Ur. 264. RbonnementS'ßedingungen: Woimements■ Preis vränmnerando: Picrteljährl. 3.A) Mk. m cm all. 1,10 Mr., wöchc'.UIich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 3 Pfg. Soimtags- »unlmer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Well" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitung?- Preisliste. Ulster Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland L Marl pro Monat. PoslabonncmentS nehmen an: Belgien, Dänemart, .Holland. Italien. Luxemburg. PorMgal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 29. Jahrg. Vlchflit tSgliS aoBer.Hontags. Nerlrnev Volksblntk. v!e s»sertioi>5-eediihr kclrSgt für die scchsgespaltcnc Kolonel- zcilc oder deren Raum 00 Pfg.. für politische und gewerlschastliche Vereins- und Aerscnnnilungs-Anzcigeii l!0 Pfg. „Kleine Mnreigcn", daS settgedrustte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafslellcnan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes Iveitere«ort 5 Pfg. Worte über IS Buch- i laben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Rummer müssen bis i Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends gcösstiet. Telegramm-Adresse: ,.S»Äslilm»l!ra» RcrliB". Zentralorgan der rozialdemokrattfcben parte» Deutfchlands. Ena Redahtion: SM. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1S8S. Sonntag, den 40. November 1912* Expedition: SM. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1384. Im Dienst der habchurgilchen Hausmacht. Es ist also wirklich wahr, die deutsche Regierung hält es sür niöglich, deutsches Gut und Blut, das Leben deutscher Arbeiter, die Wohlfahrt unseres Volkes an ein Spiel zu setzen, das f r e m d e Hände zu f r e m den Zwecken spielen! Was in aller Welt geht uils Albanien an, was kümmert uns der schwarzgelbe Größenwahn? Wie kann es die deutsche Rc- gierung verantworten, die verbrecherische Friedensstörung Oesterreichs zu stützen, statt dafür zu sorgen, die österreichische Kriegspartei zur Räson zu bringen? Die Absicht der österreichischen Regierung ist, Serbien zu einem österreichischen Vasallenstaat zu machen. Deshalb soll es keinen Hafen an der Adria besitzen dürfen. Es ist eine nichtswürdige Lüge, die.nur lächerlich wäre, wenn sie nicht von der bürgerlichen Presse Deutschlands ernst genommen würde, daß der Besitz von Durazzo oder San Giovanni di Medua eine Gefahr für das große Oesterreich bilden könnte. Als ob ein solcher Besitz des kleinen Volkes die österreichische oder italienische Seeherrschaft gefährden könnte! Aber selbst wenn diese Lüge Wahrheit wäre, soll das deutsche Volk aus den Schlachtfelderli dafür bluten, daß österreichische oder italienische Herrschaftsträunie verwirklicht werden? Seit Fahren ist die österreichische Politik darauf aus- gegangen, Serbien handelspolitisch niederzuzwingen, es um jeden Preis zur Kapitulation zu bringen. Erst diese öfter- rcichische Politik hat den Wunsch nach einem Zugang zum Meer in Serbien zur unwiderstehlichen Leidenschaft werden lassen, zu einer Forderung nationaler Unabhängigkeit und Freiheit vom unerträglich gewordenen ausländischen Joch. Jetzt hat die serbische Armee gesiegt, ist das Kraftbcivußtsein der Station aufs höchste gesteigert, aber Oesterreich will die alte Untcrdrückungspolitik fortsetzen, Serbien mit Gewalt vom Balkanbund losreißen, es zu seiner Einflußsphäre machen. Deshalb die plötzliche Sorge Oesterreichs für das Recht Albaniens auf nationale Selbstbestimmung. Das Habsburger Reich und nationale Selbstbestimmung! Als ob dieses Reich nicht von jeher von der Unterdrückung der Nationen gelebt hätte. Eben jetzt niachen die Südslawen Obstruktion im österreichischen Bndgetausschuß, herrscht in Bosnien und der Herzegowina die Diktatur, in Kroatien der Ausnahmezustand, und in Ungarn schickt sich die Opposition an, der Gewaltherrschaft der Majorität ihr Gegenparlament entgegenzusetzen. In Böhmen rückt der deütsch-böhmische Ausgleich nicht vom Fleck und in Galizien wächst die Feind- schaft zwischen Polen und Ruthenen jeden Tag. Von den Deutschen bis zu den Slowenen empfinden alle Nationen Oesterreichs— das einzige, worin sie einig sind—, wie dieser Staat ihnen ihre nationale Selbständigkeit einengt, ihre Entwickelungsmöglichkeitcn verkünmiert. Und die Re- gierung dieses Staates erhebt plötzlich ihre Stimme für nationale Autonomie in Albanien! Jeder, der auch nur oberflächlich Albanien kennt, weiß, wie schwer diese Forderung selbst in normalen Zeiten zu verwirklichen wäre. Albanien ist ein wildes Bergland, dessen Bewohner noch die Reste der alten Gentilorganisation sich bewahrt haben, in dem die Blutrache herrscht und unauf- hörliche Stammesfehden. Staatliche Ordnung ist ihnen fremd, und der Grund ihrer unaufhörlichen Aufstände gegen die Türkei war ihr Unwille. Steuern zu zahlen und sich auch nur im geringsten in das staatliche Gefüge einzuordnen. Und diese Stämme, deren Psychologie man noch am ehesten versteht, wenn man an die romantischen Schilderungen der Schotten bei Walter Scott denkt, sind zudem in drei Konfessionen gespalten, und die Mundarten des Südens im Norden kaum verständlich. Ein autonomes Albanien, dessen Autonomie über eine solche der Sprache, der Religion und der Schule hinausginge, würde der unaufhörliche Herd von Unruhen sein. Gerade das aber ist es, was die österreichische Kriegspartei will. Hofft sie doch, wenn sie ihren sauberen Plan verwirklicht hat, dann ihre längst gehegten Absichten durchzuführen und in Albanien die gebietende Macht zu wer- den. Dasselbe hofft allerdings Italien und deshalb unter- stützt es Oesterreich, wenn dieses den Serben in den Arm fallen will. Das ist die Einigkeit des Dreibundes! Und nun bestaune man die schreckliche Naivität der deutschen Politik, welche dafür eintritt, daß ein solcher Krisenherd, ein K r i s e n h e r d vor a l l-e m für den Dreibund selbst, mit ihrer Unterstützung geschaffen werde! Hat man denn vergessen, Wohin die wirklichen Absichten des österreichischen Thronfolgers zielen? Denkt man nicht mehr daran, wie die österreichische Kriegspartei am Werke war, den Tripoliskrieg gegen Italien auszn- Vötzen? Und wie der Vertrauensmann des Thronfolgers, der Generalstabschef Konrad von Hötzendorf, schleunigst ent- lassen werden mußte, weil er den Krieg gcgenJtalien vorbereitete? Muß nicht der Widerstreit zwischen Oesterreich und Italien durch ein autonomes Albanien, das beide werden beherrschen wollen, auf die Spitze getrieben werden? In der bürgerlichen Presse herrscht heute großer Jubel über die Befestigung des Dreibundes. Merken denn die Törichtem gar nicht, daß die deutsche Regierung drauf und dran ist, dem Dreibund durch ihre Unterstützung der österreichischen Forderungen den Todes- st 0 ß zu geben? istoch unmittelbarer aber ist die Gefahr, die durch die deutsche Politik dadurch erzeugt wird, daß der Gegensatz zur Triplecntente noch mehr verschärft wird. Schon wird aus Petersburg berichtet, daß Rußland dem öfter- reichischen Verlangen mit aller Schärfe entgegentreten werde und die russische Presse hetzt mit aller Macht. Schwer wäre es schon, den siegreichen Serben, die die anderen Balkanstaaten unterstützen müssen, das Ziel ihres Kampfes zu entreißen, wenn die Großmächte einig wären: unmöglich aber ist es bei den herrschenden Gegensätzen. Und da soll Teutschland auf die Gefahr des Krieges hin die schwarz-gelben Ansprüche unterstützen? Die deutsche Sozialdemokratie erhebt gegen diese Unvernunft schärf st en Protest. Die österreichische Regierung, die im eigenen Staate niit ihrer Politik völlig wurzellos ist— denn, mit Ausnahme der Klerikalen, will in Oesterreich keine Schicht und keine Nation von der Friedensstörung etwas wissen—, die österreichische Regierung in u ß Ruhe halten, wenn sie allein gelassen wird, wenn ihr nicht unser Gut und Blut zur Verfügung gestellt wird.. Das deutsche Volk ist sicher sehr geduldig: daß es sich aber in einen Krieg treiben läßt, dessen Ursachen nur dieHausmachtsPläne einer fremdcnDynastie wären, daß es in einem solchen Kriege jene Begeisterung zeigen würde, ohne die ein moderner Krieg unmöglich ist, das ist doch wenig Wahrscheinlich. Albanien k ü m m e r t u n S nicht, und der Balkan muß den Balkanvölkern bleiben. Alle deutschen Interessen sprechen für die Politik der Nichteinmischung, fordern die Bewahrung der striktesten Neutralität! Wird die internationale Situation auch zurzeit von dem serbisch-österreichischen Gegensatz beherrscht, so wird sie nicht allein durch diesen zu einer bedrohlichen gestaltet. In London wie in Petersburg erweckt auch das künftige Schick- salKonstantinopels lebhafte Sorge. Ist es doch nicht allzu wahrscheinlich, daß der bulgarische Einmarsch in Konstantinopel aufgehalten werden kann. Wird er ober zur Tat- fache, dann wird es auch fraglich, ob die Bulgaren die Stadt wieder fahren lassen werden, ob selbst, wenn die bulgarische Regierung es wollte, die Stimmung der siegreichen Armee es zuließe. Und hinter der Frage von Konstantinopel erhebt sich noch drohender und kritischer dieF rage d e r a s i a t i s ch e n Türkei. Denn gerät dort die Herrschaft der gedcmütig'ten und besiegten Türken ins Wanken, dann werden alle großen imperialistischen Gegensätze zwischen den kapitalistischen Staaten lebendig und Kräfte kommen ins Spiel, noch gefähr- licher und zerstörender, als die auf dem Balkan am Werke sind. Schwere Wolken verdüstern den Himmel der kapitalistischen Welt. Schiveren Zeiten geht daS arbeitende Volk entgegen. Nur einen Lichtblick gibt es, die Einigkeit u n d S 0- lidarität des strbeiterheeres, das überall den Frieden will und in jedem Lande Protest erhebt gegen die friedensgefährdenden Tendenzen der Herrschenden. W i r wollen den Frieden, den Frieden um jeden Preis und unter allen Uniständen! Der Balkan, d a s g a n z e E r b e der Türkei ist nicht die Knochen eines deutschen, nicht die Knochen eines europäischen Arbeiters wert! Andauernd ernste Auffassung in London. London, 9. November.(P r i v a t t e l e g r a m m' d e S „Vorwärts"). In aller Eile wurde gestern abend eine Sitzung des englischen Kabinetts einberufen. Wahrscheinlich handelte es sich um die Beratung des gefürchtctcn Ein- z n g s der Bulgaren in Konstantinopcl. Man nimmt an, daß die Bulgaren, wenn sie einmal die türkische Hauptstadt in Besitz genommen haben, Konstantinopel nicht so leicht wieder räumen würden. Das würde aber zu einem Umschwung in der Haltung Rußlands gegenüber Bulgarien und zu einer äußer st gesährlicheninter- nationalen Situation führen. Die„Times" widmet dieser Frage heute einen offenbar inspirierten Leit- artikel, in dem Herr Geschow dringend ersucht wird, seinen großen Einfluß gegen den Einzug der Truppen in Konstan- tinopcl geltend zu machen. Man muß gestehen, daß die vor- gebrachten Argumente nicht sehr beweiskräftig sind. So warnt das Blatt die Bulgaren, daß die Atmosphäre in 5konstantinopcl auf den Geist eine cntkräftigende Wirkung ausübe. Auch nur eine wenige Monate dauernde Regierung in Konstantinopel werde die Einfachheit des Geistes und Lebens beeinträchtigen, die heute ein so»vcrtvoller Besitz der bulgarischen Rasse sei. Das Blatt versichert, daß Großbritannien in dieser unmittelbar dringenden Frage wie auch in der mazedonischen und albanischen Frage keine'selbstsüchtigen Interessen verfolge, sondern lediglich daS Interesse des Friedens im Auge habe. Der„Daily Telegraph" meint zu dem österreichisch- serbischen Konflikt, daß die Frage gelöst wekden könne, wenn beide Parteien Zugeständnisse machten. Die albanische Autonomie würde nicht beeinträchtigt werden, wenn nian Serbien einen Zugang zu einem Handelshafen an dem Adriatischen Meer vermittelst einer Eisenbahn in neutraler Verwaltung gewährte. Die britische Sektion der Internationale beschloß gestern, am 17. November cine große Friedensdemonstration im Londoner Opernhaus zu veranstalten. Oefterreid? und Serbien. Köln, 9. November.(P r i v a t t c l e g r a m in d cS»Vor« w ä r t S Der„Kölnischen Zeitung" Ivird offiziös ailS Berlin telegraphiert: Was heute über einen neuen scharfen Schritt Oesterreichs in Belgrad gemeldet tziird, ist nach unseren In- formationen mit aller Vorsicht aufzunehmen. Die österreichisch- serbische Frage wird von Wien aus nicht ad irato behandelt und nicht überstürzt. Auch die an die Meldung von der Mission des Herrn von Ugron in Belgrad gelnüpfte Mitteilung übsr Schritts der beiden ayderen DreibundSgesandten in Belgrad im gleichen Sinne ist nicht als zutreffend anzusehen, llubcstätigt ist auch die von Berliner Blättern gebrachte Nachricht, daß Frankreich den Zusammentritt einer Balkanlonfercnz vorgeschlagen habe. Aus Konstantinopel liegen Mitteilungen über einen Wechsel im Großwesirat por. Nach unserer Kennt- nis der Dinge sind diese Mitteilungen unglaubwürdig. Rumänien als Mitvcrschworcner. Bukarest, 9. November.„Epoca" verteidigt in ernem Leitartikel energisch das Recht der Albanesen. bei der Lösung des Balkankonflikts gehört zu werden. Das gleiche Recht stehe auch den K u b 0 w a l a ch c n zu, die ebensowenig wie die Albanesen gutwillig statt des türkischen das christliche Joch auf sich nehmen würden. Es sei ein Irrtum, ans der bisherigen Haltung Rumäniens, die in den Delegationen richtig gewürdigt worden sei, zu schließen, daß Rumänien an der Lösung der Balkan frage nicht inter- e s s i e r t sei. Nußland und Oesterreich. Petersburg, 9. November. In ihrer heutigen Morgenausgabe wird die„Nowoje Wremja" einen Artikel veröffentlichen, in dem sie Oesterreichs Absicht, den Serben ein Halt zuzurufen, für u n- gerechtfertigt erklärt. Oesterreich dürfe den Serben ihre durch ihre teuer erlauften Siege crungencn Erfolge nicht schmälern. Mit Befriedigung stellt das Blatt dann fest, daß die russische Regierung in dieser Frage eine e n c r gi s ch c Haltung au- genommen habe und setzt volles Vertrauen in die Unter- stützung Frankreichs und Englands. Eine offiziöse englische Anslassung. London, 8. November. Wie das Reutersche Bureau er- fährt, beansprucht die ö st e r r e i ch i s ch- s e r b i s ch c S e i t e der B a l k a n k r i s e die schärfste Aufmerksamkeit der Mächte. Erkundigungen in diplomatischen Kreisen Höchen er- geben, daß zwar allgemein die Lage als nicht so ernst betrachtet wird, wie sie von der Presse dargestellt wird. Dennoch ver- gegenwärtigt man sich, daß die Frage, wenn sie nicht sorg- fältig behandelt wird, ernste Möglichkeiten bietet. Unterhaltungen mit Diplomaten, deren Ansichten als die- jenigen der Tripleentente beziehungsweise des Dreibundes betrachtet werden können, haben bewiesen, daß die Meinung von allen geteilt wird, daß es um so besser ist, je weniger gegenwärtig über diesen Gegenstand gesprochen wird. Man fühlt, daß Fragen, wie die des serbischen Hafens am Adriati- fchen Meer, besser der Erörterung durch dieMächte überlassen werden, als daß darüber zwischen einer Groß- niacht und einem kleinen Staate verhandelt wird. In diplomatischen Kreisen, die den Dreibund vertreten, wird angedeutet, daß die wahrscheinliche Jnternationali- sierung von Saloniki Serbien den gewünschten Zugaug zur See bieten würde. In diplomatischen. Kreisen,' die die Triplecntente vertreten, wird unter dem Ein- druck der Sympathie für die Bestrebungen Serbiens hervor- gehoben, daß der sichere Weg ist, die Dinge nicht zu über- stürzen und den natürlicherweise starken Gefühlen, die durch die militärischen Erfolge hervorgerufen worden sind, Zeit zu geben, sich zu legen, sowie auch die allgemeineren europäischen Interessen zu Kerücksichtigeis. Es wird' er- klärt, daß der Friede Europas ein Gegen stand von überrage i, de nr Interesse schließlich das a l l e r w i ch t i g st e i st. Den Interessen Serbiens wäre am besten gedient, wenn die Mächte die dortigen Fragen.i n t e r- nationalisieren würden, weil die Mächte unter sich zweifellos Mittel finden würden, um die wichtigsten, wenn nicht alle in Betracht kommenden Gegenstände zu erledigen. Der„Abanti" für Massenkuudgcbuugcn gegen die Intervention. Rom, 7. November.(Eig. Ber.) In einem Schreiben seines römischen Korrespondenten drückt der„Avanti" den Verdacht aus. daß Italien sich durch deutsche und österreichische Pressionen bestimmen lassen könnte, in eine Intervention im Balkan zu Ivilligen, die Oesterreich die Möglichkeit bieten soll, sich des Sand- schaks zu bemächtigen. Der„Avanti" macht darauf aufmerksam, wie sehr eine solche Einmischung den ideellen Interessen des Sozialismus und den materiellen Jnter- essen Italiens tjuwidprlaufclj würde und fordert den Parteivorstand auf, eine allgemeine Agitation gegen den drohenden Akt eines neuen Servilismus der italienischen Slegierung gegenüber den beiden verbündeten Regierungen Stellung zu nehmen. Die italieniische Arbeiterschaft müsseenergischihrenWillenkundtun, dieBalkan st a a t e n den B a l k a n v ö l k e r n zu überlassen. Es sei dies eine Forderung nationaler Gerechtigkeit, durch deren Per- wirklichnng eine beständige Drohunig für den europäischen Frieden endlich beseitigt werden würde. Es sei an der Zeit, daß die ita- licitische Regierung ihre Vasallenstellung gegenüber den anderen Dreibundmächten aufgebe, um eine den eigenen Interessen und der eigenen Würde gemäße Politik zu treiben. Der Artikel schlägt bor, die Frage der internationalen Politik in die M a s s e n z u tragen, wie dies bereits die deutsche und die öfter reichische Partei getan hat, und forderte die Partcifraktion auf, eine Interpellation über die Haltung der italienischen Diplomatie an den Ministerpräsidenten zu richten. {anffaiftfUrtandB- Bedingungen des Balkan- bundes. Köln, 9. November. Der„Köln. Ztg." wird aus Sofia gemeldet: Nach Mittcilimgeii maßgebender Persönlichkeiten sollen die verbündeten Balkanstaaten einen Vorschlag für einen Vaffcnstillstand nur annehmen unter der Bedingung, daß sie ihre militärischen Vorteile behalten. Dazu sei die Besetzung der Linie von Tschataldscha nötig, fernes die Bürgschaft Europas, daß die Truppcnbcförderung ans Kleinasien eingestellt werde, und daß die noch in Mazc- donicn und Thrazien fechtenden türkischen Truppen kriegsgefangen werden. «* * Der eiMsmpf um den Zugang nach lionltantinopel. Der Krieg hat seinen Höhepunkt überschritten. Der Soldat hat nur noch Restarbcit zu erledigen. Dafür gehen die Mplomatcn mit desto größerem Eisgr an ihr Geschäft. Aber ihre Geschäftigkeit birgt neue Gefahren in sich. Während man sich in den Kabinetten der Großmächte mit Listen und Ränken Übpr die Frage unterhält, welche Kampfbeute den Siegern zu- fallen und welche Macht in Konstantinopcl die Herrschaft der Pforte ablösen soll, wird an dem letzten Walle, der die türkische Hauptstadt noch vor der Invasion schützt, noch erbittert gekämpft. Noch sind die Bulgaren nicht Herren der Tschataldscha-Linie. Aber der verzweifelte Widerstand der Türken wird auf die Dauer nicht standhalten können, zumal wenn zu den Bulgaren noch serbische und griechische Hilss- truppen stoßen sollten. In Konstantinopcl soll der Appell an den religiösen Fanatismus des mohammedanischen Volkes eine Art levöo en in»ssv, ein Massenaufgebot, ähnlich wie nach dem Fall von Sedan in Frankreich, ins Leben rufen. Aber in Konstan- tinopcl klingt der Verzwciflungsschrei der Zeitungen, der Re- gicrung und des Scheich ül JSlam nicht an das Ohr eines geschlossenen nationalen Volkskörpers. Die zahlreichen Griechen, Armenier usw. fragen hier blutwenig nach dem Schutze des Koran und der heiligen Fahne des Propheten. Zudem haben sich die türkischen Zeitungen durch ihr vcr- logenes Treiben um jeden Kredit gebracht. Die einzige Wirkung dieses Aufrufes zum heiligen Krieg wird sein, daß die Endkämpfe mit weit mehr fanatischer Wut ausgefochten werden als bisher, daß Wehrlose, Verwundete und friedliche Bevölkerung hingeschlachtet werden. Es ist aber ausgeschlossen, daß die grüne Fahne des Propheten einem siegreichen Türken- Heere noch einmal voranwchen kann. Adrianopel steht vor dem Fall. Und wenn auch von türkischer Seite der Verlust Salonikis noch nicht zu- gegeben wurde, so steht doch fest, daß dieser nach Kon- stantinopel wichtigste Ort den Griechen widerstandslos über- lassen wurde. Der ruhmlose Feldzug der türkischen Wcstarmce hat damit seine traurige Krönung erhalten. Außer von den Bajonetten, Kugeln und Schrapnels ihrer Feinde werden die Türken auch noch von anderen Gefahren bedroht. Typhus und Cholera haben ihren Einzug im türki- scheu Lajjer gehalten. Entbehrung und Hunger wüten unter den Trümmern der geschlagenen Armeen und unter den Flüchtlingen, die hinter den Mauern der Städte Schutz zu finden glaubten. Die KriegSfnrie hat alle ihre Leiden und Greuel, entfesselt, unter denen die Völker jetzt seiifzen müssen. OettUcker BriegBfckauplat2.. Der Kampf um die Tschataldscha-Liuie. Wie», 9. Novbr. Der Kriegsberichterstatter der„Reichs- post" bei der bulgarischen Hauptarmee meldet aus dem großen Hauptquartier unter dem 8. November: Die Bulgaren führen, gestützt auf die bereits gewonnene Position, den Angriff gegen die übrigen Linien der Tschataldscha- Stellung mit»lufbietung aller Kräfte durch. Die dritte Armee ist bereits weit in dem Waldterrain südlich des Derkos- Sees vorgedrungen, wahrend die erste Armee im Kampfe nm die türkische Hauptposition östlich von Tschataldscha steht. Ein bevorstehender Durchbruch der türkischen Stellung, die aus mehreren hiiitereinander befindlichen Linien besteht, ist noch mcht erfolgt. Doch ist ein Niederringen der Verteidigung nur mehr eine Frage der �"�öesten Zeit. Die türkischen Truppen kämpfen sehr ungleich. Einzelne Abteilungen, die offenbar noch nicht im Kampfe waren, leisten hartnäckigen Widerstand. Der Rest der Armee Naz,m Paschas zeigt nur «och die herabgeminderte Widerstandskrast geschlagener Truppen. Bei der Einnahme von Strandza und bei dem miß- glückten türkischen Vorstoß von Kapakli-Bunar nach Nordosten haben sich furchtbare Szenen abgespielt. Von drei Seiten von einer Uebermacht angegriffen, stürzten die türkischen Truppen in wilder Flucht auf Ka'pakli-Bunar zurück, wurden jedoch, noch ehe sie dies erreichten, durch das bulgarische Artillerie- und Jnfantericfeuer dezimiert. Die bulgarischen Truppen, obivohl selbst von den Kämpfen und Gewaltmärscheii erschöpft, zersprengten durch ihre rücksichtslose Berfolgimg alle Verbände ber Armee Nciziiu Paschas. Vor dem Fall Adrianopels. Sofia. 9. November. Adrianopel steht unmittelbar vor der Kapitulation. Die eingeleiteten Berhandlungen haben zwar noch zu keinem eudgiiltigcn Resultat geführt, aber seitdem die Bulgaren nach siegreicher Zurückweisung des(eisten großen Ausfalles eine dominierende Stellung auf der Nordwestfront Adriauopels in Besitz genommen haben, ist jede weitere Bcrteidignng aussichtslos. Köln, 9. November. Die Kölnische Zeitung" meldet auS Sofia: Zwei wichtige Stellungen vor Adrianopel, Kartal Trpeh und Papas Tepch, sind von de» Bulgare»»ach erbittertem Kampfe genommen worden. Erklärungen Kiamils. Paris, 9. November. Der Konstantliiopeler Sonderberichterstatter des„Maliu* meldet, K i a m i l Pascha habe den Botschaslern der Großmächte erklärt, daß er die Ordnung sowohl in Konstanlinopel wie in Kleinasie» verteidigen werde. Wenn es ihm jedoch durch den Einmarsch d e s F e i» d e S i n K o n st a n t i n o p e l unmöglich gemacht würde, die Ordnung aufrecht zu erhalten, wenn man die unglückliche Bevölkerung durch die Greuel des Krieges zur Bei- zweiflung brächte, dcknn würde er sür die hieraus etwa erwachsenden Folgen das Gewissen Europas verantwortlich»rächen. Rechnen Sie nicht damit, fügte Kiamil Pascha noch hinzu, daß ich jemals Konstantinopel im Stiche lassen werde, oder daß der Sultan es verläßt. Eher müßte man in e i n e n S o u v e r ä n i n feinem P a l a st und in i ch in meinem A in t s z i in m e r töten. Der Aufruf zum heiligen Krieg. Konpantinopcl, 9. November. Der Scheik ül Islam der- öffeullicht einen Aufruf an die UlcmaS stnohammedauifche Geistliche) in dem es heißt: Während alle religiösen Oberhäupter unserer Feinde mit dem Kreuz in der Hand daran arbeiten, die Truppen zu ermutigen, ist eS völlig unverständlich, daß unsere Ulemas diese Pflicht»och nicht erfüllen. Die Ulemas müssen deshalb gleichfalls den ReligioiiSkrieg verkünde» und dadurch die Moral unserer Truppen stärken. Der Scheck ül Islam fordert die UleinaS, die glauben, die Fähigkeiten für diese heilige Aufgabe zu besitzen, auf, sich zu melden. Die Cholera in Konstantinopel. Konstantinopcl, 9. November. Unter den aus Silivri ein- getroffenen Flüchtlingen wurden drei Cholerafälle fest- gestellt.— Andauernd kommen muselmanische Familien aus den Dörfern diesseits der Tschataldschalinie in Kon- stantinopel an. Die Avenue vor der Hohen Pforte das Aus- sehen eines Lagers. Mehrere Personen, die ansteckender Krankheit verdächtig sind, wurden isoliert. Die Organisation vou Nen-Bnlgarie«. Sofia, 9. November. Eine uns Abteilungsvorständen der verschiedenen Ministerien und aus früheren bulgarischen Konsuln in der Türkei gebildete Kommission bereitet einen Entwurs für die O r g a- nisation der Verwaltung in dem befreiten Laude vor. MeMickek« BjnegBlckauplat2. Die Griechen Herren von Saloniki. Athen, 9. November. Auf eine Anfrage der Regiernug über die Einnahme von Saloniki telegraphierte General Pallis, Chef des Militärkabinetts des Königs, nm 3 Uhr 20 Minute» morgens aus G i d a: Der König hat eine Benachrichtigung vom Thronfolger erhalte»,»vouach der Kommandant vou Saloniki sich Donnerstag abend znm Thron- folgcr begeben und die Nebcrgabe der Stadt angeboten hat. Der Kronprinz verlangte darauf, daß die Armee, die sich vor den Tore» bon Saloniki befand, die Waffen strecke und sich zugleich mit dem Fort Karabnrnu ergebe. Es wurde eine Frist gestellt, die gestern früh ablief, waranf, wen« die Bc- diuguugen nicht angenommen werden sollten, das Feuer er- öffnet würde. Der Thronfolger fügte hinzu, er hoffe, daß diese Bedingungen eiigenomuicn würden.— Dies ist die Nach- richt, die der König vom Thronfolger erhalte» hat. General Pallis fügt hinzu: Zehn Minuten vor 8 Uhr, vor Ablauf der Frist, hörten wir zwanzig Kanonenschüsse. Dann hörten wir nichts mehr. Wir schloffen daranS, daß die Stadt sich ergeben habe. Indessen habe» wir keine Bestätigung vom Thronfolger erhalten. Athen, 9. November, 3 Uhr 39 Minute», nachmittags (Amtlich). Die Kapitulation von Saloniki sowie des FortS Karabnrnu ist gestern abend unterzeichnet worden. 2 5 9 99 Mann habe» sich ergebe u. Die letzten Kämpfe der Serben. Belgrad, 9. November. Heute werden aus U e s k ü b Einzelheiten über die Kämpfe der letzteil 1>t Tage gemeldet. Danach hatten in dem Käinpfc um Novibazar die Serben 599 Tote und V e r w u» d e t e. die Türken 399 Tote und 799 Verwundete. Die Serben er- beuteten 57 Geschütze und zahlreiches Kriegsmaterial. Die Kämpfe bei K r u s ch e v o und Prilep verliefen äußerst blutig, da die serbische Infanterie ohne Unterstützung der Artillerie Bajonettangriffe unternehmen mußte. Schließlich gelang es den serbischen Truppeil, die Türken gegen Monastir und Dibra zurückzudrängen. Die Einnahme von Monastir steht bevor. Die Albanesenführer Sabrija JdriS-Sefer und Kafumo haben sich den Serben ergeben. Die serbischen Verluste bei Prilep betrugen 2599 Tote und Verwundete, die Verluste der Türken 6999 Tote. Der Bericht über die Kapitulation. Athen, 9. November. Ueber die Kapitulation von Saloniki erhielt daS Kricgsministerium von dem die Truppen befehligenden Tbronfolgcr folgenden Bericht: Während des gangen gestrigen Tages überschritt die Armee den AxioSfluß. Tie Generalkonsuln von England. Frankreich, Deutschland und Oesterreich, der Platzkommandant von Saloniki und ein Vertreter Tahsin Paschas. des Befehlshabers der türkischen Armee, kamen nach meinem Haupt- quartier in Topschin, um mir Vorschläge über die Kapitulation der Stadt und dos HccrcS zu machen. Sie verlangten, daß die Armee gegen die Verpflichtung, bis zum Ende des Krieges neutral zu bleiben, die Waffen behalten sollte. Ich lehnte dies ab und forderte als conditio sine qua non die Ucbergabe Per Waffen, foobei ich nur das Zugeständnis machke. Laß die Waffen nach Beendigung des Krieges zurückgegeben werden sollten. Die Frist für eine definitive Antwort setzte ich auf 5 Uhr morgens fest. In der Tat kam um 5 Uhr morgens der Platzkommandant von Saloniki, begleitet von einem diplomatischen Unterhändler, zurück. Er überbrachte einen Gegenvorschlag, nach dem die Auslieferung der Weissen im Prinzip zugestanden, jedoch eine Ausnahme mit 5999 Flinten gemacht werden sollte, die zur Ausbildung der Re« kruten bestimmt seien. Da dies nicht zugelassen wurde, kehrten sie wieder zurück, nachdem sie eine neue Frist von zwei Stunden er» halten hatten, um sich mit dem Obcrkommandiercnden zu verstän- digen. Da die Frist verstrich, ohne daß eine Antwort erfolgte, so gabfich den Befehl zum Vormarsch, der um 9 Uhr morgens begann. Als sich gegen Viö Uhr nachmittags unsere Linien den Vorposten des Feindes näherten, entsandte Tahsin Pascha einen Offizier mit einem Briefe, in dem er erklärte, er nehme die Bedingungen an. Ich ließ infolgedessen den Vormarsch unterbrechen und entsandte zwei Offiziere, um das Protokoll der Ucbergabe der Waffen und der Kapitulation der Stadt aufzusetzen. Unsere Truppen stchcii vor der Stadt. Ei» Erfolg der montenegrinischen Nordarmee. Rjeka, 9. November. Die Einnahme von Djako» w i tz a am 5. November erfolgte ohne besonderen Widerstand der Türken. Bei der Besetzung wirkte auch serbische Artillerie mit, die aus P r i z r e n zu Hilfe gekommen war. Die Montenegriner hatten nur geringe Verluste, auf feiten der Türken und Albanesen waren größere Verluste. S ahlreiche Albanesen meldeten sich bei den Montenegrinern b Kriegsfreiwillige. Sie wurden zum Bojanafluß abgeschickt. Vom montenegrimfehen Knegsrcbauplatze. Das Bonibardcmeut von Skntari. Rjeka, 9. November. Gestern wurde die Beschießung S k u t a r i s mit Belagerungsgeschützen fortgesetzt. Nach hierher gelangten Berichten herrschte in der Stadt große Panik. Tie Katholiken flüchteten in die Kathedrale, wo auch der Erzbischof weilen soll. In Skutari sind die Preise fiir alle Bedarfsartikel unerschwinglich geworden. Der französische Konsul soll von seiner Regierung Weisung erhalten haben, mit den französischen Staatsangehörigen und etwaigen Schutz- befohlenen die Stadt zu Verlaffen. -i- Unruhe». Koilstantiilopek, 9. November. Wie die Blätter melden, ist es in Silivri am Mararameer zu Unruhen gekommen, nachdem die türkischen Behörde» geflohen waren. In der allgemeinen Panik sollen vier Griechen, drei Armenier und drei Israeliten ge- tötet und mehrere Personen verivundet worden sein. Das englische Geschwader. Malta, 9. November. Die Linienschiffe„Hibernla", „Britannia",„Commonweaht" und„Dominion" und die Kreuzer „Black Priuee" und„Cumberland" erhielten Befehl, sofort von Malta abzugehen und sich nach Häfen deö Orients zu be» geben. Sie werden in zwei Stunden abgehen. In Malta be« findet sich jetzt kein Schiff mehr, außer einigen Torpedoboots« Zerstörern. Die unerwartet schnelle Abfahrt der Kriegsschiffe wird auf die Kapitulation von Salouili zurückgeführt. Man glaubt, daß die Schiffe nach Saloniki fahren. Gibraltar, 9. November. Der Panzerkreuzer„Shan- non", der gegenwärtig im hiesigen Hafen liegt, hat den Befehl erhallen, binnen 48 Stunden die Anker zu lichten. DaS Schiff wird wahrscheinlich nach dem Orient gehen. Italienische Schiffe. Rom, 9. November. Die„Aseuzia Stesanii" m'ebtct, daß Italien zum Schutze der italienischen Untertanen folgende Kriegsschiffe nach der europäischen Türkei«ntsandtc:„Ammiraglio di Saint Bon", der bereits in Saloniki angekommen ist,„E Manuele Filiberto", der gestern die Dardanellen passiert fyrt, und„Coatit", der heute in Konstantinopel eintrifft.