Ar. 265. RbonnementS'lkdindOltg«!): •Bonnemcnt?> Preis StänumeranbO! riertcljährl. 3,30 Sit, Mona», 1,10 Mk, w-ichcnUut, 28 Pig, frei iuS HauS. Einzelnc Nummer S Pfg. Sonntags- nummcr mit illustrierter Soimtags- Beilage„Die Neue Weit" 10 Psg. Post. ?ibonncmenl: 1.10 Mark pro Monat. eingetragen in die Posl-ZeitungS- Prciöliste. Unter Kreuzband für Demschiand und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. Postabonncmeni» nehmen an: Belgien. Dänemark Holland. Italien, Luxemburg. Portugal. Runiänien, Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. v!e snkertionz-eediihi' beträgt für die scchSgcspaltcnc Koloiiel, geile oder deren Raum 60 Pfg,. iiir polistschc und ftewerlichaftlichc Berlins, und Bcrsannnlungs-Anzcigen 30 Pfg. „meine Mnecigcn", das scltgedruclte Wort 20 Pfg, tzulässtg Üfetigedrucllc Worte), jedes weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlasstcllenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über lüBua,- flaben ziihlcn für zwei Worte, Jnferaie lü Hl----------- oflei— stal_.__________________ jiir die nächste Äuninier inüiscn bis k Uhr uachnüttags in der Expedition abgegeben werde». Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet, CiMjttnt tlslld) auBtr montigs. Zevlinev Volltsblntk. Telegramm, Adresse: „S»IiIiItI0»Ill,t kikffh". �entralorgan der fozialdcmokrati fchcn parte» Dcutfchlands. Redaktion: 8M. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Morihplaü. Nr. IvS». Dienstag, den 12. November 1912. Expedition: 8M. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moriüplah, Nr. 19S4. Aachsenäe Gefahr. Die Situation ist f e h r e r n st. In B u d a p e st ist das Haupt der österreichischen Kriegspartei, der Thron- folger, unerwartet erschienen und nach seiner Audienz beim Kaiser fand unter dessen Vorsitz eine Beratung der in Budapest zahlreich versammelten Generäle, mit dem Äriegsminister und dem Chef des Generalstabs an der Spitze, statt. In Budapest ist auch als Vertreter des Balkanbundes der Präsident der bulgarischen Sobranje, Herr Danew, erschienen und hat mit dem österreichischen Minister des Auswärtigen und dem deutschen Botschafter konferiert. Das Ergebnis all dieser Beratungen ist vorläufig unbekannt. Aber dieses Schweigen verheißt nicht viel Gutes. Vorläufig ist der scharfe Gegen- satz zwischen Serbien und Oesterreich noch unüberbrnckt. Von den vielen Gefahren, die der Zusammenbruch der Türkei erzeugt, ist dieser Gegensatz die am unmittelbarsten den Frieden bedrohende. Darüber darf man sich auch nicht durch die Darstellungen täuschen lassen, die das österreichische Auswärtige Amt nicht nur in die Wiener, sondern auch in weitverbreitete deutsche Zeitungen zu lanzieren weiß. Die österreichischen Offiziösen suchen die Gefahren, die das unverantlvortliche, friedens- gefährdende Gebaren ihrer Regierung erzeugt hat, möglichst gering erscheinen zu lassen, sie leugnen die Unterstützung, die Serbien bei Nußland und damit bei der Tripelentente findet, zu dem frevlen Zweck, die deutsche öffentliche Meinung irrezuführen, sie in Sicherheit zu wiegen, bis Unwider- ruflickjes geschehen. vollendete Tatsachen geschaffen und das Erwachen aus trügerischer Ruhe zu spät ist. Und dieses saubere Geschäft wird ihnen erleichtert durch die Kritiklosigkeit der deutschen bürgerlichen Presse, die statt schärfsten Wider- sprnch zu erheben, daß deutsche Soldaten dein habsburgischen Größenwahn zur Verfügung gestellt werden, stnmpffinnig der Politik der Herren v. Bethmann und Kiderlen, der Helden von Agadir, zusieht, die das deutsche Volk in Verpflichtungen verstrickt, die ihm verderblich werden müssen. Es ist Wahnsinn, heller Wahnsinn, das Leben deutscher Bürger, die Wohlfahrt deutscher Wirtschaft den Hausmachtsplänen einer fremden Dynastie opfern zu»vollen. Man nenne uns doch nur ein einziges, noch so Ivinziges deutsches Interesse, das dadurch geschädigt»viirde, wenn Serbien einen adriatischen Hafen zur ungehinderten Ausfuhr seiner Agrarprodnkte endlich erlangt. Nicht einmal ein öfter- reichisches Interesse spricht dagegen und die österreichischen Kaufleute und Industriellen hätten nicht das geringste da� gegen cinzulvenden. Nur der alte Herrschaftstranm der Habsburger»väre ausgeträumt, die, aus Deutschland hinausgeivorfen.»veil sie die schlimmste� Feinde der deutschen nationalen Entwicklung gewesen sind, sich dafür im Osten für den im Westen verlorenen Besitz zu entschädigen hofften und hoffen. Und da- für engagieren die unfähigen Dilettanten, die die deutsche Politik machen dürfen, die Macht des deutschen Volkes, dafür verlangen sie von den arbeitenden Massen dieses Reiches, daß sie sich auf die Schlachtfelder schicken lassen sollen? I Es gibt kein deutsches Interesse, kein ein- ziges keiner einzigen Schicht des deutschen Volkes,»velches eine solche Politik rechtfertigen könnte. Nur Kindsköpfe können meinen, daß der Dreibund oder unser Bundes- Verhältnis mit Oesterreich geschwächt»vürde, wenn»vir uns nicht zu Knechten des österreichischen Thronfolgers herab- würdigen lassen. Oesterreich, von der einen Seite von Ruß- land, von der anderen vom Balkanbund flankiert, gegen Italien stets von Mißtrauen erfüllt, kann die deutsche Hilfe und Unterstützung in Zukunft noch»veniger entbehren als je. Daß Oesterreich uns untreu würde, ist eine Drohung, die nur politische Analphabeten schrecken kann. Aber dieser An- alphabetismus ist ja das Kennzeichen der deutschen aus- wärtigen Politik, ist ja das Geheimnis ihrer Erfolglosigkeit. Und aus Aug st vor einein leeren Phantom treibt die deutsche Regierungspolitik i>» die unabsehbaren, entsetzlichen Gefahren eines europäischen Krieges hinein, eines Krieges, der auch vom bürgerlichen Standpunkt aus, gescknveige denn vom proletarischen durch nichts gerechtfertigt werden könnte- Täuschen die Habsburgische Diplomatie und ihre Offiziösen die Welt über die Gefahr, in die ihr frecher Einspruch die europäischen Völker stürzt, so belügen sie.sie nicht minder über das wahre Ziel. Eben jetzt hat sich die alte Erfahrung er- neuert. wieviel die Versprechungen und Beteuerungen der Diplomatte vor Ausbruch des Krieges»vert sind. Nicht nur die europäische Diplomatie, die Regierungen der Balkan- staaten selbst haben vor dem Krieg ja unaufhörlich versichert, fie wollten keine territorialen Veränderungen. Glaubt man in» Ernst, daß Oesterreich,»venu seine Politik einmal zum Krieg geführt hat. den Krieg nur für ein autonomes Albanien führen werde? Die albanische Frage ist für Oesterreich nur derselbe Vorivand, den die mazedonischen Reformen für Bulgarien und Serbien gebildet haben. Und glaubt man, daß sich die russische Diplomatie nur einen Augenblick über die»Vahren Pläne deS habsburgischen Macht- »vahns täuschen lassen wird, so wie sich die törichten deutschen Zeitungsschreiber drüber täuschen? Die Frage des serbischen Hafens wäre leicht gelöst, stünde dahinter nicht der öfter- reichisch russische Gegensatz und damit der zwischen Tripel- entente und Dreibund. Das ist ja eben die unverzeihliche Torheit der deutschen Politik, daß sie Oesterreich nicht daran hindert, durch Aufwerfung der serbischen Frage diese Gegensätze in ihrer ganzen Schärfe sich ent- »vickeln zu lassen. daß sie der habsburgischen Politik. die im eigenen Reich von einer Krise zur anderen tauinelt, die bei allen österreichischen Völkern Haß und Verachtung genießt, daß sie dieser Politik der Reaktion, des Klerikalismus, der Völkerknechtung deutsches Gut»lud Blut zur unum- schränkten Verfügung stellt! Fürwahr eine schöne Aufgabe für das Deutsche Reich I Dazu waren 5königgrätz und Sedan nötig, dainit»vir die Ehre genießen, für die Machtgclüste der habsburgischen Dynastie, für den Ehrgeiz Franz Ferdinands, dieser Hoffnung des Vatikans, aufs Schlachtfeld geschickt zu werden! Welche Absurdität, daß unser Volk in» 20. Jahrhundert auch nur das Leben eines einzigen opfern sollte, um freinden dynastischen Ehrgeiz zu befriedigen I Will»nan denn die Völker Europas mit Gewalt zum Nachdenken darüber bringen, wie- viel besser es wäre,»venu Europa weniger kosakisch und mehr republikanisch regiert»vürdes? 9! ein. ein solcher Krieg kann und darf nicht geführt»Verden und»vir kümmern uns einen Dreck um Oesterreichs Balkan st cllung! Wir wolle» de» Friede»» und der romantischen Nibelungen- treue, die die Köpfe unserer Regierenden Verlvirrt, setzen wir iinmer»vieder unsere Parole entgegen: Keine Ei»n»ischu»g! Strikte Neutralität! Der Balkan den Balkanvölkern! Serbien und OeUerrekh. Der Standpunkt Oesterreichs. Wien, 11. 9!oveinber. Der Budapester Korrespondent des „Neuen Wiener Tagblatt" erhielt von einer hochstehenden diplomatischen Persönlichkeit über den Zweck der Budapester Reise des Thronfolgers und über das Wesen der Budapester Konferenz und Verhandlungen folgende Aufklärungen: Oesterreich-Ungarn»vird sich in a l l e r n ä ch st e�r Zeit per- anlaßt sehen, mit Rücksicht aus die geänderte Situation auf dem Balkan seine Interessen in e n t s ch i e d e n st e r Weise geltend zu machen. Ter Standpunkt der Monarchie, der sich in allen Einzelheiten mit den übrigen Dreibundmächten deckt, läßt sich in folgenden Punkten zusanunenfassen: 1. Oester- reich verpflichtet sich, keinerlei territoriale Ansprüche auf dem Balkan zu stellen: 2. Oesterreich fordere die Unabhängigkeit Albaniens in einer später festzustellenden Form, eventuell als unabhängiges Fürstentum: 3. Oesterreich-Ungarn fordere Aufklärung über die Absichten Serbiens betreffs einer Hasen- erwerbung an der Adriaküste.— Hierbei muß bemerkt wer- den, daß der Dreibund in dieser Frage keine vollendete Tat- fache akzeptieren wird. Tie Situation ist zlvar uoch keine kriegsgefahrdrohende, aber eine sehr ernste geworden. Die Mission Danews. Budapest, lt. November. In bezug auf die Mission de« Sobranjepräsideiiten Danew meldet der„Pester Lloyd", daß in der Unterredung mit dein Minister deS Auswärtigen Grafen Berchtold alle auf der Tagesordnung stehenden wickNigen Fragen erörtert worden seien. Die Mission zeige, daß die Männer der bulgarischen Regierung aufrichtig bestrebt seien, alle be- stehenden Streitfragen in» Eiuvernehinen mit Oesterreich-Ungarn und mit Veriicksichtiguiig der Interessen der österreichisch-ungarischen Monarchie auszutragen, llmnittelbar nach Beendigung des Krieges mit der Tiirlci»verde der Besißstand der kriegführenden Mächte einer entsprechenden Korrektur unterzogen»verden müssen, und es sei deshalb belanglos, was augenblicklich jeder krieg- führende Teil in seiner Macht halte. Was den bulgarischen Einmarsch in Konstantinopel betreffe, so würde dieser nur vermieden können,»venn ein Wafseustill stand zu- stände komme, und wenn dieser zum Frieden führe. Selbstverständlich müßten die Türken sich verpflichte», während deS Waffeitslillstaiides die Tschataldschalinie nicht zu b e- festiget» und ans Asien keine B e r st ä r k u n g e n heran- zuziehen. WaS die Autonomie Albaniens betreffe. scheine Bulgarien ein autonomes Albanien zu wünschen l?). es fordere nur, daß in das autonome Albanieit nicht solche Gebiets- teile einverleibt werde»», die überwiegend von Bulgaren be- wohnt sind. Eine offiziöse bulgarisck>e Erklärung. Sofia, 11. November. Das Blatt„Mir" betont, daß Oesterreich-Ungarn bisher eine vollständig korrekte Haltung den entscheidenden Ereignissen ans dem Balkan gegenüber bewahrt habe, eine Haltung, die jeden Verdacht territorialer Absichten der Monarchie beseitigt. Die verbündeten Balkanvölker, die den Jnter- essen aller Mächte, sofern sie nicht territoriale Ansprüche bedeuten, Rechnung zu tragen bereit sind, werden eins wollen— daß die Mächte anerkennen, daß die Aenderung vollzogen»st, und daß sie aufhören, die Balkan st aalen als ihre Schützlinge zu betrachten. Jedes Abkommen init den Mächten auf der Basis voll ständiger Gleichheit der Rechte beider Parteien wird willkommen fein. Die englische Auffassung. London, 11. November.„Westminster Gazette" schreibt: Wir wünschen die Bedeutung der ö st e r r e i ch i s ch- s e r b i- scheu Frage nicht zu verkleinern, aber die Idee, daß Oesterreich mit Rußland sich deswegen in einen Konflikt stürzen und andere Mitglieder des Dreibundes nach sich ziehen werde, erscheint uns lächerlich. Oesterreich hat sich bisher vollkommen korrekt und geduldig verhalten, aber die alba- ncsische Frage ist so wichtig für Oc st erreich und Italien, daß wir füglich nicht ertvartcn können, daß diese Mächte den serbische»» Standpunkt als ein D e f» n i- t i v u m betrachten. Es»st von Bedeutung für ganz Europa, daß, wenn dieser Kampf vorüber ist, Albanien nicht an Stelle Mazedoniens das X der orten- talischen Gleich u»tg»vird. Pariser Stimmen. Paris, 10. November.(Eig. Ber.) Die Verwirrung der Diploinatie findet bcgreiflicher»veise in der der Presse ihr Gegenstück. Unternehmer- und Börseninteressen, nationali- stische Stiinmungspolitik, das Orchester der fest engagierten und der gelegentlichen Offiziösen der inländischen Regierung und der ausländischen Staatskanzleien und uirverantwort- lich kannegießernde Wichtigtucrei führen ihr wüstes Konzert auf. Man kann auch nicht sagen, daß diese vielfältigen Meinungen und Forderungen sich irgendwie nach den politi- schcn Parteien gruppieren ließen. Es gibt republikanische Blätter, die Oesterreich, konservative, die Serbien zur Mäßi- gung mahnen, radikale, die Rllßland,»»ationalistische, die England ihr Mißtrauen bezeugen, parlamentsseindliche, die angesichts des österreichisch-serbischen Konflikts jeden Kriegs- gedanken von sich weisen, denrokratifche, die mit dem. Säbel rasseln— und alles dies auch umgekehrt. Es gibt Leute, die den Augenblick der„Revanche für Agadir" gekoinmen glauben und andere, die es als Wahnwitz erklären, französischen Ar- heitern und Bauer»» die Kriegsbegeisterung, von deren elementare»» Wichtigkeit gerade die jüngsten Ereignisse ein Zeugnis abgelegt haben, uu» ein paar entlegener 9!ester an der Adria und um serbischer Staatsuotlvendigkeitci»»villcu zu- zumuten. Erfrculicheriveise kann man feststellen, daß bisher die friedensfreundlichen Meinungen noch die Oberhand haben, wenngleich gerade in den letzten Tagen ein Teil der radikalen Presse zn einer heftigeren Tonart übergegangen ist. Wir wollen einige der vernünftigen Aeußerungen hier»vieder- geben. So schreibt Albert M i l h a u d im radikalen„Rappel" vom 9. d. M.: ..Wenn die öffentliche Meinung in Rußland ins Gewicht fällt, so nicht minder in Frankreich. Wer aber wollte behauPtcn, daß unscv Land ein gebictcrischeS Bedürfnis fühlt, für Albanien oder für die Zuteilunfl der adriatischen Küste einem Krieg zu unternehnlen? Und doch würden»vir dahin getrieben»Verden— wofern wir die Warramgen unseres ganz besonders autorisierten und informierten„Matin" richtig verstehen. Man muß ihm für seine Aufrichtigkeit, fei sie auch noch so brutal, Dank wissen, denn Frankreich darf nicht übemnnvelt werden. Man wird sich ilimrer- hin fragen müssen, ob dieses Land, daß sich, wie sich in den Tagen von Agadir gezeigt bat, für die Ehre und dag Interesse der Natten immer zu erheben bereit ist, sich wie ein Hammel im ein Abenteuer hineintreiben läßt, das zu beschwören viel- leicht zu ststit ist." Ebenfalls am 9. d. M. schreibt Maxime Vuillaume, der einstige jakobinische Kommunard und jetzige gut natio- nalistischc Radikale: „Tie öffentliche Meinung— dies muß gesagt werden— fürchtet den Krieg, und vor allem würde sie nicht verstehen, daß wir hinmgcrissen werden. Vierzigjährige Bemühungen zur Sicherung der Verteidigung unserer Nation rönnen keiner avde« rem Sache dienen als unserer eigenen Verteidigung. Das Land denkt nicht daran— und es hat recht!—> sich für Albanien und adriatifche Häfen zu schlagen. Als man während der Marokko» und Kongoirise Herrn Jswolski fragte, ob Rußland den Krieg auf sich nehmen würde, antwortete er, daß es dazu bereit»väre. wenn die Ehre Frankreichs im. Spiel wäre. Aber er fetzte hinan: „Für die Äongofümpfe»verden wir uns nicht schlagen." Wäre der Krieg mtsgebrochcu, hätten wir uns allein verteidigen müssen. Nun, heute sagen auch wir: Wir wollen uns für Albanien und den Balkan nicht schlagen."» Sehr bemerkenswert ist ein Artikel, den Paul H y a c i n t h e L 0 y s 0 n, der Führer der„Jungradikalen", einer rührigen Gruppe reformistischer, demokratischer Iii- tellektuellen, in seinein Wochenblatt„Les droits de I'homme" (Die Menschenrechte) unter den» Titel:„Dem Wahnsinn ent- gegen" veröffentlicht. Loyson schreibt: „Da alle Zeitungen verschweigen, was alle Eingeweihten doch wisseis muß man den Mux haben, cs auszusprechen,: Von Tag zu Tag, Von Stunde zu Stunde Verschlimmert sich die europäische Situation, bis zu einem Punkt, Wo um n in unseren ij ochsten Sphären an die nahe Möglichkeit eines plötzlichen Ausbruchs glaubt. Ich spreche nie ein Wort aus, das ich vor meinem Gewissen nicht verantworten kann. Nun» ich weiss es aus einer un sohlbaren Quelle: im Augenblick, wo ich diese Zeilen schreibe, bereitet sich die Polizei vor, die bekannten AntiMilitaristen in Sicherheit zu bringen— ein sicheres Vorzeichen von Foindseligkciten—, und im Osten hat die Mvbilisation tatsächlich schon begonnen. Der gestrige Leitartikel des„Matin" über die Notwendigkoit, unsere Essektivbestände an der Grenze zu verstärken, diente dazu, diese Massregel zu maskieren.— Der grosse Verantwortliche ist O e st c r r e i ch, das zynisch plündern will. Die großen Schuldigen si n d F ra n krei ch u n d De utschland, die den Frieden erzwingen konnten, wenn sie im EinvernHmcn gc- sprochen hätten." „Es Hilst nichts, zu zweifeln und ebcnsot«eniA zu verzweifeln. Aber es heißt, energisch kaltblütig handeln. Es ist nicht möglich, daß 30 Millionen Männer dieses Erdteils einander massakrieren, ohne zu wissen warum. Nein, es wird noch in Europa einige Hunderttausende geben, die nicht von diesem galoppierenden Wahnsinn ersaßt sind." Loißson kündigt am Schluß seines Artikels ein Meeting für den Frieden an, an dem Sozialisten und Radikale teilnehmen werden. Unter dem Titel:„Der Bankrott der Diplo- m a t i e" schreibt der radikale Deputierte Marc R e v i l l e in der heutigen„Aurore", nachdem er erklärt hat, daß es undenkbar sei, daß Frankreich wegen des Balkankonflikts zu deu Waffen greifen könnte, folgendes: „Das einzige, was sich aus den Ereignissen aus dem Balkan mit Sicherheit ergibt, ist der Ba nke rot t d e v D i p lo m a ti c. Der betrügerische Bankerott sogar— denn das Strafgesetzbuch � verurteilt denjenigen, der seine Zahlungen einstellt, nachdem er dem Publikum durch Vorspiegelungen Vertrauen eingeflößt hat, um seinen Kredit zu sichern." Die Stimmung in England. London, lt. November.(Privattelegramm des„Vor- wärts".) Die gemessenen Worte des Premierministers haben die seit einigen Tagen herrschende drückende Stim- m u n g nicht zu zerstreuen vermocht. Einzelne Blätter er- warten den entscheidenden Punkt der Krise noch indieserWochc. Natürlich erfährt die in so allgemeinem Tone gehaltene Rede Asquiths die v e r s ch i e d e n st e A u s- I c g u n g. Man dürfte aber wohl kaum fehlgehen, wenn man aus der Rede herausliest, daß der englischen Regierung das Schicksal K o n st a n t i n o p e l s und Salonikis weit mehr am Herzen liegt als der Streit um die albanischen Häfen. Niemand ist es hier eingefallen, wie gewissen franzö- sischen Hetzblättern, eine Drohung in die Rede des Premier- Ministers hineinznlcsen. Diese mutwillige Verhetzung hat schon Antworten gefunden. So schreibt„Aorkshire Post", vielleicht das einflußreichste Provinzialblatt:„Wir müssen unsere eigenen Interessen wahrnehmen und so weit wie mög- lich mit unseren Freunden zusammenarbeiten, aber es ist nicht unsere Sache, französische Feindseligkeiten zu ermutigen oder französischen Vorurteilen Vorschub leisten oder für die Bal- kanstaaten die Kastanien aus dem Feuer zu holen." Ueber- Haupt hat sich bis jetzt noch kein englisches Blatt über den serbisch-österreichischen Konflikt e r h i tz t. Churchills Jingorede hat in der konservativen Presse außerordentliche Befriedigung hervorgerufen. Ein Blatt meint, daß es noch vor einem Jahre kaum glaublich ge- Wesen wäre, daß ein liberaler Minister so reden könne. „Daily Citizen" verurteilt Churchills Rede aufs schärfste und erklärt, daß die Liberalen ihre friedlichen G r u n d s ä tz e i m m e r mehr über Bord würfen and daß Sic Arbeiterpartei allein für die alte liberale Politik des Friedens eintrete. Krieg dem Kriege! Der Internationale SoziaUrtifcbc Kongreß. Der außerordentliche Internationale Kongreß, der ur- spriinglich Ende Dezember stattfinden sollte, ist nun der An- rcguiig des deutschen Parteivorstandcs folgend durch das Ilster- nationale Sozialistische Bureau bereits auf den 24., 25. und 2E. November nach der Bnrghalle in Basel zusammen- berufen worden. Der Partcivorstand hat mit der General- kommission der Gewerkschaften vereinbart, daß der Kongreß durch je vierzig Delegierte der Partei und der Ge- iverkschaften beschickt werden soll. Der Parteivorstand hat die auf die Partei entfallende Delcgiertenzahl aus die Agitations- bezirke verteilt. Da die Zeit bis zum Stattfinden des Kongresses sehr knapp ist, soll die Wahl der auf die Bezirke entfallenden De- legierten zum Kongreß ausnahmsweise durch die Vorstände der Bezirks- oder Landesorganisationcn erfolgen. Am 17. November finden in allen Hauptstädten Europas große Meetings gegen den Krieg statt. In Berlin lverden mehrere Versammlungen stattfinden, an denen auch Vertreter der englischen, französischen und österreichischen Arbeiterpartei teilnehmen lverden. Wir erwarten von der Berliner Arbeiterschaft, daß sie diese Versammlungen zu machtvollen Friedenskundgebungerl gestalten wird. Die©ozialdemofcratie ßerlüio gegen den Krieg. Den Schluß der Generalversammlung des Verbandes der Berliner sozialdemokratischen Wahlvercine, dieser Ver- tretung der arbeitenden Massen der Reichshauptstadt, bildete ein energischer Protest gegen das gefährliche Spiel mit dem Feuer, das jetzt die Diplomaten treiben, Genosse Hugo H a a s e begründete folgende Resolution: Die Generalversammlung erhebt mit aller Entschiedenheit Protest gegen den verbrecherischen Versuch, das deutsche Volk in den Balkankrieg hineinzuziehen. Sie spricht»vicderholt ihren tiefsten Abscheu gegen den Krieg aus und erklärt insbesondere in voller Ueberein- stiminung mit der Sozialdemokratie aller Länder, namentlich Oesterreich» Ungarns, Frankreichs, RußlandZ, Englands und Italiens, daß da? Proletariat keine Lust hat. sein Blut für die Pläne ehrgeiziger und herrschsüchtiger Cliquen zu opfern. Die Generalversammlung fordert alle Genossen auf, sich mit voller Kraft an der Propaganda gegen den Krieg und an der» Demonstrationen für den Frieden zu beteilige»..._ Zur Begründung füljrfc&cno)|c H ü a s e onB: Der Krieg zwischen den Balkanvölkern nähert sich seinem Ende. Wer wir können noch lange nicht aufatmen. Ströme von Blut sind am Balkan geflossen. Nicht nur trauernd, sondern entsetzt verhüllt der Genius der Menschheit sein Haupt ob der Greuel, die wir in den letzten Wochen erlebt haben. Die widerlichsten Grausam- leiten sind vorgekommen. Im Nahkampf ging die vor Wut sinnlos gewordene Soldateska mit raubtierartiger Grausamkeit gegeneinander vor. Zehntausende sind dahingeschlachtet. Ihre Gebeine liegen un- bestattet auf dem blutgetränkten Boden. Typhus und Cholera, die unheimlichen Würger der Menschheit, welche die gewöhnlichen Folgen des Krieges sind, gehen todbringend durch die Lande. Jetzt hungern Frauen und Kinder zu Tausenden. Die Finanzen der kriegführenden Staaten sind ruiniert. Eine Hungersnot kündet sich an. Graues Elend ist zu erwarten. Wenn wenigstens jetzt das Ende des furchtbaren Krieges zu erwarten wäre I Aber auf uns allen lastet die Sorge, daß die KriegSfurie weiter wüten wird und dass auch wir hinein- gezogen werden können in den Balkan krieg. In dieser Situation ist eS unsere Aufgabe, der Gefahr fest ins Auge zu sehen. Der italienische Minister des Auswärtigen war in Berlin und hat mit dem deutschen Reichskanzler und dem Minister des Auswärtigen eine Unterredung gehabt. Nach amtlichen Mitteilungen hat die Besprechung dieser Herren das volle Ein- Verständnis der verbündeten Regierungen ergeben, besonders dahin, daß sie nicht gewillt sind, sich in die Ent'wickelung der Dinge im Orient einzumischen, so lange sie nicht von den kriegführenden Mächten darum ersucht werden oder so lange nicht ihre eigenen speziellen Jiiteressen berührt werden. Das mahnt unS zur Vorsicht. Also auch Oesterreich und Italien werden sich einmischen, wenn ihre speziellen Interessen berührt werden. Die Diplomaten haben bereits erklärt, dass ihre Interessen berührt sind, wenn Serbien den Sandschak besetzt. Das ist geschehen und Oesterreich hat in den letzten Tagen verkündet, es könne nicht zulassen, dass Serbien einen Hafen am Adriatischen Meer bekommt. Oesterreich droht mit dem Kriege. Serbien aber rnuss im Interesse seiner wirtschaftlichen Macht nach dem Meere streben. Was haben wir Deutschen demgegenüber zu tun? ES sollte die Aufgabe unserer Regierung sei», zu erklären, dass das brutale Vorgehen Oesterreichs ganz ungcrechtscrtigt ist. Unsere Regierung sollte Oe st erreich zurückhalten, sich in den Streit der Balkanvölker einzumischen. Wenn aber die deutsche Regierung zu verstehen gibt, sie werde sich an die Seite Oesterreichs stellen, so haben wir alle Veranlassung, ihr zuzurufen: „Das ist nicht die Meinung des dcntschc» Volkes!" Ich möchte bei dieser Gelegenheit auf die Ansicht eines Mannes hin- weisen, der, wenn er auch stets unser Gegner war, doch mehr poli- tischeS Verständnis hatte wie Bethmann Hollweg und Kiderle n-Waechter. Bismarck war eS, der in seinen„Ge- danken und Erinnerungen" darauf hingewiesen hat, dass unser Vertrag mit Oesterreich uns nicht verpflichtet, Oe st erreich in allen Kriegsfälle» zur Seite zu stehen, sondern nur dann, wenn eS von R u tz l a n d überfallen wird. Jetzt aber will Oesterreich zum Angriff über- gehen, um ein Volk a» seiner Selbständigkeit zu hinder». Es besteht also gar nicht der Fall, der Deutschland zum Eingreifen im Interesse Oesterreichs verpflichten könnte. Hierüber schrieb Bismarck in seinen„Gedanken und Erinnerungen": »ES ist natürlich, dass die Bewohner des Donaubeckcns Be- diirinisse und Pläne haben, die sich über die heutigen Grenzen der österrcichisch-ungarischen Monarchie hinaus erstrecken.... Aber eS nicht die Aufgabe des Deutschen Reiches, seine Untertanen mit Gut und Blut zur Berwirklichung von nach- barlichen Wünschen herzuleihen. Die Erhaltung der österrcichisch-imgarischen Monarchie als einer unabhängigen starken Grossmacht ist für Deutschland ein Bedürfnis des Gleichgewichts in Europa, für das der Friede de« Landes bei eintretender Not- wendigkeit mit gutem Gewissen eingesetzt werden kann. Man sollte sich jedoch in Wien enthalten, über diese Assekuranz hinaus Ansprüche aus dem Bündnisse abzuleiten, für die es nicht geschaffen ist." Diese Worte sind gerade ans die heutigen Verhältnisse gemünzt Unsere Staatsmänner sollten also der österreichischen Negierung sagen: Wir denken nicht daran, über die Assekuranzverträge hinaus Euch Bündnislreue zu leisten!