Mr. 263. flbonn« men ts-Bedingungcn: SlSonnementä> Preis trämimcranbo: ricrteljkhrl. 3,30 SWf, nionatl. 1,10 Mk,, Iröchcntli» 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg, Sonntags- uummcr mit illusiricricr Sonntags- Pcilage„Die Neue Weit' 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl xro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat, Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 29. Jahrg. fifdldnt täglldi anfftr montags. ~ T Derliner Volllsblclkk. Die TnfertionS'Gebilffr kclrägt für die scchsgespaltene Kolon ei- geile oder deren Ramn W Pfg,, für politische und gewerkschasiliche Vereins- und Versammlungs-Anzeige» 30 Pfg. „Aleine Hnzeigen", das fettgedruckle Wort 20 Pfg,(zulässig 2 fetigedruckle Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstcllcnan- zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über lä Buch. ä toben zählen für zwei Worte, Jnscrale ür die nächste Nummer müsse» bis » Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Exvedilion ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „SozialdemoKrat Berlin". Zcrttralorgan der rozialdcmokratifcbcn Partei Deutschlands. Redaktion: 8CQ. 68, Lindenstrasee 69. Fernsprecher: Amt Morltzplatz, Nr. 1983. Sonnabend, den 9. November 1912. Expedition: 8Rl. 68, Lindenstrasee 69* Fernsprecher: Amt Morikplati, Nr. 1984. Die antigweMhaftliche LnzMika des IFapItes. Die„Kölnische Z t g." veröffentlicht in ihrer gestrigen Mittagsausgabe endlich den von den christlichen Gewerkschaften mit Hangen und Bangen erwarteten Entscheid des P a P st e s in der sogenannten Gewerkschafts> frage, das heißt über die seit längerer Zeit in den katha tischen Kreisen Deutschlands vielerörterte Frage, ob die ganisation der christlichen Gewerkschaften den katholische! Morallehren widerspricht und deshalb katholische Arbeiter diesen Vereinigungen angehören dürfen oder nicht. Nach tele graphischer Meldung hat die vom 24. September datierte, an den deutschen Episkopat gerichtete Enzyklika folgenden Inhalt: In der Einleitung betont der Papst, daß er über die Kontra- Verse sowohl von den Bischöfen wie von klugen und angesehenen Männern aus beiden Parteirichtungen in den letzten Jahren wohl unterrichtet worden sei. Der Papst habe sich die Sache um so eifriger angelegen fem lassen, weil es seine Aufgabe sei, daß seine lieben Söhne die katholische Lehre rein und unverletzt be- wahrten. Wenn sie nicht rechtzeitig zur Wachsamkeit erweckt würden, bestehe offensichtlich die Gefahr, daß sie allmählich und gleichsam aus Unwissenheit sich mit einer vagen, unbestimmten Art von christlicher Religion zufrieden gäben, die man interkonfessionell zu nennen pflege. Der Papst erklärt dann, was die Arbeit der Gesellschaften anbelangt, so sind diejenigen am meisten zu billigen und für die geignctsten zu halten, die vornchiulich auf der Grundlage der katholischen Religio» errichtet sind, und der Kirche als Fllhrerin offen folgen. Daraus folgt, daß derartige Bereinigungen katholischer Konfession gegründet und mit aller Macht u'nterstützt werden müssen. „Daher spenden wir a l l e n rein katholischen Arbeiter- Vereinigungen, die es in Deutschland gibt, alles Lob. Jedoch leugnen wir nicht, daß eS recht ist, für die Katholiken und für die Arbeiter ein besseres Geschick zu suchen und mit Anwendung von Vorsicht gemeinsam mit Nichtkatholiken für das gemeinsame Wohl zu arbeiten. Aber für diesen Zweck wollen wir lieber, daß katholische und nichtkatholische Gesellschaften ein Bündnis untereinander schließen mittels jener opportunen Erfindung, die man ein Kartell nennt. Hier aber bitten uns nicht wenige von Euch, wir mögen Euch erlauben, die sogenannten christlichen Syndi- kate, so wie sie heute in Euren Diözesen ge- gründet sind, zu tolerieren. Dieser Bitte meinen wir mit iUücksicht auf die eigentümliche Lage der katho- tische»Sache in Deutschland, nachgeben zu sollen und erklären: E s kann toleriert und den Katholiken er- lanbt werden, daß sie sich auch an diesen ge- mischten Gesellschaften beteiligen, doch nur unter der Bedingung, daß geeignete Vorsichtsmaßregeln angewendet werden. Zu allererst muß man Sorge tragen, daß dieselben katholischen Arbeiter, die sich an diesen Syndikaten be- teilige», in die katholischen Arbeitergesellschaften, die man mit dem Namen Arbeitervereine bezeichnet, ein- geschrieben sind. Außerdem ist es notwendig, daß diese Syndikate sich von jedem Plan oder jeder Angelegenheit fernhält«», die mit den Lehren und Geboten der Kirche oder der legi- timen geistlichen Gewalt nicht übereinstimmt. Aus diesem Grunde werden die Bischöfe, so oft Streitfragen über die Dinge, welche die Sitten betreffen, vorkommon werden, sehr auf- mer�sam darüber wachen, daß die Gläubigen nicht die katholische Sitte ndisziplin vernach- lässigen.", Zum SÄuß betont der Papst, daß, wie einerseits niemand das Recht habe, diejenigen in ihrem Glauben zu verdächtigen, die den gemischten Syndikaten angehören wollen, eS andererseits ebenso sehr zu mißbilligen sei, die rein katholischen Vereinigungen aus Feindschaft zu verfolgen, diese Art Vereine seien im Gegen- teil ni i t aller Macht zu u n t e r stäi tz e n u n d weiter z u f ö r d e r n. Die Entscheidung des Papstes entspricht genau unserer Voraussage in Nr. 145 des„Vorwärts" svoin 25. Juni). Den Katholiken wird nicht verboten, den bestehenden christ- lichen Gewerkschaften(Syndikate nennt sie die Enzyklika) an- zugchörcn; aber ebensowenig werden diese Verbände für berechtigt erklärt und den katholischen Arbeitervereinen der Berliner Richtung gleichgestellt. Sie gelten dem Popst oder richtiger der römischen Kurie als minderwertige Verbände dritter, vierter Güte, die eigentlich keine Existenzberechtigung haben und nur„ m i t N ü ck s i ch t auf die e i g e n t ü m- I i ch e Lage der k a t h 0 l i s ch e n Sache in Deutschland". d. h. ans Rücksicht auf die politische Zwitterstellung des angeblich„ interkonfessionellen" Zentrums, geduldet werden dürfen, soweit die deutschen Bischöfe eine solche Duldung für nötig oder angebracht halten. Dafür aber wird von den christlichen Gewerk- schaften verlangt, daß ihre sämtlichen Mitglieder irgend einem» r e i u- k a t h 0 l i s ch e n Arbeiterverein beitreten, daß sie bei ihren Beschlüssen und Mutznahmen sich genau an die Lehren der katholischen Kirche halten und sich willig der Aufsicht und Disziplin der Bischöfe unterstellen. Ferner haben sie sich aller Anfeindungen der katholischen Fachvereine der Berliner Richtung zu enthalten, die, wie der Papst offen ausspricht, vom Klerus,„mit aller Macht zu unter st ützen und zu fördern" sind, während die christlichen Gewerkschaften selbst dann, wenn sie die gestellten Bedingungen erfiillen, nur Anspruch auf Duldung haben. Im wesentlichen entspricht also diese antigewerkschaftliche Enzyklikla den Beschlüssen der Fuldaer Bischofskonferenz vom 14. Dezember 1910, die ebenfalls verlangten, daß jedes Mit- glied einer christlichen Gewerkschaft zugleich einem„kirchlich organisierten und geleiteten katholischen Arbeiterverein" angehören müsse, und zweitens, daß sämtliche christlichen Gewerkschaften bei ihren Be- schlüssen und Handlungen genau den kirch- lich-katholischen Grundsätzen folgen und das Urteil, ob ihre Organisation oder Wirksamkeit diesen Grund- sätzen entspricht, allein dem„kirchlichen Hirten- amt" überlassen— mit anderen Worten, daß die christlichen Gewerkschaften in allen wichtigen Fällen den' Weisungen der Bischöfe und des Klerus folgen. Wenn manche liberalen Blätter noch vor kurzem gemeint haben, der Papst werde einfach erklären, die christliche Ge- Werkschaftsorganisation widerspreche der katholischen Moral- lehre und deshalb könne kein Katholik Mitglied dieser Vereine sein, so haben sie damit nur bewiesen, wie wenig sie die schlaue Taktik der römischen Kurie kennen. So unerbittlich diese auf ihre Forderung bestehen kann, wenn ihre Macht- stellung oder ihr pekuniäres Interesse in Frage gestellt wird, so wenig liebt sie, wenn sich der verfolgte Zweck auf anderem Wege ebenso gut erreichen läßt, eine gewaltsame Brüskierung ihrer Gefolgschaft. Stets hat sie sich, wo nicht durchaus Strenge geboten erschien, ihrem Anhang gegenüber als die tolerante Mutter gezeigt. Zudem aber weiß die römische Kurte gar wohl, daß ein gegen die christlichen Gewerkschaften gerichtetes Verbot die mächtige politische Stellung des Zentrums in Deutschland ganz wesentlich schwächen würde. Durch das Verbot würde zum mindesten in den rheinisch-westsälischen Jndustriegegenden ein tiefer Keil in die katholisch-politische Bewegung, in die Zentriimspartei, getrieben, und die ohnehin in dieser Partei vorhandenen mannigfachen, wirtschaftlichen und politischen Gegensätze würden sich noch mehr verschärfen. Die Folge könnte nur sein, daß das Zentrum an politischem Gewicht und damit auch an politischem Einfluß auf die. Regierung verlöre. Solche Schwächung der ultramontanen Partei in Preußen und im Deutschen Reich paßt aber dem Vatikan um so weniger in seine schlaue Politik, als die klerikale Hierarchie in anderen Ländern, und zwar gerade in katholischen, wie z. B. in Frankreich, Spanien, Italien, Portugal, ihren früheren Einfluß auf die dortigen Regierungen und Parlamente fast ganz eingebüßt hat. Oestcrrcich-Ungarn und das mehr als halb protestantische Deutschland sind die einzigen großen Staaten, in denen der hohe Klerus noch eine tonangebende politische Rolle spielt— in Deutschland mit Hilfe der protestantischen Konservativen. Zudem läßt sich der Zweck, die christlichen Gewerkschaften zu gefügigen Werkzeugen der Hierarchie und ihrer Zwecke zu gestalten, durch die von der päpstlichen Enzyklika geforderten Maßregeln ebenso gut, vielleicht sogar noch besser er- reichen. Wenn jedes katholische Mitglied der christ- lichen Gewerkschaften gezwungen wird, einem von der Geistlichkeit geleiteten katholischen Arbeiterverein anzugehören, wenn es ferner dort unter besondere geistliche Obhut ge- nommen, und gut bearbeitet wird, dann ist die Gefahr fast ausgeschlossen, daß es matt und wankend in seinem katho- lischen Glauben wird. Und wenn die christlichen Gewerk- schaften, sei es direkt oder indirekt, der Aufsicht des Klerus unterstellt und die Bischöfe zu ihren obersten Hütern eingesetzt werden, die allein darüber zu entscheiden haben, ob ihre gewerkschaftliche Wirksamkeit den kirchlichen Grundsätzen entspricht, dann werden die früheren Techtelmechteleien nnt den freien Gewerkschaften aufhören, dann werden keine ge- meinsamen Lohnkämpfe mehr stattfinden und keine Streiks mehr geführt werden, die in der katho- lischen Bourgeoisie und im katholischen Feudaladel Anstoß erregen könnten. Dann marschiert der christliche Ge- Iverkschaftler, wie wir das schon bei der letzten Wahl im Ruhrrevier beobachten konnten, auf Geheiß seines Pfarrers oder Kaplans„glaubenstreu" zur Wahlurne und stimmt gegen den sozialistischen Arbeiterkandidaten, für den national- liberalen Unternehmer— zur Ehre Gottes und der heiligen Kirche. Das sind die Folgen des päpstlichen Machtspruchs, der die Bischöfe zu Aufsichtsinspektoren der chri st lichen Gewerkschaften bestellt. Und die ehrsamen christlichen Gewerkschaftsführer, die Schiffer, Steger- wald, Giesberts, GronoNiskTe tutti quanti werden sich willig in dieses geistliche Joch fügen, wenn die Kirche sie auf ihrem Posten läßt, ihre Gehälter nicht kürzt und sich damit begnügt, sie hinter den Kulissen an verborgenen Drähten zu dirigieren. Warum sollten auch diese in München-Gladbach nach allen Regeln jesuitischer Kunst wohldressierten„Arbeiterführer", die es schon bisher so meisterhaft verstanden, den Zollwucher, die Wahlrechtswortbrüche und sozialpolitischen Schwindeleien des Zentrums zu rechtfertigen, sich nicht als gute Marionetten be- währen, die getreu nach dem Befehl der hinter ihnen stehenden geistlichen Drahtzieher tanzen und hampeln. Dennoch, wenn auch die päpstliche Enzyklika den christlichen Gewerkschaften nicht ohne weiteres die Existenzberechtigung abspricht, bedeutet der Entscheid für die klerikale Gewerkschaftsbewegung einen Todesstoß, denn die Wirksamkeit der christlichen Gewerkschaften und ihr Wert für die wirtschaftliche Lebensverbesserung der katholischen Arbeiter wird dadurch auf das Niveau der katho- lischen Gesellen- und Josephvereine herabgedrückt. Sic werden zu bloßen Unterstützungs- und Geselligkeitsvereinen degradiert. Die wirtschaftlichen Gegensätze sind aber viel zu Iveit in Deutschland gediehen, als daß der Klerus selbst mit Aufgebot aller verlogenen theoretischen Sophisterei die katholischen Ar- beiter über ihr wirkliches Interesse dauernd zu täuschen ver- möchte. Für die freien Gewerkschaften bietet sich eine günstige Gelegenheit, auch in den stark katholischen Gegenden neues Terrain zu gewinnen. Es'gilt, die Situation mit Bedacht und Geschick auszunutzen. Es'lebe Seine Heiligkeit, der Papst I Sie lchW�gelben Linbiläungen � die mhre Kriegsgefahr. Immer deutlicher wird es: der Herd aller Kriegsgefahr i st O e st e r r c i ch. Natürlich nicht die Völker in dem schwarz-gelben Reiche, nicht cinmal vielleicht das offizielle Oesterreich, als welches man Wohl noch immer den alten Kaiser anzusehen haben wird, aber gefährlicher als dieses offizielle Oesterreich ist die„kleine aber mächtige Partei", die an dem Belvedere ihren Sanmielpunkt und an dem Thronfolger ihren Mittelpunkt hat. Die treibt Oester- reich zu jener wahnwitzigen, verrückten Politik, die den Keim schwerer Gefahren in sich trägt und ganz Europa in fürchter- lich-blutige Händel verwickeln kann. Und das schier Unglaub- lichc: das Deutsche Reich, statt die verrückten Schwarzgelben zur Ruhe zu rufen und ihnen Räson cinzubläucn, macht dcni schwarzgelben Uebermut noch die Mauer und läßt es ge- währen, daß sich die schwarzgelben Gaukler der Zuversicht hingeben, das Deutsche Reich werde für die Wiener Einbil- düngen seine Bürger in die Schlacht schicken! Denn alles, was in den säbclrasselnden Artikeln der öfter- reichischen Kriegshetzer als ein angebliches Lebcnsinteresse der Donaumonarchie ausgegeben wird und was unsere lieben Fibelpolitiker von der Art der Brcysig und Peters getreulich nachschwatzen, ist einfach, um es ganz deutlich zu sagen, ein Schwindel. Nachdem sich die feinen Schwarzgelben mit ihren vorgespiegelten Lebensintcrcsscn, wie es die Erhaltung des Statusquo, der türkische Sandschak, der Weg nach Saloniki waren, bis auf die Knochen blamiert haben, und heute ganz Oesterreich über diese Forderungen, von denen die schivarzgclbe Gaukelei vor zwei Wochen noch behauptet hatte, daß in ihnen die österreichischen Daseiiisintcresseli bc- schlössen sind, nur lacht: so haben sie sich heute ein funkelnagel- neues Interesse angeschafft und muten der europäischen Menschheit zu, um dessen Wahrung willen einen Weltkrieg zu führen. Dieses„legitime Interesse" Oesterreichs soll darin bestehen, daß Serbien der Zugang zum A d r ia t i» scheu Meere verwehrt werde. Wohlgemerkt: es handelt sich nicht um Südalbanien, auf das Serbien ja gar keine Ansprüche erhebt, nicht um die Sicherung der Straße von Otranto, an ivelche Sicherung für Oesterreich die Freiheit des Meeres geknüpft sein soll. Sondern es handelt sich wirk- lich nur um den bescheidenen„Korridor zum Meer", den Serbien anstrebt, und den es>zu seiner ivirtschaftlichcn Eni- Wickelung auch braucht: den will ihm Oesterreich nicht gönnen, und um dessentwillen droht es immer deutlicher mit dem Kriege! Nun möchte man doch gerne wissen, wo denn die Gefahr dieses serbischen Hafens für Oesterreich eigentlich liegen soll. Etwa darin, daß Serbien dann mit seineiu Schweinefleisch nicht mehr auf Oesterreich angewiesen sein wird, es auch anderswohin liefern könnte? Aber das werden die schwarzgclben Schwindler doch nicht ass eine Gefahr bc- zeichnen können, die zu beschwören selbst ein Krieg gewagt werden müßte, nachdem sie doch jetzt der serbischen Ausfuhr die Grenzen sperren und der einflußreichste. Teil des Wirtschaft- lichen Oestcrrßichs, die Agrarier, just diese Vermehrung der Einfuhr als die allergrößte Gefahr für Oesterreich aus-
schreien! Worin könnte aber die Gefahr sonst liegen, Tie Schwindler erzählen— es ist zu toll!—, daß der serbische Hafen deshalb für Oesterreich die große Gefahr wäre, weil es ein— russischer Hafen wäre! Als ob Rußland, wenn es mit Oesterreich Händel sucht, in die Adria gehen müßte und sonst Oesterreich nicht treffen könnte! Daß für die angebliche Gefahr auch nicht der Schatten einer fachlichen Begründung angc- führt werden kann, beweist nur, daß sie ein Hirngespinst ist, beweist nur, daß Oesterreich dieses dünkelhafte Veto aus ganz anderen Grün- den erhebt. Das Veto wird um kein Gran vernünftiger, weil cS die Sorge um das Schicksal der Albaner vorschiebt. Denn wenn auch selbstverständ- lich das nationale Recht der Albaner auf Eigenentwickelung und Selbständigkeit ein ebenso gutes Recht wie jedes anderen Volkes auf dem Balkan ist, so wird sich doch wohl kein Zu- rechnungsfähiger verführen lassen, dieses Oesterreich, das von der Bedrückung der Ratio» neu lebt, das nur bestehen kann, indem es das Recht der Ratio- nen vergewaltigt, in der Rolle cine� nationalen Befreiers ernst zu nehmen. DieSorge um die Albaner ist nicht mehr als ein Vorwand, ein Schivindel, wie so vieles, fast alles an dem schwarzgelbcn Oesterreich. Das Dümmste ist freilich an dieser Politik, daß sie auf die werktätige Teilnahme Italiens hofft und sich einbildet, Italien werde sich zum Kompagnon der österreichischen Unter- drückmtgspolitik gegen Serbien hergeben. In Wahrheit treibt Oesterreich mit seiner dummen Politik den Balkan geradezu in die Arme Italiens, das gute Ernte halten wird, wo Oesterreich schlimm gesät hat. Die Wahrheit iiber das„Lebeusintercsse" Oesterreichs ist eben, daß es sich den Schwarzgclben nur darum handelt, an den Serben ihr Mütchen zu kühlen, daß die lieben Oester- reicher zeigen wollen, daß sie auch da sind, sich von den Siegen über die Türken nicht imponieren lassen, daß auf die bc- rühmte Großmacht„geachtet" werden, muß. Es ist, mit einem Wort, die oberflächlichste P r e st i g e p o l i t i k, zu der sich Oesterreich anschickt, jene leere Prcstigepolitik, die sein Merk- mal in der gesamten Geschichte ist, und um derentwillen schon Ströme voil Blut und Tränen geflossen sind. Daß es die dümmste Politik ist, zu der Oesterreich in dieser schicksals- schweren Zeit greifen konnte, liegt auf der Hand: denn daß die Serben dadurch nicht zu emeni guten Rachbarn Oesterreichs erzogen werden, daß ihnen dadurch nicht Liebe für Oesterreich beigebracht wird, wenn sie wahrnehmen, daß ihnen Oesterreich ihren heißesten Wunsch versagt, ihnen die Erfüllung des Wunsches gerade deshalb versagt, weil er der heißeste ist— das ist ja die besondere Schäbigkeit dieses Ein- spruches—> versteht wohl jeder, dem die schlvarzgclbe Herr- lichkeit nicht den Kopf vernagelt hat. Aber kann es so sein, daß mn des verwegenen Uebermutes der schwarzgelben Kamarilla, wegen der Hoffart der geehrten Habsburger, die anscheinend noch glauben, daß die zivilisierte Welt keine anderen Sorgen als ihre Einbildungen und Verstiegenheitcn habe, ganz Europa in Brand gesetzt werden dürfe?. Ist es denkbar, daß die für da3 Deutsche Reich Verantwortlichen Männer diese Politik des Aberwitzes mitmachen wollen? Das zu erfahren h a t d a s d e u t s ch e V o l k e i n R e ch t. Es ist eine wahre Schande, daß in diesem schwereil Augenblick, der über den Krieg in Europa entscheidet, der Reichstag nicht versanunelt ist. Aber das erste Wort, wenn er zusanimentritt, wird die Frage an den Reichskanzler sein, ob es wirklich wahr ist, wie es die offiziösen Kulis in Wien versichern, daß Deutsch- land das Blut seiner Bürger den Eitelkeitsbedürfnissen der Wiener Herren zur Verfügung stellen will, muß die deutliche klare Antwort ves Reichstages sein, daß das deutsche Volk den Frieden unter allen Umständen ,v i l l u n d e s m i t der l e i d e n s ch a f t l i ch st e n E n t- r ü st u n g ablehnt, s wh für die Prestigebedürf- nisse des Herril Franz Ferdinand zur Schlachtbank führen zu lassen. ♦ ♦ Abenteuerlich und gefährlich! In den letzten Tagen war der italienische Min j st e r des A e u ß e r n in Berlin und über die Ergebnisse dieses Besuches wird offiziell mitgeteilt: Der diesmalige Besuch des italienischen Ministers der a»S- wältigen Angelegenheiten Marquis di San Giuliano, der ja kein Unbekannter in Berlin ist, dessen persönliche und freund- schastliche Beziehungen zu den.maßgebenden Berliner Persönlich- keiten allen Aussprachen den Charakter rückhaltsloser gegenseitiger Offenheit gaben, hat zu einer völligen jtlärung über das gemein- schaftliche Verhalten Italiens und Deutschlands namentlich angesichts der gegenwärtigen Lage im Orient geführt. Tie Besprechungen über die Lage, bei denen vor allem den tatsächlichen Ereignissen Rechnung getragen wurde, und denen wiederholt auch der österreich- ungarische Botschafter beiwohnte, haben volle Uebcrcinstimmuttg zwischen den Uerbündeten Negicningen ergeben, insonderheit dahin, daß sie nicht gewillt sind, sicki in die Ent- wickelung der Dinge im Orient einzumischen, so lange sie nicht von den Nächstinteressierten darum ersucht oder ihre speziellen und d i r e k t c n Fir t e r c s s e n d u r ch i r g e n d tv e l ch e E r- r i g n i s s e berührt werden. Da? einmütige Jus ammengehen Die letzte VerteidigunqssfB//unq der Türken in den Tschate/c/scfia/inik der Bcrbiindctcn erleichtert ihnen die stete herzliche und freund- schaftliche Fühlungnahme auch mit den anderen Mächten, mit denen sie einzeln und zusammen in dauerndem Gedanken- cuStausch stehen. Diese Verlautbarung ist geeignet, die stärkste Beunruhigung hervorzurufen und den stärksten Widerspruch des deutschen Volkes auszulösen. Die deutsche Regierung stellt sich, wozu sie der Dreibundsvertrag durchaus nicht verpflichttt, in den Dienst der ö st crreichi scheu Politik und unterstützt die freche Friedens st örung, die vom Habsburger Reich ausgeht. Die Autono niie Albaniens, die Oester- reich und Italien fordern, ividcrspricht durchaus allen deutschen Interessen. Ein selbständiges Albanien muß der Herd beständiger Unruhen und Verwickelungen werden. Es würde eilt beständiges Angriffsobjekt für die anderen angrenzenden Balkanstnatcn bilden. Es bedeutete aber auch, daß in absehbarer Zeit der Streit tim die Herrschaft über Albanien zwischen Oesterreich und Italien zum Austrug kommen müßte. Wie die schleSlvig- holsteinische Frage den Ausgangspunkt des Krieges zwischen Deutschland und Oesterreich gebildet hat, so würde Albanien in Zukunft die Veranlassung zum Konflikt zwischen Italien und Oesterreich geben, die nur solange verbündet bleiben würden, als es gilt, Albanien vor den Zugriffen einer dritten Macht zu schützen. I st e s nicht wahnsinnig, daß Deutschland Oesterreich helfen will, einen solchen n c il e n K r i s c n h e r d zu schaffen? Wir haben alles Interesse daran, mit den künftigen Herren des Balkans in den besten Beziehungen zu leben, uns durch gute Handelsverträge einen Anteil an ihrer Wirt- schaftlichen Entwickelung zu sichern. Welches Interesse aber haben wir daran, den siegreichen Staaten in den Arm zu fallen, ihnen als Feind entgegenzutreten, die Liquidierung der Orientfragc zu hindern? Hat ivirklich die romantische Nibelungentreue die Köpfe unserer Herrschenden so verwirrt, daß sie deutsches Gut und Blut einsetzen wollen für die Hausmachtintcrcsscu einer fremden Dynastie? ES ist eine abenteuerliche und gefährliche Politik, die die deutsche Regierung da anscheinend treiben will. Sic beschließt über diese Politik- völlig absolutistisch und wenn der Reichstag endlich zusammentreten wird, wird er vor vollendete Tatsachen gestellt sein, wird vielleicht großes Unglück schon angerichtet sein, lind außerhalv der Sozialdemokratie gibt es in Teutschland überhaupt keine Kritik der aus- wiirtigen Politik! Die brave liberale Presse bringt Nachrichten über Nachrichten, ihre Mitarbeiter und Kor- rcspondcnten holen sich auf den Korridoren der aus- wältigen Ministerien ihre Informationen, aber selbständige Stellungnahme und Kritik wird man in den Spalten der deutschen Presse vergebens suchen. Die deutsche Regierung läßt sich von Oesterreich in ein unabsehbares Abenteuer per- stricken und die deutsche Presse findet kein Wort der Kritik! Um so schärfer muß die Sozialdemokratie ihre Parole immer wieder wiederholen: der Balkan den Balkan- Völkern! Jede Einmischung. Deutschlands ist ein Ver- brechen! Die deutsche Politik muß sein: strikteste Neutralität! ** « Die internationale Hbwebraktion. Paris, 8. November.(Privattelcgramm des„Vor- wärts".) Tic Vcrwaltungskommission der sozickldemokrati- scheu Partei sowie die Fraktion akzeptieren den von dem Vor- stand der deutschen Sozialdemokratie gemachten Borschlag, den Internationalen Soziali st cnkongrcß bereits am 24. November in Basel abzuhalten, ebenso den Vorschlug des Internationalen Bureaus, am 17. November in allen größeren Städten Massenmeetings mit ans- ländischen Rednern zu veranstalten. Ter Parteitag der französischen Sozialdemokratie findet am 21. November statt. Jaurbs schreibt heute in der„Humanitä", daß die al- banischc Frage nicht eine Rrchtssragr, sondern eine Machtfrage sei. Weder d,c verbündeten Bnlkanstaatcn haben ein Anrecht auf Albanien, noch haben Oesterreich und Italien Anspruch darauf, unter dem Vorwand der Autonomie albani- ich es Gebiet sich anzueignen. Tic Gefahr ist ernst. Wir haben uns jedes Alarmschlagcns zu enthalten, sind aber ver- pflichtet, zu sagen, daß Europa jetzt an die gefährlichste Stelle des Konflikts kommt. Darum begrüßen wir die Beschlüsse, die Einberufung des Internationalen Kongresses zu be- schleunigen� und Manifestationen stattfinden zu lasse». Tie Arbeiter Frankreichs werden diesen Protesten durch ihre Manifestationen die nötige Kraft verleihen. Ernste Auffassung in London. London, 8. November.