— Die Regierung behält sich vor, noch ein andere« große» Kriegsschiff nach dem Bo». porus zu entsenden. Sie ließ heute movgew von Neapel den Dampfer„Re d'JIalia" nach Konstantinopcl abgehen, der mit Lebensmitteln! für 999 Personen für eine Zeit von 14 Tagen ver« sehen ist. Ein französisches Kriegsschiff. Pari?, 9. November. DaS Linienschiff„Henri IV*, da? gegen« wältig vor Kreta liegt, hat Befehl erhalten, nach Beirut zu gehen. CeuefunssHonfmnz. Am 22. November soll die vom Reichskanzler äuge« kündigte Teucrungskonfcrenz im Rcichsamt des Innern zusammentreten. Wenn eS der Regierung wirklich crust tväre mit der Tcuerungsbekämpfung. bedürfte es dieser Konferenz nicht. Wenigstens die dringendsten Maßnahmen hätte der Kanzler sehr wohl ergreifen können, ohne sich vor« her bei dieser Kommission Rat zu holen. Aber wie wenig eS dem Kanzler daran liegt, auch nur die von ihm selbst ge« troffeueu Abwehrmaßnahmen wirksam durchzuführen, beweist sein Verhalte,! trotz der Verhinderung der Ausfuhr aus den Balkan- ländern. Auch nicht ein Stück Vieh kann infolge des Balkan- krieges nach Deutschland gelangen. Aber nichts tut der Kanzler, um für diesen Ausfall' Ersatz zu schaffen. Und doch muß er die Einfuhr für durchaus notivendig gehalten haben. denn sonst hätte er nicht diese Erleichterungen mit rn seine Maßnahn, en hineinbezogcu. Aber es scheint, als rechne der Kanzler damit, daß die Balkanereignisse den Blick von dcil innerpolitischen Verhältnissen ablenken und sein Versäumnis in Vergessenheit bringen werden. Darin irrt er. DaZ Volk fühlt täglich die Not. die durch die Schuld der Reglcrung und Junker noch immer ungelindert ist. Und es wird sich wieder Gelegenheit finden, den Kanzler an seine Psucht zu erinnern. Auch die Einsetzung der Teuerungskotiserenz Intrd ihn nicht von dieser Pflicht befreien....... �.. Diese Kommission soll sich v,!.��llenden Mitteilungen nur mit den Ursachen der Prciobtldung beschäftigen. die in der Organisation von Produktion� und Handel liegen. Hoffentlich wird die Untersuchungskommistron nicht verfehlen. aus ihrer Mitte die Fragen beizufügen dw nt den Vorschlägen der Regierung vergessen worden sind, die allerwichtigstcn Fragen nämlich, welche Wirkungen das E, nfu h r s ch er n« n si e m das der deutschen Landwirtschaft die billige Vieh« enrährung unmöglich macht, und welche Wirkung das ganze Zoll- und W i r t s ch a f t s, y st e m auf die Preisbildung des ViehcS hat. Da ein Vertreter der sozialdemokratischen ReickiStaaSfraktion(Genosse Molkcubuhr) der Kommission an- gehört, wird eine Debatte über diese Frage sicher angeregt rocrÖggir fordern aber weiter, daß auch Vertrauensleute der großen K o n s» m c n t c n o r g a n i j a t i o n e n zu den Be« ratungen hinzugezogen werden. Es ist das um so nötiger, als die Frage des Fleischabsatzes durch Konsumanstalten be- sprochcn iverden soll. Sie sind um so mehr dazu geeignet, als es ihnen an Dctailkenntnissen auf den» Gebiet der Nah- rungsmittelversorgung nicht fehlt. Nur wenn alle Interessierten an den"Verhandlungen teilnehmen können, ist die Gewähr geboten, daß auch alle Fragen gründlich erörtert werde», daß nicht Probleme vergessen oder übergangen werden, an denen gerade die Konsumenten daS größte Interesse haben. Auch nicht einmal der Verdacht darf entstehen, daß die an der Teuerung mitschuldigen Produzenten und Händler aus Rücksicht auf die Oeffentlichkeit ein verab- redctes Spiel mit verteilten Rollen treiben. Will man diese Gefahr vermeiden, so ist auch nichts anderes möglich, als daß die Verhandlungen in vollerOeffent- l i ch k e i t stattfinden. Da die Beantwortung der behandelten Probleme von so außerordentlicher Wichtigkeit sind, be- steht ein dringendes Bedürfnis, daß die Oeffentlich- keit sofort von allen Beratungen Kenntnis erhält, auf den Gang der Verhandlungen durch Fragen und Er- gänzungcn Einfluß ausüben kann. Schon jetzt ist der Ver- dacht nicht abzuweisen, daß die Konferenz als Beschwichtigungs- rat der Regierung zu Hilfe kommen soll. Er wird verstärkt, wenn die Verhandlungen geheim geführt und Protokolle erst später(wie cS bei der Lankeilquete geschah) veröffentlicht iverden. » Heber die wahrscheinlichen! Arbeiten den Konferenz gehenl uns folgende Mitteilungen zu: Ten Arbeiten den U nie rs uchungsko urnn ssio n werden eine Reihe Fragen zugrunde gelegt, die sich auf Preisbildung beim Ankauf von Schlachtvieh, auf Jwifchenhandch Schlachtung unld Fleischverkauf usw. beziehen. Die Verhandlungen sollen anfcheinend mit einer Generaldebatte eiivgeleitet werden, die sich um die Frage dreht, wie zurzeit die allgemeinen Vevhältniffe im Vieh, und Fleischhanbel liegen. Von'den wichtigeren sonstigen F rage n, auf die man eine Antwort im kontradiktorische!» Verfahren erlangen will, heben wir die folgenden hervor:„Läßt sich eine genaue Kenntnis der S ta l l- preise erzielen und wodurch? Bestehen Mängel in der heutigen Art des ViehaufkoufS und empfiehlt sich eine Konzentration» des Angebots der Viehproduzcnten? Welchen Einfluß hat die Ein- stellung von Magervieh.— Ter Fragenabschnitt, ler sich mit dem Zwischenhandel beschäftigt, sucht vor allen Dingen Klarheit darüber zu schaffen» ob der Zwischenhandel� unentbehrlich ist im Interesse der Versorgung des Marktes mit Vieh. JnSbcsvndere soll hier festgestellt werden, ob die Verhältnisse in dieser Beziehung für die verschiedenen grossen Marktorte gleich sind. Auch wird gefragt, ob es sich empfiehlt, Vorschriften über den erforderlichen Reifegrad des Viehes beim Benkauf für Schlachtvieh aufzustellen. Die wich- tigste Frage in dieser Gruppe ist die noch dem Einfluß des Zwischen!- Handels auf die Preisbildung. Der Fragenabschnitt über Schlachtung und F l e i s ch v e r- kauf will Klarheit schassen über die Organisation des Fleischer» gewcrbes. Weiter wird gefragt, wie sich der Fleischhanbel durch die Warenhäuser vollzieht, wodurch insbesondere ein billiger Fleisch- verkauf durch Warenhäuser ermöglicht wird, und welchen Einfluß diese Art des Fleischabsatzes auf die Preisbildung hat. Im Anschluß darani wird der Fleischabsah durch Konsum» anftal tcn erörtert. Wichtig sind fernen die Fragen nach der Spannung zwischen Pich- und Ileischpveifen und nach den Er- fahrungen, die mit der Organisation des Fleischte rfaufS durch die Gemeinden gemacht worden sind. In diese Kategorie gehört endlich noch die Frage, wie sich die behördliche Mitwirkung bei Festsetzung der Fleischpreise bewährt hat. In weiteren Abschnititen soll daS Nachrichtenwesen in brzug auf Vieh» und Fletschpreise und die Führung der Statistik behandelt werden. Am Schlüsse soll auch weiteren Fragen und Vor» schlagen Raum gegeben werden. polWcbc Clebcrlicht. Berlin, den 9. November 1912. Wiedereröffnung des Reichstags. Wie wir erfahren, wird der Reichstag am 29. November, nachmittags 2 Uhr. wieder seine Sitzungen beginnen und sich zunächst mit verschiedenen Petitionen beschäftigen. Dann folgt im Zusamnienhang mit der Flcischnot-Jnterpellation diejüe- ratung der TeuerungSvorlage, die voraussichtlich mehrere Tage in Anspruch nehmen wird. Ob der Reichskanzler die Jnter- pellation sofort bcantioorten oder seine Erwiderung hinaus- schieben wird, steht noch nicht fest. Junkerliche Heuchelei. Zu dem Urteil. daS gestern lvcgen angeblicher Beleidigung des AbgeordiietenbauseS gegen den»Vorwärts- gefällt wurde, bemerkt die„Deutsche TageSzt g.*, daß ihrer Meinmig nach auch der Ausdruck„G e l d f a ck p a r l a in e n t" eine zu ahndende Beleidigung deS Abgeordnetenhauses dargestellt habe. Wir wollen demgegenüber nnr feststellen, daß e« kein anderer alS der ehemalige.Kreuz- zeitu n gs-- Redakteur Hermann Wage«er war. der das Dreiklasienparlament verächtlich ein.G e l d s a ck p a r l a m e n t- imnnle. Daß die Junker damals eine Ahndung dieser Beleidigung gefordert hätten, ist UN« unbekannt. Aber noch weitere Beweise dafür, wie verächtlich seinerzeit die Junker über das Dreiklassenparlament geurteilt haben. Im Jahre 18v2 äußerte sich ein konservativer Abgeordneter solgendermaßen: .Der KomniiisionSbericht gebraucht mit einer Wohlgcfälligkeil siir die beiden preuistichen Kammern den Ausdruck einer Volks- Vertretung. Steigen wir doch herab von dem Piedestal selbst geichaffener Größe Die preußische Kammer ist nur eine immerhin noch mangelhafte Bertrelung der Steuer- lra�. Das kann ich eine Volksvertretung nicht neiinen.- TaS war also auch nur eine nickt gerade liebenswürdige Umschreibung des Ausdrucks Geldsackparlament. Und der dieses Wort sprach, hieß Otto v. BiSmarck-Schönhausen. der spätere »große Kanzler-.. � Am interessantesten aber ist, daß auch schon einmal von dem Dreitlassenparlament in einer Weise gesprochen wurde, die dem Sinne nach mit der Bezeichnung.TollhauS- eine verteufelte Aehn- lichkcit hatte. Ein Blatt schrieb nämlich am 3. Oktober 1802 gegen die LandtagSmehrheit des DreiklassenparlamentS das Folgende: „Daß es einige patriotische Schwärmer gibt, welche die Rolle deS Narren und Bösewichts spielen und sich heiNe schon für die Herren Preußens halten.>vird die Regierung nicht irre machen. Wenn eine politische Körperschaft den Verstand verliert, so muß sie ebenso wie der einzelne unter Kuratel gestellt werden.- Das Blatt aber, da« sich derartig.beleidigend- aussprach, war — die»Kreuz-Zeitung-! Die Heerssergänzung im Jahre 19t t. Dem Reichstag sind soeben die Uebersicht der Ergebnisse des HeereSergänzungSgefchäftS und«ine Nachweisung über die Herkunft und Beschäftigung der Militärpflichtigen für das Jahr 1911 zugegangen. Die Behauptung der Agrarier, daß die Landwirtschaft den besten und zahlreichsten Heeresersatz stelle, wird durch die vor- liegende» Zahlen wieder einmal als eine maßlose Uebertreibnng ge- kennzeichnet. Die Statistik hat zwei Hauptgruppen geschaffen: 1. Auf dem Lande Geborene und a) in Land- und Forstwirtschaft Ve- schäftigte; d) anderweit Beschäftigte. 2. In der Stadt Geborene und-0 in der Land- und Forstwinschaft Beschäftigte; b) anderweit Bcschäsngte. Daß mit dieser Einteilung nicht viel anzufaiigen ist, soll noch dargelegt werden. i Ausgehoben wurden 223 925 Mann, davon 1415 zum einjährigen Dienst beim Train, 193 622 zu Truppen mit zweijähriger, 12 794 zu solchen mit dreijähriger Dienstzeit und 2712 zum Dienst ohne Waffe. 13 472 Mann ivurden der Marine überwiesen. Die Gesamtzahl der Gestellungspflichtigen aller drei Jahrgänge betrug 1 271 384 Mann. Vom Heeresdienst ausgeschlossen wurden 826, als untauglich aus- gemustert 35 590, dem Landsturm überwiesen 144 397, der Ersatz- reserve 92 143, der Marineersatzreserve 2589 Mann. Zur Einstellung gelangten ferner 14 457 Eiiijährigfreiloillige, 1141 Schullehrer und 52 632 freiwillig bei den Truppenteilen eingetretene Mannschaften. Wegen häuslicher Verhältnisse sind dem Landsturm überwiesen, vom aktiven Dienst also besreit worden 866 Mann, davon entfallen allein auf die lmidwirtichaftliche Bevölkerung 188. Von den zu nur einjährigem Dienst ausgehobenen 1415 Trainsoldaten stellt die Landwirtschaft aNein 698 Mann. Zn den Truppen mit zweijähriger Dienstzeit, also Infanterie, Jäger, technische Truppen, Artillerie, stellt die landwirtsckaftliche Bevölkerung 53 497, die nichtlandwirt- schaflliche 135 215 Mann. Zu den berittenen Truppen stellt die lmidlvirtschaftliche Bevölkerung 5224, die nichtlandwirtschaftliche 7489 Mann. Hier kann ein Uebcrwicgen der landwirtschaftlichen Be- völkcrung zugestanden werden. Immerhin ist aber diese Statistik absolut ungeeignet, um sichere Schlüsse über den Anteil zu ermöglichen, den die Landwirtschaft tatsächlich an der Heeresergänzimg hat. Nach der vorliegenden Gruppierung liegt die Sache so: Zu den Fußtruppen stellen die auf dem Lande Geborenen und in der Landwirtschast Beschäftigten 517l4, die anderweit Beschästigren 69 497. in Summa also stellt daS Land 121211 Mann. Die Städte dagegen stellen nur 72 411 Mann. Auf diese Weise komiiicu die Agrarier zu der Behauptung, daß das Land die meisten Rekruten liefert und daß sich daher die weitgehendste Unterstützung der Agrarier schon mit Rücksicht auf die Erhaltung der Wehrkraft rechtfertigt. Diese Be- Häuptling ist aber total falsch und die Statistik ist direkt irreführend. Will man den Anteil der Landwirtschaft am Hecresersatz wirklich erfassen, dann muß man die AuSgehobenen nach ihrer Zugehörigkeit zu den einzelnen Erwerbsgruppen klassifizieren. Wir haben in Deutschland eine Menge Kleinstädte, in denen neben einigen Handwerkern nur Bauern wohnen, und selbst bei diesen Handwerkern kann man oft im Zweifel sein, ob ihr Handlverk oder die milbelriebene Landwirtschaft ihr Hauptberuf ist. Wir haben da- gegen Dörfer mit einer bliihendeiiJudustrie, mit 59 999—69 990 und noch mehr Einwohnern; von Landwirtschaft ist dort vielfach fast nichts mehr vorhanden. Aber die militärische Statistik rechnet den Heeres- ersatz auS diesen Orten dem flachen Lande zu und schafft damit ein völlig verzerrtes Bild der tatsächlichen Verhältnisse. Es sei nur an die großen rheinisch-westfälischen Industriegebiete, au die großen Jndustrtedörfer in Sachsen und Schlesien erinnert, ferner an die volkreichen Vororte von Berlin, die auch noch unter den Dörfern und Landgemeinden rangieren. Selbst aber nach der von der Militärbehörde getroffenen Einteilung schneiden die so sehr verlästerten Städte nicht einmal übermäßig schlecht afr Von den endgültig Abgesertigten waren auf dem Lande muglich 56,3 Proz., in den Städten 51,6 Proz. Dieses Resultat ist nicht schlecht, wenn man die Wohnungs- und ErnährungSverhältnisse in den Groß- städten, die maßlose Ausbeutung gerade der jungen Arbeitskräfte, die überaus intensive Anstrengung in Betracht zieht, die beute von dem Dienst in der Industrie unzertrennlich ist. Vor einer wahrheits- getreuen Statistik vermögen die agrarischen Rccheükünste nicht stand zu halten._ Amtliches Wahlergebnis im t. Berliner Wahlkreise. Nach den jetzt vorliegenden amilichen Feststellungen des Wahl- bureauS haben bei den am 5. November staltgehabten Wahlen im Wahlkreise Berlin I erhalten: Sladtällester Kaempf sFortschr. VolkSpt.). 4388 Stimmen Siadiverordueier Düwell(Sozialdeinolrat). 8840. Rechtsanwalt Ulrich(tonservativ)... 687. Schriststeller Erzberger(Zentrum)... 174. Zersplittert sind.......... 16, Die Gesamtzahl der Wahlberechtigten betrug 13 396, die der abgegebenen gültigen Stimmen 9595. Gewählt: Kacinpf._ Sr. Majestät Privatschisi. Vor mehr als Jahresfrist Ist die Meldung aufgetaucht, daß vom Reichstag die Mcktel zum Bau eines neuen KaiserschiffeS verlangt werden sollen, weil die„Hohenzollern-, die jetzt diesem Zwecke dient, modernen Ansprüchen nicht mehr genüge. Der Meldung war noch hinzugesügt, daß das Modell für das neue Schiff bereits fertig. gestellt sei. DaS Reichsmarineamt hat damals dieser Mitteilung ein keineswegs eimvandfreies Dementi entgegengesetzt. Wie jetzt verlautet, ist in den kommenden Etat eine erste Rate von 5 Millionen Mark für daS neue Kaiserschiff eingesetzt worden, da« im Frühjahr 1915 in Dienst genommen werden soll. Begründet wird diese Forderung damit, daß die Seefähigkeit der„Hohenzollern- nicht mehr derart sei. daß eine Bürgschaft für die Sicherheit de? Kaisers an Bord übernommen iverden könne. Das .Berliner Tageblatt- hat sich um Auskunft an das Reichs- iiiariiieamt gewandt und von dort die Mitteilung erhalten,„daß eine Vorlage über den Ecsatzbau für die.Hohezollern- dem Bundesrat noch nicht vorliegt-. DaS ist eine glatte BestSlignng obiger Meldung. Der Bundes- rat hat sich mit dem Etat des ReichSmarineamt« noch nicht be- schäftigt und kann deshalb auch zu der neuen Forderung noch keine Stellung genommen haben. Wäre die Forderung nicht beabsichtigt, so hätte das ReichSmarineamt einfach erklären können, daß dem Reichstage eine solche Forderung nicht zugehen werde. Die SleichSverfassuug kennt kein besonderes Schiff für die Privatzwecke des Kaisers. Auch die„Hohenzollern" ist nicht zn dem Zweck be- willigt worden, sondern wurde einfach, ohne irgend jemand zu fragen, dem Kaiser für seine Reisen zur Verfügung gestellt. Es ist direkt verfassungswidrig, wenn ein Kriegsschiff auf diese Weise seinem eigentlichen Zweck entzogen ivird, und eS ist auch in der Berfaffnng nicht begründet, daß nunmehr für den Kaiser ein neue? Sckiff ge- baut werden soll. Wenn der Kaiser ein Schiff für seine Privat- zwecke wünscht, dann muß er die Kosten hierfür auch selbs�über- nehmen. Auf keinen Fall darf ein solcher Privatbau zu Lasten der Steuerzahler ausgeführt werden. Wenn diese Forderung wirklich an den Reichstag gelang«, dann wird sie scharfe Auseinandersetzungen auslösen._____ Das elsast-lothringische Zentrum als„Volkspartei". Während de« reichsländischen LondtagswahlkaiiipfeS konnten die Klerikalen nicht genng über die Gehälter der höheren Beamten schimpfen, und als die BeamtenbesoldungSborlage an den Landtag kam, erklärte daS Zentrum auch noch ohne Zögern, für die höheren Beamten keinen Pfennig bewilligen zn wollen. Inzwischen ist der Landtag vertagt worden und die Kommissionen sind bei der Vor-« beratung der Vorlagen. Gleich in einer der ersten Sitzungen bean- tragte das Zentrum Geheimhaltung der Verhandlungen. Die sozial- demokratische Fraktion und die sozialdemokratische Presse wandten sich selbstverständlich gegen diese Forderung, von der man jetzt weiß, warum sie vom Zentrum gestellt wurde. In der FreitagSsitzung beantragte nämlich der ZentrumSführcr Haus, die Gehälter der Geistlichen zu erhöhen. Die Mehrbelastung beläuft sich auf 799,999 M. und erstreckt sich aus 1899 Geistliche, während man für die Lehrer nur b99 999 M. bei einer Personenzahl von 4590 fordert. Es ist ohne weiteres klar, daß hier ein Kompromiß zwischen Regierung und Zentrum vorliegt, denn der Finanzminister Köhler erklärte in der Sitzung, daß er dem Antrag auf Erhöhung der Gehälter der Geistlichen stzmpathisch gegen- überstehe. Nur für die Deckung müsse man noch geeignete Wege finden. Die ministerielle Sympathieerklärung wird jedenfalls für Zentrumsleute das Signal sein, auch den höheren Beamten die geforderte Gehaltserhöhung zu bewilligen. Ein katholischer Geistlicher in einer Prügelei. Am Bahnhof in Bamberg gab es dieser Tage eine aufregende Szene: ein katholischer Geistlicher prügelte sich vor allen Leuten mit einem Arbeiter. Ersterer war der Benefiziat Hamm, letzterer der Goldarbeiter Wagner. Zwischen den beiden besteht schon seit Jahren ein grimmiger Laß, der seinen Ursprung in verschiedenen Prozessen hat, in denen Wagner erklärte, daß der Benefiziant der Zerstörer seines Familienglückes sei. In einem Prozeß Hamms gegen unser Bamberger Parteiblatt wurde seinerzeit festgestellt, daß Hamm mit der Frau des Wagner Reisen gemacht habe. Die Ehe wurde geschieden, Frau Wagner soll noch heute fleißiger Gast bei Hamm sein. Schon im vorigen Sommer wurde Hamm von Wagner auf der Festwiese verprügelt. Er unterließ eS aber, Anzeige zu machen. AlS sie sich jetzt wieder am Bahnhof trafen, ging es aber- mals loS. Die Ouvertüre bildeten ein paar kräftige Ohrfeigen, die der Geistliche seinem Gegner versetzte, worauf Wagner jenen gründ« lich mit dem Regenschirm bearbeitet, der dabei in Trümmer ging. Schweiz, Der Bundesrat und der Bapst. TaS päpstliche �lotu proprio vom 9. Oktober 1911, das auf dem Umwege des Gewissenszwanges die Immunität der Geist- lichen wenigstens für den Zivilprozeß anstrebt, hat den s chw e iz e- ri schen Bundesrat zn einer amtlichen Kundgebung! vermi- laßt. Dem Erlaß kommt besondere Bedeutung namentlich deshalb zu, weil die führende katholische Presse der Schweiz auch für diesen Uebergriff des Klerus kein Wort des Tadels übrig hatte, vielmehr alle reaktionären Erlasse des Papstes, Modernisteneid usw., rückhalt- los verteidigte, und zwar gleich von Anfang an und zn einer Zeit, da selbst die deutschen ZentrumSblättev nach einem halbwegS an- ständigen Auswege suchten. In einzelnen Kantonen mit besonders intransigentem Klerus wurde versucht, dem päpstlichen blotu proprio durch Einwirkung auf die Gläubigen noch besonderen. Räch. druck zu verschaffen'. Die Kantone Aa rgan und Solothurn hatten nun den Bundesrat um Intervention, beim Papste, zum mindesten aber Interpretation des Erlasses ersucht. Der Bundesrat erklärt jetzt, daß er in Rom gar nichts zu intervenieren oder unterhandeln habe, weil eS ja unzweifelhaft sei, daß die neuesten Ansprüche des Vatikans nach eidgenössischem wie kantonalem Rechte absolut un- haltbar seien. Nachdem der Bundesrat daran erinnert hat. daß das Schweizervolk in die Verfassung von 1874 Rechtsgrundsätze auf» genommen habe,'deren Befolgung der Papst fünf Jahre früher, in der Bulle„epostolicse seclis" mit der Exkommunikation bedrohte. schließt er: � „Diese NechtSgrundsätze sind so sehr zum Gemeingut unferra Volkes geworden, daß ein päpstliches dlotu proprio nicht imstande ist, ihre Anerkennung und Beobachtung ernstlich zu gefährden." 'ES wäre zu wünschen, daß der Bundesrat dieselbe entschiedene Sprache auch führte gegenüber den Zumutungen fremder Kabinette, namentlich Italiens, Rußlands und in neuerer Zeit auch Nordamerikas. Doch da versagt leider der Republikanerstolz. Eue der Partei. PolizeiUcheo, Gerlchtlichea usw. Ein Breslauer Urteil. Zu den vielen von Breslauer Richtern gegen die Wortführer der Arbeiterbeivegung gefällten Urteilen ist ein weiteres gekommen, das den bisher ergangenen Urteilen an Härle nicht nachsteht, wenn nicht übertrifft. Im September dieses Jahres fand in Jack- s ch ö n a u im Landkreis Breslau eine Volksversammlung mit dem Thema:»Die Sozialdemokratie und ihre Gegner" statt. Zu dieser Versammlung wurden E i n l a d u n g S- z e t t e l verbreitet, auf denen der wegen seiner Gegnerschaft zur Sozialdemokratie besonders bekannte Rittergutsbesitzer Wilhelm v. Steg mann au» Jackschöuau mit folgendem Satz besonders eingeladen wurde:„DaS letzte Mal ist Herr v. Steg- mann nicht gekommen, wahrscheinlich weil er sich fürchtete. Rede und Antwort zu stehen!" Diese EinladimdSzcttcl hatte der Parteisekretär für Breslau- Land- Neumarkt, Genosse S r o w i g, verantwortlich gezeichnet. Herr v. Stegmami fühlte sich dadurch beleidigt und strengte die Privat- beleidigungsklage vor dein Breslau er Schöffengericht an. Die von Srowig beantragte Ladung von Zeugen, die bekunden sollten, daß Herr v. Stegmann tatsächlich alle Uriache habe, nicht in die Versammlung zu kommen, wurde als ganz.unerheblich" abgelehnt. Dabei sollten die Zeugen bekunden, daß bei der letzten Reichstags Wahl, wo Herr v. Stegmann als Wahlvorsteher fimglerte, Unregelmäßigkeiten vorgekommen sind und daß Stegmami trotz der geheimen Abstimmung ge» wüßt habe, wie einzelne Wähler ge st inimt haben. Alles da« betrachtete das Gericht als ganz unerheblich. E« hielt den Satz, daß sich Stegmami fürchte, Rede und Antwort zu stehen, für außer- ordentlich schwer beleidigend und erkannte auf 14 T a g e Gefängnis. Damit ist aber für den verurteilten Genoffen Srowig die An- gelegenheit noch nicht erledigt. Die Sirafkainmer wird die Zeugen, die über die vorgekommenen Unregelmäßigkeiten bei der Wahl Aussagen machen, vernehmen müssen. Und dann wird eS sich ja zeigenj ob Stegmann Ursache hatte, nicht Rede und Antwort zu stehen._ Ein verbotener Lichtbildervortrag. Das Gewerkschaftskartcll in Sommerfeld(Reg.-Bczirk Frankfurt a. O.) lietz am Montag einen Lichtbildervortrag über die„Deutsche Revolution- durch den Schriftsteller Roth aus Berlin halten. Schon am Tage vorher hatte die Polizeibehörde dem Vor- sitzenden des GewcrkschaftskartellS wissen lassen, daß die Polizei den Vortrag als gefährlich„für die öffentliche Ruhe und Sicher- he.it" erachte und die Versammlung auflösen würde. Als der Vor- tragende nun Bilder von dem Weberelend in Schlesien und den Brotkrawallen in Berlin aus den Vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts vorführte, wurde die Fortsetzung des Vortrages vcr- boten. Gegen das Verbot ist Beschwerde eingelegt. Der Polizeichef von Sommerfeld ist der frühere freikonservative Abgeordnete Schlüter, Gewerkfchaftlicbee. Heuchelei der chrirtUchen Demagogen. Die christlichen Demagogen sehen ihre Hetzfrucht der Ernte entgegenreifen. Nun wollen sie ihre Hände in Unschuld waschen. Seit Jahr und Tag hetzen sie in der skrupellosesten Weise gegen das Koalitionsrecht. Durch erlogene und ten- denziös zurechtgestutzte Terrorisniusgeschichten waren sie für die Scharfmacher bei deren Forderungen auf Ausnahme- gesetze gegen die Arbeiterbewegung die Hauptlieferanten von Material. Gestützt auf die gewerkschaftschristlichcn Terrorismus- geschichten. Urteile und Aussprüche, begründen nun die Koalitionsfeinde ihre Attentatsforderungcn gegen das Streikrecht. So erfolgreich arbeiteten die Christen, daß der Zentral- perband der Scharfmacher, der Bund der Industriellen, libe- rale Handelskammern und der Hansabuird, konservative JnnUngskrauter, freisinnige Handwerkskammern ebenso wie der Bund der Landwirte, sich auf die christlichen Kronzeugen berufen, einen verschärften Arbeitswilligenschutz als über- Haupt nicht mehr zu leugnende tltotwendigkeit hinstellen. Nun sie diese Frucht reifen sehen, wollen die chrtstlichen Hetzer als unschuldige Knaben gelten. Sie sehen das Unheil, das sie an- l ächteten, und flüchten vor der Verantwortung. Noch auf dem christlichen Gewerkschaftskongreß in Dresden- betrieb man munter die Hetzerei gegen die freien Gewerkschaften. Kurz vorher hatte der Abg. Giesberts das Schlagwort geprägt: „Erst rot, dann Brot!" Den Freisinnigen im Berliner Rat- hause gefiel das Hetzwort so gut, daß sie es sogar gegen die städtischen Arbeiter ausspielten, als diese die Forderung des korporativen Arbeitsvertrages erhoben. Mit keckem Mute stellen sich die Christen nun so, als hätten sie nie ein Wässerchen getrübt. Tic„Westdeutsche Arbeiterzeitung" schreibt u. a.: „Nach wie vor lehnen die Christlichen Gewerkschaften einen „Arbeitswilligenschutz", ein„Verbot von Streikpostcnstehen" glatt ab. Wir wollen uns aus eigener Kraft des sozialdemokratischen Terrors erwehren, man möge dabei nur seitens der llntemchmcr oder Behörden die gegnerische Ucbcrmacht nicht noch künstlich er- höhen." Ilm die Heuchelei dieser Auslassung zu kennzeichnen, sei ans folgendes verwiesen: Im Ruhrrevier waren die Christen die lautesten Rufer für einen Streik. Als dieser unverineid- lich geworden lvar, beschlossen die Christenführer, ihren Mit- gliedern den Strcikbruch zur Pflicht zu machen, wobei das religiöse Moment selbstverständlich in bestimmender Weise den Ausschlag geben sollte. Als sich trotz des Streikbruch- bcschlusses eine überraschend große Zahl Bergarbeiter am Ausstand beteiligte, riefen die Streikbruchführer nach Militär. Sie fabrizierten Terrorismusfälle, schwindelten frech drauf los, die Christen wurden zuni Mitstreiken gezwungen, utid sie beschnldigten die Behörden, durch Versagen der be- wafsneten Macht den„sozialdemokratischen Terrorismus" und sozialdemokratische Gewalttätigkeiten zu fördern. Gen- darmcn in großer Zahl und Militär ou ma�e, bewaffnet bis an die Zähne, wurden ins Ruhrrevicr gesandt. Das war der erste Erfolg christlicher Streikbruck)- und Hetztaktik. Aber die bewaffnete Macht fand zunächst keine Arbeit. Die Streikenden waren ruhig und Ausschreitungen einiger Hintzebriider über- iah uiail. Von neuem setzte die christliche Hetze ein. Nun beschuldigte man durch tendenziöse Darstellungen Gendarmen und Militär der Kumpanei mit gewalttätigen Streikenden. Schließlich hatte diese Hetzerei den Erfolg, daß der Eifer Be- waffnetcr Zusammenstöße verursachte. Das Ueberfallen und Mißhandeln Streikender fälschte christliche Wahrheit dann wieder in sozialdemokratischb Terrorismusgeschichten um. Tote und Verwundete tvaren das Ergebnis solch christ- lichcr Tätigkeit! Doch damit nicht genug! Streikende und deren Angehörige, die sich durch das christliche Treiben vcr- raten fühlten und das in scharfen Worten zum Ausdruck brachten oder auf die Provokationen der Streikbrecher ant- ivorteten, wurden als Streiksünder der Staatsanwaltschaft denunziert. Dein Verrat der gesamten Bcrgarbeitcrschaft fügte inair nun noch gehässige Rache gegen einzelne Opfer der Verräterci zn. Und es regnete schwere Strafen, die Empörungsschreie in der ganzen Kulturwelt auslösten. Den Christen aber war das Wüten der bewaffneten Macht Und der Justiz anscheinend noch nicht schneidig und scharf genug, denn noch jetzt wieder unterstellt man, die freien Gcwerk- schaften würden in ihrer Ueberniacht„seitens Unternehmer oder Behörden"„noch künstlich" erhöht. In demselben Atem- zuge behaupten die Christen, ein„Arbeitswilligenschutz" würde von ihnen glatt„abgelehnt". Das ist wirklich der Gipfel' der Demagogie und Heuchelei! Von dem, was an Attentate gegen das Streikrecht an das„Licht" der Gesetzgebung kommt, entfällt ein vollgernttelt Maß Schuld auf die christlichen Hetz- apostel. Das soll kein Arbeiter vergessen. Berlin und Umgegend. Ein Streik gewonnen durch die Tätigkeit der— Arbeitswilligen! Bei der Firma A s ch i n g e r traten die Maschinisten und Heizer in einen Streik. Derselbe hat jetzt nach fünftägiger Dauer nn- erwartet schnell zu"einem günstigen Resultat geführt. ES war der Firma gelungen. Arbeitswillige aufzutreiben, die aber offenbar nicht iv'.chtcn, daß man zur Herstellung von Dampf außer Kohlen auch Wasser braucht. Sie führten den Kesseln zwar eifrig Kohlen aber kein Speisewasser zu und ein Dampfkessel, der diese ungewohnte Behandlung nicht vertragen konnte, flog in die-Luft, ohne glücklicher- weise Menschenleben zu vernichten. Ob nun der Firma selbst oder aber den aufsichtführenden Behörden Bedenken an der hier gar zu demonstrativ vor Augen geführten„nützlichen" Tätigkeit der arbeits- willigen Elemente kamen, kurz, schneller als die Streikenden bei Ausbruch des Kampfes wohl gedacht haben, kam eS zu einer Einigung. Nach fünftägiger Dauer ist der Kampf mit vollem Erfolg für da? Maschinenpersonal beendet worden. Mit der Firma Ivurde ein Vertrag abgeschlossen, der eine neunstündige Arbeitszeit vorsieht. An Lohnerhöhung wurden die eingereichten Sätze erzielt. Der Anfangslohn der Maschinisten und Heizer beträgt 36 M., nach einem Jahr 37 M., nach zwei Jahren 38 M. Der Anfangslohn der Hilfsarbeiter ist 31 M., nach einem Jahr 32 M. und nach zwei Jahren 33 M. Der Zuschlag für Ilcberstunden beträgt 25 Proz. An Urlaub wird gewährt, nach einem Jahre 3 Tage, nach zwei Jahren 4 Tage, nach drei Jahren 5 Tage und nach vier Jahren 6 Tage. Bei Neubesetzung von Arbeitsstellen muß der paritätische Arbeitsnachweis für Maschinisten und Heizer benutzt werden. Die Tarisdauer ist bis zum 15. November 1914 vorgesehen._ Der Streik der Mcsfingputzcr bei der Firma Karl Lege! dauert unverändert fort. Eine erneut von dem Deutschen Transport- arbeiterverband nachgesuchte Verhandlung mit der Finna Leg e l brachte wiederum keinen Erfolg. Die internationale Streikbrecher- Verantw. Redakt?: Llfred Wielepp, Neukölln. Jnseratente,! verantw.: garde versucht nach wie vor, die Firma Legel aus der Patsche zu reißen, ohne daß dieser bisher mit diesem Versuch besonders ge- dient ist. Nur den einzigen„Vorteil" hat die Firma, reichlich tief in den Geldbeutel greifen zu dürfen, um diesen Elementen für einige Zeit über Wasser zu helfen. Eine öffentliche Versammlung der Fenster- und Messingputzer beschäftigte sich_mit diesem Streik und nahm eine Shmpalhieresolution an. Die Streikenden denken na- türlich nicht daran, von ihrer Forderung„Anerkennung des Ein- heitstarifs" abzugehen: sie sind überzeugt, daß sie trotz allem in diesem Kampfe siegen werden und bitten die Arbeiterschaft, ihnen nach wie vor durch strengste Solidarität helfend zur Seite zu stehen. Deutscher Transportarbeckerverband. Bezirk Groß-Berlin. 