— Aber noch andere Komplikationen tauchen auf. England hat Angst, Bulgarien könnte den Schlüssel zum Miltelländische» Meer in die Hände bekommen. Noch andere Pläne deS Imperialismus treten hervor. Wenn eS zur Teilung der Beute des Balkankriegcs kommt, können wir einen Weltkrieg erleben. Jetzt, wo die Türkei aushört, eine europäische Macht zu sein, erinnert man sich, dass es auch im türkischen Asien noch was zu holen gibt. Europäische Mächte bekunden schon ihr Verlangen nach dem Besitz von Syrien. Auch in Deutschland machen sich Stimmen laut, welche verlangen, dass Deutschland bereit sein solle, sich Syrien anzueignen. Dass sich die europäischen Mächte dabei in die Haare geraten können, liegt auf der Hand. Der Un- einigkeit der Grossmächte müssen wir die Einigkeit des gesamten intcrnatioiialc» Proletariats entgegensetzen, das eine Bedeutung hat, an der man nicht achtlos vorübergehen kann. Heute findet eine gewaltige Friedensdemonstration in Wien statt. In einer Woche wird das Proletariat in England und Frankreich demonstrieren. Haben wir auch bereits unserem Abscheu gegen den Krieg Ausdruck gegeben, so dürfen wir nicht nachlassen, die Kraft unserer Demonstration zu st e i g e r n. Wie Sie wissen, wird sich der internationale Arbeiterkongress mit der Kriegsfrage beschäftigen. Wir Deutschen haben den Wunsch ausgesprochen, dass das möglichst bald geicheben soll, noch vor Weihnachten. Unsere Aufgabe ist eS, den Abscheu gegen den Krieg in die weitesten Kreise zu tragen. Wenn das geschieht, wird es keine Negienmg wagen, in den Krieg zu ziehen. Wem, sich die Situation zuspitzt, wird man von der anderen Seite alle Minen springen lassen, um eine Kriegsbegeisterung zu erzeugen. Dagegen sind wir gewappnet. Aber eS kommt darauf an, dass wir auch denen, die nicht mit uns sind und der Regierung.ein entschiedenes„Halt" zurufen. Die Herrschenden sollen sich nicht einbilden, dass der Talmipatriotismus derer, die ein persönliches Interesse am Kriege haben, bei uns eine Statt finden kann. Unsere Parole ist: Man lasse den Balkan den Balkan- staaten und menge s i ch nicht ein in die Angelegenheiten der Völker, die ihre Geschicke selbst entscheiden wollen. Wir rufen: Krieg bis a»fs Messer dem Kriege!(Stürmischer Beifall.) Auf Vorschlag des Genossen Ernst ermächtigte die Versammlung den Zentralvorstand, falls der internationale Kon- greß denmächst stattfinden sollte, denselben durch eine Dele- gation zu beschicken, da lvegen der Kürze der Zeit die Wahl durch eine Generalversammlung nicht nichr möglich sein würde. Ferner teilte Ernst mit. daß am nächsten Sonntag in Berlin wieder eine Friedensdemonstration stattfindet. Die von H a a s e beantragte Resolution wurde darauf cinstinimig angenommen. Ernst: Die herrschenden Machthaber mögen sich gesagt sein lassen, dass die soeben vollzogene Annahme der Resolution keine blosse F o r m ist und dass sie keine leeren Worte enthält Ungarische Klassenjustiz. DaS Budapester Schwurgericht verurteilte den verantwort- lichen Redakteur des deutschen Parteiorgans„Volksstimme" wegen eines Aufrufs zur Maidemonstration zu einem Jahre Ge- f ä n g ii i s und 1000 Kr. Geldstrafe. Die Erbitterung unter der Arbeiterschaft ist groß. Die.Volksstimme" hat noch U, die .Nepszawa" noch IS Prozesse._ Ein Spionageprozeß beschäftigte in den letzten Tagen das LandeSgericht Wien. Der einstige österreichische, nachmalige russische Ofstzier Alexander Mur- mann— dessen ErziehungSkosten wegen seiner noblen Herkunft Kaiser Franz Josef getragen hatte, und der schon einmal'wegen Spionage verurteilt worden war— erhielt vier Jahre s ch w e re n Kerkers wegen versuchter Spionage zugunsten Rußlands. Da kein AuStauschspion vorhanden ist— die beiderseitigen Beziehungen sind nicht so freundlich wie der preußisch-rusfische Herzensbund-» wird Herr Mmmann auch wirklich in den Kerler wandern. Gewerftfcbaftlicbee. „Zu Bömelburgs Cod.M Aus Dortmund wird uns geschrieben: Unter der obigen Ueberschrift veröffentlicht die„Westdeutsche Arbeiterzeitung" eine angebliche Zuschrift eines Sekretärs des christlichen Bauarbciterverbandes, die auch die Runde durch die Zcntrumsprcsse macht. Da die„Christen" von jeher in ihrem Tun und Handeln von keinerlei sittlichen Skrupeln belastet gewesen sind, so wird man sich auch über den neusten Beweis christlicher Nieder- tracht nicht Weiter wundern, aber trotzdem dürste es Wohl geboten sein, das jesuitische Elaborat einer frommen Seele nach Gebühr niedriger zu hängen. Der biedere Bau-Sekretär unternimmt keinen geringeren Ver- such als den, Theodor Bömelburg für die Christen zu reklamieren. Dieses kühne Unterfangen beginnt man folgendermaßen: Die Zuschrift versucht sich mit dem lvarmcmpfundenea Nach- ruf auseinanderzusetzen, den der„Grundstein" dem verdienten, langjährigen Führer gewidmet hat. In dem Nekrolog war gesagt, daß man nicht Wisse, Wann Bömelburg den Bann der katholischen Glaubensdogmen abschüttelte, daß er aber jedenfalls als Fünfund- zwanzigjähriger mit der Kirche gebrochen hatte und nie das Ver- langen zeigte, dm Schritt zum völligen Bruch rückgängig zu machen. Ter christliche Sekretär wagt es, die Richtigkeit der letzten Behauptung anzuzweifeln Er Will 1906 kurz nach dem christlichen Gewerkschaftskongreß eine Unterredung mit Bömelburg gehabt haben, bei Welcher Gelegenheit Bömelburg zutraulich erzählt habe, daß er bis längere Zeit nach seiner Militärzeit sehr religiös gewesen sei. Bömelburg habe ferner die tiefe Religiösität seiner Eltern geschildert und gesagt, daß er sich stets schwer getroffen gefühlt habe, Wenn in seiner Gegenwart religiöse bczw. kirchliche Einrichtungen bespöttelt Worden seien. Unter anderem habe er gelegentlich der Errichtung der EinfriedigungSmaucr an der Marinekirchc in Bochum einen „langen Hamburger" geohrfeigt. Weil er den Beichtstuhl bespöttelt habe. In der angeblichen Zuschrift heißt es dann Wörtlich weiter: „Auch schilderte er mir, daß er über den Bruch mit der Kirche starke, üinerliche Kämpfe geführt habe. Als ich ihm sagte, daß ich die Auf- fassung hätte, daß er heute in der christlichen Arbeiterbewegung mit an erster Stelle kämpfen Würde, Wenn bei seinem Eintritt in die Arbeiterbewegung die christlichen GeWertschaftcn schon vorhanden gewesen und er sie hätte kennen gelernt, schwieg er und hob bedächtig die Schultern. Ich hatte bei dieser Unterhaltung den Eindruck ge- Wonnen, daß Bömelburg szelisch litt. Ich habe diese Unterhaltung sckmn damals mit mehreren Kollegen besprochen und mich dahin geäußert, daß Bömelburg auf mich dm Eindruck gemacht habe, daß er am Ende noch ins christliche Lager zurückkehren werde(in der Zcntrumsprcsse in Fettdruck). Leider hat eine tückische Krankheit ihm den klaren Verstand genommen." Theodor Bömelburg War ein grundrechtcr Charakter. Daß er über oder vor dem Bruch mit der Kirche innerliche Kämpfe geführt hat, ist für ihn so selbstverständlich. Wie für die meisten, die den gleichen Weg gingen und denen die Lebensanschauung Gewissens- fache ist. Bömelburgs unbedingte Achtung vor dar wahren Ueberzeugung des Gegners ist stets ganz allgemein anerkannt Worden. Was hierüber hinaus von der Darstellung des christlichen Bausekretärs schließlich Dichtung oder Wahrheit ist, ist belanglos, auch das jedenfalls falsch verstandene bedächtige Schulterheben. Es kommt hier lediglich auf die beabsichtigte Wirkung und die kühnen Schlüsse an. und beide zeigen die christliche Niedertracht in ihrer ganzen Glorie. Die Methode ist Weder originell, noch neu, dafür aber gemein und anscheinend auch christlich. Theodor Bömelburgs Glauben an den Sozialismus war unerschütterlich, sein endlicher Sieg War fiir ihn gewiß. Hierfür sind tausend Beweise zu er- bringen. Von den angeblichen Heilswahrhciten der christlichen Kirche erwartete er nichts. Bömelburgs Andenken in der ganzen modernen Arbeiterbewegung steht aber zu hoch, als daß irgend jemand es erschüttern könnte. Und so ist denn daS ganze Manöver der„Westdeutschen Arbeitcr-Zeitung" lediglich geeignet, die ab- grundtiefe Gemeinheit gewisser„christlicher" Agitatoren zu zeigen, die es mit ihrem angeblich wahren Christentum vereinen, die Toten nicht einmal im Grabe ruhen zu lassen. Berlin und Umgegend. folgen der Arbeiterunterdruckung in der 3l. E.-G. Vor einigen Monaten teilte die A. E.-G. mit. daß sie alle Ver- kausspreise um 10 Proz. erhöht habe. Dies hat zur Folge, daß in Zukunft der Verdienst der Firma ein erheblich größerer Wird, als dies bisher schon der Fall War. Bei den alten Verkaufspreisen war die Firma in der Lage, neben erheblichen Abschreibungen für Re'crvefonds jährlich 11 Proz. Dividende zu zahlen. Wie steht es ober mit den Arbeitern der A. E.-G.? Tie Firma glänzt gern nach außen als WohlfahrtSfirma. Die Arbeiter haben leider noch nichts von diesen Wohlfahrten gemerkt. Es gruselt sie schon, wenn be- kannt wird, daß eine neue Wohlfahrtseinrichtung geschaffen Werden soll. Erklärte doch der Direktor H i r s ch b c r g den— gelben Arbeiterverein mr eine Wohlfahrtseinrichtung! Wie d i e se„Wohlfahrt" aussieht, mag die Tatsache zeigen, daß den Gelben ganz erhebliche Akkordabzüge gemachk sind und daß die gelben Hilfsarbeiter des Maschinelllagers, als sie bei einem Lohn von 42 Pt. mehr forderten, vom Herrn Direktor Elses hinaus- gejagt wurden mit dem Bemerken:„Wenden Sie sich an Ihren Vorsitzenden, damit Ihnen der den Zweck des Vereins mitteilt!" Ans welche arbeiterschadigcnden Einfälle �ie Herren Direktoren des Werkes verfallen, geht aus folgendem eochriftstück hervor: An den königlichen Gewcrbcrat Herrn Dr. Rhunau! Werter Herr Rat! Tic cndesunterzcichneten Arbeiter der A. E.-G., Fabriken Brunncnstraße, bitten höflichst um Ihre freundliche Unterstützung in folgender Angelegenheit. In unserer Fabrik ist angeregt worden, die Lohnzahlung für die Folge nicht mehr an«onn- abendcn in Münzen oder Papiergeld, sondern durch UeberWcisung des Lohnbetrages auf ein Bankkonto des betreffenden Arbeiters zu überweisen. Unsere Arbeiterschaft verspricht sich von dieser Einführung große Vorteile Wirt'chaftlicher und finanzieller Natur; zweifellos wird das Sparprinzip des einzelnen hierdurch erheblich angeregt und sowohl der Arbeiter als auch leine Familie zur Sparsamkeit erzogen; auch verkennen wir nicht, daß hierdurch in sozialer und ökonomischer Hinsicht etwas Neues und Bahn- brechendes geschaffen Wird, und Wir bitten aus diesem Grunde nochmals um Ihre freundliche Unterstützung bzw. um Vortrag dieser Angelegenheit bei der zuständigen Behörde. Achtungsvoll (Tann folgen die Unterschriften von einigen Aucharbcitern.) Herr Direktor H i r s ch b e r g hat die Sache ausgearbeitet, dann mehrere Male den Arbeitern empfohlen und sammelte darauf die Unterschriften. Die Gesellschaft enthebt sich auf diese Weise aller der Unbequemlichkeiten, die das jetzige Bczahlungssystem für sie hat und lädt sie auf die Arbeiter. Gleichzeitig nimmt sie ihnen die Möglichkeit einer sofortigen Kontrolle ihrer Lohnzahlung. Da die Arbeiter es ablehnen, hierzu ihre Unterschrift zu geben, versucht man auf andere Weise zum Ziel zu kommen. Tos„Sparprinzip" wird heute schon im Betriebe sehr geübt. Die �Akkordarbeitcr sollen die.Hilfsarbeit gratis verrichten. Die Folgen zeigen sich auch schon in erschrecklicher Weise, besonders in den Abtcilunaen, die unter der Leitung des Betriebschefs Krämer Verantw. Redakt.: Alfred Wi'elepp. Neukölln. Inseratenteil verantw.: stehen. So verlangte der Meister Naumann von einem Ma- schincnarbeiter, daß er 11- Zentner schwere Gehäuse allein aufhebe. Als der Arbeiter, der hierzu außerstande war, dies zunächst ab- lehnte, erfolgte dessen sofortige Entlassung. Der Not gehorchend, versuchte er es dennoch, brach aber mit der Last zusammen und mußte, da er sich einen doppelten Bruch zugezogen hatte, nach dem Lazaruskrankcnhause geschafft Werden. Der Arbeiterausschuß mußte erst vorstellig Werden, damit die Entlassung des Bedauerns- Werten zurückgenommen Wurde. Auch in der Abteilung Meister Franke Wurde fortgesetzt versucht, die Verdienste zu reduzieren. Dieser Herr verstieg sich sogar soweit, die Arbeiter mit dem Knüppel zu bedrohen, falls sie ihren alten Verdienst beanspruchten. Als einem Arbeiter die Löt- lainpe explodierte, sagte ihm der Meister: Die ganzen Knochen hätten <-ie sich verbrennen müssen. Als die Arbeiter zur Nachtschicht er- schienen, beleidigte der Herr einen Arbeiter und griff denselben tätlich an. Ter so Beleidigte wußte sich nicht anders zu helfen, als daß er seinen Peiniger mit ganzer Energie abwehrte. Darauf wurde die ganze Nachtschicht, weil sie dem Meister nicht Hilfe geleistet hätte(!), entlassen. Unter den Eni- lassenen befinden sich Arbeiter, die 10 und 20 Jahre bei der Firma beschäftigt waren. Da der Direktor Elses die Wiedercinstcllung der entlassenen Schichtarbeiter ablehnte, legten die übrigen Ar- beitcr der Abteilung die Arbeit nieder. Tic erneuten Perhand- langen haben noch kein Resultat gezeitigt. Tie Firma erklärt,„sie müsse ihre Beamten schützen!" Toß es sich aber um einen Akt der N o t lv c h r handelt, wird von der Firma nicht berücksichtigt. Der Meister Franke hat nun den Klagcweg gegen den Arbeiter bc- schritten und wird ja an Gerichtsstclle die Möglichkeit gegeben sein, die Verhältnisse in gebührender Weise zu beleuchten. � Auch in den Abteilungen Schiffler. Gebhard und Schmidt sollten die Arbeiter, welche�bisher 60 Pf. pro Stunde verdienten, in Zukunft für 70 Pf. pro stunde arbeiten. Vcrhand- lungen Waren ohne Erfolg. Dem Arbeiterausschuß erklärte Herr Direktor Elses:„Wenn Herr Krämer bestimmt hat, Sie sollen für 70 Pf. arbeiten, dann haben Sie das zu tun. Ich kann mich über die Anordnungen meiner Beamten nicht hinwegsetzen. Und Wenn er bestimmt, Sic haben für 20 Pf. pro Stunde zu arbeiten, dann haben Sie dem nachzukommen."— Auf diese provozierende Antwort hin haben auch diese Arbeiter den Streik beschlossen. Die Firma glaiWt sich mit gelben Schützlingen Helsen zu können, nur findet sie unter denen keinen Ersatz, sah sich doch die Firma genötigt, nachdem der Verein einige Zeit existiert, einen Anschlag ans schwarze Brett zu bringen. Wonach, wer beini Mitnehmen von Material getroffen wird, unweigerlich zur Entlassung kommt. Es sind auch bereits einige Gelbe gefaßt worden, die so die„gemein- samcn Interessen" Wahrgenommen hatten. Auch einem Obcrgelben Wurden von dem Portier die Sachen Wieder abgenommen. Der peinliche Fall ist denn auch geregelt worden, indem der Direktor den Arbeiteransschuß ersuchte, den Arbeitern mitzuteilen, daß der Mann nicht die Absicht hatte, zu stehlen, sondern er wollte beim Verlassen des Betriebes dem Portier die Gegenstände übergeben. Die ausständigen Arbeiter erklären übrigens in Massen ihren Aus- trilt aus dem gelben Verein. Tic Firma versucht sie aber als Mit- glicder zu halten, indem sie die Annahme der Austrittserklärungen, obwohl per Einschreibebrief zugeschickt, verweigert. Diese unHalt- baren Zustände rauben selbst den Indifferentesten die Hoffnung auf eine gesicherte Existenz. Betrug dock der Wecksel der Arbeiter im Jahre ISU 51 500 bei 12 000 Beschäftigten. Daneben schieden 2000 Arbeiter durch Unglücksfälle ans. ivelche zum Teil tödlichen Perlauf nahmen. Hiergegen kann nur der feste Zusammenschluß in: Deutschen Mctallarbcitcrverband schützen; nur eine kräftige Or- ganisatjon der Arbeiter kann die Firma zum Nachjebei: veranlassen._ Der Kampf um die scchsschichtige Älrbeitswoche im Bälkcrgcwerbc Wird seitens der Arbeiter erneut wieder aufgenommen. Bekanntlich streben die Gesellen schon seit 1800 eine gesetzliche Regelung der Angelcgenbeit an. Bisher hatten sie nur den Erfolg, daß durch kaiserliche Verordnung vom Jahre 1805 die' Arbeit an Sonntagen auf höchstens 10 Stunden beschränkt Wurde. Diese Verordnung, die nach Angaben der Organisation nur noch wenig respekliert wird, ist für die Arbeiter völlig ungenügend. Schon 1005 petitionierten sie an den Bundesrat wegen einer unbeschränkten Sonntagsruhe oder Ein- führung eines Ersatzruhetages von 36 Stunden. Der Bundesrat lehnte damals die Petition ab. 1008 wurde die Petition dem Reichs- tage unterbreitet, der sie am 30. Januar dem Reichskanzler als Material überwies. Nunmehr soll diese Petition erneut dem Reichs- tage unterbreitet werden. In Berlin findet zu diesem Zwecke am 12. November, nachmittags 3>/z Uhr, iin Marinebans, Brandenburger Uier 1, eine Versammlung der Bäcker statt, zu welcher die in Berlin ansässigen Mitglieder des Reichstages sowie der Zweckverband der Bäckerinnungen von Groß-Berlin eingeladen sind. In der Provinz finden die betreffenden Versammlungen teils am Donnerstag, den 14., teils am Sonntag, den 17. November, statt. Die Firma Eonfiserie Erich«eiffert, Zentrale Grünauer Straße 1, ersucht uns um die Mitteilung, daß sie mit der Firma Seifert u. H a a k e, Lictzmannstraße, weder identisch ist noch mit derselben irgendwelche geschäftliche Beziehungen hat. Obgleich die Namensähnlichkeit leicht diesen Anschein erwecken könnte, hat doch die„Confiscrie Erich«eiffert" mit der Firma Seifert u. Haakc nichts gemein, vertreibt auch deren Produkte nicht und hat sie nie vertrieben.__* Lohnbewegung im Zinimergewerbc zu Velten(Mark). Der bisher bestehende Vertrag in Velten lief am 1. Oktober d. I. ab. Die Kündigung und ein neuer Entwurf war schon am 1. Juli den Unternehmern zugestellt worden. Eingeleitete Verhandlungen waren ergebnislos. Bei der einen Firma— drei Firmen kamen in Betracht— bei der die Arbeitsgelegenheit günstig war, Wurde am 8. Oktober die Arbeit eingestellt, nachdem ein nochmaliger Versuch, die Differenzen friedlich zu regeln, gescheitert war. Nach vier- wöchentlichem Streik wurde ein Vertrag abgeschlossen, wonach sich der Stundenlohn im ersten Jahr von 60 auf 63 Pf., im zweiten auf 65 und im dritten auf 67 Pf. erhöht; gefordert waren 70 Pf. Die VVestündige Arbeitszeit sowie alle übrigen Bestimmungen bleiben bestehen. Der neue Vertrag gilt bis zum 31. September 1015. veutlcbes Reich. Bcrgarbeiterausstand. Auf der preußisch-fiskalischcn Saargrube Dudwciler haben am Samstag die Pferdetreiber die Anfahrt verweigert. Grund: Verweigerung einer Lohnerhöhung. Die meist jungen Leute sind empört, weil die in der Sitzung des Gruben- ausschusses vom 8. d. M. von den Ausschußmitgliedern verlangte Lohnerhöhung von der Verwaltung zurückgewiesen tourdc. Voraus- sichtlich dürfte der Ausstand lokalisiert bleiben und nur von kurzer Dauer sein. Tic Herren im Hanse. Tie Münchcncr Konditoren- g e h i l f e n haben der obcrbaycrischcn Konditoren-Kreis-Jnnunz durch den Verband der Bäcker und Konditoren eine neue Tarifvor- läge zugehen lassen. Da die zuckersüßen Jnnungsgöttcr auf diesem Schreiben keine Antwort gaben, rief die Organisation das Eini- gungsamt an. Hierauf teilte der Jnnungsvorstand dem Gewerbc- gericht mit, daß eine Meisterversammlung den Beschluß gefaßt habe, weder mit dem GeHilfenausschutz noch mit der Gehilfen- organisation einen Tarifvertrag abschließen zu wollen und daß sie in Zukunft berechtigte Wünsche der Gehilfen auch ohne Lohntarif entgegen nehmen und nach Möglichkeit zur Durchführung bringen wollen. Der Abschluß eines Tarifvertrages würde in München für das Konditorgewerbe vereinzelt in ganz Teutschland dastehen.— Tic Herren Jnnungsapostcl wollen also„Herr im Hause" bleiben und ihren Zopf noch länger Wachsen lassen,'sie wollen also auch in Zulunft die patriarchalischen Verhältnisse, Wie sie zu Großvaters ÜhTGIrckc, Beri>n. Druck u. Verlag: Vorwärts Buckdr. u Verlagsanstals| Zeiten bestanden haben, aufrecht erhalten Wissen, Weil dadurch der heilige Profit besser zu seinem Rechte kommt. Die Organisation der Gehilfen Wird den Herren aber einen Strich durch die Rechnung machen._ Tic Elcktromonteure Münchens stehen in der vierten Woche im Streik. Insgesamt sind 700 Mann beteiligt. 200 arbeiten schon zu den neuen Bedingungen. Da aus den Reihen der Streikenden Arbeitswillige nicht zu verzeichnen sind, versuchen die Firmen, Streikbrecher von auswärts heranzuziehen. Besonders sind es die Firmen Siemens-Schuckcrt und Allgemeine E l e k t r i- z i t ä t s g c s e l l s ch a f t, die Leute ihrer auswärtigen Geschäfts- Häuser nach München lotsen Wollen. Den Leuten, die Strcikbruch verüben sollen. Werden geringere Löhne als bicr üblich angeboten. Wer sich von den Elektromontcuren vor Schaden bewahren will, meide München. Auch Vcrinittclungen auf Umwegen vermeide man. Arbeitcrfrcundlichc Blätter werden um Abdruck gebeten. Deutscher Metallarbeitcrvcrband München. Der Balkanhrieg. Ter Dreibund für ein autonomes Albanion.- Rom, 11. Novenrbcr.(W. T. B.)„Gazzctba del Popolo" und„La Nazivue" versichern nach Informationen von bcsMiiiterrichteter Seite, daß die Treibundmächtc über die albanische Frage völlig einig seien.„Ter Dveibund," schreibt„Gazzctta del Popolo",„akzeptiert bis zu den letzten Konsequenzen das Prinzip des Balkanbundes, der Balkan den Baitanvölkern. Gerade die Anwendung dieses Prin- zips verlangt es, daß die Albancsen unabhängig werden und das türkische Joch nicht mit einem slawischen vertauschen., S c r- bien Wird keine n Ausgang nach dem Adriati scheu Meer bekommen. Weil das die Aufteilung Albaniens mit sich brächte. Der Dreibund vertraut auf die Mäßigung Serbiens, Welchen: er nicht das Recht auf einen Hafen am Acgäischen Meer abspricht; er vertraut darauf, daß die Tripleenientc, insbesondere Rußland, die Baltanvölkcr zu überreden suchen Wird. Tie„Tri- bnna" veröffentlicht eine Information, wonach die Mächte sich dar- über einig seien, daß dos Balkanproblcm nach dem Prinzip der Nationalität gelöst Werden soll und daß dieses Prinzip auch a»f Albanien anwendbar sei. Tie Mächte würden zweifellos auch Ser-• bien in diesem Sinne raten. Dieser Rat habe um so mehr Gewicht, als er uneigennützig(?) sei. Eine Kundmachung der Pforte. Konstantinopcl, 11. November. Tie P fv rte vcröffcirtlickt fol- geiches(Kommunique: Der mit den vier Balkanstaaten begonnene Krieg ist nicht zu dem g e w ü n s ch t c n E r f o l g c gelangt. Die Ostarmcc hat die Notwendigkeit erkannt, sich auf die Ver- teidigungslinie von Tschataldscha zurückzuziehen, wo sie ihre Konzcntrierung vollendet. Da diese Verteidigungslinie sozusagen das Tor der Hauptstadt bildet, ist die Anwesenheit des Feindes vor dieser Linie von großer Bedeutung; denn schon die Möglichkeit eines Miß- crfolges in dem Kampfe vor den Toren der Hauptstadt ist geeignet, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Die Regierung verabsäumr nichts hinsichtlich der Verteidigung und wahrt die Rechte und Interessen der Türkei. Sic mußte aber auch zu diplomatischen Maß. nahmen greifen, um die Hauptstadt des Reiches zu schützen. Die erste Bedingung bicrfür ist, daß jedermann seine persönlichen Mci- nungen und Angelegenheiten opfert und.Handlungen vermeidet, die in gewöhnlichen Zeiten nur geringen Schaden verursachen würden. Tie Regierung konnte es nicht unbeachtet lassen, daß einzelne Per- sonen eigennützige Zwecke verfolgen, und einige leichtsinnige Köpfe falsche Gerüchte verbreiten, die geeignet sind, die Verteidigung der Hauptstadt zu durchkreuzen. Diese Gerüchte haben einige auswärtige Staaten veranlaßt, das Ersuchen zu stellen, zu gestatten, daß nach Konstantinopel provisorisch Kriegsschiffe entsendet werden. Tie Kaiserliche Regierung hat. obwohl sie alle Maßnahmen ergriffen hat, für gut befunden, diesem Ersuchen stattzugeben. Das zeigt jedock, daß die Verbreitung falscher Nachrichten ein Verrat, ja sogar ein Verbrechen ist. Die Regierung ist entschlossen, diejenigen streng zu bestrafen, die wissentlich oder unwissentlich derartige Gerüchte in die Welt setzen oder verbreiten, und ernste Maßnahmen gegen jeden Versuch zu ergreifen, Beunruhigungen hervorzurufen. Schließlich richtet das Communique an die Presse die Aufforderung, nur ernsten Artikeln in ihren Spalten Raum zu geben. Kein Religionskrirg. Konstantinopcl, 11. November. Wie der Minister des Aeutzcrn dem Vertreter von Wolsfs tclcgraphischcm Bureau erklärte, denkt die Türkei nicht daran, Wie die Gegner den Krieg auf religiöses Gebiet hinübcrzuspielen und rcli- giöse Leidenschaften aufzustacheln. Der in den Zeitungen crschic- neue Anftnf zum heiligen Kriege stamme nicht vom Scheich ül Islam; der geistliche Beamte, der den Ausruf verfaßt und ver- breitet Hab«, sei bereits bestraft und die Zeitungen, die ihn veröffentlicht hätten, seien suspendiert worden. Türkische„Siegesmeldung. Konstantinopcl, 11. November. Wie der Kommandant der türkischen Flotte meldet, hat die Flotte durch ihr Geschützfeuer eine bulgarische Batterie an der Küste von R o d o st o vernichtet.— Nach Zeilungsmeldungen hatte» die Bulgaren vorgestern Rodosto besetzt. Der Kreuzer„Messuddije" erhielt daraufhin den Befehl, Rodosto zu bombardieren und die Landung von 3000 Mann, die auf zwei Transportschiffen herangeschafft worden waren, zu erleichtern. Die Landung erfolgte gestern, worauf die Bulgaren die Stadt räumten, die von den Türken wieder besetzt wurde. Konstantinopcl, 10. November. Privatnachrichten zufolge rückte ein Teil der türkischen O st a r m e e, der sich in Tschorlu be- fand, gestern bis Lüle BurgaS vor und geriet in einen Kampf mit den burgarischen Truppen, wobei die Türken große Verluste erlitte» haben sollen.— Die Blätter melden, daß daS Hauptquartier Wieder nach Tschorlu(??) verlegt Worden ist, waS als Beweis dafür bc- trachtet wird, daß die bei Tschaltaldscha konzentrierte Armee sich nicht arlf die Defensive beschränken, sondern auch die Offensive er- greifen wird. Wie verlautet, wurde der aus dem russisch-türkischen Kriege be- kannte Marschall Fuad Pascha zum Kommandanten des ersten Teils, der Divisionsgeneral Bahri Pascha zum Kommandeur des zweiten Teils der Ostarmee ernannt. Letzte Nachrichten. Drohender Krieg zwischen China und der Mongolei. Peking, 11. November. tMcldung der Petersburger Telegr.. Agentur.) Aus Anlast des russisch-mongolischcn Abkommens fand im Hause des Präsidenten der chinesischen Republik Juanschitai eine lange dauernde austerordentliche Beratung statt. Wie verlautet, wurde beschlossen, das Abkommen nicht anzuerkennen und die Rückkehr der Chalchamongolcn unter die chinesische Herr- schaft mit Waffengewalt zu erzwingen. Schweres Eisenbahnunglück. Stuhlweipenburg, 11. November.>W. T. B.) Auf der"Bahn Budapest— Fiumc entgleisten in der Nähe der Station Eresi zwei nacheinandersolgende Güterzüge. Eine Lokomotive explodierte, neun Waggons wurden zertrümmert. Ein Bremser wurde getötet," mehrere Personen wurden verletzt. aulSinger t C'o7. Berlin LV/. Hierzu 3 Beilagen ü. llntrrhaltungsbl. gr.265. 39. MM. 1. Keilqe i>ts Jotraitls" Knlim WIIisdlM Aitttstüg, 13. NsStlNber 1913. Mgeoränetenkaus. 93. Sitzung. Montag, den 11 November 1912, nachmittags 1 Uhr. Am Ministertische: Dr. L e n tz e. v. D a l l w i tz. Aus der Tagesordnung steht die dritte Beratung des Sparkassengesetzcs. Abg. Faßbender sZ.) beantragt die Beratung solange a u S- g u s e tz e n, bis die Kommission zur Beratung des Antrages Wald st e i n sBp.) Entschädigung der Sparkassen für Kursverluste ihre Arbeiten beendet hat. Abg. Winckler(!.) spricht gegen den Antrag. Abg. Waldstein sVp.) erklärt, daß der Teil seiner Freunde, die Gegner des Gesetzes seien, für den Antrag Fasibender stimmen würden. Abg. Lcinert sSoz.): Auch wir werden für den Antrag Fast- bender stimmen. Da die Regierung ein großes Interesse an der Verabschiedung des Gesetzes hat, müssen wir sie auf diese Weise zwingen, zunächst Vorschläge zu machen, wie die S ch ä d e n, die den Sparkassen durch Kursverluste an Staatspapieren erwachsen können, zu mildern sind. Die Abstimmung über den Antrag wird ein Prüfstein sein, welche Parteien den Antrag Waldstein nur als leere Dekoration angenommen haben.