Ar. 261. flMnnementS'BedInguiigen: Monnements. Preis vränmnerando: Piertttjihrl. ZL0 WH., monall. 1,10 Rl, rooüeiulkfi 38 Pffl. frei in» Hau«. Emzeluc Nmmtier 5 Pfg. somüag«. niuwuer mit illuflrierler Srmntag«» Beilage»Die Neue Welt" 10 Pfg. Poft- «lboiui-Hieitl: 1,10 Marl pro Monat. Hingekagcn in die Post- Zeitung«- PrelSlistc. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland S Marl pro Monat. Postadonnements nehmen an: Belgien. Dänemarl. 'olland. Italien. Luxemburg. Portugal. nänien, Schweden und die Schweiz. 29. Jahrg. SMtiltt täglld) nBtr montags. Nerlinev VolksblaK. Die TnfertionS' Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Kolonef. zeilc oder deren Rauni 60 Pfg.. für politische und gewerlschaftlichc Lerem 5» und Bersammlungs-Anzeigen SO Plg. „Ateinc'Anzeigen", das fcttgedruche Wort 30 Pfg.(zulässig 2 fettgedruill- Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstcllcnon- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jede« weitere Wort 6 Pfg. Worte über IL Bus,- 'laden zählen für zwei Worte. Jnserale : die nächste Nummer uiüisen bis Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm> Adresse: „SoziaMtmokrit Berlin". Zentralorgan der rozialdemokrati leben Partei Deutfchlands. Redaktion: 8 LI. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1383. Donnerstag, de« 7. November 1912. Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1384. Oesterreich al$ Störenfried. Nochmals hat die Türkei bei der französischen Regierung um eine gemeinsame Vermittlung der Großmächte angesucht und ihre Hilfe bei der Vereinbarung der Friedensbcdingungen verlangt. Die Türkei setzt ihre letzte Hoffnung auf ihre Feinde. Denn einen Freund wird das niedergehende Reich nirgends mehr finden. Der französische Ministerpräsident er- klärte sofort, daß dieses Vermittlungsgesuch jeden Gedanken eines Drucks auf die Balkanstaaten ausschließe. Das Ver- mittlungsverfahren könne nur beginnen, wenn olle Krieg- führenden dieses annehmen. . Damit isfdie Pforte mit ihrer Bitte eigentlich abgewiesen. Denn die siegreich vordringenden Balkanstaaten wollen vor-- läufig von einer Vermittlung nichts wissen und den Frieden in Konstantinopel und Saloniki diktieren. Das Gefährliche der Situation liegt nur darin, daß Oe st erreich- Ungarn nicht zugeben will, daß der Untergang der europäischen Türkei auch dem dynastischen Ehr- geiz der Habsburger und ihren ewigen Einmischungsplänen in die Balkankriege ein Ende setzen muß. Oesterreich hat den Südslawen gegenüber stets eine frevelhafte Politik ge- trieben. Es hat den magyarischen Junkern zuliebe die Kroaten— im Jahre 1818 die Retter der Dynastie vor der Revolution— zur Verzweiflung getrieben und kann in Kroatien nur mehr mit dem Ausnahmezustand regieren. Ebensowenig hat die Habsburgische Monarchie verstanden, die bescheidenen und berechtigten Wünsche der Südslawen in Oesterreich und in Äosnien und t>er Herzegowina zu befriedi gen und bis heute ist die Beseitigung der Hörigkeit in den okkupierten Provinzen nicht durchgeführt. Pie Unfähigkeit der österreichischen Politik läßt es za erklärlich erscheinen, daß die Regierung mit großer iDorge an die Anziehungskraft denkt, die ein slawisches Balkanreich aus die Slawen der Monarchie ausüben kann. Aber die Verbrechen Oesterreichs an seinen Völkern sind wahrhaftig kein Grund für das übrige Europa, sich in den Dienst der österreichischen Pölitik zu stellen und den Balkanstaaten in den Arm zu fallen. Will Oesterreich Sicherheit in seinen Grenzen haben, so muß es eben endlich eine vernünftige Politik machen und die Bedürfnssie seiner Bvvohner besser zu befriedigen ver- stehekl als die angrenzenden Slawenstaaten. Für das ver- stockte Verharren in einer volksfeindlichen Politik noch die Hilfe anderer Mächte zu verlangen, ist der Gipfel des Aber- Witzes. Wenn Oesterreich heute die Feindschaft der Serben fürchtet— das große Oesterreich das kleine Serbien!—, dann hat es die Feindschaft durch seine Ouälereien selbst erzeugt, und nur die völlige.Umkehr von dieser Politik kann die not- wendige Aenderung herbeiführen. Auch hier wäre es völlig lächerlich, wenn andere Mächte Oesterreich die Arbeit ab- nehmen und Serbien zu handelspolitischen und Eisenbahn- konzessionen zwingen wollten. Ties aber ist gerade die Erwartung Oesterreichs. Serbien soll trotz der völlig veränderten Lage in neue wirtsckjaftliche Abhängigkeit zu Oesterreich gebracht werden, es soll vielleicht zum Abschluß einer Militärkonvention, die es auch politisch Oesterreich untertänig machen würde, genötigt werden. Es ist eine fast unerfüllbare Forderung, denn sie würde bedeuten, daß Serbien vom Balkanbund abgedrängt wird, kein selb- ständiges Glied des künftigen Balkanstaatenbundcs werden kann. Oesterreich will aber nicht nur Serbiens staatliche Selbständigkeit schmälern, es droht ihm auch, einen Teil seines Sieges zu entreißen. Serbien will an die Adria, um durch den Zugang ans Meer handelspolitisch frei zu werden. Und dieser Weg führt von Prizend durch albanisches Gebiet. Albanien will aber Oesterreich als seine Einflußsphäre sich reservieren. Und so drohe es unaufhörlich, daß der Marsch der Serben an die Küste sein Einschreiten erzwinge. Die Ab- lehnung des französischen Vorschlages, zu erklären, daß es keine territorialen Interessen auf dem Balkan verfolge, zeigt, mit Ivelchem Nachdruck diy österreich-ungarische Regierung auf diesem albanischen Plan besteht. Albanien soll nach dem Wunsch der Oesterrcicher ein autonomes Gebiet bilden. Und es scheint, daß auch Italien diesen Plan unterstützt. Sowohl Oesterreich als Italien lauern auf die albanische Küste und sie wollen keinen Dritten heran- lassen. Es ist das gemeinsame Interesse zweier Räuber, die die künftige Beute vor fremdem Zugreifen bewahren wollen. Welches Interesse aber hat in aller Welt Deutschland daran, eine solche Politik zu unterftüben? Der Sieg der Balkanstaaten ermöglicht das Erstehen eines Staatenbundes, eines großen Wirtschaftsgebietes mit aussichtsreicher ökonomi- scher Entwickelung. Mögen auch große und ernste SäMierig- keiten dem neuen Staate aus der Mischung der Nationen und Konsessionen erwachsen, schneller und ungestörter als unter der türkischen Herrschast wird sich die Entwickelung vollziehen können. Politisch aber würde damit die orientalische Frage, diese Quelle von unaufhörlichen Verwicklungen und Jnter- essengegensötzen für Europa, wenn nicht ganz verschwinden, so an ihrer bedrolichen Schärfe verlieren. Diese E n t w i ck c- lung will Oesterreich stören, indem es Serbien Sc�vierigkciten bereitet und in einem autonomen Albanien einen neuen beständigen Krisenherd schafft. Und das soll ein Interesse Deutschlands sein? Die österreichische Bevölkerung ist nichts.weniger als kriegslustig.-Tie Wiener Presse fälscht fast ausnahmslos im Dienst der Regierung die öffentliche Meinung! Für" die ehrgeizigen Pläne der Dynastie treten von den Deutschen höchstens die klerikalen Volksfeinde ein. Während das übrige deutsche Bürgertum schon aus nationaler Ideologie dieser Balkanpolitik höchst mißtrauisch gegenübersteht, rüstet sich das Proletariat ganz Oesterreichs zu immer stärkeren Demon- strationen gegen die abenteuerliche und gefährliche Politik der Regierung. Die Sympathien der slawischen Nationen Oesterreichs aber gehören ausnahmslos den Balkanstaaten. Die dynastische Politik findet in der österreichischen Bevölke- rung selbst immer lauteren Widerspruch. Da hoffen denn die Regierenden ans die romantische Nibelungen- treue Deutschlands. Wenn es nach ihnen ginge, müßte deutsches Blut und Gut eingesetzt wer- den für die Erweitcrung dcr habsburgischen Hau sm acht! Glaubt die deutsche Regierung wirklich, daß die Masse des deutschen Volkes ihr erlauben würde, einen solchen Einsatz für fremde volksfeindliche Interessen zu wagen? Das deutsche Volk hat nicht das geringste Interesse daran, die Entwickelung, die sich auf dem Balkan vollzieht, zu stören, es hat alles Interesse daran, ungehemmt vollenden zu lassen, was jetzt dort an Neuem und Lebenskräftigem entsteht. Die deutsche Regierung würde ein Verbrechen begehen, wenn sie sich zum Gefangenen der österreichischen Politik machen ließe. Ihre Pflicht ist es, � die österreichische Friedensstörung zu verhindern und keinen Zweifel daran aufkommen zu.lasten,' daß die Habsburge rüber keinen deutschen Soldaten verfügen können. Es wäre ja noch schöner, wenn die deutschen Arbeiter auch noch für die Erweiterungsträume fremder Staaten ihre Haut zu Markte tragen sollen! Wird Oesterreich allein gelassen, dann wird es eben Frieden halten müssen und dann wird auch die zweite Karte, die die Habsburger in ihrem Spiele Haben, nicht ausgespielt werden. Außer auf Deutschland hofft die österreichisch- ungarische Regierung auch noch auf Rumänien. Auch dieses Land hat Kompensationsschmerzcn und wünscht die Abtretung der bulgarischen Grenzfcstung Silistria, die einen wichtigen Uebergangspunkt an der Donau beherrscht, und die Erweiterung seiner Grenzen an der Dobrndscha. Durch die Unterstützung dieser Forderung hofft Oesterreich, Rumäniens Hilfe gegen den Balkanbund sich zu sichern. Und auch dafür soll sich Deutschland engagieren. Tie unmittelbare Gefahr liegt darin, daß die Serben sich durch die Drohungen Oesterreichs in ihrem militärischen Vorgehen nicht bchandern lassen, und daß der alte Gegensatz zwischen Dreibund und Tripelentente, der in den letzten Tagen in aller Schärfe hervortritt, Oesterreich in seinem friedenstörenden Verhalten ermutigt. Desto schärfer muß deshalb gesagt werden, daß die Massen in Deutschland von der deutschen Regierung verlangen, daß sie sich nicht zum Büttel der österreichischen Politik hergebe. Deutsch- land hat nur das eine Interesse, baß der Brand auf dem Balkan möglichst rasch gelöscht, daß er unter keinen Um- ständen auf andere Staaten übergreift. Dieses Interesse kann nur gewahrt werden durch strikteste Neutrali- t ä t � durch eine unabhängige und klare Politik, die O e st e r- reich keinen Zweifel läß�«, daß es von Deutschland bei seinen Versuchen, Sonder» vorteile zucrlangcn, nicht die gering st e Unterstützung finden kann. Oeft lieber Knegöfcbauplatz. Tie bulgarische Berfolgungsaktion. Äien, ö. November. Der Kriegsberichterstatter der „Reichspost" meldet aus dem Hauptguartier der b u l g a r i- s ch e n O st a r m c e vom 5. November: In den letzten Tagen ist eine Teilung des großen Hauptquartiers vorgenommen worden. Stara Zogora lag schließlich nur mehr in bezug auf die Operationen gegen Adrianopel und die Leitung des Nachschubdienstes günstig, für die Leitung der Operationen der Feldarmee jedoch zu weit ab vom Schauplatz der ent- scheidenden Kriegsöperationen. Daher wurde eine Teilung in der Art vorgenommen, daß nur das sozusagen repräsen- tative königliche Hauptquartier noch aus bulgarischem Boden verblieb, während das eigentliche militärische Hauptquartier mit dem Generalissimus General Sawow und dem. Chef des Generalstabes Fitschew auf Kirkkilisse vorgeschoben wurde. Nach dem Fall Adrianopels soll dann auch die Verlegung des königlichen Hauptquartiers erfolgen. Tie V e r s 0 l g u n g s 0 p e r a t i 0 n e n der Hauptarmce gegen die türkische Feldarmee werden trotz der enormen In- anipruchbahme in der"dreitägigen Schlacht fortgesetzt. Tie Offensive erfolgte, entsprechend der Gruppierung der bulgari» schen.Hauptarmee, in der. Schlacht. von Lüle.Burgas.— Lisa in zwei Hauptrichtungen. Eine südliche Armee- g r Up p e drängte in"west-östlicher� Richtung'über Tschorln nach, während(ein zweiter Vorstoß aus Norden über Sarai und Strandscha erfolgte. Die südliche Gruppe hat die türkischen Nachhutstellungen hinter dem Beazköjdereflpß bei Karischtiran und Gekerler sowie hinter dem Ergenefluß durch gleichzeitigen Frontalangriff und Umgehung des linken Flügels iiber Tschengerler-Müselimköj über den Haufen gerannt und die Türken in Deroutc hinter Tschorln geworfen. Das un- gestüme Nachdrängen der Bulgaren scheint neuerlich vermehrte Verwirrung unter den türkischen Massen hervorgerufen zu haben, denn trotz der großen Gefahr, durch die bulgarische Nordgntppe in der rechten Flanke umgangen und abgeschnitten zu werden, haben starke türkische Kräfte hinter dem Tschorln neuerdings Stellung genommen, wo sie von den Bulgaren aus den Richtungen Gekerler, Karahasanköj und Müselimköj angegriffen und nach heftigem Kampfe mit großen Verlusten zurückgeworfen wurden. Tic bulgarische Nordgruppe ist mit starken Kräften im Vorgehen über Saraj begriffen und hat mit dem linken Flügel, etwa l1/* Divisionen, die Höhe von Stranza erreicht. Die weitere Offensive dieses bulgarischen Flügels wird nun mit schwächeren Kräften in südlicher Richtung auf Tscherkesköj und Jenitzköj erfolgen. Der Haupt- teil geht ohne Rücksicht auf die südlich stehenden türkischen Streitkräfte direkt über Strandscha gegen den Raum zwischen dem Derkossec und Tschataldscha vor, während die südliche Armeegruppe der Bulgaren den Hauptstoß entlang der Balm und über Jenarkadiköj frontal gegen Tschataldscha führt. Tie allgenteinc Absicht bei diesem Vorgehen ist, die nicht ob- geschnittenen Teile des türkischen Heeres durch scharfes Nach- drängen noch vor der Tschataldscha-Positi.on Karte zur Offensive der bulgarischen Armeen seit dem Beginn des Krieges. zur S ch l a ch t zu st e I r e n und gleichzeitig mit den ge- ichlagenen türkischen Truppen in die Stellung einzudringen. Erst wenn dies nicht gelingt, soll der normale Angriff unter Mitwirkung schwerer Artillerie Platz greifen. Tie unaufhalt- lame Offensive der bulgarischen Armee wäre trotz der außer- ordentlichen Leistungen der Truppen nicht möglich, wenn nicht der Verpflegungs- und Nachschubapparat tatsächlich tadellos funktionieren würde. Das Zusanimenarbeiten von Inten- dantur und Generalstab ist ideal zu nennen. Man erkennt bieraus die außerordentliche vorbereitende Friedensarbeit des bulgarischen Heeresapparates. Die Trophäen aus den letzten siegreichen Kämpfen sind außerordentlich zahlreich. Die erbeuteten Schnellfeuer- batterien werden, soweit Munition vorhanden ist, zur Ver- stärkung der mit altem Material ausgerüsteten Reserve- divisionen verwendet. Nene türkische Berluste. Sofia, 6. November. Nach einer aus den amtlichen Kreisen des Hauptquartiers stammenden Nachricht ist die Nachhut der Türken aus mehreren Stellen zwischen Tschorlu und Saraj nach äußerst heftigem Widerstand auf Tschataldscha zurückgeworfen worden, wobei die Türken größere Verluste erlitten haben, sollen als bei Lüle-BurgaS. Türkische Hoffnungen auf die Tschataldscha-Linie. Konstantinopcl, 5. November, 7 Uhr abends.(Meldung des Wiener K. K. Telegr.-Korresp.-Bureaus.) Die Regierung bereitet einen kräftigen Widerstand auf der Tscha- taldscha-Linie vor. Es sind Verstärkungen abgesandt lvorden, uni die Truppen zu ermutigen. Denselben Zweck verfolgt auch die Entsendung von Ulemas zur Front. Die Zustände im türkischen Offizierskorps. Konstantinoprl, 6. November. Wie die türlischen Blätter mel- den, hat tos Kriegsminlsterium angeordnet, alle Offiziere, die sichnochnichtbei'ihren Regimenter»eingefunden haben(I), als Deserteure zu betrachten. Ein Sitnationsbild aus dem türkischen Lager. Konstantinopel, 6. November.(W. T. B.) Aus detn Mitteilungen der hierher zurückgelehrten Kriegslorrespondenten und Militärattaches läßt sich heute auch ein Bild von dem Verlauf der Schlacht bei Lüle-Burgas— Wisa auf dem linken Flügel der Türken gewinnen. Uebereinstimmend wird angegeben, die türkischen Truppen hätten mit großem Mut gekämpft, Mahmud Mukhtar selbst hätte mit drei Bataillonen zwei bulgarische Batterien im Sturm genommen. Erst nachdem in der Nacht ein wolkenbruchartiges Ge- witter niedergegangen war, seien die türkischen Truppen, die fast sechs Tage lang unter Mangel an Brot gelitten hatten, in Un- ordnung abgerückt. Die bulgarischen Truppen stießen auch auf 'diesem Flügel nicht nach. Es wird versichert, daß die Bulgaren wegen der v o l l k o m m e n grundlosen Wege kaum vor zwei Wochen die neue Ver- teldigungslinie der Türken werden angreifen können. Die Stellung bei Tschataldscha, wo eine größere Zahl neuer Di- Visionen steht, sei unter den jetzigen Umständen kaum von den Bulgaren zu nehmen, es komme nur darauf an, daß die Verpflegung jetzt endlich durchgeführt wird. Daß dies jetzt geschehen wird, gehe aus einer Tatsache hervor, die nicht telegraphiert werden darf. Auflösung. Konstantinopek, 6. November. Nach den Kämpfen bei Wisa und Lüle Burgas haben div Türken beim Rückzüge, wie glaubhaft versichert wird, Rodosto verwüstet und teilweise in Brand gesteckt. Abdullah Pascha wurde angeblich abgesetzt, weil er vollkommen versagte. An seiner Stelle ist H a m d i Pascha mit der Führung des linken Flügels beauftragt worden. Ein türkischer Offizier, der von Tschataldscha zurückkehrte, behauptet, dort sei nichts zur Verteidigung vorbereitet. Die türkischen Beamten und die Pforte scheinen nicht mehr an Wider. stand gegen die Bulgaren zu denken; es herrscht eine allgemeine Mutlosigkeit. Die Soldaten sengen und brenne» beim Rückzug all« Dörfer nieder; dabei sollen viel« bulgarische Bauern erschlage» worden sein. Allerdings ist vorher aus allen bulgarischen Dörfern auf die Truppen, vor allem auf allcinreitende Offiziers von Komitatschis und Bauern oft mit Schrot und Jagdmunition geschossen worden. Aus dem Rückzüge von Wisa und Seroj wurden viele Soldaten in der Panik nieder- getreten und blieben vor Hunger erschöpft im meterhohen Schlamm stecken. Tie Gesechtverluste selbst waren anscheinend nicht sehr hoch. Konstantinopel ist noch ruhig, doch ist die Berängstigung der Bewohner vielfach sehr groß. Bulgarische Kriegsbeute. " Sofia, ö. November. Die„Agence Bulgare" meldet: In den fünftägigen Kämpfen um Lüle-BurgaS und Bunar H i s s a r haben die Bulgaren 8? Schnellfcuerbatterien erbeutet und mehr als 2000 Gefangene gemacht. Die Verluste der Türken werden auf ungefähr 25 000 Tote und Brr- «undete geschätzt. Die Stimmung der türkischen Truppen ist ge- drückt. Bis jetzt haben die Bulgaren auf der Linie Adrianopel— Äonstantinvpel 4 Lokomotiven und 243 Waggons mit Beschlag be- legt. Auf der Strecke Lüle-BurgaS— Kirkklisse ist der reget- mäßige Berkehr wiederhergestellt. Der Geist der bulgarischen Truppen ist nach wie vor ausgezeichnet. MeftUcKer KrugeFchauplatz. Die Serben in Albanien. Belgrad, s. November. Amtliche Meldung. Tis serbischen Truppen habe» gestern P r i l e p beseht. Die Serben sind damit bis auf 40 Kilometer an M o» a st i r herangerückt und habrn den größten Teil Albaniens in ihrer Gewalt. Monastir genommen? Rom, 6. November. Der„Tribuna" wird auS Belgrad ge- meldet, daß Monastir sich heute nachmittag zwei Uhr den serbischen Truppen ergeben hat. � Vormarsch auf Seres. Belgrad, November.- Das Amtsblatt veröffentlicht einen königlichen UkaS. durch den Kronprinz Alexander zum Oberstleut- nant. Prinz Arden zum General und der Generalstabschef General Vutnik zum Wojwoden ernannt wird. Des weiteren sind zahl- reiche Offiziere befördert und reaktwiert Sezw. aus dem RuhestanS in die Reserve versetzt worden, darunter die seinerzeit auf den Wunsch Englands pcnstonlerten Offiziere Oberst Damjan Popo- witsch und Vdajor Ljubn Kostitsch. Die bulgarisch.mazedonische Armee ist durch das Strumatal rasch nach Süden vorgerückt und hat gestern den Rupel-Paß besetzt und setzt den Marsch auf Demir- bissar und Seres fort. Einnahme von Prilep. Belgrad, 5. November.(W. T. B.) Der Kampf, der gestern 5ei Dcmirkaxu ftattfand, war Hartnäckig unb endete mit einer Niederlage der Türken und der Einnahme des Passes durch die serbischen Truppen.'Die große Brücke über den Wardarfluß ist unbeschädigt geblieben. Gestern traf die Kolonne des serbischen Generals Zivkowitsch in J p e k mit den Montenegrinern zusammen. Ueber die Einnahme von Prilep wird aus UeSküb gemeldet: Die bei Kumanovo und Veles geschlagenen türkischen Truppen in Stärke von 20 Bataillonen mit Artillerie nahmen zwischen Veles und Prilep«ine Rückzugsstellung ein. Obwohl infolge der schwierigen Terrainverhältnisse die serbische Artillerie nicht in Tätigkeit treten konnte, gelang eck der serbischen Infanterie trotz des türkischen Artilleriefeuers, die Türken aus ihren Stellungen zu verdrängen. Das 5. serbische Infanterieregiment erstürmte hierbei mit dem Bajonett die türkische Artilleriestellung. Hieraus traten die Türken den Rückzug an, und die Serben nahmen ohne weiteren Widerstand Prilep ein. Vom MäUcken fo-iegsfchanplatze. Griechische Verluste. Athen, 6. November. Tie griechischen Verluste in der Schlacht von Jenidje betrugen: 6 Offiziere und 154 Soldaten tot, 33 Offiziere und 737 Soldaten verwundet. Die Verluste des Feindes sind sehr groß. Ver Seekrieg. Aushebung der türkischen Blockade. Konstautinopel,(i. November. Nach Mitteilung der Pforte ist die Blockade der bulgarischen Häfen vorläufig aufgehoben worden. Ein in die Lust gesprengtes türkisches Schiff. Konstantinopel, ö. November. Wie verlautet, sind bei Mtdia Trümmer des türkischen Schiffes„T s cham l h" gefunden worden, das auf eine ier von den Bulgaren in: Schwarzen Meer gelegten Minen gestoßen und gesunken sein soll. Besetzung von Tenedos. Athen, 0. November. Admiral Eoundouriotis meldet: Die Insel Tenedos ist um drei Uhr nachmittags durch ein grirchi- sches Geschwader beseht worden. vie I.ntervention9versucke. Paris, 6. November.