36 Bauglaser der Firma Spinn u. C o., Leipziger Straße, hatten am Mittwoch früh die Arbeit niedergelegt, weil die Firma entgegen den klaren Bestimmungen des Tarifs einen Bau in Akkord an den Zwischenmeister D i e b j e k, Sonnenburger Str. 23, Ecke Gleimstraße, �vergeben hat. Diebjek, der noch vor kurzer Zeit als Geselle bei Spinn u. Co. beschäftigt war, hat den Bau sogar er- heblich unter den tariflichen Bedingungen übernommen: er betreibt in seinem Wohnhause ei» Papiergeschäft, für die Organisation war Diebjek früher nicht zu haben; er hatte stets die Ausrede, daß er sich selbständig machen ivolle. Eine nette Selbständigkeit, wenn man, um seine Existenz aufrechtzuerhalten, den organisierten, schwer um ihre Arbeitsbedingungen kämpfenden Arbeitern in den Rücken fällt! Die Arbeit bei Spinn u. Co. wurde am gleichen Tage wieder aufgenommen, nachdem der betreffende Bau organisierten Arbeitern übertragen und die Firma einen Revers, unterzeichnet hat des In- Halts, daß alle Geschäftsverbindungen mit D. gelöst sind und keine neuen wieder angeknüpft werden. veutlebes Reich, Reichskonfcrenz der Binnenschiffer und Möffer. Der Transportarbeiterverband hat zum 16. und 11. November nach Hamburg eine Neichskonferenz der Binnenschiffer und Flößer einberufen. Die Konferenz soll Stellung nehmen zu drei wichtigen Fragen: Revision des Binnenschiffahrtsgesetzes, Bemannungsfrage und Regelung der Arbeitszeit in der Binnenschiffahrt. Die Rechtslage der Schiffsmannschafteu ist eine durchaus un- günstige. Nicht nur, daß die Bestimmungen des Binneuschiffahrts- gesetzeS' durchaus reaktionär sind, es bestehen außer diesem Gesetz noch andere Bestimmungen, wie daS Elbzollgesetz sie vorsieht, die die Rechtslage der Mannschaften sehr beeinträchtigen. Die BemannungSvorschriftcn sind namentlich in der Form unzu- länglich, als eine reichsgesetzliche Regelung nicht vorgesehen ist und so eine ganze Reihe von Organen Bestimmungen erlassen, die sich zum großen Teil widersprechen. Außerdem sind die Bestimmungen aber auch nicht zeitgemäß, weil die Anzahl der Mannschaften ent- sprechend der gefahrvollen Tätigkeit zu gering ist. Die Frage der Arbeitszeitregelung ist gegenwärtig besonders aktuell; die Regierung befaßt sich damit schon seit Jahren. Die Erhebungen über die Sonntagsruhe datieren seit 1885 und die über die Nachtruhe seit 1865. Die wichtigsten Ermittelungen wurden 1665, 1667, 1663 und 1666 angestellt. Die Erhebungen haben unglaublich lange Arbeitszeiten ergeben, so daß das kaiserliche Gesundheitsamt eine Gefährdung der Gesundheit der Schiffsmann- schaften konstatierte. Der Regierung sind dann auch vom Beirat für Arbeiterstatistik Vorschläge unterbreitet worden, die zwar nicht die Mißstände beseitigen, aber doch die allergrößten Schädigungen beheben könnten. Die Regierung hat aber bis heute noch nicht eingegriffen. Die Fragen, die die Konferenz beschäftigen werden, sind also von großer Wichtigkeit, nicht nur für die direkt Beteiligten, sondern auch gemäß der volkswirtschaftlichen Bedeutung der Binnenschiffahrt für den gesamten Handel und Verkehr. Aussperrung von mehr als£000 Metallarbeitern in Westfalen. Nach Ablauf der 14 lägigen KündigungSftist erfolgte gestern in M e ir d e n die Aussperrung von mehr als 2666 Metallarbeitern, nachdem die Verhandlungen des ArbeiterausschusseS mit dem Ber- tretcr der Firma Schmöle u. Co. ergebnislos verlaufen sind. Schon wieder eine christliche Verleumdung gerichtlich festgestellt! Der Geschäftsführer der Zweigstelle Lüdenscheid des Deutschen Bauarbeiterverbandes. Genosse Ferdinand Schmidt, war gelegent- lich einer Bauarbeitcr-Aussperrung von den Christlichen schwer ver- leumdet worden. Der Christliche Wagner hatte behauptet, Genosse Schmidt habe deshalb eine Einigung herbeiführen wollen, weil er bestochen sei. Ein anderer Christlicher namens Reidt hatte behauptet, daß Genosse Schmidt hinter dem Rücken de« Christlichen Bauarbeiter- Verbandes, mit dem zusammen der Kampf geführt wurde, einen Verlrag mit den Unternehmer» abgeschlossen habe und ihn als einen Lumpen bezeichnet. Genosse Schmidt strengte Privatklage an, über die daS Schöffengericht in Hagen i. W. verhandelte. Durch Zeugen wurde festgestellr, daß die Behairptungen der beiden Christlichen un- wahr waren und daß Genosse Schmidt völlig korrekt gehandelt hat. Das Urteil lautete gegen Wagner auf 6 M. und gegen Reidt auf 16 M. Geldstrafe und Tragung der Kosten. Ob die schwarze Presse, die seinerzeit die Verleumdungen weiter verbreitete, jetzt soviel An- stand aufbringen und das bedauern wird Z Soziales« Jugendliche Arbeiter vor dem Gewcrbegc.richt. 1. Gegen die LichLpausanstalt Elektro klagte der 15jährige Ar- beitcr H. unter Beistand seiner Mutter vor der 8. Kammer des Ge- wcrbegerichts auf Zahlung von 38 M. Lohn für 14 Tage wegen un- begründeter sofortiger Entlassung. Der Kläger war bei der be- klagten Firma als Radfahrer bei einer täglichen Arbeitszeit von 16 Stunden beschäftigt. Er wurde nach Angabe der Firma sofort ciiliasscn, weil er sich getveigert habe, lleberstunden zu machen, trotzdem dies bei seiner Anstellung vereinbart worden sei. Der Kläger erklärte, ihm sei nur gesagt worden, er müsse ab und zu länger arbeiten, da jedoch täglich von ihm lleberstunden verlangt wurden, habe er diese einmal gegen 8 uird einmal um 6 Uhr abends verweigert. Nach§ 136 G.-O. durfte der Kläger überhaupt nicht länger als bis 8VH Uhr abends beschäftigt werden. Der Anspruch des Klägers wetr also voll berechtigt. Es kam aber ein Vergleich zustande, nach dem sich die Beklagte zur Zahlung von 18 M. ver- pflichtete. 2. Bei dem Kartonfabrikantcn Lies« war der jugendliche Ar- beiter R. als Lausbursche beschäftigt und wurde— nachdem er eine Woche gearbeitet— plötzlich entlassen. Durch Klage vor dem Ge- Werbegericht forderte er den Lohn für 14 Tage, da er ohne Ein- Haltung der gesetzlichen Kündigungsfrist entlassen ist. Der Be- klagte wendete ein, für seinen Betrieb bestehe ein Tarif, der die Kündigungsfrist ausschließe. Der Tarif gelte auch für Hilfs- arbeiter und als' solcher sei der Kläger zu betrachten, denn er habe auch schon mit stanzen müssen. Das Gericht war der Ansicht, daß der Kläger kein Hilfsarbeiter im Sinne des Tarifes sei und daher Anspruch auf die gesetzliche Kündigungsfrist habe. Der Beklagte wurde verurteilt, dem Kläger den»vhn für 14 Tage zu zahlen. Entziehung der Invalidenrente bei nudercr ärztlicher Beurteilung. Ter Bauarbeiter W. erhielt von der Landesversichcrungs- anstalt Berlin seit Anfang des JahreS 1611 die Invalidenrente, weil er infolge eines Rückenmarksleidens und Alkoholvergiftung als in- valide angesehen wurde. Durch Bescheid vom 24. Juli 1612 brachte Th. Glocke, Berün. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Verlagsanitast die LanbeSverstcherungSanstalt diese Rente in Fortfall, weil seit der Rcntenbewilligung in den Verhältnissen insofern eme wesentliche Aenderung eingetreten sei, als sich der Verdacht auf Rückenmarks- leiden nicht bestätigt hat. Des weiteren sagte die Anstalt, daß an die noch bestehenden Folgen der Alkoholvergiftung eine ausreichende Anpassung eingetreten sei. Von W. wurde gegen diesen Bescheid Berufung beim Obcrversichernngsamt Groß-Berlin eingelegt und geltend gemacht, daß tatsächlich eine Besserung in seinem Zustande nicht eingetreten sei, er infolge seiner Leiden nicht imstande sei, das gesetzliche Lohndrittel verdienen zu können. Das Oberversicbc- rungsamt holte vom Sanitätsrat Dr. K. ein Gutachten ein. In demselben heißt es, daß in dem Zustande des p. W. seit der In- validenreiitenbewilligung eine wesentliche Veränderung nicht ein- getreten sei. Die Erscheinungen im Nervensystem sowie das sonstige körperliche und geistige Verhalten des Ws. sind genau dieselben wie zur Zeit der ersten Untersuchung. Sanitätsrat Dr. K. pflichtet dann dem Arzt der LandcSversichcrung-anstalt darin bei, daß es sich bei W. nicht um eine organische Erkrankung des Rückenmarks hau- delt, sondern um die Folgen des chronischen Alkoholismus. Wört- lich heißt es dann:„In dieser Aendcrung über die Auffassung des vorliegenden Falle« ist zweifellos eine Besserung und damit eine wesentliche Veränderung in dem Zustande des W. zu erblicken... Dazu kommt, daß an die nervösen Erscheinungen eine gewisse An- Passung eingetreten ist." Infolge dieser anderweitigen Beurteilung des Falles betrachtet auch Sanitätsrat Dr. K. den W. als nicht mehr invalid. Diesem Gutachten folgte das Oberversicherungsamt und wies die Berufung des W. zurück. Obwohl Sanitätsrat Dr. K. zugeben mutz, daß eine Veränderung gegen früher nicht eingetreten ist, kommt er dennoch zu dem Schluß, daß Invalidität nicht mehr vorliegt. Der Fall macht die Auffassung weiter Kreise begreiflich, daß unter allen Umständen die Landesverficherungsanstalten Zah- lung der Rente ersparen wollen. Versammlungen. Deutscher Transportarbeiterverband. Der am Tonnerstag ob- gehaltenen Generalversammlung des Bezirk« Groß-Berlin lag der Geschäfts- und Kassenbericht für das dritte Quartal vor, dem wir folgende Angaben entnehmen: Bei 156 Firmen mit 4563 Bcschäf- tigten wurden Forderungen eingereicht. Bei 154 Firmen erziel- ten 3472 Kollegen auf friedlichem Wege Lohnerhöhungen, die in den meisten Fällen für jeden der Beteiligten 1—2 M.. in fünf Fällen über 2 M. wöchentlich betrugen. Darunter find Fälle, wo die Lohn- crhöhung für jeden 3, 4, 6, 7 M. pro Woche betrug. Bei 63 Fir- men mit 1637 Beschäftigten kam es zum streik, der überall mit Erfolg beendet werden konnte und den Beteiligten Lohnerhöhungen von 1,56, 2,66, 2,76, 3,— M. pro Mann und Woche brachten. Ein Streik mit 6 Beteiligten ging verloren. Bei 126 Firmen mit 1666 Beschäftigten wurden Verkürzungen der wöchentlichen Arbeitszeit von 3—6 Stunden, in 3 Fällen von je 12 Stunden erreicht. Bei 142 Firmen mit 4348 Beschäftigten wurden Tarifverträge abgc- schloffen. Zu Abwehrbewegungen kam es bei 13 Firmen mit 316 Beschäftigten. Abgewehrt wurde bei 3 Firmen mit 56 Beteiligten die beabsichtigte Lohnherabsetzung und bei 4 Firmen mit 61 Betei- ligten die beabsichtigte Verlängerung der Arbeitszeit. In 5 Fällen konnte die Maßregelung von 17 Kollegen, in 2 Fällen die Nicht- ancrkennung der Organisation und in einem Falle die Einführung von Strafgeldern abgewehrt werden.' 2 Abwehrfälle hatten keinen Erfolg.— Die Agitationstätigkeit war eine sehr rege. Es wurden abgehalten 215 Branchenversammlungen, 1361 Betriebsbesprechun- gen, 229 Sitzungen der Vertrauensleute und 322 Verhandlungen. Es wurden 4757 Neuaufnahmen gemacht.— Die Mitgliederzahl betrug am Anfang des Quartals 47 754 und stieg bis zum Schluß des Quartals auf 46 615, nämlich 45 668 männliche, 1994 weibliche und 1923 jugendliche.— Der Kassenbericht schließt in Einnahme und Ausgabe mit 465 186,65 M. Der Ueberschuß vom dritten Quartal beträgt 34 857,33 M., der Kassenbestand 141421,61 M. Für Unterstützungszwecke wurden ausgegeben an Arbeitslose 34 585 M., an Kranke 46 667 M., an Streikende 11968 M., an Gematzregclte 3538 M., in Sterbefällen 7829 M., Rechtsschutz 281 M., Ertraunter- stützung 1297 M.— Der Arbeitsnachweis besetzte 2738 feste und 5723 Aushilfsstellen. Arbeitslos waren am Schluß des Quartals 738 Kollegen. Der Vorsitzende Werner bezeichnete die Tätigkeit im abge- laufencn Quartal als eine recht erfolgreiche. Die Steigerung der Mitgliederzahl und die zahlreicher eingegangenen Beiträge seien um so erfreulicher, als im dritten Quartal die beschlossene Bei- tragSerhöhung eintrat. Die von manchen Kollegen gehegte Be- fiirchtung, die Beitragserhöhung tverde einen Rückgang an Mit- gliedern zur Folge haben, sei also nicht eingetroffen.— Der Redner brachte die schon öfter erörterten Grenzstrcitigkeiten mit dem Brauerberband zur Sprache. Er besprach den Konflikt zwischen beiden Verbänden, der im August d. I. aus Anlaß von Vorgängen in der Bergbrauerei begann, wo Mitglieder beider Verbände be- schäftigt sind, nachdem sich die Bcrgbrauerei mit der früheren En- dersbrauerei vereinigt hatte. Diese Differenzen zwischen beiden Verbänden seien erledigt worden und man habe geglaubt, nun werde Einigkeit herrschen. Da habe aber der Brauerverband in seinem Organ die Vertrauensleute des TransportarbeiterverbaiweZ angegriffen. Dieser habe sich darauf durchaus objektiv verteidigt. Ferner habe der Vorsitzende des BrauervcrbandeS auf dessen Ver- bandstag in Adannheim das Vorgehen des Brauerverbandes in Amerika zur Nachahmung empfohlen, der sich dadurch Ruhe mit dem Transportarbeiterverband verschafft habe, daß er die Mitglic- der des letzteren zu ftch hinübergezogen habe. Dies Verhalten des amerikanischen Brauerverbrandes habe der„Courier" als Revolver- und Räubertaktik bezeichnet. Der Redner betonte: Nicht wir sind schuld, wenn ein besseres Zusammenarbeiten mit dem Brauerei- arbeiterverband nicht möglich ist, sondern es liegt an diesem selbst. Wir tonnen unsere in den Brauereien tätigen Mitglieder nur er- suchen, am Transportarbeiterverband festzuhalten. Diese Ausführungen des Redners fanden auch in der Dis- kussion Zustimmung. An dem Geschäftsbericht wurde keine Kritik geübt.___ letzte Nachrichten. Verbot der Kriegshetzblätter. Konstantinopel, 9. November.(W. T. B.)„Tanin" und„Jeni Gazetta" sind wegen aufreizender Artikel suspendiert worden. Es scheint, daß die Behauptung der„Jeni Gazetta", die Religion und das Kalifat seien in Gefahr, für zu übertrieben angesehen wird. Wagenmangcl im Ruhrrevicr. Essen(Ruhr), 9. November.(P.-C.) Der Wagenmangel im Ruhrrcvier nimmt von Tag zu Tag größere Dimensionen an. Auf den Zechen„Unser Fritz",„Consolidation" und„Zollverein" mußten heute wiederum Feierschichten eingelegt werden, , Zugentgleisung. Karlsruhe, 9. November.(W. T. B.) Heute nachmittag ist der um 2 Uhr 44 Minuten nachjxrrenalb fahrende Zug der Albtalbahn bei der Unterführung der Staatsbahn infolge von Schotteraufhäu- fung auf dem Bahnkörper engleist. Der Wagenführer, der im letzten Augenblick auf die Gefahr aufmerksam wurde, bremste sofort. Es war jedoch zu spät. Ter Motorwagen stieß gegen die Tunnel- maucr und die nachfolgenden Wagen prallten hart aufeinander. Ter Materialschaden ist erheblich. Bier Personen erlitten Quet- schungcn._______'_____ Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 5 Beilage». 1, 264. 29.i.i,5MS. i. Keilllge des Jotniiirlo" lerliiift ioltelilatt.».moj..«»«« Die päpstliche Enzyklika über die christlichen Gewerkkbaften. Im Leitartikel der gestrigen Nummer veröffentlichte der '„Vorwärts" einen telegraphischen Auszug aus der von der „Kölnischen Zeitung" in ihrer Mittagsausgabe vom 8. No- vember publizierten Uebersetzung der päpstlichen Enzyklika über die christlichen Gewerkschaften. Seitdem haben auch der- schiedene Zentrumsblätter den Text der Enzyklika gebracht, aber in einer offiziell von den in Fulda verschammelten Bischöfen selbst hergestellten und geprüften deutschen Heber- tragung, die, wenn sie im wesentlichen mit der Uebersetzung der„Kölnischen Zeitung" übereinstimmt, doch einzelne bc- merkenswerte Abweichungen aufweist. In Anbetracht der Wichtigkeit dieser Enzyklika für die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter Deutschlands geben wir im Nach- folgenden den vollständigen offiziellen Wortlaut der päpstlichen Entscheidung wieder und fügen zugleich das Ein- führungsschreiben der in Fulda versammelten Erzbischöfe und Bischöfe hinzu: Die päpstliche Enzyklika lautet: Unserem Geliebten Sohn Georg Kopp, Kardinalpricster der hl. Römischen Kirche, Bischof von Breslau, unseren Ehrwürdigen Brüdern, den übrigen Erzbifchöfcn und Bischöfen Deutschlands Papst Pius X. Gelichter Sohn und Ehrwürdige Brüder. Gruh und Apostolischen Segen. Bewogen von besonders liebevoller und wohlwollender Gesiw- ming gegen die Katholiken Deutschlands, die in größter Treue und Folgsamkeit diesem Apostolischen Stuhle ergeben, hochherzig und tapfer für die Kvrche zu kämpfen gewohnt sind, fühlen Wir Uns angetrieben, Ehrwürdige Brüder, alle Kraft, und Sorgfalt auf die Erörterung jener Streitfrage zu verwenden, die unter ihnen, hin- fichtlich der Arbeiter-Vereingungen besteht eine Streitfrage, über die schon öfter in den letztverflossenen Jahren sowohl nrehrere von Euch, wie auch urteilsfähige und angesehene Männer beider Richtungen Uns unterrichtet hatten. Und um so eifriger haben Wir uns die Sache angelegen sein lassen, weil Wir im Bewußtsein Unseres Apostolischen Amtes als Unsere heilige Aufgabe es erkenn«n> dahin zu streben und zu wirken, daß diese Unsere geliebten Söhne die katholische Lehre unverfälscht und unversehrt bewahren und in keiner Weise zulassen, daß ihr Glaube in Gefahr gerate. Denar wenn sie nicht zeitig zur Wachsamkeit angeregt würden, so würden sie offen- lar in Gefahr schweben, allmählich und wie unver- sehensmiteinervevschwommienenundunbestimm- ten Art von christlicher Religion sich zu begnügen, die man interkonfessionell zu nennen pflegt, und die auf eine inhaltsleere Empfehlung eines allgemeinen Christentums hinausläuft, Wöhrend doch offenbar nichts so sehr dem Lehrworte Jesu Christi widerspricht als sie. Dazu ktmtimt. daß Wir, entsprechend Unserem sehnlichsten Wunsche, unter den Katholiken die Eintracht zu fördern und zu festigen, alle Anlässe zu Zwistig- ketten beseitigen wollen, die die Kräfte der Gutgesinnten zer- splittern, und dadurch nur den Feinden der Religion von Nutzen kleines feuilleton. Theater. Kleines Theater: Michael Kram er, Drama von G erhart Hauptmann. Barnowski, der nach dem Schei- den Otto Brahms, des klassischen Ibsen- und Hauptmann-Diri- gente», die Leitung des Lessingtheaters übernehmen wird, eröffnete die von den Berliner Bühnen zur Feier von des Dichters fünfzigsten Geburtstag angekündigten Vorstellungen mit einer im ganzen glänzend herausgearbeiteten Aufführung des„Michael Kramer". Es ist das eines der weniger bekannten Stücke Hauptmanns, aber eines seiner seelisch reichsten, persönlichsten. Warm weht es einem an; ein Strom von Liebe, Güte und ehrfürchtiger Andacht vor wahrhafter Mcnschengröße rauscht in den Tiefen dieser Dichtung und weckt den Widerhall im Herzen. Welche rührende und zugleich erhebende Gestalt— der ergrgute, von den Kollegen längst mit Achselzucken abgctanene Maler, der in sehnsüchtigem Ringen Jahre und Jahre an einem Bilde des Gekreuzigten malt, um schließlich zu erkennen, daß er, was seiner Seele in Visionen vorfchooebt, nicht auf die Leinwand bannen kann und dennoch unverbittert das Feuer der Begeisterung treu in der Seele hütet I Welche Tragik in seinem Verhältnis zu dem verwachsenen und miß- ratenen Sohn, von dem er hoffte, daß er vollbringen werde, was ihm selbst versagt war. Ihm gab Natur die Künstlerhand, die mühelos jedem Wunsch gehorcht, und Kramer muß erleben, daß der so Begnadete an niedere Triebe sich verlierend, in kindisch eigensinnige Torheit und Bosheit eingesponnen, das ihm verliehene Gut sinnlos vergeudet, mitansehen. w,e er rettungslos zum Ab- grund gleitet. Man liebt Michael schon, noch ehe man ihn ge- sehen— so spiegelt sich sein Bild voraus in dem Gefühl, mit dem die ihm wahlverwandte Tochter, die tapfere Michaline, und ihr Freund, der junge Künstler, von dem Vater reden. Die Ver- ehrung seiner menschlidh-schlichten Größe hat die beiden zusammen- geführt, umschlingt sie zetzt noch wie vor Jahren mit einem Bande seelischer Gemeinschaft. Die episodische Zeichnung dieses Verhält- pisses gehört im Stück zum Zartesten und Feinsten. S t e i n r ü ck, der Gast aus München, war im zweiten Akt bei höchster Einfachheit von erschütternder Wirkung. Eine breite, erdenschwere Gestalt mit dem unsicheren Gang des Alters, den Rücken von der Arbeitslast gebeugt, das Antlitz tief gefurcht, die Stimme müde, und doch voll höchster Ueberzeugungskraft. wenn er, nachdenklich sinnend, von dem, worin sein Leben anlert, spricht. Man suhlte es, wie er. nach außen hin bedrückt und freudlos, doch Kraft und Trost im Lichte seiner Ideen findet. Und wie malten sich in der Szene mit dem Sohne die wechselnden Empfindungen verhaltenen Abscheus, aufflackernder Empörung, angstvollen Flehens und gütigen Verstehenwollen» in Ton und Mienen ab! Es gab Momente restloser Verschmelzung. Jedoch im letzten Auf- zug, wo an der Totenbahre des Sohnes über Kramer der Friede kommt, vermochte der Darsteller dem hohen Flug der dichterischen Phantasie nicht mehr zu folgen. Die Wandlung, die Steigerung fehlte hier, und ohne solche verweht der Monolog in monotone Klage. Aber auch so, wenn diese letzte schwerste Aufgabe noch nicht gelöst war. bleibt die Erinnerung an eine große, in vielem stau- ncnswcrte Leistung. Die anderen Rollen waren mit Abel S(Arnold). Jlka Grüning(Kramers Frau), Maria Mayer ichaline) und Salfner(Maler Lachmann) vortrefflich besetzt. ö SNWifwn folgte dem Spiel gesammelt und ergriffest,-»-ck. sein können!; ja Wir wollen und wünschen überdies, daß die Unse- rigen mit den nichtkatholischcn Mitbürgern jenen Frieden pflegen, ohne den weder die Ordnung der menschlichen Gesellschaft noch die Wohlfahrt des Staates bestehen könnte. Wenngleich aber, wie ge- sagt, der Stand dieser Frage uns bekannt war, so hielten Wir es für gut, bevor Wir ein Urteil' über sie aussprachen, die Ansicht eines jeden von Euch, Ehrwürdige Brüder, einzuholen; und auf Unsere Fragen habt Ihr einzeln mit jener Gewissenhaftigkeit und Sorg- falt geantwortet, die der ernsten Bedeutung der Sache entsprach. Demgemäß erklären Wir es zunächst als die Pflicht aller Katho- liken, als eine im Privatleben ebenso wie im geineinsamen und öffentlichen Leben heilig und! unverletzt zn befolgende Pflicht� mit Entschiedenheit festzuhalten und ohne Scheu zu bekennen die vom Lehramte der katholischen Kirche dargelegten Grundsätze der christ- lichcn Wahrheit, namenMich jene, welche unser Vorgänger mit höchster Weisheit in der Enzyklika Rerum novarura auseinandergesetzt hat und denxnr wie Wir wissen, ganz besonders die Bischöfe Preußens, die im Jahre 1SOO in Fulda versammelt waren, bei ihren Beratungen gefolgt sind, und deren Grundgedanken Ihr selbst in Euren Antwortschreiben über diese Frage zusammengefaßt habt. Nämlich: Was immer der Christ tut, auch in der Ordnung der irdischen Dinge, es steht ihm nicht frei, die übernatürlichen Güter außer acht zu lassen, er muß vielmehr den Vorschriften der christ- lichen Lebensweisheit gemäß zum höchsten Gute« als dem letzten Ziel, alles hinordnew. Alle seine Handlungen aber, insoweit sie gut oder bös in sittlicher Hinsicht sind, d. h. insoweit sie mit dem natür- tichen und göttlichen Gesetz übereinstimmen oder von ihm abweichen, sind dem Urteile und denn Richtcramle der Kirche unterworfen.— Alle, die sich als Einzelpersonen oder in Vereinigungen des christ- lichen Namens rühmen, dürfen, wofern sie ihrer Pflicht eingedenk sein»vollen, keine Feindschaften und Zwistigkeiten unter den Ständen der bürgerlichen Gesellschaft schüren, sondern müssen untereinander Frieden und wechselseitige Liebe befördern.— Die soziale Frage und die mit ihr verknüpften. Streitfragers über Charakter und Dauer der Arbeit, über die Lohnzahlung, über den Arbeiterstveik sind nicht rein wirtschaftlicher Natur und somit nicht zu denen zu zählen, die mit Hintansetzung der kirchlichen' Obrigkeit beigelegt werden können,; da es im Gegenteil außer allem Zweifel steht, daß die soziale Frage in erster Linie«ine sittliche und religiöse ist und deshalb vornehmlich nach dem Sittengesetze und, vom Stand- punkte der Religion gelöst»verdcn muß. Was nun Vereinigungen von Arbeitern anlangt so sind, wenn- gleich ihre Aufgabe davin besteht, ihren Mitgliedern irdische Vor- teile zu verschaffen doch am meisten zu billigen und unterallenfürdeniwahrenunddauerndenNutzen der Mitglieder als bestgeeignete jene Vercini- gungen anzusehen, die hauptsächlich auf der Grundlage der katholischen Religion aufgebaut sind undderKircheaksFühreriuoffen folgen; was Wir selbst mehrmals bei gelegentlichen Anfragen aus verschiedenen Ländern erklärt haben. Hieraus folgt, daß derartige sogenannte konfe s si onc l l- ka thol i sche Vereint- gungen sicherlich in katholischen Gegenden« und außerdem in allen Müs». Das alte Motiv von dem Spaßhans, der eine kurze Zeit lang Könijj spielen kann, verbunden mit dem neubeliebten Motiv vom traurigen Kaspar, hat am Freitag in der K u r f ü r st e n o p e r den Grund zu einem hübschen Erfolg durch die Aufführung der Neu- hcit„König Harlekin" gelegt. Der Text der als„musikalisches Schauspiel" bezeichneten Oper ist von R. Lothar und zeigt so sehr die kundige Hand des Bühnenvirtuosen, daß man fast ein Poeten- werk bor sich zu sehen glaubt. Eine blinde Königin ans dem normannischen Süditalien er- wartet während des Nahens der feindlichen Genuesen ihren Sohn als den Retter des Landes. Er aber scherzt lieber mit Colombine und wird von dem eifersüchtigen Harlekin ins Meer geworfen. Harlekin nimmt seine Maske an, führt die Armee zum siegreichen Kampf und wird als König gekrönt, nachdem er die bedenklich ge- wordene Königin aufgeklärt und zum Schtveigen gebracht hat. Colombine nähert sich ihm und sagt sich ihm. den sie nicht er- kennt, zu, um an ihm den angeblich getöteten Harlekin zu rächen. Immer mehr erkennt der falsche König, wie sehr ihn seine Freunde geliebt haben und ihn betrauern. Dem Pantalone gibt er sich zu erkennen, verabredet mit ihm eine Flucht, richtet für die vom Alkohol und von einer Tänzerin aufgeregten„Edeln" des Landes eine Komödie her, spielt darin selbst den von den Toten auferstan- denen Harlekin, gibt sich im Spiele nun auch Colombinen zu er- kennen und flieht mit ihr. Noch ein zweiter Dolch wird über- flüssig; der eines Bravo, den der Oheim gegen den König ge- düngen. Den wirklichen König findet man tot im Meere, und der Oheim wird König. Um diesen Zusammenhang nicht zu verfehlen, bedurfte es allerdings— bei dem Mangel eines Textbuches— eines überangestrengten Hinhorchens. Gesungenes Wort ist, vielleicht tüch- tige Männerstimmen der unteren Register ausgenommen, in der Regel schwer oder gar nicht zu verstehen; das erfährt man selbst in Bayreuth, wo das verdeckte Orchester das Wort nicht übertönt; und R. Wagner rechnete ausdrücklich mit vorheriger Textkenntnis. Im gclvöhnlichen Opernhaus leidet man fast immer unter der Orchesterwucht; diesmal war es schlimmer als sonst. Der Komponist des Stückes, Georg C l u t s a m, hat seine Musik von vornherein auf den Aufschrei eines verwundeten Humorherzens gestellt. Das gibt ein Uebermaß von Orchesterklang: das paßt sodann zwar zu dem unhetlgestimmten ersten Akt, läßt aber soviel Dolchtragik erwarten, daß man die Lösung nicht recht mit der schwerblütigen Musik in Einklang bringt. Abgesehen davon ist sie»n gutem Sinn modern gearbeitet, vermeidet naheliegende Anklänge an Meyerbeer, wenn auch nicht solche an die Jungitaliener, erinnert an den Franzosen Debussy und versteht auch, Triviales auf eine nichttriviale Weise zu charak- terisieren. Die thematische Erfindungskraft bleibt allerdings, wie namentlich an Höhepunkten der dramatischen Linie zu merken ist, hinter der Kunst deS„Sprechenden" in der Musik zurück. Man kann der Direktion P a l f i, die schon viele Wochen lang wirkt und— unberufen— noch immer nicht Pleite gemacht hat, nur wünschen, daß sie auf dem bisherigen künstlerischen Weg bleibe. An diazu tauglichen Sängern fehlt es ihr auch nicht. Das sonore und warme Organ Paula Webers(Königin), der an- scheinend immer besser werdende und im Wort gut verständliche Sopran Ida Saldens, die altbewährten Herren W. Merkel (Tenor, Harlekin) und K. v. ZawilowLki(Bariton, Oheim), dazu die uns bisher weniger bekannten Herren H. Moscow (Tenor, Prinz) und G. Berg(Bariton, Pantalone): sie»nachten ihre Sache gut und standen unter einer ein wen.ig gn Palfis Vorgänger Moris und Epegor erinnernden Regie.' tz, anderen, Gegenden, wo anAUnehmen ist, baß durch sie den verschiede- nett Bedürfnissen der Mitglieder genügend Hilfe gebracht werben neu Bedürfnissen der Mitglieder