N-. S7S. HbonnementS'Rcdlnfiungen: klbonnementS- Preis vränumerandoi Vierteljährl. ZM Ml., monail.!,I0 Ml.. wöchenllich 2S Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nununer S Pfg. Sonnlag»- Nummer mit illustrierter Sonmag»- Vellage»Die Neue Well" 10 Pfn Post- Wonnsment: l.io Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeirungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deulichland und Oesterreich. Ungarn L Marl, für das übrige Ausland 0 Marl pro Monat. PoftabonnemcM» nehmen an: Belgien. Dänemark toolland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schwei». »9. Jahrg. die lnltrtloitt-etdllh? beträgt für die sechsgespallene Kolond- »eile oder deren Raum M Pfg., für politische und gewerlschastliche Vereins. und Bersnmmlungs-Anzeigen 80 Pfg. «Alelne Mnxclgcn", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(iiiläjfig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort>0 Pfg. Stellengesuche und Schlafftellenan. zeigen das erste Wort W Pfg., jede» wettere Worts Pfg. Worte über lSBuch- ! laben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Numnier müssen bis i Uhr nachmlltags in der ErpedMon abgegeben werden. Die Erpedinon ist bis 7 Uhr abends aaoffnet. vlchilit t!gl>»»llLer IllSlllig». Berliner Volksblnkt. Zcntvalovqan der rozialdemohrati fchen Partei Deutfchlands. Telegramm-«dreffet „Soilaldtinskrat Bulla" Redahtton: 8 AI. 68, Lindcnatraaac 69. Fernsprecher! Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Freitag, den ÄÄ. November 19 lÄ. Cxpeäirisn: 8Al. 68, I-inäenalraaae 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. KeichsKanÄer oder Reichstag? Der vorgelegte„Gesetzentwurf über den Verkehr mit Leuchtöl" will der privaten Vertriebsgesellschaft so außer- ordentlich weitgehende Befugnisse überlassen, daß selbst die Regierung eine gewisse Aufsicht durch das Reich für notwendig hält. Allerdings läßt sich die Regierung bei der Abmessung dieser Kontrolle mehr von der Absicht leiten, die Gesellschaft müsse nach rein privatwirtschaftlichen Grundsätzen be- trieben werden. Denn sonst hätte sich die Regierung wenigstens das Recht gesichert. selbst Aktien der Ge- sellschaft zu erwerben und dadurch einen direkten Einfluß auf die Geschäftsführung zu erlangen. Selbst diese als „gemischter Betrieb" bezeichnete Form der Vereinigung zwischen privaten und kommunalen bezw. staatlichen Aktionären, die sich bei der Gründung und Unterhaltung von Ueberland- zentralen. Gas- und Elektrizitätsanlagen einzubürgern scheint, kann natürlich nicht den Konsumentenschntz bieten, wie ein volles Staalsmonopol! aber gegen die vorgeschlagene rein private Betriebsform bietet solch ein gemischter Betrieb immerhin kleine Vorzüge. Die im Gesetzentwurf vorgesehene Aufsicht über die VertriebsgesellstHaft kann um so weniger genügen, als sie nur dem Bundesrat und dem Reichskanzler beziehungsweise seinem Kommissar vorbehalten bleiben soll. Der Hauptzweck des Gesetzes soll es doch sein, dem Konsumenten niedrigere Preise zu sichern Das Reich selbst ist aber ebenso wie die Gesellschaft an hohen Gewinnen interessiert. Die fiskalischen Interessen laufen also mit denen der privaten Aktionäre parallel und es wird ganz selbstverständlich eintreten, daß auch die staatlichen Aufsichts- organe mehr die Einnahmen des Staates als die Wünsche der Verbraucher berücksichtigen. Die vorgesehene Regelung, daß mit höheren Verkaufspreisen die Gewinne und die Rcichseinnahmen sinken, bietet dagegen keinen genügenden Schutz. Zwar darf jetzt der schon recht hohe Verkaufspreis von 20 Pf. ab Tankanlage nicht überschritten werden, ohne daß die Gewinne von Reich und Aktionären sinken. Aber nach§ 4 Ziffer 4 ist der Bundesrat befugt, diesen Durchschnittspreis heraufzusetzen und damit auch die Gewinnmöglichkeiten zu erweitern. Gedacht ist wohl daran, eine solche Erhöhung nur bei besonderen Verhältnissen in der Weltproduktion und auf dem Weltmarkt vorzunehmen. Aber wer bietet den Verbrauchern die Garantie, daß sie nicht auch in anderer Ab- ficht vorgenommen wird? Die Befugnis ist für die Kon- sumenten von so großer Wichtigkeit, daß sie nur dem Reichstag überlassen werden kann. Nun soll zwar der Bundesrat erst nach Anhörung eines Sachverständigenbeirates von 20 Personen den Durchschnittspreis, nachdem sich die Gewinnanteile gliedern, herauf- oder herabsetzen. Aber dieser Beirat wird für die Dauer von drei Jahren von dem Reichskanzler selbst ernannt. Es liegt kein Grund vor. daß nicht der Reichstag die Mit- glieder wählt. Der Beirat hat insbesondere Vor- schlüge über die Ausbildung der Verkaufsorganisation sowie Beschwerden über die Vertriebsgesellschaft zu begutachten. Erweitert man diese Pflicht der Begutachtung durch das Recht eigener Wünsche, so stände die Vertriebs- gesellschaft unter einer viel wirksameren Kontrolle. Das Versprechen, die Beiratsprotokolle dem Reichstag zu- gang sich zu machen, genügt dazu nicht. Auch die übrigen recht weitgehenden Befugnisse der Aufsichtsorgane müßten diesem ziveckinäßiger zusammen- tcsetzten Beirat übertragen werden, soweit nicht eine direkte kaufsichtigung durch den Reichstag geboten ist. Die Wahl von Aufsichtsrat und Vorstand sowie Satzungen und Satzungsänderungen bedürfen nach dem Entwurf nur der Zu- stimmung des Reichskanzlers. Der Reichskommissar. dem die Teilnahme an Generalversammlungen, an Aufsichtsratssitziingen. die Einsicht in sämtliche Geschäftsbücher und ein Vetorecht beim Leuchtölbezug zusteht, wird ebenfalls nur vom Reichskanzler ernannt. Noch gefährlicher ist, daß eine Rflhe von Vergünstigungen an die Vertriebsgesellschaft und Entschädigungen an die auf- gelösten Unternehmungen dem Belieben von Konimissar. Kanzler und Bundesrat überlassen bleiben. So ist nach 8 12 der Reichskanzler gar befugt, zur Deckung der Entschädigungen. die eigentlich der Vertriebsgesellschaft zufallen. Einnahmen des Reiches aus dem Petroleumgesctz zur Verfügung zu stellen. Die für die Veteranen und andere sozialpolitische Zwecke bereitgestelltenMittel können also durch den Kanzler ohne Zu- stimmung des Reichstags zugunsten der Ver- triebsgesellschaft vermindert werden. Völlig ausgeschaltet ist der Reichstag auch bei der Auflösung der Vertriebsgesellschaft. Nach§ 1 des Gesetzentwurfes steht die Einsuhr, die Herstellung und der Großhandel von Leuchtöl ausschließlich dem Reiche zu.„Sofern das Reich diese Besugmffe nicht selbst ausübt, können sie durch den Bundesrat an Dritte übertragen werden." Die gesetzliche Bestimmung,! daß nur durch Gesetz, d. h. Bundesrat und Reichstag geniein- i fam. eine Uebertragung möglich ist. würde die Klarheit übcr> das Mitbestimmungsrecht des Reichstags bei der Auflösung der Vertriebsgesellschaft fördern. Nach§ 15 ist der Reichs-, kanzler befugt, die Vertriebsgesellschaft aufzulösen oder ihr die übertragenen Befugnisse zu entziehen. Ebenso bedarf eine Selbstauflösung der Gesellschaft innerhalb der ersten 10 Jahre der Zustimmung des Reichskanzlers. Da das Gesetz überhaupt eine Uebertragung an Dritte vorsteht, aber nur die an eine Vertrtebsgesellschaft im einzelnen regelt und auch nicht eine Uebernahme aller Einrichtungen durch das Reich als Zwang vorsieht, bleibt immerhin die Möglichkeit, daß der Bundesrat ohne Zustimmung des Reichstages die Monopolbefugnisse wiederum an einen Dritten überträgt. Selbst ein Beschluß des Reichstages auf Aufhebung des ganzen Gesetzes würde das nicht hindern können, da der Bundesrat ja nicht an den Willen des Volkes gebunden ist. Der Reichstag wird deshalb bei der Beratung des Gesetzes seine dauernde Mit- Wirkung um so mehr wahren müssen, wenn ihm nach eventueller Zustimmung nicht jede Handhabe fehlen soll, selbst das be- absichttgte Ziel, die Entlastung des Konsums, in der zweck- mäßigsten Form durchzusetzen. »* * In dem Leitartikel vom 20. d. MtS..Sichert ein Petroleummonopol niedrige Preise?" hat sich ein Druckfehler eingeschlichen. Die Erhöhung deS Verkansspreises von 20 auf 21 Pf. würde den Gewinn der Aktionäre der Bertriebsgesell- schaft um 286 853 M. schinälern. die Einnahmen der Pro- duktionsgesellschasten dagegen um 3,8 snicht 7,5) Millionen Mark erhöhen. Die Regierung legt übrigens nicht cilien Konsum von 1000 Millionen Litern Leuchtöl, sondern nur von 900 Millionen zugrunde. Eine Erhöhung des Verkaufspreises von 20 auf 21 Pf. würde demnach für die Produklionsgesellschasten, falls sie ein Drittel des Konsums bestreiten, einen Gewinn von drei Millionen bedeuten. Die von der Regierung berechnete Gewinntobelle würde durch die Berücksichtigung der Tarsache, daß Produklionsgesellschasten und VerttiebSgesellschast eins sind, folgendes Bild erhalten: Gewinn der Vertriebs- Einnahme der Produktions« Verkaufspreis gesellichaft gesellschasien 22 Pf.— 546 279 M. 4- 6 000 000 M. 21.— 286 853. 4- 3 000 000, 20,-- 19, 4- 747610,— 3000000. 18, 4- 1681 627,— 6 000 000, 17, 4- 2 848 180.— 9 000 000„ Die Banken, die sowohl die VerttiebSgesellschast als auch die PetroleumproduktionSgesellschaften finanzieren, haben also ein wesent- sich größeres Interesse an hohen als an niedrigen Verkaufspreisen trotz der Gewinnstala des Gesetzentwurfes. Aieäeraufnahme Kampfes. Dienstag früh sind die Feindseligkeiten bei Tschataldscha eingestellt worden. Bulgarische und türkische Unterhändler besprachen die Bedingungen, die zum Abschluß des Waffen- stillstandes und dann zum Frieden führen sollten. Die Balkan- staaten forderten die Kapitulation von Adrianopel, Skutari und der anderen befestigten Plätze der europäischen Türkei: dafür sollte dieser Konstandinopel verbleiben. Die Pforte aber hat die bulgarischen Vorschläge nicht ange» n 0 m m e n und ihr Generalissimus hat Befehl erhalten, den Kampf fortzusetzen. Es ist klar, daß der Mißerfolg der bulgarischen Angriffe bei Tschataldscha der türkischen Re- gierung die Hoffnung gibt, doch noch mildere Bedingungen zu erhalten. Und noch ein anderes scheint die Pforte in ihrem Widerstand zu stärken: die Aussicht auf die Unterstützung durch Rußland. In der Tat scheint die russische Regierung auch diesmal wieder, wie schon so oft vorher, einen allzu großen Sieg der slawischen Brüder verhindern zu wollen. In einer schwachen Türkei sieht es eine bessere Stütze für seine Pläne, als in einem starken Balkanbund. Das gräßliche Massen- morden soll also nochmals beginnen, die Cholera ihren schreck- lichen Todeszug fortsetzen. Es ist wirklich grauenvoll. Was den österreichisch-serbischen Konflikt anlangt, so steht es jetzt fest, daß um den Herrn Prochaska kein Krieg geführt werden wird. All die Nachrichten, die die Wiener Offiziösen und namentlich die kriegshetzerische „Reichspost" in die Welt gesetzt und die deutsche Presse gläubig aufgenommen hat. haben sich als freche Lügen und frivole Erfindungen herausgestellt. Herr Prochaska, den die„Vossische Zeitung" bereits als ein Opfer serbischer Mordgier bettauert hatte, lebt, ist völlig wohlbehalten und befindet sich in der Tat auf dem Wege nach Uesküb. Die serbische Regierung hat zugleich nach freilich viel zu langem Zögern die Forderung Oesterreichs erfüllt und einem österreichischen Kommissar die Möglichkeit gegeben, in Pnzrend die gewünschte Untersuchung anzustellen. Sie hat zugleich erklärt, daß sie die völkerrechtliche Stellung der Konsulen in den eroberten Gebieten respektieren werde. Es scheint auch, daß Serbien auf Albanien, dessen lln- abhängigkeit bei der bevorstehenden Ankunft Jsmacl Kemals in Durazzo proklamiert werden soll, keine Ansprüche mehr erhebt. Dagegen bleibt es bei seiner Forderung eines adriatischen Hafens und es heißt, daß serbische Truppen im Vormarsch auf Durazzo begriffen sind. Die österreichischen Offiziösen versichern nach wie vor, daß ihre Regierung in dieser Frage unnachgiebig bleiben»verde und trotz aller Dementis wollen die Gerüchte über Truppenverschiebungen in Oesterreich aber auch in Rußland nicht verstuminen. Ablehnung der Waffenstillstandsbedingungenc Konstantinopcl, 21. November. DiePfortehatdie bulgarischen Vorschläge nicht angenommen. NasimPaschaerhieltAnweisung, den Kampf fortzusetzen. Tie Kampfpause. Sofia, 20. November. Infolge Einleitung der Verhandlungen zum Abschluß des von den Türken er- betenen Waffenstillstands haben die vor Tschataldscha operie- renden bulgarischen Truppen Befehl erhalten, die Feind- s e l i g k e i t e n e i n z u st e l l e n und sich innerhalb der ein- genommenen Stellungen zu halten. Tie Bedingungen. Konstantinopel, 21. November. In den von den vier Vulkan- stauten gestellten Bedingungen für einen Waffenstillstand und Friedensschluß wurde der Verzicht auf die ganze dura« pLische Türkei, Konstantinopel ausgenommen, verlangt. Die Bedingungen sind nicht endgültig. Sofia, 21. November. Nach Mitteilungen von kom- petcnter Seite sind die Bedingungen der Balkanstaaten weder der Form, noch dem Inhalt nach intransigent und lassen sogar eventuelle Modifikationen durch die Verhand- lungen zu, so daß anzunehmen ist. daß die Türken sie an- nehmen, und daß ein Waffenstillstand zustande kommt. Die Unterhändler. Konstantinopel, 21. November. Zu Bevollmächtig- ten für die Verhandlungen über einen Waffenstill- stand sind ernannt worden: der Eeneralissiinus der türkischen Armee N a z im Pascha, der frühere Chef des General» stabeS Jz z e t Pascha und der Staatsrat Chadan Bey. Viel bemerkt wird hier, daß Bulgarien in seiner Antwort von der Ernennung von Bevollmächtigten zu Unterhandlungen nicht nur für den Abschluß eines Waffen» stillstandes, sondern auch für den Abschluß de« defittitiven Friedens spricht. Oesterreick und Serbien. Ter Konsul Prochaska. Wien, 21. November. Die„Neue Freie Presse" erhielt aus Prizrend ein vom 17. November nachmittags datiertes Telegramm des Konsuls ProchaSka, in dem dieser mitteilt, daß er sich wohl befinde und nun nach Uesküb abreise. Die Vorstellungen in Belgrad. Belgrad, 20. November. Der österreichisch-un» g a r i s ch e G e s a n d t e von Ugron machte gestern beim Milnsterpräsidenten Pasitsch in sehr ernstem Tone nach- drücklich st e Vorstellungen wegen des seitens der serbischen Militärbehörden gegenüber dein in dem besetzten Gebiet befindlichen österrpichisch-ungarischen Konsul be- obachtcten Vorgehens. P a s i t s ch hat auf die energische Intervention von UgronS diesem gestern mitgeteilt, daß die serbischen Militärbehörden der Entsendung eines Abgesandten des öfter- reichisch-nngarischen Ministeriums zur Aufklärung der Affäre des österreichisch-ungarischen Konsuls Prochaska nach Prizrend keine Hindernisse mehr in den Weg legen. Budapest, 20. Noveniber. In der Plenarsitzung der ungarischen Delegation erklärte ein Regierungsvertreter, die serbische Regierung habe gestattet, die direkte Ver- bindung mit deni Konsulat in Prizrend Wiederher- zustellen, so daß heute nachmittag ein österreichisch- ungarischer Konsulatsbeainter nach Priz. rend reisen werde. Die Rechte der Konsuln. Wien, 21. Novbr. Ueber den Beschluß, den die s e r» bische Regierung bezüglich der fremden Konsuln in den von den Serben besetzten Gebieten gefaßt hat, wird der„Politischen Korrespondenz" aus Belgrad gemeldet, daß den Konsuln die durch die Militärbehörden bisher ein- geschränkt gewesene Bewegungsfreiheit zwar wieder eingeräuint worden sei, die ihnen im Sinne der in der Türkei bestehenden Kapitulationen zu- stehenden Befugnisse jedoch auch weiterhin nicht zu» g e st a n d e n werden. Acußerungen des österreichischen Kaisers. Wien, 21. November. Ten Blättern zufolge bemerkte der Kaiser bei dem gestrigen TelegalionSdiner in Budapest gegenüber ungarische:. Delegierten: er müsse die Bulgaren bewundern, wie sie sich im Kriege gehalten hätten; andererseits sei nicht zu begreifen, baß den T ü r k e n das K r i e g s g l ü ck so wenig günstig gewesen sei. Der Kaiser erwähnte auch die Entsendung eines Kon- sulatSbeamten nach P r i z r e n d und sprach die Hoffnung aus, daß sich die ZeitungS Meldungen über die Vorgänge in Prizrend als übertrieben herausstellen werden, und daß die Angelegenheit «ine friedlicheLösung finden werde. „Reichspost"-Hetze. ttfteit, HJ. November. Ein Berichterstatter der„Reichspost", welcher sich drei Tage in Nisch aufgelösten hat, berichtet über er- schütternde Einzelheiten der von serbischen Truppen began- genen Unmenschlichkeiten an gefangenen Türken und Albanesen. Unter anderm habe ihm ein Arzt des Roten Kreuzes in Nisch folgendes erzählt: Bei Kratawo ließ General Stefanowitsch Hunderte von gefangenen Albanesen in zwei Gliedern antreten und sie mit Maschinengewehren nieder- knallen. Dazu erklärte der General: diese Brut müsse ausgerottet werden, damit Oesterreich seine albanesischen Lieb- linge nicht mehr finde. General Ziplowitsch lieh bei Sjentza V5Ü albanesische und türkische Notabeln niedermetzeln, nachdem 10000 Albanesen dem Vorrücken der serbischen Truppen große Schwierigkeiten bereitet hatten. Die europäische Konferenz. London, 21. November. Im Unterhause fragte Sir Hildred Ca r l i l e den Staatssekretär G r e y, ob, falls nach Einstellung der Feindseligkeiten eine europäische Konferenz zur Regelung der türkischen Angelegenheiten zusammenbcrufen würde, sich diese auf die unmittelbar aus dem Kriege ergebenden Fragen beschränken oder ob sie auch die besonderen Beziehungen der Türkei zu anderen Staaten umfassen würde. Staatssekretär Grey antwortete: Die Frage, ob ein« Konferenz abgehalten werden soll oder nicht, ist von den Mächten noch nicht endgültig entschieden worden. Ich bin daher nicht in der Lage, über ihre mögliche Ausdehnung oder ihr Programm irgend eine Erklärung abzugeben Der Liberale King fragte an, ob die Großmächte bei der Stellung von Förderungen an die verbündeten Balkanstaaten oder an Serbien mit Bezug auf feine Gebietserweiterungen an irgend einem Teile der Adriatischen Küste gemeinsam vorgehen, oder ob Oesterreich-Ungarn selbständig sein« Forderungen Serbien aufdränge. Sir Edward Grey antwortete: Daß, soweit er unterrichtet sei, eS nicht ein genaues Bild der Lage geben würde, wenn er sage,!atz irgend eine der Großmächte schon Forderun- gen an die verbündeten Staaten formuliert hätte. Der Meinungsaustausch sei zwischen den Mächten seit Beginn des Krieges fortgesetzt worden. Die Ansicht der britischen Re- gierung, die von anderen Mächten geteilt werde, sei, daß es nicht wünschenswert sei, wenn bei der eventuellen Regelung ein Teil durch verfrühte Verhandlungen von dem .Ganzen abgetrennt werde. Gegen Modilisierungsgerüchte. Petersburg, 20. November. Eine vom Kaiser veranlaßt« V e r- fügung des KriegSmini st erS besagt, daß angesichts der von g« w i s s e n M i l i t ä r s in der Gesellschaft verbreiteten falschen Gerüchte über Vorbereitungen zum Kriege und die Mobilisierung von HeereSteilen strenge Maßregeln gegen die Urheber derartigen Geschwätzes getroffen werden sollen. •• Die mllitäriictze Lage. Die alte zähe Defensivkrast. die die Türken, freilich reichlich spät, an der Tschataldscha-Linie wie in Adrianopel, Monastir und Skutari bewiesen haben, erhält ihnen offenbar einen kleinen Streifen ihres einst so gewaltigen europäischen Besitzes, rettet ihnen besonders ihre Hauptstadt Konstantinopel. Heute läßt sich mit ziemlicher Sicherheit feststellen, daß die Bulgaren bis jetzt an der Tschataldscha-Linie auf Granit gebissen haben. Auf die Dauer läßt sich eine rücksichtslose Offen- sive, die die Marsch- und Kampffähigkeit auch der begeistertsten Truppen überspannt, nicht aufrecht erhalten. Die bulgarischen Gefechts» und Krankheitsverluste, die von der Regierung sorg- fältig verschwiegen werden, sind jedenfalls erschreckend hoch. Das schwachbevölkerte Land, das schon halbe Kinder und Greise in die Front schicken mußte, kann keinen Menschenerfatz mehr finden. Zudem entzog die Belagerung von Adrianopel der Hauptarmee auf ihrem Vormarsch auf Konstantinopel einen beträchtlichen Teil Truppen. Es ist daher begreiflich. daß Bulgarien bereitwillig auf Waffenstillstandsverhandlungen einging! es kann sein Volk nicht zum Verbluten kommen lassen. Außerdem ist die Aussicht, nach einem, vielleicht sehr verlustreichen Siege an der Tschataldscha-Linie mit über- anstrengten Truppen durch choleraverfeuchtes Gelände zu rücken, nicht gerade verlockend. Selbstverständlich werden auch Rücksichten auf internationale Schwierigkeiten, in die die Bulgaren durch einen Einmarsch in Konstantinopel geraten wären, ihre Friedensbereitschaft beeinflußt haben. Die Erfolge der türkischen Defensive an der Tschataldscha- linie sind darauf zurückzuführen, daß die Trümmer der ge- schlagenen Ostarmee an frischen kleinasiatischen Truppen Halt und Rückgrat fanden, und daß die verbrecherische Lotteret im Verpflegungswesen wenigstens einigermaßen beseitigt wurde. so daß trotz des WütenS der Cholera dem Andrängen der bulgarischen Artillerie und Infanterie ein energischer Wider- stand entgegengestellt werden konnte. Nicht unwesentlich ist dabei auch die Mitwirkung der Flotte, deren Geschütze den Bulgaren den Durchbruch an den beiden Flügeln der Tschataldschalinie unmöglich machte. Zu einer Forcierung dieser Linie hätten die Bulgaren schwere Positions arttllerie gebraucht. Diese mußte aber zur Beschießung Adrianopels verwendet werden. Die tapfere Haltung der dortigen türkischen Truppen kann bewirken, daß die erste Residenz der türkischen Sultane auf europäischem Boden dem Halbmond erhalten bleibt. Ei« weiterer energischer Kampf der Türken an der Tschataldscha-Linie wird die Balkanstaaten zwingen, ihre Forderungen bedeutend zu mildern. Auch die türkische Westarmee hat sich bei M o n a st i r noch einmal zu energischem Widerstande aufgerafft. Die serbischen Meldungen über die Eroberung dieser Stadt sind nicht recht klar: jedenfalls haben die Serben hier noch Verlust- reiche Kämpfe zu bestehen gehabt. Die Montenegriner kommen vor Skutari nicht von der Stelle.. EL scheint. alZ ob sie einen großen Teil ihrer Truppen dazu verwenden, an der Küste des Adriatischen Meeres Terrain zu gewinnen. OettUcker fonegsfthiuipfotL. Die letzten Kämpfe an der Tschataldscha-Lime. Konstantinopel, 21. November. Generalissimus N a z i m P a scha meldet telegraphisch: Gestern abend verlaß der Tfcind die Verschanzungen, welche er nach seinem dreitägigen Vorrücken errichtet hatte und zog sich an einigen Punkten sieben Kilometer von der Verteidigungslinie zurück. Starke Rekognoszierungskolonnen, die unter dem Kommando von Offizieren von unseren Divisionen entsandt worden waren, fanden an mehreren Orten eine AnzahlvonVer- wundeten und erbeuteten eine Menge von Ge- wehren, Munition und Ausrüstungsgegenständen. Es wurden auch zahlreiche Tote aufgefunden. Die Mitwirkung der Flotte. Konstantinopel, 20. November Ein Telegramm des türkischen Flottenlommandanten von Büjük Tschekmedsche (südlicher Flügel der Tschataldscha-Linie) vom 17. d. M. besagt: Die Stille, die bis Mitternacht dauerte, wurde gestern 3 Uhr 50 Minuten durch Mitrailleusenfeuer der Posten auf den Höhen von Kalikratia unterbrochen. Das Feuer dauerte bis 4 Uhr 15 Minuten morgens und begann auf der ganzen Linie wieder um 6 Uhr 40 Minuten. Nachdem wir die Po- sition des Feindes festgestellt hatten, eröfsneten wir das Feuer von den Kriegsschiffen aus, wodurch dem Feinde große Verluste beigebracht wurden. Nach den Signalen unserer auf dem Lande befindlichen Leute wurde eine feind- liche Batterie zerstört. Die Kanonen der Panzer» schiffe brachten bald eine zweite bulgarische Batterie zum Schweigen. Die Granaten von den Panzerschiffen setzten ver- schiedene Dörfer in Brand. Papasburgas wurde teilweise zerstört. Der Feind, der sich bemühte, in. Taschtepe am See Büjük Tschemedsche Artillerie in Stellung zu bringen und Verschanzungen zu errichten, wurde vernichtet und die Ver- schanzungen zerstört. Ein vom Kommandanten des Panzerkreuzers Torghut- Reiß heute früh 1 Uhr aufgegebenes Telegramm besagt: Das türkische Detacheinent in D e r k o s(nördlicher Flügel der Tschataldscha-Linie) hat dank unserer dreitägigen Kanonade und unter unserer Bedeckung den Feind an der Küste von Ormonly, zehn Meilen nördlich von Karaburnu zurück- getrieben. Bulgarische Meldungen. Sofia, 20. November. Die„A g e n c e Bulgare" er- klärt alle Meldungen aus türkischer Quelle über angebliche Siege der Türken bei Tscha- taldscha für falsch und tendenziös. Das Blatt„M i r" meldet, daß gestern eine Abteilung bulgarischer Kavallerie mit drei Bataillonen Infanterie die türkische Besatzung auf den Höhen nördlich der Stadt F e r e an der Straße nach Dedeagatsch, die aus etwa zwei Bataillonen bestand, angegriffen und nach kurzem Kampfe in die Flucht geschlagen habe. Die Türken hätten einen aus einer Lokomotive und vierzehn Wagen bestehenden Eisenbahn- zug, der mit Lebensmitteln, Munition und Pferden angefüllt war, zurückgelassen. Der Zug sei nach Dimotica gebracht worden. Bei Adrianopel hätten die Türken vorgestern einen Durchbruchsversuch unternommen, seien aber nach lebhaftem Kampfe, der den ganzen Tag über angedauert habe, mit beträchtlichen Verlusten in die Festung zurück- geworfen worden. Die Eisenbahnverbindung zwischen Dimotica und Dedeagatsch sei wiederhergestellt. Das Elend unter den Flüchtlingen in Konstantinopel. Konstantinopel, 20. November. Die Sophien- Moschee ist seit dem 15. d. Mts. mit zahlreichen Flucht- lingen und kranken Soldaten, deren Zahl an- geblich etwa 3KH0 beträgt, gefüllt. Infolge eines zwischen der Stadtpräfektur und anderen Behörden entstandenen K o m p e t e n z ko n f l i kt e S(?) wegen der Verpflegung der Flüchtlinge verließen diese am 16. die Moschee und nahmen in zwei nahe gelegenen Läden gewaltsam Lebensmittel weg. Tie Moschee wurde darauf durch einen Militärkordon ab- gesperrt. Die Cholera. Konstantinopel, 20. November. Infolge der Cholera sind sämtliche Schulen geschlossen. Sofia, 21. November. Ein aus Tschataldscha zurück- kehrender Arzt erzählte, die Türken hätten täglich 1000 Cholerafälle. Bulgarien ergreift umfassendste Maßnahmen gegen die eventuelle Einschleppung. Alle südlich von Philippopel belegenen Spitäler werden gesperrt. HUrtUcher Kriegerchauplatz. Die Kämpfe bei Monastir. Belgrad, 21. November, vormittags. Bon amtlicher Seite wird über die Kämpfe bei Monastir jetzt folgender Bericht verbreitet: Das Gefecht erstreckte sich über eine Linie von 50 Kilometern. Die Türken hatten 70 000 bis 80 000 Mann(?) mit 100 Geschützen zusammengezogen. Tie türkischen Positionen, besonders die im Nordwesten von Monastir, waren befestigt und durch Blenden unkenntlich ge- macht. Die Verdrängung der Türken aus diesen Stellungen war mit großen Opfern verbunden, zumal die Bevölke- rung der in der Gegend liegenden Ortschaften siegen die Serben kämpfte. Die serbische Artillerie griff erfolgreich in den Kamps ein. Tie Infanterie rückte durch über- schwemmtes Gebiet vor und war großen Verlusten ausgesetzt. Nachdem die wichtigsten türkischen Stellungen genommen worden waren, versuchten die Türken nach Ochrida durchzubrechen. Als dieser Versuch mißlang, wandten sie sich zur Flucht. Infolge deS Nebels g e• lang es zunächst einer Division, nach Florina zu ent- kommen. Dann begann die v ö l l i g e A u s l ö s u n g der türkischen Armee, die in wilder Flucht ihr Heil suchte. Rn den Kämpfen, die vier Tage währten, wurden 20000 Türken getötet oder verwundet. Au ch die Serben erlitten große Verluste. Schon am zweiten Tage der Schlacht eroberten die Serbe« eine türkische Gebirgsbatterie und vier Belagerungsgeschütze. Am letzten Kampftage erbeutete die Drinadivision 36 Feldgeschütze. Die fliehenden Türken wurden von der seroischen Kavallerie verfolgt. Belgrad, 21. November. Das Hauptquartier der ersten Armee ist von Prilep nach Monastir verlegt worden. Die Grieche» gegen die Trümmer der türkische« Westarmee. Athen, 21. November. Der Kronprinz telegraphiert unter dem 20. d. Mts. aus B a n i tz a: Nachdem meine Armee die Pässe von Gorniffchevo und Kirliderbend überschritten hatte, enttvickelte sie sich auf der Linie Zabrdani-Florina und besetzte diese letzte Stadt. Die türkische Armee, die bei M o n a st i r von den Serben angegriffen und von der Verbindung mit Resna abgeschnitten wurde, zog sich in Unordnung auf F l o r i n a zurück. Ich habe heute diejenigen, die nicht mehr Zeit hatten, sich zurückzuziehen, abgefangen. Eine große Menge Munitton und Kriegsniaterial�siel in unsere Hände. Die An- zahl der Türken, die sich auf Florina zurückgezogen haben, be- läuft sich aus 30000 Mann. Vom montenegrmifcben Kncgöfcbauplatzc. Die Eroberung von Alessio. Rjeka, 20. November, lieber den am Montag bei Alessio stattgefundenen Kampf berichten hierhergebrachte Verwundete, die an dem Kampfe teilgenommen haben: Unterhalb der Höhe des Crni Vrh machten die Türken einen Frontangriff gegen die gedeckte Stellung der Montenegriner. Alsbald entwickelte sich ein l e b- hafter Bajonettkampf. Die Türken hielten sich glänzend, doch gelang es den Montenegrinern, den Feind unter großen Verlusten zu zersprengen. Die Zahl der Toten und Verwundeten auf türkischer Seite wird mit 600 an- gegeben; die Montenegriner hatten sechs Tote und 82 Ver- mundete. Die türkische Kriegskasse mit 100000 österreichischen Kronen wurde erbeutet und acht Soldaten gefangengenommen- politifcde(leberficbt. Berlin, den 21. November 1912. Die Steuerkommission des Abgeordnetenhauses erörterte am Donnerstag zunächst die Frage, was als Werbung?