(P r i v a t t c l c g r a m m des „Vorwärts".) Man betrachtet hier allgemein die inter- nationale Lage als im höchsten Grade gefährlich. Die öffentliche Meinung schwankt zwischen der Furcht vor der E r- obcrung Konst antin vpcls durch die Bulgaren und dem bangen Gefühl, das die ö st e r r c i ch i s ch c n Ansprüche hervorgerufen haben. Tic„Times" drücken die Hoffnung aus, daß sich die Bulgaren im letzten Augenblick noch besinnen und nicht in Konstaiitinopcl einziehen werden. In ähnlichem Sinuc schreibt der „Standard". Der„Daily Chronicle" hingegen meint, daß die Besetzung Konstantinopels durch die Bulgaren die stratc- gischc Stellung des Balkanbundcs und der Trivelcntente gegenüber dem Dreibund ungeheuer verstärken ivcrde. Beunruhigend wirkte heute die Meldung des Korrespondenten der„Daily Mail" ans Bukarest, wonach Adrianopel schon am Dienstag gefallen ist. Der Korrespondent mußte von Sofia nach Bukarest reisen, um zu telegraphieren. Er berichtet, die Nach- richt Ivcrde von den Bulgaren zurückgehalten. damit die Mächte nicht eher intervenieren, als bis Kon- stantinopcl erstürmt sei. Die Bulgaren seien cnt- schlössen, die Hauptstadt der Türkei zu be» setze n. Das Gerede der österreichischen Imperialisten von wirtschaftlichen Konzessionen auf dem Balkan hat in industriellen Kreisen Beunruhigung hervorgerufen. Die Türkei 'Ii der beste Kunde der englischen Textilindustrie in Europa. Der Manchester„Courier" verlangt von der Regierung, daß sie als Kernpunkt der englischen Balkanpolitik den Grundsatz proklamiere, daß keinem k o n t i n c n t a l e n R i v a l c n eine bevorzugte Stellung auf dem Balkan ein- geräumt werden dürfe. Direkte Vcrhandlnngrn mit der Türkei. Sofia, 8. November. lPrivattelegramm des.Vorwärts".) In leitenden Kreisen ist man hier der Slnsicht, daß die Türkei den Frieden wolle: aber sie müsse sich nicht an die europäischen Großmächte, sondern an die Sieger wenden. Europa wolle sich nicht länger durch Unterstützung der Balkanwirren blamieren. Die Türkei müsse verstehen lernen, ihre Rettung in einer Annäherung an die Balkan st aatcn zu suchen, womit auch die Vernichtung der europäischen Vormundschaft verbunden wäre, die auch die klein asiatischen Besitzungen der Türkei zu einem Aegypten zu machen droht. Der Balkanbund wird das durch seine Waffen Eroberte nicht zurückgeben. Die bulgarische» Pläne. London, 8. November. DaS Rcutersche Bureau läßt sich melden, Bulgarien habe k e i n c r l e i A b s i ch t, nach d c m K r i c g e in Kon stantinopcl zu bleiben. Tie Albaner. Wien, S. November. Die„Neue Freie Presse" veröffentlich: ein Jntervielv mit dem in Wien weilenden Alban esc nführcr JSinail Kemal, der erklärte, die jetzigen Eroberer könnten keine schwerere Sünde begehen, als wenn sie sich auf Kosten der Albanesen bereichern wollten. Niemals würden die Albancscn sich in ein solche? Schicksal fügen. Europa werde die Segnungen des Frieden? nicht genießen können, wenn Albanien zerstückelt werde. Wenn die von den Balkanstaaten eroberten Gebiete fortan ganz unabhängig von der Türkei werden sollten, so müsse auch Albanien unabhängig werden. Albanien werde tcn Ehrgeiz haben, ein zivilisierter Staat zu sein und, da die Albanesen ein gutes Verbältiiis zu Serbien wünschten, werde Serbien in der Lage sein, sich der albanesischen Häsen für seinen Handel zu bediene». Die Malissoren kämpften gegen die Türkei, aber nicht für Montenegro, sondern für die Unabhängigkeit Albaniens. Albanien wolle in gutem Verhältnis zu Oesterreich« Ungarn und Italien stehen, um von beiden Staaten kulturell und Wirtschaft- lich gefördert zu werden. Ein kleiner Staat bedürfe der Anlehtiüiig au große Staaten: es sei klar, daß diese Anlehnung an die beiden verbündeten Adria st aaten sich von selbst er- geben werde. Von einem selbständigen Albanien werde eine große Nachbarmonarckrie nur profilieren können. Serbien bcharrt auf sciuer Forderung. Paris, 8. November. Ter-ffizwsc«Petit Parisien" meldet. der hiesige serbische Gesandte habe gestern dem PUnister- Präsidenten PoincarZ mitgeteilt, daß Serbien einen Zu- gang zum A d r i a t i s ch e n Meer erlangen und z» diesem Zweck einige Häfen, darunter Turozzo und San Giovanni di Mcdua, sich aneignen wolle. Russische Umtriebe in Armenien. Petersburg, 8. November. Wie die„Nowojc Wrcnija" meldet, ist hier ein Abgesandter des armenischen Katholikos mit einem besonderen Auftrag an die Mi- nistcr Kokowzow und Ssasonow eingetroffen. Einem Inter- Viewer schilderte er die gefährliche Lage der Ar- menier in der Türkei und sprach die Hoffnung� auf Unter st ützung der armenischen Interessen durch Rußland aus. * vie vulgaren vor Äer�chatalölcha-Linse. Es liegt noch keine Nachricht darüber Vor. ob di- zersprengten Artncekorps der türkischen Ostarmee hinter die Be- sestigunaen der Tschataldscha-Linie gelangt sind. Bei der vollständigen Auflösung der Armee werden kaum noch größere taktische Einheiten vorhanden sein, mit denen eine geschlossene und einheitliche Kampfcsstcllung auf dieser Linie eingenommen werden kann. Tie alles andere als militärisch wertvollen und zuverlässigen RcdiftruPPcn. die man in den letzten Tagen von Konstantinopel aus in diese sich auf 4b bis 50 Kilo mctcr erstreckende Linie gesandt hat. reichen weder zur Verteidigung ans noch können sie dem Chaos von Ariiiectrümmern als Rückgrat dienen. Dazu kommt, daß die Vcrwahrloftmg der Befestigungen sich nicht in wenigen
Tagen wieder gut machen ließ. Ebenso wenig kann der Appell, der jetzt in Konstantinopel an das Volk gerichtet wird, ein irgend wie ernst zu nehmendes Freilvilligeukorps auf die Beine bringen. Auch die Unterstützung der Flotte, die im Schwarzen wie in Marmara-Meere die Flankendeckung der Tschataldscha-Linie übernehmen soll, kann nicht ins Gewicht fallen. Der Kampf um diese Position ist also nur noch ein Verzweiflungsakt der Türken, bei den: noch Ströme von Blut fließen werden, der aber Konstantinopel nicht vor dem Anmarsch des Feindes schützen kann. Die letzte Möglich- keit, den Ausgang des Krieges noch zugunsten der Türkei zu beeinflussen, konnte darin bestehen, mit allen zurBerfügung stehen- den Kräften einen Vorstoß im Maritzn-Tale zu �machen und Adrianopel zu einsetzen; aber diese Möglichkeit ist für immer dahin. Die Bulgaren sind ini Norden wie im Süden in nächste Nähe der türkischen Verteidigungslinie gelangt. Die Mel- düngen, daß sie diese schon genommen hätten, sind wohl vcr- früht. Mit einem Schlage werden sie überhaupt nicht zu Herren der langgestreckten Fortkette werden. Wohl aber können sie diese an verschiedenen Punkten durchbrechen und den Kampf in eine ganze Anzahl Unizingelungs- und Einzelgefechte auflösen. Das würde ihren Vormarsch auf Kon- stantinopel etwas verzögern aber nicht aufhalten. Die heute vorliegenden Meldungen über die Kapitulation Adrianopels sowie über das Eindringen der Griechen in Saloniki bedürfen noch der Bestisiigung. OeftUcber Kncgefchauplatz. Der bulgarische Vorstoß. Wien, 7. November. Ter Kriegsberichterstatter der„Reichs- Post" meldet aus dem bulgarischen Hauptquartier vom 7. November 1!hr vormittags: lieber Anläge und Durchführung des Angriffs der bulgarischen Hauptarmes auf der Linie von T f ch a t a l d f ch a erfahre ich aus dem großen Hauptquartier folgendes: Nach der dreitägigen Schlacht von LiWc Burgas-Bunar- bissar-Wisa und nach zweitägigen Kämpfen, die nach eintägiger Pause infolge neuer türkischer Vorstöße unter bulgarischer Gegen- offensive auf dein westlichen Flügel bei Wisa neu entbrannten, rückte die den linken Flügel der bulgarischen Schlachtfront bildende dritte Armee mit starken Kolonnen von Saraj und Sultanbagetsch auf Strandza vor, um den südlich stehenden türkischen Kräften den Rückzug hinter die Tschatcrldschalinie abzuschneiden. Gleichzeitig ging im Zentrum und auf dem rechten Flügel die erste Armee, bei der neuerlich Verstärkungen von den bei Adrianopel frei gewordenen Truppen eingetroffen loaren, in mehreren Kolonnen längs der Bahn und mit einer südlichen Umgchungskolonne über Tschajrum zum Angriff gegen die türkische Armee vor, die in einer starken und befestigten Position bei Tschcrkcsköj zur Deckung des Rückzuges auf Tschataldscha Stellung genomnwn hatte. Die erbitterten Kämpfe j'm diese Position dauerten den ganzen T, 4. und 5. No- pember. Die Türken kämpften unter" dem Oberbefehl Nasim Paschas mit weit größerer Hartnäckigkeit, als nach ihrem flucht- artigen Rückzüge nach der letzten Schlacht erwartet wurde. Als die bulgarische Ilmgehnngskolonne von Süden her fühlbar wurde, un- tcrnahmen die Türken mit starken Kräften einen verzweifelten Vor- stoß von Capakli-Bunar gegen Uzun-Hadschi, um das bulgarische Zentruni zu durchbrechen. Dieser Angriss brach in dem Feuer der bulgarischen Infanterie und Artillerie vollständig nixdcr. Gleichzeitig ging überdies die dritte bulgarische Armee aus dem Räume westlich Strandza gegen das nördlich von Jeniköj befindliche rechte Zentrum der Türken zum entscheidenden Angriff vor und warf diese auf Tschcrkcsköj zurück. Dies verwandelte das Scheitern dcS türkischen Angriffs auf Uzün-Hadschi in eine vollständige Kata- strophc. Die hier vorgehende Division wurde fast gänzlich ver- nichtet. Die unmittelbare Folge der Vernichtung des rechten tiir- fischen Zentrums war der sofortige Rückzug der ganzen noch in starker Stellung bcfmdlickje» südlichen Schlachtfront der Türken. Dieser Rückzug, der am Vormittag des ö. November angetreten wurde, führte im allgemeinen längs der Bahnlinie auf Kinekli, während der äußerste linke Flügel über ckanta zurückging. Das kräftige Nachdrängen der bulgarischen ersten Armee und speziell das Vorgehen der südlichen Umgehungskolonnen verwandelte den anfangs geordneten Rückzug der Türken in eine regellose Flucht. Ein Versuch Nasiin Paschas, die Verfolgung der Buk- garen an der Nachhuistellung bei Srjmen aufzuhalten, endete am Abend mit dein vollständigen Debacle der hierzu verwendeten letz- tcn türkischen Reserven, die den» bulgarischen Bajonettangriff nicht Stand zu halten vermochten. Und von da wandten sich die türti- scheu Massen in haltloser Flucht gegen Tschataldscha, von den bul- garischen Truppen mit großem Nachdruck verfolgt. Das zweite große Resultat des entscheidenden Vorstoßes der dritten Armee auf Jeniköj war die vollständige Abdrängung des rechten türkischen Flügels vom Gros der türkischen Armee. Dieser Flügel wurde durch den Angriff der dritten Armee von den Höhen östlich Strandza in das Waldgebiet am Dcrkossee geworfen und seine Verbindung mit dem gleichfalls geschlagenen Zentrum durch das Vorgehen bul- g-arischer Kolonnen südlich des Strandzadere-Flusfes unterbrochen. Unter energischer Fort'ctzung der Verfolgung gruppierte sich nun die dritte Armee für den unmittelbaren Angriff auf den nörd- lichen�Flügel der Tschataldscha-Position im Räume Bclgrad-Tschift- lilöj-Tarsa und Kalsaljöj-Akalan mit den Angrisssdireltivcn über Lazarsköf und Tschiftlik-Hadziomer auf D e l i j u n u s und über zwei andere Orte auf die Positionen westlich Sujanli und Jasöjicn, eine andere Kolonne wurde a»f Derkos angesetzt. Tie erste Armee führte den Angriff aus dem Räume Kabaktschaköj-Avren mit einer starken südlich dcs Schejtan beiderseits von Tsckataldscha gegen Slkbunar. Eine südliche Kolonne geht über Jenidzchristijan und eine äußerste Flügclkolanne in der Richtung Büjui Tschekmedze vor. Gestern sind bereits die Vortruppon der dritten Armee unter be- ständigen Kämpfen bis in die Linie Tarfa-Knlsaköj vorgedrungen. Heute früh l?abcn die Teten der ersten Armee die türkischen Truppen von den Höhe» bei Tschataldscha herabgcworfen. Der Kampf ist bereits auf der ganzen Linie entbrannt. Tie Vulgären gehen auch in diesem Kampfe mit großem Man vor. Eine zweite Depesche ans de!» Hauptquartier von 2 Uhr»ach- mittaqs besagt: Eben erfahre ick-, daß die südlich des Derfosiees vorgehende Kolonne der dritten Armee die Positionen von Deli- j u n u s, deii rechten Flügel der türki'chen Stellung, genommen hat und daß auch die südlich vorgehenden Kolonnen der ersten Ar- mee im siegreichen Vordringen sind. Der Kriegsberichterstatter der..Reichspost" meldet weiter aus dem bnlaarischen Hnuplquariier unter dem 7. November Uhr abends: Die von der dritten Armee genommenen Stellungen dcs rechten türkischen Flügels bei Telijunus bilden ausgezeichnete Stütz- punkte für die Wetterführung des Angriffes. Auch auf den süd- Iichen Linien find die bulgarischen Truppen bereits in die türkische Hauptstcllung von Tschataldscha eingedrungen. In und um Adrianopcl. Sofia, 8. November. In N d r i a n o p c I richtet der Typhus unter der Besatzung große Verheeriiilgen an. Mehrere tausend Manns in d' s ch o n t y p h u S k r a n k. Die Be- satznng der Festung wird trotz vieler Verluste noch auf 40 000 bis 50000 Mann geschätzt. Einzelne Stellungen der Türken sind sehr stark. Hunger und Krankheit setzen der Vesatziliig mehr zu als der Feind. Das Kommando der bul« garischeu Belageriingstriippeil beabsichtigt knuc forcierte Er- oberuug der Festung, richtet vielmehr ihr Augeunierk auf eine lückenlose E i it s ch l i o ß n n g. Die Pourparlcrs wegen der llebergabe Adrianopels sollen bereits eingeleitet fein. Eine türkische Darstellung. Koustantinopel, 8. November. In einem offiziellen Tele- gramm des Walis von Ndrinopel vom 6. November werden die Kämpfe in der Zone um Adrianopel folgendermaßen dar- gestellt: Am 22. und 23. Oktober griffen Abteilungen der Ädrianopeler Garnison die Positionen auf der Linie Jnssiif- Tauschan— Korudscha an. Der Kampf endete erfolgreich. Am 22. Oktober griff der Feind den Sektor Marasch, nordivestlich der Fortifikation von Adrianopcl an. Infolge des außer- ordentlich tapferen Widerstandes der ottomanischen Truppen war der Kampf sehr blutig: der Angriff des Feindes wurde zurückgeschlagen und seine Annäherung an den Sektor verhindert. Am 29. Oktober wurde ein Ausfall unternommen, der dem Feinde große Verluste beibrachte. Im Sektor von Marasch kam es abermals zu einem blutigen Kampf. Der Feind wurde zwei bis drei Kilometer weit zurückgetrieben. Am 5. November brachten wir dem Feinde abermals beträcht- liche Verluste bei. Maßregelung des Chefs der türkischen Ostarmee. Konsiantinopel, S, November. Der Kommandeur der Ostarmee, Abdullah Pascha, der gestern hier eintraf, ist vom Kommando enthoben ivorden. "Das Panzerschiff„Messudie" ist aus dem Goldenen Horn aus- gelaufen. Wie verlautet, soll sich die t ü r k i s ch- Flotte längs der Küste des Marmara- und deS Schwarzen McereZ aufstellen, um die türkischen Truppen in der Verteidigung der Tschataldscha- Linie zu unterstützen. Die Verwirrung io Konstantinopel. Konstnntinopel, 7. November, abends 8 Uhr. Die Blätter werden morgen von der Negierring inspirierte Artikel bringen, in denen die Bevölkerung von Konstantinopel aufgefordert wird. F r c i>v i l l i g c zu stellen und in jeder Beziehung an der Verteidigung teilzunehmen: denn die Regierung sei ent- schlössen, bis aufs Messer Widerstand zu leisten.— Der Patriarch hat die griechischen Schulen in Konstantinopel schließen lassen. Konstantinopel, 8. November. In langen Zügen treffen hier die muselmanischen Landleute aus den von den Bulgaren bedrohten Gegenden ein. Stambul ist voll von einer laugen Reihe von Karren, auf denen Frauen und Kinder, Dienst- boten und Tiere in bejammernswertem Zustande kauern. Was sie an Hausrat mit sich führen konnten, haben sie bei sich. Die meisten von ihnen sind auf dem Wege nach Asien. Zahlreiche Freiwillige, Kurden, Lasen u n d T s ch c r k e s s e n, sind nach der Tschataldscha-Linie abgegangen, deren Befestigungen weiter verstärkt werden." Ein verzweifelter Appell. Konstantinopel, 8. November. Fast alle türkischen Blätter veröffentlichen in bewegten Worten einen p a t r i o t i- scheu Aufruf, in dem alle Ottomanen aufgefordert werden, an der Verteidigung der Hauptstadt mitzuwirken. „Jeni Gazetta" schreibt:„Der Sitz des Kalifats der islamiti- scheu Welt ist in Gefahr, der Sultan und das gesamte kaiser- liche Haus haben geschworen, ihr Leben zu opfern. Europa kann alle Verträge zerreißen, wir aber können weder den Koran noch die türkische Geschichte zerreißen. Der Großwesir, die Minister, die Armee und die Nation haben geschworen, ihren letzten Blutstropfen zu ver- gießen." Weiterhin fordert daS Blatt die Ottomanen auf. die Gefahr eines bulgarischen Einzuges in Konstantinopel und einer Wiederaufrichtnng des Kreuzes in der Sophien- kirche zu beschwören. Die Blätter fordern alle außer Dienst befindlichen Offiziere auf, den aktiven Dienst wieder auf- zunchmeii, und alle Einwohner, sich als Freiwillige ein- schreiben zu lassen, selbst als Krankenpfleger oder bei einem anderen Hilfsdienst. Die gesamte Presse fordert die Negierung auf, im Widerstand zu beharren, um die militärische Ehre der Türkei zu retten und den Einzug der Bulgaren in Konstantinopel zu verhindern.„Tanin" glaubt, daß es selbst hinter der Tschataldscha möglich fein würde, eine dritte Verteidigungs- linie zu bilden, nämlich die Linie San � Stefano— Tfchek- medjc— Kiathäne. Tie ganze Einwohnerschäst von Konstanti- nopel solle helfen, Verteidigungswerke aufzubauen, die mit Kanonen armiert werden sollen. Ein nationales Verteidi- gungskorpS müßte organisiert werden. Vorher hätten alle gesagt, daß sie ihr Blut vergießen wollten, warum— so frägt der„Tanin"— gehen wir jetzt in den Straßen von Stambul spazieren, ohne etwas zu tun. Alle müssen kämpfen, denn es ist wahrscheinlich, daß dies der letzte Kriegs st, den wir in Europa führe n. Der Araberfnhrer Jzureschid richtete an den Großwesir einen Brief, in dem es heißt, daß die Araber bereit sind, der Türkei 500 000 Mann zu Pferde oder auf Kamelen zur Verfügung zu stellen. Bulgarische Verwaltung i» dem eroberten Gebiete. Sofia, 7. November. Das Miiiistcriiim deS Innern hat die ncuernannten Nuterpräfeften von Mustapha Pascha, Kirdschali, Klrkkiliffe, Mitlko Tirnowo, Görna Dschumaja, Liilo BurqnS, Baba ESk!, Wisa, Wnsfiliko und Kölsch cm i beauftragt, im Hinblick auf hie biniHtt kurzem zu qcwärtigeubcn G e m c i n d c w n h l e n Matrikel anzulegen. Der BcrwaltmigSrnt der bulgarischen Land- w i r t s ch a f t s b a» k bereitet die Bestcllniig von Agenten für die genannten Orte vor, in» der durch de» Krieg gcschiidigtcu Bevölkerung rasch und ivirksam zu Hilfe zu kommen. Die Post- und Tele- g r a p h e n d i r c k t i o n hat bereits das Dienstpersonal für die neuen Grblclc ernannt. Meftlicbei' Knegöfcbauplatz. Saloniki von den Griechen besetzt! Paris, 8. November. Ter Spczialkorrcspondent der „Agence Havas" meldet nm 6 Uhr 30 Minuten ans Athen: Die Griechen haben heilte mittag Saloniki besetzt, die Straßen Athens sind illuminiert. Vom montetiegnrnscben Kncgarcbauplatze. Die Belagerung von Skutari. Njeka, 8. November. Die letzten Vorbereitungen für den Hauptangriff gegen Skutari sind beendet. Trotz dcS achttägigen Regenwetters sind Geschütze, Munition und Lebensmittel eifrig nach dem Operationsgebiet geschafft worden. Auch die Artillerie ist in den besten Angriffs- stellungen untergebracht worden. In den letzten Tagen fanden an der Vojana und am Drin kleine Gefechte unter erheblichen beiderseitigen Verlusten statt. Amerikanische Kriegsschiffe. Wasliington, 8. Noveni�er. Die Panzerkreuzer„Tenessee" und„Montana" werden innerhalb 2-1 Stunden zum Schutz der Amerikaner nach den türkischen Gewässern abgehen und werden am 25. November in Konstantinopel eintreffen. Nie„ilttenilomSäie" vor Gericht. Das preußische Ab geo rd n etcn'hcm S stellte Strafantrag wegen unseres ArbikelS in der Nummer vom 8. April:„Eine reaktionäre Affenkomödie", der das empörende Verhalten der Mehrheit des HaustS geißelte. Gestern hatte sich deshalb unser verantwortlicher Redakteur vor der Strafkammer zu verantworten. Die Verhand- lung, über die Wir an anderer Stelle ausführlich berichten, endete nicht mit einem mit Sicherheit erwarteten Freispruch, sondern mit einer Verurteilung zu einer Geldstrafe von LOO Mark. Das Gericht gelangte zu dem Urteil durch die irrige Annahme, daß der Ausdruck „Tollhaus" in jenem Artiikel auf das Mgcovdnetenhaus als ganAes in feiner staatsrechtlichen Stellung und nicht lediglich auf das Ge- baren einer Reihe von Abgeordneten sich bezogen habe. Und doch schließt der Artikel in seiner Gesamtheit, wie die Verteidiger in prächtigen Darlegungen bewiesen, eine andere Deutung aus. Das unaufrichtige, rücksichtslose und empörende Verhalten einer Reihe bürgerlicher Abgeordneter gegen unsere Genossen im Landtag war in dem Artikel in einer durchaus abfälligen, aber ebenso zutreffen- den Weise kritisiert. Mit Glacehandschuhen wurden die Herren freilich nicht angefaßt.„Im Deutschen lügt man, wenn man Höf- lich ist." Die„SechSdreierentrüstungskomödie", in der sich die Herren gefielen, indem sie Liebknechts und StröbelS Aeußerungen über das heutige preußische System zu Beleidigungen des pveu- ßischen Volkes uinfälschten, erforderten eine klare, unzweideutige Zurückweisung. Der Einfluß jener Herren im Landtag reichte aber aus� uni die Mehrheit des Hauses zu einem Antrag auf Straf- Verfolgung wogen fornialer Beleidigung zu bewegen. Das Urteil mußte nach dem Lauf der Verhandlung anerkennen� daß die Worte„Assenkomödie",„Junkerparlament" und„GelÄsacks- Parlament" sich nicht auf das Abgeordnetenhaus in seiner staats- rechtlichen Stellung beziehen konnten. Wenn es in dem Worte„Toll- haus" eine LandtagSbeleidigung erblickte und den Ausdruck mit einer hohen Strafe sühnen zu müssen glaubto, so erwarten wir eine Korrektur de? Fehlspruchs vom Reichsgericht. Aber mag die letzte Instanz ein Urteil fällen, welches es will— die gestrige Verhandlung hat das Verhalten der führenden Herren im preußischen Parlament, ihre Abneigung gegen die eliementarsten Forderungen dev Gefetze dcS AnstandS und der Gerechtigkeit in einer Weise beleuchtet, die eine allgemeine scharfe Verurteilung des Verhaltens dieser Abgeordneten zur Folge haben muß. Das war herzerfrischend. Und so haben wir allen Anlaß, den Urhebern des StraslMtrageS gegen den„Vorwärts" unseren innigsten! Dank und nicht minder inniges Beileid auszusprechen. Sie Teuerung. Protestversamiiilungen. Im Wahlkreise Ziillichan-Krossen protestierten am Sonntag etwa 600 Personen in einer Versammlung auf freiem Felde gegen Entrechtung, Krieg und Teuerung. Am Donnerstag sprach Genosse Grauer über dieses Thema in Sommerfeld. Hier hatten die Fortschrittlcr beschlossen,„an- gesichts der guten Lage der Arbeiter" über einen Teueruiigs- alltrag in der Stadtverordnetenversammlung zur Tagesordnung überzugehen._ politifcbc Oebcrlicbt. Berlin, den 8. November 1912. Sonderbare Schwerhörigkeit. Das„Verl. Tagebl." druckt unsere Bemerkung über die Bereit« Willigkeit der Sozialdemokratie zn einem freistmlig-sozialdemolratischen Wahlabkommen für die preußischen Landtagswahlen— soweit eS die selbstverständliche Gegenseitigkeit nicht vermissen läßt— ab lind erklärt, ans die sonstigen polemischen Differenzen zwischen ihm und dem„Vorwärts" nicht mehr zurückkommen zu wollen. Gut— wir legen zu allerletzt Gelvicht auf solche Geläufigkeiten. Nur daS nimmt uns Wunder, daß das„B. T." die Stellung des „Vorwärts" zu einem Stichwahlabkommen auch heute wieder für im- klar und mißverständlich zu erklären wagt, obwohl der„Vorwärts" niemals— z. V. auch nicht bei seiner Stellungnahme zu dem be« kannten Eisnerschen Vorschlag, der doch daS„B. T." feine Ausinerk- famkcit nicht versagt hat— auch nur den leisesten Zweifel darüber gelassen hat, w i e er sich ein Stichwahlabkommen mit dem Freisinn denkt. Nämlich als gegenseitige Wahlunterstützung bei der Abgeordnete ü wähl nach s e l b st ä n d i g e in Vorgehen bei der W a h l in ä n n e r w a h I. Und obwohl der Parteitag der preußi- schen Sozialdemokratie erst über die Wahltaktik beschließen wird, wird das„B. T." gut tun, die von uns bereits längst und wiederholt gekennzeichneten Bedingungen als jene Grundlagen für ein Wahlabkommen zn betrachten� von denen es für die Sozialdemokratie kein Abweichen gibt!_ Budgetberatnng in der Hamburger Bürgerschaft. Das hambnrgische Staatsbudget für lOlZ schließt, wie bereits mitgeteilt, mit einem Fehlbetrag von 9 Millionen Mark ab. In der allgemeinen Beratung dcS Budgets, die am Mittwoch in der Bürgerschaft stattfand, wicS der Finanzsenator Dr. Diestel nach, daß dieses nach sehr vorsichtiger Abschätzung berechnete Defizit sich nach der endgültigen Abrechnung voraussichtlich auf 6 Millionen ver- ringcrn würde. Seit dem Cholerajahr 1802 ist kein so großes Defizit dagewesen. Die Finanzlage de? Hamburger Staates sei trotzdem durchaus günstig. Den enorm gestiegenen Ausgaben steht eine prozental noch größere Steigerung der Einnahmen gegenüber. DaS diesjährige Defizit sei durch die Gehaltserhöhung für die Beamten entstanden, die rnnd a ch t M i l l i o n c n Mark verschlungen hat. Uni das Budget wieder ins Gleichgewicht zu bringen, werde die Bewilligung neuer Steuern in derselben Höhe notwendig sein. Doch soll die Einkominenstener, die für die mittleren Einkommen in Ham- bnrg niedriger ist als in Preußen, nicht erhöht werden. Zu der von Sozialdemokraten und Liberalen beantragten Vermögenssteuer will der Senat sich vorläufig nicht äußern. Er hofft, daß der Wirtschaft« liche Aufstieg der letzten Jahre noch weiter anhält, so daß erhöhte Einnahmen von selbst eintreten werden. Die Schuldenlast dcs Hain« burger Stadtstaates beansprucht einen jährlichen Aufwand an Zinsen und Amortisation von 3t Millionen Mark. Demgegenüber steht eine jährliche Einnahme ans investiertem StantSverniögen(Domänen und Anlagen) von 40 Millionen Mark. Auch in dieser Hinsicht sei die Finanzlage befriedigend. Die Anleihen sind im wesentlichen auf- genommen für den Bau von Hafenänlagen, Krankenanstalten. Schul« und MuseuiNSbantcn. Für das öffentliche BildungSwescii. insbesondere für Vorlesungen und Viichcrhalleii, bietet jetzt Hamburg mehr auf als irgend eine andere Stadt Deutschlands. Aus den Reden, die hierauf die fünf Hauptredner der ver» schiedenen Frakiionen znm Budget hielten, ist hervorzuheben, daß der liberale Abgeordnete Dr. V l n n ck den Senatskominissar interpellierte, ob es wahr fei. daß die Vniidesraisvcrtrcter der Hansastädte gegen daS vom Oleich geplante P e t r o l e u in m o n o p o l gestimmt hätten. Dr. Blinick warf dem Senat ferner mangelhafte AuSiiutziiNg des Staats- gruiides vor und sprach sich gegen Erhöhimg der Einkommensteuer, aber für Einführung einer Vermögenssteuer aus. Senator Diestel