genügend Hilfe gebracht werden kann. gegründet irnd auf jede Weise nnterftützt werden m ü s s e nr Handelt es sich abev um Vereinigrmgcn» die das Gebiet der Religion undder Sitiiichkeit direkt oder indirekt berühren'dann wäre es in keiner Weise zn billigen, in den, eben erwähnten Gerieten gemischte Vereinigungen fördern und verbreiten zu»vollen, d. ih. solche, die sich ans Katholiken und Nichtkatholiken zusammensetzen. Denn, abgesehen von anderem, befinden sich bei derartigen Ver- e im gungen die Unseligen oder können sich doch sicherlich befinden in großen Gefahren für die Reinheit ihres Glanbens irnd den gebührenden Gehorsam gegen die Gebote und Vor- schriften der katholischen Kirche; Gefahren, auf»velche auch Ihr, Ehrwürdige Brüder, in mehreren Eurer Antworten über diese Frage offen, wie Wir gelesen, hingewnefen habet. Wir spenden also allen und jeden in Deutschland bestehenden rein katholischen Arbeiter-Vereinignngen mit Freuden alles Lob und wünschen allen ihren Be- strebungen zum Wohle der A rb ei te rbe v ö lkerun g glücklichen Erfolg und erhoffen für sie ein immer erfreu- licheres Wachstum JndeÄ wenn wir'dies sagen�. leugnen Wir nicht, daß es derv Katholiken zusteht, zur Eostrebung besserer Lebens- Verhältnisse für den Arbeiter, billigere Bedingungen, für Lohn und Arbeit oder zum Zwecke anderer berechtigter Vorteile gemeinschast- lich mit Nichtkathalilen, unter Anwendung von Vorsicht, für khre gemeinsamen Interessen zn arbeiten. Um dieses Zweckes willen sehen Wir es lieber»»ven«n die katholischen und mchtkatholischen Ver- cinigungcw sich miteinander verbinden mittels jener zeitgemäßen neuen Einrichtung, dir man Kartell nennt. In dieser Hinsicht nun. Ehrwürdige Brüder, erbitten nicht wenige von Euch, eS möchte Euch durch Uns erlaubt»Verden» die sogenannten christlichen Gewerkschaften, wie si« heutzutage in Euer» Diözesen bestehen» zu dulden,»veil sie einerseits eine bc- deutend größere Zahl von Arbeitern in sich schließen als die rein katholischen Vereinigungen, und weil anderseits es große Nachteile nach sich ziehen würde, falls dies nicht gestattet würde. Diesem ErsuchenylaubenwirmitRücksichtausdiebeson- de re Lage der katholischen Sache in Deutschland entgegenkommen zu sollen, und Wir erklären, eS könne geduldet r»n d den Katholiken gestattet werden, auch jenen gemischten Vereinigungen, wie sie in Euren Diözesen bestehen» sich anzuschließen» solange nicht»vrgen neu eintretender Umstände diese Duldung aushört, zweckmäßig oder zulässig zu sein. Dabei müssen jedoch geeignete Vorsichtsmaßregeln zur Fernhaltung>der Gefahren, angewendet werden,»velche, wie gesagt» derartigen Ver- einigungen anhaften» Die hauptsächlichsten dieser Vorsichtsmaß- regeln sind folgende: An erster Stelle ist dafür zu sorgen, daß katholische Arbeiter, die Mitglieder solcher Gewerkschaftensind.zugleichjenenkatho- lischcn Vereinigungen angehören, welche unter der Bezeichnung Arbeitervereine bekannt find. Falls sie aus diesem Grunde irgendein Opfer, zumal an Geld, bringen müssen, so sind Wir überzeugt, daß sie bei ihrer Sorge um die Reinerhcrltung ihres Glaubens, dies bereitwilligst tun werdtW- Denn»nie sich«rsrculichern>eise gezeigt hat, vermögen diese katholischen Arbeitervereine unter Mitwirkung des Klerus, durch dessen Führung und wachfanM Leitung, sehr viel, um die Unverfälschtheit des Glaubens und die Reinheit der Sitten bei ihren Mitgliedern zu schützen, und den religiösen Geist durch häufige Ucbung der Frömmigkeit zu nähren. Notizen. — In der Urania w»lrden am Freitag zwei neue Demon« strationsvorträge zum ersten Male geboten. Der Direktor der An- statt, Franz G o e r k e, führte in Wort und Bild eine Reise mit dem Zeppelinluflschiff„Viktoria Luise" vor. der er diesen Sommer beigewohnt hatte. Sie hatte von Hamburg nach Sylt, über Schleswlg-Holstein, die Flensburger Föhrde, über Glücksburg, Düppel, nach der dänischen Insel Arrö und über Kiel nach Hamburg zurück geführt. Der anschauliche Vortrag gab in gefälliger Form die mannigfachen Eindrücke»vieder, die ein guter Beobachter von dem Luftschiffe selbst, der Technik der Reise und den landschaftlichen Szenerien und den Städtebildern mitbringt. Bilder, die vom Luft- schiff wie von der Erde ausgenommen sind, gaben Gelegenheit, den eigenartigen Zauber einer solchen Reise nachzuerleben. Ein zweiter Vortrog, der vom Oberlehrer Trinkwalter aus- gearbeitet ist, diente der nützlichen Absicht, kinematographische Vor- führungen belehrend auszugestalten. Vorträge dieser Art sollen auch für die Schüler höherer Lehranstalten(und hoffentlich auch für die Volksschüler) veranstaltet werden. Die Probe, die man davon er- hielt(Die wichtigsten Kulturpflanzen der Welt- ivirtschaft) zeigte, ein wie vortreffliches Unterrichts- und BildungSmittel der Kinematograph sey wenn daS Wort die Bilder erläutert. Wie Kakao, Reis, Kaffee und Tabak gepflanzt, geerntet und verarbeitet werden, wurde auf die angenehmste Weise vorge- führt. Wort und Bild ergänzen sich dabei. Ein paar Hinweise auf die T r o p e n w i r t s ch a f t hätten nicht fehlen sollen, während wir andererseits eine gelegentliche Flottcnpropaganda deS Herrn Gocrle gern vermißt hätten. — Die Dramatiker im Dienste deö KinoS-- das ist daS Ende des vom Verbände deutscher Bühnenschriftsteller an- gekündigten Kampfes gegen die Films. Schamhafte Ausreden helfen darüber nicht hinweg. Wenn Bühnenschriftsteller(selbst solche von Namen) meinen, die Kinokultur höbe sich wenn sie mitarbeiten, so ist das eine vom Selbstinteresse dittierte Selbsttäuschung. DaS Kino- drama bleibt unkünstlerisch auch wenn es von Hauptmann oder Sudcrmann herrührt und auf die jetzt üblichen 5kraßheiten verzichtet. Die Pantomime ist ein rohes und unreelles Surrogat, und der Künstler beraubt sich seiner besten, höchsten und wirksamsten Mittel, der sich selbst zur Taubstummensprache verurteilt. Notieren wir drum nur die Tatsache, daß ein ncngegründeter Lichtspielvertrieb der Dra- matiker die»virtschaftlichen Beziehungen zu den Filmfabriken regeln und Garantien für die würdige Aufführung beschaffen ivill. Aber das Theater wird dadurch nicht gerettet, wenn man für seine Ko»»« kurrenten Retlamearbeiten liefert. — Der Berliner Volks-Chor veranstaltet am Montag. den 11. d. Mts., abends 8>/z Uhr, im großen Saal deS Gewerkschaftshauses einen öffentlichen Einführüngsabcnd zu dem Parsifak- konzert am 18. d. Mts. Den Vortrag hat wieder Prof. Stemjeld übernommen; der Volks-Chor wirlt mit. Eintritt für organisierte Arbeiter und deren Angehörige 10 Pf. — Theaterchronik. Die Eröffnungsvorstellung des Theaters Groß-Berlin am Zoologischen Garten findet am Freitag, den IS. November, abends 7Va Uhr, statt. — Vorträge iin Inst itutfürMeereSkunde, Georgen- straße 34—36. Dienstag: Dr. Merz-Berlin: Land- und Secklima. Freitag: AvmiralitätSrat Koch-Berlin: Die deutsche Eisenindustrie und die Kriegsmariue. Eintrittslarte LS Pf. — Die Londoner Zensur hat das neue'Reinhardtsche Ausstattungsstück„Venezianische Nacht" nunmehr genehmigt, nachdem einige Aendernngen vorgenommen sind. �clüjalB tocrbciii bii Leiter solcher Vereine mit klarer Einsicht in! Wir verlrauen baihcr zu ber katholischen Treue und Fricbens- die Zeitvodürsnisse ohne Zweifel bereit sein, namentlich bezüglich I liebe aller guten Katholiken, daß sie die Enzyklika als neuen Er- r, i.t.. �-- weis der Weisheit und Hirtenlicbe des Heiligen Vaters mit innigem Tanke aufnehmen und alle Weisungen der Enzyklika freudig und der Pflichten der Gerechtigkeit und Liebe, die Arbeiter in jenen G c b o te n u n d B o r sch r i f te n. zu unterweise i», deren genaue Kenntnis i h n e m notwendig oder n ü tz l i ch i st. um an den Gewerkschaften in rechter Weise und nach den Grundsätzen der katholischen Lehre sich beteiligen zu können. Ferner ist es notwendig, daß die Gewerkschaften, damit sie so find, daß die Katholiken ihnen beitreten können, v o n a l I e IN sich fernhalten, was grundsätzlich oder tatsächlich mit d e n Lehren und Geboten der K iti che wie der zuständigen kirchlichen Obrigkeit nicht in Ein- klang steh t; ebenso ist alles in Schriften oder lltoden oder Handlungen zu meiden, was aus diesem Gesichtspunkt tadelnswert ist. Tarum mögen die Bischöfe es als ihre heilige Pflicht ansehen, sorgfältig das Verhalten dieser Vereinigungen zu beobachten und darüber zu wachen, daß den Katholiken aus der Anteilnahme an ihnen kein Schaden erwächst. Die katholischen Mitglieder selbst aber sollen niemals zulassen, daß die Gewerkschaften, auch als solche, in der Sorge für die weltlichen Angelegenheiten ihrer Mitglieder sich zu Lehren bekennen oder Handlungen unternehmen, die irgendwie den vom obersten kirchlichen Lchramte verkündeten Vorschriften, zumal den obenerwähnten, widersprechen. Deshalb sollen, so oft Fragen auftauchen über Dinge, die die Sitten berühren, d. h. Fragen über Gerechtigkeit oder Liebe, die Bischöfe mit größter Auf- -merksamkeit wachen, damit die Gläubigen die katho- tischen Sittenlehren nicht außer acht lassen und auch keinen Finger breit von ihnen abweichen. Wir sind überzeugt. Ehrwürdige Brüder, daß Ihr für die ge- wissenhafte und genaue Befolgung dieser Unserer Anordnungen Sorge tragen und über eine Angelegenheit von so großer Bcdeutupg sorgfältig und sortlaufend Uns berichten werdet. Weil wir nun über diese Angelegenheit an Uns gezogen haben rind das Urteil über sie, nach Anhörung>der Bischöfe, UnS zustehen inuß, so ergeht hiermit an alle gutgesinnten Katholiken Unsere Weisung, von nun an sich jedes Streilcs unter sich über diese Sache zu cuthalten, und wir hegen das Vertrauen, daß sie durch brüder- lichg Liebe und vollkommenen Gehorsam gegen Uns und gegen ihre Oberhirten vollständig und freudig das ausführen, was wir be- fehlen. Sollte unter ihnen noch irgendeine Schwierigkeit entstehen, so ist zu deren Lösung der gewiesene Weg folgender: sie sollen sich an ihre Bischöse um Rat wenden, und diese werden die Sache an den Apostolischen Stuhl berichten, von welchem sie entschieden wird. Jtoch eins erübrigt, was aus dein bisher Gesagten leicht zu entnehmen ist. Wie es einerseits niemand' verstattet wäre, eines verdächtigen Glaubens diejenigen zu bezichtigen, und unter solchem Vorgäben diejenigen anzufeinden, die standhast die Lehren und Stechte der Kirche verieidigm jedoch aus gutem Grunde den ge- mischten Gewerkschaften dort beigetreten sind oder beitreten wollen, wo in Anbetracht der Ortsverhältnisse die kirchliche Obrigkeit es für gut befunden hat, solche Gewerkschaften unter gewissen BorsichtS- mahrcgeln zuzirlassen; so wäre es anderseits als höchst verwerflich zu tadeln, die rein kalholischen Vereinigungen feindselig zu befehden — diese Art von Vereinigungen muß im Gegenteil ausjedeWeiseunterstütztundgefördertwerden— und zu verlangen, daß die sogenannten rntcrkonisessionellen Ver- cinigungen eingeführt werden, und sie gleichsam aufzudrängen, fei es auch unter dem Vorgeben, daß alle katholischen Vereinigungen in den einzelnen Diözesen nach einer und derselben Form einzu- richten seien. Indem wir nun dem katholischen Teutschland den Wunsch aus- sprechen» daß es große Fortschritte im religiösen wie im bürgerlichen Leben machen möge, erflehen Wir, damit dies glücklich sich erfülle, dem geliebten deutschen Volke die besondere Hilfe des allmächtigen Gottes und den Schutz der jungfräulichen Goltcsmutlcr, die selbst die Königin des Friedens ist, und als Unierp fand der göttlichen Gnadengaben sowie als Erweis Unseres ganz besonderen Wohl- wollcns erteilen Wir Euch, geliebter Sohn und Ehrwürdige Brüder, Eurem Klerus und Eurem Volke in größter Liebe den Apostolischen Segen. Gegeben zw Rom bei St. Peter am 24. September 1912, im zehnten Jahre Unseres PontifikateS. P a p st P i u s X. ** » Ausschreiben der zn Fulda am Grabe des h. Bonifatius versammelten Obcrhirte» an die hochwürdige Geistlichkeit ihrer Diözesen. Fulda, den S. November 1912. Die in den letzten Jahren unter den katholischen Arbeitern Deutschlands entstandenen Meinungsverschiedenheiten über die für Katholiken zulässigen Arten gewerkschaftlicher Organisation haben dem Heiligen Vater Anlaß gegeben, nach Anhörung der Bischöfe Teutschlands und in Ucbereinstimmung mit den Vorschlägen der- selben ein Apostolisches Rundschreiben an den deutschen Episkopat zu richten, welches wir zugleich mit deutscher Ucbcrsctzung nunmehr zur Kenntnis der hochwürdigen Geistlichkeit unserer Diözesen bringen. Wir sind dem Seiligen Vater innig dankbar dafür, daß er durch seine höchste Autorität die Stimme der Bischöfe unterstützt hat und daß nunmehr bindende klare Richllinien für die Haltung der katho- lischen Arbeiter von höchster Stelle aus ergangen sind. Die hochwürdigcn Geistlichen unserer Diözesen, insbesondere die im katholischen Vereinswesen wirkenden Geistlichen wollen bei geeigneter Gelegenheit die Gläubigen über den Inhalt der Enzy- klika vom 24. September d. I. belehren, in»umsichtiger Weise für die Ausführungen der Mahnungen des Heiligen Vaters Sorge tragen und gegenüber den Angriffen, die die kirchliche Autorität in letzter Zeit so oft erfahren hat, auf die Grundzüge der Enzyklika das Augenmerk der Gläubigen richten. Wie jedes Wort der Enzyklika beweist, ist der Heilige Vater zu seinem Einschreiten einzig und allein durch die Pflicht seines Lehr- und Hirtcnamtes veranlaßt. Ziel der Enzyklika ist, den katholischen Glauben und die katholische Sittenlehre in Theorie und Praxis rein und unversehrt in den Herzen aller Kreise des katholischen Volles zu erhalten. Ziel der Mahnungen des Heiligen Vaters ist es, von den Katholiken jene Gefahren fernzuhalten, die in unserer tiefbewegten Zeit für Glaubens- und Sittenlehre durch das Zu- sammengchen von Katholiken und Nichtkatholiken infolge der Ver- schicdenheit der Ansichten entstehen oder entstehen können. Diesen Gefahren entgegenzutreten, ist Pflicht des von Christus in der Kirche eingesetzten Lehr- und Hirtcnamtes. Darum hat die Enzy- klika mit großer Klarheit für die Autorität der Kirche die Eni- scheidung derjenigen Fragen in Anspruch genommen, welche und insoweit sie Glaubens- und Sittenlehre. Seelenheil und kirchliche Treue berühren. Die Befolgung der Weisungen der Enzyklika wird es ermög- lichcn. daß ine katholischen Arbeiter stets der fundamentalen Pflicht des katholischen Christen treu bleiben, alle irdischen Handlungen hinzulenken auf das ewige Ziel und lieber alles zu opfern, als (ihren heiligen Glauben und ihr Seelenheil in Gefahr zu bringen. Die Weisungen des Heiligen Vaters dienen zugleich jenem in -der Enzyklika so nachdrucklich betonten Ziele zwischen katholischen urid nichtkatholischen Arbeitern den bürgerlichen Frieden und jene Eintracht zu erhalten, ohne die d.e udi,che Wohlfahrt nicht bc- sr.hcU'jiann� Stuhle an die Katholiken ergangene Mah- nuna zur Einigkeit, zur Unterlassung gegenseitiger Beschuldigungen, zur Einhaltung des ordnungsmäßigen Weges zur Losung der etwa noch in vorbezeichneter Richtung auftauchenden Disferenze.l eist- spricht dem zeihen Verlangen des gesamten katholischen Volkes. gewissenhaft befolgen werden. Die am Grabe des h. Bonifatius zu Fulda b e r j a m m e l t e ii O b c r h i r t e n. »» 'Eine Kritik dieser antigewerkschaftlichen Enzyklika des Papstes haben wir bereits im gestrigen Leitartikel des ..Vorwärts" vcrösfentlicht, behalten nns ober vor, auf den Inhalt der obigen bekannten arbeiterfeindlichen Enzyklika lieruni novarum Leo XIII. würdig anreihenden Entscheidung zurückzukommen, sobald die Zentrninspresse ihre Be- schönigungskommentare fabriziert und plibliziert haben wird. Sericbts- Leitung. Gendarmen-Ncbereifer. Der Zimmermann Wilhelm Witt wollte am 48. Juni als Mit- glicd der Schlichtungskommission mit der Firma Vctterlein u. Eo. ivegen Lohndifferenzen verhandeln, die beim Bau der Bahn Wann- see-Südwestkirchhof ausgebrochen waren. Auf dem Bauplatz suchte er den Oberpolicr Sandner auf und stellte sich als Mitglied der Schlichtungskommission vor. Er erkundigte sich iiach den Lohnver- hältnisscn und erhielt den Bescheid, daß die Leute den tarifmäßigen Lohn bekämen. Er hätte daher hier nichts zu suchen. Uebcrhaupt sei das alles isache der Firma, mit der er essselbst regle. Während ber Unterhaltung kam der Gendarm vorbei. Er trat auf die Gruppe zu mit der Frage: Was gibt es Neues? Der Oberpolicr erwiderte: �Der da will die Leute aufwiegeln." Der Gendarm fragte den Sandner, ob er den Mann schon aufgefordert habe, den Platz zu verlassen und riet ihm, es in seiner Gegeinvart zu tun. Der Polier sprach die gewünschte Aufforderung aus. Der Gendarm wieder- holte aus eigener Befugnis, während sich Witt zum Gehen gewendet hatte, die Aufforderung. Der Gendarm verlangte dann die Legiti- mation. Das lehnte Witt ab. Der Gendarm erklärte darauf katc- gorisch:„Was, Sie weigern sich, zu gehen? Sie denken wohl, Sie können r» so machen, wie Borchardt und Leinert im Abgeordneten- Haus? Sie sind mein Arrestant!" W. mutzte dann zum Amtsbureau Nikolassee sich begeben. Es erfolgte dann eine Anklage— gegen den Gendarmen? Keineswegs, wohl aber gegen Witt, und zwar— wegen Uebertretung des Feld- »iid Forstpolizeixesetzes. In der Verhandlung erklärten gegenüber der Slussage des Beamten, der gehört haben will, daß Sandner vor seinem Erscheinen den Witt aufgefordert habe, den Bauplatz zu verlassen,>die anderen Zeugen, daß sie von dieser Aufforderung nichts wüßten. Auf'Antrag des Verteidigers Rechtsanwalt Dr. Herzfcld wurde die Aussage des Gendarms protokolliert, da sogar der Sandner sich nicht zu erinnern vermochte, ob er die erste'Aus- fordcrung ergchen ließ. Tie Verteidigung hob hervor, daß Sandner selbst erklärt habe, er hätte sich mit Witt auscinandcrgcscbt und ohne das Dazwischentreten des Gendarmen wäre der ganze Vorfall erspart geblieben, da W. sich entfernt hätte. Der Ülintsanwalt beantragte 10 Mark Geldstrafe. Das Gericht stellte sich auf den Standpunkt der Verteidigung und stellte das Verfahren ein, da ein ordnuilgsgemäßer Strasanirag nicht vorliege und der Oberpolicr zur Aufforderung an den Witt, sich zu entfernen, nicht berechtigt ge- Wesen sei, da er nicht im Willen seiner Firma gehandelt habe. Er habe eine untergeordnete Stellung und sei nicht Vertreter der Firma gewesen._ Umgehung beS StellenvermittelungSgesches? Vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte hatte sich gestern der Kaufmann Scrgebarth zu verantworten. Er war beschuldigt, das Stcllenvcrmittelungsgcsctz umgangen zu haben. Ter Angeklagte, dessen Ehefrau früher das Stcllenvcrmittelungsgcschät betrieben hatte, ist der Inhaber eines Ncinigungsinstituts, das Reiiunache- francn und Waschfrauen an der Hand hat und sie den Herrschaften auf Bestellung in das Haus sendet. Von dem Tagclohn, den die Arbeitsperson des Abends von der Herrschaft erhält, bekommt sie den zugesagten Verdienst, während der Restbetrag in die Tasche des Angeklagten fließt. In diesem Geschäftsbetrieb erblickt der Polizei- Präsident mit Recht einen Verstoß gegen das Gesetz, um die fest- gelegte Bestimmung der den Stellenvermittlern zustehenden Höchst- Vergütung illusorisch zu machen. Stach Ansicht des Polizeipräsi- diums handle es sich im vorliegenden Falle lediglich um die Ver- Mittelung von Arbcitspcrsonal; wenn bei dieser Vcrmittelung der Stcllenvermittlcr sich einen Verdienst verschaffe, der die festgesetzte Norm überschreite, so widerspreche dies dem Sinne des Gesetzes, das die Entgegennahme einer höheren Taxgebühr ausdrücklich ver- biete.— Der Verteidiger bestritt nicht, daß durch die Art der Ge- schästStätigkcit des Angcllagten die Bestimmung des Stcllenvcr- mittelungsgesetzcs gegenstandslos gemacht wurde, da der Angeklagte eine„Berinittelung" gänzlich ausgeschaltet habe, das Arbeits- personal gar nicht vermittele, sondern den Herrschaften als Selbst- kontrahent liefere. Da somit der Angeklagte ein Dienstverhältnis zwischen Herrschaft und Personal gar nicht vermittele, ein solches vielmehr nur zwischen ihm und der Herrschaft bestehe, könne von einer Verletzung des Gesetzes keine Rede sein.— Das Gericht kam zu eilicm freisprechende» Urteil unter der Begründung: Ter An- geklagte liefere das Personal auf eigene Rechnung, mithin könne «ine Uebertretung der festgesetzten Vcrmittelungstaxe als festgestellt nicht erachtet werden. Die Entscheidung ist eine irrige. Bei der Wichtigkeit der Sache dürfte sie dem Kaminergcricht, als letzter Instanz, zu unterbreiten sein. Ein Institut, das den von ihm beschäftigten'Arbeitern eine bestimmte Suinine zahlt, von den Empfängern der Arbeit eine höhere Taxe einstreicht, ist an die Höchsttaxen für Stellenvermtttlcr gebunden. Zahlt es den Arbeitern, wie der Angeklagte, weniger, als die Differenz zwischen dem an ihn gezahlten Preis und dem von ihm gezahlten Arbeitslohn beträgt, so macht er sich der strafbaren 'Ausbeulung schuldig, der das Stellcnvcrinittelungsgcsetz entgegen- tritt.__ Abgeblitzt! Eines anderen wurde die Polizeiverwaltung in Striegau durch den Breslaurr Bezirksausschuß belehrt, die dem Kolporteur Genossen Langucr von dort die Legitimation zum gewerbsmäßigen Verteilen von Driykschriften versagen zu müssen glaubte. Langncr wurde a>� das Polizciburcau geladen, wo ihm zunächst von der Verweigerung Mitteilung gemacht wurde. Und zwar wurde ihm die Legitimation deshalb verweigert, weil er angeblich als Kolporteur der„Schlcs. Bcrgwacht" fest angestellt sei. Außerdem wolle er den Lcgitima- tionsschcin nur deshalb haben, um in seiner Eigenschaft als Vor- sitzender des Wahlvereins Striegau ungehindert zu jeder Zeit ohne polizeiliche Genehmigung Agitation unter den Sozialdemokraten treiben zu können. Langner soll für jeden einzelnen Fall um die Erlaubnis besonders einkommen. Die Erteilung eines schriftlichen Bescheides lehnte die Polizeiverwaltung ab. mußte aber aus Be- schwerde beim Regierungspräsidenten den schriftlichen Bescheid er- teilen. Im übrigen blieb es aber bei der Verweigerung der Legiti- mation. Auf die Klage beim Bezirksausschuß verurteilte dieser die Polizeiverwaltiing zur Ausstellung einer Legitimation. Mit Recht wurde in der Urteilsbegründung betont, daß ner der§ 43 der Gewerbeordnung und nicht der§ 40 des preußischen Gesetzes vom Jahre 1854 anzuwenden sei. Wegen solcher Lappalie muß erst so ein großer Apparat in Bewegung gesetzt und unzählige Bogen Papier verschrieben werden, weil es sich um einen Sozialdemokraten handeise l Mocken-Spielplan der ßcvlincv Cheater. Königl. Opernhaus. Sonnlag: Der fliegende Holländer. Montag: Die Stumme von Portici. Dienstag: Aid» Mittwoch: Lohengrin.(An- sang 7 Uhr.) Donnerstag: Cavalleria rusticana. Bajazzi. Freitag: Mignon. Sonnabend: Die Meistersinger von Nürnberg(Ansang 7 Uhr.) Sonntag: Margarete. Montag: Der Rosenkavalier.(Anfang 7'/, Uhr.) König!. Schaiispielhans. Sonntagmittog 12 Uhr: Der Barbier von Sevilla. Abends: Der grotze König. Montag: Die Hermannsschlacht. Dienstag: Ein Waffcngang. Mitlwoch: Ein Fallissement. Donnerstag: Die Hcrmannschlacht. Freitag:? ie versnnlene Glocke. Sonnabend: Wallensleins Tod. Sonntag: Die Hermannsschlacht. Montag: Ein Wafsengang.(Ansang 7Y, Uhr). Neues Operii-Theäter(Kroll). Sonntagnachmittag S'l, Uhr: Der Prinz Natzi. Abends und Montag, Mittwoch und Freitag: Der Prinz Nazi. Montag und Donuerstag: Jägerblut. Dienstag: Glücksschmied. (Ansang 8 Uhr.) Deutsches Opernhaus. Von Sonntag bis Freitag: Fidelio. Sonn« abend und folgende Tage: Figaros Hochzeit.(Ansang 8 Uhr.) Teuischcs Dhcatcr. Sonnlag: König Heinrich IV.. l. Teil. Mon» lag: König Heinrich IV,, 2. Teil. Dienstag: König Heinrich IV, 2. Teil. Mittwoch: König Heinrich IV., l. Teil. Donnerstag: �.olentanz. Freitag: König Heinrich IV., 1. Teil. Sonnabend: König Heinrich IV., 1. Teil. Sonntag: König Heinrich IV., L. Test. Montag: König Heinrich IV., 1. Teil.(Ansang 7'/, Uhr). Kamnicripiele. Sonntag und Montag: llllcin Freund Teddy. Dienstag: Maria Magdalena.(Ansang 7'/, Uhr.) Mittwoch: Mein Freund Tcddii. Donnerstag: Maria Magdalena. Freitag und Sonnabend: Mein Freund Teddy. Sonnlag: Maria Magdalena. Montag: Mein Freund Teddy.(Ansang 8 Uhr.) Lcssing-Tlieatcr. Somitagnachmittag 3 Uhr: Klaube und Heimat. Abends: Gabriel Schillings Flucht. Mvnlag: Die Weber. Dienstag: Gabriel Schillings Flucht. Mittwoch: E nsame Menschen. Donnerstag: Gabriel Schillings Flucht. Freitag: Der Biberpelz. Sonnabend und Sonntag: Gabriel Schillings Flucht. Montag: Tantris der Narr.(Ansang >8 Uhr.) Berliner Tlicater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Große Rosinen. Mitlwoch und Sonnabendnachmitlag 3 Uhr: Kabale und Liebe. Allabend- lich: Filmzauber.(Ansang 8 Uhr.) Kleines Dbenier. Sonntagnachmiiiag 3 Uhr: Und das Licht scheinet in der Finsternis. Abends: Michael Kramer. Montag. Donncrslag und Freitag: Magdalena. Dienstag, Mitlwoch, Sonnabend und Sonntag: Michael Krämer. Montag: Magdalena.(Ansang 8 Uhr.) Theater in der König., räner Strotze. Sonntag: Die siins Frank» stirter. Montag: HerodcS und Mariamne.(Ansang 7'/, Uhr.) Dicnslag, Mittwoch nnd Donnerstag: Die snns Franlsurter. Freitag: Königiii Christine. Sonnabend und Sonntag: Die sünf Frankfurter.(Ansang « Uhrs Montag: Hcrodcs uad Mariamne.(Ans. 7'/, Uhr.) Trianou-Thcoter. Sonnlagnachmiltag 3 Uhr: Der selige Toupinel. Allabendlich: Liebcsbaromctcr.(Ans. 8 Uhr.) Nächsten Somilagnachmittaz 3 Uhr: Der selige Toupincl. SchiUer.Theater<>. Sonntagnachmiiiag 3 Uhr: Zopi und Schwer; Abends: Im weißen Rißt. Montag: Des Pfarrers Tochter von Sirela- dors. Dienstag: Der Talisman. Mittwoch: Die Kinder der Exzellenz. DomierStng und Freitag: Flachsinaini als Erzieher. Sonnabend: König Lear. Sonntag: Im weißen Rößl. Montag: Fiachsmann als Erzieher. (Ansang 8 Uhr). Schiller. Theater Charlottrnbnrg. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Die Jüdin von Toledo. Abends: Wilhem Trll. Montag: Die Kinder der Exzellenz. Dienstag: Im weißen Rößl. Mittwochnachmittag 3 Uhr: Wallenstciiis Lager. Piccoloniini. Abends: Im weißen Rößl. Donnerstag: Die Kinder der Exzellenz. Freitag: Die Geschwister. Elga. Sonn» abend: Im weiße» Nöyl. Sonntag und Montag: Die Geschwister.' Elga. (Ansang 8 Uhr.) Friedrich- Wilhelmstädt. Schauspielhaus. Sonntagnachmittag 3 Ubr: Weh' dem. der lügt. Allabendlich: Grigri.(Ansang 8'/, Uhr) Neues Bolks- Theater. Sonntagnachmitlag 3 Uhr: Lore. Die Spieler. Der Kammersänger. Abends: Müller Landstraße. Montag: Die Doppclgängerkomödie. Dienstag: Lore. Die Spieler. Der Kammersänger. Mittwoch: Die Toppelgängertomödie. Donnerstag, Freitag, Sonnabend nnd Soiintag: Michael Kramer.(Ans. 8'/, Uhr.) TIialia-Tln-aier. Allabendlich: Autoliebchen.(Ansang 8 Uhr.) Sonn« abendnnchmittag 3 Uhr: Frau Holle. Lusispirlbnns. Soimtagnnchniiltag 3 Uhr: So'n Windhund. All« abendlich: Mein alier Herr.(Ansang H'l, Uhr.) Köinödienhaiis. Sonntagnachmitlag 3 Uhr: Der rote Leutnant. Allabendlich: Die Kencralseckc.(Ansniig 8 Uhr.) Nesideuz-Theatcr. Sonnlag bis Miitwoch: Gcmülsmcnschcit. Donnerstag bis Montag: Pr>iize»c> Ziehung.(Ansang 8 Uhr). Deutsches Schauspielhaus. Miitwoch. u. Sonnabcndnachmittag 3 Uhr: Egmont.?lUnbcndl>ch: Ter gutsitzende Frack.(Ansang 8 Ubr.) Theater am Nollendorfplatz. Allabendlich: Orpdeus in der Unterwelt.(Anfang 8 Uhr.) Miltwoch und Sonnabendnachmiliag 3 Uhr t Schiiccwitichen.. Easino- Theater. Somitagnachmittag 4 Uhr: O diese Männer. Allabendlich: Der Großfürst.(Ansang 8 Uhr.) Montiö Operetten-Theater. Sonntagnachmiitag 3 Uhr: Wiener Blut. Allabendlich: Der Frauciisrcsscr.(Ansang 8 Uhr.) Kurfürsten-Lper. Somilagiiachinitlag 3 Uhr: Der Troubadour. Abends: Der Kmireigen. Montag: König Harlekin. Dienstag: Der Kubrcigcii. Mitlwoch nnd Donncrslag: König Harlciin. Freiing: Der Kuhreigen. Sonnabend und Soimtag: König Harlekin.(Anjang 8 Uhr.) Monlag: Unbestimmt.»... � Rose- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Dentlch-Nincrikan-r. Abends: Bon Sluse zu Stusc. Montag und Dienstag: Die größte Sunde. Miltwoch: Deutsch- Amerikaner. DonnerSlag: Die große siiiide. Freitag: Pcpagcno. Sonuabcnd, Sonntag und Montag: Die grötzle e:üude.(An- � L n i i e>>- Th>' a te r. Sonntagnachmiitag 3 Uhr: Das Kätbchen von Heilbronn. Abend»: Rasfles. Montag und Dienstag: Des andern Ehre. Millwoch; Der Walzerlönig. Donnerstag nnd Freiing: DeS andern Ehre. Sonnabend: Das jiälhchcn von Heilbronn. Sonntag: Rassles. Montag: Des andern Ehre.(Ansang 8 Uhr.)„. Hrrriifcld- Theater. Allabendlich: Die Alpcnbrüder. Endlich allein.(Ansang 8 Uhr.) Zldmiralspalast. EiSballctt: Dvoime.(Anfang lO Uhr.) Reichshatten TIienter. Allabendlich: Die Macht der Tone.(An- lang 8 Ubr. Soiimnns 71/. Uhr.)„„ Urania. Tlnaier. Täglich: Die wichiigsten Kiltturpflanzen der Wettwirtichast. Mit dem Zeppelinlustschiss von«yll nach Hamburg.(An- sang 8 Uhr.) Zirkus Busch. Soiinlagnachinittag S'l, und allabendlich 71/, Uhr: Kaiavorstelllliig..,,, Zirkus Schumann. Sonntagnachmiitag 3 /, Uhr und allabendlich 7'/, Uhr: Galavorstellung.... ' Mmopul- Theaier. Sonntagnachmiitag: Tata Tote. Allabendlich: Chaufscur— ins Mctropol!(illiisang 8 Ubr.) Falles Capricc. Allabendlich: Der feilsche Joseph. Der Rchbock. (A,ls. 8'/, Uhr.) Apollo-Theater. Soimiagnachmiltag 3 Uhr und allabendlich 8 Uhr: Spezialitälcii. KLnigstadt-Kasiiio. Täglich: Spezialitäten.(Zliisang 8 Uhr.) lZpAMMoplUillö l'opplcUv. Steppdecken, t'ortlcren etc. gegen bcguemc Teilzalilungeu offeriert Schirn, Woldenberger Sir. 5. Postkarte erbeten. fn76& Kranzspenden sowie sämtliche ßlunienarrangcmcntö liefert tckincll und billig Punl IL'ILJ. Lindenstr.69, Tel.MpI. 7203. Otavistratze 33-39, Cluetftvrtfee ött der Müllerstraße, sind in neu erbaute» Häusern mit Hofgärteu(Teppichstopsplatz und Müllkästen im separaten Hof. 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Friedhofs, Müllerstrahc \ Ecke Sccsti ajzc, aus statt. Um rege Bctcifigung ersucht 1233/20 Oer Vorstund. Am Freitag verstarb plötzlich I injoige Herzschlages unser lieber j Kollege/der Schrisisctzcr Hermatin Voigt Sparrplatz 20 1 im'Aller von 40 Fahren. Durch I seine» stets bewiesenen ruhigen, I kollegialen Charakter wird er bei uns |m steter Erinnerung bleiben. Ehre seinem Andenken l Das tcdmiidic Personal der Firma Ford. Ashrlm. Die Beerdigung findet am l Aontug, nachmittags 2';4 Uhr, j von der Halle d.Philippus.Apostcl- I Kirchhofes aus nach dem städtischen J Friedhof in der MüllcrstrageVilIl Krüxer verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 10. d. M., nachmittags 1',. Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Hatobi-KirchhoseS in Neukölln, Hcrmanuslrastc, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 208/12 ID«i> VorKtaiid. ecstr Sozialdemokratischer Wahlverein I. d. 6. Kerl. Reichstagswahikreis Am Mittwoch verstarb unser| Genosse, der Kutscher (Zeorg kugier Nhcinsbcrger Str. 21, Bcz 50C. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Dienstag, den 12. d. M.. nachmittags 3 Uhr, von der Halle des FionS-Kirchhoscs in Nordend aus stall. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Beriin. Den Mitgliedern zur Nachricht dast unser Kollege, dcr Fräscknlschcr (Zeorx kühler ain O. November im Alter von 36 Fahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Tie Beerdigung findet am Dienstag, 12. November, nachm. 3 Uhr. von der Leichenhalle des ZionSkirchhoss, Nordend, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 68/12 Die Bezirksverwaltuniu Verband der ireien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Zahlsteile Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dast die Frau deS Kollegen Klara geb. Itegosctaewslil Lmdowvtstr. 25, Bezirk 2 verstorben ist. Ehre ihre« Andenke» k Die Beerdigung findet am Man- tag, den 11. d. Mts., nachmittags 3'/« Uhr. von der Halle des PhiIipPUs-?lposteI-KirchhoseS aus ans dem städtischen Friedhos in der Müllcrilraste statt. 74,7 Um rege Beteiligung ersucht Die crtsverwaltung. 'Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dast meine inniggclicbtc Frau, unsere gute Mutter 75A Klara Kohlschmidt geb. Regoschewski am Donnerstag, den 7. November, vormittags£0/, Uhr, nach langem, ichwercin Leiden im 26. Lebens- jabre sanst cnlschlascn ist. Dies zeigen ticsbetrübt an vis trauernsen Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet morgen Montag, den 11. November, nachmittags 3»/4 Uhr. von der Halle des Philippus-Apostel-Kirchhoses, Müller- Ecke Sccstraste, aus statt. Am Freitag, den 8. November, ! verschied nach schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere gute sMuttcr-und Großmutter Ktanis Spuhr geb. Eising. 1 188/7 Albert Spuhr. Familie Pagets. , Die Beerdigung findet morgen J Montag, den 11. November, nach- J mittags 4 Uhr, von der Leichen- t balle des Zentral-Fricdhoscs in I Friedrichsseide aus statt. Am Freitag, den 8. d. MIS., entschliet sanjt»adi schwerem Leiben meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwicgcr- und Großmutter Era Böhm. Dies zeigen ti-sbetrübt an Otto Böhm, Familie Neumaun. Die Beerdigung findet am DicnStag. den 12. d. Mts..»ach. mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral- Friedhofes in FricdrichSseldc aus statt. 42'" Berichtigung. In der Todesanzeige für den Tischler IKsnI Rless ist infolge eines Druckfehlers die Becrdigungszeit aus 5 Uhr statt 3 Uhr angegeben. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner li-bcn Frau, unserer guten Mutter Lents Gutöv sagen wir allen Verwandten und Bekannten, insbesondere dem Gesang- verein MäniterchorFricdcnau-Steglitz, dem Wahlverein Friedenau, den Kollegen der Finna Rosch und dem Genossen Richter für die trostreichen Worte am Sarge unseren herzlichsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Hermann UUldc und Kinder. Für die Beweise herzlicher Teil- nähme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich hiermit allen Beteiligten meinen herzlichen Dank. Witwe X* Pfeiffer 32'A] Stargardcr iShai.c 12. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die schönen Kranz- spenden beim frühen Hinscheiden meines lieben unvergeßlichen Gatten und gittcn Vaters EBmil Thiede sage ich hiermit allen Verwandten und Bekannten, bcionders dem Gesang- verein Vorwärts-Frobsinn für den erhabenen Gesang meinen innigsten Dank. 73A Die trauernde Witwe Martha Dhiede nebst Sohn. Ortskrankenkaffe der Wöklplicm. Mittwoch, den 20. November 1912, nachmittags 3 Uhr. findet Gr. Frantfurter Strafte 1K bei Iforliiuanii die ordentl. Generalversammlung stall. 282/4 Tagesordnung: Siehe übersandte Einladung deS Vorstandes. In demselben Lokal und am selben Tage um«'/, Uhr: Mitglikder-Utrsammlung zur Vornahme der Delegiertcnwahl für 1313 und 1314, wozu sämtliche Kassenmitglieder über 21 Jahre sowie alle Herren'Arbeitgeber, die ein Drittel der Beiträge aus eigenen Mitteln zahlen, eingeladen sind. Ter Vorstand. Klin rradt' Fertig am Lager: M-Wge-s«: Ii 80. 70, 1.50. i«: II: 18,>5. 12. 10, 36> 40' 40 u M. Danksagung. Hiermit allen Freunden. Bekannten und Verwandten, der Firma ESpig, der Holzbearb eitungSfabri l Südost Schadow u. Co. und dem Deutschen Transportarbeitervcrband für die zahlreiche Beteiligung und Kranz. spenden unseren innigsten Dank. Witwe l-al«« HolTmaun nebst Kindern. FerÜK« sehwarze Kleidung für Knaben und JUngllngo :! in größter Auswahl• Feine UsS■ Anfertigung| :: in es. 10 Standen Baer Sohn Kleider- Werk«. Chausseestraße 29— SO. i 11. Brückenstraßo 11» Gr. Frankfurter i>lr �0. Schöneber. i. Haupistr. 10. Orts-Krankenkasse der Schnkidcr und vemandter Gtiverbt;u Kerlm. Kaffenlokal: Sebastianstr. 37—38. Wahlversammlung der Arbeitnehmer Montag, 18. November 1912, von nachmittags 6 Uhr bis abends 10 Uhr, in Wilkes Festsälen, Scbastian- slraste 33: ErgänziingSwahlen der Vertreter zur Generalversammlung. Tagesordnung: Wahl von 343 Vertretern der Kafienmitglieder gcmäst K 43 dc§ Kasjcnstatuts(S. Abänderung). LegitimationSkartcn hierzu erhalten die Mitglieder vorher im Kaffenlokal, Sebastianstr. 37—38, welches sich im Ncbenhausc des Wahl- lokals befindet, und auch während der Wahlzcit geöffnet ist, gegen Bor- zcigung des Mitgliedsbuches oder Be- schcinigung über eine die Vcrsiche- rungspflicht zur Kasse begründende Beschästigung.— Um 10 Uhr werden die Türen gclcklosscn.Spälerkommendc verlieren ihr Wahlrecht, Wahlversammlung der Arbeitgeber Dienstag, 19. November 1912, abends von 8—10 Uhr, im Kassen- lokal, Scbaslia�tr. 37—38: Ergänzungswahlen der Vertreter zur Generalversammlung. Tagesordnung: Wahl von 126 Verlreteim der Arbeitgeber gemäst Z 43 des Kassen- statuts<6, Abänderung). AIS Legitimation dient die letzte Rechnung oder Anmeldcbescheinigung. — Um 10 Uhr werden die Türen geschlossen. Spätcrkommende ver° iicren ihr Wahlrecht. Wahlberechtigt und wählbar sind männliche und weibliche Arbeitgeber rcsp. Kassenmitglieder, welche groß- jährig und im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte sind. 281/13 Hsr Vorstand. Gustav Nahtow, Vorsitzender. Paul Dorift. Schriftführer. Orts- Krankenkasse der Ii. verwandt. Gewerbe zu Berlin. Bekanntinachung. Aniierordentltche General-Versammlung sWahlversammlung) sämtlicher großjähriger Kassenmitglieder am DicnStag. den 13. Novbr. 1312, iiachmilttags 3 Uhr, im VcrbondSi hause der Gastwirtsgchilfcii, Große Hamburger Straße 18—13 _ zur Vornahme der Ersatzwahl für 33 ausgeschiedene Kasseumit- glicder-Bertreter mit der Avitsdauer bis zum 31. Dezember 1914. Die Vertreter der Kaffenmitglieder können nur aus der Zahl der letzteren gewählt iverden. Wahlberechtigt und wählbar ist jedes grostjährige Kassen- Mitglied, welches sich im Besitz der bürgerlichen Ehrenrecht« befindet und sich durch daS in Ordnung befindliche Mitgliedsbuch oder durch eine Arbeits- bcschcinigung des Arbeitgebers lcgiti- Mieren kann. 281/16 Die Wahl ist geheim und erfolgt durch Stimmzettel. Jeder Wähler hat soviel Namen aus leinen Stimm- zctlcl zu schreiben, als Vertreter zu wählen sind. Geschriebene, gedruckte oder auf anderem mechanischen Wege her- gestellte Stimmzettel sind erlaubt. Der Wahlakt beginnt um 3 Uhr nachmittags und wird um 6>/, Uhr geschlossen. Berlin, den 5. November 1312, Der Borstand. H. Poppe, Vorsitzender. Oito Schilling, Schristsührer i.V. Orts- Krankenkasse ser Gastwirte und verwandten Gewerbe zu Berlin. Bekanntmachung. «rdentllcl,« General-Versammlung der gewählten Kaffenvertreter am Donnerstag, den 28. November, nachmittags präz. 3>/. Uhr, im Lokale des Herrn Siclzlllliix(Rosenihaier Hot), Rosenthaler Str. 11/12. s281/17 Tagesordnung: 1. Wahl des Ausschusses zur Prü- sung der Jahrcsrechnung pro 1312. 2. Borstandswahlcn. 3. Bericht dls Vorstandes über die 13. ordentliche Miigliederverfammlung des Haupt- Verbandes Deutscher Ortskrankcnkasscu am 18. bis 21. August er. in Köln. 4. Beschlußfassung über den Antrag aus Zulassung der Kasse nach den Vor- schristcn der ßicichsvcrsichcrnngsord- nung. 6. Behandlung und Bcschlusz- sassung über die Vertragsbestimmungen und die Dienstordnung>ür die Kassen- beamten entsprechend dem K 351 u. a. O. der Zi.-V.-O. 6. Allgemeines. Berlin, den 5. November 1312. H. Poppe, Vorsitzender. 0. Schilling, stcllvcrtr.«christführer. Orts- Krankenkasse für die Amtsbezirke Fr;. Knchhol; Glaukenburg) uud Htiuttsdorf. Am DicnStag, den 19. November er., abends 8 Uhr, findet Im Lokale des Herrn Roflack, Franz. Buchholz, die ordentliche Herbst-Generalversummlung statt. Tages ordnung: 1. Wahl des Ausschusses für die Prüfung der Rechnung des lausenden Jahres. 2. Vorstands-Ersatzwahlen: 1 Arbeitgeber aus HeinerSdors, 1 Arbeitnehmer aus Franz. Buchholz. 2 Arbeitnehmer auS Blanken- bürg. 3. Besprechung und Beschlußfassung über das Weiterbestehen der Kasse nach der Reichs- Versicherungs- ordnung. 4. Antrag des Vorstandes, betreffend Beitritt der Kasse zur Zentralkom- Mission der Krankenkassen Berlins und der Vororte. b. Verschiedenes. 282/5 Der Vorstand s Vorfitzender. Ortskrankenkasse der Tllbliiiflibrikardeitcr zu Berlin. Einladung zur 281/18 Ordentl. General-Versammlung am Montag, den 18. November, avendS 8'/, Uhr, nach dem Lokal des Herrn\oO, Web er ffr. 6. Tagesordnung: 1. Verlesen des Prolololls der letzten Generalversammlung. 2. Neuwahl sür zwei laut Staun ausscheidende Vorstandsmitglieder. 3. Wahl der Nevisionskommission. 4. Bcschlußsassung, ob die diesseitige Krankenkasse nach dem Jnkrast- treten der Reichsversichcrungs- ordnung selbständig weiter be- stehen toll. 5. Verschiedenes. Der Vorstand. [MDZWSflWIDipiD Extra- Abtellnng > I. Gesch.; Berlin W., Mohren- StraBe37a(2. Hajs von der Jerusalemer Straße). III. Gesch.: Berlin NO., Große 1 Frankfurt. Str. 1 1 5(2. Haus| von der Andreasstraße). ISehrgr.Äusw.fert. Kleider, Hüte, Handschuhe, Schleier etc. v. einfachsten bis zum hooheiogant. Genre z.äuUerst niedrigen Preisen. Sonder- Abteilung: SlaUanfertlgans in 10 bis 12 Stunden. ftaaplf Mb-lDstitut F I dlR- �Borchardt.' Friedrichstr IIS I, mn Oranienb. Tor. Tel.: Nord 7402. 3714L* Frack, Smoking, Gctirockanzügc, Chapeau claqne. sürjcdeFigurpass.. vorrätig in verschiedenen Preislagen. Sehr große Ausvtahi, mäßige Preise. Nach zwölfjähriger spozial- ärztüchor Tätighext in_ Obor- schlesion habe ich mich in Schöneberg, HauPtstr- 147 als Spezialarzt für Magen-, Darmuno Stoffwechselkrankheiten niedergelassen. 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Praxi« Karl Radolph. l.Pr«x.:0ranienitr. 61. 2., J-leamr Sir. 17/16. 3., lZharlollenhurg, V/Ilmer,d»r1er S,r. 11 7 4.„ Lichtenberg, Frank. kurier Allee 169 5.„ Poladam, Chariottenst.88. Teilzahlungen angelassen! Verlangen Lia kostenlosen Besuch eines Vertreters I 9, 264 29. mtm 2. Keilage des Jormartf Iftlinct DolksblM w, bilä�estafrlkanische Lin< Vor einiger Zeit spielte sich in Windhuk ein Prozeß gegen den Farmer K r a m e r ab, der die haarsträubendsten Tat- fachen über barbarische Eingeborenenmißhandlungen ans Tageslicht brachte. Kramer wurde in erster Instanz zu einem Jahr und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Die Sache kam dann vor das Obergericht, das nach mehrtägiger Verhandlung eine Vertagung für ange, bracht hielt, um durch Vernehmungen weiterer Zeugen„eine gründliche Klärung der Frage" herbeizuführen. Kramer hatte nämlich zu seiner Entschuldigung angeführt, daß er zu den unmenschlichen Mißhandlungen seiner eingeborenen Ar- beiter durch die N o t w e h r veranlaßt worden sei, da die be- tresfenden Eingeborenen Vergiftungsversuche gegen ihn und seine Familie unternommen hätten. In dem Vertagungsbeschluß führte der Oberrichter u. a. aus: „Das Gericht ist der Ansicht, daß doch möglicherweise Fälle von Vergiftungen in Frage kommen könnten und daß deshalb Notwehr vorgelegen haben könne." Wir werden über die weiteren Verhandlungen seinerzeit berichten. Für heute jedoch wollen wir eine Reihe von Einzel- heiten aus dem Verlauf der bisherigen Ver- Handlungen mitteilen, um der deutschen Oeffentlichkeit zu zeigen, welch ungeheuerliche Zustände in Südwestafrika herrschen. Der Farmer Kramer behauptete, daß nicht nur gegen sein Vieh Vergiftungsversuche begangen worden seien, sondern, daß man ihm selbst nach dem Leben getrachtet habe. Eines Tages seien er und seine Frau nach dem Genuß von Tee er- krankt, den sie für vergiftet geleiten hätten. Ein andermal habe man sie dadurch zu vergiften versucht, daß man Gift in das Feuer getan(!) habe, um todbringenden Rauch zu entwickeln! Auch hätten die Leute Giftpfeile be- festen, deren sie sich ihm gegenüber zu bedienen beabsichtigt hätten. In der Verhandlung stellte sich nun heraus, daß Kramer durch die furchtbarsten Prügel und Marter allerhand Geständnisse aus seinen schwarzen Arbeitern herauszupressen versucht hat. Der frühere Farmverwalter Kramers, Zeuge Röder, erklärte, daß erst sett 1912 von Vergiftungen die Rede gewesen sein. Kramer selbst habe die Sache durch„Ausfragen" der Eingeborenen aus- findig gemacht. Auf Anordnung Kramers seien die Eingeborenen, bis auf eine männliche Person lauter Frauen, gefesselt und geprügelt worden. Der mißhandelte Einge- borene I u l y sei geschlagen worden, damit er das Gift her- ausgebe und aussage. Er, Röder, habe dolmetschen müssen, da sich Kramer mit July nicht verständigen konnte. Er sei aber nicht bei dem ganzen Verhör dabei ge° Wesen.(Der Richter macht hier darauf aufmerksam, daß Kramer also den July m e i st allein vorgenommen habe, obwohl er sich mit ihm ohne Dolmetscher gar nicht verständi- gen konnte!) Zeuge Röder fährt fort(wir fowen hier wie im übrigen der südwestafrikanischen Zeitung„Sud West"): Kramer habe geschlagen,„um was rauszukriegen". Kramer habe ihm auch den Auftrag gegeben, einen Fcuerbrand zu holen und neben July hinzulegen: dabei habe er sich nichts gedacht! July wurde so stark geschlagen, daß die Wunden auf- platzten. Er wurde dann im Proviantraum a n g e- kettet, wo er vom' 27. Januar bis 3. Februar verblieb. Der Richter fragt den Zeugen: Nun sagen Sie einmal, w o- zu war eigentlich die ganze Prügelei?„Weil sie es zu toll trieben," antwortete der Zeuge und fährt fort: sie hätten es ja selb st ausgesagt! Der Verteidiger Dr. K r a m e r, der Bruder des An- geklagten, sucht an dieser Stelle nachzuweisen, daß bei der ganzen Sache zwei Zeitabschnitte zu beachten seien. Vor der Giftsache sei nur zur Strafe gezüchtigt worden, nicht um Aussagen zu erlangen, und nur nach dem Ge- ständnis. Der Richter weist jedoch darauf hin. daß ja nach dem Geständnis des Angeklagten selbst ge- prügelt worden sei, um ein Geständnis zu erlangen. Als„B e w e i s m a t e r i a l" für die Vergiftungs- beichten der Eingeborenen lag folgendes Material vor: 1. eine Patronenhülse, die ein grünliches Pulver enthielt, 2. eine Wurzel, die inzwischen verfuttert wurde, 3. eine Büchse mit einer Salbe,, die Bestandteile einer Schlange. Käferlarven und einer Wurzel enthielt, 4. ein Stück angeblich von der Spitze eines Giftpfeils, 5. eine Büchse, enthaltend einen kleinen Lederköcher mit kleinen Pfeilchen. Der Sachverständige Dr. Sieb er, der Leiter des bakteriologischen Instituts in Gamams, erklärt dazu: Die Patronenhülse enthielt ein Pulver, das an eine Ziege verfuttert wurde. Zwei Tage lang zeigten sich an der Ziege Anzeichen eines Unwohlseins, die jedoch amdrittenTagezurllckgingen. Er halte die Pflanze, von der das Pulver stamme, für eine Stro- phantusart, die von den Eingeborenen möglicherweise benutzt iverde, um Magen- und Darmstörungen, vielleicht auch'Herzaffektionen zu heilen. Eine Quantität dieses Pulvers wurde auf eme glühende Metallplatte ge- schüttet, jedoch hatten die Dämpfe keinerlei Wirkung. �ie Wurzel wurde an eine Ziege verfüttert, ohne daß gleich- falls dauernde Nachteile für das Tier entstanden wären. �oemo verhielt es sich mit dem �nhalt des Buchschens. einer salbenartigen Masse. Auch diese ffalbe halte er für em Eingeborenenmedikament. Das Stuck Pfeil- spitze enthielt kein Gift, wie aus einem Tierversuch her- vorging, e b e n s o w e n i g sei P f e l l g: f t an den k I e r n e n Pfeilchen festgestellt worden!-» an-c-- Ferner wurde durch Befragen eines Missionars Meyer festgestellt daß eine sogenannte„Omugaigai- Medizin", deren sich die Eingeborenen angeblich bei ihren Vergiftungen bedient haben könnten, bei den Emge- borenen als Heilpflanze ungemein geschätzt und gegen Erkältungen, Magenverstimmungen usw. angewendet werde. Das war das ganze Ergebnis der Untersuchung des von Krämer vorgelegten Verqistunasmaterials! Es bot nicht den geringsten Anhalt dafür, daß es sich bei der ganzen Ver- giftungsafsäre um etwas anderes gehandelt hatte, als um töricht« Einbildungen des Angeklagten. Wie dagegen sahen die Mißhandlungen aus, die Kramer «» den Eingeborenen verübt hat. Dr. med. Holländer, VI VII V III III MI«%}>■«♦ praktischer Arzt in Gobabis, gab nach dem Berichte von„Süd- west" folgende Darstellung: „I u l y, der einzige Mann unter den Verletzten, habe große Hautdefekte gehabt, die Sachverständiger näher schildert; in Lebensgefahr sei er nicht gewesen. Marias Wunden gingen über den ganzen Rücken. Die brandige Haut, die zuerst noch vorhanden nwr, ging nachher ab! Deshalb haben jjte Verletzungen nach Aussage des Sachverständigen dem Auge zuerst nicht in vollem Umfange bloß- gelegen. Die Ueberhäutung ging nicht glatt vor sich, weil auch nach Anbringung zweier Spannungsschnitte sich die Haut nicht ziehen ließ, das Unterhautzellgewede sei durch die starken Scham- hockhiebe zerstört gewesen. Das Leben der Maria sek wohl bedroht gewesen, sie habe lange krank gelegen. Kanduros Verletzungen seien nicht so erheblich gewesen. Die Möglichkeit des Zusammenhangs zwischen der Mißhandlung und der Fehlgeburt sei wahrscheinlich. Wenn sie getreten worden sei, wäre der Konnex sicher. Auch wenn große Gewalt ange- wendet werde, könne es noch recht lange dauern, bis als Erfolg eine Fehlgeburt eintrete. Amalie habe ebenfalls handtellergroße Hautdefrkte gehabt: ihr Leben fei nicht besonders(!) gefährdet gewesen. Magdalena, die an sich schwächlich erscheine, habe nicht so starke Verletzungen aufgewiesen, sie sei aber immerhin ordentlich ausgepeitscht worden. Die Verletzungen hätten sich über Rücken, Brust und Schultern erstreckt. Die verstorbene Auma habe am schlimmsten ausgesehen. Sie hätte nur durch direkte Hautüber- Pflanzung auf operativem Wege behandelt werden können. Sie . starb an der Ruhr, an der, wie der Sachverständige sagt, ja auch ganz gesunde Leute sterben können. Ein Zusammenhang zwischen dem Tod und der Züchtigung ist nicht nachzuweisen. Alwine sei auch nicht so schlimm mißhandelt worden, immerhin aber über eine„väterliche Züchtigung" hinausgehend, Sie war nicht weiter in Behandlung. Maria, Jakobs Frau, wird dauernd in ihrer Arbeitsfähigkeit geschädigt bleiben." Also in Ausübung des in Südwestafrika den Einge- borenen gegenüber allgemein üblichen„väterlichen Züchti- gungsrechtes", respektive auf bloßen Verdacht hin, wurden z a h lr e i ch e Eingeborene von Kramer mit dem Schambock, der Nilpfrrdpritsche derartig mißhandelt, daß ihr Leben zum Teil schwer bedroht war, daß bei einer der Mißhandelten eine Fehlgeburt eintrat, daß eine andere, deren Wunden npr durch direkte Hauküberpflanzung auf operativem Wege hätten geheilt werden können, starb(freilich an der Ruhr), daß eine lange krank lag und wieder ein andere dauernd in ihrer Arbeitsfähigkeit geschädigt sein wird! Und für diese grenzenlosen Barbareien bekam der An- geklagte nur ein Jahr und neun Monate Ge- sä ngn i>s!o>-Ja,...wenn..dio erneuten,.Untersuchungen.auch! nur die l e i s e st e M ö g l.i ch k e i t ergeben sollten,"daß wirklich einmal, wenn auch nicht im Fall Krametz, Vergiftungsversuche durch Eingeborene vorgekommen sein sollten, wird Kramer vielleicht gar der Tatbestand der Not- wehr zugute gehalten und er am Ende gar frei- gesprochen! Sehr charakteristisch für die Art. wie mit den Eingeborenen in Südwest umgesprungen wird, sind auch die Aeußerungen des Staatsanwalts. Bezirksamt- mannsTodt. Er wies darauf hin, daß erst vor drei Wochen ein ähnlicher Fall von Eingeborenenmißhandlungen vorgelegen habe, bei dem er gegen den Angeklagten Zuchthaus habe beantragen müssen, welche Antrag leider abgelehnt worden sei. Dann sagte er nach„Südwest" weiter: „Um es der Oeffentlichkeit zu ersparen, ihn als negrophilen (negerfreundlichen) Staatsanwalt hinzustellen, wolle er gleich er- klären, daß er weit davon entfernt sei, aus nur ethischen oder moralischen Gründen gute Be- Handlung der Eingeboremen und ein hohes Strafmatz für Eingeborenenmißhandlungen zu fordern." Weiter führte der Staatsanwalt aus. mit dem väterlichen Züchtigungsrecht, mit dem der Angeklagte sich herauszureden suchte, werde überhaupt viel Unfug ge- trieben. Daß man die Eingeborenen ohrfeige(er- Wachsens Männer und Frauen!) könne als Ausübung des Züchtigungsrechts gelten, mehr aber nicht. Es ist ein geradezu schauderhaftes Bild kolonialer Unkultur, das uns auch dieser Prozeß aus Südwest wieder entrollt. Bekanntlich hat man die Ein- geborenen nach ihrer Niederwerfung versklavt und den Farmern als Zwangsarbeiter ausgeliefert. Sie dürfen nur ganz weniges Kleinvieh halten, sich niemals selbständig machen und nur mit obrigkeitlicher Erlaubnis ihren Herrn wechseln. Diese Herrren aber habeti das Recht der väterlichen Züchtigung! Und wie sie es ausüben, beweist ja dieser Prozeß und jener qndere, auf den der Staatsanwalt anspielte. Geht den Farmern durch Schlangenbiß oder eine Krankheit Vieh ein, so werden die Eingeborenen dafür verantwortlich gemacht und mit der Nilpferdpeitsche bearbeitet. Sogar ihr eigenes Vieh wird, wie das im Prozeß Kramer festgestellt �urde, von einem Polizeisergcanten einfach ihrem Herrn als angeblicher„Ersatz" zugewiesen. Es herrscht also mit einem �.ort die schändlichste Sklaverei, die sich denken läßt. Ein Zustand, wie er vor der Negerbefreiung in Amerika kaum je so schlimm bestanden haben kann. �üdwestafrika wird gerade jetzt wieder von den Interessentenkreisen eine wilde Hetze gegen die Absicht der Regierung getrieben, die Schutztruppe ein wenig zu ver- Mindern. Jeder klare Raubansall von der Grenze her und jedes Glftmordämmenmärchen wird dazu benutzt, die drohende Gefahr eines Aufstandes der doch völlig zerstreuten und gänzlich waffenlosen Eingeborenen a tr d i e W a n d zu malen! Als ob nicht gerade die schändliche Versklavung und die rohen Mißhandlungen der Eingeborenen einzelne Verzweiflungs- und Racheakte der gettetenen Volks- stamme hervorrufen müßten! So aber sieht die„Kultur" auS. mit der die weißen Ausbeuter durch ihre Kolonialpolitik die„Wilden" beglückey! Köchlier-SSdel-Histifmana. In Nr. 177 vom 1. August 1912 hatten wir unter der Heber- schrift„Recht" eine Entscheidung des Reichsversicherungsamtes ibe- sprachen, die wieder einmal in krassester Weise gezeigt hatte, wie sehr die Rechtsprechung des Reichsversicherungsamtes vom Geiste der Rentenquetscherei getragen wird. In der neuesten Nummer der.„Monatsblätter für Arbeiterversicherung", herausgegeben von Mitgliedern des Reichsversicherungsamtes, wird, gewissermaßen amtlich, zu-unseren damaligen Ausführungen Stellung genommen. Das geschieht in dem leitenden Artikel:„Zur Frage der freien Beweiswürdigung." Wir hatten dem Reichsversicherungsamt vorgeworfen, daß es— mit auf Grund des eigenen Augenscheins— in ver Beurteilung des Einflusses eines Nervenleidens auf die Erwerbsfähigkeit von einem auf dreiwöchentlicher Untersuchung in der Charit« beruhen- den Gutachten des Geh. Med.-Rats Prof. Dr. Ziehen in nicht zu verantwortender Weise abgewichen war. Die Charitö hatte die Erwerbsbeschränkung auf 69 Proz., das Reichsversicherüngsaml auf 39 Proz. geschätzt. Wir hatten gesagt, daß die Schätzung der durch Unfallsfolgen bewirkten Erwerbsbeschränkung ja sicher die Auf- gäbe der rechdsprechenden Instanzen sei. Alles aber habe seine Grenzen. Die Einwirkung innerer und nervöser Leiden auf die Erwerbsfähigkeit sei so schwierig zu beurteilen, daß man hier dem Arzt ein entscheidendes Wort einräumen müsse. ES sei geradezu eine Anmaßung, wenn ein medizinischer Laie sich das Recht heraus- nehme, einer Autorität von Weltruf gegenüber den Inhalt eines ärztlichen Gutachtens besser würdigen zu können, wie diese.— Das Reichsversicherungsamt betont in dem erwähnten Artikel, daß wie überall in der Rechtsprechung, so auch auf dem Gebiete der Arbeiterversicherung als Grundsatz gelte, daß über die erhobenen Ansprüche nach freier richterlicher Ueberzeugung zu entscheiden sei und daß die Würdigung der Beweise nach keiner Richtung einer Einschränkung unterliege. Frei sei die Würdigung, weil der Richter an keine Regel des geschriebenen Rechtes gebunden seL Nur das Gesetz binde ihn, daS in ihm lebe, sein Gewissen. Das Reichs- Versicherungsamt habe schon in seinem. Rundschreiben vom 31. Dezember 1991 die Gesichtspunkte entwickelt, die für die Be- deutung und Verwertung der ärztlichen Gutachten maßgebend sein müßten. Danach finde die Aufgabe der ärztlichen Begutachtung im allgemeinen in der Feststellung der die Lebenserscheinungen be- rührenden Folgen des Unfalls ihre Begrenzung. Die sonstigen ärztlichen Aeußerungen böten zwar wertvolle, bei innerer Krank- heit sogar oft unentbehrliche aber keineswegs bindende Unter- lagen für die Urteilsfindung. Sonst würde dir Rechtsprechung auf eine mechanische Wiederholung der ärztlichen Gutachten herab- gedrückt. Immer und immer wieder haben die Vertreter der Arbeiter im Reichstage, die sozialdemokratischen Abgeordneten, dagegen ge- kämpft, daß die Feststellung des Grades der Erwerbsbeschränkung dem Arzte überlassen bleibe. Nur ihrer Kritik an der geübten Gepflogenheit-ist es zu danken� wenn schließlich die Regierung ver- sprachen hatte, dahin zu wirken, daß der-Arzt sich beschränke auf das, was er als Fachmann zu. übersehen.imstande ,sei. Und nach einer Erinnerung an dieses Versprechen durch den GeypsseN'.Huch hat. der daWalige�StaatSst�tär des Jnnorn.-. Graf Posadowsky, jiM-AeichMs am 14. Mäpz 1901 mitgeteilt, daß er im Sinne des Mrsprecheus- kzr-.Regierung- am. ,29.- Januar 1991 an da». ReiM- versichevungsamt geschrieben habe. Dieses hat dann schließlich im Dezember desselben Jahres das erwähnte Rundschreiben an die Berufsgenossenschaften erlassen. ES ist also indirekt nur der So- zialdemokratie zu danken. Wir haben zwar im Laufe der Jahre immer.und immer wieder die Erfahrung machen müssen, daß dem ReichSversicherungSamt an- scheinend die Grundsätze seines Rundschreibens ganz aus der Er- innerung gekommen sind und daß eS bei den allereinfachstcn Fingerverletzungen den ärztlichen Gutachten eine Bedeutung bei- mißt, die oft geradezu haarsträubend ist. Das haben wir aber nicht geglaubt, daß in einem Falle, wo ausnahmsweise wirklich einmal der Arzt der kompetente Beurteiler der Erwerbssähigkeit ist, sich das Amt seines Rundschreibens in der geschehenen Art er- inner« werde. Das sucht der Artikel in den„Monatsblättern" nun zu rechtfertigen. Bei den im Gutachten geschilderten, krank- haften Erscheinungen,„die nicht schwerer Natur waren", bei„einer nur leicht erhöhten Erregbarkeit der Hautgefätznerven, einer Druck- empfindlichkeit einiger NervenaustrittSstellen im Gesicht und einer Unregelmäßigkeit der Pulsfrequenz" habe es sich nur um ein Nervenleiden geringeren GradeS gehandelt. Dabei hat es im Gut- achten ganz übersehen, daß„der Schlaf des Kranken während der Zeit seines Aufenthaltes in der Klinik fast immer schlecht war, wie auch objektiv durch die Nachtwache beobachtet wurde", daß— was daS Gutachten nis bemerkenswert hervorhebt— der Patient dabei am Tage niemals schlafend angetroffen wurde. Das ist doch ein Punkt, der bei'einem Nervenleiden ganz besonders ins Gewicht fällt. Das wird mit keinem Worte auch nur erwähnt. Und die beim Kläger vorhandene Pulsschwankung wird in einer Weise er- wähnt, daß man meinen möchte, sie sei ganz unerheblicher Natur. Dabei zeigte der Puls Schwankungen von 96 bis zu 124 Schlägen in der Minute. Das wird nicht erwähnt und nicht erwähnt wird auch, daß das Reichsversicherungsamt der Charite die Frage selbst vorgelegt hatte,„in welchem Grade � in Prozenten völliger Er- werbsunfähigkeit ausgedrückt— die etwa vorhandenen Unfalls- folgen die Erwerbssähigkeit des Klägers beeinträchtigen und seit dem Abschluß, des Heilverfahrens wahrscheinlich beeinträchtigt haben". Das ReichsversicherlmgSamt hätte Mger gedcm,. sich zu unserem Arttkel nicht ccu-Szul-assen. Besser, wie es in den beiden Schttiß- säßen seines Artikels geschehen, hätte nämlich die Berechtigung unserer Kritik nicht dargetan wenden können� Die beiden Schluß- sätze lauten:„Im übrigen war festgestellt, daß der Verletzte vor dem Unfall vielfach krank gewesen war, auch schon an Nerven- endzündung gelitten hatte, und. daß er nach dem Unfall noch Jahr und Tag feiner Arbeit nachgegangen war. Die schließliche Arbeits- Einstellung konnte nach alledem nicht durch Arbeitsunfähigkeit in- folge des Unfalls erklart werden; dieser hotte vielmehr nach der Ueberzeugung des Rekursgerichts die Arbeits» und Erwerb Suusti h ig- kett nur in geringem Grade beeinflußt." Im Urteil stehen diese Sätze nicht. Dom Inhalt nvch bann sie I.nut J3.51 Urteilsverfasser geschrieben haben. Der aber kennt auch den Akteninhalt. Wie er aber bei dieser Kenntnis solche Sätze niederschreiben'kann, ist unverständlich, Sje lassen auch nur die geringste Objektivität vermissen, bei einem Richter-das clemeniarste Erfordernis. Man muß nach dem ersten Satze meinen, daß der Verletzte vor dem Unfall in erheblichster. Weise krank gewesen ist. Dabei steht aktenmäßig fest, daß die letzte Krankhw des Verletzten 19 91 gewesem ist. Damals hat er sechs Wochen„an Nerven- entzündung" an JSKial— gelitwi.