctzeslrafte, Oder- strafte 1—29, Siegsriedsli afte von 25/26—58/59. Warlheslrafte. Wahllokal: Paul Bellcnbaum,„Neues Klubhaus", Hermannstr. 166 bis 167, Ecke Schierkestr. 29. Kandidat: Paul Horman», Eigentümer, Falkstr. 11. g. Wahlbezirk. Abstimmungsbezirk a. FalksNafte, Hermannstr. 28 bis 74 und 179—232, Jägerslrafte. Jlarstr. 5—10, Kopsstrafte, Lessingitrafte, Lehkeslraftc. Mainzer Str. 27—36, Mittelweg, Ncckarstrafte, Prinz-Handjerh- Strafte. Steinmetzstr. 1—41 und 81/82—124, WaftmannSdorser Strafte, Zietenstrafte. Wahllokal: Emil Hartmann,.Berliner Kindl-Braueret", Hermann- strafte 214-219. ftlbilimmungsbezirk b. Allerstraftc, Fontanestrafte, Herrsurthplatz, Herr- surlhstrafte. KarlSgartenstrafte, Leinestrafte. Lichtenrader Strafte, Mahlower Strafte, Oderstr. 30—52. Oke, strafte. Schillcrpromcnade, Sclchower Strafte, Steinmetzstr. 43—79/80, Wanzlilstrafte, Weilestrafte. Wahllokal: Turnhalle der 21. und 23. Gemeindeschule, Weise- strafte 19/20. Kandidat: Otto Roeseler, Eigentümer, Kopsstr. 18. 6. Wahlbezirk. Abstimmungsbezirk a. Berliner Strafte t— 46 und 62— 107, Donauslr. 1—31 und 99— 131, Ertstrafte, Fuldastr 1—10 und 53—61, Hobrechlstr. 1—10 und 75— 84, Kaifcr-Friedrich-Strafte 1— 28 und 222—248, Pannierstr. 1—3 und 61—64, Reuterstr. 18— 26 und 66— 77, Schönst edtslrafte, Weichselstr. 1— 10 und 61— 69. Wahllokal: Turnhalle des Kaiser-Friedrich. Realgymnasium, Kaiser- Friedrich- Strafte 209/10. Abstimmungsbezirl b. Biebrichstrafte, Boddinstrafte, Erlanger Strafte, Halcnheide, Hermannplatz, Hermannstr. 1—27 und 233—258, Zfarstr. 1—4 und 11—14, Mainzer Sir. 1—26 und 37— 60, Münchener Strafte, Reuterstrafte l— 17 und 78—98/99, Wlssmannstrafte. Wabllolal: Arnold Scholz,»Neue Welt", Hasenbeide 108/14. Kandidaten: Herm. Wille. Fabrikant, Fuldastr. 55/56. Otto K! r st e i n, Eigentümer, Ziethenstr. 57. Morgen Montag, den 4. November, abends 8'/z Uhr, finden zwei Wählerversammlnngen statt und zwar: in den Passage-Festsälen, Bergstr. 151 und in der Vereinsbrauerei fGartenhalle) Hermannstr. 213. Tagesordnung in jeder Versammlung: Sozialdemokratie und Gemeinde- Politik.— Der vereitelte Wahlrechtsraub. Referenten sind die Genossen Eduard Bernstein, Groger, Hirsch. Dr. S i l b e r st e i n._ Wilmersdorf-Halensee. Zu den heutigen Stabtverorbnetenwahleik. Heute, Sonntag, von 12 bis K Uhr, finden in sämtlichen Bezirken dritter Abteilung, mit Ausnahme des ersten in Halens« gelegenen Bezirks, die Wahlen zur Stadtverordneten- Versammlung statt. Unsere Parteigenossen haben zu den Wahlen folgend» Kandidaten aufgestellt: Im zweiten Wahlbezirk, Wahllokal Restaurant Gmerek, Johann-Georgstr. 19, Halenfee, den Gaskontrolleur Kurt T u ck e r- mann: im dritten Wahl-bezirk, Wahllokal Restaur. Krössel, Kon- stanzer Str. 58. den Hausbesitzer August Hahn; im vierten Wahlbezirk, Wahllokal Restaurant Gebell. Uhlandstr. 138, den Zigarrenhändler F. Pieper und den Haus- besitzer August Hahn; im fünften Wahlbezirk, Wahllokal Restaurant Jörs, Kaiser- Allee 211, den Rlaurer Otto Poggensee; im s e ch st e n Wahlbezirk, Wahllokal Restaurant Selke. Brandcnburgische Straße 69, den Hausbesitzer August Hahn; im siebenten Wahlbezirk, Wahllokal Restaurant Patzek, Wilhelmsaue 112, den Schriftsteller Dr. Rud. Breitschcid; im achten Wahlbezirk, Wahllokal Restaurant Pastow. Ber- liner Straße 8, den Stukkateur Otto G l a d i g o w; im neunten Wahlbezirk, Wahllokal Restaurant Groß, Kaiserplatz 14, und Restaurant Sieg. Mecklenburgische Str. 14, den Einsetzer R. Becker und den Hausbesitzer August Hahn. Das'Zentral wahlbureau der sozialdemokratischen Partei befindet sich im Restaurant Schilling, Lauenburgcr Straße 20. Wir ersuchen unsere Genossinnen und Genossen, sich vor- mittags 11 Uhr in den Bczirkslokalen einzufinden; nie» mand darf bei der außerordentlich wichtigen Agitationsarbeit fehlen. Es empfiehlt sich, das Wahlrecht möglichst zeitig auszuüben. Das Wahlresultat wird am Abend nach 7 Uhr in folgenden Restaurationen bekanntgegeben: Riche, Salensee, PaulSborner Str. 25; I u h n k e, Westfälische Str. 65; Adam. Pfalzburger Str. 27. Gräschke. Kaiser-Allce 209; Selke, Brandenburgische Str. 69; Fischer, Durlachcr Str. 8; Schilling, Laucnlmrgcr Str. 20; Pott- schieß, Paretzer Str. 2, Bauer, Aachener Str. 27; Rietsche. Gasteiner Str. 6; Voß. Berliner Str. 160. Diejenigen Wähler, die Montag in der zweiten und Dienstag in der ersten Abteilung wählen, werden ersucht, ihre Stimme für Redakteur Schröder, Heidelberger Platz 2, abzugeben. Das sozialdemokratische Wahlkomitee. Die V-ltsversammlung, die unsere Partei am Freitagabend im Nikto riagarten abhielt, nahm in agitatorischer Hinsicht einen außerordentlich wirksamen Verlauf. Der größte Saal der Stadt war bis auf den letzten Platz gefüllt; und die zur Erörte- rung stehende Frage:„Warum müssen mehr Sozial- demokraten ins Stadtparlament?" fand durch die Rede des Berliner Stadtverordneten Rechtsanwalt Dr. Rosen- - e l d eine treffende, überzcugungskräftigc Beantwortung. Als zweiter Redner kennzeichnet« Dr. Bre et scheid das skandalöse Verhalten der F o r t s ch r i t t l e r, die sich in Wilmersdorf bc- kanntlich mit den schlimmsten Reaktionären zum Kampf gegen die Sozialdemokratie verbündet haben. Unter der selbstverständlichen Zusicherung voller Redefreiheit forderte der Vorsitzende die im Saale anwesenden Leiter der fortschrittlichen Lokalvcreine zu einer Entgegnung auf; doch hatte keiner der Herren den Mut, seine Sache öffentlich zu vertreten. Von den sozialdemo- kratischen Kandidaten nahmen sodann noch Stukkateur G l a- digow, Gaskontrolleur Tuckermann, Einsetzer Becker und Gastwirt Hah_n zu kurzen programmatischen Ausführungen das Wort, worauf Stadtverordneter Riedel in scharfen Worten das volksfeindliche Wirken der rückschrittlichen Stadtverordneten- Mehrheit im allgemeinen und das klägliche Verhalten der Fort- 'chrittler im besonderen an Einzelbeispielen beleuchtet«. Mit dem Appell an die Anwesenden, bei den Wahlen mit allem Eifer im Sinne der Sozialdemokratie tätig zu sein, schloß der Vorsitzende, Stadtverordnete Schröder, die Debatte, worauf derWilmersdorferMannerchorcin stklnmttngs- volles Lied vortrug. Ein bürgerlicher Stadtverordneter. In einem Flugblatt, das zu den heutigen Stadtverordn-eten wählen von den Be-> zirksvereincn Wilmersdorf-Süd, Rheingau, Alter � Ort, der Bc- amtenwohnhausgruppe und anderen bürgerlichen Vereinen unter- zeichnet ist, findet sich folgende Stelle: „Herr Fischer, dessen berufliche Tätigkeit sich hauptsächlich in Grundstücksgeschäftcn bewegt, hat in seiner Eigenschaft als Stadtverordneter seine geschäftliche mit seiner ehrenamtlichen Tätigkeit zu verquicken ver- sucht.... Dieser Herr und sein Anhang spielen sich jetzt als Beschützer der freien Berufsstände und Gewerbetreibenden auf.... Auch sein eigenartiges Verhalten gegen einige Geiverbetreibende hat lebhaftes und tiefgehendes Bc-- fremden erregt." In der letzten Nummer der„Bczirksnachrichten", einer vom Bezirksvcrein Kaiserplatz monatlich herausgegebenen Druckschrift, wird Herr Fischer hingegen ein verdienstvoller Stadtverordneter genannt. Wir