(Privattelegramm dsS„P o r w ä r t S".) In den politischen Kreisen sind die Urteile über PoincarSS Jnterventionsversuch sehr geteilt. Viele meinen, daß der Versuch, sich öffentlich zu binden, die Lage nur komplizierter gestalte. Das„Journal des Dsbats" schreibt: die Geschichte sei überreich an Beispielen leicht bewilligter stiller Opfer, die sich in Widerstände verwandelten, sobald ein öffentliches Bekenntnis verlangt wurde. Die Kandidatur des Hohenzollern sollte den Diplomaten als War- nung dienen.„Journal des DebatS" erwartet, daß der zweite Teil der Friedensverhandlungen vorsichtiger und ohne tägliche Jndis- kretion geführt werde. Aehnlich äußert sich Genosse Sem bat in der„Humanite": Man darf den Ideen SsasoUows folgen, wenn sie unseren Jriedenswünschen entsprechen; aber wir haben nicht das Amt, sie zu servieren, wie der Diener in dem Theater die Briepe. Ziemlich allgemein wird die drohende Sprache des„TempS" verurteilt, der heute etwas kleinlaut behauptet, nur die Wahrheirv- Pflicht erfüllend, die Unstimmigkeit konstatiert zu haben. I a u r i S schreibt: Deutschland will sicher den Frieden und wird Oesterreich nötigenfalls in diesem Sinn« beraten, aber dies« Aufgabe sei durch überscharfe Kontroversen erschwert. Poincare dürfe sich nicht enga- gieren; besonders habe er alles zu vermeiden, was den Dreibund in einen Gegensatz zur Tripelentente stellen könnte in einer Krise. wo es zur Rettung des Friedens der Hilfe aller bedarf, die rn beiden Gruppen dazu guten Willens sind. Dem„TempS" wird aus Sofia telegraphiert, daß Bulgariener st nachdem Fall Adrianopels verhandeln wolle. Die Friedensbitte der Türkei. Paris, 5. November. Die Agence Havas veröffentlicht folgende Note: Der türkische Botschafter hat dem Ministerpräsidenten P o i n c a r 6 gestern abend das offizielle Ersuchen der Türkei um Vermittelung überreicht. Es lautet: Die ottomanische Regierung bittet die Großmächte um ihre Kollektivmediation zur unverzüglichen Beendigung der Feind- seligkeiten und Festsetzung der Friedens- bedingungen. Poincars machte den Botschafter darauf aufmerksam, daß das VermittelungS'erfuchen jeden Gedanken an eine Pression auf die Kriegführenden aus. schlösse und fügte hinzu, daß die Mächte in ein MediationZ- verfahren nur eintreten könnten, wenn alle Kriegführenden einwilligten. Poincarö hat allen Mächten ohne Ausnahme unverzüglich mitteilen lassen, daß Frankreich geneigt wäre, sich mit ihnen über das neue Ersuchen der Türkei i n s Einvernehmen zu setzen. Jungtürkische Machinationen. Sofia, 6. November.(Privatstelegramm unsere» Korrespondenten.) Wie ich aus bestinformierter Quelle er- fahre, wird die Aufregung unter der türkischen Bevölkerung von den Jungtürken geschürt, dir sich bemühen, die Situation aus- zunuhen, um die türkisch« Regierung zu stürzen und die Staatsgewalt an sich zu reihen. Die europäischen Kriegsschiffe. Malta. S. Nov. Di« Linienschiff«»King Ebwaod VII.". „gealandia".„Hindustan" und„Afrika" haben Befehl erhalten, sich direkt nach dem Orient zu begeben, anstatt nach Malta zu kommen. Die Linienschiffs„Hibernia".„Britannia" und„Com- monwealth" werden in Malta bleiben und Befehle abwarten. Die Kreuzer„Good Hoope" und„DartmoutH" werden sich nach türkischen Häfen begeben, um Flüchtlinge an Bord zu nehmen. Konstantinopel, 5. November.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Di« Botschafter haben darum ersucht, noch einem zwoiten Panzerkreuzer freie Durchfahrt durch die Dardanellen zu gestatten. Die österreichische Thronrede. Budapest. 6. November. Aus Anlaß des heutigen Empfanges der Delegationen beantwortete Kaiser FranzJosef die Hul- diaungSan sprachen der Präsidenten wie folgt: Seit dem Zusam- mentritte der letzten Delegationen sind ernste kriegerische Verwickelungen auf der Balkanhalbinsel ausgebrochen, welche eine erhöhte Wachämkeit gebieten. Im Hinblick darauf, daß b e- deutende Interessen der Monarchie durch den Kon- flikt berührt werden können, erscheint die baldige Wiederkehr geord- ncter politischer und kommerzieller Verhältnisse im nahen Orient dringend wünschenswert, Meine Regierung wird bereit fein, im Einverständnisse mit den verbündeten Kabi- netten im geeigneten Zeitpunkt an einer auf die Wieder» Herstellung des Friedens abzielenden Aktion der Groß- mächte teilzunehmen. «« Die Sozialdemokratie gegen die friedensftörung. Budapest, 6. November.(Privattelegramm de» „Vorwärts".) Im Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten der österreichischen Delegation erklärte Genosse Dr. Ellenbogen» | den Wunsch des Ministers des Aeußern, von einer Erörterung der i auswärtigen Lage abzusehen, nicht erfüllen zu können. Die aus- > wärtige Politik sei keine private Angelegenheit der Dynastie oder j Diplomatie, sondern des Blutes und Vermögens von Millionen. Diese haben das lebhafteste Interesse daran, daß diese Fragen offen und rückhaltlos besprochen werden. Vor drei Wochen habe er die U n r e a l i s i e r b a r ke i t einer territorialen Erobe- rungspolitik dargelegt. Damals wurde dieser Darstellung gegenüber von einer energischen Wahrung der Interessen gesprochen, die auf Eroberungsab sichten hindeutete. Dieser Standpunkt der ö st erreicht schen Diplomatie ist aus der Welt geschafft. Bei Äumanowo und Kirktilisse hat auch die österreichische Diplomatie eine Niederlage erlitten. War der alte Statusquo eine Utopie, so muß heute konstatiert werden, daß die Zweideutigkeiten auch jetzt noch fortdauern. Gegenüber dem neuen Schlagwort von den legitimen Interessen Oesterreichs auf dem Balkan sührte Ellenbogen aus: Die Regie- rung verberge dahinter die Absicht, Serbien unter die österreichische Einflußsphäre zu bekommen; daö heißt zwar nicht territoriale, so doch wirtschaftliche und politische Interessen durch militärische Drohungen zu erzwingen. Die wirtschaftlichen Interessen mögen in folgendem bestehen: Handelsbegünstigungen irgendwelcher Art, Sandschak-Bahn und Verweigerung eines Hafens an der?ldria. Dann kam Ellenbogen auf die Kriegsgelüste der klerikalen„Reichspost" und des Thronfolgers zu spreche». Die ganze öffentliche Meinung ist mit einer einzigen Ausnahme für den. Frieden. Diese Ausnahme ist die„Reichspost", welche uns zumutet, daß die polt- tische Ruhe und Verteidigungsfähigkeit des Staates durch Serbien gefährtet sei. Die„Reichspost" droht, daß wir Serbien gegenüber bewaffnet auf dem Posten stehen müssen. Diese s ä b e l- rasselnde Frechheit muß man sich endlich einmal energisch verbitten. Und da sich die„Reichspost" auf den Thronfolger beruft, so müsse der Redner auch konstatieren, daß die öffentliche Meinung sich ganz entschieden gegen Beunruhigungen, die aus dem- selben Belvedere-Winkel kommen, verwahrt. Die Verfassung ist zusammengesetzt aus Parlament, Regierung und Krone. Einen vierten Faktor gebe es nicht. Dieser vierte Faktor scheine sehr ungeduldig zu sein. Er kann den natürlichen Verlauf der Dinge nicht abwarten. Wäre in dieser Delegation auch nur eine Spur davon vorhanden, was man Männerstolz vor den Thronen von Königen und solchen, die es werden wollen, nennt, so müßte die Delegation einmütig und entschieden gegen diese Verfassungsverletzung protestieren, die in diesem fortwährenden Eingreifen gelegen sei. Die Welt hat den bestimmten Eindruck, daß der Kaiser den Frieden wolle. ES liege also eine bewußte Herabsetzung der Autorität der Krone vor. wenn diese Absichten fortdauernd von jener Seite dur ch- kreuzt werden. Außer Ellenbogens Rede sind nur noch die Bemerkungen de» früheren deutschliberalen Handelsministers Baernreither be- merkenswert. Oesterreich, führte er aus, müsse die Möglichkeit einer handelspolitischen Annäherung an die Balkan- st a a t e n ins Auge fassen. Redner erörterte weiter die Voraus- setzungen für die Möglichkeiten eine» Zoll- und Handels- bündnifses mitden Balkan st aalen. Er bedauerte, daß Oesterreich seinerzeit nicht Serbien den Weg durch Bosnien an die Abria eröffnet habe. Derzeit liege Serbien die Donau-Adria-Bahn am Herze». Redner warf die Frage auf. ob es nicht denllbar fei. nach Art der Mandschurischen Bahn gewisse Eisenbahnlinien durch inter- nationale Vereinbarungen der gleichberechtigten Be» Nutzung durch mehrere Interessenten zu eröffnen, und ob' diese Idee nicht auch auf die Benutzung der Häfen anwendbar wäre, die zwar neutral und daher politisch und militärisch ausgeschaltet sein, aber allen berechtigten HandelSzwccken der Hinterländer ent- sprechen wurden, Lesterreich-Ungarn sei der mächtigere Teil und könne daher der Entgegenkommendere sein. Auf diesem Wege komme es zu einer friedlichen EntWickelung der Verhältnisse, zugleich aber auch zur vollen Wahrung der berechtigten öfter- reichischen Interessen. Die richtige Politik Oester» reich-UngarnS sei der Friede. vie IFräfidentenwal)) In flmerlka. New Uork, 6. November. Die Anzahl der Stimmen, die Wilson erhält, ist wahrscheinlich di? größte, die je ein Präsidentschastskcndidat erhalten hat. Sicher hat er 404 Wahlmännerstimnwn auS 38 Staaten. Taft hat bisher nur Idaho, Vermont. Utah und Wyoming mit 15, Roosevelt Illinois, Iowa, das anfangs für Wilson gewonnen schien. Washington, Kansas. Michigan und Pennsylvania mit 112 Stimmen. In allen zwelfelhaften Staaten hat Wilson 'gesiegt. Sein Sieg in den republikanischen Hechburgen Maine und Massachusetts ist b„ionders bemerkenswert. Roosevelt erhielt weniger Stimmen als seine Anhänger er» wartet hatten. Er war in vielen LandeSteilen Dritter. In New York erhielt Wilson 608 000, Tast 493 000 und Roosevelt 413 000 Volksstimmen. Die N e w U o r k e r S t a a t S l e g i s l a t u r ist demo- kratisch geworden. Das sozialistische Mitglied des Kongresses. B e r g e r. ist wiedergewählt. In P i t tL b u r g wurden die Sozialdemokraten ins Repräsentantenhaus gewählt. Die Stimmen für Eugen DebS haben sich annähernd ver- doppelt. In das Unterhaus des Kongresses werden voraussichtlich 230 Demokraten. 132 Republikaner und 13 Pro- gressisten einziehen. Im B u n d e s s e nat haben die Demo- kraten anscheinend eine Mehrheit von sechs Sitzen erobert. Die demokratische Kontrolle zur Durchführung des Tarif- Programms ist notwendig. � Wie es mit der Volksfreundschaft der Demokraten, der Partei der Sklavenhalter, der katholischen Kirche und der New Aorker Tammany Hall aussieht, geht aus einigen Aeußerungen hervor, die von W o o d r o w Wilson, dessen Sieg jetzt in die Welt hinausposaunt wird, berichtet werden. Wie W. Parks in der„Los Angeles Tribüne" berichtet, hat Wilson dort erklärt:„Ich bin Gegner einer höheren Bildung für das gemeine Volk. Irgend jemand muß die schmutzigen Arbeiten tun. Warum sollen die Kinder der Arbeiterklasse nicht dazu erzogen werden, die Arbeit zu tun, die ihre Eltern jetzt tun?" Man sieht, der Demokrat kann sich neben Ken Preußischen Junkern und dem Bischof Henle sehen lassen. Dazu paßt das andere Wort:„Ich glaube nicht an die Herrschaft der Masse. Ich glaube an Aristokratie, die Herrschaft der wenigen." Man kann sich bei solcher ü5e> sinnung ein Bild davon machen, wie die vielberedete Reform- arbeit der Demokraten, tatsächlich der rückständigsten Partei der Union, in Wirklichkeit aussehen wird. politifche ücberfubt. Berlin, den 6. November 1912. Nach der Wahl. Der Ausfall der Wahl im 1. Berliner Wahlkreise könnte nach außen den Anschein erwecken, als hätte die Sozialdemokratie ein« Niederlage erlitten. In Wirklichkeit ist die Zahl der für die Sozial. temokrati« abgegebenen Stimmen größer, als unter den obwaltenden Umständen erwartet werden konnte. Die ja enge Beziehungen zum .Magistrat unterhaltenden freisinnigen Blätter konnten am DisnS- tagnachmittag mitteilen,>daß seit der Hauptwahl über 28 0 0 Wähler aus dem Kreise verzogen seien. Da aber nach den alten Listen gewählt wurde, war ganz naturgemäß mit einem er- hcblichen Siimmenrückgang zu rechnen. Die gegnerischen Blätter wiesen auch schon vorher daraus hin, daß von>den Verzogenen min- dcstens% sozialdemokratische Wähler seien. Tat- sächlich konnte auch eine sehr groß« Zahl der proletarischen Wähler nicht aufgefunden werden. Einer Anzahl der Verzogenen wurde zudem die Ausübung des Wahlrechts unmöglich gemacht, weil man ihnen ganz unvermutet eine besondere Wahllegitimation abforderte. Der Erfolg der Wahl nach den alten Listen war zunächst ziffernmäßig der, daß jetzt 1632 Stimmen weniger abgegeben wurden als bei der Wahl im Januar. Mit einem Stimmenrückgang von zirka 1000 Stimmen hatten wir«denn auch gerechnet. Wir ver- loren aber gegenüber der Hauptwahl nur S67 Stimmen. Das ist ein über Erwarten günstiges Resultat. Es zeugt von unserer Weribekraft, denn daß für uns die Verhältnisse außerordentlich ungünstig lagen, darüber herrscht bei Freund und Feind lein Zweifel. Wenn die„Vossische Zeitung", die am Dienstag einen ganz natürlichen großen Stimmenrückgang der Sozialdemokratie konstatierte, nun von„einem empfindlichen Rückgang der Sozial- demokratie" fabuliert, dann spricht daraus nur di« Enttäuschung über die Festigkeit der sozialdemokratischen Wählerschaft im— Schloßkreise; auch Agitationsbedürfnis spricht da stark mit. ebenso das Bedürfnis nach— Gewiffensberuhigung. Wir schenken uns moralisierende TentimentS über die niedrige Äampsesweise des Freisinns und über di« von ihm beliebte Hansa» bündlerische Anreißerei. Das nur wollen wir feststellen: mit dem Berliner Freisinn kann der berüchtigt« Reichsverband aus dem Ge- biete unanständiger Kampseswcise nicht mehr konkurrieren? Trotz alledem, unsere Stimmenzahl hätte größer sein können, wenn die Demokraten nicht vollständig versagt, wenn sie nicht fast geschloffen zum Freisinn hnmbervoltigiert wären. Selbst das„Tageblatt", das im Januar seinem bis dahin ver- himm«lten Gädk« einen Eselsfutztritt versetzte, konstatiert nun einen Ueberlauf der Gädkewähler zum„Tageblatt"kand!daten. Nach der Haltung der Organ« der Herren Gädke und Gerlach war mit dem Ueberlauf der Demokraten zum Freisinn zu rechnen. Daß er sich fast restlo» vollzog, klärt dt« Situation. Obwohl auch der Freisinn durch den Fortzug einiger Wähler verloren haben wird, wurden am Tienkkäg für seinen Kandidaten doch 230 Stimmen mehr abgegeben al» bei der Haupt- wohl im Januar. Wie erklärt sich da»? Nicht anders al» durch den Ueberlauf der sogenannten Demokraten. Mit Ausnähme des SchloßbezirkS hat der konservative Kandidat keine Stimme verloren, insgesamt gewann er sogar 106 Stimmen. Wohl als Resultat einer energischen Instruktion der Schlohbeamten sprangen im 6. Bezirk 50 konservative Wähler ab: der Freisinn konnte sie als Zuwachs buchen. Der Freisinn steht„oben" höher im Kurse wie der Antisemit! Eine weitere Bergleichung der Wahlresultate nach den ein. zelnen Bezirken ergibt, daß die demokratischen Wähler, mit verhält. nismähig wenigen Ausnahmen, geschloffen in da» freisinnige Lager adoe'-bwenkt sind. Damit hat die Demokralilch« Vereinigung au». gespielt. Sie hat in ihrer Leitung so wenig politischen Sinn, einen solchen Arad von Direktionslosigkeit, in ihrer bisherigen Anhänger» scherst so wenig Klassenbewußtsein verraten, daß sie sich jetzt die formal« Liquidation ruhig ersparen kann. Sie war eine vorüber- gegangen« Erscheinung. Wir bogrüßen die Klärung! Sie zeigt von neuem, daß es nur ein Hüben und«in Drüben gibt! Und al» Genosse Düwell in der Versammlung am Dienstagabend daraus hinwies, fand er stürmischen Beifall, ungeteilte Zustimmung. Ueberhaupt: die Ver- sammlung verriet nichts von Enttäuschung, nichts von Mißmut. Eine kleine Geschichtsfälschung versucht das..Berliner Tageblatt". Im Kreise Teltow-Beeskow ist bekanntlich durch den Tod des Herrn Felisch eine NackMahl zum Abgeordnetenhause nötig geworden, und sie stellt den Freisinn wieder mal vor eine ihm sehr unangenehn« Prü- fung. Sozialdemokratie und Freisinn zusammen sind in diesem Kreise bedeutend stärker als die Konservativen. Trotz- dem hat der Freisinn im Jahre 1908 beide LandtMsmandate de« Kreises den Konservativen in die Hände gespielt, indem er sich weigerte, eins der Sozialdemokratie zu überlassen. Eine Uebereinkunft. wonach ein Mandat dem Freisinn, das andere der Sozialdemokratie zukam, konnte damals den Kreis den Konservativen entreißen. Die Sozialdemokraten waren dazu bereit, die Freisinnigen lehnten ab. Offenbar liegt dem Freisinn auch diesmal die Angst schwer iin Magen, es könne ihr» schon jetzt eine klare und fest? Stellungnahme zur ollgemeinen Landtagswahl zuge- mutet werden. Nichts aber ist für den Freisinn fürchterlicher, als offen Farbe zu bekennen. Deshalb versucht es das ..Berliner Tageblatt" mit einer kleinen Stimmungsmache Es schreibt: ..Ob vi« sozialbemokeatischen Wuhlmmvner von Teltow-BeeSkow' Storkow auch diesmal wieder einem Zugehörigen der Haus- knechtparagraphenfraktion zu einem Mandat ver» helfen werden, das erscheint uns doch einigermaßen zweifelhast." Hieran ist zunächst ganz falsch, daß die Sozialdemokraten dem Herrn Felisch zum Mandat„vecholfen" � hätten. Viel- mehr hatte er seine Wahl, wie oben gezeigt, lediglich den Frei» sinnigen zu verdanken. Sodann aber— wenn hier versucht wird, die Konservativen allein als..Hansknechtspara» graphen-Fraktion" hinzustellen und den Anschein zu erwecken. als ob auf die..Fortschrittler" auch nur gegen solche Exzesse der Reaktion irgendwelcher Verlaß sei, so ist das nichts weiter als eine artige kleine Goschichtsfälfchung. Wir wollen doch nicht vergessen, daß auf die Frage, ob Herr v. Ersfa zu seiner Gewalttat gegen unseren Genossen Borchardt berechtigt war. die„Fortschrittler* des Abgeordnetenhauses mit Ja zu stimmen beschlossen haben, und daß der fortschrittliche Herr Cassel noch im letzten Augenblick atemlos hereingestürzt kam, um nur ja diese staatserhaltende Abstimmung nicht zu versäumen. Und die fortschrittliche Fraktion hat es sogar für nötig gehalten, 24 Stunden vorher der Welt zu ver- künden, sie werde für daS Recht des Präsidenten zur An» Wendung des Hausknechtsparagraphen stimmen, „in der Ueberzeugung, daß die Ordnung deS Hause» gewahrt werden muß. wenn nicht das parlamentarische Wesen selbst schweren Schaden leiden soll." In der Praxis ist also die„Fortschrittliche Volkspartei" für den Hausknechtsparagraphen eingetreten. Daß sie da- neben, um das Gesicht zu wahren, einen Antrag eingebracht hat, ihn wieder zu beseitigen, kann neben dieser ihrer prakti- schen Haltung nicht ins Gewicht fallen und wird niemand irreführen. In Wahrheit sind somit die Freisinnigen genau ebenso eine„Hausknechtsparagraphen-Fraktion"" wie die Konservativen, und wenn es nur hierauf ankäme, könnte es uns ganz egal sein, ob ein Freisinniger oder Konservativer den Platz Felischs einnimmt. Das„Berliner Tageblatt" sollte deshalb seine Versuche, das Wässerlein zu trüben, lieber einstellen und statt dessen seiner Partei eine klare und deut- liche Stellungnahme zur Landtagswahl des kommenden Jahres anraten._ Klerus und Gewerkschaft. In verschieden� außerdcutschen Staaten ist das Urteil der katholischen Kirche über die christlichen sogenannten„interkonfeffio- nellen" Gewerkschaften längst gesprochen, z. B. auch in Holland. Die Bischöfe von Utrecht und Hertogenbosch haben bekanntlich den katholischen Arbeitern verboten, der„U n i t a S" seine christliche Textilarbeitergewerkschaft) anzugehören. Es half kein Protest, kein Bitten und Flehen, die katholischen Textilarbeiter mußten aus ihrer Organisation heraus. Von allen Kanzeln wurden die Gläu- bigen aufgefordert, den bischöflichen Befehlen zu gehorchen, und viel, gehorchten, so daß die„UnitaS" sehr geschwächt wurde. Um nicht ganz zugrunde zu gehen, hat die„Unitas" unter Hinzuziehung ehemaliger Mitglieder den Versuch unternommen, die holländischen Bischöfe umzustimmen. Es wurde eine lange Erklärung aufgestellt. worin den Bischöfen eingehend die Notwendigkeit christlicher inter- konfessioneller Gewerkschaften dargelegt wird. In dieser Erklärung heißt es: „Die Berufsorganisation wirkt nie anders als öffentlich. Jeder kann also kontrollieren, ob stets in Uebereinstimmung mit den christlichen Grundsätzen gehandelt wird; Mißtrauen braucht gar nicht zu bestehen. Das Ehrgefühl, das wir als christliiye Arbeiter besitzen, mühte schon eine genügende Gewähr dafür sein, daß wir in der christlichen Berufsorganisation keine Aktionen unternehmen und keine Beschlüsse fassen, die Gefahren für die Religion und für die Sitten heraufbeschwörenr Wenn es anders wäre, dann hätten wir in den sogenannten neu- traten Organisationen bleiben oder uns ihnen wieder anschließen können." An anderer Stelle wird erklärt: •„Außerdem meinen wir auch imstande zu sein, über die Frage urteilen ku können, inwieweit durch das Bestehen und Wirken der„UnitaS" Mischehen befördert oder geschlossen worden sind. Darauf abzielende Vorwürfe werden in der Bekämpfung de» Bundes öfters erhöben. Wir haben über dies« ernste Frage eine ernste Untersuchung eingeleitet. Die Folge der Untersuchung ist gewesen, daß unS kein« einzige Mischehe nachgewiesen werden konnte, die durch da» Bestehen oder die Wirksamkeit des Bundes zustande gekommen wäre." Die Bischöfe scheinen noch stärkere Garantien zu wünschen. Wenn di«„UnitaS" sagt, daß sie kein« Beschlüsse fassen wevde, die Gefahren für di« Religion und für die Sitten hera-ufbeschwören, so können sich die Bischöfe doch zufrieden geben, und mehr noch durch die Erklärung, daß die„UnitaS" nichts mit der neutralen Organisation der Arbeiter in Holland zu tun haben will. Diese neutralen Organisationen sind nämlich ähnliche Gebilde wie in Deutschland die Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine, nur noch um einig« Grade schwammiger. Das Zentrum und die nächsten preußischen Landtag?