(Sehr wahr I bei den Sozial demokraten.) Abg. Schröder-Kassel suatl.) erklärt, der größere Teil seiner Freunde werde für den Antrag stimmen. Der Antrag wird hierauf in namentlicher Abstimmung mit 176 gegen 121 Stimmen abgelehnt. In der Generaldiskussion sprechen Abgg. Haußmann(natl.) und Dr. Faßbender(Z.) kurz gegen die Beschlüsse zweiter Lesung. ___ �Abg. Dr. Arendt(ff.) wendet sich namens eines Teils seiner Freunde ebenfalls entschieden gegen die Vorlage. Abg. Waldstein(Vp.f: Man hat gesagt, da? Gesetz sei not- wendig für den Kriegsfall. Wenn aber unsere Megsbereit- schaft wirklich von dieser Vorlage abhänge, würde es schlecht un, sie bestellt sein. Wir lehnen die Vorlage, wie sie durch den Kompromiß gestaltet ist, nach wie vor ab. Abg. Lcinert(Soz.): Eine Verbesserung der Liquidität der Sparkassen wird durch das Gesetz nicht erreicht. Es läuft darauf hinaus, die kleinen Sparer zu schädigen. Auch liegt keine besondere Not- wendigkeit für das Gesetz vor, da. wie der Minister selbst erklärte, ein großer Teil der Sparkassen ihre Gelder bereits in mündelsicheren Jnhaberpapieren angelegt haben. Wir hatten be- antragt, daß die Ueberschüsse zur Hälfte den Sparern zugute kommen müssen. In Württemberg ist das heute bereits der Fall. Sie aber haben den Antrag abgelehnt. In der zweiten Lesung wurde unserem Antrag gegenüber behauptet, die kleinen Ein- logen würden von vielen Sparkassen ohnehin höher verzinst. Ich habe bisher weder in der Praxis noch in der Literatur einen solchen Fall gefunden, sondern eher das Gegenteil, daß nämlich größere Einlagen mit längerer Kündigungsfrist höher verzinst werden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Im übrigen hat das mit unserem Antrag betreffend die Verwendung der Ueberschüffe zu- gunstcn der Sparer nichts zu tun. Prinzipiell find wir dagegen jemand irgendwelche Zuwendungen zu machen, die er nicht erarbeitet hat, aber hier handelt es sich darunz, daß das Gesetz die Möglichkeit bietet, durch Steuerermäßigungen den reichen Leuten Vorteile zuzuwenden. Demgegenüber wollen wir, daß die Ueberschüsse der Sparkassen den kleinen Sparern zugute kommen. Nach Ablehnung dieses Antrags stimmen wir gegen das Gesetz, um so mehr, da Sie durch Ablehnung des Antrags Faßbender bewiesen� haben, daß Sie bewußt Schädigungen für die kleinen Sparer herbeiführen wollen. Um diejenigen festzulegen, die ein solches insbesondere für die kleinen Sparer schädliches Gesetz be- schließen wollen, beantragen wir, die Gesnmtabstimmung über das Gesetz namentlich vorzunehmen. Abg. Dr. Crüger-Hagen(Vp.) spricht für einen Teil seiner Freunds für das Gesetz. Die Sparkassen vor Kursverlusten schützen, hieße die Quadratur des Zirkels lösen. Damit schließt die Generaldiskussion. In der Spezialdebatte werden die ersten Paragraphen des Gesetzes unverändert nach den Beschlüssen zweiter Lesung an- genommen. Bei der Abstimmung über einen Antrag Wald- stein(Vp.) kommt es zum Hammelsprung, der seine Ab- lebnuiig ergibt. Zum§ 7 beantragt kleines feuilleton- Theater. Kgl. Schauspielhaus:„Die Hermannsschlacht". Von Kleist. Die Kleistbegeisterung, die sich in der ständig wachsenden Literatur über den Dichter kundgibt und in den Fest- artikeln zur Zentenarfeier seines Todestages den Höhepunkt erreichte. mag früherer Vernachlässigung gegenüber als Akt ausgleichender Gerechtigkeit erscheinen, schießt aber zweifellos im Ton ihrer Lob- preisungen noch weiter wie der Hebbelkultus übers Ziel.„Der Prinz von Homburg" in einer Reihe von Szenen.„Käthchen von Heilbronn" in einigen wenigen, aber um so schöneren, und die be- häbig breite Dorfkomödie vom„Zerbrochenen Krug" haben Blut und Leben aus der Bühne. Die„Hermannsschlacht" im Kgl. Schau- spielhauS, nach langer Pause jetzt wieder hervorgeholt, hat dagegen nur biographisches Interesse als Dokument der glühenden Leidenschast, in der der Dichter zur Zeit der napoleonischen Fremdherrschaft eine Verbindung der deutschen Stämme zum Freiheits- und Rachekrieg wider den Eroberer, herbeisehnte. Sein Stück will ein Tendenzstück, ein Aufruf zum Kampfe sein, in dem die Streiter vor keiner List und Tücke, keiner Grausamkeit sich scheuen sollen, um die verhaßten Ein- dringlinge ins Knie zu zwingen. Das Drama erschien erst ein Jahrzehnt nach seinem Tode, doch wenn das Werk, wie er es hoffte, damals den Weg zur Bühne gefunden hätte, wäre das für ihn ver- nmtlich eine neue Enttäuschung geworden. Er verachtete die „Tugendbündler" als wichtigtuerische Skribenten, hielt Fichtes„Reden an die deutsche Nation" mit ihrem ethischen Pathos, ihrem Ausblick auf eine sittlich-freiheitliche Erneuerung für ohnmächtige Ideologie. Aber der verschlagene. Intrigen spinnende Hermann und die schließlich zu' tierischen Wüten aufgepeitschte Thusnelda des Schauspiels hätten etwas wie den sehr realen Opfersini,, den Fichtes abstrakt-humaner Idealismus damals in den Herzen entzündete, wohl schwerlich ausgelöst.— Heute fehlt den endlos langen Reden der Cheruskerfürsten, den, Kriegslärm, den Spuk« «rschemungen im Teutoburger Walde, den Bardenliedern und Sonnen- aufgängen jedweder Reiz des Aufregenden. Sie führen eine schwere Last von Langeweile mit sich. Auch das Publikum des Kgl. Schau- spielhauseS, das dem Verdachte eines Defizits an patriotischer Ge- finnnng gewiß nicht ausgesetzt ist, verfiel dabei in eine Lethargie. die sich kaum hier und da zu einem kleinen, pflichtgemäßen Beifalls- zeichen aufzuraffen vermochte. Unter Schwerterrasseln und Jamben- Prasseln, mit langen Verwandlungspausen abwechselnd, vollzog sich auf der Bühne eine Haupt- und Staatsaktion, die trotz verschwende- rischen Blutvergießens weder Furcht noch Mitleid in Bewegung setzte. Der ausgesuchte Hohn, mit dem der Sieger die Berufung eines zum Tode verurteilten Gefangenen auf Menschlichkeit und Recht zurück- weist, die Hinschlachtung de? wunden Barus in ungleichem Zwei- femps, die Schadenfreude der Siegenden weckte, wenn überhaupt, Abg. Reinhard(Z.), den letzten Absatz zu streichen, der die Genehmigung der Aufsichtsbehörde zur Verwendung der Ueberschüsse für bestimmte Fälle einfiihrt. Abg. Leinert(Soz.): Die tu der Kommission gestrichene Genehmigung der AufsichtS- behörde ist für die Verwendung der Ueberschüsse zur Deckung der den Gemeinden gesetzlich obliegenden Verpflichtungen wieder ein- geführt worden. Das heißt in der Praxis für fast alle Ausgaben. Wir werden daher für den Antrag Reinhard stimmen. Im übrigen stelle ich fest, daß daS Zentrum es unterlassen hat, den Gedanken unseres Antrages bezüglich der Verwendung der Ueberschüsse, den es selbst für außerordentlich sympathisch erklärte, durch Einbringung eines Antrags in dritter Lesung zu verwirklichen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten!) Der Antrag Reinhard wird abgelehnt. Der Antrag Leinert auf namentliche Abstimmung über daS Gesetz im ganzen findet nicht die genügende Unter- stützung von 50 Mitgliedern des HanseS.(Abg. Hoffmann ruft, da sich nur wenige Zenirumsabgeordnete zur Unterstützung des Antrages erheben: Und das Zentrum?!) Das Gesetz im ganzen wird darauf angenommen. Es folgt die Beratung des Antrages Hämmer(k.) auf Erhöhung der Warenhausstener. Die Handels- und Gewerbekommission hat beschlossen, die Regierung zu ersuchen, eine Verbesserung deS Warenhaus- steuergesetzes, insbesondere hinsichtlich der Grundlage der Steuer- bemessung und in Verbindung damit ihrer Höhe sowie des Ver- Wendungszweckes in Erwägung zu ziehen. Abg. Hammer(k.): Auf Grund der Erklärungen der Regierung in der Kommission habe ich dort meinen Antrag zurückgezogen. Wir haben den Spieß umgedreht und haben nun die Regierung ersucht, uns einen Gesetzentwurf zur Regelung dieser Materie vorzulegen. Ich bitte diesem Antrag zuzustimmen, Sie tun ein gutes Werk damit.(Bravo I rechts.) Abg. Trimborn(Z.): Das Warenhaussteuergesetz hat seinen Zweck, die Entwickelung der Warenhäuser zu verlangsamen, nicht erreicht. In ihrer Fernwirkung haben sich die Warenhäuser so- gar erheblich ausgedehnt, sie lieferu per Automobil in weit entfernte Vororte. Die Steuer muß erhöht werden, aber nicht so weit, daß sie eine Strangulierung der Warenhäuser bedeutet. (Bravo I im Zentrum.) Ein Regieningskommissar betont, daß auch die Regierung ein warmes Herz für den Mittelstand habe. Aber der Vorredner hat selbst zugegeben, daß eine Erdrosselung der Warenhäuser nicht an- gängig ist; sie würde dem Prinzip der Gewerbefreiheit widersprechen. Mir ist es sehr fraglich, ob eine Erhöhung der Steuer die Ent- Wickelung solcher Warenhäuser wie W e r t h e i m und T i e tz hemmen würde. Dazu verfügen solche Häuser doch über zu große Kapitalien und find zu leicht in der Lage, die Steuer auf andere Kreise, Fabrikanten usw., abzuwälzen. Will man gegen diese Riesenwarenhäuser ernstlich vorgehen, so muß man sich schon an das Reich wenden. Daß gewisse Verbesserungen des Warenhaussteuer- gesetzeö möglich sind, ist zuzugeben. Abg. Dr. Schröder-Kassel(natl.) erklärt, daß seine Freunde dem Kommissionsantrag zustimmen würden. Abg. Dr. Barenhorst(fk.): Die Warenhäuser sind allmählich auch ein Krebsschaden für das platte Land geworden. Daher bedauern wir die wenig entgegenkommende Erklärung der Regierung, die lediglich bei den Sozialdemokraten Zustimmung gefunden hat und den Darlegungen des Verbandes der Warenhäuser ent- sprach. Abg. Dr. Pachnicke(Vp.): Das Warenhausgesetz hat seinen Zweck nicht erreicht. Die Warenhäuser wachsen der Zahl und dem Umfang nach. Die Ausführungen der Vorredner selbst waren die blutigste Krisik des Gesetzes.(Sehr wahr! links.) Wir sind bereit an das Warenhausproblem heranzutreten, aber mit geeigneten Mitteln, und die lägen in einer Reform der Gewerbesteuer. Den Kern seines Antrags hat Herr Hammer in der Kommission völlig fallen lassen müssen. Herr Trimborn hat es sehr geschickt verstanden, mit seiner Rede so gut wie nichts zu sagen.(Sehr gut! links.) Dem ganz allgemeinen Wortlaut deS KommissionSbeschlnsses stimmen auch wir zu. Abg. Hirsch-Berlin(So;.): Dem RegierunaSvertreter wurde vorgeworfen, daß er unfern Beifall gefunden habe. Ich halte das für durchaus keine Schande für die Regierung. Wir können nur wünschen, daß Regicrungs- Vertreter öfter so vernünftig reden.(Heiterteit.) Dann wird der Beifall meiner Freunde ihnen nicht fehlen. Herr Barenhorst stellte uns als Förderer der Warenhäuser hin. nur peinliche Empfindungen. Die vielberufene, abstoßend wider- wältige Szene, in der die enttäuschte Thusnelda den römischen Galan Ventidius, der ihr Goldhaar der Kaiserin als Schmuck ver- sprachen, rachsüchtig in den Bärenzwinger lockt, hatte die Regie ge» strichen. Die Darstellung wies keine überragende Leistung auf. Es wurde bald besser, bald schlechter deklamiert. Den Hermann spielte S omme r sto r ff, Frau Willig das plauderhaste, dann so er« grimmte Thuschen. Unter den Nebenrollen trat der korpulente Suevenkönig des Herrn v. Ledebur und MühlhoferS hagerer Varus in etwas markanteren Umrissen hervor. ckt. Musik. Moderne Lieder. Je berühmter ein musikalischer Virtuos, desto bekannter, unproduktiver, wohl auch sensationeller meistens sein Programm I Will man die verdienstvollste Auswahl hören, daS ist Unbekanntes, dessen Vortrag sich sachlich rechtfertigt, so muß man sich gewöhnlich ein minderwertiges Solistentum gefallen lassen. Zwei Dutzend noch� ungedruckter Lieder mit Klavierbegleitung trug kürzlich eine solche Sängerin vor. Gemeinsam ist den acht vorgeführten Komponisten ein Streben niehr nach einheitlicher Gcsamtstimmung als nach ausmalenden Details, dabei aber auch nach unrnbigem Wechsel in den Harmonien zur Erzeugung scharfer Augenblicks- eindrücke sowie ein recht geringer Ehrgeiz nach Produktivität" in den Themen und nach Reichtum im Rhythmus. Dem ungefähren Grade der Bewährtheit nach reihen sie sich etwa folgendermaßen an: P. E r t e l, hervorstechend durch ein weites Hin- und Herwogen seiner Intervalle; hervorragend sein„Lebensbild". E. O. Rod na gel f, von dem's Gehaltvolleres gibt als das eine Beispiel von diesmal. S. Karg-Elert, dessen üppige Modu- lationen besonders markante Stimmungswechsel geben und der noch am meisteir Detailmalerei treibt. R. K u r s ch, dessen Lied„Die Ge- fallene"(„An der Maschine grüßte der Tag") einschneidend durchgeführt ist. R.H.Stein mit gut ansprechendenKinderliedern. F. Fuhrmeister, der den Charakter einer sozusagen zitternden Landschaftsstimmung klanglich auszusprechen sucht. F. C r o m e, mit einer Steigerung von Eigenarten des Norwegers E. Grieg, insbesondere durch auf- fallend viel Harmoniesprünge, doch mit Volksliedähnlichem in„Dort oben auf dem Berge". Endlich der markant charakterisierende A. Perle berg, dessen„Borbeimarsch" viel Beifall zog— der Klavierbegleiter des Abends.» Ein anderes Konzert der letzten Tage, von Kammersänljcr P. Schmedes veranstaltet, brachte Lieder, die anscheinend säintlich oder größtenteils bereits veröffentlicht sind, und erweiterte die ältere Bekanntschaft zweier modernen Komponisten. Der eine war der dem Berliner Publikum einigermaßen vertraute H. H e r r ,n a n n. Ohne besondere Schärfen in der Komposition versteht er es, farbenprächtige Bilder von wohlgefälliger Art zu entwickeln, die namentlich für volkstüniliche Konzerte dankbar fein würden. Als Texte finden sich Lyriken der Gegenwart, teils besonders wirksame Einen Beweis für seine Behauptungen ist er schuldig geblieben. Ich kenne auch z. B. keine Sozialdemokraten, die an Warenhäusern beteiligt sind, während hervorragende Mitglieder anderer Parteien bekanntlich sehr stark materiell an Warenhäusern be- teiligt sind.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wir nehmen gegen den Antrag der Kommission lediglich aus Gründen der Gerechtigkeit Stellung. Auf die Frage, ob der ursprüngliche Antrag Hammer steuertechnisch durchführbar war, brauche ich hier nicht einzugehen, nachdem der Antrag Hammer in der Kommission zurückgezogen werden mußte. Was aber den Komnasstonsantrog an langt, so bin ich nicht so optimistisch wie Herr Pachnicke, der meinte, der Antrag wolle ja nur eine Verbesserung des Gesetzes, daher könne man für ihn stimmen. In Wirklichkeit will er eine Verschlechterung, denn er verlangt eine Erhöhung der Steuer. Das Gefährliche aus dem Antrag Hammer ist also geblieben. Außerdem hat Herr Hammer ausdrücklich erklärt, wenn die Re- gierung auch nur einen Antrag auf Abänderung der Bestimmungen des Gesetzes über den Verwendungszweck der Steuer einbringen würde, deren Reformbedürftigkeit auch wir zugeben, so würden seine Freunde das benutzen, um in dies Gesetz hinein- zuschreiben, was ihnen gefällt. Daher ist es besser, ihnen diese Gelegenheit gar nicht erst zu gebe». Wir sind grundsätzlich für eine progressive Ein- kommensteuer, lverden aber niemals dafür zu haben sein, daß man bestimmte Gewerbetreibende unter ein Ausnahmegesetz stellt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Man sagt, eine Erdrossclungssteuer will man nicht. Wenn die Herren aber ihren Zweck wirklich erreichen wollen, so können sie das gar nicht anders, als dadurch, daß sie den Warenhäusern überhaupt den Garaus machen. Am liebsten möchten sich ja die Gegner der Warenhäuser in ihrer blinden Wut über das Prinzip der Gewerbefreiheit über- Haupt hinwegsetzen. Herr Hammer sprach von gewissen Tricks der Firma Tietz. Ich halte das nicht für richtig, unter dem Schutze der Immunität hier" solche Andeutungen zu machen, als ob unreelle Handlungen auf feiten von Leuten vorlägen, die sich hier nicht ver- teidigen können. Kennt man derartige unreelle Manipulationen, so hat»»an die Pflicht, sie hier vorzubringen.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Es wird von der angeblichen Vernichtung des Mittelstandes durch die Warenhäuser gesprochen; der„Vorwärts" soll ge- schrieben haben, wie viel kleine Existenzen durch die Warenhäuser vernichtet worden sind. Das deckt sich auch vollkommen mit unseren Anschauungen, denn wir haben immer zugegeben, daß der Mittel st and schtver zu leiden hat, haben aber stets betont, daß die Schuld daran die kapitalistische Ent- Wickelung überhaupt trägt, der man nicht durch Gewalt- mittel Einhalt tun kann. Sonst könnte man ebenso gut eine Sonderbe st euerung aller Großbetriebe, auch der Landwirtschaft fordern, denn sie alle bedeuten eine schwere Konkurrenz für den Mittelstand. Wir sind selbstverständlich nicht so töricht, eine solche Sonderbesteuernng zu verlangen. UebrigenS wird der Mittelstand viel schwerer als durch die Warenhäuser durch die großen Spezialgeschäfte geschädigt, gegen die man nicht vorgeht. Und andererseits steht dem Schaden, den gewiß eine Reihe kleiner Kaufleute durch die Warenhäuser haben, ein ungeheurer Nutzen gegenüber, den die Gesamtheit hat. Das haben auch Kon- servativc wiederholt anerkannt. Gerade in der Zeit der Teuerung haben z. B. die Warenhäuser durH Lieferung billigen Fleisches noch am ehesten dazu beigetragen, die Not des Volkes zu lindern. Weshalb hebt man nur immer die Schattenseiten hervor und vergißt die Lichtseiten ganz. Die Warenhäuser sind eine höhere Stufender Entwickelung.(SxhrZ lpahr I bei den Sozial- demokraten.) Eine große Reihe von Leuten haben auch Vorteile, hon ihnen. Daß die Warenhaussteller ahgewäszt wird, ist bekannt. Gerade dadurch werden auch weite Kreise des Mittelstandes ge- schädigt, die für Warenhäuser liefern und in letzter Linie haben wieder die Arbeiter den Schaden, auf die die Fabrikanten die Steuer abwälzen. Auch die Konsumvereine werden durch die Warenhaussteuer schwer geschädigt, dieselben Konsumvereine, auf die erst vor wenigen Tagen Herr G i e S b e r t s ein hohes Loblieb ge- sungen hat.— Also das Ziel, das Sie erstreben, werden Sie auch durch eine Erhöhung der Steuer nicht erreichen, wohl aber werden Sie einen verhängnisvollen Schritt rückwärts machen und zu den Fehlern des jetzigen Gesetzes neue hinzufügen.(Bravo l bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Debatte. Abg. Hammer(k., Schlußwort): Tietz annoncierte, daß er russisches Fleisch noch billiger verkaufe, als die Stadt Berlin. Er kaufte einen Waggon Fleisch in Rußland, lieh ihn an die Stadt adressieren und mußte ihn, da er. was die Zollbehörde feststellte. zilianische Volkspoesien.— Der andere dort vorgeführte Komponist war T h. Streicher, ein Wiener/ Kaum ein moderner Tondichter trat so gegensätzlich gegen Ueberliefertes auf wie er. Das ist allerdings schon an die 20 Jahre her und heute nicht mehr so spürbar Ivie einst. Außerdem scheint sich der Komponist im Laufe der Zeit„beruhigt" zu haben; selbst eine Annäherung an Schubert, zumal an dessen sehr geschlossen zusammenhängende Klavierbegleitung, ist zu merken. So tritt er in einen Gegensatz zu den �meisten vorigen Beispielen. Ihm ist es hauptsächlich darum zu tun, niemals das Musikalische für sich über die Vernunft des sprachlichen Ausdruckes hin überwachsen zu lassen und die zahlreichen einzelnen Feinheiten in einheitlicher Gesamtbildung einzufügen. DaS paßt auch gut für seine meist aus älterer Literatur genommenen Texte(„Deutsche Minne- und Liebeslieder",„Aus den Liedern des Hafis"). sz. Notizen- — Vorträge. Die neue Malerei, Impressionismus. Futuristen, Expressionismus, behandelt Dr. Deri in einem Licht- bildervortrag, der Dienstag, abends b'/z Uhr, im Bürgersaal des Berliner Rathauses stattfindet. — M u s i k ch r o n i k. Das nächste volkstümliche Konzert deS Berliner VolkSorchcsters findet am 14. November im neuen Konzert- saal der Brauerei Happoldt statt. — Dichterabende. Eine Vorlesung aus eigenen Werken veranstaltet Wilhelm H e g e l e r am Dienstag im Choralionsaal.— Otto Ernst liest Mittwoch in der Singakademie eigene Dichtungen vor. — In der Leitung der Sezession gehen Berändc- rungen vor sich, die eigener Art zu sein scheinen. Der bisherige Präsident C o r i n t h hat wegen allzu starker Beschäftigung sein Amt niedergelegt. Andererseits hat eine Generalversammlung der Sezession dem Kunsthändler Paul Cassirer einen Vorstandssitz an- geboten, ja ihm den Vorsitz in Aussicht gestellt. Die Sezession würde sich damit in eine reine Verkaufsvereinigung verwandeln und einen Geschäftspräsidenten haben. — Ein Kinokongreß wird vom Schutzverband Deutscher' Lichtbildtheater vom 17. bis 22. Dezember veranstaltet. Damit wird eine Kinoausstellung verbunden sein. — Ein Museum für Höhlenkunde. Ein eigenartiges Institut ist von dem Verein für Höhlenkunde in Oesterreich aus dem Pöstlingberge bei Linz eröffnet worden: ein Museum, in dem die Früchte der österreichischen Höhlenforschung in systematisch geordneten Sammlungen aufgestellt sind. Wie Dr. Lahner in der'.Umschau" mitteilt, sind besonders reichhaltig die-blinden Lebewesen der Höhlen vortreten, die Amphibien, Gliedertiere und Mollusken, die sich im Laufe unzähliger Generationen der ewigen Nacht ihres Aufenthaltes angepaßt haben. Eine reichhaltige Bildergalerie gibt über das Innere der Höhle, ihre Tropffteinbildunge», Wasserschlünde und cid- erfüllten Dome Ausschluß: die Ausdehnung dieser Unterwelten wird durch«ine umfangreiche Sammlung von Plänen veranschaulicht. nicht Adressat war, der Stadt persönlich überlassen. sAbg. Hoff mann fSoz.f: Nanu, so dumm ist Tietz doch nicht I Heiterkeit.) Der Kommissionsantrag wird gegen die Stimmen der Sozial- demokraten, der Polen und einiger Vollsparteiler angenommen. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Nächste Sitzung: Mittwoch 10 Uhr. Zweite Beratung des Wassergesetzes. � Schluß S'/z Uhr. parlaincntanrcbcs* Die verstäMe Gemcindelommisfion. der der Antrag Schmedding auf Aenderung des Fürsorgeerziehungsgesetzes überwiesen war, hat einen ausführlichen schriftlichen Bericht erstattet. Wie erinnerlich, handelt es sich daruni, das Gesetz in dem Sinne zu ändern, daß ein Minderjähriger, welcher das achtzehnte Lebensjahr noch nicht vollendet hat, der Fürsorgeerziehung überwiesen werden kann, wenn die Boraussetzungen des§ 1666 oder des§ 1838 des B. G.-B. vorliegen und die anderweitige Unterbringung zur Verhütung und Verwahrlosung erforderlich ist. aber nicht ohne Inanspruchnahme öffentlicher Mittel erfolgen kann. Die Notwendigkeit der Aenderung des Gesetzes wird begründet mit dem Hinweis, auf die verschiedene Auslegung des Gesetzes durch die beiden höchsten Gerichtshöfe. Während das Kammergericht auf dem bereits eine drohende Verwahrlosung zur Anordnung der Fürsorgeerziehung ausreiche. Obwohl die Kommission den Antrag Schmedding einstimmig zur Annahme empfiehlt. und obwohl auch das Herrenhaus bereits im Jahre 1610 sich in ähnlichem Sinne ausgesprochen hat, ist es doch fraglich, ob die Regierung eine_ entsprechende Vorlage einbringt. Wie es scheint, will sie es zunächst auf dem Verwaltungswege versuchen. Der Kommissar des Ministers des Innern warnte in der Kom- Mission vor einer übereilten Aenderung und riet statt deffen im Einverständnis mit dem Minister, schrittweise vorzugehen und zunächst durch geeignete Anweisungen denjenigen Mifr ständen entgenzutreten, die sich auf dem Boden deS be. stehenden Gesetzes im Verwaltungswege beseitigen lassen. Auch der Justizminister hält es für empfehlenswerter, bevor der Frage einer Gesetzesänderung nähergetreten wird, zunächst zu versuchen, ob man nicht die etwa vorhandenen Mißstände durch eine Aufklärung der beteiligten Stellen über die Rechtsprechung des Kammergerichks be- seitigen könne. Ebensowenig haben die Oberlandesgerichtsprästdenten, die von dem Justizminister gutachtlich gehört sind, sich für eine Aenderung des Gesetzes ausgesprochen. Die Ccucrung. Rückgang der Schlachtungen. Nach den amtlichen Ergebnissen der Schlachtvieh- und Fleischbeschau hat im dritten Vierteljahr ein erneuter starker Rückgang des Fleischkonsums stattgefunden. Die hohen Fleisch- preise infolge der Viehnot haben weite Kreise in den Sommer- monaten d. I. zum Verzicht auf den Fleischgenuß gezwungen. In den Zahlen der geschlachteten Tiere kommt das zum beut- lichen Ausdruck. Es wurden in den Monaten Juli bis September 1912 gegen die gleichen Monate des Vorjahres weniger geschlachtet: Ochsen.... 4 165 oder 6,16 Proz. Bullen.... 1 370„ 1,91„ Kühe.... 5 866„ 2,21„ Jungrinder.. 11 519„ 7,61„. Kälber.... 78 564. 13,67„ Schweine... 70 933„ 2,71„ Ziegen.... 4229„ 14,89, Eine Zunahme zeigten nur die Schafschlachtungen um 46 422 Stück oder 9,14 Proz. Aeußerst charakteristisch ist, daß auch die Schweineschlachtungen von dem Rückgang betroffen wurden. Mit dem vielgerühmten Ersatz von Rind- und Hammelfleischgenuß durch Schweinefleisch ist es also nichts. Was tatsächlich an ihrer Stelle verzehrt worden ist, zeigen die Zahlen über die Pferde- und Huudeschlachtungen. An Pferden wurden 7004 oder 36,32 Proz., an Hunden 224 oder 68,29 Proz. mehr der Schlacht- und Fleischbeschau zugeführt. Dabei ist natürlich zu berück- sichtigen, daß nicht alle verzehrten Hunde vor den Trichinen- beschmier geführt wurden. Dieser außerordentlich hohe absolute Rückgang des zur Verfügung stehenden geschlachteten Viehes wird für den Konsum des einzelnen noch durch den Bevölkerungszuwachs seit 1911 verschärft. Aus den Zahlen geht ohne weiteres hervor. daß ein großer Teil des Volkes in diesem Jahr den Fleisch- genutz vollständig einstellen, ein weiterer Teil ihn stark hat einschränken müssen. Nicht die Begüterten haben natürlich auf den gewohnten Genuß verzichtet. Das arbeitende Volk hat das notwendige Nahrungsmittel Fleisch entbehren müssen. Ob der Herr Landwirtschaftsminister noch immer an seiner Erkenntnis festhält, daß es im Arbeiterhaushalt heißt: Fleisch, Fleisch und immer wieder Fleisch! Wie haben die Regierungsmaßuahmen gewirkt? Nach den neuesten Ausweisen der.Statist. Korrespondenz' sind die Fleischpreise in preußischen Großstädten gegen die erste Hälfte des Oktober etwas zurückgegangen. Daraus nun ohne weiteres aus eine Beseitigung der Fleischnot zu schließen, wäre durchaus falsch. Mehr als wie sonst ist der Ursprung der Zahlen zu berücksichtigen. Einmal handelt eS sich nur um Durchschnittspreise von 60 preußischen Orten. Vergleicht man die Zahlen der einzelnen Städte, so ergeben sich ganz gewaltige Unterschiede. So zahlte man für ein Kilo Rind- fleisch zu Halle o. S. 2.30 M., zu Bielefeld dagegen nur 1,60 M. I Die Ermäßigung für den Durchschnitt der 60 Orte kann z. B. allein darauf beruhen, daß man in einzelnen Städten die Preise notierte, die für mit Hilfe der kommunalen Verwaltungen eingeführtes Fleisch gezahlt wurden. Bekanntlich besteht aber noch immer eine Spannung zwischen den Preisen der Metzger für einheimisches Fleisch und den Preisen der Städte für ausländisches Fleisch. Eine Berücksichtigung nur deS letzteren in der Preisstatistik muß die Zustände günstiger erscheinen laffen. als sie sind. Wie wenig von einer allgemeinen Besserung der Lage die Rede sein kann, geht auch daraus hervor. daß die Preise für Pferdefleisch. Schinken und Speck allgemein gestiegen sind. Vergleicht man die diesjährigen Oktoberpreise gar mit denen der Vorjahre, so zeigt sich deutlich, daß wir in einer Zeit außer- ordentlicher Teuerung leben. Gegen den Oktober 1911 stehen die Fleischpreise noch immer um 16 bis 40 Pfennige höher. Man zahlte für ein Kilo lvom Bug): Oktober � gegen 1911 mehr 20 der Regierung geschaffenen Erleichterungen. Be- darf es noch eines anderen Beweises für die völlige Unzu- länglichkeit der Regierungsmaßnahmen? Streikende Fleischermeister. In Detmold traten die Fleischermeistcr von ihrer Zusage zurück, den Verkauf des Fleisches, das vom Magistrat eingeführt werden sollte, zu übernehmen. Infolge dessen unterblieb zunächst die von der Stadtvertretung beschlossene Fleischversorgung. Die Mehrheit der Stadtverordneten wagte auch nicht, den von sozial- demokratischer Seite beantragten Maßnahmen gegen die Unverfroren- heit der Fleischermeister zuzustimmen. Rindfleisch.. Kalbfleisch.. Hammelfleisch. Schweinefleisch Pferdefleisch. Speck. 