erwiderte, Oder da? Petroleummonopol könne er fich öffentlich nicht näher äußern; daß die Hansastädte gegen derartige Staatsmonopole stimmen müßten, sei selbstverständlich. Demgegenüber wies der sostaldemolratische Fraktionsredner, Genosse Stalten auf die Ge- fährlichkeit eines Halbmonopols hin, bei dem gewisse Kapitalisten- cliquen die Allgemeinheil unerhört schröpfen und zugleich durch Lieferung schlechten Petroleums gesundheitlich schädigen können. Im übrigen machte Stalten noch auf zahlreiche Mängel im Budget auf- inerksam und betonte die Notwendigkeit größerer Sparsamkeit in der Verwaltung. Der Budgetentwurf wurde darauf dem Budgetausschuß über- wiesen. Kein Koalitionsrecht aber �entrumsmitgliedschaft! Die beschämende Verzichtleistung des Süddeutschen Eisenbahner- Verbandes auf sein Streikrccht paßt den Zentrumsschiebern in der christlichen Gewerkschaftsbewegung gar nicht. Noch vor kurzem ließ sich die Agitation um die indifferenten Eisenbahner so angenehm treiben, es wurde einfach verlangt— so tat es der Zentrums- abgeordnete Held und machten' es auch andere— daß nicht geduldet werden dürfe, Staatsbeamte oder StaalSarbeiter in einer sozialdemokratischen Organisation zu lassen. Der Streikverzicht der Süddeutschen Eisenbahner hat die baye- rischen Zentrumsleute vor eine ganz neue Situation ge- stellt. Erst mußten die christlichen Eisenbahner vor, um das neue Terrain zu sondieren. Einer der beschämendsten Bkumente des kürzlich in Dresden statigefundenen Gewcrkschaftskongreffes war es, einen christlich organisierten Eisenbahner über den Süddeutschen Eisen- bahnervcrband und den Deutschen Militärarbeiterverband herfallen zu hören uno zwar gerade dann, als ein Vertreter des sächsischen Eiscnbahnministeriums Zeit gefunden hatte, den Kongreß durch seine Anwesenheit auf eine halbe Stunde glücklich zu machen. Dein Zentrum ist aber das altgewohnte Schimpfen auf die sozial- demokratischen Staatsarbeiterorganisationen nicht wirksam genug, zumal jetzt, nachdem der sogenannte sozialdemokratische Süddeutsche Eisenbahnerverband aus sein Streikrecht beschämenderlveise verzichtet hat. Die„Germania", das Organ der„Hertlinge", bringt deswegen aus München in seiner gestrigen Nunrmer eine duminschlaue neue Forderung, sie lautet: Solange entweder die sozialistische Partei nicht die Zugehörigkeit zu einer Organisation verbietet, die cnien von ihr selbst als vital angesprochenen Grundsatz verleugnet und damit„Verrat an den Interessen der Arbeiterklasse begeht", oder jene Organisation nicht die Mitgliedschaft zu einer Partei, die nach der eigenen Erklärung der Organisation ein rechtswidriges Verlangen stellt, für unvereinbar mit der Zugehörigkeit zu dem auf dem NechtSbodcn stehenden Verband ausspricht, so lange kann die„formelle" Er- klärung des Verbandes auch nicht die gering st e Glaub- Würdigkeit beanspruchen. Solange nicht der Beweis erbracht ist, daß weder die Partei an der Existenz des Verbandes, noch der Verband an der Agitationskrast der Partei ein Interesse hat, so lange ist nur das eine klar, daß sich Partei wie Verband im Notfall auch mit Zwirnsfäden behelfen. Das könnte dem Zentrumsgesindel so passen, daß der- blendeten Arbeitern, die sich ihres stärksten wirtschaftlichen Schutzmittels freiwillig begeben, auch noch die letzte Hoffnung, in der Sozialdemokratie doch immer wieder die Interessen der Arbeiter vertreten zu sehen, genommen wird. Müssen wir ja auch oft genug für die christlich organisierten Arbeiter eintreten, lvenn ihre parlamentarischen Vertreter bei wichtigsten Arbeiterforde- rangen versagen, und kämpfen wir doch auch für den letzten indifferenten Arbeiter I Das Zentrum mag nur seine Leute hin- schicken und unter den geknechteten Staatsarbsitcrn für die„Hert- lüige" agitieren, nachdem es sich jahrelang Mühe gegeben hat, den Arbeitern ihr wichtigstes Kampfmittel aus der Hand zu schlagen! folgen der Enteignungspolitik. Als Wortführer des Polenklubs sprach heute Abgeordneter Stapinski im Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten der österreichischen Delegation über die preußische P o l e n p o l i t il. Er sagte:„Eine Grundbedingung für die Unterstützung der Dreibundpolitik durch die Polen müsse die R e s p e k- tierung der Gefühle der Polen seitens des Bundes- genossen sein. Wir haben, führte Redner aus, unter den schwierigsten Verhältnissen trotz preußischer Ausnahmegesetze die Bündnispolitik mit Deutschland aus StaatSrücksichten loyal unter- stützt. Wir können dies aber nicht weiter tun, wenn durch drakonische Gewaltmaßregeln seitens der Regierung des Bundes- genossen unsere ganze öffentliche Meinung aufs tiefste in ihren heilig st en Gefühlen verletzt würde. Wir hatten Grund zu glauben, daß wir nicht in die Zwangslage versetzt würden, gegen die Bündnispolitik mit Deutschland auszutreten. Es ist uns ganz unerklärlich, daß die Festigung und Sicherung des Bündnisverhältniffes keinen größeren Wert darstellen sollte, als die Vertreibung einiger polnischer Gutsbesitzer von der heimatlichen Scholle. Mit dem größten Nachdrucke müssen wir unserem Auswärtigen Amte nahelegen, daß die auswärtige Politik ohne Zustimmung der österreichischen Slawen auf die Dauer nicht geführt werden kann." Ob diese Ausführungen bei den tzakatisten und ihren Gönnern etwas nützen wird, steht freilich dahin. Ein Meineidiger und die bürgerliche Preffe. Von dem Stader Schwurgericht wurde am Dienstag ein Arbeits- williger namens Sänger wegen fahrlässiger Eidesverletzung zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt. Sänger war bei einem Streik auf der Oelfabrik Teutonia in Harburg mitausständig, fiel aber nach zwei Tagen um und wurde Arbeitswilliger. Von Streikenden will er deshalb belästigt und von einem sogar mit einem Gummiknüppel geschlagen worden sein. Der Täter erhielt dafür vier Monat Gefängnis. In jenem Prozeß verschwieg nun Sänger als Zeuge trotz dringlicher Verwarnung auf Befragen des Verteidigers, daß er wegen Unterschlagung mit eiuer Geldstrafe von 60 Mark vorbestraft war. Deshalb erhielt er jetzt die sechs Wochen zudiktiert. Der Staatsanwalt hatte sechs Monat Gefängnis beantragt. Die bürgerliche Presse nimmt sich bereits liebevoll dieses Falles an, um der Sozialdemokratie eins am Zeuge zu flicken. So berichtet die vornehme„Weserzeitung" in Bremen in der DonnerStagmorgen erschienenen Nummer darüber unter derStichmarke: Durch sozialdemokratischen Streikterrorismus vor das Schwurgericht gebracht. Als ob die Sozial- dcmokralie, die mit dem Streik in der Oelfabrik Teutonia zu Har- bürg nicht das geringste zu tun gehabt hat, etwas dafür könnte, lvenn Streikende in begreiflicher Erregung einen Abtrünnigen unter ihnen inißhandeln. Die sozialdemokratische Preffe warnt oft genug vor Tätlichkeiten gegen Arbeitswillige, da diese nur Waffer auf die Mühle» der Scharfmacher sein würden. Wie die liberale„Weser- Zeitung", so wird auch die Reichsverbandspresse nicht versäumen, de» Fall aufzugreifen und gegen die Arbeiterbewegung auSzu- schlachten. De» Arbeiterfeinden muß auch die Tat eines Meineidige» zum besten dienen. Der fchwarz-blaue Block i» Bayern. In Augsburg, wo demnächst die Ersatzwahl für den verstorbenen Genossen Rollwagen stattzufinden hat, stellt das Zentrum keinen eigenen Kandidaten auf, sondern unterstützt die Kandidatur des Frei- louservativen Tafel.— Die Freikonservativen sind für Bayern eine Erscheinung, die nian dort bislang noch gar nicht gekannt hat. Das Zentrum glaubt hier offenbar einen besonders schlauen Schachzug zu tun. Die Liberalen haben nämlich beschlossen, unter Verzicht auf Verantw. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw. eine eigene Kandidatur, den Sozialdemokraten zu unterstützen. Nun provoziert das Zentrum, eine frcikonservative Kandidatur in der Hoffnung, damit eine Anzahl liberale Wähler von der Wahl eines Sozialdemokraten abzuhalten und damit den Wahlkreis der Sozial- demokratie zu entreißen. Wo das Zentrum die Mehrheit hat. In der Bndgetkommission des elsaß-lothringischen Landtages wurde am Freitag bei Beratung der Steuerreform über Lohn- und Besoldungssteuer vom Zentrum ein Antrag eingebracht, der eine Erhöhung der Pfarrergehälter vorsieht. Eine Er- höhung der Gehälter der Geistlichen war in der Regierungsvorlage nicht vorgesehen. Es scheint, daß sich die Klerikalen zur Unter- stüllung ihres Antrages der Hilfe des Lothringer Blocks gesichert haben und so die Regierung veranlassen, der Erhöhung der Geist- lichengehälter zuzustimmen, um die in der Regierungsvorlage vor- gesehene Erhöhung der Gehälter der höheren Beamtenkategorie durchzubringen. fratifcreteb. Die Herbst- nub Wintersession des Parlaments. Am 5. November hat das französische Parlament seine Arbeiten wieder aufgenommen; über drei Monate durfte das Mi- nisterium Poincare regieren, ohne der parlamentarischen Kontrolle unterworfen zu sein. Der Ausbruch der Balkankrise und die Rolle, die der französische Ministerpräsident vom erste» Augenblick an -dabei spielte, hat die Kritik zum Verstummen gebracht, die wegen dieser Verzögerung der Einberufung des Parlaments gegen die Regierung gerichtet wurde. Die bürgerlichen Parlamentarier scheinen es für richtig zu halten, wenn man sie an den wichtigsten Tagen zu Hause läßt. Einzig und allein die Sozialisten hatten auch nach dem Ausbruch der Balkankrise— und bann erst recht— die sofortige Einberufung der Kammer gefordert. Die Regierung wird durch eine möglichst kurze Session in die günstige Lage ver- setzt, der Spannung zum Trotz, die wegen der Wahlrcform zwischen ihr und der stärksten Partei, den Radikalen, herrscht. Da die Kammer und der Senat von Mitte Januar bis Mitte Februar wegen der Wahl des Präsidenten der Republik eine außergewöhn- liche Pause machen muß, so wird man das Budget für 1S13 bis Ende Dezember zu erledigen suchen, um die Bewilligung des provi- so rischen Zwölftels zu vermeiden. Selbst wenn nun die Debatte über das Budget bei der Beratung der Einzelartikel diesmal viel kürzer wird wie gewöhnlich, so wird sie doch soviel Zeit in Anspruch �nehmen, daß nicht allzuviel Sitzungen für andere Fragen übrig- bleiben. Die Kammer hat zwar in ihrer ersten Sitzung am Diens- tag beschlossen, jeden Freitag den Interpellationen zu widmen und am ersten Freitag mit der Diskussion der von den Sozialisten zur Lehrersrage eingebrachten Interpellation zu beginnen, aber eS braucht nur zu diplomatischen Balkanüberraschungen zu kommen (von den kriegerischen, die immer noch möglich sind, gar nicht zu reden), um die Kammer und den Senat zu veranlassen, sofort in die Besprechung �der zur auswärtigen Politik schon vorliegenden Jnter- pellationcn einzutreten, die in einer Sitzung wohl schwerlich beendet werden könnte. Alle diese Umstände sind für das Ministerium Poincare sehr günstig. Die Intrigen, die von den Radikalen zu seinem Sturz eingefädelt worden waren und die noch vor kurzem aus dem radikalen Kongreß von Tours durch eine scharf auti- proportionalistische Resolution, die von einer großen Mehrheit'«»- genommen wurde, den parteiofsizicllen Segen erhielt, sin-d wie weggeblasen. Angesichts der internationalen Lage wird sich die radikale Partei Ivahrscheinlich hüten, eine Ministerkrisc zu provo- zieren, nur um sich vor der Wahlrcform zu retten und noch vor der Präsidentenwahl ein rein radikales Ministerium ans Ruder zu bringen, das jetzt von dem gemäßigten Poincare geführt wird, der dem von den Radikalen so gefürchteten Proporz zusteuert. Sicher ist allerdings nichts! l�iröland. Ein sozialdemokratischer Wahlerfolg in Warschau. Wapschau, 8. November.(Privattelegramm des „V o r w ä r t§".) Heute wurde hier Eugen I a g e l l o, der Kandidatdcs sozialistischen Blocks, zum Dumaabgeord- n e t e n gewählt. Der Gewählte ist Mitglied der P. P. S. Er ist der erste polnische Sozialist in der Duma. Ckius. Nußlauds Nnschlag auf die Mongolei. Petersburg, 8. November. In einem Eommunique über das russisch-mongolische Abkommen wird gesagt, das Abkommen stelle die Anerkennung der Autonomie der mongolischen Regierung dar, zu der die russische Regierung von jetzt ab in unmittelbare Beziehungen trete. Das Ab- konimcn greife jedoch nicht der Regelung der Beziehungen der autonomen Mongolei zu China vor. Wenn sich die chinesische Regierung dem Abkommen in seinen grundlegenden Prinzipien anschließen wolle, so werde die russische Regierung keinen Grund haben, zu verhindern, daß eine Verständigung über die An- erkennung der chinesischen Souveränität durch die mongolische Regierung zustande komme._ Japan will Rußlands Beispiel folgen. Peking, 5. November.(Meldung der..Agence d'Extreme- Orient.) Die japanische Presse veröffentlicht lange Artikel über die Folgen des russisch-mongolischen Ver- träges, dessen Grundzüge soeben veröffentlicht worden sind und der in schlecht verhüllter Form die nördliche Mon- golei vollständig unter das Protektorat Rußlands stellt. Die japanische Presse rät der Regierung des Mikado dringend, dem Beispiel seines Gegners zu folgen und die Mandschurei zu annektieren, lvie sie Korea annektiert hat. Zahlreiche kaiserlich gesinnte Notabeln der Mandschurei, Feinde der chinesischen Republik unterstützen diesen Plan. Die chinesische Presse ist darüber natürlich ent- rüstet und nennt dieses Vorgehen ein unredliches Manöver Japans. Die Blätter versichern, daß die mandschurische Be- volkerung in ihrer großen Mehrzahl einen solchen Plan stets bekämpfen werde. Amerika. Die Zahl der Wahlstimme«. New Jork, 7. November. Nach den letzten Wahl- r e s u l t a t e n hat Wilson auch in Illinois gesiegt, somit in-10 von 48 Staaten und zwar mit 442 Elektoralstimmen. Auf Rooscvelt entfielen 77 Stimmen; Taft siegte nur in Iltah, Vermont und Idaho und erhielt 12 Stimmen. An Volksstimmen entfielen auf Wilson 0102000, auf Roosevclt 4 104000, auf Taft 8 507 000. Die Soziali st cu haben eine Zunahme von 100 000 Stimmen zu verzeichnen. Im ganzen wurden 750 000 sozialistische Stimmen abgegeben. Das sozialistische Mitglied des Kongresses, Berg er, ist geschlagen, doch sind drei Soziali st en in die Legislatur von Illinois gewählt. Die voraussichtliche Zusammensetzung� des Unterhauses wird sein: 287 Demokraten, 122 Republikaner, 10 Progressisten; die des Senates 52 Demokraten, 05 Republikaner und 0 Progressisten.____________ Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstall Hm der Partei. Kein Patentstreit. Ich bade mich bisher geflissentlich und aus begreiflichen Gründen jeder Einmischung in die Frage enthalten, weni die Prioriiät hin» sichtlich der Anregung zur Beteiligung an de» preußischen Landtags- Wahlen gebühre. E-olcher Streit hat gewöhnlich etwas sehr Kleinliches an sich»nd wird auch meist unter ganz falschen Gesichtspunkten ge- führt. In der Wissenschaft, in der Technik, in der Kunst, ans allen Gebieten geistigen Sckaffens tauchen Ideen fast niemals in einem einzigen Kaps auf. Sie drängen sich in einer bestimmten Epoche verschiedenen Köpfen gleichzeitig auf, und nicht darauf kommt es an, ob Hinz oder Kunz die Idee zuerst gefaßt haben, sondern wie sie sie eiitnBclelr und angewandt haben. Das habe ich seinerzeit dem russischen Anarchisten Tscherkesow entgegengehalten, als er auf Grund von Zitaten aus der französischen Literatur Marx die Originalität der Klassenkampftheorie bestreiten wollte. Und nrntatis rnutandis ist auch die vorliegende Frage, wenn man sich überhaupt mit ihr befassen will, nach diesem Gesichis- Punkt zu erörtern. Ich habe also nicht das geringste dagegen, wenn jetzt von Bebel daraus hingewiesen wird, daß Frohme und Hasenclever schon 188S für Teilnahme an der preußischen Landtagswahl eingetreten sind. Eines aber muß ich dazu bemerken. Wenn ich diese Idee damals belämpfie, so namentlich ans dem Grunde, weil im Angesicht der Verhältnisse unter dem Sozialistengesetz mir das zu erzielende Resultat in keinem Verhältnis zu den Opfern zu stehen schien, den die Beteiligung an der offnen Wahl mit allen ihren Schikanen unseren Genossen auferlegen mußte. Dieses Hauplbedenkeu war im Jahre 1893 hinweggcfallen' Di» Partei konnte sich ungehindert durch daS Ausnahmegeictz in der Oeffentlichkeit bewegen, sie hatte ihre Organisationen ausgebaut, die Zahl ihrer Wahlstimmen war gegen 188S auf das Dreifache ge- stiegen. Es war also möglich, den Kampf ans einer unendlich breiteren Basis zu führen und auch ganz andere Erfolge mit ihm zu erzielen. Es handelte sich nun darum, nicht bloß ein bißchen mit- zuwähle», sondern durch eine intensive Beteiligung womöglich die Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses zu ändern und Bresche in das ganze Drciklassenwahlsystem zu legen. So der Vorschlag, den ich, angeregt durch das glänzende Resultat der Reickstagswahl des Jahres 1893, im September jenes Jahres der Partei in der„Neuen Zeit" unterbreitete. Mit welchem Schicksal, ist bekannt. Ich darf wohl erwarten, daß diejenigen Blätter, die Bebels Einsenduiig zum Abdruck bringen, auch von diesen Ausführungen Notiz nehmen. Berlin-Schöneberg, 8. November 1912. Ed. Bernstein. Partcilitteratur. Politische Aufsähe und Reden von I. B. Schweitzer. Mit Ein» leitnng und Anmerkungen von Franz M e b r i n g. Verlag der Buchhandlung Vorwärts, Paul Singer G. m. b. H., Berlin L1V. 68. Preis broschiert 3 Mk., gebunden 4 Mk. Wir werden auf diesen interessanten Beitrag zur Parteigeschichte ausführlicher zurückkomnieu.__ Kinderpflege. In Oesterreich wurde anläßlich des deutsch-österreichistben Parteitages ei»„Kindcrrat" gebildet, der sich dem Kinderschutz und der Kinderpflege widmen soll._ poliscUichcs, 6cricbtiicbcs ulw. Prcßpr-zcß. Zu 20 M. Geldstrafe verurteilte das Schöffengericht M a g d e» bürg den verantwortlichen Redakteur der dortigen„Volks- stimme", Genosse Emil Müller. Der volkswirts-bafllicke Bei- rat der Chemischen Fabrik Tb. Goldschniidt in Essen, Dr. Sperling. fühlte sich durch einen Gerichtsbericht beleidigt und hatte Klage erhoben._ Der Manltrieg. Die Aufteilung der Türkei. Paris, 8. November. iW. T. B.) Der„Tcmps" meldet au? Sofia, daß gegenwärtig zwischen den Balkanstaaten ein eifriger Meinungsaustausch stattfinde, pm die durch ihre militärischen Er- folge gerechtfertigten gemeinsamen Ansprüche festzusetzen. Die Grundlage dieser Verständigung bilden die von Bulgarien mit Serbien, Griechenland und Montenegro abgeschlossenen Verträge. So sei in dem zwischen Bulgarien und Serbien im März 1912 unterzeichneten Vertrage die k ü n f t i g e b u l g a r i s ch- serbische Grenze durch eine über den Ochridasce nach der Adria gehende Linie festgesetzt worden. Zur Regelung etwaiger Streitigkeiten verpflichten sich die Parteien, behufs eines Schiedsspruchs den Kaiser von Rußland anzurufen. In dem im Juli dieses Jahres abgeschlossenen griechisch-bulgarischcn Abkommen ließ Griechenland Saloniki außerhalb der von ihm beanspruchten Zone. In dem montc- negrinisch- bulgarischen Abkommen sei Montenegro ein Teil des Sandschaks zugesichert worden. Diese terri- torialen Vereinbarungen seien durch Militärkonvcntioncn vervoll- ständigt. Die aus demselben erwachsenden Verpflichtungen seien für 25 Jahre übernommen worden. Mit Rücksicht auf Rußland fei die Frage von K o nst a n t i n o pe l bei- feite gelassen. Oesterreich-Ungarns Annäherung an Serbien. Wien, 8. November.(W. T. B.) Die Wiener„Allgemeine Zeitung" meldet aus Budapest, daß der östcrrcichisch-ungarische Gesandte v. Ilgron zu Abransalva mit neuen Weisungen nach Bei- grad zurückgekehrt ist. Er wird morgen dem Ministerpräsidentcu Pasitsch mitteilen, daß die Monarchie von dem Bestreben geleitet sei, mit Serbien ein so gutes Verhältnis zu unter- halten, wie es unter dem Grafen Andrassy dem Aelteren der Fall gewesen sei. Die Monarchie sei geneigt, die serbische Politik Andrassys fortzusetzen, wenn Serbien auch zu dem damalige» Verhalten zurückkehre und ein« diesbezügliche Garantie biete. Gelvcrkschaftlichcs siehe 2. Beilage. letzte IVacbnchtcn. Kontradelegatio» der ungarischen Oppvsition. Budapest, 8. November.�
wie „Beugel",„Einbrecher" titulierten, während die Sozialdemokraten bei der Zurückweisung solcher Beleidigungen sofort zur Ordnung gerufen worden seien usw. usw. Oberstaatsanwalt Ehrzeseinski beantragt die Ablehnung dieser BcwciSanträge und betont wiederholt, daß man doch nieinand die Iluffassung über jene Vorgänge suggerieren und man doch nicht in eine Beweisaufnahme darüber eintreten kaum ob die Auffassung berechtigt oder unberechtigt ist. Das Gericht lehnte diese Bcweisanträge ab mit der Begrün- dung, sie gehören nicht zur Cache. Als einziger Zeuge tvurde LIbgeordnetcr Paul Hirsch der- nommen» lediglich, um die Richtigkeit der Verlesenen, Sitzungsberichte zu bekunden.— Damit war die Beweisaufnahme beendet. Es folgten die Plädoyers. Oberstaatsanwalt Ehrzeseinski: Mein Standpunkt ist derselbe, den ich schon>bei den BewciSanträgen vertreten habe. ES liegt mir fern, mich in den Streit der Parteien einzumischen. Es handelt sich nur um die Frage, ob das Zlbgeordnetenlhaus beleidigt ist. Diese Frage muß ich bejahen- Die Verteidigung hat die Frage ange- Kleines f euilleton. Der Kampf nm„Die Verführten'. Um den bekannten Roman von Hans Hyan, der wegen Unzllchtigkeit angeklagt, dann von der vierten Strafkammer des Landgerichts auf das Gulachte» bekannter Schriftsteller glänzend freigesprochen und trotzdem von neuem konfisziert wurde, tobt noch immer der Kampf. Die neuerliche Konfiskation erfolgte auf ein Urteil, das während des Hyan-ProzesseS gegen einen Buchhändler Meyer erging. Bei diesem wurden eine ganze Reihe tatsächlich unzüchtiger Schriften konfisziert und mit diesen i» Bausch und Bogen wurde auch HyanS Roman»Die Verführten" verurteilt und verboten. Das Verfahren gegen Meyer halle dieselbe Staats» anwaltschast beim Landgericht I, die auch die Sache gegen Hyan �und seinen Verleger zu derselben Zeit führte, eingeleitet. Trotzdem ver- mied man es, den Schrrflsteller oder Verlag davon zu informiere». Nun ist gegen die erneute Koufiskalion die Beschwerde beim prcußl- scheu Kammergericht anhangig gemacht worden, ebenso beim Ober- staatsanwalt. DaS Kainmcrgericht stellt sich auf den Standpunkt, daß die hier zu Tage tretenden juristischen Unzuträglichkelten nicht aus die Rechisauffassung, sondern aus eine verschiedene Beurleilung der Tatuinstälide durch zwei verschiedene Gerichte zurückzusührcii seien. Die Vollstreckungsinstaiiz, alio die StaalSauwaltschaft, sei an das rechtskräilige Urteil gegen Meyer gebunden, d. h. ,us dem Juristendeutsch ins allgemeinverständliche nbersetzq: das zwar in Ab- Wesenheit und ohne Borwissen des mitor» sowie des Verlegers höchst summarisch gesällte Urteil gegen Meyer sei ausschlaggebend und unanfechtbar.— Ter Oberstaatsanwalt billigt auch das Vorgehen der verurteilenden Instanz., Es liegen also zwei sich völlig widersprechende Urteile vor. Gesunder Menschenverstand sollte annehmen, daß da« zuletzt und unter Hinzuziehung der Angeklagten und nach Einvernahme von Sachverständigen gefällte, d. h. daS frelsprechende das maßgebende Wäre. � Indes die Justiz denkt anders und hängt, weil sie sich nicht einigen kann, auf alle Fälle den Angeklagten. Das lustige Koilstantinopcl. Dein„Matin' telegraphiert Stephanne Lauzaune folgendes StinmumgSbild aus der türkischen Hauptstadt: Unter einuiideiuhalb Millionen Seelen gibt eS hier geben eine Million Fremde: Griechen. Lcvantiuer, Jsiaeliten, Europäer. Sicher kann da von einer seelischen Einheit keine Rede sein. Aber es gibt hier nicht einmal jene Gemeinschaft der Sympathien, aus die ein von Unglück betroffenes Volk Anspruch hat. Nicht einem einzigen Griechen wurde es einfallen, seinen Lade» zu schließen, kein Levan- tiner würde sich dazu verstehen, seinem Tiugeltaugel Ferien zu geben, nicht ein einziges europäisches Hotel, seinen Walzer in der Tee- stunde ausfallen zu lassen. Die Verwundeten, die bleich und frost- geschüttelt die Küste von Pera heraufkommen, ziehen mitten durch ein Gedudel von Orchestern. Vor der Stadt aber liegen die Kriegs- schiffe der Großmächte, um vor der Wut der vom Blutrausch der Schlachtfelder und von der Rachgicr des Besiegten gepeitschten, ausgehungerten„asiatischen Barbaren" die edle, in den Dünsten des Massenmordes feilschende, johlende und tanzende „Zivilisation" zu schützen. Musik. Mit einem Lärmaufgebot, wie cS selbst in unserer Straußenzeit nicht häufig ist. wurde das„Deutsche Opernhaus" in Char- lotienburg gegründet, fertiggebaut und— am Donnerstag— er- öffnet. Vo» irgend einer sozialen Bedeutung war ebenfalls die Rede. Unsere bisherigen Vorberichte gaben sich nicht wenig Mühe, den Tat- fachen und Möglichkeiten, die zu finden waren, gerecht zu werden, machten freilich auch aus das Zwitterhafte und Unklare in Anlage und bisheriger Vorbereitung des Unternehmens auf- nicrk'mn. Die Eröffnung brachte wenigstens insofern eine Entschiedenheit und Klarheit, als von einen» anderen als gesell- schaftlichen Interesse nicht viel zu merken war. Schon die Vor- schrift einer Gescllschaftstoilelte sprach deutlich— bekanntlich existieren ja andere als Toilettenöte in der Welt nicht. Und nun lvac mit Bedacht eine AnfangSvorstcllung gewählt worden, die den künstlerisch Bedenklichen entwaffnen sollte. Wer will gegen Beethovens„Fidelio" etwas sagen?! Daß wir seit den ersten Regungen de« neuen Unternehmens auf irgend etwas wie ein künstlerisch schöpferisches Programm warten— sei'S modern oder sei's historisch, sei'S Wahl der Stücke oder sei'S Ausführung— haben wir gesagt; heute noch warten wir darauf. So würde denn vor einer Versammlung von OrdenSbändchen begonnen. Langweilig das Haus, das die Prunkfröhlichkeit des allen Theatercharakters verschniäht und— bei allen technischen Bor« zügen— doch keinen neuen SttmmungSgehalt bringt; langweilig die Orchestersührung; langweilig die Regie, die nur eben ihr Recht ausübte, eine alte Oper mit alter Opernstilisierung zu geben; weniger langweilig die meisten einzelnen Künstler. Sie hallen es schwer. Der gnichauerraun! ist so groß, daß er gewaltige Stimmen verlangt, über die auch tüchtige Künstler nicht immer verfügen, ist aber sonst akustisch günstig, wohl auch infolge einer kleinen Rauhling der Wände. Dagegen scheine» die Riesenmaße der Bühne und ihre ÄnSstattungcn zu schaden; insbesondere störte manchmal ein Summen und Nach- klingen im Geläng. Die Dekorationen waren zum Teil eigenartig; doch paßt gerade für ein so intimes Stück ein so sehr aus„große Oper" angelegter Raun, wenig. Eine gute Durcharbeitung und zumal Abtönung zeigte der Chor samt den zwei Solisten unter den.Gefangenen": F. S ch e i t h a u e r und E. K a n d l. Die»täimliche» Hauptparticn waren vertreten: von A. K i r ch n e r als Florejtan, der trotz einer etwas einförmigen Stimme einiges frische Leben ins Ganze brachte; von P. Lord- mann als Roceo, einem sympathischen, wenn auch nicht eben „profunden" Baß; C. B r a u n g r o h e r als Pizarro, einem gut charakterifierenden Bariton; B. Werner als Jacquino mid I. R o c t h e r als Fernando. Die zwei weiblichen Partien waren bei E. Bland als Leonore, mit kräftig dramatischem Ausdruck, und bei M. Fink als Marzelline gut aufgehoben. Wer das Unsichere aller Eröffnungsvorstellungen kennt, wird auch jetzt noch gern auf eine würdige Zukunft des„Deutschen" warten. 8Z. Notizen. — Vorträge. Sonntag wiederholt in der kgl. Hochschule für Musik Noald Amundsen seinen Vortrag über seine Reise zum Südpol.— Montag spricht in der Singakademie Leo Frobenius über da? Thema: Von Atlantis nach Aethiopien. M u s i k ch r o n i k. Das dritte SouutagSlonzert im Schiller-Theater Charlotten bürg bringt unter Mit- Wirkung von Bruno EiSner, Heinr. Grünfeld, Hans Hasse und Florian Zajic zwei Kammermnsikwerke von Beethoven und Schumann. Den gesanglichen Teil hat die Kammersängerin Dora Moran über- nommen, die Lieder von Händel, Schubert, LiSzt, van Ehlen und Alabieff vorträgt. — Hauptmann als Nobelpreisträger. Die schwedische Akademie tagte Donnerstag, um über die Verteilung des Nobelpreises Beschluß zu fassen. Wie mit Bestimmlh-it verlautet, ist Gerhart Hauptmann für den Nobelpreis für Literatur in Aussicht genommen. — Eine Hauptmann-Woche veranstaltet das L e s s i n g« Theater. Es werden die ganze nächste Woche nur Dramen von Haupluiann aufgeführt und zwar:„Gabriel Schillings Flucht",„Die Weber",„Einsame Menschen",„Der Biberpelz",„Die versunkene Glocke". — Der Fall Weingartner wird vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte wieder ausleben. Weingartner hat gegen den verant- wortlichen Redakteur einer Berliner Zeitung Privatklage wegen Beleidigung erhoben, weil das Blatt ihm Vertragsbruch zum Vorwurf gemacht hat. Weingartner will nun das gesamte Material seines Falles zum Gegenstand der Verhandlung zu machen suchen.- Bisher ist die Frage, ob Weingartner Vertragsbruch begangen hat, gerichtlich nicht entschieden worden. — EinTauchrrkord. In Paris hat ein Bademeister Pouliquen einen neuen Rekord im Tauchen aufgestellt. Er blieb sechs Minuten 294'5 Sekunden unter Wasser. Damit ist der Rekord, de» Enoch 1896 mit 4 Minuten 46 7» Sekunden ausjlelltc, um ein beträchtliches überholt.