- wählen. Nicht ohiee Sorgen sieht das Zentrum den kommenden Land- tagSwahlen entgegen. Der Landtagsabgeordnet« Klocke-Kassel be- spricht die Bedeutung dieser Wahlen für das Zentrum im Oktober. Heft der Windthorst-BundeSzeitschrift„DaS Zentrum". Als das Wichtigst« erscheint ihm die Aufrechterhaltung einer Parteikon. stellation, in der Konfervative, Zentrum und Polen die Majorität behalten, um in konfessionellen und schulpolitischen Fragen keinen Fortschritt auskommen zu lassen. Erste» Ziel des Zentrums muß es also sein, solchen Verlusten vorzubeugen, denn wenn sie er» folgten, etwa zugunsten der Freikonservaiiven und der National- liberalen, so wäre damit die klerikale Schulpolitik gefähroet. Vornehmlich gilt natürlich der Kampf des Zentrums den Sozial» demokraten und den Freisinnigen, die Klocke schon als„Rotblock" vereinigt siebt. Er schreibt: „Ob greikonservative und Nationalliberale soviel neue Mandate erringen werden, daß dadurch ihr Einfluß erheblich verstärlt wird, ist zum mindesten zioeifelhast. Di« National. liberalen hoffen vielleicht im rheinisch-westfälischen Industrie» bezirk gegen das Zentrum, in Hannover und im Osten gegen die Konservativen Maiwate erringen zu können: aber es gibt auch Hoffnungen, die trügen. Eine einflußreichere Stellung werden sie nur erlangen, wenn der Rotblock größere Erfolge erzielt. Diese zu vereiteln, gegen den Rotblock zu kämpfen, mutz deshalb unsere Sorge und Aufgabe sein. Damit dienen wir auch dem, was über den Aufregungen der Wahlleidenschaft und den Gegensätzen gegen die Mittelparteien nicht vergessen werden darf, dem Kampfe gegen die Sozialdemokratie und diejenigen, die sich in ihre Abhängigkeit begeben. Gegen sie mutz die Gemeinbürgschaft der bürgerlichen Parteien geschlossen, gehalten und durchge- führt werden, trotz aller sonstigen Gegensatz e." Mit den Nationalliberalen de» rheinisch-westfälischen In- dustriegebietS wird das Zentrum, wenn nicht alle Vorzeichen trügen, ohnehin ein Geschäft auf Gegenseitigkeit machen. Es riS» liert dewei auch nichts, denn dies« Auch-Nationalliberalen sind in Wirklichkeit schon längst konservativ. \ein politischer Prozeß. Wie die.Natioiialliberol« Korrespondenz" mitteilt, hat der Reickstagsabgeordnet« S-biffer gegen die Chemnitzer„Volttstimme" Ilrakanirag gestellt wegen der Behanpiuiig. daß er bei der P.äsidenteiiwahl im ReiwStage für Bebel gestimmt Hab«.— Herr Sänffer hat die« noch langem Zögern in der„Nationolliberalen Korrespondenz" in Abrede gesuü,. Die Stinnnabgabe bei der Präsidemenwahl ist geheim, ein schlüssiger Beweis also nicht leickt zu fuhren: unm-rhin erscheint es einigermaßen befremdlich, daß Herr Schiffer seinen Strafantrag nicht gegen di-„Deulsche TngeSztg." gcrichiet hat. die die Behauptung zuerst auigestellt hatte. Vermeint Herr Schiffer etwa, gegen ein sozialdemokrausche« Blatt und vor einem sächsischen Gericht sicherer eine Verurteilung zu erzielen? Aus frommen Gefilde«. Anfang Oktober wurde in Krefeld der Kaplan Eoenen aus dem Grenzorte Schaag zu 4 Jahren Zuchthaus verurteilt. 14 Jahre Zuchthaus hatte der StaatSamvalt beantragt. Der„fromme" Mann hatte nicht allein st» der Sakristei der Kirche Messediener geschlechtlich mißbraucht, sondern sich auch in einem Falle in ebensolcher Weise an einem seiner ReligionSichiiler vergangen. Auch kleine Mädchen lockte er in die Bücherei, wo er sich an ihnen verging. Jetzt werden ans Krefeld neue Schweinereien eines Frommen gemeldet. Dieser, ein 73 jähriger Mann, lockte in vielen Fällen Mädchen im Alter von 10 bis 15 Jahren an sich, machte ihnen Geschenke und verging sich dann, zumeist in seiner Wohnung, an ihnen. Er wurde verhastet._ Eine Miniaturrevolution in Liberia. An der Küste der Negerrepublik Liberia find, wie amtlich be- stätigt wird. Unruhen ausgebrochen. Mehrere Faktoreien, darunter auch deutsche, sollen bedroht sein. Die deutsche Regierung hat deS- halb das in Duala stationierte Kanonenboot„Panther" zu Schutze der deutschen Interessen entsandt. Der Negerstaat steht vor dem finanziellen Zusammenbruch, den Engländern ist er verichnldet, sie haben dafür die Oberhoheit Über die Zolleinnahmen. Die Amerikaner waren bereit, eine Anleihe zu geben, aber nur, wenn ihnen die Zolleinnahmen abgetreten worden wären, auf welche natürlich die Engländer nicht Verzicht leisten wollen. Hoffentlich beschränkt sich die Aufgabe des„Panther" darauf, die gefährdeten Deutschen eventuell an Bord zu nehmen. Ein Opfer der sozialen Verhältnifse. Der 27 Jahre alte Arbeiter und Reservist SadowSkl) aus dem Landwehrbezirk I Dresden war im Sommer d. I. längere Zeit arbeitslos. Recht und schlecht schlug er sich durch, war aber dabei sehr heruntergekommen. Da erhielt er eines Tages vom zuständigen Bezirkskommando einen Gesteüungsbefehl.I wonach er am 30. August zu einer 14läg!gen Uebung beim 2. sächsischen Reserve-Jnfanterie- Regiment eintreffen und sich zu diesem Zwecke am Vormittag deS genannten Tages am Sammelplatz in Dresden stellen sollte. Am 18. August endlich erhielt S. Arbeit in einer Ziegelei, das verdiente Geld mußte er aber für Schulden und den notwendigen Lebens- unterhalt aufwenden. Nur einen einzigen Anzug hatte er. den er bei der Arbeit tragen mußte, auch die Schuhe waren gänzlich entzwei. In diesem heruntergerissenen Zustande dem Gestellungsbefehl zu folgen, schämte er sich. Er blieb der Uebung fern. Einige Zeit da- nach wurde S. von der Arbeitsstelle weg verhaftet, in UntersuchungS- hast genommen und wegen unerlaubter Entfernung von der Truppe über sieben Tage angeklagt. Das Dresdener Kriegsgericht verurteilte mit Rücksicht darauf, daß traurige soziale Verhältnisse da» Motiv zu dem Verhalten waren, den Angeklagten zu der gesetzlich geringsten Strafe von— tS Tagen Gefängnis! Hus Induftric und Handel Der Auteil der Ardeiter am Nationalwohlstaud. Im„Appeal to Reason" zeigt Maynard S h i p l e y auf Grund der amtlichen Daten, wie sich die Lage der Arbeiter und ihr Anteil an dem erzeugten Produkt seit 60 Jahren gestaltet hat. Man zählte in der Industrie: Jahr(nach dem Zensus Lohn--«kb Rohstoff- Zugesetzter des folgenden Jahres) arbeiter wert Wert 1849(Z-nsuS v. 1350) 957 100 236 753 555 124 463 983 1869...... 2 054 000 620 467 1 990 742 1 395 118 1889...... 4 251 535 1891210 5 162 014 4 210 865 1909...... 6 615 046 3 427 038 12 141 791 8 580 261 1909 in Proz. v. 1849 691 1447 2187 134S Auf den Kopf des Arbeiters berechnet, ergaben sich: --'S»«' S'S-- Aä» 1850 247 Dollar 484 Dollar 237(97% d. Lohns) 1910 518. 1289. 771(149%) 1010 in%~ von 1850 210 266 825(155) Während also der Durchschnittslohn sich verdoppelt hat— der Wert dieser Verdoppelung wäre erst mit Berücksichiigung der verminderten Kaufkraft festzustellen— ist der erzeugte Mehr- wert auf mehr als das 2'/„fache gestiegen. Der dem Unternehmer bezw. dem Kapitalisten verbleibende Wertnnteil stieg l�/.mal so stark wie der Lohn. Während der Lohn vor 60 Jahren die gute Hälfte deS zugesetzten Werles ausmachte, war sein Anteil 1910 nur noch 40,6 Proz. Die Unternehmer- und Kapitalistenklaffe erntet vom Erlrage der Arbeit l'/gmal soviel alö die Arbeiterklasse! Die schweizerische Sozialdemokratie gegen die Teuerung. Für den Parteitag in Neuenburg hat der Referent über die Lebensmittelzölle und Lebensmittelteuerung, Genosse Nationalrat Müller in Bern, folgende Thesen veröffentlicht: 1. Kommunale Maßnahmen. Zur Linderung der LedenSmittelteuerung ist in denjenigen Gemeinden, wo bis jetzt keine oder nur ungenügende Vorkehrungen getroffen worden sind, durch die sozialdemokratischen Vertreter in'den Gemeindebehörden dahin zu wirken: 1. Daß die sofort möglichen Maßnahmen ungesäumt in die Hand genommen werden, in erster Linie: o) der Ankauf von Lebensmitteln, die für den täglichen Bedarf unentbehrlich und deren Lagerung entweder für längere Zeit oder für die nostvendige Zeit des Absatzes möglich erscheint und Abgabe zum Selbstkosten- preise, an Arme unentgeltlich(Kartoffeln, Kohl, Rüben, Hülsen- srüchte, Teigwaren), b) Abgabe von Brennmaterial zu redu- ziertem Preise, alles in quantitativer Beschränkung zur Verhinde- rung spekulativer Ausnutzung, c) Möglichste Förderung'der Schülerspeisungen. 6) Errichtung oder Subvcntionierung von Suppenanstalten, e) Teuerungszulagen. 2. Daß für die zukünftige TeuerungSabwehvpolitik nament- lich folgende Frage»— eventuell mittels Einsetzung von Notstands- oder Studienkommissionen— näher geprüft werden. a) Erstellung von Gefrier- und Kühlanlagen, wo solche nicht schon in modernen Schlachthausbauten vorhanden sind, und gestützt dar« auf Organisation der Einfuhr und des Vertriebes von über- seeischem Gefrierfleisch, eventuell kommunale Organisation des Fleischverkaufs überhaupt, d) Organisation des Milchvertriebes. c) Organisation von Meerfischmärkten, Einführung und Verteilung von Fleischkochanleitungen und in Verbindung mit gem-innützigen Bereinen Organisation von Kochkursen. 6) Anhandnahme stati- stischer Erhebungen über Lohnvcrhältnisse, HaushaltungsbudgetS, Lebensmittel- und Marktpreise, e) Anhandnahme bezw. Weiter- führung einer kräftigen, kommunalen Wohnungspolitik. II. Lebens ms ttelzölle. Direkte Eingabe an den Bundesrat mit der Forderung, in Anwendung von Artikel 4 des Zollgesctzes vom 10. Oktober 1902 die Vieh- und Fleischzölle zu reduzieren, unter gleichzeitiger Ermächtigung an das Partei- komitee im Falle der Ablehnung dieser Forderung mit Wirtschaft- lichen Konsumentenorganisationen behufs Einleitung einer Volksinitiative auf Reduktion der Lebensmittelzölle in Verbindung zu treten. (Siehe auch 1. Beilage.) CewerkrcbaftUches. . CbrUtUcbe Cahtik. Die„Gewerkschsftsstimme", das Organ des'christlichen Verbandes der Staats-, Gemeinde-, Verkeffts-, Hilfs- und sonstigen Industriearbeiter bringt in ihrer Niunnier tl den Bericht über die st. Generalversaminlung des Verbandes. Oiese Generalversammlung befaßte sich auch mit einer Neu- vrganisation des Verbandes. Tazn wurde eine Resolution angenommen, welche sagt:„... daß neben anderen Hinder- nisten die vielseitige Zusammensetzung des Verbandes eine intensive Agitation erschwert. Deshalb ist eine Reform des Verbandes so durchzuführen, daß die Staats- und Gemeinde- arbeiter abgetrennt und in einem besonderen Verbände zusammengefaßt werden sollen". Eine neue christliche Organ i- sation ist also zu erwarten. Diese Abtrennung der Staats- und Gemeindearbeiter— von den letzteren hat ja der Ver- band überhaupt nicht viel einfangen können—, hat tiefere Ursachen, die durch die„anderen Hindernisse" in der Resolution schon angedeutet sind. Eine Erklärung des bis herigen Verbandsvorsitzenden Oswald wird schon beut- licher. Oswald lehnte seine Wiederwahl ab mit der Er tla'rung, daß ,.in Rücksicht auf seine Arbeiten im Interesse der bayerischen Staatsarbeiter als Zlbgemdneter zurücktrete, da die Wahr- Tishmung der Aufgaben eines Abgeordneten auf die Tauer mit beii Aufgaben des Verbandsvorsitzenden nicht gut zu verein- baren ist'." ' Oswald ist Zontrumsabgeordneter zum bayerischen Landtag. Nun ist ja bekannt, daß in letzter Zeit in Bayern dem Eisenbahnerverband das Streikrecht abgesprochen worden ist und daß man selbstverständlich auch den übrigen Staats arbeitern kein Streikrecht zugestehen will. Zu allem Ueber fluß hat der Kongreß der christlichen Gewerkschaften in Dtesden zum Ausdruck gebracht, daß auch den Gemeinde arbeitern kein Streikrecht zugestanden werden könne. Das sind also die„Hindernisse", derentwegen man die Staats- und Gemeindearbeiter abtrennen und in einer besonderen christ lichen Organisation zusammenfasseil will. Die Staats- und Gemeindearbeiter werden das ent sprechend zu würdigen wisseil. Berlin und Umgegend. Die Hausschlosser der Firma A. Wertheim, Betrieb Leipziger Straße, haben ihre Stellungen gekündigt und werden in den Aus stand treten. Sie beklagen eine ganze Reihe von Mißständen. Den höchsten Stundenlohn von-70 Pf. erhalt� ein Schlosser, der schon tO Jahre bei der Firma tätig ist. Die Stundenlöhne der übrigen gehen herab bis zu 5t Pf. Nur alle zwei Jähre findet eine Erhöhung der Löhne um 2 Pf. pro Stunde statt. Die Schlosser ver- langen nun eine sofortige Zulage von 5 Pf. pro Stunde bei einem Einstellungslohn von ScTPf- Auch das Ueberstundenwesen soll eine Regelung erfahren in der Weise, daß Ueberstunden einen Tag vor bcr angesagt werden. Bisher mutzten die Leute oft Ueberstunden ohne jede vorherige Ansage machen, woraus ihnen vielfach llniostcm für den Einkauf von Nahrungsmitteln, Benachrichtigung an die Familie, Fahrgeldausgabcn usw. entstanden, die in gar keinem Verhältnis zu der für die Ueberstunden gelvährten Entschädigung standen. Tie Hausschlosser versuchten nun, ihre Wünsche auf dem bei der Firma Wertheim vorgeschriebenen höchst gewundenen Instanzenweg vorzubringen. Sie erhielten aber nur einen ableh- liestden Bescheid.. Einem Vertreter des-Metallarbeile rverbändes gelang es, die Jnstanzenleiter bis zu Herrn He r tz- er vorzudrtn- gen. der ihm aber ebenso höflich wie ablehnend erklärte: Er könne nicht mit einem Vertreter des Metallarbciterverbandes verhandeln. Wenn ihm die Stellung nicht passe, müsse' er auch seiner Wege gehen. Als nun der Vertreter des Verbandes dem Herrn sagte, daß er dock, unmöglich seine ganz anders geartete Tätigkeit und Stellung mit der der Arbeiter vergleichen könne, meinte der Herr, jetzt schon energischer: Er müsse bedauern, mit ihui nicht weiter unterhandeln zu können. Wenn es den Schlossern nicht passe, könn- ten sie gehen.„Meinethalben sofort!"— Das taten nun allerdings die Schlosser nicht, da sie eintägige Kündigung haben. Bon dieser haben sie heute nun Gebrauch gemacht und der Betrieb ist für Metallarbeiter gesperrt. Tie Behandlung der Leute ist um so bedauerlicher, als sie in ihren Wünschen recht bescheiden sind. Eine Reihe berechtigter Klagen haben sie um des lieben Friedens willen unterlassen. So lassen beispielsweise auch die Werkstattverhältnisse viel oder alles zu wünschen übrig. Wenn die Firma W e r t h e i m asto etwa hofft, daß sich andere Schlosser um die Arbeit in ihrem Betriebe reißen würden, dürfte sie sich schwer verrechnen. Warnung! In letzter Zeit ist uns mehrfach die Mitteilung geworden, daß zu unlauteren Zwecken Gelder von Geschäftsleuten besonders im Norden Berlins gesammelt werden, angeblich für Inserate, die in der„Metallarbeiterzeitung" oder in einer Broschüre des Mctallarbeiterverbandes Aufnahme finde» sollen. Wir möchten alle in Frage kommenden Geschäftsleute darauf aufmerksam machen, daß bei uns weder die eine noch die andere Absicht besteht, und jeder, der versucht, auf die Weise Gelder einzuziehen, die Absicht hat, sich i n u n l a u t c- rer Weise Geld zu verschaffen. Wir lehnen für der- artiges Tun und Treiben jede Verantwortung ab. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. «rauereiarbeiter. Am Montag, den lt. November, finden die Delegiertenwahlen zur Ortskrankenkasse für das Bierbrauergewerbe in Berlin stall. Als Legitimation wird von den Brauereien eine Karte verab- folgt, die zur Vornahme der Wahl berechtigr. Wir fordern unsere Kollegen- Vertrauensleute auf, diese Karten für die übrigen Arbeitnehmer aus den Bureaus der Brauereien zu holen und für eine gute Wahlbeteiligung zu sorgen. Auch der letzte Mann muß sein Wahlrecht ausüben. Sollten bei Ausstellung der Karten Schwierigkeiten ensttehen, so ist dies sofort an das Bureau, Mulackstr. 10 1, zu berichten. Verband der Brauerei und Mühlenarbeiter. veutkcfies Reid,. Wahlen zur Angestelltenversicherung. Ein überraschendes Resultat ergab die Wahl in Königs- berg. Es wurden insgesamt 3199 Stimmen abgegeben, davon entfielen allen, auf die Liste des Kaufmänniscken Vereins weiblicher Angestellten 1324 Stimmen, so daß dieser Verein nicht weniger als g Vertrauensleute und 4 Ersatzmänner stellt. Die Freie Verelin- gung erhielt mit 379 Stimmen 1 Ersatzmann. Bei den Arbeitgeber- wählen erhielt pe auch einen Ersatzmann. I» Tilsit brachte sie einen Vertrauensmann und zwei Ersatzmänner durch. Zur Be r trau cnsmännerwahl für die Angestclltenvcrsicherung ie auch in Furth B. das bekannte Plakat der Freien Ver- sollte war durch polizeiliche Herrlichkeit das Plakat für die Wahl uuschäd- lich gemacht. Aber das Bezirksamt Fürth will den stolzen„Staats- bürgern" auch sonst noch beibringen, daß sie nichts als geduldete ..Uutertancn" sind. Ilm zu erfahren, was gerade für Fürth das Plakat so staatsgefährlich machte, für das wie im ganzen Reiche auch im benachbarten Nürnberg die Genehmigung zum Anschlagen- gc geben wurde, sollte das Bezirksamt seine Verweigerung schriftlich begründen.. Auf dieses Verlangen hat das Bezirksamt jedoch nach 10 Tagen noch keine Antwort gegeben. So respektiert es die Rechts garantien der Staatsbürger. Wenn iws Plakat auch für die Wahl nicht mehr verwendet werden konnte, soll doch eine Entscheidung der Regierimg über das Verhalten des Bezirksamtes herbeigeführt werde». Diese Beschwerde kann aber natürlich erst erfolgen, wenn der selbstherrliche Polizeigeist des Bezirksamtes geruht, seine Per- Weigerung auch zu begründen._ In den Opclwerken zu Rüsselshcim wurde mit den Arbeitern ein neuer Tarif abgeschlossen. Durch den Tarifabschlutz wurde an Stelle der 57stündigen Arbeitswoche die oolLstündige erreicht. Der Lohn wird sofort um 3 Pf., und vom 1. April 1914 ab um wettere 2 Pf. erhöbt. An Stelle der lltägigen Entlohvung wurde verein- bart, daß jede Woche die Höhe des Stundenlohnes reguliert und die folgende Woche der rechnungsmäßige Rest ausgezahlt wird. Da auch die Akkordarbeit sowie die Anfangslöhne geregelt wurden, so ist ein nenneiisiVcrter Erfolg zu verzeichiien. Tie Opelwerke bo schäftigen über 4000 Arbeiter. Die Lohnbewegung der Metallarbeiter im Bezirk Köln und Mülheim a. Rh. ist nunmehr für fünfzig Betriebe mit über 15 000 Arbeitern als erledigt zu betrachten. Es wurde erreicht hinsichtlich der Arbeitszeit: für 17 Betriebe mit 12*26 Arbeitern 56 Stunden pro Woche, 10 Betriebe mit 4380 Arbeitern 56>4 Stunden, 23 Be- triebe Mit 9817 Arbeitern 57 Stunden. Bei Mn letzteren �vurde eine Waschzeit von je 3 Minuten mittags und abends vor«chluß zugestanden. Tie Arbeitszeitverkürzung beträgt für 3719 Arbei ter 11- Stunden wöchentlich, für 2251 Arbeiter 2 Stunden, für 7209 Arbeiter 2Vs Stunden, für 1501 Arbeiter 3 Stunden, für 356 Arbeiter 31- Stunden, für 143 Arbeiter 4 Stunde», für 44 Arbeiter IVz-stunden, für 17 Arbeiter 6 Stunden. Bei allen Firmen wurde für die Verkürzung der Arbeitszeit ein entsprechender Lohnaus gleich, bei einer Anzähl darüber hinaus eine Erhöhung erreicht.