- kosten beim Bergbaubetrieb von dem Einkommen abgeschrieben werden darf. Entgegen der Regierungsvorlage, die eine Abschrei- bung in bestimmten Prozentsätzen des Verkaufswertes der jähr- lichen Förderung vorsah, einigte man sich aus einen konservativen Antrag, der im wesentlichen nur die Festlegung der bereits jetzt gellenden Rentensormel bedeutet. Von größerer Wichtigkeit war die Berawng des§ 1ö. der von dem Kinderprivileg handelt. Hier hat die Kommission in erster Linie eine Erweiterung des Kinderprivilegs insofern vorge- nommen, als bei Zensiten mit einem Einkommen von weniger als 12«s Mi- nisters des Innern das Bedenken geltend, daß dadurch die Ge- meinden einen großen Ausfall an Steuereinnahmen erleiden würden, er bat deshalb um Beibehaltung des jetzigen Zustandcs. Eill freikonservativer Vermittelungsantrag, der dahin ging, daß die auf Grund dieser Bestimmung gewährten Ermäßigungen bis auf weheres für die nach dem Maßstabe der Einkommensteuer zu ent- richtenden Kommunalabgaben außer Betracht bleiben sollen, fand weder bei der Regierung noch bei der Mehrheit der Kommission Gegenliebe. Zwar wurde allseitig die Notlage der meisten Ge- meinden anerkannt, aber man war sich im großen ganzen darüber einig, daß zur Beseitigung dieses ZustandeS das Kommunalabgabengesetz geändert werden müsse, daß jedoch mit dem freikonservativen Antrage wenig anzufangen sei, zumal da damit den Zensiten auch nicht gedient wäre. Aufs allerschärfste wandte sich der Finanz- minister gegen einen auch von sozialdemokratischer und teilweise auch von nationalliberaler Seite unterstützten fortschrittlichen An- trag, der bei Steuerpflichtigen mit einem Einkommen bis zu MOO M. auch die Ehefrau zu den UnterhaltungSverpflichteten ge- rechnet wissen wollte, bei deren Vorhandensein eine Eteuerermäßi» gung Platz greift. Der Vertreter der Regierung erklärte, daß die StaatSausgaben mehr und mehr wachsen, daß das Abgeordneten- haus fortwährend auf eine Steigerung der Ausgaben dränge und daß man unmöglich den durch den Antrag bedingten Ausfall von rund 1ö Millionen Mark tragen könne. Im schroffen Gegensatz hierzu stellten sich die Redner der Linken auf den Standpunkt, daß man, solange keine Aussicht auf Beseitigung der Steuerzuschläge vorhanden sei, wenigstens auf eine Entlastung der Minderbemit- teilen hinarbeiten müsse. Der Antrag wurde schließlich a b- gelehnt. Zu Z 23, der von der Auskunftspflicht der Arbeitgeber handelt, hatte die Regretung vorgeschlagen, die Auskunftspflicht auch auf dick Angestellten mit über 30C0 M. Gehalt auszudehnen, doch sollte von diesen Angestellten nur der Name, nicht aber das Ein- kommen angegeben werden. Die Kommission hat statt dessen den Arbeitgebern die volle AuSkunftspflicht auch in bezug auf diese Kategorie ihrer Angestellten auferlegt. Ein freikonservativer Antrag auf Wiederherstellung der Regierungsvorlage wurde damit begründet, daß man die Privatbeamten nicht als zweifelhafte Steuerpflichtige abstempeln daß man keine Mißstimmung erzeugen und ihre Elnkommensverhältnisse nicht der Oeffentlichkeit preis- geben dürfe. Demgegenüber betonte der sozialdemokratische Redner. daß alle diese Argumente genau so aus die Arbeiter zutreffen. Wolle man Mißstände vermeiden und eine Ungerechtigkeit besei- tigen, dann müsse man überhaupt die AuSkunftSpflicht der Arbeit- geber streichen und allgemein den Deklarationszwang einführen. Auf dem gleichen Standpunkt stellte sich das Zentrum und ein fortschrittlicher Redner, während sich die Nationalliberalen, ein Teck der Konservativen und ein anderer fortschrittlicher Redner für den sreikonservativen Antrag aussprachen. Der Antrag wurde mit Stimmengleichheit abgelehnt. Zu Z 25 endlich wurde ein freikonservativer Antrag abgelehnt. der verlangt«, daß nicht nur jeder bereits mit einem Einkommen von mehr als 3000 M. zur Einkommensteuer veranlagte Steuer» Pflichtige zur Abgabe einer Steuererklärung verpflicbtet ist, sondern überhaupt jeder, der in dem voraufgegangenen Kalender- bezw. Wirtschaftsjahre ein Einkommen von mehr als 3000 M. gehabt hat, auch wenn er zu einem geringeren Einkommen veranlagt, war. Die nächste Sitzung findet am Sonnabend statt. Die christlichen Gewerkschaften und die päpstliche Enzyklika. In Köln tagte am Donnerstag der Ausschuß deS Gesamtverbandes der christlichen Gewerkschaften Deutschlands. um zu der durch die päpstliche Enzyklika geschaffenen Lage Stellung zu nehmen. Der Ausschuß beschloß. zur Klärung und zum Abschluß der Angelegenheit einen außerordentlichen Gewerkschaftskongreß zu berufen, der am Dienstag, den 26. November, in Essen a. d. Ruhr im städtischen Saalbau zusammentreten soll. Der Ausschuß des Gesamtverbandes ist eine aus 40 christlichen Gewerkschaftsführern bestehende Institution, in der alle angeschlossenen Verbände durch ihre Vorsitzenden und Redakteure vertreten sind. Es wird noch über die Tagung berichtet. Einmütig einigte man sich dahin. daß über die Abhaltung des Kongresses sowie auch über die Beurteilung der Situation innerhalb des(Äesamtvx.'l'bandes vollkommene Uebereinstimmung bestehe. Als Referent zu dem Gewerkschaftskongreß ist Stegerwald ernannt. «Der Nutzen der päpstlichen Enzyklika." AuS Westfalen wird unS geschrieben: Der.Vorwärts" nahm in der DienStagnumnier Notiz von dem Verhalten eines katholische» Fabrikanten m Menden, der die streikenden und ausgesperrten Metallarbeiter unter Berufung aus die neueste päpstliche Enzyktiko zur bedingungslosen Unterwerfung auf- forderte. Es dürfte vielleicht interessieren, daß der betreffende Unter- nehmer Besitzer einer Dcvotionalienfabrik und außerdem„päpstlicher Hoflieferant" ist! Dem christlichen.Bergknappen" erscheint e«.ungeheuerlich", daß die Firma.die Enzyklika für ihre geschäftlichen Zwecke mißbraucht". Die aussperrenden Fabrikanten sind fast durchweg fromme Zentrum Sie Ute, die Ausgesperrten ch r i st l i ch organisierte Arbeiter! Anläß- sich einer ähnliche» Sachlage, nänrlich bei der Aussperrung der christ, lichen Textilarbeiter durch die fromm-latholischen Textilindustriellea des Münsterlandes im Jahre 1302. wußte derselbe„Bergknappe" kräftigere Töne zu finden. Damals schrieb er nämlich: „Hier glauben wir wieder eine oftmals gemachte Erfahrung bestätigt zu finden, daß diejenigen am allerwenigsten taugen und die größten Tunichtgute find, die in der Kirche den Anschein er» wecken, als wollten sie aus lauter Liebe zum Erlöser diesen vom Äreuz nehmen und sich selber daran hängen. An den Bettel- stab müßten solche Tyrannen von Unternehmern gebracht werden, die vom Schweiße der armen Arbeiter sich ihre faulen Körper nähren, den Arbeitern kümmerlich st en Lohn zahlen und daS gesetzlich gewährleistete Recht der Organisation verkümmern." Daß sich die Schwarzgelben mit solchen Erfahrungen selbst ohrfeigen, scheinen diese Leute gar nicht zu merken. Es ist ihnen begreiflicherweise sehr unangenehm, daß eS ausgerechnet frommkatholische Kapitalisten sind, die den christlichen Arbeitern die Klassen- kampfidee mit der Hungerpeitsche einbläuen. Aber die Tatsache können sie auch heute nicht bestreiten! Koldromb«nd seine Folge«. Der Gutsbesitzer von Trczinski hat jetzt noch gerade zwei Mo- nate Zeit, dann muß er den Sack mit Goldstücken nehmen, ob er will oder nicht, und das Gut Koldromb, das kürzlich mit enteignet wurde, verlassen. Wir haben schon zu verschiedenen Malen fest- gestellt, daß uns solche Revolutionsexerzitien— um ein von der „Deutschen Tageszeitung" viel benutztes Wort zu gebrauchen, durch- aus nicht unangenehm find. Die Regierung und ihre Junker be- baupten allerdings, der Zweck dieser Enteignung sei, den deutschen „Bauernstand" vor der polnischen Invasion zu schützen. Koldromb wird aufgeteilt, das hochherrschaftliche Schloß und noch etliches dazu wird eines der berühmten oder richtiger berüchtigten Rest- guter. Warum gerade in der Provinz Posen das Bedürfnis des Bundes der Landwirte, seiner Freunde und der preußischen Regierung nach Restgütern so groß ist. zeigen die folgenden AuS- lassungen, die wir dem„Tag vom 17. April 1339 entnehmen. Dort schrieb der Grundbesitzer MuSke, Mein-Dreußen, unter an- derem das Folgende: „Infolge der in einzelnen Kreisen recht weit vorgeschrittenen Aufteilung der großen Güter fürchten die Großgrundbesitzer ihren bis dahin allein maßgebenden Einfluß in den Kreistagen etwas zu verlieren, obwohl die Gefahr noch gar nicht einmal so groß ist. Denn infolge der fa- mosen Kreistagsordnung für Poien hat der Kleinbesitz gegen- über dem Grohbesitz eine so geringe Wahlberechtigung, daß letz- terer überall bei weitem in der Mehrzahl in den Kreistagen ver- treten ist. Selbst aber eine Herabminderung ihrer bisherigen Zahl wollen diese Herren nicht dulden, denn es könnte dann doch gelegentlich zur Opposition kommen, und dieser Even- tualität soll durch Bildung der Restgüter, auf die dann das bisherige Stimmrecht des ganzen Gutes übergehen würde, vorgebeugt werden. Gerade aber auf dem kommunalen Gebiete stehen sich die Interessen von Groß- und Kleinbesitz oft recht schroff gegenüber. Besonders sind eS die Wegebau- und andere Verkehrsverhältnisse. bei denen die Großgrundbesitzer infolge ihrer Majorität nur ihre Vorteile wahrnehmen. Große Summen werden auf Kosten der Allgemeinheit des Kreises für Chaussee- und Bahnbauten verausgabt, die eigentlich nur für die großen Güter in Frage kommen. Hier im Kreise Filehne sind bei einem Bahn- bau große Bauerndörfer von K bis 100C Einwohnern einfach übergangen worden, nur damit die Bahn an zwei bis drei Gütern vorbeiführen konnte. Ebenso verhält es sich mit den Chaussee- bauten. Dagegen wird für die Bauerndörfer fast nichts getan, trotzdem diese den größten Teil der Kommunallasten aufbringen müssen." Die Enteignungspolitik der preußischen Regierung ist also zu einem Teile Mittel zu dem Zweck, der Entjunkerung Preußens vorzubeugen.'''-11,.. Und wie steht es mit der anderen Sache, der Entpolonisierung? Auf allen deutschen Fideikommissen in Posen gibt es 3833 Deutsche und 23 463 Polen, oder in Prozentsätzen ausgedrückt: über 84 Prozent der Bevölkerung entfallen auf die Po- I e n und noch nicht 46 Proz. auf die Deutscher.. Dies stellen nicht wir fest, sondern der Reichstagsabgeordnete und Führer des Bauernbundcs Dr. Karl Böhme in seiner Schrift: Deutsche Bauern- Politik; 3. Auflage 1312, Seite 133; die überdies noch mehr Jnter- essantes über die Restgüter zu sagen weiß. Diese Restgüter sind nämlich ihrer ganzen Struktur nach Herde des Polentums.„Auf so einem Rittergute ist doch gewöhnlich nur der Besitzer mit seinem Inspektor deutsch." Wir sind zwar keineswegs der Ansicht, daß die polnischen Arbeiter so ohne weiteres eine preußische StaatSgefahr sind. Uns interessiert neben dem damit verbundenen RevolutionSexerzitien am preußischen Enteignungs- gesetz nur die Tatsache, daß es einmal durch die Restgüterpolitik Großjunkerinteressen wahrnimmt und zum anderen. daß die durch die Enteignung angeblich erzielte Germanisierung der polnischen Gebiete fauler Schwindel ist. Steuer« zur Auswahl. Wie die„Tägliche Rundschau" erfährt, ist die bereits feit ge- raumer Zeit angekündigte Denkschrift des RetchSschatzamteS zur Besitz» steuerfrage fertiggestellt und den Regierungen der Einzelstaateu zu- gegangen Das Reichsschayamt nimmt in dieser Denkschrift zu keiner der vorgeschlagenen Steuern Stellimg. will es vielmehr den ver- bündet-n Regierungen überlassen, stw aus den einen oder anderen Sleuervorschlag zu einigen. Die Denkschrift wird zunächst im preußi- schen Stoatsmiuisterium beraten werden und erst dann pnrd der Reichskanzler mit dem Antrage Preußens vor den Bundesrat treten. Vor Weihnachten soll noch eine Besprechung der teilenden Miuisier über die Besitzsteuerfrage herbeigeführt werden. Die Vorlage selbst dürste erst gegen Ende März dem Reichstage zugehen. Das„Wahlrecht der Beamten. In einem Wahllokal der Stadt Bochum trat ein Schutzmann an den Wahltisch und wählte die sozialdemokwtische Liste. Dar- auf großes Erstaunen des Wahlvorstehers, der nochmals die Wahl- ausweiskarte musterte, auf die der Wähler als Schutzmann ver- zeichnet war. Sie haben sich wohl mit dem Vorlesen der Namen geirrt, wollen Sie diese wirtlich wäh'en? Nein, nein, Irrtum ist ausgeschlossen, entgegnete der Schutzmann und verschwand. Als man den Uebeltäter..fassen" wollte, stellte sich heraus, daß der Wähler früher Schutzmann gewesen lvar. Kaum war die Szene beendet, trat wieder ein Schutzmann vor— aber diesmal ein wirk- licher— und wählte die sozialdemokratische Liste. Verlegenes Schweigen. Nach einer Viertelstunde tritt jedoch plötzlich derselbe Schutzmann an den Wahlti'ch und stottert nun eine Entschuldigung hervor, er habe vorhin durchaus nicht gewußt, daß eS sich bei der Wohl um Politik handle, um die er sich nicht bekümmere!... Der Wahlvorsteher machte ein bedenkliches Gesicht und zuckte dann mit der Achsel._ Oeltemicb-atigam. Graf TiSza in Arad. Budapest, 24. November. sEig. Ber.) Seit Tagen wurden dw Borbereitungen zum Empfange des Grafen Tisza in Arad von Aussperrung fw: die ganze Woche an. Die Arbeiter kümmerlen sich aber nicht um diese Drohung, und legten zur bestimmten Stund« die Arbeit nieder. Nur der Waggonfabrik gelang es, einen Teil der Arbeiter, etwa 283 Mann, zurückzuhalten, indem sie den Trakt, in welchem dieselben arbeiteten, absperrte. Stach der Ankunft TiSzas wurden auch diese herausgelassen, was dieselben jedoch nicht abhielt, die Fabrikdirektion wegen Beschränkung der persönlichen Freiheit zu verklagen. Am Tage der Ankmift standen 25 beritten« Polizisten, die g«. samt« Polizei mit ihren Offizieren, zwei Dutzend Detektivs, 333 Gendarmen vor dem Bahnhofe und auf den Straßen, die Tisza passieren mußte. Alle Straßen, die nach dem Versammlungslokal führten, waren vollständig gesperrt. Tagsüber ließ man niemanden passieren. Der Bahnhof war von den Gendarmen zerniert, die Straßen vom Bahnhof zum Hotel durch einen Polizeilordon geschützt. Tisza wurde mit ohrenbetäubendem Geschrei und Pfeifen empfangen, vor seinem Hotel war der Lärm ein furchtbarer. Nieder mit dem Verfassungsschändcr! Nieder mit TiSzal Pfui! wurde gerufen trotz der Bajonette, die ihn schützten, selbst dann noch, als die Gendarmerie einen Bajonettangriff gegen die Demonstranten macht«. Die Erbitterung des Volkes wuchs immer mehr, der Polizei- Hauptmann befürchtete einen Sturm auf daS Hotel, er ließ durch die Gendarmerie und berittene Polizisten das Volk auseinander- treiben. Und nun begann ein erbitterter Straßenkampf zwischen Gendarmerie und Arbeitern. Die Gen- darmen hausten wie die Kannibalen und trieben das Volk zur Not- wehr. Ein Ziegelwagen, der zu einem Bau fahren wollt«, wurde von den Arbeitern angehalten, und in wenigen Minuten war der Wvgen seiner Last ledig. Die Ziegel flogen auf die Gendarmen und Polizisten. Diese antworteten mit Revolverschüssen. Ein zwölfjähriger Knabe wurde durch die Stirn geschossen, mehrere Ar- beiter durch Revolverschüsse verwunde.t Ein berittener Polizist wurde vom Pferd gerissen. Acht Gendarmen und 14 Polizisten wurden verwundet. Die Zahl der verwundeten Arbeiter ist un- bekannt, da dieselben von ihren Kameraden fortgebracht wurden. Alle Fensterscheiben des Hotels, des Stadthauses, beim Bürgermeister und bei Regierungsbeamten wurden eingeschlagen. Die Demon- stration endete erst mn späten Abend. Nachts 11 Uhr fuhr Tisza in aller Stille auf den Bahnhof, um Arad zu verlassen. 36 Ar- beiter sind verhaftet worden. Eine Niederlage der ungarischen Regierung. Budapest, 21. November.(Eig. Ber.) Am Mittwoch stand das Parteiorgan der ungarischen Sozialdemokratie vor deni Geschwo- renengericht. Am 4. Juni brachte das Blatt einen energischen Auf- ruf an die Arbeiterschaft, worin gesagt wird, daß von nun an kein Gesetz in Ungarn gilt, da die Regierung das Gesetz mit Füßen ge- treten habe. Der Artikel wurde inkriminiert. MUtwoch haben die Geschworenen den Verfasser dieses Artikels freigesprochen. Dieser Freispruch hat in Regierungstreisen große Konsternation verursacht. velgsien. Der Ministerpräsident gegen die Wahlreform. Brüssel, 23. November.(W. T. B.) Deputierten- k a m m e r. Bei der Debatte über die Regierungserklärung führte der Ministerpräsident aus, daß die Regierung den Antrag der Sozia» listen aufAbänderungderBerfassung deshalb ablehne. weil er unter Androhung des General st reikS erfolgt fei. Der sozialistische Abgeordnete Bandervelde wies darauf hin, daß bei der kategorischen Weigerung der Regierung die Lage gefahrvoll werden würde... ,., �, Generalstreikvorbereitungen. In Gent wird in zwei der bevölkertsten Teilen der Stadt eine Probe mit der gemeinsamen Speisung, der„kommu. nistischen Suppe", gemacht. Die Kessel sind schon beschafft. Ein Liter Suppe wird für 13 Centimes abgegeben. Es sind Vorkeh. rungen zur Verpflegung von 23 333 bis 25 333 Streikenden ins Auge gefaßt. Der„Vooruit" hat an die Schlächter der Stadt die Auf- forderung gerichtet, mit ihm wegen Lieferung des erforderlichen Fleisches in Verbindung zu treten. Eine Anzahl hat zustimmend geantwortet. Flottenpläne. Kaum ist die neue Wlehrvorlage eingebracht, die eine gewaltige Steigerung der Gut- und Blutopfer für die hehre Idee des belgi schen„Vaterlandes" fordert, da verlautet schon wieder von neuen, noch wetter ausgreifenden militärischen Plänen. Wie der„TempS" berichtet, wird in einigen, namentlich Antwerpener Kreisen die jetzige Gelegenheit der Weltpolttik für günstig gehalten, auch den Grund zu einer Kriegsmarine zu legen. Man weist darauf hin, daß die Landesverteidigung eine Sicherung der Unterscheld« erfordere, und empfiehlt zunächst Schaffung einer Flotte von Torpedobooten. die als Kern einer Marine dienen soll. Daß die Regierung diesem Plane freundlich gegenübersteht, geht aus der Schaffung einer be- sonderen Abteilung für Seewesen hervor, an deren Spitze der Ant werpener Abgeordnete SegerS gestellt ist. Dieser hat bei einem Bankett der Antwerpener Handelskammer erklärt, der König habe durch Schaffung des neuen Ministeriums feinen Willen ausgedrückt, dem Seewesen den Ehrenplatz zu geben, der ihm in einem auf den Außenverkehr angewiesenen Lande zukomme. Also„der Dreizack gehört in unsere Jaust" auch in Belgien. ES ist die natürliche Konsequenz des Eintretens in die Reihe der Kolonialmächte, wäh- rend die vorgeschobene Landesverteidigung auch hier zum Deckmantel für kapitalistifchc Lieferanten- und Weltabenteuerpläne und mon- archischen Ehrgeiz gut genug ist. Das Voll aber darf zahlen. Italien. Bertolini Kolvninlmintster. Rom, 13. November.(Eig. Ber.) Wie die..Tribuns" mitteilt, wird der konservative, erst unlängst zum GiolittiSmuS bekehrte Ab- geordnete Bertolini zum Kolonialminister ernannt werden. Seine Befähigung für dieses Amt scheint der zu Ernennende durch seine unglaublich wertlos« Relation zum Gesetzentwurf über die Wahl- rechtserweiterung erbracht zu haben. Was der Relation an Geist fehlte, ersetzt» sie freilich durch Willfährigkeit: war doch Bertolini seinerzeit cm Gegner der Wahlrechtserwetterung gewesen. Im Portefeuille des Kolonialministers heimst er jetzt den Lohn für seine Bekehrung ein. Wie schai»«. daß wir wohl den Minister haben. daß aber die Kolonien fehlen! Rom. 21. November.(W. T. B.) Der König hat ein Dekret unterzeichnet, durch das ein Ministerium der Kolonien eingerichtet und der Deputierte Pietrc Bertolini zum Kolonialminister ernannt wird. Dem Kolonialministerium werden Tripolis, die Chrenaika, der Regierung getroffen. Gendarmerie und Militär wurden kon-! Erythraea. Jtalienisch-Somaliland und die Protektorate von Nord- zentriert, em Trupp hauptstädtischer Detektivs ruckte an. um die'---— i— Arbeiterorganisationen zu beschnüffeln und jeden von Budapest ein- treffenden Genossen auf Schritt und Tritt zu beobachten. Die Arbeiterorganisationen beschlossen für den Tag der An somaliland unterstehen. Die vierte Verlustliste des libyschen Krieges. Das Kriegsminlstermm veröffentlicht soeben die vierte offizielle dmft des Grafen, da dieser wohlweislich einen Arbeitstag wählte, Verlustliste, die die Namen von 22 Ossizieren und 240 Soldaten tot Generalstreik. Dem Beschluß zufolge sollte der General- Enthält. Als Summe aller vier Listen ergibt sich die Zahl von beginnen. Die Fabrikanten drohten I öS f f i z i« r e n W" j''" ffteit um«12 Uhr vormittags beginnen. und 1023 Mann, wobei, wohlverstanden, nicht die an Krankheil Verstorbenen und nicht die Verschollenen eknlle- griffen sind. In der Liste befinden sich Namen von Toten, die schon im Oktober vorigen Jahres gefallen siM ES dürfte kaum die letzte Liste scinl. Sugland. Amtliche Feststellungen über die Putomayogreuek. Bor der vom Hause der Gemeinen eingesetzten Kommission zur Untersuchung der Menschenguälereien im Putumayogebiet er» schien der englische Generalkonsul in Rio de Janeiro, Sir Roger Casewent, der mit der Untersuchung an Ort und Stelle beauf» tragt gewesen ist. um über seine Erhebungen und speziell über die Mitschuld der Direktoren Auskunft zu geben. Er er- klärte, daß er über die Kenntnis der in Loydon lebenden Direktoren der Gesellschaft nichts sagen könne. Von den in Amerika leben- den Teilhabern der Firma Arana BrotherS aber erklärte er mit voller Bestimmtheit auf die Frage des Borsitzenden, ob er sie für verantwortlich halte: „Ich halte sie für st r a f r e ch t l i ch verantwortlich. DaS System kam nicht auf durch Zufall, Irrtum oder Nachlässigkeit. Ich halte eS für planmäßig eingeführt. Die Direktoren am Vutu- mayo waren meiner Ansicht nach mit os» Dingen bekannt. Sr. Arana, der Seniorchef, besuchte das Gebiet 1308." lieber die Vorgänge selbst teilte Sir Roger auch manches neue mit. Er erzählte von Streifzügen, die von Angestellten der Firma vor seinem Besuche in mehreren Staaten von Columbia vcran- staltet und bei denen Eingeborene ermordet, ihre Häuser und Besitz weggenommen wurden. In einem Falle wurden 2'Z in einem Handelshause in Columbia geraubte Tonnen Gunmt als Eigen- tum der Putumayo-Amazonas-Gesellschaft nach London gebracht. Sr. Arana war davon unterrichtet. Er besuchte die Gegend nach diesen Vorgängen. Vorsitzender:-Um einzugreifen?"— Sir Roger:„Rein, um die Verbrechen zu verdecken."— Borsitzender: „Wurde eine Bestrafung der Verbrecher eingeleitet?"— Zeuge:. „Ganz und gar keine." Der Zeuge bestätigte die Mitteilungen über die E i n g e« borenenjagden. Leute wurden mit Gewehren auSgesandt. um Indianer wie wilde Tiere zu fangen. Die Weggelaufenen wurden niedergeschossen, die anderen, weggetrieben von ihrem Heim, wurden in die Wälder gejagt. Wenn sie dort zu wenig Gummi sammelten, wurden sie gepeitscht. Entliefen sie dann» so wurden wieder Bewaffnete ausgeschickt, um sie niederzuschießen- Manche dieser Menschenjäger verübten auch Verbrechen auf e'gene Hand. Von einigen sagt Sir Roger, daß sie milder zu beurteilen seien, da sie schon in der Fugend eingefangen und zu ihrer Rolle „erzogen" worden seien. Das Wesen des Systems war die?errc° risierung der wilden Stämme, damit sie alles täten, was die Agen- ten forderten."— Als Abhilfemittel wußte auch dieser Sachkundige nichts anderes vorzuschlagen, als bessere Ueberwachung durch die Direktoren und irgendein Ueberwachungsstsstem. Wieviel aber mag das alleS nützen, wenn das System: Beschäftigung widerstandsunfähiger Eingeborenen auf private Rechnung und für privaten Profit aufrechterhalten werden soll? Die„Auswüchse" dieser Art Kolonialpolitit sind eben, wie die Vorgänge in den ver- schiedensten Kolonialgebicten zeigen, ein untrennbarer Bestandteil des ganzen Kolonialsystems. Ist doch dessen Zweck nicht etwa die Beschaffung sonst unzugänglicher tropischer Naturgüter, sondern die Erzielung unverhältnismätzigen Gewinns auf Kosten wehrloser Naturvölker. Alles natürlich zur höheren Ehre des Christentums und der Kultur, l-..s-dv... Amerika." Sozialistische Fortschritte in Nordamerika. Hat die sozialistische Partei irgendwo einen Stillstand zu per- zeichnen oder unterliegt sie einmal den vereinten Anstrengungen der Reaktion, so kann die kapitalistische Presse nicht genug Druck«- schwärze über das„Ende der roten Herrschaft" verschwende�, macht sie aber Fortschritte, so werden sie in allen Sprachen totgeschwiegen. DaS gilt für die kapitalistische Presse aller Länder, am meisten aber für die Amerikas. Die Niederlage unseres Genossen Berger in Wisconsin, des einzigen sozialistischen Kongreßabgeordneten, hat sie sofort und laut in alle Welt hinausposaunt, über die sozialisti- schen Stimmergebnisse aber ist sie vollständig stumm. Diesmal allerdings aus recht triftigen Gründen. Denn wenn, irgend ein« Partei Ursache hat, mit Stolz aus die Präsidentenwahl zurückzu- blicken, so ist eS die sozialistische. Mit ihrem Gewinn an Stimmen überragt sie alle bürgerliechn Richtungen. Es erhielten Stimmen: Republikaner Sozialisten und. Demokraten Progressisten 1308..... 424 000 7 678 000 6 409 000 1312..... 8�6 333 7 73,333 6 132 000 Zu- oder Abnahme-st 432 333 b3 033— 217 uOO Demnach haben die Demokraten einen Verlust von 3,30 Proz, die Republikaner einen Gewinn von nur 0F3 Proz, die Sozialisten aber eine Zunahme von fast 36 Proz. zu verzeichnen�. In den großen Industriestaaten ist das sozialistisch« Votum durch die Bank und zum Teil beträchtlich in die Höhe geschnellt', so zum Beispiel in New Aork von 48 333 aus 63 300 Stimmelt, in Illinois von 49 000 auf 110000 und in PennsyLvanien von 60 000 auf 02000. In der Stadt Chicago allein haben wir 37 000 Stimmen gewonnen. Leider hat die Zunahme nicht gereicht, einen! Sitz im Kongreß zu erobern. Dem Genossen Meyer London im zwölften New Vorder Wahlkreis fehlen nach der offiziellen Zählung nur noch 280 Stimmen am Sieg. Die Wahl soll angefochten tverden, da Gründe genug'dafür sprechen, daß Genosse London von den Gent lernen der Tammany Hall„hin- ausgezählt" worden ist, ein Trick, der in Amerika immer dort gegen mißliebige Kandidaten angewendet wird, wo alle anderen Mittel versagen. So günstig nun auch der Wahlausgang für unsere Partei ist, die Genossen in Europa, die an größere Fortschritte gewöhnt sind.. werden ihn nicht ganz befriedigend finden». Allein bei de« Be- Wertung dieses Resultats darf nicht mit europäischem Maßstab ge- messen»verden. In Nordamerika hat die sozialistische Partei iin allgemeinen und bei dieser Wahl im besonderen mit viel größeren Schwierigkeiten zu rechnen als in Europa. In den Bereinigten Staaten sind geistige Rückständigkeit der Arbeiterschaft, Demagogie, Korruption und Geldmacht für die sozialistische Propaganda viel mächtigere Hindernisse als anderswo- Diesmal wurde den Arbeitern ein„ehrlicher Mann" in Wilson und ein„radikaler Fortschrittler" in Roosevelt vorgeführt und eine Masse wirklich fortschrittlich ge. sinnier Arbeiter hat sich sicherlich von den, bürgerlichen Ratten- fängern einsangen lassen, um nur wenigsteiO Taft, den Bater des Einhaltsbefehls, aus dem Weißen Haufe zu entfernen. Ohne Zweifel haben die Wähler, die ihre Slimme diesmal für Debs ah- gaben, den Unterschied zwischen Kapitalismus und Sozialismus klar erkannt. Das wird auch durch die Steigerung der Mitglieder- zahl der sozialistischen Partei bestätigt'. Wer da weiß, wie unend- lich schwer es ist, die aus direkten materiellen Gewinn, so sehr er- pichten amerikanischen Arbeiter für den Eintritt in die sozialistische Partei zu gewinnen, wird die Bedeutung der fügenden Zahlen wohl zu würdigen verstehen. Im Jähre 1304 musterte die soziall- stische Partei erst 20 733 Mitglieder, vier Jahr« später 41751 und jetzt 123 03«. GcwerhrchaftUcbes. Marksteine. Zwei Berliner Organisationen konnten am Bußtag einen wichtigen Abschnitt ihrer Wirksamkeit zurückblicken: Metallarbeiter, denen ihr altes Haus zu eng geworden, die Buchdrucker, welche das goldene Jubiläum ihrer Organi sation begingen. au die und »o nai Es ist erst fünf Jahre her, daß die Berliner Metall arbeiter ihr erstes Heim in der Charitsstraße bezogen. Trotze dem ist es ihnen schon jetzt zu eng geworden. Kein Wunder: die Zahl der Organisierten ist seitdem von 50 000 auf 93 000 gestiegen. So mußte man in der Linienstraße auf dem Terrain der ehemaligen Taubstummenanstalt, durchgehend nach der Elsasser Straße neubauen. Am Bußtag wurde das neue Gebäude einer Anzahl von Gästen aus den Kreisen der Gewerkschaften und der Partei gezeigt. Im Sitzungssaal des Gebäudes begrüßte Genosse Cohen die Erschienenen; dann übernahm er die Führung durch den Bau. Die Einrichtungen sind im wesentlichen die gleichen wie im alten Gebäude, nur größer, praktischer und moderner. Auch ist noch auf die Möglichkeit einer Ausdehnung Rücksicht genommen. Was eine ganz wesentliche Aendcrung erfahren hat und als mustergültig bezeichnet werden kann, das ist die Einrichtung des Arbeits Nachweises. Die Arbeitslosen haben keine Treppen mehr zu steigen, sondern finden im Parterre eine Halle von gewaltigen Dimensionen für ihre Aufnahme bereit. Diese Halle ist bis in Uebermannshöhe mit Fliesen ausgelegt, die eine leichte Reinhaltung gewährleisten. Mächtige Fenster lassen Licht und Lust herein und ausreichende Zentralheizung garantiert auch im Winter die notwendige Erwärmung. Die Anlage der Arbeitslosen Halle im Parterre entlastet zu gleicher Zeit die Zugänge zu den höher gelegenen Bureaus. Alle Türen, Fenster usw. sind in einfachen, zweckmäßigen Formen, aber aus bestem Material hergestellt. Auch das Gebäude selbst verzichtet auf jeden architektonischen„Schmuck". Es ist ein reiner Zweckmäßigkeit� bau, der lediglich durch seine gewaltige Masse aus der Partie der ihn umgebenden Gebäude hervorragt. Auch die in Berlin für moderne Geschäftshäuser so beliebt gewordene Nach' ahmung des Messel- Stils hat man für das Haus der Metallarbeiter mit vollem Recht vermieden. Etwas Ab- wechselung in der Fassade brachte in der Linienstraße die Notwendigkeit, der Baupolizeiverordnung wegen in der oberen Etage aus der Front zurückzutreten. Hier zeigte auch der Baumeister ein feines Verständnis für die vielleicht triste, immerhin charakteristische Architektur dieser Straße. Mit zwei niedrigeren Anbauten rechts und links leitete er den Bau auf die geringere Höhe der nebenli-genden Wohn- bauten über. Die Fassade in der Elsasser Straße darf sich der größeren Straßenbreite wegen frei erheben. Sie zeigt im säulengetragenen Hauptportal den einzigen bildnerischen Schmuck des Gebäudes, ein Relief mit einer allegorischen Dar- stellung der Verbandstätigkeit. Das neue Metallarbeiterhaus hat übrigens im Gegensatz zu wohl fast allen Gcwerkschafts- gcbäuden keinerlei Restaurationsräume. Für die Arbeitslosen ist lediglich zur Erfrischung eine hygienische Trinkanlage an- gebracht, die in Form eines ein- und ausschaltbaren kleinen Springbrunnens das Trinken ermöglicht, ohne daß man ge- nötigt ist. den Mund mit Gesäßen m Verbindung zu bringen, die auch von anderen benutzt werden. Man wird es uns hoffentlich nicht als Niederträchtigkeit auslegen, wenn wir den Berliner Metallarbeitern wünschen, daß auch dieses Haus ihnen möglichst bald zu eng werden möge! • Das L0 jährige Jubiläum der Berliner Buchdrucker haben wir ja bereits in unserer Mittwochsnummer gewürdigt. Na- türlich kann keine Organisation einen solchen Anlaß vorüber- gehen lassen ohne eine würdige Feier. Eine solche fand denn auch am Bußtag im Zirkus Schumann statt. Leider konnte der Zirkus nur etwa die Hälfte der Ortsvereinsmitglieder fassen. Von auswärts hatten sich die Vertreter fast aller Gaue des Verbandes eingefunden. Die nicht vertretenen sandten Begrüßungsdepeschen. Der zweite Vorsitzende des Ortsvereins Albrecht begrüßte die Erschienenen, besonders die Jubi- lare, die den Verein vor fünfzig Jahren mit gründen halfen. M a s s i n i, der erste Vorsitzende, hielt die eigentliche Fest- rede. Für den Zentralvorstand sprach D ö b l i n, für die Generalkommission Karl Legten, der die Verdienste der Buchdrucker um die allgemeine Arbeiterbewegung feierte und ebenso wie vor ihm schon M a s s i n i neben der Notwendigkeit der gewerkschaftlichen die der politischen Organisation betonte. Das Programm der Feier zeugte in seinem ersten Teil von hohem künstlerischen Geschmack und gab ihr einen wür- digen Nahmen. Der zweite Teil trug mehr dem Humor Rechnung, wobei es auch an politischer Satyre nicht fehlte. Am Vormittag war der Feier schon eine stille würdige Einleitung vorausgegangen. Der Vorstand des Vereins hatte die Grabstätte Wilhelm Liebknechts, der den Berliner Buchdruckern so oft aufklärend und pfadlveisend zur Seite ge- standen, in dankbarer Erinnerung geschmückt. Berlin und Umgegend. Bewegung in der Herrenkonfektion. «m 31. März 1913 laufen die für die Herrenkonsektion geltenden Tarife ab, wenn am 1. Dezember von einem Tarifkontrahenlen die Kündigung erfolgt. In einer öffentlicben Versammlung der Kon- feltionsschneider erörterte Klicke die dadurch geschaffene Situation, mit der sich am 4. und 5. November schon eine Konferenz der Herrenkonfektionsarbeiter beschäftigt batte. Unbedingt notwendig sei eine Erhöhung der gegenwärtig bestehenden Tarifpreise. Die Lohn- säge müßten zum mindesten denen der Herren maßbranche gleichgestellt werden. Auch wäre es erforderlich, darauf zu drängen, daß in der Heimindustrie nicht länger als 10 Stunden gearbeitet werde. Am 27. November solle in einer allgemeinen Mitglieder« Versammlung beschlossen werden, ob eine Kündigung des Tarifs ein- gereicht werden soll.— In der Diskussion wurde allseitig eine um- fassende Agitation befürwortet. Den Indifferenten wurde dringend ans Herz gelegt, nicht tatenlos zuzusehen, wie andere arbeiten, sondern sich der Organisation anzuschließen und nach besten Kräften zum Wohle aller mitzuarbeiten�_ Achtung, Töpfer! Die Sperre über K o s ch a n ist bis auf wei- teres vorläufig als erledigt zu betrachten. Die Vcrbandsleitung. Deutlches Reich. Eine Eisenbahncrkonferenz. Eine Konferenz von Vertretern der Ortsgruppen und Einzel- mitalieder der ReichSscktion der Etsenbahner des Deutsäzen Trans- vortarbeiterverbandes fand m die, en Tagen statt.(Ort und Du- tum können mit Rücksicht auf die Teilnehmer an der Konferenz nicht bekanntgegeben werden.) Es war d, es d,e erste Konferenz seit dem Anschluß des Verbandes der Eisenbahner Deutschlands an den Tran-pörtarbeitcrverband.