schmtien� ob eine Beleidigung der Mehrheit eine Beleidigung des Hauses ist. Zweifellos kann durch eine Beleidigung der Mehr- heit des Abgeordnedenhauses das Haus selbst beleidigt werden, denn durch den Willen der Mehrheit wird das Haus repräsentiert. Lb es im einzelnen Falle geschehen ist, das ist eine Tatsrage. Es mag sein, dag der Artikel viele Wendungen enihäll, die nicht das Ab- geordnetcnhaus treffen!, sondern Partelen und Redner der Parteien. Ich lasse es dahingestellt! sein, ob die eine oder die andere Stelle des Artikels als Beleidigung angesehen werden kann, aber ich bin nicht der Meinung, dag der Ausdruck„Tollhaus" nur auf die Mehr- heit �bezogen wenden kann. Durch diesen Ausdruck ist das Haus umirittcllktu beleidigt. Das gilt auch von doin Ausdruck„Geld- sackparlament". Es ist gesagt wurden, dieser Ausdruck sei derart in den Sprachschatz übergegangen, das; es nicht als beleidigend an- gesehen werden könne. Ich inorwe, es toäre besser, tMnn solche lstraftworte nicht gebraucht würden. Wener sich solche Ausdrucks- weise eingebürgert hat, so ist sie doch nicht schön und nicht wohl- anständig. Wener wegen eines solchen Ausdrucks Klage erhoben wird, so kann die Staatsanwaltschaft nicht antworten: Der Aus- druck ist bereits eingebürgert und deshalb nicht beleidigend. Beschimpfende Ausdrücke dürfen! nicht auf das Parlament angewandt werden. Die Worte„Tollhaus" und„Geldsackparlameiiit" müssen unbedingt als beleidigend angesehen! werden. Nuw sagt der Artikel auch, eS sei eine Affenkomödie aufgeführt worden. Wenn gesagt wurde, diesen Aueldruck habe schon früher ein; Redner einer anderen Partei gebraucht, so berührt mich das nicht, wie das Abgeordneten- haus zu jenem Vorgang Stellung genainmen hat. Aber dadurch ist es doch nicht zu einem guten Recht jedes Deutschen geworden» eine Handlung des Abgeordnetenhauses als AffenLomödia zu be- zeichnen. Durch diesen Ausdruck ist das Gesamtverhalten! des Ab- geordlietenhausas zu einer Komödie gestempelte Für das Strafmaß ist zu berücksichtigen» daß der Angeklagte nicht der Urheber>des Artikels ist, daß er auch nicht gesagt hat, der Artikel soll in die Zeitung. Das haben andere Leute gesagt, denen der Angeklagte gedient hat. Das neust man als strafmildernd berücksichtigen. Aber der. Angeklagte hat als veraniwvrtlichcr Redakteur Folgen! und Strafe zu tragen. Strafschärfend ist zu berücksichti-gen, daß durch die Beleidigung einer der Ijöchsten Faktoren des preußischen Staates getroffen ist. Ich beantrage deshalb zwei Monate Gefängnis. Rechtsanwalt Haase: Der Angeklagte lehnt die Annahme ab, daß er einen anderen deckt. Er hat zwar den Artikel nicht ge- schrieben, aber er hat ihn gelesen, geprüft und gefunden, daß das Verhalten des Abgeordnetenhauses in seinem Sinne gekennzeichnet wird. Ter Angeklagte will also aus diesem Gesichtspunkt gar keine Berücksichtigung erfahren. Er kann aber Anspruch auf eine milde Beurteilung machen, wenn man die Vorgänge, die heut Gegenstand der Beweisaufnahme waren, an sich vorüberziehen läßt. Die sozial- demokratische Partei ist in unerhörter Weise provoziert worden. Zu gröbster Weise ist im Abgcordnetenhause mit zweierlei Maß gemessen worden. Die Redner aller Parteien konnten die schwersten Verdächtigungen gegen die Sozialdemokratie aussprechen, ohne daß der Präsident Anlaß nahm, die Angreiser und Beleidiger zur Ord- imug zu rufen. Wenn es aber aus dem Wald zurückschallte, wie man von jener Seite hineingerufcn hatte, dann rief der Präsident die Sozialdemokraten sogleich zur Ordnung. Ausdrücke, wie sie die Sozialdemokraten gebrauchten, waren durchaus nichts Neues im Abgeordnetenhause. Ter Bureaudirektor deS HauseS hat ja eine Sammlung solcher Ausdrücke herausgegeben. Es ist konstatiert, daß es den Sozialdemokraten schwer werde» würde, bis an die Grenze dessen heranzukommen, was schon vor ihrem Eintritt in das Haus daselbst geleistet worden ist. Die Vorgänge, welche sich im vor- licgcichcn Falle abgespielt haben, nlnßten doch einen Sozialdemo- kraten dazu treiben, eine scharfe Kritik zu schreiben und den Beweis zu führen, daß man eine Komödie aufgeführt hat. Die Ausführung Liebknechts und der Zwischenruf StröbclS über das preußische Staatswesen konnte, wenn sie bona lickes aufgefaßt wurde, von keinem Menschen mißverstanden werden. Es war kein Zweifel, daß nur au dem System Kritik geübt, aber weder die Angehörigen des preußischen noch die des russischen Volkes getroffen werden sollten. Wenn man annimmt, daß mancher im Hause die Aeuße- rungen der beiden Sozialdemokraten nicht richtig verstanden hat, so muß man doch sagen: Nachdem Liebknecht und Ströbel ausdrücklich erllärt hatten, was sie gesagt und gemeint haben, da war es ein Gebot des Anstandes, daß man auf der anderen Seite erklärt hätte: Wir nehmen unsere Angriffe gegen die beiden Sozialdernokraten zurück. Aber das geschah nicht. Mehrere Tage hintereinander ist nach einem wohlangelcgten Plan eine Entrüstung an den Tag gelegt worden, die der inneren Wahrhaftigkeit entbehrt. Diese Auffassung ist sogar in der„Kölnischen Zeitung" zum Ausdruck gekommen, einem Organ der nationalliberalen Partei, deren Mitglieder sich an dem Vorgehen gegen die Sozialdemokraten beteiligten. Hier ist nun der Versuch unternommen worden, das, was gegen die Mehrheit des Abgeordnetenhauses gesagt wurde, als eine Be- lcidignng des Haufes hinzustellen. Das ist aber juristisch ganz unhaltbar. Der Verteidiger zitiert verschiedene juristische Autori- täten zum Beweise dafür, daß die Beleidigung der Mehrheit, ja sogar aller Mitglieder einer politischen Körperschaft noch nicht eine Beleidigung der Körperschaft als solche ist. Beleidigung eines Parlaments nach§ 197 des Strafgesetzbuchs liegt nur dann vor, wenn das Parlament als staatsrechtliches Ganzes getroffen ist. Das aber ist hier nicht der Fall. Hier könnte höchstens eine Be- leidigung eines Teiles der Mitglieder des Abgeordnetenhauses vor- liegen. Wenn der Oberstaatsanwalt sagt, die Mehrheit repräsen- tiert den Willen des Parlaments, so hat er übersehen, daß. es sich hier nur um Angriffe gegen Parteien handelt. Man könnte ein- wenden, grobe Beleidigungen dürfen nicht ungesühnt bleiben. Ja, dann hätten die Personen, die sich beleidigt fühlen, Strafantrag aus ß 18S stellen können. Die Herren Strosser, Zedlitz und Kon- sorten sind ja in dem Artikel mit Namen genannt. Aber den Weg haben sie aus guten Gründen nicht gewählt. Bei der Beurteilung des Artikels darf man sich nicht an ein- zelne Worte halten, sondern man muß fragen: Was wollte der Verfasser zum Ausdruck bringen? Der Artikel beginnt mit den Worten:„Seit drei Tagen führt die reaktionäre Mehrheit eine itomödie auf." Da sind also diejenigen, die gemeint sind, deutlich gekennzeichnet. Mit diesen Worten ist gesagt!, die Mehrheit miß- braucht das Parlament, um eine Komödie aufzuführen. Der Artikel spricht weiter von Parteien und Parteigruppen, von bürgerlichen Rednern, von Zedlitz und anderen ollen ehrlichen Seemännern. Das Ganze wird als ein theatralischer Spektakel der reaktionären Parteien gekennzeichnet. Es ist also deutlich zum Ausdruck gebracht, daß nicht das ganze Haus gemeint ist. Es wird ja nicht nur die Partei des Verfassers, sondern auch die freisinnige Partei aus- genommen. Der Oberstaatsanwalt greift einzelne Ausdrücke heraus: „Geldsackparlament" und„Tollhaus" und will damit die Strafbar- leit begründen. So darf man nicht vorgehen. Man muß den Zusammenhang beurteilen. Tut man das. dann findet man nichts weiter als eine Kennzeichnung der zwölf Redner, die sich geberdeten. als ob sie im Tollhause wären. Daß sich der Ausdruck„Gcldsack- Parlament" eingebürgert hat, erkennt ja selbst der Oberstaatsanwalt an. Dieser Ausdruck ist seit jeher von allen Parteien gebraucht vordem Fcühec gebcauchteiii feio Konservatives um zum Ausdruck zu bringen, daß das Wählrecht den Liberalen, den Be- sitzern der großen Vermögen, den größeren Einfluß im Abgeordneten- hause sichert. Weil dieser Ausdruck fo allgemein ist, fällt das Bewußtsein der Kränkung fort. Er weist ja auch nur auf das Wahlrecht, aber nicht auf die Funktion deS Abgeordnetenhauses. Hier kann also ß 197 gar nicht angewandt werden. Dem Angeklagten steht der Schutz des 8 193 zur Seite, denn er hat in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt. Er ist Mitglied der sozialdemokratischen Partei und Radakteur ihres Zentralorgans. Die sozialdemokratische Partei ist tagelang auf das schwerste angegriften worden. Ströbel, der dabei noch best)«- ders angegriften wurde, ist der Redaktionskollege des Angeklagten Dieser hatte also ein ihn persönlich nahe gehendes Interesse zu ver treten und kann nach der Rechtsprechung des Reichsgerichts den Schutz des§ 193 beanspruchen. ES ist auch zu berücksichtigen, daß der Artikel unier dem Eindruck der Vorgänge, also in berechtigter Empörung, geschrieben ist. Eine Beleidigung des Abgeordneten- Hauses liegt nicht vor. Der Angeklagte muß also freigesprochen werden. Rechtsanwalt Heine führt ebenfalls aus, daß Ausdrücke, die sich auf die Mehrheit des Abgeordnetenhauses beziehen, nicht als Be leidigung im Sinne des§ 197 angesehen werden können. Wenn hier nicht angenommen worden wäre, der Ausdruck„Aftentomodie richte sich gegen das ganze Abgeordnetenhaus, dann hätte wohl niemand an den Worten„Tollhaus" und„Geldsackparlament' Anstoß genommen, die der Oberstaatsanwalt jetzt herausgreift, um sie als Beleidigungen des Abgeordnetenhauses zu bezeichnen. Zu den Milderungsgründen, die der Oberstaatsanwalt anführte, ist zu sagen, daß die verantwortlichen Redakteure der sozialdemo- Iratischen Presse nicht die Stellung einer Strohpuppe haben, die nur zu verantworten hat, was andere schreiben. Tie wirklichen Milderungsgründe hat der Oberstaatsanwalt übersehen. Daraus will ich nun eingehen. Als ich aus Anlaß dieses Prozesses die Ver Handlungen des Abgeordnetenhauses lesen mußte, I)abe ich das Gefühl gehabt: Gott sei Dank, daß ich nicht diesen) Parlament angehöre! WaS gab den Anlaß zu ten hier in Rede stehenden Vorgängen? Liebknecht hielt eine Rede. Sie mag lang und auch scharf gewesen sei», aber sie war rein sachlich. Doch man klammerte sich an eine kurze Bemerkung in seiner Rede und an einen Zwischenruf des Abgeordneten Ströbel und dann macht man diese Entrüstungsparade. Wo in aller Welt ist das unter anständigen Menschen üblich, daß, wenn jemand sagt, er habe das gar nicht ge meint, was ihm unterstellt wird, man unbekümmert fortfährt, ihn auf Grund einer falschen Auslegung seiner Bemerkung anzugreifen? So weit ist es im Abgeordnetenhause gekommen, daß man der kleinen Gruppe der Sozialdemokraten bei jader Gelegenheit zu erkennen gibt, daß man sie als Menschen zweiter Klasse betrachtet. die eigentlich gar nicht da sein dürfen. Im Abgcordnetenhause ist das politische Prinzip verwirklicht, welches Herr von Kröcher i»i Reichstage ausstellte: Die Sozialdemokraten dürfen nicht Subjekt, sondern nur Objekt der Gesetzgebung sein. Das heißt, mau soll Gesetze gegen die Sozialdemokratie machen, aber die Vertreter dieser Partei sollen bei der Gesetzgebung nicht mitwirken. Diese Ansicht ist schon unter dem Präsidenten Kröcher befolgt worden, sie hat sich aber unter dem Präsidium des Herrn von Erfta noch verschlimmert. Ich muß bewundern, daß meine Parteigenossen im Abgeordnetenhause unter solchen Umständen sich nicht öfter zu Aus- drücken der Empörung habe hinreißen lassen. Ich will nur an den einen Fall erinnern, wo der Minister in bezug auf die Rode eines Sozialdemokraten sagte, es sei ihm interessant, diese Rede kennen zu lernen, die nur aus Phrasen zusammengesetzt sei. Das konnte der Minister sagen, ohne daß der Präsident etwas dagegen unter- nahm. Als aber nach Beendigung der Rede des Minister? ein So- zialdemokrat sagte, das seien Phrasen gewesen,>da erteilte der Präsident dein Sozialdemokraten sofort einen Ordnungsruf. Die Bemerku ng des Präsidenten zu den Sozialdemokraten:„Benehmen Sie sich, wie sich königstreue Männer zu benehmen haben", war eine dumme Redensart. Daß solches Verhalten gegen die Sozial- demokraten die Erbitterung aufs höchste steigern muß, ist selbst- verständlich. Der Präsident, der zur Unparteilichkeit verpflichtet ist, vergißt sich soweit, daß er selber den'Abgeordneten Ströbel be- leidigt. Es war durchaus berechtigt, darauf mit Entrüstung zu antworten. Die Redner anderer Parteien häufen Beleidigungen auf Beleidigungen gegen die Sozialdemokraten und der Präsident rührt sich nicht. Wenn aber einer von denSozialdemokratensolcheBeleidi- gung mit einem Zwischenruf beantwortet, dann wird er zur Ord- nung gerufen und dadurch bringt der Präsident die Sache erst recht in Unordnung. Durch derartige Ungerechtigkeiten kann man ja den ruhigsten Menschen in Wut bringen. Was der Artikel be- handelt, das ist ja nur einer der letzten Akte der seit Jahren fort- gesetzten Art, de» Sozialdemokraten die Verachtung auszudrücken und ihnen die parlamentarische Arbeit unmöglich zu machen. Wenn gegen Leute, die so gehandelt haben, gesagt wird, sie hätten eine reaktionäre Affenkomödie aufgeführt und sich benommen als ob sie im Tollhause wären, so liegt auf der Hand, daß nur diese Mcn- schon und nicht das ganze Haus gemeint sind. Alles was ich an- führte ist auch für das Strafmaß zu berücksichtigen, falls es über- Haupt zu einer Verurteilung kommen sollte. In diesem Falle könnte nur auf eine ganz geringe Geldstrafe erkannt werden. Rechtsanwalt Dr. Heineman« schließt sich im wesentlichen den Ausführungen der Vorverteidiger an. Er fügt noch eine Reihe juri- stischer Gründe für die Freisprechung hinzu. Der Ausdruck„Geld- sackparlament" kritisiere doch nur die mangelhafte Gesetzgebung. Zur Anwendung des§ 197 gehöre, daß das Abgeordnetenhaus i» seiner staatsrechtlichen Struktur und Wesenheit beleidigt sein muß, was vorliegend nicht der Fall sei. Getroffen sollten lediglich die Mitglieder werde», welche die Minderheit in so unerhörter Weise angegriffen haben. Der§ 193 müsse dem Angeklagten zugebilligt werden, auch schon aus dem Gesichtspunkte, daß er Redakteur des Zenitralorgans der sozialdemokratischen Partei sei, daß seinePartei- genossen im Abgeordnetenhauseschlimm behandelt worden waren und er deshalb allen Grund hatte, das Verhalten der Mehrheit scharf zurückzuweisen. Gegenüber der Mustcrkarte von Schimpfworten, die in den kritischen Sitzungen die Gegner, wie beispielsweise Herr v. Zedlitz, produziert hatten, könne man dem Angeklagten nicht zu- muten, eine Redeweise zur Anwendung zu bringen, wie sie in akademischen Lehrsälen oder in den Salons vielleicht üblich sei. Der Angeklagte könne auch deshalb nicht bestraft werden, weil der Wahrheitsbeweis ihm gelungen sei; es sei bewiesen, daß eine Ko- mödie aufgeführt worden sei mit dem Endziel eine neue Geschäfts- ordnung zum Nachteile der Minderheit einzuführen. Dagegen habe sich der Artikel gewendet. Kein sinniger Mensch könne doch glauben und glaube, daß die Wgeovdneten Liebknecht und Ströbel tvirklich das preußische Volk beleidigt haben» Mit Feuereifer kämpfen die Sozialdemokraten gegen die Mehrheit des Abgeordnetenhauses, die dauernd das preußische Volk dadurch beleidigt,>datz sie ihm das Recht verweigert zur Teilnahme an die preußische Gesetzgebung. Gegen diese Mehrheit verteidigt die Sozialdemokratie das preußische Volk. Und da sollte jemand glauben, Sozialdemokraten beschimpfen das preußische Volk als barbarisch und verächtlich. Das zu behaupten ist Wahnwitz. Wenn auf solche Vorwände der Angcklagle das Gocthesche Wort anwendete:»Und alles ist Dressur", so lyü er Recht gehabt. Es sei sa Eis eine Erlösung durch Eeiie Kreise gegangen, als ein Mann nun auf den Präsidenkenstuhl berufen wurde, der es als seine vornehmste, chebalereskeste Aufgabe bezeichnet habe, die Minderheit zu schützen. Das Abgeordnetenhaus habe denn auch ein anderes Gesicht bekommen. Nach Recht vor Gericht sei der Angeklagte mit jedem anderen gleich- berechtigt. Nach dem Ergebnis dieser Verhandlung muß das Ge- richt zu einer Freisprechung kommen. Nach einer Entgegnung des Oberstaatsanwalts uns kurzen Er- widerungen der Verteidiger zog sich das Gericht zur Beratung zurück- Dieselbe währte fast drei Stunden. Das vom Vorsitzenden verkündete Urteil geht im wesentlichen dahin: Eine Beleidigung des Abgeordneten« Hauses nach Z 197 liegt nur dann vor. wenn sich die Be- leid>gung gegen die parlamentarische Körperschaft als Trägerin der ihr zugewiesenen staatsrechtlichen Aufgaben richtet. Alle Belcidi- gungen, die sich gegen Gruppen des Parlaments richte», haben hier auszuscheiden. Das Gericht nimmt an, daß sich der Artikel lediglich gegen die Mehrheitsparteien richtet, namentlich gegen die Redner, die ihre Entrüstung gegen die Abgeordneten Liebknecht und Ströbel ausgedrückt haben. Das Wort Affenkomödie bezieht sich auf die MehrheitZparteien. Das Abgeordnetenhaus ist dadurch nicht getroffen. Das Abgeord- netenhaus selbst ist in dem Artikel nur dreimal genannt. Es wird als„Junkcrparlamcnt",„Gcldsackparlamcnt" und„Tollhaus" be« zeichnet. Die beiden ersten Ausdrücke richten sich nicht gegen das Parlament als Trägerin staatsrechtlicher Aufgaben, sondern sie beziehen sich auf Entstehung und Zusammen- setzung des Abgeordnetenhauses. Dagegen trifft die Bezeichnung „Tollhaus" das Parlament, denn sie ist gebraucht mit Bezug auf die Vorgänge am LS. bis 27. April. Da handelte es sich um die Etatsberatung, also um eine staatsrechtliche Aufgabe des Parlaments. Es wird zum Ausdruck gebracht, das Abgeordnetenhaus habe seine Aufgabe in stupider Weise erfüllt. Der Ausdruck„Tollhaus" ist ein Schimpfwort. Der Wahrheitsbeweis, ob das Abgeordneten- Haus ein Tollhaus sei, kann nicht geführt werden. Daß der Angeklagte berechtigte Interessen zu vertreten hatte, hat das Gericht bejaht. Seine und seines Freundes Ströbel Jnter- essen hat der Angeklagte wahrgenommen. Er handelte als Mitglied seiner Partei und als Angestellter ihres Zentralorgans Aber der Angeklagte hat einen Ausdruck gebraucht, der die Absicht der Beleidigung erkennen läßt und muß deshalb bestraft werden. Bei Abmessung der Strafe ist erwogen, daß die Beleidigung nur einen verschwindend kleinen Teil des Artikels ausmacht und geschrieben ist unter dem Eindruck der Verhandlung und in ge- wisser Verärgerung. Im politischen Kampf kann nicht jedes Wort auf die Goldwage gelegt werden. Andererseits muß das Parlament in seinem Ansehen gewahrt und gegen Herabsetzung geschützt werden. Unter Berücksichtigung dieser Umstände hat das Gericht auf eine Geldstrafe von 200 Mark erkannt und dem Abgeordnetenhause die Publikationsbefugnis zu« gesprochen._ Hus der frauenbewegung. Aus den Färbereien und Chemisch-Waschanstaltcn Groß-Berlins. Auf unsere Kritik der Arbeitsbedingungen in lden Färbereien und Wäschereien(Nr. 253 vom 29. Oktober) sendet uns ein Unter- nehmer, Herr Zander, eine Entgegnung, die wir zwar nicht im Wortlaut abdrucken können, aus der wir aber doch einige Punkte herausheben wollen. Daß den Arbeiterinnen Hungerlöhne gezahlt werde«, glaubt Herr Z. nicht. Ihm sind Plätterinnen bekannt, die bis zu 09 M. Wochenlohn verdienen und trotz der angestrengten Arbeit noch an Körpergewicht zunahmen sollen. Wir wissen aber von den Arbeite- rinnen, daß sie einschließlich der Ueberstunden kaum in der Lage sind, die Hälfte dieses Lohnes zu erreichen. Entspräche das, was Herr Z. angibt, den Tatsachen, dann hätten die Arbeiterinnen es wahrlich nicht nötig, sich a» die Oeffentlichleit um Unterstützung zu �wenden, um ihre Lage zu verbessern. Unserem'Artikel in Nr. 253 wird Unkenntnis der gesetzlichen Bestimmungen unterstellt. Auch wir wissen, daß nur für 49 Ueberstunden im Jahr Erlaubnis erteilt werden darf. Wie oft aber trotzdem in der Saison über die gesetz- liche Zeit hinaus gearbeitet wird, mag Herr Zander bei seinen Kol- legen erfragen. Welche Höhe die Löhne erreichen, hat der Streik der Plätte- rinnen bei Max Bloch bewiesen. Dort legten die Plätterinnen die Arbeit nieder, weil sie statt 49 Pf. nur 29 Pf. für ein Battistkleid erhalten sollten. Nach Ablehnung dieser Zumutung sollten drei Kleider zu einer Partie zusammengelegt werden und'dann diese Partie mit 79 Pf. bezahlt werden. Auch das lehnten die Arbeite- rinnen ab. Für die Arbeiterinnen der Branche ist besonders beachtens- inert, daß Herr Zander als Unternehmer-unumwunden zugibt, daß die'Arbeitszeit in den Betrieben erheblich herabgesetzt werden könnte und daß die Löhne bei voller Beschäftigung der Betriebe keine Nolle spielen und, volle Beschäftigung vorausgesetzt, leicht um 59 Proz. erhöht werden könnten. Das sollten sich die Arbeiterinnen recht fest ins Gedächtnis einprägen. Die Gehälter der Ladendamen von 39 bis 69 M. hält Herr Z. noch für viel zu hoch. Die Leiterinnen der Annahmestellen müßten ja allerdings den ganzen Tag anwesend sein, hätten aber nichts zu tun und könnten sich sehr wohl nebenbei etwas verdienen. Wir überlassen es den Leiterinnen, sich gegen diese Zumutung zu wehren. Daß die Temperatur in den Betrieben eine recht hohe sei, wird zugegeben; aber sie„lasse sich eben nicht derartig herstellen wie in einem Eiskeller"! Und die GesuudhcitSschädlichkeit der verwendeten Chemikalien wird einfach damitwegdisputiert, daß sie zu Heilzwecken von Aerzten verovdnct werden!„Salzsäure wird vom Arzte in kleinen Mengen bei Magenverstimmungen empfohlen." Also weS- halb nicht regelmäßig mit ihr arbeiten? In einem Bogleitschreiben behauptet Herr Zander, ein warmes Herz für seine Arbeiter und, wie wir annehmen, auch für seine Arbeiterinnen zu haben. Seine Acbeiterfreundlichkeit gehe so weit, daß er ganz ohne Verdienst arbeite, n u r um seinen Arbeiterinnen den alten Lohn zahlen zu können, obgleich sich sogar das im Ge- schüft steckende Kapital kaum verzinst. Weiter kann die Menschen- freundlichkeit eines Arbeitgebers wirklich nicht gehen! So2iales. Elend unter den Handlungsgehilfen. Welches Elend unter den Handlungsgehilfen besteht, ergaben Ausführungen des Vorsitzenden in der letzten KauftnannsgerichtS- sitzung. Ein Prinzipal hatte einen Betrag von 25 M. eingeklagt und zugesprochen erhalten. Der Kläger erklärte, den Betrag wolle er nicht haben, derselbe solle vielmehr„den Armen" zugute kommen. Da regte der Vorsitzende. Magistratsrat v. Schulz, an, den Betrag der„FrühstückSkasse" des Kaufmannsgerichts zukommen z» lassen. Es sei das eine'Art Unterstützungskasse, aus deren Mitteln arme tcllungs- nnd subsistenzlose Gehilfen unentgeltlich ei» Frühstück erhalten. Es komme nämlich, so führte der Vorsitzende weiter aus, gar nicht so selten vor, daß Gehilfen, die sich zur Aufgabe ihrer Klage im Kaufmannsgerichtsgebäude einfinden, v»r Hunger ohG»
»nächtig zusammenbrechen. Um in solchen Fällen sofort Helsen zu können, habe man eine sogenannte„Frühstückskasse" ins Leben ge- rusen,«die vom Lorsteher Milisch verwaltet werde. Aus den Gel- dern dieser Kasse werden die Unkosten für die Labung solcher armen, Hunger leidenden Gehilfen bestritten. Der Prinzipal erklärte sich mit der Verwendung des erstritte- n«n Betrages für die„Frühstückskasse" einverstanden. Die Flieger in der Arbeiterverftcherung. Das Reichsversicherungsamt hat sich neuerdings mit der Frage Ku beschäftigen� gehabt, ob die Fliegeo unter die Unfallversicherung hallen und ob die Be ruhsge no sse nscha st der Femmechanik und Elektro- tcchnik für den tödlich verlaufenden Unfall vou Piloten haftbar zu machen sei. Im Falle Schaedel, der mit dem Obermonieur tödlich abstürzte, verlangten die Hinterbliebenen des lehteoen eine Hinterbliebenenrente. Die Berufsgenossenschaft lehnte die Rente ob mit der Motivierung, die Unfallversicherung habe lediglich die Aufgabe, die Arbeit zu- schützen, nicht aber den Spovt. Bei der Beteiligung am«Port seien Arbeiter nur dann versichert, wenn ihre Haupttätigkrit der Fabrikation von Flugzeugen gelte, und sie zum Zwecke der Erprobung der Brauchbarkeit der von ihnen angefertigten Maschine, also nicht zu Sportzwecken, Fahrten unter- nehmen. Im vorliegendien Falle hatten die Flieger die Llufgabe, das Flugzeug nur in mähiger Höhe zu probiere, r Statt dessen hätten sie aber einen Höhenrekord unternommen� wohl iir der Absicht, den Weltrekord Hirths zu überbieten, das sei ihnen, auch geglückt, da sie 1680 Meter erreicht hätten. Diesen Einwand er- achtete das Reichoversicherungsaint jedoch nicht für durchgreifend, obwohl es sonst grundsätzlich auf dom Standpunkt steht, daß sport- liehe Unternehmungen bei den Berufsgenossenschaften nicht versichert seien. In vorliegendem Fall lieh er sich nicht erweisen, dah der Oberuronteur beabsichtigt habe, eine reine Sporthahrt zu unter- nehmen. Selbst wenn der Verunglückte die erforderliche Höhe über- schritten habe, so köuin nion darin kein klares Üeberschreitien der Berufstätigkeit erblicken, so dah er dadurch aus der Versicherung gefallen wäre. Donmach sind die bei Flugnirinen beschäftigen Personen soweit gegen Unfälle auch für Flüge gesetzlich versichert, wenn letztere in, Interesse des Betriebes unternommen werden. Staatliche Arbeitslosenversicherung im Kanton Nenenburg. Ein dein Kantonsrat vorliegender Gesetzentwurf will für die Arbeiter der Uhrenindustrie und Feinmechanik eine kantonale obliga- torische Arbeitslosenversicherungskasse einführen, also nur eine sehr beschränkte Versicherung, wobei freilich die Uhrenarbeiter allein zirka 12 900 zählen und einen grosse» Teil der gesamten 41000 Arbeiter, Angestellten und Beamten der Industrie und Landwirtschast usw. im ganzen Kanton ausmachen und es sich ferner in der Uhrenindustrie um eine Industrie handelt, die sehr stark den Schwankungen des Weltmarktes ausgesetzt ist. Versichert werden sollen Arbeiter und Arbeiterinnen in, Alter von 18 bis SS Jahren und insoweit ihr Jahresverdienst 4000 Fr. nicht übersteigt. Eine seltsame Bestimmung ist der zwei- jährige Aufenthalt von Ausländern im Kanton Neuenburg, ehe sie der ArbeiiSlosenversicherullg beitreten dürfen. Unzweckmässig erscheint auch der grosse 27 gliedrige Verwaltungsrat der Kasse, wo- von neun Mitglieder durch die Regierung und je neun durch die Arbeiter- und Unternehmerorganisationen gewählt werden sollen. Finanziert wird die Kasse durch Beiträge der Arbeiter von 1 Fr. und der Arbeiterinnen von 70 Cts. monat- lich und durch Beiträge der Unternehmer und des Staates in gleicher Höhe. Die Arbeilerbciträge sollen die Unternehmer vom Lohn ab- ziehen und an die Kaste abliefern. Die tägliche Unterstützung be- trägt 2 Fr. für ledige, 2,50 Fr. für verheiratete Arbeiter und 1,50 Fr. bezw. 2 Fr. für die Arbeiterinnen, ausserdem 25 Cent. für jedes»lind unter 17 Jahre». Der Verwaliungsrat kann diese Unterstüynngslätze reduzieren oder die Beiträge erhöhen. Mit der Vollendung des 65. Lebensjahres können die Versicherten aus'der Kasse austreten und wenn sie 120 Monatsbeiträgs geleistet haben, die Riickbezahlung des über die erhaltene Unterstützung binaus geleisteten Beitrages verlangen. In jedem der sechs Bezirke wird ein Bureau mit Arbeitsnachweis für die Arbeitslosenversicherung errichtet. Der ganze Entwurf sieht sich als ein blosses Erperimenl an und eS ist dann auch eine„Versuchs- dauer" von 10 Jahren in Aussicht genommen. Jedenfalls ist der vorliegende Gesetzentwurf noch sehr verbesserungsfähig, auch im Sinne der Ausdehnung der Arbeitslosenversicherung aus alle Lohn- arbeiier. Senckts- Leitung. veberflüssige Anklage. Die Genossen Rieh und Tröber standen als Angeklagte vor deckt Schöffengericht, weil Rietz polizeiwidrig eine öffentliche Tanzlust- barkeit veranstaltet, Färber sie in seinem Lokal geduldet habe. Am 1. Osterfeiertag veranstaltete der Wahlverein des sechsten Kreisen in den Pharussälen ein Vereinsvergnügen. Ein Kriminal- beaniter will zehn Minuten vor zwölf festgestellt haben, daß bereits der Tanz begonnen und der Kontrolleur am Eingange an zwei „halbwüchsige" Burschen, die betrunken waren, zwei Billetts ver- kauft habe. Rietz stellte dies in Abrede, es handelte sich um ehzi geschlossenes Vereinsvergnügen, zu dem nur Mitglieder Zutritt hatten. Richtig sei, daß bereits getanzt worden sei, das geschähe aber in allen geschlossenen Gesellschaften. Eine öffentliche Tanz- lustbarkeit könne nach der Polizeiverordnung erst am 2. Feiertag nach 8 Uhr beginnen, wenn dies auf Vereine auch zuträfe, könne kein Verein am 1. Feiertag ein Vergnügen mit Tanz abhalte)» Zeuge Metzer bekundet, daß er die zwei Billetts einem Mitglielie, das mit seiner Braut gekommen sei, verabfolgt habe. Auch Rietz stellt fest, dass er halblvüchsige betrunkene Burschen nicht gesehen habe, diese auch keinen Zutritt erhalten, tvenn es auch Mitglieder seien, hier müsse ein Irrtum des Kriminalbeamten vorliegen. Das Gericht kam zum Freispruch. Es nahm an, dass der Zeuge Meter nur an Mitglieder die Billetts abgegeben habe und es somit sich um ein geschlossenes Vergnügen handele. Auch wenn der Sachvotc- halt anders läge, müsste Rietz freigesprochen werden, da ihm der ganze Vorgang nicht bekannt war. Färber sei freizusprechen, w:il er von vornherein angenommen habe, dass es sich um ein geschlossenes Vereinsvergnügen handele._ Aus Deutschland verbannt. Die II. Strafkammer des Landgerichts Duisburg hatte sich um Mittwoch mit einer Strafsache zn befassen, die zlvar keinen Ap- geklagten aufwies, aber doch mit einer Verbannung aus ganz Deutschland endete. In einem sogenannten„objektiven Straswu- fahren" wurde verhandelt gegen tschechische Kalender, die ein Beix- mann aus Hamborn von der Firma NadaschewSki in Prag bezogen hatte, um sie unter seinen in Hamborn arbeitenden tschechischen Landsleutcn zu verteilen. Diese Kalender sollen lvegen eirngxr Bilder zur Erregung von Klassenhass und zur Aufhetzung verschje- deuer Bcvölkerungsklassen gegen einander geeignet sein. Heraus- geber der Kalender soll nach Annahme der Staatsanwaltschaft trie sozialdemokratische Partei in Böhmen sein. Um die Staatsgefähir- lichkeit der Kalender richtig abtaxieren zu können, hatte sich t as Gericht den Essener Polizeikommissar Leschnik als Sachverständic cn kommen lassen. Und dieser Herr kam zu dem tiefgründigen IlrtcHe, dass zwar der textliche Inhalt der Kalender nicht beanstandet werd in könne, dass aber einige Bilder höchst aufreizend und staatsgesährlich und daher zu beanstanden seien. Nachdem so die hohe Polizei cils Sachverständige geurtcilt, lag es nahe, dass auch das Gericht sich dieser Weisheit nicht verschliessen konnte. Es erkannte„Von Rechts wegen" dahin, dass die Kalender zu beschlagnahmen und aus ihwxn die gefährlichen Bilder(inkl. Titelseite) zn entfernen, und daß dann der übrige textliche Inhalt den Adressaten zuzustellen sei. Gleichzeitig wurde aber auch auf Antrag der Staatsanwaltschesst gerichtsseitig die Einziehung und Unbrauchbarmachung sämtlichrr im Deutschen Reiche noch vorhandenen in diesem Kalender clck- yaltcnen„aufhetzenden" Bilder sowie der zu ihrer Herstellung i>e- nötigten Platten und Formen erkannt. Welcher Art diese gefälst- lichen Bilder waren, konnte die Berichterstattung leider nicht fest- stellen, da nur Staatsanwalt und Richter sie zu Gesicht bekam tn und die Kalender auf dem Zollamt beschlagnahmt waren, so dckss auch die Adressaten durch sie nicht haben„aufgehetzt" werden könne?» Also ist Deutschland wieder mal mit Hilfe der preußischen Polizpi einer großen Gefahr entgangen. Mordsgefährlich sind die Bilder— wie aufreizend ist dann ctlst das in Deutschland herrschende Elend und Photographien dcsselbei» Warum trägt die Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht nicht ztzr Verbannung des Elends aus Deutschland bei? Wie wäre es mit einer Anklage gegen die Verursachcr dieses Elends wegen Erregung von Klassenhass? Ihre Folge müsste in Konsequenz des 1lrtct.ts Verbannung der Agrarier, der Forderer des Miltkarismus und de? Kriegshetzer aus Deutschland sein. Würde das viel schaden? Ducllfexerei vor Gericht. Vor der Strafkammer in Bochum kam eine originelle Duell- forderung zur Aburteilung. Es handelte sich um die Forderung zum Duell, die ein Rechtsanwalt einem Amtsrichter hatte über- bringen lassen. Als bei einer Bagatellsache in Wattenscheid die Parteien nicht zu einem Vergleich geneigt waren, wandte sich der Amtsrichter Wermel an den von dem Rechtsanwalt Beckmann verteidigten Man- danten, dem er zusprach, doch auf eine Einigung einzugehen. Der Verteidiger verbat sich diese Handlungsweise, indem er entgegnete, der Richter habe kein Recht in seiner Anwesenheit seinen Man- danten zu einem Vergleich breitzuschlagen. Es kam zu einem hef- tigen Wortwechsel, wobei der Richter u. a. äusserte, man sei hier nicht in einer Wattcnscheider Kneipe. Schliesslich wurde der Rechts- anwalt in eine Ordnungsstrafe genommen. In einem schriftlichen Bericht, den der Amtsrichter über den Vorfall dem aufsichtführerideu Richter erstattete, war der Vorwurf gegen den Rechtsanwalt ent- halten, daß dieser nur in der Absicht um hohe Gebühren cinzu- heimsen sich stets gegen einen Vergleich sträube. Als der Rechts- anwalt hiervon Kenntnis erhielt, schickte er dem Richter den Apo- theker Höing als Kartellträger mit einer Forderung auf Pistole», 15 Schritt Entfernung, Entscheidung bis zur Kampfunfähigicit. Der Amtsrichter lehnte die Forderung ab, da die angebliche Be- lcidigung dienstlich gefallen sei und er sich auch als guter Katholik nicht schieße. Die Strafkammer Bochum verurteilte nunmehr den Rechtsanwalt Beckmann wegen Duellforderung zu 3 Tagen und den Apotheker Höing wegen Kartclltragens zu einem Tage Festungshaft. Mit diesem Urteil vergleiche man die drakonischen Strafen» die aus Anlaß des Bergarbeiterstreiks gegen Arbeiter und Arbeite- rinnen von Strafkammern in Bochum, Dortmund und Essen aus- geworfen wurden. Ein politischer Radfahrervercilt. Vor der Strafkammer in Sarau N--L. stcmdcni amn Montag dxr Vorsitzende des Radfahrcrvcrcins Wanderlust in Seifersdvrsi bei Sarau N.