— Als Ueberstundeiizuschläge wurde» für die ersten drei Stunden pro Stunde 12 Pf., für weitere 15 Pf., für Sonntagsarbett 20 Ps. er reicht. Die Mehrzahl der Betriebe hatte vor der Bewegung übes Haupt keine Zuschläge; erhöhte Nacht- und Sonntagszuschläge hat» bisher kein Betrieb. In 31 Betrieben wurde die Freitagslöhnung erreicht, in allen ist min wöchentliche Zahlung. Von den 181 Kommissionsmitgliedern, die die Verhandlungen führten, gehörten 131 dem Deutschen Metallarbeiterverband an, 3t dem christlichen und 15 dem Hirsch-Dunckerschen Verbände an; in 21 Betrieben von den 50 führte der Deutsche Metallarbeiterverband die Verhandlungen allein. Der Metallarbeiterverband hatte in dem verflossenen Quartal die bis dahin nie dagewesene Mitglieder- zunähme von 1120. Zur Frage der Einführung der Erwerbslosenunterstübung im Deutschen Bauarbeiterverband nahm eine Konferenz der Bau arbeiter Nordbayerns, die in Nürnberg stattfand, Stellung. Die Angelegenheit rief eine ausgedehnte Debatte hervor, in der aber die meisten Redner, die sich gegen die Einführung erklärten, sich als keine grundsätzlichen Gegner erwiesen; sie halte» nur den gegenwärtigen Zeitpunkt, wo die Bauarbeiterschaft ihre ganze Kraft auf den bevorstebelideii Kamps zu konzentrieren hat. für ungeeignet. Bei der Abstimmung erWrten sich von 85 Delegierton 32 grunosätzlich gegen die Einführung der Erwerbslosenunter- stützung. Ter der Konferenz erstattete Bericht ergab ein sehr günstiges Bild von der Entwickclung des Verbandes in Nordbayern. Er hat seit der. Verschmelzung seine Mitgliederzähl um über 1006(aus 15 306) gesteigert. Geradezu kläglich nimmt sich demgegenüber die christliche Äauarbeiterorgqnisation auS, die im Gaubeztrk 18, Ver- eine mit 996 Mitgliedern zählt, während von den Hirschen kaum ein paar Dutzend Männlein zusammengezählt werden können. Weiter wurde konstatiert, daß in Nordbayern allenthalben eine zunehmende Verschlechterung des Bauarbeiterschutzes zu bemerken ist, weil die oberpolizeilichen Vorschriften vollkommen wirkungslos ind. Die Delegierten wurden aufgefordert, in ihren Gemeinden entschieden für den Erlaß ortspolizeilicher Vorschriften und deren strenger Durchführung zu wirken. Auch mit dem in Aussicht stehenden Kampfe befaßte sich die Konferenz; der Vertreter des Hauptvorstandes, August Winnig, hielt darüber ein treffliches Referat, das großen Eindruck machte. Ausland. Tariftampf in den Buchdrnckereicn der russischen Ostseeprovinzen. Sämtliche Arbeiter des Druckereigewerbes in Riga. Jurjew, Reval, Li-bau, Nitau, Pernau, Walk, Wen!:«», Wolmar, Goldingen und Schlock haben am 26. Oktober ihren Arbeitgebern ein Ulti- matum unterbreitet, in dem sie ihren Arbeitsvertrag binnen zwei Wochen kündigen, wenn nicht paritätische Kommissionen der Arbeiter und Arbeitgeber zur Ausarbeitung eines allgemeinen Tarifs für die gesamten Osffeeprovinzen eingesetzt würden. Der Hauvtpunkt der Forderungen der Druckereiarbeiter besteht in der Lohnerhöhung, die infolge der exorbitanten Lebensmittelteuerung und der niedrigen Lohnsätze, die durchvveg niedriger sind als ini Auslande, notwendig geworden ist. Dem urusterhaft geschlossenen Vorgehen der baltischen Druckereiarbeiter ist eine vom Druckereiarbeiterverband veran- faltete Enquete über die Arbeitsbedingungen in den Druckereien vorausgegangen. Wegen Veranstaltung dieser Enquete ist der Ver- bandssekretär A. Pruwle vom Gouverneur zu einem Monat Gc- 'äiignis verurteilt worden. Auch sonst sucht der livländische Gou- verneur den Tarifkampf der Druckereiapbeiter mit allen Mitteln zu verhindern. So hat er dem Verbandsvorsitzenden am 18. Oktober erklärt, er würde sämtliche Streikenden nach dem Narimsker Bezirk (im Nordosten Sibiriens) verbannen! Die Verbaftungen haben bereits begonnen. Die Arbeiter sind aber ihres Sieges sicher, da ie zu 75 Proz. organisiert sind. An alle Druckerciarbeiter ergeht die Bitte, sich nicht für die russischen Osffeeprovinzen anwerben zu lassen! 8o2iales. Wie weit ist der Polizeipräsident für Automobilverordnungen zuständig? Das Automobilgesetz vom 3. Mai 1969 beauftragt in 8 6 den Bundesrat, die zur Erhaltung der Ordnung und Sicherheit auf den öffentlichen Wegen oder Plätzen erforderlichen Anordnungen über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen zu erlassen. Solche An- Ordnungen sind durch die im Reichsgesetzblatt veröffentlichte Bundesratsverordnuiig vom 3. Februar 1916 ergangen. Nach dem Gesetz köiiiien, soweit der Bundesrat Anordnungen nicht erlassen hat, die Zentralbchördeii derartige Llnordnungeu erlassen. Die so geschaffenc Einheitlichkeit würde durch Verordnungen der einzel- nen Polizeibehörden durchbrochen werden. Ein krauses Wirrwarr au Lotalpolizeiverordnungen würde der Sicherheit des Verkehrs entgegenstehe». Richtig wäre es daher und dem Sinuc des Auto- mabilgesetzes entsprechend, wenn die Lokalpolizeibehörden nicht als «inigung verwendet n�vben. Es stellt den personifizierten Haupt- berechtigt' erachtet werden, neben der Bundesratsverordnung ausschiff,iNgebuckwrHaltung!�r, � � Hanbca.c.nut vorziehen, soweit es sich nicht um allgemeine Verkehrsregeln h�elt. Diesen Standpunkt hat jetzt auch das Oberverwaltung* Gin Kumpan des Polizeileutnants Becker abgeurteilt New York, 6. November.(W. T. B.) Davidson, der für schuldig befunden wurde. Zelig. einen wichtigen Zeugen gegen den Polizei- leutnant Becker, ermordet zu haben. i,t zu 2 6 Jahren Ge- ______ �_____ fängn i s verurteUt � s—*"j mV Lerantw. Redakt.: Alfred Wielepp» Neukölln. Inseratenteil vcrantw.-; Th- Glocke, Bert'». Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Berlagsanstasi�KäulSingert Co., Berlin LW. Hierzu Z Beilagen u.Unterhaltu«>»bl> rungsgesetz annimmt. Ilm es Plakat anschlagen zu können, bedurfte es der Genehmigung des Bezirksamtes der untersten Per- waltungSinstanz der bayerl;chen Ncgierung. Das Fürthcr Bezirks- amt muß in dem' harmlosen Plakat etwas'staatsgefährliches ge- funden haben, eS versagte die Genehmigung zum Anschlaacn. so gericht in einer Entscheioung vom 28. Oktober cingenommoii. Nach 8 26 Absatz 2 der zur Ausführung des Automobilgesehes ergangenen Bundesratsverordnuiig vom 3. Februar 1916 kann die Ausschließung eines Kraftfahrzeugs vom Befahren der öffentlichen Plätze und Wege durch die höhere Verwaltungsbehörde verfügt werden, wenn das Kraftfahrzeug den gesetzlichen Anforderungen nicht entspricht. Nun hatte der Berliner Polizeipräsident noch besondere Vorschriften darüber getroffen, in welcher Weise die Kennzeichen an Kraftwagen anzubringe» sind und hatte diese Vor- schrifteii, unter Hinweis auf die Vorschriften der Bundesrats- Verordnung, in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" veröffent- licht. Demnächst erließ er eine Verfügung an den Grafen von Frankenberg, seine beiden Krastivagen den Vorschriften gemäß herzurichten und zu dem Zwecke je ein heraldisches Zeicheu (Grafenkrone) aus ocr Nähe der gesetzmäßigen Kennzeichen der beiden Automobile zu entfernen, widrigenfalls er die Automobile vom' Verkehr ausschließen werde. Der Oberpräsident verwarf, die vom Grafen erhobene Bc- schwcrdc.-,... Das Lberverwaltungsgericht hob jedoch auf die Klage des Grafen den Bescheid des Oberpräsidcnten auf und setzte die. Ver- sügung des Polizeipräsidenten mit folgender Begründung ausser Kraft: Auf die Frage, ob die Bekanntmachung deS Polizeipräsidenten in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" genügte und die Ver- sügung an den Kläger materiell begründet sei, brauche der Senat nicht einzugehen. Denn bei der Verfügung, wie sie hier erlassen sei, handele es sich um eine fehlerhafte Anwendung des 8 26 Ab- satz 2 der Bundesratsverordnuiig. Diese Bestimmung sage klipp und klar: Genügt ein Kraftfahrzeug den Ansordcrungen nicht, dann kann es durch die höhere Verwaltungsbehörde vom Besahren der öffentlichen Wege und Plätze ausgeschlossen werden. Diese Vor- schrift sei erschöpfend, und zwar dergestalt, dass der LandeSoerwal- tungsbehörde nicht die Möglichkeit gegeben sei, etwas anocres zu verfügen als die Ausschliessung. Dem entspreche nicht die Ver- sügung. sie verlange die Beseitigung der heraldischen Zeichen und die erneute Vorführung der Wagen zu erneuter Abstempelung durch die Polizei.' Die Verfügung nebme sonst nur auf die Be- stimmung der Bundesratsverordnuiig Bezug, indem sie für den Fall der Zuwiderhandluri� die Ausschließung androhe. Nach der klaren und erschöpsenoen Vorschrift des 8 26 Absatz' 2 der Bundes- ratsverordnung hätte nur die Ausschließung selber ausgesprochen werden können, wenn die Kraftwagen nicht den Anforderungen eiitsprad)en. Da die Verfügung somit dem Gesetz nicht entspreche, müsse sie ausser Kraft gesetzt werden. Bleibt, wie anzunehmen ist. das Oberverwaltungsgericht auf diesem Rechtssiandpunkt besteben, so werden eine Reihe Polizei. Verordnungen als ungültig aufgehoben werden müssen. Das wäre kein schaden. Denn dadurch würden lediglich eine Reihe von Verordnungen beseitigt werden, die zwar der Sicherheit des Ver. kehrs dienen wollen, tatsächlich aber daS Gegenteil bewirken und kleinliche Polizeistrafen gegen Chauffeure zeitigen. Eine Landesversicherungsanstalt für Wohnungsnot und gegen Kindersegen. Wie die„Strehlener Zeitung" berichtet, suchte ein Maurer in Strehlen, der ein Haus besitzt, in welchem mehrer« Familien mit insgesamt 23 Kindern wohnen, um ein Hypotheken. darlehcn bei einer Landesversicherungsanstalt nach. Di« Antwort lautete, da sein Haus mit Kindern überlastet sei, könne ihm«in Darlehen erst gewährt werden, wenn er durch Ausnahm« kinder- ärmerer Familien anstatt der kinderreichen die Kiwderzahl in seinem Hause aus dos zulässige Maß reduziere, - Daß die schlesische Landesversichernngsanstalt ihr« soziale Aufgab«, gegen Wqhuungsnot einzutreten, in das Gegenteil verkehrt,' hätte .man ihr. nicht zutrauen sollen) wiewohl- sie den bei weitem größten Beamtenapparat und' so ziemlich die schlechtesten Leistungen unter allen Versicherungsanstalten auszuweisen hat. (Siehe auch erste Beilage.) Letzte Nachrichten. Panikartige Stimmung in Äonstantinopel. Konstantinopel, 6. November.(H. B.) Die Hauptstadt steht seit vorgestern unter dem bedenklichen Symptom der P a n i k. Bon ibr sind nicht nur die durch den befürchteten Aus- bruch des mohammedanischen Fanatismus sich bedrobt gloubeiiideu sreniden Niederlassungen betroffen, sondern auch beim diplomatischen Korps und in der türkischen Regierung läßt sie sich fesfftcllen. Trotzdem wäre die Annahme verfehlt, daß die Musel- manen eine den Europäern feindliche Haltung zur Schau tragen. Stambul und Pcra sind scharf bewacht. Gegen 12 666 Mann frische Truppen befinldcn sich noch hier. Der Sultan und die Pforte treffen Vorbereitnnpen zur lleberiiedeluna nach Brussa. Der mehrere 166 Millionen repräsentierende Schatz aus dem alten Serail soll heute nach dahin übergeführt werden. Die Kriegs- schiffe„Barbarossa" und„Masudie" stehen zum Transport am Palais und an der Hohen Pforte unter Dampf. Falls Europa nicht interveliiert, um den Einzug der Bulgaren in Konstantinopel zu verhindern, wird, wie den Botschaftern auf der Pforte amtlich verkündet wurde, die türkische Hauptstadt ihrem Schicksal überlassen werden. Einige Diplomaten erblicken in dieser Drohung nur ein Mittel, auf die europäischen Kabinette einen Druck auszuüben. Er dürfte kaum die gewünschte Wirkung zeitigen. Die Türken müßken selbst zusehen, wie sie fertig werden. �ein Frauenstimmrecht im irischen Unterhaus. LonfcSi, 6. November.(P.-C.) Der Zusatzantrag des Abgeord- neten S n o w d e n zur Homerulebill. für das irische llnterhau« das FrauenMimrecht einzuführen, wurde mit der ungewöhnlich großen Mehrheit von 311 gegen III Stimmen abgelehnt. Wahr- "chcinlich wäre die Majorität noch größer gewesen, wenn nicht etwa lv Konservative sich der Stimme enthalten halten, um nicht mit der Regierung zu gehen. Die Arbeiterpartei stimmte mit wem gen Ausnahmen gegen die Regierung. Streik im Buchdruckgewerbe. Karlsruhe, 6. November(P.-C.) Die DruckereihilfSarbeiter und-arbciterinnen sind in zehn hiesigen Druckereien, in denen am 21. Oktober die Kündigung eingereicht worden lsü heute in den Ausstand getreten, nachdem die Buchdruckcreibesttzer eS abgelehnt hatten, wegen einer Lohnerhöhung in Verhandlungeii zu treten. Festnahme eines gemeingefährlichen Verbrechers. Düsseldorf, 6 November.(W. T. B.) Krimiliatbeamte»ahmen heute den Einbrecher Johann Wipplch aus Allenstein fest. W. hatte am 3. August in Haspe in Westfalen mit mehreren Kom- plizcn, von denen einer erschossen wurde einen Geldschrank beraubt und auf der Flucht durchs das Ennepetal einen Fabrikwachter und 1 Polizeibeamte schwer v�letzt. Bc, sc,ner seitnabme im Bett hatte er zwe� ge?adene Revolver neben sich liegen, ffi. hat zahlreiche Einbruchsdiebstähle im Rheinland und ,n Westfalen verübt. Nr. 261. 29. Jahrgang. t. billigt des„Wmiick" Sfiiiiitr Jlullisliliitl. Donnerstag, 7. November 1912. Sie Teuerung. Teuerungsbckämpfnng der Scharfmacher. Nicht nur die Agrarier sind mit den Teuerungsmatz- yahuien der Regierung einverstanden, auch die grotzindustrielleu Scharfmacher erklären ihre Zustimung. Nur eins wünschten sie noch, daß nämlich auch die Industrie zur Teuerungsbe- kämpsung herangezogen würde. Und welcher Art sie sich ihre Mitwirkung vorstellen, geht aus einer Besprechung der Teue- rungsdebatteu des preußischen Landtages in der„Deutschen Industrie-Zeitung", dem Organ des Z e n t r a l v e r- bau des deutscher Industrieller, hervor. Es heißt da: „Aber hätte nicht auch die Industrie herangezogen und in den Stand gesetzt werden sollen, an ihrem Teil zur Linderung der Teucrungsverhältnisse beizutragen? Dazu wäre sie durchaus in der Lage, wenn sie in sozialpolitischer Hinsicht weniger vorbelastet und auf wirtschaftlichem Gebiete gegen die Streik- und Boykottgefahr besser gewappnet wäre. Aber bisher hat die Industrie aus cnt- sprechende Fürsorge und Schutzmaßnahmen vergeblich gewartet. So bleibt für die Industrie als das einzige greisbare und brauch- bare, allerdings auch notwendige Ergebnis der Fleischtcucrungs- dcbatte, daß, da bereits ein erheblicher Rückgang der Fleischprcise infolge der gewährten Einfuhrerleichterungen zu konstatieren war, neue Lohnforderungen mit dem Hinweis auf die Teuerungszustände nicht wohl begründet»Verden können." Selbst die Not des Volkes löst bei diese»» scharfmacherischen Hetzern nur den Schrei nach ungehinderter Ausbeutung und Knebelung der Hungernden und nach Unterdrückung aller noch so begründeten Lohnforderungen aus. Diese Ver- höhnung wirkt um so dreister, als einsichtige Unternehmer gegen die agrarischen Zölle und Sperren mit protestiert haben, weil die Industrie selbst durch die Verteuerung der Lebens- mittel getroffen wird. Der sächsische Landesknlturrat und die Teuerung. In der Sitzung des sächsischen Landeskulturrats, einer rein agrarischen Körperschaft, beschäftigte sich der Vorsitzende, Geheimer Oekonomierat Dr. Hähnel, in seiner Eröffnungsrede mit der Fleisch- teuerung. Die Landwirtschaft hätte trotz der erhöhten Preise nichts profitiert. In letzter Zeit sei durch die reiche Futterernte die Lage der Landwirtschaft etwas besser geworden. Sie habe kein Interesse an den exorbitanten Preisen, denn diese würden nur benutzt, um die Konsumenten in Gegensatz zu den Produzenten zu bringen. Der Schutz des deutschen Viehbestandes vor Verseuchuirg iniisse unbedingt hochgehalten werden, und es müsse von der deutschen Landtvirt- schaft keine strengere Befolgung der hygienischen Maßnahmen ver- langt werden als von der ausländischen.— Im weiteren erklärte sich der Landeskulturrat gegen die Einführung australischen Hammelfleisches, da der Bedarf von der deutschen Land- Wirtschaft nicht nur voll gedeckt werden könne, sondern auch noch Schafe ins Ausland ausgeführt würden. Er wandte sich ferner gegen die Einführung von Fleisch aus Rußland, Serbien, Rumänien und Belgien, soivie aus den Niederlanden, da dort die Fleischbeschau nicht in gleicher Weise wie in Deutschland gehandhabt werde, und das Vieh nicht frei von Seuchen sei. Gegen eine weitere Belastung des Branntweins müsse entschieden Stellung genommen werden, da die Erträgnisse aus der Brennerei für die Landivirtschaft nicht so hoch seien, daß das Gewerbe von neuem herangezogen werden könne, wenn neue Rüstungen not»vendig würden. Bezüglich der Arbeiter- frage beklagt der Landeskulturrat. daß sich der Kontraktbruch der ausländischen Arbeiter in bedenklicher Weise mehre. Schließlich wandle er sich noch gegen die Einführung des obligatorischen Fort- bildungsschulunterrichts für Mädchen, der im neuen sächsischen Schul- gesetz vorgesehen ist. Noch ciu abgelehntes Angebot. Ein Großviehmäster aus der Gegend von Goslar hat der Stadt Rathenow ein Angebot auf Lieferung von schlachtreifen Schweinen kleines feuilleton. Preußische Mäccne und Künstler. Der Schiveizer Maler Karl Stauffer-Bern, dessen erlesenste Werke»ounderbarer Menschen- beobachtung die Nationalgalerie beherbergt, kam als frischer, un- verdorbener und aufrechter Gesell 1880 nach Berlin, Ivo er zehn Jahre blieb. Seine Eindrücke und Erlebnisse aus Berlin hat er frei und ungeniert in Briefen an seine Familie niedergelegt, die jetzt in den„Siiddemschcii Monatsheften" veröffentlicht werde». Sie geben charakteristische Einblicke in die preußischen Kuustzustände, die ja heule noch ganz ähnliche sind. Die Protektions- und Nachäffungslvirtschaft schildert der un- verbildete Schweizer also:....Hat man einmal das Interesse einer solchen Person wie des Kronprinzen oder der Kronprinzeß erweckt, so interessiert sich natürlich auch die ganze Gesellschaft von Schranzen, Herren Grafen und bloß Herren von und solcben, die es werden wollen, kurz all dieser Gesellschaft, die von den Brosamen der„von GotteS Gnaden" Tafel abfallen, leben. Auf diese zlvar traurige Weise macht der Künstler sein Glück." Was i» Preußen Kunst heißt, schildert Stauffer sehr ergötzlich: .20 Orden zu malen und eine tadellose Uniform, ist wahrhaftig, um einen republikanischen Christenulenschen zum Troddel zu machen, und doch muß es geinacht sein. Seit ich wieder hier bin, male ich an dein Zeug und habe cS noch nicht zur Hälfte fertig. Weiß der Kuckuck, was daraus wird. Vor drei Wochen ist an ein Ende gar nicht zu denken, denn eS raubt wirklich eine uitglaubtickie Zeit, wenn ,nan die Sache so inachen will, daß sie eben was gleich sieht." In einein anderen Briefe werden die Künstler von damals i t>' ch i f f von Sylt Ii ach H a in bürg', daraus findet der neue mit kiiematographischen Vorsührungen ausgestattete Vortrag Die wichtigsten Kulturpflanzen der W-l.w.rtschaft" fwtt.- Die Deutsche N a t u r w i s s e nschaf tlichs Gesellschaft tagt Frei- tag bfl, Uhr im Hörsaal Keithstr. 11. Eim der Partei. Marodeure der Jutcrnatioiiale. Paris, 4. November.(Eig. Bor.) In der gegeuwärtigeu, so mrchtbar ernsten Situation, die wie keine zuvor die Geschlossenheit und das gegenseitige Vertrauen in der proletarischen Jiitenialioitale fordert, gibt es Leute, die im Namen mtd im Interesse der Arbeiter- ickiaft zu handeln beanspruchen u»v es dennoch für gut studeu, Treibereien anzuzeticlit, die, wenn sie Erfolg hätten, die Einheit des sozialistischen Proletariats erschüttern würden, aber immerhin auch so der bürgerlichen Preffe Material für ihre perfiden Hetzartikel gegen die internationale Arbeiterschaft und die Idee der iuteruatioualen Solidarität liefern. So variiert das reaktionäre„Joilriial des DvbatS" heule das beliebte Motiv vom„Patriotismus" der deutschen Sozialdemokratie, der getreulich der NeichSregisning auf allen Wegen folge und es zitiert dafür einen Artikel der Berliner „Eiiligke'.t" über einen Dresdener Vortrag des Genossen N o§ k e und über ein angebliches Pcivatgefpräch mit diesem. Diesen Artikel aber, der den Stempel der Entstellung au der Stirn trägt, hat die heulige„ B a t a i l l c S y u d i c a l i st e" in Uebersetzung auf der ersten Seite veröffentlicht. Eine Hand wäscht die andere.— Offenbar halten sich die Leute der„Bataille" berechtigt, in der Juter- nationale Uuftieden z» stiften, weil die Gewerkschaften der anderen Länder für die Taktik, die bei einer eminent politischen Augekegeiiheit die politische Organisation ausschalten möchte, nicht empsänglich sind. Und das sind dieselben Leute, die der sozialistischen Partei ein eng- herziges Sektentiim vorwerfe» I__ Ein deutsches Arbeiterfcst in Paris. Aus Paris wird uns geschrieben: Am Somiabend feierte der Deutsche sozialistische L e s e k l u b, die bekannte Bereinigung der deutschsprcchcnden Arbeiter in Paris, die in der Geschichte der Sozialdemokratie— besonders in den Jahren deS Sozialistengesetzes — eine bedeutende Rolle gespielt und auch seither am Werk der sozialistischen Erziehung ihrer Mitglieder, wie an der Stärkung des Einvernchmcus zwi'chen den deutschen und den frauzösischeli Ge� Nossen erfolgreich gearbeitet hat, die 35. Wiederkehr ihres Grün dungstageö. Das Ausehen, das diese blühende Organisation in der französischen Partei besitzt und die brüderliche Sympathie, die sie mit dieser verbindet, äußerte sich darin, daß die geeinigte Partei ihren Sekretär Genossen Dubreuilh und Ge- Nossen C o m p ö r e-M o r e l zum Fest delegier!«. Auch der deutsche Parteivorstand sandte ein herzliches Glückwunschtelegramm. Nach der Begrüßungsansprache des Vorsitzenden Genossen Hammel, der besonders den Senior des Vereins Genossen Schulz begrüßte, der diesen, seit 30 Jahren angehört, sprachen nnter großem Beifall die Genosse» Dubreuilh und Compsre-Morel, die dieOrgaliiiativiiStreue der dentschen Arbeiterschaft rühmten und die besondere Bedeutung der internationalei, Solidarität in der jetzigen internationalen Situation hervorhoben. Nach einer Festrede des Genossen Pohl folgte ein Konzcrt unter Mitwirkung ausgezeichneter Künstler sowie ein Ball, der die Festteilnehmer noch lange beisammenhielt. Gemcindewahlcrfolge in England. Nach den bisher vorliegenden Nachrichten haben die Wahlen zu den Gemeindevertretungen den sozialistischen und Arbeiterkandidaten etwa vierzig Gewinne gebracht. Namentlich an Orten, Ivo schon Arbeitervertreter Gelegenheit hatte», sich praktisch zu bewähren, sind weitere Sitze erobert worden.