1909 166 166' 161 172 75 189 1911 169 176 167 153 78 170 1912 189 192 185 190 91 211 16 18 37 13 41 Ein Kilo Schweinefleisch kostete also im Oktober noch 37 Pf. mehr als im Oktober des Borjahres und das trotz der von Mi'tkchsstlichei' Aochenberlcht. Vom Einfluß des Krieges auf die Konjunktur. Der Beginn der Woche war an der B ö r s e wiederum durch Kursrückgänge gekennzeichnet. Die Flottensendungen der Großmächte nach dem Balkan ließen die Gefahr eines europäischen Krieges deutlicher erstehen. Am Dienstag waren die Baissiers weiter an der Arbeit, durch falsche Berichte über einen Einmarsch Oester- reichs in den Sandschak die Kurse vollends zum Weichen zu bringen. Vergeblich bemühen sich der Hansabundpräsident und die groß- kapitalistische Presse, in einer Polemik gegen agrarische Blätter diesen unangenehmen Eindruck der Börsenpaniken seit Anfang Oktober zu ver- tuschen. Tatsächlich herrschte, nicht nur an der Berliner Börse, ein Auf und Ab, das dem Gerede von der Sicherheit der deutschen Volkswirtschaft gegenüber der Kriegsgefahr widerspricht. Unwidersprochen ist nur geblieben, daß die Großbanken die weitere politische Situation zu ihrem Vorteil ausgenutzt haben, und dem.Lob" kann man unbedingt zustimmen, daß die Großbanken sich in den Tagen der Börsenkriscn ungefährdet gerettet haben. Wenn nian weiter darauf hinweist, daß überhaupt leine nennenswerten Zahlungseinstellungen auch von kleineren Bankfirmen eingetreten sind, so erinnern wir an das, was wir schon vor einigen Tagen ausführten: die Großbanken haben die fälligen Zahlungen gestundet. Die Insolvenzen werden noch vereinzelt folgen. So haben in der vergangenen Woche mehrere Bankfirmen in Schlesien und eine in Eisenach ihre Zahlungen einstellen müssen. Auch in Frankreich ist die Glattstellung der Spekulationsverpflichtungen im Ultimotermin ohne Ausfall vollzogen worden. Aber die recht hohen Abhebungen bei den französischen Sparkassen im Monat Oktober beweisen, daß auch die Banken von der Zurückziehung der Gelder betroffen sein müssen. In den ersten zehn Monaten dieses Jahres übersteigen die Auszahlungen die Einlagen um 44,8 Millionen Frank. Im Oktober allein wurden 31 Millionen Frank abgehoben, während nur 7 Millionen Frank eingezahlt wurden. Die Okloberzahlen für deutsche Sparkassen, die noch nicht veröffentlicht sind, werden wahr- scheinlich ein ähnliches Bild zeigen. Denn die dauernde Ungeklärt- heit der politischen Lage steigert bei den kleinen Sparern und Rentnern die Furcht vor außergewöhnlichen Ereignissen. Von Mittwoch an hielten die Börsenkurse wieder eine aufwärts- steigende Tendenz inne, ohne daß dafür ein durch die politische Situation gebotener Grund vorlag. Parallell mit der Besserung an der Effektenbörse standen Preis- ermäßigungen an der Getreidebörse. Außerordentlich günstige Ernte- ergebnisse in Amerika und Frachtnachlässe neben ruhigerer Beurteilung der politischen Situation trilgen dazu bei. Die Rückwirkung des Balkankrieges auf die industrielle Konjunktur beginnt sich jetzt bereits fühlbarer zu machen. In den Ausweisen für den Handel im Oktober tritt das allerdings noch nicht in Erscheinung. Die Einfuhr und Ausfuhr von Montan- zrodukten zeigt recht erhebliche Steigerungen gegenüber dem Vor- ahr. Dagegen hat die Einfuhr von Textilrohstoffen(mit Ausnahme von Jute und Kreuzzuchtwolle) nachgelassen. Die Textilindustrie wird ja auch am ehesten von einem Kriege betroffen. In diesem Jahr- kommt noch hinzu, daß die Teuerung eine ganz außer- ordentliche ist. Wenn der Arbeiter sich noch mehr einschränken mutz, als es schon für gewöhnlich geschieht. dann ver- zichtet er auf neue Kleidungsstücke, trägt seine alten weiter oder geht allenfalls zum Altkleiderhändler. In der Schwerindustrie soll sich ebenfalls bereits der Balkan- krieg bemerkbar machen. Wenigstens berichtet die„Rbein.-Westf. Ztg.", daß auf dem Eisenmarkt allenthalben Zurückhaltung herrscht und daß die Verkaufstätigkeit auf den freien Märkten fast zum Stillstand gekommen ist. Zum mindesten bewahrt man Zurückhaltung in den Abschlüssen, um die Ereigniffe auf dem Balkan abzuwarten. Die Preise zeigen bereits eine Tendenz nach unten. Die Produktionsziffern für Roheisen im Oktober wiesen allerdings einen neuen Rekord auf. Gegen den September dieses Jahres stieg die Roheisenproduktion um 110 000 Tonnen und gegen den Oktober deS Borjahres gar um 267 000 Tonnen. Ebenso beweist der dauernde Wagenmangel im Ruhr- und Saarrevier, daß die Kohlenprodullion eine nie verzeichnete Höhe erreicht hat. Der Güterandrang ist so tark, daß zuweilen die Annahme von Frachtgütern auf ganzen Strecken gesperrt wird, weil die Betriebsanlagen sich als unzuläng- lich«weisem Der Rückgang von Aufträgen in der Montanindustrie geht auch aus dem Bericht der Phönix A.-G. hervor. Während im Oktober vorigen Jahres Aufträge auf 32 300 Tonnen eingelaufen waren. betrugen sie in diesem Jahr nur 28 700 Tonnen. lieber die Ans-- ichten des kommenden Jahres schwieg sich der Generaldirektor Beukenberg auffallenderweise im Gegensatz zu früheren Jahren auf der diesjährigen Generalversammlung aus. Sonst bringen die Geschäftsergebniffe des Jahres 1911/12 äußerst günstige Abschlüffe des Werkes, das gerade 60 Jahre hindurch besteht. Den Aktionären des> Werkes kann eine Dividende von 18 Prozent gewährt werden. Eine aktive Teilnahme der Großmächte an dem Balkankriege würde die industrielle Weltkonjunktur mit einem Schlage beseitigen. Bei einer schleunigen Beendigung des Krieges in seinem bisherigen Umfange und die von den Balkauvöliern selbst gewünschie politische und vor allem wirtschaslliche Vereinigung würde dagegen der in- dustriellen Konjunktur einen neuen Antrieb geben. Nichts belveist den Widersinn in den Bestrebungen der europäischen Großmächte mehr, als daß sie bei einer kriegerischen Verwicklung ihre Industrie, ihren Handel und ihren Nationalrcichtum aufs Spiel setzen, obgleich eine friedliche Regelung wenigsten? in der Balkansrage zum gleichen Ziele führen würde. Die Schaffung eine? politisch und wirt- schaftlich selbständigen Balkanbundes würde gerade für Oesterreichs Industrie Anregung und neue Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Und noch mehr sind die übrigen europäischen Staaten, vor allem Frankreich, England und Deutschland an einer schleunigen Herstellung des Friedens auf dem Balkan interessiert. Schon jetzt stockt der Absatz nach den BaUanländern; Aufträge oder gar Zahlungen fehlen völlig aus jenen Gebieten. Die dort in produktiven Anlagen in- vestierten Kapitalien sind gefäbrdet, denn wer ist heute sicher, daß jene Anlagen nicht zum Teil vernichtet sind oder vernichtet werden I Und dann die großen Summen, die den Balkan- staaten auf dem Kreditwege überlasten worden sind. Die Ge- schichte dieler Anleihen zeigt, daß die europäischen Gläubiger nicht immer auf volle Befriedigung bei der Zinsenzahlung rechnen konnlen. Wenn auch die siegreichen Balkanstaaien jetzt leichter die für Schuldendienst notwendigen Summen aufbringen werden, bei der völlig.�»'ammengebrochenen Türkei ist das sehr fraglich. Gewiß sind die Monopoleinnahmen europäischen Finanzkonsortien zur Deckung der Schuldzinscn verpfändet. Aber dem militärischen und politischen Zusammenbruch kann der finanzielle folgen. Die Rückwirkung auf die europäischen Großstaaten wäre eine außer- ordentliche. Gerade in die Hände der kleinen Rentner sind diese Staatspapiere gelangt, zum Teil weil die einzelnen Stücke nur aus niedrige Beträge lauten.(So kann man ein»Türkenlos", ein türkisches Anleihepapier, für 160 bis 160 M. erstehen.) Um so im- verantwortlicher ist das Spiel der großkapitalistischen Kreise, ins- besondere der Banken, die ihren Einfluß benutzen, um im Interesse des eigenen Geschäfts das Publikum in Sicherheit zu wiegen.— Auf die Entivickelnng der Weltkonjunktur wird gegen- über den politischen Ereignissen der Ausfall der Präsidenten- I wähl in Amerika ebensowenig einen irgendwie bedeutenden Ein- fluß ausüben, wie es die Vorbereitungen zur Wahl getan haben. Die industrielle Konjunktur hat sich unberührt von den innerpolitischen Ereignissen Nordamerikas entwickelt und steigt weiter an. Wenn überhaupt noch bei irgend jemand_ die Befürchtung bestanden haben sollte, der neue„demokratische" Präsident könnte mit der Programmforderung des Abbaues der Zolltarife Ernst machen, dann wurden sie durch des Präsidenten Erklärung zerstört, daß unter seinein Regime kein ehrlicher Geschäftsmann»etwas zu fürchten" habe. Sind sie nicht alle, olle ehrenwerte Männer, bis zu den Trust- Magnaten hinauf? Die New-Zorker Börse quittierte sofort dankend mit einer Aufwärtsbewegung der Aktien. Hus der f rauenbewegung. Die polnische Frauenbewegung. So wenig die herrschenden Zustände in den polnischen Lande?» teilen einer Ausbreitung der sozialdemokratischen Arbeiterbe- wegung förderlich gewesen sind, so wenig waren sie auch geeignet, die EntWickelung einer Frauenbewegung im modernen Sinne zu begünstigen. In dem von allen polnischen Bevölkerungsklassen ge» meinsam geführten Abwehrkampfe gegen die endlosen Trangsa- lierungen, mit denen Preußen die Ausbreitung des Polentums in Ost- und Westpreußcn, Posen und Oberschlesiea zu unterdrücken und die Germanisierung zu fördern wähnt, in diesem Kampfe, der aber doch nur ein Kleinkrieg genannt werden kann, erschöpft sich bis auf weiteres die politische Leidenschaft der Polen. Seit Polens gewaltsamer Verpreußung am Ausgang des 18. Jahrhunderts hat die Regierung in der Behandlung der unterdrückten Nation Fehler über Fehler begangen. Immer unter dem Vorwande, daß die Polen heimlich den Plan nährten, sich von Deutschland loszu- reißen, wurden ihnen die selbstverständlichsten staatsbürgerlichen Rechte systematisch verkümmert; so wurde ihnen in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts unter anderem der Gebrauch ihrer Muttersprache in den Schulen untersagt. Die Erbitterung stieg aufs höchste und machte sich in Krawallen Luft, als Kinder. die dennoch polnisch sprachen, auf Anordnung der Schulbehörde ge- prügelt wurden. Die Urheber der Tumulte, darunter Frauen. büßten ihre Empörung über die Mißhandlung ihrer Kinder mit harten Gefängnisstrafen, in einem Falle mut Zuchthaus.... Der sogenannte Sprachenparagraph des neuen Vereinsgesetzes untersagt 4�n Polen den Gebrauch ihrer Sprache auch in öffent- lichen Versammlungen. Die„nationalen Interessen", die bei diesem Gewaltakt vorgeschützt wurden, sind der Deckmantel, unter dem die junkerlichen und kapitalistischen Ausbeuter dem polnischen Proletariat die gewerkschaftliche und politische Betätigung un- möglich zu machen versuchen. Die in diesem Jahre zum ersten Male erfolgte brutale Anwendung des Enteignungsgesetzes vom Jahre. 1908, eines Ausnahmegesetzes in krassester Form, hat aber- mals einen Sturm der Entrüstung unter den Polen erregt, der kürzlich im preußischen Dreiklassenhause noch kräftig nachhallte. Auch dieses letzte Glied in der Kette unerhörter Schikanen gegen die Polen halfen die Preisfechter der Polenhetze schmieden, die Hakatisten, Mitglieder des H.-K.-T.-Vereins, so genannt nach den Begründern des antipolnischen Ostmarken-Vcrcins: Hansemann, Kennemann und Tiedemann. Ein klägliches Schauspiel ist es, daß im Troß dieser Rektionäre auch ein Teil der bürgerlichen Frauen- rechtelei einherzieht, angeführt von Dr. Käthe Schirrmacher und, der ihre polnische Abstammung so erfolgreich verleugnenden Maria Lischnewska. Es kann natürlich für die bürger- liche Frauenbewegung in polnischen Kreisen nicht Propaganda machen, wenn sie hakatistische Elemente in führenden Stellungen und polenfeindliche Agitation in ihren Vereinen duldet. Dennoch gibt es so etwas wie eine polnische Frauenbewegung, wenn man die fast durchweg von der polnischen katholischen Geistlichkeit geführten WohltätigkettS-, wirtschaftlichen und sozial- politischen Organisationen von Frauen so nennen will, die fast sämtlich einen stillen, aber zähen Kampf für die Erhaltung deS Polentums gegen sein« Bedränger führen. lieber diese polnische Frauenbewegung unterrichtet eine kürz- lich erschienene Broschüre aus der Feder des Generalsekretärs des Ostmarkenvereins Vosberg.(Die polnische Frauen- be wegung. 1912, Verlag Oskar Eulitz, Lissa i. P., 22 Seiten. Preis 20 Pf.) Die charilativen Organisationen werden von den Polen dadurch in den Dienst der nationalen Sache gestellt, daß sie ihre Wohltaten nur der polnischen Bevölkerung zukommen lassen. Polnische Kinder, die der Fürsorgeerziehung anheimzufallen drohen, werden durch einen Verein in polnischen Anstalten und Familien untergebracht, damit sie dem Polenium nicht verloren gehen. Ein polnisches Asyl nimmt auch gefallene Mädchen auf usw. In einigen Fürsorgevereinen haben Damen, um das gefährdete polnische Schrifttum zu erhalten, den Kindern polnischen Schreib« und Lese- Unterricht erteilt. Dem Verein„Warta"(Wacht) sagt Vosberg nach, daß er 1906 den Schulstreik in der Provinz Posen vorbereitet habe. Einige derartige Bereine wurden von den Behörden wider- rechtlich geschlossen. In polnischen Frauenvereinen wurde auch eine gegen die deutschen Kaufleute gerichtete Boykottbewcgung(w- pflegt. Doch betätigten sich auf diesen Gebieten nur wenige Frauenorganisationen. die fast ausschließlich aus Tanten der Oberklasse bestanden. Erst vom Jahre 1906 ab wurden auch die Frauen der unteren Volksschichten mobilisiert. Es ertdstandcn Fravenbildungs- und Bcrufsvereine, die wie die polnisch katholi- schen Arbeitervereine, von Geistlichen gegründet und geleitet wurden. Sie sind mit wenigen Ausnahmen in zwei großen Ver- bänden zusammengeschlossen, die es in fünf Jahren auf 49 Vereine mit 8200 weiblichen Mitgliedern gebracht haben. Sie bezwecken „neben der Stärkung der Anhänglichkeit an die auf nationalem Boden stehende Religion und Kirche die geistige und materielle Hebung der Mtiglieder." Einige Frauenbildungsvercine haben sich von den, Einfluß der Geistlichkeit emanzipiert und Frauen in ihren Vorstand gewählt. Diese abtrünnigen, unter dem Einfluß der national-demolvatischen Partei stehenden Vereine unier ihr« Macht zu bringen, ist das eifrig« Bestreben der Pfaffen, die sich überhaupt in demagogischer Weise an die Spitze aller polnischen Organi- sationen drängen, um den Einfluß auf die Massen nicht zu ver- lieren. In dem Verband der erwerbstätigen Frauen herrschen die Geistlichen noch unumschränkt. Sterbe-, Kranken, und Aussteuer- kassen, Rechtsschutz. Arbeitsnachweis für Dienstboten und Arbeite- rinnen sollen durch die Gewährung kleiner Vorteile Mitglieder anlocken. Die Verbände unterhalten auch eine eigene Frauenpressc. Natürlich erblickt der hakatistische Verfasser der Broschüre in der planmäßigen Heranziehung der Polinnen in den Nationali- tatenkampf, dem alle ihre wirtschaftlichen und sozialpolitischen Organisationen dienstbar gemacht werden, eine schwere Gefahr für das Deutschtum. Auch die Sozialdenwkratie kann dieser nur zu begreiflichen EntWickelung der Dinge nicht gleichgültig gegenüber- stehen. Die Organisierung der werktätigen Polinnen im beschränkt nattonal-polnischen Sinne bedeutet eine Zersplitterung und damit eine Schwächung der großen deutschen Arbeitcrinnenbcwegung. die auf dem Boden des Klassenkampfes steht, und die für die Wirtschaft- liche und Politische Befreiung der arbeitenden Frauenwelt ohne Unterschied der Nation eintritt. Hier haben wir noch ein großes. freilich auch recht steiniges Agitationsfeld zu beackert». Denn es Ist unsere Pflicht, immer wieder zu betonen, daß das polnische Proletariat Irrwege geht, wenn es sich unter dem Einfluß pfäfft- scher und kleinbürgerlicher Demagogen zur wüsten Nationalitäten- hetze mißbrauchen läßt und dabei Männer als sein« politischen Führer im Parlament wählt, die die„nationale Sache" so und so oft verraten haben, indem sie die Forderungen des Milltarismu» bewilligten, Führer, die noch stets der agrarischen Auswucherungs- Politik der preußischen Junker zugestimmt und damit das arm« Volk noch tiefer in Not und Elend gestoßen haben. Die Männer und Frauen des polnischen Proletariats können ihre Unterdrücker nicht wirksamer bekämpfen, als durch Anschluß an die sozialdemo- kratische Partei, die für ihre Interessen stets auf das wärmste eingetreten ist, weil sie nicht bloß die Ausbeutung und Unter- drückung der Lohnarbeiter, sondern jede. Art der Ausbeutung und Unterdrückung bekämpft, richte sie sich gegen eine Klasse, ei»« Partei, ein Geschlecht, eine Rasse oder Nation. Ortstrankenkasse der Stadt Schöneberg. Am Freitag, den 22. November 1912, abends 8 Uhr. findet im „GcleHschastZhauS bt3 Westens« Hauptstr. 33, ein« 282/7 ■ Ordentliche. General-Versammlung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Beriesung deS Protokolls der letzten Keneralversammlung. Z. Wahl von 3 itassenprülern und 2 Stellvertretern. v. Neuwahlen zum Vorstand und zwar von 2 Arbeitgebern und 3 Arbeitnehmern. 4. Stellung des Antrage» aus Zu- lassung der Kasse(A 23g R.-V.-O.) und AuSgeltallung unserer Kasse zur allgemeine» OrtSkrantenkasse (Artikel 17 deS AnsührungSgesetzeS zur R.-V.-O.). b. Genehmigung zum ErweiterrrngS- bau des Erholungsheims und zwar von Wirtschasisräumcn, die in Verbindung mit dem be- schlossenen Bau der Liegehallen hergerichtet worden sind. 6. Borlage deS Vorstandes betr. Erweiterung der Burcauräume anläßlich deS JnkrasltrelenS der R.-V.-O. sowie Errichtung eines zahnärztlichen JnsttlutS im eigenen Hause, lerner eines Massage- instiiuS usw. 7. BerschiedeneS. Berlin-Schöneberg, S. Rovbr. 1312. Krukow, Bakenecker, Vorsitzender. Echristsührer. Orts- Krankenkasse deS Zinimtrtrgtlverbtgj.Kerlm. Am Ntittwoch, den 20. November 191«. vormittags 10 Uhr. findet tn Schulz' Festsälen, Münzstr. IS. Eingang Königsgraben, eine Zjklsammlung d. Arbeitgeber welche Beiträge zur Kasse aus eigenen Mitteln leisten, statt. Tagesordnung: Wahl von 18 Vertretern zur Generalversammlung pro 1313. In deinseiben Lokal und zur selben Zeit doch getrennt, findet eine Ber- sammlung der wablberechliglen Kassen- milglieder. Arbeitnehmer, statt. Tagesordnung: Wahl von 3S Vertretern zur Genetalveriammlung pro 1013. Das OutllungSbuch legitimiert und ist den Kontrolleuren vorzuzeigen. Sonntag, den S4. November ISIS. vormitt. 10 Uhr, tn demselven Lokal: 0M>. Generalversammlung. Tagesordnung: I. Wahl v. 3 Vorstandsmitgliedern (Arbeitgeber).— 2. Wahl von 2 Vorstandsmitgliedern(Arbeitnehmer).— 8. Wabl de« PriisunaSauSIchusse«.— 4. B>sschluhsaslung tioer den Antrag aus Zulassung gemäss den Bestimmun- gen der ReichSversicherungSordnung. — b. Verschiedene». Die am 22. November 1311 ge. wählten Vertreter werden hiermit eingeladen!. 54, Fmittrstr. 88—85, Verwaltung: Kassierer: ArbcitsuachweiS: Telephon: Ami Norden 1387. Amt Norden 18b. Amt Norden 1233, 3714. Donnerstag, den IS. November, abends 8'/, Uhr: Hias Versammlung � der KliniinsihlSgtr ötrlins lind Umgegeid im Gewerkschaftshause, Engeluser IS, Saal 1. Tagesordnung: 1. Die Arbeitsnachweise und deren Bedeutung für die Arbeiter. Referent: Kollege Wiicke. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheilen. Zahlreichen Besuch erwartet 132/20 �_ Die Qrtnwerwnltnwg. teure Zelten Kllllge Suppen Immer größer wird die Zahl der Hausftauen, die bei den teueren Fleischpreisen regelmäßig Knorr-Suppenwürfel verwenden, aber noch mehr Hausfrauen gibt es, die diese für jeden Haushalt nützlichen und praktischen Suppen noch gar nicht kennen. Warum? Weil viele glauben, der Fabrikant könne unmöglich für 10 Pf. 3 Teller gute Suppe liefern. Und doch ist es so. Warum kann Knorr für wenige Pfennige so viel bieten? Weil in dem großen Fabrikbetrieb alle Vorteile des Einkaufes, der Herstellungsweise und des Vertriebes sich vereinigen, so daß jeder, der für 10 Pf. einen ÜMIT-Suppenwürfel kauft, aus allen diesen Vorteilen Nutzen zieht. Interessantes«der Knorr's Kabrikbetrlvb. Knorr hat eigene Mühle Knorr hat eigene vörrgemüse-sabrik Knorr hat eigene Lier-lluckelsabriit Knorr hat eigene Vürae-fabrili Vorwärts-Bibliothek Eine Sammlung volkstümlicher Romane und Erzahlungon IV. Verschrobenes Volk Kraft-Zentrale Erzählungen und Satiren von Robert Grötsch. Preis gut gebunden 1 M. Buchhandlung Vorwärts LindenstraDe 69 248, IS» Adlershof. Alleinige Verkaufstelle der Zigarren-Fabriken der G.-E.-B., Tabak- A rbeiter• Genossenschaft 45 Sorten Knorr'Suppenwürfel Hamlturg hat jetzt 4733L Karl Schwarztose, Bimnarckstratte 50. Einladung legitimiert. r Vorstand. 1224b Burotheater-Festsäle. Da tch gezwungen wurde, mein »eschäst auszugeben, so bitte tch die vereine, welche bei mir zesllichteiten abgeschlossen hatten, sich nach anderen SÄen vorläufig umzusehen. Even- welle Ansprüche bitte tch nach Etubbenlammerstr. II zu richten. USTl Bodolf Mcr«. Würzburger HQhneraugenmiUel von Dr. H. Untrci*.— Gegen 30 Pfennig aus 10 Ps. Anwelsungsr Ohne Zweiscl die bcqucinste u wirtsamsteHilfe. Der Schmerz ist tn 5Mtn. fort. Das Hühnerauge selbst in 3 Tagen.(Enthält Salicylsäur» n. indischen Hansextratt.) � Unger IN WÜrZbUFg. Berlin(20 Vf.): Salomon- Apotheke, Tharlottenstrahe 54.— OreU- Apelhek«, Barnimstr. 33.— Wo nicht, zu haben: aoeea-Apotheke, WQrzburg. Anton Beckers Festsäle Weber.tmBe 17----------------- Tel. Amt KSnigetadt 1S414 emvsiehlt seine Säle zu Versammlungen und FesUichkeite» jeder Art. Kleine u. grohe Säle, großer Garten mit seststehender Theaterbühne sowie große Vereinszimmer flehen den geehrten Gewerkschaften und Kochanmisung Knorr'Suppenwürfel Sorgfältig ausgesuchte Rohmaterialien, tvie Erbsen, Grünkern. Reis. Gerste usw.. werden tn großen Mengen gekauft und vermittelst moderner Maschinen nach bewährten, in annähernd 40 jähriger Praxis erprobten Methoden zu Mehl verarbeitet, das für die Suppenwürfel gebraucht wird. Ein wesentlicher Bestandteil der Knorr- Suppenwürfel sind getrocknete Gemüse aller Art. Viele Tausende Zentner Karotten, Wirsing, Weißkraut. Blumenkohl, Lauch. Zwiebeln usw. werden in der Knorr- Gemüsefabrik getrocknet, um dann für die Knorr-Suppenwürfel Verwendung zu finden. Neben der größten Makkaronifabrik Deutsch- lands besitzt Knorr eine sehr große Eier- nudelfabrik, in der all die Eierfadennudeln, Eierriebele. Eiersternchen usw. hergestellt werden, die man für die Suppenwürfel- Fabrikation braucht. Um den Suppen einen würzigen Fleisch- brühe° Geschmack zu geben, werden den Suppenwürfeln verschiedene Arten von Würze beigesetzt, die nach eigenem Ver- fahren in der Knorr° Würzefabri! erzeugt werden. Einen Begriff von ber Größe der Fabrik- einrichtung bekommt man. wenn man hört. daß in der Fabrik von Knorr. Heilbronn, 2 Dampfmaschinen und 1 Dampfturbine mit zusammen über 2800 Pferdekräften arbeiten. um die vielen Maschinen in Betrieb zu setzen. die in dem weitverzweigten Betrieb not- wendig sind. Knorr macht 45 verschiedene Sorten Suppenwürfel. Jede Sorte hat ihren Eigengeschmack. jede Suppe ist wohlschmeckend, kräftig und nahrhaft. 39 Sorten Suppenwürfel werde» k 10 Pf. 6. pikante,„& 15„ verkauft und sind in jedem besseren Geschäft erhältlich. Jeder Suppenwürfel genügt für 8 Teller Suppe. Die in den Suppenwürfeln enthaltene Masse wird zerbröckelt, mit etwas kaltem Wasser angerührt und dann mit'/« Liter Wasser 15 bis 20 Minuten langsam gekocht; weder Gewürz noch Fleischbrühe noch sonst etwas soll zugegeben werden, die Suppe enthält alles, was zu einer kräftigen Fletschbrühsuppe nötig ist. Vereinen jederzeit zur Versügung. WeihnachtSfeiertage noch frei. " lebenit Anton Becker, Webcrftr. 17. Ergebenst_ H.& Tabak-tiroßhandlnng und Tabakfabrlh. IM- Rauch-, Kau-, Schnupftabake, Zigarren. Zigaretten.~ Vorteilhafteste Bezugsquelle lür WiederverkSuler. Größte Auswahl gelagerter Zigarren In allen Prtielagcn. Bitte, machen Sie einen Versuch und verlangen Sie bei Ihrem Kaufmann ausdrücklich einen W- Sitppemonrfet beste: Neue Sorten: ter Suppe lumenkohlsuppe Zigaretten kannten Marken Pariser Suppe ..........- Spargelsuppe Feine Julienne, Suppe 1 Würfel 3 Teller 15 Pf. 1 Würfel 3 Teller w Pf. . 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Gabriel Schillings Flucht. Deutsches Opernhaus. Fidelio. Kleines. Magdalena. KöniggräNer Straffe. Die sllns Frankfurter. Schiller O. Der Talisman. «ditner. Ebarlottendurg. Im weißen Rößl. Berliner. Filmzanbcr. Residenz. Gemütsmenschen. Komödienhaus. Die Gencralsecke. Deutsches Schauspielhaus. Der gutsitzende Frack. Thalia. Autoliebchen. Theater am Rolleudorsplaff. Or- pbeuS w der Unterwelt. «urfürften-Oper. Der Kuhreigen. Kroll. Der Glücksschmied. Montis Operetten. Der Frauen- ins Snise«. D«S andern Ehre. Rose. Die größte Sünde. Metropol. Chauffeur— Metropol. Trianan. Liebesbarometer. Herrnfeld. Die Alpenbrüder. Endlich allein. Kasino. Der Großsürst. Wintergarten. Spezialitäten. Apollo. Spezialitäten. Paffage. Spezialitäten. ReichShalleu. Die Macht der Töne. Ansang 8'/, Uhr. Friedr.» Wilh. Schauspielhaus. Grigri. Luit spielhaus. Mein aller Herr. Falles Kaprice. Der leuschc Joseph. Der Rehbock. 5tönigstadt-Kafi«o. Spezialitäten. Ansang 8'/, Uhr. Reues BoUStheater. Lore.— Die Spieler.— Der Kammer- länger. Ansang 10 Uhr. «dmiralspalaft. EiSballett: Ivonne. Sternwarte, Fnvalldenftr. 67—«2. Lerüner Ivesler. g Uhr: Zum Ali. Male: Filmzauber. Tlieater la Mi�tzer Straße 8 Uhr- Die fünf Frankfurter. Montis 0peretten-lkester (srüher Mserren ThSatrr) Abends 8 Uhr: Ter Frauenfreffev 8edi!Ier-7desler0.Ue°.°n Dienstag, abends 8 Uhr: vor Talisman. Mittwoch, abends 8 Uhr- Di« Kinder der Exzellenz. Donnerstag, abends 8 Uhr: Flachsmann als Erzieher. Schiller-Theatep"r- Dienstag, abends 8 Uhr: Im weiiien Rößl. Alittwoch, abends 8 Uhr: Im weißen Rößl. Donnerstag, abends 8 Uhr: Die Kinder der Exzellenz. Deutsches Schauspielhans 8 Uhr: Der gutsitzende Frack. Kesilleiü-Ideslei'. « Uhr: 8 Uhr: Kemützmenzellen. schwank in 3 Allen von Fritz Friedmann-Frederich. Donnerstag, den 14. November, zum 1. Male: Prinzenerziehung. Theater am Nollendorfplan (NeueS Schauspielhaus). Täglich abends 8 Uhr: Laslspisl des Münchener Kiinstlertheaters. Orpheus in der Unterwelt. Jeden Mittwoch u. Sonnabend 3'/, Uhr: Schneewittchen. tuiseii-IIlester. Ansang 8 Uhr. Des andern Ehre. Mittwoch: Der Walzerkönig. Donnerstag: Des andern Ehre. IOSE=THEATEI AsClon" MannretpaRA JM>— 7 :: Berliner:: Konzerthaus Mauerstraße 82.— Zimmerstraße 90/91. Heute: Doppel-Konzert! Berliner Konzerthansorchestcr, Dir. Fr. v.BIon, Komponist. Musikc. Kaiser- Franz- Regiments, Dirigent Oberm. Becker. Anfang 8 Ehr. Eintritt 50 Pf. Anfang 8 Ehr. Cr. Nachmillags-Konzerl""iSr MM Iii«? hf spiele in. Kl-HO Passage-Theater Unter den Linden. Sröffmmg Dienstag, den 12. November nachmittags 4 Ehr. Das hochinteressante Programm enthält Dramen, humoristische Szenen, Naturaufnahmen, wissenschaftliche Films, sowohl Kinemakolor(naturfarbig) wie auch schwarz-weiß. Jeden Sonnabend Programmwechsel. Anfang Wochentags 4 Ehr, Sonntags 3 Ehr. Große Frankfurter Str. 132. Abends 8 Uhr: Die größte Zünde. Drama in'S Akten von Otto Ernst. Mittwoch: Deutsch-Amerikaner. «lelropo!-7ves!er. Wends 8 Uhr: Rauche» gestattet. Chanffettr-tasj�etropol! Große Jahresreonc mit Gesang und Tanz in 10 Bildern von J. Freimd, Muiik v. Rud. Nelson. Tänze arrang. von Will Bishop. In Szene gesetzt vom Direttor R. Schultz. �assag�anoptikiini Das größte Naturwunder! Die HEILIGE WEISSE NEGERIN und ihre schwarze Priester- Schwester. Beide lebend ohne Extra- Entree an sehen. AM ZOO. Direktor: LUDWIG ROSENFELD. Eröffnungs-Yorstellung Freitag, den 15. November: T'/a Uhr abends; So bammeln wir! 5 Bilder von ttustar Kadelbnrg Texte von Eeo Eelpzlger Musik von Jean(Silbert Frltzl Massary, Max Pallen- berg. Karl Bachmann, Hedwig Döring, Marie Wendt, Helene Brahms, Edy Smeraldina, Queenie Hall u. a. Vorher: Gr. Variete-Teil. Dennlioilin sämtl. Räumen d. tluilClibli Theaters gestattet. Reginn" hr. Der Vorverkauf für sämtl. Vorstellungen beginnt Mittwoch, den 13., an d. Theaterkasse, 10 2 Uhr, im Warenhaus Hormann Tietz und beim Invalidendank. Zirkus JUbert Sehnmann. Heute Dienstag, 12.November: abends 7'/. Uhr: Urania Tanbenstrafie 48/40. Abends 8 Uhr: Die wichtigsten Kulturpflanzen der Weltwirtschaft. Mit, dem Zeppelin- lufteehitt von Sylt nach Hamburg. Hörsaal 8 Uhr: Professor Dr. B. Donath: Resonanz, Schwefaung, Klanptarbe. «BMI 8 Uhr: Die mit beispiellosem Lacberfolge aufgenommene Novität Die Alpenbrüder. 10 Ehr: Endlich allein! Beide Stocke mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Vorverkauf 11—2(Theaterkasse). Theater Königstadt-Gasino, Holzmarllsttaße 72, 1 Min. v. Bahnh. Iannowltzbrückc. Tägl. abends 8, Sonnt. S1/, Uhr: 8 erstklassige Spezialitäten und Kalt gestellt oder: Fehlgeschossen. mit extra auserwähltem Programm. im~ Eni»'s. Ehr: Der unsichtbare Mensch. Vier Bilder aus Indien. Die Dauptattraktion vod Berlin! Zirkus Busch. Heute Dienstag. 