-L. und der Borfitzende des Radfahrcrvereins Einigkeit in Albrechtsdorji. Beide waren der AuGorderung des AintBivor- stehcrs, Statuten einzureichen und die Vors tan dsm i tgltede r auzu- melden�, nicht nachgekommen. Deshalb erhielt� jeder ein Straf- Mandat von 30 M. Das, Schöffengericht zu Sarau sprach beide Angeklagten frei. Ebenso am 18. Dezember. 1911 die Strafkammer. Der Staatsanwalt legte aber Revision ein. Das Kammergerickt hob das Urteil auf. In der gestrigen! Verhandlung verurteilte die Strafkammer die beiden Vorsitzenden zu je 15 M. Geldstrafe. Der Vorsitzende begründete das Urtleil damit, dass in Offeribach, Karlsruhe usw. ähnliche Urteile gefällt worden sind. Das Bundes- organ, der„Radfahrer", sei politisch, und dadurch, dass dieses Organ gelesen wird, kommen bei de»! Mitgliedern und deren Angehörigen sozialdeimokvadische Ideen ins Haus. Das bezweckten auch die Bereine»_ ßnefbaften der Redaktion. Sie kurlstlschc Sprechstunde findet Ltnden st ratze KS, vor« vier Treppe» — Fatzr stuhl—, wochenläglich von Ui bis 7>z> Uhr abend», Sonnabends, von iV-j bis 6 Uhr abendS statt. Jeder für den Brieflasten bestimmten Anfrage ist ein Buchstade und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen leine Abonnementsquittuiig beigefügt ist, »erden nicht beantwortet. Eilige Fragen«rage man in der Sprechstunde vor. O.<3. 1883. Für den Fall der Klage würden Sie verurtetlt werden. — K. LOS. Sie sind zutreffend eingeschätzt, Ihre Frau kann eöensalls noch zur Kirchensteuer herangezogen werden. 2. Die Sieucrpflicht erlischt mit Ende Kalenderjahres 1913. Ihre Frau bleibt alsdann noch stcuer- vflichtig, Sie persönlich sind nicht baslbar.— 31. Z. 333. Nein.— 31. B. 48. Gesetzlich nicht.— B. 84. 1. Ja. 2. Die Rechtsprechung steht auf dem Standpunkt, dasi der Sühneversuch einige Tage nach der Ent- laffung beantragt werden mutz. 3. Es kommt aus die Art der Tätigkeit an. — 31. S- 100. 1. Es besteht keine Gesahr. 2. In zehn Jahren. — H. O. 34. 1. Nein. 2. Sie können nur gegen die Tochter klagen, die Klage mutz dem Vater als dem gesetzlichen Vertreter zugestellt werde». Falls dessen Adresse nicht ermittelt werden kann, ist beim Amisgericht die Bestellung eines Pflegers zu beantragen. 3. Ja, sosern dann nicht bereits Verjährung eingetreten Ist. Der Anspruch verjährt innerhalb zwei Jahren, beginnend niit Ende des Kalenderjahres. 4. Unseres ErachtcnS nein.— «r -»»ss-ssss� Ge-«i» die besten Glückwünsche zur Vermählung. 245/4 K Die Genossen von Rosenthal, m Rosenlhal, den 0. XI. 12. i/; eis tv Ä �ssssssssessseese� Todes-Anzeigen|| Sozialdemokratischer Wabiverein Heukölln. Den Parteigenossen zur Nach- vicht, datz uiijcr Mitglied, der Fraifer Knr! Dieckert (Kirchhosstr. 49, 10. Bezirk) verstorben ist. Ehre seinem Andenken _©ie Beerdigung findet heute Sonnabend, nachmiliagS 3 Uhr, von der Leichenhalle des Neuköllner Gemeinde- Fricdboses, Marien- dorser Weg, aus stalt. Um rege Beteiliglnig ersucht Der Tlorslanb. Deutseher Transporlarheiter-Verhand. Bajirksverwaltung Groll-Berlin. Den Mitglieder!- zur Nachricht, datz unser Kollege, der Lager- arbeiier Ulbert Wolski am 6. November im Alter von 50 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 9. November, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Neuköllner Ge- mcinde-FricdhoseS, Mariendorser Weg, aus statt. 68/10 Um rege Beteiligung ersucht Die Bezirksverwaltung, Zähne Plomben, beste Aus- , sührung, billigste Preise. ' Gegr. 1889. Jacobson, Deutscher Hetailarheiter-Verhand Verwaltungsstelle Berlin, Den Kollegen zur Nachricht, datz unser Mitglied, der Fraiser Karl Dieckert am 6. 6. MtS. an Lungenleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 9. d. MtS., nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Gemeinde-Fried- hoses in Nciiköllii, Mariendorser Weg, aus statt. Ferner starb die Arbeiterin unser Mitglied, Marie Krüger am 7. d. Mts. Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 9. November, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Gemeinde- Friedhojcs in Stahnsdorf aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet 132/18 Die Ortiverwaltung| Am Donnerstagabend 9 verstarb meine liebe Gattin Uhr psuline Meckel. Die Beerdigung findet am Svnn- lag, den 10. November, nach- niiltagS 3 Uhr. vom Trauer- Hanse, Cbansseestr. Sick aus nach deni Parlsttedhof statt. 1179b Um stille Teilnahme bittet vor' trauernde Gatte Peter nöckcl. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung unsere» guten VaterS, Schwiegervaters, Schwagers und Onkels, des Tischlers Karl Rieß sagen wir allen Freunden.Verwandlen und Beranniell, sowie Herrn Melle, den Sängern und den Kollegen der Firma E, Brämer unser» besten Dank. Geschwister Plev. Deutscher Buchbinder-Verhand. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unsere Kollegin Martka Hartmann langer am 5, November nach Krankheit gestorben ist Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 9. November, nach- mittags ll25 Uhr, aus dem Heilig- Kreuz- Kirchhof in Mariendors statt. 26/3 Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Ortsverwattung. Deutscher Tatiakarbeiier-Verband Ortsverwaltung Berlin. Am Mittwoch, de» 6. November, abends Il'/j Uhr verstarb im Alter von 40 Jahren der Kollege Bruno Berg aus Berlin. Sein Tod beendete jahrelanges Siechtum. 188/3 Ehre seiiiem 3t!idenkcn! Die Beerdigung findet am Sonn- abend, den 9. November, nach» mittags S'/j Uhr, von der Halle des neuen'Nicder-Schönhausencr Gemeindcsricdhoscs ans statt. Um recht rege Beteiligung bittet Die Orttiverwaltung. -nl-» ■ VJt mumm jyi o/iren�rasse 37M -v/l m Ivt? tX l xm im m <> Vi •4 W W Viel blliiser wie sonst verkaufe ich in den nächsten 4 Tagen, soweit Vorrat, üüü PBüschmMntel b kurz und lang, zum Teil pan« auf Seide, Id engl, Seal und deutschem Velour 18.—, 22.—, 26-, 30—, 36.— bis 190.— Ulster 8—, 12.—, 16.-, 20—, 25.— bis 80— Abendmäntel, Kleider, Röcke, Blusenl Kostüme 14—, 18—, 24-, 32.-, 40— bis 120— 1 Wegen Aufgabe der Pelz•Abteilung: Zu Jedem annehmbaren Preise Eleetrlc. Skunks, Hermelin, Stein» mardcr.Orenburger Stolen u.Muireia Persianer-Jacketts— PelzmSnfel Sonntag geöffnet von 12-2 Uhr. 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Nr. 263, 29. Iahrgm?. 2. KnlM Ks Lmärls" Anlim AllisdlÄ Sonnabend, 9. Novmbtt l9!2. Se«»erksckaftUckes. Ein GeneralappeU der deutfchen Holzarbeiter. Der Holzarbciterverband steht in den nächsten Wochen im Zeichen einer außerordentlichen allgemeinen Agitation, die bereits mit der Verbreitung eines Flugblattes in allen Verbandsbezirken eingeleitet worden ist. Die neueste„Holz arbeiter-Zeitung" repräsentiert sich in gediegener Aufmachung und beträchtlich erweitertem Umfange als besondere Agitations> nummer und dementsprechend ist auch ihr Inhalt dicSma' sorgsam der Situation angepaßt. Aufklärenden Artikeln ül das eigene Programm und die Taktik der Arbeitgeberverbänd folgen Mahnworte an die Frauen und die Jungmannschaft der Holze � �' machung—,——.............______■ Agitationsversammlungen, während der VerbandsvorstlUfK-dke {und die teilweise Herabsetzung der Hilfsarbeiterlöhne gaben meh- reren Rednern Veranlassung, das unsoziale Verhalten der Unter» nehmer scharf zu kritisieren. Borsitzender Görnitz empfahl in längeren Ausführungen, den drei Hauptfragen zuzustimmen, denn nur dann wäre es möglich, mit den Unternehmern in weitere Ver- hanndlungen einzutreten. Der Tarifentwurf selbst könne nicht zur Annohme empfohlen werden, aber bei weiterem Verhandeln würde sich mancher Uebclstand beseitigen lassen. Die 8 stündig« Arbeits- zeit werde sich wohl auch ohne Tarif schwerlich halten lassen; aber �Emndenlohn von öS Pf. für Hilfsarbeiter sei immerhin ein itt, denn der größte Teil arbeite jetzt zu niedrigeren Löhnen. würde zum ersten Male ein tarifliches Verhältnis für Dach- ilfsarbeiter geschaffen. ach einem kurzen Schlußwort HöppnerS, der nochmals die m g 21' HM . wu Gelegenheit ergreist, um die Mitglieder mit kurzen, pöckMden -- für den VcrsitM' zu recht Dung uns-r-r hundert im ganjen Reiche s>»ttfi»d-nien la dl, Migllch. keit genommen, mit den Unternehmern weiter zu verhandeln. Die Arbeiter haben aber durch den Beschluß auch gezeigt, daß sie nicht. gewillt sind, einen Tarif mit den Unternehmern abzuschließen, der ihnen erhebliche Verschlechterungen bringt. Nunmehr wurde darüber debattiert, ob es angebracht sei, den Kampf unter den gegenwärtig obwaltenden Verhältnissen weiter zu führen. Da die Konjunktur eine sehr ungünstige ist, wurde be» schlössen den Kampf abzubrechen und auf eine günstigere Zeit zu vertagen. Am Montag sollen sich die Arbeiter den Unternehmern wieder zur Verfügung stellen. Somit hat der Kampf, der 1b Wochen im Gewerbe tobte, vor- läufig sein Snde erreicht. steißja™ t luf bell 'tmzen einem t die und Worten auf ihre Pflicht, unablässig werben und die Versammlungen suchen, wie folgt hinzuweisen: der deutschen Holzarbeiter. Auf Front rüsten die Unternehmerorganisationen,< Schlage gegen die Arbeiterverbände. Das. letzteren, ihr Rüstzeug auf dessen Widerstandsfähigkelt die Organisation auf ihre Lückenlosigkeit zu prüfen. Zu diesem Zweck finden in der zweiten Hälfte des November in allen Zahlstellen de? Verbandes Holzarbeiterve rsamm- I u n g e n statt mit der Tagesordnung: DieKriegSvor- bereitungen der U n t e r n e h m e r v er b ä n d e für das Kampffahr 1913." Die Bemühungen der Verbandsltätung, gerade die gegen- w artige Zeit, dix nicht nur an den"Gesamtverband. sondern auch an jedes einzelne Mitglied hdhe Anforderungen stellt, weil wiederum schwarze Kämpft swbiken im Gewerbe sich zusammenziehen, zu einer recht inteftsiven Agitation auszu- nutzen, sollten von allen VerbandSmitgliedern verständnisvoll und nachhaltig unterstützt wcrdnu Darum wollen auch wir nicht verfehlen, an dieser...S elft die Holzarbeiter an ihre Aufgaben zu mahnen..' M Berltii iura Umgegend. Ter Kampf im TÄähRetkergewerbe abgebrochen. Ilm eine beide Parteien befriedigende Einigung in dem Kampf im Dachdeckergewerbe herbeizuführen, wurden mit den Unternehmern Verhandlungen angebahnt. Diese hatten daraufhin einen Tarif- entwurf ausgearbeitet, zu dem die Dachdecker und Hilfsarbeiter in einer Versammlung am Donnerstagabend Stellung nahmen. Gauleiter Höppner brachte den Tarifentwurf zur Verlesung und betonte, daß es sich um ein« endgültige Annahme des Tarifs noch nicht.handelst könne, sondern lediglich um Anerkennung der drei Hauptpunkte, die Lohnfrage. Arbeitszeit und Fahrgelde nlskhädigung. Würde die Versammlung in diesen drei Fragen dem Vorschlage der Unternehmer zustimmen, dann sollten über die anderen Tarifpositionen weitere Perhand- lungen gepflogen werden.— Der Tarff selbst hat schon von dem Geiste geatmet, wie- er gegenwärtig in den Unternehmerkreisen des Baugewerbes zu �finden ist Soll doch der abzuschließende.Tarif vorläufig nur bis zum 31. März nächsten Jahres— dem Tage, an welchem die Gültigkeitsdauer der Bauarbeitertarife abläuft— gelMu Die Arbeitszeit, die bisher 8H Stunden beträgt, soll H»ch dem Tarifentwurf wieder 3 Stun- den betxftgS«. also um eine halbe Stunde verlängert werden. ��Stundenlohn soll für Dachdecker 35 Pf, und nach Ab- schlutz eines neuen Bauarbeitertarife» 5 Pf. mehr als für Maurer und Zimmerer«tragen. Die Hilfsarbeiter sollen einen Stunden- lohn von 55 Pf. erhalten, obgleich heute schon vielfach 80 Pf. bezahlt werden. Di« Unternehmer haben beschlossen, nur weiter zu ver- handeln, wenn die Arbeiter in diesen drei Hauptftagen ihrem Von- schlage zustimmen. Sie wollen also— auf ihre Macht gestützt— den Arbeitern die Verschlechterungen mit aller Gewalt auf- oktroyieren. Dies Vorgehen rief natürlich in der Versammlung große Empörung hervor. In längerer Debatte wurde teils für An. nähme, größtenteils jedoch für Ablehnung der Unternehmer- Vorschläge plädiert. Besonders die Verlängerung der Arbeitszeit Di« Direktion der Bergmanu-ElektritStSwerke verlin kl. übt mit Bezug auf die bevorstehenden VertrauenSmännerwahlen zur Privat- angcstelltenverstcherung ein sonderbares Verfahren gegen eine bisher weniger in der Oeffentlichkeit hervorgetretene Beamtenschicht ans. ES handelt sich um die Berufslategorie der Werkstatlschreiber, welche durch die Entwickelung der Großbetriebe in ganz bedeutender Zahl vertreten sind. Die A. E.- G.« Fabriken allein beschäftigen schon nahezu 400 Werkstattschreiber, während die Bergmann-Elektrizitärs- werke ebenfalls weit über 100 dieser Angestellten zu verzeichnen haben. Wenn selbst die Lohn- und Arbeitsverhältnisse für diese Angestellten bei den A. E.- G.- Fabriken noch als äußerst schlechte be- zeichnet werden müssen, hat man wenigstens im Direktorium dieser Gesellschaft daS Verständnis dafür gefunden, daß die Werkstattschreiber als Angestellte zu betrachten seien. Die Firma Bergmann dagegen sträubt sich auf daS entschiedenste, die Werkstatlschreiber als Angestellte im Sinne des Angestelllenversicherungsgesetze« zu betrachten und verweigert ihnen die Ausgabe der VerficherungSkarten. Die Werkstattschreiber hatten daraufhin eine Versammlung abgehalten, wo beschlossen wurde, die vom Gesetz gewährleisteten Rechte in An- spruch zu nehmen und sich selbst die Verflcherungskarte« zu beschaffen. Nachdem so die Angestellten ihre Rechte wahrgenommen hatten- wurden die Karten von der Versicherungsanstalt der Firma Berg- mann zur Kenntnisnahme und Verteilung wieder eingesandt. Die Firma Bergmann ließ nunmehr nachforschen, wer der Attentäter war, der sich diese Frechheit erlaubte, die VersicherungSkarten von der Ausgabestelle zu besorgen. Als daS Resultat der Nach- sorschungen resultatlos verlief, teilte mau in schroffem Tone mit, daß die Firma Bergmann die von der vgr- sicherungsanstalt erhaltenen B erst ch e r nn g S ka rten überhaupt nicht aushändigen wird! Damit versucht die Firma einen Einbruch in die Rechte der Angestellten. Wir wollen der Firma Bergmann verraten, daß e» nicht die Angestellten des Betriebes waren, welche die VerficherungSkarten besorgt hatten, sondern daß der Verband der Bureau- angestellten Vorkehrungen getroffen hatte, um den Werkstatt- schreibern die Ausfüllung der Karten zu ermöglichen. Trotz dieser Unterschlagung von feiten der Firma Bergmann richten wir an sämtliche Werkstattschreiber und Schreiberinnen dieses Betriebes das Ersuchen, auch ohne die Karten am Sonntag, den 10. November an die Wahlurne zu treten, und dem Wahlleiter auf Befragen zu erklären, uns ist von der Firma Berg» mann die Versicherungskarte vorenthalten war- den. Der behördliche Protokollführer muß diesen Vorgang im Protokoll vermerken, so daß Gelegenheit gegeben ist, weitere Schritte in der Angelegenheit zu unternehmen. Die Schlosser für Oberlichtfensteröffner stehen in einer Tarifbewegung. Zur Regelung der Arbeitsverhälwisse haben sie einen Akkordtarif aufgestellt, dessen Anerkennung sie von den Unternehmern verlangen. Da es sich in der Regel um Bauarbeit handelt, kommt außerdem noch der Bauschlosscrtarif in Betracht, für den ebenfalls die Anerkennung gefordert wird. Per- schiedene Firmen haben die Forderungen der Arbeiter bewilligt, mit einigen wird noch verhandelt, während einzelne, wie die Firma Sperling in der Warschauerstraßc, sich sehr ablehnend Verhalten. Bei Sperling besteht seit dem 30. Oktober ein Streik. An diesem Tage kam es auch bei Paul Lindstcdt zum Streik, aber die Differenzen wurden durch eine erfolgreiche Verhandlung schnell erledigt und die Arbeit konnte am nächsten Tage schon wieder aufgenommen werden.— In einer Versammlung, die am Donners- tagabend stattfand, berichtete B ehrend vom Deutschen Metall- arbeiterverband über den Stand der Bewegung, den er als günstig bezeichnete. Von den schwebenden Verhandlungen erwartet er ein beftiedigendes Resultat, wenn nur die Arbeiter fest zusammen- halten. ES handelt sich um nicht viele und nur kleine Firmen, die nicht über 15 oder 18 Mann beschäftigen. Die Versammelten beschlossen, den Streik bei Sperling kräftig zu unterstützen und jede Streikarbeit zurückzuweisen. Sie waren sich einig darüber, daß der aufgestellte Akkordtarif in allen Betrieben durchgeführt werden muß, um zu besseren Arbeitsverhältnissen zu gelangen Wie man für die Gelben mirbt. Immer wieder wird von Firmen berichtet, die Stellenbewerbern in ihren Anstellungsfragebogen die Frage vorlegen, welcher Orga- nisation sie angeschlossen sind. Manche gehen, wie die„Deutsche Jndustriebeamten-Zeitung" nntieilt. sogar noch weiter und vertan- gen von dem Bewerber die Unterzeichnung eines Reverses, in dem er ausdrücklich versichern muß, daß er nicht den, Bund der technisch- industriellen Beamten angehöre. Zweifellos sind schon Fragen nach der Zugehörigkeit'zu einer Berufsorganisation Eingriffe in die Koalitionsfreiheit, denn die Mitgliedschaft eines Angestellten bei einem Verbände hat an sich nicht das geringste mit dem Dienstver- hältnis zu tun. Den Gipfel in der unmoralischen Einwirkung auf die Organisationszugehörigkeit ihrer Angestellten erklimmt aber doch die Elektrizitätsgesellschaft„SanitaS" in Berlin, die einem Bewerber auf einer Karte schreibt:„Wir machen Sie darauf auf- merksam, daß Sie bei eventueller Anstellung dem „Gelben Arbeiterbund" beitreten müßten. Hier wird es also geradezu zur Bedingung für die Anstellung gemacht, daß der Angestellte sich einem gelben Arbeiterverein anschließt. Wie sagte doch RnSkin?:„Deine Arbeit sollst Du verkaufen, Deine Seele aber nicht."— Es gibt aber, wie das Beispiel zeigt, immer noch ge- wisse Scharfmacher, die glauben, für ein kümmerliches Gehalt den Angestellten mit Leib und Seele kaufen zu können. Da» sind die- selben, die bei ariderer Gelegenheit sich hinstellen und über den „TerrorismnS" der Gewerffchasten zetern. Achtung, Friseurgehilfen! Wegen Tarifbnich für Verbands- Mitglieder gesperrt: Grund, Adalbertstr. 06, und S ch m a l i s ch, Adalbertstr. 08. Geregelt: Ponzel, Skalitzer Str. 73. Verband der Friseurgehilft«. Deutfdres Reich. Wahlen zur Angestelltenverficherung. In Magdeburg wurden für die Liste der Freien Vereinigung 930 Stimmen abgegeben. Die verbundenen Listen des Hauptaus- schusseS brachten eS auf 2713 Stimmen, während drei weitere, eben- falls verbunden« Listen 1881 Stimmen erhielten. Auf die Freie Vereinigung entfällt danach ein Vertrauensmann und ein Ersatz- mann,„auf die Listen des Hauptausschusfes drei Vertrauensmänner und fünf Ersatzleute, auf die dritte Liste ein Vertrauensmann und vier Ersatzleute. In B res lau standen sich nicht weniger als 11 yisten geaep- über, von denen 8 für M« Freie Vereinigung, 8 für den Hcnxpl. ausfchuß verbunden waren. Die Freie Vereinigung erhielt mit 2134 Stimmen 7 Mandate, der Hmiptausschuß mit 4377 Stimmen 14 Mandate. Als bemerkenswert muß hervorgehoben werben, daß der Hauptausschutz seine große Stimmenzahl nur den weib- lichen Angestellten verdankt, die sich für die Reaktionäre ködern ließen und allein 1650 Stimmen aufbrachten; die 7-Männerlisten des HauptauSschuffeS hatten nur 2727 Stimmen. Am kläglichsten schnitt der Deutschn-aiionale HandlungSgehilfenverbanid ab, der auch in Breslau den größten Mund hat und bei 454(I) Stimmen mit einem Vertrauensmann und einem Vertreter vdrliebnehmen muß._ Zur Aussperrung in de, Untongirßerei zn Königsberg. Der Kampf dauert unverändert fort. Die- Direktion zieht immer mehr Streikbrecher nach Königsberg. Die Arbeiter»nd Handwerker de? Betriebes hatten dieser Tage daS Gewerbegericht als EinigungSamt angerufen. Die Direktion ließ sich jedoch auf Verhandlungen nicht ein und bekimdete damit, daß es ihr lediglich- um eine Machtprobe zu tun ist. ffler S7663. fiiiehhandlung Vorwärts, Lindeostr. 69 ■(Laden)—————— J. B. von Schweitzer Politische Aufsätze und Reden. Mit Einleitung und Anmerkung herausgegeben v. Fr. Mehping. Sozialistische Neudrucke V. Preis brosohiort S.— M., gebnndon 4.— M. I fSr Greift zu! Tod. Hsrrn, der sich sieg. n. bill. kleiden\rill, empfehle eleg. Monatsgarderobe in feinsten Werk- stätt. 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Beiträge werde» entgegengenommen._ 6/141 Wer Arbeitsnachweis: Hos L Amt Norken, Nr. 1239. Ifmltluptelle Berlin CharitSstratze 3. Montag, den 11. November 1912: ISezirl»- Versammlungen für die gesamte Verwaltungsstelle Berlin in folgenden Lokalen: Horden: Phamsslile, Mtillerstr. 148, abends s>/z Uhr. Norden' Pestsäle,®chwebtec Strafte 33, abends Horden: v»N»ol»nilvSei'» Badstr. IS, abends 8',, Uhr Reinickendorf, Eichbornstr. 18, ' �oMlai'ts Festattie, abends 6 Uhr. »»«»»: Weslen und Stliiineberg: Haupts, r. 30/31, abends 8'/, Uhr. Osten: Comenlassttlc, Memeler Str. 67, abends S'/j Uhr. Lielitenberj: Ssr""*''•*'»'«"•••"• Stralau und Rummelsburg: SmSÄIvÄ''' Weißensee:„Prillaten«, sehderstr. 133, abends 5'/, Uhr. SÜ''eilb0Zirke* Hohenftal>Icn8ttle' Kottbuser Damm 76, „ Süd-Ost: Waldemarstr. 75, abends 8'/, Uhr. ��llkÖlln' Bergstr. 151/153, abends CliarlOUenbUr(|: Volkshan«, Otoiinent/r. 3, abends S1/, Uhr. CtanlitT* Schellliases Feststtlc, Ahornstrafte 15, OlcyillZi. abends S'/j Uhr. Köpenick u. Friedrielisüagen: Strafte 1, abend» S'/j Uhr. nhois Cahnnouioillo* Prochowskl» Oberschöneweider UUCl diuoilcncmc. Terelnshans, tKachaueftu, 13, abends L-/. Uhr. �nanefon• Pczells Restaarant, Pichelsdorfer Strafte 5, dpdDUall. abends 8>/, Uhr. Tagesordnung in allen Versammlungen: 1. Vllltfgg liböf die bevorstehenden Gewerbegerichtswahlen. ftieserentcn sind: Behrend, Bruckner, Hartmann, Henschel. Hetischold, Horn, Körsten, Laiignttschke, Liebenow. Link. Oehlert. Pawlowitsch, Ritter, Schneider, Siering, Wegner, Wnschick, Zernicke. 2. Stellungnahme zur Generalversammlung. 130/17 ntST Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Zahlreichen Besuch erwartet_ Die Ortsverwaltung. r nr Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Sonntag, den 10. November 1013. vormittags 10 Uhr, in den Jndnstrie-Festsäle», Beuthstrafte 10: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Der erste Verbandstag des Bauarbeiterverbandes. 2. Ausstellung der Kandidaten zur Delegiertenwahl. 3. Verschiedenes. Vollzähliges Erscheinen erwartet Der Borstand. Gruppe der Staker. Sonntag, den 10. November 1013, vormittags 10 Uhr, bei Jannaschk, Jnselstrafte 10: Mitgliederversammlung. Das Erscheinen aller Mitglieder ist unbedingt notwendig. 147/5« Die Gruppenleitung. fttiliank für itn GcnmndkdM öttlin. Bekauntmachung. Mit Wlaus dieser Woche wird die Freibantzwcigstclle Grünthaler Str. 5 geschlossen werden und sindet der Verlaus des?ireibankflei!ches von Mon- tag, den 11». November 1013 ab im neuen Geschäslslokal Bellermann- strafte 8—10 von vormittags 3—1 Uhr und nachmittags von 4— ö Uhr wochenräglich Natt. Berlin, den 6. November 1312. Die Unternehmerin: Schlachtvieh-Bcrsicherung vereinigter Bichlommisfionäre Berlins(B.a.G.) Der Borftand. D r. W i n d i s ch. Direttor. 236/8 HauptdiircaiJ: Hos III. Amt Norden. Nr. 1987. MatSorf- Astvria Cigarvltes Dockep 3 pf. CUo 5 Pf- 33/2» Eigene Kürschnerei. 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November, abends 9 Uhr: Leiief'si-Vei'Sitmmiullg der Mitglieder bei Haberland, Lintenftr. 73, am Roscnthaler Tor. Tagesordnung: 1. Wahl der Delegierten" Jahr 1913. 2. Antrag auf Zulassung sondere Orlslrankenkasse Reichsversicherungsordnui 3. Verschiedenes. Daran anschlieftend:'inrötiit' jKr General-VersammlDBf;' der Delegierten 1. Vorstandswahl: 1 Arbeitg 2 Arbeitnehmer. 2. Wahl der Revisoren für den Jahrk»� � abschlug 1912. i 3. Bericht über die Einsllhrung cwer höheren Beilragsstuse. 4. Verschiedenes. 281/26 Der Borstand. Gustav Schmidt. Vorsitzender. Kaufmann, junger, beabsichtigt Gründung eines Fabrikations- oder Handelsgeichäsles und suchlFachmann auch obne Kapital. Auslühriiche Offerten erbeten unter „faohmami" nach Postamt 30. Orlskrankenkajfe für dos Tapeurrkr-Gkllikrbe zu Äerlm. Einladung zu der am Freitag, den 15. No> vember 1013. abends 8'/, Uhr. im Gcwerkschaftshanse. Engel- ufer 15(SavI 5), stattfindenden General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Rechnungsbericht. 2. 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*/ �63. 29. iii�tjwj. 3. geilte des„DöllW'ris" Serlilltt AlksblM. s...«w,s.� Partei-?ZngL!Lgenbeiten. Verband sozialdemokratischer Wahlvereine Berlins und Umgegend. Außerordentliche Gcueral-Versammlnng am Sonntag, den 10. November, vormittags 9 Uhr, in den „Gerniania-Sälen", Berlin K, Chausseestraße 110. Tagesordnung: 1. Beschlußfassung über die zurückgestellten Anträge. 2. Wesen und Aufgabe der Arbeiterbildung. Referent Reichs- tagsabgeordneter Heinrich Schulz. 3. Bildungswesen. Jugend- und Kinderschutz. 4. Wahl eines Bildungsausschusses. 5. Kommunalpolitische Fragen. Referent Stadtverordneter Hugo Heimann. 0. Erledigung der eingegangenen Anträge. * Anträge: a) In der letzten ordentlichen Generalversammlung zurück- gestellt. Tcltow-Beeskow. Diejenigen Mitteilungen im„Mitteilungsblatt", welche der „Vorwärts" bereits veröffentlicht hat, sollen künftig im„MitteilungS- blatt" nicht mehr veröffentlicht werden. Der hierdurch freigewordene Raum ist für leichtverständliche Artikel zu benutzen, die auf den Zahlabenden vorgelesen und zur Diskussion gestellt werden können. Tcltow-Beeskow. DieVerbandsgeneralversainmlung Groß-Berlins möge beschließen, die Zahl der Delegierten zu dieser so zu reduzieren, daß auf 2dl) Mit- glieder ein Delegierter entfällt. Den kleineren Wahlkreisen ist eine Mindestdelegation von 10 Delegierten zu gewähren. Nicderbaruim. Auf je 200 Mitglieder ist ein Delegierter zu wählen. Vierter Kreis. Die Verbandsgeneralversammlung von Groß-Berlin wolle be- schließen, das Einkassieren des.Vocwärts"-Abonnements vom 1. bis 7. im Monat zu unterlasset d) Neue Anträge: Vierter KreiS. Der Wahlverein des vierten Kreises beantragt, die Verbands- generalversammlung möge beschließen: Für die zu errichtende Zentrale der Kinderschutzkommission ist ein geeigneter Sekretär anzustellen. Die Stellen für die beiden Sekretäre sind auszuschreiben. Niedcrbarnim. Die Generalversammlung Groß-BerlinS wolle beschließen: „Der Beschluß, wonach Referate bei Protest- oder DemonstrationS- Versammlungen nicht bezahlt werden, ist aufzuheben und an dessen Stelle der vordem schon bestandene sogenannte„Zonentarif" cinzn- führen."_ Zur Lokalliste. Aus Zeuthen T.-B. wird uns mitgeteilt, daß heute Sonnabend, den 0., und morgen Sonntag, den il). d. Mls., das neue Gesell- schaslshaus/z3 Uhr über dem Langen See dar. In langen sichelförmigen Ketten durchschnitten Schwärmgeister hoch in den Lüften die grauen Nebel. Es waren Wildenten, die die heimatlichen Gefilde verließen und mit lautem Geschnatter gen Süden zogen. Einzelne Nachzügler suchten mit raschem Flügelschlag ihren Schwärm zu erreichen.� Schon seit mehreren Tagen konnte man bei einbrechender Nachtzeil' und in den ersten Morgenstunden den Sammelruf dieser großen Wandervögel ver- nehmen. An Bliltvergiftung gestorben ist der 36 Jahre alte Kutscher Georg Kugler aus der Rheinsberger Sir. 2l. Wie sehr Vorsicht in der Behandlung von auch nur geringsügiacu Verletzungen am Platze ist, zeigt wieder einmal dieser Fall. Kugler war in einer Tischlerei in der Petersburger Straße als Kutscher beschäftigt. Vor acht Tagen fiel er hin und riß sich dabei am linken linterarm au einem Nagel. Er kümmerte sich nicht weiter um die Wunde, bis sie ihm am Diensiag so schmerzte, daß er seine Arbeit aufgeben und einen Arzt konsultieren mußte. Der Arm schwoll in wenigen Stunden so dick an, daß er iuS Krankenhaus gebracht und dort Weiler behandelt iverden mußte. Aber auch dort konnte man ihm nicht mehr Helsen. Die Vergiftung, die infolge der Vernachlässigung in der Behandlung der Verletzung, eingetreten war, war schon solveck fortgeschritten, daß alle Versuche, ihn zu retten, vergeblich waren. Gestern wurde er von seinen qualvolle» schmerzen durch den Tod erlöst. Der Mann war verheiratet und Vater eines Kindes. Tödlicher Bauuiifall in der Luftschiffhalle in Potsdam. Gestern nachmittag nach Anfnvhine der Arbeit ereignete sich in der Pote- damer Luftschiffhalte ein schwerer Unglücksfall. In» Jrimeru der Halle war auf hohem Gerüst-der Maurer Koch aus RowvWcS mit Arbeiten beschäftigt. Er tat-dabei offenbar einen Fehltritt, stürzte in die Tiefe und erlitt schwere innere Verletzungen, dem» er alsbald erlag, obwohl sofort Hilfe zur Stelle ivar. Fußballspiele der Arbciterturn- und Sportvereine. Am kommenden Sonntag finden in der 1. Klaffe folgende Spiele stall: Spandau- Fichte I in Spandau, Exerzierplatz, Seeburger Straße. Schöneberg— Weißensee in Tempelhof. Besseme, straße(Blanke Hölle). Spiel- beginn nachmittags �.ß Uhr. Arbeiter-Bildmigsschule. Wir erinnern, daß morgen (Sonntag) die beiden Kurse des Genossen G r u n w a l d wegen der Generalversammlung von Groß-Berlin aus- fallen müssen. Die regelmäßige Fortsetzung findet morgen über acht Tage, am Sonntag, den 17. d. M., statt.