„Sehr oft", sagt„The Daily Citizen", „find die Wähler nicht ganz sicher, was eine genossenschaftliche Produktionsweise bedeutet. Aber sehr genau wissen sie, was eine Kinderklinik bedeutet, was eine Freiluitschule für kränkliche Kinder, Speisung hungriger Kinder, öffentliche Lieferung billiger Kohlen, ein Lebcnslohn. Und die Arbeitergemeinderäte, die sich für die Ver- wirklichung dieser Dinge eingesetzt haben, finden gewöhnlich, wenn sie eL richtig gemacht haben, daß sie das öffentliche Vertrauen und die Unterstützung der Wähler vermehrt und sich selbst zur Erreichung ihrer weiteren Ziele fähig gemacht haben." Im Londoner Städtegebiet hat sich wenig geändert. Die sogenannten Unabhängigen haben 33 Sitze verloren, die Gemäßigten 24 gewonnen: ein stärkerer Rückgang der verdeckten, ein kleiner Fort- schritt der offenen Reaktionäre. In W o o l i ch stiegen die Arbeiter- Vertreter von 9 auf 15, bei Rückgang der Gemäßigten; in Ken- s i n g t o n wurden 4 Sitze erobert. Unter den Gewählten sind hier zwei Frauen aus der Leitung der Arbeiterimienliga, Dr. Ethel Bentham und Dr. Mario» Phillips. In Bradford kamen zu den 6 Gewinnen des vorigen Jahres 4 neue, so daß die Gruppe nun das Zünglein an der Wage im Stadtrat bildet. In B i r- m i n g h a m, dem Mittelpunkt der imperialistischen Bewegung, wurden zwar keine neuen Sitze gewonnen, aber die Stimmeuzahl wuchs stark und stellt baldige neue Gewinne in Aussicht. In 7 Be- zirken wurden 8138 Stimmen aufgebracht. Davon fehlten in einigen nur einige Stimmen zum Siege. Im Wahlkreise Joief EhambcrlainS stand der Arbeitervertreter, einer der 6 im vorigen Jahre Neu- gewählten, wieder zur Wahl. Die Unionisten setzte» alle Hebel in Bewegung, den Kreis wieder„rein" zu machen, aber seine Mehrheit stieg von 12 im vorigen Jahre auf 599 Stimmen. In Liverpool, wo die Konservative» regieren und die Ar- beiter noch durch den antiirischen religiösen Fanatismus beeinflußt werden, gelang es nicht, zu den 0 Gewinnen von 1911, die damals gegen die Verbündeten Konservativen und Liberalen erfochlen wurden, neue hinzuzufügen. Dagegen wurden in der Hafenstadt Southampton 2 Sitze gewönne«. Die weiteren Nachrichten werden wohl noch von einigen weiteren Erfolgen melden.— Die British Socialist Party, die Organisation der radikalen Sozialisten, ging auch diesmal leer aus._ poltzeiUchts,©mchtlldiea ukw. Versammlungsfreiheit mit Hindernissen. Genosse Rosenfeld, der bei den letzten Reichstagswahlen im Kreise Schwarzburg-Sondershausen kandidierte, konnte in einem Teil seines Wahlkreises absolut keine Lokale und Plätze für Ver- sammlungen erlangen. Der Terrorismus der Gegner wurde schon dem gefährlich, der Rosenfeld nur beherbergte. Die Parteigenossen halfen sich dann so. daß sie den Kandidaten im Auto durch die Ortschaften fuhren und bei dieser- Gelegenheit nach Zusammen. holung einiger Zuhörer Ansprachen halten ließen. Er wurde des- wegen mit Strafmandaten wegen Abhaltung nicht angemeldeter Versammlungen bedacht. Die Strafkammer in Erfurt als Be- rufungsinstanz bestätigte kürzlich einige dieser Strafverfügungrn und hob einige andere auf, weil in diesen Fällen eine Schuld des Genossen Rosenfeld nicht nachzuweisen war.> Drei Monate Gefängnis wegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten erhielt der verantwortliche Redakteur Genosse Lu scher von unse- rem Waldenkmrger Bruderblatt, der„Schlesischen Bergwacht". DaS Verfahren ist typisch für die allerneueste Haltung der Justiz zur Sozialdemokratie. Die Anklage kam bekanntlich auf Grund eines Leitartikels zustande, in dem zum Schluß ausgesprochen wurde, daß durch die unglaublichen gesellschaftlichen Verhältnisse von heute das Volk mit Gewalt aufgerüttelt werde und das revolutionäre Be- wußtsein des Proletariats stärken werde. Daraus folgerte der Staatsanwalt, daß revolutionärer Wille und verschärfter Klassen- kämpf das Volt nur zum Umsturz treiben könne und daß dieser Umsturz n a t u rge m a ß n u r g e w a l t sa m sein kann. Folalich würde durch den Artikel das Volk zum Klassenhaß und zu Gewalttätigkeiten gegen die herrschende Ordnung(Z 130 Str.-G.- B.ft angereizt. Die Prozeßführung tvar insofern interessant, weil Staatsanwalt und Gericht, trotzdem Angeklagter und Verteidiger in längeren Ausführungen oen Begriff Sieoolution im sozialisti- scheu Sinne darlegten und aus unserer Literatur schlagende Be- weise für den höheren Sinn des Wortes Revolution brachten, von vornherein erklärten, forß sie wohl auch überzeugt seien, daß der Artikelschreiber sowohl wie der Angeklagte nicht die dahinzielende Absicht gehabt haben, das Volk in die blutige Revolu- 'ton zu treiben. Darauf aber kam es gar nicht kann man es in den agrarischen Blättern lesen. Wie harmonisch dieses Familienverhältnis aussieht, hat ein Oberschweizev des der Familie v. Stülpnagel gehörigen Rittergutes Grün- berg in der Uckermark erleben müssen. Der Betreffende stand seit dem 1. Oktober 1887 als Schweizer im Dienste derer v. Stülpnagcl. Seine Hoffnung, anläßlich seines 25jährigen Dienstjubiläums eine Auszeichnung zu erfahren, hat sich auf recht eigenartige Weiss bewahrheitet. Statt der erhofften Geldspende erhielt er zum 1. Ok- tober d. I. seine Entlassung durch den Oberinspekton Behm. Der Oberschweizer, der seine Obliegenheiten stets Pflicht- eifrig erfüllt hat, führt seine Entlassung darauf zurück, daß er sein sauer verdientes Geld nicht bei einem Gastwirte verzehren wollte» der als angehender Schwiegervater des Ober» inspektors gilt. Aber das wird wohl ein Irrtum des Schweizers sein, sonst würde der jetzige Besitzer des Gutes, Leutnant! v. Stülp nagel, wohl ein ernstes Wort mit seinem Ober- inspektor reden. Denn Gutsherrschaft und Gesinde bild«n doch eine große Familie!_ Tödlicher Fliegerabsturz. Ein schweres Fliegerunglück, das den Tod von zwei Fliegern im Gefolge hatte, hat sich gestern nachmittag auf dem Flugplatze bei H a l b e r st a d t ereignet. Wie ein Telegramm meldet, stieg der Leutnant Altrichter vom Infanterieregiment Nr. 20 auf einem Doppeldecker mit dem Ingenieur Meyer als Fluggast auf. In 20 Meter Höhe versagte Plötzlich der Motor und das Flugzeug stürzte fe n k r e ch t zur Erde. Beim Aufprall auf den Boden explodierte der Bcnzinbehälter und setzte den Doppeldecker in Brand. Ingenieur Meyer, der ini letzten Augenblick noch abzuspringen versuchte, erlitt dabei einen Genickbruch und war auf der Stelle tot. Leutnant Altrichter erlit einen schweren Schädelbruch und wurde in bewußt- losem Zustande in ein Krankenhaus gebracht, wo er jedoch bald nach der Einlieferung verstarb. Die fiebente Grostmacht. Eine recht sonderbare Einschätzung der Presse betätigte dieser Tage der Gemeindesekretär der in der Nähe von Frankfurt a. M. gelegeneu Ortschcftt Schwanheim. Wie unser Frankfurter Parteiblatt mitteilt, finden die Gemeindevertretersitzungcn von Sch-wanheim von jetzt ab in dem Saale der neuen Schule statt. Wie dieser neue Saal im ganzen mehr Annehmlichkeiten bietet, so hatten die Berichterstatter gehofft, daß endlich auch für sie ein- mal gesorgt werde. Das war eine gründliche Täuschung. Den an- wesenden Berichterstatetr der„Schwanheimer Zeitung" plazierte man auf den Flur, hier war er gezwungen, sich seine N o- tizen auf den Knien zu machen. Als er sich über diesen wenig idealen Zustand beim Gemeindesekretär beschiverte, meinte dieser, wenn der sozialdemokratische Berichter- statter, der in der„Volks st imme" immer seine Glossen über uns macht, nicht da ist. dann kö nnen Sie sich ja in das Zimmer setzen. Ist er aber an» wesend, dann müssen Sie beide auf dem Flur sitzen. Was sich der Herr Gemeindcsekretär hier anmaßt, das geht doch über die Hutschnur. Wer hat diese Anordnung getroffen, der Herr Bürgermeister oder der Herr Gemeindesekretär? Mit solchen Geniestreichen glaubt mau der Sozialdemokratie Abbruch zu tun und erreicht doch nur, daß mancher glaubt, es fei eklvas faul im Staate Dänemark._ A»ts Neu Byzanz. Das„Börsenblatt für den deutschen Buchhandel bringt folgende Ankündigung einer literarischen Neuheit: A. M. Witte. „Der letzte Schwarze Ritter von Wilhelmshöhe.* Gewidmet Ihrer Exzellenz Frau Gräfin v. d. Grocben, erscheint Mitte November. Ihre Majestät dieKaiserin geruhen, Sich ans das Erscheinen dieses Buches zu freuen. Verlagsbuchhandlung Gust. v. Dobbelcr, Berlin W. Hoffentlich hält die Freude auch nach dem Lesen de? Werkes an. Der Titel ist ja recht vielversprechend. Hinrichtung eines geistig Minderwertigen. In Köln ist am Dienstag der 41jährige Tagelöhner Knopp durch Fallbeil hingerichtet worden. In seinen Absckiedsbriefen hat Knopp, der im Snilferwahn sein vierjähriges Söhnchcn ermordet halte, zum Ausdruck gebracht, daß er ei» Opfer des Fusel» g e n u s s e s sei. Knopp war a e i st i g minderwertig. In- olge eines Schädelbruches konnte er beim Militär den Helm nicht tragen, und er litt dauernd bei Regenwetter an Schwindelanfällen; dazu kam jahrelanger Schnapsgenuß bei einem durch elende Ernährung geschwächten Körper. In den Wochen vor semer cheußlichen Tat hat Knopp meist von Brot und Kartoffeln gelebt; und in dieser Verfassung trank er einen halben Liter Schnaps. Dann beging er die Tat. Den Antrag, neben dem Gerichtsarzt den in Köln Ivohiicnden Psychiater Prof. Dr. Aschaffenburg als Gutachter zu hören, hat das Gericht abgelehnt, obwohl es sich in diesem Falle um ein Menschenleben gehandelt hat. Wider alles Erwarten hat der König das Todesurteil der Geschworenen bestätigt. Man mag zur Todesstrafe stehen, wie man will: auch ein Anhänger der Todesstrafe kann niemals die Hinrichtung eineS geistesschwachen Deliranten gutheißen.__ Kleine Notizen. LicbeStragödie. Wie aus Rombach in Lothringen gemeldet wird, ereignete sich dort am Dienstngahend ein furchtbares Licbesdrama. Ein Maschinist erschoß dort iu einem Anfall von Eifersucht seine Frau, seine Geliebte und sich selbst. Vier Arbeiter schwer verbrüht. In dem städtischen Elektrizitäts- werk zu Kassel ereignete sich gestern ein schwerer Unglücksfall. In den Mittagsstunden brach ein Heißdampfrobr. Der auZströmmde Dampf verbrühte vier Arbeiter lehr schwer. Die Verletzten wurden sofort in ein Krankenhaus geschafft. Zwei von ihnen dürften kaum mit dem Leben davon kommen. Blutrache. Vor ungefähr einem Monat wurde ein Erdarbeiter von einem Kroaten erschossen. Der Mörder hatte nach dem Ver- brechen das Weite gesucht. Ein Verwandter des Ermordeten war ihm jedoch gefolgt und hatte ihn in einem Dorfe bei Kassel auf- gespürt. Hier traf er den Mörder in einer Kantine und gab fünf Revolverschüsse auf ihn ab, die dessen sofortigen Tod zur Folge hatten. Die Llufregung, die unter den Gästen entstand, benutzte der Angreifer, um zu entfliehen. Mord aus Eifersucht. Dienstagnachmittag zwischen 5 und 6 Uhr wurde in ijeckenheim iGroßherzogtum Badens die Ehefrau des Werk- meisters Bernhard Zeiher, eine Frau von 3i Jahren, von ihrem Schwager, einem 42 Jahre alten Fabrikarbeiter, der sie schon seit einiger Zeit mit unsittlichen Anträgen verfolgte, erschossen. Die Frau war auf der Stelle tot, der Mörder stellte sich selbst der Polizei. Die Ermordete hinterläßt zwei unmündige Kinder. Ihr Mann liegt zurzeit schwerkrank danieder. Ein tobsüchtiger Schiffspassagicr. Nach einer Blättermeldung aus Madrid verwundete ein Passagier des in Cadix eingetroffenen transatlantischen Dampfers„Catalina" namens Lescoule in einem Tobsuchtsanfall zehn Mitreisende und drei Matrosen durch Messer- stiche lebensgefährlich. Eingegangene Dnicklchnfren. Personnlnachwcisung der Gemeindeverwaltung der Stadt Berlin-Schöneberg ISIS. 223 S. Magistrat der Stadt Schöneberg. Liebe. Roman von Grazia Deledda. 4,50 M., geb. 6 M.— Der Nigger vom„Narzissus�. Roman von I. Conrad. 3 M., geb. 4,S0 M. — Maruichka. Roman von Lydia Danöfen. 2,öl>M., geb. 3,50 M. Ver« lag von Albert Langen in München. Einer von den Bielen. Ein Priesterroman von E. Smigelsli-Atmer. 3 M., geb. 4,50 M.— Der Herrscher von Rolf Hiorth-Schoyen. 3,50 M., geb. 5 M. E. Rowohlt, Leipzig. Geschichte unserer Haustiere von Dr. M. Hilzheimer. 1 M. Th. Thomas, Leipzig. Pierrot im Schnee von Henriette Riemann. Erich Reiß, Verlag, Berlin. 5 M., geb. 6 M. I«» KusnIc moderne(Das moderne Rußland) von Grögoire Alexinsky. Verlag Erneit Flammarion. Paris. Ruc Racine Lk. (Bibliotbegus de pliilosopliie scientiflque). Preis' 3,50 Fr. Der Ewige und die Stunde. Gedichte von A. Petzow. 3 M., geb. 4 M.. Erdgeist-Verlag Leipzig. Lola Älontez. Roman von I. A. Lux. 4 M., geb. 5 M. R. Bong, Berlin W. 57. Mustestunden. Monatshefte für junge Naturfreunde. Herausgegeben von Pros. Dr. K. Smalian. Heft 1. tzawjährlich l,50 M. für« Hefte.— Zeiten und Böller. Monatshefte für Kulturgeschichte, Länder- und Völker- künde. Heft 9, 10. Franckhsche Berlagshandlung, Stuttgart. Jährl. 12 Hefte nebst 2 Buchbeilagen, 4,80 M. Ein Kartenhaus. Alltagskomödie von M. C. Andrs. 132 S. Dr. R. Douglas, München. Wirtschaftsbuch für den Haushalts- und Geschäftsbetrieb. Für 12 Monate eingerichtet. 50 Pf. O. Schwendy, Berlin-SIeglitz, Schloß- straße 91. M/ w « 0/ 0/ vi/ VI/ G v«> V eeeeee««»»ssssssA Ilnferem Spediteur Herrn «todsull Hönisch zum 50. Geburtstage die herzlichsten Gliukwünsche Die Botenfrauen der Spedition Nazarethkirchstraße II Todes-Anzeigen SozialdemokratiscIierWatilvereiD f. d. 2. Herl. Reicbstagswabikrels. Am Montag, der, 4. Novcmher, verstarb unser Mitglied �ugusi Voelz. Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 7. November, nachmittags 4 Uhr. von der ?alle des Heilig-Kreuz-Kirch- ofcs, Mariendors, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Ver Vor«t»nd' Sozialdemokratisctier Wablvereln I. dJJerl. Reicbstagswattreis. Am Montag verstarb unser Genosse, der frühere Bäckermeister Emst Pfeiffer (Stargarder Str. 12, Bezirk 538). Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Freitag, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Freireligiösen Fried- Hofs' in der Pappelallee aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 233/19 vor Vorstnod. Dentseber Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin, Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Büchsenmacher Emil 0eiiririx am 2. d. Mts. an Herzleiden ge- starben ist. Ehre seinem Andenken! Ferner starb die Arbeiterin unser Mitglied, Elise(Zottksrät (Hollmannstr. 38) am 3. d. Mts. an Lungenleiden. Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 7. November, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des St. Simeons- Kirchhofes in Britz aus statt. Ferner starb der Rohrleger unser Mitglied, Erieclrick Kuske (Schönhauser Allee Nr. 174) am 5. d. Mts. an Herzleiden. Die Beerdigung findet am Freitag, den 8. d. MtS., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des ZionS« Kirchhofes in Nordend aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Betelligung erwartet 132/11 Die Dri» Verwaltung. Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands. ZaUstelle Groß-Uerlin. Am Montag, den 4. November, verstarb unser Mitglied 58/11 Wilhelm Schulz. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet morgen Freitag, den 8. d. Mts., nach- mtttagS 3'/, Uhr, von der Leichen- halle des Friedhofes in Ahrens- selbe auS statt. Die Drtsverwaitung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben, guten Mannes, unseres Schwagers und Bruders sagen wir allen Freunden, Verwandten und Bekannten, sowie den Mietern unseres Hauses unseren herzlichsten Dank. 19a. Weitzenfee.__ Frau Harle Appelt geb. Albrecht und Schwiegereltern. Verband der Lithographen, StElndruekeru.verwandten Berufe (Deutscher Senefclder-Bund). Am Montag, den 4. November, verstarb unser Kollege und Mit- glied, der Photograph Otto Preuß im Alter von 32 Jahren an einem Blutsturz. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Freitag, den 8. November, vor- mittags 11 Uhr, von der Halle des Lichtenberger Friedhoses. Lück- stratze, aus statt. 109/20 Die Verwaltung der Riiaie VI. Danksagung. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme beim Hinscheiden meines lieben Mannes, unseres guten Vaters sagen wir allen unseren fiesgesühltesten Dank. 331 Berlin den 3. November 1912. Im Namen der Hinterbliebenen Witwe Gutge und Kinder, Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres herzensguten Vaters, des Bureauangcstellten Alois Lauf sagen wir allen Freunden und Be- kannten, insbesondere den Kollegen und Vorstand der OrtLkrankenkasse der Schneider, dem Wahlverein und „Freien Turnerschast" Bohnsdorf, der Redaktion des„Vorwärts-, dem Grünauer Gesangverein und für die trostreichen Worte des Herrn Dorncr unseren herzlichsten Dank. 4680L Witwe L-anf nebst Kindern. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme beim Hinscheiden meiner lieben Frau, unserer guten Mutter und Schwiegermutter sagen wir allen Verwandten, Bekannten, insbesondere dem Gesangverein Friedrichsselde- Karlshorst, dem Wahlvcrein, dem Radsahrerverein, dem Sparverein „Selbsthilfe-, der Freien Vereinigung der Gastwirte, dem Holzarbeiter- Verband und dem Personal der Firma Sabolka unseren tiesgefühltesten Dank. Die trauernden iiinterbiiebenen Hermann Brunk »ebst Dochter und Schwiegersohn Ott» 8eI»Ilekaer. Orts-Krankenkasse der Gelb- und Ziungießer zu Berlin. Am Donnerstag, de« 14. No- vember, abends 5'/,— 7 Uhr, findet im Gewerkschaftshaus, Engel- user 15, Saal 11, die M von§7 Delegierten der Arbeitnehmer für das Jahr 1913 statt, wozu alle großjährigen Mitglieder hiermit ein- geladen sind.(Qnittungsbuch oder Bescheinigung vom Zlrbeitgeber lcgitt- miert.) Von 7—7'/. Uhr Feststellung des Wahlresultats. Desgleichen dort abends 7'/, bis 8 Uhr im Saal 10 die Mi von 27 Delegierten der Arbeitgeber, hiermit sind alle Herren Arbeitgeber, welche ein Drittel der Beiträge aus eigenen Mitteln zahlen, eingeladen. (Letzte Quittung legitimiert.) Nach 8 Uhr Feststellung des Wahl- resultats. 1154b Berlin, den S. November 1912. Der Borftand. I. A.: W. Schiitt, Vorsitzender. Orts-Krankenkasse der Zigarrenmacher, Ziga- rettenmacher, Zigarrensor- tierer u. deren gewerbliche Hilfsarbeiter zn Berlin. Donnerstag, den 14. November. abends 81/, Uhr, im Restaurant „Rosenthaler Hof". Rosenthaler Straße 11/12: Msklverfammlung der Arbeitgeber. Tagesordnung: Wahl von 59 Delegierten für die Zeit bis 31. Dezember 1913. Freitag, den 13. November, abends 81/., Uhr. in demselben Lokal: Älablversammwng cler)Zrbeitnekmer. To gcsordn un g: Wahl von 153 Delegierten für die Zeit bis 31. Dezember 1913. Bei den Arbeitnehmern ist die Mitgliedskarte als Legitimation mitzubringen. 1153b Der Borstand. Würzburger Hühneraugenmittel von Dr.».(Jnger.— Gegen 30 Pfennig auf 10 Ps. Anweisung srei. Ohne Zweisel die bequemste u.wirksamsteHilfe. Der Schmerz ist in KMin. fort. Das Hühnerauge selbst in 3 Tagen.(Enthält Salicylsäure u. indischen Hansextrakt.) Dr jj Unger in WÜFZbUrg. Berlin(20 Pf.): Salomen■ Apotheke, Charlottcnstraße 54.— Breit- Apotheke, vantimstr. 33.— Wo nicht,-zu Haben: Rosen-Apotheke, Wünburg. Warnung vor Nachahmung des echten gesetzl. gesch. Kapitän- Kautabaks \ dringend geboten. Jedes einzelne Stück wird nnr verpackt und mit Aufschrift: *„Kapithn-Kautabak" geliefert. 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Abteilung. Am Freitag, den 8. November, abends 9llt Ubr, findet eine außerordentliche Abteilungsversammlung bei Sengeipeik, Keibelstr. 3S, statt. Slcglitj-Friedennu. Am Freitag, den 8. November, abends 8Vz Uhr, findet bei Schellhase. Steglitz, Ahornstr. Iba., der letzte Vortragsabend des Genossen Max G r u n lv a l d über den Kursus: ..Die Enttvickelung der Wirtschaslsformen" statt. Um pünktliches Er scheinen wird ersucht. Lichtenberg. Morgen Freitag, findet von den bekannten Stellen aus eine wicktige Flugblattverbreitung statt. Adlershof. Die Mitglieder treffen sich zum Besuch der öffent lichen Versammlung in Rudow am Sonntag, den Ist. November, nachmittags l'/.» Uhr. im Lokal von Lehmgrübner, Bismarckstr. 60. Abmarsch pünktlich 1>/z Uhr. Pankow-Schönhause«. Morgen abend findet im Türkischen Zelt der zweite Vortragsabend des Genossen Borckardt mit dem Thema: „Die historischen Grundlagen des wissensibaftlichen Sozialismus statt. Die Genossen wollen für regere Beteiligung Sorge tragen. Rudow. Am Sonntag, den 10. November, nachmittags 2Vz Uhr. findet im Lokal von Wedler eine Volksversammlung statt, in welcher Reichstagsadgeordneter Fritz Z u b e i l das Referat übernommen hat. Die Genossen wollen für diese Versammlung rege Propaganda entfallen. Die Flugblattverbreitung zu dieser Versammlung findet heute abend statt, die Flugblätter sind vom Genossen Otto Schulze ab- zuholen. Tegel. Am Sonnabend, den S. November, abends 8 Uhr. veranstaltet der Bildnngsausschuß im Saale des Herrn Gamm sTrapps Festiäle), Bahnhosstr. 