©eitle» ist er nick)! wieder krank gewesen irrcd nn Jahre vor dem Unfälle fAugust 1908 bis dahin 1909) hat er, der anscheinend so kranke Maim, durchschnittlich täglich 8,91 M. verdient. Für die Renten- berechmmg ist ein Jahresarbeitsverdienst von 2717,35 M. berechnet. Zwar„hat das Rekursgericht seiner Entscheidung das eingehend begründete Obergutachten des Professors Dr. Ziehen und des Dr. Borchardt, das in wesentlichen Punkten durch die Gutachten und Zeugnisse des Dr. Emgel, Dr. Lipschütz, Professors Dr. Jakob- söhn und des Dr. Cassierer unterstützt wird, zugrundegelegt"— aber in einem für den Verletzten so wichtigen Punkte, in der Be- urteilung des Könnens, da war das Obevgutachten nicht zutreffend. Der Unfall hat„die Arbeits- und EvwerbSfähigkeit"— es wird also die Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zugegeben—„nur in geringerem Grade beeinflusst". Eine solche Objektivität verdient es, besonders hervorgehoben zu werden. Die Rechtsprechung, wie sie uns geradezu typisch in diesem Falle entgegentritt, verdient das Lob, das ihr die Berufsgenossen- schaften spenden. Und wir verstehen es auch völlig, wenn in dem Geschäftsbericht, den der Vorsitzende des Verbandes der Deuffchen Berufsgrnossenfchaften auf dem diesjährigen Berufsgenossenschafts- tage zu Hamburg am 20. September erstattete, folgendes gesagt * werden konnte: „Der Verband hat allen Anlaß, die�Erinnerung an die beiden dahingegangenen Präsidenten Bödiker und Göbel in dankbarer Verehrung zu pflegen, Aber, meine Herren, nicht weil der Lebende recht hat, sondern weil es eine Tatsache ist, die niemand von uns bestreiten wird, darf ich es aussprechen, daß die Beziehungen zwischen dem R.V.A. und dem Verband« der Deutschen Berufs- genossenschaften zu keiner Zeit so enge und, ich kann auch wohl sagen, so fruchtbare gewesen sind, wie seitdem der gegenwärtige Präsident Dr. Kaufmann im Amte ist." Ja, unter Bödiker und Göbel, da waren solche Urteile, solche Wcißwaschungsversuche nicht möglich. Die Namen bezeichnen einen Weg. Nur keinen nach oben.— Bödiker— Göbel— Kaufmann. Hu s aller Melt. Eine neue Apachennntat. Ein Raubüberfall, der in seinen Einzelheiten an die Untaten der Banditen Bonnot und Garnier erinnert, ist gestern abend in dem Vororte B e z o n s in der Nähe von Argenteuil verübt worden. In dein Postbureau von Bezons, das von einer Frau C a r t i e r geleitet wird, und der zwei junge Mädchen zur Unterstützung bei- gegeben find, erschienen plötzlich drei maskierte Männer und gaben mehrere Schüsse auf Frau Cartier ab. Diese war gerade im Begriff, die Tageskasse abzuschließen, als die Räuber eindrangen. Frau Cartier und die beiden jungen Mädchen flohen sofort aus dem Postamte, während die Räuber die Kaffe, in der sich 400 Frank befanden, ergriffen. Durch die Revolverschüsse alarmiert, eilte nunmehr der Gatte der Frau Cartier herbei und versuchte, die Räuber aufzuhalten und ihnen die Beute zu entreißen. Einer der Räuber gab jedoch sofort mehrere S ch ü s s e auf ihn ab, von denen einer die Schlagader Cartiers durchschlug, während die beiden anderen in den Ober- schenke! eindrangen. Cartier fiel sofort um und starb wenige Stunden darauf. Die Räuber stiegen in ein bereitstehendes Automobil und fuhren davon, ohne daß es den herbeieilenden Dorfbewohnern gelungen wäre, sie aufzuhalten. Aufklärung des Leipziger Leichenfundes. Wie wir gestern meldeten, würden in Leipzig und in einem Walde bei Leipzig Teile eines unbekleideten zer- stückelten Frauenleichnams gefunden. Wie die Polizei inzwischen feststellte, handelt es sich bei dem grausigen Funde um die 23jährige Ehefrau des Maurers Rothe aus Leipzig. Rothe hat seine Frau, die Kellnerin war, in seiner Wohnung— wahrschein- lich in emem Anfall von Eifersucht— durch Dolch st iche in den HalS getötet und die Leiche dann zerstückelt. Den Rumpf der Getöteten hatte er in einem Korb in den Wald getragen, wobei er die Gliedmaßen in einem Paket mitnahm, das er dann im Eisenbahn- abteil liegen ließ. Der Mörder wurde verhastet. Großfeuer bei Eberswalde. Ein schweres Brandunglück hat sich am Donnerstagabend in dem Dorfe Freudenberg bei Eberswalde zugetragen. In dem verschlossenen Stall des Gastwirts Grumbach brach Feuer aus, da? erst wahrgenommen wurde, als die Flammen schon lichterloh emporschlugen. Mit dem Stall verbrannte der Knecht des Gast- Wirts Grumbach, sowie sieben Kühe, sechs Schweine, vierundzwanzig Gänse und viele Hühner. Wie das Feuer entstanden ist, konnte noch nicht festgestellt werden. Es scheint, daß es der Knecht in dem verschlossenen Stalle durch unvorsichtiges Umgehen mit offenem Licht herbeigeführt und daß er so seinen Tod selbst verschuldet hat. Neben dieser Annahme wird allerdings auch beabsichtigte Brandstiftung angenommen. I- Heiteres aus Südwest. Im Amtsblatt für Deutsch-Südwestafrika vom 1. Ostober d. findet sich wörtlich folgende amtliche Bekanntmachung: „Die Räude unter den Schafen der 2. Kompagnie in Ukamas ist erloschen. Die über das Weidegebiet ge- nannter Kompagnie unter dem 3. August 1912 verhängte Sperre wird hiermit aufgehoben." Natürlich handelt es sich nicht um die Mannschaften, sondern um die jeder Kompagnie zugeteilten Nutztiere. Nervenkitzel. Einen verhängnisvollen Ausgang nahm ein Amateur-Stier- kämpf, den am Freitag mehrere Mitglieder der spanischen H o ch a r i st o k r a t i e in La Corodella bei Sevilla veranstaltet hatten. Zu den Teilnehmern gehörten u. a. auch der G r a f B o s a, Mitglied der Cortes und ein intimer Freund des Königs, sowie der Sohn des früheren Ministerpräsidenten M a u r a. Mehrere Kämpfe waren schon ohne Zwischenfall zu Ende gegangen, als plötzlich einer der Stiere sich auf den Grafen Bosa stürzte und ihm eine schwere Verletzung an der Brust beibrachte. Jetzt eilte der junge Maura zu Hilfe, und es gelang ihm auch, das wütende Tier zu töten, wobei er ebenfalls verletzt wurde. Die Verletzungen des Grafen Bosa sind so schwer, daß er hoff- n u n g s l o s daniderliegt._ Sancta simplicitas. Die katholische Zeitschrift„Maria Hilf, Monatsschrift für alle Verehrer der Mutter Gottes von der immerwährenden Hilfe", wirbt folgermaßen um neue Abonnenten: „Wer diese Zeitschrift hält, kann: 1. in derselben unentgeltlich seine Anliegen zur besonderen Gebetsempfehlung veröffentlichen lassen; 2. jedes Jahr werden für sie 72 h e i li g e M es se n zu Ehren der Mutter von der immerwährenden Hilfe gelesen; 3. hat den besonderen Segen des heiligen Vaters." Statt der Zölle auf Brot und Fleisch müßte im Deutschen Reich die Dummheit versteuert werden. Eine gewaltige Summe würde zu Haus kommen, so daß wir bald aller Finanzsorgen ledig wären. Kleine Notizen. Lebendig verbrannt. In K r o s s e n i. d. Mark stürzte die in den 60 er Jahren stehende Ehefrau des Böttchermeisters Schmidt, die an epileptischen Krämpfen litt, während eines Anfalles a u s einen brennenden Spirituskocher. Als man die alte Frau aufsuchte, war sie durch Brandwunden so furchtbar zu- gerichtet, daß sie bald darauf starb. Schülersclbstmord. In Weimar hat sich der 18 jährige Schüler B u r k h a r d t, der wegen Teilnahme an einer Schüler- Verbindung vom Gymnasium entfernt wurde, eine Revolver- kugelinsHerzgejagt. Die Cholera in Konstantinopel. Das Chaos, das in der türki- scheu Hauptstadt durch den unglücklichen Ballankrieg zurzeit herrscht, wird noch vermehrt durch das Wiederauftrete u der Cholera. Trotz der in den letzten Tagen getroffenen hygienischen Maßnahmen wird der Ausbruch von Epidemien befürchtet. Mehrere Cholerasälle sind bereits konstatiert worden. Die Passagiere de-Z„Royal George" gerettet. Wie ein Tele- gramm aus Quebec meldet, sind die sämtlichen 901 P a s s a- giere des Dampfers„Royal George", der am Mittwoch an der kanadischen Küste auf einen Felsen auflief, gerettet worden. Die Bergungsarbeiten wurden durch Sturmwetter sehr erschwert und teilweise unterbrochen. Vom Eisenbahnzug getötet. Bei der Station Zyradow in Oberschlesien wurden mehrere Bahnbcamie von einem Personen- zuge erfaßt und furchtbar zerstückelt. Der Tod trat auf der Stelle ein. Heil!e8Cjrioß Hohenbinüe „Zum Gutenberg". Station Erkner. Amt Erkner 293. Schlachte- Test Fr. Blut- u.Leberwurst Wellfleisch wozu alle Herrenpartien. Freunde und Bekannte einlade. Für Muttern den weltberühmten Käsekuchen. * A. liehmann. Tel.' Pelzwaren Fa b r i k und Lager von Stolas, Krawatte n, Muffen, Pelz- sacken, Pelzen, Kindergarnitoren USW. Nur reelleWare.von der einfachsten bis zur elegantesten.— Tausonde Sachen auf Lager. Auch Einzelverkauf zu billigen Preisen. Sonntags geöffnet. F. Kaiman, Kürschnermstr. 15, 1. Et., I.b.d. Beuthstr Zentrum 3917. Gegr. 1894. + Magerkeit 4 schwindet durch Haufe's Nährpulver„Thilossia". Preisgekrönt Berlin 1904. In 6 Wochen 24 Pfund ärztl. kontrollierte Zunahme. Gar. uflschädl. Viele Anerk. Karton 2 M., bei Postversand Porto und Nachnahraespesen extra. H. Haufe, Berlin- Waidmannslust 801. 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Ausstellung der Kandidaten zur Delegiertenwahl. 3. Verschiedenes. Vollzähliges Erscheinen erwartet Der Vorstand. Gruppe der Stak er. Sonntag, den 10. November ISIS, vormittags 10 Uhr, bei Jannascht, Jnselftraste 10: Mitgliederversammlung. DaS Erscheinen aller Mitglieder ist unbedingt notwendig. 147/S» Die Grnppenleitnng. Dkiitscher Transportarbkitcr- Derbud. Sektion I.— Handelsarbeiter. Haiisiüener, Paeker, Railfaiirer, Portiers, Sehaffiier, FahrstuIilRilirer, Eiokassierer, Kassenboten usw. aller BranebeD der Sektion I. Montag, 11. November, abds. 8 � Uhr, in Miltes Festsälen, Sebastianstr. 39: Mi öffentliche Versammlung. Die Atdtuwig der Gtlvtrhrgkiilfjtsmaiifen. Diskussion. �nx-lVerner. Kollegen I Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist eS Pflicht eines jeden einzelnen, rege silr den Besuch der Versammlung zu sorgen. KS/11 Die ScktionSleituug. I. A.: Fritz Wappier. ZjmvMlllyssttflt Krriill. K 54, Limenstr. 83—85. Verwaltung: Kassierer: Arbeitsnachweis: Telephon: Amt Norden ISS?. Amt Norden 18S. Amt Norden 1239, 9714. Montag, den 11. November 1912: Keziiitt- Versammlungen für die gesamte Verwaltungsstelle Berlin , in folgenden Lokalen: Norden! Phamssnie, Müllers, r. IIS. abends 8',, Uhr. �iH'deN' Obielos Festsäle, Schwrdter Strahe SS. abends N Orden! Bnllsolmiieäers Festsäle, Badftr. 10. abends 8'/, Uhr kr«,«»!» Wohlfurts Festsäle, Reiuickeudorf. Eichbornstr. 18, 1 cycl. abends 0 Uhr. Boablter Gcsellscbattshaas, MOaUll. abends 8'/, Uhr. Wietefftr. 24. Westen und Scliöneberg: Hauptftr. 30/31. abends 8'/, Uhr. OSfeD* Comenlnssäle, Memcler Str. 67, abends 8>/, Uhr. llclilenderg: 7,■ Stralau und Rummelsburg: SlltÄWÄ!"' WeidenSee:„Pralntc", ae.bertt.. laa, o6enW.V, Uhr. SQdenbezirke: SÄSifu0.!0"""-*",w"®"m" „ SHd-Ost, Waldcmarftr. 75, abends 8'/, Uhr. NeilkÖl!D*' Festsäle, Bergstr. 1SI/1SS. abends cnsrlollenbury: VelksNans. Roffnenstr. 3. abends 8-/. Uhr. �taaliti*« Schellbases Festsäle, Rhornstraste 15. dlcyillZ. abends 81/, Ubr. Köpenick n. Frledrlehshagen: Strohe 1, abends 81/, Ubr. Ober-Schäneweide: fsarÄ 81/, Uhr. CnonHan* Peaells Bestanrant, PichelSdorfer Straße 5. SpNlt UaU. abends 8-/, Uhr. Tagesordnung in allen Versammlungen: i. Vortrag Ober die bevorstehenden Gewerbegerichtswahlen, Referenten find: Behrend. Brückner. Hartmann. Heuschel. Hehschotd, Horn. Körfte«, Languitschre. Liebcuow, Link. Oehlert, Pawlowitsch. Ritter, Schneider, Siertng, Wegner. Wuschick, Zernicke. 2. Stellungnahme zur Generalversammlung. 180/17 Cjqy Ohne Xlitgliedsbach kein Zntritt."90 Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortvver Haltung. Sieker tt. Konditoren Serlins u. Umgegend. Für unsere Menschenrechte l Für unseren Ruhetag I 2 gnokv Sf f eniB. Versammlungen für die Bäcker und Nachiarbeiter; Dienstag, den 12. November, nachm. Uhr im Marinehaus, Brandenburger User 1, Ecke Köllnischer Park. Tagesordnung: Gegen die regelmästige Nachtarbeit, gegen die regelmäßige Sonntagsarbeit, sür uusere» Ruhetag l Reserent Kollege Hetmliold. — Beschlutzsassung über eine an den Reichstag zu sendende Petition. Zu dieser Versammlung sind die Rcichstagsabgeordneten aller Parteien, soweit sie in Berlin ansässig sind, Ichristlich eingeladen, cbcnsalls auch der Vorstand des Zweckverbandcs der Bäckerinnungen von Groh-Berliu. Die Gegner unserer NuheiagSbestrebungcn, ebenso die Gegner der Nacht- und Sonntagsarbeit werden hierdurch ersucht, der Versammlung beizuwohnen. Kollegen von BerlinI Roch einmal soll versucht werden, von der Gesetz- gebung eine Regelung unseres Ruhetages zu erlangen. Bon dem Besuch dieser Versammlung wird das Schicksal unserer Petition abhängen. Wer deshalb dieser Versammlung fernbleibt, ist ein Feind unseres Ruhetages, ein Gegner der Arbeitersache._ Für die Konditoren: Donnerstag, den 14. November 1912, abends 8 Uhr in den Arminballen, Kommandantenstratze 58/29: Tagesordnung: Gegen die regeliiiästige Nachtarbeit, gegen die regelmäßige SonneagSarbeit, für unsere» Ruhetag! Reserent Genosse SehShel. Zu dieser Versammlung sind alle Konditoren Berlins und Umgegend eingeladen. Ganz besonders aber ersuchen wir die Mitglieder anderer Vereine, der Halleschen, der Fiinsundsiebziger und des GewerkvereinS der Konditoren in dieser Versammlung zu erscheinen. Mit Brudergrutz Bio Vertranensmänner. Dienstag, den 13. November 1913, -------------- abends 8 Uhr----------- Sr. Verramtnlung der bei der Großc» Strimer Archtiidch» btschitstiglku Kdiidilierker und JUbcitct in den„Sophien-Sälen", Sophienstr. 18/19. Tagesordnung: Die Lohn- und Ardtttsverhältmsse der Handwerker und Ardeiter bei der Großen Kerliner Straßenbahn. Referent: Kollege Ii. IVilek«. Kollegen! Zum lö. November sind von der Direktion VerHand- lungen angesetzt, um mit dem Fahrpersonal zu verhandeln. Um aber die Direktion über die Wünsche und Forderungen der Handwerker und Arbeiter zu unterrichten, ist es nötig, dafi wir in dieser Versammlung Stellung dazu nehmen. Wir erwarten daher zahlreichen Besuch. Mit lollegialem Gruß Bentscher Betailarbelter- Verband. 132/10 Beutscher Transportarbeiter-Verband. 11- Verwaltung Berlin. Dienstag, den 12. November, abends 8 Uhr, ---- im Gewerkschaftshause, Engelufer. IS, Saal 4:----- To gesordnung: 1. Bericht der Ortsberwallung. 2. Kassenbericht. 3. Verbandsangelegen- heilen._ Sonntag, den 17. November 1912. abends 0'/, Uhr, findet in der „Neuen Welt", Hascnhcide 108—114, eine Tkaalsr-Varslvllung statt. Zur Aufführung gelangt„Fulalsehe Wirtschaft*'. Da wir jetzt den großen Saal zur Verfügung haben, sind noch Einlrittskmten a 59 Ps. im Bureau sowie auf sämtlichen Zahlstellen und im Zigarrengeschäst des Kollegen Schwemle, Schönleinstr. 34, zu haben. Ktuder haben keinen Zutritt. Sonntag, den 24. November, Taubenstr. 48/49: Urania-Vorstellung. Zur Vorführung F Istnffrrlturn Vortrag mit Lichtbildern.— gelangt: Attzo IDUlu lijulU. Der Physitsaal wird um 4 Uhr geöffnet. Die Vorstellung beginnt pünktlich 5 Uhr. Billetts inkl. Garderobe a 0b Ps. sind aus allen Zahlstellen sowie im Bureau zu haben. Klavierarbeiter. Sonntag, den 17. November I.91S, abends 8 Uhr: Fest Kommers t« Sljttn dn fltltjifrirn der filmiiftatlitiitnliotiftmii IM Gewerkschaftshause"(groster Saal), Engelufer IS. IS ausgeführt vom Berliner Sinfouie-Prchester (Dirigent: Herr Fischer). Kerl. UIK-Tno. Nachher: Grmntlithes Ktlsamiiienskiu. Billetts a 30 Ps. siud bei de» Wcrkstattvcrtraucnsleuten zu habe». Modell- und Fadrlktischler. Montag, den 11. November, abends pünktlich 8 Uhr, im Roseu- thaler Hof, Noscuthaler Str. 11/12: - Versammlung. Tagesordnung: 1. Unsere Arbeitsvermittelung. 2. Verbands- und Branchenangelegen» Helten. Da unter Punkt 2 wichtige Angelegenheilen zu erledigen sind, zahlreichen Besuch der Kollegen gebeten."VE so wird um - Mitgliedsbuch legitimiert. Einsetzer. Heute Sonntag, den 19. November finden die Bezirks- Nersammluuge« I.. Vest. ft 4.-«.. f4 4 4 iu den bckanuten Lokale» statt. Sämtliche Delegierte» müssen anwesend sei». 90/19 Die Ortsverwaltuug. Clemens Konlgstädtlsehes Casino Große Frankfurter Str. 7«. Fernsprecher: Königstadt 1280t. Empsehle den geehrten Vereinen ineiiien Saat m.gr Bübne, 300Pers. 7. Dezember, Silvester, 1. uiid 5. Januar noch frei. Verbanii der Sehneider, Sehneiderinnen und Vläsehearbeiter Seutsehlands. Filiale Berlin I Bureau: Sebastianstr. 37/38. Telephon Ami Moritzplatz 9731 Damenkonfektion! Montag. 11. November 1912, abends 81/. Uhr, finde« folgende Hv�iHftSvvK'saminlHmKvn statt. Für den 164/19 Norden, Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünder Str. 42, Südosten, Naunynstraße 67 bei Eichberg, Gesundbrunnen, Badstraße 44 bei F. Bähr. Tagesordnung: 1. Die neue gelbe Organisation der Koufektionsuähertnutn und ihre Bedeutung. 2. Disknifiou. 3. Verschiedenes. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet Bio Bonuulsslen. Musterkonfektion! Montag, den 11. November 1912, abends 7 Uhr: Versammlung bei tärnaze, Schönhauser Allee Nr. 150. Tagesordnung: 1. Bericht vou der Dameiischueiderkonfereuz. 2. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht__ Ble Kommission. Deutscher Arbeiter-Sängerbund.! Gau Berlin und Umgegend._* Sonntag, den 17. November, vormittags pünktlich 10 Uhr,• im Gewerkscbaftshanse(Saal 1): gp Ausschuß-Sitzung �• für den ganzen«an. G Tagesordnung: S 1. Aufnahme von Vereinen. 2. Bnndesangelegenheiten. m Ausgabe der Billetts zum Stiftungsfest. Der Vorstand. 9 General-Ktrsmnlfllllg der Orts-Krankenkaffe der Stellmacher;u Kerlin am Freitag, den 22. November, abends Hll, Uhr, im»Rosenthaler Hos-, Rosenlhaler Straße 11/l2. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 282/6 2. Antrag des Vorstandes aus Bei- tragserhöhung. 3. Neuwahl von drei Vorstands- Mitgliedern(ein Arbeitgeber, zwei Arbeitnehmer). 4. Wahl von drei Revisoren. S. Antrag aus Zulassung der Krantenkasse als besondere OrtS- franleiikaffe gemäß Ariitel 17 des Einsübrungsgesetzes zur Reichs- verficherungso i dnung. 6. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Er- scheinen ersucht Der Vorstaud. I. A.: M. Wiechert, Vorsitzender. Orts- Krankenkasse ... Sattler und verwandten Gewerbe zu Berlin. Dienstag, den 19. November 1912, abends 8'/, Uhr: Ordentliche General-Veisammlung der gewählten Vertreter der Kassen- Mitglieder und Arbeitgeber r�im«ewerkschaftshansc, * Saal I, Engcluser 15. Tagesordnung: 1. In gemeillschastllcher General-Ber> sammlung: a) Antrag des Vorstandes aus Aendcrung des H 12 des Sta> iuts. d) Beschlußfassung gemäß Artikel 17 und 18 des EinsnhruiigS- --gesetzeS zur Rcichsversichernngs- ordnnna aus weite, e Zulassung als besondere Orls-Kranlen- lasse. o) Wabl des Rechnungsausschnsses für 1913. d) Kassenangelcgenhelten. 2. Sn getrennter General-Versammlung; a) Für die Vertreter der Kassen- Mitglieder: 1. Ersadwahl sär 1 Mitglied zum Borslande sür 1913. 2. Ergänzungswahl von 4 Mit- gliedern zum Vorstande sllr 1913—1914. b) Für die Vertreter der Arbeit- gcber: Ergänzungswahl von 2 Mit- gliedern zum Vorstande für 1913-1914. Nur die mit Legitimation eventl. Mitgliedstarte versehenen Vertreter haben Zutritt. Die Versammlung wird pünltlich um>/,9 Uhr eröffnet. 38. Ansragen, zu deren Beant- Wartung die Einsicht der Kassenbücher notwendig ist, müssen drei Tage vor- her dem Vorstande schriftlich ein- gereicht werden. Um zahlreiches und pünktliches Er- scheinen ersucht 282/1 Bec Vorstand. H. MarSkc, stellv. Vorsitzender. R. Teichmann, Schiistsührer. �Zafe Meyer Dresdener Str. 128/129. Kaffee ton t 5, Bier, hell. u, bunt. t0Ps. ca. 50 Zeitungen; Billard Std. 60 Ps Zahlstelle der Freien Volksbühne. Orts Krankenkasse des Maurer- Gewerbes zu Berlin. Einladung zu der am Dienstag. de»19. No» vember 1912, abends 8 Uhr. i« Gewerkschaftshause, Engeluser 15, Saal 3, stattfindenden t Ordentlichen General- Versammlung der Vertreter der Kaffenmitglieder und Arbeitgeber» Tagesordnung- . 1. Bericht über die Tätigkeit des Borstandes. 2. Ergänzungswahl de? Vorstandes für die Jahre 1913/14 sür die auS- scheidenden Vorstandsmitglieder: a) von den Arbeitgebern: die Herren Schmidt und Freund; h) von den Kaffeiimitgltedern: die Herren Dachne, Lehmpsuhl, Hähnel und Grassau und sür Herrn Lehnig sür den Rest deS Jabres 191L/t3. 3. Wabl des RechnungSprüfungS- auSschuffes. 107 lb' 4. Verschiedene MUIeilungen. Berlin, den 9. November 1912. A Daehne, Vorsitzender. G. Lchmpfuhl, Schrislsührer. Ortskrankenkasse der Bnreanangestellten zu Berlin. Die Wühlen der Kkltgierttll für die Jahre 1913/14 und die an Stelle der ausgeschiedenen Delegierten vorzunehmenden Er- gällziingSwahte» für den Schluß des Jahres 1912 finden an den imchftcöenb bezeichneten Tagen und Orten statt: a) für Arbeitnehmer im Musikcrvereinshaus. hier, Kaiser« Wilhelm-Str. 18 m, am Montag, den 18. November 1912. ES sind zu wählen: von 7—7ll2 Uhr durch die Kassen- Mitglieder ans der Abteilung der Vcrsicheruiigsg-sellichasten in der Ergänzungswahl 82 Vertreter „„ Haupttvahl.. 258. von 7fi„— 8 Uhr durch die Kassen- Mitglieder aus der Abteilung der Bcrussgeiloffenschastcn in der Hauptwahl 39 Vertreter von 8— 8>/z Uhr durch die Kassen- Mitglieder der Krankenlassen in der Ergänzungswahl 1 Vertreter „„ Hauptwahl.. 43, von 8l/j— 9 Uhr durch die Kassen- Mitglieder ans der Abteilung der Anwälte, Notare und Geiichtsvoll» zieher in der Ergänzungswahl 59 Vertreter „„ Hauptmaht.. 293„ b) für Arbeitgeber im Kassentokal, hier, Dirtsenstr. 4 I, am Dienstag, den 1». November 1912, abends 8 Uhr. Es sind zu wählen: in der Hauptwahl 231 Vertreter. Wahlbeiechtigt und wählbar sind Kassenmitglieder bezw. Arbeilgeber, welche geschästSsähig und im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte find. Für Kassenmitglieder gilt die Mit- gliedstarte als Legitimation. 2N/11 Berlin, den 1. November 1912. Bei- Verstand. G. Bauer, Vorsitzender. 7"i. Plomben, beste AuS» LfHIflCi lührung. billigste Preise. klimiUf Gegr. 1889. Olga Jacobson, ufu. SpiUelmarkl ßelle-AIIlancestrasse Qrosse Fraokfurterstrasse Brnaoeostrasse Kottboser Damm MllSe Scrien-UJoche 195 Miviic wahrend unserer billigen Serien-Woche sind In fast allen Abteilungen enorm billige Waren ausgelegt, die skh Ihrer Preiswürdigkeit wegen schon Jetzt zur Deckung des Weihnachtsbedarfs eignen «MlnHeNeii ipr. I Kissenbezug Vorzriclmaiigen 45 I Kalender m» ISW mit 46 1.' 1 Ztubillissenbezug 45� l üandarbeltskasien n'D-«.'... 46- vellllölMII I H-I« ZNoIl«wI.»»I»n»' galt Qailttlt, Behwel*er Fabrltc*t....... 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Isamm I Feuerbaken.................. J 45 KO- Is&mmen Jpt Glos-Porzellon- Steintut 45 I Käseglocke I Honigdose BIM J 6 KompOttelfer Forzenan, dekoriert.. 45?'. I Kaffeekanne ForzeUan.m.aolddekor 46?* I Kuchenteller Wek�."...� 45?* 6 Kaffeetassen dekoriert........ j""JJ" 6 Näpfe dekoriert. J �53�?* I Butterglocke Sdakiriert...... 45?* I Waschserviee-Kanne dekoriert. 46?* 6 Hyazinthengläser Itt. oder 45?* i?* 10 Spüiseteller...55« Diverses I Frottierhandtuch........ 45 ip* 3 Batlsitaschentücherö�15� 45?* I Mädchen- od. Knabenschürze 45?* 2 gestrickte Jäckchen........... 45?* 2 Molton-Unterlagen------- 45?* 2 Klnderlätzchen.................... 45?* I Paar Hosenträger mr Herren.... 45?* I Plque-Serwiteurwei............. 45?* I Begatte oder Binder......... 45* 1 SpOrt-MÜtZe fdr Herren odcrKnabcn 45?* I ÄUtOmObll 22 cm kaf- z- Aufrieben 45?* DuuiliWllAuren 3 Meter Hemden-Barchent...... 95?* 3 Mtr.Loulslana-o. 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IP*. 12 Aluminium-Teelöffel I Brotkorb Ternlokett, mit ( I Hoiztablett..• �»................. I Brotkasten dritorint............... 1 Kleiderriegel mit Hnkon..._____ I Markttasche I Ascheimer laeuert.............. I Petroleumkanne»».«.»« 95?* I Wärmflasche ovai.................. 95* I Reibemaschine... 95?* 1 Milchkocher emailliert, mit Deckel... I Wassereimer emailliert, ca. SOom..,. i Wandschoner emailliert, dekoriert..... J Sand-Se!?e-Soda- GamlfUr emzUUert.. 95?* 95?* 95?* 95?* 95?* 95?* 95?* 95?* 95?* 95? I Schmortopf T,rl! oa, 24 oder 26 cm....... 6 Gläserteller Äa, mit vernickeltem Band. 95?* 95?* 96?* Kleiderstoffe Re",e*0"e" - ein-.arbl, KostümsteffeiS" Blusenstoffe �r0�115 durchweg Meter SS uurchweg Meter Reinseidene Blusen cfnffA einfarbig oder OiUf.c gemustert P.......... 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Nachthemd 1 95 I Klelderreformschürze 1.95 I Bockschürze 1.95 I Blusensehürze 1.95 Gllu-pnrzellnn-Slewilt I Suppenterrine?«Mlltet---- I Sauclere FwtaniH», ramnaa.. I Kompottschüssel I Salatschüssel>« JonDötle" ßttlintt Sonntßg, 10. November 1912. Wtwoch. den 13. üovetnber: Zablabend in Groß-Berlin. NM geschlossen die Liste L! Die Freie Vereinigung hatte zum Freitagabend alle wahlberechtigten Privatangestellten zu einer, letzten öffentlichen Versammlung nach dem„Deutschen Hof" eingeladen. Am Ende des Wahlkampfes, der von beiden Seiten mit aller Energie und Schärfe geführt wurde, sollte das Kampffeld noch einmal gemustert und vor der entscheidenden Schlacht noch ein ernster Appell an die Wähler gerichtet werden. Der Hauptausschutz mit seinen Draht- ziehern hatte nach jener unvergetzlichen Niederlage in den Ger- mckniasälen die Sprache verloren und erst am Freitag getraute man sich, die Anhänger schwarz-weitz-roter Couleur nach der Brauerei Friedrichshain zu beordern. Was jene Leute siSj in Versammlungen nicht zu sagen wagten, haben sie in Flugblättern der Oeffentlichkcit bekanntgegeben. Eine Unwahrheit nach der anderen wurde in die Welt gejagt, eine Verleumdung löste die andere ab. Aber trotzalledem mutzten sie gleich jenen betrübten Lohgerbern ein Fell nach dem anderen dahinschwimmen sehen. Bei den bisherigen Wahlen und im besonderen in den Berliner Vor- orten haben die im Hauptausschutz vereinigten Reaktionäre ganz empfindliche Niederlagen erlitten, die am Sonntag in Berlin voll- endet werden müssen. Der gute Besuch und die ausgezeichnete Stimmung der Versammlung der Freien Vereinigung am Freitag geben zu den besten Hoffnungen Veranlassung. Paul Lange vom Zentralverband der Handlungsgehilfen wies als erster Referent aus die beiden Richtungen und ihre An- Hänger im Wahlkampfe hin, wobei er besonders die unfaire Kampfesweise des antisemitischen Handlungsgehilfenverbandes unter die Lupe nahm. Weil das Gesetz so erbärmlich, so Mangel- hast sei, müsse alles darangesetzt werden, durch die Wahl von recht viel rückgratfesten VeRrauensmänncrn einen grohen Einfluh aus die Verwaltung zu gewinnen, um das Gesetz nach Möglichkeit besser auszugestalten. Redner bezeichnete es als Hohn und Spott, wie die Antisemiten— die Gegner jeder Gleichberechtigung der Frauen— jetzt die weiblichen Angestellten umgaukeln und für ihre reaktionären Pläne einzusaugen suchen. Unter stürmischem Beifall forderte er auf, gegen den Hauptausschutz und seine Anhängsel für die Liste„h" zu agitieren und zu stimmen. Für den Bund der technisch-industriellen Beamten sprach In- genieur Schweitzer. Aus den bisher stattgefundenen Wahlen zog Redner den Schlutz, datz es mit dem Vertrauen, auf das sich der Hauptausschutz so viel einbilde, nicht weit her sei. Die geringe Beteiligung an den Wahlen in einigen Orten habe aber auch bc- wiesen, datz sich die dem Hauptausschutz angeschlossenen Verbände überhaupt nicht um das Gesetz gekümmert hätten. Eine Irre- führung der öffentlichen Meinung sei es gewesen, denn jetzt stelle sich immer mehr heraus, datz nicht die Masse der Angestellten, sondern nur die Führer eine Sonderversicherung gewollt haben. Wenn man die Leute in Versammlungen in die Enge treibe, dann geständen sie oft selber ein, datz die Renten keine allzu hohen seien. In einer Versammlung habe ein Anhänger des Hauptaus- schusses gesagt, die Renten dürften nicht zu hoch bemessen werden, denn sonst würde der S p a r t r i e b des deutschen Volkes unter- graben. Redner gab eine Reihe von Erfahrungen, die er während des Wahlkampfes in verschiedenen Versammlungen gemacht hat, zum besten und beleuchtete in längeren Ausführungen die demagogische Kampfcswcise der Gegner. Der Hauptausschutz lasse sich selbst von den borniertesten und rückständigsten Scharfmachern Wahlhilfe leisten. Aber auch die Kandidaten, die der Hauptausschutz präsen- tiere, seien keine freien Männer, sondern Marionetten. Wer die Korruption nicht mitmachen wolle, müsse sich von jenen Verbänden abwenden, die auch gar nicht in der Lage wären, die Interessen der Angestellten zu vertreten. Am Sonntag müsse ihnen die Quittung für ihr verräterisches Verhalten ausgestellt werden. Alle mützten dafür sorgen, datz am Sonntag in Berlin das Banner der Freiheit entfaltet werde. In der Diskussion bezeichnete es August P a t t l o ch als eine Schande, wenn man den weiblichen Angestellten jetzt vor- rechne, wieviel Renten sie einmal erhalten könnten. Welche Gc- hälter diese Angestellten aber beziehen mühten, utn in den Genug so hoher Leistungen zu gelangen, werde verschwiegen. Am Sonntag gelte es für alle Angestellten, zu zeigen, wie sie über die Phrasen jener Herren denken. Die letzten Minuten mützten ausgenutzt werden, um alle Wahlberechtigten aufzuklären, damit sie nur die Liste des Fortschritts, die Liste„L" wählen. Herr Hausbcrg wandte sich mit warmen Worten besonders an die zahlreich erschienenen weiblichen Angestellten. Sie mühten ihre Mitschwestcrn aufklären, damit diese nicht die Liste ihrer ärgsten Feinde wählen würden, sondern die Liste der Freien Vcr- einigung, die die volle Gleichberechtigung der Frauen forderte. Zum Schlutz sprach Herr G a n z i c n, der besonders darauf hinwies, datz der Wahlkampf nicht der Mandate wegen geführt werde, sondern er werde geführt als ein Teil jenes großen Kampfes zur Befreiung der Persönlichkeit, zur Befreiung von dem Joche, unter dem die Angestellten seufzen. Die Ausführungen aller Ii ebner wurden mit lebhaftem Jnter- esse aufgenommen und von stürmischem Beifall begleitet. E i n st i m m i g wurde noch folgende Resolution angc- nommcn: „Der Verlaus des Wahilkampfes hat erneut den Beweis er- bracht, datz die im sogenannten Hauptausschutz zusammen- geschlossenen Verbände von durchaus rückschrittlichem Geist er- füllt sind. Die bisherigen Wahlergebnisse haben gezeigt, datz die Privatangestellten Grotz-Berlins nicht gewillt sind, die Vertretung ihrer Interessen den Kandidaten der Hauptausschutzverbände anzuvertrauen. Die am 8. November im„Deutschen Hof" versammelten Privatangestellten sprechen deshalb die Erwartung aus, datz ihre Berufskollege,! beiderlei Geschlechts kommenlden Sonntag ausnahmslos ihrer Wa h�p flicht geniigen und durch die Wahl der Liste L den Siegesgug der Freien Bereinigung vollenden," Eleg. Ulster besonders vorteilhafte Fasson, vorzüetich in Stoft u. Schnitt, apart garniert, mit scheinen, bequemen Taschen 1850' Königstrasse 33 am Bahnhof Alexanderplatz Speziaibaus BREN N INKMEYEROMBH Chausseestr. US EcKe Invalidenstr. iür Damen. 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Tholta-Theatcr.«/?.