� Der Be luch war ein außerordentlich� �Berchntw. Nedakü: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw, starker, vertreten waren mit Ausnahme der baherffchen, badischen und württembergischen alle Staatseisenbahnen und einige Privat- eisenbahnen. Bei der Einberufung der Konferenz war besonderes Gewicht darauf gelegt worden, daß als Delegierte nur aktive Eisenbahner getvählt wurden, die mindestens ein Jahr dem Ver- bände als Mitglied angehörten. Die Konferenz hatte verschiedene wichtige Angelegenheiten zu erledigen, von denen wir hier nur folgende Beschlüsse registrieren: An Stelle des bisherigen Einheltsbeitrages von wöchentlich 49 Pf. wurden die Klassenbeiträge von 49, 4b und 59 Pf. festgesetzt, mit der Maßgabe, daß die Ortsgruppen selbst bestimmen können, welcher Beiiragsklasse sie angehören wollen. Die besonderen Un- terstützungssätze sind aufgehoben worden und haben die Mitglieder der Reichssektion der Eisenbahner nunmehr Anspruch auf die vollen vom Verbände gewährten Unterstützungen nach Maßgabe ihrer Bei- tragsleistung. Zur Frage deS Koalitionsrechts hat die Konferenz ebenfalls er- nent Stellung genommen und einstimmig folgende Erklärung be- schlössen: „Auf das allen Arbeitern und Bediensteten im Wirtschaft- lichen Ringen unentbehrliche volle Koalitionsrecht können auch die in Staatsbetrieben Beschäftigten nicht verzichten. Die Selbst- achtung gebietet allein schon den Eisenbahnbediensteten, an diesem Rechte unbedingt festzuhalten, weil durch Preisgabe des- selben sich der Eisenbahner selbst zum Staatsbürger zweiter Klasse degradieren würde. Die Reichssektion der Eisenbahner und ihre Organe propa. gieren nicht den Streik, sondern sind stets bestrebt, den berech- tigten Wünschen der Eisenbahner durch Anwendung friedlicher Mittel Geltung zu verschaffen und dadurch den Streik und die Benutzung ähnlicher Kampfmittel von den staatlichen Verkehrs- anstalten fernzuhalten. Die Reichssektion der Eisenbahner er- klärt in Uebereinstimmung mit dem internationalen Transport- arbeiterkongreß in Wien 1998, daß mit Rücksicht auf die Volks- wirtschaftliche Bedeutung der Eisenbahnen und aller staatlichen Verkehrsanstalten der Streik oder die passive Resistenz zwecks Erringung besserer Arbeitsbedingungen oder sonstiger Wirtschaft- licher Borteile nur als letztes Mittel in Anwendung gebracht werden darf, wenn sich weder auf dem Wege der Verständigung der Organisation mit den Eisenbahnverwalwngen oder durch das Parlament eine notwendige Verbesserung der Lag« des Personals erreichen läßt, und auch dann nur, wenn die Stimmung der Bevölkerung nicht gegen die Anwendung solcher Machtmittel ist. Das letzte und gerade deshalb unentbehrliche Mittel im Wirt- schaftlichen Kampfs ist der Streik, dessen Anwendung nach Er- fchöpfung aller anderen Mittel, das unveräußerliche Recht aller Arbeiter bleiben muß. Die beste Gewähr für die Fernhaltnng des Streiks erblickt die Konferenz in der gesetzlichen Anerkennung der gewerkschaft- lichen Organisation und deren Mitbestimmungsrecht bei Fest- fetzung und Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen." Ferner hat die Konferenz beschlossen, beim Sekretariat der Internationalen Transportarbeiter-Föderation zu beantragen, daß auf die Tagesordnung des im nächsten Jahre rn London ftattfin- denden internationalen Transportarbeiter-Kongresses gesetzt wird: Das Koalitionsrecht und feine Anwendung auf staatliche Verkehrs- anstalten._ Der Barbierinnungsbund gegen die Kleinmeister. Die Ausnahmebestimmungen über die Sonntagsruhe für das Barbier- und Friseurgewerbe besagen, daß, wenn die Sonntags- arbeiten länger als drei Stunden dauern, den Gehilfen und Lehr- lingen in jeder Woche die zweite Hälfte eineS Arbeitstages, oder aber alle 14 Tage 24 Stunden oder alle drei Wochen 36 Stunden von Sonntags früh 6 Uhr ab freizugeben ist. Den Lehrlingen ist in den meisten Bundesstaaten die Ersatzruhezett für mehr als drei- kündige SonntagSarbeit durch ministerielle Verfügungen genommen, >a sie ihnen auf die Zeit des Fach» und FortbildungSschulllnrerrichtS angerechnet wird. Die Gehilfen haben in der Regel einen freien Wochennachmittag. ES steht also den Arbeitgebern frei, ihre Ge- Hilfen des SonntagS nur drei Stunden zu oefchäftigen, wodurch 'ie der Verpflichtung enthoben find, ihnen einen Wochennachmittag reigeben zu müssen. Doch nur in Geschäften mit mehreren Ge- Hilfen kann davon Gebrauch gemacht werden. Der JnnungSbund will nun auf dem Wege des ß 41 der Gewerbeordnung die dreistündige SonntagSarbeitSzeit obligatorisch einführen. Die Gehilfen wehren sich ganz entschieden dagegen, daß ihnen der freie Wochennachmittag genommen wird. Sie forderten von jeher die fünfstündige, um 12 Uhr mittags endigende Sonntags- arbeitszeit. Diese Forderung ist in verschiedenen Städten bereits voll oder teilweise erfüllt und kommt immer mehr zur Einführung: vielfach wird im Sommer um 12 Uhr und im Winter um 1 Uhr geschlossen. Mit fünfstündiger SonntagSarbeit kann das Gewerbe heute auskommen, während der unvermittelte Uebergang von der echs-, sieben- bis achtstündigen zur dreistündigen SonntagSarbeitSzeit ür die Geschäftsinhaber in den Arbeitervierteln äußerst nachteilig ein müßte, da deren Hauptgeschäft sich Sonnabends und Sonntags abspielt. Die Gehilfenorganisation nimmt auf diese Geschäfts- inhaber nicht nur Rücksicht, weil sie mit ihnen die Lohn- und Ar- beitsbedingungen tariflich geregelt hat, sondern auch, weil viele Gehilfen gezwungen sind, ebenfalls selbständig zu werden. Das würde durch die dreistündige Sonntagsarbeit wesentlich erschwert. Dem Jnnungsbund scheint eS denn auch hauptsächlich darauf anzu- kommen, durch diese„Reform" einen Teil der Allein- und Kleinmeister aus dem Gewerbe zu verdrängen. Charakteristisck ist nun. daß der BarbierinnungSbund sich bei seiner Aktion darauf beruft, daß die Gehilfen die dreistündige Sonntags- arbeit gefordert haben. Das ist eine offenbare Unwahrheit.� Der Standpunkt der Gehilfenorganisation in dieser Frage ist in völliger Uebereinstimmung mit den Lokalvereinen der Gehilfen seit Jahren estgelegt. Der Bund befürchtet eine Verbesserung der Sonntags- ruhebestimmungen infolge der zu erwartenden Abänderung der für das Handelsgewerbe geltenden Vorschriften und will daher das Ge- werbe auf die dreistündige Sonntagsarbeit festlegen, damit daran nichts mehr geändert wird, und den Arbeftern für�die Sonntags- arbeit keine Ersatzruhezeit in der Woche mehr gewährt zu werden braucht. Da die Gehilfen an Wochentagen frühestens um 9 Uhr abends(in wenigen Städten um 8 Uhr), Sonnabends erst um 19 Uhr Feierabend haben und meist nicht einmal eine Mittags- �xruse haben, können sie auf den freien Nachmittag zur Besorgung hrer persönlichen Angelegenheiten nicht verzichten. Der Friseurgehilfenverband hat in der ersten Oktoberwoche zahlreiche öffentliche Versammlungen zugunsten einer gesetzlichen Regelung der Arbeitszeit veranstaltet, in denen der vom Allgemeinen Friseurgehilfenkongreß vorbereiteten Resolution einstimmig zuge- timmt wurde. Durch die unwahre Behauptung, die Gehilfen wollten die dreistündige Sonntagsarbeit, sucht der Jnnungsbund nachträglich den Anschein zu erwecken, als herrsche eine andere Strömung unter der Gehilfenschaft vor, um durch Irreführung der Oeffentlichkeit die Eingabe dar Gehilfen an die gesetzgebenden Körperschaften unwirksam zu machen. Achtung, Textilarbeiter! Weil in Göppingen 29 Spulerinnen streiken, hat der süddeutsche Textilindustriellenverband über ganz Württemberg die Aussperrung verhängt. Es wird dringend ersucht. alle Arbeitsangebote nach Württemberg dbzulehnen. Besonders zu meiden sind folgende Firmen: Baumwollspinnerei„Brühl" bei Eßlingen, Baumwollspinnerei und Weberei Hornschuch in Unterurbach, Kommgarnspinnerei Bietigheim und Kammgarnspinnerei Merkel und Kienlin in Eßlingen.__ Versammlungen. Deutscher Bauarbciterverband. Die Gips- und Zement- brauche hielt am Bußtag ihre Generalversammlung ab. in der Stellung genommen wurde zum kommenden Verbandstag. Das einleitende Referat hielt H a e s e, der sich insbesondere mit btt Frage der Arbeitslosenunterstützung beschäftigte, deren Einführung eine vom Hauptvorstande ausgearbeitete Vorlage zugrunde liegt. Redner bemerkte, daß diese Vorlage den Mitgliedern ziemlich über- raschend gekommen sei, zumal der inzwischen verstorbene Zentral- Vorsitzende Bömelburg noch in den letzten Jahren die Möglich- keit der Einführung einer solchen Unterstützung in weite Fernen gerückt hatte. Immerhin dürften unter den Mitgliedern prinzi- pielle Gegner wohl kaum vorhanden sein, wenngleich auch alle sich darin einig sind, daß der Kampfescharakter des Bauarbeiterverban- des unbedingt gewahrt werden müsse. Im übrigen ging Redner Punkt für Punkt die einzelnen Bestimmungen des Entwurfes durch und betonte, daß wenn die Unterstützung abgelehnt werden sollte, was ja kaum eintreten dürfte, eine Erhöhung der Beiträge nicht vorgesehen ist. In der Diskussion wurde gefordert, daß auf keinen Fall die vornehmste Aufgabe des Verbandes, auf die Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen hinzuwirken, unter der einzuführenden Erwerbslosenunterftützung leiden dürfe. Es wurden auch gegen einzelne Bestimmungen des Entwurfes Bedenken geäußert, die jedoch ausschjießlich die finanzielle und technische, nicht die prinzi- pielle Seite der Angelegenheit betrafen. Ferner bemängelten ein- zelne Redner die Fixigkeit, mit der der Hauptborstand, die Vorlage eingebracht habe, auch wurde der Zeitpunkt der Unterbreitung des Entwurfs nicht als günstig bezeichnet. Von anderer Seite wurde dem entgegengehalten, daß günstigere Zeitpunkte wohl kaum kam- men dürften, die Wirtschaftsverhältnisse seien eben derartig, daß Konflikte und Differenzen nicht ausbleiben. Der Entwurf des Hauptvorstandes passe sich sehr richeig den in Betracht kommenden Umständen an. Des weiteren kam die Befürchtung zum Ausdruck, daß die Einführung der Erwerbslosenunterftützung den Verband von seinen eigentlichen Zwecken ablenken und zum Versicherungs- institut herabdrücken werde. Einzelne Redner wünschten eine Ver- tagung der Vorlage, worauf H a e s e in seinem Schlußwort er- widerte, man möge hierbei nicht vorgreifen, zweifellos würden dahinlautende Anträge ohnehin schon auf dem VerbandStage gestellt werden. Eine Reihe Abanderungsanträge sowohl zum Statut als auch zu dem Entwurf wurden angenommen. Als Kandidaten zum VerbandStag wurden vorgeschlagen: Haese, Gohlke, Müller. Hermann, Plagemann, Lemm. ver ßallunltritg. Offiziöse Darstellung der serbischen Stimmung. Belgrad, 21. November.(Meldung des Wiener k. k. Tell-Koix» Bureaus.) Die Ausführungen d«s österreichisch- ungarischen Ministers deS Aeuheren Grafen Berchtold in den Delegationen haben in den serbischen Kreisen die ernsteste Beachtung gefunden. Sie trugen in hohem Matze zur Verstärkung des Eindruckes bei, daß in der albanesischen Frage nicht nur unter den Mächten des Dreibundes die vollste Einmütigkeit herrsche, sondern daß auch die Triplentente ernstlich gewillt ist, diese Frage unter keinen Um- ständen zu einem europäischen Konflikt ausarten zu lassen. Diese Erkenntnis beginnt ihre beruhigende Wirkung auf die serbische öffentliche Meinung auszuüben, und selbst in leitenden serbischen Kreisen gewinnt langsam dte Auffassung an Boden» daß das starre Festhalten an der ursprünglich von serbischer Seite ins Auge gefaßten LösungSsorm der Hafenfrage unter dem obwaltenden, immer offenkundiger zutage tretenden MeinungSumschwung in der euro- päischen Oeffentlichkeit keine zuverlässige Gewähr für die Befriedi- gung der serbischen Wünsche und der serbischen Interessen biete. Allerdings muß hierbei festgestellt werden� daß da» Schwer- gewicht der Staatsgewalt augenblicklich nicht in Belgrad, sandern-im Hauptquartier deö Oberkommando# liegt, und daß ein gründlicher MeinungS» Umschwung wohl erst nach Beendichrng der militärischen Opera- ftonen in Aussicht gestellt werden kann. Ein Seegefecht. Konstantinopel, 21. November.(W. T. B.) Der Kreuzer »Hamidie", der im Schwarzen Meer auf der Höhe von DerkoS operierte, wurde von sechs bulgarischen Torpedobooten angegriffen. Gerüchtweise verlautet, daß er zwei Torpedoboote zum Sinken ge- bracht hat. letzte Nachrichten. Die französischen Genossen und die Internationale. Paris, 21. November.(Privattelcgramm des „B o r w ä r t s".) Der zum internationale» Kongreß vor- bereitende Parteitag beschloß nach längerer Debatte ein- stimmig eine Resolution, welche ausspricht, daß das Proleta- riat gegen den Krieg alle gesetzliche Mittel— im Parlament Aktionen gegen Geheimverträge und für Schiedsgerichte, außerhalb des Parlaments Versammlungen und Manifesta- tionen— anwenden soll. Werde dennoch ein Krieg entfesselt, seien revolutionäre Mittel, wie Generalstreik und Jnsurrek- tion, gerechtfertigt, um einem Krieg vorzubeugen, ihn zu be- enden und der herrschenden Klasse die Macht zu entreißen. Die französische Delegation in Basel wird beauftragt, in vollem Einvernehmen mit der ganzen Internationale einen einstimmigen Beschluß über eine kraftvolle Aktion gegen den Krieg zu fassen.__ Weiße Mäuse. London, 21. November.(W. T. B.) Unterhaus. Der Unionist Johnson Hicks wiederholte heute seine Frage, ob am Abend des 14. Oftober ein Zeppelinluftschiff über Sheerueß ge- flogen sei. Der Marineminister Churchill erwiderte, er habe Nachforschungen anstellen lassen und in Erfahrung gebracht, daß am Abend des 14. Oktober, ungefähr um 7 Uhr. ein unbekannte» Lust- fahrzeug über Sheernetz gehört worden sei. Man habe nahebei in Eeastchurch Leuchtfeuer aufflammen lassen, doch sei da» Fahrzeug nicht dort gelandet. Es seien keinerlei Merkmale vorhanden ge- wesen, die auf die Nationalität de» Fahrzeuges hätten schließen lassen. Folgen des Wagenmangcls. Herborn, 21. November.(P. C.) Die durch den Güterwagen- Mangel verursachten Betriebsstockungen haben nach dem„Herborner Tageblatt" schon einen ziemlichen Umfang angenommen. Die Firma Herwig u. Söhne in Dillenburg hat den Betrieb ihrer Walz- und Puddelwerke bis auf weitere» st i l I g e l e g t. ebenso die Friedrichhütte bei Laasphe, die Char- lottenhütte bei Geisweid. Die Agneshütte, die still gelegt hatte, ist jetzt wieder in Betrieb. Das Aufhören der elektrischen Beleuchtung tonnte nur durch das Eingreifen der Dillenburger Bergbehörde vermieden werden.__ Tödliche Fliegerabstürze in Frankreichs Etampes, 21. November.(W. T. B.) Der Unteroffizierflieger Laurent ist aus hundert Meter Höhe abgestürzt. Er erlag bald darauf seinen schweren Verletzungen. Der ihn begleitende Fluggast wurde leicht verletzt. � Reims. 21. November.(W. T. B.) Der Flieger Frey»st bei einem Flua mit einem Eindecker tödlich abgestürzt. Stellung genommen wurde zum kommenden Verbandstag. Das be: einem Flug mrt einem v,rn oeaer looitcy avgetiurzi. R-r4jn. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Lerlagsanjtalt Kaul Singer a Co., Berlin LV/. Hierzu Z Beilagen U-Unterhaltungsbl, Nr. 273. 29. Jahrgang. t ßtilnjc Ks.Amiick« Stllim WIIisdlM FmIag�ZZ.NMMbtttSlZ. Sie internztiolizlen frieSenzkunägebungen. Die französische Presse über die Friedenskundgebungen. Paris, 18. November. lEiz. Ber.) Die gestrigen Kundgebungen des sozialistischen Proletariats innerhalb und außerhalb Frankreichs beschäftigen natürlich die ganze Presse. Nach alrbeliebter Methode bestrebt sich ein Teil der bürgerlichen Blätter, besonders die groß- kapitalistischen und reaktionären, ihre Bedeutung herabzudrücken. Die Unredlichkeit gibt sich hierbei nicht nur im Urteil, sondern schon im bloßen Bericht kund. Die Polizeipräfektur hat allerdings hierbei die Note angegeben, indem sie mitteilte, die Zahl der Demonstranten im Prä-Saint-Gervais habe 18 000 betragen— ausgerechnet 18 0001 Wie der Generalstab des Herrn Lepinc auf dem ungeheuren Plan, wo zwischen den Riesenkreisen von Zuhörern, die sich um die neun Tribünen geschart hatten, viele Tausende hin und her wogten, diese Berechnung angestellt hat, sagt er freilich nicht. Indes haben ein paar Blätter diese Ziffer gern übernommen, und erklären dreist, das Meeting sei mißlungen. Der„Eclair" setzt hinzu,„trotz guten Wetters", obgleich gestern drei Millionen Pariser über das regen» trübe Wetter geklagt haben, die Straßen tagsüber schlammig blieben und der immerzu befürchtete Regen wirklich, kaum daß die Kundgebung fertig war, in Strömen herunterging. Nicht alle Blätter lügen indes in dieier Weise los. Mehrere bürgerliche Organe geben SO bis 60 000 Teilnehmer zu.„Das ganze Volk von Paris war da", schreibt„Excelsior" und die Photographie, die er auf der ersten Seite reproduziert, reicht völlig hin, um die Polizeitaklik Lügen zu strafen. Bemerkenswert ist die nachstehende Stelle des Leitartikels der radikalen„Lanterne":„Wir werden uns hüten, diese Be- wegung zugunsten des Friedens zu verspotten. Wir sehen in ihr den ersten Versuch einer direkten Mitwirkung der Völker an der Leitung der Weltgeschichte und glauben, daß an dem Tage, wo diese Volksbewegungen eine wirkliche Breite erlangt haben werden, der allgemeine Frieden fester begründet sein wird." Die„Lanterne" meint freilich, die Zeit sei noch nicht, wo selbst der einstimmige Willen der Nattonen genüge, jede Kriegsgefahr zu beseitigen. Ueberaus sympathisch steht der radikalsozialistische »Rappel" der Demonstration gegenüber. Er nennt sie ein merkwürdiges und tröstliches Schauspiel und rühmt die Disziplin und Selbstbeherrschung der Demonstranten: „Man konnte sich. wenn man die endlosen Reihen der Manifestanten auf dem Abhang sah, wo sich ihre Masse gegen den grauen Himmel abzeichnete, nicht enthalten, an jene ihnen gleichen Massen zu denken, die auf anderen, ähnlichen Hängen mit Gewehren und Kanonen auf einander lauern...„Der Krieg ist un- möglich l" So hat gestern das Volk voä Paris gerufen. Die Völker wollen in Frieden arbeiten. Die Diplomaten können diesen ein- mutigen Willen nicht mißachten I" In den Artikeln der Abendblätter spielt das Jagowsche Sprachverbot gegen Jaures eine Hauptrolle. Das „Journal des Döbats" erklärt, es sei überflüssig und kindisch, in Paris gegen den Krieg zu demonstrieren. Die Gefahr komme nicht von Frankreich, wo alles für den Frieden fei, sondern von anderswo. Und zum Beweise verweist das Blatt auf die Ausweisung Hervös und die Schikane gegen Jaures. In Frankreich hätten die auS- ländischen Redner volle Freiheit der Rede gehabt.— Man sieht, zu welcher Ausdeutung sich die Jagowsche Heldentat darbietet. Der„TempS" finLet, man könne den Zweck der Manifestationen nicht verdammen, da diese ja zu sehr den Bestrebungen der Diplomaten entsprächen. Aber man dürfe die Sozialisten nicht sagen oder glauben lassen, daß der europäische Frieden nur durch ihre Drohungen aufrecht erhalten werde.— Das sozialistische Aposteltum schwäche die Nationen, die ihnen erlägen und setze sie den Ein- schüchterungen und selbst den Angriffen ihrer Gegner aus. Die Regierung, gestützt auf die nationale Macht, arbeite wirksamer für die enropäische Eintracht als die Sozialisten.... Ueber die gestrigen Provinzversammlungen liegen bisher Meldungen aus S e d a n(1000 Manifestanten). Trohes (2000), Clermont-Ferrand(Partei und Arbeitsbörse kleines feuilleton. Theaterbauten. Im Berliner Westen, beim Bahnhof Zoo, gibt eS sei» gestern ein großes Variete. Ein Institut also, das vorerst den nichlsnutzigen Kavalieren und den unter Pleureusen wandelnden Damen eine himlose Soiree verheißt, das aber zuweilen auch uns anderen eine vergessende Lustigkeit sein kann. Zu den Facetten der Menschlichkeit gehören eben auch Ehansons, Balletlbeine und Akrobatenmuskeln. Mit Maß darf selbst der Strebende das Tingel- tangel heimsuchen. In der neuen Vergnügungsbude aber wird sich sogar der Geschmackvolle behaglich fühlen. Was Artur Bieberfeld aus der langgestreckten„Hundehütte" der Ausstellungshallen gemacht hat, verdient alle Achtung. Er sollte einen Raum' für etwa 1600 Menschen herrichten; er tat es mit Geschick. Trotz der Abmessungen von 40 zu 30 Metern mangelt es nicht an einer ge- wissen Intimität, die noch erhöht wird durch eine ungewöhnliche, jedem einzelnen zugute kommende Bequemlichkeit des Gestühls. Dazu addiert eine heitere Farbigkeit, ein Klang aus lila, grün und gelb, durchspielt von diskret verteilten Blitzeffekten. Von dem üblichen Stucklitsch, wie er im Wintergarten und im Metropol haust, gibt es hier keine Spur; statt dessen eine anständige Festlichkeit und die Temperatur gepflegter Spaßmacherei.— Gleichzeitig ist vom Weit- bewerb um das Berliner Opernhaus zu berichten, daß die Akademie des Bauwesens aus den 68 eingelieferten Entwurfsskizzen fünf als würdig erkor. Nämlich: die Arbeiten von Dülfer, Jürgensen und Bachmann, Otto March. Karl Moritz, Richard Seel. Das ist immerhin etwas anderes, als das, womit das Ministerium am An- fang aufwartete. Dem Beamtenentwurf Grubes scheinen nun doch die Vorschläge freier Künstler gefährlich zu werden. Oder: war der Wettbewerb vielleicht nur ein Spiel, die kritische Meute zu belustigen, während in Wirklichkeit alles beim alten bleiben soll? Wir möchten daS nicht hoffen und haben vorläufig auch noch keine Ursache dazu. Immerhin bliebe zu wünschen, daß so schnell wie möglich sämtliche Wetlbewerbsen'würfe znr Ausstellung kämen. R. Br. /£«• firti'Ä mCx CIT>•<* vS IttlS die i u u I l")«="'seyrisizieuer Wiens, um— vft.-.v"»-' vuuprrna»» in ihrer Mitte zu begrüßen. Hussarek, Ehrlich(der Präsident der „Concordia") und Hauptmann— die dichterische Kraft der Wirk- lichkeit ist unerreichbar. Die Festrede hielt Felix Saiten, der Vcr- fajser von Operettentexten! Ein Sätzlein seiner Ansprache verschweigen die bürgerlichen Blätter der Haupt- und Residenzstadt zartfuhlig:„Talent— ich Hab es oft gesagt— ist nicht in uns gelegt wie ein Motor in ein Fahrzeug eingebaut ist, Nun kann «an ihn ankurbeln und es geht vorwärts." gemeinsam Einberufer), Rochefort, Chartres, Bor- d e a u x(Partei und Gewerkschaftsverband geeint, viele Tausend Demonstranten, Umzug mit Fahnen), Lyon(Umzug), B o u r g e s(7000 Demonstranten), Lens, Saumur und Lille vor. Ueberall zeigte sich dieselbe Entschlossenheit zum Kampf für den Frieden. -i-« « Die Ausweisung und Verhaftung Gustav HervsS. Rom, 17. November.(Eig. Ber.) Der Akt frecher Provokation und russischer Polizeiwillkür, durch den Italien sich vor der ganzen modern denkenden Welt lächerlich gemacht hat, ist in Rom zunächst mit ungläubigem Staunen aufgenommen worden. Man sollte es nicht glauben, daß ein französischer Schriftsteller, der im Auftrage der sozialistischen Internationale in Rom für den europäischen Frieden sprechen sollte, von der italienischen Polizei verhaftet werden konnte. Herve war mit dem Bbendzug um TVa Uhr angekommen und von zwei Mitgliedern des Parteivorstandes empfangen worden. Als diese ihn ins Hotel begleitet hatten, näherte sich dem Genossen Herve ein Herr, der ihm die Hand reichte und der von dem Angekommenen, der glaubte, einen Genossen vor sich zu haben, freundlich begrüßt wurde. Dieser Herr gab sich dann als Polizeibeamter zu erkennen und ersuchte Herve, ihm aufs Polizeiamt zu folgen, was Herve, begleitet von den Genossen Bella und Voghera tat. Den Begleitern wurde verwehrt, bei dem Verhör anwesend zu sein; es wurde ihnen nur mitgeteilt, daß gegen Hervs seit dem Jahre 1903 ein Ausweisebefehl vorliege, der angeblich auS Rücksicht auf die öffentliche Ordnung seinerzeit als Polizeimaßregel erlassen worden ist. Hervs wurde sofort in das Gefängnis von Regina Coeli überführt. Zu derselben Stunde fand eine von den bürgerlichen Radikalen, Republikanern und Refornristen einberufene Versammlung statt, die den nationalen Bestrebungen der Balkanvölker ihre Sym- pathie aussprechen sollte. Unsere Genossen teilten den unerhörten Willkürakt der von etwa 1000 Personen besuchten Versammlung mit, und entfesselten einen wahren Sturm der Entrüstung. Nach Auflösung der Versammlung kam es zu einer Demonstration auf der Straße, die vor dem Palais der österreichischen Botschaft endete. Es wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen, in der Nacht sind aber alle Verhafteten wieder freigelassen worden. Der heutige Tag wird sicher neue Demonstrationen bringen. Sogar die nationalisti- schen Blätter, die seit mehreren Tagen HervS als„ungern gesehenen Gast" bezeichneten, schämen sich jetzt des Erfolges ihrer Hetze und finden keine Worte, um die Verhaftung und Ausweisung zu recht- fertigen. Der„Avanti" bezeichnet sie als einen Akt des Servilismus und des Lakaienwms gegen Oesterreich, weil man in Hervö den Wortführer gegen die österreichischen Kriegsgelüste zu treffen gesucht hat. Genosse TreveS im Namen der sozialistischen Parlamentsfraktion und Della Seta im Namen des Parteivorstandes haben an Giolitti das folgende Telegramm gerichtet: „Die Verhaftung des Bürgers HervS bei seiner Ankunft in Rom. wohin er für die Agitation zugunsten des internationalen Friedens gekommen war, stellt eine schwere Verletzung der Grund- sätze der Gastfreundschaft, Gesittung und Freiheit dar. Unter Protest gegen die Maßnahmen fordern wir ihre sofortige Auf- Hebung. gez. TreveS, Della Seta. Giolitti denkt natürlich nicht daran, die in seinem Auftrage erfolgte Ausweisung zu widerrufen. Für ihn vertragen sich solche russischen Bräuche sehr gut mit dem„italienischen Liberalismus". Protest der Petersburger Arbeiter gegen den Krieg. Auf der Bevollmächtigtenversammlung der Petersburger Ar- beiter wurde einstimmig folgender Protest gegen den Krieg an- genommen: „Wir. die Bevollmächtigten der Arbeiter des Petersburger Gou- vernements, betrachten es als unsere Pflicht, unsere Stimme zu erheben gegen den Krieg, der am Balkan entbrannt ist. Wir, die Arbeiter Rußlands, wie das Proletariat aller Länder, sind entschiedene Gegner des Krieges... Warum unterschlug die Wiener Presse dieses sinnige Wort? Er hat es doch schen oft gesagt! Oder stimmen die Herren der Philosophie des Librettisten nicht zu? Erscheint ihnen am Ende das Talent doch als ein Motor? Man kann ihn ankurbeln und es geht vorwärts und überall hin, Ivo Geld zu verdienen ist. Einmal tut man so, als ob man dichtete und einmal schmiert man einen Operettentext. Man kurbelt einfach an. Steht man aber im Kreis der Verständigen, so heuchelt man feierlich, daß so etwas wie das Ankurbeln gar nicht möglich ist. Denn Talent ist— wie oft soll er's noch sagen?— nicht wie ein Motor. Nur gedruckt und ver- öffentlicht muß so etwas nicht werden. Denn angekurbelt wird ja doch! Der Kampf um die Hcimatskunst. Im Departement Haute Garonne liegt eine kleine Stadt namens Alan, weit entfernt vom Lärmen und Treiben der modernen Welt. Aber Alan, daS so still und verschlafen in unseren Tagen ruht, hat wenigstens den Stolz einer größeren Vergangenheit! im Mittelalter war die Stadt der Sitz eines Bischofs und hat manchen Sturm erlebt. Von dieser geschichtlichen Bedeutung ist ihr nichts mehr geblieben als ein alter Torweg, ein Juwel gotischer Baukunst des 15. Jahrhunderts. Die Alanesen wissen, was sie daran haben, und zeigen den Besuchern mit Genugtuung das herrliche Steinwerk. Vor einigen Wochen verirrte sich ein Kunsthändler in die kleine Stadt und blieb eine Nacht in dem einzigen Gasthof, den Alan aufweist. Am nächsten Morgen lungerte er noch etwas herum, und natürlich entging der Torweg seinen begehrlichen Augen nicht. Er hatte bald heraus, daß das Portal einem Privatmanne gehörte, den er aufsuchte. Nicht lange darauf ging es wie ein Lauffeuer durch die Straßen von Alan: ein Trupp Arbeiter war aus Paris angelangt, und sollte das Steinwerk abtragen. Der Stolz Alans sollte Stein für Stein verpackt und fortgeschafft werden, um irgendwo in Amerika seine Wiederauferstehung zu feiern. Der beleidigte Lokalpatriotismus bäumte sich auf, eine Revolution erfüllte den sonst so friedlichen Ort. An der Spitze der Bürgermeister, so zogen die Männer Alans mit Trommeln und Fahnen in den Kampf. Die Gerüste, die bereits für die traurige Arbeit aufgerichtet waren, waren im Nu umgestürzt, die Arbeiter vertrieben. Vergebens protestierten der jetzige und der frühere Eigentümer gegen diesen Gewaltakt. Ihre Beschwerden übertönte der einstimmige Schrei der kunsisinnigen Bürgerschaft: „Alan und der Kunstschatz Alans für die Alanesen." Der Vorfall wird ein gerichtliches Nachspiel haben, aber Magistrat und Bürger- schaff von Alan wissen, daß sie für eine gute Sache kämpfen. Das erbliche Schnarchen. In seiner englischen Heimat hat der Dekan von Manchester Bischof Welldon bei seinen Landsleuten ein heiteres Aufsehen erregt, indem er in einer Versammlung bei Gelegenheit einer Rede ein Bekenntnis über den Ursprung des Schnarchens ablegte. Jeder weiß, daß die Entstehung der Schnarch- tötze mit dem Oeffnen des Mundes während des Schlafes zusammen- Der Krieg am Balkan droht in ein allgemeines Kriegsfeuer überzugehen und alle europäischen Staaten, in erster Linie Rußland mit hineinzuziehen, llnter dem Vorwand eines gerechtfertigten Protestes gegen die Unterdrückung der Slawen durch die Türken führen die Balkanstaaten in Wirklichkeit einen Krieg im Interesse der Besitzergreifung von neuen Gebieten. Unter demselben Vorwande suchen die reaktionären Kreise Rußlands, von den liberalen Kreisen unterstützt, Rußland in das blutige Ringen am Balkan, in ein neues Kriegsabenteuer hineinzuziehen, das das Land wiederum an den Rand des Uiltergangs und deS Ruins zu führen droht. Wir protestieren laut gegen die Blut- und Eisenpolitik, die gegen den Willen der Balkanvölker begonnen hat. Wir entsenden unseren brüderlichen Gruß und den Ausdruck unserer vollen Solidarität an die Arbeiter Bulgariens, Serbiens, Griechenlands nnd der Türkei, die»nutig ihre Stimme erhoben haben gegen den von den Regierungen inszenierten Krieg. W i r schließen uns den Arbeitern Deutschlands, Frank- reichs, Oesterreichs, Englands und der ganzen Welt an, die dem Kriege den Krieg erklärt haben, um das ausgebrochene Feuer zu löschen und einen Weltkrieg zu vereiteln. Wir erheben P rote st gegen unsere russischen Liberalen, die dem dunkele« Werke der Hineinziehung Rußlands in einen neuen Krieg ihre schmähliche Unterstützung leihen. Wir machen es den AuSerwählten der Arbeiterklasse im Verein»nit allen wirklichen Volksvertretern zur Pflicht, in und außerhalb der Reichsduma die Politik deS kriegerischen Abenteuertums mit allen Mitteln zu bekämpfen. Wir sind überzeugt, daß unser Protest gegen den Krieg Widerhall findet bei allen Arbeitern Rußlands, bei allen ehrlichen Demokraten und den Arbeitern aller Länder zur Kenntnis gelangt. Nur die Feinde der Freiheit bedürfen des LtriegeS; die Arbeiterklass e will die Eintracht der Völker." ** # Friedeiiödcmoustratio» in Budapest. Die Protestversammlung in Budapest war eine der mäch- tigsten und imposantesten Versammlungen, die je in Budapest ab- gehalten wurden. Ein Demonstrationszug ging der Versammlung voraus, an welchem sich mehr als 30 000 Menschen beteiligten. Bei der Ankunft des Deinonstrationszuges in dem Versanunlungslokal, dem größten der Hauptstadt, konnte der Zug keinen Einlaß finden, da das Lokal bereits völlig besetzt war. Reichstagsabgeordneter Liebknecht-Berlin hielt das Referat, das lebhaften Beifall aus- löste. Dairn sprach Reichsratsabgcordneter Dr. Wilh. Ellen- bogen und nach ihm der ungarische Parteiführer B o ck a n y.. In der Provinz fanden außerdem 43 große Protest, Versammlungen statt. Eine Resolution wurde angenommen, die in energischen Worten gegen den Krieg Stellung nimmt. >,-» 4- Kundgebungen im Reiche. In Düsseldorf war Mittwoch vormittag(Bußtag) eine imposante Kundgebung gegen den Krieg in dem Riesensaale des Ilpollothcaters veranstaltet worden. Obwohl der Saal etwa 6000 Personen faßt, mutzte er wegen Ueberfüllung schon lange Zeit vor Beginn der Versammlung abgesperrt und eine Parallelversamin- lung im„Volkshause" abgehalten werden. Referenten waren die Genossen Haberland(Reichstagsabgeordneter) und S. Grum- bach- Paris. Die Polizei hatte nach dem Muster Jagows das Reden in französischer Sprache verboten. Heiterkeit erweckte c? daher, als sich Genosse Grumbach als„eroberter Elsaß-Lothringcr" vorstellte. Die Versammlung stimmte dem Vorschlage begeistert zu, dem Internationalen Sozialistenkongretz in Basel brüderliche Grüße und beste Wünsche zur erfolgreichen Tagung zu senden, Die Polizei »rahm keinen Anlaß, sich bemerkbar zu machen. Huö der Partei. Zum internationalen Kongreß. Die deutsche Delegation tritt in B a s e l am Sonntag« vormittag 9 Uhr in der K I a r a s ch u l e zusainmen. Wegen Quartier müssen sich die Delegierten mit dem Quartier- komitee, Adresse: Redakteeir Frey, Basel(Schweiz), Peters- berg 29, in Verbindung setzen und bei ihrer Ankunft in Basel sich beim Auskunftsbureau, das am Badischen Bahnhof eingerichtet ist, melden. hängt. Man pflegt daher schon bei der Erziehung der Kinder daraus zu halten, daß sie nicht mit offenem Mund schlafen, freilich nicht nur mit Rücksicht aus Vermeidung des Schnarchens, sondern nam-mtlich weil die Nase bei der Atmung als Filter für die Luft dienen und den Staub abhalten soll. Diese Ansicht über das Schnarchen ist nun aber zum wenigsten unvollständig, denn es kann gar keinem Zweifel»mterliegei», und jeder kann es bei sich selbst ausprobieren, daß man auch mit geschlossenein Mund schnarchen kann. Es müßte überhaupt erst noch bewiesen lverdei», daß die Mehrzahl der Schnarcher oder die größten Virtuosen in dieser Kunst mit offenem Mund ihre nächtlichen Untaten verüben. Außerdem aber kann man ernstlich die Frage aufwerfen, ob das Schnarchen vielleicht erblich ist. Der Bischof von Manchester führte zur Stütze dieser Vermutung ein Wort des berühmten Nechtsgelehrten Bentham an:„Mein Vater schnarchte, ineine Mutter schnarchte, und wenn mein Sohn nicht schnarcht, dann ist er ein Betrüger". Die Wahr- heit wird wohl in der Annahme liegen, daß das Schnarchen auf sehr verschiedenem Wege zustande kommen und daß es in einigen dieser vielen Fälle auch auf erblichen Einflüssen beruhen kann. Es ist dann vielleicht zu vergleichen mit Eigentümlichkeiten der Sprache oder des Stimmklanges, die ja auch insoweit erblich sein können, daß man zuweilen die Verwandtschaft zwischen zwei Personen an der Aehnlichkeit der Sprache zu erkennen vermag. Außerdem gibt es, wodurch die Vielseitigkeit in der Entstehung des Schnarchens am schärfsten gekennzeichnet wird, auch ein eigentlich krankhaftes Schnarchen, das in Zusammenhang mit bestimmten Krankheiten der Mundorgane oder auch des GehirnS steht und zuweilen ein recht bedenkliches Merlmal darstellt. fflottatn. — Dct Verein für Frauen und Mädchen ve'ran- staltet Sonntag nachmittag 4 Uhr im Blüthner-Saal. Lützowstr. 