nehmen an ohne ironische Nebenbedeutung. In der Tat ist Herr Fischer von seinem Bezirksvercin wieder von neuem als Kandidat der zweiten Abteilung aufgestellt worden! Der Verkauf russischen Fleisches soll jetzt endlick auch in Wil- inersdorf zur Tatiacke werden. Wie bekannt gegeben wird, hat der Magistrat mit einer Anzahl von Fleischermeislern ein Ueberein- kommen getroffen, wonack diese vom Dienstag ab ausländisches Fleiick in Mengen von einem halben bis vier Pfund an das Publtlum abgeben. Charlottenburg. In der erweiterten Sitzung der Gewcrkschafiskommisston in Gemeinschaft mit sämtlichen Gewerkschaftsfunktionären wurde zu- nächst ein Vortrag des Genossen Klühs-Neukölln über das Thema: „Klassenkampf und materialistische Geschichtsausfassung" mit sichtlichem Interesse angehört. Die Anregung des Genossen Flemming, eine Aussprache über das am Orte in den einzelnen Gewerkschaften geübte Einkassierersystem herbcizufiihren, wurde, nachdem Genosse Richter noch betonte, daß die Aussprache zunächst nur einen theore- tischen Zweck haben könne, wegen vorgerückter Zeit bis zur nächsten Sitzung vertagt. Ferner machte Genosse Flemming noch ans den vom örtlichen BildungSausschuß veranstaltenden Vortragskursus des Herrn Dr. med. S. Trucker über: ,:Einführulig in die Biologie, Leben und Lebensformen" besonders aufmerksam. Ebenso wies zum Schluß Genosse Richter noch auf den am 3. November statt- sindenden Volkskunstabend der Stadt Charlottenburg in der Aula des Kaiser-Friedrich-Gymnasiums hin. Ohne Entschuldigung fehlten: Fleischer, Gemeindcbctriebsarbeiter und Sattler. Am Donnerstag, den 7. November, abends 8� Uhr, beginnt der naturwissenschaftliche Kursus. Es finden sechs Vorträge mit Lichtbildern an diesem und den folgenden 5 Donnerstagen (bis 12. Dezember cr.) im kleinen Saale des Volkshauses, abends 8� Uhr pünktlich, statt. Thema:„Einführung in die Bio- logic, Leben und Lebensformen." Vortragender: Herr Dr. S. Drucker. Eintrittspreis für alle 6 Vorträge 80 Pf., für den Einzclvortrag 25 Pf. Karten im Volkshause(Stehbierhalle) und bei Scharnbcrg, Scsenhcimcrsir. 1. Der Bildungsansschuß Köpenick. Die Stadtvcrordnetcnwahlrn finden in diesemIFahre von Montag, den 4., bis Donners- tag. den 7. November statt. Die Wahl der III. Abteilung findet wie folgt statt: Für die in der Altstadt und in der Dammvorstadt wohnbaftcn Wähler am Montag, den 4. November, nachmittagSvon 4 bis S Uhr, im Stadttheater(Inhaber Otto), Friedrich- straße 6; für die in der Kietz-Vorstadt wohnhaften Wähler am D i e n 3» tag, den 5. November, nachmittags von 4 bis S Uhr, im Restaurant Hausknecht(früher Ludwig). Dörolheenstr. 1; für die in der Köllnische» Borstadt wohnhaften Wähler am Mittwoch, den 6. November, nachmittags von 4 bis 8 Uhr, Restaurant S ch e e r, Rudowerstr. 1. Wähler, die verhindert sein sollten, an dem für ihren Bezirk fest- gesetzten Wahltage ihr Stimmrecht auözuiiben, können an einem der drei Tage in einem anderen Bezirk wählen. Die Kandidaten der Sozialdemokratie sind: Rudolf Gabriel, Karl N i e k e, Heinrich Jungklaus, Eduard Z o b i a n als Hausbesitzer, und Paul Herbst, Max Galle, Emil W i ß l e r. Die zweite Abteilung wählt am Donnerstag, den 7. November, nachmittags von 4— 7 Uhr, im NathauSsitzungS- saale. Unsere Kandidaten find: Wäschereibesstzer Wilhelm Schmidt, Hermann B ä d i ck e r, Gustav K i e h l als Hausbesitzer, und Otto Nickel und Bernhard L i e t s ch e. Das sozialdemokrarische Wahllokal befindet fich beim Genossen Gustav Müller, Alter Markt 8. Friedrichöfelde-Karlshorst. In der letzten Gcincindevcrtretersitznng standen nicht kveniger als 21 Tagesordnungspunkte zur Verhandlung. Und da sich die Gcmeindcvcrtrcter von einer gründlichen Beratung der einzelnen Beratungsgegenstände trotzdem nicht abhalten ließen, wurde eine zweite Sitzung notwendig. Es dürfte die Frage am Platze sein, ob es im Interesse einer gewissenhaften Erledigung der Geschäfte nicht geboten wäre, die Gemeindcvertreter öfter zusammenzuberufen. Im Brratungsraum entsteht bei so langen Sitzungen ein« nner- trägliche Temperatur, so daß bereits beschlossen wurde, zukünftig in der ViertenVolksschulezuKarlshor st. Kaiserin. Augusta- Allee, zu tagen, und zwar solange der Anbau der ersten Volksschule nicht vollendet ist. Bei der Erörterung der Bc- leuchtung einiger neubebauten Straßen wurde im Hinblick auf das zu errichtende Gemeindegaswerk Gasbeleuchtung beschlossen. Das Gaswerk Obcrspree hatte bei der Verhandlung einen Passus in den Vertrag aufzunehmen versucht, der ihr die Lieferung sämt- I icher Kandelaber in allen mit Hauptrohr belegten Straßen auf alle Zeit gesichert hätte. Zum Glück wurde diese Falle noch recht. zeitig erkannt und beseitigt. Durch einen Nachtragsvertrag ist die Lieferung elektrischen Stromes für die Straßenbeleuchtung bis zur Fertigstellung der gemeindlichen Anlagen gesichert. Der O r t s- ausschuß für Jugendpflege, dem erst ,n der vorigen Sitzung 600 M. bewilligt wurden, scheint Appetit beim Essen bc- kommen zu haben, denn es lag bereits wieder ein Antrag auf Bewilligung von 1 0 0 0 M. für den Etat 1913 vor. Die zugrunde- liegende Absicht leuchtet deutlich aus dem Antrage hervor. Der Vorsitzende des Ausschusses, der auch Dezernent für das Steuer- Wesen ist, weiß aus fächeren Jahren ganz genau, wie schwer der Etgt für unsere Gemeinde ins Gleichgewicht zu bringen ist, wenn man eine Steucrerhöhung vermeiden will, und er fürchtet offenbar, daß dann bei der Etatberatung selbst wenig Geneigtheit vorhanden sein würde, diesem Zweck so enorme Summen zu bc» willigen. Deshalb wollte cr borgrelsen und deshalb umging cr wohl auch die Etats- und Rechnungskommission. Die Gemeinde- Vertreter waren einsichtiger wie dieser Herr und verwiesen den, Äntrag beut UuitflQ un]eret ein bic �u» ständige Kommission.. Am Realgymnasium sowohl, als auch an der Höheren Mädchen- schule sollen jährlich je zwei Freistellen an befähigte Volks- schülcr resp.-schülerinncn gewahrt werden, soweit besondere Kosten dadurch nicht entstehen. Von unseren Genossen wurde gefordert, man solle Garantien schaffen, daß wirklich nur die Befähigung bei der Auswahl der Schülcr maßgebend ist, nicht aber Rücksicht gc- nommcn wird auf das Religionsbekenntnis usw. der Eltern.