12. Xovembcr, abends 7'/s Uhr: Xen! Die nnvergleich- lirhen Tourblllons, akrobatische Lady-Oyclists. Xeu! Kant, hipaulding, der myster. Feuermanipulator. Nicu! Albas sensationelle Kopf-Drahtseilfahrt. Hr. Burckhar.lt- Foottit, Schulreiter auf dem Vollblüter „Donald". sowie das große Programm. Schluß: Onter Gorilias. Foiies Caprice. Zum/«L Male Die drei Schlager: f Der keusche Joseph. WaT" Der Rehbock.-ME Der Einbrecher.-ME � Ah 8 l�hr. «>!ie dsxewesenef Erfolg - des neuen Programms! J Theafer Alexanderplatz L'nt. den Linden Moritzplafz Hasenbeidc Lustspiel Wedding, Reinickendorfer Str. Ii Paris. Sittenbild. Außerdem dio übrigen Programme. 18 große Attrahtlonen! I J Ganz Berlin spricht von 2 M. Bendix und E. Schnabel 4 als Droschkenkutscher u. Fiaker. Trianon-THeater. Abends 8 Uhr: Licbesbarometer. Voigt-Theater. Dienstag, den 12. November 1912- Gastspiel m der.Reuen Welt«, Hasenhcide 108—111. Zapfenstreich. Sittendrama in 5 Allen von Adam Beyerlein. Kasscnerössnung 7 Uhr. Ans. 8'/. Uhr. keielisIisilen-IbeAle!' Stettinef Sänget. M oie Macht 8 Uhr: Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Kompagnieball Casino-Theater Lothringer Sir. 37. Täglich 8 Uhr: •Da« sensatton. November-Programm Robert Xeesemann, Berlins Lieblingshumorist mit neuen Schlagern. Riesen- Lachersolg des Ä D-r Großfürst. Sonntag 4 Uhr:. O diese Männer! erllner lim-Trio Adr.: Xeiikftlln wP l.ahnBtr.74 L Für den Inhal» der Intern»? »hernimmt die Redaktion dem Budlikum gegenüber keinerlei Berantwortung. Vsrantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Reukölln. Für des Lnicratenteil verantw.: TH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag- Borwärts Kuchdruckerei s. Verlagsanstalt.Pas! Singer s. Co., Berlin SW* Kr. 265. 29. Iahrgavg. 2. WIM i>ks Joniiärtö" Knlim Bulblilatl Dievstag, 12. November 1912. Oerband fczlaldemoltrat. dlablverelne Berlins und Ilmgegend. Die o«4 Sonntag abgehaltene außerordentliche Generalver- sammlung tagte in den Germaniasälen. Sie hatte zunächst die von der vorigen Generalversammlung zurtickgestellten Anträge zu erledigen. Der erste dieser Anträge, von Teltow-Beeskow ge- stellt, lautet: „Diejenigen Mitteilungen im„Mitteilungsblatt", welche der„Vorwärts" bereits veröffentlicht hat, sollen künftig im„Mit- tcilungsblatt" nicht mehr veröffentlicht werden. Der hierdurch freigewordene Raum ist für leichtverständliche Artikel zu be- nutzen, die auf den Zahlabenden vorgelesen und zur Diskussion gestellt werden können." Eugen Ernst führte zu dem Antrage aus: Der erste Teil sei aus praktischen Gründen undurchführbar. Das„Mitteilungsblatt" sei bestimmt, zum Nachschlagen in späterer Zeit zu dienen, es sei deshalb nicht zu vermeiden, daß Mitteilungen wiederholt werden, die schon im„Vorwärts" veröffentlicht wurden. Dem zweiten Teil des Antrages wird der Zentralvorstand gerecht werden. Er ist der Meinung, daß den Genossen Diskussionsstoff für die Zahlabende ge- boten werden mutz, und ist deshalb mit zwei Schriftstellern, deren Namen einen guten Klang in der Partei haben, in Verbindung getreten. Das„Mitteilungsblatt" soll jedesmal einen Artikel von einem dieser Schriftsteller bringen. Der Artikel wird aktuelle Fragen behandeln in der Art, wie es früher die Spitzartikel der „Neuen Zeit" taten. Der Zentralvorstand ersucht, den Antrag hierdurch als erledigt zu betrachten. Die Versammlung erklärte sich einstimmig für den Vorschlag des Zentralvorstandes. Nun kamen zwei Anträge zur Beratung, die eine «cschränkung der Zahl der Generalversammlungsdelegierten fordern. Ein Antrag von Teltow-Beeskow will, daß auf je 250 Mitglieder ein Delegierter entfällt und den kleinen Kreisen eine Mindestzahl von 10 Delegierten gewährt werde.— Niederbarnim beantragt, auf je 200 Mitglieder einen Delegierten zu wählen. Der Zentralvorstand empfiehlt den Antrag Niederbarnim. Mehrere Redner treten �ür die Beschränkung der Delegiertenzahl ein mit dem Hinweis, daß eine geregelte Erledigung der Aufgaben der Generalversammlung bei einer Delegiertenzahl von 1200 kaum möglich sei. Da die Mitgliederzahl zunehme, würde man in ab- sehvarer Zeit auf 1500 Delegierte kommen. Wenn hie Delegierten- zahl auf etwa 700 herabgemindert würde, so könne die General- Versammlung besser arbeiten und die Rechte der Mitglieder würden dadurch keineswegs beschränkt. Mehrere andere Redner traten dagegen für die Beibehaltung des bisherigen Modüs ein, der für je 100 Mitglieder einen Delegierten festsetzt. Es sei nicht demokra- tisch, die Delegiertenzahl zu vermindern, auch könne die General- Versammlung in der jetzigen Stärke ganz gut verhandeln, Unzu- träglichkeiten hätten sich nicht herausgestellt. Ein Redner machte den Vermittelungsvorschlag, auf je 150 Mitglieder einen Dele- gierten zu wählen. Von anderer Seite wurde beantragt, die An- gelegenheit zurückzustellen, bis die Reorganisation erledigt sei. Der Vorsitzende Ernst machte darauf aufmerksam, daß eS sich um eine Statutenänderung handelt, die nur mit Zweidrittel» Mehrheit beschlossen werden kann. Die Abstimmung ergab für den Antrag Teltow-BeeZkow eine sehr kleine Minderheit. Der Antrag Niederbarnim sl Delegierter auf 200 Mitglieder) fand nicht die Zweidrittelmehrheit.(Es wur- den 135 Stimmen für und 250 Stimmen gegen abgegeben.) Be- schlössen wurde mit 487 gegen 195 Stimmen, also mit Zweidrittel- Mehrheit: Auf je ISO Mitglieder einen Delegierten zu wählen. Ein Antrag deS vierten Wahlkreises verlangt, daf�daS Einkassieren deS„Borwarts"-Abonnrincnts vom 1. bis 7. im Monat zu unterlassen ist. Die Befürworter des Antrages machten geltend, eS fei den Arbeitern schwer, in den ersten Tagen des Monats, die mancherlei finanzielle Verpflichtungen mit sich bringen, zu zahlen, auch solle den Botenfrauen ein freier Sonntag dadurch zugute kommen, daß nicht mehr am ersten Sonntag des Monats kassiert werde.— Der Zentralvorstand ersuchte um Ablehnung des Antrages. Was die Botenfrauen betreffe, so sei das jetzige Verhältnis durch ihre Organisation geregelt. Das Kassieren nach dem 7. des Monats würde große Ausfälle an Einnahmen bringen, namentlich dadurch. daß die Schlafburschen, welche am Ansang des Monats verzogen sind, später nicht mehr aufzufinden seien.— Nachdem noch zwei Redner gegen den Antrag gesprochen hatten, wurde derselbe mit großer Mehrheit abgelehnt. Der zweite Punkt der Tagesordnung lautete: Wesen und Aufgaben der Arbeiterbildung. Der Referent Heinrich Schulz erinnerte daran, daß vor zwei Jahrzehnten nach einer begeisternden Rede Wilhelm Lieb- k n e ch t s in einer großen Versammlung die Berliner Arbeiter» bildungSschule gegründet wurde, die den Arbeitern die Bildung ver- Mitteln sollte, welche ihnen die Schule des Klassenstaats vorenthält. Die Gründung der Berliner Arbeiterbildungsschule erregte Auf- sehen bei Freund und Feind. Doch das Feuer der Begeisterung, welches Wilhelm Liebknecht entfacht hatte, hielt mcht lange vor. Die leitenden Männer der neuen Einrichtung waren sich nicht klar über den Weg, den sie einzuschlagen hatte. Die Massen, die sich damals um die Bildungsschule geschart hatten, verliefen sich. Es blieb nur ein kleines Häuflein, das aber verfolgt noch heute freudig sein Ziel. Die Erfolge der ArbeiterbildungSschule find nicht ausgeblieben. Es gibt eine Reihe an erster Stelle in der Arbeiterbewegung tätiger Männer, die den Grund ihres Wissens in der Arbeiterbildungsschule gelegt haben. Aber eS ist doch nur ein kleiner Kreis, auf den sich die Leistungen der Arbeiterbildungs. schule erstrecken. Heute hat sich nun wieder eine große Versamm- lung mit dem Bildungslvesen zu beschäftigen. Die Verhältnisse sind heute anders, als bei der Gründung der Arbeiterbildungs- schule. Was die heutige Versammlung beschließen wird, ist nicht der Ausfluß einer momentanen Begeisterung, sondern das Er- gebnis ruhiger Ueberlegung, und hinter den Beschlüssen dieser Versammlung steht eine starke Arbeiterorganisation. Wenn wir heut eine neue Organisation deS Bildungswesens für Grotz-Berlin beschließen, so wird diese im Anfang ja auch ihre Schwierigkeiten haben; aber wenn diese überwunden sind, dann ist in Berlin die Bahn frei für eine bedeutende Entfaltung des Bildungswescns. Seit sieben Jahren haben wir iiWder organisierten Arbeiterschaft Deutschlands die neue Bewegung im Bildungswesen. Auch in Äer- lin siniw die neuen Kräfte an der Arbeit. Aber es fehlt bis jetzt an der zweckmäßigen Zusammenfassung der Kräfte. Wenn wir die erst haben, dann wird sich alles andere von selbst ergeben. In einem Punkt, nämlich in dem Ziel der Arbeiterbildung, ist kein Unterschied zwischen der GründungSversammlung der Arbeiter- bildungSschule und unseren heutigen Bildungsbestrebungen. Schon Wilhelm Liebknecht vertrat den Standpunkt, daß es sich bei den Bildungsbestrebungen der Arbeiterklasse nicht um Unterricht in den Elementarfächern handeln kann, sondern um eine Bildung zu Schutz und Txutz der Arbeiterklasse. Gewiß legen auch wir Wert auf eine gute Elementar- und Fachbildung der Arbeiter. Aber dafür zu sorgen, ist Sache des Staates und der Gesellschaft, die wir stets an>dic Erfüllung dieser Aufgabe erinnern. Die Ver- breitung von Elementar- und Allgemeinbildung ist also nicht Sache der Arbeiterklasse. Die Hauptaufgabe der klassenbewußten Arbeiterschaft ist der Klassenkampf mit dem Ziel: Umwandlung des Slaffenstgates iß pill? Gesellschaft Freier und Gleicher. Der Klassenkampf führt uns um so schneller diesem Ziele zu, je klarer jeder einzelne Arbeiter die geschichtliche Bedeutung des Klassen- kampfes kennt und vertraut ist mit den Ursachen der heutigen Unfreiheit� und den Mitteln zu ihrer Beseitigung. Das ist der Punkt, auf den sich die Bildungsbewegung der Arbeiterklasse richten muß. Das bedeutet allerdings eine Beschränkung, aber die ist not- wendig. Das Gebiet der Bildung und des Wissens ist so umfang- reich, daß sich selbst Leute, die sich berufsmäßig wissenschaftlich be- schäftigen, auf ein begrenztes Gebiet beschränken müsse». Für die Arbeiterbildung, wie wir sie nach diesen Grundsätzen zu be- treiben haben, kommen als Bildungsstoffe in erster Linie Ge- schichte und Nationalökonomie in Frage. Aus diesen beiden Wissensgebieten entnehmen wir die wichtigsten Argumente für die Bestrebungen der Sozialdemokratie, für den Befreiungskampf der Arbeiterklasse. In einem gewissen Abstand von Geschichte und Nationaökonomie sind andere Wissensgebiete zu berücksichtigen: Die Naturwissenschaften, die namentlich bei den Bildungsbestrebungen unter den jugendlichen Arbeitern in Frage kommen. Ferner die Gesundheitslehre im Hinblick darauf, was die Gesetzgebung für die öffentliche Gesundheitspflege zu tun hat und welche gesundheitlichen Schäden die moderne Industrie für die Arbeiter zur Folge hat. Auch die Bedeutung der Technik für die wirtschaftliche EntWickelung und die Hebung oer allgemeinen Kultur gehört in das Gebiet unserer Bildungsbestrebungen. Auch die Gesetzeskunde ist zu berück- sichtigen, um die Moral der kapitalistischen Gesellschaft in ihrer Gesetzgebung und Rechtsprechung nachzuweisen. Die schöngeistigen Wissenschaften, Länder- und Völkerkunde brauchen wir nicht aus- zuschließen; aber wir müssen Wert darauf legen, daß sie mit den durch unsere Bewegung geschärften Blicken betrachtet werden. Als Lehrer können wir natürlich nur Männer und Frauen gebrauchen, die auf dem Boden unserer Weltanschauung stehen, denn sonst laufen wir Gefahr, daß die Ziele unserer Bildung nicht er- reicht werden. Wir wollen auch die 5hmst nicht von unseren Bildungsbestrebungen ausschließen. Sie kann uns in unserem Freiheitskampf unmittelbar helfen, wie sie ja früher schon in der einen oder anderen Weise auf der Geite der Freiheitskämpfer gestanden hat. Heut können wir ja bereits erkennen, daß die Kunst erfreulich starke Wurzeln in der proletarischen Weltanschauung zu schlagen sucht. Mittelbar kann unS die Kunst noch mehr helfen. Sie ist ein wertvolles Mittel, bei denen, die sich dem Kunstgenuß hingeben, daS Verlangen nach mehr, nach höheren Lebensan- sprächen zu entfesseln. Die Kunst kann uns auch insofern helfen, als sie uns das nüchterne Alltagsleben ein wenig vergoldet. Eine Stunde wahren Kunstgenusses kann uns für Tage des Kampfes stärken.— Die schöne Geselligkeit und Unterhaltung soll ebenfalls Raum in unserem Bildungsplan finden. Es kommt darauf an, die Formen, in denen derartige Veranstaltungen sich heute be- wegen, zu verbessern, so daß auch Stunden des Frohsinns und der Ausgelassenheit uns innerlich bereichern. Damit wir aus dem Stoff, der unserer BildungSarbeit fjur Verfügung steht, das Richtige herausfinden, brauchen wir eine zweckmäßige Organisation für unsere BildungSarbeit. Wir haben es mit alten und jungen Arbeitern, mit Männern und Frauen, mit Leuten aus den Großstädten, wie mit solchen aus rückständigen Gegenden, also mit sehr verschiedenen Menschen zu tun. Darauf mutz bei unseren Veranstaltungen Rücksicht genomnien werden. Der Bildungsplan, den wir beraten, und die Organisation, die wir schaffen wollen, müssen allen in Berlin vorliegenden Möglichkeiten Rechnung tragen. Jedem muß etwas geboten werden, damit nie- mand sagen kann, diese Dinge interessieren ihn nicht. Unsere Ein- richtung muß Elastizität genug besitzen, um allen berechtigten An- sprüchen gerecht zu werden. Die Bildungsarbeit kann verrichtet werden in einzelnen Vorträgen, in Vortragskursen und in Unter- richtskursen, je nach der Beschaffenheit des betreffenden Personen- kreiseS.— Wir haben auch in den Kreis unserer Tätigkeit einzu- schließen unterhaltende und künstlerische Veranstaltungen. Theater- und Konzertaufführungen. Für das Theater besitzt ja die Berliner Arbeiterschaft bereits eine Pflegestätte in der Freien Volksbühne. — Auch das Lichtbild gehört in unseren Plan. Auch das Kino darf nicht ignoriert werden. Es ist unsere Aufgabe, die guten Eigenschaften deS KinoS auszunutzen und feine Schäden auSzu- merzen. Damit nicht alle diese Dinge durcheinanderlaufen und nicht über diesen Bestrebungen wichtige Pflichten der Arbeiter vernach- lässigt werden, ist die Organisation des BildungSwesenS notwendig. Es handelt sich nicht um eine Sonderorganisation, nicht um Grün- dung eines Bildungsvereins, wie man sie früher nötig hatte. Der Bildungsausfchutz ist eine gemeinsame Organisation der Partei und der Gewerkschaften. Diesen beiden Körperschaften ist er auch verantwortlich für das, was er tut. Derartige Einrichtungen be- stehen bereits in fast allen Orten Deutschlands. Da Berlin in unferer Parteiorganisation einen Bezirk bildet, so mutz ein Be- zirksbildnngSausschuß gebildet werden, der an der Spitze des BildungSwesenS für den Bezirk steht. DaS schließt aber nicht aus, daß die einzelnen Wahlkreise auch ihre besonderen BildungSaus- schüsse haben. Die Wahlkreise haben ja zu bestimmen, was sie veranstalten wollen, nur sollen sie sich der Hilfe und Mitwirkung deS Bezirksbildungsausschusses versichern. Es ist auch erwünscht, ja sogar notwendig, daß auch jede Gewerkschaft ihren eigenen Bildungsausschuß hat. Durch eine derart gegliederte, mit Partei und Gewerkschaft eng verwachsene Organisation kann alles, was für daS Bildungswesen in Betracht kommt, berücksichtigt werden. Auch der Kanipf gegen die Schundliteratur kann eine wesentliche Förderung erfahren. Die eine Ausstellung guter Jugendschriften, welche wir jetzt in Berlin haben, reicht nicht aus. Der Bildungs- ausschuß könnte die Sache derart organisieren, daß zu Weihnachten Bücherausstellungen in den einzelnen Kreisen stattfänden. Was die Aufbringung der Mittel für die Aufgaben des Bildungsausschusscs betrifft, so ist zu sagen, daß das BildungS- Wesen nicht eine Geldfrage, sondern eine Frage der Organisation und der Zweckmäßigkeit ist. Das viele Geld, das heut in Berlin von Arbeiterorganisationen für wertlosen Schund ausgegeben wird, fall besseren Zwecken zugeführt werden. Wenn man das Geld sammeln könnte, das heut für minderwertige Veranstaltungen aus- gegeben wird, dann hätten wir mehr, als der Bildungsausschuß verlangt. Auch das ist unverantwortlich, wenn Arbeiterorgani- fationen Honorare von 400—500 M. für das Auftreten eines zug- kräftigen Künstlers zahlen. Durch unsere Organisation soll das Schlechte ausgemerzt und das Gute'zu erschwinglichen Preisen geboten werden.— Wenn Berlin erst jeht an diese Aufgabe heran- tritt, die in anderen Städten bereits mit Erfolg gelöst ist, so hat das ja feinen Grund zum guten Teil in den großstädtischen Ver- Hältnissen. Wenn aber hinter einer Sache erst der feste Wille und die Wucht der Berliner Arbeiterorganisationen steht, dann wird auch das Ziel erreicht. Treten Sie an die Organisation des Bildungswesens heran mit der Parole: Durch die Arbeiterbildung im heutigen Klassenstaat zur allgemeinen Volksbildung in der sozialistischen Gesellschaft.(Lebhafter Beifall.) Zur Diskussion über den Vortrag meldete sich niemand. Kurt Rosenfcld erhielt hierauf das Wort, um die vom Zentralvorstand vorgeschlagenen Neuerungen im Bildungswcsen, in der Jugendbewegung und dem Kinderfchutz zu begründen.— Die Aufgaben des Bildungsausschusses— so führte der Redner aus— sind nicht genau abgegrenzt. Zunächst mutz der Ausschuß sehen, wie und wo er arbeiten kann. Wenn Erfahrungen auf diesem Gebiet vorliegen, können dem Tätigkeits- felde genaue Grenzen gesteckt und später hierüber Beschlutz gefaßt werden. Die Organisation des BildungSausschusses ist so gedacht, daß je 5 Mitglieder von der Partei und den Gewerkschaften ge- wählt werden. Dazu kommt als elftes Mitglied der anzustellende Sekretär. Da das Gebiet des BildungSwesenS so groß ist, daß eS dik' Mitglieder des Ausschusses nicht in allen Teilen beherrschen. können, soll sich der Ausschutz nach Bedarf durch Sachverständige ergänzen. Bei dieser Einrichtung gehen Partei und Gewerkschaften in der seit Jahren bewährten Weise Hand in Hand. Wenn die Statuten des Bildungsausschusses angenommen sind, können wir sagen, daß in Berlin auch im Bildungswesen Partei und Gewerk- schuften eins sind. Der Bezirksbildungsausschuß ist den Bildungs- ausfchüssen der einzelnen Wahlkreise übergeordnet, er hat ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.— Der Voranschlag des Zentralvorstandes beschäftigt sich auch mit der Jugendbewegung. Er hat für sie 10 000 M. angesetzt, 0000 M. mehr als bisher. Sollte das für die Aufgaben, die wir der Jugend gegenüber zu erfüllen haben, nicht reichen, dann werden wir zur gegebenen Zeit mit neuen Forderungen kommen. Sie wissen ja, wie die preußische Re- gierung die Jugendbewegung betreibt. Mit der Million, die sie zur Bekämpfung der proletarischen Jugendbewegung flüssig gemacht hat, kommt sie nicht mehr aus. Sie wissen auch, welche Schwierig- leiten die Polizei unserer Jugendbewegung macht.— Angesichts dieser Umstände erscheint eS doch notwendig, daß den in der Jugendbewegung tätigen Genossen mehr Geldmittel als bisher für die Bewegung bewilligt werden. Darum werden 0000 M. mehr gefordert.— Auch der Kinderschutz soll berücksichtigt werden. Da- für fordert der Zentralvorstand ebenfalls die nötigen� Geldmittel. ES müssen aber auch die Kräfte vorhanden sein, die in der Lage sind, die bewilligten Gelder zweckmäßig anzuwenden. Auf die Dauer ist es nicht möglich, die Arbeiten auf den drei Gebieten: Bildungswesen, Jugendbewegung und Kinderfchutz im Nebenamt zu verrichten. Deshalb schlägt der Zentralvorstand die Anstellung von zwei Sekretären für diese drei Arbeitsgebiete vor. Die Wahl der Sekretäre soll nach Meinung des Zentralvorstandes durch ihn in Verbindung mit der'Gewerkschaftskommission vollzogen werden. Da es sich um eine gemeinsame Einrichtung handelt, zu der die Vorarbeiten von beiden Körperschaften gemeinsam gemacht würden, ist ein anderer Wahlmodus nicht gut möglich. Es ist vorge- schlagen, die Stellen der Sekretäre auszuschreiben. Grundsätzlich ist natürlich nichts dagegen einzuwenden; aber ich bitte doch, davon abzusehen, damit wir keine Zeit mehr verlieren. Besonders die Jugendbewegung würde unter einem Aufschub leiden. Die vom Zentralvorstand vorgelegten, mit der Gewerkschafts- kommission vereinbarten Satzungen des BezirksbildungsausschusseS wurden nun zur Diskussion gestellt. Grunwald beantragt, in den Satzungen zu bestimmen, daß die Mitglieder des Bildungsausschusses durch die Verbandsgenernl- Versammlung gewählt werden und daß die Dezernenten, welche der Aktionsausschuß und die Gewerkschaftskommission in den Bildungs- ausschuß senden, nur beratende, aber nicht beschließende Stimme haben. Ferner beantragt der Rsdner, daß ein Vertreter des Bildungsausschusses an den Sitzungen der Gewerkschaftskommission teilzunehmen berechtigt sein soll. Ernst: Daß die Dezernenten kein Stimmrecht haben, ist selbstverständlich: eS wird von keiner Seite verlangt. Daß ein Vertreter des Bildungsausschusses zu den Sitzungen der Gewerk- schaftSkommission hinzugezogen wird, können wir hier nicht be- schließen. Dazu müßte doch erst daS Einverständnis der Gewerk- schaftSkommission eingeholt werden. Scksiietzlich wurden die von Grunwald beantragten Aendc- rungen angenommen. Die Satzungen haben demgemäß folgenden Wortlaut: 1. Zur planmäßigen Astregung und Förderung des Bildungs- wesenS der organisierten Arbeiter Groß-BerlinS wird ein Be- zirksbildungsausfchuß Groß-Berlin eingesetzt. 2. Der BczirksbildungsauSschuß besteht auS 11 Mitgliedern, von denen 5 die Gewerkschaften, 5 die politischen Organisationen mittels Wahl durch die Generalversammlung von Groß-Berlin bestimmen; das elfte Mitglied ist der besoldete Sekretär des Bezirksbildungsausschusses. Der Aktionsausschuß und die Bcr- liner Gewerkschaftskommission haben das Recht, je einen Vertreter mit beratender Stimme in den Bezirksbildungsausschuß und dieser einen Vertreter in den Aktionsausschuß zu entsenden. Der Bezirksbildungsausschuß kann sich durch Sachverständige er- gänzen. 3. Der Bezirksbildungsausschuß hält nach Bedarf, min- bestens aber jährlich einmal, eine Konferenz mit den Vertretern der Bildungsausschüsse der Wahlvereine und der Gewerk- schaften ab. 4. Sämtliche BiEdungsveranstaltungen, soweit sie nicht vom Bezirksbildungsausschuß veranstaltet werden, sind organisato- risch und fitianziell Sache der einzelnen Wnhlvereine und Ge- werkschaften. Der Bezirksbildungsausschuh ist verpflichtet, den Wahlkreis- und GewerkschaftSbildungSauSschüssen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. 5. Die Kosten des Bezirksbildungsausschusses tragen die politischen und gewerkschaftlichen Organisationen Grotz-Berlins gemeinsam. 0. Der Bezirksbildungsausschuß ist dem Verbände der Wahlvereine und der Gewerkschaftskommission verantwortlich und hat ihnen alljährlich Bericht zu erstatten. Der Antrag Grunwald, einen Vertreter des Vezirks- bildungsausschusses an den Sitzungen der Gewerkschaftskommission teilnehmen zu lassen, soll der Gewerkschaftskommission mit dem Ersuchen um Berücksichtigung übermittelt werden, Zur Debatte kommt nun der Voranschlag für die Sekretariate„Bildungswesen",„Jugend- und Kinderschutz". Gehalt für zwei Sekretäre a 3000 M.--- 3000 M. Kinderschutz............ 2 000„ Jugend............. 10 000„ Porto und Utensilien........ 1 000„ BildungSschule, Kurse........ 0 800„ Summa 31 800 M. Einmalige Ausgabe für Biireaueinricktung 1 000'„ Summa 32 800 M. Hiervon zahlt die Partei: Sckretärgehältcr 0 000 M. BildungSschule und Kurse....... 0800, Summa 12 800 M. Demnach verbleibt die Summe von 20 000 M. zu decken. Die Gewerkschaften zahlen davon die Hälfte, also: 20 000 M.: 2— 10 000 M. Ein Redner fragt an, warum die Gewerkschaftskommission nicht die Hälfte der ganzen 32 800 Mk. betragenden Kosten trage. Adolf Ritter(Gewerkschaftskommission) antwortet darauf: Die Gewerkschaftskommission ist nicht in der Lage, mehr als 10 000 Mk. für diesen Zweck zu geben. Die Gewerkschaften haben eine Reihe mit Kosten verknüpfter Aufgaben zu erfüllen, die auf sozialpolitischem Gebiet liegen. Es ist durchaus berechtigt, wenn die Partei jetzt auch etwas ausgibt ftir derartige Aufgaben, an denen sie bisher gespart hat. Die Berliner Parteiorganisation hat im letzten Rechnungsjahre über 180 000 M. mehr an den Parteivorstand abgeführt, als. sie statutenmäßig abliefern braucht. Wir gönnen das Geld dem Parteivorstand gern, denn wir wissen, daß er es an anderen Orten notwendig braucht. Aber wenn in Berlin solche Summen aufgebvacht werden, dann kann auch für örtliche Ange- legenheiten von der Partei etwas mehr als bisher ausgegeben werden. Das spielt wirklich keine Rolle. Ernst verweist darauf, daß der Boranschlag nur mit zwei be- soldeten Sekretären rechnet. Es seien schon Stimmen laut ge worden�für die Anstellung von drei Sekretären, für jedes Ressort einen. Arbeif sei genug vorhanden für die drei Sekretäre. Wenn die Generalversammlung drei Sekretäre bewilligen wolle, so würde sich der Zentrglvorstand nicht dagegen sträuben, Vom vierten Wahlkreise liegen zwei Anträge bor. Der eine verlangt, vaß die Stellen der beiden Sekretäre ausge- schrieben tverden.— Ter andere Antrag toill, daß für die Zentrale der Kinderschutzkommission ein geeigneter Sekretär angestellt werde. In der Debatte befürworten mehrere Redner die sofortige An- stcllung von drei Sekretären, weil nur so die Arbeiten in wünschens- werter Weise erledigt werden könnten.— Andere Redner halten zwei Sekretäre für ausreichend.— Ein Redner ist gegen jede An- ftellung. Er fürchtet, durch einen Sekretär könnte das Bildung»- Wesen schematisiert werden. Diese Ansicht fand lebhaften Wider- spruch.