1, eine Theatervorstellung. Zur Aufführung gelangt Max Halbes»Jugend". Billetts a 60 Pf. sind bei den Be zirkstührern zu haben. Hennigsdorf. Sonnabend, den S. November, abends 8Va Uhr: Wablocreinsversammlung im Restaurant zum»Roten Schloß", Jnh. K. Schmidt. Tagesordnung: Bericht vom Parteitage, Geschäftliches und Verschiedenes. berliner JVachricbteii. Aufgaben der„Gesellschaft" gegenüber den aufsichtslose» Äindern. Die Unzulänglichkeit des Kinderhortwesens wird allmählich auch in bürgerlichen Kreiseil erkannt. Die Frage, was zur Ausgestaltung dieses Gebietes der Jugendfürsorge zu geschehen habe, wurde in einer Konferenz erörtert, die auf Einladung der„Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge" am Sonnabend stattfand. Es be- teiligten sich daran zahlreiche Mitglieder von Vereinen, die im Kinderhortwesen tätig sind, und.auch Vertreter von Staats- und Stadtbchörden. Ein Referat von Frl. Dr. D u e n s i n g wollte zeigen, kvelcheAufgabendie„Gesellschaft" gegenüber d c n aufsichtslosen Kindern habe. Frl. Duensing fchilHerte die Not der ünbeäufsichtigten Kinder, deren Zahl nach vorgenommenen Stichproben für Berlin allein auf 14 ÖOO, für DM-Berlin auf 23�30 lXXt angenommen werdet aber wahr- scheinlich ndch weit darüber hinausgeht. An typischen Fällen aus der Arbeit der„Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge" suchte sie ein Bild davon zu geben, wie die Aussichtslosigkeit der Kinder entstehe und welche Folgen sie habe. Da gehe zum Beispiel ein Junge hinter die Schule und treibe sich umher, weil die Mutter, von- ihrem Mann verlassen, außerhalb des Hauses erwerbstätig sein müsse und sich um die Kinder nicht kümmern könne. Alle Einwirkungen der inneren Mission seien vergeblich, darum müsse der Junge schließlich in Für- sorgeerziehung getan werden. In anderen Fällen seien Kinder, selbst solche im zartesten Alter, den ganzen Tag über in die Wohnung eingeschlossen worden, hilflos sich selber überlassen geblieben und nicht selten zu Schaden gekommen, weil die verwitwete Mutter oder der von seiner Frau getrennt lebende Vater auf Arbeit gehen mußte. PflegeundErziehung der Kinder fehle da, Krankheit und Verwahrlosung ergebe sichals Folge, die 25—30 000 aufsichtslosen Kinder in Groß-Berlin seien ebensoviele Re- kruten der Armee der Arbeitsscheuen und Gewohnheitsver- brecher. Die E-rwersbs arbeit verheirateter Frauen, init der die Aussichtslosigkeit so vieler Kinder zu- fammenhänge, habe sich stark vermehrt und werde noch weiter zunehmen.>sie sei sehr oft nötig, um den Lebensunterhalt heranzuschaffen oder zu verbessern. Dazu komme die Ge- Wohnung der Frau an Erwerbsarbeit und die Ueberzeugung, dadurch ihren Wert zu steigern. Einen Vorwurf könne man einer Arbeiterin nicht daraus machen, daß sie nach der Verhei- ratung ihren Beruf nicht aufgeben wolle und lieber ihren Säug- ling in Kostpflege gebe. Weiter komme dazu„der Glaube, den die größte Arbeiterpartei hegt, daß die Auslösung der F a nu l i e nur z u wünschen s e i." Schließlich wirke noch als Ursache für die Zunahme der Erwerbstätigkeit der Frau die jetzige Teuerung mit. Unter der Arbeit der der- heirateten Frau leide aber dos Kind, solange nicht die häus- liche Erziehung durch die öffentliche ersetzt werde. Pflicht des Staates sei es, die aufsichtslosen Kinder zu versorgen. Das müsse eine Aufgabe staatlicher Sozialpolitik sein ebenso, wie zum Beispiel die Arbeiterversicherung. Gegen die zur M a s s e n e r s ch e i n u n g gewordene A u f s i ch t s- l 0 s i g k e i t könne>nan nicht ankämpfen mit den schwachen Waffen der freien Liebestätigkeit. Bis jetzt sei freilich der Staat noch sehr weit davon entfernt, hier für sich eine Aufgabe oder gar eine Pflicht zu erkennen. Aber ebensowenig von den Kommunen, auf die man immer neben der freien Liebestätigkeit hinweise, die Aufgabe begriffen. In ganz Deutschland fließe aus Kommunalmitteln den Kinderhorten jährlich etwa V2 Million Mark zu. Referentin erwähnte, daß für Berlin in der Stadtverordnetenversammlung ein sozial- demokratischer Antrag vom Jahre 1908 die Einrichtung von Krippen und Kindergärten forderte, aber abgelehnt wurde. Der Staat solle die Initiative ergreifen, zu- nächst über den Umfang der Aufsichtslosigkeit der Kinder Er- Mittelungen anstellen und dann Abhilfe � herbeiführen. Frl. Duensing hob hervor, sie denke sich das nicht so. daß der Staat selber Mittel hergebe. Er solle nur die Frage der Mittelbeichatfung lösen, sagte sie. doch macht? sie keine Vor- schläge über das Wie. Hauptsache sei, in der Kinderhortsache eine öffentliche Meinung zu schaffen und durch sie auf den Staat zu tyirken. '. Was. der Staat nun eigentlich tun soll, wurde aus dem Vortrag nicht recht klar. Erst die Diskussion veranlaßte Frl. .Duensing, sich in ihrem Schlußwort ein wenig deutlicher zu äußern. Sie ließ sich zunächst darüber aus, was er nicht (tun soll. Er soll nicht etwa die Kinderhorte in eigene R c � i e nehmen, sagte sie. Hier müsse es für den Staat heißen: Hände weg! Sie wolle nicht die freie Liebcstätigkeit missen, deren Vertreterin sie sei und die sie nicht verleugnen könne. Was sie in ihrem Referat über die Schwäckze dieser Waffe gegenüber der zur Massenerscheinung gewordenen Aufsichtslosigkeit der Kinder gesagt hatte, galt also wohl nur der Unzulänglichkeit der Geldbeschaffung. Der Staat solle, erklärte sie jetzt, die Geldbeschaffung „g a r a n t i c r e n". Doch erfuhr man auch jetzt nichts Näheres über das Wie. Durch ihr Referat hatte Frl. Ducn sing besondere Erwartungen geweckt. Sie hatte gesprochen von einem—„Staatssozialismus", der sie nicht schrecke. Aus der Diskussion wollen wir nur die Ausführungen des Fabrikanten Heu m a n n(Barmen) hervorheben. Herr Heumann, der zum Vorsitzenden des soeben gegründeten „Deutschen Kinderhortverbandes" gewählt worden ist, sprach über das In tercsseder Arbeitgeber an der Be- a u f s i ch t i g u n g d e r I u g e n d. Er wandte sich dagegen, daß allein die Industrie, wie ihr„von den sozialdemokratischen Geweritschaften vorgeworfen" werde, die Schuld an der Auf sichtslosigkeit der Kinder trage. In der Landwirtschaft komme das auch vor, nur seien da die Kinder nicht so der Verwahr- losung ausgesetzt. Es fehle heute ein Erziehungsmittel, das früher wirksam gewesen sei, die Erziehung im Hause des Lehrmeisters. Einer langen Lehrzeit werde heute ein möglichst hoher Wochenlohn vorgezogen. Diese Entwickelung müsse dem Fortschritt und der Existenz breiter Schichten des Volkes ge fährlich werden.„Wir Fabrikanten habön," sagte er,„d i e h eilig ePflicht.vorGottundMenschenunsere Schuldigkeit zu tu n." Er meinte offenbar nur d i e „Pflicht", die Kinder der Arbeiter durch Kinderhorte vor Ver� Wahrlosung zu schützen._. Das städtische Krematorium. In der letzten Sitzung des Kuratoriums für das Bestattungs Wesen unter Vorsitz des Stadtrats Rast-wurde der Kremaloriuins inspektor Reimann in Leipzig für den gleiclien Posten an dem neuen Berliner Krematorium geivählt. Dieter Wahl hat der Magistrat bereits zugestimmt. Nachdem die Gebrauchsordnnng für das Krema- tonum die Genehmigung durch den Oberpräsidentcn erhalten hat, wird die Eröffnung des Krematoriums alsbald erfolgen können. Ter Bau ist fertiggestellt, die Oefen sind bereits zwecks völliger Austrocknung angeheizt, sodaß voraussichtlich am 1. Dezember mit den Einäscherungen begonnen werden kann Bis dahin wird in zahl reichen Probebränden das fehlerlose Arbeiten der Anlage geprüft werden. Die Ueb�gabe des Krematoriums seitens des Vereins für Feuer- bestattnng. der bekanntlich der Erbauer des Krematoriums ist. an die Stadt Berlin wird am Totensonntag in einer besonderen Feier stattfinden. Auskunft über alle Feuerbestattungsangelegenheiten ivird im städtischen Friedbofsbureau, Rathaus lll, Zimmer l04, vom 1. Dezember ab auch im Krematorium, Gerichlitr. 37/38, erteilt. Die Gebrauchsordnung für daS Krematorium stützt sich im all gemeinen auf die Bestimmungen des Feuerbestattungsgesetzes vom 14. September 1011; Hervorzuheben ist, daß zur Vornahme der Feuerbestattung in jedem Falle mindestens 24 Stunden vorher die- Geyehmigung/ der Polizeibehörde einzuholen ist. Antragsberechtigt ist jeder Bestatttmgspflichtige. Die Genehmi gung wird schriftlich erleilt und muß versagt werden, wenn nicht beigebracht sind: die amtliche Srerbeurkunde, die amtsärztliche Be icheinigung über die Todesursache, der Nachweis, daß der Ver storbene die Feuerbestattung seiner Leiche angeordnet hat, und die Bescheinigung der Polizeibehörde des Slerbeorts oder des letzten Wohnortes des Verstorbenen, daß keine Bedenken gegen die Feuer- beilatiung bestehen, und daß insbesondere ein Verdacht, der Tod sei durch eine strafbare Handlung herbeigeführt worden, nicht vorliegt. Konferenz Groß-Berliner Armenverwaltungcn. Gestern fand im Berliner Stadthause auf Einladung und unter dem Vorsitz des Stadlrats Kalisch eine Konferenz von Vertretern von etwa 30 Groß-Berliner Armenverbänddn statt. Die Zusammen- kunft hatte zum Zweck die Besprechung von Fragen des Armenrechts und der Armenpflege, welche alle Groß-Berliner Armenverwaltungen gleichmäßig interessieren. Die Zusammenkünfte sollen in an- gemessenen Zwischenräumen wiederholt werden. Die Teilnehmer gaben der Hoffnung Ausdruck, daß sich dadurch eine gleich- mäßigere Bearbeitung allgemein wichtiger Fragen und die Aufstellung übereinstimmender Verwaltungsgrundsätze erreichen lassen werde. Ferner wird von der regelmäßigen Fortsetzung dieser Zusammenkünfte eine wesentliche Vereinfachung und Verbilligung des Geschäflsv.rkebrS bestimmt erwartet. In der gestrigen Konferenz stand das Gesetz vom 29. Juli 1912. betreffend Verletzung der Nähr- Pflicht, die Unterbringung von Kindern in Heil- und Erbolungs- stälten, die Einrichtung des städtischen Rettnngsweieirs und einige andere Fragen von untergeordneter Bedeutung zur Beratung. Die in der Besprechung gegebenen Anregungen werden den einzelnen Armenverwallungen Gelegenheit zu eingebender Beratung gebe». Mit dein Ergebnis derselben werden sich die späteren Konferenzen zu beschäftigen haben._ Gegen die neuen Steuern. Der Verein der-Kincinatographen- theaterbesitzer von Groß-Berlin uno der Provinz Brandenburg faßte in seiner außerordentlichen Versammlung vom S. d. M. folgende gegen die Kinosteucr gerichtete Resolut, 0 n: »Angesichts der bevorstehenden Entscheidung betreffs der von der Stadt Berlin beabsichtigten Einfuhrung einer Besteuerung der Kinematographenthcater erhebt der Verein der Kinemato- graphentheaterbesitzer von Groß-Berlin uyd der Provinz Branden- bürg einmütig uno lebhaften Einspruch. Zumeist sind gerade die Nichtbesucher der Äinotheater diejenigen, die Urteile über Kino» und deren Besucher fällen und dabei alle erdenklichen Gerüchte in die Welt setzen, die meist unwahr sino und nun endlich volle Aufklärung finden sollen und müssen. Es sieht— vom fachmän- nischen wie vom vernünftigen Standpunkte betrachtet— fast so aus, als sollte gerade dem kleinen Bürger jedes Vergnügen ver- werde tcuert, insbesondere auch der Besuch des Kinos, das mindestens so bildet wie jedes andere Theater— unmöglich gemacht werden! Für die Besitzer der Kinematographenthcater sollen insbesondere die billigen Plätze— die ungefähr 90 Prozent der Frequenz aus- machen—• dazu dienen, hohe Steuern aufzubringen. Die Folge hiervor wäre, daß in Berlin die Mchrzahj der 320 Kinotheater- befitzer. schließen müßten und ungefähr 1000 Angestellte brotlos bei gemachk würden; demnach hätte die Einführung einer Steuer den kleineren und mittleren Theatern absolut kein Ergebnis. Es wird daher einstimmig beschlossen: den Magistrat und die Stadtverordneten zu ersuchen, eine Deputation des Vereins der Kinematographenbesitzec Groß-Berlins zur Beratung Wer die be- absichtigte Einführung einer Besteuerung der Kincmatographen- theater zu empfangen, um eine ehrliche, ainwandsfrcie und fach- liche Aufklärung über dieses Geiverbe zu erhalten. Ferner wird der Vorstand des Vereins Groß-Berlin mit den- jcnigen Verbänden in Verbindung treten, die in gleichartiger Weise von einer derartigen BeWucherung und Erdrossclungsstcuer betroffen werden." Der geborstene Spreetunnel aufgedeckt! Unsere„Spreemsel" im Stralauer Viertel hatte gestern zahlreichen Besuch. Die kleinen Boote gondelten hinüber und herüber, um die erschienenen In- genicure der Hochbahngesellschaft, der Siemens-Schuckertwerte 1 und der Gesellschaft für den Bau von Untergrundbahnen über» ! zusetzen. Man hatte die Baugrube entleert und stand nun vor einen, Abgrunde, in dem es fürchterlich aussah. � Ein Dutzend mit Schaufeln bewaffneter Arbeiter schaufelte in dem schier un- ergründlichen Morast, um die Steinschicht von der oberen Tunnel- decke an dem Punkte zu entfernen, welche der Taucher seinerzeit als die Einbruchsstelle bezeichnet hat; dieser Punkt liegt rund 16 Meter von der Spreemitte ab(nach dem Neuköllner User zu gerechnet!. In der.Tat wurde hier der Bruch ausgedeckt und die Bauleiter dann verständigt, um so früh als möglich über die weiteren Maß- nahmen beraten zu können. Auf den äußeren Fangedämmen. die einen Rundgang um die mit Baumaterial aller Art überhäufte „Insel" gewähren, begab man sich aus Bohlen nach der Baustelle, in welche eine schmale Leiter hinabführte. Ringsherum hatte man schon Sand aufgeschüttet, um die mit Werg gedichteten Spund- wände völlig trockenzulegen. So konnte man biß auf etwa zehn Meter an die Bruchstelle heran, ohne im Morast zu versinken. Die Bruchstelle ist, ivie man seinerzeit nach dem Zu- und Abfluß des SpreewasserS und nach der Leistungsfähigkeit der Pumpen ganz richtig berechnet hatte, verhältnismäßig nicht groß, sie stellt einen rechtwinklig zur Längsrichtung des Tunnels gradlinig verlaufenden Ritz von etwa sechs Meter Länge dar, dep an seinen breitesten Stelle etwa 20 Zentimeter mißt. Nach dem Inneren zu ist der Ritz durch die beinahe meterdicke Betondecke un- regelmäßig, doch kann man an der breitesten Stelle in den Tunnel hinabsehen, der natürlich noch ganz voll Wasser steht. Wahrschcin» lich setzt sich der Riß auf der der Flußrichtung zugekehrten Seiten. wand des Tunnels fort; denn von hier aus ist der Angriff der Strömung gegen den in das Spreebett eingebrachten Fremdkörper erfolgt. Der Hergang bei dem Wassereinbruch hat sich demnach wie folgt abgespielt: in der Mitte des Flusses ist das Wasser nach und nach bis zu der Steinschicht, die de» Tunnel bedeckt, hindurch- gesickert und lzat, an der Seitenivand sortgesetzt weiterwirbelnd» schließlich das vordere Tunnelstück ganz unterspült, so daß der schwere Getonkörper, seiner Stütze beraubt, sich, wenn auch nur um ein kleines, senkte; dadurch mußte der Tunnel an der Stelle, an. welcher er noch fest auflag, bersten und natürlich drang nun das Sprcewasser degierig in den Hohlraum ein und überflutete den anschließenden Bahntunnel, bis das Wasser hier das Niveau der Spree erreicht hatte. Soweit er gestern aufgedeckt werden konnte- sieht der Riß so harmlos aus, daß man eine Reparatur des Tunnels für ausreichend halten möchte, ein abschließendes Urteil wird sich indes erst fällen lassen, nachdem die schadhafte Stelle völlig bloßgelegt und der Tunnel wieder begehbar ist. Fleischcrinnung und Berliner Magistrat über das russische Fleisch. Aus dem Rathause wird geschrieben:„Nach einem Bericht der „Allgemeinen Fleischer-Zeitung" hat die Berliner Fleischerinnung in einer dieser Tage abgehaltenen Versammlung eine Erklärung abgegeben, in der ausgeführt wird, daß das russische Fleisch, wie einwandfrei festgestellt sei, von sehr verschiedener Qualität, von dritter Qualität bis abwärts zur allergeringsten Qualität sei. Nach den vorliegenden Erfahrungen sei da» russische Fleisch überwiegend als geringwertig zu bezeichnen/ Der nur um ein geringes niedrigere Preis des russischen Fleisches werde durch die vorgeschriebene Ver» kaufsart, nach der die verschiedenen Qualitäten zu einem einheit» lich vorgeschriebenen Preitz verkauft werden, müßten, reichlich auf. gewogen. E» ist bedauerlich, daß die Fleischer die Angelegenheit in der Weise jetzt wieder aufnehmen, daß sie die Ouglität und die Verkaufspreise des von der Stadt iiy. Interesse der BevAkerung aus Rußland bezogenen Fleisches"bemängeln und sogar(svweit gehen, das Fleisch als geringwertig, von dritter und noch geringerer Qualität zu bezeichnen. Die große Nachfrage und der starke Absatz in den zwei Wochen, in denen das russische Fleisch hier zum Vor- kauf gelangt ist, sind der beste Gegenbeweis für die Behauptungen der Fleischer. Es ist seit Beginn des Verkaufs allgemein anerkannt worden, daß das russische Fleisch guter zweiter, dgs heißt guter Mittelqualität sei. Bei der vorgestrigen Besichtigung des einge. gangenen Fleischtransportes durch die' Abnahmekommission, der auch Metzger mit jahrelanger Tätigkeit und reicher Erfahrung an» gehören, wurde das gleiche Urteil von allen Seite.» abgegeben und von den anwesenden Tierärzten bestätigt. Es wurden sogar einige Ochsen als„Renoinmierochsen" bezeichnet. Daß die festgesetzten Preise nicht.zu hoch sind und vom Publikum als billig angesehen werden, beweist die ständig wachsende Nachfrage nach dem Fleisch. Die'Einrichtung de» russischen Fleischbczuges durch die Stadt wird allgemein als eine Wohltat für die städtische Bevölkerung angc- sehen. Das zeigen besonders die zahlreichen Zuschriften, weiche dem Magistrat ständig zugehe», und in denen ihm der Dank dafür ausgesprochen wird, daß er durch seine Unternehmung dem Pu- blikum es ermöglicht, sich mit gutem und billigem Fleisch zu ver- sorgen.>_ Eine einstündige Störung im Straßeniahnbetriebe trat am gestrigen Mittivocbmorgen in Charlottenbnrg ein. An der Ecke deS Kursinstendämins und der Meineckestraße entgleiste ein Motorwagen der Linie A in der Auflageweicbe»nd sperrte so dos Gleis in der Richtung»ach Halensee. Erst nach einer Stunde konnte da? Ver- kewshiirdernis mit Hilfe des Retiungswogens der Siraßcnbahn be- hoben werden. Während der Dauer der Störung von 6.2ö bis 7.25 Uhr wurden die Wagen der Linie» A, 54 und 76 durch hie Joachimsibaler- und Kamstraße, die der Linie G durch die Ranke» und Schaperstraße abgelenkt. Bor dem Krankenhaus Bethanien beobachtete man am Mittwoch etwa um>/g 1 Uhr mittags einen sondeibaren Auftritt. AnS dem Hanpiportal wurde von zwei Personen ein Mann hinansgebracht und dann sich selber überlassen. Er setzte sich an der Bordschwelle nieder und zeigte den Voi übergehenden, daß das eine Bein einen Verband trug. In den» sich ansammelnden Publikum entstand die Meinung, er habe im Krankenhanse Aufnahme gesucht, sei aber ab- gewiesen worden. Wir nebrnen an, daß das ein Irrtum ist. Ein hinzukonnnender Schutzmann fragte den Mann ans und ließ dann eine Droschke holen, um ihn wegziibnnge». Man glaubt, bemerkt zu habe», daß der Mann einen Krankenschein bei sich halte, der von einer Armenkonimisfion ausgestellt war. Auf ihm(oll der Name Sommerfeld gestanden haben, doch ist das vielleicht nicht der Name de« Mainies, sondern seines Gebnrisorles. Er bezeichnete sich als Händler, der allein dastehe. Kennt jemand den Ma>n? Kann uns der Droschkenkutscher sagen, wo er ihn abgeliefert hat? Ein KlcidcrdicbcSpaar, das seit einigeb Zeit die Flure der Gemeindeschulen unsicher inachte und besonders arme Leute schädigte, wurde von der Kriminalpolizei hinter Schloß ünd Riegel gebrackch Zu solchen gemeinsamen Streifzügen hott-'- sich der 34 Jahre alte frühere Eiscndreher Paul Lütke mit einer Frau, deren Mann iili Gefängnis sitzt, zusammengetan. Die beiden tahle» von den Fluren der Schulen, was sie nur bekommen konnten. Auch die kleinsten Mäntelchen, Umschlagetücher und Kopfbedeckungen. Viele arme Kinder gerieten dadurch in die traurige Lage, bei der kalten und nassen Witterung ohne Ueber- klcider gehen zu müssen, weil die Eltern ihnen nicht gleich Er- satz für die gestohlenen.Lachen kaufen konnten. Klagen aus verschiedenen Schulen und lstadtvierteln veranlaßten die Ktu minalpolizei zu besonderen Beobachtungen und Nachforschungcil bei den Pfandleihern. So ermittelte sie. daß alle Sachen bald bei diesem, bald bei jenem Pfandleiher auf den Namen Lehmann versetzt wurden. Stets brachte sie ein kleiner Knabe, der sich mit einem Mietvertrag auswies und bitter klagte, daß die Mutter in her Größten Not ihn mit den Sachen schicke. Es ergab sich. taß der UedcrBtingct ein Sohn jener Frau Sar. dessen Mann eine Strafe verbüßte. In ihrer Behausung fand man nun den Lütke und eine Anzahl Kleidungsstücke, über deren Herkunft die Frau keine Auskunft geben konnte. Sie uno ihr Mieter wurden nun in die Schulen geführt und es ergab sich, daß sie dort wieder- holt gesehen worden waren. Lütke wurde in Haft behalten und dem Untersuchungsrichter vorgeführt, die Frau einstweilen wieder auf freien Fuß gesetzt, weil sie für mehrere Kinder zu sorgen hat. Die beschlagnahmten Sachen, deren Eigentümer noch nicht bekannt sind, können von diesen im Zimmer 08 des Polizeipräsidiums ab- geholt werden. Bei der gestrigen Ttadtverordnetenwahl im 5. Gemeindewahl- bezirk der 2. Abteilung(Potsdamer Viertel) wurde an Stelle des verstorbenen Stadtverordneten Barth der Handelsrichter Kaufmann D. Brt)(liberal) gegen den Lehrer A. Siebert unter großer Mehrheit gewählt. Siebert, der anfänglich sich als.Liberaler' geriert hatte, war ins konservativer Lage übergegangen. Ein tödlicher StraßrnbahnunfaU hat sich am Dienstagabend in der Scestraße ereignet. Dort fuhr an der Endhaltestelle ein Straßenbahnwagen der Linie 68 in eine falsche Weiche und stieß gegen den Motorwagen 596 der Linie 42. Dieter Wagen wiederum geriet bei dem Anprall in Bewegung und rollte gegen einen aus demselben Gleis haltenden Motorivagen der Linie 61. Kurz vor dem Zusammenstoß versuchte die 15 jährige Elise Hermann zwischen den Wagen der Linien 68 und 42 hindurchzugehen, geriet jedoch zwischen die ztisamiuenfahrenden Waggons und wurde eingequetscht. Frl. H. wurde in besinnungslosem Zustande in das nahe Rudolf-Birchow- Krankenhaus geschafft, wo sie bald an den Folgen der erlittenen schweren inneren und äußeren Verletzungen verstarb. Mordversuch und Selbstmord. Nach einem Revolveranschlag aus seine Braut, Selbstmord verübt hat gestern nachmittag der 27 Jahre alte Kürschner Georg Iber aus der Kirchbachstr. 