— Für den Turnunterricht an den höheren Schulen müssen ander- weitig Räume beschafft werden, weil die in Aussicht genommene Turnhalle der dritten Voltsschule bereits voll in Anspruch genommen ist. Gegen die Absicht, R c st a u r a t i o n s r ä u ni c zu dem Zwecke zu mieten, sprachen sich unsere Vertreter ganz entschieden aus. Der Errichtung einer Turnbarackc könne man eher zustimmen. Vor allem aber sei man in der Lage, durch den Bau einer Gemeinde- turnballe auch für die Arbeiterturner etwas mit zu schaffen. Bei der Prüfung und Feststellung der Jahresrcchnung für 1311 wurde bemängelt, daß die Verluste beim Verkauf von Wertpapieren durch die einzelnen Verwaltungen im vollen Umfange auf die Kanalisa- tionsverwaltung abgewälzt wurden. Den Ueberschuß von 152 303 Mark, den die Jahresrechnung ergeben hat, soll zur Schaffung eines Ausgleichsfonds verwendet werden, um in ungünstigen Jahren den Etat leichter ins Gleichgewicht bringen zu können. Die Sichcrheitszuständc im Ortsteil Karlshorst nahmen dann einen breiten Raum in der Debatte ein, die schließlich zu dem Beschlutz sich verdichtete, einen Kommissar und zwei Sergeanten neu ein- zustellen. Die Matznah men gegen die Teuerung bildeten den wichtigsten Teil der Verhandlungen. Der Gcmeindevorstand hatte seinerzeit die Initiative ergriffen, um sich dem Vorgehen der Grotz-Berliner Gcmeind-n anzuschließen. Unsere Gemeinde wird demzufolge an den russischen Fleischlieferungcn teilhaben. Nur über die Menge und über die Art des Vertriebs herrschte noch Meinungsverschiedenheit. Von unseren Genossen wurde mit allem Nachdruck der Vorschlag des Gemeindcvorstandes unterstützt, wonach das Fleisch in eigener Regie vertrieben werden sollte. Aus begreiflichen Gründen fand dieser Vorschlag jedoch keine rechte Gegenliebe bei den bürgerlichen Vertretern, so datz also die Schlächter, und zwar abwechselnd den Verkauf übertragen bekommen. Hinsichtlich der zu beziehenden Menge hatten die Schlächtermeister selbst für jeden Ortstcil pro Vcrkaufstag 14 Zentner angegeben. Genosie Pinseler wies an Hand einer vor- sichtigen Berechnung nach, datz 75 Zentner pro Woche ein sehr minimales Quantum seien und ohne Bedenken bestellt werden könnten. Die Mehrheit war aber ängstlicher ud bcschlotz, sich vor- läufig mit 33 Zentnern wöchentlich zu begnügen. Ein von unseren Genossen geforderter Teuerungsausschuh der zum Zwecke be- schleunigten Arbeitens mit Geldmitteln ausgestattet sein sollte, wurde rundweg abgelehnt. Die freie Turnerschaft hatte auf Grund der Tatsache, datz sie außerordentliches auf dem Gebiete der Jugendpflege leiste, einen Antrag an die Gemeinde gestellt auf Ucberlaffung von Räumen und Bewilligung von Geldmitteln. Sie kamen jedoch an die falsche Adresse, die bürgerlichen Vertreter kamen der bürger- lichen Jugendbewegung wohl in weitestem Matze entgegen und gaben derselben mit vollen Händen aus allgemeinen Mitteln, sie verweigerten aber der Arbeiterschaft auch das mindeste Entgegen- kommen. Statt dessen ritten die Herren wieder auf dem schon allzu abgedroschenen Gaul, datz die Arbeiterturner ein politischer Verein seien. Nun die Arbeiterschaft wird auch hier auf ihrem Wege fortschreiten, ohne gemeindliche Hilfe und trotz aller Schwierig- leiten, die man ihr bereitet. Schließlich kam dann noch ein An- trag unserer Genossen zur Beratung, Mittel zur Verab- reichung warmen Frühstücks an bedürftige Schulkinder bereitzustellen. Zwar glaubte die Schulverwaltung schon genug und weit mehr wie manche ander« Gemeinde getan zu haben, aber ihr wurde mit Recht auf Grund der Sckmlarztberichte erwidert, datz noch sehr viel zu tun übrig bleibt. Es soll in der nächsten Sitzung eine Vorlage unterbreitet werden, die etwa zu ergreifende weitere Matznahmen zum Gegenstand haben soll. Lanktvih. Am nächsten Mittwoch, abends S'/s Uhr. findet bei Dohn der erste Lichtbildervortrag statt. Der Zyklus bebandclt die EntWickelung der Lebewesen und die Entstehung des Menschen. Die Genossen werden ersucht, für regen Besuch der Vorträge zu sorgen. Karten zum Preise von 30 Pfennig für alle sechs Abende sind noch überall zu haben. Mit den Vorträgen ist eine Ausstellung von guten Büchern über das Tbema verbunden.- NdlerShuf. Der von der Gemeinde ieiriedenc Seefischvcrkauf hat ein sehr gutes Resultat gezeitigt. Seit dem 11. Oktober sind 2347 Pfund für rund 425 M. verkauft worden. Rechnet man zu dieser Summe noch den Fischverkaus der Konsumgenossenschaft und den Verkauf an den Markttagen, so zeigt das Bild, wie sehr die Arbeiterbevölkcrung durch die hohen Fleischpreise zum billigeren Secfischkonsum gedrängt wird. Leider ist es dem Gemeindevorltand bisher nicht gelungen, die Genehmigung zum Verkauf des billigeren russischen Fleisches zn crbaltcn. Die hiesigen Schlächtermeister haben sich bisher nicht ent- schloffen, die Preise wie in Berlin herabzusetzen. Für sie existiert die Not der Adlershofer Bevölkerung nicht. Schmargendorf. In einer gut desuchten, im Schützenhaus tagenden öffentlichen Versammlung referierte Landtagsabgeordneter A. Hoffmann über: Unsere Stellung zur Kirche. Das Referat wurde mit großem Interesse aufgenommen. An der Diskussion beteiligten sich einige Herren vom Monistenbund, welche zum Austritt aus der Landes- kirche aufforderten. Am Schluß der Versammlung wurden 23 Austritts- erklärungen entgegengenommen. Rciuickcndorf. Bei der Arbeit vom Tode überrascht wurde am Freitagvormittag der hier, Berliner Str. 134, wohnhafte 54 Jahre alte Tischler Wilhelm Pöltcr. P., der in den Mcssingwerkcn beschäftigt war, hatte mit seinen Kollegen noch in bester Laune sein Frühstück ver- zehrt, kurze Zeit nach der Frühstückspause sahen seine Kollegen, wie ihm der Hobel aus der Hand fiel und er selbst zusammenbrach. Der schnell herbeigerufene Arzt Dr. Falk konnte nur noch den Tod durch Herzschlag feststellen. Oranienburg. Die letzte Stadwcrordnctcnsitzung verlief wie das Hornberger Schieben. Es scheint nachgerade zur Gewohnheit zu werden, datz jeder Sitzung eine geheime Borbesprechung voraufgeht. Nachdem diese beendet und verschiedene kleine Vorlagen debattelos an- genommen wurden, hatte sich die Versammlung mit der Bewilligung eines Betrages für Schulzahnpflege zu befassen. Zu diesem Zwecke waren bis zum 1. April 1912 durch Beschlutz vom 17. Januar d. I. Mittel bewilligt worden. Genosse Paris wünschte, datz die Schul- Zahnpflege besser ausgebaut werde. Auf Antrag des Stadtverordneten Weinberg wurde die vorgesehene Summe von 33 M. einstimmig auf 233 M. festgesetzt. Mit der LandlvirtschaftSkammer ist ein Vertrag betreffs Verwertung des alten Grundstückes der Landwirtsckaftlichen und Gärtnerlehranstalt zu schließen. Die Versammlung stimmte den» Antrage des Magistrats zu. Sodann hatte sich eine Abänderung des OrtSstatutS über die städtische Entwässerungsanlage notwendig ge- macht. Der§ 7 des Statuts bestimmt, datz für die Berechnung der Gebühren die staatliche Veranlagung zur Gebäudestcucr der Matzstab sein soll. Zur Vermeidung von Ungleichheiten soll die Bestimmung dahin geändert werden, datz für die Berechnung der Gebühren der staatlich veranlagte Gebäudesteiiernutzungswert als Matzstab dient. Die Versammlung stimmte dem zu. Als letzter Akt kam die An- gclegenheit betreffs Regenwasserkanalisation zur Verbandbmg. Eine halbe Million sollte die Schmutzwasserkanalisation kosten nud nahe an l'/a sind bereits bewilligt. Die jetzige Forderung belauft sich auf 373 333 Mk., sodatz die Kanalisationsanlage rund zwei Millionen Mk. kosten würde. Es ist deshalb auch nur zu er- llärlich, datz hier kein Vertreter mehr mit machen wollte. Leider kam hierbei nicht ganz zum Ausdruck, wem die Schuld an solcher Wirtschaft beizumessen ist. Lediglich die Flucht der Mieter wegen allzu hoher Steuer seS wurde schon von 433 Proz. gesprochen) war mitbestimmend, daß auch die bürgerlichen Vertreter für eine emst- weilige Hinausschiebung des Projekts eintraten. In Ausübung seines Berufes schwer verunglückt ist gestern vor- mittag der Zimmermann Benjamin Karwinkel vor hier, Kühnes Privaistratze wohnhaft. Derselbe war seit längerer Zeil an der Ablage der chemischen Fabrik„Germania' mit Rammarbeiten be schäftigt. Aus bisher unbekannter Ursache hatte sich der Hamme, der Dampframmen aus seinen Angeln gelöst und traf den in nächster Nähe arbeitenden K. so unglücklich, datz er in bewutztlosem, schwerverletztem Zustand in die Privatllmik des Herrn Dr. Rege gc- bracht werden mutzte.__ Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Schönel-crg. Am Montag, den 4. November, nachmittags 7 Uhr, im StadtverordrietensitziuigSsaal. Knulsdorf. Montag, den 4, November, abends 7 Uhr, im Lokale des Herrn Götze, Frankfurter"Ehaussce 4/S, Marierifcldc. Mittwoch, den 6, November, nachmittags 6 Uhr, im Sitzungszimmer— Zctchcnsaal in der neuen Gemeindefchule, Dorfsir. 53. Schöneiche(Niederbarnim). Am Montag, den 4. d. M., abends 8 Uhr, im Modrachschcn Lokal. Aus der Tagesordnung steht die Gas- und Wasserversorgung. Diese Sitzungen find Ssfentlich. Jeder EemeindeaiigchSrigc ist l>e- rcchttgt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Jugendveranstaltungev. Adlershof. Ein Jugcndversammlung sindct am Heuligen Somilng, abends 6 Uhr, bei Kaut, Wsmarckstr, lv, stait mit dem Thema: Tic Jugevd des arbeitenden Voltes. Freie Aussprache.— Nachher Tanz. Um rege Beteiligung bitten die Veranstalicr. Turnverein Obcrsprce, Oberschöneweidc, Atvirt von jetzt ab im Wilhelminenbos Montag und Freitag von S— 13 Uhr. Daselbst auch Ver- kchrSiokal. WittcrnngLüberficht vom ü. November 1918. ierlin Frankf.a München 1771® Wien 17671» TSrtterprognoie für Donntag. den S. November 1912. Zeitweise heiter, aber kühl und vcräirdcrltch mit geringen Nirderschlägm und frischen westlichen Winden. Berliner W e t t e rb ur c a u. Raiictikluli Frisch aul. Die Beerdigung unseres am ZV.Oltober bei derBahnkataswophe an der Jannowitzbnicke ver- unglückten Mitgliedes Aogust Klinpnberg I findet am Montag, den 4. Novcm- ber, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Markus-KtrchhofeS in WUHelSmbcrg aus statt. Ghre seinem Andenken? Reparaiuren. DPez.: Uu- erläglich saubere Mensur für Dchüler. Tonverbcfie- rung, auf Wunsch auch solche, die dem alt-italiciiischenToue täuschend ähnlich ist. Wesent- liche Vorteile und eventuelle Ratenzahlung für Vorwärts. Abonnenten, Ungewöhnlich Ehrende Anerkennungen. LmN 7oUSLaint. A'erlr-itstie kür Kunstgelzendau in Berlin N. 24, Kl. Hamburzerftr. 17. 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Tckiller-Theater«. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Zopf und Schwert. Abends: Flachsmann als Erzieher. Montag: Die Kinder der Exzellenz. Dienstag: Wachsmann als Erzieher. Mittwoch: Der Talisman. Donners- tag: Des Pfarrers Tochter von Streladorf. Freitag und Sonnabend: Die Kinder der Exzellenz. Sonntag: Im weißen Rößl. Montag: Des Pfarrers Tochter von Streladorf.(Anfang 8 Uhr). Schiller- Theater(kharlottcndurg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Jüdin von Toledo. Abends: Die Kmder der Exzellenz. Montag: Im weißen Rößl. Dienstag: König Lear. Mittwochnachmtttag 3 Uhr: Wallciistcins Tod. AbendS: Im weißen Rößl. Donnerstag: Die Kinder der Exzellenz. Freitag: Im weißen Rößl. Sonnabend: De« Pfarrers Tarier von Streladorf. Sonntag: Wilhem Tell. Montag? Die Kinder der Exzellenz.(Aniang 8 Uhr.) Friedrich< itüilhelmftädt. Schauspielhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Weh' dem. der lügt. Allabendlich: Grigrt.(Ansang S'l, Uhr) Neues Volks- Theater. Sonntagnachmtttag 3 Uhr: Lore. Die Spieler. Der Kammersänger. Abends: Die Doppelgängerkomödie. Mon- tag: Liebelei. Literatur. Dienstag: Mutter Landstraße.' Mittwoch: Liebelei. Literatur. Donnerstag: Mutter Landstraße. Freitag: Lore. Die Spieler. Der Kammersänger. Sonnabend: Mutter Landstraße. Sonntag: Mutter Landstraße.(Ans. 8'/, Uhr.) Thatia-Theater. Allabendlich: lllutoliebchen.(Ansang 8 Uhr.) Luitspielbaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: So'n Windhund. All- abendlich: Mein alter Her»(Anfang 81/, Uhr.) Komüdienhaus. Sonniagnachmittag 3 Uhr: Der rot« Leutnant. Allabendlich: Die Generalsecke.(Ansang 8 Uhr.) Rcsidenz-Thcater. Allabendlich: Gemütsmenschen.(Ansang 3 Uhr). Deutsches SchansPielhauS. Mittwoch- u. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Egmont. Allabendlich: Der gutsitzende Frack.(Ansang 8 Uhr.) Theater am Nollendorsplaft. Allabendlich: Orpheus in der Unter- weit.(Ansang 8 Uhr.) Gasino- Theater. Sonntagnachnnttag s Uhr: O diese Männer. Allabendlich: Der Großfürst.(Ansang 8 Uhr.) Montis OPerrtten-Theater. Sonniagnachmittag 8 Uhr: Wiener- Nut. Allabendlich: Der Fraucnfresser.(Ansang 8 Uhr.) Kurfursten-OPcr. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Der Troubadour. Sonntag bis Dienstag: Der Kuhreigen. Mittwoch: König Harlekin. Donnerstag: Der Kuhreigen. Freitag: König Harlekin. Sonnabend: Der Kuhreigen. Sonntag: König Harlekin.(Ansang 8 Uhr.) Montag: Unbestimmt. vtosc- Thratrc. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Von Stufe zu Stufe. Abends: Deutsch-Amerikaner. Montag bis Mittwoch: Von Stufe zu Stufe. Donnerstag: Wilhelm Tell. Freitag: Di« größte Sünde. Sonnabend: Deutsch-Amerikaner. Sonntag: Von Swse zu Stufe. Montag: Die große Sünde.(Ansang 8 Uhr.) Luisen-Theater. Sonniagnachmittag 3 Uhr: Der Walzertönig. All- abendlich: Des andern Ehre.(Ansang 8 Uhr.) Herrnfrld< Theater« Allabendlich: Die Alpenbrüder. Endlich allein.(Ansang 8 Uhr.) Admlralöpalaft. Eisballeit: Yvonne.(Ansang 10 Uhr.) ReichShaUcn-Tbcarer. Allabendlich: Die Macht der Töne.(An- sang 8 Uhr. Sonntags 7'/, Uhr.) Urania< Theater. Täglich: Aufs Mattcrhorn.(Ansang 8 Uhr.) Zirkiis Busch. Sonniagnachmittag S'h und allabendlich 7'/, Uhr: Galavorstellung. ZirkuS Schumann. Sonnlagnachmittag S'l, Uhr und allabendlich 7»/, Uhr: Galavorstellung. Metropol> Theater. Sonniagnachmittag: Tata Toto. Allabendlich: Chauffeur— ins Metropol I(Ansang 8 Uhr.) Folies Gaprice. Allabendlich: Der keusche Joseph. Der Rehbock. (Ans. 8'U Uhr.) Paiiage-Theater. Sonntagnachmtttag 3 Uhr und allabendlich 8 Uhr: Spezialitäten. Winlcrgartru. Sonntagnachmittag 3 Uhr und allabendlich 8 Uhr: Spezialitäten. Apollo-Theater. Sonntagnachmtttag 3 Uhr und allabendlich 8 Uhr: Spezialitäten. Königstadt-Kafino. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) ßrieAtaften der Redaktion. Tie juristische«prechstunde findet Liudeustraste LS, dorn vier Treppen — F-yrstuhl—, wochcnUi glich loa tist»is 7(4 Uhr adends, eonnabendö, von 4Vb bis« Uhr abrnd» statt. Jeder für deu«rieftaftro bestimmte»«»frage ist ei» Buchs»«», und eintz Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche«ntroort wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine Adonnemrnksquiiwng deigesügt ist, rerden nicht deaullvorket. Eilige Krage»»rage»«a» i» der Bprechsinnde»»r. M. S. 34. t. Für die Bemessung des Unterhalt« kommt der Verdienst in Frage, den Sie zu der Zeit haben, wo der Prozeß schwebt. Falls später dieser Verdienst ausfällt oder stch mindert, können Sie eine neue Klage aus Herabsetzung erheben. 