— Wieder ein anderer Redner wünscht, daß der Jugend- sekretär von den in der Jugendbewegung tätigen Personen gewählt werde. Durch die Abstimmung wird die Anstellung von drei Sekretären •mit 389 gegen 355 Stimmen abgelehnt und die A n st c l l u n g von zwei Sekretären fast einstimmig beschlossen. Vorsitzender E r n st konstatiert im Einverständnis mit der Per- sammlung: Die Meinung der Generalversammlung geht dahin: Wenn der Zentralvorstand die Anstellung eines dritten Sekretärs für notwendig hält, wird er mit einem entsprechenden Antrag vor eine spätere Generalversammlung treten. Nun wird darüber debattiert, wer die beiden Sekretäre zu wählen hat. Der Zentralvorstand befürwortet, daß die Wahl durch ihn in Gemeinschaft mit der Gewerkschaftskommission vollzogen werde, weil es sich um eine gemeinsame Einrichtung von Partei und Gewerkschaft handelt, in der die Generalversammlung der Partei nicht allein bestimmen könne. Würden die Sekretäre hier gewählt und fänden sie nicht die Zustimmung der Gewerkschafts- iommission, dann würde wieder längere Zeit vergehen, ehe diese Angelegenheit erledigt werden könne. Es sei aber Zeit, daß die Sache endlich zum Abschluß käme. S t a d t h a g en begründet einen Antrag Nicderbarnim. Da- nach sollen die Stellen der Sekretäre ausgeschrieben werden. Ter Bildungsausschuß soll die Bewerbungen, die bis zum 39. d. M. einzureichen sind, prüfen und Vorschläge für die Wahl mächen, die von einer demnächst einzuberufenden Generalversammlung voll- zogen werden soll. Nachdem die Erledigung der Angelegenheit schon so lange gedauert habe, könne es auf ein paar Tage nicht mehr an- kommen. Grunwald ist ebenfalls für die Wahl durch die General- Versammlung. Zentralvorstand und Gewerkschaftskommission seien keine für eine solche Wahl bestimmten Körperschaften. Mit Rück- ficht auf das Zusammenarbeiten von Partei und Gewerkschaft macht der Redner den Vermittelungsvorschlag, der Bildungsausschuß solle die Wahl vollziehen. Adolf Ritter und Heinrich Schulz empfehlen die Wahl nach dem vom Zentralvorstand vorgeschlagenen Modus. Die Abstimmung ergibt die Ablehnung des Antrages Nieder- barnim mit 357 gegen 321 Stimmen und die Annahme des vom Zcntralvor stand vorgeschlagenen Wahl- modus. Damit ist auch der Antrag Grunwald(Wahl durch den Bildungsausschuß) gefallen. Hierauf werden die vorhin paragraphenweise beschlossenen Satzungen insgesamt angenommen. Ebenso der Kostenanschlag. E r n st bemerkt, daß Bewerbungen für die beiden Sekretärstellen bis zum 16. November entgegengenommen werden. Als Mitglieder des BezirtsbildungSausschusfes erhielten Stimmen: Dä u m i g 683, Gäbel 229, Grcmpe 195, Heyse 311, Lamme 516, P o e tz s ch 296, Dr. S i l b e r st e i n 442, Frau K a u ts ky 536, Grunwald 482, Pieck 148; 26 Stimmen waren zersplittert oder ungültig. Es wurden demnach gewählt: Ernst D ä u m i g, Hermann L a m> m e, Dr. Silberstein. Luise K a u t s k y. Max G r u n- Wald. E r n st gab nach der P r ä s e n z l i st e bekannt, daß von den 923 zur Teilnahme berechtigten Delegierten 788 anwesend sind, während 135 fehlen. Angenommen wurde der folgende Antrag Niederbarnim: „Der Beschluß, wonach Referate bei Protest- oder Demon- strationsveriammlungen nicht bezahlt tverden, ist aufzuheben und .. an dessen Stelle der vordem schon bestandene sogenannte»Zonen- tarif" einzuführen." Auf Antrag des Zentralvorstandes beschloß die Versammlung, den Sekretär T h. Fischer mit dem Kassierer B ö s k e im Gehalt gleichzustellen., Dem Verlag des„Vorwärts" wurde ein Antrag Niederbarnim überwiesen, der besagt, es möge dem„Vorwärts" anstatt des histo- rischen Kalenders in Buchform ein künstlerisch ausgestatteter Wandkalender beigegeben werden. Ein auf der Tagesordnung stehendes Referat des Genossen Jeimann über kommunalpolitischc Fragen wurde der vorgerückten Zeit wegen abgesetzt. Dann trat die Versammlung in die Erörterujg der Kriegs- finge ein. Wir geben den Bericht darüber an anderer Stelle. Ge- nosse Eugen Ernst forderte in einem Schlußwort auch noch auf, über die Demonstration für den Frieden die am nächsten Sonntag stattfindende Gewerbegerichtswahl nicht zu vergessen. EIus der partei. Außerordentlicher Kongreß der französischen Sozialisten. Im Dezember sollte ein außerordentlicher Kongreß der fran- zvsischen Sozialdemokratie in der Grenzfestung Belford stattfinden. In Rücksicht darauf, daß die deutsche Sozialdemokratie beantragt hat, den vom Internationalen Sozialistischen Bureau beschlossenen außerordentlichen internationalen Kongreß schon am 24. November in Basel abzuhalten, wird, wenn der deutsche Vorschlag Annahme findet, der französische Kongreß schon am 21. November in Paris abgehalten._ Zu den lippischcn Landtagswahlen. In einer außerordentlichen Versammlung zu Oerlinghausen nahmen die Genossen in Lippe Stellung zu den bevorstehenden Landtagswahlen. Die Versammlung war von etwa 49 Delegierten besucht. Genosse Schmuck berichtete über die abgelaufene Legislatur- Periode und über seine Tätigkeit im Landtage, wobei die Taten der Gegner in entsprechender Weise kritisiert wurden, hierbei aber uatür- lich auch die reaktionäre Regierung dieses Kleinstaates ihr Teil ab- bekam. Mit den Vorschlägen der Konferenzen in bezug auf die Kandidatennominierung erklärte sich die Versammlung einver- standen. Die Wahlen sind von der Regierung noch nicht angesetzt, sie werden aber wohl Anfang oder Mitte Januar stattfinden. Die Sozialdemokratie hat einen Sitz zu verteidigen und stellt in der dritten Abteilung der Wahlberechtigten weitere sechs Kandidaten auf. Ein Agitator wider Willen. In Görlitz starb der Erste Staatsanwalt des dortigen Land- gerichts, Justizrat Hannemonn. Er gehörte zu den Justizbeamte», die die Sozialdemokratie mit einem fanatischen Hasse verfolgen. Ganz besonders hatte es dem Herr» unsere Görlitzer Parteipresse angetan. Er hat die Reichsverbandsdamen aufgefordert, die In- serenten der„Görlitzer Volkszeitung" zu boykottieren, und unser Görlitzer Parteiblatt kann manchen Prozeß auf sein Konto buchen. �sn einem Prozesse gegen den Verantwortlichen beantragte er, daß unser Genosse bestraft werde wie ein gewerbsmäßiger Verbrecher. Nun ist er dahin, er. der mit ansehen niußte. wie trotz all seiner Verfolgungen die Sozialdemokratie und ihre Presse in Görlitz immer mehr wuchs, und wie endlich auch das rote Banner über dem Wahl- kreise Görlitz-Lauban gehlgt wurde. Z« den englischen Gemeindcwahlen. Unser Londoner Korrespondent schreibt uns unter dem 8. No- ßemb«: An der Notiz über den Ausfall der Lkmeintzewahlen in England, die der„Vorwärts" am 7. November brachte, wird irr- tümlich angegeben, daß die British Socialist Party auch diesmal wieder leer ausgegangen sei. Die B. S. P. hatte bisher eine An- zahl Gemeindevertreter und soweit sich bis jetzt das Wahlresultat überblicken läßt, hat sie ihre Stellung nicht nur behauptet, sondern vielleicht auch etwas verbessert. In Shoredish(London) behielt sie 4 von den 6 Sitzen, die sie bisher innehatte; in Northampton ge- wann sie zwei zu ihrem Bestände; in Bumley wurde Irving (Parieiborstand) und in South Shields Pritehard ohne Oppo- s i t i o n gewählt. Außerdem hat die B. S. P. noch in einer Reihe anderer Gemeinden Erfolge zu verzeichnen. Es ist äußerst schwer, die Arbeiterkandidaten nach ihrer Parteizugehörigkeit zu klassi- fizicren. So stellen z. B. in diesem Wahlkreis die verschiedenen Arbcitmzrganisationcn eigene Kandidaten auf; in anderen Kreisen bilden sich die verschiedenartigsten Kartelle. So gibt es Kandidaten der Labour Party, der I. L. P., der S. D. P., ferner gemeinschaft- liche Kandidaten der I. L. P. und B. S. P., der I. L. P. und Labour Party, der B. S. P. und Labour Party, der B. S. P., I. L. P. und�Labour Party und schließlich auch noch solche, die sich einfach als Sozialisten bezeichnen und die wohl meist Mitglieder der B. S. P. sind. Niemand scheint sich die Mühe zu geben, die Kandidaten zu klassifizieren— oder vielmehr jedermann klassi- fiziert sie, wie es ihm paßt. Es ist noch gänzlich umnöglich, sich aus den in der„Justice" und dem„Labour Leader" veröffentlichten Angaben ein genaues Bild von dem Ausfall der englischen Ge- meindewahlen zu machen. So viel jedoch steht fest, daß die letzten Gemcindewahlen nur den schlimmsten Reaktionären einen beträchi- lichen Kräftezuwachs gebracht haben. Soziales. Vom Kinderhandel. Henriette Arendt, die bekannte Stuttgarter Polizei- assistentin a. D., setzt ihren Kampf gegen den Kinderhandel fort. Sie bemüht sich, weiter das gewissenlose Treiben der Kinderhändler durch private Ermittelungen aufzudecken. Den Opfern, die ihnen entrissen werden konnten, widmet sie eine private Fürsorge. Ueber die Arbeit des letzten Jahres hat sie jetzt in einem kleinen Driwkheft berichtet,(Henriette Arendt, Kinderhändler. Stuttgart, bei Heinz Clausnitzer. 25 Pf.) Von Freunden ihrer Arbeit wurden ihr Mittel zur Verfügung gestellt, um in Oberschlesien, Polen, Galizicn, in Elsaß- Lothringen, Frankreich, Belgien der Verschleppung deutscher Kinder nachspüren zu können. WaS sie über das Ergebnis dieser Tätigkeit meldet und sonst noch über das schändliche Gewerbe der Kinderhändler mitteilt, ist geradezu entsetzlich. Wir geben hier einiges davon wieder, doch müssen wir dahin- gestellt sein lassen, ob die Wahrheit der ihr von anderer Seite gemachten Angaben überall hinreichend feststeht. Die Recherchen in Polen galten besonders einer Familie, über die schon vor Jahren bekannt geworden war, daß sie Kinder„sammelte". Ihr jagte damals die Kattowitzer Polizei ein aus Oberschlesien verschlepptes Kind ab, daß unter neun bei der Familie in jämmerlichem Zustand vorgefundenen Kindern entdeckt wurde. Daß Kinder aus Schlesien und aus Posen und auch aus Berlin nach Rußland verschachert werden, hat H. Arendt auch jetzt noch sich dort an behördlicher Stelle bestätigen lassen. Jüngere Kinder wurden zu Bcttelzwecken „präpariert" und an Bettler verkauft, zur Aufzucht für Bor- delle werden Mädchen schon schulpflichtigen Alters bestimmt. Bei Wilna soll man vor mehreren Jahren eine„Krüppel- fabrik" mit 78 größtenteils aus Deutschland stammenden Kindern entdeckt haben, deren Verkrüppelung von einem hier- zu geworbenen Arzt besorgt worden sei. In Galizien er- mittelte H. Arndt, daß dort unter den Opfern des Kinder- Handels besonders viele jüdische Kinder sind. Von 50 Kindern, die in Krakau ihr von einer„Stellenvermittlerin" des Bordell- Viertels zur Auswahl offeriert wurden, waren 12 katholisch und 38 jüdisch. Auch der Vormund mehrerer dieser Kinder, dessen nicht einwandfreie Vergangenheit dem Vörmundschafts- richter bekannt war, bot ihr ein paar seiner Mündel an. Jhni kaufte H. Arendt nach einander zwei Kinder ab, die sie nach Deutschland brachte und hier in Pflege gab. Als sie mit einem dritten Kind, das eine Bettlerin ihr überlassen hatte, die Grenze überschreiten wollte, wurde sie selber unter dem Verdacht des Kinderhandels angehalten. Den Kinderhändlern mehr auf die Finger zu sehen, waren die galizischen Behörden gerade durch sie angeregt worden. Um ein Bild von dem Kinderhandel überhaupt zu geben, bringt das Heftchen noch eine eingehende Darstellung niehrerer Fälle, die bereits eine Reihe von Jahren zurückliegen. Das Treiben eines„Adoptionsvermittlers" aus Straßburg und einer Bordellbesitzerin aus Nürnberg, die mit ihm in Geschäfts- Verbindung stand, wurde durch Wiedergabe seiner Geschäfts- korrespondenz beleuchtet. Die Kinder besorgte sich der „A»optionsvermittlcr" größtenteils durch Zeitungsinserate, zum kleineren Teil von Hebammen, auch von solchen in Belgien und Luxemburg, die fast nur Mütter aus Deutschland zur Geheimentbindung aufnahmen. Enipfehlungen bestellte er zuweilen bei Vertrauten, an die er die Eltern der wegzu- gebenden Kinder verwies. Als ihm das uneheliche Kind eines Offiziers, ein einjähriges Mädchen, angeboten wurde, schrieb er der Bordellbesitzerin:„Bei Ihnen verkehren doch gewiß eine Anzahl Offiziere, welche gern bereit sein werben, Ihnen schriftlich zu bezeugen, daß das Kind bei Ihnen bestens untergebracht sein würde". Aus dem Geschäftsbetrieb von Kinderhändlern in Köln gibt die Broschüre Schilderungen, die bis in die Jahre 1910 und 1911 hineinreichen. Auch Belgien bezieht, wie H. Arendt 1911 feststellte, aus Deutschland kleine Kinder, die weiterverkauft werden. Eine belgische Kinderhändlerin kam wiederholt nach Berlin, um von Heb- ammen Kinder zu übernehmen. In Brüssel ist aufgefallen, daß Pflegekinder, die in Lebensversicherungen eingekauft waren, durch Verbrühung mit kochendem Wasser tätlich„ver- unglückten". Der Kinderhandel ist von all den Blüten, die auf dem Sumpfboden unserer vom Kapitalismus beherrschten Gesell- schaft gedeihen, eine der widerwärtigsten und scheußlichsten. Unbegreiflich wird es manchem scheinen, daß an sich die Per- schacherung von Kindern nicht durch Gesetz verboten ist. Strafbar macht sich ein Kinderhändler nur, wenn er seine Kundschaft— unreell bedient. Krankenlassen und Kongresigelder. Ter Polizeipräsident von Breslau hat seine bei dem Amts- gericht in Breslau angestrengte Klage gegen, die„Kaufmännische Krankenkaffe llierlnr m Breslau zurückgezogen. Der Klage ging, wie in Erinnerung gebracht werden mag, folgender Rechtsstreit voran. Der Vorstand hatte zum Kongreß der Kaufmännischen Krankenkassen Teutschlands den Vorsitzenden Thcuncrt entsandt und ihm 128 Mark Delegiertenkusten bewilligt. Ter Polizeipräsident gab dem Vorstand auf, den Betrag der Kasse zunickzucrstatlen. Die Beschwerde des Vornandes wies der Bezirksausschuß ab. Auf Berufung des Vorstandes an das Oberverwaltungsgericht setzte dieses die Verfügung außer Kraft. Nun verfügte der Polizei- Präsident Einberufung einer Generalversammlung zur Beschluß- fassung der Mitglieder betreffs eventueller Klage gegen den Vor- stand. Das lehnten die Mitglieder ab. Darauf klagte der Präsident bei dem Amtsgericht. Hier zweifelte der Verteidiger der Kasse an. ob der Präsident zur Klage legitimiert sei und ob nicht allein das Verwaltungsstreitverfahren zulässig sei. Es erfolgte Vertagung. Im neuen Termin hat nun der Polizeipräsident seine Klage zurück- genommen._ Hus Industrie und k)andel. Der preußische Fiskus erhöht die Kohleupreise., Die bürgerliche Presse, u. a. die„Rhein.-Westf. Ztg." und die „Franks. Ztg.", erhalten aus Bergboulreisen eine Zuschrift, die die Hallung des preußischen Handelsministers in der Frage der Erhöhung der Kohlenpreise in mehr als eigentümlichem Lichte erscheinen lassen. Der preußische Handelsminister hat bekanntlich vor kurzem seine Absicht ausgesprochen, das zu Anfang dieses Jahres abgeschlossene Verkaufsabkoinmen des westfälischen Bergfiskus mit dem Kohlen- syndikat nicht zu erneuern. Hieraus wurde ganz allgemein ge» schlössen, daß der Minister seine Mißbilligung der von dem Syndikat beschlossenen Kohlenpreiserhöhung gegenüber zum Ausdruck bringen wollte. Man nahm vor allen Dingen auch an, daß der westfälische Bergfisknö seine Preise für das nächste Jahr nicht erhöhen, sondern an feinen jetzigen Preisen festhalten werde. Nach der fraglischen Zilschrist hat der BergfiskuS an der Saar auf dem Umwege einer Ermäßigung der Rabattsätze Preiserhöhungen vorgenommen, die über diejenigen des Kohlensyndikats weit hinausgehen. Wörtlich heißt es dann weiter:.Es ist schwierig, fiir die Haltung des BergsiskuS in der Preisfrage.eine Erklärung zu finden, wen» er in Westfalen gegen eine Preiserhöhung Stellung nimmt und an der Saar die Preise in die Höhe setzt. Gänzlich unver- ständlich wird aber die fiskalische Kohlenpolitik, wenn derselbe westfälische BergfiskuS. der eben noch gegen die Preis- erhöhungen des Kohlensyndikats Widerspruch erhoben hat. die ihm unterstellte Berginspektion Ibbenbüren zur Vor- »ahme von Preiserhöhungen veranlaßt." Die königliche Berginspektion Ibbenbüren fordert folgende Preise für die Tonne: Förderkohlen für 1913/14. 13,80 M. gegen 13.20 M. 1912/13 Stückkohlen„.. 17-„. 16,20, Nuß 1..... 17—„„ 16,20„ Nuß 2„ 15,—„„ 14,50. Nuß 3„„- 14,„„ 13,„„ Briketts„... 16,—„„ 15,50„ Es wurden demnach Förderkohlen um 0,60 M„ Stückkohlen um 0.80 M., Nuß 1 um 0,80 M., Nuß 2 um 0,50 M.. Nuß 3 um 1 M. und Briketts um 0,50 M. für die Tonne erhöht. Das Steinkohlen- bergwerk Ibbenbüren fördert Flamm- und Magerkohlen, die in der Umgebung vielfach als Hausbrandkohlen Verwendung finden. In der letzten Beiratssitzung des Kohlenshndikats wandten sich die Vertreter des preußischen FiskuS besonders gegen eine Erhöhung der Preise für Hausbrandkohlen. Jetzt erhöht derselbe Fiskus ebendie- selben Preise._ Verlebte- Zeitung Ostelbische Gerechtigkeit. In Wiersb�l(Ostpreußen) befand sich bei dem Agrarier Sonka ein russischer Jange als Hirt im Dienst. Eines Tages ließ der Knabe einige Stück Vieh in fremdes Getreije gehen. Dafür miß- handelte der Besitzer den Jungen mit einem Stock in unmenschlicher Weise, zog ihn bis aufs Hemd aus und ließ ihn nicht ins Haus hinein, so daß der arme Junge nackend die ganze Nacht auf dem Felde kampieren mußte. Wegen dieser Brutalität mutzte der Agrarier auf die Anklagebank. Das Schöffengericht in Soldau er» kannte wegen gefährlicher Körperverletzung auf vier Monate Ge- fängnis. Dem Besitzer kam dieses Urteil aber viel zu hart bor. Er legte Berufung ein und hatte den Erfolg, daß die Strafkammer in Allcnst�jn das Urteil aufhob und auf— 200 Mark Geldstrafe erkannte. Das ist ein Urteil gegen den„Herrn". Nun eins gegen den „Knecht". In Albrechtstal bei Jnsterburg hatte ein Oberamtmann seinem Kuhmelker Vorhaltungen wegen nicht genügender Arbeits- leistung gemacht. Es war zwischen den beiden zu einem Streit ge- kommen, in dessen Verlauf der Kuhmelker seinen Dienstherrn mit einem Stein an den Kops schlug. Ter Mann hatte sich deswegen vor der Jnsterburger Strafkammer zu verantworten, und die er- kannte auf sechs Monate Gefängnis. Ter Staatsanwalt hatte gar ein Jahr beantragt.__ Krankenkassenräuber. In Altona wurde vor zwölf Jahren von tüchtigen Gesckstiftc- machern die„Große allgemeine freie Krankenkasse. Normannia" gegründet. Während ihre Gründer und Leiter die Kasse anfangs schein- bar anständig führten, sind sie— der Vorsitzende Rudcck, der Haupt- kassierer Eckert und der Angestellte Laackmann in den letzten Jahren wie die Geier über das Kassenvermögen hergefalle». Ende 1910 hatte der Reservefonds noch einen Bestand von 25 873,18 M. Während sich im allgemeinen Stand der Kasse nichts änderte, hatte sich der Reservefonds bis zum 30. Juni 1911 auf 17 729,99 M. reduziert. Am 31. Dezember 1911 waren noch 1085,29 M. vorhanden. Rudeck vor allem hat außerordentlich ausschweifend ge- lebt. Er renommierte selber damit, daß er fast jeden Tag ein anderes Weib habe. Für die nötigen Mittel mußte die Kasse her- halten. Er nahm das Geld, woher er es bekommen konnte. Mit Lieferanten vereinbarte er, daß sie höhere Beträge bereckmeten, als sie zu fordern hatte». Die Differenz ließ er sich auszahlen. Von einer Firma ließ er sich einen privaten Ralxckt von 30 Prozent für alle Lieferungen an die Kasse zahlen, der allein etwa 7000 M. einbrackte. Vor allem beutete er die Schmutzereien seiner Kollegen aus. Eckert hatte es übernommen, die Reklameschilder der Kasse zu malen. Dieser Beschäftigung gab er sich mit großem Eifer hin. Er hat dafür im Laufe der Zeit über 28 000 M. bereckinet, im Jahre 1911 allein etlva 12 000 M. Dabei ist man auch nicht blöde vor- gegangen. Eckert ließ sich vielmehr sehr oft Abschlagszahlungen machen, die von der Gesamtrechnung hinterher nicht mit abgezogen wurden. Als er sich eine Gastwirtschaft kaufen wollte, entlieh er von Rudeck und Laackmann 3000 M., die„vorläufig" aus der Krankenkasse genommen wurden auf Grund einer fingierten Rech- nung. Später hat man vergessen, das Geld wieder zurückzuzahlen. Die Beute Eckerts wurde zwischen ihm und Laackmann halbpart geteilt. Laackmann schröpfte die Kasse, indem er eine Unmenge von Ucberstunden anschrieb, in einem Jahre allein für 1027 M. Seine Frau betrieb ein Reklameunternehmen, für das die Kasse schleunigst einen Auftrag von fÄ>0 M. übergab, um tollsten aber lvar das folgende Stückchen. Laackmann hatte mit der Kasse einen Anstcllungsvertrag auf fünf Jahre geschlossen, der bis zui>»�Jahre 1914 lief. Am 29. November 1911 wurde Laackmann plötzlich ent- lassen. Er fordevte nun und erhielt auch imort das ganze Gehalt bis zum 31. August 1914 ausgezahlt, bare i300 M. Die sind ihm/ dann sehr bald zivischen den Fingern zerronnen, vielleicht hat auch er mit Rudeck geteilt. Er arbeitete aber trotz seiner Entlassung noch lustig auf seinen Posten weiter,-um ganzen ist die Kasse, soweit sich das feststellen läßt, um etwa 26 000 Mark geschädigt worden. Vor der Strafkammer II i» Altona wuree über die Sache jetzt in zwei tätiger Berhcmblung entichl�eden. Der S�cmtAannxiIt Ijoitc gegen Rudeck und Eckert ie 254 J- BS—SBSSB—SSSSSBmssm Wie bereitet man RornfrancK?.. Wie Raffee und MalzKaffeel Bei besonderen Geschmacksrichtungen entweder i Mit einer Kleinen Beimischung von Aecht Franck-Kaffeezusatz oder 2/3 f.Kornf rancK" mit%„Aecht FrancK" oder«/a..KornfrancK",'/» Bohnenkaffee und Va» Aecht Franck". Wer diese verschiedenen Arten ausprobiert» findet leicht heraus» welches Getränk seinem Geschmack am meisten zusagt. Milch und Zucker nimmt man nach Gewohnheit. *9 lfm'SJt in slrahlf jdr zu sdieen, sagt Ricke, wenn ick uff meine Siiebdn kieke In Dosen überall erhältlich rabrili- Urban«» Lr«xxux». CKarlotlexrbur�9. 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Log. gleicher Nimmer in den beides Abtetlangea 1 nnd D Nur die Gewinne Uber 840 Mark Bind den betreflendeu Nummeia in Klammern beigefügt .'Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 47 372 426 582[3000] 780 87B 03 1237 80 70 309 80 433 598 688 936 2130 387 484 983 98 3037 101 64 292 451 676 609 727 4018 143 77 78 88 311 12 18 462 675 734 77 915 5008 143 48 293 334 629 831 982 8020 132 81 69 239 538 TO 868 860 7062 73 80 100 8 216 37 383 412 86 640 75 610 42 49 83[600] 799 978 8029 121 250 412 77 82 08 777 96 888 968 9098 101 67 222 637 829 81 727 36[1006] 822 71 937 ► 19016 24 98 172 246 70 874[3000] 00 986 87 11337 99 499 693 869 903 12147 280 84 95 436 63 77 678 816 44 98[3000] 718 824 84[500] 94 901 75 13021[600] 90 241 368 413 508 988[1000] 14271 345 95 424[600] 86 641 723 1500] 888 948[600] 15030 103 51 429 81 648 921[500] 32 88 19027 63 101 24 448 64 807 761 892 17168[500] 208 303 18 435 608 69 88 768 80 911 65 88 18068 184 262 412 [800] 693 731 808 18 903 69 88 1 9000 67 134 230 568 ,71 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Ziehung 5. KI. I. Preuss.-Süddeutsche (227. Königlich Preuss.) Klassen-Lotterie Ziehung vom 11- November 1912 nachmittags. ! Air Jede gezogene Nummer sind zwei gleich hob# 8e> I wluue gefallen, and zwar Je einer zqf die lote I gleicher Nummer In den beiden Abteilungen I und □ Nur die Gewinne Uber 940 Mark elnd den betreBenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck vernoten.)_ 98 416 81[500] 825 18000] 781 899 1012 113 431 53 763 2108 9 811 422 621 63[1000] 69 943 85 II 000] 8033 88[500] 120 68 271 620 688 739 840 4040 153 88 370 444 522 80 752 63 812 020 5018 141 305 8 18 419 88 71 895 848 948 87[600] 6238 360 413 81 98 612 878 628 7069 123 02 238 42 71 847 672 [600] 808[500] 30 60 932 75 8004[1000] 122 84 80 319 447 63 711 007 65 8042[1000] 231 61[800] 75 349 91 401 66 612[600] 909 1O034 106 70 360 476 549 67 983 67 778 808[500] 605 11018 21 96 69 119 46 302 438 81[800] 668 829 777 802 39 49 915 12685 656 839 87 88 96 920 83[600] 13083 168 826 929 14125 428 59 11000] 678 78 88 765 878 16058 99 411 507 88 707 628 16219 307 488 588[3000] 877 88 17014 24 146 274 607 658 868 18063 108 281 356 505[600] 781 939 62 76 19084 170 88 206 10 14 385 892 742 85 2O098 165 83 206 328 427[1000] 40 629 614 73 888 89 91 2 1 001 110 217 494 629 870 874 2 2043 268 423 68 83 862 89 23012 81 87 355 478 98 626 33[10000] 828 918 64 66 79 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182021 158 223 77 333 579 770 888 163128 236 88 362 508 37 676 899 996 1 84088 479 688 787 838 914 185162 302 476 638 60 664 77 706[1000] 186012 30 90 92 122 63 423 529 [1000] 713 53 989 73 187025 199 453 653 79 816 [1000] 86 709 94 906 188290 319 924 189150 327 463 81 588 628 708 48, 190294[1000] 340 88 429 79 534 788 1 9 1 000 33 39 178 251 390 461 11000] 671 676 78 86 798 [1000] 899[1000] 192272 352 510 1 93027[10001 83 229 63 410 523 608 98 834 75 1 94 044 200 302 23 433 88 723 844 71 937 195140 281 472 81 823 [3000] 43 87 823 34 984[1000] 196128 258 372 449 829 715 17 933 197002 60 122 48 206[3000] 95 378 543 802 15 SOS 49 902 166330 488 527 820 44 62 99 868 83 900 69 190108 87 99 408 84 591 651 979 200213 26 413 28 668 736 201013 110 21' 283 316 27 409[1000] 53 85 582 659 61 701 900 202025 35 107 20[10001 417 19 68[500] 645 790 903 23 41[500] 88 2 0 3031 51[1000] 285 328 49° 542 648 64 94 873 925 2 04131[500] 79 200 16 66 81 337 92 43 CD TT rrnc:««ä63 205055 122 202 42 304 446 ««•Sfo« orX renn! 06323 418 723 44[2000] 65 78 80 207186 297[500] 403 660 864 Tu 20 2 5 934 61 IUIJ-d*...... ouuu, zou* zu aooo, 4318 zu 1000, 6850 zu öUU m 0 Verantwortliches Redakteur: Alfred Blielepp, Nenlöttn. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Perlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Be clagSanstalt Paulisinger u. Co.. Berlin SVL Dr. 265. 29. Jahrgang. 3. KtilU des Joraiirts" Knlim loMIntt. Dieustllg. 12. November t9l2. Sie Lemebegmchttwshlen in Neri!» finden für Arbeitgeber am kommenden Freitag» den IS. November, Arbeitnehmer am Sonntag, den 17. November, statt. Die Liste der freien Arbeitgeber ist die Liste II. Die Liste der freien Gewerkschaften trägt die Bezeichnung Liste V. Arbeiter! Parteigenossen! Benutzt die wenigen Tage, die uns von der Gewerbegerichtswahl trennen, zu reger Pro- paganda. Da nach der Verhältniswahl gewählt wird, zählt jede Stimme!_ Partei- 5ZngelegenKeiten. Dritter Kreis, 2. Abteilung. Für die Bezirke 141s, 142, 143, 144 und 234 findet der gemeinschaftliche Zahlabend im Gewerk- schaftshaus, Saal 1, statt. 6. Abteilung. Für die Bezirke 227 bis 229 findet ein gemein- schaftlicher Zahlabend bei Augustin. Oranienstr. 193, statt. Vortrag des Genossen Adolf Ritter über Landtagswahleu. lkharlottenburg. Tie sechste Gruppe hält den gemeinsamen Zahlabend morgen(Mittwoch) im Volkshause, Rosinenstratzc 3, ab. Friedrichsfclde. Mituvochabend bei Haberland, WUhelmstratze: Gemeinsamer Z a h l a b e n d. Tagesordnung: 1. Stellung- »ahme zur Reorganisation der Grotz-Berliner Parteiorganisation. Referent Gen. Schwenk. 2. Bericht von der Berbands-General- Versammlung. 3. Vereinsangelegenheiten. Mimenfclde. Die Fortsetzung des Dr. Dunckerschen Vortrags- kursus findet am beutigen Dienstag und am Freitag, den 16. statt. Ter Zahlabend fällt aus, dafür am Sonntag, den 17. d. M., nachmittags LVz Uhr, im Lokal von Schuster: Vortrag des Genossen Gehrke über: Zweck und Nutzen der politischen Organisation. Schmargendorf. Morgen Mittwoch: Zahlabend bei Pötschcr, Spandauer Slratze. Tagesordnung: Gemeindevertreterersatzwahl. Landtagsersatzwahl deö Kreises. Rcinickciidorf-Ost. Einen gemeinsamen Zahlabend hakten der 8., 9. und 19. Bezirk(Hausotterplan) diesmal am Milt- woch, den 13. November, im Restaurant zur Eisenbahn, Provinz- stratze 81 ab. In diesem hält Genosse Braun-Bcrlin einen Vortrag. Nowawcs. Mittwoch, den 13. November, abends 8l/z Uhr, findet im Schmidtschen Lokal, Wilhelmstr. 41/43, die Versammlung des VZahlvereins mit folgender Tagesordnung statt: 1. Kolonialpolitik und Sozialdemokratie. Referent: Reichstagsabgeordneter Fritz Z u b e i l. 2. Geschäftliches. 3. Bericht von der Vcrbandsversamin- lung Grotz-Berlin. 4. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt, auch werden neue Mitglieder aufgenommen. Röntgeutal, Zepernick, Buch. Donnerstag, den 14. November, abendS 8'/z Uhr: Zahlabend bei Starke in Buch, Bahnhof-, Ecke Schönowcr Stratze. Wichtige Tagesordnung. Bernau. Heute Dienstag findet der zweite Bortrag über Ge- nossenschaflswssen bei Rich. Wünsche, Chausseestratze, statt. Der Vor- trag beginnt Punkt Va9 Uhr. ßcrlirnv N�cbncbtcti. Die Armendirektion hielt am Montag ihre ordentliche Sitzung im Beisein deS Oberbürgermeisters ab. Leider verhindert« dessen Anivesenheit nicht, datz es über die Gcschäftsleitung des Vorsitzenden Stadtrat Kalisch zu recht unerquicklichen Debatten kam. Der Herr Stadtrat beliebt es, nach Möglichkeit nur seine Ansicht zum Durchbruch zu bringen und scheut nicht davor zurück, selbst Anträge zur Geschäftsordnung unter den Tisch fallen zu lassen. Solcher Fall lag auch bei der Wahl eines Armenarztes vor. Hier hatte die Wahl bereits stattgefunden, als Genosse Rosenfeld feststellte, datz die Zeugnisse, welche bei den vorgeschlagenen Aerzten vermerkt standen, nicht richtig eingestellt waren. Er verlangte infolgedessen Rückverweisung der Wahl an die Aerztekommission zur nochmaligen Prüfung. Erst nach langen Debatten bequemte sich der Herr Kaiisch dazu, diesen Antrag zur Abstimmung zu bringen. Die Mehrheit entschied sich leider für den auf so eigentümliche Weise gewählten Arzt, trotzdem derselbe knapp 6 Wochen im Bezirk wohnt. Eine einschneidende Kritik durch unsere Genossen erfuhr auch der vorliegende Etat für 1913. Nach dem Bericht für das Gesckstifts- jähr 1911/12 schlietzt dasselbe mit einer Ersparnis von 232 812 M. ab. Seit langen Jahren hat es die neue Verwaltung endlich fertig gebracht, der Anschwellung des Armenctats ein Halt zu bieten. Während noch in den Jahren 1999 und 1919 Mehrausgaben von 893 909 und 183 999 M. notwendig waren, ist im letzten Jahr, trotz der Teuerung, obiger Betrag erspart worden. Datz auf die Teuo rung keine Rücksicht genommen wird, zeigen solgende Zahlen des Berichts. Unter den 36 599 Almosenempfängern befinden sich nur 43 Proz., welche 18 M. und darüber beziehen, während 57 Proz. mit Unterstützungen herab bis zu 6 M. pro Monat bedacht werden. — Auch die Pflegegcldsätze genügen nach keiner Richtung. Von dei, 13 399 Pflegekindern sind es immer noch 8799, für welche ein Pflcgcgeld von 9 M. bis herab zu 6 M. gezahlt wird.