76, ein S ch uman n- K o n z e r t. Mitwirkende: Frau Paula Wein- bäum und das Kestenberg-Trio. Der Patriotismus als Geschäft. Der«Kunst- wart" bringt unter dem Titel„Anzeigen als Anzeichen" von Zeit zu Zeit Jnseratausschnitte, die helle Schlaglichter auf die Gesin- nung uud den Ausdruck bestimmter Kreise werfen. Zu was allem dsr Patriotismus ausgebeutet wird, zeigt folgende Anzeige aus Berliner Blättern: Für große patriotische 1913-Sache werden zur Gründung einer G. m. b. H. 20 000 Mark(auch geteilt) gesucht. Sache zeitigt hohe Anerkennungen und bringt großen Gewinn. Herstellungs-Unkosten betragen M. 0,25; Verkaufspreis M. 2,50. Offerten an: Dipl.-Jngenieur 181$— 1888-1913, ujv. Giuc Konferenz für Seit Agltationsüez/irk Franffurf S. M. tngie am Mittwoch in Frankfurt a. M. Berichtet wurde, daß im Bezirk auf allen Gebieten gute Fortschritte gemacht wurden. Die Partei zählte in den tl Wahlkreisen vor 12, Jahren 7517, im Vorfahre 23 213, jetzt 27 042 Mitglieder, daruutcr 3182 weibliche. Die „Volksstimme" hat 40 000 Abonnenten. Ben der letzten Reichstags- wähl stieg unsere Stimmenzahl um 26 640, gleich 31,02 Proz. In kommunalen Körperschaften hatte die Partei Vertreter: 1906: 159, 1908: 195, 1910: 261, 1912: 291. 1717 Mitglieder- und 1055 öffentliche Versammlungen wurden abgehalten, 2 183 000 Flugblätter, 74 000 Broschüren und 120 000 Kalender verbreitet. Das Bibliothek- und Bildungswesen wurde weiter entwickelt und die Jugendbewegung vorangebracht. lieber die preußischen Landtagswahlen referierte Genosse Liebknecht. Unter lebhafter Zustimmung der Konfe- renz betonte er, daß der Freisinn nur auf die Unterstützung der Sozialdemokraten rechnen könne, wenn er Gegenleistungen gewährt. — Genosse Wendel sprach über den Internationalen Kongreß in Basel. An das Referat knüpfte sich eine lebhafte Debatte. Als Delegierter wurde Genosse Wendel mit 74 gegen 51 Stimmen gewählt. Der Bezirksvorstand wurde durch Frau Emmenbach ergänzt und dem scheidenden Bezirkssekretär Rudolph wurden warme Worte der Anerkennung gezollt. Die Bezirkskonferenzen sollen künftig nur noch in Frankfurt abgehalten werden, Gemeindewahlen. In der Sbadt Dessau vereinigte sich bei der Stadtratswahl »uf die gemeinsame Lifte der Sozialdemokraten und Fortschrittler eine Mehrheit von rund 500 Stimmen. Gewählt wurden 5 Sozial- demokratcn, 5 Fartschrittler und 2 Demokraten. Die national- libcrnl-mittelständlerische Mehrheit im Stadtparlament ist nun er- setzt durch die sozialdemokratisch-fortschrittliche. Die Erfurter Stadtverordnetenwahlen der 3. Abteilung endeten am Dienstag nach siebentägiger Dauer mit einer Nieder- läge unserer Genossen. Von 15 410 Wahlberechtigten übten 7357 ihr Wahlrecht aus gleich 47,74 Proz. Stimmen erhielten unsere Genossen 2896 bis 2856. die Gegner 4376 bis 4336; wir erhielten 39,30 Proz. der gesamten abgegebenen Stimmen. Bei der letzte» Wahl hatten unsere Genossen 42,31 Proz. der abgegebenen Stimmen, während die Beteiligung nur 38,12 Proz. betrug.— Wahlterrorismus zeigte sich in der krassesten Form an allen sieben Tagen. Die Wahlbeteiligung war 1908 zum erstenmal über 30 Proz. gestiegen, die Angst vor einigen Sozialdemokraten hat diesmal fast 48 Proz. auf die Beine gebracht. In Flensburg wurden die beiden Kandidaten der Sozial- dcmokratie gewählt. Bier Sozialdemokraten sitzen dort nunmehr im StadtvcrordnetenkollegMlm. Gegenüber den Wahlen im Vor- jähre ist ein Zuwachs von reichlich 700 sozialdemokratischen Stimmen zu verzeichnen. Bei der Bürgerausschußwahl s3. Klasse) in Mosbach iBaden) erhielten die Sozialdemokraten 5 von den 20 Sitzen. Hätte die sozialdemokratische Liste eine Stimme mehr erhalten, so würde ein weiteres Mandat erobert worden sein. In Konstanz brachten die Bürgerausschußwahlen in der 3. Klasse bei einer Wahlbeteiligung von 64 Proz. den Sozialdemo- kraten 8 Stadtverordnetenfitze von 32 im ganzen. Bei den Wahlen der 2. Klasse, an der sich 81 Proz. der 1363 Wahlberechtigten betei- I igten, fielen aus die sozialdemokratische Liste nur 34 Stimmen. Es wurde in dieser Klasse keiner unserer Kandidaten gewählt. In Z e r b st siegten die Sozialdemokraten und Demokraten über die bürgerlichen Kandidaten. Eine Konferenz der Bildungsausschllsse Thüringens fand am Sonntag, den 17. November, im'„Volishause" zu Weimar statt. Anwesend waren außer 3 Vertretern des Bezirks- bildungsausschusseS in Erfurt 9 Delegierte von WahlkreiSauS- 'schüssen, 47 Abgeordnete der örtlichen Ausschüsse und je ein Ver- treter des Arbeiterbildungsinstituts in Leipzig, des Bezirks- bildungsausschusses für die Provinz Sachsen und für Anhalt in Magdeburg und des Jugendagitationsbezirks Thüringen. Der Zcntralbildungsausschuß hatte sich wegen Behinderung entschuldigt. Genosse Em. H ö l l e i n- Jena erstattete das erste Referat über:„Die Arbeiterbildung in Theorie und Praxis". Die vom Referenten vorgelegte Resolution wurde ein» stimmig angenommen. Genosse Eugen P r a g e r- Erfurt behandelte das Thema: „S ch ü l e r w a n d e r u n g e n". Ausgehend von der Erkenntnis, daß wir auf keinen Fall die proletarische Schuljugend den gcgne- rischen Organisationen(Jungdeutschlandbund usw.) überlassen dürfen, propagierte er den Gedanken der bezirksweisen Organisa- tion von Schüler Wanderungen, des Austausches von proletarischen Schulkindern von Stadt zu Land und der Einrichtung von Waldspieltagen in den Ferien. In der sehr ausgiebigen Diskussion, die sich durchaus in zustim- mendem Sinne bewegte, wurde empfohlen, die Zusammenfassung der proletarischen Schuljugend nicht bloß auf die Ferien zu be- schränken, sondern sie das ganze Jahr über durch Einrichtung von Spieltagen und Kinderchören usw. zu betreiben. Genosse O s w. R e i ß h a u s- Erfurt besprach die T h e a t e r- frage. Er beleuchtete den künstlerischen Tiefstand des kapita- listischcn Geschäftstheaters und die Schäden des Dilettantenwesens und erörterte die Frage der Organisation einer Schauspieltournee in Thüringen._ Konferenz der internationalen Arbeitervereine in der Schweiz. In St. Gallen tagte am Sonnabend und Sonntag die Konferenz der internationalen Arbeitervereine in der Schweiz, die von 35 fvon 36) Sektionen durch 44 Delegierte beschickt war. Vom sozialdemokratischen Parteivorstand in Berlin und der Ge- fchäftsleitung der sozialdemokratischen Partei Oesterreichs in Wien lagen Glückwunschschreiben vor. Zum gedruckten Tätigkeitsbericht des Landesausschusses gab Sekretär Platten-Zürich noch mündliche Erläuterungen, in denen sowohl wie in der anschließenden DiS- kuffion wiederum wie auf dem sozialdemokratischen Parteitag in Neuenburg von allen Seiten Klagen erhoben wurden über will- kürliche und gesetzlose Behandlung und Miß- Handlung von ausländischen Arbeitern in der Schweiz durch die Polizei. Es fand dann folgende von Zinner- Wintertbur beantragte Resolution einstimmige Annahme: Die am 16. und 17. November in St. Gallen tagende Kon» ferenz der internationalen Arbeitervereine in der Schweiz nimmt mit Entrüstung Kenntnis von den von Delegietten aus allen Teilen des Landes erstatteten Berichten über polizeiliche Mißhandlung und Schikanierung von ausländischen Arbeitern. die so als völlig rechtlos und vogelfrei erscheinen, obwohl ihnen die Niederlassungsverträge das volle Recht des Aufenthalts in der Schweiz garantieren. Tie Konferenz protestiert gegen diese wahrhaft russischen, die schweizerische Demokratie schändenden Zustande und beauftragt den Landesausschust» alles bezügliche Materiat zu sammeln, zu veröffentlichen und in jedem Falle die geeigneten«chritte zu unternehme», namentlich auch durch die Mitwirkung der lozmldemokratijchen Vertreter in den Behörden. um diesen unerträglichen und unwürdigen Verhältnissen ein Ende zu machen. Die ivicktigste Frage, die die Konferenz beschäftigte, war die des Anschlusses der internationalen Arbeitervereine an die schweize- rische sozialdemokratlsck)« Partei und der Auflösung der seit 30 Jahren bestehenden Landesorgani,ation. Eine ganze Anzahl von Vereinen hat diesen Anschluß bereits vollzogen und es wäre auch die Frage der Auflösung der Landesorganisation reif gewesen. wenn die Geschäftslcitung der schweizerischen sozialdemokratischen Partei dem Landesausschuß gegenüber das erwünschte Entgegen- lommcn bezeugt hätte. Nach mehrstündiger lebhafter Diskuffim, fand mit 39 gegen 4 Stimmen eine Resowtwn Annahme, die sich grundsätzlich jux die Auflosung dex Lglldesorganisgtwn erklärt, speil die Elüwickelung zur Parteieinheit in der Schweiz borwaris geht und die Sektionen verpflichtet, in die Kantonalverbände ein- zutreten. Vom 1. Januar 1913 ab sollen in den internationalen Arbeitervereinen, soweit es nicht schon jetzt der Fall ist, die Mit- gliedsbücher und Beitragsmarken der Partei eingeführt werden. Endlich sollen die Sektionen und der Landesausschutz die nötigen Vorbereitungen für die Auflösung der Landesorganisation treffen. — Der Beschluß ist geradezu ein Ereignis für die Geschichte der Arbeiterbewegung, der von hoher politischer Einsicht und Reise der ausländischen Genossen in der Schweiz zeugt und dessen volle Würdigung und Anerkennung man mit Recht auch von den schwei- zerischen Parteigenossen und den leitenden Organen der Partei fordern darf. Vorläufig besteht die Landesorganisation noch fort und wurde Zürich als Vorort, Winterthur als Sitz der Beschwerdekommission bestätigt. Schließlich fand noch eine Resolution gegen Völkerkrieg und Imperialismus einstimmige Annahme, worauf die Konferenz vom Präsidenten Kugler-Zürich mit einem dreifachen begeisterten Hoch auf die internationale, revolutionäre und völkerbefrciende Sozial- dcmokratie geschlossen wurde._ Kongreß der sozialistischen Seineföderation. Am Sonntagmorgen fand in St. Gervais der außerordentliche Kongreß der Seineföderation statt, an dem über 300 Delegierte teilnahmen. Aus der Tagesordnung stand:„Die internationale Lage und die Stellung der Sozialdemokratie zum Krieg". Im Verlauf einer längeren Debatte erklärte Genosse Vaillant, daß man den zum Baseler Kongreß Delegierten freie Hand lassen müsse, um ihnen zu ermöglichen, in Basel einer gemeinsamen Resolution zuzustimmen. Es wurde mit 313 gegen 26 Stimmen eine Resolu- tion angenommen, die an die von den Kongressen in Limoges und Nancy angenommenen Beschlüsse erinnert, die zur Verhinderung des Krieges alle Mittel empfahlen,„von der parlamentarischen Intervention, der öffentlichen Agitation, den Massenmanifesta- tionen bis zum Arbeitergeneralstreik und der Insurrektion". Auf dem am Donnerstag in Paris stattfindenden außerordentlichen Nationalparteitag der französischen Sozialdemokratie wird diese Resolution ebenfalls zur Annahme vorgeschlagen werden, Parteiliteratur. Im Verlag von I. H. W. Dich Nachf. in Stuttgart ist soeben erschienen als Nr. 25 der Kleinen Bibliothek: 1807 bis 1812. Bon Tilsit nach Tauroggen. Von Franz Mehring. Aus dem Inhalt heben wir hervor: 1. Einleitung. 2. Der Friede von Tilsit. 3. Die agrarische Reform. 4. Die militärische Reform. 5. Ter Septembervertrag von 1808. 6. Ein Sieg der Junker. 7. Die städtische Reform. 8. Der Krieg von 1809. 9. Das westfälische Bulletin. 10. Das französische Bündnis. 11. Der russische Feld- zug. 12. Die Konvention von Tauroggen. JugenÄbetvegung. Internationale Jngendkonferenz. Die Zentralstelle für die arbeitende Jugend Deutschlands schreibt uns: Mehrere Anfragen veranlassen uns mitzuteilen, daß die proletarische Jugendbewegung Deutschlands auf der Konferenz in Basel nicht vertreten sein wird. Nach der Nürnberger Resolution über die Jugendbewegung ist„die Wirtschaft» liche Interessenvertretung und die Entscheidung über politische Parteifragen nach wie vor lediglich Aufgabe der gewerkschaftlichen und politischen Organisation." Aus diesen Gründen ist die deutsche Jugendbewegung bisher nicht an das Internationale Jugendselretariat angeschlossen._ Sozialea* AnS einem Berliner Nachtcafe. Im Eafe Borussia(Jnh. Mäseler) in der Hasenhcide ist zur Unterhaltung und Aufheiterung der Gäste eine Musikkapelle ange- stellt. Für den Mvnat September tvar eine Kapelle von 5 Personen (2 Damen und 3 Herren) vertraglich verpflichtet. Die Spielzeit sollte täglich von 8 Uhr abends bis 4 Uhr morgens und Sonntags von 4 Uhr nachmittags bis 4 Uhr morgens einschließlich einer Pause von einer Stunde betragen. Als Gage tvaren für jede Nacht 47 M. vereinbart, die nach Beendigung jeder Spielzeit bezahlt wurden. Am 8. September kam es zwischen Herrn Müseier und der Dirigen- tin der Kapelle, Frau La Roudellc, zu Differenzen. Infolge der- selben entließ Herr M. die Kapelle ohne Zahlung der Gage. Frau L. R. klagte jetzt vor dem Gewevbegericht auf Zahlung der Gage vom 8. bis 16. September pro Tag mit 47 M., ermäßigte aber schließlich ihre Forderung auf 259 M. In der Verhandlung vor der Kammer VI des Gewerbegerichts gab der Beklagte Müseler zu, daß er mit der Klägerin einen Vertrag für den Monat September abgeschlossen habe. Mit den gespielten Musilpiecen sei er öfter nicht zufrieden gewesen, weil dw Kapelle zu viel ernste Stücke ge- spielt habe. In der Nacht, in welcher der Konflikt ausbrach, hätte er den Besuch eines früheren Kapellmeisters bekommen. Diesci habe etwas Gutes von der Kapelle hören wollen. Darauf Hache er durch einen Angestellten die Kapelle ersuchen lassen, doch einmal die zweite Rhapsodie von Liszt zu spielen. Die Klägerin habe die? abgelehnt und ihm sagen lassen, ein derartiges Verlangen sei eine unerhörte Zumutung. Dann habe er der Kapelle sagen lassen, sie sollte die„Traviata" spielen. Auch dies habe die Klägerin zuerst abgelehnt, dann aber erklärt, sie wollten einen Teil spielen, so gut es eben gehe; die Mitglieder der Kapelle seien übermüdet. Einen Teil habe die Kapell« auch gespielt. Ueber das Verhalten der Klägerin tväre er als Besitzer des Lokals sehr erregt gewesen und habe schließlich auf ihre weiteren Dienste verzichtet. Die Klägerin habe ihn auch vor den Gästen seines Lokals bloßgestellt. Um seine Autorität als Besitzer des Lokals zu wahren, habe er einige Gäste, die sich der Klägerin als Zeugen anboten, aus dem Cafe verwiesen. Dieser Vorgang habe sich in der vierten Morgenstunde abgespielt. Am folgenden Tage habe er von der Kapelle einen Brief erhalten, worin diese ihm mitteilte, daß sie sich ihm wieder zur Verfügung stellte. Er habe aber auf die weiteren Dienste verzichtet. Die Klägerin hob hervor, daß die Kapelle die Dienste nicht ver- weigert habe. Es wäre ganz unmöglich gewesen, morgens um 4 Uhr, nachdem sie viele Stunden anstrengend gespielt hatten, so schwere und so große Musikstücke zum Vortrag zu bringen. Sie seien vollständig abgespannt und übermüdet gewesen. Herr Müseler habe eine gewisse Animosität gegen sie gehabt und den Konflikt nur vom Zaune gebrochen. Einige Zeugen legten dar. daß die Mitglieder der Kapelle mor- gens um 4 Uhr in der Tat überanstrengt waren. Die als Zeugin vernommene Eellistin gcch noch an, daß sich Herr M. sehr für sie interessiert habe, er sei ihr gegenüber sehr nett und zuvorkommend gewesen, habe sie öfter gehänselt und einmal in» Bein gezwickt. Als sie sich dies verbat und ihn auf die Hand geschlagen habe, hätte er gesagt, sie dürfe ihren Ehef nicht schlagen. Als die Zeugin diese Angaben machte, rief ,hr Herr Museler einige kränkende Aeutze- rungen zu. Tarauf verhängte da» Gericht eine Ordnungsstrafe von 20 M. wegen Ungebühr über ihn. Im dritten Termin kam ein Vergleich zustande. Nach diesem verpflichtete sich der Beklagte. daS Gehalt für den Entlassungstag und 100 M. an die Klägerin zu äctBIen. Der Vergleich, dem die Klägerin nur auf wiederholtes Drängen öes Vorsitzen d-en, Magistratsassessor Niese, und eines Ardeitgeber- beisitzers zustimmte, bedeutet ein außerordentlich großes Entgegen» kommen dem Beklagten gegenüber. In der Verhandlung ist er- wiesen, daß die Kapelle die Arbeit nicht verweigert hatte, sondern nur wegen Ueberanstrengung den an sie gestellten Anforderungen nicht nachkommen konnte. Außerdem mar sie überhaupt nicht ver- pflichte� weil es einem Freunde des Beklagten gerade paßte, die zweite Rhapsodie von Liszt zu spielen.� Es ist bedauerlich, wenn in so gelagerten Rechtsfällen der Vorsitzende durch Einreden auf die klagende Partei diese zur Aufgabe ihres klaren Rechts veranlaßt. Nach dem Ergebnis der Verhandlung hätte der Beklagte zur Zahlung der gesamten Forderung verurteilt werden müssen. Gemkrs- Zeitung. Freie Bahn den Kinderschändern? Der Rentier und Ratsherr Peters in Königs Walde(Kreis Oststernberg) ging gegen ein zwölf- jähriges Mädchen, das in seinem Haushalt beschäftigt war, mit unsittlichen Handlungen vor. Das Kind sträubte sich, unterlag aber schließlich den Verlockungen und Drohungen des Wüstlings. Erst durch Eingreifen Dritter wurde Strafverfolgung, Verhaftung und Bestrafung des Ver- führers herbeigeführt. Darauf begann eine Hetzjagd gegen das geschändete arme Kind. Es wurde wegen angeblichen Diebstahls angeklagt, mußte aber freigesprochen werden. In dem vom Lehrer ausgestellten, vom Pastor als Schulinspektor bestätigten Zeugnis hieß es:„Zu t a d e l n w e g e n s i t t- t i ch e r Vergehen", tveil es schließlich den rohen Angriffen des Ratsherrn unterlegen war. Gemeinsame Konfirmation wurde dem Kinde verweigert. Es wurde auch mit Fürsorge- erziehung bedroht. Der Pastor Lehmann aus Königs walde wollte des Ratsherrn Verhalten mit christlicher Liebe bedecken, als er es noch nicht in seiner ganzen Scheußlichkeit erkannt hatte. Beeilte sich das Konsistorium das ungerechte Schulzeugnis zu ändern? Keineswegs. Es stellte Strafantrag wegen vermeintlicher Beleidigung des Pastors, weil nach durchaus unzutreffender Ansicht des Kon- sistoriums dem Pastor im Vorivärtsartikel in den Mund gelegt sei, die Mutter solle die Tat verschweigen, dann werde das Kind eingesegnet, sonst nicht. Und in der Tat verurteilte die Strafkammer des Land- gcrichts unfern Verantwortlichen Redakteur Genossen Albe rt Wachs anr 29. März zu einem Monat Gefängnis. Unsere Erwartung, das Reichsgericht werde dieses ungerechte Urteil aufheben, ist nicht in Erfüllung gegangen: das Reichs- gericht hat am Dienstag die Revision verworfen. Es hat das erste Urteil nur insoiveit geändert, als es die Publikations- besugnis dem Konsistorium statt dem Pfarrer zusprach. Bereits nach Fällung des Strafkammerurteils erklärten wir, durch solche unseres Erachtcns durchaus ungerechte Ur- teile werden wir uns nicht abhalten lassen, zum Himmel schreiende Schändungen unschuldiger Kinder und die dem Rechtsempfinden ins Gesicht schlagende Behandlung eines solchen Kindes zu besprechen und zu kritisieren. Schamlos. wer sich durch Gerichtsurteile davon abschrecken ließe. In ein Schulzeugnis hineinzuschreiben:„Zu tadeln wegen sitt- licker Verfehlungen", weil das Kind seinen Widerstand gegen seine Schändung durch den Rentier, Ratsherrn und Herrschaft hatte brechen lassen, heißt nicht den Sittlichkeits» Verbrecher, sondenu sein Opfer an den Pranger stellen. Eine Korrektur des Zeugnisses hätte das Konsistorium von Amts wegen beivirken sollen; es hat aber vorgezogen. gegen die Kritiker der Sittlichkeitsschändung Strafantrag zu stellen. Es hat auch erreicht, daß unser verantwortlicher Re- dakteur durch falsche Auslegung des Artikels einen Monat Gefängnis erhielt. Wir beneiden das Konsistorium nicht van die Enipfindungen, die sein Vorgehen gegen andere als uns ausgelöst hat. Nach wie vor werden wir, unbekümmert um konsistoriale Strafanträge und Fehlurteile des Gerichts, gegen entsetzliche Verwüstungen von Kinderglück uns wenden. Die Polizeistund?.. In der Ermittelung und Festnahme von Kapitalverbrechern versagt die polizeiliche Findigkeit meistenteils. Desto größere Triumphe feiert sie dagegen auf dem Gebiet der sozusagen Polizei» lichen Kleinarbeit. Welche Menge von Kraft und Zeit wird nicht verschwendet, um beispielsweise Ucbertretungen der für Schanklokale festgesetzten Polizeistunde festzustellen. Dabei halten die Polizei- lichen Feststellungen vor Gericht in vielen Fällen nicht stand. Der Gastwirt Franz Schultz in der Eckertstraße ist schon öfter mit Polizei- lichen Strafverfügungen bedacht worden, die sich aber vor Gericht als unbegründet herausstellten. Gestern hatte Schultz wieder wegen zwei derartiger Fälle vor der Berufnngökammer zu erscheinen. In beiden Fällen hat ihn der Kriminalschutzmann Günther angezeigt. nach der Polizeistunde noch Gäste bewirtet guthaben. Ilm einen einzigen Gast handelte es sich in jedem Falle. Aber diese beiden Gäste waren, wie vor Gericht festgestellt wurde, Mitglieder oder geladene Gäste eines im Schultzschcn Lokale an dem betreffenden Abend tagenden Vereins, der nicht an die Polizeistunde gebunden war. Das Gericht kam deshalb in beiden Fällen zu einem frei- sprechenden Urteil. Gericht nachgeordnetes Organ der politischen Polizei? Auf Veranlassung der politischen Polizei war die Arbeiterin Maczinowska wegen Uebcrtretung der Mcldevorschriften mit der höchsten zulässigen Strafe von 60 Mark oder fünf Wochen Haft bedacht worden. Wie kam es. daß sich die politische Polizei mit dieser gar nicht in ihr Ressort einschlagenden Sache befaßte? Die Arbeiterin Maczinowska, die jetzt nicht mehr in Berlin weilt, war seinerzeit Schriftführerin in der Partei polnischer Sozialisten (P. P. S.) und derjenige, der unangmeldet kurze Zeit bei ihr wohnte. war ein russischer Arbeiter, den die politische Polizei auszuweisen beabsichtigte. Der Arbeitgeber des Russen scheint von dieser Absicht der Polizei Wind bekommen zu haben. Er mochte den in seinem Fach sehr tüchtigen russischen Arbeiter nicht gern entbehren und gab ihm deshalb den Rat. sich unangemeldet in Berlin aufzuhalten. Das ging auch einige Wvchen. Inzwischen hatte die politische Polizei den Aufenthalt des Russen ausgekundschaftet. Dieser wurde ausgewiesen und seine Wirtin, eine Arbeiterin, die nur 12—14 M. in der Woche verdient, bekam ein auf 60 Marl lautendes Straf. mandat, welches auch vom Schöffengericht bestätigt wurde.— J« der Berufungsinstanz, die sich gestern mit dieser Sachx zu schäftigen hatte, wies Rechtsanwalt Oskar Cohn auf den ganz un- gewöhnlichen Fall hin. daß die politische Polizei sich dieser Ueber» tretung der Mcldevorschrist annahm. Ebenso ungewöhnlich, ja un- erhört sei es, daß das Gericht erster Instanz, dem Ersuchen der politischen Polizei folgend, auf die Höchststrafe erkannt habe. Ein solches Ersuchen der Polizei sei ein Ucbcrgriff in die Befugnisse. welche allein dem Gericht zustehen. Kein Gericht sollte sich derartige Uebergriffe gefallen lassen. Das Gericht bestätigte dennoch das Urteil erster Instanz. Also hat auch hier die politische Polizei ihren Willen be- kommen._ „Streikbrecher" eine Beleidigung? Vom Reichsgericht wurde am Dienstag das Urteil des Land- gericht» Tortmund vom 23. April aufgehoben, durch welches der Bergmann Staplinski wegen Beleidigung zu einer Woche Gefängnis verurteil worden ist. Nach Ansicht d«S Reichsgerichts ist in dem Urlcil niD genügend dargelakl,?c>� in dem Morse„StreiKrePer" eine Beleidigung zu erblicken ist. Die Sache wurde an das Land- gericht zurückverwiesen. Das Wort„Streikbrecher" spricht nur eine Tatsache aus, kann also nicht beleidigend sein, wenn diese Tatsache wahr ist oder wenn der angeblich Beleidigte Streikbruch für nichts Verächtliches hält. Indes das Landgericht wird ein paar„Feststellungen" über den beleidigenden Charakter des Wortes machen und dann wird das- selbe Reichsgericht auch dies wie so viele Strcikurteile für frei von Rechtsirrtum erklären._ Der Tarifvertrag der Maler vor dem Reichsgericht. Für das Malergewcrbe besteht ein am 26. Januar 1316 zwischen dem Hauptverband deutscher Arbeitgcberverbände im Malergewerbe (Sitz Berlin) einerseits und drei Arbeitnehmerorganisationen. näm- kich dem Verband der Maler Deutschlands(Sitz Hamburg), dem Zentralverband christlicher Maler(Sitz Düsseldorf) und dem Hirsch- Tunckerschen Gewerkverein andererseits abgeschlossener Neichstarif- vertrag, der Festsetzungen über die zu zahlenden Löhne usw. enthälj. In dem Tarifvertrage findet sich aber auch eine über den sonstigen Rahmen solcher Verträge hinausgehende Bestimmung, die eigentlich nur die Arbeitgeber untereinander betrifft: Stach K 16 muten die vertragschließenden Parteien ihre Mitglieder verpflichten, sich gegen- seitig zur Bekämpfung der Schmutzkonkurrenz zu unterstützen; solche liege vor, wenn ein Meister einen Auftrag unter dem Selbstkosten- preis übernimmt. Solchenfalls sollte die Sperre verhängt werden können. Am 26. März 1616 verhängte die Ortsgruppe Spandau des Arbeitgeberverbandes über ihr Mitglied, den Malermeister P. und sein Geschäft, die Sperre, weil dieser Submissionsangebote für die königlichen Institute und für die städtische Badeanstalt in Spandau unter Selbstkostenpreis abgegeben habe. P. will hierdurch schwer geschädigt worden fein. Auf Veranlassung des Verbandes der Arbeitnehmer hätten 25 seiner Gehilfen die Arbeit eingestellt, da- durch sei sein Betrieb lahmgelegt worden; er habe deshalb schließlich klein beigegeben und um Aufhebung der Sperre ersucht. Es fanden dann Verhandlungen statt, die dazu führten, daß P- die Kosten der Sperre übernahm, worauf diese am 23. März aufgehoben wurde. Dann strengte aber P. eine Klage gegen die am Tarifvertrag be- teiligten Verbände, foKohl gegen den Haupiberband der Arbeitgeber als auch die Arbeitnehmerverbände an. Er richtete die Klage ferner gegen die Ortsgruppen Spandau des Arbeitgeberverbandes und des Verbandes der Maler, und schließlich gegen je drei Vorstandsmit- glieder dieser beiden Ortsgruppen. Der Kläger behauptet: die Sperre habe gegen die Z8 152 und 153 der Gewerbeordnung und gegen§ 326 des Bürgerlichen Gesetzbuchs verstoßen. Er habe die Submissionsangebote nicht unter seinen Selbstkostenpreisen abge- geben. Der Kläger verlangt Schadenersatz wegen der Sperre, Ruck- zahlung der von ihm gezahlten Kosten der Sperre und Feststellung, daß die Beklagten in Zukunft nicht berechtigt seien, auf Grund des Tarifvertrages wegen Unterbietung der Selbstkostenpreise des Ver- bandcs wiederum die Sperre über den Kläger zu verhängen. Das Landgeicht und Kammergcricht Berlin haben die Klage abgewiesen. In seinen Enischeidungsgründen führt das Kammer- gericht aus: Soweit der Kläger seine Ansprüche auf den Vertrag stützt, sind sie unbegründet. Der Kläger ist kraft des Bertragsvcr- hältnisses verpflichtet, die Ausübung der dem Vertragsgegner nach dem Tarifvertrag zustehenden Sperre wegen Schmutzkonknrrenz zu dulden. Die Sperre war auch berechtigt. Es log in der Tat eine Schmutzkonkurrenz des Klägers vor. Maßgebend waren die vom Verband festgesetzten Mindestpreise, nicht die eigenen Selbstkosten- preise des einzelnen Unternehmers. Aber auch ein Angebot unter seinem eigenen Selbstkostenpreis lag offenbar vor, denn der Kläger hat bei der Ausschreibung derselben Arbeiten sein eigenes früheres Gebot selbst unterboten, um seinen Mitkonkurrenten herauszu- drängen. Hat aber der Kläger die Sperre durch sein Verhalten selbst veranlaßt, so kann er hieraus keinen Schadenersatzanspruch geltend machen. Auch soweit der Kläger sich auf außcrvertragliche Haftung beruft, ist die Klage unbegründet. Die§§ 152 und 153 der Gewerbeordnung sind nicht anwendbar, weil Tarifgemeinschaften keine Kampfesorganisationen sind und eine Nötigung des Klägers nicht vorliech. Auch die vom Kläger behauptete Sittenwidrigkeit der Sperr« im Sinne des§ 826 des Bürgerlichen Gesetzbuchs ist zu verneinen. Jedenfalls hat aber der Kläger, indem er sich der Sperre unterwarf und deren Kosten zahlte, damit auf alle Schaden- ersatzansprüche verzichtet. Das Reichsgericht hat das Urteil des Kammergerichts am Dienstag bestätigt. BMefkaften der Redaktton. Die lurlstischi sprichst»»»« fi»drt Linden st raste es, vor» dl«r Treppe» — Fahr st ul>I—, wochentiiglich von t'z. bis TIA Uhr abends, S-un-drnds, von tM>»IS ü Uhr abrndS statt. Jldcr für de» Brlrftasten deftiminten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Mertzcichen dctzusügen. Brtcfltche Antwort wir» nicht erteilt. Ansragrn, denen reine Abouncmcntsqnittnng beigefügt ist, «erben nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man tn der Sprechstunde vor. ®, M. 82. 1. Konsirmationsschein genügt. 2. Die Kosten für vfarr- amtliche Zeugnisse sind in den einzelnen Gemeinden recht verschieden. Lassen Sie den Betrag durch Nachnahme erheben. I. Ihre Frau bliebe lirchenstcuerpslichtig, beiZurückziehung des Antrages sind trotzdem die Kosten zu zahlen.— F. R. 46. Bei Großjährigkeit der Kinder hat das Vor- miindschastsgerichl nicht die Bcsilgnis, die Auseinandersetzung berbeizusührcn. ({jZ 1314, 1669 B. G.-B.)— 20. W. E. Wen» es sich um ein Privat- haus handelt, nein.— D. ll. 14. Die notwendigen Küchensachen unterliegen nicht der Beschlagnahme oder Einbehaltung, sie können auch vertäust werden.— O. F. 100. Die Firma ist zur Rücknahme der Maschibe nicht verpflichtet, kann vielmehr Weiterzahlung der Raten fordern. Ein Recht, die Maichine zu verkaufen, steht Ihnen nicht zu. für einen solchen Fall besteht die Gefahr der Bestrafung.— N. 24. Stellen Sie bei dem Vor» sitzenden der Veranlagungskommifsion einen Antrag auf Erlaß der Steuer für die Monate September und Oktober; gleichzeitig einen Antrag aus Stundung.— A. B. 120. Ein ungeslempelier Vertrag hat dieselbe Gülligkeit wie ein gestempelter. Nur ist sür den Fall, daß ein solcher Vertrag dem Gericht eingereicht wird, eine Stempeljtrase zu gewärtigen. — H. K. 404. Wenn Ihre Tochter sich eines ScheidungsgrundeS schuldig gemacht hat, ist nur der Mann zur Erhebung der Klage befugt. Ihre Tochter könnte nur aus Wiederherstellung der ehelichen Gemeinichast klagen. Ergeht ein Urteil aus Wiederherstellung und leistet der Mann diesem Urteil innerhalb Jahressrist von der Rechtstras t des Urteils an nicht Folge, so hat Ihre Tochter einen S-betdungsgrund.— M. S. 70. Ja, soweit sie nicht durch die infolge des auswärtigen Ausenthalts cntste hendcn Mehrtosten ver- braucht werden.— C. E. 38. 1. und 2. Nein. 3. Langericht II, Halle- scheS User.