2. Wahrscheinlich ist die Firma dazu außerstande. — G. K. v. 5. Der Schuldschein ist noch rechtsgültig, die Klage ist beim Amtsgericht Berlin- Schöneberg, Gruncwaldsw. S6/S7, anhängig zu machen.— 7. I. M., falls letzteres der Fall gewesen ist. 2. Be« schlvcrde innerhalb 1s Tagen nach Zustellung deS Urteils.— R. Der An- geschuldlate kann nicht zum Eid gezwungen werden.— K. B. 100. Die �rage läßt fich nur nach Einsichtnahme in die Gerichtskostenrcchnung beantworten.— E. F. 12. Den Besuch können wir nicht empfehlen, da die Vereinigung keinen guten Rus genießt.— F. P. 17. Soweit erstchtlich, ist die Gemeinde ersatzpflichtig.— P. F. 27. 1. Wilhelm Oppermann, ..Allgemeiner Deutschcr Veriobungs- und SiandesamiSanzriger", Char- lottenburg, Kantstr. 9g. 2. Ja.— B. 42. ES besteht keine Gefahr. F. G. 20. Sie können gegen den Beschluß, durch welchen die Fürsorge- erziehmig angeordnet ist, innerhalb 1t Tagen beim Amtsgericht Berun-Miite Beschwerde einlegen. Eine Beschwerde erscheint aber wenig auSfichtsvoll. — A. W. 20. Der Standpunkt der Steuerbehörde entspricht dem Gesetz. — A. D. 3. Die Fragen lassen sich nur nach Kenntnis de» Inhalts des Vergleichs beurteilen. Ersuchen Sie das Gericht um Erteilung einer Ber« gieichSabschrist und fragen Sie dann eventuell nochmals an oder kommen Sie in die Sprechstunde.— I. R. 130. Falls daS Ktnd auch üi verlin erzogen wird, 30 bis 35 M. monatlich.— 8. R. 338. 1. Sie hasten alsdann nur sür die Kosten deS Gegners, genau so als wenn Sie im Prozeß unterliegen. 2. Nein. Sie können nur die Versteiaerung der Sachen durch einen Gerichtsvollzieher veranlassen, au« dem Erlös werden»«nächst die Kosten gedeckt, alsdann Ihre Forderung, ein etwaiger Uederschuß ist zu hinterlegen.— W. S. Z. 121. Amisgericht Brrim-Mttte, Koste» etwa 3,50 M.— tzl.®. 39. 1. Wir halten Sie und den Kollegen für be- rechtigt, die Differenz zwischen 75 Ps. und 1 M. pro Stunde von dem vor- arbetter erstattet zu verlangen. 2. Aus allgemeinen Rechtsgrundsätzen. Der Vorarbeiter kann unseres ErachtenS, wenn nichts anderes ausdrücklich vereinbart ist, kewen höheren Betrag beanspruchen. 8. Gewerbeaericht Wilmersdorf, s. All die in Bewacht kommenden Wahlweise auszusuhren. geht über den Raum de« Brieskastens hinaus. Sozialdemowattsch»er- treten find die Berliner Landtagswahlkreise 5, S, 7, v und 11. — E. Hain Nr. 30. Wenn es sich um eine Alimentenschuld sür ein uneheliches Kind bandelt, etwa 18 M., andernfalls 28,85 M. pro Woche.— W. C. 33. Das muß der Sohn mit seinen Eltern abmache«. 22. W. st. Die Entscheidung erscheint unzuwcssend, beschweren Sie bei dem Finanzministerium.— K. K. O. I. Für die entstandenen Aus- lagen, soweit sie noiwendig waren, hastet Ihre Frau. Sie persönlich sind nicht zahlungspflichtig. Falls Ihnen gehörige Sachen gepfändet werden, mußten Sie intervenieren.— Thaerstr. 20. Nach den übliche« Mets- Verträgen ist eine Ausrechnung gegen die Miete nicht zuläsfig. Fordern Sie unter Fristsetzung öie Instandsetzung der Räume unter der Androhung, daß Sie nach Abiaus der Frist die Arbeit selber ausführen lassen und vi« Kosten im Klagewege erstattet verlangen werden. Nach Ablauf der Frist lörmeu Sie so handeln._ Marktbericht von Berlin am 2. November 1912, nach Ermittelung deS königi. Polizeipräsidiums. Markthallen preise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00— 50,00. Speis ebohnen, weiße, 36,00—50,00. Linsen 35,00-60,00."............... 1 Kilo gl 1,40— 1,80. Schweinesie 1,40—2,40. Butter" Karpfen 1,40—2,40. Aale 1,60-8,20. Barsche 1,00—2.40.' 2,00—30.00. sich Zander 1,40—3,60. Schleie 1,60-3,20. Bleie 0,80-1,40. te 1,40— 2,80. Stück Krebse Unsere Rlei der- Werke liefern die tonangebenden Moden und die besten Erzeugnisse Modernste Ulster Modernste Paletots Hochmoderne Ooilveioun-HQte in TVllor« oder Kniff-Form beige, resede, grau und grün 4.90 3.75 2.90 BaerSohn Kleider-Werke. Deutschlands größte Fabrik dieser Art. Chausseestraße 29-30—Berlin— u Brückenstraße 11 Gr. Frankfurter Straße 20—*1891_ Schöneberg1, Hauptstr. 10 Hochmoderne Hoorpiosch-Ifflte in Kniff- oder Teller«Form resede, braun, bronze und grün..... M. Ö.25 D«i neue Prellbuch(HauplkaUloj Nr.««>«»thaUend die»eueiten Moden. ist soeben etschienen und wird auf Wunsch kostenlos und poitofrei zugesandt (Siehe Wochen-Spielplan.) Freie Volksbühue. Sonntag, den 3. November, Anfang 2ll, Uhr: Deutsches LchaufpielbauS, 13,Abteilung (Gruppe SS— 57): Egmont. Ansang 3 Uhr: Herrnseld-Tbcater. Ii Abteilung. (Gruppe SS— 48): Der Vater. Thalia-Theater. II /IZ. Abteilung. (Gruppe 49— S3): DeS Vsarrers Tochter von Streladors. ''ielidenz. Theater l/2. Abteilung. (Gruppe 2—5): F r a n c i 1 1 o n. -bend-Abtetlung: Montag, den 4. November, 8 Uhr: Deutsches Schauspielhaus. IS.(III.) Abendabteilung: Der gutsitzende Frack. Neue Freie BolkSbithne. Sonntag, 3. November, nachm. 2'/, Uhr: Deutsches Theater: Penthesilea. KammerspielbauS: Erdgeist. Nachm. 3 Uhr: ReueS VollS-Theater: Lore.— Die Spieler.— Der Kammersänger. Sch'ller-Theater O.: Zopsund Schwert. Schiller-Tdeater Charl.: Die Jüdin von Toledo. Theater in der Königgrätzer Stratze: Die Slhnsrau. Neues Theater: Wiener Blut. Kleines Theater: Und das Licht scheint in der Finsternis. Trianon-Theater: Der selige Toupinel. Metropol-Theater: Tata Toto. KomödienhauS: Der rote Leutnant. Kursürstenoper: Der Troubadour. AbendS 8 Uhr: Neues Volks-Theater: Die Doppel- gängerkomödie. AbendS 8',, Uhr: NeueS Bolls- Tdealer: Montag, Mittwoch: Literatur.— Liebelei Dienstag, Donnerstag, Sonnabend: Mutter Landstrabe. Freitag: Lore.— Die Spieler.— Der Kamm ersäng er. Thealer und Vergnügungen lISIS hÄ Schiller-Thealer 0.1S: Sonnlag, nachmittags 3 Uhr: Xopt and Hchn-ert. AbendS 8 Ubr: Flachsmann al» Erzieher. Montag, abends 8 Uhr: Die Kinder der Exzellenz. Dienstag, abends 8 Ubr: FlachHinann als Erzieher. Sehilier-Thealer ChVÜTn' Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die Jüdin von Toledo. Abends 8 Udr: Die Kinder der Exzellenz. Montag, abends 8 Uhr: Zum 1. Male: Im wcificn KUU1. Dienstag, abends 8 Uhr: König Lear._ Berliner Theater. 8 Uhr: Filmzauber. Uhr: Die fünf Franüfurktr. Mclus' Schauspielhaus (Komische Oper). An allen Tagen der Woche 8 Uhr: Der gnt sitzende Erack. Dhoatcr am Nollendort» lay (Neues Schauspielhaus). Täglich abends 8 Uhr: Gastpiel des Miinchener Kunstirr> Theaters Orpheus iu der Untertvelt. AlontiL(Ipel-etten-INester (früher h'eaes Theater) s Uhr: Der Zsrauenfrefser. Nachmittags 3 Uhr: Wiener Blut. Residenz-Theater. 8«ihr: 8 Uhr: demütettsehen. Schiuant in 3 Allen von Fritz Friedmaiiu-Frcderich. Morgen und solgende Tage: SZemütsniensehen. l-liise»-?ke»ler. Sonnlag nachm. 3 Uhr: Der Wal erkönig. Abends 8 Uhr: Des ander» Im weißen Saale von 5 Uhr ab SNF* Großer Ball' Vil, äjedon Mittwoch: Paul Manthoys' lustige Sänger. Jeden Donners-[ 1 tau: Gr. nilltftrkonzert.| Nißles Fest-Säle Oennewitzstraße 13* Jeden Sonntag: taozhränzchen. 840b C. Mlßle. Konkordia-Festsäle. Jnh.: M. Wandt und A. Schütze. Andreaawtr. 