— Die Sonderuntcrstützungcn in Höhe von 13 M.>pro Kopf sind auch nicht geeignet, den Bedürfnissen zu entsprechen. Diese eben angedeuteten Ersparnisse genügen aber der Direktion nicht. Im Etat für 1913 sollen bei den laufenden Unterstützungen und bei den Pslcgcgeldern weitere 63 999 M. erspart werden, und trotz der herrschenden Teuerung und Bevölkerungszunahme soll der gesamte Etat mit einer Ausgabe von 12 472 199 M. oder mit 316 399 M. weniger wie 1912 festgesetzt werden. Ter vernichtenden Kritik unserer Genossen gegenüber einer solchen Etataufstellung fanden sich nur wenige von den bürgerlichen Mitgliedern, welche die Aufstellung zu rechtfertigen suchten. In einem Ausschuh, dem auch unser Genosse Ewald angehört, soll eine weitere Prüfung vorgenommen werden. Auch der Antrag unserer Genossen, 259 999 M. für Entsendung von Kindern in Heime und Heilstätten bei dem Magistrat zu ver- langen, brachte eine lebhafte Debatte. Nach dem vorliegenden Bericht von 1911 ist das Gesuch in 896 Fällen nicht zur Erledigung gekommen. 231 Kindern blieb die Kur versagt, weil die Armen- ürzte diese nur für wünschenswert erklärt hatten. Unsere Genossen wünschten, datz auch hier mit mehr Humanität und Schnelligkeit »erfahren werde. Mit der Armenspeisung soll am 1. Dezember begonnen werden. Neu eingeführt wurden wieder 7 Kommissionsvorstchcr, denen Herr Stadtrat Kalisch wieder die gr ätzte Sparsamkeit ans Herz legte, ohne die Armen darben zu lassen. Wie sie das bei der jetzigen Sparsamkeit machen sollen, bleibt Geheimnis der Armen-' direktion, Im Krankenhaus Friedrichshain ist zurzeit sn puncto Seelsorge ein Zustand eingetreten, wie wir ihn für richtig finden. Das Krankenhaus entbehrt nämlich seit dem 1. Oktober eines Haus- geistticheu. Dieser Hausgeistliche, der vor allein an Sonntagen in den. Krankensälen Andachten abhält, ist unseren Meinung nach nichts weiter als eine Belästigung der Patienten. Das, Geld, das der Magistrat für Scelsorge im Krankenhausetat auswirft, kaiiM für Besseres vcuvendet werden». Wer glaubt, ohne Geistlichen nicht ans- konunen zu können!, mag einen solchen sich kommen lassen» aber man verschone Patienten damit, die von dein Geistlichen nichts wissen wollen. Datz seit dem I. Oktober der ständige Hausgeistliche im Krankenhaus am Friedrichshain fehlt, ist aber nicht auf die Absicht des Magistrats zurückgusiührenr die Scelsorge in den Krankenhäusern in unsenn Sinne durchznsühren. Schuld an diesem Zustand ist biel- mehr ein Konflikt mit dem Konsistorium. Nach dem Tode des Pfarrers BltÄinger an der Adventskirche zw Berlin, war seinem Nachfolger, dem liberalen» Pfarrer Jmig, die bereits von seinem Amtsvorgängcr ausgeübte Tätigkeit als Hausgeistlicher des Kranken- Hauses am"Friedrichshain vom Berliner Magistrat übertragen wordene Bald, nach der lieber nähme dieses Amtes verbot aber das Konsistorium dem Pfarrer Jmig die Ausübung der Scrlsorgertätig- keit im Krankenhaus am Friedrichshain und übertrug dieses Amt dem positiven Geistlichen.Mtehen von» der AuferstehungMrchci. Als Grund für diese Matznahme wurde vom Konsistorium angc- führt, datz das Krankenhaus am Friedrichshain der Parochie des Pfarrers Meyer„benachbart" sei. Der Magistrat, insbesondere die Krankenhausdeputation, hat gegen die Matznahme des Konsistoriums protestiert und' die Ucbernahme des Pfarrers Meyer als Hausgeistlichen des Krarckenhauses am Friedrichshain abgelehnt. Der Magistrat vertritt den Standpunkt, datz es ihm vorbehalten» sein müsse, die Geistlichen für seine Krankenhäuser selbst zn wählen. Erbe- zahle das Gehalt für den Geistlichen, und» wemi es den Kommunen rechtlick verbürgt sei, ihre Ortsgeistlichen zn wählen», so sei es» erst recht eine berechtigte Forderung der Kommunalverwaltuugem sich die Geistlichen, für ihre Wohltätiakeitisinstitute zn bestimmen. Das Konsistorium hat jedoch das Verbot gegen Pfarrer Jmig aufrecht erhalten. Da auch Pfarrer Meyer augenblicklich nicht das Amt des HauSgeisllichen ausübt, so ist das Krankenhaus am Friedrichs- Hain seit dem 1. Oktober ohne Scelsorge. Die Kvankenhausverw»al- tung ist angewiesen, in Fällen, in denen, Geistliche von» den Kranken verlangt werden, den bestimmten Geistlichen,, der» gewünscht wird», herbeirufen zu lassen. In den matzgebenden städtischen Kreisen ist mau der Ansicht, datz die Matznahme des Konsistoriums nur darauf zurückzuführen ist» datz Pfarrer Jmig Anhänger der liberalen Richtung ist. Der Magistrat tüte gut, den jetzigen Zustand am Krankenhaus Friedrichshain zu verallgemeinern und in allen.städtischen Kranken- Häusern in puncto Seelsorge in, gleicher Weise zu Versahren. Unsere Genossen im Rathause haben bei früheren Gelegenheiten wieder- holt den Standpunkt vertreten», datz die Seelsorge Privatsache der einzelnen Patienten!, aber nicht Aufgabe der Stadt sei. Bei der Wahl der Arbeitgebervertranensmänner zur An- gestelltcnversichcrung wurden 1810 gültige Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf Liste A.(freie Arbeitgeber) 186 Stimmen, Liste B(bürgerliche Arbeitgeber) 1624 Stimmen. Die Liste A erhält demnach 2 Vertrauensmänner und 4 Ersatzmänner, die Liste B 17 Vertrauensmänner und 34 Ersatzmänner. Interessant ist, datz nur III Stimmen persönlich in den Wahl- lokalen abgegeben und 1699 Stimmen per Brief ein- gesandt wurden._ Photographie-Visrgrösscrungen werden von hausierenden Agenten angeboten. Die„Billig- keit" scheint mitunter so verlockend, datz es manchem schwer wird, zu widerstehen. Eine Frau teilt uns mit, welche Erfahrungen sie damit gemacht hat. Von einer„Kunstanstalt des Westens I. Madeheim"(Ansbacher Stratze 19) kam ein Agent, der die Leistungen seiner Firma pries und Bestellungen auf Photographievergrötzerungen entgegennehmen wollte. Als die Frau ablehnte, sagte der Agent, sie könne es schon für 96 Pfennig haben. Er hatte bei sich eine Vergröherung, die ihr gefiel, lieber den Unterschied zwischen retouchicrten und unretouchierten Photographien scheint ihr der Agent einiges erzählt zu haben, ohne datz sie recht daraus klug wurde. Sie bestellte schlietzlich ein Bild zum Preise von 95 Ps. und übergab die zu ver- grötzernde Photograpie mit der Bedingung, datz diese ihr zurück- geliefert werden müsse. Der Agent lietz in ihren Händen einen gedruckten Zettel seiner Firma, ans dem zu lesen stand: „Eine photographische Vergröherung fast lebcnsgrotz un- retouchiert auf festem Karton für den billigen Preis von Mk. 9,95. Dieic Vergröherung kann nach jeder geeigneten Photographie angefertigt werden, ganz gleich, ob Visit-, Kabinett- oder Gruppen- bild, und wird die Vergröherung der Vorlage cntspreckiend in jedem gewünschten Format, Brust-, Knie oder ganze Figur ge- liefert. Wir erwarten, datz Sie die" Ausmalung(Nachretouchie- rung) dieser Vergröherung auch bei uns bestellen, und wird Ihnen unser Bote beim Abliefern Muster darin vorzeigen. In diesem Falle bereckmen wir die rohe Vergröherung nicht. Etwaig erforderlichen Nahmen liefern wir zu dem Porträt passend in jeder Preislage." Was das bedeutete, wurde der Frau erst klar, als etwa 14 Tage später cm anderer Angestellter der Firma kani und die Photo- graphievergrötzerung vorwies. Diese schien ihr fleckig und mitzfiel ihr so, datz sie die Annahme verweigerte. Der Ueberbringer be- lehrte sie, das sei eben eine unretouchiertc Aergrötze- rung, eine retouchierte sei doch teurer. Auch auf dem Zettel, der iör bei der Bestellung überreicht ivorden lvar, stand es ja, datz für 95 Pf. nur ein uurctouchiertes Bild zu haben war. Was die Rc- touchierung kosten sollte, sagte der Zettel nicht. Den Boten, der das unretouchiertc Bild brackitc, verstand die Frau, ein r e- touchiertcs koste 12 Mark. Sie lehnte ab und verlangte, datz entweder zum Preis von 95 Pf. eine ihr zusagende Ptioto- graphievorgrötzcrung geliefert oder die als Vorlage benutzte Photo- graphie zurückgegeben werde. An die Firma richtete später der Ehemann diese Forderung auch schriftlich, aber fürs erste lietz sie ihn ohne Antwort. Wir halten es für unsere Pflicht, diese Erfahrungen einem grötzeren Kreise bekanntzugeben. Datz man für 95 Pf. keine re- touchierte Photographievergrötzerung liefern kann, lätzt sich denken. Wie aber die Vergröherung unretonchicrt aussehen wird, davon haben die meisten keine rechte Vorstellung. Gegenüber Angeboten zu autzergewöhnlich niedrigen Preisen empfehlen wir, sich genau zu vergewissern, was dafür geliefert iverden soll und wie die Liefe- rung ausfallen kann. Man fordere Anfertigung lieferungsfertiger Proben einer unretouchierten und einer retouchierten Bergrötzerung, die nebcneinapder gehalten und miteinander verglichen werden können, und man informiere sich über die Preise für beide. Wer aus schriftlichen oder mündlichen Anerbietungen einer Firma oder ihrer Agenten sich n i ch t volle K la r h e i t verschaffen kann, der verzichte lieber auf Bestellung. Ermäsiigte Eintrittskarten zur Schwarz-Weiss-AuSstellung der Sezession(25 Pf. statt 1 M.) stehen im Bureau des Gewerk- schaftshauscs und im Zigarrengeschäft von Paul Horsch zur Verfügung. Schülerkonzertc. Am Sonnabend fand dlts zweite Schüler- konzert des Philharmonischen Orchesters im»Saal der Brauerei Königstadt statt. Es wurden zu Gehör gebracht: Die Ouvertüre zum„Freischütz", das Kol nidrei von Bruck, Zwischenakt aus „Rosamunde" von Franz Schubert, Walters Prcislied aus den „Meistersingern von Nürnberg" und die Es-dur-Sinfome von Mozart. Dem Konzert wohnten gegen 2999 Schüler und Schule- rinnen der ersten Klaffe der Gemcindcschulen und Schüler der Realschulen mit ihren Lehrern bei. Die ungeteilte Aufwerlsam- keit, mit der die Schuljugend der musikalischen Darbietung folgte, zeugt von dem großen Eindruck, den die Musik auf die jugeudlichcu Zuhörer ausübte. Die Mitte für den Ratskeller im Berliner Rathaus beträgt 44 999 M.; sie soll auf 38 999 M. pro Jahr vom 1.- Januar 1913 ab ermäßigt werden, und zwar mit Rücksicht auf die Verlegung des Königl. Amtsgerichts nach der Grunerstratze und anderen aus den Geschäftsgang nicht ohne Einfluß gewesenen Vorgängen. Ein schwerer Unglücksfall, bei dem ein Arbeiter schwer, ein anderer leichter verletzt wurde, hat sich am gestrigen Montagmorgcn in einer bekannten Geldschrankfabrik ereignet. Als um 7 Uhr der Betrieb aufgenoinmen worden war und die Arbeiter sich gerade an ihre Plätze begeben hatten, fielen von cinein Gerüst aus bisher noch unbekannter Ursache zwei schwere Panzerplatten herab. Durch die Eisenstücke wurden zwei Arbeiter getroffen und verletzt. Der 31jährige Lackierer Franz Lutzig, der von einer der Platten zu Boden gedrückt wurde, erlitt mehrere Rippenbrüche und schlvere innere Verletzungen. Er mutzte, nachdem er von einem herbeigerufenen Arzt die erste Hilfe erhalten hatte, schleunigst nach dem Rudolf-Virchow-Kranken- haus übergeführt werden. Der Arbeiter Braun, der von der zweiten Eisenplatte gestreift wurde, trug eine schwere Quetschung der rechten Schulter davon. Als ein Glück ist es zu bezeichnen, datz die schweren Panzerplatten zunächst gegen einen Eisenbock fielen; andernfalls wären die beiden Arbeiter zweifellos durch das kolossale Gewicht der Eisenstücke getötet worden. Die Not der Kriegsvctcranen erörterte die Berliner Veteranen- Vereinigung vorgestern mittag im großen Saal der Brauerei Frie- drichshain. Das Referat über die Mängel der Vetcranenfürsorgc hielt Redakteur Karfunkel, ein Mitkämpfer aus dem Jahre 1879. Es sei eine Schande, datz statt einer ausreichenden gesetzlichen Bcr- sorgung für die Veteranen im Deutschen Reiche gebettelt werde. Von dem großen Berliner Kornblumentage, der angeblich zu ihren Gunsten veranstaltet war. hätten die Veteranen so gut wie nichts bekommen. Wo der Betrag geblieben sei, wisse mau nicht. Was solle man dazu sagen, wenn eine Stadt wie Leipzig die Bctcraucu mit einem Zuschuß von 14 Pfennig täglich abspeise. Ganz Deutsch- land habe eine heilige Verpflichtung, für die Leute einzutreten, die die Milliarden erst in das Land gebracht hätten. Landtagsabge- ordncter Prediger Runzc pries dann die Verdienste der alten Krieger, die leider beim Vaterlande nur Undank ernteten. Man müsse sich vor dem Auslande schämen. Frankreich zum Beispiel hätte seine Veteranen sehr ausreichend bedacht. Wohl habe der preußische Staat die Summe von mehr als 29 Millionen in den Etat für Veterancnfürsorge eingestellt, doch genüge dieser Betrag noch lange nicht. Auch das Deutsche Reich müsse seine Verpftich- tung gegenüber den Kriegsvetcrancn tun.— Die Versammlung beschloß, an den Reichstag und Landtag eine Petition zu richten, in der das Ersuchen ausgesprochen wird, alle notleidenden Kriegs- teilnchmer gleichzustellen und ihnen eine Invalidenrente auf Lebenszeit zu gewähren. Die Veteranen werden es wohl noch erleben, datz man ihnen gerecht wird. Sind die alten Krieger aber erst ausgestorben, brauchen sie nichts mehr von dem„teuren Vaterland". Um die Herrschaft in den Kirchcngemeinden rangen am Sonn- tag in Berlin die kirchlichen Richtungen der Liberalen und der so- genannten Positiven. In 63 Kirchcngemeinden wurde um den Sieg zwischen den beiden Richtungen gekämpft. Was da in den Flugblättern an gegenseitiger Herabsetzung geleistet wurde, ist alles andere, nur nicht christlich. Die Libetnlen haben in verschiedenen Kirchengemeinden ihre Anhänger vermehrt, was an der Sache an sich nicht das geringste ändert. Auf eineu kindeSmord läßt ein Fund schließen, den gestern nachmittag Passanten am Elisabethufer machten. Dort wurde vor dem Hause Nr. 2 die Leiche eines ungefähr 5 bis 6 Monate alten Knaben aus dem Luisenstädtischen Kanal angeschwemmt. Sie war in einem Beiblatt des„Berliner Lokal-Anzeiger" vom 6. November 1912 und zwei Preislisten der Meierei Bolle eingewickelt. Die kleine Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Nach dem Befund scheint das Kind erst kurze Zeit im Wasser gelegen zu haben. Dies bestätigt auch das Datum der Zeitung. Die Nachforschungen nach der Mutter wurden von der Polizei sofort aufgenonnnen. Bis jetzt waren sie noch ohne Erfolg. Ein tödlicher Straßcnnnfall ereignete sich in der Nacht zum Sonntag Unter den Linden. Der 39 Jabre alte aus Böhmen ge- bärtige Drechsler Johann Nesronal aus der Weberstr. 58 befand sich mit zwei Kollegen auf dem Heimwege von einem böhmischen Nestau- rant im Südwesten der Stadt. Gegen 2 Uhr kanien sie Unter den Linden. Als sie vor dem Hause Nr. 36, in der Nähe des Kaiser Franz-Josef-PlatzeS, den Fahrdamm überschreiten wollten, übersahen sie einen vom Brandenburger Tor kommenden Kraftwagen. Alle drei gerieten in Gefahr, doch konnten sich zwei durch schnelles Bei- seitespringen retten, während NeSronal von dem Wagen ergriffen, zu Boden geworfen und überfahren wurde. Die Räder gingen ihm über Brust und Leib. Der Kraftwagenlenker hob ihn in sein Auto- mobil und fuhr mit ihm zur Charils. Bei der Ankunft war er aber bereits tot. Der Verunglückte hinterläßt seine Frau mit drei Kinder», die sich in seiner Heimat befinden. Wer ist der Tote? An der Ebcrtsbrücke, in der Nähe der städtischen Badeanstalt, wurde gestern vormittag die Leiche cincS unbekannten Mannes aus der Spree gelandet. Sie war ganz verschlammt und schon" stark in Verwesung übergegangen und hat wahrscheinlich über 14 Tage im Wasser gelegen. Es handelt sich um einen 39 bis 49 Jahre alten Mann, der mit einem Jackett- anzug, dessen Farbe nicht mehr zu erkennen war. Gummizug- stiefeln und einem Halstuch bekleidet war. Ein Bein des Toten ist ungefähr 19 Zentimeter kürzer als das andere. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Dachstuhlbrand in der Brunnenstraße. Wegen eines großen Dackstuhlbrandeö wurde die Feuerwehr am Sonntaqmorgen nach der Brunn enstr. 151 gerlifcn. Als der 19. Löschzug' ans der Oderberger Straße auf der Brandstelle eintraf, stand der Dachstnhl des Ouergebäudes auf dem zweiten Hofe schon in ganzer Ausdehnung in Flainme». Eine starke Ranchentwickelung erschwerte den ersten Löicbangriff. Erst als genügend Abzug für den erstickenden Qualm geschaffen worden war. konnte das Feuer unter Benutzung von drei Schlauchleitungen gelöscht werden. Der Dachstuhl ist größtenteils zerstört. Ueber die Ursache des Brandes lvar nichts mehr festzustellen. — Fast gleichzeitig herrschte auch in der Fürsten st r. 8 ein größeres Feuer. Dort brannten Hobelbänke. Bretter. Fenster und die Schal- decke in einer Tischlerei. Auch hier bedurfte eS längeren Wasser- gebenS, um die Gefahr zu beseitigen. Vorort- Z>kacbrLcbtm. Charlottenburg. Eine erschütternde Tragödie hak sich am gesirigS» Mvnlag- nachmittag gegen 5 Uhr in dem Haufe Am Lützow 16 abgespielt. Dort vergiftete die 29jährigc Frida Hoffmeister, die Tochter eines Inspektors, ihre sechsjährige Nichte Elsa Röhn mit Lysol und» tötete sich Safttt selbst. Wie berichte? Mrd'. Mar die SojichriM Fridv Hofs- ineistcr schon, seit Jahren, gemüi&trank. Vor zwei Jahren, ver- schlimmerte sich das Leiden, dev H. allerdings, so dah sie fixe einige Monate in, einer Nervenheilanstalt Aufenthalt nehmen, mnstte. Sie innrdo später als geheilt entlassen� und es schien in, der Tat, als ob die Krankheit gehoben sei. Vor einem Jahr nahm der Inspektor seine nunmehr sechsjährige Enkelin. Elsa Röhn, das Kind seiner in Berlin lebenden ältesten Tochter, in das Hans, um die Kleine zu erziehen. Am gestrigen Nachmittag verließ Frau Hofsmeister gegen 1 Uhr die Wohnung, um sich in die Waschküche zu begeben. Als sie gegen S Uhr zurückkehrt� bemerkte sie zu ihrem Erstaunen, daß die Zimmertür des jungen Mädchens verschlossen sei. Die Frau schöpfte Verdacht und öffnete mit Hilfe der Nachbarn, die. Tür gewaltsam. Beim Eintritt in das Zimmer fand man Fräulein H. und das Kind regungslos auf dem Bett liegend auf. Ein hinzu- gerufener Arzt konnte nur noch feststellen, daß dev Tod bei beiden infolge Lysolvergiftung schon vor einigen Swndeni eingetreten sei. Um das kleine Mädchen zu veranlassen,'das Gift zu sich zu nehnien, lwtte die Geisteskranke die scharfe Flüssigkeit mit Milch vermischt. Tie beiden Leichen wurden von der Charlottenburger Kriminal- Polizei beschlagnahmt und, nach dem Schauhause geschafft. Neukölln. Der Berkauf von frischem auslandischen Fleisch unter städtischer Vermittlung nimmt im diesigen Orte einen befriedigenden Verlauf. In der vergangenen Woche wurden SS Zentner Rindfleisch und SS Zentner Schweinefleisch bezogen, an dessen Verkauf sich 4g Schlächter- meister beteiligten, in dieser Woche 170 Zentner Rind- und Schweine- fleisch, das von KS Schlächtern verkauft wurde. Das Fleisch wird auf vorherige Anfrage durch einen städtischxn Beamten und den Ober- meister der hiesigen Schlächter innung bezw. eine andere Vertrauens- Person aus dem Berliner Schlachthof abgenommen und sodann nach den städtischen EiSwerken am Mittelbuschweg gefahren. Hier wird eS von der eingesetzten Unterkommission, der auch ein Tierarzt und der JnnungSobernreister als Bürgerdeputierte sowie drei von de» Schlächtermeistern gewählte Vertrauensmänner in Lose geteilt und an die Schlächtermeister gegen Barzahlung abgegeben. Die Preis« festsetzung für die Schlächter wie für den Kleinverkauf an da? Publikum erfolgt durch die genannte Kommission. Zum Verkauf sind 00 Schlächtermeister zugelassen, von denen immer nur ein kleiner Teil Fleisch erhalten kann, da die Nachfrage be- deutend größer ist, als die Lieferung. Die Zulassung der Schlächter erfolgt in der Regel nach der Reihe ihrer Anmeldung dergestalt, daß möglichst eine Verteilung auf das ganze Stadtgebiet unter besonderer Berücksichtigung der Bevölkerungsziffer in den einzelnen Ortsteilen stattfindet. Die Bewerberliste für die Schlächtermeister ist jetzt geschlossen worden. Die Schlächter- meister müssen da? Fleisch zu den von der Kommission festgesetzten Preisen verkaufen und von dem privaten Fleisch gesondert halten. ES dürfen nur Quanten von Vz bis 4 Pfd. abgegeben werden. Die Preisverzeichnisse des Magistrats müssen im Laden bezw. Schau« fenster an möglichst sichtbarer Stelle aushängen und nach Beendigung des Verkaufs entfernt werden. Beschwerden sind bisher weder be- züglich der Beschaffenheit des Fleisches noch bezüglich der Einrichtung und Art des Verkaufs bekannt geworden. Sie sind gegebenenfalls an den Magistrat Abt. IIa zu richten. Lichtenberg. Mandatsgeraufe. Die bürgerlichen Parteien sind sich bei der Verteilung der Mandate nun doch in die Haare geraten. Die so- genannte Borschußbankgruppe hat die Ansprüche der Mittelstands- Partei beiseite geschoben. Die Mittelständler stellten daraufhin eine eigene Liste auf. Die Vorschußbankleute sägten sogar den bisherigen Führer der Mittelständler vollständig ab. Die Liste der Vorschuß- bank ziert keiner der neuen Namen der Mittelstandspartei, dagegen hat diese fünf Kandidaten von der alten Kandidatenliste, außer Herrn Aigte, den Macher vom Ganzen, übernommen. Bon den Kandidaten der Mittelstandspartei sind 11 Beamte oder Angestellte. Daß es sich hier um nicht sehr konsequente Leute handelt, geht schon daraus hervor, daß sich einige von ihnen als Mittelstandsparteiler und gleichzeitig als Vorschußbankleute auf den Schild erheben ließen. Wollten diese Herren unzweideutig Farbe bekennen, dann müßten sie verlangen, entweder von der einen oder von der anderen Liste gestrichen zu werden. Jetzt hat man das sonderbare Schauspiel, daß zum Beispiel die Herren Lewonig und Lindner, ferner Herr Dorn- busch sowie Herr Hirsch als Kandidaten der Borschußbank gegen sich selbst als Kandidaten der Mittelständler in die Schlacht ziehen. Solcher Kuddelmuddel ist nur möglich, weil die Herrschasten kein klares politisches Programm haben, sondern nur Erfolgen nachjagen und Sonderinteressen vertreten. Wilmersdorf. Zur Sozialpolitik nimmt die Stadtverordnetenversammlung von Wilmersdorf bekanntlich eine feindselige Haltung ein. Hauptrufer im Streite ist hier der Professor Dr. Leidig, der unentwegt als A ltna Hcmia ll rber-aler den Standpunkt des Zentral- Verbandes deutscher Industrieller vertritt. Das hat er wiederum vor einigen Tagen in der Versammlung eines Bezirksveveins ge- zeigt, in der er nach dem Bericht, des konservativen Lokalblattes etliche beachtenswerte Redeblüten zum besten gab. Während in Wilmersdorf an mittleren und großen Wohnungen Uebersluß vorhanden ist, herrscht an Wohnungen,, die für Arbeiter erschwinglich sind, Mangel. Aber nach Herrn Leidig ist Wilmersdorf das Tier- gartenviertel von Berlin, und man kann, wie er sich aus- drückte, nicht verlangen, daß„wir" für Avbeiterkreise„eine besondere Stadt herrichten trotz aller nicht nur von sozial- dcinokratischer, sondern auch von demokratischer Seite erhobenen Vorwürfe". Dabei ist nun von der Herrichtung einer besonderen ArbeiterstaM, in Wilmersdorf bisher gar nicht die Rede gewesen; die Sozialdemokraten haben nur verlangt, daß dem Bau kleiner Wohnungen nicht jene, Schranken entgegengestellt werden, die dem Arbeiter das Wohnen in Wilmersdorf unmöglich machen sollen. Die eigentliche S o z i a l p o l i t i k ist Herrn Leidig gerade gut genug, um daran seinen Witz auszulassen. In Fürsorgeeinrichtun- gen dürfe man nicht zu weit gehen. Der Staat mache es jetzt schon jedem so bequem. Es gäbe bald nichts Bequemeres als Vater zu werden; die Kommune sorge dann weiter.«Wir m Wilmersdorf," so suche Herr Leidig nach dem Bericht fort,„stehen auf dem Stand- Punkt, daß die Gemeinde in erster Linie da ist. um die gesunden Bürger zu erhalten und zu tüchtigen Menschen zu machen.' Die weichliche Empfindlichkeit Charlottenburgs wolle man nicht nachmachen,., die jeden annehme, wenn ihm ein Pickelchcn weh tue! Wer nach dieser starken Leistung der Ansicht ist, daß Herr Leidig jegliche Sozialpolitik verwirft, irrt sich aber. Sozialpolitik schon. nur soll sie nicht dev Arbeiterschaft, die man ja überhaupt nicht in der Gemeinde haben Willi sondern dem Mittestand zugute kommen. „Wir sind der Meinung daß dev kleine Mittelstand viel schwerer zu tragen hat als der Handarbeiierstand.... Da Hilfe zu bringen, ist eine der wichtigsten und wertvollsten Ausgaben der Fraktion." In Herrn Leidig hat man keine beliebige Bezirksverci nsgrößc vor sich, sondern einen der namhaftesten nationalliberalen, Politiker. der auch als Stadtverortmeter über einen sehr beträchtlichen Anhang verfugt. Seine Gefolgschaft ist durch den Ausfall der letzten Wahlen wesentlich verstärkt worden, und, man muß sich daraus gesaßt machen, daß das»ltv Vorrecht von, Wilmersdorf, einige Jahrzehnte in moderner Weltgeschichte zurückzubleiben, in Zukunft bo sonders eifersüchtig gewahrt wird. Schöneberg. Einen Nachklang der vor einigen Jahren von den Erben des Millionenbauern M. zu Unrecht erhobenen 475 000 M. Wertzuwachs- Neuer die die Stadt wieder zurückzahlen mußte, bildete eine weitere Klaae dieser Erben gegen die Stadt auf Erstattung der durch den ».inbebaltenen Steuerbetrag entgangenen Zinsen von 25 000 M. Nachdem sowohl das Landgencht II als auch das Kammergericht die Stadt Schöneberg zur Zahlung der Zinsen verurteilt hat. hat das Reichsgericht die von der Stadtgemeinde hiergegen eingelegte Re- Vision verworfen. Friedenau. Den Verkauf von russischem Fleisch beschloß in ihrer letzten Sitzung die Gemeindevertretung. Schöffe Lichtheim als Vorsitzender des TeuerungSausschusscS berichtete über die bisher geführten Ver- Handlungen mit Berlin und den hiesigen Schlächlermeistern. Während mit Berlin ohne große Schwierigkeiten eine Verständigung herbei- geführt worden sei, sei es noch nicht möglich gewesen, eine Berein- barung mit de» Schlächtermeistern zu treffen. Er habe das Empfinden, daß dieselben den Verkauf nicht übernehmen wollen. Gegenüber den von dieser Seite aufgestellten und auch im hiesigen Ortsblättchen verbreiteten Behauptungen, das Fleisch sei minder- lvertig, könne er. nachdem er sich selbst von der Onalität der eingeführten Ware überzeugt habe, nur sagen, daß das eingeführte Fleisch dem deutschen durchaus gleichstehe. Da die Fleischpreise außerhalb des Ortes überall herabgegangen seien, die hiesige» Schlächter nach wie vor die alten Preise ver- langen, sei es jetzt Ausgabe der Gemeindevertretung, der Bevölkerung billigeres Fleisch zu verschaffen. Genoffe Huhn beantragte, vorläufig die Summe von 5000 M. zu bewillige» und den Verkauf in eigener Regie zu betreiben, falls die hiesigen Schlächter bei ihrer Weigerung beharren. Nach kurzer Diskussion fand der Antrag einstimmig An- nähme. Der schriftliche Bescheid über die Genehmigung der ge- änderten Baufluchtlinie der Niedstraße ist eingegangen. Der Ausschuß des Zweckverbandes, dem der Plan auch zur Genehmigung vor- gelegen hat. nahm bei dieser Gelegenheit Veranlassung, zu bemerken, daß die Gemeinde Friedenau ihrer Einwohnerzahl entsprechend viel u wenig Freifläche zu Spiel- und Erholungszwecken habe. Er stelle er Gemeindevertretung anheim, sich einmal mit dieser Frage zu beschäftigen. Diesem Bescheid hat sich der Bezirksausschuß an- geschlossen. So weit mußte es also erst kommen, daß die„vor- nehmste" Gemeinde iin Westen von außen gezwungen werden muß, ihren Einwohnern in gesundheitlicher Hinsicht das zu geben, worauf sie Anspruch haben. Der kürzlich beschlossenen Durchlegniig der GutsmutSstraße nach der Schloßstraße stellen sich insofern Schwierig- keiten entgegen, als der Besitzer des Marktplatzes. Herr Marks, für das zu erwerbende Straßenland einen viel zu hohen Preis fordert. Der Gemeindevorstand wurde ermächtigt, gegen den Eigentümer des Platzes wegen Hergabe des nötigen Geländes das Enteignungsverfahren einzuleiten. Der Rechnungsabschluß für 1SI0 ergibt bei einer Gesamteiniiahme von 3 202 448,85 M. und einer Gesamtausgabe von 2 202 248,88 M. einen Bestand einschließlich der Ueberschüsse von 009 100.87 M. Der Reinüberschuß belies sich auf 248 210 M. Die vom deutschen See- fischereiverein im vergangenen Winter abgehaltenen Seefisch-Koch- kurse sollen auch in diesem Jahre auf Kosten der Gemeinde ver- anstaltet werden. Als Kreistagsdelegierter wurde mit 17 von 28 abgegebenen Stimmen Bürgermeister Walger gewählt. Ein Autrag des Gemeindevorstandes, welcher 20 000 M. für Anschaffung von Elektrizitätszählern verlangt, gab unserem Genossen Huhn Ver- anlassung, die Ausschreibung der Zählerlieferung anzuregen. Nach seiner Information liefere die A. E. G. die Zähler an die Gemeinde zu einem Preise, der von keinem Konkurrenzunternehmen gefordert würde. Steglitz. Hausfrauen teilen mit, daß unsere kürzliche Meldung, wonach russisches Fleisch jetzt während der ganzen Geschäftszeit auch bei den Fleischermeistern Rückner, Lothar-Bucher-Str. 13, Lindemann, Fichte- stroße 71, und Lindemann. Schiitzenstr. 