6. Iber unterhielt seit einiger Zeit ein LtebeS« Verhältnis mit einer 22 Jahre alten eheverlassenen Frau Anna Kaiser, geborene Eger, die in einem Pensionat in dem Hause Kaiser Wilhelmplatz 2 wohnte. Seine Geliebte wollte ihre Be- ziehungen zu ihm lösen. Davon wollte er aber nichts wissen. Er äußerte vielmehr zu Bekannten, daß er, wenn sich seine Braut von ihm abwenden werde, diese und fich selbst erschießen werde. Gestern nachmittag gegen 2 Uhr erschien er bei seiner Ge- liebten, um mit ihr eine Aussprache herbeizuführen. Bei dieser Gelegenheit zog er plötzlich einen Revolver und feuerte drei Schüsse ans sie ab. Während einer sie in die Brust traf, streiften sie die beiden anderen an der rechten Hand und im Gesicht. Trotz dieser Verletzungen konnte die Frau davonlaufen. Auf der Straße sprang sie in ein vorbeifahrendes Auto und fuhr damit zur Wohnung ihrer Mutter in der Fritz-Reuter-Siraße. Von hier wurde sie nach dem Krankenhaus gebracht. Die benachrichtigte Schöneberger Polizei nahm sofort eine Verfolgung des Täters, der nach dem mißglückten Anschlag die Flucht ergriffen hatte, auf. Sie be- besetzte seine Wohnung und andere Orte, an denen er sich aufzu- halten pflegte. Diese Vorsichtsmaßregeln waren jedoch nicht nötig. Iber suchte bald nach der Tat ein Lokal in der Ebersstraße auf, wo er sich aus der Toilette erschoß. Als man ihn auffand, gab er noch Lebenszeichen von sich. Man brachte ihn deshalb noch nach dem Auguste-Viktoria-KrankenhauS, wo er jedoch kurz nach der Ein» lieferung starb._ Todessprung aus dem Fenster. Die 43 Jahre alte Arbeiterwitwe Berta Ulrich sprang gestern früh auS einem Fenster ihrer im vierten Stockwerk des Hauses Stolpische Str. 2 gelegenen Wohnung in den Hof hinab und war, wie die herbeigerufenen Aerzte feststellten, aus der Stelle tot. Kummer über ihre beiden in Fürsorgeerziehung be« ziebungSweise Untersuchungshaft befindlichen 16 und 19 Jahre alten Söhne hatten die Unglückliche zu dem Schritt getrieben. Zwei Töchter im Alter von 15 und 6 Jahren wurden von Verwandten auf« genommen. Ein schwerer Betriebsunfall ereignete sich gestern abend in der städtischen Gasanstalt in der Danziger Straße. Tort waren gegen 7 Uhr mehrere Arbeiter mit dem Entladen von Kipploren beschaf- tigt. Diese werden unten mit Koks gefüllt, mit einem Fahrstuhl hochbefördert und dann auf Schienen weiter gefahren. Als der Arbeiter Julius Rauchbar aus der Treskowstr. 21 eine solche Lore entlud, stürzte dr aus 8 Meter Höhe in die Tiefe und blieb mit schweren inneren Verletzungen bewußtlos liegen. Ein Arzt von der Rettungswache in der Gaudhstraße leistete dem Verunglück- ten die erste Hilfe und ließ ihn dann mit einem Rünzelschen Wagen nach dem Krankenhaus am Friedrichshain bringen. Hier liegt er sehr schwer danieder. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Mit einem Bücherrevisor Karl Middeke in Wilmersdorf mußten wir un« kürzlich beschästigen, weil der Mann in verschiedenen hiesigen Zeitungen als Vermittler von Buchbalierstelleii auftrat und wobeier besonderen Wert. auf die Einsendung von Gebühren in Höhe von 1,69 bis 3 Mark legte. Jetzt lesen wir in der Bielefelder„Volks- wacht' folgenden Gerichtsbericht:.Der Kontorist W. Tientann in Salzuflen fühlte seinerzeit den Drang in sich, Kaufmann zu werden, ttnd et lieh sich die Anfangsgründe der Wiffenschaft auf einer Handelsschule beibringen, aus der er am Ende seiner Studien ein verlockendes Stellenangebot vorgelegt bekam. Gegen ein vorläufiges MonatSgeld von 99 Mark sollte er bei Karl Middeke in Schöneberg bei Berlin eine Vertrauensstellung bekleiden, die jedoch eine Einzahlimg von 699 Mark Kaution erfordert�. Der junge Mann hatte auch nichts Eiligeres zu tun, als bei der Sparkaffe feine Erspanuffe von 699 M abzuheben und sie seinem neuen Chef bei seiner Ankunft in Berlin in die Hand zu drücken. Die neue Stellung war aber so. daß Tiemann e« nur zwei Wochen lang aushielt, und als er Berlin verließ, versuchte er von Middeke das Geld wieder zu bekommen. Als Abschlagszahlung drückte dieser ihm aber nur 7 M. in die Hand; den Rest hatte der Mann momentan nicht zur Verfügung. Auf die erhobene Anzeige wurde der Kantionsichwindler dann zu sechs Wochen Ge- fängnis vom Schöffengericht Salzuflen verurteilt. Die Straf- kaminer lud ihn dann zum persönlichen Erscheinen nach Detmold ein. aber obgleich inzwiichen schon drei oder vier Termine angesetzt worden sind: Hetr Middeke ließ sich nicht blicken. Seine Berufung gegen das Urteil des Schöffengerichts wurde daher verworfen. Vorort- JSachncbtefls Steglitz. Der Schein trügt! Kaum ist die zweite evangelische Kirche fertig geworden, da trägt man sich in kirchlichen Kreisen schon mit dem Plan, auf dem Friedrichsruher Platz eine dritte zu erbauen, wozu das Grundstück schon erworben ist. Daraus könnte man schließen, daß in Steglitz die Frömmigkeit zuhause ist, daß eine wahre Kircheimol bestehe. Das ist aber nur scheinbar der Fall, wie auS unverdäckitiger Quelle nachgewiesen werden kann, nämlich aus dem Bericht der evangelischen Kircheitgemeitide, der vor kurzem im Druck erschienen ist. Dieser Bericht erstreckt sich auf die Jähre 1999 bi« 1912. Sein Inhalt ist sicher für die.Ungläubigen' erfreulicher als für unsere Frommen, denn er zeigt eine.Entwickelung nach rückwärts', der gegenüber der fieghaste Aufstieg der Arbeiterorganisationen um so deutlicher und erfreulicher hervortritt. Die Notwendigkeit von Kirchenbauten wird trefflich»begründet' durch die Feststelluug des Berichtes, daß der Kirch ende such eine Tendenz zur Abnahme zeigt; erklärt wird diese Erscheinung dadurch,.daß die nach Steglitz zuziehende evangelische Bevölkerung leider überwiegend den unkirchlichen Kreisen angehört'. Da hat unsere politische Gemeindevelwallung nun seit Jahren kein anderes Ziel gekannt als da§, steuerkräftige, honette Bürger nach hier zu ziehen, und nun kommt die Kirchenverwaltung und konstatiert, daß gerade diese so sehr begehrten und umwoibenen netten Leute allzumal Sünder sind, mir denen man keinen Staat machen kann. Trotzvem wurde von kirchlicher Seite der Bei such gemacht, sie wieder der Kirche zurückzugewinnen. Aber alle Mittel versagten, denn der Be- richt llagt. daß z. B. die B i b e l st u n d e n keine Werbekraft auf weitere, selbst kirchlich gesinnte Kreise entwickeln. Der Besuch ist daher auch sehr gering. Recht bezeichnend beißt es weiter:.daß die allermeisten auch unserer treuen GottcSdienslbeiucher kein Jnteresie an einem zusammenhängenden Verständnis der Bücher der Heiligen Schrift haben.' Auch der Versuch, durch Vorträge .anziehend' zu wirken, schlug fehl. Der Beucht sagt hierüber: .DaS Interesse der Gemeinde vertagte. Die Geistlichen, die Vor- träge gehalten hatten, standen unter dem Eindruck: das ist eine Arbeit, die nicht mehr begehrt wird, atio aufgegeben werden kann.' Durch diese Fehl>chläge kam man im Kirchenrat wohl auf den Ge- danken, daß die Agitation moderner betrieben werden müsse. WaS lag da näher als der Kinemaiograph, die neueste Errungenschaft auf dem Gebtete der Reklame? Da der Besuch der Wochengoites- dienste in der Passionszeit sehr schwach war, wurden sie alt'o durch Lichtbilder auS der Passionsgeschichte bereichert..Der Beritich hatte durchaus den erwarteten Erfolg', sagt der Bericht. Aber, oh Pech, daS königliche Konsistorium untersagte diese amerikanische Reklame. Es wäre wunderbar gewesen, wenn der Kirchenvorstand fich das modernste Schlagwort unseres satten Bürgertums hätte entgehen lassen. Es beruhigt das eigene Gewiffen und liest sich so schön, so angenehm gruselig, wenn es im Bericht beißt: .Die kirchliche Beerdigung wird selten verschmäht. Wo es geschieht, darf man wohl auf sozialdemokratischen TerrortsmuS als Grund schließen'. Bei dem rapiden Rückgang der kirchlichen Trauungen suchte man nach einem anderen Grund. Die Tatsache, daß nur noch 58 Prozent der rem evaugeliichen und gar nur 23 Prozent der gemischten Ehen kirchlich geschloffen wurden,.trotz« dem nichts unket bleibt, die Brautpaare zur Ersüllung ihrer lirchlichen Pflichten anzuhalten", wird einfach erklärt, daß in bestimmten Kreisen die kirchliche Trauung aufhört, Sitte zu sein'. Und nun gar die Abendmahlsfeierl Sie scheint dem Aussterben nahe zu sein. Die Beteiligung sank in den ahren 1998—1911 von 8 aus 7,1, 6,9, und 6,3 Proz. Um den aminer voll zu machen, muß der Bericht meiden, daß auch die Kirchenaustritte wieder eine Neigung zur Steigerung aufweiien. Wenn der Bericht darauf hinweist, daß aus jeden Geistlichen 11999 Seelen entfallen und damit wohl die Arbeitslast der Herren beweisen will, so werden sich wohl die Leser eines Lächelns nicht et wehren können, noch dazu, wenn sie von diesen 11 999 diejenigen „Seelen' in Abrechnung bringen, die nach den angeführten Tat- fachen aus die Tätigkeit der Kirche und ihrer Diener verzichten, Wilmersdorf-Halenfee. HauSagrarier gegen die Staatsautorität. Wenn zwei sich streiten. erfährt ein Dritter manchmal allerhand interessante Dinge. So ging es auch bei der letzten Stadtverordneteuwahl, in der sich aller übrtgen bürgerlichen Einigung zum Trotz im Südbezirk zwei feindliche Rtch- tungen gegenüberstanden. Der von Hausbesitzern geleitete Bezirks- verein Kailerplay hat zu den Wahlen noch am 1. November eine Nummer seiner.Bezirksnachrichten' herausgegeben, die mit An- griffen gegen den Verein Wilmersdorf-Süd angefüllt ist. Dieser letzt sich zum wesentlichen aus königlich preußischen, Staats« beamten zusammen. Es verdient nun weiteren Kreisen bekannt zu werden, wie die staatsstützenden Hausbesitzer mit ihrem Anhang die ebenfalls staatSstützenden Beamten einschätzen. Natürlich ist die Würdigung dieser Gegner nicht ganz von Vor« eingenommenbeit frei. Zugunsten der Wiederwahl des am Montag bei den Wahlen der zweiten Abteilung glänzend durchgefallenen Stadtverordneten Fischer wird nicht mehr und nicht weniger be- hauptet,' daß dieser jedem Bürger, sei er Mieter, Hausbesitzer oder Gewerbetreibender, nur Vorteil und dem Bezirk wie der Stadt Glück und Segen bringe. Nachdem so die Stütze des Vereins in das rechte Licht gerückt worden ist, heißt es von den Wahl- Versammlungen der Beamten, daß sie nur auf Effekthascherei zugeschnitten seien und zur V e r d n m m u n g der Wähler beitrügen. Im Hinblick auf die stramm organisierte Wahl- arbeit der zumeist im Staatsdienst stehenden Wähler aus dem großen Beamten-GenoffenschaftShause in Wilmersdorf wtrd über den„geschulten militärischen Anmarsch der Wähler auS dem Kasernement in der Hildegardstraße' gespottet. An den in diesem Hause wohnenden Stadtverordnetenkandtdaten Röhr ergebt die Anfrage, ob er nach seiner Wahl das Rückgrat ganz verlieren werde. Vielleicht werde er, fo heißt es im Hinblick auf daS Steuerprivilegium, dahin streben, daß die Steuern, die die Beamtenhausbewohner zu wenig bezahlten, auf die Wähler der ersten Klaffe abgewälzt werden. Herr Röhr kandidierte nämlich in der ersten Klaffe..DaS sind", so wird an einer anderen Stelle getagt,.die Herren Beamten und würdigen Stadt- Väter, die mit ihren begrenzten Anschauungen für die Interessen unseres Bezirkes tätig zu fem sich anmaßen.' In einem besonderen Wahlaufruf, den daS Blatt Veröffentlicht, heißt eS über die Beamten, daß nicht die Bureau trotte und persönlicher Ehrgeiz in der Bürgervertretung dominieren solle. ES müffe verhindert werden, daß die Stadtverordneten- Versammlung.durch die organisierten Beamten aus den Beamten- Häusern in der Hildegardstraße zum Tummelplatz de« ab- hängigen, nicht s e lb std e n t en d en Beamtentum« gemocht' werde. Weiter besagt der Aufruf:.Wer nicht will, daß unser schöner Stadlbezirk weiter von diesem Beamtentum in der Hilde- gardslraße heimgesucht wird, die nur bevorzugte Steuerzahler sind, die kein Interesse an der Entwicklung unseres Stadtbezirks haben, da sie organisierte Wohnungsverhättniffe besitzen, derentwegen der Nachbarladeninhaber nicht zu existieren braucht, der kann keine Kan- didaten der Beamtenvereine wählen'. Recht erbauliche Dinge werden in dem Bezirksorgan auch dem am Sonntag zum Stadtverordneten gewählten Herrn Heenemann nachgesagt. Er sei der Syndikus der Beamtenvereine und befinde sich als Verleger der(vom Magistrat als amtliches Organ be- nutzten). W i lm e r s d o r f« r Z e i t u ng' der Stadt gegenüber gewiß nicht in freier Position. Auch habe er dieser Ab- bängigleit bereits durch allerhand Borbehalte in seinen öffentlichen Erklärungen Rechnung getragen. ivkan sieht, es lohnt fich, in dem Kampfe, den die staatS- erhaltenden Hausbesitzer gegen die Beamten sithren, Zuschauer zu sein. Ein Sozialdemokrat denkt auch von den Staatsangestellten ein gutes Teil besser als diese Herren. Mehr»och. Trotzdem die Beamten wenigstens bei öffentlichen Wahlen gegen die Arbeitervertreter stimmen müssen, haben diese doch bei jeder Gelegenheit deren Interessen wahrgenommen. Eharlottenburg. Elternverein für freie Erziehung. Sonntag, den 19. b. M., vormittags 10H. Uhr, findet unter Leitung des Herrn Professor Dr. Schaefer eine Besichliaung des Neuen Museums statt. Treff« Punkt 9(4 Uhr pünktlich«tragenbahnhaltestelle Wilhelmplatz. Für Nachzügler bis 19)4 Uhr ün Vestibül des Neuen Museums, gegen- über der Nationalgalerie. Kinder unter 19 Jahren sind von der Besichtigung ausgeschlossen. Jedes Kind hat 29 Pf. Fahrgeld mit- zubringen. Auch NichtMitglieder und deren Kinder können an der Besichtigung teilnehme-:.. Sonnabend, den 16. d. M., abends 8 Uhr, findet im großen Saal des-»VolkshauseS' unter Mitwirkung des Mundharmonika- Vereins„Namenlos" unser diesjähriges Herbstvergnügen statt. Für Belustigungen während der Kaffeepause ist bestens gesorgt. Einlaß. karten u 59 Pf. inkl. Tanz sind zu haben in der Vorwärtsspedition Sescnheimer Straße 1, Konsumniederlage Wallstraße 23. Grätz. Sprcestraßc 56. Friese, Neue Christstraße 7 und im„VolkshauS", Nosinenstraße 3(Stehbierhalle). Abendkasse findet nicht statt. Ober-Zchönetveide. Der Verkauf frischen Fleisches durch die Gemeinde, der am Montag begonnen hat» findet an jedem Montag, Mittwoch und Freitag von 3 Uhr nachm. ab im Haufe RathauS- und Anioniu»- kirchstraßen-Ecke statt. Am ersten Verkaufstage war bis zum Schluß ein ganz kolossaler Andrang zu verzeichnen. Die von der Ge- meinde festgesetzten Preise sind durch PlakatauShang überall bc- kanntgemacht. Köpenick. Die Stadtverordnetenwahle» der dritten Abteilung, die am Mon- tag, Dienstag und Mitlwocb stattfanden, endeten mit einem Siege der sozialdemokratischen Kandidaten. Es wurden gewählt die Genossen Gabriel. Nieke. JungklauS, Zobian. Herbst. Galle und Wißler. Von den 3947 Wahlberechtigten gaben 1676 bis 1689 ihre Stimme ab, die auf die sozialdemokratischen Kandi« daten entfielen. Gegenkandidaten waren nicht aufgestellt. Bernau. Am Sonnabeud, den 9. d. M., abends 8Vz Uhr. gibt die Ber« linec Theatergeiellschaft, Direktor Schulz, im Saale des Herrn Salz- mann eine einmalige Vorstellung. Zur Ausführung gelangt:„Ge- spenfter' von Ibsen. Billets hie'zu sind iür die Arbeiterschaft zum Vorzugepreise von 49 Pf. bei Franz Salzmann, Rich. Wünsche, Adolf Sasse, Max Rosenow und Br. Schneider zu haben. Nowawes. Ein Falschmünzernest hat die hiesige Polizei am Dienstag- vormittag in einem Hause der Priesterstratze aufgehoben. Durch Vermittlung der Berliner Kriminalpolizei gelang es ihr, den wegen einer im Laufe des Sommers in der Potsdamer christlichen Ver- einSdruckerei begangenen Unterschlagung steckbrieflich verfolgten Faktor Meier-Petersen festzunehmen, der sich in einem gemieteten Zimmer des betreffenden Hauses eine komplette Falschmünzer- Werkstatt eingerichtet hatte und mit einem Komplizen Zweimark- stücke fabrizierte. Die Falsifikate wurden hauptsächlich iw Berlin in Verkehr gebracht._ Sitzungstnge von Stadt- und Gemeindevertretungen. Martendorf. Donnerstag, den 7. November, nachmittag 5 Uhr, im Saale des Rataauscs, öffentliche Gemeindevertretersttzunz. Fricdrtchshagen. Freitag, den S. November, nachmittags 5 Uhr�im Ralhausfaale, Friedrichftr. 87. Steglitz. Freitag, den 8. November, abends 6 Uhr, im Ratbanisaal. Diese Sitzungen sind öffentlich. Jeder Gcmeindeangehörige ist be- rechtigt, ihnen als Zuhörer bcizuwohncn. Jugendveranstaltungea. Arbeiterjugend von Nowawes. Am Sonntag, den 19. November, Kartoffel- und Heringstour nach Saarmund(Hildebrand). Treffpunkt um S'l, Ulir im Jugendheim. Abmaisch pünttlich 9 Uhr. Liederbücher nicht vergessen. Die Eltern wollen dle Jugend aus diese Tour sowie auf unsere Spielabende Montags und Donnerstag» ausmerkjam machen. Arbeiier-Wanderbund„Die Naturfreunde«. Wandersahrten am 19. November: I. Ar. Besten— Schmöldesee— Gussow lNachlquurtier Betten), Slahlberge— Erkner. 2 Tage. Abs. Sonntag Schles. Bahnh. 6.48, Körlitzer Bohnh. 6.55. II. Rund um Berlin I, Bernau-Blumberg— Hoppegarieir. Abs. Stett. Vorortbhf. 7.31 vorm. III. Historische Exkursion nach Branden- bürg a. H. Abs. Potsd. FernbhI. 8.58 vorm. IV. Königswusterhaulen— Cablow— Zeuihen. Abf. ASrl. Bhf. 7.49 vorm. V Leblendorf, Behren- straße— Havelberge— Bhf. Grunewald. Abs. Wannseebahnbhs. 1.00 nachm. VI. Kindertour Schmöckwitz— Eichwalde. Tresspnnlt Schlei. Bhf.(Ecke Frucht- u. Madaistraße) 8 Uhr vorm., Bhf. Wedding(Eing. Nettelbeckplatz) 7.30 vorm. Marktbericht von Berlin am S. November ISIS, nach Ermittelung de» königl BolizeivräfldiumS. Markttzallenpreise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.00— 50,00. Speilebobnen, weise, 36.00—60,00. Linien 35,00—60,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 6,00—7,00. 1 Kilogramm Rindsteilch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch. Bauchsieilch 1.50—1,80. Schwetnefleisch 1.60-2.20. Kalbfleisch l. 40— 2.40. Hainmetfleilch 1.40—2.40. Butler 2,40-3.00. 60 Stück Eier 4.20—6,60. 1 Kilogramm Karoten 1,40-2,40. Aale 1,60-3,20. Zander 1,40-3,60. Hechte 1.40—2,80. Barsche 1,00-2,40. Schleie 1,60-3,20. Bleie 0,80-1,40. 60 Stück«rebse 2,00-30.00._ iSttterungSübersich« vom v. November ISIS. «ettervrognoie für Donnerstag, den 7. November ISIS. Zeitweise heiler, aber lühl und veränderlich mit geringen Nieder« schlägeu und ziemlich jrifchen nordwestlichen Winden. Berliner Setterbureau. »SasserstandS.Nachrtchte» der LandeSanftalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. ')+ bedeutet Wuchs.— Fall.—•) Uuterpegel. -f- BrUfhaften der Redahtion. Die InrlstUchr evttmnntt findet Ltndenstrade SS, voen vier Deedpen — Srattfiatl—, woaentSgllq tum»iz dl» 7id Uhr odend», Soanadend», von 4Vfc vis 6 Uhr abends ftait. Zeder filt»en Btiiflattcn bestimmten Antrage ist ei» Bnchitade and ein« gahi als Merljeuden deuafdgen. Briest»he Antwort wird nicht erieU«. Antragen, denen tet», AdonuimeniSgulttung deigelügi ist, »erde» nicht deantwortet. Etltge Frage»»rage man tn der eprechstnnde vor. A. T. S7. 1. Zwei Jahre. 2. Es empfiehlt sich eine Beschwerde beim Polizelprästdeitten.— A. Z. IS. 1. Ja, sosern Ihre Schwester zur Lösung des VetlöbnisseS leiden ausreichenden Grund Halle. 2. Verlag Rudolf Moffe, Jerusal-mer Straße.— H. M. 83. 1. Unterliegt der Beurteilung seiteris des Militäraizles. Ein Antrag ist an das Bezirk»- kommando zu richten. 2. Ja.— A. I. Der Erzeuger ist zahlungsvflichiig, verschaffen«te sich vom VormundlchastSgericht ein Armutszeugnis für das Kind und klagen Sie bei dem Amtsgericht, in dessen Lezirl der Erzeuger seinen Wohnsitz hat.— 103. W. 8. 1. Auslunst über Gelellschaftcn er« teilen wir.grundsätzlich nicht. 2. Unverständlich.— G. 17. An die Waisenoerwaltunaen w Berlin: Alte Jakobstr. 34/35. in Ehar» lostenburg, Kirchhosirr. 9.—<£.«t. 8581.». und 2. Nein. — K. 100. 1. Ja. 2. In vier Jahren, beginnend mit dem Ende de» Kalenderjahres, in dem die Forderung sällig geworden ist.— R. St. 77. Ja.— S3. M. K. T. I. u. 3. In einem solchen Falle wird das Ehe- säbigkeltSzeugniS selten» der österreichischen Behörde nicht erteilt. E» emv- siehlt sich, daß die Braut vorher ihren Austritt au» der Kirche bewirkt. 2. Falls Ihre Braut naturalisiert wird, ist die Zugeböiiglett zur tatholilchen Kircheiigemeinschast sür die Eheschließung ohne rechtliche Bedeutung. 4. Ja. — L. 77. SS besteht keine Gesahr.— R. I.«00. t. und 2. Nur mit Zustimmung de» VormundtchastSgerichtS.—®. 149. 1. Klage erscheint aussichtslos. 2. Rathaus.— E. H. 7. Si- find verpflichtet. dem Berlangcn de» Hauswirt« nachzukommen.— M. W. Z. Nein. — W. K. 30. l. Der Austritt au» der evangelischen Landeskirche ist er» forderlich. 2. Tausschein des Vater» und, lall« vorhanden, Vejcheinlgung über den Austritt des VaterZ.— 1868. 1. Die BerufSgenossenschast lann, I Morgenpost" beifügen.— H. B. E. 12. Jnnerbalb Jahresfrist nach Auf-> zu Potsdam.— I. SS. A. K. Neil»— E. H. 100. Ja.— SB. 100. falls erhebliche Besserung eingetreten ist, die Rente mindern. Sie haben Hebung des Verlöbnisses. Einer späteren Geltendmachung steht der Ein-> Ja.— Z. 00. I. 1. Es wäre möglich. 2. z. B. Lothmar Arbeitsvertrag das Recht der Beiusung. 2. Erinnern Sie an Erledigung der Sache. Falls wand der Verjährung gegenüber.— M, S. 13. 81. 1. Erscheint nicht und Entscheidung des Gc Werbegerichts Hannooer vom 23. September 1208. Sie später Anfragen an den„Vorwärts' richten, wollen sie die ausreichend. 