Vorovt-J�acbHcbtem Neukölln. Mit der Provenicisc» Eiiifiihrnng eiiics amtlichen Wohmingsiiach- wcl>cS an den Anschlagsäulen erklärte sich die VerkehrSdeputation in rhicr letzten Sitzung cinverstaiiden. Der Ausstattung des Matchach- ufers uut Niedcrdruck-Starklichtlampcn wurde gcniäb dem Vorschlage der städtischen Werke von, 18. September 1012 zugestimmt. Mit der Ciiipstasterung von Koalinsteincn zur Kennzeichnung der Marklstände an, Maybachufer nach dem Vorlchlage des Tiefbauamtcs ist die Deputation einverstanden. Der Voranschlag für 1013 wurde in der emnahine auf 208 000 Mark, in der Ausgabe auf 28 000 Mark fest- gestellt. Die Genehmigung des Marllstnndgeldtarifs vom 1. April 1013 ab soll unter Zugrundelegung der bisherigen Sätze nachgesucht werden. Einen größeren Brand hatte die Neuköllner Wehr in der gestrigen Nacht an der Ecke der Riilii- und Pfliigerslrasze zu löschen. Als Vrauddircktor Pozdzich um 1 Uhr nachts mit der Hauplivache an der Brandstelle ankam, brannten dort auf einem WirtschaflShofe der Griebciiowschcn Erben mehrere Schuppen, Stallungen, Hölzer. Wagen, einige Leitern, Bretterstapel und anderes in grotzcr Ausdehnung. Der angrenzende Holzlagerplatz der Möbelfabrik von Pfaff-Berlin schwebte in großer Gefahr. Mehrere Stapel Bretter usiv. hatten schon sseuer gefangen. Der Feuerschein erhellte weithin die Nacht. Nach slxiidsnlangrm Wassergcbcn war gegen 5 Uhr die Macht des Feuers gebrochen. Die Ablöfchung nahm dann noch längere Zeit in An- ipruch. Um 0 Uhr wurde die Wehr zurückgezogen.' Bei dem Brande find Pferde nicht verletzt, nur 40 Hühner, einige Tauben und Enten sind verbrannt. Auch wurde ein Hund vermijzt. Die Entstehung des Feuers konnte nicht aufgeklärt werden. Trcvtow-Baumsckiulenwcg. In der gutbcslichtcn Mitglicdcrversammkung des Wahlvereins im Sportrcstaurant erstattete Gemeindevertrcter Genosse K i ß n e r einen recht sorgsam zusammengestellten und beifällig anfgenommencn Bc- richt aus der Eemeindcvcrtrctnng. Redner erwähnte, daß sich die Gemeinde in letzter Zeit kräftig entwickelt habe. Die Einwohner- zahl betrage zirka 30 000. Leider müsse gesagt lvcrden, daß imter den 3000 Eenicindeschülern sich nligefähr St0 Kinder befänden, welche durch Uiiterernährung und Degeneration in hohein Grade blutarm seien; bei einigem guten Willen der Gemeindevertretung ließe sich sehr viel für die heranwachsende Jugend tnn. An der DiS- kussio» beteiligten sich unter andern die Genössen Karow, Freigang und E. Lüdke. Karoiv erwähnte besonders die Nenschaffnng der Friedhofsordnimg und sprach seine Befriedigung über die Beseitigung der rigorosen Bestimmung betreffend Laienredcn und auch darüber aus, daß die Gemeiude den Bau zweier Berbreiiiiuugsöfcii betreib?. Steglitz. lieber die politische Lage sprach am Mittwochabeud vor einer von etwa 1000 Personen besuchten öffentlichen Bersammlnng im .Alkrechtshof" Genosse Philipp S ch e i d e m a n n. Der Saal wurde polizeilich abgesperrt, so daß Hunderte vergeblich Einlaß begehrten. Zunächst wies der Vorsitzende darauf hin, daß es endlich nach zähen Bemühungen gelungen sei, den„AlvrechtShof" frei zu bekommen. Desto größerer Nachdruck müsse auf den Boykott des„Schloßparks" gelegt, dcx„Albrcchtshof" hingegen nach Möglichkeit unterstützt lvcrden. Genosse Scheidemann entledigte sich seiner Aufgabe in vor- züglicher Weise. Am Scvlnß seines mit großem Beifall auf- gcnonmicncn Referats sprach Redner die Erwärlnna aus, daß die deutsche Regierung nicht nur ihre Hände iveglasse vom Balkan, sondern daß sie ihren ganzen Einsinß geltend machen muffe, damit auch Oesterreich sich nicht eilimische. Nach einem auseuernden Mahnwort an die Versammelten, sich der Organisation anzuschließen, wurde die imposante Versammlung mit Hochrufen aus die Partei geschlossen. SchKneverH, Der nächste PolkSnnterhaktilNgsabcnd ist der Einsührnng in die Kuuftmusik gcividmct und soll das Volkslied und der Bolkstanz zur Geltung kommen. Ausführende sind die Neue Berliner Kammer- inusil-Vcremigung sowie Fräulein Hedwig Scocick, Gesang; Herr Johannes Pelden, t. Violine; Herr Heinrich Mclzer, 2. Violine; Herr Werner Göhre, Viola; Frau Nina Gobcr-Vclden, Vioioncell; au: Harmonium Herr Ernst Schaub. Die Aufführung findet am Sonntag, den 10. November, nachm. 4' Uhr, in der Aula der Hohenzollernschnle, Bclziger Str. 48 statt. Billetts zum Preise von 30 Pf. sind in der Spedition Martin- Lutber-Straße 69 sowie in den VerkausSIäden der Kolisiimaeilosscn« schaft zu haben. Maricndorf. Ans der Gevieilidevertrelling. Bor Eintritt in die Tagesordnung widmete der Gemcindevorstchcr dein verstorbenen Schössen Grothe ciiic» ivarm empfundenen Nachruf. Sodann wurde der ncngcwählie .Sckiöffe Freiherr v. Hühnefcld in sein Amt eingeführt, der dann in seiner Dankrede für die Wahl besonders den Vertrcicrn, deren Siinimcn er nicht bekommen hatte— unseren Gcnoffen— vcr- sicherte, daß er sich durch eine selbstlose, der Allgemein- h:it dienende Tätigkeit mit der Zeit auch deren Pcmmicn erringen werde.— lieber die Ungültigkeitserklärung der Gcm.'mdeverordnetenwahlcn liegt muunehr das Urteil vor. Die Siieitfrage ist bekanntlich in zwei AbstimmungSbezirken nutet c tu ein Wahlvorsteher cutstanden, was nach der Laiidgemeliidcordnung linzlilnksig ist. Genosse Reichardt konnte die Herren daran erinnern. daß voll ihm seinerzeit schon sin Sinne des Oberverwaltungsgerichls die Ungültigkeit nachgewiesen worden sei. Damals sei die biirger- liche Mehrheit, an'der Spitze der Gemcindevorstchcr, entgegengesetzter Ansicht gewesen. Jetzt plädierte der Gemeindevorsteher, nachdem er den Irrtum eingesehen, selbst für Anerkennung des Urteils. Die Mehrheit stimmte dem zu und man verzichtete auf den weiteren Rechtsweg. DerFleischvcrkauf findet jetzt jeden Mittwoch von 8 bis 12 und von 4—6 Uhr statt. Die Preise bleiben dieselben. Es sei nochmals darauf hingewiesen, daß jeder Käufer vorher im Rat- haus einen Berechtigungsschein aus Grund seiner Stcuerlegilimation, der kostenlos täglich sin Rathaus zu haben ist, erwerben mutz. Lichtenrade. Einen qualvollen Tod hat der 64 Jahre alte Schlosser August Kaschmickat erleiden mllffen. In dem Dr. Pauflerschen Sanntoriimi war vorgestern eine Petroleumlampe umgestürzt und zur Explosion gekommen. Es entstand ein Feuer, und K., der gerade in der Nähe weilte, lief herbei und beteiligte sich an den Löicharbcilen. Leider sollte er sein Rettungöiverk mit dem Tode büßen. Seine Kleider singen Feuer imdK. versuchte die Flammen dadurch zu löschen, indem er sich brennend in ein Bett ivarf und die Decke über sich riß. Es war aber leider schon zu spät. Wohl erstickten die Flammen, doch halte der Aermfte inzwischen bereits am ganzen Körper furchtbare Brandwunden erlitten, sodaß er kurz daraus durch den Tod von seinen Qualen erlöst wurde. Lllt-Landsbcrg. Bei der Stadwcrordnetcnwahl, an der sich u»sere Genossen zum erstenmal beteiligten, wurde trotz der für die Arbeiterschaft un- günstigen Wahlzeit ein schöner Erfolg erzielt. Wenn eS auch nicht gelungen ist, unseren Kandidaten im ersten Wahlgang durch zu bc- kommen, so besteht doch alle Aussicht, in der Stichwahl den Sieg zu erringen. Es erhielten Stimmen: Genosse Studier 40, zwei bürgerliche Kandidaten 82 und 10 Stimmen. Die Stichwahl findet am M o n t a g, den 26. N o v e m b e r. abends zwischen 6—6 Uhr statt. Parteigenossen! Tut bis dahin Eure Pflicht. Es kommt auf jede Stimme an. Auch die von Altlandsberg verzogenen Genossen haben die Perpslichiung, am Wahltage ihre Stimme für unseren Genossen Karl Studier abzugeben. LUein-Schöncbeik-Fichtettau. Die Gemeindevertretung beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung mit dein Antrage unserer Genossen, Maßnahmen zur Beseitigung s der herrschenden Teuerung zu treffen. Unsere Genossen ersuchten die Gemeindevertretung, an den Bundesrat und Reichstag die bekannte Eingabe zu richten; weiter, in Verbindung mit anderen Gemeinden Einrichtungen zur Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln, hauplsächlich Fleisch, zu schaffen. Der Antrag ist bereits vor längerer Zeit eingereicht worden und hätte deshalb schon der vorigen Sitzung unterbreitet werden müssen, er konnte jedoch, wie der Gemeinde- Vorsteher einleitend erklärte, erst jetzt verbandelt werden. Nach eingehender Begründung durch unseren Genossen Tobias. der nicht unterließ, die volksfeindliche Haltung der Negierung und des Junkertums gebührend zu kennzeichnen, beschloß die Gemeindevertretung einstimmig, sich der Petition der Gemeinden Groß-BerlinS anzuschließen und die Forderung unserer Genossen auch zu der ihrigen z» machen, und ferner, durch Vcr- bindmig mit Friedrichshagen russisches Fleisch von Berlin zu beziehen und an die hiesige Bevölkerung abzugeben. Die Arbeiten dazu sollen sofort beginnen und zioar durch eine Kommission, der unser Genosse Tobias angehört. Beschlossen wurde u. a. noch die Per- sorguüg des bewohnten Teiles der Kolonie Grätzivalde und die Be- leuchtung des ZufahrlsivegeS zu diesem OrtStcil mit Gas, ferner die Verringerung der Breiten von Nebenstraßen, die weder als Vcr- kehrS- noch als Geschäftsstraßen in Betracht kommen. Noscnthal. Ans der Gemeindevertretung. Vor Eiisiritt in die Tagxs- ordnung beantragten unsere Genossen, dem Maschinenimcisi'er und den Maschinisten bvne Wasserwerk eine Teuerungszulage von 100 M. pro Kopf zu bewilligen! und dem Antrag der Dringlichkeit halfer mit auf die TageAordMwig zu setzene Die Dringlichkeit wurde vom Vorsteher Dr. Kruse und den bürgerlichen Vertretern jedoch nicht anerkannt, es soll in der nächsten Sitzung hierüber verhandelt werden. Die Kaitanienalloe soll chaussiert werden; von den hierzu vorliegenden Subnsissionen betrug das höchste Angeboii 25 500 M., das niedrigste 13 430 M. Genosse Mikbrobt kennZeichnew die Preis- differenzen in gebührender Weise. Der Borlage wurde zugesiimMt. Die Gemeinde beabsichtigt auf dem neuerschlossenxn Terrain eine Genieindeschule für die OrtSbeile Wilhelmsruch. Rosenthal und Nordend zu erbauen. Die Zahl der schulpflichtigen Kinder der drei OrtSieike beträgt) zurzeit 863 gegen 846 im Vorjahre. Die Aus- gäbe hierfür betrug in diesem> Jahre 89 661 M. und im Vorjahre 81 238 M. Dieses Projekt ist mit 150 000 M. veranschlagt. Die Vertreter verlangten nähere Informationen über die Ueberschrcitung zur nächste Nl Sitzung. Da die Klasscnfvequeuy der Schule eine sehr hohe ist, wird zum 1. April 1913 ein neuer Lehrer eingestellt. Leider muß eine Liegenjde Klasse eingerichdeii werfen. Der Sanitäts- kolonne vom Roicn Kreuz war im vergangenen Jahre die Turn- Halle für 60 M. zur Ausbildung im Trommeln und Pfeifen über- lassen worden. Sie bcantragix kostenlose UoberwcisunG was zu- gebilligt wurde.— Der A rbei ter sa ma r i ter kvlvnue, die ihren Zweck in der Ausbildung im Sainariterdicnft sieht und nicht in Trommeln und Pfeifen, wurde, nachdem bereits am 24. August d I. ein Antrag aufi Bewilligung von 100 M. zur Anschaffung von Geräten und Lehrnritleln vertagt worden war, die Summe einstimmig fe- willigt. Der Gemeindevorsteher hielt es für seine Pflicht, darauf Hinzuweisen, daß die Arfeiterfamariterkolonne dieselbe Tendenz verfolge wie der Arfeitcrturnverein, dem seinerzeit die Turnhalle von der Regierung) vorenthalten! wurde. Ter von der Gemeinde veranstaltete Verkauf russischen Fleisches hat bei der hiesigen Bevölkerung gute Ausnahme gefundene Von den 960 Pfund Rindfleisch und 1100 Pfund Schweinefleisch, die am Sonnabend cinirasen, Waren bis Mittag bereits 1400 Pfund verkauft und am MoN-tag tvar der Rest in den. ersten. Morgen- stunden bald vergriffen). Die nächste Sendung wird voraussichilich am nächsten Freitag eintrefsenp und wiederum bei Gahh, Edelweiß- straße, zum Verkauf kommen. Ebenso großer Beliebtheit erfreut sich der Jischverkanß der jetzt regelmäßig Dienstng feint Gemeinde- Vertreter Genossen Milbrodt stattsiitdet. Bereits zwei Sendungen zu je 6 Zcutnier Ina reu in wenigen Stunden«uSvermust. Kochbücher wurden gratis geliefert. Beruau. Ans das Gesuch der Stadt an den Minister, auch in Bernau russisches Fleisch verkaufen zu dürfen, ist bis jetzt noch keine Antwort eingetroffen; die städtische TeucrungSkommission sah sich daher genötigt, von dem täglichen Verkauf abzusehen. Der Verkauf von See- fischen, frischen Flundern, Heringen und Kartoffeln findet nunmehr Dienstag, Millivoch, Freitag und Sonnabend jede Woche im Vcr- kaufsrauin Königstroße von 9— II Uhr vormiltags statt. Bei größerer Nachfrage sollen auch andere Lebensmittel angeschafft werden. Nieder- Schönhause»». Ucber de» Flcischvcrkanf berichtete Bürgermeister Abraham in der letzten Gcnieindcverlretcrsitzimg. Der Beikauf habe ein günstiges Resultat gezeitigt, in der ersten Woche seien 18 Zentner Rindfleisch und 10 Zentner Schweinefleisch verkauft worden. Der bisherige Verkauf habe einen kleinen Ueberschuß ergeben, der aber zur Herab- sctzung des Preises wieder verwendet werden soll, vorausaesetzt�dah Berlin nicht noch Zuschuß verlangt. Ein regelmäßiger Verlaus könne vorläufig leider nicht statifinden, da die Znsuhr keine bestimmte sei. Bedauerlich sei, daß die hiesigen Schlächlcrmeister den Berk.nff illusorisch machen wollen, indem sie an den Tagen wo die Gc- mcinde Fleisch verkaufe, mit de» Preisen bedeutend hcrunterssehcn, an den anderen Tagen aber die Preise wieder erhöhen. Der Bürger- iiieislcr machte den Vorschlag, solange die Teuerung anhält, den Verkauf fortzusetzen. Herr Dr. Pratsch bedauerte, daß die Schlächter durch den Verkauf stark geschädigt wurden; in kurzer Zeit werde das gesamte Gewerbe ruiniert sein, was die Vertretung doch nicht wolle. Schars betonte der Bürgermeister, daß die Schlächter selbst schuld daran seien, die Kommission habe nur das Bestreben gehabt, die Notlage der Be- völkening zu mildern. Erfreulicherweise erklärle sich der größte Teil der Vertreter für Fortsetzung des Berkanfs. Hierauf beschäftigte sich die Vertretniig mit der Versügimg dcS Regierungspräsidenten, betr. die Erklärung der Linden-, Bismarck-, Blankenburger- und Kaiser- Wilhclm-Straße zu GeschäfiSstraßeil unter Wegfall der Vorgärten. AuS dem Bescheid tvar z» entnehmen, daß nur die Bisiuarckstraße als GrschästSstraße in Frage komme, jedoch müsse sich die Gemeinde verpflichten, die Nasenanlagen»in 3 Meter zu verbreitern. Er« wurde beschlossen, die Angelegenheit so lange ruhen zu lassen, bis über die vier Straßen entschieden sei. Zur Verbesserung der Nascnanlagcn des HohcuzollcrnplatzcS sollten 760 M. zur Verfügung gestellt werden. Die Vertretung war zunächst nicht geneigt, die Summe zu bewilligen; nachdem aber vom Genossen Br eitm a u u der Vorschlag gemacht wurde, die Herstellimg des Platzes schon jetzt in Angriff zu nehmen, um dadurch einen Teil der Gemcindcarbeiter vor der Entlassung zu schii tzen, wurde der Vorlage zugcslimiiit. Eine lange Debatie einstand durch die Frage:„Ist die Gemeindeverwaltung berechtigt, bei EtniS- nbcrschreiwngen Arbeilen herstellen zu lassen, ohne daß das Plenum die Betvilligiuig auSgesprochcu hat." Herr Aiignst Kuhlmann als Mitglied der KassenprüfmigSlommisfion verlrat die Ansicht, die auch die übrigen Redner teilten, daß die KassenprüfungSkomniission erst gefragt werden müsse, ob sie die EtatSiiberschreitung ginheiße oder ob sie dieselbe erst dem Plenum vorlegen wolle. Bürgernieistcr Abraham äußerte sich dahin, daß die Verwaltung stets daS Be- streben habe, sparsam zu sein; in vorliegendem Falle habe eS sich um Malerarbeiten in der Schule ViSmarckstraße gehandelt, die 260 M. betragen, in Zukunft werde der heutigen Aussprache Rechnung getragen werden. Die in Frage kommenden 250 M. wurden hieraus bewilligt. Kalkbeiste- Rüdersdorf. Zwei Unglücksfälle haben sich am Donnerstag im C. O. Wegener- scheu Betrieb zugetragen. Ein Arbeiter, der mit Oelen der Ma- schinen beschäftigt war, gerictz mit der Hand in das Getriebe, wo- durch ihm die Hand abgequetscht wurde. Der Verunglückte tvnrde ins Krankenhaus gebracht.— Ein zweiter Unfall trug sich am selben Tage kurz vor Feierabend gegen'/z6 Uhr auf dem Wegenerschen Neubau zu. Ein Arbeiter stürzte von einem sechs Meter hohen Gerüst. Er kam glückiicher'veise mit leichten Verletzungen davon. Spnudau. AuS der Stabtvcrorbiictcnversammlung. Ter kleine Zuhörer» räum war der wichtigen Tagesordnung wegen derartig überfüllt, daß derselbe abgesperrt werden mußte. Zunächst kam die Ma- gistratsvorlage zur Verhandlung, daß mit der Königlichen Unter- richtsverwaltung nach Maßgabe des Beschlusses der gemischten Koin- Mission vom 23. Oktober und des Magistrats vom 1. November der Abschluß eines Vertrages betreffend den Neubau des König- liehen Gymnasiums herbeigeführt werden soll. Nach etwa halb- stündiger Vcrfetndlung wurde trotz des Widerspruchs der Stadtv. Pieck und Weber die Weiterberatung in geheimer Sitzung bc- schlössen. Die Zuhörer mußten sich während der geheimen Sitzung, die über eine Stunde dauerte, auf dem Flur aufhalten, was allge- meinen Unwillen unter ihnen hervorrief. Es kam dann folgende dringliche Vorlage, betr. Anfrage der Stadtvv. Lüdicke und Genossen, zur Verhandlung:„Ist der Ma- gistrat bereit, darüber Auskunft zu geben, ob oder inwieweit die durch den„Anzeiger für das Havelland" unterm 4. November 1912 verbreiteten Angaben über die städtische Gasanstalt den Tatsachen entsprechen, gegebenenfalls welche Maßnahmen zur Abhilfe der etwaigen Mißstände und zur Abwendung der erheblichen finanziellen Schädigung der Stadtgemeinde der Magistrat zu ergreifen gedenkt." Da man mit den Vetriebsergebnissen wie mit der Beschaffen- heit des Gases schon längere Zeit nicht zufrieden war, wurde vor einiger Zeit eine Sonderkommisston mit der Untersuchung der An- gelcgenheit beauftragt. Diese Komniission hatte am 11. Juli de» Direktor der Maricndorfer Gasanstalt Pohmer mit der Prüfung der Verhältnisse unserer Gasanstalt in technischer wie in kauf- männischer Hinsicht beauftragt. Das jetzt vorliegende Gutachten enthält zum Teil ein stark absprechendes Urteil über die Gasanstalt. Es rügt den enormen Gasverlust von über 18 Prozent und führt die großen Gasverluste durch Undichtigkeiten im Rohrnetz zurück. ES habe sich an dem nach Nonnendamm führenden Hochdruckrohre gezeigt, daß das Rohr höchst mangelhaft verlegt ist. Durch den über das Normale hinausgehenden Verlust von 10 Prozent werde die Jahreseinnahme um 40- bis 60009 M. vermindert. Die Buchführung sei äußerst primitiv und in anderer Beziehung mangelhaft. Nach den Berechnungen Pohmcrs werde das Gas an Siemens-Schnckert auf dem Nonnendamm unter dem Selbstkostenpreis verkauft. Die Stadt verkauft das Gas an SiemenS-Schnckert— es handelt sich um die Riescnmenge von 2 Millionen Kubikmeter für das Jahr 1912— für 11 Pf. pro Kubikmeter, während nach dem Gutachten die gesamten Her- stellnngSkosten allein 11,7 Pf. pro Kubikmeter betragen. Die Stadt hat die GaSlicferung an Siemens-Schuckcrt zu 11 Pf. pro Kubik- meter auf 30 Jahre vertraglich übernommen. Oberbürgermeister Koeltze betont, daß das Gutachten dcS Direktors Pohmer nur durch einen groben Ve r t ra u�e n s b r u ch in die Oefsentlichkeit gekommen sein könne. Er beantrage, das Gutachten der Gasdeputation und dem gemischten Ausschuß zur Prüfung zu überweisen. Demgemäß wurde be- schlössen. Eine weitere Vorlage betraf den Verkauf von Gelände an Heinel-Fricdenan und Genehmigung der abgeänderten Bedin- gungcn. Durch den Einspruch des Zweckverbandes gegen das ur- sprünglichc Vcrkaufsprojclt ist, wie Stadtv. Bender referierte, ein neues Angebot der Stadt, betr. den Verkauf eines Teiles der städtischen Forst an den Architekten Hcinel, erforderlich geworfen. Da jetzt ein Teil des wertvolleren Geländes an der Oberhavel nicht verkauft werden darf, ist Hcinel ein anderer nicht so wertvoller Teil des Stadtwaldes angeboten worden- Hierfür hat er 3,60 M. pro Quadratmeter zu zahlen. Im ganzen sind Heinel 177 Hektar zum Preise von 4 Mk. pro Quadratmeter, rund 21 Hektar Rustwiescn zu 7 M. pro Quadratmeter und 19,8 Hektar zu 3,5 M. pro Quadratmeter zum Verkauf gestellt worden. Der Verkaufspreis für daS ganze rund 217 Hektar große Gelände beträgt OH Millionen Mark. Für die Aufhiihtntgen der Rustwiescn und die Herstellungskosten des Stichkaitals sollte Heinel ursprünglich 150 000 M. bezahlen. Diese Summe ist auf 134 000 M. ermäßigt worden, da ja dos ganze Gc- lände, wie ursprünglich beabsichtigt, nicht verkauft werden darf. Dem Stadtv. Kalte ist der Preis von 3,50 M. für das neue Gc- lande zu niedrig. Bürgermeister Wolf erwiderte, ein höherer Preis sei nicht zu erzielen gewesen. Gen. Pieck stellte den Antrag, daß der Käufer, außer für Kirchen und Schulzwecke, auch für ein Krankenhaus Gelände unentgeltlich zur Verfügung zu stellen habe. der Antrag wurde jedoch abgelehnt. Der ganze Vertrag wurde mit einigen Äenderungen angenommen. Unsere Genossen stimmten dagegen. Die Genehmigung eines Nachtrages zu dem Vertrage über die Errichtung eines Stadttheaters rief eine lebhafte Debatte hervor. Der Erbauer des Theaters will den Grund und Boden für das Theater um 1000 Quadratmeter vergrößern. Entsprechend der Vergrößerung des Bauplatzes und der höheren Kosten, welche das neue Projekt verursacht, wird beantragt.die Hvpothek der Stadt um 100 000 M. zu erhöhen und gleichfalls für die erste Hypothek die Ausbietungsgarantie zu übernehmen. Die Stadtv. Zschakig, Neusck, und Kanterowicz sprachen sich gegen das ganze Projekt aus. Gen. Pieper befürwortete dasselbe. Außerdem solle der mit dem Theater erbaute Saal allen Parteien zur Verfügung gestellt wer- den. Der Magistrat nehme es mit den Vorlagen nicht sehr ernst, da er jetzt mit einer Nachforderung von 100 000 M. komme.— Die Vorlage wird zwecks gründlicher Beratung an die zu verstärkende Thcaterkommission verwiesen. Der vorgcrückien Zeit wegen wurde die Beratung der nicht- erledigten Vorlagen auf die am 2t. November festgesetzte Sitzung vertagt._ SitziingStage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Petershoge». Am Sonnabend, den 9. November, abends 6 vhr, im Lokal von Bresche. Diese Sitzungen sind Sffcnilickj. Jeder GemelndcannehSrige ist be- rechlißt, ihnen als ZnhSrcr bciznwohiicn. JnFendveranstaltunge». Lichterfelde. Am Sonntag, den 10. November: Wanderung nach HermSdorf— Hciligcnscc— Finkcnkrug. Kosten 1 M. Treffpunkt'/.7 Uhr am Häiidclplatz. Bnefkaften der Redaktion. „Parstfal" ist als Oper bisher nur In Bayreuth aufgefilhrl worden. — E. 1601. Bei der Beranlagung sär da« kommende Steuerjahr wird der mutmlihliche Verdienst in, Slcucrjnhr berilcksichtigt werden, ganz gleich, ob Sic jetzt einen Antrag au? Ermäßigung der Steuer stellen oder nicht. Es empfiehlt sich aber, einen solche» Antrag an den Vorsitzenden der Etnkommcnsleueincrnnlagungskommission zu richten. Gegen einen clwa abweisenden Bescheid steht Ihnen die Beschwerde an den Finanzministcr zu.— E. 4T. Ob und iiiwicwctt Sie zahluiigspsiichlig sind, läßt sich nur nach Einsichtnahme in die Police beantworten.— A. I. Nein.— Zürich E. 113. Die Forderung kann noch beigctrieben werden.— 9k. N. 100. Heiratsurkunde imd, falls die Frau zur Zahlung der Losten nicht imstande ist, Armcnattest. Alsdann ist unter Darstellung dcS SachverhattS ein An- trag auf Bewilligung deS ArMcnrcchtS und Beordinmg eines NcchtSmiwaltS an das Landgericht zu richten. 2. Ja. sofern daS Vorninnds/tzasiS» gcrlcht die grau dazu bestellt. Ein dahingehender Antrag erscheint zweckmäßig.— G. 807. Besondere Papiere sind nicht nötig. Seyen Sie sich Mit der Watsenverwallung in Berbindumz. F. R. I:il. Das läßt sich wohl ilbcrhanpt nicht sagen, da in der Art„ix unterscheiden Ist.— St. 101. Stellung der Truppen.— 9l. Z. 04. In den Miisikalieiihnndlungeii, deren Adressen Sie im Adreßbuch II. Teil finbcii.— C. ft. 40. Nach Niickjprache mit dem Rektor der Gemeinde- schule, die Ihre Tochter besucht, brtngcii Sie Ihre Wünsche dem Direktor Oer für Sie in Frage kommenden Schule direkt zu Gehör.— M. L.OOOO. 1. Die Adressen finden Sic im Adreßbuch II. Teil. Juslizinnilsieriiim. 2. Ihre Auslage vichten Sic an das Bureau des KrelicS Charloüenburg, Rosinenstr. 3. — T>. 4. lliileilicgt der Vereinbarung mit dem Unternehmer. Falls die Abmachung dahingehend, datz der Heizer zu anderen Arbeiten verpslichtet ist, nicht getrogen ist, besteht auch eine solche Verpflichtung nicht. 2. und S.