04. Jeoen Sonntag: Mltär-Streleh-Ioezert und die beliebte« Hoktmarnis Sänger. Jede Woche neues Programm. Ansang des Konzert» 6 Uhr, der Bor- ftellnng 7 Uhr. Im oberen Saale von 5 Uhr au: Großer Ball. Markgrafen-Säle 84. narkgrafcn-Damm 34. == An der Stralauer Allee, Täglich: Gr. Kl Im Restaurant täglich mustkalische Uuterbaltuug._ Alhambra Vallner-Theaterstratze 15, Großer Ball Trotzes Orchester. Anfang Sonntag» 5 Uhr. A. Zauieltat. Jeden Sonntag: Burgtheater- Kino und Cnclcolo Schönhauser Allee 129. rcMbnlC, Säle für Hochzeiten u. Vereinsvergnügen. 4hocheieg. Regeldahnen. Tägllch Gr. Künstler» Konzert im Uauptrestaurant. up IE udolf Her«. Im Treptouitt Wirgkptter Ii! ff. Speisen u. Getränke. Herrn. Scholz«, Graetzftr. 49. Für den Juiiot« der Ju er.ire übernimmt nie diebatliuu dem TJudiitum gegenüber(ciKtlUi Beraittwormug. Srster Keiehstags-Wablkreis Morgen Montag, den 4. November, abends 8V2 Uhr, im Marmel) ans, Brandenburger Ufer 1, an der Waisenbrncke: Vekfentl. VVäKlerverLammlunx. Tagesordnung: Warum wählen wir Düwell? Referent: Ansprache des Kandidaten Landtagsabgeordneter �tlolk Hokfttiaim. Stadtverordneten Wilhelm Düwell. - Freie Aussprache.- Dienstag, den 5. November, abends S'/s Uhr, im Marinehaus, Brandenburger Ufer 1, an der Waisenbrücke t 'Verh.imclmiK des Wahlresnltates. Zahlreichen Besuch erwartet sos/is Der Einberufer Karl Petermann, Ritterstraße 49. Utr Mm Verwaltung Berlin. Dienstag, den 12. November, abends 8 Uhr, a= im Gewerkschaftshause, Engelufer 13, Saal 4:----- Ordentlkbe Generalversammlung. Mittwoch, den 6. November: MmMUMMMW Oeike ümM. Die Bersanunlungslokale werden am Dienstag bekannt gegeben._ Bezirk Ober-Schöneweide. Dienstag, den 5. November, im Lokale von Warneke: Mitxliedei*» Versatnmliitix. Sonntag, den 17. Rovember 1912, abends«>/, Uhr, findet in der »Neuen Welt«. Haienheide 109—114, ein« Theater-Vorstellung statt. Zur Auslüh rung gelangt WIrt«ol>att". h/lf Da wir jetzt den groben Saal zur Verfügung haben, find noch eUmutifoiten a 50 Ps. im Bureau sowie aus sämtlichen Zahlstellen und im Kigariengeschäst des Kollegen Schwcnie, Schönleinftr. 34, zu haben. Kinder habe» keinen Zutritt. Sonntag, den 24. November, Tanbenstr. 48/40: Urania-Vorstellung. L«r Vorfithrnng lUnffrrlinrtt Vor- rag mit Lichtbildern.— gelangt: Iniiiil llsvtll. Der Physitsaal wird um 4 llhr geöfjnet. Die Vorstellung beginnt pünktlich 5 Uhr. Billetts inkl. Garderobe a Hb Ps. find aus allen Zahlstellen sowie im Bureau zu haben, «0/14 Die Ortsverwal tnng. Deutscher Tabakarbeiter-Verband Ortaverwaliung Berlin. Donnerstag, den 7. November 1912, abends S'/a llhr, bei Boeler, Weberstrabe 17: Mitglieder-Versammlung Tagesordnung! 1. OuartalSabrechnuna. 2. Die sozialen Kämpfe in der moderneu Gesellschaft. Reserent: Vi. Link. 3. Verschiedenes. BV Kollegen und Kolleginnen I Beweist durch zahlreichen Besuch, dab Euer Interesse ein reges ist. 188/7« Die Ortnrerwaltnng. Bureau und Arbeitsnachweis jetzt Dftlljeükl�lÜ�t bll' der Mittwoch, den 6. November, abends Uhr, in den Mnsikersälen, Kaiser-Wilhelm-Straße IZm: KsnsralverssmnHlung Tagesordnung: 1. GeschSIts» und Kassenbericht vom 3. Quartal.— 2. Die bevorstehen- den Wahlen zum Gewerbcgericht.— 3. Sonstige Verbandsangelegenheiten «od Verschiedenes, -==- Mitgliedsbuch oder«arte legitimiert.=--�- 169/14 Die Ortsverwaltnng. SV Toranzeige."Wl Montag, den 11. November 1912: Versammlung der Ballschuhmacher und Wendearbeiter im frankfurter Hof, Gr. Frankfutter Str. 99. Sonntag, den 17. November 1912, im Elyfium, Landsberger Allee 41: Dichtbilder- Portrag. Nachdem: Geselliges Beisammensein und Tanz. Für Restaurateure! zmu an- Klavieren und Orchestrlons trieb von ist die D.-R.-P. 238 403 Universal-Wasserturbine am billigsten, fünfmal billiger als Akkumulatoren. Karl Sieber, N. 65, Liebenwalder Str. 55. �Ji | Gesangverein„Neu Erwacht" M. d. A.-S.-B.(Chormelsler: Heinz Bleil.) I I Am 20. November(Bußtag), im grollen Konzertsaal der Brauerei Friedricbsbain-(fr. Lipps): KONZERT. Mitwirkende: Konzertsänger Herr G. Hartman»(Tenor), Konzertsänger Herr G Franz(Bariton), Violinvirtuos Herr M Modern, Oellovirtuos Herr F. Becker. Am Flügel: Herr L. Leonhardt(Kapellmeister), Herr H. Bleil(Ohormeister). Saalöffnung 6 llhr. Anfang des Konzerts 7 Uhr. Programm am Eingang gratis. Rauchen ist nicht gestattet. Kinder unter sechs Jahren haben keinen Zntritt, äJstF" Hie Saaltüren bleiben während der Auflührungen geschlossen. Billetts s 75 Pf. sind in folgenden Verkaufsstellen zu haben: 56/6 Norden: Sedlaczeck, Behmstr. 41. iuhl, Badstr. 14. Meid- schack, Freienwalder Str. 11. MUhlmann, Antonstr. 18. Rietz, Tabakarb.-Gem, Kopenhagener Str. 2. Adler, Volta- straße 37. Fabian, Koloniestr. 132. Sievert, Voltastr. 41. Thomas, Gartenstr. 71. Beyer, Veteranenstr. 11. Rother, Triftstr. 67. Gottschalk, Driesener Str. 20 und Zionskirch- straße 18. Orichel, Brunnenstr. 173. lamitzki, Neue Hooh- ! straße 16. Bartsch, Neue Hoohstr. 31. Seeliger, Wattstr. 17. Weber, Gleimstr. 29, vorn II. Sonntag, Bomholmer Str. 89. Du*e, Bomholmer Str. 3. Palm, Hussitenstr. 4. Polion, Amsterdamer Str. 20. Bache, Stettiner Str. 23. Bordasch, Ohoriner Str. 53, Gesche, Dunokerstr. 1. Süden; Kersch, Engelufer 15. Leps, Heiohenberger Str. 119a. G. Schulz, Admiralstr. 40. Schleicher, Annenstr. 45. Osten: Hess, Straßmannstr. 53 Rietz, Tabakarb.-Gen., Kopemikusstr. 11. Bündig, Wallner-Theater-Str. 7. IHIEi en., 2 m fHraehtsäle des Ostens Frankfurter Allee 151/52. O. Cranz. Teleph.: Känlgstadt 4208. Achtung! Achtung! Gewerkschaften und Vereine Umständehalber großer Saal Totensonntag, der 24 November 1912, frei geworden. 0. Cranz. sprechen könnten würden wir 81* sicher überzeugen, diss Sie direkt aas unserer Fabrik Herren«Anzug■Stoff a Paletot-, Hoeeo-, Joppen-, Weetenstoffe und Damentuche wirklich billig kaafeu und noch andere Vorteile haken.— Stets letzte Neuheiten nur heiter, trag- Uhigeter Qualitäten In gr&sster Auswahl Lehmann& Assmy, Tuchfabrik Spremberg L. Postfach Nr.67 Verlangen Sie sofort Master, wir senden dieselben an jedermann franko ohne Kaufzwang. Clemens Konlgsfödtisehes Casino Gros!« Frankfurter Str. 7K. 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Münzstc 17, Eingang Königsgraben.',.-„ porttfeulilts- und Leiseartiktlbranche:' 11 aA 8?. chr. bei Graumann, Naunynstrabe 27. Militär-Srailltie: Mittwoch, den 6. November, abend; 6 Uhr, in den Prachtsälen Alt-Berlin. Blumenstr. 10. finoltnlcgn u. iruich-SH»:""äÄ. wT** bei Weihnacht, Grünstr. 21. MagtN-KraNlt|t: Mittwoch, den 6. November, abend; 8'/, Uhr. im GeWerkschaftShauie, Engelufer 15. BsniwSbtl-«. Leil-rhiiip-lslttn:-"'»S im Graphischen Bereinshause, Alexandrinenstr. 44. Zahlreichen Besuch dieser Versammlungen erwarten 15g/7___ JPie Branchcnleitnngen. Zweigverein Berlin. Selttian der Gips- und Zemenlbreiuhr. Betonbranche: Zementierer, Einschaler und Hilfsarbeiter. Mittwoch, den K. November iSiS, abends 8 Uhr, bei Jannaschk, Jnselstrofte i«. m,, Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Ueberzettarbeit im Betonbau- gewerbe. 2. Verschiedene;._ StKliill der Mimr««Ii Sltiilhslslclstt. Mittwoch, den v. November iÄlÄ, abends 8 Uhr, bei Wille, Sebastianstrafte 33: Kombinierte Mitglieder- Versammlmtg der Isolikter, Steiuholileger und Helfer. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Der erst- Verbandstag deS Bau- arbeiterverbandes und Stellungnahme zur Delegiertenwahl. 3. Berns;- angclcgenheiten der beiden Gruppen. 117/2 Vollzähliges Erscheinen der in Frage kommende» Mitglieder ist erforderlich._ Die Sekttonsleitungen. Rosenthaler Hof Rosenthaler Str. 11/12. Jnh. Otto Schilling. Telephon; Amt H. 2438. Sämtliche Räume renoviert. s Bereinszimmer. Kegelbahn, 3 Säle mit Bühne bi« 400 Personen, noch einige Sonnabende und Sonntage frei. 4638L' Otavistratze 32-39, Querstrahe an der Müllerstraße, sind in neu erbauten Hänler« mit Hofgörte»(Tepptchkwpsplatz und Müllkästen im separaten Hos, Keller-Eingang) 1 und 2 Ziullnn-MchMM mit Warmwasserversorgung per sofort oder 1. LIpril 1913 billig zu vermieten. 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Kür den Borftaud: gez. Aug. Leist, Baechler, Tchnftfithrer. Borsitzender. Bezirk Moabit des Verbandes der Hansarzt-Bereine. Freitag, den 8. November, 8'/, Uhr, Stadt-Theater, Alt-Moabit 47: Frauen-Uortrag! Thema: Bau, Aufgabe und Hygiene der weiblichen Organe. Referent: Herr Dr. Sfagnng Hirsch Eintritt 30 Pf. Mitglieder frei Fruchtbarkeit--- Unfruchtbarkeit! ifeld.— Diskusston.— Fragebcanttvortung. 298/8* Ortskrankenkasse .»Weber und verwandten Gewerbe. Die werten Delegierten, Arbeit- geber und Mitglieder werden hier« durch zu einer Oi'ilcutHchon General-Versammlung am Sonntag, den 10. November, vormiitagS iOlJ, Uhr, in Schmidt* Lolal, Fruchtstr. 36a (»Freischütz") eingeladen. Tagesordnung: ») In getrennter Versammlung: Ar- beitaeber. Ergänzungslvahl deS Vorstandes von den Arbeitgebern nach KZ 87 und 33 des Statuts für 1913 und 1914. b) In getrennter Vorsammlung: Ar- bettnehmer. 1. ErgänzungSwahl des Vorstan« des von den M i i g I i e d e r n nach SZ 37 und 38 oeS StalutS sür 1013 und 19)4. 2, ErgänzungSwahl des Borstanoes von den Mitgliedern nach § 39 des Slaluts für 1913. 0) Lln gemeinschasilicher Versammlung: 1. Wahl von drei Revisoren zur Prüfung der Jahresrechnung sür daS Jahr IStL. L. Nochmalige Beschlubsassung über Zulassung und Weiter- . bestehen unserer Kasse als be> "' sondere Ortskrankenkasse den Bestimmungen der RetchSver- fichernnaSordnung gemäß. 8. Verschiedenes. Delegiertenkarte alS Legitimation vorzeigen. Berlin, dm 3. November 1912. Ter Borstand 1069b 0. wo>mana, H. Postler, Vorsitzender. Schristsuhrer. Diskussion. Eintritt 30 Ps. Die Unkenntnis über diSseS so überaus wichtige Gebiet trägt Schuld an vielen körperlichen und seelischen Leiden innerhalb und außerhalb der Ehe. Hier kann nur vernünftige Ausklärung, nicht falsche Sckam Wandel schaffen! Der Hausarzt-Verein stellt e? sich zum obersten Prinzip, die AesundheitS- verhältniffe der Arbeiterfamilien zu heben. Durch Wort und Schrift bringt er stete Aufklärung. Im Erkrankungsfalle«incs der Familtenmitglieder stellt er freie ärztliche Behandlung und gewährt freie Medizin. Sämtliche Familienanaehörige, ausschließlich des Mannes, bezahlen insgesamt einen Monats« beitrag von 1,10 M. Keine Volksversicherung I Volle Selbstverwaltung der Mitglieder. Beim Austritt keine Kündigung. Dieselbe erfolgt einfach durch Zurückgabe deS Mitgliedsbuches I Familien, welche ihren Beitritt für den Bezirk Moabit in obiger Versammlung erkläre», denen ist die Aufnahmegebühr erlaffen! Aufgenommen werden nur Familien, deren Ernährer krankonverfichcrnngSpflichtig ist! An- Meldungen können auch erfolge» beim 1. Vorsitzenden Ott« Rostocker Str. 81, v. III. Krankenkasse der Hutmachergesellen zu Berlin<«.»«">- Sonntag, den tt Dezember, vorm. 10 Uhr. Gr. Hamburger Str. 18/19: .4»ßci-oi-»IcntllcI»c niticlieder- Vcritimimlang:. Tagesordnung 1. Kassenbericht. 2. Statutenbcralung. 3. verschiedenes. Um pünktliches und zahlreiches Er- scheine» der Mitglieder ersucht Ter Borftaud: L. Seorgclowitz. ()rl±gfilttnltt88g für das Bierbrauer- Gewerbe zu Berlin, Kaiser-Wltbclm-Str. 18a. Bekanntmachung. Die gemäß§ 49 Abs. 2 und 3 des Kasscnstatuts vorzimehmenden Wahlen der Vertreter zu den General- Per- sammlungen für die Jahre 1913 und 1914 finden am Montag, deu 11. d. Mts. statt. 230/20 Zu wählen sind 73 Ardeltgeber« und 146 Arbeitnehmer- Vertreter. Die Herren Arbeitgeber loählen pünktlich e'/j Uhr abends im Keeeenlnksl der Ortskrankenkaste (ilr das Bierbrauer-Gewerbe zu Berlin, Kalser-Wilhelm-Str. 18a,*. II. Jeder Arbeitgeber— nur diese sind wahlberechtigt— hat bei dieser Wabi eine Stimme. Wählbar dagegen find außer diesen selbst noch GeschästS- sührer und Betrirbsbeamte: auch wenn sie der Kasse als versicherte Mitglieder angchSre».(okr. Rund. schreiben vom 26. Oktober 1912.) Die Herren Arbeitnehmer wählen von b—91/, Uhr abend» in den Mueikorsälen, Kaiser- Wllbelm-StrlSrn (kleiner 8»«', Hof pt) Wahlberechtigt und als Vertreter wählbar find alle großjährigen und im Besitze der Ehrenrechte befind- stchen Mitglieder. Als Legitimation dien! bei der Wadl die von der Brauerei in Empsang zu nehmend- auSgesüllle LegitiinationSkarte. Bei den frei« willigen Mitgliedern legitimieri die MilalicdSkarte. Di- Herren Arb-itgebcr werden gc« beten, die ihnen von der Kaste ge« lieserten LegilimatlonSkaiten ans- znsüllcn und aus Verlangen dm Mit« gliedern auszuhändigen. Ter Aorstand. Otto Ullrich, Vorfitzender. Deutsch. TertUarbetter-Nerband. Donnerstag, den 7. November, abends 8 Uhr, Bezirks-Bersammlungen in nachstehenden Lokalen: 197/11 Slndreas-Viertel: Merkowsky, Andrcasstr. 26. Köpenicker Viertel:„Muß' Festsäle". Manteuffelstr. 93. frankfurter Viertel: Wildner, Friedrich-Karl-Str. 9/10. Ttralauer Viertel: Hoffnlann, Stralauer Allee 17. Neuköllner und Treptower Viertel: Kramer, Zieukölln, Ziethensir. 69. Brunnen- und Schönhauser Viertel:„Swineiniinder Gesellschaftshaus", Swine- mi'mder Straße 42. Moabiter Viertel: Doberstein, Moabit, Waldstr. 8. Rnmmelsburger Viertel: Poczonteck, Rummelsburg, Hauptstr. 87. Die Mitglieder werden ersucht, zahlreich zu diesen Versammlungen zu gehen, und zwar dort, wo sie es nach ihrer Wohnung am nächsten haben. Tagesordnung und Referent wird in der Versammlung bekanntgegeben.__ Mit Gruß Der Vorstand. t................. Engelufer Mo. M/15. fieZlrkSYerWalliing GrOß'BerÜQ. lel,: Rorlttplatz 15». 4747. Tonnerstag, den 7. November 101«, abends 8'/, Uhr: Ordentliche General- Versammlung im großen Saal von Kellers Neuer Philharmonie, Köpenicker Str. 96/97. 68/5 dritte Quartal 1912. Tagesordnung: 1. Mitteilungen. 2. Geschäfts«, Kasten« und ArbeitSnachweiZberichl für daS . Eventuell Erledigung eingegangener Anträge. 4. Geschäftliches. Ein zahlreiches Erscheinen der Delegierten ist erforderlich. LegittmatiouSkarte sowie Mitgliedsbuch sind mitzubringen und zweNS Kontrolle resp. Rbsteinpelung am Eingang zum BersammlungSlokal vorzuzeigen. ------------- Ohne Karte nnd Mitgliedsbuch kein Zutritt!------------ Wer über acht Wochen mit feinen Bcitriigen im Rückstände ist, hat ebenfalls keinen Antritt. _ Die Bezirksverwaltung. I. Ä.: A. Werner. Gardhtetihatts Bernhard Schwartz Berlin, Wallstr. 