«Ibteilung. lGrnppe 2S— 30): DeS Pfarrers Tochter von Streladors. Residenz- Theater. 1. Abteilung. (Gruppe 1): Francillon. Abend-Abteilung: Montag, den 11. November, L Uhr: Deutsches Schauspielhaus. 17.(IV.) Abcndabteilung! Der gutsitzende Frack. Nene Freie Volksbühne. Sonntag, 10. November, nachm. 2'/, Uhr! Deutsches Theater: Pcntbesilea. MMmersPielhauS: Erdgeist. Nachm. 3 Uhr: Neues Volks-Theater: Lore.— Die Spieler.— Der Kammersänger. Schiller-Theater 0.: gops und Schwert. Schillcr-Theatcr Chart.: Dt» Jüdin von Toledo. Theater in der Königgrätzer Strotze: Die Ahnfrau. Neues Theater: Wiener Blut. Kleines Theater: Und das Licht scheint in der Finsternis. Trianon-Theatcr: Der selige Toupinel. Mrlropol-Theatee» Tatq Toto. KornödienhauS: Der rote Leutnant. Blüthncrsaal i Sinsonie« Konzert. (1 Uhr.) Abends S Uhr: Neues VolkS-Thealer: Mutter Land- (tvatze, Abends 8'/j Uhr: Neues Volks- Tbeater: Montag, Mittwoch: Die Doppelgänger- tomödie. Dienstag: Lore.— Di« Spieler.— Der Kammersänger. Donnerstag, Freitag, Sonnabend: Michael Krämer._ □ □□ 8elttl!el'7tiesler0.�"' • Tbeater. Sonntag, nnci ag, nachmittags 3 Uhr: Kopf ana Schwert. Sonntag, abends 8 Udr: Im weißen KUiil. Montag, abends 8 Uhr: Des Pfarrers Tochter von Streladorf. Dienstag, abends 8 Uhr: Oer Talisman. Schiller-Thealer Sonntag, nachmittags 3 Uhr: I>le Jüdin von Toledo. Sonntag, abends 8 Uhr: Zur Feier uou Schillers IbcburtSlag: Wllholin Teil. Montag, abends 8 Uhr: Die Kinder der Exzellent!. Dienstag, abends 8 Uhr: __ Im weiden RdBI._ Berliner Theater. 8 Uhr: Filmzauber. Tbeater in der KüniggrHtzerStraSe Uhr: Die fiitlf Frankfurter. Aivtitls Operetten-Theater (früher iVcnca Theater) 8 Uhr: Der Frauenfresscr. Nachmittags 3 Uhr: Wiener Blut. lientschesGehanspielhans 8 Uhr: Der gutsitzende Frack. Residenz-Theater. 8 Uhr:« Uhr: Schwant in 3 Alten von Fritz Friedmann-Frederich. Freitag, den IS. November, zum erste» Male: Prtnzenerziehung Theater am Köllendorfplat, (Neues Schauspielhaus). Täglich abends 8 Uhr: Gastspiel des Münchener Künttlertheators. Orpheus i» der Uuterwelt. Jeden Miilwoch u. Sonnabend 3'/, Uhr: _ Schneetvittcheu. Luisen-Theater. Soimiag nachm. 3 Uhr: Das Käthcheu von Hetlbronn. Abends 8 Uhr zum erste» Male: Raffles. Montag und Dienstag: DeS andern Ehre. I«E=TI1EHE Grotze Franliurte, Str. tgo. Nachmittags 3 Uhr: iDeut'ch.Rmerikaner. Abends 8 Uhr: Von Stufe zu Stufe. Montag: Die grögte Sünde. Icnt« Sonntag: groki; IMIIimpn. ichmittags 3'/. Uhr: ialbe Preise.-- bonds ah 8 hl Ii r! leiden Vorstellungen samten oroSen Atlraklionen. luou-THeater. Abends 8 Uhr: ebesbarometer. Urania TanbenstraBo 48/40. Sonntag 4 Uhr: Auls Matterhorn! Sonntag u. Montag 8 Uhr: Die wichtigsten Kulturpflanzen der Wellwirtschaft. Mit dam Zeppolin- luftschiff von Sylt nach Hamburg. Hörsaal Montag 8 Uhr: Professor Dr. Th. Sommerfeld: Die gewerbliche Bleivergiftung. OCISCHER GARTEN Heute Sonntag: Eintritt SO Pf. Kinderunter 10 Jahren die Hälfte. Ab nachm. 4 Uhr: Grobes Militär-Konzert. TägUch 4 Uhr: Gr. Militär-Koiizort- Donnorstagg: Joh. Strauß. Das grOSte Naturwunder! Die HEILIGE WEISSE NEGERIN und Ihre schwarze Priestor- Schwester. Beide lebend ohne Extra- Entree zn sehen. Voigt-Theater. Aelundbnninrn vadstrahe 58. Sonntag, den 10. November 1912: 3u& iifbft'n großen Teich. TS- Gebildete Menschen. Volksstück in 3 Alien v. Viktor Leon. Kasseneröstn. 10 Uhr. Ans. 3 u.? Uhr. �ämik-Aispalast am Bahnhof FriedrlchstraPe. OW Eispalast. TO® Einzig In der Welt mit seinen prunkvollen Eisbdlletts. Heute% VorstcIInngcn S nachmittags und abends das tensationelle Eisbaliotl „Yvonne" 100 Mitwirkende. Fabelhafte » Ausstattung! Die kleine Charlotte. Bis 6 Uhr und von lO'/� Uhr abends halbe Kassenpreise. Restanrant 1. Randes! Wein- und Bier-Abteilung. Melropol-Theater. Nachmittags 3 Uhr: Tata Toto. Abends 8 Uhr: Rauche» gestattet. CKMkiir-his JÄetropol! Kratze Jabresrevue mit Gesang und Tanz in>0 Bilder» von I. Freund, Musik v. Rud. Aelson. Tänze arrang. von Will Bishop. In Szene gesetzt vom Direktor R. Schultz. Du neue Spielplan u. a. täglich: Die Bteo Mnafieii vom Kriegsscliauplatz und das ispaöneiidePariserSitteBlil!| Um 2 Uhr nachts, f Humoresken und Haiuraufnalimen. Anfang Sonntag 3 Uhr. Kinder nur 1. Vorstellung von 3-5 Uhr bei halben Preisen zugelassen. »EEi Gesangverein„Neu Erwacht". M. d. A.-S.-B.(Chormeisier: Heinz Bleil.) Am 20. November(Bußtag), im großen Konzertsaal der Brauerei Friedrlcbshain(fr. Lipps): KONZERT. Mitwirkende; Konzertsänger Herr G. Harlmann(Tenor), Konzertsängor Herr G Franz(Bariton), Violinvirtuos Herr M" Modern, Cellovirtuos Herr F. Becker. Am Flügel: Herr L. Loonhardl(Kapellmeister), Herr H. Bleil(Chormoister). Saalöffnung 6 Uhr. Anfang des Konzerts 7 Uhr. Programm am Eingang gratis. Rauchen ist nicht gestattet. Kinder unter sechs Jahren haben keinen Zutritt. y* Die Saaltüren bleiben während der Aufführungen geschlossen. Uilletts» 75 Pf. sind in folgenden Verkaufsstellen zu haben; 56/0 Morden; Sediaozeck, Behmstr. 41. iuhl, Badstr. 14. Meid- schock, Freienwalder Str. 11. Mühlmann, Antonstr. 18. Rietz, Tabakarb.-Oen., Kopenhagener Str. 2. Adler, Volta- straße 37. Fabian, Koloniestr. 132. Sievert, Voltastr. 41. Thomas, Gartenstr. 71. Beyer, Veteranens tr. lt. Rother, Triftstr. 67. Goltsehalk, Driesener Str. 20 und Zionskirch- straße 18. Drichel, Brunnenstr. 173. Jamitzki, Neue Hochstraße 16, Bartsch, Neue Hoohstr. 31. Seollgsr, Wattstr. 17. Weber, Gleimstr. 29, vom II. Sonntag, Bomholmer Str. 89, Duve, Bomholmer Str. 3. Palm, Hussitenstr. 4. Pollow, Amsterdamer Str. 20. Bache, Stettiner Str. 28. Borllasch, Choriner Str. 53. Besehe, Dunckerstr. 1. Süden: Borsch, EngeloferlS. leps,Keichenberger Str. 119a. 6. Schulz, Admiralstr. 40. Schleicher, Annenstr. 45. Outen: Hess, Straßmannstr. 53. Rietz, Tabakarb.-Gen., Kopemikusstr. 11. Bündig, Wallner-Theater-Str. 7.• Qesangverein der Töpfer Berlins. (Mitgl. d. D. A.-S.-B.) Chormeister: Herr J. Grabe. Sonnabend, 16. Novbr., im„Deutschen Hof", Luckauor Str. IS: G Konzert-Abend D> unt.Mitw. d. Berl.SInlonle-Orchesters(Dir.: Maximilian Fischer) und der Konzertsängerin Frau Wagener-Gronwald. Nachher: Großer Ball. Billetts inkL Tanz 60 Pf. Beginn präzise 8'/, Uhr. Liedortexte werden am Eingang verabfolgt. Die Saaltüren bleiben während dos Konzerts geschlossen. 1188b Das Komitee. EE Mittwoch(Bußtag), den 20. November, in der„Neuen Walt", Hasenheide 108/114: Popnlär-wisBcnachaftUcher liiclitblider- Vortrag des Herrn Rieh. Laube aus Leipzig über: Reisebilder aus dem Balkan. Unter anderm auch aktuelle Bilder vom Kriegsschauplatze. Vorher: Konzert. Nach dem Vortrag: Kinomatographische Vorstellung (neuestos Bildermatorial). Gratisvcriosniiff einer Kakmaschine und TAXZ. Saalöffnung 4'/, Uhr. Anfang 5 Uhr. Eintrittskarten a 30 Pf. sind im Fahrradhaus„Frisch auf", Brunnenstr. 85 und Kottbuser Straße 9 sowie im Restaurant„Neue Welt" zu haben. 13/8' Fahrvorbindung: Die Straßenbahnen R, I, II, V, 3, 5, 7, 15, 19, 20, 21, 27, 28, 29, 30, 45, 47, 48, 49, 55, 58, 05, 89, 95, U9. Die Festkommission. Exeelsior-Liehtspieihaus Heukölln grÄir'Vfl Passage Theater Königstadi-Casino. .<*,, Holzmarkistrotze 72, 1®!in. v. Bahüh. Aanuowitzbrllcke. rdgl. abends 8. Sonnt b'h Uhr: B erstklassige Spezialltütea und Kalt gestellt oder: Fehlgeschossen. Vom 8. bis 14. November inkl.: Die Dame von Maxim Pariser Schwank in 3 Akten. Ab 8. November: Programmwechsel Freitags. Berliner Kindl-Brauerei-Ausscliank Hermannsfr. 214/18 Neukölln Fernspr.: Neukölln 79. Den Verehr!. V ereinon, Gewerkschaften, Korporationen usw. stehen Sllle zur Abhaltung von Versammlungen, Konzerten, Festlichkeiten usw. zur Verfügung. 4 Verbanda- Kegelbahnen stehen zur Benutzung. ÄÄ Künstler-Konzert'SXT Um geneigton Zuspruch bittet Hochachtungsvoll Robert Berxner, Opkonom. Zirkus Busch. Heute Sonntag, 10. November; 2 große Gala-Vorstellungen Nachm. S'/j Uhr, abds. 7'/z Uhr. Nachm. zahf. Kinder unter>0 Jahr. auf allen Sitzplätzen die Hälfte. Machsnittags 31/, Ehr: Die gl. Pantomimen-Burleske Unter Gorillas nngokttrxt. In beiden Vorscellungcn: Kapt. Spaulding! Albas sensationelle Kopf- fahrt durch den Zirkusraum. Die unvorgleiphl. Tourbillons. Tho M lilucU-'.iirns, Luft- leiter-Akrob. a. d. SchiSsmast. Abends 7'l, Ehr: Unter Gorillas in 4 glänzenden Bildern. Hititümersaal. Heute: Richard-Wagner-Abend des Biliiimer-Orchesters Dirigent: Br. Weyersberg. Solist: lians Kalinkc(Tenor). Anfang 7!/2 Uhr. Entree 75 Pf. IM-AMMM. 1 Sir k ns liarnm. nebst gr. Raubtierdiessurschau. McuhBlln, Pfliigcrstr. Heute Sonntag 4 Uhr; Familien- a. Fremden- Vorstcltnng auch in dieser Vorstellung die vorzfigl. Raubtierdressuren. Abends 8 Uhr: Dank- und Ab- schiedsvorslellung. Neue Speziatiäten vom Weltruf. Mittwoch, d. 13. November, abends S'h Uhr: Erste Vorstellung in Lichtenberg, Terrain Frankfurter Chaussee 136, drei Minuten vom Bahnhof Frankfurter Alice zu enoiebon. Der Zirkus ist geheizt. Direktor LUDWIG ROSENFELD, Voranzeige 8 Freitag, den 15. November: Erste Vorstellung im nenerbanten Hause am Zoo. • So bnmtnein wir! 5 Bilder von Gastav Kadcibnrg Texte von Eco Eeinxlger Musik von Jean Gilbert Ballcttarrangoment von Claire Genta. Frlfzi Massary, Max Pallen- berg, Karl Bachmann, Hedwig Döring, Marie Wendt, Helene Brahms, Ida Perry, E. Smcraldinn, Queenie Hall. Vorher: Die großen Yarielö-Alirakiionen: 35 krähende u. kämpfende Hähne vorgeführt von Torkat und Flor d'Aliza Osman Beys Krieg auf d. Balkan Bekcfy SislersRuss Tänzerinnen Warsaw Bros, Americ. Ezconlrics| Beginn V'/i�br. Rcrllnor Praf er-Theater ffinffonteimllcc 7-9. Lolo's Bater. Soziales Bollsstück in 4 Alt. v. St. S'Arrouge. Ans. 8 Udr. UipKus Ulbert Sebuniatm. Heute Sonntag, 10. November: 2 große Vorstellungen 2 Nachm. L'/, u. abends 71/, Uhr. In beiden Vorstellungen Auftreten Hüintlicher nea engagierten Attraktionen. Nochmittags hat Jeder Erwachsene ein Kind frei auf allen Plätzen außer Galerie. B&~ Em Ol/4 Ehr- TSaG Vier Bilder aus Indien. Der Clou der Saison! Folies Capriee. Zum Tl. Male Die drei Schlager: gy Der keusche Joseph. vle Mit beispiellosem Lacherfolge aalgenommene Novität Die Alpenbrüder. 10 Ehr i Endlich allein! Beide Stücke mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Vorverkauf 11— 2(Theaterkasse). Roichshalle mTheatc» (herrlich renoviert). Stettiner Sftnger. Heute nachmittag 3 Uhr; Der Kompagnieball. Ennätz. Pr< e: Loge 1 A., Bult. 75 Ps., Zpcnsitz 50 Ps. 7-,, Uhr: MachtderTöne. Casono-Theater Üotbiiitgev Sir. 37. Täglich 8 Uhr: Das ieiisaiion. November-Vrograinm Robert Meeseinan», Berlins Licblingshumorist mit neuen Schlagern. Niesen- Lachcrsolg des SS D-r Gr-Mrft. Sonntag 4 Uhn O diese Männer! klermms-�rselitZsie N., Chausseesir. 110. Karl Richter.} Rente Sonntag: PaalWeys �llustigeSäiifler Eintritt 50 Pf. Ant. 6 Uhr. Anschließ.: Familienkränzchen. Im weißen Saale von 5 Uhr ab LV Großer Ball Jeden Mittwoch: Paul Mantheys lustige Sänger. Jeden Donners- tan• Gr. MIHtarkonxert. Volks-Theater Neukölln, HermanuRr. 20. Sonntag, den 10 November: Toni, der Wildschütz. Vollslillck mit Gesang in 4 Alten von Dr. H. Müller. Monttig, den lt. November: Her Veiichenkresaer. Lustspiel in 4 Sitte« von G. u. Moser. Phams-Säle Müllcrstr. 14«. Jeden Sonntag: Willi. Woiils Ansang 6V, Uhr. Stets neues Programm. -j.nrtibtm: ktzamilletikralizchen. Rißles Fest-Säle Dcnnewitzstraße 13* Jeden Sonntag: tanzkränzciien. 1156&_____ C. Mißlc. Konkordia-Festsäie. Jnh.: M. Wondt und A.Schütze. Andrca&str. Ol. Jeoen Sonntag: Milifär-Slreicft-Konzert und die beliebte» Hoitingniis Sänger, . Jede Woche neues Programm. Ansang des Konzerts 6 Uhr, der Vor- slellung 7 Uhr.«m oberen — Saale von 5 Uhr au: Großer Ball. Berliner I Volks- Chor M. d. A.-S.-B. Dirigent: Dr.E.Zander. Montag, deo 18. Noveier 1912 abends 8'/» Uhr im großen Saale der „Neuen Welt" Hasenheide No. 108—114: Szenen aus„Parsifal" 56/9 von Richard Wafaer. Mitwirkende: Herr Panl Raaer(Tenor). Herr Bich. Hedler(Bariton). Herr L/cdorer-Prina(Baß-Bariton). Der Berliner Volks- Chor. Das verstärkte Blüthuer- Orchester. Eintritt 70 PC. einschließlich Programm, Abendkasse 1 31. Textbuch mit Wagners Bildnis und Erläuterungen 10 PI. Kasseneröffnung 7 Dhr. Um pünktliches Erscheinen wird gebeten, da während der Ouvertüre der Eintritt in den Saal nicht gestattet wird. Hontajr, den 11. Xovember, abends 8'/, Uhr: Einführungs-Abend im großen Saale des Ocwerkschattshanses. Eintritt 10 Pf. Vortrag des Herrn Prof. Slernteldt. Eintritt 10 Pf. Billotts sind in folgenden Qesohäften zu haben: IV. R o 1 o f f, Wörther Str. 31. Köaner, Immanuelkirchstr. 12. Hanisch, Auguststr. 51. Kietz, Kopenhagener Straße 2, Swinemünder Straße 80, Kehmarnstr. 8. Vogel, Lortzingstr. 37. Z i e h m, Bernauer Str. 48.~T h o m a s, Gartenstr. 71, Schulz, Wiesen- Straße 60a. Tietz, Invalidenstr. 124. Haß, Torfstr. 19. Fisöher, Vetcranenstr. 6. Kriedemann, Stargarder Str. 74. Beyer, Veteranenstr. tl. Bremer, Weißenburger Str. 9. Juhl, Ackerstr. 46. Oharlot, Ackcrstr. 164 Wessel, Tresckow» straße 20. O. Vogel, Koppcnstr. 82. Heinz, Koppenstr. 92. Porlewitz, Am Friodrienshain 6. fiiebeoke, Romintener Str. 11. D ä h n, Petersburger Str. 34. Niemeyer, Weberstraße 19. Renl, Barnimstr. 42. Kißling, Kadiner Str. 15. 4). Sommerfeld n. Oo.. Kosonthalor Str. 51. Weihnacht, Grünstr. 21. W. Wiemers, Bülowstr. 50. Rühle, Winter- fcldtplatz. 81V. 8. Ooßmann, Teltower Str. 16. Jul. Meyer, Oranienstr. 103. Pritsche, Tempelhofer Ufer 1. Böttcher, Zossener Str. 80. D a e b n. Hagelbergerstr. 27. Friegent, Bcllcalliancestr. 75. 8. Börner, nitterstr. 15. Franke. 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Die DcrtroiifiisuiiiüiicruiiiljleK\m Aiißejil'IIteillltljilhkniiig Dm Ijfitte mm 12 bis 6 Uhr statt. Für unsere Genossen gilt die I. Partei-?Znge!egenKeiten. Bicrter Kreis. Am Sonntag, den 17. November, fintdet�iom Wahlverein in„Kellers Festsälen", Koppenstrahe 2g. der erste große heitere Künstlerabend statt. Billetts ä 6g Pf. sind bei den Bezirksführern sowie im Bureau des Wahlvereins, Stralauer Platz 1/2, zu haben. Saalöffnung 4 Uhr. Anfang S Uhr. Abendkasse findet nicht statt. Der Vorstand Lankwitz. Am nächsten Mittwoch findet der 2. Lichtbilder- Vortrag bei Dahns statt. Der Zahlabend fällt infolgedessen aus. Genosse Drucker wird behandeln: Die Bakterien, ihre Nolle im Haushalt der Natur; die Zellenlehre. Aufbau und Verrichtungen der Zellen; Zusammensetzung aller Lebewesen aus Zellen. Da jeder Abend für sich abgeschlossen ist, können auch noch Genossen teilnehmen, die am ersten Abend nicht zugegen waren. Teilnehmer- karten sind noch zu haben. Johannisthal. Dienstag, den 12. November, abends 81h Uhr, im Lokal„Scnftlebens Festsäle", große öffentliche Versammlung. Tagesordnung:„Sozialismus und Konfession". Referent Genosse Dr. Alfrod Bernstein.— Die Genossen werden ersucht, eine rege Propaganda für diese Versammlung zu entfalten. Grünau. Am Donnerstag, den 14. November, abends 81h Uhr, öffentliche Versammlung im Restaurant Bellevue. Die Mit- gliederversammlung am Mittwoch, den 13. November, fällt daher aus. Dienstag, abends 7 Uhr, von der„Grünen Ecke" auI Flug- blattverbreitung zu der Versammlung. Bohnsdorf. Mittwoch, den 13. November, abends 81h Uhr, in «Villa Kahl" Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht von der Verbandsgeneralversammlung; 2. Diskussion über den Parteitag; 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Eichwalde-Tchinöckwitz. Am Mittwoch, den 13. November, abends 8 Uhr, findet im Lokal von Emil Witte in Eichwalde unsere Mitgliederversammnng statt. Auf der Tagesordnung steht außer Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten eine Besprechung der �Deutschen Reichsvcrsassung". ßcrlimr JVacbrichtem Zur Erhaltung der Gruuewaldseen sind verschiedene Vorschläge und Projekte erörtert lvorden. Alle diese Projekte trafen aber nicht den Kern der Sache. Wir haben vor einiger Zeit in einem instruktiven Artikel nach- gewiesen, daß die eigentliche Ursache der Senkling des Wasser- spiegels der Grunewaldseen in der Tatsache zu suchen ist, daß die Charlottenburger Wasserwerke A.-G. mit dem Fiskus einen Vertrag geschlossen hat, welcher der Gesellschaft die Wasser- ausbeute des Gruuelvalds auf ewige Zeiten sichert. Hier inüßte der Fiskus eingreifen und deil Vertrag einer gründ- lichen Aenderung unterziehen. Das tut der FiskuS aber nicht. Er will sich da- mit zufrieden geben, daß die Charlottenburger Wasser- werke den Schlachtensee aufpumpen, wodurch auch der Wasserspiegel- der Krummen Lanke gehoben wird; auch der Nikolassee wird ausgebaggert und ausgefüllt, der Riemeistersee »vird für die Zukunft verloren gehen. Ein Vertrag des Fiskus mit den Charlottenburger Wasseriverken soll in diesem Sinne geschlossen und dieser Tage bereits unterzeichnet werden. Damit wäre allerdings das Privatinteresse der Gesellschaft aufs beste gewahrt, nicht aber das Interesse der Allgemein- heit. Dauert das Monopol der Charlottenburger Wasseriverke A.-G. auf Wasscrausbelitung des Grunclvaldcs fort, so können wir erleben, daß nach Jahren im Grunewald keine Kiefer mehr wächst. Und auf eine solche Perspektive hin soll der Zweck- verbaild Millionen für den Erwerb des Grunewalds opfern! Neue Flcischliefcrungen. Ter Magistrat teilt mit: Die Qualität der in dieser Woche eingetroffenen Sendungen russischen Fleisches ist von allen Sachverständigen als vorzüglich bezeichnet worden. Es ist dalzer auch natürlich, daß die Nachfrage andauernd steigt, und daß die vorhandeneni Vorräte kaum ausreichen� alle Käufer zu befriedigen. Besonders stark ist die Nachfrage nach Schweinefleisch gestiegen. Der Magistrat hat deshalb Vor- sorge getroffen, daß größere Mengen hiervon geliefert werden. Morgen treffen aus Nußland 11 WogggonS mit 800 Zentnern Rind- und 700 Zentnern Schweinefleisch ein. Damit hofft man den Wünschen des Publikums entsprechen zu können. Tie Schwimmhalle des VolksbadeS Dennewitzstraße wird zur Bornahme von Anstricharbeilen vom 18. d. Mis. ab auf etwa drei Wochen geschlossen. sich hinzusetzen und eine Berichtigung� zu. schreiben, deren. Ausnahme er auf Grund bes§ 11 des PreßMfetzeS von, uns verlangt. Tie Zuschrift entspricht zwar nicht den Nnforiwrungen, des angezogenen Paragraphen', allein' wiv wollen bieselbe zum Teil im Nachfolgenden abdrucken; sie lautet im weseuÄichen,:„Es ist unwahr, daß Mit- vlieder des Jugendkorpö Wilhenrslpgen bei ihren Kricgsfpielen oder auch sonst scharf geschossen! haben. Sie sind dazu gar nicht in ber Lage, da sie nicht mit Revolvern und Platzpatronen, sondern mit den von den Behörden als gänzlich ungefährlich begutachteten „Knallkorkenpistolen," ausyerüfted sind, mit denen, Projektile irgend- welcher Art nickst fort geschleudert wenden können. Auf Grund der Roliz im„Vorwärts" hat sick» das Korps gelog'ntiich der Sonntags- Übung zu einer Revision seiner..Waisen" und sonstigen Ausrüstung sechs angesehenen Einwohnern des hiesigen Ortes, gestellt, die über- einstimmend konstatiert haben, daß die Mitglieder nur ini Besitze von Knallkorke.npjst.olen sind, mit denen' auf keinen Fall scharf gc- schössen werden, kann. Es wird erforderlichenfalls bewiesen werden» daß die Revision der Ausrüstung uudcrzüglich nach Bekanntwerden der Notiz erwlgte. ohne daß sich«in Mtglied hätte entfernen können. Laut 8 5 Absatz 2 der Besiiimnungon wird jedes Mitglied, das ent- gegen tem Verbot außer bei den unter Leitung Erwackssener statt- findende» Hebungen mit den Pistolen ki«llt. ausgeschlossei,. Wenn sich also der Vorgang, wie im„Vorwärts" geschildert, ab- «espielt hat. so sinid nicht Mitglieder des Jugendkorps die Schuldigen. Gerade der Unfug» der durch Knallen, innerhalb des Weichbildes Wilhelmshägen verübt wird, ist, wie durch Zeugnis der Einwohner bewiesen werden kann, auf das Konto der Jungen zu setzen» die . dem Korps nicht angehören." Was der Verfasser der Zuschrift, ein Herr stuck, phil. berichtigt, trifft nicht den Kern der Sache.' Es ist gor nicht, behauptet worden, daß das„Jugendkorps" während der offiziellen„Kriegsspiele" scharf geschossen hat— die Musterung war deshalb gar nicht nötig, höch- stens die völlige Emstellung dieses verrohenden Sports—, sondern nur. daß sich die Jungen, animiert durch die„KriegAspiele", nicht nur Platzpatronen, sondern sogar Scharfgeschosse zu verschaffen ge- wüßt haben, mit denen sie dann die„Fcuergefxchte" fortsetzten» Der geschilderte Vorfall trug sich in den Abendstunden zu; der beinahe Angeschossene will mit Bestimmtheit in dem jugendlichen Schützen ein Mitglied des„Jugendkorps" erkannt haben. Leider konnte ckt ihn nicht erlw sicher«, die jetzige„Berichtigung" hätte dann wotjl nicht stattfinden können. Zlber selbst, wenn andere Jungen die gefäh» liche Schießerei verübt haben sollten» so ist diese wohl nicht auf das Konto„der dem Korps nicht Airgehörigem', sondern� auf das Konto des„Jugendkorps" zu setzem, das durch seine„KriegSspiele" mit„Revolvern"(so heißen die Schußwaffen, in den, Berichten, welche dos Jugendkorps der Amtspresse übermittelt) in den Schul- jungen erst den Trieb zu diesem gefährlichen Treiben'wach- gerufen hat. Skerbend aufgefundc« wurde gestern abend gegen 16 Uhr im Bllrgerpark zu Pankow ein unbekannter Mann, der seinem Aeußeren nach den bessergestellten Kreisen angehört zu haben scheint. Er ver- schied nach wenigen Minuten und seine Leiche wurde nach der Halle in Pankow gebrächt. Ob der junge Mann selbst seinem Leben ein Ende gemacht oder plötzlich eines natürlichen TodeS gestorben, ließ sich noch nicht feststellen. Der Unbekannte ist ungefähr 26 bis 25 Jahre alt und 1,76 Meter groß, hat schwarzes Haar und einen kleinen schwarzen Schnurrbart und trug einen grauen Ulster, einen blauen Jacketlanzug und einen grauen Stoffhut. In seinen Taschen fand man nur ein Bund Schlüsseln. Der bedauerliche Unglücksfall, der sich am Freitagnachmittag ans dem Neubau der Luftschiffhalle in Potsdam zutrug, wobei der Maurer Koch aus NowaweS, Vater von zwei Kindern, den Tod fand, soll nach Angabe der daselbst tätigen Arbeiter auf ungenügende Sicherheitsvorrichtungen zurückzuführen sein. Es ist über« Haupt zu verwunden, daß nicht schon mehr Malheur bei dem Bau dieser Halle passiert ist, denn die vorgeschriebenen Sicherheits- Vorschriften sollen sehr wenig beobachtet werden. Während zum Beispiel oben im Dachverband gehämmert, genietet, Träger hoch- gezogen werden usw., arbeiten zu ebener Erde etwa 56 Mann. Wie leicht kann es passieren, daß irgend ein Gegenstand herabfällt und das größte Unglück verursacht. Von städtischen Bauten sollte man verlangen, daß alles in Ordnung ist. Aber man arbeitet mit einer Hast, um den Bau fertig zu stellen, die Unglück im Gefolge haben muß. Längere Zeit wurde sogar spät abends bei mangelhafter Be» leiichtuug gearbeitet. Jetzt, wo das Unglück geschehen, wird man hoffentlich die noch bestehenden Mängel beseitigen. Die Generalversammlung der Konsumgeuossenschaft Berlin und Umgegend findet am Donnerstag, den 14. November, abends 8 Uhr, in der„Neuen Welt" in der Hasenheide ihre Forlsetzung. Die Miglieder werden ersucht, rechtzeitig zu erscheine». Legitimation ist mitzubringen. Kulturliilder. Unter diesem zusammenfassenden Titel erscheint in unserem Berliner Parteiverlage eine Reihe von Werken, die in ebenso populärer wie interessanler und dabei doch gründlicher Weise wichtige Abschnitte aus der Kulturgeschichte der Völker schildern. Bisher sind erschienen:„Wider die Pfaffenherrschaft",„Hohcnzollern- legende",„Blui und Eisen" und„Geschichte der Revolutionen". Die Werke sind reich illustriert und werden in Wochenlieferungen a 26 Pf. herausgegeben. Wir verweisen aus den Prospekt in der heutigen Rummer unserer Zeitung. „Die größte Sünde" im Rose-Theater. Als Otto Ernst vor nun elf Jahren diese- sünfaktige Tragödie vom Konflikt des Gewiffens oder der Ueberzeugung schrieb, betrat er die Laufbahn des Drama- tikers, dem indessen erst zwei später entstandene Literatur« und Schulkomödien(Jugend von heute; Flachsmann als Erzieher) die Pforten des Theaters öffnen sollten. Damals war es dem Dichter blutig ernst um die-s Problem deS FreidenkertumS, der Gewissens- freiheit und er glaubte es denn auch nicht anders als tragisch schürzen und tragisch lösen zu müssen. Dieser ethische Kern, den gewissermaßen die Atmosphäre eines stets aktuell gebliebenen Zeit- Problems umwittert, verleiht deshalb dem in technischer Beziehung nicht besonders ausgereiften Drama auch ge- rade in unserer Gegenwart noch aufklärerische Kraft genug, um daZ Echo von der großen Bewegung deS Massenaustritts aus der Kirche verstärkend in die Weite zu tragen. Wäre es auch bloß um dieser Wirkung willen, so käme Direktor Bernhard Rose schon Berdienstlichkeit zu, weil er dies Erustsche Drama dem Repertoire seines Theaters einverleibte. ES stellt brennende kirchliche Fragen zur offenen Diskussion; und man konnte anläßlich der Erstaufführung am letzten Freitagabend deutlich vernehmen, auf wie vielerlei Art das den ganzen Zuschauerraum drückend erfüllende Publikum sich schüchtern ablehnend oder leidenschaftlich zustimmend äußerte. Hinzu kommt, daß Bernhard Rose selbst den Hauptheldcn Wolsgang Behring mit wuchtiger Ueberzeugung verkörperte. Ihm standen die Vertreter einiger Nebenrollen, so namentlich Artur W i n ck l e r, August Wenzel, Karl I a c o b y, Gertrud Janssen, Elise H ü f t e l, Bernhard M ü n ch. Georg Dewitz, Fritz S t a n d k e, Friedrich Thimian und die kleine Frank(als Fritz) werbend zur Seite; weshalb das Drama einen tiefgehenden Eindruck machte. Das Polizeipräsidium teilt mit: Den Verlust ihres Koffers mit ihren sämtlichen Habseligkeiten und Papieren hat ein armes Dienst« mädchen zu beklagen, das am 13. Oktober 1912 fremd in Berlin auf dem Stetliner Bahnhofe a'ikam. Ein unbekannter zirka 25 Jahre alter Mann nahm sich des Madchens hilfreich an und brachte das- selbe nach der Wohnung seiner Wirtin, die aber zufällig nicht an- wesend war. Nach längerem Warten hat nun das Dienstmädchen— ohne sich Straße und Hausnummer zu merken— das HauS verlasse», um eine Besorgung zu inachen und konnte eS auch trotz langen Suchens nicht wiederfinden. Das junge Mädchen gibt an, daß es sick um eine» braunen Holzkoffer handelt, daß sich der junge Manu Rudolf Reichard oder so ähnlich genannt habe und daß die fragliche Woh- nnng in einem Hmtcrbause im Erdgeschoß belegen gewesen sei. Milteilungen, die dazu führen können, das Mädchen zu seinen Sachen zu verhelfen, nimmt jedes Polizeirevier und die Kriminalpolizei zu 3347 IV. 14. 12 entgegen. Feuer in der Fricdrichstraße. Gestern nachmittag kam in der Friedrichstr. 1l3a, Ecke Oranienburger Straße, in dem Modell- haus von B. S w i c m e r ein gefährlicher Brand zum Ausbruch. Das Feuer entstand im ersten Stock in einem Raum, in dem größere Posten Damenkleider. Mäntel u»d Damenkonfeltioiisstoffe lagerten. Ms die Feuerwehr eintraf, quollen dicke Rauchschwaden aus den Fenstern des ersten Stocks hervor. Brandinspeltor Hammer ließ sofort mehrere Mannschaften von außen in den brennenden Raum ein steigen und für den Abzug des QualmS sorgen. Das Feuer hatte schon mehrere Regale mit Kleidern und hölzerne Ständer mit Mänteln vernichtet und auch bereits die Schaldecke erfaßt. Mehrer« junge Mädchen, die bei Ausbruch des Brandes in einem abgeschlagenen Raum arbeiteten, hatten sich noch rechtzeitig durch einen zweiten Ausgang nach dem Hof in Sicherheit gebracht. Die Ablöschung des Feuers wurde mit zwei Rohren ausgeführt und nahm eine Stunde in Anspruch. Der Brand wurde vermutlich durch einen stark ge« heizten Ösen verursacht. Vorort-�ackriebten. Neukölln. Eine Kommission zpr Begünstigung der Säuglingssterblichkeif. So muß man die Kommission nennen» die eigentlich Kur Be« kämpfu.ng der Säuglingssterblichkeit von der Stadtverordneten- Versammlung eingesetzt ist. Wie wenig die b ü r g e r l i ch e M eh r- heit dieser Komnnssion die ihr übertragene Ausgäbe, die enorme Säuiglingssterblichkeit der Arbeitenstadt Neukölln auch nur in dem bescheidensten Maße zu bekänipsen, angelegen sein läßt, zeigte so recht der Verlaus ihrer letzten Sitzung. Von der Ueberzeugung durchdrungen» daß die bisherige Für- sorgestelle in der S t e i n m e tz st r a tz e bei weitem nicht den an sie gestellten Anforderungen genügt, hatte der Magistrat den Ausbau der Säuglingssürsorgeistelle bezw. Einrichtung einer zweiten Für- sovgestejlle vorgeschlagen. Der Vorsitzende der Kommission. Stadt- rat Dr. Mann, betonte zunächst, daß sich infolge erheblicher bau- licher Mängel der Füvsorgestelle deren Verlegung erforderlich mache. Und da eine Säuglingsifürsorgestelle bei weitem nicht den an sie ge- stllten Anforderungen gerecht werden könne, empsehle sich die Ein- richtung einer zweiten. Letzteres sei schon deshalb am Platze, weil man den Müttern nicht zumuten könne, so weite Wege nach der Fürsorgestelle zurückzulegen» Gegen diesen Vorschlag wandte sich sofort der bürgerliche Vertneier Dr. med. Müller. Der Redner bestritt, daß überhaupt ei»Bedürfnis für eine zweite Für- sorgestelle vorliege. Im iibmgen sei ihm zu Ohren gekommen, daß die Aerzte der Säuglingsfürisorge sogar Kinder behandelt hätten. Das sei jedoch nicht ihre Ausgabe, vielmehr hätten sie kranke Kinder in anderewitige ärztliche Behanidlurog zu verweisen. Redner könne außerdem noch mitteilen» daß sich der Aertzteschpsd Neuköllns, als sie von der Absicht der Errichtung einer zweiten Fürsorgestelle Kenntnis erhalten, eine erregte Stimmung bemächtigt habe. Die Zeit sei nur zu kurz gewesen» sonst hätte sich dieselbe noch zu einer Protestkundgebung zusammengetan. Gleich diesem Redner hatte sich vorher der Stadtrat Dr. Vogel» seines Zeichens gleichfalls Arzt, gegen die Behandlung von Säug- Inrgen in der Fürsorgestelle gewandt. Unser« Genossen Wandten sich mit aller Schärfe gegen diese nur von einseitigen materiellen Jntbk� essen der Aerzte diktierte Anschauung. Mit Recht betonte einer unserer Redner, daß die Kommission die Ausgabe habe, der Säug- lingssderblichkeit zu steuern» Nach den Darlegungen der Herren müsse man zu der Ansicht kommen-, als befände man sich in einer Kommission zur Begünstigung der Scrugli ngsste ribl i chkeit. Bei der gewaltigen Bevölkerungszunahme wäve es den zurzeit in der Säuglingssürsorge tätigen Aerzte n überhaupt unmöglich, den an sie gestellten Anforderungen gerecht zu werden. Wenn man betrachte, was Charlotteubnrg aus dem Gebiete der SäuglingSifürforge leiste, so sei das, was in Neukölln geschehe, geradezu beschämend. Noch einmal lies Herr Dr. Müller Sturm gegen die Ein- richtung einer zweiten Fürsorgestelle. Es fei. so'bemerkte der Redner, gar keine Ursache vorhanden, aus die Bequemlichkeit der Mütter Rücksicht zu nehmen. Säuglings- fürsorgestellen wären auch keine Feuerwachen» die man von allen Gegenden, der Stadt bequem erveichen müsse. In eindringlicher Weise wurde hieraus von den beiden Aerzten der Ecneglinyssllrsorgcsielle dargelegt, daß sie ihre Tätigkeit in dem von Dr. Müller und Dr. Vogel verstandenen Sinne als Aerzte gar nicht ausführen könnten» wenn anders die Säuylingsfürsorge- stelle überhaupt einen Zweck haben solle. Sei man der Anficht, daß das wenige» was geschehe» roch zw viel sei» so müsso man eben die Fürsorgestelle schließen Bemerken möchten, wir nach daß auch der van den Kommunalsortschrittlichen ge- wählte Dr. med. Borchardt gleichfalls gegen die beabsichtigte Errichtrmg zu Felde zog. Die Abstimmmug ergab die Ablehnung der Vorlage. Die Herren glaubten hierauf, ihr sozialos Gewissen mm noch dadurch zu salvieven, indem sie der Einstellung einer vierten Für- sorgeschwester zusiiimunten. Letzteres macht sich durch die erhöhte Sprechstundenzohl wöchentlich von 3 aus 4 notwendig. Der Verlaus dieser Sitzung und die Stellung der bürgerlichen Vertreter zu einem so wichtigen Zweige sozialer Fürsorge zeig!