ftaM die Frau in Berlin ihren UnIerstiihuNßSwohiifttz hat, an die Berliner Annciiverwaltmig. wo sie das Nähere ersahrr.— I. 5t. 15. 1. Gilt ZwanZ seitens der hiesigen Behörde kann nicht ausgeübt werden: cS ist aber Aus- Weisung möglich. Zunächst empfiehlt es sich, abzuwarten.— F. B. LS. Tie Zwangstwllstreckung erfolgt durch einen in Neukölln wohnhasteu Gerichts- Vollzieher. Falls solche vermieden werden soll, mu st die Forderung an den Gläubiger übermittelt werden.— R. Z. 7«. Fragen Sie bei der Buch- bandlung Vorwärts an unter Angabe, welchen Preis Sie ungeiahr aus- wenden wollen.— O. L. 11. Ihre Angaben sind so»mvestimmt. dost Ihre Frage nicht näher beantwortet werden kann. Es ist ratsam, sich an das deutsche Konsulat zu wenden.— 51. B. S7. 1. Ja. 2. Bei der Gewerbcdeputation des Magistrats schriftlich oder inüiidlich. 3. Rem. Marktbericht von Berlin am 7. November 1013, nach Ermitteluno, des königl. Polizeivräsidiums. M a r 1 1 h a l l e n p r e i s e. ,5tlcinhandel) 100 Klloaratmn Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—00,00, Speis cbohnen, Meiste 36,00— SO, 00. Linien 35,00—60,00. Kartosseln lKleinbdl.) 5,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70-2,10. Rindfleisch. Bauchfieisch 1 30—1,60. Schweinefleisch 1,60—2.20. Kalbfleisch 1.40—2.10. Hammelfleisch 110—210 Butter 2,10—3,00. 60 Stück Eier 1,20—6.30. 1 Kilogramm Karpfen 1,10-2,10. Aale 1,60-3,20. Zander 1,10-3,60. Hechte 1,40-2,80. Barsche 1,00-2,40, 2,00-30,00. Schleie 1,60-3,20. Bleie 0,80-1,40,«0 Stück Krebse «vitteruiigSüberficht vom 8. November 191S. 6 tattonen Swinemde. Hamburg Berlin Franks.a.M. München Wien ii i? 767 S�W 767 SSW 772S 774 353 777i3SD 775 W Setter 4 bedeckt 3 Ziegen 2bedeckt t Nebet 2 wolkenl 3bcdcckt »U ti* i? — 1 1 1 —7 —3 Ctattonen § I DZ BZs <6 S B- SZ )aparanda!76t WIM Zetcr§burg!773SW Zctlly 773,'SSW Aberdeen Paris 766WNW ?74!Itill Wetter Ipedeckt 1 Schnee Ltoolkig 3wo!kig — wolkenl c-» e" h HS» 11 8 _ 2 Wetterprognose für Jounabend, den S. November ISIS. Ein wenig wärmer, zeitweise aufklarend, vorwiegend trübe mit geringen Niederschlägen und ziemlich lebhasten südwestlichen Winden, Berliner Wetterbureau. BSosserstaudS-Nachrichien der SattdeZattfialt sür GetoSsserkundc, mitgeteilt vom Berliner Weiterburean Wasserstand Memel, Tilsit P r e g c i, Jnstervnrg Weichsel, Thont Oder, Natibor „ Krossen Frankfurt Warthe, Schrimm . Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmerttz , Dresden , Barby . Magdeburg S a a tz a v S p r Wes Rhe Neck Mai Mos Wasserstand le, Grochlitz ei. Spandau') Rathenow') e«, Spremberg') Beestow e r, Münden Minden i n, Maximtliansaii Kaub Köln a r, Heilbronn n. Hanau ei, Trier am 7.11 cm 166 53 48 80 83 310 428 404 289 343 100 202 130 seit C. 11. cm1) -1-20 0 +6 0 +1 —13 +6 —14 —16 —27 —3 —4 -28 ')+ bedeutet Wuchs.— Fall.—>) Unterpegel. VtfWWWVWWWW'WVWVWWWWWWVWWtfMVMWWWWWVVWWWWWWWWWWW'WWWWWWWWV' �WWWWWWWWWfttVWUVW Aasnoliine-Prelse für Loden-Pelerine Sonnabend= Sonntag Loden-Pelerinen grauer oder giünücher Strichloden.„Imprägniert." Vorzuglich im Tragen. Mit abknöpfbarer Kapuze, Tragbändern, Armdurchgriffen undTaschen, Für Herren und Damen Für Knaben und Mädchen Längen 120 u. 125 cm Qual. Längen 70, 80, 90 cm Längen 100, 110 cm 12.90 9=!i7.30 7.30.. 4,35 9.80. 5.85 BaenSohn Chflusseestraße 29-30 Gr. Frankfurter Straße 20 11 Brucfeenstraße Schoneberg, Hauptstr. 10 Sonntag nur von 12~ 2 geöffnet._ ■vvwwtwvwwwvvwwviftfwnewvwwww'jVA'VVWWV'f Det Haupt- Katalog Nr 16(Neuesie Moden) kostenlos und portofrei Loden-Hüte 450 340 290 l90 Jegtlclier Nuchilrack Tertolen) uwwwvwwwuvw%ivwwwwwwwwwhnnwwv4i XTbeatcr. Sonnabend, V. N 0 v e m der 1912 Ansang 3 Uhr. Theater au, Nolle«dorfplatz. Schneeivittchen. Ansang 3'/, Uhr. TcuIscheS Schauspielh. Egmont� Anfang 3'/, Uhr. Berliner. Kabale und Liebe. Ansang 4 Ubr. Urania. Anss Matterhorn. Thalia, grau Holle. Luisen, tiöuig Drosselbart. Siose. Eiskönig und pvoldprinzestche». Ansang 71/z Udr. Kgl. Opernhaus. Der Rosen- kavalier. Köuigl. ZchansPiclhauS. Die Hcrinanuschlacht.,,,, TcutschrS. König.Heinrich IV. - Teil. Zirkus Albert Schumann.(Sala- Vorstellung. Zirkus Busch. Gala-Vorstelltmg. Ausnug 8 Ubr. Nrania. Tonbeustrasie 18/48. Mit dem Zeppetiu-Lust�chtst von Eptt nach Hamburg. Die wich- liüsttn Stitllm pflanzen der Welt- wirtschast. 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Mein alter Herr. Kolies(5aprice. Der teufche Joseph. Der Rchbock. Ansang 81/, Uhr. Neneö Bolköiheater. Mutler Laiidsttnste. Ansang 10 Uhr. Sldmiralspalast. Eisballett: Ivonne. Sterumarte, Lnvalidenstr. 57— 62. Schillep-ThealerO.IS: Sonnabend, abends 8 Ubr: Die Kinder der Kxzellcnai. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Kopf«nd Seliwcrt. (Äontttag, abends 8 Übt: Im weissen Itötil. Montag, abends 8 Uhr: Des Pfarrers Tochter yon Straladorf. SchilIer-Th8alerChabru?g.en Sonnabend, abends 8 Ubr: Oos Pfarrers Tochter von Streiadorf. Bonntag, nachmittags 9 Uhr: Die Jüdin von Toledo. Sonnlag, abends 8 Uhr: Zur Feier von Schiller«(SeburtSIag: Wllheln, Teil. Montag, abends 8 Uhr: Die Kinder der Kxzellenz. Berliner Thealer. 8 Uhr: Filmzauber. s Uhr: Die fünf Frankfilttkr. kuillen-Idester. Sounabend nachm. 4 Uhr: Kinder- Vorstellung: König Drosselbart. Ab-ndS 8 Uhr: De« ander»(?hre. Sonntag nachm. 3 Uhr: Das Kötbchen von Heilbronn. Abends 8 Uhr zum ersten Male: RasfleS. Montag: DeS andern Ehre. Dent-ielie» SSeliunsmiellmn» 8 Ubr: Der gutslheiidr �rad. Tmtif m flolienilorfplatz. Gastspiel des Kiinotienor Künstlor- theaters. Ansang 8 Uhr. Orpveus in»er NnterMelt. Sonuabcud. 3'/, Uhr nachmittags: Schur etvittchern_ Montis Operetten-Theater (früher Neuen Theater) Slb-ud« 8 Uhr: Ter Frauenfresicr._ Residenz-Theater. 8 Uhr: 8 Uhr: gemlitstneiisetien. Achwank in 8 Akten von Fritz Fricdmann-Frederich. Freitag, den 15. November, zum ersten Male: Prinzenerziehung. NelriJpQl-Theater. Abends 8 Uhr: Rauchen gestattet. e!!sWur--in5 Mnpl! Grosse Jahresrtvue mit Gesang und Tanz in 10 Bildern von I. Freund, Musik v. 31iib. Nelson. Tanze arrang. von Will Bilhop. S» Szene gesetzt vom Direktor R. Schultz. Morgen nachm. 3 Uhr: Tat» Toto. Relchshailen-Theater (herrlich renoviert). Itettincr Sänger. Morgen nachm. 3 Uhr zu ermäss. Preisen: DerKompagnieball. Heute abend: M Ml ilep Töne. Urania TanbeiiMtrnßc 48/49. Wissenschaftliches Theater. 4 Uhr: AuIn IMattcrhorn! 8 Uhr: Die wichtigsten Kulturpflanzen der Wcllwirlschait Mit dem Zeppelin- luttschiff von Sylt nach Hamburg. HörsaalSUhr: Prof. Dr. B.Donath: Di« Qloiohstromdynamomaschine. I0SE=THEATE! Grosse Frankfurt er Str. 132. Nachmittags 1 Uhr: Eiököiiig und Äold- Pringcssche». AbdS. 8 Uhr: Deut'ch-Zlmerikaner. Sonntag 3 Uhr: Deiiisch-Amerikaner. 8 Uyr: Voit Stnse zu Stufe. Triauon-Theater. Abends 8 Uhr: Liebesbaromcter. Mauerstrafie 82.— Zi :: Berliner:: Konzerthaus MauerstraEe 82.— ZlmmorstraBo 90/91. Heute: Doppel-Konzert! Zirkus Ulbert Scliutnann. Heute Sonnabend, 9. Novabends 7'/j Uhr: High-Life-Eveuing. Rendezvous der Sportwelt. I m O'/. Uhr: W Der Clou der Saison! Der unsichtbare Mensch. Vier Bilder aus Indien. Sonntag, den 10. November: 3 groHo VorsteltnnKon, nachm. 3'/, u. abends 7'J. Uhr. Berliner Koniertliausorcliester, Dir. Pr.v.Blon, Komponist. Musiko. L. tJnrdc-Refflinciits r,. F., Dirigent Oberin. Graf. Anfang 8 Uhr. Fintritt 50 Pf. Anfang; 8 Uhr, An allen Wochentagen Gr. Macimiittags-Koazert beÄitr Cafe Königstadf ■ Neue Königstraße 61/64== Vornehmes und größtes Konzert-Cafe'!es Zentrums An Sonn- und Feiertagen: Nachmittags-Konzert Grüßte Sensation! Konzert-Cafö Roland ■-i Brunnen c Straße 181■■ 1 Und der Teufel lacht dazu XX sowie die beliebte lieipslger Clotvn-Kapelle. XX MNM 8 Uhr: Die mit beispiellosem Lncberloige aufgenommene Novität Die AlpeiMder. 10 Uhr; Endlicli allein! Beide Stücke mit den Autoren Antou und Oonat Herrnfcld In den Hauptrollen. Vorvorkanf 11— 2(Theaterkasse). Folies Caprice. Zum 70. Maie Die drei Schlager: Mr" Ter keusche Joseph. IM- Der Nehbock.-Qm SSf* Der(fiiiibrccher. Das grBBto Naturwunder! Die HEILIGE WEISSE NEGERIN und ihre schwarze Priester- Schwester. Beide lebend ohne Extra- Entrce zu sehen. Zirkus Busch. Heute Sonnabend, 9. Nov., abends 71/, Uhr: Gr. Sports-Vorstcllnnff. s Neu! Knpt. 8panldlne. Schein oder Wirklichkeit? Albas Bonsationelle Kopffahrt durch den Zirkusraum. I Die unvergleichl. Tourblllons, j akrobatische Lady-Cyclists. Fräulein Martha Monnke, Schulreiterin auf„Goldbird". sofZß: önter Gorillas.! Avis! Sonntag S'/j Uhr: Unter Gorlilas ungekürzt. Ab 8 Uhr. Nie dagewesener Erfolg des neuen Programms! | IS groUe Attraktionen!> | Ganz Berlin spricht von[ j M. Bendix und E. Schnabel als Drasehkenliiitscher u. Flaker. Casino-Theater Lolhr Inger Str. 37. Täglich 8 Uhr: Das lensaiion. Novcmber-Programm kkobert lVeeseniann, Berlins Lieblingshnmorist mit neuen Schlagern. Riesen« Lachersolg des StW Der Großfürst. Sonntag 4 Uhr: O diese Mflnurri Voigt-Theater. 'Belundbrunnen Badftrasse S8. Sonntag, den 10. November 1912: gÜh'm llfhft'u großen leid;. Äf Keliiidete Menschen. Volk« stlick in 3 Akten v. Viktor Leon. Kasscnervssn. 10 Uhr. Ans. 3 u. 7 Uhr. -Theater Neukölln, Hcrmnnnftr. 30. Sonntag, den 10. November: Toni, der TVlldsebtttz. Voiksstück mit Gesang in 4 Akten von Dr. tz. Müller. Montag, den 11. November: Der Vc liehen fresaer. Lustspiel iit 1 Akten von G. v. Moser. TMr Königstadt-Casino. Holzmarklslrasse 72, 1 Min. v. Bahnh. Jannowitzbrückc. Dfigl. abends 8, Sonnt. 5'/, Uhr: ö miMw Speziäliie» und Halt gestellt oder: Fehlgeschossen.
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Kredit HerrensAnzüge, Paletots, Ulster Wochenrate 1 Mark, mäßige Anzahlung Damen=Kleider, Kostüme, Röcke, Blusen usw. Kinder= Garderobe(Knaben und Mädchen) ,, Wöchentlich 1 Mark, mäßige Anzahlung EBRUDER LIEBER, AiexanderslraSe 16 vis-ä-vis der Holzmarktstraße, direkt am Bahnhof JannOlvitzbrücke. Ansschneidcn, mitbringen, Wert 3 Mark. Seonntag von li8 bi» Ä Ulir geftffiict wn! Vertriebsgesellschaft m.b.H. : Königs!: r-asse 53*5�. [Schuhwaren-ETfizer-VerKauFzoEngpossPreisenf i Iii' A5. '.85. ] Stiefel 1 Datrcnsfhtn� M Stiefel -,5fiefeU z MerrenX A.95. .95. i9.9C tWeliy 1. Ziehung 5. KI. I. Preuss.-Süddeutscfie (227. Königlich Preuss.) Klassen-Lotterie Ziehung vorn 8. November 1912 na-hmifing». Auf Jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und«war Je einer ans die I.o»e gleicher Nummer ia den beiden AMellnngen I nnd II Nur die Gewinne über 240 Mark sind den betreflenden, Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 33 234[1000] 311 495 621 775 957 1168[3000] 411[500] 21 34 696 642 745 917 2147 267[1000] 71 95 641 45 657 3316 38 69 409 85 620 757 74 96 802 83 4001[600] 187 225[1000] 64 372 582 603 7 [500] 27 75 88 647 67 5021 41 229 38 365 93 404 637 649 84 965 6267 354 98 428 30 547[1000] 848 947 7092 444 638 75 703 802 90 940 54 66[600] 8155 404 28[500] 572 9093 128 83 381 644 755 73 893 10164 298 368 538 788[500] 11028 173 362 88 411[1000] 524 28 731 44 85 90[3000] 870[500] 79 12448 778 13072 154 334 428[3000] 512 32 715 69 1 4044[500] 179 329 498 603[600] 18 732 75 814 26[1000] 971 15055 109 64 437 533[500] 758 869 946[1000] 16256 447 511 17 3 0 603 21 91 700 914 18 84 17000 63 13900) 67[3000] 157 222 362 80 418 67 71 672 79 745 839 902 18055 186 300 18 49 664 723 76 805 43 911 19023 108 53 61 63 204 342 453 645 69 96 833 932 66 2O097 103 11 289 663 810 57 21232 65 612 674 22224 358 63 571 604[600] 67 735 827 23041 312 21 50 455 625 890[500] 967 24012 64 120 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278 469 666 849 48001 22 48[300] 195 96 374[500] 489 523 602 56 711 44 48094[10001 132 259 874 990[1000] S0003 164[1000] 83 223 83 390 659 613 768 62 889 94 920 51053[500] 366 441[500] 92 578 607 30 724 835 938 52303 76 556 738 854 921[1000] 63 69 70 53114 263 344[500] 531 42 683 702 63 877 927 34 57 61 65 54002 244 94 367 469 625 652 731 889 73 99 900 12 27} 55036 166 68 71 74 288 473 676 638 899 913 56002 40 220[500] 411 43[500] 861 57003 32[3000] 203[500] 94 324 32 436 49 85 636 781 58031 87[3000] 217 23 52 434 674[3000] 80 965 59102 30 68 88 517 657 714 50 60 878 979 84[500] 00014 32 112 99 381 628 59 693 751 61085 194 419 21 99 930 97 62037 456 77 577 887 931 63059 90 111 13 18 87 313 24 67 609 700 64059 108 254 328 07 99 493 671[1000] 96 650 903 65037 294 408 608 648 834[1000] 85 933 66026[500] 91 108 212 65 337 427 62 627 29 705 833 67079 154 92 231 463 75 611 669 704 805 966 68109[3000] 45 293 365 82 SO 411 643 676[8090] 786 867 6 9265[500] 60 368 71 604 683 783 935 44[500] 81 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852 919 118088 168 295[5000] 357 99 652 807 947 119108 219 349 411 30[500] 56 83 869 120166[500] 405 68 640 720 831 909 15 121088 161 217 361[1000] 587 89 633 70 770 803 53 80 84 93 903 55 122150[1000] 203 60 355 673 607 821 49 123024 28 29 11000] 157 410 61 689 99 628[580] 124065[5000] 128 239 487 52� 671[500] 812 82 961 67 1 25226 319 43 510[1900] 627 83 84 843 126339 644 127051 107 290 485 99 654 710 28 93 936 128074 103 13 20 360 13000] 70 426 129041 114 261 464 83 655 792[500] 870 130004 8 14 48 69 232 72 88 411 40 642 633 913 131142 56 62 277 82 610 60 68 73 79 813[500] 33 [500] 132122 248 376 77 650 93 627[1000] 47 903 73 94 133034 141 50 200 24 72 364[600] 651 708 919 134016[3000] 117 220[3000] 43 408 857 135065 07 155 408 43 543 98 841 136020 119 45 67 338 444 91 647 629 73 137124 61 215 35 79[500] 409 663 67 734 1600] 883 138003 165 684 761[500] 809 26 84 139064 63 88 245[1000] 401 603 724 67 970 140125 76 83[3000] 93 237 52 64 83 307 410 752 837 83 904 11 73 70 141062 112 37 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Berontwortlicher Nedakt-ur: Alfred Wieltpp, Neukölln. Für den Lnseratentetl verantw.: TH-Gl-cke.Aerlin. Druck u.Verlag. Vorwärt« Buchdruckerei u. VerlagSanstalt Pauf Singer u, Co.. Berlin SW.
Ar. 263. 29. Jahrgang. I StilW des Jaricirls" önlintt WsM. Sonnabend, 9. November l912. Sie vettrauenzwZnnewalilen für Äie Nngestelltenvei'iichei'ung 1 finden für die Arbeitnehmer ain morgigen Sonntag in der Zeit von Vi Uhr mittags bis« Uhr abends in den gestern veröffentlichten Stiminlokalen statt. Für unsere Genossen komnit die Liste Ja der Freien Vereinigung in Frage. * Hilfskräfte melden sich vormittags in folgen Lokalen: Nordwesten und Westen: Wcrftstraßc 7, Quergebäude II, (Moabit 7810.) Süden und Südosten: Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, Zimmer 13.(Moritzplatz 3733.) Osten: Tilsiter Straße 79 bei Thimm.(Königstadt 1958.) Norden und Nordosten: Mänzstrahe 20, Zentralverband der Handlungsgehilfen.(Königstadt 1622.) Wcdding und Gesundbrunnen: Pankstraße 60 bei Kerfin. (Moabit 5344.). Besonders wichtig ist auch die Mithilfe weiblicher An- gestellter. Wir bitten, sich vollzählig in den Dienst der Sache zu stellen. Es gilt jetzt, den Endkampf in Berlin so zu führen, daß Berlin nicht hinter den Resultaten im Reiche zurücksteht. Darum an die Arbeit für die Liste h. * Versehe sich jeder Wahlberechtigte mit einer Bercchtigungs- karte oder mit einen: Legitimationsschein. Ohne solche Auf- nahmckartc oder einen Schein darf niemand wühlen. Versammlungen. Zcntralverbond der Schuhmacher. In der am Mittwoch ab- gehaltenen Generalversammlung erstattete der Kassierer B e n d i g die Abrechnung vom dritten Quartal. Die Abrechnung der Lokal- lasse zeigt in Einnahme und Ausgabe die Summe von 5281,87 M. Für Unterstützungen wurden ausgegeben an Arbeitslose 4044 M., an Kranke 4235 M., an Reisende 313 M., an Umziehende 193 M., an Streikende und Gemaßrcgelte 34 M., an Wöchnerinnen 12 M., bei Todesfällen 110 M.— Der Vorsitzende Hamann gab' einen Ueberblick über die Verbandstätigkcit im dritten Quartal. So- wohl in der niechanischen Branche wie in der Schoßbranchc wurden verschiedene Differenzen durch Verhandlungen erledigt. In den Reparaturwerkstätten kommt es öfter zu Differenzen, weil der Minimallohntartf nicht bezahlt wird. Früher hat das Jnnungs- schiedsgericht in allen Fällen, wo die Differenz zwischen dem Mi- nimallohn und dem gezahlten niedrigeren Lohn ausgeklagt wurde, auf Zahlung der Differenz erkannt. Neuerdings ist die Recht- sprechung des Jnnungsschiedsgerichis, welches sich auf ein Urteil höherer Instanzen beruft, eine andere geworden. Auf Zahlung der Differenz wird nur in dem Falle erkannt, wenn der Arbeiter bei der ersten Lohnzahlung Protest erhebt und die Bezahlung des Mi- uimaltarifs verlangt. Der Redner empfahl, sich in allen der- artigen Fällen vor Erhebung einer Klage zunächst an die Orts- Verwaltung zu wenden.— Weiter teilte der Redner mit, daß das Bureau der Ortsverwaltung am 1. April von der Blanken- feldestraße nach dem Gowerkschaftshaus verlegt werden soll.— Der nächste Punkt der Tagesordnung galt der Besprechung der bevorstehenden Gewerbcgerichtswahlen und der Aufforderung zur vollzähligen Beteiligung an den Wahlen. Hus aller Melt. Kulturträger in Togo. Die in der Kolonie Togo wohnenden Deutschen scheinen sehr trinkfeste Männer zu sein. Wie nämlich die„Berliner Politischen Nachrichten" feststellen, verbrauchten die 368 Weißen im Jahre 1910 an stillen Weinen 6534 Liter im Werte von 12 400 M., 1960 Liter Schaumwein im Werte von 8820 M., 6180 Liter Branntweine aller Art im Werte von 21 510 M. und 91129' Liter Bier im Werte von 61479 M. Im Ganzen kamen auf die weihe Bevölkerung 105 804 Liter alkohol- haltigc Getränke im Werte von 104 209 M. Im Jahre 1911 verbrauchten die dort lebenden 354 Personen an stillen Weinen 29 704 Liter im Werte von 33 906 M., 2969 Liter Schaumwein im Werte von 13 850 M., 9427 Liter Branntwein aller Art im Werte von 25 873 M. und 87 405 Liter Bier im Werte von 57 834 M., in Summa 129 505 Liter alkoholhaltiger Getränke im Werte von 131 463 M. Während also die Zahl der Weihen um 14 Köpfe zurückgegangen ist, stieg der Alkoholkonsum um 23 701 Liter! Ein blutdürstiger Christ. Ein merkwürdiger Vertreter des Christentums ist ein Professor Richard Guhr in Dresden. Dieser Herr hatte au den Reichsiagsabgeordncten Vogtherr wegen seiner Agitation für den Austritt aus der Kircke einen Brief geschrieben, der von Be- schimpfungen strotzte. Dann schrieb er noch einen zweiten Brief an das R o m i l e e Konfessionslos, das eine Versamnilung ein- berufen hatte, in der Vogtherr sprach. Dieser Brief lautet: Dresden, den 31. Oktober 1912. Eliasstrahe 34. An daS Komitee Konfessionslos. Nachdem ich den Neichstagsabgeordnele» Vogtherr durch seinen Bortrag am 30. er., worin er zum Ausirilt aus der Kirche aufforderte, kennen gelernt hatte, suchte ick seine persönliche Be- kannischast und erklärte ihn vor Zeugen für einen S ck u r k e n. Durch diese Bezeichnung seiner verbrecherischen Tätig- keil an der deutschen Volksseele wünschte ich ihm die verdiente Zuchligung für seine Beschmutzung ckriftlicher Wahrheiten während seiner Ausführungen zu geben. Zugleich erklärte ich, dah ich nun seinen Sekundanten oder seine gerichtliche Klage erwarte. Sollte der Abgeordnete Vogtherr nickt gewillt sein,„mit Gut und Blut" für seine Religion einzutreten, wie ich es hiermit für das Christentum tue, so werde ich seinem Wahlkreise und dem Deutschen Reichstage von der auf ihm haftenden Beschimpfung Kenntnis geben. Professor Richard Guhr. Wenn der streitbare Vertreter des Christentums so blutdürstig ist, mag er sich zur Ader lassen. Das würde ihn vielleicht vor einer möglichen Bekanntschast mit der Gummizelle bewahren. Vom Exkönig Manuel. Einer Petersburger Meldung zufolge hat Exkönig Manuel von Portugal den Kurort Suuk-Su in der Krim angekauft. Der Kurort Suuk-Su gehörte der Moskauer Millionärin Soliwjew und zählt zu den besuchtesten Orten der südlichen Krim. Demnach scheint es mit der Einheiralung in eine standesgemähe Familie schlecht zu stehen. Aber schliehlich ist das ehrbare Gewerbe eines Hotelwirts immer noch besser als das eines weggejagten stellungslosen Königs von Gottesgnaden. Bei dem Ueberfluh früherer Berufskollegen, die sich gern einmal von den Regierungssorgen erholen, dürfte das neue Unternehmen gut florieren.'___ Kleine Notizen. BergmannSloZ. In der Nacht zum Freitag wurden auf Zeche Nadbod zwei Arbeiter durch einstürzendes Gestein getötet. Liebcstragödie. Am Donuerstag wurde in einem Hotel in Breslau ein Liebespaar erschossen aufgefunden. Beide hatten sich außerdem mit Sublimat vergiftet. Nach vorgefundenen Briefen handelt es sich um Mord und Selbstmord. Der Mann ist Kandidat der Medizin, das Mädchen eine Verkäuferin ans Kattowitz. Näiibcrischcr Ucbcrfnll. In Bochum wurde gestern bei hellem Tage ein dreister Ueberfall auf eine Frau ausgeführt. Mehrere Personen traien auf die Frau zu, streuten ihr Pfeffer in die Augen, banden und knebelten sie, schleppten sie fort und liehen sie dann hilflos auf einem Bauplatz liegen. Man nimmt an, dah cS sich um einen Raubmordversuch gehandelt hat. Grauenhafter Leichenfund. In der Nähe de? Oberförsterhauses in Leutzsch bei Leipzig ist gestern früh der Leichnam eines völlig unbekleideten jungen Mädchens aufgefunden worden. Kopf, Arme und Beine fehlten. Später wurden die Arme und Beine»n einem Karton verpackt in einem Abteil eines auf dem Hauptbahnhof in Leipzig einlaufenden Personenzuges gefunden. Die Staatsanwalt- sdhast hat auf die Ermittelung des Mörders eine Belohnung von 500 Mark ausgesetzt. Die Ermiitelungen über die Identität der Ermordeten haben bis jetzt noch keine Anhaltspunkte ergeben. Gewaltakt eines Gefangenen. Als am Donnerstag in Danzig der zu drei Monaten Gesängnis verurteilte Arbeiter Streng ab- geführt werden sollte, fiel er über den Gefangenenaufseher her und verletzte ihn durch Messerstiche so schwer, dah an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Ein zu Hilfe herbeigeeilter Schutzmann wurde ebenfalls durch Messerstiche im Gesicht schwer verletzt. Der Täter entfloh, konnte aber abends wieder verhaftet werden. FretreligiSse Gemeinde. Sonntag, den 10. November, wormittags 9 Uhr, Pappel-Allec 15/t7, Neukölln:„Jdealvassage" und Tegel: Schltcper- straße 30: Freireligiöse Vorlesung. Vormittags II Uhr, Kleine Frankfurter Straße 6: Vortrag von Herrn Dr. B. Wille:„Das freie Selbst". II.— Damen und Henen als Gäste sehr willkommen.— Montag abend 8 Uhr: Beschließende Versammlung in„Alt-Berlin". AUgemeinc Kranken-»nd Sterbekafie der Metallarbeiter (®. H. 29), Hamburg.(Filiale Pankow.) Sonnabend, den g. No» vember, abends B/, Uhr: Versammlung bei Schröter, Fiorastr. ö u. S.— (Filiale AdlerShos.) Sonnabend, den 9. d. M., bei Töpfer, am Marktplatz, Versammlung: Wahl eines Kassierers. Was wir unseren geschStrten Abnehmern infolge unserer bedeutsamen Umsätze an Vorteilen zu bieten vermögen, steht als unübertroffen da! Haupt« Preislagen für moderne Herren- und Damen-Stiefels 10* irir in»" Warmgefütterte Stiefel Stiefel mit Korkböden Feine Frack-Stiefel Uniform-Stiefel Reit-Stiefel Gamaschen Einsatz-Stiefel für Herren und Damen Tanzschuh- Neuheiten Aparte Abendschuhe Lux.- Morgenschuhe Leder-Hausschuhe Kamelhaar-Schuhe Pantoffel Oranien-Strasse 161 Cbaussee-iStr. 114*115 Gr. Frankfurter 123 Neukölln, Bergst. 25 Schonebg., Hauptstr.146 Charlottenburg Wilmersdorfer St 45 Man achte auf die alte Stiller- Firma!