2. Ja, soweit die Sachen entbehrlich sind.— R. ft. 55. 1 Allerdings sieben dieser auch andere Entscheidungen gegenüber. 3. Hand- Abonnementsguitlung des„Vorwärts", nicht diejenige der.Beritner I Richten Sie ein Gesuch aus Namensänderung an den RegserungsprSsidenten( buch für Gewerbe- und Kaufmannsgerichte von Georg Baum. A. K. Nein-.- E. □ □□ 000 □□□ Theaker und Vergnügungen Mittwoch, v. November iai2. '. Ansang /'/a Uhr. Kgl. Opernhaus. Der Prophet. Königl. Schauspielhaus. Freund Fritz. Deutsches. Könia Heinrich IV. 2. Teil. Zirkus Albert Schumann. Gala- Vorstellung. Zirkus Busch. Gala-Vorstellung. 5iöniggräher Strasse. HerodeS und Mariamne. Aniang 8 Wr. Urania. Taubenstrafte 48/10. AusS Matterhorn. Hörsaal 8 Uhr: KonstruktionZ-Jng. A. Keßner: Walzwerke. Lessl»». Gabriel Schilling? Flucht. »tammeripiele. Mein Freund Teddy. Schiller<». Des Psarrers Tochter " von Streladors. Seil•••. EDliri Ottenburg, Die Kinder eer Exzellenz. Bertiner. Filmzauber. Kleines. Magdalena. Residenz. Gemütsmenschen. Koniodienhaus. Die GeneralSecke. Deutsches Schauspielhaus. Der gutsitzende Frack. Thalia. Autoliebchen. Dheatsr am Nollendorfplatz. Or- pbNiS in der Unterwelt. Kurfürsten. Over. Der Kuhreigen. Kroll. Prinz Natzi. Mo litis Operette«. Der Frauen- sresser. Luisen. DeS andern Ehre. »tose. Wilhelm Tell. Metropol. Ehausseur— ins Metropol. Drianon. Liebesbarometer. Herrnfeld. Die Alpenbrüder. Endlich allein. Easino.. Der Krotzsürst. Reichshaken. Die Macht der Töne. Wintergarten. Spezialitäten. Apollo. Spezialitäten. Passage. Spezialitäten. Königstadt-Kaslno. Spezialitäten. Anlang 8'/, Uhr. Fricdr.- Wtth. Schausptelhans. Luftspielligus. Mein alter Herr. Folies Eaprice. Der keusche Joseph. Der Rehbock. Ansang 8'/, Uhr. Neues Volksiheater. MutterLand- Pratze. Ansang 10 Uhr. Admiralspalasi. EiSballett: Joanne. Sternwarte. Jnvalidenstr. S7— 62. 8ekiI!er-Ideslefl1.Tb°°.°r Donnerstag, abends 8 Ubr: lZ«» Pfarrers Tochter von Streladorf. Freilag, abendS 8 Uhr: Die Kinder der Exzellenz. Sonnabend, abends 8 Übt: Die Kinder der Exzellenz. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Zopi und Schwert. Sonnlag. abends 8 Ubr: Im woilien K6U1. Schiller-Theater ChabuT"' Toiinerslag, abends 8 Ubr: Die Kinder der Exzellenz. . Freitag, abends 8 Uhr: Im neilien HOUI. Sonnabend, abends 8 Uhr: Oes Pfarrers Tochter von Streladorf. Sonnlag, nachmittags 3 Uhr: Die Jüdin von Toledo. Sonnlag, abends 8 Uhr: Zur Feier von Schillers Geburtstag: Wilhelm Teil.__ Berliner Theater. 8 Uhr: Filmzauber. Mer in der Könisplzer Straße AbendS 7«/, Uhr: Herodes und Mariamne. DentschesSchaaspIelhans Abends 8 Uhr: DergutfitzenbeFraet. Ibeater am NollenMIatz. Gastspiel des Münohener Künstlertheaters Ansang 8 Uhr. Orpheus i» der Unterwelt. Sonnabend, S'/a Uhr nachmittags: Schneewittchen. Atatitis Operetten-Theater (früher Aleoes Theater) Abends 8 Ubr: Der Frauenfresfer. Residenz-Theater. 8 Uhr: 8 Uhr: Schwank in 3 Akten von Fritz Friedmann-Frederich. Morgen und folgende Tage: Demfttsmensehen. Luisen-Theater. Anfang 8 Uhr. Donnerstag, Freitag, Sonnabend: Des andern Ehre. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Kinder- Vorstellung: König Drosselbart. Sonnlag nachm. 3 Uhr: DaS Kälbchen von Heilbronn. IOSEsTHEATE Mrotze Frankfurter Str 132. Zu der heutigen Borstellung _„Wiloelm Tell' sind sämil. Billetts bereits vergeben. Freitag 8 Uhr zum ersten Male: Die grötzte Sünde. Drama in 5 Akten von Otto Ernst. Metropol-Theater. AbendS 8 Uhr: Rauchen gestattet. ekaujjeur- ms Jffetropol! Grotze Jahresrevus mit Gesang und Tanz in lv Bildern von I. Freund, Musil v. Rud. Aelson. Tänze arrang. von Will Bishop. In Szene gesetzt vom Direktor R. Schultz. Umfelfl 8 Uhr: Die mit beispiellosem Lacberfolge aufgenommene Novität Die Alpenbrüder. 10 Ehr: Endlich allein! Beide Stücke mit den Autoren Antoo und Donat Herrnfeld In den Hauptrollen. Vorverkauf 11— 2(Theaterkasse). Theater Königstadt-Gasino. Holzmarkistratze 72. 1 Min. d. Bahnh. Jaunowitzbrücke. Tägl. abendS 8, sonnt S>/, Ubr: fi erstklassige Speziailtäten und Kalt gentellt ober: gestellt Eehlgeuchossen. Casino-Theater Lotdringer Sir. 37. Täglich 8 Uhr: Das lcnsation. November-Programm Robert Neeuemann, Berlins Lieblingshumorist mit neuen Schlagern Riesen. Lacherfolg des 'Ä Der Großfürst. Sonntag 4 Uhr: O diese Männer k Voigt-Tüeater. Donnerstag, den 7. November 1312: Gastspiel in Puhlmanns Theater, Schönbauscr Allee 148: Gkbildctk Menschen. VoltSjtück in 3 Alien o. Viktor Leon. Kassenerössnung 7 Uhr. Ans. 8'/, Uhr. Sonnabend, den 16. November, abends 8V, Uhr, � in den Konkordia-Festsälen: Bcrbst-f est. JSF Heiterer Konzert-Abend. blitwiikende: Die Brottlkünstierm Frl. Clalr© Waldoff vom Passage-Theater. Das Wene Tonkühstlerinnen-Orchestcr. ♦ Kapellmeister Ivan FrSbe. Klassische und moderne Tänze. Nach dem Konzert: BALL* Pestmarken in allen ZahlsteUen a 60 Pt inkl. Programm und Zettel. 243(20 Die Vorstellungen, die bisher im Neuen Schau- spielhause gegeben wurden, finden bis auf weiteres im Deotschen Schanaplelhauoe, Friedrich- Straße 104(an der Weidendammer Brücke) statt. Anfang der Vorstellung im Deutschen Schanspielhause 2�l> Uhf Morgen Freitag, den 8. November II. Qewerkschaftshaus-Konzert Kammermusikwerke u. Lieder von Johannes Brahms CKestenberg-Trio u. Frau Lolo Barnay). Billetts ä 30 Pf. im Gewerkschaftshaus, Morsch, u. an der Abendkasse. Orchideen-Hueftellung Vom 8, bis 10. November im Rerrenbawfe, Leipzig«' Str. 3 eintritt 1 J�arh. Hm Gröffnungatage 3 Marh. 1 Urania TanbeniitraBe 48/40. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Aufs Matterhorn! Hörsaal 8 Uhr: Konstruktions-Ingen A. Keßner: Walzwerke. Nißles Fest-Säle Dennewitzstraße 13. Jeden Donneratag: tanzkränzclKit. 11556 C. NIHIe. IVeu eröffnet Caf£ Leitmeyer Petersburger Straße, Ecke der Frankfurter Allee.. Auf das modernste ausgebaut und vergrößert. Parterre, I. Etage. Gesellsctia!tszit»r liir 100 Personen« Erstklassiges Künstler-Konzert o Tag nnd lacht geüllnet. «».»,»*»*»»»»«»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»«»»»»»«»»»»»»»»«»*»»*»»» mmmn KiÄSj W Sonntag, den 24. November 1912(Totenfest), im großen Festsaale der„Neuen Welt", Hasenheide KONZERT Mitwirkende: Herren Veit, Räber, Reifs, Perduss, Holbein, Schweinitz und Scbumann vom Pbilbarmoniscbeo Orchester, Zum Vortrag gelangt u. e.: Großes Septett in Es-dnr, op. 20, von Beethoven. X Eintritt 75 Pf. X Anfang 8 Uhr. X Kinder 20 Pf. X X Kinder unter sechs Jahren haben keinen Zutritt X Finfpitfctapsaa � 60 Pl sind zu haben in den Zigarren-' Lliili illonui ICU gesohäften von P. Horsch, Engeluler 15; G. Schulz, Kottbuser Tor; M. Kämmerer, Elisabethufer 37; E. Schulz, Mittenwal der Str. 2; W. Seidel, Bergmannstr. 59; M. Gölfert, Yorokstr. 40; B. Bittger, Zossener Str. 30 und Skalitzer Str. 107; H. Klipps, Tilsiter Str. 45; H. Parske, Büschingstr. 2; G. Voigt, Elbinger Str. 77; A. Rensky Nchfl., Choriner Str. 28; K. Bielefeld, Graefestr. 35; G. Kuhring, Jahnstr. 1; in Neukölln: A. Abraham, Donaustr. 25; W. Chastä, Schillerpromenade 26; P. Opitz, Pflüeerstr. 74; A. Rietdarf, Pannierstr. 40; in Schöneberg; K. SchSne- beck, Brunhildstr. 7- in Charlottenburg: F. Meyer, Hardenbergstr. 15, Ecke Fasanenstr.; in Bummelsburg: E. Helberg, Gärtners tr. 11, sowie i» den rniti Plakaten belegten Handlungen. V I Jf„Clou" ....."I"« MonoiettfpaRA«•>_ 7 :: Berliner:: Konzerthaus MauerstraBe 82.— ZimmerstraSe 90.9t. Heute: Doppel-Konzept! Großer WohltßtlskeitH-inonster-Konxe't- Abend zum Besten der Keiohsfliegerstiftung. 6 Kapellen! Mitwirk, erster Bühnenkünstler. Vorverkaufs-Gedenfcf münzen im Clou zu haben. Abonn. u. Vorzugsk. haben keine Gültigk. Zirkus jUbert Schumann. Heute Donnerstag, 7. Nov., abends 71/, Uhr: Gr. Gaia-Vorstellang. Auftreten sdiutlicher neu ensajglerten Attraktionen. Ilm 9'/, Uhr:-MU Die Hauptattraktion Berlins! Der unsieht- bare Mensch. Vier Bilder aus Indien. Ab 8 Uhr. Nie dagewesener Erfolg des neuen Programms! AS große Attraktionen! Ganz Berlin spricht von M. Bendix und E. Schnabel als Oroschkenkutsoiier u. Fiaker. Folies Caprice. Zum 68, Male Die drei Schlager: Der keusche Joseph. '- Der Nehbock. T>*8 Der Giub recher.-Wtzz Triauon-Theater. AbendS 8 Uhr: Liebesbarometer. lirlins öuseli. Heut« Donnerstag, 7. Nov., abends 7'/, ubr: Kapt. Spaulding. Die Experimente geschehen dicht vor den Augen, des Publikums und ist jede Täuschung ausgeschlossen. Albas sensationelle Kopffahrt durch den Zirkusraum. Die unvergleichlichen Tonrblllon«. 3 Blackbnriig, Luftleiter- Akrobat. auf dem Schiffsmast. Schluß; Unter Gorillas. Reiehsbailen-Tbeater Stettiner Sänger. fZ: DieMaeht Sonntag- nachm. 3 U. Der Korn- pagnieball Passage-Panoptikum Das grdBte Naturwunder! Die HEILIGE WEISSE NEGERIN und ihre schwarze Priester- Schwester. Beide lebend ohne Extra- Entree zu sehen. �euzs/e/jj Suppen sind die besten] Allein echt mit dem Namen HAGGI und der Schutzmarke � Kreuzstern. [„MAGQI8 gute, sparsam« Kücha'�l Bezirk Moabit des Verbandes der Hausarzt-Vereine. Freitag, den 8. November, 8'/z Uhr, Stadt-Theater, Alt-Moabit 47: Frauen-Uortrag! Thema; Bau, Aufgabe und Hygiene der weiblichen Organe. 2gs/s Fruchtbarkeit--- Unfruchtbarkeit! Referent: Herr vr. Zlaeim» Hirschfeld.— Diskussion.— Fragebeantworlung. Eintritt Z0 Pf. Mitglieder frei. Eintritt 30 Pf. Die Unkenntnis über dieses so überaus wichtige Gebiet trägt Schuld an vielen körperlichen und seelischen Leiden innerhalb und außerhalb der Ehe. Hier kann nur verniinflige Aufklärung, nicht falsche Scham Wandel schaffen I Der Hausarzt.-Berei» stellt es sich zum obersten Prinzip, die Gesundheits- Verhältnisse der Arbeiterfamilien zu heben. Durch Wort und Sckrift bringt er stete Aufklärung. Im Erkrankungsfalle eines der Familienmitglieder stellt er freie ärztliche Behandlung und gewährt freie Medizin. Sämtliche Familienangehörige. auSsätliefflich des Mannes, bezahlen insgesamt eine» Monats beitrug von 1.10 M. Keine Volksversicherung! Volle Selbstverwaltung der Mitglieder. Beim Austritt keine Kündigung. Dieselbe erfolgt einfach durch Zurückgabe des Mitgliedsbuches! � Familien, welche ivren Beitritt für den Bezirk Moabit in obiger Veriammliing erklären. denen ist die Aufnahmegebühr erlassen I Aufgenomnieil werden nur Familie», deren Ernährer lrankenversicherungspflichtig ist! Aw Meldungen können auch erfolgen beim 1. Vorsitzenden Ott« Hagen, Rostocker Str. 21, v. in. Donnerstag, den 14, November, abends 8 Uhr, in dem Lokale„Nene Welt", Hasenheide 108/11.4: portsetiunx der öeneralversarnrnlung vom 30. Oktober 10X3. Tagesordnung: Fortsetzung der Diskussion über de» Jahresbericht. 1. Jahresbericht: a) deS Vorstandes; b) dcS AufstchtsrateS: o) dir Revisionskommission, 2. Entlastung deS Vorstandes und Aussichtsrates. 3. Beschlttgsajsung über die Verteilung deS Reingewinns. 4. a) Wahl o n'c Aussichtsratsmitgliedern, b) Wahl von 5 Ersatzpersonen für den Aussichtsrat. 5. Anträge. Der Eintritt kann nur Mitgliedern gegen Vorzeigung der Legitimations karte gestattet werden. 107/1S Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend. Eingetragene Genossenschast mit beschränkter Haftung. vor Vorstami. Oer Aaloiclitsrat. R I u n g e r. O. S ch u I tz e. F r. S ch u l z e, Vorsitzender. lLtrelgTereln Berlin. Sektion der Pntzer. Sonntag, de» 10. November 1912, vormittags 10 Uhr, itt den Industrie. Festsäleu, Beuthstrafte 19: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Ter erste Verbandstag des BauarbeiteroerbandeZ. 2. Ausstellung der Kandidaten zur Delegiertenwahl. 3. Verschiedenes. Vollzähliges Erscheinen erwartet Der Vorstand. Mi»« der Gips- und Zeincntbrunlhk. Gipsbaubranche: Putzer, Träger und Rabitzspanner. Areitag, den 8. November 1912. abends 8 Uhr, bei Jannaschk, Jnselstraste 19: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: l. Bericht von der Konferenz der Stukkateure. 2. Bericht der Kommission sür die Ausarbeitung einer Vorlage von Aktordprciscn. 3. Verschiedenes._ 147/4 Getragene Monatsgarderobe. /feute und tollende 7« Vergolder und Berufs genoffen Donnerstag, 14. November 1912. abends 7lL— 81/, Uhr, im Saal 5 des Gewerkichnftshauses, Engeluser 16: 1. Wahlversammlung der Arbeitnehmer wozu sämtliche Kassenmitglieder über 21 Jahre eingeladen sind. Tagesordnung: Wahl von 88 Vertretern für das Jahr 1913. Mitgliedstarte legitimiert. In demselben Lokal und am selben Tage, von 8'/,— S Uhr: 2. Wahlversammlung der Arbeitgeber wozu sämlliche Arbeitgeber, welche Beiträge aus eigenen Mitteln leisten, eingeladen werden. Tagesordnung: Wahl von 41 Vertreter» für das Jahr 1913. ~~3. Montag, 18. November 1912, abends 8 Uhr, im Saal 5 des Gewertschaftshausco, Engelufer 15: Gkneralversammlnng der Vertreter der Arbeit- geber und Arbeitnehmer. Tagesordnung: 1. Bericht PeS Vorstandes. 2. An- trag aus Julassung als beiondere Orts-Krankenkasse nach der Reichs- verstchenmg§ordnuna. 3. Neuwahl des Vo-standeS(orei Arbeitgeber, sechs Arbeitnehmer). 4. Wahl von drei AuSschugmiigliedern zur Prü» sung der Jahresrcchnung. S. Ver- fchiedenes. 2Sl/10 Der Vorstand. Heinrich Küpper. Borsitzender. Allgemeine Orts-Krankenkasse für die vereinigten Gewerbebetriebe Charlottenbnrgs. Wir bringen hiermtt zu: öffent llchen Kenntnis, daß der Bezirks ausschuh zu Potsdam den von der Generalversammlung der Kassen- delegierten unterm 10. Ottober cr. beschlossenen Statutennachlrag ge- nehmigt hat. Demnach erhöhen sich die Beiträge in Lohnllasse A v. 1,02 M. aus 1,23 M. I„ 0.81„. 0,96, . D„ 0,69.. 0,81. . HI» 0,57„. 0,69. . IV„ 0,45.. 0,54„ V„ 0,30,. 0,36. In gleicher Weise erhöhen sich auch die Beiträge sür die zu versichernden Hausgewerbeireibeuden wie folgt: sür männliche Hausgewerbetreibende von 0,84 M. aus 0,99 M.. sür weibliche Hausgewerbetreibende von 0,51 M. aus 0,60 M. Der Statiitemiachtrag tritt mit dem 4. November>912 in Kraft. Charlotteiiburg, den 5. Nov. 1912 281/9_ Der Kassenvorstanl». l>r. teo Herz Frauenarzt verzogen nach 18614 ülartln• l.nther• Strafie 9. Tel. Amt Lützow 9859. vorkauten wir Heute Seefische en naohfolgenden Preisen: Schellfisch.. KabllaU(ohneKopl), Schollen-•• pro Pfd. 22 Pf. n. 22 n . n 28. Seelachs otne Kopf pro Pfd. Goldbarsch.-*» Knurrhahn..-»« 26 pt 26. 24. Konsum- Genossensehaft Berlin and Umgegend. 107/17 derl sowie Verwaltung Q roll Berlin. Freitag, den 8. November, abends 8 Uhr Kkickbsverslimiiilung nllet Werke der ß. E.-M. — in den Arnilnhallen. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen S ch l i ch t i n g. 2. Belriebsangelegenhetten. Sonnabend, den 9. November, morgenS 8V- Uhr und abends 8 Uhr: ßelricksiierslliiiililllliz der ßrWertimaschihijleil und den A.rnilaal,allen. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Soblickting über: Tarifwesen. 2. Betriebsangelegenheiien. 146/14 Um pünktliches und vollzähliges Erscheinen wird dringend ersucht Die Ortsverwaltnnff. Lassen Sie flch Siefen Apparat sofort kommen! Diiiiiniiniiniiiiiiiiiiiiiniinniimiiniiiiiiiiiiiiinninniiniiniiiiiiiiinnnmiiniiiiiiiiiiiiimiiiiiiliiniiniiiiinniinninniiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiniinniniiiiinnininniiininiinniiiiiiniiiis� Der beste Ersatz für brauchen kein Geld daZU Oper.Thcater.Varieit Konzert.— Nur erste Wir senden denselben kostenlos B Tage zur Probe n�bst 20 auagewShllen Stüc an auf 10 doppelseitigen 29 cm g oBen Ha hö-Platten Hab»n Si- aehon oinm IPathö-Pla ton aehö't? 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Dlraer Betrag wird erat am streichen. 0F I Sehluaae meiner Zahlungen verrechnet>> 1 , Ort u, Datum: • Straße• Platz• Nr., Königin M •1 von 5ABA Garantiert '>.-' Handarbelt G —-------------- e. m. b. H.— Zentrale: Lichtenberg, Rittergutstr.«2/20. Der Vorstand. VerantfvSrilicher Redakteur: Alfred Wtrlrpp. Rculölln. Für de» Lnsrratruteil oerantw.: TH. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt»»uchdruckerei n. veriaaSauftalt Paul Smger«. Osrltu zw. % »r.26i 29. z. fdliip des Jormörts"§n\m Nolksdlck. Bertrauensmannerwahlen zur V Angestellten-Versicherung. In Berlin finden die Wahlen zur Angestellten-Versichcrung für die Arbeitgeber am Freitag, den 8. November, in der Zeit von 3 Uhr nachmittags bis 7 Uhr abends: Arbeitnehmer am Sonntag, den 10. November, in der Zeit von 12 Uhr mittags bis K Uhr abends statt. Die Arbeitgeber geben Stimmzettel der freien Arbeit- geber mit Liste A ab. Für die Arbeitnehmer kommt die Liste l. der Freien Vereinigung in Frage. Ueber die Versicherungspflicht der Angestellten heißt es im 8 1 des Gesetzes: Der Versicherung unterliegen: .1. Angestellte in leitender Stellung, wenn diese Beschäftigung ihren Hauptberus bildet, 2. Betriebsbeamte, Werkmeister und andere Angestellte in einer ähnlich gehobenen oder höheren Stellung ohne Rücksicht auf ihre Vor- bildung, Bureauangestellte, soweit sie nicht mit niederen oder lediglich mechanischen Dienstleistungen beschäftigt werden, sämtlich wenn diese Beschäftigung ihren Hauptberuf bildet, 3. Handlungsgehilfen und Gehilfen in Apotheken. 4. Bühnen- und Orchestermitglieder ohne Rücksicht auf den Kunst- wert der Leistungen, 6. Lehrer und Erzieher. 6. aus der Schiffsbesatzung deutscher Seefahrzeuge und aus der Besatzung von Fahrzeugen der Binnenschiffahrt Kapitäne, Offiziere des Decks- und Maschinendienstes, Verwalter und Verwaltungs- assistenten sowie die in einer ähnlich gehobenen oder höheren Stellung befindlichen Angestellten ohne Rücksicht auf ihre Vorbildung, sämtlich, wenn diese Beschäftigung ihren Hauptberuf bildet." Zu diesen sechs Klassen von Versicherungspflichtigen ist im ein- zelnen folgendes zu bemerken: Zu 1. Angestellte in leitender Stellung sind z. B. Güter- administratoren, Direktoren von Aktiengesellschaften, Genossenschaften, Gesellschaften mit beschränkter Haftung und Versicherungsvereinen sowie Leiter kaufmännischer Betriebe. Sie sind aber nur bersiche- rungspflichiig, wenn die Beschäftigung ihren Hauptberuf bildet. Zu 2. Unter Betriebsbeamten sind Personen zu verstehen, die zwar nicht, wie die zu 1. Genannten, einen Betrieb in seiner Gesamt- heit leitet?, die aber im Betriebe nicht zu ausführender Tätigkeit be- rufen sind, sondern eine gewisse, wenn auch mehr untergeordnete Beteiligung an der Leitung haben und eine Aufsicht gegenüber Arbeitern und Gehilfen ausüben. Es koinmen hier besonders die BetriebSchcmiker und Betriebstechniker in Fabriken sowie die Guts- inspektoren in Betracht, ebenso nach allerdings bestrittener Auffassung die Werkmeister. Zu den anderen Angestellten in gehobener oder höherer Stellung sind z. B. Oberkellner, Küchenchefs. Stadtmissionare, Privatsekretäre, Hausdamen, Gesellschafterinnen, Justitiare, die nicht Rechtsanwälte sind, Bibliothekare, Redakteure, in Zeitungen angestellte Schrift« steller usw. zu verstehen. Bon den Bureauangestellten sind die Bureauvorsteher, die Expedienten, Rechnungsbeamten und Steno- typisten versicherungspflichtig, nicht dagegen Kanzlisten, Aktenhester, Diener und sonstiges niederes Bureaupersonal. Zu 3. Unter Handlungsgehilfen sind Personen zu verstehen, die kaufmännische Dienste leisten, wie Ein- und Verkäufer, Buch« Halter, Kassierer, Reisende. Korrespondenten,»licht aber sonstige Gewerbegehilfen wie Hausdiener, Packer, Kontorboten. Ausgeschloffen von der Versicherungspflicht sind ferner die Handlungslehrlinge, auch wenn sie Gehalt beziehen. Zu 4. Bei den Bühnen- und Orchestermiigltedern kommen Schauspieler. Sänger, Musiker, Tänzer, Artisten, Souffleure. Drama« turgen und Regisseure, nicht dagegen Bühnenarbeiter, Logenschließer und Theaterpförtner in Betracht. Zu ö. Von den Lehrern und Erziehern kommen nur solche m abhängiger Stellung in Frage, wie Lehrer 4st Privatschulen, in Waisenhäusern und Anstalten, Hauslehrer, Gouvernanten, Klavier-, Zeichen-, Gesang-, Sprachlehrer und-Lehrerinnen. Dabei ist es gleichgültig, ob der Unterricht in der Wohnung des Arbeitgebers oder in der des Lehrers stattfindet. Wer dagegen eine eigene Lehranstalt besitzt, wie die Inhaber von Privat- oder Handelsichulen, ist als Arbeitgeber nicht versicherungspflichtig. Dies ist im wesentlichen der Kreis der versicherungspflichtigen Angestellten, über den Aber noch sehr viel Unklarheit«! herrschen. Diese Unklarheiten sind auf Ablehnung der von der Sozialdemokratie zur Versicherungsgesetzgebung gestellten Anträge zurückzuführen. Für die Versicherten erwachsen in den nächsten Tagen folgende Verpflichtungen: Du sollst Dir schleunigst eine Aufnahmekarte für die Angestellten« Versicherung ausstellen lassen, wenn Du es bisher versäumt hast; wählen, wenn Du das 21. Lebensjahr vollendet hast, gleichviel ob Du männlichen oder weiblichen Geschlechts bist: alle Deine Kolleginnen und Kollegen auf den Wahltag aufmerk- sam machen; die Liste L. wählen, die die Freie Vereinigung aufgestellt hat; auf dem W a h l z e t t e l n i ch t s ändern oder hinzusetzen, auch nicht Deinen Namen darauf schreiben, denn dann würde der Wahl- zettel ungültig werden: Dich am Wahltag in Deiner freien Zeit dem Wahlausschuß zur Verfügung stellen._ Sehr elegante Samtmäntel teil» Velours-du- Nord, teils guter Samt, ganr moderne Aufmachung, mit Tressen-, Seiden- u. 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