« wieder einmal, daß ihr überwiegender Einfluß auf die Kommunal- Politik nachgerade gemeingefährlich zu werden beginnt. Unsere Vertreter werden bei der komlmende» Etatberatung erneut■ Forderungen auf Ausbau des SäuglingssürsorgcwesenS einbringen� nnÄ damit vor aller Oefsenilichkeit die bürgerlichen Vertreter zwingen» ihre unsoziale» nur van rein egoistischen Motiven geleiteten Argumente zu wiederholen»; Dieser Vorgang ist umso bemerkenswerter, als bei den bevor- stehenden Stadiverordnctersiichwahken die bürgerlichen Herren sich wieder als Vertreter des Allgemeinwohls gerieren. Wilmcrsdorf-Haleufee. Obstruktion der Schlächtermeister. In Wilmersdorf ist der Verkauf auÄändischen Fleisches bekanntlich einer Anzahl Schlächtermeister übertragen worden. Die Herren scheinen nun. was ja gar nicht weiter zu verwundern! ist» ihren Prosit über das Gemeinde- interesse zu stellen. Nicht nur, daß in EinzelsÄllen von ihnen höhere Preise verlangt werden als die vom Magistrat fest- gelegten, sind sie auch aus dem besten Wege, der Bevölkerung de«i Fleischbezug überhaupt unmöglich zu machen. Wie die „Wilmersdarser Zeitung" meldet, haben die Schlächtermeister die 166 Zentner Fleisch, die für Donnerstag zu beziehen waren» nicht einmal abgenommen; während sich an der ersten, Liefierung 48 Meister leteiligien. waren c8 am Donnerstag' nur noch 35. Dabei ist das russische Fleisch zun» mindesten so gut wie die durch- schnittlich für einen beträchtlich teueren Preis feilgebotene inlän- bische SBeftf. Da Kei DercttchaeuN'g imt Fm Meistern nur fün den Monat November ge trösten worden ist, tut der Magistrat gu!� schleunigst dafür zu sorgen, datz der Bcrtcmf soriair in städ bischer N e g i e c rf o I g t. Steglitz. Die tÄcineindeveriretcrsitzung begann mit der Einführung des kv:edcrgeN:ähltcn Schöffen. Berlagsbuchhändler S i e g i s m u n d. Hierauf verlas der Bürgermeister eine Kabincttsorder, die auf die nlleruntertänigste Bitte des Gemeindcvorstandes allerhöchst be- stimmt, dast die höhere Töchterschule den etwas länglichen Namen: ..Kaiserin-Augusta-Viktoria-Lticeum" tragen soll. Tie Bersamm- lung nahm davon Kenntnis. Genosse Ahmann beantragte, den Punkt:„A b s ch l u h wegen der E i s l i e f e r u n g" aus der geheimen in die öffentliche Sitzung zu verlegen, da er nicht einzu- sehen verinöge, weshalb diese Sache jetzt im geheimen verhandelt werden müsse, nachdenl sich bereits zwei öffentliche Sitzungen damit lbeschästigt hätten. Uebrigens habe der Vertrag für die Oeffentlich- keit großes Interesse. Der Bürgermeister widersprach, weil dabei Personalfragen besprochen werden mühten; der Antrag Ahmann wurde abgelehnt. Bei dem Antrag des Gcmeindevorstandes, dm Kaninchcnzuchtverrin Steglitz einen Ehrenpreis von Sl> M. für eine Ausstellung zu bewilligen, fragte Genosse Ahmann, ob der Ge- nieindcvorstand oder der Rittergutsausschuh sich auch schon im Sinne des Vorgehens von Schönebcrg mit der Förderung der Ka- ninchenzucht durch die Gemeinde beschäftigt habe. Der Bürger- Meister antwortete, dah dies geschehen sei; die Frage würde auch weiter im Auge behalten werden. Gegen die Einrichtung einer Privat-Entbindungsanstalt durch die Hebamme Jürgen hatte die Vertretung nichts einzuwenden. Zu den Vorarbeiten wegen Neu- bau eines Feuerwehrgebäudes in der Südendstrahe wurden 3000 M. bewilligt. Der Neubau ist nicht nur deshalb nötig, weil der Ver- trag mit der Kirchengmeinde, der das jetzige Gebäude gehört, am l. Oktober 1913 abläuft und nicht wieder verlängert wird, sondern auch die Räumlichkeiten für Geräte und Mannschaften sind längst nicht mehr ausreichend. Auch zur Erbauung einer Ge- meinde-Doppelschule in der Sachse nwald st rahc, die zum April 1914 fertig sein soll, gab die Vertretung ihre Zustim- mung im Prinzip, während der Bauplan und Boranschlag späterer Bcschluhsajsung vorbehalten bleiben. Weil es sich um ein Volko- schulgebäude handelt, fühlten die Gcmcindcverordneten Jür- gens und Fleischer den Beruf in sich, zur Sparsamkeit und Einfach- heit beim Bau zu mahnen. Auf Antrag Radtke wurde der Antrag auf Erlah eines Nachtrages über die Erhebung von Lustbar- teits steuern in öffentlicher Sitzung verhandelt. Schöffe Jochem führte aus, dah die Kincmatographcn-Thcatcr bisher mit einer Mindeststeuer von C M. pro Tag bis zu ISO Plätzen, und um �e 2 M. mehr für je weitere SO Plätze bis zum Höchstbetrage von 10 M. zur Steuer herangezogen worden seien. Das neue Kinotheater im ..Albrechtshof" habe 017 Plätze; da die jetzige Steuerordnung nur eine Steuer von 2 bis 10 M. kenne, müsse eine Aenderuug vorge- nommen werden. Eine Erhöhung sei nicht beabsichtigt; der jetzige Satz von 6 M. für Kinos bis ISO Plätze soll bleiben und nur hinzu- gefügt werden: für je weitere 1—50 Plätze je 2 M. mehr. Bisher habe die Kinosteuer zirka 20 000 M. jährlich betragen; sie würde in Zukunft ungefähr 28—30 000 M. einbringen. Genosse Atzmann er- klärte, dah er zwar prinzipiell Gegner von Lustbarkeitssteuern sei, )odoch im voraus wisse, dah ein Antrag auf Aufhebung abgelehnt würde, weshalb er ihn gar nicht erst stelle. Unter diesen Umständen halte er den Antrag auf Staffelung für gerecht und werde dafür stimmen. Schliehlich wurde noch ein Dringlichkeitsantrag.ange- nommen» den Gemeindcvorftand und den Verkehrsausschuh zu er- mächtigen, für die gleislose Strahenbahn Schülerkarten zum Preise von 2 M. pro Monat einzuführen. In vorhergegangener geheimer Sitzung wurde an Stelle des verstorbenen Schöffen Bugge Herr v. Carnapp als Schöffe ge- wählt. Als Kreistagsabgeordnete wurden die Gemeinde- verordneten Barsekow, Steinthal, Kirchner, Korthaus und Bürger- Meister Buhrow gewählt. Trevtow-Baumschulenweg. Der Fleischvrrkauf der Gemeinde hat hier am 31. Oktober be- gönnen und ist am Montag, Mittwoch und Freitag letzter Woche fortgesetzt worden. An den einzelnen Verkaufstagcn wurden in letzter Woche allein im Ortsteil Baumschulenweg, der 10 090 Ein- wohner zählt, bis zu 7 Rinderviertel und 6 Schweinehälften ab- gesetzt. Der Verkauf ging jedesmal glatt von statten. Die Be- kanntmachung der Verkausstage erfolgt durch Anschläge an den Straßenecken und-bäumen. Ebenso hat sich der Seefisch- verlauf der Gemeinde, der an jedem Donnerstag und Freitag in je einem Laden der beiden Ortsteile stattfindet, gut entwickelt. Die Qualität der gebotenen Fische wie die des Fleisches finden all- festig Anerkennung. Lichtenberg-Friedrichsfelde. Eine« Kammermusikabend veranstaltet am Montag, ven 18. November, abends pünktlich 8*4 Uhr, im' Lokal„Schwarzer Adler", Lichtenberg, Frankfurter Chaussee S/6, der Jugendausschutz. Mitwirkende: Kestenberg-Trio und Irl. Meta Jlotnicka, Sopran. Programm: Beethovenabend. Eintritt inkl. Einführungsheft und Programm Erwachsene 30 Pf.»Jugendliche unter 18 Jahren 10 Pf. Britz. Am DienStag, den 11. November, abends von 6—8 Uhr. finoen die Delegiertenwahlen der Arbeitnehmer für die Britzer Ortskranken- koste im Lokal von Raddatz, Chausteestr. 39, statt. Es sind 70 Dele- gierte zu wählen. Als Legitimation ist das Mitgliedsbuch mit- zubringen. Es wird erwartet, dah sich die Genossen an der Wahl zahlreich beteiligen. Vorschläge zu den Delegierten werden bis Mon- tag abend beim Gen. A. Hendnschke, Neukölln, Thomasstr. 26. v. II, entgegengenommen. Steglitz-Friedenau. Die politische und sozialistische Schulung der jüngeren Genosten und Genossinnen mehr als bisher zu betreiben«, ist den Organisa- lionen vom Cheminitzer Parteitag zur Pflicht gemacht worden. Von den beiden« Wahlvereinen ist f-üv d«icsen Zweck ein gemeinsamer Leseabend eingerichtet! luorde u«, der allmonatlich einmal« im Lokale von Heizmann, Steglitz. Florastrahe 2a, stattfinden soll. Als Lehrer ist zunächst der Genosse Ernst Däumig gewonnen, der am Freitag, den 15. Ncwcmbcr. 13. Dezember, 10. Januar. 14. Februar, 12. März und 11. April über das Thema:„K a p i t a 1 i s m u s und Sozialdemokratie" un«derrichten wird. Die Vorträge be- «ginnen pünktlich 8*4 Uhr. Die Genossen und Genossinnen werden aufgefordert, sich recht zahlreich und vegeiinähig an, den Lehrabenden zu bet«eiligeir. Friedrichsfelde. In einer sehr gut besuchte» Frauenversammlung referierte Ge- nossin B ohm-S ch uch in wirkungsvoller Weise über:„Die Haus- frauen und Mütter im Kampfe gegen die Teuerung". 17 Neu- aufnahmen waren das erfreuliche Ergebnis. In der Diskussion brachte Genossin Schmidt zur Sprache, daß die Gemeindeverwaltung mit den Schlächtermeistern eine Vereinbarung getroffen hat, wonach dieselben beim Verkauf russischen Fleisches volle 15 Pf. Aufschlag nehmen dürften. Das fei fast doppelt so viel als in Berlin und erhöht den Preis derart, dah der Unterschied gegenüber der teuren inländischen Ware fast ausgeglichen werde. Bei einer Rücksprache mit dem Bürgermeister hat derselbe diese befremdliche Mahnahme damit begründet, dah die Gemeinde nicht in der Lage sei. wie Berlin den Schlächtern Räume, Licht und Wasser gratis zur Verfügung zu stellen. Auf die Frage, weshalb die Gemeinde diese Unkosten nicht ebenfalls übernehme wie Berlin, habe der Herr achsel- zuckend erwidert, die Gemeinde habe zu viele anderweitige Ver- pflichtungen. Ob er wohl an d,e letzthin für die sogenannte„Jugend- pflege" hinausgeworfenen 500 M. gedacht hat? Jedenfalls kam in der Versammlung in den beredten Werten des Genossen Lehmann und deit vielfachen ZnstimmuilgSäuherungen der Versammelten zum Ausdruck, dah es eine wohlfeile Art sei, sich mit dem Mantel sozialer Fürsorge zu schmücken— solange eS nichts kost et. Weihensee. Der abgesetzte Schöffe Dr. Pape, der seit längerer Zeit in Siam weilt, wo er eine deutsche Apotheke leitet, bat seine„Lieben" in Weihensee immer noch nicht vergessen. Nachdem er trotz aller an gewandten Juristenkunst seinen Verwaltungsposten im Koinmunal- dienst hat verlassen müssen, wird er sich hier als Rechtsanwalt nieder- lassen. Da ihn, noch der Kundenkreis zu fehlen scheint, sucht er wohl auf andere Art die Emführung in sein Amt. So hat er den Genossen Fuhrmann wegen Beleidigung verklagt, die derselbe in der Gemeindevertretersitzung vom 16. August begangen haben soll. Eine angewandte Redensart über die„siamesischen Zwillinge" bezieht Herr Dr. Pape auf sich. Bohnsdorf. Zu einer imposanten Kundgebung gestaltete sich die Versaminlnng am Sonntag, den 3. November, in welcher Genosse Adolf Hoffmann und Adolf Harndt über das Thema:„Der Mihbrauch der Religion zur Unterdrückung des Volkes" referierten. Der Ortsgeistliche hatte «nitgcteilt, dah er leider verhindert sei. zu erscheinen. Der Vor- sitzende gab bekannt, dah Austriltserklärungen aus der Landeskirche an das Amtsgericht Köpenick zu richte» seien. Am Schluh der Ver- samnilung wurden 36 Austriltserklärungen sdarunter für neun Kinder) angezeigt. Am Sonntag, den 24/ November(Totensonntag) veranstaltet der BildungSausschnh in der Villa Wahl einen Rezitationsabend:„Die Weber." Anfang 5 Uhr. Schcnkendorf bei Königs-Wnsterhausen. In einer gistbrsuchtcn öffentlichen Versammlung am Sonntag referierte Genosse K l ü h- Neukölln über„Volksentrechtung, Volks- elend und Kriegsgefahr". Das Referat wurde mit grohem Beifall aufgenoinmen. Der Gesangverein Königswusterhausen trug am Beginn der Versammlung ein stimmungsvolles Lied vor. Am Schluh crmahnte der Vorsitzende Genosse Schinidt die Versaimnellen zum Anschluh an die Organisation sowie zum Abonnement auf die Parteipresse. Reinilkendork.\ Tic Gcmcindcpcrtretttng wählte in ihrer letzicw Sitzung zunächst den Schössen« Dr. Kühne mann auf weitere sechs Jahre zu«m Gclyciiidieschössen«. Sodann erfolgte die Gültigkeitserklärung und Einführung des an Stelle des verstorbenen Banldirektors Stoff in der ersten Abteilung gcnxchWicn Direktors Phielicke. Welch scharfer Jntcvessenkamps sich zurzeit zwischen« den« Bürgerlichen« abspielt, ließ deutlich die Einführu ngAred«e des Bürgermeisters erkennen. Hielt er es dock; für notwendig, den« Neueingesührten daraus hinzu- weisen�, dah er in die Gemeindevertretung gewählt sei zur Wahr- uehmuug der Interessen der Allgemeinheit und nicht« der von ihm vertretenen Grundst«ücksyesellschast. Bemerkt werden muh jcdoci«. dah das neue Mitglied gegen den ofsizicllen Bürgcrmeistcrkändidaten kandidierte und aus der Wahl als Sieger hervorging. Bester als den Ncucingesührien be- handelte der Bürgermeister einen Ausgeschiedenen— unseren Genossen« Ohl, der sein Gemcindevertrctermandat niedergelegt hat. In anerkennenden Morien gedachte er«des„tätigen Mitgliedes«, der bei zwar mit den« Anschauungen« der Mehrheit auseinandergehenden Meinung doch stets bchtrebt war, die Interessen« der Gemeinde tvahrzuuehmen, n-ni» zu fördern". Er, der Bürgermeister, werde dm Genossen Ohl diese Anerkennung seiner Tätigkeit im Interesse der Gemeinde schriftlich mitteilen. Beim« Bericht über die statt- gefundene auherorden«tliche Kasscnrevision teilte der Bürgermeister mit, dah im ersten Semester bei der großen Mehrzahl der Steuer- arten! das Einnahmcsoll nicht erreicht worden sei. Ein« Antrag des GcwerbeschutzvereinA wegen« Erlah von Besttnnnungen« zur Einschränkung des Hausierer- und StrahenhandelS wurde abgelehnt, nachdem sich der Gemeindevorstand und unsere Genossen Köhn und G u r s ch dagegen ausgespnxhem Lahm wie die Begründung des Antrages durch den Gewerbeschule rein war auch die Befürwortung des Antrages«durch die Gmeindevertrekr Wage mann und Henschke, alles„olle Kamellen«": Konkurrenzneid und Haus- besitzerschmerzen. Das Wasserwerk konnte im verflossenen« Sommer an einigen heißen Tagen« währen«d der Mittagsstunden« d«en vor- haindenen Bedarf nicht decken«. Es sollen« zu«r Abstellung dieses Mangels vier neue Brunnen gebohrt« werden«. Die entstehenden Kosten« in Höhe von 15 000 M. werden bewilligt. An Stelle des jcl?t bestehenden, Stcuerabholesysteins beabsichtigt der Gemeinde- vorstand«das Slvucrbrirvgesystem einzuführen. In« einer Vorlage werden die für die Gemeinde hieraus sich ergebenden« Vorteile klargelegt, die einmal bestehen« in der Ersparung von Beamten« und der Möglichkeit der Verwendung von Registrierkassen, Rechen- Maschinen usw. Namens un«serer Fraktion erklärte Genosse Schön- b e r g die prmzipielle Geneigtheit, der Vorlage zuzustimmen, falls es möglich sei, die Interessen« der Gemeinde mit denen der Steuer- zahler zu vereinen. Da«s trifft nur zu, wenn diie Möglichkeit zur Steuerzahlung erleichtert wird. Hierzu genüge aber nicht«die Er- richtung der geplanten, Anamhmestellen iin Westen und aus dem Hausotkerplon. Gefordert werden, müsse ferner eine Annahzne- stelle auf dem Schäsereibezirk«, die Annahme der Steuern auch an einigen Abendem serner die Möglichkeit der Steuerzahlung bei den« Banken. Vom Genieindcvorstand wurden hiergegen Betenken geäußert, doch sollen, die Anträge erwogen, werdein Unsere Genossen beantragten deshalb die An«gelegenHeit zu« vertagen,, bis sich der Gemeindevorstand über die Anträge sckMissig geworden ist. Doch lehnten das die Bürgerlichen« ab. Ihnen und ihren Wählern ist die Art««der Steuerzahlung ja ganz gleich. Das besorgen ja ihre Danken,, ohne jede Aäühewalwng für die Glückliche«?. Dieseliben Herren« stimmten« auch schliehlich dem Antrage des Geiiueindevor- standes aus«„Einführung des Steucrbriuyshslerns" zu; doch soll der Gemeindevorstand die von unseren Genossen, gestellten Anträge möglichst berücksichtigen. Da unseren Genossen hierfür keine Gewähr geboten werden konnte, stimmten« sie gegen, die Vorlage. Eine am Ort bestehende private höhere Mädchenschule, die von der Gemeinde bisher schon durch unentgeltliche Hergabe der Schul- räume und der Lernm«i«t-teh sowie einer Barentschädigung von 2000 Mark jährlich subventioniert wurde, soll vom 1. April ab von, der Gemeinde»«vernommen werden«. Obgleich der Zuschuß, den die Schule erfordert, hierdurch von 2000 auf 9000 M. sich erhöht, und für andere viel wichtigere Bedürfnisse kein Geld da ist,„uuih die Schule übernommen werden, sollen die wenigen, stcuerkräftigen und leistungsfäh-.gen Einwohner nicht auch noch den Ort verlassen«". Dieser Hinweis eines der Bürgerlichen auf die Ansprüche der Be- sitzenden und die leerstehenden« größeren Äohmmgen hatte durchschlagenden Erfolg bei der aus Hausbesitzern, Gimndstücksspekulan-ten und anderen Honorigen bestehenden Majorität». Und so hat denn die Gemeinde künftig die Mittel auszubringen zum Unterricht nicht nur der„besseren Söhne", sondern auch der„höheren Töchter"« Potsdam» Der russische Fleischverkauf, der in Potsdam schon diese Woche beginnen sollte, verzögert sich, weil zwischen dem Magistrat und den Sckilächtern keine Einigung erzielt werden kann. Der Magistrat nröchte auf Grund der schlechten Erfahrungen bei dem kürzlich statt- gefundenen Fleischverkauf den Verkauf nicht in eigene Regie über- nehmen, sondern das Fleisch an die Schlächter verkaufen, damit diese eS zu einem vom Magistrat festzusetzenden Verkaufspreis auf eigenes Risiko wieder verkaufen. Die Schlächter sind jedoch gegen den ihm vorgeschriebenen Prozentsatz de? Umsatzes. Es tut dringend not, dah reckt bald eine Einigung erzielt wird, damit auch die Potsdamer Einwohner, die bekanntlich im Regierungsbezirk Potsdam die höchsten Flei>chpreise zu zahlen haben, mit billigem aus- ländischen Fleisch versorgt werden können. Sitzungstage von Äadt- und Gemeindevertretungen. Wilmersdorf. Mittwoch, den t3. November, abends S Uhr, in der Aul» der Pittoria-Luijen-Hchule, Uhlandstratze. Brib-Buckow. Montag. 1k. November, nachmitla.zS S Uhr, im Sitzungssaal des Rathauses, öffentliche Gemeindevertretersitzung. Lübars-Waidniagnslust. Montag abend 7'/, Uhr im Gemeinde- bureau, Kurhausstr. l I—13 Diese Sitzungen sind öffentlich. Jeder Gemeindeangehörige ist bt> rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Huö der frauenben>egung. Zur Spaltung im Frauenstimmrcchtsvcrband. Die Angriffe von Frau Anita Augspurg im„Frauenstimmreiht� gegen die aus dem Stimmrechtsverband ausgeschiedenen Mitglieder haben eins dieser früheren Mitglieder zu einer öffentlichen Er- klärung veranlaht. In einen? Rundschreiben an die Mitglieder der Groh-Bcrlincr Ortsgruppen für Frauenstilnmrecht legt Tony B»cit scheid die Vorgänge auf der Weimarer Beiralskonfercnz bfc. Dem Bericht entnehmen wir folgendes: „Die Weimarer Konferenz, die aus dein Vorstand des Deut- scheu Verbandes und den Vorsitzenden der Landes- und Provinzial- verezzje oder deren Stellvertreterinnen zusammengesetzt war, hatte über den§ 3 zu beraten. Man war sich klar, dah es nicht so weitergehen dürfe wie bisher, wo Organisationslcite- ri??nen und ei?? Vorstands???itglied des Verbandes ofsengrgendenß3agitierten. Ui?beeinfluht von äußeren Momenten sollten die Orggnisationsleiterinnen untersuchen, was gc- schchen könne, um gesunde Zustände zu schassen. Ter vielumstrittene Z 3 der Satzung lautet: §3. Grundsätze. Der Verbal?d steht nicht aus dem Boden einer bestimmten poli» tischen Partei oder einer bestimmten Richtung der Frauenbeivcgung. Der Verbaild erstrebt das allgemeine, gleiche, direkte und gc- Herne, aktiv«, sowie das passive Wahlrecht für Frauen zu de«? gesetzgebenden Körpcrschafien und den Organen der Sclbstvcr- waltung.— Ter Konferenz lagen dazu mehrere Anträge vor, darunter der Antrag Augspurg:„Der V«�rband erstrebt das persönlich a??szuübcnde gleiche Wahlrecht für alle Frauen zu de«? gcsetzgcbcn- den Körperschaften und den Organen der Sctbstverlvaltung." Dazu ein Zufatzantrag vo?? Frau Lil?dcmani?-St?Utgart das Wort„ge- heim" cii?zufügc>?. Der Antrag Lindman«? fiel, der Antrag Ailgspurg tvurde da- gegen mit 16 gegen ll Stimmen und einer Enthaltung angenoinme«?. Gegen den Antrag stimmten: Caucr lnit 2 Stimmen, Hami??cr- schlag, Elbcrskirchen, Luders, Oskr, Lischnewska je eine Stimme, Lindmann und Breitscheid?>?it je 2 Stimmen. Frau Cauer, Hammerschlag, Elberskirchen, Lüdcrs und ich hatten vorher erklärt, daß>v?r bei Annahme des Antrages Augspurg nicht länger im Deutschen Verband bleiben könnten. Wir sahen in den? Abweichen von der alten Fassung den ersten Schritt zum gä??zlichc?? Fallenlassen der Forderung des allgmeinei?, gleichen, direkten, geheimen Wahlrechts. Nachdem der Antrag angenommen nmr, erklärte ich meinen Austritt lnit der ausdrücklichen Einschränkung. dah ich die übcrnon?me??en Pflichten(einige Vorträge) noch erfülle» und meinen Organisationen noch Bericht erstatten würde. Nimand hat damals Einspruch erhoben. Frau Caucr erklärte, nach der Preußischen Generalversammlung ausscheiden zu wollen. Wie liegt die Sache nun? Mit der Annahme des Antrages Augspurg ist die Lage konfuser denn je geworden. Den„Refor- lncrn" geht er nicht weit genug und von ihrem Standpunkt aus haben sie recht. Auf diesem Boden ist eine Verschmelzung mit der Deutschen Vereinigung für Fraucnstimmrecht nicht möglich, da diese das �.gleiche" Wahlrecht nicht akzeptieren kann. Der größere Teil der„Reformer" will die Verschmelzung. Wenn die anderen „Resomer" für den Antrag Augspurg gestimmt haben, so taten sie es in der sicheren Erwartung, dah es leichter sein werde, auf einer Generalversan??nlung diese Fassung zu Fall zu bringen, als die alte Formulierung des Z 3. Die Weimarer Konferenz war für die Frcunde'der Aufrecht» erhaltung des 8 3 so günstig wie möglich zusammengesetzt. Nur Baden nmr unvertrete??. Alle preußischen Provinzialvercil?e hatten delegiert. Auf der Generalversam?nlung des Verbandes werden aber die„Reformer" in der Majorität sein; sie ziehen auch den größten Teil derer mit sich, die der Aendcrung jetzt zugestimmt haben, nur u?n, wie es heißt,„den Frieden ilmcrhalb der Organi- satim? herzustellen". Diejenigen, die gleich unS der Ansicht sind, daß ein Prinzip verletzt wurde, als man die aus der Reichsverfassung entnommene Formulierung änderte u??d gleichzeitig das direkte und geheime Wahlrecht fallen lieh, und doch noch versuchen wollen, sich im Verba??d durchz??setzcn, werden bald einsehen, daß wir recht hatten mit unserer Auffassung der Lage." Wir haben die Ausführungen Tony Breitscheids ausführlicher wiedergegeben, weil sie so außerordentlich charakteristisch sind für die augenblickliche Verworrenheit unter den bürgerlichen Frcun» dinnen des Fraue??stimmrcchts. Nur ganz wenigen Frauenrechtle» rinnen ist es ernst?nit der völligen Befreiung ihres Geschlechts auS politischer Rechtlosigkeit. Die überwiegende Mehrzahl tritt nur scheinbar für eine Gleichberechtigung ein; tvas sie erstrebt, sind nichts anderes als Klassenvorrecht«. Würden ihre Ziele verwirk- licht, so bedeutete das nur ein neues Unrecht gegenüber den Arbeiter» frauen und der Arbeiterklosse überhaupt. Aus dem Rundschreiben von Tony Areitscheid geht auch hervor, dah unsere ersten Mitteilungen(die uns von anderer Seite zu- gegangen waren«) durchaus zutreffend waren. Wie Anita Augspurg dazu kanr. sie wesentlich unrichtig zu nennen, bleibt uns daher völlig unerfindlich. Versammlungen— Veranstaltungen. Am DienStag, abends 8 Uhr. Architcktenhaus, sprechen im Bund für Mutterschutz über das Thema:„Geburtenrückgang— eine Gefahr?" Dr. phil. Helene Stöcker, Rcichstagsabgeordneter Dr. Eduard David, Dr. med. Julian Marcuse?München. Jugendveranstaltungen« Lichtenberg. Die am Sonntag, den 10. November, lm Tasj Bellivue angesetzte Jugendversammlung kann besonderer Umstände halder nicht statt- finden. Allgemeine Familleiisterbrkasie. Heute Zahl- und Aufnahmetag von 3—6 llbr im Reklamant Ackerür. 122. Hilfskasse der Graveure, Ziseleure und verw. Berufsgenofse» zu Berlin lagt jeden zweilcn Montag im Monat, abends yon 8—10 Uhr. im Restaurant Luijenuier 1._ Arbeiter-Samariterbund. Kreis Brandenburg. Lehrabend haben in dieser Woche: L e r II n. Am Montag 1. Abteilung in den Rittersäleu, Ritterstr. 75, abend» 8'/. Uhr.• Neukölln. Am Freitag in der Jdealpassage.Weichfelstraße 8, abend» 8'/, Uhr. Schöneweide. Am Montag bei Schulz, SiemenSstr. 12, abends 8'!, Uhr. Schöneberg. Am Donnerstag bei Hacndcl, Vorbcrgftr. 9, abends 8'/, Uhr. N o w a w e S. Am DienStag in der Fortbildungsschule, abends 8 Ubr. Wilhelmsruh u. U m g. Am Donnerstag, den 14. November. Der Lchrabend beginnt um 8 Uhr abendS im Lokal Bicnwald, Ncinicken- dorj-Ojt, Provinzstratze 93. 5 0/o Rabatt beim Vorzeigen dieses Inserats. Für Damen! ADS meine,n Engroslager: Wegen vorgerückter Engros-Saison enorm billige Preise! 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November 1911 vomlUags. j NuuMr sina svrtt gtohli hake So- II«..«n<) swor J.'eütor o«f 3O099 216 300 46 410 641 779 861 31125 210 45 64 361 83 87 406 7 660 614 32121 832 622[600] 60 854[1000] 69 60[1000] 92 983 33110 247 348 449 629 73 97 718 64 70[600] 948 34029[600] •181 810 51 613 728 888[800] 97 35018 80 168 263 433 732 37 60[1000] 913 36263 422 618[600] 25 1500] 775 833 37010 183 469 639 972 38041 45 115 ßl[600] 38 72 350[580] 445 651 634 48 734 40 48 P4 89004[3000] 100 272 410 21 53 927 40055 119 78 238 694 754 881 41115 48 213 451 (750 74 905 23 60 73 42083(10001 70[3000] 162 ß78 422 78 79 633 605 68 008 93 43044 364 861 787 BIS 31 63 44062 101 79 295 98 634 98 649 865 937 48127 57 82[1000] 219 74 309[500] 12 49 68 634 >600] 640 702 88 822 904 6 46 46015 208[1000] 329 05 63 474 698 606 13 tlOOO) 710 819 4 7012 71 235 006 442[1009] 66 866 38 747[1000] 043 81[1080] <936 43068 148 403 703 25[500] 854 98 46079 198 >580] 508 6«[500] 94 774 841 917 � 50053 201 67[1000] 689 ist[500] 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Di- EKrkchstundc ststdrt L»» d e ,» ft ra S e SS, vor» Vit» rrrvve» »» vllprftkhl—, wochtuta glich von bis 7M> Mir-bendS. EimnabcnvS, «»» 4� vis«.Uhr adends K»N. Jrdrr für den Brieskaftev veslimmten«nsrage ist et» B,rchi>ave und eine Zahl als Merkzeichen drizusiigen. Briefliche Antwort wird»icht cncflt. Anfragen, denen keine Adonnementsgutttling drigesüg« ist, wetten»il.it deautwortct. Eilige'Fragen»rage man in de» Svrechstmide vor ■ L. P. f.• Tnzn find Sie verpflichtet. Koslenpimkt 1Z— 20 M. In Betracht komme?» fi r Zürich: Tagosanzeiger für. Stadt und �Kanton Zürich, fiir Genf: ßiK'tB de. Gesevr, für Paris: Matin.— G. 3. 74. Lichtenberg war bciL'.xt gt, per 1. Lltober er. neu zu veranlagen. Antworten Sie, daß Ihr AnA'cr� als VerieiilmgSantrag angesehen werden möge.— S. 105. Ja.— Ah'»!lel 100. 1. u. 2. Vormund nicht, wohl aber Pfleger. 8. Nach Zustellung des vom Vormundschastsgericht erlasienen BeschlusfeS kann Be> j fchwerde erhoben werden.— E. H. 7. Sie persönlich sind nicht hastbar, ' wohl aber ist Ihre Frau zahlungspflichtig.— SR. H. 100. Ihre Darstellung ist nicht recht verstandlich; wenden Sie sich an den Transport- arbeiterverband. Sektion Krastwagenführer, Engeluser U/1.5.— L. Z. Ja. S>i. W. 4. Die Klage ist beim KaufmannSgericht, Zimmerltr. SO. entweder schrfflltch in zwei Exemplaren einzureichen oder dort aus der Gerichts- schretberei zu Protokoll zu erklären. H. M. 53. t An denjenigen, der sich entweder durch eine Bollmacht der übrigen Miterben oder durch«inen ............ Geschieht In PotS- dam hinterlegen. Sie müssen Jahr vor Ablaus kundigen. 2. Ja, sofern Verkäufer sich nicht das Eigentumsrecht vorbehalten hat. 3. Nur mit Zu- stimmung der Eigentümerin. 4. Nein. 5. Ja.— I. M., Kiel. Die Nachveranlagung war zulässig, sofern Ihr Einkommen der Veranlagung entsprochen hat. Die Steuerbehörde kann die Zahlung des ganzen Be- Ausetnandersebungsrezeß als Empsangsberechligter legitimiert. daS nicht, so können Sie die Miete bei der RcgierungShauptkasse lrageS beanspruchen, auch— da in einem solchen Falle der Fälligkeils- termin erst mit der Veranlagung eintritt— Ihren gesamten Lohn beschlagnahmen. ES empstehtt stch aber ein Antrag aus Gewährung von Ratenzahlungen, dem wahrscheinlich entsprochen werden wird. — G B. 60. Ihre Darstellung ist unklar, kommen Sie in die Sprech- stunde.— G. 30. In der Regel genügt Militärpaß und Geburtsurkunde. Todesurkunde Ihrer Mutter ist nicht erforderlich.— P. 3t. 100. Ihre Darstellung läßt nicht erkennen, welche Arbeiten Sie übernommen oder zu welchen Arbeilen Sie verpflichtet waren. Deswegen läßt sich auch nicht bc- urleilen, ob Ihre Weigerung berechtigt war. 2. Zur Rückzahlung sind Sie nicht verpflichtet, da» Eintrittsgeld konnte gekürzt werden. Polizeirevier. 4. In 80 Jahre», da ausgeklagt. 5. Nein. 3. An das S. Falls Ihre Frau keinen Verdienst hat, inüssen etwa 25 M. pro Woche belassen werden. 7. Nein.— Neukölln 100. Sie persönlich sind sur Ihre Beiträge jedoch""" Neukölln 100. Sie Ihr Mann hastet Ratenzählungen gewähren, ist aber sind nicht. dazu Die nicht Gläubigerm verpflichtet. 6t gründet 1864 waren. Engroe— Export. S. Schlesinger, Neue KSnigttr. 21 Ordonnanzhans. Kein Laden! II. Etage,, Einzelverkaiil wie alljährlich zu billigst. Preisen. Pelz-Stolas Muffen Chiok garnierte Damenpelzhiite federleicht Reparaturen sauber und billig. Sonntag geöffnet. Bitte genau auf Hausnummer LI zu achten. Schailplalten Verleih-Institut, ß IAuchnacliau'warli. flrotpektgnth. B Karl Borb«, Berlin 31 w Pclzwaren, Stolas, VNusfe», in eigener Werk- statt anaeserligt, solide Aussührung, billige Preise..VelteleG, Choriner Str. 40, II.* >S HH Decken Sie Ihren Bedarf an Herren-, JUnsünss- m Men-BekleiminsjeOrt fertig und nach Mass, bei der H. 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