Ei erwiesen, 1 dass eine Reihe von Gelehrten, vorwiegend Nationalökonomen untere Verkaufeart„f elbotkostenpreis•{*'0%"i die Idealete Im Interesse des Volkswohls halten. Durch dieses Verkaufssystem 99 An Jeder Mark nur 10 Pfennig Nutzen •i machen die Käufer nicht nur erSisbEiche Ersparnisse, sondern werden auch vor jeder Uebervorteilung eeschatzt.— Gemäss Ihren beim Gericht niedergelegten Statuten Ist die De<SChQ BekielcSungsgeseSiSChaft m. b. H. an obige Vertriebsart gebunden und macht sieh strafbar, wenn sie mehr als 10 Prozent auf den Selbstkostenpreis aufschlägt. Wir liefern z. B.: Herren-Ulster- Paletots- Anzüge Selbstkostenpr.eis! 18. 25.— 30.— 39.— Werkaufspreis; 19.S0 27.50 33.— 42.90 Deutsche Bekleidungsgeseifschaft mM Chausseestr. 27 mvaiidenstr.) Crosse Frankfurter Str. 4 w Fruchtstr.) Turmstr. 80 cn«»«» Kieineanersartea) Achtungl In der Turntstrasse haben wir nur das eine Geschäft Nr. SO. BSrä Verkäufe. Hcrlni,»»v!lN! 6 PimidleibbauZ. Ledermanns KausgelegenHcit. 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Für Halle und den Saalkreis wird ein weiterer Sekretär. welcher die Kassengeschäfte zu führen hat, und imstande ist, agitatorisch und organisatorisch mit tätig zu sein, gesucht. Anstellung erfolgt nach den Bedingungen des Vereins Arbeiterpresse. Bewerbungen sind bis 29. November an den Wahlkreisvorsitzenden Genossen Heinhaid Fr«uiiuhold, Böllberg bei Halle a./S. Nr. 35 zu richten. 298/10* Großer glatter Verdienst demjenigen, der den Verlrieb eines äußerst leicht verkäuflichen Artikels (Kunst gegenständ) für eigene Rechnung übernimmt. Wenige Mittel sind er- sorderlich. Angebote unter Postlagerkarte 299, Postamt 68. 1177b Unterricht. Tanzschule Siegert, Gewerk. schastshauS, Engeluser, 15, Unterricht: Sonntag 3—11, Dienstag 9—11. Unterrichl i» der englischen Sprache. Für Anfänger und Fort» geschrittene, einzeln oder im Zirkel, wird englischer Unterricht erteilt. Auch werden Uebcrsctzungen an- gefertigt. G. 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Nr. 363. 29. Jahrg. KMs-KeilU des Jotmiiite" str Ziiden-W� 9. November 1912. Soziales« Liebesgabenhunger. An» jeder Blume suchen die Agrarier.Honig zu saugen. Auch der bereits viel erörtert« Geburtenrückgang soll ihren Liebesgaben» gelüsten zum besten dienen. In seiner letzten Tagung beschäftigte den Sächsischen Lan-deSkulburrat die beregte Frage. Al» Ursach« des Geburtenrückganges machten die Herrschaften die Ausbreitung der verhaßten grohstädttschen Kultur verantwortlich. Ja, man ver- stieg sich sogar zu der Behauptung, daß diese Kultur die Sterblich- keit erhöhe. Nachgerade zweifelt aber doch kein Mensch mehr daran, daß nur der Mangel an wirklicher Kultur, zum Beispiel an aus- reichender Ernährung, gesunden luft- und lichtreichen Wohnungen, öffentlicher und Körperhygiene sowie entsprechendem Arbeiterschutz, die Ursache hoher Sterblichkeit sind. Wo diese? Manko nicht bestecht, wind das Lebensalter sogar nicht unwesentlich erhöht. Der Landcskulturrat mokiert sich natürlich auch über die ge- wollte Beschränkung der Geburtenzahl. Damit kommt er zu der agrarischen Nutzanwendung, die selbstverständlich wieder auf eine Begünstigung der Notleidenden hinausläuft. In einer ange- nommenen Resolution heißt es: Um zwischen kinderreichen Böllern künftig bestehen zu können, bedarf Deutschland eines Wirtschaft- liehen Schutzes seiner ländlichen Bevölkerung und einer Gesetz- gebung auf allen Gebieten im Interesse der Bevölkerungszunahme. Der durch den erweiterten Erwerbsspielraum der Bolkswirtschoft gegebene Dedarf an Menschen muß durch die Nation selbst jederzeit gedeckt werden können. Die Garnisonen sind in Zukunft möglichst in kleineren und mittleren Städten, aber nicht in Großstädten unterzubringen. Die neumalthusianisch« Literatur und Disziplin ist ernster und ausdauernder zu überwachen. Das kgl. Ministerium des Innern ist zu ersuchen: 1. Anläßlich der bevorstehenden gesctz- geberischen Neuordnungen(Einkommensteuergesetz, Gemeinde- steuergesetz, Volksschulgesetz) auf weitgehendste Erleichterung der kinderreichen Familien hinzuwirken. 2. Der Wohnungsfrage kinderreicher Familien ist besonderes Augenmerk zuzuwenden.— Man merkt, wohin die agrarischen Wünsche zielen. Man lungert wieder nach Steuervergünstigungen, Zuschüssen für den ländlichen Wohnungsbau, Befreiung von Schullasten und was dergleichen kleine Liebesgaben mehr sind. Wie ernst es den Agrariern mit dem Schutze der Mütter und Kinder ist, das haben sie bei der Verabschiedung der Reichsversiche- rungsordnung recht deutlich bewiesen. Sie lehnten die Einbeziehung der Frauen von Pächtern und kleinen Bauern in die Versicherung ab, ferner die Lieferung von Medikamenten; sie verhinderten einen besseren Säuglingsschutz und zeigten sich als unerbittlich« Gegner eines vernunftgemäßen SchwangerenschutzcS, obwohl ihnen nach- gewiesen wurde, daß irrfolge der mangelnden Fürsorge für Ge- bärendc und Säuglinge alljährlich speziell auf dem Lande tausende Menschenleben vernichtet werden. Ihre übcrschwmyzliche Liebe für die Landbevölkerung und ihr« rührende Sorg« um den Nachwuchs bewiesen die Agrarier und ihr« klerikalen Freund« noch besonders dadurch, daß sie die zunächst beschlossen« Unterstützungsdauer von 8 Wochen für Schwanger« wieder auf 4 Wochen ermäßigten, soweit ländliche Arbeiterinnen, überhaupt all« in Landkrankenkassen Ver- sicherte in Betracht kommen. Diese unbestreitbaren Tatsachen er- Härten am allerbesten, daß die Agrarier bei ihrom Scheinkampf gegen den Geburtenrückgang nur eigensüchtig« Motive und Absichten leiten. Zur Bekämpfung der Schundliteratur und zur Förderung des»Vertriebes guter Unterhaltungslektüre hat das„GelverkschaftShauS" folgende Einrichtungen getroffen: 1. Anerkannt gute Jugendschriften zum Preise von 10—30 Pf. sind in größerer Anzahl angeschafft worden und werden leihweise gegen Deponierung des Preise? zur Verfügung gestellt. 2. Jedermann erhält in den nachstehend angeführten Ausgabe- stellen ohne Legitimation so viele Bücher wie er will. Er hat ent- weder den Wert der Bücher zu deponieren oder bereits früher entnommen« Bücher zurückzugeben. Eine Leihgebühr wird nicht erhoben. 3. Wer die Bücher behalten will, hat dazu da? Recht, er hat dann bei Entnahme neuer Bücher wiederum den entsprechenden Be- trag zu deponieren. Zunächst find folgende Ausgabestellen eingerichtet: Antonstr. 34. Zigarrengeschäst von KriegSmann. Von 8—« Uhr, mit Ausnahme dcS Sonnabends. Blankenfeldeftr. 10. Verband der Schuhmacher. Von 10—1 und 4 bis 7 Uhr mit Ausnahme deS Freitags und Sonnabends. Brunnenstr. 113. Arbeiter-Jugendheim. Von 6— tO Uhr. Czarnikauer Str. LI. ZigarrengefchSft von GoSciniak. Von 8— 6 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. Glisabethstr. 11. Verband der Fleischer. Von 10—1 Uhr und 5—7 Uhr. Emden« Str. 20 bei WorbS. Montags von 8— S>/, Uhr. Engeluser 13. Gewerlschastshaus, Quergebände, Erdgeschoß, Zimmer 10. Wochentags von 8—9'/, Uhr. Fehmarnftr. 8. Tabakarbeitcrgenoffenschast. Von 8—« Uhr, mit Aus- nähme des Sonnabends. Gartcnstr. lOI. Verband der Kupferschmiede. Von 10—11 Uhr und 6-7 Uhr. Gr. Ztrantfurter Str. ILO. Arbetter-Jugendheim. Von 6—10 Uhr. Kvprrniknsstr. 11. Tabakarbeitergenosfenschast. Von 8— 6 Uhr, mit Aus nähme deS Sonnabends. Lipprhner Str. 13. Zigarrengeschäst von Hersorth. Bon 8—6 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. Manteussclstr. 73. Ztgarrengeschäst von Otto Busse. Von 8—6 Uhr mit Ausnahme veS Sonnabends. Melchiorstr. 28. Verband der Maler. Bon S— 1 Uhr. Möckernftr. 91. Zigarrengeschäst von Eldor Schmidt. Von 8— 8, Sonnabends von 8—6 Uhr. Pappelallee 13/17. Bureau der Freireligiösen Gemeinde. Sonntag« 10—12 Uhr, wochentags außer Donnerstag von 12—5 Uhr. Petersburger Str. 3. Tabakarbettergenoffenfchaft. Von 8—6 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. Roftocker Str. 40. Zigarrengeschäft von Berner. Bon 8—6 Uhr, mit Ausnahme deS Sonnabend«. Rotherstr. 1. Zigarrengeschäst von Holm. Bon 8—6 Uhr, mit AuSnahmc des Sonnabends. Scharnweberstr. 1. Zigarrengeschäst von Rich. Wunscheck. Von 8— 6 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. Sebaftianftr. 37/38. Verband der Schneider. Von»—1 Uhr. Weinftr. 8, Part. Verband der Kürschner. Bon 9—1 Uhr und 8—7 Uhr. Wörtherstr. 22. Zigarrengeschäst von Schirmer. Bon 8—6 mit Aus- nähme des Sonnabends. Verein der Frauen und Mädchen der arbeitenden Klassen. Bor und nach jeder YereinSversammlung. Bororte: Birkenwerder, Haupfftr. 90 ll, bei Wilhelm Pieper. Wochentäglich zu jeder Zeit. Borsigwalde, Tegel. Ausgabestelle: Frei« Scholle Nr. 4, Sonntags vormittag». Boxhagcn-Rummelsbur», Alt-Boxhagen 56. Jugendheim, Bon 7'/, bis 9 Uhr, mit Ausnahme des Dienstags. Britz. Wahtvcrein, Ausgabestelle Restaurant Zilz, Werdcrstr. 28. abends von 8— 10 Uhr. Eharlottrnburg. Arbeiter-Jugendheim, Rofinenstr. 3. Dienstag, Donners. tag, Sonnabend und Sonntag von 7—9'/, Uhr. Glienicke a. Nordbahn, Hauptftr. 5. Ztgarrengeschäst von Haberland. Täglich während der GeschästSstunden. Hermsdorf, Berliner Str. 23a. Schuhwarcnladen von August Schutze. Wochentäglich während der GeschästSstunden mit Ausnahme des SonnabendnachmitlagS. Hohen-Ncuendvrf, Ruhwaldstr. 46 I, bei Karl Ttedt. Wochentäglich von 4-8 Uhr. Kaulsdorf. Adolsstr. 11 II, bei RatschinSki. Montag, DomierSlag und Freitag von 6—8 Uhr. Lichtenberg, Bürgerhcimstr. 94, Arbeiter-Jugendheim. Bon 10—7 Uhr. Lichterfclde, Bäkestr. 7. Arbeiterbücherei. Sonnabends 8—10 Uhr. Mnhlsdorf, Bahnhosnr. 16, bei Thiele. Montag, Mittwoch und Freitag von 6—8 Uhr. Neukölln, Wcichselstr. 8, Arbciter-JUgendhetm. Mittwoch und Sonnabend von 6'/,— 10 Uhr. Oberschöueweide, Klara str. 2. Jugendheim. Mittwoch und Sonnabend von 8—9»/, Uhr. Pankow, Mühienftraße 80,.Vorwärts'-Spedition, von 10—7 Uhr. , Brehmeftr. 60. Zigarrengeschäst von Rößner. Bon 8—6 Uhr, mit Ausnahme de« Sonnabends. . Kaiser-Friedrichstr. 66, Ausg. I, Erdgeschoß Imk«, Buchbinderei Otto Walter. Von 8—6 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabend». Reiuickendorf-West, Eichbornstr. 87, Ztgarrengeschäst von Kiesel. Von 8—6 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. Schöiicbcrg, Ebcrsstr. 32, Zigarrengeschäst von Dräger. Von 8—6 Uhr, mit Ausnahme deS Sonnabends. Stralau, Krachtstr. 16 II, bei Rausch. Montag und Donnerstag von 8'/, bis 5 Uhr, Sonnabends von 5—8 Uhr. Tegel, Schlicperstr. 30. Jugendheim. Montags und Donnerstag« von 8-10 Uhr. Tempelhof, Kaiser-Wilhelm-Str. 76. Arbeiter-Jugendheim. Wochentäzlich 8—10, Sonntag 3—10 Uhr. Treptow, Gractzstr. 16, Hutgeschäst von Fritze. Von 8—8 Uhr, mit Aus« nähme des Sonnabends. Waidmannslust. Kurhausstr. 42 l, bei Willi Schulz. Wochentags 8—7, Sonntag 10—1 Uhr. Wcitzcnsee, Straßbnrg- Str. 103. �Zigarrengeschäst von Klawittc. Von 3—6 Uhr mit AilSnahme de» Sonnabends. Weitere Ausgabestellen werden auf Wunsch errichtet. Sonn- Museen, Sammlungen, Sehenswürdigkeileu. (Zutritt ist unentgeltlich, wenn nichts anderes vermerkt ist.— Als Feiertage gelten Weihnachten, Ostern, Pstnglten, Neujahr, Karsreitag, Hümmel«- sahrtstag, Bußtag.) Altes und Neues Museum.(Lustgarten.) Geöffnet: an Wochen» lagen(außer Montag) 10— 4, im Oktober bis März nur bis 3 Uhr; an Sonntagen(auch an den zweiten WeihnachtS-, Ostern-, Pfingstfeicrtagen) 12—6, im Oktober und März nur bis S. im November und Februar bis 4. Im Dezember und Januar bis 3. Geschlossen: an Montagen und Feier- tagen(außer, den zweiten Feiertagen). Architektur-Museum.(Eharlottenburg, Berliner Straße 171/172, Technische Hochschule,) Geöffnet: Montag und Freitag 10—3, Dienstag und Donnerstag 12—3, Mittwoch 10—12. Geschloffen: Sonnabend und Sonntag. Ausstellung für Arbeiterwohlfahrt.(Charlottenburg, Fraunhofer» straße 11/12.) Geöffnet: an So»», und Feiertagen 1—5, an Wochentagen (außer Montag) 10—1, am Dienstag und Donnerstag auch abend» 6—£. Geschloffen: an den ersten WeihnachtS-, Oster-, Pfingslseiertagen. Berg- und Hüttenmuseum.(Invalid enstr. 44.) An Wochentagen (außer Sonnabend) 12—2, an Sonntagen 12—6, im Ottober und Marz nur bis 5, im November und Februar bis 4, im Dezember und Januar bis 3. Botanischer Garten.(Dahlem, Königin-Luise-Straße 6/8.) Geöffnet nur vom l. April bis 15. Oktober: unentgeltlich Sonntag, DtenStag, Mittwoch, Freitag 2—7- außerdem an Wochentagen vormittags gegen Eintritts» geld, wofür der gedruckte.Führer' gegeben wird. Botanisches Museum.(Dahlem, Königtn-Lulse-Straße 6/8.) Mitt- woch 10—5, im Oktober bis Marz nur bis 4. Eisenbahnmuseum, siehe Vertehrsmuscum. Kaiser Friedrich> Museum.(MonbijousNaße.) Geöffnet: an den Wochentagen(außer Montags 10—6, an Sonntagen tauch an den zweiten WeihnachtS-, Oster- und Pfingstseicrtagen) 12—6; an Wochen- und Svnn- tagen(auch zweiten Feiertagen) im Oktober und März nur bis 5, im No- vember und Februar bis 4, im Dezember und Januar bis 3. Geschloffen: an Montagen lind Feiertagen(außer den zweiten Feiertagen). Zutritt un- entgeltlich, nur am Dienstag und Mittwoch gegen 50 Pj. Kunstgewerbe-Museu'm.(PriNz-AIbrecht-Straßc 7.) Besuchszeit wie beim Alten Museum. LandtagSgebäude. Wochentags 9—12, außerhalb der Tagung. Landwirtschaftsmuseum.(Jnvaltdenstr. 423 Geöffnet: an Wochen- tagen(außer Mittwoch) 10—3, an jedem dritten Sonntag im Monat 11—3. Geschlossen; am Mittwoch und an Sonn- imd Feiertagen(mit Ausnahme des dritten Sonntags im Monat). Märkisches Museum. lWallstr. 50/54.) Geöffnet: an Wochentagen (außer Sonnabend) und an Sonntagen(auch den zweiten WeihnachtS-, Osler-, Pfingslseiertagen) 10—3, an den Vortagen vor Weihnachten, Ostern, Pfingsten und am SUvester nur bis t. Geschloffen: am Sonnabend und an Feiertagen(außer den zweiten WeihnachtS-, Oster-, Pfingslseiertagen). MeereSkundemuseum.(Gcorgenstr. 34— 36.) Am Myutag, Mittwoch, Sonnabend im Sommer 11—4, im Winter 10— 3; am Sonntag im Sommer und im Winter 12—4. National-Galerie.(Museumsinsel). Geöffnet: am Montag, DtenS« tag, Mittwoch, Freitag, Donnabend 10—6. am Donnerstag 1--6, am Sonntag (auch an den zweiten WeihnachtS-, Öfter-, Pfingstseiertagen) 12—6; an Wochen- und«onntagen(auch den zweiten Feiertagen) im Oktober und März nur bis 5, im November und Februar bi» 4, im Dezember und Barnrar bis 3. Geschloffen: an Feiertagen(außer den zweiten WeihnachtS fter-, Pfingstseiertagen). Zutritt unentgeltlich, nur am Donnerstag 1 M.. am Freitag und Sonnabend 50 Ps. Naturkundemusenm.(Jnvalidcnstraßc 43.) Montag, Mittwoch, Donnerstag, Sonnabend 10—4, im Oktober bis März, nur bis 3. An Sonn- tagen und zweiten Feiertagen wie beim Alten Muleuin. Posimuseum.(Leipziger Straße 16/18.) Montag, Dienstag, Donner»- tag, Freitag 10—2, Sonntag und an den zweiten Feiertagen 12—2. Rauch-Muscum.(Werke von Christian Rauch. Klosttrstraße 76.) An Wochenlagen 10—4, im Oktober bis März nur bt» 3. � Rathaus.(Königstraßc.) Täglich(außer Donnerstag und Freitag) Reichstagsgcbäiide.(Könlgsplatz.) An Wochentagen vormittags 9 Uhr, wenn Plenarsitzungen stattfinden; vormittag» 9, 9>/„ 12, 2'/, Uhr, wenn keine stattsindcii; an Sonntagen und zweilen. Feiirtagen 1 und 1'/, Uhr; an anderen Feiertagen geschlossen. EmtritlSgeld 25 Ps. Stadthaus.(Jüdenstraße.) Wochentags 10—3, Sonnlag« 1,1—2. Zutritt zum Stadthaus täglich uncntgeltttch, zum Turm gegen 20 Ps.(nur am Montag und Donnerstag unentgeltlich». Sternwarte im Treptower Park. Täglich von 2 Uhr nachmilläds, im Sommer bis 12 Uhr nachts, tm Winter bis 10 Uhr abends. Für Be- sichttzung der Sternwarle und des Astronomischen Museums 50 Pf. jür Beobachtung mit dem großen Fernrohr 1 M. Stcrmvarte der„Urania".(Jnvalidenstraße 57/62.) Täglich 7'/. bis 11 Uhr abends. 50 Ps. Urania, Sammlungen und wissenschastlicheS Theater.(Taubenstr. 48.) Täglich von 10 Uhr vormittags ab. Eintrittsgeld 50 Ps.(sür Abcndvor- slellungen von 1 M. ans. Berkehrs- und Baumuscum.(Jnvaltdenstr. 51.) Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag 10—4, Sonnabend 2—7, Sonntag 11— 1. An Feiertagen geschlüsselt, an zweiten Feierwgen geöffnet wio Sonntag, an darauf folgenden Tagen geschloffen. Äölkerkundc-Muscum.(Königgrätzcr Straß« 120.) Besuchszeit wie beim Allen Museum. Zeughaus.(An der Schloßbrücke.) Geöffnet: an Sonntagen und zweiten Feiertagen 12—3, an Wochentagen(außer Sonnabend) im Sommer 10—3, im Winter 10—2. Geschloffen: Sonnabend und an Feiertagen (außer zweiten Feiertagen). Zoologtscher Garten. Eintrittsgeld an Wochentagen 1 Mark, an Sonn- und Festtagen 50 Ps.; Kinder die Hälfte. Am ersten Sonntag jedes Monats 25 Pf R Große Ausstellung von SO verschiedenen Farben and Formen in meinen Schaufenstern. Beachten Sie diese vor Ihrem Einkaufe Eigene Fabrikation, direkter Einkauf fast der gesamten Rohstoffe in ersten Fabriken ermöglichen Beste Qualitäten Sehr billige Preise 65, 54, 48, 42, 34, 32, 28, 23, 18 M. Qoitli cO lüei D Schöneberg, Hauptstraße 161, Ecke Stubenrauchsiraße Dia MaSaofartigraaf erfolgt ohne Preivaafiehlag, falls die passende Gröfle nicht mehr vorhanden ist. 1
Eingegangene Dmdtrdmftcn. 'Die Tarifverträge des �entralverbandes der Haudlungs- geliilfen. Mitte 1912. Bearbeitet und herausgegeben von P. Lange. 4 M. HandlungSgchilfeiwerlag, Berlin NW. 23. teitschrift für Politik. Hest 4. Herausgegeben von Dr. R. Schmidt r. A. GrabowSky. Jährl. I Bd. zu 4 Heften. 16 M. Die Parteien. Bd. 1. H. 2. Urkunden und Bibliographie"der Parteikunde von Dr. R. Schmidt und Dr. A. Grabowsky. 6 Hefte 19 M. C. Heymann, Berlin WVS. Der Tropcnpflauzcr. Nr. 11. Zeitschrift für tropische Landwirtschaft. Herausgegeben von O. Warburg u. F. Wohltmann. Erscheint monatlich. Jährl. 12 M. Berlin, Unter den Linden 43. Heine- Kalender 191!!. Herausgegeben von E. Korn. 1,59 M. Zkenienverlag, Leipzig. Moderne Massage auf antomattsch-physiologischer Basis, mit Berücksichtigung der schwedischen Heilgymnastik und der Selbstmassage im Zlnhang. Von Dr. med. C. Bruhin. Geb. 6 M. Herrn. Hambrecht, in Ölten(Schweiz). Der Haiduck. Roman. 439 S. Der Pandur. Roman in 2 Bd. Leide Romane von Bucura Dumbrowa. W. Wundcrling, Regensburg. Quadriga. Vierteljahrsheste der Werkleute aus Haus Nyland. Heft II. Einzelheste 1 M. B. Vopelius, Jena. Bon einein der auszog. Roman von P. Barsch. 3 M., geb. 4 M. Ä. Heege, Schweidnitz. Die Bcrgangenheit des Krieges und die Zukunft des Friedens von Eh. Ziichol. 297 S. H. Minden, Dresden und Leipzig. Kalender für Bergarbeiter I!> 1 lt. Herausgegeben vom Vorstande des Bergarbeitcrvcrbandes. 298 S. Verlag H. Hansmann u. Co., Bochum i. W. Des Königs Fall. Roman von I. V. Jensen.(S. Fischer, Verlag, Berlin.) 3,59 M., in Leinen 4,59 M. „Neueste Erfindungen und Erfahrungen�— Hest 13, 79 Ps.— aus dem Gebiete der praktischen Technik, der Elektrotechnik, der Gewerbe, Industrie, Chemie, der Land- und Hauswirtschaft.(A. Hartlebens Verlag, Wien). Jnfel-Bücherei. 13. An den Dören des Lebens von E. Hardt. 14. Aucafin und Nicolete. 15. Die Freiheit von H. v. Trcitschkc. 16. Fünf sehr anmutige Geschichten des vielgelästerten Giovanni di Boccaccia. 17. Tage der Gefahr von F. Rechlitz. 18. Plattdütsche Predigten von I. Sackmann. 13. Facino Eane. Sarrasine. Novellen von Honors de Balzac. 29. In Dingsda von I. Schlaf. 21. Hymnen an die Nacht. Die Ehristenheit oder Europa von Novalis. LL. LiebeSgedicht« von R. Huch. 23. Ter Qpfcrgang. Novelle von R. G. Binding. 24. Der Mantel. Novelle von N. Gogol. 25. Henrik Ibsen von O. Watzel. 26. Des Johannes Buübach Wanderbüchlein. 27. Die Antigone des Sophokles. Einzelnummer geb. 59 Pf. Insel- Verlag, Leipzig. Protokoll über die Verhandlungen des IS. ordentlichen Bcr- bandstages der Schneider, Schneiderinnen und Wäfchcarbeiter Deutschlands 1912 in Köln a. Rh. 544 S. H. Stühmer, Berlin. Zur Entwickelung der nationalökonomischeu Ansichten Fr. Lists von 18Ä0— 18S3. Von Dr. E. Ladenthin. 3,59 M. E. Koncgen, Wien Deutsches Theater-Adrestbuch 1912/13. Herausgegeben vom Deut- scheu Bühnenvercin. 3 M. Ocsterhcld u. Co., Berlin W. 15. Kinderhändler.'Recherchen und Fürsorgctätigkeit von Schwester Henriette Zlrendt, 25 Ps. H. Clausnitzer. Stuttgart. Shakespeare und daS englische Drama im 18. und 17. Jahr- hundert von Adolf Bartels. 1 M. G. D. W. Callwey, München. Kants Briese. Herausgegeben von F. Ohmann. 3 M. Jnscl-Verlag. Leipzig. Der Panther. Hest 8. Herausgeber: A. Ripkc. Monatlich 2 Hefte. Einzeihest 49 Ps. W. Klinkhardt. Leipzig. Der Schriftsteller und Journalist. Von Strcißler. W. Violet, Stuttgart. Geb. 1,29 M. Geister. Novellen von Grete Meisel-Heh. 2,59 M., geb. 3,59 M.— Das graste Licht. Ein Münchhausen- Brevier von P. Scheerbart. 3 M., geb. 4 M. S. Rabinowitz, Leipzig. Die reichörechtlichen Arbciterkrankenkassc» in Teutschland und England von Dr. jur. A. Fürst. 3,69 M.— Die Waffengewalt der Polizei nach prcustischem Recht von E. Thiele. 3 M. Puttkammer u. Mühlbrecht, Berlin W. 56. Preustische Jahrbücher©est 11. Herausgeber: H. Delbrück. Erscheint jeden Monat. Vierteljährl. 6 M. G. Stilkc, Berlin. Fischkochbuch für den täglichen Tisch. Mit besonderer Berücksich- tigung der Seefische. Von I. C. A a I b o r g. 69 Ps. Reutlingen, Enfilin u. Laiblin. Aus dem Tagebuche einer hysterischen Nonne. Von Dr. Leo Montanus. Neuer Frankfurter Verlag, Franksurt a. M. 1,59 M. Technische Bücherei. Ein Musterkatalog. 1. Teil. 59 Ps. Franckh- sche Verlagshandlung. Stuttgart. Was wir uns und anderen schuldig sind. Ansprachen und Aus- sätze. Von Dr. Alice Salomon in Berlin. 2 M.— Säemanu-Schrifte». ©est 4. ß. v. Heutig. Ein modernes Jugendgesest. Geheftet 89 Ps. fest 5. E. Neumann, lieber Institute für Jugcndkündc. Geh. 89 Pf. . Rühlmann. Ter staatsbürgerliche Unterricht in Frankreich. Geh. 1,49 M.— Mathematik und Naturwissenschaften an den deutschen Lehrerbildungsanstalten. Von K. Umlaus. Geh. 3,69 M.— Mathematische Bibliothek. Heft 5. H. E. Timerding. Tic Fallgesehe.— Hest 8. P. Meth. Theorie der Planetcnbewegung.— Hest 9. 3l. Willing. Einleitung in die Jnfinttialrechnung.— Abrist der Staatsbürger- künde. Handelsbctriebslehre, bearbeitet von Dr. P. Eckardt. 39Pf.— Borschläge für den mathematischen, naturwissenschaftlichen und erdkundlichen Unterricht an Lehrerseminaren. Geh. 1,89 M. Verlag B. G. Teubner, Leipzig. Tie deutschen Parteiprogramme I und II von F. Salomon. Je 1,89 M. B. G. Teubner. Leipzig. Jahrbuch des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine ISIS. Herausgegeben von H. Kaustnann. 2 Bände 19 M. Selbstverlag, Ham- bürg I. Friedrich Hebbel. Ein Lebensbuch. 6 M., geb. 19 M. B. Behr, Berlin W. 35. Berficherungsgeseh für Angestellte mit Anmerkungen und Sach« register. Herausgegeben von GiNtav Hoch. 3 Dl. E. Giebel. Berlin C. 25. Prolerarierjugend von G. Dehn. SV. G. Th. Scheffer, Berün- Lichterfclde. 9,89 M. Der deutsche Lausbub in Amerika. 1. und II. Teil. Von Erwin Rosen. 5 M., geb. 6 M. R. Lutz, Stuttgart. Die Technik in der Urzeit und auf primitiven Kulturstufen. Herausgegeben von H. Cuno v. Bd. 21 der Kleinen Bibliscdek. 3. Teil: Entstehung der Waffen— 5vürperschmuck von H. Euuow.— Die Technik der Bekleidung von Hanna Lewin-Dorsch. Mit"Abbi!dungcu. 75 Ps.. geb. 1 M.— Entwicklungstheorie(Darwins Lehre). Gemeinoerständlich dar- gestellt von Dr. S. Tichulok. Privatdozent sür Allgemeine Biologie an der Universität Zürich. Mit 49 Abbildungen im Text. 2,59 M., geb. 3 M. Verlag I. H. W. Dietz, Stuttgart. Monumentale Kunst von 21, Egger-Lienz. 59 Ps. H. Waltbcr. Berlin W. 39. Heffes Volksbücherei. 721—724. Auf dem Festenstein. Roman von W. Jensen.— 72o/26. De Göderschlächter von V. Blüthgeu— 727—39. Ein Uebermcnsch. Roman von W. v. Rauh.- 731 Ei« ieltcncr Advokat. 2 Geschichten von Oelkcrs.— 732. Ter Wilddieb und andere Erzählungen von A. Trinms— 733/34. Wotans Ber- lobung. ZtoveUc von R. Kohlrausch.— 735/36. Ter Mückenjägep. Meister Zieserling. Ter Lchte. 3 Erzählungen von P. Qucnsel. Einzelnummer geh. 29 Pf. Hesse u. Becker, Leipzig. 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Die Geschichte einer Jugend. Von Severin Licblein. 2,59 M. br., 3,59 M. geb.— Tie Kinder des Zorns. Eine Gefindegeschichte. Von Jeppe Aakjaer. 3 M.. geb. 4 M.— Sara. Roman von I. Skjoldborg. 2 M. brosch., 3 M. geb.— Schwesterchen. Erzählung von Agot Gjems-Seimer. Leipzig, Verlag der Nordischen Bücherei von G. Merseburger. 2.25 M. kariouiert, 3 M. geb. Die Tat. Monalsbcst. Eine iozial-rciigiöie Monatsichrist sür deuische Kultur. Pro Ouartal 2 M. Eugen Diederichs Perlag in Jena. �uffellenci billig! sind nachfolg-enda für jede Körperform passend am Lagerl ULSTER Machart wie nebenstehend. Bild Mittelgrau meliert, mit Streifen... IO* Dunkelbraun u grünliches Zickzack- A-fl Muster mit breiten Besätzen.... ta 1« Dunkelbraun u. grau Diag.-Muster m. A/l angewebt. Rüdeseite u. breit. 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