13, zu haben sei(selbstver- ständlich nur so lange der Vorrat reicht), auf das letztgenannte Ge- schüft nicht zutrifft. In dem Laden deS Herrn Linvemann in der Schützenstraße wird überhaupt kein russisches Fleisch verkauft, sondern der Verkauf findet zwar durch genannte» Schlächtermeister, aber in einem nebenan gelegenen leerstehenden Laden statt, dessen Sckaufester mit den bekamnen roten Zetteln„Sofort zu vermieten" beklebt sei. Das ist aus den amt- lichen Säulenanscbläge» nicht zu entnehmen und die Folge ist. daß die Käuferinnen stets in den„falschen" Laden geben und sich erst dort belehren lassen müssen, daß das verlangte russische Fleisch«in dem leeren Laden nebenan" und auch nur von 3 Uhr nach- mittags ab verkauft wird. Ist da» für die Hausfrauen schon unangenehm, weil sie oft einen doppelten Weg machen müssen, so soll die Art und Weise, wie Frau Schlächtermeister Lindemann daraus hinweist. direkt verletzend und im höchsten Grade ungehörig sein. Trifft das zu, so wäre es doch besser, Frau L. würde überhaupt den Verkauf nicht übernehmen. Andere Fleischer der dortigen Gegend würden auch ausländisches Fleisch gern verkaufen sogar in ihren Läden. Gerügt muß auch werden, daß in dem„leeren Laden", der in seiner not- dürftigen Ausstattung mit Tisch und Hauklotz an die Freibank er- innert, das amtliche Plakat mit dem Preisverzeichnis an der Wand hinter dem Tisch aufgehängt ist. sodaß eS niemand lesen kann. Wirkt es etwa im Schausenster zu auffällig? Auch die Verteilung des Fleisches scheint nicht besonders gut organisiert zu sein. Während am Sonnabendabend an den dunkeln Schaufenstern deS obenerwähnten Ladens aus einem Zettel zu lesen war, daß erst am Montagnachmittag 3 Uhr wieder Fleisch au haben wäre, war in der Verkaufsstelle Miquelstr. 24 noch Fleisch massenhaft disponibel. Hoffentlich nimmt sich der Gemeindevorstand der Sache an, um die obengeschilderten Mängel zu beseitigen, wodurch er sicherlich die An- erkennung unserer Hausfrauen sich erringen würde. Lankwitz. Der von fast allen Berliner Vororten eingeführte Verkauf russi- schen Fleisches soll, wie Schöffe Bruchwitz in der letzten Gemeinde- Vertretersitzung mitteilte, in Lankwitz nicht vorgenommen werden. In der vorigen Sitzung beschloß die Mehrheit der Vertretung, sich den Teuerungsmaßnahmen Groß-Berlin? anzuschließen; diesem Beschluß stimmte auch der Gemeindevorsteher zu und man überließ daher die Ausführung des Beschlusses dem Gemeindevorstande. Um so verwunderlicher ist eS, daß nun rein gar nicht« geschehen soll. Die Gründe für die Ablehnung des Fleischverkaufes lauteten, daß die Lankwitzer Schlächtermeister den Verkauf des Fleisches abgelehnt hätten, auch würden der Gemeinde- Verwaltung erhebliche Kosten entstehen. Ferner habe der Gemeinde- vorstand keine geeigneten Verkaufsräume und auch keine Berkäuser. Zudem betrage die Preisdifferenz zwischen dem hiesigen und russische» Fleisch nur wenige Pfennige. Genosse Radike wandte sich gegen diese fadenscheinigen Gründe, des weiteren verurteilte Redner das Verhalten der Schlächtermeister, noch mehr aber das des Gemeinde- Vorstandes. Wenn angeführt werde, daß geeignete Räume zum Ver- kauf nicht vorhanden wären, so mache er darauf aufmerksam, daß im Ort, hauptsächlich in der Kaiser-Wilhelm-Straße. eine An- zahl Läden leer ständen, welche zu dem Zwecke ver- wendet werden könnten. An geeigneten Verkäufern sei gleich- falls kein Mangel, denn es gebe genügend Schlächtergesellen und vielleicht auch Meister, welche den Verkauf übernehmen würden. Daß der Preisunterschied nicht nur einige Pfennige pro Pfund be- trage, müßten die Herren des Genleindevorstandes selbst wisse», wenn sie ihr Fleisch von Lankwitzer Fleischermeistem bezögen; muffe doch hier das Bauchfleisch vom Schwein noch mit 1 M. pro Pfund bezahlt werden. Trotzdem auch einige bürgerliche Vertreter den Fleischverkauf befürworteten, wurde der Antrag des Genossen Radike, den Verkauf in eigener Regie zu übernehmen, ab- Selehnt. Wer also m Lankwitz billiges Fleisch essen will, muß hon nach den Nachbarorten wandern.— Als Ersatz für den abgelehnten Fleiichvcrkauf will man den Scefischverkanf zweimal in der Woche abHallen. Derselbe findet jetzt Mittwochs und Freitags von 8—1 Uhr auf dem Gelände der Pumpstation in der Marienstraße statt. Der Armenverwaltung wurden die«rforder- lichen Mittel für eventuell erhöhte Unterstützung der Armen be- willigt. Ferner wurde dem Abschluß von Verträgen mit der Eisen- bahn-Direktion über Höherlegung der Amalien-, Elisabeth- und Seydlitzstratze sowie der Errichtung einer Bedürfnisanstalt an der Ecke Charlotten- und Seydlitzstratze zugestimmt. Pankow. lieber die politische Lage sprach am Donnerstag, den 7. d.M., i« „Kurfürsten" Genoffe Scheidemann. In Scharen waren die Be- sucher gekommen, vor allem auch viele Frauen, und lange vor Be- ginn der Versammlung war alles besetzt. Die letzten mutzten auf der Bühne Platz nehmen, wo der Gesangverein„Liederfreund" Auf- stellung genommen hatte, der vor und nach dem Bortrage stimmungs- volle Lieder zu Gehör brachte. Scheidemann behandelte in großen Zügen und in lebendiger Weise die gegenwärtige wirtschaftliche Misere der Arbeiterklasse. Alsdann beleuchtete Redner die kritische Lage, in die Europa durch den Balkankrieg verstrickt sei. Es sei die Ausgab« der Sozialdemokratie, immer größere Massen aufzuklären über die Schrecken eines solchen Krieges und sie zu erfüllen mit dem Gedanken des Sozialismus: Krieg dem Kriege! Den Kriegs- treibereien der deutschen Chauvinisten gelte eS. den festen und unerschütterlichen Friedenswillen des Proletariats entgegenzusetzen. Es wäre geradezu verbrecherisch, etwa wegen Oesterreichs Bestrebungen auf dem Balkan Teutschland in einen Krieg zu stürzen. Die Regierenden sollten es sich wohl überlegen, den Kriegs- Hetzern Gehör zu schenken. Aus der Geschichte heraus sollten sie lernen, welche Folgen ein Krieg haben könne. Der Feind sei hüben wie drüben der Kapitalisnms. Diesem gilt der Kampf. Stürmischer Beifall belohnte den Genossen Scheidemann für seine Ausführungen. Nach einem zusammenfassenden Schlußwort des Vorsitzenden Genossen Schindler, der empfahl, nun auch die Nutzanwendung zu ziehen und den Organisationen beizulreten, die Arbeilerpresse zu abonnieren, mitzukämpfen für Freiheit und Licht, Glück und Erlösung aller Unter- drückten, stimniten die Anwesenden begeistert in ein dreifaches Hoch auf die internationale Sozialdemokratie ein. Mit dem Vortrag deS Liedes„Sturm" fand die imposante Versauunlung ihr Ende. ivtahlsdorf an der Ostbahn. Die Gemeindevertretung nahm in längerer Debatte Stellung zu dem Antrage des Vorstandes auf Abtrennung der Gemeinde vom Amtsbezirk Biesdorf, Vom hiesigen HauSbesitzervsrein war in letzter Stunde den Gemeindevertretern eine Aufstellung der angeblichen Kosten überreicht worden. In der Debatte wurde diese Ausstellung als mit den Tatsachen in Widerspruch stehend gekennzeichnet. Herr Klein, Vorstandsmitglied des Hausbesitzervereins, glaubte sich über die Berichterstattung im„Vorwärts" entrüsten zu sollen; als ihm von unseren Genossen die einseitigen und gehässigen Berichie seiner Freunde in der„Mahlsdorfer Zeitung" vorgehalten wurden, erklärte er: das wäre ganz etwas anderes.— Beschlossen wurde, daß zum 1. April 1013 Mahlsddrs einen eigenen Amtsbezirk bilden solle, bei Uebernahm« von 560 M. jährlicher Abfindung für den Amtssekretär. Den Antrag eines Jugendpflegeausschusses und Bewilligung von 600 M, begründete der Genieindevorsteher. Man hoffe, daß der Ausschuß, den, neben dem Vorsteher, der Pfarrer, der Arzt Dr. Flohr und Herr Rektor Dürre angehören, mit Hilfe dieser Mittel die Mahlsdorfer Jugend im richtigen patriotischen Sinne erziehen könne. Genosse Schumann vermißt ein SpezialProgramm dieses AuS- schusses, während Genosse Oertel seiner Verwunderung darüber Ausdruck gab, daß jetzt mit einem Mal Jugendpflege-Einrichiungen geschaffen werden solle», während dem Arbeiterturnverrin dauernd die Turnhalle verweigert und die jungen Leute darauf angewiesen sind, die Turnstlinde» in einer Schanlwirtschaft abzuhalten. Herr Klein ineinte, er könne sich nicht entsinnen, daß dem Arbeiterturn» verein die Turnhalle jemals verweigert worden sei. Dabei hat sich dieser Herr schon zweimal an der Debatte hierüber beteiligt. ES ist demnach anzunehmen, daß Herr Klein an Gedächtnisschwäche leidet. Auf Antrag des Genossen Schumann wurde der Antrag so lange vertagt, bis der Vorsteher ein SpezialProgramm des so- genannten Jugendpflegeausschusses vorgelegt hat. Zum Schluß fand eine geheime Sitzung statt. Tchöuerliude(Bezirk Pankow). Wiq die bürgerliche Majorität der Gemeindebertretung den gegenwärtigen Notstand beurteilt, zeigte sich aus Anlaß eines von unseren Genossen gestellten Antrags, an den Reichstag die von anderen Geineinden bereits abgesandte Petition zu richten. Die bürgerliche Majorität lehnte die Absendung der Petition ab. Ein Redner ver- stieg sich sogar zu dem Ansspruch. daß die Lebeusinittel. je teurer dieselben wären, desto besser schmeckten.— Ein zweiter Antrag, der eine regelmäßige Verbindung zwischen Schönerlinde— Buch, bei einem festgelegten Fahrpreis von 25 Pf, fordert, fand Annahme: dem Unternehmer wurden 1000 M. zugebilligt, obwohl die Postbehörde nur 750 M. pro Jahr für Beförderung ihrer Sachen zahlt. Der Verlrag wurde auf 5 Jahre geschloffen. Birkentverder. Die Gemcindcvcrtretersitzung beschloß zunächst eine bessere Be- leuchtung in der Hauptstraße herzurichten.— Einer von der Briesctal-Aktiengesellschaft eingereichten Aenderung des Bebauungs- Plans wurde die Genehmigung versagt.— Die Verpachtung der Wiesen wird auf Wunsch des Genossen Pieper und des Vertreters Thiele öffentlich ausgeschrieben.— Die schon früher angefehdete Pfarrhausinauer soll nun endlich beseitigt und durch eine gewöhn- lichc Einfriedigung ersetzt werden.— Nach kurzer Beratung einiger weiterer unwesentlicher Punkte wurde beschlossen, der Branden- burgischen Feuerwehr-Unfallkasse beizutreten, wonach jeder Einwohner, welcher beim Feuerlöschen verunglückt, versichert ist.— Der öffentlichen folgte eine geheime Sitzung. Oranienburg. Eine außerordentliche Stadtverordnctensitzung beschäftigte sich zunächst mit der Wahl eines Bürgermeisters. Von den zahlreichen Bewerbern waren drei zur engeren Wahl gestellt. Von diesen wurde auf eine Amtsdauer von 12 Jahren einstimmig der Regie- rungsreserendar Herr v. Loebell gewählt. Der Gewählte hat bereits seit Juli d. I. bis zum Oktober die verwaiste Bürgermeifterstelle kommissarisch vertreten. Während dieser Zeit hat er in kommu- nalcn Angelegenheiten ein« sehr geschickte Hand gezeigt. Ganz be- sonders hat er sich bemüht, dem Antrage unserer Genossen zwecks Beschaffung billiger Lebensmittel in jeder Weise gerecht zu werden und mit allem Nachdruck dafür gesorgt, daß die Sache nicht, wie das von bürgerlicher Seite in der Kommission gewünscht, aus unbe- stimmte Zeit hinausgeschoben wurde. Der neue Bürgermeister, ein Sohn des früheren Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg v. Loebell, steht erst im 30. Lebensjahre. Die Ucbernahme der Ge- schäfte wird im Februar n. I. erfolgen, nachdem der Gewählte sein Examen für den höheren Verwaltungsdienst absolviert hat.— Ein Magistratsantrag fordert Bewilligung der Kosten zum Ankauf wei- terer drei Entwürfe für das Realprogymnastum.� Das Preis- richtcrkollegium hat von den eingegangenen Entwürfen außer drei mit Preisen ausgezeichneten solche zum Ankauf empfohlen. Mit 13 gegen 13 Stimmen gelangte der Antrag zur Annahme. Die Stimme des Vorstehers gab den Ausschlag. Die Annahme des Entwurfs für die Erbauung deS Realprogymnastums und Bcwilli- gung eines Teilbetrages in Höhe von 4000 M. gab zu laiigeren Er- örterungen Anlaß. Dadurch, daß sich die Kosten der Kanalisation aus mehr als das Dreisache des Anschlages erilrccken, worunter die Steuerzahler noch lange zu leiden Ijaben loctdcn, will man nunmehr etwas vorsichtiger zu Werke gehen Da der Bau aber spä- testens zum 1. April 1S14 fertiggestellt sein mutz, wurde dem Magisiratsantrag zugestimmt. Von unseren Genossen wurde noch besonders betont, daß hierbei der Stadt Gelegenheit geboten sei. der großen Arbeitslosigkeit am Orte durch sofortige Jnangriff- nähme Abhilfe zu schaffen. Potsdam. Die Gültigkeitserklärung der Müll- und Kanalisntionsgcbühren- ordiiungcn. Bekanntlich traten am 1. Oktober 1010 die neuen, mo. diniierten Gebührenordnungen für die städtische Müllabfuhranstalt lind die Kanalisation durch OrtSstatut in Kraft. Gegen d,e Gültig. keit dieser Gebührenordnungen wurde von verschiedener Serie Sturm aelaufen und die Potsdamer Gerichte haben auch die Müllabfuhr- gebührenordnung für ungültig erklärt resp. durch Einstellung eines Ver-. fahrenS ein abschließendes zweitinstanzliches Urteil bettnieden. Gegen de» Magistrat beschritten den Weg de§ VerwaltungSstreitverfahrens vier biesige- Bürger und eine Gesellschaft. Sie fochten die vom Bezirks- ausschuh vollzogene Genehmigung der beiden Gebührenordnungen durch die Revision beim Obervcrwaltungsgericht an. Nach vier- ständiger Verhandlung verkündete der Vorsitzende des 2. Senates die Oberverwaltungsgerichtsentscheidung, daß die Ortsstatute betreffend die städtische Müllabsuhr und die Kanalisation und die beiden Gebührenordnungen rechtsgültig sind. Gpanva». Die Einwohnerzahl Spandaus betrug am 1. November b. I. 98532. Seit dem 1. November des vorigen Jahres ist ein Zugang von t!0S Personen zu verzeichne». Allein im Oktober sind 876 Per- jonen mehr zugezogen wie weggezogen. Bei den Zuzügen handelt es sich fast ansschliehlich um Privatarbeiter, die infolge der ständigen Ausdehnung der Siemenswerke nach Spandau ziehen. Der städtische Fleischverkauf hat sich hier sehr gut eingeführt und zu Unzulräglichkeiten noch keine Veranlassung gegeben. Zur Uebernahme des Verkaufes haben sich sämtliche Schlächtermeister bereit erklärt. Es hängen bei den Schlächtermeistern, wo jeweilig der Verkauf des russischen Fleisches stattfindet, Plakate mit einer Preistafel im Schaufenster. Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Neukölln. Donnerstag, den 14. November, nachmittags ö Uhr, im Sitzungssaal des NaihauicS, Berliner Strohe. Kalkber�e-RiiderSdorf. Heute Dienstag, abends 8 Uhr, im Karl Köppenichen saalc. Rüdersdorf. Heule DienStaa, abends 8 Uhr, im Emma Külperschen Lokale. Aus der Tagesordnung steht u. a. ein Alitrag betr. Einsührung von billigerem Fleisch. Grünau. Mittwoch, den 13. Nodember, abends 6'/, Uhr, im Ge- meindeamtSgebäude. Diese Sitzungen sind öffentlich. Jeder Gemciudeangehörige iß berechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. ßritfbaften der Redabtton. Tie lurlftische Sprechstunde findet Linden st raste est, vorn vier Treppen — Fahrstuhl—, wocheotäglich von bis 7li Uhr adends, Sonnadends, von ili bis C Uhr abends statt. Jeder für drn Briefkasten bestimmte» Anfrage ist ein Buchstade und eine Zahl als Weelzeichen belzusligen. Briefliche AnttvM» Wied nicht erteilt. Rnsragen, denen teinc Adounementsgliiltung veigesügt ist, «erden nicht»canimortct. Eilige Fragen trage man tn der Sprechstunde vor. M. P. 100. 1. Ja, sofern dauernde Erwerbsunsähigkeit vorliegt. 2. Beim Versich erungSantt. Nähere Adresse kanu nicht angegeben werden, da Sie den Wohnsitz Ihrer Schwiegermutter nicht angegeben haben. — R. W. t. ES wäre wahrscheinlich, sosern die hiesige Behörde Kenntnis erhält. 2. Nein. Die Pslicht endigt mit Vollendung des 42. Lebensjahres. 3. Nein.— M. G. 25. Ihr Bruder kann unter Berufung aus das Presi- gesetz vom.Lokal-Anzeiger" die Ausnahme einer Berichtigung verlangen. — K. B., Neukölln. ES wäre nur dann zulässig, wenn Tatsachen und Beweise für ein« Geisteskrankheit oder Verschwendung beigebracht iverden können.— R. N. Nr. 7. 1. Das ist an sich zulässig. 2. Nein.— Marktbericht von Berlin am 0. November 1012, nach Ermittelung deS königl. Polizeipräsidiums. M a r k t b a l l e n p r c i s e.(Kleinhandel) l00 Kilogramm Erbicn, gelbe, zum Kochen 30,00—50,00. Speisebohnen. weihe, 36,00—50,00. Linsen 35,00—60,00. Karloffeln(Kleinhdl.) 5,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisi 1,50—1,80. Schweinefleisch 1,60—2,20. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammeifleis 1.40— 2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 4.20—6,50. 1 Kilogramm Karpsen 1,40—2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,40-3,60. Hechle 1,40—2,80. Barsche 1,00-2,40. Schleie 1,60-3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 2,00—30,00._ Wetterprognose für Dienstag, den 12. November 1S12. Kühler, vorherrschend wollig mit geringeren Niederschlägen und frischen nordwestlichen Winden. Berliner W e t t e r b u r c a u. WitteklttigSLbcpsicht vom 11. November 1912. «ationen Swinemde Hamburg Berlin Franff.a.M München Wien sZ e| 743S 73913® 74? S 745!Stm 749®® 754SS® Setter Awollig 4sbedeckt 2bcdcckt -wolkig ig bchedeal cgen ro« t!* all «3> Ctottonen £2 I»- 757 . eierSburg�7S7 S Lilly Aberdeen Paris N® SO 758®NW 744 N® 752 ÄND l Setter schnee bedeckt wolkig swawg 3bcdcckt E* _ o 9 3 8 Waffcrstands.Nachrlchten der LaiiieSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. ')+ bedeutet !,— Fall.—!) Unierpegel. üv ö «> m m © w «»SSSSSI � Unserrn laben alten Freunde und Parteigenosse» 1225b Franz Breska zu seinem heutigen Kttjähri- gen Geburtsrage die herz- lichsten Glückwünsche. vis Genossen des 385. Bezirks Teil I des IV. Wahlkreises. �eeeeeee*«sssssssA J/ Unserem lieben Freund und «4 Genossen z Junos ja's T die besten Glückwünsche zur Vermählung. 10A stt Die übrig gebliebenen � Schlafburschen. � �€€€€€«6«»«»SSSSSS� Unserem lieben Eencssen Rohde nebst Frau Beruauer Str. 47 o zur Silber-Hochzeit G die berzlichsten Glückwünsche> G vie Genossinnen u. Genessen � d. k. llr., ght. 8, Gez. 585 a. $ st» st» st» «» st» Todes-Anzeigen Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, das meine innizgellebie Frau, unsere liebe Tochier, Schwester. Schwägerin, Tantes Nichte und Cousine Lmma Kinter geb. Meier »ach IchweremLeidenimSO. Lebensjahre verstorben ist. DieS zeigen tiesbetrübt an via trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Ktttwoch. nachmittags um?'/, Uhr, von der Leichenhalle des Zentral. FnedhosS in FriedrichSselde aus statt. �iäldeillMllzeliei'VätilslMiu l.ll.i.Ski'I.IielMagz-Valsllll'els. köpenicker Viertel. Bez. 166 II Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Venoisin Emma Kinter (Waldemarstr. 19) gestorben ist. Ehre ihrem Andenkeu k . Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 13. d. MtS.,»ach. mittags'/,4 Uhr. von der oalle des Zentral.,>.!edhoses in FriedrichSselde au» statt. Um rege Beteiligung ersucht 220/18 Der Vorstand. Am Sonnlag. den 19. d. M., früh 12'.', Uhr verstarb plötzlich meine Frau, unsere gute Mutter psulme vieiks geb. Gerlach. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 13. d. M., nach- mittag! 4 Uhr, von der Leichen- Halle deS neuen Johannis-Klrch- hosrS in Plötzenfee aus statt. Leorz Dierk« nebsi Tochter, ' Levetzowstr. 12». 422 Danksagung. Für die vielen Beweile herzlicher Teilnahme und die schönen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer gmen Mutter, Schwiegermutter und Grotzmutter Willielffline Volckmann r-: geb. Bennewitz sagen wir hiermit insbesondere dem Gesangverein Hofsnung unsere» besten Dank. 37a 3m Namen der ttauerndcn Hinter- biiebene» X. Volckmann. Am Sonnabend, den 9. November d. I., verloren wir durch un-| erwarlcleS Hinscheiden unseren hochverehrten Prinzipal, den Fabrik- besitz« und Mitinhaber der Firma Louis Runge, Herrn t-KiÄwig Bosse. In dem Heimgegangenen belraucrn wir einen durch seine rastlose I Tätigkeit vorbildlichen und durch leinen lvohlgesimitcn, edlen Charakter hochgeschätzten Chef, der cS in jeder Welse verstanden hat, für da» Wohl seiner'Arbeiter einzutreten. 1233b| Sein Andenken wird uns allezeit in dankbarer Erinnerung bleiben. Raa Fabrikpersonal der Firma Louis Runge, Berlin NO. Verband der Bausarztirereine GroS-Berllns. Den VerbandSgenoflen zur Nachricht, das, unser Bezirks- kassicrer von Neukölln Max Malkewitz Herrsurthstr. 30 verstorben ist. (khre seinem Zlndenken k Die Beerdigung findet heute Dienstag, 12. November, nachm. 4 Uhr, von der Leichenballe ce» Neuköllner Gemeinde- Fi icdhosS, Martendorser Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 298/15 Der Zentralvorftanv. Hausarzt-Verein„HeukSlln". Den Mitgliedern zur Nachricht, datz uns« erster Kassier« Max Malkewitz Herrsurtbstr. 30(21. Bezirk) verstorben ist. Ehr« seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Dienstag, den 12. November, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Neuköllner Gemeinde- Friedhofes, Martendorser Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 298/13 Der Borstand. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirktverwaltung GroS-Berlln. Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unser Kollege, der Wäsche- lutsch« IBrnil Gebhardt am 8. November im Alter von 43 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am DicnStag, 12. November, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des �entral-griedhoseS in Friedrichs- elde aus statt. 68/13 Dia Bezirksverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Verbaml Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht. datz uns« Mitglied, der Schmied Otto Busse Spaarstr. 25 am 7. d. M. an Unfall gestorben 'st. 132/18 Die Beerdigung süidct Dieus- tag, den 12. o. M., nachmittags 3'/, Uhr, von d« Leichenhalle des Nazareth-Gemciude-Ktrchhosc» in Reinickendorf au» statt. Rege Beteiligung erwartet Die OrtSverwaltnng. �acdruk. Den Kollegen zur Nachricht, datz I unser Mitglied, der Metallarbeiter j Max Hoffmann am 8. d. M. an Lungenentzündung| gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Ortsverwcltung Deutscher Boizarbeiter-Verhand. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Einsetzer Wilhelm Schreckenberg Grünauer Str. 29, im Alter von 63 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Aiidcnke»: Die Beerdigung findet am Mtttwoch, den 13. November, nachmittag» 3 Uhr. von d« Halle des Emmaus-KirchhosS in Neukölln, Hermannstratze, aus statt. 91/1 Die Orlsverwaltung. mmam Or.Simmel Speiial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41, hIX�z 10-2. 5-7. Sonntags 10-12. 2-4 Deutscher Teitllarbelter-Yerhand Verwaltung Berlin. Den MitaNedern zur Nachricht, datz unier Kollgc NVilhelm Funck (Färber-Branche) am 9. d. Ms. im Alter von 47 Jahren verstorben ist. Ehre seiiiem Andenken k Die Beerdigung findet am Dienstag, den 12 d. M., nach- mittags 3 Uhr, von der Halle deS BartholomäuS-KirchhoseS au» statt. Um rege Beteiligung ersucht 197/12 Die OrtSvcrwaltung. Ortskrankenkasse sür daS Csperierergewerbe zu Berlin. Aus Grund deS§ 65 deS Statuts geben wir den Mitgliedern undArbeit- gcbern bekannt, datz die in der autzcr- ordentlichenGeiicralversammlungvom 30. Zlugust 1912 beschlossene 7. Ab- ändenmg des KassenstalutS 6 31 durch Beschlutz des Bezirksausschusses vom l5. Otlob« 1912 genehmigt worden ist und vom Montag, den 18. No- vcmb« 1912 in Krast tritt. § 31 erhält folgende Fassung! Dle Beiträge der 1. Klasse werden von 78 Ps. aus 87 Ps. H.« 0» 06„„ 72„ III.... 54.. 60. IV... 42„. 48. V... 30„. 33. (4 Proz. deS durchschniltlichen Tage- lohncS) erhöht. Di-uckexemplare dieser Abänderung gelangen im Kaficnlokale Ncand«- stratze 22, vorn II, zur Verteilung. Berlin, den l2. November 1912. H. L o b i tz, 1. Vorsitzend«, 170. 55, Naugarder Str. 5, Spezialarzt s. Haut-, Harn-, Frauenleiden, »cro. Schwäche, Beinkranke jeder Art, Ehrlich Hat«> Kuren in Ol. Horneyer Untersuchung.. Fäden t. Harn usw. FiWrltlisti, 81, ÄS?«. Spr. 10—2, 5—9, Sonnt. 11—2. Honorar mästig, auch Teilzahl. Separates Damenzimmer. n.pksu. *c!.in Direksenslraße 20 zwischen Bahnhos Alexanderplatz und Polizeipräsidium.— Amt Kst. 3208. Für Damen Frauen-Bedienung,* Lieferant sür alle Krankenkassen. KeicddalUgor lohalt— u. a. Alle fürden Arbeiter wichtigen Adressen Porträts der 110 sozial- demokratischen Reichstagsabgeordneten Reichhaltiges statistisches Material über dieRelchs- tags wählen 1912 Die deutsche Reichsverfassung Arbeiterbildung und Bildungsarbeit Kinderechutzgesetz Etwas ▼. Schnapsboykott Die Gewerkschaften im Jahre 1911 Ealendarium sowie Geschichtskalender, Portotaxe, Notizbuch preis gebunden :: 50 Pfennig:: Zu beziehen durch alle ,,Vorwärts".SpeditioneD oder direkt von der Buchhandlung Vorwärts Lindenstraße 69.• Grundbegriffe d« Politik, von triedrich Stampfer. Gebunden 3M uckhandluna Vorwärts. Linden- stratze 69(Laden). •'»»-m.•'•"'Mi w i• H' i.i....., '>!.. 1* s'�1' i...............i''.''.' H-.,,'c r Hanoi! Ci�areiiev Jpeciolmarken Abbas Dandy Gfbson GM 9 «•••tMiw. Nu.'.'�?�''lN Wi«' M"V..unttr-. .«Akt..... kW,,,„'I'fi.-. �, M.u.rnVQij Lassen Sie sich Kiesen Apparat sofort kommen! gzMi.!i!iiili.iiin.iliilii!iiniiilliiiiiini..ii.niiiil.ililiiiiiiilii!ililiili..iliiiiiii>miiiliiiinililiiiilmiillililiil.illiiill>iiiililiiiill.iiiliiiuii!imiii>i.m.i!n.ni.iliiiiniiii.ii.iiiiinl.iliii.imliiiiiiilnllWgH Sie draucken Icein Geld clsDu tNuKtr. rret.U»te llher euckeve Sprech-Apparale, towle Ober Violinen, Bellt, MendoUncn, Cultarren, Zithern, selbtt- aplelende Mwikwerke jraHj. Spielt ohne Nadelwcdue! mit_ einem unzerstörbaren Saphirsüfi. Keine Plattenabnutzan� mehr! 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Berlin 205/4 Grosiwäscherei Berthold Wirth, Köpetiick, Marienstraße II, empfiehlt sich den geehrten Genossen zu ge- neigter Beachtung. Laken. Leibwäsche 4, Handtücher 10 Pfennige.[Abholung Donnerstags. Gegründet 1890. Vermietungen. GeschäftSkeller mit Wohnung 40 Mark, Eckhaus, Anklamerstraßc 22. >Vohnunxea. Okerstroffe 17. Neukölln, Oktober bezogenes HauS 3, 2 und 1 Zimmer- Wohnungen sofort zu beziehen. Warmwasserversorgung. Näheres beim Verwalter, vorn 1 Treppe. 2327.$* Soldinerstraste 16, leere zwei- zimmerige Vorderwobnung, große Kammer. 122lb* Sonnenbiirgerstraste 27, Iccrc Zweizimmerwohnungen, Vorder- und Hinterhaus. 1222b* Limmer. Leere Stube, vorn, separat, Flur- emgang, sofort, Weinstraße 16. bei Beck. 1219b* Leere Stube, leere Küche, kleine Wohnungen Urbanstraße 70.[47* Möbliertes Zimmer vermietet sofort Lange. Neukölln, Hobrccht- straße 59/60, Gartenhaus I.[21 Schlafstellen. Schlafstelle Herrn, 15. oder 1. Dezember. Frau Delorme, Müllerstraße l, II. 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Das Berliner Arbeitswillige»- veriiiittelungsbiireati d. gelben „HandwerkerschunverbaudeS". Arbeitsnachweis d. Stellmacher' iiniintg und der Wagenfabri- kanten, Kaiser-Franz-Grenadier« Platz. Ftir lijstvninaQher sämtliche Betriebe in Hamburg. Schlesische Holziubnstrie Zlktien- gcsestschast vorm. Rnscheweyh u. Schmidt in LangeuölS(Bezirk Lieguitz). Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Orlsvcrwaltnng Berlin des Deutschen Holearbeiterverbandes. -*---'~—-----—-—————— �—,-— Lserantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Lnseratentett verantw.: Th- Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts vuchvruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Eo� Lerlin LW»