— H. N. 35. Ja, wenn aber die Uebernahme von Ver- pflichtungen damit verbunden ist. ist die Genehmigung des Vormundschasts- gerichts notwendig. 2. Nach Ablaus von zwei Jahren. Die Frist beginnt mit Ende des Kalenderjahres, in dem die Forderung entstanden ist. A. R. 7. 1. und 2. Nein.— A. W. 80 554. Wiederholen Sie Ihre Ansragc und geben Sie noch an, wann Sie geheiratet haben und wo der erste Ehewohnsitz gewesen ist.— S. Wt. 32. Die Beschlagnahme lvar zulässig.— Rummer 2. 1. Ja. 2. Das eingebrachte Vermögen muß, soweit eS zurzeit noch vorhanden ist, in vollem Umsange an« gegeben werden.— T. K. 50. Der Mann würde sich strasbar machen Simlichr Seife ist die Parole am Reinmachelag! Alles, was abgewaschen werden darf, verlangt nach der Wohl tat dieser 5ei Fe, denn ihr Erfolg istglänzend.5ie wirkt Wunder vom Keller zum Dach, vom Fussboden zur Decke. Email, Zink, Holz. Linoleum und Oelanstrich scheuert man am besten mit SunlichtSeifen-CösunQ. Todes-Anzeigen Sozlaläemokrat.Walilverein(.(!eD 8. Berliner Relclistags-Walilkreis. Den Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, daß unser Genosse, der Töpsermeister Gustav Mewes Simeonstraße 23, Bezirk 219 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 22. November, nach. mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle de» St. Simeon-Friedhoses in Britz, Tenwelhoser Wcg.aus statt. Um rege Bctelligung ersucht 211/7 v«»» Voi-»te»i>ck. Sozialdemokralisclier Waöherein Adlersbol. Den Milgliedern zur NachAcht. daß unser Genosse, der Glasbläser Oebel Bismarckstraße 21, im Alter von 24 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, den 22. November, nach. mittags Zss, Uhr, von der Halle des hiesigen Gemeinde- Fried- hoieS aus statt. 203/10 Dw Mitglieder treffen sich um 3 Uhr im Jugendheim, Bismarck- strage 11. Rege Beteiligung-rwarict Der Vorstand. ZeiialilenKiIfralizelierMvereiii Charlottcnbiirg. J�acbruf für unseren Genossen, den Former Adolf Staude Helmholtzftr. 11, der am 10. No- vember 1912 verstorben ist. Ehre seinem Andenken! l»«i- Vorstand- Danksagung. Für die vielen Beweise liebevoller Teilnahme und zahlreichen Kranz- spenden bei tw Beerdigung meines lieben Manne« 12S7b Sonlinnni» sagen wir allen Freunden und Bc- kannten, insbesondere dem Wahiocrein des L.«reise«, meinen werten Gästen, heu Mitgliedern des Sparvereins .Sud- sowie den Sängern für den «hebenden Gesang unseren herzlichsten Witwe Saalman« nebst Familie. Deutsclier ßoIzarbeiter-Yerbauil. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Maschinen- arbeiter Paul Derke «ickingenstr. 75, im Alter von 50 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Freitag, den 22. November, nach» mittags S'/i Uhr, von der Halle des St. Sebastian- Kirchhofes tn Reinickendorf. West, Humboldt- straße 71, aus statt. �tackrirf» Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischer •Jokann Wolter im Mter von 27 Jahre» am 17. November gestorben ist. Ehre seinem Andenken! 91/16 vis Orlsverwaltung. Am 21. d. MtS. verschied nach langem. schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, der Gastwirt Wilhelm Otto 'M 53. Lebensjahre. DieS zeigen lies betr übt an ««». Julie Otto geb. Winkel. Margarete Otto. Johanna Otto. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 23. d. Mts.. von der Leichenhalle des Nazareth. Kirch hoses in der Kögelstraße aus statt._ Danksagung. Für die überaus zahlreichen Beweise liebevoller Teilnahme an dem Hin- scheiden meines lieben Mannes, unseres guten Vaters und Großvater 12A fitarl Helmke sagen wir allen Freunden. Verwandten und Betanntcn, insbesondere dem Wahlverein Neukölln, dein Deutschen Mctallarbeitervcrband. dem Spar» verein.Kuhgangs-Ecke- und den Sängern für den erhebenden Gesang. insbesondere den Herren Chess und den Arbeitern der Firma Georg Grauert A.. ffi. Stralau, unseren besten Dank. Im Namen der Hinterbliebenen Witwe Auguste Selmke nebst Rindern. I «i»- Im Fabrikgebäude! I MSie sparen Geld! Obel Wenn Sie direkt in der i lUMfoHK HmISwSI ' lei.: Ä.. III, 5157 TL H kaufen. Verkauf nur im Fabrikgebäude— eigene I D Tischlerei und Polsferel.— AufWunsch Teilzahlung. 35■■Permanente Musterzimmer-AussteUung.■■ 35 7aut Obiglo's Testsäle, Schwedter Str. 23/24 Telephon: Amt Norden 33. 8 Haie mit Bühne für Hochzeiten und Gesellschaften noch einige Sonnabende und Sonntage frei. 3 vcreinssBtniincr kirr Sport-, Gesang- und andere Vereine. 2 Kegelbahnen für Winter und Sommer. 4790L* BankKagung. Allen Verwandten, B-lannien, Genossinnen und dem Sparverein Hohe Kanie'. Nculölln. sür die zahl- rAchc Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben unvergeßlichen Frau und guten Mutter unscrui herzlichsten Dam. 12A Der trauernde Gatte Paul Müller nebst«tudern. vuedhAmIluiig forwärts, Lindeustr. 69 (Laden) J. B. von Schweitzer Politische iursätze und Reden. Mit Einleitung und Anmerkung herausgegeben v. Fr. Slchrlng. Soziallstische Neudrucke V« Preis broschiert 8.— M., gebunden 4.— M. Aufruf an die Arbeiter Berlins! Die anhaltende Teuerung zwingt einen Jeden, sich vor Heber- vortcllang zu sebttteen! Kaufen Sie nur beim Fachmann Elegante fertige fl Teilzahlung von 1 Hark wöchentlich an. Vornehmste Maßanfertigung und Besichtigung Garderobe in deutschen u. englischen Stoffen ohne Kaufmwang gern gestattet. Ein Versuch führt zu danernder Kuiidacliatt. Julius Fabian, Sch nelderinelater Gesch.: Gr.Frankfurter Str. 37 n .Gesch.; Turm straße 18» kein I-aden._ Jedes Piket von Dr. Oeniner'i VcUohenieUeBpulvcr Goldperle enthllt ein reizendes priktlectaee u» OcKiieafc~ s n Alleiniger Fsbrikurt neh der ee beliebten Sehuhcrtme„NlgrU«: Carl Gentner, GCpplngen. Vertretung und Lager£00/12* bei Hermann«ander. Neukfilln, Herrfurihtte. 26. P: atcntcctc. ÄnÄM�uunf(lln-Wlemuti ci wirkt u. verwertet anerk. schnell /•"*...•_».___ m. rv_ ...tm u, verwcnci«hciiv. Civ. Ing, Jaegcr& Dr. Bro»l«uer n, GiUchlnarslp.1O0,n.d.Pat.-Amt gratis».trinke. Phänomen-Gold Feinste Cigarette Specialmarke PlräMen-Cliib 3 Pf. ® A.Werlheim® G* xn. Ii* XI* Leipziger Str. SoWeit Vorhanden� »2»-sc» 132-37 König-Str. Inseriertes Obst, Gemüse, am Bahnhof Alezander-Platz Kolonialwaren Victoria-Erbsen.... Pfund 19 Kleine Erbsen..... Pfund 15 pf. Glasierte Erbsen geib. Pfund 23 pr. Glasierte Erbsen Änfp'fd. 20 pi. Grüne Erbsen..... Pfund 19 pt Grüne glasierte Erbsen fm. 28 pt Linsen..Pfund 16, 21, 26 pe. Kleine weisse Bohnen pid. 18 fl Rangoon-Reis.. Pfund 18, 20 pr. Java-Reis.. piund 25, 30, 36 pr. Reisgries........ Pfund 18 pl Weizengries feini �"Vind 18 pr. Hartgrics tein- mittel- �„d 20 pt. Graupen f(lin'miUe\'fur� 17, 23 pr. Kartoffelgraupen.. prund 26 pt. Hafergrütze.......... 19pt. Haferflocken.. Pfund 20. 24 Pk. Kartoffelmehl... prd. 14, 18 pi. Weizenpuder..... ptund 27 pr. Deutscher Pcri-Sago ptund 26 pf, Grünkerngries____ Pfund 34 w. Oatmeal........ Pfund 28 pr. Backobst. Pfund 32, 42, 52 pf. Kalif. Pflaumen Pfd. 25, 35 pf. Kalif. Pflaumen Pfd. 52, 58, 68pf. Kaliforn. Birnen Pfd. 48, 58 pf. Kaiiforn. Pfirsiche p». 43, 55 pr. Kaliforn. Aprikosen pfd.65, 80 pf. Amerik. Ringäpfel.. PMnd 42 pt. Italienische Prünellen Pfd. 77 pf. Süsse Kirschen.... Pfund 50 pf. Saure Kirschen.... ptund 60 pt. Hagebutten...... Pfund 48 pf. Hühner-Bouillon- Würfel Dose 10 20 50 500 Stflck 42 80 pf. 1.90 18.00 Olympia-Bouillon-Würfel D.10 20 50 100«08t. 28 55 pf. 1.35 2.60 12.40 Kakao, Schokolade, Tee Deutscher Kakao Pfd. 60, 85 pf. Deutscher Kakao pfd.1.40, 1.70 Holland. Kakao pfd 1.50. 2.00 Vanille- Schokolade 1.20, 1.30 Haushalt-Schokolade 0- Ptuad 70, 9o Pf. Block-Schokolade.. prund 80 pf. Souchong-Melange 1.30 Souchong-Melangc.��65 pf. Souchong- Melange I 11 III TV V 1.90 2.30 2.80 3.40 4.20 Kongo-Melange pm. 2.80, 4.20 Ceylon• Melange.. ptund 3.40 Darjeeling-Melange. Pfund 6.40 Pecco-Melange.... ptund 4.80 Rosenthaler Sirasse Oranien-Strasse Gänsefleisch, Wild und Fische sind Von der Zusendung ausgeschlossen, T iSClXW ClU. inkl. Flasche Heisch 0chsenschmorfleischpfd.90 pr. Roastbeef pra. 1.00, Kn00hcnheen 1.40 Brust- u. Fehlrippe Pfand 80 pr. Kamm u. Querrippe tu. 75 pr. Halbstteule 1.10 KalbsKamm und Bug pra OO pr. Kalbsbrust 90 pr., Spitze 1.00 Frisch. SchinKen im PGfn"d 90 pr. Kamm und Schuft prand 95 pr. RücKenfett u. Liesen prd. 90 pr. HammelKeule 75 pr DicKe Rippe...... Pfand 70 pr. Dünnung........ Pfand 60 pr. Kasseler.. Pfand 90 pr. dt, 1.05 1.25 Hirschwild u. Wildschwein Kettle RttcHen Blatt Ragout prd. 1.00 90 pr. 70 pr. 35 pt StarKe Hasen»„«„tf». suk. 3.60 Kaninchen<"£«& 1.10 ms 1.20 Fische Holsleiner Auslern sSk 90 pf- Dorsche.......... Pfand 10 pr. Schellfische.. prand 16, 22 pt Kabeljau lÄ**-ML 18 Pt Rotzungenl6,Goldbarse20 pt Seelachs �W'�nd 1» rr. Schollen...... prand 20, 25 Pf. Haffzander...... prand 68 pr. Tafellachs. pr«nd 70 Pt Leb. Spiegel- und Schuppen- Karpfen 2—4 pfttndiz Pfand 78 Pf. Hechte und Schleie 1 91 1 Obcrmoselcr.>,. fl 72 pf. 1911 Wormeldlnger v.pl 82 pt 1 907 Kinhelmcr...•/. n 1.15 1 909Karthäuscrhofberg.F/i 1.35 1 909 Aspisheimer.. v, fl 80 pt. 1907 Eckelsheimer. v. fl 95 pt. 1905 Ganbischofsheimer � 1.15 1909 Bing. Rosengarten 1.45 1909 Lcs Bessannes.>/. fl 87 pt 1 907 Chat. Lague, �Tl 95 pt. 1908 Haut Medoc..«/. fl 1.05 1 904 Grand Poujeaux■/. fl 1.35 Tarragona.....•/, riasoh« 82 pl Feiner alter Tarragona f'l 1-00 Douro-Porlwein. rieche 1.15 Alter Douro-Portwcin Äf, 1.85 Heilbronner Mumme ÄÄ»«. v. fi. 55, v, fl 30 Obst und Tafeläpfel faaf0onPfd. 1.45 di° 2.25 Amerik. Aepfelpra. 12, 15, 29 pt Kaliforn. Aepfei Pfund 35, 38 pt KOChäpfel...., Pfand 25, 40 Pf. Essäpfel..... i Pfand 30, 55 pt Almeria-Trauben... Pfand 28 fl Datteln......... Karton 30 Pf. Apfelsinen... Dutzend 20, 25 Pf. Zitronen........ Dutzend 25 Pf. Blumenkohl Kopf 10, 15, 20 pl Rosenkohl.......-Pfand 25 pl Mohrüben....... s Pfand 10 pl Grünkohl....... Z Pfand 10 Pf. Spinat......... s Pfund 20 pt Sellerie... z Knollen 10 and 15 Pt Schwarzwurzeln... Pfund 10 pl Zwiebeln....... ,» Pfund 15 pl Mandarinen. Kiste<» stock) 75 pl ffeisse Winter-Kartoffeln ztr. 2.40 i-Berlin durch Zentner Geflügel Gänse.... Pfand 60, 68, 78 Pf. Hautfett.......... Pfd. 80 Pf. Fettgänse........ Pfand 75 pl Ungarische Puten.. Pfand 80 pl Gänserümpfe....... prd. 95 pl Tiisiter Enten..... Pfand 73 pt Gänseklein........... 80 fl Rebhühner....... stock 88 pl Gänsebrust........ pra. 1.10 Junge Hähne stock 1.10 bis 2.10 Jedes Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte Wort A Plg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte). Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. | Kleine Anzeigen( ANZEIGEN (Cr die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt-Expedition, Llndenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. Teppiche, unbedeutende Karbenfehler, für die Hälfte des Wertes. Portieren, Gardinen, Steppdecken, Tischdecken zu Schleuderpreisen. Teppichhaus Adler, Königstrage 50, gegenüber Rathaus. 1S57K' Littauer Nähmaschinen ohne An« zablung, gebrauchte, spottbillig, Skalitzerstrabe 39, Warschanerstr. 65.* Gardinen! Steppdecken t Portieren I Tischdecken I augergewähnlich billig! Vorwärtsleser 5 Prozent Rabatt extra! Gardinenhaus Brünn, Hacke- scher Marli 4(Bahnhos Börse). SonntogS geösjnet.' Borjährige eleganteHerrenanzüge Mid Paletots auS seinsten Magftofien 20— 10 Marl, Hosen 6—14 Marl. BeriandbauS Germania, Unter den Linden 21.*. Monatsanzüge und Winter« paletotS von 5 Mark sowie Hosen von 1,50, Gebrockanzüge von 12.00. Fracks von 2,50, sowie jür forvulente Figuren. Neue Garderobe zu staunend villigen preisen, auS Pfandleihen ver- iallene Sachen ianst man am billigsten bei Nag, Mulackstrage 14._» Tamdouriermaschinen Hole- meyer, alleiniger Fabrikant Bell- mann. Kollnowstrage 26. Preise billig, Abzahlung günstig. 205gK« Teppiche. Prachtstücke(Farben- sebler). sür halben Preis. Vorwärts- leser 10 Prozent I Mauerboss. Groge Franfjnrlerftrage S, parterre. Kein Laden!_ 1896ft* Hermannvlad 6. PsandleibbauS. Jedermanns Kausgelegenheit. Extra- billige Jackettanzüge. Gedrockanzüge. WinlerpaletotS. Herrenulster. Herren. boien. Riesenauswahl Pelzstolas. Allerbilligster Beltenverlaus. Ver- Mielungsbett. Ausfteuerbetten. Aus- steuerwäsche. Reichhaltiges Portieren- lager. GardinenauSwahL Tevpich. auswahl. Vlüickti'ckdecken. Stepp. deckenlager. Goldsachen. Taschenuhren. Wanduoren. Wandbilder. Waren- verkaui ebensalls Sonntags.» Radfahrerkarten. Wir empfehlen Rad- und A uto- Fahrer n Straubes Karte 1200 Quadrat- Meilen um Berlin. 2 Teile a l.b0 Mark. Nord- licke Sälite der Provinz Branden- bürg reicht bis Stettin-Ueckermunde, südliche Hälste bis Halle-�cipzig- Dresden- Görlitz. Buchhandlung Tervicae: rieoteroane) m allen Brögen, jast sür die Hälste des Wertes Tepvichtager Brünn, Hackeilber Markt 4, Badnbai Börse.(Leier deS »Vorwärts- erhalten 5 Prozent Rabalt.) SonmagS geöstnet l- Betten, Stand S,—. Brunnen- strage 70, im Keller._ 1200St* Leihhaus Morinplav 58ä~! kaufen Sie spottbillig von Kavalieren wenig getragene Jackettanzüge, Rock- anzüge, PaletotS, grögtenieils aus Seide, S— 18 Mark. Gelegenheitsläuse in Damen- Plüsch- Mänteln, Kostümen, Kleidern(hochelegant). Grohe Posten Pelzstolas, Pelzgarm- turen, srüher bis 150, jetzt 15—40 Mark. Geiegenheitsfäuse in Uhren, Kelten, Ziingen, Wäsche, Betten, enorm billig, nur Moritzplatz 58a I. 2289K Ueberzieher, Damenpaletot, Jung- liiigsanzüge, Backsischjackctts, Bett- stelle», Garderobeständer, Wasch- toilette spottbillig. Nenlölln, Selchower- strage 8. I V rechts._ 13205 Monats Garderoben-Haus verkaust spottbillig erstklassige, wenig getragene Jackettanzügc, Gebrock- anzüge, Smolinganzüge, Frackanzüge, Winterpaletots, Mstcr, Winterjoppen, Beiulleider, auch sür korpulente Herren passend, stets aus Lager. Pnnzen- strage 28, erste Etage.(Eckhaus Ritlerstrage)._ 2480ft* Vorwürtsleser fünf Prozent Extrarabalt. selbst bei Gelegenheits- käujen. Teppich-Thomas. 2473K* Teppiche, sarbsehlerhast, spottbillig. Portieren. Plüsch, bestünde spottbillig Leinen, Rest- Teppich-Thomas, Prachtbau Ora- nienslrabe 126, Roseuthalerslrage 54. Gastronen, dreiflammig, komplett 7,50, Gaszuglampen 6,00, Gaslhren 2,40, Gaswandarmc 1,50. staunend billig.— Vier Geschäste— Groge Frantsurterstrage 92— Ravenästr. 6 (Wedding)— Schönhauser Allee 121 (Gleimstrabe)— Neukölln, Berlin er- strabe 102. 200SK' Potsdamerstraste 86 b, Psand- leihhaus. Spottbillig hochelegante Winlerpaletots I Winterulster I Herren- anzüge I Bettenauswahl l Aussteuer- wasche I Prachtteppiche l Portieren- lagerl Plüschttschdecken I Goldene Taschenuhren, Uhrlelten I Wand- bllderl Echt- Pelzstolas I Pelzmuffcn! Prachtexemplare! Staunen erregend I Pferdedecken, zurückgesetzte, grobe remwollene 3,00 und 4,50. Wasser- dlchl bezogene 10,00 und 12.00. ______ RH. Gebrüder Pslaume. Friedrichstr. 205. Vorwärts. Lindenstrabe 69(Laden).' Ecke Zimmerslrabe. 2591K BedaLeur: Alfred Wielrxp. Für den Nähmaschine. Gelegenheit, neu. vor und rückwärts nähend, spottbillig. Kirschslein, Charlottenburg, Goethe- strabe 76, f._ t65» Plüschtischdecken! Wundervolle Stickcreimuster oder Pressungsmustcr: 4,85, 6,75 bis 16,75. Tuchiischdccken 1,50 bis 4,50. Moderne Künstler- leinen-Tischdecken 3,50 bis 18,00. Schlasdccken, Diwandecken, spottbillige Weihnachts-Geschenle. Wolss Teppich- bauS, Dresdenerstr. 8(Kottbusertor). Abonnenten 10 Prozent Rabatt.* GaSzugamPel, Griinerweg 3. Gaszweilochlocher 1356b' Geschäftsverkäufe. Seifengcschäft, vier Jahre gut eingesührt, trankheitshalber sosort ver- käuflich Neukölln, Schönstedtstrabe 12, nobel. Möbef-Gekegenheits-Käufe fpott- billig, neue gediegene Einzelmöbel und ganze Einrichtungen, Schlaf- zimmer(eiche) 288,—, koniplette Wohnzimmer 132,— bis 240,—, Chaise- tongue 24,—, Sofa 38.—, Trumeau 33,—, Schreibtische 40,—, Bettstellen 25,—. Riesenauswahl. Möbelspeicher Neue Königswabe 89, 4 Etagen. Teilzahlung gestattet. Auch Sonn- tags._ 249/1* Model ohne Geld! Bei kleiner Anzahlung geben Wirtlchajten und einzelne Stücke aui Kredit unter äutzerster Preisnotierung, auch Waren aller Art. Der ganze Qsten taust bei uns. Krelschmann u. Eo.. Kovpcn- ftratze 4.(Siblefitcher Babnbos.)* Teilzahlung. Reelles Möbel- geschäst liefert Möbel sür Stube und Küche mit 20 M. Anzablung. Neinste Raten. Auch einzelne Möbel. Aeltere Möbel werden in Zablung genommen und gegen moderne umgetauscht. Zum WeihnachtSsest Teppiche. Vor- tieren, Läufer usw. ohne Anzahlung. Offerten Postlagerkarte 12, Post- amt 22. 239951* Ärbeiter-Musterwolinungen.Für jedermann leicht erwerbbar. sehr billig. auch gebrauchte Möbel, gut erhallen, grobe Auswahl. Teilzahlung gern gestattet. Kassenpreis Zinsvergütung. kleine Anzahlung, bequeme Abzah- lung nach Wunsch der Käuser. Gabbert Tischlermeister. Acker. strabe 54. Kein Abzahlungsgeschäst. Möbelhandlung Mariannen- strage 25. billige Preise. Teilzahlung gestaltet..Vorwärts'leser 3 Prozent Rabatt. 39K* Zentrale für Arbeitermöbcl liescrt Resormeinrichtungen in gediegener Arbeit an Reelldenkende auch auf Teilzahlung und bittet Parteinntglie- der um Besuch der großen Läger. Niedrige Anzahlung. Zinsvergütung. Kelegenheitskäuse in gebrauchten Mö- dein. Verlaussstelle Schatz, Bruntien- straße 160, Eingang Anllamerstrabe. Möbel- Lechner, Spczial-Möbel- Haus, aus Kredit und gegen bar. l. Geschäst: Brunnenitrabe 7, am Roiembaler Platz. 2. Geschäst: Müller- straße 174, Ecke Fennstraße. Stube und Küche Anzahlung von 15.— an. Einzelne Möbelstücke, Anzahlung von 5.— an. Riesen- Auswahl. Größte Kulanz. Porzeiger dicleS Inserats erhält beim Kaus von 50.— an 5.— gutgeschrieben Liefere auch nach aus- wärts. Sonntags geöffnet von 12—2 Uhr. 253051* Möbel-Cohn, Große Frankfurter. straße 58, nahe Kaiserftraße. Wohnungs-Einrichtungen aus bequeme Teilzahlung. Stube und Küche An- zahlung von 15 Marl an. Einzelne Möbelstücke Anzablung von 5 Mark an. Moderne Schlafzimmer, Speise- zimmer, Herrenzimmer. In bunten Küchen riesengroße Auswahl. Liefere auch nach auswärts. Abzahlung wöchentlich, monallich, ganz nach Wunsch. Größte Rücksicht bei Krank- heit und Arbeitslosigkeit. Vorzeiger dieses Inserats erhält beim Kaus 5 Mark gutgeschrieben. Sonntags von 12— 2 geöffnet._ 208 SR' Möbel- Kredithaus Holländer, Cbausseestraßc 50, liefert einzelne Gegenstände, komplette Einrichtungen, Teppiche, Dekoration zu kulanten Bedingungen. Verliehen gewesene Möbel riesig billig._ 25785t* Ausstellung modernster Küchen zu Fabrikpreisen an Private I Nur Skalitzerstraße 25, an der Hochbahn l* Musikinstrumente. Pianino, kein Tafelklavier, 100 Mari. Konetzny, Alexander- straße 37(Alexanderplatz). 237/12 Nnhbaumpiänino, wenig ge- braucht, wirkliche Gelegenheit, 200 M. Warf chauerstraße 58, vorn I. Menzel Pianino, wenig gebraucht, stabiles. tonschönes Instrument. billig. F. Mantheh u. Co., Potsdamer- straße 31. 193/14* kiMer. Bilder. Sie kaufen Bilder nirgends billiger als dirett Fabrik bei Bilder. Bogdan, Weinmeiftelltrabe 2. 224LK Fahrräder. Herrenfahrrad, Damenlabrrad, wie neu. 35,—. Holz, Blumen- strabe 44. 1093K' Dürkopprad, günstig, Spottpreis, sofort Weberstraße 42, Quergebäude. Ksufxesuctie. Höchftzahlend. Metalle, Zahn- gebisse. Platinabsall, Gold, Silber, Quecksilber. Metallschmelze Nieper, Köpenickerstraße 20»(gegenüber Manieuffelstraße). Platinabfälle, alte Goldsachen, Bruchgold, Silber, Gebisse, alte Uhren, Kebrgold, Goldwatten, Quecksilber, Stanniol sowie sämtliche Gold-, Silber-, platinhaltigen Rückstände taust Broh, Edelmetallschmelze, Berlin 8., Kövenickeritraße 29. Tele- Phon Moritzplatz 6958�_ 25555)* Platinabfälle. Gramm 5,70, Gold, Silber, Zahngebiffe, Stanniol. Queck« filber 3,65 taust Blümel, August- straße 19._ Zahngebisse, Zahn bis 1,00, Pla- tinabsälle, Goldanlauj. höchstzahlend, .Geldkontor-, Hollmannstraße 30.* Platin 5,70, Zahngebisse. Altgold. Silber, Quecksilber, Stanniol höchst. zablend Teltowerstraße 10. 1284b* Zahngebiffe, Bruchgold, Stanniol kaust Kodn, Reue Kümgstrabe 76.* Münzen, Briesmaiken kaust Grobinann, Spandauerbrücke 2.* Zahngebiffe. Zahn bis 1.25, Platin- abfalle 5,75, Goldjachen. Silbcrsachen, Goldwatten. Kehrgold, Lueckstlder 3.80. Stanniolpapter. Zinn 3,70, Kupier 1,30, alle.Metalle- höchstzahlend. Edelmetall-EmkausSbureau Beberstr. 31. 2499 K* Versckieäenes. LewaudowSky-GesellschaftQuitzow- straße 105. t82* � Kunnsiovierei von Frau Kokosky Schlachten, ee. Kurstrabe 8 III. Paccn, auwall Müller. Gitichiner. straße 81. 2439K* Pfandleihe Heinersdorfcrstrage 14, nahe der Greisswalderstraße. 1098b* Patencanwalt Weisel, Gttjchtner- strage 94a. Cnilausen kurzhaarige, englische Windhündin, Steuermarke 16180. Belohnung 20 Mark. Uhler, Pelz- geschäst, Äommandantenswaße 7S.* Vermietungen. Gastwirtschaft sofort zu vermieten Rößler U. Schmidt, Kopernikus- straße 35. fl27 Mietsgesuche. Junges Mädchen sucht Schlafstelle bei anständigen Leuten im Südosten, 1. Dezember. Qsserten erbeten Ney. Lausitzerstraße 49. j-g f Arbeitsmarkt. Stellengesuche. Parteigenosse. 31, sucht Stellung als Kassierer oder Vertrauensstellung irgend welcher Art. Gefällige Offerten erbeten unter 1884, Postamt 17. t37 Stellenangebote- Berfilberin auf Kante» Manleuffelstraße 49. matt. 193/11 Suehbalterin für amerikanische Buchführung aus sosort oder spätestens 1. Januar gc- sucht. Es wird nur auf eine bilanz- sicher- tüchtige Kraft reflektiert. Offerten an Franz üemoll& Co. Verlag d.„Arbeiterztg.", Essen-Ruhr. Achtung! Holzarbeiter. Wegen Streu oder Lohn- differenzen siud gesperrt: FttrKiMtenmaclier McFrirma Coulnlck&. Co., Reichen- l-ergerStr.lS». sowie sämtliche Betriebe tu Hamburg. DaS Berliner Arbeitswilligen- vermitteluiigsbureau d. gelben »HaudwerferichuhverbaudeS*. Arbeitsnachweis d. Stellmacher- innung und der Wagenfabri- kanten. Kaiser-Frani-Grenadi«. Platz. Zuzug ist streng fernzuhalien. Die Vrtsvervaltung kerlin des Deutschen Holzatbeiterverbandes. Lnjeratente>lverantw.:Tb.G!-cke«LerUll. Drudit-Lerlag: BorwärtH©u�ötudeiei u. B« cwgSanitalt Paul Hmger»So.. LerlmS�. Nr. 273. 29. Jahrgang. 2. KcilW iw Jotinirts" Knlim WIKsM krettag. 22. Nooembtr 1912. erärsiielung Äer eigenen Lhettsu. Der Buchhalter Julius Zinke, der im Juni d. I. seine Frau er- drosselt hat, stand gestern vor den Geschworenen des Land- gerichtS II. Am 16. Juni früh wurde die im dritten Stockwerk des Hauses Flottwellstraße 13 wohnende 25 Jahre alte Buchhaltersfrau Rosa Zinke, geborene Doebel, neben ihrem Bette tot aufgefunden. Wie die Strangulationsmarlen an ihrem Halse und eine um den Hals geschlungene Schnur erwiesen, war sie ermordet worden und als Täter kam sofort nur der eigene Gheinann der Ermordeten, der 36jährige Fab-ikbuchhalter Julius Zinke in Betracht. Das Zinkesche Ehepaar war erst seit drei Jahren in kinderloser Ehe verheiratet. Tie Ehe gestaltete sich zu einer recht unglücklichen, so daß sich die Eheleute wiederholt voneinander trennten, dann aber auch wieder zusammenzogen. Ihre Wohnung in der Flottwellstratze lag in demselben Hause, in welchem die Mutter der Frau Zinke wohnte. Der auf seine Frau nicht ohne Grund eifersüchtige Zinke hatte eine Stelle in einer Zuckerfabrik in Kosten in der Provinz Posen angenomnien und verlangte nun von der Frau, daß diese ihn dort- hin begleiten solle. Die Frau aber lehnte dieses Verlangen ab. Es kam über diesen Punkt zu Mitzhelligkeiten. Die Ehefrau wies darauf hin, daß sie die aus drei Zimmern und einer Küche be- stehende Wohnung doch nicht plötzlich aufgeben, und autzerdem auch nicht ihre Chambregarnisten ohne weiteres sich selbst überlassen könne. Am 15. Juni hielt sich das Ehepaar bis gegen 10 Uhr abends in der Wohnung der Schwiegerqiutter auf und begab sich dann nach der eigenen Wohnung hinüber. Dort mutz es bei der Erörterung der Frage, ob die Frau ihrem Manne nach Kosten fol- gen wolle oder nicht, zu einem heftigen Streit gekommen sein, in dessen Verlaufe sich Zinke in blinder Wut auf seine Frau stürzte. sie am Halse würgte und als sie schon bewußtlos war, mit der Zug- schnür des Fcnstervorhanges erdrosselte. Tann-steckte er das in einem Schranke befindliche Geld seiner Frau im Betrage von 110 Mark zu sich und entfloh. Er trieb sich zunächst planlos in Berlin umher, fuhr später nach Halle und von dort nach Leipzig. Von dort teilte er seinem Bruder und einem Gastwirte brieflich mit. datz er seine Tat tief bereue und sich das Leben nehmen wolle. Er hat auch versucht, diese Absicht auszuführen. Er war in Leipzig in einem Hotel unter dem Namen August Zeugner aus Halle a. S. abgestiegen und hatte in seinem Zimmer eine Salzsäurelösung getrunken. Das Hotelpersonal entdeckte aber sehr bald den Selbst- mordversuck und der angebliche Kaufmann Zeugner wurde nach dem städtischen Krankenhause gebracht. Die Leipziger Kriminal- Polizei schöpfte den Verdacht, datz der angebliche Zeugner mit dem gesuchten Julius Zinke identisch sei und dieser Verdacht wurde dann auch nicht nur durch die von dem Gattenmörder vorhandene Photographie, sondern auch durch eine Postkarte bestätigt, die man in seinen Kleidern vorfand. Die Verletzungen, die ihm die Salz- säure zugefügt, waren nicht lebensgefährlich. Zinke wurde nach wenigen Tagen in das Berliner Untersuchungsgefängnis übergeführt und staittz nun vor dem Schwurgericht des Landgerichts II unter der Anklage des Totschlages. Der Angeklagte gab ans Befragen des Borsibenden die Tat an sich zu. Nach seiner Darstellung ist seine im ersten Jahre ganz glückliche Ehe nach und nach getrübt worden. Das Verhältnis zwischen dem Angeklagten und seiner Schwiegermutter war ein recht schlechtes, der Angeklagte behauptet sogar, datz die Schwieger- mutier ihn geradezu gehatzt habe. Das eheliche Verhältnis wurd� dann auch sehr unschön, da der Angeklagte längere Zeit keine Arbeit finden konnte und, wie er behauptet, mit vollem. Recht eifersüchtig *■ ouf einen Mann war. mit dem seine Frän unerlaubten Verkehr zu - unterhalten schien. Es kam darüber mehrfach zu erregten Szenen -- und am-1. Februar'rückte ihm seine Frau mit sämtlichen Möbeln auS, so datz er sich ein möbliertes Zimmer mieten mutzte. Es kam dann wieder zu persönlicher Annäherung zwischen den Eheleuten, aber der Mann, auf den der Angeklagte eifersüchtig war. trat ". immer als Störenfried dazwischen und der Angeklagte lietz sich ■ sogar zweimal zu einer Mitzhandlung seiner Frau hinreitzen. Dann kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung in einem Schanklokal, die den Angeklagten so aufregte, datz er sich ins Wasser stürzte, um sich das Leben zu nehmen. Wie er gerettet worden ist, weih er nicht; er erwachte erst wieder im Krankenhause, wo er auch den Besuch seiner Frau empfing. Nach seiner Genesung bat er seine Mutter, doch als Vermittlerin zwischen ihm und seiner Frau zu wirken. Die Mutter kam auch nach Berlin und es gelang ihr auch, eine Versöhnung zustande zu bringen. Gegen ein Zusammen- ziehen der beiden Eheleute erhob aber die Schwiegermutter sehr energischen Einspruch und erst am 1. April gelang es dem An- geklagten, seine Frau dazu zu bewegen, mit ihm eine gemeinsame Wohnung zu bezichen, nachdem sie ihm hoch und teuer zugesichert hatte, datz sie mit dem..andern' endgültig gebrochen habe. Die Schwiegermutter lietz aber, wie der Angeklagte behauptet, nicht nach, ihm ihren Hätz fühlen zu lassen und soll ihn auch verhöhnt haben, weil er sich sein Brot als Arbeiter bei der Untergrundbahn verdiente. Dann kam die Episode in Kosten. Ter Angeklagte war froh, mit Hilfe seines Schwagers eine Stelle als Buchhalter in Kosten erlangt zu haben und er trat dort seine Stellung an, mietete auch eine Wohnung, da seine Frau ihm versprochen hatte, am 1. Juli zu ihm nach Kosten übersiedeln zu wollen. Dann blieben aber die Briefe seiner Frau gänzlich aus und der Angeklagte, der nun wieder stark von Eifersucht geplagt wurde und keine ruhige Stunde mehr hatte, fuhr kurz entschlossen nach Berlin. Hier kam es, wie der Angeklagte unter Tränen erzählt, wieder zu hätzlichcn Auseinandersetzungen mit der Frau und namentlich mit der Schwiegermutter, die ihn durch höhnische Redensarten in seinem Ehrgefühl schwer gekränkt habe. Seine Erregung darüber wurde immer grösser, als seine wiederholten inständigen Bitten, doch zu ihm nach Kosten zu kommen, von seiner Frau schnöde zurückgewiesen wurden. In der Nacht zum Ig. Juni konnte er nicht schlafen und er drang nochmals bittend in seine Frau, dock) am nächsten Tage mit ihm nach Kosten zu fahren; sie antwortete aber:„Nein, ich komme nicht mit, ich»»iß mich in die Arme eines andern werfen; sieh zu, wie Du fertig wirst, ich Hobe Verpflichtungen gegen meine Mutter." Diele Ablehnung stietz dem Fatz den Boden aus. Der Angeklagte geriet darüber so in Erregung, datz, wie er sagt, ihn schwarz vor den Augen wurde. In diesem Zustande sprang er seiner Frau an die Gurgel, würgte sie in furchtbarer Weise, zog sie aus dem Bett, würgte sie auf dem Futzboden noch weiter, bis die Frau nur noch röchelte und schlang ihr dann noch die Gardinenschnur um den Hals bis sie tot mar. Der Angeklagte versichert, datz er seine Frau sehr geliebt und die Absicht gehabt habe, sich nach der Tat, bei der er keine Ilebcrlcgung ehabt. selbst zu töten. Er habe sich schon in Berlin ins Wasser stürzen wollen, es seien aber zu viele Menschen schon auf den Beinen gewesen. Auch seine Absicht, sich in Halle in die Saale zu stürzen, sei mitzlungen und so habe er dann in Leipzig zur Salzsäure gegriffen. Soweit der Angeklagte. In der Beweisaufnahme wurden mancherlei Momente fest- gestellt, die dos trübe Verhältnis zwischen dem Angeklagten und seiner Schwiegermutter illustrierten. Es kam auch zur Sprache, pah der Zlngeklagte einmal bei einer stürmischen Szene, nachdem er die Wohnungstür mit dem Futze eingestotzen, mit dem Feuerhaken auf seine Schwiegermutter losgegangen ist. Es steht auch fest, datz die Ehefrau des Angeklagten ein Liebesverhältnis mit einem jungen Techniker unterhielt. Die Frau hat sogar noch am Tage vor der Tat, als in Aussicht' genomnien mar, datz der Angeklagte allein nach Kosten zurückkehren würde, kurze Gelegenheiten benutzt, um noch zwei Briefe an ihren Liebhaber zu richten und ihn zu einem Ren- vezvous unmittelbar nach der Abreise ihres Mannes zu bestellen. In dem ersten Briefe hictz es unter anderem:„Mein liebstes süsses Fritzchen! Was sagst Du nun dazu? ES ist noch alles gut ge- gangen. Wir können unS am Sonntag wiedersehen, mein Liebling! Wenn Du Lust hast, komme doch nach Bahnhof Alexanderplatz, er fährt um 8 Uhr. Es grützt Dich in Liebe Dein Röschen." Bald nachher schickte sie einen zweiten Brief an ihn, in welchem sie schrieb:„Mein lieber Fritz! Schon wieder ein Brief, aber ich habe zu grosse Sehnsucht. Komme doch morgen, Sonntag, zu mir, es ist gleich, um welche Zeit, da er schon Sonntag mittag fährt. Ich habe alles zur Zufriedenheit erledigt. Mein Fritz wird mit seinem Röschen zufrieden sein. Es grützt Dich Dein Lieb; auch Mutter läht grützenl' Der Enrpfänger dieser Briefe, der über den Grad seiner Intimität mit Frau Zinke die Aussage verweigerte, be- stätigte als Zeuge, datz das Verhältnis des Angeklagten zu seiner Schwiegermutter ein sehr schlechtes war. lieber den Geisteszustand des Angeklagten im Augenblick der Tat begutachtete Gerichtsarzt Dr. Marx: von einer Geisteskrankheit des Angeklagten könne keine Rede.sein, auch eine„Bewuhtlosigkeit" im Sinne des tz 51 Str.-G.