13(Tpindlershof), zw. Tpittelm. u. Griinstr. Spezlal-Firma sür Lsi'ilinvn Außergewöhnlich vorteilhafte Gelegenheitsposten in Gardinen, Portieren n. Teppichen mittleren bis hocheleganten Genres. AAAAAAAAAAAAAAAAAAAA Stoffe.edit englische u. deutsche Stoffe Wr Aittüge.Paletots.Hoseo KoT�r' futter-HtoSe heertttjeng der gtOen Sduwfcnster lohnend •ftufa destehend ka dieser Branche) Preise nnglaublidi billig! H,«J,Friedlaender BerHn C. Spandauerstraße 49 V orieig. d. In«»i»,«, halt. 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Tie Wahlversammlung findet statt am Mittwoch, den 13. Ro- vember 1912 und zwar für die Vcr- Ireter der Arbeitzeber in der Zell von 7 bis 9 Uhr abends im Kassen- lolal, Rhewsw. 9. Für die Vertreter der Arbeitnehmer in der Zell von 2 Uhr nachmittags bis 7'/i Uhr abends im Restaurant Kaiser Wikhelmgnrten. Rheinstr. 65, 1 Trepp«. Zu wählen sind nach dem Stande der Mitglieder am 3l. Oltober 47 Ar- beitgeber und 94 tlrbeiinehmer. Wahlberechtigt und wählbar sind alle Kassenmitglieder, welche großjährig und im Belitz« der bürgerlichen Ehrenrechte sind. Als Wak'Ilegili« mation dient der Meldeabichnttt oder eine vom Arbeitgeber ausgestellt« Bc« schewigung. Generalversammlung am Donnerstag, den 21. November 1912, abend» 8 Uhr Im Restaurant Kaiser Wilhelmgarten, Rhein str. 65, Treppe. Tagesordnung: 1. Bericht de» Vorstandes. 2. Wahl von 3 Revi/oren zur Prü- fung des Rechmmgsabschlustes für lglS. 3. Wahl von 4 Vorstandsmitgliedern (1 Arbeitgeber u. 3 Arbeitnehmer). 4. Nochmaltae Beschlubsassung über den ZulassungSantrag nach der R.-B.-O. 4. Verschiedene». 281/6 Der Borftaud. I. A.: e n s e l, Vorsitzender. ildebranot, Schrsstsührer. Etwaige Beschwerden, wozu die Einsichtnahme der Akten erforderlich ist, müssen spätestens drei Tage vor der Generalversammlung schriftlich eingereicht werden, mmngs- Krankenkasse der Drechsler-Innung. Montag, den 4. November ISIS, abend« 8 Uhr, im ttönigstadt-Kastno, Hoizmarttstr. 72: Versammlung der grobjährtaen Kastenmitglieder zur Aufstellung von 60 ver- tretern(Delegierten) zur General« Versammlung. 2. der JmmngSmitglteder, welch« für die bei ihnen beschäftigten Personen Beiträge auS eigenen Mitteln zahlen, zur Ausstellung von 30 Vertretern(Delegierten) zur Generalversammlung. Sonntag, den lO.Novcmber ISIS, v ormitt. 10 Uhr, Nr demselben Lokal«: Wahlversammlung der arobjährlgen Kastenmitglieder: Wahl von 60 Vertretern(Delegierten) zur Generalversammlung. der JnnungSmitglieder, welche sür die bei ihnen beschäftigten Personen Beiträge auS eigenen Mitteln zahlen: Wahl von 30 Vertretern (Deiegierten) zur Generalversammlung. 281/3 Die Versammlungen der Kaste». Mitglieder und der JnnungSmitglieder finden tn getrennten Räumen statt. Für die Kastenmitglieder legitimiert das Kassenbuch. Für die JimungS« mitglieoer legitimiert die letzte Bei- tragSqulttnng zur Kranfenlast«. Oee- Vorstand. Otto Lüdtfe. Borsitzender. Fruchtbutter ÄÄ Kuhbutter als schmackhaft. Brotaufstrich bereitet man ans Noa't Original-Extrakt zu Kunstgelee. Selbstkosten nur ca. 30 Pf. per Pfd. Lobende An- orkennungon! Verlangen Sie per ProfeTr � Pfund gratis nebst Rezept. Sie haben durch diesen kostenlosen Versuch keinerlei Verbindlichkeit.* M«x He«, Berlin ä6K, Eleaeter Str.Sg. 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Es sind zu wählen 35 Delegiert« der Arbeitgeber, 70 Delegiert« der Arbeitnehmer. Die Wahl für dle Arbeitnehmer findet abends von S bis 8 Uhr, die für die Arbeitgeber von 8 bis 9 Uhr statt. Wahlberechtigt und wählbar sind alle'Arbeitgeber und Arbeitnehmer, weiche aus eigenen Mitteln Beiträg« an die Kasse zahlen, arotzjährig und im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte sind. Als Legitimatwu ist das Mitglieds« buch mitzubringen. Die Herren Ar« beitgeber und Arbelwehmer werden um recht zahlreiche» Erscheinen ge- beten. Die Generalversammlung findet»« 25. November 1912 statt. Der Vorstand: 281/5 H. gangguth, Borfitzender. Ortskrankenkasse des Kollunnlhtr-Ctmrlits zu Berlin. Montag, den 11. November, abend» 8>/, Uhr, bei«ollschläger. Adalbertstraße 21. Ordentliche General- Versammlung. 1. Wahl von drei VorstandSmit- gliedern(1 Arbeitgeber, 2 Arbeit- oehmer). 2. Wahl einer Kommission zur Prü« sung der JahreSrechnung. S. Antrag aus Zulassung alt be- sondere vrtSlranftntaste, nach den Bestimmungen der R.»V.«O. 4. verschiedene«. 281/4 HB. Di« Wahl de» Herrn Arbeit. geber« findet von 8— S>/, Uhr statt. Der Vorntand. g. A.: Karl Schwedle� Orts-Krankenkasse Hxhfn-SlhSnhachil. Gemätz§ 51 de« Statut» findet am Montag, den 11. November, die Neuwahl sämtlicher General- versammlungS-Bertreter statt. Zu wählen find: 56 Arbeitgeber-Ber treter 119 Arbeitnehmer-Bertreter. Die Wahl der Vertreter der Arbeit« geber ersolgt von 6'/, bi«?>/, Uhr im Lokal von M, Jahn, Oranle« straße 1. Die Wahl der Vertreter der Arbett- nchmer findet von 5'/, bis 7>/, Uhr im Lokal von M. Kuß. Berliner Straße 92, statt. 281/2 Wahlberechtigt find all« volljährigen Mitglieder. MitgliedZIarte oder AuSwet» leg'tt« mtert. Der Schriftführer. Der vorfitzende. M. O U a st. A. S ch S s e r. lli». LiinnivI Speiidl-�fbt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, JXlTu 10—2. 5— 7. Sonntag» 10—12. 2—4 Nach zwölfjähriger»pezial- ftrztlicher Tätigkeit in Obet- echlesien habe ich mich in Sehöneberg,»auptstf. m als Spezialarzt für Magen-, Darm- onu Stofiwechsolkrankheiten niedergelassen. Sprechstunden: »-10, Wl.-Vl., Uhr, Sonntags 9—11 Uhr. Fernsprecher: Amt Kurfürst 9100. sjrec ist. Wygodnlnnki. ' Harn-," Haut-, Geschle cht»-, Frauenleiden, nerv. Schwäche„Ehrlich G06- Abt. für Chirurgie u.«einkranke Ambulator, Dr. E. H. Beyer, Dorotti0enstr.63.sÄV� aamm Konsultation 2 Mk.■m Sirrbfninfr Gärtner sucht aus 4 Morgen Gärwereilanh in »utunstreicher Lage an erster Stelle 3000 M. zu 5 Proz. Nähere» Ott» llfrentepoM, Htolsenhagcn bei KlosterlelitaKret» Nieder-Barnim. Adr.: Neukölln W Latmstr.741. tir.o Ullrich, �oiptzeuuci._'............ vtrantwvrtNcher Redakteur: Alfred Wielepp, Reukölln, Zür de» Ynserstentei! verantw.: rh.Gl»ikt,Btrlia. Dru6it.Vtrlag:IvsrvärtD VI« reellst«!» üi»il Mlllgrstei» Möbel nnd Polfltertvsren erhftlt man zu Kassapreisen in der seit 33 Jahren bestehenden Möbelfabrik von A. hichulz. Reiohenberger StraBo S. Größte Auswahl in allen Holz- und Stilarten mit zehn-. jähriger Garantie.(5 Proz. Kassaskonto.) Ev. auf Ratenzahlung vuchdruckerei u. Verlazlanstalt Paul Hinger a. Eo., Lerli» SW flr. 258, 29. Jahrgang. K. Ötilnjt ks„Botniärts" fitrlinft AilksblR j Briefe vo» Alfred Rethcl. Hcrauszegeben von J.Ponten. 18g S- — Rudolph Töpfer von Ernst Schur. 32 S. B. Cosfirer, Berlin. Ilms Menschentum. Ein Schillerroman von W. v. Molo. 4 M, geb. S M. Schuster ix. Loeffler, Berlin W. 57. VoltSwohl. Heft 8. Zeitschrijl für die(ujtalcn und caritativen Bc- strebuugcn der Gegenwart. Jährl. 12 Hefte. 4 Kr. Selbstverlag, Wie« I. Textbücher zu Studie» über Wirtschaft und Staat von Prof. Dr. I. Jastrow.— Bd. 2. Arbeiterschutz. Geb. 3 M.<&. Reimer. 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Für de» Lnferatenteil verantw.: Tb.erIln. Druck». Berlag: Vorwärt» Luchvruckere, u. Veriagbanstalt Paul Singer u. So.. Berlin SW.