-B. liege nicht vor. Es handle sich hier aber um eine im stärksten Affekt begangene Handlung. Aehnlich sprach sich Gerichtsarzt Dr. Strauch aus. Nach kurzen Plädoyers des Staatsanwalts und des Verteidigers sprachen die Geschworenen den Angeklagten des Totschlags schuldig und billigten ihm mildernde Umstände zu. Der Staatsanwalt beantragte 3 Jahre Gefängnis, der Gerichtshof erkannte auf 2 Jahre Gefängnis unter Anrechnung von 4 Monaten und 4 Wochen Untersuchungshaft. Em Induftne und Handel. Vörsenumsätze in den Kriegsmonaten. Die Umsatzsteuer für den Akticnhandel(im Börsenverkehr) gibt ein einigermatzcn zutreffendes Bild über den Umfang und die Höhe der an der Börse gehandelten Wertpapiere. Für 1000 Mark ge- handelter Papiere wird vom Staat eine bestimmte Stcmpelabgabe erhoben. Je grösser der Börsenverkehr, um so höher die Steuer- ertrüge. Der Balkankrieg und die Kriegsfurcht haben nun etwa nicht zu einer Einschränkung des Börsenspiels geführt; im Gegen- teil! Während im Juli und August d. I. 2,03 bezw. 2,33 Millionen Mark an Börsensteuern in die ReichLkasse flössen, stieg der Ertrag im September auf 3,15 und im Oktober auf 3,08 Millionen Mark. Gegen die Monate September und Oktober des Vorjahres zusammen erbrachte diesmal die Börsensteuer 2,30 Millionen Mark mehr. Nicht beteiligt an der Umsatzvermehrung waren Anleihen und Schuldverschreibungen von ausländischen Staaten, Kommunen, Eisenbahngesellschaften. Dagegen zeigte die Spekulation in aus- ländischen Aktien eine erhebliche Zunahme. Gegen die Monopolbestrcbungen in der Elektroindustrie. Die Regierung hatte sich in einem Erlatz an die Gemeinden gewandt mit der Aufforderung, nicht durch langfristige Verträge den grossen Elektrokonzernen das ausschliessliche Recht der Wege- benutzung für Stromleitungen zu gewähren und damit Privat- monoPole zu fördern. Jetzt wenden sich die Städte an die Regie- rung mit dem Vorwurf, datz die Regierung selbst solchen Mono- polen Vorschub leiste. Der Vorstand des Reichsvcrbandes Deutscher Städte spricht sich in einer Eingabe an das Preuhische Abgeord- netenhaus gegen den Vertrag aus, den die Preutzische Regierung mit den beiden großen Elektrizitätskonzernen wegen der Energie- licferung für die zu elektrisierenden Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen abzuschliehen beabsichtigt. „Der Vorstand ist davon überzeugt— so heitzt es in der Ein- gäbe—, datz, wenn der Staat im vorliegenden Falle ohne ganz schwerwiegende Gründe, etwa NM aus rein finanziellen� Rücksichten, privaten Grossfirmen in einem langfristigen Vertrag« auherordent- lich wichtige Monopolrechte überlätzt datz es dann den Selbst- vcrwaltungskörpern mehr und mehr unmöglich werden wird, bei Verhandlungen über Ucberlandzentralen ihre Interessen gegenüber den Grossfirmen so durchzusetzen, wie die Staatsbehörden es immer wieder anregen, denn diese Grossfirmen werden es mit den ihnen zu Gebote stehenden Mitteln verstehen, die Bedeutung eines solchen Vertrages des Staates mit ihnen bei allen jenen Verhandlungen vor Augen zu führen und damit vor allem bei der erfahrungs- gemätz wenig über die gesamte Sachlage unterrichtete Bevölkerung der kleinen Städte und des Bundesgebiets einen nachhaltigen Ein- druck zu wecken." Der Vorstand bittet daher das Abgeordnetenhaus, dafür ein- zutreten, datz die elektrische Kraft für die geplante Elektrisierung von Staatsbahnen vom Staate selbst hergestellt werde. erhielt ein Unteroffizier einen Axkhieb und einem Kommissar wurden die Kleider zerfetzt. Zwei gefangene Matrosen verbarri- kodierten sich in einer Zelle. Gendarmen schlugen die Tür ein, feuerten und töteten die beiden. Im ganzen wurden fünf Personen getötet und drei verwundet. /Zus der Frauenbewegung. Die evangelischen Frauen im Bund. Dem deutsch-evangelischen Frauenbund und seiner Vorsitzen- den Paula Müller wurden von konservativen Blättern scharfe Vor- würfe gemacht, chatz sie auf der Gothaer Tagung des Gesamt- bundes der bürgerlichen Frauenvereine nicht gegen die Politisierung der Frau Protest erhoben hätten. Der deutsch-evangelische Frauen- bund hat sich diese Angriffe zu Herzen genommen. Er zieht sein früheres Abkommen nut dem Bund deutscher Frauenvereine zurück; er verpflichtet sich nicht mehr auf den Satz:„Der deutsch-evan- gelischc Frauenbund nimmt dem politischen Stimmrecht gegenüber eine neutrale Stellung ein, lehnt jedoch eine Agitation dafür ab." Er behält sich vielmehr jetzt vor. seine Meinung auch hierüber uneingeschränkt zum Ausdruck zu bringen. Wenn Worte und ihre Ableugnung einen Sinn haben sollen, kann daraus nur gefolgert werden, datz die evangelischen Frauen ihre neutrale Stellung auf- geben und künftig die Harmonie der Verbandstagungen durch eine Polemik gegen die Forderung politischer Fraucnrcchte stören werden. Datz die evangelischen Frauen so artig vor der„Deutschen TageS- zeilung' und der„Kreuzzcitung" einschwenken, ist schliesslich ihre Sache. Aber datz der Bund deutscher Frauenvereine sich diese Be- kämpfung einer seiner Haupt- und Grundforderungen gefallen lassen will, ist ein neues Zeichen innerer Kraft- und Haltlosigkeit. Nur um eine nicht vorhandene Einigkeit der bürgerlichen Frauen- bewegung vorzuschützen— eins ist sie nur in dem Bekenntnis zur kapitalistischen Gesellschaftsordnung— und um ja keine Mitglieder zu verlieren, gibt sich der Gcsamtbund den reaktionären Frauen preis, ohne auch nur als Entgelt die Achtung vor den eigenen Prin- zipien zu fordern. Den Erscheinungen inneren und moralischen Verfalls der bürgerlichen Frauenbewegung reiht sich diese Wendung würdig anl_ Hub aller Welt. Meuterei in einem französischen Gefängnis. Am Dienstagabend kam es im Zivilgefängnis von R o ch e f o r t zu einer schweren Meuterei der Gefangenen. Die Revolte brach in dem Augenblicke aus, als der Oberauffeher den Gefangenen das Essen brachte. Die gefangenen schnitten dem Oberauffeher die Kehle durch und entrissen ihm den Revolver, Zeincr Frau, die zur Hilfe herbeieilte, erging es ebenso. Ein Matrose, der den Oberaufseher verteidigen wollte, wurde durch zwölf Messer st iche schwer verwundet. Beamte und Truppen, die herbeieilten, fanden einen zweiten Aufseher in einer Zelle ermordet mit abgeschnittenem Kopfe auf. Di, Gendarmen verfolgten die Meuterer in daS zweite Stockwerl. Dabei Bootskatastrophe in Kalkutta. Eine schwere Schiffslatastrophe wird der„Franks. Ztg.� aus Kalkutta gemeldet. Dort ist am Mittwochabend ein Boot, in dem sich fünfzig Passagiere, darunter sieben Europäer, befanden, infolge Ueberlastung gekentert. D i e sämtlichen Insassen ertranken. Wegen der starken Strömung konnte bisher noch keine Leiche geborgen werden. Das untergegangene Schiff ist ein Fährboot, das die Ver- unglückten von der Landungsbrücke zu einem Dampfer bringen sollte._ Panik in einem Polizeiqnartter. Im Polizeihauptquartier in L o S A n g e l e< hat ein Geiste»« kranker, ein Deutscher namenS Karl Warr, am Dienstag die Polizei- und Gerichlsbeamten während ill9 Stunden in hochgradig« Aufregung versetzt. Der Geisteskranke betrat das Gebäude mit einer Kiste auf dem Rücken, die mit Dynamit gefüllt und mit einem komplizierten Entzündungsmechanismus ausgestattet war, und ersuchte die Polizei, einen hohen Eisenbahnbeamten herbei- zurufen, den er in die Luft sprengen wolle. Mehrere Polizeibeamte beschäftigten Warr durch ein Gespräch, während andere die Arrestanten aus dem Gefängnis holten und fte in Sicherheit brachten. Die im Gebäude tagenden Gerichtshöfe schloffen in Eile die Sitzung. Richter, Geschworene und Zuhörer stürzten aus die Strasse. Nach geraumer Zeit gelang eS einem Polizeibeamten. Warr von hinten mit seinem Knüppel niederzuschlagen, so datz er die Besinnung verlor. Die Kiste enthielt 60 Stangen Dynamit von hoher Sprengkraft. Nach einer anderen Meldung, die etwas wahrscheinlicher klingt, bestand die furchtbare Dynamitkiste aus einer mit Sand ge« füllten Konservenbüchse. Sehr begreiflich ist eS. datz die tapferen Polizeier und Richter dem Vorgang einen möglichst ernste» Charakter geben, da sie sich sonst einem Hohngelächter aussetzen. Ein frommer Bankerotteur. In Baden-Baden fallierte kürzlich daS Bankinstitut I ö r g e r, dessen letzter Inhaber, Anton Müller, insbesondere das Vertrauen der Zentrumökreise genotz. Es wurden eine grotzc Anzahl von Vereinsvermögen frommer Gesellschaften und auch die Gelder vieler kleinen Leute dem Bankier Müller in Verwahrung gegeben, der jeden Morgen mit dem Gebetbuch zur Kirche ging. Nun betragen die angemeldeten Forderungen dreiund» einehalbe Million, wovon 2'/, Millionen Mark anerkannt wurden. Als Aktiva verzeichnete man nur den Erlös deS für etwa eine Aiertelmillion verkauften Müllerfchen Bankanweiens. Ein schwacher Trost wird' es den trauernden Hinterbliebenen sein, datz sie die 00 Proz. ihrer Guthaben durch einen gottesfürchtige» Mann verloren haben._ Unwetter auf der Insel Jamaika. Eine grosse Flutwelle hat die Städte Savanna la Mar und L u c e a aus Jamaika zerstört. Dampfer, die nach Kingston kamen, berichten; datz 42 Personen infolge deS Orkans in der Monte go-Bah umgekommen find. Die telegraphische Ber« bindung ist noch gestört. Der Gouverneur von Jamaila lietz einen Spezialzug mit 800 Zelten und Lebensmitteln abgehen. Der Sturm begann am 15. November und nahm mehrere Tage hindurch an Gewalt zu. Er erreichte eine Maximalstärke von 100 Meilen in der Stunde. Durch den furchtbaren Sturm ist aus der Insel die Bananenernte zu einem grossen Teil vernichtet worden. Der Verlust soll 60 Proz. der Ernte betragen. Erdbeben in Mexiko. Ein Erdbeben hat in Mexiko zahlreiche Opfer gefordert. Me ein Telegramm meldet, sind bei dem Beben in Acambaro etwa 100 Menschen umS Leben gekommen. In der Stadt Mexiko machte sich das Beben in einem etwa drei Minuten andauernden heftigen Erdstotz bemerkbar. Eine Mauer, die zum Einsturz kam, begrub eine grötzere Anzahl Menschen unter ihren Trümmern. Fünfzehn Personen kamen dabei um» Leben._ Kleine Notizen. Grubeubrand. In den Möllerschäckiten bei Gladbeck brach Donnerstag früh aus unaufgeklärter Ursache ein kleinerer Brand auS, bei dem zwei Steiger erstickten; ihre Leichen tonnten geborgen werden. Die Brandstelle konnte eingedämmt werden, der Betneb ist nicht gestört. Dir Schwiegertochter erschlagen. In Sa a S d o r f bei Groitzsch wurde die Frau eines Gutsbesitzers beim Dreschen von ihrem Schwiegervater mit einem stumpfen Werkzeug gegen den Kopf geschlagen, so datz sie blutüberströmt zusammen- brach. Der Täter erhängte s i ch auf dem Heuboden. Der Zu« stand der Frau ist besorgniserregend. Russische Räuber. Auf der Katharinenbahn hielten Räuber Mitt« woch nacht durch ein falsches Signal einen Schnellzug an und raubten dreitzig Passagieren Geld und Wert- fachen. Ein Bahnwärter und ein Oberkondukleur wurden ver« w u n d e t. Das fällige Eisenbahnunglück. Ein nach Osten gehender Expreß« z u g der Cauadian Pacificbahn stietz bei Gull Lake mit einem Güter- z u g e zusammen. Achtzehn Personen sollen getötet worden sein._ Marktbericht von Berlin am IS. November ISIS, nach Ermlttekuna deS tönigl Polizeipräsidiums. Marttballenpreise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.00—50,00. Speisebohnen, weiße. 36.00-50.00. Linien 35,00-60.00. Karlosseln(Kleinhdl.) 5.00-7.00. 1 Kilogramm Rindsleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindstcisch, Bauchfleisch l,50— 1.80. Schweinefleisch 1,50— 2,20. Kalbfleisch 1,40— 2,40. Hammelsielsch 1,40-2,40. Butler 2,40-3.00. 60 Stück Eier 4.20—6.50. l Kllogramm Karpsen»,20—2.40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,40-3,60. Hechte 1,40—2,80. Barsche 0,80-2,40. Schleie 1,60-3,20. Bleie 0,80-1,40, 60 Stück Krebse 3,00—30,00._ WitterungSübersicht vom LI November ISIS. ttationea Swinemdc. Hamburg Beilin Franks. a.M München Wien £ e «2 te=i Ii i| 754WNW 757jWN« 756,® 761®® 762! S® 760 S® Vetter 2 bedeckt »Dunst 2'bedeckt I bciler 4'Regeli 4 bedeckt »«> U» e" h Etattonen taparanda ctersburg Scilly Aberdeen Pari» eK B- 15 -s 760« 751D 771®«® 76C;««D Setter balb bd Schnee Obedcckl tchedcckt 4'bedeckt «sx tri & -ii -2 11 7 9 Wetterprognose für Freitag, de» LS. November ISIS. Zunächst kühler, zewveije heiter bei mäßigen westlichen Winden; später neue Er-wälmmill. Trübung und elivas Regen. Berliner Betterbureau. Billige Angebote bewährter oid rueelleeider Berufs-Kleidung Manchester- Anzüge J0pp® 11 qa o � enc Martce Gambrinus. AeuBeret dauerhaft, warmgef. A X• Boao�/a/w HerklllfS-T�rlAr-Hnc#**! Allein- Verkaut. Goatrem oder. n: a.. O n ewfarbisr. Kernijt und»tark. A CA Beat« Arbeit. Bund ana einem Btäok. Schwere Taachen........ iL jI«OV/ Weiße Kellner-Jackette P« blaue Monteur-Jackette •.- 3.10 2.50 j Maler-Kittel 2.50 Setzer-Kittel Vorzüglich O in Waeohe. M. J,t)J EBper od. vre», luft-«. waacb- rt» »rht Extra lang. Verriegelte y Xaaehen GeseUl geaehütat M Berufs- Kleidung für alle Zweige der Gewerke und Induitrle Baer�Sohn Berlin— Gegründet 1891 Chausseestraße 29-30 1 11 Brückenstraße 11 Gr. Frankfurter Str 20 1 Schoneberg. Hauptstr 10 2.90 2.00 Schutz- Kleidung für Sanitäta dienet und ge- werbe-polizeü. Vorschriften Thealer und Vergnügungen unn DI- fünf Mnfana 4 Ubr. Urania. Servals» Tourtell-mant» Paris: Bilder au» granlreich. Freitag, 22. November 1913. Anfang. 7'/, Ubr. «al. Opernhaus. Figaros Hochzeit. Königl. TrhauiptelhanS. Flachs« mann als Erzieher. Deutsches. König Heinrich IV. 2. Teil. Theater a« Rollrudorsplatz. Kismet. Zirkus Albert Dchumauu. Sala- Borstellung. Zirkus Busch. Vala-vorstellung. Anlang 8 Ubr. Urania. Di« wichtigsten Kultur. pflanzen der kSeltwirtschast. Mit dem Z-ppellnIustschtff von Sylt nach Hamburg. Kaminerspiele. Maria Magdalrn». Lciiiia. Hedda Sabler. Deutsches Opernhaus. Figaro« Lochzeit. Könlflgräuer Gtrass«. Franfjurter. Kietne«. Wazdaleua. Gchlller Q. Flachsmann als Er. zieher. Ech. lNiarlattendurg. Die Seschwister. Elga. verltuer. Filmzaub«. Residenz. Prtnzenerztehung. Komödienhaue. Die Generalseck». Deutsches Schauspielhaus. Der gtttsttzende Fcutf Thalia. Ainoliebchen. Kurfürsten-Lver. Der Kuhreigen. SNontts Operetten. Der Frauen. steiler. Reue« Opera(Kroll). Ballett. Luisen. Des andern El Rose. Di« Sünden 1 Zehnlausend. Vletropol. Ehaufleur Metropol. Drianon. Liebesbaromei«. Herrnseld. Dl« Alpenbrüder. Endlich allein. Easino. Der Troßsürst. Wintergar»«». Speztalitäte». Apollo. Svezialitäien. Pastage. Svezmlitätkn. Reichshalle«. Di» Macht der Töne. An'an-,«'/. Udr. Friedr.. Wilh. Schauspielhaus. Grtgri. Lustspielbaus. Mein aller Herr. yolie« Caprire. Der keusche Joseph. trx Rehbock. Königstadt. Nasino. Spezialitäten. Anlang 8'/, Uhr. Reue« v-USiheater. Liebelei. Literatur. Ansang 10 Udr. Admiralspataft. Eisballett: Yvonne. Steruwarte. ynoalidenftr. 67—08. Rusfilche, er oberen — int Melropol-IMi'. Abend» 8 Uhr: Naucken gestattet. LKMeur- m Mopol! Große gahresrevue mit Gesang und Tanz in 10 Bildern. Totensonntag, den 24. November, abend» 8 Udr: Sclmldlg! Scliiller-TliealerO.�taTe" Freitag, abend» 8 Uhr: Flachamnnn»I« Erzieher. Sonnabend, abend« 8 Uhr: DI« Lekaibahn.- Die Medaille. Sonntag, abend« 8 Uhr: Kitiiir Lear, Schlller-Thealer"Kür Freitag, abend» 9 Ubr: Die©eaehwlater. Elga. Eonnabend, nachmittag» 3.10 Uhr: Wallenatelna Tod. Comtabeiiv, abends 8 Uhr: Im weiüea RUBI. Sonntag, mittag» 12 Uhr: Kamme rutusit. . Sonntag, abend« 8 Ubr i. D>« psirrar« Toehtw»>" Sireladers, Berliner Tbeater. 8 Uhr: Filmzauber. BealBiiWiiiriMrSAIIf »}it fi»f irntfartn Deataehea»ebauaplelb»««» 8 Uhr: Der gutsitzende Frack. HM U iiHiHck i. ISSS'MZ Kismet. Jeden Mittwoch u. Sonnabend 4 Uhr: Kinderkomödie Schneewittchen. Residenz-Theater. Ansang 8 Uhr. Prinzenerziehung. Saiire in 8 Akten o. Maurice Donnay. Morgen und folgende Tage: Prtnzenerziehu»«. Totensonntag abend» 8-Uhr: _ Frauetllou._ Montis Operetten-Theater (fr.NeHeaTheaier). Amt Norden 1141. Abend» 8 Uhr: Der Fraueufresser. Luisen-Theater. Freitag: »onnab De» andern Ehre. onnäbend nachm. 4 Uhr: Kinder» Vorstellung: Rumpelstilzchen. Abend» 8 Udr: Raffle«. Sonnlag und Montag 8 Uhr: Die yungsran von Orteau«. !08e-TN�Tß! Groß« Frank! urtet Str. 182. Abends S Uhr: Die Sünden der Oberen Zehntansend. Ausstattungsdrama In 4 Alten von Eecil Staleigh, Henry Hamilton und J. B. Lutz. Musik von I. M. Glover. Vorlaut« Woche. Ab 8 Uhr. Nie dagewesener Erfolg des großen Programms! 12 erstklassig« Attraktionen. Ganz Berlin aprioht von M. Bendli und E. Schnabel als Draschksnkutsehar u. Flakar. MM!» « Ehr: Die»Ii beljplellosem Lacherfolge aafgenommene Novltlt Die ülpenbrüder. 10 Ehr: Stidlich allein! VoranEolse. Sonntag, den 24. November, einmalige Aufldhrung: Hausierer Oookele. Barn Dio laut« Ehra u, Sehaldunga-Saupar. Vorverkauf 11—2(TheaterkasseV Pas�Panoptta Da« irtBt« Naturwunder! Di« HEILIGE WEISSE NEGERIN und Ihre schwarze Priaater- Sehweiter. Beide lebend ohaanExtp». Entrec an aehen. .................... Sozialdemokratischer Wahlverein jfür den 5. Berliner Reichstagswahlkreis Sonnabend, den 23. November 1912, abends S'/j Uhr, in den nSopblea-Silen**, Sophienstraße 18: ------------ Außerordentlicher------------ nCurfürsten- Rezitatio Mitwirkende: OparnsSngarin Hargrarethe Blume Oper), Eidaard von Winterateln. Rezitationen (ifeatsobea Theater), Kapellmaister Frlta Blume (Klavier), Konzertmeister Jlax l.adachecb(Violine), Oellovirtuose Cbarlea tielaler. Konzertflügel ff. Ibach Sohn. ----------- Eintritt 50 Pf.----------- Wlhrend de* Konzert« bleiben die Saaltüren geaehloeeen. |» I SSSSSSSSSSSSSSSSM Luisenstädtischer Männerchor M. d. V. A.-S.-B. Chormeister: Jan F. van den Orle*. Sonntag, den 24. November 1912(Totensonntag) in der Neuen Philharmonie, Köpenicker Str. 96/97: Herbst-Konzert .Mitwirkende: Kammennasik- Vereinigung„Potsdamer Trio" KönigL Hoforganiat Prot Otto Baekar, Flügel; Frau Blanka Becker• Samolewsk«, Violine; Waller Schmidt, ViolinceUo; Konzert«&nger Egen Sshnlin, Ballbariton. Saalöffnung 5 Uhr. Anfang 6 Uhr. Di« Saaltüren bleiben wlhrend der Aufführung geachloaaen. Rauchen nicht«eatattet. 56/15 Kinder unter 6 Jahren haben keinen Zutritt. Programm und Liederteste am Eingang gratis. Billetts k 60 Pf. eind in den Verkauf safeUen W. Schmidt, Beeaelatr. 18, Aug. Radk«, Nene Jakobatr. 1—8, zu haben. YPOQMPHIA ...................................... Zirkus jUhert Schumann. Heut« Freitag, 22. November, abend« 7'/, Uhr: I. große Clown- u. Komiker- Vorstellung mit anagawEbltem humoristi- «chen Programm. Beaondera hervorzuheben: Tommy, der«Inzlde Bllr, welcher aelhatlndlo auf einem Zwalrad fahrt u. BoUschnh lauft. Vier Bilder aua Indien. Der Clon der Saiaon! Trianon-Theater, ianfang 8 Ithr. Liebesbarometer. Totensonntags U.: Da« Eade darliah«. Zirkus Busch. Heute Freitag, 22. November, abends 7'/, Uhr: Zum letaten Male dio gr. Pantomimen-Burleake Unter Gorillas in 4 glänzenden Bildern. Vorher daa grobe Programm, u. a: Kapt. Spaulding, Schein oder Wirklichkeit? Albas Kopf-Or ihtseillahrt. Tonrblllona, akrobatische Lady-Oy clist«. „Glon" Xr\ t-— Mauaratrale 82.— Z Folies Caprice. Zum 8Ä» Male B 1 v drei Scblngor: BNT* Der keniche Joseph.-Mg flgr Der Rehbock. Mß 99r Der Einbrecher. MM :: berliner:: Konzertbaus Zlmmarairale 88/81. Heute: Doppel-Konzert! Berliner Konaerthnnaorcheafer, Dir, Frz. v. Bio», Komponist Mneikc. 1. Oardr-Drwgoner-Itegta., Ding Oberm. Danr». Anfang» Ehr. Eintritt 50 P(. Anfang 8 Ubr. w.&Ä...= Cr. Haehmillags-Ionzerl rtmdj. rJtoamder'W&teum Sonntag, den 24. November 1912(Totenfest), im großen Festsaale der„Neuen Welt", Hasenheide KONZERT Mitwirkende:* Herren Veit, Höber, Reitz, Perduss, Holbein, Schweinitz und Schumann vom Philharmonischen Orchester. Zum Vortrag gelangt u. Großes Beptett in Es-dnr, op. 20, von Beethoven. X Eintritt 7» Pf. X Anlang 8 Uhr. X Xinöar 20 Pst X X Kinder anter aecha Jahren haben keinen Zutritt X A 60 Pf. eind zu haben in den Zic geschälten von P. Horaoh, Engelul G. Schulz, Kottbuser Tor; M. KAmmarer, EUsabethnler 87; Eintrittskarten Sigarran- .ufer 15; E. Schulz, Mittenwalder Str. 2; W Seidel, Bergmannstr. 59; M GöHert, Yorckztr. 40; B. Bötlger, Zossener Str. 80 und ic, Tilsiter Str. 45; Skalitzer Str. 107; H. Kippe, H. Parake, Büaohingstr. 2; 0 Voigt Elbinger Str. 77; A. Rcnaky Nchil., Ohoriner Str. 28; K. Bielefeld, Öraefestr. 35; G. Kuhring, Jahustr. l: in Neukölln: A. Abraham, Donauetr. 25; Willmann, äohillerpromenade 28,..-P..„.. A. Rietdorf, Pannieretr. 40; in Sohöneberg P. Opitz, Pflügarstr. 74; Uv.böneberg: K. Schönebeck, Brunhildstr. 7; in Oharlottenburg: F. Mover, _" M ha;# I a• s UOUIV, LTAiauu-uucrva.. v-* D' H&rdenbergstr. 15, Eck© Fasanenstx.; in R u m m bürg: E. Helberg, Oärtnerstr. tl, aowia in den mit Plakaten belegten Handlungen. ■■■ P Urania TanbenstraOe 48/49. Nachmittags 4 Uhr: Gervais-Courtellemont< Paria): Bilder ana Frankreich. (System Luroilre.) Abende 8 Uhr; Ole wichtigsten Kulturpflanzen der Weltwirtschaft Mit dem Zeppelin- luftsehiff von Sylt nach Hamburg. Theater Königstadt-Casino. Holzmarktstraße 72, 1 Min. v. Bahlch. Iaiino-riybiüdk. Täglich abend»'/jS Udr: Das gr. SpeziaiitiiteDprograiDiii und„Im Jahre Ä900". Ein Zukunftsbild in einem Akt. Voigt-Theater. Seiundbrunnen Badstraße 58. Freitag, den 22. November 1912: Schauspiel in 5 Akt. von E. Ritleifeld. Nach d. gleichn. Rom i. d..Morgenp.-. Kasseneröfinung 7 Uhr. Ans. 8>/. Uhr. vssono 1'kvstvn Lotdringer Sir. 37. Täglich 8 Uhr: Nur noch bis 28. d. M. da» Zug- und Kassenstück Vvr{wroßfürst. Am 29. November Premier«. Tonntag 8 Uhr: Die erkaufte Fron. tXcjmiraispslsst am Bahnhof Friedriehstraßa. D8U- Elapalast. MG Einzig in dar Well mit«einen prunkvollen Eleballefte. Allabendlich da««ensatlonelle Elaballett„Yvonne". 100 Mitwirk. Fabelh. Ausstett. Die kleine Charlotte. Bis 8 Uhr und von 10 1\ Uhr abends halbe K�senpreme. Beatanrant 1. Bangem. Wein» und Biw-AbtcuUÄg. W AM ZOO. Täglich 8 Uhr: So bummeln wir! Bunte Bilder mit Gesang und Tanz v. Guelav Kadelburg, Lee Leipziger und Jean Gilbert mit: Frltzi Maasary, Max Panenberg, Karl Bacbnann. Vorher: Gf. VOriOtO-TBÜi Danohnn in allen Räumen des näUCuED Theaters gestattet. Der Vorverkauf findet an der Theaterkaaa« 10-2 Uhr im Warenhaus Tietz und im Invalidendank. Keine Vorverkaulsgebühr. Passage-Theater Unter den Linden 22/23, KJ-Ko lilcbtaplele. Anfang 4 Uhr. Sonntars 3 Uhr. Reiehsbailen-Theater Stettiner Singer. Ansang 8 Uhr. Burleske von Meu'eL Nächsie Nachmitt.» Borstellung Sonntag, 1. Dozemi. An die Arbeiterschaft von Groß-Berlin! Mem Spott und Hohn, allen Verfolgungen und vedriicknngen zum Trotz hat sich die. politisch reife, freiheitsdurstige Arbeiterschaft zu einer Kultnrpartei entwickelt, deren GegenwartSgedanlen und ZukunstSziele unserem Zeitalter da? Gepräg« geben, Ab« noch immer hat das Proletariat jene Periode nicht ganz hinter sich, in der wissenschaftliche und künstlerische Bestrebungen auf manchmal recht harte Gegnerschaft stieben. Wir Arbeiter- Janger treten heute wieder einmal vor die klassenbewubte Grob- Berliner Arbeiterschaft, um alle Kultur-, Kunst- und Sangesfreunde, die noch nicht in unseren Reihen stehen, für unsere Organisation, den Deutsche« Arbeiter-Sängerbund Gau Berlin und Umgegend zu gewinnen.— Je mehr die der politischen und wirtschaftlichen Befreiung entgegendrängende Arbeiter- schaft sich zu gewaltigen KampfeSheeren zusammenschart, desto weniger kann und darf fie gut geschulter Mastenchöre entraten, die da» Sturmlied de» modernen Kampf- und Freiheitssanges durch die Lande brausen lassen. Je mehr das Proletariat an» den Niederungen unserer heutigen„Volksbildung' den Höhen der Kunst und der Kultur zustrebt, desto weniger kann und darf es fich die Gelegenheit rauben lasten. in der ersten und hehrsten aller menschlichen Kunstbetätigungen mitwirkend, mitgeniehend neben dem sozialistischen Tendenzlied das Volkslied und auch den Kunstgesang des mehrstimmigen MännerchorS zu hegen und zu pflegen. Millionen Männer und Frauen haben den Arbeit-r-Sängern dankbar gelauscht, wenn sie am ersten Mai, auf Sängerfesten, bei Proletarierseiern politischen oder künstlerischen Gepräge« durch die Weihe des Liedes Stimmung und Gedanken in höhere Sphären trugen als die de« Alltags und der proletarischen Fron. Wer kann sich Arbeiterfeste, bedeutsame Tagungen denken, denen das Lied nicht Auftakt und Ausklang gibt Z Welcher Genosse, welcher Kollege mag in der trübsten Stunde, am Fried- Hofshügel, den Trottgesang aus dem Munde Gleichgesinnter missen, jene Lieder, die uns mehr zu sagen haben als alle Choräle und geistlichen Tröstungen der Welt I Dann aber noch eins: Wo wir heute Hinblicken, sehen wir, daß die kleinen OrganisationS- gebilde sich konzentrieren und zu groben, leistungsfähigen Zentralkörperschasten zusammenschlieben. Auch mit der Sache de»«rbeitergesange« wäre es weit besser bestellt, wenn nicht immer noch so viele winzige Bereine ihr eigenbrödlertscheS Klein- und Scheinleben fristeten, statt fich dem über das ganze Reich organifierten Deutschen Arbeiter-Sängerbund anzuschließen, der kraft setner grasten Mittel und gestützt auf seine RS« WO Mitglieder nicht nur Feste und Konzerte veranstaltet, die wegen ihrer Gröb« und künstlerischen Ausgestaltung Aufsehen erregen, sondern zur Weiterbildung seiner Mitglieder eine Chorführerschule zu gründen in der Lage war, einen leistungS- Mein ganzer Reichtum ist mein Lied." Georg Herwegh. fähigen Bundesverlag besitzt und neben anderen wertvollen Einrichtungen ein eigenes Organ unterhält, die „Deutsche Arbeiter-Sängerzeitung", die sich mit ihr« SO 000- Auflage sehen lassen darf! Leider stecken sehr viele Arbeiter noch in bürgerlichen Gesangvereinen, denen die Gunst der Unternehmer, der Behörden, der Regierungen winkt und die sich erkenntlich erweisen, indem fie daS „patriotische' und daS„fromme' Lied pflegen! Der Deutsche Arbetter-Sängerbmrd verzichtet auf das freundliche Lächeln der gelben, blatten oder schwarz-weiß-roten Gnadensonne--, nur die Gunst des Volkes ist e», die er begehrt. Ganz auf sich selbst gestellt, ward unser Bund da», lva» er ist; auf seine eigene Kraft bauend und auf die Hilfe der Arbeiterschaft, will er sich immer weiter, imm« höher entwickeln. Heraus als» a»S de« bürgerlichen Gesangvereine«, Ihr proletarischen Arbeits- brüde«! Hinein in de« Deutschen Arbeiter-Sängerbund, der— demokratisck geleitet und verwaltet— auch künstlerisch mindestens zu leisten imstande ist, was die„besten' bürgerlichen Vereine bieten. Wie das Bürgertum den Arbeiter so gern zum„Stimmvieh' herabdrücken möchte, so ist ihm der Arbeitersänger in den bürgerlichen Vereinen eigentlich nur„ S i n g v i e h', und unwürdig ist e» des modern organifierten Proletariers, im Kreise seiner politischen Feinde und Unterdrücker zu bleiben, wenn er in der eigenen Klasse seine Erholung?- und Kunstbedürsinsie mindestens so gut befriedigen kann wie im gegnerischen Lager. Seitdem der Deutsche Arbeiter-Sängerbund dazu übergegangen ist, immer mehr und mehr die kleinen BereinSgebilde zu grüheren Chöre« zu verschmelzen, ist er an künstlerischen Erfolgen-- daS liegt in der Nawr der Sache—-mpor- und vorwärtsgeschritten. Auf dieser Linie liegt sorgani» satorisch) seine weitere EntwickelungS-Tendenz, wenn die Arbeiterschaft dem Bunde allenthalben daS Verständnis entgegenbringt, dessen er sich in manchen deutschen Gauen längst erfreut und daS wir ihm auch in der Riesenstadt Berlin endlich zu erkämpfen hoffen. Noch vielen taufenden arbeitender Männer und Frauen gilt eS die Kampfeslust zu stärken, gilt «S das Bewußtsein für die«attonalen und intetnationalen Aufgaben der proletarischen Kultur- orrnee einzuimpfen. Der Massengesang, der Volksgesang ist zu allen Zeiten einer der nichtigsten Freiheit«- und Kulturhebel gewesen, DaS Lied schwingt fich über Berge und Meere, auch zu den Sklaven, die noch im Joche ihrer Unterdrücker einhergehen. Wie der sturmbrausende Chorgesaug die Heere der Vergangenheit durch Blut und Pulverdampf vorwärtsgepeitscht hat, so wird er die Kultur« arm« der Zukunft zum Licht nnd zum Stege führen I „DaS Lied, das Lied hat Fliigeltt!« Sangeskundige und sangeslustige Arbeiter von Groß-Berlin! werdet und werbet Mitgliederl Hinein in den Deutschen Arbeiter-Sängerbund! Am 1. mittags 1 Uhr, findet im großen Saale der eine öffentliche Sänger- Versammlung Tages. Ordnung: Die Kulturbestrebnngen des Deutschen Arbeiter- Sängerbundes. Referent: Reichstagsabgeordneter G. Davidsoh«. Alle Sänger und SangeSfreunde sind herzlich eingeladen. gep yopffaNÄ ilkS Deutschen Arbeiter- ZsügeshUNöeS i?, t» Gau Berlin und Umgegend. Ortskrantenkaffe der Bureauangestellten zu Berlin. Zu der am Freitag, d«n 2S, d. Mtl., abends B'l, Uhr. im„Rosenthaler tot". Rosenlhaler Strage 11—12, o( linIS I staliflndenden General-VersanunliiRg werben hiermit die für das yabr lSl-j oewäblten Vertreter der Kasse ein. geladen. 281,12 Tagesordnung: t. Wahl d-S AuSichulse«»ur Prüfung der JabreSrechnung pro 1212. 2, Antrag des Vorstandes, dle OitSkranlenkasse unter oer Reichs- verstcherunasordnung als Sonder- kasse lortbestehim zu lassen. 3. Periönliche Verwaltungsange- legenbetlea. 4. wadlen von BorstandSmItgltedern sür 1213,14. Delegtertcnbeftalluug gilt al» Legietmation! Verlin, den l.Rooevlber 1212. Dircksenstrahe 4. »er Vvr.tanck. I.A.: Bauer. iriieiter-Riilfaliper- öiirnj Solidarität Ortsgruppe Berlin. Tonren z»m Souut-ig, d. 24. November. ».Abt.: 1 wr: Hirsch garten«Kar. lostet, und HeringStour). Start: TÄftV,« den Ollen. Endziel: Hirschgavten. Star«: Lausttzer Platz t2,- H-ute abend: AbtellungSfitzung, Öugenbllche: 1 Uhr: Hirsch. garten IWilhelmSho». Start: Stra. lauer Brück« s 4. Abt,: 1-,, Uhr: Marienoors (Üinienhogen). Zuart: KÜstriner Platz. 13,10 5-«M-i 1 Uhr: Bernau sSalz- mann) Start: Slosium. ,Ä3»°°�«««"" fg&'eisrsr"0' 8. 1 Udr:«annl«(Fürsten- has). Start, Levetzawftr. 21. Or. Bimmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, ÄP'Tu 10—2. 6—7. Sonntags 10—12. 2—4 Offerier« in nur frischer, fchtner»ar«: oar Kar elu Prel»!-MAS Set«, junge pro Pfd. 71 8-16 Pfund schwer. 123,12» BTar allererste Qnalität! Giinströmpfe, V» Gänse, fette Suppenhühmer.jlu�eBrMhühner, Wegner, Martannenstr. 34. Zcilitliliicrd-iiid d-, Mnschiniste»«0 Hchtl sowie Kervssgenosse« Aeutschlaads. Zahlstelle Grost-Berlin. »snetag. de»»4. November, nachmittag» VI, Uhr: Generalversammlung in den Armtnhalteu, Kouimandautenftr. SK/KV. Tag«Sordnung: 1. Vortrag. Referent: Kollege Schltchting.— S. KassenSericht.— 3. Ortsangelegenheit. ..........- nttgliedabaeh legitimiert. i Zahlreichen Besuch erwartet zu dieser Versammlung ktS/is vto Orterreriraltnoff, Versicherungsbeamte! Handlungsgehilfen! Freitag, den 22. November, abends 8�lthr:' lsiroteit- Versammlung im Deutschen Hof, Luckauer Straße 15. Referenten Rechtsanw. Heinemann und Dr. Rud. Breitscheid: Der Gewaltstreich der„Victoria". Versicherungsbeamte I Handlungsgehilfen l Erscheint in Massen! Es handelt fich um Enre heiligsten Rechte! Keiner fehle! 222,3 Zentralverband der Handlnngsgehilfen. Bureau: Münzstrafte SO. Bautischler. Tonntag, den£4. November, vormittags 10 Uhr, bei Boeker, Weberstraße 17: SH-sneben»Versammlung sür Groß'Krrli« nnd die Vororte Groß> Fichterftlde Tagesordnung: 1. Bericht der Komiuistion und wie stelle« wir un» zu« Vertragskündigung? 2. Diskusston. per Die arbeitslosen Kollegen werde» dringend ersucht, an »iesrr Versammlung teilzuuehmen.-Mstl 21/2 lZlitglieSer-veklammIungen: Modell- und Fabriktischler. Montag, de» 25. November, abends 8 Nftr. im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Strafte II, IL. Tagesordnung: 1. Berichl von der General-Veriammlung. 2. Stellungnahme zum Bertrag. 3. Verbands- und Branchenangelegenheiten. Tischler, Kc/irk Nordosten. Montag, den»5. November, nachmittag» B'l, Uhr, bei Boeber, Webers«. 17. Tagesordnung: 1. Bericht von der General-Bersammlung. 2. Stellungnahme zum neuen Vkrtrag. 3. Dislussiori. Die Ortsverwaltung. AD ToUMERCK f-f',''■"ijS>' GOLD SILBER KUPFER Drei Grössen Alle drti Marken.glekh rein und na�rlträrrig unrerscheidett sich, wie die deutschen Edelweine, nur durch Ihr Aroma. Drei Preislagen für elegante MaBanzQge, Ulster, Paletots, Mtr. ♦.—, 6.—.8.— M. etc. Velourdu Nord, Persianer, Imit. Seal- Pllisch, Seiden-Seal Mtr. 5.50, 6.50 6 50, 15.— M. PIDschfutter, Fell imit für eleg. Damen-Paletots Mtr. 4.50 M. OamenkostUm- und Ulsterstoffe, Mtr. 3.—, 4.—, 6.— M. etc. Tuchlager Koch& Seeland 6. m. b. H. Gerlrauitenslr. 20/21 ÄÄ Hallo 1 Spare In der Zelt Selm Elnfouf. Wir empfehlen SelegenheliSlitufe in neuen sowie aehrmn Letztere sind Matzlachen, fo«. Monaisgartzerade, welche teils in feinfien I """" fftüljerer«nlchaffungSprei» bi» laoä», letzt zu folgenden ertra billigen Preisen hie» Herec». Uliiern. llerkstütten(«' t> Anzügen. Paletot« ,c auch auf Seide) aearbeltet find. itfi 1 Rokk'Anzilge IS- IS- 20- 24— Gehrock-Aitzilge l.8.- SS- Jever Herr findet passende«arderode. HerreN'PaletotS 8— IS.- 16— 20— BL je. Herren• Ulster 10— 14— 18— LS— m. je. I Gehrock-Aitziige 18.- LS— LS— SS— M. k. Jackett-Anzüge 8— IL— 14— 10— M. io j Herreuhosen 3— 3— S__ M. ,e. Verleihung von eleganten Jrack- u. ts-iellichafttzanziigeu. and oHÄ i Kr. Frankfurter Str. 116, IL G"*hlH: «, dar Andrew. itraCe. MWWW»WW»»>WI Sonntags nur von 12—2 Uhr geöffnet. Ghausseestr oft tU-A-tU 89, Uoaanatr. Sophien-Säle Inhaber Joseph Heid rieh, Sophienstr. 17-18 12 Säle in allen GrBBen mit Bflhne zu allen Gelegenheiten passend. -------- An Sonnabenden und Sonntagen noch frei I- Kleine Vereinszlmmer und 5 Kegelbahnen noch zu vergeben t* II. Ziehung 5. Kl. 1 Preuss.-Süddeufsche (227. Königlich Preass.) Klassen-Lotterie Ziehung vom 91. Navember 1919 Tonnltiag». Inf 1»g»(Fiot.a. Hnaaw«lad*w»l gtaleh hakt 6a. «Ina» gotaii«», snd rnar Je»l»«r aaf dl« Lo«. iridcher Nammtz t» den beides Adteliaage» I«ad II Nur die Gewinne über 240 Mark eind den betieffendeo Nummern in Klammern beiarettist. k fOhne Gewähr.)(Nachdruck Terbotea.) 151 220 84 85 768 1031 194 208 33 fieOO] 404 (30001 658 903 90 2037 III 253 399 457 535[1000] 1723 3154 266 381 447 659 689 890 906 13 26 4060 «0 230 81 454 76 83 708[6001 18 887 917 76- 800» 0.40 413[1000] 15 49 731 93 904 41 8092 1600] 129 .{30001 68 234 377 649 754 67 73 80 828 938 7008 U-OOO] 10 flOOO] 27 79 87 105[600] 12 1600] 295 321 4! 7 40 723 13000] 964 8000[1000] 140 282 98 357 88 483 502 884 988 89 9003 116 253 305 15 4SI 72 78 «00!600] 45[1000] 91 691[10001 763 es 901 - 10124 263 330 727 823 38 11171 94 234 69 65 jSOg 69 633 601 606 983[1000] 89 12007 26 75[3000] 1440 83 616 604 34[5001 41 862 79 999 13143 208 ]f3000] 333 67 491 500 655 960'[1000] 72 14008 38 7 fsoo] 602 44 47 763 15035 52 471 832 81 16183 §3[1000] 17 335 609 985 17005 81 III 43 305 71 8 535 76 757 952 19015 47[3000] 265 380 474 545 1 34 829 19005 116 213 25 69 471 77 78 610 19 71 881 29018 395 491 835 925 21105 37 94 249 341 643 49 22137 76 327 41 69 834 86 91 96 23114 28 616 i885 24000 168 384 84 648 744 865[3000] 982 25056 (71 182 211 417 77 543[500] 622 749 26148 217 337 £0 702 79 27336 448 64 512[606] 34 800 2 8003 30 9 183 326 525 30[1000] 60 99 641 712 29066 70 141 «24 431 642[600] 70 726 875 928 90 P 30069 260 82 449 52 634 877 80 940 89[1000] iSlOOO 114 24 60[1000] 433 81 87 671 99 731 808 62 182 993 32277 462 64 595 791 852 33072 269 458 61 (527 616 63 804[500] 91 959 74 34249 320 431 90 662 «81 703 35 838 908 35027 49 177 248 64 79 302 485 «58[1000] 625 710 38012 60[1000] 68 393 409 69 [575 704 99 823 65 70 900 78 37098 690 705 38042 109 227 75 422 56[1000] 668[600] 654 82 802 30 56 pB3 33045 225 518 628 49 741 367 11000] f: 4O007 295 339 460 621 718 823 63 971 41022 Ski 170 281 ,93[500] 373 405 609 841 45 63 98 999 142098 147 92 221 336 75 91 414 44 48 552 019 35 48 03 43389 603 702 22 70[10001 79 834 89 908 4 4038 286 342 82 489 668[10001 757 45015 376 426 28 49 dsoo] 56[1000] 67 604 18 19[1000! 08 600 69 08 >[509] 734 94 888 45261 403[500] 792 845 68 47041 «0 90 III 284 487 648 820 46 92 48021 53 252 78 209 64 76 401[1000] 597 622 85 799 820 49091 195 277 61 B 839.'1 SO030 118 435 012 61001 265 313 420[600] 29 805 39 83 616 65 899 901 23 52030 176 240 383 689 719 68 63098 09 240 722 994 54118 216 339 434 618 44 657 77[500] 84 762 854 74 958 87[3000] 56073 86 437 51 60 794 902 56021 91 173 86[560] 280 304 1600] 10 634 712 843 72 916 29 94 57349 93 668 72 80 632 98[500] 769 58319 62 498 674 658 801 44 SO032 87 189 277 78 92 343 62[1000] 78 450[500] 86 635 835 «0044[500] 173 202[BOOl 400«22 54 616 «1020 140 271[600] 95 438 605 33[1000] 98[10000] 707 392 6 2238 326 54 406 91 92[1000] 572 696 786 824'' 81 85 83605 734 70 896 942 58 64230 33 84 391 400[3000] 37 78 628 659 795 855 65199(5001 333 484 728 61 66188 309 409 19 64 532 017 743 910 68 67009 174[5001 228 52 467 618 52 815[500] 68110 46 428 48 98 515[500] 804[1000] 39[3000] 69001 7 20 30 31 180 349 619 82 93 738 881 995 70039 92 240 682 608 723 44[1000] 809 18 963 71012--S 129(5001 64 225 66 448 86 641 920 67 72006[3000] 189 628 65[600] 78(1000) 92 761 T1000] 940 73195 225 371 451 771 83 859 1560] 088 74124 32 406 089 719 881 7 6309 416 30[3000] 650 67[500] 786 834 37 935 76001 185[500] 205 446 624 649 76[500] 732 87 824 68 77015 116 42 49 -3000] 65 94 676 602 719 51[500] 955 78180 355 402 804 35 15001 79161 372 413 515 658 783 026 80321'50[6001 85 403 612 62 787 995 81115 79 «25 475 521 753 88 850 972 93 82113 381 448 602 aq s? HOOO] 649 794 928[10001 83182 213[500] 349 All 576 605 44[500] 710 813 940 84094 169 318 85 «14 15001 31 752 85101 29 85[1000] 285 313 48 90 60 62 633 4» 71[5001 776 004 11 36 8«021 42 üi«6 209 355'63 744 67 875 953 87011 30 226 48 2*«Q 62 72[1000] 626 622 23 31 93[500] 719 23 916 L>259 04 /e i n 77 300 425 56 713 17 66 852[1000] 89161(500) 508 22 602 89 710 973 P onno? 132 74 208 66 323 61 67 441 680 059 872 e.nnnl 058 91082 221 51 65 305 48 49 528 33[500] l1.0,00,« 79 819 903 77 92022 97 124 67 71 90 264 «02 775 79 81» gzol? 4SI 617 99 793 808 963 380 35[500] 222 300 405 643 63 881 82 72 84130[1000] 26 1 78 47 1 681 715 87 2 817 9 6 23i 95102 29 49 241 36 044 g�g 226 7g[6001 609 304 72 il 00,2132[500] 65 71 83 416 687 89 679 «828932 991�5 227 077�630�040�07 100061 160 204 31 95 607 85 1 0 1 280 431 33 99 803 33 37 65 609 707>600] 39[3000] 61 827 990 93 102182[500] 86 323 449 671[500] 606 24 860 934 68 103013 42 197 434 614 78 812 17 31 67 064 82 1O4202 306 434 637 61 632 917 94 105250 96 366 84 493 820 747 79 906 8 106153 75 238 378[6001 473 75 601 99 617 22 708 945 107026 50 219 88 69 71 689 1 08004 11 184 233 506 34 66 965 1O9013 81 93 268[3000] 673 89 760 57 810 921[500] 110027 29 69[1000] 86 141 66 81 83 295 364 467) 637 72 619 03 82 718 81 814 919 80 111017 76 221 362 423[5001 627 743 61 90 93 938 112088 129 91 393(10001 681 768 872 062 113377 648 690 739 06 825 114361 654 714 16 822 945 115223 416 760 869 110069 284 336 677 749 953 117091 136 61 318 SS 557 86 682[500] 718 46 905 98 118048 60 146 277 382 472 606[3000] 20 63 631 738[500] 77 818 38 7S [1000] 81 946 1 18016 77 114 61 202 423[1000] 7S 89[5000] 694 739 120004[600] 266 367 467 614[600] 38 65 721 83 M 832.73 78 121064 340[1000] 46 430[3000] 603 14 81 986[500] 87 122326 624 782 123544 802 762 [1000] 802[600] 28 124011 488 652 70 676 787 818 974 87 125237 76 311 410(1000) 535 638 76 729 126221 31 83 334[1000] 412 533 700 69 77 851[1000] 941 127218[1000] 343 467 84 664 749 69 889 994 128206 67 95 479 80 821 982 129092 122 324 402 27 843 61 70 32 967 76 130122 401 86 648 680 723 47 89 879 943 45 76 131172 219 45 60 316 404 502 81 877 907 16 132033 125 93 264 307 15[600] 51 623 88 93 955 78 133205 335 641 49 683 760 802 990 134037 41 367[500] 487 707 63[1000] 97 886 135181 259 84 406 605 691 138019 248 49 314 26 82 4SI 646 675 137087 151 382 138173 210 38 303 551 65 718 973[3000] 139039 94 162 203 67 338 606 608 41 051 64 93 140031[1000] 196 97 210 75 634[500] 62 es 778 835 910 79 141153 09 264 90 353 416 23 69 608 76 673(10001 785 847 85 960 142000 123 305 68 687 889 987 143104 50 320 22 32 71 421 63 670 746 60 970 144030[5000] 47 108 299 328 620 927 49 145059 137 210 99 371[600] 74 90 458 609[500] 621 23 48 724 32 33 148151 600 35 63 693 99 752[500] 88 921 147036 163 222 664 818[3000] 84 148000 98 187 355 412 83 518 40 63 798 383[1000] 932 140244 63 441 69 600 78 85 959 150180 241 80 482 670[1000] 685 755 151052 [6001 264[1000] 488 007 39 05 904 63 152058[500) 86(500] 110 62 63 417 627 39 789[3000] 822 41 153108 492 664 758 860 074 154133 81 219 69 86 (600) 658 860 966[500] 82 1SS008 109 97 470 79 678 156085[1000] 88 116 92[500] 352 689«28 50 57 941 61 157070 08 198 249 640 87 715 847 03 942 158010[1000] 233 44[1000] 05 537 79 730 944 159125[3000] 66 69 325 446 600 734 97[500] 8»7 76 924 100078 83 117[1000] 44[3000] 315 181145 454 606 19 48 76 800 937 1 62104 245 96 633 163202 30 92 418 41 79 537 68 656 05 735 75 910 69 184117 82 238 312 73 97 406 48 746 83 13000] 868 047 165077 174 214 58 70 330 409 80 681 760 815 904 64 186279 314 18 32 73 802 946 64 167135 84 93 244 460 554 62 600 822 80 915 94 188176 371 658 68 71 748 71 835 950[600] 78 85 160137 293 306 99 439 78 600 39 78 639[600] 85 749 869 170101[500] 275 312 467 573 872 901 45 77 171308 80 448 670 99 980 172117[1000] 74 432 80 695 802 13 76 173072 III 234 75 347[5001 420[1000] 43 72 522 85 89 662 722 826 29 941 174227 424 630 643 01 771 845 77[10001 952 17S101[5001 38 87 83 374 474 644 628 745 938 178026 63 145 200 453 624 29 817 964 83 1 77102 9 Ii 62 258 363 578 78 605 82(1000] 701 42[500] 823 67[3000] 17 8009 93 207 14 81 385 473 613[1000] 626 44 64 81 727 854 923 76 170031 183 277 315 65 410 819 69 727 31 902 37 180525 62 664 731 76 939 181117 481[3000] 68 675 718 840 63 66 68 982 90 182208 318[500] 624 738 188360 401 18 696 667 710 42 948 184000 108 290 335 484[500] 94 659 760 89 801 23 185031 39 208 36 367 79 81 458 59[1000] 84 707[1000] 37 60 [500] 69 99 852 188136 85 203 85 348 660 77 716 627 66 82 03 914[1000] 187134 78[50001 283 368[5001 74 492 655[500] 642 68 749 900 73 188089 91 212 405 604 56 843 70 942 61 180035 84 194(1000) 215 356[30001 69 458 648 611 15 765 879 981[1090] 100127 67 205 20 314 60[1000] 661 731 828 48 85 917 191011 23 76 117 203 392[3000] 631 625 743 46 81[500] 823 192092 155 201 41 317 20 11000] 84 408 02 619 709 35[500] 47 98 872 979 193147 262 76 380 498[500] 682[1000] 719 907 1 04030 210 12 82 (1000) 319 479 11000] 604 43 762 13000] 854 908 195029 32 339 439 615 26 96 881 196000 27 63[500] 170 366 419 41[1000] 687 06 602 99 197073 254 323 400 8 53 83[000] 300 33 712 47 882 1 98021 27 287 [500] 647 72 770[500] 902 29 79 190067 125 202 346 422 89 1600] 91 672 83 99[500] 718 13000) 20 77 20 9430 35 636 84 828 20 1 058 262 304 652 789 857 977 92 2 0 2017 30 38 49 355 76 794 803 2 0 3035 270 608 807 969 204031 100 28 61 85 399 623[500] 95 659 889 902 91 203151 73 266 96 309 45 72 97 634 763 996 206174 78 460 530 863 984[ 30001 20 7 092 [1000] 231 79 443 628 709 804 912 11000] 78 88[600] Im Gewlnnra le verblieben Z Piämicn ru SOOCOO M, 2 Gewinne in 60000. 4 su 60000. 2 iu 40000. 4 iu 30000, B iu 15000, 40 iu 10000, 74 iu 6000, 1278 zu 3000, 2200 iu 1000. 3538 iu 600 11 II. Ziehung 5. Kl. 1. Preuss.-SUddeutsche (227. Königlich Preuss.) Klassen-Lotterie Ziehung vom 21. Navember 1912 nechmittag«. Aaf Jede(esegeae Nemia.r»lad iwel gi.lek heka be. wlane geldllea, aad twar Je einer eef die Leee (leleker.l am ei er In d.n beiden AMeileaaea 1 and II Kur. die Gewinne Uber 240 Mark sind den betreSonden Nummern I» Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck Terbotea� 63 118 83 271 454[500] 687 874 83[1000] 932 SS 1120 45 425[500] 78 612 62[1000] 611 44 732 804 10[600] 2004 8 99 100 217 38[1000] 44 386 636 800 940 88 8127[3000] 472[1000] 586 703[500] 26 IlOOS] 91 38»31 41 96 4236 623 876 97 923 6 086 204 357 453 602 957 6038 37 69 225 65 82 90 336 499 527 727[10001 MO 7086 807 744 98 813 0040 73 226 65 73 429 67 610 908 0180 237[6(50] 354 648 64 631 813 82 » 1O109 285 371 84 419 89 637[1000] 41 690 771 895 993 11052 124 378 534[500] 643 70 967 12094 240[600] 512 667[500] 71 775 852[30001 83 951 13067 240 399 438 514 73 90 800 68 943 14029 67 76 146 239 61[600] 321 452 667 740 99 851 15125 57 296 338 429 65 695 663 878 16153 79 99 314 43 60 720 80 67 900 7 17022 128(10001 74 224 64 341 443 621 87 660 789 865 85 04 96 18097 100 62 237 SS 809 40 491 629 66 97 764 618 10164[600] 401 43 91 633 609 > 20038 60 221 387 465 72 628 879 910 44 21069 438 50 688[600] 728 830 40 44 935 22083 641 618 [3000] 29 23365 425 40 576 643 74 812 21 24003 [3000] 70[1000] 100 17 86 479 619[3000] 715 26 69 643 2S000 28 66 131 232 352 38 603 646[10001 856 989 26433 44 670 635 68 923 68 97 27186 363 90 493 638 672 723 34 70 85 935 28131 73(10001 274 317 32 65 81 84 412 89 758 026 23132 229 42[600] 368 448 527 624[1000] 43 76 802 33 64 074 78 30133 344 436 682 721 95 847 910(1000] 44[6000] 31038 197 342 622 30 32015 93 126 217 68 370 402 8 648 603 96 726 933 33331 40 66 633 63 72 96[600] 608 68 746 890 93 34067[1000] 79 327 408 691 637 69 794 826 35046 96 181 257 354 60 662 64 661 709 697 986 36188 290 320 45[1000] 445 683 721 61 864 94 3 7055 59[3000] 351 86 497 680 788 833 61 026 65 38110 672 811 18 30045 223[3000] 69[3000] 377 470[1000] 635 710 74 861 78 981 92 . 40048 139 64 88 13600] 261 345 589 741 313 632 66 41249 60 478 616 19 608 784 864 938 42069 92 201 [10001 8 30 364 81 602 744 45 809 964 43021 83 89 224 55 81 326 73 409 604 41 648[1000] 317 46 44192 248 471 621 645[3600] 66 76 45180 227 34 42 69 97[500] 340 433 661 780 1600] 97 898 40146 278 300[600] 46 422 631 704 984 47313 83 86 452 65 604 53 707 37 803 17[600] 31[500] 38 919 62 71 48067 136 233 380[1000] 619 704 866 970 40233 43 65 97[1000] 366 667 769 880 • 5O0C4 71 316 75 411 61 733 818 51027[1000] 189 383 319 70 819 90[600] 62106 201 673 763[1000] 837 933 53111 81 99 292 361 426[1000] 638[500] 611 738 68 805 32 931 88 64049 103[600] 21 27 397 451 69 62 666 608 35 709[1000] 64 801 39 976[1000] 83 55066 104 383 491 602 931 56026 106 256 UOOOO] 336[1000] 63 90 654 670 73 864[1000] 57120 374 665 777 82 866[1006] 905 85 63 5 8006 69 71 272 [1000] 79 394 682 770 BIS[600] 69 611 33 50146 388 466 718 41 843 920 60388 425 43 79[1000] 92 516 45 709 19 24 75 843 74 990 97 61086 184 268 303 99 463 65 80 BIS 60 95 62070 117 99 646 73 670 772 83 809 960 82 63371 409(30001 94 612 958 84476 648 628 735 69 1500] 65198 298 605 721 33 874[1000] 986«6056 120 81 216 37 64 402 909 67080[1000] 188 201[1000] 61 870 83 792 849 68144 469 670 848 80 90 942 60015 23 60 80 167 221 423 43[30001 833 910 70113 205 529 77(6001 84 688 860 929 71018 1600] 88 120 77 270[500] 658 808 6 61-96 72010 12 68 191 633 47 68 84 759 907 96 73636 98 7 4222(6001 27 446|600) 626 626 74(1000) 714 848 49 76018 63 131 85 402 635 774[1000] 76028[600] 46 171 261 326 418 31 48 615 725 82[500] 984 77003 92 95 145 397 408 13 595 819 919 78066 128 674 92 716[500] 18 (3000) 840 63 085 88 70389[1000] 97 460 860 91 11000] 60066 267 69 345 477 626[600] 27 818 928 81006 180 243 87 367 484 647 61 62[600] 716 39 812 33 75 920 41 71 82210 721[30001 48[1000] 819 83057 185 332 45 13000] 438 56 537 684 722 913 84000 19 103 34 44 60 270 307 37 49 96 542 767[1000] 87 85194 237 41*43 927 81 86112 67 81 650 85 673 845 90 972 8 7029 185[500] 355 468[600] 88 702 57 807 [600] 79 94 88061 90[1000] 135 216 67 302 40 72 419 64 522 03 664 767 854 904[500] 38 8 0005 57 IIS 241 73 339 694 873 9O032 52[1000] 61 183 339 61 466 682 600 63 62 «6 730 824 91313[1000] 31 53 535 60 13000] 607 66 782[1000] 873 957 98 92027 32 80 100 259 94 342 60 410 94 11000] 724 827 42 990 93033 188 87 280 358 82 42* 697 803 5 36 99 952 94015 71 178 204 486 612 745 928 94 95045 302 691 647 849 934 67 90087 130001 357 639 632 953 07444 79 612 41 731 342 [600] 263[eOOT 08034 64 ISO 606[500] 341 904 36 98111 84[80091 206 636 69 628 768 817 84 100080 84 266 406 13[10001 80 668 743 808 901' 3 27 40 101129 96 209 87[600] 463 589 821 102 23 34 177 89 240 69 451 643 738 884 963 103088 1171 [1000] 23[1000] 284 334 665 656 786 99 623 98 933 60 1O4053 361 455[3000] 670 886 985 1OS044 62 302 400 604 17 61 625 791 848[600] 60 640 63 1O608I 89 200 37 87 602 681 836[600] 61 1600] 107067 Iii 28 296 310 42 98 561 65 643 81 744 825 64 963 lOSOOL 15 67 123 44 353 63 418 47 62 65 643 729 61 831 41) 109323 41 426 42 637 669 i 110367 483 741 828 944 84 111133 235 413 19 42 70 76 688 862 112167 83 262 433 46[600] 767 80 688 113088 299 358[600] 616 41 76 732 62 822 79 946 114063 370 91 93 660 115071 249 419 645 65 834[3000] 37[1000] 116003 24 135 64 249 452 85 81 »66 117035[500] 167 211[1000] 28 721 70 77 110249 63 378 433 46[3000] 68 68 603 29[600] 634 78 700 843 69 928 110082 167 312 70 426 46 620 ISOOi 799 633| 120002 228 360 445 90 618 775 1 2 1 048 71 391 [3000] 449 522 931 43 60 122011 65 337 79 617 602 4 64 756 977 123059 120 226 430 SU 627 62 743 8731 94 931 124047 131 303 38 433 674 885 045 1 25139 [600] 690 856 1 26144 203 403[3000] 19 35 589 611 30 67 722 89 988 127062 156[3060] 73 217 43 323 37 440 633 628 716[600] 616 128063 383 437 609 845 [3000] 632 87 120017 29 SS 135 71 83 284 361 69 413 600 81 646 87 130142 663 06 824 49 965 13 1 057 141 49 78 414 90[1000] 608 668 781 64 132085[500] 190 209 85 89 390 448[500] 618 67 61 70 601 28 64 81 701 9 64 891 914 46 97[1000] 133003 60 242 370 600 39 48 635 46[600] 85 719 25 983[1000] 134114 29(6001 376 697 626 76 710 31 57[6001 99 642[8000] 44 69 938 76 135010 80 121 24 271 83 613 99 678 925 44 60 136062 65[500] 812 934 83 98 1 37 050 187[600] 273 363[600] 64 57 87 626 40 78 88 99 715 33 58 669 138127[600] 261 86 323 65[600] 75 717[1000] 911 130144 86 93 490 640 702 13 SOS 96 906 f 140026 62 153 315 77 619 43 866 908 141025 69 72 321 695 655 91 813 64 938 66 79 142046 105 204 416 26 669 649 794 1 43120 34 367 902 1440 157 77 95 479[500] 556 80 633 708[3000] 1450 189 292 328 34 67 403 632 632 710 SOS 140069 195 315 589 683 147152 212 91 337 81 99 440 631 62 60 706 846 996 140092 107 220[600] 444 61 71 68 638 864 140028[600] 100 13 17[5 369[600] 750 642 932 38 150118 423 614 607 68 748[5000] 658 88 048 85 151037[1000] 262 617 62 623 68 79 745 91 99t 162002 34 178 94 280 97 335 98 402[600] 95[300011 667[600] 696 777(500) 856 923 25 60 153031[BOOll 277 375 729[1000] 952 93 154238 314 690 700 884 [1600] 943 64 78 155078 173[30001 333[6001 63 426 35 63[600] 75 639 48 66 886 150304 438 6« 608 47 615 70[500] 801 71[3000] 962 1 57187 9« 248 98 349 433 667 77 829 65[500] 988 150177[6001 347 65 69 74 621 84 963 1 50133 330 58 406 13 670 835 48 99 727 180088 283[1060] 364 73[600] 675 638 70 705 809 907 50 161192 345 62 58 618 656 74[10001 OST) 162028 30 263 416 501 04 818 40 50 723 89 918 21> 27[1000] 100060 189 84 398 480 628 90 694 737 833 084 164177 213 700 873 94 054 165111 33 377 635 37[500] 59 775 877 31 938 1 66 509 690 716 5 2 60 804. 49 167023 93 144[1000] 316 675 772 834 69 75 160094 197 109 37 371 445 640 92 731 47 160029 125 337[3000] 423 30 679 603 48 49 724 17O008 47 132 SS 268[1000] 334 474 526 893 [3000] 171232[500] 677 763 885 172243 310 971 607 58 635 700 66 868 170030 160 203 339 421(6001 28 697 648 810 174100 79 268 87 477 769[600] 039 [1000] 17 5052 310 14 94 410[1000] 88 622 81» 765 84 849 934[6001 176110[1000] 36 64 78 231 [1000] 308 955 79 177039 42 70 148 223 45 307 414 41 601[600] 827 928 170002 97 157 72 227 30 361 437 753 967 77 170047 113 80[600] 236 389[6001 420 48 535 915 80-V 180111 82 451 95 687 02 933 1 01168 308 M [500] 847 78 766 69 838 994 102088 280 88 Sil 42 494 603 14 41[600] 817 70 100159 406 92 662 082 184176[3000] 619 33 97 651[5001 964 185256 334 98 722 98 816 79[1600] 100057 278 409 18 24 657 791 865 1 8 7 026 144 270 646 666 808 64 928 1 80066 62 393 572 611 68 718 40 86 642 925[1000] 100193 332 405 375 77[1000] 049-v 190001 19 219 76 357 93 420 71 805 16 62 7« 69 1 01136 430 71 618 703 1 92253 335 03 637 43 [500] 745 834 64 929 41 100039 181 204 40 52 364 600 98 857 85 723 74 029 67 194039 186 328 96 46» 699 603[6001 002[600] 7 48 195089 121 236(30001 331 60 453 626 605 25 75 190039 252 65 37 482 693 626 34 50 60 91 805 966 197124 99 250 605 604 17] 739 55(500) 819 1 00035 194 209 315 873[6001 Oll 81[600) 190137 262[ 5001 324 72 87 508 796 957 8» 200124 34 38[506] 76 07[3000] 335 38 57 631 20 1 050 107 52 63 55 309[30001 615 49[500] 693 76» 687 941 73 2O2000 34[600] 77 89 190 99 369 607 767 844 48 99 2 0 0045 133 213 91 391 417[3000] 37 55 670 79 751 90 880[1000] 204066 163 263 624 820 205012[1000] 232 383[600] 433 694 722 32 3» 200017 138 62 86 690 93 610 23 772 81 837 82 940 92 2 0 7 278 388 415 638[300»] 878«09. i8 2 Q32 99118 287 an___ wv,„,----------____________ Wiclepf, NeuMv. Kür dev Lnjcratentttl verlUitw.] Tb. Glocke, Berlin. Trucku.lverlag: Vorwärtz Buchdiucleret u. VerlagZanstall Laul Finger u.Le., SstlipSVÄ 29. 3. Deütze des„Öonuirtö" lerlincr Polliölilnlt. parte!- Angelegenheiten. Zweiter Wahlkreis, Westen. Morgen Sonnabend in Nistles Festsälen, Dennewitzstr. 13: Unterhaltungs-Abend der 1. und 2. Abteilung, bestehend in Konzert, Theater und Tanz. Eintritts- karten 30 Pf. Wilmersdorf-Halcnfce. Montag, 23. November, abends pünktlich S'/z Uhr, findet im Viktoriagarten, Wilhelmsaue 115, die Mitglieder- deriammlung des Wahlvereins statt. Auf der Tagesordnung steht: »Die letzten Stadtverordnetenwahlen und die Re- organisation der Parteiarbeiten." ES referieren O. Riedel und W. Schröder. Das Mitgliedsbuch ist vor- zuzeigen. Der Vorstand. Lichtcrfelde. Am Sonntag, den 24. d. Mts.(Totensonntag), veranstaltet der hiesige BildungsauSschufi einen Kunstabend unter Mitivirkung namhafter Künstler im Lokal von Richter, Chaussee- strafie 104. Beginn yä9 Uhr. Entree 40 Pf. Billetts und Pro- gramme sind an den bekannten Stellen zu haben.— Gleichfalls fei noch darauf hingewiesen, daß am Montag, den 25. d. Mts., der letzte Vortrag des Genossen Borchardt über den wifienschaftlichen Sozialismus stattfindet. Zu beiden Veranstaltungen wollen die Genossinnen und Genossen eine rege Agitation entfalten, sowie selbst daran teilnehmen. Friedrichshagen. Heute Freitag, abends S'/z Uhr: Volksversammlung bei Lerche, Friedrichstr. 112. Tagesordnung: Krieg dem Kriege I Referent: Reichstagsabgeordneter Georg D a v i d s o h n. Am Sonntag, den 24. November, veranstaltet der Wahlverein eine Herrenpartie nach Hohenbinde bri Erkner(Restaurant („Zum Gutenberg"). Treffpunkt morgens S'/z Uhr Friedrich- und Kurzestraszen-Ecke. Für Nachzügler bis 10'/z Uhr Rahnsdorfer Mühle im Restaurant früher Witwe Klemm. Pankow. Heute abend findet im Türkischen Zelt der 4. Vor- trag des Genossen Borchardt mit dem Thema:„Die Frage der Taktik" statt. Die Genossen, welche sich an dem Kursus noch nicht beteiligt haben, zahlen pro Abend 20 Pf. Bohnsdorf und Umgegend. Der vierte Vortrag des Genossen Eichhorn über:„Die historischen Grundlagen des Wissenschaft- lichen Sozialismus" findet am Montag, den 23. November, abends pünktlich S'/z Uhr, in der Villa Kahl statt. Gleichzeitig machen wir auf den am Sonntag, den 24. November, in demselben Lokale statt- findenden Rezitationsabend aufmerksam. Zum Vortrag gelangt: „Die Weber" von Gerhart Hauptmann. Rezitator: Herr Emil Walkotte. Anfang nachmittags 5 Uhr. Eintrittskarten a 30 Pf. sind zu haben beim Genossen Klemm, Paradiesstr. 7. Schenkendorf bei Königs- Wusterhausen. Die Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins findet am Sonnabend, den 23. No- vember, pünktlich abends 8 Uhr, bei Otto Pätsch statt. Rosenthal. Heute Freitag, abends 7 Uhr: Handzettelverbreitung von den Zahlabendlokalen aus. Berliner IVaclmcKten. Der Verkauf des russischen Fleisches ist in den letzten Tagen fortdauernd sehr rege gewesen. Am 16., 18. und 19. d. Mts. sind insgesamt 987 Rinderviertel von 1l34,14 Zentnern Gewicht und 1182,96 Zentner Schweinefleisch zum Absatz gelangt. Nachdem in verschiedenen Teilen der Stadt der Verkauf des eingeführten Fleisches auch in besonderen Läden stattfindet, ist den Wünschen der. Bevölkerung zum Teil Rechnung getragen. In den von der Konsumgenossenschaft gemieteten Läden hantieren Schlächtergesellen. Dadurch wird die ungehörige Uebervorteilung des Publikums vermieden, die viel- fach von den Schlächtermeistern geübt werden, die den Ver- kauf ausländischen Fleisches übernommen haben. Es zeigt sich, daß das Publikum sehr gern diese neue Einkaufsmöglich- leiten benutzt. Der Andrang zu diesen Läden ist größer als zu den Markthallenständen, weil das Publikum größeres Ver- trauen hat und auch schneller und besser abgefertigt wird. Der Naturschuh für den schöne» Stienihsee zwischen Strausberg und Rüdersdorf ist durch die inzwischen von Vertretern des Nieder- barnimer Kreisausschusses und von Sachverständigen unternommene Besichtigungsfahrt in eine neue Phase getreten. Es bestätigt sich, daß das Verhandlungsprojekt für die Südseite des Sees in Gestalt einer mächtigen Drehofenanlage zum Kalkbrennen, zu der die bau- lichen Ansänge, ohne daß die behördliche Bauerlaubnis erteilt ist, merk- loürdigerwei'se schon vorhanden sein sollen, von dem Großindustriellen Thyssen ausgeht. Dessen Sohn, der in dem bekannten Millionen- krach viel von sich reden machte, wollte am Südufer des SeeS eine großartige Villen- und Gartenstadt errichten, was nicht glückte. Der alte Thyssen ist ein besserer Kaufmann und will die Millionen, die sein Sohn verpulvert hat. aus industriellen Anlagen wieder heraus- holen. Ob darunter das Erholungsbedürfnis der Menge und der �'Naturschutz leidet, ist ja einem rechnenden Kaufmann Nebensache. Der„Berliner Lokal-Anzeiger" dürste richtig informiert sein, wenn er schreibt, der alte Thyssen habe als Vertreter der«Rittergut Rüdersdorj-Gesellichaft" die beteiligten Gemeinden, die gegen die Drehofenanlage Einspruch erhoben haben, für sich zu gewinnen versucht mit dem Köder, daß die geplanten Unternehmungen durch ihre Gewinne einen großen Teil der von diesen Gemeinden aufzu- bringenden Lasten init Steuerzahlungen decken würde. Damit ist die Gefahr der Naturverschandelung nur noch größer geworden. Die interessierten Gemeinden werden sich aber hoffentlich überlegen, daß die industrielle Ausschlachtung des Seegeländes jede andere bauliche Entwickelung und auch den geldbringenden Strom der Ausflügler fernhallen wird. Es macht sich nun nach der vorgenommenen Besichtigung auch im Äreisausschutz anscheinend eine nicht zu unterschätzende Stimmung für die Genehmigung der Seehascnanlage geltend. In heftigen Auseinandersetzungen wurde an Ort und Stelle darauf hingewiesen, daß ja bereits die Nordseite des Sees durch die Hennickendorfer Ziegeleien, die ihren Rauch nach der Südseite weben.„Verschandell" sei. Das trifft keineswegs zu. Zunächst ist die ganze Nordseite unbewaldet im Gegensatz zu der völlig mit Wald umzogenen Südseite. Sodann bestreichen die Heniiickendorfer Ziegeleien nur einen kleinen Teil des langgestreckten Seeufcrs. Endlich ist der See so breit, daß die Raucheiuwicke- lung aus den hohen Ziegeleischornsteinen nicht allzusehr in Betracht kommt. Mit dem Rauch will man ablenken von den Schädigungen des Kallstaubes. Rauch verzieht sich, aber der Kalkstaub bleibt aus weite Strecken hinaus liegen und würde auch der Entwickelung der benachbarten Vegetation zweifellos be- trächtlich schaden. Schließlich wäre die Drehofenanlage sicher nur der Aniana der Verichandelung. Der Appetit kommt auch bei der geldmachenden Industrie mit dem Essen, und so könnte man schon den Zeitpunkt voraussehen, an dem der gesamte Wald ain Stienitzsee unter der Axt fällt. Hosten wir. daß diesmal das Verunitaltungs- gesetzt nicht nur auf dem Papier steht und die Geldeinflüsse der Industrie nicht die Oberhand gewinnen. Nach Einführung des Schulzwanges für blinde Kinder(Gesetz Aber Beschulung blinder Kinder vom 7. August 1911) müssen Eltern� solche Kinder zur Einschulung rechtzeitig anmelden, in Berlin bei dem zuständigen Schulkommissiousvorsteher. Als blind werden auch die Kinder angesehen, welche so schwachsichtig sind, daß sie blinden Kindern gleich geachtet werden müssen. Der Direktor der städtischen Blindenanstalt in der Oranienstr. 26 ist bereit, in einer besonderen Sprechstunde— jeden Freitag von 12—1 Uhr— Eltern in dieser Angelegenheit über Schulpflicht, Einschulung. Zurückstellung vom Schulbesuch, Ersatzunterricht, Zuführung zur Schule usw. zu beraten. Im eigenen Interesse der Eltern— unbegründete Schulversäumnis wird bestraft—. insbesondere aber im Hinblick auf die Segnungen, welche dem blinden Kinde durch rechtzeitige Einschulung und Aus- bildung erwachsen, ist es wünschenswert, daß Eltern von dieser Ein- richtung Gebrauch machen, ebenso alle, welche über Ausbildung später Erblindeter, über Fortbildungskurse für blinde Jünglinge und Mädchen und deren Beschäftigung Rat suchen. Eine Vermehrung der Nordringzüge in den Frühstunden ist end- lich beschlossen worden. Der Arbeiterverkehr in der Zeit von 6—7 Uhr ftüh ist hier so gewaltig, daß die etwa 25 Züge, welche bisher in dieser einen Stunde auf der Strecke von Stralau- Rummelsburg bis Westend verkehrten, bei weitem nicht ausreichten. Besonders zwischen b'/z und 7 Uhr sind sämtliche Züge so voll- gepfropft, daß die Fahrt zur Qual wird. Völlige Beseitigung der Uebelstände wird die Vermehrung um einige Züge auch noch nicht bringen. Notwendig ist auch der Ersatz des größeren Teiles der fast oder ganz leer mitfahrenden Wagen zweiter Klasse durch solche dritter Klasse. Wenn in denjenigen Frühzügen, welche überhaupt zweiie Klasse führen, nur ein solcher Wagen mitfährt, genügt das vollkommen. Mit der Elektrisierung der Stadt- und Ringbahn beschäftigte sich gestern eine Kommission des Abgeordnetenhauses. Gegenstand war vor allem die Frage, ob die Notwendigkeit zu dieser geplanten Aenderung vorliege und ob ferner die beabsichtigte Tarif- erhöhung gerechtfertigt sei. Die Notwendigkeit ist bewiesen durch den gesteigerten Verkehr. Von sozialdemokratischer Seite wurde auf die heutigen unleidlichen Zustände der Ueberfüllung der Züge in den Morgen- und Abendstunden und an den Sonn- und Feiertagen hin- gewiesen, einer Tariferhöhung aber entschieden widersprochen. Die vorgelegten Berechnungen der Regierung über die Rentabilität seien so aufgestellt, daß kein Fachmann, geschweige denn ein Laie die Rechnung nachprüfen könne. Die Kommission beschloß, noch das Kriegsministerium und die Postverwaltung um Vertretung in der Kommission zu ersuchen. Der Verkehrsminister erklärte schließlich noch, daß die Erhöhung der Fahrpreise auch eintreten würde, ohne Elektrisierung, da Bahnhofs- erweiterungen, Lokomotiven und Schuppen auch dafür schon große Aufwendungen nötig machten. Mit Rücksicht auf die Tatsache, daß das Antwortsmaterial der Regierung den Mitgliedern der Kommission erst vor ein paar Tagen zugegangen ist, was ein gründliches Studium unmöglich gemacht hat. wird die nächste Sitzung auf Mitt- woch, den 27. November, angesetzt. Berlin und Schöncberg. Das Nachrichtenamt des Magistrats teilt mit: Auf daS am Dienstag vom Magistrat Berlin an den Schöneberger Magistrat gerichtete Schreiben, dessen Inhalt wir mitgeteilt haben, ist in- zwischen im berlinischen Rathaus eine Antwort eingegangen. Nach einigen anerkennenden Sätzen über da? loyale Verfahren Berlins bei der Beschaffung des russischen Fleisches erklärt der Magistrat von Schöneberg, daß er annehme, die Stadtverordnetenversammlung in Schöneberg würde nach erteilter eingehender Auskunft über die gesamten Verhältnisse, insbesondere über das Vorgehen Berlins in fach- licher Beziehung, von der seitens Berlins gegebenen Möglichkeit einer so- fortigen Auflösung der Vereinbarung mit Berlin keinen Gebrauch machen. Er, der Magistrat, habe jedenfalls hierzu keine Veranlassung. Des weiteren wird in dem Schreiben noch bemerkt, daß die Beschwerden über den Fleischverkauf in Schöneberg von dort aus nachgeprüft werden würden. Es habe den Anschein, daß einigen der Sache ferner stehenden Personen über die Verhältnisse beim Einkauf des Fleisches seitens Berlins und beim Verkauf desselben seitens Schöne- bergs eine Verwechselung untergelaufen sei. Der Magistrat Berlins wird zunächst die weiteren Entschließungen der Schöneberger Ge- meindebehörden abwarten._ Die verhinderte Theatervorstellung. Zu erregten Szenen kam es am Bußtag vor dem Theater in der Königgrätzer Straße. Als sich dort abends die Theaterbesucher, etwa 800 Personen einfanden, um aus Einladung eines Sportvereins der Vorstellung der„Fünf Frank- furter" beizuivohnen, fanden sie das Thealer geschlossen. Bor der Tür hatte ein Polizeileutnant mit zwei Beamten Posta gefaßt und bedeutete den Erschrenenen, daß aus polizeiliche Anordnung die Vor- stellung aufgehoben worden sei. Es kam zu erregten Auseinander- setzungen zwischen den enttäuschten Theaterbesuchern und den Beamten. Als Grund für die polizeilichen Maßnahmen wurde dem Vorsitzenden des veranstaltenden Vereins mitgeteilt, es sei polizeilich festgestellt worden, daß am Eingang des Thealers ein Mann sich an Passanten herandrängte und ihnen Billetts für die Vorstellung am Bußtag offerierte. Der Billetthändler wurde festgenommen und die Schließung des Theaters befohlen, da ein öffentlicher Verkauf statt- gefunden habe. Bis jetzt konnte noch nicht festgestellt werden, auf welchem Wege der Billetthändler die Billetts erhalten hatte. Eine überflüssige Bereinsgründung beabsichtigt ein Herr Fritsch. der heute abend zu einer Versammlung nach dem Elysium eingeladen hat, und in der der Herr die Mängel der Fleischveriorglpig und neue Leiffätze besprechen will. Die Ver- sammlung soll beschließen: 1. die sofortige Einfuhr lebenden Viehes unter Zollermäßigung, 2. Abkürzung der Ouarantänefristen und Tragung der Kosten durch das Reich, 3. Aufhebung aller Futtermittelzölle und 4. weitere Ermäßigung der Eisenbahnfrachten auf lebendes Vieh und Futtermittel. Geplant ist die Gründung eines Vereins, der vorstehende Grund- sätze zur Durchführung bringen soll. Die sozialdemokratische Partei hat schon längst viel weitergehende Forderungen, u. a. gänzliche Aufhebung der Zölle, gestellt und auch im Reichstage vertreten. Ein Verein, wie ihn der Einberufer oder das Komitee obiger Versaminlung stellt, ist sehr überflüssig und zeigt nur, wie politisch unschuldig oder unkundig die Macher dieser neuen Gründung find._ Ein tödlicher Automobilunfall ereignete sich am Bußtagmorgen an der Ecke der Kurfürsten- und Genlhiner Straße. Beim Ucber- schreiten des Fahrdammes wurde dort der 40 Jahre alte Schneider Johannes PerlitiuS von einer Automobildroschke erfaßt und zu Boden geschleudert. Der Verunglückte erlitt schwere Verletzungen und wurde nach der Unfallstation in der Steglitzer Straße gebracht, wo der Arzt aber keine Hilfe mehr bringe» konnte, da der Tod in- zwischen schon eingetreten war. Die Leiche wurde polizeilich be- schlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Die Schädlichkeit der Rabattsparvereine wird wieder in erneute Erinnerung zurückgerufen aus Anlaß der jetzt endlich erfolgten Verhaftung der Leiter des verkrachten R a- battsparvereins Norden. Metcke und Heise sind bereits verhaftet, während auf Stiebitz, der sich aus dem Staube gemacht hat, eifrig gefahndet wird. Es wird ihnen zur Last gelegt, an- nähernd 200 000 kleine Sparer um mehr als eine halbe Million Mark geschädigt zu haben, lieber die Wirtschaft, die die Leiter des Rabattsparvereins geführt haben, wird auf Grund der gerichtlichen Untersuchung folgendes mitgeteilt: „Bei der Umwandlung in eine G. m. b. H. hatten die Gründer es von vornherein darauf abgesehen, unbeschränkte Gewalt zu be- kommen. An dem Stammkapital von 20 000 Mark waren Max Stiebitz mit 10 000 M., Metcke und Heise mit je 2500 M. und mit ebensoviel zwei andere Gesellschafter beteiligt, die für die weitere Entwickelung nicht mehr in Betracht kommen. Stiebitz ließ sich als Hauptgeschäftsführer, der seine gesamte Tätigkeit der Gesellschaft zu widmen hatte, jährlich eine Entschädigung von 5000 M., in Vier- teljahrsraten im voraus zahlbar, bewilligen, die anderen bekamen je 750 Dt. Der Ucberschuß über diese Entschädigungen hinaus sollte unter die Mitglieder des Rabattsparvereins„Norden" ver- teilt werden. Beschlüsse der Gesellschafter wurden mit einfacher Stimmenmehrheit gefaßt. Jede 100 M. eines Geschäftsanteils hatten eine Stimme. Die förmliche Berufung von Versammlungen der Gesellschafter toaren nach dem Gesellschaftsvertrag in keinem Fall erforderlich. Alle Bekanntmachungen erfolgten nur im„Deut- scheu Reichsanzeiger", den ganz sicher nicht ein einziger Sparer liest. Stiebitz allein hatte für sich 100 Stimmen, die anderen Ge- sellschafter zusammen nur ebensoviel. Er verfügte immer über die Mehrheit, wenn er nur einen einzigen der anderen Gesellschaf- ter auf seiner Seite hatte, oder wenn einer fehlte. Für den Falb des Todes oder Ausscheidens eines Gesellschafters war vorgesehen, daß die anderen seinen Geschäftsanteil übernahmen und die Ge» fellschaft fortsetzten. Nach diesen Bestimmungen konnten die Ge- sellschafter machen, was sie wollten. Schon am 2. April 1904 er- Höhten sie die Entschädigungen für Stiebitz auf 6000 M. und für die anderen vier Herren auf 1200 M., nach zwei Jahren für Stiebitz auf 10 000 M. und für die anderen auf je 2000 M. Die Künd:- gung des Gesellschaftsvertrages war zunächst auf fünf Jahre aus- geschlossen. 1906 wurde die Frist um 10 Jahre verlängert. 1910 übernahm Stiebitz den Geschäftsanteil eines gestorbenen Gesellschaf» ters. Jetzt hatte er unter allen Umständen die Mehrheit. Zu Li- quidatoren der Gesellschaft wurden Stiebitz und Metcke ernannt. Nach Eintritt in die Liquidation beantragten einige Sparer das Konkursverfahren. Die Liquidatoren veranlaßten sie zur Zurück- nähme ihrer Anträge, indem sie ihre kleinen Forderungen befric- digten. Andere Gläubiger, die ihr Geld durch persönliche Vor- stellungen zu retten suchten, wurden von Februar 1911 auf Pfingsten und dann wieder auf Weihnachten vertröstet, aber niemand erhielt etwas. Im Februar 1912 stellten endlich 151 Sparer den Antrag auf Eröffnung des Konkursverfahrens. Sie wiesen darauf hin, daß die Gesellschaft eine jährliche Einnahme von 3 Millionen Mark und nach überschläglicher Berechnung einen Reingewinn von 250 000 M. gehabt habe. Hiernach hätte sie selbst nach Abzug der Gehälter jährlich etwa 200 000 M. unter die Sparer verteilen müssen, während sie in Wirklichkeit so gut wie gar nichts verteilt hat. Der Antrag scheiterte aber an den Kosten, die in diesem einzig dastehenden Verfahren, besonders wegen der ungeheuren Zahl von Gläubigern und der erforderlichen Prüfung ihrer Ansprüche außer- ordentlich hoch werden mußten und von einem Konkursverwalter auf 89 000 M. geschätzt wurden. Es wären zu der Zeit nicht weniger als 180 000 Gläubigerbücher zu prüfen gewesen, die unsortiert 58 Zweizentnersäcke füllten. So viele Bücher waren auf die Ausforde- rung der Gesellsckiafter eingesandt worden, viele Zehntausende fehl- ten noch. Die erforderliche Kostensumme aufzubringen, war ganz unmöglich, auch dann noch, als das Gericht sie zunächst auf 20 000 Mark herabsetzte. Dem stand zudem noch das Risiko gegenüber. daß für die Gläubiger schließlich gar nichts herausgekommen wäre. So unterblieb denn das Konkursverfahren, und die Strafanzeigci? waren erst erfolgreich, als in den Büchern Jndustrieunternehmungcir auftauchten, von denen die früheren Buchhalter nie etwas gesehe w hohen. Hierher gehören für über 133 000 M. Grubenanteile in Tustanowice, ein Talkumwerkkonto mit 211000 M.. ein Kupferwerk in Korbest(Ungarn), das nach der Behauptung der Liquidatoren 100 000 M. wert sein sollte. Daß die Gesellschaft an derartige Un- ternehmungcn beteiligt war, davon hatten die Sparer keine Ahnung. Hätten die Gesellschafter mit diesen Unternehmungen Glück gehabt. so würden die Gewinne wohl auch nur in ihre eigene Tasche ge- flössen sein. Nach dem Mißerfolg jedoch und dem Zusammenbruch erschienen die Verluste plötzlich in den Büchern der Gesellschaft und zu Lasten der Sparer." Diese Transaktionen beweisen mit aller Deutlichkeit, daß der Rabattsparverein Norden nur dazu diente, einigen wenigen Leuten die Taschen zu füllen auf Kosten der Sparer. Und weim seitdem auch versucht worden ist, einige Rabattsparvereine auf eine anders Grundlage zu stellen, an dem Wesen dieser Rabattvereine wird nichts geändert. Es ist kein Zweifel, daß das Publikum bei dem Rabattunwesen betrogen wird. Die Aermsten der Armen werden» dabei am schliminsten ausgebeutet. Wer dem entgehen will, hat eS heute in Berlin sehr leicht. Er braucht nur Mitglied der Konsum- genossenschast zu werden. Er kauft dann iin eigenen Geschäft. Wie in der Partei auf politischem, wie in den Gewerkschaften auf Wirt- schaftlichem Gebiete, so müssen sich die Konsumenten im Konsumverein zusammenschließen, um gemeinschaftlich den Warenbezug zu organisieren. Je größer der Konsumverein, desto leistungssähigcc kann er für die Mitglieder sein. In jeder Verkaufsstelle werde»» neue Mitglieder aufgenommen. Unterschlagung bei einer Bank. Bei der Revision des eigenen Depots der Diskontogcsellschaft wurde gestern morgen entdeckt, daß zirka 20 000 M. preußische Konsols fehlen. Verdächtig ist der Bauk- bcamte Heinrich Schürmann, geboren am 7. August 1883 in Oelde, Kreis Beckum. Bei seiner Entfernung aus der Bank war er mit einem grauen Lodenjackctt bekleidet und trug eine blaue Mütze mit Flicgerwappen. Er wohnte Tempelhof, Viktoria- straße 9; sein jetziger Aufenthalt ist unbekannt. Schürmann hat sich bei Jeannin als Flieger ausbilden lassen. Von einer Bank in Tempelhof hat er eine halbe Stunde nach der Revision 7000 Dt!. abgehoben, angeblich, weil er diese Summe zum Ankauf eines Flug, apparatcs brauchte. Schürmann ist 1,80 Meter groß, schlank, dunkelblond, hat hohe Stirn, englischen Schnurrbart, starke Augen- brauen, gebogene Nase; sein Gang ist„wacklig". Auf die Ergreifung Schürmann ist eine Belohnung von 1000 M. ausgesetzt worden. Wer ist der Tote? Das Polizeipräsidium teilt mit: Am 15. November er. wurde im Veltener Stichkanal an der Einmündung in die Havel(Großschiffahrtsweg) im Gemeindebezirk Hennigsdorf gelegen— eine unbekannte männliche Leiche gefunden. Die Leiche ist etwa 1,60 Meter groß, zirka 60 Jahre alt, hat Glatze mit blondem übergekämmten Haar und blondem Schnurrbart.— Bekleidung: Schwarzer Gehrockanzug, dunkler Sommerüberzieher, ein buntes und ein schwarzes wollenes Chemisett, weißes Hemd und Unterhemd, schwarze Zugstiefel. Folgende Gegenstände wurden bei der Leiche gefunden: 1. Eine Remontoiruhr mit Goldrand Nr. 3939—? 32 D. in Uhrkapsel. 2. Ein Pincenez mit Nickel- einfassung, schwarzer Schnur. 3. Ein Taschenmesser mit weißer Hornschale. 4. Drei weiße Taschentücher, gezeichnet II. L. und E. L, und ein rotes Taschentuch. 5. Geld im Betrage von 1.87 M.— Nachricht erbittet die Kriminalpolizei, Zimmer 349 III zu den Akten 4577 IV 55. 12. auch nimmt jedes Polizeirevier event. Nach- richt entgegen. 0 Zeuge» gesucht. An, 11. Juli d. I., nachmittags zwischen 4 und 4>/z Uhr lvurde an, Petriplatz gegenüber der Grünstraße von einem Auioomnibus der Linie 8 ein Arbeitsbursche der städtischen Straßen- reinigung überfahren und getötet. Jeugen des Vorsalles werden dringend gebeten, sich zu»seiden bei dem Vater Albert Zande� Berftn, Kurische Str. 1, Eck Greistwalder Straße. Vorort- JVadmcbtem Neukölln. Die Stichwahlen für den 1., 3. und 6. Bezirk finden heute statt. Was vorauszusehen war, ist eingetroffen. Die bei der Haupt- wähl feindlichen Reaktionäre und Liberalen treten für einander ein. Der Bund der Festbesoldeten, der bei der Hauptwahl Stimm- enthaltung beschlossen hatte, gibt jetzt die Parole für die biirger- lichen Kandidaten aus. Vergessen ist der groffe Hader unter den bürgerlichen Parteien, der zu einer niedrigen persönlichen Herab- zerrung der gegenseitigen Kandidaten führte, indem man sich gegen- seitig Ilnsähigkeit zur Ausübung eines Stadtvero».'dnetenmandats vorwarf. Jetzt ist man emsig'bemüht, diesen unfähigen Kandidaten zum Siege zu verhelfen. Ein crustes Mahnwort in letzter Stunde. Während die Demokraten offiziell an ihrer Parole, Stimm- enthaltung zu üben, festhalte», richten 12 bekanntere Anhänger unter obiger Ueberschrist in einem Flugblatt die Mahnung an die Wähler, für die sozialdemokratischen Kandidaten einzutreten. In dem Flugblatt beifft eS: „Mitbürger! Wir, die wir nicht der sozialdemolratifchen Partei angehören und uns der Grundverschiedenheit unserer poli- tischen Weltanschauung uirtr der ihrigen sehr wohl bewußt sind. müssen gleichwohl anerkennen, daß eS einzig und allein der Wach- famkeit der sozialdemokratischen Stadtverord- neten-Fraktion zu danken ist, wenn das ohnehin schon herzlich schlechte Wahlrecht durch die unerhörte Ein- tragung des Magistrats in die Wählerliste nicht noch weiter verschlechtert worden ist. ES steht ferner fest, daß jeder der wenigen Fortschritte in unserer Stadtverwaltung durchgesetzt wurde infolge der Mitwirkung und meist auf Veranlaffung der sozial- demokratischen Stadtverordneten, vielfach dagegen tvider den Wille» der altbürgerlichen oder der kommunalfortschrittlichen Fraktion, von denen die eine lediglich die Sonderinteressen einer kleinen Spekulanten» gruppe vertritt, die andere frch wohlbedacht den Anschein eines gewissen Liberalismus gibt, es aber be- zeichnenderweise nicht einmal wagt, gegen das ungerechteste aller Rechte. das geradezu vorsintflutliche Hausbesitzer- Privileg, Stellung zu nehmen, diesen beiden Parteien, in deren Reihe» heute noch die Wahlrechtsrauber von 1908 sitzen, kann ein freiheitlich und gerecht denkender Bürger unmöglich Vertrauen schenken, sondern nur solchen Parteien, die eine sichere Garantie gewähren, daß sie Verschlechterungen des kommunalen Wahlrechts nicht zulassen werden.- Im gegenwärtigen Stichwahlkampfe kommt hierfür lediglich die Sozialdemokratie in Betracht, und wir sind der Ansicht, daß auch die Anhänger dieser Partei in einem aufgeklärten Gemeinwesen nicht Bürger minderen RechlS sein dürfen und sehr wob! geeignet sein können, eine Mehrheit zu bilden, die sie bei uns sicherlich selbstloser und gerechter gebrauchen tuerden, als die jetzige Stadtverordnetenmehrheit dies getan hat. Auch bürgen ja unsere preußischen Aufsichtsbehörden den Zaghaften dafür, daß die sozio listischen Bäume nicht in den Himmel wachsen! Der Versuch aber muß gemacht werden, dieser Partei Gelegenheit zu geban, ihre Befähigung für die Verwaltung einer Großstadt, wie der unsrigen, zu erweisen und zu zeigen, daß sie nicht nur einseitig Arbeiterinteressen vertritt, sondern daß sie auch Sachwalterin der Allgemeinheit sein will, eine Partei, die nicht unter allen Umständen negiert, sondern mit zuarbeiten gewillt ist. zum Wohle des Ganzen! In diesem Sinne bitten wir Sie, getreu dsn Vermächtnis Theodor Barths:„nicht zu ruhen und zu rasten, bis die Wahl rechtLräuber aus dem Stadtparlamente verschwunden sein werden', Ihre Stimme bei der Stichwahl am Freitag, den 22. November cr., den sozialdemokratischen Kandidaten zu geben." Es wird sich heute zeigen, inwieweit die Anhänger der Demokraten diesem Mahnruf Folge leisten werden. Zunächst ent- steht für unsere Parteigenossen die Verpflichtung, alle Kräfte an- zuspanncn, um neue Erfolge für die Sozialdemokratie zu erringen. Auf jede Stimme kommt eS an. Die Stichwahlen finden in der Zeit von 11 Uhr vor» mittags bis 8 Uhr abends statt und zwar für den 1. Bezirk, Abstimmungsbezirk a, im Wahllokal Hohenstaufensäle, Kott» buser Damm 76. Schlepplokal: Böning. Kottbuser Damm 74. Für den Abstimmungsbezirk b ist das Wahllokal Tumhalle, Weferstr. 12/13. Schlepplokal: Schmidt, Pannierstr. 9a. Die sozialdemokratischen Kandidaten sind: Robert Dichte, Eigentümer, Wilhelm Z i e ch m a n n, Eigentümer. Die Wahl für den 3. Bezirk, Abstimmungsbezirk a, findet in dem Wahllokal Deutsches Wirtshaus, Bergstr. 136/37, statt. Schlepplokal: Schenk, Rosenstr. 24. Für den Abstimmungsbezirk d findet die Wahl statt im Wahl- lokal Oskar Wolff, Kirchbofstr. 41. Ecke Wipperstr. 31. Schlepplokal: Thoß, Kirchhofftr. 40. Der Kandidat der Sozialdemokratie ist der Eigentümer Karl B e r g e r. Für 6. Bezirk, Abstimmungsbezirk», findet die Wahl statt im Wahllokal Turnhalle des Realgymnasiums Kaiser- Friedrich- Straße 209/10. Schlepplokal: Bemerk, Elbe- und Kaiser-Friedrich-Straßen- Ecke. Für den Abstimmungsbezirk b findet die Wahl statt im Wahl- lokal„Neue Welt". Hasenheide 103-114. Schlepplokal Zehrendt, Hasenheide 9. Die sozialdemokratischen Kandidaten sind: Hermann Wille, Fabrikant. Otto Kirstein, Eigentümer. Die Genossen, welche Wahlhilse leisten wollen, finden sich in den Schlepplokalen ein. Das Zentralwahlbureau befindet sich bei Gemmecker. Kaiser-Friedrich-Str. 232/33. r Der Polizeipräsident von Neukölln hatte der Stadt durch polizeiliche Verfügung aufgegeben, den Bürgersteig vor einem Kirchhofsgrundstück von Schnee und Eis zu befreien und mit ab- stumpfendem Material zu streuen. Die Stadt erklärte sich nicht für verpflichtet, die Aufträge zu erfüllen. Eine solche Verplichtung der Bürgerneigrernigung von Schnee und Eis falle der Stadt nicht zu. Die Stadt klagte deshalb aus Aufhebung der Verfügung. Der Bc- zirksausschuß erkannte zuungunsten der Stadt und das Ober- Verwaltungsgericht entschied jetzt ebenfalls, daß die Stadt perpflichtet sei, der polizeilichen Verfügung nachzukommen.— Aus dem Urteil des Obevverwaltungsgerichts cht in prinzipieller Hinficht von Wichtigkeit, daß jetzt auch das Oberverwaltungsgericht, gleich dem Strafsenat des Kammergerichts, sich in Gegensatz zu einem Urteil des Reichsgerichts gestellt hat. Das Reichsgericht nimmt an, daß Polizei Verordnungen auf Grund des Z 6b des Polizeivcrwaltungsgesetzcs den Grundbesitzern die Pflicht zur Befreiung des Bürgcrsteigcs von Schnee und Eis selbständig auferlegen könne, ohne Rücksicht auf eine Observanz bezichungs- weise ein Ortsstatut zu Lasten der Grundbesitzer. Das Ober- Verwaltungsgericht hat jeht ausgesprochen, daß ohne das Vor- "verantwortlicher Redakteur: Alfred Mrlrpp, Neukölln. Für den liegen einer Obserbanz zu Lasten der Grundbesitzer für diese lediglich durch eine Polizeiverordnung die Verpflichtung zur Befreiung der Bürgersteige von Schnee und Eis nicht begründet werden könne. Auch der erste Strafsenat des Kammergerichts steht auf diesem Standpunkt. Lichtenberg. Bei der Wahl der ersten Abteilung ani Donnerstag übten von 96 eingeschriebenen Wählern 56 ihr Wahlrecht aus. Bemerkenswert und für die Verhältnisse in Lichtenberg außerordentlich charakteristisch ist die Tatsache, daß die Vorschußbankgruppe sich nicht mit der bis- herigen direkten Vertretung der Bank begnügte. Diesmal hat man außer dem Direktor Plonz auch noch einem anderen Bankvertceter, dem Vorsitzenden des Aussichtsrats— Herrn Puls— ein Mandat gegeben. Auch der bei der Wahl in der zweiten Abteilung über Bord g-kallene Dr. Bokofzer hat ein Mandat von den Erstklassigen erhalten. lieber den Ausfall der Wahl in der zweiten Abteilung ergeht sich das„L. T." in Lamentationen. Es entbehrt nicht des pikanten Reizes, ans dem Blatte zu vernehmen, daß viele Wähler biirger licher Couleur aus Angst vor den bürgerlickien Freunden nicht ge wählt hätten. Auf das Wahlrecht verzichteten sie ans Sorge, es entweder mit dem Grundbesitzerverein oder mit den Mittelständlern zu verderben. Die letzteren müssen den Vorwurf einstecken,„dem cingescbüchterten Spießbürger die schlotternde Furcht in die Gebeine versetzt" zu haben. Ob die Herren Aigte und Genossen das ruhig einstecken werden? Wir registrieren die Vorwürfe zum gelegentliche» Gebrauch. wenn die Herren wieder mal TerrorismuSgeschichlen gegen die Sozial demokrane erfinden. Nach Spitzbubentaktik macht das„L. T." die Mittelstäudler für den Verlust eines Mandats im 6. Bezirk verantwortlich. Der Kom< promißkandidat Pohland erhielt 171 Stimmen, der reine Mitiel- standskandidat nur 110 und der echte Grundbesitzer 59 Stimmen, womit er gegen 134 sozialdemokratische Stimmen durchgernlscht war. Logischerweise können die Mittelständler den Vorschußbaukleuten den Vorwurf machen, den Sieg der Sozialdemokratie verschuldet zu haben, weil sie nicht den Mittelstandskandidaten gewählt. Höhnend reklamiert das genannte Blatt die Kompromißkandidaten für die Vor- schußbankgruppe. Das kommt davon, wenn man sich mit solch un- sicheren Kantonisten abgibt, die des Vertrauens zweier Parteien würdig befunden werden. Stralau. Heute nachmittag von 5—8 Uhr findet eine Ersatzwahl für die dritte Klasse stait. Da nach den alten Listen gewählt wird, werden die im April und Oktober verzogenen zahlreichen Wähler ersucht, am Orte ihr Wahlrecht auszuüben. Das Wahllokal ist bei Steinicke, Alt-Stralau 5. Köpenick. Aus Liebeskummer in den Tod. In der Griinstr. 19/20 verübte am Bußtagmittag der 19 Jahre alte Buchhalter Bernhard Rohrbeck Selbstmord, indem er sich durch einen Revolverschuß tötete. Der junge Mann unterhielt mit einem jungen Mädchen, das in demselben Hause bedieustet war, ein Liebesverhältnis, von dem die Eltern des Mannes aber nichts wissen wollten. Als das Mädchen von dem Selbstmord des Bräutigams hörte, erlitt es einen so schweren Nervenchock, daß es nach dem Krankenhause gebracht werden mußte- Ober-Schöneweide. Die Flcischcrmeister und der Fleischverkauf der Gemeinde war das Thema einer öffentlichen Versammlung, welche am Dienstag im„Wilhelminenhof"� tagte. Der Andrang zu der Versammlung war so stark, daß sämtliche Tische aus dem Saale entfernt werde» mußten. Der Referent Bergmann vom Zentralverband der Fleischer zeigte in treffenden Worten, wie überall so auch hier die Schlächter- innungen bewiesen hätten, welch rückständiges Gebilde sie darstelle»!! ihr Vorgehen bei dem ihnen übertragenen Fleischverkauf verdiene die allerschärsste Verurteilung, die Meister wären nur bestrebt, auS der allgemeinen Notlage des Volkes Gewinn zu ziehen. Den Kom munen wäre dringend zu empfehlen, sich an die Fleischcrgesellen- organisation zu wenden, dort ständen reichlich tüchtige Kräfte zur Verfügung. In der folgenden Diskussion bekamen die Fleischer- meister gerade keine Schmeicheleien zu hören: von allen Rednern, auch Frauen, wurden die Ungehörigkeiten der Meister verurteilt und die Maßnahmen der Gemeinde als unzureichend dargestellt. Eine Resolution, welche die Einwohner ermahnt, den Schlächtern gegen- über die gebotene Konsequenz zu üben, und die von der Gemeinde- Vertretung die Schaffung weiterer Verkaufsstellen mit längerer Ver- kaufszeit fordert, fand Annahme. Treptow-Baumschulenweg— Nieder-Schöneweide. Ter„Männcrchor Oberspree"(M. d. A.-S.-B.) veranstaltet am 24. November(Totensonntag), abends 6 Uhr, im Etablissement „Sprcegarten", Treptow, sein diesjähriges Herbstkonzert. Mit- wirkende: Margarete Blume(Kurfürsteuoper), Max Ladscheck (Bioline), Berliner Toiikünstler-Orchester(Fritz Blume).— Programm und Liedertexie 50 Pf. Kinder unter 6 Jahren haben keinen Zutritt. Weiftensee. Aus der Gtuiciudcvcrtrctung. An der Uferproinenade, in der Nähe der Amalieustraße, soll der dort befindliche Pavillon in ein Milch- und Brunncnhäuschen umgebaut werden; die Kosten im Be- trage von 3000 M. werden bewilligt; ebenso soll in der Nähe eine Bedürfnisanstalt für Männer und Frauen errichtet werden, auch hierfür werden 3000 M. bewilligt. Die Einstellung von weiteren fünf Kühen in Birkholz gab dem Genoffcn Frentz Anlaß, aus den verflossenen Milchkrieg einzugehen. Wie Redner mitteilte, hat der hiesige Milchvertrieb sich so gehoben, daß die Gemeinde gezwungen ist, teure Milch anzukaufen, während die Birkholzer Milch zu einem billigeren Preise an die Milchzentrale verpachtet ist. Dem Vor- sitzenden schien die Aufcvlluiig der Milchdebatte nicht recht zu sein. denn er ivendete sich ganz entschieden gegen Genossen Frentz und be- tonte, diese Frage gehöre nicht hierher. In der geheimen Sitzung wurden von der Bodengesellschaft an der Kreisbahn Grundstücke nebst Straßenland im Bettage von 150 000 M.-angekauft. Ferner erörterte die Vertretung die Besetzung der Stelle eines besoldeten Schöffen an Stelle des seines Amtes enthobenen Dr. Pape. Auf die stattgehabte Ausschreibung haben sich 7 Bürgermeister, 5 Stadträte, 17 Magistratsasscssoren, 4 Rechtsanwälte, 45 GerichtSaffessoren und einige Referendare gemeldet. Der neue Schöffe soll den Titel Ge- meindesyndikuS erhalten. DaS ganze Material wurde der Finanz- kommiistou zur Erledigung übertrage». Die Schöffenwahl, bei der zugleich auch zwei unbesoldete Schöffen zu wählen sind, soll am 3. Dezember stattfinden. Bor zirka 1500 Personen referierte am Dienstag im Schloß Weitzense Genoffe B r e i t s ch e i d über das Thema„Wir und der Balkankrieg". Redner erledigte seine Aufgabe in überaus glänzender Weise. Die Versammlung spendete reichen Beifall. In Kinderschutzangelegenheiten bitten wir, sich an die Genossin Luise Schlcc, LanghanSstr. 136 III, zu wenden. Neuenhagen(Ostbahn). Da zur Linderung der Flcischteuerung die von unseren Genossen beantragten Maßnahmen von der Gemeindevertretung abgelehnt und andere bisher noch nickt ergriffen sind, stellten unsere Vertreter in der letzten Sitzung den Antrag: 1. Die UmerstützungS- und Pflegegelder der OrtSarmen vom 1. November bis 31. März um 20Proz. zu erhöhen, denselben eine ExttoweihnachlSgratifikation zu gewähren und 2.: Der Elektrizitätskommission die Erhöhung deS Stunden- lohnes der Werlsarbeiter um 2 Pf. anheimzugeben. Der Antrag wurde einstimmig angenommen.— Die Vertretung nahm sodann Kenntnis von der Rechnungslegung für das Jahr 1911. Die ordentliche Einnahme(Ueberschuß vom Vorjahre, Erträge aus dem Grundeigentum, Steuern und Gebühren, verauslagte Pflastergelder) betrug 77 529,76 M. Die außerordentliche Einnahme Lnjerattnteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts' (Pflastergelder von Anliegern, Ansiedelungsgebühren, Beiträge zum Fonds für Gemeindezwecke, Abfindung vom Kreis für Ueberuahme der Eichenallee und Neuenhagener Allee) 324 171,65 M.; hierzu gehört auch die Einnahme des Elektrizitätswerks in Höhe � von 44 010,02 M. Die ordentliche Ausgabe(Besoldungen und Dienst- bezöge, sächliche Ausgaben, Armen-, WohlfahctS- und GesundheitS- pflege, Wegebau, Versicherungs- und Feuerlöschwesen, Schule und Kirche. Kreissteucr) betrug 76 021,31 M. Die außerordentliche (Pflosteruug der Schmidtsiraße, der Eichenallee und Bürgersleig im Dorf, Lichtleitung der Eichenallee, Zuführung an Fonds) 807 382.81 M. dazu die Ausgab- des ElektrizitäiswerkS 44 0lV.l2M. Die Gesamteinnahme betrug 437 786.02 M., die Ausgabe 427 414,24 M. Der Ueberschuß wird der nächjäbrigen Rechnung vorgetragen. Die Erteilung des Zuschlages zur Pflasterung der Bahuhofftraße wurde ausgesetzt.— Genosse Reinhardt erhob Beschwerde gegen den Architekten respektive deffen Veanftraglen als Aufsichtssnhrcndcr beini Schulneubau. Es wurde betont, daß"durch das übermäßige Hasten die Solidität der Arbeit leidet und daß die Entlassung»ud Anstellung von Arbeitskrästen Sache des Maurermeisters sei. In geheimer Sitzung wurde über Erwerb von Straßenland verhandelt und das GeHall der Sekretärstelle auf 2400 M., von�drei zu drei Jahren um 200 M. steigend bis zun, Höchstgehalt von 3600 M. festgesetzt. Tegel. Der Gesangverein„Immergrün" Tegel, M. d. A.-S.-B., ver« anstallet am Totensonntag in T-apps Fcstiäle». Bahnhofstraße 1, ein Konzert uiiter Mitwirkung von FrauHerta Geipelt(Sopran), Herrn Armin Liebermann(Violoncello), am Klavier Herr Andree Torchiana. Karten a 60 Pf. sind vorher bei den Mitgliedern zu haben. An- fang 7l/3 Uhr. Um rege Unterstützung der seitens Arbeiterschaft wird gebeten.' Rosenthal. Eine öffentliche Ausstellung von Jugendschristen und Wandschmuck veranstaltet der Wahlverein im Lokale von G. Milbrodl, Kronprinzenstraße 15, am Sonntag, den 24. November, nachmittags von 2 bis 6 Uhr. Um 3 Uhr hält Genosse Walter Zimmermann- Karlshorst einen Vortrag über:„Jugcndschriftcn und Wandschmuck im proletarischen Heim". Ter Secfischverkauf der Gemeinde, der bis jetzt immer bei der Bevölkerung gute Aufnahme fand, hatte in dieser Woche nicht diesen Zuspruch zu verzeichnen. Es lag dies daran, daß ein hiesiger Geschäftsmann die Bevölkerung irreführte, indem cr tags vorher Plakate, die genau ini Ausehen und Text denen der Gemeinde glichen, an denselben Stellen veröffentlichte. Auch waren die Preise so niedrig gesetzt, daß kein Verdienst für ihn übrig blieb; billiger wie die Gemeinde konnte er jedoch auch nicht liefern. Durch diese Jrresührung hatte der von der Gemeinde veranstaltete Verkauf keinen große» Zuspruch. Das Publikum merkte nichts von diesen Manipulationen und war der Meinung, daß dem belresfendcn Ge- schäftSmann der Verkauf übertragen war. Im Interesse des Publi- tums wird darauf hingewiesen, daß der Verkauf immer noch beim Gemeindevcrtreter Genossen Milbrodt, Kronprinzensiratze 15, statt- findet. Bernau. In der Stadtverordnetenversammlung widmete der stell' vertretende Stadtverordneicnvorstcher Bols dem verstorbenen Vorsteher A. Wernicke ehrende Worte der Anerkennung. Alsdann wurde der neugewählte Ratsherr Mänz in sein Amt eingeführt. Die Magistralsvorlage betreffend die Abänderung der Lehrerbesoldungs- ordnung für die Lehrer und Lehrerinnen der städtischen Volksschule wurde von der Versaminlung angenommen. Die Neuwahl der Rechnungsprüfungs» und EtatSkommiision wurde auf Antrag Sckmeichel bis zum Januar 1913 verlagt. In nicht öffentlicher Sitzung wurde der BezirlSfeldwebel Franz Sienholz aus Dessau als Magistratsbureauassistent gewählt. Alsdann gab die Versammlung der Magistratsvorlage betreffend die Anstellung des Maschinen- meisters Seidel, welcher am hiesigen Wasserwerk beschäftigt ist, ihre Zustimmung. Herzfelde. Die Gemeindevertretung im benachbarten Lichtcnow wählte in ihrer letzten Sitzung zum Gemeindevorsteher den Rentier A. Hinze und zum Gemeindcschöffen den LchngutSbesitzer H. Bredereck. Snigegangene vruckfckrifren. Von der„Neuen ftctt« ist soeben da» 8. Heft des LI. Jahrgang» erschienen. Au» dem Inhalt des Hefte» beben wir hervor: A» der Kette der Hierarchie. Von I. Meerseid.— Marxistische Theorie und revolutionäre Taktik. Von Anton Pannckoek.— DI«„Daschnakzutiun" und die Emanzi- pationSkämPse im Orient. Von Mitael Warandian.— Die Pettoteum- industrie in Oesterreich. Von Hermann Diamand(Lemberg).— Der Schweizer Parteitag in Neuenbürg. Von Robert Grunm.— Literarische Rundschau: Pros. Dr. Franz Eulcnburg, Die Preissteigerung de» letzten Jahrzehnt». Von Lp. Dr. Johanne» Kinkel, Die sozialökonomischen Grundlagen der Staat», und Wissenschastslchren von Aristoteles. Von K. K. — Notizen: Selbstbcrichtlaung. Von A. Bebel. Ergänzungshest zur Neuen Zelt Nr. 15: Die sranzösische Sprache vor und nach der Revolution. Untersuchungen über die Wurzeln der modernen Bourgeoisie. Von Paul Lasargue. Uebersctzt von Karl KautSky jun. Die„Neue Zelt" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstaltcn und Kolporteure zum Preise von 8,25 M. pro Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Heft lostet 25 Pf. Arbeiter> Wanderverein„Berlin-'. Sonnlag. den 24. November: Nach den Gosener Bergen, Schmöckwitz, Gosener Berge, Gosen, Müggelheim, Friedrichshagen. Für Nachzügler Im Lokal„Llndenhas", Eichwaldstratze 14. in Gosen. Trefspunkt Bahnhof Eichwald- Schmöckwitz 8'/, Uhr. Arbettertourisienvereiu„Tie Naturfreunde», Ortsgruppe Berlin. Sonntag, den 24. November: Wanderung von Birkenwerder nach Forst, hau» Elsencck, Summt, Briesctal. Birkenwerder. Abfahrt nach Birkenwerder vom Stettiner Bahnhof früh 6,57. Arbeiter-Wanderbund„Tie Naturfreunde». Wanderfahrten am Sonntag, den 24. November: I. Grünebcrg— Schienen— Schwante. Abs. Stett. Fernbhs. 7,42 Uhr vorm. II. Potsdam— Saarmund— Neu» babelSberg. Abi. Bhf. Fricdrtchstraße 6.47 Uhr vorm. III. Blumberg— Helenenau— Werstpsubl. Abs. Schl. Bhs.(Wriezener Bh.) 6.41 Uhr vorm. I V. Frohnau— Birkenwerder. Abs. Stell. Vorortbhs. 7,03 Uhr vorm. V. Lichterseldc-Ost— Teltow— Zchlendorf. Treffpunkt 2 Uhr nachm. Bhs Lichterseldc-Ost(Endstatwn der Straßenbahn Nr. 9g). Tcutscher Arbeiter> Abstineutcnduno. Ortsgruppe Berlin. Be« zlrkSoersammIungen heute, am 22. November: Norden. Danziger Str. 93. 8'), Uhr. Vorttag: Unser Programm. Süden und Neukölln. Begct. Speisehau». Dresdener Str. 29 I. 8'/, Uhr. Vortrag. O st e n. etndrcasjeftsüle, AndreaSslr. 21. 89, Uhr. Vortrag: Arbeiterklasse und Alkoholsrage. Diskussion. Gäste willkommen. WasserstandS-Nachrichte« der LanbesanflaU für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau Wasserstand M° m e l, Tilsit P r e g e l. Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krosscn . Frankiurt Warthe, Schrimm . Landsberg Netze, Vordnmm Elbe, Leitmeritz , Dresden a Barby , Magdeburg Wasserstand Saale. Grochlltz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree, Svremb-vg') , BceStow Weser, Münden . Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub , Köln Neckar, Hellbronn Main, Hanau Mosel, Trier >)+ bedeutet Wuchs,— Fall.•) Unterpegel -J T ucucuici iujuu;»/— Quw./ Luchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singör u. So, Berlin SW,